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inside your business. today. 

dienstag, 3. april 2012 – BE1

10 Jahre Börse Express Im April 2002 startete der Börse Express als Europas 1. digitale Tageszeitung. Auch   zehn Jahre später ist das zur Mittagszeit versandte, ca. 15 Seiten starke PDF die beste und intensivste Börse-Wien-Lektüre, die es gibt. Das hören wir oft, das sagen wir aus voller Überzeugung selbst. Zu bestellen unter http://www.boerse-express.com/abo Grosser Dank an alle, die 10 Jahre „Börse Express“ begleitet haben

3 Banken Österreich-Fonds startete wie der BE im Jahr 2002

© Börse Express (3)

Weil uns die Wiener Börse am Herzen liegt

Christian Drastil, Gründer des Börse Express, seit Jänner 2012 externer Berater.

10 Jahre „Ja zu A“, ein klares Bekenntnis

Liebe Leserinnen und Leser! Eigentlich ist der Editorial-Platz ja gar nicht mehr mein Privileg, ich habe mich im Jänner 2012 in die Selbstständigkeit aufgemacht. Aber ‚10 Jahre‘ sind einfach so ein lässiger Zeitraum, und ich bin als Berater und ‚Projektleiter für vieles‘ dem BE nach wie vor engst verbunden; daher habe ich um diesen Platz gebeten. Stolz bin ich auf die tollen Kollegen – angeführt von Bettina Schragl und Josef Chladek – und auf die vielen Preise, die wir eingeheimst haben. Weiters, dass wir mit unseren Ideen viele Leser und zum Glück auch viele Werbepartner begeistern konnten. Der BE ist seit Gründung durchgehend in den schwarzen Zahlen. Wir hatten stets den alternativen Zugang, es muss ‚menscheln‘. Daher ist diese 10-Jahres-Nummer auch voller Original-Zitate in Round Table-Manier. Viel Lesespass!

Alois Wögerbauer, Vorstand 3Banken Generali KAG und Fondsmanager.

Nur wenige Monate nach eurer Geburtsstunde haben wir im Oktober 2002 unseren 3 Banken Österreich-Fonds gegründet und damit auch ein klares Bekenntnis zum Heimmarkt abgegeben. Seither hat uns der Heimmarkt wahrlich alles geboten, was Börse zu bieten hat: Hausse, Baisse, Euphorie, Ernüchterung. Stabil geblieben ist stets unsere Überzeugung. Leider sind in den letzten beiden Jahren die Marktteilnehmer weniger geworden; leider mussten wir als Börsianer Basisdinge, wie etwa die Wichtigkeit eines starken Kapitalmarkts für den Erfolg einer Volkswirtschaft, immer wieder neu erklären – obwohl wir dachten, dass dies hinter uns liegt und Allgemeinwissen darstellt. Umso wichtiger: Österreich hat tolle Firmen und beste Voraussetzungen. Es braucht Medien und Vermögensmanager, die für ihre Überzeugungen stehen. Alles Gute!

Aktienforum u.a. Partner bei Österreichs grösster Roadshow-Reihe

voestalpine gratuliert und dankt für die kreativen Ansätze

Seit nunmehr knapp 25 Jahren setzt sich das Aktienforum als die Vertretung der börsenotierten Unternehmen Österreichs für einen starken Kapitalmarkt ein. Dabei geht es uns um Aufklärung, Vertrauensbildung, die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, Anreize für Unternehmen sowie den aktiven Dialog mit den Stakeholdern des österreichischen Kapitalmarkts. Seit nunmehr 10 Jahren haben wir mit dem ‚Börse Express‘ einen engen Verbündeten in unserem Engagement für den Kapitalmarkt. Denn: Ein gut funktionierender Kapitalmarkt benötigt nicht bloß einen liquiden Markt, sondern auch eine zielgerichtete Information für alle Kapitalmarkt-Interessierten. Ich freue mich, dass sich der BE für den Börseplatz Österreich zu einem wichtigen und erfolgreichen Leitmedium entwickelt hat. Herzliche Gratulation!

Zehn Jahre „Börse Express“ sind zugleich zehn Jahre kreatives Denken rund um den Wiener Kapitalmarkt. Ein Beispiel: Dass die voestalpineAktie im März 2012 das Jubiläum ‚6000 Tage an der Börse‘ feiert, darauf kommt mit Sicherheit nur der BE. Das hatten nicht einmal wir selbst auf dem Kalender stehen. Dass wir – wie der BE vorrechnet – auch die beste österreichische Aktie dieses langen Zeitraums sind, freut uns natürlich umso mehr. Auch bei voestalpine steht heuer viel auf dem Programm. So feiern wir nicht nur 6000 Börsetage, sondern auch 60 Jahre LDVerfahren. Das Linz/Donawitz-Verfahren hatte die Stahlherstellung komplett revolutioniert, zwei Drittel der weltweiten Herstellung von Karbonstahl basieren auf unserem System. Mit dem Patent auf phs-ultraform sitzen wir nun auf einer weiteren Perle mit hohem Potenzial.

Ulrike Haidenthaller, Geschäftsführerin des Aktienforums.

© voestalpine

6000 Tage voestalpine, 60 Jahre LD

© Aktienforum

Ein enger Verbündeter gratuliert

Gerhard Kürner, Leiter der Konzern­ kommunikation der voestalpine.

IMPRES SUM Medieninhaber: medianet Verlag AG, 1110 Wien, Geiselbergstraße 15, http://www.medianet.at Kontakt: Tel.: +43-1/919 20-0, abo@medianet.at | Fax: DW 2231, Anzeigen-Hotline Tel.: DW 2203, media@medianet.at | Fax: DW 2231, Fotoredaktion fotored@medianet.at Vorstand: Markus Bauer Herausgeber: Chris Radda, Paul Leitenmüller, Germanos Athanasiadis Verlagsleitung: Paul Leitenmüller Chefredaktion: Chris Radda Hinweis: Die hier vorliegenden Seiten BE1 bis BE16 erscheinen unter Verantwortung der Styria Börse Express GmbH. Unter www.boerse-express.com/­impressum findet man ein vollständiges Impressum. Redaktionelle Gestaltung dieser Sonderausgabe: Börse Express Lektorat: ­Christoph Strolz GrafikIProduktion: Raimund Appl, Peter Farkas Litho­grafie: Beate Schmid, Berat Qelaj Anzeigenproduktion: Aleksandar Milenkovic Druck: Styria Print Holding GmbH, Styriastraße 20,   8042 Graz Vertrieb: Post.at & „>redmail Logistik & Zustell­service GMBH, Service-Hotline: 795 00-60 service­center-wien@redmail.at“, Styria Börse Express GmbH, 1090 Wien, Berggasse 7/7, Tel. 01/236 53 13-0, www.boerse-express.com, office@boerse-express.com


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Dienstag, 3. April 2012

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Thema Es ist Börse Express-Tradition, dass man quartalsmässig bezüglich Austro-Aktien zurück- bzw. ausblickt

„ATX geht im Q2 auf 2450, kaufenswerte Titel sind …“ Im Talk: Eduard Berger, Vorstand der Wiener Privatbank, Investor Wolfgang Matejka und der oberste Österreich-Researcher der RCB, Stefan Maxian. Sie nennen ihre Austro-Aktien-Favoriten für das Q2.

Cafe BE: Der Ausblick anlässlich des AnalystAward im Dezember 2011 war verhalten optimistisch. Vor allem das 2. Halbjahr 2012 werde nach holprigem Start gut laufen. Aufpassen solle man nur bei den Banken. Nun ist es so, dass bereits das 1. Quartal für den ATX sehr nett gelaufen ist und es waren an vorderster Front mit die Banken, die Performance brachten. Ich beginne mit Ihnen, Herr Berger. Die Wiener Privatbank war eigentlich schon im Q4 sehr positiv auf Banken, seid Ihr das immer noch, auch jetzt nach den erfolgten Kursanstiegen? Eduard Berger: Im Rückblick hatten wir recht gehabt mit unserem sehr optimistischen Szenario, was die Liquidität im Markt betrifft und auch für die Banken. Überrascht hat uns dann doch das Momentum im Jänner. Das ist schon alles recht schnell gegangen. Der Tag im Dezember mit dem Bankenliquiditätsprogramm war der Drehpunkt, auch wenn man das damals noch nicht so gesehen hat. Was enttäuscht, sind die Volumina. Ich bin aber positiv und glaube, dass Volumen noch hereinkommen wird, weil es kaum Alternativen zur Aktie gibt und auch die Unternehmen gut reportet haben. Offensichtlich löst sich die Krise in Luft auf. Cafe BE: Stichwort Berichtssaison. Kann man positive wie negative Ausreisser hervorheben? Berger: Die meisten waren innerhalb der Erwartungen, negative Überraschung waren vielleicht Zumtobel und der Verbund. Wenn man schaut, wie gut Versorger wieder performen, ist der Verbund schon schwach. Cafe BE: Die Banken haben den ATX nach oben gezogen. Bleiben die Banken bei euch hoch gewichtet? Berger: Ja, die bleiben hoch gewichtet. Die Bankergebnissse werden gut ausschauen, die Bilanzen sind zwar verkürzt, andererseits unterschätzt der Markt das billige Geld immer noch. Banken sollten weiterlaufen. Cafe BE: Herr Matejka, wie ist das Q1 aus Ihrer Sicht gelaufen? Wolfgang Matejka: Ökonomisch und von der Realwirtschaft her wirklich sehr gut, besser als die Erwartungen. Man tippte auf ein Abflachen der Konjunktur, das ist nicht gekommen. Die Banken profitierten nicht aufgrund der Realwirtschaft, sondern aufgrund der EZB-Liquiditätszufuhr, das sind zwei unterschiedliche Faktoren. Man konnte zB eigene Anleihen zurückkaufen und so den Gewinn erhöhen. Diese Konjunktur hat aber wie gesagt nichts mit einer Konjunktur einer voest oder Amag zu tun. Die laufen gut. Schlecht laufen jene, die von den Banken abhängen, zB Spätzykliker wie Zumtobel. Die grossen Überraschungen sind ausgeblieben. Ich glaube, die Performance der Banken kann wieder angreifbar sein, wenn das EZBGeld weniger wird. Derzeit haben

© Martina Draper

christian drastil

wir einen Stafettenlauf, weil das Geld in Bonds geht und die Bubble am Bondmarkt immer grösser wird. Nur die Angst spricht dafür, an grossen Bondmarktpositionen festzuhalten, zum Beispiel regulatorische Angst, aber auch das lockert sich – wie man am Beispiel Solvency II sieht – Gott sei Dank – ein wenig auf. Von der unternehmerischen Seite her hat sich die Entwicklung besser als erwartet dargestellt. Die Analysten tun sich in Zukunft leichter, weil der Leverage geringer wird und die Zyklizität abnimmt. Es geht wieder mehr in Richtung Konsumzyklus und nicht so stark über die Bankenabhängigkeit. Kredite werden ja oft entzogen, wenn es die Unternehmen am schlimmsten trifft. Stichwort Amag: Da bin ich enttäuscht, die Company wurde ohne Übernahmebonus verschenkt. Cafe BE: Raiffeisen war ein gutes IPO, vor allem Kapsch natürlich auch, beide waren und sind Opfer und Profiteure der Marktschwankungen, aber wenn CEOs beim ersten Gegenwind kalte Füsse bekommen, siehe phion, ist das nicht so schön ... wie auch immer ... Herr Maxian, Ihr Rückblick, eure Empfehlungen haben im Q1 ja schön Alpha generiert ... Stefan Maxian: Ja, das Jahr ist auch für uns gut angelaufen. Was zum Glück nicht gekommen ist, war irgendeine Form von Credit Crunch. Wir sind auch optimistischer geworden, haben Banken upgegradet, sind dann nach den Kursanstiegen wieder vorsichtiger geworden. Aber: Das Q1 wird für die Banken schon gut werden, rein von der Zinskurve her bzw. vom Handelsergebnis. Das hilft. Was man aber zusätzlich schauen muss, ist, wie sich das Provisionsergebnis entwickelt und ob man im

1. Quartal wieder ein höheres Rückstellungsniveau sehen wird oder nicht. Cafe BE: Die Berichtssaison im Rückblick? Maxian: Positiv überrascht hat mal wieder eine OMV, die auf der Kostenseite gut liegt. Die Banken besser, starke Zahlen auch bei RHI, traditionell im Q4 bei der Andritz, die paar Enttäuschungen wurden genannt, Zumtobel, Verbund, vielleicht AT&S. Etwas anders war diesmal, dass auch die Large Caps positiv überrascht haben. Im Vorjahr hatten wir gute Small-/Midcaps, aber die Grossen waren unter Erwartungen. Cafe BE: Und was sind Ihre Empfehlungen für das Q2? Vielleicht drei bis vier Namen für unsere Leser. Maxian: Erste Group und Immofinanz gefallen mir, weiters MayrMelnhof. Die Amag sehe ich auch positiver. Cafe BE: Herr Matejka, zuletzt hat Sie die BAT-Kollektion, BWT, Amag und Telekom ... Matejka: Also die Amag definitiv nicht mehr, hier lautete das Ziel Streubesitz und gekommen ist ein dominierender Grosser. Ähnlich wie Lenzing, tolles Unternehmen, aber potenzielle Interessenten durften nicht. However. BWT gefällt mir nach wie vor, da kommt noch viel. Ganz hervorragend ist auch die austriamicrosystems unterwegs, der Markt glaubte, dass irgendwann wieder eine negative Überraschung kommen müsse, die ist aber ausgeblieben. Die sind extrem breit aufgestellt, Nokia nur noch klein, Apple vermute ich extrem wichtig, auch wenn das disclosed ist. Die Bewertung ist trotz Kursanstieg gewaltig unter den Peers.

Cafe BE: AT&S und austriamicrosystems stehen ja beide auf der Supplier-Liste von Apple, quasi Leoben-Unterpremstätten-Furche ... Matejka: Genau. austriamicrosystems ist bei der Sensorik ganz vorne. Die Taos-Akquise war perfect fit. Cafe BE: A wie austriamicrosystems haben wir, B wie BWT auch, d.h., die BAT könnte wieder funktionieren. Gibt’s ein T? Matejka: Nein, es werden ein R und ein I. R wie RHI, da hat das CostCutting sehr gut funktioniert, es gibt auch noch viel Aufholpotenzial in Dingen wie Corporate Governance und Innenmotivation, Struzl hat Drive in die Company gebracht. Und dann auch noch I wie Intercell als heimlicher Favorit. Berger: Wir bleiben wie im Spätherbst bei Financials, Energie, für uns Öl, und Zykliker. Und nehmen Real Estate dazu. Der Sektor beginnt gut zu performen. Hervorheben möchte ich CA Immo von der Bewertung und vom soliden Management her, dazu jetzt die Dividende. Bei den Banken die Erste Group, da ist der grösste Hebel nach der grossen Enttäuschung im Herbst. Bei den Zyklikern bin ich voll bei RHI und Wolfgang Matejka, auch von den Argumenten her. Auch eine Wienerberger gefällt mir sehr gut. Das ist ja einer der bekanntesten Österreich-Titel auf der Welt. Wenn Liquidität zurückkommt, wird auch Wienerberger – aktuell komplett weg vom Radarschirm – wieder zurückkommen. Abschliessend OMV, hier glaube ich an eine Trendwende: Günstige Bewertung, steigender Ölpreis, dazu der Druck vom zweitgrössten Aktionär, der IPIC. Im Herbst ist diese Nachricht mit der Aufstockung durch IPIC ja weitgehend untergegangen. Die werden ungeduldiger und das ist

v.li.: Eduard Berger (Wiener Privatbank), Wolfgang Matejka (Matejka & Partner), Stefan Maxian (RCB). Was das Trio über die KESt und Investorenkonferenzen sagt, lesen Sie unter www.boerse-express. com/cafebe

schon gut so. Es wird ja auch spekuliert, dass IPIC weiter kauft, das kommt mir plausibel vor. Das kann eine gute Story werden. Cafe BE: Da wurden jetzt viele Indexschwergewichte genannt, d.h. der ATX selbst sollte ja auch schön laufen. Wie lauten die ATX-Prognosen für die Jahreshälfte? Aktuell liegen wir bei rund 2240 Punkten. Berger: 2411 Punkte. Das ist unser errechnetes Ziel auf Basis eines Modells. Matejka: 2500 Punkte, ich glaube aber, dass es einen Favoritenwechsel hin zu Energie und auch noch Zyklikern geben wird. Stockpicking wird stärker in den Vordergrund treten. Maxian: 2450 Punkte, wobei auch von den Risken noch nicht alles gegessen ist. Portugal ist so ein Thema. Wenn das kommt, könnte das gleich einmal zehn Prozent kosten. Das Timing ist nahezu unmöglich zu erraten. Cafe BE: Sie sehen den ATX im Q2 rund 10 Prozent höher, obwohl wir Dividendensaison haben, und das muss ja der ATX erst mal aufholen, was da an Abschlägen kommt. Was fällt zusätzlich zur Post noch ein? Maxian: Die Post ist sicher der Klassiker, dann Immofinanz, untypisch, aber doch ganz vorne. Eine RHI ist auch nicht so schlecht, Semperit, Polytec. Berger: CA Immo. Auch in dieser Hinsicht enttäuscht der Verbund. Der Kurs ist am Boden und man hat noch immer keine Rendite.


Dienstag, 3. April 2012

© Martina Draper (6)

BE4 – medianet

Cafe BE Zum Wechsel in der Investorenlandschaft, dem Finanzierungsumfeld und Wünschen an die Bürokratie

Neue und treue Investoren und Hemmschuhe

Im Cafe BE diskutierten (v.li.): Thomas Lingelbach (Intercell), Diana Neumüller-Klein (Strabag), Barbara Braunöck (Wienerberger), Barbara Potisk-Eibensteiner (RHI) und Nina Higatzberger (Vienna Insurance Group).

Österreichische KAGs haben sich im Ranking der Top-Investoren nach oben geschoben. CEE wird noch zurückhaltend beäugt, und die geringe Liquidität in Wien schreckt grosse Anleger ab. Bettina schragl

Cafe BE: Wie hat sich Ihre Investorenlandschaft auf Sicht der letzten zwei, drei Jahre verändert? Sind viele Anleger weggefallen bzw. wer war treu? Thomas Lingelbach: Wir haben sicher eine ganz besondere Situation: Über Jahre wurden wir als geliebtes Biotech-Kind gehypt und hatten eine Marktkapitalisierung von fast einer Mrd. Euro – ohne einen einzigen Cent Umsatz durch Produkterlöse. Dann mussten wir zwei schwere Rückschläge hinnehmen, und der Hype hat sich umgedreht. Das sorgt natürlich zwangsläufig dafür, dass die Investorenbasis komplett wechselt. Geblieben sind hauptsächlich Retailinvestoren. Die institutionelle Basis hat sich in den letzten beiden Jahren zu 100 Prozent ausgetauscht und ist sehr stark durch Spezialisten geprägt ist. Generell haben wir eine Verlagerung in Richtung USA gesehen. Diana Neumüller-Klein: Bei uns sind die Österreicher die treuen Aktionäre. Das liegt daran, dass sich bei vielen österreichischen Unternehmen die englischsprachigen Investoren zurückgezogen haben - schon allein wegen der EU-Schuldenkrise. Die einzigen US-Investoren, die derzeit in Strabag investiert sind, sind passive Investoren. Wenn man sich die Top-10-Anleger im Zwei-Jahres-Vergleich ansieht, so waren sie sehr stark in Kontinentaleuropa und UK ansässig. Acht davon sind wieder weg, dafür

„Acht der Top Ten-An­ leger von vor zwei Jahren sind wieder weg. Dafür haben sich die öster­ reichischen KAGs nach oben ­geschoben.“ diana Neumüller-klein

haben sich die österreichischen KAGs nach oben geschoben. Wir positionieren uns immer als europäisches Unternehmen, auf der Aktienseite sind wir aber ein sehr deutlich österreischisches. Barbara Potisk-Eibensteiner: Wir sehen ein ähnliches Phänomen. In den USA tut sich so gut wie nichts, das hängt mit der Staatsschuldenkrise zusammen. Die Liquidität an der Wiener Börse ist für die grossen Investoren ein weiterer Hemmschuh. Wir sind auch sehr stark in Kontinentaleuropa unterwegs, in Deutschland, der Schweiz, haben in Österreich sehr treue Aktionäre, wobei unsere Aktionärsstruktur stark von Kernaktionären geprägt ist. Für mich ist interessant, dass vor allem Investoren aus Polen und auch dem Rest Osteuropas verstärkt Interesse an der RHI zeigen. So ist etwa ein polnischer

Pensionsfonds investiert. Bei uns kommt noch hinzu, dass auch die Brasilianer ein Auge auf uns werfen zeigen – aufgrund der Magnesita-Peergroup. Ob sie kaufen oder nicht, wissen wir allerdings noch nicht. Nina Higatzberger: Der Hauptaktionär der VIG hält rund 70 Prozent, der Streubesitz beläuft sich auf etwa 30 Prozent. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass US-Investoren als erste verkauft haben. Insgesamt zeigte sich aber bei den Top Ten-Investoren ein recht stabiles Bild. Dabei handelt es sich um Value- und Growth-Investoren, die von der Story überzeugt und investiert geblieben sind. Im Jänner waren wir in New York auf Roadshow: Interesse war vorhanden, es war auch leicht, gute Meetings zu bekommen. Aber man merkt, dass die Zurückhaltung gegenüber

Zentral- und Osteuropa noch vorhanden ist. Das spürten wir auch bei der letzten Roadshow in Zürich: Die Fondsmanager sagen, es schaut gut aus, wir verstehen den Markt, aber den Kunden können wir momentan noch nicht mit CEE kommen. Das belastet ein wenig. Barbara Braunöck: Wir haben eine sehr starke angloamerikanische Investorenbasis. Bei uns sind die Amerikaner in den letzten Jahren noch stärker geworden, so haben wir etwa mit Dodge & Cox einen sehr treuen Kernaktionär, der seit Jahren mehr als zehn Prozent hält. Mit First Eagle haben wir einen weiteren hinzugewonnen. Die Engländer sind hingegen stark aus der Aktie herausgegangen. Und die Österreicher sind treuer und viel stärker geworden, auch unsere deutsche Investorenbasis hat sich verstärkt.

„Die Fondsmanager ­sagen, es schaut gut aus, wir verstehen den Markt, aber den Kunden können wir noch nicht mit CEE kommen.“ nina higatzberger

Cafe BE: Tragen die Banken der Investorennachfrage aus Osteuropa Rechnung? Potisk-Eibensteiner: Natürlich. Zum einen gibt es die Investorenkonferenzen der österreichischen Banken, Erste und RCB pushen dieses Klientel sicher stark, die Investoren kommen dort hin, sehen sich die Unternehmen sehr genau an und kehren dann mit ihren Analysten zurück. Sie investieren dann auch relativ schnell. Lingelbach: Hier besteht unserem Gefühl nach schon ein grosser Unterschied zwischen Old und New Economy. Ein Trend in Richtung New Economy ist derzeit eindeutig nicht vorhanden. In Krisenzeiten sind einfach solidere Geschäftsmodelle mit weniger Risiko gefragt. . Cafe BE: Etliche Banken haben sich zuletzt aus Wien zurückgezo-


Dienstag, 3. April 2012

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„Sehr oft wird übersehen, dass mit der Fähigkeit, Kapital auf­ gen. Wie stark spüren Sie, dass Research und Betreuung wegfallen? Oder wird das von neuen Marktteilnehmern aufgefangen? Higatzberger: Die Baader Bank ist sehr bemüht, neue Investoren zu bringen. Die handelnden Personen kommen ja von der früheren Cheuvreux-Niederlassung in Wien. Insgesamt ist es schade, wenn Banken den Wiener Kapitalmarkt verlassen, weil dann Know-how bzw. wichtige Multiplikatoren mit Verständnis für den österreichischen Markt und CEE wegfallen. Potisk-Eibensteiner: Das würde ich nicht so kritisch sehen. Bei Kepler arbeiten ja auch wieder die gleichen Analysten, wie zuvor bei UniCredit. Neumüller-Klein: Kleinere Institute nutzen die Gunst der Stunde, um in den österreichischen Mark zu kommen. Das verdient Anerkennung. Gleichzeitig soll man aber auch den Banken applaudieren, die vor Ort geblieben sind – und damit meine ich vor allem die urösterreichischen Institute. Braunöck: Zwei Aspekte sind ganz wichtig: Die österreichische Verlinkung, weil sich ein österreichisches Institut viel intensiver mit österreichischen Unternehmen beschäftigt als eine amerikanische Bank. Das zweite ist die Grösse. Je grösser das Institut, desto geringer die Wahrnehmung für ein heimisches Unternehmen. Bei einer kleineren Bank habe ich ein ganz ein anderes Standing. Die Leute befassen sich mit dem Unternehmen, verstehen es besser und können es auch besser kommunizieren. Potisk-Eibensteiner: Und sie haben auch die richtigen Investoren an der Hand, weil sie auf Small und Mid Caps konzentriert sind.

zunehmen, auch sehr viele Arbeitsplätze ­einhergehen.“ Barbara Braunöck

chen noch eine Kapitalerhöhung. Potisk-Eibensteiner: Es ist auch die Adhoc-Pflicht nicht wirklich genau definiert, gerade im Zusammenhang mit Akquisitionen. Lingelbach: Als Wahlösterreicher empfinde ich persönlich die Struktur als sehr gut. Ich war zehn Jahre in einem amerikanischen, börsenotierten Unternehmen im Vorstand, bin trainierter Sarbanes-OxleyOfficer. Wenn man aus solch einem Umfeld kommt, ist es hier doch einfacher. Ich würde mir allerdings manchmal wünschen, es gäbe mehr klare Vorgaben und Richtlinien, an denen man sich orientieren kann und weniger Auslegungsmöglichkeiten. Ein Beispiel: Corporate News versus Adhoc. Das ist nicht klar definiert. Braunöck: Ganz wichtig ist, dass der Kapitalmarkt Wien in irgendeiner Form belebt wird, sei es durch Kooperationen oder andere gezielte Massnahmen. Sehr oft wird übersehen, dass mit der Fähigkeit, Kapital aufzunehmen auch sehr viele Arbeitsplätze einhergehen. Es mag opportun sein, die ‚bösen‘ Heuschrecken und Finanzhaie zu besteuern. Was dabei aber wirklich für die österreichische Wirtschaft und die Unternehmen dahinter steht, wird oft übersehen. Higatzberger: In einem kapitalmarktfeindlichen Umfeld, in dem auch die Privatanleger als Spekulanten ‚verteufelt‘ werden, ist

„Die österreichische HV hat schon Charme. Das beginnt bereits bei der Anzahl der Kleinaktionäre, das habe ich in der Form noch nie erlebt.“ thomas lingelbach

Cafe BE: In den vergangenen Quartalen haben zahlreiche Unternehmen die Kapitalmarktfeindlichkeit der Politik beklagt. Was liegt Ihnen am Herzen? Neumüller-Klein: Ich fordere eine Entbürokratisierung des IRBereichs. Wir müssen Dinge veröffentlichen, von denen ich nicht glaube, dass sie einem Anleger irgendetwas bringen, etwa das jährliche Dokument oder die Schaltung von Pflichtmitteilungen in der Wiener Zeitung. Braunöck: Absolut, zudem sehe ich eine fehlende Praxisnähe der Behörden. Als Beispiel: Bei einer Kapitalmarkttransaktion, ich glaube es war die Kapitalerhöhung, schickten wir Details aus. Weil wir ein Datum überschritten hatten, mussten wir es zu Monatsende nochmals aussenden. Die Anleger haben daraufhin geglaubt, wir ma-

es auch mit einer Kampagne der Wiener Börse für Privatanleger schwierig, das Interesse an Aktien zu erhöhen. Die grundsätzliche Stimmung hat sich im letzten Jahr schon verschlechtert. Cafe BE: Die HauptversammlungsSaison startet in Kürze: Wo liegen bei Ihnen die Schwerpunkte in der Vorbereitung und welche Rolle spielen die sogenannten Advisory Gesellschaften? Higatzberger: Die Vorbereitungen laufen klassisch. Wir achten natürlich darauf, welche Empfehlungen die Advisory-Dienstleister zu den Tagesordnungspunkten abgeben. Als vor einem Jahr etwa Satzungsänderungen in der HV ein Thema waren, haben wir aktiv angerufen und informiert. Die HV-Saison 2012 aus Sicht der VIG sehen wir entspannt.

Neumüller-Klein: Mir ist aufgefallen, dass die Beraterfirmen nach neuem Geschäft suchen, weil ihnen anderswo anscheinend etwas abhanden gekommen ist. Sie versuchen jetzt, die Hauptversammlung zu einem Event hoch zu stilisieren, zu einer Grossveranstaltung mit Rahmenprogramm, bei der sich der Aktionär amüsieren soll. Lingelbach: Für mich war die erste österreichische Hauptversammlung ein Highlight. Ich habe in Deutschland, in USA, in England, in Italien gearbeitet, dort überall Hauptversammlungen erlebt, teilweise als Vorsitzender, teilweise am Podium. Aber die österreichische HV hat schon Charme. Es beginnt bereits mit der Anzahl der Kleinaktionäre, das habe ich in dieser Form nie vorher erlebt. Es gibt auch sehr viele Stimmungsmacher, die dann mit einer oder fünf Aktien relativ viele Wortmeldungen tätigen. Potisk-Eibensteiner: Wir haben bis vor Kurzem auch in Deutschland ein börsenotiertes Unternehmen besessen. Die Hauptversammlung war vom Publikum eigentlich ziemlich gleich. Ich habe keinen Unterschied gesehen. Braunöck: Wir kennen unsere wichtigsten und grössten Investoren gut, suchen den Kontakt, telefonieren vor Hauptversammlungen immer alle durch und fragen, ob es Erklärungsbedarf gibt. Insofern halten sich die Überraschungen eher in Grenzen. Bei uns ist eher das Thema, wie viele Wortmeldungen gibt es und welche Punkte wollen die Kleinaktionäre besprechen. Potisk-Eibensteiner: Wir hatten von null bis 90 Fragen schon alles in einer Hauptversammlung. Cafe BE: Der Aktivismus der österreichischen Kleinanleger ist bekannt. Nehmen Fondsgesellschaften aktiv teil, stellen Fragen? Braunöck: Diese sind eher sehr schwer zu motivieren. Es gibt bei den grossen Institutionellen den Trend zu eigenen Corporate Governance Abteilungen. Diese entscheiden dann, ob abgestimmt wird und wie. Teilweise wurde der Bereich auch outgesourct und damit abgekoppelt von dem Fondsmanager, der uns kennt. Lingelbach: Stimmt. Einige Fonds haben die Policy nicht abzustimmen. Bei uns werden diese Dinge im Vorfeld geklärt, wir sprechen mit den Institutionellen vorab. Higatzberger: Wenn ein Thema aufkommt, hat man die Institutionellen sofort am Telefon und klärt das ab. Da wartet niemand auf eine Hauptversammlung. Cafe BE: Die Regierung hat zuletzt einige Corporate Governance Änderungen auf den Weg gebracht, etwa hinsichtlich Vorstandsgehälter, Cooling-off-Phase. Wie wichtig ist der gesetzliche Rahmen? Braunöck: Das waren vorher schon Bestimmungen des CG-Kodex, den wir voll erfüllen. Für uns hat das

somit keine Auswirkung, ob Gesetz oder nicht. Die Amerikaner und Engländer etwa schätzen Wienerberger aufgrund der hohen CGStandards. Das ist ganz entscheidend für eine Investition. Potisk-Eibensteiner: Wir bekennen uns auch ganz klar dazu. Wir stehen im internationalen Wettbewerb zu anderen Unternehmen, die ihre Aktien verkaufen wollen. Je besser unsere Transparenz, unsere Governance ist, desto eher spielen wir mit. Österreich hat ohnehin nach wie vor den Ruf, dass man zu viel richten kann. Neumüller-Klein: Corporate Governance ist gut, könnte aber auch entbürokratisiert werden, was Veröffentlichungspflichten anbelangt. Lingelbach: Die Rahmenbedingungen und Leitlinien sind gut, an der einen oder anderen Stelle könnte man sogar noch mehr pushen, etwa das Thema Diversity im Aufsichtsrat. Higatzberger: Das weiterzuführen und gewisse Regeln gegebenenfalls im Kodex stärker zu verankern, macht durchaus Sinn.

Lingelbach: Bei uns ist genau das Gegenteil der Fall: Biotech-Unternehmen leben von Verlusten, es muss daher permanent Kapital aufgestellt werden. Das Umfeld ist zweifelsohne für die gesamte New Economy schwieriger geworden. Wir versuchen natürlich, Finanzierungen auf die Beine zu stellen, die bestehende Investoren nicht zu stark zu verwässern. Es ist kein Geheimnis, wir wollen bis zur Jahresmitte unsere Finanzierung abgeschlossen haben. Cafe BE: Zum Abschluss noch zur Guidance: Was hat sich hier in den vergangenen Jahren geändert? Potisk-Eibensteiner: Wir haben uns bei der Guidance nicht wesentlich verändert. 2011 haben wir in Szenarioen budgetiert, aber einen Base Case definiert – und das ist die Guidance. Neumüller-Klein: Wir haben uns auch nicht massiv verändert. Wir haben immer so viel wie möglich geguidet, manchmal kann halt eine Zahl nicht prognostiziert werden. Higatzberger: Aufgrund der ak-

„Wir haben ein starkes Banken-Commitment, überlegen aber auch, uns für ein Schuldschein­ darlehen oder einen Bond fit zu machen.“ Barbara Potisk-Eibensteiner

Cafe BE: Wie schätzen Sie das aktuelle Finanzierungsumfeld ein? Braunöck: Die Banken sind stringenter in der Kreditvergabe geworden. Sie identifizieren immer stärker Schlüsselkunden, auf die sie sich konzentrieren, alles andere wird zurückgefahren. Uns berührt das nicht, weil wir uns in den vergangenen Jahren über den Kapitalmarkt refinanzieren konnten. Auch die letzte Anleihe war sehr erfolgreich – ungeachtet des Ratings. Potisk-Eibensteiner: Die RHI hatte bis 2007 ein negatives Eigenkapital und jetzt eine Eigenkapitalquote von 26 Prozent. Damit werden wir für die eine oder andere Bank zusätzlich interessant, in ein Portfolio aufgenommen zu werden. Wir haben ein sehr starkes Commitment seitens der österreichischen Banken, hier sehen wir keine Einschränkungen. Es gibt aber auch durchaus neue Banken aus dem deutschen Raum und Skandinavien, die gern die RHI finanzieren möchten. Wir überlegen aber auch, uns für ein Schuldscheindarlehen oder einen Bond fit zu machen. Neumüller-Klein: Wir sehen ebenfalls sehr viel Interesse von deutschen und österreichischen Banken, vor allem bei Projektfinanzierungen. Die Konditionen sind nach wie vor sehr attraktiv. Higatzberger: Wir sind in der hervorragenden Situation, derzeit kein Kapital zu benötigen. Insofern kann ich das Bankenumfeld so nicht beurteilen.

tuellen Rahmenbedingungen gibt es im Gegensatz zu den letzten Jahren derzeit keine Guidance in Form von Zielen für die Prämienund Gewinnentwicklung. Die VIG ist aber weiter bestrebt, das organische Wachstum zu forcieren und stärker als der übrige Markt zu wachsen. Lingelbach: Ich glaube, das Wichtigste ist nicht, wie viel man angibt, sondern die Qualität. Man wird heute mehr denn je daran gemessen, dass man nur das verspricht, was man auch einhalten kann. Braunöck: Wir veröffentlichen heute im Grunde genommen nur mehr eine qualitative Guidance, die beinhaltet, was mit der Kostenstruktur, mit den Preisen passiert, weil wir die Märkte zum Teil einfach nicht einschätzen können. Das sehe ich aber nicht als Problem, weil die grossen Institute ihre Makro-Szenarien haben, die sie darüber legen. Wichtig ist, und das hat sich nicht geändert, dass man hält, was man verspricht.

ZU GAST Barbara Braunöck ist Head of Investor Relations des Baustoffkonzerns Wienerberger Nina Higatzberger ist Leiterin Investor Relations der Vienna Insurance Group Diana Neumüller-Klein ist Head of IR des Baukonzerns Strabag Thomas Lingelbach ist CEO des BiotechUnternehmens Intercell Barbara Potisk-Eibensteiner ist Head of Finance und IR bei RHI, ab April CFO


Dienstag, 3. April 2012

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BE6 – medianet

Thema Being Public als Small Cap in Österreich; der Talk fand am 22. März im Vorfeld einer BE-Roadshow statt

Freud und Leid von Small Caps an der Wiener Börse

v.li.: Nikolaus Kretz (CFO HTI), Joachim Brunner (IR-World.com, Fondsmanager), Hannes Roither (Leiter Konzernkommunikation Palfinger), Christian Drastil (Christian Drastil Communications), Andreas Gerstenmayer (CEO AT&S), Siegfried Mader (CEO THI).

Im Talk: Gastgeber und AT&S-CEO Andreas Gerstenmayer, HTI-CFO Nikolaus Kretz, PalfingerIR-Chef Hannes Roither, THI-CEO Siegfried Mader sowie Fondsmanager Joachim Brunner. christian drastil

Cafe BE: Herr Gerstenmayer, Ihr Kommunikationschef Martin Theyer hat vor einigen Tagen einen viel beachteten Blog geschrieben, in dem er darauf hingewiesen hat, dass die Supplier-Liste von Apple, auf der AT&S enthalten ist, dem Unternehmen viel Visibilität verschafft hat ... Andreas Gerstenmayer: Offen gesagt, das war eine schöne Geschichte, weil es für Öffentlichkeit gesorgt hat. Man soll es nicht überbewerten, denn Rumours hat es ja genug gegeben, und die Experten haben das eine oder andere gewusst. Andererseits ist das auch nicht ohne Risiko. Wir haben ja keinerlei Einfluss darauf, ob wir auf der Liste sind, denn man sagte ja auch, dass nur 90 Prozent darauf enthalten sind. Wenn Apple beim nächsten Mal eine andere Auswahl trifft, kann das auch negativ sein. Cafe BE: Sie wussten nichts von der Veröffentlichung? Gerstenmayer: Nein, wir haben eigentlich gegenseitige NDAs, wir müssen uns daran halten. Und es kommen ja viele Folgefragen, wieviel Umsatz und so ... Cafe BE: Und da gilt dann wieder die NDA-Unterschrift ... Gerstenmayer: Genau. Cafe BE: Okay, ich wollte dieses Thema, weil so aktuell, an den Beginn stellen. Wir haben heute die Überschrift ‚Being Small Cap in Österreich‘, vier Unternehmen sind hier, drei davon sind im Jahr 1999 an die Börse gegangen. Auch AT&S. Die Destination war Frankfurt, begleitet von medialem Anti-Wien-Getöse eines Hannes Androsch. Mittlerweile ist AT&S

seit Jahren in Wien, in Ihrer CEOÄra gab es nur Wien. Wie sind Sie mit dem Börseplatz zufrieden? Wohin führen die Roadshows? Gerstenmayer: Unser Kernmarkt ist der D-A-CH-Markt, wir haben aber auch Nordamerika und Asien adressiert. Die Performance am Wiener Börseplatz, und das muss ich sagen, ist leider alles andere als zufriedenstellend. Das sind politische Dinge, aber auch die Börse hätte mehr tun können in der Vergangenheit. Wir sind intensiv im Gespräch mit der neuen Führung der Wiener Börse. Cafe BE: Jetzt bin ich neugierig. Was sind Ihre Ideen? Gerstenmayer: Da geht es zum Beispiel um internationale Kooperationen mit anderen Börsen. Was hindert die Börse daran, zB mit Toronto oder Hongkong eine Partnerschaft zu machen? Das ist für uns wichtig, an Investoren heranzukommen. Wir versuchen das auch über das Aktienforum zu spielen. Das politische Umfeld in Österreich ist ja auch nicht gerade angetan, die dringend benötigte Stärkung der Kapitalmärkte anzugehen. Cafe BE: Ist für Sie ein Listing oder Dual-Listing an einer anderen Börse eine Variante? Gerstenmayer: Das nimmt nur zusätzlich Liquidität, und die Liquidität in unserer Aktie ist schon jetzt sehr überschaubar. Cafe BE: Denken Sie, dass Sie an einem anderen Börseplatz ein höheres Kursniveau hätten? Gerstenmayer: Wenn man sich die Kapitalmarktkennzahlen unserer direkten Wettbewerber in Asien ansieht, so bemerkt man deutlich höhere Marktkapitalisierung bei gleichen oder schlechteren Bilanzzahlen.

„AT&S ist im Vergleich zu den direkten Mitbewerbern deutlich unterbewertet. Das hängt auch mit dem Finanzplatz Wien zusammen.“ Andreas Gerstenmayer, AT&S

Cafe BE: Herr Mader, THI ist seit 2007 an der Börse. Beim Going Public waren Sie noch nicht CEO, wie sehen Sie das Being Public im täglichen Geschäft? Siegfried Mader: Ich war früher in nicht notierten Gesellschaften tätig, jetzt bei einem börsenotierten Unternehmen. Das ist ein grosser Unterschied. Mit der Wiener Börse sind wir durchaus zufrieden, denn die Liquidität ist im vergangenen Jahr in unserer Aktie deutlich angestiegen. Freilich würde es noch viel Potenzial geben, das Problem sehe ich als ein europaweites. Bei uns ist es ähnlich wie bei AT&S, das Produkt Teak Holz ist viel stärker in Asien vertreten als in Europa. Die Marktkapitalisierung ist ein Thema. Der Kurs ist bei 3,50 Euro, der Buchwert bei 20 Euro. Der Aktienkurs spiegelt nicht das wider, was das Unternehmen verdienen würde. Das ist die Hauptarbeit im Tagesgeschäft. Cafe BE: THI hat beim Börsegang ordentlich getrommelt, ein grosses Fest geschmissen, danach war es lange ruhig. Erst seit einem Jahr ist die THI aber wieder stärker präsent ...

Mader: Unser magischer Zeitpunkt im Geschäftsmodell, die erste Ernte, ist 2016. Je näher wir diesem Zeitpunkt kommen, desto mehr kann man erzählen, und die Gelegenheit wird immer günstiger, die Aktie und das Produkt zu bewerben. Dazu haben wir ja 2011 versucht, via Kapitalerhöhung Geld zu bekommen. Das hat aufgrund der 2011er-Verwerfungen nicht funktioniert, ist aber nur aufgeschoben. Wir brennen darauf, ein Window of Opportunity zu finden, um junge Aktien oder einen Bond zu bringen. Da muss man auch davor stets präsent sein und nicht nur rund um die Transaktion. Cafe BE: HTI hat zuletzt zwei Kapitalmarktschritte getätigt. Ich nehme auch dieses Unternehmen seither stärker in der Kommunikation wahr. Sie haben sehr viele Produkte, viel zu zeigen. Wie gestaltet sich das Being Public aus Ihrer Sicht? Nikolaus Kretz: Auch bei uns ist der Schwerpunkt der D-A-CHRaum, das ist die Heimat des Unternehmens, da findet man auch die Investoren, die an Small Caps oder Micro Caps interessiert sind. Destinationen wie USA machen wenig Sinn, zu weit weg und wir sind unter der Wahrnehmungsgrenze. Es geht hierzulande darum, Aktienkultur wieder weiterzuentwickeln, Interesse an Beteiligungen zu generieren. Man hat als kleines Unternehmen das Problem, dass man bei grossen Institutionellen fast nicht auf den Radarschirm kommt, weil man die Mindestliquidität an der Börse nicht hat. Da ist eine breite Investorenbasis sehr wichtig. Daher fokussieren wir uns auf das interessierte Publikum in der D-ACH-Region.

Cafe BE: Sind Sie in Deutschland auch auf z.B. Eigenkapitalevents dabei? Kretz: Nein, wir richten und eher an spezialisierte Fonds und Vermögensverwalter, die eine Multiplikatorrolle haben. Wobei: Es ist nicht leicht, an diese heranzukommen. Man muss relativ weit oben einsteigen, aber dann macht es Spass, weil man fokussiert und interessiert diskutieren kann, über die Philosophie und die unternehmerische Story, und nicht nur über Kennzahlen.

„Ja, wir bezahlen hie und da für Research. THI hat keinen dynamischen Newsflow; wir wollen, dass man das Produkt versteht.“ SIEGFRIED MADER, THI

Cafe BE: Frau Goyer kümmert sich um die IR, und auch beide Vorstände kümmern sich um Investoren – richtig? Kretz: Genau. Einige Investoren wollen beide Vorstände sehen, das macht Sinn und bringt auch entsprechendes Gewicht ein. Cafe BE: Herr Roither, was sagen Ihnen die Zahlen 1, 8, 10, 13, 20, 25, 31, 33 und 37? Hannes Roither: Hmm ... Cafe BE: Das sind die RoadshowNummern, bei denen Palfinger


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präsentiert hat. Wir haben jetzt ‚10 Jahre Börse Express‘, haben gesehen, dass Roadshow-Auftritte schon öfters Preise ausgelöst haben, zuletzt beim ‚IVADavid‘. Da dachten wir uns: Geben wir unserem Rekord-Präsentator Palfinger einen Privatanleger-Informationspreis für insgesamt neun Teilnahmen. Danke und herzliche Gratulation. Auf Rang zwei übrigens Immofinanz, dahinter s Immo. Roither: Oh danke, ist das ein Wanderpokal? Cafe BE: Nein, es ist ein Pokal, auf dem Palfinger draufsteht. Er gehört euch. Spass beiseite: Palfinger war in guten Zeiten, in schlechten Zeiten präsent. Als ATX-Unternehmen, als nicht-ATX-Unternehmen Roither: Das ist vier Mal hin und hergangen.

„Richten uns an spezialisierte Fonds und Vermögensverwalter mit Multiplikatorrolle. Es geht um die Story, nicht nur um Zahlen.“ NIKOLAUS KRETZ, HTI

Cafe BE: Ihr seid im Q1 gemeinsam mit Intercell Top-Performer ... Roither: Wir wurden leider im Vorjahr auch sehr geprügelt. Vorab: Ich teile nicht die Meinung, dass die Wiener Börse keinen guten Job macht. Wir sind seit 13 Jahren an der Börse, seit 13 Jahren mache auch ich den Job. Die Wiener Börse hat sich extrem weiterentwickelt, es gibt viele Aktivitäten, morgen fliege ich z.B. mit der Börse nach Paris zu Cheuvreux. Es hat sich sehr viel getan, auch für Small Caps. Wir haben heuer wieder einen Small Cap Day in Wien, auch in Deutschland und in Zürich. Ich spreche jetzt auch für die C.I.R.A. Cafe BE: Sie sind dort im Vorstand ... Roither: Ja. Seit rund zehn Jahren. Wir versuchen, dass die Small Caps mehr Öffentlichkeit bekommen. Und es lässt sich immer etwas tun. Was macht Palfinger? Ich glaube, wir zählen zu den aktivsten Unternehmen. Wir machen viele Roadshows, viele Messen. Ich war zuletzt am Börsetag in München, in Kürze kommt die Invest in Stuttgart. Es geht uns um Konferenzen für Institutionelle, aber auch Privatanleger. Wir glauben, dass wir ein gutes Unternehmen sind. Aber es gibt Tausende gute Unternehmen, daher muss man auch permanent sagen, dass wir ein gutes Unternehmen sind. Die Community ist in Österreich halt klein, ein Österreich-Stand auf der Invest in Stuttgart hat nicht funktioniert, da

medianet – BE7

habe ich nicht genug mobilisieren können für einen Wochenend-Job. Cafe BE: Wir haben vor ein paar Monaten darüber gesprochen, wie es denn wäre, wenn es einen ATX25 geben würde ... Roither: Wir haben da viel probiert, aber momentan sind wir auch nicht mehr auf Rang 21 – dieser Rang hat uns besonders gewurmt –, sondern auf Rang 25. Unser Punkt war immer, dass es nicht 20 grosse Unternehmen, sondern etwa 25 gibt. Und dahinter reisst es ab. Die Wiener Börse stand einer Aufstockung des ATX positiv gegenüber, die Investoren, das ATX-Komitee, aber nicht. Momentan ist das kein Thema mehr. Cafe BE: Herr Brunner, Sie sind langjähriger Börsebeobachter, Börsebriefschreiber, Depotmanager, haben eine Nachrichtenagentur, seit ewig dabei. Wie haben Sie die vergangenen Jahre wahrgenommen? Joachim Brunner: Ich bin bei Hannes Roither, es ist schon viel passiert, man kann auch sagen, früher war es noch schlimmer. Es war ja vor Jahren nicht einmal für deutsche Anleger so wirklich einfach, in Wien zu kaufen. Ich bin auch der Meinung, dass man die D-A-CH-Region als Ganzes sehen sollte für die Kommunikation. Ich bin auch zwei Monate im Jahr in Nordamerika und ich glaube nicht, dass die Nordamerikaner in Europa kaufen würden, da bin ich nicht ganz bei den Mitdiskutanten. Für die Institutionellen wird man wohl zu klein sein. Die Privaten dort sind glücklich, wenn sie Kanada und USA handeln können, rein schon von der technischen Seite her, dazu auch zu stark auf die eigenen Märkte fokussiert. Ein anderer Punkt: Ich bin auch Fondsmanager, wir haben nur 70 Mio. under Management, trotzdem komme ich bei vielen österreichischen Titeln nicht hinein und hinaus. So etwas darf ja nicht eine Woche dauern. Die Marktkapitalisierung ist nicht ausschlaggebend, sondern das Umsatzvolumen und da sieht es bei österreichischen Titeln gar nicht gut aus. Das ist das grosse Problem. Als Unternehmer muss man sich ja auch konzentrieren. Cafe BE: Wie viel Volumen habt ihr in Österreich? Brunner: Unter fünf Prozent. Cafe BE: Das war einmal deutlich mehr, oder? Brunner: Ja, ja. Wir haben jetzt nur noch ein paar Spezialsitiuationen, Turnaround-Kandidaten. Cafe BE: Nächste Runde. Research bzw. auch Bezahlresearch. Bitte auch um ein paar Worte dazu, wie wichtig ist es, möglichst viele Researcher zu gewinnen. Gerstenmayer: Natürlich ist das wichtig, und es wird gerade in Österreich zunehmend schwierig. Es ist natürlich auch branchenabhängig, welche Anforderungen man an einen Finanzplatz stellt.

Nikolaus Kretz, Joachim Brunner, Hannes Roither.

Das gilt auch für Research. Viele Fragen bekommt man in Europa gar nicht mehr gestellt. Asien ist für uns wichtig, wir sind oft dort und wie wir es auch zuvor von THI gehört haben: Wenn ich mich entschliesse, auf einem Markt präsent zu sein, dann kann ich das nicht nur rund um eine Transaktion tun. Die Branche ist in Asien bestens bekannt, es geht darum, den Namen AT&S zu positionieren. Cafe BE: Wie stehen Sie zum Thema Bezahlresearch? Gerstenmayer: Ich bin nicht besonders begeistert. Die Frage stellt sich, wie glaubwürdig das gegenüber Dritten ist. Cafe BE: Und wie ist das bei THI? Mader: Bei uns ist das etwas anders gelagert. Unser Ziel ist es, regelmässig Research zu haben. Das sind wichtige Impulse, man sieht das an der Website-Statistik, an Downloads bis hin vielleicht zum Handelsvolumen. Inwieweit ein Preis/Leistungsverhältnis gegeben ist, ist immer schwierig. Wir bekennen uns dazu, wollen aber nicht zu viel Geld ausgeben. Unser Problem ist ja auch, dass wir rein vom Geschäftsmodell her keinen dynamischen Newsflow haben. Wir setzen einen Baum, der zwar immer da ist und ständig wächst. Aber den grossen Newsflow kann man da nicht erzeugen. Insofern brauchen wir Neuigkeitsgehalt. Die Qualitiätsfrage ist natürlich auch zu stellen beim Research, da muss auch etliches verifiziert werden.

„Wir sind ein gutes Unternehmen. Aber es gibt Tausende davon. Man muss laufend auf Tour gehen und sagen, dass man gut ist.“ Hannes Roither, Palfinger

Cafe BE: Und wie sieht es mit dem Zugang zu Private Bankern, Family Offices aus? Ihr habt ja durchaus auch alternativen Platz in der Asset Allocation, in der Diversifikation. Mader: Was zunimmt, sind Oneon-Ones, die bei uns angefragt werden. Man ist Investor und hat Fragen an uns. Das wird nicht von uns aus forciert, sondern passiert automatisch. Cafe BE: Herr Kretz, ich darf die Frage an Sie weiterleiten. Research, Bezahlresearch ... Kretz: Bezahltes Research ist auch bei uns ein Thema, mit unserer Market Cap hat man sonst keinen Zugang zum Research. Wenn man vernünftige Leute gefunden hat, die unser Modell verstehen, dann bekommt man gute Inputs, die es dann im Erstkontakt mit z.B. Family Offices ermöglichen, dass sich die Leute einlesen können. Man ladet sich das runter und ist für fundierte Fragen vorbereitet. Ich finde das gut und habe überhaupt kein Problem damit. Das sind dann oft wichtige Gespräche mit meist langfristig interessierten Anlegern fernab des Tradings. Wir sind für viele Fonds zu klein und daher ist das sehr wichtig. Cafe BE: Palfinger und das Thema Research generell bzw. Bezahlresearch?

Andreas Gerstenmayer, Siegfried Mader.

Roither: Gewisse Banken haben schon mehrmals angefragt, auch jene, die uns schon covern. Wir haben dazu eine klare Aussage: Nein. Wir haben 1999 mit den drei österreichischen Banken angefangen. Ich habe mir jedes Jahr zum Ziel genommen, zwei weitere Banken zu finden. Mittlerweile haben wir zehn Banken, die uns covern, ein elftes Institut kommt dazu. Die ganz Grossen bekommt man nicht, wir hatten ja selbst in besten Zeiten nur 1,5 Mrd. Market Cap. Das ist schon viel Klinkenputzen. Wenn wir immer wieder nachsetzen, die Geschichte erzählen, ist die Chance aber immer da, weil wir das liefern, was wir erzählen. Für uns ist der Analystenfindungsprozess abgeschlossen, elf ist eine schöne Zahl. In Summe ist es bedenklich, wie sich die Banken vom Wiener Kapitalmarkt zurückziehen. Kretz: Banken haben ja auch kein Interesse an Aktienveranlagungen, lieber schon hauseigene Produkte. Cafe BE: Habe ich zuletzt auch öfters gehört im Zusammenhang mit der KESt ... Wer spricht bei Palfinger mit den Analysten? Roither: Im Regelfall IR, meist ich selbst. Manchmal kommt der Analyst ins Haus und da versuche ich, auch CEO oder CFO zu bekommen. Die Roadshows mache ich auch meist selbst, nachdem jetzt ein Vorstand nach China geht, aber CFO von Palfinger bleibt, wird es eher mehr sein. CFO Christoph Kaml geht also nach China zu unserem Joint-Venture mit Sany Heavy, wir werden ihn ein wenig entlasten, er konzentriert sich auf Asien. Cafe BE: Herr Brunner, Sie haben ja auch Research betrieben ... Brunner: Wir haben es vor Jahren aufgegeben, weil ein wichtiger Mitarbeiter beim Sport einen Herzinfarkt hatte und verstorben ist. Wir hatten Bezahlresearch betrieben. Ich kann das, was Herr Kretz gesagt hat, nur teilen. Es ist im Bericht ausgezeichnet, dass es sich um Bezahlresearch handelt und ein guter Einstieg in das Unternehmen. Man weiss auch, dass die Zahlen sehr nahe an dem sind, wie sich das Unternehmen auch selbst einschätzt. Das ist schon interessant. Cafe BE: Was steht in den kommenden Monaten an? Roither: Schwerpunkt bleibt die Joint-Venture-Geschichte mit China, wir machen dazu viele Roadshows. Wir gestalten weiters im Mai einen Capital Markets Day mit voestalpine bei uns in Salzburg, wir kaufen ja viel Stahl von der voest und werden da auch die Lieferantenbeziehungen darstellen. Ich glaube auch, dass wir heuer noch Roadshows in China machen werden. Cafe BE: Das ist etwas, was man ja auch mit AT&S andenken könnte. Wie sieht es bei HTI im Q2 aus? Kretz: Viel Arbeit, wir versuchen, laufend an der Investorenbasis weiterzuarbeiten und die Projekte voranzubringen.

Cafe BE: THI? Mader: Wir bauen unseren neuen Geschäftsbereich aus, das ist der Dienstleistungsbereich, der auch wichtig ist, um Cashflow hereinzubekommen und einen Selbstfinanzierungsgrad zu erreichen. Cafe BE: Sie bringen Ihr Bepflanzungs-Know-how für Dritte ein. Da kann ja auch Newsflow kommen ... Mader: Ja, wir können uns da eine gewisse Dynamik vorstellen. Bis jetzt sind wir mit dem Feedback zufrieden, natürlich sind wir an die Vegatation, an die Zeitfenster zur Bepflanzung, gebunden. Aber die Rückmeldungen von Investoren­ seite sind wirklich vielversprechend.

„Ein Fondsmanager hat bei österreichischen Titeln das Problem, dass er oft nicht in vernünftigem Zeitraum rein- bzw. rauskommt.“ JoE Brunner, IR-WoRLD.com

Cafe BE: Und AT&S? Gerstenmayer: Wir sind kurz vor Geschäftsjahresende, das ist mal sehr wichtig. Unser Geschäft ist extrem kurzfristig, beendet ist alles erst mit dem letzten Tag. Wir haben weiters den Neubau einer Fabrik in Zentralchina, in Chongqing. Darüber hinaus die stärkere Erschliessung des amerikanischen Industrie- und Medizintechnikmarktes. Da wird es Newsflow geben, wie angekündigt. Chip-Embedding ist weiterhin im Fokus, eine komplett neue Technologie, die wir in den Markt tragen. Das alles sind Themen, die kontinuierlich mit viel Kraft und mit viel Engagement weitergetragen werden müssen. Cafe BE: Herr Brunner, worauf konzentrieren Sie sich? Brunner: Es gibt auch in Österreich unbestritten gute Unternehmen. Bei mir war das ja auch eher die globale Sicht, ich habe 2008 ein Buch über die Krise geschrieben und mich stärker für Europroblematik und Rohstoffe interessiert. Damals war das Thema, wie hoch die Inflation werden würde. Ich wurde angefeindet, weil ich Staatspleiten in den Raum gestellt habe. Mittlerweile sehe ich die Krise gut bewältigt und den Euro wieder positiv. Der DM-Block war ja nie ein Krisenprofiteur, weil die Währung immer viel zu stark war, was z.B. Exporte zurückgeworfen hat. Mittlerweile interessiere ich mich wieder stärker für europäische Werte. Der Österreich-Anteil war vor zwei Jahren bei null in unseren Fonds, jetzt wieder ein bisschen was.


Dienstag, 3. April 2012

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© Martina Draper

10 jahre börse ex press

Ohne Risiko künftig nur noch Sparbuchzinsen Auch UCITS schwindelt dem Anleger teils falsche Sicherheit vor

Die sinkende Ertrags­Erwartung managen

(v.li.): Gernot Heitzinger (SMN), Mike Judith (DNB AM), Yngvar Bratsberg (DNB), ­Thomas Steiner (apano).

Die Fondsexperten Yngvar Bratsberg (DNB), Gernot Heitzinger (SMN), Mike Judith (DNB AM) und ­Thomas Steiner (apano) über das Heute und das Morgen der Anlage aus Sicht der Branche Robert Gillinger

Cafe BE: Die Hürde Griechenland scheint genommen – sehen Sie das Veranlagungs-Risiko nun gesunken? Yngvar Bratsberg: Die Frage ist, ob die ­ griechische Bevölkerung den eingeschlagenen Sparkurs annimmt. Man kann in der Theorie noch so viele Planspiele ­wälzen, wenn es dann aber zur Umsetzung geht, braucht man den Willen der Bevölkerung, da mit zu tun. Thomas Steiner: Es wurden endlich die richtigen Schritte gesetzt. Wesentlich ­wichtiger für die Eurozone ist aber, dass man in Italien versucht, harte Sparmassnahmen zu setzen – dass der Sparkurs als glaubwürdig angesehen wird. Positiv sehe ich auch, dass die Ratingagenturen massiv Druck auf die Kernländer ausüben – wir müssen einfach sparen. Wir müssen aber auch den Blick weg aus Europa richten, wenn es um Sorgen oder Gefahrenpotenziale geht. Etwa nach ­China, wo sich eine enorme Immobilienblase ­aufgetan hat. Und wo wir eine eklatante Abschwächung des Wirtschaftswachstums sehen. Da muss man beobachten, ob ­diese Konjunkturlokomotive ins Stottern gerät. Gernot Heitzinger: Bei all der medientechnischen Prominenz bleibe ich dabei: Griechenland ist nicht das Problem, ­sondern ein erstes Symptom der globalen Krankheit: Exzessive Verschuldung. Die Schuldenberge werden nicht kleiner, ­werden weiter aufgebaut – aber irgendwann müssen diese zurückgezahlt ­ werden. Und das kann nicht mit grenzenlosem Wachstum einher gehen. Da werden auch Er-

träge aus Kapitalanlagen nicht in den Himmel wachsen. Wir borgen uns seit Jahrzehnten Geld von der nächsten und übernächsten Generation aus und sind stolz auf unser tolles ‚Wachstum’, das wir damit erreichen. Das dicke Ende kommt, mit 100prozentiger Sicherheit – die Frage ist nur wann. Was auf Kosten der Zukunft gekauft wurde, ist nicht wirklich nachhaltig. Cafe BE: Was raten Sie dem derzeit verunsicherten Anleger? Steiner: Ich bin überzeugt, dass Anleger mit trendfolgenden Produkten sehr gut aufgestellt sind. Wir bieten auch die Welt der Long/ Short-Produkte an – wieder etwas, wo der Anleger das allgemeine Marktrisiko reduzieren kann. Und ich weiss natürlich, dass all das nur ein Teil des ­Portfolios ist – nicht die allumfassende Antwort geben kann, aber eine sinnvolle Basis liefert. Heitzinger: Realistisch zu sein, ­Erwartungen auf ein realistisches Niveau anzupassen und nachzudenken, wo versprochene Erträge herkommen können. Cafe BE: Was meinen Sie mit realistischem Niveau? Heitzinger: 1990 gab es für 10jährige deutsche Bundesanleihen eine ­Rendite von knapp 9%. Der Ertrag eines ­ konservativ aufgestellten Fonds in den zehn Jahren danach lag etwas über diesen 9% – die Verzinsung und Kursgewinne, weil ja die Renditen gefallen sind. Beim Blick nach vorne ist die Bundesanleihe wohl weiter das vernünftigste Prognoseinstrument, das wir haben.

Heisst, wenn wir aktuell etwa bei zwei Prozent sind, wird das eine gute Schätzung für ­zukünftige Erträge sein. Wer mehr will, muss ­entweder zaubern oder signifikante Volatilität in Kauf nehmen. Da muss man sich drüber trauen. Die eierlegende Wollmilchsau, mit der man bei Null Volatilität sieben Prozent verdient, gibt es nicht. Wenn mir jemand so ein Produkt verkaufen möchte, sitze ich zu 99,9 Prozent einem Betrüger gegenüber. Das mit dem Zaubern funktioniert nämlich nicht. Cafe BE: Wie sehen das die anderen? Mike Judith: Wir sehen das mit den schwankenden Ertragserwartungen ­ ähnlich und sind daher froh, dass wir Long/Short-Produkte anbieten können, auf die wir ­derzeit besonderes Augenmerk legen. Steiner: Aus dem Handelsteil ­glauben wir, künftig genauso viel ­verdienen zu können wie in der Vergangenheit. Da bei Managed Futures aber ein Grossteil der Gelder am Geldmarkt veranlagt ist, und dieser Cash Teil in der Vergangenheit wesentlich höher verzinst war, muss die Rendite im Produkt zwangsläufig sinken. Cafe BE: Wie stehen Sie zu UCITS? Judith: Es ist immer gut, wenn wir auf europäischer Ebene einen Rechtsrahmen haben, der Vergleichbarkeit schafft. Wir sollten aber auch beginnen, UCITS als Mindestanforderung zu verstehen, denn unter NewCits tummelt sich derzeit auch einiges im UCITSDeckmantel, das eine Sicherheit suggeriert, die nicht angemessen ist.

Cafe BE: Wie ist das in der Praxis: Greift der ­Privatanleger nur noch zu UCITS, oder ist ihm das egal? Judith: Er nimmt UCITS bzw. ­haben die Intermediäre, die Finanzberater, einen starken Fokus darauf. Insofern landet beim Privatanleger auch nur UCITS. Steiner: Auch ich sehe UCITS als Mindestanforderung – dazu eine kleine Stückelung, täglicher Handel, etc. Wenn man das nicht hat, kann man die Produkte heute nicht mehr platzieren. Wir haben uns vor drei Jahren UCITS-fähig gemacht. Cafe BE: Bei SMN, mit dem Fokus auf institutionelle Anleger, ist das Thema UCITS ­weniger präsent? Heitzinger: Gerade im ManagedFutures-Bereich bin ich überzeugt, dass ich mit UCITS für den Anleger mehr Nach- als Vorteile hätte. Daher machen wir das nicht, obwohl uns bewusst ist, dass ­manche Marktteilnehmer das brauchen. UCITS ist gut, aber über einzelne Punkte sollte auch nochmals nachgedacht werden. Ich ­meine in unserem Fall da etwa das Thema ­Commodities. UCITS erlaubt Commodities nicht. Verpackt in Swaps und andere – meist nicht allzu transparente – Finanzinstrumente sind die selben Rohstoffrisiken kein Problem? Auch nicht nach Lehman? Sorry, das ist nicht logisch. Sicherer wird das Produkt für den ­ Anleger damit nicht – und teurer wahrscheinlich auch noch. Aber jedenfalls ­ intransparenter. Solange Commodities nicht UCITS sind, solange sind wir kein UCITS. Cafe BE: Wie sehen Ihre Pläne fürs weitere Jahr aus? Sind neue

Produkte geplant? Bratsberg: Tendenziell werden wir die traditionelle Long-Only-Produkt­palette um Absolute Return-Varianten erweitern. In Zeiten verstärkten Misstrauens an den Märkten, ist das die richtige Antwort. Steiner: Neben dem Klassiker AHL Trend gibt es die verstärkte ­Konzentration auf den GLG European Equity Alternative, einen Long/Short-Fonds. Cafe BE: Erwarten Sie heuer Wachstum? Steiner: Ja, aber das kommt durch harte Arbeit, durch Veranstaltungen und dauernder direkter Kundenansprache. Wachstum an sich in der Branche sehe ich nicht. Wir werden anderen Marktanteile wegnehmen müssen. Heitzinger: Marktwachstum sehe ich auch in den nächsten Jahren nicht. Wir werden verstärkt versuchen, internationale Investoren für SMN und das Know How unserer Gruppe zu begeistern und haben dafür auch neue Kapazitäten ­geschaffen. Ausserdem forschen wir seit Jahren an ­ einer systematischen Aktienstrategie – die ist eigentlich marktreif und wir sind in Überlegung, ob wir das als Fonds ­lancieren sollen. Judith: In Österreich ist es für uns sehr ähnlich wie international: Wir ­bleiben den Kernthemen Skandinavien sowie Technologie und Erneuerbare Energien treu. Neu wird ein Absolute Return-Produkt auf norwegische Aktien sein. Sonst bleiben wir bei unseren Nischen wo wir uns auskennen und Mehrwert generieren können.


Dienstag, 3. April 2012

© Katharina Schiffl/BE (6)

BE10 – medianet

Cafe BE zu regulatorischen Umbrüchen, Gratwanderungen, Alleingängen und Vertrauensbildung

Regulierungsflut: Was hilft, was schadet, was fehlt?

Im Cafe BE diskutierten: Elke Napokoj von bpv Hügel Rechtsanwälte, Paul Severin von der Erste Sparinvest, Dominik Damm von Deloitte Financial Advisory und Kurt Pribil von der FMA.

Rechtliche und regulatorische Fragen, die für den Finanzplatz Wien wichtig sind, stehen im Mittelpunkt. Der Schuh drückt an manchen Stellen, an mehr Transparenz führt aber kein Weg vorbei. bettina schragl

Cafe BE: Unsere Runde steht unter dem Motto ‚Aktuelle rechtliche und regulatorische Fragen‘, die für den Finanzplatz Wien bedeutend sind. Wo drückt Sie oder Ihre Klienten aktuell am meisten der Schuh? Elke Napokoj: Momentan haben sehr viele Klienten einen Finanzierungsbedarf, der oftmals sehr schwer über Kapitalerhöhungen oder andere öffentliche Angebote zu lösen ist. Man überlegt dann Alternativen, etwa einen Share to Share Deal. Das ist aber oft mit den österreichischen Kapitaler-

terungen für kleine Kapitalerhöhungen und Ähnliches vorsehen. Das wäre auch für österreichische Unternehmen sehr vorteilhaft. Paul Severin: Im InvestmentfondsBereich sehe ich im Wesentlichen zwei grosse Entwicklungen: Regulatorisch sind die Vorschriften verschärft worden – Stichwort ist UCITS IV, die neue EU-Richtlinie, die jetzt in lokales Recht umgesetzt wird. Das bedeutet natürlich Aufwand. Auch die neue Kapitalzuwachssteuer wird die Investmentbranche treffen und zusätzlichen administrativen Aufwand bringen – und das in einer Zeit, in der das

„Wenn wir Klienten sagen, welche Verpflich­ tungen mit einer Notiz im ‚mid market‘ verbun­ den sind, ist vielen der ­Aufwand zu hoch.“ Elke napokoj

haltungs- und Kapitalaufbringungsvorschriften nicht vereinbar. Daran scheitern momentan auch Transaktionen. In Grossbritannien oder Deutschland hingegen sind vom Gesetzgeber gewisse Erleich-

Wertpapiergeschäft alles andere als einfach ist. Dominik Damm: Die zahlreichen regulatorischen Vorschriften, die im gleichen Zeitraum auf die Finanzbranche einprasseln, sind

sicher eine Herausforderung: Basel III, CRD IV, UCITS IV, Mifid II, man redet bereits von UCITS V. Diese Massnahmen sind unfassbar vielschichtig und die Integration ins bestehende Recht wird sicher spannend. Wir werden de facto einen riesigen regulatorischen Umbruch sehen. Auf der geschäftlichen Seite werden die neuen Kapital- und Liquiditätsvorschriften in Summe ein gewichtiges GuV-Thema für die Banken. Es wird künftig sehr, sehr schwierig, einen Return on Equity zwischen 10% und 15% zu erwirtschaften. Die Folge sind strategische Überlegungen zum Geschäftsmodell. Kurt Pribil: Nicht nur der ‚Börse Express‘ feiert zehn Jahre, die FMA ist heuer auch zehn Jahre. Ich wage zu behaupten, dass sich in keiner Epoche davor so viel getan hat, wie in den letzten zehn Jahren. Die FMA ist als unabhängige, weisungsfreie Behörde gegründet worden und hat mittlerweile ihre Durchsetzungskraft verstärkt. Früher war die Aufsicht Kontrolle über nackte Kennzahlen, mit Basel II sind wir in die qualitative Aufsicht, in die Systemaufsicht hineingegangen. Die Krise hat gezeigt, dass dies allein noch nicht genügt. Mit Basel III haben wir nun ein verbessertes Risikomanagement, eine Systemaufsicht und bessere und höhere Eigenkapitalquoten. Letzter Punkt: Unser Kampf gegen Marktmanipulation und Insider. Hier leiden wir schon noch

„Es wird für Banken sehr schwierig, einen RoE zwischen 10% und 15% zu erwirtschaften. ­Strategische Überle­ gungen sind die Folge.“ Dominik Damm

etwas unter der ‚Insider Party’ der 90er-Jahre. Der Kampf gegen Marktmanipulation im breitesten Sinne war bis 2005 überhaupt totes Recht, Stichwort Telekom Austria. Jetzt haben wir ausreichende Bestimmungen. Allerdings müssen wir – und damit meine ich alle Beteiligten, bis hin zu den Gerichten – das auch entsprechend umsetzen. Cafe BE: Stichwort Marktmanipulation. Herr Severin, haftet Österreich aus Investorensicht nach wie vor dieses Negativ-Image an? Severin: Die Wiener Börse hat zum einen eine sehr positive Entwicklung genommen und sich über Privatisierungen und die Öffnung nach Osteuropa international positioniert. Aber es gab leider auch immer wieder Vertrauens-Rückschläge. Solche Ereignisse schaden natürlich dem Börseplatz. Dazu

gehören auch Änderungen in den Rahmenbedingungen, etwa die Einführung einer Kurszuwachssteuer. Das sind Ereignisse, die in Summe dem Finanzplatz eher schaden und Unternehmen vielleicht verschrecken, die an die Börse gehen wollen. Napokoj: Österreich ist immer noch ein Land der Familienunternehmen, auch diese haben Kapitalbedarf. Man müsste vielleicht etwas mehr auf die Struktur der österreichischen Wirtschaft eingehen. Wenn wir Klienten sagen, welche Verpflichtungen mit einer Notiz im ‚mid market‘ der Wiener Börse verbunden sind, dann ist vielen der Verwaltungsaufwand zu hoch. Damm: Um bei den KMU einzuhaken: Zum Kommissionsentwurf zur Eigenkapitalrichtlinie für Banken kam zuletzt der Vorschlag für eine Senkung der Risikogewichte für


Dienstag, 3. April 2012

KMU um 30%. Das ist ein zarter Versuch, die Eigenmittelanforderungen der Banken für diese Unternehmen zu reduzieren. Ich denke, dass man sich der KMU-Thematik auf parlamentarischer Seite bewusst ist. Pribil: Eine Bemerkung zur Kapitalmarktkultur und KMU, wir diskutieren das auch oft in der Europäischen Wertpapieraufsicht. Es gibt da vielleicht einen gewissen

medianet – BE11

strenger und umfangreicher, zum anderen wird auch die Auslegung immer schwieriger. Ich würde mir wünschen, dass das in vielen Leitfäden erwähnte Proportionalitätsprinzip stärker umgesetzt wird. Das ist zwar eine Gratwanderung. Aber ansonst werden irgendwann die Compliance- und die Mid-Office-Abteilungen grösser sein als jener Bereich, der das Geschäft machen soll.

„Bei der Besteuerung von Wertpapieren sollte behutsam vor­ gegangen werden, weil Vermögen sich schnell neue Wege sucht.“ paul severin

Spielraum. Nur ist dieser nicht sehr gross, das hat auch mit Haftungsfragen zu tun. Was die Transparenz anbelangt, ist bereits ein Umdenken eingetreten. Transparenz bedeutet etwa nicht, dass der Kapitalmarktprospekt von 90 auf 180 Seiten verdoppelt wird, sondern dass man einen, für den Investor lesbaren Beipackzettel hat. Cafe BE: Die Fondsbranche ist ebenfalls mit der Vereinfachung von Prospekten konfrontiert. Wie geht es Ihnen dabei? Severin: Das sogenannte Key Information Document, KID, ist für die Investmentbranche das neue Factsheet, das den vereinfachten Prospekt ablöst und bis Sommer verpflichtend zur Verfügung steht. Ich finde das positiv für die Konsumenten, weil das Anlageprodukt leichter verständlich und übersichtlicher wird. Damit einhergehen weitere Neuentwicklungen, etwa was den Risikofaktor in der Veranlagung anbelangt. Die Produkte werden vergleichbarer, auch die Kosten werden transparenter. Alles in allem ist das ein sehr positiver Schritt in Richtung Konsumentenschutz, verbunden allerdings mit einem ordentlichen Implementierungsaufwand. Cafe BE: Der Aufwand wurde bereits angesprochen. Dürfen Kosten-Nutzen-Rechungen für den Gesetzgeber ein Thema sein? Napokoj: Das ist eine sehr schwierige Frage. Zum einen versucht man, die Prospekte zu vereinfachen, zum anderen handelt es sich dabei für Unternehmen um ein Haftungsdokument. Schlussendlich mündet es dann oftmals wieder in einem riesigen Dokument, um potenzielle Haftungen auszuschliessen. Die Balance ist schwierig. Aber hier kann man von Beraterseite nicht sagen: ‚Überlegt euch die Kosten und schränkt das ein’. Das geht einfach nicht. Das ist einfach ein gestiegener Aufwand, mit dem man fertig werden muss. Damm: Wir sehen schon, dass unsere Kunden teilweise kämpfen. Zum einen werden die regulatorischen Vorschriften immer

Cafe BE: Was sagt die FMA dazu? Pribil: Das ist noch relativ moderat im Vergleich zu dem, was wir sonst zu hören bekommen. Ganz klar ausgedrückt: Vor der Krise wurden wir, auch die anderen Aufseher gescholten, weil es ‚viel zu viele‘ Bestimmungen gab. Alle sind gegen die sogenannte Überregulierung angerannt. Und nach der Krise waren wir wiederum schuld, dass es zu wenige Instrumente zur Vorbeugung gegeben hat. Ihre Frage war auch, ob wir Kosten-Nutzen-Rechnungen scheuen. Ganz und gar nicht. Es stellt sich aber schon die Frage, was bei den Kosten bzw. dem Nutzen berücksichtigt wird. Wenn man in Studien, die sich mit möglichen Implementierungskosten beschäftigt haben, die Auswirkungen einer Krise gegenüberstellt hätte, dann wären wohl viele dieser Rechnungen ganz anders ausgegangen wären. Damit Regulierung nicht zum Selbstzweck wird, darf es auch nicht sein, dass bei Banken Gewinne in guten Zeiten absolut privatisiert sind und die Verluste – so es schief geht – sozialisiert werden. Und damit meine ich nicht nur österreichische, sondern internationale Banken. Severin: Ich erwarte, dass aufgrund der Regulierung das Produktangebot reduziert wird. Am Beispiel Derivate: In Investmentfonds sind sie zwecks Absicherung von Risken gang und gäbe. Wenn in der Beschreibung der Veranlagungsstrategie und im Prospekt allerdings breit der Einsatz von Derivaten beschrieben wird, dann schreckt das viele Berater, viele Anleger ab. Napokoj: Um das Vertrauen generell wieder herzustellen, brauchen wir jedenfalls Transparenz. Wir sehen es bei den Börseprospekten: Es ist nicht immer leicht, alles verständlich zu erklären. Pribil: Was auch wichtig ist: die Eigenverantwortung. Man kann nicht alles wieder ersetzt bekommen. Ein Sparbuch ist einfach sicherer als ein Wertpapier, als eine Aktie. Das muss jeder Anleger wissen. Die Ausbildung muss daher nicht nur beim Berater, sondern auch beim Kunden ansetzen.

Damm: Ich würde mir wünschen, dass die Transparenz auch innerhalb der Unternehmen grösser wird. Wir haben gesehen, dass Berichte, in denen vom Risikomanagement mit komplexen Formeln Zahlen dargestellt worden sind, auf der Empfängerseite eigentlich nicht mehr verstanden worden sind. Ein konkretes Beispiel: Uns wurde etwa der Value at Risk (gibt an, welchen Wert der Verlust einer bestimmten Anlage innerhalb eines gegebenen Zeithorizonts nicht überschreitet, Anm.) eines sehr grossen Hedgefonds-Portfolios mit 300.000 Euro angegeben. Das ist im Grunde genommen nichts. Das Dumme war nur: Der VaR war in diesem Fall gar keine geeignete Kennzahl, um das Risiko darzustellen. Man hat hier schon auch unter dem Deckmantel der Mathematik versucht, Transparenz zu schaffen, die gar keine war. Das geht auch in den Themenblock Governance hinein. Napokoj: Das ist ja ein allgemeiner Trend: hin zu einer guten Corporate Governance, hin zu einer guten Compliance. Ich kann kein Compliance System entwickeln und das jedem Unternehmen aufsetzen. Pribil: Wir haben eine ähnliche Erfahrung gemacht. Und ich möchte da nicht den Kamm über alle Unternehmen an der Börse scheren. Der Punkt ist: Es reicht nicht aus, einen Compliance Officer und eine Compliance Abteilung zu haben. Wir haben festgestellt, dass etwa einige Unternehmen in eine heikle Phase, z.B. in eine Übernahme, eingetreten sind, in der Insiderinformationen nur so sprudelten. Diese Informationen wurden aber nicht an den Compliance Officer weitergegeben. Der kann sich aufhängen, wenn er in einer solchen

Auf Finanzbranche prasseln zahlreiche neue Regulierungen ein.

teten Unternehmen haben sich so ziemlich alle dem Kodex unterworfen. Wenn sich das Unternehmen freiwillig daran hält, zeigt es auch die Einstellung zum Thema auf. Damm: Für den Bankenbereich kann ich sagen, dass die Implementierung der Vergütungs-Richtlinie (CRD III) durchaus sinnvoll ist und in der Branche auch für Aufsehen gesorgt hat. Das gesetzliche Festschreiben von Normen, von Offenlegung, von der Koppelung der Vergütung an eine Performance; erläuternde Bemerkungen, die sehr klar machen, dass Umgehungstatbestände – egal wo sie stattfinden – nicht geduldet werden: Das war alles sinnvoll und hat auch zu einem Umdenken geführt. Viele unserer Kunden beschäftigen sich damit sehr intensiv. Wir haben einen Ruck gespürt. Pribil: Die Krise hat schon gezeigt, dass freiwillige Regulierungen nicht wirklich funktionieren. Viele halten sich daran, aber eben die bösen Buben und die bösen Mädchen nicht. Sie haben die Coolingoff-Periode beim Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat erwähnt. Da gibt es einige Fälle im Bankenbereich aus der Vergangenheit, wo das überhaupt nicht funktioniert hat. Stichwort: Hypo Alpe Adria. Aber auch Fälle, wo dann der ehemalige Vorstandsvorsitzende in den AR gewechselt ist und von dort die wichtigsten Entscheidungen

„Der Compliance Officer kann sich aufhängen, wenn er in einer hei­ klen Situation, in der ­Insiderinfos sprudeln, nicht involviert ist.“ Kurt pribil

Situation nicht involviert ist. Man muss wirklich – auch täglich – die Herausforderung mit der eigenen Compliance Organisation aufnehmen, damit man nicht zu hart am Wind der Legalität segelt. Fälle, durchaus berühmte Fälle aus der Vergangenheit, haben gezeigt, dass man diese Grenze zum Verbotenen sehr leicht überschreiten kann. Cafe BE: Die Regierung hat zuletzt Änderungen im Corporate Governance Bereich auf den Weg gebracht, etwa Einzelauflistung der Vorstandsgehälter, zweijährige Wartezeit für den Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat. Musste das wirklich alles in ein Gesetz gegossen werden? Napokoj: Meines Erachtens wäre der CG Kodex ausreichend gewesen. Die an der Wiener Börse gelis-

weiter managen wollte. Das kann nicht funktionieren. Deshalb befürworte ich auch diesen Weg, den die Regierung jetzt gegangen ist. Severin: Der Corporate Governance Kodex wurde im Vorfeld ja lange diskutiert – und wir haben die Notwendigkeit für den Kapitalmarkt gesehen. Es gehört zur Kapitalmarkthygiene, dass der Gesetzgeber in bestimmten Punkten für Klarheit sorgt. Insofern war es ein guter Schritt für den Markt. Cafe BE: Sei es bei der BankenRegulierung oder bei Steuerfragen, es taucht immer wieder die Frage auf, ob ein Warten auf die EU oder ein österreichischer Alleingang besser ist. Wie sehen Sie das? Severin: Österreich steht als Standort im internationalen Wettbewerb, das gilt auf aufsichtsrechtlicher Ebene ebenso wie auf steuerrecht-

licher Ebene. Im Investmentfondsbereich ist z.B. Luxemburg ein sehr starker Platz, der sehr dominant ist. Was die Besteuerung von Vermögen und Wertpapieren betrifft, sollte sehr behutsam vorgegangen werden, weil Vermögen sich sehr schnell global einen neuen Weg sucht. Auf der steuerlichen Seite also keine Alleingänge. Damm: Ich kann mich nur anschliessen. Trotz aller Schwierigkeiten, die der Kapitalmarkt in Österreich hat, wird mit diesem Thema nicht besonders progressiv – im Sinne eines Aufbaus, einer Förderung – umgegangen. Regulatorisch wird ein Alleingang ohnehin immer schwieriger. Man sollte aufpassen, mit nationalen Wahlrechten oder Alleingängen nicht für Verwirrung zu sorgen. Ich sehe das auch kritisch. Pribil: Grundsätzlich ist in einem einheitlichen europäischen Wirtschaftsraum kein Platz mehr für Alleingänge. Trotzdem gibt es da und dort noch wenig Raum. Wir haben noch kein Bankeninsolvenzrecht. Wir müssen aber die Möglichkeit haben, dass Banken aus dem Markt austreten können. Deshalb brauchen wir derzeit zwei Dinge: Einen Restrukturierungsfonds, bei dem in guten Zeiten Geld für solche Fälle zur Seite gelegt wird, und ein eigenes Sonderliquidationsrecht. Einige Länder haben das bereits, die Amerikaner waren nach der Krise besonders schnell. Die EU hat etwas geschlafen. Wir sollten – wie die Regierung auch angekündigt hat – ein Sonderliquidationsrecht für Banken umsetzen. Das ist aber dann kein Alleingang, weil auch in Europa bereits die Briten, die Deutschen, die Schweden eine solche Regelung haben. Die Kommission selbst plant eine Rahmenrichtlinie, die vor allem die grenzüberschreitende Problematik einzufangen versucht. Napokoj: Ich kann mich nur anschliessen. Wir sehen es auch immer wieder bei der Diskussion über die Gruppenbesteuerung - ein ständiges Auf und Ab, das Österreich nicht gut tut. Internationale Unternehmen lassen sich von dieser unsicheren Lage eher abschrecken. Im rechtlichen Bereich wird es sicher Spielräume für Alleingänge geben, insbesondere in der Ausgestaltung des österreichischen Rechts. Das ist aber nichts Neues, wir haben uns im Rechtsbereich immer schon an Deutschland orientiert. Ich glaube, wir tun gut daran, zu schauen was die anderen machen.

Zu Gast Dominik Damm ist Partner bei der Deloitte Financial Advisory GmbH Elke Napokoj ist Partnerin bei bpv Hügel Rechtsanwälte Kurt Pribil ist Vorstand der österreichischen Finanzmarktaufsicht, FMA Paul Severin ist Managing Director Produkt­ steuerung und Kommunikation bei der Erste Sparinvest


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© Michaela Mejta

BE12 – medianet

Thema Zur ATX-Five-Aufnahme von Immofinanz wurde am 15. März über Trading-Aspekte und -Wissen diskutiert

Trading, Broker, Produkte: Was Österreicher handeln

v.li.: Christian Drastil (Christian Drastil Communications), Eduard Zehetner (Immofinanz), Ingo Hillen (Sino), Wolfgang Siegl-Cachedenier (brokerjet), Heike Arbter (RCB), Ernst Huber (direktanlage.at). Hinweis: Im Börse Express-PDF wurde gleich nach dem Talk ein mehrseitiges Special zur Immofinanz gestaltet, nachzulesen unter http://www. boerse-express.com/cafebe. Hier ist der Bericht stärker auf die Trading-Themen ausgerichtet.

Im Talk: RCB-Director/ZFA-Chefin Heike Arbter, die Broker-Bosse Ingo Hillen (Sino), Ernst Huber (direkt­ anlage.at) und Wolfgang Siegl-Cachedenier (brokerjet) sowie Immofinanz-CEO Eduard Zehetner. christian drastil

Cafe BE: Frau Arbter, die ATX-FiveAufnahme der Immofinanz und Immobilien-Titel generell werden heute bei diesem Trading-Talk thematisiert werden. Welche Bedeutung haben Indexumstellungen aus der Sicht von Zertifikateemittenten? Heike Arbter: Das ist ein ganz grosses Thema, weil das ganze Portfolio, das zur Absicherung des Zertifikats hinterlegt ist, umgebaut werden muss. Cafe BE: Und wie reihen sich Produkte auf Immobilien-Werte in der Beliebtheitsskala ein? Was hat die RCB hier für Erfahrungswerte? Arbter: Sind beliebt. Zertifikate eignen sich dazu, eine Idee umzusetzen; Privatinvestoren bei Immo-Papieren gerne gehebelte Produkte. Cafe BE: Und Seitwärtsrendite? Hie und da gibt es ja bei Immobilienaktien immer noch hohe Volatilität, was schöne Seitwärtsrenditen darstellen lässt ... Arbter: Man verwendet das eher bei Indices oder bei grossen Werten mit hohen Dividenden. Topinstrumente sind die Bonuszertifikate. Cafe BE: Herr Huber, Sie haben jetzt auch ein paar Mal genickt. Wie reihen sich Immobilienaktien bei direktanlage.at ein bzw. was sind die beliebtesten Aktien, die bei euch gehandelt werden?

Ernst Huber: Die Umsätze in Österreich haben stark nachgelassen. Die Transaktionen der Privatanleger haben sich 2011, was den Wiener Markt betrifft, halbiert. Insgesamt hatten wir kaum einen Rückgang, aber bei österreichischen Aktien schon. Wir hatten dafür viel mehr Transaktionen in Deutschland und in den USA. In Wien haben wir ein viel zu kapitalmarktfeindliches Umfeld. Die umsatzstärksten Aktien sind heuer eindeutig die Banken, dahinter kommt gleich die Immofinanz. Auch eine CA Immo hat starke Volumina. Das sind sehr gern gehandelte Werte. Cafe BE: Herr Siegl-Cachedenier, wie siehts bei brokerjet aus? Wolfgang Siegl-Cachedenier: Wir haben generell seit Anfang des Jahres eine Zunahme bei österreichischen Aktien gesehen, auch weil sich der Markt positiv entwickelt hat. Wir sind nun auch wieder bei den Top Ten-Handelsteilnehmern in Wien, das ist wichtig, wir konnten unseren Marktanteil deutlich ausbauen. Die beliebtesten Papiere sind jene aus dem ATX-Five. Cafe BE: Und deutsche Werte? Siegl-Cachedenier: Wir haben generell den Trend zurück zur Aktie gesehen, die Tradingprodukte waren eher rückläufig. Egal, ob Österreich oder Deutschland. Auch wir hatten in Österreich im Vorjahr einen grossen Einbruch, daher heuer auch die auffälligste Erholung.

Cafe BE: Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen börsenotierten Unternehmen und Brokern aus? Huber: Man könnte das sicher intensivieren, wir machen Seminare mit der Wiener Börse. Die Aktienkultur ist politisch gewollt wieder auf ein Minimum gesunken. Man könnte hier viel mehr bewegen, es passiert leider zu wenig. Die grossen Unternehmen lassen aus. Siegl-Cachedenier: Wenn man sich die Entwicklung der vergangenen 18 Monate ansieht, so bin ich der Meinung, dass es die Verantwortung von uns allen ist, mehr zu tun. Auf der einen Seite die Politik, die z.B. mit der Wertpapiersteuer sehr kontraproduktiv war. Was ich super finde, dass wir heuer erstmals auch mit der Wiener Börse gemeinsam den Börsepreis für den Privatanleger machen werden, man kann dann für die Aktie des Jahres aktiv mitvoten. Das ist eine Chance, die Aktien ein bisscher näher an das Publikum heranzutragen. Cafe BE: Und die Zusammenarbeit mit Brokern aus der Sicht eines Unternehmens, Herr Zehetner? Eduard Zehetner: Wir können bei Veranstaltungen die Aktie präsentieren. Das tun wir gerne. Wo wir eingeladen werden, treten wir auf. Wir haben eben sehr viele Privataktionäre, ungefähr eine Stadt wie Klagenfurt von der Grösse her. Das heisst, egal, wo man auftritt, man hat ein paar Aktionäre im Publikum. Wir haben ein paar Aktionäre, die eigentlich nicht Aktionäre sein

sollten. Ich bin mit den Mitdiskutanten einer Meinung, dass wir eine politische Unkultur in Bezug auf Aktien haben, ich bin aber auch der Meinung, dass nicht jeder Österreicher Aktionär werden muss. Huber: Wir sind in einer sehr wackeligen Zeit unterwegs, in der wir von einer Sache zur anderen hüpfen. Wer hätte vor zwei Jahren gedacht, dass ein Euroland pleite gehen könnte. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass jeder, der ein wenig Geld hat, sich breit aufstellt. Da gehören Sachwerte dazu, Aktien dazu, Immobilien dazu, das kann man auch mit Immobilienaktien abdecken. Dazu Gold. Nur auf bedrucktes Papier zu setzen, ist brandgefährlich. Es wird viel zu viel Geld gedruckt, das ist nicht ungefährlich. Man muss sich breit aufstellen. Zudem ist ja das Sparbuch bei der aktuellen Inflation nur bedingt interessant, man zahlt sogar eine Art Vermögenssteuer, weil ja real nichts übrig bleibt. Die Aktie ist eine ausgezeichnete Alternative mit guten Dividendenrenditen und attraktiven KGVs. Vermögenserhalt wird man mit Sparbüchern nicht schaffen. Die Zinssätze bleiben niedrig, damit die Staaten ihre Kredite zurückzahlen können. Das führt eben zu langsamer Enteignung der Sparer. Man muss vom Sparer zum Investor denken. Cafe BE: Herr Hillen, Sino ist seit einem Jahr auch in Österreich unterwegs. Wie nehmen Sie den österreichischen Markt wahr? Wel-

che österreichischen Aktien handeln Ihre Kunden, Sie fokussieren ja auf Heavy-Trader? Ingo Hillen: Unsere Kunden handeln grundsätzlich das, was volatil und liquide ist. Zuletzt Commerzbank oder griechische Anleihen, vor allem die Kurzläufer. Österreich? Da kann ich mich an die heisse Phase der damaligen betandwin erinnern. Da habe unsere Kunden viel gemacht. Es ist da egal, ob Devisen oder Bundfuture – volatil und liquid muss es sein. Cafe BE: Und aktuell in Österreich? Hillen: Immofinanz, auch mit den Anleihen. Sonst handelt der Kunde den deutschen Markt, da ist er näher an Research und Informationen dran. Cafe BE: Herr Zehetner, mit 19. März ist die Immofinanz, ein Jahr nach der Premiere im ATX, auch im ATX-Five vertreten. Was bedeutet das für die Gesellschaft und deren Aktionäre? Zehetner: Ich glaube, es ist primär ein weiteres Zeichen, dass die Immofinanz von einer etwas eigenartigen Position auch im Börseumfeld in normale Gefilde gewandert ist. Das hat eine Zeitlang gedauert. Ich glaube, die Aufnahme in den ATX war vor einem Jahr wirklich fällig, rein von der Grössenordnung her. Ich denke, das hat auch der Börse gutgetan. Auch die Aufnahme in den Emerging-Teil des EPRA-Index war logisch. Viele unserer Investo-


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ren haben auf den Roadshows immer wieder nachgefragt und das aktiv verlangt. Für die Aktionäre heisst das tendenziell mehr Volumen und mehr Volumen ist auch für Neuinvestoren gut. Sie selbst haben geschrieben, dass es auch engere Spreads gibt. Das ist für Investoren wichtig, man möchte rasch ein- und auch wieder aussteigen können. Insofern sehe ich das sehr positiv, ich glaube aber nicht, dass der Kurs deswegen steigt.

wir Verantwortung und machen auch gern bei Veranstaltungen mit. Das Zertifikate Forum Austria gibt zudem viel Information über die Website. Transparenz und Klarheit, das sind die Dinge, die gefordert sind. Man darf den Investor nicht alleine lassen. Denn: Die Märkte bieten aktuell enorme Chancen. Bonuszertifikate oder Produkte mit Seitwärtsrendite waren schon lange nicht mehr so schön darstellbar wie jetzt.

Cafe BE: Ich hab Sie als denjenigen CEO wahrgenommen, der sich am intensivsten mit den Privatanlegern auseinandergesetzt hat. Die haben Sie auf dem Weg von der Zocker-Aktie zum ATX-Five-Wert begleitet ... Zehetner: Die Immofinanz hat als Unternehmen mit etwas spezifischer Geschichte eine besondere Verantwortung für Privatanleger. Dieser Verantwortung haben wir uns gestellt, wir haben auch 2011 eine Privatanleger-Initiative gestartet und haben den IVA-David vom Dr. Rasinger bekommen. Wir haben einen grossen Privatanleger-Anteil von etwa 40 bis 45 Prozent, durchaus aus der Geschichte heraus meist in kleinen Volumina. Wir wollen, dass Privatanleger auf der Hauptversammlung auftreten. Das ist gut gelungen, wir konnten die Präsenz der Privaten um mehr als 100 Prozent steigern, was auch ein bisschen gegen seltsame Meinungen bei Grossanlegern hilft.

Cafe BE: Was sind die häuftigsten Kundenfragen? Arbter: Ein ganz grosser Fragenpunkt ist das allgemeine Thema. Was tut die Weltwirtschaft, was passiert in Griechenland?

Cafe BE: Was allen gemeinsam am Herzen liegt, ist der Themenkomplex Wissen, Seminare, Roadshows ... Huber: Wir machen im Jahr rund 150 Seminare, Workshops, Investmentabende, Kaminabende in verschiedenen Bundesländern. Es gibt dazu in jedem Monat in jeder der acht Filialen ein Einsteigerseminar Online-Brokerage, weil wir einfach den Kunden die Technik näherbringen wollen. Wie kaufe ich? Wie verkaufe ich? Einige, die länger nicht aktiv waren, sind oft verwundert, was heute bereits alles geht. Wir machen jetzt auch Breakfast-Trading, hier kann man live sehen, wie Trader die Eröffnung handeln. Zertifikate, Charttechnik, auch die Anleihen werden immer wichtiger. Durch die Wertpapier-KESt ist es wichtger denn je, dass das Depot bei einer Bank konzentriert wird. Wir werden weiters eine Anleihedatenbank installieren. Man muss immer breiter werden und den Kunden mehr bieten. Der Markt wird nicht einfacher werden. Die KESt werden wir auch noch spüren, ich rechne mit 10 bis 20 Prozent Rückgang. Wir sind aber eine sehr starke Bank und es sieht gut aus. Das 1. Quartal war viel besser als erwartet. Cafe BE: Die RCB ist Partner von Brokern und Banken, die Homepage ist informativ; man wendet regelmässig an Journalisten mit Info-Events. Arbter: Ich möche zum zuvor gesagten noch etwas ergänzen. In Zeiten wie diesen ist ein breit aufgestelltes Portfolio das Richtige, ich glaube, dass es zwischen dem Feld aus Sparbuch und Aktie das Zertifikat als perfekte Alternative mit überschaubarem Risiko und sehr attraktiver Rendite gibt. Das gehört im Zusammenhang mit einem breit aufgestellten Portfolio noch viel stärker positioniert. Das bringt dem Kunden Mehrwert, ideal für Privatanleger. Das ist auch ein Schwerpunkt unserer Seminare; Zertifikate sind nicht leicht zugänglich, als grösster Anbieter dieser Produkte in Österreich haben

Cafe BE: Das wollen die Anleger vom Zertifikate-Desk der RCB wissen? Arbter: Ja, es ist ein grosses Informationsbedürfnis da. Wenn man jemanden kennt und denkt, eine kompetente Antwort zu bekommen, dann ruft man dort an. Und dann natürlich die Ableitung: Was soll man in diesem Umfeld tun? Soll man Aktien kaufen? Unsere Antwort ist dann meist, dass es nicht immer die Aktie sein muss, sondern dass es auch noch etwas anderes gibt, das sich in diesem Umfeld sehr interessant präsentiert. Cafe BE: Ich dachte echt, die Leute fragen eher, wie ein Faktorzertifikat funktioniert. Arbter: Ja, das gibt es natürlich auch, aber man muss sagen, dass es hier ja eine Fülle an Informationen auf den Websites gibt. Ich glaube, niemand hat so viel Information für die Anleger aufbereitet und bereitgestellt wie die Zertifikatebranche. Wenn ich wissen will, wie ein Faktorzertifikat funktioniert, schau ich auf die Homepages der Emittenten. Vor der Entscheidung, welches Zertifikat ich wähle, kommt die Investmentidee. Was glaube ich überhaupt, in welche Richtung es geht. Cafe BE: Bei brokerjet kommen Anleihen ... Siegl-Cachedenier: Zunächst möchte ich mich den Vorrednern anschliessen. Es ist ganz essentiell, dass der Anleger Bescheid weiss, was er kauft. Wir sind mit unserer Akademie bereits vor zehn Jahren gestartet und haben im Jahr mittlerweile rund 15.000 Leute, die die Seminare und Veranstaltungen besuchen. Seit zwei Jahren setzen wir auch verstärkt auf das Thema Internet und Webinare, hier kann man stärker auf das Zeitbedürfnis der Kunden eingehen. Da gibt es auch One-on-Ones über das Internet, da werden spezifische Fragen ganz genau erklärt, es kann um die Plattform gehen, aber auch um Risikomanagement oder Strategien. Das kommt gut an und wird sicher ausgebaut. Stärker in den Mittelpunkt wollen wir auch das LiveTrading rücken. Das gefällt den Kunden, wenn sie sehen, was die Profis machen. Wie gross ist eine einzelne Position, wie geht man an die Sache heran? Das machen wir auch in Osteuropa, der Bedarf ist da und hoch. Jetzt zu den Anleihen. Das war etwas, das aufgrund des Trends zu steuerlich bedingten Konsolidierung der Wertpapierdepots, auf die Agenda gekommen ist. Wir haben da auf den Markt reagiert. Wir haben jetzt auch Seminare zu Anleihen und weiterhin stark zur Wertpapiersteuer, letztere sind die am stärksten nachgefragten. Überträge von Depots mit Anleihen zu brokerjet sind selbstverständlich bereits jetzt möglich.

Hillen: Auf jeden Fall, wir hatten beim IPO eine Kapitalerhöhung gemacht, es haben sich Kunden beteiligt. In der Spitze hatte sich der Kurs versiebenfacht, da war mit gutem Timing viel möglich.

Ernst Huber, Eduard Zehetner, Wolfgang Siegl-Cachedenier, Heike Arbter, Ingo Hillen.

Cafe BE: Und ab wann wird man Anleihen bei euch kaufen und verkaufen können? Siegl-Cachedenier: Ab Mitte Mai. Cafe BE: Herr Hillen, Sino richtet sich an den Heavy Trader. Bitte definieren Sie mir mal den Heavy Trader ... Hillen: Ab zehn Trades im Monat fängt es an, also 120 Trades im Jahr. Wir haben 600 Kunden, die machen ca. 120.000 Trades im Monat, der Durchschnitt liegt demnach bei 200 Trades im Monat. Ein paar Kunden machen auch mal 1.000 Trades oder deutlich mehr als 1.000 Trades im Monat. Cafe BE: Sie haben MX-Pro als Ihr Tool, Ihre Plattform ... Hillen: Das ist das schnellste und stabilste, das man im Online-Brokerage bekommt. Wir haben Routingzeiten, also von der Ordereingabe bis an die Börse, im zweistelligen Millisekundenbereich. Eine Limitüberprüfung, sprich ‚hat der Kunde genug Geld?‘, dauert eine Millisekunde. Die Stabilität liegt bei 99,9 Prozent. Das ist Kern unseres Angebot, die schnellste und stabilste Plattform zu sein. Das haben wir in den vergangenen Jahren gut hinbekommen. Cafe BE: Mich interessieren noch weitere Zahlen. Wie viele Heavy Trader gibt es in Österreich bzw. Deutschland Ihrer Meinung nach? Hillen: Es gibt ganz ganz wenige, einige Tausend werden es in Deutschland sein, in Österreich eine grössere dreistellige Zahl. Es ist eine relativ kleine Community, die aber erstaunlich gut vernetzt ist. Mundpropaganda spielt eine Rolle. Cafe BE: Sie haben ja auch eine Akadamie, die Sino-Akademie, bitte auch da ein paar Worte dazu. Hillen: Die Sino-Akademie richtet sich sowohl an Kunden als auch an Interessenten, wir machen das mehrmals im Jahr. Das Thema ‚Ausbildung‘ spielt bei uns gar keine Rolle, da wir nur erfahrene Kunden haben wollen. Da geht es um absolute Fachthemen: Was ist der Vorteil von Discretionary Orders? Wie kann man über eine API handeln? Wie lassen sich die Kurse einer Aktie für alle Handelsplätze gleichzeitig aufrufen? Und wie funktioniert das Short Selling von Aktien? Solche Dinge. Cafe BE: Sie erwähnten zuvor griechische Anleihen, wie wichtig ist das Thema Anleihen bei einer Plattform wie Ihrer geworden oder war es das immer schon? Hillen: Nein, da sehen wir schon eine deutliche Zunahme in den vergangenen beiden Jahren. Die griechischen Anleihen hatte ich erwähnt, aber auch deutsche Anleihen sind gefragt, wir arbeiten u.a. mit Schnigge zusammen. Da gibt es schon Kunden, die mal eine halbe Million zeichnen. Der Mittelstandsmarkt bei Anleihen ist spannend, da wird auch gehandelt.

Cafe BE: Wirklich gehandelt? Hillen: Ja, durchaus auch einmal kurzfristig. Cafe BE: Herr Huber, wie sieht das bei direktanlage.at aus? Huber: Das Thema Griechenland haben wir auch gesehen, wenngleich nicht so stark wie in Deutschland. Es ist ingesamt nicht so die Gattung, in der sehr viele Transaktionen stattfinden. Zuletzt haben wir einen Rückgang gesehen, weil auch das Zinsniveau zurückgegangen ist. Unter anderem auch durch die Geldschwemme der EZB. Cafe BE: direktanlage.at bietet auch sehr kompetitive Verzinsungen auf Einlagen an. Ist es Ziel, die gesamte Asset Allocation anzubieten? Huber: Es spielt auch herein, dass wir Sparern das Investieren zeigen wollen. Viele sind ja ausschliesslich in Sparprodukten. Cafe BE: Frau Arbter, die Bedeutung der Zertifikate für die Asset Allocation haben wir besprochen. Welche Produkttrends sehen Sie im Jahr 2012 für die Zertifikatebranche? Arbter: Das ganze ist sehr abhängig von den Märkten. Für den Privatinvestor ist der Sparbuchzins die Benchmark. Die Tendenz ist, dass die Zinsen niedrig bleiben werden. Der Kunde sucht Alternativen. Je ruhiger sich die Börsesituation darstellt, desto risikobereiter sind die Kunden. Wir merken dann sofort, dass man z.B. eine Barriere bei einem Bonuszertifikat ein bisschen höher wählt. Oder die neuen Faktorzertifikate, die gut nachgefragt sind. Ohne Knock-outEreignis, aber trotzdem den Hebel liefernd. Es geht stärker in das Marktrisiko. Rendite bekommt man entweder über Credit Risk, z.B. bei Unternehmensanleihen, oder eben über das Marktrisiko. Wir sehen den Trend zum Marktrisiko. Cafe BE: Herr Siegl, Asset Allocation Broker. Ist das für brokerjet auch ein Ziel, die komplette Palette anzubieten? Anleihen kommen, ev. auch Sparthemen? Siegl-Cachedenier: In Richtung Beratung werden wir nicht gehen, da würden wir an Filialen vermitteln. Bei Anleihen werden wir auch den Bestandskunden Überträge anbieten und die Spesen übernehmen. Rund um dieses Thema werden wir sehr aktiv sein. Cafe BE: Herr Hillen, Sino ist börsenotiert, die Performance ist incl. Dividenden sehr gut, die Market Cap liegt bei etwas mehr als zehn Mio. Euro ... Hillen: Genau, wir haben kumuliert sieben Euro Dividenden gezahlt, mehr als die aktuelle Market Cap. Die Performance ist sehr okay, aber nicht überragend. Cafe BE: Inwieweit war der Börsegang eine Marketingmassnahme? Würden Sie es wieder tun?

Cafe BE: Ich habe gelesen, dass Sie beständig schwarze Zahlen schaffen. Das ist eine Leistung. Wo liegt Ihr potenzielles Wachstum? Mehr Heavy Trader oder dass die bestehenden Heavy Trader noch mehr heavy traden? Hillen: Mehr Märkte, breitere Angebote. Wir haben jetzt Chi-X addiert, mit extrem günstigen Konditionen für Standardwerte in Europa. Wir wollen den Leuten so viel wie möglich Börsenaccess geben. Natürlich gibt es auch viele Heavy Trader in Deutschland, die wir noch gerne als Kunden hätten. Cafe BE: Sind Sie auch aktiv? HIllen: Ich verfolge den Markt sehr intensiv, lege auch mein eigenes Geld an, bin aber kein Heavy Trader. Cafe BE: Der 1. April naht, die KESt kommt. Ich glaube, der österreichische Privatanleger wird weniger machen. Was glaubt die ­Runde? Huber: Meine Meinung ist, dass die Umsätze zunächst um 10 bis 15 Prozent zurückgehen werden. Langfristig wird die KESt nur wenig Auswirkungen haben, man sieht das auch in Deutschland, wo wir um 5 bis 7 Prozent Rückgang gesehen haben. Anfangs wird es mehr sein, da die Unsicherheit da ist und man auch im ersten Jahr die Verluste noch nicht gegenrechnen kann. Da wird das Volumen des Kunden ein bisschen leiden. Leider kann man keine Verlustvorträge mitnehmen, das ist in Deutschland viel besser gelöst. Auch das könnte Auswirkungen haben, aber überschaubar. Es ist trotzdem keine faire Lösung. Siegl-Cachedenier: Ich glaube, dass wir den grösseren Einschnitt schon im Vorjahr gesehen haben. Der Effekt nach dem 1. April wird kleiner sein. Leider ist es eine Barriere für neue Leute, das ist meiner Meinung nach das Negativste. Wenn man sich mögliche neue Börsegänge anschaut, dann war das kein positives Signal. Hillen: Für unsere Heavy Trader wäre die österreichische Lösung im Jahr 2012 eine, bei der viele im zweiten Quartal kein Geld mehr hätten, weil sie so häufig drehen und erst zum Jahresende den Ausgleich bekommen würden. Huber: Wir werden uns überlegen müssen, ob wir für die Steuergutschrift einen kostenlosen Rahmen anbieten werden. Das wird wohl kommen. Siegl-Cachedenier: Auch wir denken eine Lösung mit einem Rahmen an. Cafe BE: Stichwort Osteuropa. Wie wichtig ist der osteuropäische Anleger? Ich möchte da mit der RCB beginnen, Sie waren ja zuletzt öfter in Osteuropa unterwegs, Frau Arbter ... Arbter: Ein ganz wichtiges Thema. Es gibt grosses Potenzial, viele Listings an den Börsen. Ein guter Platz, um Produkte zu launchen, auch, weil sich viel grosse Banken zB aus Polen zurückziehen. Raiffeisen sagt, ‚wir sind gekommen, um zu bleiben‘, und das meinen wir auch so. Siegl-Cachedenier: Tschechien, Slowenien und seit Kurzem auch Polen, das ist für uns wichtig. Wir werden auch eine grössere Veranstaltung in Zakopane machen. Wir sehen Wachstum in Osteuropa.


Dienstag, 3. April 2012

© Michaela Mejta (3)

BE14 – medianet

Erneuerbare Energie liegt im Trend Doch am Weg zur Energiewende hapert’s noch an vielen Ecken

Die Risiken werden gern ausgeklammert

v.li.: Martin Graf (E-Control, Vorstand), Georg Kühhas (enso Hydro, CEO), Eveline Stein­berger-Kern (Siemens, Head of Energy CEE), Michael Sponring (PwC, Director Energy, Utilities & Mining).

Die Energie-Experten Eveline Steinberger-Kern (Siemens), Martin Graf (E-Control), Georg Kühhas (enso Hydro) und Michael Sponring (PwC) über Renditen, Hoffnungen und die Zukunft. robert gillinger

Cafe BE: Ein Jahr nach Fukushima – was hat sich aus Sicht eines der grössten Energietechnikunternehmens geändert und wo sehen Sie die Zukunft? Eveline Steinberger-Kern: Durch Fukushima hat sich die Entwicklung auf jeden Fall verstärkt, auch für Siemens. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Deutschland den Weg des Atomausstiegs gewählt hat und Siemens diese gesellschaftspolitische Entscheidung berücksichtigt. Eine nachhaltige Unternehmensverantwortung zu entwickeln, ist bereits in den vergangenen Jahren mehr und mehr zum Teil und zur wichtigen Aufgabe von Siemens geworden. Siemens hat bereits vor 35 Jahren begonnen, CSR aufzubauen und in der Unternehmenskultur zu verankern. Für Siemens ist es kein Lippenbekenntnis, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor, soziale, ökonomische und ökologische Aspekte in Einklang zu bringen. Im Vorjahr erzielten wir mit Produkten und Lösungen rund um die CO2-Einsparung, Luft- oder Wasserreinigung, einen Umsatz von etwa 30 Milliarden Euro. Dieses Geschäftsfeld weiter auszubauen, ist erklärtes Unternehmensziel. Im Bereich CEE lag dieser Anteil am gesamten Bereichsumsatz sogar bereits bei mehr als 50 Prozent. Im Zuge der Energiewende sehe ich für Siemens grosse Chancen.

Neben der Energieeffizienztechnologie, die seit Jahrzehnten ein Kerngeschäft darstellt, gehen wir stark in Richtung Renewables. Bei Offshore-Windkraftwerken etwa sind wir Marktführer. Michael Sponring: Ich sehe das auch so: Fukushima hat dazu beigetragen, den Trend nach vorn zu bewegen, das Umdenken hat aber bereits vorher stattgefunden. Ich sehe aber ein anderes Problem: Dass immer mehr sogenannte Experten herumlaufen, die aber selbst erst ganz kurze Erfahrung in der Materie gesammelt haben und glauben: Das ist grün, das kommt gut an, das mache ich auch – da gründe ich eine Gesellschaft. Man sieht das an vielen Projekten, vor allem bei der Windkraft und speziell dem Bereich Fotovoltaik, da dieser noch leichter umzusetzen ist. Die damit verbundenen Risiken werden vorher aber nicht überlegt: Dass es etwa zu unerwarteten Entwicklungen kommen könnte. Dazu kommt jetzt eine Konsolidierung, der chinesische Markt drängt auch nach Europa – die Paneelen werden immer billiger. Das freut zwar den Kunden, es ist aber oft nicht so einfach, das Niveau der Qualität beizubehalten. Für die Entwicklung, für eine gewisse Amortisation, ist es aber unumgänglich, dass billige Produkte den Markt überschwemmen. Cafe BE: Sie sprachen von Konsolidierung. Gibt es Schätzungen zum

gesamten Transaktionsvolumen in diesem Bereich? Sponring: Wir haben gerade eine Studie zum Thema Renewables veröffentlicht: Der Transaktionswert ist im Vorjahr weltweit um 40 Prozent gestiegen, da spricht man von einer Steigerung von 38 auf 53 Mrd. US-Dollar. Das sind aber fast ausschliesslich Finanzinvestoren, die renditegetrieben einsteigen und vergessen, dass damit doch Risiken verbunden sein können – auch von Regierungsseite, dass die plötzlich draufkommt: Hoppla, das haben wir überfördert. Investoren gehen immer davon aus, dass sie, sagen wir die nächsten 30 Jahre, keine Problem haben, da es ohnehin einen Einspeistarif gibt – man denkt leider nicht weiter. Cafe BE: Wie sieht die E-Control die Situation? Martin Graf: In Summe besteht die Herausforderung bei der Diskussion über die Energiewende darin, sämtliche Einzelaspekte zu einem Gesamtpaket zusammenzufügen. Eine Gesamtsicht auf die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Energiewende gibt es hingegen bisher noch nicht. Wir arbeiten derzeit an einer Studie dazu, die wir im Herbst veröffentlichen werden. Wenn wir über Fukushima und den Atomausstieg Deutschlands diskutieren, müssen wir auch darüber reden, wie die künftige Form der Energieerzeugung und Energie-

versorgung aussehen soll. Wenn wir über volatile Erzeugungsformen wie Wind oder Fotovoltaik diskutieren, ist es auch notwendig, entsprechende Regelenergieleistung bereitzustellen. Das funktioniert vor allem über Pumpspeicherkraftwerke und Gaskraftwerke. Die Versorgungssicherheit ist ja auch ein wesentlicher standortpolitischer Wettbewerbsvorteil und dieser ist auch zukünftig von Bedeutung. Deutschland plant, bis 2020 allein im Windbereich eine Leistung von 50.000 MW aufzubauen. Das aber in Regionen, wo der Verbrauch nicht stattfindet. Um zum Verbraucher zu gelangen, muss er entsprechend transportiert werden. Dieses Unterfangen hat einige kritische Aspekte. Erstens die Finanzierung. Aus regulatorischer Sicht ist hier der Zinssatz ein wichtiger Entscheidungsfaktor. Und aus meiner Sicht bietet die E-Control hier für die österreichischen Netzbetreiber bereits hinreichend Anreize. Wir sehen auch in Österreich seit ein paar Jahren eine wieder zunehmende Investitionstätigkeit in Verteil- und Übertragungsnetze. Zweitens die Genehmigungsverfahren straffen, die oft 20 und mehr Jahre benötigen. Mit diesem Tempo wie bisher werden wir die energiepolitische Wende nicht schaffen. Wir bräuchten ein Netzausbaubeschleunigungsgesetz in Anlehnung an Deutschland, sodass Genehmigungsverfahren in

drei bis vier Jahren über die Bühne gebracht werden können unter Wahrung der Interessen der Bevölkerung und der Projektwerber. Sponring: Es reicht nicht, nur beim Netz zu beschleunigen, das muss auch bei den Produktionsanlagen passieren. Ich bin zwar ein Gegner von ‚Ein Wasserkraftwerk für jedes Rinnsal‘, aber es gibt durchaus einige interessante Projekte, die in der Pipeline feststecken. Cafe BE: enso Hydro ist bereits in der Erzeugung Erneuerbarer Energien tätig. Ist es seit Fukushima leichter Geld zu bekommen? Georg Kühhas: Fukushima war sicher der Turbo für die Erneuerbaren. Aber der Trend war ohnehin da. Was fehlt, ist, und das sehe ich ähnlich wie bereits gesagt, dass jemand das politisch in die Hand nimmt und steuert, wie wir Energie in Zukunft erzeugen wollen. Es macht keinen Sinn, dass an jedem Eck irgendjemand etwas errichtet, es aber keine Koordination gibt. Das führt dann à la longue dazu, dass wir die Versorgungssicherheit, die ein wesentliches Asset dieses Wirtschaftsstandorts ist, nicht mehr haben werden. Mit jedem Windrad, das wir aufstellen, wird das Gaskraftwerk eine geringere Laufzeit bekommen und wird dadurch die Energie nur teurer produzieren können. Und da vorhin die Förderung Erneuerbarer Energie angesprochen wurde – die Wasserkraft, unser Metier, ist die einzige Form der


Dienstag, 3. April 2012

Erneuerbaren Energie, die ohne Förderung auskommt. Ich habe auch das Gefühl, dass es ein gewisses politisches Umdenken gibt, Klein- und Mittelwasserkraftwerke wieder stärker zu forcieren. Cafe BE: Herr Graf, Sie kommen gerade von einer Veranstaltung über Energieeffizienz in der Wirtschaftskammer. Was kommt da auf uns zu? Graf: Es gibt einen Arbeitsentwurf eines bundeseinheitlichen Energieeffizienzgesetzes – mit verbindlichen Zielen. Das sehen wir bei E-Control sehr positiv. Wichtig ist, dass wir im Bereich der Gebäude, etwa der Raumwärme, entsprechende Massnahmen setzen, um mit dem geringsten Mitteleinsatz eine wirklich nachhaltige Energieeinsparung erzielen. Wenn wir ein neues Energiesystem haben wollen, ist sowohl die Stärkung der heimischen Erzeugung, aber auch der effiziente Umgang mit Energie zukünftig notwendig. Cafe BE: Wie sieht es auf der Nachfrageseite mit dem Thema Energieeffizienz aus? Steinberger-Kern: Aus meiner Zeit beim Klimafonds weiss ich, dass jeder einen gewissen Druck – Vorschriften, Gesetze und Richtlinien – verspüren muss, um sich auf neue Themen einzulassen. Hinter der Energiewende, einer der grössten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, steckt sicherlich auch ein gewisses Investitionsrisiko. Daher benötigen wir in Europa einen verlässlichen Rahmen, der langfristige Investitionsentscheidungen berücksichtigt und unterstützt. Reine Energiesubvention wird sicher nicht zum Ziel führen. Man muss alle Kaskaden des Energiesystems berücksichtigen und Energiedienstleistungen anbieten. Nur so können wir tatsächlich energieeffizient werden. Am Beispiel von Österreich wird deutlich, wie weit der Weg hin zu einer energieeffizienten Zukunft ist. Ziel ist es, bis 2050 rund 80 Prozent der Energie aus Erneuerbaren Energieträgern zu gewinnen. Derzeit liegt der Primärenergieverbrauch aus Erneuerbarer Energie bei 30 Prozent. Ohne Energieeffizienzthemen ist dieses Ziel nicht zu erreichen. Schon heute wären wir allerdings in der Lage, mit den entsprechenden Energieeffizienztechnologien den Energieverbrauch um 50 Prozent zu optimieren – ein Schritt in die richtige Richtung. Nehmen das die Kunden an, war die Frage. Ich möchte als Beispiel das hocheffiziente Gas- und

medianet – BE15

Dampfkraftwerk Irsching nennen. Im Bereich der GuD-Anlagen hat Siemens in den letzten Jahren eine Schlüsseltechnologie entwickelt und bei einem GuD-Kraftwerk erstmals einen Wirkungsgrad von mehr als 60 Prozent erreicht – das ist Weltrekord. Heute sind Kraftwerksbetreiber damit konfrontiert, dass Gaskraftwerke nicht wirtschaftlich sind. Auch wegen der Überregulierung, gerade im erneuerbaren Bereich, haben wir die Situation, dass fossile Kraftwerke aus der ‚merit order‘ gedrängt werden. Grundsätzlich bin ich für eine Unterstützung Erneuerbarer Energien, um die Marktreife zu erreichen. Man sollte allerdings nie das Gesamtsystem aus den Augen verlieren. Kühhas: Wenn ich da beim ‚Druck und nur dann wird sich etwas ändern‘ einhaken darf: In den 70er-Jahren wurde begonnen, verbrauchsärmere Pkw zu bauen – nach dem damaligen Ölpreisschock. Ich bin überzeugt, dass wir uns umso mehr mit der effizienten Nutzung von Energie beschäftigen werden, je mehr uns deren Preis beschäftigt. Auch sollten wir eines bedenken: Wir haben in Europa eine negative Handelsbilanz bei Energie von 350 Mrd. Euro pro Jahr, 350 Mrd. Euro, die wir für Energieimporte an fremde Volkswirtschaften zahlen. Griechenland wäre mit diesem Geld schuldenfrei. Steinberger-Kern: Von der energiepolitischen Unabhängigkeit ist Europa weit entfernt. Wir diskutieren und planen Gaspipelines von Zentralasien quer durch Europa. Cafe BE: enso Hydro wendet sich auch an private Investoren. Mit welcher Rendite können die rechnen? Kühhas: Da wir sehr viel Projektentwicklung machen, sind es knapp zweistellige Renditen; das ist eine gut abgesicherte, eher konservative Schätzung. Mit dem reinen Betreiben von Wasserkraftwerken gibt es diese Renditen nicht. Aber in der Projektentwicklung gibt es natürlich auch andere Risiken – und das haben wir ja auch schon gelernt: Risiko und Rendite korrelieren. Wir versuchen einen guten Mix, auf Länder- und Projektebene, um die Risiken gut zu streuen. Ad Investoren: Es hat am Anfang leicht schleppend begonnen, jetzt ist es aber so, dass wir durchaus grosse Investoren an der Hand haben – der private Anleger, der in Österreich ab 50.000 Euro dabeisein kann, spielt eher eine untergeordnete Rolle. Das massive Inter-

Martin Graf und Georg Kühhas: Rendite und Risiko müssen korrelieren.

E. Steinberger-Kern, M. Sponring: Fukushima hat die Entwicklung nur beschleunigt.

esse der Grossinvestoren hat mich dafür überrascht. Cafe BE: Wo sieht PwC Renditepotenziale am Energiemarkt und ist das bei Ihnen auch so, dass sich vor allem Grossinvestoren des Themas annehmen? Sponring: Wir haben regelmässig Anfragen von diversen Family Offices, ob wir nicht im Ziel 1-Gebiet ein Wasserkraftwerk haben. Also in Österreich, Deutschland oder der Schweiz. Aber da gibt es nichts. Deshalb sind die Preise so hoch. Und im Umkehrschluss liegt die Rendite im niedrigen einstelligen Bereich. Doch den Family Offices geht es vor allem um Werterhalt – und da bin ich, wenn die Rahmenbedingungen passen, auf der sicheren Seite. In puncto Renditepotenzial laufen viele der eingangs erwähnten Experten mit Erwartungen im zweistelligen Bereich herum. Wenn ich mir jetzt aber etwa den deutschen Onshore-Windmarkt ansehe, da werde ich keine zweistelligen Renditen erwarten können. Es ist auch Glaskugelwissenschaft, wenn irgendjemand einen Strompreis in 30 Jahren prognostiziert. Länger als es die Futures an der Börse abbilden, ist eine Prognose wenig seriös. Wir haben auch durch Fukushima und den Atomausstieg gedacht, dass der Base-Preis eher steigen wird. Doch was ist passiert? Die dezentrale Erzeugung hat es gebracht, dass das Peak-Niveau gerade um die Mittagszeit zurückgeht. Dabei wären energiepolitisch etwas höhere Preise gar nicht so schlecht, da man dann das Förderniveau leichter zurückschrauben kann. Das ist und bleibt das Restrisiko jedes Investors: Wo geht der Basispreis bzw. der Strompreis per se hin? Am besten ist es wohl, in verschiedene Länder und dort in verschiedene Risiken zu investieren. Cafe BE: Wie sieht es mit den Anreizen für Netzausbau wirklich aus? Die Unternehmer selbst jammern eher über zu geringe Renditen – und natürlich über die bereits angesprochenen zu langen Genehmigungsverfahren; Sie sprachen vorher von einem ausreichenden Investitionsanreiz ... Graf: Die Renditeerwartungen müssen mit dem Risiko korrelieren, hat Herr Kühhas gerade gesagt. Diese Erkenntnis vermisse ich oft in der Diskussion mit Netzbetreibern. Wenn ich nach Deutschland blicke, haben die Übertragungsnetze zum grossen Teil neue Eigentümer. Bei Amperion etwa die Commerzbank, die sich mit Versicherungen und Pensionskassen am Übertragungsnetz beteiligt hat. Die Gewinnerwartung liegt bei rund 6,5 Prozent nach Steuern auf das eingesetzte Eigenkapital. Ich finde, das ist ein angemessener Zinssatz. Macquarie, ein Infrastrukturfonds der acht Mrd. schwer ist und in öffentliche Infrastruktur wie Flughäfen, Abwasserentsorgungsan-

lagen, etc. investiert und kürzlich bei Thyssengas eingestiegen ist, erwartet sich natürlich mehr. Hier besteht ein Bedarf von zumindest zehn Prozent. In Vorbereitung der zukünftigen Regulierungssystematik diskutieren wir mit österreichischen Netzbetreibern über die Eigenkapitalverzinsung und hören, dass ein Eigenkapitalzins unter zehn Prozent vor Steuer jeglicher Marktlage widerspricht. Als E-Control wollen wir für die Ausgewogenheit zwischen den Belastungen der Energieverbraucher und den Erwartungen für die Verzinsung auf das eingesetzte Kapital sorgen. Daher muss im Zinssatz das Riskio für das natürliche Monopol Netz adäquat abgebildet werden. Das Risiko beim Netzbetreiber ist sicher ein regulatorisches, aber wir haben hier seit vielen Jahren ein stabiles Umfeld und Planbarkeit geschaffen. Es gibt natürlich ein Mengenrisiko, wobei dies durch den Gesetzgeber durch die Einführung eines Regulierungskontos ausgemerzt wurde. Der Eigenkapital-Zins vor Steuern liegt für Netzbetreiber in Österreich derzeit bei 10,44 Prozent, das Niveau wurde zuletzt im Oktober 2008 fixiert, wohlgemerkt noch vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise durch die Pleite von Lehman-Brothers. Nun diskutieren wir diesen Wert für die Zukunft: Wenn ich mir heute die risikolosen Zinsen am Markt ansehe, werden wir am Ende des Tages wohl bei einem einstelligen Wert für die Verzinsung des Eigenkapitals landen. Auch im Hinblick auf jene, die das zu zahlen haben – die Energiekunden angefangen von den Haushalten über die Gewerbekunden bis hin zur Industrie –, ist eine risikoadäquate Festlegung erforderlich. Ich spreche mich dafür aus, dass die Investitionen entsprechend verzinst sein sollen, gleichzeitig sollen die Energiekunden aber nicht über Gebühr belastet werden. In Österreich betragen die Netztarife derzeit rund zwei Mrd. Euro. Jeder Prozentsatz mehr oder weniger wirkt sich entsprechend auf die Netztarife aus. Ich schätze, dass bis 2020 rund acht Mrd. Euro ins Netz zu investieren sind. Das muss jemand auch finanzieren – das ist eine Herausforderung, vor der die Unternehmen und deren Eigentümer stehen. Cafe BE: Ich sehe die nächsten Aufträge für Siemens ... – aber Stichwort ‚Dezentrale Energieerzeugung‘ und ‚Smart Grids‘. Ihre Meinung dazu und die Folgen – das Ende der Grosskraftwerke? Steinberger-Kern: Es stimmt, dass grosse Summen genannt werden. Die EU hat letztes Jahr die im Zusammenhang mit der Energiewende stehenden notwendigen Investitionen mit 200 Mrd. Euro beziffert. Allein Deutschland plant den Ausbau von Offshore Windparks um 40 bis 50 Mrd. Euro. Allerdings

geht der Ausbau dieser Windprojekte bisher nur schleppend voran, denn diese notwendigen Investitionen fallen auch in wirtschaftlich schwierige Zeiten. Stichwort ‚Dezentrale Energieversorgung‘: Durch die politisch angestossene Forcierung Erneuerbarer Energien, zum Beispiel Blockheizkraftwerke, KWK-Anlagen usw., nimmt die Fluktuation der Energieversorgung zu. Das Energieversorgungssystem ist mehr gefordert, da die Energieerzeugung mehr von äusseren Einflüssen (z.B. Wind und Sonne) abhängig ist und Strom nicht gleichmässig, wie etwa bei Kohle- oder GuD-Anlagen, erzeugt wird. Darüber hinaus sind Energiespeicher noch nicht wettbewerbsfähig. Smart Grids sollen die zunehmend dezentral werdende Energieaufbringung mit dem Bedarf der Konsumenten ‚matchen‘ und stellen damit den backbone der grünen Energiewende dar. Im Übrigen glaube ich nicht, dass es 2020 keine Grosskraftwerksprojekte mehr geben wird. Kühhas: Geplant ist immer sehr schnell. Aber ich wünsche den Planern viel Spass bei der Umsetzung eines gross angelegten Netzausbaus, bei all den Widerständen auch in der betroffenen Bevölkerung. Selbst wenn das Geld da wäre, was ich nicht sehe, wüsste ich nicht, wo da entsprechend gebaut werden kann. Dezentrale Energieversorgung bleibt das Thema. Cafe BE: Brauche ich dann langfristig eigentlich doch keinen Netzausbau – Energieeffizienz auch noch berücksichtigt? Graf: Der Netzausbau ist notwendig, da eben die Volatilität der Erzeugung, wie Frau Steinberger-Kern gesagt hat, grösser wird. Fotovoltaik wird in Österreich im Durchschnitt in 970 Stunden und Wind in rund 2.100 Stunden produziert – der Bedarf ist aber natürlich für 8.760 Stunden des Jahres zu decken und dafür sind neben der Produktion auch neue Speichertechnologien in Zukunft notwendig. Die Netz brauchen wir allein schon, um den Strom etwa von den deutschen Offshore-Windparks zum Verbraucher zu bringen. Oder Beispiel Österreich: Durch das ÖSG werden neue Investitionen angestossen (beispielsweise gibt es Überlegungen, im Weinviertel weitere Windräder zu errichten); die daraus resultierenden Leistungen entsprechen rund jenen von fünf bis sechs Donaukraftwerken. Die Verbraucher in dieser Region werden diesen Strom nicht verbrauchen und daher ist es notwendig, die Ökostrommengen auch zu transportieren. Cafe BE: Die Probleme der deutschen Solarindustrie etwa mit chinesischer Konkurrenz sind bekannt. Wie sieht das für Siemens aus? Steinberger-Kern: Wir haben durchaus starke Konkurrenz aus China, bei Transmission-Technologie, aber auch Kraftwerken. Bei der Fotovoltaik haben wir einen anderen Weg gewählt – Concentrated Solar Power. Das sind Parabolriemenkraftwerke für den grosstechnischen Einsatz. Und auch für eher sonnenreiche Gebiete. Vorteil: Im Vergleich geringere Anschaffungskosten und ein höherer Wirkungsgrad.


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