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Platzatlas Stadtr채ume in Europa

Sophie Wolfrum (Hrsg.)

Birkh채user Basel


Vorwort

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Einf체hrung

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Bibliografie

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Vorwort

Beweggrund für diesen Platzatlas ist der seit Langem festgestellte Bedarf an systematisch aufbereiteten Informationen für das städtebauliche Entwerfen: Sowohl in der täglichen Arbeit im Architekturbüro als auch in der Hochschule benötigt man präzise Angaben zu Form und Maßen, zu Materialien und Ausstattung bekannter Plätze, an denen man sich im städtebaulichen Entwurf orientieren möchte. Dazu soll dieser Platzatlas nun das Material bereitstellen, es wurde im Rahmen der Städtebaulehre an der Technischen Universität München zusammengetragen und aufbereitet.1 Während der zehn Jahre, in denen diese Recherchen stattfanden, hat sich die Datenlage fundamental verbessert. Die digitale Vermessung der Welt und vor allem die ubiquitäre Verfügbarkeit dieser Daten und Bilder haben in diesem Zeitraum einen Quantensprung gemacht. Zu Beginn musste man vor Ort fotografieren und zeichnen, Katasterpläne oder topografische Grundkarten besorgen, um überhaupt Kartengrund1 Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung an der Fakultät für Architektur, Prof. Sophie Wolfrum, 2004–2014. Die beteiligten Studierenden und verantwortlichen wissenschaftlichen Mitarbeiter sind im Appendix genannt. Die Autoren der Neufassung und Überarbeitung aller Zeichnungen sind Francesca Fornasier und Heiner Stengel. 2 Drei Ausnahmen sind uns bekannt: • Jenkins, Eric, To Scale: One Hundred Urban Plans, London 2008. • Mancuso, Franco; Kowalski, Krysztof (Hg.), Squares of Europe, Squares for Europe, Krakau 2007.

• Lässig, Konrad u.a., Straßen und Plätze. Beispiele zur Gestal­tung städtebaulicher Räume, Berlin 1968. Die erste Publikation beschränkt sich auf Schwarzpläne im Maßstab 1:2500, die zweite stellt neben Texten fotografische Abbildungen in den Vordergrund. Auch hier beschränkt sich die den Vergleich erlaubende maßstäbliche Plandarstellung auf die Figur-Grund-Darstellung von Schwarzplänen im Anhang. Die dritte zeigt zwar Lagepläne, Schnitte und räumliche Darstellungen, aber in unterschiedlichen Maßstäben und als Skizzen ohne Maßstab.

lagen zu erhalten. Einige unsere Recherchen sind gescheitert, da etwa Karten von offiziellen Behörden nicht herausgegeben wurden. Inzwischen kann man sich nun viel schneller virtuell vor Ort begeben, sich einen ersten visuellen Eindruck verschaffen und die groben Maße aus den Luftbildern herausmessen. Aber auch diese Informationen sind oft verzerrt und nur scheinbar objektiv. Es sind nur Bilder. Die gründliche Recherche ist also nicht obsolet geworden, jeder Platz wurde aufgesucht, fotografiert und die Planunterlagen wurden recherchiert. Auch die Charakterisierung eines Platzes beruht auf den Wahrnehmungen vor Ort. Zwar ist die Literatur zu Plätzen umfangreich, doch oft ist sie rein architekturhistorisch orientiert, in den wenigsten Fällen durch Zeichnungen unterstützt. Eine durchgängig maßstabsgetreue Darstellung fehlt bisher weitgehend.2 Der einheitliche Maßstab und die für Architekten übliche Darstellung in Lageplan, Grundriss, Schnitt und Axonometrie sind es jedoch, die das räumliche Lesen erlauben, sie machen den Atlas zu einem Werkzeug für den architektonischen Entwurf, vergleichbar mit den in letzter Zeit vielfach veröffentlichten Grundrissatlanten im Hochbau. Zeichnungen bieten einen anderen Zugang zur Architektur eines Platzes als ein Luftbild. Als Interpretationen und zugleich als Abstraktionen liefern die verschiedenen Zeichnungsarten (Schwarzplan, Strichzeichnung) einerseits differenziertere Informationen, andererseits fordern sie zum selbstständigen Mitdenken auf. Das trifft nicht nur auf die Herstellung der Zeichnungen durch die Autoren zu – das Zeichnen selbst ist das beste Training für den Entwerfer –, das Lesen der Zeichnungen begünstigt auch den aktiven Nachvollzug der architektonischen Struktur. Sophie Wolfrum, im Oktober 2014

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Einführung

Dieses Buch stellt eine Sammlung europäischer Plätze vor, dargestellt in Karten und Plänen. Es ist ein Atlas, in dem es um Architektur geht, um die Architektur der Stadt. Diese Untersuchung von Stadträumen, die gemeinhin als Plätze bezeichnet werden, ist nicht bauhistorisch motiviert, sondern eine Darstellung ihrer räumlichen Eigenschaften und architektonischen Ausprägungen. Das Spektrum der behandelten Plätze bietet keinen umfassenden Überblick, sondern konzentriert sich auf einzelne, besonders charakteristische Beispiele. Viele von ihnen stehen stellvertretend für andere Plätze des gleichen Typs. Darstellung Jeder Platz wird auf zwei Doppelseiten mit Lageplan (Schwarzplan), Grundrissen, Schnitten und Axonometrie zeichnerisch dokumentiert und durch eine knappe textliche Erläuterung ergänzt. Die einheitliche Plandarstellung im selben Maßstab ermöglicht es, Form, Ausdehnung, Ausstattung und Umfeld der verschiedenen Plätze gut zu vergleichen. Das zeigt sich insbesondere bei Plätzen desselben Typs wie etwa dem Saalplatz (Plaza Mayor) Spaniens in Barcelona, Madrid und Salamanca. Bei aller Ähnlichkeit lassen sich durch die einheitliche Darstellung die Unterschiede in den Maßen und Proportionen, aber auch hinsichtlich der sonstigen Erscheinung gut erkennen. Der Lageplan zeigt jeden Platz in seiner Umgebung als Schwarzplan im Maßstab 1:5000, 15 × 15 cm im Buch entsprechen 750 × 750 m. Der gebräuchliche Maßstab erlaubt es, schnelle Vergleiche mit anderen Kartenwerken anzustellen. Unter den im Atlas dargestellten Plätzen werden auch die erheblichen Unterschiede der Stadttextur im jeweiligen Kontext deutlich sichtbar.

Grundrisse und Schnitte werden in dem weniger gebräuchlichen, aber nicht unüblichen Maßstab 1:1250 dargestellt. 20 cm der Zeichnung entsprechen also 250 m in der Realität. Dieser Maßstab erlaubt es, auch relativ große Plätze mit ihrer Randbebauung in einem noch handlichen Buchformat darzustellen. Dem Grundriss werden im selben Maßstab Schnitte zugeordnet, beide liegen jeweils auf zwei Seiten einander gegenüber, zusammen lassen sie die Proportion des Platzes erkennen. Die dem Buch separat beigefügte Maßstabsskala erleichtert das Ausmessen. Zu den Darstellungsmitteln gehört auch die Axonometrie, deren Dreidimensionalität die Baukörper der Gebäude und das Raumvolumen des Platzes im Wechselspiel von Figur und Grund veranschaulicht. Ebenfalls im Maßstab 1:1250, ist die Axonometrie in diesem Atlas meist die sogenannte Militärperspektive: auf dem winkelgetreuen Grundriss ist die Höhe der Gebäude um 1 / 3 gekürzt aufgetragen, um einen guten Einblick in die Plätze zu ermöglichen. In einigen Fällen wurden zur besseren Erkennbarkeit des räumlichen Gefüges andere Arten der axonometrischen Darstellung gewählt. Grundriss, Schnitte und Axonometrie liefern gemeinsam die umfassende Information über die dreidimensionale figürliche Eigenschaft des Platzes. Die Texte konzentrieren sich auf die architektonischen Elemente und die relevanten Aspekte ihrer Wahrnehmung: Platzgestalt, Kontextbezüge, Bewegungsstrukturen und Aufenthaltsqualitäten. Anstelle einer umfassenden Beschreibung werden wenige, besonders charakteristische Merkmale herausgegriffen. Ergänzt werden die Texte durch eine knappe Auflistung architekturhistorischer und technischer Daten. Eine Landkarte zeigt die Lage der Städte mit allen Platzstandorten in Europa.

In einer Matrix werden alle Plätze durch die Zuordnung zu den relevanten Kategorien charakterisiert: Datierung nach Epochen; morphologische Eigenschaften, Form und Größe; Funktionen und Programme; performative Eigenschaften. Werkzeug Architekten arbeiten häufig mit Referenzen, die sie sich im Laufe ihres Berufslebens erworben haben und auf die sie im Entwurf zurückgreifen. Literatur, die diese Referenzen zur Verfügung stellt, ist ein Wissensarchiv, das zum Werkzeug wird, wenn sein Material gut gewählt und in geeigneter Form aufbereitet ist. Architektur und architektonische Qualität lassen sich durch Zeichnungen und Texte beschreiben. In dieser Form wird das Material hier bereitgestellt. Häufig bezieht man sich während eines Entwurfs auf Beispiele, an die man sich erinnert, die man aus eigener Anschauung oder aus der Literatur kennt. Die Beispiele sind im Gedächtnis aber oft nur diffus und ungenau gespeichert. Man kann sich auf sie erst dann produktiv beziehen, wenn sie in der nötigen Präzision zur Verfügung stehen. Die in diesem Atlas verwendete Plandarstellung ist Architekten vertraut. Lageplan, Grundriss, Schnitte und Axonometrie fügen sich zusammen zu einem dreidimensionalen Abbild, das sofort verständlich ist. So können konkrete städtebauliche Ensembles oder die Architektur eines Platzes studiert und als Material für den Entwurf herangezogen werden. Man erinnert sich an weite Plätze, intime oder prächtige Plätze. Aber durch welche Maße entsteht die Weite, wie kompakt sind die Proportionen des intimen Platzes wirklich, welche Bauwerke verleihen dem Platz seine Pracht? Durch welche konkreten Maß-, Formund Materialeigenschaften unterscheiden sich Plätze in

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ihrer räumlichen Wirkung? Diese Fragen lassen sich nur Die Kategorien der Matrix sind: durch präzise Angaben und Darstellungen beantworten, wie sie der Platzatlas versammelt. Entstehungszeit Unterstützt wird die synoptische Darstellung in diesem Atlas durch die Matrix, die den gezielten Zugriff Antike  Die heutige Gestalt eines Platzes auf Platztypen nach Größe, Gestalt, Funktion oder perwurde bereits in der (römischen) Antike anformativen Qualitäten erlaubt. Unter den in der Matrix gelegt. aufgeführten Kategorien sind neben Größe, Entstehungszeit oder Nutzung insbesondere die morpholoMittelalter  Die heute noch dominierende gischen Eigenschaften und performativen Potenziale räumliche Gestalt rührt aus der in Europa für den Entwurf entscheidend. So können etwa bei der wichtigen Gründungsphase von Städten im Arbeit an einem städtebaulichen Projekt AnforderunMittelalter. gen an einen Platz berücksichtigt werden, der beispielsweise einen Stadteingang bilden, Ausblick bieten oder Neuzeit  Planungen der Neuzeit seit dem besonders geschlossen wirken soll, wenn man unter 16. Jahrhundert lassen ein Entwurfskonzept den morphologischen Eigenschaften über die Kategorie deutlich erkennen oder wurden, wenn «Entree», «Terrasse», «Stadtinnenraum» oder «Saal» sie älteren Ursprunges sind, gemäß einer zum Vergleich entsprechende Beispiele aufsucht. Unter modernen Konzeption überarbeitet. den performativen Potenzialen wiederum kann man etwa an Beispielen, die in der Spalte «Bühne» aufge19. Jahrhundert  Die Plätze sind Bestandführt sind, Plätze studieren, die den Überblick und das teil der stadträumlichen Neuformulierung Sehen und Gesehenwerden begünstigen, oder in der der Städte im Zeitalter der Industrialisierung. Kategorie «Versammlung» solche, die durch ihre Architektur politischen oder gesellschaftlichen Aktivitäten Ab 20. Jahrhundert  Plätze wurden in der Bedeutung verleihen. Moderne und in jüngerer Zeit angelegt, oder sie haben, meist im Zuge neuerer Projekte der Stadtrevitalisierung, eine signifikante Umgestaltung erfahren. Morphologische Eigenschaften Sie betreffen die Gestalt des Platzes im Hinblick auf Gebäude und andere raumbildende Elemente sowie den städtebaulichen Kontext. Entree  Der Platz dient als Eingang in die Stadt oder in ein Stadtgebiet. Vorplatz  Der Platz liegt vor einem dominanten Gebäude in dessen räumlichem Einflussbereich, er dient ihm als Vorfläche. Breitenplatz (nach Camillo Sitte)  Die Orientierung auf dem Platz erfolgt zur Breitseite, die von einem Gebäude dominiert wird.

Tiefenplatz (nach Camillo Sitte)  Die Orientierung auf dem Platz erfolgt über seine Längsrichtung, da das dominierende Gebäude in der Tiefe des Platzes auf einer der Schmalseiten liegt. Knoten  Mehrere Wege treffen auf dem Platz zusammen, er ist ein Verteiler von Verkehrsströmen und Bewegungslinien. Gelenk  Der Platz oder wesentliche Platzteile gehören gleichzeitig verschiedenen räumlichen Systemen an, im Platz verschränken sich differente Strukturen oder Richtungen. Naht  Zwei morphologische Systeme grenzen im Stadtgefüge aneinander. Indem der Platz eine Randlage einnimmt, markiert er die Nahtstelle. Stadtinnenraum  Weitgehend geschlossene Platzwände verleihen dem Platz den Charakter eines Innenraums, auch bei unregelmäßiger Kontur. Bei Platzensembles kann das auch nur auf einen der Teilplätze zutreffen. Saal  Zur Geschlossenheit und den kompakten Proportionen kommen beim Saalplatz die regelmäßige, meist rechtwinklige Grundfläche und die einheitliche Traufhöhe homogener Platzwände hinzu. Innenhof  Eigentlich der Hof eines Gebäudekomplexes, dennoch wird der Freiraum als öffentlicher Platz erlebt. Feld  So wie Figuren auf einem Spielbrett Beziehungen zwischen sich erzeugen, spannen einzelne, auf der Grundfläche verteilte Gebäude den Platz zwischen sich auf. Schmuckplatz  Durch die Förmlichkeit von Ausstattung und Bepflanzung erhält der Platz seinen Ornamentcharakter. Garten  Der Charakter des Platzes wird wesentlich durch die Vegetation geprägt.


Belvedere  Durch exponierte Lage und erhöhte Position bietet der Platz Überblick oder Aussicht, meist in eine bevorzugte Richtung. Weite  Im Verhältnis zur ausgedehnten Grundfläche erscheinen die Ränder des Platzes niedrig, oder sie sind schwach ausgebildet, seine Ausdehnung wird als Weite wahrgenommen. Grundform Rechteck  Der Platz hat die Form eines regelmäßigen Rechtecks oder Quadrats.

Funktionen und Programme Sie betreffen die Nutzungen des Platzes und seiner Gebäude. Handel  Der Platz ist Marktplatz, oder Handel und Gastronomie in den umliegenden Gebäuden bestimmen seine Erscheinung.

Treffpunkt  Man schaut vorbei, trifft Bekannte, bleibt ein bisschen da, geht wieder. Es ist ein Kommen und Gehen.

Verkehr  Der Charakter des Platzes wird stark vom Straßenverkehr mitbestimmt.

Versammlung  Der Platz ist Schauplatz politischer und gesellschaftlicher Aktionen, wie Demonstrationen, Kundgebungen, Protestcamps, und verleiht ihnen Bedeutung.

Wohnen  An dem Platz, beispielsweise einem Quartiersplatz, umfasst die Nutzung der Gebäude zu einem merklichen Teil Wohnungen.

Trapez  Der Platz hat eine symmetrische Trapezform.

Repräsentation  Der Platz als solcher oder in Verbindung mit signifikanten Bauwerken hat eine repräsentative Funktion.

Trichter  Der Platz weitet oder verengt sich trichterförmig mit einer Öffnung an der Spitze.

Öffentliche Programme  Die kulturellen Funktionen von Gebäuden am Platz beziehen diesen in ihre Nutzung mit ein.

Rundform  Die Platzkontur besteht aus Rundungen oder hat die Form von Kreis respektive Oval. Stern  Im Zentrum der punktsymmetrischen Platzgestalt schneiden sich radiale Straßenachsen. Raumbahn  Der Platz hat die Form einer gestreckten Raumbahn. Größe Klein  bis 5 000 m² Mittel  5 000 m² bis 15 000 m² Groß  15 000 m² bis 25 000 m² Sehr groß  ab 25 000 m²

Im Innern sein  Ähnlich wie in einem Zimmer fühlt man sich auf dem Platz im Inneren. Eintritt und Austritt sind bewusste Vorgänge.

Performatives Potenzial Dieses betrifft Situationen des allgemeinen räumlichen Umgangs mit dem Platz sowie Aktivitäten un­d Verhaltensweisen, die durch die Architektur des Platzes unterstützt werden. Flanieren  Ohne Absicht und Ziel bewegt sich der Flaneur auf dem Platz. Korso  Auf-und-Abschlendern wird durch die Form des Platzes begünstigt. Bühne  Der Platz ist in seiner Architektur explizit auf Überblick sowie Sehen und Gesehenwerden angelegt. Zeremoniell  Der Platz ist, an Gestalt und Ausstattung ablesbar, für zeremonielle Vorgänge vorgesehen. Verweilen  Eine behagliche Atmosphäre und gewisse Bequemlichkeiten verlocken zum Entspannen und zu absichtslosem Verweilen.

Leere  Der Platz wird vorwiegend überquert, ohne zu einem bestimmten Handeln oder Verhalten aufzufordern oder anzuregen.

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Explanada de España Alicante, Spanien

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Auch wenn diese Uferpromenade kein gewöhnlicher Platz ist, gehört sie doch zu den attraktivsten Außenräumen mit öffentlicher Nutzung. Anders als bei Plätzen, deren Gestalt nicht durch mehr oder weniger geschlossene Platzwände oder durch umschließende oder wenigstens die Kontur markierende Bauten geschaffen wird, ist hier der Boden das Entscheidende. Das Beispiel belegt, welche raumbildende Kraft ein bemerkenswerter Boden haben kann. Wer ihn betritt und auf ihm umhergeht, hat den Eindruck, in einem besonderen Raum zu sein. Dem Flanieren zwischen dem Brunnen im Osten und dem Denkmal im Westen verleiht das Wellenmuster der farbigen Mosaikfliesen eine lebhafte Beschwingtheit. Die Palmen sind das Element, das diesen Raum in der dritten Dimension vervollständigt. Ihre Kronen deuten ein Dach an und filtern zugleich das Licht, womit sie, ebenso wie die unmittelbare Nähe des Meeres, zur spezifischen Atmosphäre dieser Promenade beitragen. Die Fronten der Häuser bleiben hingegen eher im Hintergrund, wobei einige Prachtfassaden und der hoch aufragende Hotelturm durchaus die Großartigkeit der Szenerie unterstützen. Ort  Alicante, centro Zeit  1867, 1959 Mosaikpflaster Architekt  1867 José Guardiola Picó Dimensionen  22 000 m² Länge ca. 530 m × Breite ca. 40 m, Gebäudehöhen 16–45 m

Oberfläche und Ausstattung Mosaikfliesen (6,5 Millionen, 4 × 4 cm, Alicante-Rot, Cremeweiß und Negro-MarquinaSchwarz). Vier Reihen Palmen, Pflanzbeete, bewegliche Klappstühle, Laternen. José-Canalejas-MéndezDenkmal, 1914 Vicente Bañuls / Brunnen, 1960 Carlos Buigas / Konzertmuschel, Kioske

Wichtige Bauwerke  Casa Carbonell, 1925 Juan Vidal Ramos / Hotel Tryp Gran Sol, 1971 Miguel López Gonzáles

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Grote Markt Antwerpen, Belgien

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Der große, repräsentative Platz markiert das traditionelle Zentrum, seine Struktur ist die eines gewachsenen Ensembles. Durch die vielfache Überarbeitung der Platzgestalt – sowohl im Zuschnitt der Platzfläche als auch in der Ausbildung der Ränder – hat sich sein jetziges Erscheinungsbild erst allmählich herausgebildet. Ein Herantasten erlebt man auch beim Betreten des Platzes: Er entwickelt sich aus seinen verschiedenen tangentialen Zugängen durch eine zunehmende Aufweitung des Straßenraumes. Mit Ausnahme des nördlichen Zugangs tritt man unmerklich von der Straße auf den Platz. An Zugängen von der nahe gelegenen Schelde oder der Kathedrale laufen zudem die Fassaden aus dem Straßenraum heraus ansatzlos auf den Markt. Die komplementäre Bebauung dagegen wird unterbrochen, reißt ab und gibt den Zugang zum Platz frei; kein abruptes Hinaustreten, ein allmählicher Übergang, durch den Rhythmus der Gildehäuser begleitet. Obwohl nicht direkt am Platz liegend, ist die Kathedrale mit ihrem hohen Turm stets auf dem Platz präsent. Ort  Antwerpen, historisch centrum Zeit  726 erstmals urkundlich erwähnt / 16.–17. Jh. Bauwerke Architekten  Siehe Bauwerke Dimensionen  9 700 m² Maximale Länge ca. 175 m × Breite ca. 90 m, Traufhöhen 14–25 m, Giebel 21–35 m, Rathausturm ca. 50 m

Wichtige Bauwerke  Onze-Lieve-Vrouwekathedraal, ab 1352, geweiht 1521, Jan und Pieter Appelmans / Stadthuis, 1561–1565 Cornelis Floris de Vriendt Oberfläche und Ausstattung Kopfsteinpflaster, wenige alte Bäume / Brabobrunnen, 1887 Jef Lambeaux

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Domplatz Bamberg, Deutschland

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Der stark geneigte Platz auf dem Domberg lagert sich in zwei Teilen um den Ostchor des Doms: der nördliche Teil als große, gepflasterte Fläche zwischen Alter Hofhaltung und Neuer Residenz, der südliche, deutlich kleinere Teil als intimer Hof vor dem Domkapitel. Der Dom schiebt sich mit seiner Ostapsis dominant dazwischen, wobei sich der Domkranz, die vorgelagerte Terrasse mit den Treppen für den alltäglichen Zugang, aus der geneigten Platzebene gleichsam herausklappt. Die Terrasse bildet das räumliche Gelenk zwischen den beiden Platzteilen. Die geneigte Ebene, welche zwischen der Alten Hofhaltung und der Residenz aufgespannt zu sein scheint, lässt diese dramatisch aus dem Gelände hervortreten. Die breite Öffnung in der östlichen Randbebauung gibt den Blick von hier aus über die Stadt frei und stärkt die Präsenz des Doms im Stadtpanorama. Fenster und Tor zugleich, bildet diese Öffnung auch die Hauptverbindung mit der Stadt und den Einstieg in die diagonale Durchquerung des Platzes. Mit der starken Neigung des Platzbodens wendet sich der Domplatz der Stadt zu, versammelt zugleich die Zuschauer und bietet ihnen gute Sichtbedingungen bei liturgischen Handlungen auf dem Platz. Ort  Bamberg, Domberg Zeit  Seit 11. Jh. 1794 Niveauabsenkung und Zugänge von Osten Architekten  Siehe Bauwerke Brunnenmauer, 1794 Lorenz Fink Dimensionen  9 400 m² Längste Ausdehnung ca. 175 m, Hauptbereich Länge ca. 80 m × Breite 60–75 m, Traufhöhen 14–25 m, Höhe Osttürme 76 m

Wichtige Bauwerke  Dom, ab 1004, geweiht 1012, nach Großbrand Wiederaufbau ab 1185, erneute Weihe 1237 / Domkapitel, Ende 17. Jh. Balthasar Neumann / Alte Hofhaltung, 1568 ff. Erasmus Braun, Kaspar Vischer, Teile Ende des 18. Jhs. abgebrochen / Neue Residenz, 1601–1613 Jakob Wolff der Ältere, Nord- und Ostflügel um 1700 Johann Leonhard Dientzenhofer / Säule, 1989 Micha Ullmann Oberfläche und Ausstattung Platzfläche: Kopfsteinpflaster, Gebäude: Sandstein

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Plaça Reial Barcelona, Spanien

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In der engen Altstadt Barcelonas führen diverse Zugänge auf die Plaça Reial, aber alle münden zuerst in die umlaufenden Arkaden. Auch der Hauptzugang, der in der ansonsten homogenen Randbebauung der Plaça hervorgehoben ist, wird von diesen Arkaden flankiert, die sich hier bis auf die Rambla hinausstülpen. Beim Betreten des Platzes von dieser Seite fällt der Blick kurz in die dunklere Zone der Arkaden auf weiß gedeckte Tische, Menschen beim Mittag- oder Abendessen, bevor diese Szene wieder von den massiven Pfeilern der Arkaden verdeckt wird. Auf der gegenüberliegenden Seite quellen die Tische der Restaurants aus den Arkaden auf den Platz, der von hohen Palmen überschattet ist. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Die Dichte der überfüllten Altstadt findet hier ihr räumliches Ventil. Die drei Geschosse über den Arkaden setzen sich deutlich ab, fassen den Raum eng ein, verschmelzen mit dem flirrenden Dach der Palmen. Sie geben nichts von ihrem Inneren preis, als zögen sie sich hinter ihre Gleichförmigkeit zurück, als läge ihre Aufgabe allein darin, dem Geschehen zu ihren Füßen einen würdigen Rahmen zu geben. Ort  Barcelona, Barri Gòtic Zeit 1848–1859 / ab 1980 Restaurierung Architekten  Francesc Daniel Molina / Restaurierung, ab 1980 Federico Correa, Alfonso Milá

Dimensionen  4 800 m² (mit Carrer de Colom) Länge 83 m × Breite 55 m, Gebäudehöhen ca. 20 m Oberfläche und Ausstattung  Granitplatten in Reihen verlegt, eiserner Brunnen, Kandelaber, behelmte Laternen (1879 Antoni Gaudí), Palmen

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Royal Crescent Bath, Großbritannien

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Royal Crescent heißt die mondsichelförmige Bebauung mit Reihenhäusern, welche die Anhöhe oberhalb der Rasenfläche eines Parks bekrönt und dabei deren oberen Teil umfasst. Von einem Platz kann hier genau genommen nicht die Rede sein. Die Geste des räumlichen Umgreifens durch die Häuserreihe wirkt jedoch so anschaulich und nachdrücklich, dass der Royal Crescent neben den Stadtplätzen als Grenzfall städtebaulicher Raumbildung durchaus berücksichtigt werden muss. Das Halbrund umfasst nicht nur den Rasen, sondern öffnet sich zum weiteren Parkgelände. Der Raum, dem diese Geste gilt, wird jedoch auf Distanz gehalten, von der Straße vor den Reihenhäusern ist die Rasenfläche durch ein Zaungitter abgesperrt, von der anderen Seite begrenzt ein Ha-ha den vom Häuserhalbkreis umschlossenen Raum. Doch da die Rasenfläche von den Häusern zur Mitte hin als Mulde abgesenkt ist und mit der Entfernung immer deutlicher abfällt, geht der Blick ohnehin eher in die Ferne. So gilt die raumbildende Geste nicht einem städtischen Platz, sondern einerseits dem weiten Landschaftsraum, andererseits verweist sie auf die im Halbrund versammelten Häuser selbst. Ort Bath Zeit 1767–1774 Architekt  John Wood d. J. Dimensionen  12 000 m² Länge ca. 165 m × Breite ca. 83 m, Traufhöhe ca. 15 m

Wichtige Bauwerke  The Royal Crescent, Reihenhäuser Oberfläche und Ausstattung  Kopfsteinpflaster, Rasen; Ha-ha, Metallgitterzaun

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Gendarmenmarkt Berlin, Deutschland

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Drei Felder im Raster der Friedrichstadt tragen als Tableau drei monumentale Bauten. Das lange Rechteck der drei Karrees wird durch eine heterogene Randbebauung einheitlicher Höhe gefasst, als Wände eines Saals, der einen besonderen Inhalt birgt. Der Rahmen tritt hinter die beherrschenden Monumente der zwei Dome und Schinkels Schauspielhaus zurück. Das Figur-Grund-Verhältnis ist subtil ausbalanciert, das klare Rechteck lässt den Platz einerseits als Einheit eines Stadtraumes erfahren. Betritt man jedoch den Gendarmenmarkt an einem der acht möglichen Zutritte, gerät man sofort in die Aura der Dome, die den Platz beherrschen und die ihren Raumschatten über alles werfen. Ihr komplexes Inneres als Sakralbauten und Museen zugleich erschließt sich nicht unmittelbar. Als alles überstrahlende Monumente nehmen sie Schinkels Schauspielhaus in die Mitte und bilden zusammen ein Ensemble von großer Wirkung. Ihre Ausstrahlung überträgt sich auf den gesamten Raum des Platzes, auf ihm finden die alltäglichen Märkte und Feste statt. Ort  Berlin-Mitte, Friedrichstadt

Wichtige Bauwerke Kirchen der französischen und Zeit  1688, drei Rasterfelder der lutherischen Gemeinde, 1701 barocken Stadterweiterung / Jean Louis Cayart, Abraham nach 1733 einheitliche Quesnay, Martin Grünberg / Randbebauung, im 20. Jh. Französischer Dom und sukzessive fortgesetzt Deutscher Dom, Kuppelbauten den Kirchen vorgesetzt, 1785 Architekten  1688 Johann Carl von Gontard / Konzerthaus Arnold Nering / Umgestaltungen, (Königliches Schauspielhaus), 1889 Herrmann Mächtig, 1976 1821 Karl Friedrich Schinkel Hubert Matthes Oberfläche und Ausstattung  Dimensionen  43 000 m² 1936 großflächiges Muster Länge 329 m × Breite 153 m, quadratischer Granitplatten, mittlere Traufhöhe Randbe1977 Neugestaltung Bepflanbauung 22 m, Höhe Kirchtürme zung / Schiller-Denkmal, 1871 ca. 70 m Reinhold Begas

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Place Vendôme Paris, Frankreich

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Die Place Vendôme gilt als einer der vornehmsten Plätze Europas, aber sie ist auch an ihrer Vornehmheit erstarrt. Der Platz hat nur zwei Zugänge, er ist aus der Textur der dichten Innenstadt herausgestanzt, beherrscht von der gewaltigen Säule in seiner Mitte. Sein an den Ecken abgeschrägtes Rechteck ist von großer Geschlossenheit und Einheitlichkeit der Fassaden, die seine Noblesse ausmachen und hinter denen sich von Anfang an verschiedene Nutzungen verbargen. Heute sind dort ein Ministerium und Luxusläden aufzufinden, auf den breiten Trottoirs flanieren Touristen. Über den gepflasterten Platz quert axial eine gut frequentierte Straße und zerschneidet ihn in zwei Teile. Vier Tiefgaragenzufahrten, viele Poller und Absperrungen signalisieren die Mühe, die Verkehrsbelastung zu bewältigen. Es gibt eigentlich keinen Ort, an dem man sich länger aufhalten könnte. Obwohl die Architektur des Platzes so deutlich einen Innenraum ausbildet, wird er doch als ein Durchgangsraum empfunden. Die Place Vendôme dient somit heute eher als gute Adresse und als Vorzimmer seiner noblen Anlieger. Ort  Paris, 1  e r Arrondissement Zeit 1685–1725 Architekt  Jules HardouinMansart Dimensionen  18 500 m² (mit Zufahrtsstraßen) Länge 138 m × Breite 122 m, Traufhöhe ca. 18 m, Säule ca. 44 m

Wichtige Bauwerke Einheitliche Platzbebauung, 1685–1691 Jules Hardouin-Mansart, Fassaden nach Entwurf Hardouin-Mansarts bis 1725 Oberfläche und Ausstattung  Schmuck-Pflaster, Poller, Kandelaber / La colonne de la grande Armée (44 m hohe Bronzesäule), 1810 von Napoleon zur Erinnerung an den Sieg zu Austerlitz errichtet

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Piazza Pio II Pienza, Italien

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Pienza gilt als die «Inkunabel der Renaissancestadtbaukunst», die «erste wirkliche Idealstadt der Neuzeit». [Pieper 1997, S. 128] Zunächst wirkt der Platz jedoch mit seinen schräg gestellten Bauten keinem idealen Regelkanon verpflichtet. Die Gebäude zeigen sich heterogen: der Bischofssitz im Osten mit einer Werksteinfassade, der Palazzo Piccolomini in Rustica-Mauerwerk und der Dom mit einer Travertinfassade. Der Palazzo Municipale gegenüber öffnet sich mit einer Arkade zu dem über den Platz laufenden Corso. Gleichwohl folgt die Anordnung der Bauten einem strengen Proportionsgefüge, das auf einem quadratischen Raster basiert. Die Verschmelzung des Heterogenen gelingt durch die Perspektive: Die auseinanderlaufenden Fluchten vermindern die Tiefenwirkung. Die Kirche erscheint kleiner, alle Bauten wenden sich ihr zu und alle Teile werden zu einem Bildraum zusammengefasst. Die Platzteilung in neun Felder übernimmt zudem die Gliederung der Domfassade in der Horizontalen. Mit der Platzfläche als Bühne und der Domfassade als Rückwand wird das Geschehen auf der Piazza gleichsam zur Theaterszene, in die auch der dramatische Blick in die Landschaft links und rechts des Domes einbezogen ist. Ort  Pienza, centro storico Zeit 1459–1462 Architekt  Bernardo Rossellino, Bauherr: Enea Silvio Piccolomini (Papst Pius II.) Dimensionen  730 m² Länge 25 m × Breite 24–33 m, Traufhöhen 14–20 m, Höhe Domturm 47,50 m, Giebelspitze der Domfassade 21 m

Wichtige Bauwerke  Concattedrale di Santa Maria Assunta (Dom) / Palazzo Communale / Palazzo Vescovile / Palazzo Piccolomini, alle 1459–1462 Bernardo Rossellino Oberfläche und Ausstattung  Pflasterung aus Ziegeln im opus spicatum und Streifen aus Travertin

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Staroměstské náměstí (Altstädter Ring) Prag, Tschechien

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Äußerst unterschiedliche Gebäude formen den Altstädter Ring, den Hauptplatz des historischen Prag. Das Rathaus mit seinem dominanten Turm ist selbst eine Collage verschiedener Fragmente. Die barocke, weiße Pracht der Kirche St. Nikolaus stand einst etwas abseits, nun ist sie durch eine baumbestandene Platzzone frei gestellt. Barocke und neobarocke Bürgerhäuser, unter die sich noch ein gotisches Wohnhaus mischt, bilden einen u-förmigen Rahmen, aus dem Hintergrund ragen die spitzen Türme der gotischen Teynkirche. Ein Barockpalais schiebt sich etwas in den Platz hinein, nimmt diese Dominanz gleich wieder mittels abgerundeter Ecken zurück. Dennoch gelingt es dieser Gruppe von individuellen Gebäuden, sich um einen gemeinsamen Platz zu versammeln. Relativ groß erstreckt dieser sich im Verhältnis zu den drei- bis viergeschossigen Häusern, die ihn in dichter Kontur leicht konvexer Krümmung umschließen und einmündende Straßen kaum erkennen lassen, obwohl deren Zusammenlaufen einst den Platz entstehen ließ. Die fein dekorierten, zartfarbigen Fassaden und die Kette des bewegten, meist mit Giebeln geschmückten oberen Abschlusses der Bürgerhäuser überspielen zudem die offene Flanke aufseiten des Rathauses. Ort  Praha-Staré Město (Altstadt) Zeit  Mittelalter, Barock Dimensionen  22 800 m² Länge 150–180 m × Breite ca. 140 m, Traufhöhen bis 20 m, Türme der Teynkirche ca. 80 m Wichtige Bauwerke Rathaus, seit 14. Jh., Astronomische Uhr, um 1410 /

Teynkirche, 14. Jh. bis 1511 / Teynschule, 1560 / St. Nikolaus, 1732–1735 Kilian Ignaz Dientzenhofer / Palais Kinský, 1755–1765 Kilian Ignaz Dientzenhofer, Anselm Lurago, Ignaz Platzer (Plastik) Oberfläche und Ausstattung  Pflaster, Baumplatz zwischen Rathaus und St. Nikolaus / Jan-Hus-Denkmal, 1915 Ladislav Šaloun

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Marienplatz Ravensburg, Deutschland

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Der Ravensburger Marienplatz weist eine besondere Entstehungsgeschichte auf, die heute noch in seinem räumlichen Gefüge einprägsam nachvollzogen werden kann. Einst trennte hier der Stadtgraben die Unter- und die Oberstadt mit ihren jeweils eigenen Kirchen und Plätzen. Entsprechend zeigt sich der Platz heute als eine mehrere Hundert Meter lange Naht, die sich an einer Höhenlinie entlang des Hanges unterhalb dieser Oberstadt zieht. Hier treten die Strukturen der Oberstadt, geprägt durch große Patrizier- und Kaufmannshäuser, der rasterartig angelegten Unterstadt mit kleineren Handwerkerhäusern gegenüber. Dem gleichen Höhenniveau folgend, beschreibt der Platz ein sanft geschwungenes S und ist in seiner Ausdehnung von keiner Stelle aus völlig zu überblicken. Er zeigt sich als eine geweitete Straße, die sich in eine Abfolge von Sequenzen gliedert, die jeweils durch historische Gebäude wie Rathaus oder Kornhaus dominiert werden. Etwa in der Mitte dieser Raumfolge bildet sich dabei mit dem Rathaus, dem Waaghaus sowie dem Blaserturm und dem gegenüberliegenden Lederhaus ein Zentrum heraus. Ort  Ravensburg, Altstadt Zeit 1330–1370, Entstehung mit dem Abriss der alten Stadtbefestigung / 1985–2009 Neugestaltung Dimensionen  15 000 m² Länge ca. 450 m × mittlere Breite 30 m, Traufhöhen 6,50–15 m, Giebelhöhe Rathaus ca. 28 m

Wichtige Bauwerke  Rathaus, 14.–15. Jh., wiederholt umgestaltet / Waaghaus, 1498, im 19. Jh. umgestaltet / Kornhaus, 14.–15. Jh. (heute Stadtbücherei) Oberfläche und Ausstattung  Granitplatten, Asphalt, Steinzeug / Viehmarktbrunnen

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Platzatlas. Stadträume in Europa  

Bei jedem städtebaulichen Entwurf, bei jedem Eingriff in die räumliche Struktur öffentlicher städtischer Räume stellt sich die Frage nach de...

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