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G Ä R T N E R N

G E S T A L T E N

G E N I E S S E N

BLÜTENTRÄUME

10 EINJÄHRIGE FÜR DIE NEUE SAISON

ANGEBOT

TOMATENSAMEN VON SAMENECHTEN SORTEN

JAHRESTHEMA

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EDI TORI A L

Liebe Leserin, lieber Leser

Doris Guarisco Chefredaktorin «Bioterra»

Drinnen an der Wärme, während es draussen stürmt und schneit, lässt es sich wunderbar vom Garten träumen. Von den bald spriessenden Schneeglöckchen, vom Frühling und den strahlenden Narzissen und vom ersten Minzenduft, der nach langen Wochen der Winterruhe ein besonderer Genuss ist. Apropos Minzen: Kräuter sind etwas Besonderes für uns Gärtnerinnen und Gärtner. Sie lassen uns in unterschiedlichste Aromen eintauchen und heilen uns von allerlei Beschwerden, wofür wir dankbar sind. Grund genug, um der faszinierenden Kräuterwelt viel Aufmerksamkeit zu schenken. Wir machen sie mit dem Titel «Kräuterlust» zum Thema dieses Jahres. In dieser Ausgabe von «Bioterra» lernen Sie in unserer Titelgeschichte Lisa Peyer, eine Appenzeller Kräuterfrau, kennen. In ihrem Garten im Rheintal gedeihen rund 250 Heilkräuter. Das Wissen, wie Heilkräuter angewendet werden und was sie bewirken, gibt sie gerne an andere weiter. Wussten Sie etwa, dass der einheimische und zart blühende Stinkende Storchschnabel, der in vielen unserer Gärten wächst, über heilende Kräfte bei Hautkrankheiten verfügt? Im kommenden Mai zeigt Lisa Peyer interessierten Leserinnen und Lesern während eines Ganztageskurses ihren Kräutergarten und vermittelt, wie man selber Salben und Tinkturen herstellen kann (Seite 22). Unsere Regionalgruppen-Teams bieten dieses Jahr eine Fülle von Kursen und Events zum Jahresthema «Kräuterlust» – stöbern Sie auf unserer Website unter www.bioterra.ch/kurse. Vielleicht sagt Ihnen der eine oder andere Kurs zu. Wir wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein freudvolles und erfüllendes Gartenjahr und danken Ihnen für Ihre Verbundenheit zu Bioterra. Ganz herzlich

IM T E A M

KATHARINA NÜESCH Die Gartenjournalistin arbeitet ab Januar im Redaktionsteam von «Bioterra» mit. Sie wird die ab Ausgabe Mai/ Juni erscheinenden Community-Seiten im Magazin betreuen. Wir heissen die neue Kollegin herzlich willkommen!

UTE STUDER & TRUDI BORSOS

MARKUS NEUBAUER

Das letztjährige Samenangebot von Trudi Borsos’ besonderen Tomatensorten war sofort ausverkauft. Das hat uns ermutigt, das Angebot zu erweitern (ab Seite 30). Ute Studer hat letzten Sommer die Tomatenbegeisterte in Kroatien besucht.

«Kräuter sind ein Versprechen, ein Stück Himmel auf Erden», sagt Kräuterkenner Markus Neubauer, der zusammen mit seiner Frau Madlen eine Biogärtnerei in Erlen TG führt. Lesen Sie seine Gedanken zum Jahresthema auf den Seiten 6 und 7.

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IN H A L T

JAHRESTHEMA 2016

Kräuterlust: Kräuter duften, würzen und heilen – wir schenken ihnen dieses Jahr grosse Aufmerksamkeit ........................................................ 6 GARTENSAISON

8 Seiten aktuelle Gartentipps für Bio-, Naturgarten und Balkon ........................................................ 8

Im Garten der Kräuterfrau Lisa Peyer in Frümsen gedeihen rund 250 Heilkräuter. Ihr Wissen um die heilenden Kräfte der Kräuter gibt sie gerne an Interessierte weiter. SEITE 16

TITELGESCHICHTE

Heilkräuter: Lisa Peyer und ihr grosses Wissen um die heilende Kraft der Kräuter ...................................................... 1 6 BIO- UND NATURGARTEN

Serie: Küchenkräuter Mehr Ehre für den Peterli! ...................................................... 2 6 Serie: Cornels Balkongarten Mein Haustier, der Wurm; Tomaten, winterharte Würze, Wässern im Winter ...................................................... 2 8 Gemüsegarten: Trudi Borsos’ Tomaten – 13 ihrer besten Sorten. Mit Leserangebot Samen ...................................................... 3 0 Einjährige Blumen: 10 Sommerträume aus der Tüte ...................................................... 3 4 KRÄUTERKÜCHE

Spitzenköchin Tanja Grandits liebt Kräuter über alles: Interview und Rezepte aus ihrem neusten Buch «Kräuter» ...................................................... 38

Einjährige Blumen 10 Sommerträume aus der Samentüte S E I T E

Kräuterküche Mit Rezepten von Tanja Grandits

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PORTRÄT

Martin Ott: Autor des Buches «Bienen verstehen» ...................................................... 4 2 RUBRIKEN Notizen: Ute Studers Seite....................... 24 Beratung: Urs Streuli weiss Rat............... 33 Kurse....................................................... 45 Vorschau/Impressum............................ 4 7 Leserservice/Bestelltalon........................ 48

Tomaten: Samen von 13 Sorten aus Trudi Borsos’ Garten SEITE

F O T O S : B E N E DI KT DI T T L I , G A P - P H O T O S, ST E FA N WA LT E R , M A RT I N ST U DE R , M I C H A E L W I S S I N G

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Martin Ott «Ein auf Ewigkeit angelegtes Wesen»

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J A HR E S TH E MA 2016

KRÄUTER SIND EIN STÜCK HIMMEL AUF ERDEN Die Geschichte der Kräuter erinnert an eine Fahrt mit der Achterbahn. Mal werden sie als Wohltäter hochgelobt, mal als Hokuspokus niedergemacht. Zurzeit erleben sie eine Renaissance. Kräuter werden in der Küche und Heilkunde gefeiert, ja sogar in der Wissenschaft. Bioterra beleuchtet die faszinierende Welt der Kräuter mit verschiedensten Beiträgen rund ums Jahr. Von Markus Neubauer

«Nichts ist umsonst, nichts unnütz, was der Erde entspriesst. Was dir nutzlos dünkt, nützt anderen, ja nützt dir häufig selbst bei anderweitigem Gebrauch. Was nicht zur Speise dient, wirkt als Heilmittel, und oft bietet das nämliche, was dir schädlich ist, Vögeln

Die Renaissance der Kräuter ist eine Besinnung auf Ursprüngliches. dieser Pflanzengruppe ausgehen kann. Wir Menschen pflegen bereits seit Jahrtausenden eine wechselvolle Beziehung zu ihr. Kräuter wurden ihrer Heilkräfte wegen ebenso vergöttert wie verteufelt. Die Ursprünge der Kräuterkunde können bis weit in die Urzeit verfolgt werden. Bereits in Pfahlbauten aus der Jungsteinzeit wurden Reste von Mohn, Angelika und Kümmel gefunden.

und wilden Tieren eine willkommene Nahrung.»

Dieser Text könnte gut Anfang des 21. Jahrhundert an einer Naturgartentagung entstanden sein. Er ist aber deutlich älter. Ambrosius, der um das Jahr 339 in Trier geborene Kirchenvater, hat ihn geschrieben. Wer sich einlässt und neu eintaucht in die Welt der Kräuter, wird erleben, welche Faszination von

Kräuter wurden ihrer Heilkräfte wegen ebenso vergöttert wie verteufelt. 6

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Menschen, die besondere Kenntnisse über die Kräfte von Kräutern hatten, wurden im Verlauf der Jahrhunderte vielfach bewundert und kamen zu grossem Ruhm. Dazu gehören der berühmte Arzt Hippokrates, der im antiken Griechenland mit Kräutern heilte, oder Dioskurides, der bedeutendste Kräuterkenner des Altertums, der im 1. Jahrhundert nach Christi Geburt ein Werk mit 600 detailgenauen Pflanzenbeschreibungen verfasst hat. Es gab aber immer auch Zeiten, in denen das Wissen um die Verwendung von Kräutern vergessen ging, oder noch schlimmer, in Verruf kam und etwa als Quacksalberei und Hokuspokus verschrien wurde. Es kamen Jahrhunderte, in denen wissende Frauen

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JAHRESTHEMA

KRÄUTER-

lust

Gefahr liefen, gar als Hexen gebrandmarkt zu werden. Im 20. Jahrhundert führte der technologische Fortschritt dazu, dass Kräuter sowohl in der Küche als auch in der Medizin zu einer bescheidenen Randerscheinung verkamen. Erst die neuen Forschungsansätze und Analysemöglichkeiten der modernen Phytomedizin sorgen für eine erneute Rehabilitation. Die Renaissance der Kräuter, die wir heute erleben, ist eine Rückkehr zu den Ursprüngen. Betrübt durch die grosse Distanz und die vielerorts verloren gegangene Beziehung zur Natur, suchen wir wieder die unmittelbare Begegnung mit den Pflanzen. Dazu gehört für mich bereits das gespannte Warten auf die Keimung nach der Saat, das gerade bei Petersilie manchmal meine ganze Geduld erfordert; die Freude am ersten zarten Grün, die erste Duftwolke der frisch ausgetriebenen Verveineblätter

FOTO: BENEDIKT DITTLI

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und natürlich das Leuchten von blühenden Ringelblumen. Als Gärtner bin ich immer wieder fasziniert von ihren erstaunlichen Fähigkeiten. Kräuter vereinen unbändige Kräfte mit ihrem der Nase schmeichelnden Duft und der grazilen Eleganz ihrer Erscheinung. Mit unserem Jahresthema tauchen wir ein in diese faszinierende Welt. Je mehr wir von ihr kennen, je sicherer wir uns darin bewegen, desto unbesorgter können wir sie geniessen und für unsere Gesundheit nutzen. Kräuter sind ein Versprechen, eine Verheissung, ein Stück Himmel auf Erden, ein Geschenk der Natur. Es gibt vieles zu entdecken.

Wir suchen wieder die unmittelbare Begegnung mit den Pflanzen. BIOTERRA

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SAISON —

Gelbe Wiesenraute – SEITE 9 Ganzheitliche Gartenplanung – SEITE 10 Augen auf beim Saatgutkauf – SEITE 11 Fruchtfolge – SEITE 12 Wiesenkümmel – SEITE 13 Eichelhäher am Futterhäuschen SEITE 14 Andenbeeren SEITE 14 Vo n Ute Studer u n d Mar ian na S erena

KAFFEESATZ

Dünger für Moorbeetpflanzen

Es gibt Pflanzen, die eher einen sauren Boden bevorzugen, wie etwa Heidelbeeren, Hortensien, Azaleen und einige Erika. Diese Pflanzen mögen im Wurzelbereich dünn verteilten Kaffeesatz. Der Kaffeesatz senkt den pH-Wert des Bodens und wirkt durch seinen Stickstoffgehalt leicht düngend.

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SA I S ON

Tagebuch Naturgarten Dieser Naturführer vermittelt wertvolle Hinweise, wie ein lebendiges Gleichgewicht zwischen Pflanzen und Tieren im Garten entsteht. Einheimische Wildkräuter und Heilkräuter werden liebevoll vorgestellt und mit Mythen, Legenden und Geschichten untermalt. Die Autorin vermittelt auch ihr umfangreiches Wissen über die Verwendung von Pflanzen in der Küche, sowohl kulinarisch als auch zur Unterstützung von Heilungsprozessen und zum Schutz der Artenvielfalt. Ein Tagebuch, das durch die vier Jahreszeiten führt. Natürlich – Mein Garten, 12 Monate Vielfalt und Leben mit einheimischen Pflanzen, Maria Flury, Edition 381, 2015, Fr. 41.90. Bestelltalon Seite 51.

TIPP DER BIOGÄRTNERINNEN

Gelbe Wiesenraute

Thalictrum flavum ssp. Glaucum, die Gelbe Wiesenraute mit ihren im Austrieb violett überhauchten Blättern entfaltet sich in kurzer Zeit zu einer prächtigen Solitärstaude von bis zu zwei Metern Höhe. Von Juni bis Juli sind die cremegelben Blütenwolken ein wahrer Bienenmagnet. Über dem bläulichgrünen Laub bleiben die aufrechten Stängel bis in den Winter hinein standhaft. Ein dunkler Hintergrund rückt die hübsche Staude ins beste Licht. Die Gelbe Wiesenraute bevorzugt einen eher feuchten, sonnigen bis halbschattigen Standort. Den letztjährigen Hitzesommer hat sie aber auch im normalen, nahrhaften Boden unseres Schaugartens problemlos überstanden. Sie eignet sich auch für den Schnitt. Franziska Vollenwyder-Kolb und Nina Baumann, Chutzegarten, 3047 Bremgarten b. Bern, www.chutzegarte.ch

SCHNEE IM GARTEN

Wo schadet und wo schützt er? Leichten Pulverschnee überstehen Pflanzen schadlos. Problematischer ist nasser und schwerer Schnee. Unter solch einer Schneelast können vor allem immergrüne Gehölze brechen. Deshalb ist es ratsam, die Sträucher vom Schnee zu befreien. Auch auf Folien- und Gewächshäusern wird der Schnee entfernt, da er den Kulturen das Licht nimmt. Im Stauden- und Gemüsebeet bietet die Schneedecke hingegen den Gewächsen, Wurzeln und Knollen eher Schutz vor Frost.

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S A IS ON

FRUCHTFOLGE

Damit Gemüse gedeiht

Ein Gemüsegarten benötigt eine regelmässige Fruchtfolge. So wird der Boden weder ausgelaugt, noch bürgern sich Pflanzenkrankheiten ein. Eine einfache und schnelle Methode ist, den Platz für die Gemüseart im neuen Jahr aufgrund der letztjährigen Kultur festzulegen: Da wo letztes Jahr Salat wuchs, pflanzt man dieses Jahr Auberginen, Tomaten oder Kartoffeln. Auf dem Kürbis- und Gurkenbeet wachsen Bohnen oder Erbsen. Auf Kartoffeln und Tomaten folgen Randen oder Krautstiel; auf Kohl folgen Zwiebeln, Lauch oder Knoblauch; auf Karotten, Sellerie und Fenchel folgen Kartoffeln oder Tomaten; auf Zwiebeln, Lauch und Knoblauch folgen Salate oder Kohlgewächse. Nach Bohnen und Erbsen ist der Boden nährstoffreich und fruchtbar für Tomaten, Kartoffeln oder Paprika. Mehr zum Thema Fruchtfolge in unserem Gartenpraxisbuch: «Mein Garten – biologisch und naturnah», www.bioterra.ch/shop>Bücher

KÜBELPFLANZEN

Schönmalve

Die Schönmalve Abutilon aus der Familie der Malvengewächse gehört mit ihren anmutigen Glockenblüten zu den graziösesten Kübelpflanzen für Balkon und Terrasse. Bei guter Pflege wächst sie zu einem richtigen kleinen Baum heran. Die Blüten zeigen Farben von Weiss bis Gelb, Rot, Apricot und Rosa und erscheinen das ganze Jahr. Wenn möglich, sollte die Pflanze in der frostfreien Zeit draussen stehen, geschützt vor Wind und Regen. Im Herbst überwintert sie im Haus an einem kühlen und hellen Standort bei 10 bis 12 °C. Während der Wachstumszeit im Sommer düngt und giesst man sie regelmässig. Das Einkürzen der Triebspitzen fördert einen buschigen Wuchs. Die Vermehrung erfolgt durch Stecklinge im Frühjahr.

BROKKOLI

Samenfeste Sorten Brokkolipflanzen sind ziemlich kälteresistent und können deshalb schon im April ins Freiland gesetzt werden. Die Aussaat im Haus findet ab Ende Februar statt. Samenfeste Brokkolisorten sind heute äusserst selten zu finden. Meist werden Hybriden angeboten, die zwar grössere Köpfe bilden, aber keine fruchtbaren Samen. Der Vorteil von samenfesten Sorten: Sie bilden nach der Hauptblume in den Achseln der Seitentriebe noch bis in den Herbst hinein kleine Köpfchen. Bezugsquelle für biologisches Saatgut samenfester Brokkolisorten: www.sativa-rheinau.ch, www.zollinger-samen.ch, www.arthasamen.ch.

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SA I S ON

WIESENKÜMMEL

Arzneipflanze des Jahres 2016 Der Wiesenkümmel Carum carvi, auch Gemeiner oder Echter Kümmel genannt, gehört zur Familie der Doldenblütler und ist eine altbekannte Gewürz- und Heilpflanze. Die ätherischen Öle, die in seinen Früchten enthalten sind, gelten wegen ihrer krampflösenden Eigenschaften als beruhigendes, gallenfluss- und verdauungsförderndes Heilmittel. Die einheimische zweijährige Wiesenpflanze wird 30 bis 100 cm hoch und blüht von Juni bis Juli mit weissen Dolden. An einem sonnigen bis halbschattigen Ort kann Wiesenkümmel im Frühling ausgesät werden. Je nährstoffreicher der Boden ist, desto mehr Früchte bildet er aus. Man erntet die Früchte im zweiten Jahr nach der Blüte, kurz bevor sie reif sind und ausfallen.

AUSSAAT

Bei schweren Böden Schwere Böden bleiben im Frühling oft lange nass und erwärmen sich nur langsam. Das kann zum Faulen der Saat oder zu sehr langsamer Keimung führen. Die Bedingungen lassen sich verbessern, indem die Saatrillen nicht mit Erde, sondern mit gesiebtem Kompost, Sand oder Aussaaterde bedeckt werden. Eine andere Möglichkeit ist das Anlegen von Saatrillen auf flachen Dämmen. Mit dieser Methode trocknet der Boden zügig ab und erwärmt sich schneller. Ebenfalls bewährt hat sich das Vorziehen in kleinen Töpfen auf der Fensterbank; so kommen die Pflanzen bereits als Setzlinge in den inzwischen angewärmten Boden.

FOTOS: GAP-PHOTOS, ANNA-LEA GUARISCO

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GARTENKIDS

Ast mit Zapfenvögeln basteln Sammeln Sie im Januar, bei einem Spaziergang mit Ihren Kindern im Wald, viele kleine Zapfen und einen kleinen Ast, um Zapfenvögel zu basteln. Darüber hinaus benötigen Sie weisses und rotes Papier, Bastelkleber, einen dünnen Faden und ein paar kleine bunte Federn. Als Erstes bindet man ein Stück des Fadens so um die Zapfen, dass man sie aufhängen kann. Danach schneidet man einen Rhombus aus rotem Papier und faltet ihn in der Mitte, sodass ein Schnabel vorne auf den Zapfen geklebt werden kann. Für die Augen schneidet man kleine Kreise aus weissem Papier und malt einen dicken schwarzen Punkt darauf, bevor man sie seitlich vorne an den Zapfen klebt. Für die Flügel klebt man seitlich je eine Feder in den Zapfen und noch eine Feder hinten für den Schwanz. Dann befestigt man die Vögelchen am Ast und hängt ihn so auf, dass sich die Vögel im Luftzug bewegen.

Die Familie der Geissblattgewächse im Fokus Das neue Jahrbuch der Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde ist der Familie der Geissblattgewächse Caprifoliaceae gewidmet; der Schwerpunkt liegt bei den Kardengewächsen. Dies ist ihrer grossen Stauden-Präsenz und der Vielfalt in der gärtnerischen Verwendung zuzuschreiben. Die Lebensstrategie der Kardengewächse, die Selbstaussaat, bietet für Gärtnerinnen und Gärtner einen interessanten Vorteil. Mit Porträts von einheimischen Vertretern, von Wildstauden anderer Kontinente und von Züchtungen sowie deren Verwendung im Garten. Caprifoliaceae Geissblattgewächse, Gesellschaft Schweizer Staudenfreunde. 2015, Fr. 27.–, Bestelltalon Seite 51

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HE IL K R Ä U TE R

Lisa Peyer beim Sammeln von Malvenblüten Malva sylvestris, auch Käslikraut genannt.

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HEILKRÄ UTE R

Von den Terrassen des Kräutergartens in Frümsen überblickt man das St. Galler Rheintal.

DEN KRÄUTERN LIEBEVOLL ZUGEWANDT Lisa Peyer ist die Enkelin einer Appenzeller Kräuterfrau und gibt als Grossmutter nun ihrerseits ihr wertvolles Wissen weiter: ihrer Enkelin und allen anderen Kräuterbegeisterten.

FOTOS: BENEDIKT DITTLI

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Vo n Ca r m en Ho c ker

«Ich habe gar nicht gewusst, dass das Käslikraut eine Herzpflanze ist!», ruft ein Kursteilnehmer überrascht aus. «Ist es auch nicht, aber es fühlt sich im Beet der Herzpflanzen wohl und darf deshalb dort bleiben», erklärt Lisa Peyer. Eigentlich ist der Heilkräutergarten der Bachblüten- und Phytotherapeutin nach Krankheitsgebieten geordnet. Bei Führungen erleichtert diese Einteilung es, den Überblick über die rund 250 verschiedenen Heilkräuter zu behalten. So die Theorie. In der Praxis wandern manche Pflanzen dorthin, wo es ihnen am besten gefällt. «Dann ist das eben der richtige Standort», meint Lisa Peyer. Für sie muss ein Kräutergarten wild sein, dürfen sich Pflanzen ihren Lieblingsplatz selbst aussuchen. Benötigt eine mehr Schatten, wächst sie im nächsten Jahr vielleicht hinter einer grossen Staude. Vieles reguliere sich von selbst, wenn man es nur zulasse. Das heisst natürlich nicht, dass sie nicht hier und da behutsam eingreift. Als der

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HE IL K R Ä U TE R

Echter Kümmel

Kalifornischer Goldmohn

Blaue Verbene

Steppen-Beifuss

Schafgarbe

Kamille

wieder die Enkelin Lisa sich in die Welt der Heilkräuter vertiefte. Prägend dabei war der fürsorgliche Umgang, den die Grossmutter mit den Pflanzen pflegte, und deren Achtung vor der Natur. Interessanterweise hat die Kräuterlust anschliessend wieder eine Generation übersprungen. Wiederum ist es eine Enkelin, die mit ihren zehn Jahren schon viel über Heilpflanzen weiss und theatralisch angekündigt hat, die Tradition fortzuführen: «Grosi, wenn du einmal nicht mehr lebst, übernehme ich deinen Kräutergarten!» Momentan geniesst Lisa Peyer es, mit ihrer Enkelin zusammen durch den Garten zu streifen und sie beim Ernten der Heilkräuter in das eine oder andere Gartengeheimnis einzuweihen. Was aus dieser gemeinsamen Leidenschaft noch entstehen mag, überlässt sie vertrauensvoll dem Schicksal.

Lisa Peyer hat für unsere Leserinnen und Leser vier Heilpflanzen-Rezepte ausgewählt, die einfach in der Herstellung sind und zur Linderung ganz unterschiedlicher Beschwerden dienen.

Weitere Infos: www.lisas-kraeuterwelt.ch, www.kraeuterakademie.ch

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HEILKRÄ UTE R

Die Jungfer im Grünen schaut keck zwischen den sonnengelben Blüten der Wiesen-Arnika hervor.

Arnica chamissonis WIESEN-ARNIKA Herkunft: Nordamerika, winterharte Staude | Standort: sonnig bis halbschattig Blütezeit: Juni bis September | Blütenfarbe: sonnengelb | Höhe: bis 70 cm

«Schon meine Grossmutter wusste, dass die Wiesen-Arnika in ihrer Heilwirkung mit der einheimischen Arnika Arnica montana vergleichbar ist. In ihrem appenzellischen Garten wuchsen beide. Bei uns, auf nur 450 m Höhe, gedeiht die Wiesen-Arnika aber besser. Sie vermehrt sich über Wurzelrhizome und ist für die Kultur im Garten unkomplizierter. Grund-

sätzlich darf man seinen Pflanzen ruhig etwas zutrauen, denn sie sind anpassungsfähiger, als wir denken. Bei mir wächst die Wiesen-Arnika sogar auf festem, lehmhaltigem Boden. Arnika hilft bei Verletzungen durch Stoss oder Stich sowie vor und nach einer Operation oder Geburt. Sie regeneriert verletztes Gewebe.»

ARNIKA-ÖL 7 Ringelblumenblüten 10 Arnikablüten 500 ml Sonnenblumenöl

Die Blüten mit Öl übergiessen, zwei bis drei Wochen stehen lassen, jeden Tag etwas bewegen, damit sich die gelösten Stoffe mit dem Öl verbinden können. Abseihen und je 12 Tropfen ätherisches Öl von Lavendel und Zitrone hinzufügen – Lavendel beruhigt, Zitrone ist erfrischend.

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EICHHÖRNCHEN ANTE PORTAS Die Tannenwurzeln Von Ute Stude r

Ein Poltern auf dem Hausdach liess mich aufhorchen, als ich an einem verschneiten Morgen das Vogelfutter auffüllen wollte. Und prompt flog ein graues Etwas zusammen mit einer Ladung Schnee vom Dach und landete auf dem Futterhaus. Zu meinem Erstaunen war es ein Eichhörnchen, das possierlich mit seinen kleinen Pfoten eine Erdnuss aus dem Häuschen angelte. Mit meinen beiden Enkelinnen beobachtete ich öfter die Eichhörnchen im angrenzenden Park, wie sie im Gras Nüsse suchten. Ein Spaziergänger erzählte uns, dass es in der Anlage insgesamt acht Eichhörnchen gebe, sieben rote und ein graues. Das graue sei ein ausgesetztes aus Amerika, das jetzt die Population der einheimischen Eichhörnchen bedrohe. Zeitungen würden schon davor warnen, und er zeigte uns Artikel mit Schlagzeilen wie: «Krieg der Hörnchen», «Graue Gefahr für unsere Roten» und «Grauhörnchen in die Pfanne». Das ging mir durch den Kopf, als ich den augenscheinlich grauen Nager auf dem Vogelhaus betrachtete, der sich soeben die zweite Erdnuss schnappte. Die kleinen, putzigen Tiere mit ihren grossen rehbraunen Kulleraugen sehen so richtig «jöh» aus. In England sieht man die grauen Nager allerdings eher als Plage, denn die von Amerika eingeschleppten Grauhörnchen haben dort die einheimischen Roten bereits an den Rand der Gefährdung gebracht. Mittlerweile bevölkern 2,5 Millionen Grauhörnchen das Inselreich, und nur noch 140 000 einheimische Pinselohren sind übriggeblieben. Als Baumratten, transatlantische Mörder und Ratten im Eichhörnchenpelz werden sie beschimpft. Sie sind dominan-

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Zwei Tannenwurzeln gross und alt unterhalten sich im Wald. Was droben in den Wipfeln rauscht, das wird hier unten ausgetauscht. Ein altes Eichhorn sitzt dabei und strickt wohl Strümpfe für die zwei. Die eine sagt: knick. Die andere sagt: knack. Das ist genug für einen Tag. Christian Morgenstern 1871–1914

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ter, weil sie Allesfresser und grösser sind. Zudem kommen sie mit rauen Wintern besser zurecht, halten keine Winterruhe, pflanzen sich zahlreicher fort und fressen die Wintervorräte der Roten. Vor allem aber verfügen sie über eine tödliche Waffe: Sie übertragen ein Pockenvirus, das den Grauen nichts anhaben kann, für ihre roten Verwandten aber tödlich ist. Die britische PressureGroup zur Rettung der einheimischen Eichhörnchen, zu der auch Prinz Charles gehört, hat sich denn auch die Vernichtung der Grauen auf die Fahne geschrieben, vor allem weil sie sich als Umweltvandalen betätigen und irreparable Schäden an Laub- und Nadelbäumen verursachen, Vogeleier und Jungvögel fressen und Strom- und Glasfaserkabel annagen. Das Rote, sagte Charles, sei ein Nationalmaskottchen, der Kampf für sein Überleben von gros-

ser Symbolik. Exzentrisch wie die Briten sind, haben die Jäger der zugewanderten Grauhörnchen einen neuen lukullischen Trend gesetzt. «Eat a Grey, safe a Red»* schlug ein Mitglied des Unterhauses als Lösung vor. Und schon sind die entpelzten Sohlengänger auf den Menukarten gehobener Restaurants zu finden. Ob Eichhörnchenschenkel mit Trüffeln, Nager in Tandoorisauce oder Eichhörnchenhirn mit Rührei, die Rezeptkreationen der britischen Köche sind vielfältig. Auch in Norditalien sind die Hörnchen mit Migrationshintergrund zunehmend ein Problem, und in der Sendung «Netz Natur» des Schweizer Fernsehens wurde geweissagt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Grauen auch in der Schweiz auftauchen würden. Doch trotz aller Zeitungsberichte sind sie noch nicht bei uns eingetroffen. Das Graue in mei-

nem Garten erweist sich trotz aller Unkenrufe als ein einheimisches Pinselohr, denn die Grauhörnchen haben keine Pinsel an den Ohren. Die Hiesigen sind eben nicht alle rot, sondern zeigen viele verschiedene Farben von Schwarz über Grau und Braun bis Flammenrot. Noch also müssen die gefürchteten Grauen über den Gotthard, bevor sie hier eintreffen. Und dann gibt es welche, die die Grauen sehnlichst erwarten, auch wenn sie von ihrem Glück noch gar nichts wissen. Denn die schwerfälligeren Grauen sind für Baummarder ein willkommener Leckerbissen und einfacher zu fangen als die flinken Roten. Vielleicht schmecken ihnen die Grauen auch so gut, dass sie in der Folge vom Autokabelknabbern absehen. *Esse ein Graues, rette ein Rotes.

EICHHÖRNCHEN & GRAUHÖRNCHEN Von Jochen El b s-G latz

Hellblond, Rot, Braun und Schwarz sind beim europäischen Eichhörnchen wie beim Menschen Haarfarben, doch keine Artmerkmale. In England gibt es viele Rote, weil sie im englischen Mischwald besser getarnt sind. In dunklen Fichtenwäldern sind Schwarze im Vorteil. Eichhörnchen wechseln ihr Fell zweimal im Jahr. Im Winter sind sie oft graubraun, haben dann aber deutlich ausgebildete Ohrbüschel. Eine Verwechslung mit dem stets büschellosen Grauhörnchen ist bei genauer Beobachtung unmöglich. Der Bauch bleibt immer weiss und das Schwanzfell wird nur einmal im Jahr gewechselt. Der buschige Schwanz dient durch seinen Luftwiderstand bei Sprüngen als Steuerruder. Schwanzwedeln ist Drohgebärde. Im Garten kann man Eichhörnchen

ILLUSTRATION: CORINNA STAFFE

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fördern, indem man in die offene Regentonne einen grossen Ast stellt, an dem ein Hineingefallenes wieder herausklettern kann. Viele Eichhörnchen ertrinken auf winterlicher Wassersuche. Füttern hilft in einer Umgebung, in der dauernd Nahrungsquellen verloren gehen, zu überleben. Angepasste Nahrung ist wichtig, da sonst der Zuwachs der Nagezähne nicht abgeschliffen wird. Guetsli und Schokolade werden zwar gerne angenommen, führen aber zur Maulsperre. Nüsse in der Schale sind gesünder. Behausung: Kästen aus ungehobeltem Holz, Kunstkobel genannt, in jeder Richtung ca. 35 cm gross, mit 2 Ausgängen von 7 cm Durchmesser. Ein Ausgang muss nach unten zeigen und direkt am Baumstamm liegen, damit im Klettern noch ungeübte

Jungtiere nicht abstürzen. Werden die Kobel in über 5 Meter Höhe in einer Astgabel befestigt, ziehen bald Eichhörnchen ein. Für den Rückgang des europäischen, vielfarbigen «Roten Eichhörnchens» in England gibt es mehrere Gründe. Die im 19. Jahrhundert ausgesetzten Grauhörnchen sind grösser und robuster, vertragen Nahrung wie Eicheln und Sitkafichtensamen, die dem europäischen Eichhörnchen schadet. Die Grauhörnchen übertragen das Parapoxvirus, das ihnen nichts anhat, die Sterblichkeit der europäischen Eichhörnchen aber stark erhöht. Das Virus wird auch unter den Einheimischen als Tröpfcheninfektion verbreitet. Seit 1920 forsten die Briten ihren Wald mit dem Neophyten Sitkafichte auf, was zur Folge hat, dass heute rund ein Viertel des Waldes aus Sitkafichten besteht.

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Serie

K Ü C H E NKRÄU TE R Der Name

Die Petersilie Petroselinum crispum, in der Schweiz Peterli, weitere Namen Peterle, Peterling, Petergrün oder Silk.

Herkunft

Die Petersilie ist eine Kulturpflanze; die Heimat der unbekannten Stammsippe wird im östlichen Mittelmeergebiet bis Westasien vermutet.

Gesundheit

Peterli enthält viele Vitamine und ist eine prima Quelle für Mineralstoffe und Spurenelemente.

PS:

Schwangere sollten nicht zu viel Peterli essen, da das Kraut abortiv wirken kann.

Schlechte Kollegen

Ungünstige Nachbarn beim Anbau sind Blattsalate, Estragon, Kresse und Kapuzinerkresse, Kerbel und Koriander.

Friends

Petersilie verträgt gut die Nähe zu Spargel, Tomaten, Zwiebeln, Radieschen und Gurken.

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KÜC HENKR Ä UTE R

MEHR EHRE FÜR DEN

Peterli!

Petersilie wird meist als Garnitur verwendet, doch das Küchenkraut hat weit mehr zu bieten. Mit dezenter Schärfe toppt sie Speisen und mit ihren Ingredienzen unser Wohlbefinden. Wie Petersilie im Garten ausgesät, gepflegt und geerntet wird, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Von Ute Stude r

Es gibt kein Kraut, das so oft von der Küche ins Esszimmer getragen wird, um auf dem leer gegessenen Teller wieder retourniert zu werden, wie die Petersilie. Dabei hat sie mehr verdient als den trostlosen Auftritt als Tellergarnitur. Wir sollten es eher machen wie Alexandre Dumas, der schrieb: «Die Petersilie gehört in alle Ragouts und in sämtliche Saucen. Nimmt man dem Koch die Petersilie weg, so ist das fast, als setze man ihn ausserstande, seine Kunst auszuüben.» Petersilie wird roh gegessen oder kurz vor dem Servieren warmen Speisen beigegeben, damit Vitamine und Aroma erhalten bleiben. Ob in der Suppe, im Kräuterquark oder im Gemüse: Es gibt kaum ein Gericht, das nicht durch Petersilie aufgewertet wird.

WURZEL ODER BLATT Von der Petersilie Petroselinum crispum gibt es drei Kultursorten, die sich in ihren Eigenschaften unterscheiden. Die ätherischen Öle sind aber in Wurzel und Blatt etwa gleich zusammengesetzt. Var. tuberosum ist die Wurzelpetersilie. Sie hat eine weisse, essbare Wurzel, die als aromatisches Gemüse zubereitet wird. Die Blattpetersilie wird hingegen wegen der aromatischen Blätter angebaut. Var. crispum, die krausen Sorten, enthalten etwas weniger ätherisches Öl als var. latifolium, die glattblättrige Petersilie. Die krause Sorte ist kräftig grün, aromatisch und dekorativ, die glatte dunkelgrün, glattblättrig und sehr würzig. Petersilie wird am besten

frisch geschnitten verwendet. Man kann gehackte Petersilie aber auch gut in kleinen Gefässen für den Vorrat einfrieren.

DAS GESUNDE GRÜN Blattpetersilie glänzt mit einer ganzen Reihe wertvoller Inhaltsstoffe. Sie ist reich an Chlorophyll, kann unser Blut reinigen und Leber und Nieren bei der Entgiftung unterstützen. Petersilie enthält fast die ganze Bandbreite an Vitaminen. Sie ist ausserdem eine fantastische Quelle für Mineralstoffe und Spurenelemente in leicht verwertbarer Form. Besonders wichtig ist dabei das Mangan, das die Kalzium-Anreicherung in den Knochen beschleunigt, erhöhten Blutdruck senkt und die Verdauung fördert. Die Petersilie gibt uns das, was wir heute gerne über Nahrungsergänzungsmittel zu uns nehmen, nur ist sie vollkommen natürlich und kann im eigenen Garten angebaut werden. Schwangere sollten allerdings nicht zu viel des Krautes essen, da es abortiv wirken kann. ANBAU UND PFLEGE Die zweijährige Blattpetersilie ist eine etwas heikle Diva. Sie gehört zur Familie der Doldenblütler und diese sind dafür bekannt, dass ihre Keimfähigkeit oft zu wünschen übrig lässt. Daher möglichst frischen Samen verwenden. Doch auch so braucht es Geduld, denn manchmal keimen die ersten Samen schon nach wenigen Tagen, aber oft dauert es Wochen, bis das Grün endlich spriesst.

Daher ist eine Markiersaat mit Radieschen hilfreich. Zudem ist Petersilie keine ausgesprochene Sonnenanbeterin. Sie fühlt sich im Halbschatten am wohlsten und liebt einen nährstoffreichen, gut mit Kompost versorgten, humosen, tiefgründigen Boden. Wenn das Erdreich im März eine Temperatur von etwa 7 °C erreicht, kann man aussäen. Die Reihen sollten untereinander 20 cm Abstand haben. Die Samen kommen ½ cm tief in die Erde und werden dann zugedeckt. Bis in den Spätsommer von August bis September ist noch eine Aussaat möglich und im erwärmten Boden oft sogar erfolgreicher als die Frühlingssaat. Die Wasserversorgung der Petersilie ist etwas heikel. Sie mag zwar feuchten Boden, möchte aber nicht mit den Füssen im Wasser stehen. Wichtig ist also das Giessen mit Fingerspitzengefühl. Das gilt vor allem auch bei der Topfkultur. Den Peterli erntet man von aussen nach innen, damit im Inneren immer wieder Blätter nachwachsen können. Petersilie ist sehr resistent gegen Krankheiten. Nur die SeptoriaBlattfleckenkrankheit oder Drahtwürmer können ihr selten zusetzen. Bei Ersterer: Pflanzen sofort entsorgen, bei Letzteren: Standortwechsel. Petersilie ist mit sich selbst nicht verträglich und muss jedes Jahr an einem anderen Standort gesät werden. Man kann auch Jungpflanzen kaufen und sie in den Garten setzen.

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Neue Serie

C OR N E L S B ALKO N G ARTE N

MEIN HAUSTIER, DER WURM Cornel Rüegg, Autor des Buches «Veranda Junkies», erklärt seine Begeisterung für den Kompostwurm und warum es sich lohnt, diesen als Haustier zu halten. Sein Plädoyer ist Auftakt einer neuen Serie, in der Cornel Rüegg seine Erfahrung als leidenschaftlicher Balkongärtner weitergibt.

Von Cornel Rüe g g

Zu einer Annäherung an den Kompostwurm verhalf vielleicht schon Charles Darwin, der gegen Ende seines Lebens jahrelang die Regenwürmer erforschte. Sein Werk «Die Bildung der Ackererde durch die Tätigkeit der Würmer» war enorm wichtig und das Ansehen der Viecher wuchs nach dieser Publikation, zumal die Regenwürmer offenbar bis Anfang des 19. Jahrhunderts als Schädlinge gegolten hatten. In der «Encyclopaedia of Gardening» wurde 1822 gar geraten, die Würmer nach dem Umgraben einzusammeln. Darwin hingegen kam unter anderem zur Erkenntnis, dass die Würmer eine sehr wichtige Rolle

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im Haushalt der Natur spielen und die obersten zehn Zentimeter Humus von jeder Wiese und von jedem Acker unzählige Male den Darm der Würmer passierte. Ihrer Aufgabe, dem Abbau organischen Materials und dessen Umwandlung in Humus, können die Kompostwürmer aber auch in einem Wurmkomposter, auch Wurmfarm genannt, nachgehen. Die Rede ist von einem Containersystem, das man bei sich zu Hause aufstellt. Es hat die Grösse von zwei Bananenschachteln, ist rund oder eckig und besteht aus einzelnen Etagen, in welchen die

Würmer leben. In die oberste Etage legt man die pflanzlichen Abfälle aus dem Haushalt und die Würmer machen sich an ihre Arbeit: ans Fressen, Verdauen und Ausscheiden. Dies sind – wie man sich gut vorstellen kann – sehr gemächliche Vorgänge. Nach ein paar Monaten ist es aber so weit, und in der untersten Etage liegt ein nährstoffreicher hausgemachter Humus bereit. Die Würmer fressen sich übrigens von unten nach oben durch dieses Etagensystem, Löcher in den Zwischenböden ermöglichen die Wanderung. Es entsteht zudem eine geruchlose Flüssigkeit – ein wertvoller Pflanzendünger, der in Flaschen abgefüllt werden kann. Pflege oder zusätzlicher Aufwand ist ansonsten nicht nötig. Christine ist eine der porträtierten Balkongärtnerinnen im Buch «Veranda Junkies»*. Die Unternehmerin wohnt in einer modernen Wohnung mit Sicht über den

AN DIE ARBEIT: FRESSEN, VERDAUEN UND AUSSCHEIDEN. FOTOS: SEBASTIAN MAGNANI

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C ORNELS BA LKO NGA RTE N

DIE WÜRMER FRESSEN SICH ÜBRIGENS VON UNTEN NACH OBEN. Zürichsee. Sie kocht vegan und geht mit ihren Rüstabfällen regelmässig in den Keller, wo ihre Wurmfarm steht. Sie erzählt, dass sie die Würmer bereits als Kind fasziniert hatten und sie ihr Anblick überhaupt nicht grusle. Das Gruseln ist möglicherweise das einzige Hindernis, die Tierchen zu halten. Dabei sieht man sie kaum. Wie ihre Artgenossen im Garten sind sie lichtscheu und malochen unterhalb der Oberfläche respektive der Grünabfälle vor sich hin. Ein entspanntes Verhältnis zu Würmern vorausgesetzt, kann mit dem Wurmkomposter ein Beitrag zur Nachhaltigkeit im eigenen Haushalt geleistet werden. Rüstabfälle landen nicht mehr im Kehricht, sondern werden emissionsfrei zu nährstoffreichem Humus, der in den eigenen Pflanzentöpfen als Kompostdünger verwendet werden kann. WormUp, eine junge Startup-Firma in Zürich, hat sich zum Ziel gesetzt, Stadtbewohnerinnen und -bewohner zu Wurmfarmern zu machen. Den innovativen Gründern zufolge wird ihr System sogar einen Platz in der Wohnung finden, vor allem auch in urbanen Lebensformen mit beschränktem Raum. «Wir wollen die Wurmkompostierung salonfähig machen», sagt Nikolai Räber, einer der WormUp-Gründer. Er wünscht sich, dass das System zu einem Bestandteil jeder Wohnung wird, vergleichbar mit dem heutigen Recycling von Papier, Glas und weiteren Materialien. Auch für Unternehmen, Mehrfamilienhäuser oder ganze Siedlungen bietet WormUp individuelle Lösungen an. Ab Frühling 2016 werden ihre Systeme auf den Markt kommen. Noch etwas fügt Räber an, das jeden Balkongärtner aufhorchen lässt: Mit Wurmkompost gedüngte Pflanzen würden bis zu 80% weniger mit Läusen befallen im Vergleich zur Anwendung mit Kunstdünger. * Buchtipp: «Veranda Junkies», Cornel Rüegg, Sabine Reber, AT-Verlag, Aarau, 2015, Fr. 39.90. Im Bioterra-Shop erhältlich, www.bioterra.ch/shop.

FOTOS: GAP-PHOTOS

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Tomaten

AB MÄRZ GEHT’S LOS! Tomaten sind – was den Nachwuchs betrifft – eigentlich hart im Nehmen. 6 bis 8 Wochen vor den Eisheiligen stecke ich zwei bis drei Samen pro Topf 2 cm unter die Oberfläche und giesse regelmässig. Ich verwende Bio-Pflanzenerde, damit die Setzlinge langsam und kräftig wachsen. Dieses Jahr versuche ich mein Glück mit ‘Pink Berkeley Tie Dye’. Ein cooler Name für ein Farb- und Aromawunder mittlerer Grösse, das auf dem Balkon gut gedeiht, sagt zumindest ein befreundetes Paar. ‘Totem’ heisst die zweite Sorte, eine süsse, aromatische Tomate, die schon im Frühsommer mit ersten Früchtchen lockt. Die dritte ist ein Chamäleon namens ‘Indigo Rose’. Die Cocktailtomate wechselt ihre Farben von Rot über Blauviolett in beinahe Schwarz und auch durch ihre dunkleren Blätter unterscheidet sie sich von anderen Tomaten. Merkblatt Tomaten: bioterra.ch./shop>Merkblätter.

Küchenkräuter

WINTERHARTE WÜRZE Petersilie, Schnittlauch, Dill und einige andere Küchenkräuter sind winterhart. Auch im Pflanzentopf können Kräuter überwintern, sofern sie nicht in der Staunässe ersaufen oder infolge Nachlässigkeit austrocknen. Der Schnittlauch mag sogar frostige Minustemperaturen, damit er im Frühling wieder richtig in Stimmung kommt. Dennoch, die Pflanzen beenden irgendwann in den kalten Monaten ihr Wachstum, ab dann ist tote Hose in der Kräuterecke. – Zuvor werde ich kurz kreativ, denn Petersilie und Schnittlauch – je ein Exemplar – nehme ich über Winter on board. Das heisst, ich topfe sie im Spätherbst um: Die Erde schüttle ich vom Wurzelstock, die Wurzeln werden gekürzt. Dann pflanze ich sie in einen anderen Topf mit frischem Komposthumus. Natürlich kriegen sie in der Küche einen sonnigen Platz auf dem Fenstersims.

Topfgarten

WÄSSERN IM WINTER In meiner Anfängerzeit als Balkongärtner vernachlässigte ich das Wässern während der Wintermonate komplett. Das hat sich geändert. Seit ein paar Wochen stehen die frostempfindlichen Pflanzen gruppiert in einer windgeschützten Ecke des Balkons. Die leeren Zwischenräume sind gefüllt mit Karton und die Gruppe ist mit einem Vlies so umwickelt, dass ich es für das Wässern abheben kann. Gefahr «Austrocknen»: Ich stecke in jede Pflanze einen Tonkegel mit Tropfbewässerung. Für eine minimale Wasserversorgung ist so gesorgt. 14-täglich nehme ich das Vlies weg und wässere, falls nötig, die Pflanzen. Gefahr «Zu viel Wasser»: TerracottaTöpfe kann es bei Frost sprengen. Es darf also keine Staunässe entstehen, die übrigens auch den Pflanzen schadet. Deshalb Töpfe stets auf Füsschen stellen.

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GE M Ü S E G ARTE N

Ute Studer

Tomaten neben Tomaten und nochmals Tomaten, so weit das Auge reicht. Das war das Bild, das sich mir bot, als ich Trudi Borsos im letzten Sommer im kroatischen Ostslawonien, in Pozega, besuchte. Schon im vergangenen Jahr hat Trudi Borsos für unsere Leserinnen und Leser Samen von 5 Tomatensorten zur Verfügung gestellt. Dieses Jahr sind es 13 Sorten von selbst vermehrbaren Tomaten. Vernetzt ist die leidenschaftliche Tomatenliebhaberin, die jedes Jahr über 600 Pflanzen anbaut, mit vielen anderen Tomatenfans aus aller Welt, die untereinander Saatgut von alten Sorten tauschen. Ihr Schatz ist in der Zwischenzeit auf 1500 Sorten angestiegen. Während unseres Rundgangs auf ihrem Hanggrundstück erfahre ich einiges über Tomaten und die verschiedenen Anbaumethoden, welche die Tomatenfrau in ihrem Garten praktiziert.

Trudi Borsos und Tante Katica mit einer ihrer Haustomaten.

SAMEN AUS TRUDIS TOMATENREICH Trudi Borsos – seit vielen Jahren Mitglied von Bioterra – sammelt samenechte Tomatensorten und baut sie in ihrem Biogarten in Kroatien an. Wie letztes Jahr können wir Samen von 13 ihrer besten Sorten zum Bestellen anbieten.

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UNGEWÖHNLICH: GRÜNE TOMATENSORTEN «Hier sind vor allem die Grünen», bemerkt Trudi Borsos, und schon bekomme ich eine ‘Green Cherry’ zum Naschen in den Mund gesteckt, sonnenwarm direkt vom Strauch, köstlich! Die einzige grüne Tomate, die ich kenne, ist ‘Green Zebra’, sie sehe ich aber nicht auf den angebrachten Namensschildchen. «Die finde ich eher langweilig im Geschmack, sie wird leicht mehlig», werde ich von der Gärtnerin aufgeklärt. Dafür wachsen hier ‘Green Grape’ mit kleinen, gelblich-grünen Früchten, ‘Lime Green’ mit mittelgrossen runden Früchten, ‘Green Sausage’, eine eher niedrige Sorte mit länglichen, grüngelben Tomaten, und eine riesige Fleischtomate mit grün-orangefarbigen Früchten, die den schönen Namen ‘Grüne von Helarios’ trägt. Die Grünen wachsen an Bambusstecken und sind mit Heu gemulcht. In einem anderen Beet gedeihen rote und gelbe Tomaten an Schnüren, um die die Pflanzen herumgewickelt werden. Ein Beet hat die experimentierfreudige Tomatenfrau dick mit Pappkartons abgedeckt, Schlitze hineingeschnitten und die Tomaten dort hineingesetzt. Als wir den Karton hochheben, sieht man, dass der Boden darunter viel weniger Risse zeigt als die umliegende, ausgetrocknete Erde. Der Erhalt der Boden-

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GEMÜS EGA RTE N

Ein Korb voller Vielfalt und aromatischer Überraschungen.

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E IN J Ä H RIG E B LU ME N

10 SOMMERTRÄUME AUS DER TÜTE Die einjährigen Blumen blühen zwar nur einen Sommer lang. Aber während dieser Zeit beschenken sie uns über Monate mit einem Blütenteppich in wunderschönen Farben. Von Ute Stude r

Der Lebensrhythmus der Einjährigen ist kurz, aber sehr intensiv. Nach der Aussaat oder dem Auspflanzen beginnt ihr kometenhafter Aufstieg am sommerlichen Blütenhimmel mit vielen farbenprächtigen Blumen. Sie blühen zwar nur eine Saison, aber das mit Volldampf. Es scheint, dass ihr einziges Ziel darin besteht, möglichst viele Blüten hervorzubringen, um ausreichend Samen auszubilden, die sie uns dann schenken, damit sie als Dauergäste in unsere Gartenplanung einziehen können. Ihre Farbenpracht und Blütenfülle machen sich gut in Blumenbeeten, Töpfen oder Kästen. Man kann sie als Lückenfüller ins Staudenbeet setzen, ganze Beete mit ihnen füllen oder sie als Farbtupfer und Insektenmagnet zwischen die Gemüse pflanzen. Tagetes, Sonnenblumen, Kosmeen, Zinnien und Ringelblumen wachsen in vielen Gärten. Wir möchten dazu anregen, auch anderen Blütenschönheiten einen Starauftritt im Garten zu ermöglichen. Alle einjährigen Sommerblumen sind wahre Sonnenanbeter und möchten einen sonnigen Platz im Garten. Die einjährigen Sommerblüher kann man einfach aus Samen ziehen – entweder auf der Fensterbank oder im Frühbeet vorziehen oder direkt ins Freiland aussäen. Vorgezogene Pflanzen blühen früher.

UNSERE 10 FAVORITEN FÜR EINEN BLÜHENDEN SOMMER

Duftwicke Lathyrus odoratus Die aus dem Mittelmeerraum stammende Duftwicke mit den schmetterlingsähnlichen Blüten und dem lieblichen Duft braucht ein Rankgerüst, an dem sie bis 200 cm hoch klettern kann. Ihre Blüten mit den zarten Pastelltönen bereichern den Garten. Damit sie von Juni bis September Blüten zeigt, braucht sie nährstoffreichen, humosen Boden und bei Trockenheit Wassergaben. Verblühtes muss regelmässig herausgeschnitten werden, denn setzen die Blumen Samen an, lässt die Blüte nach. Die zarten Blüten eignen sich gut zum Schnitt. Aussaat: Ab März auf der Fensterbank, ab Mai direkt ins Freiland an Rankhilfen.

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Bechermalve Lavatera trimestris ‘Bianca’ Die Bechermalve stammt aus dem Mittelmeerraum. Ihre becherartigen weissen Blüten öffnen sich von Juni bis Oktober. Die anspruchslosen, bis 100 cm hohen Pflanzen eignen sich als Solitärblumen, in Gruppen im Staudenbeet oder sogar als Sichtschutz am Gartenzaun. Die hübschen Blüten halten sich gut in der Vase. Bienen finden ein ausgiebiges Nektar- und Pollenangebot. Aussaat: Ab März auf der Fensterbank oder direkt ab April. Später auspflanzen oder ausdünnen auf 30 cm Abstand.

Blaudolde Didiscus coerulea Der von der australischen Insel Rottnest Island stammende Doldenblütler ist eine etwas in Vergessenheit geratene gute Schnittblume. Die 60 cm hoch wachsende Pflanze schmückt sich von Juli bis September mit halbkugeligen blauen Blütendolden. Ein mehrfacher Rückschnitt einiger Stängel fördert die Blütenbildung. Der robuste Sommerblüher macht sich gut im Schnittblumenbeet oder auch in der Staudenrabatte, braucht aber gut drainierten Boden. Auch die roten Fruchtstände bieten einen dekorativen Anblick. Die Doldenblüten bieten vielen Insekten Pollen und Nektar. Aussaat: Ab März bis Mitte April auf der Fensterbank, auspflanzen im Mai mit 30 cm Abstand.

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K R Ä U T E RKÜ CH E

«Bei den Kräutern kann ich aus dem Vollen schöpfen»

Suppe mit Randen, Basilikum und Kokos-Chutney.

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KRÄ UTER K ÜC HE

Tanja Grandits liebt Kräuter über alles. In ihrem Kräutergarten rund um das Restaurant «Stucki» in Basel spürt sie zur Freude der Gäste stets neue Geschmacksnuancen auf. «Kräuter» heisst denn auch ihr neues Kochbuch. Eine Liebeserklärung der Spitzenköchin an die Welt der Kräuter.

Von Judith Wyde r

Frau Grandits, Sie sind bekannt für Ihren virtuosen Umgang mit Aromen. Haben Sie eine Top 3 der Kräuter? Eine konstante Top 3 gibt es nicht. Schon immer über alles geliebt habe ich aber Basilikum, das es in einer unglaublichen Artenvielfalt gibt. ‘African Blue’ ist meine Königin unter allen Sorten. Ähnlich begeistert mich die Minze, auch hier ist die Sortenvielfalt beinahe unendlich. Die Minze verstärkt den Geschmack von Früchten oder Getränken ganz wunderbar. Auch Thymian gehört zu meinen Favoriten, er sorgt in Desserts für eine besonders raffinierte Note. Inwiefern unterscheiden sich Gewürze und Kräuter in der Dosierung? Gewürze brauchen in der Dosierung ein extremes Feingefühl, man sollte Gewürze eher sparsam verwenden, sonst ist ein Gericht schnell überwürzt. Unter den Kräutern gibt es nur wenige, die vorsichtig dosiert werden müssen: Liebstöckel zum Beispiel, der auch als Maggikraut bekannt ist. Grundsätzlich aber kann ich bei den Kräutern so richtig aus dem Vollen schöpfen und ich setze diese darum gerne grosszügig ein. In Ihrer Küche werden die Kräuter gezupft oder grob geschnitten den Gerichten beigefügt. Nicht ausnahmslos, Schnittlauch

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war das für mich, als ich zum ersten Mal selber Koriander angepflanzt habe. Es ist jedes Jahr eine Freude zu sehen, wie die zarten Blätter langsam breitgefächerter werden, und gleichzeitig von Neuem zu entdecken, dass die Blüten ganz anders schmecken als die Blätter, die Samen oder gar die Wurzeln. Wer seine Kräuter im Laden kauft, kann diese wundersame Verwandlung leider nicht wahrnehmen.

schneide ich ebenfalls sehr fein. Aber bei Basilikum, Minze und Koriander finde ich es schade, denn erst beim Biss auf das Kraut nehme ich das volle Aroma wahr. Für das Schneiden der Kräuter sollte man unbedingt ein sehr scharfes Messer verwenden, sonst zerquetscht man die Kräuter. Und wenn Basilikum und Koriander oxydieren, verlieren sie an Aroma. Wichtig beim Schneiden sind wiegende Bewegungen ohne grosses Drücken. Die Welt der Kräuter ist in den vergangenen Jahren bunter geworden. Welche Neuentdeckungen haben Sie gemacht? Der köstliche Shiso ist ein neuer Liebling von mir oder die japanische Petersilie Mitsuba, die ein bisschen an Kerbel erinnert. Es gibt viele spannende Kräuter. Weniger Gefallen finde ich an Trendsettern wie Olivenoder Cola-Kraut, sie haben zwar lustige Namen, aber geschmacklich sind sie für mich uninteressant. In Ihrem neuen Kochbuch «Kräuter» schreiben Sie, dass der Kräutergarten für Sie eine ständige Inspirationsquelle ist. Können Sie ein Aha-Erlebnis herauspflücken? Ein Aha-Erlebnis habe ich jeweils, wenn ich im Garten hautnah mitverfolgen kann, wie die Kräuter wachsen und wie sie in jedem neuen Stadium des Wachstums ein anderes Aroma entwickeln. Besonders eindrücklich

Blättert man sich durch die 140 Rezepte, stellt man fest, dass Sie oft nur ein Kräutchen pro Gericht verwenden. Lassen sich Kräuter nicht gerne verheiraten? Doch, doch, Kräuter lassen sich gerne verheiraten. Persönlich pflege ich aber eine reduzierte Küche, das heisst, ich bevorzuge grundsätzlich ein Aroma, eine Farbe. Speziell den Kräutern gebe ich gerne einen Rahmen, damit der Geschmack sich entfalten kann. Das ist aber eine Frage des Stils. Und keine Regel ohne Ausnahme: Kommen Taboulés oder Salate auf den Tisch, verwende auch ich gerne verschiedene Kräuter. Was sollte bei der Ernte der Kräuter beachtet werden? Der Vormittag eignet sich am besten für die Ernte, da die Sonneneinstrahlung noch nicht so stark ist, zudem sollte es nicht regnen. Beim Schneiden gilt es zu beachten, dass die Kräuter an der richtigen Zweigstelle abgeschnitten werden, um sie in ihrem Wachstum nicht zu beeinträchtigen. Wie kommen Sie als Kräuterliebhaberin gut über den Winter? Wir konservieren Kräuter gerne in Ölen, Salzen, in Sirup oder Pestos. Frische Kräuter beziehen wir in dieser Zeit aus Italien und Spanien, denn gänzlich ohne frische Kräuter komme ich nicht über den Winter.

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P O R T R ÄT

«Ein auf Ewigkeit angelegtes Wesen» Biobauer Martin Ott schrieb vor fünf Jahren das Buch «Kühe verstehen». Es wurde zum Bestseller und Ott zum gefragten Interview-Partner und Referenten im In- und Ausland. Seither wird der ehemalige Zürcher Kantonsrat als eine Art Kuhflüsterer gehandelt. Jetzt ist in Anlehnung an das Erstlingswerk das Buch «Bienen verstehen» erschienen. Kathari na Nüe s c h

Auch der Demeter-Imker Martin Dettli hatte «Kühe verstehen» gelesen und fand, es sollte mit demselben empathischen Ansatz ein Buch über Bienen geschrieben werden. Er stiess bei Martin Ott auf offene Ohren und lieferte ihm seine Rohtexte. Daraus ist nicht etwa ein Imkerbuch entstanden, sondern ein berührendes Werk mit wunderschönen Bildern des Fotografen Philipp Rohner. Wie also versteht man Bienen? «Bei Kühen ist der Zugang wesentlich einfacher, direkter», antwortet Martin Ott, der dieses Jahr seine über 30-jährige Milchbauernkarriere beendet hat und nun als Berater, Referent und Dozent für biodynamische Landwirtschaft tätig ist. Insekten schauen uns nicht in die Augen, reiben den Kopf nicht an unserer Schulter, kommen weder übers Katzentreppchen ins Haus, noch schnurren oder bellen sie. Also müsste die Annäherung auf andere Art erfolgen. Und langsam entdeckte er doch Gemeinsamkeiten: das Suchen nach Licht etwa oder die Metamorphose – beim Menschen beispielsweise die Veränderung durch eine Weiterbildung. Bewusst nahm er eine andere Perspektive ein und wollte möglichst unbeeinflusst über die Biene und das Bienenvolk nachdenken. Ott stützte sich lediglich auf die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen des Bienenforschers Jürgen Tautz. Dieser hat beispielsweise herausgefunden, dass die Königinnenhelferinnen bei ihrem Jungfernflug mitbestimmen, welcher Drohn zum Zug kommt. «Das Bienenvolk hat also Mittel, seine Genetik zu gestalten», folgert Ott. «Die Imker verhindern dies jedoch, indem sie irgendwo eine Königin einkaufen und diese dem Volk aufzwingen.» Damit werde das Bienenvolk in ihrem ureigenen Wesen verletzt. «Ziel der Imker ist, möglichst viel Honig zu haben.» Auch bei Kühen steht der wirtschaftliche Erfolg im Vordergrund: Eine Kuh muss heute Höchstleistungen erbringen,

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was bedingt, dass der Bauer sie mit Soja und Kraftfutter statt mit Gras füttert. Das widerspreche dem Wesen der Kuh und sei letztlich schlecht für das Tier, für die Landwirtschaft, Ökologie und die Solidarität mit der zweiten und dritten Welt, so der Bauer. «Bei den Bienen ist es fast noch schlimmer. Sie haben drei Hauptprobleme: Zu wenig Nahrung, da zu wenig Blüten, Pestizide und die Imker.» Beim Nachdenken und Schreiben des Buches wurde Ott klar, dass unter den HobbyImkern – die sich als Naturfreunde bezeichnen! – eine Schrebergartenmentalität vorherrsche: «In Schrebergärten wird zweimal mehr gespritzt als in der Landwirtschaft.» Im Gegensatz zur Landwirtschaft, wo eine Familie ernährt werden muss, gebe es weder in Schrebergärten noch beim Imkern Not – für Martin Ott das erschütterndste Fazit seiner Arbeit. Umso mehr stellt er im Buch grundsätzliche Fragen wie zum Beispiel, ob das Bienenvolk, der sogenannte Bien, auch eine Biene sei – und liefert die Antwort gleich im ersten Kapitel: «Der Bien ist ein auf Ewigkeit angelegtes Wesen.» Ein ewiges, sich veränderndes Ganzes, ähnlich einer Stadt, die über Jahrhunderte existiert und sich laufend wandelt. Ott stellt so verschiedene Thesen auf. Etwa, dass der Bien und die Biene zwei verschiedene Organismen sind, die eng miteinander verknüpft sind. Oder dass der Bien als Volk kein Insekt ist, sondern ein Superorganismus mit Merkmalen eines Wirbel- und Säugetiers. Er ist überzeugt, dass der Bien in starker existenzieller Resonanz und Beziehung zum Ort steht, an dem er lebt. Das Individuelle und die regionale Eigenheit gebe dem Bienenvolk seine Entwicklung vor. «Stört man ein Volk zu stark, nimmt man ihm seine Entwicklungsmöglichkeit und langfristig die Gesundheit.» Helfen können wir den Bienen, die aufgrund des mangelnden Nahrungsangebotes oft hungern, indem wir ihnen nach der Löwenzahnblüte und Rapsernte ab Ende Mai in unseren Gärten verlässlich, also wiederkehrend, eine pestizidfreie, opulente Blütentafel bieten. «Bienen verstehen» ist kein Besserwisser-Buch, sondern Stoff zum Nachdenken, ein Vorschlag, Bienen aus einer anderen Warte zu betrachten. Der Untertitel «Der Weg durchs Nadelöhr» ist eine Einladung zum Innehalten und zur Neubesinnung. Finden wir diesen Weg, kann das summende Volk selbst wieder auf seine ursprüngliche Robustheit zurückgreifen. Imker-Porträts bilden den Abschluss des Buches. Martin Ott hält es ganz mit Imker André Wermelinger, der sagt: «Jeder Imker sollte sich ein Volk leisten, dem er nicht den Honig nimmt, das er nicht mit Zucker füttert und das er schwärmen lässt. Damit hätten wir viel erreicht.» Buchtipp: Bienen verstehen – Der Weg durchs Nadelöhr, Martin Ott, Martin Dettli, Fotos Philipp Rohner, Fona-Verlag, Lenzburg, 2015, Fr. 38.90. Bestelltalon Seite 51.

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LESERANGEBOTE 1

LESERANGEBOT: 6 SETS MIT KRÄUTERSAMEN VON SATIVA, RHEINAU

Als Auftakt zu unserem Jahresthema Kräuter haben wir mit Sativa, Rheinau, 6 thematische Kräutersets zusammengestellt. Jeder Bestellung wird ein Beschrieb der Sorten, eine Anbau- und Pflegeanleitung sowie Möglichkeiten der Verwendung der Kräuter beigelegt. Alle Kräutersamen sind in Bioqualität.

1 BASILIKUM Griechischer ZitronenZimtRotblättriger Grossblättriger

2 KÜCHENKRÄUTER Schnittlauch Dill Liebstöckel / Maggikraut Bohnenkraut Essbare Blüten

3 TEEKRÄUTER Kamille Thymian Teefenchel Schafgarbe Salbei

4 MEDITERRANE KRÄUTER Basilikum Rucola Petersilie, glatte Majoran Chili-Mix

5 KINDER-SET

6 RARITÄTEN

Radiesli, Mischung Dolciva Ringelblume Schnittlauch Kapuzinerkresse

Schnittknoblauch Wurzelpetersilie Schabzigerklee Drachenkopf Muskatellersalbei

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LESERANGEBOT: NISTKASTEN UND FUTTERHÄUSER FÜR VÖGEL

Vogelfutterhaus «Rigi» * FSC-Mix aus Fichte, Dach grün gebeizt, Unterteil natur Masse: 24 x 20 x 18 cm Fr. 19.90

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Vogelfutterhaus «Africa» * FSC-Mix mit Strohdach, aus gehobelter Fichte, Unterteil braun gebeizt Masse: Durchmesser 34 cm, Höhe 35 cm, Fr. 58.–

Nistkasten «Birdy» für in Höhlen brütende Vogelarten Masse: 21 cm lang, 16 cm breit, 22 cm hoch und 1,4 kg schwer Fr. 99.–

* aus geschützten Werkstätten Bestelltalon Seite 51

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LESERANGEBOT: SAATGUT VON 13 BESONDEREN TOMATENSORTEN

In Zusammenarbeit mit Trudi Borsos bieten wir unseren Leserinnen und Lesern Samen von 13 verschiedenen Tomatensorten an. In jedem Päckchen sind 5 Samen einer Sorte. Da es sich um Raritäten handelt, ist das Angebot mengenmässig beschränkt. Ein Samenpäckli kostet für Mitglieder Fr. 1.–, für Nichtmitglieder Fr. 1.30 Mindestbestellmenge: 10 Samenpäckli

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‘Bison’ Eine Sorte aus den USA. Rote, runde, mittelgrosse, 50 bis 200 g schwere, saftige Früchte mit leicht süsslichem Aroma. Eine nur 1,2 m hoch wachsende Tomate für raues Klima. Sehr frühe Reife ab Juli, hoher Ertrag.

‘Domaca Pfarrgarten’ Alte Sorte aus Slowenien. Fleischig, aromatisch, leicht plattrund, orangerot, 250 bis 500 g, reich tragend.

‘Domaca Teta Katica’ I Alte kroatische Sorte. Rund, gross, orangerot, fleischig, ertragreich.

‘Domaca Teta Katica’ II Alte kroatische Sorte. Ochsenherztyp, rot, fleischig, reich tragend.

‘Limonischki’ Alte Sorte aus Kasachstan. Form einer Zitrone, sattgelb mit Spitz unten, 50 bis 200 g, schnittfest, aromatisch, reich tragend.

‘Silbertanne’ Alte russische, 30 cm hohe Buschtomate. Silbergraues, gefiedertes Laub wie Rüebli. Früh, süss, sehr aromatisch, mittelgrosse rote Früchte, die wie kleine Fleischtomaten aussehen.

‘Blue Beauty’ Amerikanische Neuzüchtung. Rosa Fleisch mit oberflächlicher Färbung von Blau bis Schwarz. Leicht gerippt, flachrund, mittelgross, süss, fruchtig. Früh, sehr ertragreich.

‘Kolumbianische Wildtomate’ Urform aus Kolumbien. Kirschgross, rund, rot, mild-würzig, früh, grosse Trauben, sehr ertragreich, lange Erntezeit.

‘Sibirischer Tiger’ Amerikanische Neuzüchtung. Die Sorte ist aber noch nicht sehr stabil. Gelb mit grünen Streifen, mittelgross, ertragreich, früh, aromatisch.

‘Fablonelystynyi’ Alte osteuropäische Sorte. Diese gelbe Minifleischtomate ist ein echter Hingucker. Die kleinen Früchte sind flachrund, gerippt, sehr früh, mit fruchtig süssem Aroma. Reich und lange tragend.

‘Barbaniaka’ Naschtomate aus Ungarn. Kleine, rote, sehr saftige Früchte mit herrlichem Aroma. Sehr früh, kältetolerant, ertragreich.

‘Auriga’ War früher in Ostdeutschland sehr verbreitet. Mittelgrosse, runde, leuchtend orangefarbige, saftig süsse, aromatische Früchte. Früh, ertragreich, robust, grosse Trauben.

‘Black Diamond’ Herkunft unbekannt. Violett-rot-grün gestreift, mittelfrüh, länglich-oval, sehr aromatisch, 5 cm lang, reich tragend.

BIOTERRA

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BIOTERRA JAN./FEB. 2016