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P.b.b. — 11Z038861 M — 1040 Wien www.facebook.com/Biorama

KOSTENLOS — ABER ABONNIERBAR

ausgabe 62 — August /september 2019. www.biorama.eu

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Unter uns:

Der Boden ist der zweitgrößte CO2 -Speicher der Welt. Ohne Grund: Ein Besuch in der äthiopischen Austernpilzzucht.  Tabu Tod: Denkanstöße für den Umgang mit der eigenen Endlichkeit.  Upcycling-Design: Nähanleitung für Hemd-und-Hosen-Tasche.

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Bio r a m a 62  

  E d i t o r i al, Im p r essu m

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Also starring: der Maulwurf

V

iele Arbeitsstunden hat unser Grafiker Michael Mickl für unser aktuelles Coverbild geschwitzt. Immer wieder schaute ihm beim Schaffen Chefredakteurin Irina Zelewitz über die Schultern, reklamierte den einen oder anderen Regenwurm in die Montage. Und zu guter Letzt tauchte – wie aus dem Nichts – plötzlich ein Maulwurf aus dem kühlen Dunkel auf. Den Engerling, der mit seinem massenhaften Auftreten vielerorts gerade zur Plage geraten ist, stellen wir uns am besten vor. Den hat der Maulwurf gerade intus. Lebendiger Boden halt, Kommen und Gehen. Meditativ begleitet vom feinen Brummen des Ventilators zauberte unser Michi schließlich ein für biorama eher unübliches Coversujet: knallbunt wie für einen Disneyfilm – aber doch bodenständig. Und genau darum geht es schwerpunktmäßig auf den folgenden Seiten: um Grund und Boden als bedrohte Ressource. Das Thema spannen wir von der nur vermeintlich banalen Frage unserer Rubrik Street Talk (»Wie lagerst du deine Erdäpfel/Kartoffeln?«) über ein Porträt des Bodenkundlers Günther Aust bis zu einem fundamentalen Interview, in dem der engagierte Journalist, Radiomoderator und Buchautor Florian Schwinn erläutert, wie wir den Boden retten können. Apropos Bio. Gefragt, was denn Bio eigentlich bedeute, antworten einschlägig engagierte Bäuerinnen und Bauern mitunter mit »Bio ist Leben«. Das stiftet zwar mitunter Verwirrung (weil es zumindest ansatzweise esoterisch klingt), ist aber grundrichtig. Denn konsequent gedacht orientiert sich Biolandbau immer an Kreisläufen. Und dazu gehört auch das Bewusstsein, dass alles Leben endlich ist – damit immer wieder Neues entstehen kann. Neben umweltfreundlichen Bestattungsmöglichkeiten stellen wir euch auch von Irene Maria Gruber ausgewählte Kinderbücher zum Thema vor. Auch Ursel Nendzig und Annemarie Harant widmen sich der eigenen Endlichkeit: Ursel in ihrer Kolumne »Elternalltag«, Annemarie mit einer praxisnahen Anleitung, wie man das Unausweichliche unverkrampft vorhersieht – vom digitalen Nachlass bis zum Testament. Feiern wir also das Leben!

Thomas Weber, Herausgeber weber@biorama.eu @th_weber

impressum HERAUSGEBER Thomas Weber CHEFREDAKTEURIN Irina Zelewitz AUTORINNEN Frankziska Bechtold, Alina Birkel, Iris Eichtinger, Florian Grassl, Irene Maria Gruber, Annemarie Harant, Martin Mühl, Ursel Nendzig, Juliane Reichert, Jürgen Schmücking, Thomas Stollenwerk, Anika Suck, Thomas Weber, Christine Wedler, Sarah Wetzlmayr, Christoph Wimmer, Irina Zelewitz GESTALTUNG Michael Mickl Lektorat Mattias Feldner COVER­MONTAGE Michael Mickl (istock.com/temmuzcan, Griffin24, deyanarobova, hsvrs, themacx, Lena_Zajchikova) ANZEIGENVERKAUF Herwig Bauer, Micky Klemsch (Leitung), Thomas Weber DRUCK Walstead NP Druck GmbH, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten PRODUKTION & MEDIENINHABERIN Biorama GmbH, Wohllebengasse 16 / 6, 1040 Wien GESCHÄFTSFÜHRUNG Martin Mühl KONTAKT Biorama GmbH, Wohllebengasse 16 / 6, 1040 Wien; www.biorama.eu, redaktion@biorama.eu BANKVERBINDUNG Biorama GmbH, Bank Austria, IBAN AT44 12000 10005177968, BIC BKAUATWW ABONNEMENT siehe Website: biorama.eu ERSCHEINUNGSWEISE 6 Ausgaben pro Jahr ERSCHEINUNGSORT Wien. BLATTLINIE Biorama ist ein unabhängiges, kritisches Magazin, das sich einem nachhaltigen Lebensstil verschreibt. Die Reportagen, Interviews, Essays und Kolumnen sind in Deutschland, Österreich und der ganzen Welt angesiedelt. Sie zeigen Möglichkeiten für ein Leben mit Qualität für den Menschen und den Planeten Erde. Ohne dabei den Zeigefinger zu erheben. Biorama erscheint sechs Mal im Jahr.


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  Bi l d d er Au sga be


Illustration Jakob Winkler

Das Gewimmel von 50.000 Arbeitsstunden Jakob Winklers Wimmelbuch für Kinder und Erwachsene macht diesem Wort alle Ehre. Auf 40 Seiten gibt es flirrende Illustrationen – mit Querverweisen zu geballtem Wissen in Textform im ausführlichen Glossar. Von der Entstehung von Erdöl über das Transportwesen bis hin zu den utopischen Seiten einer Welt ohne Plastik, einer begrünten Stadt der Kreisläufe und des Vertical Farmings – das Buch könnte viele Kinder noch wesentlich länger begleiten als die zehn Jahre, die sich der Autor und Zeichner schon mit Konzeption und Erstellung beschäftigt. »Fatimas fantastische Reise in eine Welt ohne Erdöl« kann von 14. September bis 27. Oktober online vorbestellt werden: fatimasfantastischereise.com Irina Zelewitz

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 Au f tak t

62 Inhalt

03 Editorial 12 Global Village 16 Meine Stadt

Schwerpunkt: das leben im boden 18 Kampf für die Zeit

»Rettet den Boden!«: Buchautor Florian Schwinn im Interview 23 Die große weiße Lücke

Ein Bodenkundler träumt von der vollständigen Bodenkarte. 28 Unter dem Schirm der Hyäne

Austernpilze wachsen ohne Boden – ein Besuch bei äthiopischen LandwirtInnen 34 Da ist der Wurm drin!

C2C-Pixi-Buch über Regenwürmer 36 Wie wird man eigentlich …

Biobäuerin 38 Wie wird man eigentlich …

Foodie 40 Der Tod gehört zum Leben

Vier Kinderbuchtipps 42 Dein Abschied von der Welt

Denkanstöße zum Thema Tod 46 Upcycling-Design

Ein Schnitt des UpcyclingLabels Milch 50 Vegane Gürtel

Lederalternativen ohne neues Plastik 52 Grüner drehen

65 Bikepacking auf Krk

Urlaub ohne Rucksack und Koffer 69 Handwerk hinter der Bar?

52 Eine Branche sieht grün. Die Green-Producing-Bewegung setzt sich für mehr Nachhaltigkeit in der Filmbranche ein – und kommt gemächlich, aber stetig voran.

Wie nachhaltig ist der Trend?

Marktplatz 74 Marktplatz Food

Salamisnacks 77 Marktplatz Kosmetik

Foundation

Kolumnen 82 Elternalltag

Bilder  Das rund fil mpro dukti on, istock.c om/ga spr13, Klassen/Ba rnett

Es gibt sie, die Green-Producing-Bewegung.


SONNENTOR

Erlebnis Entdecke unsere Welt der Kräuter und Gewürze! • Betriebsführungen • Führungen am Bio-Bauernhof Frei-Hof • Permakultur-Garten • Land-Lofts • Geschäft • Bio-Gasthaus Leibspeis’ • Seminare & Workshops

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N FAMILIEN-FÜHRUNGE IM G TA NN JEDEN 1. SO MONAT UM 14 UHR

Mountainbikepacking: Ein Radreisetrend im Praxistest auf der kroatischen Insel Krk – beginnt in der Österreich-Ausgabe auf Seite 65, in der DeutschlandAusgabe schon auf Seite 63.

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Der Tod gehört zum Leben.

Gürtel ohne Tier:

Irene Maria Gruber präsentiert einfühlsame Kinderbücher, die Möglichkeiten zeigen, mit ihm umzugehen.

Vegane Lederalternativen – aus Piñatex, aus Kork, aus alten Sicherheitsgurten – jedenfalls ganz ohne neues Plastik.

SONNENTOR Erlebnis

in 3910 Sprögnitz 10, +43(0)2875/7256-100 www.sonnentor.com/erlebnis


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Bio r a m a 62 

 Le se r i nnen m ein u n g

Wir müssen reden …

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LeserInnen an und über uns Mails, Tweets und hoffentlich Liebesbriefe an die Redaktion – und unsere Antworten. Betrifft:

LeserInnenbriefe in biorama 60 (April/Mai 2019) »Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin heute auf Ihr interessantes Magazin gestoßen – vor Allem die Bezeichnung »für nachhaltigen Lebensstil« hat mir gefallen. Beim Durchblättern war ich zusehends und von den Themen angetan, bis ich auf Seite 78 gelandet bin. Sie drucken einen Artikel »über den genussvollen Verzehr von Weinbergschnecken« ab. Ich muss sagen, diese zwei Seiten haben mich schockiert und ich finde es regelrecht pervers im Sinne von verkehrt, dass Sie Rezepte mit dieser armen Kreatur als Genuss beschreiben. Was hat das mit »bewusster« Kost zu tun? Noch dazu preisen Sie die Schnecken als Fastenspeise mit langer Tradition an – und empfehlen, sie das ganze Jahr über zu verzehren … Da fehlen mir die Worte.« 

Tierfreundliche Grüße,

– Eine Kritikerin (die anynonym bleiben wollte, Name d. Redaktion bekannt)

Vielen Dank für die Rückmeldung und für Ihre Beschäftigung mit der Frage, was zu einem nachhaltigen Lebensstil und unserem Magazin darüber passt! Wir möchten Sie als unsere Leserin keinesfalls vor den Kopf stoßen. Diskussion und Beiträge über Verzehr von Tieren ist für uns Teil des notwendigen Nachhaltigkeitsdiskurses. Wir hoffen, mit unserer Berichterstattung insgesamt die laufende Verbesserung der Bedingungen der Nutztierhaltung im Sinne des Tierwohls als auch der ökologischen Notwendigkeit der drastischen Reduktion des Fleischkonsums zu transportieren!

Betrifft:

The Great Regional Swindle in biorama 61 Tweet von @MarkusLeithner

In der Redaktion wurde im Vorfeld diskutiert, ob man dem thematisch »alten Hut« regionale Produkte so viel Platz einräumen sollte. Die zahlreichen Rückmeldungen zum Schwerpunkt haben unsere Erwartungen übertroffen und uns bestätigt. Vielen Dank dafür! Betrifft:

Glücklich wie tanzende kühe in biorama 61 Tweet von @jakobine_at

Pretty nice drawing!

Erratum betreffend LeserInnenmeinung im BIORAMA #61 In der Ausgabe 61 ist uns beim LeserInnenbrief zum Thema »Grüner Strom ist nicht gleich grüner Strom« ein Fehler unterlaufen: Wir haben den Namen von Frau Siglinde Binder-Knoll angegeben. Die Zusendung stammt jedoch von Christoph Wychera. Wir bitten beide LeserInnen um Entschuldigung!


Unser Bio. Unsere Qualität.

Natürlich ist das nichts als Schinken. Bio-Schinken ist natürlich etwas Köstliches. Weil die BioSchweine wühlen können, Auslauf ins Freie haben und gentechnikfreies Futter aus biologischem Anbau bekommen. Und weil der Schinken purer Schinken ist. Ohne zusätzliche Geschmacksverstärker und ohne Phosphate. Das ist Bio. Kontrollierte Qualität. Garantiert mit dem EU-Biologo und dem AMA-Biosiegel. bioinfo.at

ec.europa.eu/agriculture/organic

Der Inhalt dieser Veröffentlichung gibt allein die Meinung des Autors wieder, der allein für den Inhalt verantwortlich ist. Die Europäische Kommission haftet nicht für die etwaige Verwendung der darin enthaltenen Informationen.

DIE EUROPÄISCHE UNION UNTERSTÜTZT KAMPAGNEN ZUR FÖRDERUNG DES ABSATZES LANDWIRTSCHAFTLICHER QUALITÄTSERZEUGNISSE.


street talk Wir fragen, 7 erdige Antworten.

»Wie lagerst du deine Erdäpfel*?« * KartoffelN interview und Bilder Iris Eichtinger 

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NINA

27, Studentin Ich lagere Kartoffeln in einer Kartonbox in meinem Küchenschrank.

norbert

47, Forscher In unserem Kühlschrank ist ein Gemüsefach, dort lagere ich sie. Ich lebe in Japan, dort ist es heiß und schwül. Wenn man sie dort draußen liegen lässt, verderben sie schnell.

Rudolf

53, Bauernknecht Ich verspeise Erdäpfel gleich nach dem Ernten. Eine kleine Menge habe ich auf Vorrat im Keller meiner Mutter.

MiriAM

17, Schülerin Wir lagern Kartoffeln im Keller in den Netzen, in denen sie verkauft werden. Wir holen immer so viel rauf, wie wir gerade brauchen.

Shammari

33, Marktverkäufer Ich kaufe meine Kartoffeln nur auf dem Biomarkt beim Wiener Rathaus. Andere schmecken mir nicht. Ich kaufe jede Woche zwei, drei Kilogramm frisch, verbrauche sie also gleich.

Anastasios

47, Plattenlegermeister Ich lagere sie ungewaschen in einem schwarzen, dunklen Stoffbeutel.

marie

23, Studentin Im Kühlschrank, in dem Netz, in dem ich sie kaufe.


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  universal village

Dänemark

Locus amoenus electrica

Find us on:

www.biometzger.at

Keine Tankstelle, sondern vielmehr eine architektonische Ikone für das Zeitalter der Elektromobilität. Gut erhaltene Tankstellen aus den 1950er-Jahren gelten mit ihrer typischen Architektur als Ikonen der Blütezeit des erdölbasierten Individualverkehrs. Die Elektromobilität hat bisher keine stilistische Entsprechung gefunden. ArchitektInnen des Kopenhagener Studios cobe haben eine E-Tankstelle entworfen, die das ändern könnte. Sie steht in Fredericia. Die Technik der Schnellladepunkte stammt vom schweizerischen abb-Konzern. Elektroautos können hier binnen 15 Minuten vollständig aufgeladen werden. Betrieben wird die Station vom dänischen Unternehmen Clever gemeinsam mit dem deutschen Energiekonzern e.on. Die Firmen haben das Joint Venture Ultra Fast Charging Venture Scandinavia gegründet, mit dem Ziel, die Ballungsräume Dänemarks, Schwedens und Norwegens durch ein Netz von insgesamt 48 solcher Schnellladestationen zu verbinden. »Die Ladestation soll nicht nur die Ladezeit minimieren, sondern auch eine sinnvolle Pause für FahrerInnen und BeifahrerInnen schaffen. Die Station hat die Form einer Reihe struktureller Bäume mit Kronen, die Licht und Schatten filtern. Der modulare Ansatz führt dazu, dass das Design skalierbar ist und dass ein ›Baum‹ je nach erforderlicher Kapazität leicht zu einem Wald multipliziert werden kann«, heißt es auf der Website des Architekturbüros, das die Pilot-Station in Fredericia entworfen hat. 

Bilder ICOBE and Ras mus Hjortsh o, Jessi e Pitt

Erhältlich bei:


alpen

16 Jahre endloser Winter Als Ski-Guide in Australien und Tirol hat Jessie Pitt durchgehend im Winter gelebt – das wirkt in ihren impressionistischen Bergbildwelten nach. Australien, Österreich, Australien, Österreich – »Für mich war immer Winter«, erinnert sich Jessie Pitt. Als Ski-Guide ist sie 16 lange Jahre dem Winter hinterhergereist. Mittlerweile ist die Australierin ganz in Tirol gestrandet und hat ihre zweite Leidenschaft – die Kunst – zum Beruf gemacht. Doch ihr Dasein als Nomadin hat nicht zuletzt in der Wahl ihres Materials Spuren hinterlassen, verlangte es doch leicht zu transportierende Malutensilien. Durch die Platzeinschränkung im Reisegepäck entstand Pitts typische Mixed-Media-Technik: eine Kombination aus Zeichnung und Malerei auf ungespannter Leinwand, die sie vorab zerknittert, um einen plastischen Effekt zu erzielen. Dass ihre Werke erst rahmenlos und freihängend zur Geltung kommen, diese von ihren KäuferInnen nachträglich aber doch meist gerahmt werden, erläutert Jessie Pitt im ausführlichen Interview in der biorama-Onlineausgabe – und auch ihr Ziel: Umgebungen zu kreieren, in denen das Gefühl der Berge erlebbar wird. Demnächst zum Beispiel im Rahmen einer großen Installation für das Bergfilmfest St. Anton (28.–31. August). Florian Grassl stantonamarlberg.com


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  universal village

Universum

Mondstuhl

AB 30. AUGUST IM KINO

96 Müllsäcke liegen als Hinterlassenschaft der bemannten Mondmissionen auf dem Erdtrabanten. Darin: unter anderem menschlicher Kot. Was WissenschaftlerInnen fünf Jahrzehnte später interessiert, ist, was mit den Bakterien darin geschehen ist. In den Säcken spielt sich ein Exkrementexperiment unter Extrembedingungen ab. Die Temperatur auf der Mondoberfläche schwankt zwischen −171° und 140° Celsius. Es fehlt eine schützende Gasatmosphäre, es herrscht ein Vakuum, die UV-Einstrahlung ist sehr hoch, ebenso die kosmische Strahlung. Wenn in den Müllsäcken irgendwas überlebt hat, wäre das aus astrobiologischer Perspektive also spektakulär. nasa-Forscher Mark Lupisella hat dem US-Magazin Vox erklärt, es bestehe nur eine geringe Chance, dass natürliche Selektion in den Müllsäcken eingetreten sei, die dazu geführt haben könnte, dass sich die Mikroorganismen weiterentwickeln, um zu überleben. Wenn aber, dann könnten sie gewachsen sein und sich ausbreiten. Einer der Mondfahrer, nämlich Buzz Aldrin, reagierte auf die Idee, die Hinterlassenschaften von damals einzusammeln: »Well, I sure feel bad for whoever finds my bag«, twitterte der 89-Jährige. 

Thomas Stollenwerk

Bilder  Na sa, Istock.co m/Fos in2, istock.co m/ Electro gra phy

Was wurde aus den organischen Hinterlassenschaften der bemannten Mondfahrt? Steckt darin vielleicht noch Leben?


Das Projekt Nahgast forscht zu Nachhaltigkeit in der Gastronomie – so etwa zu den Auswirkungen kleinerer (Fleisch-)Portionen.
 Vor allem in urbanen Räumen nimmt das AußerHaus-Essen weiter zu, weswegen Nachhaltigkeitsprojekte endlich auch vermehrt in der Gastronomie und in Kantinen ansetzen. Für Umwelt und individuelle Gesundheit ist die Frage, was gegessen wird, ebenso entscheidend wie die, wie viel gegessen wird. Beide Fragen verbindet das Projekt Nahgast. Dessen Praxispartner, das Studierendenwerk Münster, hat nun Studienergebnisse veröffentlicht: Unter anderem, dass Gäste auch kleinere Portionen als ausreichend bewerten. Konkret untersucht wurde das anhand der Reduktion der Fleischportionen um 20 Gramm bei zwei Standardgerichten, nämlich Hendlschnitzel und Bratwurst, in der Mensa am Ring in Münster. In nur einer Kantine könnten so jährlich 3,6 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Mehr Ergebnisse sammelt die Publikation »Nachhaltig außer Haus essen« und für die Gastronomie gibt es einen Rechner, um die Auswirkungen unterschiedlicher Zutaten eines Gerichts auf Umwelt und Gesundheit zu kalkulieren.  Martin Mühl nahgast.de

SICHERT DIE

ERTRÄGE DER

20 Gramm Fleisch und 3,6 Tonnen CO2 weniger


CHEMIE CHEMIEKONZERNE

Deutschland

ALLES EINE FRAGE DER PERSPEKTIVE Die in der konventionellen Landwirtschaft intensiv bewirtschafteten Böden brauchen mit der Zeit immer mehr Kunstdünger und Pestizide, um Ernteerträge zu bringen. Das erzeugt Abhängigkeit von Chemiekonzernen. Bio bietet die Alternative zu diesem Teufelskreis. Denn hier wachsen die Erträge organisch, ohne Pestizide und der Boden bleibt gesund. www.sonnentor.com/esgehtauchanders


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 Me i ne Sta dt

MEINE STADT:

Garmischpartenkirchen Lieblingsplätze und Eco-Hotspots

Text und Bild Christine Wedler

Street Art Christine Wedler ist Mitinitiatorin des Projekts »Essbares Garmisch-Partenkirchen« – das sich gemeinsam mit dem Schwesternprojekt Sonnenacker in der Solidargemeinschaft Werdenfelser Land e. V. vereinsmäßig organisiert hat. Das Team »Essbares Garmisch-Partenkirchen« versucht, umfassend ganzheitlich zu denken und seine Marktgemeinde ein bisschen zu verändern – von Demos bis Gemeinschaftsgärtnern. Der Bund Naturschutz unterstützt das Team mit Expertise bei der Bewirtschaftung der Gartenflächen.

Das ist der Vorplatz des Rathauses, auf den ein Kind ein Rad gezeichnet hat, bevor im Rathaus eine Sitzung zum Thema Radwege abgehalten wurde. Und insofern mag ich diesen Platz, er ist gut gewählt, weil er darauf hinweist, dass die Politik auch etwas beitragen muss zur umweltgerechteren Gestaltung unserer Stadt.

Gastraupe

Diese Raupen lieben die Stängel von Dill und gelber Rübe. Sie sitzen in unserem Lavendelbeet, in dem in der Mitte Lavendel wächst und rundherum Gemüse – wie Rüben und Dill – wachsen. Wir haben täglich gestaunt, wie schön diese Raupen sind und beobachtet, ob es ihnen gut geht. Eines Tages waren sie weg. Denn sie waren als Schwalbenschwanzschmetterlinge losgeflogen. Es war uns eine Freude, dass wir ihnen etwas zu essen bereiten konnten.


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Experiment

GarmischBrüs sel Partenkirchen

Leihschaf

Die Schafweide ist der Garten einer unserer KundInnen. Wir sind sieben Schäferinnen. Wir verleihen kostenlos Minischafe – Ouessantschafe – an Menschen, die Wiesen ab 300 Quadratmeter Größe gemäht haben möchten. Die Schafe werden von uns an der Leine geliefert und dürfen ein bis zwei Wochen bleiben – täglich schaut eine aus unserem Team nach ihnen.

Das sternförmige Hochbeet ist ein Experiment. Das ist eine öffentliche Fläche, die sehr feucht ist, weil in der Nähe der Fluss Partnach fließt. Wir haben getüftelt, wie wir unter diesen Bedingungen Gemüse anbauen könnten und wollten es mit einem Hochbeet versuchen. Schlau ist es zwar nicht, ein Beet in Sternform anzulegen, das könnte man aus praktischen Gesichtspunkten gesehen geschickter machen –, aber es hat uns gefallen und wir wollen die Leute mit unseren Projekten auch durch Optik neugierig machen. Mittlerweile wächst dort sehr viel – von Blumen über Salate bis zu Kartoffeln. Wir verwenden nur Biosaatgut und keine Hybride. Letztes Jahr haben wir erstmals Samen gewonnen, wir kaufen daher kaum mehr Saatgut oder Jungpflanzen zu.


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  U NT ER UN S

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Kampf für Zeit Die Zeit im Kampf gegen den Klimawandel lässt sich kultivieren, will uns Florian Schwinn sagen. Der Autor des Aufrufs »Rettet den Boden!« erklärt im Interview, warum es sich für uns lohnt, um den Boden zu kämpfen.

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biorama: Mit dem Aufbau von vier Promille

FLORIAN SCHWINN hat 2017 den deutschen Umwelt-Medienpreis erhalten und 2018 den EduardBernhard-Preis des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (bund) Hessen

mehr Humus im Jahr auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche könnte der weltweite jährliche Kohlendioxidausstoß im Boden gespeichert werden. Woher kommt diese Zahl? Was ist in Paris passiert? Florian Schwinn: Die Franzosen haben das vorgeschlagen bei der cop in Paris. Die Rechnung ist die folgende: Der Boden ist nach den Ozeanen, also vor allem nach der Tiefsee, der größte Kohlenstoffspeicher der Erde. Da, wo die Landwirtschaft auf der Welt industrialisiert ist, ver-

lieren wir Humus: Die organische Substanz, die dort eingearbeitet ist und dort dauerhaft bleiben könnte, wird durch diese Form der Landwirtschaft verringert. Das hat zur Folge, dass wir immer mehr Kunstdünger verwenden müssen, weil die Böden weniger fruchtbar werden, aber auch, dass das CO2, das im Boden gespeichert ist, freigesetzt wird. Die Forderung der französischen Regierung von 2015 wurde mittlerweile auch vom deutschen Bundeslandwirtschaftsministerium nachgerechnet: Wenn wir pro Jahr vier Promille mehr gesunden Boden aufbauen, können wir den CO2-Ausstoß der Menschheit (das, was über den natürlichen Kohlenstoffkreislauf auf der Erde hinausgeht) durch Speicherung im Boden ausgleichen. Wie speichert ein Boden Kohlendioxid? In einem Kubikmeter gesundem fruchtbaren Boden gibt es mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt – der Boden ist das vielfältigste Biotop der Erde, mehr als der Regenwald. Auf diesen Boden fällt ein Blatt, die Tiere raspeln es klein, dann frisst es das nächste Lebewesen – zum Beispiel ein Regenwurm –, seine Ausscheidungen sind letztlich frische Erde. Einen Teil dieses Humus nehmen sich die Pflanzen, der Rest bleibt als Dauerhumus im Boden, er ist ein Kohlenstoffspeicher, weil die Pflanzen sich zuvor diesen Kohlenstoff aus der Luft geholt haben.

Bilder  Hr_s. Reimold, i sto ck. com/akatjomar

Interview Irina Zelewitz

ier Promille mehr Humus müsste die Menschheit jährlich aufbauen, um ihren jährlichen Kohlendioxidausstoß in den Böden zu speichern und dadurch einerseits Zeit für die Anpassung an den Klimawandel zu gewinnen und andererseits dessen Voranschreiten in Grenzen zu halten. Diese Forderung wurde bereits bei der Pariser Klimakonferenz, im internationalen Jahr des Bodens 2015, gestellt. Passiert ist seither wenig, KritikerInnen mahnen, dass das Ziel der Speicherung von CO2 in den Landwirtschaftsböden möglicherweise von der Notwendigkeit der Reduktion der Emissionen ablenkt. Der Journalist Florian Schwinn hat sich die Fähigkeit der Böden, die Klimaerwärmung zu bremsen, 2019 noch einmal ganz genau angesehen und in Form eines Buchs zur Rettung des Bodens aufgerufen.


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»Bei LandwirtInnen, die darauf achten, die Würmer zu pflegen und zu füttern, wie sie auch ihre Kühe füttern, leben auf einem Quadratmeter mitunter über 300 Regenwürmer«, zitiert Florian Schwinn den Freisinger Biolandwirt Sepp Braun.

Was ist mit den anderen Treibhausgasen? Viele Treibhausgase, auch Methan, sind langfristig im Klima. Der Boden aber kann durch Aufbau relativ schnell Kohlendioxid aufnehmen. In Mitteleuropa, in der dach-Region, können wir mit einfachen Maßnahmen revitalisieren, was beschädigt ist. Frau von der Leyen hat dementsprechend angekündigt, die Förderstrukturen der Landwirtschaftspolitik auf europäischer Ebene umzubauen. Wenn wir etwa LandwirtInnen nur fördern, wenn sie den Boden das ganze Jahr bedeckt halten mit Nahrung für das Bodenleben und uns, werden wir die Effekte schnell sehen. Es gibt allerdings Gebiete, etwa in Südspanien, wo es zu spät ist. Genau dort, wo unser Gemüse zu einem erheblichen Anteil herkommt, ist Spanien verwüstet. Außerhalb der Plastikwüste ist eine echte Wüste entstanden. Viele Meter der ehemaligen Böden sind abgetragen. Das wiederherzustellen ist eine Jahrhundertaufgabe, dieses Land ist eigentlich verloren. Passiert die Landwirtschaft der Humuswende extensiv oder intensiv? Die Frage ist, was wir produzieren. Deutschland braucht die Hälfte seiner Ackerbaufläche (ohne Weidefläche) noch einmal zusätzlich im Ausland, um seine Lebensmittel zu produzieren, hauptsächlich für Futtermittel. Wir müssen also aufhören, mehr Fleisch zu produzieren, als unsere eigenen Böden hergeben. Das bedeutet eine Ernährungsumstellung. Es bedeutet aber auch, nicht mehr weiter zu exportieren. Das, was wir brauchen, können wir im Wesentlichen produzieren, auch wenn man die ein oder andere Orange trotzdem importiert

und dafür anderes exportiert. Wenn wir dann noch auf Bio umstellen, haben wir das auch noch nachhaltig. In welcher Dimension geht derzeit Boden verloren? Unter den deutschen Bundesländern beobachtet Niedersachsen seine Bodenerosion am längsten: seit fast 20 Jahren. Und nach zehn Jahren wurde Bilanz gezogen und festgestellt: 1,2–2,5 Tonnen Humus gehen pro Hektar und Jahr in Niedersachsen verloren – bei einzelnen Starkregen waren es bis zu 50 Tonnen pro Hektar. In der Wirkungsspanne von LandwirtInnen, also in etwa 50 Jahren, kann die ganze Humusschicht, der ganze fruchtbare Boden, weg sein. Man muss sich vor Augen führen: Die nächste Generation hat womöglich keinen Boden mehr, auf dem etwas wächst. In anderen Weltteilen ist es noch viel schlimmer, in Afrika oder den usa beispielsweise, da wächst zum Teil nur mehr etwas, wenn mit Kunstdünger gedüngt wird. Welche Rolle spielt biologische Bewirtschaftung der Böden, um das 4-Promilie-Ziel überhaupt erreichen zu können? Fest steht: Die HerstellerInnen von Pestiziden, wie Bayer/Monsanto, behaupten, dass ihre Pestizide das Bodenleben nicht schädigen. Es ist mittlerweile belegt, dass sie das doch tun. Biologische Bewirtschaftung ist nicht der einzige Faktor. In der Weide ist mehr Bodenleben als im Acker. Wer nicht pflügt, hat einen gesünderen Boden als der, der pflügt. Doch generell ist der Biolandbau besser im Humusaufbau als der konventionelle.

Nur drei Prozent der weltweiten Landfläche sind von Mooren bedeckt, sie speichern aber doppelt so viel Kohlenstoffdioxid wie alle Wälder der Erde gemeinsam.

Die internationale Wanderausstellung »Die Dünne Haut der Erde – Unsere Böden« des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz ist noch bis 15. September im Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden, Japanisches Palais in Dresden zu sehen und ab 4. Oktober 2019 bis 12. Juli 2020 im Universalmuseum Joanneum – Naturkundemuseum in Graz. Mehr auf senckenberg.de


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  U NT ER UN S

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Sie schreiben: »Die Landwirtschaft könnte vom Klimazerstörer zum Klima­ retter werden«. Ist die Landwirtschaft die Klimazerstörerin? Sie ist eine der KlimazerstörerInnen. Das liegt an ihren Emissionen, sie setzt CO2 frei durch die Bodenbearbeitung, durch die Regenwaldabholzung für Futtermittel, Methan durch die Viehhaltung und den Reisanbau. Die Landwirtschaft ist vielfältig an der Emission von Treibhausgasen beteiligt. Eine humusbildende und humusbindende Landwirtschaft könnte bis zu einer natürlichen Grenze – der Bodensättigung – das Klima sehr entlasten und der Menschheit Zeit geben, den Klimawandel zu stoppen. Die Landwirtschaft könnte der Motor sein, den Klimawandel aufzuhalten. Wie kann der Rollenwechsel/Imagewechsel angetrieben werden? Wir sollten eine humusbildende Landwirt-

schaft fördern. Die Gesellschaft muss die Subventionen umbauen. Die Flächensubvention – alle LandbesitzerInnen bekommen 300 Euro pauschal für jeden Hektar – ist unsinnig. Weil hier nicht gefördert wird, dass etwas getan wird. Sondern als Fördergrundlage reicht es, dass der Boden da ist. Es sollte gefördert werden, dass etwas Sinnvolles gemacht wird. Wie wecke ich Interesse am Thema Boden? Auf der Bildebene ist Boden ja nicht unbedingt catchy. Es beginnt schon bei der sprachlichen Problematik. Wir haben keinen anderen Begriff für das, wovon wir uns ernähren, als für das, wo wir etwas draufstellen: Dachboden. Boden. Fußboden. Wenn wir die Relevanz des Schutzes von Auenlandschaften vermitteln wollen, sprechen wir ja auch selten von Auwald und Wiesen. Sondern im Zentrum stehen meist die Tiere, die diese Lebensräume bewohnen. Und der Boden hat den Regenwurm. Und das macht in Mitteleuropa auch wirklich Sinn, hier als Symbol den Regenwurm zu nehmen. Man muss den Blick nach unten auf den Boden richten und es schaffen, das, was dort stattfindet, spannend darzustellen. Die Ausstellung des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz ist hier zum Beispiel vorbildlich. Bei einem virtuellen Rundgang – mit VR-Brille auf Asselgröße/Regenwurmgröße geschrumpft – kann ich mich durch den Boden bewegen. Früher mussten die Leute weiterwandern, wenn der Boden ausgelaugt war. Heute glauben wir, wir können die Boden übernutzen und das regeln. Das ist ein Irrtum.

Bild  istock.co m/chri sti an dahlhaus

»rettet den boden!« Das Buch »Rettet den Boden! – Warum wir um das Leben unter unseren Füßen kämpfen müssen« ist 2019 im Westend Verlag erschienen.

Der Regenwurm ist hier auch ein guter Zeiger: Wo viele Regenwürmer sind, weiß man, dass es dem Bodenleben gut geht. Untersuchungen des Bayerischen Amts für Landwirtschaft zur Regenwurmdichte haben gezeigt: In konventionell bewirtschafteten Böden gibt es etwa 60 Regenwürmer pro Quadratmeter. Und bei Bio sind es 120. Und bei jenen LandwirtInnen, die darauf achten, die Würmer zu pflegen und zu füttern, wie sie auch ihre Kühe füttern (ein Zitat von Sepp Braun aus Freising), leben auf einem Quadratmeter bis zu 300 Regenwürmer und mehr.


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  U nt e r uns

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Bilder Christian Bruna

Text Irina Zelewitz

Die groSSe weiSSe Lücke Günther Aust weiß um die Vielfalt der österreichischen Böden wie kaum ein Zweiter. Und er hat ein Ziel: Bis zu seiner Pensionierung soll die digitale österreichische Bodenkarte vollständig sein.

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er Günther Aust eine E-Mail schickt, erfährt womöglich durch eine automatische Antwort, dass dieser »bis auf Weiteres im Außendienst« ist und die Nachricht auch »zu einem späteren Zeitpunkt nicht bearbeitet werden kann«. Und dass man einen Bodenkundler, dessen Mission die Sammlung von Bodendaten ist, bei halbwegs akzeptablem Sommerwetter nicht im Büro findet, sondern im wahrsten Sinne des Wortes »im Feld«.

Die Dynamik eines Bodens Als Geländekundler wäre es ihm am liebsten, »alle würden den Boden in Ruhe lassen – und wenn bearbeiten, dann nur sehr extensiv«, gibt Aust zu und wirft einen kritischen Blick auf niederösterreichischen Boden. Aber es gebe eben auch wirtschaftliche Interessen: »Die meisten bewirtschaften Böden ja nicht als Hobby«, bringt Aust es auf den Punkt. Wird der Bodenkundler vom Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (bfw) plump gefragt, was das Faszinierendste am Objekt seiner Erfor-

schungsleidenschaft ist, gerät er ins Schwärmen von der Vielfalt der Böden und lässt sich kaum mehr bremsen. Zwischendurch fällt ihm ein, dass der dunkle Oberboden, also das, was man beispielsweise sieht, wenn man auf ein unbestelltes Feld blickt, für die meisten Menschen immer sehr ähnlich aussieht – für ihn ist das aber eben anders. Er sieht schon aus der Ferne Farben, Vegetation und Höhenlagen und aus der Nähe Risse und Struktur und das befähigt ihn dann bereits zum educated guess. »Es ist – wie so oft im Leben – die gute Mischung, die man will«, sagt er und erklärt: Die Art eines Bodens wird durch das Verhältnis von Sand und Schluff und Ton bestimmt, die Rede ist dann auch oft von leichten (also stark sandhaltigen) und schweren (stark tonhaltigen) Böden. Diese Zusammensetzung bestimmt wiederum die Bodenstruktur mit.


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Wenn Aust sagt, »Ich seh am Tag ungefähr 40 Böden«, meint er damit, dass er bei der Bodenkartierung 40 Mal am Tag den Bohrstock mit einem Hammer in einen Boden schlägt und wieder herauszieht. Dann kratzt er mit dem Taschenmesser eine »Ich seh am Tag Schicht Erde vom Bohrstock ungefähr 40 Böden.« und betrachtet die Schichten, die die Bodenzusammenset– Günter Aust zung Zentimeter für Zentimeter abbilden. In der Probe wird »die Dynamik eines Bodens« erkennbar, und zwar anhand der Farbe, der Flecken und der Risse, Textur und Struktur, die sie aufweist.

Humus schützt vor Wind und Wetter

Die digitale Bodenkarte ist über bodenkarte.at abrufbar.

Beides interessiert bisher vor allem LandwirtInnen. Nicht alle im angemessenen Ausmaß, merkt Aust an, gesteht aber ein: »Das Interesse der LandwirtInnen an ihrem Boden hat sich auf jeden Fall schon zum Besseren verändert, das ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Oft funktioniert es im Schneeballprinzip: Einer beginnt etwas Neues, es funktioniert, den Rest kennt man ja.« Wenn man die Zusammensetzung seines Bodens kennt, dessen Wasserhaltekapazitäten, dessen Bodenstruktur, dann weiß man auch, was in und auf ihm gedeiht, wie man seinen Boden pflegen sollte und was man dem Boden wann zumuten kann. Die größten Feinde des gesunden Bodens sind schweres Gerät,

starker Einsatz von Düngern und Pestiziden sowie häufige und intensive Bodenbearbeitung. Denn all das verringert den Sauerstoffgehalt im Boden, das Bodenleben und führt zu Bodenverdichtung. Abhängig von ihrer Zusammensetzung (Stichwort Sand – Schluff –Ton) seien Böden unterschiedlich anfällig für Verdichtung, betont Aust, aber viel hänge eben davon ab, wie der Boden behandelt werde. Verdichtung bedeutet ab einem gewissen Grad einen humusarmen Boden und der ist nicht nur landwirtschaftlich wertlos, sondern auch von Erosion gefährdet. »Genauso wie auch Böden, die offen sind. Weil das ein unnatürlicher Zustand ist«, erklärt Aust. Bodenverlust findet allerdings gleichzeitig auch im ganz großen Ausmaß durch Versiegelung statt. In der Raumplanung beginne man erst, sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wo erhaltenswerte Böden sind, und wo andere mit »niedrigerem Funktionserfüllungsgrad«, wie es der Fachmann nennt. Und der will vor allem, dass vermieden wird, besonders wertvolle Böden etwa durch Gewerbegebiete, die auch woanders errichtet werden könnten, zu versiegeln. Was den Bodenkundler außerdem schmerzt: dass der beste Ackerboden im Vergleich zum schlechtesten Bauland immer noch nichts »wert« ist. Ob das die richtige Anreizstruktur ist, um der schnell voranschreitenden Flächen-


Impressum: NEOS, Neustiftgasse 73-75, 1070 Wien

 WIR SCHAUEN AUFS  GESELLSCHAFTS-,   WIRTSCHAFTS-, UND  BILDUNGS-

KLIMA.

HELMUT BRANDSTÄTTER

BEATE MEINL-REISINGER


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»Mir ist es ein Anliegen, dass das Bodenbewusstsein steigt und die Leute, wenn sie Boden hören, nicht nur Fußboden verstehen.«

versiegelung etwas entgegenzusetzen, stellt er infrage und deutet an, dass er die Möglichkeit, durch Umwidmung von Ackerland in Bauland, eine Veränderung »auf dem Papier« ohne eine des Bodens, massive Wertsteigerung zu erfahren, für ein grundlegendes Problem hält.

Boden der Stunde null Und der Bodenverlust ist bekanntermaßen nicht zuletzt ein Problem für die Nahrungsmittelversorgung, vor allem der des Oberbodens, betont Aust. »Den kann man in manchen Fällen sogar mit einem Bagger von dort holen, wo es ihn hingeschwemmt hat, und wieder draufschütten, aber bei einem Rohboden, der auf Entwicklungsstunde null steht, dauert es Jahrzehnte, bis man wieder einen normalen Boden sieht.« Durch Gründüngung und andere Maßnahmen könne es schon nach 10–15 Jahren so weit sein. Vorausgesetzt, es tritt während dieser Zeit kein weiterer Starkregen ein, denn dadurch würde der Boden wieder weggetragen werden. Es ist ein Teufelskreis, dessen Einsetzen es möglichst viel entgegenzusetzen gelte – zum Beispiel Wissen – und auf Basis dessen dann Maßnahmen wie etwa Bodenbedeckung folgen müssten.

Entscheidungsbasis Die Kartierung österreichischer Böden wurde ab den 1950er-Jahren im großen Stil betrieben. »Da sind 20 Kartierer gleichzeitig in Österreich herummarschiert und haben mindestens alle 100 Meter mit ihrem Bohrstock eine Bodensondierung vorgenommen«, beschreibt Aust

den Aufwand. Anfang der 2000er wurde dann damit begonnen, die Daten zu den österreichischen Böden zu digitalisieren. Seit 2006 ist die digitale Bodenkarte, liebevoll kurz eBod genannt, online, aber sie ist noch nicht vollständig. Wien-West und Klosterneuburg werden von seinem Kollegen Bock sehr bald fertiggestellt sein, erwartet Aust. Doch er erklärt zerknirscht: »Meine große weiße Lücke liegt im Bezirk Melk, im ehemaligen Gerichtsbezirk Mank. Das ist umso schlimmer, weil das ein landwirtschaftlich besonders interessantes und wichtiges Produktionsgebiet ist.« Die Daten seien großteils erfasst, aber es warte noch die redaktionelle Arbeit – etwa die Plausibilitätsprüfung der gesammelten Daten. Der größte Teil von Austs Arbeit ist dann zwischen Oktober und Mai also doch wieder Schreibtischarbeit. Mit Unterbrechungen arbeitet der Bodenkundler nun seit 18 Jahren an der Kartierung Österreichs, ursprünglich sein Hauptprojekt, aber wie es so geht: Laufend kämen andere Aufgaben hinzu. Doch Aust bleibt zuversichtlich: »Ich habe die Hoffnung, dass ich in drei Jahren eine engagierte Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter bekomme, damit ich mich vor den anderen Arbeiten verstecken und bis zu meiner Pensionierung mein Mank ins Internet bringen kann. Das ist mir wichtig, denn diese landwirtschaftliche Bodenkarte bietet eine so tolle Datenlage, dass es sehr schade wäre, wenn sie nicht weiter aktualisiert würde. Und die Zugriffszahlen bestätigen das Interesse. Es ist mir ein Anliegen, dass das Bodenbewusstsein steigt und die Leute, wenn sie Boden hören, nicht nur Fußboden verstehen.«


Bild Istock.co m/LOREMIPSUM, Lo rem ipsu m


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Unter dem Schirm der Hyäne Äthiopischen Bauern mangelt es an Boden. Die Zucht von Austernpilzen könnte dabei helfen, ihr Einkommen flächenunabhängig zu vergrößern. Doch so einfach ist das leider nicht.

Text Thomas Stollenwerk

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nfang 2019 hat sich der 26-jährige äthiopische Bauer Bekele Gebissa auf den Weg in die Kleinstadt Gojo in der Region Jeldu gemacht. Die Hilfsorganisation Menschen für Menschen (MfM) hatte LandwirtInnen wie ihn eingeladen. Es ging um eine Möglichkeit, ihr Einkommen zu vergrößern. Seit einer umfassenden Landreform Mitte der 1970er-Jahre stehen äthiopischen LandwirtInnen maximal zehn Hektar Land zur Nutzung zu. Seither haben sich die Parzellen durch Erbteilung vielfach noch einmal deutlich verkleinert. Wollen LandwirtInnen ihre Fläche erweitern, geht das nur, wenn sie die Flächen von Familienmitgliedern, die alt sind oder Arbeit außerhalb der Landwirtschaft gefunden haben, mitbewirtschaften. Wer das Einkommen erhöhen möchte, muss den begrenzten Boden effizienter nutzen. Bekele Gebissa setzt beim Anbau von Kartoffeln und Gerste deshalb auf Kunstdünger. Helfen könnten auch flächenunabhängige Kulturen und Anbaumethoden. Und genau darum ging es in Gojo. Professor Asefa Keneni von der Universität Ambo war ins Hochland gekommen, um die Bäuerinnen und Bauern mit der Zucht

von Austernpilzen vertraut zu machen. Bekele und 28 weitere LandwirtInnen waren der Einladung zum Workshop gefolgt. Der Anbau von Austernpilzen ist in der Region kaum verbreitet. Dabei lassen sie sich auf unterschiedlichsten Substraten, zum Beispiel auf gehäckselten Zweigen, Stroh oder Gras, züchten. Voraussetzung ist, dass das Substrat durch langes Kochen pasteurisiert wurde, also von Keimen und anderen unerwünschten Pilzsporen befreit ist. Das haben die Bäuerinnen und Bauern im Workshop gemeinsam gemacht, in großen Fässern mit heißem Wasser. Die Anzucht der nötigen Pilzkulturen, z. B. auf Sorghum-Körnern, also das Anziehen der sogenannten Körnerbrut, ist da schon schwieriger und muss unter sterilen Bedingungen stattfinden. Diese Anzucht soll Professor Asefa Keneni zukünftig für die Bäuerinnen und Bauern übernehmen, um sie dann mit den angezüchteten Pilzkulturen zu beliefern. Bei den LandwirtInnen könnten dann die weitere Aufzucht und die Ernte der Pilze erfolgen. Das Interesse der Workshop-TeilnehmerInnen an der Pilzzucht ist groß. »Das scheint mir ein sehr einfaches Geschäft zu sein, das auch in kleinem


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»Das scheint mir ein sehr einfaches Geschäft zu sein, das auch in kleinem Maßstab funktioniert, es entstehen auch keine hohen Kosten.« – Bekele Gebissa

Maßstab funktioniert«, erklärt Bekele. »Es entstehen auch keine hohen Kosten. Denn Stroh als Substrat für die Pilze haben wir ja genug.«

Bilder R icardo Hergo tt, Is otck.co m/ ple shko 74

der kommende Boden? Ein halbes Jahr nach dem Workshop steht Professor Asefa Keneni in seinem Biologieinstitut in der Universität von Ambo und schwärmt von den Pilzen, die in Äthiopien auch Hyänenschirm genannt werden: »Austernpilze zuzubereiten ist sehr simpel. Man brät sie und fügt ein paar Kräuter hinzu. Man kann durch die Pilze auch in sehr klassischen Gerichten Fleisch ersetzen.« Die Attraktivität der Pilze spreche sich inzwischen herum. »Vor fünf Jahren, als wir hier begonnen haben, uns mit den Pilzen zu beschäftigen, war unser Interesse rein wissenschaftlich. Während der Arbeit kamen wir darauf, dass der organische Müll, der überall anfällt, verwertet werden kann, indem er zum Substrat für die Pilze wird.« Und so treten neben die kulinarischen Vorzüge die ökonomischen. Auch unter den Studierenden auf dem Campus der Uni Ambo hat sich das verbreitet. In einem kleinen Schuppen, der mitten auf einer Grünfläche zwischen

den Institutsgebäuden steht, haben der Professor und seine Studierenden die Pilze schon auf unterschiedlichsten Substraten angebaut. »Am Anfang gab es dafür kein besonders großes Interesse. Inzwischen ist es so, dass jeder einzelne Pilz aus unserem Pilzhaus von den Studierenden eingesammelt wird. Denn inzwischen wissen alle, dass Pilze sehr gute und gesunde Nahrungsmittel sind. Neulich hat mir sogar jemand erzählt, dass sein Arzt ihm Pilze für das Verdauungssystem verschrieben hat.« Der Biologe sieht eine große Zukunft für die Sporengewächse: »In zehn Jahren werden wir in Äthiopien Pilze und ihre Bedeutung für die Lebensmittelversorgung genauso wertschätzen wie Kartoffeln, Zwiebeln oder andere Produkte unserer Landwirtschaft – wenn nicht sogar so sehr wie Kaffee.« Ganz ähnlich sieht das auch Tesfaye Disasa am nationalen Zentrum für Agrarforschung in Holeta, nahe der Hauptstadt Addis Abeba. Der Agrarwissenschaftler hat Zeit für ein ausführliches Gespräch, denn viel tun können er und seine KollegInnen gerade nicht. Der Strom ist mal wieder ausgefallen. Kühlungen, Zentrifugen, elektronische Mikroskope und andere Gerätschaften stehen still. Auf die Frage, ob er Po-

Bauern aus der Provinz Jeldu machen sich in Workshops mit Austernpilzen vertraut. Bekele Gebissa (links) möchte bald in die Produktion einsteigen.


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Am Anfang gab es dafür kein besonders großes Interesse. Inzwischen ist es so, dass jeder einzelne Pilz aus unserem Pilzhaus von den Studierenden eingesammelt wird.« – Asefa Keneni Prof. Asefa Keneni soll die PilzzüchterInnen mit der Brut versorgen.

Tesfaye Disasa erwartet einen Pilzboom in Äthiopien.

tenzial in der Zucht von Pilzen sieht, beginnt er zu lachen. »Aber natürlich. Da gibt es gar keinen Zweifel. Alle an meinem Institut wären interessiert, sich stärker mit Pilzen zu beschäftigen. Bisher liegt unser Schwerpunkt allerdings bei Getreide.« Auch Disasa glaubt, dass der äthiopischen Landwirtschaft ein Pilzboom bevorsteht. Wenn so ein Boom in Äthiopien Fahrt aufnimmt, heißt das allerdings noch lange nicht, dass die Bäuerinnen und Bauern davon sofort profitieren. An den Universitäten von Addis Abeba und Dire Dawa sowie am Forstwissenschaftlichen Zentrum in Addis Abeba haben Woldemedhin Getachew, Seifu Zemedu und Wassie Eshete 2016 untersucht, wo die Wertschöpfung entlang äthiopischer Pilzlieferketten abfällt. Sie stellten fest, dass an den Lieferketten in aller Regel fünf verschiedene AkteurInnen beteiligt sind: PilzbrutzüchterInnen, ProduzentInnen, HändlerInnen, verarbeitende Betriebe und schließlich die Konsumierenden. Das Geschäft mit den Pilzen biete für Männer und Frauen unterschiedlichster Bildungsgrade gleichermaßen Betätigungsfelder. Die große Verfügbarkeit von Pilzbrut sowie der nötigen Substrate zum Anbau und das wachsende Bewusstsein für den Nährwert von Pilzen

kämen dem Geschäft zwar entgegen, allerdings würden hohe Preise für Sporen und Substrate in Kombination mit dem beschränkten Marktzugang für viele ProduzentInnen das Geschäft auch erschweren. »Der Pilz- und Sporenmarkt konzentriert sich bei den PilzbrutzüchterInnen. Das beschädigt die Funktionalität des Markts. Dadurch werden viele PilzproduzentInnen ausgebeutet und entmutigt«, schreiben die StudienautorInnen. Der mangelnde Marktzugang der ProduzentInnen rührt auch daher, dass Pilze sich nur schwer lagern lassen. Ware, die wegen mangelnder Mobilität oder anderer Markteintrittshürden nicht schnell genug auf den Markt gelangt und verdirbt, wird deshalb entsorgt. Ein Verlustgeschäft für viele Bäuerinnen und Bauern. Wo Pilze angebaut, aber nicht vermarktet werden können, endet die Wertschöpfungskette. Die PilzbrutzüchterInnen sind dann die einzigen ProfiteurInnen des Pilzgeschäfts. Gleichzeitig, so stellten die WissenschaftlerInnen fest, seien es auch die PilzbrutzüchterInnen, die am stärksten in die Vermarktung der Pilze involviert seien. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die Sporen und Substrate kaufen müssen, um Pilze zu produzieren, bleiben das schwächste Glied in der Wertschöpfungskette.

Ein Start-up und hemmnisse Bekele Gebissa wartet dennoch darauf, endlich mit der Pilzproduktion beginnen zu können. Er


ist zuversichtlich und hat sich auch schon Gedanken zur Vermarktung von Pilzen in seinem Heimatort gemacht. Allerdings kann Professor Asefa Keneni die versprochene Pilzbrut zurzeit nicht liefern. Die notwendigen sterilen Bedingungen werden in seinem baufälligen Labor an der Universität Ambo einfach nicht erreicht. »Sein Labor ist infiziert. Das ist ein Problem«, erklärt auch Gebeyehu Seyoum, Projektleiter von MfM in der Region Jeldu, der sich deshalb nach alternativen Quellen für Pilzbrut umsieht, um die wartenden Bäuerinnen und Bauern endlich damit ausstatten zu können. Dabei ist er auch auf Kalkidan Sileshi in Addis Abeba gestoßen. Kalkidan ist eine derjenigen, die gleich an mehreren Stellen an der Pilzwertschöpfungskette beteiligt sind. Die junge Biologin züchtet in einem Labor Pilzkulturen. Die setzt sie 15 Tage lang in einer Dunkelkammer auf einem Substrat an, um sie dann päckchenweise an LandwirtInnen zu verkaufen. Die impfen damit das jeweilige Substrat und produzieren daraus mehrere Kilogramm Austernpilze. Nach der Ernte kauft Kalkidan Sileshi den Bäuerinnen und Bauern ihre Pilze ab, um sie mit Gewinn an Hotels und Restaurants in der Hauptstadt zu verkaufen. Nicht zuletzt die große chinesische Community in Addis Abeba schafft eine Nachfrage nach Pilzen. Die 29-jährige Wissenschaftlerin und Start-up-Gründerin ist Äthiopiens erste kommerzielle Pilzbrutzüchterin. Ermöglicht hat ihr das ein Kredit des Ethiopian Climate Innovation Center (ecic). Bäuerinnen und Bauern fehlt meist der direkte Zugang zu AbnehmerInnen in der Hauptstadt. Und auf ländlichen Märkten sind Pilze weitgehend unbekannt. So auch in der Region Jeldu, wo Bauer Be-

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Die junge Biologin Kalkidan Sileshi hat sich in Addis Abeba als Herstellerin von Pilzbrut selbstständig gemacht.

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Biorama.eu/ 10-gruende-fuer -vertical-farming

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kele zuhause ist. Dafür, dass Kalkidan und Bauern wie er, der endlich Pilze anbauen will, nicht zueinanderfinden, um das Geschäft ins Laufen zu bringen, gibt es einen einfachen Grund, wie Bekele erklärt: »Mir die Pilzbrut aus Addis Abeba zu besorgen ist eine gute Idee. Aber das kann ich mir einfach nicht leisten. Allein der Transport ist teuer. Aber sobald ich erst einmal begonnen habe, mit den Pilzen Geld zu verdienen, ist das natürlich eine Option.« Dass nötiges Startkapital fehlt, lähmt ambitionierte junge LandwirtInnen wie Bekele Gebissa.

Gemeinsam als chance Fast fünftausend Kilometer nordwestlich der Kleinstadt Gojo haben Manuel Bornbaum und Florian Hofer den Schritt, den Bekele so gerne machen würde, schon 2015 unternommen. Sie haben sich unter dem Namen Hut & Stiel selbstständig gemacht und sind als Urban Farmer in Wien in die Produktion von Austernpilzen eingestiegen. Ihr Substrat ist nicht Stroh, wie bei den Bäuerinnen und Bauern in Jeldu, sondern Kaffeesatz aus Wiener Kaffeehäusern. Stromausfälle sind hier, anders als im Institut von Professor Asefa oder im Forschungszentrum von Tesfaye Disasa, selten. Und auch sonst herrschen hier beste Bedingungen für die Produktion. »Pilze wachsen auf landwirtschaftli-

chen Abfallprodukten, die es überall gibt. Und sie brauchen superwenig Platz. Man kann auf einem Quadratmeter Fläche pro Woche ein Kilogramm Pilze anbauen. Das ist ein wahnsinnig hoher Flächenertrag«, erklärt Bornbaum, »pro Hektar 500 Tonnen pro Jahr«. Und das bei einer hervorragenden Klimabilanz. Um erfolgreich Austernpilze zu kultivieren, sei allerdings eine gewisse Basisinfrastruktur notwendig. Zum Beispiel Maschinen, um das Substrat zu häckseln und durch Dampf zu pasteurisieren. Eines sei daneben jedoch entscheidend: »Das Wichtigste ist, dass man das Myzel, also die Pilzbrut, in einer guten und stabilen Qualität bekommt. Nur dann kann man stabile Erträge erzielen.« Die Stadtbauern von

»Es würde Sinn machen, wenn die zentrale Stelle eine gemeinnützige ist, damit der Großteil der Gewinne bei den Bäuerinnen und Bauern bleibt.« – Manuel Bornbaum, Hut & Stiel

Manuel Bornbaum (rechts) und Florian Hofer bauen seit 2015 Austernpilze als Urban Farmer an.


Bilder KHP Hut & Stiel , Elé na Se itaridis

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Hut & Stiel beziehen ihre Pilzbrut von einem erfahrenen Unternehmen. Und doch geht die Zucht der Pilze immer wieder einmal daneben. Das gehört dazu, trotz all der gesammelten Erfahrungen und des mehrjährigen Know-hows. Für den Wissensaustausch unter Pilzzücht­er­ Innen sind die Gründer von Hut & Stiel dem europäischen Mushroom Learning Network (mln) beigetreten, das den Open-Source-Gedanken verfolgt, die freie und gemeinnützige Weitergabe von Pilzwissen. Gemeinnützigkeit empfiehlt Manuel Bornbaum auch den angehenden PilzproduzentInnen Äthiopiens: »Es wäre vermutlich sinnvoll, eine zentrale Stelle einzurichten, wo das Substrat produziert wird und die Inkubation des Substrats mit Pilzbrut stattfindet. Erst dann sollten die Pilze zu den LandwirtInnen gelangen, um bis zur Ernte zu wachsen.« Ansonsten drohe, dass die Bäuerinnen und Bauern am Ende kaum von den Pilzen profitieren: »Das ist bei den Pilzen leider wie überall in der Agrarwirtschaft. Es würde Sinn machen, wenn die zentrale Stelle eine gemeinnützige ist, damit der Großteil der Gewinne bei den Bäuerinnen und Bauern bleibt.« Das weiß auch die ngo Menschen für Menschen, die beim Bezug der Pilzbrut deshalb auf die Zusammenarbeit mit der Universität Ambo setzen möchte statt auf kommerzielle AnbieterInnen. Ohne deren Marktzugang könnte es jedoch schwierig werden, ein Pilzgeschäft zu etablieren. Doch Bekele Gebissa ist zuversichtlich: »Vor ein paar Jahren waren auch Kartoffeln hier in Jeldu nicht verbreitet. Als wir Kartoffelbäuerinnen und -bauern begonnen haben, sie zu vermarkten, haben wir die Dorfältesten eingeladen, um Werbung dafür zu machen. So werden wir es mit den Pilzen auch machen.« 

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Der Wurm im Buch und das Buch im Wurm Das Pixi-Buch »Valentina und die Regenwürmer« erklärt, welchen Beitrag kleine Bodenbewohner zu einem gesunden Boden leisten. Beispielhaft sind nicht nur die Hauptfiguren des Buchs, sondern auch das Buch selbst: Es wurde nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip gedruckt. Text Alina Birkel

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ie Message, die vermittelt werden soll, ist klar: Regenwürmer machen den Boden besser. Sie graben Gänge, die die Erde belüften, düngen den Boden und ermöglichen es vielen an-deren kleinen Tieren, sich dort anzusiedeln. Das versucht das neue Pixi-Kinderbuch für die Zielgruppe 4–7 Jahre, das in Kooperation des Bioverbands Bio Austria mit der österreichi-schen Bioeigenmarke »Ja! Natürlich« der Einzelhandelskette Rewe erschienen ist.

Bodenkunde für Kinder In »Valentina und die Regenwürmer« von den Autorinnen Corinna Fuchs und Dorothea Tust legen die SchülerInnen Valentina und Moritz ein Biobeet an. Valentina, die sich bereits gut mit Regenwürmern auskennt, erklärt Moritz, wie man ein Gemüsebeet gestalten muss, damit es einen guten Lebensraum für die Regenwürmer bietet – und warum es so wichtig ist, dass viele Regenwürmer und andere kleine Tiere im Boden leben. Die Rahmenhandlung des Buchs vermittelt, dass wir auf unsere Böden achten und sie gesund halten müssen. Zwischendurch wird in Form kurzer und leicht verständlicher Aufzäh-lungen Wissenswertes zu den Regenwürmern erzählt. Das Buch greift auch komplexere Konzepte – wie zum Beispiel die Fruchtfolge – auf und ist somit auch für so manche Eltern interessant.

Kompostierbar durch das Cradle-toCradle-Prinzip Während das Pixi-Buch inhaltlich Wissenswer-

tes zur Bodengesundheit vermittelt, ist es auch in seiner physischen Form ökologisch nachhaltig gestaltet. Gedruckt wurde es in der Druckerei Gugler, die nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip arbeitet. Das bedeutet, dass das Buch kompostierbar – und theoretisch sogar essbar – ist. Somit ist es auch für Kleinkinder, die Dinge gerne in den Mund nehmen, bestens geeignet. »Beim Cradle-to-Cradle-Prinzip geht es darum, dass die Inhaltsstoffe aus ökotoxikologischer Sicht positiv definiert und gesund für Mensch und Umwelt sein müssen. Außerdem muss das Produkt recyclingfähig sein«, erklärt Ernst Gugler. Der dritte Aspekt sei klimapositives Drucken: »Wir kompensieren in der Druckerei

nicht nur die Emissionen, die wir selbst erzeugen, sondern auch jene, die in der Papierproduktion entstehen.« Das Pixi-Buch »Valentina und die Regenwürmer« von Corinna Fuchs und Dorothea Tust ist 2019 im Carlsen Verlag erschienen. Es ist an verschiedenen Stellen in und um Wien kostenlos erhältlich – gelistet sind diese auf bio-austria.at. Im Handel wird es allerdings nicht verkauft.


J A ! Z U R NAT U R H E I S S T NAT Ü R L I C H

Gut sein zum Boden heißt gut sein zu allem, was dort lebt. Dem Boden nicht mit Gewalt mehr abringen, als er bereit ist zu geben. Ihm zurückgeben, was er braucht, um immer wieder etwas Gutes hervorzubringen. Aber nur ja keinen Kunstdünger. Lieber Kompost samt Regenwürmern. Und ganz sicher keine chemisch-synthetischen Spritzmittel, wo es doch gegen jeden Schädling einen Nützling gibt. Danke, sagt der Boden. Im Namen der Zukunft all seiner Bewohner. Aus unseren gesunden lebendigen Bio Böden wird jetzt das frische Gemüse von Ja! Natürlich geerntet.

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Wie wird man eigentlich … ... Biobäuerin auf der Mecklenburgischen Seenplatte

Interview Thomas Stollenwerk

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aura Thierbächer hat weder einen Hof geerbt noch in einen eingeheiratet. Sie leitet zusammen mit ihrem Mann einen Biobauernhof mit 250 Hektar Grünland und 100 Hektar Acker und hält Mutterkühe sowie 100 Milchkühe. Wie ist sie dorthin gelangt? Und welches Wissen möchte sie teilen?

biorama: Wie würdest du deinen Beruf bezeichnen? Laura Thierbächer: Na ja, ich bin Bäuerin. Wir halten Milchkühe und Mutterkühe.

Welche Ausbildung hast du gemacht, um diesen Beruf auszuüben? Ich habe im Vorfeld eine Ausbildung zur Tierwirtin gemacht, dann in Neubrandenburg Agrarwirtschaft studiert und mich während des Bachelorstudiums schon selbstständig gemacht. Nebenbei studiere ich aktuell noch in Teilzeit im Master.

Ist dieser Ausbildungsweg heute der gängige Weg in die Landwirtschaft? Ich denke schon. Man kann natürlich auch nur eine landwirtschaftliche Fachschule besuchen. Da ist man dann vielleicht ein Stück näher an der Praxis. Meine Ausbildung im Vorfeld war sicherlich sinnvoll für die praktischen Erfahrungen. Die lernt man natürlich nicht im Studium. Bist du auch auf einem Bauernhof groß geworden? Nein, gar nicht. Meine Mutter ist Schneiderin und mein Vater ist Hafenlotse in Hamburg. Wie kam es zur Entscheidung, in die Landwirtschaft zu gehen? Eigentlich wollte ich Tiermedizin studieren. Das hat leider nach dem Abi nicht gleich geklappt und deshalb habe ich erst einmal die Ausbildung zur Tierwirtin begonnen. Mit Rindern arbeiten zu wollen, das stand für mich al-


»Man muss den Beruf wirklich mit viel Liebe und Leidenschaft ausüben. Sonst funktioniert das nicht.« – Laura Thierbächer lerdings schon immer fest. Wie ich darauf gekommen bin, weiß ich heute gar nicht mehr. Man hört aus der Milchwirtschaft immer, es werde für die Betriebe immer schwerer. Allein schon wegen des großen Investitionsbedarfs. Stimmt das? Das ist auf alle Fälle so. Die Wertschätzung, die man als Landwirtin erfährt, ist schon eher gering. Man hat enorm viele Ausgaben, man arbeitet rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Da bleibt wenig Zeit für die Familie, wir haben nämlich auch ein kleines Kind. Das ist schon traurig, was man dann am Ende verdient mit der geleisteten Arbeit. Du würdest den Beruf also eher nicht weiterempfehlen? Es kommt sehr darauf an. Man muss ihn wirklich mit viel Liebe und Leidenschaft ausüben. Sonst funktioniert das nicht.

Bild Privat

Welches Wissen aus deinem Beruf sollte auch außerhalb der Landwirtschaft ver­ breiteter sein? Viel Wissen, denn das ist eigentlich alles superinteressant, wenn man genauer hinsieht. Man macht sich ja im Normalfall kaum Gedanken darüber, wie es überhaupt dazu kommt, dass im Supermarkt dauerhaft so viele Lebensmittel stehen. Das wird als selbstverständlich wahrgenommen, in so einen Markt gehen und alles einpacken zu können. Aber wie die Waren hingekommen sind, das ist inzwischen für die meisten VerbraucherInnen gar kein Thema mehr. Und selbst unter uns Bäuerinnen und Bauern ist es ja so. Erst im Praktikum und während des Studiums bekommt man wirklich ein Bild davon, wie das alles funktioniert. Was in deinem Beruf sorgt dafür, dass du ihn mit Leidenschaft ausübst? Na auf jeden Fall die Arbeit mit Tieren. Das stand immer im Vordergrund. Und überhaupt: die Arbeit mit der Natur. Wir sind schließlich viel draußen unterwegs.

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  Be r uf und B e r ufung

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Wie wird man eigentlich … … Foodie, Bodenverkoster und Biorestauranttester?

Bild Christian Bruna Interview Irina Zelewitz Jürgen Schmücking bei seinem »Mostviertler Feldversuch«: Der harte Teil der Vorbereitung für sein in der Erde geschmortes Biolamm ist hier gerade abgeschlossen.

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ürgen Schmücking beschäftigt sich beruflich mit Lebensmitteln, deren Herkunft und Kulinarik. Im biorama und anderswo. Wie ist er dorthin gelangt? Und welches Wissen möchte er teilen? BIORAMA: Was machst du beruflich? Wie würdest du deinen Beruf in Stichworten beschreiben? Jürgen Schmücking: Kann ich nicht. Es ist simpel. Ich bin Unternehmer. Ich bin Journalist. Fotograf. Sensoriker. Und hier haben alle Tätigkeiten miteinander zu tun, einzeln übe ich keinen dieser Jobs aus. Es dreht sich bei mir immer alles ums Essen und Trinken und davon zu 90% um Bio. Ich beschäftige mich mit den Dingen, die uns ernähren. Und rundherum mach ich Kommunikation – erzähle Geschichten und mache Fotos. Aber nur die Geschichten derer, von denen ich überzeugt bin, dass sie die Welt mit dem, was sie tun, besser machen. Dazu gehört auch das Sensorische, deswegen habe ich das in meine Kommunikation integriert.

Ist das nachhaltig? Ja, das empfinde ich so. Mit Einschränkungen. Ich bin nicht immer im Reinen mit den Möglichkeiten, die ich wähle, von A nach B zu kommen. Ich komme auf viele Flugmeilen. Ich habe aber ehrlich keine Lösung dafür – außer die Dinge gar nicht zu machen. Da ist ein Systemfehler, der mich beschäftigt. Welche Praxiserfahrung oder Ausbildung hat dich maßgeblich für deinen Beruf befähigt? Ich komme aus einem ganz anderen Bereich und als mich die Lust am Kosten in ihren Bann gezogen hat, war meine Ausbildung dünn. Mittlerweile habe ich mir alles Mögliche an Sensorikausbildungen reingezogen, 2012 auch ein Gastrosophiestudium begonnen, unter anderem um meiner Arbeit einen politisch-nachhaltigen Hintergrund zu geben – und einen ernährungsphilosophischen. Ich habe mittlerweile zum Beispiel auch einen »Master in World Spirits«, also in Spirituosenverkostung.


»Wir brauchen über Nachhaltigkeit gar nicht nachdenken, solange wir uns nicht mit Böden beschäftigen.« – Jürgen Schmücking

Wann hast du zum ersten Mal Geld damit verdient, etwas zu trinken oder zu essen? Im März oder April 1998. Da habe ich zum ersten Mal eine Weinverkostung moderiert, das war eigentlich ein Verkostungstraining für Bekannte. Im Internet gibt es Bilder von dir, auf denen du Erde verkostest. Schmeckt dir Erde? Nein, überhaupt nicht. Also nicht im Sinne von »Schmeckt mir gut, will ich mehr!«. Interessant ist aber der Versuch, herauszufinden, ob man Dinge, die man in der Erde schmeckt, auch in den korrespondierenden Produkten findet – also etwa im Wein. Das hat bei uns manchmal funktioniert, manchmal nicht. Forschung gibt’s dazu noch kaum. Was weißt du aus deinem Beruf über Böden, das viel mehr Menschen wissen sollten? Ich weiß gar nicht, wie ich das eindrücklich genug formulieren soll: Für Leute, die eine Ausbildung zum Bodenpraktiker machen (das sind in erster Linie LandwirtInnen), sind die Böden zentral. Wir brauchen über Nachhaltigkeit gar nicht nachdenken, solange wir uns nicht mit Böden beschäftigen. Die KonsumentInnen müssen gar nicht so viel wissen, aber sich bewusst sein, dass sensorisch wertvolle Lebensmittel nur auf gesundem Boden wachsen können. Und sobald ich mit Pestiziden wie Glyphosat versuche, des Unkrauts Herr zu werden, bewege ich mich davon zwangsläufig weg. Alle reden nur über bestimmte Aspekte von Terroir. Das sollte umfassender werden. Terroir wird bei manchen Landwirtschaftsprodukten ja als sehr entscheidend für die Qualität des Produkts aufgefasst,

39 bei anderen weniger. Zu Recht? Nein, das liegt nur an Kultur und Geschichte. Terroir wird in der kommenden Zeit auch bei anderen Lebensmitteln viel stärker das Thema sein. Beim Wein und bei verschiedenen Fruchtsorten kennen wir es ja. Aber auch bei Getreiden, bei Erdäpfeln, bei Tomaten wird das kommen! Boden und Terroir sind nicht gleichzusetzen, Terroir ist etwas weiter gefasst. Da kommt sogar noch die Handschrift der ProduzentInnen rein, also auch etwas Handwerkliches. Terroir wird daher auch über kleinstrukturierte Landwirtschaft wieder stärker in den Fokus rücken. Interessiert dich, in welchem Boden deine Erdäpfel gewachsen sind? Ja. Das interessiert mich einerseits aus journalistischer Neugier. Wenn »Ja! Natürlich« Waldviertler Erdäpfel bewirbt, will ich wissen, mit wem die arbeiten. Und andererseits will ich wissen, wie sich die Biokartoffeln aus dem Waldviertel von denen, die bei mir zwei Kilometer weiter, hier in Tirol, produziert werden, unterscheiden. Und wo welche Erdäpfel angebaut werden, hängt ja stark vom Boden, vom Mikroklima und von der Philosophie und den Gestaltungsmöglichkeiten einer Landwirtin oder eines Landwirts ab. Was glauben deine Kinder, womit du deine Arbeitstage verbringst? Ich hab zwei. Der Ältere weiß es mittlerweile, aber vor ein paar Jahren hat er in der Schule, als nach dem Beruf der Eltern gefragt wurde, gesagt: »Mein Papa trinkt Wein.« Dann hat die Lehrerin gefragt: »Nur das?« Und er hat geantwortet: »Auch Schnaps.« Beim Kleineren, der ist 6, bedeutet Arbeit eher: ins Auto steigen und wegfahren. Ich bin 100–120 Tage im Jahr unterwegs, aber mein Büro habe ich zuhause, schräg gegenüber vom Kinderzimmer. Er stellt sich das wohl so vor: Nach dem Frühstück gehen wir beide in zwei verschiedene Zimmer spielen. Haben deine Kinder recht? Ja. Eigentlich schon. Ich verdiene das Geld halt nicht mit Essen und Trinken, sondern durch Essen und Trinken, aber es ist immer irgendwie Succus. Und es macht immer irgendwie Spaß. 


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Der Tod gehört zum Leben Erwachsenen fällt es mitunter schwer, mit Kindern über den Tod zu sprechen. Einfühlsame Kinderbücher zeigen Möglichkeiten auf, mit ihm umzugehen.

Text Irene Maria Gruber

»Wo gehst du hin, Opa?« 32 Seiten, Aracari Verlag »Der Tod auf dem Apfelbaum« 36 Seiten, Aladin Verlag »Der Baum der Erinnerung« 32 Seiten, Ars Edition »Der Wolf, die Ente & die Maus« 40 Seiten, NordSüd Verlag

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enn geliebte Menschen schwer krank sind oder plötzlich sterben, ein Haustier für immer verabschiedet werden muss oder die Hauskatze ein Mäuschen vertilgt, machen Kinder schmerzliche Erfahrungen, die Krisensituationen auslösen können. Kleinere Kinder haben begrenzte Vorstellungen und erwarten, dass der Tote wieder zurückkehrt. Erst mit etwa fünf Jahren wird die Endgültigkeit des Todes fassbar – vier Buchempfehlungen für dieses Alter. 

»Der Baum der Erinnerung« (Ab 4 Jahren), von Britta Teckentrup handelt auch vom Tod eines Fuchses. Zu Beginn legt sich das Tier in den Schnee und schläft für immer ein. Die Waldtiere trauern um den Freund, wissen aber, dass er ein erfülltes Leben hatte. Um den Verlust zu bewältigen, erzählen sie sich Erlebnisse mit dem Fuchs. Dort, wo das Tier eingeschlafen ist, wächst plötzlich der Baum der Erinnerung, der vielen Tieren Schutz und ein Zuhause bietet.

Leben im Bauch des Wolfes (Ab 5 Jahren), Raffiniert sinnieren Mac Barnett und Jon Klassen in »Der Wolf, die Ente & die Maus« über das Fressen und Gefressenwerden in der Tierwelt. Warum heult der Wolf eigentlich? Weil er manche Beute nur verschlingt, wird erklärt, und die macht es sich dann quicklebendig in seinem Bauch gemütlich. Diesmal eine Ente: »Als ich draußen war, hatte ich jeden Tag Angst, ein Wolf könnte mich verschlingen. Hier drin gibt es solche Sorgen nicht.« Ente und Maus feiern rauschende Partys, da wird ein Jäger auf den über Bauchschmerzen klagenden Wolf aufmerksam und möchte ihm den Gnadenschuss verpassen. Mit dem Tod des Tieres würden Ente und Maus ihr Zuhause verlieren, also blasen sie aus dem Maul zur Attacke – und sind am Ende erfolgreich.

Bilder Kla ss en/Barne tt, En dres /Schulze, Te ckentrup, S chä re r

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 K i n d e r buch


35–54Jährige

55–64Jährige

Älter als 65

51

1.953

3

195

»Wo gehst du hin, Opa?«

Wegelängenverteilung der Autofahrten in Österreich 7% 19 % unter 1 km 2,5 km

40 %

61 %

80 %

5 km

10 km

20 km

GehDistanz

gute Fahrrad-Distanz

gute Distanz für E-Fahrrad

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kostenlos als Download oder in Print

in Infrastruktur für www.vcoe.at/aktiv

Radverkehr investiert bringt an wirtschaftlichem Nutzen

mobilität

mit zuku

nft

Quelle: nacto.org Grafik: VCÖ 2019

ter. Er spricht über das Ungewisse, das nach Multimodal gestaltete Verkehrsfläche pro Stunde: 30.100 Menschensieht er dem TodKapazität auf ihn wartet. Vielleicht 6.000 an dem Ort,16.000 an dem er ankommt, alle gelieb7.000 1.100 ten Menschen wieder, die schon tot sind, oder die Reise geht in einen paradiesischen Garten. Möglicherweise blinkt Opa als Stern am Nachthimmel oder er wächst als Baum. Emmi fällt der Abschied schwer, aber sie lernt zu verstehen, dass ihr Opa von dieser Welt gehen muss.

Viele mit dem Pkw zurückgelegte Wege sind in Radfahrdistanz

Quelle: bmvit 2016 Grafik: VCÖ 2019

en und (Ab 4 Jahren), fragt Emmi im Bilderbuch von Brigitte Endres ihren schwer kranken Großvae Kapazität

fläche nschen

Ihre Spende für eine Mob Quelle: bmvit & BMLFUW 2015 Grafik:

25–34Jährige

Quelle: VCÖ 2018 Grafik: VCÖ 2019

24ge

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Sanft entschlafen (Ab 4 Jahren), Kathrin Schärer erzählt in »Der Tod auf dem Apfelbaum«, von einem alten Fuchs, den selbst Hasen und Mäuse nicht mehr fürchten. Amseln fressen die Äpfel vom geliebten Apfelbaum, noch bevor er die abgefallenen bekommt. Um wieder freizukommen, verspricht ein mühselig gefangenes Wiesel, den ungestörten Apfelgenuss durch einen Zauber zu sichern: Jeder Apfeldieb solle von nun an am Baum kleben bleiben. Den Tod bittet der Fuchs um einen letzten Apfel, auch er bleibt am Baum kleben. Als die Freunde des Fuchses wegsterben, befreit der seinen Tod vom Baum. Er hat eingesehen, dass der Tod zum Leben gehört.

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 De r T o d im Le ben

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Text Annemarie Harant

Dein Abschied von der Welt Ein Denkanstoß für den Umgang mit dem Tabuthema der eigenen Endlichkeit.

Notfalladressen und Kontaktdaten Der Klassiker im Geldbeutel: Wer ist im Notfall zu kontaktieren? Gerade wer viel reist oder allein im Ausland ist, sollte vorsorgen und für den Fall gerüstet sein. Vielleicht wirst du von irgendeinem Menschen, der nicht die eigene Sprache spricht, gefunden und deine Vertrauenspersonen müssen mit den Informationen, die du bei dir trägst, ausfindig gemacht werden. Überleg dir auch, wer aller überhaupt benachrichtigt werden sollte – auch aus der Vergangenheit (Stichwort: Bekannte oder ehemalige LoverInnen).

Bilder  istock.co m/ojo gabonito o, isto ck. com/ bamlou , isto ck. com/ -VICTOR-, i stock.com/ AVIcons

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terben und Tod sind ein Tabuthema und gerade in jungen Jahren haben wir anderes zu tun, als uns mit der eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. Aber gerade wer bei den Eltern bereits einen Todesfall erlebt und einen Nachlass geregelt hat, denkt vielleicht darüber nach, das eigene Ableben für die zurückbleibenden Liebsten so geregelt wie möglich zu gestalten. Denn nach dem ersten Schock werden die Verbliebenen automatisch zu Sherlock Holmes auf der Suche nach Indizien für Dokumente, Passwörter oder Kontaktdaten. Zur Erleichterung dieser programmierten Überforderung und Detektiv­ arbeit kann jede und jeder etwas tun. Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit hier ein paar Beispiele und Denkanstöße für jede und jeden selbst bzw. vielleicht auch für ein Gespräch mit den Eltern. Denn irgendwann werden wir alle mit dem Thema Tod konfrontiert – die einen früher, die anderen später – und manchmal ist es auch das eigene Leben, das früher als erwartet auf dem Spiel steht. Ob wir wollen oder nicht und so hart es auch klingt: Ein Todesfall – und damit auch unserer – muss mit allen bürokratischen Hürden »abgewickelt« werden. Denn wie es so schön heißt: »Von der Wiege bis zur Bahre – Formulare, Formulare …«


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Wichtige Dokumente, Passwörter und Kontakte Die Aufbewahrung der wichtigsten Dokumente (Geburtsurkunde, Scheidungsurteil etc.) und Passwörter ist ebenfalls ein Thema, das du mit deinen Vertrauenspersonen klären solltest, damit die Benachrichtigung aller wichtigen Stellen und Kontakte einfacher funktioniert.

Tagebücher und Geheimnisse Falls jemand Geheimnisse hat, die er oder sie im wahrsten Sinne des Wortes mit ins Grab nehmen möchte, empfiehlt es sich, hier ebenfalls Spuren zu entfernen. Oder: Nehmen wir z. B. an, du hast eine geheime Affäre. Überleg dir: Wer würde dich bzw. sie oder ihn im Notfall informieren? Auch wenn es äußerst unangenehm ist: In vielen Familien poppt nach dem Tod eines Familienmitglieds so einiges auf.

Der Organspendeausweis Möchtest du im Notfall deine Organe spenden und damit ein anderes Menschenleben retten? Für alle in Österreich erledigt diese Entscheidung der Gesetzgeber (es besteht nur die Möglichkeit, das explizit zu verneinen), in Deutschland muss ein eigener Organspendeausweis ausgefüllt und mitgeführt werden. Beachte hier: Gerade in Deutschland ist es nicht so einfach, einen Körper für die Organspende freizugeben. Die Regelungen sind klarerweise sehr streng und Voraussetzung ist u. a. der Hirntod, der im Vorfeld eintreten muss und z. B. bei Komapatienten nicht zwangsläufig erfolgt. Was du tun kannst: Schließe am besten eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht ab. Somit kann entschieden werden, wer im Notfall – das bedeutet auch bei Entscheidungen über Leben und Tod – für dich verantwortlich ist.

Sterben für die Medizin Willst du deinen Körper der Medizin spenden (in Deutschland z. B. der lmu München oder in Österreich der Medizinischen Universität Wien), dann musst du dafür sämtliche notwendigen Vorkehrungen zu deinen Lebzeiten treffen inklusive der Bezahlung der Kosten für das Begräbnis (ca. 1000 Euro), das dann z. B. auf dem Friedhof der Universität stattfindet.


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 De r T o d im Le ben

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Das Testament

Facebook & Co.: der digitale Nachlass Ja, auch der digitale Nachlass will in heutigen Zeiten geregelt werden und die Social-Media-Plattformen haben darauf bereits reagiert. Grundsätzlich ist es so, dass Facebook die Konten, sobald die Plattform von einem Todesfall erfährt, in den Gedenkzustand versetzt. Facebook argumentiert das übrigens damit, dass sich Freunde und Verwandte austauschen und Erinnerungen teilen können. Wenn du in deinem Facebook-Profil keine Einstellungen vornimmst, gehen die Rechte deines Accounts automatisch auf die Erben über (laut einer Entscheidung des deutschen Bundesgerichtshofes, die über die deutschen Grenzen hinaus als richtungsweisend angesehen wird). Wenn du das beides nicht möchtest und dein Profil sofort gelöscht haben willst bzw. auch nicht willst, dass die gesetzlichen Erben all dein digitales Leben entdecken, dann solltest du auch hier eine Vertrauensperson nominieren, den sogenannten Nachlasskontakt. Hinweis: Die Person muss eine Facebook-Bekanntschaft sein. Noch strenger ist für diesen Fall anscheinend Twitter, wo zur Kontosperre ein notariell beglaubigtes Dokument benötigt wird. Für deinen gesamten digitalen Fußabdruck, d. h. auch Onlinekonten, digitale Abos für Streamingdienste oder E-Mails, bestimme eine oder mehrere Vertrauenspersonen, die im Notfall Zugriff auf diese Infos haben. Überlege dir auch, was mit den Accounts und Daten insgesamt passieren soll. Alles, was du im Vorhinein schriftlich dokumentierst, hilft den Hinterbliebenen sehr, deinem Willen entsprechend zu handeln!

Schätzungen nach errichten in Deutschland und Österreich nur rund 20–30% der Bevölkerung ein Testament. Das ist aber – sofern alle Regeln eingehalten sind – die sicherste Variante, damit auch nach dem Tod manches einfacher wird und dem Wunsch der verstorbenen Person entsprochen werden kann.

Die Bestattung planen Wer durch andere Todesfälle schon ein Bestattungsunternehmen des Vertrauens gefunden hat, kann dort selbst schon etwas vorsorgen, indem die eigenen gesammelten Wünsche in Sachen Beerdigung & Co. bereits zu Lebzeiten hinterlegt werden. Das reicht von der Musikauswahl bis zum gewünschten Blumenschmuck, den Einladungskarten und der Bestattungsart. Auch das Bestattungs-Business scheint sich weiterzuentwickeln, sodass ein Abschied von der Welt immer individueller gestaltet werden kann. Dem Thema ein paar Gedanken zu schenken schadet nicht.


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 De r T o d i m Le ben

Grünere Bestattung– Was ist erlaubt?

Text Iris Eichtinger Irina Zelewitz

Nachhaltiger Lebensstil geht mittlerweile über den Tod hinaus. Das Angebot umweltfreundlicher Bestattungsverfahren steigt. Nicht alle sind hierzulande legal, doch der Abschied von der Welt lässt sich zunehmend individuell gestalten.

»Umweltfreundliche« Erdbestattung Eine Erdbestattung zieht einige negative Umwelteinflüsse mit sich: Durch Sarg und Körper können Schadstoffe in den Boden und sogar das Grundwasser gelangen, Transport und Fertigung des Sargs verursachen CO2-Ausstoß und anorganische Sargbestandteile werden nicht abgebaut. Särge aus organischen Substanzen wie Bambus, Bananenblättern oder Ananasfasern sowie Griffe aus Holz statt Metall sollen umweltfreundliche Alternativen schaffen.

Bilder  istock.co m/l ushik, isto ck. com/ borto nia, isto ck. com/ apple uz r, istock .co m/ bubaone

Seebestattung Bei einer Seebestattung wird die Asche der oder des Verstorbenen klassischerweise auf See verstreut. Auch die Asche, die beim Verstreuen als Rest in der Urne bleibt, kann samt biologisch abbaubarer Urne dem Meer übergeben werden. Grundsätzlich legal ist das nicht nur in Nord- und Ostsee, sondern auch im Mittelmeer und in den sogenannten Weltmeeren – auch wenn man keinem Anrainerstaat angehört. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind außerdem sowohl Seebestattungen in Seen als auch Flussbestattungen erlaubt.

Baumbestattung Der Bestattungswald ist unter anderem auch als Ruhewald, Friedwald und Ruheforst bekannt und sowohl in Deutschland, als auch in Österreich und der Schweiz ist ihre Einrichtung legal. Man kann sich den Wald, in dem man begraben sein möchte, allerdings kei-

neswegs aussuchen – Die Umwandlung eines Waldstückes in einen Bestattungswald bedarf einer Genehmigung. Verlockend daran auch: Es gibt eine Art Grabstätte, doch die Grabpflege übernimmt die Natur. Wer durch sein Ableben auch gleich noch einen Beitrag zur Finanzierung eines Schutzgebietes leisten möchte, wird unter anderem hier zur Ruhe kommen: ruheforst-huemmel.de

Promession Eingefroren statt eingeäschert: Bei der alternativen Bestattungsform »Promession« wird die oder der Verstorbene durch flüssigen Stickstoff bei einer Temperatur von -196 Grad Celcius schockgefroren. Durch diesen Vorgang zerfällt der Körper schnell zu einer pulvrigen Substanz, aus der Wasser und Schadstoff wie Quecksilber oder Amalgam herausgefiltert werden können. Die Überreste sind nun umweltverträglich und können innerhalb eines Jahres biologisch völlig abgebaut werden. In Schweden ist diese Art der Bestattung im Gegensatz zu Deutschland und Österreich bereits zugelassen.

Resomation oder alkalische Hydrolyse Bei der »Resomation« oder auch »alkalischen Hydrolyse« wird der Körper der oder des Verstorbenen durch rund 150 Grad Celsius heiße Kalilauge zersetzt. Knochenreste, die bei diesem Vorgang übrigbleiben, können im Anschluss zu »Asche« pulverisiert werden. Schadstoffe können ebenfalls leicht aussortiert werden. Auch diese Variante gilt als äußerst umweltschonende, sie ist allerdings nur in Kanada, Großbritannien und den usa erlaubt.

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 up cyc l ing -De sig n

46 Illustrationen Angela Karpouzi AnfängerInnenfragen Irina Zelewitz

Schnittmuster Modell Leo CC by NC – dieses Schnitt­ muster darf bei Namensnennung »milch.tm« für nicht-kommerzielle Zwecke weiterverbreitet werden.

HosentaschenDesign 22 cm 29 cm

Masse auf ein grosses papier übertragen

Henkel 14 cm

C

loed Priscilla Baumgartner hat mit Ihrem Label »Milch« über zehn Jahre lang vor allem Etuikleider aus alten Herrenhosen hergestellt. Nun bietet sie in ihrem Onlineshop statt der Mode die Nähanleitungen für die alten und auch ein paar neue Designs an. biorama hat sie um die begleitende Erklärung zu einem der Schnittmuster gebeten und eine Anleitung zum Nähen einer Tasche aus einer Herrenanzughose und einem Herrenhemd bekommen.

1. Schnittvorlage Hosentasche

Altes Hemd + alte Hose = neue Tasche. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für AnfängerInnen.

(NZ=Nahtzugabe)

42 cm

versteht sich als Innovationsmanagerin. Seit 1998 betreibt sie das Upcycling-Modelabel »Milch«. (Bild: Apollonia Theresa Bitzan)

42 cm

Cloed Priscilla Baumgartner

Tasche

Die Grundvoraussetzungen Als Ausgangsmaterial braucht man eine Herrenanzughose und ein Herrenhemd. Wie bei allen Designs von Cloed gilt: Wenn statt der Herrenkleidung Damenoder Kinderkleidung verwendet werden, kann es sein, das man stückeln muss, damit man die nötige Menge Stoff zusammenbekommt. Zum Nähen reicht eine einfache Nähmaschine. 

42 cm


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2. Schnitte Auflegen und Zuschneiden

BIORAMA: Welche Nähskills brauche ich für die verschiedenen Modelle? Die Kleider sind vermutlich etwas anspruchsvoller als beispielsweise die Taschen? Cloed Priscilla Baumgartner: Damit man die Nähanleitungen umsetzen kann, muss man nur eine gerade Naht und einen Saumabschluss nähen können. Alle sind gleich einfach. Das ist auch das Feedback, das wir bei den Workshops bekommen.

"

"

Innennaht auftrennen

Hintere mittlere naht auftrennen

"

"

2 × futter zuschneiden

1 × Hosentasche, 2 × Tasche 4 × Henkel zuschneiden

Tasche

3. Nähen

Hosenstoff rechts auf rechts

Hemdstoff rechts auf rechts

Was braucht man für die Schnittvorlagen? Irgendein Papier, das man auf die Schnitte überträgt, sprich aufmalt. Zeitungspapier geht super, aber man kann auch A4-Zettel zusammenkleben. Insgesamt sind es dann 7 Schnittvorlagen: 4 Mal den Henkel, 1 Mal die Hosentasche und 2 Mal die Tasche – für die Außenseite der Tasche und für das Futter. Wie wird aus Hemd und Hose eine Stoffbahn? Die Hose bereitet man vor, indem man die Innennähte und die Gesäßnaht auftrennt. Das Hemd soll zugeknöpft sein. Dann legt man die Schnittvorlagen wie abgebildet auf. Aus dem Hemd wird das Futter und aus der Hose der Rest der Tasche geschnitten. Jetzt beginnt das Nähen? Ja, aus den vier großen Stoffteilen näht man zwei große Beutel: Die beiden Teile aus dem Hemd zu einer – und die aus der Hose zu einer zweiten. Beide näht man rechts auf rechts an drei Seiten zu.


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 up cyc l ing -De sig n

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Hosentasche

Ecke 7 cm Was heißt rechts auf rechts? Das heißt schön auf schön – also die Außenseiten des Stoffs aneinander. Wozu näht man anschließend die Ecken ab? Man legt beide Taschen dann wie abgebildet hin und näht quer über die Ecken, weil dadurch ein 3D-Effekt entsteht.

Aussentasche seitlich auf den Hosenstoff aussen annähen

Henkel

Aus zwei Henkelstoffteilen wird dann einer? Zuerst werden je zwei Henkelbestandteile zu einem langen zusammengenäht, um anschließend jeweils zwei – rechts auf rechts – an den Längsrändern zu einem Schlauch zusammenzunähen. Die Enden werden offen gelassen, damit man den Schlauch umstülpen kann.

Ecken unten links und REchts bei Hemd und Hose abnähen

Wie wird der Beutel aus dem Hemdstoff in den Hosenstoff gepasst? Der Hosenbeutel wird umgedreht, damit die schöne Seite außen ist – und der Beutel aus dem Hemdstoff wird so, wie er ist, hineingesteckt. Nun zu den Henkeln: Wie müssen die eingenäht werden? Jetzt werden die Henkelenden zwischen die Innen- und die Außentasche gesteckt und mit mit zwei Stecknadeln fixiert. Dann wird ein Mal an der oberen Kante der jetzt schon erkennbaren Tasche rundherum genäht. Die Knöpfe können nun geöffnet und die Tasche kann umgedreht werden.

Jeweils 2 Streifen in der Mitte zusammennähen

rechts auf rechts zusammennähen

Henkel umstülpen

Hemd- und Hosenstoff rechts auf rechts ineinanderstülpen


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Wie lang brauchen Laien, um eine Tasche fertigzustellen, wenn es ihre erste ist? Eine Stunde. Ab der zweiten geht es in einer halben.

Henkel seitlich links und rechts kopfüber zwischen Hemd und Hose fixieren.

Einmal an der Oberkante ganz ringsum nähen.

Hemdknöpfe Öffnen und die Tasche Umdrehen,

FERTIG!

Warum stellst du manche Anleitungen offen zugänglich online? Das Rohmaterial ist ja in vielen Haushalten vorhanden und ich möchte dazu inspirieren, etwas draus zu machen. Wenn man zwei, drei solche Schnitte ausprobiert hat, kommt man ohnehin schnell selbst auf Ideen. Dein Label hat ab 2006 in erster Linie Kleider aus den Herrenhosen verkauft. Warum hörst du damit jetzt auf – du hast dein Geschäftsmodell verändert? Ich verkaufe jetzt nur mehr Know-how, also die Schnitte zum Selbermachen. Ich habe als Jugendliche ohne besondere Ahnung aus allem, was ich gefunden habe, Kleidung genäht – aus Bettwäsche und Tischtüchern. Ich mag einerseits den Gedanken des Upcyclings, das nach gutem Design aussieht. Und andererseits auch den Ansatz der Frugal Innovation – mit dem zu arbeiten, was da ist.


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  VE GAN FA SH IO N

Gürtel ohne Tier Pflanzen im und um den Bauch: Vegane Gürtel, ganz ohne neues Plastik.

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enauso wie der Rest unserer konventionell produzierten Kleidung werden Gürtel meist in Billiglohnländern hergestellt. Egal ob aus Kunst- oder tierischem Leder, bei der Produktion des Rohmaterials für Gürtel fallen giftige Chemikalien an, die oft in die Umwelt geleitet werden. Im Fall von Kunstleder handelt es sich meist um Polyurethan (pu), das zwar in der Produktion einen hohen CO2 -Ausstoß verzeichnet, allerdings für weniger Toxine in der Umwelt verantwortlich ist als sein Bruder Polyvinylchlorid (pvc). Oft verstecken sich diese

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Materialien hinter den Begriffen »Mikrofaser« oder »Vegetan«. Durch die Omnipräsenz von pu- oder pvc-Gürteln ist es nicht schwierig, Gürtel ohne tierische Produkte zu finden, doch Gürtel aus nachhaltigeren Materialien sind ein verhältnismäßig rares Gut. Sie bestehen beispielsweise aus Kork, Piñatex (dem sogenannten Ananasleder) oder upgecycelten Materialien. Kork ist schon länger als robustes, natürliches Material für tierfreundliche Schuhe, Gürtel, Taschen oder sogar Jacken bekannt. Es ist wasserabweisend und ähnelt optisch

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Bleed-Herrengürtel: Der Herrengürtel des deutschen Fairtrade- und Eco-Labels bleed besteht aus Kork, Biobaumwolle und Altpapier. Hergestellt wurde er in Portugal.  bleed.com 

Cycled: Cycled, ein Unternehmen aus Venedig, schenkt Fahrradreifen ein zweites Leben. Aufgrund des Ausgangsstoffes ist jeder Gürtel ein Unikat.  cycledproject.com

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Anja Lauermann: Der Taillengürtel des Eco-Labels Anja Lauermann besteht aus Ananasleder und biologisch abbaubarem Biokunststoff.  anjalauermann.com

Gary Mash: Noch ein Taillengürtel aus dünnem Kork, der durch das Gummiband auf der Rückseite Spielraum bei der Größe bietet. Das Label Gary Mash ist zudem fairtrade- und gots-zertifiziert.  garymash.com


Text

Anika Suck

echtem Leder. Piñatex ist noch neu auf dem Gürtelmarkt, SchuhherstellerInnen hat es mit seiner Strapazierfähigkeit und dem umweltschonenden Anbau des Rohmaterials schon überzeugt. Verwendet werden nämlich die Blätter von Ananasstauden, die ansonsten entsorgt werden. Oder es wird weiterverwendet, was bereits vorhanden ist – und zum Glück eignet sich die Form des Gürtels wunderbar für das Upcycling verschiedenster Materialien, beispielsweise Fahrradreifen. Nachdem sie zum Ende ihres Lebenszyklus gerädert wurden, sollten sie – aufgrund ihrer komplexen Zusammensetzung – nicht im Kunststoffrecycling landen. Verschiedene HerstellerInnen machen deshalb aus ihnen einzigartige Gürtel. Ähnlich verfahren Labels auch mit ausgedienten Sicherheitsgurten.

5 SKFK: Der Gürtel im Karategurt-Design besteht aus Viskose und Lyocell. Den Rohstoff für das verwendete Lyocell beziehen skfk aus nachhaltigen Eukalyptuswäldern, die Baumwolle ist fairtradezertifiziert.  skfk-ethical-fashion.com

6 Marron Rouge: Das französische Label Marron Rouge upcycelt aus alten Sicherheitsgurten sowie Fahrradreifen – und produziert in Kooperation mit indischen ngos. marronrouge.com

WIR ÜBERNEHMEN VER ANT WORTUNG F Ü R M E N S C H , T I E R U N D U M W E LT Wir lieben Mode. Zweimal jährlich entstehen im Kölner Atelier neue LANIUS Kollektionen durch die Kreativität unseres Designteams. Feminin, individuell und mit viel Liebe zum Detail entworfen – und das seit 1999. Vieles hat sich seitdem entwickelt, eines ist bis heute geblieben: das gute Gefühl – auf der Haut und gut fürs Gewissen.

W W W. L A N I U S . CO M


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  GE r loeSSes nd Lokino r em ip su m

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Bild  The Lig ht Bri dg e GmbH

Grüner Drehen


53 Text Franziska Bechtold

Die Green-Producing-Bewegung setzt sich für mehr Nachhaltigkeit in der Filmbranche ein – und kommt gemächlich, aber stetig voran.

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s ist sechs Uhr. Die FahrerInnen holen RegisseurIn und SchaupielerInnen mit Vans von ihren Hotels ab. Es wird in den Bergen gedreht, also gibt es keinen Strom. Der kommt aus einem Dieselaggregat, das 13 Stunden läuft und die Scheinwerfer am Laufen hält. Egal wie stark die Sonne scheint, es wird nichts dem Zufall überlassen – vor allem nicht das Licht. Nach dem Mittagessen haben sich bereits fünf große Müllsäcke voller Plastikgeschirr und halb ausgetrunkener Wasserflaschen angesammelt, der Drehtag dauert noch weitere sechs Stunden. Am Ende wird sich der Abfall mindestens verdoppelt haben, das Dieselaggregat wird gut 50 Liter verbraucht haben. So könnte der Alltag einer Spielfilmproduktion in Österreich aussehen. Unabhängig von Budget und Projektdimension wiederholen sich die Probleme: Alle brauchen Strom, Verpflegung und müssen irgendwie ans Set kommen. In einer Branche, die permanent mit Zeitdruck und Geldmangel kämpft, ist Umweltschutz nur ein weiteres Hindernis. Auch werden häufig die kreativen Entscheidungen den nachhaltigen vorgezogen. So planierte man bei den Dreharbeiten zu Danny Boyles The Beach (2000) den Strand, weil er nicht groß genug war, pflanzte nicht heimische Palmen und fügte so dem Ökosystem der Insel großen Schaden zu. Für Apocalypse Now zündete Regisseur Francis Ford Coppola mehrere Hektar Palmenwald auf den Philippinen mit über 300 Litern Benzin an. Sein Kommentar, »in den usa würde man das nicht erlauben; die UmweltschützerInnen würden einen umbringen«, spricht Bände. Das sind nur zwei von vielen Beispielen.

Technik vs. Aufwand Reisen, häufig mit Auto und Flugzeug, sowie die Produktionstechnik sind die zentra-

len Faktoren, wieso Dreharbeiten der Umwelt schaden. Die LichtmeisterInnen bräuchten eigentlich keine Schonfrist mehr, denn rein technisch kann hier viel Strom gespart werden. FilmemacherInnen experimentieren gerne mit reinem Tageslicht, wie bei The Revenant (Alejandro González Iñárritu, 2016). Hier wird ausschließlich mit Reflektoren gearbeitet, um das vorhandene Sonnenlicht zu verstärken. Der österreichische Kameramann Christian Berger entwickelte für solche Zwecke das Cine Reflect Lighting System. Die Reflektoren geben natürliches Licht mit sehr geringem Verlust wieder und leuchten so ganze Sets aus. led-Scheinwerfer sind ebenfalls eine gute Wahl: Sie geben weniger Wärme ab, sind dafür aber deutlich heller und sparen 70 bis 90 Prozent Strom ein. Energie braucht man also trotzdem, wenn man den ganzen Tag, wie im Eingangsbeispiel, auf einem Berg steht und keine Steckdose erreichbar ist. Da könnte natürlich, anstatt zum Dieselaggregat, zu einem Hybriden gegriffen werden, der Teile des Stroms aus Solarenergie erzeugt, oder zumindest zu alternativen Kraftstoffen – aber das ist aufwendig. In städtischer Umgebung stehen fast immer Starkstromanschlüsse zur Verfügung, die jedoch nicht garantiert Ökostrom liefern.

Daten braucht die Branche Leider macht sich kaum jemand die Mühe, aktuelle Daten zur Nachhaltigkeit in der Filmbranche zu erheben, für Österreich liegen keine Zahlen vor. Die relevanten Komponenten am Filmset sind zahlreich und schwer messbar – und (noch) fehlt es an Interesse, die Auswirkungen auf die Umwelt sichtbar zu machen. Die britische bbc ermittelte in ihrem Jahresbericht 2018 einen CO2-Ausstoß von 13,4 Tonnen pro Stunde Ausstrahlungszeit. 2011 waren


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  G r o SSes kino

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es noch 8,2 Tonnen. Das Kollektiv Ecoprod aus Frankreich schätzt den Gesamtausstoß bei einer TV-Serie auf insgesamt 200, bei einem Spielfilm mit mehreren Locations auf 1000 Tonnen CO2. 2018 analysierte die Studentin Melanie Stoff (FH St. Pölten) im Rahmen ihrer Diplomarbeit unter anderem den Energieverbrauch durch Fahrzeugnutzung, Unterkünfte und Catering von vier österreichischen Spielfilmproduktionen und kam auf einen Verbrauch von 90 Tonnen CO2 pro gesamte Filmproduktion. Eine Studie aus dem Jahr 2006 der ucla (University of California, Los Angeles, Institute of the Environment) ermittelte zudem, dass die Filmindustrie in L.A. nach den Ölraffinerien zweitstärkster Luftverschmutzer war. Solche schwankenden Daten zeigen, wie schwer Filmproduktionen in ihrer Gänze einschätzbar sind. Nicht nur der Setalltag fällt ins Gewicht, sondern auch die Umstände der Vorund Nacharbeit im Büro. In Österreich gibt es seit Anfang 2017 ein Umweltzeichen für Green Producing, das vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (bmnt) gemeinsam mit Filmschaffenden und UmweltexpertInnen entwickelt wurde. Firmen und ihre Produktionen müssen sich den Kriterien gleichermaßen unterordnen. Ein Film ist nur so grün wie seine ProduzentInnen. Das sieht auch Regina Preslmair so, die im Ministerium für das

Umweltzeichen zuständig ist: »Man macht sich das Leben einfach schwerer, wenn Green Producing für die Firmenphilosophie fremd ist.« Deshalb wird das Leitbild der Produktionsfirmen ebenso geprüft wie das Vorhandensein von Green-Producing-Beauftragten und Angaben über eine umweltschonende Büroführung. Druckt man jede E-Mail aus, wird es schwierig mit der Zertifizierung.

Streng, aber umsetzbar? Für einzelne Produktionen müssen Mobilität, Location, Stromversorgung, Setbau, Maske und Kostüm, Beleuchtungstechnik, Spezialeffekte, Catering und Unterkünfte einer Prüfung durch unabhängige Kontrolleure unterzogen werden. Strom aus erneuerbaren Energien, led-Lampen, Mülltrennung und biologisches Catering sind naheliegende Maßnahmen. Sich um nachhaltige Hotels kümmern und DarstellerInnen vom Zugfahren überzeugen kann hingegen mehr Zeit (und Nerven) in Anspruch nehmen. Zwölf Seiten umfasst der Kriterienkatalog aus dem Ministerium. Zu viel? Nein, findet Regina Preslmair: »Unsere Kriterien sind auf den Punkt gebracht. Uns war das Fokussieren auf Kernpunkte und deren Umsetzbarkeit wichtig – und dass etwas passiert.« Passiert ist noch nicht viel, zumindest nicht offensichtlich. Mit David Schalkos Superfilm

Bilder Das rund filmproduktio n, i stock.co m/-Vi co tr-, isto ck. co m/lus hi k, i stock.com/gi gavector

Stromfressende Technik nachhaltiger zu betreiben ist eine große Herausforderung für ProduzentInnen.


»Man macht sich das Leben einfach schwerer, wenn Green Producing für die Firmenphilosophie fremd ist.«

27.9.

– Regina Preslmair, im Ministerium für das Umweltzeichen zuständig hat eine Produktionsfirma Initiative gezeigt und bei der Entstehung des Umweltzeichens mitgewirkt. Der Landkrimi Höhenstraße (2016, orf) ist der erste und bisher einzige Spielfilm, der mit dem Umweltzeichen ausgezeichnet wurde. Die Livesendung Mei liabste Weis (2019, orf Tirol) und die Werbefilmproduktionsfirma Das Rund können sich ebenfalls mit dem Umweltzeichen schmücken. Dabei drängt sich die Frage auf: Sind die Kriterien zu streng? »Einige Leute sehen die Kriterien und sagen: Das kann ich nicht. Aber es gibt immer Alternativen. Bei Produktionen müssen immer die gleichen Fragen gestellt werden und mit unseren Standards wollen wir die Antworten in Richtung Nachhaltigkeit beeinflussen«, so Preslmair. Die Kriterien seien schaffbar und umsetzbar, aber man müsse seinen Arbeitsstil schon überdenken. »Alles auf einmal, das verlangt ja auch niemand.« Für halbe Sachen gibt’s allerdings keine Zertifizierung, nur wer alle

Das Verursacht beim Film Co2 Bühne unD filMStuDiO verWaltunG

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DrehOrt

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pOStprODuktiOn

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anreiSe

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6.10. 2019


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  G r o SSes kino

56 bei zahlreich. Die perfekte Location zu finden, SchauspielerInnen und RegisseurInnen glücklich zu machen, Stromversorgung und pünktliche An- und Abreise zu garantieren sind nur die Spitze des Eisbergs. Infoveranstaltungen, Workshops, Apfel statt Schokoriegel und Orangensaft statt Energydrink – das muss man wollen. Die Anstalten und Ämter sagen: Das geht – Lisa Scheid, Geschäftsführerin von Das Rund schon, da muss die Filmindustrie Initiative zeigen. Die Filmschaffenden zucken mit den Schultern und fordern fairere Förderungen. Lisa Scheid, Geschäftsführerin von Das Rund, lässt sich das nicht einreden: »Ich glaube, es Auflagen erfüllt, darf sich ist für alle machbar. Da»grün« nennen. gegen spricht nur FaulIn Niederösterreich unheit. Das Argument, es terstützt die Lower Austriwürde mehr kosten, wenn an Film Commission (lafc) man biologisch einkauft, mit der Initiative »Everstimmt nicht. Man glaubt green Prisma« Filmschafimmer, man kann sich das fende bei der nachhaltigen Lisa Scheid nicht leisten, aber das ist Produktion. Ihre Check»Das Rund« eine Ausrede. Man muss liste »Evergreen Guide« Die Geschäftsfüheinfach bewusster und rezur nachhaltigen Filmprorerin der Filmproduzierter sein.« Sie selbst duktion war die erste ihrer duktionsfirma »Das ist in einem Umfeld aufArt in Österreich. Im JänRund« produziert vor allem Werbefilme – gewachsen, in dem auf einer 2019 fand dazu ein erszertifiziert mit dem nen nachhaltigen Lebenster Workshop statt und er Umweltzeichen. stil geachtet wurde, und soll nicht der letzte gewehat die Verschwendung in sen sein: »Das primäre Ziel der eigenen Branche nicht des lafc Evergreen Prisma mehr hinnehmen wollen. ist, zukünftig Filmproduk»25 Leute im Büro davon tionen verstärkt grün zu Eigene Trinkflasche statt Plastikmüll. zu überzeugen ist natürberaten und auf vielseitige lich nicht einfach, aber inzwischen ticken alle Weise begleiten zu können. Die Vermittlung so wie ich. Am Set mit 40 oder 50 Leuten ist das von fundiertem Wissen, um die Umsetzung noch mal eine andere Herausforderung. Aber nachhaltiger Produktionen in der österreichije besser informiert die Leute sind, desto besschen Filmlandschaft zu fördern, ist dafür aus ser funktioniert das auch«, fasst Scheid ihre unserer Sicht essenziell«, teilte Dietlind Rott, Erfahrungen zusammen. Leiterin der Lower Austrian Film Commission, mit. Die NiederösterreicherInnen nehmen damit eine Vorreiterposition in Österreich ein. Grün ist geil Zu Beginn habe es Verwunderung gegeben, als alle Beteiligten plötzlich eine WasserflaEigeninitiative gefragt sche zum Befüllen bekamen. Aber ein HinderFilmschaffende müssen sich also an der eigenis habe das nicht dargestellt. Das Rund vernen Nase packen, bevor PrüferInnen ihnen auf teilt die Flaschen zu Beginn einer Produktion die Finger schauen können. Und los geht der und bittet alle, diese auch beim nächsten und Ausredenzirkus: »Zeit ist Geld« steht in den übernächsten Dreh wieder zu nutzen. »So haZehn Geboten der Filmwirtschaft weit vorne. ben wir statt zehn Müllsäcken nur mehr zwei«, Die Herausforderungen, die Menschen in erklärt Scheid. Die größte Herausforderung Filmproduktionen meistern müssen, sind da-

Bilder Da s Rund Fil mpro du kti on

»Ich glaube, es ist für alle machbar. Dagegen spricht nur Faulheit. Das Argument, es würde mehr kosten, wenn man biologisch einkauft, stimmt nicht.«


KEIN ENERGY DRIN K


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Philip Gassmann Als Regisseur, Berater und Referent klärt Gassmann über Green Producing auf.

Reflektoren statt Leuchtmittel senken den Stromverbrauch am Set.

sei für sie die Verpflegung, denn von der geringen Auswahl an Bio-Caterern hat nicht jeder Zeit, wenn er gebraucht wird. »Es sind einfach so viele Leute, von denen man abhängig ist.« Wenn die Kriterien also eigentlich machbar sind und Zeit- und Geldmangel nur faule Ausreden, hat die Branche einfach kein Interesse am Green Producing? Jein, sagt Scheid: »Das Thema wird immer wichtiger und natürlich verbessert es das Image einer Firma, wenn sie grün produziert. Es gilt halt als cool und das ist bei manchen die Motivation. Denen liegt dann die Umwelt nicht unbedingt am Herzen.« Ist Grün also einfach nur hip und wertet die Außendarstellung einer Firma auf? Philip Gassmann ist ein Pionier für Green Producing und leistet mit seiner Website (greenfilmtools.com), Workshops und Beratungen einen wichtigen Beitrag für nachhaltige Filmproduktionen. Er sieht hoffnungsvoll in die Zukunft: »Es gibt ein wachsendes Interesse für Green Film Production, besonders bei der Jugend. Das Feedback an den Filmhochschulen ist überwältigend und macht wirklich Hoffnung.« Für ihn sind vor allem innovative Technologien und deren kreative Einbindung in die Filmproduktion der Weg in eine nachhaltigere Zukunft.

Internationale Vorbilder Wie immer lohnt sich auch hier ein Blick über den Tellerrand. Der muss gar nicht sehr weit reichen. Ein Blick nach Deutschland reicht schon. Das nördliche Bundesland Schleswig-Holstein beispielsweise hat mit dem Grünen Drehpass 2011 einen Standard für grüne Produktionen eingeführt, den inzwischen über 100 Filme führen. Green Film Shooting ist eine umfangreiche Plattform, die online und mit einer jährlichen Printausgabe über Nachhaltigkeit in der Branche informiert. Bavaria Film arbeitet seit 2013 mit dem weltweit ersten klimaneutralen Filmstudio. 2017 formulierten die Filmförderanstalten Deutschlands ein gemeinsames Statement, damit Mehrkosten für grüne Produktionen förderrechtlich mitgetragen werden können. In Großbritannien zertifiziert »Albert« (British Academy of Film and Television Arts, kurz bafta) eine grüne Film- und TV-Produktion in drei verschiedenen Abstufungen. Bei vielen Firmen wie Universal, Warner, Fox, Sky, Netflix, Bavaria und natürlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten steht Nachhaltigkeit in den Firmenstatuten. Kompliziert wird es, wenn Firmen aus verschiedenen Ländern gemeinsam an einer Produktion arbeiten und die


Green Screen: Beteiligten unterschiedliche Standards an eine Produktion stellen. Wer das prüft und welche Regeln dann gelten? Das weiß man nicht. So undurchsichtig und negativ es klingt, an einer nachhaltigen Filmwirtschaft wird gearbeitet. Knackpunkt ist die Kommunikation von Filmschaffenden, Förderstellen und Ämtern

»Wenn man absolut umweltfreundlich bleiben will, dann dürfte man keinen Film mehr drehen.« – Regina Preslmair

Nicht alle perfekt, aber zumindest bewusst: Das sind unsere Green-Producing-Tipps für Filmabend ohne schlechtes Gewissen.

Aufbruch zum Mond – First Man (Damien Chazelle, 2018): Beim Drama um Neil Armstrongs Mondlandung wurde recycelt, umweltfreundliches Mehr- oder Einweggeschirr genutzt, die Nutzung von Generatoren auf ein Minimum reduziert und das wiederverwertete Set anschließend gespendet. BlacKkKlansman (Spike Lee, 2018): Für die Detektivstory, in der sich ein schwarzer Cop in den Ku-Klux-Klan einschleicht, nutzte man FSC-zertifiziertes Holz, recycelbaren Teppich und integrierte Vintage-Recycling-Mistkübel und -Wasserspender für die 70s-Sets. Der goldene Handschuh (Fatih Akin, 2018): Mit dem Rad zur Arbeit hieß es für die Hälfte der Crew des brutalen Horrorfilms über den Frauenmörder Fritz Honka. Auch hier wurden Sets wiederverwertet. Wie schon Aus dem Nichts (2017) erhielt er den Grünen Drehpass.

Bilde r  LAFC LO WER AU STRIAN FI LM COMMI SSION Gre go r Le chner, Da s rund fi lmprod uk tion

Green Producing ist vor allem Einstellungssache.

untereinander und miteinander, die langfristig ein Umdenken bewirken und das Verantwortungs-Pingpong zumindest verringern könnten. Aber: Regina Preslmair bringt auf den Punkt, was man sich ohnehin denken kann: »Wenn man absolut umweltfreundlich bleiben will, dann dürfte man keinen Film mehr drehen.« Niemand möchte auf den Kinoabend verzichten, bis nachhaltigeres Drehen der Standard wird, ist es noch ein langer Weg. Für den Branchenexperten Philip Gassmann braucht es drei Dinge: »Wissen, was Green Producing wirklich bedeutet und welche Vorteile es hat, viele grüne Technologien und die Erklärung des Themas zur ChefInnensache.« Gemeinsam arbeiten muss die Devise lauten, um die Kreativität, die auf der Leinwand herrscht, auch dahinter walten zu lassen – ein Gedanke, den man als ZuschauerIn beim nächsten Kinobesuch oder dvd-Abend im Hinterkopf behalten kann. 

Okja (Joon-ho Bong, 2017): In dem und um den Film wurde Nachhaltigkeit zum Thema. Im Film geht es um Fleischkonsum, die MacherInnen selbst zogen die New Yorker Gruppe Earth Angel zurate, die umweltschonende Lösungen am Filmset anbietet. Sauerkrautkoma (2017): Die bayerische Krimikomödien-Reihe ist Deutschlands Vorzeige-Green-Production und der 100. Film, der mit dem Grünen Drehpass ausgezeichnet wurde. Peaky Blinders (BBC): Die vierte Staffel der britischen Serie drehte mit lokaler Crew, led-Licht und lieh die Kostüme aus.

Die Evergreen-Prisma-Checkliste ist online auf lafc.at abrufbar. Kostenlose Workshops und Seminare sollen mehr Bewusstsein für die Umsetzung von Green Producing schaffen.

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Der Danube Day war geprägt von spannenden Aufgaben und vielen verschiedenen Spielen – im Spurenheft konnten die Kinder und Jugendlichen erledigte Aufgaben eintragen und tolle Preise gewinnen.

15 jahre danube day

»Get active for a safer Danube« – so lautete das Motto des diesjährigen Danube Days im Wiener Stadtpark.

Mit zahlreichen Spielen, spannenden Experimenten und viel Action wurde Wissen rund um die Donau an den Ständen des Danube Days vermittelt.

Entgeltliche Einschaltung DES BMNT

bilder SI.MA.pix

Besonders in den heißen Sommermonaten wird die Bedeutung der kostbaren Ressource Wasser erst richtig deutlich. Der Danube Day lockte zum 15. Mal mit Wasserwissen und Bewusstsein.


Danube day 2019 Im Stadtpark Wien fand heuer am 13. Juni der Danube Day unter dem Motto »Werde aktiv für eine sichere Donau!« statt. Über 1.000 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren nahmen am Danube Day teil und konnten sich an den 15 Informations- und Mitmachstationen auf die Spur als Donau­ detektive begeben. Die Kinder lernten, wie man sich richtig und sicher am Wasser verhalten sollte und was es bei einem Notfall zu beachten gibt. Der Danube Day soll Bewusstsein dafür schaffen, wie jede und jeder einzelne die Donau und sich selbst schützen kann. Seit 2004 wird der Danube Day im gesamten Donauraum gefeiert.

bilder SI.MA.pix, ICPDR, Istock.com/ bsd555, Istock.com/ A-Digit, susanne brandstetter

Nicht nur der Danube Day feierte heuer 15-JahrJubiläum – auch die Generation Blue gibt es inzwischen genau so lang. Generation Blue ist eine Wissens­ initiative des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (bmnt), die es sich zum Ziel gesetzt hat, vor allem Kinder und Jugendliche über Wasserthemen zu informieren und zeigt, wie man sich engagieren kann. Der Danube Day ist da natürlich jedes Jahr ein ganz fixer Bestandteil. Spannende Online-Spiele und die nächsten Veranstaltungen wie den Danube Art Master oder den Trinkpass findet man unter www.generationblue.at

Über 1.000 Kinder und Jugendliche kamen am 13.6. in den Wiener Stadtpark, um gemeinsam mehr über den Schutz der Donau zu erfahren.

Jubiläum 15 Jahre Generation Blue

Beim Stand von Generation Blue wurde am Glücksrad gedreht und Donau-Wissen getestet.

Donau messprogramm

Bereits zum vierten Mal findet heuer der Joint Danube Survey, das Donaumessprogramm statt. Alle 6 Jahre wird dabei der Gesamtzustand der Donau, und seit heuer auch der Zustand der Donauzuflüsse, untersucht.

Die Donau ist mit 2.857 km Länge einer der längsten Flüsse Europas. Sie fließt durch zahlreiche Staaten und umfasst ein riesiges Einzugsgebiet. Die Donau wird seit Anfang der 1990er Jahre regelmäßig auf eine Vielzahl an Stoffen untersucht. Beim Donaumessprogramm arbeiten die Länder der Donauschutzkommission (iksd) alle 6 Jahre eng zusammen. Ziel ist es, die Qualität und den ökologischen Zustand der Donau umfassend zu erheben und einen gemeinsamen Bericht zu erstellen. Dieser wird 2020 vorliegen. Die Ergebnisse der Untersuchung fließen in die kommenden Maßnahmen zum Schutz der Donau und damit in den Danube River Basin Management Plan ein.


Donauwissen

Die Donau: Stromproduzent und Ökosystem

2.857 km Länge durchfließt 10 Länder = internationalster Fluss 81 Millionen Menschen leben im Donau-Einzugsgebiet

Hainburger Pforte Ursprung: Bregquelle im Schwarzwald

Die Donau ist ein intensiv genutzter Fluss. Neben zahlreichen Wasserkraftanlagen gibt es auch viele Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser. Beides hat positive Aspekte, bringt aber auch eine veränderte Gewässerstruktur mit sich. Das macht es zum Beispiel Fischen schwierig zu wandern. An der Donau sind bereits viele Fischwander­­ hilfen errichtet worden, viele sind aber auch noch nötig. Der weitere Ausbau der Kläranlagen wird die Wasserqualität der Donau weiter verbessern. In Österreich sind moderne Kläranlagen bereits im Einsatz und schützen unsere Donau.

Eisernes Tor

Mündung ins schwarze Meer

(Vom Ursprung Bregquelle im Schwarzwald bis Hainburger Pforte)

Mittlere Donau

Untere Donau

(bis Eisernes Tor)

(bis Schwarzmeer-Mündung)

Die Donauexpertin Karin Deutsch ist im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, zuständig für die Organisation des Donaumess­ programms in Österreich. Das Donaumessprogramm findet heuer zum 4. Mal statt – warum macht man das überhaupt? Zum Schutz der Donau wird alle 6 Jahre nach einheitlichen Methoden der gesamte Fluss untersucht. So bekommt man ein vergleichbares Bild über den Zustand der Donau. Außerdem wird das Donaumessprogramm, oder Joint Danube Survey (kurz jds), immer gern genutzt um neue, wissenschaftliche Methoden zu testen. Was ist der Fokus des heurigen Messprogramms? Dieses Jahr haben wir die großen Themen Mikroplastik und eDNA. Mikroplastik ist stark im öffentlichen Interesse und

es wird Zeit, die Verschmutzung großflächig zu erforschen um entsprechend handeln zu können. Sehr spannend ist auch die eDNA, der genetische Fingerabdruck eines Ökosystems. Das »e« steht für »environmental«, also umweltbezogen. Anhand einer Wasserprobe oder einer Sedimentprobe werden die darin enthaltenen dna-Stränge erkannt. Dabei spielt alles mit, was an genetischem Material ins Gewässer gelangt: Hautschuppen zum Beispiel und Ausscheidungen. So wird ganz rasch sichtbar, welche Organismen sich im Ökosystem befinden. Das ist eine ganz neue Methode, die hier zum ersten Mal großflächig angewandt wird. Worin unterscheidet sich jds 4 von jds 3? Diesmal machen die Mitgliedsstaatent das Messprogramm eigenständig und gleichen die Ergebnisse danach miteinander ab. Es gab einen offiziellen Start am 27. Juni, aber grundsätzlich ist es den Ländern offen, wann genau sie ihren Abschnitt beproben. Natürlich muss die Methodik der einzelnen Untersuchungen zusammenpassen, damit es am Ende vergleichbare Ergebnisse gibt. Dafür gab es Schulungen. Früher wurde ausschließlich die Donau untersucht, heute untersuchen die Länder im Donau-Einzugsgebiet auch jene Flüsse, die erst später in die Donau fließen.

Entgeltliche Einschaltung DES BMNT

Obere Donau


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  Fahr r a d r eisen

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Bikepacking auf Krk Text und bild Christoph Wimmer

Bikepacking vereint als Kunstbegriff Fahrrad- mit Rucksackreisen. biorama hat das Konzept auf seine Tauglichkeit überprüft – mit dem Mountainbike rund um die kroatische Insel Krk.

D

Tipps auf der Insel Krk

as Konzept Bikepacking unterscheidet sich vom klassischen Biketouring durch einen minimalistischen Zugang beim Packen, der mehr Freiheit und mehr Flexibilität bei der Streckenwahl erlauben soll. Im Gegensatz zu konventionellen Radreisen, bei denen das Fahrrad vorne und hinten mit wuchtigen Gepäckträgertaschen beladen wird, beschränkt man sich beim Bikepacking typischerweise auf eine Sattel-, eine Rahmen- und eine Lenkertasche. Man opfert Stauraum, dafür bleibt das Fahrrad leichter und aerodynamischer. Das Fahrverhalten wird weniger eingeschränkt und man bleibt auch abseits von Straßen agil. Aufgrund des tendenziell eher kleinen Volumens der Bikepacking-Taschen wird das Ein- und Auspacken zu einem Prozess, der überraschend viel Zeit in Anspruch nimmt. Dafür kann man mit einer kompakten Ausrüstung auf Trails fahren, die mit Gepäckträgertaschen unmöglich wären. Auch Trage- und Schiebepassagen, und das Heben des Fahrrads über Zäune, werden damit wesentlich einfacher.

• Das verlassene Hotel Haludovo in Malinska

Eco Otok Krk

• Im September sind die Strände leer und die Feigen pflückreif

Die topografische Beschaffenheit der Insel macht Krk besonders interessant für MountainbikerInnen. Zwar sind die Anstiege nie be-

sonders hoch oder lang, doch finden sich dort Abfahrten, wie man sie sonst eher im alpinen Gelände erwarten würde. Auf dem felsigen Relief der Südostseite der Insel sind die Trails technisch besonders fordernd. Es gibt 17 offizielle, beschilderte mtb-Strecken auf Krk. Bei einem Blick auf die Karte wird schnell klar, wie sich diese intuitiv zu einer längeren Tour ohne viel Asphaltanteil verbinden lassen. Dabei ist man nie weit von der Zivilisation entfernt, was das Mitschleppen schwerer Vorräte erspart. In den vergangenen Jahren hat Krk zunehmend auf Nachhaltigkeit gesetzt. An vielen Stränden Krks weht die Blaue Flagge – ein Gütesiegel der internationalen Stiftung für Umwelterziehung, das jährlich für die Einhaltung bestimmter ökologischer Standards verliehen wird. Nachholbedarf besteht wenig überraschend auf der Insel beim Zugang zu Biolebensmitteln. Und: VegetarierInnen oder VeganerInnen haben es generell nicht leicht in Kroatien.

Anfahrt Mein Plan war, die kleine Insel im Uhrzeigersinn zu umrunden und dabei möglichst wenig Zeit auf Asphalt zu verbringen. Für meine erste Reise dieser Art wollte ich mir nicht zu viel Neues auf einmal vornehmen und entschied


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  Fahr r adr eisen

66 mich, in Apartments zu übernachten, statt zu zelten. Im Bikepacking-Fachjargon nennt man das »Credit Card Tour«. Von Wien aus dauert die Busfahrt nach Rijeka knapp sieben Stunden, von Frankfurt 16 – mit der Bahn sind es von dort 14 Stunden. Die Fahrradtransportplätze im Fernbus sind günstig, aber begrenzt. Die zwei Stunden Radfahrt von der Küstenstadt bis zu der Brücke, die auf Krk führt, sind wohl der gefährlichste Abschnitt der Reise. Oft wird man sehr knapp von Pkw und Lkw überholt.

Eindrücke vom Sattel aus

(links): Der Blick auf halber Höhe des Mjesečev-Plateaus auf die Küstenstadt Baška im Osten der Insel Krk. (rechts): Auf einem Teilstück der mit der Nummer 10 beschilderten Mountainbikestrecke zwischen Milohnići und Malinska bewegt man sich zwischen teils 100-jährigen Eichen.

Auf Krk angekommen merke ich bald, dass die Ökosysteme der Insel abwechslungsreicher sind, als man es von Bildern auf Postkarten erwarten würde. Je tiefer ich in das Innere der Insel vordringe, desto mehr weicht der salzige Duft der Küste einem erdigen. Krk ist stellenweise überraschend dicht bewaldet und grün. Im Tal südwestlich von Vrbnik folge ich Schotterwegen durch Weingärten, wo die Reben für den lokalen Žlahtina angebaut werden. Weiter Richtung Osten nimmt die Vegetation mit jedem Höhenmeter wieder ab und ich gelange schließlich auf das Hochplateau Mjesečev oberhalb der Küstenstadt Baška. Die Steinwüste, die mich dort umgibt, erinnert an eine Mondlandschaft. Auf das Meer herabblickend fühlen sich die 400 Meter Höhe auch wirklich an wie 400 Meter. Westlich von Krk-Stadt entdecke ich einen Pfad, der zu Dutzenden versteckten Badebuch-

ten führt, und beschließe, bei meiner nächsten Reise keine Apartments mehr zu buchen. Zwischen uralten, moosbewachsenen Steinmauern, die Oliven- und Feigenbäume umzäunen, führt ein Weg nördlich von Milohnići zu einer Kapelle im Wald (11. Jhd.). Nicht unweit davon entdecke ich eine Bucht mit einer verlassenen Fischerhütte, von wo aus ein schmaler Trail vorbei an 100-jährigen Eichen Richtung Norden nach Malinska führt. Dort erkunde ich kurz das verlassene Hotel Haludovo, bevor ich mich wieder auf den Weg nach Rijeka mache.

Bikepacking-Fazit Zu Fuß oder mit dem Fahrrad erhält man Eindrücke, die Autofahrern tendenziell verwehrt bleiben. Das Konzept Bikepacking scheint seine romantischen Versprechen von Freiheit und Unabhängigkeit tatsächlich halten zu können. Als ehemaliger Rucksacktourist glaubte ich, diese Freiheit zu kennen. Zu Fuß ist man in seiner Mobilität aber vergleichsweise eingeschränkt. Besonders im Sommer lastet der Rucksack schwer. Ein Kilometer Fußweg zum Supermarkt ist oft schon kräftezehrend. Auf das Fahrrad geschnallt merkt man das Gepäck kaum. Für eine Radreise auf asphaltierten Radwegen sind herkömmliche Gepäckträgertaschen völlig ausreichend. Je abenteuerlicher die Streckenwahl, desto mehr lohnt sich die Investition in Bikepacking-Equipment. 


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26.-28.SEP.2019 Kultur


Bio r a m a 62  

  H inte r d er B ar

69 Text Juliane Reichert

Selbstverständlich selbst geerntet Selbst gemacht ist wertvoller als kalt gekauft. Neu ist: Handwerk an der Bar, das nachhaltig in Szene gesetzt wird.

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ir schreiben das Jahr 2019 und zumindest die renommierten Bars der Großstädte mischen auf ganz anderem Level mit als noch vor ein paar Jahren. Einen industriell hergestellten Sirup kauft da schon lange keiner mehr, und im Grunde gehört es bereits zum guten Ton, mindestens eine der sich im Drink befindlichen Spirituosen selbst produziert oder zumindest Selbergesammeltes darin eingelegt zu haben. Die Ersten, die dieses neu aufgelegte Konzept der JägerInnen und SammlerInnen wiederaufnahmen und artifizierten, das war die Crew um den Kopenhagener Küchenchef des Noma, René Redzepi. Der Trend trifft in mindestens vier Nachhaltigkeitsaspekten den Nerv der Zeit: Selbersammeln, Selbermachen und dabei keinen Müll hinterlassen – und: Zubereitet wird, was in der Region gerade so wächst. Ob man das nun bei den Berliner

VorzeigesammlerInnen in der Velvet Bar beobachtet, in der Warschauer Cosmo Bar oder dem Londoner Scout – getrunken wird, was auf den Tisch kommt: und das ist, was die Natur gerade hergibt. Eine eigentlich ländliche Tradition, die Einzug in die Metropolen hält und so manch stur anhaltenden Trends ein Ende setzen will. »Wir haben ganzjährig großartige Zutaten in Großbritannien, warum sie nicht auch verwenden«, so Matt Whiley, Geschäftsführer des Scout in London wie Sydney, den man international auch als »Talented Mr. Fox« nennt – kann man sich nun denken, weshalb. Und falls nicht, so probiere man einen seiner zwei Drinks aus dem Startmenü beispielsweise aus Heu-Wermut mit gebrannter Roter Bete, Rettich, Apfel und Kräuteröl zum einen und Erdbeerwein, Gin, Zitronenmelisse sowie Molke zum anderen. Selbstverständlich selbst geerntet.

Bartipps Das »Bruder« mit Sammler Barchef Hubert Peter. Zu empfehlen dort: der Drink »Rüttel am Watschenbaum« mit geraspelten Tannenzapfen, Weißtannenlikör und Roter Rübe. 1060 Wien. Zillertaler Englhof, wo Andreas Hotter nicht nur sammelt, sondern auch anbaut.


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  H inte r der B ar

Trinkhalme aus Glas oder Metall oder Stroh sind nicht nur ökologischer, sondern auch einfach schöner als die aus Kunststoff.

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Für Spirituosen brennen: in der eigenen Bar Sind die regionalen und saisonalen Zutaten erst einmal in der Tresenküche angekommen, steht der kreativen Tüftelei nichts mehr im Weg. »Zuckersirup, zum Beispiel, habe ich seit Jahren nicht mehr gekauft; und eigentlich kenne ich das auch von befreundeten GastronomInnen nicht anders«, so Lutz Rau, Geschäftsführer der Berliner Booze Bar und der frisch eröffneten Bistro Bar in Kreuzberg. »Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß und rentiert sich weder in Preis noch Qualität.« Oder nehmen wir den Gewinnerdrink der letztjährigen Ausschreibung von Linie Aquavit. Da hat Peggy Knuth – zu dieser Zeit noch Barchefin in der Schöneberger Salut! Bar, mittlerweile aber im Curtain Club des Ritz Hotels – mit nichts Geringerem gewonnen als einer Mixtur ihres selbst gemachten Lemon Cordial (Zitronenschale, Wasser, Zucker und Zitronensäure), des ebenso selbst kreierten Pandan-Extrakts (zerhackte getrocknete Pandan-Blätter und Neu­ tralalkohol) sowie dem obligatorischen Teil Linie Aquavit. Man kann nicht bloß – im Gegensatz zum Supermarktregal – selbst entscheiden, was der Gast am Ende im Glas hat, auch das Storytelling funktioniert besser. »Die Robinienblüten haben wir am Tempelhofer Feld gesammelt und dann kiloweise in den Rotationsverdampfer geworfen …« – »In den Roto-was?« Und schon sind das Gespräch und der Erkenntnisgewinn gesichert. Dieser Verdampfer ist übrigens ein Laborgerät, mit dem sich Substanzen destillieren lassen, ohne dass eine Destillieranlage notwendig ist – dafür haben nämlich die wenigsten Bars Platz. Oder man spielt eben im Team der World’s 50 Best Bars, wie beispielsweise das Osloer Himkok, das in der zentralen und für alle BesucherInnen gut sichtbaren Destillieranlage seinen eigenen Aquavit brennt.

Aus Glas und Metall lassen Sie sich auch reinigen und mehrfach verwenden. Dass oft Reinigungsbürsten mitgeliefert werden, bedeutet übrigens nicht, dass die Trinkhalme nicht üblicherweise auch in die Geschirrspülmaschine sauber werden. Die im Hintergrund abgebildeten Halme wurden in Deutschland produziert und sind über halm.co erhältlich.

Man kann nicht leugnen, dass Utensilien dieser Art noch mal einen eigenen Showeffekt beim Barbesuch hervorrufen. Und: Sehr viel lokaler und selbst gemachter geht’s nicht.

Und das ist erst der Anfang Und weil selbst produzierende GastronomInnen ihre PappenheimerInnen praktischerweise gut kennen, wissen sie recht gut, was konsumiert wird und in welchen Margen produziert werden muss. Apropos Zahlen: Der Umsatz deutscher Bars hat sich zwischen 2009 und 2017 um rund 16 Milliarden Euro vergrößert. Zuletzt stand die deutsche Bar-Gastronomie bei 56 Milliarden Euro pro Jahr. Da fallen neue Konzepte durchaus ins Gewicht. Der Gedanke an saisonale, lokale und eigens hergestellte Spirituosen führt in vielen Fällen unweigerlich zu einer weiteren nachhaltigen Konsequenz: »Zero Waste«. Kein Abfall, das bringt mit sich, dass so wenig wie möglich weggeworfen wird und »Reste« in Form von Bar-Snacks verwertet werden, wie zum Beispiel im Berliner Isla Coffee, wo aus den Resten des Milchschaums für den Cappuccino mithilfe von Zitronensäure der Fettanteil von der Molke getrennt wird. Die Molke kommt in die nächste Suppe, der Fettanteil in den Käsekuchen.


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72 Diese Form der Gastronomie führt auch dazu, dass auf Ökonomie im Arbeitsalltag Wert gelegt wird. Etwa mit dem Konzept des sogenannten Milk Punching, bei dem mithilfe von Milch säurehaltige Cocktails – also im Grunde alle – geklärt und haltbar g emacht werden. Von sich reden machte in diesem Kontext die Berliner Stairs Bar; allerdings hat sich jüngst und erstmalig ein Netzwerk aus GastronomInnen gegründet, das sich genau dieser Fragen annimmt. Die aus Berliner-

Innen bestehende Gründercrew »The Blessed Ones« geht zunächst auf eine deutschlandweite, dann auch auf die Schweiz und Österreich ausgedehnte Mitgliedersuche: BartenderInnen sollen einander unterstützen, einer nachhaltigeren Gastronomie auf die Sprünge zu helfen. Und da kann »saisonal«, »regional« und »selbst gemacht« erst der Anfang sein; Plastikstrohhalme stehen längst auf der Abschussliste und Gendergleichheit kommt als Nächstes. Wir dürfen gespannt sein.

Diy-Wildkräutersirup Ein Grundrezept aus Gerda Holzmanns Buch »Gesunde Wildkräuter aus meinem Garten«. rezept für 5 Liter Zubereitungszeit (inkl. Kräutersammeln): 1,5 Stunden Ruhezeit: 2–3 Tage • 4 Handvoll frischer Wildkräuter (nach Belieben) • 4 l Wasser • 2 kg Zucker • 1/4 l Apfelessig oder Kräuteressig ohne Zitronensäure

»Gesunde Wilkräuter aus meinem Garten – erkennen, vermehren, nutzen« von Gerda Holzmann, erschienen 2018 im Löwenzahn Verlag.

Saubere Wildkräuter an einem trockenen Tag sammeln, durch Schütteln von Insekten befreien und in einen ausgekochten Kübel oder ein ähnliches Gefäß geben (ca. 10 l Fassungsvermögen). Mit 4 l kaltem Wasser übergießen, mit einem Tuch zudecken und 2–3 Tage bei Zimmertemperatur stehen lassen. Danach in einen großen Topf abseihen und mit dem Zucker kurz erwärmen, bis sich die Kristalle aufgelöst haben. Den Essig zugeben und abschmecken. Je nach Belieben kann noch mehr Zucker oder Essig hinzugefügt werden. Den Sirup heiß in ausgekochte Flaschen füllen und verschließen. Vor Licht geschützt im Keller lagern. Gemeinsam mit stillem oder sprudelndem Wasser ergibt der Sirup ein fantastisches Erfrischungsgetränk!

Bild  LRupe rt Pessl Photo graphy

Zubereitung:


Nachhaltigkeit, nachvollziehbar heißt:

Geschmacksvielfalt hat einen guten Grund.

Regional, saisonal und vollreif geerntet, überzeugen unsere Tomatenund Paprikararitäten nicht nur mit ihrem Geschmack, sondern auch mit ihrer einzigartigen Reinheit. Dafür sorgen eine ausgeklügelte Fruchtfolge, humusfördernde Kreislaufwirtschaft, Pestizidfreiheit sowie weitere strenge Richtlinien zur Gesunderhaltung der Böden. Damit entsprechen Tomate & Co sogar dem hohen „Naturrein auf Babyfood-Standard“ und machen den Genuss zum reinsten Vergnügen. Technische und optische Änderungen sowie Satz- und Druckfehler vorbehalten.

Samenfeste Tomatenund Paprikararitäten aus fruchtbaren Böden. „Naturrein auf Babyfood-Standard“

KREISLAUF DES LEBENS Der Beweis für echte Nachhaltigkeit. zurueckzumursprung.at


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Es geht um die Wurst Der Herbst steht vor der Tür, und jedes Jahr stellt sich die gleiche Frage: Was packen wir in den Rucksack, um den Aufstieg zur Hütte oder sogar zum Gipfel zu überleben?

Text und bild Jürgen Schmücking

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as bekommt das Kind in die Schultüte, ins Jausensackerl, ins Landschulwochengepäck? Ein paar Äpfel und das Butterbrot sind gesetzt, für alles andere wurden die Boxeln erfunden. Und die Landjäger, Salamisnacks, Cabanossis und deren Wurstbrüder. Wurstschwestern. Es heißt ja »die Wurst«. Jedenfalls haben wir uns in den Biosortimenten der heimischen (und nachbarländischen) Hersteller umgesehen. Hier 6 Beispiele. Und die eine oder andere Empfehlung.

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B IO vom BERG: Bio-Zwergerl – Rohwurst geräuchert

Das fängt gut an. Hinten auf dem Etikett steht gleich als erster Satz: »In 100 g Bio-Zwergerl sind 136 g Rind- und Schweinefleisch enthalten.« Ein Schenkelklopfer? Mitnichten. Die Zwergerl werden ja getrocknet und verlieren dadurch Feuchtigkeit. Und Gewicht. Geräuchert wird übrigens über Buche und gereift an der rauen Bergluft Tirols. Würzig und gut.


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Heirler: Vegane Brotzeit nach Landjäger Art

Hm. Wo anfangen? Zuerst eine kurze Beschreibung dessen, was es ist. Eine in Quaderform gepresste Substanz aus Weizeneiweiß, Kokosfett, Lupinenmehl und allerlei geschmackgebenden Zutaten. Es sieht aus wie eine zu lang geratene Mignon-Schnitte und schmeckt – nein, lassen wir das.

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ADAMAH BioHof Fest

ERDE. MENSCH. LEBEN.

J a! Natürlich: Bio-Cabanossi vom Freilandschwein

Gut, dass das so draufsteht. Darunter ist nämlich zu lesen: »Von Waldviertler Bio-Bauern aus ganzjähriger Freilandhaltung«, und das könnte leicht missverständlich sein. Jedenfalls sind die Bio-Cabanossi eines jener Produkte, bei denen das vermeintliche Original alt aussieht. Fester Biss, würzig, leicht pfeffrig, molliger Körper. Bleibt auch eine Zeitlang am Gaumen haften. Gut so.

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Juffinger: Bio-Lammboxeln

Mit den Boxeln ist das so eine Sache. Woher der Name kommt, weiß niemand so genau. Im österreichischen Lebensmittelcodex stehen sie als »Boxerl« im Kapitel B.4.5.1.2. Unter »Rohwürste ohne Belag«, Sorte 2. Die Juffinger-Boxeln schmecken gut, sind aber mild. Ein bissl mehr »Lamm« könnten sie schon vertragen. Aber das ist eine sehr persönliche Ansicht. Wahrscheinlich sind das die besten Lammboxeln, die das Lamm/das Land zu bieten hat.

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B ioSing: Biosalami

BioSing ist das Gourmet-Salamiprojekt des Slowenen David Lesar. Unter der Marke wurden verschiedene Trockenwürste entwickelt. Neben der Biosalami gibt es auch Biozaseka (Verhackerts), bei manchen Salamis experimentiert David Lesar auch mit Hirschen, Eseln und Bären. Wildfang klarerweise. Die Biosalami ist aber aus Schwein und Rind. Und sie ist großartig.

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 alamitrocknerei Saller: S Salamizwutschgerl

Der letzte Snack kommt von einem Biobetrieb im Mühlviertel, der – urlaubsbedingt – keine Salami schicken konnte. Also bitte den Tipp Nummer 6 einfach vorstellen. Am besten die Nummer 1, die Zwergerl, in Gedanken mit weißem Edelschimmel überziehen, und – voilà – da haben wir ein Salamizwutschgerl. Es lebt von diesem Edelschimmel, er gibt ihm Charakter und Substanz.

Das ADAMAH BioHof Fest ... am 31. August & 01. September steht ganz im Zeichen einer lebenswerten & enkeltauglichen Zukunft. Wir laden dich ein Bio hautnah zu erleben und ökologische Alternativen zu entdecken. Alle Infos auf adamah.at/biohoffest


Biorama Nº. ##

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g e S u C h t:

Bioprodukt des Jahres

ProduzentInnen, Verbände und VermarkterInnen werden eingeladen, ihr Produkt des Jahres zu nominieren. Eine unabhängige Jury entscheidet über das „Bioprodukt des Jahres“, welches im nnst du das Logo zum Bio-Produkt des Jahres so ergänzen, dass statt bio ÖSTERREICH für 2019 bio ÖSTERREICH Messe Wieselburg drauf steht? K at e g o r i e n Rahmen der Bio Österreich am 17. November 2019 in Wieselburg vorgestellt und prämiert wird.

Farm & Craft Handwerkliches, Bäuerliches

retail & Big Brands starke Marke Beverages Getränke und Drinks Sonderkategorie: niederösterreich Handwerkliches und Bäuerliches aus Niederösterreich Sonderkategorie: oberösterreich Handwerkliches und Bäuerliches aus Oberösterreich Sonderkategorie: garten Alles für den Biogarten Kriterien Innovation Nachhaltigkeit Packaging & Design NomNom (Genuss- und Spaßfaktor)

Einreichschluss: 13. September 2019 Alle weiteren Infos unter www.biorama.eu/ bioprodukt-des-jahres


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Auf natürlichem Grund 10 µ Foundation und getönte Tagescreme aus der Naturkosmetik. Text Sarah Wetzlmayr Irina Zelewitz

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tellt man die Anwendungsansprüche, die üblicherweise an konventionelle Foundations gestellt werden, an naturkosmetische Foundations, können die folgenden 10 zertifizierten Naturkosmetikprodukte sie fast alle erfüllen. Ein zufriedenstellender Lichtschutzfaktor ist allerdings kaum dabei, den sollte man daher im Bedarfsfall nicht vergessen, zusätzlich aufzutragen.

Die BB Cream von Annemarie Börlind hat eher leichte Deckkraft, duftet fein nach Kräutern, pflegt leicht und kann im Sommer so für manche die Tagescreme ersetzen. Wer eine reichhaltiger und stärker abdeckende Variante sucht, greift zum FeuchtigkeitsMake-up.  börlind.com

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Bild Michael Mickl

Die Dr. Hauschka Foundation hält, was sie verspricht: mittlere Deckkraft, guten Halt und sie fühlt sich angenehm auf der Haut es außerdem praktisch: In der gebotene Farbpalette finden sich auch solche für gelb-grünen Hautunterton. Das Tönungsfluid lässt sich nicht nur mit der Tagespflege mischen, sie verträgt sich auch mit quasi jeder Foundation. Winter- Frühlings- und Sommerfarbton können gemixt werden – das spart Platz im Badezimmer.  hauschka.de

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Die Floral Liquid Foundation von Zuii ist eine leichte Foundation mit mittlerer Deckkraft. Das cremige, reichhaltige Gefühl beim Auftragen bestätigt sich beim Blick auf die Inhaltsstoffe: Ringelblume, Aloe vera, Mandel- und Calendulaöl pflegen die Haut.   zuii-kosmetik.de

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Die lieth Foundation von und hat eine so flüssige Textur, dass man sie in Sekunden verteilt hat. Trotzdem hält sie den ganzen Tag. Das und die Verfügbarkeit in den relativ dunklen Farbtönen »04 Summer« und »05 Mocha« machen sie zur idealen Begleitung durch den Sommer.  undgretel.com

Der Tinted Moisturiser von Ringana deckt nur leicht ab und pflegt intensiv, ohne sich schwer anzufühlen. Lässt sich auch gut mit Foundation mischen.  ringana.com

Beim Auftragen zwar noch etwas klebrig, zieht die getönte Feuchtigkeitscreme von Lavera angenehm in die Haut ein und deckt kleine Rötungen gut ab. Wer sich etwas mehr Deckkraft wünscht, wird allerdings mit einem Concealer nachhelfen müssen. Das Illuminating Effect Fluid kommt ohne Deckkraft aus – es hilft beim Strahlen und kann statt Foundation oder darunter aufgetragen werden.  lavera.de

Weledas Beauty Balm kommt mit zwei Nuancen aus und passt trotzdem vielen – obwohl sie besser abdeckt, als man es von getönter Tagescreme erwarten müsste. Vor allem bei Mischhaut empfehlenswert, lässt sich allerdings nicht immer gut mit Feuchtigkeitspflege oder Foundation mischen.  weleda.ch

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KONTROLLIERT

CONTROLLED

Tauchen Sie ein in die der und des erlesenen

Welt D체fte . s k c a m h Gesc

Betriebsf체hrungen Von 1. April bis 31. Oktober Mittwoch bis Sonntag & Feiertags 10:30 & 14:00 Uhr

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 Au s d e m Ver l ag

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UnD sonst so, im bioramaUniversum ...

Kooperation

Re:Post – Das Uniformrecycling-Projekt der Österreichischen Post Ein Upcycling-Projekt der Post in Kooperation mit dem poolbar-Festival und BIORAMA.

Vier gewinnt Die vierte BIORAMA-NiederösterreichRegionalausgabe Im Oktober erscheint bereits zum vierten Mal die Regionalausgabe von biorama für Niederösterreich. Für all unsere LeserInnen, die mit der Geografie Österreichs nicht vertraut sind, weil sie zum Beispiel in Deutschland zuhause sind: Das Bundesland umgibt die österreichische Bundeshauptstadt Wien, enthält Berge, Seen, die eine oder andere Barockstadt, recht viel Gegend und knapp 1,7 Millionen EinwohnerInnen. Natürlich tut sich hier einiges, das aus biorama-Perspektive berichtenswert ist. Wir berichten.

Bilder  Chri st oph ada me k, Fai r frie nds /anja cord

Print

Die Österreichische Post AG hat ihre MitarbeiterInnen mit neuen Uniformen ausgestattet. Gleichzeitig werden die ausgemusterten Kleidungsstücke wieder eingesammelt. Damit diese Textilien nicht bloß entsorgt werden, entstehen im Rahmen des Projekts Re:Post kreative Upund Recycling-Konzepte. Es wird nach gestalterischen Optionen geforscht, wie die alten Kleidungsstücke durch eine sinnvolle Weiterverwendung nutzbar gemacht werden können.

 Ziel von Re:Post ist es, Designs für Kleidung, Modeaccessoires oder Gebrauchsgegenstände entstehen zu lassen. In dem interdisziplinären Gestaltungslabor, das im Rahmen des poolbar-Festivals ausgerichtet wird, geht es darum, die Kleidung in Kombination mit anderen Materialien weiterzuverwenden und völlig neue Produkte zu entwickeln, die in Serie produziert und verkauft werden können. Im Vordergrund steht das gemeinsame und interdisziplinäre Arbeiten. poolbar.at/generator


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BIORAMA im Abo Jährlich sechs Ausgaben von BIORAMA direkt in deinen Briefkasten!

Auch wenn biorama ein Gratismagazin ist, kannst du es abonnieren. Für 25 EUR im Jahr bist du dabei und unterstützt unsere unabhängige redaktionelle Arbeit. biorama.eu/abo

25,–

Kooperation

Fair Friends

5. BIS 8. September 2019

Wir freuen uns, wieder offizieller Medienpartner der Messe Fair Friends zu sein. Deutschlands größte Nachhaltigkeitsmesse findet von 5. bis 8. September 2019 in der Messe Dortmund (Westfalenhalle) statt. Und: Wir verlosen auf biorama.eu 10 µ 2 Tickets. Stay alert!

Event

FAIR FAIR 2019 Frühsommer ist die Zeit für den BIORAMA-Markt für nachhaltige Ideen Schon seit 2012 veranstalten wir in Wien unseren alljährlichen Markt für Bio Street Food, Eco Fashion und Sustainable Design. In diesem Jahr waren wir Ende Juni im ehemaligen Sophienspital in Wiens siebtem Bezirk zu Gast. Schön war’s, auch wenn’s zwischendurch arg geregnet hat. Wir bedanken uns bei allen BesucherInnen. Bis zum nächsten Mal! fairfair.at


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Die Millisekunde Was, wenn jemand stirbt? Das hätte ich mir auch nicht gedacht, dass die Antwort auf diese Frage sich so gravierend ändern kann.

Autorin Ursel Nendzig, Mutter zweier Söhne, berichtet live aus der Achterbahn.

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s gibt eine lange, scheinbar sogar endlose Liste der Dinge, die sich ändern, sobald man ein Kind bekommt. Erst vor ein paar Tagen habe ich darüber mit meiner Freundin M. gesprochen, die gerade zum ersten Mal schwanger ist. Man muss da ja immer lichkeit und der frischen, naiven der ein bisschen aufpassen, was man sagt, eine gute BaKinder. Wurde es für mich zum fiesen lance finden zwischen Ehrlichkeit (Einlauf, DammEndlichkeits-Reminder, eine tote Maus riss, wunde Brustwarzen etc.) und trotzdem keine zu sehen (ich berichtete an dieser Stelle Angst machen (Einlauf, der am Gang wieder ausbereits davon), war es für die Söhne pure läuft, Dammriss, der nach Jahren noch spürbar ist, Faszination. Wurde der Besuch des GraBrustwarzen, die nicht nur wund sind, sondern blubes meiner Schwiegermutter für mich zur ten, Nachtwache, die sich wie Folter anfühlt, etc.). reinsten Emo-Achterbahnfahrt, war den Jedenfalls ging es bei unserem Gespräch nicht nur Söhnen dort vor allem: fad. Sie sprangen um diese körperlichen Veränderungen, sondern herum und rechneten aus, wie alt die Menum die echten, die, die wirklich alles auf den Kopf schen geworden sind, die da unter der Erde stellen, die vielen Gefühle, die da plötzlich sind liegen, Wettbewerb inklusive: Wer findet den und die man nicht mehr wegbekommt. jüngsten, wer den ältesten. Und mein Herz: Ganz vorne mit dabei: Verlustangst. Es ist schwer wie Blei. so was von unglaublich, dass etwas, ohne das man jahrelang ganz wunderbar gelebt hat (das Baby), sich plötzlich, und zwar von null auf drei»Wurde es für mich zum fiesen tausend, ganz vorne reinschiebt Endlichkeits-Reminder, eine tote in die Wichtigkeits-Skala. Dass in der gleichen Millisekunde, in Maus zu sehen, war es für die der das Muttergefühl, die ganze Söhne pure Faszination.« Liebe, das ganze Oooooh einschießt, auch diese schrecklichste aller Ängste auftaucht: Spannenderweise beobachte ich zurzeit, wie sich es wieder verlieren zu können. Dass sich der Umgang mit dem Tod bei den Söhnen unterscheiplötzlich der potenzielle Verlust dieses det. Der eine, sechs Jahre alt, nach wie vor sehr locker bis vor zwei Millisekunden noch unbemit tot oder nicht tot. Der andere, neun, jetzt schon kannten Wesens schlimmer anfühlt, als ehrfürchtiger. Vor Kurzem blieben sie zum ersten Mal selber zu sterben. Und dass sich das bis für mehrere Tage bei ihrer Oma, und dort, beim Einans Lebensende, also das eigene, nicht schlafen, kamen dem großen Sohn die großen Gedanmehr ändern wird. ken: Was, wenn jemand stirbt? (Pragmatische Antwort Die Kinder selber wiederum hader Oma: Ach, es stirbt doch ständig und überall jemand.) ben dafür einen superentspannten Ich denke mir: Was, wenn ich heute sterben würde? Ich Umgang mit diesem Thema, Kon­ hätte vor allem Angst davor: dass meine Söhne dann trautrastprogramm. Und wie auch noch! rig wären. Das gehört wohl zu der Kategorie, von der ich Zwischen meiner eigenen, müttermeiner Freundin M. nicht erzähle. lichen, neuen Sicht auf die End-

illustrat ion Nana Mandl

Text Ursel Nendzig


Der Zagler Müslibär. Da gibt’s ordentlich was auf den Löffel. Lassen Sie es so richtig krachen – die aufregend knusprigen österreichischen Bio-Müslivariationen vom Zagler Müslibären schmecken immer und überall!

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BIORAMA #62  

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