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Nüchterne Zahlen und aufmunternde Worte

11.04.2014

Frauen sind in Chefetagen unterrepräsentiert. Ob das an der fehlenden Vereinbarkeit, falschen Zweifeln oder fehlendem Willen liegt, wurde einmal mehr hitzig diskutiert.

Wien. „Ausländische Investoren werden flüchten oder gar nicht erst kommen. Der Börse droht der Absturz. Das Land wird ruiniert. Und das alles nur wegen der Frauen. Ich habe nie solche Untergangsszenarien gehört wie damals", sagt Marit Hoel. Sie leitet das Center for Corporate Diversity in Oslo und erforscht die Auswirkungen der Frauenquote. Eine begehrte Vortragende ist sie auch, schließlich gilt Norwegen als das Vorzeigeland schlechthin, was die Frauenquote betrifft. Am Mittwoch war sie Gast beim Ökosozialen Forum. Eigentlich ist zum Thema Frauenquote schon alles gesagt. Doch der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal bewies einmal mehr: Es gibt noch Diskussionsbedarf. Christina Wieser, Mitautorin des „Frauen Management Report 2014", blickt jedenfalls neidisch in den hohen Norden. „An diese Erfolgsgeschichte kann Österreich nicht anknüpfen. Bei uns ist es eher ein Schauermärchen." Seit zehn Jahren untersucht sie das Thema. „Seit zehn Jahren werden wir mit einer Männerquote von fast 90 Prozent konfrontiert." Der Blick auf die Zahlen zeigt: In den Top-200-Unternehmen sind 5,6 Prozent Frauen in der Geschäftsführung (2005: 2,9 Prozent); in den Aufsichtsräten 13,9 Prozent (2005: 7,6 Prozent). Wiesers Fazit: „Es geht nur mit einer gesetzlichen Regelung und Sanktionen bei Nichteinhaltung."

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Falsche Themen Von einer Quote hält Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Vorstandsvorsitzende der Austrian Power Grid, nichts. Sie will keine Quotenfrau sein und warnt davor, sich durch die falschen Themen abhalten zu lassen. „Ich glaube nicht, dass Männer nur Männer holen und die Frauen weghalten." Eines dieser „falschen" Themen ist die schlechte Vereinbarkeit von Kind und Karriere. „Die Kinderbetreuung ist notwendig für die Frau an der Supermarktkasse. Die Frauen im mittleren Management richten es sich sowieso", sagt Wirtschaftscoach Elfriede Bauer-Jelinek. Sie hält auch den ständigen Geschlechterfokus „Frauen müssen andere Frauen nachziehen" für nicht sinnvoll. „Frauen müssen es wollen. Aber Frauen überlegen immer erst und machen es dann vielleicht. Und sie belegen immer erst einen Kurs, bevor sie Karriere machen." Ein langer Weg Auch Klaudia Tanner, Direktorin des Niederösterreichischen Bauernbundes, sagt: „Wenn man oben angekommen ist, hat man einen langen Weg hinter sich - als Frau und als Mann. Da gehört viel Verzicht dazu. Am Ende bleibt eine Frage: Willst du dein Leben so gestalten?" Laut Marit Hoel kommt es viel darauf an, wie die Frauen gefragt werden. Ihr gehört auch das Schlusswort an diesem Abend: In zehn Jahren, so Hoel, wird Österreichs Frauenanteil bei zehn bis 14 Prozent liegen. „Unless you have a Revolution." von Kathrin Gulnerits Quelle: wirtschaftsblatt.at

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