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Melanie Schreer mit Illustrationen von Anemone Kloos

Willkommen in

l! u a P , Leipzig Geschichten fĂźr kleine Stadt-Entdecker

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen, Verfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung auf DVDs, CD-ROMs, CDs, Videos, in weiteren elektronischen Systemen sowie für Internet-Plattformen. © edition q im be.bra verlag GmbH Berlin-Brandenburg, 2017 KulturBrauerei Haus 2 Schönhauser Allee 37, 10435 Berlin post@bebraverlag.de Lektorat: Matthias Zimmermann, Berlin Umschlag: typegerecht, Berlin (Titelbild: © Anemone Kloos) Satz: typegerecht, Berlin Schriften: PT Sans, PT Serif, Caveat Brush Druck und Bindung: Finidr, Český Těšín ISBN 978-3-86124-706-7 www.bebraverlag.de

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In󰈊alt 7

Willkommen in Leipzig, Paul!

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Kugelwitze in Connewitz

45 59

Zapfenstreit in Plagwitz

Der alte Mann und sein Leipzig

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Herr Pinselflitzer und der Clara-Zetkin-Park

Safias Trick im Waldstraßenviertel

Was gibt es noch in Leipzig und Umgebung?

101 Leipziger Umland 103 Auswahl weiterer Veranstaltungen 105 Register

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Willkommen in Leip󰉜ig, P󰈀ul! Obwohl Paul seinen Namen ganz gerne mag, ärgert ihn ein bisschen, dass ihn so viele andere Jungs auch haben und dass er »der Kleine« bedeutet. Manchmal nennt ihn Mama Paulchen. Das kann er gar nicht leiden, schließlich klingt es noch viel kleiner als Paul. Paul wäre gern auch schon etwas älter und eben größer, denn unglücklicherweise ist er wirklich ganz schön klein für sein Alter. Dabei hat er gerade einen ziemlich großen Schritt gemacht: Er und seine Eltern sind in die Stadt Leipzig umgezogen.

Das heutige St adtgebiet von Leipzig wurde im Mittelalter von Slawen be sie delt, die ih m den Na men Lipsk (Ort, an de m Linden wachsen) gabe n. Später wurd e da raus Lipzik, da nn Le ipczigk und 15 07 sc hließlich Leipzig. Die St adt lag fr üher an de r Kreuzung wichtiger Ha nd elswege, weit ge re ist e Hä ndler tauschten hier ih re Waren. Di es e M är kte na nnte man au ch Messen. He ut e we rd en auf der Leipziger M esse allerlei Pr od uk te au s vielen Lä nder n in Hallen vorg estellt.

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Mama hat hier eine neue Arbeitsstelle angenommen. Sie ist Wissenschaftlerin und erforscht wichtige Dinge. So viel zumindest weiß Paul. Auch Pauls Papa ist Wissenschaftler. Mama nennt ihn manchmal ihren »zerstreuten Professor«, weil er immer irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs ist. Seit kurzer Zeit wohnt Paul also in Leipzig, in einer belebten Straße in der Südvorstadt. Sie heißt Karl-Liebknecht-Straße. »Paulchen, die Karli, wie sie die Leipziger nennen, wird dir gefallen. Da ist was los«, schwärmte Mama. »Dort gibt es jede Menge bunte Lädchen, kleine Restaurants und Cafés. Und durch die Karli fährt die Straßenbahn!«

Durch die Südv orstadt zieht sic h die Ka rl-Liebknec ht-Straße vom sü dl ichen Stadtzentr um nach Süden. Di e Sü dv orstadt liegt rund zwei Kilometer vom M ar kt platz entfernt. Et wa nach dem Ja hr 60 0 ga b es hier die altsorbische Siedlung Lusit z (von »luza« = Pf ütze, Sumpf , bz w. von »lug« = Wiesenland, Aue). Heute wo hnen vor allem vi ele junge Leute in der Sü dvorstadt.

echt w urde Karl Liebkn g geboren. zi 1871 in Leip utender de Er war ein be tzte se d Politiker un n de sich für Fr ie igkeit und G erecht ein.

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Die Straßenbahn vorm Haus ist wichtig. Jedenfalls ist das bei Pauls Familie so. Schon immer fuhr sie direkt vor ihrem Fenster vorbei. Und Mama meinte: »Unser vertrautes Bahn-Geräusch packen wir einfach ein und nehmen es mit.« So einfach war das. Zumindest für Mama.

Die erste St raßenbahn fu hr 1872 du Leipzig. Dam rch als hieß sie LPE: Leipzi Eisenbah n. ger PferdeHeute hat Le ipzig das zw St raßenba hn eitg rößte netz Deutsch la nds. Unter werden die halten St raßenba hn en und Bus Leipziger V se von den erkehrsbet ri eben (LV B) alten Tatra. Von den Bah nen – w ie hier im Bild nur noch w – fa hren enige durch die Stadt. Si nach und na e werden ch durch m oder ne Mod elle ersetzt.

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Paul beobachtet vom Fenster aus gerne die Menschen auf der Straße: Wie sie geschäftig hin und her laufen. Oder an der Haltestelle stehen und dann zusammen in den Wagen verschwinden. Er hat jede Menge Phantasie und malt sich aus, wie er den winzigen Leuten groß wie ein Riese begegnet. Wenn er am Abend in seinem Bett liegt, ist ihm noch immer ein bisschen mulmig zumute. Er stellt sich sein altes Zimmer vor und das Viertel in der anderen Stadt, das er wie seine Westentasche kennt. Am meisten denkt er natürlich an seine Freunde dort. Sie vermisst er sehr. Aber er möchte Leipzig gerne kennenlernen. Paul freut sich darauf, die neue Stadt zu entdecken, und ist gespannt auf die vielen Abenteuer, die er hier erleben wird.

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Herr 󰈪insel󰇿lit󰉜er und der Cl󰈀ra-Zetkin-Park »Brrr, brrrr«, krächzt etwas früh am Morgen direkt neben Pauls Kopf und reißt ihn unsanft aus seinen Träumen. »Ach, du bist es schon wieder.« Paul schaut auf seinen Wecker. Der steckt in einem Eichhörnchen, das wie verrückt mit den Augen rollt, wenn es klingelt. Sei still, denkt Paul und versucht, sich die Decke in die Ohren zu stopfen. Geht nicht. Aber warte mal. Heute war doch was. Ach ja! Heute will er mit Mama den Clara-Zetkin-Park erkunden und vor allem auf den großen Spielplatz dort. Es soll einer der größten und schönsten Leipzigs sein. Paul springt aus den Federn und zieht sich an, so schnell er kann.

Clara Josephine Zetki n lebte von 1872 bis 1882 in Leipzig. Sie set zte sich für die Rechte der Frauen und für den Frieden ein. Der nach ihr benannte Park befi ndet sich etwa zwei Kilometer westlich vom Stadtzent rum. Frü her vereinte er mehrere Par ks in einem. 2011 erhielten einige ihre urs prünglichen Na men zur ück. Direkt neben dem »Clara-Pa rk« lieg t jetzt beispielsweise wie der der Johannapa rk.

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Ein herrlicher Tag ist das. Die Sonne kitzelt die beiden in der Nase, als sie vor die Haustür treten und zur Straßenbahn laufen. An der Haltestelle »Münzgasse, LVZ« steigen sie aus. Vom Peterssteinweg geht es bis zur Harkort straße, dann können sie auch schon das mächtige Bundesverwaltungsgericht sehen.

1 tungsgericht al rw ve es nd Bu Das n»R ings« (der In ne liegt südlich des m ru nt tze ad s St stadt ring, der da gehört Simsonplatz. Es am t) ieß hl sc um n sten Gerichtshöfe zu den fünf ober t Wen n jemand mi in Deutschland. en ab rg Vo en in me bestimmten allge he , z. B. mit der Hö ist en ed fri zu t nich es hier ngeldes, ka nn er des Kinderga rte el des oben auf der Kupp vortragen. Ga nz fünf t ma n eine über Gebäudes erkenn r der zefigur – die »Figu Meter hohe Bron Wah rheit«.

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Ein paar Schritte weiter kommen sie an der Bibliotheca Albertina vorbei. »Schau, dort rüber müssen wir«, sagt Mama und zeigt über den Kreisverkehr, als sie am Ende der Beethovenstraße angekommen sind. Paul kann die Bäume im Wind schaukeln sehen. Er guckt ganz genau, ob er zwischen ihnen schon etwas erkennt, das nach einem Spielplatz aussieht. Irgendwas glitzert doch dort. »Schnell, Mama!«

t der Sitz einweg 19 is Der Petersst (LV Z), ng r Volk szeitu der Leipzige ng. Die tu ler Tageszei Leipzigs loka 1. Oktober am be erschien ga us A e st er s K indergel« heißt da 1894. »Schlin LV Z . r magazin de und Fa milien

Die Bibliothec a A lber tina 2 zä hlt zu den ältesten Bibliotheken Deutschla nd es gibt sie seit s, 15 43. Die erst en Bücher stam mten au s verschiedene n Klöstern. Heute gehört sie zur Univer si tät Leipzig. Im Eltern-K in d-Raum könn en Kinder spielen, wäh re nd die Eltern lesen.

Die Beethovenstraße, benannt nach dem Komponisten Ludwig van Beethoven (1770 –1827), ist eine Straße im sogenannten Musikviertel. Der Name erinnert an ein Konzerthaus und ein Musikkonservatorium (eine Musikschule), die hier einmal standen. Heute befi ndet sich in der Grassistraße 8 die Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig.

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Im Park angekommen, stehen sie vor einem riesigen Wasserbecken, in dem die Fontäne eines Springbrunnens tanzt. Die vielen Wassertropfen funkeln in der Sonne. Klasse sieht das aus, denkt Paul. Den Spielplatz kann er allerdings noch nicht entdecken. Weiter geht’s auf einem breiten Weg, der um das Becken verläuft. Sie kommen an einem runden Bau mit einer Kuppel vorbei, dem Musikpavillon. Etwas später stehen sie vor einer Brücke, auf der sich jede Menge Leute tummeln oder gemütlich in der Sonne sitzen. »Na, hier ist ja was los!«, sagt Mama verblüfft.

Die asphaltierte Anton-Bruck nerAllee ist eine angesagte Strecke für Inlineskater und Skateboa rder.

3 ingbrunnen in der Spr die n rde we g pzi In Lei haltet und Anfang Regel ab Oster n angesc haltet. Die Brunnen Ok tober wieder abgesc n als Erste in Bet rieb der Innenstadt werde zte wieder abgestellt, genom men und als Let d so »springen« kön nen un damit sie am längsten schönern. das Innenstadtbild ver 4 schon Der Musikpav illon ist noch heute über 100 Jah re alt und eren Art. ond ein Treffpun kt der bes g kleine äßi elm Im Pav illon finden reg gibt es um her ihn Konzerte statt. Um n. rte einen großen Bierga

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»Ja, und es gibt Eis!«, ruft Paul. »Bekomme ich eins, bitte?« »Siehst du die lange Warteschlange?«, seufzt Mama. »Bitte, Mama, bitteeee!« »Na schön.« »Danke«, freut sich Paul. »Ich warte hier«, ruft er und stellt sich in den Schatten eines Baums.

5 Die Sachsenbr ücke ist einer der beliebtesten Plä tze der Leipziger. Studenten, Fa milie n, Musiker sitzen entspan nt zusam me n, trinken Kaffee und essen Eis . Radfa hrer und Inlineskater komm en vorbei, hier und da sieht ma n ein en Angler.

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»Aber schön hierbleiben, nicht vor- oder zurückbewegen«, sagt Mama. »Ich bin gleich wieder da.« Paul lehnt sich an den Baumstamm und blickt gedankenversunken auf den Fluss. Da kriecht ihm plötzlich etwas in sein linkes Hosenbein. »Hey!« Mit einem Satz springt Paul zur Seite und schüttelt sich. »Was ist das denn?« Aus seiner Hose fällt ein fuchsrotes Knäuel mit einem buschigen Schwanz. Dann schauen ihn zwei braune Knopfaugen verlegen an. »Oh, entschuldige bitte. Das ist mir ja peinlich«, sagt das wuschelige Dings und ziept sich angestrengt das Fell zurecht. »Hab ich mich gerade erschreckt! Ich war auf der Minigolfanlage dort vorn und stand auf einmal unter Beschuss. Gestatten, ich bin Herr Pinselflitzer.« Das sprechende Knäuel macht eine Verbeugung. »Verdammte Axt! Jetzt habe ich auch noch meinen Kaugummi verschluckt. Sag mal, hast du zufällig ein Stück Nussschokolade oder sowas bei dir?« Paul reibt sich die Augen. »Moment mal. Was für'n Flitzer? Was bist du?« »Der Pinselflitzer. Noch nie von mir gehört? Ich bin ein Sciurus vulgaris, man sagt auch Eichhörnchen, das Wort finden die meisten Leute niedlicher. Na ja, und weil ich so stylische Pinselohren habe und sonst wie flink auf Bäume flitzen kann, nenne ich mich selbst Pinselflitzer. Und, hast du jetzt ein klitzekleines Stückchen?«, fragt es und strahlt Paul erwartungsfroh an.

et sich das rücke befind nb se ch Sa r gter Unter de tlich angele tt, ein küns lle Fa Elster flutbe im r ster, de r Weißen El ss da Flusslauf de ll, so en helf assers dabei und nn eines Hochw ka en it besser ausbre r se as W s t. sich da ungen kom m berschwem m es nicht zu Ü

6 Minigolf ka nn ma n im Cla raPa rk beim Betriebssp ort verein AOK in der Nä he de r Sachsenbrücke spielen. Ne ben der Minigolfa nlage gibt es u. a. einen Spielplatz, einen La gerfeuer- und Gr illplatz und ein Restaura nt.

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»Hab ich leider nicht. Du hast mich ganz schön erschreckt! Ein Eichhörnchen, ach so. Ich habe auch eins zu Hause.« »Ist es gut drauf? Dann kannst du mir mal seine Nummer geben!« »Na ja«, sagt Paul. »Das hockt meistens nur still an meinem Bett und bewegt sich nicht. Ja, genau, es wacht nur auf, wenn es klingelt, dann rollt es ganz seltsam mit den Augen.«

Im Clara-Zetkin-Park

leben jede Menge Eich hörnchen. Sie sind so zutraulich, dass man sie gut aus der Nähe beobachten kann.

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»Klingt irgendwie nach Schnarchnase. Nee, danke. Also, ich bin immer aufgeweckt«, bemerkt das Eichhörnchen und zieht die Mundwinkel in die paar Barthaare. »Und meistens gut gelaunt. ICH mach’s halt wie die Sonnenuhr, ich zähl die heiteren Stunden nur!«, ruft’s und klatscht vor Begeisterung die winzigen Pfoten zusammen. »Wie? Welche Sonnenuhr?«, fragt Paul. »Na, die Sonnenuhr hier im Park.« »Und wo ist die?« »Sie steht ein bisschen versteckt in der Nähe eines großen Blumenbeets. Soll ich sie dir zeigen?« »Ja, gerne! Ach so, ich hab meiner Mama eigentlich versprochen, hier zu warten.« »Dann zeige ich sie dir von meinem Lieblingsbaum aus. Gleich der hier, wir müssen nur nach oben«, ruft der Pinselflitzer und ist schon den halben Stamm hinaufgeklettert. »Los, komm!« Paul guckt zum Eiswagen, Mama steht, wo sie steht. »Gut, aber nur kurz«, sagt er.

7 r Die eiserne Sonnenuh im 5 195 t sei steht schon e Cla ra-Zet kin-Pa rk nah e« ass err ent der »Da hli und wurde 2011 nach Zerstörung erneuert.

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Als Paul oben angekommen ist, traut er seinen Augen nicht. Der Pinselflitzer hat sich hier ein kleines Wohnzimmer eingerichtet. In der Mitte steht ein winziger aus Eicheln gebastelter Thron. Darüber hängt eine kleine Krone, geflochten aus Blättern. »Das ist mein Baumkronen-Thron, von hier aus habe ich eine tolle Sicht«, sagt Herr Pinselflitzer stolz, setzt sich die Krone auf und drückt Paul ein kleines Fernglas in die Hand. »Schau, dort drüben. Das ist die Sonnenuhr.« »Ich sehe sie. Wie funktioniert die denn?« »Wenn die Sonne darauf scheint, wirft der Stab einen Schatten auf ihren Ring. Auf diesem stehen die Zahlen der Uhr geschrieben. Wie auf deinem Wecker. Und da die Sonne während des Tages am Himmel wandert, bewegt sich auch der Schatten auf den Zahlen und so funktioniert der Stab wie ein Uhrzeiger und man weiß, wie spät es ist.« »Ja, ich sehe den Ring. Klasse! Aber woher hast du eigentlich das Fernglas?« »Ach, das. Das habe ich beim Pferderennen, nun, sagen wir, gefunden.«

Das große Blumenbeet befindet sich an der »Dahlienter rasse«, auf der früher Veranstaltungen stattfanden. Im Sommer

blüht es in den schönsten Farben. Drum herum stehen einige Bänke, die einen Bankpaten haben, also jemanden, der Geld für die Pflege der Bank gespendet hat. Den Namen der Person findet man auf einem kleinen Schild auf der Lehne der Bank.

Das Pferder en nen ist ei ne der ältest Spor ta rten en der Mensch heit. Das er Leipziger P ste ferderenn en fa nd 1863 Leipzig-Schö in nau stat t.

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»Beim Pferderennen?«, fragt Paul ungläubig. »Ja, schau mal, da vorn ist eine echte Galopprennbahn. Dort laufen Pferde um die Wette. Ich verpasse nicht ein einziges Rennen, schwärmt der Pinselflitzer und hüpft aufgeregt in seinem Blattwerk hin und her. »Direkt an der Pferderennbahn habe ich auch meinen prima Schaukelhut geklau…, Quatsch, gefunden.« »Und, guck mal dort. Siehst du das riesige Dach da vorn? Das gehört zur Parkbühne, dort finden richtig große Konzerte statt. Musik gab’s aber auch manchmal im Glashaus. Früher stand im Sommer eine Frau oder ein Mann vor dem Restaurant in der Nähe des Inselteichs und hat die Gäste im Biergarten unterhalten. Das war ein besonderer Leckerbissen! Ich hoffe, hier singt bald mal wieder jemand.«

8 die ist hn ba nn re de er Die Leipziger Pf lz«. Sie wurde »Im Scheiben ho hn ba nn re pp lo Ga aufg rund ih rer e St recke wurde 1867 eröffnet. Di gena nnt. pp frü her Nudelto besonderen Form n bei tragen feine Da me Traditionsgemäß Hut. en nt en auffällig bu Pferderennen ein ts Hu des »schönsten« Um die Träger in be soga r Wet tbewer zu eh ren, werden gibt es olz ch im Scheibenh vera nstaltet. Au nstem hö sc me mit Leipzigs die Wahl zur Da auen mit Fr die en sich vor Or t Hut. Dafür könn n. lde bedeck ung an me or igineller Kopf 9 hne die ersten bü rk Pa r de f 1955 fa nden au und Konzer te Ausstellungen n Auffü hr ungen, eine der größte e die Pa rkbü hn ist e ut He le t. na at st ds. Internatio en Deutschlan hn Bü ir-A en Op er auf. Stars treten hi

Im Inseltei

ch gibt es Fi sche w ie A al, Bar sch, Hecht u nd K ar pfen. A ngler kön n en ih r Glück in ausgew iese nen Bereichen ve rsuchen.

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»Die schönste Musik in meinen Ohren erklingt aber da hinten, schau!« »Das ist der Spielplatz!«, ruft Paul. »Ja, genau. Denn dort, wo Kinderstimmen zu hören sind, gibt es jede Menge Süßkram«, freut sich der Pinselflitzer. »Ich kriege immer irgendwie was ab, darauf kannst du wetten.«

us 10 Das Restaurant Glasha mit ft ist eine Gastw irtscha im Cla ra-Park. großem Freisitz mit ten Jah ren und 0er Es entsta nd in den 195 . wurde 2016 renoviert

Der Wasserspi elplatz zw isch en Rennba hnweg und Ka rl-Tauc hnitzSt raße gehört zu den beliebt esten Spielplätzen Le ipzigs. Neben dem Wasserspi gibt es einen Kl el et terparcours, meh rere Rutschen, ein riesiges Klet te rnetz, bunte Klet terröh ren u. v. m. Das Fl ie genpilzbist ro sorg t für Spei s und Tran k un d genügend Sitzplätze für die Eltern.

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Süßkram, denkt Paul. Da war doch … »Schnell, schnell, ich muss zurück«, ruft er aufgeregt. »Mama ist im Anmarsch. So ein Mist. Ich komme nicht mehr runter vom Baum! Hoch ging’s einfach, aber runter?« »Warte, ich helfe dir.« Das Pinselhörnchen flitzt den Baum hinab und kehrt darunter mit seinem buschigen Schwanz Blätter, Stöckchen, alles, was es gibt, zu einem großen Haufen zusammen. Dann findet es kurz ein paar Decken von den Liegewiesen weg, denn hier im Park gibt es ganz viele davon. »Jetzt hängst du dich erst an mich dran und lässt dich dann geradezu in den Haufen fallen«, erklärt der Pinselflitzer, als er wieder oben bei Paul angekommen ist. »Wie bitte?« »Los, mach schon.« »Aaaaahhhhh!« »Hallo Mama!« »Wie siehst denn du aus? Und was machst du da?« »Äh, nichts. Ich hab auf dich gewartet. Und ich habe mich nicht vor- oder zurückbewegt. So, wie du es gesagt hast.« »Ach, Paulchen«, seufzt Mama und muss dann doch ein bisschen schmunzeln. »Hier ist dein Eis, und eine Tafel Nussschokolade habe ich mitgebracht. Los, auf zum Spielplatz. Und dann lass uns schauen, ob es hier im Park noch andere spannende Orte zu entdecken gibt.« »Die gibt es ganz bestimmt.« Paul lächelt. Er klopft sich die Blätter von den Schultern, dann bricht er ein Stückchen Schokolade ab und legt es neben den Baum. Als sie ein paar Meter gelaufen sind, dreht er sich noch einmal um, das Stück Schokolade ist längst verschwunden. Oben im Baum sitzt ein fuchsrotes Knäuel mit einer Krone auf dem Kopf, leckt sich die Pfoten und winkt Paul zufrieden hinterher.

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Pinselflitzers Tipps rund um den Clara-ZetkinPark in Zentrum-Süd und Zentrum-West Tram: 2, 8, 9, 14 – Haltestelle Neues Rathaus, 1, 2, 14 – Haltestelle Marschnerstraße, 1, 2 – Klingerweg Bus: 89 – Haltestelle Neues Rathaus 1

Bundesverwaltungsgericht: Simsonplatz, Schülerführungen, gemütlicher Freisitz im Grünen am Mendelssohnufer, www.bverwg.de

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Betriebssportverein AOK: AntonBruckner-Allee 1 (Schleußig), Spielplatz, Minigolf, Sportplatz, Lagerfeuerplatz, Restaurant, www.bsv-aok.de

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Bibliotheca Albertina: Beethovenstraße 6, auch wenn es hier keine Kinderbücher gibt: einen Blick in das faszinierende Gebäude zu werfen, lohnt sich auch für Schulkinder, z. B. am »Tag der offenen Tür«, www.ub.uni-leipzig.de

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Sonnenuhran der Dahlienterrasse: in der Nähe des Restaurants Glashaus.

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Galopprennbahn »Im Scheibenholz«: Rennbahnweg 2a (Südvorstadt), Pferderennen Mai bis Oktober, Familienrenntag mit Kinderprogramm, Musikveranstaltungen, Gastronomie, www.scheibenholz.com

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Parkbühne: Karl-Tauchnitz-Straße 28/ Rennbahnweg, Konzerte, www.parkbuehne-leipzig.de

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Springbrunnenin der Anton-BrucknerAllee: Eingangsbereich Clara-ZetkinPark, Angeln für Kinder im Rahmen des »Ferienpasses« (ermäßigte oder kostenlose Angebote für Leipziger Schüler in den Ferien)

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Musikpavillon: Anton-Bruckner-Allee 11, Eis essen, Café, Konzerte, www.musikpavillon-leipzig.de

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Sachsenbrücke: Anton-Bruckner-Allee/ Ecke Max-Reger-Allee, Musik hören, Eis essen, beliebter Treffpunkt, Glücksbaum mit Wunschzetteln zum Mitmachen

Glashaus: Karl-Tauchnitz-Straße 26, 10 Restaurant mit Freisitz, Musik, Kindergeburtstag feiern, www.glashausimclarapark.de

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Spielplätze Zentrum-Süd und Zentrum-West – Lieblingsorte des Pinselflitzers: Wasserspielplatz: Karl-Tauchnitz-Straße/Rennbahnweg

»Grassistraße«: Grassistraße

Spielplatz an der AOK: Anton-Bruckner-Allee (Schleußig)

»Körnerplatz«: Körnerplatz

»Max-Reger-Allee«: Max-Reger-Allee

»Neue Ufer«: Wundtstraße, Kreuzung Dufourstraße

»Floßplatz«: Floßplatz

»Johannapark«: Ferdinand-Lassalle-Straße

Was gibt es noch? 11 Peterskirche: Schletterstraße 5, höchster Kirchturm der Stadt, beeindruckende Fassade mit bunten Bleiglasfenstern und mystischen Figuren wie Drachen und Werwölfen 12 Schachzentrum: Brahmsplatz, Mai bis September geöffnet, Spielen für 1 Euro am Tag, www.schachgemeinschaft-leipzig.de 13 Kanuverleih am Rennbahnsteg: Rennbahnweg 2a, Bootsverleih (Kajak und Kanadier), www.kanuverleih-leipzig.de 14 Galerie für Zeitgenössische Kunst: KarlTauchnitz-Straße 9–11, Galerie, die mit »GfZK für Dich« spezielle Kunstprojekte für Kinder und Jugendliche bereithält, www.gfzk.de/foryou 15 Johannapark: Nachbarpark des ClaraZetkin-Parks, hier steht ein großes Clara-Zetkin-Denkmal aus Bronze. 16 Lutherkirche am Johannapark: FerdinandLassalle-Straße 25, benannt nach dem Reformator Martin Luther (1483–1546)

17 Beliebte Rodelberge »Warze« und »Leonorenhügel«: FerdinandLassalle-Straße/ Johannaparkweg 18 Kunst & Kuchen: Davidstraße 7, Kindercafé mit Laden, Kinderbetreuung, Kunstschule und Kreativwerkstatt, Kindergeburtstag, www.kunstundkuchen.eu 19 Stadthafen Leipzig: Schreberstraße 20, Beachvolleyball, Bootsverleih, Gastronomie, Veranstaltungen, www.stadthafen-leipzig.com 20 Deutsches Kleingärtnermuseum: Aachener Straße 7, Geschichte der Kleingärtnerbewegung, Schaugärten mit historischen Lauben, Kindergeburtstagsfeiern möglich, www.kleingarten-museum.de 21 Pavillon aus Gerhards Garten: im Clara-Park, nahe Klinger-Brücke 22 Perlentaucher: Karl-LiebknechtStraße 51, Lädchen voller Perlen und Zubehör für die Gestaltung eigener Schmuckkreationen, Kindergeburtstagsfeiern möglich, www.perlentaucher-leipzig.de

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Kugelwitze in ­Connewitz »Hallo Frau Beierlein, kommen Sie rein.« Pauls Mama nimmt der älteren Dame den Mantel ab. Frau Beierlein wohnt ein paar Häuser weiter und leistet Paul Gesellschaft, wenn seine Eltern arbeiten oder wie heute zusammen ausgehen wollen. »Na, Paul, da musst du heute schnell einschlafen, wenn du morgen so früh den Papa noch mit verabschieden willst«, sagt Frau Beierlein und Paul sieht, dass sie selbst schon ganz schön müde ist. »Schlaf gut«, wünscht Papa. »Morgen sehen wir uns noch mal vor meiner weiten Reise.« Als Paul im Bett liegt, denkt er an das Meer und riesige Melonen und stellt sich den Ort vor, an dem sein Papa die nächsten Monate arbeiten wird. »Schau dir die schöne Stadt Leipzig an. Wenn ich wieder da bin, erzählst du mir, wo du überall warst«, hat er gesagt. Das hat sich Paul auch vorgenommen. Traurig darüber, dass Papa schon wieder wegfährt, ist er trotzdem und er will ihm morgen noch etwas mitgeben. Irgendwas, das ihn beschützt auf dem langen Weg. Eine Art Glücksbringer. Paul fällt gleich die Melonenkernkette ein, die er mal gebastelt hat, und er findet, das ist ein gutes Geschenk für die Reise. Dumm nur, dass die Kette in einer Spielzeugkiste im Keller liegt. Paul steht auf, schleicht auf leisen Sohlen an die Wohnzimmertür und schaut durch den Spalt. Frau Beierlein liegt auf dem Sofa und ist eingeschlafen. Ich beeile mich, ich bin gleich wieder da, nimmt sich Paul fest vor. Dann schnappt er sich den Kellerschlüssel und geht auf Zehenspitzen vorsichtig die Treppe hinunter.

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So viel Zeug steht im Keller. Paul kramt und wühlt in der Kiste, findet ein paar zerschrammte Spielzeugautos, die er gar nicht mehr vermisst hat, und eine alte kaputte Holzente. Die Kette aber ist nicht dabei. Vielleicht ist sie rausgefallen. Er hebt ganz langsam die Kiste an, als plötzlich etwas zwischen seinen Füßen durchhuscht. »Ah!«, schreit er. »Ah!«, schreit es zurück. Dann ist es mucksmäuschenstill. »Ey, ich komm jetzt raus«, hört Paul eine kleine Stimme sagen. »Wenn du mir nichts tust, tue ich dir auch nichts.« »Okay«, sagt Paul und drückt sich ängstlich gegen die Holzlatten der Kellertür. Ganz langsam tippelt ein grauer Fellball mit langem, dünnem Schwanz und spitzer Nase hinter einer Kiste hervor.

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Willkommen in Leipzig, Paul!  

Paul zieht mit seinen Eltern nach Leipzig. In der neuen Heimat gibt es viel zu entdecken! Im Clara-Zetkin-Park lernt er ein Eichhörnchen nam...

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