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3-2013

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Nordrhein-Westfalen/Hessen/Bauernverband

Jahrgang 58 H 1318 F

Hessen:

Nordrhein-Westfalen:

Bauernverband:

Tag der Vertriebenen

50 Jahre GerhartHauptmann-Haus

Grenzen der Unabhängigkeit

Herausgegeben von den BdV-Landesverbänden Hessen und Nordrhein-Westfalen www.bdv-nrw.de • www.bdv-hessen.de


Leitartikel

Inhalt Zufluchtsort, Kulturzentrum, Stätte der Begegnung

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13. Tag der Vertriebenen beim Hessentag in Kassel

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31. Bundestreffen Russlanddeutschen

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1813 – Die Befreiungskriege: Geschichte und Erinnerung

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BdV-KV Waldeck mit dem DEBW in der Zips

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BdV-Bundesausschuss will Zwangsarbeiterentschädigung und Gedenktag 11 Die Tanzgruppe „Fröhlicher Kreis“ mittendrin

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Grenzen der Unabhängigkeit 

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Landwirten das Selbstwertgefühl wiedergegeben

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Im Herzen stets ein Ermländer

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Kulturtagung der Wolgadeutschen 

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Positive Entwicklung bei Personenstandsurkunden

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Sudetendeutsche in Berlin

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SPD und Vertriebenenarbeit

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„Vertriebene sind zu Botschaftern der Aussöhnung geworden“

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Ausstellungen im Oberschlesischen Landesmuseum

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Weltflüchtlingszahlen: Höchster Stand seit 1994

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Leserbriefe

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Was koche ich morgen?

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Umschau für die Frau

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Zu guter Letzt

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Titelbild Das Foto entstand beim 50-jährigen Jubiläum des Gerhart-Hauptmann-Hauses und zeigt v.l.n.r. den BdV-Landesvorsitzenden Hans-Günther Parplies, den Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung Reinhard Grätz, Landtagspräsidentin Carina Gödecke und den Festredner Prof.Dr. Friedhelm Farthmann

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U

Unser Kulturerbe

nser Kulturerbe – Reichtum und Auftrag, das ist das Leitwort des diesjährigen Tages der Heimat und damit das Motto, unter das der Bund der Vertriebenen seine Arbeit für das ganze Jahr gestellt hat. Es ist und bleibt eine Aufgabe, das kulturelle Erbe der Ost- und Sudetendeutschen, ihre Geschichte, Leistung und Schicksal weiterzugeben, und „in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten“, so wie es der § 96 des Bundesvertriebenengesetzes vorsieht. Aber – sehen wir dem nüchtern ins Auge – diese Aufgabe und dieser Auftrag ist schwieriger geworden. Nicht nur, weil die Erlebnisgeneration, also „die Vertriebenen und Flüchtlinge“ immer weniger werden, sondern auch, weil „das gesamte deutsche Volk“ den klassischen Bildungsbegriff überhaupt in Frage stellt.

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ittlerweile, das ist die traurige Wahrheit, wird auch die Frage gestellt, ob der kulturelle Reichtum des historischen deutschen Ostens eigentlich überhaupt vermittelt werden muss. Dabei geht es gar nicht um die Ablehnung der ostdeutschen Vertriebenen, sondern es geht darum, das selbst die Schule nicht mehr Wissensvermittlung, sondern vielmehr Kompetenzvermittlung betreibt. Es gehört auch nicht mehr zum deutschen Abitur, Goethes „Faust“ zu kennen, um nur ein Beispiel zu nennen. Das klassische, humanistische Bildungsideal, und dabei geht es um sehr viel mehr als Latein oder Griechisch, hat ausgedient. Mit der Weitergabe von Informationen, dem Vermitteln von Fakten und dem, was man bisher unter klassischer Bildung verstand, kommt man heute kaum weiter. Das ist kein Problem der Ost- und Sudetendeutschen allein und schon gar kein Zeichen ihrer offenen oder versteckten Ablehnung.

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ie Gesellschaft und das was sie unter Bildung versteht hat sich insgesamt verändert. Dem müssen auch die Vertriebenen, ihre Bildungseinrichtungen und Verbände Rechnung tragen. Und so ist der Auftrag mittlerweile ein Doppelter: Auf das reiche kulturelle Erbe hinzuweisen und es als festen Bestandteil der deutschen Kulturnation im Bewusstsein zu verankern, so, wie es das Zentrum gegen Vertreibungen mit seinen Ausstellungen macht, aber auch, es in zeitgemäßer Form an die jüngere Generation heranzutragen. Etwa so, wie es die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen mit dem „Kulturportal West Ost“ (kulturportal-west-ost.eu) im Internet tut. Sich darauf zu verlassen, dass Schulen oder Bildungseinrichtungen das Kulturerbe ganz selbstverständlich als Teil des Kulturerbes der Gesamtnation weitergeben, ist kein Zukunftskonzept. Das Erbe der der deutschen Kulturnation insgesamt wird nämlich ebenfalls höchstens rudimentär vermittelt und weitergegeben. Sich diesen Herausforderungen zu stellen, das ist der Auftrag für die Zukunft. Markus Patzke 35, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611/ 36019-0, Fax: 0611/36019-22, E-Mail: buero@bdv-hessen.de

ISSN 0723-4295 Organ des Bundes der Vertriebenen (Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bauernverband der Vertriebenen). Herausgeber und Verlag: Bund der Vertriebenen – Landesverbände Hessen e.V. und Nordrhein-Westfalen e.V. Die Ausgabe Hessen wird durch das Hessische Sozialministerium gefördert. Anschriften: BdV-Landesverband NRW e.V. Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf, Tel. 02 11/35 03 61, Fax 02 11/36 96 76, E-Mail: info@ bdv-nrw.de BdV-Landesverband Hessen e.V., Friedrichstr.

Bankverbindungen: LV NRW: Commerzbank Düsseldorf, Kto.-Nr. 322 018 700, BLZ 300 800 00; LV Hessen: Volksbank Wiesbaden, Kto.-Nr. 34 59 03, BLZ 510 900 00 Redaktion:  Chefredakteur Markus Patzke, Ständige Mitarbeiter: Tobias Körfer (Bonn), Roswitha Möller, Markus Häßelbarth (Münster), Norbert Quaiser (Wiesbaden), Dr. Arwed Blomeyer (Berlin), Alexander Kühl (Neuss) Druck und Vertrieb: Rautenberg Druck GmbH, Blinke 8, Postfach 1909, 26789 Leer Erscheinungshinweise: Zum 15. eines jeden zweiten Monats. Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe ist der 30. September 2013. Mit Signum oder Namen gezeichnete Bei­träge geben die Meinung des Verfassers wieder.

Deutsche Umschau 3-2013


Politik

Zufluchtsort, Kulturzentrum, Stätte der Begegnung Brücke zur Versöhnung – Das Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf Ein Ort der Zuflucht für die, die Haus und werden vom Ministerium berufen, heute Heimat verloren hatten, sollte das „Haus vom Ministerium für Familie, Kinder Judes deutschen Ostens“ bei seiner Einwei- gend, Kultur und Sport. Der Vorsitzende hung vor 50 Jahren werden, sagte Helmut Helmut Harbich lobte die durchweg posiHarbich, Vorsitzender des Vorstandes der tive Zusammenarbeit mit den ParlamentaStiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, in riern und sprach direkt aus, dass man mit den Führungskräfseiner Begrüßung. ten stets Glück geZahlreiche Gäste Als das Haus 1963 eingeweiht habt habe. In dem waren zum Festakt werden konnte, hatten die zurückliegenden halam 22. Juni 2013 geVertriebenen ein Domizil. ben Jahrhundert habe kommen, auf den Tag Heute wird das Haus auch es große Veränderungenau 50 Jahre nach von anderen Gruppen gegen in Deutschland der erstmaligen Öffnutzt und ist zu einem Bilund Europa gegeben, nung des Hauses für dungszentrum geworden. und auch diese EinBesucher. Harbich richtung habe sich begrüßte unter den Ehrengästen besonders die Landtagsprä- dem stellen müssen. Die Ostverträge, die sidentin von Nordrhein-Westfalen Carina Wiedervereinigung, die Öffnung zum OsGödecke MdL und eine Reihe weiterer Ab- ten hin durch Perestroika, das alles brachte neue Möglichkeiten, aber auch neue Aufgageordneter verschiedener Fraktionen. ben. Die Änderung des Namens sei sicherDie Kultur des deutschen Ostens zu pflelich der große Einschnitt gewesen, doch sei gen und im Bewusstsein aller Deutschen damit ein größeres Gewicht auf die Kulzu erhalten, sei bis heute eine wesentliche turarbeit gelegt worden. Der KulturausAufgabe des Hauses geblieben, so Harbich. tausch mit den östlichen Nachbarn habe Der Stiftungszweck besagte aber von Andenn auch einen großen Aufschwung erfang an, dass das Haus allen Kreisen der fahren, wodurch das Haus eine BrückenBevölkerung des Landes Nordrhein-Westfunktion und einen Auftrag für die Zufalen offen stehen sollte, und ebenso sollte kunft erhalten habe. die Belange der Zuwanderer aus der damaDie Präsidentin des Landtages Carina Göligen DDR wahrgenommen werden. decke bestätigte „ein enges Bündnis zwiDie Stiftungsurkunde von 1957 legte fest, schen Gerhart-Hauptmann-Haus und dass ein dreiköpfiger Vorstand die Leitung Landtag“. „Man kennt sich, man versteht übernehmen sollte, der von dem Kuratosich, das Gerhart-Hauptmann-Haus und rium, dem „Parlament“ des Hauses, geseine Arbeit genießt hohes Ansehen im wählt wird. Die Kuratoriumsmitglieder Landtag.“ Gödecke sprach die Wunden

Ein gefüllter Eichendorff-Saal und zahlreiche Ehrengäste gratulierten dem Gerhart-Hauptmann-Haus zum 50-jährigen Bestehen Deutsche Umschau 3-2013

an, die die Vertreibung geschlagen hat, und nannte das Haus in Düsseldorf eine „wichtige Säule der Erinnerungskultur“. Als es sein Arbeit 1963 aufnahm, war es so Gödecke, ein Bezugspunkt und eine Anlaufstelle für zwei Millionen Ostvertriebene, die in Nordrhein-Westfalen lebten. Heute ist es ein fester Bestandsteil der Bildungslandschaft Nordrhein-Westfalen und zudem die älteste Einrichtung Deutschlands dieser Art. Die Gründungen in München und Stuttgart erfolgten später.

Festredner Prof. Dr. Friedhelm Farthmann Die Landstagpräsidentin lobte besonders die Zusammenarbeit mit jungen Menschen, mit Schulen und Hochschulen und die Hilfe der Bibliotheken bei Projekten. Sie kam auf den eindrucksvollen Parlamentarischen Abend im Landtag am 26. November 2012 zurück, bei dem besonders die Ausstellung „Im Dienste der Menschheit“ vor Augen geführt habe, wie viele Männer und Frauen aus dem Osten die deutsche Kultur geprägt haben. Die Grundsteinlegung des Zentrums „Flucht, Vertreibung und Versöhnung“ sei ein gutes Zeichen. Sie beendete ihr Grußwort mit Glückwünschen und einem ermutigenden „Glückauf“. Der BdV-L a ndes vorsit zender von Nord rhein-West fa len, Ha ns- Gü nther Parplies, richtete die Glückwünsche des Landesverbandes und aller Landesgruppen aus. Er zählte alle Landsmannschaften auf, die seit einem halben Jahrhundert im „Haus des deutschen Ostens“/ „Gerhart-Hauptmann-Haus“ eine Heimstatt gefunden haben; er nannte dreizehn Fortsetzung auf Seite 4

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Politik Fortsetzung von Seite 3 Verbände. 800 Jahre deutsche Geschichte bewahrt Gerhart-Hauptmann-Haus, betont Parplies; der 50. Geburtstag sei daran gemessen ein kurzer Zeitraum, aber mehr als eine Generation. Vor dem schmerzlichen Hintergrund der Vertreibung sei eine segenreiche Arbeit für die Vertriebenen geleistet worden, aber mit dem Abtreten der Erlebnisgeneration entstehe auch der Auftrag, das Erbe des Ostens weiter zu geben. Dazu sein neue Wege nötig. Der Landesvorsitzende dankte allen, die sich für das Haus eingesetzt haben: den Kollegen aus dem Kuratorium, dem Vorstand der Stiftung, den Mitarbeitern und den Direktoren des Hauses Dr. Walter Engel und dessen Nachfolger Dr. Winfrid Halder. Dann äußerte er den Wunsch an die Politik, dem § 96 in der Mittelzuwendung jeden Rang von fünfzig Jahren wieder zu geben, als Nordrhein-Westfalen in der Vertriebenenarbeit führen war. Die Festansprache hielt Prof. Dr. Friedhelm Fahrtmann, Staatsminister a. D., der die Geschichte der Stiftung und des Hauses begleitet hat. 1957 wurde die Stiftung „Haus des deutsche Ostens“ unter Ministerpräsident von NordrheinWestfalen Fritz Steinhoff (SPD) gegründet, deren Hauptsitz die Errichtung des Hauses war. 1960 erfolgte die Grundsteinlegung – auf dem ehemaligen Trümmergrundstück in der Bismarckstraße. Als das

Haus 1963 eingeweiht werden konnte, hatten die Vertriebenen ein Domizil. Heute wird das Haus auch von anderen Gruppen genutzt und ist zu einem Bildungszentrum geworden. Fahrtmann nannte die großen Veränderungen Ende der 80er Jahre durch Perestroika und Glasnost, das Ende der Sowietjunion und die deutsche Wiedervereinigung. Das „Haus des deutsche Ostens“ habe der veränderten Werner Jostmeier Mdl (l.), Beauftragter der CDU-LandtagsfrakSituation nach außen tion NRW für Vetriebene, Aussiedler und und deutsche Minderhin Rechnung getra- heiten und Helmut Harbich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung gen, und so sei es 1992 Gerhart-Hauptmann-Haus, im Gespräch zur Namensänderung gekommen. Mit dem neuen Namen Gerhart-Hauptmann-Haus von interessanten Reisen nach Omsk, Kasollte gezeigt werden, dass man dem Osten sachstan und Usbekistan berichten. Die weiterhin Rechnung tragen wollte. Öffnung zum Osten hin habe auch dem Der Redner ging besonders auf die Deut- Gerhart-Hauptmann-Haus neue Möglichschen aus Russland ein, um die man sich keiten geschaffen. seit 1990 verstärk bemüht. Er selbst hat sich sehr dabei eingebracht und konnte

Alte Bekannte begrüßen sich: Der BdV-Landesvorsitzende Hans-Günther Parplies und Prof. Dr. Friedhelm Farthamnn

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Das Schlusswort des Festaktes, der von dem „De Juna Duo“ musikalisch umrahmt wurde, sprach der Vorsitzende des Kuratoriums Reinhard Grätz. Sein Dank galt dem Redner, den drei Direktoren des Hauses und allen, die diesen Tag gestaltet haben. Das Gerhart-Hauptmann-Haus sei keine Insel, betonte er, und deutete die Fülle von Veranstaltungen und prominenten Namen an, die Beug zu dem Haus haben. Besonders die Literatur fand hier „einen guten Ort“, und Siegfried Lenz, Lev Kopelew, Herta Müller, Sarah Kirsch und Arno Surminski sind die auffälligsten Namen. Dann stellte der Redner, der dem Haus seit 37 Jahren in verschiedenen Gremien angehört, die Frage, ob eine Einrichtung wie das Gerhart-Hauptmann-Haus heute noch nötig sei. Schließlich sei die Eingliederung der Vertriebenen und Spätaussiedler abgeschlossen. Die Antwort war jein klares Ja. Das kulturelle Erbe des Ostens – seiner Landschaften, Geschichte, Bauten und Künste – muss zusammengeführt und für europäische Zweckenutzbar gemacht werden, auch nach der Erlebnisgeneration. Bärbel Beutner Deutsche Umschau 3-2013


Politik

13. Tag der Vertriebenen beim Hessentag in Kassel Ministerpräsident Volker Bouffier nennt Heimatvertriebene „hervorragende Hessen“ Trachten, Tänzer und Traumwetter – ein rundum gelungener Hessentag ist am Sonntag mit einem 2 km langen Hessentagsumzug zu Ende gegangen. Mitten unter den Marschierenden die Schlesische Volkstanzund Trachtengruppe „Schreiberhau“, immer wieder mit freundlichem Beifall begrüßt. Chöre und Tanzgruppen aus Hessen und Thüringen und die „Dörnberg-Musikanten“ sorgten beim Volkstumsnachmittag am „Tag der Vertriebenen“ für einen musikalischen Brückenschlag zwischen den Vertriebenenverbänden der beiden Nachbarländer. Der von BdV-Landeskulturreferent Otmar Schmitz, Hubert Leja und Anna Kokoc vorbildlich organisierte Volkstumsnachmittag war ein besonderes Ereignis. Neu war, dass erstmals Volkstanz- und Gesangsgruppen vom BdV-Landesverband Thüringen das Programm mit bestritten. Die Kulturgruppe „Heimatsang“ des BdV Gehren hatte sogar ein musikalisches Geschenk mit nach Kassel gebracht: das Lied des Thüringer BdV, dessen Text aus der Feder von Ingeburg Tesch, der Leiterin des Chores stammt. Stadtrat Heinz Schmidt vertrat den Kasseler Magistrat und Oberbürgermeister Bertram Hilgen. Zum Tag der Vertriebenen hat er eine besondere Beziehung. Aus dem Sudetenland vertrieben, ist er als Zweijähriger nach Nordhessen gekommen. Dass er stolz ist, Mitglied der SL zu sein, brachte ihm einen besoderen Applaus ein. Der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Hessen, Siegbert Ortmann, begrüßte zu Beginn die erschienen Landtagsabgeordneten von CDU-, FDP- und SPD- Fraktion, weitere Ehrengäste der Stadt Kassel und alle Anwesenden. Er dankte den Mitgliedern des Verbandes für ihre aktuell und seit Jahren geleistete Arbeit. Ministerpräsident Bouffier und Bundeskanzlerin Merkel sprach er seinen Dank dafür aus, dass sie sich der Verbandsarbeit verpflichtet fühlen. So verwies er auf §96 des Bundesvertriebenengesetzes und den dort festgeschriebenen gesetzlichen Auftrag für Bund und Länder, die Kultur der Vertreibungsgebiete zu bewahren, zu fördern und weiter zu entwickeln. Sein besonderer Dank galt Sozialminister Grüttner und dem Hessischen Sozialministerium für die eminent wichtige Unterstützung. Deutsche Umschau 3-2013

Ministerpräsident Volker Bouffier betonte, dass die Heimatvertriebenen in der Tradition des von Georg August Zinn geschaffenen Hessentages stehen und – auch wenn sie „nicht freiwillig zu uns gekommen sind“ – hervorragende Hessen geworden seien. Hessen werde getragen durch engagierte Bürger. Rund 1,8 Millionen Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler hätten hier eine Heimat gefunden und das moderne Hessen mit aufgebaut. Die Landeszuschüsse für die Vertriebenenverbände und Landsmannschaften würden trotz Schuldenbremse auf konstanter Höhe bleiben und um keinen Euro gekürzt. In diesem Jahr stehe das Motto „Hessen und die Russlanddeutschen“ besonders im Fokus. 250 Jahre sei es her, dass Zarin Katharina II. deutsche Siedler an die Wolga einlud. Die meisten Auswanderer seien aus Hessen gekommen. Am 17. August werde in einer Feierstunde im Hessischen Landtag daran erinnert und die Geschichte in den Mittelpunkt gestellt. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurde zum zweiten Mal der Hessische Preis „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ verliehen, der in diesem Jahr unter dem Motto „Hessen und die Russlanddeutschen“ stand. Die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und

Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf ehrte die Preisträger. Dr. Wendelin Mangold erhielt den 1. Preis sowohl für die Tragikomödie „Vom Schicksal gezeichnet und geadelt“ als auch für sein gesamtes schriftstellerisches Werk und seine Leistungen auf dem Gebiet der Integration seiner Landsleute. Der 2. Preis wurde an die Stadt Wetzlar verliehen für die Übernahme der „Patenschaft für das Ostdeutsche Lied“ vor über 50 Jahren. Sozialminister Stefan Grüttner stellte fest, dass die Worte „Flucht und Vertreibung“ auch heute noch aktuell und negativ belastet seien. Die Beweggründe für Flucht und Vertreibung würden sich in keiner Zeit unterscheiden. Es sei die Angst um das Leben, es sei die Angst, keine Existenz mehr zu haben und es sei die Angst vor der Zukunft. „Die Bedingungen und Bereitschaft bei der Aufnahme von Flüchtlingen konnten mit der Zeit und viel Engagement verbessert werden. Hessen ist heute auch bei steigenden Flüchtlingszahlen bestens gewappnet, um eine angemessene qualitative Erstaufnahme zu gewährleisten. Dies alles können wir angehen, weil wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt haben. Aber: „die Vergangenheit darf nicht in Vergessenheit geraten“, so der Sozialminister. Norbert Quaiser

Beim Brauchtumsnachmittag des BdV in der Aue-Sporthalle in Kassel: Ministerpräsident Volker Bouffier und Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf (linke Seite des Tisches) sowie BdV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann und Sozialminister Stefan Grüttner (rechte Seite des Tisches)

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Politik

Innenpolitische Umschau Staatsminister Wintermeyer: Vertriebene sind Brückenbauer Staatsminister Axel Wintermeyer hat die Förderbescheide der Hessischen Landesregierung an Bund der Vertrieben und Landsmannschaft Weichsel-Warthe übergeben. Die förmliche Übergabe der Bescheide für das laufende Jahr erfolgte im traditionsreichen „Haus der Heimat“ in Wiesbaden. Der Staatsminister und dessen Büroleiter Andreas Monz wurden dort vom Hessischen BdV-Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann, dem Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe Dr. Martin Sprungala, dem Vorsitz e nd e n d e s Deutsch-Europäischen Bildungswerkes in Hessen Georg Stolle und weiteren Mitgliedern des hessischen BdV-Landesvorstandes empfangen. Das kulturelle Erbe der Heimatvertriebenen zu bewahren, für Integration zu sorgen und die Völkerverständigung in einem immer offeneren Europa weiter voranzubringen, hält der Minister für eine wichtige Arbeit des BdV. Dabei könne der BdV der Unterstützung und Wertschätzung der Landesregierung sicher sein.

31. Bundestreffen Russlanddeutschen Landsmannschaft zeigte sich in Augsburg selbstbewusst Das 31. Bundestreffen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland fand kürzlich in Augsburg statt. Die große Zahl der Teilnehmer kam aus der ganzen Bundesrepublik, darunter u.a. auch die hessischen BdV-Landesvorstandsmitglieder Svetlana Paschenko und Johann Thießen sowie als Ehrengäste die Hessische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Margarete Ziegler-Raschdorf und BdV-Landesvorsitzender Siegbert Ortmann. Die diesjährige Volksgruppenveranstaltung stand unter dem Motto: „1763-2013. 250 Jahre russlanddeutsche Geschichte“ und erinnerte vor allem an das Einladungsmanifest der russischen Kaiserin Katharina II. vom 22. Juli 1763. Zu der großen Feierstunde waren neben Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich als Festredner, auch der Beauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Christoph Bergner, die bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk sowie Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl aus Augsburg erschienen. Der neue Bundesvorsitzende Waldemar Eisenbraun ging in seiner eingangs sehr ausführlich gehaltenen Ansprache auf die bevorste-

haben, still zu sein“. Bundesvorsitzender Eisenbraun hatte schließlich die Ehre, den neu gestifteten „Katharinen-Preis“ an den Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes Dr. Rudolph Seiters und die Leiterin des DRK-Suchdienstes Dorota Dziwoki für hervorragend geleistete Dienste an leidvoll Betroffenen zu verleihen. Festredner Dr. Friedrich würdigte in einem weiten Bogen die geschichtlichen Ursprünge der Russlanddeutschen und deren schwierigen Gang durch turbulente Zeiten. Dabei zollte er dieser großen Volksgruppe hohe Anerkennung und Respekt im Zuge ihrer Integration in Deutschland. Für die Bundesregierung versprach er, auch in Zukunft immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Landmannschaft der Deutschen aus Russland zu haben und sicherte über das Bundesvertriebenengesetz Unterstützung nach besten Kräften zu. Die Grüße der bayerischen Staatsregierung und ihres Ministerpräsidenten Horst Seehofer überbrachte in ihrer Ansprache Staatsministerin Dr. Beate Merk (MdL). Die würdevolle Festveranstaltung, die vom Chor Souvenir und dem Orchester Hubert

„Mit diesen Mitteln können wir auch weiter gute Arbeit leisten“, erklärte Siegbert Ortmann in seiner Dankadresse. Als „Brückenbauer“ habe der BdV noch viel zu tun. Dr. Sprungalla zeigte sich über den Förderbescheid an seine Landsmannschaft erfreut, die als Jahresmotto „Brücke der Verständigung“ gewählt habe. Ein „Brückenbau“ geschieht aktuell in Richtung Ukraine, wo Kontakte zum Deutschen Haus in Lemberg interessante Aussichten für die Zukunft versprechen. Das seit 1993 bestehende Deutsch-Europäische Bildungswerk sei eine hessen-spezifische Institution, so deren Vorsitzender Stolle. Seminare würden vornehmlich in Osteuropa abgehalten. Gerade sei man aus Königsberg zurückgekehrt, derzeit noch ein Problemgebiet, aber mit guten Aussichten auf eine günstige Entwicklung. Im Oktober geht es nach Tschechien zu einem Seminar in Leitmeritz und Aussig.

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(v.l.n.r.) Johann Thiessen, Siegbert Ortmann, Margarete Ziegler-Raschdorf, Dr. Christoph Bergner henden Aufgaben der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland ein und merkte zu deren Umsetzung an, dass sich seine Landsleute zwar eher in Zurückhaltung übten, „weil sie in der Vergangenheit eben gelernt

aus Bayreuth gefühlvoll musikalisch umrahmt wurde, endete schließlich mit einer Totenehrung durch Monsignore Dr. Alexander Hoffmann und gemeinsamen Gesang der Deutschen Nationalhymne. NQ Deutsche Umschau 3-2013


Politik Wahlprogramm der CDU/CSU stellt sich der Verantwortung für die Heimatvertriebenen Zum Wahlprogramm der CDU/CSU erklärt BdVPräsidentin Erika Steinbach MdB: Ich begrüße, dass CDU und CSU Schicksale und kulturelles Erbe der deutschen Heimatvertriebenen auch wieder in das Wahlprogramm 2013 aufgenommen haben. Damit sind sie die Einzigen, die sich konsequent dieser Verantwortung stellen. Im Wahlprogramm heißt es: „Aussiedler und Heimatvertriebene – ein Gewinn für unser Land CDU und CSU bekennen sich zur Geschichte aller Deutschen, auch zur Solidarität mit den Deutschen, die wegen ihrer Volkszugehörigkeit ein besonders schweres Kriegsfolgeschicksal zu erleiden hatten. Um die Erinnerung an das Leid der Heimatvertriebenen wachzuhalten, wollen wir den Weltflüchtlingstag am 20. Juni um das Gedenken an die Vertriebenen erweitern und ihn künftig auf nationaler Ebene begehen. Die erfolgreiche Eingliederung von Millionen Heimatvertriebenen und später von Millionen Aussiedlern ist Ausdruck der solidarischen Leistung aller Deutschen. Ohne die Vertriebenen wäre der Wiederaufbau unseres Landes nach dem Zweiten Weltkrieg so nicht gelungen. Aussiedler sind mit ihrem Können, ihrem Fleiß und ihrer kulturellen Tradition ein Gewinn für unser Land. Das kulturelle Erbe der Heimatvertriebenen und Aussiedler ist heute ein selbstverständlicher und wertvoller Teil unserer Identität. Kulturerbe der deutschen Vertriebenen Das deutsche Kulturerbe im östlichen Europa entfaltet heute an vielen Orten eine verbindende Kraft. Wir wollen zusammen mit den Vertriebenen und ihren Verbänden das Kulturerbe der historischen deutschen Ost- und Siedlungsgebiete als feste Bestandteile der deutschen Kulturnation und Teil der europäischen Identität verankern. Wir haben es deshalb deutlich stärker gefördert und wollen es auf eine zukunftssichere Grundlage stellen. Den Ausbau des Dokumentationszentrums der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ in Berlin wollen wir zügig vorantreiben. Das Zentrum soll das Schicksal der Heimatvertriebenen und die Hintergründe von Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert dokumentieren sowie dazu beitragen, Vertreibungen in Gegenwart und Zukunft weltweit zu ächten. Weitere Projekte, die sich für Aussöhnung und Völkerverständigung einsetzen, wie beispielsweise das Sudetendeutsche Museum in München, wollen wir weiterhin unterstützen. Deutsche Umschau 3-2013

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Geschichte

1813 – Die Befreiungskriege: Geschichte und Erinnerung Eine Tagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen Im Jahre 2013 jährt sich zum 200. Mal der Beginn der Befreiungskriege gegen die napoleonische Vorherrschaft in Mitteleuropa. Die Russlandkatastrophe des Napoleons I. mit dem unerwartetem Untergang seiner „Grande Armée“ hatte die Grundlage dafür geschaffen, dass sich Deutschland und mit ihm auch Europa am Ende von der Fremdherrschaft befreien konnten. Zugleich bildete die Volkserhebung von 1813 den Ausgangspunkt für die Nationalbewegung der Deutschen, die in vielfacher Weise grundlegend für unseren heutigen Staat wurde. Umso irritierender ist das verbreitete Schweigen von deutscher Politik und deutscher Öffentlichkeit zu all den 200. Jahrestagen der Ereignisse von 1813, die in diesen Monaten anstanden oder noch anstehen: Zu der Konvention von Tauroggen vom 30. Dezember 1812, zum Beschluss der Stände Ostpreußens, die Landwehr gegen die Franzosen aufzustellen vom 7. Februar 1813, zu dem Aufruf, den König Friedrich Wilhelm III. von Breslau aus am 17. März 1813 „an mein Volk“ richtete … Keine Briefmarke, kein Staatsakt, nicht einmal eine parlamentarische Gedenkstunde. „Die Nation schämt sich ihrer Geburt“, bemerkte dementsprechend Hans-Günther Parplies, Vorsitzender der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn, eingangs der historischen Fachtagung, zu der die Kulturstiftung gemeinsam mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus, Düsseldorf, nach Königswinter am Rhein geladen hatte. Unter der wissenschaftlichen Leitung von PD Dr. Winfrid Halder nahm sich die Tagung vor, Voraussetzungen, Verlauf und Ergebnisse des Jahres 1813 zu erörtern sowie nicht zuletzt literarische und historiographische Spiegelungen der Ereignisse vorzustellen. Mit dieser Thematik reihte sich die Tagung ein in die Aktivitäten ostdeutscher Kulturinstitutionen, welche als einzige die Befreiungskriege zum Anlass für beachtliche Ausstellungen samt umfangreichem Begleitprogramm genommen hatten, des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen-Hösel und des Hauses Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott. Dr. Halder betonte einführend die immense Bedeutung des Jahres 1813 nicht nur für das Deutschland des 19. Jahrhunderts, dessen territoriale Gestalt einschließlich der

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Bildung des Nationalstaates von den Ergebnissen der Befreiungskriege in weitem Umfang bestimmt wurde, sondern auch für das Deutschland der Gegenwart, das sich in seiner Staatssymbolik bewusst hierauf bezieht. Gleichwohl schienen die von den Volksbewegungen unterstützten Kriege der europäischen Staaten zunächst ein lediglich äußerer Erfolg zu sein: Zwar gelang es, das Joch Napoleons, dessen anmaßende frankreichzentrierte Europaidee abzuschütteln, doch leiteten beim folgenden Wiener Kongress die alten Kräfte umgehend eine

nur die Namen Stein und Hardenberg, für den militärischen Scharnhorst und Gneisenau genannt – den Boden für eine spektakuläre Wiedererstarkung und damit für eine über den Sieg über Napoleon hinauswirkende Modernisierung. Auch wenn die Zeit der Bildung demokratischer Nationalstaaten noch nicht gekommen war, jedenfalls nicht in Deutschland, waren die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass innere Reformen, Demokratie und Nation zusammengedacht werden konnten. Die in der Folge sich formenden Nationen ste-

In der Schlacht bei Großbeeren am 23. August 1813 erstürmt das Kolberger Landwehr-Regiment den Kirchhof. Im Hintergrund die zerstörte Kirche. Auch russische Truppen nahmen an der Schlacht teil. Farbdruck nach einem Entwurf von Carl Roechling (um 1900) Rückkehr zum status quo ante der Fürstenherrschaft ein, machten sie die Hoffnungen der jungen, auf Volkssouveränität abzielenden Nationalbewegungen zunichte. Der Befreiung nach außen entsprach somit keine Freiheit im Inneren. Diese Zusammenhänge stellte in einem zentralen Referat Prof. Dr. Tilman Mayer, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn, heraus. Zukunftsweisend waren jedoch die Reformprozesse, die noch in der Zeit der napoleonischen Vorherrschaft in den europäischen Staaten angestoßen wurden, dies am eindrucksvollsten im zum Kleinstaat degradierten Preußen. Von Ideen der Aufklärung und Revolution beeinflusst bereitete die umfassende preußische Reformpolitik – hier seien für den zivilen Bereich

hen, wie Mayer betonte, keineswegs nur für Völkerfeindschaft, sondern auch für Völkerfreundschaft. Die Souveränität der Nation in Freiheit und Selbstbestimmung sind ein hohes Gut und Erbe der Zeit der Befreiungskriege, das es zu bewahren gilt. Auf einzelne Protagonisten der Zeit gingen verschiedene Referate ein. So zeichnete der Militärhistoriker Dr. Thomas Lindner, Bonn, den bewegten Lebensweg von August Neidhardt von Gneisenau nach, der 1807 von König Friedrich Wilhelm III. in die Militärreorganisations-Kommission berufen wurde, der vehement für sein Ideal eines selbstbewussten, patriotischen Volkes eintrat, das seine Verteidigung selbst organisiert. Gneisenau forderte radikale Reformen wie die allgemeine Wehrpflicht, die Deutsche Umschau 3-2013


Geschichte Abschaffung von Adelsvorrechten und realistische Gefechtsausbildung. Manches, wie ein „Volkskrieg“ im Sinne eines allgemeinen Guerillakrieges der Landwehr, ging dem König und den anderen Reformern indes zu weit. Gneisenau zeigte sich als glänzender Stratege bei der Völkerschlacht bei Leipzig. Die Schlacht bei Waterloo bildete den End- und Höhepunkt seines Wirkens. Heute gelten die von ihm mitentwickelten Reformen als eine der Säulen des Selbstverständnisses der Bundeswehr. Mit der Gestalt der Königin Luise von Preußen beschäftigte sich Karin Feuerstein-Praßer, Köln. Die Bedeutung Luises liegt demnach nicht nur in ihrem – vor allem im Atmosphärischen erfolgreichen – Einsatz für die Interessen des darniederliegenden Preußen, etwa bei der berühmten Begegnung mit Napoleon in Tilsit von 1807, sondern mehr noch in ihrer mythischen Verklärung nach dem frühen Tode im Jahre 1810, die sie in weiten Bevölkerungskreisen zu einer säkularen Schutzpatronin Preußens in den Befreiungskriegen und im weiteren 19. Jahrhundert werden ließ. Mit König Friedrich August I. von Sachsen lenkte Dr. Winfrid Halder exemplarisch den Blick auf eine Persönlichkeit, die „auf der Verliererseite“ stand, der sich von Napoleon eine Stärkung gegen die mächtigen preußischen Nachbarn versprochen hatte und mit ihm scheiterte, der fast zwei Drittel seines Territoriums verlor. Immerhin unternahm Halder eine Ehrenrettung des Rheinbundfürsten, der sich redlich um das Wohl seiner Untertanen kümmerte und dem die Nachwelt verdient den Beinamen „der Gerechte“ verlieh. Von patriotischer Aufbruchsstimmung, wie sie in Preußen zur Zeit der Befreiungskriege herrschte, konnte ebenso wie in Sachsen auch am Rhein, im dem französischen Kaiserreich zugeschlagenen Gebieten links und den von Napoleons Gnaden etablierten Staaten rechts des Stroms, kaum die Rede sein. Gemäß Dr. Bettina Severin-Barboutie, Gießen, empfand man dort die französische Herrschaft bzw. Bevormundung nur bedingt als Fremdherrschaft, wusste man deren Vorteile, etwa die Einführung des modernen, „feudale“ Privilegien beseitigenden Code Civil, wohl zu Deutsche Umschau 3-2013

nutzen. Vereinzelt auftretende Aufstände richteten sich gegen als übermäßig empfundene Kontributionen und Aushebungen, stellten die französische Herrschaft jedoch nicht grundsätzlich in Frage. Die Beiträge von Halder und Severin-Barboutie belegten mithin Preußens Vorreiterrolle hinsichtlich des Strebens nach einer einheitlichen deutschen Nation. Als „Herolde der Befreiung“ wurde im Rahmen einer von Dr. Hajo Buch eindringlich gestalteten abendlichen Lesung, der Sachse – immerhin – Theodor Körner sowie der Vorpommer Ernst Moritz Arndt vorgestellt, die mit ihren Liedern, Gedichten und Texten leidenschaftlich zum Freiheitskampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft aufriefen. Während Körner jung als Angehöriger des Lützowschen Freikorps fiel, stand Arndt noch ein langes Leben als Wissenschaftler und Publizist bevor, in dem er ob seiner Freiheitsliebe sowohl Verehrung als auch Verfolgung erfahren sollte. Wie man die Befreiungskriege gegen Ende des 19. Jahrhunderts bewertete und literarisch verarbeitete, machte die Vorführung der Verfilmung des einst vielgelesenen und heute vergessenen Romans von Hermann Sudermann „Der K atzensteg“ deutlich. Unter anderem anhand des Umgangs mit nach den „Helden“ der Befreiungskriege benannten Straßen machte Dr. Gerd Fesser, Jena, die Wandlungen der Geschichtspolitik in Ost und West, sprich in der SBZ/ DDR und der Bundesrepublik, anschaulich. Wurden Scharnhorst, Blücher und Gneisenau in Mitteldeutschland zunächst als Vertreter des preußischen Militarismus geächtet, ihre Namen aus dem Stadtbild getilgt, so erfolgte noch in den 1950er Jahren eine Umwertung, sah man in ihnen fortschrittliche Kräfte im Sinne des Sozialismus und ehrte man sie, u.a. mit eigenen Briefmarken. In der Bundesrepublik gab es keine Ächtung, erinnerte man sich ihrer nicht zuletzt in Rahmen militärischer Traditionspflege, doch erlahmte die wissenschaftliche Beschäftigung mit ihnen mehr und mehr. Bemerkenswert – und dies war nicht zuletzt Anlass für die Kulturstiftung der

Theodor Körner (1791-1813) Er fiel 1813 im Lützowschen Freikorps und wurde zur patriotischen Identifikationsfigur Das Eiserne Kreuz (Bild links) wurde vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. am 10. März 1813 in Breslau für den Verlauf der Befreiungskriege gestiftet deutschen Vertriebenen und der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus zur Ausrichtung der Tagung – ist der „ostdeutsche“ Anteil am Geschehen des Jahres 1813. Dies betrifft zum einen die handelnden Personen mit ihren starken Verbindungen zu den östlichen preußischen Provinzen, also die den Wiederaufstieg ermöglichenden Reformer, die zur Erhebung gegen die Fremdherrschaft aufrufenden Intellektuellen und die die Armeekorps anführenden Militärs. Speziell die schlesischen Verbindungen hob Dr. Stefan Kaiser, Oberschlesisches Landesmuseum, zur Einstimmung in den Besuch der glänzend bestückten Ausstellung zu 200 Jahren Befreiungskriege „Das Vaterland ist frey“ hervor. Mit dem Ausstellungsbesuch endete die gut besuchte Tagung zu einem Wendepunkt deutscher Geschichte, den aus Rücksichtnahme gegenüber unseren Freunden im westlichen Europa zu verschweigen als gänzlich unnötig erscheint. Schließlich geht es doch heute keineswegs um eine antifranzösische oder antieuropäische Disposition, für die die Befreiungskriege in früheren Zeiten herhalten mussten, sondern allenfalls um eine antinapoleonische. In Frankreich betrachtet man die ambivalente Gestalt des Empéreur im Übrigen nicht weniger kritisch als in Deutschland. Ernst Gierlich

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Grenzüberschreitende Arbeit

BdV-KV Waldeck mit dem DEBW in der Zips Reisegruppe bereiste die Ost-Slowakei Begegnung und Verständigung standen im Mittelpunkt einer 7-tägigen Reise von 7 Vertretern des Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg im „Bund der Vertriebenen“ (BdV) zu den Karpatendeutschen in der Slowakei. Der Kreisvorsitzende des BdV Manfred Kreuzer hatte diese Fahrt angeregt anlässlich des Besuchs der Karpatendeutschen aus Einsiedel an der Göllnitz bei der Kyffhäuserkameradschaft Arolsen-Mengeringhausen im August 2011.Nach der Fahrt nach Oberschlesien im Mai 2012 war dieses die 2.Fahrt auf Initiative des BdV. Veranstalter der Reise war das „Deutsch-Europäische Bildungswerk in Hessen e.V.“ (DEB) die mit insgesamt 38 Personen ein reichhaltiges Seminarprogramm absolvierten. Am ersten Tag wurde ein Zwischenaufenthalt in Pressburg/Bratislava eingelegt. Der Deutsche Botschafter in der Slowakei, Dr. Axel Hartmann hatte in seiner Residenz zu einem Empfang eingeladen. Auf seiner Terrasse direkt neben der Burg und dem slowakischen Parlamentsgebäude mit herrlichem Blick auf die Donau und die Stadt Pressburg gab er einen Bericht über

Pressburg Vorträge aus der deutschen Prosa und Poesie aus dem Landeswettbewerb auf dem Programm.

Nach dem Besuch in der Begegnungsstätte des Karpatendeutschen Vereins (KDV) und einem Vortrag von Prof. Dr. Otto Sobeck, dem Ersten Vorsitzenden des KDV über die Resonanz der deutsch-slowa k iDer nächste Tag In der Patenschaftsurkunde schen Verständigung führte die Gruppe heißt es: „Wir besiegeln unseim In-und Ausland n a c h K ä sm a rk / re Verbundenheit mit dieser wurde die Reise in Kezmarok. Nach Partnerschaftsurkunde.Sie die Ostslowakei ca. dem Empfang im soll Zeugnis ablegen von dem 400 km nach ZipRathaus durch den Brückenschlag zwischen Heiser Neudorf(Spisska Bürgermeister Igor matverbliebenen und HeimatNova Ves)fortgesetzt. Sajtlava und seinem vertriebenen und der SolidariVortrag über den tät untereinander in unserem Der dritte Seminarwirtschaftlichen und gemeinsamen Haus Europa.“ tag begann mit dem sozialen Fortschritt Empfang in der der Stadt gab es vor UNESCO-Weltkuldem gemeinsames Mittagessen im Begegturerbestatt 2009 Leutschau/Levocova.Der nungszentrum der Karpatendeutschen noch Bürgermeister Miroslav Vilkovsky bericheinen Besuch in der bilingualen Schule. tete im Rathaus der Stadt über das gemeinsame geschichtliche und kulturelle Erbe und Nach der Stadtführung mit Besichtigung die Denkmalpflege im neuen Stil der euro- der Holzkirche berichtete nach dem gemeinsamen Abendessen der Bürgermeispäischen Einigung. ter der Stadt Weilburg Hans-Peter Schick über die Ergebnisse und Perspektiven der Städtepartnerschaft Käsmark/Weilburg.

Die Besichtigung des „SlowakischenVatikan“ bzw.der Zipser Burg war am Nachmittag der Höhepunkt des Tages.

Am vierten Tag fand ein Besuch des Gymnasiums in Göllnitz/Gelnica statt. Nach musikalischen Darbietungen wurde über den Jugendaustausch mit einer Partner-Bildungseinrichtung in Deutschland referiert. Anschließend empfing die Bürgermeisterin Marietta Helcmanova mit dem Karpatendeutschen Frauenchor der Gemeinde die Reisegruppe im Bergbaumuseum. Nach der Begrüßung und der Besichtigung des Museums gab es ein gemeinsames Mittagessen mit den Karpatendeutschen. Anschließend erfolgte die Weiterfahrt nach Einsiedel an der Göllnitz/Mnisek nad Hnilkom. Der Empfang durch die Erste Vorsitzende KDV Ema Cölder, Erika König, Regionsvorsitzende und dem Bürgermeister Ludovit Kujnisch fand in der Begegnungsstätte des Karpatendeutschen Vereins statt. Es folgten ihre Referate über den Aufbau des Vereins bzw. der Gemeinde nach der Wende und die Entfaltung der Demokratie mit Beteiligung der deutschen Minderheit.

Nach der Rückreise nach Zipser Neudorf in

Hartmut

Reisegruppe aus Waldeck-Frankenberg,v.l.Josef Keidel,Rudolf Weag,Heidrun Keidel,Helge Gottschling,Hartmut Gottschling.Manfred Kreuzer,Arne Gottschling. seine Tätigkeit und die deutsch-slowakische Verständigungskultur. Am zweiten Tag standen bei einem Besuch der deutschen Minderheitsschule in

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das Hotel Metropol gab es einen Vortrag des stellvertretenden Bürgermeisters über die Stadtentwicklung sowie einen Vortrag vom Vorsitzenden der Karpatendeutschen Assoziation Jan König über die Unterstützung der klein-und mittleren Privatunternehmen. Für den gemütlichen Teil des Abeds sorgten der Männerchor „Bergknappschaft“.

Gottschling,

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Anzeigen BdV-Kreisvorstandsmitglied und Zweiter Vorsitzender der Kyffhäuserkameradschaft Arolsen-Mengeringhausen überreichte anlässlich der 20-jährigen Partnerschaft zwischen den Kyffhäusern aus Arolsen-Mengeringhausen und dem KDV Einsiedel eine Partnerschaftsurkunden an Ema Cölder und Ludovit Kujnisch. Gottschling: „Wir besiegeln unsere Verbundenheit mit dieser Partnerschaftsurkunde.Sie soll Zeugnis ablegen von dem Brückenschlag zwischen Heimatverbliebenen und Heimatvertriebenen und der Solidarität untereinander in unserem gemeinsamen Haus Europa“ Anschließend dankte seinem Kameraden Rudolf Weag der in Einsiedel geboren ist, das er die Verbindung zu seiner Heimat und den Menschen nie aufgegeben hat und im 90.Lebensjahr seinen 24.Besuch nach dem Krieg in Einsiedel absolviert. Der Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Jan Sabanosch hatte zu einem Besuch der Kirche eingeladen. Nach dem Gebet gab der örtliche Posaunenchor(der einzige in der Slowakei) ein Konzert teilweise im Einklang der Kirchenorgel, gespielt vom Kantor Jan König. Es war ein beeindruckendes Erlebnis. Anschließend erfolgte ein

Deutsch-Slowakischer Begegnungsabend mit 80 Teilnehmern im Saal des Rathauses sowie ein Kulturprogramm mit Tanz in der Begegnungsstätte. Es war der letzte Abend in der Ostslowakei. Am nächsten Tag begann die Rückfahrt Richtung Heimat. Es wurde wieder in Pressburg ein Zwischenaufenthalt eingelegt. Im Museum der Kultur der Karpatendeutschen wurde die Reisegruppe vom Museumsdirektor Dr. Ondrej Pöss und von Prof. Dr. Otto Sobeck begrüßt. Nach der Museumsbesichtigung erklärte Prof. Sobeck bei der Stadtrundfahrt zum Hotel die wirtschaftlichen Veränderungen nach der Wende im Bereich der Stadt Pressburg. Bei der anschließenden gemeinsamen Abschlussbegegnung mit den Karpatendeuschen aus Pressburg erläuterten Mitglieder des Karpatendeutschen Jugendvereins ihre Pläne der Regionalaktivitäten zum „Wohle der Minderheit zum harmonischen Miteinander im Lande.“ Die Reisegesellschaft bedankte sich beim Seminarleiter Georg Stolle für die professionelle und sehr gute Leitung sowie bei der Geschäftsführerin des DEBW Bertha Wies für die vorbildliche Abwicklung des Seminars.

BdV-Bundesausschuss will Zwangsarbeiterentschädigung und Gedenktag Der Bundesausschuss des Bundes der Vertriebenen hat auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen, sich weiterhin für eine humanitäre Geste gegenüber deutschen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern und die Einführung eines Gedenktages an die Opfer von Flucht und Vertreibung einzusetzen. Wir halten an unserer Forderung nach einer humanitären Geste gegenüber deutschen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern fest. ... Eine Geste der Anerkennung für die Überlebenden der unmenschlichen und brutalen Haft- und Lagerbedingungen mit ihren dauerhaften seelischen und körperlichen Folgeschäden steht immer noch aus. Schon in dem von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Jahre 2003 eingebrachten Antrag zur Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter, dem sich später auch die FDP angeschlossen hat, wird dies richtigerweise zum Ausdruck gebracht. Wir fordern, endlich eine gesetzliche Grundlage für eine humanitäre Geste in Form einer Einmalzahlung für alle diejenigen Personen zu schaffen, die als Opfer von Deutsche Umschau 3-2013

Gewalt und Willkür zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. Dabei sollen auch die außerhalb der Bundesrepublik Deutschland noch lebenden betroffenen Deutschen einbezogen werden. Das hohe Alter der von der Verschleppung und Ausbeutung Betroffenen erfordert eine zügige Lösung. Zum Zeichen der Verbundenheit mit den deutschen Heimatvertriebenen und in Anerkennung ihres Beitrages zum Aufbau Deutschlands und zum friedlichen Miteinander in Europa ist es überfällig, einen „Nationalen Gedenktag“ einzurichten Bislang haben alle Bundesregierungen den Beitrag der deutschen Heimatvertriebenen zum Aufbau Deutschlands und Europas gewürdigt. Die Einrichtung eines Nationalen Gedenktages wäre jedoch für die Betroffenen ein sichtbares Zeichen der Solidarität mit ihrem Schicksal. Für die Bundesrepublik wäre es die Erfüllung einer selbstverständlichen Pflicht, der ein Land gegenüber den Opfern unter seinen Staatsbürgern im Rahmen seiner Gedenkkultur nachkommen muss. ...

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Kultur

Die Tanzgruppe „Fröhlicher Kreis“ mittendrin Die 50. Europeade fand im thüringischen Gotha statt. Eben haben sie noch getanzt. Und heute hängen die Weißzeuge, Bänder, Hemden und Unterröcke schon wieder nach dem Waschen auf der Trockenleine. Vom 17.22.Juli 2013 nahm „Der Fröhliche Kreis“ zusammen mit vielen anderen Tanz-und Trachtengruppen an der diesjährigen Europeade in Gotha teil. Diese 50. Europeade war etwas ganz Besonderes. In Gotha trafen sich 5441 TänzerInnen, MusikerInnen,

Beim Festumzug TrachtenträgerInnen… Vom „Fröhlichen Kreis“ fuhren 29 Teilnehmer zu dieser Jubiläumseuropeade. Aus allen schlesischen Gruppen nahmen diesmal über 100 Personen teil. In unseren schönen Riesengebirgstrachten und bei viel Musik und Tanz wurden wir sehr häufig auf die wunderschöne Stickerei, unsere Tänze und Musik angesprochen. Auch die Siebenbürgen, Pommern und Sudeten waren in ihren schönen Trachten wieder bei der Europeade vertreten. Und natürlich die ganzen anderen europäischen Regionen, sodass es wieder einmal ein prächtiges buntes und fröhliches Miteinander gab. Insgesamt wurden 201 Regionen aus ganz Europa vertreten. In den Straßen oder zum Europeadeball tanzte die Lettin zusammen mit dem Spanier zu der Musik, die irische und deutsche MusikerInnen gemeinsam machten. Die Eskimos aus Grönland klatschten dazu in ihrer Robbenfelltracht und die Kinder der Zuschauer hopsten daneben im Takt. In der stimmungsvollen und gemütlichen Altstadt von Gotha war einfach alles drin. Jung und Alt, Groß und Klein, mit Tracht und ohne Tracht trafen sich zum gemeinsamen tanzen, musizieren und feiern. Die Gruppen aus Gotha und Umgebung hatten Gäste, die

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mehr als 1000 Kilometer angereist waren. Wer jetzt denkt, einfach Tracht tragen reichte aus, der sieht nur einen Bruchteil des Engagements, welches alle TänzerInnen und MusikerInnen leisten aus. Der „Fröhliche Kreis“ war diesmal in der Turnhalle einer Schule in der Stadt untergebracht. Wir teilten uns die Turnhalle mit der Braunschweiger Gruppe und die Schule mit allen anderen schlesischen Gruppen. Nach dem Frühstück startete unser Programm. Die Großgruppe der Schlesier hatte Straßenauftritte, einen Chorauftritt beim Chorund Musikabend und einen großen Auftritt im Stadion in der Abschlussveranstaltung. Die Schlesier sind Gründungsmitglieder der Europeade und alle Gründungsmitglieder wurden auch entsprechend geehrt. An zwei Tagen hatten wir morgens noch Chor- bzw. Tanzprobe. Aber danach haben wir die Tracht angelegt und sind in die Stadt gegangen. Stadtrundgang, Tanz in den Straßen, Treffen mit den befreundeten Gruppen oder Zusehen bei den anderen europäischen Gruppen macht uns einfach immer Spaß. Und gemeinsame Pausen im Kaffee mit einem anschließenden Tänzchen runden die Aktionen ab. Bei schönstem Sommerwetter tanzten wir im Schlosspark von Schloss Friedenstein mit unseren baskischen

interessierten Zuschauern und Teilnehmern auch immer unsere Tracht und Herkunft erklären. Besonderes Aufsehen erregte dabei unsere kostbare Weißstickerei auf den Weißzeugen. Sehr oft blieben wurden die Schürzen ausgebreitet und die Stickerei auf den Tüchern präsentiert. Beim Mittagessen waren rote Soßen oder Erbsen-Möhrengemüse die Herausforderung schlechthin. Und Kaffee- oder Kakaoflecken hätten beim gemeinsamen Kaffeetrinken passieren können. Aber alle unsere Mädchen bestanden diese Prüfungen und so waren wir im Weißzeug den ganzen Tag präsentabel. Am Abend fand immer ein besonderes Europeadeprogramm statt. Der Abend der Region, Eröffnungsveranstaltung, Chorabend, Europeadeball und Abschlussveranstaltung wechselten sich ab. Auch zu diesen offiziellen Europeadeveranstaltungen gingen wir in Tracht. So kommt es, dass wir morgens die Tracht anlegten und erst am Abend vor dem Schlafengehen ablegen. Jeder einzelne von uns hat seinen Einsatz als schlesischer Tracht-und Kulturbotschafter bei dieser 50. Europeade in Gotha mit Freude geleistet. Mit einem Lächeln im Gesicht und vielen schönen Erinnerungen geht es für uns alle jetzt wieder in den Alltag.

Die schlesischen Teilnehmer der Europeade Freunden und hielten gemeinsam ein Picknick ab oder zogen mit unseren französischen und russischen Freunden durch die Stadt. Es ging von Hauptmarkt über den Buttermarkt und Neumarkt.

Und wir freuen uns schon auf die nächste Europeade, die 2014 in Kielce (PL) stattfinden wird. Dann sind hoffentlich auch unsere Freunde aus Grönland, Frankreich, Spanien oder Russland wieder mit dabei.

Während dieser Zeit mussten wir

Bernadette Glattki Deutsche Umschau 3-2013


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Grenzen der Unabhängigkeit Grußwort auf der Mitgliederversammlung des Heimat verdrängten Landvolkes (HvL) Lassen Sie mich mein Grußwort mit einem Merksatz beginnen, der da lautet: „Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird – und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohlig und behaglich im Gefühl der Majorität, die stets auf seiner Seite ist.“ Eine der großen Gemeinsamkeiten des HvL und des BVdV ist der Kampf um das bäuerliche Eigentum. Bei dem einem speziell in den neuen Bundesländern bei dem anderen zusätzlich in den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Für den HvL und den BVdV ist das erschreckend große demokratische Defizit unserer Bundesrepublik nirgendwo sichtbarer geworden als bei der Problematik von Flucht, Vertreibung und Verbannung aus dem Heimatkreis mit der in diesem Zusammenhang stehenden entschädigungsloser Enteignung und Ermordung oder Verhaftung der Eigentümer und Redaktion: BdV-Landesverband NRW, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, Tel. 0211/ 350 361, Fax 36 96 76, Mail: info@bdvnrw.de. Die Redaktion freut sich über alle Berichte, Artikel, Terminankündigungen und Leserbriefe aus dem Bereich des Bauernverbandes der Vertriebenen. Zu Berichten aus der Arbeit Ihrer Verbände vergessen Sie bitte aussagekräftige Fotos nicht.

ihrer Familien. Sie gingen teilweise einher mit der Diskriminierung vor allem unmittelbar vor und nach der Wende und in abgeschwächter Form auch heute noch.

Klein, Universität Potsdam. Prof. Klein war ebenso wie Prof. de Zayas über viele Jahre im Flüchtlingskommissariat der UNO in Genf beschäftigt.

Gestatten sie mir dies an einem Beispiel deutlich zu machen, das sich in diesen Tagen vor knapp 10 Jahren ereignete unter der rot-grünen Regierung Schröder/Fischer.

Prof. Klein kommt in seinem Gutachten zu genau dem gegenteiligen Ergebnis, nämlich dass durch die Aussage des Bundeskanzlers keine rechtsverbindliche Position entstanden ist, da weder das Parlament noch die unabhängige Justiz sie eingehend geprüft und bestätigt haben. Das Ergebnis von Prof. Klein wird durch Prof. de Zayas bestätigt, der ebenfalls zu den langjährigen Mitarbeitern des UN-Flüchtlingskommissariats gehört und seit 2012 UN-Sonderberichterstatter für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung ist. Dieses Gutachten hat der Bundestag bis heute nicht in der Öffentlichkeit verbreitet oder gar zur öffentlichen Nutzung frei gegeben.

Die Bundesregierung und die polnische Regierung gaben im Jahre 2004 ein Gutachten in Auftrag mit dem Titel: „Gutachten zu Ansprüchen aus Deutschland gegen Polen im Zusammenhang mit dem 2. Weltkrieg“ Prof. Dr. Jan Barcz und Prof. Dr. J. A. Frowein. Zu den Autoren ist zu sagen, dass Prof. Frowein wissenschaftlicher Angestellter am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Heidelberg und Prof. Barcz Jurist der Universität Warschau ist. Die Bundesregierung als Exekutive hat dieses Gefälligkeitsgutachten natürlich veröffentlicht und versagt seitdem jedem Anspruchsberechtigten den diplomatischen Schutz bei dem Kampf um sein Eigentum. Dies gilt auch für die heutige schwarz-gelbe Bundesregierung. Dieses Gutachten ließ jedoch die damalige Opposition in Gestalt der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag im Jahre 2004 nicht ruhen. Es wurde auf Veranlassung der Arbeitsgemeinschaft Flüchtlinge, Vertriebenen und Spätaussiedler unter Vorsitz von Jochen-Conrad Fromme ein Gutachten beim wissenschaftlichen Dienst des Bundestages in Auftrag gegeben mit dem Titel: „Gutachten zur Rechtslage des im heutigen Polen entzogenen Privateigentums Deutscher“, Autor war Univ. Prof. Dr. Eckart

Anmerkung der anwesenden Cornelia Behm MdB: „Der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages arbeitet ausschließlich für die Abgeordneten auf deren Anfrage. Seine Ergebnisse können nur nach Genehmigung durch die zuständige Bundestagsfraktion, zu der der wissensbedürftige Abgeordnete gehört, und den Bundestagspräsidenten veröffentlicht werden.“ Da der Bundestagspräsident bzw. die Bundestagspräsidentin stets einer der regierenden Parteien angehört, wird einer offiziellen Veröffentlichung nur selektiv zugestimmt. Es ist davon auszugehen, dass der damalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse als Gegner einer Vertriebenenpolitik die Veröffentlichung verweigert hat. Eine Recherche im Internet zeigt, dass andere Gutachten, Fortsetzung Seite 16


Bauernverband

Landwirten das Selbstwertgefühl wiedergegeben Ministerin Lucia Puttrich (CDU) bei Feierstunde „50 Jahre landwirtschaftliche Nebenerwerbssiedlung“ Die Einweihung der Nebenerwerbssiedlung erfolgte fast auf den Tag genau vor 50 Jahren, erinnerte sich Otto R. Klösel, Vorsitzender der Nebenerwerbssiedler-Gemeinschaft. Der damalige hessische Landwirtschaftsminister Gustav Hacker weihte die größte Nebenerwerbssiedlung Deutschlands im Egelsbacher Wald ein. Lucia Puttrich, Hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz steht in der Reihe der Nachfolger von Gustav Hacker. „Ich sage allen Dank, die der Siedler-Gemeinschaft so lange die Treue gehalten haben“ so die Ministerin in der Feierstunde im voll besetzten Gemeindesaal der evang. Martin-Luther-Gemeinde. Heute erinnere kaum noch etwas an die Anfänge, als den aus ihrer Heimat vertriebenen Landwirten auf den Grundstücken Gelegenheit gegeben wurde, Kartoffeln und Gemüse anzubauen. Auch das Federvieh der Bürger ist

vertriebenen Landwirte sei ein Neuanfang besonders schwer gewesen. Mit dem Boden unter den Füßen, habe man ihnen in Oberlinden auch ihr Selbstwertgefühl wiedergegeben, erklärte Frau Puttrich.

Heimatvertriebenen, dass sie das Leben bereichert hätten, in die Vereine sei „neuer Wind“ gekommen. In der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ von 1950 hätten die Vertriebenen aller Gewalt abgeschworen. „Bleiben sie zusammen, in guten und Oberlinden sei ein begehrtes Wohngebiet, weniger guten Zeiten“ urteilte Langens Bürgerwünschte Frank Lortz meister Frieder Gebhardt „Dankbar rückwärts den Siedlern. Als Mitglied (SPD) und sprach vom – mutig vorwärts – des Verwaltungsrats einer grünen Stadtteil, über gläubig aufwärts“ örtlichen Sparkasse kam den Besucher ins Schwärer nicht mit leeren Hänmen kämen. Sozusagen den. Sein „Mitbringsel“ in den Wald geplant, entstand im ersten nahm Otto R. Klösel gern entgegen. Bauabschnitt auf einer Fläche von rund 65 Hektar neuer Wohnraum für 5.000 Men- Eine Überraschung gab es für die Ehrenschen. Anfang der 60er Jahre waren es be- gäste: Klösel übergab jedem eine Abbildung reits 22.000 Einwohner. Das Erfolgsrezept der Vertriebenen-Gedenksteine bestehend nach Gebhardt: die Vertriebenen spürten, aus Isergebirgs-Granit, die auf einer kleidass geteiltes Leid halbes Leid bedeutet nen Anlage in Oberlinden ruhen und an und dass alle nur ein Ziel vor Augen hat- Vertreibung und Eingliederung erinnern. ten, sich in Oberlinden eine neue Heimat Mit einem Grußwort war die Landesbeaufaufzubauen. tragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, vertreten. Darin erinnerte sie, dass das Bauvorhaben vor 50 Jahren beispielhaft gewesen sei. Auszeichnungen dafür hätte es bei verschiedenen Wettbewerben gegeben. Das Blechbläserquartett der Musikschule Langen umrahmte die Veranstaltung mit Blasmusik vom Feinsten. Pia Henzel, Manfred Rauch, Simon Schäfer und Moritz Löwenstein zuzuhören, war ein außerordentliches Vergnügen. Einen besonderen Applaus erhielt die Tanzund Gesangsgruppe der „Egerland Jugend“ Offenbach, unter Leitung von Edith Zaschka-Domes. Einige Mitglieder hatten sich für den Auftritt in Oberlinden extra Urlaub genommen.

(V.l.n.r.) Otto R. Klösel, Vorsitzender der Nebenerwerbssiedler-Gemeinschaft LangenOberlinden, Frieder Gebhardt, Bürgermeister Langen, Lucia Puttrich, Hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Frank Lortz, Mitglied des Kreisausschusses Offenbach und Vizepräsident des Hess. Landtages, Margarete WahlerWunder Stadtverordnetenvorsteherin Langen, Norbert Quaiser, BdV-Öffentlichkeitsreferent Hessen

längst verflogen und die Hasen samt Ställen neben den Häusern mussten Platz machen für Garagen. Für die Berufsgruppe der

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Frank Lortz (CDU) Mitglied des Kreisausschusses Offenbach und Vizepräsident des Hess. Landtages, bestätigte den

Mit dem Schlusswort „Dankbar rückwärts – mutig vorwärts – gläubig aufwärts“ verabschiedete Otto R. Klösel die Gäste. Der stellv. Vorsitzenden der Siedlergemeinschaft Adeline Schultz, sprach er besonderen Dank für ihr jahrelanges Wirken aus und dem Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins Langen, Heinz-Georg Sehring, dankte Klösel für die treue Verbundenheit seines Verbandes zur Nebenerwerbssiedler-Gemeinschaft. Norbert Quaiser

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Bauernverband

Im Herzen stets ein Ermländer Zum Tode von Dr. Franz-Josef Herrmann „Glaube, Hoffnung und Liebe“ diese – aus dem Paulus-Brief stammenden Worte – könnten als Überschrift über dem Leben von Dr. Franz-Josef Herrmann stehen, der im Alter von 88 Jahren am26. Juni 2013 im Kreise seiner großen Familie auf Gut Herrmannshorst in Pulheim-Stommelerbusch , fern dem geliebten Ermland, verstarb.

Landwirtschaftsrichters beim Amtsgericht Köln aus.

Schon früh übernahm er Ehrenämter im Berufstand, der Kirche und im lokalen Kommunalbereich. Er war 33 Jahre lang Vorsitzender des Ermländischen Landvolkes, seit 1963 Vorstandsmitglied des BauernverEr wurde am 09. Novembandes der Vertriebenen ber 1924 in Rößel geboren erst auf Landes- später und wuchs auf dem elterauf Bundesebene. Beide lichen Hof in Ostpreußen Verbände ernannten ihn in der Nähe von Allenstein zum Ehrenmitglied. Fast auf. Nach dem Abitur auf bis zum Lebensende hat er dem Gymnasium in Allendiese Ehrenmitgliedschaft stein wurde er zur Marine durch Teilnahme an den eingezogen und als FähnVorstandssitzungen aktiv rich 1945 nach Eisenach wahrgenommen. entlassen. 32 Jahre war er Mitglied der “Arbeitsstelle für HeiDie Militärzeit, über die er matvertriebene (Nord) der selten in seinen Erzählundeutschen Bischofskonfegen berichtet hat, muss jerenz“. Diese war verbundoch Eindrücke vermittelt den mit der Mitgliedschaft haben, die für sein späte- Dr. Franz-Josef Herrmann im Sachausschuss Vertrieres Leben prägend waren. benen- und AussiedlerfraDazu gehörten sicherlich die Glaubenstiefe gen des Diözesanrates im Erzbistum Köln. und der Wagemut nach der Zerstörung tatAuf Bundesebene war er viele Jahre Mitkräftig am Wiederaufbau mitzuarbeiten. glied im Flüchtlingsrat der kath. BischofsUnmittelbar nach der Entlassung absolvierte konferenz . er eine landwirtschaftliche Lehre in ThüSeinen persönlichen Verbindungen ist es ringen und begann das Studium der Landzu verdanken, dass bei der Gründung von wirtschaft an der Friedrich-Wilhelms-UniSozialstationen und Verbänden der deutversität in Bonn. Nach dem Diplomexamen schen Minderheit im Ermland/Ostpreußen schloss sich eine Assistentenzeit am und deren Unterstützung das Ermländische Institut für Obstbau der Universität an, Landvolk und die katholische Bischofskondas in der Promotion 1952 mündete. Nach ferenz Hand in Hand arbeiteten. Tätigkeiten für die Mannesmannregner In diesem Zusammenhang muss auch sein GmbH und als Siedlungsreferent beim kaEngagement für die katholische Landvolktholischen Siedlungsdienst e.V. widmete er bewegung erwähnt werden, deren stellversich dem Aufbau und der Bewirtschaftung tretender Bundesvorsitzender er 8 Jahre des Obstgutes Herrmannshorst in Pulheimwar und die Mitarbeit im Arbeitskreis für Stommelerbusch bei Köln. Entwicklungshilfe verbunden mit der MitEr heiratete 1960 Dorothea Groß aus Lan- gliedschaft im Facharbeitskreis ländliche genwiese. Mit acht Kindern lebten sie Entwicklung der Arbeitsgemeinschaft für auf dem Obstgut in einer – für die heu- Entwicklungshilfe (AGEH) der beiden grotige Zeit nur noch selten vorkommenden ßen deutschen Kirchen. Er war 25 Jahre stellvertretender Vorsitzender des Gemein– Großfamilie. dekirchenrates in Stommelerbusch. Neben der eigenen Arbeit auf dem BeAls Ortsvorsitzender des Rheinischen Landtrieb war Dr. Franz-Josef Herrmann auch als vereidigter Sachverständiger für die wirtschaftsverbandes hat er 29 Jahre lang Landwirtschaftskammer Rheinland tätig der politischen Vertretung des Berufstandes und übte das Amt eines ehrenamtlichen Fortsetzung Seite 14

Umschau für den Landwirt Gelbe Riesen auf dem Acker Riesige runde oder eckige Strohballen liegen zurzeit auf den Stoppelfeldern. Ein großes Exemplar kann bis 300 Kilogramm auf die Waage bringen, teilt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen mit. Die je Hektar anfallende S t r oh m e n g e entspricht im Durchschnitt der 1,2-fachen Kornmasse. Bei einem Kornertrag von acht Tonnen je Hektar erntet der Landwirt durchschnittlich neun Tonnen Stroh. Während die Bergung von kleineren Strohballen oft Handarbeit erfordert und hierfür mehrere Arbeitskräfte nötig sind, kann der Transport der großen Ballen von einer Arbeitskraft bewältigt werden. Hierzu nimmt der Landwirt die Ballen mit der Frontgabel des Schleppers auf und transportiert sie zur Lagerstätte. Die Ballen werden als Einstreu im Stall verwendet. Dort können die runden Ballen einfach, wie ein Teppich, abgewickelt und anschließend mit der Gabel verteilt werden.

Düsser Wühlturm für Schweine Seit Jahren beschäftigen sich Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse intensiv mit der Frage, in welcher Form Schweinen Beschäftigungsmaterial angeboten werden kann. Aktuell wurde ein System entwickelt, das sowohl die gesetzlichen Anforderungen erfüllt als auch den Ansprüchen der landwirtschaftlichen Praxis gerecht wird. Die Forderung nach erkundbarem, beweglichem und veränderbarem Beschäftigungsmaterial wird erfüllt. Gleichzeitig wird den Tieren loses Material wie zum Beispiel Stroh zur Verfügung gestellt, um ihrem Wühlund Spieltrieb nachgehen zu können. Die Tiere können sich das entsprechende Material aus einem einstellbaren Spalt auf einem erhöhten Podest am Boden herauswühlen und sich weiter damit beschäftigen oder es, je nach Material, auch auffressen.

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Bauernverband Fortsetzung von Seite 15 auf lokaler Ebene gedient und gehörte dem Agrar-Sozialen Arbeitskreis viele Jahre an. Auch als Autor zahlreicher fachlicher Veröffentlichungen, Broschüren und Bücher über das Ermland hat er sich einen Namen gemacht. Dazu zählen: •

Fachliche Artikel zu Problemen der künstlichen Beregnung und Fragen der landwirtschaftlichen Siedlung und Eingliederung der heimatvertriebenen Landbevölkerung

Herausgabe der Festzeitschriften „100Jahre Ermländischer Bauernverein“ und “Gottes Volk auf dem Wege – 750 Jahre Diözese Ermland“.

Herausgabe des Buches “Das Ermländische Landvolk baut an der Zukunft“.

Für sein unermüdliches ehrenamtliches Engagement wurde Dr. Herrmann mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am 24. Mai 1991 ausgezeichnet. Der Vorsitzende des ermländischen Landvolkes, Erich Behlau, würdigt Dr. FranzJosef Herrmann mit den Worten:“ Seine Engagements waren erfolgreich. Vielfach

ist sein Name in Briefen, Berichten und Büchern zu finden. Mit allen Kräften setzte er sich bis zuletzt besonders für die Ermlandfamilie ein. Mit großer Hochachtung danken wir ihm für sein vielfältiges ehrenamtliches Wirken, besonders für die vertriebenen Ermländer. Seine Anregungen bei den zahlreichen Begegnungen gaben vielen Mut und Ansporn und brachten auch sichtbare Erfolge. Wir werden ihn nicht vergessen“. Der Präsident des Bauerverbandes der Vertriebenen hat in seinem Kondolenz-schreiben an die Witwe des Verstorbenen ebenfalls die Verdienste von Dr. Franz Josef Herrmann wie folgt gewürdigt:“Gemeinsam mit Ihnen und Ihrer Familie trauern wir, der Vorstand und das Präsidium des Bauernverbandes der Vertriebe-nen (BVdV) und alle Mitglieder, um den Heimgang Ihres Mannes, der seit 1993 unser Ehrenmitglied war. Seit 1965 hat er engagiert im Vorstand des BVdV mitgearbeitet, in den ihn damals Präsident Steves und Geschäftsführer Freiherr v. Schrötter berufen und die Mitglieder gewählt haben. Dem Vorstand hat er somit nahezu 50 Jahre angehört und den Präsidenten Steves, Hoferichter und Walter bei der Verbandsführung

gedient sowie alle Entscheidungen des Vorstandes mitgetragen. Als Repräsentant der Ermländer Bauern war sein Rat immer gefragt und sein Wort besaß Gewicht in der verbandspolitischen Diskussion. Dass er immer einen klaren Blick für die Realität des politischen Lebens allgemein aber auch speziell für die vertriebenen Bauern hatte, mögen Sie aus jenem Satz entnehmen, den er in seinem letzten Brief vom 15. Juli 2012 an mich geschrieben hat:“ Die Aufgaben unseres Verbandes haben sich gewandelt, sie sind aber nicht erledigt.“ Im gleichen Schreiben erinnert daran, dass… “Die Beständigkeit und Wirksamkeit eines Verbandes ist nur dann gewährleistet, wenn wir rechtzeitig – und es ist nach meiner Ansicht hohe Zeit – für eine Wachablösung sorgen.“ Wenngleich die Erlebnisgeneration immer mehr abnimmt, so bleibt es ein wichtiges Anliegen – auch des Verstorbenen – die Erinnerung an die deutsche Kultur und die deutschen Wurzeln im Ermland wachzuhalten. Diesem Wunsche von Dr. FranzJosef Herrmann werden das Ermländische Landvolk und der Bauernverband der Vertriebenen Rechnung tragen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Arwed Blomeyer/Erich Behlau

Grenzen der Unabhängigkeit (Fortsetzung) Fortsetzung von Seite 13 die im Jahre 2005 erstellt – unter Beachtung des Urheberschutzes – freigegeben wurden. Für mich als überzeugten Demokraten ist es allerdings äußerst unverständlich und verstößt meiner Ansicht nach gegen demokratische Grundregeln, wenn der Deutsche Bundestag, das in seinem Auftrag erstellte Gutachten unter Verschluss hält, obwohl das Gutachten vom damaligen Vorsitzender und Sprecher der CDU/CSU-Fraktionsarbeitsgruppe Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler und Mitglied des Fraktionsvorstandes Jochen-Conrad Fromme einigen Vertriebenenorganisationen persönlich überreicht wurde. Das geschilderte Handeln macht für mich deutlich, in welchen Abhängigkeiten die Legislative von der Exekutiven in der Bundesrepublik steht, obwohl diese nach dem Grundgesetz nicht bestehen dürften. Es zeigt für mich, dass die Parteienbeeinflussung sowohl auf die Exekutive wie auch auf

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die Legislative Formen angenommen hat, die den Bürgerwillen und seinem Rechtsempfinden zu wider handeln und die Parteioberen nach Absprache ihren politischen Willen der einen wie der anderen Institution aufzwingen und damit eine Gleichschaltung schaffen, die – gemeinsam mit der Presse – als political Correctness“ verkauft wird. Lassen sie mich in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass es uns vertriebenen Bauern und deren Erben nicht ausreicht, nur die Erinnerungskultur dieses Staates an die Vertreibung zu unterstützen, den die Gruppe der vertriebenen Landwirte und Bauern ist unbestritten diejenige, die durch den Eigentumsentzug, den Berufsentzug und die fehlende – oder nur in Bruchteilen ermöglichte – Wiedereingliederung in den Beruf am meisten gelitten hat. Ich sage dies vor dem Hintergrund, dass eine Reihe von kleinen europäischen Staaten wie Lettland, Estland, Rumänien und

jetzt Serbien Restitutionsgesetzgebungen auf den Weg gebracht haben, die das entzogene Eigentum zurückgeben oder eine adäquate Entschädigung in Aussicht stellen. Fragen von Flucht und Vertreibung und völkerrechtswidrige Enteignungen sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die nicht verjähren und sie sind eben keine ausschließlich deutsche Angelegenheit, sondern ist nach dem 2. Weltkrieg auch anderen europäischen Völkern zuteil geworden. Darum zum Schluss nochmals Goethe: Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird – und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohlig und behaglich im Gefühl der Majorität, die stets auf seiner Seite ist. Arwed Blomeyer

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Kultur

Kulturtagung der Wolgadeutschen Büdingen, Sammelplatz der Auswanderung vor 250 Jahren

Die Landsmannschaft der Wolgadeutschen gedachte mit ihrer Kulturtagung der Auswanderungswelle von Büdingen ins Zarenreich vor fast 250 Jahren. Nachdem Zarin Katharina die Große 1763 in einem Aufsehen erregenden Manifest zur Ansiedlung in neuen Kolonien an der Wolga einlud und dafür erhebliche Privilegien und Fördermittel versprach, zog es Tausende in die russischen Werbebüros. Von Büdingen aus nahmen zahlreiche der großen, militärisch organisierten Trecks ihren Ausgang, welche die Auswanderer und ihre Habe per Wagen und die Flüsse hinab nach Lübeck führten, um von dort die Reise über die Ostsee nach dem russischen Hafen Oranienbaum fortzusetzen, von wo aus die Menschen erst Monate später ihr Ziel an der Wolga erreichten. Eine besonders wichtige Quelle über die Zahl der Ausgewanderten bilden die im Heiratsregister der Büdinger Pfarrei vermerkten Kolonistentrauungen, denn von März bis Juni 1766 gaben sich in der Marienkirche 375 Paare das Ja-Wort, da die Zarin nur Verheirateten die Aufnahme gewährte. Dass nicht die oft unterstellte „Wanderlust“, sondern wirtschaftliche Not und soziale Zwänge vor allem junge Leute zur Emigration trieben, geht aus Personalakten hervor, die akribisch zu den Auswanderungsgesuchen angelegt wurden. „Bei den Planungen für die diesjährige Kulturtagung sei man nicht von ungefähr auf Büdingen gekommen“ so der LWD-Bundesvorsitzende Otto Kotke „ weil hier vor einem Vierteljahrhundert der schicksalhafte Lebensweg so vieler begann, sei Büdingen der richtige Tagungsort.“ In seinem Totengedenken beklagte der Bundesvorsitzende, „dass uns immer mehr Zeitzeugen verlassen“. Erfreulich sei jedoch der Eintritt junger Leute in den Verband und das Entstehen von Patenschaften. Sein Wunsch ist es, dass die Kulturtage dazu beitragen mögen, „die Geschichte zu vertiefen.“ Die nächste Zusammenkunft der Wolgadeutschen wird am 31. August am Gedenkstein in Wiesbaden-Biebrich sein. Büdingens Bürgermeister Erich Spamer dankte in seinem Grußwort den LWD-Organisatoren dafür, dass sie die Kulturtagung an den „Sammelplatz der Auswanderung an Deutsche Umschau 3-2013

die Wolga“ gelegt haben und so auf den Spuren der Vorfahren zurückgekommen sind. Der einheimische Historiker Dr. KlausPeter Decker habe das Geschehen um das „Russlandfieber“ ausführlich dokumentiert. Johann Thießen, Vorsitzender der hess. Landmannschaft der Deutschen aus Russland (LMDR) und stellvertr. LMDR-Bundesvorsitzender überbrachte Grüße seines Verbandes und ein gute Nachricht: ein Mitglied der LMDR, Albina Nazarenus-Vetter, derzeit CDU-Stadtverordnete in Frankfurt, ist für den Hessischen Landtag vorgeschlagen worden.

Eduard Isaak, als Musiker und Schriftsteller gleichermaßen talentiert. „Es war einmal. Das Liedgut der Wolgadeutschen“ heißt sein neuestes Buch. Ein Lied aus „eigener Werkstatt“ trug er gleich selbst vor, sich auch selbst meisterhaft auf der Gitarre begleitend – ein Künstler dem man gern zugehört hat. Der Historiker Dr. Robert Korn hat umfangreich über Eduard Huber „Einem poetischen Genie aus der Wolgasteppe“ geforscht. Huber, geboren 1814 in der wolgadeutschen Kolonie Messer, war der Erste der Goethes Faust ins Russische übersetzte. Sein Vater, ein Pfarrer, stammte aus dem Badischen. Freundschaft verband Huber mit dem „Vater der russischen Literatur“ Alexander Puschkin. Hubers deutsche Gedichte

Die in Sibirien geborene Frieda Bayer las aus ihrem schmalen Büchlein „Der Schrei der Seele“. Die schlimmen Lebensverhältnisse, schon vor dem letzten Krieg und erst recht danach, Qualen von Unterdrückung und Zwangsarbeit , wie kann man das alles beschreiben, hat sie sich gefragt. Kann man menschliche Gefühle auf dem Papier so darstellen, wie sie im Leben sind? Hess. Landesbeauftragte Ziegler-Raschdorf, LWD-BundesFrieda Bayer ist das ge- vorsitzender Otto Kotke lungen. Sie hat ein literarisches Bild gezeichnet, das wurden erst nach seinem Tode in deutschen zu Herzen geht. Die Schicksale gleichen Zeitschriften veröffentlicht. Dr. Korn hatte sich: Plötzliche Verhaftung, Verschwinden ein Beispiel mitgebracht. auf Nimmerwiedersehen. Hunger auch nach Kriegsende, die Männer noch in der Trudar- Dr. Norbert Herr MdL, Vorsitzender des mee, Frauen und Kinder ohne fremde Hilfe UHW-Ausschusses im Hessischen Landauf sich gestellt. Tragische Einzelschicksale. tag kennt als Historiker die Geschichte BüFrieda Bayer hat mit ihrem Büchlein den dinges als „Auswanderungsdrehscheibe“ geschundenen Landsleuten ein würdiges genau. Nicht nur nach Russland, sondern Denkmal gesetzt. auch nach Ungarn und Amerika hätten sich Auswanderer von Büdingen aus auf den Musikalische Höhepunkte waren die AufWeg gemacht. Die Ehefrau von Dr. Herr tritte von Viktor Rommel und Maxim ist Vertriebene aus Schlesien, zum SchickVarab’jau. Rommel, ein Meister auf der sal der Wolgadeutschen hat er daher eine Domra, eine in der russischen Musik gebesondere Beziehung. Die Wolgadeutschen spielten Laute. Varab’jau bot dazu die Bewären nach Wolgarepublik, Stalindiktatur gleitung auf der Gitarre. Für Oginskis Pound der Nachkriegszeit „wo sie die Verbrelonaise „Abschied von der Heimat“, Bachs cher“ waren, erst hier in der Heimat end„Siziliana“ und Schuberts „Leise flehen lich zur Ruhe gekommen. Er unterstützt meine Lieder“ gab es ganz großen Applaus die Pläne für einen bundesweiten Vertriefür die beiden Künstler. Noch in Russland benen-Gedenktag. Bei der Härtefallregehatten sie ihre Studien abgeschlossen. lung zur Zusammenführung von getrennt Eine Probe seines vielseitigen Könnens bot Fortsetzung auf Seite 18

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Kultur Fortsetzung von Seite 17 lebenden Familienangehörigen mit ihren Familien sieht er dringenden Reformbedarf. Das Erforderliche sei bereits angestoßen worden, aber die Umsetzung dauere im viel zu lange. Die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler Margarete Ziegler-Raschdorf wurde vom LMDR-Landesvorsitzenden Johann Thießen mit einem Kompliment empfangen: „Sie kündigen nicht nur an, sondern sie stehen auch dazu“. Das hörte die Landesbeauftragte gern und nutzte die Gelegenheit, ihre Verbundenheit mit der Landsmannschaft der Wolgadeutschen zu bekräftigen und dem Bundesvorsitzenden Kotke eine hervorragende Arbeit zu bescheinigen. „Die Bewahrung und Pflege der Kultur der Heimatvertriebenen und der Spätaussiedler bleibe eine gesamtstaatliche Aufgabe und würde deshalb von dieser Landesregierung weiterhin gefördert“ so Frau ZieglerRaschdorf . „Spätaussiedler wie Heimatvertriebene hätten unser Land mit aufgebaut. Sie besäßen deshalb nicht nur einen gesetzlichen, sondern auch einen moralischen Anspruch, die Kulturleistungen ihrer Heimat zu pflegen und als Teil gesamtdeutscher und damit gesamteuropäischer Kultur zu bewahren“ fügte die Landesbeauftragte unter Applaus der Versammelten hinzu. Als der neugewählte Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Waldemar Eisenbraun, sein Führungsprinzip vorstellte, horchte die Versammlung auf. Nach den Plänen des selbständigen Informatik-Fachmanns, seine Mutter ist ein Wolgadeutsche, wird die Leitungsebene der LMDR vollständig umgekrempelt, sprich professionalisiert. In wichtigen Gremien, in denen hauptamtliche Verantwortliche notwendig sind, will Eisenbraun künftig nicht „Vorstandsmitglieder“ sondern ausgewiesene Fachleute sehen. Welche Eigenschaften er von seinen Mitarbeitern fordert, habe er kürzlich in „Volk auf dem Weg“ beschrieben: Unabhängigkeit, Kompetenz und Loyalität. Die Leistung der für den Verband Verantwortlichen wird er nicht nach „Erfolg“ sondern Fortschritt beurteilen. Respekt sollte man sich durch eigene Kompetenz erwerben und Stärke würde zu Unabhängigkeit führen. Ungeteilte Zustimmung erfuhr Eisenbraun

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für die Ankündigung, dass der Katharinenpreis der LMDR dem DRK zugedacht ist. Schließlich riet der Bundesvorsitzende seinen wolgadeutschen Schicksalsgefährten dringend, eine „westeuropäische Denkweise“ anzunehmen. Mit dem Aufruf „Zusammenhalten – Zukunft gestalten“ schloß Waldemar Eisenbraun sein temperamentvoll vorgetragenes Grußwort. Wenn bei einer solchen Kulturtagung nicht auch Gesangsdarbietungen in den Programmheften stünden, würde Wichtiges fehlen: Das deutsche Volkslied, das idealisierte ländliche Kultur und starke Heimatverbundenheit assoziiert.

Die nach Büdingen gekommenen Chöre der Wolgadeutschen haben deutsche Liedschätze gut aufbewahrt aber auch russisches Liedgut, das sie in der Verbannung kennengelernt hatten, nicht vergessen. Der„Wolgadeutsche Chor“ aus Kassel unter der Leitung von Ludmila Schwetz, die „Singenden Frauen“ aus Korbach, geleitet von Irina Hazke, die „Stimme der Hoffnung“ aus Wetzlar, unter der Leitung von Lilli Morland und der Chor „Romaschka“ aus Hofgeismar, geleitet von Galina Bienemann, boten temperament- und stimmungsvollen Chorgesang der zum Mitsingen einlud. Norbert Quaiser

Positive Entwicklung bei Personenstandsurkunden Wiesbaden. Die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebe und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, hat Ministerpräsident Volker Bouffier für die Unterstützung bei der Frage der Eintragung von Geburtsorten in Pässen und Personenstandsurkunden gedankt. Immer wieder kommt es zu Beschwerden, da deutsche Meldebehörden dazu übergegangen sind, bei Vertriebenen und Aussiedlern, insbesondere aus dem heutigen Polen, die nach em Krieg geboren sind, nunmehr dazu übergegangen sind, bei der Neubeantragung des Personalausweises oder Reisepasses die deutschen Bezeichnungen für Geburtsorte im jetzigen Polen durch polnische Namen zu ersetzen. Auch Standesämter würden in Sterberegisterfällen ähnlich verfahren. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Frau Erika Steinbach, MdB, hatte den Ministerpräsidenten in einem Schreiben auf die Problematik aufmerksam gemacht und den Vorschlag unterbreitet, die Innenministerkonferenz könne dieses Problem einer Lösung zuführen, die die Befindlichkeiten der Vertriebenen und die Rechtslage ausreichend berücksichtigt. Der Ministerpräsident konnte inzwischen in einem Schreiben an den Bund der Vertriebenen Vollzug melden. Auf Antrag des Landes Hessen hat der Arbeitskreis I der Innenministerkonferenz mit Beschluss vom 22./23.4.2013 zur Bezeichnung von Ortsnamen im Ausland festgestellt hat, dass im Bereich der Melde- sowie des Pass- und

Personalausweisrechts bei der Eintragung des Geburtsortes mit Rücksicht auf die Besonderheiten des Einzelfalls im Rahmen der rechtlichen Möglichkeit die Wünsche eines Antragstellers angemessen berücksichtigt werden können. Weiter teilte der Ministerpräsident mit, dass Hessen beabsichtigt, den Beschluss des Arbeitskreises I in Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium großzügig umzusetzen, so dass, sofern die antragstellende Personen den Eintrag der allgemein üblichen deutschen Ortsbezeichnung vorangestellt haben möchte oder auch ausschließlich den Eintrag der allgemein üblichen deutschen Ortsbezeichnung wünscht, diesem Wunsch grundsätzlich Rechnung getragen wird. Das Hessische Ministerium des Innern und für Sport wird die Meldebehörden, die Pass- und Personalausweisbehörden sowie die Standesämter in Hessen entsprechend informieren und ausdrücklich noch einmal auf diesen wichtigen Punkt hinweisen. Der Verband der hessischen Standesbeamten wurde bereits gebeten, dieses Thema in seine Schulungen aufzunehmen, was inzwischen auch zugesagt wurde. „Ich kann gut verstehen, dass die bisherige Praxis viele Vertriebene und Aussiedler geärgert und sogar empört hat. Umso mehr freue ich mich, dass sich Ministerpräsident Volker Bouffier persönlich für die gefundene Lösung eingesetzt hat, die den berechtigten Anliegen der Betroffenen Rechnung trägt“, so die Landesbeauftragte abschließend. Deutsche Umschau 3-2013


Verbände

Sudetendeutsche in Berlin Stephan Mayer MdB Kontaktmann für Sudetendeutsche Für einen Besuch in der Bundeshauptstadt hatten sich die drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) Siegbert Ortmann (Lauterbach), Claus Hörrmann ( Neustadt/ Sachsen) und Steffen Hörtler (Bad Kissingen) sowie der Präsident der Bundesversammlung Reinfried Vogler (Kronberg/ Ts.) kürzlich ein umfangreiches Programm vorgenommen. Zunächst ging es zum Baubeginn für ein Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung im Deutschlandhaus mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und einer Ausstellungseröffnung über die Arbeit dieser Stiftung. Es folgte eine BdV-Jubiläumsveranstaltung über 60 Jahre Bundesvertriebenengesetz mit Verleihung der Wenzel-Jaksch-Medaille an Staatsminister Bernd Neumann (MdB) und schließlich schloss sich für den hessischen Landesvorsitzenden Siegbert Ortmann und Claus Hörrmann als Vertreter der Sudetendeutschen Landsmannschaft noch eine Sitzung des BdV-Bundesausschusses an, zu der Präsidentin Erika Steinbach (MdB) eingeladen hatte. Zwischendurch waren die drei SLVerbandsfunktionäre Gäste des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier beim großen Hessenfest in der hessischen Landesvertretung. Diese Veranstaltung mit rd. 2000 Teilnehmern ist seit über 10 Jahren alljährlicher Treffpunkt für Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien inmitten der Bundeshauptstadt. Dabei zeigte sich das Bundesland Hessen kulinarisch und kulturell bis tief in die Nacht hinein wieder von seiner besten Seite. Und bei dieser Gelegenheit kamen die sudetendeutschen Volksgruppenvertreter dann auch mit dem CSUBundestagsabgeordneten Stephan Mayer zu einem intensiven Gedankenaustausch über Möglichkeiten der regelmäßigen Präsenz und des „verbandspolitischen Gehörs“ der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Berlin zusammen. Der aus Altötting in Bayern stammende Bundestagsabgeordnete ist als stellvertretender Landesvorsitzender der Union der Vertriebenen (UdV) in der Vertriebenenarbeit bestens bewandert und zudem Mitglied des 21-köpfigen Stiftungsrates der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin. Auf Wunsch der SL-Vorstandsmitglieder war MdB Mayer dann auch spontan als zukünftiger Deutsche Umschau 3-2013

Kontaktmann der Landsmannschaft für die Bundeshauptstadt bereit. Was für den Bund der Vertriebenen (BdV) unter ihrer Präsidentin Erika Steinbach (MdB) seit

jeher selbstverständlich sei, müsse für die große sudetendeutsche Landsmannschaft in Deutschland jetzt und in Zukunft auch gelten, nämlich die Einbringung der Verbandsaktivitäten und Vorstellung der aktuellen Volksgruppen-Anliegen bei den Politikern in Berlin, so die drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden abschließend. SO

(V.l.n.r.) Steffen Hörtler, Reinfried Vogler, Prof. Dr. Möller, Erika Steinbach MdB, Staatsminister Bernd Neumann, Siegbert Ortmann, Claus Hörrmann

SPD und Vertriebenenarbeit Die Bundeshauptstadt Berlin mit ihrer allgegenwärtigen Polit-Prominenz ist immer wieder gut für spontane Begegnungen. Dies erlebten kürzlich auch die beiden stellvertretenen Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) Siegbert Ortmann und Steffen Hörtler bei einem Aufenthalt in dieser Stadt, als sie zufällig den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Frank-Walter Steinmeier trafen.

wörtlich: „Nur wenn die Steuereinnahmen weiter so sprudeln, wird es bei der bisherigen Förderung bleiben können“. Für die Sudetendeutschen Ortmann und Hörtler war diese Aussage ein Anlass, bei

Nach ihren persönlichen Vorstellungen erfuhren die sudetendeutschen Verbandsfunktionäre, dass ihr Gesprächspartner mütterlicherseits heimatliche Wurzeln in Schlesien habe und schon deshalb durchaus Verständnis für die Belange der Hei- (V.l.n.r.) Steffen Hörtler, Frank-Walter Steinmeier, matvertriebenen aufbringen könne. Siegbert Ortmann Auf Nachfrage über künftige staatliche Zuwendungen für die völkerverständigende Kulturarbeit der Vertriebenenverbände mit den osteuropäischen Nachbarländern, erwiderte der SPD-Fraktionsvorsitzende

der SPD noch mehr als bisher für die Sinnhaftigkeit der völkerverständigenden Kulturarbeit der Vertriebenen- und Spätaussiedlerorganisationen zu werben. Norbert Quaiser

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Kultur

„Vertriebene sind zu Botschaftern der Aussöhnung geworden“ Landtagspräsidentin Carina Gödecke zum 50. Geburtstag des Gerhart-Hauptmann-Hauses In einem bemerkenswerten Grußwort hat sich Nordrhein-Westfalens Landtagspräsidentin Carina Gödecke an die Teilnehmer des Festaktes zum 50. Geburtstag des Düsseldorfer Gerhart-Hauptmann-Hauses gewandt. Wir dokumentieren diese Rede im Wortlaut: „Wir müssen unsere Verletzungen zeigen, damit die andere Seite die ihren zeigt. Nur so ist Verständigung möglich.“ Mit dieser Aufforderung des viel zu früh verstorbenen Peter Glotz, der sich Zeit seines Lebens intensiv mit dem Thema „Vertreibung“ beschäftigt hat, heiße auch ich Sie herzlich willkommen und überbringe gerne die Grüße und guten Wünsche des Landtags Nordrhein-Westfalen.

Der Landtag und das Gerhart-HauptmannHaus und seine Stiftung – das ist ein gewachsenes, enges Bündnis. Denn im Kuratorium waren stets und sind auch heute Abgeordnete aller Fraktionen vertreten. Und mit Reinhard Grätz als langjährigem Vorsitzenden des Kuratoriums, der übrigens auch einer meiner Vorgänger als parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion war, und mit Andreas Bialas als Mitglied im Stiftungsvorstand sind ebenfalls engagierte Landespolitiker in führender Funktion beim Gerhart-Hauptmann-Haus aktiv. Daran wird deutlich: Dieses Haus und seine Arbeit genießt im Landesparlament allerhöchste Wertschätzung. Und es ist schön, dies in dieser Feierstunde einmal ganz offen äußern zu können.

Ich danke Ihnen, Herr Exakt heute vor 50 Jahren Harbich, ebenso wie Herrn – am 22. Juni 1963 – war es Dr. Halder, dass Sie mir die soweit: zweieinhalb Jahre Ehre eines Grußwortes in nach seiner Grundsteinledieser Feierstunde zugewiegung konnte dieses Haus sen haben. Auch wenn ich als „Haus des Deutschen heute ganztägig mit TermiOstens“ – wie es damals nen als Wahlkreisabgeordhieß – seine Arbeit aufnehnete gefordert bin, konnte NRW-Landtagspräsidentin men: als Tagungs- und Verich es möglich machen, Carina Gödecke sammlungsstätte mit umzumindest für diese Feierfangreicher Bibliothek. stunde als LandtagspräsiDamit erhielten die 2,4 Millionen Flüchtdentin zu Ihnen zu kommen, bevor ich dann linge und Vertriebenen, die sich in Nordwieder zu den „Wurzeln“ zurückkehre – die rhein-Westfalen ein neues Zuhause aufliegen nun mal in Bochum. bauten, einen dauerhaften Bezugspunkt 50 Jahre Gerhart-Hauptmann-Haus – ja un- und eine wichtige Anlaufstelle. Für viele ser Land und die Landeshauptstadt können wurde dieses Haus zumindest zu Beginn tatsächlich stolz sein, mit diesem Haus seit eine Ersatzheimat. nunmehr einem halben Jahrhundert einen Das Haus des Deutschen Ostens, das seit Ort der Erinnerung, aber auch den Auf1992 den Namen Gerhart Hauptmanns bruchs zu haben. trägt, war zu jeder Zeit einzigartig. Es ist Die Integration von Millionen von Heimat- die älteste und damit die traditionsreichste vertriebenen – insbesondere in Nordrhein- Einrichtung dieser Art in Deutschland. Westfalen – ist eine beispiellose ErfolgsgeAndere, auf der Grundlage des § 96 des schichte. Viele deutsche Heimatvertriebene Bundesvertriebenengesetz von 1953 aus öfsind zu Botschaftern der Aussöhnung und fentlichen Mitteln geförderte, vergleichbare Verständigung geworden und haben dafür Einrichtungen wurden deutlich später geüber Jahrzehnte unendlich viel getan. Daschaffen, so München 1970, Stuttgart 1976, ran hat das Gerhart-Hauptmann-Haus mit zuletzt Potsdam 2001. seinen vielfältigen Angeboten ganz wesentlich mitgewirkt. Die Stiftung mit ihrem Haus ist damit seit

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einem halben Jahrhundert fester Bestandteil der Bildungs- und Kulturlandschaft Nordrhein-Westfalens. Kein geringerer als der große Gelehrte und Staatsmann Wilhelm von Humboldt hat es treffend auf den Punkt gebracht, indem er sagte: „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ Diese Aussage ist Bestandteil der Arbeit dieses Hauses, das für mich auch eine wichtige Säule unserer dringend notwendigen Erinnerungskultur ist. Nicht zuletzt der Stiftung und ihrer Erinnerungsarbeit ist es zu verdanken, dass ein geschärftes Bewusstsein entstanden ist für die tiefen Wunden, die Vertreibungen schlagen und die Jahrzehnte später noch den Ausgleich unter den Völkern belasten können. Da die Zeitzeugen immer weniger werden, hat auch das Gerhard-Hauptmann-Haus längst neue Wege beschritten, um Zeugnisse der Vergangenheit dauerhaft zu sichern und sicher in jüngere Hände weiterzugeben. Es geht Ihnen also auch um Zukunft. Und beispielhaft ist hier Ihre intensive Zusammenarbeit mit Schulen und Hochschulen zu nennen, also mit jungen Menschen. An diesem Ort – und genauer gesagt – in Ihrer wunderbaren Bibliothek recherchieren etwa Schülerinnen und Schüler der Käthe-Kollwitz-Realschule für ihr Schulprojekt „Jugendpolitik und Jugendprotest in der DDR“. Und Sie geben dabei Hilfestellung. Weiter erstellen Abiturienten des Leistungskurses Geschichte des Benrather Schlossgymnasiums eine Ausstellung mit dem Titel „Spuren in der deutsch-polnischen Geschichte – gemeinsame Erinnerungsorte!“ Und Sie beraten und unterstützen Sie dabei. Die Aufzählung dieser Beispiele könnte ich jetzt fortsetzen. Das muss ich aber nicht, weil schon jetzt deutlich wird: Ihre Arbeit mit jungen Menschen ist vorbildlich. Und dafür danke ich Ihnen sehr herzlich. Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben im vergangenen November einen Parlamentarischen Abend mit den Deutsche Umschau 3-2013


Kultur Vertriebenen- und Aussiedlerverbänden im Landtag veranstaltet, bei dem wir auch die sehenswerte Ausstellung „Im Dienste der Menschheit“ gezeigt haben. Viele von Ihnen waren dort. Diese Ausstellung hat uns noch einmal vor Augen geführt: Rilke und Eichendorff – Kant, Schopenhauer und Lassalle – Käthe Kollwitz, Edith Stein und Lina Morgenstern – das sind nur einige wenige Beispiele von unglaublich vielen Menschen aus dem historischen deutschen Osten, die unsere Kultur und Tradition insgesamt geprägt haben und auf die wir mit Recht stolz sind. Und dazu gehört natürlich auch der große schlesische Schriftsteller und Dramatiker Gerhart Hauptmann – der Namensgeber dieses Hauses – an dessen 150. Geburtstag und 100. Jahrestag der Verleihung des Literaturnobelpreises wir erinnert haben. Dieser Parlamentarische Abend war gleichzeitig auch der Dank an die Vertriebenen- und Aussiedlerverbände, die beim Thema Bewahrung von Kultur und Tradition immer an der Spitze der Bewegung zu finden sind. Aufrichtigen Dank dafür. Ich möchte es abschließend als gutes politisches Signal werten, dass vor wenigen Tagen der Grundstein für das Dokumentationszentrum der „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ gelegt werden konnte. Keiner hätte sich darüber mehr gefreut als Peter Glotz. Manch einer von Ihnen mag hinzufügen: „Wurde aber auch Zeit!“. Mir war vor allem immer wichtig, dass es eine einvernehmliche und streitfreie Entscheidung gegeben hat, auch wenn es eine ganze Zeit gedauert hat. Auch hier dort Erbe, Wissen, Vergangenheit der Deutschen erhalten, um letztlich – eingebettet in den Kontext europäischer Vertreibung im 20. Jahrhundert – den Blick nach vorne zu ermöglichen. Dieses Haus – das Gerhart-Hauptmann-Haus – zeigt uns, wie das geht. Deshalb ist es ein Vorbild. Und Vorbilder können wir immer gut gebrauchen. Gerne sage ich: Herzlichen Glückwunsch Stiftung Gerhard-Hauptmann-Haus zum 50-jährigen Bestehen. Und als Kind des Ruhrgebiets füge ich hinzu: Von Herzen Glückauf! Deutsche Umschau 3-2013

Ausstellungen im Oberschlesischen Landesmuseum „Das Vaterland ist frey“ – 200 Jahre antinapoleonische Befreiungskriege 28. April bis 27. Oktober 2013 Seit dem 28.4. zeigt die Sonderausstellung „Das Vaterland ist frey. 200 Jahre antinapoleonische Befreiungskriege“ mit insgesamt 500 Exponaten die Entwicklungen der napoleonischen Ära mit unterschiedlichen Geschichten. Vom Ratifikationsexemplar des Tilsiter Friedens bis zu Schlussakte des Wiener Kongresses von 1815, vom handschriftlichen Entwurf des königlichen Aufrufes bis zu einem preußisch-russischen Bündnisvertrag von 1811 reichen die wertvollen originalen Dokumente. Rund zwei Dutzend bedeutende historische Persönlichkeiten wie Napoleon, König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Luise, Gebhard Leberecht von Blücher, der den Beinamen „Marschall Vorwärts“ erhielt, sowie Scharnhorst, Gneisenau und Yorck werden vorgestellt.

Oscar Troplowitz zum 150. Geburtstag

27. September 2013 bis 26. Januar 2014 Der Erfinder der Nivea-Creme war ein Oberschlesier! Nivea-Creme, LeukoplastPflaster, Labello Lippenpflegestift, TesaFilm und auch das Unternehmen Beiersdorf kennt fast jeder. Damit untrennbar verbunden ist Oscar Troplowitz (1863 – 1918), ein Apotheker, Unternehmer und Kunstmäzen jüdischer Herkunft aus Gleiwitz. Er baute die Firma Beiersdorf zu einem Unternehmen aus, das heute weltweit tätig ist. 1890 kaufte er das Labor von Paul Carl Beiersdorf in Altona und machte aus einer kleinen Firma mit elf Angestellten innerhalb weniger Jahre ein international operierendes und vernetztes Unternehmen. Schnell erwirtschaftete Troplowitz sehr viel Geld, das er klug in bahnbrechende neuartige Methoden in der Produktentwicklung und Vermarktung investierte. Gleichzeitig verbesserte er die Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter entscheidend und schuf so ein besonders soziales Unternehmensklima. Zum 120-jährigen Jubiläum der Firma Beiersdorf wurde 2010 im Jüdischen Museum in Rendsburg eine Sonderausstellung über

Troplowitz erstellt. Anlässlich des 150. Geburtstages von Oscar Troplowitz übernimmt das Oberschlesische Museum in Ratingen weite Teile dieser Schau und beleuchtet das Leben und Wirken dieses Industriepioniers aus Gleiwitz. Nicht nur zur Zierde - Trachtenschmuck aus dem Teschener Schlesien 21. Juli bis 22. September 2013 Sich zu schmücken, ist eins der ältesten menschlichen Bedürfnisse. Der Schmuck hatte eine magische Kraft, behütete seinen Träger, brachte ihm Glück, zeigte seinen sozialen Status und seine Position. Als Kooperation mit dem Oberschlesischen Museum in Beuthen zeigt das OSLM in Hösel diese Ausstellung. Die Ursprünge des prachtvollen Trachtenschmucks aus dem Teschener Raum liegen in der städtisch-adligen Renaissancekleidung. Die handwerkliche Fertigkeit der Schmiede spiegelt sich in dem Variationsreichtum der Schmuckformen mit floralen, figürlichen, mythologischen, geometrischen und anderen Motiven. Die Schmuckstücke wurden gegossen, gepresst und graviert. Aus feinem Drahtgeflecht ließen sich besonders filigrane Formen herstellen. Auch heute hat diese spezielle Schmuckform aus Teschen nichts von ihrem Zauber und ihrer Schönheit eingebüßt. „Schlossgeschichten. Adel in Schlesien“ 3. August bis zum 3. November 2013 Die Burg Hohenzollern bietet ein ganz besonderes Ambiente für die erfolgreiche und wegweisende Ausstellung des Oberschlesischen Landesmuseums in Ratingen zum schlesischen Adel. Am 3. August um 11 Uhr wird die Ausstellung „Schlossgeschichte. Adel in Schlesien“ auf dem Stammsitz der preußischen Könige und der Fürsten von Hohenzollern in Hechingen eröffnet. Dass Schlesien keine abgelegene Region war, sondern zahlreiche und weitreichende Beziehungen auch zu den Hohenzollern bestanden, ist ein interessanter Aspekt, den die Ausstellung beleuchtet und den Besuchern einen neuen Blick auf ihre Heimatregion eröffnet.

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Frau und Familie

Weltflüchtlingszahlen: Höchster Stand seit 1994 46 Prozent aller Flüchtlinge weltweit Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren Genf - Die Zahl der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen hat weltweit den höchsten Stand seit 1994 erreicht. Ein Hauptgrund hierfür ist der Syrien-Konflikt, so der neue UNHCR-Bericht ‚Global Trends‘, der einen Tag vor dem Weltflüchtlingstag, in Genf veröffentlicht wurde. Der Bericht bietet umfassende Daten und Statistiken zum Thema ‚Flucht und Vertreibung im Jahr 2012‘. Die Angaben beruhen auf Informationen von Regierungen, nichtstaatlichen Partnerorganisationen (NGOs) und eigenen Zählungen. Ende 2012 waren demnach insgesamt über 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht (2011: 42,5 Mio.):

Syrische Flüchtlingskinder in Jordanien 15,4 Millionen Flüchtlinge, 937.000 Asylsuchende und 28,8 Millionen Binnenvertriebene (IDPs). Hauptursache für die weltweite Flucht und Vertreibung bleibt der Krieg. 55 Prozent der Flüchtlinge in der UNHCR-Statistik stammen aus gerade einmal fünf Staaten: Afghanistan, Somalia, Irak, Syrien und dem Sudan. Der Bericht listet zudem neue Massenfluchtbewegungen auf: aus Mali, der Demokratischen Republik Kongo, dem Sudan (Richtung Süd-Sudan) und aus Äthiopien. „Dies sind wahrlich alarmierende Zahlen. Sie spiegeln im gewaltigen Ausmaß individuelles Leid wider und zeigen die Schwierigkeiten der internationalen Staatengemeinschaft auf, Konflikte zu verhindern und rechtzeitig Lösungen für diese anzustreben“, so UN-Flüchtlingskommissar António Guterres. Die Kluft zwischen ärmeren und reicheren Staaten bei der Aufnahme von Flüchtlingen wird dabei immer offensichtlicher.

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Von den rund 10,5 Millionen Flüchtlingen unter UNHCR-Mandat (weitere 4,9 Millionen palästinensische Flüchtlinge fallen unter das Mandat des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge UNRWA) befinden sich die Hälfte in Staaten mit einem ProKopf-Jahreseinkommen von weniger als 5.000 US-Dollar. Insgesamt leben 81 Prozent der Flüchtlinge weltweit in Entwicklungsländern. Vor einem Jahrzehnt waren es lediglich 70 Prozent. Insgesamt sind 46 Prozent aller Flüchtlinge weltweit Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Von unbegleiteten Minderjährigen oder Kindern, die von ihren Eltern getrennt sind, wurden im letzten Jahr 21.300 Asylanträge eingereicht. Dies ist die höchste jemals von UNHCR erfasste Zahl in diesem Bereich. Die weltweite UNHCR-Statistik umfasst neben neuen Fluchtbewegungen und der Gesamtzahl der von globaler Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen auch Angaben über ehemalige Flüchtlinge und Binnenvertriebene, die z. B. in ihre Heimatorte bzw. -regionen zurückkehren konnten oder in ihrem neuen Heimatland eingebürgert wurden. UNHCR unterstützt Menschen, die zur Flucht gezwungen wurden, durch humanitäre Hilfe oder bei der Suche nach dauerhaften Lösungen. So konnten letztes Jahr mit UNHCR-Unterstützung für 2,7 Millionen Menschen (526.000 Flüchtlinge und 2,1 Millionen Binnenvertriebene) dauerhafte Lösungen erreicht werden. Unter ihnen auch 74.800 Menschen, die im Rahmen von Resettlement-Programmen aus Erstzufluchtsstaaten in Drittstaaten neuangesiedelt werden konnten. Im Vergleich zum Jahr 2011 gab es bei den Hauptaufnahmestaaten wenig Änderungen. In Pakistan leben mit 1,6 Millionen Menschen aber weiter mit Abstand die meisten Flüchtlinge, gefolgt vom Iran (868.200) und Deutschland (589.700). Die meisten Flüchtlinge weltweit stammen weiterhin aus Afghanistan. Diese Angabe gilt bereits seit 32 Jahren. Durchschnittlich

ist jeder vierte von Flucht und Vertreibung Betroffene aus Afghanistan. 95 Prozent von ihnen haben in Pakistan oder im Iran Aufnahme gefunden. Somalia, ein weiterer langwieriger Konflikt, ist das zweitgrößte Herkunftsland von Flüchtlingen weltweit, wenngleich sich deren Zahl nicht mehr in dem Umfang erhöhte wie in den Jahren zuvor. Es folgen der Irak (746.700) und Syrien (471.400). Die Zahl der Binnenvertriebenen war 2012 mit 28,8 Millionen Menschen so hoch wie nie. Von ihnen unterstützte UNHCR 17,7 Millionen. Die Aktivitäten erfolgen hier nicht automatisch, sondern bedürfen der Anfrage der jeweiligen Regierungen.

Leserbriefe DU 2/2013 „Vertrieben und Vergessen“ „Es freut mich, dass die Ausstellung „Vertrieben – und vergessen?“ (so die richtige Schreibweise!) in der letzten Umschau anlässlich meines Referats in Ennepetal Erwähnung gefunden hat. Leider haben sich einige Fehler in den Text eingeschlichen, um deren Richtigstellung ich bitte. Die Ausstellung ist nicht von mir erarbeitet worden, sondern von der Pommerschen Landsmannschaft, zu den Wissenschaftlichen Beratern zählte dabei die Lern- und Bildungsakademie Mönchengladbach, für die ich arbeite. Sie endet auch nicht Anfang des 20. Jahrhunderts, sondern hier endet lediglich der erste Teil der Dokumentation, der die Geschichte Pommerns bis dahin zusammenfasst. In einem zweiten Teil wird die Vorgeschichte der Vertreibung dargestellt, hierbei wird ausdrücklich auch die nationalsozialistische Besatzungspolitik in Osteuropa thematisiert. Es kann insofern keine Rede davon sein, dass wir „die Zeiten des Dritten Reiches ganz außen vor gelassen“ hätten. In einem dritten Teil ist dann die Vertreibung der Pommern aus ihrer Heimat Thema und im vierten die Geschichte der Pommern nach der Vertreibung. Ausführliche Informationen zum Projekt sind im Netz unter www.pommern-ausstellung. de nachzulesen!“ Arno Barth, Mönchengladbach Deutsche Umschau 3-2013


Frau und Familie

Was koche ich morgen?

Umschau für die Frau

Kleine Rezeptecke

China sieht drastischem FrauenMangel entgegen

An dieser Stelle wollen wir Ihnen demnächst bekannte und weniger bekannte Gerichte vorstellen. Wenn Sie ein ganz spezielles Rezept haben, können Sie es an die Redaktion senden, wir veröffentlichen es gerne. Die einzige Bedingung ist, dass es einen Bezug zu einer ostdeutschen Landschaft hat. So bleibt die ostdeutsche Küche für die Nachwelt erhalten.

Schlesisches Himmelreich 8 Klöße (Semmelknödel), 750 g Kasseler (Nackenstück ohne Knochen), 1 Tüte/n Backpflaumen, 1 Tüte/n Obst (Dörrobst), gemischtes (Aprikosen, Birnen, Äpfel, Pflaumen..), 1 Stange/n Zimt, Salz und Pfeffer, schwarz, gemahlen, Speisestärke oder Soßenbinder, Zucker Fett zum Anbraten Das Dörrobst und die Backpflaumen mit der Zimtstange in eine Schüssel geben, mit Wasser bedecken und darin 60 Minuten einweichen. In der Zwischenzeit das Kasseler in einem Bräter rundherum anbraten, dann im Backofen bei etwa 200°C 60 Minuten braten. Nun das Obst samt Einweichwasser und Zimtstange zum Kasseler geben und noch etwa 30 Minuten weiter braten. Das Kasseler aus dem Bräter nehmen, etwas ruhen lassen. Die Soße mit Speisestärke oder Soßenbinder andicken und mit Salz, Pfeffer und evtl. Zucker abschmecken, die Zimtstange herausnehmen. Das Kasseler in Scheiben schneiden und mit der Backobstsoße und den Semmelknödeln servieren.

3 EL Crème fraîche Rote Bete schälen, waschen, in kleine Würfel schneiden. Fleischbrühe zum Kochen bringen, Rote Betewürfel mit Majoran hinzufügen, zum Kochen bringen, gar kochen lassen. Die Rote Beete mit dem Schneidstab eines elektrischen Handrührgerätes oder im Mixer pürieren, mit Essig, Salz und Pfeffer würzen, erhitzen. Creme fraiche unterrühren.

Pommerscher Rote-Beete-Salat 400 g Rote Bete, 3 EL saure Sahne, 2 EL Meerrettich (Tafelmeerrettich), Salz und Pfeffer (weiß) Die Rote Bete säubern, dabei darauf achten, dass Schale und Enden nicht verletzt werden. Wasser in einen Topf geben, salzen und zum Kochen bringen. Die Rote Bete vorsichtig hineinlegen und ca. 30 Minuten kochen lassen. Die Rote Bete aus dem Topf neh men u nd auskühlen lassen. Die Schale abziehen und die Rote Bete in Scheiben schneiden. Saure Sahne, Tafelmeerrettich, Salz und Pfeffer miteinander verrühren und über die Scheiben geben. Gut vermengen. Den Salat mindestens eine Stunde im Kühlschrank durch ziehen lassen. Schmeckt sehr lecker als Beilage zu Königsberger Klopsen oder Tafelspitz.

Böhmische Kartoffelpuffer Ostpreußische Rote-Beete-Suppe 375 g Rote Bete, 1/4 Liter Fleischbrühe, Majoran, gerebelt, 2 EL Essig, Salz und Pfeffer, Deutsche Umschau 3-2013

250 g Kartoffel(n), roh gerieben, 1 Ei(er) 2 EL Majoran, frisch, oder getrockneten, dann Menge anpassen, 4 EL Mehl, Salz, nach Geschmack

In China kommen auf 100 neugeborene Mädchen nach neuesten Zahlen 117,7 neugeborene Jungen. „Diese asymmetrische Rate kann Chinas Entwicklung langfristig behindern“, sagte Chen Zhu, Mitglied im Ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses, am Freitag. Weltweit normal sei ein Verhältnis von 103 bis 107 Jungen zu 100 Mädchen. Im Jahr 2020 rechnet das Land mit einem „Überschuss“ von 30 Millionen Männern im Alter von 20 bis 45 Jahren, die dann womöglich keine Chance haben, eine Frau zu finden. „Das kann zu sozialer Instabilität führen“, so Chen. Das Missverhältnis ist bereits seit Jahren bekannt. Nach offiziellen Zahlen konnte es in den letzten vier Jahren jedoch leicht reduziert werden.

Frauen leiden mehr unter Wetterumschwüngen Einer Umfrage zufolge klagen die betroffenen Frauen auch häufiger über Kopfschmerzen und Herz-Kreislauf-Probleme. Frauen leiden mehr als Männer unter Wetterbedingungen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der GfK Marktforschung Nürnberg her vor. Mehr als ein Drittel (35,4 Prozent) der weiblichen Befragten gab an, wetterfühlig oder wetterempfindlich zu sein, bei den Männern waren es nur 13,3 Prozent. Die betroffenen Frauen klagen außerdem mehr über Beschwerden als Männer. So haben sie öfter Kopfschmerzen (60,9 Prozent, Männer: 43,7) und Herz-Kreislauf-Probleme (59,5, Männer: 39,3). Befragt wurden im Auftrag der Zeitschrift „Apotheken Umschau“ im Januar und Februar 2168 Menschen ab 14 Jahren. Von ihnen bezeichneten sich 533 Männer und Frauen als wetterfühlig oder wetterempfindlich.

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Landesverband Nordrhein-Westfalen

Tag der Heimat Unser Kulturerbe - Reichtum und Auftrag Zahlreiche Mitgliedsverbände des Bundes der Vertriebenen in NordrheinWestfalen haben auch in diesem Jahr Veranstaltungen zum Tag der Heimat durchgeführt. Die Lokalredaktionen haben über diese Veranstaltungen berichtet, sie sind damit ein wichtiger Teil der Öffentlichkeitsarbeit des Landesverbandes. Zugleich werden die Anliegen der Ostund Sudetendeutschen in die Öffentlichkeit transportiert. Gerade in diesem Jahr haben zahlreiche Kommunalpolitiker, aber auch Landes- und Bundespolitiker an den Veranstaltungen teilgenommen. Dabei war es gut, dass die Vertriebenen vor den bevorstehenden wichtigen Wahlen auch für die Politik nochmals in Erscheinung getreten sind. Die Deutsche Umschau dokumentiert hier nochmals die Veranstaltungen, die dem Landesverband gemeldet worden sind. 01.09.2013 KV Mülheim an der Ruhr Beginn: 11:00 Uhr Ort: „Bürgergarten“ Aktienstr. 80, Mülheim Hauptredner: Werner Jostmeier MdL KV Bochum Beginn: 16:00 Uhr Ort: Gewerkschaftssaal des Marienstiftes, Humboldtstr. 46, Bochum Hauptredner: Adalbert Raasch, Stellv. Sprecher der Pommern KV Lüdenscheid Beginn: 15:00 Uhr Ort: Haus der Vereine Sauerfelderstr. 27, Lüdenscheid 06.09.2013 KV Rhein-Sieg Beginn: 19:00 Uhr Ort: Rathaus, Nogenter Platz 10, Siegburg Hauptredner: Hubert Maessen, WDR 07.09.2013

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KV Viersen Beginn: ab 14:00 Uhr Ort: Evangelisches. Gemeindehaus Jakob-Krebs-Straße 39a, Willich Hauptredner: Yasuo Inadome, Kreisvorsitzende des Evangelischen Arbeits kreises (EAK) der CDU im Kreis Viersen. KV Hagen Beginn: 15:00 Uhr Ort: Begegnungszentrum, Hochstr. 83 C, Hagen (Eingang Goldbergstr.) Hauptredner: Gerd Bandilla, Kreisvertreter; Jörg Dehm Oberbürgermeister KV Rhein-Sieg (Feierstunde) Beginn: 11:00 Uhr Ort: Stadtmuseum, Marktplatz Siegburg 60-jähriges Bestehen der Patenschaften Rhein-Sieg-Kreis und Kreisstadt Siegburg über die heimatvertriebenen Bunzlauer mit anschließendem Empfang KV Neuss Beginn: 14:00 Uhr - Kranzniederlegung Ort: am Ostdeutschen Gedenkstein/Oberstr. Platz der Deutsche Einheit, Neuss Hauptredner: Theo Jantosch Beginn: 15:00 Uhr - Heimatgedenken Ort: Zeugheus, Neuss Hauptredner: Werner Jostmeier MdL, Beauftragte der CDU Fraktion NRW für Vertriebenen 08.09.2013

14.09.2013 KV Moers Beginn: 15:00 Uhr Ort: Josef-Jürgens-Haus, Königstr. 1, Kamp-Lintfort Hauptredner: Werner Jostmeier MdL KV Hochsauerlandkreis Beginn: 15:00 Uhr Ort: Kolpinghaus, Kolpingstr. 12, 59955 Winterberg-Siedlinghausen Hauptredner: Hubert Maessen, WDR 15.09.2013 Stadtverband Witten Beginn: 15:00 Uhr (Einlass: 14:30 Uhr) Ort: Kath. Pfarrheim St. Marien Hauptstr. 83 A, 58452 Witten Hauptredner: Werner Jostmeier MdL KV Münster Beginn: 10:30 Uhr Ort: Festsaal des Rathauses, Münster Hauptredner: Werner Jostmeier MdL 20.09.2013 KV Soest Beginn: 15:00 Uhr Ort: Kulturhaus „Alter Schlachthof“, Soest 21.09.2013 OV Goch Beginn: 15:00 Uhr Ort: Ostdeutsche Heimatstube Marktstr. 1 B, Goch Hauptredner: Werner Blietz,

KV Rhein-Sieg (Andacht und Kranzniederlegung) Beginn: 14:00 Uhr Ort: Vertriebenen-Ehrenmal, Waldfriedhof Troisdorf Hauptredner: Pfarrer Hagen Schwarz

22.09.2013 KV Bielefeld Beginn: 15.00 Uhr Ort: Gemeindehaus, Papenmarkt 10, Bielefeld Hauptredner: Sibylle Dreher, BdV-Frauenpräsidentin

KV Rhein-Sieg (Heimatliche Nachmittag) Beginn: 15:30 Uhr Ort: Saal Kolpinghaus, Mühlenstr. 2-4, Siegburg Kaffe, Kuchen, Rahmenprogramm

KV Minden Beginn: 14:00 Uhr Ort: Victoria-Hotel Saal Scala, Markt 11, Minden Hauptredner: Dr. Günter Reichert, Landesvorsitzender Sudetendeutscher Landsmannschaft

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Landesverband Nordrhein-Westfalen

Flucht. Vertreibung. Neubeginn Ein bewegender Film über den Verlust der Heimat Aber das Leben geht weiter, Kinodokumentarfilm von Karin Kaper, 104 Minuten, FSK ab 12 Jahren, in Anwesenheit der Regisseurin Karin Kaper 8.10.2013 Gütersloh, Bambi Kino, 19.00 Uhr Eintritt 7 €, ermäßigt 6 € Vorbestellungen 10 – 14 Uhr: 05241/ 237700 9.10.2013 Warendorf, Studio Kino, 16.30 + 19.00 Uhr Drei polnische und drei deutsche Frauen aus mehreren Generationen, deren Familiengeschichte sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf dramatische Art kreuzte, setzen

Trauer um Johanna Schneidewind Johanna Schneidewind gestorben am 05. März 2013 mit fast 85 Jahren, lebte einige Jahre – bis zur Flucht – im östlichen Brandenburg, entstammte mütterlicherseits einem alteingesessenen Bauerngeschlecht, kam 1945 mit ihrer Mutter und drei jüngeren Schwestern aus dem östlichen Brandenburg über Thüringen dann 1946 in den Raum Wilster bis ca. 1948/1949, wo sie freundschaftlich mit anderen Heimatvertriebenen verbunden war. Sie kam dann nach Westfalen und gründete eine Familie, früh verwitwet seit 1968, schloss sie sich dem Bund der Vertriebenen an, besuchte regelmäßig BdV- und landsmannschaftliche Veranstaltungen im Raum Olpe-Siegen zusammen mit ihrem älteren Sohn Frank. Frau Schneidewind unterstützte viele Jahre, als stille Helferin im Hintergrund besonders alte und kranke Heimatverbliebene in den Vertreibungsgebieten und in Mitteldeutschland in Zusammenarbeit mit den Rotariern. Weiterhin bot sie Besuchern aus Mitteldeutschland und den Vertreibungsgebieten ihre Hilfe und unternahm mit ihnen oft kleine Ausflüge in die Umgebung des Wohnumfelds. Aus Altersgründen musste sie ihre ehrenamtliche Mitarbeit einschränken, diese Tätigkeiten führt ihr Sohn Frank z. B. als Mithelfer bei Heimattreffen, Paketsendungen an Landsleute in die Vertreibungsgebiete und als Ansprechpartner für Verschiedene heimatliche Belange weiter.

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bewusst persönlich zum Thema „Flucht und Vertreibung“ ein Zeichen der Annäherung. Ein Film über Heimat, Krieg, über das Überleben in der Fremde, darüber wie die große Geschichte in das Dasein der Menschen hineinblitzt und die Lebensbahnen durcheinanderwirbelt. Der Film berücksichtigt nicht nur die erschütternden Vorkommnisse in den Kriegswirren bis zur endgültigen Vertreibung der deutschen Familie aus ihrem niederschlesischen Dorf Niederlinde im Sommer 1946. Er wirft auch ein Licht auf die Entwicklungen der Nachkriegszeit sowie spätere Jahrzehnte bis heute. Dem Schicksal der Deutschen, die später in Bremen und Umgebung eine zweite Heimat fanden, wird das der polnischen Familie gegenübergestellt, die ihrerseits 1940 von der sowjetischen Armee aus Ostgebieten Polens nach Sibirien verschleppt wurde.

Tag der Heimat im Landtag Seit über 60 Jahren wird in Deutschland im September der Tag der Heimat begangen. So hat auch in diesem Jahr die CDU-Landtagsfraktion zu einer besonderen Feierstunde für den den 10. September in den Landtag von Nordrhein-Westfalen eingeladen. Am diesjährigen Tag der Heimat soll besonders das 60-jährige Jubiläum des Bundesvertriebenengesetzes und das 250 jährige Jubiläum des Einladungsmanifest von Katharina der Großen in Erinnerung gerufen werden. So haben zahlreiche Mitglieder der VIRA e.V. des Schicksals ihrer Familienangehörigen im Nordrhein-Westfälischen Landtag gedacht. Mit der Feierstunde will die Landtagsfraktion der CDU ein Zeichen gegen das weltweite Unrecht von Vertreibung und Deportationen. In der nächsten ausgabe dieser Zeitung folgt ein ausführlicher Bericht.

Wer backt den schönsten Pfefferkuchen(mann)? Haus Schlesien veranstaltet einen Backwettbewerb! Noch vor Beginn der kommenden Sonderausstellung „Pfefferkuchen. Eine Reise der Sinne, vom Ursprung bis zum Genuss...“ sind alle Interessierten, egal ob Jung oder Alt, eingeladen ihre Pfefferkuchenrezepte herauszuholen und einen Pfefferkuchenmann, Pfefferkuchenherzen o.ä. zu backen, zu verzieren und ins Haus Schlesien zu schicken. Ganz gleich ob typisch schlesische Pfefferkuchen, Nürnberger Lebkuchen oder kreative neue Rezepte und Formen, wir sind gespannt auf alle Einsendungen und natürlich werden die schönsten Exemplare prämiert und mit Preisen belohnt. Ausgestellt werden sollen die Naschwerke natürlich auch, so dass Haus Schlesien in diesem Winter zu einem duftenden Pfefferkuchenhaus wird und die Backwerke beim Ausstellungsbesuch Familie und Freunden gezeigt werden können. Ab Samstag, 9. November dreht sich im

Haus Schlesien dann alles um das Thema Pfefferkuchen. Es wird ein vielfältiges Begleitprogramm zur Ausstellung geben, mit Führungen, Kinderprogrammen und Backaktionen. Neben den öffentlichen Terminen, können Gruppen jeweils an den Montagen vom 11. November 2013 bis 27. Januar 2014 nach vorheriger Anmeldung Programme und Führungen mit Backaktion buchen. Das Angebot richtet sich sowohl an Kindergärten und Grundschulen als auch an Erwachsene und Senioren. Einsendeschluss für den Backwettbewerb ist der 20. Oktober 2013. Weitere Informationen oder Anmeldungen zu den Führungen und Programmen unter 02244/886 231 oder kultur@ hausschlesien.de. Die Ausstellung „Pfefferkuchen. Eine Reise der Sinne, vom Ursprung bis zum Genuss...“ läuft vom 9. November 2013 bis 2. Februar 2014

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Rätselecke für jung und alt

Rebus

Zu guter Letzt Fritzchen, ältester Sohn des Bauern (10) geht mit dem Bullen durchs Dorf. Er trifft den Pastor. „Fritzchen, wo gehst du denn mit dem Bullen hin?“ „Na, zum Nachbarn, die Kuh decken!“ „Aber Fritzchen“, sagt da der Pastor entsetzt, „kann denn dein Vater das nicht machen?“ „Ne, Herr Pastor, sowas muss der Bulle schon selber tun...!“

Logikrätsel

Beim Antiquitätenhändler bewirbt sich ein Mann als Verkäufer. Fragt der Chef: „Haben Sie denn Erfahrungen?“ „Natürlich!“ Chef (zeigt einen abgebrochenen Zeiger einer Kuckucksuhr): „Wofür halten Sie das?“ „Für einen handgeschmiedeten Zahnstocher Kaiser Karl des V.“ „Ausgezeichnet. Sie können sofort anfangen!“

Ein Mann geht in eine Kanzlei und fragt den Rechtsanwalt nach den Gebühren für eine Rechtsauskunft: „Für drei Fragen 1200 Euro?“, antwortet der Anwalt. „Das ist doch ziemlich teuer oder?“, fragt der Mann. „Ja“, antwortet der Anwalt. „Und wie lautet ihre dritte Frage?“

Legen Sie 4 Streichhölzer so um, dass 3 Quadrate entstehen.

Wenn Sie auch dieses Mal das Rätsel richtig lösen, senden Sie uns die Antwort an BdV NRW, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf, E-Mail umschau@bdv-nrw.de. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir einen tollen Buchpreis.

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Ein Rudel Löwen greift einen Missionar an. Der Pfarrer spricht ein Stoßgebet: „Lieber Gott, mache diese Monster zu frommen Christen!“ Daraufhin stoppen die Löwen vor ihm und beten: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns beschert hast.“

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Anschriften und Termine

Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. Termine

Bund der Vertriebenen Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. Bismarckstr. 90 40210 Düsseldorf Deutschland Telefon:0211 – 350361 Telefax: 0211 – 369676 eMail: info@bdv-nrw.de eMail: buchdienst@bdv-nrw.de

10.09.2013 19.09.2013 16.11.2013

Feierstunde zum Tag der Heimat der CDU- Landtagsfraktion Hauptredner: Prof. Dr. Arnulf Baring Festakt: 60 Jahre Frauenarbeitsgemeinschaft in Nordrhein-Westfalen, Leverkusen, Haus Ratibor Landeskulturtagung, Düsseldorf

www.bdv-nrw.de www.bdv-buchdienst.de www. facebook.com/bdv.nrw

Landesverband Hessen e.V. Termine

Bund der Vertriebenen Landesverband Hessen e.V. Friedrichstraße 35 65185 Wiesbaden

15.09.2013 07.12.2013

Zentraler Tag der Heimat, Wiesbaden BdV-Gesamtvorstandssitzung

Tel.: 0611 – 36019-0 Fax: 0611 – 36019-22 eMail: buero@bdv-hessen.de www.bdv-hessen.de www.bund-der-vertriebenen-hessen.de

Bauernverband der Vertriebenen e.V. Bauernverband der Vertriebenen e.V. – Bundesverband –

Termine

Seestr. 44 12589 Berlin Tel.: 030 – 64 39 92 64 Fax: 030 – 64 39 92 64 E-Mail: blomeyer.bvdv@gmx.de Geschäftsführer Dr. Arwed Blomeyer Deutsche Umschau 3-2013

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Absender: Bund der Vertriebenen Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. 40210 Düsseldorf Postvertriebsstück Entgelt bezahlt H 13 18 F

Die Katalog-Trilogie zu den Ausstellungen des Zentrums gegen Vertreibungen: „Die Gerufenen“ • „Erzwungene Wege“ • „Angekommen“ Drei Bände im praktischen Schuber für nur

35,- € Einzelkataloge 12,95 €

Zu beziehen über BdV-Buchdienst, Bismarckstr. 90, 40210 Düsseldorf Tel. 0211/350 361 Fax 369676, E-Mail: buchdienst@bdv-nrw.de www.bdv-buchdienst.de


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