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QIII-2019 QUARTALSBERICHT DEUTSCHLAND

Technische Rezession ante portas Weltweite Handelskonflikte bremsen Wachstum aus

Die deutsche Konjunktur dürfte bis Jahresende weiter an Tempo verlieren. Die Unsicherheit in der Wirtschaft bleibt groß, vor allem wegen internationaler Handelskonflikte und des Ausstiegs des Vereinigten Königreichs aus der EU.

In diesem Jahr ist nur noch ein geringer Anstieg der realen Wirtschaftsleistung um höchstens 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr möglich. Im Falle eines harten Brexits ohne Abkommen Ende Oktober droht das Wachstum in Richtung Null zu gehen.

Eine technische Rezession in Deutschland wird immer wahrscheinlicher. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal 2019 preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal, nachdem es im ersten Quartal um 0,4 Prozent gestiegen war. Sollte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal weiter schrumpfen, befände sie sich in einer technischen Rezession.

Ursache für die schwache Entwicklung ist der starke Rückgang der Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe. Diese sank das dritte Quartal in Folge. Mit minus 4,9 Prozent im zweiten Quartal war die Entwicklung so schlecht wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Der Außenhandel belastet bereits im vierten Quartal in Folge das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Vom Export ging kein Wachstumsimpuls aus. Die Ausfuhren sanken im zweiten Quartal um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Einfuhren um 1,8 Prozent stiegen.


Technische Rezession ante portas| Weltweite Handelskonflikte bremsen Wachstum aus 07/09/2019

Inhaltsverzeichnis Konjunktur in Deutschland ................................................................................................................ 3 Technische Rezession wird immer wahrscheinlicher............................................................................ 3 Arbeitsmarkt: Beschäftigung steigt noch, Arbeitslosenzahlen aber auch ............................................. 6 Industriekonjunktur ............................................................................................................................. 7 Auftragseingang in der Industrie seit einem Jahr im Sinkflug ............................................................... 7 Industrieproduktion sinkt seit über einem Jahr – Beschleunigter Rückgang am aktuellen Rand ......... 8 Geschäftsklima: Zeichen für Rezession mehren sich ......................................................................... 10 Kapazitätsauslastung nimmt ab, ist aber weiter überdurchschnittlich................................................. 11 Perspektiven ...................................................................................................................................... 11 Quellenverzeichnis ............................................................................................................................ 14 Impressum ......................................................................................................................................... 14 Grunddaten zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen .................................................. 15

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Technische Rezession ante portas| Weltweite Handelskonflikte bremsen Wachstum aus 07/09/2019

Konjunktur in Deutschland Technische Rezession wird immer wahrscheinlicher Das Wirtschaftswachstum in Deutschland gerät ins Stocken. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorquartal kalender- und saisonbereinigt um 0,1 Prozent, nachdem es im ersten Quartal noch mit 0,4 Prozent vergleichsweise kräftig gestiegen war. Im Vergleich zum Vorjahr stagnierte die reale Wirtschaftsleistung. Bereinigt um Kalenderfaktoren ergibt sich im immerhin noch ein Anstieg des BIP um 0,4 Prozent. Die konjunkturelle Lage hat sich nach dem starken Jahresbeginn deutlich eingetrübt.

Entwicklung des realen BIP in Prozent 4

3

2,5 2,2

2

1,5

1

0,5 (Prognose)

0

-1 I

II

III

IV

2016

I

II

III 2017

IV

I

II

III 2018

IV

I

II

III

IV

2019

Veränderung ggü.Vorjahresquartal Veränderung ggü. Vorquartal, saison- und kalenderbereinigt Veränderung ggü. Vorjahr Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Wirtschaftsleistung wurde im zweiten Quartal 2019 von 45,21 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren 435.000 Personen oder ein Prozent mehr als im Vorjahr. Nahezu die Hälfte des Stellenaufbaus fand in den Bereichen öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit (plus 203.000 Erwerbstätige) statt. Einen überdurchschnittlichen Zuwachs an Stellen gab es daneben noch im Informations- und Kommunikationssektor (plus 3,1 Prozent) und im Baugewerbe (plus 1,6 Prozent). Während die Zahl der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft sowie bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern bereits seit mehreren Quartalen abnimmt, sank sie erstmals seit zehn Jahren bei den Unternehmensdienstleistern. Im Verarbeitenden Gewerbe hat sich der Beschäftigungsaufbau deutlich verlangsamt (plus 76.000 bzw. plus ein Prozent). Von der entstehungsseitigen Betrachtung steigerten nahezu alle Wirtschaftsbereiche ihre Bruttowertschöpfung. Am kräftigsten erhöhte sie sich im Informations- und Kommunikationssektor (plus 3,3 Prozent), gefolgt vom Baugewerbe mit einem Zuwachs um 2,8 Prozent. Trotz gesunkener Erwerbstäti-

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genzahlen stieg die reale Wertschöpfung auch im Finanz- und Versicherungswesen, bei den Unternehmensdienstleistern und in der Land- und Forstwirtschaft. Ursache für die in der Summe gesunkene Bruttowertschöpfung war der starke Rückgang der Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe. Diese sank nunmehr das dritte Quartal in Folge und mit minus 4,9 Prozent im zweiten Quartal 2019 so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Verwendungsseitig entwickelten sich die binnenwirtschaftlichen Komponenten des BIP im zweiten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr weiter positiv. Die Konsumausgaben stiegen um insgesamt 1,6 Prozent. Die privaten Haushalte gaben deutlich mehr Geld aus für Einrichtungsgegenstände, Geräte für den Haushalt, Freizeit, Unterhaltung und Kultur aus. Gleichzeitig schränkten sie aber ihre Ausgaben für Bekleidung und Schuhe in realer Rechnung ein. Insgesamt erhöhten sich die privaten Konsumausgaben preisbereinigt um 1,5 Prozent. Die Konsumausgaben des Staates erhöhten sich sogar um 1,9 Prozent, so dass der Konsum mit 1,1 Prozentpunkten zum BIP-Wachstum beitrug. Die Bruttoanlageinvestitionen stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,1 Prozent. Die Steigerungsraten für Investitionen in Ausrüstungen (plus 1,5 Prozent) und Bauten (plus 2,2 Prozent) waren jedoch deutlich niedriger als vor Jahresfrist. Investitionen in sonstige Anlagen nahmen um 2,7 Prozent zu. Eine neue Datenlage hat zu einer deutlichen Aufwärtsrevision der letzten acht Quartale geführt. Ein kräftiger Vorratsabbau verminderte den Wachstumsbeitrag der Bruttoinvestitionen um 0,4 auf nur noch 0,2 Prozentpunkte. Im Ergebnis ging von der inländischen Verwendung ein Wachstumsbeitrag von 1,3 Prozentpunkten aus. Wie zu Jahresbeginn ging vom Außenbeitrag kein Wachstumsimpuls aus. Die Exporte sanken im zweiten Quartal um 0,8 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Importe um 1,8 Prozent, so dass hieraus ein negativer Wachstumsbeitrag von 1,1 Prozentpunkten resultierte. Damit belastet der Außenhandel bereits das vierte Quartal in Folge das gesamtwirtschaftliche Wachstum. Trotz Zollstreit: Handel mit China und den USA steigt moderat Die deutschen Exporte sanken im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum (saisonbereinigte Werte mit Länderdifferenzierungen sind nicht verfügbar) um 4,5 Milliarden Euro bzw. 1,3 Prozent auf 330,2 Milliarden Euro. Das war der erste Rückgang seit dem dritten Quartal 2016. Die mit Abstand deutlichsten Exporteinbußen waren im Handel mit Großbritannien zu verkraften, der um 3,1 Milliarden Euro oder 14,7 Prozent abnahmen. Ebenfalls deutlich gingen die Ausfuhren nach Dänemark (minus 1,48 Milliarden Euro bzw. 23,9 Prozent) und Irland (minus 1,41 Milliarden Euro bzw. 45,0 Prozent) zurück. In diesen beiden Fällen hat es allerdings im Vorjahr einen außerordentlich hohen Anstieg in gleicher Größenordnung gegeben. Exporte nach Singapur verringerten sich um 771 Millionen Euro oder 30,7 Prozent, die in die Türkei um 525 Millionen Euro bzw. 9,6 Prozent. Die nominal stärksten Zuwächse waren bei den Ausfuhren in die USA zu beobachten, die um 1,40 Milliarden Euro oder 5,1 Prozent zulegen konnten. Ebenfalls kräftig stiegen die Ausfuhren in die EU-Partnerländer Österreich (plus 589 Millionen Euro bzw. 3,6 Prozent), Polen (plus 539 Millionen Euro bzw. 3,5 Prozent) und Belgien (plus 362 Millionen Euro bzw. 3,2 Prozent). Im Asienhandel stiegen die Exporte nach China um 468 Millionen Euro oder zwei Prozent und nach Vietnam um 458 Millionen Euro oder 63,7 Prozent. Die Importe legten im zweiten Quartal 2019 noch einmal leicht zu. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stiegen sie um 2,83 Milliarden Euro oder ein Prozent auf 275 Milliarden Euro. Die stärksten nominalen Zuwächse (1,34 Milliarden Euro bzw. 5,7 Prozent) resultieren aus den Einfuhren aus den Niederlanden, gefolgt von Irland (plus 1,29 Milliarden Euro bzw. 36,7 Prozent) und China mit plus 804 Millionen

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Euro bzw. plus 3,3 Prozent. Jeweils in einer Größenordnung von einer Dreiviertelmilliarde kamen mehr Waren und Dienstleistungen aus der Slowakei, den USA und Österreich. Die stärksten Rückgänge waren bei den Importen aus Großbritannien (minus 1,7 Milliarden Euro bzw. 16,8 Prozent) zu verzeichnen. Die Einfuhren aus Russland sanken um 1,50 Milliarden Euro bzw. 17 Prozent, was zum Teil der Preisentwicklung für Energierohstoffe geschuldet sein dürfte. Im Handel mit Italien wurden die starken Zuwächse aus dem Vorjahr wieder abgegeben (minus 1,44 Milliarden Euro bzw. 7,8 Prozent). Die Importe aus der Türkei sanken das vierte Quartal in Folge, zuletzt um 392 Millionen Euro bzw. 9,4 Prozent.

Deutsche Ex- und Importe im 2. Quartal 2019 nach ausgewählten Ländern Veränderung gegenüber Vorjahresquartal Exporte Zu- (+) bzw. Abnahme (-)

Importe Zu- (+) bzw. Abnahme (-)

in Million Euro

in %

in Million Euro

USA

29 160

+ 1 403

+

5,1

Niederlande

Österreich

16 881

+

589

+

3,6

Polen

16 098

+

539

+

China

23 694

+

468

Vietnam

1 177

+

Belgien

11 774

Schweiz

13 939

Iran

in %

24 950

+ 1 345

+

5,7

Irland

4 817

+ 1 293

+ 36,7

3,5

China

24 826

+

804

+

+

2,0

Slowakei

4 510

+

754

+ 20,1

458

+

63,7

USA

17 174

+

753

+

4,6

+

362

+

3,2

Österreich

11 574

+

740

+

6,8

+

349

+

2,6

Polen

14 102

+

599

+

4,4

Frankreich

16 938

+

448

+

2,7

Südafrika

2 326

+

443

+ 23,5

Spanien

9 050

+

324

+

3,7

Türkei

3 794

-

392

-

9,4

1 353

-

492

-

26,7

14 682

- 1 245

-

7,8

3,3

340

-

292

-

46,2

Italien

17 403

-

524

-

2,9

Türkei

4 945

-

526

-

9,6

Schweden

6 165

-

609

-

9,0

Singapur

1 741

-

771

-

30,7

Singapur

Irland

1 727

- 1 411

-

45,0

Italien

Dänemark

4 723

- 1 483

-

23,9

Russland

7 318

- 1 496

-

17,0

18 032

- 3 095

-

14,7

Großbritannien

8 402

- 1 702

-

16,8

330 179

- 4 466

-

1,3

275 074

+ 2 832

+

1,0

Großbritannien Insgesamt

Insgesamt

Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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Arbeitsmarkt: Beschäftigung steigt noch, Arbeitslosenzahlen aber auch Die konjunkturelle Schwäche hinterlässt leichte Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Nach ersten vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ergibt sich zwar für den Monat August 2019 ein Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen um 374.000 auf 45,29 Millionen Personen. Der Stellenzuwachs war allerdings deutlich geringer als vor einem Jahr, als der Zuwachs bei über einer halben Million lag. Auch der Aufbau von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung hat sich deutlich verlangsamt. Nach Hochrechnungen der Bundesagentur waren im Juni 2019 (letzter verfügbarer Wert) insgesamt 33,39 Millionen Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren rund 515.400 Personen oder 1,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung nahm dabei um 239.000 Personen oder ein Prozent und die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung um 276.000 Personen oder drei Prozent zu. Die sonstigen Formen der Erwerbstätigkeit haben gegenüber dem Vorjahr abgenommen. So sank die Zahl der Selbstständigen einschließlich mithelfender Familienangehöriger im zweiten Quartal 2019 um 62.000 oder 1,7 Prozent auf 4,17 Millionen. Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten hat sich nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im Juni um 93.000 Personen oder zwei Prozent auf 4,65 Millionen verringert. Die Zahl der arbeitslosen Personen sank zwar im August 2019 um 194.000 Personen oder 1,6 Prozent auf 2,319 Millionen. Die saisonbereinigten Werte weisen aber seit vier Monaten steigende Arbeitslosenzahlen aus. Die Arbeitslosenquote lag im August 2019 nach Systematik der Bundesagentur bei 5,1 Prozent und nach ILO-Systematik bei drei Prozent.

Arbeitsmarkt in Deutschland* 34

4 Arbeitslose (rechte Achse)

33

3 32 31

2 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (linke Achse)

30

1 29 28 2012

2013

2014

2015

2016

2017

201

2 0 2019

Veränderung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum Vorjahresmonat (rechte Achse)

*saisonbereinigt in Million Quelle: Bundesagentur für Arbeit

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Industriekonjunktur Auftragseingang in der Industrie seit einem Jahr im Sinkflug Im Juni 2019 sind die Auftragseingänge in der deutschen Industrie nach vorläufigen Berechnungen preis-, kalender- und saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 2,5 Prozent gestiegen. Für Mai war nach einer leichten Aufwärtsrevision ein Rückgang um zwei Prozent zu verzeichnen. Das Auftragsplus ist in erster Linie der stark gestiegenen Nachfrage aus Drittländern geschuldet, die – gestützt durch Großaufträge – um 8,6 Prozent zulegen konnte. Die Ordertätigkeit aus der Eurozone nahm binnen Monatsfrist um 0,6 Prozent und die aus dem Inland um ein Prozent ab. Bereinigt um Großaufträge gingen im Juni 0,4 Prozent weniger Aufträge ein.

Auftragseingang, Verarbeitendes Gewerbe 114

10

112

8

110

6

108

4

106 2 0,4

104

0 102 -1,1

-1,0

100

-2 -4

98

-4,2 -6

96 94

-8 2016

2017

2018

2019

Veränderung zum Vorjahr, 2-Monats-Vergleich, in Prozent (rechte Achse) Index des Verabeitenden Gewerbes, 2-Monats-Durchschnitt, saisonbereinigt (linke Achse) Veränderung im Vergleich zum Vorquartal (q-o-q), in Prozent Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Juni-Daten komplettieren das Ergebnis für das zweite Quartal 2019. Dieses weist gegenüber dem Vorzeitraum einen Rückgang um ein Prozent auf, nach minus 4,2 Prozent im ersten Quartal. Der Rückgang ist auf die schwache Bestelltätigkeit aus dem Inland zurückzuführen, die nunmehr das dritte Quartal in Folge nachgab, zuletzt um 4,1 Prozent. Die Bestellungen aus dem Ausland stiegen um insgesamt 1,3 Prozent und waren vor allem getrieben durch die Nachfrage aus Drittländern (plus 4,4 Prozent). Die Nachfrage aus dem Euroraum sank dagegen um 3,5 Prozent. Unter den einzelnen Hauptindustriegütergruppen erhielten die Hersteller von Vorleistungsgütern im zweiten Quartal 2,3 Prozent weniger Aufträge als im Quartal zuvor. Während die Auslandsnachfrage nur um 1,1 Prozent nachgab, ging die Inlandsnachfrage mit 3,5 Prozent deutlich stärker zurück. Der

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Vergleich zum Vorjahr weist nicht nur ein Minus von neun Prozent aus, sondern ist darüber hinaus bereits der vierte Rückgang in Folge. Die Nachfrage nach Investitionsgütern sank im zweiten Quartal leicht um 0,6 Prozent (Vorquartalsvergleich). Durch die steigende Auslandsnachfrage wurde ein kräftiger Rückgang vermieden, denn die inländische Investitionsgüternachfrage sank mit minus fünf Prozent so stark wie zuletzt vor acht Jahren. Seit nunmehr vier Quartalen erhalten die Investitionsgüterhersteller weniger Aufträge als im Vorjahr. Zuletzt betrug das Minus vier Prozent. Bei den Konsumgüterproduzenten erhöhten sich die Bestellungen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorzeitraum. Es wurden 2,5 Prozent mehr Aufträge eingesammelt. Während die Nachfrage aus dem Inland um 1,8 Prozent sank, stiegen Auslandsorders mit 5,6 Prozent recht ordentlich. Der Vorjahresvergleich weist allerdings ein Auftragsminus von 3,4 Prozent aus. Bereits zum Jahreswechsel 2017/2018 geriet der Auftragszufluss für die deutsche Industrie das erste Mal ins Stocken. Dieses fand auf einem hohen Niveau statt und ging zur Jahresmitte 2018 in eine Seitwärtsbewegung über. In der Summe konnte 2018 das Auftragsvolumen des Vorjahres noch gehalten werden. Während die Inlandsnachfrage bereits das ganze Jahr 2018 über schwach war, ging vom Ausland noch eine stabilisierende Wirkung aus. Damit war es zum Jahresbeginn 2019 vorbei. Aus allen Richtungen nahm die Ordertätigkeit im oberen einstelligen Bereich ab und sank auf das Niveau vom Jahr 2016. Die seit nunmehr vier Quartalen sinkende Nachfrage dürfte im weiteren Jahresverlauf deutlich schwächere Produktionsdaten nach sich ziehen. Industrieproduktion sinkt seit über einem Jahr – Beschleunigter Rückgang am aktuellen Rand Die Produktion des Produzierenden Gewerbes ist im Juni 2019 nach vorläufigen Angaben preis-, kalender- und saisonbereinigt im Vergleich zum Vorzeitraum um 1,5 Prozent zurückgegangen. Im Mai Produktionsentwicklung im Produzierenden Gewerbe Vergleich zum Vorjahr in Prozent 2017 2018 2019 Jahr Q4 Q1 Q2 Ursprungswerte kalenderbereinigt

2018 Q4

Vergleich zum Vorzeitraum in Prozent 2019 Q1 Q2 Apr Mai Jun saison- und kalenderbereinigt

Produzierendes Gewerbe

2,7

0,9

-2,0

-1,6

-4,2

-1,1

-0,3

-1,9

-2,0

0,1

-1,5

Industrie

2,9

1,1

-2,2

-2,6

-5,1

-1,2

-0,7

-1,8

-2,2

0,8

-1,8

Vorleistungsgüter

3,5

0,6

-2,6

-1,4

-4,1

-0,8

0,0

-2,3

-1,5

-0,6

-2,0

Investitionsgüter

2,9

0,9

-1,8

-3,2

-5,6

0,3

-1,7

-1,7

-3,4

2,0

-1,8

Konsumgüter

1,9

2,9

-2,1

-3,4

-5,4

-6,0

0,2

-0,3

-0,5

0,6

-1,4

Energie

-0,1

-1,5

-4,6

-2,9

-7,3

-3,6

0,5

-5,9

-2,9

-1,7

-1,6

Baugewerbe

2,3

0,2

-0,1

6,2

1,6

0,7

1,6

-1,1

-0,2

-2,9

0,3

Bauhauptgewerbe

5,2

7,7

7,2

11,9

4,6

0,1

3,9

0,4

-1,6

-2,2

3,3

Quellen: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen

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ist die Produktion noch leicht um 0,1 Prozent gestiegen. Die Energieerzeugung ging bereits den fünften Monat in Folge zurück, zuletzt um 1,6 Prozent. Im Bauhauptgewerbe war eine Produktionsausweitung von 3,3 Prozent zu verzeichnen, das Baugewerbe insgesamt expandierte nur leicht um 0,3 Prozent. In der Industrie nahm die Produktion im Juni im Vergleich zum Vormonat um 1,8 Prozent ab. Der Rückgang erstreckte sich über alle industriellen Hauptgruppen. Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern fiel der Rückgang mit minus zwei Prozent am deutlichsten aus. Die Investitionsgüterproduzenten drosselten ihre Produktion mit minus 1,8 Prozent ähnlich stark. Selbst die Konsumgüterproduktion nahm um 1,4 Prozent ab.

Produktion, Verarbeitendes Gewerbe 110

8

108

6

106

4

104

2

102

0

100

-1,4

-1,2

-0,7 -1,8

98

-2 -4

96

-6 2016

2017

2018

2019

Veränderung zum Vorjahr, 2-Monats-Vergleich in Prozent (rechte Achse) Index des Verarbeitenden Gewerbes, 2-Monatsdurchschnitt, saisonbereinigt (linke Achse) Veränderung im Vergleich zum Vorquartal (q-o-q), in Prozent Quelle: Statistisches Bundesamt

Für das zweite Quartal 2019 ergibt sich daraus folgendes Ergebnis: saison- und kalenderbereinigt sank die Produktion im gesamten Verarbeitenden Gewerbe um 1,8 Prozent gegenüber Vorquartal. Das war der stärkste Rückgang seit mehr als sechs Jahren. Im ersten Quartal ist die Produktion nur um 0,7 Prozent gesunken. Der Vergleich zum Vorjahr weist für das zweite Quartal 2019 einen Rückgang der Produktion um 5,1 Prozent aus, nach minus 2,6 Prozent im ersten Quartal. Damit sank die Industrieproduktion bereits das vierte Quartal in Folge. Unter den industriellen Hauptgruppen verzeichneten die Hersteller von Vorleistungstütern die kräftigsten Produktionseinbußen. Saison- und kalenderbereinigt sank die Produktion um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Der Vorjahresvergleich weist ein Minus von 4,1 Prozent aus. Dies war gleichzeitig der vierte Quartalsrückgang in Folge. Die Investitionsgüterhersteller drosselten ihre Produktion in den ersten beiden Quartalen 2019 jeweils saison- und kalenderbereinigt um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Im Vorjahresvergleich fiel der Rückgang mit minus 5,6 Prozent deutlich stärker aus. Damit lag die Investitionsgüterproduktion bereits das vierte in Folge unter dem Niveau des Vorjahres. Die Konsumgüterproduktion sank im zweiten Quartal saison- und kalenderbereinigt nur leicht um 0,3 Prozent, nachdem sie im ersten Quartal noch leicht gestiegen war (plus 0,2 Prozent).

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Im Vorjahresvergleich hat die Abwärtsbewegung etwas später eingesetzt, sich zuletzt mit einem Rückgang um 5,4 Prozent im zweiten Quartal 2019 aber deutlich beschleunigt Die erhoffte Gegenbewegung nach der durch Sondereffekte bedingten konjunkturellen Delle im zweiten Halbjahr 2018 fand bislang nicht statt. Anstatt aufzuholen befindet sich die Industriekonjunktur nunmehr seit vier Quartalen auf Talfahrt und ein Ende ist nicht absehbar. Unterm Strich ist das Ergebnis für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres mit einem Produktionsrückgang um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum enttäuschend. Für die zweite Jahreshälfte ist mit einer weiteren Drosselung der Produktion zu rechnen. Der Auftragseingang in der Industrie hat weiter abgenommen und die Stimmungsindikatoren (ifo; Einkaufsmanagerindex) weisen in die gleiche Richtung. Geschäftsklima: Zeichen für Rezession mehren sich Der ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland sank im August 2019 das fünfte Mal in Folge und erreichte damit den tiefsten Stand seit November 2012. Die Unternehmen waren weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Zudem blicken sie mehrheitlich skeptischer in die Zukunft. Unter den einzelnen Sektoren hat sich das Geschäftsklima im Dienstleistungssektor deutlich verschlechtert, was vor allem auf die weniger gute Lageeinschätzung zurückzuführen ist. Zudem haben sich die Erwartungen leicht eingetrübt. Für den Handel sank der Geschäftsklimaindex erstmals in den negativen Bereich. Lageeinschätzung und Erwartung gaben nach. Vor allem der Großhandel war Treiber dieser Entwicklung. Selbst im Bauhauptgewerbe konnte sich nicht dem negativen Trend entziehen. Der Geschäftsklimaindikator gab leicht nach, weil die Bauunternehmen etwas unzufriedener mit ihrer aktuellen Lage waren. Für die kommenden sechs Monate erwarten sie allerdings keine Änderung der nach wie vor guten Geschäftslage. Im Verarbeitende Gewerbe liegt der Geschäftsklimaindex bereits seit

ifo Konjunktur-Uhr Deutschland ifo Geschäftsklima-Index im Verarbeitenden Gewerbe* Boom

Erwartungen für die nächsten 6 Monate

Aufschwung 25 Jan 2014

Jan 2011

Jan 2018

15 Jan 2017

Jan 2010 5

Jan 2016

-5

Jan 2013

Jan 2015 Jan 2012 Jan 2019

-15

-25

August 2019

Rezession -30

-20

-10

* Salden, saisonbereinigt

0

10

Abschwung 20

30

40

50

60

Beurteilung der Geschäftslage

Quelle: ifo Institut

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zwei Monat im negativen Bereich und mittlerweile auf dem niedrigsten Niveau seit zehn Jahren. Lageeinschätzung und Erwartungskomponente haben sich im August weiter eingetrübt, wenn auch nicht so kräftig wie im Monat zuvor. Der Lageindex gab bereits das fünfzehnte Mal in Folge nach. Noch wird die aktuelle Geschäftslage aber mehrheitlich positiv bewertet. Die Exporterwartungen der Industrie haben sich im August 2019 zwar leicht verbessert. Trotzdem werden sie von den Unternehmen seit nunmehr drei Monaten mehrheitlich negativ eingeschätzt. Der Zeiger der ifo-Konjunkturuhr bewegt sich langsam aber stetig in Richtung Rezessionsquadranten. Kapazitätsauslastung nimmt ab, ist aber weiter überdurchschnittlich Die seit Mitte 2018 kontinuierlich sinkende Industrieproduktion hat auch zu einer deutlich geringeren Auslastung der Produktionskapazitäten geführt. So sank der Auslastungsgrad in der Industrie vier Quartale in Folge um insgesamt 3,8 Prozentpunkte auf nunmehr 83,9 Prozent. Damit sind die Kapazitäten derzeit nur unmerklich höher ausgelastet als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Der Wert für das Verarbeitende Gewerbe ohne Ernährungsindustrie sank im gleichen Zeitraum nicht nur etwas stärker (um 4,1 Prozentpunkte), sondern unterschritt erstmals seit dem Jahr 2013 auch den Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Im Vergleich mit Kontraktionsphasen aus der Vergangenheit war der aktuelle Kapazitätsrückgang etwas stärker als während der Euro-Krise in den Jahren 2011 und 2012, aber schwächer als in den Abschwüngen der Jahre 2001/2002 und 2008/2009. Anders als bei den zurückliegenden Abschwung-Phasen hat sich der vom ifo Institut ermittelte Auftragsbestand in der Industrie im dritten Quartal 2019 mit durchschnittlichen 3,3 Produktionsmonaten kaum verändert.

Perspektiven Eine „technische Rezession“ wird immer wahrscheinlicher Nach dem kräftigen Start zum Jahresbeginn haben die wirtschaftlichen Aktivitäten im zweiten Quartal abgenommen. Bei einem erneuten Rückgang des BIP im laufenden dritten Quartal würde die deutsche Wirtschaft in eine technische Rezession abgleiten. Dies schließen wir angesichts der Wirtschaftsentwicklung in der ersten Jahreshälfte und der gestiegenen weltwirtschaftlichen Risiken nicht mehr aus. Dies erfordert eine Korrektur unserer Wachstumsprognose vom Frühjahr 2019. Eher geringen Anpassungsbedarf sehen wir bei den binnenwirtschaftlichen Komponenten. So dürften die Konsumausgaben in diesem Jahr entsprechend unserer bisherigen Einschätzung real um 1,5 Prozent wachsen. Der Private Konsum wird noch immer von der stabilen Arbeitsmarklage gestützt. Trotz steigender Unsicherheiten nimmt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse weiter zu, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß wie vor einem Jahr. Die zuletzt in einigen Branchen vereinbarten nominalen Lohnzuwächse lagen oberhalb der Inflationsrate und dürften ebenfalls die private Konsumnachfrage beleben. Die aus dem etwas schwächeren Euro resultierenden Kaufkraftverluste dürften aber durch die gesunkenen Rohstoff- und Ölpreise mehr als kompensiert werden. Das von der Gesellschaft für Konsumforschung ermittelte Konsumklima blieb zuletzt auf gutem Niveau stabil. Die Konjunkturerwartungen der Verbraucher haben sich zwar verschlechtert. Dafür stieg deren Bereitschaft, größere Anschaffungen zu tätigen. Die Einkommensaussichten der Verbraucher verzeichneten zuletzt nur leichte Einbußen. Alles in allem bleibt die Binnennachfrage eine wichtige Stütze für die gegenwärtig eher schwache Konjunktur. Die leichte Abwärtsrevision unsere Prog-

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Technische Rezession ante portas| Weltweite Handelskonflikte bremsen Wachstum aus 07/09/2019

nose für die Konsumausgaben der privaten Haushalte für das laufende Jahr auf nunmehr 1,4 Prozent ist der schwächer als erwarteten Entwicklung in der ersten Jahreshälfte geschuldet. Der Staatsverbrauch ist nach den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in der ersten Jahreshälfte real um 1,9 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als von uns erwartet. Für die zweite Jahreshälfte erwarten wir eine Beibehaltung des Ausgabenkurses der öffentlichen Hand, so dass wir beim Staatsverbrauch jetzt mit einem realen Anstieg um 1,8 Prozent rechnen. BDI-Prognosen für 2018/19: Veränderung der realen Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorjahr in Prozent IST

BDI

Bundesregierung

2018

2019

2019

Europäische Kommission 2019

Bruttoinlandsprodukt

1,4

0,5

0,5

0,5

Konsumausgaben

1,1

1,5

-

-

-Private Konsumausgaben

1,1

1,4

1,2

1,1

-Staatsverbrauch

1,0

1,8

2,0

2,0

2,6

3,1

2,2

2,3

- Ausrüstungsinvestitionen

4,2

2,5

2,0

2,1

- Bauinvestitionen

2,4

3,5

2,7

-

- Sonstige Anlagen

0,4

3,0

1,4

-

Exporte

2,0

0,5

2,0

1,1

Importe

3,3

2,8

3,8

2,9

Außenbeitrag, Wachstumsleistung

-0,4

-0,9

-0,6

-0,6

Bruttoanlageinvestitionen

Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesregierung (April 2019) Europäische Kommission (Mai 2019), eigene Berechnungen

Trotz konjunktureller Abkühlung, die vor allem der außenwirtschaftlichen Entwicklung geschuldet ist, war die Investitionstätigkeit in der ersten Jahreshälfte noch immer leicht aufwärtsgerichtet. Wir haben ohnehin eine deutlich schwächere Dynamik als in den vergangenen zwei Jahren antizipiert. So rechnen wir bei den Ausrüstungsinvestitionen weiterhin mit einem Anstieg von 2,5 Prozent. Dies entspricht in etwa der bisherigen Entwicklung im laufenden Jahr. Die derzeit getätigten Investitionen dürften ohnehin auf längerfristigen Investitionsplänen beruhen. Zudem sind die Kapazitäten in der Industrie trotz Produktionsrückgang noch immer durchschnittlich ausgelastet. Bei den Bauinvestitionen halten wir unsere Wachstumsprognose von real 3,5 Prozent weiter aufrecht. Vor allem im Bauhauptgewerbe haben die Aktivitäten in der ersten Jahreshälfte kräftig zugenommen. Entsprechend stark sind die Investitionen in Nichtwohnbauten gestiegen. Der hohe Bedarf an Wohnraum und eine entsprechende Nachfrage dürfte weiterhin für steigende Investitionen in Wohnbauten sorgen. In den Ausbaugewerken

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dürften angesichts von Personalengpässen die Wachstumsperspektiven begrenzt sein. Unsere Prognose für die Investitionen in sonstige Anlagen (Software, Forschung und Entwicklung) passen wir auf nunmehr plus drei Prozent an. Grund hierfür ist die neue Datenlage, die zu einer Korrektur der Ergebnisse der letzte vier Quartale geführt hat. Rein rechnerisch ergibt sich hieraus für die Bruttoanlageinvestitionen ein Anstieg um drei Prozent.

Außenhandel Deutschland: Exporte nach Zielregionen 12

restliche Länder Asien

10

USA Nicht Euroraum

8

Euroraum

6

4

2

0

-2

-4 2014

2015

2016

2017

2018

2019

Index: 2-Monatsdurchschnitt, kalender- und saisonbereinigt in Prozent zum Vorjahr Quellen: Macrobond, Deutsche Bundesbank

Die Exporte haben sich in der ersten Jahreshälfte deutlich schwächer entwickelt als noch im Frühjahr von uns erwartet. Verantwortlich hierfür waren das abnehmende Wachstum im Welthandel unter anderem aufgrund des eskalierenden Handelskonfliktes zwischen China und den USA. Wir rechnen nunmehr mit einer deutlich geringeren Expansion des Welthandels (BDI 2019) und korrigieren unsere Wachstumsprognose für die realen Exporte auf 0,5 Prozent. Im Fall eines Brexits ohne Abkommen dürften die realen Exporte deutlicher stärker darunter leiden. Bei den Importen rechnen wir aufgrund der stabilen Binnenkonjunktur wie bisher mit einem Anstieg um 2,8 Prozent. Vom Außenbeitrag geht nunmehr ein negativer Wachstumsimpuls von 0,9 Prozentpunkten aus. Alles in allem rechnen wir für das Jahr 2019 nur noch mit einem Anstieg der realen Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent gegenüber Vorjahr.

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Quellenverzeichnis BDI (2019). Globaler Wachstumsausblick. Schockbehandlung | Deutsche US-Protektionismus und Brexit erhöhen Rezessionsrisiko. 27. August. Berlin.

Impressum Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) Breite Straße 29 10178 Berlin T: +49 30 2028-0 www.bdi.eu Autor Thomas Hüne T: +49 30 2028-1592 t.huene@bdi.eu Redaktion/Grafiken Dr. Klaus Günter Deutsch T: +49 30 2028-1591 k.deutsch@bdi.eu Marta Gancarek T: +49 30 2028-1588 m.gancarek@bdi.eu

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Grunddaten zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen Verwendung des Bruttoinlandsproduktes (preis-, saison- und kalenderbereinigt) Veränderung zum Vorzeitraum in Prozent 2018 2017

2019

2018

Q1

Q2

Q3

Q4

Q1

Q2

1,7

1,1

0,1

0,3

0,1

0,4

0,8

0,2

-Private Konsumausgaben

1,8

1,1

0,1

0,2

0,0

0,4

0,8

0,1

-Konsumausgaben des Staates

1,6

1,0

0,0

0,6

0,1

0,4

0,8

0,5

2,9

2,6

0,9

1,0

0,7

0,9

1,6

-0,1

-Ausrüstungsinvestitionen

3,7

4,2

2,0

0,4

0,5

0,3

1,4

0,6

-Bauinvestitionen

2,9

2,4

0,5

1,3

0,7

1,2

2,5

-1,0

-sonstige Anlagen

1,3

0,4

0,2

1,3

1,1

1,2

-0,6

1,0

Inländische Verwendung

2,0

1,9

0,2

0,8

0,7

0,4

-0,1

0,5

Exporte

4,6

2,0

-0,3

0,6

-0,6

0,2

1,8

-1,3

Importe

4,8

3,3

-0,4

1,6

1,1

0,7

0,9

-0,3

Insgesamt

2,2

1,4

0,1

0,4

-0,1

0,2

0,4

-0,1

Konsumausgaben

Bruttoanlageinvestitionen

Wachstumsbeiträge zum preisbereinigten BIP (in Prozentpunkten) Konsumausgaben

1,2

0,8

0,1

0,2

0,0

0,3

0,6

0,2

-Private Konsumausgaben

0,9

0,6

0,0

0,1

0,0

0,2

0,4

0,1

-Konsumausgaben des Staates

0,3

0,2

0,0

0,1

0,0

0,1

0,2

0,1

0,6

0,5

0,2

0,2

0,2

0,2

0,3

0,0

-Ausrüstungsinvestitionen

0,2

0,3

0,1

0,0

0,0

0,0

0,1

0,0

-Bauinvestitionen

0,3

0,2

0,1

0,1

0,1

0,1

0,3

-0,1

-sonstige Anlagen

0,1

0,0

0,0

0,1

0,0

0,1

0,0

0,0

Vorratsveränderungen u. Ä.

0,1

0,6

-0,1

0,3

0,4

-0,1

-1,0

0,3

Inländische Verwendung

1,9

1,8

0,2

0,7

0,6

0,4

-0,1

0,5

Außenbeitrag

0,3

-0,4

0,0

-0,4

-0,7

-0,2

0,5

-0,5

Bruttoanlageinvestitionen

Quelle: Destatis

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Profile for Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.

Quartalsbericht Deutschland III/2019  

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