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BAYERNS BESTES

AUSGABE 11

BAYERN LAND & LEUTE

MAXIMILIANSTRASSE Glanz und Elend auf Münchens Luxusmeile

THOMA UND MANN Frauen, Moral und Landhäuser

3,80 €

NiederBAYERN! Michaela Hafner und andere, die können, wenn sie wollen


Wenn die Auswahl an Lebensmitteln so groß ist wie bei uns, dann macht Essen einfach nur Spaß und eine bewusste Ernährung wird zum Klacks. Damit es noch leichter wird, stehen Ihnen unsere Mitarbeiter bei Fragen zu ausgewogener Ernährung mit Rat und Tat zur Seite. Unsere speziell geschulten Ernährungsexperten beraten Sie im Markt, telefonisch und online. Mehr zum Thema „Bewusste Ernährung“ auf edeka.de/issso


EDITORIAL

BAYERN LAND & LEUTE Niederbayern sollte man nie aus den Augen verlieren! Aus dieser gesegneten Gegend kommen Bayerns beste Kabarettisten (etwa Bruno Jonas, Sigi Zimmerschied und jetzt die Senkrechtstarterin Michaela Hafner - unsere Titelgeschichte), einflussreiche Politiker wie der Vorsitzende der größten Fraktion im Europaparlament Manfred Weber und mächtige Verleger.

Impressum: espresso Publikations GmbH & Co KG Wagnerwirtsgasse 8 85049 Ingolstadt UStId: DE 814482148 Verantwortlich i.S.d.§ 6 Abs. 2 MDStV: Hermann Käbisch Telefon: 0841/95154-0 Telefax: 0841/95154-120 info@espresso-mediengruppe.de info@bayernsbestes.de Geschäftsführung: Michael Stern Projektleitung: Hermann Käbisch, Melanie Arzenheimer Marketing: Natali Motter, Evelin Raffalt Redaktion: Hermann Käbisch, Melanie Arzenheimer Silke Federsel, Edgar Mayer, Andreas Thamm, Anja Keilbach, Anita Haas, Sabine Kaczynski Layout: designerie WERBEAGENTUR, Kristin Leichtl, Daniela Kornprobst, Nadine Morell, Jonas Wagner Druck: druckpruskil Gaimersheim

Professor Dr. Martin Balle, der Inhaber des Straubinger Tagblattes und der Landshuter Zeitung beeindruckte mich persönlich sehr, weil er im Jahre 2014 die Münchner Abendzeitung rettete. Er kaufte dieses hoch defizitäre Blatt aus der Konkursmasse und führt es seitdem im Gegensatz zu den früheren Münchner Eigentümern mit Gewinn. Ein Straubinger zeigt den Münchnern, wie so etwas geht. Diesen Mann wollte ich kennenlernen, zumal Niederbayern das Schwerpunktthema der nächsten Ausgabe werden sollte. Das Interview hatte Folgen: Im Gespräch darüber, warum er die Abendzeitung erwarb, erwachte das Interesse von Professor Balle an einer Zusammenarbeit mit meinem Verlag. Meine Bewunderung für diese herausragende Verlegerpersönlichkeit führte dazu, dass ich - ungeplant und für alle überraschend - die espresso MedienGruppe, zu der auch BAYERN BESTES gehört, an ihn veräußerte. Mit 65 Jahren im Rentenalter angekommen, entschied ich mich für einen Verkauf an dieses renommierte bayerische Verlagshaus, da ich dort unsere Mitarbeiter und Publikationen in den besten Händen weiß. Beratend und schreibend bleibe ich BAYERNS BESTES verbunden. Die Leitung des Magazins übernimmt künftig unsere langjährige espresso-Chefredakteurin Melanie Arzenheimer, als Mitglied der Münchner Turmschreiber literarisch ambitioniert und anerkannt. Weiterhin viel Freude beim Lesen von BAYERNS BESTES wünscht Hermann Käbisch

Bitte vormerken: Die nächste Ausgabe von Bayerns Bestes erscheint am 30. Mai 2017 Michaela Hafner Foto: Heidi Hauner

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> BLUETONE das Festival an der Donau 27.06. bis 02.07.2017

> BLUVAL - Internationales Musikfestival 09.09. bis 30.09.2017

> Größter Zoo Ostbayerns

> GÄUBODENVOLKSFEST mit OSTBAYERNSCHAU 11.08. bis 21.08.2017

> Weltberühmter Römerschatz im Gäubodenmuseum

> Erlebnisbad AQUAtherm

> Historischer Friedhof St. Peter mit Basilika

eh …und v ieles m

r!

www.straubing.de


INHALT

14

INHALT

Wirtshaus Kultur Rettung in Sicht?

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Schikaneder Genie aus Straubing

Senkrechtstarterin Die Kabarettistin Michaela Hafner

08 BAYERN 1 BIS 3

42 STRAUBING UND HOLLAND

Höglwörth - ein Kloster wie ein Wasserschloss; Bayerisches in der Elbphilharmonie; Ölbergandacht in Berching

Geschichtliche und kulinarische Überraschungen

14 WIRTSHAUS-KULTUR

Von Eck zum Großen Arber - wandern im Bayerischen Wald

Eine Anleitung zur Rettung des bayerischen Wirtshauses

20 KABARETT AUS DEM HEUWISCH Die Nachwuchskabarettistin Michaela Hafner im Gespräch

26 MÜNCHENS MAXIMILIANSTRASSE

20

54 ACHT TAUSENDER AN EINEM TAG 60 KLEIDER MACHEN LEUTE Alexandra Brandner ist Bayerns bekannteste Gewandmeisterin

64 STRAUBING UND DIE ZAUBERFLÖTE

Glanz und Elend der Luxusmeile

Dem Straubinger Emanuel Schikaneder widmet Wien ein Musical (S. 60); schrieb er statt Mozart manche Arien? (S. 70)

34 DER RETTER DER ABENDZEITUNG

74 ITALIENISCHE OPERN EINES BAYERN

Warum Dr. Martin Balle die Münchner Abendzeitung kaufte

Johann Simon Mayr aus Mendorf wurde in Italien berühmt

38 HEIMLICHER HERRSCHER

78 NOT-EINSATZ IM ORCHESTER

Manfred Weber zwischen Niederbayern und Europa

Der Arzt Florian Demetz betreut Musiker auf Weltreisen

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INHALT

60

Kleider machen Leute Die Gewandmeisterin Alexandra Brandner

90

Der Liebhaber Ludwig Thoma und die Frauen

42

Straubing Geschichte und Kulinarisches

108

Ausgezeichnete Küche Gasthaus Stark in Wolkertshofen

26

Luxusmeile Glanz und Elend in der Maximilianstraße

82 ALLES NUR THEATER

108 AUSGEZEICHNETE KÜCHE

Die Schauspielerin Katerina Jakob pendelt zwischen Deutschland, Kanada und Antiqua

Zu Josef Stark in Wolkertshofen fahren sogar die Münchner

86 DER LYRIKSTIER

Diesmal die „Kaffeerösterei Dreiburgen“ in Dietfurt

In Hochstadt gibt es Preise für Lyriker

90 FRAUEN, MORAL UND LANDHÄUSER Ludwig Thoma und seine unglücklichen Beziehungen, Thomas Mann als Sommerfrischler in Bad Tölz (S. 96)

114 BAYERNS BESTE KAFFEERÖSTER 116 WUNDERMITTEL AUS BAYERN Von Blutwurz bis Schlagwasser - Elixiere aus Bayern

118 ESEL UND AUTO Eine Reise in das Allgäu der 1950er Jahre

100 BAYERNS ERSTE KUNSTFLIEGERIN Lisl Schwab und die „Schnattergans“

104 EINE FAMILIE - ZWEI KONFESSIONEN Maximilian I. und Ottheinrich bauten die Hofkapelle in München und die Schlosskapelle in Neuburg

122 VERANSTALTUNGEN Chris Boettcher und Martina Schwarzmann auf Tour, Landesgartenschau in Pfaffenhofen, Umweltmesse in Landshut, Handwerkermesse in München und Konzerte der Münchner Symphoniker

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romantische

WASSERSPIEGELUNG 1922 wurden die Leichen von Andreas und Cäzilia Gruber sowie Tochter Victoria Gabriel und Enkeltochter Cäzilia im Stall aufgefunden. Die toten Körper der Magd Maria Baumgartner und des zweijährigen Josef wurden im Haus entdeckt. Vom Mörder fehlt bis heute jede Spur. Foto: Bayerisches Armeemuseum , 1922

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BAYERN 1

Foto: Anton Brandl – Fotografie, München

Malerisch spiegelt sich das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift wie ein Wasserschloss im Höglwörther See (Berchtesgadener Land). Die prächtige Klosteranlage liegt auf einer Halbinsel, umgeben von uralten Bäumen, Schilf und Bauernhäusern. Ein wirklich hübsches Fleckchen Erde, das sich Mönche vor über 900 Jahren für ihr Kloster ausgesucht haben. Es entging einst der Säkularisation von 1803 und wurde erst 1817 als letztes Kloster in Bayern aufgelöst. Die Stiftskirche mit ihrem Zwiebelturm ist heute Filialkirche der Pfarrei Anger . In ihr wird alle drei Jahre in der Karwoche das Heilige Grab aufgebaut, eines der größten und schönsten dieser Art in Bayern. Über 10.000 Besucher kommen dann, um es zu bestaunen. Heuer (April 2017) soll es wieder soweit sein. Wilfried Rogasch hat sich zu einer besonderen Entdeckungstour aufgemacht und in seinem Buch die schönsten Kirchen in Oberbayern vorgestellt – altehrwürdige Dome finden sich darin genauso wie prachtvolle Klosterkirchen oder auf den ersten Blick unscheinbare Kapellen, die unerwartete Schätze beheimaten. Wilfried Rogasch: „Die 100 schönsten Kirchen in Oberbayern“ , erschienen im Hirmer Verlag, 240 Seiten mit 114 Abbildungen. Das Buch ist im Buchhandel erhältlich und kostet 19,90 Euro.

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Hier betreten Sie

bayerischen

Boden


BAYERN 2 Stimmt. Das ist ein Blick in das Foyer der weltberühmten Elbphilharmonie in Hamburg. Tausende Gäste haben das architektonische Meisterwerk seit seiner Eröffnung im Januar besucht. Schritt für Schritt betraten sie dabei aber auch „bayerischen Boden“, denn die Lindner Group aus Arnstorf (Landkreis Rottal-Inn) hat unter anderem Böden, Decken und Wandbeläge für das Foyer beigesteuert. Und sie waren nicht die einzigen, die Knowhow und Material „Made in Bavaria“ in den Hohen Norden exportiert haben: Die 22 000 Quadratmeter gebogenes und planes Fassadenglas wurden vom Interpane Standort in Plattling spezialbeschichtet und teils zu Isolierglas weiterverarbeitet. So hat jedes Glaselement vor seiner endgültigen Platzierung eine Reise nach Bayern unternommen. Dafür, dass an dieser spektakulären Fassade auch alles „richtig krumm“ wurde, sorgte der Architekt Stefan Gödderitz, der aus Weiden stammt und für das Büro „Herzog & de Meuron“ in Basel arbeitet, das die Außenhülle der Elbphilharmonie entworfen hatte. (ma)

Foto: Iwan Baan


BAYERN 3 Seit über einem halben Jahrhundert wird der Passion Christi in Berching in der Oberpfalz auf besondere Weise gedacht. Im Jahr 1516 wurde durch Leonhard Griessel die „Angst“, eine „Andacht zur Agonie, zur Todesangst Jesu Christi am Ölberg“ gestiftet. Aus der Andacht wurde im Lauf der Zeit ein Ölbergspiel, bei dem Spielszenen das Geschehen im Garten Getsemani anschaulich darstellten und es auch heute wieder tun. Zwischendurch gab es Verbote, Änderungen und Ortswechsel. Aber die Berchinger, sie blieben ihrer Ölbergandacht treu. So schrieb Ende des 19. Jahrhunderts der Berchinger Chronist August Haberlander: „Wer dieses Hinsinken des blutschwitzenden Heilandes zum ersten Mal sah, konnte sich der Tränen nicht erwehren.“ Die Ölbergandachten in der St. Lorenz Kirche beginnen traditionell mit dem Rosenkranzgebet und der Möglichkeit zur Beichte, danach folgt die Ölbergpredigt (früher „Pfinsta“-Predigt). Nach der Predigt beginnt das ergreifende Ölbergspiel, im Chorraum ist eigens dafür eine große Bühne aufgebaut. Der Chor singt das Einleitungslied, es erscheint der Engel dreimal dem knieenden Heiland, beim dritten Mal übergibt der Engel ihm den Kelch des Heiles. Weiterhin senkt sich ein leuchtendes Kreuz und drückt den Heiland symbolisch zu Boden. Das dreimalige Erscheinen des Engels wird mit alten Wechselgesängen von den Darstellern und dem Chor untermalt. Eine kurze eucharistische Andacht mit Segen beschließt jede Ölbergandacht, die immer am Donnerstag während der Fastenzeit stattfindet. (ma)

Die Ölbergandacht in Berching

Foto: Stadt Berching


Leidenschaftliches

Glaubenszeugnis


Neues aus dem

Heuwisch Die Nachwuchskabarettistin Michaela Hafner startet ihr zweites Soloprogramm


Kann auch komisch: Die niederbayerische Kabarettistin Michaela Hafner Foto: Thomas Preller

„Der Niederbayer an sich weiß, dass er könnte, wenn er wollte und das genügt ihm meistens.“

Michaela Hafner lebt im Heuwisch. Was das ist, muss man nicht unbedingt wissen (ein Landstrich, der sich links der Donau vom Fuße des Bogenberges bis nach Mariaposching erstreckt); aber den Namen der jungen Frau, die sich selbst bescheiden als „Nachwuchskabarettistin“ bezeichnet, sollte man sich merken. Nach dem beachtlichen Erfolg, den sie mit ihrem ersten Programm „Ois Guade Opa“ erzielte (sie trat damit auch im „Schlachthof“ in München auf), widmet sich die 36-Jährige jetzt einer anderen Generation: Es geht um den Junggesellinenabschied der besten Freundin. Das Interview gerät zum leidenschaftlichen Plädoyer für Niederbayern.

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TITELGESCHICHTE

Frau Hafner, Niederbayern! Was ist an Land und Leuten besonders? Kurz gesagt: „ois“! Für jeden ist doch seine Heimat was Besonderes. In Niederbayern findest Du von der weichen Hügellandschaft des Rottals über den Gäuboden, der ebenen Kornkammer Bayerns, bis über den Heuwisch rauf in den Bayerischen Wald alles. Und von der Befreiungshalle in Kelheim hast Du einen wundervollen Blick über das Donau- und Altmühltal. Wir Niederbayern mögen immer gerne hoch hinaus – das sieht man auch an der Veste Oberhaus in Passau. Wenn ich mal die niederbayerischen Gefilde verlassen habe und auf dem Heimweg dann von der Weite schon den heiligen Berg Niederbayerns – den Bogenberg – sehe, dann geht mir sprichwörtlich das Herz auf. Und ganz besonders an Niederbayern ist: Von uns kommen die weißblauen Rauten. Ja, nicht von den Oberlandlern, sondern aus der kleinen Stadt Bogen kommen die. Ohne die Gräfin Ludmilla von Bogen gäbe es die weißblauen Rauten gar nicht im Staatswappen. Und das Weißbier kommt auch ursprünglich aus Niederbayern, nämlich aus Schwarzach. So viel zur Landschaft. Und die Menschen? Der Niederbayer an sich weiß, dass er könnte, wenn er wollte und das genügt ihm meistens. Aber wenn er dann mal was will, dann setzt er alle Hebel in Bewegung. Es gibt den hitzigen Niederbayern (der Sorte gehöre ich an) und es gibt den besonnenen (das sind wohl die anderen). Alle sind wir freundlich; wenn es was zum Feiern gibt, dann feiern wir und das friedlich. Einfach a Menschenschlag mit liebenswerten Eigenheiten. Bruno Jonas, Sigi Zimmerschied. Warum gibt es viele bekannte Kabarettisten aus Niederbayern? Weil wir und unser Dialekt sexy sind. Wir sind eloquent, phänomenal, „liebreizend“, gutaussehend, charmant, ehrlich usw. Jedoch in erster Linie: Mir samma wir ma san. Mir wissma, dass ma kanntn. Und des glangt uns. Und wir schaun den Leutn sprichwörtlich aufs Maul. Wir sind keine „Honig-um-den-MundSchmierer“ und das mögen die Leute. Klare Aussagen gespickt mit Selbstironie. Also das mit der klaren Aussage und gespickt mit viel Selbstironie ist schon richtig. Und von den anderen Sachen wie sexy, eloquent, phänomenal und so weiter träumen wir in der Nacht.

Herzerl als Programm: Das erste Programm hieß „Ois Guade Opa“ (oben) Foto: privat

Erlebnis: Im Schwabinger „Podium“ durfte Michaela Hafner schon auftreten (rechts) Foto: Manfred Pflügl

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Ist sie‘s wirklich? Michaela Hafner wurde im Kostüm der „Aishee“ mit dunkler Perücke schon mal nicht erkannt. Foto: Thomas Preller

„Seit ich bei einem Auftritt ein Toupet in der Hand hatte, halte ich mich da zurück.“

Wann hatten Sie Ihren ersten Auftritt als Kabarettistin? Am 14.11. 2012 hatte ich „Weltpremiere“ mit „Ois Guade, Opa“ im Sudhaus in Schwarzach. Die große Überraschung: Die drei geplanten Vorstellungen waren innerhalb von einem Tag ausverkauft. Eine Zusatzvorstellung im Februar 2013 war nach drei Stunden ausverkauft. Hervorragend! Aber gab es auch Abende, wo die Zuschauer nicht in Scharen kamen? Die geringste Zuschauerzahl hatte ich nicht am Anfang sondern eher in der Mitte meiner bisherigen „Laufbahn“. Das war bei einem Auftritt in München: Es waren 15 Leute da, sechs davon waren Familienangehörige. Sieben hatten Freikarten von mir bekommen und zwei Leute hatten bezahlt. Aber es war einer der schönsten Auftritte. Weil es einfach nur griabig war. Die meisten Zuschauer live hatte ich beim Landfrauentag in der Straubinger Stadthalle. Es waren fast 1500 Leute da. Mein Auftritt wurde sogar auf eine Großleinwand übertragen. Ich konnte nachvollziehen, wie sich eine Monika Gruber fühlen muss. Auch bei Isar-TV durfte ich bereits auftreten.


Auch als Schauspielerin war Michaela Hafner schon erfolgreich: Hier in Ludwig Thomas Stück „Ein Münchner im Himmel“ Foto: privat


TITELGESCHICHTE

Aller Anfang ist schwer. Ging auch mal was daneben? Ich hatte mal einen Auftritt bei einer Versicherungsgesellschaft. Die Leute lachten nicht einmal beim „Bodysuit“ – ansonsten eine ganz sichere Nummer. Ich war wirklich verzweifelt, weil überhaupt keiner lachte. Am Ende kam ein älterer Herr auf mich zu und meinte: „So ein toller Abend. Ich habe mich noch nie so gut amüsiert“. So erlebte ich das erste Mal den Typ Zuschauer, der „innerlich lacht“. Aber so richtig daneben gegangen ist noch nie etwas. Freilich gab es einen Veranstalter, der nicht, wie vereinbart, das gesamte Equipment bereitstellte und nicht mal eine Bühne und Strahler hatte. Aber das war Gott sei Dank in der Nähe und wir konnten noch unser Equipment holen. Firmenveranstaltungen, auf denen die Mitarbeiter ihre Kinder mitbringen dürfen, sind immer eine Herausforderung. Vor allem, wenn die Kinder zu dir auf die Bühne wollen. Ein lustiger Auftritt war auch bei der Polizei-Gewerkschaft der Frauen in Ingolstadt. Hier erzählte ich nach meinem Auftritt den Polizistinnen mein Erlebnis bei einer Alkoholkontrolle mit einem Polizisten. Die Zuschauerinnen meinten dann später: „Die ist ja wirklich so – die spielt nicht auf der Bühne.“ Welche Nummer zieht immer? Es ist unterschiedlich. Bei manchen kommt der „Bodysuit“ gut an. Das ist die Szene, in der ich ein schlankmachendes Dessous anziehe. Bei den anderen kommt eher die resolute Großbäuerin Gerlinde an, die sich bei der Yogaübung „der sterbende Hund“ unsterblich blamiert. Besondere Erlebnisse bei Veranstaltungen? Umkleiden: Von der ungeheizten Abstellkammer als Umkleide über ein 1 x 1 m großes Büro zum Umziehen bis zur „Luxus-Umkleide“ mit Sekt, Kaffee und frischem Obst habe ich alles erlebt. Es ist schon ein Erlebnis, wenn man im „Schlachthof“ oder in der „Neuen Welt“ in der gleichen Garderobe ist wie Stars wie Martina Schwarzmann und Monika Gruber. Der Auftritt im „Schlachthof“: Hierzu fuhr sogar ein „Fanbus“ von meiner Heimat nach München, um „unsere Michaela“ zu unterstützen. Bei meinem Auftritt als die Aishee, Bauchtänzerin aus 1001 Nacht, habe ich am Anfang immer die Männer angetanzt und ihnen durchs Haar „gewuschelt“. Seit ich bei einem Auftritt ein Toupet in der Hand hatte, halte ich mich da zurück.

Oder bei einem Auftritt in der Nähe von Deggendorf meinte in der Pause ein älterer Herr zum Musiker „Wo bleibt denn jetzt die Hafner Michaela. Wann tritt denn die endlich auf?“ Im ersten Teil meines Kabaretts „Ois Guade Opa“ trete ich als Bauchtänzerin mit einer dunklen Perücke auf und sehe nicht so aus, wie auf den Plakaten. Kennen Sie Lampenfieber? In den letzten 5 Jahren habe ich an mir selber eine große Veränderung erlebt. Ich kann jetzt vor dem Auftritt mit den Leuten sprechen. Am Anfang konnte ich mit keinem vorher reden – so aufgeregt war ich, ein Häufchen Elend. Jetzt ist es schon so, dass ich sogar beim Aufbau helfen kann und nicht mehr wie gelähmt rumstehe und mich auch mit den Leuten unterhalte. Lesen Sie Kritiken? Natürlich lese ich die Kritiken und bin auch dankbar dafür, denn nur durch die Reflektion der Zuschauer und auch der Kritiker kann man sich weiterentwickeln. Ein Kabarettprogramm lebt. Bei einem Auftritt wurde mir nach der Aufführung gesagt, dass man mir den „Respekt“ vor dieser Bühne anmerkte und meine Abmoderation schöner und lustiger gewesen sei als das Programm selber. So etwas nehme ich mir schon zu Herzen und versuche, das dann in Zukunft umzusetzen. Mein schlimmster Kritiker bin ich jedoch selber: Michaela Hafner – ein „Tüpferlscheißer“ hoch 10. Das neue Programm? Meine neues Programm liegt bereits fertig geschrieben in der Schublade. Es geht wieder um ein Lebensereignis: „Der Junggesellinenabschied der besten Freundin“. Ich bin im neuen Stück die Vroni, die beste Freundin der Braut. Ich präsentiere den alltäglichen Wahnsinn im Leben. Mehr will ich dazu jedoch nicht verraten. Termin steht noch kein genauer fest, da ich neben meiner Berufung als Kabarettistin auch noch einer „seriösen Tätigkeit“ nachgehe. Aber auf alle Fälle wird die Premiere im Sudhaus in Schwarzach bei KIS-Kultur stattfinden – in der Heimat meines Regisseurs. Denn ohne Wolfgang Folger wäre ich nicht die Kabarettistin aus Niederbayern, die ich heute bin. (hk)

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Glanz

& Elend Luxus, Kultur und Untergang in der MaximilianstraĂ&#x;e in MĂźnchen


Bei der Staatsoper beginnt die MaximilianstraĂ&#x;e. Doch eigentlich gehĂśrt das Opernhaus zum Residenzplatz. Foto: Folotlia-Followme


Sie gehört zu beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands - die Maximilianstraße in München. Zwischen Staatsoper im Westen und Maximilianeum im Osten drängen sich die Vorzeigeläden besser als Flagstores bekannt - aller edlen Marken dieser Welt. Auf wenigen Metern locken Dior, Chanel und Cartier und alle anderen (ingesamt etwa 70) Nobelläden. Unterirdisch in jedem Sinne des Wortes zeigt sich das Maximilian Forum zwischen Gucci und Regierung von Oberbayern.

Einkaufsparadies: Etwa 70 Nobelläden drängen sich auf der Maximilianstraße Foto: Fotolia-Tunedin

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GESELLSCHAFT

Das Münchner Nationaltheater steht optisch gesehen am Anfang der Maximilianstraße. Das Bild der Prachtstraße an deren westlichen Beginn prägend muss dennoch konzidiert werden, dass die Oper eigentlich dem Max-Joseph-Platz zuzurechnen (Hausnummer ) ist. Münchens Luxusmeile ist benannt nach König Max II. (1811–64); er beauftragte den Architekten Friedrich Bürklein, eine Prachtstraße zu entwerfen. 1853 wurde mit den Bauarbeiten begonnen; 21 Jahre dauerte es bis zur Fertigstellung, die der König nicht mehr erlebte. Ungeachtet ihres Rufes als Einkaufsparadies für Begüterte bietet die Maximilianstraße neben der Staatsoper noch zahlreiche weitere kulturelle Attraktionen: Das Residenztheater neben der Staatsoper (eigentlich Max-Joseph-Platz 1), das GOP VarietéTheater (das ehemalige Boulevard-Theater „Kleine Komödie am Prachtvolle Schaufenster und ein Denkmal der Bürger für Maximilian II. Foto MaxII: Fotolia-Novak

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Hamlet an den Kammerspielen (links): Münchens städtische Bühne steht in der Kritik Foto:Kammerspiele-Thomas Aurin

Max II“ ) und die Münchner Kammerspiele. Letztere sorgten in letzter Zeit vermehrt für Schlagzeilen. „Kammerspiele? Jammerspiele“ titelte die Süddeutsche Zeitung im November 2016. Matthias Lilienthal, der neue Intendant, der bürgerliche Schauspielhäuser schon mal als „Kunstkacke“ bezeichnet, ist umstritten, bekannte Schauspieler kündigen (Hobmeier, Drexler und Bürkle). In der Kulisse, dem gar nicht so hochpreisigen Café-Restaurant im Gebäude der Kammerspiele beklagt man diese Entwicklung zum „Event- und Performance-Theater“ und meint selbst im gastronomischen Bereich einen Schwund der Gäste feststellen zu müssen. Bei Tagespasta (8,50 Euro) erfährt auch die Prachtstraße Kritik: Die Mieten würden immer horrender, nur noch die Flagstores der Edelmarken würden sich hier halten und gar noch vermehren. Die aber würden von viel weniger Kunden frequentiert als Geschäfte mit „bezahlbarer“ Mode oder Cafés und Restaurants. Auf ein schlagendes Beispiel dieser Entwicklung können die Kritiker verweisen: Dort, wo der Karl-Scharnagl-Ring die Maximilianstraße quert und sich diese platzartig erweitert, befand sich einst mit dem Café Roma ein beliebtes und hervorragend besuchtes Lokal, das die Straße belebte. Heute befindet sich dort ein Gucci-Laden, dessen handverlesene Kundschaft zahlenmäßig bedeutungslos ist. Direkt vor dem Flagstore geht es hinab zur Unterführung - großspurig Maximilian Forum genannt. Die Rolltreppe ist nicht nur funktionsuntauglich sondern auch von hüfthohem Gras überwachsen. Im Untergeschoss treffen wir am helllichten Tag keinen einzigen Passanten - nur ein Obdachloser schläft sich noch aus. Leere Schaufensterflächen und Schmierereien an den Wänden schrecken den, der sich hierher verläuft, ab. Ein Lichtblick: Noch in diesem Jahr will der Münchner Erfolgsgastronom Gabriel Levy, sein 2011 geschlossenes Café in unmittelbarer Nähe des früheren Standortes wieder eröffnen. Sollten dann die Bayern-Stars (früher Bastian Schweinsteiger und Oliver Kahn) in dem Szenelokal wieder Einzug halten, dann wäre die Maximilianstraße um eine Attraktion, die sich alle leisten können, reicher.

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GESELLSCHAFT

Gucci und die Unterwelt: Unmittelbar neben dem Nobelladen das verwahrloste Maximilian Forum mit einer von Gras Ăźberwucherten Rolltreppe Foto: hk

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GESELLSCHAFT

Wer Prominenz am Nebentisch schätzt, der wird im Hotel Vier Jahreszeiten nicht enttäuscht werden. Den dezenten Luxus des 1858 auf Wunsch von Max II. gebauten prachtvollen Hotels schätzen Gäste wie Boris Becker, Matthias Sammer, Günter Netzer oder Wolfgang Fierek. Es sollte das nobelste Stadthotel werden.. Heute kann der Gast in der „Royal Ludwig Suite“ der zwischenzeitlich zur Kempinski Gruppe gehörenden Nobelherberge auf 190 Quadratmetern mit eigenem Whirlpool und „24 Hour Butler“ nächtigen. Für schmälere Geldbeutel: Für 18,50 Euro „Eintritt“, also dem Preis für einen Cappuccino und einer heißen Schokolade, kann man im Foyer auf Promisuche gehen. Weitaus weniger exquisit zeigt sich die Maximilianstraße östlich des Karl-Scharnagl-Ringes. Zwar beeindruckt der 170 Meter lange und fast 30 Meter hohe Gebäudetrakt der Regierung von Oberbayern, dessen mit Terrakotta verkleidete Fassade die Be-


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deutung des Baus betonen sollte. Gegenüber liegt das Völkerkundemuseum - seit 2014 „Museum der Fünf Kontinente“ genannt. Über 160 000 Kunstwerke außereuropäischer Völker, 135 000 Fotografien und mehr als 100 000 Bücher gehören zum Bestand dieses Hauses. Kurz vor der Isar zieht das Max II. Denkmal die Blicke auf sich. Es wurde nicht vom Monarchen selbst oder seinen Nachfahren sondern vom Münchner Großbürgertum als Bekenntnis zur konstitutionellen Monarchie in Auftrag gegeben. Gleich neben dem „Max II.“ lockt dort, wo früher die „Kleine Komödie“ spielte, jetzt das GOP Varieté-Theater München. Den weithin sichtbaren optischen Schlusspunkt der Maximilianstraße setzt jenseits der Isar das Maximilianeum, wo heute der Bayerische Landtag seinen Sitz hat. Auch hier ist klarzustellen:

Die Maximilianstraße endet vorher an der Maximilianbrücke und das Parlament hat trotz seines Namens die Anschrift „MaxPlanck-Straße 1.“ Errichtet wurde die „aufwändige Kulissenarchitektur“, um dort die Stiftung Maximilianeum unterzubringen. Hochbegabte Studenten (Notendurchscnitt 1,0) können, nachdem sie ein strenges Auswahlverfahren hinter sich gebracht haben, während ihres Studiums hier kostenlos leben. „Maximilianeer“ waren unter anderem Franz Josef Strauß, Werner Heisenberg, Carl Amery und der Liedermacher Michael Kunze. (hk) Heiße Schokolade im Hotel Vier Jahreszeiten (oben links) oder ein Prosecco in der Kulisse, dem Lokal bei den Kammerspielen (oben rechts). Akrobatische Höchstleistungen im GOP Varieté (oben) Foto: GOP

Prachtvoll: Gebäudekomplex der Regierung von Oberbayern mit Terrakotta-Fassade (links) Foto: Fotolia-LightingKreativ

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In Tracht und mit seiner Pfeife: So kennt man Ludwig Thoma, Autor der „Lausbubengeschichten“. Foto: dpa


Ein schwieriger Bayer

und die Frauen


Exotische Schönheit: Die Tänzerin „Marion“ hatte es Thoma so sehr angetan, dass er sich sogar mit Rivalen duellieren wollte. Thoma zahlte ihrem Ehemann sogar eine stolze Summe, damit er sie heiraten konnte; die Ehe sollte allerdings nicht lange halten. Foto: Allitera-Verlag/Münchner Stadtbibliothek


„Luja sog i, zefix Halleluja! Von Silke Federsel „Luja sog i, zefix Halleluja!“ – keiner flucht so sakrisch gut wie Engel Aloisius in „ein Münchner im Himmel“ – neben der „Heiligen Nacht“ und den „Lausbubengeschichten“ sicher der populärste bayerische Klassiker aus der Feder von Ludwig Thoma. Der Paradebayer mit Lederhose und Pfeife, der ein feines Ohr für unterschiedliche Dialekte hatte und das Bayerische in seiner Literatur zur Kultursprache machte, hatte viele Seiten, gute wie auch schlechte: Er war Heimatschriftsteller und liberaler Satiriker, ein Frauenheld, der einem verschuldeten Bekannten die Ehefrau „abkaufte“, aber auch Verfasser antisemitischer Hetzartikel, obwohl er ganz vernarrt in eine Frau aus einer jüdischen Familie war. Vorzugsweise die verheirateten Damen schienen es ihm angetan haben, wenn man sich durch Martha Schads Buch „Weiberheld und Weiberfeind“ liest. Die Historikerin erzählt darin unterhaltsam von den Frauen in Thomas Leben. Da gibt es etwa die Affäre mit Hedwig von Xylander, verheiratet mit dem Major Robert von Xylander und Mutter eines kleinen Kindes. Mit ihr verbrachte Thoma leidenschaftliche Stunden und markierte sogar in seinem Tagebuch mit einem „X“ Ort und Datum, wann er mit der Dame intim war. Dass der gehörnte Ehemann ihm Jahre später noch eins reinwürgen würde, daran hatte Thoma wohl nicht gedacht: als bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs Thoma unbedingt an die Front wollte, wusste der Major das zu verhindern. Denn der 47-jährige Thoma hätte aufgrund seines Alters eine Ausnahmegenehmigung gebraucht, die ihm aber verwehrt wurde. Er war zwar dann kurze Zeit im Sanitätsdienst tätig, erkrankte aber bald und kehrte in sein Haus am Tegernsee zurück.


sitzer Georg David Schulz verheiratet war. Thoma war ganz verzaubert von der hübschen „Marion“, wie er sie nannte, und wollte sie möglichst schnell heiraten und reagierte furchtbar eifersüchtig, wenn andere mit ihr flirteten. 1905 holte er seine Geliebte aus Berlin, denn sie hatte ihren Mann verlassen. Dem Ex-Ehemann Schulz, der zu dieser Zeit in argen finanziellen Schwierigkeiten steckte, zahlt er mehrmals eine Art Schmerzensgeld für dessen „Verlust“ – insgesamt 15 000 Mark. Zwei Jahre später gaben sich Ludwig und „Marion“ das Ja-Wort.

Das Naturwesen mit Kinderlächeln Als Junggeselle hatte Thoma immer wieder wechselnde Affären und Beziehungen, schrieb etwa seiner Bekannten Sarah eine recht vulgäre Postkarte oder war bei einer Ägyptenreise so fasziniert von einer orientalischen Tänzerin, dass seine Freunde ihn kaum überreden konnten, sich von ihr loszureißen. Das änderte sich aber, als es ihn nach München verschlug und er dort seine erste große Lieb traf: Marietta de Rigardo. Thoma betrieb nämlich zunächst eine Rechtsanwaltskanzlei in Dachau und führte einen Doktortitel, der ihm eigentlich nicht zustand, weil er seine Dissertation nicht abgegeben hatte. In Dachau lernte er als Mandanten auch jene Landbevölkerung kennen, die er in seinen Werken so hervorragend beschrieb. Den Dachauer Bauern setzte er mit „Agricola. Bauerngeschichten“ im Jahre 1897 ein literarisches Denkmal. Schreiben galt für Thoma zunächst als Nebenerwerb, doch dann zog er nach München. Unter dem Pseudonym Peter Schlemihl schrieb er dort für den legendären „Simplicissimus“, wurde später sogar Chefredakteur. Er verkehrte in den Kreisen der Schwabinger Bohème und begegnet dort der schönen Tänzerin Marietta di Rigardo, die philippinische Wurzeln hatte und zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Kabarettbe-

Doch das „Naturwesen mit dem Kinderlächeln“ war bald enttäuscht von einem Leben mit Ludwig Thoma. Während der frisch gebackene Ehemann zufrieden in seinem luxuriösem Landhaus (450 Quadratmeter Wohnfläche und eigener Tennisplatz) am Tegernsee war und wochenlange Jagdausflüge genoss, langweilte sich die Lebefrau Marietta tödlich in der ländlichen Umgebung . Sie reiste viel und betrog ihren Gatten schließlich – die Ehe wurde 1911 geschieden. Thoma gesteht sich in einem Brief an Freunde ein: „Ich war in meiner Ehe ein Oberlehrer und Grantlhuber und habe ihre Zärtlichkeit abgewehrt, bis sie erstickte“, schrieb er. „Jetzt bin ich als freier Mensch ihr herzlicher Freund“.


Sie hätte es gerne gesehen, wenn Ludwig Thoma öfter ein Bad genommen und dass er mit seinen Hetzartikeln aufgehört hätte: Maidi von Liebermann, seine Geliebte, die sich allerdings für Thoma nicht scheiden lassen wollte. Foto: Allitera-Verlag/Münchner Stadtbibliothek

Alles andere als herzlich geht es dafür in Thoma‘s Artikel in den kommenden Jahren zu. Ihn hatte die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg verbittert, seine Ansichten wurden zunehmend reaktionärer und auch radikaler. Die Wandlung vom linksliberalen Spötter, wie man ihn aus „Simplicissimus“-Zeiten kennt hin zum Autor bösartiger antisemitischer oder frauenfeindlicher Texte sei aber nicht plötzlich geschehen, wie Autor Michael Skasa schon Anfang der 1990er erklärte. Tatsächlich gab es bei Ludwig Thoma schon einige „Ausrutscher“ vor dem Krieg, die er auch zu Papier gebracht hatte. 1920 und 1921 schrieb Thoma dann im Miesbacher Anzeiger aber regelrechte Hetzartikel– gegen Politiker, Frauenrechtlerinnen und auch gegen Juden. Letzteres mag besonders verwundern, denn 1918 hatte Thoma sich ausgerechnet in eine Frau mit jüdischen Wurzeln verliebt: Marie „Maidi“ von Liebermann. Er bettelte sie mehrmals, ihren Ehemann zu verlassen und zu ihm zu ziehen. Doch im Gegensatz zu Marion wollte Maidi sich nicht scheiden lassen und schon gar nicht mit Thoma auf seinem Landgut dauerhaft wohnen. Außerdem kritisierte sie ihn für seine mangelnde Hygiene und seine schlampige Haushaltsführung. Und sie drängte ihn, mit den Hetzartikeln, in denen er sogar zur Gewalt aufrief, endlich aufzuhören. „Zu diesen Sachen bist du doch zu gut. Schreibe für eine anständige Zeitung. Zu den hinterfotzigen Geschichten würde ich mich nicht hergeben “, bat sie ihn in einem Brief. Trotz allem war Maidi ihm weiterhin sehr verbunden, denn sie erwartet das Zusammentreffen immer sehnsüchtig und drohte ihm scherzhaft in einem Schreiben mit „Watschen und Kussis“ an. Er wiederum soll ihr versprochen haben, mit den Artikeln aufzuhören, wenn sie nur zu ihm in sein Haus am Tegernsee ziehen würde. Ob er tatsächlich Wort gehalten hätte ? Zu einem Zusammenzug der beiden kam es jedenfalls nie, Thoma starb mit nur 54 Jahren im August 1921 an Magenkrebs.


VORSCHAU

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THEMEN DES NÄCHSTEN BANDES

Band 12 erscheint am 30. Mai 2017

GEHEIME GESELLSCHAFT? Vor 300 Jahren ist in London die erste FreimaurerLoge gegründet worden. Auch in Bayern sind daraufhin zahlreiche Logen entstanden. Und bis heute scheinen sie nichts von ihrer Anziehungskraft verloren zu haben, selbst wenn zu dem reinen „Männerverein“ hier und da gemischte, ja sogar rein weibliche Logen dazu gestoßen sind. .Foto: Arzenheimer

WENIG SCHLEIFEN, VIELE SCHLEUSEN Er ist eine Wasserstraße mit „historischen Nebenwirkungen“: Vor 25 Jahren wurde der Main-Donau-Kanal für die Schifffahrt freigegeben. Damals war das Projekt nicht unumstritten. Nun wird das Jubiläum gefeiert. An seinen Ufern entstanden nicht nur Anlegestellen, Radwege oder neue Freizeitattraktionen, sondern ein ganzer Archäologiepark begleitet den Kanal im Naturpark Altmühltal. Foto: Naturpark Altmühltal

EINZIGARTIGE AROMATIK Als „die wertvollste von Menschenhand geschaffene Weinrebe“ wird sie bezeichnet, die fränkische Scheurebe. War sie in flüssiger Form einst als „süßer Altherren-Wein“ verschrien, erlebt sie jetzt, hundert Jahre nachdem sie erstmals gekreuzt wurde, eine echte Renaissance. Foto: Mauritz

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Bayerns Bestes Ausgabe 11