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1 Editorial

Liebe Leserinnen & Leser, Ein ganz herzlicher Dank an alle Unterstützer, die die zweite Ausgabe des Magazins zur MCBW möglich gemacht haben: Der Firma Leonhard Kurz u.a. für Veredelung des Covers – das Papier hat Fedrigoni zur Ver­ fügung gestellt; Monotype für die Schriften, deren Einsatz sich durch alle Artikel zieht, Getty Images für Bildmaterial, UPM für das Papier im Innenteil und last but not least Oberndorfer für den Druck des Magazins!

wie oft werden die Zukunftsklassiker »Brave New World« und »1984« zitiert, wenn es um die rasante Entwicklung geht, die unsere Welt aktuell nimmt – wohl schlicht auch, weil gera­ de die Rasanz uns als durchaus bedrohlich erscheint. An die »Schöne Neue Welt« denken wir dabei erstmal nicht unbedingt, vielmehr ist diese neue Welt heute durch den Begriff »Smart« definiert. Smart steht stellvertretend für alles, was die Digitalisierung des Alltags mit sich bringt: Beschleunigung, Vereinfa­ chung, das Abtauchen in virtuelle Welten, die Neuorganisation von Berufswelten, Produk­ tionsverfahren – und dem, was an »ganz nor­ malem Leben« dann noch so übrigbleibt. Wer und was steckt hinter dieser »smarten Revolution«, die sich die sechste Munich ­Creative Business Week, Deutschlands größ­ ter Designevent vom 4. bis zum 12. März, als Motto auf die Fahne schreibt? Designer. ­Designer, die nach bestem Wissen und Ge­ wissen – und mit einem Kenntnisspektrum ausgerüstet, das heute weit über die Gestal­ tung greifbarer Dinge hinausgeht – die Welt von morgen zu erhalten und zu verbessern streben. Das Spektrum der Innovationen und Errun­ genschaften ist dabei von positiven Entwick­ lungen, die tatsächlich das Leben verbessern, bis zu Möglichkeiten, die als Schreckgespenst den »gläsernen Menschen« zeichnen, schier unermesslich breit. Mit der Beleuchtung eines Teils dieser Entwicklungen, deren smarten Aspekten mit ihren Pros & Contras – und na­ türlich deren Gestaltern – wollen wir Ihnen

mit diesem Magazin Lust auf das Fokusthema der kommenden Designtage machen. Ein gewisses Maß an Freiheit (so das Titel­ thema dieser Ausgabe) sollten und müssen wir uns bewahren – denn noch (!) sind wir hof­ fentlich smarter als all die smarten Gadgets und Gimmicks, die wir teils als Fluch, teils als Segen für unser Leben empfinden. Wir haben bei Vielem die Wahlfreiheit und damit die Möglichkeit, einfach mal den Ausschaltknopf zu betätigen … Tauchen Sie mit uns für neun Tage in diese Welt ein, lassen sich inspirieren und sicher auch das ein oder andere Mal zum Staunen bringen. Neben diesem Themenbereich hal­ ten Münchner Designer, Agenturen, Unter­ nehmen, Hochschulen und viele andere mehr wieder eine Fülle interessanter Angebote be­ reit. Lassen Sie sich in die Welt hinter die Ku­ lissen des breit aufgestellten Themas Design entführen! Mit Wissen, Mitmachaktionen, Netzwerkplattformen – und natürlich auch viel Spaß! In diesem Sinne: Viel Freude beim analo­ gen Lesen auf bedrucktem Papier – und inspi­ rierende Begegnungen mit den Machern der Zukunft während der Münchner Designtage!

Nina Shell, Chefredakteurin MAG/bayern design


2 Inhalt

Imag you Kore

Das MCBW MAG 2017:

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4 Design & Freiheit Was bedeutet Freiheit im Design eigentlich? Eine Recherche

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12 Typografie Die Macht der Schrift. Webfonts machen Marken stark!

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33 Smart City Wie intelligente Städte der Zukunft funktionieren könn(t)en

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16 republik korea Ein Ausflug in die Designwelt und -historie des Partnerlands der MCBW

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41 MCBW Werkschau Deutschen Meisterschule für Mode | Designschule München

n 68 MCBW FORUM »The Smart Revolution« – Erleben! Entdecken! Mitmachen!

AuSSerdem im Heft: 10 Kommentar: Was ist smartes Design? 22 Selbstoptimierung: Auf dem Weg zum smarten Ich 26 ­Dialog: Alles, was Marken Recht ist!  28 Smart Materials: Natürlich! Smart Materials  46 ­Glosse: Vom Digitalen zum Astralen  48 Smart Packaging: Das Digitale Versprechen – Die Verpackung von mor­ gen  52 Robotik: Humanoid oder nicht? Roboter werden salonfähig  56 Smart Brands: Verführer oder echte Vertraute?  59 Dialog: Widerstand im Digitalzeitalter  62 Bits & Pieces  72 Impressum


Machen Sie bitte keinen Druck! Das machen wir – gerne für Sie! Unsere Spezialisten kennen immer den besten, schnellsten und profes sionellsten Weg, wenn es um Magazine, Kataloge oder Beilagen in Großauflage geht, das hat uns zu einer der leistungsfähigsten Druckereien im deutschsprachigen Raum gemacht. Mit modernsten Rollenoffset-Maschinen, Inhouse-Buchbinderei und effizienter Logistik – inklusive Postpartner im Haus. Gemeinsam mit J.Fink Druck bilden wir die deutschprachige Plattform der Circle Printers Gruppe – die führende, unabhängige Druckereigruppe in Europa. Und das schätzen unsere Kunden aus Handel, Industrie und dem Verlagswesen.

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zaun Text Oliver Herwig arbeitet als freier Journalist und Autor in München. Er ­unterrichtet Designtheorie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und der Kunst­ universität Linz. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise und Stipendien. Illustration Alfredo Häberli Tobias Grau Harry Thaler Christoph Böninger

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Was bedeutet Freiheit im Design eigentlich? Eine Recherche


5 Freiheit

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ie Wahl des richtigen Papiers kann für eine gut gestaltete Broschüre so entscheidend sein wie der pas­ sende  Werkstoff für einen Stuhl. ­Christoph Böninger, Designer und Designverleger (Auerberg), geht noch einen Schritt weiter: Technische Einschrän­ kungen und bestimmte Produktionsmetho­ den sind für ihn »geradezu der S­ chlüssel für kreative Lösungen«, Marke­ting-Briefings mit Zielgruppen hingegen findet Böninger »oft kontraproduktiv, weil sie Qualität relativie­ ren«. Das ist eine wichtige Unterscheidung, die einiges verrät über die heutigen Zwänge der Produktion. Wer nach Sinus-Milieus (im Sinne von »Wer x kauft und y liebt, dem wird auch z gefallen«) schielt und technische Inno­ vation durch zielgruppengenaue Ansprache ersetzen will, läuft in eine Falle, die Altbekann­ tes (»me, too«) variiert und statt Design Styling anbietet: hübsche Oberflächen und gefällige Rundungen über einem technischen Kern, der nicht angetastet wird. Das aber greift zu kurz. Design ist längst integraler Be­ standteil der Produktentwicklung – oder, wie bei Auerberg-Entwerfern mit dem Anspruch »radikaler Subjektivität«. Böninger erklärt: »Das macht das Entwerfern nicht einfacher aber vielleicht freier, weil jeder Designer pri­ mär sich selber Rechenschaft über die Quali­ tät seines Entwurfs ablegen muss, Ausreden  gibt es nicht.«

Radikale subjektivität

Freiheit im Design klingt verführerisch, doch was be­deutet das große Wort eigentlich genau: Wahlfreiheit der Kunden? Oder gar einen Blankoscheck für Gestalter, Dinge nach Belieben rund oder eckig zu formen, bunt oder nachtschwarz? Geht es vielleicht sogar um die Freiheit hinter den Dingen: Gedankenfreiheit, Datenschutz für Bürger und Patentschutz für Unter­nehmen? Offenbar ist Freiheit als Begriff viel zu diffus. Was meinen die Gestalter selbst dazu?

Verwendete Schriften: Blockade, Monotype Baskerville, Slate Pro in den Schnitten Light und Bold

Wer gestalten will, muss wissen. Unter den Kreativen sind gar nicht wenige Bücherfresser, die auf den Schultern von Riesen sitzen, wie es Einstein formuliert hatte.


6 Freiheit

Wie viel Freiheit liegt in einer banalen Garderobe, wie viele Möglichkeiten? Offenbar genug, bewies Tobias Grau mit seiner dreigekerbten Stange. Einfacher geht’s nicht mehr.

Freiheit braucht Vertrauen

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reiheit durch Beschränkung klingt zunächst widersinnig, geradezu ab­ surd. Liegt nicht gerade in der unbe­ schränkten Wahlmöglichkeit beim Entwerfen der größte Reiz? Wer mit Gestaltern spricht, macht zwei völlig gegen­ teilige Erfahrungen. Das Haus auf der grünen Wiese, ohne Nachbarn, ohne Baurecht und ohne Limits beim Budget ist geradezu der Architekt Alptraum vieler Baumeister. Der ­ Dominikus Stark bringt das ­Dilemma auf den Punkt: »Anfangs«, erklärt der Münchner, sei doch jedes Haus ein »ungeschliffener Dia­ mant«, es gebe weder Schall- noch Brand­ schutz. »Dann fängt man an zu schleifen und arbeitet mit Raumgrößen und Abstands­ flächen. Es verankert sich mehr und mehr mit dem Ort und dem Bauherren und wird realer. Man hinterfragt und schärft die Idee, bis die Balance aller Elemente stimmt.« Ein Haus ohne Widerstände, ohne Einschränkungen, ohne Rahmenbedingungen lässt einen sol­ chen gedanklichen Fokus erst gar nicht zu, der notwendig ist, um Dinge auf den Punkt zu bringen. Der Grund dafür sei einfach, sagt Stark: Ein Bett habe eben gewisse Abmes­ sungen, ebenso wie ein Schrank. Pragmati­ sche Themen wie »diese unterscheiden uns von der bildenden Kunst, dass wir Dinge be­ nutzen müssen (und wollen).«

usreden lässt auch Nils ­Holger ­Moormann nicht zu. »Für mich

ist Freiheit geradezu ein Lebens­ motto«, sagt der gestaltende De­ signverleger aus dem oberbayeri­ schen Aschau. »Umso verwunderlicher, dass oftmals gerade bei Aufgaben mit gehörigen problematischen Einschränkungen neue ­Ideen entstehen und man glückvoll über den Zaun springen kann.« Querdenken braucht also offenbar Querlatten, die man übersprin­ gen, überwinden oder überlisten muss. Die Grenzen der gestalterischen Freiheit sind aber nicht nur die Grenzen des Materials (die immer weiter ausgereizt werden) und der Produktionstechniken (die sich immer weiter wandeln) oder die Grenzen des Budgets (das tatsächlich Grenzen hat), sondern vor allem die Tragfähigkeit der Idee, die sich spätestens beim Käufer beweisen muss, der den neuen Stuhl in Besitz nimmt. Daher fügt Moormann hinzu: »Freiheit findet im Design eigentlich nur dadurch ihre Grenze, dass am Schluss ein klar gebrauchsorientiertes Ergebnis stehen muss. Die Freiheit des Künstlers hat Design daher leider nicht.« Und plötzlich tut sich eine Hardcore-Designecke auf, die da schreit: Er­ gonomisch muss du sein – und ein Erlebnis bieten. Der Kunde als letzte Instanz der Frei­ heit, als letzte Einschränkung der Gestalter, die sonst Künstler wären (was sie manchmal auch sind).


7 Freiheit

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iegt es also an der Grenzziehung zur Kunst, dass unbegrenzte ge­ stalterische Freiheit nicht unbe­ dingt als Katalysator für gutes Design empfunden wird? Denn ­ auch für die Gegenposition spricht viel. Frank ­Wagner, Geschäftsführer der re­ nommierten Agentur hw.design GmbH, ant­ wortet auf die Frage, wie viel Freiheit er beim Entwerfen brauche: »Am liebsten alle Freihei­ ten der Welt! Ein Designer steckt einen gro­ ßen Teil seiner Persönlichkeit, seiner Ästhetik, Erfahrung, Vorstellungskraft und Leiden­ schaft in die Arbeit.« Und fügt dann hinzu: »Vertraut man und lässt ihm die Freiheit, kann großartiges Design daraus entstehen.« Eine bestechende Verbindung: Vertrauen schafft Freiraum, und dieser hilft bei der Lösung ge­ stalterischer Probleme, darin unterscheiden sich Informationsdesigner in keiner Weise von Architekten oder, sagen wir, Transporta­ tion Designern. Doch offenbar kommt noch etwas anderes hinzu: Freiheit ist eine Frage der Haltung, die Gestalter an den Tag legen, letztlich eine Frage der Persönlichkeit. Das empfindet auch der Designer Martin ­Hauenstein, der für große Firmen gestal­ tet: »Freiheit kann Segen und Fluch zugleich sein. Mir persönlich ist es lieber, der Kunde gibt mir einen Rahmen vor und überlässt es mir, ihn auszufüllen. An diesem Punkt ent­ steht erst die gestalterische Freiheit eines ­Designers. Wir sind ja keine Künstler im klas­ sischen Sinn. Aber Künstler dann doch ir­ gendwie wieder.« Wie gesagt, eine Frage der Persönlichkeit – und eine Frage der Perspek­ tive. Von was also ist die gestalterische Frei­ heit abhängig? Was befördert sie, was be­ droht sie? Alexandra Böninger leitet die Presseabteilung von Classicon. Sie kennt ihre Gestalter und schätzt »geistige Unab­ hängigkeit, die den Designer offen gegen­ über einer vorgetragenen Idee eines Unter­ nehmens hält«. Hier spielt alles zusammen: Vertrauen in Gestalter, Vertrauen, dass sie mehr bieten als technische Lösungen, und das Vertrauen, dass Gedankenfreiheit allen hilft, uns weiterbringt.

Freiheit der Gedanken

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nna Schöttle lebt in London.

Sie gibt zu, dass ihre britischen Kunden den Namen ihrer Agentur »eher nicht« verstehen. Das macht gar nichts, denn »Designfreiheit« klingt einfach zu gut, zumindest für deutsche Ohren. »Designfreiheit entstand während meines Studiums«, sagt Schöttle, »als mir klar wurde, dass es keine (oder in meinen Augen kaum) Grenzen im gestalterischen Bereich gibt, abgesehen von selbst kreierten.« Das klingt in der Tat spannend. »Es gibt keine ›Ge­ setze‹, die sich nicht brechen lassen, einfach kein Richtig und Falsch. Design ist subjektiv durch und durch«, sagt die Informations­ designerin. »Das sehe ich weiterhin als Leit­ motiv für meine gestalterische Arbeit.« In der Tat sind die Zeiten längst vorbei, da Gestal­ tung gut wurde, nur weil einige Regeln be­ folgt wurden, von Lehrern aufgestellte, unhin­ terfragbare Raster und Rezepte oder auch nur Harmonielehren. Doch worum geht es dann bei einem Entwurf, der nicht nur dem Auftraggeber, sondern auch der Gestalterin zusagen soll? Womöglich, spekuliert Schöttle, funktioniere Freiheit auch in gesetzten Rah­ men und Unfreiheit existiere »nur in unseren Köpfen«.

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ie Frage nach der gestalterischen Freiheit lässt sich nicht allgemein beantworten, sondern nur am Ein­ zelfall überprüfen, und auch hier gilt: Vorgaben und Einschränkungen können sich als wunderbarer Katalysator der Arbeit entpuppen oder als veritable Hemm­ schuhe, die jede kreative Entfaltung verhin­ dern. Nun ist das aber nicht gänzlich eine Fra­ ge der Perspektive, wenn man Gestaltung als Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung be­ greift, die sozialen, ökologischen und wirt­ schaftlichen Anforderungen (der Trias der Nachhaltigkeit) genügen will. Erst wenn diese Basis stimmt, wenn Gestalter nicht erst unter Einsatz ihres Lebens gegen Umweltskandale und Ausbeutung antreten müssen, kann Frei­ heit existieren. Dazu braucht es keinen erwei­ terten Designbegriff, wohl aber einen konsis­ tenten Freiheits­begriff, der sich immer noch  in der Aufklärung findet.

Ein Stuhl wie ein Gedankenstrich. Skizzen zu Harry Thalers Pressed Chair, der bei gerade mal 2,8 Kilo Eigengewicht bis zu 120 Kilogramm tragen kann. Doch wie faltet man so einen Minimalisten? Die Skizze lädt ein, an der Freiheit des gestalterischen Denkens teilzuhaben.


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riedrich Schiller (klar, der) lässt

seinen Marquis von Posa gegenüber dem König ausrufen: »Geben Sie / Die unnatürliche Vergöttrung auf, / Die uns vernichtet! … Gehn Sie Euro­ pens Königen voran. / Ein Federzug von die­ ser Hand, und neu / Erschaffen wird die Erde. Geben Sie / Gedankenfreiheit.« Große Worte, die sich heute seltsam ausnehmen, weil sie einen Kern treffen. Nicht mehr nur der Staat steht in der Verpflichtung, eben diese Gedan­ kenfreiheit zu sichern, sondern längst auch die großen Internetkonzerne, die Suchma­ schinenbetreiber und sozialen Netzwerke. Hier hat sich viel elektronische Macht ver­ sammelt, die sich schon mal die Freiheit nimmt, Meldungen versacken zu lassen und Kommentare auszusperren, Bilder zu löschen oder Nutzer zu Versuchskaninchen für sozio­ logische Spielchen zu machen. Bundes­ justizminister Heiko Maas forderte, es sei ­»über­fällig, sich mit Googles Macht auseinan­ ­ amburgische derzusetzen« – etwas, das der H Beauftragte für Datenschutz und Informa­ tionsfreiheit, Johannes Caspar, im Falle Face­ book bereits tat. Er untersagte dem Konzern, der vor etwas über zwei Jahren WhatsApp übernahm, per Anordnung, Daten von deut­ schen WhatsApp-Nutzern zu erheben und zu speichern. Bereits übermittelte Daten müss­ ten gelöscht werden. Auch das ist Freiheit, etwas, das tatsächlich auf Vertrauen fußt.

Christoph Böninger über seinen Beistelltisch: »Ich habe ihn aus einem einzigen Stück profi­ lierten Aluminiumblech gebogen – mit zwei unterschiedlich hohen Abstellfächern, für eine Menge Dinge. Die Kunst bei der Herstellung ist es, die sechs Blechkantun­ gen so zu biegen, dass die Profilierung nicht be­­ schädigt wird. Die sorgt nämlich für die Stabilität.«

Virtuelle Freiheit

Freiheit

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reiheit ist schön, macht aber viel ­Arbeit, müsste man in Anlehnung an den genialen Dadaisten Karl Valentin sagen. Denn Freiheit ist nicht selbst­ verständlich in unserer Welt, selbst in Demokratien wird Freiheit immer öfter im Wechselspiel mit Sicherheit verstanden und zugunsten scheinbarer Sicherheit aufgege­ ben oder eingeschränkt. Uwe Melchiar, Kommunikations-Designer und German Re­ presentative der European Packaging Design Association, zitiert für solche Fälle einen Klas­ siker, nämlich den Vater der ­amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, Benjamin Franklin: »Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.« Der Hamburger sieht Freiheit der Gestaltung immer auf dem Prüfstand: »Wir müssen den Mut aufbringen, gegen Erwartungen und enge Briefings zu arbeiten und zeigen, woran wir glauben und was wir für richtig erachten.« Offenbar ist das die letzte Stellschraube in ­Sachen Freiheit im Design: Nicht der Kunde, nicht das Briefing, nicht das Material, sondern »in erster Linie die eigenen Haltung und Inte­ grität« zählen, meint Mark Braun, der zu den renommiertesten deutschen Gestaltern der Gegenwart zählt.

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enau darum geht es in einer Welt, in der Internetkonzerne Gewinne so lange durch Europa manövrieren, bis sie einen effek­ tiven Steuersatz von 0,005 Pro­ zent erzielen, während sie zugleich die Tore der Kommunikation der Zukunft bewachen. Freiheit ist eine Sache der Haltung. Es gibt keine virtuellen Tugenden in den Zeiten des Internets. Freiheit hat immer mit konkreten Entscheidungen zu tun, die man trifft – und solchen, die man lässt. Als Designer und Nut­ zer, die wir ja alle sind. Wer also gerne zwi­ schen verschiedensten Optionen im Handel entscheiden will, muss auch dafür sorgen, dass Produzenten und Designer fair behan­ delt werden. Das ist die neue Verantwortung der Nutzer, die sie nicht alleine auf große ­Unternehmen und berühmte Gestalter ab­ wälzen können: Wahlfreiheit für alle. ◆


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Was ist smartes Design? Text Dr. Silke Claus ist promovierte Architektin und Geschäftsführerin der bayern design GmbH, die, getragen vom Bayerischen Wirtschaftsminis­ terium, das hohe Kreativpotenzial des Freistaats national sowie international fördert und sichtbar macht, z. B. mit der MCBW (Munich Creative Business Week).


11 Kommentar

Wenn Computer unser ­Nachdenken, Beraten und ­Planen übernehmen, wie k­ önnen wir dann noch Ideen­ geber und Gestalter unserer Zukunft bleiben? Die digitale Welt weiß dann oft mehr über mich als ich selbst.

»Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich« – im Alltag leichter gesagt, als getan. Die Beschleunigung von kommunikativen und ­ ökonomischen Prozessen auf Basis der Digi­ talisierung prägt unser Leben bereits mehr, als es uns bewusst ist. Die Grenzen zwischen Fremdbestimmung und Selbstbestimmung, zwischen Effizienzsteigerung und Produktivi­ tätsminderung sind gar nicht mehr leicht aus­ zuloten. Dabei haben wir Zukunfts­szenarien von großer Reichweite zu beurteilen, die uns versprechen, mehr Zeit und Lebensqualität zu gewinnen, beispielsweise durch intelligente Abläufe im Computer Integrated Manufactu­ ring (Industrie 4.0) über die Nutzung intelli­ genter Produkte und smarter Umgebungen bis hin zum Re-Design des Menschen selbst. Die Ergebnisse sollen natürlich maßgeschnei­ dert sein, reibungslos funktionieren und da­ bei noch Spaß machen. Willkommen in der smarten Economy!

Bereits jetzt haben wir alle Zutaten für eine komplett individualisierte Produktion. Die Losgröße 1 ist heute sowohl über den priva­ ten 3D-Drucker als auch in komplexen Ferti­ gungsanlagen möglich. Jeder kann von zu Hause aus Produkte gestalten, sein persönli­ ches Design erstellen, bestellen und zukünf­ tig in gewissem Umfang auch selber produ­ zieren. Sind dies smarte Produkte? Durch die zunehmende Vereinfachung der Zugänge zur Gestaltung und den Verlust der Bedeutung des einzelnen Objektes – alles ist jederzeit leicht zu haben/liegt in einer unübersichtli­ chen Fülle von Angeboten vor/ist jederzeit veränderbar – steht die Disziplin Design wie nie zuvor vor der Aufgabe, ihre Kernkompe­ tenzen neu zu beschreiben und qualitativ he­ rauszustellen. Dabei hat sich das Aufgaben­ feld professioneller Gestalter gewandelt und erheblich ausdifferenziert. Designer sind an komplexen Fragestellungen und Innovations­

prozessen beteiligt, die über die Gestaltung von einzelnen Produkten weit hinausgehen. Durch ihre Fähigkeit, bestehende Strukturen und Produkte kritisch zu hinterfragen sowie Ideen und Lösungen jenseits traditioneller Bahnen zu liefern, können sie wertvolle Im­ pulse an Gesamtwirtschaft und Gesellschaft geben. Zentrale Fragen dabei sind: Ist das, was (technisch) möglich ist, auch sinnvoll, nach­ haltig und ethisch vertretbar? Wie kann Tech­ nologie richtig eingesetzt und dem Menschen verständlich und erlebbar gemacht werden? Welche Produkte brauchen wir wirklich? Schnell werden Unvereinbarkeiten sicht­ bar: Wenn jeder alles, was er braucht, selbst herstellen kann, beeinflusst dies nicht nur un­ seren Handel und unsere Standards, sondern es entstehen auch neue Abfallberge und Um­ weltstandards können möglicherweise noch wesentlich schwerer als heute kontrolliert werden. Oder: Gibt es eine smarte Stadt der Zukunft ohne permanente Kontrolle? Werden Roboter unsere Jobs übernehmen? Ja, das werden sie – nicht gleich heute oder morgen, aber langsam und sicher. Sie unterstützen uns bereits jetzt sowohl in der Hausarbeit als auch in der Produktion. Die Aufgaben, die sie dabei übernehmen, werden immer komple­ xer. Einfache Arbeiten verschwinden. Wenn Computer unser Nachdenken, Beraten und Planen übernehmen, wie können wir dann noch Ideengeber und Gestalter unserer Zu­ kunft bleiben? Die digitale Welt weiß dann oft mehr über mich als ich selbst. Der Druck zur Erneuerung, zum Innovie­ ren ist erheblich. Zum einen ist er eine Le­ bensnotwendigkeit, denn wir haben erkannt, dass unser Überleben davon abhängt, neue Lösungen für die komplexen Herausforde­ rungen der Globalisierung, der Überbevöl­ kerung und Ressourcenknappheit zu finden. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite erzeugt internationaler Konkurrenzdruck eine aufwärtsgerichtete Spirale der Gestaltung immer neuer Produkte für Märkte, die es teilweise oder noch gar nicht gibt und für die uns in naher Zukunft die Ressourcen ausgehen. Es ist die vordringliche Aufgabe von Ge­ staltern, sich dieser Zusammenhänge be­ wusst zu sein und Lösungen anzubieten, die tatsächlich smart sind. Es geht darum, die Zukunft zu entwerfen, anstatt sich ihren ver­ meintlichen Vorgaben nur anzupassen. An­ gemessen kann eine neue Designkultur im 21. Jahrhundert nur sein, wenn sie sich an der Realität von Gesellschaft und Wirtschaft ori­ entiert und ganzheitliche, relevante Lösun­ gen anbietet, die die zukünftige Entwicklung unseres Planeten im Blick halten. Denn Ge­ stalten heißt zu allererst, Verantwortung zu ◆ übernehmen.

Verwendete Schrift: DIN Next LT Pro in den Schnitten Ultra Light Condensed und Light Condensed


13 Typografie

Corporate Designer wählen eine Schrift, um sie als »Stimme von Marken und Unternehmen« aufzubauen. Das gilt auch im Netz, wo sie sich freier entfalten kann als auf Papier.

Text Jan-Ulrich Schulze leitet bei Monotype die neue Business Development Unit. Er berät Marken und Unternehmen in der DACH-Region, die ihr visuelles Markenprofil mit Schriften und Software schärfen möchten. monotype.de

or der digitalen Kommunikation war die Typografie den Printmedien heilig. Für das Redesign deutscher Publikationen wurden nicht nur ­Lokalhelden verpflichtet (Lo Breier, Norbert Küpper, Lukas Kircher), sondern auch interna­ tionale Päpste ins Land geholt, zum Beispiel Mario Garcia oder Neville Brody. Da vor allem die Titelseite einer Zeitung oft komplett aus Text bestand, galt der Schrift besondere Auf­ merksamkeit. Sie wurde zu Recht als visueller Markenkern eingestuft, als Visitenkarte, zu­ sammen mit dem Zeitungskopf oder dem ­Titel eines Magazins. Die Digitalisierung unserer Medien hat ­vieles umgekrempelt: vom Anzeigengeschäft über die Informationsaufbereitung bis hin zu den Geschäftsmodellen. Nur eines nicht: die Rolle der Schrift. Mag ihr Anteil am Informa­ tionsfluss – durch Bild und Video – leicht zu­ rückgegangen sein, die meisten Websites be­ stehen immer noch zu 70 bis 90 Prozent aus Text, im Mobilbereich sogar oft zu 100  Prozent (vgl. Kasten). Zu den Textinhalten sind die Navi­ gation hinzugekommen, die Kommunikation mit den Lesern und interaktive Elemente – alles textbasiert.

Wo liegt nun der Grund für die typogra­ fische Ignoranz vieler Webdesigns? Denn schwer ist es nicht, sich für einen Webfont zu entscheiden und ihn zu installieren. Es muss auch nicht teuer sein, denn immerhin beginnt die Preisskala bei Null, mit Google-Fonts. Sie mögen zwar nicht jede typografische Aufga­ be lösen und keinen Beitrag zur Unverwech­ selbarkeit eines Webauftritts leisten, aber als erster Schritt hin zu einer typografischen Qualitätsinitiative sind sie bestens geeignet. Es bleibt nur eine Erklärung. Für viele Unter­ nehmen ist der Online-Auftritt immer noch ein Kanal zweiter Klasse, dem man weniger Aufmerksamkeit widmet als den klassischen Kommunikationswegen. Diese Einstellung ist nicht nur töricht, sie ist lebensgefährlich für Marke, Unternehmen und Medium. Im Bild­ schirm liegt die Zukunft. Nicht nur das. Seit es Retina-Bildschirme, augenfreundliche Auto­ matiken und atemberaubende Farbräume in tragbaren Geräten aller Hersteller gibt, wissen wir, dass am Bildschirm schon heute typogra­ fisch weit mehr möglich ist als auf Papier. 

Verwendete Schriften: MARK Pro Narrow in den Schnitten Light, Book, Bold Italic und Heavy


14 Typografie

»Es sind weniger die Programmierkenntnisse als der Wille zur typografischen Qualität und die Liebe zum Detail.«

Im Prinzip sind es vier Elemente, die ein Markenprofil definieren: Farbe, Form, Bild und Schrift. Nur eine da­ von ist wirklich konstant: die Schrift. Formen und Bilder wechseln, selbst die genormte Firmenfarbe wird durch Toleranzen in der Reproduktion zu ­einem Firmenfarbbereich, sodass am Ende doch nur die Wahl aus zwei Dut­ zend Grundfarben bleibt.

Frank Rausch

Sicherlich sind es viele Komponenten und nicht nur die Schrift alleine, an denen sich die visuelle Qualität eines Online-Markenauftritts messen lässt: Navigation, Seitenaufbau, Foto­auflösung, Video-Einbettung und nicht zuletzt die Integration von Werbung und Be­ sucher-Lockmitteln, die oft als Leser-­Folter­ instru­ mente wahrgenommen werden, also animierte Banner, Bildergalerien, Clickbaits. Doch Schrift ist eine essenzielle Konstante im Corporate Design, relevanter als Farbe, Form oder Bilder. Gerade bei den Zeitungen und Zeitschriften gab es zu Papierzeiten keine Diskussion über die Rolle der Schrift. Vor allem ist das Einhalten typografischer Qualität im Digitalen viel einfacher zu steuern als in der analogen Welt. Die meisten gestal­ terischen Feinheiten lassen sich nämlich mit ein paar Zeilen Code automatisieren. Wird das sorgfältig vorbereitet, muss sich kein Redakteur, kein Texter und kein Content-­ ­ Manager mehr um die richtigen Schriften, Stilmittel, Hervorhebungen, Auszeichnungen und dergleichen kümmern. Wird alles vom System erledigt. Umso unverständlicher ist es, dass jede Menge Online-Auftritte etablierter Medien auf niedrigstem Niveau operieren.

Die stabilste Komponente im Corporate Design: Schrift

Wie weit man typografische Qualität mit cleverer Programmierung treiben kann, zeigt der Berliner Programmierer Frank Rausch mit seiner Viki-App für iOS-Geräte. Eigentlich ist Viki nichts anders als ein Wikipedia-Interpre­ ter, mit dem einzigen Unterschied, dass man die Herkunft der großartig aufbereiteten lexi­ kalischen Beiträge nicht mehr wiedererkennt. Viki macht Wikipedia zu einer schier unend­ lichen Enzyklopädie, die sich auf einem iPad angenehmer liest als alle vergleichbaren bib­ liophilen Papierausgaben. Ganz zu schweigen von Aktualität, Tragbarkeit und den Segnun­ gen von Hypertext. In seinen TYPO-Day-Vorträgen verrät Rausch auch gerne das Geheimnis seiner in­ ternational erfolgreichen Viki-App. Es sind weniger die Programmierkenntnisse als der Wille zur typografischen Qualität und die ­Liebe zum Detail. Eine Prise Verbissenheit ge­ hört auch dazu, wenn er die von Wikipedia gelieferten Texte zunächst komplett von For­ matierungen entblößt, um sie anschließend mit raffiniertem Style-Code neu einzukleiden. Vom ursprünglichen Design bleibt kein Stein auf dem anderen. »Das Tolle ist doch, dass ich in der digita­ len Welt diesen Aufwand nur einmal treiben muss, denn meine Algorithmen sind anschlie­ ßend auf jeden Wikipedia-Beitrag anwend­ bar.« Genau das gilt auch im Netz. Eine leser­ liche und typografisch vorzügliche Website ist demnach keine Dauerbaustelle, sondern der Anspruch gehört ins Design-Briefing. Gute Typografie ist heute Code. Keine Rake­ tenwissenschaft. Zudem teilen die Coder ger­ ne ihr Wissen im Netz, wo man jede Menge Programmschnipsel findet. Nur eines nehmen einem Designer und Agenturen nicht ab: Den Auftrag dafür.

Schriften gibt es Zehntausende. Viele davon lassen sich sogar mit wenig Aufwand exklusiv anpassen. Und wenn Konsumenten mit »ihrer Mar­ ke« regelmäßig in Kontakt treten, wechselnde Bilder und Texte konsu­ mieren, so speichern sie unbewusst stets eine Konstante mit: die Schrift­ art. Aus diesem Grund können Mar­ ken wie Mercedes Benz, Die Bahn, Telekom oder Fritz Kola mit reinen Textbotschaften werben, ohne ihr Logo zu zeigen. Schrift im Branding: • die einzig echte Konstante • Träger der Information • regelmäßiger Touch-Point • instinktiv wiedererkennbar • unbewusster Markenbaustein


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Imag your Kore Text Dr. Petra Hölscher ist Kunsthistorikerin und Oberkonservatorin der Neuen Samm­ lung – The Design Museum, und Lehrbeauf­ tragte der Ludwig Maximilians U ­ niversität München. Zur MCBW 2017 zeichnet sie verantwortlich für die Ausstellung MCBW »Imagine_Your_Korea! Design und Kunst­ handwerk aus dem Land der Morgenstille«.


17 Partnerland SüdKorea

gine r ea!

… schwungvoll kommt er daher, der neue Slogan Südkoreas, steckt an und macht Lust, der Einladung zu folgen. Ganz wie von selbst schieben sich aber zunächst andere Bilder vor das geistige Auge, die so gar nicht zu der charmanten Aufforderung passen. Immer wieder wirft die Weltpolitik ihre dunklen Schatten auf ein Land, ­dessen Geschichte vor mehr als 5000 Jahren begann. Korea gehört zu den ältesten Ländern der Welt und doch verblasst alles andere vor den Ereignissen der letzten siebzig Jahre: dem Krieg zu Beginn der 1950er-Jahre, der die Teilung des Landes herbeiführte, den Militärdiktaturen, den Auseinandersetzungen mit dem kommunistischen Nachbarn im Norden. Wer mag da bei »Imagine Your Korea!« nicht an John Lennons Song »Imagine« denken, die Hymne der weltweiten Friedensbewegung.

Verwendete Schrift: Manga Steel OT Regular


18 Partnerland SüdKorea Südkorea – ein Direktflug von München in die Hauptstadt Seoul dauert nicht länger als in das japanische Tokio, und doch … wer weiß schon, dass das »Land der Morgenstille« von drei Meeren umgeben ist: im Westen vom Gelben, im Süden vom Ostchinesischen und im Osten vom Japanischen Meer. Oder dass sich an den Küsten Koreas mit Saemangeum das zweitgrößte Wattenmeer der Welt befin­ det. Wer realisiert, dass der scheidende UN-Generalsekretär, Ban Ki-moon, und der Rapper Psy Koreaner sind. Sein Musikvideo »Gangnam Style« wurde dank YouTube zum Mega-Hit des Jahres 2013 – täglich klickten es 7 bis 10 Millionen Nutzer an. Insider erinnert das Video daran, dass Korea einer der welt­ weit größten Musikvideohersteller ist und komplett den chinesischen Markt bestimmt. Wer ahnt, dass die Hauptstadt Seoul über­ setzt »Die Schöne im Spiegel« heißt – mit über 10 Millionen nur 2,5 Millionen Einwoh­ ner weniger zählt als der Freistaat Bayern. Bei Hodori (Ho = Tiger, dori = kleiner Junge) ist das ganz anders – vor fast 20 Jahren schaffte es das smarte Tigermaskottchen der Olym­ pischen Sommerspiele in Seoul auf Anhieb in unsere Herzen. Auf liebenswürdige Art ge­ lang es der zum Leben erweckten Comicfigur aus der Feder von Hyun Kim vom Designbüro »212 Design«, der Tigernation den Schrecken zu nehmen.

auch erstmals die für die westliche Hemi­ sphäre typischen Einrichtungsgegenstände nach Korea – Einbauschränke, Betten, Stühle, Tische, Küchen und eben Porzellan. West­ licher Komfort galt bald als chic. Das Wort »Design« fand Eingang in die koreanische Sprache. Doch blieb die Beschäftigung der Entwerfer mit dem Thema Möbel bis heute eine Ausnahme. Neben der ungewohnten Sitzkultur sind es nicht hochwertige und tren­ dige Möbel, die man sich als Statussymbole ins Haus holt. Es sind viel eher Produkte aus der Fashion- und Automobilindustrie, die ho­ hes Ansehen genießen. 2.

Hodori Ho = Tiger dori = kleiner Junge 1.

Dass Porzellan aus Deutschland ein ge­ schätztes und begehrtes Statussymbol ist, das überrascht Europäer wie Koreaner gleicher­ maßen. Denn traditionelle Speisen wie das Nationalgericht Kimchi, fermentierter Kohl, benötigen eine Vielzahl kleiner Schälchen, die es so auf der europäischen Tafel nicht gibt. Entsprechend ungewohnt schauen die mit deutschem Porzellan gedeckten und zwangs­ läufig überfüllten Tische für das koreanische Auge aus. Wer aber denkt dabei als Auslöser an das erste Hochhaus Koreas zu Beginn der 1960er-Jahre? Es verursachte nicht nur einen Bauboom hochgeschossiger Apartmenthäu­ ser in Stadt und Land. Vielmehr brachte es

3.

1965 wurde mit dem Institut für Design eine staatliche Einrichtung ins Leben gerufen, die sich – Produkte des Industrial Design gab es noch nicht – entgegen ihrem Namen um die Förderung des Kunsthandwerks kümmerte. Noch heute subsumiert man in Korea unter dem Begriff »Design« sowohl Objekte aus dem Bereich des Kunsthandwerks wie auch aus dem Industrial Design – eine Liaison, die beiden zugutekommt: Wo findet man heutzu­ tage hochwertigeres Produktdesign? Dabei war 1958 mit Gründung der Firma Goldstar, besser bekannt unter dem Namen LG (= Life’s Good), das erste Produktdesign­ studio Koreas eröffnet worden. Aus ihm ging

1. Kap-Sun Hwang Service »Aureole«, 2014 2. Samsung Electronics Corporate Design Center Watchphone GT-S9110, 2008/9 3. Tigermaskottchen


19 Partnerland SüdKorea 4. Werksentwurf Mobiltelefon SF Alert »i-Kids«, 2004 5. Werkdesign Digitalkamera »Samsung NV 3«, 2007 6. Kap-Sun Hwang Gefäß, 2015 7. Richard Meier Besteckgarnitur, 1983

1959 das erste koreanische Transistorradio hervor, das ad hoc zum Erfolgsschlager in Amerika wurde. Es folgten 1965 ein Kühl­ schrank, 1966 ein Schwarzweißfernseher, 1968 eine Klimaanlage und 1969 eine Wasch­ maschine. Eine neue Ära begann, in der Korea für sich die Bedeutung als Exportnation er­ kannte. Das heutige Institute of Design Pro­ motion hat seine Anfänge in dieser Zeit und führte mit der »Good Design Mark« eine ­Qualität-überprüfende Auszeichnung ein. Mit Beginn der 1990er-Jahre gründete LG ein europäisches Design Center in Dublin/ ­ Irland – weitere folgten in Tokio/Japan, New Jersey/USA, Peking/China, Mailand/Italien und Neu-Delhi/Indien. Statt Produktnach­ ahmung nun die Analyse des jeweiligen ­Marktes, der landeseigenen Gewerke, ihrer ­Ästhetik und Herstellungsverfahren. Der Elektronik­konzern Samsung beauftragt u. a. das F. A. Porsche Design Studio mit dem Ent­ wurf seiner Autofocus-Suchkamera »Sam­ sung ECX1« und Hartmut Esslingers Frog­ design für das TV-Gerät »Discus«. Was lange für Europa typisch war und nun für die Industrie Südkoreas charakteristisch ist: Samsung und LG gehören zu jenen familien­ geführten Großunternehmen, Jaebeols (= rei­ che Sippe), die die Wirtschaft Koreas bestim­ men wie die Autofirmen Hyundai, KIA und Daewoo, die siebtgrößte Schiffswerft der Welt

4.

Hanjin und der Handelskonzern Lotte, be­ nannt nach der Lotte in Goethes Werther. Seit Gründung des Stahlkonzerns Posco Ende der 1960er-Jahre stehen die Auto-, Elektro-, Stahl- und Schiffsbauindustrie für den rasan­ ten Aufstieg des Landes, das als das neue Wirtschaftswunderland Asiens gilt – obwohl es nach dem Zweiten Weltkrieg zu den ärms­ ten Ländern der Welt gehörte. Noch in den 1970er-Jahren wagte Hyundai (= Modernes Zeitalter) den für ein asiatisches Land unge­ heuren Schritt und beauftragte mit Giorgetto Giugiaro einen italienischen Automobildesig­ ner. »Pony« entstand, das erste koreanische Fahrzeug, das sowohl national wie interna­

tional wahrgenommen wurde. 1990 holte ­Daewoo das Atelier Bertone für den »Espero« ins Land, später Italdesign von Giorgetto ­Giugiaro für seine Modelle »Juliet«, »Nubira« und »Matiz«. Keinem der italienischen Design­büros gelang aber solch ein Coup wie dem Ingolstädter Peter Schreyer, der 2006 von Chung-Eui-sun ins Land geholt wurde, dem CEO von KIA Motors. Mit den Entwürfen des New Beatle und des Audi TT hatte Schreyer zuvor Automobilgeschichte ge­ schrieben. Sein KIA »Kee« wies 2006 erstmals jenen identitätsstiftenden Kühler auf, der KIA in den Rückspiegeln der Welt zur eigenstän­ digen Wahrnehmung verhalf: die »Tiger-­ Nose«. Ob das südamerikanische Gürteltier ­»Armadillo«, Namensgeber für das futuris­ tische Falt-Elektroauto des Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) je so erfolgreich sein wird, wird sich noch be­ weisen müssen. Sind KIA und neuerdings Hyundai durch ­Peter Schreyer als koreanische Unternehmen in den Köpfen der Käufer verankert, so stehen die Markennamen Samsung (= Drei Sterne) und LG für sich. Wem ist schon bewusst, wenn er das »Galaxy Note« von Samsung oder das »G Flex« von LG nutzt, dass es sich dabei um koreanisches Design handelt. Die hohe Kompetenz erklärt sich dabei von  

LG Life’s Good

6.

5.

7.


20 Partnerland SüdKorea selbst: Während wir in Europa im September 2016 noch über den flächenweiten, freien W-Lan-Zugang diskutieren, ist der Datenflow in Korea seit Beginn der 1990er Jahre längst Realität – 2012 überschritt die Zahl der Smart­ phone-Nutzer die 30-Millionen-Marke.

Die 1992 von Lee Kun-hee, dem Sohn des F­irmengründers von Samsung verlesene, 200-seitige »Frankfurter Deklaration« stellte erstmals entsprechende Forderungen für die koreanische Industrie auf. Sein Fazit lautete damals angesichts der Erfolge von Porsche und BMW und der Verluste von AEG und ­Telefunken: »Klasse statt Masse« und »mit ausgeprägtem Qualitätsbewusstsein an die Weltspitze«. Dies scheint mit der Verbindung der beiden lebendigen Parallelwelten Kunst­ handwerk und Design gelungen. Die Suche nach der einfachen Schönheit in einem alltäg­ lichen Produkt zeichnet heute das koreani­ sches Design aus – eine Qualität, die andere

Designinnovationen wie die Curved-OLEDTVs von Samsung und LG werden unter dem Herstellernamen oder – wie bei dem Modell Serif-TV – unter dem Namen der Entwerfer promoted, der Brüder Ronan und Erwan ­Bouroullec. »Made in Korea« liest man nicht. Koreanische Produkte erkennt man erst auf den zweiten Blick, oft aber auch gar nicht.

samsung Drei Sterne

8.

Noch fehlt auch das marketingträchtige K_DESIGN in der Auflistung der vom korea­ nischen Tourismusverband prolongierten trendigen Schlüsselwörter für junge Mode, modernes Essen oder die für die pan-asiati­ sche Jugend zur Leitkultur gewordene Musik: K_POP, K_FOOD, K_STYLE. Dabei hat mit dem 2014 nach fünfjähriger Bauzeit fertig ­gestellten Dongdaemun Design Plaza & Park (DDP) von Zaha Hadid Architects das K_Design längst Einzug in die koreanische Hauptstadt gehalten. DDP ist es mit zu ver­ danken, dass 2010 die Ernennung Seouls zum World Capital of Design gelang.

9.

Hyundai Modernes Zeitalter

10.

Die »Preußen Asiens«, wie die Koreaner we­ gen ihres Fleißes und ihres Perfektionismus auch genannt werden, haben für sich längst den hohen Nutzen ihrer eigenen Handwerks­ traditionen entdeckt und übertragen diese auf das Industrial Design. Wir sind fasziniert von den sublimen Porzellanobjekten eines Kap Sun Hwang, Leiter der Keramikklasse am College of Fine Arts der National Universität in Seoul und berühmt für seine porzellan-­ technologischen Untersuchungen. Oder von den weich geformten Metallgefäßen eines Kim Sang-woo und Kim Dong-hyun, die auf den ersten Blick verschweigen, dass sie hand­ geschmiedet sind. Bereits in den 1980er-Jah­ ren fertigten designorientierte Firmen wie

Swid Powell ihre Metallwaren in Korea. Glei­ ches gilt für die Tischleuchte »Amuleto« ­Alessandro Mendinis, die er 2010 entwarf. Die von ihm gegründete Firma Ramun mit Sitz in Korea lässt die Leuchte bei Daeyoung One aus Gongdan-Dong pro­duzieren, die im Automobilbereich für ihren p ­ räzisen Formen­ bau bekannt ist. Zarte, aus ungewöhnlichen Materialien und mit hoher handwerklicher Perfektion gearbeitete Schmuckobjekte von Inkyoung Hwang, Lee Dong Chun, Junwon Jung und einer Eun M ­ i Chun führen uns in eine andere Dimension, die aufgrund ihrer ­Innovation ihresgleichen sucht.

Designnationen verloren haben und die mit dazu beigetragen hat, dass Korea heute zu einer Leitkultur Asiens geworden ist. ◆

8. Sol Yoon Schale »Variation 2009_17«, 2009 9. Eun Mi Chun Halsschmuck, 2006 10. Lee Dong Chun Halsschmuck, 1997


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Squall

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AUF DEM

WEG ICH

ZUM SMARTEN

Komfortabler Halt für alle Geräte


23 Selbstoptimierung

In jedem Moment der perfekte Winkel

Text Stefanie Baumüller ist diplomierte Designerin mit einem Master of Arts in Advanced Design. Als freie Designerin arbeitet sie seit 2016 in Hamburg und München in den Bereichen Innovations­ beratung, Designstrategie und Zukunftsforschung. Mit dem Thema Selbstoptimierung beschäftigte sie sich bereits 2015 im Rahmen ihrer Masterarbeit. In diesem Kontext ist NAOY, ein spekulatives Design zum Thema Selbstoptimierung, entstanden. Fotografie MCBW werkschau Eva Wlk und Anh-Thu Pham

Vielleicht haben Sie eine solche ­Situation so oder so ähnlich auch schon erlebt: Ich traf mich neulich mit Freunden und wollte einen ausgelassenen Abend verbrin­ gen. Kurz nach der Begrüßung zückte ein Freund sein Smartphone und verkündete ­triumphierend: »Tagesziel erreicht!«. Er prä­ sentierte stolz seine Apps, die seine gelaufe­ nen Schritte, seine aufgenommenen Kalorien und seine bestandenen Gehirnjogging-Auf­ gaben in Form von bunten Informationsgrafi­ ken anschaulich darlegten. Etwas irritiert nahmen ich und die anderen Anwesenden dieses zunächst eigentümlich erscheinende Verhalten unseres gemeinsa­ men Freundes zur Kenntnis. Unsere fragen­ den Blicke nahm er zum Anlass, uns über sei­ ne neue Leidenschaft aufzuklären. Er betreibe jetzt Selbstoptimierung. Dass wir alle bereits auf irgendeine Art und Weise an diesem Tag Selbstoptimierung be­ trieben hätten, machte er uns an plakativen

Beispielen aus unserer Alltagswelt deutlich. So betreiben wir Selbstoptimierung, wenn wir unsere Haare färben, Schmerztabletten ein­ nehmen oder bestimmte Lebensmittel mei­ den bzw. bewusst zu uns nehmen. Unser gemeinsamer Freund begann, mit großem Eifer zu referieren. Die Selbstopti­ mierung habe sich im Zeitalter digitaler Mög­ lichkeiten verändert und weiterentwickelt. So sei es heute dank unterschiedlichster Senso­ ren möglich, das eigene Verhalten und seinen eigenen Körper zu vermessen. Die selbst ge­ nerierten und gesammelten Daten könnten dazu genutzt werden, sich selbst besser ken­ nenzulernen und etwaige Optimierungs­ potenziale aufzudecken. Schrittzähler, heute in jedem Smartphone standardmäßig integriert, könnten uns bei­ spielsweise darüber informieren, ob uns unser tägliches Bewegungsverhalten vor möglichen gesundheitlichen Risiken schützt. Sitzen, so argumentierte er, sei das neue Rauchen! 

Verwendete Schriften: Neue Kabel in den Schnitten Light und Medium


24 Selbstoptimierung

Immer alles im Blick

Und, als aufgeklärter Mensch sei man schließ­ lich für seine eigene Gesundheit, seine kör­ perliche und geistige Fitness sowie für sein eigenes Glück selbst verantwortlich. In den Medien hätte er davon gehört, dass Krankenkassen darüber nachdächten, ein ­Bonussystem für besonders aktive Mitglieder (die ihre selbst generierten Daten uneinge­ schränkt zur Verfügung stellen!) einzuführen. Nachfragen ob der Datensicherheit wischte er mit einer flapsigen Geste beiseite. Denn, so argumentierte er, für die, die sich ausreichend bewegen, bestünde ja sowieso keine Gefahr. All diejenigen, die sich dennoch kritisch äu­ ßerten, stempelte er als tradiert und wenig zukunftsbezogen ab. Vielmehr fing er an aufzuzählen, welche schier unbegrenzten Möglichkeiten der Selbst­ optimierung uns heute schon zur Verfügung stünden. So gäbe es neben gewöhnlichen Wearables wie Smart Watches, Fitnessarm­

bändern etc. auch progressivere Wearables, die durch sensible Stromstöße über die ­Schläfe das Gehirn stimulieren und zur Ent­ spannung verhelfen würden. Er könne sich gar vorstellen, die Vorteile des Biohackings für sich zu nutzen. Hierbei würde der eigene Körper durch externe Eingriffe wie bspw. Implantate erweitert und optimiert. Sein ­ nicht enden wollender Monolog fand seinen ­Höhepunkt in der Beschreibung eines im­ plantierten Chips, der seinem Nutzer Stoff­ wechseldaten übermittelt und gleichzeitig Ernährungstipps gibt. Just in diesem Moment kam der Kellner an unseren Tisch und unter­ brach jäh seine ­ Vision vom smarten Ich. »Darf´s noch was sein?« Unmittelbar, nachdem wir alle ein Helles bestellt hatten, vermerkte unser Freund sein Bier in einer App. Eine computergenerierte Stimme auf seinem Smartphone teilte ihm prompt emotionslos mit, dieses Bier sei eines

zu viel und würde seinem Tagesziel zuwider­ laufen. Angesäuert schaltete er sein Smart­ phone aus, legte es beiseite. Mit einem schel­ mischen Grinsen konstatierte er: »Meine Apps müssen ja nicht alles wissen.« Nach kurzem Gelächter fragten wir uns letztlich, wie ein solcher Abend auch weiter­ hin »unter uns« bleiben könne, wenn einer von uns tatsächlich einen solchen, wie von unserem Freund beschriebenen, Chip im­ plantiert hätte. Schnell fanden wir Konsens, indem wir uns damit beruhigten, dass wir dies klären würden, wenn es denn so weit ­gekommen sein würde … ◆


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26 Dialog

Alles, was Marken Recht ist! Ein Interview über die vielfältigen Schutzmöglichkeiten in der Kreativwirtschaft

Nina Shell im Gespräch mit Dr. Udo W. Herberth, Rechtsanwalt, und Dr. Hans ­Weickmann, Patentanwalt, von der Kanzlei Weickmann & Weickmann in München, die – 1882 gegründet – zu den ältesten Kanzleien mit Spezialisierung auf die ­Themenbereiche Patente, Marken und Designs zählt.

Wie sehen Sie »Design«? Es spielt eine große Rolle für den Erfolg eines Pro­ dukts. Originelles Design macht – neben den anderen Faktoren wie Preis, Handelspolitik etc. – den Erfolg im Markt. Also gilt es, juristisch Monopolrechte zu begründen. Wie geschieht das konkret? Durch das »nicht eingetragene Gemeinschaftsdesign«, das den Schöpfer gegen identische Nachahmungen innerhalb drei Jahren nach Inverkehrbringen des Pro­ dukts in einem Land der EU schützt. Das »eingetra­ gene Gemeinschaftsdesign«, welches einer Anmel­ dung und Eintragung bedarf und das bis zu 25  Jahre gelten kann, schützt nicht nur gegen identische Pla­ giate, sondern auch gegen verwechselbar ähnliche Gestaltungen. Und die Kombination verschiedener Schutzrechte? Schutzrechte können auch parallel wirken. Prinzipiell sollte daher immer überlegt werden, ob für ein Pro­ dukt auch ein technisches Schutzrecht, also ein ­Patent oder Gebrauchsmuster angemeldet werden kann. Voraussetzung hierfür ist ein technischer ­Effekt, der durch das Design erzielt wird. Während Designschutz bis zu 25 Jahre nach dem Anmeldetag wirken kann, ist die maximale Laufzeit bei Patenten und Gebrauchsmustern 20 bzw. 10 Jahre nach Anmeldung.

Wie sieht es mit immateriellen Produkten wie Software aus? Zu Software gelten besondere Bestimmungen im ­Ur­heberrecht. Daneben greift gegebenenfalls auch Designschutz. Urheberschutz entsteht mit Schöp­ fung des Werkes und endet 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Urheber eines Werkes ist dabei die ­natürliche Person, die das Werk geschaffen hat. Die­ se kann bestimmte Rechte auf Dritte übertragen und damit ihr Urheberrecht verwerten. Auch hier sollte geprüft werden, ob die Anmel­ dung eines Patents oder Gebrauchsmusters möglich und sinnvoll ist. Wie umfassend ist der Designschutz? Er ist sehr umfassend, es können zwei- oder drei­ dimensionale Erscheinungsformen eines Teiles oder eines ganzen Produkts geschützt werden. Es wird die Gestaltung einer Fläche, z.B. Textilgewebe oder Glas­ oberfläche, oder ein ganzes dreidimensionales ­Objekt geschützt. Wichtig für den Designschutz bei Anmeldung sind Neuheit und Eigenart des Designs. Kommen wir zur Marke, seit Jahren ein sehr wichtiges Thema … Ein Zeichen, das Waren und Dienstleistungen von denjenigen anderer unterscheidet, kann als Marke geschützt werden. Hier sind die Voraussetzungen geringer als beim Design. Neuheit spielt keine Rolle, sondern die Unterscheidungskraft – die Fähigkeit, die eigenen Waren oder Leistungen von denen ande­ rer Unternehmen zu unterscheiden. Es gibt viele Markenformen: Wortmarken, Bild­ marken, Wort- und Bildmarken, dreidimensionale, Kennfarben-, Klang-, Geruchs- sowie Bewegungs­ marken etc. Letztlich kann vieles als Marke geschützt


27 Dialog

werden. Das Markenrecht läuft außerhalb der ande­ ren zeitlich beschränkten Rechte, weil hier die Inves­ tition in die »Bewerbung« des Produktes / der Dienst­ leistung geschützt wird. Die Schutzdauer der Marken kann beliebig verlängert werden. Die grundsätzliche Schutzdauer beträgt 10 Jahre und kann alle 10 Jahre verlängert werden. Unsere Kanzlei vertritt zum Beispiel Markenrechte, die be­ reits über 100 Jahre bestehen, etwa die Marke Nr. 23 aus dem Jahre 1881. Wie sieht es mit globalen Schutzrechten aus? Natürlich gilt es, den Fokus auch auf Länder außer­ halb von Deutschland und der EU zu legen! Eine ­globale Sicht ist unbedingt nötig, die nationalen und internationalen Gesetze und Abkommen bieten da­ für viele Möglichkeiten. Hier ist das internationale Vertragskonglomerat zu beachten, weil über diese internationalen Abkom­ men große Territorien abgedeckt und entsprechend Kosten gespart werden können. Das klingt nicht einfach. Wie komme ich zu einer Strategie? Was kostet das? Es ist jeder Fall einmalig und eine Schutzstrategie sollte mit dem Mandanten individuell entwickelt ­werden. Prinzipiell wird man in den Kernländern des Marktinteresses Schutz erwerben und diesen dann innerhalb der laufenden Prioritätsfristen erweitern. Die sogenannte Prioritätsfrist bietet Zeit, um zuerst einen Minimalschutz zu sichern und diesen später auszuweiten. Hier bestehen Möglichkeiten der schrittweisen Ausdehnung, was das Budget des Mandanten zu ­Beginn deutlich entlastet.

Ein Tipp für junge Designer und Start-ups? Es ist sehr wichtig, sich im Anfangsstadium der beruf­ lichen Laufbahn als Designer über alle juristisch rele­ vanten Themen ausführlich zu informieren. Dazu hat man aktuell auch ganz einfach die Gelegenheit – bei den vielen Workshops, die während der MCBW auf der Plattform MCBW START UP kostenfrei statt­ finden werden. Wir sind auch dabei! Herr Dr. Weickmann, Herr Dr. Herberth, vielen Dank für das Gespräch! Das Gespräch führte Nina Shell

Text Nina Shell ist Head of Public Affairs für die MCBW (bayern design), arbeitet in München als freie Journalistin für Design- und Architekturthemen (u.a. DETAIL Blog, md Magazin) und entwi­ ckelt Konzepte und Events zum Themenbereich.


Im Zeitalter von Industrie 4.0, Internet der Dinge und Circular Economy ist der Begriff Smart Materials in aller Munde und erleichtert so manchem Hersteller das Marketing. Worum geht es bei diesen smarten Werk­stoffen genau? Wie misst man smart oder intelligent? Bedeutet die Existenz smarter Materialien im Umkehrschluss, dass es auch dumme Materialien gibt?


29 SMART MATERIALS Text Efrat Friedland ist Material­beraterin im Bereich Industriedesign in München. Sie baute weltweit drei Material­ bibliotheken auf und leitete den Bereich Materialtechnologie bei designaffairs, bevor sie 2015 ihr eigenes Büro gründete. mate­ rialscout unterstützt führende Unternehmen dabei, durch die kreative, wettbewerbsfähige und nachhaltige Umsetzung von Materialien und Technologien Werte zu generieren. Mareike Gast ist Professorin für Industriedesign an der Burg Giebichenstein Halle und führt ein eigenes Büro in Frankfurt am Main, spezialisiert auf neue Materialien und Technologien. In enger Zusammenarbeit mit Industrie und Forschung ent­ wickelt sie innovative Produkte und Produktstrategien.

Die Wärme des Leuchtmittels lässt die Lampe aus einer Formgedächt­ nislegierung jedesmal »aufblühen«, wenn sie eingeschaltet wird.

eit verbreitet ist die Mei­ nung, dass Smart Materials diejenigen gestalteten Ma­ terialien seien, die eine oder mehrere Eigenschaf­ ten aufwiesen, die maß­ geblich durch äußeren Einfluss verändert werden könnten. »Gestaltet« impliziert, dass es sich um künstlich hergestellte Materialien handelt. Die Einflüsse von außen können auf Verän­ derungen bei der Beanspruchung, der Tem­ peratur, der Luftfeuchtigkeit, des pH-Werts oder auch auf elektrische bzw. magnetische Felder zurückzuführen sein. Die Lampe ­Hanabi, die 2006 vom japanischen Studio Nendo entworfen wurde, ist ein gutes Bei­ spiel für ein im Produktdesign eingesetztes Smart Material: Wie eine Blüte erwacht sie beim Einschalten zum Leben. Dies geschieht mithilfe von Nitinol, einer Formgedächtnis-­ Legierung aus Nickel und Titan, die die Wär­ me der Glühbirne nutzt, um die Metallstreifen in der Lampe zu öffnen und zu schließen. Trotz der enormen Aufmerksamkeit, die Hanabi von den Designern der Welt erhielt, wird sie bis heute nicht serienmäßig hergestellt. Liegt das am hohen Materialpreis von 150 bis 500 US-Dollar pro Kilo? Er spielte jedenfalls keine Rolle beim Einsatz von selbstexpan­ dierendem Nitinol für Stents zur Behandlung peri­pherer Gefäßerkrankungen. Haben die Anwendungsmöglichkeiten vielleicht nicht ausreichend überzeugt?

Meiner Meinung nach ist kein Material in­ telligenter als ein anderes. Meiner Meinung hängt die Intelligenz von Materialien und Pro­ dukten von ihrer Umsetzung ab. Manchmal sind ihre Intelligenz und der Grad an Innova­ tion sichtbar, meistens aber nicht. Bei Keramik denken die meisten von uns wohl an die Kaffeetasse, die in jedem Haus­

Verwendete Schriften: Umbra STD

halt zu finden ist, relativ leicht kaputtgehen kann und nichts Smartes oder Besonderes an sich hat. Die Keramikfamilie hat jedoch unzäh­ lige Mitglieder, von denen manche im Innen­ leben von Wasserhähnen und an anderen nicht geahnten Stellen wiederzufinden sind. In jedem Wasserhahn ist ein Ventil eingebaut, das den Warm- und Kaltwasserfluss reguliert. In diesem Ventil befinden sich zwei Schei­ ben – eine bewegliche oben und eine starre unten – aus gehärteter Keramik, in der Regel aus Aluminiumoxid (Al2O3). Mit ihrer nahezu perfekten flachen Oberfläche bewegen sich die Scheiben wie Scherenklingen ineinander. Sie sind nicht nur praktisch wartungs- und in der Regel verschleißfrei, sondern weisen auch den Härtegrad von Diamanten auf, was sie resistent gegen Schmutz, Mineralablage­ rungen und die sonstigen üblichen Störfakto­ ren macht. Aluminiumoxid gehört zur Familie der technischen Keramikstoffe, die immer dann herangezogen werden, wenn andere Materia­ lien an ihre Grenzen stoßen, also beispiels­ weise bei außerordentlicher Beanspruchung, extremen Temperaturen, unter Spannung oder im menschlichen Körper. Sie werden in Form von Kühlkörpern in LED-Lampen, zu Zahnkronen und -implantaten, zu Halbleitern für elektronische Geräte und als Metallersatz in der Öl- und Gasindustrie verbaut. Das Ma­ terial ist nicht nur genügsam, sondern auch reichlich vorhanden und sticht somit viele an­ dere Gegenspieler aus. Es kann wohl in der Tat als sehr smart be­ zeichnet werden. Die öffentliche Mei­ nung von Polymeren als Smart Materials ist nicht besonders hoch – sie gelten als billig, überall zu haben und umweltbe­ lastend. Dennoch zählt die Kunststoffindustrie weltweit zu den fünf größten Branchen und investiert unaufhaltsam in Material- und Geräte­ innovationen. Visuell und haptisch sind Polymere zwar weich, außerdem schmelzen und brechen sie schnell; aber sie kom­ men in immer mehr An­ wendungsbereichen als Alternative zu Metall zum Einsatz. Manche Polymere haben einen Hitze­ widerstand von über 300 °C und lassen sich auch durch aggressive Chemikalien und Ver­ schleiß nichts anhaben. Manche wiederum sind stärker, jedoch um einiges leichter als Stahl, haben wärme- oder stromleitende oder aber auch selbstheilende Fähigkeiten oder dienen zur Energiegewinnung. Nirgends 


30 Smart Materials lässt sich der Puls der globalen Kunststoff­ industrie besser messen als auf der K, einer riesigen Messe, die alle drei Jahre stattfindet. In der letzten Oktoberwoche präsentierten dort Vertreter praktisch aller führenden Kunst­ stoffhersteller ihre neuesten Entwicklungen. Lubrizol stellte einen Stoff vor, der die Aus­ zeichnung Smart Material redlich verdient, weil er all das ist, was zu Beginn dieses Arti­ kels aufgeführt wird. Das thermoplastische Polyurethan Estane VSN9000 hat die Fähig­ keit zur Selbstheilung: Kratzer verschwinden nach einem kurzen Bad in 90 °C heißem Was­ ser. Es ist belastbar, über 50 Prozent leichter als Metall, resistent gegen Chemikalien und Sonnencreme, hypoallergen und glänzend und lässt sich mit wenigen Schritten einfär­ ben. Es mag kreativ erscheinen, das Material in Gehäuseteile für Haushaltsgeräte zu ver­ bauen – allerdings sollten diese nicht mit zu heißem Wasser in Berührung kommen. Für Brillengestelle hingegen wäre das smarte ­Material bestens geeignet. An einem anderen Stand auf der K wurde eine Innovation aus dem Bereich Kunststoff­ verarbeitung präsentiert, die so klein ist, dass man sie leicht hätte übersehen können: ein Interdental-Zahnstocher der Engel Gruppe, ein führender Hersteller von Spritzgießma­ schinen. Binnen Sekunden entstand ein Zahn­ stocher mit 205 Borsten aus einem einzigen Material. Mit derselben Maschine wurden dann jeweils 16 Zahnstocher verpackt. Das Smarte an diesem Produkt ist die Tatsache, dass es Artikel ersetzt, die aus zwei oder drei Materialien hergestellt und dadurch schwer recycelbar sind. Das Recycling-Potenzial die­ ses Einweg-Zahnstochers ist enorm. Ein wei­ terer Vorteil: Für die Produktion wird kein Montageband benötigt, wodurch gewaltige Mengen Energie gespart werden. Bei diesem Zahnstocher ist es nicht das Roh-Polymer, das das Produkt smart macht. Auf diese Übersicht der neuesten indus­ triell und serienmäßig gefertigten Materialien folgt hier nun ein Ausblick in die Zukunft der Smart Materials. Dazu habe ich Mareike Gast um eine Einschätzung gebeten: ie Industrie verwendet und syn­ thetisiert eine Vielfalt an Mate­ rialien, die in der Natur so nicht vorkommen beziehungsweise nicht verwendet werden. Diese Materialien – von Eisen bis PET – benötigen für ihre Herstellung und Verarbei­ tung oftmals eine hohe Temperatur und wei­ tere Bedingungen, die in der Natur nicht zur Verfügung stehen. Dennoch sind viele natür­ liche Materialien den industriellen in ihren ­Eigenschaften (weit) überlegen. Spinnenseide beispielsweise ist gemessen an ihrem Gewicht viermal so belastbar wie Stahl. Auch viele Muschel- und Schnecken­

schalen sind wider­ standsfähiger als Stahl, obwohl sie Ausgangsmateriali­ en verwenden, die an sich diese Eigen­ schaften nicht mit­ bringen. Das Ge­ heimnis des Materials liegt in seinem Auf­ bau und der Kombi­ nation der einzelnen Materialien mitein­ ander: Die präzise und feine Struktur der Schale von See­ ohren-Schnecken beispielsweise be­ steht aus Kalkschich­ ten, nicht dicker als ein Haar, mit Zwi­ schenschichten aus Proteinen. Sie verleihen der Schale ihre unglaub­ liche Stoßfestigkeit, die 3000-mal höher ist als die der Aus­ gangsmaterialien. Besonders beeindruckend ist, dass die Schale der Seeohren-Schnecken ohne jegliche Pigmente nur mittels ihrer fei­ nen Struktur zudem ihre schillernde Farbig­ keit erzeugt: Das einfallende Licht wird an den verschiedenen Schichten reflektiert. Dadurch überlagert (interferiert) es, und die vielfälti­ gen Farben entstehen. Leider gelingt es uns derzeit nicht, Materi­ alien so präzise aufzubauen, zu kombinieren, zu konstruieren – vor allem nicht bei Nor­ maltemperatur, nach Bedarf nachwachsend. Aber die Art und Weise der »natürlichen« Pro­ duktion ist in den Fokus von Wissenschaft und Forschung gerückt. So ist es dem Karls­ ruher Institut für Technologie (KIT) kürzlich gelungen, im Nano-3D-Druck Strukturfarben zu realisieren, die ähnlich wie die der blauen Vogelspinne einfarbig erscheinen. Besonders spannend wird es allerdings dann, wenn natürliche Prozesse nicht nur nachgeahmt, sondern direkt zur Produktion genutzt werden. Auf diese Weise lässt die nie­ derländische Firma Photanol bereits Blau­ algen (Cyanobakterien) maßgeschneiderte Kunststoffe im Labormaßstab produzieren – aus Kohlendioxid und Sonnenenergie mittels Photosynthese. Vielleicht gelingt es ja auch schon bald, Produkte direkt aus Kunststoff und anderen Materialien »wachsen« zu lassen … Und das verspricht absolut spannend zu werden. ◆

Besonders beeindruckend ist, dass die Schale der Seeohren ohne jegliche Pigmente nur mittels ihrer feinen Struktur die schillernde Farbigkeit erzeugt: Das einfallende Licht wird an den verschiedenen Schichten reflektiert.


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33 Smart City

Smart & the city »Houston, wir haben ein Problem« – funkte einst ­Apollo 13 zur Erde – und ließ sich von der NASA in einer atem­beraubenden Aktion heil auf die Erde zurückholen. Verwendete Schriften: Quitador Pro in den Schnitten Ultra light, light, Regular und Bold


34 Smart City

Wie schön, könnten unsere Städte ihre ­immensen aktuellen Probleme mit einem schlichten Funkspruch lösen. Aber Houston sendet auf einer anderen Frequenz.

Gesucht: die Eier legende Wollmilchsau

Text Joachim Goetz ist Redakteur und Dipl.-Ing. der Architektur. Er betreibt in München das Redak­ tionsbüro für Architektur + Kunst + Design, schreibt über Themen der Gestaltung und berät auch ­kleine und kleinste Unternehmen in Marketing- und Publikations­ fragen. 2016 wurde er von der Bundes­architektenkammer mit dem 3. Preis beim Medienpreis Architektur und Stadtplanung ausgezeichnet.

Zwar klingt die »Rettung« der Städte irgend­ wie amerikanisch: Smart City, Smart Mobility, Smart Governance, Growth, Grid, Home. Klar, die Basistechnik Smartphone stammt ja aus Cupertino. Aber von amerikanischen Städten können unsere historisch gewachse­ nen europäischen kaum lernen. Leihfahrräder werden über dem Großen Teich belächelt, und Car Sharing ist in der aller­ersten Testphase. Hierzulande gibt es hingegen kaum eine große Autofirma, die kein Car-Sharing-Pro­ gramm am Laufen hat. Warum? Weil die lange zögerlichen Autobauer erkannten, dass der vorhandene Platz nicht (mehr lange) für einen funktionierenden Autoverkehr ausreicht. Unsere Städte werden innerorts enger und enger, schrauben sich immer höher in den Himmel und tiefer in die Erde. Grün­ flächen und Freiräume schrumpfen, Boden­ preise steigen. Die Infrastruktur wächst kaum mit, aber der Verkehr nimmt weiter zu – und wird dank neuartiger Fortbewegung wie ­E-Bike, Segway, Roller und Blader unüber­ sichtlicher. Weitere Probleme: Aufheizung der Städte, Anstieg des Grundwasserspie­ gels, mangelnde Durchlüftung. Die Zunahme der Luftverschmutzung gefährdet die Ge­ sundheit der Städter und verschlechtert die Lebensbedingungen.

Smarte Technologien sollen’s nun richten. Was mitunter an die Fortschrittsgläubigkeit der 60er-Jahre erinnert. Seit der Jahrtausend­ wende geistert der Begriff »Smart City« durch die Köpfe – ohne klare Definition. Digitalisie­ rung und vielfältige Vernetzung spielen die wichtigste Rolle. Gesamtheitliche Entwick­ lungskonzepte sollen die Stadt smart ma­ chen: effizienter, technologisch fortschritt­ licher – dabei grüner, nachhaltiger, sozial inklusiver. Konzepte beinhalten technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innova­ tionen. Angesichts des Klimawandels freilich auch nachhaltig und CO2-neutral. Kurz: Die Smart City soll die Eier legende Wollmilchsau werden. Sie bietet weniger Platz für den Ein­ zelnen – soll ihn aber nicht einengen. Neue Ideen bitte! Vor etwa zehn Jahren wurde mit Masdar ein – derzeit stagnierendes – Smart-City-Pro­ jekt in Abu Dhabi gestartet, Architektur von Norman Foster. Beteiligt sind viele innovative Technologie-Firmen: Siemens, BASF, Bayer, Shell, Rolls Royce, Fiat etc. Die Anfangs­ euphorie versprach, bis zu 1.500 innovative Unternehmen in der Stadt für 50.000 Einwoh­ ner anzusiedeln.


35 Smart City

Vision »Morgenstadt«: Straßen sind für alle da, Pflanzen dürfen wuchern, die Luft ist rein! Mobilität schaffen Elektrofahrzeuge, Fahrräder und öffentlicher Nahverkehr.

Smart City – Idealstadt in der Wüste Geplant war eine Utopie ohne Müll, ohne CO2-Emission, ohne Autos. Gebaut wurde ein erster Bauabschnitt mit dem Campus der Universität, der Technikzentrale und Wohn­ gebäuden – etwa für die 170 postgraduierten internationalen Studenten des Studiengangs erneuerbare Energien. Im Technik-Unterge­ schoss, auf dem die Stadt ruht, wird der Müll sortiert und für die Wiederverwertung aufbe­ reitet, außerdem wird hier ein beeindrucken­ des System des Öffentlichen Nahverkehrs er­ probt. Führerlose Viererkabinen auf Schienen, entwickelt von der niederländi­ schen Firma 2getthere, bringen Passagiere mit bis zu 40 km/h an den per Knopfdruck einge­gebenen Ausstiegspunkt, nicht weiter als 200 Meter vom eigentlichen oberirdi­ schen Ziel entfernt. Vieles funktioniert, manches ging schief. Und viele stört und ängstigt die Vorstel­ lung, in einer solch künstlichen, reglemen­ tierten Umgebung ihr (unfreies, von der Tech­ nik dominiertes) Dasein zu fristen. Futter für die Kritiker. Sie halten die Kon­ struktion einer »intelligenten Stadt« – wie es auch bei anderen urbanen Neugründungen wie Songdo City in Südkorea oder PlanIT ­Valley in Portugal verfolgt wird – für verfehlt. Adam Greenfield (Streitschrift: »Against the Smart City«) spricht von technokratischen ­Visionen und Laboren, in denen Menschen wie auf dem Schachbrett herumgeschoben und Smart-City-Techniken erprobt werden. Um sie schlüsselfertig weltweit anzubieten. Greenfield bezweifelt den Erfolg vernetzter Informationstechnik fürs gewachsene Stadt­

Ausfälle im Cloud-Computing können Städte in Zombies verwandeln: Bewohner werden nicht mehr in ihre smarten Homes eingelassen, ­A ngestellte nicht in ihre Büros oder smarten Toiletten – was freilich schlimmer wäre …

gefüge und seine Beziehungen. Städte seien vielstimmige, heterogene Organismen; was genau optimiert werden solle, müsse ganz genau bestimmt werden. Vorher. Das macht etwa das Fraunhofer Institut in Stuttgart mit dem Projekt »Morgenstadt«. Da wird, salopp gesagt, nicht wild die Zukunft betoniert, sondern zuerst intensiv eine exakte Analyse des urbanen Ist-Zustands erstellt.

Fraunhofer setzt auf »Morgenstadt« Man setzt auf die eher behutsame Weiterent­ wicklung mithilfe der Bevölkerung – obwohl Skeptiker bemängeln, dass zu wenige zivil­ gesellschaftliche Entscheidungsträger, Bürger­ initiativen, NGOs beteiligt sind. Anthony ­ ­Townsend meint, man solle sich beim Schaffen smarter Städte nicht nur auf IT-Spezialisten verlassen. Diese würden womöglich die Ge­ fahren verniedlichen, die durch Datenmiss­ brauch, Unzuverlässigkeit der Technik – etwa der Cloud – oder auch Sabotage entstehen könnten.

Ausfälle im Cloud-Computing können Städte in Zombies verwandeln: Bewohner werden nicht mehr in ihre smarten Homes eingelassen, Angestellte nicht in ihre Büros oder smarten Toiletten – was freilich schlim­ mer wäre … Smart Governance und Smart Growth – also die Einbindung vieler verschiedener Ak­ teure und wohlüberlegte stadtplanerische Entscheidungen – können Abhilfe schaffen. Das versucht man in München, das im Rah­ men des EU-Programms »Horizon 2020« im Projekt »Smarter together« (gemeinsam mit Wien und Lyon) die Bürger an der Planung des Stadtteils Freiham und am energetischen Umbau von Neuaubing, »weit über die bishe­ rigen Formen hinausgehend« beteiligen will. Stadtteillabore sind vorgesehen, in denen die Nutzer »gemeinsam mit den Unternehmen und örtlichen Umsetzern« Lösungen entwi­ ckeln. Mal sehen, was dabei raus kommt. In vielen Bereichen ist die smarte neue Welt sogar schon aus dem Ei geschlüpft, etwa bei der Mobilität. Schon der Blick auf den Gehweg zeigt, dass sich der smarte Passant heute am 4-Zoll-Display orientiert – statt 


36 Smart City

Die sechs Gebäude des Masdar Institut Campus von außen: Autos parken vor der Stadt. Über dem Technikuntergeschoss erhebt sich die neue ziegelrote Öko-Stadt auf Stützen.

Die Parkplatz-App führt den Suchenden direkt zu einem freien Parkplatz. Da in Münchens ­Innenstadt 30 Prozent des Autoverkehrs ­Parkplatz-Suchverkehr ist, spart der Benutzer dieser App Zeit und Sprit … wie früher andere nach dem Weg zu fragen. Mitfahrzentralen und Car-Sharing funktio­ nieren (nur) dank Smartphone-Technik wirk­ lich gut.

Smart Mobility als ­Vorreiter Gleiches gilt für Leihräder, etwa der Münchner MVG (oder der Bahn), die als Element für die letzte Etappe zum eigentlichen Ziel mehr Menschen zum Ausstieg aus dem Auto und Umstieg in den öffentlichen Nahverkehr ani­ mieren sollen. Auch können Fahrkarten mit­ tels App bezogen werden. Intelligente Autobahnen sollen uns – mit­ unter zwar mit Umwegen, aber dafür ohne Stau – schneller ans Ziel bringen. Die Parkplatz-App führt den Suchenden direkt zu einem freien Parkplatz. Da in Mün­ chens Innenstadt 30  Prozent des Autover­ kehrs Parkplatz-Suchverkehr ist, spart der Be­ nutzer dieser App Zeit und Sprit, schont die Umwelt – und leert die oft verstauten Straßen.

Beeindruckend: Die pfiffige Straßenlater­ ne dimmt sich nur hoch, wenn auch Autos im Anmarsch sind. Das Multitalent fungiert gleichzeitig auch als Elektrotankstelle für E-Bikes und E-Autos. Die Laterne wird W-Lan-Hotspot, misst CO2 und Feinstaub und kann mittels Wärmebildkamera – sogar datenneutral – das Verkehrsaufkommen er­ mitteln und dieses über eine weitere Vernet­ zung, etwa mit einer Ampel, auch steuern.

Gelebte Visionen – ­bottom up Beim Wohnen denken Bürger häufig visio­ närer und zugleich praktischer als Verwal­ tungen – und realisieren einfach ihre Zu­ kunftsprojekte mit Smart-City-Potenzial. So hatte die Genossenschaft KunstWohnWerke in München das Ziel, unkündbare Wohn-, ­Arbeits- und Ausstellungsflächen für Kreati­ ve – die man gerne mit »Zwischenlösungen« hin- und herschiebt wie Waggons auf einem Güterbahnhof – zu schaffen. Erwerb und Um­

Masdar: Der zentrale Hof des Campus mit dem muschelförmigen Dach der Uni-Bibliothek (links), Wissenschafts­ zentrum (rechts) und Photovoltaik-­ Anlagen auf den Dächern.


37 Smart City

Prag – die erste »Morgenstadt«

Masdar: Der alten Vorbildern aus Wüstenstädten nach­ empfundene Windturm leitet nachts die Hitze aus der Stadt. Die abgekühlte Luft strömt in die engen Gassen.

Das Fraunhofer Institut entwickelte das Modell »Morgenstadt« für nachhaltige Stadtentwicklung und initiierte den »Städtewettbewerb City Chal­ lenge«. Gewinner: Prag, Chemnitz, Lissabon. Ein Benchmarking und die daraus entwickelte Grafik zeigt Defizite und erfüllte Erwartungen in Form verschieden eingefärbter Kacheln. Wichtig war, ob Ziele gemeinsam mit der Bevölke­ rung entstehen, ob städtische Haushalte gezielt nachhaltig orientiert und Planungen langfristig angelegt sind. 120 teils individuelle Indikatoren messen die städ­ tischen Systeme, wobei Arbeitslosigkeit, Brutto­ sozialprodukt, Nutzung des öffentlichen Nahver­ kehrs und bewusste Entscheidung für erneuerbare Energien eine Rolle spielen sowie Randbedingun­ gen etwa geografische, soziokulturelle oder politi­ sche Merkmale. Prags Defizite: »Smart Governance« fehlt, ebenso eine Energiebilanz der Gebäude. Es gibt Proble­ me beim Ausbau erneuerbarer Energie. Ziele für 2050: Entwicklung von Energie-Atlas, ­intermodalen Verkehrsknotenpunkten und virtu­ ellem Kraftwerk.

nutzung einer früheren Kleiderfabrik folgte. Gemeinschaftliche Nutzung reicht hier vom Fahrzeug bis hin zum Ausstellungsraum im Erdgeschoss und der Dachterrasse mit ange­ gliedertem Gemeinschaftssaal und -küche. »VinziRast – mittendrin« ist ein weltweit einmaliges soziales Wohnprojekt in Wien. (Ehemals) Obdachlose und Studenten leben und lernen gemeinsam unter einem Dach. Mithilfe vieler privater Spender, Firmen und Freiwilliger wurde das Haus generalsaniert. Ganz ähnlich wird in München »Bellevue di Monaco« realisiert.

Pflanzen für die Stadt Auch bei »Wagnisart« im Münchner DomagkPark von Bogevisch’s Büro und Schindler ­Hable Architekten – gerade ausgezeichnet mit dem Deutschen Städtebaupreis 2016  – werden experimentelle neue Wohnformen unter dem Motto »Gemeinsamkeit bauen!« erprobt. Ungewöhnlich: Clusterwohnungen, in denen bis zu acht Apartments um Küche und Wohnraum herumgruppiert sind. Außer­ dem: ein riesiger Dorfplatz, Waschcafé, Nähstube, Gemeinschaftsatelier. Rund-ums­ Haus-Terrassen, Urban-Gardening-Flächen und die Landschaftsgärten ganz oben unter freiem Himmel dürfen alle Bewohner nutzen. Alles aus Überzeugung.

Jedes grüne Dach speichert nämlich Re­ genwasser, entlastet die Kanalisation, verhin­ dert Überschwemmungen. Pflanzen ganz oben verringern die Aufheizung der Dachflä­ chen im Sommer und dämmen sie im Winter. Zudem speichern Pflanzen das für die ­Klimaerwärmung verantwortliche CO2 – am meisten natürlich Bäume. Durch die Transpi­ ration ihrer Blätter entsteht zudem Verduns­ tungskälte, die im Sommer die Lufttempera­ tur spürbar senken kann. Auch raumgreifende vertikale Fassadenbegrünungen, sogenann­ te Green Walls, werden zum Hit. Mit Hilfe komplexer Technik verwandeln sie durch ih­ ren dichten buschigen Bewuchs einst unan­ sehnliche Brand-Wände in Chlorophyll-ge­ tränkte, kunstvolle Reliefs. Urbangärtner nutzen Brach- und Dachflä­ chen zum Anbau von Gemüse. Beim Urban Farming werden Nahrungsmittel verbrauchs­ nah erzeugt. Das spart Energie, weil sie nicht aus Spanien herankutschiert werden. Vita­ minhaltiger, weil weniger lang gelagert, ist der Salat dann auch noch. Solche organisch von unten entwickelten Initiativen machen natürlich Hoffnung darauf, dass es gelingt, unsere Städte eigenverantwortlich weiter zu entwickeln, smart zu gestalten. Ohne Hous­ tons Hilfe, das uns doch bloß Städte auf irgend einem fernen Mars versprechen könnte. ◆


38 Smart City im Dialog

Verführung zur neuen Mobilität Ein Interview mit Dr. Carl Friedrich Eckhardt

Das MCBW Magazin sprach mit Dr. Carl Friedrich Eckhardt über nachhaltige urbane Mobilität. Eckhardt ist Leiter des Kompetenzzentrums Urbane Mobilität bei BMW.

Herr Eckhardt, was kenn­zeichnet die Situation heute? Ich sehe eine starke Diskrepanz zwischen Status quo und angestrebtem Wunschbild. Parkraumsuchver­ kehr, Staus und Diskussionen um überschrittene Grenzwerte bei Feinstaub und Stickoxide prägen unse­ren Alltag. Weniger Verkehrsflächen, bessere Aufenthaltsqualität, saubere Luft, verbesserte Mobi­ lität – das möchte man. Lässt sich das unter einen Hut bringen? Die Herausforderung kann nur von allen Beteiligten – Politik, Stadtverwaltung, Automobilhersteller, Mobi­ litätsdienstleister, Bürger – gemeinsam gemeistert werden. Bislang wartete einer auf den anderen. Und jetzt? … haben wir die historische Chance, uneingeschränkt nachhaltige Mobilität zu schaffen. Die Vorlieben der Kunden ändern sich, Industrie und Finanzmärkte in­ teressieren sich stark für Sharing-Angebote. Saubere Antriebe sind bereits serienreif und autonomes Fah­ ren wird in den nächsten Jahren kommen. Wir müssen nur noch die Zusammenarbeit mit den Stadtverwal­ tungen etablieren – und loslegen. Was bedeutet das für die Automobil­industrie? Es ist gleichermaßen im Interesse der Industrie und der Städte, Mobilität zukunftsfähig zu machen – inno­ vative Technologien und Geschäftsmodelle bieten dabei Lösungen.

Auch zeichnet sich eine Zielharmonie für eine Effi­ zienzsteigerung des Straßenverkehrs ab: weniger, aber im Durchschnitt besser ausgelastete Autos, die technisch auf dem neuesten Stand und zunehmend auch elektrisch sind. Das bedeutet mehr Lebensquali­ tät und – auch wieder – mehr Mobilität. Wie soll das gehen? Angebotsseitig mit einer Skalierung von Elektro­ mobilität und On-Demand-Mobility-Services (CarSharing, Ride-Sharing und Ride-Pooling) sowie einer besseren Vernetzung mit den anderen Mobildienst­ leistern. Weshalb sollte diese Umgestaltung gerade jetzt funktionieren? Diese An­sätze sind Jahrzehnte alt – und i­ mmer gescheitert … 1. war Verkehrspolitik früher nie ganzheitlich ausge­ legt. 2. Digitalisierung und emissionsfreie Antriebe gab es nicht. 3. sorgt die Interessenharmonie für Veränderung. 4. wollen wir Menschen, die sich schon immer eine andere Mobilität wünschten, den Weg bereiten. Ohne … 5. andere zu zwingen, sich ändern zu müssen. Die sichtbaren positiven Veränderungen werden im­ mer mehr Menschen zu neuem Mobilitätsverhalten verführen. Das Gespräch führte Joachim Goetz


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41 MCBW Werkschau Deutsche Meisterschule für Mode | Designschule München

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Revolutionen betreffen uns in der Regel nicht persönlich. Die Revolu­ tionen, von denen in der Schule die Rede war, sind längst Geschichte. Wenn überhaupt, finden Revolutionen in den Nachrichten statt. Mit der Smart Revolution scheint das ganz anders zu sein. Wir sind mittendrin, sind Teil dieser Entwicklung. Die Frage ist nur, in welcher Rolle; als diejenigen, die die Revolution mitgestalten oder doch eher als Opfer. Siebzig Schülerinnen und Schüler aus den dritten Klassen der Deutschen Meisterschule für Mode | Designschule München setzen sich mit dem Thema auseinander. Smart People, Smart Cities, Smart Products oder doch eher smarte Diktatur (Harald Welzer)? Schon bei ersten Recherchen wird deutlich, dass es so gut wie keinen Lebensbereich gibt, der sich nicht durch die digitalen Medien verändert. Nahezu jeder Beruf hat eine Schnittstelle ins Digitale. In der sozialen Kommunikation auf Bild­

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schirm-Medien zu verzichten scheint unmöglich zu sein. Und führen mehr öffentliche und private Kameras zu mehr Sicherheit oder nur zu mehr Über­ wachung und Voyeurismus? Die Studie­ renden begreifen die zunehmende Technisierung ihrer Welt nicht als Revo­ lution, sondern als Evolution, in die sie hineingeboren wurden und die sie nutzen, bespielen und weitertreiben, der sie aber auch ausgeliefert sind und der sie sich anzupassen haben. Die Aufgabe, sich gestalterisch mit dem Phänomen der digitalen Umgestaltung der Welt zu beschäftigen, bezieht ihren Reiz genau aus dieser Ambivalenz. Dass die Umsetzung vorrangig mit Mitteln der Fotografie zu leisten war, stellte eine zusätzliche Herausforderung dar. Nun bildet die Designschule München keine Fotografen aus, sondern Kommu­ nikationsdesigner und -designerinnen. Der Umgang mit dem fotografierten Bild spielt dennoch eine wichtige Rolle innerhalb der Ausbildung. Mit dem

Text Dominik Parzinger arbeitet als freier Fotograf in München. Seit mehreren Jahren unter­ richtet er Fotografie und Visuelle Kommunikation an der Deut­ schen Meisterschule für Mode | Designschule München. Wissen über die Bedingungen von Fotografie im Allgemeinen und der Erfahrung bei der Umsetzung konkreter Bildideen mit Kamera und Computer werden die Absolventen zu gefragten Partnern. In der Auseinandersetzung wird klar, dass sich wie bei jeder anderen Revolu­ tion Hoffnungen auf ein besseres Leben oder zumindest auf Erleichterung bis­ lang mühevoller, aufwendiger und komplizierter Verfahren und Tätigkeiten damit verbinden. Aus einigen Arbeiten spricht aber auch die skeptische Frage, wie smart eine Technologie eigentlich ist, die sich im Letzten immer auf die Entscheidung zwischen ja oder nein, zwischen 0 und 1 zurückführen lässt. Dass etwas noch nicht entschieden ist, der offene Ausgang einer Entwicklung und das Sowohl-als-auch findet immer seltener statt, hat aber seinen Reiz noch  keineswegs verloren.

Verwendete Schriften: Univers in 17 Schnitten und Zapf Dingbats


42 MCBW Werkschau

9.500 Maresa Geißler und Magdalena Fichtner In München halten nach offiziellen Angaben 9.500 Überwachungskameras Ausschau, be­ obachten, suchen Einblicke. Sie sorgen für Sicherheit oder zumindest für das Gefühl von Sicherheit. Dass diese Kameras selbst zum Objekt der Betrachtung werden, ist eher sel­ ten. Dabei müssen sie sich eigentlich nicht verstecken. Es kann sich lohnen, nach ihnen zu suchen – zwischen Camouflage, Under­ statement und Dekorationselement.


43 MCBW Werkschau

Lost Personalities Isabella Buchberger und Tim Hönig Bilder in den sozialen Netzwerken haben ihre eigenen Codes und folgen ungeschriebenen Gesetzen. Jeder ist sportlich, witzig, gesund­ heitsbewusst und ein souveräner Performer seiner Emotionen. Die kontinuierliche Repro­ duktion einer als cool empfundenen Haltung sorgt für die effektive Eingliederung in eine Gruppe, schafft aber auch Konformität. Wenn sich alle in ein und derselben Form präsentie­ ren, bleibt das Bild vom Individuum schnell auf der Strecke.


44 MCBW Werkschau

Projekte online Der Nachwuchs von heute gestaltet die Zukunft von morgen – in allen Disziplinen. In der zweiten Ausgabe des MCBW Magazins haben wir die Designschule München eingeladen, Arbeiten zu einem vorgegebenen Thema zu gestalten.

Last SMS Lena Maier und Catherine Grzeszik Whats appende Kinder beim Abendessen, chattende Schüler im Unterricht, googelnde Freunde an der Bar. Der Austausch über Bild­ schirm-Medien läuft nicht selten parallel zur direkten Kommunikation oder ersetzt diese sogar. Körperliche Anwesenheit ist schon lan­ ge keine Voraussetzung mehr für eine Unter­ haltung. Das wirkliche Leben hat es manch­ mal schwer gegen den Sog der digitalen Medien. Wer über 400 Freunde auf Facebook hat, braucht keine Jünger.

Alle Arbeiten können wir leider nicht in diesem Magazin abbilden – die Qual der Wahl war hier recht groß! Alle weiteren Ergebnisse der Studie­ renden können Sie sich gern ansehen unter:

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mcbw.de/werkschau2017

Ausstellung Im Rahmen der MCBW findet am 11.3.2017 von 10–18 Uhr eine Ausstellung in der Deutschen Meisterschule für Mode | Designschule München mit Vorträgen und Präsentationen statt. Die hier vorgestellten Beiträge und viele weitere Arbeiten sind dort analog inszeniert.


45 MCBW Werkschau

Weitere Teilnehmer

alles immer überall Jonas Karl und Kathleen Dhimogjini Irgendetwas oder irgendwer sieht uns zu, sammelt unsere Daten, kategorisiert, struktu­ riert, zieht daraus Schlüsse. Alles zu unserem Besten. Aber sicher nicht auf Augenhöhe. Rückzugsorte und Privatsphäre werden zu­ nehmend zur Illusion. Der Überwachende bleibt unsichtbar. Man ist ausgeliefert und wird manipulierbar.

Schaulust Valerie Blum, Minou Abde-Yazdani und Marlien Becker Drohnen für den Privatgebrauch sind ein stark wachsender Markt. Für die einen ein techni­ sches Spielzeug, für andere ein Gerät zur Be­ friedigung von Neugier. Weder Mauern noch Hecken oder Balkone im vierten Stock sind ein Hindernis bei der Jagd nach neuen Bildern. Die Beute findet sich schnell im Internet.

Blase Claudia Merk und Jennifer Nguyen Das Internet verbindet uns mit der Welt. Mit der Welt? Oder nur mit einer Welt, nämlich unserer eigenen? Wenn uns überwiegend ­Informationen zukommen, nach denen wir schon einmal gesucht haben, wenn uns nur noch Nachrichten erreichen, die uns schon immer interessiert haben, und wir uns nur mit Menschen verlinken, die ähnlich denken wie wir, ist die entscheidende Frage, wie durch­ lässig die Membran zur Außenwelt noch ist.

Privacy Matters Lucia Ott und Kim Neff Ein echter Selbstversuch. Zwei Studentinnen aus München und eine gemeinsame Bekann­ te in Prag lassen einen Tag lang das Notebook aufgeklappt und die Netcam eingeschaltet. Sichtbar werden Ähnlichkeiten und Unter­ schiede in den drei Leben.

Ich bin Viele Varvara Myznikova und Anna Robertus In London studieren oder doch lieber ein Café in Paris eröffnen? Nahe bei Vater, Mutter, ­Bruder in Moskau oder frei und ungebunden in Berlin? Das »Oder« wird zum »Und«, wenn es erst einmal möglich ist, beliebig viele Kopien sei­ ner selbst in die Welt zu schicken.

Familienalbum Belinda Sinani und Hannah Wiesner Das Blättern in alten Fotoalben war schon im­ mer ein großes Vergnügen. Noch nach Jahren machen sie sichtbar, was von Bedeutung war und welche Veränderungen das Leben bereit hielt. Fotos von der Taufe eines Kindes, vom Urlaub in einer fremden Umgebung oder vom neuen Auto. Wie würden Familienalben heute aussehen, wenn sie immer noch das zeigen würden, was uns am meisten bewegt?

Begierde Anja Glonner und Anna-Lena Apfelbeck Die Liebenden (Rainer Maria Rilke) Sieh, wie sie zueinander erwachsen: In ihren Adern wird alles Geist. Ihre Gestalten beben wie Achsen, Um die es heiß und hinreißend kreist. Dürstende, und sie bekommen zu trinken, Wache und sieh: sie bekommen zu sehn. Laß sie ineinander sinken, Um einander zu überstehn.

Human Upgrade Eva Wlk und Anh-Thu Pham Der Mensch ist einfach nicht gemacht für’s Digitale. Der Daumen ist zu kurz zum Tippen auf den neuen Handy-Displays. Und wenn der kleine Finger etwas kräftiger wäre, würde das Gerät auch nicht mehr ständig aus der Hand rutschen. Außerdem wären längere Arme ein echter Vorteil für vernünftige Selfies ohne diese peinlichen Sticks. Die Evolution ist zu langsam, wir brauchen ein Upgrade.

Smart Isolation Mavie Hasenöhrl und Laura Lebhaft Das Digitale beeinflusst und kontrolliert uns. Das Smartphone sagt uns, wie wir uns ernäh­ ren sollen, die Kopfhörer isolieren uns von der Außenwelt und zunehmend wird selbst die Natur ans Digitale gekoppelt. Es ist jedem selbst überlassen, die »smart revolution« gut oder schlecht finden.


Vom Digitalen Text Gregor Hoppe ist Redakteur bei Bayern 2. Fotografie MCBW WErkschau Mavie Hasenรถhrl Laura Lebhaft


47 Glosse

zum Astralen F

rüher, vor dem Geldautomaten: PIN-Nummer vergessen. Aber: auf keinen Fall nachdenken! Dann fand der Tippfinger die Zahlen von selbst. Das war der digitalisierte Mensch. Unsere Finger waren »in­ telligenter« geworden. Heute könnte der Geldautomat theoretisch die leichte Nervosi­ tät in Ihrer ­Miene erfassen. (Im Ernst. Es gibt Computer, die erkennen seelische Erkrankun­ gen.) Ihre Körpertemperatur ist auch leicht erhöht. Der Apparat prüft sicherheitshalber Ihren Konto­stand. Um Sie gegebenenfalls als nicht kreditwürdig einzustufen. Nein, das dürfen die eigentlich nicht. Na­ türlich nicht. Aber wer darf schon alles, was er mit digitaler Technik tut? Der Gesetzgeber kommt doch gar nicht mehr hinterher! Bei der Entwicklung, die die künstliche Intelligenz in den Industriestaaten hinlegt. Die ist so schnell, dass Bill Gates, Elon Musk und Stephen ­Hawking schon einsame Rufer in der Wüste sind. Die drei warnen, die Menschheit könnte die Kontrolle über die maschinelle Intelligenz verlieren. Sie abgeben an computergesteu­ erte Maschinen. Dabei ist Elon Musk, der ­Tesla-Chef, der ernsthaft eine Mars-Mission planen lässt, ein der Zukunft zugewandter Mann. Genauso wie Gates und Hawking. Und trotzdem fürchten sie – und einige andere – um die Primatenstellung des Menschen auf

Erden. Der homo sapiens speist ja längst nicht mehr nur sein Wissen in die Computer ein. Nein, er versetzt die Maschinen auch in die Lage, selbstständig dazuzulernen. Auf den ersten Blick keine schlechte Idee. Man muss nur darauf achten, dass die Com­ puter niemals – auch nicht, wenn sie dann jahrzehntelang vor sich hinrechnen – von den Zielen abweichen, die die menschlichen Pro­ grammierer ihnen vorgegeben hatten. Keine einfache Sache. Angenommen, bei der die Computer umgebenden Menschheit bleibt politisch zufällig alles so stabil, wie es zur Zeit der Programmierung war: Niemand garan­ tiert, dass selbstlernende Rechner nicht raus­ finden, was kein Mensch haben will: einen Me­ chanismus gegen das Abgeschaltet-Werden. Einen Algorithmus, der die Unabhängigkeit vom Menschen herstellt. Rechner müssen we­ der schlafen noch auf die Toilette – warum also nicht weg mit dem Störfaktor Mensch? Klingt nach Science Fiction. Aber haben die Betreiber der modernsten Superrechner wirklich alles, was sie ausprobieren, auch unter Kontrolle? Etwa auf dem Gebiet der Quantenrechner. Die Firma »D-Wave« hat einen solchen an Google und die NASA verkauft. Den zweiten Quantenrechner, der auf der Welt existiert, hat »D-Wave« selbst behalten. Voll funktions­ fähig ist wohl noch keine der beiden Wunder­ maschinen. Computer, die nicht über »0«

Verwendete Schrift: Punkt LT Pro light

oder »1« rechnen, sondern über »0 und 1« – wobei es schwerfällt zu sagen, was was ist – und vor allem: wann wo. So, wie in der ­Quantenphysik eben der Beobachter nur be­ stimmen kann, ob ein Teilchen entweder an einem Ort ist oder mit Impuls in eine Richtung unterwegs. Im Moment der Beobachtung aber ist das Teilchen »sowohl als auch«. Das TIME-Magazine nannte den Quanten­ computer »Unendlichkeitsmaschine« und fügte hinzu: »Niemand weiß, wie sie arbeitet.« »D-Wave« sagt voraus: Im Jahr 2028 wer­ den Maschinen alles, was sich denken lässt, besser beherrschen als der Mensch. Und: Einst werden Quantenrechner es uns ermög­ lichen, Ressourcen aus »Paralleluniversen« auszubeuten. Hoffentlich können wir bis dahin noch ­unsere Frisur in Ordnung bringen und die ­Krawatten zurechtzupfen. Um also erst mal mit der Kirche im Dorf zu bleiben: Was, wenn übermorgen die Roboter in einer Fabrik die Macht übernehmen und die Beschäftigten als Geiseln? Na, vorausgesetzt, die Opfer konnten noch zum Hilferufen, mas­ siert die Polizei vor dem Schauplatz des Ge­ schehens ihre Kräfte, nach dem Motto: »Liebe Roboter, Sie sind umzingelt. Kommen Sie mit ◆ erhobenen Greifarmen raus!«


49 Smart Packaging

Text Martina Hofmann Group Event Director D-A, Easyfairs Deutschland GmbH: Packaging Innovations, Luxury Packaging, Label&Print

Markeninszenierung durch gute Gestaltung

Sarah Dorkenwald Die Designerin entwickelt neue Formate an der Schnittstelle Design, Industrie und Wissen­ schaft, kuratiert Ausstellungen, schreibt für Fachmagazine und ist als ­Dozentin tätig.

Wer kennt sie nicht, die leuchtende ­Bombay Sapphire Verpackung für den Gin von Bacardi. Greift der interessierte Käufer nach ihr, entfacht sich in 5-stufiger Leuchtfolge ein wahres Feuerwerk aus glimmenden Linien und schimmernden Ornamenten, die die Packung samt abgedruckter Flasche verzaubern. Ein wahrer Hingucker wurde hier von der englischen Agentur WebbdeVlaan entwickelt und von Karl Knauer produziert. Dabei wurde die Leucht­elektronik direkt auf das Trägermate­ rial gedruckt. ­Spätestens jetzt war klar, die Verpackung, die primär die Funktionen Schutz, Transport und Lagerung bedient, muss mehr ­können, als nur schön zu sein – Interaktion ist das neue Zauberwort. Schutzhülle alleine ist die Verpa­ ckung schon lange nicht mehr. »Sie ist der Spiegel des Produkts und die Phil o s o p hi e der Marke. Aber vor allem ist sie eins: ganz nah am Kunden dran.« schreiben die Verantwortlichen der Packaging Innovations. Sie möchten mit der Packaging Innovations vor allem eins aufzeigen: w ­ elchen maßgeblichen Käufereinfluss die Verpackung hat, nutzt man sie innovativ und intelligent als Marketinginstrument. Das indi­ viduelle Networking-Event inspiriert mit Infor­ mationen rund um Branding, Design, Life­ style, Technik, Marketing, Sales und Trends im Verpackungsbereich.

Gutes Verpackungsdesign zeichnete sich bis­ her durch ein mit ästhetischem Gespür auf­ einander abgestimmtes Zusammenspiel von Form, Material und Grafikdesign aus. Nicht umsonst wurde die Konturflasche von Coca Cola, die der Designer der Stromlinienform und des Stylings, Raymond Loewy, formal in den vierziger Jahren auf den Punkt brachte, zur Designikone und zum Markenzeichen des Weltkonzerns. Der Konsument entscheidet in Bruchteilen einer Sekunde über Gefallen oder nicht Gefallen und somit über den Kauf­ entscheid. Das Verpackungsdesign hat also eine Schlüsselrolle. Verpackungen, die weite­ re Funktionen bedienen, werten ein Produkt deutlich auf und erleichtern die Kaufentschei­ dung. Überzeugendes Beispiel einer funktio­ nal durchdachten Verpackung ist die Mineral­ wasserflasche von Günter Kupetz, ebenfalls ein Designklassiker. Ende der sechziger Jahre entwarf er die jedem bekannte Perlenflasche, sicher die erfolgreichste Mehrwegverpackung Deutschlands, die bis heute durch ihr zeit­ loses Design besticht. Dabei ist die Flasche nicht nur formschön, sondern die Glasnop­ pen und Einbuchtung verhelfen auch zu ei­ nem besseren Halt der Flasche in der Hand.

Mehrwert für den Nutzer durch smarte Verpackungen Dass man mit der Verpackung eine Marke inszenieren und emotional aufladen kann, ­ zeigte auch Absolut Vodka, das mit seinen Künstlereditionen Aufsehen erregte. Aber auch Abadía Española inszeniert sein Bier aus Spanien mit einem fluoreszierenden Etikett, das sowohl für den individuellen und moder­ nen Geschmack steht als auch für das »Illumi­ nieren« des düsteren Mittelalters durch die Abteien und deren Braukunst. 

Verwendete Schriften: Archian Amphora Sans OT Regular


50 Smart Packaging

Karim Rashid, der kanadische Designer und Pop-Star der Branche, der auch als Sprecher auf der letzten Packaging Innovations vertre­ ten war, entwarf die smarte wiederverwend­ bare Trinkflasche Water Bobble, deren Mehr­ wert darin besteht, das Wasser in der Flasche mit einem Aktivkohlefilter, von Chlor und or­ ganischen Verunreinigungen zu befreien. Mit der Water Bobble können pro austausch­ barem Filter 300 Einweg-Trinkfla­ schen ersetzt werden.

Smarte Ver­ packungen zeichnen sich vor allem durch in­ telligente Materialien aus, die zum Beispiel auf äußere Einflüsse reagieren können und so einen Mehrwert generieren.

Digitale Verpackungen – ein neues Markenerlebnis Effizienz, Nachhaltigkeit, Zweitnutzen, Mar­ keninszenierung und Individualisierung sind »die« Themen des Packaging Designs. Und auch intelligent, smart, interaktiv soll die Ver­ packung von morgen sein. Sie ist somit mehr als »nur« ein haptisches, optisches oder audi­ tives Erlebnis wie Bombay Sapphire. Mittels digitaler Technologien wie NFC-Chips, ge­ druckte Elektronik und Sensortechnik erge­ ben sich neue Funktionen und Interaktions­ möglichkeiten mit dem Nutzer. Tracking­möglichkeiten wie der Kofferherstel­ ler Rimowa anbietet, ein Time ­Monitor, der die Haltbar­ keit von Lebensmitteln nach Öffnen der Packung er­ mittelt, aber auch Er­ innerungsfunk­ tionen, die als Therapie­ begleitung dienen, sind denkbar. Dabei werden Sensoren, Kommunikations- und Speichermedien, Energieträger und bildge­ bende Komponenten in Kartonagen und Kunststoffverpackungen integriert. Der User

Experience Designer Juneseok Ahn entwi­ ckelte ein neues Verpackungskonzept für eine Sonnenschutzcreme. Durch das Care-­ Prinzip der Verpackung soll das Hautkrebs­ risiko minimiert werden. Digitale Komponen­ ten unterstützten den sinnvollen Umgang mit UV-Strahlung und Creme. Aktiviert man ­einen Schalter an der Flasche misst ein Sen­ sor die Intensität der Sonneneinstrahlung so­ wie den Hauttyp und errechnet die Zeit, die verbleibt bis man sich wieder eincremen sollte. Eine Melodie auf dem Smart­ phone erinnert dezent daran. Die digitale Verpackung ist Schnittstelle zwischen realer und digitaler Welt. Das Markenerlebnis wird hierdurch ein Neues. Nicht mehr das Verspre­ chen ist der Kaufanreiz sondern kleine kos­ tenlose Services und Hilfestellungen digitaler Verpackungslösungen. Wo geht die Reise hin? Das multisenso­ rische Erlebnis im Sinne von »It´s all about Packaging« ist der Fokus der nächsten ­Packaging Innovations am 5. und 6. April 2017 in der Arena Berlin. ◆


Text Armin Scharf ist eigentlich Ingenieur, widmet sich aber als freier Journalist D ­ esignthemen mit technologischem Hinter­ grund. Er arbeitet u. a. für den DesignReport, berät Design­büros und vermittelt Design­wissen in Führungen und Gesprächen.

Humanoid oder nicht? Roboter werden

salonfähig


53 Robotik

Eine neue Generation von Robotern steht vor der Tür: ­Serviceroboter für daheim, kollaborative Roboter für das maschinell unterstützte Arbeiten oder Maschinen, die in Lagern, im OP oder in der Klinik helfend dabei sind. Was das mit Design zu tun hat? Viel.

Keine Frage, der »Care-O-bot 4« ist ein sym­ pathisches Kerlchen, bewegt sich leise durch die Gänge, ist stets zu Diensten und kann ­allerlei Handreichungen übernehmen. Dabei handelt es sich um eine autonome ­Maschine auf drei Rädern, um einen Service­roboter der jüngsten Generation, entwickelt am Fraunhofer Institut IPA und von Phoenix ­ ­Design durchgestaltet. Modular konzipiert, macht der ­»Care-O-bot 4« in unterschiedlichs­ ten Anwendungsszenarien eine gute Figur – im Haushalt, in Kliniken, Hotels, Pflegeheimen, Unternehmen. Je nach Nutzung ist der Robo­ ter anders aufgebaut: Als Gepäck- oder Waren­transporter wird nur seine mobile Basis benötigt, als Universal-Hausfreund dürfte er in der Vollversion unterwegs sein. Das bedeu­ tet: Zwei Arme, ein Torso und ein »Kopf« mit großem Display, das nicht nur Eingaben an­ nimmt, sondern auch mit zwei Pseudo-Augen Rückmeldungen gibt. Denn: »Es ging uns da­ rum, Vertrautheit und Akzeptanz herzustel­ len, die man einer spröden Maschine so nicht entgegenbringt«, erklärt Andreas Haug von Phoenix Design. Sollen Serviceroboter im un­ mittelbaren Umfeld und in direktem Kontakt mit Menschen erfolgreich agieren, so müssen sie über soziale Kompetenzen verfügen. Also Empathie zeigen, Sympathien wecken oder aktiv auf ihr Gegenüber eingehen. Der »CareO-bot 4« ist zwar noch kein echter sozialer Roboter mit humanen Skills, wofür die tech­ nischen Instrumente noch fehlen, aber er ­reagiert gestisch – mit den »Augen«, seinen Armen oder dem ganzen Körper. Denn dank eines sogenannten Torso-Gelenkes zwischen Fahrgestell und Körper kann er sich sogar ver­ beugen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Dank der speziellen Gelenk-Kinematik bleibt

der Schwerpunkt auch dann sicher über dem Chassis, wenn der Roboter etwas greifen soll. Das Gelenk selbst ist stets unsichtbar, ver­ chromte Verkleidungen betonen sogar dieses besondere Feature. Die Grundidee des Ge­ lenkes lieferte Phoenix Design, das Engineer­ ing übernahm das IPA. Auch die beiden Arme aus dem Baukasten des Automatisierungsspe­ zialisten Schunk wurden von den Designern passend zum sympathischen Gesamterschei­ nungsbild überarbeitet.

50 Millionen Serviceroboter

Ganz klar: Je direkter Roboter mit Menschen interagieren sollen, desto wichtiger werden Faktoren wie emotionale Anmutung, Ergonomie und Vertrauen. Aspekte also, für die Produktdesigner ihre Kreativität und ihr Können in den Ring werfen.

Ganz klar: Je direkter Roboter mit Menschen interagieren sollen, desto wichtiger werden Faktoren wie emotionale Anmutung, Ergono­ mie und Vertrauen. Aspekte also, für die Pro­ duktdesigner ihre Kreativität und ihr Können in den Ring werfen. Eine sowohl verantwor­ tungsvolle wie dringend notwendige Arbeit, denn die Zahl der Roboter soll in 

Mensch trifft Maschine: Die »ExoHand« von Festo überträgt Bewegungen der menschlichen Hand in Echtzeit an einen Roboter. Und der »Care-O-bot 4« ist als persönlicher Butler in verschiede­ nen Kontexten unterwegs.

Verwendete Schriften: Biome Pro in den Schnitten Extra light und Light, Fluidum Bold Std


54 Robotik

»Baxter« nennt sich dieser kollaborative Roboter von Rethink Robotics – mit seinen beiden Armen und dem zentralen Display zeigt er humanoide Züge.

den  nächsten Jahren geradezu explodieren. Gemeint sind damit nicht nur die Fabrikrobo­ ter, von denen 2018 weltweit 2,3 Millionen Exemplare schrauben, schweißen, fügen, ­lackieren oder transportieren sollen. Es geht dabei vor allem um Serviceroboter wie den »Care-O-bot 4« oder um die kollaborativen Roboter, die gemeinsam mit dem mensch­ lichen Kollegen arbeiten sollen. Die Interna­ tional Federation of Robotics (IFR) schätzt das Heer der Serviceroboter im Jahre 2018 auf weltweit 50 Millionen. Dazu gehören eher simple autonome Staubsauger, aber auch komplexe Pflegeroboter. Denn fast alle tech­ nologisch orientierten Gesellschaften haben ein demo­grafisches Problem, besonders Japan altert rasant. Japanische Forscher postulieren daher schon heute, dass künftig die physi­ sche und mentale Roboterhilfe unverzichtbar sei. Hierzulande sind spezielle Pflegeroboter noch kein offizielles Thema, wohl aber zahl­ reiche andere Anwendungen.

Parken, saugen, operieren So verstaut am Düsseldorfer Flughafen der Parkroboter »Ray« selbstständig Autos platz­ sparend und ökonomisch. Entwickelt hat ihn das Grabenstätter Unternehmen S­ erva, ge­ staltet wurde er von der Design­ agentur ­Lumod aus Baiern. Auch in der Landwirt­ schaft, im Bauwesen, selbst in der Küche, der Logistik, in der Medizin und im Verkehrswe­ sen stehen Roboter in den Startlöchern – vom fragwürdigen militärischen Einsatz ganz ab­ gesehen. Selbst autonome Autos sind im Grunde Roboter mit extrem starken kogniti­ ven Fähigkeiten. Je leistungsfähiger die Hard­

ligent, weil sie lediglich antrainierte Abläufe repetieren, diese aber nicht selbst entwickeln können. Das soll die Künstliche Intelligenz bald ändern, mit denen die Maschinen zu mehr Eigenständigkeit gelangen. Auch der »Care-O-bot 4« wird davon profitieren, weil er dann schnell auf neue Situationen reagieren kann, Gewohnheiten seiner menschlichen Partner erlernt, Stimmungen erkennt und sich entsprechend verhält.

150 Kilogramm schwer, mannshoch und hydraulisch angetrieben, versprüht der Roboter »Atlas« von Boston Dynamics den

Charme einer Kampfmaschine.

ware wird, je genauer, kleiner sowie preis­ werter die Sensoren und etablierter die neuronalen Netze mit selbstlernenden Algo­ rithmen werden, umso mehr Aufgaben kön­ nen Roboter zuverlässig übernehmen. Auch solche, die nicht auf Standard-Situationen basieren, sondern individuelle Entscheidun­ gen verlangen. Darin unterscheiden sich denn auch die Roboter der nächsten Generation von ihren Kollegen, den wirbelnden Industrie­ robotern. Letztere sind im Grunde wenig intel­

Der Mensch als MaSSstab? Dabei ist eine Frage nach wie vor offen: Wie menschlich muss oder darf ein Roboter sein? Muss ein Serviceroboter wie ein Butler auf zwei Beinen daherkommen und die mensch­ liche Physiognomie nachahmen? Phoenix ­Design hat die Frage mit einem klaren »Nein« beantwortet; der »Care-O-bot 4« ist definitiv nicht humanoid, auch wenn er mit den ange­ deuteten Augen und den Armen, auch End­ aktuatoren genannt, durchaus Anleihen beim Menschen nimmt. Er bleibt aber eigenstän­ dig, als Maschine erkennbar, wenn auch als sympathische und hilfreiche Maschine. Der Gegenansatz zeigt »Asimo«, der l­egendäre, 1,3 Meter große Humanoide, den Honda be­ reits im Jahr 2000 präsentierte. ­Solche Robo­ ter-Konzepte sorgten für mehr Akzeptanz, leichtere Interaktion und vielseitigere Ver­ wendung – sagen die Befürworter dieses An­ satzes. Und weil das aufrechte Gehen die komplexeste Fortbewegungsart schlechthin ist, bleibt es oft beim teilhumanoiden Ausse­ hen: »Pepper« von Softbank ­Robotics hat ein­ deutig menschliche Züge, doch es fehlen die Beine. Stattdessen rollt er auf einem absurd


55 Robotik

Der Staub-Terminator: »360 eye« von Dyson navigiert mittels Kamerasystem durch die Räume.

Die International Federation of Robotics (IFR) schätzt das Heer der Serviceroboter im Jahre 2018 auf weltweit 50 Millionen. Dazu gehören eher simple autonome Staubsauger, aber auch komplexe Pflegeroboter.

plumpen Unterbau daher. Auch der kollabo­ rative Roboter »Baxter« von Rethink Robotics bietet nur oben mensch­liche Analogien. Ist »Asimo« eher niedlich, weil klein und dem Kindchenschema folgend, kommt »Atlas« von Boston D ­ ynamics furchteinflößend da­ her. 150 Kilo schwer, mannshoch und hydrau­ lisch angetrieben, versprüht der kraftstrot­ zende Roboter eher den Charme einer Kampfmaschine als eines ­netten Kollegen.

In bester Designtradition Hierzulande nähert man sich der RoboterTechnologie kaum mit menschenähnlichen Entwürfen. Techniker wie Designer arbeiten an Konzepten, die den maschinellen Charakter nicht negieren, sondern ihn sachlich interpretie­ ren – ganz in der Tradition besten deutschen Industriedesigns. Auch der »Care-O-Bot 4« basiert auf diesem Denkansatz, genauso wie »Miro«. Von Tilo Wüsthoff am DLR-Institut für Robotik und Mechatronik in Oberpfaffenhofen

gestaltet, assisiert der armförmige Roboter Chirurgen bei der Operation. Die jüngst prä­ sentierte Weiterentwicklung »MiroSurge« in­ tegriert drei dieser Assistenten in ein Tele­ manipulationssystem für die minimal invasive Chirurgie. Der Operateur arbeitet hier nicht direkt mit den Werkzeugen, sondern steuert diese über eine haptische Eingabeebene fern. Auf diese Weise können Eingriffe extrem exakt ausgeführt werden – das Fernziel der DLR-Entwicklung ist die Operation am schla­ genden Herzen.

BUCHTIPP Einen fulminanten Überblick zur Geschichte und zum aktuellen Stand von Robotik, Künstlicher Intelligenz und autonomen Systemen bietet der Technikjournalist Ulrich Eberl in seinem Buch »Smarte Maschinen«. Es ist erschienen im Carl Hanser Verlag und kostet 24 Euro.

Die Suche nach Archetypen dauert an Trotz »Care-O-bot 4«, »Miro« oder »Ray« – das Design von Robotern befindet sich erst im Anfangsstadium, auf der Suche nach adäqua­ ten Ausdrucksmitteln, nach dem Archetypen, der eine Leitlinie im Umgang mit den Auto­ maten aufzeigt. Und das verspricht absolut spannend zu werden. ◆

Erschienen im Verlag Carl Hanser ISBN-10: 3446448705


Ver fĂźh rer oder echte

Vertraute?

Text Joachim Goetz Fotografie MCBW Werkschau Anja Glonner Anna-Lena Apfelbeck


57 Smart Brands Branding, »Markenbildung«, unverzichtbares hat Nike die Sohle mit der Luft­kissen­dämp­ Instrument des klassischen Marketing, hat fung erfunden – nicht Adidas oder Puma. Und ein jüngeres Geschwisterchen bekommen. Apple-­Fanatiker übernachten im Schlafsack »Smart Branding« ist die moderne Strategie. vor dem Apple-Store, um als Erste ans neue Zusätzliche Dimensionen müssen erobert iPhone zu kommen. Denn: Die Marke dient werden, die Digitalisierung grüßt. der Selbstdarstellung des Kunden, weist ihn Das verwirrt manche Firmen, die nun ihren als einer besonderen Gruppe zugehörig aus, Kunden auf Facebook, Instagram, Youtube stärkt sein Selbstbewusstsein und hat damit etc. nachgerade nachlaufen. Klar, die Angst einen hohen ideellen, nicht materiellen Wert. den Anschluss zu verlieren oder Danach strebt man. im Shitstorm zu enden, ist groß. Autofirmen verlängern die Ef­ Schließlich darf die Macht des fekte ihrer Kernprodukte hin zum Erfolgreich ist die Marke nicht zu steuernden Erfahrungs­ Merchandising. So kann man austauschs über soziale Medien von Porsche – der Imagetransfer dann, wenn sie vielfach im keinesfalls unterschätzt werden. wird gerne mitgenommen – Kopf verankert ist, Verstand Aber ist stromlinienförmige An­ auch einen Toaster oder eine passung an die Kunden der rich­ Sonnenbrille kaufen. Denn Por­ und Emotionen gleicher­ tige Weg? sche ist außerdem eine Design­ Früher reichte es zu einer schmiede, die alles Mögliche maßen anspricht ­guten Marke, authenisch, glaub­ designt – bloß keinen Porsche. würdig, zuverlässig zu sein. Das Amazon und Google machen stimmige Produkt schaffte Vertrauen. das nun anders (aber nicht ohne Risiko). Sie So genügte der Schuhcreme Erdal ein wollen direkt in den Wohnzimmern mitspie­ Frosch, der Hautcreme das Nivea-Blau und len. Amazon bietet seinen Kunden, die zuvor der zartesten Versuchung, seit es Schokolade schon zur Amazon Prime Community zusam­ gibt, die lila Kuh! Um in die Psyche der Kon­ mengeschweißt wurden, nun eine Kommuni­ sumenten einzudringen, sich dort festzuset­ kationszentrale namens Echo an. Dem zylin­ zen – und bei jedem Gedanken an Schokolade drischen Lautsprecher mit sieben Mikrofonen die Welt in lila Tönen zu sehen. Und Enttäu­ wohnt die virtuelle Assistentin Alexa inne, die schung zu produzieren, wenn mit dem Kunden kommuniziert. man die »falsche« Tafel kriegt. Wenn sie gefragt wird. Sie lernt Erfolge einer konsequenten Mar­ dazu, beantwortet allerlei Fragen ken- und Produktpolitik. und wird immer intelligenter, je Deshalb Branding. Erfolgreich mehr Informationen sie über den ist die Marke dann, wenn sie bei Benutzer auf fernen Servern der Zielgruppe vielfach im Kopf speichert, mit denen sie verbun­ verankert ist, Verstand und Emo­ den ist. Erst mal geht es Amazon tionen gleichermaßen anspricht aber bloß um Bestellungen. Ale­ und sie auf allen Wahrnehmungs­ xa weiß, wann das Klopapier alle kanälen erreicht. ist und bestellt es. Googles Nun also auch mit social media ­Smartphones können Ähnliches, und Transparenz. Blogs oder wenn man sie lässt. Apples auch. Imagefilme öffnen ein Unterneh­ Und dann soll zukünftig alles mit Drohnen sofort geliefert werden – men nach außen – man zeigt wichtig für Designer, weil man wie’s innen zugeht, wie gedacht, überall Lande­plätze braucht. wie produziert, wie kommuni­ Aber Smart Branding funktio­ ziert und gearbeitet wird. So prä­ niert auch ohne ausgetüftelte sentiert sich eine Firma der Ziel­ Technologien. Die guten alten gruppe und auch gleich noch Handwerker und Manufakturen, potenziellen Mitarbeitern originell die es auch heute noch gibt, und authentisch. Auch möglich: schaffen es mit der Qualität ihrer Interaktion mit den Kunden. – mitunter freilich einzigartigen – Gute Marken schaffen Vertrau­ Produkte, Mund-zu-Mund-Pro­ en und Orientierung, einzigartige paganda und geeigneten Marke­ erzeugen mit ihren »sexy pro­ tingmaßnahmen, eine glückliche, ducts« eine Anhängerschaft, die teils verschworene Kundenschaft an religiöse Sektierer erinnert – um sich zu sammeln. perfektes Branding. Wie das geht, Vielleicht das Wichtigste: Den kann und konnte man bei Apple Kunden mit seinen Wünschen und Nike (schon jahrzehntelang) und Bedürfnissen (wieder) ernst beobachten. Die Anhängerschaft nehmen – und dabei konsequent des Sportartikelherstellers ver­ bleiben, Haltung bewahren. ◆ traut der Firma blind, schließlich

Verwendete Schrift: Bodoni MT Std Ultra Bold


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59 Dialog

Widerstand im Digitalzeitalter Ein Interview mit Harald Welzer

Der Soziologieprofessor Dr.Harald Welzer betrachtet die Gegen­wartskultur sehr ­kritisch. Vor allem die zunehmende Digitalisierung der Welt macht ihm Sorgen. I­n ­seinem neuesten Bestseller »Die smarte Diktatur« sieht er die Freiheit und die Demokratie der westlichen Gesellschaften in Gefahr.

Warum hat sich die Digitalisierung so schnell durchgesetzt? Dieser Siegeszug der Digitalisierung in unsere All­ tagskultur, in die sozialen Bereiche hinein, ist so zu erklären, dass wir eine Konsumgesellschaft sind und alles Wesentliche Konsum ist, was sich in Netz ab­ spielt, also Konsum von Produkten, Konsum von Dienstleistungen, Konsum von Informationen. Das ist im Wesentlichen das, was die Digitalisierung bietet und was ich mir mit beliebigem Klick von irgendwo heranholen kann. Das bedeutet natürlich gegenüber vordigitalen Zeiten eine unglaubliche Bequemlich­ keit und Attraktivität. Dass daraus Metadaten kombi­ niert werden, dass Überwachung stattfindet, steht in einem abstrakten Verhältnis zu den konkreten Mög­ lichkeiten, was ich alles kriegen kann, wenn ich da mitmache. Dieser Unterschied zwischen konkret und abstrakt ist immer stark. Den haben wir auch bei ­Themen wie Klimawandel und Umweltschädigung. Da weiß ja auch jeder: Vieles, was wir tun, ist extrem zerstörerisch, das muss alles geändert werden. Das wissen über 80 Prozent der Leute und finden alles ganz furchtbar. In der Praxis ist es aber trotzdem at­ traktiv, ein Riesenauto zu fahren und mehrmals im Jahr ein Flugzeug zu benutzen usw. Das, was man scheinbar konkret bekommt, ist immer viel stärker als das, was man abstrakt zu befürchten hat.

Sie denken also: Die meisten sind zugunsten der ­Bequemlichkeit dazu bereit, auf ihre Privatsphäre zu verzichten? Ja, aber inzwischen schlägt das Blasen, so dass man sich fragen kann: Was ist denn an manchen Entwick­ lungen eigentlich bequem und vorteilhaft? Da gibt es diese pausenlose Selbstüberwachung: Der Schritt­ zähler, die Uhr, die alles aufzeichnet, was man tut und kontrolliert, ob man genug Sport gemacht hat – ei­ gentlich eine Zwangsapparatur, die mit Bequemlich­ keit so gar nicht zu tun hat. Auf der anderen Seite gibt es Dinge, die schlicht und ergreifend in das Leben einmarschieren, wobei man sich die Frage stellen kann: Was soll man denn damit? Ich habe kürzlich ei­ nen Zeitungsartikel gelesen über einen Roboter, den Toyota jetzt anbietet. Eine Figur, die man mit ins Auto nimmt, wenn man offensichtlich einsam ist. Und das Teil sagt dann »Uups«, wenn man zu hart bremst und fragt auch nach, wie es einem geht. Die Figur kostet 300 Euro. Der Witz an der Sache ist aber, dass diese Figur natürlich nicht nur rumlabert, sondern alles sammelt, was während der Fahrt passiert. Ich schwö­ re, es wird viele Menschen geben, die sich so etwas zulegen werden. Völlig rätselhaft – denn man hat ja gar nichts davon.


60 Dialog

Nun ja, es bekämpft die Einsamkeit, gerade von älteren Menschen. Dafür gibt es ja Seelsorger und dergleichen.

Sie sind Jahrgang 1958, also ein Digital Immigrant, wie man so sagt… Was ist das?

Gehen wir mal zur politischen Dimension. Denken wir an den ehemaligen CIA-Mitarbeiter und Whistle­ blower Edward Snowden, der die weltweite Über­ wachung durch amerikanische Geheimdienste aufgedeckt hat. Glauben Sie, dass Snowden tatsächlich etwas bewirkt hat? Das ist natürlich von der Wirkung her schwer abzu­ schätzen. Ich glaube aber schon, dass er Enormes bewirkt hat. Und zwar auf zwei Ebenen: Zunächst mal das Offenlegen von Fakten in Bezug auf das, was ge­ sammelt wird und welche gesellschaftlichen Grup­ pen es betrifft, zum anderen das schlichte Faktum, dass er das getan hat. Die Tätigkeit des Whistle­ blowers, also desjenigen, der ausschert aus der Schweigenden Mehrheit der Zustimmenden, ist eine ganz Entscheidende. Ähnlich wie unser immer noch klarer Stolz auf einstige Widerstandskämpfer, die un­ ter sehr schwierigen Bedingungen ihr Leben riskiert haben, um für das Gute zu kämpfen – in dieser Tradi­ tion steht Snowden im heutigen Sinne.

Ein »Digital Immigrant« ist in die digitale Sphäre eingewandert, während die sog. »Digital Natives« schon darin aufgewachsen sind. Wie verhalten Sie sich gegenüber diesen Digital Natives – die ja eine andere Zeit als die der Digitalisierung gar nicht kennen? Das ist im Grunde eine tief philosophische Frage. Man kann anderen kaum vermitteln, wie die Welt war, in der man selbst groß geworden ist. Sprich: Wer in einer völlig digitalisierten Umgebung aufgewach­ sen ist, für den ist das die Welt. Punkt. Aber ich möch­ te noch eine ironische Anmerkung machen zu diesen »Natives«. Ich bin also ein Digital Immigrant. Ich habe aber im Unterschied zu den Digital Natives von heute tatsächlich Programmieren gelernt. Und ich weiß deshalb, was die Grundprinzipien eines Programms sind. Diejenigen, die sich heute Digital Natives nen­ nen, benutzen ja nur Programme, die bereits exis­ tieren und bauen die irgendwie zusammen und sind total stolz darauf, dass sie damit supersouverän um­ gehen können, kennen aber die Grundlagen über­ haupt nicht. Deshalb kommen auch plötzlich diese ganzen Phantasien zustande, dass das ganze Leben plötzlich digital ist und auch die Zukunft. Aber bis­ lang konnte mir noch niemand erklären, was ein digi­ tales Bier oder ein digitales Brot oder so etwas sein soll. Insofern ist das mit diesen Natives auch eine Selbstüberschätzung, denn auch bei ihnen spielen sich 80 Prozent des ganzen Lebens analog ab. Das haben sie nur vergessen.

Trotzdem wird er von einem Großteil der amerikanischen Bevölkerung als Verräter angesehen und nicht als Held. Das muss man aus der amerikanischen Kultur heraus verstehen, dass Menschen, die gegen die Interessen des Landes verstoßen oder auch nur scheinbar ver­ stoßen, zunächst mal extrem schlechte Karten haben. Dort gibt es einen so ausgeprägten Patriotismus. ­Interessant, wenn man Dienste wie die CIA betrach­ tet: Dass die überhaupt keine Bedenken haben, ein anderes Land auszuforschen und alle Persönlich­ keitsrechte von ausländischen Bürgern verletzen, dass die CIA innerhalb des amerikanischen Rechts­ systems aber hoch skrupulös sein kann. Snowden ist genau so ein Fall. Er hat die Ethik der amerikanischen Verfassung ernst genommen und ist deswegen zum Whistleblower geworden, weil seine eigene Organi­ sation gegen diese Ethik verstoßen hat.

zum NachHören Das Gespräch mit Harald Welzer und Sendungen zum digitalen und analogen Leben nachhören:

@  bayern2.de/design

Das Gespräch führte Roderich Fabian

Text Roderich Fabian arbeitet als Moderator, Redakteur und Autor für Bayern 2, eines der meist­ gehörten Kultur- und Informa­ tionsradios in Deutschland. Das »Radioprogramm mit Hinter­ grund« blickt auf Politik, Kultur, Gesellschaft und Zeitgeschehen. Es geht um uns Menschen und wie wir zusammenleben in einer sich immer schneller verändern­ den Welt.


Buchtipp Bestseller-Autor Harald Welzer legt mit »Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit« eine neue und frische Analyse der großen gesell­ schaftlichen Zusammenhänge in Deutschland vor, eine umfassende Diagnose der Gegenwart für alle politisch Interessierten. Unsere Gesellschaft verändert sich radikal, aber fast unsichtbar. Wir steuern auf einen Totalitaris­ mus zu. Das Private verschwindet, die Macht des Geldes wächst ebenso wie die Ungleichheit, wir kaufen immer mehr und zerstören damit die Grundlage unseres Lebens. Statt die Chance der Freiheit zu nutzen, die historisch hart und bitter erkämpft wurde, werden wir zu Konsum-­ Zombies, die sich alle Selbstbestimmung durch eine machtbesessene Industrie abnehmen lässt, deren Lieblingswort »smart« ist.

DIE BAYERN 2 APP. DAS RADIO, DAS AUF MICH HÖRT.

Erschienen im Verlag S. FISCHER ISBN-10: 3100024915

Curriculum Vitae Harald Welzer, geboren 1958, ist Direktor von ­Futurzwei – Stiftung Zukunftsfähigkeit, Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Daneben lehrt er an der Universität St. Gallen. In den Fischer Verlagen sind von ihm erschienen: »›Opa war kein Nazi‹. Nationalsozia­ lismus und Holocaust im Familiengedächtnis« (zus. mit S. Moller und K. Tschuggnall, 2002), ­»Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Mas­ senmörder werden« (2005), »Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben« (zus. mit Sönke Neitzel, 2011), Der FUTURZWEI-Zukunftsalmanach 2015/16 (2014), »Selbst denken« (2013), »Autono­ mie. Eine Verteidigung« (zus. mit Michael Pauen, 2015) und zuletzt »Die smarte Dikatur. Der Angriff auf unsere Freiheit«. Seine Bücher sind in 21 Län­ dern erschienen. Futurzwei ist kein Netzwerk und keine Commu­ nity, sondern eine gemeinnützige Stiftung, die ihre Mittel für das Projekt einer zukunftsfähigen, enkeltauglichen Gesellschaft einsetzt.

@ futurzwei.org

bayern2app.de


Bits & Pieces Druckveredelung zum zweimal Hinschauen Brillante Prägefolie von KURZ wechselt unter verschiede­ nen Blickwinkeln die Farbe: LEONHARD KURZ, Hersteller dekorativer und funktionaler Beschichtungen, bietet mit der metallisierten Prägefolie Luxor MTS Polarlight eine neue Möglichkeit, die Aufmerksamkeit des Betrachters zu gewinnen. Je nach Blickwinkel, aus dem mit der Design­ folie veredelte Printprodukte betrachtet werden, wech­ selt die Metallfarbe von einem kühlen Smaragdgrün in ein kräftiges Lila. Wird die Folie auf mehrere Flächen einer Verpackung oder auf gerundete Oberflächen, beispiels­ weise bei einem Flaschenetikett, appliziert, können sich beide Farben gleichzeitig zeigen. So wird durch eine ein­ zige Prägefolie eine Zweifarbigkeit hervorgerufen. Der auffällige Umschwung zwischen den sehr unterschied­ lichen Farben ist ein effektvoller Hingucker, der den Spiel­ trieb weckt und dazu einlädt, sich mit der Drucksache ­näher zu befassen. Auf Verpackungen im Verkaufsregal ist er ein Blickfang, der das Interesse des Verbrauchers auf sich zieht und Kaufanreize schafft. Den besten Beweis liefert Ihnen das Cover dieses Magazins...

@ kurz.de

Partnerregion

Auf dem Land … … blüht die Kreativität: Wer denkt, Smartes und ­Revolutionäres könne nur in Metropolen und Mega­ cities entstehen und gedeihen, irrt: Den Beweis dafür tritt bei der diesjährigen MCBW der Landkreis Mies­ bach an, vor den Toren Münchens gelegen, aber doch eine ganz andere Welt – und die neue Partner­ region der MCBW. Etliche kreative Unternehmen und Akteure sind gestalterisch und innovativ unterwegs im Münchner Oberland rund um Tegern- und Schlier­ see, darunter inter­national renommierte Unterneh­ men, aber auch Start-ups und junge Entrepreneure. Ein Beispiel im Foto: Revolutionäres Schuhwerk für Pferde: der Hightech-Hufbeschlag Cera24 »Endu­r­ ance Pro« (Foto: auswall GmbH & Co. KG). Eine ideale Region also, die längst nicht mehr nur touristisch auf sich aufmerksam macht, sondern einen guten Nähr­ boden für kreatives Schaffen bietet. Die dortige SMG Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach (SMG) vernetzt, fördert und kommuniziert die Vor­ teile der Region weit über deren Grenzen hinaus.

@ smg-mb.de


63 Bits & Pieces Wettbewerb

Gutes Beispiel: Der Wettbewerb für eine bessere Gesellschaft

BUCHTIPP Rolladen, Licht, Heizung & Co. werden von Ferne via App aktiviert, die Kaffeemaschine ist so programmiert, dass man sich vom Duft des Morgengetränks wecken lassen kann, Autos vernetzen sich miteinander und kön­ nen so über Staus etc. kommunizieren. Alles gute Ideen, alles gedacht, um das Leben bequemer zu machen. Doch was passiert, wenn sich die Dinge gegen uns wenden? Bestsellerautor Jeffery Deaver nimmt die Leser mit auf einen Höllenritt, bei dem die Smart Appliances und deren Steuerelemente zum perfiden Mordwerkzeug mutieren bzw. durch cleveres Hacken als solches genutzt werden. Keine Einschlaflektüre, sondern ein mitreißender Krimi mit dem bewährten Duo Lincoln Rhyme und Amelia Sachs.

Eine gute Idee kann die Welt verändern. Zumindest ein bisschen. Mit der EinDollar­ Brille können Zehntausende Menschen in Entwicklungsländern endlich besser sehen und deswegen zur Schule oder Arbeit gehen. Beim Bayern-2-Wettbewerb »Gutes Bespiel« hat das Projekt letztes Jahr den ersten Platz gewonnen. Der Wett­ bewerb geht in eine neue Runde. Start-ups, Initiativen oder Einzelpersonen aus Bayern, die sich für eine positive Zukunft einsetzen, können sich bis zum 12. ­Februar bei Bayern 2 bewerben. Die besten fünf Projekte werden vorge­ stellt. Wer beim Online-Voting bis Ende März die meisten Stimmen erhält, gewinnt und wird das Gute Beispiel 2017. Für die Finalisten gibt es ein Preisgeld von ­ins­gesamt 20.000 Euro, gestiftet von der Sparda-Bank.

@ 

Erschienen im Verlag Hodder & Stouhgton ISBN-10: 1473618495 @ jeffery-deaver.de

Bewerben und abstimmen unter www.bayern2.de/gutes-beispiel

Mit einem Klick die Welt retten? So einfach wird es nicht gehen, aber ein bisschen kann jeder mit einem Tippen auf den Smartphone-­ Bildschirm schon helfen. ShareTheMeal heißt die App von World Food Programme, die satt macht – in erster Linie Kinder aus Drittländern und akuten Kriegs- und Krisengebieten, die mit der bescheidenen Summe von 40 Cent einen Tag lang ernährt werden können. Ein­ fach – am besten, wenn man sich selbst grad zum Essen setzt, ran an die App und spenden!

@ 

sharethemeal.org


64 Bits & Pieces

DESIGN PERFORMANCE | 2017

Die Ausstellung für Material.Handwerk.Prozesse. Design als Impulsgeber für das Handwerk: Anhand ausgewählter ­ xponate – u. a. Möbel, Sport- und Lifestyle-Produkte – zeigt die Aus­ E stellung, wie dank professioneller Gestaltung, innovativer Materialien und Herstellungsverfahren Produkte mit neuen Funktionen und heraus­ragender Ästhetik entwickelt werden. Die Ausstellung vereint die »smarte« Thematik der MCBW mit dem Motto der IHM 2017, »Made in Germany. Das Original. Echt bei uns im Handwerk«. Inter­ aktive Inszenierungen zum Zuschauen und Ausprobieren laden ein, sich mit den Exponaten näher zu beschäftigen. Als Aussteller sind un­ ter anderem renommierte Unternehmen (z. B. Rosenthal, Foto links), die Neues wagen, wie auch Start-ups mit überraschenden, konzeptio­ nellen Entwicklungen vertreten. Weitere Inspirationen erhalten die IHM-Besucher bei exklusiven Vorträgen der MCBW auf der Bühne »Handwerk on Stage«, Halle B1. Eine Kooperation zwischen bayern design und der GHM Gesellschaft für Handwerksmessen mbH. 08. – 14.03.2017 | 09:30 – 18:00 Uhr Messegelände München, Eingang West | Foyer Freier Eintritt zur Ausstellung DESIGN PERFORMANCE | 2017

Die Bayern 2 App – das Radio, das auf mich hört

Kreatives VR Tool

Radioprogramme, Mediatheken und Podcasts sind toll, haben aber einen Nachteil: Als Nutzer muss man wissen, wann man ein­ schalten muss und nach was man online suchen will. Die neue Bayern 2 App hat für dieses Problem nun eine bequeme Lösung parat: Die App bietet dem User die ganze Vielfalt aus dem linearen Bayern-2-Programm in einem personalisierten Stream an. Der Player in der App reagiert dabei auf die thematischen Vorlieben des Users und passt sich dem aktuellen Zeitbudget an. Fans von guten Interviews und aufwendig produzierten Hörspielen wer­ den sich hier wohlfühlen, genauso wie Musikentdecker oder Freunde guter Dokus. Ein Algorithmus hilft, dass der User bei sei­ nem persönlichen Programm auch immer wieder angenehm überrascht wird. Denn das persönliche Programm wird besser, je mehr es genutzt wird.

Tilt Brush heißt eine App, die via VR-Brille die Kreativität zum Sprudeln bringt – ganz ohne Handwerkszeug, Werkstatt oder Atelier: Setzt man die Brille auf, kann man via Gestensteuerung spektakuläre Kunstwerke im virtuellen Raum entstehen lassen und vollständig in eine andere Welt eintauchen. Ein Malwerk­ zeug, das auf Leinwand und Pinsel verzichtet. Gespeichert und geteilt bleiben die virtuellen Kreationen erhalten. Nicht nur ein Spiel, sondern ein wirklich spannendes neues Tool, das künstle­ rischer Freiheit eine neue Dimension eröffnet.

@ 

bayern2.de

@ 

tiltbrush.com


schon gewusst?!

Die MCBW 2016 in Zahlen Höhepunkt im Designkalender: Die Wirtschaftskraft Bayerns als Boden für hochwertige Gestaltung und das Potenzial des Standorts München als Abenteuer­ spielplatz für Kreative gipfeln ein Mal im Jahr in der ­Munich Creative Business Week. Ob Erfolg messbar ist? Deutschlands größter Design-Event für Gestalter und Auftraggeber in Zahlen.

@ mcbw.de

MCBW 2016

195 Partners

60.000 visitors

200 Events 60 creative

Spots

350 speakers


66 Bits & Pieces

Design ist nicht alles, aber ohne Design ist­ alles nichts Was wäre unser Alltag ohne ästhetisch an­sprechende und funktionierende Dinge? Ziemlich eintönig! So dachte auch das Bayerische Staatsministerium für W ­ irtschaft und Medien, Energie und  Technologie und lobt seit fast 30 Jahren den BAYERISCHEN ­STAATSPREIS FÜR NACHWUCHS­DESIGNER aus. Natürlich wusste man bereits 1987, als der Bayerische ­Staatspreis ins Leben gerufen ­wurde, dass ­Design ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Gut gestaltete Dinge verkaufen sich einfach besser. Aber es geht nicht nur um äußere Gestaltung. Der Aufbau eines Produktes, sein Material, seine Funktion, wie greifen Ideen, Entwicklung und Gebrauch ineinander – all das ist ­Design. Seit einigen Jahren ist auch die Nachhaltigkeit eines Produktes wichtig, von der Produktion bis zur Entsorgung, oder besser zu einer Wiederverwendung für andere P ­ rodukte. Und dass der Nachwuchs gefragt ist, sich hier besonders einzubringen, hat natürlich auch seinen Sinn – die Zukunft. Mit den acht Kategorien Text Dipl.-Ing. (FH) Ute Pridöhl ist Projekt­ managerin beim Coburger Designforum Oberfranken e. V.

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Industriedesign Kommunikationsdesign Interior Design Modedesign Textildesign Digital Design Designtheorie Gestaltendes Handwerk

wird unser Umfeld gestaltet, unsere Gesellschaft, unsere Zukunft. Jeder sich in Ausbildung befindliche Designer oder bis zu zwei Jahre danach, kann sich mit seinem Projekt bewerben und an dieser Gestaltung mitwirken. Die Organisation und die Durchführung wie Bewerbungen einholen, Vorauswahl, finale Jury und spätere Ausstel­ lungen liegen seit Jahren in Händen des Coburger Designforums Oberfranken e. V. (www.c-d-o.de). Prämierte und damit von der Jury als besonders begabt angesehene ­Designer erreichen damit schnell die Aufmerksamkeit der Wirtschaft. Dies wird durch Verleihung des Staatspreises am 6. März 2017 während der MCBW be­ tont. Die Ausstellung der prämierten Projekte im Foyer des BMW Museums ist vom 7. – 26. März 2017 dem Publikum zugänglich und jeder kann für sich entscheiden, ob ihm/ ihr diese Gestaltung – diese Zukunft – gefällt. Die Bewerbungsfrist für den Bayerischen Staatspreis für Nachwuchsdesigner 2019 läuft vom 1.5. bis 15.7.2018


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Das MCBW FORUM als Mittelpunkt der Design­tage zeigt die digitalisierte neue Welt – mit vielen smarten Objekten aus den unterschiedlichsten Produktbereichen, viele da­ von zum Ausprobieren und Interagieren. Ein Ausflug in die Evolution der Verschmel­ zung realer und virtueller Welten.


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The Smart Revolution Spätestens mit dem Siegeszug der Smartphones ist die Welt im SmartRausch. Schon zuvor setzten Unternehmen allerlei Zeichen für den Aufbruch in ein neues Zeitalter. Man denke beispielsweise an die Marke Smart, den mobilen Autozwerg für Zwei, der seine Überlegenheit auf den Parkspuren der Cities unter Beweis stellt. Inzwischen liegt die Messlatte zum smart-Sein und -Werden höher und eher im Ausschöp­ fen digitaler Möglichkeiten. Schon bewegen wir uns mit unserer Smart Watch im Smart Home oder steuern selbiges vernetzt aus der Ferne. Smart – Linguisten und andere böse Zungen tuscheln bereits vom (Un-)Wort des Jahrhunderts. Und Unsereins ist nach wie vor auf der Jagd nach smarten Produkten, Apps und sonstigen Services, die ei­ nem ein besseres Leben versprechen. Leichter, sicherer, gesünder …  smart macht’s möglich?!

Schmuck! Organic Light Emitting Dioden – OLEDs – sind das Leuchtmittel der Zukunft … und machen sich auch im Einsatz als schmückendes Element ausgesprochen gut!

Aus einem Stück – und aus dem 3D-Drucker: Ein hoch beweglicher Rock aus tausenden, ineinander gedruckten Elementen vom US-Entwickler Nervous System.


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Die Natur stand Pate: Die BionicANTs von Festo verhalten sich exakt wie ihre tierischen Vorbilder.

The Smart Revolution. Die Ausstellung. bayern design dekliniert mit »The Smart Revolution – Die Ausstellung« die Thematik im MCBW FORUM anhand von fünf Themeninseln zu den Schwerpunkten Objects, People, City, Economy und Brands durch. Gezeigt werden Produkte und Konzepte zum Anschauen, Aus­ probieren und Mitmachen. Aber nicht nur das. Stattdessen wirft die Ausstellung bewusst, teils provokativ, Fragen auf. Hinterfragt wird die Rolle des Designs und der Designer im Kontext technologischer, wirt­ schaftlicher, gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen. Und schon ist der Besucher an der Reihe, die Ausstellungsstücke ganz ge­ nau ins Visier zu nehmen und anschließend seine Kommentare zu hin­ terlassen. Im bunten Kaleidoskop der Frage- und Dialogstationen ist jeder aufgefordert, seine subjektive Sicht der Dinge auf die smarte Welt von morgen mitzuteilen. Sind smarte Objekte und Produkte ei­ gentlich schöner als andere? Wie kann ich in der Smart Economy eige­ ne Produkte gestalten und Einfluss nehmen? Smart City – bedeutet das nun mehr Sicherheit, Effizienz und bessere Lebensqualität oder bedingungsloses Kontrolleabgeben und Bevormundung im urbanen

Raum? Welche Chancen und Risiken sehe ich persönlich in der digita­ len Produktwelt von heute – und wohin mag das morgen noch führen? Erübrigen sich reale Produkte etwa zusehends und werden noch mehr durch Apps ersetzt? In welche Richtung denken heute junge Gestal­ ter, und wie reagieren etablierte Marken, um beim Smart-Hype die Nase vorne zu haben? Die Ausstellung an sich mag viele Fragen auf­ werfen – doch die illustren Produkte von Design-Newcomern und aus Konzernen wie zum Beispiel, BMW, Festo, Kunert und Steelcase ma­ chen schnell klar, dass die smarte Revolution schon auf Hochtouren läuft. Die Aufgabe der Designer lautet jetzt, neue Technologien ge­ stalterisch zu übersetzen, nutzbar zu machen, sie in Mehrwert bieten­ de Funktionen zu transferieren und in passende, verständliche Form zu bringen. Halten wir also einen Moment inne in der Mitte der Aus­ stellung, lassen die Exponate noch einmal Revue passieren und ver­ weilen vor dem Design Heart von Konstantin Landuris: Hier schlägt ein kybernetisches Objekt aus Hightech-Materialien für Momente der Muße – ganz wichtig auch in smarten Zeiten!


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Creative Teatimes Im MCBW FORUM vorbei schauen, sich anregen lassen, Inspiration erhalten, der eigenen Kreativität einen ordentlichen Schub verpassen und dabei den persönlichen Horizont erweitern, lohnt also jederzeit. Wer noch tiefer in smarte Themen eintauchen möchte, besucht die tägliche Creative Teatime von bayern design. Hier debattieren Exper­ ten jeweils eines der fünf Fokusthemen, legen ihre Sicht der Dinge in punkto Gestaltung dar, überzeugen durch Fachvorträge zum Thema und bieten regen Austausch für’s Publikum. Hören wir also, was ein technologiegetriebener Konzern zu »Smart City« zu sagen hat und wohin die Reise bei der urbanen Mobilität geht. Erfahren wir von re­ nommierten Designern, wie »Smart Economy« und Produktentwick­ lung für Industrie 4.0 in die Praxis umgesetzt werden. Lernen wir von Experten, die den Fokus auf »Smart People« richten, welchen Quan­ tensprung die Bürogestaltung vollziehen muss, um Mitarbeitermoti­ vation auf Top-Niveau zu bringen. Lassen wir uns erklären, wie Unter­ nehmen der Region aus und mit schmackhaften Produkten clevere Markenwelten zaubern – »Smart Brands« vom Feinsten, Gaumen­ genuss garantiert. Erleben wir schließlich, wie einen »Smart Objects« dabei unterstützen, in die Weltelite des Leistungssport in der Leichtathletik aufzurücken – eine Creative Teatime der Extraklasse mit ◆ dem Paralympics-Doppelsieger von Rio, Markus Rehm.

Come and see! Der Besuch im MCBW FORUM ist ein »Must« für alle Design-Enthusiasten, für Kenner und Newcomer. Hier trifft sich von früh bis spät, wer in komprimierter Form einen Einstieg in die Designwoche sucht. Der zentrale Ort für Informationen und Kontakte ist das MCBW FORUM sowieso und die Lage auf der Museums­insel ideal, um von hier aus in jeden MCBW Tag und eine Tour zu Events und Creative Spots zu starten. ORT | LOCATION MCBW Forum Museumsinsel 1 80538 München ÖFFNUNGSZEITEN 04. – 11. MAR 2017: 10 – 22 h 12. MAR 2017: 10 – 18 h Kostenfreier Eintritt ANFAHRT S-Bahnen: Isartor Straßenbahnen | Tram: Linie 16, Deutsches Museum Linie 17, Fraunhoferstraße Linie 18, Isartor Bus: Linie 132, Boschbrücke Linie 52 und 62, Baaderstraße U-Bahn: Linie 1 und 2, Fraunhoferstraße

Text Mit ihrem Unternehmen SABINE LENK I Design- und Projektmanagement ist die Autorin vielseitig in der Designszene tätig. U. a. leitete sie für bayern design die MCBW (bis 2015) und entwickelte das neue MCBW FORUM 2017 mit. Sie ist stellv. Vorsitzende der Initia­tive Deutscher Manufakturen und Dozentin an der FH Salzburg.

Zeiterfassung im Handumdrehung: Das smarte Achtkanttool ZEI° füllt Stundenzettel via Bluetooth quasi von selbst aus.


72 Impressum

Herausgeber bayern design GmbH Luitpoldstraße 3, 90402 Nürnberg, www.bayern-design.de Der Herausgeber übernimmt für unverlangt eingesandte Unterlagen keine Haftung. Eine Verwertung der urheberrechtlich geschützten Zeitschrift und aller in ihr enthaltenen Beiträge und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung und Verbreitung, ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Herausgebers unzulässig und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrechtsgesetz nichts anderes ergibt. Insbesondere ist eine Einspeicherung oder Verarbeitung der auch in elektronischer Form vertriebenen Zeitschrift in Daten­ systeme ohne Zustimmung des Herausgebers unzulässig. Idee, Konzeption und Gestaltung  Kochan & Partner GmbH Hirschgartenallee 25, 80639 München, www.kochan.de

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Kooperationspartner

Chefredaktion  Nina Shell (v.i.S.d.P.) Redaktionsassistenz  Sophie Altenhöfer Kreativ-DireKtion  Martina Lewis Art-Direktion/Layout  Simone Schwarz, Juliane Lanig Autoren dieser Ausgabe  Stephanie Baumüller, Dr. Silke Claus, Roderich Fabian, Efrat Friedland, Joachim Goetz, Dr. Oliver Herwig, Dr. Petra Hölscher, Martina Hofmann/ Sarah Dorkenwald, Gregor Hoppe, Sabine Lenk, Dominik Parzinger, Armin Scharf, Nina Shell

Partner

Druck OBERNDORFER DRUCKEREI GmbH Mittergöming 12, 5110 Oberndorf, Österreich, www.oberndorfer-druckerei.com Papier Cover  Fedrigoni X-PER Premium White, 250 g Papier Innenteil  UPM Star matt 1.2, 80 g

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Monotype Stellt als exklusiver Schriftenausstatter der mcbw ­folgende Schriften zur Verfügung:  Archian Amphora Sans OT Regular; ­Biome Pro in den Schnitten: Extra Light und Light; Bodoni MT Std Ultra Bold; Blockade; DIN Next LT Pro in den Schnitten: Light Condensed und Ultra Light Condensed; Fluidum Bold Std; Manga Steel OT Regular; Mark Pro Narrow in den Schnitten: ExtLight, Book, Bold Italic, Heavy, Black; Monotype Sorts; Neue Kabel in den Schnitten Light und Medium; Punkt LT Pro; Quitador Pro in den Schnitten: Ultra Light, Light, Regular, Bold; Slate Pro in den Schnitten: Light, Light Condensed, Regular, Condensed, Medium, Bold, Bold Con­ densed; Umbra Std Bildnachweis  Getty Images: 521889375 (S. 16-17), 89756515 (S. 28-30), 543047554 (S.33); Die Neue Sammlung - The Design Museum/A.Laurenzo, Eun Mi Chun (S. 18-20); iStock: 515445492; Masayuki Hayashi (S. 29); Rockett St George (S. 30); Zukunftsstadt (c) LAVA (S. 34-35); Nigel Young (S. 36-37); Karl Knauer KG (S. 48); Festo Vertrieb GmbH & Co. KG (S. 52, 70); Phoenix Design GmbH + Co. KG (S. 53); Rethink Robotics (S. 54); Dyson GmbH (S. 55); LEONHARD KURZ Stiftung & Co. KG (S. 62); Bayern 2 (S. 63-64); Karl Aumiller (S. 62); ShareTheMeal (S. 63); Rosenthal (S. 64); Tilt Brush (S. 65); benwirth licht GmbH (S. 68); ­Steve Marsel (S. 69); Timeular GmbH (S. 71); Tobias Maximilian Kunzmann (S. 27, 38, 59); Jake Dunham from the Noun Project (S. 44, 55, 60, 61, 63, 65, 71); Titelbild: Shutterstock Anzeigen   Nina Shell – Journalismus, Konzept, Netzwerk Augustenstr. 121, 80798 München, T: 0171 49 73 802, E: info@nina-shell.de Veranstalter   Veranstalter der MCBW ist die bayern design GmbH, die zur Aufgabe hat, Designstrategien von Unternehmen nachhaltig zu steigern. Die Bedeutung der Design­ wirtschaft in Bayern soll herausgestellt werden, um den Freistaat als international anerkannten Standort für Innovation und Gestaltung zu positionieren. Dabei spielt die Vernetzung von regionalen und internationalen Partnern eine entscheidende Rolle. Gefördert werden die Programme der bayern design GmbH vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. Die MCBW wird zusätzlich durch die ­Landeshauptstadt München gefördert. Kooperationspartner ist die iF International Design Forum GmbH und die Steelcase Werndl AG ist Partner der MCBW.

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Die BMW Group ist ebenfalls Partner: Designfaszination in den schönsten Locations Münchens, unter anderem in der BMW Welt, im BMW Museum und bei BMW Lenbachplatz.


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Mitarbeiterengagement und Arbeitsplätze in aller Welt Neue Forschungen zeigen Möglichkeiten auf, Engagement, Wachstum und Innovationskraft zu steigern. 12,480 Büromitarbeiter. 17 Länder. 1 Global Report. Die wesentlichen Erkenntnisse dieser Forschungsarbeit: Ÿ Hauptunterscheidungsmerkmale zwischen motivierten und unmotivierten Beschäftigten Ÿ Der Zusammenhang zwischen dem Engagement und dem Arbeitsplatz Ÿ Wie eine Arbeitsumgebung geschaffen werden kann, die Menschen und Unternehmen widerstandsfähiger macht.

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DAS MAGAZIN ZUR MUNICH CREATIVE BUSINESS WEEK - Design connects. The Smart Revolution Smart steht stellvertretend für alles, was die Digital...

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