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Schubert-Woche Kuratiert von / Curated by Thomas Hampson


Inhaltsverzeichnis Table of Contents

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Konzerte & Programme Concerts & Programs

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„Ja, das ist halt ein gutes Gedicht“: Franz Schubert, die Literatur und die Lieder

Essay von Wolfgang Stähr

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A Passion for Poetry: Some Thoughts on Schubert’s Lieder

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Schuberts Dichter: Ein Glossar

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Schubert’s Poets: A Glossary

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Biographien der Künstlerinnen und Künstler Artist Biographies

Essay by Thomas May


THOMAS HAMPSON & WOLFRAM RIEGER Montag

13. Januar 2020 19.30 Uhr

Thomas Hampson Bariton Wolfram Rieger Klavier


Franz Schubert (1797–1828) Winterreise Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller D 911 (1827)

I. Gute Nacht II. Die Wetterfahne III. Gefrorne Tränen IV. Erstarrung V. Der Lindenbaum VI. Wasserflut VII. Auf dem Flusse VIII. Rückblick IX. Irrlicht X. Rast XI. Frühlingstraum XII. Einsamkeit XIII. Die Post XIV. Der greise Kopf XV. Die Krähe XVI. Letzte Hoffnung XVII. Im Dorfe XVIII. Der stürmische Morgen XIX. Täuschung XX. Der Wegweiser XXI. Das Wirtshaus XXII. Mut XXIII. Die Nebensonnen XXIV. Der Leiermann

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YOUNG SINGERS I KIERAN CARREL & YAJIE ZHANG mit HARTMUT HÖLL Dienstag

14. Januar 2020 19.30 Uhr


Kieran Carrel Tenor Hartmut Höll Klavier

Franz Schubert (1797–1828) Der gute Hirt D 449 (Uz) Sprache der Liebe D 410 (A. W. Schlegel) Stimme der Liebe D 412 (Stolberg) Lied „Des Lebens Tag ist schwer und schwül“ D 788 (Stolberg) Der Jüngling an der Quelle D 300 (Salis-Seewis) Der Jüngling auf dem Hügel D 702 (Hüttenbrenner) An mein Herz D 860 (Schulze) Nachtviolen D 752 (Mayrhofer) Fragment aus dem Aeschylus D 450 (Mayrhofer) Heimliches Lieben D 922 (Klenke) Willkommen und Abschied D 767 (Goethe)

Pause

Yajie Zhang Mezzosopran Hartmut Höll Klavier

Franz Schubert Sehnsucht „Ach, aus dieses Tales Gründen“ D 636 (Schiller) Nacht und Träume D 827 (Collin) Nachtstück D 672 (Mayrhofer) Der Tod und das Mädchen D 531 (Claudius) Der Zwerg D 771 (Collin) Lied der Mignon „Nur wer die Sehnsucht kennt“ D 877 Nr. 4 (Goethe) An die Nachtigall „Er liegt und schläft“ D 497 (Claudius) Rastlose Liebe D 138 (Goethe) Seligkeit D 433 (Hölty)

Wir bitten, die Liedgruppen nicht durch Applaus zu unterbrechen.

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YOUNG SINGERS II JUSSI JUOLA & MARIE SEIDLER mit HARTMUT HÖLL Mittwoch

15. Januar 2020 19.30 Uhr


Jussi Juola Bassbariton Hartmut Höll Klavier

Franz Schubert (1797–1828) Prometheus D 674 (Goethe) Auf der Donau D 553 (Mayrhofer) Der Schiffer D 536 (Mayrhofer) Wie Ulfru fischt D 525 (Mayrhofer) Selige Welt D 743 (Senn) Fahrt zum Hades D 526 (Mayrhofer) Heliopolis I „Im kalten, rauhen Norden“ D 753 (Mayrhofer) Heliopolis II „Fels auf Felsen hingewälzet“ D 754 (Mayrhofer) Zum Punsche D 492 (Mayrhofer) Der Sieg D 805 (Mayrhofer) Die Götter Griechenlands D 677 (Schiller)

Pause

Marie Seidler Mezzosopran Hartmut Höll Klavier

Franz Schubert Ganymed D 544 (Goethe) Iphigenia D 573 (Mayrhofer) Atys D 585 (Mayrhofer) Sehnsucht „Ach, aus dieses Tales Gründen“ D 636 (Schiller) Verklärung D 59 (Pope) Gondelfahrer D 808 (Mayrhofer) Abendstern D 806 (Mayrhofer) Nachtviolen D 752 (Mayrhofer) Die Allmacht D 852 (Pyrker) Die Götter Griechenlands D 677 (Schiller)

Wir bitten, die Liedgruppen nicht durch Applaus zu unterbrechen.

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YOUNG SINGERS III SEAN MICHAEL PLUMB & EMA NIKOLOVSKA mit WOLFRAM RIEGER Donnerstag

16. Januar 2020 19.30 Uhr


Sean Michael Plumb Bariton Wolfram Rieger Klavier

Franz Schubert (1797–1828) Memnon D 541 (Mayrhofer) Der Schäfer und der Reiter D 517 (Fouqué) Willkommen und Abschied D 767 (Goethe) Der Winterabend D 938 (Leitner) Alinde D 904 (Rochlitz) An die Laute D 905 (Rochlitz) Du bist die Ruh D 776 (Rückert) Über Wildemann D 884 (Schulze)

Pause

Ema Nikolovska Mezzosopran Wolfram Rieger Klavier

Franz Schubert Mein Gruß an den Mai D 305 (Kumpf) Im Haine D 738 (Bruchmann) Die Vögel D 691 (F. Schlegel) Der Knabe D 692 (F. Schlegel) Des Fräuleins Liebeslauschen D 698 (Schlechta) Der Unglückliche D 713 (Pichler) Seufzer D 198 (Hölty) Die gefangenen Sänger D 712 (A. W. Schlegel) Auf den Tod einer Nachtigall D 399 (Hölty) Winterlied D 401 (Hölty) Der Winterabend D 938 (Leitner)

Wir bitten, die Liedgruppen nicht durch Applaus zu unterbrechen.

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ÖFFENTLICHER WORKSHOP Freitag

17. Januar 2020 15.00 – 17.30 Uhr

Giorgia Cappello Sopran Ketevan Chuntishvili Sopran Fanny Soyer Sopran Jerica Steklasa Sopran Sofia Vinnik Mezzosopran Irena Weber Mezzosopran Wagner Moreira Tenor Lars Conrad Bariton Geng Lee Bariton Jeeyoung Lim Bassbariton Frederic Jost Bass Jongsoo Yang Bass Justine Eckhaut Klavier Kateryna Garanich Klavier Kunal Lahiry Klavier Thomas Hampson Künstlerische Leitung

In Zusammenarbeit mit der Festival Akademie des Internationalen Musikfestival Heidelberger Frühling Der Workshop wird per Videostream live übertragen. boulezsaal.de • heidelberger-fruehling.de • hampsong.com


ANGELIKA KIRCHSCHLAGER & JULIUS DRAKE Freitag

17. Januar 2020 19.30 Uhr

Angelika Kirchschlager Mezzosopran Julius Drake Klavier


Franz Schubert (1797–1828) Namenstagslied D 695 (Stadler) Frühlingsglaube D 686 (Uhland) Geheimes D 719 (Goethe) Im Frühling D 882 (Schulze) Bei dir allein D 866 Nr. 2 (Seidl) Lambertine D 301 (Unbekannter Dichter) Am Bach im Frühling D 361 (Schober) Ganymed D 544 (Goethe) Wiegenlied „Schlafe, holder süßer Knabe“ D 498 (Unbekannter Dichter)

In der Mitternacht D 464 (Jacobi) Erlkönig D 328 (Goethe)

Pause

Gesang der Norna D 831 (Scott) Der liebliche Stern D 861 (Schulze) Romanze „Der Vollmond strahlt auf Bergeshöh’n“ D 797 Nr. 3 (Chézy) Suleika I „Was bedeutet die Bewegung?“ D 720 (Willemer) Suleika II „Ach um deine feuchten Schwingen“ D 717 (Willemer) An den Mond „Füllest wieder Busch und Tal“ D 259 (Goethe) Der Jüngling an der Quelle D 300 (Salis-Seewis) Der Wanderer an den Mond D 870 (Seidl) Der Unglückliche D 713 (Pichler) Lied des Florio D 857 Nr. 2 (Schütz) Abschied von der Erde D 829 (Pratobevera)

Wir bitten, die Liedgruppen nicht durch Applaus zu unterbrechen.


ÖFFENTLICHER WORKSHOP & KONZERT Samstag

18. Januar 2020

10.30 – 13.00 Uhr Workshop 16.00 Uhr Abschlusskonzert


Giorgia Cappello Sopran Ketevan Chuntishvili Sopran Fanny Soyer Sopran Jerica Steklasa Sopran Sofia Vinnik Mezzosopran Irena Weber Mezzosopran Wagner Moreira Tenor Lars Conrad Bariton Geng Lee Bariton Jeeyoung Lim Bassbariton Frederic Jost Bass Jongsoo Yang Bass Justine Eckhaut Klavier Kateryna Garanich Klavier Kunal Lahiry Klavier Thomas Hampson Künstlerische Leitung

Franz Schubert (1797–1828) Ausgewählte Lieder Das detaillierte Konzertprogramm wird kurzfristig bekanntgegeben.

In Zusammenarbeit mit der Festival Akademie des Internationalen Musikfestival Heidelberger Frühling

Workshop und Konzert werden per Videostream live übertragen. boulezsaal.de • heidelberger-fruehling.de • hampsong.com


ANDRÈ SCHUEN & DANIEL HEIDE Samstag

18. Januar 2020 20.00 Uhr

Andrè Schuen Bariton Daniel Heide Klavier


Franz Schubert (1797–1828) Fahrt zum Hades D 526 (Mayrhofer) Abendstern D 806 (Mayrhofer) Auf der Donau D 553 (Mayrhofer) Lied eines Schiffers an die Dioskuren D 360 (Mayrhofer) Der Schiffer D 536 (Mayrhofer) Das Fischermädchen D 957 Nr. 10 (Heine) Am Meer D 957 Nr. 12 (Heine) Die Stadt D 957 Nr. 11 (Heine) Der Doppelgänger D 957 Nr. 13 (Heine) Ihr Bild D 957 Nr. 9 (Heine) Der Atlas D 957 Nr. 8 (Heine)

Pause

Sei mir gegrüßt D 741 (Rückert) Am Fenster D 878 (Seidl) Daß sie hier gewesen D 775 (Rückert) Auf der Bruck D 853 (Schulze) Der Musensohn D 764 (Goethe) Die Sterne D 939 (Leitner) Der Wanderer „Wie deutlich des Mondes Licht“ D 649 (F. Schlegel) Im Abendrot D 799 (Lappe) Die Taubenpost D 965a (Seidl)

Wir bitten, die Liedgruppen nicht durch Applaus zu unterbrechen.


CHRISTINA LANDSHAMER & GEROLD HUBER Sonntag

19. Januar 2020 11.00 Uhr

Christina Landshamer Sopran Gerold Huber Klavier


Franz Schubert (1797–1828) Heimliches Lieben D 922 (Klenke) Du bist die Ruh D 776 (Rückert) Lachen und Weinen D 777 (Rückert) Die Liebe hat gelogen D 751 (Platen) Du liebst mich nicht D 756 (Platen) Seligkeit D 433 (Hölty) An mein Herz D 860 (Schulze) Lied „Ins stille Land“ D 403 (Salis-Seewis) Lieb Minna D 222 (Stadler) Die junge Nonne D 828 (Craigher)

Pause

Lied der Mignon „Nur wer die Sehnsucht kennt“ D 877 Nr. 4 (Goethe) Erster Verlust D 226 (Goethe) Wonne der Wehmut D 260 (Goethe) Nähe des Geliebten D 162 (Goethe) Gretchen am Spinnrade D 118 (Goethe) Abendbilder D 650 (Silbert) Des Fischers Liebesglück D 933 (Leitner) Nachtviolen D 752 (Mayrhofer) Nacht und Träume D 827 (Collin)

Wir bitten, die Liedgruppen nicht durch Applaus zu unterbrechen.


„Ja, das ist halt ein gutes Gedicht“ Franz Schubert, die Literatur und die Lieder

Wo l f g a n g S t ä h r

Ob Franz Schubert wahllos alles wegkomponierte, was ihm die Freunde nahebrachten, was bei einer literarischen Soirée ihm vorgetragen wurde oder er selbst zufällig in einem Almanach ­entdeckte, ob er das alles ohne Zögern abarbeitete, Gedicht um Gedicht, Lieder ohne Ende? Oder ob er ganz im Gegenteil wählerisch die Verse und Formen zur Vertonung aussuchte, nach durchaus ­eigenen, fein austarierten Kriterien, kritisch die Worte abwägend, bevor er auch nur eine einzige Zeile in Notenschrift verwandelte? An dieser doppelten Frage scheiden sich die Geister, auch die Geister der seligen Schubertfreunde, die uns in ihren Briefen, Erinnerungen, Anekdoten und Historien erscheinen. „Jeder, welcher ihm in dieser Zeit ein Gedicht zur Komposition übergab, durfte überzeugt sein, daß, wenn es den Tonsetzer ansprach, des anderen Tages die Komposition auf die gelungenste Weise vollendet sein werde“, berichtet der Wiener Lotteriedirektor Josef von Spaun, Schuberts Mentor seit Jugendtagen, und nennt zum Beweis den überaus berühmten Wanderer auf ein Gedicht von Georg Philipp Schmidt von Lübeck: „Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück!“ 1816 habe „jemand“ dieses Gedicht vorbeigebracht – und siehe da, schon am nächsten Morgen lag das Lied fix und fertig vor, das berühmte Lied, „das des tiefsten Eindrucks bei keinem empfänglichen Menschen verfehlen

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wird und durch seine schnelle Verbreitung gar vieles beitrug, dem gefühlvollen Tonsetzer Anhänger zu gewinnen und ihm die Bahn zu brechen“. Wahllos oder wählerisch? Gut 200 Jahre später ließe sich aus der zwangsläufig besserwisserischen Perspektive der Nachgeborenen leicht zweifeln und gut mäkeln an Schuberts literarischem Urteil, wenn ihn sogar die vermeintlich unbedarfte Reimerei eines dichtenden norddeutschen Bankiers zur Komposition reizte: „Ich komme vom Gebirge her, / Es dampft das Tal, es braust das Meer. / Ich wandle still, bin wenig froh, / Und immer fragt der Seufzer: wo?“ Aber Schubert fand in den fünf Strophen, vom dramatischen Entrée und heroischen Landschaftstableau zu Beginn über den Stolz des bekennenden Außenseiters bis zum orakelhaften Schicksalsspruch am Ende, alle Motive aufgereiht, die ihn anzogen: Wanderschaft, Sehnsucht, Fremdheit, Einsamkeit, Weltschmerz, obwohl sie mit der Lebenswirklichkeit dieses geselligen, beliebten und umworbenen, in seiner Heimatstadt Wien bestens vernetzten Musikers wenig bis gar nicht in Einklang zu bringen waren. Jedenfalls nicht, solange er jung und gesund war. Aber gerade „in dieser Zeit“ rief er den Tod als ersehnten Freund an: „Die Sonne sinkt, o könnt’ ich mit ihr scheiden! / Mit ihrem letzten Strahl entfliehen! / Ach diese namenlosen Qualen meiden / Und weit in schön’re Welten ziehn“, spricht der Jüngling. Und der Tod entgegnet ihm: „Du rufst! ich will mich deiner Qual erbarmen.“ Diese Zwiesprache in der Art eines mittelalterlichen Mysterienspiels hatte sich von Spaun selbst ausgedacht, als Gegenstück oder gar Kontrastprogramm zu Matthias Claudius’ Der Tod und das Mädchen: „Vorüber, ach vorüber! / Geh, wilder Knochenmann! / Ich bin noch jung, geh, Lieber! / Und rühre mich nicht an.“ Franz Schubert komponierte im Februar 1817 zuerst diese und wenige Tage später die andere Szene, wie in einer Akademie, wenn die Künstler auf Themen, Figuren, sogar Stichworte reagieren mussten, sozusagen einen Diskurs in und zwischen ihren Werken führten, eine auch in Schuberts akademischen Zirkeln gepflegte Praxis der spontanen, heiß diskutierten Kunst. Und während Schubert den Claudius nach Modellen der Opera seria setzte, als Aria agitata mit nachfolgender Verkündigung aus dem Jenseits (hinter der ­Bühne), traf er in Spauns Gegengedicht den Ton religiöser Ekstase, subjektiv und sakral zugleich, wie ein etwas überspanntes Agnus Dei.

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Wanderer des Nachts am Wasser „Spaun, [Anton] Holzapfel, ich und wer sonst noch Interesse nahm, versorgten ihn fleißig mit Vorwürfen hiezu und durchstöberten die lyrischen und epischen Dichtungen, so viele wir ihrer erhaschen konnten. Selten wies er eine Wahl zurück“, erinnerte sich Albert Stadler an seinen Freund Franz, wobei mit den „Vorwürfen hiezu“ keine moralischen Vorhaltungen, sondern literarische Vorlagen zu Schuberts Liedern gemeint sind. Aber hatte Schubert tatsächlich keine andere Wahl, als alles und von jedem anzunehmen und postwendend zu vertonen? Dieser Unterstellung widersprach ausdrücklich ein dritter Zeitzeuge aus Schuberts Freundes- und Bekanntenkreis, der Komponist Anselm Hüttenbrenner, als er schrieb: „Kam ich vormittags zu ihm, so spielte er mir, was eben fertig war, sogleich vor und wollte mein Urteil hören. Lobte ich irgendeine Nummer besonders, so sagte er: ‚Ja, das ist halt ein gutes Gedicht; da fällt einem sogleich was Gescheites ein; die Melodien strömen herzu, daß es eine wahre Freude ist. – Bei einem schlechten Gedichte geht nichts vom Fleck; man martert sich dabei, und es kommt nichts heraus als trockenes Zeug. Ich habe schon viele mir aufgedrungene Gedichte zurückgewiesen.‘“ Ein „gutes Gedicht“ aber musste nicht unbedingt von Goethe oder Schiller herkommen, es konnte auch eine Freundesgabe von Schober oder Mayrhofer sein, nebenberuflichen Poeten und hauptsächlichen Dilettanten, mit denen sich Schubert zeitweilig (aber nicht gleichzeitig) das Quartier teilte. Bei einer statistischen Auswertung sämtlicher Schubert-Lieder (20 % Wandern, 15 % Todesthemen, 10 % Frühling etc.), die auf den ersten Blick ernüchternd, bei näherem Hinsehen allerdings sehr erhellend ausfällt, ergibt sich so etwas wie das „typische“ oder „ideale“ Schubert-Lied, gemessen an literarischen Formen, Sujets und Versmaßen. Dieses „Lied der Lieder“ wäre ein Rollengedicht mit drei bis fünf Strophen zu je vier Versen aus drei- oder vierhebigen Jamben im Kreuzreim, bevorzugt mit sentenziösem Schluss, aber voller Sehnsucht und Wehmut und Liebe, dem Abend oder der Nacht zugewiesen und gerne am Wasser angesiedelt. Diese kleinanzeigenhafte Beschreibung sollte man zwar nicht allzu ernst nehmen, gleichwohl trifft sie auf verblüffend viele der Schubertschen Lieder zu und lässt keinen Zweifel, dass sich der Komponist nur für Dichter und Gedichte entschied, die seiner Empfindung, seinen „namenlosen Qualen“, dem Spiel mit Identitäten, mit theatralischen und sakralen Haltungen, der vor-

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waltenden Naturschwärmerei der Großstadtkinder, dem romantischen Einsamkeitstopos und einer Lust am unbestimmten metaphysischen Schauer entgegenkamen. Und alle grundlegenden Fragen nach Gott und der Welt, dem Ich und dem Es anschaulich und am liebsten anmutig verhandelten. Die Prominenz des Autors, seine buchstäbliche „Autorität“, stand dabei nie an erster Stelle, auch wenn Schubert keinen Dichter häufiger erwählte als den größten unter den lebenden: Goethe. Deine fabelhafte Spur „Des Menschen Seele / Gleicht dem Wasser: / Vom Himmel kommt es, / Zum Himmel steigt es, / Und wieder nieder / Zur Erde muß es, / Ewig wechselnd.“ Gesang der lieblichen Geister in der Wüste, so hieß zunächst jenes berühmte Gedicht, das Goethe am 14. Oktober 1779 aus der Schweiz an Charlotte von Stein sandte: nach einem Besuch des Lauterbrunner Tales mit seinen beeindruckenden Wasserfällen. Gesang der Geister über den Wassern lautete der ­endgültige Titel, der Assoziationen an die Naturmystik, aber auch an die biblische Schöpfungsgeschichte wachruft. Mehr als einmal unternahm es Franz Schubert, diesen Gesang zum Tönen zu bringen. Ein Solo-Lied und ein unbegleitetes Vokalquartett hatte er bereits geschrieben – und noch zwei weitere Bearbeitungen sollten folgen –, als er im Sommer 1817 die Verse eines unbekannten Verfassers zur Komposition auswählte, der auf höchst subjektive Art über das Wasser und die Seele des Menschen, das Elementare und das Metaphysische nachdachte. Wie in so vielen Gedichten, die Schubert durch seine Musik adelte, wird auch in diesem das Gleichnishafte ins Narzisstische verkehrt, die Metapher dient allein der Selbstbespiegelung. Während Goethe nur eine Strophe des Gesanges dem schäumend und tobend zum Abgrund stürzenden Bach widmete, hielt sich Schuberts anonymer Autor ausschließlich an diesem Bild wütender Leidenschaften fest: „Mein Leben wälzt sich murrend fort; / Es steigt und fällt in krausen Wogen, / Hier bäumt es sich, jagt nieder dort, / In wilden Zügen, hohen Bogen.“ Offenkundig fühlte sich Schubert von diesem Psychogramm einer gequälten, rast- und ruhelosen Existenz wesensverwandt angezogen – und inspiriert: Sein Lied Der Strom D 565 steigert sich in eine ­exzessive Ausdruckswut und harmonische Kühnheit sondergleichen. Einige Monate zuvor erst hatte Schubert den Wanderer D 489

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k­ omponiert, dessen Worte „Ich wandle still, bin wenig froh, / Und immer fragt der Seufzer: wo?“, insbesondere aber dessen Schluss­ gedanke, „Dort, wo du nicht bist, dort ist das Glück!“, nur leicht verändert in dem Gedicht Der Strom wiederkehren: „Doch nimmer findend, was es sucht“, klagt dort der Poet über sein Leben, „und immer sehnend, tost es weiter, / Unmutig rollt’s auf steter Flucht, / Wird nimmer froh, wird nimmer heiter.“ Die Ähnlichkeit dürfte kaum auf einem Zufall beruhen, sie legt vielmehr die Vermutung nahe, dass es ein dichtender Freund aus Schuberts engerem Kreis war, der den 20-jährigen Komponisten mit diesen erwünschten Versen versorgte (aus denen auch die weltschmerzliche Attitüde der schwärmenden Brüder im Geiste spricht). Das Autograph des Liedes trägt eine Widmung – „Zum Andenken“ – an Albert Stadler, Schuberts einstigen Mitschüler am Stadtkonvikt, der Wien 1817 verließ und in seinen Geburtsort Steyr zurückkehrte. Zwei seiner Gelegenheitsgedichte hat Schubert vertont – stammt auch Der Strom aus seiner Feder? Stadler lebte später als Beamter in Linz, Salzburg und Niederösterreich, und just im Jahr seiner Pensionierung, 1876, wurde (auf Initiative von Brahms) die Erstausgabe von Der Strom verlegt, nun wahrlich das „Andenken“ einer längst vergangenen, glücklichen Jugendzeit. Als Autor käme außer Stadler noch der Schwager Josef von Spauns in Frage, Anton Ottenwalt aus Linz, von dessen Poesie sich Schubert 1817 zu (noch?) einem Lied anregen ließ. 1813, als Schüler am Kremsmünsterer Konvikt, erdachte Ottenwalt ein Versdrama über Caesar, das im Sog der Befreiungskriege die republikanischen Tugenden pries, jedoch in durchaus elitärem Sinne auslegte: „[…] Ist / Die Freyheit doch für wenig Edle nur, / Die Menge bleibt, sie steht gefährlich, denn / Der rohe Mensch bedarf des Herrn. Es lebt / In Liedern nur Saturnus gold’ne Zeit; […]“ Diese Zeilen verraten beinahe bekenntnishaft, wer Ottenwalts Idol war: Friedrich Schiller, der in Die Götter Griechenlands ausgerufen hatte: „Schöne Welt, wo bist du? Kehre wieder, / Holdes Blütenalter der Natur. / Ach, nur in dem Feenland der Lieder / Lebt noch deine fabelhafte Spur“: Verse, die auch Franz Schubert zum „Vorwurf“ dienten. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gab Anton Ottenwalt die Beyträge zur Bildung für Jünglinge heraus, die nach zwei Nummern bereits wieder ein­ gestellt werden mussten. Zu den Begründern dieses Almanachs, der den Bürgersinn zum Leitstern erkor, die Vaterlandsliebe und die humanistischen Ideale, allen voran die Freundschaft, gehörte auch Johann Baptist Mayrhofer aus Steyr. Für den zweiten Band schrieb

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er das Gedicht Mahnung, das den Blick des Lesers auf den mächtigen Turm des Wiener Stephansdomes lenkt, den „ernsten Wächter“, und mit dem Appell schließt: „Er rufe zu dir, o frische Jugend / Der alten Mark: / Sey eingedenk der Väter Tugend, / Sey fromm und stark!“ Von keinem Lyriker außer Goethe sollte Schubert mehr Werke vertonen als von Mayrhofer: 47 Lieder waren es am Ende. „Ich dichtete, er komponierte, was ich dichtete und wovon vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt“, bekannte Mayrhofer. Doch nach zweijähriger Wohngemeinschaft erwies sich ihr schöpferisch so überaus fruchtbares Verhältnis als vollständig zerrüttet und unwiderruflich entzweit. Als Anfang 1824 Mayrhofers Gedichte erschienen, die einzige Publikation zu ­Lebzeiten des Autors, fehlte Schuberts Name auf der Liste der Subskribenten. Wer die Dichter so versteht Schubert blieb wählerisch und kompromisslos mit den Dichtern und ihren Gedichten, ein Leben lang. Ein Freund der viel zu frühen späten Jahre, der Lustspielverfasser und Shakespeare-Übersetzer Eduard von Bauernfeld, der ebenfalls in der Lotteriedirektion sein Geld verdiente, schwärmte über Schuberts literarische Sensibilität, „wie er die verschiedenen dichterischen Individualitäten als Goethe, Schiller, Wilhelm Müller, J[ohann] G[abriel] Seidl, Mayrhofer, ­Walter Scott, Heine poetisch-lebendig aufzufassen, in neues Fleisch und Blut zu verwandeln und eines jeden Wesen in schöner und edler musikalischer Charakteristik treu wiederzugeben verstand“. Und er kam zu dem naheliegenden Schluss: „Wer die Dichter so versteht, ist selbst ein Dichter!“ Dieser Ausruf aber trifft allenfalls die halbe Wahrheit, denn Schubert unterschied die „guten“ und die „schlechten“ Gedichte nie allein mit dem unbestechlichen Blick des Literaturkritikers, sondern nach persönlichen, psychologischen und vor allem musikalischen Erwägungen, er ließ sich von Idee und Anschauung, Sprachrhythmus und szenischer Vorstellung mitreißen: „Die Melodien strömen herzu, daß es eine wahre Freude ist.“ Eine Freude – und andererseits gewiss kein Zufall, dass gerade einige der berühmtesten Lieder, Der Wanderer, Der Tod und das Mädchen, Die Götter Griechenlands, sich musikalisch verselbständigen sollten und ein Eigenleben in reiner, wortloser, wenngleich latent programmatischer Instrumentalmusik führten: in der Symphonie, im

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Streichquartett, in der Klavierfantasie. Franz Schubert wählte den Schritt in die Unabhängigkeit, er emanzipierte sich von seinen Freunden, von den Dichtern, von der vorgeprägten Form, von der Wiener Gesellschaft. Er fand eine musikalische Sprache, die das Wort aufhebt und auslebt, die ihre eigene Zeit bestimmt, ihrer ­eigenen Logik folgt, ihren eigenen Himmel ausspannt. Ob Lieder, Sonaten, Quartette: Dort, wo Franz Schubert war, dort ist das Glück!

Wolfgang Stähr, geboren 1964 in Berlin, schreibt über Musik und Literatur für Tageszeitungen, Rundfunkanstalten, die Festspiele in Salzburg, Luzern und Dresden, Orchester wie die Berliner und die Münchner Philharmoniker, Schallplattengesellschaften und Opernhäuser. Er verfasste mehrere Buchbeiträge zur Bach- und Beethoven-Rezeption, über Haydn, Schubert, Bruckner und Mahler.

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A Passion for Poetry Some Thoughts on Schubert’s Lieder

Thomas May

On October 19, 1814, soon after starting a day job that he loathed (teaching youngsters at the school run by his father), the 17-year-old Franz Schubert composed Gretchen am Spinnrade. This marked his first recorded musical reaction to the words of Johann Wolfgang von Goethe. Schubert’s treatment opened the door to a fundamentally new understanding of the potential to be extracted from that fusion of music and poetry known as the lied. For a ­comparable moment closer to our own time, we might think of how the Beatles expanded the scope of the pop song from a modest commercial formula to previously unimagined dimensions. Naturally, this epochal turning point did not occur in a vacuum. The precocious teenager had already been writing songs for several years, dating back at least to his time as a scholarship student at ­Vienna’s Imperial Boarding School, where Antonio Salieri became one of his teachers. Salieri’s lessons had encouraged imitations of Bach’s counterpoint and the Italian opera style of Rossini. Schubert took as his initial models for songwriting the lieder and dramatic ballads of the Swabian composer Johann Rudolf Zumsteeg (a friend of Friedrich von Schiller). In fact, Schubert’s earliest ­completed song that survives—Hagars Klage, from 1811, which is not so much a lied as an extended monologue—reworks a setting by Zumsteeg of the very same text. Evidence of even earlier efforts ­exists, such as an extended fragment composed to poetry by the ­so-called “German Sappho,” Gabriele von Baumberg, whose words Mozart set as a solo song (K. 520) around the time of Don Giovanni.

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Poetry as Catalyst The impulses that Schubert assimilated from his vocal training in the Hofkapelle boys’ choir and from his understanding of Viennese Classicism additionally laid the groundwork for the unique style he would develop. But along with these musical influences, in Gretchen am Spinnrade we encounter the profound effect that poets, too, had on shaping his musical imagination. From the cross-fertilization between Schubert’s emerging preoccupations as a composer and Goethe’s pithy but psychologically penetrating ballad—extracted from Part I of Faust, which had been published only five years ­before—there emerged an early masterpiece that left conventional approaches to fitting music to a text far behind. “Everything that Schubert strove to express in music—clarity of thought and expression, deep emotion, imaginative language— all this he found in Goethe’s poetry,” Dietrich Fischer-Dieskau ­observed in the book he wrote as an accompaniment to his epic ­recording of the complete lieder (for male voice) in the 1970s. “Here he was confronted with that unity of Art and Nature which was part of his own personality.” Drawing from across the spectrum of his vast output of lieder, the Pierre Boulez Saal’s 2020 Schubert Week affords an opportunity to consider the pivotal role of poetry—not just by Goethe but by a plethora of other figures as well—as a catalyst for this composer’s imagination. To focus on the music alone, while regarding the texts as mere scaffolding, would be short-sighted, for Schubert’s legacy as a songwriter was to realize a kind of alternative Gesamtkunstwerk well ahead of Wagner. He uses far more modest means, of course, but Schubert repeatedly shows how the individual lied “contains within itself the essence of all drama and the emotional depth of a cosmic experience,” again to quote Fischer-Dieskau. A Bewildering Diversity The sheer variety of songs being performed over the course of the Schubert Week—including many unjustly neglected gems— underscores the magnetic attraction that this medium exerted on Schubert across his career, until just weeks before his untimely death in 1828 (Die Taubenpost, to a poem by Johann Gabriel Seidl, being his final completed song). To a far greater extent than the

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p­ iano sonata did for Beethoven, the lied provided a framework to which Schubert returned obsessively to experiment not only with form but—thanks to his abiding literary fascination and passion for poetry—with an enormous range of thematic content and emotional situations. Indeed, the formal experiments, such as complicating the predictably repeated strophic form of folk song, as well as the flexibility of through-composed procedures, are essential to conveying the meaning of the poem, from Schubert’s perspective. So, too, are the prominence of the piano part and its always-varied interaction with the voice that distinguish his lieder. This very diversity bewildered Schubert’s contemporaries. As an example of his critical reception, a reviewer in 1824 deemed one collection of his songs—nearly 200 of which were published in the composer’s lifetime—as “free vocal works, many so free, that one might perhaps call them caprices or fantasies” rather than “actual songs.” From the conventional perspective, this assessment made sense, insofar as Schubert’s catalogue of lieder embraces pieces as disparate as the folk-like lullaby Wiegenlied and Die junge Nonne, an extraordinarily evocative lyrical scene that distills the emotional intensity of a full-length song cycle. Even within individual songs, Schubert often mingles lyrical and dramatic idioms, as in Auf der Donau or the familiar Die Forelle, and even already in Gretchen am Spinnrade—writing what the musicologist Marjorie Wing Hirsch terms “mixed-genre lieder” that “unite ­different vocal traditions.” Traits of the lyrical lied, with its “melodic simplicity” and “unity of mood,” become fused with techniques found in “dramatic vocal genres.” Of the latter, Hirsch singles out the use of vocal declamation, “text painting, open tonality, contrasting moods, and irregular phrasing.” Schubert’s practice of writing lieder makes even the matter of simple inventory surprisingly perplexing. How many songs did Schubert write? There is no straightforward way of answering that question—hence the figure routinely cited of “more than 600” and the occasional “over 700.” Even when restricted to songs for solo voice and piano, the tally depends on whether unfinished compositions or surmised lost songs are counted, as well as how we handle Schubert’s habit of composing multiple versions involving the same poem—some only slightly varying, others entirely different. In this connection, it is also worth noting that his finest lieder offer an inexhaustible wealth of interpretive potential. The vocal

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parts carry fewer performance indications than the corresponding parts for piano: from the start, Schubert’s circle of friends and ­performers (such as the baritone Johann Michael Vogl, one of his staunchest advocates) stamped their own personalities on these works. Thus different renditions of even the same lied—as we will have a chance to encounter during the Schubert Week (with Nacht und Träume, Ganymed, Nachtviolen, and Heimliches Lieben, among others)—can convey entirely different experiences. Taste in Poets As for the numbers relating to Schubert and his choice of ­poets, the New Grove Dictionary cites “more than 150 poets,” while Susan Youens, one of the foremost authorities on Schubert songs in the English-speaking world, refers to “some 110.” Such discrepancies again likely have to do with what is included from the marginal or incomplete portion of the oeuvre, as well as whether to add in translators of texts not originally written in German, as with Johann Gottfried Herder’s Verklärung (an early lied from 1813 originating in Alexander Pope’s ode The Dying Christian to His Soul) or the three songs (in German) taken from Shakespeare, whose all-embracing humanity frequently comes to mind when considering the scope of Schubert’s lied production. Overall, Schubert focused on the work of contemporaries (albeit the long-lived Goethe was nearly a half-century older) or poets close to his time up to Heinrich Heine, but he also traveled back in time on occasion: whether to the 18th-century librettist Metastasio, Petrarch, or even texts from ancient Greek poets. Schubert’s close circle of like-minded Bohemians conspicuously included more writers and painters than fellow composers. Through reading parties and recommendations, they steered Schubert in particular literary directions, and he set many of his poet friends’ texts to music. This proliferation of sources has encouraged the specious but persistent charge that Schubert lacked literary “taste,” indiscriminately mixing the good with mediocre and even wretched verse and simply treating texts as a “peg” for his music. Yet the composer himself was reported to have remarked: “With a bad poem one can’t make any headway. One torments oneself over it and nothing comes of it but boring rubbish. I have already refused many poems which have been pressed on me.”

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Youens points out that a number of fellow Austrian poets Schubert chose enjoyed acclaim and were only devalued by later critics. In many other cases, he “set only one or two poems by a given poet.” Or his return to a particular writer might focus on a given theme of relevance to the composer’s life at the time: Youens cites the example of Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg, from whom Schubert chose poems on the topics of nature in 1815, on love in 1816, and, in his final settings of this poet, on death—in the summer of 1823, when “the gravely ill Schubert was hospitalized for the syphilis” that had recently been diagnosed. Goethe as Magnet Schubert’s hunger for resonant literary material brought him back again and again to Goethe, whose poetry he set more than that of any other writer. He also wrote multiple settings of the same text—more so than in the case of any other poet—returning ­obsessively to such sources as the songs by the orphan Mignon and the wandering harp player from Wilhelm Meister. As previously noted, declaring that Schubert as songwriter shares artistic kinship with Shakespeare is more or less commonplace. The same is not often asserted regarding Schubert and the magisterial Goethe, who notoriously rejected the few attempts made by the composer’s friends (and, finally, by Schubert himself) to acknowledge the songs inspired by his verse. Yet in her in-depth study of Schubert’s Goethe settings, Lorraine Byrne argues that poet and composer in fact shared a deep affinity that tends to be overlooked: “The rich texture of Schubert and Goethe’s thought and the variety of their achievement are undoubtedly due to their willingness to accept polarity as an integral part of their mental processes”—as in the swerving between major and minor or between meditative and agitated textures in Schubert’s signature musical language. We find another elaboration of this sort of polarity in the settings of such Friedrich Rückert poems as Lachen and Weinen. Of particular interest for Pierre Boulez Saal audiences: Schubert was the first composer to draw from the rich well of Goethe’s West-Eastern Divan poems, setting five of them in 1821—the last ­poems, chronologically, from Goethe’s output that he set to music. (The program of the Schubert Week includes Geheimes as well as Suleika I and II, poems by Goethe’s muse/beloved Marianne von

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Willemer that he incorporated into the Divan.) Recalling that ­Willemer herself was delighted by the musical setting of Suleika I, Fischer-Dieskau observes that “this song continues the Romantics’ musical representation of Nature first met with in Beethoven’s ­Adelaide, An die ferne Geliebte [his sole song cycle, a model for Schubert and Schumann], and the Sixth Symphony.” Lost Utopias Goethe’s great friend Friedrich von Schiller is another frequent source for Schubert’s lieder, though here the sensibilities are not nearly as closely matched, owing to the greater level of philosophical abstraction in the poetry, at the expense of the kind of sensuous ­detail in Goethe that so fired the composer’s imagination. But Schiller’s vast poem Die Götter Griechenlands (1788) inspired one of Schubert’s most profoundly resonant songs (using but one of the poet’s 16 strophes). The longing for vanished utopias—a pivot point where Enlightenment values swivel and give way to the ambiguities of early ­Romanticism—touches on a theme that is threaded across Schubert’s lieder (and, arguably, even the instrumental works, whose evolution bears significant points of contact with the songs—think, for example, of the orchestral treatment of the piano accompaniments). In ­Schiller’s aesthetic terminology, this is Schubert the sentimentive as opposed to naive artist—the artist alienated from his present ­condition (whether from the pressures of political repression and hypocrisy in post-Napoleonic, Biedermeier Vienna, from sexual frustration, or from his devastating illness). The stage was set long in advance for Schubert to concentrate his lied artistry on the two great cycles to poems by Wilhelm Müller, in which the archetypal situation of forlorn love—the very cliché of song—serves as the pretext for fantasies of alienation and dislocation. This all takes a fascinating turn in Schubert’s settings of poems by the ill-fated Johann Baptist Mayrhofer, his close friend and roommate (some speculate lover) until the two had a falling-out. Brahms once called Mayrhofer “the most serious” of Schubert’s close circle of poet friends. Schubert set more of his texts (a total of 47) than of any other poet besides Goethe. With 18 songs, Mayrhofer is actually the most-represented poet in this week’s program. Youens singles him out as both an underappreciated poet and a catalyst, with his

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“bleak imaginings,” for “a radically modern approach to the lied.” The breadth of Schubert’s inspiration is apparent when we ­compare and contrast the humanistic Hellenism of Schiller and Goethe with Mayrhofer’s approach to Greek antiquity (as in the powerful Fahrt zum Hades, Atys, and the Heliopolis songs). Underscoring Mayrhofer’s difference from his contemporary Romantics, Youens describes his use of antiquity as “an escape from the ­despised present” and finds in his darkness and misanthropy forebodings of the Expressionism a century in the future. Much as his predecessors had done with the public genres that became the glory of Viennese Classicism, Schubert, through his passionate and ever-changing interactions with poets, elevated the intimate and domestic genre of the lied to high art. His songs ­transcend simple imitation or illustration of pre-existing texts, creating new poetic hybrids.

Thomas May is a freelance writer, critic, educator, and translator whose work has been published internationally. He contributes to the programs of the Lucerne Festival as well as to The New York Times and Musical America.

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Schuberts Dichter

und distanzierte sich von Schubert Ein Glossar und dem früheren Freundeskreis, auch aufgrund der heimlichen Ver­ lobung seiner Schwester mit dem Freigeist ➝ Franz von Schober. Trat Innerhalb von nur 17 Jahren, zwischen nach dem frühen Tod seiner Frau dem Redemptoristenorden bei und wurde 1811 und 1828, komponierte Franz Priester. Schubert mehr als 600 Lieder auf Texte von etwa 100 Dichtern (und Dichterinnen). Ihre Gesamtzahl lässt sich nur schwer genau bestimmen: sie Helmina von Chézy, geb. von Klenist abhängig davon, ob etwa Übersetzer ke * 1783 in Berlin † 1856 in Genf fremdsprachiger Vorlagen oder fragmentarisch überlieferte Werke • Tochter einer großen einbezogen werden. Das folgende „Dichterinnen-­Dynastie“: GroßmutGlossar gibt einen Überblick über ter Anna Luise Karsch (genannt „die 41 von ihnen – 37 Autoren und vier Karschin“) war die wichtigste Autorinnen, deren Gedichte im Programm der diesjährigen Schubert­- deutschsprachige ­Lyrikerin des 18. Jahrhunderts, ihre Mutter ➝ Karoline Woche vertreten sind. Luise von Klenke ebenfalls eine von Schubert vertonte Literatin. Schrieb ab 1805 für verschiedene ­Zeitungen in Franz von Bruchmann * 1798 in Wien † 1867 in Gars am Inn Paris und wurde dort u.a. von ➝ Friedrich von Schlegel gefördert. Ver• Aus wohlhabendem Wiener Eltern- fasserin des ­Librettos zu Webers Oper haus, in dem regelmäßig Schubertiaden Euryanthe. stattfanden. Um 1820 Teil des engeren • Die Uraufführung von Euryanthe Freundeskreises um den Komponisten. 1823 in Wien brachte Chézy in Kontakt mit Schubert, der noch im selben Wurde mit Schubert und Johann Chrysostomus Senn wegen angeblich Jahr Musik zu ihrem Schauspiel Rosamunde schrieb. Das Theaterstück fiel aufrührerischer Bestrebungen von der Polizei verhört. Ging 1821 – ver- beim Publikum durch und ist in seiner ­Originalgestalt nicht erhalten, anbotenerweise – nach Erlangen, um bei Schelling zu studieren und brachte ders als Schuberts Schauspielmusik, Schubert von dort Gedichte ➝ August die nach wie vor aufgeführt wird, darvon Platens mit. unter die Romanze aus „Rosamunde“ • Vollzog ab 1823 – beeinflusst von D 797 Nr. 3. ➝ Friedrich von Schlegel – eine ­geistig-moralische Kehrtwende zum Katholizismus und Konservatismus

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Dort lernte Schubert Collins Gedichte Matthias Claudius * 1740 in Reinfeld † 1815 in Hamburg aus erster Hand kennen, darunter Der Zwerg (D 771). • Verkehrte in Hamburg und Kopenhagen u.a. mit Klopstock, Herder und Lessing und wurde als Redakteur Jakob Nikolaus Craigher de der Zeitung Wandsbecker Bothe in den Jachelutta 1770er Jahren einer der ersten deutsch- * 1797 in Ligosullo † 1855 in Cormons landweit bekannten Journalisten. ­Veröffentlichte dort unter dem Pseudo- • Polyglotter und erfolgreicher Kaufmann mit möglicherweise erlogenem nym „Asmus“ äußerst populäre Adelstitel, der sich 1820 in Wien ­Gedichte, Lieder und Rezensionen. ­niederließ und als Dichter und Über• Schubert teilte mit Claudius das ständige Bewusstsein für die Vergäng- setzer im Kreis des zum Katholizismus konvertierten ➝ Friedrich von Schlegel lichkeit des Lebens: Den Ausgaben aktiv war; von Jacheluttas tiefer seiner Gedichte stellte Claudius eine ­Religiosität zeugt u.a. das von Schubert Darstellung von „Freund Hain“ als vertonte Die junge Nonne (D 828). Skelett mit Sense voran. Der Tod und das Mädchen D 531, das später auch ein • 1825 bot der sprachgewandte und Streichquartett inspirierte, ist Schuberts geschäftstüchtige Jachelutta an, Schubert wohl bekannteste Claudius-­Vertonung. Übersetzungen von klassischen ­französischen, spanischen, italienischen und englischen Texten zur Vertonung sowohl auf Deutsch als auch in der Matthäus von Collin Originalsprache zu liefern – dieses * 1779 in Wien † 1824 ebenda ambitionierte Vorhaben wurden aller• Professor für Ästhetik und Philosophie dings nie realisiert. in Krakau und Wien; hochangesehene intellektuelle Autorität und als ­Herausgeber der Jahrbücher der Literatur Friedrich de la Motte Fouqué * 1777 in Brandenburg an der Havel um 1820 ein einflussreicher literarischer und gesellschaftlicher Akteur in † 1843 in Berlin Wien. • Collin war ein Cousin von Schuberts • Erlangte als Sohn einer hugenottischen Offiziersfamilie zunächst militärische engem Freund Josef von Spaun und veranstaltete in seinem Wiener Wohn- Ehren und wurde in seiner literarischen Karriere dann u.a. von ➝ A. W. von haus regelmäßig Schubertiaden und andere gesellschaftliche Empfänge, bei Schlegel gefördert. Gilt als einer der ersten literarischen Vertreter der denen Persönlichkeiten wie ­deutschen Romantik und verarbeitete ➝ J­ohann Ladislaus Pyrker und vor allem Themen aus der mittelalter➝C ­ aroline Pichler zu Gast waren.

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lichen Sagenwelt – der Ritterroman Der Zauberring (1812) wurde ein Bestseller und auch von Schubert gelesen. Sein heute bekanntestes Werk Undine bildet die Vorlage u.a. für E.T.A. Hoffmanns gleichnamige Oper, Hans Werner Henzes Ballettmusik von 1958 und Dvořáks Rusalka. • Schubert lernte Fouqués Texte wahrscheinlich über seinen vielbelesenen Schulfreund Josef von Spaun kennen – 1817 komponierte er Der Schäfer und der Reiter D 517. Johann Wolfgang von Goethe * 1749 in Frankfurt a.M. † 1832 in Weimar • Dichter und Schriftsteller, Universalgelehrter, Politiker, schon zu Lebzeiten Weimarer Klassiker. • Mit 17 stieß Schubert auf Goethes Gesammelte Werke, erschienen 1810 in Wien, die für ihn zur vielleicht wichtigsten poetisch-literarischen ­Inspirationsquelle und Grundlage für mehr als 70 Vertonungen wurden, in denen Schubert den für ihn so ­charakteristischen Typus des dramatisch durchkomponierten Lieds weiterentwickelte, in dem Melodie, Dichtung und Klavierbegleitung untrennbar zu einer neuen Kunstform verschmelzen. • Die Bewunderung blieb einseitig: Goethe, musikalisch eher klassizistisch geneigt, schickte 1816 Schuberts Lieder­ album auf seine Gedichte – darunter bekannte Vertonungen wie Gretchen am Spinnrade D 118 und Erlkönig D 328 – ungeöffnet nach Wien zurück.

Heinrich Heine * 1797 in Düsseldorf † 1856 in Paris • Sollte eigentlich Bankier oder Jurist werden. Wurde stattdessen mit ­Gedichten, Reiseberichten und Essays in den 1820er Jahren und vor allem im Pariser Exil ab 1831 (dort hatte er Kontakt u.a. mit Balzac, Dumas, Meyerbeer und Marx) zu einem der einflussreichsten Schriftsteller und Kulturkritiker des Vormärz, der die Gesellschaften Deutschlands und Frankreichs mit bissiger Ironie kommentierte. • Seine Reisebilder erschienen ab 1826 und wurden auch in ➝ Franz von Schobers Literaturzirkel gelesen – dort lernte Schubert die sechs Gedichte kennen, die er im August 1828 vertonte und die später zusammen mit sieben Rellstab-Liedern als Schwanengesang (D 957) veröffentlicht wurden. Ludwig Hölty * 1748 in Mariensee † 1776 in Hannover • Studierte in Göttingen und gehörte dort u.a. mit ➝ Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg dem Göttinger Hainbund an, einer Vereinigung von Dichtern, die Klopstock als Idol ­verehrten. Starb mit nur 27 Jahren an Tuberkulose. • Schubert vertonte Höltys Gedichte, darunter Die Seligkeit (D 433), anhand postumer Ausgaben, die um 1815 in Wien erschienen – die Abweichungen von Höltys Originaltexten in ­Schuberts

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Liedern gehen auf „Verbesserungen“ durch deren Herausgeber zurück, den mit Hölty eng befreundeten Johann Heinrich Voß.

Karoline Luise von Klenke, geb. Karsch * 1754 in Fraustadt (Wschowa) † 1802 in Berlin

• Erlangte nach zwei unglücklichen Ehen und trotz beachtenswerter Erfolge mit Theaterstücken und Gedichten nicht die literarische Anerkennung, • Bruder des eng mit Beethoven und die ihre Mutter, die „Karschin“ Schubert befreundeten Komponisten Anna Luise Karsch, und ihre Tochter ➝ Helmina von Chézy genossen. Anselm Hüttenbrenner und von • Während eines Aufenthaltes in Graz Schuberts zeitweiligem Sekretär und 1827 erhielt Schubert von seiner GastAssistenten Josef Hüttenbrenner, der Schubert die Gedichte seines Bruders geberin Marie Pachler das Gedicht Heimliches Lieben. Er vertonte es zusteckte – so entstand 1820 Der ­Jüngling auf dem Hügel D 702. Wirkte (D 922), ohne die Urheberin zu kennen später als Professor für Kirchenrecht in – ähnlich wie bei ➝ Marianne von Willemer, deren Gedichte er in dem Graz und starb dort unerwartet früh Glauben vertonte, sie stammten von mit 31 Jahren. ➝ Johann Wolfgang von Goethe. Von Johann Georg Jacobi Klenke wurde erst nach ihrem Tod als * 1740 in Düsseldorf „Schubert-Dichterin“ identifiziert. † 1814 in Freiburg i. Br. Heinrich Hüttenbrenner * 1799 in Graz † 1830 ebenda

• Professor für Philosophie in Halle, später für schöne Künste in Freiburg, der zum Kreis der deutschen Anakreontiker um Gleim gehörte. Arbeitete für Wielands Teutschen Merkur und gab ab 1773 seine eigene Literaturzeitschrift Iris heraus, in der u.a. ➝ Johann Wolfgang von Goethe viele Gedichte erstmals veröffentlichte. • Die Gedichte von Johann Georg ­Jacobi, in Wien erstmals 1816 erschienen, lieh sich Schubert wahrscheinlich von ➝ Franz von Schober und vertonte im selben Jahr sieben Texte daraus, u.a. An Chloen D 462, Lied des Orpheus als er in die Hölle ging D 474 und In der Mitternacht D 464.

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Johann Gottfried Kumpf * 1781 in Klagenfurt † 1862 ebenda • Studierte Medizin in Wien, praktizierte als Arzt in Pest, Triest und ­Klagenfurt und publizierte u.a. über Cholera. Veröffentlichte nebenbei – wie so viele damalige „Teilzeitdichter“ – unter dem Pseudonym Ermin Lyrik, die auch in Schuberts Hände kam. 1815 komponierte er auf Texte Kumpfs Der Mondabend D 141 und Mein Gruß an den Mai D 305.


Karl Lappe * 1773 in Wusterhusen † 1843 in Stralsund • Zu Lebzeiten vor allem im norddeutschen Raum bekannt und beliebt – seine Lyrik ist geprägt von der Landschaft an der Ostseeküste rund um Rügen. Erreichte größere Popularität nach der Veröffentlichung zweier Gedichte in ➝ Friedrich von Schillers Musenalmanach 1796. • An Weihnachten 1824 las Schubert in der Wiener Zeitschrift für Kunst, ­Theater, Literatur und Mode eine positive Rezension der Gedichtsammlung Blätter von Karl Lappe; Redakteur ­Johann Schickh war mit Schubert ­befreundet und gab Lappes Gedichte an den Komponisten weiter. So­ent­ standen zwei der beliebtesten Schubert-­ Lieder: Im Abendrot D 799 und Der Einsame D 800.

Rückweg nach Wien. Leitner selbst war während Schuberts Besuch nicht in Graz – so lernten sich die beiden nie persönlich kennen. Johann Baptist Mayrhofer * 1787 in Steyr † 1836 in Wien

• Studierte Theologie und Rechts­ wissenschaft, lebte jedoch für sein ­literarisches Interesse. Verdiente seinen Lebensunterhalt entgegen seiner oppositionellen und liberalen Gesinnung als Zensor für das Metternich-Regime – ein Widerspruch, der ihn schließlich in den Suizid trieb. • Schubert und Mayrhofer, die sich 1814 kennenlernten, verband für ein Jahrzehnt eine tiefe Freundschaft. Sie teilten die Begeisterung u.a. für ➝ Johann Wolfgang von Goethe und außerdem für zwei Jahre eine Wohnung in der Wiener Wipplingerstraße. Mayrhofer führte Schubert in die Welt der griechischen Antike ein, was Karl Gottfried von Leitner Vertonungen zahlreicher „klassischer“ * 1800 in Graz † 1890 ebenda Gedichte Mayrhofers zur Folge hatte, • Oft zensierter Kritiker des Metternich-­ darunter Fahrt zum Hades D 526, Memnon D 541 und Iphigenia D 573. Regimes, den wahrscheinlich der Mayrhofer zählt mit insgesamt 47 Adelstitel vor schwerwiegenderen Strafen bewahrte. Arbeitete während ­Liedern zu Schuberts wichtigsten seines langen Lebens u.a. als Gymnasial- Textdichtern und schrieb auch die ­Libretti für zwei Bühnenwerke: das lehrer, Verwaltungsbeamter und ­Kurator und gilt heute als wichtigster Singspiel Die Freunde von Salamanca D 326 (1815) und die Oper Adrast steirischer Dichter des Biedermeier. D 137 (1819/20). Mitte der 1820er • Zur Beschäftigung mit Leitners ­Lyrik wurde Schubert vor allem durch Jahre kühlte das Verhältnis merklich ab – zum Bedauern Mayrhofers orientierte seinen Sommeraufenthalt in Graz sich der Komponist nun stärker an 1827 angeregt – Gastgeberin Marie ➝ Franz von Schober, einem anderen Pachler gab ihm eine Ausgabe von engen Freund. Leitners Gedichten mit auf den

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Wilhelm Müller * 1794 in Dessau † 1827 ebenda

kam auch Schubert zur Welt – zu einer prägenden Figur der Kunst- und ­Literaturszene der Stadt. Befreundet • Reiste nach dem Studium in Berlin u.a. mit Gabriele von Baumberg und ➝ Helmina von Chézy. Ihre Gesam(hier schrieb er Die schöne Müllerin) melten Werke umfassen beinahe 60 u.a. nach Rom, wo er sich mit ➝ Friedrich Rückert anfreundete und Bände mit Prosa, Lyrik und Theatermit der italienschen Alltagskultur be- stücken. fasste, und nach Wien; dort entwickelte • Schubert lernte Pichler 1820 kennen und war mehrmals zu Gast in ihrem er seine lebenslange Solidarität mit Salon; 1821 entstand Der Unglückliche dem Kampf der Griechen gegen die türkische Besatzung (daher sein Spitz- D 713. name „Griechenmüller“). Arbeitete anschließend als Lehrer am Gymnasium seiner Heimatstadt und erlag mit nur August von Platen * 1796 in Ansbach 33 Jahren einem Schlaganfall. • Veröffentlichte zahlreiche Gedichte † 1835 in Syrakus in der Anthologie Urania des Brock• Ging nach Kadettenschule und haus-Verlages – die u.a. ➝ Heinrich Heine stark beeinflussten – und Beiträge ­Militärdienst zum Studium nach zum berühmten Conversations-Lexikon, Würzburg und Erlangen, wo er sich u.a. über Lord Byron, mit dem er die mit Schelling, ➝ Friedrich Rückert Griechen-Sympathie teilte und dessen und Jean Paul anfreundete, mit persischer Literatur und Lyrik beschäftigte Childe Harold’s Pilgrimage (1812–18) ­eines der Vorbilder für den Gedicht- und 1821 seinen ersten Gedichtband Ghaselen veröffentlichte. Reiste ab zyklus Die Winterreise wurde – den 1824 für längere Aufenthalte nach wiederum Schubert in Müllers ­Gedichten aus den hinterlassenen Papieren ­Italien (Sonnette aus Venedig, 1824) und lebte ab 1826 dort dauerhaft im Exil, eines reisenden Waldhornisten fand, die nachdem er mit ➝ Heinrich Heine in 1821 und 1824 erschienen. eine öffentliche Auseinandersetzung geraten war, der von Platens Homo­ Caroline Pichler, geb. von Greiner sexualität publik machte. • Kontakt zwischen Schubert und von * 1769 in Wien † 1843 ebenda Platen bestand indirekt über ➝ Franz • Erhielt als Tochter aus gutem Hause von Bruchmann, der sich in den 1820er Jahren für kurze Zeit ebenfalls Klavierunterricht bei Mozart und im Erlanger Kreis um Schelling beHaydn (sie zählte um 1800 zu den besten Pianistinnen Wiens) und wurde wegte und von Platens Gedichte mit nach Wien brachte. So entstanden die vor allem mit ihrem wöchentlichen beiden einzigen Vertonungen Schuberts, Salon im Wiener Alsergrund – dort

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Die Liebe hat gelogen D 751 und Du liebst mich nicht D 756, beide aus dem Jahr 1822. Alexander Pope * 1688 in London † 1744 ebenda • Als Lyriker, Übersetzer und Satirist einer der bedeutendsten literarischen Vertreter des englischen Klassizismus im frühen 18. Jahrhundert, der u.a. als Homer-Übersetzer und Shakespeare-­ Herausgeber und mit Werken wie An Essay on Criticism (1711), The Rape of the Lock (1712) und An Essay on Man (1732–34) spätestens ab der zweiten Jahrhunderthälfte auch im deutschsprachigen Raum bekannt wurde. • Schubert vertonte 1813 unter dem Titel Verklärung D 59 Popes Gedicht The Dying Christian to His Soul in einer Übersetzung von Johann Gottfried Herder. Neben Pope zählen ­Shakes­peare, Colley Cibber, Abraham Cowley und ➝ Sir Walter Scott zu den weiteren britischen Schubert-­ Dichtern. Adolf Pratobevera von Wiesborn * 1806 in Bielitz (Bielsko-Biała) † 1875 in Wien • Sohn aus angesehener Wiener ­Beamtenfamilie, der später selbst hochrangiger Regierungsbeamter wurde und während des Jurastudiums in den 1820er Jahren als ambitionierter Amateurdichter aktiv war. • Seine Schwester Franziska trat regel-

mäßig als Interpretin von Schuberts Liedern auf – so kam der Kontakt zu Schubert zustande, aus dem eine ­einzige Vertonung hervorging: 1826 bestellte Pratobevera bei Schubert eine Klavierbegleitung zur Schlussszene seines Versdramas Der Falk, heute bekannt als das Melodram Der Abschied D 829. Johann Ladislaus Pyrker * 1772 in Nagyláng † 1847 in Wien • Österreichisch-ungarischer Kleriker, der als Patriarch von Venedig und Erzbischof von Eger zum politisch-­ geistlichen Establishment des ­Habsburgerreiches gehörte. Verfasste patriotische Versepen über Stoffe aus der habsburgischen Geschichte und sah sich literarisch durchaus auf ­Augenhöhe mit ➝ Johann Wolfgang von Goethe – was nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit beruhte. • Schubert lernte den einflussreichen Pyrker 1820 im Salon von ➝ Matthäus von Collin kennen und bedankte sich für dessen Förderung mit der Widmung seiner drei Lieder op. 4. 1825 begegneten beide sich im von Pyrker gestifteten Kurort Bad Gastein erneut und Schubert schrieb als „Gastgeschenk“ Das Heimweh D 851 und Die Allmacht D 852 auf Texte von Pyrker.

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Johann Friedrich Rochlitz * 1769 in Leipzig † 1842 ebenda • Romancier, Lyriker, Librettist und Dramatiker, insbesondere aber bekannt als Gründer und Redakteur der ­Leipziger Allgemeinen musikalischen ­Zeitung, einer der wichtigsten deutschsprachigen Musikzeitschriften des 19. Jahrhunderts. Pflegte freundschaftlichen Kontakt zu Größen wie ➝ Friedrich von Schiller und ➝ Johann Wolfgang von Goethe und veröffentlichte ab 1821 eine Auswahl des Besten aus Friedrich Rochlitz’ sämmtlichen Schriften in sechs Bänden. • Schubert wurde in Rochlitz’ Zeitung stets hoch gelobt – vermutlich auf Anraten des Verlegers Tobias Haslinger komponierte er 1827 drei Lieder auf Gedichte von Rochlitz: Zur guten Nacht D 903, Alinde D 904 und An die Laute D 905. Rochlitz war angetan und schickte Schubert seinen Text Der erste Ton mit einer detaillierten Anleitung, wie er zu vertonen sei – Schubert lehnte dankend aber bestimmt ab.

arabischer und persischer Literatur und Lyrik und zählt zu den produktivsten Dichtern seiner Zeit – sein Gesamtwerk umfasst etwa 10.000 ­Gedichte. • Veröffentlichte 1822, inspiriert von ➝ Johann Wolfgang von Goethes West-östlichem Divan und den kurz ­zuvor erschienenen Ghaselen seines Freundes ➝ August von Platen, seinen Gedichtband Östliche Rosen, der in ➝ Matthäus von Collins Jahrbüchern der Literatur in Wien positiv rezensiert wurde. Schubert, der bereits Gedichte aus Goethes und von Platens Sammlungen vertont hatte, schrieb nun auch eine Reihe von Liedern auf Texte Rückerts, darunter Daß sie hier gewesen D 775 und Du bist die Ruh D 776. Johann Gaudenz von Salis-Seewis * 1762 in Malans † 1834 ebenda

• Diente als Offizier der Schweizergarde des französischen Königs in ­Versailles, verließ jedoch nach der Französischen Revolution Frankreich und kehrte in die Schweiz zurück, wo er seine militärische Karriere fortsetzte Friedrich Rückert und als „dichtender General“ neben* 1788 in Schweinfurt bei Lyrik verfasste. † 1866 in Neuses • Salis-Seewis’ Texte wurden von zahlreichen Komponisten über 400 • Begegnete nach einer Italienreise, Mal vertont. Schubert schuf zwischen auf der er Freundschaft mit ➝ Wilhelm Müller geschlossen hatte, 1815 und 1817 insgesamt 20 Lieder nach seinen Gedichten, die er teilweise 1818 in Wien dem Orientalisten ­Joseph Hammer-Purgstall, der ihn für noch aus seinen Schulbüchern und die Sprachen des Nahen und Mittleren aus einer 1815 in Wien erschienenen Taschenbuchausgabe kannte, darunter Ostens begeisterte. Wurde zum ­herausragenden Kenner und Übersetzer Der Jüngling an der Quelle D 300 und Der Herbstabend D 405.

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Friedrich von Schiller * 1759 Marbach am Neckar † 1805 in Weimar • Promovierter Mediziner, der sich nach der Flucht aus dem Dienst bei Karl Eugen von Württemberg und Stationen in Mannheim und Dresden schließlich in Jena bzw. Weimar niederließ und gemeinsam mit ➝ Johann Wolfgang von Goethe zum wichtigsten Vertreter der Weimarer Klassik wurde. • Insbesondere Dramen wie Die Räuber (mit dem Schiller 1781 quasi über Nacht landesweit bekannt wurde), Don Karlos (1787), Wallenstein (1799) und Wilhelm Tell (1804) versetzten das junge, antiautoritär und freiheitlich gesinnte Publikum in ganz Europa bis lange nach Schillers Tod in Begeisterung – so auch Franz Schuberts Freundeskreis, als in den 1810er Jahren im Verlag von Anton Doll die erste Wiener Gesamtausgabe von Schillers Werken erschien. • Eine weitere wichtige Schiller-­ Quelle für Schubert waren während seiner Schulzeit die Vertonungen des eng mit dem Dichter befreundeten Johann Rudolph Zumsteeg, dessen Lieder Schubert intensiv studierte. 1811 komponierte er mit Des Mädchens Klage D 6 sein erstes Schiller-Lied. 43 weitere folgten bis 1823, darunter umfangreiche Balladen wie Der Taucher D 77 oder Die Bürgschaft D 246 sowie Die Götter Griechenlands D 677.

Franz Xaver von Schlechta * 1796 Písek † 1875 in Wien • Stand als Absolvent der Stiftsschule Kremsmünster und des Wiener Stadtkonvikts mit zahlreichen Protagonisten des Schubert-Kreises und mit dem Komponisten selbst in freundschaftlichem Kontakt. Verdiente sein Geld als Beamter und bemühte sich nebenbei – eher erfolglos – um Anerkennung als Dramatiker und Dichter. Arbeitete auch als Theater-, Opern- und Musik­ kritiker und veröffentlichte viele ­positive Rezensionen von Werken Schuberts. • Blieb Schubert, der zwischen 1815 und 1826 sechs Schlechta-Gedichte vertonte, bis zu dessen Tod verbunden, zog sich aber nach seiner Hochzeit im Lauf der 1820er Jahre etwas aus dem engsten Kreis der Schubertianer zurück. August Wilhelm von Schlegel * 1767 in Hannover † 1845 in Bonn • Begründete mit seinem jüngeren Bruder ➝ Friedrich von Schlegel 1798 in Jena die Zeitschrift Das Athenaeum, das Sprachrohr der Jenaer Frühromantik. Veröffentlichte Übertragungen von 17 Shakespeare-Stücken ins Deutsche, die als eine der herausragenden übersetzerischen Leistungen des 19. Jahrhunderts gelten. Leistete mit seinen Vorlesungen Über schöne ­Literatur und Kunst (Berlin, 1801–04) einen grundlegenden Beitrag zur Sprachphilosophie des 19. Jahrhunderts und wurde ab 1818 als Inhaber des ersten deutschen Lehrstuhls für Indologie in Bonn zum Mitbegründer der

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Disziplin und der Komparatistik. • Als Romantiker schrieb Schlegel auch Gedichte, erreichte aber als Schriftsteller und Lyriker keine ­besondere Anerkennung. Schubert beschäftigte sich über einen Zeitraum von zehn Jahren immer wieder vereinzelt mit seinen Texten und vertonte insgesamt zehn, von Lebensmelodien D 395 aus dem Jahr 1816 bis zum Ständchen D 889 von 1826. Friedrich von Schlegel * 1772 in Hannover † 1829 in Dresden • Lebte 1799–1801 mit seinem Bruder ➝ August Wilhelm Schlegel in einer Jenaer Wohngemeinschaft, in der u.a. Novalis, Tieck, Schleiermacher, Schelling und Fichte ein und aus gingen und die zur Keimzelle der Romantik wurde. Wurde 1799 mit dem Roman Lucinde im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt und entwickelte in Fragmenten und Essays für die Zeitschrift Das Athenaeum sein Konzept einer „progressiven Universalpoesie“. • Veröffentlichte nach Sanskrit-Studien in Paris (u.a. bei Antoine-Léonard de Chézy, dem späteren Ehemann ➝ Helmina von Chézys) 1808 die Schrift Über Sprache und Weisheit der Indier, eine wichtige Grundlage für die entstehende Indogermanistik. Zog wenig später nach Wien und konvertierte zum Katholizismus – dies führte (ähnlich wie bei ➝ Franz von ­Bruchmann) zum Bruch mit dem Bruder und ­früheren Weggefährten, aber auch zur Entstehung eines neuen,

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katholizistisch-­mystizistischen Kreises, in dem u.a. Figuren wie ➝ Jakob ­Nikolaus C ­ raigher de Jachelutta verkehrten. • Schubert vertonte ab 1818 fast ausschließlich Gedichte aus der „romantischen“ Periode Schlegels, der zu ­diesem Zeitpunkt viele seiner Ansichten, die Schuberts Freundeskreis faszinierten, längst widerrufen hatte. 1825 begegneten sich Schubert und Schlegel ­persönlich, aus diesem Jahr stammt auch die letzte Vertonung Fülle der Liebe D 854. Franz von Schober * 1796 in Malmö † 1882 in Dresden • Kam als Schüler mit vielen Mitgliedern des Schubert-Kreises in Kontakt und wurde ab 1815 zum engen Freund des Komponisten, der mehrfach bei den Schobers wohnte. Versuchte sich während eines bewegten Lebens als Dichter, Schauspieler und Leiter des Lithographischen Instituts in Wien und organisierte Anfang der 1820er regelmäßig Lesezirkel (dort lernte Schubert viele Texte kennen, die er anschließend vertonte) und ausgelassene Feiern – in diese Zeit fällt Schuberts Syphilis-Infektion. Im Streit um seine heimliche Verlobung mit der Schwester ➝ Franz von Bruchmanns ergriff Schubert für Schober Partei – dies führte zum Zerbrechen des ursprünglichen Freundeskreises. Kam nach Schuberts Tod in Kontakt mit Franz Liszt und wurde schließlich dessen ­Sekretär in Weimar.


• Schubert vertonte ab 1815 bis zu ­seinem Lebensende zahlreiche Gedichte Schobers, darunter 1816 Am Bach im Frühlinge D 361. Schober schrieb außerdem das Libretto zu Schuberts Oper Alfonso und Estrella D 732, die allerdings zu Lebzeiten des Komponisten nie aufgeführt wurde.

Christian Wilhelm von Schütz * 1776 in Berlin † 1847 in Leipzig

• Begann als Jurist eine Laufbahn in der preußischen Verwaltung, die ­jedoch 1811 mit seiner Suspendierung endete, nachdem er Kritik an den Hardenbergschen Reformen geäußert hatte. Um 1800 mit Tieck und ➝ A. W. Schlegel im Berliner Ernst Schulze ­Romantikerkreis literarisch aktiv. * 1789 in Celle † 1817 ebenda Schlegel gab 1803 Schütz’ erstes ­Drama Lacrimas heraus, Schubert ver• Studierte Philosophie, Philologie, tonte daraus zwei Szenen, darunter Literaturgeschichte und Ästhetik und das Lied des Florio D 857/2. Der große lehrte kurze Zeit als Privatdozent in literarische Erfolg blieb für Schütz Göttingen, widmete sich dann aber, aus, stattdessen ­publizierte er zahlreiche inspiriert u.a. von ➝ Schiller und Schriften zu rechtlichen, philosophi➝ Hölty, ganz der Dichtung. Schulzes schen und kirchlichen Themen und größte Muse wurde Cäcilie Tychsen, besorgte die erste deutsche Ausgabe Tochter des Orientalisten und Theo- der Werke Casanovas. logen Thomas Christian Tychsen, die er geradezu manisch verehrte und der er sein ganzes persönliches wie litera- Sir Walter Scott risches Leben widmete. Nach Cäcilies * 1771 in Edinburgh frühem Tod geriet ihre Schwester † 1832 in Abbotsford Adelheid in den Fokus dieser psychopathologischen Fixierung; schließlich • Begann seine literarische Karriere als brach die Familie den Kontakt zu Übersetzer deutscher Autoren, darunter Schulze ab. ➝ Johann Wolfgang von Goethe, • Veröffentlichte Gedichte und poeti- ­dessen Wilhelm Meisters Lehrjahre sche Verserzählungen, die vielfach Scotts The Lady of the Lake (1810) stark vertont wurden. Besondere Bedeutung beeinflusste. Prägte dann als Mitbeerlangten die neun Schulze-Lieder gründer der Gattung des historischen Schuberts, die innerhalb eines Jahres Romans maßgeblich die literarische zwischen März 1825 und März 1826 Entwicklung im 19. Jahrhundert: seinem entstanden. Erstling Waverley (1814) folgten bis zu seinem Tod 24 weitere Romane, die vielfach unmittelbar nach Erscheinen zur Vorlage für Theaterstücke und Opern wurden – etwa für Donizettis

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Lucia di Lammermoor und Rossinis La donna del lago. • Vergleichbar der Begeisterung für die Werke eines anderen Schotten – James Macpherson alias Ossian – ­wurden auch Scotts Romane in ganz Europa begeistert gelesen, u.a. nachweislich von Schuberts Freund ➝ Franz von Schober. 1825 kom­ ponierte Schubert sieben Lieder auf Gedichte aus The Lady of the Lake (in einer deutschen Übersetzung von Adam Storck), darunter eines seiner berühmtesten, Ellens Gesang III D 839, bekannt als „Ave Maria“.

Johann Chrysostomus Senn * 1795 Pfunds † 1857 in Innsbruck

• Ab 1810 Mitschüler Schuberts am Wiener Stadtkonvikt, enger Freund des Komponisten und Unterstützer der Tiroler Unabhängigkeitsbewegung. Wurde 1820 am Morgen nach einer Feier mit Schubert und ➝ Franz von Bruchmann von der Polizei verhört und im Gegensatz zu Schubert und Bruchmann tatsächlich inhaftiert – die Behörden sahen in seinen ­separatistischen Ansichten eine Bedrohung. Ging schließlich ins Exil nach Innsbruck, wo er mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und dem Alkoholismus verfiel. Johann Gabriel Seidl • Bruchmann, der Senn besuchte und * 1804 in Wien † 1875 ebenda seine Gedichte mit nach Wien brachte, • Versuchte sich in den 1820er Jahren übernahm nach dem Abbruch des in Wien als Dichter einen Namen zu ­direkten Kontakts eine Mittlerrolle zu machen, arbeitete später als Gymnasial­ Schubert, der 1823 in seinem Opus 23 lehrer und Kurator und wurde einem Selige Welt D 743 und Schwanengesang D 744 auf Texte Senns veröffentlichte. größeren Publikum vor allem als ­Autor von Mundartgedichten und Reiseführern sowie als Textdichter Johann Petrus Silbert der österreichischen Kaiserhymne * 1772 in Colmar † 1844 in Wien ­bekannt. • 1826 erhielt Schubert Seidls Dichtungen in drei Bänden – Seidl pflegte eine Art • Lehrte ab 1817 Literatur und „Komponistenverteiler“ und erhoffte ­Französisch am Polytechnikum in Wien und war begeisterter Anhänger sich von Vertonungen Aufwind für des Redemptoristen-Priesters (und die literarische Karriere. Schubert späteren Stadtpatrons Wiens) Clemens fand in Seidl zwar keinen Freund, Maria Hofbauer. Legte seine Tätigkeit aber in dessen Gedichten immerhin 1835 nieder und widmete sich aus14 Textvorlagen, u.a. für sein letztes Lied, Die Taubenpost D 965a von 1828. schließlich dem Verfassen religiöser Schriften. • 1819 entstand Die heilige Lyra, eine Sammlung geistlicher Gedichte, von

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denen Schubert zwei vertonte: Abendbilder (D 650) und Himmelsfunken (D 651). Möglicherweise wurde er in einem seiner Lesezirkel auf die Texte aufmerksam.

Kontakt kam. Ging 1775 mit ➝ Johann Wolfgang von Goethe auf Reisen in die Schweiz und wurde neben seinen Gedichten vor allem mit einer Übersetzung von Homers Ilias bekannt. Ließ sich 1800 mit Frau und Kindern in Münster nieder und vollzog dort dieselbe konservativ-katholizistische Albert Stadler Wende wie ➝ Friedrich von Schlegel * 1794 in Steyr † 1884 in Wien und ➝ Franz von Bruchmann in • Komponist und Dichter, der Schubert Wien. • Zu Schuberts insgesamt neun und viele weitere Mitglieder des ­Stolberg-Vertonungen, entstanden Freundeskreises – u.a. ➝ Johann zwischen 1816 und 1823, zählen Chrysostomus Senn, ➝ Franz Xaver ­Stimme der Liebe D 412 und Auf dem von Schlechta und ➝ Franz von Wasser zu singen D 774, eines seiner Schober – am Wiener Stadtkonvikt kennenlernte. Zahlreiche Schubert-­ bekanntesten und beliebtesten Lieder. Lieder aus den Jahren 1813 bis 1817 sind nur Dank Stadlers überliefert, der Kopien der Autographe anfertigte. Ludwig Uhland Seine eigenen musikalischen Werke sind nur fragmentarisch erhalten. War * 1787 in Tübingen † 1862 ebenda ab 1817 als Beamter in Steyr, später • Studierter Jurist, der als Politiker in Linz und Salzburg tätig und sah Schubert nur noch gelegentlich wieder. (u.a. Mitglied des Stuttgarter Landtags • Schuberts Wertschätzung für Stadler und der Frankfurter Nationalverbezeugen Vertonungen wie Lieb Minna sammlung 1848/49), LiteraturwissenD 222 und Namenstagslied D 695 sowie schaftler und Dichter gleichermaßen erfolgreich war und als wichtiger Verdie Widmung der Sieben Gesänge treter der Schwäbischen Dichterschule op. 52 nach ➝ Sir Walter Scotts The gilt. Lady of the Lake. • Seine 1815 veröffentlichten Gesammelte Gedichte erreichten zu Uhlands Lebzeiten 42 Auflagen und wurden von Friedrich Leopold zu zahlreichen Komponisten vertont, Stolberg-Stolberg * 1750 in Bramstedt † 1819 in Melle ­darunter neben Schubert (Frühlingsglaube D 686) auch Brahms, Liszt und Schumann. Uhlands Wanderlieder • Zusammen mit seinem Bruder wurden u.a. von ➝ Wilhelm Müller, Christian Mitglied des Göttinger dem Dichter der Winterreise, bewundert; ­Hainbundes, wo er u.a. mit Johann Heinrich Voß und ➝ Ludwig Hölty in ihre Vertonung durch Conradin

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Wolfgang von Goethes, kennenlernte. Kreutzer beeinflusste auch Schubert bei der Arbeit an diesem Liederzyklus. Zwischen von Willemer und Goethe, die sich mehrfach begegneten, ent­ wickelte sich eine enge, durchaus ­romantische Beziehung und ein BriefJohann Peter Uz wechsel, der bis zu Goethes Tod * 1720 in Ansbach † 1796 ebenda ­andauerte. Von Willemer wurde zu • Verließ zum Jurastudium die fränkische einer der intimsten Kennerinnen von Heimat in Richtung Halle, wo er im Goethes Werken und schrieb zwei Gedichte, die Goethe 1819 unter seinem Kreis der Anakreontiker um Gleim ­literarisch aktiv wurde. Veröffentlichte Namen im West-östlichen Divan ver­ öffentlichte. 1746 die Oden Anakreons in reimlosen Versen. Orientierte sich später vermehrt • Als Schubert 1821 seine beiden ­Suleika-Lieder D 717 und D 720 nach an der empfindsamen Erhabenheits­ Texten aus dem West-östlichen Divan lyrik Klopstocks und lebte zurück­ gezogen wieder in seiner Geburtstadt komponierte, ahnte er nicht, dass die Ansbach. Beeinflusste mit seiner Lyrik zugrundeliegenden Gedichte nicht von Goethe stammten. Von Willemers u.a. den jungen ➝ Friedrich von ­Autorschaft kam erst nach Goethes Schiller. und Schuberts Tod ans Licht. • 1804 erschien eine luxuriöse Prachtausgabe von Uz’ Werken in Wien – Schubert konnte sie sich nicht leisten, wohl aber den preisgünstigen Nachdruck im Taschenbuchformat. Darin enthalten waren u.a. die Vorlagen für Der gute Hirt D 449 und Gott im Frühlinge D 448, die vermutlich ­bekannteste Uz-Vertonung Schuberts. Marianne von Willemer, geb. Pirngruber * 1784 in Linz † 1860 in Frankfurt a. M. • Übersiedelte 1798 mit ihrer Mutter, einer österreichischen Schauspielerin, von Wien nach Frankfurt, wo sie ebenfalls am Theater auftrat und ihren späteren Ehemann Johann Jakob ­Willemer, einen Freund ➝ Johann

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Schubert’s Poets A Glossary

Over the course of just 17 years, between 1811 and 1828, Franz Schubert composed more than 600 songs on texts by approximately 100 poets. Their total number is hard to determine: it depends, among other factors, on whether translators of foreign-language texts or song fragments are included. The following glossary gives an overview of 41 of them—37 men and four women whose poems are featured in this year’s Schubert Week. Franz von Bruchmann b. 1798, Vienna d. 1867, Gars am Inn • Born into a wealthy Viennese family where Schubertiads were held regularly. Part of the composer’s inner circle of friends around 1820. Was questioned by the police together with Schubert and ➝ Johann Chrysostomus Senn because of alleged foment of revolution. Went to Erlangen to study with Schelling in 1821—illegally—and brought poems by ➝ August von Platen back to Schubert. • Under the influence of ➝ Friedrich von Schlegel, in 1823 he began to revise his intellectual and moral opinions ­towards Catholicism and conservatism, distancing himself from Schubert and his former circle of friends, also because of his sister’s secret engagement with the freethinking ➝ Franz von

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Schober. After the untimely death of his wife, he joined the Redemptorist order and was ordained a priest. Helmina von Chézy, née von Klenke b. 1783, Berlin d. 1856, Geneva • Daughter of a great “dynasty of female poets”: her grandmother Anna Luise Karsch (known as “die Karschin”) was the most important German-language female poet of the 18th century, her mother ➝ Karoline Luise von Klenke also a poet whose verse was set to ­music by Schubert. From 1805 onwards, she wrote for several newspapers in Paris, where ➝ Friedrich von Schlegel was among her mentors. Author of the libretto for Weber’s opera Euryanthe. • The first performance of Euryanthe in Vienna in 1823 brought Chézy into contact with Schubert, who wrote ­incidental music for her play Rosamunde that same year. The play was unsuccessful with the public and has not come down to us in its original form, unlike Schubert’s incidental music, which is still performed, including the Romanze aus “Rosamunde” D 797 No. 3. Matthias Claudius b. 1740, Reinfeld d. 1815, Hamburg • An acquaintance of Klopstock, Herder, and Lessing, among others, in Hamburg and Copenhagen; one of the first journalists to win renown throughout Germany in the 1770s as editor of the newspaper Wandsbecker


Bothe. There, he published highly popular poems, songs, and reviews under the pseudonym “Asmus”. • Schubert shared with Claudius a heightened and constant consciousness of life’s transience: Claudius prefaced the anthologies of his poems with an illustration of the Grim Reaper as a skeleton with a scythe. Der Tod und das Mädchen D 531, which later also inspired a string quartet, may be Schubert’s best-known setting of a Claudius poem. Matthäus von Collin b. 1779, Vienna d. 1824, Vienna • Professor of aesthetics and philosophy in Cracow and Vienna; a highly ­regarded intellectual authority and an influential literary and social figure in Vienna as editor of Jahrbücher der Literatur around 1820. • Collin was a cousin of Schubert’s close friend Josef von Spaun, hosting Schubertiads and other social events regularly at his house in Vienna, where personalities such as ➝ Johann Ladislaus Pyrker and ➝ Caroline Pichler were among the guests. There, Schubert got to know Collin’s poems first-hand, including Der Zwerg (D 771). Jakob Nikolaus Craigher de Jachelutta b. 1797, Cormons d. 1855, Cormons • A polyglot, successful merchant whose title of nobility may have been fake, he settled in Vienna in 1820 and

was active as a poet and translator in the circle of ➝ Friedrich von Schlegel after the latter’s conversion to ­Catholicism. His profound religiosity is reflected in, among other works, Die junge Nonne, set by Schubert as D 828. • In 1825 the linguistically accomplished and enterprising Jachelutta ­offered to supply Schubert with translations of classical French, Spanish, Italian, and English texts to set to music both in German and in the original language—an ambitious project that was never realized. Friedrich de la Motte Fouqué b. 1777, Brandenburg an der Havel d. 1843, Berlin • Attained military honors as the son of a Huguenot family of officers and was later supported in his literary ­career by ➝ A. W. Schlegel, among others. Considered one of the first ­literary protagonists of German ­Romanticism, he concentrated on tales from the medieval sagas—his novel of knighthood, Der Zauberring (1812), became a bestseller and was read by Schubert as well. His bestknown work today, Undine, was the model for E.T.A. Hoffmann’s eponymous opera, Hans Werner Henze’s 1958 ballet, and Dvořák’s Rusalka, among others. • Schubert was probably introduced to Fouqué’s texts by his well-read school friend Josef von Spaun—in 1817 he composed Der Schäfer und der Reiter D 517.

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Johann Wolfgang von Goethe b. 1749, Frankfurt (Main) d. 1832, Weimar

• His Reisebilder were published from 1826 onwards and were also read in ➝ Franz von Schober’s literary circle —which is where Schubert was • Poet and writer, polymath, politician, ­introduced to the six poems he set in and a “Weimar Classicist” even during August 1828 and which were later his lifetime. published together with seven Rellstab • At the age of 17, Schubert encountered settings under the title Schwanengesang Goethe’s Collected Works, published D 957. in Vienna in 1810, which became arguably his most important poetic and literary source of inspiration and Ludwig Hölty the basis for more than 70 settings, in b. 1748, Mariensee d. 1776, Hanover which Schubert kept developing his type of dramatic through-composed • Studied in Göttingen and along with song, inextricably merging melody, ➝ Friedrich Leopold zu Stolberg-­ poetry, and piano accompaniment in Stolberg and others belonged to the a new genre. “Göttinger Hainbund,” an association • The admiration, however, was not of poets who worshipped Klopstock mutual: Goethe, whose musical tastes as their idol. Died of tuberculosis at were rather Classicist, returned the age of only 27. Schubert’s song album based on his • Schubert set Hölty’s poems, including poems—including well-known ones Die Seligkeit (D 433), using posthumous such as Gretchen am Spinnrade D 118 editions published in Vienna around and Erlkönig D 328—to Vienna un1815—the discrepancies between opened. Hölty’s original texts and Schubert’s songs were caused by “improvements” at the hands of their editor, Hölty’s Heinrich Heine close friend Johann Heinrich Voß. b. 1797, Düsseldorf d. 1856, Paris • Was meant to become a banker or a lawyer. His poems, travelogues, and essays instead made him one of the most influential writers and cultural critics of the Vormärz period in the 1820s, and especially during his Paris exile from 1831 onwards (where he met Balzac, Dumas, Meyerbeer, and Marx), commenting on German and French society with scathing irony.

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Heinrich Hüttenbrenner b. 1799, Graz d. 1830, Graz • Brother of the composer Anselm Hüttenbrenner, a close friend of ­Beethoven and Schubert, and of Schubert’s erstwhile secretary and ­assistant Josef Hüttenbrenner, who passed his brother’s poems on to Schubert—leading to Der Jüngling auf


dem Hügel D 702 in 1820. Became a • During a stay in Graz in 1827, professor of canon law in Graz, where Schubert received the poem Heimliches he died unexpectedly at the age of 31. Leben from his host, Marie Pachler. He set it to music (D 922) without knowing its author—similar as in the case of ➝ Marianne von Willemer, Johann Georg Jacobi b. 1740, Düsseldorf whose poems he set in the belief that d. 1814, Freiburg im Breisgau they were by ➝ Johann Wolfgang von Goethe. Von Klenke was only identified • Professor of philosophy in Halle, as a “Schubert poet” after her death. ­later of fine arts in Freiburg, member of the circle of German Anacreontics surrounding Gleim. Worked for Johann Gottfried Kumpf Wieland’s Teutscher Merkur and from b. 1781, Klagenfurt 1773 onward edited his own literary d. 1862, Klagenfurt journal Isis, in which ➝ Johann ­Wolfgang von Goethe, among others, • Studied medicine in Vienna, practicpublished many of his poems for the ing as a doctor in Pest, Trieste, and first time. Klagenfurt and publishing on cholera • Schubert probably borrowed the and other illnesses. In his spare time— edition of Gedichte von Johann Georg like so many “part-time poets” of his Jacobi, first published in Vienna in era—he published works under the pseudonym “Ermin,” which became 1816, from ➝ Franz von Schober, and that same year he set seven of the known to Schubert. In 1815 he texts, including An Chloen (D 462), ­composed Der Mondabend D 141 and Lied des Orpheus als er in die Hölle ging Mein Gruß an den Mai D 305 on texts (D 474) and In der Mitternacht (D 464). by Kumpf. Karoline Luise von Klenke, née Karsch b. 1754, Fraustadt (Wschowa) d. 1802, Berlin • After two unhappy marriages and despite remarkable success with plays and poems, Karoline Luise von Klenke failed to attain the literary reputation her mother, “die Karschin” Anna ­Luise Karsch, and her daughter ➝ Helmina von Chézy enjoyed.

Karl Lappe b. 1773, Wusterhusen d. 1843, Stralsund • Known and popular during his lifetime mostly in Northern Germany— his poetry evokes the Baltic Sea landscape surrounding the island of Rügen. Attained greater popularity after the publication of two poems in ➝ Friedrich von Schiller’s Musen­ almanach in 1796.

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and liberal views, as a censor for the Metternich regime—a contradiction that finally drove him to suicide. • Schubert and Mayrhofer, who met in 1814, were connected by a deep bond of friendship for a decade. They shared an enthusiasm for ➝ Johann Wolfgang von Goethe and other poets, and also lived together at an apartment on Vienna’s Wipplingerstrasse for two years. Mayrhofer introduced Schubert to the world of Greek antiquity, which led to settings of numerous “classical” poems by Mayrhofer, including Fahrt Karl Gottfried von Leitner zum Hades D 526, Memnon D 541 b. 1800, Graz d. 1890, Graz and Iphigenia D 573. With a total of 47 settings, Mayrhofer is one of • Much-censored critic of the ­Metternich regime who was presum- Schubert’s most important poets and also wrote the libretti for two stage ably protected from more draconian punishment by his noble rank. During works: the singspiel Die Freunde von his long life, he worked as a secondary Salamanca D 326 (1815) and the opera Adrast D 137 (1819–20). In the school teacher, a civil servant, and ­mid-1820s the relationship cooled ­curator, and is today considered the ­noticeably—to Mayrhofer’s regret, the most important Styrian poet of the composer turned instead to ➝ Franz Biedermeier era. von Schober, another close friend. • Schubert was inspired to study ­Leitner’s poems mainly because of his summer stay in Graz in 1827—his host, Marie Pachler, gave him a copy Wilhelm Müller b. 1794, Dessau d. 1827, Dessau of Leitner’s poems for his journey back to Vienna. Leitner himself was not in Graz during Schubert’s visit— • After his studies in Berlin (Die schöne Müllerin was written here), he traveled so the two never met in person. to Rome, where he became friends with ➝ Friedrich Rückert and studied Italian culture and lifestyle, and to Johann Baptist Mayrhofer ­Vienna; there he developed his lifeb. 1787, Steyr d. 1836, Vienna long solidarity with the struggle of the Greeks against Turkish occupation • Studied theology and law but lived (hence his nickname “Griechenmüller” for his literary interests. Made his or “Greek Miller”). Subsequently ­living, contrary to his oppositional • At Christmas 1824, Schubert read a positive review of the poetry anthology Blätter by Karl Lappe in the journal Wiener Zeitschrift für Kunst, Theater, Literatur und Mode; its editor, Johann Schickh, was a friend of Schubert’s and passed Lappe’s poems on to the composer. This led to two of the most popular Schubert songs: Im Abendrot D 799 and Der Einsame D 800.

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worked as a teacher at the high school of his hometown and died of a stroke at the early age of 33. • Published numerous poems in the Brockhaus publishing company’s ­anthology Urania—which strongly ­influenced ➝ Heinrich Heine, among others—and wrote contributions to the famous encyclopedia Conversations­Lexikon, including entries about Lord Byron, with whom he shared his ­sympathy for the Greeks and whose Childe Harold’s Pilgrimage (1812–18) became one of the models for the cycle of poems Die Winterreise—which was in turn found by Schubert in Müller’s Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten (“Poems from the Posthumous Papers of a Traveling Horn Player”) published in 1821 and 1824. Caroline Pichler, née von Greiner b. 1769, Vienna d. 1843, Vienna • Born into a well-to-do family, she received piano lessons from Mozart and Haydn (around 1800 she was ­considered one of the best pianists in Vienna) and became an influential ­figure in Vienna’s artistic and literary scene, mainly through her weekly ­salon in Vienna’s Alsergrund (the same neighborhood where Schubert was born). She was friends with ­Gabriele von Baumberg and ➝ Helmina von Chézy, among others. Her Collected Works included almost 60 volumes of prose, poetry, and plays. • Schubert met Pichler in 1820 and

attended her salon several times; in 1821 he composed Der Unglückliche D 713. August von Platen b. 1796, Ansbach d. 1835, Syracuse • After attending cadet school and completing military service, he moved to Würzburg and Erlangen, where he made friends with Schelling, ➝ Friedrich Rückert, and Jean Paul, studied Persian literature and poetry, and published his first volume of ­poetry, Ghaselen, in 1821. Made several extensive journeys to Italy starting in 1824 (Sonnette aus Venedig, 1824), living in exile there permanently from 1826 onwards after a public feud with ➝ Heinrich Heine, who made public von Platen’s homosexuality. • There was indirect contact between Schubert and von Platen via ➝ Franz von Bruchmann, who briefly became part of the Erlangen circle around Schelling in the 1820s and brought von Platen’s poetry to Vienna with him. This led to the two only settings by Schubert, Die Liebe hat gelogen D 751 and Du liebst mich nicht D 756, both from 1822. Alexander Pope b. 1688, London d. 1744, London • A poet, translator, and satirist, one of the most important literary pro­ ponents of English classicism in the early 18th century. By the second half

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of the century, Pope became known in the German-language region as a translator of Homer and editor of Shakespeare, and for works such as An Essay on Criticism (1711), The Rape of the Lock (1712), and An Essay on Man (1732–34). • In 1813, Schubert set a German translation of Pope’s poem The Dying Christian to His Soul by Johann Gottfried Herder as Verklärung D 59. Apart from Pope, Schubert’s other British poets include Shakespeare, Colley Cibber, Abraham Cowley, and ➝ Sir Walter Scott. Adolf Pratobevera von Wiesborn b. 1806, Bielitz (Bielsko-Biała) d. 1875, Vienna • Son of a respected Viennese family of civil servants who went on to ­become a high-ranking government official and was an ambitious amateur poet during his days as a law student in the 1820s. • His sister Franziska appeared regularly as a performer of Schubert’s songs—establishing contact with the composer, which led to one single setting: in 1826, Pratobevera commissioned a piano accompaniment for the final scene of his verse drama Der Falk, known today as the melodrama Der Abschied D 829.

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Johann Ladislaus Pyrker b. 1772, Nagyláng d. 1847, Vienna • Austrian-Hungarian cleric who as Patriarch of Venice and Archbishop of Eger was part of the political and ecclesiastical establishment of the Habsburg empire. Wrote patriotic epic poems about tales from Habsburg history and considered himself ➝ Johann Wolfgang von Goethe’s equal—an assessment that was not necessarily mutual. • Schubert met the influential Pyrker at the salon of ➝ Matthäus von Collin in 1820 and thanked him for his ­patronage by dedicating his Three Songs Op. 4 to him. In 1825 they both met again at the spa town of Bad Gastein, which Pyrker had founded, and Schubert wrote Das Heimweh D 851 and Die Allmacht D 852, setting texts by Pyrker, as a present for his “host.” Johann Friedrich Rochlitz b. 1769, Leipzig d. 1842, Leipzig • Novelist, poet, librettist, and playwright, but mainly known as the founder and editor of the Leipzigbased Allgemeine musikalische Zeitung, one of the most important German-language music journals of the 19th century. Had friendly relations with luminaries such as ➝ Friedrich von Schiller and ➝ Johann Wolfgang von Goethe and published Auswahl des Besten aus Friedrich Rochlitz’ sämmtlichen Schriften (“Selection of Highlights


from Friedrich Rochlitz’s Complete Works”) in six volumes from 1821 ­onwards. • Schubert was always highly praised in Rochlitz’s journal—presumably at the recommendation of the publisher Tobias Haslinger, he composed three songs setting poems by Rochlitz in 1827: Zur guten Nacht D 903, Alinde D 904, and An die Laute D 905. Rochlitz was pleased and sent Schubert his text Der erste Ton with detailed instructions how it should be set—Schubert responded with polite but definite refusal.

set poems from Goethe’s and Platen’s collections, now also wrote a series of songs setting texts by Rückert, including Dass sie hier gewesen D 775 and Du bist die Ruh D 776. Johann Gaudenz von Salis-Seewis b. 1762, Malans d. 1834, Malans

• Served as an officer in the Swiss Guards of the French King in Versailles, but left France after the French ­Revolution and returned to Switzerland, where he continued his military career and wrote poetry on the side as a “poet general.” • Salis-Seewis’s texts were set to music Friedrich Rückert b. 1788, Schweinfurt d. 1866, Neuses by numerous composers more than 400 times. Schubert wrote a total of • After a journey to Italy during which 20 songs on his texts between 1815 and 1817, some of which he knew from he became friends with ➝ Wilhelm Müller, he encountered the orientalist his school books and from a ­paperback edition published in Vienna in 1815, Joseph Hammer-Purgstall in Vienna in 1818, who awakened his enthusiasm including Der Jüngling an der Quelle for the languages of the Middle East. D 300 and Der Herbstabend D 405. Became an outstanding expert and translator of Arabic and Persian literaFriedrich von Schiller ture and poetry and was one of the b. 1759, Marbach am Neckar most productive poets of his time— d. 1805, Weimar his complete works include approximately 10,000 poems. • A trained physician who escaped the • In 1822, inspired by ➝ Johann service of Karl Eugen of Württemberg Wolfgang von Goethe’s West-östlicher to work in Mannheim and Dresden, Divan and his friend ➝ August von eventually settling in Jena and Weimar Platen’s Ghaselen, which came out and becoming the most important shortly before, he published his protagonist of Weimar Classicism to­anthology Östliche Rosen, which received a positive review in ➝ Matthäus gether with ➝ Johann Wolfgang von von Collin’s Jahrbücher der Literatur in Goethe. Vienna. Schubert, who had already • Plays such as Die Räuber (which brought Schiller national fame practi-

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cally overnight in 1781), Don Karlos (1787), Wallenstein (1799), and Wilhelm Tell (1804) in particular won over a young, anti-authoritarian, and liberal audience across Europe for Schiller until long after his death—including Schubert’s circle of friends when ­Anton Doll’s company published the first Viennese edition of Schiller’s works in the 1810s. • Another important Schiller source for Schubert were the settings of his poems by Johann Rudolph Zumsteeg, who was a close friend of the poet, and whose work Schubert studied ­intensively during his school days. In 1811 he composed his first Schiller song, Des Mädchens Klage D 6. This was followed by 43 further songs until 1823, including extensive ballads such as Der Taucher D 77, Die Bürgschaft D 246, and Die Götter Griechenlands D 677.

to music between 1815 and 1826, until the latter’s death, but withdrew somewhat from the Schubert circle in the 1820s following his marriage. August Wilhelm von Schlegel b. 1767, Hanover d. 1845, Bonn

• Together with his younger brother ➝ Friedrich von Schlegel founded the journal Das Athenaeum in Jena in 1798, which became the mouthpiece of Jena Romanticism. Published ­German translations of 17 Shakespeare plays that are considered some of the greatest achievements of any 19th­century translator. His lecture series Über schöne Literatur und Kunst (Berlin, 1801–04) was a fundamental contribution to 19th-century linguistic philo­ sophy. In 1818, he was appointed to the first German chair for Indology in Bonn, where he became a co-founder of that discipline and of comparative Franz Xaver von Schlechta literature. b. 1796, Písek d. 1875, Vienna • As a Romantic, Schlegel also wrote poems, but never achieved particular • A graduate of the Kremsmünster recognition as a novelist and poet. ­abbey school and Vienna’s Stadtkonvikt, Schubert kept coming back to his he was friends with numerous members texts occasionally over the course of of the Schubert circle as well as the ten years, setting a total of ten of composer himself. Made a living as a them, from Lebensmelodien (D 395) in civil servant while trying to achieve 1816 to Ständchen (D 889) in 1826. recognition as a playwright and poet—rather unsuccessfully. Also worked as a theater, opera, and music Friedrich von Schlegel critic and published many positive b. 1772, Hanover d. 1829, Dresden ­reviews of Schubert’s works. • Remained on friendly terms with • Lived in Jena from 1799 to 1801 in Schubert, who set six Schlechta poems shared accommodation with his

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brother ➝ August Wilhelm von Schlegel, where Novalis, Tieck, Schleiermacher, Schelling, Fichte, and others were regular visitors, making it the nucleus of Romanticism. Won ­renown throughout the German-speaking countries with his novel Lucinde in 1799 and developed his ­notion of “progressive universal poetry” through fragments and essays written for the journal Das Athenaeum. • After studying Sanskrit in Paris (where his teachers included Antoine-­ Léonard de Chézy, who would later marry ➝ Helmina von Chézy), he published Über Sprache und Weisheit der Indier in 1808, a fundamental work for the developing field of Indo-European linguistics. Shortly thereafter, he moved to Vienna and converted to Catholicism—leading to a break with his brother and former companions (as in the case of ➝ Franz von ­Bruchmann), but also to the development of a new circle devoted to ­Catholicism and mysticism, among whose members was ➝ Jakob Nikolaus Craigher de Jachelutta. • Beginning in 1818, Schubert set to music almost exclusively poems from Schlegel’s “Romantic” period—at a time when their author had long ­retracted many of the views that had fascinated Schubert’s circle of friends. In 1825 Schubert and Schlegel met personally; the last setting, Fülle der Liebe D 854, dates from that year.

Franz von Schober b. 1796, Malmö d. 1882, Dresden • Was in contact with many members of the Schubert circle during his school days, becoming a close friend of the composer, who lived with the Schober family several times. Over the course of an eventful life he tried his hand at being a poet, actor, and director of the Lithographic Institute in Vienna, organizing reading circles regularly in the early 1820s (where Schubert encountered many of the texts he subsequently set to music) as well as exuberant parties—Schubert’s syphilis infection also dates to this ­period. During a quarrel about Schober’s secret engagement to ➝ Franz von Bruchmann’s sister, Schubert took Schober’s side—which led to the breakup of the original circle of friends. After Schubert’s death, Schober met Franz Liszt and ultimately became his secretary in Weimar. • Between 1815 and the end of his life, Schubert set many of Schober’s poems to music, including Am Bache im ­Frühling (D 361) in 1816. Schober also wrote the libretto for Schubert’s opera Alfonso und Estrella D 732, which remained unperformed in the composer’s lifetime. Ernst Schulze b. 1789, Celle d. 1817, Celle • Studied philosophy, philology, literary history, and aesthetics and taught briefly at the University in Göttingen,

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but then devoted himself entirely to poetry, inspired by ➝ Schiller, and ➝ Hölty, among others. Schulze’s greatest muse was Cäcilie Tychsen, daughter of the orientalist and theo­ logian Thomas Christian Tychsen, whom he pursued with almost manic affection and to whom he devoted his entire personal and literary life. After Cäcilie’s early death, her sister Adelheid became the focus of this psychopathological fixation; the family eventually broke off all contact with Schulze. • Published poems and poetic stories in verse, many of which were set to music. Among them, the nine Schulze songs by Schubert stand out, written within one year, between March 1825 and March 1826.

Sir Walter Scott b. 1771, Edinburgh d. 1832, Abbotsford

• Began his literary career translating German writers, including ➝ Johann Wolfgang von Goethe, whose Wilhelm Meisters Lehrjahre strongly influenced Scott’s The Lady of the Lake (1810). As one of the inventors of the genre of the historical novel, he had a lasting influence on the development of literature in the 19th century: his first novel Waverley (1814) was followed by 24 others, many of which became models for plays and operas immediately after their publication—examples ­include Donizetti’s Lucia di Lammermoor and Rossini’s La donna del lago. • Like the works of another Scotsman —James Macpherson, also known as Christian Wilhelm von Schütz Ossian—Scott’s novels were read b. 1776, Berlin d. 1847, Leipzig ­enthusiastically throughout Europe, and one of his documented readers • Trained as a lawyer, he began a legal was Schubert’s friend ➝ Franz von Schober. In 1825 Schubert composed career in the Prussian administration which ended with his suspension in seven songs on poems from The Lady of the Lake (in a German translation by 1811 after he had criticized HardenAdam Storck), including one of his berg’s reforms. Active as a writer in Berlin’s Romantic circle around 1800, most famous, Ellens Gesang III D 829, together with Tieck and ➝ A. W. better known by its opening line as Schlegel. Schlegel published Schütz’s “Ave Maria.” first drama Lacrimas in 1803; Schubert set two of its scenes to music, including Lied des Florio D 857/2. Schütz never Johann Gabriel Seidl b. 1804, Vienna d. 1875, Vienna achieved major literary success and ­instead published widely on questions • Tried to make a name for himself as of law, philosophy, and religion; he also edited the first German publication a poet in Vienna during the 1820s, later working as a grammar school of Casanova’s works. teacher and curator; became known

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to a larger public mainly as the author of poems in dialect and travel guides as well as the author of the text to the Austrian “Kaiserhymne” (Emperor’s Anthem). • In 1826 Schubert received a copy of Seidl’s Dichtungen in drei Bänden—Seidl kept a kind of “composer mailing list,” hoping to spur his literary career by having his poems set to music. Schubert did not find a friend in Seidl, but found at least 14 of his poems to set, including that of his last song, Die Taubenpost D 965a of 1828. Johann Chrysostomus Senn b. 1795, Pfunds d. 1857, Innsbruck • Schubert’s fellow student at the Stadtkonvikt in Vienna from 1810 ­onwards, a close friend of the composer and supporter of the Tyrolean independence movement. Was ­questioned by the police one morning after a party in 1820, together with Schubert and ➝ Franz von Bruchmann. Unlike them, he was actually arrested —the authorities considered his ­separatist views a threat. Finally went into exile in Innsbruck, where he struggled with financial problems and became an alcoholic. • Bruchmann, who visited Senn and brought his poems back to Vienna, took on the role of an intermediary with Schubert after their direct contact had ended. Schubert set Senn’s Selige Welt (D 743) and Schwanengesang (D 744) to music, publishing them in his Opus 23 in 1823.

Johann Petrus Silbert b. 1772, Colmar d. 1844, Vienna • Taught literature and French at the Polytechnikum in Vienna from 1817 onward and was an enthusiastic ­follower of the Redemptorist priest (and later patron saint of Vienna) ­Clemens Maria Hofbauer. Resigned from teaching in 1835, dedicating himself exclusively to writing religious tracts instead. • In 1819 he wrote Die heilige Lyra, a collection of sacred poems of which Schubert set two: Abendbilder (D 650) and Himmelsfunken (D 651). Possibly, one of his literary circles drew his ­attention to these texts. Albert Stadler b. 1794, Steyr d. 1884, Vienna • Composer and poet who met Schubert and many other members of the circle of friends—including ➝ Johann Chrysostomus Senn, ➝ Franz Xaver von Schlechta, and ➝ Franz von Schober—at Vienna’s Stadtkonvikt. Numerous Schubert songs dated 1813 to 1817 have only come down to posterity due to Stadler, who made copies of the autographs. His own musical works have only been preserved as fragments. From 1817 he worked as a civil servant in Steyr, later in Linz and Salzburg, meeting Schubert only occasionally. • Schubert’s high esteem for Stadler is documented by settings such as Lieb Minna D 222 and Namenstagslied

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D 695 as well as the dedication of the Seven Songs Op. 52, based on ➝ Sir Walter Scott’s The Lady of the Lake.

Swabian School of Poetry. • His Gesammelte Gedichte published in 1815 reached 42 editions during Uhland’s lifetime alone and were set to music by numerous composers, not just Friedrich Leopold zu Schubert (Frühlingsglaube D 686) but Stolberg-Stolberg also Brahms, Liszt, and Schumann. b. 1750, Bramstedt d. 1819, Melle ­Uhland’s wayfaring songs were admired by ➝ Wilhelm Müller, the author of • Together with his brother Christian, Winterreise, among others; their settings Stolberg was a member of the by Conradin Kreutzer also influenced Schubert when he worked on this ­Hainbund in Göttingen, where he came into contact with Johann Heinrich song cycle. Voß and ➝ Ludwig Hölty, among others. Joined ➝ Johann Wolfgang von Goethe on his travels to Switzer- Johann Peter Uz land and became known not only for b. 1720, Ansbach d. 1796, Ansbach his poems, but mainly for a translation of Homer’s Iliad. Settled in Münster • Left his home in Franconia to study with his wife and children in 1800, law in Halle, where he began his there undergoing the same reorienta- ­literary activities within the circle of tion towards conservative Catholicism Anacreontics around Gleim. Published Oden Anakreons in reimlosen Versen in as ➝ Friedrich von Schlegel and ➝ Franz von Bruchmann in Vienna. 1746. Later he increasingly emulated Klopstock’s poetry of the sublime, • Schubert’s nine Stolberg settings, ­inspired by the Sensibility movement, composed between 1816 and 1823,­ and returned to his native Ansbach, ­include Stimme der Liebe D 412 and where he lived the life of a recluse. Auf dem Wasser zu singen D 774, one His poetry influenced the young of his most popular songs. ➝ Friedrich von Schiller. • In 1804 a deluxe edition of Uz’s works appeared in Vienna—Schubert Ludwig Uhland b. 1787, Tübingen d. 1862, Tübingen could not afford it, but the cheaper paperback reprint was within his means. It included the texts for Der • A lawyer by training, Uhland was gute Hirte D 449 and Gott im Frühling equally successful as a politician (he was a member of the State Parliament D 448, presumably the best-known Schubert setting of an Uz text. in Stuttgart and of the National ­Assembly in Frankfurt in 1848–49), ­literary scholar, and poet. He is considered an important protagonist of the

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Marianne von Willemer, née Pirngruber b. 1784, Linz d. 1860, Frankfurt (Main) • Moved from Vienna to Frankfurt in 1798 with her mother, an Austrian ­actress. There she appeared on stage herself and met her future husband Johann Jakob von Willemer, a friend of ➝ Johann Wolfgang von Goethe. A close, even romantic relationship developed between von Willemer and Goethe, including a correspondence maintained until Goethe’s death. Von Willemer became one of the most ­intimate experts on Goethe’s works and wrote two poems that Goethe published under his own name in his West-Eastern Divan in 1819. • When Schubert composed his two Suleika songs D 717 and D 720 on texts from the West-Eastern Divan in 1821, he was unaware that the poems were not Goethe’s. Von Willemer’s authorship was revealed only after both Goethe and Schubert had died.

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Schubert-Woche 2020  

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