Lettre aus Berlin #12

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VERTRETUNG VON OSTBELGIEN, DER FÖDERATION WALLONIE- BRÜSSEL UND DER WALLONIE

AUS DE B ERLIN

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AUSGA BE ZWÖLF Lettre aus Berlin

2019


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AUSGABE ZWÖLF 2019 LETTRE AUS BERLIN

INHALT 3 E D I T O R I A L 4 T R A N S M E D I A L E , B A U H A U S J A H R 2 0 1 9 5 K Ö N I G S B E S U C H 6 W I L LY B O R S U S I N D Ü S S E L D O R F 7 F E S T TA G E 8 R E G I O N A L E Z U S A M M E N A R B E I T, S O M M E R S T I P E N D I U M 9 B E L G I E N TA G I N PA D E R B O R N , B E L G I S C H E D E U T S C H L E H R E R I N L E I P Z I G 10 BILDENDE KUNST 11 MUSIK 1 2 T H E AT E R 1 3 L I T E R AT U R 16 FILM 18 EUNIC 19 EIFEL – OSTBELGIEN – ABEND, FRANKOPHONIE 20 WIRTSCHAFT 21 TOURISMUS K O N TA K TA D R E S S E N I N D E U T S C H L A N D


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Mauerstreifenpflege © Frank-Michael Arndt

EDITORIAL

Liebe Leserinnen und Leser, 2019 war ein ganz besonderes Jahr. Nicht nur wegen der Fülle an Ereignissen und Veranstaltungen, die von der Ver­ tretung Ostbelgiens, der Föderation WallonieBrüssel und der Wallo­nie in Deutschland begleitet oder ausgerich­tet wurden. Es war auch ein Jahr, in dem sich eine Reihe von Ereignissen jährten. Anlass auch für die Vertretung, sich zu erinnern. Zum Beispiel an den Fall der Berliner Mauer und das Ende der Teilung Deutschlands. Vor 30 Jahren begann in Berlin ein Aufbruch, der für die Stadt einen Prozess der ­Metamorphose einleitete, der bis ­heute andauert. In ausgewählten Fotografien von Frank Michael Arndt ließen wir diese Zeit des Aufbruchs in einer Ausstellung in der Belgischen Botschaft ­Revue passieren. In dieser Ausgabe der Lettre lesen und ­sehen Sie hierzu mehr. Vor 20 Jahren nahm die erste ­wallonische Diplomatin, als Vertreterin der französischsprachigen Teilstaaten Belgiens ihre Arbeit in Berlin auf.

Auch zu diesem Jubiläum erfahren Sie in der Ihnen jetzt vorliegenden Aus­gabe unserer Publikation mehr. 2019 endete auch die 2014 begonnene Legislaturperiode und mussten die Belgier – nicht nur für die Europawahlen- an die Urnen. Es galt sämtliche Parlamente auf föderaler und auf Ebene der Teilstaaten, also Belgiens Bundesparlament und die Landtage, neu zu wählen und jeweils neue Regierungskoalitionen zu bilden. Inzwischen sind alle Regierungen, deren Interessen die diplo­matische Vertretung von Ostbelgien, der Föderation WallonieBrüssel und der Wallonie vertritt, eingesetzt und haben ihre Arbeit aufgenommen. Doch nicht nur politisch war 2019 ein spannendes Jahr für die Vertretung, sondern auch in der Kulturdiplomatie barg 2019 viel Besonderes. Ich wünsche Ihnen beim Streifzug durch eine Auswahl dessen, was 2019 für die Vertretung in Berlin ausmachte, viel Lese­freude. IHR ALEXANDER HOMANN

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Katalog Neues Museum © DGCFRW

Transmediale ©Frank-Michael Arndt

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TRANSMEDIALE UND BESUCH VON MINISTERPRÄSIDENT RUDI DEMOTTE Zum Jahresbeginn 2019 fand im Rahmen der Festivals für Digitale Kunst »Transmediale« und »CTM« in der Belgischen Botschaft in Berlin eine von der Vertretung ausgerichtete und vielbeachtete Ausstellung mit wallonischen Künstlern aus dem Bereich der Digitalkunst statt. Neben einer großen Installation, die der Ausstellung mit »Signals« den Namen gab, waren auch zwei Beispiele von Videokunst zu sehen.

Eröffnungsrede das bedeutende und bemerkenswerte Potential künstlerischer Schöpfungskraft im Bereich der Digitalkunst in der Wallonie und zeigte sich erfreut vom großen Interesse der Berliner Szene an den Werken wallonischer Künstler. Ministerpräsident Demotte nutzte seinen Aufenthalt dabei auch zu politischen Gesprächen, die durch die Vertretung vermittelt worden waren. Er traf dabei auch mit der aus Belgien stammenden Parlamentarierin und stellvertretenden VorsitZur Eröffnung war neben den Künstlern Manuel Abendroth, zenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Frau Els Vermang, Felix Luque und Julien Maire auch der dama- Daniela De Ridder zusammen und hatte im Bundesministelige Ministerpräsident der Föderation Wallonie-Brüssel, Rudi rium für Arbeit und Soziales einen anregenden Austausch mit Demotte nach Berlin gereist. Demotte unterstrich in seiner Staatssekretärin Annette Kramme.

BAUHAUS – JAHR 2019 UND WIEDERERÖFFNUNG DES NEUEN MUSEUMS IN WEIMAR Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der Klassikstiftung Weimar im Rahmen des Henry-van-de-Velde Jahres 2013, war es für die Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie Brüssel und der Wallonie in Deutschland eine besondere Freude, die Publikation eines Kapitels zur Kunstschule »La Cambre« in Brüssel im Katalog des wiedereröffneten Neuen Museum in Weimar zu unterstützen. In der Ausstellung des Neuen Museums wird der Einfluss von Wegbereitern der frühen Moderne wie Friedrich Nietzsche, Harry Graf Kessler und Henry van de Velde auf die Entwicklung

der avantgardistischen Kunstschule in Weimar deutlich. Mit zahlreichen Exponaten wird in diesem gediegenen und 2019 nach Renovierungsarbeiten neueröffneten Ausstellungshaus das funktionale wie vornehme Design des »Alleskünstlers« Henry van de Veldes präsentiert. Der Katalogbeitrag spannt dabei einen Bogen von Weimar nach Brüssel, wohin Henry van de Velde zurückkehrte, um mit der Gründung der Kunstschule »La Cambre« im Jahr 1926, der Kunst auch dort neuen Aufschwung zu verleihen und so bis heute auch in der Lehre in Belgien einen Platz zu haben.


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©Kabinett Ministerpräsident Oliver Paasch

König Philippe und Königin Mathilde haben im Juli im ­Rahmen einer zweitägigen offiziellen Reise Thüringen und SachsenAnhalt besucht. Als erster, nach den Wahlen vom 26. Mai bereits vereidigter Regierungschef, begleitete der Ministerprä­si­ dent der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Oliver Paasch das Königspaar. Zum Auftakt der Reise besichtigte das Königspaar in Gotha unter anderem das Schloss Friedenstein und machte ­damit eine Zeitreise zu den Wurzeln der belgischen Dynastie. Das Adelsgeschlecht, dem mit Leopold I., der erste König der Belgier entstammt und in dem damit auch der heutige ­König P­hilippe seine Wurzeln hat, unterhielt mit Schloss Frieden­ stein in der Thüringischen Stadt einen Sitz im früheren Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha. Ebenfalls in Thüringen besuchte das Königspaar die KZ-­ Gedenkstätte Buchenwald bevor in Weimar eine Besichtigung des neuen Bauhausmuseums und des Neuen Museums auf dem Programm standen. Am zweiten Besuchstag begaben sich der König und die Königin in Wittenberg in Sachsen-­ Anhalt auf die Spuren des Reformators Martin Luther, sahen sich in Dessau zum 100. Jubiläumsjahr des Bauhauses das dortige Museum und die Meisterhäuser an um dann nach einem Abstecher in den Chemiepark Leuna wieder nach Brüssel zurück zu reisen.

©Kabinett Ministerpräsident Oliver Paasch

KÖNIGSBESUCH IN THÜRINGEN UND SACHSEN-ANHALT


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BESUCH VON MINISTERPRÄSIDENT BORSUS IN DÜSSELDORF UND UNTERZEICHNUNG DER ABSICHTSERKLÄRUNG­ es unter anderem darum, neue Innovationspartnerschaften beider Länder in Zukunftsbranchen wie ­ Kommunikationsund Informationstechno­logien, Biomedizin oder Erneuerbare Energien anzuschieben. Die Wallonie und Nordrhein-West­ falen wollen darüber hinaus auch verstärkt nach gemeinsa­ men Lösungen zur Energie­wende suchen, um eine sichere, bezahlbare und klimaverträgliche Energieversorgung in beiden Regionen zu gewährleisten. Das soll zum Beispiel durch einen Austausch zur stärkeren Integration von Erneuerbaren Energien in das Stromnetz und einen verstärkten, gemeinsa­men Übertragungsnetzbau erfolgen. Übereinstimmend hieß es von den beiden R­ egierungschefs, dass das neue Abkommen die Zusammenarbeit der beiden Partner hierzu auf eine neue, zukunftsfeste Grundlage stellen wird.

© Land NRW/Uta Wagner

Der bis zu den Wahlen vom 26. Mai noch amtierende wallonische Ministerpräsident Willy Borsus besuchte am 14. Mai 2019 Düsseldorf und wurde in der Staatskanzlei von Nord­ rhein-­Westfalen von seinem Amtskollegen Ministerpräsident Armin Laschet empfangen. Im Anschluss an den Eintrag ins Gästebuch tauschten sich beide Regierungschefs unter anderem über europa­politische Themen aus. Als weiteres zentrales Gesprächsthema stand die Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit z­wischen der Wallonie und Nordrhein-Westfalen im Mittelpunkt der Be­geg­ nung. Hierzu unterzeichneten Ministerprä­sident ­Borsus und sein Amtskollege Armin Laschet eine Gemeinsame Erklärung. Sie sieht vor, die Zusammenarbeit ins­besondere in den Ber­ei­ chen Verkehr und Mobilität, Forschung und Innovation s­ owie Energie zwischen der Wallonie und Nord­rhein-Westfalen zu intensivieren. In den Bereichen Forschung und ­Innovation geht


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FESTTAGE DER FÖDERATION WALLONIEBRÜSSEL UND DES 20JÄHRIGEN ­B ESTEHENS DER VERTRETUNG

Alexander Homann im Gespräch mit Marie-Henriette Timmermans © Frank-Michael Arndt

Empfang© Frank-Michael Arndt

Der Festtag der Föderation Wallonie-Brüssel, der traditionell Linse eines Einwohners jenes Staates in den Fokus genomam 27. September gefeiert wird und den auch die Vertretung men, der damals in Auflösung begriffen war um schließlich jedes Jahr in Berlin aufgreift, war 2019 Anlass, gleich mehrere in einem wiedervereinten Deutschland aufzugehen. Im RahJubiläen im Rahmen eines Abendempfangs in der Belgischen men des Abendempfangs aus Anlass des Feiertages der Föde­ Botschaft zu begehen. In Anwesenheit zahlreicher Vertreter ration Wallonie-Brüssel wurde diese Fotoausstellung mit des Diplomatischen Corps, aus Politik und Gesellschaft, sowie den Arbei­ten von Frank-Michael Arndt in Erinnerung an den­ Vertretern oder Präsidenten mehrerer Belgischer Parlamente 30. Jahrestages des Mauerfalls in Berlin eingeweiht. Und noch sowie des Präsidenten des AdR und der Hauptgeschäftsfüh- ein zweites Jubiläum konnte am Abend des 30. Septem­ber 2019 rerin des wallonischen Außenamtes, Pascale­­Delcomminette, in Berlin begangen werden: das Bestehen einer ­diplomatischen waren mehr als 200 Gäste der Einladung der Vertretung in die Vertre­tung der Wallonie in Deutschland jährte sich zum 20. Belgische Botschaft am 30. September 2019 gefolgt. 30 J­ahre Mal. 1999 war unter Leitung von Marie-Henriette Timmermans ist es jetzt schon her, dass mit dem Fall der Berliner Mauer das die diplomatische Vertretung der ­Wallonie in Deutschland einEnde der Teilung Deutschlands eingeläutet wurde. Die Zeit gerichtet und von ihrem Nachfolger, Roger Hotermans und seiab November 1989 und die Jahre des Aufbruchs in den 1990er ner Arbeit ab 2004 konso­lidiert worden. Beide, Timmermans Jahren – gerade in Berlin- hat der ­Fotograf Frank-­Michael und Hotermans, waren am 30. September der Einladung der Arndt in herausragender Weise aus der Sicht und durch die Vertretung gefolgt und nach Berlin gekommen.


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VERANSTALTUNG ZUR REGIONAL EN, GRENZÜBERSCHREITENDEN ZUSAMMENARBEIT IM BMI

© BMI, Dirk Enters

© BMI, Dirk Enters

Die für die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens und die Wallonie so wichtige regionale, grenzüberschreitenden Zusammenarbeit stand im September 2019 im Mittelpunkt eines vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat organisierten Symposiums, zu dem auch der Leiter der Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie in Berlin, Alexander Homann als Referent vom BMI eingeladen war. Welche Schwierigkeiten treten trotz des Wegfalls von Grenzen an den Nahtstellen der Europäischen Union auf? Wie kann man ihnen begegnen oder sie überwinden? Was können grenzüberschreitende Verflechtungsräume an Verbesserungen im täglichen Leben für Bürgerinnen und Bürger erwirken und welcher Mehrwert kann bei Kooperationen zwischen unterschiedlichen Gebietskörperschaften über Grenzen hinweg entstehen? Solche und ähnliche Fragen standen bei der vom BMI in Berlin ausgerichteten Veranstaltung im Mittelpunkt. Die Erfahrungen, die in Ostbelgien bei der regionalen, grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Rahmen des Verflechtungsraums der Euregio Maas-Rhein seit 1976 gemacht wurden und werden, sowie die Ergebnisse aber auch Schwierigkeiten der Kooperation zwischen der Wallonie, Deutschland und Frankreich in der Großregion, die allesamt vom Leiter der Vertretung in einem Impulsreferat und einer anschließenden Diskussionsrunde vorgestellt und erläutert wurden.

SOMMERSTIPENDIUM IN DER WALLONIE Das zur Tradition gewordene Stipendium für ausländische Studierende hat zum Ziel, diejenigen zu unterstützen, deren Anliegen es ist, die Sprache eines Landes zu lernen und den Austausch der Kulturen voranzubringen. So ermöglicht Wallonie-Brüssel International (WBI) deutschen Studierenden, sowohl am Sprach- als auch am Literaturunterricht in französischer Sprache teilzunehmen. Diese Kurse werden von der Freien Universität Brüssel (ULB) durchgeführt. Dabei haben die ausgewählten Studenten die Möglichkeit, innerhalb von drei Wochen ihre mündlichen und schriftlichen Kenntnisse in Französisch zu perfektionieren sowie die französischsprachige Kultur und Literatur und insbesondere die französischsprachige Kultur und Literatur Belgiens zu entdecken.

Um sich für das Stipendium zu qualifizieren, ist es erforderlich, dass der Studierende vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze verstehen und anwenden kann und in der Lage ist, sich und andere vorzustellen und seinem Gesprächspartner Fragen zu ihrer Person zu stellen. Das Stipendium deckt die Einschreibegebühren sowie Unterkunft und Verpflegung ab. Am Ende des Praktikums wird eine Teilnahmebescheinigung ausgehändigt. ! Für praktische Fragen empfehlen wir die folgende Website: www.wbi.be oder http://www.ulb.ac.be/facs/ltc/coursVacances.html


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BELGIENTAG 2019 AM BELGIEN­ ZENTRUM PADERBORN ­ gischen Kultur und der Kultur der Regionen und Gemeinschaften Belgiens. Hierzu trägt auch die Schenkung einer umfangreichen Privatsammlung von Büchern des Schriftstellers und ständigen Sekretärs der königlichen Akademie für französische Sprache und Literatur in Belgien, Jacques De Decker bei. Angereichert wird die Lese­lounge des Belgienzentrums der Universität Paderborn zudem kontinuierlich durch Bücherschenkungen von Wallo­nie-­­ Bruxelles International (WBI) und Medien in allen drei Landessprachen.

© Cécile Jeukenne

Eröffnung der Leselounge © Julia Brandes, Hendrick Peeters

Zum dritten Mal bereits hat 2019 das an der Universität Paderborn angesiedelte Belgienzentrum, kurz BELZ, zum Belgientag eingeladen. Nach einem Eröffnungskonzert, das von der Generaldelegation Flanderns ermöglicht wurde, fanden am eigentlichen Belgientag, dem 15. Mai, eine hochkarätig besetzen Diskussionsrunde zur Euregio Maas-Rhein, der Startschuss für den Internetauftritt des BELZ, das BelgienNet und die Eröffnung einer BelgienLeselounge in der Universitäts­bibliothek statt. Diese Leselounge bietet ein großes Potential für zukünftige Forschungen zur bel-

PROGRAMM FÜR BELGISCHE DEUTSCHLEHRER IN LEIPZIG Um Deutschlehrer aus allen Sprachgemeinschaften Belgiens weiter in Ihrer Motivation zur Unterrichtung der Sprache Goethes zu Hause in ihren Schulen in Charleroi, Mons, Lüttich, Antwerpen, Gent oder Welkenraedt zu stärken, ihnen eine Fortbildung zu ermöglichen und ihre Sprachkompetenz zu erweitern – das sind das Ziele der jährlich in Deutschland or­ nter ganisierten Sprach- und Lehrerfortbildungsprogramme u Mithilfe des Deutschen Pädagogischen Austauschdienstes und des Goethe-Instituts. Dieses Jahr war eine Gruppe von gut 30 Lehrern, die in der Wallonie und in Flandern Deutsch als Fremdsprache unterrichten, zur Fortbildung nach Leipzig eingeladen. In enger Zusammenarbeit mit dem Herder Institut an der Universität Leipzig und dem dort angesiedelten InterDaF (Institut für universitäre und voruniversitäre Sprach-

kurse für Deutsch als Fremdsprache) war ein umfangreiches, spannendes und abwechslungsreiches Programm für die Lehrer vorbereitet worden. Vermittelt wurden unter anderem Geschichte, interkulturelle Kompetenz und landeskundliche Elemente für den Deutschunterricht. Die Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-­ Brüssel und der Wallonie sowie die Flämische Generalrepräsentanz in Berlin, unterstützen und fördern diese Fortbildung für Lehrer aus Belgien. Wegen seines Engagements verdient dieser Lehrkörper, der Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, besondere Anerkennung und gilt den Deutschlehrerinnen und Lehrern – vor allem vor dem Hintergrund eines schwindenden Interesses am Erlernen des Deutschen als Fremdsprache – besonderer Dank.


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BILDENDE KUNST DIE AUSSTELLUNG » A UFBRUCH - 30 JAHRE MAUERFALL« VON FRANK-MICHAEL ARNDT

© Romain Van Wissen

Im Rahmen der Gedenkveranstaltungen zum 30. Jahrestag des Mauerfalls wurde am 30. September die Ausstellung ­»Aufbruch« mit Bildern des Fotografen Frank-Michael Arndt in den Räumen der Belgischen Botschaft in Berlin eröffnet. Mit seinen Panoramen und Bildern präsentiert der Fotograf die geteilten Stadt, zeigt wie die Menschen trotz großer Spannungen und Unruhen in der Lage waren, diese Turbulenzen mit Besonnenheit und Toleranz untereinander, der Demokratie in einem friedlichen Prozess zum Siege zu verhelfen. Die Impressionen, zufällig ausgewählt, aber jedes Foto mit einer Geschichte, lassen davon etwas erahnen.

© Frank-Michael Arndt »Herbst« © Frank-Michael Arndt/skyart@fmarndt.de

©Romain Van Wissen

»Hügelfrische« © Frank-Michael Arndt/skyart @ fmarndt.de

In Anwesenheit des Ministerpräsidenten von Ostbelgien, Oliver Paasch wurde die Ausstellung »La maison somnole« mit Ar­ beiten des in Ostbelgien lebenden Künstlers Romain Van Wissen am 11. Juni 2019 durch den Generaldelegierten von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der ­Wallonie, Alexander Homann in der Saarländischen Galerie in­Berlin eröffnet. Die oft farbgewaltigen Bilder, Installationen und Collagen von Romain Van Wissen suchen ihre Bezüge in der europäischen Kunstgeschichte und in der Kultur im Allgemeinen. Seine Bildsprache verbindet sowohl malerisch als auch zeichnerisch Sujets aus dem realistischen Alltag und der Natur mit abstrakten Farbkontrasten. Nach dem offiziellen Teil der Eröffnung hatten die Gäste Gelegenheit, sich mit dem Künstler und dem Ministerpräsidenten bei einem Glas Wein auszutauschen.

© Frank-Michael Arndt

SAARLÄNDISCHE GALERIE 1


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MUSIK EIN GENUSS FÜR MELOMANEN 1

© Ricercar Consort

Vox Luminis © Jan Kobel

Das Ricercar Consort bei den Thüringer Bachwochen und beim Bachfest Leipzig. Gleich zwei Mal hatte das Publikum in Sachsen und Thüringen das Vergnügen, den Interpretatio­nen des frühen Werkes von Johann Sebastian Bach durch das wallonische Ensemble Ricercar Consort bei den renommiertesten Festivals in Mitteldeutschland zu lauschen. Einen gebühren­den Rahmen für die Aufführung der Thüringer Kantaten bot zunächst die Stadt­kirche St. Peter & Paul mit ihrem Cranach -Altar in Weimar. Unter der Leitung von Philippe Pierlot wurden die als frühe Meisterwerke des Komponisten geltenden Kantaten mit großem Applaus belohnt. Auch die Aufführung der Markus-Passion beim Bachfest Leipzig und die Weimarer Kantaten II in der Schlosskapelle in Neu Augus­tusburg – ­Weissenfels fanden besonderen Anklang beim ­Publikum.

VOX LUMINIS BEI DEN TAGEN MITTELDEUTSCHER BAROCKMUSIK 2 Am 11. Mai brachte das belgische Vokalensemble Vox Luminis unter der Leitung von Lionel Meunier mit Unterstützung der Vertretung Berlin in der Bachkirche Arnstadt Werke von Dietrich Buxtehude sowie der Musikerdynastie Bach (Heinrich Bach, Johann Michael Bach, Johann Christoph Bach und ­Johann Sebastian Bach) zum Klingen und wurde vom Thüriner Publikum an historischem Ort mit großem Beifall gefeiert. ! www.voxluminis.com ! www.unmittelbarock.de ! www.facebook.com/VoxLuminis


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THEATER SCÈNE 21 NEUE FRANZÖSISCHE THEATERSTÜCKE IM BERLINER ENSEMBLE

© Compganie Tripotes

Arctique©Christophe Engels

te in einer abenteuerlichen dystopischen Reise der Jagd nach Rohstoffen, der Ausbeutung der Inuit und den bedrückenden Folgen einer Klimakatastrophe nach. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Ensemble, dem Bureau Im Anschluss an den umjubelten Auftritt lud die Vertredu Théâtre et de la Danse im Institut français, den Vertretun­ tung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der gen der Regierung von Québec, der Schweizerischen Botschaft ­Wallonie in Anwesenheit des Generaldelegierten Alexander in der Bundesrepublik Deutschland sowie Wallonie-Bruxelles Homann die Künstler und Theaterschaffende zu einem UmInternational (WBI) wurde die Reihe SCÈNE – eine Anthologie trunk in der Berliner Schaubühne ein. von Theaterstücken zeitgenössischer Autoren aus Frankreich und dem französischen Sprachraum – in deutscher Übersetzung am 16. Februar 2019 im Berliner Ensemble präsentiert. DIE COMPAGNIE TRIPOTES BEIM 5. BERLINER Neben der frankophonen belgischen Autorin Florence ­Minder, CIRCUS FESTIVAL AUF DEM TEMPELHOFER FELD 2 setzten sich Pauline Peyrade (Frankreich), Rébecca ­Déraspe (Quebec), und Marina Skalova (Schweiz) mit Missbrauch, Im Rahmen des diesjährigen Berliner Circus Festivals, das Selbstverwirklichung und dem Untergang der Sowjetunion vom 23.8. – 1.9.2019 stattfand, präsentierten neben der belauseinander – stets aus einer spezifisch weiblichen Perspek- gischen Compagnie Tripotes insgesamt 14 Länder aus ganz tive. Die Texte wurden von Schauspielerinnen und Schauspie- ­Europa ihre Interpretationen von Artistik, Tanz und Perforlern des Berliner Ensembles in Form von szenischen Lesungen mance. Das Berlin Circus Festival hat sich seit seiner Grünvorgetragen (Sina Martens, Kathrin Wehlisch, Oliver Kraus- dung zum größten und innovativsten Festival für zeitgenöshaar und Peter Owen Read). sischen ­Circus in Deutschland entwickelt. Gezeigt werden renommierte Produk­tionen, spektakuläre Shows, großartige Nachwuchs­talente und vieles mehr. DER ÖKO-HORROR-THRILLER ARCTIQUE BEIM »Encore une fois« war die erste Produktion der jungen DIESJÄHRIGEN FIND FESTIVAL AN DER BERLINER Compagnie. SCHAUBÜHNE 1 Drei Personen betreten die Bühne. Jede neugieriger als die andere, testen sie auf dem Schleuderbrett die Grenzen des Mit dem Auftritt der frankophonen belgischen Kompanie Möglichen. Dazu sagen sie selbst: Fehler sind erlaubt. Im Cir»Das Fräulein« von Anne-Cécile Vandalem beim diesjährigen cus, wie im Leben, geht es um das Risiko, also lasst uns scheiFIND Festival an der Berliner Schaubühne trat das Publikum tern und von Neuem beginnen. ​Mit viel Authentizität, Mut in eine beklemmende Fantasy-Welt des Jahres 2025 ein, eine und Leidenschaft widmen sich die drei jungen Artist*innen dieser Idee und erkunden die Bühne, den Raum und alle MögWelt, die man eher im Film beheimatet sieht. Im Ballsaal des abgewrackten Kreuzfahrtschiffs »Arctic lichkeiten. Sere­nity« treffen sechs blinde Passagiere, deren Interessen undurchsichtig sind, aufeinander. Ein Live-Kamerateam spür- ! www.berlin-circus-festival.de/tripotes.html


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© Egmont Verlag

Der ehemalige saarländische Minister Commerçon und Botschaftsrat Alexander Homann©Ministerium Saarland

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LITERATUR BUCHMESSE 1

­ esten. Nachdem im letzten Jahr auch die belgische ComicW Figur Spirou durch den Berliner Autor Flix ins Berlin der 80ger Zum ersten Mail war in diesem Jahr ein ostbelgischer Verlag Jahre versetzt wurde (Spirou in Berlin, Carlsen Comics), nutzte zu Gast auf der Leipziger Buchmesse. Auf Einladung des Saar- die Vertretung die Gelegenheit, beide Autoren zu einem ländischen Ministers für Bildung und Kultur, Ulrich Commer- ­Gespräch über den Belgischen Comic und die Helden ihrer çon, teilt der Eupener Grenz-Echo Verlag den Gemeinschafts- Kindheit in die Belgische Botschaft einzuladen. stand mit zahlreichen Saarländischen Verlagen. ! www.gev.be

Bei der Frankfurter Buchmesse konnten die belgischen frankophonen Verleger (ADEB) auch in diesem Jahr wieder die von Wallonie-Brüssel International, der AWEX und Hub Brussels zur Verfügung gestellte Infrastruktur eines großen Gemeinschaftsstandes nutzen und dort ihre Geschäfte abwickeln. Beim traditionellen Cocktail-Empfang am Stand wurde in diesem Jahr der langjährige ADEB Geschäftsführer Bernard ­Gérard in den Ruhestand verabschiedet.

Am 2. Mai 2019 erschien ein Lucky Luke Hommage Band des Deutschen Comic-Zeichners Mawil im Egmont Verlag. Unter dem Titel »Lucky Luke sattelt um« schickt der Berliner den belgischen Comichelden auf dem Fahrrad durch den Wilden

© DGCFRW

AUTOREN ZU GAST 2


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SPIROU4RIGHTS Die 2018 aus Anlass des 70. Geburtstages der Allgemeinen ­Erklärung der Menschenrechte durch das legendäre Spirou Magazin ausgearbeitete Ausstellung »Spirou4rights«, wurde im März in der Belgischen Botschaft präsentiert und als Wanderausstellung Schulklassen in Berlin und Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt. Die von 30 verschiedenen Künstlern verfassten Paneele erläutern die einzelnen Absätze der Menschenrechtserklärung auf unterhaltsame und anschauliche Weise und können im Französischunterricht, aber auch in Politikwissenschaften, Ethik, im Deutsch- und Englischunterricht eingesetzt werden und werden von Schülern und Lehrern mit Enthusiasmus aufgenommen.

LYRIKLINE 3

Lyricline Gioia Kayaga©DGCFRW

Die Lyrikline feierte 2019 ihren 20. Geburtstag. Aus diesem Anlass kamen April die Partner von L’Arbre de Diane in der Wallonie nach Berlin und präsentierten zwei Stimmen der ­Belgischen frankophonen Slam-Szene. Gioia Kayaga erhielt 2013 den Prix Paroles Urbaines. Die belgisch-kongolesische Künstlerin Lisette Lombé ist Gründerin von L-Slam, einem ­Kollektiv für Dichterinnen. Beide Künstlerinnen konnten mit ihren fulminanten Auftritten überzeugen. ! www.larbredediane.be

LITERATISCHES COLLOQIUM BERLIN MERKEL BY KROLL 4

© Kroll

Dank eines Stipendiums der Föderation Wallonie-Brüssel (Promotion des Lettres) verbrachte die bekannte Kinderbuch-­ lautet der Titel der Ausstellung mit Werken des bekannten Autorin und Illustratorin Anne Brouillard den Monat Novembelgischen Karikaturisten Pierre Kroll, die im Mai in der Belgi­ ber als Gast im Literatischen Colloqium Berlin und nutzte schen Botschaft zu sehen war. Thematisiert wurden die deut- ­ihren Aufenthalt zu zahlreichen Workshops und Signierstunsche Bundeskanzlerin und 40 Jahre Deutsch-Französische den mit ihren kleinen Lesern. ­Beziehungen. Die Singnaturen und Zeichnungen des Künst! www.lcb.de lers waren nach der Vernissage sehr gefragt.


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EIN DOPPELTER BLICK AUF WEIMAR

DIE SCHRIFTSTELLER NATHALIE SKOWRONEK UND STÉPHANE LAMBERT BESUCHTEN WEIMAR AUS ­A NLASS DES HUNDERTSTEN GEBURTSTAGES DES BAUHAUSES. SIE SCHILDERN IHRE EINDRÜCKE. ­ 1.

wie sein Denkmal als Jupiter im Treppenabsatz des Neuen Museums. Doch hier, in dieser wie er mythischen Stadt, kehrt man zur Erde zurück, während eines Besuchs, bei dem man ihn besser kennenlernt. Als Fünfundzwanzigjähriger, im Glanz des Ruhmes seines Werther, findet er sich auf dem Pos­ten eines »Premierministers« am Weimarer Hof wieder, eingeladen von Carl August. Der Dichter nimmt an, er sieht die Möglich­ keit, in der Wirklichkeit zu erproben, was er in seinem Geist erdacht hatte: die Welt in ein aufgeklärtes Gemeinwesen verwandeln. Es ist ihm anzurechnen, dass die große Macht, die in seine Hand gegeben wurde, das Feld seines Wissensdurstes erweiterte, ohne aus ihm einen Despoten zu machen. Seine lange Herrschaft, während der er neben dem Schreiben so verschiedene Gebiete wie Kultur, Handel, Bergwerkswesen, Straßenbau usw. verwaltete, war ein goldenes Zeitalter für die Stadt, in der die Kunst konkrete Formen im Alltagsleben annahm und den Boden vorbereitete für den Architekten Henry Van de Velde, der in der Verbindung von künstlerischer Schöpfung und Handwerk die Grundlage eines neuen Menschen sah, was zur Kernphilosophie des Bauhauses wurde. Kehrt man den Lichtern der Stadt den Rücken, kann man aus dem Fenster der dritten Etage des Bauhausmuseum den Buchenwaldturm auf dem Ettersberg emporragen sehen. Die »Goetheeiche«, die mitten im Lager thronte, wurde durch Bomben zerstört. Es bleibt nur der Stumpf, der uns daran erinnert, dass zwischen Traum und Nacht ein zerbrechlicher Pakt besteht – während ersterer sich zu den Höhen erhebt, versinkt der zweite in den Abgründen, ein heftiger Wind kann ihn jeder Zeit zerbrechen.

In Jena, der Stadt von Carl Zeiss, dem Erfinder des Mikroskops, sind optische Effekte wohlbekannt. Doch in Weimar, der aristokratischen Kusine, der Wahlheimat von Goethe und Schiller, einem Ort künstlerischer und philosophischer Avantgarde, sind die Vergrößerungs- und Verkleinerungswirkungen besonders verwirrend. Beim Verlassen des Neuen Museums, wo man erfährt, dass die Schwester Nietzsches die Vormundschaft über den geistesgestörten Philosophen erlangte und dann die Rechte über sein Werk erwarb – ein Segen für die mili­ tante Antisemitin, die ohne einen Pfennig aus Paraguay zurückgekehrt war, wo sie eine arische Kolonie gründen wollte –, entdeckt man das Bauhausmuseum. Als eine Ansammlung von Kästen konzipiert, erweist das Gebäude Walter Gropius die Ehre, dem Nachfolger des Belgiers Henry Van de Velde in der Schule für bildende Künste Weimars. Beide stehen am Anfang einer künstlerischen Entwicklung, die die Grenzen zwischen den Disziplinen beseitigen und den Menschen verändern wollte, indem sie seinen Wohnraum neu erfanden. Heike Anada, die Architektin des völlig neuen Museums, tritt ein schweres Erbe an und muss mit diesem klarkommen. Sie entschied sich dafür, kein Fenster zur Seite des Jorge-SemprúnPlatz, dem früheren Adolf-Hitler-Platz, zu öffnen, jedoch auf der Gegenseite, zu einem Stadtpark hin, große Öffnungen anzubringen. Schweift der Blick zufällig durch eine dieser Öffnungen nach oben, über die Dächer, erblickt er auf dem Gipfel eines Berges, knapp unterhalb des Himmels, einen Turm aus Ziegelsteinen. Dieser wurde 1958 gebaut, um einen Ort zu S.L. markieren, der plötzlich so nah scheint, dass man ihn berühren könnte, wenn man den Arm ausstreckt. Nach einer kurzen Taxifahrt mit etlichen Kurven durch einen Wald, in dem jeder Baum die von der Legende unsterblich gemachte »Goetheeiche« sein könnte, begreift man: der in der Ferne erblickte Turm weist auf die Stelle hin, wo das Lager Buchenwald stand. N.S.

Auf Goethe stieß ich ziemlich überall. Während meiner italienischen Wanderungen. Im Heilbad von Karlovy Vary. In seinem Geburtshaus in Frankfurt. In allen Ecken der Welt dank der Kulturinstitute, die seinen Namen tragen. Und natürlich in seinen Büchern. Werther, als erstes, bis zu Wilhelm Meister. Er gehört zu den Schriftstellern, die von ihrem Mythos erdrückt werden. Man kennt sie, ohne sie zu kennen, man überschreitet selten das Hindernis ihres Rufes, sie strahlen wie unerreichbare Götter. Und Goethe war wahrlich ein Gott, er genoss die Nähe seines Namens zu ihm, Weimar, sein Olymp,

© Nathalie Skowronek, Stéphane Lambert

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Simon weint- Simon pleure © Filmfest München IAD – Arts.be

By the Name of Tania © clindoeilfilms.be

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FILM BERLINALE 1

FILMFEST MÜNCHEN 3

Bei der Berlinale konnte Wallonie-Bruxelles Images zwei bel- Der Filmemacher Sergio Guataquira Sarmiento stellt seinen gische Filme vorstellen: »By the Name of Tania« von Bénédicte Kurzfilm »Simon pleure Simon weint« beim Filmfest München Liénard und Mary Jiménez feierte hier seine Weltpremiere. Er vor. erzählt von der jungen Tania, die in der Peruanischen Goldgräberregion zur Prostitution gezwungen wird. Als zweiter ! www.filmfest-muenchen.de Beitrag ging »God Exists, Her Name Is Petrunya« von Teona Strugar Mitevska ins Rennen, der eine Koproduktion mit FAVOURITES FILM FESTIVAL Mazedonien, Kroatien und Serbien ist. ! www.berlinale.de

BOULI LANNERS 2 Im Juni zeigte das Kino in der Brotfabrik eine Retrospektiven mit Filmen des belgischen Schauspielers Bouli Lanners. Hier wurde nicht nur seine schauspielerische Leistung gewürdigt, sondern auch eine Werkschau seiner Arbeiten als Regisseur gezeigt.

Das Favourites Film Festival ist ein Publikumsfestival, das erfolgreiche Filme von internationalen Festivals in Deutschland präsentiert, die hier nicht regulär ins Kino kommen. Dies geschieht an zwei Festival-Standorten: Bremen (April) und Berlin (September). Auch hier konnte der Publikumsliebling und Gewinnerfilm aus Bremen »Nos Batailles – Our Struggels« des frankophonen belgischen Regisseurs Guillaume Senez punkten. ! www.favouritesfilmfestival.de


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Plakat © Brotfabrik

Duelles © G. Chekaiban

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FILM FESTIVAL COLOGNE

FRANZÖSISCHE FILMWOCHE 4

Das Film Festival Cologne konnte in diesem Jahr mit einem Der Psychothriller »Duelles« war auch der belgische Beitrag besonderen Highlight aufwarten: parallel zum Benelux-Jahr zur Französischen Filmwoche in Berlin im Dezember. der Landesregierung organisierten die Verantwortlichen des Festivals einen Benelux-Schwerpunkt. Als Höhepunkt aus ! www.franzoesische-filmwoche.de belgisch-französischsprachiger Sicht konnte hier sicherlich die Deutschlandpremiere des neuen Films der Brüder Dardenne »Le Jeune Ahmed« angesehen werden. Aber auch der Film »Golden Youth« der Filmemacherin Eva Ionesco stand auf dem Programm, das durch einen Festakt mit Kulturpolitikern aus allen Ländern und Regionen sowie einem Produzententreffen abgerundet wurde. ! www.filmfestival.cologne

FILMTAGE TÜBINGEN Die frankophonen Filmtage Tübingen und Stuttgart präsentierten im November auch wieder eine repräsentative Auswahl von neuen Filmen belgischer Regisseure, wie zum Beispiel »Duelles« von Olivier Masset-Depasse oder »Cavale« von Virginie Gourmel. ! www.filmtage-tuebingen.de

DOXS! Die Filmemacherin Géraldine Charpentier erhielt eine Einladung zu den doxs! Duisburg, um ihren Film »Récit de Soi« vorzustellen, der sich auf eine ungewöhnlich leichte Art und Weise und in Animationsform mit dem Thema Transgender beschäftigt ! www.do-xs.de


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EUNIC BABYLON EUROPA 1 Anfang Mai und im Vorfeld zu den Europawahlen, veranstaltete EUNIC Berlin im TIPI AM KANZLERAMT eine einzigartige Show, mit 17 Acts aus ebenso vielen europäischen Ländern. Diese inszenierten ein gemeinsames Programm mit S­ poken Word, Dancefloor-Jazz, Chanson-Pop, ­ Zymbal-Virtuosität, Neuem Zirkus und Modern Dance. BABYLON EUROPA war der passende Titel für einen Abend, der zeigte, dass die Vielfalt der Kulturen und Sprachen in Europa zwar eine Herausforderung, aber keine Hürde ist. Aus Ostbelgien trat die Slammerin Jessy James LaFleur mit einem emotionalen Beitrag zum Thema Heimat auf, der spontan von der österreichischen Frauen ACapella Gruppe Beat Poetry Club begleitet wurde. Die Künstlerin fungierte gleichzeitig auch als Co-Moderatorin des Abends und führte das Publikum charmant und gekonnt durch das bunte Programm. Aus der Föderation Wallonie-Brüssel trat die Sängerin und Vokalistin Elsa Grégoire auf, die im Zusammenspiel mit der Berliner Dancefloor Jazz Gruppe Bobby Rausch und dem ungarischen Zymbal Künstler Mikloś Lukács ihre Stimme als Instrument einsetzte und zu überzeugen wusste.

GRAPHIC NOVEL DAY 2 Zum diesjährigen Graphic Novel Day beim internationalen literaturfestival berlin am 15. September 2019 hat die Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie in Berlin die Brüsseler Illustratorin und Autorin Dominique Goblet eingeladen. Dominique Goblet ist seit Beginn der 90er Jahre eine Schlüsselfigur der Frankobelgischen Comic-Avantgarde um die Gruppe Frémok. Sie präsentierte gemeinsam mit dem Berliner Comic-Autor Kai Pfeiffer, die im Avant Verlag erschienene Graphic Novel »Bei Gefallen auch mehr…« (Plus si entente), die von der Suche nach Liebe im Zeitalter der sozialen Medien handelt.

EUROPÄISCHEN SPRACHENTAG

Cover Bei Gefallen auch mehr © Avant Verlag

Jessy James Lafleur © Jim Kroft

Beim Europäischen Sprachentag organisierten die EUNIC Mitglieder wieder Minisprachkurse für über 600 Grundschüler in den Berlin Bibliotheken. Die Vertretung hatte in diesem Jahr die Möglichkeit, zwei Klassen aus Lichtenberg mit Belgien und der Französischen Sprache vertraut zu machen. WillkomErdacht wurde dieses Konzept von EUNIC Berlin, dem Netz- menes Hilfsmittel hierzu war das Buch »Der Große Wald« von werk der Europäischen Kulturinstitute. Partner von BABYLON Anne Brouillard (Moritz Verlag), das den Berlin-Besuch der EUROPA war die Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Un- Autorin im November vorbereitete und mit hilfreichem und terstützt wurde die Show durch einen Livestream der Bundes- kindgerechtem Wortschatz eine wahre Schatztruhe für einen zentrale für Politische Bildung. Minisprachkurs bereithielt.


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© Frank-Michael Arndt

Alexander Homann, Daniela De Ridder, Daniel Hilligsmann, Ulrike Hiller, Landrat H.P. Thiel © Frank-Michael Arndt

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EIFEL-OSTBELGIEN ABEND Beim diesjährigen Eifel-Ostbelgien Abend anlässlich der Internationalen Tourismus Börse Berlin im März, trafen erneut Tourismus, Kultur und Kulinarik zusammen. Zu den Klängen des Yannick Ballmann Trios konnten sich die Gäste aus Tourismus, Diplomatie, Politik und Kultur bei ostbelgischen, rheinlandpfälzischen und Bremer Spezialitäten in der Landesvertretung

der Hansestadt Bremen vernetzen. Produkte aus der Regionalmarke »Made in Ostbelgien« wurden von der Firma Schmidt Catering gereicht und bestens präsentiert. ! www.itb-berlin.de www.ostbelgien.eu

Anlässlich der Internationalen Woche der Frankophonie fanden Deutschlandweit wieder zahlreiche Aktionen der frankophonen Botschaften und Vertretungen statt. In Berlin fand die »Fête des Francophonies 2019« unter dem Motto »Solidarität unter den Kulturen« statt und stand unter dem Vorsitz von Burkina Faso und der Schweiz. Austragungsort war wieder das Centre français im Wedding, das mit dem Familienprogramm rund 2000 interessierte Gäste anlocken konnte. Die Vertretung war mit einem Informationsstand präsent und konnte die Besucher auch durch die Spirou4Rights Ausstellung zum Thema Menschenrechte begeistern, die aus diesem Anlass auch im Centre français gastierte. In München wurde eine frankophone Filmnacht organisiert. Sechs Filme wurden im Kinosaal der Hochschule für Fernsehen und Film gezeigt. Aus der Föderation Wallonie-Brüssel war der Film »Nos Batailles« von Guillaume Senez dabei.

Nos Batailles © IOTA Production LFP Les films Pelléas/ RTBF/Auvergne-Rhône-Alpes Cinéma

FRANKOPHONIE


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© Sonaca Aircraft

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DER FLUGZEUGBAUER SONACA AIRCRAFT IN DEUTSCHLAND Aufgrund der guten Auftragslage hat der wallonische Flugzeugbauer Sonaca Aircraft seine Kapazitäten erweitert. Ziel des Unternehmens ist es, in drei Jahren 60 bis 80 Flugzeuge pro Jahr herzustellen. Der Flugzeugbauer mit Hauptsitz in Gosselies hat vor kurzem eine neue Montagehalle auf dem Flugplatz von Namur in Betrieb genommen. In diesem neuen, 2000 m2 großen Gebäude kann das Unternehmen gleichzeitig an acht Flugzeugen des Typs S200 arbeiten. Ein weiterer Pluspunkt der neuen Niederlassung ist der direkte Zugang von der Halle zum Flugfeld; hier können die Flugzeuge nach der Fertigstellung sofort getestet werden. Vom Flugzeugtyp Sonaca 200 werden zwei Versionen gebaut: das Modell Sonaca 200 Trainer und das Modell Pro, das mit einem Glas-Cockpit ausgestattet ist, bei dem die Fluginformationen nicht mehr auf herkömmlichen Geräten ange-

zeigt werden, sondern auf einem Bildschirm. Die beiden ­Modelle wurden von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) im Juni 2018 bzw. Juli 2019 zugelassen. Sonaca Aircraft verkauft seine Flugzeuge international; unter anderem werden sie nach Deutschland, Frankreich, Großbritannien und in die Türkei ausgeliefert. Zudem plant das Unternehmen, weitere Serviceleistungen zu entwickeln, beispielsweise Kundendienstleistungen oder ein Leasing-Angebot. Letzteres wäre besonders interessant für Flugschulen, die Hauptkunden von Sonaca Aircraft: Dank eines Leasing-Vertrags könnten die Schulen alle paar Jahre auf das neuste Modell umsteigen. Quentin Derzelle ! www.sonaca-aircraft.com


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HYPER REALISM SCULPTURE CECI N’EST PAS UN CORPS 22.11.2019 — 03.05.2020

JINKS, 'WOMAN AND CHILD', 2010, SILICONE, SILK AND HUMAN HAIR, BANNER VON ARKEN Kunst?«, scheint der Künstler den Betrachter seines Gemäldes zu fragen. So detailliert und so perfekt möglich die Konturen und Texturen in die Wirklichkeit übertragen sind, was ist ihre Umsetzung auf der Leinwand, wenn nicht die Illusion dieses Echten? Als ob dem Künstler jedes Mal, wenn er näher an das Echte herankäme, dieses wieder entwischte. Und noch grundlegender, funktioniert Kunst als Verbildlichung der Wirklichkeit? Die Stadt Lüttich und das Museum La Boverie ergriffen die einzigartige Chance diese Ausstellung in ihren Kalender aufzunehmen. Nach dem Museum der Schönen Künste in Bilbao (Spanien), dem Museum für Zeitgenössische Kunst in Monterrey (Mexiko), der National Gallery in Canberra (Australien) und der Kunsthal Rotterdam ist dies die letzte Station einer Welttournee. Jede Etappe war ein voller Erfolg. So zählte die Ausstellung in Rotterdam nicht weniger als 230.000 Besucher in 3 Monaten! La Boverie

© La Boverie

© La Boverie

Der «Hyperrealismus« ist eine Kunstrichtung, die in den 70er Jahren in den Vereinigten Staaten entstand. Der Abstraktion den Rücken kehren und versuchen eine detailgetreue Wiedergabe der Natur zu erreichen, bis hin zu dem Punkt, an dem die Betrachter sich fragen, ob sie es mit einem echten Körper zu tun haben. Der hyperrealistische Künstler erschafft ein manchmal amüsantes, manchmal verstörendes, aber immer bedeutungsvolles Kunstwerk. Mit einer Auswahl von rund fünfzig hyperrealistischen Skulpturen der bedeutendsten Namen in der zeitgenössischen Kunst (George Segal, Ron Mueck, Maurizio Cattelan, Berlinde De Bruyckere, Duane Hanson, John De Andrea…) widerspiegelt die Ausstellung "Ceci n’est pas un corps. Hyperrealism Sculpture" die Entwicklung der menschlichen Gestalt in den Skulpturen der 70er Jahre bis heute. Der Titel der Ausstellung, übrigens eine Anlehnung an Magritte und dessen berühmte Pfeife, ist nicht unschuldiger als der seine. »Was ist


»Aufgestellt« © Frank-Michael Arndt/skyart @ fmarndt.de

La Boverie ©Marc Verpoorten

KONTAKTADRESSEN IN DEUTSCHLAND DIPLOMATISCHE VERTRETUNGEN

DIPLOMATISCHE VERTRETUNGEN

ALEXANDER HOMANN

QUENTIN DERZELLE

FRAU PROF. DR. SABINE SCHMITZ

TITELBILD

Wirtschafts- und Handelsattaché der Wirtschaftsvertretung Brussels Invest & Export / AWEX c/o Honorarkonsulat von Belgien Maximilianplatz 12a D - 80333 München Tel.: +49 (0) 89 3898920 FAX: +49 (0) 89 38989220 munich@awex-wallonia.com

Fakultät für Kulturwissenschaften Institut für Romanistik Universität Paderborn Warburger Straße 100 D - 33098 Paderborn Tel.: +49 (0) 5251 602882 FAX: +49 (0) 5251 603740 sabine.schmitz@upb.de https://kw.uni-paderborn.de/ institut-fuer-romanistik

Titelbild AKAROVA © CIVA – Département Architecture Moderne

Leiter der Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie c/o Belgische Botschaft Jägerstr. 52-53 10117 Berlin Tel.: +49 (0) 30 206186409 FAX: +49 (0) 30 206186411 delegation-berlin@dgcfrw.de S.E. BARON WILLEM VAN DE VOORDE

IMPRESSUM

Fotos der Vertretung: Frank-Michael Arndt skyart@fmarndt.de VERANTWORTLICHER HERAUSGEBER

Alexander Homann Vertretung von Ostbelgien, der Föderation Wallonie-Brüssel und der Wallonie

ISABELLA PROFETA

Botschafter des Königreichs Belgien Jägerstr. 52/53 10117 Berlin Tel.: +49 (0) 30 206420 FAX: +49 (0) 30 20642200 berlin@diplobel.fed.be

Wirtschafts- und Handelsattachée für die Wallonie - AWEX Stolkgasse 25-45 (4.OG) D - 50667 Köln Tel.: +49 (0) 221 254173 (74) FAX: +49 (0) 221 254618 cologne@awex-wallonia.com

WIRTSCHAFTS- UND HANDELSATTACHÉS

BELGIEN TOURISMUS WALLONIE

FRANK F. COMPERNOLLE

Direktor des Belgien-Tourismus Wallonie Stolkgasse 25-45 (4.OG) D - 50667 Köln Tel.: +49 (0) 221 277590 FAX: +49 (0) 221 27759100 info@belgien-tourismus.de www.belgien-tourismus.d

MARC GOULIER

Handels- und Wirtschaftsrat Brussels Invest & Export / AWEX Belgisches Konsulat Langenhorner Markt 9 22415 Hamburg Tel.: +49 (0) 40 5324202 (42 32) FAX: +49 (0) 40 5324252 hambourg@awex-wallonia.com

BELGIENZENTRUM PADERBORN

ATTACHÉ DE LIAISON SCIENIFIQUE

REDAKTION

Alexander Homann, Nicole Ackermann, Susanne Debeolles

MATHIEU QUINTYN

Wissenschaftsreferent c/o Belgisches Honorarkonsulat Maximiliansplatz 12a 80333 München Tel.: +49 (0)89 23709967 m.quintyn@wbi.be

LAYOUT

Schimmelpenninck.Gestaltung www.schimmelpenninck.de ÜBERSETZUNG

Dr. Vincent von Wroblewsky


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