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17. Jahrgang, Nr. 1 Sommersemester 2017

www.hfmdk-frankfurt.de

Schwerpunktthema

Zeit

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INHALT

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Editorial

2

35

von Prof. Christopher Brandt Eilen und Verweilen im Sog der Musik

Lisa Eder 4

36

Interview mit Prof. Eva Maria Pollerus, 38

Prof. Dr. Peter Ackermann

Du

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Seit 1822. Wenn’s um Geld geht.

Rhythmus als Gestalt

40 41

von Prof. Ingo Diehl 12

43

14

44

Charlotte Sutthoff

Interview mit Prof. Susanne Stoodt,

Verantwortung auf Zeit

48

und Förderer feiert Jubiläum

15 50

Musik, Theater und Tanz 53

Portrait: Prof. Alexej Gorlatch

und Prof. Ingo Diehl

54

Zum Ruhestand von Prof. Martin Lücker

Auf die Uhr geschaut:

von Prof. Stefan Viegelahn

20 21

56

Portrait: Prof. Michael Reudenbach

58

Inspirierte Besinnung auf

Wann und wie lange? Verlangsamung als Zeitersparnis

Sprache und Ausdruck

Zwei Fragen an Studierende

Prof. Till Krabbe geht in den Ruhestand

22

von Prof. Dr. Katharina Schilling-Sandvoß

60

Prof. Berthold Possemeyer

und Ann Kristin Rettig

geht in den Ruhestand 26

Interview mit Anatol Riemer

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Impressum

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Serie: Verschlungene Lebenswege

und Manuel Röschinger Zwei Fragen an Studierende

unserer Alumini – No. 6

Interview mit Prof. Marion Tiedtke und Dr. Dagmar Borrmann

Regisseurin Laura Linnenbaum

29

Lena Paetsch Es war Zeit für eine Zeitenwende

Pädagoge, Freund und Karriereberater in einem

24

Laura Wall, Antonia Dehmer

Erfolgreiche Stiftungsgründung – für das Mehr an Ausbildung in

16

Tobias Hagedorn

Die Gesellschaft der Freunde

Prof. Axel Gremmelspacher Zwei Fragen an Studierende

Zeit für Begeisterung – Freunde und Förderer

von Prof. Vassilis Christopoulos

Zwei Fragen an Studierende Aaron Stephan und Florian Conze

– Zeit aus der Sicht eines Dirigenten Zwei Fragen an Studierende

Die Entwicklung eines Studienganges braucht Zeit

10

Jungstudentin Carolin Grün Persönlichkeit statt Autopilot

Zwei Fragen an Studierende Nelly Politt und Max Woelky

9

von Prof. Rainer Römer Tonleitern ab fünf Uhr morgens

Prof. Ursula Targler-Sell

7

Niklas Heineke

Zeit schafft Verbindlichkeit

frankfurter-sparkasse.de

Jenni Diaz und Maurice Nix, Frankfurter Studenten und happy Kunden

Stimmen reifen ein Leben lang von Prof. Silke Rüdinger und

Francis Maheux und Daniel Reith Zwei Fragen an Studierende

Das Seminar zur Zeit – eine Spekulation von Prof. Peter Michalzik

Prof. Jesper Bøje Christensen und Zwei Fragen an Studierende

Zwei Fragen an Studierende

64 30

Erfolge unserer Studierenden


FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

EDITORIAL

EDITORIAL Ich mag Vorworte. Ich lese sie. Manchmal lasse ich es dabei

Unser Arbeitsalltag an der HfMDK ist oft von dem Dilemma

Freuen Sie sich jedenfalls mit mir auf ein spannendes Heft

bewenden. Im Falle der neuen FiT sicher nicht – diese Ausgabe

geprägt, dass wir alles tun, um unserer Kunst eine Entfaltung

zum Thema „Zeit“: Ausführlich kommen unsere Studierenden

unseres Hochschulmagazins widmet sich einem zentralen

in der Zeit zu ermöglichen. Gleichzeitig ist unser persönliches

mit persönlichen Statements zu Wort; welche Faktoren für die

Thema unserer Arbeit. „Zeit“ ist dabei ein Begriff, der uns in

Zeitmanagement oft von Verknappung und fehlender Ruhe

Entwicklung und Reifung einer Singstimme entscheidend sind,

mehrfacher Hinsicht ständig beschäftigt – zum einen als wesent-

geprägt. Die Verlaufspläne unserer Studiengänge geben häufig

wird aus Sicht der Gesangsabteilung dargestellt; über die

liches Gestaltungselement der musikalischen und darstellenden

ein ambitioniertes Zeitkorsett vor, in welchem eine individuelle

Manifestation von Zeit im Parameter des Rhythmischen erfahren

Künste: Alles, was wir erarbeiten, üben und performen, mani-

künstlerische Entfaltung manchmal schwierig erscheint; und

wir aus Sicht des Schlagzeugers, wie sich Zeit in der Synchroni-

festiert sich als gestaltete und geformte Zeit; dieser Aspekt wird

der Alltag in der Hochschuladministration und -verwaltung ist

sation von Spitzenmusikern im Orchesterverbund gestaltet, aus

im Folgenden auf vielfältige Art und Weise betrachtet und

gelegentlich von der Einsicht geprägt, dass die Überfülle der

Sicht des Dirigenten. Wie viel Zeit wir uns nehmen müssen, um

beleuchtet.

anstehenden Aufgaben ambitionierter Planung und Koordination

neue Studiengänge zu gestalten – auch diese müssen reifen, sich

nicht immer mit allen Terminkalendern in Einklang zu

entwickeln! –, stellt einer unserer Dekane dar, der zusammen mit

bringen ist.

einem Kollegen und einer Kollegin eines der anspruchsvollsten

Andererseits ist neben der künstlerischen Zeit für uns natürlich von Belang, wie wir mit unserer eigenen Zeit umgehen; es ist

Ämter in unserer akademischen Selbstverwaltung auf Zeit beklei-

keine Selbstverständlichkeit, dass wir Zeit oft als eine Ressource

Gleichzeitig nehmen wir die größeren Zeitzyklen wahr, die

ansehen, mit der wir umgehen müssen, die oft knapp zu sein

die Geschicke unseres Hauses bestimmen: Momentan beispiels-

scheint und über die wir selbst oft keine hinreichende Kontrolle

weise befinden wir uns in einer Zeit des Übergangs, in der eine

Zeit ist nicht nur erlebte, sondern auch geplante Zeit – das

zu haben glauben – das ist unsere persönliche Sicht der Dinge,

neue Hochschulleitung schon angekündigt, aber noch nicht

gilt vor allem für eine der Kernaufgaben unseres Metiers, das

an der die Zeit keine Schuld hat.

installiert ist; gleichzeitig hatten und haben wir so viele Verab-

Unterrichten. Auch hier verspreche ich Ihnen interessante neue

schiedungen und Neuberufungen unter den Lehrenden wie

Einsichten nach Lektüre unseres Heftes. Und nicht zuletzt

„Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding“, schrieb Hugo von

lange nicht; in einem Jahr wird das Gesicht der Hochschule ein

werden scheidende Kollegen in dieser Ausgabe verabschiedet

Hofmannsthal im Libretto für Richard Strauss’ 1911 uraufge-

völlig anderes sein als heute, ohne dass bestimmte Konstanten in

mit einem Rückblick auf die Zeit, in der sie unser Haus

führte Oper „Der Rosenkavalier“. „Wenn man so hinlebt, ist

unserem Tageslauf sich ändern werden. Unser künstlerischer

gestaltet haben.

sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts

Alltag braucht Zeit: zum Üben, Proben, Organisieren, Kommu-

als sie. Sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen. In

nizieren; vor allem auch zum Reflektieren, Ausruhen, Reifen

„Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten“, schrieb

den Gesichtern rieselt sie, im Spiegel da rieselt sie, in meinen

lassen. Kunst braucht eine Präsenz des Augenblicks, die sich nur

schon Georg Christoph Lichtenberg in einer Zeit, die noch kein

Schläfen fließt sie. Und zwischen mir und dir da fließt sie

einstellt, wenn man dem Augenblick Zeit gibt.

WhatsApp, keine synchronisierten Kalender und keine modula-

wieder, lautlos, wie eine Sanduhr.“

det – auch darüber wird im gemeinsamen Interview berichtet.

risierten Studienpläne kannte. Suchen Sie sich einen ruhigen Ort, verbringen Sie angeregte und inspirierende Minuten oder Stunden

VON DER PRÄSENZ DES AUGENBLICKS 4

mit unserem neuen Heft, Sie werden es nicht bereuen. Wenn Sie Zeit brauchen, nehmen Sie sie sich, es ist Ihre. Herzlichst

Prof. Christopher Brandt Präsident der HfMDK Frankfurt am Main

5


FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

EILEN UND VERWEILEN IM SOG DER MUSIK

Musizieren wir heute mit einem anderen Zeitgefühl als unsere „Kollegen“ vor 300 Jahren? Hat uns der beschleunigte Zeitgeist zugleich in ein verändertes Verständnis von Tempo und Ausdruck katapultiert? Welche Interpretation ist überhaupt zeitgemäß? Ein Themenkosmos, dem sich drei Lehrende annähern: Eva Maria Pollerus, Professorin für Cembalo und Generalbassspiel an der HfMDK, ihr Ehemann Jesper Bøje Christensen, Professor em. für Cembalo, Hammerklavier, Generalbass, Aufführungspraxis und Kammermusik an der Schola Cantorum Basiliensis, jetzt Lehrbeauftragter für Hammerklavier an der HfMDK, und Prof. Dr. Peter Ackermann, leitender Musikwissenschaftler der Hochschule.

EILEN UND VERWEILEN IM SOG DER MUSIK Die Professoren Eva Maria Pollerus, Jesper Bøje Christensen und Dr. Peter Ackermann diskutieren über die Bedeutung der Zeit in der klingenden Kunst 6

Welche Rolle spielt der Faktor Zeit in Ihrer Beschäftigung

Ab wann bekam denn die Tempoangabe eine quantifizierbare

mit der Musik?

Verbindlichkeit?

Prof. Jesper Christensen: Die eines großen Forschungsgegen-

Prof. Jesper Christensen: Eine erste gedruckte Quelle, noch

stands schon seit meiner Jugendzeit. Wie viel können wir heute

ein bisschen ungefähr allerdings, kennen wir aus 1619. Michael

von dem spüren und wissen, wie man früher mit Zeit umge-

Praetorius machte damals die Angabe, wie lange einige seiner

gangen ist? Gibt es ein richtiges Tempo für ein Stück? Schon in

Stücke klingen sollten. Die haargenaue Metronomanweisung

barocken Quellen im 17. Jahrhundert finden wir die Aussage,

finden wir jedoch erst Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich

dass man sich gar keine Vorstellung von der Musik machen

mithilfe eines Pendels.

konnte, wenn man ein Werk nicht unter Leitung des Komponisten

Prof. Dr. Peter Ackermann: Bezeichnenderweise passierte um

aufgeführt gehört hatte. Carl Czerny schreibt 1839, dass nur

1600 noch vieles mehr: Es lässt sich beobachten, dass die Komplexi-

die geringsten Unterschiede zum von Komponisten gedachten

tät des Rhythmus in dem Moment verloren ging, wo das Tempo

Tempo die Musik nicht nur entscheidend ändere, sondern auch

mehr reguliert wurde. In der Renaissancemusik entdecken wir

schlechter mache.

zudem einen schlichten Pragmatismus im Umgang mit dem Tempo:

Prof. Eva Maria Pollerus: Die Tempofrage bzw. die Frage, wie

Das Tempo einer Motette orientierte sich in der päpstlichen

sich ein Tempo „anfühlt“, lässt sich wiederum nicht losgelöst

Kapelle an der Dauer einer liturgischen Handlung. Gegebenen-

von Rhythmus und Agogik betrachten.

falls musste der Kapellmeister das Tempo anheben oder vorher

Prof. Dr. Peter Ackermann: Wobei die Frage ist, ob das, was als

abkadenzieren, um das Stück vorzeitig zu beenden.

Tempo die Regel war, unter denselben Bedingungen heute noch realisierbar ist – eben weil sich über Jahrhunderte vieles verän-

Inwiefern ist Zeit in der Musik ein gestaltendes Element über

dert hat: die Physiologie des Menschen, die Zeitumstände, das

die Frage des Grundtempos hinaus?

subjektive Zeitempfinden. Muss man daher heute anders musi-

Prof. Eva Maria Pollerus: Eine wichtige Frage für mich ist:

zieren, um original zu bleiben? Tempi von damals müssten

Was geschieht zwischen den Pulsschlägen der Musik? Agogische

also in die Gegenwart transformiert werden.

Deklamation der kleinen Notenwerte – auch bei einem grund-

Prof. Eva Maria Pollerus: Die Entscheidung darüber kann man

sätzlich stabilen Tempo – ist in den historischen Quellen ein ganz

allerdings erst treffen, wenn man möglichst viel darüber weiß,

entscheidendes Thema; es sollte darum gehen, nicht – wie bei

wie es von Komponist und Zeitgenossen gemeint gewesen sein

einem Puzzle – aus den kleinen Notenwerten die großen zusam-

dürfte. Von vielen barocken Werken fehlen aber immer noch der-

menzusetzen, sondern umgekehrt von den großen Notenwerten

lei Kenntnisse, wobei ständig neue Quellen auftauchen.

zu den kleinen zu kommen. Meinem Musizierverständnis nach hat jede pulsierende Bewegung ein Mindestmaß an Be- und Entschleunigung – wie der menschliche Atem oder der Herzschlag.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

Gehen wir Musizierenden denn heute statischer mit diesem

Und wie genau der Rhythmus innerhalb eines Metrums

Prinzip um?

platziert wird, ist Interpretationssache?

Prof. Eva Maria Pollerus: Ich denke, sehr häufig schon. Wir

Prof. Jesper Christensen: Ja, genau – die Jazz-Musik arbeitet

leben auch in einer Zeit, in der wir vieles an natürlicher, pulsie-

exakt mit diesem Phänomen, genau wo auf dem Schlag man

render Rhythmik durch Erfindungen und Maschinen aus-

spielt; daraus entsteht auch das, was wir „Swing“ nennen.

gleichen können, ich nenne das „das Autobahngefühl“; bei einer

Prof. Eva Maria Pollerus: Barockmusik mit ihren sogenannten

gleichförmigen Bewegung spürt man die eigentliche Geschwin-

„guten und schlechten Noten“ kann man ja heute fast als Appell

digkeit ja gar nicht mehr. Diesen Unterschied im Bewegungs-

gegen die maschinelle Rhythmisierung und als Credo für die

gefühl spürt man z. B. auch, wenn man mit einem Metronom

Ungleichheit der Tonlängen hören. Wir müssen uns da wirklich

oder einem Pendel übt.

von der Vorstellung verabschieden, dass zwei gleich notierte

Prof. Jesper Christensen: Ein Pendel als Pulsgeber hat uns

Töne exakt gleich lang sind – außer dies ist ausdrücklich so

erst kürzlich in unserem „Tempo-Workshop“ im Haus erstaun-

bezeichnet.

ZWEI FRAGEN

„Die Herausforderung ist dabei, die Selbstständigkeit und Flexibilität zu besitzen, Studium, Dinge des alltäglichen Lebens und Freizeit unter einen Hut zu bringen, ohne dass etwas zu kurz kommt. …“

liche musikalische Resultate beschert: Noch bevor wir anfingen, musikalisch zu unterrichten, starteten wir das Pendel und ließen

Wie hat der sich wandelnde Zeitgeist das Musizieren verändert?

einen Teilnehmer das Stück erneut musizieren. Sein Spiel wurde

Prof. Dr. Peter Ackermann: Die Konzentrationsfähigkeit gegen-

sofort musikalischer – schwingender, das war für alle Teil-

über Musik hat nachgelassen. Die Hörerfahrung ist individuali-

nehmer deutlich hörbar.

sierter geworden – die Wahrnehmung von erklingender Musik ist sehr unterschiedlich, weil spezifisch instrumenten- und ausbil-

Was hatte das Pendel mit der Musik bzw. dem Interpreten

dungsbezogen gehört und bewertet wird.

angestellt?

Prof. Eva Maria Pollerus: In Prüfungs- oder Wettbewerbskom-

Prof. Jesper Christensen: Es hat ein Naturgesetz einge-

missionen bemerke ich, dass die Meinungen über angemessene

bracht. Entscheidend ist dabei die minimale Verlangsamung

ZWEI FRAGEN AN STUDIERENDE Francis Maheux

Daniel Reith

Kontrabass

Orchesterdirigieren

Tempi sehr weit auseinandergehen. Im Unterricht ringe ich

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

des Pendels an der Stelle, wo es seine Richtung ändert. Das

darum, dass sich Studierende zeitintensiv in ein Werk zu vertiefen

Meiner Wahrnehmung nach kann ich mein Studium relativ frei

fasst man – wenn man schaut und gleichzeitig spielt – als

bereit sind – auch angesichts dessen, dass gleichzeitig ein großer

gestalten, es gibt zum Beispiel fürs Üben keinen festen Stunden-

eine agogische Betonung auf.

Tempodruck herrscht – alle müssen schnell sein, Generalbass

plan. Dadurch muss ich mir meinen Wochenplan sehr klar

lernen, gut vom Blatt spielen können, viel Repertoire in kurzer

strukturieren. Meine Herausforderung ist es dabei, die Selbst-

Zeit erarbeiten.

ständigkeit und Flexibilität zu besitzen, Studium, Dinge des alltäglichen Lebens und Freizeit unter einen Hut zu bringen,

Das Dirigierstudium erfordert meiner Meinung nach eine sehr große zeitliche Effizienz, um der Vielzahl an Fähigkeiten, die ein Orchesterleiter mit sich bringen sollte, gerecht zu werden. Die größte Herausforderung innerhalb des Studiums stellen für mich Großprojekte dar, da sie in der Vorbereitung gut strukturiert sein müssen, damit alle kleineren, aber vielleicht ebenso notwendigen

ohne dass etwas zu kurz kommt.

Dinge daneben noch ihren Platz finden können.

Prof. Dr. Peter Ackermann,

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

Prof. Jesper Christensen und

Beim Instrumentalstudium arbeitet man eigentlich permanent

Von links nach rechts:

Prof. Eva Maria Pollerus

an seinen eigenen Stärken und Schwächen durch Feedback der Dozenten und Selbstreflexion. Dadurch erschien es mir immer ganz logisch, dass mein Studium und mein Erfolg sehr eng mit meiner persönlichen Entwicklung als Mensch verknüpft sind. Meiner Wahrnehmung nach wird einem im Studium viel zu wenig Zeit dafür gegeben. Der problematische Stellenmarkt und die wachsende Konkurrenz verlangen immer jüngere und bessere Talente, die einem bestimmten Stereotyp entsprechen –

Ich denke, dass sowohl Zeiten des Drucks, unter welchen man sich manchmal zu nicht für möglich geglaubten Leistungen aufschwingen kann, als auch ruhigere Zeiten des Freiraums und der Reflexion zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen und nötig sind. Insofern ist dieser Aspekt vielmehr von den eigenen Lehrern, deren Flexibilität und dem von ihnen gesteckten Rahmen abhängig als vom Studiengang selbst. Hierbei fühle ich mich momentan bei den Lehrern meiner wichtigsten Fächer tatsächlich sehr gut aufgehoben.

keine Individualisten, die sich auch mal die Zeit nehmen möchten, Dinge auszuprobieren, die auf den ersten Blick nicht ganz in einen Studienverlaufsplan hineinpassen.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

EILEN UND VERWEILEN IM SOG DER MUSIK

Welche „Zeit-Botschaft“ ist Ihnen als Lehrende wichtig?

Prof. Jesper Christensen: Ich finde die Frage spannend, wie

Prof. Eva Maria Pollerus: Ich möchte Studierende dafür sensi-

schnell man überhaupt spielen kann. Eine rund 20 Jahre alte Studie

bilisieren, die ganze Bandbreite der Zeitgestaltung zu nutzen, sie

offenbart, wie schnell gute Pianisten wirklich spielen können

auch zu extremen Tempi ermutigen, wenn es die Komposition

und wo die Grenze liegt – und zwar bei etwa 16 Noten in der

verlangt – und nur dann. Sich der Energie einer angefangenen

Sekunde. Erstaunlich: Eine ähnliche Untersuchung aus dem Jahr

Phrase zu überlassen und zu vertrauen, dass sie sich organisch

1636 kommt zu dem gleichen Ergebnis. Heißt: Es gibt diesbe-

weiterentwickelt, bleibt eine Herausforderung. Die Musik darf

züglich keinen Unterschied zwischen 1636 und heute. Das sollen

und soll einen Sog entwickeln, der aber nur möglich ist, wenn

alle Musiker wissen! Es ist falsch anzunehmen, dass heute

die Zeit lebendig gestaltet ist.

musikalisch alles schneller und schwieriger geworden ist. Es gibt

Prof. Dr. Peter Ackermann: Mir ist wichtig aufzuzeigen, wie

kein stichhaltiges Argument dafür, dass wir heute so viel besser

die Musik selbst Einfluss auf die Zeit nehmen kann. Beste

sind als die Musiker damals. Ich hege sogar den Verdacht, dass

Beispiele dafür liefern Opern, in denen Handlungen stattfinden,

eben sie es manchmal besser konnten als wir heute. bjh

die unterschiedliche Verhältnisse zur realen Zeit einnehmen. Musik kann Schrecksekunden ausgiebig dehnen oder ein langes Geschehen in wenige Momente bündeln.

Also geht es um viel Perfektion in kurzer Zeit?

Welcher Anhaltspunkte zur Tempoorientierung und für

Prof. Dr. Peter Ackermann: Leider oft. Aber eine geradezu um-

pädagogisches Spiel bedienen Sie sich?

gekehrte, erfreuliche Erfahrung konnte ich kürzlich mit Teilnehmern

Prof. Jesper Christensen: Schon seit meiner Jugend beschäftige

meines Seminars machen: Als die Technik beim Abspielen einer

ich mich mit historischen Tonaufnahmen von solchen Interpreten,

CD streikte, baten wir einen Geiger, der gerade den Raum

die vor 1850 geboren sind – die frühesten Aufnahmen entstanden

betreten hatte, ob er Bachs Fuge aus der C-Dur-Partita spielen

in den 1890er Jahren; Schüler von Liszt, Clara Schumann und

könnte – vom Blatt. Er tastete sich bravourös durch das Stück

Enkelschüler von Chopin sind dort zu hören. Heutige Musiker

hindurch, beschleunigte, wo es gut lief, verzögerte, wo es schwer

blicken oft mit einer gewissen Geringschätzung auf deren Spiel.

wurde, und verschaffte uns so eine interessantere musikalische

Häufig stören sie gerade das Tempo rubato und die ausgeprägte

Erfahrung, als wenn er es perfekt geschliffen durchgespielt hätte.

Agogik, und doch liefern die Aufnahmen den Beweis, dass genau

Die Studierenden jedenfalls nahmen mehr von dem Stück wahr,

das zum klassisch-romantischen Spiel einfach dazugehört! Nach

weil sie verfolgen konnten, wo die technischen bzw. musika-

dem agogischen Verweilen auf gewichtigen Noten geht es darum,

lischen Herausforderungen lagen.

Zeit „aufzuholen“. Und das ist an den historischen Aufnahmen

Prof. Jesper Christensen: Ich würde das Wort „perfekt“ gern

für mich so frappierend: Dieses Aufholen „verlorener“ Zeit findet

auf die schwarze Liste setzen. Was heute oftmals mit perfekt

konsequent statt – ein organisches Eilen und Verweilen.

gemeint ist, ist für mein Empfinden maschinelle, mechanische Perfektion – der Tod aller Musik.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

RHYTHMUS ALS GESTALT

„Es ist immer ein besonderes Erlebnis, Ensembles zu hören, die traumhaft sicher ihre Zeiträume koordinieren …“

RHYTHMUS ALS GESTALT Von Rainer Römer, Professor für Schlagzeug an der HfMDK und Schlagzeuger des Ensemble Modern Der Umgang mit der Zeit. Wir unterteilen die Zeit in Abschnitte,

generiert nicht unbedingt ein musikalisch befriedigendes

über die wir Anordnungen von Ereignissen legen. Beim Musik-

Ergebnis. Dennoch hat sich der digitale Puls durchgesetzt, ist aber

machen scheint ein großer Teil der Arbeit darin zu bestehen, ein

nur eine Version von Zeiteinteilung. Interessant ist zu studieren, wie

gemeinsames Zeitgefühl herzustellen und zusammenzuspielen.

sich Rhythmus und Puls zueinander verhalten. Wann empfinden

Aber was passiert da genau? Immer wieder spreche ich mit

wir nur die Gestalt und wann den Puls, und wie kombinieren sie

Musikern über ihre Zeitempfindung. Gibt es so etwas wie einen

sich? Neben Klang und Intonation beim Musizieren stellt immer

Puls, und wo ist er verortet? Darauf scheint es keine einfachen

auch die Vorstellung über die Zeitempfindung in Form von

Antworten zu geben, und es sieht so aus, als sei Zeitstrukturierung

Unterteilungen bis hin zu komplexen polymetrischen Bewegungs-

unweigerlich mit der jeweiligen Musikkultur verbunden, in der

abläufen einen wichtigen Parameter dar. Zahlenverhältnisse

man sich bewegt. Natürlich kann ich das Metronom anstellen und

lassen sich darstellen und spielen, werden dann in dem jeweiligen

dazu Viertel und Achtel usw. spielen, aber welche Information

Kontext musikalisch aufgeladen. Sehr einfach lässt sich das am

bekomme ich da genau? Was passiert zwischen den Schlägen und

Grundbeat des Sambas zeigen: Notiert sieht man immer vier

was auf ihnen? Oder ich empfinde das Metronom als Off-Beat

Sechzehntel mit Akzent auf dem ersten und vierten Ereignis. Das

und platziere den Down-Beat nun als das von mir entschiedene

hat wenig mit dem Klangergebnis zu tun, liegen zweiter, dritter

Ereignis. Als man in den 80ern des letzten Jahrhunderts begann,

und vierter Schlag doch woanders als angenommen (notiert). Für

Schlagzeugrhythmen zu programmieren, wurde sehr schnell klar:

uns bekannt der Wiener Walzer, der sich ebenfalls nicht wirklich

Allein die Tatsache, dass alle Schläge den gleichen Abstand haben,

zufriedenstellend notieren lässt. Gerne zeige ich den Anfang des

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Parsifal-Vorspiels und lasse Kursteilnehmer erfühlen, wo

einen langsamen 6/4-Takt spielte. Weich in den einzelnen

sich Atem, Schlag und Puls befinden und wie jede einzelne Note

Schlägen, elastisch und federnd mit leichten Verzögerungen

ihre eigene Zeit beansprucht. Der leichte Shuffle in Hip-Hop-

versehen. Der Toningenieur berechnete später die Länge einzelner

Beats lässt sich auch schwer notieren, er ist mehr ein Erfühlen

Takte, und es stellte sich heraus, dass die einzelnen Schläge im

der veränderten Unterteilungen. Sorgsam wird beim Program-

Takt flexibel und dem musikalischen Gestus entsprechend phrasiert

mieren eine Quantisierung gesucht, die genau diesen Drive

sind, aber die Takte als Ganzes ziemlich genau die gleichen

erzeugt. Als Klassiker gilt schon im Jazz der Rhythmus auf dem

Längen aufweisen.

Ride-Becken. Er verhält sich immer musikalisch, nie mathematisch, das heißt die Werte schwanken zwischen Triolen und Sech-

Ich kann einen 4/4-Takt dirigieren, dazu eine Triole in Halben

zehnteln und lassen sich nicht genau notieren. Es bleibt jedoch

singen. Oder ich klatsche einen 4/4-Takt und artikuliere dazu mit

immer die Kenntnis von Unterteilungen und Verhältnissen, um

Silben die drei anderen Schläge. Der berühmte Fuß in Vierteln,

Zeitstrukturen auf dem Instrument oder in einer Komposition

dazu die rechte Hand. Die Geschwindigkeiten von 32stel in einem

umsetzen zu können.

3/10-Takt können berechnet werden.

Interessant festzustellen, welche Lehrkonzepte sich für die

Der Variationen sind es viele, und dennoch bleibt das Bestreben,

Entwicklung von Pulsgefühl etabliert haben: In der südindischen

einen Puls so zu verinnerlichen, dass er sich quasi körperlich

Musikkultur zum Beispiel werden von Anfang an Puls, Unter-

manifestiert und in uns ruht und agiert. Einem Rhythmus einen

teilungen, Polyrhythmen, Rhythmuskompositionen neben

Drive zu geben oder eine Phrase mit Rubato zu gestalten, gehört

Intonation und Klang gelehrt. Alle Rhythmen werden erst mit der

dem gleichen Ausdrucksraum an.

Silbensprache Solkattu gelernt; dazu zeigen Handbewegungen den Takt an. Erst danach werden diese auf einem Instrument um-

Ein Dirigent gibt einen gewissen Puls, einen Ausdruck vor,

gesetzt. Es entstehen komplexe Formverläufe, die neben der melo-

der vom Orchester aufgenommen wird. Das feine Zusammenspiel

dischen Ausformung eben auch eine rhythmische Komponente

zwischen Eigeninitiative der Musiker und Vorgaben durch einen

beinhalten. Das eine ist vom anderen jedoch nicht wirklich

Dirigenten können enorme Energien freisetzen. Der Dirigent

zu trennen.

entbindet nicht von der Aufgabe der Eigengestaltung eines Pulsgefühls, der mit dem Ensemble harmoniert. Musiker: die

Ein Drummer wächst mit der Musik auf, die er spielen möchte,

einen, die führen wollen und Initiative ergreifen, andere, die

und lernt über das Hören, das Sich-selber-Aufnehmen und im

mitspielen und sich angleichen. Eine Balance zwischen Eigen-

Austausch mit Musikern und Lehrern mehr über sein Timing.

energie und Flexibilität gegenüber dem Gehörten ermöglicht

Letzteres wird oft als Talent betrachtet, und es gehört neben dem

dann wohl die größte Harmonie. Es ist immer ein besonderes

absoluten Gehör, dem fotografischen Gedächtnis u. a. sicher zu

Erlebnis, Ensembles zu hören, die traumhaft sicher ihre Zeiträume

den besonderen Fähigkeiten eines Musikers. Ich erinnere mich an

koordinieren. Da passiert dann das Unaussprechliche: die Ver-

eine Studioaufnahme, in der mein Tombak-Lehrer Behnam Samani

schmelzung von musikalischen Verläufen und Klängen.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

TONLEITERN AB FÜNF UHR MORGENS

Wenn bei einem Teenager morgens um 5 Uhr der Wecker klingelt,

Die Konsequenz aus Carolins schon früh getroffenem Ent-

müsste es daran liegen, dass der Schulweg so unendlich lang ist.

schluss, Musik zu ihrem Beruf zu machen, folgte im Sommer

Nicht so bei Carolin Grün: Bei ihr schwirrten schon oft vor jegli-

letzten Jahres: Mit Wehmut, aber Entschlossenheit hängte

cher lernfreundlichen Aufstehzeit die Skalen und Tonleitern durch

sie ihre sportliche Ambition weitgehend an den Nagel, sagte

das elterliche Haus: Die mittlerweile 16-Jährige pflegte schon vor

dem Leistungssport ade und begnügt sich seitdem dreimal

der ersten Schulstunde eine Übe-Einheit an der Geige einzulegen.

wöchentlich mit Joggen und Krafttraining – ganz ohne Zeit-

Wohlweislich, denn mindestens zwei Tage pro Schulwoche waren

und Leistungsdruck: „Ich finde es wichtig, einen körperlichen

minutiös durchgetaktet: Nach acht Stunden Schule und einer

Ausgleich zu haben, gerade für den Rücken."

zweiten Etüdenrunde zwischen Hausaufgaben und Mittagspause ging es um 16 Uhr für sie ab ins sportliche Training, nämlich das

Doch auch mit nur noch einer Hochleistungsdisziplin jen-

ihrer Mannschaft im Leistungsturnen beim TuS Griesheim. Doch

seits des Schulalltags bleibt der Faktor Zeit bei der Oberstufen-

nicht nur in der Mannschaft zeigte sie bereits Spitzenleistungen:

schülerin täglich eine harte Währung: Zweieinhalb bis drei

Carolin Grün wurde im Jahr 2012 Hessenmeisterin im Leistungs-

Stunden täglichen Übens sollten es schon sein, Geschichtsklau-

turnen in der Leistungsstufe P 5. Sie turnte, seit sie sechs war.

sur und Chemietest am nächsten Tag hin oder her.

Das musikalische „Erwachen“ erfolgte ein Jahr später, als sie im Gotischen Haus Bad Homburg in einem Konzert saß, bei der

Ob Carolin bei allem Ehrgeiz, aller Disziplin und erwachsener

klassische Musik und Märchen vorgetragen wurden: Ein Geiger

Selbstorganisation schon etwas in ihrem Leben versäumt habe?

löste in ihr das bis heute ungestillte Verlangen aus, die Violine zu

„Vielleicht, schon früher die Geige für mich entdeckt zu haben“,

„ihrem“ Instrument zu machen. Autodidaktisch arbeitete sich

fällt ihr dazu ein. Doch nicht nur das: Treffen mit ihren Schul-

die Siebenjährige durch eine Geigenschule, bevor sie es wagte,

freundinnen, die sie in ihrem Eifer ansonsten liebevoll unter-

sich der HfMDK-Geigenprofessorin Susanne Stoodt vorzustellen.

stützen, sind jenseits der Schulzeit für Carolin durchaus eine

Die vermittelte die zweifellos Begabte an ihre damalige Studentin

Seltenheit.

Dina Ziethen, bei der Carolin fortan Unterricht nahm – dann und wann ergänzt durch Zusatzbesuche bei Susanne Stoodt.

Ob ein Jungstudium den begabten Schülern nicht ein Stück

Seit knapp einem Jahr ist die Professorin ihre feste Lehrerin:

unbeschwerter Lebenszeit raube, fragen wir Susanne Stoodt,

Carolin Grün wurde im Jahr 2016 offizielle Jungstudentin an

die zurzeit vier Jungstudierende in ihrer Geigenklasse unter-

der HfMDK.

richtet. Doch die stellt klar, dass hier nicht die Erwachsenen

ZWEI FRAGEN AN STUDIERENDE Niklas Heineke Historische Interpretationspraxis (HIP)

um Beschleunigung bitten, sondern die jungen Musiker selbst:

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

„Die Jugendlichen kommen ja hochmotiviert zu uns, weil sie

Ein gutes Zeitmanagement ist eines von vielen „positiven

etwas wollen, und nicht, weil wir sie dazu drängen.“ Folge-

Nebeneffekten“ nach fast sieben Jahren Schulmusik- und

richtig ist daher ihr Engagement an der Hochschule, einen

HIP-Studium an der HfMDK. Das ist nichts, was einem zufliegt.

Pre-College-Zweig aufzubauen, der Hochbegabten noch als

Gerade in den heißen Phasen des Semesters neigt man gerne

Schülern eine umfassende Vorbereitung auf ein reguläres

dazu, sich zu verzetteln und sich manchmal zu viel zuzumuten.

Musikstudium bieten soll – ein Studium vor dem Studium

Nein zu sagen, auch auf die Gefahr hin, Menschen zu enttäu-

mit Theorieunterricht, Kammer- und Orchestermusik, Berüh-

schen, ist eine Lektion, die einem manchmal sehr schwerfällt.

rungen mit der Neuen Musik und einem weiten Horizont an

Für Jungstudentin Carolin Grün ist gutes Zeitmanagement das A & O 14

Perspektiven neben dem Hauptfachunterricht. In ihrer täglichen

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

Arbeit mit Studierenden – ob „jung“ oder „regulär“ – möchte

Während meines Studiums hatte ich oft das Gefühl, vor lauter

Susanne Stoodt dafür sensibiliseren, die Zeit des Übens so

Projekten und Herausforderungen gar nicht mehr zum Studieren

effizient wie möglich zu gestalten – mit offenen Ohren für

zu kommen. Umso wichtiger ist es dann, sich die eine oder

sich selbst in der Gewissheit, dass jede Minute bewussten

andere Zwangspause während seines Studiums zu verordnen,

Übens mehr Wert sein kann als eine Stunde unreflektiert

etwa in Form eines Auslandsaufenthaltes oder ERASMUS-

absolvierten Pflichtpensums. bjh

Semesters.

15


FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

PERSÖNLICHKEIT STATT AUTOPILOT

Im Bild: Dirigierstudent Nickolas Kudo aus der Klasse von Prof. Vassilis Christopoulos.

Primäre Aufgabe des Dirigenten ist die Entscheidung über das Tempo. Eine ungefähre Tempovorstellung ergibt sich freilich aus dem Studium und der Deutung der Partitur; man beachtet die Angaben des Komponisten, die Dichte des Satzes, die Artikulation wichtiger Passagen, die Epoche und den Stil der Komposition, den Charakter und die Stimmung des Stückes usw. Schließlich spielt die Persönlichkeit des Dirigenten eine bedeutende Rolle. Ganz konkret kann allerdings die Tempoauswahl nicht im Voraus, sondern erst ad hoc unter Berücksichtigung einer Reihe von Parametern werden: Wie hallig oder trocken ist die Akustik

PERSÖNLICHKEIT STATT AUTOPILOT ZEIT AUS DER SICHT EINES DIRIGENTEN Von Vassilis Christopoulos, Professor für Orchesterdirigieren

Feinfühliges, komplexes Zeitmanagement ist ein wesentlicher Aspekt des Dirigierberufs. Der Dirigent (oder die Dirigentin, selbstverständlich!), im Gegensatz z. B. zum Theaterregisseur, ist nicht nur für die Einstudierung zuständig, sondern während der Aufführung präsent und bestimmt maßgeblich deren zeitlichen Ablauf.

meiner Aufführungsstätte? Wie groß meine Streicherbesetzung? Wie sind hier und jetzt die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit?

ZWEI FRAGEN AN STUDIERENDE Charlotte Sutthoff Fagott

Wie sauber, wie leise können meine Bläser spielen? Wie nah

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

sitzt das Publikum?

Was ich schwierig finde, ist, alle Erwartungen unter einen Hut zu bekommen: das Studium und seine Fristen und Credit Points,

Außerdem bleibt im Idealfall das Tempo flexibel und passt

Freizeit und Privatleben, und ja, seine eigene finanzielle Situa-

sich ständig an – das Orchester sollte ja nicht mit Autopilot

tion und dieses „Erwachsenenleben“, von dem immer alle

spielen, sonst annulliert sich die Rolle des Dirigenten. Kleine

sprechen. Wenn man in der Hochschule Veranstaltungen hat und

Temposchwankungen sind extrem wichtig, denn davon lebt die

dann noch einen Raum ergattern muss – ja, Üben muss natürlich

Musik. Eine unmerkliche Freiheit, minimale Abweichungen

auch Routine sein –, aber wenn man diese Routine dann gezwun-

vom strengen Rhythmus, die Kunst des rubato ist, was die

gen ist, an manchen Tagen in den Randstunden oder dem eigenen

Zuhörer unbewusst destabilisiert und deswegen berührt, was

Naturell nicht entsprechenden Tageszeiten zu erledigen, dann

die menschlichen Musiker (noch?) nicht von aufführenden

unterstelle ich, tut das der Musik nicht unbedingt gut. Effektiv

Softwares ersetzen lässt!

geht anders. Im Idealfall übt man ja nicht nur Handwerk, sondern auch Ausdruck. Ein bisschen Lust darauf und Energie bräuchte

Die Zeit – und der Zeitdruck – sind permanent allgegenwärtige

man dafür, denke ich. Dass dies in der alltäglichen Tretmühle

Faktoren im Leben eines Dirigenten. Er muss die Zeit finden,

immer funktioniert, bezweifle ich.

komplexe Partituren gründlich zu studieren. Er muss seine Probenzeit sinnvoll und effizient einteilen: genügend, aber nicht

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

zu viel Zeit für jeden Satz jedes Werkes auf dem Programm

Studium und künstlerischer Reifeprozess widersprechen sich

einplanen. Er muss entscheiden, wie lange Pausen er zwischen

meiner Ansicht nach. Künstlerische Reife braucht Selbstständig-

den Sätzen machen wird. Er muss die Zeit berücksichtigen, die

keit, eigenes Engagement, (Frei-)Zeit und auch Langeweile. Doch

die Streicher brauchen, um die Dämpfer vor ihrem nächsten

ich kenne keinen Studenten, der sich langweilt, und der Studien-

Einsatz geräuschlos zu entfernen; oder die Klarinetten, um Instru-

verlaufsplan gibt so minutiös vor, was man wann wo bis zu

mente zu wechseln; oder die Hörner, um Kondenswasser zu

welchem Datum erledigen soll und welches Modul man „abfrüh-

entfernen; oder der Pauker, um härtere Schlägel zu nehmen. Ihm

stücken“ muss, dass ich mich oft eher als Erfüllungssklave von

muss die benötigte Zeit zum Blättern, zum Einatmen, ja vielleicht

Formalia gesehen habe. Insofern könnte man sagen, die künst-

sogar zum Husten bewusst sein. Und wenn das Publikum

lerische Reife entwickelt sich, indem man lernt zu entscheiden,

während der Musik die Zeit kurz vergisst, ist die Aufführung

welche Frist unbedingt eingehalten und welcher Credit Point

wahrscheinlich gelungen!

erjagt werden muss. Dabei habe ich aber bis jetzt die Verwaltung und die Dozenten immer als sehr kulant und studentenorientiert erlebt.

16

17


VERANTWORTUNG AUF ZEIT

FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

Akademische Selbstverwaltung fordert Ressourcen und fördert Visionen – Dekane im Gespräch

VERANTWORTUNG AUF ZEIT

Frau Stoodt, Sie haben gerade drei Jahre als Dekanin

Warum haben Sie sich, Herr Diehl, als Leiter eines Studiengangs

hinter sich – es ist vollbracht?

zugleich das Amt des Dekans aufgebürdet?

Prof. Susanne Stoodt: Die erste Runde ist vollbracht; allerdings

Prof. Ingo Diehl: Ich verstehe die Hochschule als eine demokra-

habe ich mich für eine zweite Amtszeit wiederwählen lassen, die

tische Konstruktion, in der die Verteilung und Übernahme von

nun beginnt.

Verantwortung wesentlich sind. Natürlich engagiere ich mich an manchen Stellen auch über das Maß des „Normalen“ – eben weil

Also keine Hoffnung auf baldige Rückkehr in ruhiges Fahrwasser –

ich etwas erreichen möchte – als Moderator zwischen Baum und

warum haben Sie sich einer zweiten Amtszeit gestellt?

Borke, Präsidium und Fachbereich, der vorhandene Spielräume

Prof. Susanne Stoodt: Zum einen fand sich im Kreis der in

auslotet und zu gestalten versucht. Wichtig ist mir, mit den

Frage kommenden Kollegen niemand, der bereit war, das Amt

Kollegen im Fachbereich Gemeinsamkeiten herzustellen, um

zu übernehmen. Zum anderen möchte ich Projekte, die ich selbst

diesen Weg nicht allein gehen zu müssen. Bereichernd ist, dass

ins Rollen gebracht habe und die mir am Herzen liegen, weiter

solch ein Amt die Perspektive auf die eigene künstlerische Arbeit

betreuen, um sie voran zu bringen, zum Beispiel die Umgestaltung

erweitert. Die Frage der Effizienz des eigenen Wirkens als Künstler

des Bachelor und Etablierung eines konkurrenzfähigen Pre-College.

stellt sich neu, wenn man qua seiner Aufgabe gehalten ist, sich

Außerdem halte ich es angesichts der personellen Wechsel im

hochschulpolitisch mit Studienstrukturen und deren Funktio-

Präsidium für günstig, dass eine gewisse Kontinuität im FB 1

nalität zu beschäftigen.

gewährleistet ist, um unsere Anliegen entsprechend zu positionieren. Bratschenprofessor Roland Glassl hat sich mittlerweile

Herr Gremmelspacher, wie erleben Sie die zeitlichen Heraus-

zum Ausbildungsdirektor wählen lassen und der Kontrabasskollege

forderungen als Dekan?

Christoph Schmidt zum Prodekan, was für mich eine große

Prof. Axel Gremmelspacher: Für mich ist die Frage der Energie

Entlastung bedeuten wird. Mir ist eine noch bessere Arbeits-

noch wesentlicher als die der Zeit, die solch eine Aufgabe erfordert.

aufteilung als bisher wichtig.

Ich habe nach zweieinhalb Jahren gelernt, gut zu priorisieren und zu delegieren, das ist wichtig, um sich nicht selbst zu überfordern.

Für Susanne Stoodt, Axel Gremmelspacher und Ingo Diehl ist der Begriff akademische Selbstverwaltung zurzeit die täglich gelebte Herausforderung; sie müssen ihr künstlerisches und pädagogisches Kerngeschäft als Lehrende mit einem administrativen und hochschulpolitischen Auftrag in Einklang bringen: Alle drei sind Dekane ihres Fachbereiches, in dem sie ansonsten als Professoren lehren. „Frankfurt in Takt“ fragte nach, ob und wie es ihnen gelingt, das Amt auf Zeit zu stemmen, ohne die eigentliche Profession gänzlich zu vernachlässigen – die eigene Geigenklasse bei Susanne Stoodt (Fachbereich 1), die Klavierklasse von Axel Gremmelspacher (Fachbereich 2) und den von Ingo Diehl geleiteten Studiengang MA CoDE (Master Contemporary Dance Education, Fachbereich 3). 18

Welche „Nachteile“ bringt ein solches verantwortungsvolles

Ich kann dabei auf die volle Unterstützung unserer Prodekanin,

Amt mit sich?

der Ausbildungsdirektoren und unseres Geschäftsführers zählen.

Prof. Susanne Stoodt: Ich kann meine Geigenklasse, die ich bislang immer über mein Deputat hinaus gefüllt hatte, nicht mehr ganz voll machen, was angesichts meiner pädagogischen Leidenschaft einer Höchststrafe gleichkommt. Und dass ich mich bei leicht reduzierter Klassengröße auch weiterhin künstlerisch betätige, ist mir eine innere Notwendigkeit, um nach der Amtszeit wieder voll „drin“ zu sein. Berufen wurde ich schließlich aufgrund meiner künstlerisch-pädagogischen Kompetenz. Dort liegt das Beste, was ich zu geben habe!

Linke Seite:

Von links nach rechts:

Studentin Nathalie Ludwig

Prof. Susanne Stoodt,

bei einem szenischen Gesangsabend der Klasse Prof. Henriette Meyer-Ravenstein.

Prof. Ingo Diehl und Prof. Axel Gremmelspacher

19


FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

Was lässt sich in drei Jahren Amtszeit umsetzen und was nicht?

Sollten nicht alle hauptamtlich Lehrenden an der demokratischen

Prof. Susanne Stoodt: Das kommt auf das Projekt selbst an. Schon

Selbstverwaltung mitarbeiten?

vor meiner Zeit als Dekanin war klar, dass der Bachelor Künstle-

Prof. Ingo Diehl: Optimalerweise ja. Die Voraussetzungen haben

rische Instrumentalausbildung einer Überarbeitung bedarf. Doch

sich für neue Professoren grundsätzlich geändert: Es reicht heute

dies umzusetzen, hatte ich mir nicht so zeitintensiv vorgestellt,

dafür nicht mehr, ein großer Künstler zu sein; man sollte das

wie es sich jetzt offenbart: Die Prozesse, bei denen Reformen ver-

Potenzial mitbringen, an einer Hochschule eine Vision und die

schiedene Gremien der Hochschule durchlaufen müssen, hatte

Zukunftsfähigkeit mit zu bauen.

ich mir deutlich kürzer vorgestellt. Allerdings holen wir uns darin

Prof. Axel Gremmelspacher: Ich bin sicher, dass diese Kompeten-

immer wieder die Rückmeldung von der Basis, von den Fach-

zen und ein entsprechendes Engagement von Hochschullehrern

gruppen und Ausbildungsbereichen, was den Aufwand natürlich

in einer sich stark wandelnden Kultur- und Bildungslandschaft

enorm vergrößert. Je mehr Verantwortliche involviert sind, desto

noch erheblich an Bedeutung gewinnen werden.

größer ist die Chance, dass eine Änderung Bestand hat, weil sich

Prof. Ingo Diehl: Daher ist es für uns Lehrende wichtig, dass

alle damit identifizieren können. Neue Ideen wie beispielsweise der

wir uns im größeren Kontext politisch engagieren und die

Aufbau eines Pre-College brauchen Zeit für Überzeugungsarbeit.

Bedeutung unserer Arbeit in einem gesellschaftlichen Zusammen-

Prof. Ingo Diehl: „Change Management“ ist in Institutionen eine

hang sichtbar machen. Das werden immer mehr Fragen an

der schwierigsten Aufgaben. Zu überzeugen, dass es darum geht,

Lehrende der Zukunft sein.

mit der Veränderung von Strukturen ständig in Bewegung zu bleiben, ist eine große Herausforderung. Ich selbst bin blauäugig

Studienverlaufspläne sind zugleich Zeitraster – was bedeutet dies

in meine Amtszeit hineingegangen – nämlich in dem Glauben,

im Studienalltag?

dass ich in kurzer Zeit viel bewegen kann. An der Reibung und

Prof. Ingo Diehl: Es bedeutet, dass wir mit dem Curriculum

den Widerständen darf ich wachsen, ich bin damit krisenfester

lineare Strukturen schaffen, während die künstlerische Entwick-

geworden. Wirkliche Veränderung passiert meiner Meinung nach

lung eine höchst individuelle ist, die eben oftmals nicht in

nur dann, wenn man sich gegenseitig mitnimmt. Davon abgese-

linearen zeitlichen Abläufen vonstattengeht – bei dem einen

hen, besteht ein Großteil der Arbeit eines Dekans darin, auf das

schneller, bei dem anderen langsamer. Dem Rechnung zu tragen,

Tagesgeschäft zu reagieren. Dabei ist die Unterstützung durch die

empfinde ich als große Herausforderung.

Geschäftsführung eine wesentliche und unterstützende Konstante.

Prof. Axel Gremmelspacher: In unseren Lehramtsstudiengängen

Prof. Axel Gremmelspacher: Das kann ich nur bestätigen: Mein

sind die Curricula zusätzlich mit der parallelen Ausbildung an der

erstes Amtsjahr als Dekan war wesentlich von unseren Bemühungen

Goethe-Universität verknüpft und an den zeitlich engen Rahmen

geprägt, die vom Ministerium geforderte Einführung des Praxis-

des hessischen Lehrerbildungsgesetzes gebunden. Beispielsweise

semesters im Gymnasiallehramts-Studiengang umzusetzen und

macht der fachliche Umfang für ein Musikstudium auf Lehramt

in den Studienverlaufsplan zu implementieren, ohne dass sich

an Grundschulen gerade einmal 32 Credits aus. Die hessischen

dabei die Studiendauer verlängern durfte. Diese Anstrengung nahm

Regelstudienzeiten für Lehrämter sind bundesweit die kürzesten.

damals schlichtweg einen Großteil der Zeit in Anspruch, so dass

Dass fehlende Zeit ein Limit für die fachliche Qualifikation der

weiteres perspektivisches Denken zunächst zurückstehen musste.

Studierenden bedeutet und eine große Herausforderung für die

10 JAHRE 2007––– 2017

GFF

Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main Die Freunde und Förderer finanzieren Deutschlandstipendien, Gastprofes­ suren und Meisterkurse, seltene Instrumente, Opern­ und Regiepro­ jekte, Spitzenschuhe, Publikationen, neue Saiten und vieles mehr!

Spenden 2007–2016

2.500.000

EURO

Studiengangentwicklung ist, liegt auf der Hand – in den aktuellen Also durchweg mühsames Fahrwasser?

Reformprozessen versuchen wir, die besten Strukturen zu ent-

Prof. Susanne Stoodt: Nicht nur: Ich verstehe die akademische

wickeln, die unter diesen Bedingungen möglich sind.

Selbstverwaltung zugleich als ungeheures Privileg und Chance. Wir verfügen damit über sehr viel Handlungsspielraum, den es zu nutzen gilt – ich denke nur daran, dass wir in Berufungskommissionen Einfluss darauf nehmen können, wer unser neuer Kollege werden soll.

20 Spendenkonto: Deutsche Bank Frankfurt, IBAN: DE68500700240806507000, BIC: DEUTDEDBFRA Mehr Informationen zum Fördern und zur Mitgliedschaft unter:

21 www.hfmdk-freunde.de


FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

ZEIT IN ZAHLEN

AUF DIE UHR GESCHAUT: WANN UND WIE LANGE?

Noch einmal zu Ihrem Amt: Wie viel Zeit nimmt Ihre Arbeit als Dekan in Anspruch? Prof. Axel Gremmelspacher: Ich schätze zwei Drittel meines täglichen Pensums, wenngleich ich nur ein Drittel meines Lehrdeputats reduziert habe. Wenn ich den Anforderungen so gerecht werden wollte, wie ich es für wirklich zufriedenstellend halte, wäre es ein Vollzeitjob. Dass ich meine Arbeit als Dekan dennoch gerne mache, habe ich ganz wesentlich meinen Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich zu verdanken, von denen ich mich voll getragen fühle! Prof. Susanne Stoodt: Das kann ich nur bestätigen: Die Arbeit im Dekanat verlangt, viele Vorgänge gleichzeitig zu bearbeiten, sowohl Langzeitprojekte zu managen als auch das Tagesgeschäft zu erle-

0.30 Uhr

39 Stunden

digen. Das braucht, neben dem eigentlichen Hauptberuf, sehr viel

Regulärer Feierabend für den Pförtner

Proben des Hochschulchores für das

Einsatz in jeder Hinsicht. Gut, dass ich, neben der tatkräftigen Mit-

nach Hochschulschluss

Projekt „Mozart-Requiem“

arbeit durch meine KollegInnen aus dem Fachbereich, mit unserem

5 Minuten

45 Stunden

Geschäftsführer Anatol Riemer und den beiden Mitarbeiterinnen

Kürzeste Prüfungszeit:

Zeit, die das Leitungsteam des Master

Lisa Beck und Laure Reßing so ausgezeichnete Unterstützung

Sprechen (Schulmusik)

Contemporary Dance Education pro

habe! Nur so ist es zu schaffen! bjh

5 Uhr

Semester für die Organisation externer

Die Reinigungskräfte

Trainings- und Unterrichtsräume

beginnen ihre Arbeit

aufwendet

6 Uhr

56 Stunden

Der Klavierstimmer intoniert den

Dauer von Proben und Konzerten

Konzertflügel im Großen Saal

des Hochschulorchesters im aktuellen

15 Minuten

Sommersemester

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

Dauer einer Einschreibung

Bis zu sieben Tage

Im Kompositionsstudium finde ich es wichtig, vereinzelte

im Studierendensekretariat

Dauer einer Aufnahmeprüfungsphase

Tage zu haben, an denen man überhaupt keinen Termin hat.

53 Minuten

für Schauspiel-Bewerber

Komponieren bedeutet für mich, Gedanken zu entwickeln, die

Dauer der Anfahrt von der Hochschule

300 Stunden

man wieder verwerfen kann. Nimmt man sich nur wenige

bis zum Probenort Frankfurt LAB

Betriebszeit der Hochschulspül-

Stunden Zeit, entsteht leicht ein innerer Druck, schon frühzeitig

90 Minuten

maschine nach Catering-Diensten

ein verwertbares Ergebnis haben zu müssen. Dadurch führt man

Längste Prüfungsdauer:

pro Semester

manche Gedanke nicht weiter aus, in der Sorge damit seine Zeit

Konzertexamen

29.295 Minuten

zu „verschwenden“. So kommt man gar nicht weiter. Ich denke

30 Stunden

bzw. 488,25 Stunden

Kreativität ist eng mit Mut zur Zeitverschwendung verknüpft.

Arbeitszeit des Künstlerischen

Dauer der im letzten Winter-

Betriebsbüros und seiner Mit-

semester erzeugten Audiodateien

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

arbeiter für die Organisation und

der Tonstudios des Großen

Ich glaube nicht, dass man automatisch dadurch reift, dass

Durchführung einer Hochschul-

und Kleinen Saals

das Studium einem Zeit dafür lässt. Reifen hat für mich etwas

veranstaltung mit Eintritt

38 Semesterwochen

Brotbacken ist auch ne Kunst!

ZWEI FRAGEN AN STUDIERENDE

Foto: Dominik Susteck

Tobias Hagedorn Komposition

mit Auseinandersetzung zu tun. Das kann innerhalb des

Jährliche Studienzeit der Tanz-

Studiums geschehen, aber auch außerhalb. Ich denke ich wurde

studierenden (regulär: 30)

Bis zu einem Jahr Dauer eines Berufungsverfahrens 139 Jahre Alter der Hochschule inlusive der Anfangszeit als Dr. Hoch's Konservatorium 444 Jahre Alter der ältesten Notenausgabe im Bestand der Hochschulbibliothek

durch mein Studium dazu gebracht, mich auch mit Dingen

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auseinanderzusetzen, was ich von mir aus vielleicht nicht gemacht hätte. Dafür bin ich sehr dankbar.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

VERLANGSAMUNG ALS ZEITERSPARNIS Über den Umgang mit Zeit in der Unterrichtsplanung und -gestaltung

VERLANGSAMUNG ALS ZEITERSPARNIS

Wie lange kann es dauern, wenn Kinder in der Grundschule im experimentellen Umgang mit Instrumenten eigene Stücke erfinden, wenn Schülerinnen und Schüler sich eine Musiktheaterszene mit Methoden der Szenischen Interpretation erschließen oder wenn Jugendliche das Ergebnis eines eben musizierten Stücks selbst bewerten, den weiteren Probenverlauf gemeinsam planen und sich Ziele für die weitere Arbeit setzen? Tatsächlich lassen sich also offene, eigenverantwortliche musikalische Bildungsprozesse und ästhetische Erfahrungen zeitlich gerade nicht minutengenau fixieren, sondern brauchen Freiräume, die keinem Zeitdruck unterliegen, und erfordern nicht nur hinsicht-

Von Dr. Katharina Schilling-Sandvoß, Professorin für Musikpädagogik

lich des Zeitbedarfs eine flexible Planung. Das Zeitmanagement

45 Minuten, so viel Zeit bleibt in der Schule in der Regel, um musikalische Lernprozesse anzuregen. 45 Minuten, um Schülerinnen und Schülern die Vielfalt der Umgangsweisen mit Musik erleben, sie sich die Vielgestaltigkeit von Musik erschließen zu lassen sowie ihr Interesse und ihre Freude an Musik zu wecken. Eine Dreiviertelstunde, um Kinder und Jugendliche in ihrer musikalischen Wahrnehmungs-, Ausdrucks-, Kommunikations- und Urteilsfähigkeit wie in ihren musikpraktischen Gestaltungsfähigkeiten gezielt zu fördern. 45 Minuten, um durch Bildungsstandards formulierte Kompetenzen in den Bereichen Musik hören, Musik machen, Musik transformieren und Musikkultur erschließen¹ zu entwickeln. Verständlich also, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit der Zeit allen, die schulische Lernprozesse planen, am Herzen liegt und nicht wenig Planungszeit darauf verwendet wird, die Dauer einzelner Teile des Musikunterrichtsgeschehens vorab möglichst exakt abzuschätzen und in Planungsrastern festzuhalten. Auch wenn Unterrichtende auf eine gerade gehaltene Unterrichtsstunde zurückblicken, spielt die Zeit eine nicht unerhebliche Rolle. Nach dem Gesamteindruck der Stunde geht ihr Blick nicht selten direkt zum Zeitbedarf: „Wenn etwas mehr Zeit gewesen wäre …“, „Mit der Zeitplanung bin ich exakt hingekommen …“ oder „Das Zeitmanagement ist mir gelungen…“. In diesen und ähnlichen Äußerungen erscheint der Zusammenhang zwischen geplantem und tatsächlichem Zeitbedarf als Gütekriterium zur Einschätzung des Unterrichtserfolgs.

wäre damit als Merkmal zur Bewertung der Qualität musikbezogener Lernprozesse völlig ungeeignet. Im pädagogischen Kontext wird Zeit aber noch in einer

Das Merkmal der „echten“ Lernzeit fokussiert die aktive Rolle

anderen als der quantitativen Bedeutung gesehen. Im Begriff

der Schülerinnen und Schüler in der Nutzung der Lernzeit und

der „echten“ Lernzeit, also der von Schülerinnen und Schülern

ihre Verantwortlichkeit für das eigene Lernen. Nach konstrukti-

aktiv für das Lernen genutzten Zeit, geht es mit der Intensität

vistischem Lernverständnis wird Wissen auf der Basis individu-

von Lernprozessen auch um eine qualitative Zeitnutzung.

eller Erfahrungen aktiv und kreativ konstruiert, indem neue

Tatsächliche Unterrichtszeit und aktive Lernzeit müssen also

Erkenntnisse mit bereits erworbenen Erfahrungen verknüpft und

nicht identisch sein. Die Bedeutung der „echten“ Lernzeit ist in

bedeutungsvoll verarbeitet werden. Musiklehrerinnen und -lehrer

der empirischen Bildungsforschung als ein Gütekriterium

haben aus dieser Sicht die Aufgabe, Lernprozesse zu initiieren,

von Unterricht mehrfach bestätigt.

zu begleiten und zu fördern, die Lernenden also in ihrem musikalischen Lernen herauszufordern, weil sich die Anforderungen sinnvoll an die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Lernenden anschließen und eine Passung zwischen Anforderungen und vorhandenen Kompetenzen besteht. Effektives Musiklernen kann nur entstehen, wenn sich für die Lernenden relevante musikalische Lernsituationen ergeben, die ihnen sinnvollen Lerngewinn ermöglichen und sie die eigenen Lernfortschritte und -erfolge erleben lassen. Individuell unterschiedliche musikalische Voraussetzungen und Lernwege der Lernenden bedingen daher nicht nur differenzierende und methodisch vielfältige Zugangsmöglichkeiten, sondern auch unterschiedliche Arbeitstempi und einen unterschiedlichen Bedarf an Lernzeit. Seit jeher gehört die Auffassung, dass guter Unterricht alle Lernenden entsprechend ihrer Fähigkeiten und Bedürfnisse fördert, indem individuelle Zugänge durch differenzierende Maßnahmen auf inhaltlicher, methodischer,

1: Vgl. die Hessischen Kerncurricula für alle Schulformen: Hessisches Kultusministerium (Hrsg.): Bildungsstandards und Inhaltsfelder. Das neue Kerncurriculum für Hessen. Musik.

sozialer oder auch (zeit-)organisatorischer Ebene geschaffen werden, zu den Grundelementen guter Unterrichtsplanung und -gestaltung.

Wiesbaden 2011

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

ZWEI FRAGEN

Lehrende sind dann weniger als Wächter des eigenen Zeitplans gefordert, sondern in der Gestaltung flexibler Lernarrangements

„Das Studium ist doch sehr zeitintensiv. Allerdings hat man in den ganzen Jahren auf jeden Fall, trotz des Stresses, einiges lernen und vor allem reifen können. …“

und einem sensiblen Abweichen von der angedachten Unterrichtszeit in beiden Richtungen. Der Pädagoge Hilbert Meyer plädiert mit seinem „Lob der Langsamkeit“ dafür, „[…] bewusst eine methodische Verlangsamung des Arbeitsprozesses vorzunehmen, um eine Intensivierung des Lernens zu bewirken.“² Eine Erweiterung der Zeit kann auch im komplexen Gefüge des Musikunterrichts eine Zeitersparnis bedeuten und „echte“ Lernzeit schaffen. Lernzeit, um beim aktiven Musikhören Musik unterschiedlichster Stilistiken zu erforschen, Lernzeit zur praktischen und theoretischen Auseinandersetzung mit Musik, zur Entwicklung musikpraktischer Fertigkeiten und zur reflektierten Umsetzung eigener Gestaltungsaufgaben, Lernzeit zum Transfer musikalischer Elemente in andere Ausdrucksbereiche oder Lernzeit, um musikalische Ereignisse oder Wirkungen zu beschreiben und sich Musik sprachlich differenziert zu nähern.

2: Meyer, Hilbert: Was ist guter Unterricht? Berlin 2004, S. 46

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ZWEI FRAGEN AN STUDIERENDE Laura Wall

Antonia Dehmer

Ann Kristin Rettig

Musik für das Lehramt an Grundschulen (L1)

Musik für das Lehramt an Haupt- und Realschulen (L2)

Musik für das Lehramt an Förderschulen (L5)

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

Je nach dem, in welchem Semester man sich gerade befindet

Alle Studienfächer (Musik, Zweitfach und Bildungswissen-

Das L5-Studium ist wahrscheinlich lange nicht so stressig wie

bzw. welche Seminare man zu dieser Zeit belegt, kann das

schaften an der Goethe-Universität) unter einen Hut zu bekom-

das L3-Studium. Man hat nur wesentlich mehr Veranstaltungen

ziemlich unterschiedlich ausfallen, nämlich von „sehr viel Zeit

men, ist sehr planungs- und zeitintensiv. Da ich gerne die

an der Uni und ist deshalb kaum an der Hochschule. Natürlich

für sich selbst/privaten Dingen“ bis „totale Überforderung mit

Regelstudienzeit einhalten möchte, bin ich jeden Tag in der

versucht man sein Studium irgendwie in der Regelstudienzeit

den Anforderungen der jeweiligen Seminare, sehr intensives

Hochschule/Universität. An zwei bis drei Abenden nehme ich

fertig zu bekommen. Da bleibt leider kaum noch Zeit zum Üben.

instrumentales Üben (was die meiste Zeit und Geduld einfor-

mir trotzdem Zeit für Privatleben oder Musikjobs. Leider finde

Jetzt bin ich gerade im Examen und schon fertig mit dem Fach

dert) und aufgrunddessen wenig Zeit und Schlaf“. Gut, dass

ich die Fächerauswahl im Studiengang L2 Musik sehr begrenzt

Musik. Ich bedaure es sehr, dass ich während des Studiums über-

es BAFöG gibt, denn zum Arbeiten bleibt mir als Pendlerin

und hoffe, dass die Grundlagenkurse (z. B. Musiktheorie,

wiegend nur die Seminare belegt habe, die ich belegen musste.

meistens einfach viel zu wenig Zeit übrig.

Dirigieren, Musikalische Analyse usw.) ausgebaut werden.

Für die wenigen freiwilligen Praxisseminare, die angeboten werden, war leider keine Zeit.

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

Durch die verschiedenen Einzelunterrichte, die man an der

An der Hochschule gibt es viele Kursangebote, in denen

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

HfMDK bekommt, entwickelt man sich musikalisch unglaublich

man sich musikalisch weiter entwickeln kann, jedoch passiert

Das Studium ist doch sehr zeitintensiv. Allerdings hat man

gut weiter und entdeckt sich oft ganz neu. Vor allem durch

die größte Entwicklung im privaten Engagement für die

in den ganzen Jahren auf jeden Fall, trotz des Stresses, einiges

immer wieder anstehende Projekte, in die man reinschnuppern

Musik – sowohl an der Hochschule als auch im privaten

lernen und vor allem reifen können. Allerdings, so war mein

oder die man auch selbst aktiv mitgestalten kann, lernt man

musikalischen Bereich.

Eindruck, wurde beim L5-Studium nicht wirklich darauf

sich viel besser kennen und entdeckt vielleicht bisher noch

geachtet, dass wir künstlerisch reifen.

versteckte Fähigkeiten in sich selbst.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

ZEIT SCHAFFT VERBINDLICHKEIT

ZEIT SCHAFFT VERBINDLICHKEIT

Welche zeitlichen Herausforderungen gehören zu Ihrem

Welche zeitlichen Berührungspunkte von Semesterzyklus und

Arbeitsalltag im Fachbereich?

Kalenderjahr gibt es zwischen der Finanzabteilung und den

Anatol Riemer: Ich nehme im Dekanat eine große Schwan-

Fachbereichen?

kung im Anfall von Arbeiten wahr, besonders im Unterschied

Anatol Riemer: In der Regel bekommen Lehrbeauftragte ihre

zwischen laufendem Semester und vorlesungsfreier Zeit. Gerade

Vergütungen am Ende des Semesters überwiesen. Im Winter-

zu Beginn eines Semesters geht es turbulent zu – ganz anders

semester gibt es zusätzlich am Jahresende eine erste Überweisung,

als nach Ende des Sommersemesters, wenn die Hochschule

um dem Ende des Kalenderjahres Rechnung zu tragen.

nahezu verwaist zu sein scheint. Eine Herausforderung zeitlicher

Manuel Röschinger: Ein anderer Berührungspunkt ist das

Natur ist die Gremienarbeit angesichts der Tatsache, dass bei-

Reporting regelmäßig zur Mitte jeden Monats, das Fachbereiche

spielsweise das Dekanat und der Fachbereichsrat in den Semester-

und andere Abteilungen von uns über ihr Budget erhalten, um

ferien nicht tagen. Planungsstrategische Anfragen, die uns in den

einen aktuellen Überblick zu bekommen. Zudem gibt es verbind-

Sommerferien z. B. von der Hochschulleitung erreichen, können

liche Termine bei der Haushaltsaufstellung für das kommende

wir dann nicht zeitnah in den Gremien beraten. Ein Notventil ist

Jahr, an die sich alle halten müssen. Die Termine der Budgetpla-

zwar das Umlaufverfahren, mit dem wir Ja/Nein-Abstimmungen

nung sind vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst vorgegeben

durchführen können. Doch für eine inhaltliche Diskussion

und zeitlich präzise durchgetaktet. In der Finanzabteilung sind

reicht dieser Kommunikationsweg nicht aus.

wir also wesentlich mit verbindlichen Zeitvorgaben konfrontiert. Derlei Pflichttermine kann man entweder als langweilig empfinden

Zeitmanagement als Qualitätsmerkmal in Dekanat und Verwaltung – Anatol Riemer und Manuel Röschinger im Interview Hinter einem reibungsarmen Lehrbetrieb steckt ein ausbalanciertes Verwaltungssystem, für dessen Mitarbeiter die Zeit ein ebenso kostbares Gut ist wie für Lehrende und Studierende. „Frankfurt in Takt“ sprach mit Anatol Riemer, Geschäftsführer des Fachbereiches 1 (Künstlerische Ausbildung, Instrumentalpädagogik, Historische Interpretationspraxis und Kirchenmusik), und Manuel Röschinger, Leiter der Abteilung Finanzen und Controlling, darüber, welche Rolle die Zeit in ihrem Arbeitsalltag spielt.

28

Von welchen Zeitläufen ist die Arbeit in der Finanzabteilung

oder – positiv gesprochen – als entlastend. In der Tat anstrengend

geprägt?

kann der Jahresabschluss sein. Der muss bis Mitte Februar vor-

Manuel Röschinger: In meinem persönlichen Arbeitsablauf

liegen – das ist „sportlich“. Stressig können aber auch die Momente

spielt der Semesterzyklus nur eine nachgeordnete Rolle; ob vor-

sein, wenn Partner der Hochschule nach eingereichter Rechnung

lesungsfreie Zeit ist oder nicht, bekomme ich nur wenig zu spüren.

zu uns kommen und fragen: „Wann bekomme ich mein Geld?“

Für die Abteilung wird vor allem spürbar, dass die Anzahl der zu

Damit sind wir öfters konfrontiert. Dafür haben wir klare Arbeits-

bearbeitenden Zahlungsbelege und Bestellungen innerhalb des

läufe geschaffen, so dass in der Regel 14 Tage nach Rechnung-

Semesters größer ist als in den Semesterferien. Für uns wesentlich

stellung das Geld auf dem Konto des Empfängers ist. Diese Vorgabe

ist das Kalenderjahr, in dem vor allem die Budgetplanungen und

bedeutet für alle betroffenen Kolleginnen von den Fachbereichen

der Jahresabschluss die entscheidenden Daten sind.

und Fachabteilungen, der Finanzabteilung bis hin zur Hochschulleitung durchaus einen gewissen Zeitdruck.

Demnach sind die Verwaltungsmitarbeiter nicht zwingend gehalten, ihren Jahresurlaub in die Semesterferien zu legen?

Welche fixen Termine sind innerhalb des Semesterbetriebs in

Manuel Röschinger: Früher musste er darin liegen, heute ist

den Fachbereichen arbeitsintensiv?

dies eher eine Frage der Selbstorganisation der Abteilungen bzw.

Anatol Riemer: Wesentliche Eckpfeiler sind die Gremiensit-

der Absprachen innerhalb eines Teams – zumindest bei uns in

zungen, an denen selbstredend Vor- und Nachbereitungen von

der Finanzabteilung. Insgesamt ist unsere Abteilung in jedem

Unterlagen wie Protokolle und Anträge hängen; gemeint sind vor

Fall ganzjährig erreichbar.

allem Dekanats- und Fachbereichsratsitzungen, aber auch die

Anatol Riemer: Bei uns im Fachbereich gibt es zwar keine

Jours fixes im Dekanat. Mit der Dekanin bespreche ich mich als

anderen Vorschriften in Sachen Urlaubsplanung, aber die oben

Geschäftsführer gefühlt fünfmal täglich.

erwähnten Schwankungen in der Arbeitsbelastung lassen es sinnvoll erscheinen, dass wir für unsere Urlaubsplanung die

Welche generellen zeitlichen Vereinnahmungen im täglichen

Semesterferien bevorzugen.

Dekanatsbetrieb fallen Ihnen ein? Anatol Riemer: Klar ist, dass mit der Einführung von Bachelor und Master unsere „Begleitung“ der Studierenden engmaschiger geworden ist. Es muss mehr belegt und abgezeichnet werden,

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und Studierendenleistungen werden kleingliedriger als zuvor erfasst. Außerdem sind Berufungsverfahren in ihrem Verlauf komplexer und damit zeitintensiver geworden. Für unsere Hochschule stellt zudem das Thema Akkreditierung eine zusätzliche Herausforderung dar, die im Fachbereich 3 mit der ersten Akkreditierung der Tanzstudiengänge gezeigt hat, auf wie zeitintensive Verfahren wir uns auch in den beiden anderen Fachbereichen einstellen müssen. Welche zeitlichen Freiräume bleiben Ihnen im Arbeitsalltag? Manuel Röschinger: Seit kurzem sogar wesentliche: Es gibt seit 1. Februar dieses Jahres für die Verwaltungsmitarbeiter keine Kernarbeitszeiten mehr, und: Die Mindestarbeitszeit beträgt vier Stunden. Das heißt: Man könnte morgens früh um 6 Uhr anfangen zu arbeiten, um 10 Uhr nach Hause gehen, abends um 17 Uhr

Von links nach

nochmal kommen und bis um 21 Uhr arbeiten. Die

rechts: Anatol Riemer und

Neuerung ist das Ergebnis einer jahrelangen Arbeit des

Manuel Röschinger

Personalrats und der Hochschulleitung. Der tägliche Arbeitszeitrahmen hat sich damit auch vergrößert: Bislang lag er bei 6.30 Uhr morgens und 19.30 Uhr abends. Mal sehen, wie sich diese Regelung praktisch

Wie viel Zeit nehmen Sie sich, die „andere Seite“

auswirkt. Aber wir müssen lernen, damit so umzuge-

der Hochschule zu erleben, nämlich die Künstler und

hen, dass derlei Freiheiten nicht die Effizienz unserer

ihre Veranstaltungsangebote?

Arbeitsabläufe beeinflusst. Anatol Riemer: Auch mir und meinen Kolleginnen im Dekanat kommt diese neue Regelung gut zu Pass, da unsere Gremiensitzungen meistens abends stattfinden und die Überschreitung der Arbeitszeit so kaum noch ein Thema ist. Gleiches gilt für die Betreuung der Konzerte des Hochschulchores und -orchesters, die Anwesenheit außerhalb der bisherigen Kernzeiten erforderlich macht.

Manuel Röschinger: Das ist natürlich jedem selbst überlassen, ob und wann er sich nach dem Ausstechen an der Zeituhr ein Hochschulkonzert oder Ähnliches

ZWEI FRAGEN AN STUDIERENDE Lena Paetsch Klassischer und Zeitgenössischer Tanz

gönnt. Manche tun dies häufig, andere ziehen einen

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

hochschulfreien Feierabend vor. Wenn mich die

Für mich ist es sehr wichtig, mir für den Abend regelmäßig

finanzielle Verwaltung von Hochschulprojekten am

feste Zeiten vorzunehmen, zu denen ich aufhöre, über mein

Schreibtisch stark beschäftigt hat, bin ich durchaus

Studium nachzudenken oder an etwas zu arbeiten, damit

neugierig zu erleben, was künstlerisch dahinter steckt –

ich zwischendurch auch mal Zeit zum Runterkommen habe.

zum Beispiel bei der Barocknacht, die ich dann auch

Ich finde es wichtig, ein privates Umfeld außerhalb der

besucht habe. Gelungen finde ich die jüngste Idee,

Hochschule zu behalten.

explizit die Mitarbeiter des Hauses zu den öffentlichen

Musikerleben 30

www.session.de

Hanauer Landstraße 338 | Frankfurt am Main

Repertoireproben des Hochschulorchesters einzuladen.

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

Sie dauern nicht länger als eine halbe Stunde und liegen

Die künstlerische und körperliche Arbeit im Tanzstudium

in den typischen Büroarbeitszeiten. Schon mancher

ist nicht zuletzt immer auch Arbeit an einem selbst und

von uns hat davon dankbar Gebrauch gemacht. Eine

beeinflusst einen direkt. Mit jedem Schritt, den ich mir durch

Mittagspause mit live gespielter klassischer Musik –

einen neuen Ansatz erarbeiten muss, habe ich das Gefühl,

das hat nicht jeder Büroangestellte! bjh

etwas für mein privates Leben mitzunehmen.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

ES WAR ZEIT FÜR EINE ZEITENWENDE

ES WAR ZEIT FÜR EINE ZEITENWENDE Wie sich der Ausbildungsbereich Schauspiel im Zeitraum von zehn Jahren gewandelt hat – Interview mit Prof. Marion Tiedtke und Dr. Dagmar Borrmann Als kleinste Schauspielschule Deutschlands hat sich der HfMDK-Ausbildungsbereich Schauspiel in den letzten zehn Jahren gemausert: Seine Absolventinnen und Absolventen werden bewusster denn je auf den aktuellen Arbeitsmarkt für Bühne, Hörfunk und Film vorbereitet, die erfolgreichen Engagements sprechen für sich. „Frankfurt in Takt“ sprach mit Ausbildungsdirektorin Prof. Marion Tiedtke über die Zeitenwende im Schauspielstudium und befragte dazu auch ihre Interimsnachfolgerin Dr. Dagmar Borrmann, die zuletzt als leitende Dramaturgin Schauspieldirektion am Staatstheater Wiesbaden gehörte. Sie wird den Ausbildungsbereich Schauspiel in den kommenden drei Jahren leiten, während Marion Tiedtke als Chefdramaturgin und stellvertretende Intendantin ans Schauspiel Frankfurt wechselt.

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Inwiefern lässt sich in der Frankfurter Schauspielausbildung von einer Zeitenwende reden? Prof. Marion Tiedtke: Als ich im März 2007 den Ausbildungsbereich übernahm, war ich mit der Chance, aber auch der Notwendigkeit konfrontiert, die Schauspielausbildung neu zu denken. Alle festen Stellen und Lehraufträge mussten neu besetzt werden. Werner Wölbern konnte ich zunächst für die Rollen-Professur gewinnen, wir kannten uns aus unserem Engagement am Burgtheater. Gemeinsam begannen wir, unser Kollegium zu verjüngen. Bestimmte Richtungen des Theaterverständnisses, die bis dahin Lehrende vertraten, erschienen uns nicht mehr kompatibel mit dem, was mittlerweile am Theater wirklich stattfand. Wir veranstalteten in der vorlesungsfreien Zeit Workshops und Produktionen mit Künstlern aus der aktuellen Szene. Zudem entwickelten wir ein Profil für eine Professur im Fach Physiodrama als eine Art Scharnier zwischen Schauspiel und Bewegung, die wir mit dem Belgier Yurgen Schoora besetzten. Zusätzlich gelang es uns, eine neue Stelle zusammen mit dem Ausbildungsbereich Regie für szenische Grundlagen einzurichten, die wir mit dem Schauspieler und Regisseur Marc Prätsch besetzten. Vor drei Jahren schließlich konnten wir die Mittelbaustelle „Sprechen“ als weitere Professur ausschreiben, die jetzt von Silke Rüdinger ausgefüllt wird.

33


ES WAR ZEIT FÜR EINE ZEITENWENDE

Kann man da von einem Paradigmenwechsel sprechen?

damit den jeweiligen „Moden“ im Theater hinterherzurennen.

Dr. Dagmar Borrmann: Das möchte ich bejahen. Ich nahm als

Dann würden wir atemlos. Es gilt zu definieren, was das „Tafel-

Dramaturgin damals von außen wahr, dass die HfMDK im

silber“ ist, das wir den Studierenden mitgeben – und da halte ich

Ranking der deutschen Schauspielschulen nicht sehr gut dastand.

sehr viel vom guten alten Handwerk. Wer seinen Körper und

Diese geringe Bedeutsamkeit hat sich radikal gewandelt. Die

seine Stimme beherrscht, ist in der Lage, in vielen verschiedenen

Absolventen heute treten mit einem ganz anderen Selbstbewusst-

Spielweisen professionell zu arbeiten. Diesen Kern der Ausbil-

sein in die Theaterpraxis ein. Ich beobachte, dass die aktuellen

dung würde ich nie preisgeben. Aber was man an den Rändern

Diskurse und Entwicklungen nun viel mehr in die Ausbildung

austauschen muss, weil es vielleicht nicht mehr zeitgemäß ist,

einfließen. Vorher empfand ich die Ausrichtung auf psychologisch-

darüber werden wir nachdenken. Eine große Änderung ergibt sich

realistisches Spiel als sehr einseitig.

mit dem neuen Konzept, das die Studierenden im dritten Jahr stärker ans Schauspiel Frankfurt binden soll, welches Marion

Wie veränderte sich die Schauspielausbildung weiter?

Tiedtke dann mit Anselm Weber zusammen leiten wird. Es ist ein

Prof. Marion Tiedtke: Wir verknüpften uns mit den Theatern der

Pilotprojekt für drei Jahre. Dies könnte zur Folge haben, dass wir

Umgebung, um den Studierenden erste reale Bühnenerfahrungen

den Studierenden in den ersten beiden Ausbildungsjahren mehr

zu ermöglichen. Die von mir im Rahmen der Hessischen Theater-

Zeit geben müssen, sich auszuprobieren und im geschützten Raum

akademie eingerichtete „Praxiszeit Schauspiel“ entwickelte sich zu

zu wachsen. Zeit ist heute ein Luxusgut geworden. Ich merke ja,

einer stabilen Kooperationsform mit den neun assoziierten Stadt-

wie enorm der Stress bei den Studierenden zugenommen hat.

und Staatstheatern. Neue Fächer wie die Arbeit vor der Kamera,

Prof. Marion Tiedtke: Meinst du den Stress als Angst vor der

die Demoband-Produktionen und das Mikrofonsprechen nahmen

Zukunft oder den Stress im dichten Lehrplan?

wir in den Fächerkanon auf. Berufsfeldvermittlung kam als eine

Dr. Dagmar Borrmann: Beides, aber vor allem ersteres – die

meiner Lehrveranstaltungen hinzu, um die Studierenden für ihr

Angst, für den Markt nicht fit genug zu sein oder sich nicht gut

Selbstmarketing zu sensibilisieren. Dagmar Borrmann hatte ich

genug „verkaufen“ zu können.

schon in meinem ersten Frankfurter Jahr als Lehrbeauftragte für

Prof. Marion Tiedtke: Die Angst, nicht vermittelt zu werden, hat

Theorie gewinnen können.

tatsächlich zugenommen. Da man vieles können muss, um aus dem Schauspielberuf einen Broterwerb zu machen, wurden in den

Heißt für Sie, Frau Borrmann, dass Ihre neue Aufgabe auf der

letzten Jahren die Lehrpläne immer voller: Neue Fächer, neue

inhaltlichen Ebene kein wirkliches Neuland bedeutet?

Spielweisen, neue Projekte kamen bei gleicher Ausbildungsdauer

Dr. Dagmar Borrmann: Auf der Ebene der administrativen

hinzu. Auch die Vernetzung von Regie und Schauspiel haben wir

Vorgänge schon. Leitungsfunktionen an Theatern, die ich als

an der Hochschule gefördert, damit Studierende schon früh Banden

Dramaturgin innehatte, unterscheiden sich durchaus von den

bilden, von denen sie vielleicht später profitieren. Aus dieser ge-

Aufgaben als Leiterin einer Schauspielausbildung.

wachsenen Fülle schloss ich die These, dass das Schauspielstudium auf fünf Jahre verlängert werden müsste. Das sehen meine Kollegen

Welche neuen Impulse möchten Sie setzen?

Werner Wölbern und Marc Praetsch anders, sie befürchten

Dr. Dagmar Borrmann: Im Rahmen der vorhandenen Möglich-

einen Wettbewerbsnachteil.

keiten sehe ich das Schauspielstudium an der HfMDK gegen-

Dr. Dagmar Borrmann: Die Theater greifen die Studierenden ja

wärtig sehr gut aufgestellt, obwohl es nach wie vor die kleinste

auch immer früher ab, wollen junge Talente selbst entdecken und

Ausbildungsinstitution im Ranking ist, sowohl in personeller wie

prägen. Und diese können dann länger das „junge Fach“ spielen.

räumlicher und finanzieller Hinsicht. Es ist aber wichtig, im Gespräch darüber zu bleiben, wie sich die Theaterrealität „draußen“ verändert und inwiefern die Ausbildung dem Rechnung tragen muss – zum Beispiel der Tatsache, dass der Anteil an performativem Theater neben mimetischen Spielweisen immer mehr Raum einnimmt. Ich bin kein Fan davon, jedem aktuellen Diskurs und

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

ES WAR ZEIT FÜR EINE ZEITENWENDE

Entspricht das dem gesellschaftlichen Trend, junge Menschen

Inwiefern lernen Schauspieler im Laufe ihres Studiums

Dr. Dagmar Borrmann: Der Druck auf die Schauspieler und

immer früher ins Rampenlicht zu holen?

etwas über den Umgang mit der Zeit?

die Menge an Arbeit nehmen zu, weil immer mehr produziert

Prof. Marion Tiedtke: Zum Teil sicher schon. Wir haben Stu-

Prof. Marion Tiedtke: Im ersten Ausbildungsjahr fällt mir auf,

wird. Da das Zuschauer-Reservoir zurückgeht, müssen die

dierende, die noch gar nicht fertig studiert haben und schon von

dass sie in meinen Vorlesungen nach 45 Minuten wie in der Schule

Theater mehr Output liefern. Deshalb finde ich es wichtig, die

Theatern „wegengagiert“ werden – was uns natürlich für die

ihre Pause einplanen – anders als im Theater, wo vier Stunden

Studierenden darauf vorzubereiten, dass ihr Beruf ein Lang-

Studierenden freut, weil sie einen guten Berufseinstieg an großen

am Stück geprobt wird. So empfinden sie das erste Jahr als

streckenprojekt ist und es gilt, nicht nur in Spielzeiten zu denken.

Häusern haben. Abgesehen davon werden an den kleinen und

Überforderung und müssen lernen, mit Zeit anders umzugehen.

Das ist nicht nur für Fragen der Kondition wichtig, sondern

mittleren Bühnen die Ensembles sowieso immer jünger, weil

Darüber hinaus machen sie sehr früh die Erfahrung, dass der

auch für die persönliche Zufriedenheit mit dem, was sie tun.

die finanziellen Mittel immer knapper ausfallen, und die Inten-

Schauspieler Zeit seines Lebens in einer „double-bind“-Position

Entspricht die aktuelle Lebenssituation dem eigenen Bedürfnis?

danten an den Gagen sparen müssen.

ist: Einerseits muss er immer mehr neue Rollen erarbeiten,

Kann man sich am jeweiligen Theater entwickeln?

andererseits für sich Ruhe-Inseln finden, um noch kreativ sein zu

Prof. Marion Tiedtke: Die Qualität der Begegnung ist am Ende

können. Aber auch für uns Lehrende gilt: Mit fünf festen Kräften

das, was das Leben ausmacht.

lässt sich eine Schauspielausbildung kaum über so viele Jahre

Dr. Dagmar Borrmann: Und dieses Bewusstsein macht Künstler

stabil entwickeln, denn alle anderen deutschsprachigen Institute

auch resilient gegen Misserfolge. Es gibt Produktionen, die krachen

haben mehr und oft doppelt so viele Lehrkräfte wie wir. Alle hier

erfolglos gegen den Baum. Und trotzdem sagen Schauspieler:

arbeiten weit über ihr Lehrdeputat hinaus. Auch wir wünschen

Die Proben haben Spaß gemacht und uns weitergebracht.

uns oft mehr Zeit, um mit Genauigkeit und Nachhaltigkeit die notwendigen Entwicklungen des Ausbildungsbereiches voran-

Wie viel Zeit für Muße bleibt den Schauspiel-Studierenden?

treiben zu können.

Prof. Marion Tiedtke: Sehr viel davon haben sie in den ersten drei Jahren nicht. Erst im letzten Jahr ändert sich dies, wenn jeder allein auf der Suche nach einem Festengagement ist. Da fällt der Einzelne zunächst mal aus dem Schutz des Ensembles raus und Von links nach rechts: Dr. Dagmar Bormann und

hat viel Zeit, die er eigenverantwortlich für seine Zukunftsorientierung und seine Vorsprechen nutzen muss.

Prof. Marion Tiedtke

Bleibt da genug Zeit zum Reifen? Prof. Marion Tiedtke: Wer wann reift, lässt sich nicht vorhersehen. Ich erlebe in der Schauspielausbildung diesbezüglich oft eine sprunghafte, überraschende Entwicklung. Tatsache ist, dass die Studierenden in sehr kurzer Zeit viel Input bekommen. Die einen saugen all dies auf wie ein Schwamm, während andere

ZWEI FRAGEN AN STUDIERENDE

Foto: Birgit Hupfeld

Lisa Eder Schauspiel

zunächst überfordert sind und mehr Zeit brauchen, das neue

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

Wissen mit ihrer künstlerischen Persönlichkeit zu verbinden. Es

Je nach Semesterphase ist mal mehr, mal weniger Zeit.

kann vorkommen, dass der zur Aufnahmeprüfung vermeintlich

Insgesamt kann man sagen, dass das Schauspielstudium sehr

Schwächere am Ende einer der Ersten ist, der ein gutes Engage-

zeitintensiv ist und ich mir manchmal mehr Raum wünsche,

ment erhält. Es ist wie bei einem guten Wein: Wie er am Ende

die Stadt und das Leben in Frankfurt noch auf eine andere

reift und sich entfaltet, lässt sich nicht vollends planen. bjh

Weise zu entdecken als auf dem Schulweg. Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen? Das Studium selbst lässt einen reifen. Ich merke allerdings immer in den Semesterferien, wenn ich Zeit habe, wie ich erst mal all die Eindrücke verarbeiten muss und mir der Abstand zum Schulalltag gut tut.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

DAS SEMINAR ZUR ZEIT – EINE SPEKULATION

DAS SEMINAR ZUR ZEIT – EINE SPEKULATION Von Peter Michalzik, Gastprofessor zum Thema „Performance und Autorenschaft“ im Fachbereich 3 Wenn wir uns Zeit als Thema bei uns im praktischen Theorie-

bei Castorf. Was bei dem fast ewigen Intendanten Frank Castorf

Nachspüren und Nachschreiben so herauskommt, würden wir

Seminar vornehmen würden, was durchaus denkbar ist, da es

ein Spiel mit der Erschöpfung, eine Überschreitung von Grenzen

unterschiedliche Versuche mit der Zeit machen, würden ihr auf

sich bei Zeit wie bei Raum oder Spiel um einen Grundbegriff des

ist, um neue Energien anzuzapfen, ein augenzwinkerndes Marken-

unterschiedliche Weise eine Sprache geben. Dann würden wir uns

Theaters handelt, dann würde das vielleicht so ablaufen. Wir

zeichen, ist bei der durational performance ein privilegiertes

nochmal wundern, dass mit Zeit im Theater so selten gespielt

würden uns selbstverständlich fragen, was das ist, Zeit. Wir würden

Mittel zur Auflösung und Kenntlichmachung zugleich der Grenze

wird. Wo sie doch so faszinierend ist und ein so seltenes, knappes,

vielleicht ein ganz klein wenig Kant lesen oder uns mit der Zeit-

zwischen Theater und Leben (nennen wir es Leben, auch wenn

kostbares Etwas geworden ist. Und dann würden wir feststellen,

vorstellung der Physik beschäftigen, dann würden wir feststellen,

wir dabei einige Bauchschmerzen haben, aber es fällt uns kein

dass es gut, sehr gut wäre, Musiker und Tänzer dabei zu haben.

dass die lineare Zeitvorstellung, die auch der klassischen Physik

treffenderes Wort ein für das vielgestaltige Alles neben dem Theater).

Musiker und Tänzer mit ihren spezifischen Zeiterfahrungen. Wir

zugrunde liegt, einerseits immer noch unsere Erfahrung abbildet,

Dann würden wir vielleicht feststellen, dass der Umgang der

würden es denken, dass es für uns und die Zeit gut wäre, auf der

unsere Überzeugung, andererseits aber nicht mehr unserem Zeit-

Performance mit der Zeit wissenschaftlicher, sozusagen trockener,

Bühne mit ihnen zu spielen. Wir würden sehen, dass sie Zeit auf

erleben entspricht. Einem Zeiterleben, das irgendwie vielschichtig

weniger spielerisch, weniger kokett ist. Dann würden wir versu-

der Bühne durch ihr Tun anders definieren und definieren

und unübersichtlich geworden ist, das von unterschiedlichen

chen selbst zu erkunden, wie wir Zeit einteilen, fragmentieren,

können. Wir würden bemerken, dass Musik, Körper und Spiel

Zeiten ausgeht, von parallelen Zeiten, das sieht, dass auch in

rhythmisieren, sie zum Verstreichen bringen und zum Davonlaufen.

drei wirklich unterschiedliche Möglichkeiten sind, um Zeit zu

unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Vorstellungen sogar

Wir würden an Uhren, Stunden- und Studienpläne, die 20-Uhr-

strukturieren. Wir würden denken, dass die Musiker und Tänzer

von Zeit existieren. Dann würden wir uns nach der Rolle von Zeit

Nachrichten, den Morgenwecker, das immer lebendige und wache

das auch darstellen und vielleicht sogar selbst beschreiben sollten

im Theater und der Performance fragen und würden überrascht

Facebook und seine instagrammatischen und twittrigen Verwand-

und dass wir daraus eine Aufführung machen sollten. Wir würden

feststellen, dass über Zeit da kaum nachgedacht wird, dass sie

ten denken. Wir würden uns vielleicht fragen, was Echtzeit und

denken, dass wir dafür die Regisseure dazu holen müssen, um

theatral kaum erforscht wird, jedenfalls viel weniger als ihr Partner,

Präsenz unterscheidet. Die Sekunde, das Jahr, das Zeitwort, alles

das alles irgendwie zusammenzubringen und auf der Bühne zu

ihr engster Vertrauter, der Raum. Im Theater, würden wir wahr-

Tun ist Zeit, Plötzlichkeit und die ewige Wiederkehr. Die Aufsplit-

verbinden, und uns dann fragen, ob wir das auch selbst können.

scheinlich sagen, gibt es die Zeitunmäßigkeit wie sie Frank Castorf

terung von Zeit und das Paralleluniversum. Und dann, dann

Und dann würden wir vielleicht lachen und sagen, dass wir dafür

etabliert hat (um ein möglichst prominentes Beispiel zu nehmen),

würden wir uns wahrscheinlich etwas bang, etwas erregt fragen,

aber nun wirklich keine Zeit haben. Es würde bestimmt ewig

und wie sie mittlerweile auch von anderen Regisseuren verwen-

wie man das alles auf die Bühne bringen kann. Wir würden

dauern, würden wir sagen, bis wir uns da einigen und eine

det wird, das Überziehen der Zeit mit dem Ziel, durch Erschöpfung

anfangen zu schreiben, zu erzählen, zu sprechen, Zeit auf der

gemeinsame Form finden. Ewig. Und irgendjemand würde die

bei Darstellern und Zuschauern andere, basalere Zustände zu

Bühne, in einem Raum, durch unser Tun fühlbar zu machen und

Frage stellen, ob das heißt, dass der Regisseur der Verwalter der

ermöglichen. Dann würden wir einen Sprung machen und würden

daraus dann Theaterszenen zu konstruieren. Was ist Gleichzeitig-

knappen Zeit im Theater ist. Und dass das Gegenteil des Regis-

feststellen, dass sich mit dem Begriff „durational performance“,

keit und wie kommt man zurück in die Zukunft? Wir würden

seurs die Ewigkeit ist. Wir würden denken, das man so weit

was vielleicht zur Zeit der wichtigste Theater-Begriff im Zusam-

versuchen, die Zeit selbst sprechen zu lassen, sie anzugreifen oder

auch nicht gehen sollte, dass wir uns aber in der Zukunft, ganz

menhang mit Zeit ist, etwas ganz anderes verbindet, eine zeitoffene

herauszufordern, sie zum Schweigen bringen oder sich verbergen

bestimmt, noch einmal eindringlicher und ausdrücklicher mit

Vorstellung, die sich nicht nur mit langer Dauer, sondern auch mit

lassen. Wir würden vielleicht versuchen, ob man sie zwingen

Zeit beschäftigen wollen und werden.

undefinierten Zeitgrenzen beschreiben lässt und die als Begriff

kann, die Richtung zu ändern. Und uns fragen, was sie dazu

analytischer und grundsätzlicher ist als das Spiel mit der Dauer

sagen würde. Je nachdem eben, was bei unserem Nachdenken,

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

STIMMEN REIFEN EIN LEBEN LANG Von Silke Rüdinger, Professorin für Sprecherziehung, und Ursula Targler-Sell, Professorin für Gesang

Die Ausbildung zum Lied-, Oratorien- Konzert- und Opern-

Das für eine glaubhafte musikalische Interpretation notwendige

Die Stimme des Menschen erhält ihren charakteristischen

eines Textes durchklingen lässt, sich unterschiedlichen

sänger ist in der Regel die Fortführung einer bereits vor dem

Gefühl darf während des Singens nie die Oberhand über den

Klang zum einen durch die Länge der Stimmlippen und die Form

Raumgrößen anpassen und auch in extremen Körperpositionen

Studium begonnenen Sängertätigkeit. Damit in einem jungen

gesangstechnischen Prozess gewinnen, da sonst der Ton unkon-

des Ansatzrohres. Zum anderen spiegeln sich der gesamte Orga-

frei schwingen kann.

Menschen der Wunsch entstehen kann, Sänger zu werden,

trollierbar wird. Es darf aber auch nicht ausgeblendet werden.

nismus, der Körper mit seinen angeborenen und erworbenen

muss er bereits in irgendeiner Form seine Stimme als Instrument

Diese Gratwanderung gehört mit zur hohen Schule der Gesangs-

Bewegungs- und Haltemustern, Spannungszuständen, Erfahrun-

Für die Ausbildung am Mikrofon haben die Studierenden

entdeckt haben. Dies kann durch Singen im Chor, die Über-

kunst in den höheren Studienjahrgängen.

gen, Emotionen, unsere physische und psychische Verfassung,

zwei Semester lang einmal wöchentlich Einzelunterricht im

soziokulturelle Einflüsse, Modeerscheinungen und Vorbilder im

Hessischen Rundfunk. Die Singstimmen werden mittels regelmäßigem Gesangs- und Chanson-Unterricht entwickelt.

nahme von Solopartien in schulischen oder kirchlichen Aufführungen oder vielleicht sogar schon in künstlerischem Einzel-

Die unterschiedlichen Gesangsfächer (Soubrette und Koloratur-

Stimmklang wider. Man stelle sich vor, dass allein bei der Bildung

unterricht geschehen sein.

sopran bis zum lyrischen, jugendlich-dramatischen oder hoch-

eines Lautes über 100 Muskeln koordiniert in Bewegung

dramatischen Sopran, lyrischer und dramatischer Mezzosopran,

gesetzt werden.

Wie lange es dauert, bis die Studierenden diese Fähigkeiten

Ausgehend von der sogenannten indifferenten Sprechstimm-

Alt, Tenorbuffo bis zum Heldentenor, lyrischer bis Kavaliers-/

lage, zielt die Ausbildung zum Sänger auf eine Erweiterung

Heldenbariton und alle Bassfächer wie Bassbuffo, basso cantante,

Diese vielschichtigen Zusammenhänge fließen stets in die

Regelmäßigkeit und Genauigkeit des Übens ab. Denn nur durch

des Stimmumfanges von etwa zweieinhalb bis drei und mehr

Charakterbass, seriöser Bass und Bassbariton) brauchen sehr

Entwicklung der Schauspielerstimme ein, die im Studium für das

regelmäßiges Wiederholen werden die Bewegungsabläufe

Oktaven. Der persönliche Stimmklang wird einer gesanglichen

unterschiedliche Zeitabläufe im Studium, bis sie zu ihrer Reife

Sprechtheater, den Bühnengesang, für die Arbeit vor der Kamera

gespeichert und Bewusstseins- und Steuerungsprozesse ver-

Klangästhetik, welche durchaus Modeerscheinungen unter-

gelangen. Während eine „leichte“ Stimme durchaus schon nach

und am Mikrofon sowie die Gestaltung szenischer Lesungen

feinert. Zusätzlich spielen dabei z. B. Musikalität, Begabung,

liegt, untergeordnet (Mischung und Angleichen von Brust,-

dem Bachelorstudium erste Rollenengagements wahrnehmen

ausgebildet wird.

Konstitution und Motivation eine entscheidende Rolle.

Misch- und Kopfregister, Vokalausgleich, sängerische Arti-

kann, benötigt eine große lyrische oder dramatische Stimme

kulation, hohe dynamische Bandbreite mit der Fähigkeit des

sowohl technisch als auch interpretatorisch eine längere Ent-

In Einzel- und Gruppenunterrichten, die mehrmals wöchentlich

Der Stimmhygiene fällt bei der Pflege der „Instrumente“

Messa di voce = An- und Abschwellen eines Tones, Sitz der

wicklungszeit.

über die gesamte Dauer des Studiums stattfinden, wird anhand

Sängerstimme und Schauspielerstimme eine sehr verantwortungs-

Stimme, Timbre). Der Hauptfachlehrer ist also in erster Linie

ausgebildet haben, hängt – wie in anderen Fächern auch – von der

spezieller Übungen und Textarbeit (Lyrik, Prosa, Monologe) das

volle Aufgabe zu. Lautes Schreien, trockene Luft, Rauchen, zu

Die Schauspielstudierenden bringen neben ihrer persönlichen

dynamische Zusammenspiel von Zunge, Lippen, Mundhöhle, Kehl-

wenig Schlaf, psychische Probleme, hormonelle Veränderungen –

Biografie auch ihre Stimm- und Kommunikationsbiografie¹ mit,

kopf, Atmung, Körper, Denken, Sinnesempfindungen, Emotionen,

all das wirkt sich über das vegetative Nervensystem direkt

Singen hat einen hohen sportlichen Aspekt, da eine körperliche

die sich im unverwechselbaren Klang der Stimme und in der

Partnerbezug, Situation und Sprechabsicht wahrgenommen,

auf Stimmbänder, Schleimhäute des Vokaltraktes, Muskulatur

Leistung sekundengenau auf Abruf erbracht werden muss. Der

Sprechweise ausdrücken. „Die persönliche Sprechweise hat eine

trainiert und verfeinert.

und Körperhaltung aus.

Sänger kann sich nicht individuell so viel Zeit für die Vorbereitung

Geschichte. Sie ist immer eine So-gewordene, auf der Basis der

eines Spitzentones nehmen, wie er möchte – Tempo und Rhythmus

jeweiligen Lebensgeschichte eines Sprechers, die sich auch in

Die Studierenden lernen ihre individuellen Sprechmuster

Die Entwicklung der professionellen Stimme ist ein lebenslanger

sind durch die Komposition sowie durch Orchester und Dirigent

seiner Stimme widerspiegelt.“²

wahrzunehmen und zu verändern, erleben das Klangpotenzial

Prozess. Im Studium bekommen die jungen Künstler das

vorgegeben. Darüber hinaus lenkt die szenische Aktivität von

und den Facettenreichtum ihrer Stimmen, bauen deren Trag-

Know-how, die Werkzeuge und die Inspiration, also die Basis, auf

der Konzentration für die Gesangstechnik ab. Deshalb müssen

und Modulationsfähigkeit aus. Dies geschieht mit dem Ziel, eine

der ihre Stimmen in der Berufspraxis weiter reifen und sich

für Gedanken und Emotionen durchlässige Stimme zu entwickeln,

entfalten können.

„Instrumentenbauer“.

die körperlichen Abläufe zur Vorbereitung der Tonproduktion jederzeit selbstverständlich abrufbar sein.

1: Vgl. Geißner, Hellmut. Kommunikationspädagogik. Röhrig Universitätsverlag 2000. 2: Spiecker-Henke, Marianne. Leitlinien der

welche die dargestellten Charaktere und den jeweiligen Ton

Stimmtherapie. Thieme 2014. S.32.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

DIE ENTWICKLUNG EINES STUDIENGANGES BRAUCHT ZEIT

„Gott sei Dank hat die Woche auch ein Wochenende …“

Lernprozesse im Studium wie auch die Entwicklung von Studienstrukturen brauchen Zeit. Deshalb ist die inhaltliche Verortung heute wesentlich beim Aufbau eines neuen Studienganges, ebenso wie die Kontextualisierung im Arbeitsfeld. Curricula werden nicht

Foto: Birgit Hupfeld

Foto: Stefan Klüter

Nelly Politt

Max Woelky

Schauspiel

Regie

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

Das Schauspielstudium an der HfMDK erfordert ein hohes

In der Regieabteilung ist es schon so, nicht zuletzt durch die

Maß an Zeitmanagement, wenn ich morgens als eine der ersten

Umstellung auf den Bachelor of Arts, dass die Bewältigung des

in der Hochschule zum Tanzunterricht erscheine und pünktlich

Stundenplans das tägliche Studieren zeitlich und inhaltlich

zum Ende der Öffnungszeiten nach der abendlichen Probe das

komplett ausfüllt. Es ist schade, dass es dadurch fast unmöglich

Gebäude wieder verlasse. Freistunden nutze ich entweder für

ist, „freie Projekte“ zu realisieren. Fördermöglichkeiten und eine

Übungen oder arbeite im Institut für zeitgenössische Musik, was

großartige Vielfalt an jungen Künstlern, also das Potenzial für in-

sich allerdings nur bewerkstelligen lässt, weil sich das Institut

terdisziplinäres Arbeiten, sind ja vorhanden und bleiben durch

in der HfMDK befindet. Die hohe Fächervielfalt fordert eine

das tägliche Absolvieren leider meist ungenutzt. Ich würde mir

ununterbrochene Leistungsbereitschaft und Aufnahmefähigkeit,

wünschen, dass im Studium viel mehr in Projektblöcken

die mich insofern an meine Grenzen bringt, als dass kaum Zeit

gearbeitet wird, sodass man sich über einen gewissen Zeitraum

für ein Privatleben bleibt. „Gott sei Dank hat die Woche auch ein

intensiv fokussieren kann und sich nicht jede Woche aufs Neue

Wochenende“, denke ich nicht selten am Freitagabend.

auf verschiedenste Inhalte einstellen muss, die oft auch nur angerissen werden können.

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen? Als Schauspielstudentin sind meine Semesterferien mit Work-

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

shops und Projekten so sehr belegt, dass mir meist maximal

Natürlich reift man als „Künstlerpersönlichkeit“, sobald man auf

zwei bis drei Wochen bleiben, die zur freien Urlaubsplanung zur

so engem Raum permanent mit Menschen und Inhalten konfron-

Verfügung stehen. Diese sind meine Möglichkeit, weiterhin

tiert ist, die sich mit Theater, mit Kunst beschäftigen. Das ist

Erfahrungen auch außerhalb der Uni zu sammeln, Erfahrungen,

unvermeidbar und eventuell retrospektiv der stärkste Einfluss,

die meine Persönlichkeit prägen und verhindern, dass ich als

den das Studium ausübt. Und auch wenn es sehr anstrengend

Künstlerin in einem weltfremden Theaterkosmos versinke. Auf

sein kann, ist das großartig.

der Ebene des Künstlerdaseins sind Unterrichte wie Physiodrama

Wenn man sich allerdings die institutionellen Strukturen und

und Rollenstudium wertvoll, denn hier wird der eigenen

den Aufbau der einzelnen Seminare genauer anschaut, vermisse

Kreativität Raum zur Entfaltung gegeben.

ich doch sehr das differenzierte Arbeiten mit uns Studenten, was bei einer Jahrgangsgröße von drei Personen (in der Regieabteilung) grundlegend anders möglich sein muss.

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Von Prof. Ingo Diehl, Leiter des Studiengangs Master Contemporary Dance Education (MA CoDE)

ZWEI FRAGEN AN STUDIERENDE

DIE ENTWICKLUNG EINES STUDIENGANGES BRAUCHT ZEIT DER MA CODE WIRD 10 JAHRE

nur vom Umfeld beeinflusst, sondern sie wirken auch auf das Arbeitsfeld zurück. Der Master of Contemporary Dance Education MA CoDE wurde 2007 im Rahmen einer Großinitiative der Kulturstiftung des Bundes zusammen mit einer Reihe weiterer Maßnahmen für den zeitgenössischen Tanz in Frankfurt ins Leben gerufen. Der Name des Studiengangs, der heute in der englischen Schreibweise geführt wird, beinhaltet die Formulierung der Zeitgenossenschaft (Contemporary). So ist das Thema „Zeit“ im Sinne von Aktualität und Kontextualisierung als ein grundsätzlicher Referenzpunkt für die Entwicklung eines entsprechenden Curriculums institutionalisiert. In einem sich rasant wandelnden Arbeitsfeld ist diese Verortung für Studiengänge, die sich im aktuellen Diskurs profilieren wollen, zentral, insbesondere hinsichtlich der curricularen Angebote zu möglichen Entwicklungen wie auch Vernetzungen im Arbeitsfeld. Dass eine solche Positionierung nicht als Behauptung funktioniert, sondern gelebte Praxis sein muss, ist gleichzeitig eine der größten Herausforderungen, wenn es um Lernprozesse der Studierenden geht, die bekanntlich ganz eigene und individuelle zeitliche Bedingungen brauchen.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Studium und Arbeitsfeld

einbringen. Denn neue Wege in der Praxis der zeitgenössischen

war von Beginn an intendiert. Mit den Projektpartnern HfMDK,

Tanzvermittlung zu gehen bedeutet, sich für den Studiengang in

der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem Tanzlabor_21 am

einen ständigen Dialog mit KollegInnen und Alumni zu begeben.

Mousonturm wurde eine Durchlässigkeit und Zusammenarbeit

Die bisherigen Entwicklungen müssen so in Einklang gebracht

entwickelt, die in großen Teilen bis heute fortgeführt wird. Da Tanz

werden, dass die Lehre im Rahmen des Studiums zeitlich wie in-

häufig in Gruppen stattfindet, sind Kollaboration oder Kompli-

haltlich sehr spezifisch und auch nachvollziehbar strukturiert

zenschaft auch entsprechend gängige Praktiken im Arbeitsfeld.

sein muss. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben jedoch

Dieses Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren um Festivals,

gezeigt, dass die gezielte Planung nur einen Teilaspekt ausmacht.

an denen neue Vermittlungsformate getestet werden, oder inter-

Durch die unterschiedlichen Bedürfnisse der Studierenden, durch

nationale Ausbildungen, für die zukünftige Curricula entworfen

neue Einflüsse von Lehrenden und den Rücklauf von Alumni und

werden, erweitert. Das Zusammentreffen mit den verschiedenen

Fachexperten an den Studiengang ist im Laufe der Zeit ein selbst-

Partnerorganisationen fordert eine ständige selbstkritische Analyse

lernendes System entstanden. Dieses zeichnet sich dadurch aus,

der eigenen Arbeit und motiviert dazu, den Studiengang immer

dass sich alle Beteiligten für die im Studiengang formulierten Ziel-

wieder zu justieren oder, wenn nötig, den veränderten Gegeben-

setzungen einer innovativen Vermittlungspraxis im Tanz und eine

heiten anzupassen. Damit mussten die neun Module so offen

gemeinsame Idee einsetzen. So kommunizieren beispielsweise die

formuliert sein, dass sie auf der einen Seite eine klare Richtung

Alumni ihre Erfahrungen und durchaus kritische Haltung direkt

vorgeben und auf der anderen Seite den ständigen Veränderungen

an die Studierenden weiter. Es bleibt entsprechend zu beobachten,

gerecht werden können. Doch wie geht es zusammen, wenn auf

wie sich die derzeitigen Entscheidungen und diese unterschied-

der einen Seite versucht wird, ein offenes und fluides Curriculum

lichen Einflüsse in den kommenden Jahren auswirken und wie

zu entwickeln, in dem Anpassungen an aktuelle Entwicklungen

es uns auch zukünftig gelingen kann, dass Erneuerungsprozesse

möglich sind und auf der anderen Seite ein Bedarf an Wieder-

Teil unserer Arbeit bleiben.

holbarkeit und Struktur steht? Aus dieser Perspektive läuft der Studiengang mit all seinen VerEine Reihe von Austauschformaten wie etwa das Speed Dating,

antwortlichen durch ähnliche Lernprozesse wie jeder einzelne

das Mentoren Programm oder das Alumni Lab helfen uns dabei,

Studierende – und diese Prozesse brauchen eben nicht nur Zeit,

einen kritischen Dialog mit dem Arbeitsfeld zu ermöglichen und

sondern sie manifestieren sich oft erst zu einem viel späteren

die Studierenden bei ihren individuellen Interessen abzuholen.

Zeitpunkt. Nach 10 Jahren ist der MA CoDE im internationalen

Neben den notwendigen inhaltlichen Zielsetzungen ist so ein Netz-

ZWEI FRAGEN

„Man muss schon früh anfangen, seine Zeit gut einzuteilen, da neben Studium auch manche externe Konzerte, Arbeit und Privatleben Zeit in Anspruch nehmen. Ich könnte ohne meinen Terminkalender kaum noch alles im Kopf behalten …“

ZWEI FRAGEN AN STUDIERENDE Aaron Stephan

Florian Conze

Theater- und Orchestermanagement

Gesang

Feld der Tanzvermittlung zu einem Referenzpunkt geworden –

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

Welches Zeitmanagement erfordert Ihr Studium?

werk mit KollegInnen und ExpertInnen entstanden, das uns kritisch

die zeitgenössische Verortung und die Reibung mit dem sich

Der Master in Theater- und Orchestermanagement ist sehr

Als Gesangsstudent muss man schon früh anfangen, seine

begleitet und darüber hinaus auch regelmäßig im Studiengang

ständig wandelnden Diskurs in der Sparte Tanz bleiben Kernauf-

zeitintensiv und erfordert daher auch ein gut organisiertes

Zeit gut einzuteilen, da neben Studium auch manche externe

unterrichtet.

gaben, während davon gleichzeitig die Relevanz unseres Ange-

Zeitmanagement. Neben dem sehr gut gefüllten Semesterplan

Konzerte, Arbeit und Privatleben Zeit in Anspruch nehmen.

botes abhängt.

und der Notwendigkeit, Geld zu verdienen, müssen auch die

Ich könnte ohne meinen Terminkalender kaum noch alles

eigenen Konzertprojekte koordiniert werden. Dies in Kombi-

im Kopf behalten.

Die Akkreditierung der Tanzstudiengänge im vergangenen Semester war eine wichtige Herausforderung, denn das Feedback der

Dieser Aufbau hat zehn Jahre gedauert, und wir haben neben

nation mit dem Wunsch nach Freizeit und Privatleben verlangt

externen Fachkommission mit Vertretern aus dem Arbeitsfeld sollte

einer Reihe neuer Kooperationen wie zum Beispiel mit der

immer wieder nach einer strengen Prioritätensetzung.

zeigen, inwieweit die formulierte Aktualität entlang derzeitiger

Bundesakademie für Kulturelle Bildung oder der Hochschule für

Diskurse funktioniert und in welchem Verhältnis die unterschied-

Gestaltung in Offenbach noch viel vor. Aber jetzt wollen wir erst

Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen?

dann kommen auch noch das Üben, Organisieren, Lernen und

lichen Kooperationen des MA CoDE stehen. In diesem Prozess

mal die Arbeit der vergangenen Jahre feiern. Wir planen im

Zeit zum Reifen während des Studiums gibt es auf den

das selbstreflektierende Grübeln. Ich weiß nicht, ob ich mit mehr

wurde genau hinterfragt, ob diese Schwerpunktsetzung lediglich

Oktober 2017 einen großen Austausch mit den inzwischen sechs

ersten Blick nicht allzu viel. Allerdings werde ich im Kontext

oder weniger Stress reife, jedoch weiß ich, dass eine Sache, in

als Werbemaßnahme eines hippen neuen Studienganges oder als

Generationen an Studierenden und Alumni. Hier werden wir

der Seminare, meines Nebenjobs und der privaten Projekte

die ich Zeit und Ruhe investieren kann, reift.

gelebte und notwendige Praxis fungiert, um nicht nur gute Studie-

wichtige Justierungen im MA CoDE diskutieren, und die Alumni

immer wieder vor herausfordernde Aufgaben gestellt, von

rende heranzuziehen, sondern auch, um interessante KollegInnen

werden ihre derzeitigen Arbeitsfelder vorstellen. Wieder ein

denen ich denke, dass sie mich reifer werden lassen.

und Institutionen einzuladen, die sich in die Arbeitsprozesse

wichtiger Moment und Zeit, um inne zu halten.

Fachlich, aber auch persönlich.

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Inwiefern lässt Ihnen das Studium Zeit zum Reifen? Die Kurse, Seminare etc. füllen den Tag schon sehr, aber

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

ZEIT FÜR BEGEISTERUNG

„Hier vergeht die Zeit wie im Flug!“ So erleben zahleiche Freunde und Förderer ihre Besuche an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. Sie begleiten die Entwicklung der Studierenden, besuchen häufig Konzerte, Theateraufführungen und Tanzpräsentationen und fühlen sich an der HfMDK oft wie zu Hause – als Teil einer großen Familie.

Nah dran zu sein und auch mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen: Das schätzen die Mitglieder der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule. In Proben oder Meisterkursen, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind, erleben die Freunde und Förderer die intensive Zusammenarbeit zwischen jungen Talenten und Professoren. Einige Mitglieder verfolgen die Entwicklung und Fortschritte einzelner Künstler über einen längeren Zeitraum. Das motiviert sie, die Hochschule und ihre Studierenden finanziell oder mit ehrenamtlichem Engagement zu unterstützen.

Günter und Hildegard Prack: „Wir haben hier großartige Musiker kennen-

„Wir haben hier großartige Musiker kennengelernt, die wir gerne bei ihren Projekten finanziell unterstützt haben. Zum Bei-

gelernt, die wir gerne bei ihren Projekten finanziell unterstützt haben.“

spiel den Klarinettisten Uladzimir Soltan. Aus diesen Förderungen haben sich sehr schöne Freundschaften entwickelt“, berichtet Günter Prack, der gemeinsam mit seiner Frau Hildegard Mitglied Hochschulorchesterkonzert unter

der Gesellschaft der Freunde und Förderer (GFF) ist. Auch die

Leitung von Vassilis Christopoulos mit

Errichtung der HfMDK-Stiftung hat das Ehepaar im vergangenen

der Solistin Anne Luisa Kramb.

Jahr als Gründungsstifter unterstützt und der Hochschule damit neue Entwicklungsperspektiven ermöglicht. Besondere Freude macht es den beiden, als Botschafter für die Hochschule zu agieren.

ZEIT FÜR BEGEISTERUNG 46

Erfolgreich haben sie bereits mehrere Mitglieder und Zustifter geworben. Botschafter für die Hochschule Andere Menschen für die Hochschule begeistern – das ist ein Anliegen vieler Freunde und Förderer. Wolfgang Hettler beispielsweise, ebenfalls seit Jahren ein regelmäßiger Besucher im Haus,

Sabine Petersen-Spindler und Dr. Manfred Spindler: „Die Hochschule ist ein sehr lebendiger Ort, wo die Zeit wie im Fluge vergeht, wenn wir hier zu einem Konzert sind.“

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FRANKFURT IN TAKT 17/1 – ZEIT

ZEIT FÜR BEGEISTERUNG

„Kunst und Künstler brauchen Fürsprecher – das gilt gerade in Zeiten, in denen der kurzfristige ökonomische Nutzen vielerorts im Vordergrund steht …“ Hansjörg Rindsberg: „Den besonderen Moment, die besondere Geste fotografisch einzufangen, das interessiert mich.“

hat schon oft Gäste mitgebracht. „Es wissen immer noch zu

Entwicklungen miterleben

Der Kulturcampus als Zukunftschance

wenige Menschen, dass man einfach herkommen und zuhören

Die langjährigen Freunde und Förderer der Hochschule wissen

Sabine Petersen-Spindler und Dr. Manfred Spindler leben seit

kann!“ Zudem sei es ein Gewinn, dass man den Studierenden und

viele Details zu schätzen, die sich im Laufe der Jahre verbessert

über 25 Jahren im Raum Frankfurt und kennen die Hochschule

Lehrenden auch sein Empfinden zu dem Gesehenen und Gehörten

haben. Zum Beispiel die Möglichkeit, vorab Karten im Internet zu

genauso lange. Seit der Gründung der Gesellschaft der Freunde

mitteilen könne. In seinem Freundeskreis gilt Wolfgang Hettler als

bestellen, oder die Bar im Foyer, an der sich die Besucher in der

und Förderer der HfMDK im Jahr 2007 sind sie als Mitglieder

zuverlässige Quelle für Programmempfehlungen in der HfMDK.

Konzertpause mit Erfrischungen versorgen können. „Zu den

dabei. Sie unterstützen die Hochschule zudem mit ihrer

Er begrüßt es, dass die Hochschule inzwischen präsenter in der Stadt

positiven Entwicklungen zählen für mich auch die Website und das

Stiftung con moto foundation, beispielsweise im Deutschland-

geworden ist, zum Beispiel durch Konzerte im Palmengarten.

Magazin Frankfurt in Takt, das in den letzten Jahren an Qualität

stipendium-Programm und im Schulprojekt Response. „Die

gewonnen hat“, lobt Dick Byer.

Hochschule ist im Laufe der Jahre sicherlich noch lebendiger und

Die HfMDK als zweites Zuhause

internationaler geworden“, so ihr Eindruck. „Wir wünschen

Wolfgang Hettler: „Zeit spielt keine Rolle – hier habe ich noch nie auf die

Wer mehrmals pro Woche zu Veranstaltungen kommt, empfindet

Die Meisterkurse an der HfMDK interessieren den Freund und

uns, dass die GFF die Hochschule weiterhin aktiv unterstützt.

den Kleinen oder Großen Saal mit der Zeit wie ein zweites Wohn-

Förderer Hansjörg Rindsberg besonders. Wenn zum Beispiel

Gerade in der jetzigen Zeit mit einer neuen Führung sowohl in

zimmer. Gerne beteiligte sich beispielsweise Dick Byer im Jahr

der renommierte Liedbegleiter und Pianist Prof. Helmut Deutsch

der Hochschule als auch im Vorstand der GFF. Das große Projekt

2008 an der Finanzierung der neuen Stühle im Großen Saal. „Die

unterrichtet, ist Hansjörg Rindsberg fast täglich dabei. „Man

Kulturcampus ist sicherlich auch eine Chance, den Stellenwert

alten Stühle waren nicht sehr komfortabel, haben zudem fürch-

erlebt dort die Entwicklung der Studierenden besonders gut mit!“

einer exzellenten Ausbildung in Musik und Darstellender Kunst

terlich gequietscht“, so der Musik-liebhaber, der nach wie vor

So wie in der Bildenden Kunst interessieren den pensionierten

in der Öffentlichkeit deutlich zu machen.“

regelmäßig bei Konzertbesuchen auf den von ihm mitfinanzierten

Kunstlehrer das Entstehende und Skizzenhafte mehr als ein

Stühlen Platz nimmt. „Erst nach der Neubestuhlung habe ich von

„fertiges“ Konzert. Neben der Musik begeistert sich Hansjörg

Starke Fürsprecher für die Künste

der Gesellschaft der Freunde und Förderer erfahren und bin sofort

Rindsberg auch für die Fotografie. Kein Wunder also, dass man

„Kunst und Künstler brauchen Fürsprecher“, meint auch

Mitglied geworden.“ Als Förderer des Deutschlandstipendiums

ihn häufig mit seiner Kamera in der HfMDK antrifft. Es ist der

Dr. Elke Bohl, die als Juristin ausländische Studierende ehrenamt-

unterstützt Dick Byer außerdem aktuell eine Oboistin. Zudem hat

besondere Moment, die flüchtige Geste, die er fotografisch fest-

lich in Rechtsfragen berät. „Das gilt gerade in Zeiten, in denen

er die HfMDK in seinem Testament bedacht.

halten möchte. Dass ihm das immer wieder eindrucksvoll gelingt,

der kurzfristige ökonomische Nutzen vielerorts im Vordergrund

zeigt auch die Nachfrage der Studierenden. Sie ergreifen gerne die

steht. Die GFF verstehe ich als einen solchen Fürsprecher. Und

Gelegenheit, professionelle Fotografien für Bewerbungsmappen

deshalb wünsche ich ihr viele weitere Mitglieder, die die HfMDK

anfertigen zu lassen. Ein Service, den Hansjörg Rindsberg als

und ihre Studierenden unterstützen und für sie eintreten!“

seine persönliche Form des ehrenamtlichen Engagements anbietet.

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Uhr geschaut. Für mich ist die Hochschule wie eine Familie!“

Dick Byer: „Die HfMDK wird in meinem Testament bedacht. Ich wünsche mir, dass viele Menschen meinem Beispiel folgen!“

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FRANKFURT IN TAKT 17/1

DIE GESELLSCHAFT DER FREUNDE UND FÖRDERER

Seit zehn Jahren eine starke Plattform für bürgerschaftliches Engagement

DIE GESELLSCHAFT DER FREUNDE UND FÖRDERER DER HFMDK FEIERT EIN JUBILÄUM

Im Februar 2007 unterzeichneten die dreizehn Gründungsmit-

Neue Angebote für die Mitglieder

glieder der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule

Die neuen Vorstandsmitglieder möchten die erfolgreiche Arbeit

für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main die Satzung.

der GFF fortsetzen und dem Verein neue Impulse an der Schnittstelle zwischen Kultur und Bildung geben. „Wir freuen uns, die Weiter-

Zuverlässiges Engagement für bessere Ausbildungs-

entwicklung der hessischen Hochschule für Musik, Theater und Tanz

bedingungen in Musik, Theater und TanzTheater und Tanz

zu begleiten und zu unterstützen“, so Dr. Stefanie Heraeus-Jussen.

Seither ist viel passiert: Die Freunde und Förderer unterstützen

Die Angebote für Mitglieder sollen weiter ausgebaut und neue

das Deutschlandstipendium an der HfMDK, finanzieren kostbare

Freunde und Förderer gewonnen werden. Zum Sommersemester

Instrumente – zum Beispiel ein historisches Hammerklavier – und

führt der neue Vorstand einen Mitglieder-Jour-Fixe ein, bei dem

ermöglichen besondere Projekte, die zu besseren Ausbildungsbe-

es im Anschluss an den gemeinsamen Konzertbesuch ausreichend

dingungen an der HfMDK beitragen. Dazu gehören zum Beispiel

Möglichkeit für den Austausch geben soll. Und natürlich wird

die Gastprofessuren im Ausbildungsbereich Schauspiel und Regie;

auch das Jubiläumsjahr gebührend gefeiert: Das künstlerische

seit 2010 geben hier Größen wie Udo Samel, Anke Sevenich,

Programm des Festakts am 18. November gestalten die Freunde und

Andreas Kriegenburg und Christoph Mehler ihr Wissen und ihre

Förderer gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden der

Erfahrung an die Studierenden weiter. Auch Arbeitsphasen der

HfMDK.

Dirigenten Sebastian Weigle, Lothar Zagrosek und Krzysztof Penderecki mit dem Hochschulorchester hat die GFF in den ver-

Dankbare Hochschule

gangenen Jahren ermöglicht. Zudem finanzieren die Freunde und

„Die Unterstützung durch den Freunde- und Förderverein

Förderer große Opernprojekte der HfMDK, unter anderem beim

ermöglicht uns, die Bedingungen der künstlerischen Ausbildung

Rheingau Musik Festival, außerdem Studienreisen, Workshops

kontinuierlich zu verbessern und unsere Studienangebote zu

und viele studentische Arbeiten.

erweitern“, so HfMDK-Präsident Prof. Christopher Brandt. „Im Namen der Studierenden und aller Mitarbeiter der Hochschule

Zwei Millionen Euro Fördergelder in zehn Jahren

danke ich allen GFF-Mitgliedern sehr herzlich für ihr Engagement

Während der neunjährigen Amtszeit von Dr. Clemens Börsig,

und ihre Treue in all den Jahren.“

Wolfgang Kirsch und Thomas Rietschel hat sich die 2007 gegründete GFF unter den Frankfurter Kulturfördervereinen etabliert. Der Verein bündelt das bürgerschaftliche Engagement an der

Mitglieder 2017

Hochschule und ist eine starke Plattform für die Förderer der

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HfMDK geworden. Mit über 300 Mitgliedern und einem Fördervolumen von rund 250.000 Euro pro Jahr gehört die GFF zu den effektivsten Fördervereinen an deutschen Kunsthochschulen. Das Die Gründungsversammlung der GFF im Jahr 2007 (Foto:

Gesamtfördervolumen der GFF seit ihrer Gründung beläuft sich auf rund zwei Millionen Euro.

Lutz Sternstein).

Mitglieder 2007

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Start ins Jubiläumsjahr mit neuem Vorstand

Der aktuelle GFF-Vorstand mit Prof. Christopher Brandt, Dr. Stefanie

Im Oktober 2016 haben die Mitglieder einen neuen Vorstand

Heraeus-Jussen, Dr. Kristina Hasen-

gewählt: Die Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin Dr. Stefanie Heraeus-Jussen ist die neue Vorsitzende an der Spitze

pflug und Dr. Daniela Favoccia.

des Fördervereins. Unterstützt wird sie von Dr. Daniela Favoccia, Partnerin im Frankfurter Büro der Kanzlei Hengeler Mueller, und Der frühere GFF-Vorstand mit (von

Dr. Kristina Hasenpflug, seit Juli Geschäftsführerin der Deutsche

links) Wolfgang Kirsch, Dr. Clemens

Bank Stiftung. Als Präsident der Hochschule ist zudem Prof.

Börsig und Thomas Rietschel.

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Christopher Brandt Mitglied im GFF-Vorstand.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1

Erfolgreiche Stiftungsgründung

ERFOLGREICHE STIFTUNGSGRÜNDUNG

Interview mit Prof. Christopher Brandt und Angelika Gartner zur Stiftungsgründung

FÜR DAS MEHR AN AUSBILDUNG IN MUSIK, THEATER UND TANZ Die besten Studienbedingungen für die begabtesten Musiker, Schauspieler und Tänzer aus aller Welt zu schaffen – dafür engagieren sich die Freunde und Förderer der HfMDK. Die 2007 gegründete Gesellschaft der Freunde und Förderer der HfMDK Frankfurt am Main e.V. ermöglicht Stipendien, Meisterkurse, herausragende künstlerische Projekte wie Opern- und Theaterproduktionen und vieles mehr. Künftig gibt es für die Förderer

Die Kanzlerin Angelika Gartner und der Präsident Prof. Christo-

verwendet werden, finanzieren. Und die Zinserträge bewegen

pher Brandt sind kraft ihres Amtes Mitglieder des Vorstandes der

sich derzeit auf einem niedrigen Niveau. Da die HfMDK-Stiftung

Stiftung für die HfMDK. Im Interview erläutern sie, wie die Stiftung

aber mit Hilfe weiterer Zustiftungen wachsen soll, hoffen wir,

dazu beitragen soll, das Mehr an Ausbildung in Musik, Theater

bereits 2017 erste Projekte fördern zu können. Das könnte zum

und Tanz zu ermöglichen.

Beispiel die Einrichtung einer Stiftungsgastprofessur sein, die Impulse für die Ausbildung in den zeitgenössischen Künsten

Wie hilft eine eigene Stiftung der Hochschule? Angelika Gartner: Die Stiftung eröffnet größere Handlungsspielräume in der künstlerischen Ausbildung unserer Studierenden.

Wie kommt es, dass sich die HfMDK als Gründungsstifterin an

Als Kanzlerin befasse ich mich täglich damit, das Hochschulbudget

der Stiftung beteiligt?

bestmöglich für unsere Hochschule einzusetzen. Doch für eine

Angelika Gartner: Die Hochschule hat zwei eigene Vermögen

exzellente Ausbildung, die die künstlerische Individualität eines

in das Stiftungskapital der HfMDK-Stiftung eingebracht: das

jeden Studierenden fördert, und natürlich auch für attraktive

testamentarisch zugewidmete Vermächtnis der HfMDK-Professo-

Bedingungen im internationalen Wettbewerb um die besten Stu-

rin Gisela Sott und das Kapital der unselbstständigen Ina und

dierenden braucht es mehr als die staatlich garantierte Grundaus-

Gustav Lenzewski-Stiftung. Mit der Zulegung der beiden Vermö-

stattung. Deshalb sind wir der Gesellschaft der Freunde und

gen in das Stiftungskapital bewirkt die Hochschule zweierlei:

Förderer und der HfMDK-Stiftung sehr dankbar, dass sie das Mehr

Zum einen kann das Geld sehr viel besser angelegt werden als

an Ausbildung in Musik, Theater und Tanz an unserer Hoch-

bisher und erwirtschaftet damit höhere Erträge. Zum anderen ist

schule ermöglichen.

die Hochschule selbst auch Gründungsstifterin. Es war uns als Hochschulleitung ein Herzensanliegen, die Stiftungsgründung

der Hochschule neben dem Freundeverein ein weiteres Angebot: Was soll die Stiftung für die HfMDK konkret bewirken?

als wichtigen Entwicklungsschritt der Hochschule bestmöglich zu

Kunst Frankfurt am Main.

Prof. Christopher Brandt: Die Stiftung soll vor allem Projekte

unterstützen. Beide Vermögen werden weiterhin im Sinne ihrer

finanzieren, die langfristige Förderzusagen wie Gast- und

Geber verwaltet und verwendet, die junge, begabte Musikerinnen

Das Prinzip Bürgerstiftung

Stiftungsprofessuren oder Stipendienprogramme benötigen.

und Musiker an der HfMDK unterstützen wollten.

Die Stiftung für die Hochschule für Musik und Darstellende

Die Stiftung für die HfMDK wurde im Oktober 2016 von mehreren privaten Förderern und der Hochschule eng verbundenen Stiftungen mit einem Stiftungsvermögen in Höhe von rund 1 Million Euro gegründet. Sie soll eine gute Adresse für Zustifter und Vermächtnisgeber werden und ihr Engagement für die Hochschule bündeln. Denn wie eine Bürgerstiftung lebt die HfMDK-Stiftung von einer starken Stiftergemeinschaft, bei der sich mehrere Stifterinnen und Stifter für den gleichen Zweck stark machen. Wie die

Wir wünschen uns, dass die Stiftung neben der Gesellschaft der Freunde und Förderer ein weiterer Kristallisationspunkt bürger-

Was wünschen Sie der HfMDK-Stiftung für die Zukunft?

schaftlichen Engagements wird. Denn die Öffnung in die Bürger-

Prof. Christopher Brandt: Zunächst möchte ich allen Gründungs-

gesellschaft gehört zu unserem Selbstverständnis als zeitgenös-

und Zustiftern herzlich danken, die die Gründung der Stiftung im

sische Hochschule. Und wir freuen uns schon jetzt darauf, so

vergangenen Jahr ermöglicht haben. Wir möchten die Stifterinnen

wichtige Zukunftsperspektiven wie den Kulturcampus mit

und Stifter herzlich dazu einladen, die Entwicklung der Stiftung

der Gesellschaft der Freunde und Förderer und der HfMDK-

zu begleiten und sich im Stiftungsrat und der Stifterversammlung

Stiftung gemeinsam zu gestalten.

einzubringen – denn es ist auch ihre Stiftung! Und wir wünschen uns natürlich, dass die Stiftung groß und stark wird – dass möglichst

Gesellschaft der Freunde und Förderer möchte die HfMDK-Stiftung die Ausbildungsbedingungen für die Studierenden an Hessens einziger Hochschule für Musik, Theater und Tanz verbessern und das Ausbildungsspektrum sinnvoll erweitern. Förderer können mit ihren Zustiftungen in den Vermögensstock der Stiftung die HfMDK auf lange Sicht unterstützen und sich für ihre nachhaltige Entwicklung, zum Beispiel durch weitere Stiftungs- und Gastprofessuren und den Ausbau der Stipendienprogramme einsetzen.

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aller drei Fachbereiche gibt.

Warum ist es so wichtig, dass die Stiftung weiter wächst?

viele weitere Freunde und Förderer und solche, die es werden

Angelika Gartner: Stiftungen sollen ihr Vermögen in der Regel

möchten, die Stiftung in Zukunft mittragen mögen.

erhalten. Das macht sie besonders attraktiv für Stifterinnen und Stifter, die etwas an nachfolgende Generationen weitergeben möchten, sowie für Vermächtnisgeber. Ihre Förderprojekte darf die HfMDK-Stiftung also nur aus den Vermögenserträgen, also vor allem den Zinsen, und zusätzlichen Spenden, die zeitnah

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FRANKFURT IN TAKT 17/1

PERSÖNLICHES

Name: Alexej Gorlatch Alter: 28 Jahre Sternzeichen: Zwilling Größte Erfolge: Erste Preise der Wettbewerbe ARD München, Hamamatsu, Dublin u.a., Konzerte in Carnegie Hall New York, Wigmore Hall London, Philharmonie Berlin, Suntory Hall Tokyo

Die Stifterinnen und Stifter der ersten Stunde.

Lieblings-CD: Prokofiev, Romeo and Juliet, Philadelphia Orchestra, Riccardo Muti Lieblingsbuch: „Drei Kameraden“ von Erich Maria Remarque Was ich in Frankfurt bald entdecken möchte: Äppelwoi und Grüne Soße habe ich noch nicht probiert … Meine derzeitigen Lieblingsapps für’s Handy: Photoshop Express, Metronome Beats, Google Notizen, Whatsapp

Liebe Leserinnen und Leser, ich freue mich sehr über die Gelegenheit, mich Ihnen hier vor-

Herausforderungen und Chancen. In meinem Unterricht möchte

stellen zu dürfen. Ich bin Alexej Gorlatch und unterrichte seit dem

ich die individuelle Persönlichkeit und emotionale Verbindung

Wintersemester 2016/2017 eine sympathische Klavierklasse an

zur Musik fördern und eine der Stilsicherheit und Klangkultur

der HfMDK.

dienende Technik vermitteln. Ich unterstütze meine Studierenden dabei, ihre Möglichkeiten zu erkunden und in ihrem Spiel auch

Geboren wurde ich in Kiew in der Ukraine – seit meinem

über scheinbare Grenzen hinauszugehen – denn „normal“ ist

Vorstand und Organisation

Mitwirken in der Stiftergemeinschaft

dritten Lebensjahr lebe ich in Deutschland. Aufgewachsen bin ich

Musik nur selten. Musik ist dann hochlebendig, wenn wir uns auf

Als geborene Vorstandsmitglieder stellen der Präsident

Die Gründungs- und Zustifter haben als Mitglieder im Stiftungsrat

in Passau, bevor ich mit 12 Jahren nach Berlin gezogen bin. Dort

das jeweilige „Besondere“ einlassen. Unser eigenes Verständnis

Christopher Brandt und die Kanzlerin der HfMDK, Angelika

und in der Stifterversammlung die Möglichkeit, den Stiftungsvor-

begann für mich eine spannende Zeit, als ich Jungstudent von

und Empfinden davon entscheidet darüber, wie wir musikalische

Gartner, eine enge Verbindung zwischen der Stiftungsarbeit

stand zu beraten, die Stiftungsarbeit aktiv zu begleiten und als

Martin Hughes an der Universität der Künste wurde und so zum

Inhalte im Konzertsaal vermitteln können.

und dem Förderbedarf der Hochschule sicher. Rechtsanwalt

Stiftungsbotschafter zum Aufbau der Stiftung beizutragen. Stifte-

ersten Mal eine Musikhochschule von innen sah. Wenige Jahre

Dr. Stefan Stolte, Mitglied der Geschäftsführung im Deutschen

rinnen und Stifter, die mit mindestens 100.000 Euro zur Ausstattung

später verließ mein Lehrer die UdK, und ich lernte Karl-Heinz

Außerhalb der Hochschule engagiere ich mich sehr gerne in

Stiftungszentrum (DSZ) und Partner der HfMDK-Stiftung bei

des Stiftungsvermögens beitragen, bis ein Stiftungskapital in Höhe

Kämmerling in Hannover kennen. Bei ihm studierte ich zehn Jahre

der Heranführung von Kindern und Jugendlichen an klassische

Finanzverwaltung und Vermögensbewirtschaftung, macht

von 2 Millionen Euro erreicht ist, sind als Gründungsstifter geborene

lang und setzte dann mein Studium ebenfalls in Hannover bei

Musik, beispielsweise im Rahmen des ehrenamtlichen Projekts

den ersten Stiftungsvorstand komplett.

Mitglieder des Stiftungsrats. Zustiftungen ins Stammkapital der

Bernd Goetzke fort. Meine Abschlüsse sind Diplome der Studien-

„Rhapsody in School“, und auch eigenständig – so habe ich mit

Stiftung sind ab 5.000 Euro möglich. Beträge darunter werden

gänge Musikerziehung und Künstlerische Ausbildung und das

behinderten Kindern am Theater Osnabrück gearbeitet und zuletzt

als Spende behandelt.

Konzertexamen. Bevor ich dem Ruf an die HfMDK nach Frankfurt

in einem Workshop an der Deutschen Internationalen Schule in

gefolgt bin, unterrichtete ich an der Hochschule für Musik, Theater

Dubai Schüler für Mozart und Chopin begeistern können. Meine

Haben Sie Fragen rund ums Stiften – oder möchten Sie als

und Medien Hannover sowie vier Jahre lang an der Universität

Konzertreisen verbinde ich gerne mit einer meiner liebsten

Gründungs- oder Zustifter für die Stiftung für die HfMDK aktiv

für Musik und Darstellende Kunst Wien im Konzertfach Klavier.

Freizeitbeschäftigungen, dem Fotografieren.

der HfMDK. Ihre Ansprechpartnerin ist die Geschäftsführerin

Meinen Studierenden möchte ich bei allen Fragen des musikalischen

Ich freue mich sehr auf meine neuen Aufgaben in Frankfurt

der HfMDK-Stiftung, Dr. Laila Nissen:

Lebens zur Seite stehen – sei es beim Erlernen und Studieren neuer

und viele interessante Begegnungen!

werden? Dann wenden Sie sich gerne an das Fundraisingbüro

Stücke, bei der Vorbereitung auf Prüfungen, Wettbewerbe, Konzertlaila.nissen@hfmdk-frankfurt.de

reisen – das anspruchsvolle Berufsbild Pianist/in birgt spezielle

Ihr Alexej Gorlatch

Foto: Kaupo Kikkas

Telefon 069-154 007 210

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FRANKFURT IN TAKT 17/1

Zum Ruhestand von Prof. Martin Lücker

ORGELMUSIK SEHE ICH ALS MUSIKALISCHE AUSDRUCKSFORM EINES GROSSEN ZUSAMMENHANGS VON GOTT UND MENSCH Von Stefan Viegelahn, Professor für Kirchenmusik

PERSÖNLICHES

für eine halbe Stunde, und dies schon mehr als 3.000 Mal. Die

risches Orgelspiel sowie Methodik und Didaktik des Orgel-

Besucher bekommen bei freiem Eintritt die Gelegenheit, kleine

unterrichts berufen. Zu seinen Schülern gehören so bedeutende

Konzerteinheiten zu hören, die Lücker aus seinem Repertoire

Organisten wie Ruben Sturm, Domorganist in Rottenburg, und

geistreich und stimmig zu einem Zyklus zusammengestellt hat.

Gerhard Löffler, seit letztem Jahr Organist an der Arp-Schnitger-

So wird ihnen ermöglicht, ihren Alltag kurz zu verlassen und in

Orgel der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg.

Orgelmusik einzutauchen. Dieses Musikkonzept, das durch Verlässlichkeit, ein hohes künstlerisches Niveau und gleichzeitig

Über die Unterrichtstätigkeit hinaus wirkte er zeitweise als

durch Niederschwelligkeit besticht – während der halben Stunde

Vizepräsident der Hochschule, war Vertrauensdozent der Studien-

ist Eintritt zu jeder Zeit möglich –, hat in Frankfurt ein Stamm-

stiftung des deutschen Volkes und Vorsitzender des Prüfungsaus-

publikum begründet. Inzwischen wird es von mehreren seiner

schusses. Acht Jahre lang moderierte er die erfolgreiche und höchst

Schüler erfolgreich an Innenstadtkirchen praktiziert.

beliebte Reihe „Mein Lieblingsstück“, eine Kooperation zwischen der HfMDK und der Gesellschaft der Freunde der Alten Oper.

Für die Umsetzung seiner Klangvorstellung steht ihm seit 1990 die große sinfonische Rieger-Orgel zur Verfügung – zweifellos das

„Orgelspielen zu lernen“ ist bei Martin Lücker ein umfassen-

bedeutendste Instrument der gesamten Region. Wenn man Martin

der Begriff. Die Vermittlung einer Technik des Orgelspiels, die

Lückers Spiel erlebt, bekommt man mit, dass er mit seiner Orgel

es dem Spieler ermöglicht, seine innere Klangvorstellung in

nahezu verwachsen zu sein scheint. In dieser symbiotischen

realen Klang umzusetzen, steht dabei im Zentrum. Diesem Aspekt

Beziehung hat er „seinen Klang“ gefunden.

steht das „Notenlesen“ zur Seite: die Fähigkeit, „eine Komposition wirklich in all ihren Zusammenhängen anhand respektvollsten

Dieses Instrument stand bis heute auch den Studierenden seiner

Studiums des Notentextes zu erfassen.“ Auf dieser Grundlage

Orgelklasse zur Verfügung, sowohl für den wöchentlichen Unter-

stellt Lücker die Frage, was Interpretation ist und wie eine

richt als auch zum Üben. Immer wieder gab es – neben dem wöchent-

eigene Interpretation eines Musikwerks gebildet werden kann.

lichen klasseninternen „jour fixe“ – auch für fortgeschrittene

Dabei ist er weit entfernt vom puristischen Anwenden der

In diesem Semester geht die Lehrtätigkeit von Martin Lücker an

Studierende dort Gelegenheit, sich im Rahmen des „Podiums der

„Sachzwänge“ der Historischen Aufführungspraxis, in deren

der HfMDK zu Ende. Der schon im letzten Jahr emeritierte Orgel-

Jungen“ einer Konzertöffentlichkeit zu präsentieren.

Umsetzung im heutigen Konzertbetrieb er häufig lediglich die

professor führt in diesem Sommer noch sieben Studierende zu

„Absolvierung gewisser Spielregeln politischer Correctness“

ihrem Studienabschluss. Er gehört zweifellos zu den großen Künstler-

Martin Lücker, Jahrgang 1953, studierte Orgel und Kirchenmusik

erkennt. Stattdessen steht für ihn die Suche nach dem je „eige-

persönlichkeiten der Hochschule. Sein Ruhestand bedeutet nicht

zunächst in Hannover. Dort wurde er von Wolfgang Auler und

nen Klang“ eines Organisten im Vordergrund. Für Lücker selbst

nur für die Frankfurter Orgelabteilung eine große Zäsur, sondern

Volker Gwinner unterrichtet, beides Vertreter der Leipziger Schule.

spielt der Einsatz von Klangfarben unabhängig von ihrem histo-

auch für die deutsche Organistenwelt, die einen ihrer profiliertesten

Später wurden der kanadische Cembalist und Organist Bernard

rischen Kontext eine große Rolle. So wird Orgelspielen bei ihm

Pädagogen verliert.

Lagacé und der Wiener Organist Anton Heiller für ihn zu prägenden

zum „prophetischen Spiel“ und Orgelmusik zur „musikalischen

Lehrerpersönlichkeiten. In jungen Jahren bereits hatte Lücker mehrere

Ausdrucksform eines großen Zusammenhangs von Gott

Wer mit Lücker spricht, begegnet einem geistvollen, umfassend

Preise bei renommierten Orgelwettbewerben gewonnen, so den 1.

und Mensch.“

gebildeten Menschen, der in unnachahmlicher Klarheit und Prägnanz

Preis beim Wettbewerb der Internationalen Orgelwoche Nürnberg

seine Gedanken zu formulieren versteht. Die unbedingte Liebe zur

1975. An der Hochschule für Kirchenmusik in Herford unterrich-

Nach fast 30 Jahren Lehrtätigkeit an der HfMDK hat Martin

Musik ist bei ihm sofort greifbar. Dieses hohe Gut hat er zweifel-

tete Lücker sieben Jahre lang Orgel. Nach einem Abstecher in die

Lücker nun die Gelegenheit, sich ganz auf die künstlerische Seite

los an mehrere Generationen von Studierenden weitergegeben.

Theaterwelt – als Kapellmeister und Korrepetitor am Landestheater

seines Schaffens und seine Konzerttätigkeit zu konzentrieren.

Detmold und an der Frankfurter Oper – wurde er schließlich 1983

Neben dem „täglich Brot“ des Übens und der Gestaltung von „30

Seit 1983 ist der Mittelpunkt seines Wirkens die St. Katharinenkir-

an die St. Katharinenkirche berufen, wo er bis 1998 neben seinem

Minuten Orgelmusik“ veranstaltet Lücker in St. Katharinen noch

che an der Frankfurter Hauptwache, an der er das Musikleben der

Organistenamt auch Chorleiter der Kantorei St. Katharinen war.

eine umfangreiche Konzertreihe. So spielt er in dieser Saison das

Stadt über Jahrzehnte mitgeprägt hat. In Frankfurts turbulenter

56

gesamte Orgelwerk Johann Sebastian Bachs an 17 Abenden.

Mitte gestaltet er als Organist die Gottesdienste und konzertiert

Seine Unterrichtstätigkeit an der HfMDK begann er 1988 zunächst

zudem beständig montags und donnerstags jeweils um 16.30 Uhr

als Lehrbeauftragter. 1998 wurde er auf die Professur für Künstle-

Termine sind unter martinluecker.com zu finden.

57


58 © 2004, Astrid Karger

sanfte Geräusch eines vorbeifahrenden Zuges fügte sich hier leise in diesem seltsam schutzbedürftigen Kosmos. · 20162 Doch wie der anwesende Vertreter des Jahrgangs 1956 den Kompositionsauftrag erfüllt, hat mit Festklängen eher wenig zu tun (muss es auch nicht). · 20163 Professor für Komposition/ Musiktheorie an der HfMDK Frankfurt am Main · 2017 … Fortsetzung folgt ...

turamtsleiter ... hatte schon zu Beginn des Konzertes ein „Stück der Stille” angekündigt. Dies war weit untertrieben – ... · 19912 Heraus kommt aber ein musikalisches Nichts. · 1992 · 1993 · 1994 Eine komplexe, bisweilen spielerische Alchimie. · 1995 · 1996 · 19971 … das stärkste Stück des Abends. · 19972 Es entstehen farbige Wolken … · 1998 · 1999 „Schön!” flüsterte spontan eine Hörerin ... · 2000 Spahlingers Instrumentalbehandlung ließ hier grüßen. · 2001 · 20021 … gleichsam ein Monolog mit verfremdetem Echo … · 20022 … mit sehr subtilen Mitteln der Klangtäuschungen und -irritationen … · 2003 · 2004 · 2005 … von erlesener Minimalität · 2006 Ausharren im Paradox. · 2007 Zurückhaltend, aber nicht ohne Schalk stellte er sich den Fragen … · 2008 … begab sich ... in „Stück=Werk” geradezu auf Weltreise; ... · 2009 · 2010 · 2011 · 2012 Dass dann die Komposition zu Ende ist, ..., ist strategisch sinnvoll. · 20131 Im Mai ... wurde er noch totgesagt: Die Jury, die seine CD „Szenen, Standbilder ...” auf die Bestenliste setzte, schrieb – infolge einer Verwechslung – vom „zu früh verstorbenen Komponisten”. Glücklicherweise lebt der heitere Komponist seriöser Musik ... und kann ... die Besprechung seiner Werke mit eigenen Augen lesen. · 20132 Einmal in den Bann der Stille geraten, erlebte das Publikum als Höhepunkt des Jubiläums ... „Still” für die fünf Saiteninstrumente Gitarre, Harfe, Cymbalon, Klavier und Kontrabass. · 20133 … meint man einer Gehörshalluzination aufzusitzen …. · 2014 · 2015 … ist die Sensation … · 20161 Selbst das

Selbstportrait: 1956 · 1957 · 1958 · 1959 · 1960 · 1961 · 1962 · 1963 · 1964 · 1965 · 1966 · 1967 · 1968 · 1969 · 1970 · 1971 · 1972 · 1973 · 1974 · 1975 · 1976 · 1977 · 1978 · 1979 · 1980 · 1981 · 1982 · 1983 · 1984 · 19851 … mit einem klar gestalteten Ende, was heutzutage eine Seltenheit ist. · 19852 [Sein] Quartett ... sagte schließlich so viel aus wie sein Titel. · 1986 · 1987 · 1988 … so dass das Missfallen nur dem Komponisten angelastet werden muss. · 1989 ... erwiesen sich als die problematischsten Beiträge des Abends. · 1990 Seine Kompositionen ... zeichnen sich durch große Sensibilität aus. · 19911 [Der] Kul-

PERSÖNLICHES

Portraitquellen: 19851 Hochschulmagazin HfMT Köln. 19852 Kölner Stadtanzeiger. 1988 Dithmarsche Landeszeitung. 1989 + 1990 Aachener Nachrichten. 19911 vermutlich Rems-Zeitung Schwäbisch Gmünd. 19912 musica sacra. 1994 Stuttgarter Nachrichten. 19971 Neue Züricher Zeitung. 19972 Frankfurter Allgemeine Sonntagszei-

tung. 1999 + 20021 Stuttgarter Zeitung. 2000 Dresdner Neueste Nachrichten. 20022 Dissonance. 2005 Aachener Zeitung. 2006 + 20133 Neue Zeitschrift für Musik. 2007 Süddeutsche Zeitung. 2008 Wiener Zeitung. 2012 SWR

JetztMusik. 20131 Faustkultur. 20132 Hannoversche Allgemeine Zeitung. 2015 Deutschlandradio Kultur. 20161 Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg. 20162 Badische Zeitung.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1

PERSÖNLICHES

INSPIRIERTE BESINNUNG AUF SPRACHE UND AUSDRUCK Till Krabbe, Professor für Szenische Darstellung und Sprecherziehung, geht in den Ruhestand

Till Krabbe, Professor für Szenische Darstellung und Sprech-

Doch auch mit größeren Projektarbeiten hinterließ Till Krabbe

erziehung an der HfMDK, ist mit Ende des Wintersemesters

zahlreiche Spuren an der Hochschule: Im Jahr 2005 führte er im

2016/2017 in den Ruhestand gegangen. Seit 2003 hatte der

Rahmen der HfMDK-Barocknächte und der internationalen

gebürtige Münsteraner und studierte Schauspieler mit reichlich

Sommerakademie „Händel vivat“ Regie über die Händel-Oper

Bühnen- und Fernseherfahrung die Professur inne. Doch schon

„Acis und Galatea“. In Kooperation der Hochschule mit dem

Jahre vorher öffnete er als Lehrbeauftragter Generationen von

Goethe-Haus Frankfurt entstand 2008 die Eichendorff-Revue

angehenden MusiklehrerInnen den Horizont an künstlerischen

„So weit der Himmel blau ist“ mit Lehramtsstudierenden. Es

Ausdrucksmöglichkeiten mit Mitteln der eigenen Sprache, des

folgten szenische Projekte mit Prosa-Texten von Franz Kafka

Ausdrucks und der szenischen Umsetzung. Damit vermittelte er

„Nur im Traum bin ich so unheimlich“ 2008 und 2011 ein heiterer

Lehramtsstudierenden ein substanzielles Handwerk für ihren

Szenen-Abend zum 200. Todesjahr des Dichters Heinrich von

späteren Beruf: Mit ihnen entwickelte er im Einzel- und Gruppen-

Kleist mit dem Titel „Was spricht man von mir in Frankfurt?“.

unterricht unzählige szenische Projekte, an Requisiten meist

2006 und 2010 entwickelte er mit seinen Studierenden die beiden

spärlich ausgestattet, dafür umso reicher an Nuancen in Ton,

Musicals „Benni und die Wörter“ und „Die fürchterlichen Fünf“

Mimik und Gestik sowie an geistreichen Subtexten. Sein körper-

nach den Bilderbuchvorlagen des Erfolgsautors Wolf Erlbruch.

orientiertes Prinzip, mit eutoner organischer Spannung auf der

Beide Musicals fanden ein begeistertes Publikum ebenso bei

Bühne bzw. vor Publikum zu stehen und zu sprechen, hinterließ

Frankfurts Schülerinnen und Schülern wie wie bei den zahl-

bei seinen Studierenden mehr als nur einen Sinn für äußere

reichen Familienkonzerten im Großen Saal der Hochschule. 2012

Darstellung: Sein Unterricht war zugleich Körperarbeit und

inszenierte Till Krabbe gemeinsam mit der HfMDK-Dozentin

Persönlichkeitsbildung, Sprecherziehung und deren künstlerische

Sabine Fischmann das Projekt „Drinnen und Draußen“: Lehr-

Umsetzung. Unvergessen bleiben die „C 309-Abende“ mit Till

amtsstudierende vertonten und interpretierten Texte von Inhaf-

Krabbe und Prof. Bernhard Glaßner an der Hochschule, an denen

tierten aus den Frankfurter Justizvollzugsanstalten, dargeboten

Studierende regelmäßig die Ergebnisse der szenischen Grund-

auf einem Schiff am Mainufer sowie bei den Hessischen Schul-

lagenarbeit darboten, flankiert von Chanson-Vorträgen und

theatertagen im Staatstheater Wiesbaden. Im Jahr 2013 erhielten

vielerlei Ergebnissen im kreativen Umgang mit Stimme, Sprache

beide Lehrende von der Hessischen Ministerin für Wissenschaft

und Musik.

und Kunst Eva Kühne-Hörmann eine Anerkennungsurkunde

ihrem Konzept „Ausdruck macht Eindruck“ – Szenischer Unterricht als Persönlichkeitsschulung für angehende Lehrerinnen und Lehrer der gymnasialen Oberstufe. Auch jenseits der Hochschularbeit ist Till Krabbe komödiantischer Spiel- und Auftrittspartner der Hochschulabsolventen Sabine Fischmann und Markus Neumeyer sowie des HfMDK-Gesangsprofessors Berthold Possemeyer. Ende Januar verabschiedete sich Prof. Till Krabbe mit und von seinen Studierenden und der Hochschule: mit den „Black Storys“ im Kleinen Saal, einem zweistündigen Programm mit Grotesken, Szenen und Chansons mit ihm und seinen Studierenden auf der Bühne. Ein wahrer und typischer Querschnitt des Schaffens von Till Krabbe als Lehrender, gespickt mit (auch schwarzem) Humor und Geist, Anspielung und Ironie – und einer unterhaltsamen Bühnenpräsenz auf dem sympathischen Grat zwischen Perfektion und Improvisation.

für ihre herausragende pädagogische Leistung anlässlich der Teilnahme am Wettbewerb „Exzellenz in der Lehre 2013“ mit

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FRANKFURT IN TAKT 17/1

PERSÖNLICHES

Prof. Berthold Possemeyer,

unzähligen Bühnen einen Namen gemacht hat: unter anderem als

flankiert von seinen Alumni Björn Bürger

Preisträger der Gesangswettbewerbe in Berlin, sHertogenbosch/

und Philipp Alexander Mehr.

Impressum

NL und beim Internationalen Bachwettbewerb Leipzig sowie als

Frankfurt in Takt –

Gewinner des Förderpreises des Landes Nordrhein-Westfalen

Magazin der Hochschule

für junge Künstler. Meisterkurse und Privatstudien bei Elisabeth

für Musik und Darstellende Kunst

Schwarzkopf ergänzten seine Ausbildung. Als Opernsänger

Frankfurt am Main

führte ihn sein Weg über das Oldenburgische Staatstheater nach

Eschersheimer Landstraße 29–39

Essen, Gelsenkirchen, Wiesbaden, an die Komische Oper Berlin

60322 Frankfurt am Main

und die Volksoper Wien. Vielfältige Engagements nahm er als

www.hfmdk-frankfurt.de

Konzertsänger in den Musikzentren Europas, der USA und

Gesangsprofessor Berthold Possemeyer ist in den Ruhestand gegangen

Israels wahr, in Deutschland beispielsweise bei den Bachwochen

Herausgeber Prof. Christopher Brandt,

Ansbach, den Berliner Festwochen, den Maifestspielen Wies-

Präsident der HfMDK Frankfurt am Main

baden, dem Rheingau Musik Festival, dem Schleswig-Holstein

Redaktion Björn Hadem (bjh), bhadem@arcor.de

Musik Festival, dem Prager Frühling, bei Mostly Mozart London,

Redaktionsbeirat Dr. Sylvia Dennerle, Björn Hadem,

in der Carnegie-Hall New York, im Concertgebouw Amsterdam

Dr. Laila Nissen, Anatol Riemer, Prof. Silke Rüdinger,

und bei den Luzerner Festwochen. Rundfunk-, Schallplatten- und

Prof. Christopher Brandt, Prof. Eike Wernhard

CD-Einspielungen mit Werken von Monteverdi bis Penderecki

Autoren Prof. Christopher Brandt, Florian Conze,

zeugen von seiner Vielseitigkeit.

Prof. Vassilis Christopoulos, Antonia Dehmer, Prof. Ingo Diehl, Lisa Eder, Daniela Fox, Prof. Alexej Gorlatch,

Zu den Absolventen seiner Gesangsklasse gehören namhafte

Björn Hadem (bjh), Tobias Hagedorn, Niklas Heineke,

Opern- und Konzertsänger wie der Bass Mischa Schelomjanski,

Laura Linnenbaum, Francis Maheux, Prof. Peter

die Tenöre Georg Poplutz und Joachim Streckfuß, der Bachpreis-

Michalzik, Dr. Laila Nissen, Lena Paetsch, Nelly Politt,

träger Leipzig Bass-Bariton Markus Flaig, die Chansonsängerin

Daniel Reith, Prof. Michael Reudenbach, Ann Kristin

Sabine Fischmann, Bariton Björn Bürger (Oper Frankfurt), der

Rettig, Prof. Rainer Römer, Prof. Silke Rüdinger,

Bass Philipp Alexander Mehr (Nationaltheater Mannheim), Ill-

Prof. Dr. Katharina Schilling-Sandvoß, Charlotte

„Berthold Possemeyer war immer auf der Seite von uns

Schulmusik, der Kirchenmusik, der Chor- und Orchesterleitung.

Hoon Choung (Oldenburgisches Staatstheater), Bariton Nikola

Sutthoff, Prof. Ursula Targler-Sell, Aaron Stephan,

Studierenden“, resümieren Riccardo Romeo und Harald Hiero-

Nach zweijährigem Lehrauftrag hatte ihm die Hochschule 1990

Ivanov (Komische Oper Berlin) und Marian Müller (Schleswig-

Prof. Stefan Viegelahn, Laura Wall, Max Woelky

nymus Hein die Loyalität ihres Gesangsprofessors; „er nahm

eine Gesangsprofessur im Fachbereich Musikpädagogik zuge-

Holsteinisches Landestheater Flensburg).

Fotos Björn Hadem (44), Birgit Hupfeld (2),

jeden, wie er ist, holte jeden dort ab, wo er gerade stand, und

sprochen. Für sie brachte Berthold Possemeyer beste Vorausset-

erzwang nichts. Das gegenseitige Feedback war essenziell für die

zungen mit, hatte er doch seine eigene künstlerische Berufsaus-

Sein Ruhestand lässt Berthold Possemeyer fortan Zeit für

Andreas Reeg (5), Lutz Sternstein

Arbeit mit ihm, er sorgte sich um seine Studierenden, in welche

bildung mit einem Schulmusikstudium in Köln begonnen und

künstlerische Aktivitäten ganz nach Belieben, unter anderem in

Titelfoto Szene aus der HfMDK-Produktion

Projekte sie involviert waren, welche Pläne sie hatten. Er war

mit weiteren Studien der Kirchenmusik, des Dirigierens und

seiner Wahlheimat Freiburg, wo er regelmäßig Orgel- und

„Der Feuervogel“, Foto: Björn Hadem

Pädagoge, Freund und Karriereberater in einem.“ Ein schönes

der Musikwissenschaft komplettiert, bevor er bei Franz Müller-

Kantorendienste übernimmt. In Berlin war er jüngst als „Jesus“

Layout Opak Werbeagentur GmbH,

Resümee für Berthold Possemeyer am Ende seiner Laufbahn

Heuser und Josef Metternich ein reguläres Gesangsstudium

und Ariensänger in der szenischen Collage von Till Krabbe „Die

Münchener Str. 45, 60329 Frankfurt am Main

als Hochschullehrer: Der Bariton ist zum Ende des vergangenen

anschloss. Entsprechend weit gefasst waren sein pädagogischer

Freiheit, die Fesseln trägt – Johann Sebastian Bachs Johannespassion

Anzeigen Björn Hadem (es gilt die Preisliste 2011)

Wintersemesters in den Ruhestand gegangen und hat nun Zeit,

Vermittlungshorizont und seine „handwerklichen“ Fähigkeiten,

und der Prozess um die Widerstandskämpfer vor dem Volks-

Erscheinungsweise jeweils zu Beginn des Semesters

sich nach Belieben musikalisch zu betätigen – sei es als Organist,

beispielsweise im Gesangsunterricht seinen Studierenden

gerichtshof 1945“ zu hören. Doch auch das Frankfurter Konzert-

Druck Brandenburgische Universitäts-Druckerei

Konzertsänger oder kabarettistischer Bühnenpartner.

zugleich ein versierter Klavierbegleiter zu sein.

publikum kann ihn weiterhin auf der Bühne erleben: Das

und Verlagsgesellschaft Potsdam mbH

musikkabarettistische „Holzhausenquartett“ mit Sabine Fisch-

Drittmittelkonto Account for Private funds

Astrid Karger, Kaupo Kikkas, Stefan Klüter,

Wenngleich Absolventenzahlen nur bedingt die Berufsbilanz

Im Jahr 2003 bat die HfMDK den gebürtigen Gladbecker, im

mann, Till Krabbe, Markus Neumeyer und ihm präsentiert im

IBAN: DE71 5005 0201 0200 1380 90

eines Hochschulprofessors umschreiben können, sind sie bei Bert-

Fachbereich „Darstellende Kunst“ eine Gesangsklasse zu führen.

November 2017 seine Neuproduktion „Viel Lärm um Nichts“,

SWIFT-BIC: HELADEF1822

hold Possemeyer bemerkenswert: 116 Studierende erhielten bei

Seit dieser Zeit sind 31 Gesangsstudierende durch die Ausbildung

ein „Durchtriebenes Kammermusical nach William Shakespeare“

ihm eine Gesangsausbildung im Rahmen ihres Studiums der

des Hochschulprofessors gegangen, der sich als Bariton auf

im Frankfurter Holzhausenschlösschen. bjh

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63


FRANKFURT IN TAKT 17/1

VOM MUT, DEN EIGENEN WEGEN ZU VERTRAUEN

PERSÖNLICHES

Die diesmalige Kandidatin der Alumni-Portraitserie ist die

dadurch, wie der Arbeitsmarkt organisiert ist, zugegebenermaßen

Regisseurin Laura Linnenbaum, die nachfolgend selbst über

schwierig. Aber das ist meist eine Frage des Betriebs und nicht der

ihren beruflichen Werdegang schreibt. Sie studierte von 2007

Teams, mit denen man arbeitet. Bei ihnen weiß ich, dass man zu-

bis 2014 Diplom-Regie an der HfMDK. Seit der Spielzeit 2011

sammen an einer Sache sucht und ich ganz persönlich als Regisseu-

inszeniert sie freischaffend u. a. in Frankfurt, Bonn, Dresden,

rin mit der eigenen Art, zu arbeiten und erzählen, gemeint bin.

Osnabrück, Saarbrücken und Kassel. Für die Inszenierung „Silent Noise – Projekt über Sylvia Plath“ wurde sie in der „Theater

Als im Sommer 2015 die Debatten um Flüchtende immer aktu-

Heute 2014/15“ als Nachwuchskünstlerin des Jahres nominiert.

eller und in meinen Augen nicht wirklich differenzierter wurde,

Im Herbst 2016 war sie Kuratorin und künstlerische Leiterin

habe ich beim Schauspiel Frankfurt angerufen und gefragt: „Ich

des Theatertreffens „Unentdeckte Nachbarn“ in Chemnitz, das

kann nicht mehr schweigend zusehen, wie geht es euch, wollen

mit dem Chemnitzer Friedenspreis ausgezeichnet wurde.

wir spontan etwas dazu machen?“ Daraus ist dann die interaktive Soundinstallation „Gib deine Stimme“ geworden, die einen Monat

Während meines Studiums hatte ich das Gefühl, dass es

auf dem Willy-Brandt-Platz zu sehen war.

nicht darum ging, irgendwelche Theatermaschinen auszubilden, sondern dass ich persönlich als Studentin gemeint war, dass es

In so einem Fall wird es dann auf einmal egal, wie engmaschig

darum ging, unsere Phantasien und Wege zu fördern. Wo das

ein Spielplan ist oder wie wenig Geld für eine Extra-Produktion

nicht so war oder wo aufgrund mehrmaliger Professorenwechsel

im Haus zur Verfügung steht; dann geht es einfach nur darum,

das sogenannte Handwerk möglicherweise zu kurz kam, habe ich

gemeinsam eine Idee zu verwirklichen und mit Theater eine Frage

diese „Lücken“ als extreme Freiheit empfunden und den Raum

in den Raum zu werfen. Weil es gerade an der Zeit ist, sie zu stellen.

genutzt, um ihn selbst zu gestalten. So bin ich in den Genuss eines teilweise selbstgebastelten, interdisziplinären Stundenplans ge-

Der Luxus, nach Worten, Bildern und Arbeitsweisen für Themen

kommen und habe langjährige BegleiterInnen in den Kompositions-,

zu suchen, die mich nicht in Ruhe lassen, hat seit dem Studium

Bühnenbild- und Tanzpädagogikklassen kennengelernt. Von

nicht nachgelassen. Ebenso wenig die Lust, mit anderen danach

den anwesenden wie abwesenden DozentInnen habe ich mich in

zu forschen und sich da, wo Spielräume nicht gegeben sind,

dieser Zeit vor allem in einem bestärkt gefühlt: eigenverantwort-

selber welche zu suchen.

lich zu arbeiten und dem eigenen Weg zu vertrauen. Wahrscheinlich darf man dabei nur nicht aus den Augen verlieren,

SERIE:

VERSCHLUNGENE LEBENSWEGE UNSERER ALUMNI №6

64

Das ist nun im Stadttheateralltag nicht unähnlich, aber auch

wann Begrenzungen und vorhandene Strukturen hilfreich und

nicht immer einfach. Die Zeiten und Räume im Stadttheater

begleitend sind, Reibungen konstruktiv und wann es an der

jedenfalls, in denen man sich mit einer Problemstellung auseinan-

Zeit ist, an dem scheinbar Gegebenen aktiv etwas zu verändern.

dersetzt und offen guckt, wohin, zu welcher künstlerischen

Dazu fand ich mich an der HfMDK immer ermutigt, und ich

Form, zu welchen Texten, zu welcher Spielweise die Auseinander-

hoffe, dass die Kunsthochschulen, gerade in Zeiten des Bachelors,

setzung führt, anstatt innerhalb der festgesetzten sechs Wochen

nicht den Mut verlieren, Freiräume sowie Räume der Möglichkeit

ein Ergebnis zu produzieren, sind extrem rar geworden. Dafür ver-

und Andersartigkeit, der unterschiedlichen Rhythmen und

antwortlich sind enggestrickte Zeitpläne, lang eingespielte

Schwerpunkte zu bestärken und zuzulassen.

Strukturen und erfahrungsbedingte Erwartungsmaßstäbe, die jedes einzelne Theater mit sich bringt.

Mehr denn je neigt die Institution Stadttheater dazu, die Produktionsabläufe, Arbeitsweisen und Strukturen zu reproduzieren,

„Try again, fail better“? – „Bitte nicht“, hat man häufig das Gefühl.

denen sie in der Sache kritisch gegenüber stehen sollte. Mehr

Und generell hat der Theaterbetrieb ein merkwürdig fremdes

denn je besteht daher die Notwendigkeit, schon als Theaterakade-

Verhältnis zum Scheitern. Dabei nicht den Fokus auf das Inhalt-

mie an einem Gegenentwurf zu arbeiten und nicht nur mittels

liche zu verlieren und sich gegen das Gefühl zu wehren, sich mit

Theater zur Positionierung herauszufordern, sondern auch den

jeder Arbeit erneut unter Beweis stellen zu müssen, ist allein

Theaterbetrieb selbstreflexiv in Frage zu stellen.

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FRANKFURT IN TAKT 17/1

Frisches Blatt

ERFOLGE UNSERER STUDIERENDEN Eine Auswahl Anne Luisa Kramb, Violine (Klasse Prof. Sophia Jaffé), erspielte sich bereits im letzten Jahr eine Violine von Enrico Rocca, Genua ca. 1900, aus dem Besitz der Bundesrepublik Deutschland. ● Malte Neidhardt, Posaune (Klasse Prof. Oliver Siefert), hat das Probespiel für die Posaunenstelle in der Orchesterakademie des hr Sinfonieorchesters gewonnen. Zudem errang er beim Deutschen Musikwettbewerb in Leipzig ein Stipendium. ● Pavle Popovic, Violoncello (Klasse Jan Ickert), hat das Probespiel bei der Klassischen Philharmonie Bonn gewonnen und ist nun Mitglied des Orchesters. ● Jamie Louise White, Fagott (Klasse Prof. Henrik Rabien), absolvierte ein erfolgreiches Probespiel für stellvertretendes Solofagott beim Royal Scottish National Orchestra in Glas-

Grgul, Cembalo, erspielte sich beim Internationalen Gebrüder-

gow. ● Lukas Kay, Trompete (Klasse Prof. Klaus Schuhwerk), hat

Graun-Wettbewerb einen zweiten Preis. ● Yang Liu, Horn (Klasse

das Probespiel für die Solotrompete an der Staatsoper Hannover

Prof. Esa Tapani), erhielt im Juli den 1. Preis beim 14. Wettbewerb

gewonnen. ● Das Gutfreund-Trio mit Jens Adrian Fischer (Klavier),

für die Solisten in China. ● Jing Peng, Klarinette (Konzertexamen

Julian Fahrner (Violine) und Bogdan Michael Kisch (Violoncello)

Klasse Prof. Laura Ruiz Ferreres), hat die erste Solo-Klarinetten-

hat sich beim Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb

Stelle im Guangzhou Symphonieorchester (China) gewonnen. ●

sowohl den Preis der Elsa-Wera-Arnold-Stiftung (3. Preis) als auch

Theodore Browne, Gesang (Klasse Prof. Thomas Heyer), konnte

den Zusatzpreis der Freunde Junger Deutscher Musiker erspielt. ●

beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin den gemeinsamen Sonder-

Katharina Martini, Querflöte (Jungstudentin Klasse Prof. Stepha-

preis der Deutschen Oper Berlin, der Komischen Oper Berlin und

nie Winker), erhielt einen 1. Preis und den Judges Distinction

der Staatsoper im Schiller Theater entgegennehmen. ● Cennet

Award (Plaque Trophy) beim internationalen Wettbewerb Ameri-

Voss, Schauspiel, ist fest am Düsseldorfer Schauspielhaus enga-

can Protegé. ● Eva Schomerus und Enea Cavallo, Harfe (Klasse

giert und spielt dort stücktragende Rollen. ● Alrun Hofert, Schau-

Prof. Françoise Friedrich), gewannen beim Concours de Harpe

spiel, hat ein Festengagement vom Theater Bielefeld angeboten

de Juniors in Nizza den ersten Preis in ihrer Alterskategorie. ●

bekommen. ● Julian von Hansemann, Schauspiel, wird in seinem

Clara Holdenried, Viola (Klasse Prof. Roland Glassl), hat das Zirp-

vierten Ausbildungsjahr zwei Rollen am Staatstheater Mainz

Musikstipendium der Villa Musica gewonnen. ● Emily Nebel,

spielen und danach ein Festengagement dort erhalten. ● Lisa

Violine (Klasse Prof. Sophia Jaffé), hat bei dem Symphony Orches-

Eder, Schauspiel, erhält ein weiteres Jahr das Liesel und Gisela

tra Norrkoping (Schweden) und in der Royal Opera of Scotland/

Garben Christ-Stipendium. ● Christina Thießen, Schauspiel, hat

Glasgow Konzertmeisterprobespiele gewonnen. ● Sophie Schüler,

ein Deutschlandstipendium der Hochschule erhalten. ● Nicolai

Violine (Klasse Prof. Sophia Jaffé), gewann die Hindemith Orches-

Gonther, Schauspiel, ist in die Studienstiftung des Deutschen

terakadmie des Museumsorchesters Frankfurt und zudem das

Volkes aufgenommen worden. ● Paula König, Schauspiel, ist seit

Evah Pirazzi Stipendium 2016. ● Das Quartett mit Rei Nakashima,

dem letzten Jahr Stipendiatin der Polytechnischen Gesellschaft. ●

Traversflöte (Klasse Prof. Karl Kaiser), Filip Rekiec, Violine (Klasse

Norwin Hahn, Posaune (Klasse Prof. Oliver Siefert), hat die Stelle

Prof. Mechthild Karkow), Adrian Cygan, Violoncello, und Sofija

für die erste Soloposaune im hr Sinfonieorchester gewonnen.

66

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Frankfurt inTakt - Sommersemester 2017  
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Das Hochschulmagazin der HfMDK Frankfurt am Main widmet sich im Sommersemester 2017 dem Schwerpunktthema "Zeit" - in Musik, Theater, Tanz un...

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