Einheit 1 Warum ist Geld für Gott so wichtig? Wäre ich der Herausgeber der Bibel, würde ich viele der Texte zum Thema Geld und Besitz streichen. Jeder sieht doch, dass die Bibel einem zweitrangigen Thema unangemessen viel Raum widmet. Wenn es um Geld und Besitz geht, wiederholt sich die Bibel manchmal, hat oft extreme Ansichten und manchmal schockiert sie auch. Und schließlich lesen wir die Bibel doch zum Trost – nicht als Lektüre zum Thema Finanzen. Wenn wir etwas über Geld wissen wollen, greifen wir zu Financial Times, Forbes oder Wall Street Journal. Die Bibel sollte sich mit geistlichen und himmlischen Belangen beschäftigen. Geld ist physisch und irdisch. Die Bibel ist religiös, Geld ist säkular. Gott soll über Liebe, Gnade und Freundschaft reden. Wir anderen können über Geld und Besitz sprechen. Für Christen stellen sich hier ein paar wichtige Fragen. Welchen guten Grund können uns die Autoren und der Herausgeber der Bibel dafür nennen, dass sie dem Thema Geld doppelt so viele Verse widmen wie dem Thema Glaube und Gebet zusammen? Und wie kann Jesus mehr über Geld sagen als über Himmel und Hölle? Wusste er denn nicht, was wirklich wichtig ist? Allein der reine Umfang der biblischen Lehren zu diesem Thema schreit nach unserer Aufmerksamkeit. Die drängende und immens wichtige Frage lautet: Warum? Warum sagte der Retter der Welt mehr darüber, wie wir Geld und Besitz zu betrachten und damit umzugehen haben, als über jedes andere Thema? Warum?
Geld und Lebensentscheidung Das Rätsel wird noch undurchsichtiger, wenn wir uns anschauen, wie eng Jesus Geld mit der Erlösung verband. Als Zachäus sagte, er wolle die Hälfte seines Geldes den Armen geben und denen, die er betrogen hatte, den vierfachen Betrag zurückerstatten, meinte Jesus nicht einfach: „Gute Idee.“ Er sagte vielmehr: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden“ (Lukas 19,9). Das ist erstaunlich. Jesus bewertete die Erlösung dieses Mannes auf der Grundlage seiner Bereitschaft, nein, seiner freudigen Bereitwilligkeit, sein Geld zur Ehre Gottes und zum Wohl anderer Menschen wegzugeben. Bei Zachäus handelt es sich nicht um einen isoliert zu betrachtenden 13
Warum sagte der Retter der Welt mehr darüber, wie wir Geld und Besitz zu betrachten und damit umzugehen haben, als über jedes andere Thema?
Geben Großzügigkeit als Lebensstil
Der schlüssige Beweis für eine geistliche Veränderung bestand im veränderten Umgang mit Geld und Besitz.
Einzelfall. Als Johannes der Täufer gefragt wurde, was man tun solle, um zu zeigen, dass man es mit seiner Entscheidung für Christus ernst meine, antwortete er als Erstes, man solle Kleidung und Essen mit den Armen teilen. Zweitens forderte er die Zolleinnehmer dazu auf, kein zusätzliches Geld in ihre eigene Tasche zu stecken. Und schließlich ermahnte er die Soldaten, mit ihrem Sold zufrieden zu sein und kein Geld zu erpressen (Lukas 3,7–14). In allen drei Fällen bestand der schlüssige Beweis für eine geistliche Veränderung im veränderten Umgang mit Geld und Besitz. Im 2. Kapitel des Markus-Evangeliums begegnen wir einer armen Witwe. Diese warf in die Kollektenkasse des Tempels zwei winzige Kupfermünzen, die nur einen Bruchteil eines Cent wert waren. Es war das einzige Geld, das sie besaß. Jesus rief seine Jünger zusammen, um ihnen anhand des Verhaltens dieser Frau etwas beizubringen. Stellte er die Weisheit ihres Handelns in Frage? Sagte er, sie hätte vernünftiger sein sollen? Nein, er lobte sie uneingeschränkt: „Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt“ (Vers 43–44). Jesus bewahrte ihr Vorbild im Wort Gottes, damit alle zukünftige Christen ihrem Glauben, ihrer Hingabe und ihrer opferbereiten Großzügigkeit nacheifern können. Die Ersparnisse, die man sein Leben lang angehäuft hat, locker zu machen und auch noch gerne auszugeben, war damals genauso wenig natürlich wie heute. Und genau das ist der Punkt. Die Entscheidung für Christus und die Erfüllung mit dem Heiligen Geist waren eine übernatürliche Erfahrung, die eine übernatürliche Reaktion nach sich zog. Es gab zwar immer noch privaten Besitz, aber das bereitwillige Geben und Teilen dieses Besitzes wurden zur neuen „Norm“ eines veränderten Lebensstils. Wenn uns ein Christ aus dem ersten Jahrhundert heute besuchen und unseren geistlichen Zustand nach unserer Einstellung und unserem Umgang mit Geld und Besitz bewerten würde, zu welchen Schlüssen würde er dann wohl kommen?
Die Geschichte, die das Geld erzählt Geld bringt unseren wahren Charakter zum Vorschein. Es ist ein Index für unser geistliches Leben. Unser Umgang mit Geld erzählt 14
Einheit 1 Warum ist Geld für Gott so wichtig?
eine tief gehende und folgenreiche Geschichte. Es prägt unsere Biografie. In gewisser Weise erzählt unser Umgang mit Geld und Besitz die Geschichte unseres Lebens. Wenn das für alle Menschen zu allen Zeiten gilt, gilt es dann nicht in besonderem Maß für uns, die wir in einer Zeit beispiellosen Wohlstandes leben? Nehmen Sie einen Mann oder eine Frau, die 40 Jahre lang für ein Gehalt von 15 000 Euro im Jahr arbeitet. Selbst wenn dies nach unserem Maßstab ein eher bescheidenes Einkommen ist, gehen durch die Hände dieser Person im Laufe ihres Lebens gut über eine halbe Million Euro – ein ganz schönes Vermögen. Und wenn die Bibel Recht hat und die Menschen irgendwann vor Gott Rechenschaft für ihr Leben ablegen müssen (Römer 14,12), muss diese Person eines Tages die folgenden Fragen beantworten: „Wo ist dieses ganze Geld geblieben? Wofür hast du es ausgegeben? Was hast du durch den Einsatz dieses ganzen Reichtums für die Ewigkeit erreicht?“ In seinem Bericht über die arme Witwe schrieb Markus: „Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen“ (Markus 12,41). Beachten Sie, dass es nicht heißt: „Jesus sah zufällig …“ Nein, es scheint so, als ob er ganz bewusst beobachtete, was die Leute gaben. Jesus war so sehr daran interessiert, wer wie viel gab, dass er den Jüngern sozusagen am lebenden Objekt eine Lektion über das echte Wesen des Vertrauens in Gott gab, und zwar am Beispiel opferbereiten Gebens. Wenn wir über diese Geschichte nachdenken, wird uns vermutlich ziemlich mulmig. Ist es nicht unsere Sache, was wir mit unserem Geld machen? Nein, im Grunde wird uns bei ernsthaftem Nachdenken schmerzhaft bewusst, dass es Gottes Sache ist – dass Gott es zu seiner Sache macht. Er entschuldigt sich nicht dafür, dass er sehr interessiert beobachtet, was wir mit dem Geld machen, das er uns anvertraut hat. Wenn wir unsere Fantasie gebrauchen, können wir vielleicht sogar einen Blick hinter die sichtbare Realität werfen und sehen, wie er in genau diesem Augenblick ein paar seiner Leute um sich schart. Vielleicht können Sie sogar hören, wie er Ihren Umgang mit Finanzen zum Anlass für eine Lektion am lebenden Objekt verwendet. Die Frage ist nur: Was für eine Lektion wird das wohl sein?
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Geld bringt unseren wahren Charakter zum Vorschein.
Geben Großzügigkeit als Lebensstil
Dem Ziel nahe
Ich für meinen Teil hasse es, mit diesem nagenden Gefühl tief in mir zu leben, dass Jesus mehr im Blick hatte, als er Menschen in die Nachfolge rief, als das, was ich jetzt erlebe.
Manchmal könnten wir von den Bibelabschnitten, die wir bei unserer Lektüre auslassen oder überfliegen, mehr lernen als von denen, die wir unterstreichen oder abschreiben und an unseren Kühlschrank kleben. Die Bibel enthält ein ganzes Arsenal an solchen Versen zum Thema Geld und Besitz, die uns permanent unter Beschuss nehmen. Je mehr wir bereit sind, uns mit diesen beunruhigenden Passagen auseinander zu setzen, desto stärker werden sie uns prägen. Unsere einzige Alternative scheint darin zu bestehen, dass wir uns so lange von Christus verwunden lassen, bis er erreicht, was er möchte. Alternativ können wir höchstens seine Worte, seinen Blick und seine Gegenwart völlig meiden, indem wir nicht mehr in der Bibel lesen. Die zweite Möglichkeit ist auf kurze Sicht einfacher. Aber kein echter Christ kann damit auf Dauer wirklich zufrieden sein. Inzwischen dürften einige Leser sich völlig verabschiedet haben und andere sich ziemlich unwohl fühlen. Ich muss zugeben, dass ich Ihr Unwohlsein teile. Vielleicht denken Sie sich auch: Ich beschäftige mich lieber nicht mit diesen Themen. Ich bin mit dem gegenwärtigen Zustand zufrieden. Aber sind Sie dies wirklich? Kann jemand wirklich zufrieden sein, der Christus kennt und seinen Geist in sich trägt, aber seine Worte nicht gut durchdacht hat? Wenn wir uns nicht völlig dem geöffnet haben, was er für uns hat? Wir fühlen uns vielleicht wohl. Mit Sicherheit selbstzufrieden. Aber nicht zufrieden. Ich für meinen Teil hasse es, mit diesem nagenden Gefühl tief in mir zu leben, dass Jesus mehr im Blick hatte, als er Menschen in die Nachfolge rief, als das, was ich jetzt erlebe. Ich möchte nichts von dem verpassen, was er für mich geplant hat. Und wenn er Ihr Leben wirklich berührt hat, dann geht es Ihnen sicher genauso. Trotz dieser ganzen ernüchternden Auswirkungen muss ich schnell hinzufügen, dass es für mich eher befreiend als belastend war, Gottes Willen in Bezug auf Geld und Besitz zu erkennen. Mein persönliches Wachstum und mein zunehmendes Wissen über gute Haushalterschaft hingen eng mit meinem geistlichen Wachstum zusammen. Es wurde dadurch neu angestoßen. Ich habe in diesem Bereich mehr über Glaube, Vertrauen, Gnade, Hingabe und Versorgung durch Gott gelernt, als in jedem anderen Bereich meines Lebens. Ich habe auch verstehen gelernt, warum Paulus sagte: „Gott hat einen fröhlichen Geber lieb.“ Ich habe gemerkt, dass ein fröhlicher Geber Gott liebt und ihn jedes Mal, wenn er etwas gibt, noch mehr 16
Einheit 1 Warum ist Geld für Gott so wichtig?
liebt. Für mich ist die Freude, die ich empfinde, wenn ich kluge und großzügige Entscheidungen mit meinem Geld treffe, mit der Freude vergleichbar, die ich empfinde, wenn ein Mensch zum Glauben an Gott kommt. Beides ehrt Gott. Für beides wurden wir geschaffen. Ich schreibe dies nicht als Kritiker oder als Kreuzritter, sondern als begeisterter Lernender. Ich fühle mich wie ein Kind, das einen wunderschönen, versteckten Pfad im Wald gefunden hat – einen Pfad, den schon unzählige andere gegangen sind, der für das Kind aber neu und unberührt erscheint, als habe er zuvor nicht existiert. Die Begeisterung über dieses Abenteuer ist schwer zu beschreiben. Man kann sie nur selbst erleben. Auszug aus: Randy Alcorn: Money, Possessions and Eternity, Tyndale House Publishers, Inc., 1989
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Ein fröhlicher Geber liebt Gott und liebt ihn jedes Mal, wenn er etwas gibt, noch mehr.
Geben Großzügigkeit als Lebensstil
Geistliche Übung „Geld und Besitz sind ein Index für unser geistliches Leben“ – eine Aussage, die wir nicht gerne hören. Und Jesus tat nichts, um dem Satz die Spitze zu nehmen. Er reduzierte ihn auf eine ganz einfache Formel, als er sagte: „Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz“ (Matthäus 6,21). In dieser Einheit besteht Ihre Aufgabe darin, Ihr Herz und Ihre „Schätze“ genau zu beobachten. Wenn Sie in dieser Woche mit Geld und Besitz umgehen, wenn Sie Einkäufe machen, wenn Sie in Geschäfte gehen, Zeitschriften lesen, fernsehen, mit Freunden zusammen sind, ihren Haushalt erledigen, dann sollten Sie sich folgende Frage stellen: „Was geht in diesem Augenblick in meinem Herzen vor?“ Achten Sie besonders auf folgende (oder andere) Gedanken und Gefühle (oder ihre Abwesenheit!), die in Ihnen durch den Umgang mit Geld und Besitz ausgelöst werden: ! ! ! ! ! ! ! !
Freude Unsicherheit Geiz Angst Schuld Neid Dankbarkeit Bedauern
! ! ! ! ! ! !
Enttäuschung Zufriedenheit Enttäuschung Innerer Frieden Wut Begeisterung Vertrauen
Nehmen Sie sich am Ende jedes Tages ein paar Minuten Zeit zum Nachdenken. Machen Sie sich Notizen. Welche Haltung stellen Sie bei sich fest? Gibt es ein vorherrschendes Muster? Irgendetwas, das Sie überrascht? Wie lassen Sich Ihre Beobachtungen zusammenfassen?
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Einheit 1 Warum ist Geld für Gott so wichtig? Ein Wort zur Vorsicht: Sie könnten bei dieser Übung leicht in die Gefahr geraten, sich einseitig zu verurteilen und zu kritisieren: „Ich sollte diese Gefühle nicht haben“ oder: „Ich sollte aufhören, so zu denken.“ Darum geht es bei dieser Übung nicht. Ziel dieser Übung ist es, Ihnen dabei zu helfen, die Tatsachen zu erkennen. Wenn Sie zu schnell in Selbstkritik abgleiten oder versuchen, etwas zu verändern, ist es schwerer, objektiv zu bleiben. Und die Veränderungen werden bestenfalls oberflächlich bleiben. Ihre Aufgabe ist im Augenblick die eines guten Reporters: Bemühen Sie sich um distanzierte, neutrale Beobachtungen.
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Geben Großzügigkeit als Lebensstil
Bibelstudium 1. „In gewisser Weise erzählt unser Umgang mit Geld und Besitz die Geschichte unseres Lebens“, behauptet Randy Alcorn in der Einführung dieser Einheit. Denken Sie kurz über Ihre Kindheit und Jugend nach. Wie ging Ihre Familie mit Geld und Besitz um?
Inwiefern brachten Ihnen Ihre Eltern den Umgang mit Geld bei? Welchen Einfluss hatte dies auf Sie?
Welche andere Haltung gegenüber Geld lernten Sie aus der Einstellung und dem Verhalten Ihrer Eltern – positiv oder negativ?
2. In der Einführung zu dieser Einheit haben Sie gelesen, dass unsere Beziehung zu Geld in gewisser Weise „unsere Biografie prägt“. Welche fünf Begriffe würde jemand verwenden, um Sie zu beschreiben, wenn er Ihre Biografie lesen würde – und Sie nur durch das „Lesen“ Ihrer Haltung und Ihres Umganges mit Geld und Besitz kennen lernen würde? (Vielleicht sollten Sie einen guten Freund bitten, Ihre Liste zu ergänzen.)
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Einheit 1 Warum ist Geld für Gott so wichtig?
Was verrät Geld über Sie, das nur wenige Menschen von Ihnen wissen?
3. Fassen Sie die Geldmanagement-Prinzipien zusammen, die sich in Sprichwörter 6,6–11 und 27,23–27 finden.
Fassen Sie nun zusammen, was Jesus in Matthäus 6,25–34 lehrt.
Wie erklären Sie die offensichtlich widersprüchlichen Lehren?
In der Bibel stoßen wir manchmal auf zwei oder mehrere Lehrmeinungen, die sich offenbar widersprechen. Wenn wir dem einen Gebot gehorchen, scheinen wir ein anderes zu brechen. Heute raten wir manchmal: „Erst denken, dann handeln.“ Dann drehen wir uns um und sagen: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Diese Redewendungen scheinen sich zu widersprechen. Doch jede spricht eine menschliche Schwäche an, die der Korrektur bedarf. Wenn wir den Adressaten und die Umstände kennen, können wir entscheiden, welche der beiden Redewendungen angebracht ist. Beide Aussagen habe ihre Berechtigung und sind notwendig. Aber es erfordert Weisheit, sie angemessen anzuwenden. Wenn wir versuchen, scheinbare Widersprüche innerhalb der Bibel aufzulösen – von denen es gerade im Bereich Geld und Besitz eine Menge gibt –, müssen wir von zwei Seiten an die Sache herangehen. Wenn wir uns mit unserer Situation auseinander setzen, auf den Heiligen Geist hören und Gott um Rat fragen, werden wir erkennen können, welche Seite für uns zählt, und dabei gleichzeitig alle anderen Aspekte der Gebote Gottes berücksichtigen. 21