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N O V 2 0 2 0 – F E B 2 0 21 8 ,9 0 € ( D) 10 ,9 0 € ( A ) 13 ,9 0 S F R

KUNST UND REISEN

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Mit Beilage „MecklenburgVorpommern – Schlösserkarte“

im App Store und bei Google Play mobil.artmapp.net

SAARSPITZEN

BASEL–TESSIN–DIRETTO

BECKMANN GRIESHABER JOSEPHSOHN SIBER UHLIG BERLIN HAMBURG HANNOVER JENA KÖLN MÜNCHEN WALDENBUCH


Titelmotiv: Sabine Hertig,

KUNSTREISE NACH BASEL.

„Landscape 11“ (Detail), 2013–2015, 320 x 360 cm, Öl und Collage auf Leinwand, Courtesy: die Künstlerin und STAMPA Basel

EDI TOR I A L #25 2020/2 1 Reiner Brouwer, Foto: Andreas Scholz

Deltabeben Den Besuchern der Anselm-Kiefer-Aus­ stellung in Mannheim empfehle ich, bis 24. Januar 2021 die Schau „Deltabeben“ nicht zu verpassen. Kunsthalle, Kunst­ verein und Port25 zeigen junge Kunst aus dem erweiterten Rhein-Neckar-Raum. Das gemeinsame Ausstellungsprojekt, das im Wechsel mit dem Wilhelm-Hack-­ Museum und dem Kunstverein in Ludwigshafen realisiert wird, versteht sich als Spiegel der künstlerischen Vielfalt in der Region. Während des Aufbaus der Kiefer-­ Ausstellung sprach ich mit dem verant­ wortlichen Kurator Sebastian Baden.

Sebastian Baden, Kurator, Foto: Kunsthalle Mannheim / Zeynel Yatci

Lieber Sebastian, Anselm Kiefer ent­ wickelte sich hier zu einem der wichtigs­ ten Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg und pflegt immer noch seinen kurpfälzi­ schen Dialekt. Wie ist die derzeitige Lage der zeitgenössischen Kunst im „Delta“? Ich bin sehr erfreut, dass viele ­Absolventen der Kunstakademien in der Rhein-­Neckar Region eine aktive Kunst­ szene bilden. Wie früher Anselm Kiefer: hier in Ruhe arbeiten, aber immer den Kontakt in die Welt halten. Die Anselm-Kiefer-Ausstellung ist das ­bedeutendste Projekt in Deiner bisherigen

Laufbahn. Wie war der Kontakt mit ­ nselm Kiefer und den Leihgebern? A Es bedeutet für mich eine Ehre und ­einen Vertrauensbeweis, dass mir Ulrike Lorenz 2018 diese Aufgabe zugetragen hat. Die Treffen mit den Sammlern Hans und Thomas Grothe sowie die Planungen im Atelier von Anselm Kiefer, zusammen mit unserem Direktor Johan Holten, waren aufregende Momente. Ich war beeindruckt von der archaischen Wucht und Kompromisslosigkeit der ­Kiefer’schen Arbeiten. Kann die Kunst­ halle Mannheim sein Werk räumlich ange­messen präsentieren? Es ist schon eine Herausforderung. Ich habe mir aber eine Ausstellung ausgedacht, die sowohl die großzügige Architektur der Kunsthalle als auch die Opulenz der Kunst ohne Übertreibung vermitteln soll. Einige der neueren Arbeiten zeigen wir zum ersten Mal in Deutschland! Die art KARLSRUHE wurde aus bekannten Gründen soeben auf den 21. Mai 2021 verschoben. Erinnerst Du Dich gerne an die Zeit als 27-jähriger Galerist in ­Karlsruhe zurück? In Karlsruhe hatte ich eine tolle Zeit − zunächst an der Kunstakademie, danach an der HfG als Doktorand. Parallel führten wir die Galerie FGS und bekamen viel ­Unterstützung aus der Region. Von diesen Erfahrungen profitiere ich heute sehr, ­zumal in Zeiten der Pandemie, da die wichtigen sozialen Netzwerke nur online gepflegt werden können.

Weltberühmte Museen, spektakuläre Kunst und moderne Architektur: Wer die charmante Stadt am Rhein besuchen möchte, kommt auch 2021 auf seine Kosten. Das sind die Museumshighlights in Basel, die Sie nicht verpassen sollten: Fondation Beyeler, Basel/Riehen: Rodin/Arp 13.12.2020 - 16.05.2021 CLOSE-UP 05.09.2021 – 02.01.2022 Goya 10.10.2021 - 23.01.2022 Kunstmuseum Basel: Rembrandts Orient 31.10.2020 - 14.02.2021 Sophie Taeuber-Arp 20.03.2021 - 19.09.2021 Camille Pissarro 04.09.2021 - 23.01.2022 Museum Tinguely: Impasse Ronsin. Mord, Liebe und Kunst im Herzen von Paris 16.12.2020 - 05.04.2021 Territories of Waste 05.05.2021 - 29.08.2021 Mit der BaselCard profitieren Sie unter anderem von 50% Rabatt auf den Eintritt in die Basler Museen.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen viel Spaß auf Ihrer persönlichen ­Entdeckungstour mit ARTMAPP! Reiner Brouwer Herausgeber

BASEL.COM


Europas Schatz im Saarland 8.11.2020 – 27.6.2021


Vision  und  Schrecken  der  Moderne

VON DER HEYDT- MUSEUM WUPPERTAL

Industrie und  künstlerischer  Aufbruch

Heinrich Hoerle, Selbstbildnis vor Häusern (Arbeiter), 1932 (Ausschnitt) Von der Heydt-Museum Wuppertal


Inhalt

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(auszugsweise)

ARTM APP Winter 2020/21 Saarspitzen

Andrea Jahn, Direktorin Saarländischer Kulturbesitz, Foto: Tom Gundelwein

Ralf Beil, Generaldirektor

– von Bülent Gündüz

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HÖHEPU NK TE SA ARL ÄNDISCHER KU NST U ND KU LT U R Kelten, Römer, Spitzenweine

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SCHÄTZE DES SA ARL ANDS Andrea Jahn und Ralf Beil, neue „Spitzen“ in Saarbrücken und Völklingen

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FACET TENREICHE KU LT U R IM HERZEN EU ROPAS Interview mit Peter Lupp, Kulturreferent des Regionalverbandes Saarbrücken

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GESCHICHTE HAU T NAH Historisches Museum Saar, Saarbrücken

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Tref fpunkt Basel

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DAS NEU E STADTCASINO Glanzstück der Baseler Kulturmeile – von Claus Friede

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BASEL FÜ R SAMMLER Die Galerien von Bartha und Stampa – von Alice Henkes

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Ausfahr t Tessin

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BELLINZONA, LUGANO, MENDRISIO Kunst im südlichen Dreieck – von Gerhard Lob

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TESSINER GIPFEL Ausstellungen in Ascona und Lugano: Alexej von Jawlensky und Marianne von Weref kin – von Gerhard Lob Hans Josephsohn – von Andrin Schütz

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Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Foto: © Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Oliver Dietze

Schmuck – Mode – Design

Hans Josephsohn in seinem Atelier in Zürich, Foto: Kesselhaus Josephsohn, St. Gallen

SCHMUCK 2021, MÜ NCHEN Interview mit der Kuratorin Helen Britton – von Nina Gassauer

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SAMMELN IM PERSPEK TIV WECHSEL Danner-Preis und Danner-Rotunde in München – von Ellen Maurer Zilioli

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JULIAN

RÖDER

Por trät WILD W Ü TENDE L ANDSCHAF TEN Sabine Hertig erweitert den Begriff Collage – von Alice Henkes

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„DIE FREIHEIT ZU M SCHÖNEN“ Willi Siber in seiner oberschwäbischen Heimat – von Siegmund Kopitzki

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ZWISCHEN FOR M U ND MATERIAL Friedemann Grieshabers Betonskulpturen – von Claus K. Netuschil

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Ausstellungen „IM LEBENSTR AU M GEFANGEN“ Die Alte Nationalgalerie Berlin und die Kunst des belgischen Symbolismus von Bettina Götz

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AUS LICHT U ND SCHAT TEN Max Uhlig in Essen und Magdeburg – von Annika Graef

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VERTR AU EN IN DIE KU NST Alexander Klar bringt die Hamburger Kunsthalle auf Kurs – von Kim Behm

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DAY AND DREAM Max Beckmann in Brühl, Frankfurt am Main, Hamburg, München von Katja Behrens

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QUADR AT U R DES KREISES Interview mit Marli Hoppe-Ritter, Waldenbuch – von Hansjörg Fröhlich

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Marli Hoppe-Ritter, Museum Ritter,

MEDIEN TIPPS

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TER MINE

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APPETIZER

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IMPRESSU M

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FOTOGRAFIEN UND OBJEKTE 5. DEZEMBER 2020 – 23. MAI 2021

NGUYEN XUAN HUY MALEREI

12. DEZEMBER 2020 – 7. MÄRZ 2021 Riding by Blue Moon, 2020, Öl/Lw © Nguyen Xuan Huy, courtesy Galerie Rothamel, Erfurt/Frankfurt

Sabine Hertig, Foto: Angelo A. Lüdin

Border Situation, Northern Greece, 2012, aus der Serie: Mission and Task, Archival Pigment Print © Julian Röder

GLAUBEN UND HANDELN

Foto: Tom Oettle

KUNSTSAMMLUNG JENA www.kunstsammlung-jena.de

KUNSTSAMMLUNG. Städtische Museen Jena. JenaKultur


19.09.2020 – 21.02.2021 Hans Josephsohn 1972 © Willy Spiller

Hans Josephsohn

Masterworks of Modern Photography 1900-1940

The Thomas Walther Collection at The Museum of Modern Art, New York

Luigi Pericle Ad astra

Albert Oehlen. Maschinenwesen

05.09.2021 – 09.01.2022

Partner principale

Kate Steinitz Backstroke, 1930, stampa alla gelatina ai Sali d’argento, 26.6 x 34.1 cm, Thomas Walther Collection. Donazione di Thomas Walther

28.03 – 04.07.2021

Luigi Pericle Matri Dei d.d.d., 1976, tecnica mista su masonite, 21 x 30 cm, Ascona, Collezione Biasca-Caroni © X4 Studios

18.04 – 05.09.2021

Albert Oehlen, Untitled, 2017, olio su tela, 250 x 230 cm

www.masilugano.ch


Alte Nationalgalerie

Der belgische Symbolismus 18. 9. 20 –17. 1. 21 Eine Ausstellung der Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, mit Unterstützung der Königlich-Belgische Kunstmuseen, ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie.

www.belgischersymbolismusinberlin.de www.smb.museum

Jean Delville, Porträt der Madame Stuart Merrill (Mysteriosa), 1892 © RMFAB, Brussels / photo: J. Geleyns – Art Photography

 Museumsinsel Berlin


27. 9. 20 –28. 2. 21

Eine Reise von Berlin nach New York

Selbstbildnis mit steifem Hut, 1921, Privatbesitz Deutschland © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

MAX BE CKMANN Gefördert durch

DAY AND DR EA M

Tickets inkl. VRS-Fahrausweis über

Tickets über

www.maxernstmuseum.lvr.de


© Wilhelm-Hack-Museum, Stadt Ludwigshafen am Rhein

Gestaltung: www.kontext-kom.de

DAS WHO IS

WHO

IN

LU


WEITBLICK

Tony Cragg, Red Figure (Rote Figur), 2014, Sammlung Würth, Inv. 16979, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Reinhold Würth und seine Kunst

Museum Würth 2 im Carmen Würth Forum Künzelsau Täglich 11–18 Uhr

Eintritt frei

www.kunst.wuerth.com

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Verborgene Spuren Jüdische Künstler*innen und Architekt*innen in Karlsruhe 1900 –1950

11/12/2020 – 28/02/2021


Foto: Kevin Ehm

Wo bin ich denn hier?

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Tipps für einen Kulturtrip: Entdecke das Saarland

Fenster von Gerhard Richter in der Abtei Tholey, Foto: Markus Lutz

Sehenswer te Ausstellungen u n d a u ß e r g e w ö h n l i c h e K u l t u ro r t e U N T E R I R D I S C H E B U RG U N E S C O -W E LT K U LT U R E R B E VÖ L K L I N G E R H Ü T T E

U N D GE SCHICH T E DE R GR E N Z R EGION

Die Silhouette der Hochöfen kündigt die Völklinger Hütte von Weitem an: Bis 1986 leisteten hier Tausende von ­Menschen Schwerstarbeit. 1986 wurde das Eisenwerk still­ gelegt und zählt seit 1994 als erstes Industriedenkmal aus der Blütezeit der Industrialisierung zum UNESCO-Weltkultur­ erbe. Heute ist die Völklinger Hütte Veranstaltungsort für international herausragende Ausstellungen sowie außer­ gewöhnliche Festivals und Konzerte. Bis 27. Juni 2021 zeigt das Weltkulturerbe Völklinger Hütte die Ausstellung „Mon Trésor – Europas Schatz im Saarland“ und geht der Frage nach: Was ist ein Schatz?

Das Historische Museum Saar am Saarbrücker Schlossplatz präsentiert 800 Jahre Geschichte der Grenzregion. Im Mu­ seum steigt man 1 4 Meter unter den Schlossplatz in die unterirdische Burg hinab – eine deutschlandweit einzigartige Sehenswürdigkeit. Vom 26. Februar bis zum 31. Oktober 2021 wird das Museum die Sonderausstellung „Monumente des Krieges“ zeigen, die sich mit dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und der Reichseinigung befasst. Der Blick richtet sich vor allem auf die Grenzregion und die Darstellung der Ereignisse im Bilde.

VO N AU S S E N U N D I N N E N E I N K U N S T W E R K

D I E F E N S T E R VO N G E R H A R D R I C H T E R

Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums in Saarbrücken ist schon als Gebäude ein Kunstwerk. Markant tritt das Wort „Museum“ auf Fassade, Außenwänden und Vorplatz hervor. Acht neue Säle laden zu einem spannungsvollen Parcours ein. Bis zum 7. März 2021 wird die Ausstellung „WELT– BÜH NE –T R AU M. Die ‚Brücke‘ im Atelier“ mit rund 100 Werken der Künstler Ernst-Ludwig Kirchner, Erich ­H eckel, Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff präsen­ tiert. Im Zentrum der Gemälde- und Grafikschau steht ein Schlüs­selwerk des deutschen Expressionismus: Kirchners monumentale Atelierszene „Badende im Raum“.

Die Abtei Tholey ist das älteste Kloster Deutschlands und wurde 63 4 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt. Die ­Abteikirche glänzt seit Herbst 2020 mit Weltkunst: Die drei großen, jeweils über neun Meter hohen Chorfenster wurden von Gerhard Richter, dem bedeutendsten lebenden Künstler der Welt, gestaltet. Sie sind vom Künstler mit farbintensiven Bildern und Motiven bespielt, die zu einem faszinierenden und detailreichen Gesamtwerk arrangiert sind. We i t e r e I n f o r m a t i o n e n z u d e n K u l t u r h ö h e p u n k t e n im Saarland f inde n Sie unte r www. k ult ur re i se n . saarland

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W E LT K U N S T I N D E R A B T E I T H O L E Y:


saar spitzen Kelten, Römer, Spitzenweine

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Im Saarland gibt es nicht nur zeitgenössische Spitzenkunst und Industrie­ kultur. Auf einer Reise durch eines der kleinsten Bundesländer Deutschlands ging es von Blieskastel entlang der „BarockStraße SaarPfalz“ weiter zum mächtigen Ringwall der Kelten im Nordsaarland und zu den römischen ­Villen an der Grenze zu Luxemburg. Schließlich ließen wir es uns bei einem Schoppen im Weingebiet zwischen Mosel und Saar gut gehen.

DE R GOL L E NS T E I N BE I BL I E SK A S T E L

Auf einem Höhenrücken bei Blieskastel erhebt sich ein fast sieben Meter hoher Sandsteinkoloss. Seit etwa 5.000 Jahren steht dieser schmucklose Riesenstein, das Wahrzeichen ­Blieskastels, an dieser Stelle – der Gollenstein. Er ist eines der ältesten Kulturdenkmäler Deutschlands und gilt als der ­g rößte Menhir Mitteleuropas. Gerade wegen seiner ­B edeutung regt er immer wieder Forscher zu fantasievollen Interpretationen und lebhaften ­Deutungsversuchen über Sinn und Zweck seines Daseins an. Schon im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Grafen von der Leyen, versuchte man durch Ausgrabungen seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Foto: © Wolfgang Henn, www.saarpfalz-touristik.de


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Deutsch-französischer Archäologiepark mit Ausgrabungen zur frühgeschlichtlichen, keltischen und römischen Besiedlung, Foto: © Tourismus Zentrale Saarland

Das Saarland entwickelt sich zu einem echten Touristenziel. Kontinuierlich steigende Übernachtungszahlen sind ein deutlicher Beleg. Die meisten Gäste kommen zum Wandern, wie im Sommer veröffentlichte Zahlen der saarländischen Tourismuszentrale offenbaren. Immerhin 67 Premium­ wanderwege bietet das Saarland und eine Unmenge weiterer schöner Touren durch abwechslungsreiche Landschaften im Blies- und Saargau, im Schwarzwälder Hochwald oder in den Weinbergen im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg. Doch das Saarland hat weit mehr zu bieten − es ist ein historisch und kulturell einzigartiger Landstrich. Mit aus­ gewählten „Saarspitzen“ möchte ARTMAPP auf touristische Höhepunkte hierzulande aufmerksam machen.

Im Südosten des Saarlandes liegt der Bliesgau mit ­s einer ­offenen Schichtstufenlandschaft. Hier findet man in einem kleinen Talkessel an der Blies den grenzüberschreitenden ­K ulturpark Bliesbruck-Reinheim. Erste Ausgrabungen ­brachten hier Anfang des 19. Jahrhunderts eine römische ­P alastvilla zum Vorschein. Das 700.000 Quadratmeter ­g roße Gelände wurde in den folgenden Jahrzehnten von Archäo­logen ­u mgepflügt, die eine römische Kleinstadt mit großer ­T hermenanlage freilegten. Dann ein Sensations­ fund: In einer Kiesgrube entdeckten Arbeiter 1954 ein reich ­aus­g estattetes keltisches Fürstinnengrab, das man heute als rekonstruiertes Hügelgrab besichtigen kann. Dessen ­S chätze können im ­Saarbrücker Museum für Vor- und Früh­ geschichte bestaunt werden.

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Höhepunkte saarländischer Kunst und Kultur


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Ringwall von Otzenhausen, Foto: Wolfgang Staudt

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Ganz in der Nähe führt die BarockStraße SaarPfalz vorbei. Die Route verläuft von Saarbrücken, über Blieskastel und das rheinland-pfälzische Zweibrücken bis nach Ottweiler. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begannen die Reichsgrafen von der Leyen im Südosten des Saarlandes mit einer regen Bau­t ätigkeit, errichteten Schlösser und Gutshöfe. In Saar­ brücken und Umgebung ließen Graf Wilhelm Heinrich und dessen Sohn Ludwig von Nassau-Saarbrücken von Bau­ meister Friedrich Joachim Stengel zahlreiche Kirchen, Bürgerhäuser und Schlösser erbauen, darunter die Ludwigs­ kirche, ein echtes K leinod barocker Sakralbaukunst . Außerdem liegen entlang der 120 Kilometer langen Erlebnis­ route die Gustavsburg, der Niederwürzbacher Weiher mit dem „Roten Bau“, das Indus­t rie­ensemble „Alte Schmelz“ in St. Ingbert, das „Edelhaus“ in Homburg-Schwarzenacker mit einer Gemäldesammlung aus der Barockzeit und das herzog­ liche Schloss Zweibrücken. An insgesamt 15 Stationen kann man sich in die Zeit des Barock entführen lassen.

Im Norden trifft man am Hang der höchsten Erhebung des Saarlandes, dem Dollberg, auf ein fast schon außerirdisch ­e rscheinendes Bauprojekt. Hier schichtete der keltische Stamm der Treverer in 4./5. Jahrhundert vor Christus einen mächtigen Ringwall aus Steinen auf, um eine Stadt zu ­schützen. Der Wall hat beeindruckende Ausmaße: Er ist mehr als zehn Meter hoch, 40 Meter breit und war ursprünglich 2,5 Kilo­m eter lang. In der Umgebung lässt sich wunderbar ­w andern, etwa zum Stausee Nonnweiler, zur Sternwarte ­Petersberg oder auf den Dollberg. Mittendrin im Saarland, am Fuße des Schaumberges, befindet sich das älteste Kloster Deutschlands. Die Benedikti­ nerabtei St. Mauritius, bereits 634 nach Christus erstmals erwähnt, wurde in den letzten zwölf Jahren aufwendig s­ aniert und im September feierlich wiedereröffnet. Ein Höhepunkt des Besuches ist die frühgotische Klosterkirche. Ihr größter Schatz dürften für viele Kunstinteressierte die drei neuen Fenster in der Chorapsis sein. Die Entwürfe für das abstrakte Farbspiel stammen von Gerhard Richter, der diese Arbeit als sein letztes großes Werk sieht, was den Fenstern zusätzliche Bedeutung verleiht. Die übrigen Fenster wurden von der deutsch-afghanischen Künstlerin Mahbuba Elham Maqsoodi gestaltet. Sie zeigen in expressivem Farbenrausch Szenen aus dem Alten und Neuen Testament.

Kirche und Kloster, Benediktinerabtei St. Mauritius Tholey, Foto: © St. Mauritius Tholey GmbH


Ludwigsplatz mit Ludwigskirche Saarbrücken

Ensemble Alte Schmelz Möllerhalle St. Ingbert

Residenzschloss Zweibrücken

Entdecken und Genießen

Edelhaus mit Barockgarten Homburg-Schwarzenacker

www.saarpfalz-touristik.de

Orangerie mit Barockgarten Blieskastel

Fotos: © Saarpfalz-Touristik

Stengel-Pavillon mit Rosengarten Ottweiler


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Saarabwärts kommt man bald zur Saarschleife, die auf keiner touristischen Reise durch das Land fehlen darf. Von hier aus ist es nur ein kurzer Trip bis nach Perl an der Mosel. Dessen Ortsteil Nennig wartet mit einem der aufregendsten ­römischen Funde der Region auf. Im Jahr 1852 wurde bei ­Erd­arbeiten ein Mosaik aus dem 3. Jahrhundert nach Christus entdeckt. Der zehn mal 16 Meter große Boden, der zum Vor­ schein kam, gilt als größtes erhaltenes römisches Mosaik nördlich der Alpen. Es zeigt Kämpfe zwischen Gladiatoren und Tieren, die durch Ornamente verbunden sind. Einst schmückte es die Eingangshalle eines luxuriösen Gutshofs mit Wandelgang, Badehaus und Wirtschaftsgebäuden. Heute schützt ein eigenes Gebäude das Mosaik und ermöglicht von einer Empore den Blick von oben.

linke Seite: 160 qm großes Gladiatorenmosaik (Ausschnitt), oben: Motiv „Bär“, Römische Villa Nennig, Perl, 3. Jh. n. Chr., Fotos: Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken / Tom Gundelwein

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Wer Wandern und Kunst verbinden möchte, sollte die ­„ Straße der Skulpturen“ bei St. Wendel besuchen. Hier führt ein 25 Kilometer langer Weg vorbei an 54 Skulpturen von ­i nternational renommierten Bildhauern wie Robert Schad, James Reineking, Franz Bernhard, Alf Lechner und Karl Prantl. An der deutsch-französischen Grenze entstand bei Merzig zwischen 1986 und 2010 ein ähnliches Projekt. Der saarländische Bildhauer Paul Schneider hatte die Idee zu dem Skulpturenweg „Steine an der Grenze“ und lud Kollegen aus der ganzen Welt ein, bei Bildhauersymposien Werke zu ­schaffen. 34 Objekte sind zusammengekommen und lassen sich auf der Strecke entlang der Grenze erwandern. Beide Skulpturenwege sind Etappen des europäischen Projekts „Skulpturenstraße des Friedens“ mit dem Ziel, eine durch­ gehende Skulpturenstraße von der Normandie über Paris bis nach Moskau zu erschaffen.


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Nur wenige Kilometer nordöstlich liegt die römische Villa Borg auf einer Anhöhe zwischen Saar und Mosel. Nachdem bei Grabungen bereits um 1900 ein weites Trümmerfeld aus römischer Zeit festgestellt wurde, grub man erst ab 1986 ­w issenschaftlich. Auf 7,5 Hektar wurde neben Spuren kelti­ scher Besiedlung ein römischer Villenkomplex entdeckt und in den folgenden Jahren vollständig rekonstruiert. Hier lässt sich wunderbar nachvollziehen, wie die Römer einst lebten, und in den Experimentalwerkstätten kann man Forschern live zu schauen, wie versucht wird, die Glas-, Ton- und Metall­verarbeitung der Römer zu entschlüsseln. In der Ta­ verne genießt man römische Speisen, aber auch Feines aus der modernen Küche. Und es gibt hier vorzüglichen Wein, der aus der Region kommt. Apropos: Saarländischer Wein kommt tatsächlich von der Mosel und nicht von der Saar. Zwar gibt es auch am Unterlauf der Saar hervorragende Weingüter, die liegen ­a llerdings schon in Rheinland-Pfalz. Hauptort des saar­l än­ dischen Weins ist Perl-Nennig. Schon die Römer bauten in der Re­g ion Reben an und die saarländischen Moselweine können sich durchaus s­ ehen lassen. Angebaut werden vor ­a llem ­w eiße Trauben wie Riesling, Auxerrois und Grau­ burgunder, aber auch rote wie Spätburgunder, Merlot und Cabernet Sauvignon. Im Ortsteil Sehndorf befindet sich

das Weingut Petgen-Dahm, das neben Rieslingen und ­ rauburgundern auch ausgezeichnete ­C hardonnays und G Weißburgunder produziert und mit der V ­ iognier-Traube ­s ogar eine echte ­R arität. Auch die Weine der Weingüter Schmidt-Weber überzeugen. Hier ist vor allem die „Pre­ mium“-Linie hervorzuheben, die mit dem Gründungsjahr des Weingutes „1725“ versehen sind. Insbesondere der Grau­ burgunder vom Perler Hasenberg schmeckt ausgezeichnet! Im Ortsteil Nennig liegt das Weingut Karl Petgen, das 1720 gegründet wurde und das älteste Weingut des Saarlandes ist. Neben Chardonnays, Rieslingen und Grauburgundern produziert das Unternehmen auch Spätburgunder sowie ­leckere Edelbrände und Liköre. Ganz in der Nähe befindet sich mit Schloss Berg ein Hotel mit drei hervorragenden Restau­ rants. Hier steht Drei-Sterne-Koch Christian Bau im „Fine Dining“ am Herd. Wer es etwas günstiger bevorzugt, besucht das „Bacchus“ und bekommt in „römischem Ambiente“ ein Saltimbocca alla Romana oder eine Perlhuhnbrust serviert und darf die Weine der Region verkosten. BÜLENT GÜNDÜZ

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Archäologiepark Römische Villa Borg, Foto: Yannik Planta


A nd r e a J a h n u nd R a l f B e i l : Ne ue „ S pit z e n“ i n S a a r br üc ke n u nd Völ k l i n g e n

Schätze des Saarlands Die Kultur im Saarland war in den vergangenen Monaten von großen personellen Umbrüchen geprägt. Im Juni 2019 ging Meinrad Maria Grewenig nach langen Diskussionen um eine Vertragsverlängerung als Leiter des UNESCO-Weltkulturerbes Völklinger Hütte in Rente, im April wechselte dann der Leiter des Saarlandmuseums Roland Mönig überraschend an das Von der Heydt-Museum in Wuppertal.

Andrea Jahn und Ralf Beil blicken nun in die Zukunft.

Goldhalsreif (Detail), keltisches Fürstinnengrab von Reinheim, 4. Jh. v. Chr., Staatliche Altertümersammlung des Saarlandes, Foto: Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken


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Dr. Andrea Jahn, Foto: Iris Maurer / Stiftung Saarländischer Kulturbesitz

In den letzten Jahren fristeten die anderen Häuser der Stiftung saarländischer Kulturbesitz aufgrund der Turbulenzen um den neuen Anbau und die Wiedereröffnung der Modernen Galerie ein Schattendasein. Nun ist es an Jahn, auch hier für Veränderungen zu sorgen. Eine Videoskulptur vor der Moder­ nen Galerie soll für alle Häuser werben und diese sichtbarer machen. Sorgenkinder sind Alte Sammlung und Museum für Vor- und Frühgeschichte, die trotz herausragender Bestände kaum beachtet werden: „Wir müssen dort dringend die Ver­ mittlung stärken. Außerdem möchte ich die Frage nach Kunst weitertreiben. Was ist Kunst und wann ist etwas Kunst? Das archäologische Museum ist ein passender Ort, denn hier wer­ den archäologische Alltagsgegenstände zu Kunstobjekten.“ In den nächsten Wochen wird eine Ausstellung von Sabine Groß im Museum eröffnet, die als Ausgangspunkt ihrer Arbeit der Frage nach dem Wesen und der Ästhetik von Kunst nachgeht. Da wird schon mal Marcel Duchamps „Fountain“ zum Ausgrabungsobjekt. Doch Jahn hat Größeres vor. Gemeinsam mit dem Ku­ rator Thomas Martin hat sie ein Konzept erarbeitet: „Wir sitzen hier auf einem unglaublichen Schatz. In unseren De­ pots und in denen des Landesdenkmalamts liegen Kisten voller archäologischer Schätze aus keltischer und römischer Zeit. Diese sollten angemessen präsentiert werden. Deshalb kamen wir auf die Idee für ein Landesmuseum für Archäolo­ gie“, erzählt Jahn. „Das wäre ein touristisches Highlight für das Saarland, würde zugleich aber auch die Identifikation der Saarländer mit ihrer Heimat fördern“, so die Hoffnung der Wahlsaarländerin.

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Grewenig stand als Generaldirektor seit 20 Jahren an der ­Spitze der 1999 gegründeten Trägergesellschaft des ehema­ ligen Eisenwerks und hat das Weltkulturerbe entscheidend geprägt. Im Frühjahr präsentierte die saarländische Landes­ regierung nach längerer Suche Ralf Beil als Nachfolger. Mit Beil tritt ein versierter Allrounder an, der schon als Leiter der Mathildenhöhe Darmstadt mit einem historischen Ensemble gearbeitet hat. Angst hat er vor der neuen Aufgabe nicht, er sieht die denkmalhistorische Arbeit als kreativen Weg, mit dem Ort umzugehen und ihn zu formen: „Für mich bedeutet die Denkmalaufgabe einen Auftrag zur kreativen Gestaltung und ein Spiel mit den Möglichkeiten“, so der neue General­ direktor. Beil, geboren 1965 in Japan, möchte den Wandel der Völklinger Hütte zum lebendigen Kulturort mit internatio­ naler Strahlkraft vorantreiben. Das will auch Andrea Jahn mit dem Saarlandmuseum schaffen. Die 1965 in Neu-Ulm geborene Jahn führt die ­Stiftung Saarländischer Kulturbesitz seit 1. Juli. Die Stiftung vereint unter ihrem Dach die Moderne Galerie als Ort der ­modernen und zeitgenössischen Kunst, die Alte Sammlung und das Museum für Vor- und Frühgeschichte, das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen und die römische Villa in Perl-Nennig. Die ehemalige Leiterin der Stadtgalerie Saar­ brücken könnte sich als Idealbesetzung e­ rweisen. 2012 hatte sie die Stadtgalerie übernommen und aus dem kaum wahr­ genommenen Haus einen renommierten Ausstellungsort gemacht. Mit kleinem Budget zeigte sie aktuelle Kunst, ließ Künstler ortsbezogene Installationen errichten und konnte mit großen Namen begeistern. Derzeit wird die Stadtgalerie interimsweise von Katharina Ritter g­ eführt. Jahn startet mit vielen neuen Ideen: „Ich möchte die Moderne Galerie wieder zu einem Ort der Begegnung machen. Das fängt schon mit dem Foyer an. Es muss wieder einladen­ der werden. Wir möchten den Shop aus dem neuen Anbau zurück in den Eingangsbereich verlegen, außerdem den Vor­ tragssaal durch eine Videoinstallation neu gestalten und den Skulpturengarten wieder zugänglich machen.“ Auch in der Sammlungspräsentation soll sich einiges ändern: „Aufgrund konservatorischer Bedenken müssen wir ohnehin gelegent­ lich Werke in der Dauerausstellung austauschen. Ich möchte das nutzen, um mehr Video- und Klangkunst zu zeigen“, so die neue Museumsleiterin. Schmunzelnd erzählt Jahn, dass Besucher sie auf­ munternd aufgefordert hätten: „Machen ’se mal was Neues!“ Jahn wird sicher nicht alles neu machen, aber einiges anders. Das Museum wird weiblicher werden und mehr zeitgenös­ sische Kunst zeigen. Erste Ausstellungen sind geplant. So wird die Bildhauerin und Installationskünstlerin Claire Morgan im Frühjahr 2021 in den Erweiterungsbau einziehen und im Wechselausstellungssaal ist dann die Sammlung Schaufler mit zeitgenössischer Fotografie zu Gast. Ein großes Projekt ist auch das „Museum der Wünsche“: Ab April wollen die Kuratoren im ganzen Haus vorstellen, welche Werke sie sich für die Sammlung des Hauses erträumen.


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Dr. Ralf Beil, Generaldirektor Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Foto: © Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Oliver Dietze

Das will auch Weltkulturerbe-Leiter Ralf Beil. Für ihn ist die Hütte ein „herausragendes Monument des Anthropozäns“. Fast noch geschwinder als Andrea Jahn hat er Ideen ent­ wickelt und umgesetzt. Die eindrücklichste betrifft die Situation in der Gasgebläsehalle, welche neben der Möller­ halle ein Ort für Großausstellungen ist. Hier ruhen riesige Turbinen, die einst mit Gichtgas angetrieben Wind für die Anfeuerung der Hochöfen produzierten. Dazwischen ließ der ehemalige Generaldirektor Grewenig Ausstellungs­ wände errichten und zeigte in kleinen Gängen entlang der Außenwände und in Kabinetten kunst- und kulturhisto­ rische Ausstellungen von Inka- und Aztekengold bis zu Porträts der englischen Queen.

Beil ließ inzwischen die komplette Ausstellungs­a rchitektur entfernen. Nun kommen endlich wieder die Maschinen zur Geltung, die Ausstellungen werden luftiger wirken und nicht mehr wie ein quietschbunter Fremdkörper. Das zeigt schon die neue Schau „Mon Trésor – Europas Schatz im ­Saarland“. Die Idee dazu entstand vor Beils Amtsantritt und so richtig glücklich schien niemand damit zu sein. Doch Beil handelte getreu seinem Motto „Keine Probleme sehen, ­sondern Lösungen wahrnehmen“, und gab der Ausstellung mit Kurator Frank K rämer eine neue R icht ung. Um ­Aus­stellungsf läche zu gewinnen, nutzt Beil ein Raum-­i mRaum-Konzept. So zeigt er die malerischen Entwürfe der neuen Kirchenfenster von Gerhard Richter für die Abtei St. Mauritius in Tholey in einer eigens errichteten ­K apelle und ließ einen alten Pausenraum der Hüttenhandwerker in die Halle translozieren. Beide ­K uratoren spielen mit der ­A rchitektur, statt sich dagegenzustemmen.


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Arbeiten von Osborne Macharia in der Ausstellung „Afrika – Im Blick der Fotografen“, bis 31. Januar 2021, Eintrittsraum, Möllerhalle, Völklinger Hütte, Foto: © Osborne Macharia

Die Neubesetzungen im Saarlandmuseum und in der ­ ölklinger Hütte könnten sich als Glücksfälle erweisen, die V für entscheidende Impulse und eine Auf bruchsstimmung sorgen. Oder um es mit Beils Worten zu formulieren: Alles ist möglich, vieles wird gehen. BÜLENT GÜNDÜZ

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Über zukünftige Ausstellungen hat sich Beil ebenfalls Ge­ danken gemacht: „Wir werden multimedialer werden, da traditionelle Kunst schon aufgrund der klimatischen Bedin­ gungen auf dem Hüttenareal schwieriger zu präsentieren ist. Ich habe zahlreiche Ideen für Themenausstellungen, die sich schnell umsetzen lassen.“ Ein neu gestalteter Markenauftritt soll dazu das äußere Erscheinungsbild modernisieren. Die betagte Hochofen­ beleuchtung wird Beil in den nächsten Monaten durch eine digitale Anlage ersetzen, die künstlerisch genutzt werden kann; den „Paradiesgarten“ will er umgestalten und er­ weitern. Ein großes Anliegen ist Beil ferner die Stärkung der Festivalkultur im Land, weshalb er ein großes Crossover-­ Festival mit internationalem Renommee anregt . Ein spannender V ­ orschlag dürfte die Einbeziehung des nahen Bergwerks L ­ uisenthal sein. In der stillgelegten Steinkohlen­ grube möchte Beil zukünftig einen weiteren Ausstellungsort unweit von Saarbrücken etablieren und damit den In­dus­ triekultur­standort Saarland weiter stärken.


32 O r t e de r K u n st u nd de r K u lt u r i m R e g ion a lve r b a nd S a a r ­b r üc ke n

Facettenreiche Kultur im Herzen Europas Einst war das linke Ufer Saarbrückens die Stadt Saarbrücken, das rechte Ufer die Stadt St. Johann. Nach der Vereinigung ­beider im Jahr 1909 verlagerte sich das gemeinsame Zentrum in den neuen Stadtteil St. Johann. Rund um das Schloss ­entstand derweil im ruhigeren Alt-Saarbrücken ein Ort der Kunst und der Kultur. Bülent Gündüz sprach mit dem Kultur­ referenten des Regionalverbandes Saarbrücken, Peter Michael Lupp, über die Bedeutung der Kulturorte für Stadt und ­Umland in einer ­Region, die sich im Strukturwandel vom ­Industrie- zum Dienstleistungsstandort neu erfinden muss. ARTMAPP: Im Regionalverband Saarbrücken sind Kunst und Kultur allgegenwärtig. Insbesondere um das Schloss herum gibt es viel zu erleben. Welche Kulturorte gibt es dort?

Peter Michael Lupp: Weithin sichtbar auf einem Felsen über der Saar wird „Sarabrucca“ 999 erstmals erwähnt. In der ­G egenwart bündelt der Schauplatz ein zeitübergreifendes ­Zusammenspiel von Kulturdenkmälern und zugleich eine Vielfalt von kulturellen Erfahrungsräumen: das Saar­ brücker Schloss mit dem Historischen Museum Saar und der unter­i rdischen Burg, das Museum für Vor- und Früh­ geschichte mit der Alten Sammlung und dem Museum in der Schlosskirche samt seiner barocken Ausstattung und den Meistermann-­Fenstern. Die Volkshochschule des ­R egionalverbandes Saarbrücken bietet dazu im Alten ­R athaus und im V ­ HS-Zentrum ein breit aufgestelltes inter­ kulturelles ­Bildungsprogramm. Das Schloss hat heute als Verwaltungssitz des Regionalverbandes Saarbrücken eine ­a däquate Nutzung gefunden. Von hier aus wird jährlich ein brei­t enwirksames Kulturprogramm eingespielt, das ­M enschen mit einer Mischung aus Musik, Theater und ­F ührungen ­a n­sprechen soll. Künstlerische Interventionen wie der „Platz des unsichtbaren Mahnmals“ des Konzept­ künstlers Jochen Gerz oder der gläserne Mittelrisalit des Saarbrücker Schlosses des renommierten Architekten und Bildhauers Gottfried Böhm reflektieren gegenwartsbezogen die wechselvolle G ­ eschichte des Ortes.

Saarbrücker Schloss, im Vordergrund Installation der Künstlergruppe „Wegener & Zintel“ anlässlich des 80. Jahrestages der Deportationen von Jüdinnen und Juden aus Südwestdeutschland in das Lager Gurs, Foto: Peter Michael Lupp


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Historisches Museum Saar, Unterirdische Burg, Videoprojektionen [Nachtruf] Leslie Huppert 2020, im Bild: Juliana Hümpfner, „Violence 6“, 2012, Foto: Peter Michael Lupp, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

ARTMAPP: Welche Aufgaben muss Kultur aus Ihrer Sicht erfüllen?

PML: Um eine zeitgemäße kulturelle Verwebung urbaner und ländlicher Räume im Umland von Saarbrücken zu gewähr­ leisten, ist eine Kulturarbeit erforderlich, die besondere Orte der Kunst und der Kultur in den Städten und Gemeinden ­aufeinander bezieht, vernetzt und aus dem jeweiligen „Geist des Ortes“ heraus entwickelt und ausgestaltet. Jede orts­ bezogene künstlerische Auseinandersetzung kann dort einen Beitrag zur regionalen Identität liefern, weil sie andockt an das ­kollektive Bewusstsein und das Werteverständnis der Gesell­ schaft in dieser facettenreichen Kulturlandschaft im Herzen Europas. Die verbindende Linie ist die prozessorientierte Ent­ wicklung und Ausgestaltung dieser Orte. Neben etablierten und überregional bedeutenden Kunst- und Kulturinstitu­ tionen gehören dazu auch weniger bekannte Schauplätze wie die Aula in Sulzbach, die Ölmühle in Berschweiler und bedeu­ tende Denkmäler der Industriekultur. Die Vernetzung all dieser Orte hat Labor- bzw. Prozesscharakter. Wir wollen ­zusammen mit den Kulturschaffenden vor Ort ein Diskurs­ feld zu gesellschaftsrelevanten Themen entfachen. Viele dieser Orte sind heute Kulturdenkmäler aus ganz verschie­ denen Epochen der letzten Jahrhunderte, die Themen verinnerlichen, welche gegenwartsbezogen künstlerisch ­interpretiert werden können. Dazu zählen etwa die spätgoti­ sche Wintringer Kapelle, die Johanniskirche Saarbrücken oder der Rechtsschutzsaal in Bildstock, der Keimzelle der ­ersten ­Gewerkschaften war.

w w w . r e g i o n a l v e r b a n d - s a a r b r u e c k e n . d e / k u l t u ro r t e

Kulturreferent Peter Michael Lupp, Foto © Regionalverband Saarbrücken

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ARTMAPP: Sie haben vor einigen Jahren die „Orte der Kunst und Kultur im Regionalverband Saar­brücken“ miteinander vernetzt. Worum geht es dabei?

PML: Da sich bemerkbar macht, dass Menschen heute ver­ mehrt nach Sinn, Orientierung und Halt suchen, weil sie dies nicht dauerhaft in ihren effizienz- und konsumorientierten Lebenswelten generieren können, muss dies in den Strategien einer zukunftsfähigen regionalen Entwicklung Berücksichti­ gung finden. Nach unseren Erfahrungen hat sich der Faktor Kultur als wichtiger Impulsgeber zur Initiierung von Prozes­ sen zur Identitätsfindung, aber auch bei der Orientierung nach Werten bewährt. Die Fragestellungen lauten: Was ­brauchen Menschen für ein sinnerfülltes und verantwor­ tungsbewusstes Leben? Wie kann man durch die Vermittlung von kulturellen Hintergründen sowie durch künstlerische Prozesse an den unterschiedlichen Kultur-, Denk- und ­L ernorten in der Region Impulse setzen? Wir sind davon überzeugt, dass mittels einer sinnstiftenden und auch auf Ethik und Nachhaltigkeit ausgelegten Kulturarbeit ein ­G edankenwandel in den Lebenswelten der heutigen Gesell­ schaft inspiriert werden kann. Dieser spannende Prozess ist Experiment und Suchbewegung zugleich.


H i st or i s c he s Mu s e u m S a a r, S a a r br üc ke n

Geschichte hautnah Das Histor ische Museum Saar gehör t zu den bedeutendsten Museen des Saarlandes. Seine landesgeschichtliche Sammlung bietet einen ein zigar t igen Überblick über die Geschichte und Kult ur des kleinsten deutschen Flächenlandes

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v o n 1 8 7 0 b i s 1 9 5 9 u n d h ä l t s o m a n c h e Ü b e r ra s c h u n g b e r e i t .

Am Saarbrücker Schlossplatz liegt, eingezwängt zwischen Schloss und Talstraße, ein lang gestrecktes Gebäude mit ­gestuftem Tonnendach. Mit seiner ungewöhnlichen Archi­ tektur wirkt es neben dem barocken Schlossgebäude wie ein Kirchenschiff. Architekt war kein Geringerer als Gottfried Böhm, der auch den gläsernen Mittelrisalit des Schlosses ­ersann. Das merkwürdige Gebäude, das man an der Stirn­seite zum Platz betritt, ist Sitz des Historischen Museums Saar. Im Inneren ist man erst einmal beeindruckt von der Halle, die für kunst- und kulturgeschichtliche Wechselaus­ stellungen genutzt wird. So richtig spannend wird es im Untergeschoss des Gebäudes. Der halbe Schlossplatz und ­einige Keller des Schlosses gehören zum Museum. Wie in

einem Maulwurfsbau durchzieht ein Labyrinth aus Gängen, Kabinetten und Ausstellungssälen den Hügel unter dem Schloss. Zwischen barocken Gewölbekellern und 1950er-­ Jahre-Charme flaniert man auf 2.700 Quadratmetern durch die Geschichte des Saarlandes vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 bis zur Wiedereingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1959. Dabei werden ­w esentliche Aspekte der wechselvollen saarländischen ­G eschichte anschaulich: Die erste Hochphase der Montan­ industrie in der Region während des Deutschen Kaiserreichs, die Zeit des Völkerbundmandats, der Anschluss ans Deutsche Reich zur Zeit des Nationalsozialismus und die Phase der Un­ abhängigkeit, die in der Saarabstimmung im Jahr 1955 gipfelte


35 Blick in die unterirdische Saarbrücker Burganlage aus Mittelalter und Renaissance, Foto: Oliver Dietze

werden, aber nur wenige haben dieses Potenzial damals ­erkannt. Heute steht das Saarland als einmalige Kulturland­ schaft erst davor, auch seine eigene Kultur, Geschichte und Archäologie wertzuschätzen und deren Qualität zu erkennen. Im Ergebnis wird sich das Saarland hoffentlich bald als Region für hochwertigen und abwechslungsreichen Kulturtouris­ mus etablieren.“ Dabei sieht er das Historische Museum Saar als eine treibende Kraft. Längst hat mit dem Umbau vom regional- zum ­l andesgeschichtlichen Museum der Wandel begonnen. ­Immerhin 40.000 Besucher kommen pro Jahr – Tendenz stei­ gend. Damit ist das Haus nach der Modernen Galerie des Saarlandmuseums das bestbesuchte Museum der Landes­ hauptstadt. Matzerath möchte die Präsentation in den nächsten Jahren deutlich verbessern, plant bauliche Maßnah­ men und eine Neupräsentation, die deutlich moderner und konsequenter werden soll: „Der historische Ausschnitt von 1870 bis 1959 ist zu schmal. Wir möchten die Geschichte der Region von der Zeit der Kleinstaaten in der Zeit des B ­ arocks beginnend am Anfang des 18. Jahrhunderts erzählen und die Geschichte des Landes auch über 1959 hinaus darstellen.“ Zu erzählen gibt es viel, denn das Saarland musste den langsamen Niedergang von Kohle und Stahl verkraften und überwinden. BÜLENT GÜNDÜZ

und mit der wirtschaftlichen Angliederung im Jahr 1959 en­ dete. Eine wechselvolle Geschichte, die so in Europa einmalig ist und dazu führte, dass mancher Saarländer in seinem Leben fünf verschiedene Pässe hatte. „Das besondere Konzept des Museums ist seine ­M ischung aus Originalschauplätzen und musealer Präsen­ tation“, erläutert Museumsdirektor Simon Matzerath, der das Haus seit vier Jahren leitet. Tatsächlich bietet das Museum weit mehr als nur die museale Auf bereitung der Zeitge­ schichte. In einem Keller ist eine kleine Gestapo-Zelle mit Kritzeleien und Zeichnungen von Insassen erhalten geblieben. Es ist ein beklemmendes Gefühl, in dem nur wenige Quadrat­ meter großen Raum zu stehen. Aufregend auch der Übergang in die mittelalterliche Geschichte: Durch eine gläserne Tür betritt man eine Aussichtsplattform in einer riesigen Halle. Sie liegt 14 Meter unter dem Schlossplatz und beherbergt Teile der mittelalterlichen Burganlage der Stadt. Geht man die Treppe hinunter, steht man im ehemaligen Burggraben. Das Bauwerk ist erstaunlich gut erhalten und ermöglicht einen Spaziergang durch Treppenaufgänge, Räume und Kasemat­ ten. Eine sehenswerte Rarität ist ein eher unscheinbarer Platz, der mit Steinplatten ausgelegt ist. „Wir stehen hier auf einem der ältesten erhaltenen Tennisplätze der Welt“, so Matzerath und führt aus: „Hier stand einst im Burggraben ein Ballhaus, wo die Söhne des Grafen Ludwig von Nassau-Saarbrücken ab 1610 einen Vorläufer des modernen Tennis spielten.“ Der Museumsleiter glaubt an die Qualität des Muse­ ums und der 30.000 Exponate: „Vor gut 20 Jahren sollte das Saarland für Natur- und Wandertourismus erschlossen

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Museumsdirektor Simon Matzerath, 2019, Foto: Oliver Dietze


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Ausstellung verlängert bis 16. Januar 2021 Winterpause vom 20. Dezember 2020 bis 6. Januar 2021


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S a bi ne H e r t i g e r we it e r t de n B e g r i f f de r C ol l a g e

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Wild wütende Landschaften

Die Basler Künstlerin Sabine Hertig komponiert aus gefundenem Bildmaterial Bilder, die wie vibrierende Netzwerke aus Motiven und Informationen wirken.


Sabine Hertig, „Landscape 11“, 2013–2015, 320 x 360 cm, Öl und Collage auf Leinwand, Ausstellungsansicht Kunstzeughaus Rapperswil, Courtesy: die Künstlerin und STAMPA Basel


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linke Seite: Sabine Hertig, „Landscape 11“ (Detail), 2013–2015, 320 x 360 cm, Öl und Collage auf Leinwand, Courtesy: die Künstlerin und STAMPA Basel

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Es gibt diese Begriffe, die plötzlich auftauchen, ein Zeit­ phänomen erfassen und auf einmal in aller Munde sind. „Bilderflut“ ist so ein Begriff. Ein Wort, das schlank und ein­ prägsam die nicht zu beziffernde Menge an visuellen Reizen und Informationen benennt, die uns alltäglich aus Medien, Werbung, Social Media entgegenströmt. Ein viel gehörtes Wort, das langsam schon an Kraft verliert. Vor Sabine Hertigs Arbeiten indes drängt es sich auf dieses Wort. „Bilderf lut“. Vor den großformatigen „Land­ scapes“ vor allem. Wie sonst wollte man sie benennen, diese gigantischen Collagen, auf denen sich Hunderte von Bildern und Bildfetzen zu gigantischen Landschaften zusammen­ fügen? Eigentlich scheint es sogar, als lüde sich der schon ein wenig welk gewordene Begriff „Bilderflut“ in Sabine Hertigs Arbeiten noch einmal auf mit einer ganz neuen Kraft und ­Intensität. Vor ihren weiten „Landscapes“ ist es, als wälzten und wogten, kippten und kollerten, stürzten und schwappten die zahlreichen Bilder, aus denen die Basler Künstlerin ihre Landschaften gestaltet, aus dem Bild heraus, auf den Be­ trachter, die Betrachterin zu und rissen ihn oder sie mit in einer wild wütenden Woge aus Beinen und Busen, aus Schmerz, Schönheit, aus Altären und angeschnittenen ­Gesichtern, aus Fischen, Lippen, Fingern, Muskeln, aus News, Nebel und Nacktheit. Zum Beispiel „Landscape 14“: Das über viereinhalb Meter breite dreiteilige Tableau evoziert eine tiefe Schlucht. Steile Felshänge, gewaltige Bäume, ragende Hochhäuser: Die Landschaft, die Sabine Hertig hier ausbreitet, bietet viele ­L esarten. Eindeutig angelegt ist eine Art Fluss, der von links oben in das Bild hinein, durch das Bild hindurch, auf den Be­ trachter, die Betrachterin zuströmt. Es ist ein Strom, auf dem Flöße, Menschen, Seerosen zu sehen sind, der also auch in sei­ nen einzelnen Bildfacetten Wasserwelten zeigt. Das ist nicht ­i mmer der Fall in Sabine Hertigs Collagen. Die Strukturen, die den Wasserlauf umgeben, lassen sich aus der Distanz als ­Felsen und Wald oder sogar als urbaner Raum lesen – aus der Nähe aber bestehen sie aus unterschiedlichsten, thematisch nicht eindeutig zuzuordnenden Motiven. Es gibt Versatz­ stücke aus Architektur, von Textilem, Natur. Körper vor allem. Und es gibt Bildfetzen ohne klar erkenn- oder benennbare Motive, die einfach nur unterschiedliche Grauwerte zeigen.


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Sabine Hertig, „Landscape 14“ (Detail), 2017–2018, 300 x 465 cm, Analoge Collage auf Leinwand, Courtesy: die Künstlerin und STAMPA Basel

B I L DAU S S C H N I T T E W E R D E N P I N S E L S T R I C H E

Es gibt die Collage, bei der ein gefundenes Bild wie ein Zitat verwendet wird. Und es gibt die Collage, die verschiedene Motive miteinander in Beziehung setzt und so eine Aussage erschafft. Die Basler Künstlerin Sabine Hertig geht einen drit­ ten Weg: Sie male mit den Mitteln der Collage, sagt sie selbst. Sie komponiert ihre Werke mit Bildern aus Zeitungen, Zeit­ schriften, Büchern. Mit schwarz-weißen Ausschnitten, die sie nach Helligkeitswerten sortiert und anordnet. Die Bilder und Schnipsel werden zu dicken Pinsel­ strichen, die sich zu einem Bildzusammenhang fügen. Zu einem Fluss in steilem Gelände zum Beispiel, wie in „Landscape 14“. Doch es sind Pinselstriche, dicke Tupfen in

­d iversen Schattierungen von Grau, die nicht nur Farbe und Lichtwerte transportieren, sondern jeweils auch eigene Infor­ mationen. Mal klar, mal nur angedeutet. Sabine Hertigs Bilder sind eigentlich Metabilder, zusammengesetzt aus zahl­reichen Bildern und Informationen. Auf vielen Ebenen miteinander vernetzt, immer wieder rück- und vorverweisend auf die nächste Bild- und Informationsebene, bilden die Bestandteile ihrer „Landscapes“ ein dichtes Netzwerk aus News und Kunstgeschichte, aus Körpern und Räumen, aus Ideen und Emotionen. Ein Bildernetz, das in tief wurzelnder, umwäl­ zender und unaufhörlicher Bewegung scheint. Nicht nur der Wasserlauf mit seinen Flößern und Seerosen in „Landscape


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14“ scheint auf die Betrachter zuzustürzen, sondern die ge­ samte Landschaft. Das ganze Bild wirkt wie ein gewaltiger Strudel aus Motiven, Stimmen, Informationen, die gewaltig aus dem Bildraum heraus drängen, st ürzen, ­f luten. Bilderflut.

In eindrücklicher Art und Weise zeigt der Film, was sonst immer verborgen bleibt: die stille, einsame Arbeit der ­Künstlerin in ihrem Atelier. Das Beste, was ein Film über die Entstehung von Kunst machen kann, ist, einen Raum zum Denken und zur Ref lexion zu schaffen, ohne provozierendes und affektiertes Gehabe.

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Tref f pu n


k t Ba sel Auf einer Reise mit dem Zug ins Tessin statten wir zu Beginn der attraktiven Kunst- und Kulturmetropole Basel einen Besuch ab. Hier interessiert uns besonders das durch das Architekturbüro Herzog & de Meuron einfühlsam erweiterte und frisch renovierte „Stadtcasino“ mit einem der besten Konzertsäle der Welt.

linke Seite: Korridorbereich, Foto: © Ruedi Walti / unten: Musiksaal, Foto: Roman Weyeneth, © Stadtcasino Basel

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Das neue Stadtcasino: Glanzstück der Baseler Kulturmeile

1876 ist für Basels Musikszene ein wichtiges Jahr. An einem der ältesten Plätze der Stadt, am Barfüsserplatz, an dem einst die Franziskanermönche – im deutschen Sprachraum wegen ihres Armutsgelübdes auch „Barfüßer“ genannt – ihre Klos­ teranlage errichteten, ließen Basler Bürger in jenem Jahr ein Konzerthaus im Stadtcasino vom Schweizer Architekten Jo­ hann Jakob Stehlin errichten. Das neoklassizistische Gebäude gilt als ein akustisch herausragendes Juwel, das vergleichbaren Musiksälen ­jener Zeit, etwa der Tonhalle Zürich, der Laeiszhalle in ­H amburg oder dem Wiener Musikverein, Konkurrenz macht. Diverse Umbauten über Jahrzehnte veränderten das Saalinnere, die Akustik blieb zum Glück unverändert gut. Geschichte schrieb der große Musiksaal, als zwischen 1897 und 1905 hier die ersten Zionistenkongresse stattfanden. Und es ist wohl kaum vermessen zu sagen, dass im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe die Zukunft des modernen Staates Israel konkrete Formen annahm. Nun ist dieser Konzertsaal seit wenigen Wochen ­w ieder in musikalischem Betrieb: In neuem Glanz erfüllt er alle Ansprüche – vom Denkmalschutz angefangen bis hin zu einer räumlichen Erweiterung und kompromisslosen Akus­ tik. Vorausgegangen war ein Zeitraum von 20 Jahren, in denen umfassende Diskussionen geführt wurden, sich Wettbewer­ be und Umbaupläne abwechselten, bis das Basler Stimmvolk schließlich die Pläne, die das Büro der britisch-irakischen ­A rchitektin Zaha Hadid vorgelegt hatte, 2007 ablehnte. Nachdem das Architekturbüro Herzog & de Meuron 2012 mit einer städtebaulichen Studie beauftragt wurde und einen Entwurf für die Erweiterung des Stadtcasino Ba­ sel vorgelegt hatte, konnte auch dank des Engagements und der viel gerühmten privaten Förderung von Basler Mäze­ nen die neue Spielzeit Ende August eröffnet werden. Im Ergebnis muss man Herzog & de Meuron ein ­K ompliment aussprechen, denn sie haben einen dem Ort ­a ngepassten, unaufdringlichen Anbau kreiert, der sehr ein­ fühlsam auf den direkten Umraum reagiert. Die Frontseite der baulichen Erweiterung sowie die Seitenwände, die an den großen Konzertsaal reichen, wurden bis ins Detail aus Holz nachgebaut und gleichfarbig gestrichen. Es entstand somit ein großer einheitlicher Korpus, nur bei ­genauem Hinschauen ist der Berührungspunkt von Alt und Neu als Versatzlinie zu sehen. Die Verdopplung der Fassade wirkt darüber hinaus wie ein Zaubertrick, das Original erscheint nun als Innenwand zum Foyer und die aus Holz gebaute Replik als Außenwand zum Platz.

Das Foyer ist ein innenarchitektonisches und skulpturales Fest für die Augen. Die einzelnen Bauelemente, die spar­ same Möblierung, Blickachsen und Durchlässe machen das stockwerkübergreifende Vestibül zu einem großzügigen und atmenden Ort. Doch viele Objekte und Details spielen gleichzeitig auf eine opulente künstlerische Ästhetik an: das linsenförmige Parkettmuster, das eine Entsprechung in fenster­artigen metallenen Innendurchlässen findet, die sam­ tenen Ottomanen und runden Sitzmöbel im Obergeschoss, die Replik eines gigantischen Lüsters, die verzierte Brokat­ gewebe-Tapete in warmem Rot und die jeweils individuell gedrechselten Holzgeländer und Stehtischbeine sowie die als Stickerei gefertigten Beschriftungen und Wegführungen. Vollst ändig neu hinzugekommen sind das Un­ tergeschoss und verschiedene Technikräume, eine die Ingenieurskunst fordernde Leistung. Die öffentlichen ­B ereiche sind für das Publikum ebenfalls ein intensiver ­auratischer Genuss. Diese suggerieren eher Grandhotel-­ Ambiente als Konzerthausgarderobe. Stadträumlich immens aufwertend ist, dass der Bar­ füsserplatz nun wie eine Art Vorgarten, wie ein sich öffnender realer Bühnenraum genutzt werden kann, mit direkten ­Zugängen zum Historischen Museum. Neu entstanden ist eine Gasse entlang der ebenso neuen Konzerthausfassade, die zum Literaturhaus Basel und zur Bibliothek des Historischen ­Museums führt. Das Historische Museum Basel in der Barfüsserkirche präsentiert historische Objekte, ausgewählte Themen zur ­Geschichte Basels von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart und verteilt sich auf gleich drei Häuser an drei verschiedenen Orten. Es ist das bedeutendste kulturhistorische Museum der gesamten Region. Seit 126 Jahren ist der Hauptteil der Sammlung, ­insbesondere die kirchlichen Kunstwerke, in der Barfüsser­ kirche beheimatet. Der bedeutsame „Basler Totentanz“, ein Memento-­Mori-Bild aus dem Spätmittelalter ist dort ebenso zu finden wie der Basler Münsterschatz. Als Schatz ist auch ­jener Anteil bezeichnet worden, den die Basler Eidgenossen nach den Schlachten von Grandson, Murten und Lothringen, Ende des 15. Jahrhunderts aus den Lagern des Herzogs von Burgund und den Niederlanden, Charles I er le Téméraire, ­erhalten haben. Bei den als „Burgunderbeute“ benannten ­Objekten handelt es sich überwiegend um Waffen. Darüber hinaus zählen historische Artefakte der Gold- und Sil­ berschmiedekunst , der Stoff- und Tuchweberei, der Büchsenmacherei, Prägekunst, des Schmuckhandwerks und


Foyer Stadtcasino Basel, Foto: © Ruedi Walti

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Außenansicht, Foto: Roman Weyeneth, © Stadtcasino Basel

andere Kleinodien zum Höhepunkt der Sammlung.Das Haus zum Kirschgarten wurde im späten 18. Jahrhundert für einen Seidenbandfabrikanten erbaut und dient heute als Wohnmu­ seum des Historischen Museums Basel. Das Musikmuseum gehört ebenso dazu: In ihm w ­ erden rund 650 europäische ­Instrumente aus fünf Jahrhunderten präsentiert. Im etwas weiteren Umkreis vom Barfüsserplatz lie­ gen das Museum der Kulturen, das Kunstmuseum und das ­C artoonmuseum Basel. Der spätgotische Altbau in der St. Alban-Vorstadt, der als Cartoonmuseum durch die Archi­ tekten Herzog & de Meuron sanft renoviert und um einen rückwärtigen Anbau aus Glas und Beton ergänzt wurde, ­beherbergt gezeichnete Geschichten mit rund 10.000 Origi­ nalwerken von nationalen und internationalen Künstlern. Die Besonderheit des Programms liegt nicht allein in der Do­ kumentation, Bewahrung und kuratierten Ausstellung von Werken aus der eigenen Sammlung sowie aus Fremdbestän­ den, sondern es beleuchtet Entstehungsprozesse, schaut den kreativen Zeichnern quasi über die Schultern und präsentiert regelmäßig unterschiedliche Stile und Traditionen sowie ­diverse Themen, angefangen bei düsteren Zukunftsaussich­ ten bis hin zu s­ atirischen Alltagsszenen. Das zeigt sich auch in den Vermittlungsprogrammen für Schulen und Universi­ täten, die das Cartoonmuseum anbietet.

Die Präsenzbibliothek ist mit zahllosen Standardwerken zu Themen bestückt, die von der Karikatur über Zeichnungen, Cartoons und Comics bis hin zu Monografien, Ausstellungs­ katalogen und Zeitschriften reichen. Egal ob Cartoon, Comic, Manga, Karikatur, Graphic Novel oder Zeichentrick: Die Nähe zum echten Leben, zu Charakteren und Situationen, zur Gesellschaft und politi­ schen Wirklichkeit erscheint manchmal deutlicher und kommunikativer als im realistischen Alltag selbst. Eröffnet 1966 war das Jüdische Museum der Schweiz das erste Museum seiner Art im deutschsprachigen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg, das die Jahrhunderte der jüdi­ schen Kulturgeschichte dokumentiert und aufarbeitet. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart wird die Geschichte des Ober­ rheins aus jüdischer Sicht erzählt. Als historisch einzigartig gelten die monumentalen mittelalterlichen Grabsteine und die Basler hebräischen Drucke.


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Hier schließt sich der Kreis zum großen Saal des Stadtcasinos, weisen doch die Dokumente zu den sieben Basler Zionisten­ kongressen sowie Originalbriefe des Publizisten und Autors Theodor Herzl, des Vordenkers eines jüdischen Staates, Basel als eine Stadt aus, die frühzeitig eine nachhaltige Weltpolitik betrieben hat. Regelmäßige Lesungen, Synagogenführungen und Wechselausstellungen in Räumen des Museums und der ­Galerie sorgen auch eine Straße weiter für die Verbreitung jü­ discher Themen. „CHAI − . Oder wenn Grabsteine vom Leben erzählen“ heißt etwa eine Ausstellung mit Skulpturen

des Künstlers Fabio Luks. Im Museumsinnenhof treten seine Werke mit den mittelalterlichen Grabsteinen in einen Dialog, stellen Fragen nach der Bedeutung des Lebens und des Todes im Judentum. Bis Ende Dezember läuft in der Galerie noch die Ausstellung „Pässe, Profiteure, Polizei. Ein Schweizer Kriegs­ geheimnis“. Die Schau erzählt von einem schweizweiten Helfernetzwerk, das Tausenden von Juden für die Flucht aus Deutschland und den besetzten Ländern lateinamerikanische Pässe vermittelte. CL AUS FRIEDE

www. basel. com

Innenansicht/Schiff der Barfüsserkirche, Foto: © Historisches Museum Basel


52 D ie G a le r ie n von B a r t h a u nd S t a mp a

Basel für Sammler Viel L e ide n schaf t und e in lange r Ate m gehöre n f ür die B a sle r Gale r ie n von B ar tha und Stampa zum Er folgsre ze pt . B e ide blicke n auf 50 Jahre Gale r ie tät igke it zur ück.

K U N S T H I N T E R Z A P F S ÄU L E N

Vor einer ehemaligen Garage am Kannenfeldplatz stehen noch heute zwei Zapfsäulen: das Aushängeschild der Galerie von Bartha. Seit 2008 bespielt Stefan von Bartha die einstige Werkstatt mit zeitgenössischer Kunst und führt damit den Kunsthandel der von Barthas in zweiter Generation. Denn die Geschichte der Galerie und ihre Aktivitäten reichen wesent­ lich weiter zurück in die Vergangenheit und sie begrenzen sich auch geografisch nicht auf den Basler Norden. Gegründet wurde die Galerie von Bartha 1970 von Margareta und Miklos von Bartha. Die beiden besuchten die Grafikfachklasse in Basel und suchten nach einem Betäti­ gungsfeld, das es ihnen erlauben würde, ihr Interesse an zeitgenössischer Kunst auszuleben. Ein Freund der Familie, der Kunstsammler und Psychoanalytiker Carl Laszlo, regte die jungen von Barthas dazu an, eine Galerie zu gründen. Die ersten fünf Jahre hieß die Galerie „Minimax“. Ein Name, der

ganz dem damaligen Zeitgeist entsprach − auch andere Unter­ nehmen firmierten unter „Minimax“. Das Galeristenpaar entschied deshalb, seine Geschäfte fortan unter dem eigenen Namen zu tätigen. Eine Entscheidung, die zum Programm passt. Der ­eigene biografische Hintergrund des schwedisch-ungari­ schen Paares floss auch in die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler ein. Die Galerie von Bartha brachte die ungarische und argenti­nische Avantgarde nach Basel. Und sie vertrat und vertritt bis heute internationale Positionen moderner und zeitgenös­sischer Kunst wie Imi Knoebel, Superf lex, Terry Haggerty, John Wood & Paul Harrison und Felipe Mujica. ­Neben der ­Garage am Kannenfeldplatz unterhält von Bartha ferner eine zum Präsentationsraum umgebaute Scheune in S-chanf im Kanton Graubünden. Bei der Art Basel waren die von Barthas von Anfang an dabei. Auch das hängt mit dem ­bereits erwähnten Freund der Familie Carl Laszlo zusammen: In seinem Wohnzimmer wurde einst die Gründung dieser weltweit r­ enommierten Kunstmesse ersonnen.

Stefan von Bartha,

Miklos von Bartha,

Margareta von Bartha,

Foto: Simon Schwyzer

Foto: Stefan Holenstein

Foto: Stefan Holenstein


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Diego und Gilli Stampa, Foto: © Stampa

Ein persönlicher Zugang zur Kunst und ein langer Atem prä­ gen auch die Galerie Stampa in der Basler Altstadt. Zu ihr gehörte von Beginn an eine Buchhandlung, in deren Sorti­ ment Bücher zu Kunst, Design, Fotografie ebenso ihren Platz haben wie Künstlerpublikationen, Videos und Editionen. Für das Galeristenpaar Gilli und Diego Stampa ist diese Buch­ handlung nicht nur ein attraktiver Zusatz zum Kunsthandel, sondern ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Die beiden fühlen sich einem Berufsbild des Galeristen verbunden, das sich nicht nur auf den Handel mit Kunstwerken beschränkt. Der intensive Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern ebenso wie mit Kunstinteressierten, Sammlern, Intellek­ tuellen – all das gehört für die Stampas unbedingt dazu. Buchvernissagen und Performances sind genauso Teil des Veranstaltungsprogramms wie Ausstellungseröffnungen. Auch moderne Musik findet bei Stampas Gehör: Seit 2009 ­a rbeitet die Galerie mit „Plattfon“ zusammen, einem inter­ national renommierten Plattenladen und Veranstaltungsort für zeitgenössische Musik in Basel.

Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können. Diego und Gilli Stampa begannen ihren beruf lichen Lebensweg einst in der Forschung: Chemie und Mikrobiologie. Er interes­ sierte sich von früher Jugend an für Weltraumforschung und war Mitglied der schweizerischen Weltraumvereinigung. Sie war im Ballett aktiv. Doch die Faszination für die Kunst war stärker: 1969 gründeten die beiden die Galerie Stampa. Auch ihre Galerie war seit den ersten Tagen bei der Art Basel dabei und zum Programm gehören noch heute zeit­ genössische Kunstschaffende aus der Schweiz sowie weltweit. Vito Acconci, Miriam Cahn, Marlene Dumas, Valie Export, ­P ipilotti Rist, Roman Signer, Rosemarie Trockel und andere sind Teil ihrer Ausstellungsgeschichte. Zum aktuellen Pro­ gramm ­gehören jüngere Künstler*innen wie Sabine Hertig, Katja Aufleger, Véronique Arnold oder Jonas Burkhalter. Für ihr weitreichendes und spartenübergreifendes Engagement ­w urde die Galerie Stampa 2006 mit dem Kulturpreis der Stadt Basel ausgezeichnet. ALICE HENKES

www.vonbar tha. com www. stampa-galer ie. ch

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G A L E R I E U N D B U C H H A N D E L I N D E R A LT S TA D T


AUSFAHRT TESSIN


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www. t ic ino. ch

Vincenzo Vicari, Lieferwagen der Glacefabrik Luganella, 1960, Farbfotografie, Archivio storico della Città di Lugano

Im MASI Palazzo Reali, Lugano, ist bis 10. Januar 2021 eine monografische Ausstellung mit Arbeiten des Tessiner Fotografen Vincenzo Vicari zu sehen, welcher von 1936 bis 1987 in Lugano tätig war. Der chronologisch gegliederte Rundgang zeigt eine Auswahl von über 100 Schwarz-Weiß- und Farbaufnahmen aus dem Nachlass. Seine Motive dokumentieren eindrücklich die Veränderung des Tessins und seiner Bewohner von der ländlich geprägten Welt der unmittelbaren Nachkriegszeit bis hin zum urbanen Tessin der 1980er-Jahre.

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Die Tessiner Kantonshauptstadt Bellinzona ist der erste Halt des Basel-Tessin-Diretto nach dem Gotthard auf einer Fahrt in den Süden. Bellenz, wie das Städtchen auch genannt wird, ist inzwischen von der deutschen Schweiz, von Zürich und Basel aus rasch zu erreichen. Die Geschwindigkeit hat aller­ dings ihren Preis: Statt sich auf der alten Bergstrecke über Kehrtunnel, architektonische Meisterleistungen des Eisen­ bahnbaus im 19. Jahrhundert, erst in die Höhe und dann wieder hinunterzuschrauben, ­r asen die Züge in 20 Minuten durch den 57 Kilometer langen Gotthard-Tunnel. Rasant geht es in diesem Dezember weiter: Der Ceneri-Basistunnel mit ­einer Länge von 15, 4 Kilometern schafft eine Direktverbin­ dung zwischen dem nördlichen und südlichen Kantonsteil. Lugano–Bellinzona−Locarno bilden künftig eine Art Agglo­ merationsdreieck, mit Anschluss an den Südzipfel Mendrisio bis zur Landesgrenze in Chiasso.


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Bellinzona, Lugano, Mendrisio: Kunst im südlichen Dreieck

I m Te s s i n ve r bi nde t de r ne ue C e ne r i- B a s i st u n nel a b D e z e mb e r 2 0 2 0 de n nör d l ic he n m it de m s ü d l ic he n K a nt on st e i l . D a s b e s c h le u n i g t auc h e i ne K u n st r e i s e vom Nor de n i n de n S ü de n .

Die Burg von Sassa Corbaro, erbaut 1479 von Benedetto Ferrini, Foto: © Bellinzonese e Alto Ticino Turismo


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Bellin zona bezeichnet sich seit der E röf f nu ng des Hesse ­k amen hier zusammen. Später kaufte der deutsch-­ ­Gotthard-Basistunnels im Jahr 2016, des längsten Eisenbahn­ schweizerische Bankier und Kunstsammler Baron Eduard tunnels der Welt, als „Tor zum Süden“. Bellinzona ist folglich von der Heydt den Hügel von Ascona und ließ 1928 ein Hotel der erste Halt auf unserer Bahnreise zur Kunst von Basel ins im Bauhaus-Stil errichten, das nach umfassender Renovie­ Tessin. Nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt führt rung nun in neuer Frische ­erstrahlt und dem Verband „Swiss neben der architektonisch umstrittenen Piazza del Sole Historic Hotels“ gehört. Übernachten in einem Bauhaus-­ ­(Architekt Livio Vacchini) ein in den Fels eingelassener Lift in Hotel? In Ascona ist es möglich. die Höhe zum Castelgrande, der größten der drei Burganlagen Ein über den Hügel verteilter Museumskomplex er­ Bellinzonas, die seit genau 20 Jahren Weltkulturerbe der zählt darüber hinaus die faszinierende Geschichte des Monte ­U NESCO sind. „Die Wehranlagen gehören zu den bedeu­ Verità. Eine zentrale Rolle kommt dabei der Dauerausstellung tendsten Zeugen der mittelalterlichen Befestigungsbaukunst „Monte Verità: Die Brüste der Wahrheit“ in der restaurierten in der Schweiz“, lautete die Begründung zur Aufnahme in Casa Anatta zu, die der legendäre Ausstellungsmacher Harald ­d iese prestigereiche Liste. Allerdings sind die Burgen nicht Szeemann im Jahr 1978 als Wanderschau konzipiert hatte. nur historische Zeugnisse aus dem 13. Jahrhundert, sondern ­E rzählt wird die utopische Geschichte des Monte Verità und fest in das Kulturleben der Stadt integriert. Hier finden Kon­ seiner Umgebung seit dem 19. Jahrhundert. Von November gresse, Ausstellungen und sogar Open-­Air-Veranstaltungen bis März hat die Casa Anatta leider geschlossen, aber ganz­ statt. Das Castelgrande wurde in den 1990er-Jahren vom jährig kann man auf dem Hügel spazieren gehen und sogar ­bekannten Architekten Aurelio Galfetti sorgfältig und ein­ noch Sportgeräte entdecken, an denen sich die Monte-Veri­ fühlsam restauriert. tàner einst körperlich ertüchtigten. Ebenfalls möglich ist im Von Bellinzona führt ein Abstecher in 30 Minuten Winter – aber nur samstags und sonntags − eine Einkehr in das S-Bahn-Fahrt nach Locarno und per Bus weiter zum Monte Teehaus („Casa del Tè“), in dem Zeremonien mit Tees aus Verità nach Ascona. Eine alternative und vegetarische Ge­ ­eigener Produktion angeboten werden. Die kleine Teeplan­ meinschaft lebte hier im frühen 20. Jahrhundert − heute tage auf dem Monte Verità geht auf das Jahr 2005 zurück und würde man von „Aussteigern“ sprechen. Ihr Lebensprojekt verdankt sich dem Pioniergeist des Heilpf lanzenexperten strahlte nach ganz Europa aus. Künstler, Anarchisten, Philo­ ­Peter Oppliger. sophen und Denker, aber auch illustre Gäste wie Hermann


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Unsere Reise durch das südliche Tessin führt weiter nach ­Lugano. Dank des neuen Ceneri-Basistunnels können wir das Wirtschafts- und Finanzzentrum des Kantons von Locarno aus umsteigefrei in 30 Minuten erreichen (ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020). Vom Bahnhof geht es mit der Drahtseilbahn oder zu Fuß hinab ins Stadt­ zentrum und w ­ eiter durch die Luxusmeile Via Nassa ins nahe gelegene LAC. Das 2015 eröffnete und vom Architekten Ivano Gianola ­entworfene Kulturzentrum (Lugano Arte e Cultura) be­herbergt das Kunstmuseum der italienischen Schweiz (MASI), das in diesem Winter in Zusammenarbeit mit dem Kesselhaus ­J osephsohn in St. Gallen eine Hom­ mage zum 100. Geburtstag des Bildhauers Hans Josephsohn präsentiert – eine Aus­stellung mit bewusst provisorischem Charakter und ohne Anspruch auf retrospektive Voll­stän­ digkeit (bis 21. Februar 2021). Im Tessin ist Josephsohn kein Unbekannter. In Giornico im Leventinatal steht seit 1992 „La Congiunta“, ein futuristischer Museumsbau mit rund 30 Plas­ tiken von Hans Josephsohn.

Das MASI verfügt seit diesem Mai mit dem Palazzo R ­ eali über einen zweiten Standort im Zentrum von Lugano. Drei Jahre lang war dieser Gebäudekomplex aus dem 15.Jahrhundert ­restauriert worden. Passend zum Konzept widmet sich nun eine der ersten Ausstellungen dem Luganeser Fotografen ­Vin­cenzo Vicari (1911−2007), der mit seinen B ­ ildern die Trans­ formation des Tessins von einer ländlich g­ eprägten R ­ egion der Nachkriegszeit in eine urbane Gesellschaft eindrücklich ­dokumentierte. Gezeigt wird eine Auswahl von 100 SchwarzWeiß- und Farbaufnahmen (­ „Vincenzo Vicari: Das Tessin im Wandel der Zeit“, bis 10. Januar 2021).


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Das Gipfelgebäude „Fiore di pietra“ von Mario Botta,

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Fotos: @ Monte Generoso


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Transparente und Prozessionen während der Karwoche in Mendrisio, 2019, Foto: © Mendrisiotto Turismo, Luca Crivelli

Weiter im Süden gelangen wir in den Bezirkshauptort Mendrisio, der 2019 international Aufmerksamkeit erlangte, weil die dortigen Karwoche-Prozessionen in die UNESCO-­ Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurden. Während der traditionellen Prozes­ sionen – 2020 wurden sie wegen des Coronavirus leider abgesagt − werden die Lichter in der Stadt gelöscht und die Straßen sind nur durch das Leuchten der „Trasparenti“ erhellt. Diese von innen illuminierten und durchscheinenden Ge­ mälde werden seit dem 18. Jahrhundert in einer speziellen Technik hergestellt und sind eine Besonderheit der Prozes­ sionen. Im Museum für „Trasparenti“ in der Casa Croci von Mendrisio können besonders schöne Exemplare dieser Later­ nen ganzjährig angeschaut werden (Do + Sa 14−18 Uhr). Im Stadtteil Rancate von Mendrisio stoßen wir ­h in­g egen auf die kantonale Pinakothek Züst, ein echtes ­K ompetenzzentrum für Kunstwerke von Tessiner und

lombardischen Malern. Diese Pinakothek überrascht immer wieder mit originellen Sonderausstellungen, etwa zu Themen wie „Mitgift“ oder „Lesen“ in der Kunst des 19. Jahrhunderts, dem Thema „Pferd“ in der Kunstgeschichte oder Präsenta­ tionen außergewöhnlicher Sammlungen, beispielsweise von Spazierstöcken. Der bekannteste, aber auch umstrittenste ­italienische Kunstkritiker Vittorio Sgarbi macht keinen ­Tessin-Besuch, ohne sich in die Pinakothek Züst zu begeben. Unweit von Rancate erreicht man das malerische Dorf Meride, ein idealer Ausgangspunkt für die Erkundung des Monte San Giorgio, der wegen seiner Fossilien seit 2003 zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Die hier gefundenen Ver­ steinerungen von Fischen sowie wirbellosen Tieren wie Insekten und Reptilien gelten weltweit als einzigartig. Doch für Besucher dieser Welterbestätte gab es lange nichts zu ­sehen außer einen veralteten Ausstellungsraum von 45 Qua­ dratmetern im Gemeindehaus von Meride. Erst seit dem


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Umbau des Nebengebäudes durch den international bekann­ ten Architekten Mario Botta erhielt die Weltnaturerbestätte im Südtessin ein adäquates Besucher- und Ausstellungs­ zentrum mit 200 Exponaten. 2012 wurde es eröffnet und seither sind auf vier Stockwerken 200 Millionen Jahre Erd­ geschichte zu bestaunen. Während Mario Botta in Meride eine Architektur ver­ wirklichte, die von innen erkundet sein will, hat er auf der gegenüberliegenden Seeseite, etwas unterhalb des Gipfels des Monte Generoso, auf 1.700 Metern über dem Meer eine echte „Landmarke“ geschaffen – ein von Weitem sichtbares Wahr­ zeichen. Es handelt sich um ein mehrstöckiges Restaurant neben der Bergstation der Monte-Generoso-Zahnradbahn, das 2017 nach mehrjähriger Bauzeit seine Pforten öffnete und inzwischen zu einem Anziehungspunkt über die Region des Mendrisiotto hinaus geworden ist.

Botta hat ein achteckiges Gebäude mit einzelnen „Blüten­ blättern“ gebaut, das unverwechselbar seine Handschrift trägt. Aufgrund der Anordnung der einzelnen Bauelemente entsteht eine Gruppe fünfgeschossiger Türme, unten mit ­einer leichten Auskragung, die sich nach oben hin wieder schließt. Daher der Name des Gebäudes: „Steinblume“. „Ein imposantes, unverwechselbares, geometrisches Gebäude im Kontrast und gerade deswegen im Dialog mit dem organi­ schen Verlauf der hiesigen Landschaft“, sagt Botta selbst über seine „Fiore di pietra“. GERHARD LOB

www. bellin zonese-altot ic ino. ch www. luganoreg ion . com www. mendr isiot tot ur ismo. ch

Transparente und Prozessionen während der Karwoche in Mendrisio, 2006,

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Foto: © Mendrisiotto Turismo, Jacques Perler


Mercato Bellinzona, Foto: Remy Steinegger, © Ticino Turismo

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Locanda Marco

Klein, aber fein ist das Locanda Marco, das seinen Gästen vier Zimmer mit einem h e r r l i c h e n A u s b l i c k a u f d i e m i t t e l a l t e r­ lichen Burgen der Stadt bietet. kommen, denn eines der Zimmer wurde behinder tengerecht ausgestattet. In dem vollständig renovier ten historischen Geb ä u d e v e r b i n d e n s i c h Te s s i n e r H o l z , S t e i n u n d B e t o n z u e i n e m e i n l a d e n d e n Wo h l f ü h l a m b i e n t e . D e r l e i d e n s c h a f t l i c h e Ko c h Luca Merlo ist bei Feinschmeckern für ­s e i n e k r e a t i v e K ü c h e b e k a n n t , d i e v o r ­a l l e m a u f d i e Ve r w e n d u n g v o n l o k a l e n Produkten setz t. Im Locanda Marco kann man auch wunderbar Kaf feepausen und ­l e c k e r e S n a c k s g e n i e ß e n . © Osteria Sasso Corbaro

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — B E L L I N Z O N A

Auch Menschen mit Behinderung sind will-


64 Au s st el lu n g e n i n A s c on a u nd L u g a no

Tessiner Gipfel D e n i n s Te s s i n R e i s e n d e n e r w a r t e n d i e s e n W i n t e r z w e i A u s s t e l l u n g e n z u M a l e r e i u n d S k u l p t u r, d e r e n Ve r t r e t e r z u d e n f ü h r e n d e n K ü n s t l e r n i h r e r G a t t u n g zur Zeit der letzten beiden Jahrhunder t wenden gehör ten.

Marianne von Werefkin, „Selbstbildnis“, 1893, Öl auf Leinwand, 69 x 51 cm, Marianne-von-Werefkin-Bestand, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona


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Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin in Ascona Die Farbenpracht der Lebensmenschen

Alexej von Jawlensky, „Bildnis Marianne von Werefkin“, um 1906, Öl auf Karton, 67,5 x 49,5 cm, Museum Wiesbaden

nachvollziehbares Rollenverständnis. Glücklicherweise gab Werefkin ihre künstlerische Enthaltsamkeit wieder auf. Sonst hätte sie nie die Werke geschaffen, die bis heute die Betrachter in ihren Bann ziehen. Es sind Feuerwerke von Farben, die zu­ gleich die tiefen und dunklen Seiten unserer Seele erforschen. Ausstellungstechnisch geschickt werden die Bilder in Ascona auf farbintensiven Wänden gezeigt: auf Rot, Türkis und Ocker. Das verstärkt die Kontraste. „Werefkins Werke erscheinen in einem immer mehr bewusst symbolischen, lyrischen Expressionismus und wer­ den zunehmend um soziale und existenzielle Themen bereichert – ein doppelter Strang mit einer ausgeprägten ­v isionären Mystik und einer wiedergewonnenen Lust am ­E rzählen, die sich dann in Ascona in den späten Reifejahren vollenden wird“, sagt Mara Folini, Direktorin des Museums in Ascona und Kuratorin der Ausstellung. Jawlenskys Bilder wir­ ken im Vergleich zu ihren Werken immer etwas gröber und farblich weniger intensiv. Als Weref kin starb, wurde sie unter großer Anteil­ nahme der Bevölkerung nach russisch-orthodoxem Ritus beerdigt. Der großartige und reich illustrierte Katalog zur Ausstellung beinhaltet sogar eine Fotografie von diesem Er­ eignis: Am 8. Februar 1938 schritt der Trauerzug am Seeufer von Ascona in Richtung Friedhof. GERHARD LOB

Bis 10. Januar 202 1 Alexej von Jawlensk y u n d M a r i a n n e v o n We r e f k i n – L e b e n s m e n s c h e n M u s e o C o m u n a l e d ’A r t e M o d e r n a , A s c o n a i m Te s s i n www. museoascona. ch

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — A U S FA H R T T E S S I N

Das Museo Comunale d’Arte Moderna in Ascona zeigt eine eindrückliche Retrospektive, welche die wechselvolle Bezie­ hung zwischen Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin beleuchtet. Für Marianne von Weref kin ist es eine Art Heim­ spiel. Die 1860 geborene russische Künstlerin lebte ab 1919 bis zu i­ hrem Tod 1938 in Ascona im Tessin. Sie gründete hier 1922 das Gemeindemuseum für Kunst, also genau das Museum, in dem nun eine große Retrospektive zu ihrem Schaffen g­ ezeigt wird. Das Besondere: Es ist eine doppelte Werkschau, denn gleichzeitig mit ihren Bildern sind viele Bilder ihres ­l ang­j ährigen Lebensbegleiters Alexej von ­Jawlensky (1864−1941) zu sehen. Eine Art Spiegeleffekt. Mit insgesamt mehr als 100 Werken, dazu kleine Skizzenhefte, beherbergt das G ­ emeindemuseum von Ascona die dritte und letzte ­Station einer Ausstellung, die zuvor schon in zwei der wichtigsten d ­ eutschen Institutionen für expressionistische Kunst, in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in Mün­ chen und im ­Museum Wiesbaden, gezeigt wurde. Die beiden Künstler lebten annähernd 30 Jahre – von 1892 bis 1921 – zusammen an drei Orten und in drei Ländern (in Sankt Petersburg, München sowie in der Schweiz, zuletzt in Ascona). Und dies in einem hochkomplexen und span­ nungsgeladenen Verhältnis. Sie waren ein Künstlerpaar, aber nicht im klassischen Sinne. Sie waren einander Menschen fürs Leben – daher der Ausstellungstitel „Lebensmenschen“. „Ich liebe ihn von ganzem Herzen, er ist mein erster und letzter ­G edanke, er ist mein ganzes Leben“, schreibt Marianne ­Weref kin 1903 in einem Brief. In München erlebten sie die Entstehung des „Blauen Reiters“ (1910) mit und die Ent­ wicklung der revolutionär-abstrakten Kunst ihres Freundes Wassily Kandinsky. Es ist kaum voneinander abzugrenzen, zu welchem Zeitpunkt die beiden Weggefährten, Bekannte, Freunde, ­Geliebte, Partner oder Kollegen waren. Wahrscheinlich traf alles zu, bevor sie sich im Mai 1921 mit der Abreise Jawlenskys aus Ascona endgültig trennten. Er zog weiter nach Wiesbaden, zusammen mit Helene Nesnakomoff, dem Dienstmädchen Weref kins, das er heiratete. Sie war die Mutter seines 1902 ­geborenen Sohnes Andreas. Der letzte Raum des Ausstel­ lungsparcours ist just einigen Werken von Andreas Jawlensky (1902–1984) gewidmet. Jawlensky war für Weref kin über Jahre eine Projek­ tionsfigur, weil sie selbst meinte, dass eine Frau keine vollständige Künstlerin sein könne. Sie erlegte sich künst­ lerische Abstinenz auf im Glauben, dass Jawlensky ihrem Ideal Gestalt geben würde – ein aus heutiger Sicht nicht


Hans Josephsohn, Ausstellungsansicht im Kesselhaus Josephsohn, St. Gallen, Fotos: © Kesselhaus Josephsohn

Hans Josephsohn zum 100. Geburtstag im MASI Lugano „Was hat mich da bloß getrieben?“

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„Was hat mich da bloß getrieben, das zu machen. Und was treibt mich überhaupt?“ Eine Frage, die sich der 2012 in Zürich verstorbene Bildhauer Hans Josephsohn angesichts seiner ­eigenen Werke nicht selten stellte. Aber nicht nur Josephsohn

selbst, auch die Betrachter und die etablierte Kunstszene in der Schweiz standen den archaisch anmutenden Figuren und Halbfiguren des 1920 im preußischen Königsberg geborenen Künstlers zuweilen ratlos, wenn nicht gar zweifelnd gegen­ über. Was denn den jüdischen Immigranten, der 1938 nach einem Studienaufenthalt in Italien unmittelbar vor den be­ ginnenden Kriegswirren seinen Weg in die Schweiz gefunden hatte, zeit seines Lebens angetrieben hat, kann man derzeit in zahlreichen Ausstellungen anlässlich des 100. Jahrestages des großen Bildhauers hautnah erleben.

ROH E K R A F T U N D Z Ä RT L ICH E BE RÜ H RU NG

Hans Josephsohn (1920–2012) im Kesselhaus Josephsohn, St. Gallen, 2005

Nähert man sich Josephsohns nicht selten hermetisch und ­monumental anmutenden Plastiken, ist man zuweilen ver­ sucht, sogleich wieder zurückzuweichen. Denn man vermag den „Getriebenen“ nahezu physisch zu spüren. Kraftvoll, roh und zugleich konzentriert zeigt sich der Duktus; verschlossen und dicht präsentieren sich Material und Komposition. Aller übermächtigen Präsenz zum Trotz wohnt den seit den 1990er-Jahren zunehmend in die Abstraktion übergehenden


67 Figuren stets ein Moment der Zärtlichkeit inne. Und gerade dieses im Kern kontroverse Spannungsfeld, welches sich in Materialität und Ausführung manifestiert, entfaltet wohl den Diskurs hierüber, was Hans Josephsohn über all die Jahrzehn­ te angetrieben hat und was ihn das beim bekannten Schweizer Künstler Otto Müller erworbene Wissen über klassische ­B ildhauerei scheinbar vergessen ließ: In jenem Akt des ­bewussten Vergessens nämlich eröffnete sich Josephsohn den gedanklichen und skulpturalen Raum, die Frage nach dem ­eigentlich Wesentlichen im Menschen neu zu stellen. Meist frei von jeglichen individuellen Zügen offenbaren diese ­Plastiken gleichermaßen Prototypen und Archetypen des Menschen, die beständig in der fragenden und zweifelnden Schwebe z­ wischen lauter Präsenz und stillem Rückzug ins ­Innere verbleiben. Was also hat ihn, Hans Josephsohn, bloß getrieben all die Jahre? Die Suche nach diesem nahezu unmöglichen ­skulpturalen Moment, den Menschen in einem kurzen Akt schaffender Berührung zeitgleich in seiner inneren und ­äußeren Existenz, in seiner Ganzheit und in seiner Fragmen­ tierung, zu erfassen. Dass ihm dies auf seine eigene Weise tatsächlich gelungen ist, mag sich im kurzen Augenblick ­jener instinktiv auf kommenden Vorsicht zeigen, der sich ­jedes Mal einstellt, wenn man sich den Werken von Hans ­Josephsohn zu nähern versucht.

S E H E N S W E R T E AU S S T E L L U N G E N Z U M W E R K VO N H A N S J O S E P H S O H N Bis 21. Februar 2021 Ausstellung im M A SI Lugano zum 100. Gebur tstag – in Zusammenarbeit mit dem Kesselhaus Josephsohn St. Gallen www. masilugano. ch Ständige Ausstellung D a s K e s s e l h a u s J o s e p h s o h n – A u s s t e l l u n g s ra u m , Galer ie und Lager f ür den Nachlass Hans Josephsohns. E s z e i g t i n s t ä n d i g e m Wa n d e l e i n e A u s w a h l v o n G i p s m o d e l l e n u n d B ro n z e n . www. kesselhau s-josephsohn. ch F o n d a z i o n e „ L a C o n g i u n t a“ , G i o r n i c o i m Te s s i n A m N o rd e i n g a n g d e s D o r f e s G i o r n i c o , zwischen dem Fluss Ticino und der Bahnlinie, b e f i n d e t s i c h d a s M u s e o „ L a C o n g i u n t a“ , e in mode r ne r B au des A rchitek te n Pe te r Märkli von 19 9 2 . Hie r sind R elie fs und Sk ulpt ure n des Bildhaue rs H a n s J o s e p h s o h n u n t e r g e b ra c h t . D i e We r k e s i n d zwischen 1950 und 1991 entstanden. D a s g a n z e J a h r o f f e n , S c h l ü s s e l i m R e s t a u ra n t „ G i o r n i c o“ i n G i o r n i c o , T. + 4 1 9 1 8 6 4 2 2 1 5

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Farbrausch − Frenesia di Colore Eliška Bartek Die Malerin und Fotografin Eliška Bartek – sie pendelt ­zwischen Berlin-Kreuzberg und dem Tessin – gehört zu den bedeutenden Schweizer Künstlerinnen ihrer Generation. Sie arbeitet in der Fabricca Rosa, dem ehemaligen Atelier des ­g roßen verstorbenen Ausstellungsmachers und Sammlers Harald Szeemann im Schweizer Maggia. Szeemann hat von dort international agiert, und ebenso funktioniert es für die Wahlberlinerin. ARTMAPP: Deine neue Ausstellung in der ­hilleckes probst gallery in Berlin trägt den Titel „Farbrausch“. Erzählst du uns etwas über deine Beziehung zur Farbe und was für eine Bedeutung sie für dich hat? Eliška Bartek: Die Farbe in meinem Œuvre steht für meine Gefühle. Da ich ein farbiges Individuum mit mehrschich­ tigem Charakter und einigen Widersprüchen bin, fällt es mir schwer, mich in die gängigen Farbmodelle einzureihen. ­D a­gegen finde ich es herrlich, Farben wahrzunehmen, mit ­ihnen zu arbeiten, sie auf einen Malgrund zu setzen und mit­ einander in Kommunikation zu bringen. Beispielsweise in meinen v ­ ornehmlich in Gelb- und Orangetönen gehaltenen Bildern, welche den letzten Hitzesommer mit 40 Grad im Tessin ­sichtbar machen. Die Sonne brannte, die Steine glühten und dies sollen die Betrachter spüren. Während des Corona-­ Lockdowns war ich sehr traurig, schockiert und manchmal einsam. Zuerst malte ich ein schwarzes Bild, ­merkte aber den Widerstand meiner Seele. Mein Zustand ­verschlechterte sich.

Es gab erst Besserung, als ich bei den ­Spaziergängen wieder die farbigen Blumen sah, es erwachte das Gefühl, sie un­ bedingt malen zu müssen. Mein Innerstes begann wieder aufzustehen, zu l­ achen und Hoffnungen zu schöpfen. ARTMAPP: Du bist viel gereist und lässt dich jedes Mal mit allen Sinnen auf deine neue Umgebung ein, was wiederum Einfluss auf deine Kunst nimmt. Was war dein schönstes Erlebnis? EB: Ich bekam 2007 ein Stipendium in Peking bei Meister ­Benyi Dong, einem sehr angesehenen Kunstprofessor. Als Maler gehörte er zu den bekanntesten Vertretern der traditio­ nellen chinesischen Malerei. Meistens malte er nur mit drei Farben, oft jedoch nur mit schwarzer Tusche auf weißem Grund. Ich malte mit ihm auf fünf Meter langem hand­ geschöpften Papier, in den Lücken, die er bewusst frei ließ, malte ich die Farben ein. Eine gelungene künstlerische sowie chinesisch-europäische Synergie. Die Chinesen schauten da­ bei zu und klatschten vor Freude. Meister Dong war von meinen Aquarellfarben richtig angetan. Dabei hauchte ich mit meinem Gefühl für Farben nur jedem Bild das Leben ein. Die Chinesen waren begeistert, für sie war diese Art der Farb­ ergänzung wie eine neue Sicht auf das Leben. Wenn diese ganze elende Geschichte mit Corona nächstes Jahr vorbei wäre, würde ich gerne nochmals einen Besuch bei Meister Dong machen, aber vielleicht auch nicht, vor lauter Angst, dass ich mir die schönen Erinnerungen verderben könnte.

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ARTMAPP: Eine letzte Sache, die du uns mitteilen möchtest? EB: Ja, eine Feststellung von Antoni Tàpies, der anmerkte: „Der Künstler muss dem Betrachter zu verstehen geben, dass seine Welt zu eng war, und er muss ihm neue Perspektiven ­eröffnen. Erst dann vollbringt er ein authentisches humanis­ tisches Werk.“ Das kann nur heißen, Künstler sollten mit Farben, Formen und Strukturen dem Publikum helfen, die Welt auf sinnliche Art und Weise besser zu entdecken und zu erschließen. Eigentlich recht simpel, in den meisten Fällen für den Künstler dann doch recht anspruchsvoll, die Innen- und ­A ußenwelt zum sinnlichen Begreifen und zum künstle­ rischen Leuchten zu bringen. Wir Künstler arbeiten daran! BETTINA HILLECKES

7. N o v e m b e r 2 0 2 0 b i s 1 6 . J a n u a r 2 0 2 1 Eli ška Bar tek F a r b ra u s c h − F r e n e s i a d i C o l o r e HIL L ECK ES PROB S T GA L L ERY w w w . h i l l e c k e s - p ro b s t . d e

links: Eliška Bartek, „1 settembre 2018“, rechte Seite: Eliška Bartek, „1 gennaio 2017“


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Yves Netzhammer/CH, „alte Verstecke in neuen Räumen“, Installationsansicht 2013, THE VIEW Militärischer Unterstand 2013, Foto: © THE VIEW, René Schrei


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Martin Walde/A, „Hallucigenia Omen“ 2013, THE VIEW Zivilschutzkeller 2016, Foto: © THE VIEW, Luca Rüedi, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Der Kunstraum als Erlebnis Es mag ein Trend des beginnenden 21. Jahrhunderts gewesen sein, dass sich private Sammler und Mäzene vermehrt um die Kunst gesorgt und der existenziellen Bedrohung öffentlicher Ausstellungsinstitute ihr privates Engagement zur Seite ­gestellt haben. Mit THE VIEW Contemporary Art Space hat das Schweizer Bodenseeufer im Jahr 2010 durch die Initiative von Dierk Maass und Antoinette Airoldi eine besondere

Bereicherung erfahren. Eine Dekade nach der Eröffnung die­ ser außergewöhnlichen Plattform für zeitgenössische Kunst sei hier ein Erfahrungsbericht, ein Rück- und Ausblick erlaubt, der in diesen Zeiten einer viralen Pandemie, ihren Unwäg­ barkeiten und noch nicht abzusehenden Auswirkung auf den Kulturbetrieb, ein kurzes Innehalten erfordert.

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1 0 J a h r e T H E V I E W C ont e mp or a r y A r t S p ac e


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Sommerer & Mignonneau/A, „Interactive Plant Growing“ 1992,

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THE VIEW Wasserreservoir 2012, Foto: © THE VIEW, René Schrei

Am Ende einer Sackgasse, hoch über dem Dorf Berlingen, führen ein paar Meter Aufstieg über einen Kiesweg durch den Wald zu einem unterirdischen Ausstellungshaus, das einzigartig im gesamten Bodenseeraum ist. Durch sensible Umbaumaßna hmen und A npassungen a n die E rfor­ dernisse einer multimedialen Präsentationstechnik zeigt sich das historische Wasserreservoir, 1900 aus massivem ­Sickerbeton errichtet, verwandelt in einen eindrucksvollen Ort für raumgreifende Installationen. Einen Steinwurf ent­ fernt befindet sich als weiterer Kunstort unter Tage ein in den Felsen geschlagener militärischer Unterstand, der im Zweiten Weltkrieg als Munitionsdepot gedient hat. Wer den gut versteckten Eingang findet und sich in die höhlen­ artigen Räumlichkeiten, in denen es bisweilen von der Decke tropft, hineintraut, wird mit einem Erlebnis der be­ sonderen Art belohnt. Und nur fünf Autominuten von hier


Teresa Diehl/USA, „El Nido“, Installationsansicht 2016, THE VIEW Wasserreservoir 2017, Foto: © THE VIEW, Luca Rüedi

entfernt, in Salenstein, vervollkommnet ein Zivilschutz­ bunker der 1980er-Jahre mit seiner klaren reduzierten Architektur die Faszination der Kunstbetrachtung an unge­ wöhnlichen Orten. Alternativ zu herkömmlichen Museen und Galerien, die in starrer Funktion die Artefakte der Vergangenheit ­bewahren oder den White Cube als entrückten Kunsttempel zele­brieren, ist THE VIEW Contemporary Art Space als eine neue Institution in Erscheinung getreten, die den Ausstel­ lungsort als Erlebnis inszeniert und die Typologie von Kunsträumen erweitert. Wasserreservoir, militärischer

­ nterstand und Zivilschutzbunker sind keine White Cubes, U sondern Dark Rooms: unterirdisch gelegene Funktions­ gebäude in Umnutzung mit charaktervollen Räumlichkeiten ohne Tageslicht. Die soziokulturelle Geschichte, die sie ­atmen, verändert sowohl die Wahrnehmung auf die Realität der Kunst als auch auf die Wirklichkeit der Orte selbst. Diese besitzen eine Einmaligkeit, die während der vergangenen zehn Jahre im künstlerischen Dialog aufgenommen, konter­ kariert, verschoben, vertieft, angereichert und mit Spannung erfüllt worden ist.


Für die drei unterirdisch angelegten Ausstellungsräume, die mit ihrer nüchternen Architektur, dem archaischen Charme ihrer rostigen Rohre, der kalkigen Patina, den ­S talaktiten, Spinnweben, Trockentoiletten und Stock­ betten von ihrer ursprünglichen Verwendung erzählen, haben internationale Künstlerinnen und Künstler wie ­Brigitte Kowanz, Bernhard Leitner und Joep van Lieshout, Christa Sommerer & Laurent Mignonneau, Chris Larson, Mischa Kuball und Yves Netzhammer, Martin Walde und Teresa Diehl multimediale Raumkonzepte entwickelt. L icht und Ton, jene f lücht ig i­ mmater iellen E rschei­ nungen, die „keinen Ort kennen und nie bei sich bleiben“ (Brigitte Kowanz), die nicht greif bar und doch wirklich sind, aber auch R aumerfa hr ung, Beweg ung und die ­u nterschiedlichsten Assoziationsfelder, die im Wechsel­ spiel mit den ör t lichen Besonderheiten ent st a nden si nd , p ­ r ä g ten d ie E ­ r sc hei nu ng sfor men der g roßen Sommerausstellungsprojekte.

Brigitte Kowanz/A, „Think Tank“ 2010, THE VIEW Wasserreservoir 2010, Foto: © THE VIEW, Susanne Holländer, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020


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Björn Schülke/D, „Defender“ 2016, THE VIEW Zivilschutzkeller 2016,

Mischa Kuball/D, Simulation „dunkle Kammer“, Installationsansicht 2014, THE VIEW Zivilschutzkeller 2014, Foto: Archiv Mischa Kuball, Düsseldorf, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Foto: © THE VIEW, Luca Rüedi, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020


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50 | THE VIEW 2018

Waltraud Späth/D, „Hoffnung“ 2018, Beton und Holz, THE VIEW Skulpturenpark 2018, Foto: © THE VIEW, Luca Rüedi

Als Verbindungspunkt, Informations- und Besucherzentrum zwischen den beschriebenen Ausstellungsorten diente bisher das Salensteiner Galerie- und Atelierhaus von THE VIEW Contemporary Art Space. Hier, in einer zum Studio umfunk­ tionierten Schreinerei wurden in den vergangenen Jahren wechselnde Ausstellungen zu Fotokunst, zu regionalen und nationalen Positionen der Bildhauerei, Malerei und Medien­ kunst präsentiert. Till Augustin, Sabine Becker, Eckhard Besuden, Stefan Bircheneder, Johannes Dörflinger, Markus Eichenberger, Heike Endemann, Markus Graf, Christofer Kochs, Martina Lauinger, Lisa Lorenz, Michael Lauterjung, Philip Mahler, Gabriel Mazenauer, Marc Peschke, Boris ­Petrovsky, Werner Schlotter, Björn Schülke, Albert Scopin und Waltraud Späth sind nur einige Künstlernamen, die es zu ­nennen gilt. Vor allem hat aber Dierk Maass hier seiner foto­ grafischen Arbeit eine Heimstatt gegeben. Über die letzten 40 Jahre hat er mit der Leidenschaft des Autodidakten eine


79 Mit THE VIEW Contemporary Art Space hat das fachkun­ dige Management unter der Leitung von Antoinette Airoldi hoch über den Ufern des Bodensees, eingebettet in einer ländlich geprägten Region einen einzigartigen Beobach­ tungsposten für die zeitgenössische Kunst geschaffen. Genau hierin lag und liegt die einmalige Chance, abseits der Kulturmetropolen und ausgetretenen Pilgerpfade der inter­ nationalen Kunst­gemeinde Neugier und Begeisterung für die künstlerischen Anliegen der Zeit zu wecken. Leicht zu bespielen waren und sind diese markanten Örtlichkeiten, die bereits im Leerstand eine intensive Ausstrahlung haben, nicht. Die größte Herausforderung aber lag darin, das kunst­ interessierte Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm und unvergesslichen künstlerischen Interven­ tionen in die sehr abgelegenen Kunsträume unter Tage zu locken. Doch die Idee des Konzeptes ist aufgegangen: Besu­ cherinnen und Besucher konnten und können der Kunst hier nur schwerlich ausweichen. Ihre distanzierte Betrach­ tungshaltung löst sich auf mit dem E ­ intauchen in die weltabgewandten Atmosphären unter Tage, welche die Sinne ganzheitlich umfangen und der Kunst­erfahrung eine neue,

Dierk Maass/CH, SHADES° OF‘ DOLPO“, 29° 27‘ 06.552“ N 82° 55‘ 09.218“ E, 2014, Diasec, 150 x 225 cm, Auflage 6 + 2, THE VIEW Atelier 2014

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Bildsprache entwickelt, die fasziniert und überzeugt. Auf sei­ nen Reisen und Expeditionen in die entlegenen Gebiete dieser Erde hat er die Motive seiner Porträts, Stillleben und Land­ schaftsaufnahmen gefunden, die er nicht nur in seiner Salensteiner Studiogalerie, sondern darüber hinaus auch in Galerien und Ausstellungshäusern in Deutschland, Öster­ reich, Italien und der Schweiz in erweitertem Umfang präsentiert hat. Dierk Maass braucht keine digitalen Bildbear­ beitungsprogramme, um das Medium Fotografie in eine Bühne für den Auftritt und die Läuterung des f lüchtigen ­E indrucks zu verwandeln. Er nutzt die Kamera als analoges Werkzeug, um in einem spontanen, intuitiv geleiteten Pro­ zess der Verwandlung mit den Mitteln der Unschärfe und Überbelichtung die Grenzen der dokumentarischen Wieder­ gabe zu überschreiten. Dierk Maass geht es weniger um den kitschig verrufenen Wunsch nach Idylle oder den mahnenden Hinweis auf den Verlust des schöpferischen Paradieses, als vielmehr um eine Fotografie von impressionistischer Ent­ rücktheit und nachhaltigem Eindruck. Eine Fotografie, die eine zeitlose Entrücktheit zelebriert, die Distanz bewahrt, sich in diskrete Schweigsamkeit hüllt und in der er sich als sensibler Beobachter offenbart.


80 unmittelbare Intensität verleihen. THE VIEW Contemporary Art Space hat die Besucherinnen und Besucher begeistert, sensibilisiert und zu Wiederholungstätern gemacht. Wer ­e inmal dort war, kann sich dem Reiz der unterirdischen Kunsträume nicht mehr entziehen. Doch wie geht es nach dem 10-jährigen Jubiläum und mit der in­z wischen länger ­a nhaltenden Zäsur durch die Ausbreitung des Covid-19-­ Virus weiter? Das fragen sich nicht nur die ­Verantwortlichen von THE VIEW Contemporary Art Space, sondern viele ­K olleginnen und Kollegen der Ausstellungshäuser und ­Museen rund um den Globus. Corona-Pandemie hin oder her: Wir leben in einer kapital­orientierten Leistungsgesellschaft, in der jeder Einzel­ ne in einem Dauerexperiment Erfolgsstrategien erprobt, um dem Schicksal des Scheiterns zu entgehen. Gerade in ­einer solchen Welt muss die Kunst ein Instrument der Freiheit der Sinne, des geistigen Austauschs und der kulturellen Identi­ fikation sein und bleiben, um über den Tag hinaus ­w irken zu können. Doch wie gelingt das? Was können Ausstel­ lungshäuser tun, um die Verbindung zwischen Kunst und Gesellschaft nicht aufzugeben? Als wichtige Orte im ­öffentlichen Raum, als Orte der Begegnung, der kulturellen Bildung und Zukunftsfragen müssen Museen, Galerien und andere Ausstellungsinstitutionen in öffentlicher oder pri­ vater T ­ rägerschaft der Gegenwartskunst einen direkten Weg zum Publikum bahnen. THE VIEW Contemporary Art Space hat hier mit großem Einsatz den richtigen Pfad eingeschlagen.

Chris Larson/USA, „Deep North WC“ 2008, Diasec 90 x 90 cm, Auflage 1/3, THE VIEW Zivilschutzkeller 2010


Stefan Bircheneder/D, „Treuhand“ 2018, THE VIEW Atelier 2018, Foto: © THE VIEW, Luca Rüedi

Nun heißt es, die Weichen stellen für eine veränderte ­Zukunft und einen neuen Plan, wie die einzigartigen ­R äumlichkeiten weiterhin als Kristallisationspunkte und Kondensatoren ­e iner vielsinnigen Kulturerfahrung dienen können. Die ­E inschränkungen durch die Maßnahmen gegen Covid-19 werden uns alle noch Monate oder Jahre begleiten und uns ­z eigen, welche Herausforderungen gemeistert werden ­müssen. Vielleicht müssen wir die aktuelle Situation auch zum A nlass nehmen, nicht nur die gesellschaftliche ­R elevanz von Kunst und Kultur, sondern das globale

Zusammenleben des 21. Jahrhunderts auf den Prüfstand zu stellen. Wir sehen in der Krise, wie die Bevölkerung nach Orten der Begegnung sucht. Es wird weitergehen, unter ver­ änderten Vorzeichen, auch bei THE VIEW Contemporary Art Space als Beobach­t ungs­p osten mit Weitblick für die ­regionale, nationale und internationale Gegenwartskunst. S T E F A N I E D A T H E , Direktorin Museum Ulm

www. the-view-ch. com

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82 E w a ld K a rl S c h r a de ü b e r d ie H e r au sfor de r u n g e n de r a r t K A R L S RU H E 2 0 2 1

„Ein triumphaler Auftritt der Frauen“

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Messechefin Britta Wirtz und Kurator Ewald Karl Schrade, Foto: Messe Karlsruhe, Jürgen Rösner

Der Initiator und Kurator der art KARLSRUHE, Ewald Karl Schrade, ist sichtlich entspannt, was die kommende Ausgabe der art KARLSRUHE angeht. Trotz Pandemie und dadurch veränderter Rahmenbedingungen wird der traditionelle Kunstmessereigen – Stand Herbst 2020 – im Mai des kom­ menden Jahres durch die art KARLSRUHE eröffnet werden. Chris Gerbing sprach mit Kurator Ewald Karl Schrade und der Geschäftsführerin Britta Wirtz über die Messe, die speziellen Herausforderungen und die Inhalte. ARTMAPP: Frau Wirtz, Herr Schrade, art KARLS­ RUHE in Pandemie-Zeiten – eine Herausforderung für Sie? Was wird anders sein im Vergleich zu den Messen davor?

Britta Wirtz: Wir arbeitet an einem ausgefeilten Hygiene­ konzept und daran, die besucherstarken Tage zu entzerren. Der Eröffnungsdienstag ist für die VIPs reserviert, der Mitt­ woch für die geladenen Vernissage-Gäste. Nach aktueller Ver­ordnung werden wir circa 8.000 Besucher pro Tag zulas­ sen können – für einzelne Hallen oder Aufenthaltsbereiche gibt es keine Beschränkung, wohl aber eine Wegeführung. Ewald Karl Schrade: Ich habe mich nie beirren lassen mit ­meiner großzügigen Hallenplanung – breite Gänge, weit­ räumige Skulpturenplätze –, das kommt uns jetzt zugute. BW: Für die Besucher wird es allerdings eine deutliche Verän­ derung geben: Der Kartenverkauf findet ausschließlich online statt, um eine lückenlose Nachverfolgung zu garantieren. Und auch an den Messeständen müssen sich die Gäste zusätzlich registrieren, sofern sie länger als 15 Minuten dort bleiben. ­A nsonsten gelten natürlich die Empfehlungen des Robert-­ Koch-Instituts und der Bundes- bzw. Landesregierung.


83 ARTMAPP: Gibt es bereits Zusagen? EKS: Das Interesse an der art KARLSRUHE ist, das kann ich jetzt bereits positiv vermelden, trotz der Pandemie ungebro­ chen. Die Plätze sind ausgebucht. Die Galerien hatten 2020 ein extrem schweres Jahr. Wir hoffen, mit der art KARLS­ RUHE wieder ein Stück Normalität zurückzubekommen. Ich kann zudem verraten, dass wir auf der Sonderausstellungs­ f läche 2021 Werke aus der Sammlung von Maria Lucia und Ingo Klöckner zeigen werden. Das im hessischen Bad ­H omburg lebende Paar sammelt seit mehr als 30 Jahren ­D arstellungen von Frauen von der Nachkriegszeit bis in die jüngste Gegenwart. Gemälde und Skulpturen von beispiels­ weise Stephan Balkenhol, Eric Fischl, Franz Gertsch, Alex Katz und Nina Sten-Knudsen zeugen von ihrer Lust zur ­Gegensätzlichkeit. Ich ahne, dass es eine umschwärmte Schau, ein triumphaler Auftritt der Frauen in der Kunst werden wird. Das Besondere der Sammlung ist ihre Orientierung am ­Thema, nicht an den großen Namen. 2 1. bis 2 4 . Mai 202 1

Alex Katz, „Red Sweater“, 1999, Öl auf Holz, 30,5 x 40,6 cm

art K A R LSRUHE

© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

w w w . a r t- k a r l s r u h e . d e F ra u e n d a r s t e l l u n g e n n a c h 1 9 4 5 S o n d e ra u s s t e l l u n g a u f d e r a r t K A R L S R U H E 2 0 2 1 m i t We r k e n au s der Sammlung von Mar ia Luc ia und Ingo Klöck ner

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30.10.20 13:28


brouwer edition & THE VIEW contemporary art space SABINE BECKER o.T. , 2020 , Kobaltpigment / Acryl auf Packpapier / HDF, 70 x 100 cm, 3.200 EUR, Foto: René Schrei

STEFAN BIRCHENEDER Hab&Gut, Öl/Acryl auf Leinwand, je 33 x 33 cm, Innen unbemalt je 550 EUR, Innen bemalt 1.950 EUR, 5-tlg. Set 4.000 EUR


one artist shows in Halle 4 MICHAEL LAUTERJUNG „Ähre, wem Ehre gebührt“, 2018, Acryl, Lack, Leinwand, Öl auf Holz, 130 x 120 cm, 6.700 EUR

ANDREAS SCHOLZ Frühabend im Lindenhofpark am Bodensee, 2020, Öl auf Leinwand, 140 x 200 cm, 9.800 EUR

brouwer-edition.com the-view-ch.com art-karlsruhe.de


Gefรถrdert durch die


I m R a h men der I nter n at ion a len H a ndwerk sme sse ­präsentiert sie jedes Jahr herausragende gestalterische und künstlerische Leistungen aus den Bereichen Kunsthand­ werk und Handwerkskunst sowie kunstvolles Design. Seit ihrer ersten Durchführung 2008 hat sich die «Handwerk & Design» zum größten und wichtigsten Forum für zeit­ genössisches Kunsthandwerk und angewandte Kunst & Design im deutschsprachigen Raum entwickelt. Über 250 ausgewählte Schmuckgestalter, Mode­ designer, Holz- und Metallhandwerker, Künstler und Kreative ­präsentieren ihre exklusiven Produkte. Renom­ mierte S ­ onderschauen mit Welt r uf w ie SC H M UC K , TALENTE, MEISTER DER MODERNE und EXEMPLA kommen u ­ nter einem Dach zusammen. Die Sonderschau SCHMUCK gilt als stilprägend und ist ­regelmäßig Ausgangspunkt für neue Strömungen sowie ­A nziehungspunkt für Schmuckbegeisterte, Sammler, ­Galeristen und Museumskuratoren aus aller Welt. Die 1959 von Herbert Hofmann ins Leben gerufene Sonderschau ist ­d amit heute eine der bedeutendsten Ausstellungen ihres Fachs. 63 Goldschmiede und Schmuckgestalter aus 26 Län­ dern wurden dieses Jahr ausgewählt, um ihre Werke auf der Sonderschau SCHMUCK 2021 zu präsentieren. Die Auswahl der Exponate, die auf der SCHMUCK zu sehen sind, erfolgt jährlich durch eine bekannte Persönlichkeit aus der Welt des Schmucks. ­K uratorin für die kommende Schau ist die in ­München lebende australische Künstlerin von Weltrang, ­Helen Britton. Als internationaler Wettbewerb organisiert, dient die Veranstaltung den Künstlern als wichtige Plattform, um weltweite Bekanntheit zu erlangen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Verleihung der Herbert-Hofmann-Preise an drei heraus­r agende Schmuckgestalter bildet dabei jedes Jahr den Höhepunkt. Unter dem Namen FRAME f lankie­ ren inter­n ational renommierte Galerien die Sonderschau SCHMUCK und präsentieren ebenfalls Schmuck und Kera­ mik auf höchstem Niveau. Die «Handwerk & Design» ist immer ein Höhepunkt – jedes Jahr zugleich faszinierend und überraschend!

Melanie Isverding, Herbert-Hofmann-Preis 2020, Foto: Marcus Biesecke

Katrin Feulner, Herbert-Hofmann-Preis 2020, Foto: Katrin Feulner

Carla Nuis, Herbert-Hofmann-Preis 2020,

www. ihm-handwe rk- desig n . com

Foto: Eddy Wenting

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Die «Handwerk & Design» steht für Inspiration, Faszination und für Freude am Besonderen.


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I nt e r v ie w m it de r K u r at or i n H ele n Br it t on

Schmuck 2021 Die Australierin Helen Britton gehört zur Weltspitze im ­Bereich des Autorenschmucks. Als exzellente Kennerin der weltweiten Schmuckszene kuratierte sie unter den 670 Ein­ reichungen zur SCHMUCK 2021 jene Werke, die vom 10. bis 14. März 2021 auf der «Handwerk & Design» im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse in München zu sehen sind. Nina Gassauer sprach mit der Kuratorin.

ARTMAPP: Autorenschmuck ist eine direkte, indi­ viduell-künstlerische Ausdrucksform: Das Kunst­ werk wird am Körper getragen und tritt in Dialog mit Träger und Betrachter. Welche Erwartungen haben Sie an den Träger Ihrer Objekte? Helen Britton: Menschen behandeln ihren Schmuck manch­ mal mit großer Respektlosigkeit. Mir gefällt, dass man dieses kleine Ding genau deshalb mit sich trägt, da es einem wichtig ist. Dabei empfinde ich das Tragen des Schmuckstückes als eine Art Ritual. Es spricht seinen Träger an und ist vielleicht sogar ein bisschen zerbrechlich. Deshalb hoffe ich, dass ich die Menschen für die Geschichten hinter meiner Arbeit begeis­ tern kann, sie die Geschichte begreifen lasse, die ich erzählen möchte. Durch meine Kunst bin ich Geschichtenerzählerin. Das Leben von Materialien, ihre Textur, wie sie auf uns wirken und uns vielleicht verändern, interessiert mich dabei sehr. Deshalb wünsche ich mir, dass der Einzelne, der ein Stück meiner Arbeit in sein Selbstbild integrieren möchte, auch an dessen Geschichten und Materialien interessiert ist. ARTMAPP: Für 2021 wurden Sie zur Kuratorin der Sonderschau SCHMUCK ernannt. Ehrt Sie das? HB: Es ist eine unglaubliche Ehre und ich war tief berührt, als ich gefragt wurde. Aber ich wusste auch, dass ich das Gefühl nicht leiden können würde, ein öffentliches Urteil fällen zu müssen, indem ich aus fast 700 Werken 60 Werke auswähle. Andererseits war ich sehr neugierig zu sehen, was die Leute einsenden und darauf, in der Lage zu sein, die Dinge auszu­ wählen, die mir nahegehen und anhand derer ich die Vielfalt unserer interessanten Nische abbilden kann.

Helen Britton, „Schlüsselbund“, Silber, recycelte Steine, Foto: Dirk Eisel, © CODA Museum


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Helen Britton, Foto: Dirk Eisel, Styling: Corrina Brix

ARTMAPP: Die Einsendungen dürften 2020/21 eine Klasse für sich sein, bedenkt man, in welchem gesellschaftlichen Ausnahmezustand der Open Call für die SCHMUCK 2021 erfolgte. Wie ist Ihr Eindruck hinsichtlich Trends und Strömungen in diesem Ausnahmejahr? HB: Einige Stücke spiegeln sicher die aktuelle Situation ­ ider. Aber so offenkundig ist es nicht. Die Themen haben w sich in den letzten Jahren entwickelt und sich in den Arbei­ ten einiger Künstler nun weiter zugespitzt. Aber es gibt zahlreiche Werke, die völlig frei von jeglichen Rückschlüs­ sen auf die aktuelle Lage sind. Das halte ich für sehr gesund und es ist wunderbar, der Gesellschaft, aber auch unseren Kollegen und Freunden andere Perspektiven anzubieten, die nicht mit der starken Verzweif lung belastet sind, die viele von uns im Moment empfinden.

HB: Mich interessieren Arbeiten, die sich im Laufe der Zeit entwickeln, die eine authentische Stimme haben, die ein überlegter Beitrag zu unserer Szene sind und die eine einzig­ artige, unverwechselbare Handschrift auszeichnet. Die Welt des Autorenschmucks ist in den letzten 20 Jahren explodiert. Die Kehrseite davon ist eine Art Stilisierung, die mit sich bringt, dass bestimmte Formen nun en vogue sind und von aufstrebenden Künstlern wiederholt werden. Für diese Art von Arbeit bin ich sehr sensibel. Teil meines Auswahlprozes­ ses war es, mir durchweg darüber bewusst zu sein, wie viel Wiederholung in zeitgenössischem Schmuck vorkommt und wie schwierig es ist, eine authentische und klare Stim­ me zu entwickeln und zu erhalten – sodass man wirklich das Gefühl hat, dass ein Künstler keine andere Wahl hatte, als das Werk so zu gestalten. Bestimmte Werke stechen einfach hervor. Durch Schönheit oder durch Irritation. Und dabei spreche ich nicht von klassischer Schönheit. Es ist mehr der Moment, in dem all jene Dinge zusammenkommen, die das Stück perfekt machen. www. ihm-handwe rk- desig n . com

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ARTMAPP: Welche Überlegungen haben Sie bei der Auswahl für die SCHMUCK 2021 geleitet?


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D a n ne r- P r e i s u nd D a n ne r- R ot u nde

Sammeln im Perspektivwechsel Die Neue Sammlung – The Desig n Museum, München, P inakothek der Moder ne

Pol Bury, kinetischer Armschmuck und Ring, 1970, Ausführung: Gern Montebello, Mailand, Gold, Die Neue Sammlung – The Design Museum, Dauerleihgabe der Danner-Stiftung, München, Foto: Eva Jünger


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360°-Panoramafotos und virtueller Rundgang,

Wenn man bedenkt, wie fantasielos, wie beiläufig zuweilen Preziosen in den Museen dargeboten werden, oft in einer Weise, dass man gerne daran vorbeigeht und weiter davon überzeugt bleibt, es handele sich um untergeordnete Mach­ werke, ja dann ragt mit bravouröser Einzigartigkeit die Danner-Rotunde der Neuen Sammlung aus dieser Landschaft hervor. Sie lädt zu einer überraschenden Reise in die Gefilde zeitgenössischen künstlerischen Schmucks, des „Autoren­ schmucks“, ein. Nicht prunkvolles Geschmeide, nicht Klunker oder Bijoux sind hier zu erwarten. Dieser Raum widmet sich mit über einhundert Positionen aus aller Welt allein innovativ-experimentellen Verzweigungen einer ­b edeutsamen Disziplin, die sich im 20. Jahrhundert von ­t raditionellen Konditionierungen befreite und sich als kriti­ sche und autonome künstlerische Ausdrucksform etablierte, neben und außerhalb bekannter Gattungen. Das beweist ­d ieser Ort, das führt er eindrucksvoll vor Augen. Quasi schwebende Vitrinen in raffiniert ausgeleuchteter Regie (die Fassung 2020 von ­F lavia Thumshirn) verschaffen ihm die Aura einer Schatulle, funktional, sachlich und doch mysteriös. Deren Inhalt – eben kein Piratenschatz – speist sich ganz aus dem Jetzt, aus den Gegenwartstendenzen. Die Sammlung ­basiert im Wesent­lichen auf einer umfangreichen Dauerleih­ gabe der Danner-Stiftung, prominenten Donationen und

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Foto: © Dr. Sabine Sense, bildwerk.art


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Pressekonferenz zum Re-Opening der Danner-Rotunde 2020 mit den Gastkuratoren Alexander Blank, Mikiko Minewaki und Hans Stofer, Foto: Die Neue Sammlung / Alexander Laurenzo

fortschreitenden Erwerbungen. 2004 wurde die Danner-­ Rotunde eröffnet, von Anfang an im rotierenden Prinzip kuratorisch begleitet von namhaften Protagonisten des ­G enres, weniger Protagonistinnen leider. Als Erste legten Hermann Jünger und Otto Künzli (beide Professoren an der Akademie der Bildenden Künste München) Hand an, um dem Thema Profil zu verleihen. 2010 wurde der Bestand von Karl Fritsch in einer gewagten Installation inszeniert und 2014 führte Otto Künzli eine weitere Revision durch. Nun sind wir 2020 bei der vierten Version angekommen, realisiert diesmal von Mikiko Minewaki (Hiko Mizuno College, Toiko), Hans Stofer (Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle) und ­A lexander Blank aus München. Das Team setzt auf eine regel­ mäßig-klassische Rhythmisierung der Exponate. So wechselt das Gesicht der Schmucksammlung unter divergierenden Perspektiven, offeriert in Intervallen aktualisierte Sichtwei­ sen auf die Materie. Grundsätzlich ging es dabei nie um eine schlichte Chronologie, um kunstgewerbliche Gliederungen, sondern um den Reigen sich wandelnder Tableaus, von Be­ gegnungen und Konfrontationen. Dies ist umso erstaunlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich dahinter das Erbe Hermann Jüngers verbirgt, noch immer, dessen Ideen von der Komposition im wechselnden Ensemble damit nachhaltig ­lebendig bleiben. Parallel zu diesen Aktivitäten organisiert das Museum alljährlich eine große Retrospektive herausragender Künstle­ rinnen und Künstler. Im Jahre 2021 fällt die Wahl auf Therese Hilbert, die dann im zweiten Obergeschoss der Pinakothek der Moderne Einblicke in ihr Lebenswerk gewähren wird.


93 „Wohin“. Sie erhält damit die mit 20.000 Euro dotierte Aus­ zeichnung. Ehrenpreise gingen an Otto B ­ aier, Peter Bauhuis, Petra Bittl und Paul Müller. Man könnte meinen, dass diese Art von Wettbewerb in unserer Zeit an Glanz verliert. Doch trotz Instagram und Twitter zählt es noch, nach wie vor: das sich konkret am Anderen, am Austausch, an der Gesamtheit des Geschehens Messen. Einen solchen Rahmen, ein solches Podium, besitzt Seltenheit. Der Danner-Preis vermag sich daher weiterhin mit Beständigkeit behaupten. ELLEN M AURER ZILIOLI

dnstdm.de

Petra Bittl, Gefäße „Paar“, 2019, Steinzeugton, Porzellan, Salzglasur, Danner-Ehrenpreis 2020, Foto: Danner-Stiftung / Eva Jünger

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Ohne Existenz und Engagement der Danner-Stiftung mit Sitz in München, gegründet 1920 und eines der renom­ miertesten Organe zur Förderung des Kunsthandwerks in Europa, wäre die Einrichtung der Rotunde wohl nie ­geglückt. Die Stiftung steht dem Museum nach wie vor zur Seite, was den Schmuck betrifft. Eine lange Verbundenheit also, die 2020, zum 100. Jubiläum, durch die zusätzliche ­P räsentation des seit 1984 nun zum 13. Mal vergebenen ­Danner-Preises eine zusätzliche Bestärkung findet. Von 200 Bewerberinnen und Bewerbern gelangten 33 in diese Kunst­ handwerkschau, die vom 15. Oktober 2020 bis 17. Januar 2021 in der Pinakothek der Moderne zu s­ ehen ist. Eine internatio­ nale Jury entschied sich für Bettina Dittlmanns Brosche


95 R aut e n st r auc h- Jo e st- Mu s e u m , K öl n : K olon i a l i s ie r u n g i m Au g e de r K olon i a l i s ie r t e n

Die Diskussionen um den Umgang mit Exponaten aus kolo­ nialem Kontext in europäischen Museen werden schon seit geraumer Zeit geführt. In Frankreich kündigte Emmanuel Macron 2017 die Rückgabe von Kulturgütern an. Umgesetzt wird dieses Ansinnen durch ein neu erlassenes Gesetz, das Grundlage für die Restitution von Statuetten, Kunstwerken und Säbeln an Benin und Senegal ist. Allerdings sei dies nur ein Anfang, denn Macron hatte in seiner Rede in Burkina Faso 2017 herausgestrichen, dass er es als nicht akzeptabel empfin­ de, dass sich ein Großteil afrika­nischen Kulturerbes in Europa befindet. Ähnlich argumentiert auch Bénédicte Savoy, die im selben Jahr unter Protest aus dem Beirat zum Humboldt ­Forum in Berlin ausschied. Die europäische Sammeltätigkeit der vergangenen 300 Jahre, so Savoy, sei verbunden mit „Schweinereien und Hoffnungen“, die sie mit dem Atommüll vergleicht, der unter einer Bleidecke begraben sei, „damit bloß keine Strahlung nach ­außen dringt. Das Humboldt Forum ist wie Tschernobyl“. Mitte Dezember 2020 wird es nach sieben­ jähriger Bauzeit im rekonstruierten Berliner Stadtschloss in mehreren Etappen eröffnet. Das Ethnologische Museum, das Museum für Asiatische Kunst und die Sammlungen außer­ europäischer Kunst – a­ llesamt gegründet mit Exponaten aus der kurzen kolonialen Vergangenheit des Deutschen Reiches, teils aber mit weiter zurück­reichenden Wurzeln – sollen darin

Ova Herero und Nama-Aktivistinnen protestierten schon mehrfach in Deutschland für eine Wiedergutmachung, hier vor dem Berliner Dom, Museumsinsel, in direkter Nachbarschaft zum Humboldt Forum im Berliner Schloss, Foto: © Joachim Zeller CC BY-ND 2.0

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Aufforderung zum Widerstand


linke Seite: Omar Victor Diop, „Jean-Baptiste Belley“, 2014, Serie „Diaspora“, Pigment-Tintenstrahldruck auf Harman by Hahnemuhle-Papier, Courtesy: Galerie MAGNIN-A, Paris, © Omar Victor Diop

CHRIS GERBING

2 7. N o v e m b e r 2 0 2 0 b i s 2 . M a i 2 0 2 1 R ESIST! Die Kunst des Widerstands w w w . ra u t e n s t ra u c h - j o e s t- m u s e u m . d e

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97 zusammengeführt werden. Ergänzt durch Fachbibliotheken und Veranstaltungsräume sollen Kunst, Kultur und Wissen­ schaft eng miteinander verzahnt werden. Black Lives Matter, die Zerstörung kolonialer Denk­ mäler, die Umbenennung von Straßen, aber auch die 2019 im Deutschen Bundestag geführte Debatte um die Anerkennung kolonialer Verbrechen, um die Fortdauer asymmetrischer Machtstrukturen zu unterbinden, sind einige weitere ­Beispiele dafür, dass die koloniale Vergangenheit mit unter­ schiedlichen Schwerpunkten ­a ktuell diskutiert wird. Daran beteiligt sich nun auch das Rautenstrauch-­Joest-Museum – Kulturen der Welt in Köln mit der Ausstellung „Resist!“, die erstmals die „andere Seite der Geschichte sichtbar macht“. Nanette Snoep, Direktorin des Hauses, führt weiter aus: „Wir ­erzählen aus der Sicht der Kolonialisierten über ihren Wider­ stand gegen die Kolonialherren. Mit der Präsentation von ungehörten bzw. bislang nicht genug gehörten Stimmen ­zeigen wir neue Perspektiven auf die Kolonialgeschichte auf.“ Sie betont, das Thema sei durchaus in den einschlägigen ­deutschen Museen präsent gewesen, wäre aber nie an die ­Öffentlichkeit gekommen – vielleicht auch deshalb, weil das Deutsche Reich seine Kolonien 1919 abgeben musste und die neuere Geschichte durch die Gräuel des Nationalsozialismus überlagert ist. 500 Jahre Praktiken antikolonialen Widerstands wer­ den innerhalb der Ausstellung beleuchtet und gleichzeitig die Auswirkungen des Fortbestehens kolonialer Machtverhält­ nisse mit Werken aus der eigenen Sammlung, aber auch durch ausgewählte Leihgaben und die Partizipation von Aktivistin­ nen, Künstlerinnen und Kuratorinnen aus dem globalen Süden thematisiert. Dabei will das Museum all jenen mutigen Menschen ein Gesicht und eine Stimme geben, die bislang hinter dem großen Thema Kolonialisierung und ihren ­Auswirkungen in Vergessenheit geraten sind. Rund 40 zeit­ genössische Künstlerinnen und Künstler aus dem globalen Süden bzw. in der Diaspora zeigen unterschiedliche Perspek­ tiven auf ihre persönliche Geschichte, ihr Aufbegehren gegen Kontinui­t äten und Kolonialherren. Zudem erhalten sechs ­F rauen aus Deutschland, Nigeria, Namibia und Ungarn die Möglichkeit, e­ igene Räume innerhalb der Ausstellung zu kura­t ieren. Darin werden sowohl die Restitutionsdebatten wie auch Black Lives Matter, der Genozid an den Herero und Nama in Namibia ­sowie der Kampf für dessen Anerkennung, aber ebenso Sinti und Roma mit ihrem langen Weg zur kultu­ rellen Selbst­bestimmung thematisiert. Einen lokalen Bezug erhält die Ausstellung durch den Kölner postmigrantischen Verein ­I n-Haus e. V., der in seinem eigenen Raum koloniale Kontinu­itäten anklagt. Tanz und Musik nehmen ebenfalls ­einen breiten Raum in der Ausstellung ein, auch vor dem Hin­ tergrund, dass die Europäisierung durch die Kolonial­herren teils so gründlich vonstattenging, dass altes Wissen in Form von Sprachen, Kulturtechniken und Ritualen erst wieder er­ lernt werden musste bzw. muss. Die Ausstellung will damit verdeutlichen, dass jeder Mensch ein Recht auf Freiheit hat und Widerstand der Freiheit wegen geleistet wird.


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S piel z e u g Welt e n Mu s e u m B a s el

Das blaue Wunder Die Ausstellung „ D e n i m – s t y l i s c h , p ra k t i s c h , z e i t l o s“ i m S p i e l z e u g We l t e n M u s e u m B a s e l zeig t Kunst und Kult urgeschichte

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rund um die Jeans.

Jeder kennt sie, fast jeder trägt sie: Jeans. Wahrscheinlich wird die Kulturgeschichtsschreibung späterer Jahrhunderte an dem strapazierfähigen Baumwollgewebe Denim einmal eine Zeitenwende festmachen. Ganz wie beim Auto oder am Com­ puter. Es wird die Zeit vor Denim geben und die danach. Und diese Zeitrechnung wird eng verbunden sein mit dem Namen Levi Strauss. Geboren im Landkreis Bamberg in Oberfranken, wanderte er in jungen Jahren mit seiner Mutter und seinen Geschwistern nach Amerika aus. Dort folgte er 1853 dem Lockruf des Goldes und zog nach San Francisco. Allerdings mühte er sich nicht als Goldschürfer ab, sondern gründete mit seinem Bruder und seinem Schwager ein Geschäft, in dem er alles feilbot, was man als Wildwestpionier so brauchte. Neben Hosenträgern und Zahnbürsten verkaufte Levi Strauss auch Hosen aus einem besonders strapazierfähigen Baumwoll-­ Segeltuch. Die ersten Vorläufer der Jeans waren geboren. So will es der Levi’s-Mythos. Die Ausstellung „Denim – stylisch, praktisch, zeitlos“ im Spielzeug Welten Museum Basel geht der Geschichte der Jeans und ihrer Bedeutung in der Gegenwartskultur nach. Und sie hinterfragt populäre Erzählmuster und Mythen rund um den robusten Stoff. So versucht sie zum Beispiel das Rätsel zu lösen, wo das feste Baumwollgewebe erfunden wurde, ob in Frankreich oder in Italien. In Frankreich erzählt man sich gern, Denim sei eine Kurzform von „Serge de Nîmes“, einem Stoff mit Seiden- und Wollanteil. Aus Genua kam ein Stoff aus Baumwolle, Leinen und manchmal auch Wolle, der als „Blue Gênes“ bezeichnet wurde und aus dem sich die Blue Jeans entwickelt haben könnte.

Eindeutige Quellen gibt es nicht, die Streitfrage, woher der Jeansstoff kommt , wird womöglich nie ganz geklärt ­w erden. Die Basler Ausstellung zeigt etwa ein Gemälde ­e ines unbekannten italienischen Genremalers, das Ende des 17. Jahrhunderts entstand. Das Bild mit dem Titel „A Meal with a Woman and Two Children“ zeigt eine ärmliche Mahlzeit. Eine der dargestellten Figuren, eine alte Frau, trägt eine Arbeitsschürze aus Indigoblauem Stoff. Dieses und andere Gemälde des unbekannten italienischen Meis­ ters mit dem Notnamen „The Master of Blue Jeans“ werfen die Frage auf nach dem Ursprungsland der Jeans: Italien oder Frankreich? Darüber wird man in Fachkreisen sicher noch länger diskutieren. Doch egal, woher die Jeans ursprünglich kam: Gut 100 Jahre nachdem Levi Strauss sein Geschäft in San ­F rancisco eröffnet hatte, eroberte der Denim auch Kino­ leinwand und Rockmusik. Popkultur und Alltag sind heute ohne Jeans kaum noch vorstellbar. Die ursprünglich indigo­blaue Hose erwies sich dabei als äußerst vielseitig. Auch davon erzählt die Ausstellung. Und sie zeigt: Denim kann sogar das Basismaterial für Kunst sein. Afran, Bild­ hauer und Performance-Künstler aus Kamerun, zeigt zwei aus Jeansstücken geformte Panther. Der britische Künstler Ian Berry verwendete Denim-Stoffe für Collagen und Instal­lationen. In Basel ist seine aus zahlreichen Stoffteilen zusammengesetzte Rauminszenierung „Secret Garden“ zu sehen: ein üppig wuchernder Garten in Indigoblau. ALICE HENKES

Bis 5 . Apr il 202 1 „ D e n i m – s t y l i s c h , p ra k t i s c h , z e i t l o s“ www. spiel zeug-welten-museum-basel. ch


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Afran, „Blue Panther“, 2017, Skulptur, Italien, Leihgeber/Foto: Milan Art & Events Center (MA-EC)


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Short cuts Schmuck, Mode, Design: Hochkarätig und innovativ ZUSA M M EN G ES TEL LT VO N CH R IS G ER B I N G

O S B O R N E M AC H A R I A I N D E R VÖ L K L I N G E R H Ü T T E

In der Gruppenausstellung „Afrika – Im Blick der Fotografen“ ist uns besonders Osborne Macharia aufgefallen. Afrika neu zu denken und vor allem zu erzählen, ist das Motto des kenia­ nischen Künstlers Osborne Macharia (* 1986 Nairobi, Kenia). In seinen perfekt arrangierten Fotografien verbindet er das Imaginäre mit einem wahren historischen Kern. Seine ­a frofuturistischen Motive kombinieren Elemente aus Science-­Fiction, historischen Romanen, Fantasy und Philo­ sophie. 2018 entstand im Auftrag von Marvel für den Blockbuster „Black Panther“ die exklusive Serie „ILGE­ LUNOT“. Als Künstler, Werbefotograf und Designer arbeitet er an weltweiten Projekten. Bis 31. Januar 202 1 A f r i k a – I m B l i c k d e r F o t o g ra f e n Gr uppenausstellung in der Völklinger Hüt te w w w . v o e l k l i n g e r- h u e t t e . o r g

AT E L I E R PAT R I K M U F F

Patrik Muff steht seit über 20 Jahren für kraftvollen, prägnan­ ten Schmuck, der Symbole aller Herren Länder und Zeiten in sich aufnimmt. Handwerk ist neben der Symbolhaftigkeit, der Authentizität und kostbarsten Materialien ein prägendes ­E lement, das die mittlerweile über 1.500 Kreationen verbin­ det. Die Marke spricht alle an, die ein Schmuckstück nicht als austauschbares Accessoire, sondern als individuellen Selbst­ ausdruck sehen – vom Biker bis zum Banker, von der jungen Wilden bis zur Grande Dame. Wie Muffs Schmuck, so hat auch sein Münchner Atelier den Unterton des Magischen, ­A rchaischen und Mystischen: „When you come to Munich, bring me something from Muff.“ Erhältlich über den Münch­ ner Showroom in der Ledererstraße 10 oder per Direct-Mail.

La Mystique, rosaroter Turmalin, 27 ct. in einer archaischen Fassung aus 18 Karat Rot- und Weißgold mit feinweißen Brillanten, © Patrick Muff

w w w . p a t r i k m u f f. c o m

linke Seite: Osborne Macharia, „Koinet“, 2018, aus der Serie „ILGELUNOT“ (in Maasai-Sprache: „Die Auserwählten“), exklusiv für die Marvel-Produktion „Black Panther“, Foto: © Osborne Macharia

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J E W E L L E RY F O R I N D I V I D UA L I S T S


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S AWA A S O S O P H I E B AU M G Ä R T N E R 29 . Ok tober bis 1 2 . Dezember 2020

Sawa Aso, „Fernglas“, 2017,

B e s u c h n a c h Ve r e i n b a r u n g

Halsschmuck, Edelstahl, montiert, gelötet

Aso (* 1983 in Tokio) und Baumgärtner (* 1983 in Halle ­[Saale]) studierten bei Daniel Kruger an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Nicht zufällig besitzen sie daher ein besonderes Gespür für den Dialog von Materie und Form. Aso fakt Alltagsgegenstände in kühlem Stahl und verblüfft durch deren perfekten, nun artifiziell hervorgerufenen Auftritt. Baumgärtner abstrahiert organische Gebilde wie Käfer zu höchst attraktiven ästhetischen Gebilden. Die Wirklichkeit verwandelt sich bei beiden zu einer Bühne, auf der wunder­ same Artefakte von Natur und Konsum erzählen, scheinbar getrennte Welten und doch schicksalhaft miteinander ­verknüpft. Beide, Aso und Baumgärtner, betten die kritische künstlerische Argumentation perfekt und intelligent in ihren Schmuck ein. M a u r e r Z i l i o l i – C o n t e m p o ra r y A r t s S c h l e i ß h e i m e r S t ra ß e 4 2 , 8 0 3 3 3 M ü n c h e n w w w . m a u r e r- z i l i o l i . c o m

P E R S P E K T I V E N AU F E I N E M Ü N C H N E R P R I VAT S A M M L U N G

2018 erwarb das Stadtmuseum München die Sammlung Münchner Schmucks, den Beate Dry-von Zezschwitz über ­einen Zeitraum von 40 Jahren gesammelt hatte. Knapp 200 Unikate, die überwiegend zwischen 1885 bis in die 1930er-­ Jahre entstanden und ausschließlich von in München ausgebildeten, dort tätigen Künstlern entworfen oder in einer Münchner Werkstätte ausgeführt wurden, gingen damit in städtischen Besitz über. München entwickelte sich, ausgelöst durch Aufträge von König Ludwig II., denen das Bürgertum rasch folgte, um 1900 zu einem Zentrum hoch entwickelter Handwerkskunst. Bis heute gibt es eine rege Szene in ­München, die sich auch aus der international renommierten Klasse für Schmuck und Gerät an der Kunstakademie speist. Naheliegend ist daher der Fokus der Ausstellung „MUC / Schmuck – Perspekt iven auf eine Münchner P r ivat­ sammlung“: Es werden parallel zur Internat ionalen Handwerksmesse sowohl die historische Arbeitsweise ­t hematisiert als auch das Studium und aktuelle Heran­ gehensweisen sowie Werke angehender Künstler vorgestellt. 13 . November 2020 bis 5 . Apr il 202 1 Perspek t iven auf eine Münchner P r ivatsammlung Stadt museum München w w w . m u e n c h n e r- s t a d t m u s e u m . d e

Hans Ottmann, Anhänger, Ausführung: Werkstätte Karl Johann Bauer, 1921, Silber, getrieben, verbödet, teilvergoldet, Email, Malachit, Lapislazuli, Perle, Sammlung Dry-von Zezschwitz


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T H I E R RY M U G L E R : C O U T U R I S S I M E

Thierry Mugler, Ausstellungsansicht,

K U NST H A L L E M Ü NCHE N

Foto: Michael Naumann / Tiefenpixel © Kunsthalle München

Bis 28. Februar 2021 www. k unsthalle-muc. de

H O C H K A R ÄT I G !

Vor rund 2.400 Jahren hat ein heute nicht mehr namentlich bekannter Goldschmied Belege seines beeindruckenden ­K önnens geschaffen, darunter einen Halsreif, Armreifen, ­F ibeln und Ringe aus Gold. Als Grabbeigaben blieben sie ­lange unentdeckt, bis erste Stücke durch Sand- und Kiesabbau auftauchten und damit die Archäologen auf den Plan riefen. Ab 1954 wurden die insgesamt wohl vier Grabhügel der Kel­ tenzeit sukzessive ausgegraben, nachdem in unmittelbarer Nähe bereits im 19. Jahrhundert eine römische Villa entdeckt worden war. Das „Fürstinnengrab“ von Reinheim, zu dem neben den Schmuckstücken aus Gold auch Bernstein- und Glasschmuck gehört, ist heute als Rekonstruktion im Euro­ päischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim erlebbar; die Originale sind wie beispielsweise auch prunkvolle römische Wandmalereien im Museum in Saarbrücken zu bewundern. Vo m (a n t i k e n) S c h m u c k z u r M o d e : M u s e u m f ü r Vo r- u n d F r ü h g e s c h i c h t e S a a r b r ü c k e n www. k ult urbesit z . de E u ro p ä i s c h e r K u l t u r p a r k B l i e s b r u c k - R e i n h e i m w w w . e u ro p a e i s c h e r- k u l t u r p a r k . d e

Kanne (Detail), keltisches Fürstinnengrab von Reinheim, 4. Jh. v. Chr., Staatliche Altertümersammlung des Saarlandes, Foto: Museum für Vor- und Frühgeschichte Saarbrücken

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — S C H M U C K M O D E D E S I G N

Zum ersten Mal wird das Werk des Modeschöpfers, Regis­ seurs, Fotografen und Parfümeurs Thierry Mugler in einer fulminant inszenierten Ausstellung präsentiert. Mehr als 150 Kreationen aus Haute Couture und Prêt-à-porter, unpub­ liziertes Archivmaterial sowie Werke von weltberühmten Fotografen beleuchten drei Jahrzehnte im Schaffen des ­F ranzosen, dem es seit den 1970er-Jahren immer wieder ­gelang, die Welt der Couture zu revolutionieren und die Pop­ kultur zu prägen. Er wählte außergewöhnliche Materialien wie Metall, Kunstpelz, Vinyl oder Latex für die Umsetzung seiner futuristischen, glamourösen Schnitte und schuf ­epochemachende Kreationen, die eine ebenso sinnliche wie starke Weiblichkeit ausstrahlen.


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Max Ernst, Frontispiz zu „La dame ovale | Die ovale Dame“

Brosche „Octopus und Schmetterling“,

von Leonora Carrington, 1939, einem Buch mit acht Reproduktionen

Gold, Perlen, Diamanten, Rubine, Amethyste, Topas, Email,

nach Collagen von Max Ernst, Sammlung Würth

Entwurf: Lucas von Cranach, Berlin, 1899/1900,

© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Ausführung: Louis Werner, Berlin, 1900, Foto: Günther Meyer, © Schmuckmuseum Pforzheim

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — S C H M U C K M O D E D E S I G N

I N N OVAT I V – I N T E R D I S Z I P L I N Ä R – I N T E R N AT I O N A L

M A X ER NST – SA M MLU NG W Ü RT H

Mit diesen drei Schlagworten lässt sich die Hochschule ­ forzheim trefflich charakterisieren. Ihre Wurzeln reichen P rund 250 Jahre zurück; aus einer eigenständigen Fachhoch­ schule für Gestaltung bzw. für Wirtschaft und Recht wurde eine umtriebige Hochschule mit insgesamt drei Fakultäten, denn 1992 wurde zusätzlich die Technik-Fakultät gegründet. Am Beispiel ausgewählter Projekte, die allesamt unter we­ nigstens eines der Schlagworte subsummiert werden können, wird aufgezeigt, welche Rolle die Hochschule heute ein­ nimmt als Bindeglied zwischen Wissenschaft, Vermittlung und Industrie, welche Kooperationen und Unternehmens­ partner zu ihrem Renommee beitragen und wie das Hochschulmotto „Führend durch Perspektivenwechsel“ um­ gesetzt wird. Die Fakultäten sind dabei deutlich weniger wichtig als der Wunsch, mit passenden Projektpartnern zusammenzuarbeiten.

Querdenken ist eine in Pforzheim gern geübte Dis­ziplin. Das macht sich auch im Schmuckmuseum bemerkbar, wo aktuell eine Ausstellung der besonderen Art zu sehen ist. In der an Superlativen nicht armen Kunstsammlung, die Reinhold Würth über die letzten 50 Jahre zusammen­ getragen hat, nimmt das Konvolut an Arbeiten von Max Ernst einen wichtigen Platz ein. Erstmals werden seine Druck­g rafiken, Collageromane sowie zwei Skulpturen mit den Schmuck­s tücken aus der ständigen Sammlung des Schmuckmuseums in Dialog gebracht. Es ist eine assoziative Zusammenstellung, die den Betrachter dazu einlädt, genau hinzusehen, zwischen Schmuck und Grafik Bezüge herzu­ stellen und auf diese Weise einen intuitiven Zugang zu den präsentierten Werken zu e­ rhalten. Figuratives, erfundene Formen, das Nebeneinander von eigentlich nicht Passendem prägen die ausgestellten ­Werke, die sich im Schmuck wider­ zuspiegeln scheinen.

29. November 2020 bis 20. Juni 202 1 I n n o v a t i v – i n t e rd i s z i p l i n ä r – i n t e r n a t i o n a l

B i s 1 7. J a n u a r 2 0 2 1

Stadt museum P forzheim im Alten Schulhaus

Ma x Er nst – Sammlung Wür th Schmuck museum P forzheim im R euchlinhaus www. schmuck museum. de


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M A SI N I DR ISS R ÄU M E E I N R I C H T E N

Die Formensprache des Möbeldesigners Masin Idriss ist klar und beruhigend. Idriss gestaltet bundesweit Räume und entwickelt Einrichtungskonzepte. Seine Ideen sind originell und funktionieren: „Gute Möbelgestaltung resultiert aus dem ­Zusammenspiel von Fantasie, Planung und Produktion. Wenn diese Bereiche ausbalanciert sind, stimmt das Er­geb­ nis“, so Idriss. Ob Wohnung, Penthouse oder Villa, die Einrichtung spiegelt immer den Kunden, weil der Mensch im Fokus des Designs steht. Das macht die Einrichtung zum Unikat. Umgesetzt werden die Entwürfe von seinen Part­ nern. Das Netzwerk GOETHE 64, das Idriss im Lauf der Jahre ­aufgebaut hat, ist ein Interessenverbund kooperieren­ der M ­ eisterbetriebe – erstklassige Handwerker, die Raum schaffen und gestalten und dabei vor allem eines garantie­ ren: Hochwertige Komplettlösungen aus einer Hand. Foto: © Werner Maschmann

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Innovation Interdisziplinarität Internationalität im dialog mit werken

aus dem schmuckmuseum

Die Hochschule Pforzheim nach 1945

29.11.20 > 20.06.21 agil.de

Max Ernst: Originalradierung zu Une semaine de bonté ou Les sept éléments capitaux, Vernis-mou-Radierung, 1934, Sammlung Würth, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020 | Ansteckschmuck, Jens-Rüdiger Lorenzen, 1992, © SMP, Foto Rüdiger Flöter

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18.10.2020 bis 11.4.2021

VERA MOLNAR Promenades en carré

HIGHLIGHTS Lichtkunst aus der Sammlung 18.10.2020 bis 11.4.2021 Museum Ritter

RAUM SCHROTH

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Diese Gruppenausstellung untersucht das Phänomen MULTILAYER anhand 49 vielschichtiger, internationaler Positionen.

11. Oktober 2020 – 10. Januar 2021

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B e s uc h b e i W i l l i S ib e r i n s e i ne r ob e r s c hw ä bi s c he n H e i m at

„Die Freiheit zum Schönen“ Einmal, im Norden von Deut schland bei einer Aus­ stellungseröffnung, da wurde Willi Siber als Schwabe bezeichnet. Der Künstler protestierte verhalten: Er sei aus Oberschwaben … − Das Publikum lachte, es sah in der ­Korrektur eine Steigerungsform von Schwaben. Soviel zur Heimatkunde. Der Maler, Bildhauer und Zeichner Siber wurde 1949 in Eberhardzell geboren, einer Gemeinde im – ja – ober­ schwäbischen Landkreis Biberach. Er lebt im Ortsteil Dietenwengen, einem 100-Seelen-Dorf. Oberessendorf, ein weiterer Ortsteil von Eberhardzell, war der Geburtsort von Maria Menz (1903−1996). Die „verletzliche wie starke“ ­Lyrikerin, wie Martin Walser über Menz notierte, wird auf Wikipedia unter „ Söhne und Töchter der Gemeinde“ ­g enannt. Nicht so Siber. Eine Fehlleistung. Aber das wird den Künstler nicht wirklich ärgern.

Atelier von Willi Siber in Dietenwengen, 2020, Foto: Reiner Brouwer


Willi Siber, Skulptur, 2020, polierte Bronze, Foto: Reiner Brouwer © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

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Willi Siber hat sich längst auf nationaler und internationaler Ebene einen Namen gemacht. Dazu musste er das Dorf und das Elternhaus verlassen – der Vater betrieb eine Schreinerei. Nach dem Abitur studierte er an der Universität Stuttgart Kunstwissenschaften, zeitgleich besuchte er die Fachklasse für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste. Er war Meisterschüler bei dem Bildhauer Herbert Baumann. Siber schloss beide Studiengänge mit dem Staatsexamen ab und wurde Lehrer. Und änderte dann doch die Laufrichtung, machte nur noch Kunst und erwarb sich den Ruf eines „neuen Wilden“. Das waren die 1970er-Jahre. Siber richtete sich in Reutlingen ein erstes Atelier ein, ein zweites in Dieten­ wengen und bald ein drittes im Tessin. Nach drei Jahrzehnten Unterwegssein kehrte er um das Jahr 2000 endgültig nach Oberschwaben zurück. In das Elternhaus, zu dem die alte väterliche Schreinerei gehört, in der er schon als Kind ein- und ausging. Es ist daher kein Zufall, dass der frühe Siber Holz, und das gleich mit der Kettensäge, bearbeitete. Im großen Garten des Elternhauses, in dem Siber neben dem Atelier ein Depot für seine Arbeiten errichten ließ, steht eine alle Gebäude überragende Wildbuche, die der ­A biturient 1969 gepf lanzt hatte. Der Werkstoff Holz übte schon immer eine Faszination auf ihn aus. Bekannt machten ihn die aus Holz verfertigten Gitterobjekte, die den schweren und bemalten Holzobjekten folgten. Dietenwengen ist für Willi Siber ein Ort der Ruhe und der Konzentration. Seine Sammler finden ihn auch hier. Ein Dutzend Galerien weltweit vertreten ihn, auf jährlich bis zu 15 Kunstmessen ist er mit seinem Werk präsent. Dazu kom­ men Ausstellungen. Die nächste beginnt Mitte November im Kunstverein Münsterland (bis 10. Januar 2021). „Ich frag mich selbst jeden Tag, wie das alles geht“, räumt er ein. Siber ist ein disziplinierter Künstler. Morgens früh um sechs steht er im Atelier, wenn er nicht gerade Besucher wie uns empfängt oder selbst in Sachen Kunst unterwegs ist. ­Seine Disziplin ist vielleicht der (ober-)schwäbischen Heimat geschuldet, der das schmunzlige Image „schaffe, schaffe, Häusle baue …“ nachhängt. Siber braucht auch keine innere Eingebung oder Ähnliches, wenn er das Atelier betritt, da ist er unromantisch. Er geht Kunst strategisch an. Wie ein ­A rchitekt. „Selbst Sinnlichkeit lässt sich planen“, sagt er, der mit seiner Kunst die Welt nicht retten, aber sie doch etwas schöner gestalten will. So „tickte“ er nicht immer. In den 1980er-Jahren malte Siber, ganz Kind der Zeit, großformatige halb abstrakte Protestbilder gegen Pershing-Raketen und ­K alten Krieg.

Pinsel im Atelier von Willi Siber, 2020, Foto: Reiner Brouwer

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Werkstatt von Willi Siber, Nagelobjekt im Entstehen, 2020, Foto: Reiner Brouwer


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Willi Siber schafft in Dietenwengen nicht nur seine unver­ wechselbare Kunst. Von hier aus organisiert er auch die Kontakte zur Kunstwelt. Das Büro ist im sanierten Elternhaus, in dem keine einzige Arbeit zu finden ist, dafür Bilder, Skulp­ turen und Installationen von Kollegen. Einer davon ist Ottmar Hörl, der es mit Multiples zu gewisser Berühmtheit gebracht hat. Siber schätzt den Freund. Aber sein Ansatz ist ein gänzlich anderer. Er legt Wert auf die Aura des Originals. Jedes Werk, das sein Atelier verlässt, ist ein Unikat. So gut Siber organisiert ist, so aufgeräumt das Haus, so chaotisch wirken dagegen die Arbeitsräume des ganz und gar unprätentiösen Künstlers. Seine Frau, sagt er lächelnd, betrete die Ateliers längst nicht mehr. Sie könne die Unordnung nicht ertragen – seine Frau, Stefanie Dathe, leitet die Museen der Stadt Ulm. Anders Siber. Beim Rundgang entsteht der Ein­ druck, dass ihn die mit Bildern, Tischen, Farbeimern, Rahmen, auch Müll zugestellten Räume inspirieren. An einer

Wand kleben Farbpinsel. Siber nennt dieses Werk schelmisch „Das Ende der Malerei“. Wenn er nicht mehr da sei, sagt er, werde die Wand ein Teil der Sammlung seiner Stiftung. Willi Siber ist im Vorstand der Hoenes-Stiftung, die das ­Museum Villa Rot in Burgrieden-Rot (ebenfalls Landkreis ­Biberach) trägt. Seine Zustiftung hat es ermöglicht, dass die 1912 erbaute Villa vor einigen Jahren eine Kunsthalle als An­ bau erhielt. Der Kubus, angedockt an das Mutterhaus, hat mit zusätzlichen 145 Quadratmetern die Ausstellungsfläche des Museums um 50% erweitert. Jetzt ist Raum für große Skulp­ turen und Plastiken. Dass sich Siber mit dem Anbau einen eigenen Tempel errichtet habe, weist er zurück. Anlässlich seines 70. Geburts­ tags richtete ihm Kuratorin Sabine Heilig eine Retrospektive ein. „der weg – Willi Siber 1980−2020“ führte von den farb­ intensiven Gemälden und filigranen Zeichnungen, der Kettensägenphase und den Noppen- und Gitterarbeiten zu

Rohmaterial für Kunstobjekte in der Werkstatt von Willi Siber, 2020,

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — P O R T R Ä T

Foto: Reiner Brouwer


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Blick in die Ausstellung Willi Siber „Sekundenglück“ in der Venet-Haus Galerie, Neu-Ulm, 18. September bis 1. November 2020, Foto: büro ost gmbh, Anna Rommel

den Stelen und Artefakten, bei denen der Künstler mit ­ mulsionen und Lasuren experimentierte. Auch die kunst­ E harzigen Nagelobjekten und Skulpturen aus Stahlrohr sowie aktuelle konkav-konvexe Tafelobjekte, bei denen Siber mit ­c hangierenden Interferenzfarben die menschliche Wahr­ nehmung auf die Probe stellt – Heilig nennt sie „Blickfallen“ –, wurden ausgestellt. Die Überblicksschau bestätigte Sibers Nimbus als Künstler, der sich in kein Gattungssystem einzwängen lässt, der sich immer wieder neu erfindet. Es war die erste Rück­ schau auf sein Werk überhaupt. Das Bewusstsein, dass da ein Lebenswerk entstanden ist, habe er bis dahin nicht gehabt. Be­ scheidenheit – auch das ist eine (ober-)schwäbische Tugend. Das Gros der Exponate waren Leihgaben. Er verkauft sich gut. Die Marktpräsenz macht ihn unabhängig, sie gibt ihm die „Freiheit zum Schönen“.

Inzwischen erwirbt Siber Werke für die Stiftung z­ urück. Eini­ ge hat er in seinem Depot in Dietenwengen ­zwischengelagert. Bei ihm stellt sich langsam ein anderes Denken ein, sagt er. Auch das Alter spielt dabei eine Rolle. Ans Aufhören denkt er nicht. Er brennt noch. Kunst zu schaffen, vom Bekannten ins Unbekannte gehen, Vertrautes so zu ­verändern, dass daraus Irritierendes und – eben – Neues ­entsteht, das ist nicht nur ein Job, das ist seine Lebensart. Das sagt auch Walser von seiner Schriftstellerei. Der publiziert noch mit 93 … SIEGMU N D KOPITZKI

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© VG Bild-Kunst, Bonn 2020


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Friedemann Gries haber in seinem Atelier, Foto: Friedemann Grieshaber © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

B e t on sk u lpt u r e n von F r ie de m a n n Gr ie sh a b e r i n D a r m st a dt

Zwischen Form und Material Beton ist ein besonderes Material der Bildhauerei! Der Berliner Bildhauer Friedemann Grieshaber hat den Werkstoff Beton mit großer Ausschließlichkeit und überzeugender Kon­ sequenz zu seinem erklärten Material gemacht. Seit über 20 Jahren steht er als Solitär einsam herausragend in der Land­ schaft der zeitgenössischen Bildhauerei und behauptet sich souverän zwischen Aktualität und Tradition!

Friedemann Grieshaber „baut“ seine Skulpturen. Er ist Ar­ chitekt, wenngleich in sehr übertragenem Sinne. Er sucht die Strenge und gibt seinen A rbeiten eine geometrische ­G rundstruktur, die er − im Sinne seiner künstlerischen ­Konzeption − immer bereit ist, zu durchbrechen. An diesem Punkt offenbart sich, dass er kein Architekt im Berufssinn ist, sondern das, was viele Architekten (zumindest in ihren ­f ik­t ionalen Skizzen) sein wollen: „Baukünstler“! Er gestaltet visionäre und traumhafte „ Baukunst“, unbegehbare


119 Architekturen, Häuser, Türme und ganze Stadtlandschaften, von der „Grauen Ewigkeit“ und dem „Gedankengebäude“ über „Wolkenheim“, „Hausträger“, das „Gedrückte Haus“ bis zur „Grauen Verschlossenheit“ und zum „Neuen Haus“. Zu seiner Werkgruppe „Graue Inhalte“ formuliert Friedemann Grieshaber stellvertretend für sein gesamtes Schaffen, dass es ihm um „visuelle Erfahrung und Gewohn­ heit“ geht und um „Größenverhältnisse, Zwischenräume, Horizontale und Vertikale“, um „vorn und hinten, Glie­ derung und […] Hausformen“, die „keine Häuser oder Architektur“ sind, sondern „eher Hausbilder“. Das Haus als Sujet wird ihm zum signifikanten Zeichen und zur Projek­ tionsfläche für individuelle Interpretationen. „Der Anspruch dabei ist, Gegenwärtiges mit Zeitlosigkeit zu einen. Eine Figur ist ein Gebäude, ist aufgetürmt, ist musikalisch gegliedert, ist [komponiert] […]. […] alle relevanten Beziehungen liegen ­innerhalb der Figur selbst, sie ist autonom und zielt nicht ab auf äußerliche Bezüge […].“ Friedemann Grieshaber wurde 1968 in Ravensburg ­geboren. Nach dem Abschluss einer Steinmetzlehre studierte er Bildhauerei in Stuttgart und Berlin bei Micha Ullmann, Inge Mahn, Lothar Fischer und Rebecca Horn und schloss 1998 als Meisterschüler von Lothar Fischer ab. Er erhielt zahl­ reiche Stipendien und Preise, etwa 2000 den 1. Preis für Bildhauerei der Darmstädter Sezession und 2005 das Stipen­ dium des Bundes und der Akademie der Künste Berlin für die Villa Serpentara, Olevano Romano.

Friedemann Grieshaber, „kleiner Blickfang“, 2013, Beton, 16 x 16 x 16 cm, Foto: Friedemann Grieshaber

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© VG Bild-Kunst, Bonn 2020


120 Im Beton hat Friedemann Grieshaber sein sinnfälliges und ­adäquates Material gefunden, das, so industriell es in seiner Baustoff lichkeit auch sein mag, durch ihn, den Künstler, ­e rweckt wird zu einem ungeheuren Reichtum an Ober­ f lächen und Strukturen, an Glätte und Porosität, in den Spuren der Werk-Prozesshaftigkeit bis hin zum Changieren der Grautöne. Grau ist eine „schöne“ Farbe: nicht einerlei oder ­hässlich und schon gar keine Unfarbe. Grau ist ein Farbwert, der dunkler ist als weiß, aber heller als schwarz. Grau ist eine unbunte Farbe. Auf der schwarz-weißen Farbskala ist das Grau in unendlichen Farbabstufungen die zentrale beherr­ schende Farbe vom Silbergrau, Mausgrau, Schiefergrau über Feldgrau, Rauschgrau, zum Aschgrau und Anthrazit.

Der zentrale Aspekt seiner Arbeit ist aber, neben ­F arbigkeit und Material, die vielgestaltige, immer neue, ­u nendlich ­v ariat ionsreiche Formerf indungsgabe des Künst lers. Seine Betonskulpturen beziehen ihre Formationen, ihr Gestaffelt-­Sein, das Auftürmende und Hochragende aus einer grenzenlosen künstlerischen Fantasie, zwittrig oft zwischen konstruktiver Stele und Figuration, nie real. Und sie sind g­ etragen von einer ungeheuren Poesie. Grieshaber gibt seinen Skulpturen eine eindeutige Hauptansichtigkeit und legt d ­ amit den Blick des Betrachters fest. Auch die Bild­ kästen als Wand- oder Sockelarbeiten sind in diesem Sinne dreidimen­sionale Reliefs. In der freien Entwicklung seiner plastischen Körper im Koordinatensystem von Raum und Form steht er, so kühl und heutig seine Arbeiten sind, in einer

Friedemann Grieshaber, „Wolkenheim“, 2006, Beton, 31 x 30 x 30 cm, Foto: Friedemann Grieshaber, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020


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Friedemann Grieshaber, „Cumulus“, 2019, Beton, 37 x 33 x33 cm,

Traditions­linie mit den Konstruktivisten, den Konstrukteu­ ren der Moderne, den visionären Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts: Außerhalb der Norm lagen die Ideen der Dadaisten und die Künstler des Bauhauses fanden ihren Weg zur strengen Konstruktion. Immer aber ist es bei Friedemann Grieshaber die Kraft der künstlerischen Fantasie und der ­Wille zur absoluten bildnerischen Idee. „Seine Welt zeige der Künstler, die niemals war noch jemals sein wird“, schrieb Hermann Bahr einst als Motto über das Arbeitshaus der Künstlerkolonie in Darmstadt. Ebendieses Reich der Fantasie verdinglicht Friedemann Grieshaber in seinen real exis­ t ierenden, außergewöhnlichen und herausragenden Betonskulpturen. CL AUS K. NETUSCHIL

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Foto: Friedemann Grieshaber, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020


Georg Nothelfer (* 7.7.1938 / † 3.10.2020) Galerist & Verleger

Gedanken Mein erster Weg nach der Maueröffnung im November 1989 führte mich in die Galerie Nothelfer. Aus diesem Zusammen­ treffen ist eine 30 Jahre andauernde Zusammenarbeit und Freundschaft entstanden. Noch Ende November 1989 b ­ esuchten mich Georg N ­ othelfer und der Schriftsteller M ­ anfred de la Motte in meiner Grafik­ druckwerkstatt, gegründet 1984 in Kreutzmannshagen bei Greifswald. Die Umbruchszeit sorgte bei vielen Institutionen für Rat- und Planlosigkeit. Unser Greifswalder Museum hatte zu dieser Zeit keine Ausstellung und so nutzten Georg Nothelfer, Man­ fred de la Motte, der Maler Wolfgang Tietze und ich die Gunst der Stunde und organisierten für das Museum und die Greifs­ walder eine komplette Ausstellung „Deutsches ­I nformel“. Aufsichtskräfte waren knapp und so haben Wolfgang Tietze und ich die Ausstellung zu einem großen Teil selbst beaufsich­ tigt. Ich möchte meinen, es war die erste umfassende Informel-Präsentation in der damals noch ­bestehenden DDR. Seit dieser Zeit habe ich in meiner Druckwerkstatt dutzende Editionen für die Künstler der Galerie Nothelfer gedruckt. Das kooperative Geben und Nehmen machte es mir damals leicht, mich schnell in der Galeriefamilie, bestehend aus ­G eorg Nothelfer, Katharina Nothelfer-Kück, Manfred de la Motte, den Mitarbeiterinnen und Künstlern, wohlzufühlen. Ich hatte das große Glück, mit Künstlern wie Fred Thieler, K. O. Götz, K. R. H. Sonderborg, Walter Stöhrer, Walter ­Menne, Georges Noël, Max Neumann, Thomas Hartmann und Adochi zu arbeiten, zu diskutieren und zu feiern. Die Galerie Nothelfer, ein offenes Haus mit wunder­barer Kunst, immer einer guten Flasche Rotwein auf dem Tisch und freundlichen Menschen. In dieser Galerie habe ich mich ­sozusagen „infiziert“ und 1993 meine eigene Galerie, die ­Galerie Schwarz in Greifswald, gegründet. Georg Nothelfer war einer, der Menschen mitreißen konnte. So haben wir in den vergangenen Jahren gemeinsam an vielen Projekten gearbeitet, sei es bei der Herstellung von Editionen, bei der Planung von Ausstellungen oder auf Kunstmessen. ­Bewundernswert war seine Energie, mit der er Ziele ansteu­ erte. Das machte Mut!

Georg Nothelfer und Hubert Schwarz auf der Art Cologne 2008 vor einem Bild von Kazuo Shiraga, Foto: Andre Roeder

Er ermöglichte mir den vollen Zugriff auf sein enormes Bil­ derlager und so konnte ich in meiner Galerie im fernen Mecklenburg-Vorpommern wunderbare Präsentationen mit Werken von Henri Michaux, Richard Serra, Christo und ­natürlich den Informellen realisieren. Georg Nothelfers Grundeinstellung war: Kunst hat etwas mit Haltung zu tun. Das, was man zeigt, muss man auch meinen! Ein Freund und Kollege ist gegangen und keiner kann diese Lücke schließen. H U B E R T S C H WA R Z

Grafikdrucker und Galerist

Gale r ie Schwarz Gre ifswald www. galer ie-schwarz . de


sAbine OstermAnn

AnnA Arnskötter

Sabine Ostermann | Leute machen Kleider oder andersrum IV | 2020 Linolschnitt, Alkydfarbe, Schlagmetall | 170 x 120 cm

AnnA Arnskötter - Skulpturen sAbine OstermAnn - Linolschnitte 23. Oktober – 28. november 2020 Künstler der Galerie, u.a. mit mOritz Götze – LOthAr seruset mAtthiAs GArff – mAriOn eichmAnn sonderschau: michAeL LAuterjunG – stillleben » What a year ! «  4. Dezember 2020 – 2. januar 2021 michAeL rAmsAuer – VOLker LeyenDecker DietmAr brixy – AnDreAs theurer sAbine OstermAnn – heike jeschOnnek LArs theuerkAuff - Werner schmiDt hArALD GnADe – uWe WOhLmAcher jiny LAn » Landschaft I « 8. januar – 28. februar 2021

Anna Arnskötter | Turmspeicher 2014 | Keramik | 181 x 50 x 50 cm

Ein Projekt im Rahmen von KULTUR NEUSTARTEN

D-10969 Berlin • Hedemannstr. 14

Tel: +49 (0)30 225 027 910

Mobil: +49 (0)175 2061942

info @ galerie-tammen.de

www.galerie-tammen.de


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Analoge Collagen Eisbären schwimmen im Wasser und bäumen sich auf, ­M enschen verstecken sich hinter Dickicht und Mauern, ­F ische und Blumen werden in wilde Rotation versetzt. Und all dies v ­ erwirbelt sich zu pflanzenähnlichen Gebilden und archi­tektonischen Elementen, die an Strudel-, Höllen- und Stadtlandschaften erinnern. Sabine Hertig (* 1982) ist bekannt für ihre analogen und eigen­ willigen Monumentalcollagen. Ausgerüstet mit Schere und Leim, reizt die Schweizer Künstlerin die Möglichkeiten zur Auf lösung von Grenzen und Konturen aus. Mit den kom­ plexen Bildräumen schafft Sabine Hertig ein eigenständiges, unverwechselbares Werk, das einen kraftvollen, innovativen Umgang mit dem Medium der Collage zeigt.

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — M E D I E N T I P P S

Sabine Hertig – Scrap Analoge Collagen Hrsg.: Ines Goldbach

Christoph Merian Verlag 162 S. 96 Farbabb. 22,5 x 31 cm Gebunden EUR 28 ISBN 978-3-85616-857-5 Dt./Engl.

Sabine Hertig, Ohne Titel, 2011, analoge Collage, 14,5 x 20,5 cm, Foto: © Sabine Hertig und STAMPA, Basel


NAH ANS WASSER GEBAUT Architekturikonen und der Meeresspiegel 28. November 2020 bis 21. März 2021

Weg zum Hohen Ufer 36 18347 Ostseebad Ahrenshoop Tel. 038220 66790 kunstmuseum-ahrenshoop.de

Gezeigt werden rund 20 Modelle, Fotografien, Filme und Virtual-RealitySimulationen herausragender architektonischer Studien und Projekte. Alle eint ihre Verortung am, im oder auf dem Wasser. Abbildung oben: Snug Architects Milford Beach Huts | © Martin Gardner Photography

Abbildung unten: J. Mayer H. Architekten Grenzübergang in Sarpi, Georgia | © Jesko Johnsson-Zahn


126 BIENNALE BREGAGLIA 2020 Ein Kunstprojekt rund um die Kirche Nossa Dona und die Talsperre Lan Müraia bei P­ romontogno: Selina Baumann, Nino Baumgartner, Alex Dorici, Sonja Feldmeier, Asi Föcker, Zilla Leutenegger, Noha Mokhtar & Lucas Uhlmann, Patrick Rohner, Roman Signer, Not Vital, Anita Zumbühl Hrsg.: Progetti d’arte in Val Bregaglia, Luciano Fasciati — Für das Ausstellungsprojekt BIENNALE BREGAGLIA 2020 haben der künstlerische Leiter Luciano Fasciati und die Assistenz-Kuratorinnen Francine Bernasconi und ­S arah Wiesendanger namhafte Schweizer ­Künstler*innen aus den vier Sprachregionen des Landes eingeladen, mit ihren Werken die Umgebung von Nossa Dona und Lan Müraia zu bespielen. In ihrer Arbeit ­s etzen sich die ausgewählten Künstler*innen mit den ­B esonderheiten des Territoriums und seiner Geschichte auseinander. Ergänzt wird die Publikation mit Beiträgen und Anekdoten rund um den Ausstellungsraum.

Edition Badile 196 S. Zahlreiche Farbabb. 14,5 x 19 cm Gebunden CHF 35 ISBN 978-3-9524997-2-6 Dt./Ital.

barock. EN ROUTE Ein Reisebegleiter zu Geschichte(n), Kunst und Kultur an der BarockStraße SaarPfalz Wolfgang Felk, Jürgen Proföhr — „barock. EN ROUTE“ lädt Kulturreisende zur Spuren­ suche entlang der BarockStraße SaarPfalz ein. Die touristische Route verbindet Saarbrücken, Ottweiler, Zweibrücken und Blieskastel – die früheren Residenzen dreier eng verbundener barocker Herrscherhäuser nahe Frankreich. Mit kenntnisreichen Texten, informativen Karten und einer Vielzahl einladender Bilder führt der Reisebegleiter den Leser zu Geschichte(n), Kunst und Kultur vor Ort.

Verlag C.H. Beck 303 S. 35 Farbabb. und 29 S/W-Abb. 13,9 x 21,7 cm Hardcover EUR 29,95 (D) ISBN 978-3-406-75825-6 Dt.

Die Künstleranekdote 1760–1960 Künstlerleben und Bildinterpretation Werner Busch — Anekdoten sind keineswegs immer nur harmlose ­G eschichten mit einer überraschenden Pointe. Vielmehr waren sie von ihren antiken Anfängen an einer anderen – oft subversiven – Wahrheit verpflichtet als die offizielle Geschichtsschreibung. Auch Künstleranekdoten verraten mehr über die Künstler und ihr Werk, als es scheint. W ­ erner Busch zeigt dies in bestechender Weise an ­b edeutenden Malern von Gainsborough über ­M enzel und Turner bis zu Mark Rothko.

BarockStraße SaarPfalz 204 S. 48 Abb. inkl. Plänen, historischer Ansichten und Karten EUR 7,90 (D) / EUR 8,20 (A) ISBN 978-3-00-066627-8 Dt.


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I Love Women in Art Janine Mackenroth, Bianca Kennedy — In dem Sammelwerk „I Love Women in Art“ stellen ­Frauen im Kunstbetrieb, darunter Kuratorinnen, Galeristinnen und Journa­listinnen, jeweils ein Werk von einer Künstlerin mit Deutschlandbezug mit ihrer Geschichte vor. Es erscheint anlässlich des 100. Jubi­läums der ­Zulassung von Frauen an deutschen Kunstakademien. Mit diesem Buch soll der herrschenden Unter­reprä­ sentation von Künstlerinnen und weiblichen Kultur­ schaffenden aktiv etwas e­ ntgegengesetzt werden.

Harøy & andere Orte am Meer Holger Stark Mit einem Text von Julia Wirxel Erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Edvard-Munch-Haus Warnemünde — Holger Stark studierte in Dresden, Hamburg und London ­b ildende Kunst. Immer als Maler sich verstehend, beschäftigt er sich seit Anfang der 1990er-Jahre mit dem Medium ­Fotografie. Eine Auswahl von 54 Fotografien, entstanden an verschiedenen Küstenorten Europas und Nordamerikas, ist in dieser Publikation versammelt. „Die Kamera wird zum Auge, das so sieht, wie wir nicht sehen können und einen anderen Blick, eine andere Wahrnehmung der Welt ­e rmöglicht ...“ (Julia Wirxel).

Christoph Merian Verlag 116 S. 56 Farbabb. 13 x 31 cm Hardcover EUR 24 (D) / CHF 26 ISBN 978-3-85616-937-4 Dt.

Idulfania Brecht Evens Hrsg.: Cartoonmuseum Basel, Anette Gehrig — Der belgische Comicautor entfaltet in „Idulfania“ leuchtend-­b unte Bilderreigen voller Absurditäten, ­n onchalanter ­B ösartigkeit und makabrer Pointen. Seine Figuren – Könige, Prinzessinnen, Ritter, Zwerge, ­D rachen, Ganoven, normale Menschen – lässt er im ­M ärchenland „Idulfania“ ins Verderben laufen oder ihre Heldenrolle ungerührt über Bord werfen. Lukas Verlag 112 S. 54 Farbabb. 24,2 x 16,4 cm Halbleinen EUR 30 (D) ISBN 978-3-86732-373-4 Dt./Engl.

Ein visueller Hochgenuss für alle, die eine Prise ­S urrealität, a ­ bsurde Wendungen und tiefschwarzen Humor mögen.

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — M E D I E N T I P P S

100 WOMEN ARTISTS 224 S. Silberfolienprägung 26,5 x 21 cm Hardcover EUR 30 (D) ISBN 978-3-9821741-1-2 Dt.


Maria Grazia Sacchitelli Schmelzpunktbestimmung TTR Technologiepark Tübingen-Reutlingen 03. Dezember 2020 – 26. März 2021

TTR Technologiepark Tübingen-Reutlingen Gerhard-Kindler-Straße 13 72770 Reutlingen T +49 (0) 7121 909 79 90

Öffnungszeiten Mo–Fr 9–16 Uhr Sa, So, feiertags geschlossen www.ttr-gmbh.de


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D ie A lt e Nat ion a l g a le r ie i n B e rl i n w id me t s ic h i n e i ne r g r oß a n g ele g t e n ­S onde r au s st el lu n g de r K u n st de s b el g i s c he n Sy mb ol i s mu s .

„Im Lebenstraum gefangen“ In einem auffälligen Breitformat sieht man eine junge Frau mit langen roten Haaren und seltsam farblosen, träume­ risch-verhangenen Augen, das blasse Gesicht auf die Arme gestützt. Das Bild steckt voll rätselhafter Symbole und Details, sodass man sich nicht sattsehen kann: Im Vordergrund ver­ dorrte Lilien der Reinheit, links der Pfeil steht für Liebe oder Schmerz, Mohn und Büste des antiken Gottes Hypnos für Schlaf und Tod, rechts an der Rückwand wie ein „Bild im Bild“

ein klosterähnlicher Hof ... „I lock my door upon myself “ des belgischen Malers Fernand Khnopff ist eines der bedeutends­ ten Werke des Symbolismus, angeregt durch einen Vers der Dichterin Christina Rossetti, der Schwester Dante Gabriel Rossettis. Für Khnopff bedeutete das sich In-sich-selbst-­ Versenken, sich seinen Träumen zu überlassen und die Tiefen des eigenen Ich auszuloten.


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Öl auf Leinwand, 96 x 74,5 cm, Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel, Foto: Freya Maes, © RMFAB, Brussels

„Es dreht sich in dieser Ausstellung sehr viel um die psycholo­ gische Komponente des Ergründens der Seele, aber manchmal auch des Abgründigen, was das menschliche Leben ebenso beinhaltet“, sagt Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie. Die Vorliebe für Rätsel, morbide Fantasien und der lustvolle Blick in den Abgrund ist allen Exponaten der Schau gemein. Inspiriert durch die zeitgenössische Literatur kombinierten die Kunstschaffenden eine neue Mystik mit einem extra­ vaganten Stil. Zentral ist dabei das Bild der Frau, mal Femme fatale, mal halbe Heilige. Immer ist es ein ästhetisiertes Wunschbild wie im Lebenstraum gefangen. 1887 malte ­K hnopff seine Schwester Marguerite in hochgeschlossenem weißen Kleid, gedankenverloren und von einem Türrahmen wie gefangengenommen − ein Sinnbild der unerreichbaren, unberührbaren Frau. Symbolismus ist kein einheitlicher Stil, sondern eine künst­lerische Haltung. Die Ausstellung „Dekadenz und dunkle Träume“ zeigt eindrucksvoll den belgischen Symbo­ lismus als Schmelztiegel verschiedenster Kunstströmungen, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in Brüssel kreuzten und

die Hauptstadt des jungen belgischen Staates neben Paris zum einflussreichsten Zentrum des Symbolismus in Europa werden ließen. Belgien, 1830 unabhängig geworden, erfuhr in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als erstes industri­ alisiertes Land auf dem europäischen Kontinent sowie prosperierende Kolonialmacht einen enormen wirtschaft­ lichen und kulturellen Aufschwung. Die umfangreiche Berliner Schau präsentiert neben be­kannten Künstlern wie Fernand Khnopff und James Ensor viele in Deutschland bisher kaum bekannte Positionen wie Léon Spilliaert, Félicien Rops oder Jean Delville. In 13 Kapitel werden zentrale Themen des belgischen Symbolismus von Erotik und Mystik, Wahn und Neurose bis zu Tod und Ver­ fall aufgefächert. Ralf Gleis sieht in der symbolistischen Kunstströmung durchaus eine Parallele zu unserer heutigen gesellschaftlichen Realität: „Man war eigentlich an der Stelle, wo man glaubte, dass es so nicht weitergeht und dass man einer großen Krise gegenüber steht, einer Dekadenz, einem Abstieg, so wie wir es heute schon vor Corona wahrgenommen haben, aber wie es sich jetzt natürlich nochmal deutlicher zeigt.“ BET TINA GÖTZ

B i s 1 7. J a n u a r 2 0 2 1 D e k a d e n z u n d d u n k l e Trä u m e Der B elg ische Symbolismus Alte Nat ionalgaler ie Staatliche Museen zu B erlin w w w . f r e u n d e - d e r- n a t i o n a l g a l e r i e . d e

Fernand Khnopff, „I lock my door upon myself “, 1891, Öl auf Leinwand, 72,7 x 141,0 cm © bpk | Bayerische Staatsgemäldesammlungen

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — A U S S T E L L U N G

linke Seite: Fernand Khnopff, „Porträt von Marguerite Khnopff “, 1887,


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Nguyen Xuan Huy, „Excavation“, 2020, Öl auf Leinwand, 270 x 200 cm, Courtesy: Galerie Rothamel


133 Ng uye n Xu a n H uy i n de r K u n st s a m m lu n g J e n a

Traum und Albtraum Atmosphären entstehen Welten, in der die Logik des Alltags ausgehebelt ist. Während gewohnte Grenzziehungen aufge­ hoben sind, verschmelzen Traum und Albtraum symbiotisch ineinander. Orgiastische Tanzreigen treffen auf Stürze ins Bo­ denlose, monströse Augäpfel oder sich auf­lösende Tiere und selbst schlichte Einzelporträts pendeln ambig zwischen elegi­ scher Verträumtheit und einer depressiven Apathie, die den Betrachter auf sich selbst zurückwirft. Mit Nguyen Xuan Huy präsentiert die Kunstsammlung Jena faszinierend-­sinnliche Malerei, die zu emotionalen wie ­intellektuellen Reaktionen herausfordert und vorführt, wie sich das Anziehende und Ab­ stoßende gegenseitig befruchten können. HANNAH SACHSENM AIER

1 2 . D e z e m b e r 2 0 2 0 b i s 7. M ä r z 2 0 2 1 Ng uye n Xuan Huy – Male re i www. k unstsammlung-jena. de

Nguyen Xuan Huy, „Silence 9“, 2020, Öl auf Leinwand, 90 x 70cm, Courtesy: Galerie Rothamel

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — A U S S T E L L U N G

Anmutige nackte Frauenkörper, die sich tänzerisch oder schwebend in erotischen Posen durch irreale Welten bewe­ gen. Mit verträumten, selig lächelnden oder ekstatischen Gesichtern räkeln sich agile Jugendliche mal alleine auf Kissen, mal als Gruppe in stimmungsvoll erleuchteten fantastischen Landschaftsszenerien. Die in altmeisterlicher Manier ge­ malten, häufig großformatigen Ölbilder von Nguyen Xuan Huy, die die Kunstsammlung Jena ausstellt, überwältigen ­u nmittelbar mit ihrer Schönheit. Und sie verstören. Denn rasch offenbart sich der trügerische Schein und lässt die Stim­ mung kippen: Verdrehte oder verkrüppelte Gliedmaßen fallen auf und überall lauern bedrohliche Details wie Maschi­ nengewehre, Hähnchenflügel oder sozialistische Symbole. Die eindringlichen Inszenierungen des 1976 in Hanoi geborenen Vietnamesen sind wahrlich keine leichte Kost. Nguyen Xuan Huy lebt und arbeitet bereits seit 1994 in Deutschland. Ein Architekturstudium in Hanoi brach er ab zugunsten eines Studiums der Malerei an der Burg Gie­ bichenstein Kunsthochschule in Halle (Saale), das er mit Auszeichnung abschloss. Die Entscheidung, sein ständiges Leben hier zu verbringen, war folgenreich, indem sie den Sohn eines Vietcong-Kämpfers damit konfrontierte, wie sehr seine eigene Identität mit dem Vietnamkrieg als dem fun­ damentalen Trauma seiner Herkunft verknüpft ist. Die Nachwirkungen des von der US-Army eingesetzten Ent­ laubungsmittels Agent Orange, das Schäden im Erbgut hinterlässt und bis heute unzählige Missbildungen bedingt, sind ebenso ein zentrales Thema seiner Werke wie die sozia­ listische Ideologie, mit der er in dem kommunistischen Land aufgewachsen ist. Die Perspektive von außen ermöglichte es ihm, sich künstlerisch mit jener Propaganda zu beschäftigen, die ihn selbst lange, wie er sagt, an ein naives Weltbild geteilt in gut und böse glauben ließ. Hinzukommt der interessierte Blick in die andere Richtung – auf die Traditionen Europas. Die westliche Kunst­ geschichte inspirierte den Maler früh, was sich an seiner realistisch-sinnlichen Darstellungsweise des menschlichen Körpers sowie an vielen Zitaten und Anspielungen ablesen lässt. Hat sich sein eigener Stil mit hoher Wiedererkennbar­ keit längst gefestigt, rufen die Kompositionen Erinnerungen an Schlüsselwerke aus unterschiedlichen Epochen wach, etwa an Michelangelos Deckenmalereien der Sixtinischen ­K apelle, an Goyas „Caprichos“, an Matisses tanzende Frauen oder auch an den Porn-Kitsch Jeff Koons. Die Vermischung der unterschiedlichen Hinter­ gründe verleitete Nguyen Xuan Huy dazu, die Bilder in seinem Kopf allen Gegensätzen zum Trotz in groß ange­ legten Fik­t ionen ­v isuell miteinander zu verflechten. Durch diverse Ver­satzstücke aus der Realität, vieldeutig-rätselhafte ­H andlungsmomente und unheimliche, oft zwielichtige


Max Uhlig in der Werkstatt der Derix Glasstudios, Foto: Archiv Kunstmuseum Magdeburg © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

M a x U h l i g i n E s s e n u nd M a g de b u r g

Aus Licht und Schatten Die Ausstellung in der Galerie Klose steht im Zusammenhang mit den am 16. September 2020 mit einer offiziellen Fest­ veranstaltung eingeweihten „Max-Uhlig-Fenstern“ in der Johanniskirche zu Magdeburg. Insgesamt sind es 14 gotische Fenster mit einer Gesamtfläche von über 360 Quadratmetern, die von Max Uhlig eigenhändig bemalt wurden. In der Essener Einzelausstellung erwartet den Be­ sucher ein Querschnitt von Max Uhligs Arbeiten und deren Vielschichtigkeit. Ein Muster, welches sich in all seinen

­ erken immer wiederfindet, zwei Gegensätze, die er mitein­ W ander verschmelzen lässt: die Figuration und die Abstraktion. Aus vielen Linien fügen sich die Kunstwerke zusammen und ­dennoch sind keine klaren Konturen zu erkennen. Eine Ver­ knüpfung, welche ungewöhnlich erscheint und Uhlig auf eine einzigartige und stimmige Weise gelingt. Die Arbeiten von Max Uhlig zeichnen sich durch ­Konsequenz der stilistischen Entwicklung und durch eine un­ verwechselbare und zugleich eindringliche Bildsprache aus.


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Die komplette Südseite der Johanniskirche in Magdeburg, Foto: Landeshauptstadt Magdeburg © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die Linie ist das wesentliche Ausdrucksmittel in der Kunst Max Uhligs, die sich im Grenzbereich zwischen Gegenständ­ lichkeit und Abstraktion befindet. Insbesondere unter Berücksichtigung der politischen Umstände der DDR, in der Kunst als ideologisches Instrument missbraucht wurde, sind die Standhaftigkeit und Beharrlichkeit, mit der der Künstler unbeirrt Haltung und freien Geist bewies und bis heute be­ weist, bemerkenswert. Seine Bildnisse werden bestimmt durch den Rhyth­ mus der Liniensprache, der aus dem heftigen Gestus und dem Verzicht auf Kontur resultiert und zu einer Entgrenzung der Gegenstände führt. Diese einmalige Form- und Bildsprache wird in der Ausstellung anhand von Gemälden, Ölpastellen, Zeichnungen und Grafik gezeigt.

Ein Katalog, welcher sich diesen Fenstern widmet, ist vor ­K urzem im Hirmer-Verlag erschienen: „Feurige Farben, f lammendes Licht, großes Drama – Aktuelle Glasmalerei von Max Uhlig“. Der spannende Entstehungsprozess der Fenster lässt sich außerdem in dem Film „Aus Licht und Schatten“, an ­welchen ebenfalls der Ausstellungstitel in der Galerie Klose in Essen anknüpft, nachvollziehen. Wunderbar detailreich ­w urde hier dokumentiert, wie die Kirchenfenster − Schritt für Schritt vom Entwurf über die Verarbeitung bis hin zur schluss­endlichen zur Bemalung − entstanden sind. Der Film ist zu sehen auf www.kuratoriumjohanniskirche.wordpress. com/herzlich-willkommen/film.

M A X U H L I G – F E N S T E R F Ü R D I E J O H A N N I S K I RC H E

B i s 7. D e z e m b e r 2 0 2 0

Der 1937 in Dresden geborene Künstler Max Uhlig hat viele Jahre an einem Entwurf für die Fenster der Johanniskirche in Magdeburg gearbeitet. Das großartige Projekt basiert auf ­seinen immer wiederkehrenden Themen: Vegetation und Landschaft, die nun in stark abstrahierter Form in den ­F enstern des Chors und der Südseite erscheinen. Die Chor­ fenster sind farblich zurückhaltend als Grisaillen gestaltet, allein die Südseite zeigt eine stärkere Farbigkeit in warmen Herbsttönen. Verbindendes Element der Gesamtgestaltung ist das für Uhlig typische dichte schwarze Liniengef lecht. ­S eine Fensterentwürfe für die Johanniskirche konnten nun endlich realisiert werden.

„ A u s L i c h t u n d S c h a t t e n . . . u n d n o c h m a l q u e r d u r c h s We r k “

Ma x Uhlig Galer ie Klose, Essen www. galer ie-klose. de Ma x Uhlig – Fe n ste r f ür die Johanni sk irche Johanni sk irche z u Magdeburg w w w . k u ra t o r i u m j o h a n n i s k i r c h e . w o rd p r e s s . c o m

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — A U S S T E L L U N G

ANNIKA GRAEF


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Kunst im öffentlichen Raum Alle Fotos: © Hannover Marketing und Tourismus GmbH

Kunst für alle – Indoor und Outdoor! In Hannover werden Kunst und Kultur GROSS geschrie­ ben. Zu den international bedeutendsten Adressen für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts zählt das frisch er­ weiterte Sprengel Museum Hannover. Auch die Kestner Gesellschaft und der Kunstverein sind überregional ange­ sehene Häuser für zeit­g enössische Werke. Urgeschichte, NaturWelten und Völkerkunde, die Landesgalerie sowie das niedersächsische Münzkabinett und ein Aquarium sind im Landesmuseum Hannover zu erleben. Das Museum August Kestner präsentiert die Antike und das alte Ägypten. Das Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und ­Z eichenkunst zeigt Karikaturen, kritische Grafik und eine einzigartige Wilhelm Busch Sammlung, während das ­Museum Schloss Herrenhausen die Geschichte der Herren­ häuser Gärten zum Leben erweckt.

Neben einer Vielzahl renommierter Museen und Ausstel­ lungshäuser gibt es auch im öffentlichen Straßenraum jede Menge zu entdecken. Kostenlose Stadtspaziergänge ­warten darauf, entdeckt zu werden – und das Beste daran: Sie bestim­ men selbst, wann und wo Sie starten, wie lange Sie an den einzelnen Orten bleiben oder wann Zeit für einen Kaffee ist. Die einzelnen Touren sind auch gut kombinierbar, je nachdem wie lange die Tour dauern soll oder was Sie am meisten inter­ essiert. Dabei haben Sie die Wahl, ob Sie sich mit den ­öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder den eigenen Füßen auf den Weg durch Hannover machen. A l l e To u r e n i n k l u s i v e K a r t e n , I n f o s u n d B e s c h r e i b u n g e n f i n d e n S i e u n t e r v i s i t- h a n n o v e r. c o m / k u l t u r f o r f r e e .

T O U R E N „ K U N S T I M Ö F F E N T L I C H E N R AU M “

Kunst im öffentlichen Raum hat in Hannover eine lange Tra­ dition und einen hohen Stellenwert: Im Laufe der Jahrzehnte wurden mehr als 200 Skulpturen, Plastiken und Installatio­ nen im Stadtraum platziert. Wer heute auch nur kurze Distanzen in der Innenstadt zurücklegt, wird auf Schritt und Tritt mit historischen und aktuellen Objekten konfrontiert. TIPP: Schöner warten – seit über 25 Jahren in Hannover Realität: Seit 1994 verfügt Hannover mit den BUSSTOPS über eine weltweit einmalige Kollektion von kunstvoll ­gestalteten Bushaltestellen. Gehry, Sottsass, Morrison – ­international renommierte Designer verwirklichten im Rahmen des Kunstprojekts ihre ganz eigenen Vorstellungen des eigentlich profanen Ortes Wartehäuschen. links: Sprengel Museum Hannover


T O U R E N „ G R A F F I T I & S T R E E TA R T “

Schwitters, das Krümelmonster oder eine Unterwasserwelt: Die drei neuen Graffiti- und Streetart-Rundgänge führen durch Hannovers Stadtteile Linden, Nordstadt und die List/ Oststadt. Legale Kunstwerke, die Hauswände schmücken und verzieren, sind als kurze Stadtteil­r undgänge zu entdecken.

T O U R „ AU F D E N S P U R E N VO N G O T T F R I E D W I L H E L M L E I B N I Z “

Auf den Spuren des Universalgelehrten wandeln und dabei auf einem Rundgang durch Hannover die Baudenkmäler und Orte entdecken, an denen Gottfried Wilhelm Leibniz zu ­seiner Zeit lebte und wirkte. Leibniz konstruierte die erste ­R echenmaschine für die vier Grundrechenarten und be­ schrieb das binäre System mit null und eins – die Basis der modernen Computertechnologie. TIPP: Im Hauptgebäude der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek spiegelt sich der Geist Leibniz’ wider, denn er legte mit der Herzoglichen Bibliothek die Grundlage für den ­dortigen B ­ estand. Ein Faltplan zum Rundgang ist in der Tourist Information erhältlich.

Graffiti in Hannovers Stadtteilen

T O U R „ D E R R O T E FA D E N “

Hannover hat Einzigartiges zu bieten: Auf einer Länge von 4.200 Metern ist eine rote Linie auf das Straßenpf laster ge­ malt, die zu 36 Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt führt. Hilfreich ist dabei die informative Begleitbroschüre im handlichen Taschenformat „Der Rote Faden – Ihr ganz per­ sönlicher Stadtführer“. Das Buch liefert viel Wissenswertes und teils auch Amüsantes über alle Attraktionen entlang des Roten Fadens. TIPP: Der Rote Faden ist barrierefrei. Die Broschüre ist aktuell in 10 Sprachen in der Tourist Information erhältlich.

Architektur aus der Zeit der Personalunion

T O U R „ A RC H I T E K T U R AU S D E R Z E I T DE R PE R SONA LU N ION “

TIPP: Die Tour lässt sich gut in eine Innenstadt- und eine Herrenhausen-Tour aufsplitten und so über zwei Tage ­verteilen. Ein Faltplan zur Tour ist in der Tourist Information erhältlich. I n f o r m a t i o n e n , F a l t p l ä n e & B ro s c h ü r e n : H a n n o v e r M a r k e t i n g & To u r i s m u s G m b H To u r i s t I n f o r m a t i o n E r n s t- A u g u s t- P l a t z 8 , 3 0 1 5 9 H a n n o v e r T + 4 9 (0) 5 1 1 1 2 3 4 5- 1 1 1 i n f o @ h a n n o v e r- t o u r i s m u s . d e v i s i t- h a n n o v e r. c o m Der Rote Faden

f a c e b o o k . c o m / t o u r i s m u s . h a n n o v e r. d e

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — H A N N O V E R

Der A rchitekturpfad wandelt auf den Spuren der Per­ son a l­u n ion u nd zeig t über 2 0 Bauden k mä ler jener bemerkenswerten Epoche. Von 17 1 4 bis 1837 dauerte die Epoche der Personalunion zwischen dem Königshaus Hannover und England an. Auch im heutigen Stadtbild finden sich noch immer zahlreiche Zeugnisse dieser be­ sonderen Zeit. Vor allem das Werk des Hofarchitekten Georg Laves (1788–1864) prägt bis heute die Stadt.


138 A le x a nde r K l a r br i n g t d ie H a mb u r g e r K u n st h a l le au f K u r s

Vertrauen in die Kunst

Prof. Dr. Alexander Klar, Direktor der Hamburger Kunsthalle, Foto: Romanus Fuhrmann, © Hamburger Kunsthalle

Es ist f ür wahr keine leichte Aufgabe, die Hamburger Kunsthalle, d i e i n d e n l e t z t e n J a h r e n e i n w e n i g i m A b s e i t s s t a n d , w i e d e r z u n e u e r S t ra h l k ra f t z u f ü h r e n . A l e x a n d e r K l a r h a t s i c h d e r H e ra u s f o rd e r u n g g e s t e l l t : S e i t 2 0 1 9 i s t e r D i r e k t o r d e s 1 8 6 9 e rö f f n e t e n H a u s e s , d a s m i t K u n s t w e r k e n v o m M i t t e l a l t e r b i s z u r G e g e n w a r t acht Jahrhunder te Kunstgeschichte zu bieten hat.


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Max Beckmann (1884–1950), „Selbstbildnis Florenz“, 1907, Öl auf Leinwand, 98 x 90 cm, Hamburger Kunsthalle, Dauerleihgabe Nachlass Peter und Maja Beckmann, Foto: Elke Walford © Hamburger Kunsthalle / bpk // VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Arbeitsplatz in die Ausstellung und laden zum Dialog über Beckmanns Kunst und Geschlechterfragen ein, für Januar 2021 ist ein international besetztes Symposium zum Thema geplant. Dass Max Beckmanns Werk immer wieder Anlass für besondere Betrachtung bietet, zeigt sich nicht zuletzt an der Fülle der Ausstellungen in diesem Jahr: Auch Brühl, Frank­ furt am Main und München laden ein, Facetten von Max Beckmanns (1884−1950) Werk neu zu entdecken. Für die Hamburger Kunsthalle ist es übrigens bereits die vierte Beck­ mann-Schau in den letzten 30 Jahren. Eine ganz andere Herausforderung für die Kuratoren der Kunsthalle ist die 1996 eröffnete „Galerie der Gegen­ wart“. Das mag an der dominanten Architektur von Oswald Mathias Ungers liegen. Dieser hatte das erste Obergeschoss als offene Tageslichtgalerie konzipiert, die als Plattform für

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Einige Werke aus den Anfängen der Sammlung stehen nun in der Präsentation „Making History. Hans Makart und die ­S alonmalerei des 19. Jahrhunderts“ besonders im Fokus. Im Zentrum steht Makarts riesiges Gemälde „Der Einzug ­K arls V. in Antwerpen“ von 1878, das im Jahr darauf für die Hamburger Kunsthalle erworben wurde. Schon damals war Makarts Darstellung der nackten Frauen im Bild eine Provo­ kation und noch heute könnte die Ausstellung des Bildes zu Stürmen ­öffentlicher Empörung führen. Aber wie umgehen mit all ­d iesen Werken, die aus heutiger Sicht sexistisch, ko­ lonialistisch oder rassistisch erscheinen? So gesehen ist die Sammlung der Hamburger Kunsthalle voller Fallstricke. Aber „zu sagen: Das gibt’s nicht, ist halt auch keine Lösung“, so A ­ lexander Klar. Der Makart fordere ein, „dass man davor steht und sich die Köpfe heiß redet“. Und so begrüßt das Ge­ mälde, das seit 2016 hinter einer Wand verborgen war, jetzt wieder die Besucher der Kunsthalle im ersten Ausstellungs­ raum des Rundgangs durchs Haus. Neben dem Hauptwerk werden im „Makart-Saal“ auf samtbespannten Wänden und in salon­a rtiger Hängung etwa 60 Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts präsentiert, von denen einige zuletzt vor 100 Jahren zu sehen waren. Kuratiert wurde die Präsen­ tation von Markus Bertsch und Amelie Baader. Sie zeichnen die Zeit­g eschichte anhand ästhetischer und gesellschaft­ licher Strömungen der Zeit nach, und im kostenlosen Begleitheft werden Fragen an die Besucher formuliert, etwa: „Finden Sie die Darstellung provokativ? Finden Sie sie sexis­ tisch? Kann Historienmalerei Identität stiften? Hatten Sie sich Napoleon so vorgestellt?“ Alexander Klar geht es darum, „zu zeigen und zu diskutieren, was Bilder können, im positi­ ven wie im ­negativen Sinne, und dabei auch den Historismus unter dem Blick der Gegenwart zu diskutieren“. Dass er auf Kontextualisierung und Vermittlung setzt und die Besucher zugleich auffordert, sich erst ein Bild zu machen und dann zu urteilen, zeugt nicht nur von einem bewussten, aufgeklärten Umgang mit der Kunstgeschichte, sondern es wäre auch ein nachahmenswertes Vorbild für andere Häuser, die sich zum Teil nur schwerfällig den Aufgaben eines Museums in der ­Gegenwart stellen. Austausch und Vermittlung werden auch in der Son­ derausstellung „Max Beckmann. weiblich-männlich“ (bis 24. Januar 2021) großgeschrieben, die Beckmanns vielschichtigen Umgang mit Geschlechterrollen anhand von 140 Gemälden, Plastiken und Arbeiten auf Papier beleuchtet und auf seine Aktualität für die Gegenwart befragt. Einmal w ­ öchentlich verlegen E ­ xperten ganz unterschiedlicher Fachbereiche ihren


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künstlerische Projekte dienen sollte, doch schon bald wurde das Tageslicht ausgeschlossen und Wände eingefügt. Der ­etwas augenzwinkernde Titel der von Alexander Klar und Jan Steinke konzipierten Ausstellung „Die absurde Schönheit des Raumes: 7 Künstler*innen vs. Ungers“ spielt darauf an. Auch hier setzt Klar auf Dialog. Er ließ die Archi­t ektur in ihren ­u rsprünglichen Zustand versetzen, sodass man beim Gang um das Geviert den Blick aus dem Fenster und zurück auf die Kunst wandern lassen kann. Und die ein­zige Vorgabe für die Künstler lautete: sich mit dem Raum auseinander­zusetzen – Vertrauen in die Kunst und die Künstler vs. kuratorische

Einflussnahme gewissermaßen. Das funk­tioniert im Übrigen auch digital, denn jeweils einen Monat lang übernehmen Künstler immer mittwochs den I­ nstagram-Account der Kunsthalle. Überhaupt: Die digitale Vermittlung wird in der Hamburger Kunsthalle groß­ge­schrieben, dennoch setzt Klar darauf, Besucher ins Haus zu locken. Das Kunsterlebnis funk­ tioniert so richtig nur analog. Aber wer von der Binnenalster aus in die hell e­ rleuchteten Fenster der Kunsthalle schaut, mag vielleicht doch genauer nachsehen wollen, was hinter der ­Fassade zu entdecken ist.


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Raumansicht Makart-Saal mit dem Werk „Der Einzug Karls V. in Antwerpen“, 1878, von Hans Makart (1840–1884), mittig, Foto: Fred Dott, © Hamburger Kunsthalle / bpk

V I E L K U NS T F Ü R W E N IG GE L D: D I E K U N S T M E I L E H A M B U RG

Im Herzen der Hansestadt zwischen Binnenalster und ­S peicherstadt liegen zahlreiche Museen, Aus­ stellungshäuser und Galerien. 2010 haben sich hier fünf renommierte Insti­t utionen zur „Kunstmeile“ ­z u­s ammengeschlossen. Zu dem besucherstärksten ­Museumsverbund im norddeutschen Raum gehören die Hamburger Kunsthalle, das Museum für Kunst und Gewerbe, der Kunstverein, die Deichtorhallen und das Bucerius Kunst Forum. Alle fünf liegen in fuß­ läufiger Entfernung zueinander, also optimal für einen aus­f ührlichen Kunstspaziergang − und die Pässe der „Kunstmeile“ machen das Ganze zu einem sensationell kostengünstigen Erlebnis: Der 12-Monate-Pass bietet einmaligen Eintritt ­innerhalb eines ganzen Jahres für 36 Euro, der 3-Tages-­ Pass bietet unbegrenzten Eintritt in alle fünf Häuser an drei Folgetagen für 25 Euro.

Mit der Sammlung und den Gegenwartskünstlern arbeiten, die Kunsthalle zur Stadt und für die Menschen öffnen, einen offenen und auf aktuelle Fragen reagierenden Ort des Ge­ sprächs und der Diskussion bieten – diese Ziele Alexander Klars klingen gar nicht so viel anders als das, was der erste ­D irektor der Kunsthalle Alfred Lichtwark einst formulierte: „Wir wollen nicht ein Museum, das dasteht und wartet, son­ dern ein Institut, das thätig in die künstlerische Erziehung unserer Bevölkerung eingreift.“ KIM BEHM

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k un st me ile -hamburg. de


142 M a x B e c k m a n n i n Br ü h l , F r a n k f u r t a m M a i n , H a mb u r g , Mü nc he n

Day and Dream Nebe n de r Hamburge r Kun sthalle widme n noch we ite re Mu see n M a x B e c k m a n n i n d i e s e m W i n t e r e i g e n e S o n d e ra u s s t e l l u n g e n .

Die Ausstellung in Brühl konzentriert sich mit insgesamt 140 Arbeiten auf das druckgrafische und zeichnerische Werk vor allem der Jahre zwischen 1911 und 1924: „Day and Dream. Eine Reise von Berlin nach New York“. Max Beckmann, 1884 in Leipzig geboren und 1950 in New York gestorben, hatte schon früh − noch bevor er über­ haupt beschloss, Maler zu werden − die Grafik als geeignetes Ausdrucksmittel für sich entdeckt. Er sollte zeit seines Lebens an ihr festhalten. Zeichnungen und Grafiken konnten seine Gemälde, sogar seine Skulpturen vorbereiten, begleiten, flan­ kieren − oder sie entstanden gleichberechtigt und völlig unabhängig. Erst als die Malerei ab Mitte der 1920er-Jahre in Beckmanns Schaffen wieder an Bedeutung gewinnt, tritt die Grafik etwas in den Hintergrund. Anhand der in der Ausstellung gezeigten Werke lassen sich die Arbeitsprozesse des Künstlers aufs Schönste ­n achvollziehen: Man erlebt, wie sich Zeichnungen bei der Übertragung auf die Platte entwickelt und verändert haben, wie verschiedene Probe- und Zustandsdrucke aussahen, was er seiner ersten Frau Minna (Beckmann, geb. Tube) als persön­ liche Widmung aufschrieb. Der Frau, die selbst Malerin war, aber ihre Kunst nach der Heirat 1906 auf seinen Wunsch hin aufgab. Wenigstens bekam sie ein paar liebevolle Worte ... Nachdem er einige Zeit in Paris verbracht hatte, kehrte er wieder nach Berlin zurück. 1905 gelang der künstlerische Durchbruch, er erhielt Ausstellungen und Stipendien, der­ weil Minna Karriere als Opernsängerin machte. Da war die Konkurrenz der Eheleute wohl nicht so groß. Der Erste Weltkrieg, den er vor allem als Kranken­ pfleger erlebte, brannte sich auf unvergessene Weise in seine Kunst ein. Die „direkte Konfrontation mit den Abgründen des Menschlichen“ waren ihm grausige Inspiration für viele Werke. Blätter wie „Die Granate“ oder ganze Zyklen wie „Ge­ sichter“ zeigen deutlich den gewandelten Strich. Die Linien sind nur noch abgehackt, die Formen hart und scharfkantig. Der Künstler wird sich lange nicht von seinen Kriegserlebnis­ sen befreien können. Traumatisiert bleibt er nach dem Krieg erst einmal in Frankfurt am Main. Von hier aus unternimmt er viele Reisen, versucht einen Neuanfang, knüpft Kontakte. Hier entsteht zwischen 1915 bis 1933 auch ein Großteil seiner bedeutenden Werke – bis er von den Nationalsozialisten ver­ femt in die USA auswandert.

Diese Frankfurter Zeit ist Thema der Ausstellung „Beckmann in Frankfurt“, die das Städel Museum vom 9. Dezember 2020 bis 5. April 2021 zeigt. Und: In der Münchner Pinakothek der Moderne ­befasst sich der Film- und Videokünstler Omer Fast (* 1972) künstle­ risch mit dem jüngst erworbenen Beckmann-Selbstbildnis aus dem Jahr 1917. In der Ankündigung des Museums heißt es: „Die Ausstellung bildet den Auftakt zu einer Trilogie, die sub­ stanzielle Arbeiten Max Beckmanns aus dem Bestand der Sammlung zeitgenössischen Künstlern zu einem Dialog zur Verfügung stellt.“ K ATJA BEH REN S

Bis 28. Februar 2021 Ma x B eck mann − Day and Dream E i n e R e i s e v o n B e r l i n n a c h N e w Yo r k M a x E r n s t M u s e u m B r ü h l d e s LV R w w w . m a x e r n s t m u s e u m . l v r. d e 9. Dezember 2020 bis 5 . Apr il 202 1 Städels Beck mann / Beck manns Städel D i e J a h r e i n F ra n k f u r t S t ä d e l M u s e u m F ra n k f u r t www. staedelmuseum. de Bis 10. Januar 202 1 Max Beck mann / Omer Fast Abfahr t P inakothek der Moder ne, München w w w . p i n a k o t h e k - d e r- m o d e r n e . d e

rechte Seite: Max Beckmann, „Frauenbad“, 1922, Kaltnadelradierung, aquarelliert auf Bütten, Privatbesitz Deutschland, Foto: Alistair Overbruck, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2020


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Peter Buchwald Fotogramme

Bernd Zimmer Kristallwelt

Peter Könitz Kinetische Arbeiten

7.11.2020 – 21.2.2021

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Kunstm�seum ·�f Gelsenkirchen

Eine Einrichtung der

Pfaffengasse 26 | www.museen-aschaffenburg.de

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Gelsenkirchen

�RUHR � �uNST MUSEEN

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Horste, Str. 5-7, 45897 Gelsenkirchen

Telefon 0209 169-4361

Geöffnet: Di-So 11-18 Uhr

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MUSEUM FÜR GRAFISCHE KÜNSTE

www.feininger-galerie.de | www.kulturstiftung-st.de


Josef Achmann, Selbstportrait vor den Regensburger Brücken, 1919 (Ausschnitt) Foto: Stadt Regensburg, Bilddokumentation, Stefan Effenhauser

Unter Spannung! Regensburg in den 1920er Jahren Dienstag – Sonntag 10 – 16 Uhr geschlossen 24./25./31.12., 01.01. Bertoldstraße 9 | 93047 Regensburg 0941/507-2448 www.regensburg.de/museen

bis 31. Januar 2021 Regensburg Städtische Galerie im Leeren Beutel


Augen auf und Kunst entdecken! R ege n sburg i st zu jede r Jahresze it sehe n swe r t : N i c h t n u r d i e h i s t o r i s c h e A l t s t a d t , f ü r d i e d i e U N E S C O - We l t e r b e s t a d t b ­ ekannt ist – a u c h d i e z a h l r e i c h e n M u s e e n , G a l e r i e n u n d A u s s t e l l u n g e n s i n d a b s o l u t e s M u s t- S e e f ür ne ug ie r ige und k ult ur inte ressie r te Städte re i se nde.

Die neue Broschüre „Kunstspaziergang“ stellt jetzt 15 der wohl spannendsten „Kunst-Hot-Spots“ der Stadt zum Selbsterkunden vor. Diese führt zu renommierten Museen mit moderner Architektur, wirft einen Blick in engagierte Galerien und Ausstellungen, trifft Künstler in ihren Ateliers und unterstreicht, dass die Donaustadt jung, quirlig und ­f acettenreich ist. An bisher unbekannten Plätzen verweilen, die Augen öffnen und sich überraschen lassen, dabei neue Inspirationen auf sich wirken lassen – das sind ebenso Leit­ gedanken des Regensburger „Kunstspaziergangs“. Auf illustrierten Stadtplänen erhalten alle Kunst-Entdecker Tipps, den Blick auf bisher unbekannte Orte zu lenken und dabei Neues zu entdecken.

Titelbild der neuen Broschüre „Kunstspaziergang“ mit 15 einzigartigen Stationen für Kunstliebhaber, © RTG


linke Seite: Der Regensburger Dom ist eines der Wahrzeichen der Stadt und ebenfalls Teil des Kunstspaziergangs. Foto: Katja Fouad-Vollmer, © RTG

Originell, anders, sehenswert ist der artspace Erdel am ­F ischmarkt 3 – eine echte Salongalerie. Die Galerie ist im ­E rdgeschoss eines über 500 Jahre alten, sehr liebevoll ­res­t aurierten Lagerhauses beheimatet. Mitten in der Stadt, aber fernab vom Trubel, genießen Kunstfreunde hier zeitgenös­s ische Kunst im großzügigen Galerieraum mit mächtigen Holzbalken. In der Dauerausstellung im Haus der Bayerischen Geschichte. erwartet Sie eine Zeitreise in die jüngere Geschichte Bayerns, vom Beginn des Königreichs 1806 bis heute. Und das in einem hochmodernen Ausstellungshaus, das zum „Must-Seen-Mu­ seen“ in Europa gekürt wurde. Im Foyer empfängt unter dem aus bayerischen Rauten bestehenden Glasdach der über drei Meter hohe Oktoberfestlöwe seine Gäste. Er erklärt die Funk­ tionen des Hauses und steht Pate als begehrtes Selfie-Motiv.

Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Foto: Studio Zink Fotografen © Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Die Broschüre „Kunstspaziergang“ ist in gedruckter Form bei der Tourist Information am Alten Rathaus sowie an zahl­ reichen Sehenswürdigkeiten ausgelegt. Zur Inspiration und Planung der nächsten Regensburg-Städtereise steht die ­B roschüre auch auf www.tourismus.regensburg.de zum Download bereit. Außerdem f inden Sie viele weitere Informationen zu den R ­ egensburger Galerien wie aktuelle Ausstellungen, ­Bild­eindrücke und Ausstellungsräume unter www.regens­ burger-galerien.de. So können Sie bereits von zuhause zahlreiche Inspirationen sammeln. Begeben auch Sie sich auf einen Kunstspaziergang in ­R egensburg und posten Sie Ihre Erlebnisse unter #kunst­ spaziergang auf den Social-Media-Kanälen!

artspace Erdel, Susanne Neumann, Foto: Antonia Kienberger, © artspace Erdel

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Absolut empfehlenswert ist z.B. ein Besuch im Regensburger Kunstforum Ostdeutsche Galerie. Wie der historische Begriff „ostdeutsch“ verrät, steht das künstlerische Schaffen mit his­ torischen, biografischen und inhaltlichen Bezügen zu den ehemals deutsch geprägten Kulturräumen im östlichen Euro­ pa im Mittelpunkt. Neben Lovis Corinth, Markus Lüpertz oder Katharina Sieverding sind viele namhafte Künstlerinnen und Künstler in der 1966 gegründeten Sammlung vertreten. Sie umfasst Kunst aus über zwei Jahrhunderten – von der ­Romantik über die Klassische Moderne bis zur Gegenwart.


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Cranach in Kronach

Lucas Cranach d.Ä., „Maria mit dem Kind und der Weintraube“, um 1525, Foto: © Bayerische Staatsgemäldesammlungen München

Wir beginnen unsere Reise in Kronach, am Fuße des Franken­ walds – ein fränkisches Mittelgebirge, das in Teilen schon zu Thüringen gehört und die Fortsetzung des Thüringer Waldes darstellt. Ganz in der Nähe der ehemaligen innerdeutschen Grenze gelegen, ist Kronach der perfekte Ausgangspunkt für herrliche Wanderungen durch den Frankenwald, den eine Teilstrecke des thüringischen Rennsteigs durchquert – einer der beliebtesten Weitwanderwege in Deutschland, der die Werra mit der Saale verbindet. „Gronich“, so nennen die Einheimischen ihre Heimat im oberfränkischen Dialekt. Die Kreisstadt, in der die drei Flüsse Haßlach, Kronach und Rodach zusammenfließen, bie­ tet auch Kulturtouristen viel – vor allem hat sie mit Lucas Cranach dem Älteren einen weltbekannten Sohn, der schon seinen Zeitgenossen neben Dürer als einer der wichtigsten Maler der Epoche galt. 1472 in Kronach als Lucas Maler gebo­ ren, lebte Cranach dort bis etwa um 1500. Hier wurde er vom Vater Hans Maler in der grafischen Kunst ausgebildet. Die Ge­ burtsstadt von Lucas Cranach d. Ä. ist ein Ort, an dem sich bis heute wichtige Wege kreuzen: Die Bierstraße, die Burgen­ straße, die Spielzeugstraße und die Porzellanstraße treffen hier aufeinander. Das Geburtshaus Cranachs, das früher am Marktplatz stand, wo sich heute das neue Rathaus befindet, gibt es nicht mehr. Was es aber gibt, was Kronach zu etwas Besonderem macht, ist die historische Altstadt mit ihrer vollständig erhal­ tenen Stadtmauer: die Obere Stadt, deren spätmittelalterliche Bausubstanz beeindruckt. Hoch darüber die Festung Rosen­ berg, die ehemalige Bambergische Bischofsburg und spätere Landesfestung – eine der größten und am besten erhaltenen Befestigungsanlagen Deutschlands, wie der Kronacher Mu­ seologe Alexander Süß erklärt: „Das Fehlen von Zerstörungen oder späteren Überbauungen ist sehr selten zu finden.“ Kein Feind konnte diese Burg jemals erstürmen. Heute gibt sich die Festung offenherzig und einladend: Hier befindet sich auch ein 3-Sterne-Superior-Hotel, das JUFA Hotel Kronach – ­inmitten der historischen Anlage. Ebenfalls hier oben, in der Fränkischen Galerie mit ­ihren 25 Schauräumen, sind nicht nur Arbeiten Cranachs zu sehen, sondern noch mehr vom Besten, was die spätmittel­ alterliche Malerei und Plastik der Städte Nürnberg und Eichstätt, Bamberg und Würzburg zu bieten hat: Mehr als 200 Werke, darunter solche von Tilman Riemenschneider und seiner Werkstatt, Gemälde von Wolfgang Katzheimer d. Ä., der Bamberger Malerschule der Zeit um 1500 und des Dürer-­ Schülers Hans von Kulmbach.


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Der Cranach-Bestand in der bedeutenden Fränkischen Gale­ rie, die 1983 auf der Festung Rosenberg als Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums eröffnet wurde, konnte in diesem Jahr um zwei weitere Werke erweitert werden, die ­bislang im Bayerischen Nationalmuseum und in der Alten ­P inakothek in München präsentiert waren: „Salomé mit dem Haupt Johannes des Täufers“, um 1508, und die 1525 entstan­ dene „Madonna mit Kind und Weintraube“, stellen, wie es Bayerns Kunstminister Bernd Sibler sagt, eine „echte Berei­ cherung für die Kulturlandschaft in der Region“ dar. Die beiden Arbeiten werden fortan dauerhaft in der Fränkischen Galerie ausgestellt, wie Alexander Süß erläutert: „Als Geburtsstadt von Cranach ist das für uns ein Segen.“ ­S omit können in Kronach nun insgesamt 2 4 Bilder des Renaissancemeisters und seines Umfelds präsentiert werden, darunter vor allem Werke Cranachs aus seiner späteren Schaf­ fenszeit wie „Christus und die Ehebrecherin“, um 1520, „Lot und seine Töchter“, 1533, ein Schmerzensmann aus der Zeit nach 1537 und „Venus und Amor als Honigdieb“ von 1534. Zwischen 1505 und 1550 lebte Cranach in der Resi­ denzst adt Wittenberg – dem geist igen Zent r um der Reformation – als Hofmaler der Kurfürsten von Sachsen. In Wittenberg betrieb der „Künstlerfürst“ eine große Werkstatt, stand der Stadt als Bürgermeister vor – und war bald ihr reichs­ ter Bürger. Hier lernte er Philipp Melanchthon kennen und wurde ein enger Freund und Trauzeuge Martin Luthers. Bis heute prägen seine Darstellungen des Reformators unser Bild von Luther, da nur Cranach das exklusive Recht hatte, ihn zu porträtieren. Cranach war ein großer Unterstützer der Refor­ mation: Er schuf Holzschnitte für die protestantische Bibel

und andere Reformationsschriften Luthers, illustrierte Flug­ blätter, half nach Kräften mit, den neuen Glauben bekannt zu machen. Die Luther-Übersetzung des Neuen Testaments, die sogenannte „Septemberbibel“, erschien im Verlag Cranachs. Die Stadt Kronach tut viel für ihren großen Sohn: ­T hematische Stadtrundgänge sowie Führungen durch die Fränkische Galerie werden angeboten. Es gibt einen „Cranach-Weg“ mit Audioguide durch die Altstadt und eine Lucas-Cranach-Werkstatt für Kinder. Und schließlich gibt es noch eine neue Podcast-Reihe, wie Süß verrät: „Wir stellen seit Mai in der Podcast-Reihe ‚Einfach Kunst‘ einzelne Werke der Fränkischen Galerie online vor, darunter viele der Cranach-Gemälde. Über die Website der Stadt Kronach sind alle Folgen abrufbar.“ Kronach gehört darüber hinaus zu den Gründern der Kooperation „Wege zu Cranach“, die in Kürze 14 authentische Cranach-Orte versammelt. Kronach bildet als Geburtsstadt den Beginn der Entdeckungsreise und ist zugleich Sitz der ­G eschäftsstelle. Erwähnenswert ist auch, dass Kronach mit dem renommierten internationalen Lucas-Cranach-Preis das Erbe des Malers in die Gegenwart überführt. Der Preis für zeit­genössische Künstlerinnen und Künstler wurde seit 1992 mehrfach vergeben. MARC PESCHKE

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Festung Rosenberg, Kronach, Foto: Dr. Otmar Fugmann, © Tourismusbetrieb der Stadt Kronach


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Maurizio Nannucci, LOVE, 2013, © Künstler, Foto: Gerhard Sauer

I nt e r v ie w m it M a rl i H opp e - R it t e r

Quadratur des Kreises M a r l i H o p p e - R i t t e r : „ D i e K u n s t l e h r t z u s e h e n , s i e l e h r t , d i e D i n g e z u h i n t e r f ra g e n .“

Kunst und Künstler waren schon immer stark von ­M äzenen abhängig. Der gesamte globale Kunstkanon wäre eine dürfti­ ge Angelegenheit, hätte es nicht zu allen Zeiten und in allen Kulturen private Kunstförderer gegeben. Derzeit, u ­ nter den Bedingungen der Corona-Pandemie, ist dieser ­symbiotische Zusammenhang zwischen Kunstproduktion und dem En­ gagement von privaten Geldgebern noch augenf älliger ­g eworden. Staatliche Fördermittel wurden zwar bereitge­ stellt, doch die Zuteilung der nach dem Gießkannenprinzip ausgeschütteten Gelder erfolgt mitunter nach betriebs­ wirtschaftlichen Kennzahlen, die an den Realitäten des Kunstbetriebs vorbeigehen. Um den speziellen Lebens- und

Arbeitsmodellen der Künstler gerecht zu werden, braucht es das Engagement von privaten Sammlern und Stiftungen, die mit ihrer Expertise gezielt bestimmte Projekte und Kunstschaffende fördern. Marli Hoppe-Ritter ist Miteigen­ tümerin der Firma Ritter Sport, gründete eine Stiftung zur Förderung der Kunst und zeigt ihre umfangreiche Kunst­ sammlung im vor 15 Jahren eröffneten Museum Ritter in Waldenbuch bei Stuttgart. Hansjörg Fröhlich sprach mit Marli Hoppe-Ritter über Ateliers in einer ­ehemaligen Scho­ kofabrik, das gesellschaftliche Potenzial von Kunst und über die Qua­dratur des Kreises.


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Marli Hoppe-Ritter: Kunst hat mich immer begleitet. Schon in meinem Elternhaus hingen Genrebilder aus dem 19. Jahr­ hundert und Landschaftsgemälde, die mir sehr gefallen haben. Dieses Interesse hat sich in Richtung moderne und später dann zeitgenössische Kunst weiterentwickelt. Ende der 1980er-Jahre begann ich zu sammeln, zunächst waren das noch einzelne private Ankäufe. Ab 1993 fokussierte ich mich auf das Thema „Quadrat“. ARTMAPP: Das Atelier Wilhelmstraße in Stuttgart-­Bad Cannstatt ist wohl eines Ihrer ersten Förderprojekte. Wie ist es entstanden? MHR: Im Haus Wilhelmstraße 16 haben meine Großeltern seit 1912 gelebt. Im Vorderhaus war das Süßwarengeschäft meiner Großmutter, im Hinterhaus befand sich der erste Pro­ duktionsstandort von Ritter. Seit 1986 vermiete ich eine Fläche von etwa 700 Quadratmetern an Künstler, die sich im Verein „Atelier Wilhelmstraße 16 e. V.“ selbst organisieren und sich um die Vermietungen und Veranstaltungen küm­ mern. Derzeit arbeiten dort neun Künstler. Jedes Jahr im Dezember präsentieren die jeweils aktuellen Ateliermieter Werke von Kunstschaffenden, die nicht in der Wilhelmstraße 16 arbeiten, deren Werke sie aber schätzen oder mit denen sie befreundet sind.

ARTMAPP: Sie fördern sowohl Institutionen wie die Kunststiftung Baden-Württemberg und den Künstlerbund Baden-Württemberg als auch direkt konkrete Künstler, etwa durch die Finanzierung von Katalogen. Nach welchen Kriterien wird ent­ schieden, welche Projekte in Betracht kommen? MHR: Lange Zeit habe ich über Direktförderungen gemein­ sam mit einem Kunsthistoriker entschieden. In den letzten Jahren machte ich das allein, möchte künftig aber gerne wie­ der jemanden dazunehmen. Die Aspiranten sollten noch nicht am Kunstmarkt arriviert sein und innovatives Potenzial erkennen lassen. Meist fördere ich bildende Kunst, aber auch Theaterprojekte und Performance-Events kommen in Be­ tracht. Die Regionen Baden-Württemberg und Berlin werden von mir etwas bevorzugt. ARTMAPP: Neben der Kunst engagieren Sie sich für Umweltschutz und die Abwendung der Klima­ katastrophe. Diese ökologische Verantwortung spiegelt sich unter anderem im Gebäude des Muse­ ums Ritter in Waldenbuch, dessen Klimatechnik von regenerativen Quellen gespeist wird, sowie im nachhaltigen Anbau von Kakao in Nicaragua. Sind Kunst und Ökologie zwei Pfeiler derselben Brücke, die in eine global lebenswerte Zukunft führt? MHR: Natürlich ist es mein Wunsch, dass Kunst und Ökolo­ gie hierzu beitragen. In der Kunst sehe ich eher die soziale Seite, denn die Beschäftigung mit Kunstwerken öffnet den Geist, macht Menschen toleranter und bietet Raum für das aufeinander Zugehen von unterschiedlichen gesellschaft­ lichen Gruppen. „Die Kunst lehrt zu sehen, sie lehrt, die Dinge zu hinterfragen“, lautet mein Credo.

In der Kunststiftung Baden-Württemberg, Stuttgart, von links nach rechts: Marli Hoppe-Ritter, Angelika Harthan, Bernd Georg Milla, Helena Vayhinger, Foto: Steffen Schmid

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ARTMAPP: Frau Hoppe-Ritter, Sie sind für Ihr langjähriges Engagement in der Kunstförderung bekannt. Gab es ein prägendes Erlebnis oder einen anderen Auslöser für Ihre Entscheidung, Kunst und Künstler zu unterstützen?


KUNSTWERK I SAMMLUNG KLEIN SIEMENSSTRASSE 40 I 71735 EBERDINGEN-NUSSDORF TELEFON +49 (0) 70 42 - 37 69 566 I WWW.SAMMLUNG-KLEIN.DE GEÖFFNET MITTWOCH BIS FREITAG UND SONNTAG VON 11 - 17 UHR

Geschäftsführung: Bernd Georg Milla Pressekontakt: Corinna Rombach info@kunststiftung.de www.kunststiftung.de

Kunststiftung Baden-Württemberg

Foto: Jakob Guntermann, Johannes Nobis, Kunststiftung BW

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Außenansicht des Museumsgebäudes, Passage mit Installation von Daniel Buren, 2013, Foto: Franz Wamhof, © Museum Ritter / VG Bild-Kunst, Bonn 2020

MHR: Ich denke diese Geisteshaltung wurde mir in die ­ iege gelegt. Denn sowohl mein Vater als auch meine Groß­ W mutter Clara Ritter, mit der ich als Kind täglich Umgang hatte, waren der Ansicht, dass, wer die Möglichkeiten dazu hat, ­a ndere ­unterstützen sollte. Und zwar auch aus einer inneren ­Notwendigkeit heraus, denn das Engagement für andere tut ja zugleich dem Förderer gut, etwa indem es ein besseres ­L ebensgefühl beschert. Clara Ritter sagte einst, wer seine ­Gewinne nur für sich selbst nutzt, auf dessen Geschäft liege kein Segen.

ARTMAPP: Das Museum Ritter in Waldenbuch wurde vor 15 Jahren eröffnet. Was waren für Sie die Highlights, welche Ausstellungen sind Ihnen ­besonders ans Herz gewachsen? MHR: Insbesondere zwei Ausstellungen haben mich nach­ haltig beeindruckt. Zum einen die des französischen Malers und Lichtkünstlers François Morellet, der mit seiner Frau eine ­Woche in Waldenbuch war und mit uns zusammen die Aus­ stellung gemeinsam aufgebaut hat. Die Zusammenarbeit mit dem inzwischen auch international sehr berühmten Morellet machte mir sehr viel Freude. Ein zweiter Künstler, mit dem wir sehr viel Spaß und sehr interessante Gespräche hatten, ist der interdisziplinär arbeitende Timm Ulrichs. Wir hatten vor einigen Jahren eine Einzelausstellung mit ihm. Auf der Wiese hinter dem Museum Ritter ist noch ein Relikt dieser Schau zu sehen, die Skulptur „Die Quadratur des Kreises“. Zu Ulrichs Kunst und Lebenseinstellung gehört sehr viel Witz und I­ ronie, wie auch bei Morellet. Für mich hat Kunst letztlich immer viel mit Spiel, Experiment und Spaß zu tun: Heiter sei die Kunst! Bis 11. Apr il 202 1 Ve ra M o l n a r. P ro m e n a d e s e n c a r r é Highlights. Lichtk unst aus der Sammlung Marli Hoppe-R it ter M u s e u m R i t t e r, Wa l d e n b u c h w w w . m u s e u m - r i t t e r. d e

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ARTMAPP: Ihr soziales und ihr ökologisches Engage­ment entsprechen nicht gerade den ­t radierten Vorstellungen, die nach wie vor mit einer „Firmen­erbin“ verbunden werden. Wie gelangten Sie zu dieser kritisch-­ philanthropischen Geisteshaltung?


154 M a le r e ie n von F r a n z i sk a S oph ie G e i s sle r

Glück, immer dieses Glück

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Franziska Sophie Geissler, Ausstellungsansicht in der Villa Merkel, Galerie der Stadt Esslingen, 2020, Foto: Rob Freiberger


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Franziska Sophie Geissler in ihrem Atelier Wilhelmstraße, Stuttgart-Bad Cannstatt, Foto: © Reiner Brouwer

Bei der Glückssuche – und was ist Malerei anderes ? – der in Stuttgart lebenden Malerin Franziska Sophie Geissler sind Leinwand und Ölfarbe längst schon in Vergessenheit geraten. Was taugte nämlich besser dazu, dem Paradiesisch-Himm­ lischen näher zu sein, als ebenjene Werkstoffe, die bereits an anderer Stelle in der Luft- und Raumfahrttechnik in be­währ­ ter Form gebräuchlich sind. Sie jedenfalls haben bisher verlässlich all jene Distanzen überwunden, die von unserem beengten Kopfinneren bis in den Weltenraum und die seit den 1970er-Jahren sprichwörtlich gewordenen unendlichen ­Weiten dort zu reichen vermögen. Einfach im Überflug das private Universum zu begreifen, ist so oder so das Anliegen der Künstlerin, und sie bedient sich der ihr eigenen Bild­ sprache als eine Art virtuoser Zeitmaschine. Lieblingskatzen, unerzählte Pferde und die einem herrenlosen Playgirl ent­ wendeten Bunny-Ohren geben sich unvermittelt ein wenig zärtliches Stelldichein. Mit einer schier unglaublichen Innovationsgabe ­verwendet Franziska Sophie Geissler daher in ihrer Male­ rei – sofern man sie überhaupt noch als Malerei bezeichnen möchte – Glasfaserfolien, Carbon, Epoxidharze und Pig­ mente. Wider Erwarten entstehen aus dem Gebrauch dieser hochtechnoiden Materialien jedoch mitnichten kühl an­ mutende oder etwa konkrete Bildwerke. Im Gegenteil: Eine poetisch aufgeladene Fabulierlust breitet sich da vor dem Be­ trachter mit einer außergewöhnlichen Farbkraft, Plastizität und damit auch verbundenen Tiefenräumlichkeit aus.

Aus ihrem Erinnerungsarchiv, aus dem Fundus von Freunden, Künstlerkolleginnen und der Familie zur Verfügung gestellter Diapositive und Fotoaufnahmen rekonstruiert die Künstlerin dabei komplexe Vorstellungsareale, die über die verschie­ denen Generationen und bloß individuell Biografisches hinweg Gültigkeit behaupten. Rätselhaft kaschierte Porträts, teilweise vollständig ausgelöscht, mehr oder weniger ­n achverfolgbare Landkarten und Wegepläne, detaillierte ­Höhenlinien, zeichnerische Einschlüsse, labyrinthisch mitei­ nander verschichtet, erweisen sich als Spurensuchen nach der eigenen Identität. Doch das wohlgeordnete behauste Idyll der Dingewelt entpuppt sich als trügerisch, sobald das rauschhaft überbordende Karussell der Formen und Farben jählings Fahrt aufnimmt und uns abseits aller Fliehkräfte des bis dahin als möglich Vorgestellten hinausbefördert in ein niemandes nichtses Nirvana. So gesehen gleichen Franziska Sophie Geisslers ­M alereien ins Räumliche gestaffelten Lichtinszenierungen, die eher im Bereich diaphaner Glasgestaltungen und damit verbundener Licht- und Rauminstallationen angesiedelt sind. Hier hat die Malerei mit den eincollagierten Scherenschnitten und kuriosen Fundstücken des Alltags, die als Gestaltungs­ elemente in die Darstellungsflächen eingewoben sind, selbst überhaupt keinen Bildträger, weder Leinwand noch grun­ dierte Holzplatten oder dergleichen. Sie ist und sich selbst genug und immer wieder strahlt sie auch vor lauter Glück, Licht und Farbe. CLEMENS OT TNAD

5 . bis 15 . Dezember 2020 N O PA R K I N G A N Y T I M E F ra n z i s k a S o p h i e G e i s s l e r i m A t e l i e r W i l h e l m s t a ß e 1 6 e . V. , S t u t t g a r t- B a d C a n n s t a t t w w w . f ra n z i s k a - g e i s s l e r. d e

rechte Seite: Franziska Sophie Geissler, „EROL“, 2019, 60 x 40 cm, Mixed Media auf Holz, Foto: Rob Freiberger


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Isa Genzken, Schauspieler III, 3, Detail, 2015, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York © VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Axel Schneider, Frankfurt

POP ART

Museum im Schafstall in Neuenstadt a. K.

27.9.2020 – 31.1.2021 flumoto.de

Mittwoch und Sonntag 10.00–17.00 Uhr | Eintritt: € 5,- / ermäßigt € 3,- | www.museum-im-schafstall.de

SKULPTURALE VISIONEN DES KÖRPERLICHEN 10.10.2020 – 07.03.2021

Stefan Rohrer, Helios, 2011, Autokarosserie, Blattgold

VOLLGAS – FULL SPEED

DONAUESCHINGEN


30 Jahre Galerie Stadt Sindelfingen Beheimatet im alten Rathaus am Marktplatz prägt die Galerie Stadt Sindelfingen das Gesicht der Stadt. Im Jahr 2020 feiert die Galerie ihr 30-jähriges Bestehen und begeht zugleich das 175-jährige Jubiläum des Gebäudes. Gegründet wurde die ­Galerie 1990 als Ausstellungs- und Produktionsort für zeitge­ nössische Kunst, der die Auseinandersetzung mit aktuellen Positionen und ästhetischen Erfahrungen ermöglicht. Sie be­ sitzt die hochkarätige Privatsammlung Diethelm Lützes mit Schlüsselwerken von Otto Dix, Willi Baumeister und vielen weiteren Künstlern des späten 19. und des 20. Jahrhunderts aus Südwestdeutschland.

Madeleine Frey, Foto: Benjamin Knoblauch

Anlässlich des 30-jährigen Bestehens wurde die spannende Geschichte der Galerie Stadt Sindelfingen nun durch den ­k reativen Technikspezialisten und gebürtigen Sindelfinger Fabian Krause in einer multimedialen Rauminstallation auf­ bereitet. In der Arbeit „Datenstrom“ verwob er Video, Sound, Text- und Bilddokumente zu einem faszinierenden Info­ tainment. Der begehbare „Datenraum“ gibt den Menschen die Möglichkeit, sich interaktiv einzubringen und mit allen ­Sinnen in die Geschichte der Galerie einzutauchen. Besucher können – je nach Interesse – Informationen über das Gebäude, die Galerie, die Sammlung, die Kunst im öffentlichen Raum, die Ausstellungen, die Kulturpolitik und das Kulturleben ­S indelfingens aufrufen. Dieser Datenstrom aus Bildern, ­Z eitungsartikeln und Videos referiert nicht nur auf die Ge­ schichte der Galerie, sondern ebenso auf die Digitalisierung unserer Lebenswelt. Im ersten und zweiten Stock der 750 Quadratmeter großen Galerie Stadt Sindelfingen ist die umfangreiche ­Gruppenausstellung „Beyond the Pain“ zu sehen. Sie nimmt zentrale Fragen zum Themenfeld der Schmerzüberwindung in den Blick: Was kommt nach dem Schmerz? Kann Schmerz ein sinnvolles oder gar lustvolles Erlebnis sein, das es schafft, Grenzerfahrungen in eine positive Haltung umzuwandeln? Vor dem Hintergrund, dass es Menschen selbst nach dem ­Erleben von Folter oder Traumata gelingt, ihr Leben positiv zu gestalten: Wie kann mit scheinbar nicht aushaltbarem oder unüberwindbarem Schmerz umgegangen werden? Die künstlerische Leiterin Madeleine Frey und Kurator Sebastian Schmitt haben zwölf internationale Kunstschaffende ein­ geladen, das Themenfeld der Schmerzüberwindung in der bildenden Kunst zu diskutieren. Neben bereits existierenden Werken werden für die Räumlichkeiten der Galerie neue ­A rbeiten entwickelt und umgesetzt. www. galer ie-sindelf ingen . de

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Fabian Krause, „Datenstrom“, 2020, Foto: Henning Krause


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P e t e r B o s sh a r t e rh ä lt de n O b e r rhe i n i s c he n K u n st pr e i s 2 0 2 0

„Ein faszinierender Bildkosmos“ Au sstellung in der Städt ischen Galer ie Of fenburg bis 2 1 . Febr uar 202 1

Peter Bossharts kraftvoll-figürliche Malerei findet ihre Mo­ tive im alltäglichen Leben. Der Künstler verwebt Gesehenes, Gehörtes, Träume und Wortspiele. Die Schilderungen sind oft hintergründig, geprägt von einem sehr persönlichen ­Humor. Es sind meist nur wenige Motive, manchmal stark vergrößert, häufig umfasst die Palette nur wenige Farben. „Ich versuche, das Reich der Malerei zu entdecken, indem ich es ­beschränke“, sagt der Künstler über seine Vorgehensweise. „Die Möglichkeit, bei sich zu sein, habe ich einzig in der Male­ rei gefunden. Darin enthalten ist das Hin und Her zwischen

­ eschehen-Lassen und Anstreben einer klaren Form. In der G Malerei erhält das Momenthafte, das, was ich jetzt mache, ein Bild, das man später sehen kann. Es ist die Möglichkeit, so ­e twas wie das Zeitliche zu begreifen oder den Moment fest­zuhalten.“ „Was mir an seinen Bildern so gut gefällt, ist ihre Treff­ sicherheit, ihre Lakonie. Er macht nicht viel Worte über eine Sache – er malt sie und – übermalt sie“, beschreibt Professor Klaus Gallwitz, Vorsitzender der Jury des Oberrheinischen Kunstpreises 2020, Peter Bossharts künstlerische Strategie.

Peter Bosshart, Foto: Bernhard Strauss


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Peter Bosshart, „Frühlingssocken“, 2018, 50 x 40 cm

Die Auszeichnung beinhaltet ein Preisgeld sowie eine ­ iermonatige Ausstellung in der Städtischen Galerie Offen­ v burg. Es erscheint ein dreisprachiger Katalog mit Texten von Klaus Gallwitz, Gerlinde Brandenburger-Eisele und einem ­Gespräch zwischen Peter Bosshart und Katharina Dunst im modo Verlag, Freiburg im Breisgau. PAT R I C I A P OT RY K U S

Städt ische Galer ie Of fenburg A m a n d - G o e g g - S t ra ß e 2 Kult ur for um 7 765 4 Of fenburg www. gale r ie - of fe nburg. de Ö f f n u n g s z e i t e n u n t e r Vo r b e h a l t : F r – S o 1 3 – 1 7 U h r geschlossen: 2 4 . /25 . /31. 1 2 . 2020, 1. 1. und 1 1. 2 . 202 1

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Peter Bosshart (* 1966), lebt und arbeitet in Efringen-Kirchen. Nach Studienjahren in Basel bei Werner von Mutzenbecher und in Frankfurt am Main bei Thomas Bayrle, Martin Kip­ penberger und Andreas Slominski kehrte er 1998 in seine Heimatregion zurück. 2018 erhielt er den Kunstpreis der ­Stiftung der Sparkasse Markgräflerland. Der Künstler wurde ausgewählt von einer Jury unter Vorsitz des Kunsthistorikers und internationalen Kurators Prof. Dr. Klaus Gallwitz und den weiteren Mitgliedern Julia Garimorth, Chef konservatorin, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Søren Grammel, Leiter Kunst ab 1960 / ­G egenwartskunst, Kunstmuseum Basel, Dr. Christine Litz, Direktorin des Museums für Neue Kunst Freiburg und Dr. Bernhard Serexhe, Kurator, Karlsruhe. Die Stadt Offenburg und der Förderkreis Kunst + Kultur e. V. verleihen 2020 zum vierten Mal den Ober­ rheinischen Kunstpreis Offenburg.


Maurice Wyckaert, En lisant Hölderlin, 1975, Kunsthalle Emden

MIT HEISSEM HERZEN Aus Leidenschaft zur Kunst

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HELMUT STURM

Die Sammlungen Becker, van de Loo und Nannen

19. Sept. 2020 bis 17. Jan. 2021 Info +49 (0) 49 21 97 50-50 kunsthalle@kunsthalle-emden.de www.kunsthalle-emden.de Hinter dem Rahmen 13, D-26721 Emden Die Kunsthalle wird gefördert von

Audioguide deutsch/nederlands Führungen · Museumsshop Cafe Henri‘s · Malschule Raumvermietung

Die Ausstellung HELMUT STURM wird gefördert durch

Kooperationspartner

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Öffnungszeiten Di bis Fr 10 bis 17 Uhr, Sa, So/Feiertage 11 bis 17 Uhr, Mo geschlossen jeder erste Di/Monat 10 bis 21 Uhr Kulturpartner

Museum Lothar Fischer Kunstmuseum Ravensburg

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© Paul; © Deutsche Kinemathek, Fritz Maurischat Archiv, Berlin; © Urban Fischer in Elsevier Verlag, Elsevier GmbH, München; © Landesarchiv Baden-Württemberg; © Sue Willmington; © Armin Coray; @ Paula Modersohn-Becker Museum; © Cony Theis

Von Beethoven bis Pinterest 4. Oktober 2020 bis 17. Januar 2021

2

lung: l e t s s msau en-Museum u ä l i b Ju t-Janss s r o H e 0 Jahr © Paul; © Deutsche Kinemathek, Fritz Maurischat Archiv, Berlin; © Urban Fischer in Elsevier Verlag, Elsevier GmbH, München; © Landesarchiv Baden-Württemberg; © Sue Willmington; © Armin Coray; @ Paula Modersohn-Becker Museum; © Cony Theis


SABINE HERTIG


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Basel

Bern

Bietigheim-Bissingen

Rembrandts Orient Westöstliche Begegnung in der nieder­ ländischen Kunst des 17. Jahrhunderts Bis 14.2.2021 Kunstmuseum Basel

Winterwald Bis 18.12.2020 Galerie Béatrice Brunner

Keine Schwellenangst! Die Tür als Motiv in der Gegenwartskunst Bis 24.1.2021 Studioausstellung Einblick in die Sammlung: Türen und Fenster – Drinnen und Draußen Bis 24.1.2021 Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen

Für jemanden, der sein Heimatland anscheinend niemals verlassen hat, verfügte Rembrandt Harmensz. van Rijn über einen erstaunlich grenzenlosen Horizont. Als Künstler, Sammler und Bürger kam er mit Kunstwerken, Gebrauchsgegenständen und Menschen aus allen Teilen der damals bekannten Welt in Kontakt. Rembrandts Neugierde auf alles Fremde und sein unstillbarer Appetit als Sammler waren schon zu seinen Lebzeiten legendär und inspirierten ihn auf einzigartige Weise in seinem Schaffen. Amsterdam, sein Lebensmittelpunkt, bot dafür ideale Voraussetzungen als Sitz und Heimathafen der ­N iederländischen Ost- und Westindienkompanien ­s owie weiterer Handelsgesellschaften. Die Stadt war im 17. Jahrhundert ein wahrhafter kultureller Schmelztiegel. Der Anblick von Gesandten und ­H andelsreisende aus fernen Gegenden gehörte in der jungen Niederländischen Republik zum Alltag. ☞ Kunstmuseum Basel Di/Do–So 10–18 Uhr, Mi 10–20 Uhr St. Alban-Graben 8, CH-4010 Basel T +41 (0) 61 2066262 #kunstmuseumbasel kunstmuseumbasel.ch

Der Begriff Winterwald weckt in uns Gefühle, Bilder und Erinnerungen. In unterschiedlichen Bildsprachen nehmen die Werke der Künstlerinnen und Künstler in der Gruppen-Ausstellung das Thema auf. Die Zeichnungen von Béatrice Gysin lassen uns Spuren im Schnee erahnen während Alexander Jaquemets Fotografien von unseren Sehnsüchten sprechen. Judith Albert verzaubert mit ihren Lichtzeichnungen und Esther van der Bie spielt mit unserer Wahrnehmung. In eine Zwischenwelt nimmt uns Adela Picón mit und mit subtiler Herangehensweise nehmen die Arbeiten von Baum/Jakob und die Videoinstallation von Ursula Palla den Klimawandel auf. ☞ Galerie Béatrice Brunner Do/Fr 14–18 Uhr, Sa 12–16 Uhr Nydeggstalden 26, CH-3011 Bern T +41 (0) 31 3124012 beatricebrunner.ch

Türen sind Alltagsgegenstände und ihre elementare Funktion für unser Leben spiegelt sich in zahlreichen Redensarten – von „Offene Türen einrennen“ bis „Jemandem die Tür vor der Nase zuschlagen“. Es gibt ein Davor und Dahinter, ein Drinnen und Draußen sowie eine Schwelle, auf der sich entscheidet, wer eintreten darf. Das Schließen einer Tür kann sowohl Schutz und Rückzug gewährleisten oder aber auch Freiheitsentzug und Isolation bedeuten, wie in Corona-­Z eiten umso deutlicher vor Augen geführt wird. Die Ambivalenz und symbolische Aufladung des ­M otivs Tür veranschaulicht die Ausstellung mit Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Filmen, Skulpturen und Installationen von 21 internationalen Gegenwartskünstler*innen, darunter Thomas Demand und Ilya Kabakov. Parallel zu dieser großen Sonderausstellung zeigt die Städtische Galerie auch einen ­„ Einblick in die Sammlung: Türen und Fenster – ­D rinnen und Draußen“ mit Linolschnitten und Werken hiesiger Künstler*innen von der Klassischen Moderne bis ­h eute, in denen Türen und Fenster, Pforten und Luken die Hauptrolle spielen. ☞ Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen Di/Mi/Fr 14–18 Uhr, Do 14–20 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr Hauptstraße 60–64, 74321 Bietigheim-Bissingen T +49 (0) 7142 74-483 galerie.bietigheim-bissingen.de

Esther van der Bie, aus der Serie „Wälder und Verwandtes II“ Nr. 5, 2003, Ilfochrome hinter Weißglas, 140 x 110 cm

Rembrandt Harmensz. van Rijn, „Mann in orientalischem Kostüm“, 1635, Rijksmuseum Amsterdam

Gideon Mendel, „Lucas Williams, Lawshe Plantation, South Carolina, USA“, 2015, aus der Serie: „Submerged Portraits“, Courtesy ARTCO Galerie


Bonn

Davos

Donaueschingen

Douglas Swan – Ein moderner Klassiker Bis 21.2.2021 Museum August Macke Haus

Theater des Überlebens. Martin Disler – die letzten Jahre Bis 18.4.2021 Kirchner Museum Davos

Flavio Paolucci im 2-RAUM des Museum Art.Plus Bis 14.3.2021 Museum Art.Plus

Martin Disler (1949–1996) war ein Schweizer Z­ eichner, Maler, Bildhauer und Dichter, der ab den 1980er-Jahren internationale Anerkennung erreichte. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit der Zerrissenheit und der Verwundbarkeit des menschlichen ­D aseins. Neben Arbeiten aus privaten und öffent­ lichen Schweizer Sammlungen werden viele bisher unbekannte Werke aus Dislers Nachlass gezeigt. Die Ausstellung fokussiert auf die letzten zehn Schaffensjahre Dislers und bringt seine Arbeiten in einen spannenden Dialog mit Ernst Ludwig Kirchners Werken. Beide Künstler beeindrucken mit einer großen Bandbreite hinsichtlich verschiedener Formate und Gattungen: von der intimen Skizze bis zum monumentalen Gemälde, von der klassischen Darstellung der menschlichen Figur bis zur freien Abstraktion. ☞ Kirchner Museum Davos Di–So 11–18 Uhr E.L. Kirchner Platz, Promenade 82, CH-7270 Davos Platz T +41 (0) 81 4106300 kirchnermuseum.ch

Der Schweizer Künstler Flavio Paolucci erzeugt in seinen poetischen Arbeiten eine Synthese aus Natur und Kultur. Geboren und aufgewachsen im Tessin, hat er immer versucht, sich mit der Natur auseinanderzusetzen, bis die Natur schließlich selbst Teil seiner Kunst wurde. Zentrale Motive seines künstlerischen Schaffens sind Naturformen, insbesondere Äste, die oft in Verbindung mit strengen grafischen Linien und Formen sowie Häusern in Erscheinung treten. Seine Materialien sind Werkstoff und Bedeutungsträger zugleich. ­H ölzer, Äste, Steine und Papier, das er mit Ruß und transparenten Farben bearbeitet, arrangiert er zu filigranen, zerbrechlich anmutenden Bildern, Objekten und Skulpturen. Sie sind Ausdruck einer Suche nach dem Gleichgewicht zwischen Sein und Schein, Traum und Wirklichkeit, Werden und Vergehen sowie von Natur und Zivilisation. Die Ausstellung präsentiert Plastiken, Installationen und Bilder von den 1990er-Jahren bis heute. ☞ Museum Art.Plus Fr–So/Feiertag 11–17 Uhr Museumsweg 1, 78166 Donaueschingen T +49 (0)771 8966890 www.museum-art-plus.com

Das beeindruckende Œuvre des schottischen Malers Douglas Swan (1930–2000) umspannt die gesamte zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Künstler lebte seit der Mitte der 1970er-Jahre in Bonn und arbeitete in unmittelbarer Nähe des ehe­ maligen Wohn- und Atelierhauses von August Macke. Mit seiner Technik „AIR“ entwickelte Douglas Swan um 1970 ein einzigartiges Stilmittel, indem er Teile eines Bildgegenstandes auf einer transparenten, ­w enige Zentimeter über dem Malgrund liegenden Fläche aus Kunststoff wiederholte und so das Kunstwerk um eine weitere Bedeutungsebene bereicherte. Sich seiner schottischen und keltischen Wurzeln wohl bewusst, war er auch in der deutschen Kunstszene tief verankert. Die besten Bilder von Douglas Swan können in ihrer hohen malerischen Qualität, wie auch in ihrer künstlerischen Gültigkeit als zeitlos ­b e­z eichnet ­w erden – und er in diesem Sinne als ein moderner Klassiker. ☞ Museum August Macke Haus Fr–So 11–17 Uhr, Do 11–19 Uhr Sonderöffnungszeiten Weihnachtsferien 26.–31.12., 2.–10.1. 11–17 Uhr geschlossen 24./25.12./1.1./Weiberfastnacht 11.2. Hochstadenring 36, 53119 Bonn T +49 (0) 228 655531 august-macke-haus.de

TERMINE FÜR ENTDECKER

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Martin Disler, ohne Titel, 1995, Acryl auf Leinwand, 190 x 210 cm, Douglas Swan, „Studio Couch + Brushes“, 1998,

Nachlass Martin Disler, Foto: SIK-ISEA, Zürich

Mischtechnik, Collage auf Bütten, 38 x 57 cm, Privatsammlung Marianne Hennemann

Flavio Paolucci, „IL SOLE SULL A TERR A“, 2011, Bronze, Foto: Stefania Beretta

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© VG Bild-Kunst, Bonn 2020


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Eb erdingen- Nussdor f

Emden

Jena

Gegenwart | Erinnerung. Stiftungspreis Fotokunst 2020 Bis 21.2.2021 KUNSTWERK Sammlung Klein

WILD/SCHÖN. Tiere in der Kunst 30.1. – 6.6.2021 Kunsthalle Emden

Julian Röder. Glauben und Handeln Fotografien und Objekte 5.12.2020 – 16.5.2021 Kunstsammlung Jena

Die Alison und Peter Klein Stiftung hat 2020 zum fünften Mal den mit 10.000 Euro dotierten Stiftungspreis Fotokunst vergeben. Unter dem Thema „Gegenwart | Erinnerung“ sind von einer Jury zehn Künstlerinnen und Künstler für den Preis nominiert worden, deren Werke nun im KUNSTWERK Sammlung Klein einen konzentrierten Blick auf die junge Fotokunstszene in Deutschland bieten. Präsentiert werden Arbeiten von Louisa Clement, Christiane Feser, ­I sabelle Graeff, Andrea Grützner, Sabrina Jung, ­M årten Lange, Nina Röder, Jewgeni Roppel, Morgaine Schäfer und Marie Zbikowska. Mit dem Stiftungspreis Fotokunst 2020 ausgezeichnet wurde die in Berlin lebende Künstlerin Andrea Grützner. ☞ KUNSTWERK Sammlung Klein Mi–Fr/So 11– 17 Uhr Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf T +49 (0) 7042 3769566 sammlung-klein.de

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier könnte nicht ambivalenter sein: von Zuneigung, Fürsorge und Bewunderung bis hin zu Angst, gar zur Tötung, oft zum Verzehr, reicht das Spektrum. Ein friedliches Nebeneinander scheint nur durch Domestizierung möglich zu sein. Menschen begreifen Tiere oftmals als das Andere schlechthin, sei es als das animalisch Irrationale, sei es als unbewusstes Geschöpf in der Harmonie der Natur – im Gegensatz zur eigenen, scheinbar vernünftigen und doch so zerstörerischen Existenz. Das weltweite Artensterben wird vielfach diskutiert und hat verheerende Auswirkungen für den gesamten Globus. Auch in der Kunst schlägt sich dieses faszinierende Verhältnis nieder. Ausgehend von der eigenen Sammlung und ergänzt um wichtige ­L eihgaben zeigt die Ausstellung Tierdarstellungen ­ des 20. und 21. Jahrhunderts, die anregend, über­ raschend und unterhaltsam Auskunft über die ­f acettenreiche Beziehung zwischen Mensch und Tier geben. ☞ Kunsthalle Emden Di–Fr 10–17 Uhr, Sa/So/Feiertag 11–17 Uhr Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden T +49 (0) 4921 975050 kunsthalle-emden.de

Macht und Ökonomie sind die zentralen, stets aktuellen Themen in Julian Röders Fotoserien. Der Fotograf hat sich mit seinen Arbeiten nicht nur in politische Debatten eingebracht, sondern diese substanziell bereichert. Die Kunstsammlung Jena zeigt nun Werke aus fünf seiner Serien. SUMMITS widmet sich den Protesten am Rande von Gipfeltreffen. Unmut und Wut sind greifbar, während die „Schlachten“ wie letzte Reste demokratischer Zugeständnisse wirken. Potenzielle Gewalt prägt auch WORLD OF WARFARE, eine Folge die auf der Waffenmesse in Abu Dhabi entstand und eine ungewohnte Sicht auf Krieg als rationalisiertes Geschäft liefert. Der Blick auf pervertierte Business-Systeme erweitert sich in DEAL mit dem deutlich eleganteren Milieu des Kunstbetriebs der Art Basel, dessen Transaktionen gleichwohl fragwürdig sind. In MISSION AND TASK verweisen Überwachungs-­ Mechanismen auf die A­ bsicherung eines Status quo, während LICHT UND ANGST mit befremdend schönen Fotos in das brisante System von Esoterik und ­V erschwörungstheorien vordringt. ☞ Kunstsammlung Jena Städtische Museen Jena Di/Mi/Fr 10–17 Uhr, Do 15–22 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr Markt 7, 07743 Jena T +49 (0) 3641 49-8261 kunstsammlung-jena.de

Andrea Grützner, Ohne Titel 20, aus der Serie „Erbgericht“, 2019, Courtesy Robert Morat Galerie Berlin, © Andrea Grützner

Franz Marc, „Die blauen Fohlen“, 1913, Öl auf Leinwand, Kunsthalle Emden

Julian Röder, „Protests against G8 Summit in Genoa II“, 2001, aus der Serie: „The Summits“, C-Print, Courtesy Galerie Russi Klenner, Berlin, © Julian Röder


Kornwestheim

Leipzig

Verborgene Spuren. Jüdische Künstler*innen und Architekt*innen in Karlsruhe 1900–1950 11.12.2020 – 28.2.2021 Städtische Galerie Karlsruhe

Josef Paul Kleihues - Geometrie und Poesie 30 Jahre Kunst im Kleihues-Bau Bis 7.3.2021 Roland Wesner – Die Regenbogenfalle Bis 17.1.2021 Museum im Kleihues-Bau, Kornwestheim

REKLAME! Verführung in Blech Bis 9.5.2021 GRASSI Museum für Angewandte Kunst

Am facettenreichen Kulturleben in Karlsruhe waren im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zahlreiche Kunstschaffende jüdischer Herkunft maßgeblich beteiligt. Seit Beginn des nationalsozialistischen Terrorregimes 1933 wurden sie jedoch systematisch ausgegrenzt, diskriminiert, in die Emigration gezwungen oder verschleppt und ermordet. Unter dem Titel „Verborgene Spuren. Jüdische Künstler*innen und Architekt*innen in Karlsruhe 1900–1950“ beleuchtet die Städtische Galerie Karlsruhe in einer umfangreichen Präsen­ tation nun erstmals diesen weitgehend vergessenen Teil der Karlsruher Kulturgeschichte. Vorgestellt ­w erden mehr als zwanzig Künstler*innen, ­F otograf*innen und Architekt*innen, die ursprünglich aus Karlsruhe stammten, hier ihre Ausbildung ­a bsolvierten oder entscheidende Schaffensjahre in der Stadt verbrachten. ☞ Städtische Galerie Karlsruhe Mi–Fr 10–18 Uhr, Sa/So/Feiertag 11–18 Uhr Lorenzstraße 27, 76135 Karlsruhe T +49 (0) 721 1334444 staedtische-galerie.de

Im postmodernen Ausstellungshaus des Kleihues-Baus in Kornwestheim treten faszinierende Ausstellungen in einen spannenden Dialog. Die Jubiläumsschau zum Architekten Josef Paul Kleihues widmet sich neben dem Entwurf für die verschiedensten Museen und Galerien auch den unterschiedlichsten von Josef Paul Kleihues gestalteten Designobjekte. Höchst beein­ druckend ist auch der rege Austausch mit zeitgenös­ sischen Künstlern wie Markus Lüpertz und Georg ­B aselitz, der in der Ausstellung genauer beleuchtet wird. Die Arbeiten des Ludwigsburger Malers Roland Wesner vereinen die teils märchenhaft symbolischen Züge des Regenbogens mit der beklemmend ­w irkenden Energie schwarzer Flächen. Im Dialog mit den Gemälden Roland Wesners zeigt die Besigheimer Künstlerin Simone Westerwinter eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Motiv des Regenbogens in Form eines begehbaren Teppichs, der in seiner asymmetrischen Form wiederum Bezug auf die Architektur des Ausstellungsraums nimmt. ☞ Museum im Kleihues-Bau Fr–So 11–18 Uhr Stuttgarter Straße 93, 70806 Kornwestheim T +49 (0) 7154 202-7401 museen-kornwestheim.de

Die Ausstellung präsentiert Emailschilder als frühe Boten moderner Marketingstrategien und bietet einen Überblick auf Produktwerbung zwischen 1890 und den späten 1930er-Jahren. Ende des 19. Jahr­h underts trat das neue Medium im Zug der seriellen Waren­ herstellung an die Öffentlichkeit – und Massen­ produktion zog Massenkommunikation nach sich: Emailschilder sollten die Waren nicht nur anpreisen, sondern das öffentliche Interesse wecken. Die Reklame war im Stadtbild mitunter so präsent, dass bald von der „Blechpest“ die Rede war. Viele Schilder orientierten sich stark an den zeit­ genössischen Kunstströmungen, vom Jugendstil bis zur neuen Sachlichkeit, und nicht wenige wurden von bedeutenden Künstlern entworfen. Ergänzt wird die Ausstellung durch originelle Werbeartikel, Verpackungen und Automaten. Dem historischen Part der Sonderschau schließt sich die Installation einer fiktiven Werbeagentur an. Dem Besucher eröffnet sich damit die Möglichkeit, heutigen Werbeprofis bei der Arbeit über die Schulter zu blicken. ☞ GRASSI Museum für Angewandte Kunst Di–So/Feiertag 10–18 Uhr, geschlossen 24./31.12. Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig T +49 (0) 341 2229-100 grassimak.de

Hanns Ludwig Katz, „Miss Mary“, 1926, Kunsthalle Emden, Foto: Elke Walford, Fotowerkstatt Hamburger Kunsthalle

Josef Paul Kleihues, Eingang des Museums of Contemporary Art Chicago, Foto: Hélène Binet Emailschild „Für alle Wäsche Persil“, Ent wurf/Design: Kurt Heiligenstaedt, 1922, Foto: Esther Hoyer

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Karlsruhe

TERMINE FÜR ENTDECKER

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Mainz

Mainz

München

Theresa Lawrenz, Ruben Brückel, Thomas Newman Pound 5.12.2020 – 30.1.2021 Emde Gallery

Joachim Koester – The way out is the way in Bis 7.3.2021 Kunsthalle Mainz

Ikonen der Urban Art Bis 30.6.2021 Museum of Urban and Contemporary Art

Die Ausstellung präsentiert Installationen und skulpturale Objekte von Theresa Lawrenz sowie Malereien von Ruben Brückel. Beide Künstler setzen sich in ­ihren Arbeiten mit Architektur und (öffentlichem) Raum auseinander, wenn auch auf sehr unterschied­ liche Weise. Während Lawrenz ortsspezifisch arbeitet und die Geschichte und die Eigenschaften eines Ortes untersucht, erschafft Brückel mit Tempera, Öl- und Sprühfarbe vielschichtige Bildräume, in denen häufig scharf konturierte, architektonische Elemente ­f ragmenthaft auftauchen. Ergänzt werden die Arbeiten der beiden in Mainz ­lebenden Künstler durch Arbeiten des neusee­ ländischen Künstlers Thomas Newman Pound. Seine Assemblagen aus auf der Straße gefundenen Objekten und Materialien weisen ebenfalls einen direkten Bezug zum öffentlichen Raum auf. Darüber hinaus bergen sie zahlreiche Referenzen an die Kunstgeschichte in sich: etwa Picassos drei­ dimensionale kubistische Konstruktionen oder auch Kandinskys Farben und Flächen. ☞ Emde Gallery Di/Do/Fr 11–18 Uhr, Sa 11–15 Uhr Richard-Wagner-Straße 13, 55118 Mainz T +49 (0) 171 6903990 emde-gallery.com

Joachim Koester gilt als einer der wichtigsten Konzept­f otografen seiner Generation und zählt zu den wichtigsten lebenden dänischen Künstlern. „Wahr­n ehmung“, „Bewusstsein“ und „Vernetzungen“ sind die entscheidenden Konstanten in Joachim ­K oesters Denken und Schaffen. Sie bilden gleicher­ maßen ­I mpuls wie Ergebnis seiner künstlerischen Arbeit. ­S eine Fotografien, Video-, Soundarbeiten und ­I nstallationen kommen formal sehr reduziert daher, fächern sich aber Schritt für Schritt in ihrem ­immensen, netzwerkhaften Bedeutungsspektrum auf. Der Gang durch Joachim Koesters Ausstellung ähnelt dem Streifzug durch vernachlässigte, verlassene oder unbekannte Ortschaften – der Psyche, des Körpers, der Stadt, dem Kosmos. Ein Schritt hinaus führt wie auf einer unendlichen Spirale zurück in ein neues Universum – The way out is the way in. Dänemark und Deutschland feiern 2020 ein kulturelles Freundschaftsjahr, zu dessen Ausstellungshighlights die Einzelpräsentation in der Kunsthalle Mainz gezählt werden kann. ☞ Kunsthalle Mainz Di/Do/Fr 10–18 Uhr, Mi 10–21 Uhr, Sa/So/Feiertag 11–18 Uhr geschlossen 24./31.12., 1.1. Am Zollhafen 3-5, 55118 Mainz T +49 (0) 6131 126936 kunsthalle-mainz.de

Schritt für Schritt hat die Street Art eine neue Kunstform hervorgebracht, die Menschen frei von Sprach-, Kultur-, Herkunfts- oder Religionsbarrieren die Welt neu sehen und denken lässt. Darin liegt ihre Macht, uns als Betrachterinnen und Betrachter ohne Kon­ formität und Reglements unseren Blick zu öffnen. Mit einfachen Symbolen und Motiven pointiert diese Kunstform Themen wie soziale Ungerechtigkeit, ­K apitalismus und Rassismus. Die Ausstellung im Museum of Urban and Contem­ porary Art (MUCA) – Deutschlands erstem Museum für Urban Art – zeigt eine Vielzahl an Originalwerken der legendärsten Namen der Szene in einer beein­ druckenden Rauminszenierung. Basierend auf einer der größten Banksy Sammlungen Europas werden zudem Schlüsselwerke offizieller Banksy Aus­ stellungen präsentiert. Darunter auch das monu­ mentale Ölgemälde „Are You Using That Chair?“ – eine subversive Allegorie auf Edward Hoppers berühmtes Bild „Nighthawks“. ☞ Museum of Urban and Contemporary Art Hotterstraße 12, 80331 München T +49 (0) 89 215524310 muca.eu

Joachim Koester, „Cocaine #8“, 2018, Selenfarbener Silbergelatineabzug, 40 x 46,5 cm, Courtesy by artist

Theresa Lawrenz, „lost and looking“, 2020, Ruben Brückel, „Trainyard no.2“, 2020, Thomas Newman Pound, Found mixed media assemblage, 2019 © Emde Gallery, Mainz 2020

Banksy, „Ariel“, © MUCA


Oldenburg

Quedlinburg

Räuber Hotzenplotz, Krabat und Die kleine Hexe Otfried Preußler – Figurenschöpfer und Geschichtenerzähler Bis 10.1.2021 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Das kann nur Zeichnung! Von Beethoven bis Pinterest Bis 17.1.2021 Horst-Janssen-Museum

Lyonel Feininger. Sammlung Dr. Hermann Klumpp Dauerausstellung Lyonel-Feininger-Galerie | Museum für grafische Künste

Mit Geschichten wie „Der Räuber Hotzenplotz“, „Das kleine Gespenst“, „Krabat“ oder „Die Flucht nach Ägypten“ hat Otfried Preußler (1923–2013) seit den 1950er-Jahren Figuren erschaffen, die aus den Kinderzimmern dieser Welt, aus dem Schulunterricht und aus den Bücherschränken Erwachsener nicht mehr wegzudenken sind. Preußler lässt in seine Geschichten Einflüsse aus der volkstümlichen Sagenwelt seiner nordböhmischen Heimat einfließen und erzählt von Zauberern, Hexen, Wassermännern und Gespenstern. Die Ausstellung zeigt, wie ausdrucksstark zahlreiche Zeichnerinnen und Zeichner die Geschichten illustriert und die Figuren zum Leben erweckt haben. Besonders bekannt sind die Illustrationen von F. J. Tripp zum Räuber Hotzenplotz und die der Künstlerin Winnie Gebhardt zur kleinen Hexe. Auch kuriose Wortschöpfungen wie Muhme Rumpumpel finden in der Schau Beachtung. Über 300 originale Zeichnungen sowie Filmrequisiten, Buchausgaben und Fotografien zeigen das Wirken Otfried Preußlers und seiner IllustratorInnen. ☞ LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen Di–So 11–18 Uhr Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen T +49 (0) 208 4124928 ludwiggalerie.de

Seit dem 4. Oktober können Sie im Horst-Janssen-­ Museum die neue Sonderausstellung „Das kann nur Zeichnung! Von Beethoven bis Pinterest“ entdecken. In der Ausstellung wird die Zeichnung als Kulturtechnik des Menschen – und zwar jedes Menschen! – ­g efeiert. Eine Welt ohne Schreib-und Zeichenstifte ist kaum vorstellbar, zunehmend kommen auch Smartphone, Tablet und Rechner zum Zeichnen von Ideen und Entwürfen zu Einsatz. Daher stehen die Zeichnungen ohne künstlerische Hierarchie nebeneinander: von Storyboards über Maschinenentwürfe bis zu ­G erichtszeichnungen. In sieben Abteilungen auf zwei Etagen können Sie sehen, was (nur) Zeichnung alles kann: Imaginieren, konstruieren, entwerfen, aufzeichnen, festhalten, Stellung beziehen, Identität stiften und vieles andere mehr. Die Schau ist gleichzeitig die Jubiläumsausstellung zum 20-jährigen Bestehen des Horst-Janssen-Museums. Weitere Informationen ­f inden Sie unter www.horst-janssen-museum.de. ☞ Horst-Janssen-Museum Di–So 10–18 Uhr Am Stadtmuseum 4-8, 26121 Oldenburg T +49 (0) 441 235-2885 horst-janssen-museum.de

Der Rundgang durch die Dauerausstellung zeigt einen Querschnitt durch die Sammlung von Dr. Hermann Klumpp. Sie umfasst Lyonel Feiningers Schaffens­ jahre von 1905 bis 1937. Zusätzlich wird die Präsentation durch frühe Arbeiten des Karikaturisten aus eigenem Bestand ergänzt. Das Alterswerk des Künstlers, das nach 1937 in den USA entstand, bleibt ­g esonderten Projekten vorbehalten. Die Präsentation ist nicht chronologisch gegliedert, sondern vernetzt die verschiedenen Aspekte seines Schaffens, um das Lebenswerk als komplex entfaltetes Kunstdenken vor Augen zu führen. So korrespondieren Schiffsmodelle mit Ostseemotiven der frühen Malerei, aber auch mit Grafiken und Zeichnungen aus späterer Zeit. Objekte aus Feiningers Besitz – sein Grafikschrank oder die Staffelei des Künstlers – ­u nterstreichen die Einmaligkeit der Sammlung. In der Dauerausstellung werden aus konservatorischen Gründen mit vierteljährlichen Wechseln etwa 100 Grafiken und Zeichnungen pro Jahr präsentiert. ☞ Lyonel-Feininger-Galerie | Museum für grafische Künste Schlossberg 11, 06484 Quedlinburg T +49 (0) 3946 689593-80 feininger-galerie.de

Ansicht der Ausstellung „Das kann nur Zeichnung!

Lyonel Feininger, „Selbstbildnis mit Tonpfeife“, 1910,

Von Beethoven bis Pinterest“, Foto: Andrey Gradetchliev

Öl auf Leinwand, 61,5 x 51 cm, Sammlung Dr. Hermann Klumpp © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Illustration von F. J. Tripp, Mathias Weber aus Ot fried Preußler, „Der Räuber Hotzenplotz“, © by Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, Stuttgart

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Oberhausen

TERMINE FÜR ENTDECKER

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Regensburg Unter Spannung! Regensburg in den 1920er-Jahren Bis 31.1.2021 Städtische Galerie im Leeren Beutel Moderne versus Tradition: Dies kennzeichnet die ­S ituation der Künstler der 1920er-Jahre in Regensburg. In der „kleinen Welt am Strom“ mussten Künstler und Literaten mit einem ausgeprägten Traditionalismus einerseits und dem eigenen Willen zum neuen künstlerischen Ausdruck andererseits zurechtkommen. Josef Achmann und Georg Britting schritten dabei voran: Mit der Gründung der „Sichel“, einer „Monatsschrift für neue Kunst und Graphik“ gelang ihnen etwas für Regensburg revolutionär Neues. Sie reihte sich zu Beginn der 1920er-Jahre in den Kanon der damals sehr populären Zeitschriften des deutschen Spätexpressionismus ein. Zu den künstle­ rischen Vertretern dieser Zeit zählen u. a. Ludwig Kunstmann, Oskar Birckenbach, Jo Lindinger, Eugen und Richard Wiedamann sen., Max Wissner, Otto Baumann, Lina Ammer, Guido Martini oder auch Otto Baumann. Sie alle werden in der Ausstellung mit wichtigen Werken präsentiert. ☞ Städtische Galerie im Leeren Beutel Di–So 10–16 Uhr geschlossen 24./25./31.12./1.1. Bertoldstraße 9, 93047 Regensburg T +49 (0) 941 507-2448 regensburg.de/museen

“dieses Museum muss man gesehen haben, es ist ein Gesamtkunstwerk” (Besucherstimme)

Museum Stangenberg Merck Helene-Christaller-Weg 13 64342 Seeheim-Jugenheim Tel. 06257 - 90 53 61 www.museum-jugenheim.de facebook: Museum Stangenberg Merck

Soest MULTILAYER. Vision 20/20 Bis 10.1.2021 RAUM SCHROTH im Museum Wilhelm Morgner MULTIL AYER. Vision 20/20 richtet den Blick auf ein aktuelles Phänomen der konkreten Kunst: die Mehr­ lagigkeit der Darstellung in der Bildfläche. Gleich­ zeitig und am selben Platz überlagern sich unterschiedliche Strukturen, die eigenständig sind und zugleich zusammenwirken. Mit der strukturellen ­V ielschichtigkeit wird ein zentraler Aspekt der ­W irklichkeit wahrnehmbar. Werke von rund 50 internationalen Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Generationen kommen dabei im RAUM SCHROTH im Museum Wilhelm Morgner, Soest zusammen. Mit dem RAUM SCHROTH bietet die Stiftung Konzeptuelle Kunst einen Ort für internationale konkrete und konzeptuelle Kunst der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart. Neue Entwicklungen werden hier ebenso wie renommierte Positionen erfahrbar. Neben dem anspruchsvollen Programm ist das Schaffen von Zugängen durch engagierte Vermittlungs­ arbeit zentrales Anliegen. Besonderer Wert wird auf den Dialog gelegt: mit den Kunstschaffenden, mit der Kunst und über die Kunst. ☞ RAUM SCHROTH im Museum WIlhelm Morgner Di/Mi/Fr 13–17 Uhr, Do 13–19 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr Thomästraße 1, 59494 Soest T +49 (0) 2921 14177 skk-soest.de

geöffnet: Mi - Fr: 15 - 19 Uhr Sa / So / FT: 11 - 18 Uhr

Josef Achmann, „Selbstportrait vor den Regensburger Brücken“, 1919, Foto: Stadt Regensburg, Bilddokumentation, Stefan Ef fenhauser

Annekatrin Lemke, o. T., 2018, Acryl auf Lindenholz, 100 x 80 cm, Foto: / © Annekatrin Lemke


Stuttgart

Tü b i n g e n

Waib ling en

Andreas Scholz Lebenselixier Bis 20.2.2021 Kunsthaus Frölich, Stuttgart-Feuerbach

SUPERNATURAL. SKULPTURALE VISIONEN DES KÖRPERLICHEN Bis 7.3.2021 Kunsthalle Tübingen

Die Leidenschaft für die Landschaftsmalerei ent­ wickelt Andreas Scholz bereits zu Studienzeiten. ­E ntgegen der Bewegung der Neuen Wilden Malerei in den 1980er-Jahren, war ihm klar, dass Ironie oder Zynismus in seinen Bildern keinen Platz haben sollen. Andreas Scholz fängt in seinen Bildern die Feinheiten der Natur wie den Schatten eines Baumes oder die Spiegelung des Lichts derart realitätsnah ein, dass der Betrachter ein Déjà-vu Erlebnis hat. So entstanden daneben auch über Jahre sehr gekonnt zeitlose Stillleben von Flaschen, Obst und Gemüse oder schimmerndes Kerzenlicht auf Holz oder ­L einwand gemalt. Andreas Scholz hat seine Werke während der letzten 40 Jahre in unzähligen Einzel- und ­G ruppen­a usstellungen in Deutschland, Russland, der Schweiz, Frankreich, Österreich, Indien, Belgien oder den USA gezeigt. ☞ Kunsthaus Frölich GmbH Oswald-Hesse-Str. 98, 70469 Stuttgart T +49 (0) 711 859242 kunsthaus-froelich.de

Nach der Ausstellung ALMOST ALIVE, die hyper­ realistische Skulpturen der Pioniergeneration bis zur Jahrtausendwende präsentierte, fragt die Ausstellung SUPERNATURAL nach der Zukunft der Körperlichkeit im Zeitalter des Anthropozän. Angesichts der technologischen Entwicklung in der Biogenetik wird der Mensch zukünftig in der Lage sein, alles Lebendige, die Natur, die Tierwelt und die Ebenbilder des Menschen existenziell zu verändern. Wie werden die Körper der Zukunft aussehen? Wer oder was werden wir sein? In welcher Umwelt werden wir leben? Die Ausstellung SUPERNATURAL gibt Antworten aus dem Bereich der hyper­ realistischen und realistischen Skulptur. ☞ Stiftung Kunsthalle Tübingen Di/Mi/Fr–So 11–18 Uhr, Do 11–19 Uhr geöffnet an allen Feiertagen Philosophenweg 76, 72076 Tübingen T +49 (0) 7071 96910 kunsthalle-tuebingen.de

Im Rausch der Zeit. Expressionismus von Kollwitz bis Klee 4.12.2020 – 28.2.2021 ICH. Zwischen Abbild und Neuerfindung Ab 17.4.2021 Galerie Stihl Waiblingen Die Ausstellung widmet sich einer der herausragenden künstlerischen Leistungen des 20. Jahrhunderts – der Druckgrafik des Expressionismus. In der instabilen Zeit nach dem Ersten Weltkrieg stand rauschhaftes Vergnügen neben Unbehagen und Frustration. Die Verarbeitung der Geschehnisse ist dem neuen Kunststil deutlich anzumerken: Spitze Winkel und kantige Konturen sowie ein kippender und diagonalreicher Bildaufbau bestimmen die Werke. Die Ausstellung spannt einen Bogen von 1893 bis 1962; ein beson­ derer Schwerpunkt liegt auf den politisch wie wirtschaftlich brisanten 1920er-Jahren. Rund 100 Arbeiten aus dem reichen Bestand des Osthaus Museums Hagen vermitteln einen umfassenden Einblick in die Entwicklung der Kunstform und rücken den Menschen als fühlendes, leidendes und hoffendes Wesen in den Fokus. Bekannte Namen wie Käthe Kollwitz, Max Beckmann, Otto Dix, Erich Heckel, Paul Klee oder Karl Schmidt-Rottluff prägen die Sammlung. ☞ Galerie Stihl Waiblingen Di–So 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr Weingärtner Vorstadt 12, 71332 Waiblingen T +49 (0) 7151 50011686 galerie-stihl-waiblingen.de

TERMINE FÜR ENTDECKER

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Andreas Scholz, „Lindenhofpark am Bodensee“, Öl auf Holz, 80 x 140 cm, Foto: Andreas Scholz

Isa Genzken, „Schauspieler III, 3“, Detail, 2015,

Foto: Axel Schneider, Frankfurt / Main

Otto Lange, „Dame in Grün“, 1918, Farbholzschnitt,

© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Osthaus Museum Hagen, Foto: Jürgen Spiler, Dortmund © Courtesy of Osthaus Museum Hagen & Institut für Kulturaustausch, Tübingen

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9 Schaufensterpuppen, Mischtechnik, Courtesy: Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York,


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War t h

Wien

Winterthur

Claudio Hils: Heimatfront – Bühnenbilder des Krieges Bis 18.4.2021 Kunstmuseum Thurgau

THE ESSL COLLECTION 4.12.2020 – 6.3.2021 ALBERTINA MODERN

Hella Jongerius – Breathing Colour Bis 24.5.2021 Gewerbemuseum Winterthur

Im Winter und Frühjahr 2020/2021 steht die ALBERTINA MODERN ganz im Zeichen der Sammlung Essl. Erstmals wird in der Bundeshauptstadt Wien ein ­Ü berblick über die historische Tiefe und geographische Breite der Sammlung Essl geboten, von der ­a merikanischen bis zur chinesischen Kunst: mit 110 Hauptwerken der berühmtesten Künstlerinnen und Künstler von 1960 bis heute, von Antoni Tàpies bis Maria Lassnig über Georg Baselitz und Alex Katz bis Fang Lijun, Annette Messager und Nam June Paik. Gemälde, Skulpturen, Objekte, Installation und ­V ideos geben in dieser Ausstellung zugleich ein Bild der medialen Vielfalt der Sammlung Essl, die sich seit 2017 im Besitz der ALBERTINA befindet und das ­R ückgrat der Sammlungen an moderner und ­z eitgenössischer Kunst bildet. Mit dieser Ausstellung treten die einflussreichsten und bedeutendsten Künstlerinnen und Künstler aus Österreich in einen Dialog mit den entscheidenden internationalen Positionen der Gegenwart und ihren wichtigsten Proponenten. ☞ ALBERTINA MODERN Täglich 10–18 Uhr Künstlerhaus Wien, Karlsplatz 5, A-1010 Wien T +43 (0) 1 534830 albertina.at

Die niederländische Designerin Hella Jongerius ist für ihre einzigartige Auseinandersetzung mit Farben und Materialien international bekannt. „Breathing Colour“ zeigt raumgreifende Installationen, mit denen die Designerin die Wirkung und Wahrnehmung von ­F arbigkeit erforscht. Denn: Unsere Umwelt bietet eine immens reiche Mischung aus Farben, doch wir ­n ehmen diese schier grenzenlose Vielfalt und ­W andelbarkeit nur noch selten wahr. Mit phänomenologischen Studien thematisiert ­J ongerius einen elementaren, aber auch unter­ schätzten Aspekt im zeitgenössischen Design. Sie sensibilisiert und schärft mit faszinierenden dreidimensionalen Formen, mit systematischen Anord­ nungen und vielfältigen textilen Werken den Blick für Farbnuancen, für Schattierungen und Reflexionen. Weit über die gängigen codierten Farbsysteme hinaus gibt die Designerin den Farben einen Freiraum zurück, um sich neu zu entfalten – oder eben, in ihren ­e igenen Worten, um atmen zu können. ☞ Gewerbemuseum Winterthur Di–So 10–17 Uhr, Do 10–20 Uhr Kirchplatz 14, CH-8400 Winterthur T +41 (0) 52 2675136 gewerbemuseum.ch

Claudio Hils (* 1962 Mengen) gewährt mit seinem neuesten Projekt Einblick in militärische Tabuzonen direkt vor unserer Haustür: In seinen Fotografien wirken die Ausbildungsstätten für Truppen und ­S ondereinsatzkommandos wie surreale Bühnenbilder, in denen der Ernstfall geprobt wird. Die Ausstellung „Heimatfront – Bühnenbilder des Krieges“ im Kunstmuseum Thurgau zeigt die in mehrjähriger Recherchearbeit entstandenen eindrücklichen Fotografien von Claudio Hils. Auf abgelegenen ­A realen in Süddeutschland wird nicht nur zwischen den Relikten der kriegerischen Vergangenheit und in neuen Trainingshallen, sondern auch in bühnenhaft konstruierten Dörfern, Wohnzimmern und Flugzeugen geübt, um zukünftigen Terroranschlägen, kriegerischen Angriffen und Katastrophenszenarien zu be­ gegnen. Den Zeit- und Realitätsschichten seiner ­F otografien stellt Claudio Hils virtuelle Bildwelten aus Übungssoftware der Bundeswehr gegenüber. ­D abei verschwinden zunehmend die Grenzen ­z wischen Realität und Fiktion. ☞ Kunstmuseum Thurgau Kartause Ittingen CH-8532 Warth, Schweiz T +41 (0) 58 3451060 kunstmuseum.ch

Albert Oehlen, „Abgaskopf,“ 1984, ALBERTINA, Wien – The ESSL Collection, © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Foto: Roel van Tour, © Hella Jongerius

Claudio Hils, „Brandübungshaus, Schule für ABC-Abwehr und ­g esetzliche Schutzaufgaben, Stetten am kalten Markt“, Fotografie © 2020 Claudio Hils


Wittlich

Wo rp swe d e

Zw i c ka u

Träume und Alpträume. Zum 100. Todestag von Max Klinger (1857–1920) Bis 7.2.2021 Städtische Galerie im Alten Rathaus

Paula Modersohn-Becker Kunstpreis 2020 Bis 7.3.2021 Barkenhoff und Große Kunstschau Worpswede

Das Max-Pechstein-Museum in den KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU

Wie die Museen in Leipzig, München und Bonn ­w idmet auch die Städtische Galerie im Alten Rathaus in Wittlich dem großen Künstler Max Klinger eine Ausstellung zum 100. Todestag. Und diese muss sich nicht hinter den großen Häusern verstecken, da ­M eisterstücke zu sehen sind. Die Ausstellung widmet sich in Zyklen und Einzelbildern den starken und ­n euartigen Imaginationen Klingers. Gezeigt wird auch dessen graphisches Hauptwerk, die „Phantasien über einen gefundenen Handschuh, der Dame, die ihn ­v erlor, gewidmet“, ein Zyklus, der Surrealisten von Max Ernst bis Salvador Dali inspirierte. Auch viele andere Künstler wie Käthe Kollwitz, Edvard Munch, Alfred Kubin oder Max Beckmann wurden durch die „starken Bilder“ Klingers beeinflusst. Um 1900 genoss Max Klinger große Popularität, die Künstlern zu Lebzeiten selten zuteil wird, doch dann geriet er in Vergessenheit. Die vier deutschen ­J ubiläumsausstellungen z­ eigen, dass es sich lohnt, Klinger (wieder) zu entdecken. ☞ Städtische Galerie im Alten Rathaus Di–Sa 11–17, So/Feiertag 14–17 Uhr Neustraße 2, 54516 Wittlich T +49 (0) 6571 1466-0 kulturamt.wittlich.de

Bereits zum sechsten Mal lobt der Landkreis Osterholz den Paula Modersohn-Becker Kunstpreis aus. Zuletzt gewann 2018 die Performancekünstlerin ­N ezaket Ekici und im Jahr 2016 Virgile Novarina mit einer Schlafperformance den Hauptpreis. Mit seinen insgesamt drei Einzelpreisen richtet sich der PMB Kunstpreis an Künstler*innen mit biografischem ­B ezug zum Land Niedersachsen oder zum Land ­B remen, an Künstler*innen, die heute im Landkreis Osterholz leben und arbeiten sowie an Nachwuchskünstler*innen mit regionalem Bezug. Nominiert in der Kategorie Hauptpreis sind: Diana Mercedes Alonso, Laurenz Berges, Susanne Kutter, Gabriela Oberkofler, Nikola ­R öthemeyer, Antje ­S chiffers und Tilo Schulz. Die drei Preisträger*innen in den Kategorien Haupt-, Sonder- und Nachwuchspreis werden zur ­A usstellungseröffnung bekannt gegeben. Alle neun Künstler*­innen werden ab dem 14. November 2020 im ­B arkenhoff und in der Großen Kunstschau ­W orpswede mit ausgewählten Arbeiten präsentiert. ☞ Barkenhoff/Heinrich Vogeler Museum Di–So 11–17 Uhr Ostendorfer Straße 10, 27726 Worpswede T +49 (0) 4792 3968 worpswede-museen.de

Expressive Landschaften und Stillleben, Porträts, aber auch dekorative Werke wie Mosaike sowie das farbenprächtige Spätwerk: Ein Rundgang durch das Max-Pechstein-Museum gleicht einem Streifzug durch das Lebenswerk des in Zwickau geborenen Künstlers. Die Dauerausstellung mit Werken des bedeutenden Expressionisten ist die weltweit umfangreichste ihrer Art. Bekannt wurde Pechstein als Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“ durch seine farbintensiven Gemälde mit Darstellungen von Mensch und Natur. Die Spannbreite seines künstlerischen Schaffens reicht jedoch weit über die bedeutenden Werke aus der „Brücke“-Zeit hinaus. So werden in den Kunstsammlungen Zwickau Arbeiten aus sechs Jahrzehnten zu sehen sein. Damit stellt erstmals in diesem Umfang eine museale Dauerausstellung das Werk des herausragenden deutschen Expressionisten vor. Die Auswahl spannt den Bogen von der frühen, 1896 entstandenen Studie des jugendlichen Pechstein bis zum letzten Gemälde aus dem Jahr 1953. ☞ KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum Di/Fr 13–18 Uhr, Mi/Do 13–17 Uhr, Sa/So/Feiertag 11–17 Uhr Lessingstraße 1, 08058 Zwickau T +49 (0) 375 834510 kunstsammlungen-zwickau.de

TERMINE FÜR ENTDECKER

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Nezaket Ekici, Hauptpreisträgerin 2018, vor dem Bronzekopf von Paula Modersohn-Becker, Foto: © Jost Wischnewski/ Worpsweder Museumsverbund

Max Pechstein, „Am Haf f“, 1919 © 2020 Pechstein Hamburg/ Tökendorf,

„Bär und Elfe“ aus dem Zyklus „Intermezzi, Opus IV“, Radierung, 1881, © beim privaten Leihgeber

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KUNSTSAMMLUNGEN ZWICK AU Max-Pechstein-Museum


Fotos: Jens Gerber / Oliver Killig / Rainer Weisflog

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G e s c h i c h t e, Ku l t u r u n d

t i e t z “, 1913 a l s Ka u f h a us

sich gleichzeitig in gemüt­

S e h e n s w ü rd i g ke i t e n h i n .

e rö f f n e t, f i n d e t m a n u n t e r

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a n d e re m e i n e n ve r s t e i n e r t e n

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Wa l d, d i e N e u e S ä c h s i s c h e

Fr ü h s t ü c k , M i t t a g e s s e n u n d

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Ku n s t u n d d a s N a t u r ku n d e ­

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m us e u m . A u ß e rd e m b e h e r-

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B a ye r n - ­A l p r u n d e, e i n e To u r

s ow i e e i n b e l i e b t e s C a f é u n d

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Mühle von Precassino, © Nicola Demaldi Sertus Image

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177 LENTOS Kunstmuseum, Linz © Oberösterreich Tourismus GmbH / Andreas Röbl

Montagnola Auf den Spuren ­H ermann

München

­H esses

Wiedersehen in München

Ü b e r 4 0 J a h re ve r b ra c h t e d e r Schriftsteller Hermann Hesse

Museum Total

Metz Zeit der Lichter

E i n T i c ke t, v i e r Ta g e, n e u n M us e e n – d i e L i n z e r M us e u m s t a g e g e h e n i m

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„e i n f a c h w i e d e r d a“, s o n e n n t M ü n c h e n To u r i s m us s e i n ex k l u -

­w e l t b e r ü h m t e Ro m a n e w i e

s i ve s Re i s e p a ke t m i t S a f e t y- K i t,

„S i d d h a r t a“, „D e r S t e p p e n -

D e s i n f e k t i o ns m i t t e l u n d M u n d -

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s c h a f t f ü h r t. Vo n d e n Wo r t e n

M o d e r n e m i t d e r n e u ku ra ­

des Autors begleitet spaziert

t i e r t e n D a n n e r- Ro t u n d e, d i e Ku n s t h a l l e d e r H y p o Ku l t u r s t i f-

­F e b r u a r 2021 i n d i e s i e b t e

g e n a n n t, d e n n d i e Ka t h e d ra l e

man zu dessen Lieblingsplät-

Ru n d e. Vo n D o n n e r s t a g b i s

Saint-Étienne in Metz besitzt

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e i n e d e r g rö ß t e n K i rc h e n f e n s -

z u d e m G ro t t i, e i n e t y p i s c h e

M ü n c h e n - Ke n n e r u n d s o l c h e,

­b i e t e n d a s A r s E l e c t ro n i c a

t e r f l ä c h e n d e r We l t. V i e l e d e r

Te s s i n e r We i n s c h ä n ke, i n d e m

d i e e s we rd e n wo l l e n: E n t d e -

C e n t e r, d a s B i o l o g i ez e n t r u m,

Fe n s t e r w u rd e n z w i s c h e n d e m

H e s s e g e r n ve r we i l t e, b i s z u

c ke n S i e e n t s p a n n t d i e S t a d t,

d a s F C – Fra n c i s c o C a ro l i n u m,

13. u n d 20. J a h r h u n d e r t vo n

s e i n e r G ra bs t ä t t e a u f d e m

e r l e b e n S i e ku l t u re l l e H i g h -

d a s L E N TOS Ku n s t m us e u m,

b e d e u t e n d e n Kü n s t l e r n

Fr i e d h o f vo n S a n t ’A b b o n d i o.

d a s N O R D I CO S t a d t m us e u m,

g e s c h a f f e n, d e r b e r ü h m t e s t e

d a s O Ö Ku l t u rq u a r t i e r, d a s

u n t e r i h n e n M a rc C h a g a l l .

S c h l os s m us e u m, d a s S t i f t e r-

Anlässlich des 800 -jährigen

H a us u n d d i e vo e s t a l p i n e

J u b i l ä u m s d e r Ka t h e d ra l e h a t

S t a h l we l t w i e d e r e i n f a c e t t e n -

d i e A g e n c e I n s p i re M e t z n o c h

re i c h e s P ro g ra m m . T i c ke t s f ü r

b i s J u l i 2021 e i n b e s o n d e re s

„ M us e u m To t a l “ e r h a l t e n S i e i n

P ro g ra m m z us a m m e n g e s t e l l t :

d e n M us e e n u n d i n d e r To u r i s t

„D i e Z e i t d e r L i c h t e r “. E i n e r d e r

I n f o r m a t i o n L i n z . Ko m b i n i e re n

H ö h e p u n k t e i s t d i e g ro ß e

S i e d o c h d a s ve r l ä n g e r t e

­C h a g a l l - A us s t e l l u n g i m C e n t re

M us e u m s wo c h e n e n d e m i t

Po m p i d o u M e t z , d a s g l e i c h -

s p a n n e n d e n Ta g e n vo r O r t :

zeitig sein zehnjähriges

D a s Pa c ka g e u m f a s s t z we i

­B e s t e h e n f e i e r t. D i e A us ­

N ä c h t e i m H o t e l I h re r Wa h l

s t e l l u n g „C h a g a l l . L e p a s s e u r

i n k l us i ve L i n z- C a rd z u m P re i s

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L i c h t s u n d d e r G l a s m a l e re i i m We r k d e s Kü n s t l e r s .

m us e u m - t o t a l .a t l i n z t o u r i s m us .a t

t o u r i s m e - m e t z .c o m c e n t re p o m p i d o u - m e t z .f r

Monopteros im Englischen Garten, München © München Tourismus / Tommy Loesch

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 2 0/ 21 — A P P E T I Z E R

Linz

i n M o n t a g n o l a o b e r h a l b vo n L u g a n o. H i e r s c h r i e b e r


NRWskulptur: Raymund Kaiser, „UELFE DISPLAY“, Radevormwald, Foto: Thorsten Arendt

Nordrhein-­ Neuss

West falen

Schlafen im

NRWskulptur

Kulturraum Hombroich

A us g ewä h l t e S ku l p t u re n d i g i t a l a u f b e re i t e t : 70 0 We r ke h e ra us ra g e n d e r Ku n s t i m ö f f e n t l i c h e n Ra u m N o rd -

E i n e i n z i g a r t i g e s Zus a m m e n -

r h e i n -We s t f a l e n s p rä s e n t i e r t

s p i e l vo n Ku n s t, N a t u r u n d

d i e N RWs ku l p t u r- A p p. D i e

A rc h i t e k t u r e r wa r t e t B e s u c h e r

A p p e rö f f n e t d i e We l t d e r

i m Ku l t u r ra u m H o m b ro i c h .

Ku n s t a u f u n ko m p l i z i e r t e A r t

S p ü r b a r vo r a l l e m f ü r j e n e, d i e

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s e n S i e b e g e h b a re S ku l p t u re n,

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Saarbrücken Saarland

Schnals,

à la Card

­S üdtirol Olafur

historische Gebäude und

Ku n s t, d i e f ü r j e d e n r u n d u m

Pa v i l l o n s m i t u m f a n g re i c h e n

d i e U h r f re i z u g ä n g l i c h i s t. A l s

W i e p ra k t i s c h! We r m i n d e s t e n s

­E liasson

S a m m l u n g e n wä h re n d e i n e s

d i g i t a l e r We g we i s e r n a v i g i e r t

z we i N ä c h t e b e i e i n e m d e r

A u f e n t h a l t s i m G ä s t e h a us

d i e A p p z u d e n Ku n s t we r ke n

S a a r l a n d - C a rd - G a s t g e b e r

„K l os t e r “ i n Ru h e a u f s i c h w i r-

u n d f ü h r t m i t Ro u t e nvo r s c h l ä -

b u c h t, b e ko m m t f ü r s e i n e

ke n . D a s vo m B i l d h a u e r E r w i n

g e n vo n S ku l p t u r z u S ku l p t u r.

E r ku n d u n g e n i m k l e i n s t e n

H e e r i c h e n t wo r f e n e „K l os t e r “

J e d e s J a h r ko m m t e i n n e u e r

­d e u t s c h e n Fl ä c h e n s t a a t d i e

f e r n e r e rö f f n e t e i m O k t o b e r

i s t a l s S e l bs t ve r p f l e g u n g s ­

S c hwe r p u n k t h i n z u.

S a a r l a n d C a rd . M i t d e r G ä s t e -

2020 d e r i s l ä n d i s c h - d ä n i s c h e

u n t e r ku n f t m i t G e m e i n s c h a f t s -

­N RW­s ku l p t u r i s t e i n Ku n s t ­

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Kü n s t l e r O l a f u r E l i a s s o n s e i n e

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des Lehrpfads. Hier steht eine

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dem Lauf der Sonne folgen. Ganz in der Nähe befindet s i c h d a s h ö c hs t g e l e g e n e H o t e l Eu ro p a s : d a s G l a c i e r H o t e l G ra wa n d . g ra wa n d .c o m s u e d t i ro l . i n f o

Olafur Eliasson, „Our Glacial Perspectives“ © Talking Waters Society by Oskar Da Riz


179

Speyer Die Krippe Schweiz

im Dom

Bed ’n’ Bureau D i e b e r ü h m t e We i h n a c h t s ­ k r i p p e i m S p eye re r D o m s t e l l t Fä l l t I h n e n z u H a us e i m

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s t ü c ke vo n Kü n s t l e r n h i n z u.

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A u f b a u d e r K r i p p e n l a n d s c h a f t,

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Zell am See Kunst am Berg

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n e u n S c hwe i z e r H o t e l s w u rd e

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Fe r t i g g e s t e l l t i s t d i e We i h -

d e r ka l t e n J a h re s z e i t l ä d t d a s

Ku n s t we r ke e n t l a n g d e s We g e s

S e h e n s w ü rd i g ke i t e n g e a c h t e t.

nachtskrippe erst an Heilig-

P ro j e k t „Ku n s t a m B e rg“ a u f

b i l d e n d e n „ 4 S e e n Ku n s t wa n -

Neben der Übernachtung

a b e n d u n d ka n n b i s 2. 2. 2021

der Schmit tenhöhe zu inspirie-

d e r we g“. G e n i e ß e n S i e b e i

i n k l us i ve Fr ü h s t ü c k , Ka f f e e u n d

b e s i c h t i g t we rd e n . G a n z i n d e r

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Ta g e s b i e t e n a l l e H o t e l s H i g h -

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z e r t i f i z i e r t e n „Ku n s t - u n d Ku l -

s p e e d - I n t e r n e t, ve r s c h i e d e n e

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O b j e k t e u n d S ku l p t u re n vo n

t u r b e rg“ Ö s t e r re i c h s , Ku n s t

A r b e i t s p l ä t z e u n d e i n e A us -

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1/18 – Frühjahr 2018

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3/17 – Winter 2017/18

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1/17 – Frühjahr 2017

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Impressum ARTMAPP MAGAZIN

REDAKTION

DRUCK

25. Ausgabe – 9. Jahrgang – November 2020

Bettina Götz M. A., b.goetz@artmapp.net

NEEF + STUMME premium printing

Verlag ARTMAPP GmbH

Schillerstraße 2, 29378 Wittingen

Pfizerstraße 11, 70184 Stuttgart

AUTOREN DIESER AUSGABE

HRB 760200 Amtsgericht Stuttgart

Kim Behm, Katja Behrens, Dr. Stefanie Dathe,

VERTRIEB

USt.-IdNr. DE284814593

Prof. Claus Friede, Hansjörg Fröhlich, Nina Gas­s auer,

IPS Pressevertrieb GmbH

Geschäftsführung: Silvia Brouwer, Reiner Brouwer

Prof. Dr. Chris Gerbing, Bettina Götz M. A.,

Carl-Zeiss-Str. 5, 53340 Meckenheim

Annika Graef, Bülent Gündüz, Alice Henkes, Bettina HERAUSGEBER

Hilleckes, Siegmund Kopitzki, Gerhard Lob, Dr. Ellen

ABO

Reiner Brouwer, r.brouwer@artmapp.net

Maurer Zilioli, Claus K. Netuschil, Clemens Ottnad,

abo@artmapp.net

M +49 (0) 171 170 69 23

Marc Peschke, Hannah Sachsenmaier, Andrin Schütz

25 EUR (D) / 43 EUR (EU und Schweiz)

ANZEIGEN- UND VERTRIEBSLEITUNG

TEXTREVISION

Silvia Brouwer, s.brouwer@artmapp.net

Katrin Günther, Berlin, katrin_guenther@gmx.net

T +49 (0) 711 161 224 15

KUNST – Buch, Text, Netz

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MITARBEITER DIESER AUSGABE

Nina Czayka, n.czayka@artmapp.net

Mark Brouwer, Nina Czayka, Ute Lauterjung

Weitere Informationen unter artmapp.net

Am 13. März erscheint die nächste Ausgabe ARTMAPP Frühjahr 2021.

T +49 (0) 178 136 67 99

ISSN 2195-1594 artmapp.net, mobil.artmapp.net,

Amrei Heyne, a.heyne@artmapp.net

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T +49 (0) 176 48 11 26 37

Bethmann Design GmbH & Co. KG

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bethmann-design.de DATENBANKVERWALTUNG DER APP Michael Lauterjung, app@artmapp.net

DESIGNKONZEPT Design – Chris Steurer, csteurer.com

Der ARTMAPP-Teilauflage liegt eine Beilage von Ticino Turismo bei. Sollte diese nicht beiliegen oder Sie weitere Exemplare wünschen, senden Sie uns bitte eine E-Mail: mail@artmapp.net.

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ARTMAPP #25, Winter 2020/21