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N O V 2 0 17 – F E B 2 0 18 E U R 6 , 9 0 D/A

S F R 9, 9 0

Das Kunstmagazin f ür Entdecker

Die Kunst-App im App Store und bei Google Play mobil.artmapp.net

NOORD-NEDERLAND

ROTTWEIL SCHWARZWALD BAAR DIE MASKE KUNSTWEGEN

BISMARCK BUCHER CHAGAS DOSTAL VISCH VOGEL

BERN EMDEN HERFORD MÜNCHEN SAARBRÜCKEN SCHWERIN ZWOLLE


n o i t u Revol in u a l b b l e g t o R 7 1 . 0 1 . 14 .02.18 — 04 a t r a M d r o f r He

ietveld R t i r r e G und die össische zeitgen Kunst

für useum ford – M Design r e H ta Mar ktur, Archite Kunst, .99 44 30 -0 1 2 Tel 052 rta -herford.de a www.m tveld mas Rie rrit Tho 918, e e G : v ti Mo derland hl, 1 uer Stu cht, Nie Rot- Bla Museum Utre l Centraa oritz / tM s n r E nn 2017 © nst, Bo u -K d il VG B


Titelmotiv: Edson Chagas, „Patrice J. Ndong“, aus der Serie „Tipo Passe“, 2014, C-print, 100 x 80 cm, Auflage 5 + 2AP, © 2014, Stevenson Gallery, Kapstadt/Johnannesburg

EDI TOR I A L #16 2 0 1 7/ 1 8

Foto Editorial: © Carmen Jäger

k u n s t we ge n der vechte folgen deutsch-niederländische skulpturenroute www.kunstwegen.org

unten: Helga Griffiths, Foto: Anton Minayev

L’HEURE BLEUE

Wenn Sie mit der neuen ARTMAPP zwischen den Regionen Noord-Nederland und Südschwarzwald reisen, dann müssen Sie unbedingt einen Zwischenstopp in Saar­brücken einlegen: Am 18. November wird die „Moderne Galerie“ des Saarlandmuseums samt neuem E ­ rweiterungsbau feierlich wiederöffnet. In der Stadtgalerie tauchen Sie in Helga ­Griffiths multisensuelle Rauminstallationen ein; alle Saarbrücken-Beiträge finden Sie auf den ­Seiten 128 bis 141. Helga Griffiths Arbeiten fordern in jedem Falle all Ihre Sinne! Mir gab sie einen kleinen Einblick in ihr aufregendes Werk: Liebe Frau Griffiths, seit mehr als 20 Jahren loten Sie die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung aus. In Ihren Installationen verknüpfen sich Kunst, Wissenschaft und Technologie. Eine ganz besondere Rolle spielen Düfte. Ich interessiere mich im Besonderen für die Wiederbelebung von vernachlässigten ­Sinnen wie dem Geruchssinn, aber auch für die Ausbildung, Entwicklung neuer Wahrnehmungen. Würden wir etwa die „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ intensiver erleben – oder würden wir vielleicht mit Lebewesen auf fremden Planeten kommunizieren können, wenn wir nur die Sinne dafür entwickelt hätten?! Dieses Jahr konnte man Ihre Arbeiten in der Kunsthalle Darmstadt und dann in der Stadtgalerie Saarbrücken sehen – ihre erste deutsche Übersichtsausstellung. Denn ­eigentlich sind Sie eher auf Biennalen oder Triennalen in den internationalen Kunstmetropolen unterwegs. Die Teilnahme an internationalen Biennalen ermöglicht mir, komplexe Rauminstallationen zu realisieren und einen offenen Austausch mit internationalen Künstlern und Kuratoren zu pflegen. Oft ist die Wahrnehmung eines Werkes je nach kultureller Prägung eine völlig andere, etwa bei der Arbeit „Identity Analysis“, die sowohl bei der Havanna Biennale als auch auf der Curitiba Biennale (Brasilien) gezeigt wurde. In Südamerika nahm man sie viel spiritueller wahr, als zum Beispiel am ZKM Karlsruhe, wo man alles eher aus einer wissenschaftlichen, analytischen Perspektive betrachtete. In Saarbrücken arbeiten Sie mit Ihrer blinden Projektpartnerin Laurence Jamet zusammen. Worin liegt das Besondere in dieser Kollaboration? Laurence Jamet habe ich 2001 in Paris kennengelernt. Wir haben die Stadt dann über einen sehr langen Zeitraum gemeinsam erkundet und über unsere Wahrnehmungen von „Wirklichkeit“ reflektiert. Obwohl wir Sehenden wohl niemals die Wahrnehmung von Laurence erleben können, so vermittelt der Erkundungsgang mit ihr einen ganz unterschiedlichen Rhythmus und eine Fokussierung auf den eigenen Körper als Erfahrungshorizont. Liebe Leser, ich wünsche Ihnen viel Spaß auf Ihrer Entdeckungstour mit ARTMAPP. Reiner Brouwer Herausgeber


Oskar Schlemmer, Blaue Frauengruppe (Detail), 1931

2

Wieder

modernegalerie.org


18. November 2017

sehen. Moderne Galerie SaarbrĂźcken


Emil Nolde, Mädchenkopf, um 1925 © Nolde-Stiftung Seebüll


Blick in die Galerie Alte & Neue Meister Schwerin, Foto: Michael Setzpfandt © Staatliches Museum Schwerin

Staatliches Museum Schwerin A LT E M E I S T E R

ZEI TGE NOSSE N

Die mecklenburgischen Herzöge liebten die Kunst und kauften sie dort, wo sie zu ihren Lebzeiten boomte: in Holland und Flandern. Prägend für die Sammlung Alter Meister ist daher eine kostbare Kollektion holländischer und flämischer Werke aus dem sogenannten „Goldenen Zeitalter“. Werke berühmter Meister wie Jan Brueghel d. Ä., Ludolf Backhuysen, Frans van Mieris d. Ä., Frans Hals, Peter Paul Rubens und Carel ­Fabritius gestatten vielfältige Einblicke in das Leben im 17. Jahrhundert und zeugen von der hohen Malkultur dieser Zeit. www. museum-schwer in. de

Auftakt des Rundgangs durch die Moderne sind Werke deutscher Impressionisten, die mit zeitgleich entstandenen Arbeiten von Konzeptkünstlern konfrontiert werden. In der DDR-Zeit wurde einer der umfangreichsten Bestände figür­ licher Malerei begründet, mit Werken von u.a. Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Clemens Gröszer. In ihrer Geschlossenheit einmalig ist die Schweriner Sammlung ­M arcel Duchamp, die nahezu alle Phasen und Aspekte des Künstlers veranschaulicht. Seit 2013 bereichert eine Werksammlung des in Mecklenburg geborenen Künstlers Günther Uecker die zeitgenössische Kollektion.

Jan Brueghel d. Ä., Die Windmühlen, 17. Jh., Foto: Elke Walford

Wolfgang Mattheuer, Kahnfahrer, 1970, Foto: Elke Walford

© Staatliches Museum Schwerin

© VG Bild- Kunst, Bonn 2017


Inhalt

6

(auszugsweise)

ARTM APP Winter 2017/18

Harr y Tupan,

Noord - Nederland

20

VIER KU LT U R ELLE PER LEN IN NOOR D-NEDER L A ND Assen, Groningen, Leeuwarden, Zwolle – von Carsten Probst

22

EMDEN & ASSEN „The American Dream“ in der Kunsthalle Emden und im Drents Museum in Assen

24

KOOPER AT IONEN A N DER GR ENZE Nordhorn, Neuenhaus und Lingen an der Ems von Nicole Büsing & Heiko Klaas

42

Drents Museum, Assen, Foto: Sake Elzinga

24. NOVEMBER 2017 BIS 2. APRIL 2018

LEHMBRUCK MUSEUM DUISBURG

Meike Behm, Kunsthalle Lingen, Foto: Roman Starke

Anna- Maria Ehrmann-Schindlbeck, Städ­tische Galerie Tuttlingen

Rot t weil Schwarz wald Baar

64

ROT T W EIL U ND DIE GEGEN WARTSKU NST Interview mit Jürgen Knubben – von Chris Gerbing

66

GEGENKU LT U R ELLER STA NDORT Das Kunstmuseum Hohenkarpfen – von Siegmund Kopitzki

76

DONAU ESCHINGEN: ZEI TGENÖSSISCHE KU NST IN HISTOR ISCHEM MUSEU MSGEBÄU DE Das Museum Art.Plus – von Chris Gerbing

80

MU T ZU R FR EIHEI T Sammlung Grässlin St. Georgen in der Städtischen Galerie Karlsruhe von Chris Gerbing

86

KU LT U R STADT IM GRÜ NEN Villingen-Schwenningen – von Chris Gerbing

88

VON W EGEN „K A N NI T V ERSTA N “ Tuttlingen hat viel mehr zu bieten als Medizintechnik von Siegmund Kopitzki

97

Die Maske

104

„VIELFALT MACHT DEN R EIZ AUS“ Interview mit Sammler Michael Haas, Berlin – von Carsten Probst

106

PHYSIOGNOMIEN, CHAR AK T ER E U ND BEFINDLICHKEI T EN Willi Buchers Larven – von Claudia Schneider

110


Italienerin am Meer,1911

Por träts

Henk Visch, Foto: Roland Michaud

KÖR PER ZWISCHEN L AST U ND LUST   Henk Visch im Kunstverein Grafschaft Bentheim von Nicole Büsing & Heiko Klaas

46

SCHAT T EN TÖNEN   Peter Vogel erhält posthum den Oberrheinischen Kunstpreis von Volker Bauermeister

56

© Fondation Maeght

ERICH

Saarbrücken WIEDER ERÖFF N U NG DER MODER NEN GALER IE DES SA AR L A NDMUSEU MS Interview mit Museumsleiter Roland Mönig – von Bülent Gündüz

128

ALLE SENSOR EN AU F EMPFA NG Helga Griffiths in der Stadtgalerie Saarbrücken – von Kim Behm

134

KUITHAN (1875–1917) · Gemälde und Zeichnungen

9. Dezember 2017 – 15. April 2018

KUNSTSAMMLUNG JENA

Ausstellungen

www.kunstsammlung-jena.de

DIE SA MMLU NG BR ABA N T Im Staatlichen Museum Schwerin – von Carsten Probst

KUNSTSAMMLUNG. Städtische Museen Jena. JenaKultur.

160

DIE MAGIE DER DINGE Tobias Dostal erhält den Horst-Janssen-Grafikpreis von Nicole Büsing & Heiko Klaas

166

FOR SCHU NGSR EISENDER IN SACHEN NAT U R Julius von Bismarck erhält den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg von Nicole Büsing & Heiko Klaas

173

2.12.2017 – 8.4.2018

At Last I Found the Treasure

APPETIZER

122

SCHMUCK

144

BUCHTIPPS

155

AMREI’S ARTBLOG

179

TER MINE

180

IMPRESSU M

195

und das eater Skulpturen, Installationen und Gra ken

Frank Brabant,

Nana, 1970

Foto: © Bernd Fickert


Eine Ausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin im Rahmen des Föderalen Programms der Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Abbildung: Marg Moll, Tänzerin, um 1930, Messing, Staatliche Museen zu Berlin, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland © VG Bild-Kunst, Bonn 2017/ Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin. Foto: Achim Kleuker


DER BERLINER SKULPTUREN FUND „ENTARTETE KUNST“ IM BOMBENSCHUTT 9.9.17– 4.2.18 Museum für Vor- und Frühgeschichte Schlossplatz, Saarbrücken vorgeschichte.de


DIERK MAASS

TRACES° OF‘ URBANITY“ art KARSLRUHE | Halle 1 Stand 50 | 22. bis 25. Februar 2018 www.brouwer-edition.com | www.dierk-maass-ch.com


GUY BOURDIN. IMAGE MAKER HELMUT NEWTON. A GUN FOR HIRE ANGELO MARINO. ANOTHER STORY

Guy Bourdin, Le Journal d‘une montre, 1987 © The Guy Bourdin Estate, 2017 / Courtesy Louise Alexander Gallery

AB 1. DEZEMBER 2017 | HELMUT NEWTON FOUNDATION | MUSEUM FÜR FOTOGRAFIE JEBENSSTRASSE 2, 10623 BERLIN | DI, MI, FR, SA, SO 11-19, DO 11-20 UHR


Benjamin und Brecht

Denken in Extremen 26.10.2017 –28.1.2018 Hanseatenweg 10, 10557 Berlin www.adk.de/benjamin-brecht Gefördert durch

Medienpartner

Gesellschaft der Freunde der

Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur

Abbildungen: Walter Benjamin, um 1935, Foto: Gisèle Freund © IMEC, Fonds MCC; Bertolt Brecht, 1940. Foto: polyfoto


Resonanzen Resonanzen Resonanzen Resonanzen Resonanzen Resonanzen Resonanzen 04.11. 2017 – 18.02.2018

40 Jahre Kunststiftung Baden-Württemberg Benjamin Appel • Andreas Arndt • Enrico Bach Björn Braun • Andrea Büttner • Helen Feifel Ulrike Flaig • Karsten Födinger • Thomas Grünfeld Susan Hefuna • Rodrigo Hernández • Judith Hopf Wolfgang Kiwus • Sara-Lena Maierhofer Pia Maria Martin • Christian Kosmas Mayer Thomas Müller • Junya Oikawa • Wolf Pehlke Martin Pfeifle • Olaf Probst • Raphael Sbrzesny Astrid Schindler • Alina Schmuch • Hanna Schwarz Katrin Ströbel • Erik Sturm • Peter Zimmermann

Ein gemeinsames Projekt von Kunststiftung Baden-Württemberg und ZKM | Karlsruhe

Kunststiftung Baden-Württemberg

Gefördert von

Stifter des ZKM / Förderer der Kunststiftung BW

Stifter des ZKM

Partner des ZKM


Peter Vogel

StädtiSche Galerie OffenburG 22. 10. 2017 – 4. 2. 2018 · www.galerie-offenburg.de


www.maxernstmuseum.lvr.de

Joan Miró, Jeune fille s’évadant (Fliehendes junges Mädchen), 1968, bemalte Bronze, Sammlung Fondation Maeght © Successió Miró | VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Tickets inkl. VRS-Fahrausweis über

Gefördert durch

3 . 9 . 2017 – 28 . 1 . 2018 Monste r Welt der


Oval with Points | Henry Moore | 1968–70 Reproduced by permission of The Henry Moore Foundation. Foto: Chris Kozarich

Bahnhof Rolandseck

HENRY MOORE VISION.CREATION. OBSESSION 28. Mai 2017 – 7. Januar 2018

Partner

www.arpmuseum.org

Förderer


Edward Hopper (1882-1967) Morning Sun,1952, Columbus Museum of Art, Ohio: Museum Purchase, Howald Fund

THE AMERICAN

AMERIKANISCHER REALISMUS 1945 BIS 1965

19 NOV 2017– 27 MAI 2018

DRENTS MUSEUM

ASSEN

KUNSTHALLE

EMDEN


The American

Corporate Design: Studio Good | Gestaltung: www.arte-fakt.info

Amerikanischer Realismus 1965 bis 2017

Die Ausstellung wird gefรถrdert von

19.11.201727.5.2018

Die Ausstellung wird gefรถrdert von

Die Kunsthalle wird gefรถrdert von

1945 -1965

Partner

1965-2017 Gefรถrdert durch

www.visittheamericandream.com


NOORD NEDER LAND


A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — N O O R D - N E D E R L A N D

Kampagne zur Kulturhauptstadt 2018 Leeuwarden- Friesland, Foto: © LF2018, friesland.nl


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Vier kulturelle Perlen in Noord-Nederland: Assen, Groningen, Leeuwarden, Zwolle

Drents Museum, Assen,

Stadtansicht Groningen,

Foto: Jasper Moulijn, © Drents Museum

Foto: © Hotel Schimmelpenninck Huys

Bis vor einigen Jahren war die Rollenverteilung in den Niederlanden noch klar geregelt: Der Süden mit Amsterdam, Den Haag, Rotterdam, Utrecht oder Leyden stand für Kultur, der Norden für friesische Inseln, Polderlandschaften, Fahrrad­t ouren durch endlose Wälder und Schafweiden ­s owie für einsame Bauernhöfe. Dass dieses Klischee nicht mehr so ganz stimmt, hängt mit einem neuen kulturellen Selbstbewusstsein der Städte Noord-Nederlands zusammen, die nun auch als kulturelle Leuchttürme über das flache Land strahlen w ­ ollen. Bis zu jeweils 300.000 Besucher zählen

beispielsweise die großen Museen in Zwolle, Assen oder ­ roningen jährlich – was umgekehrt dazu geführt hat, dass G die Regierungen der Städte und der Provinz zusammen mit ­privaten Stiftungen frisches Geld in Architektur und Infrastruktur dieser Häuser investiert haben. Der spektakuläre Erfolg Leeuwardens, der charmanten Metropole Frieslands, die mit ihrer Bewerbung um die Europäische Kulturhauptstadt 2018 die namhaften Konkurrenten Eindhoven und Maastricht aus dem Feld schlug, verleiht der ganzen Nord­ region nun zusätzlichen Auftrieb.


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Marc van Vliet, „Heliostat“,

Kasteel het Nijenhuis bei Zwolle,

„Sense of Place“ – eine Kunstroute in der Natur, w w w.sense - of-place.eu,

Foto: Pedro Sluiter, © Museum de Fundatie

Projekt im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt 2018 Leeuwarden- Friesland, Foto: © LF2018, friesland.nl

CARSTEN PROBST

We i t e r e I n f o r m a t i o n e n ü b e r d a s N i e d e r l ä n d i s c h e B ü ro f ü r To u r i s m u s & C o n v e n t i o n : www. holland. com/ k unst

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — N O O R D - N E D E R L A N D

Vier kulturelle Perlen, die außerhalb der Niederlande noch ­immer fast unbekannt sind, lassen sich auf den folgenden Seiten entdecken: wahre Schätze an Architektur und Geschichte sowie eine Verbindung von Kultur und Landschaft, die in Westeuropa ihresgleichen sucht. Und wir trafen auf unserer Expedition in jeder Stadt auf überaus ehrgeizige Museums­ macher, die uns voller Stolz durch ihre aufstrebenden, höchst sehenswerten Häuser führten.


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Emden und Assen „The American Dream“ in der Kunsthalle Emden und im Drents Museum in Assen

Für die Großausstellung zur Geschichte des US-amerikanischen Realismus seit 1945 haben sich die Kunsthalle Emden und das Drents Museum im 60 Kilometer entfernten Assen, der Hauptstadt der Provinz Drente in Noord-Nederland, zu einer bislang einzigartigen Kooperation zusammen­ geschlossen. Im unterirdischen Neubau des Drents Museums sind dabei über 60 Werke aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu sehen, als sich der ­R ealismus in den USA gegen den abstrakten Expressionismus und die ­konzeptuelle Malerei durchzusetzen begann. Zeitgleich mit Assen widmet sich die Kunsthalle Emden der Zeit ab 1965 und damit jenem Abschnitt, in dem sich die realistische Kunst infolge des Kalten Kriegs, der 1968er-Studentenrevolten, der Bürgerrechtsbewegungen, der Ermordung John F. Kennedys und der Verbreitung fotografischer und elektronischer Medien immer stärker politisierte, so Kunsthallen-Direktor Stefan Borchardt. Mit „spezifisch amerikanischen“ Bildern suchten manche Realisten überdies auch ihren spezifischen „American Dream“, eine Kunstsprache, die gegen einen als unverbindlich empfundenen Universalismus der ­A bstraktion und Minimal Art gerichtet war. Aufschlussreich sind daher die vielen Facetten, die ­diese Doppelausstellung dem Phänomen des Realismus im 20. und 21. Jahrhundert abgewinnt. Die handwerkliche Perfektion des Fotorealismus ab Mitte der 1960er-Jahre im Werk von unter anderem Malcolm Morley und Chuck Close, Robert Bechtle, Audrey Flack und Richard Estes wollte die Malerei in Konkurrenz zur allgegenwärtigen Fotografie re-etablieren. Dagegen übten sich die

Direktor Stefan Borchardt, Foto: © Kunsthalle Emden


Gordon Parks, „Martin Luther King, Jr.“, Washington, D. C., 1963, Schwarz-Weiß - Fotografie,

zu sehen in der Kunsthalle Emden

Künstlerinnen und Künstler eines in den USA weit verbreiteten klassisch ­orientierten Realismus ab den 1970er-Jahren in altmeisterlichen Attitüden der Renaissance, des Barocks oder des 19. Jahrhunderts. Auch die Pop-Art wird hier unter „Realismus“ gefasst, weil sie „den Blick auf Objekte des alltäglichen Lebens, der Werbung und des Konsums“ richte, wie Borchardt sagt, auch wenn die Pop-Art ursprünglich im Geist des Dadaismus den Konsum als geradezu irreale Gegenwelt zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs entlarven wollte. Die teils ironische Auf hebung der Differenz zwischen „Kunst und ­L eben“, die Künstler wie Andy Warhol oder Duane Hanson vorführten, ­b eschäftigt die Kunsttheorie bis heute mit der Frage, ob es so etwas wie ­autonome Kunstwerke überhaupt noch gibt. So stellte der Kunsthistoriker

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27,9 x 35,6 cm, © Courtesy: The Gordon Parks Foundation,


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Beat Wyss 1997 provozierend fest, dass sich mittlerweile „die Epiphanie von ­ ndys Geist in allen Supermärkten der Welt ereigne. […] Kunst ist lebend A ­geworden und wohnt jetzt mitten unter uns“. Die etwa 140 Gemälde, Skulpturen und Fotoarbeiten in der Kunst­ halle Emden und die weiteren 60 Arbeiten im Drents Museum in Assen bescheren dem Publikum also nicht nur Begegnungen mit berühmten ­Künstlernamen wie Edward Hopper, Andy Warhol, Richard Prince, Cindy Sherman oder Martha Rosler – sie konfrontieren auch mit grundsätzlichen Fragen, welche Realität ein Bild heute zeigt. CARSTEN PROBST

1 9 . N o v e m b e r 2 0 1 7 b i s 2 7. M a i 2 0 1 8 www. vi sit theame r icandream . com

Robert Birmelin (* 1933), „Northern Cit y“, 1974, Acr yl auf Leinwand, 48 x 88 Inches, Louis- Dreyfus Family Collection, © Robert Birmelin, Courtesy: The William Louis- Dreyfus Foundation Inc., zu sehen in der Kunsthalle Emden


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Richard Estes (* 1932), „The Candy Store“, 1969, Öl und Acr yl auf Leinwand, Whitney Museum of American Art, New York, purchase, with funds from the Friends of the Whitney Museum of American Art 69.21. Digital Images, © Whitney Museum,

Alex Katz (* 1927), „Selbstporträt“, 1960, Öl auf Leinwand, Sammlung der A X A US, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017, zu sehen im Drents Museum, Assen

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zu sehen im Drents Museum, Assen


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Assen Drents Museum Harr y Tupan, Direktor des Drents Museums, Foto: Sake Elzinga

H . R . ( H a r r y) Tu p a n w a r n a c h S t a t i o n e n u n t e r ande re m am Mu se um de r bilde nde n Kün ste L e ipzig in ve rschiede ne n Funk t ione n am Dre nt s Mu se um in A sse n t ä t i g u n d a b 2 0 1 1 d e s s e n a s s o z i i e r t e r D i r e k t o r. In diese Zeit fallen die Er weiter ung des Museums sowie ein Zuwachs der B esucherzahlen. Seit Sommer 2017

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — N O O R D - N E D E R L A N D

i st e r Allge me ine r Direk tor des Dre nt s Mu se um s.

Wer nach Assen kommt, darf sich noch immer als Entdecker fühlen. Die kleine Hauptstadt der Provinz Drente, in Größe und Einwohnerzahl mit Weimar vergleichbar, ist über die Niederlande hinaus bislang kaum als kulturelle Perle bekannt. Doch das soll sich nach dem Willen von Harry Tupan, dem umtriebigen Direktor des Drents Museums in Assen, in ­absehbarer Zukunft ändern. Architektur aus vielen unterschiedlichen Epochen ziert das alte Stadtzentrum rund um das ehemalige Non­ nenkloster Sankta Maria, das zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Assen war damals kaum mehr als ein ­g roßes Dorf. Das änderte sich während der kurzen Regentschaft Louis Bonapartes als König von Holland, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche kleine Ortschaften der Umgebung eingemeindete und Assen das Stadtrecht verlieh. Das Drents Museum ist ein Kind dieses Aufstiegs ­A ssens zum Verwaltungszentrum. Seine Wurzeln hat es in bürgerlichen Sammlungen von Kunst, Kunsthandwerk und

archäologischen Fundstücken dieser Zeit. 1885 bezog das ­ useum das alte Amtsgebäude im ehemaligen Kloster, das M schon für sich genommen eine überaus beschauliche Kulisse bietet – doch wie spektakulär sich das Haus in letzter Zeit ­entwickelt hat, fällt dem Besucher von heute auf den ersten Blick nicht sofort auf. Harry Tupan ist ein Urgewächs dieses Museums. ­N ahezu sein ganzes Berufsleben hat er an diesem Haus ­z ugebracht und ist nun seit einigen Jahren dessen stolzer ­D irektor. Er führt uns in den neuen Eingangstrakt des Mu­ seums im ehemaligen Pferdestall des Klosters: Die alten Futtertröge noch als dekorative Readymades an der Wand hängend befindet sich hier das edle Entree zu einer erstaun­ lichen Unterwelt, in der der Erweiterungsbau des Museums seinen Platz gefunden hat. Über eine breite steinerne Wendeltreppe gelangt man in ein helles unterirdisches Foyer, an welches sich die neue große Wechselausstellungshalle anschließt. Tupan, der auch einige Jahre in Leipzig gelebt und aus


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dieser Zeit eine Vorliebe für figürliche Malerei mitgebracht hat, ist ein echter Entertainer, der mit seinen Ausstellungen sein Publikum immer wieder zum Staunen bringen will, wie er sagt. Für sein Haus hat er sich jedenfalls einiges vorgenommen. Mit Ausstellungen zur berühmten chinesischen Terrakotta-Armee von Si‘An oder auch zum Spätwerk von ­K asimir Malewitsch hat er die Besucherzahlen in bis dato ­ungeahnte Höhen getrieben. Neben ihrer Qualität sticht vor allem die aufwendige Inszenierung der Ausstellungsstücke im Drents Museum hervor – auch und gerade in der archäo­ logischen Sammlung des Hauses mit Glanzstücken wie dem Einbaum von Pesse, einem der ältesten Boote der Welt, oder dem berühmten „Mädchen von Yde“, einer 2.000 Jahre alten Moorleiche aus der sumpfigen Grenzregion Drentes zu Niedersachsen.

Tupans jüngstes Projekt, die gemeinsame Großausstellung „The American Dream“ mit der Kunsthalle Emden, unterstreicht den Anspruch des Drents Museums, künftig über die Region hinaus auszustrahlen: Ab Mitte November werden etwa 60 Werke des US-amerikanischen Realismus aus der Zeit zwischen 1945 und 1965 zu sehen sein, darunter Arbeiten von Chuck Close, Duane Hanson, Edward Hopper, Alex Katz und Andy Warhol – zeitgleich zu der Präsentation in Emden. Für beide Häuser soll es der Beginn einer Zukunft mit mehr grenzüberschreitender Kooperation sein, die bislang trotz „friesischer“ Nachbarschaft der deutschen und der nieder­ ländischen Regionen noch in den Kinderschuhen steckte. CARSTEN PROBST

www. dre nt smu se um . nl

Er weiterungsbau des Drents Museums, Assen, Foto: Ossip van Duivenbode


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Groninger Museum Postmodernes Wahrzeichen der Region

Außenansicht des Groninger Museums, Foto: Ralph Richter, © Groninger Museum

Es war die Zeit der ersten Blüte postmoderner Museumsbauten, von denen man sich schon andernorts einen Mehrwert für das Stadtmarketing versprach: Ende der 1980er-Jahre ­beauftragte die Stadt Groningen den Star­designer Alessandro Mendini mit dem Konzept für einen Museumsneubau. Eine mäzenatische Großspende von 25 Millionen niederlän­ dischen Gulden machte es möglich, das alte Groninger Museumsgebäude, das nach über 100 Jahren zu klein ge­ worden war, zu ersetzen – und man wünschte sich d ­ afür nichts Geringeres als ein architektonisches Highlight für die ganze Region. Mendini orientierte sich an den damals ­a ufsehenerregenden Neubauten Hans Holleins für das ­Mu­seum Abteiberg in Mönchengladbach und James Stirlings für die Staatsgalerie in Stuttgart. Michele De Lucchi, Coop ­H immelb(l)au und Phillipe Starck entwarfen sodann als ­A rchitekten jeweils einen Gebäudeteil pro Abteilung des

­Groninger Museums, das nicht nur bildende Kunst zu seinen Beständen zählt, sondern auch kostbare Sammlungen von historischem Porzellan und Kunsthandwerk. Eröffnet wurde das architektonische Wunderwerk 1992. Die Mutter aller ­Museumsleuchttürme der Noord-Region steht unzweifelhaft in Groningen. Nun ist die quirlige Universitätsstadt nahe der deutschen Grenze mit ihren über 50.000 Studierenden ohnehin nicht arm an Ausgehorten und Sehenswürdigkeiten. Doch der Gang durch das Groninger Museum, dem man gleich nach der Ankunft am Bahnhof über eine Rampe geradezu unausweichlich in die Fänge gerät, ist noch immer ein Vergnügen der besonderen Art. Die höchst abwechslungsreichen ­G e­bäudeteile mit ihrem Wechsel von großzügigen Entrees, geräumigen Kabinetten, schrägen Kanten und der meditativen Stille im Aluminium-Pavillon von Philippe Starck lassen


31

Andreas Blühm, Direktor des Groninger Museums

De r gebür t ige B e rline r i st se it 201 2 Direk tor d e s G ro n i n g e r M u s e u m s u n d w a r z u v o r u n t e r a n d e r e m a m A m s t e rd a m e r Va n G o g h M u s e u m sowie am W ­ a l l ra f- R i c h a r t z - M u s e u m i n K ö l n t ä t i g , w o e r 2 0 0 9 a l s „ K u l t u r m a n a g e r d e s J a h r e s“ a u s g e z e i c h n e t w u rd e .

CARSTEN PROBST

w w w . g ro n i n g e r m u s e u m . n l

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — N O O R D - N E D E R L A N D

die Sammlungen wie ein lässig-verspieltes Potpourri her­ vortreten – mehr beiläufig wie Einrichtungsstücke einer Architekturlandschaft denn als aufgesockelte Devotionalien. Seit 2012 führt Andreas Blühm das Haus, dessen kuratorische Handschrift mit einer Mischung aus Niederschwelligkeit, ­L ockerheit und fachlicher Originalität beim Publikum gut ­a nzukommen scheint. Mehr als 200.000 Besucher hat das Groninger Museum jährlich, aber das müsse auch so sein, so Blühm. Der gebürtige Berliner macht sich keine Illusionen über den Standort: Die Nähe zu Deutschland sieht er nicht als Vorteil, von dort kämen allenfalls zehn Prozent der Touristen in die Stadt. Aus Sicht von Amsterdam oder gar Den Haag

­jedoch liegt Groningen am äußersten Rand, gleichsam im Nirgendwo. „Wir hier im Norden müssen immer ein wenig lauter rufen als andere, um wahrgenommen zu werden.“ Das Programm muss seine überregionale Ausstrahlung daher ständig beweisen. Dazu gehört nicht nur, dass es permanent dreisprachig – in Niederländisch, Deutsch und Englisch – ­a usgerichtet ist. Ausstellungen mit Stars chinesischer Gegenwartskunst, etwa Ai Wei Wei und Song Dong, oder über David Bowie (als Übernahme aus dem Victoria and ­A lbert Museum in London) haben immer wieder große Besucherscharen angezogen. Und auch für das kommende Jahr steht das Highlight schon fest: Mit der Europäischen Kulturhauptstadt Leeuwarden, kaum 50 Kilometer entfernt, kooperiert man bei einer Ausstellung über die Romantik im Norden mit grandiosen Gemälden von Caspar David Friedrich und zahlreichen skandinavischen und niederländischen Meistern des 19. Jahrhunderts.


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Leeuwarden-Fryslân Europäische Kulturhauptstadt 2018 „Wie gefällt Ihnen die Stadt?“, fragt Oeds Westerhof gleich zur Begrüßung und nimmt die Antwort lachend vorweg: „Sieht aus wie Amsterdam, oder?“ Die Ähnlichkeit von Leeu­ wardens Altstadt mit dem Amsterdamer Grachtenviertel ist in der Tat verblüffend. Doch Westerhof, der künstlerische ­L eiter der Europäischen Kulturhauptstadt 2018, weiß auch: Allein mit solchen Klischees hätte Leeuwarden wohl kaum seine namhaften Mitbewerber Maastricht und Eindhoven aus dem Feld geschlagen.

Westerhof hat 2012 schon Leeuwardens Bewerbungskam­ pagne entworfen. Das Alleinstellungsmerkmal der Stadt seien nie bloß Sehenswürdigkeiten und kulturelle Angebote gewesen, weiß er: „Ausschlaggebend für den Erfolg der ­B ewerbung war das Thema Kooperation: dass man die ­Bewohner der Region von Beginn an aufgefordert hat, ihre Ideen einzubringen.“ Friesen und Niederländer sowie ­M enschen aus ganz Europa hätten bei der Entwicklung


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Oeds Westerhof, künstlerischer Leiter

D e r „ D i r e k t o r f ü r N e t z w e r k u n d E r b e“ d e r E u ro p ä i s c h e n K u l t u r h a u p t s t a d t L e e u w a rd e n 2 0 1 8 g e h ö r t z u d e n ­p ro f i l i e r t e s t e n K u l t u r m a n a g e r n d e r N i e d e r l a n d e . Er hat unte r ande re m de n Dutch Pe r for mance Ar t Fund, das LUX Ar thouse Cinema Center in Nijmegen sowie ­z a h l r e i c h e F e s t i v a l s w i e d a s O e ro l F e s t i v a l f ü r T h e a t e r u n d M u s i k a u f d e r I n s e l Te r s c h e l l i n g g e l e i t e t .

­zusammengearbeitet. Etliche ­Ideen aus der Bevölkerung seien in die Projekte des Europäischen Kulturhauptstadtjahres ­eingeflossen – und zwar ganz buchstäblich, denn vieles dreht sich dabei um das Wasser als die historische Lebensgrundlage der Friesen wie Niederlande gleichermaßen: Ein Innovations­ festival zum Thema Wasser wird Wissenschaft, Kultur und Geschichte zusammenbringen, ein Landschaftskunstprojekt am UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer oder Springbrunneninstallationen von international namhaften Künstlern in den elf friesischen Städten erschließen die reiche Kultur­ region an der Küste. Weitere Höhepunkte werden 2018 ein Theaterfestival, eine Ausstellung zum Werk des in Leeu­ warden geborenen Zeichners Maurits Cornelis (M. C.) Escher oder der Auftritt der Riesenpuppen der Theatergruppe Royal de Luxe im August sein (ein ausführlicher Bericht zum ­Gesamtprogramm folgt in der nächsten ARTMAPP-Ausgabe im Frühjahr 2018). Die vielen Baustellen, die derzeit noch das Stadtbild Leeuwardens prägen, vermitteln einen Eindruck davon, was Oeds Westerhof als „großen Schub“ bezeichnet, den das ­Europäische Kulturhauptstadtjahr für die Region bewirkt. Lange fühlte sich die Provinz Friesland, obgleich nur

anderthalb Fahrstunden von Amsterdam entfernt, von der Politik unbeachtet. Die Friesen sind zwar – anders als in Deutschland – in den Niederlanden als Volksgruppe mit eigener Sprache und Kultur anerkannt, von außen jedoch wurden ihre Lande kaum wirklich als Kulturregion wahrgenommen. Das ändert sich gerade. Und wie sehr sich die Friesen selbst als Teil einer gemeinsamen europäischen Geschichte begreifen, lässt sich schon jetzt beim Rundgang durch das Fries Museum in Leeuwarden erkennen. Der imposante Neubau aus dem Jahr 2013 am zentralen Wilhelminaplein ist eigentlich ein klassisches Heimatmuseum zur friesischen Geschichte. Doch mit über 170.000 Objekten verweist seine Sammlung weit über die Geschichte dieser Volksgruppe hinaus – etwa mit Ausstellungen zum Leben der Tänzerin und Spionin Mata Hari, die in Leeuwarden geboren wurde, oder zum friesischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg. Als Ausdruck regionalen Selbstbewusstseins ist das Leeuwardener Fries Museum ideelle Keimzelle für das ­E uropäische Kulturhauptstadtjahr – und Zukunftsort zugleich: für die Zeit, wenn alle Feste des großen Jahres 2018 gefeiert sein werden. CARSTEN PROBST

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Fries Museum, Leeuwarden, Foto: © merkfr yslan.nl


Zwolle Museum de Fundatie In Zwolle nennen sie es nur „das Ding“, „das Ufo“ oder „das Ei“: Gemeint ist damit der weithin sichtbare runde Dach­ auf bau mit seiner Verkleidung aus 55.000 blau-weißen Ziegeln, der das Museum de Fundatie auch äußerlich zu einem kulturellen Leuchtturm der an Sehenswürdigkeiten nicht ­a rmen Hansestadt macht. Der futuristisch anmutende ­A uf bau auf e­ inem historischen Sockelgebäude (dem frü­ heren Justizpalast im neoklassizistischen Stil) ergibt am Rand der ­a lten Binnenstad Zwolles eine erstaunlich har­ monische ­E rgänzung. Wer es nach ganz oben geschafft hat, in das Innere des „Ufos“ mit seiner Sonderausstellungsfläche von 1.000 Quadratmetern, der wird außerdem mit einem prachtvollen Blick aus einem großen ovalen Fenster über den „Grote Markt“ mit der mittel­a lterlichen Sint-Michaëlskerk ­sowie der L ­ iebfrauenbasilika belohnt.

Die imposante Statur dieses Hauses ist jedenfalls eine Ansage. Viel Selbstbewusstsein spricht auch aus den Worten seines Direktors Ralph Keuning, der eine überaus exklu­ sive Sammlung in seiner Obhut weiß. Gleichwohl: Die Rolle als Sammlungshüter allein hat Keuning in seiner bislang zehnjährigen Amtszeit nie gereicht. Er hatte sich einiges ­vorgenommen mit diesem Haus. Die 2013 eröffnete Sonderausstellungshalle auf dem Dach geht auf seine Initiative zurück. Nach und nach hat er die Besucherzahlen des Hauses auf stolze 200.000 jährlich gesteigert.


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linke Seite: Museum de Fundatie, Zwolle, Foto: Lars van den Brink

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Ralph Keuning vor Vincent van Goghs „Le Moulin de blute -fin“, Foto: Museum de Fundatie

Nach Stat ione n unte r ande re m an de r Neuen Nat ionalgaler ie in B erlin und dem K rö l l e r- M ü l l e r M u s e u m i n O t t e r l o o i s t K e u n i n g se it 2007 Direk tor des Mu se um s de Fundat ie in Zwolle, d a s u n t e r s e i n e r F ü h r u n g b e t rä c h t l i c h e r w e i t e r t w u rd e und hohe Besucherzuwächse verzeichnet.

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Schon der Sammlung des Museums ist eine gewisse Ambitioniertheit von Beginn an mitgegeben. Deren Begründer, der Privatsammler Dirk Hannema, gehörte einst zu den ­schillerndsten Persönlichkeiten der niederländischen Kunstgeschichte, erzählt Ralph Keuning bei Kaffee und Keksen in seinem kleinen Büro. Hannema verhalf einst dem Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam als dessen Direktor zu internationalem Rang. Mit der deutschen Besetzung der Niederlande aber fiel sein Stern. Zuerst kollaborierte Hannema willig mit den Nationalsozialisten und saß dafür nach Kriegsende acht Monate in Haft; danach stellten sich von ihm als Originale beurteilte Gemälde, darunter ein angeblicher Vermeer, als Fälschungen heraus. Hannemas Ruf war endgültig dahin. Gleichwohl enthielt seine eigene umfangreiche Kunstsammlung bedeutende Originale, unter anderem etwa „Le Moulin de blute-fin“, ein Frühwerk van Goghs, dessen Echtheit erst vor wenigen Jahren festgestellt wurde, außerdem Werke von Turner, Rodin, Mondrian, Chagall, Franz Marc, Jan Fabre oder des in Deutschland noch immer zu wenig bekannten Berliner Expressionisten Paul Citroen. „Kunst muss eine Botschaft haben, und sie darf auch parteiisch sein“, sagt Keuning, der über John Heartfield ­promoviert und Anfang der 1990er-Jahre in der Neuen Nationalgalerie in Berlin gearbeitet hat. Vielleicht stammt aus dieser Zeit auch seine unbefangene Begeisterung für figürliche Malerei, insbesondere aus Ostdeutschland. So hat er Anfang dieses Jahres eine große Retrospektive von Werner Tübke präsentiert, der nun im Herbst eine Ausstellung zum 90. Geburtstag von Wolfgang Mattheuer folgt, zu der sich in Deutschland nach ihrer Anfangsstation in der Kunsthalle Rostock kein weiteres Museum bereitfinden mochte. Anfang kommenden Jahres wird dann eine große Neo-Rauch-Ausstellung zu sehen sein. Das „Ufo“ auf dem Dach soll Signale an die Kunstwelt senden: Mit dem Museum de Fundatie in Zwolle, kaum 30 Minuten Bahnfahrt von Amsterdam entfernt, soll und wird künftig zu rechnen sein.


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Wolfgang Mattheuer darf in Deutschland noch immer als ­u mstrittener Maler gelten, obwohl er anerkanntermaßen nicht zu den klassischen Auftragskünstlern der DDR zu ­zählen ist. Die Rostocker Kunsthalle hatte ihm im Sommer dieses Jahres anlässlich seines 90. Geburtstages eine große Retrospektive gewidmet, die mit vielen auch im Westen durchaus wohlbekannten Gemälden reich ausgestattet war. Das Museum de Fundatie in Zwolle zeigt sie nun unter denkbar anderen Voraussetzungen. Dieses aufstrebende Haus in den nördlichen Niederlanden mit seinem ehrgeizigen Direktor Ralph Keuning (siehe Seite 3 4) betrachtet Wolfgang Mattheuer in aller Unbefangenheit als großen Realisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der ambitionierte Museumsmann kennt die durchaus zähen deutschen Debatten um das kulturelle Erbe der DDR aus eigenem Erleben während seiner zeitweiligen Tätigkeit an der Berliner Nationalgalerie zu Anfang der 1990er-Jahre. Doch er hält sie letztlich für eine deutsche Angelegenheit. Die Ausstellung im Museum de Fundatie bietet nun wie zuvor schon die Rostocker Schau einen Überblick aus ­a llen Werkphasen inklusive nach 1989 entstandener, in Deutschland bislang kaum gezeigter Arbeiten, die die ge­ sellschaftskritischen Themen Mattheuers aus der Zeit davor weiter fortsetzen: Flucht und Vertreibung, technologischer Fortschritt, soziale Isolation, Ausbeutung der Natur. Mattheuers Werk ist ein durchaus aktuelles Zeitzeugnis nicht nur deutscher Idiosynkrasien aus der Zeit des Kalten Krieges, Ralph Keuning sieht ihn hier in einer aktuellen Linie mit Neo Rauch, einem anderen „großen Leipziger Maler“, dem sein Haus im kommenden Frühjahr ebenfalls eine große Schau widmen wird.

Seinem Selbstverständnis nach war Mattheuer kein dezidiert politischer Maler. Er interpretierte künstlerische und literarische Traditionen des 19. Jahrhunderts unter den Bedingungen des 20. Jahrhunderts zwar neu, jedoch eher als eine allgemeine Zeitkritik, die indes nur einen kleineren Teil des Werkes ausmacht. Der weitaus überwiegendere besteht aus Landschaften, Zitaten der deutschen Romantik, Lichtmetaphysik und Sonnenuntergängen. Exemplarisch für die unausweichliche Politisierung der Interpretation steht das großformatige Gemälde „Hinter den 7 Bergen“, das im Westen vielleicht bekannteste Werk Mattheuers. Auf ihm hält die Freiheitsgöttin einen Strauß bunter Luftballons in der Hand. Der Maler selbst verstand es als seine Reaktion auf die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968. Im Westen interpretierte man es als Metapher auf die Tristesse des sozialistischen Alltags, in dem allein die Flucht in den bunten Westen als Verheißung winkt, in der DDR wiederum las man daraus die Abrechnung mit den Scheinfreiheiten des Kapitalismus. Dass Mattheuer als malerischer Autodidakt nach 1989 einen stark national gefärbten Kunstbegriff vertrat, sich betont als „deutschen Maler“ betrachtete und in der westlichen Demokratie vor allem eine „Auslöschung“ des Nationalen sah, hat ihm in Deutschland schließlich den Ruf eines Antidemokraten von ganz rechts eingebracht. Im Museum in Zwolle möchte man nun allein die künstlerische Qualität in den Mittelpunkt rücken – für ein westdeutsches Museum bisweilen noch unvorstellbar. CARSTEN PROBST

B i s 7. J a n u a r 2 0 1 8 Wo l f g a n g M a t t h e u e r – R e t ro s p e k t i v e www. museumdef undat ie. nl

Wolfgang Mattheuer, „Jahrhundertschritt“, 1984, Bronze, Höhe 250 cm, Courtesy: Galerie Schwind, Leipzig, Berlin, Frankfurt, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017

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Wolfgang Mattheuer – Retrospektive Museum de Fundatie, Zwolle


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Zwolle Quirlige Hansestadt Zwolle war einst eine blühende Hansestadt. Heute ist hier das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Provinz Overijssel östlich von Amsterdam. Mit circa 125.000 Einwohnern, davon 17 % Studenten, zählt Zwolle zu den beliebtesten niederländischen Studentenstädten. Das ­mittelalterliche Flair der Altstadt sowie zahlreiche Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Cafés ziehen viele ­Besucher an. Wahrzeichen Zwolles ist der 75 Meter hohe Peperbus-­ Turm der Liebfrauenbasilika und wer die 236 Stufen bis zur Aussichtsplattform erklimmt, wird mit einem großartigen Panoramablick belohnt. Den Spitznamen verdankt der 1463 bis 1484 erbaute Glockenturm der Form seines nachträglich ergänzten Turmaufsatzes, der einem Pfefferstreuer ähnelt. „Peperbus“ und „Sassenport“ (zu Deutsch: Sachsentor) ­prägen zusammen die Silhouette der Stadt. Das fünftürmige 1 409 errichtete Sassenport ist das einzige vollständig er­ haltene Stadttor Zwolles. Reste der Stadtmauer und die sternförmig um den historischen Stadtkern angelegten Grachten zeugen noch von der mächtigen Befestigungsanlage um die einst wohlhabende Hansestadt. Hauptkirche des ­mittelalterlichen Zwolles war einst die gotische Grote- oder Sint-Michaëlskerk, die nach dem Schutzpatron der Stadt, dem ­E rzengel Michael, benannt ist. Für Musikliebhaber ist die ­berühmte Schnitger-Orgel von Interesse.

oben: Stadtansicht Zwolle, links: Waanders In de Broeren, die schönste Buchhandlung der Niederlande, Fotos: Marijke Ripke, © Zwolle Marketing


Am Abend lässt es sich in den zahlreichen Restaurants, Cafés und Bars rund um den Stadtkern herrlich entspannen. Auch kulinarisch hat Zwolle viel zu bieten – von Senfsuppe im ­„ Engel Winkelcafé“ bis hin zu raffinierten Menüs mit regio­ nalen Produkten im Drei-Sterne-Restaurant „De Librije“. Empfohlen werden lokale Spezialitäten wie Zwoller Senf, Peperbus-Käse oder Blauwvingerkoekjes. Jedes Jahr im Sommer wird in Zwolle ausgiebig gefeiert – eins der Highlights ist „Zwolle Unlimited“, ein Festival des Erzähltheaters; beliebt sind auch die „Blauwvingerdagen“, ­einer der größten Trödelmärkte der Niederlande mit über 100.000 Besuchern. BET TINA GÖTZ

www.visit zwolle. com

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Rings um den „Grote Markt“ verführen verwinkelte Gassen mit prächtigen Patrizier- und Kaufmannshäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert zum Bummeln. In vielen von ­i hnen befinden sich heute kleine Geschäfte. Eine echte ­I nstitution ist das „Zwolse Balletjeshuis“, dessen Innen­ einrichtung sich seit seiner Eröffnung 1845 nicht verändert hat. Im Kupfertopf über offenem Feuer werden im Keller die ­bekannten „Balletjes“ (Bonbons) nach einem Geheimrezept von Hand gefertigt. Bei „Waanders In de Broeren“ geraten ­Bücherfans ins Schwärmen. Die „schönste Buchhandlung der Niederlande“ befindet sich in einer denkmalgeschützten Klosterkirche aus dem 15. Jahrhundert. Auf 1.000 Qua­ dratmetern erstrecken sich im lichtdurchf luteten offenen Kirchenraum endlos lange ­Bücherregale über drei Etagen. Ein Café befindet sich im Chor; Lesungen, Konzerte und Kunst­ausstellungen ergänzen das Angebot.


Dynamische Hansestadt

Foto: Pedro Sluiter

Herzlich Willkommen in Zwolle!

Zwolle ist eine pulsierende Hansestadt, in der das Leben besonders im historischen Zentrum nur so blüht. Kreative Köpfe wie Studenten, innovative Unternehmer und konventionslose Freigeister sind in der Stadt zuhause. Zwolle zeichnet sich insbesondere durch ihre lebhafte Innenstadt und ausgezeichnete Bildungseinrichtungen sowie ihre Lage in einer wirtschaftlichen Top-Region aus. In Zwolle sind wir davon überzeugt, dass sich das Leben gemeinsam besser gestalten lässt. Entdecken Sie Zwolle, eine dynamische Hansestadt mit einer spannenden und abwechslungsreichen Geschichte. Hier finden Sie viele Spuren aus der ereignisreichen Vergangenheit. Die historischen Fassaden,die Wehrmauer, das Sassenpoort, der Peperbus und die sternförmige Stadtgracht prägen die historische Kultur dieser Stadt. Zwolle ist eine lebendige Stadt mit vielen gemütlichen Einkaufsstraßen, trendigen Themenkaufhäusern und netten Boutiquen. Erleben Sie „Waanders in de Broeren“, den schönsten Buchhandel der Niederlande. In der alten Kirche entdecken Sie eine einzigartige Welt, in der Sie sehr gut einkaufen, gutes Essen und Trinken genießen oder einen Vortrag, ein Konzert oder eine Ausstellung erleben können. Aber Zwolle hat noch mehr zu bieten! Verwöhnen Sie Ihre Geschmacksnerven mit der berühmten Haute Cuisine aus dem Sternerestaurant „De Librije“. Jonnie und Therese Boer haben in dem ehemaligen Gefängnis ein ganz besonderes Restaurant und Hotel eingerichtet. Ein einzigartiges Erlebnis! Oder lassen Sie sich von den vielen anderen exzellenten Restaurants überraschen. Tauchen Sie ein in die hochkarätigen Ausstellungen im „Museum de Fundatie“, oder besuchen Sie das Stadtmuseum, wo Sie alles über die spannende Geschichte der Hansestadt Zwolle erfahren.

Weitere Inspirationen über Zwolle finden Sie auf www.visitzwolle.com!


KUNST. BURG. BAD BENTHEIM.

Deutsch-Niederländisches Ruisdael Stipendium zeitgenössischer Kunst · www.ruisdaelstipendium.org · www.burg-bentheim.de Otto-Pankok Museum im Gildehaus · www.pankok-museum.de Bad Bentheim Station der Kunstwegen Skulpturenroute · www.kunstwegen.org Museum am Herrenberg · Gemälde niederländischer Meister · 26./27. Mai Kunstmarkt auf Burg Bentheim · www.badbentheim.de

azBadBentheim_181x125_final.indd 1

in Lingen Flaka Haliti Here – or rather there, it‘s over there + Vida Simon Ähnlichkeit 14.10.17 — 14.01.18

in Neuenhaus Maik + Dirk Löbbert Hauptstraße 15.10.17 — 25.12.17

Kunstverein Lingen Kunsthalle Kaiserstraße 10a, 49809 Lingen kunsthallelingen.de

Kunstverein Grafschaft Bentheim Hauptstraße 37 49828 Neuenhaus kunstverein-grafschaftbentheim.de

Henk Visch Skulpturen + Zeichnungen 18.02.18 — 29.04.18

22/10/2017 17:52

in Nordhorn Berenice Güttler Fitting 18.11.17 — 28.01.18 + kunstwegen

Internationale Skulpturenroute entlang der Vechte: von Bad Bentheim nach Zwolle

Städtische Galerie Nordhorn Vechteaue 2 48529 Nordhorn staedtische-galerie.nordhorn.de kunstwegen.org


42 Kooperationen an der Grenze In Nordhorn, Neuenhaus und Lingen an der Ems

Deutsch-niederländische „Wege“ In europäischen Grenzregionen gibt es viel Austausch. Nicht nur in den Sonntagsreden der Politiker wird ein Miteinander der Partner auf vielen Ebenen gefordert. Vorreiter ist dabei vor allem die Kultur. Ein Musterbeispiel der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden im Bereich Kunst ist die Skulpturenroute „kunstwegen“. Sie führt ­entlang des Flusses Vechte vom niedersächsischen Nordhorn über 132 Kilometer bis zum niederländischen Zwolle. Über 60 Werke von internationalen Künstlern wie Ólafur Elíasson, Mark Dion, Jenny Holzer, Lawrence Weiner, Hamish Fulton oder Dan Graham säumen die gut markierte Strecke, die man idealerweise mit dem Rad befahren sollte. Die Träger des ­P rojekts sprechen von einem der größten offenen Museen Europas. Dieses Vorzeigeprojekt ging aus dem 1989 von Eckart Schneider, dem damaligen Leiter der Städtischen Galerie Nordhorn, entwickelten „Skulpturenweg Nordhorn“ mit 36 künstlerischen Arbeiten aus den Jahren 1970 bis 1997 und ­dessen niederländischem Äquivalent „Kunstlijn“ hervor. Schneiders Nachfolger Martin Köttering und Roland Nachtigäller entwickelten das Projekt unter dem Label „kunstwegen“ weiter und ließen zwischen 1999 und 2000 16 neue Kunstwerke realisieren. Viele der Künstler setzten sich mit der Geschichte der Ortschaften und der Landschaft auseinander. Im Jahr 2012 wurde die Skulpturenroute mit dem von Dirck Möllmann kuratierten Projekt „raumsichten“ vom südlichen Teil des Landkreises Grafschaft Bentheim bis ins nördliche Nordrhein-Westfalen verlängert. Thomas Niemeyer, jetziger Direktor der Städtischen Galerie Nordhorn, zieht ein Resümee: „Das Einzigartige an ‚kunstwegen‘ ist, dass nicht nur mehr als vier Jahrzehnte Kunstgeschichte erfahrbar sind, sondern auch der sich ­w andelnde Umgang mit Kunst im öffentlichen Raum. ­D eshalb sehe ich eine Verantwortung auch für die Fort­ setzung dieser Entwicklungen. Auf deutscher Seite gab es nach der Gründung von ‚kunstwegen‘ im Jahr 2000 den ­Willen, eine kommende Erweiterung erst nach einem gewissen Zeitraum und im Rahmen eines größeren, auch inhaltlich

Thomas Niemeyer, Direktor der Städtischen Galerie Nordhorn, Foto: © nordhorn.de

begründeten Projektes zu vollziehen.“ Man darf also gespannt sein, ob es nach „raumsichten“ eine weitere Initiative geben wird, das Projekt „kunstwegen“ noch einmal auf beiden ­Seiten der Grenze zu erweitern. Schon jetzt hat die Grenzregion eine große Bedeutung für die Städtische Galerie Nordhorn, die 1961 von Nordhorner Bürgern gegründet wurde. Seit 1999 residiert die Kulturinstitution für zeitgenössische Kunst im Kulturzentrum „Alte Weberei“. In dieses Industriedenkmal hat der Künstler Stephen Craig zwei Ausstellungspavillons gebaut. Jährlich werden vier Themen- und Einzelausstellungen aktueller internationaler Kunst gezeigt. Im März 2013 hat Thomas Niemeyer die Leitung übernommen. „Es ist für die Städtische Galerie Nordhorn längst selbstverständlich, Drucksachen und Pressemitteilungen auch auf Niederländisch zu produzieren“, sagt er. Auf persönlicher Ebene gebe es viele Kontakte in die Niederlande, etwa zur Hochschule AKI ArtEZ Acedemy for Art and Design in Enschede. Weitere Kontakte pf legt Niemeyer zu seinen Kolleginnen in der Region auf deutscher Seite: zu Meike Behm von der Kunsthalle Lingen im Emsland und zu Gudrun


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Gudrun Thiessen-Schneider, künstlerische Leiterin, Foto: © Kunst verein Grafschaft Bent­h eim, Neuenhaus

Auf jeden Fall kooperieren die drei Häuser in puncto gemeinsamer Werbung und bei der Koordinierung von ­E r­öffnungsterminen. Ihre Leiter treffen sich regelmäßig zum inhaltlichen Austausch. Bestimmte Initiativen sorgen in der Region für Kontinuität. So zum Beispiel das Ruis­ dael-Stipendium, das Thomas Niemeyer erläutert: „Das Ruisdael-Stipendium ist Teil des Projektes ‚Residual‘ von Willem de Rooij, für das 2012 auf der Burg Bentheim der zweite Stock des Marstallgebäudes umfangreich saniert und modernisiert wurde. Die Räume rund um die Präsentation des Gemäldes von Jacob van Ruisdael sollen jährlich mit Ausstellungen junger Künstlerinnen und Künstler bespielt werden. Ziel war eine Verlängerung der historischen Zeitachse in die Gegenwart.“ Der Jury gehören regelmäßig Roland Nachtigäller vom Marta Herford, Meike Behm und Thomas Niemeyer an und man geht mit einer internationalen Perspektive an die Auswahl der Künstler heran. Aktueller Stipendiat ist der 1983 geborene norwegische Maler Mickael Marman, der an der Frankfurter Städelschule studiert hat. Seine stark ­f ar­bige Malerei thematisiert den Akt des Malens und die ­Materialität des Mediums Malerei an sich. Grenzüberschreitendes Denken und Handeln, Kooperationen und Austausch, Zweisprachigkeit und frischer Input von außen: Die Richtung stimmt an der deutsch-niederländischen Grenze. Alle Protagonisten setzen auf Qualität und ziehen an einem Strang.

Meike Behm, Direktorin der Kunsthalle Lingen,

NICOLE BÜSIN G & HEIKO KL A AS

Foto: Roman Starke

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Thiessen-Schneider vom Kunstverein Grafschaft Bent­ heim in Neuenhaus. Frau Thiessen-Schneider lebt seit 1970 in der R ­ egion und ist seit 1995 als künstlerische Leiterin des Kunstvereins tätig. Hier werden pro Jahr vier bis fünf Ausstellungen realisiert, die häufig experimentellen Charakter haben. ­G ezeigt werden junge Positionen, aber auch gereifte Werke. In einem „Atelier auf Zeit“ bietet der Kunstverein Künstlern aus der deutsch-niederländischen Region die ­Möglichkeit, vier bis acht Wochen am Haus zu arbeiten und anschließend dort auszustellen. „Der Austausch mit den ­Niederlanden ist Teil unserer Programmstruktur“, betont ­Gudrun Thiessen-Schneider. Bislang wurden 21 Projekte mit niederländischer Beteiligung realisiert. Auch im benachbarten Emsland tut sich viel. Meike Behm ist hier seit 2009 Direktorin der Kunsthalle Lingen und Geschäftsführerin des Kunstvereins, der 1983 gegründet ­w urde und Träger der Institution ist. Auf zwei Flächen im ­Unter- und Obergeschoss werden jährlich vier bis sechs ­E inzel- und Gruppenausstellungen von deutschen und ­i nternationalen Künstlern realisiert. „An der Region des Emslandes gefällt mir, dass es hier möglich ist, mit Kultur viel zu bewegen“, so Meike Behm, die vorher in Frankfurt am Main und Hamburg gearbeitet hat. „Das Publikum ist offen, neugierig und regt immer wieder an zu spannenden Diskussionen.“ Auch das Nachbarland kann durchaus eine Rolle im Programm spielen: „Der Austausch mit niederländischen Nachbarn ist punktuell, also bezogen auf bestimmte Projekte wichtig. Je nachdem, welche Künstlerinnen und Künstler in Lingen ausstellen, suche ich nach Partnern in den Niederlanden.“


Die Landschaf t als er fahrbarer Kunstraum

kunstwegen „Der Vechte folgen“ – über mehr als 180 km leitet der Fluss den ­R adfahrer oder auch Wanderer durch das Vechtetal zwischen der Grafschaft Bentheim in Niedersachen und der Provinz Overijssel in den Niederlanden. Seit dem Jahr 2000 lassen sich unter dem Namen „kunstwegen“ entlang dieser touristischen Fahrradroute zahlreiche Skulpturenprojekte namhafter ­i nternationaler Künstlerinnen und Künstler entdecken. „kunstwegen“ geht ursprünglich auf verschiedene bestehende Skulpturenwege zu beiden Seiten der Grenze zurück und ist heute ein grenzüberschreitendes, offenes Museum, das ­i nzwischen über 80 Kunstwerke aus mehr als 40 Jahren ­gesammelt hat. So entwickelte sich nicht nur ein außergewöhnliches Erfahrungs- und Studienfeld zur G ­ eschichte von Kunst im öffentlichen Raum, sondern auch ein nach wie vor modellhaftes Projekt einer internationalen kulturellen Zusammenarbeit.

Organisatorisch wird „kunstwegen“ durch die „stichting kunstwegen“ in der Provinz Overijssel sowie die Stadt Nordhorn und den Landkreis Grafschaft Bentheim getragen, und seit 2001 arbeiten die drei Partner als Gesellschafter der binational geschäftsfähigen Trä­gerorganisation „kunstwegen EWIV“ ­(Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung) zusammen. Zudem ist „kunstwegen“ eng vernetzt mit den örtlichen Tourismusverbänden Vechtdal-Overijssel und Grafschaft Bentheim Tourismus, über die sich auch die Begleitmateria­lien erwerben lassen.


45 linke Seite: Henk Visch, „Uit het gezicht verliezen“, 1986/1989, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017

Die touristische Erschließung erfolgt über ein mehrstufiges ­L eit­system: Eine durchgehende Beschilderung begleitet die eigent­l iche Fahrradstecke, ergänzt durch „kunstwegen“-­ Infopunkte, die auf ­Kunstwerke in der jeweils unmittelbaren Umgebung sowie auf W ­ issenswertes aus Region und Natur hinweisen. Die Infopunkte folgen in ihrer Gestaltung ­w ie­derum dem thematischen Farbsystem des umfassenden Reisebuchs, in dem alle Daten, Fakten, Texte, Karten und ­Bilder zu „kunstwegen“ versammelt sind. Direkt bei den Kunstwerken schließlich geben kreisförmige blaue Punkte den jeweiligen Werktitel, Künstlernamen und das Ent­ stehungsjahr an. Alle wesentlichen Informationen sind außerdem über die Internetseite von „kunstwegen“ schnell zugänglich.

Mit „kunstwegen“ verbinden sich Kunst und Region auf einzigartige Weise. Insbesondere die jüngeren Werke gehen einen oft intensiven Dialog mit verschiedenen Aspekten der Landschaft und der anliegenden Orte ein: Flora und Fauna, ­lokale Geschichte und ­Traditionen, Sehenswürdigkeiten und ak­t uell auch mit Veränderungsprozessen in Kultur, Wirtschaft und Infrastruktur. Mehr und mehr bildet die Kunst auf diese Weise ein Leitmotiv zur Erkundung der Landschaft. THOMAS NIEMEYER

Leiter der Städtischen Galerie Nordhorn

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Jeroen Doorenweerd, „Hello Sailor“, 2011


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Henk Visch, „Frozen assets“, 2014, Bronze, Höhe 72 cm, Ausstellung „Three man in a boat“ (zusammen mit Richard Deacon und Sui Jianguo), Fondation Maeght, Saint Paul de Vence (FR), © VG Bild- Kunst, Bonn 2017


Henk Visch im Kunst verein Grafschaf t Bentheim

Körper zwischen Last und Lust Der niederländische Bildhauer Henk Visch schaf f t ­g e d a n k e n v e r l o r e n e Tra u m w e s e n e b e n s o w i e a n n a t u r w i s s e n s c h a f t­ l i c h e M o d e l l e e r i n n e r n d e s k u l p t u ra l e A b s t ra k t i o n e n . A b F e b r u a r 2 0 1 8 i s t s e i n e A u s s t e l l u n g „ Z e r e m o n i e n m e i s t e r“ i m K u n s t v e r e i n G ra f s c h a f t B e n t h e i m i n N e u e n h a u s z u s e h e n .


48 „Uit het gezicht verliezen“, so lautet der Titel einer fünf ­M eter hohen und sieben Meter langen Edelstahlskulptur, die der i­ nternational erfolgreiche niederländische Künstler Henk Visch im Rahmen des grenzüberschreitenden ­P rojekts „kunstwegen“ im Park am Völlinkhoff in der nieder­­säch­ sischen Stadt Nordhorn aufgestellt hat (siehe Seite 4 4). Nordhorn liegt in der Grafschaft Bentheim, unmittelbar an der nie­d erländischen Grenze. Die bereits Ende der 1980er-Jahre realisierte Arbeit bezieht ihren Reiz aus jeweils fünf unter Spannung stehenden Edelstahlbändern, die von zwei Punkten im Rasen aus, einem fächerförmigen Gartenrechen ähnlich, strahlenförmig zueinanderstreben und sich in fünf Metern Höhe treffen. Ein abstraktes Modell? Vielleicht. Die Tatsache, dass es sich um zweimal fünf Elemente handelt, weckt allerdings auch Assoziationen an zwei stark abstrahierte menschliche Hände, die einander an den Fingerspitzen berühren. Im Februar 2018 wird Henk Visch wieder einmal in die Umgebung von Nordhorn zurückkehren. Im Kunst­ verein Grafschaft Bentheim in Neuenhaus wird er dann mit einer großen Einzelausstellung unter dem Titel „Zere­ monien­m eister“ geehrt. Geplant ist die Präsentation von zwölf skulpturalen Arbeiten aus Bronze, bemalter Bronze, Alu­minium und bemaltem Aluminium. Alle Arbeiten sind zwischen 2000 und 2017 entstanden. Die Ausstellung vermittelt somit einen profunden Eindruck seiner aktuellen Skulpturenproduktion. Ebenso poetische wie humorvolle ­T itel, etwa „Two friends, no story“, „Heading North“ oder „We ran out of sweets“, wirken wie Fundstücke aus dem Alltag, aufgeschnappte Wortfetzen vielleicht oder Zitate aus anderen, kunstfernen Lebensbereichen.

Henk Visch, 2015, Foto: Roland Michaud, © Fondation Maeght

Henk Visch ist Bildhauer, Zeichner, Poet, Kurator und zuweilen auch Kunstkritiker. Dann tritt er unter dem Pseudonym Vasily Wells auf. Sein skulpturales Werk, das sich häufig auch an der Schnittstelle zu anderen Kunstgattungen wie Theater und Performance bewegt, steht jedoch meist im ­Zentrum seiner Aktivitäten. Es ist dabei gar nicht so einfach, es auf einen Nenner zu bringen. Da gibt es voluminös ­d aherkommende, anthropomorphe Gestalten, die trotz aller vordergründigen Anmut und formalen Eleganz voller „Leerstellen“ sind. Meist fehlen ihnen die Arme, während sie gleichzeitig, mal stehend, mal kniend, mit den Füßen festen Halt auf dem Boden suchen. Mitunter balancieren sie eine ­P yramide aus sich verjüngenden Kugeln auf dem Kopf oder sie stehen nach vorn gebeugt und gedankenverloren im Raum, so als warteten sie auf ein Signal, das sie aus ihrer Lethargie ­erweckt. Nahezu immer sind sie ohne eindeutiges Geschlecht. Daneben finden sich wiederum eher fragile Gestalten, die an gezeichnete Strichmännchen erinnern, die den Sprung ins Dreidimensionale gewagt haben, aber auch komplett ab­strakte Formfindungen, die eher an mathematische oder naturwissenschaftliche Modelle erinnern.


Olivier Kaeppelin, der Direktor der für ihren Skulpturenpark bekannten Fondation Maeght im südfranzösischen SaintPaul-de-Vence, hat die Grundkonstanten von Henk Vischs Kunst vor einigen Jahren folgendermaßen zusammengefasst: „Freude und Schmerz stehen gleichermaßen in seiner Aufmerksamkeit. Sie liefern ihm das Rohmaterial, um damit zu spielen oder vielmehr damit zu arbeiten, um dem Vertrauten ebenso wie dem Geheimen, dem Entsetzlichen ebenso wie dem Überraschenden eine Form und eine Bühne zu geben. Voller ‚Wahrheiten‘ über unsere Sexualität, unsere Sehnsüchte und Ängste, unsere Versponnenheiten, unser kollektives Gebärdenspiel, unsere ständigen Versuche der Annäherung, oder, um es kurz zu fassen, unsere Drangsal mit dem Körper als Vehikel: echte Körper, erfundene Körper, solche aus unserer Erfahrungswelt und solche aus dem Reich utopischer Vorstellungskraft.“

Henk Visch wurde 1950 in Eindhoven geboren. Er studierte von 1968 bis 1972 an der Königlichen Kunstakademie in ’s-Hertogenbosch. Anfang der 1980er-Jahre gehörte er zu den Shootingstars der jungen Bildhauerszene. 1988 bespielte er bereits den niederländischen Pavillon auf der Biennale von Venedig. 1992 nahm der an der von dem Belgier Jan Hoet ­k uratierten „documenta IX“ teil. Von 1995 bis 2001 war er Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart; von 2005 bis 2017 lehrte er an der Kunstakademie Münster. Heute lebt der Künstler in Eindhoven und Berlin. Über seine Kunst hat sich Visch, der mit Ausstellungen in aller Welt längst zu den Global Playern des internationalen Kunstbetriebs gehört, einmal so geäußert: „Meine Kunst ist der geformte Teil meines Lebens, der in der Öffentlichkeit auftritt.“ NICOLE BÜSIN G & HEIKO KL A AS

18 . Febr uar bis 29. Apr il 2018 He nk Vi sch . Z e ichnunge n und Sk ulpt ure n w w w . k u n s t v e r e i n - g ra f s c h a f t- b e n t h e i m . d e

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Henk Visch, „Nightlife“, 2010, Aluminium, Höhe 360 cm, Middelheimmuseum, Ant werpen (B), © VG Bild- Kunst, Bonn 2017


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Inter view mit Roland Nachtigäller, Direktor von M ar ta Her ford

Große Ideen

ARTMAPP: Herr Nachtigäller, zusammen mit Martin Köttering haben Sie die Skulpturenroute „kunstwegen“ maßgeblich entwickelt und ­ausgebaut. Was kennzeichnet dieses deutsch-­ niederländische Freiluftprojekt mit Kunst im ­öffentlichen Raum und in der Landschaft?

Roland Nachtigäller, Foto: Hans Schröder, Marta Herford

Roland Nachtigäller: Als wir vor 20 Jahren mit den konzep­ tuellen Überlegungen begonnen haben, stand die Frage im Mittelpunkt, ob Kunst im öffentlichen Raum wie eine Art Brennglas wirken kann. In einer auf den ersten Blick eher un­ spektakulären Landschaft richten künstlerische Projekte den Fokus auf die verborgenen Strukturen eines Ortes: historische Ereignisse, Naturphänomene oder lokale Eigenheiten treten vergrößert hervor und weiten den Blick für universelle Fragestellungen. Und so fügte sich die damals rund 140 Kilometer lange Strecke zu einem vielfältig mit den einzelnen Orten verzahnten Museum zusammen. Geradezu zwingend ergab sich daraus die Notwendigkeit, „kunstwegen“ von vorneherein als dauerhaftes Projekt zu realisieren.

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ARTMAPP: Wie gestaltete sich die Zusammen­ arbeit mit den niederländischen Kollegen bei ­diesem grenzüberschreitenden Projekt?

Schon während seiner Tätigkeit als Leiter der Städtischen ­Galerie Nordhorn hat Roland Nachtigäller enge Kontakte zu den niederländischen Nachbarn gepflegt und mit dem Projekt „kunstwegen“ Pionierarbeit geleistet, was die grenzüberschreitende Zusammenarbeit betrifft. Als heutiger Direktor des Museums setzt er seine Begeisterung für die Niederlande mit der aktuellen Ausstellung „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst“ fort. Die ARTMAPP-Autoren Nicole Büsing & Heiko Klaas trafen ihn zum Gespräch.

RN: Es war ein unglaublich interessanter, aufschlussreicher Prozess. Man ahnte es ja, aber in der Praxis ergaben sich dann auf ganz unvermuteten Feldern Unterschiede – im Positiven wie im Negativen. Das beginnt bei der Gesprächs- sowie ­Verhandlungskultur und endet noch lange nicht bei den ­bisweilen sehr verschiedenen Abläufen in den Genehmigungsverfahren und politischen Entscheidungsprozessen. Es war oft verblüffend, was jeweils möglich oder schwierig war. Wir haben viele begeisterte Partner für die Umsetzung von „kunstwegen“ gefunden, aber die Kontinuität dieser Initiative basierte maßgeblich auf den Akteuren auf deutscher Seite.


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Gerrit Riet veld, „Strandwagen“, 1922/23, Buche, Sperrholz, Metall, 58 × 125 × 65 cm, Centraal Museum Utrecht, Niederlande, Foto: Adriaan van Dam, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017


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ARTMAPP: Inwiefern treten in der Ausstellung historische und aktuelle Exponate in einen Dialog?

RN: Für mich perfekt wäre es, wenn es vielleicht um 2020 wieder weiterginge, denn bis zur Quelle der Vechte ist es noch ein ganzes Stück Weg, und damit wäre dann auch der Sprung über die Landesgrenze von Niedersachsen nach NRW vollzogen. ARTMAPP: Nun zu Ihrer aktuellen Ausstellung „Revolution in Rotgelbblau – Gerrit Rietveld und die zeitgenössische Kunst“ im Marta Herford. ­Welche Bedeutung haben Gerrit Rietveld und die De-Stijl-Bewegung für zeitgenössische Künstler? RN: Es war gleich zu Beginn unserer Recherchen bemerkenswert, wie unerwartet viele Künstlerinnen und Künstler sich an den Ideen, Prinzipien und Gestaltungsklassikern abgearbeitet, diese ironisiert, dekonstruiert oder weitergedacht haben. Die Gründung von De Stijl – so nett und versöhnlich die Entwürfe heute bisweilen erscheinen mögen – war damals schon ein Auf begehren, ein Auf bruch in ein neues Zeit- und Lebensgefühl. Es geht heute also unter anderem auch darum, die Tragfähigkeit und das Potenzial von utopischem Denken, von ästhetischen Erneuerungsbewegungen zu befragen und für unsere eigene Zukunft auszuloten.

RN: Wir sind unglaublich stolz darauf, dass das Centraal ­Museum Utrecht rund 140 hochrangige Exponate aus seiner weltweit größten Rietveld-Sammlung zu uns nach Herford gegeben hat, um hier einen einzigartigen Dialog zu entfachen. Im zentralen Ausstellungssaal begegnet man der Vielfalt von Rietvelds Entwürfen und Gestaltungen in erhellender At­ mosphäre sowie im Kontext seiner De-Stijl-Kollegen. Wie ein Kranz um dieses geistige Zentrum liegen die Galerien mit den aktuellen Ausstellungsbeiträgen, die mit klugen Fragestellungen, viel Witz und in teils großformatigen Projekten eine Auseinandersetzung mit dem Formenvokabular Rietvelds oder mit den großen Ideen von De Stijl erarbeiten. ARTMAPP: Inspirationsquelle oder Reibungs­ fläche? Welche unterschiedlichen künstlerischen Reaktionen auf Rietveld sind in der Ausstellung im Marta zu sehen? RN: Diese sind höchst unterschiedlich: So hat Christoph ­B üchel einen Nachbau von Rietvelds legendärem „RotBlauem Stuhl“ um Lederriemen an Armen und Beinen ergänzt und ihn so zu einem assoziationsreichen Folterstuhl umgedeutet. Schöner sterben oder ein Klassiker als Todesfalle? Yves ­Netzhammer hingegen fragt mit eindring­l ichen Videobildern in einer farblich überbordenden Bühnenkulisse nach dem Schicksal gesellschaftlicher Utopien, die oft in totalitäre Strukturen mündeten. Und Adrien Tirtiaux – um noch ein drittes Beispiel von vielen heraus­zugreifen – nutzt den ­so­genannten Rietveld-Knoten, um dessen Tragfähigkeit für eine geradezu raumsprengende K ­ on­struktion zu erkunden. Vielfach sind es gerade beide ­A spekte, Inspiration und ­Reibung, die die Arbeitsweise der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler bestimmt haben. ARTMAPP: Herr Nachtigäller, wir danken Ihnen für das Gespräch! Bis 4 . Februar 2018 R evolut ion in Rotgelbblau – Ger r it R iet veld und die zeitgenössische Kunst M a r t a H e r f o rd w w w . m a r t a - h e r f o rd . d e www. k unst wegen . org

Thomas Huber, „Nr. 31“, 2002, Öl auf Leinwand, 200 x 150 x 3 cm, Sammlung Marta, Foto: Hans Schröder, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017

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ARTMAPP: Die letzte Erweiterung unter dem Titel „raumsichten“ aus dem Jahr 2012 liegt nun schon etwas zurück. Welches Zukunftspotenzial hat „kunstwegen“ Ihrer Meinung nach ?


KUNSTPREIS DER STADT WOLFSBURG JULIUS VON BISMARCK

GEWALTEN TEILUNG Freie / Konzeptionelle Fotografie: Sniper, Matt Hulse, UK

11. NOVEMBER 2017 BIS 3. JUNI 2018 WWW.STAEDTISCHE-GALERIE-WOLFSBURG.DE

Ausstellung „Winners & Nominees 2017“

15.10.2017 – 25.02.2018 Museumsquartier Osnabrück

Kulturgeschichtliches Museum, Lotter Straße 2 49078 Osnabrück, www.osnabrueck.de / kgm www.felix-schoeller-photoaward.com Di – Fr 11 – 18 Uhr / Sa, So + Feiertag 10 – 18 Uhr


Unerwartete Begegnungen Nolde, Kippenberger, Fritsch & Co. in der Sammlung der Westfälischen Provinzial

Foto: LWL / Hanna Neander

6.12.2017 – 25.2.2018 Frieden Von der Antike bis heute 28.4. – 2.9.2018

Interactions. Bauhaus und Amerika 9.11.2018 – 10.3.2019

Dem Bild

22.10.2017–28.01.2018 www.draiflessen.com

© Draiflessen Collection (Liberna), Mettingen L-S20 (1), Foto: Stephan Kube, Greven

LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster www.lwl-museum-kunst-kultur.de

gegen über


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Peter Vogel erhält posthum den Oberrheinischen Kunstpreis Of fenburg

Schatten tönen „ S c h o n i n d e r K i n d h e i t h a t t e i c h g ro ß e s I n t e r e s s e a n M u s i k u n d Ta n z , ­ s o d a s s e s m i r s p ä t e r e i n B e d ü r f n i s w a r, i n m e i n e n g e m a l t e n B i l d e r n n i c h t nur Farben und For men, sonder n auch Zeit und B eweg ung darzustellen. D i e s f ü h r t e d a n n z u d e n ­i n t e ra k t i v e n O b j e k t e n , d i e i n d e r L a g e w a r e n , z e i t­ liche V ­ orgänge durch B e weg ungs-, Klang- ode r Licht folge n dar z u stelle n . Die re pe t it ive n Klangseque n ze n des Objek t s ‚ Aleator ic Me tal ‘ sind auf die Einf lü sse von Ste ve R eichs ‚minimal m ­ u s i c‘ z u r ü c k z u f ü h r e n u n d d i e A l e a t o r i k d e r To n h ö h e n a u f m e i n I n t e r e s s e a n Z u f a l l s p ro z e s s e n , d a s s c h o n v o r v i e l e n J­ a h r e n d u r c h d i e L e k t ü r e v o n J a c q u e s M o n o d s ‚ h a s a rd e t n e c e s s i t é ‘ g e w e c k t w u rd e .“ P E T E R V O G E L ( 19 3 7   –   2 017 )

in: „VOR/NACH-BILD oder: Wie wollte ich werden als ich jung war“, 2016, Katalog 40 Jahre Galerie Albert Baumgarten, Freiburg

Das Resultat seiner eher verwirrenden Bildungsgeschichte war ein immens geweiteter Horizont. Maler wie sein Vater wollte Peter Vogel werden. Nicht weniger zog ihn die Musik an. Der junge Vogel baute sich ein Bandgerät und begann mit Klängen zu tüfteln. Die erklärte Faszination für die „Dimension der Zeit“ gaben auch seine gestischen Malereien zu erkennen. Als Experimentierfeld entdeckte er die Handlungsformen von Tanz und Theater. Beruflich indes steuerte der Freiburger auf etwas ganz anderes zu. Physik studierte er, fand eine Anstellung in der Medizintechnik und wechselte anschließend in die Hirnforschung, nach Basel zu Hoffmann-La Roche. Das Interesse an Steuerungsvorgängen und Reak­ tionsmustern sollte bleiben. Die Prägung als Techniker und Wissenschaftler bestimmten endlich ab 1975 auch seine Laufbahn als freier Künstler.

Peter Vogel in Aktion, Foto: © Achim Vogel Muranyi linke Seite: Peter Vogel, „Trommel“ (Detail), 2014, Foto: Anatole Serexhe


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Die Malerei hatte er zu diesem Zeitpunkt schon ­auf­gegeben, aktionistische Bilder mit kinetischen Applikationen ad acta gelegt. Dem Elektroniker und Plastiker, der er jetzt war, ersetzte nunmehr der Lötkolben den Pinsel. Die funktionalen Elemente seiner Arbeit legte er ganz ohne künstlerische Scham offen. Filigrane Drahtgebilde stattete er mit Sensoren aus, die den Betrachter aus der Reserve locken sollten: ­„Vehikel für Erfahrungen“. Diese – um mit Vogel zu sprechen – „reaktionsfähigen Objekte mit Zeitstruktur“ gaben etwas von sich, wenn der Rezipient sich mit hinreichend ­F antasie und Forscherdrang lautlich oder extensiv körpersprachlich an sie wendete. Er liebte es einfach, „Menschen sich bewegen“ zu sehen, sagte Vogel selbst. Wozu die zarten Gerippe mit ihrem kleinteiligen ­I nnenleben taugten, wollte je herausgefunden sein. Als ­S ensoren dienten Fotozellen und Mikrofone. Schattenwurf und Schall waren die Mittel und Wege, um mit den Dingen zu kommunizieren. Den reaktiv-akustischen Output der Türme, Stelen und technoiden Reliefs garantierten Lautsprecher. Lämpchen oder Leuchtdioden blinkten, wenn man sie dazu animierte. Propeller rotierten, Flügel fächelten Luft. Be­ rechenbar war das Repertoire aber durchaus nicht in jedem Fall, das Element des programmierten Zufalls wirkte.

Peter Vogel, „Quassel“, 2016, Foto: Anatole Serexhe


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Der Name der „Zwitschermaschinen“ erklärte sich, wenn man eine Kurbel drehte. Vogel verwirklichte hier einen Einfall Paul Klees und folgte damit auch seinem eigenen, durchaus auch skeptischen Blick auf eine der Natur zunehmend entfremdete Lebenswelt. Mit stationären Fluggeräten – einer Hommage an den Künstlerkollegen Panamarenko – beschrieb er dagegen einen eher melancholisch gefärbten Traum von Freiheit und vom Fliegen. Und es ging ja nicht darum, Technik effektvoll zu inszenieren, sondern darum, dem Betrachter mit den tatsächlich ansprechbaren Geräten Räume zu öffnen, gedanklich und spielerisch real. Schon Mitte der 1970er-Jahre brachte ein Auftrag der Donaueschinger Musiktage den Musikliebhaber Vogel mit seiner interaktiven Apparatekunst wieder zur musika­ lischen Gestaltung. Dem spielbaren Environment von Donaueschingen ließ er unter anderem eine Reihe von „Klangwänden“ mit einer Breite von vier bis sechs Metern und größeren Sätzen von bis zu 18 Sensoren folgen. Zu repetitiven Mustern inspirierte ihn die Minimal Music; als dynamische Schattenspender agierten Tänzerinnen und Tänzer vor den Wänden. Klangfolgen ließen sich so bei entsprechend ausgreifender Bewegung schichten und verweben, durch anhaltendes oder wiederholtes Verschatten variieren in


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­ empo, Tonhöhe, Farbe. Vogel selbst trat als Performer seiner T Reaktionspartituren auf. In verschiedenen „Schattenorchestern“ führte er Hightech und „archaische“ Saiten- und Schlaginstrumente zusammen. Die Techno-Klangwände „Rythmic Sounds“ realisierten mit massiv physisch wirkendem Tonmaterial einen Verbund von Kunst- und Partyszene. Berührungsangst verspürte Vogel in keiner Hinsicht. Den Kunstbetrachter erklärte er kurzerhand zu s­ einem Mitspieler. Jeder sollte improvisieren können, selbst mit dem programmierten Stoff „komponieren“. G ­ efragt war nicht der User, vielmehr der wache Akteur. Was Vogel ­befeuerte, war die Idee einer Ästhetik der Befreiung. Um ­s einen Grund­ gedanken des Homo ludens zu erläutern, griff er auf Worte des idealistischen Erziehers Friedrich Schiller ­zurück: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ ­Galerieraum wie Museumssaal galten Vogel als Spielplatz – Freiräume im besten Sinn. Vogel, der Pionier, der die Elektronik beizeiten in der Kunst installierte, elektronisches Steuerungspotenzial entschieden zum freien Gebrauch bestimmte, war unterwegs in Europa und Übersee. Ein Grenzgänger zwischen Kunst und Technik. Kein reiner Objektemacher, kein bloßer Musiker. Ein faszinierend schillernder Outsider. Seine letzte Auszeichnung wurde der Oberrheinische Kunstpreis. Kurz nachdem der ihm zugesprochen worden war – im Mai dieses Jahres, nicht lange nach seinem 80. Geburtstag – ist Peter Vogel gestorben. Jetzt wird er ihm posthum verliehen. VOLKER BAUER MEISTER

Bis 4 . Februar 2018 P e t e r Vo g e l Obe r rhe ini sche r Kun st pre i s Of fe nburg Städt ische Galer ie Of fenburg

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www. gale r ie - of fe nburg. de

rechte Seite: Peter Vogel, „Fünf Flügel“, 2001, Foto: Anatole Serexhe


Die „Stadt der Türme“ hat seit Kurzem mit dem thyssenkrupp-Testturm eine echte Attraktion der Superlative: Die darin befindliche, mit über 200 Metern höchste Besucher­ plattform Deutschlands befindet sich in einer Mischung aus architektonischem Highlight, in dem Hochgeschwindig­ keitsaufzüge für die höchsten Wolkenkratzer der Welt getestet werden, und Objekt voll schlanker Eleganz, die auf die Ferne als neue Landmarke wirkt und von der aus Besucher sowohl einen faszinierenden Blick ins Umland werfen und Kunst­werke gleichermaßen anschauen können. Kunst- und Kulturbegeisterte finden in der Region Schwarzwald-­Bahr-Heuberg zahlreiche kulturelle „Hidden Champions“: Das Erich Hauser-Areal auf dem alten Salinengelände und das „Forum Kunst Rottweil“ gehören ebenso dazu wie das ­Mu­seum Art.Plus in Donaueschingen und die Sammlung Grässlin in St. Georgen. Es ist eine Region, die mit Naturreizen ebenso wenig geizt, wie mit kulturellem An­ gebot – und zeitgenössische Kunst wird darin besonders groß geschrieben. CHRIS GERBING

w w w . ro t t w e i l . d e t e s t t u r m . t h y s s e n k r u p p - e l e v a t o r. c o m

Rott weil mit thyssenkrupp -Testturm, Foto:© thyssenkrupp


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Rot t weil und die Gegenwar tskunst

Seit den 1970er-Jahren stehen die Zeichen in Rottweil ganz auf zeitgenössisch: Mit dem „Forum Kunst Rottweil“ betitelten Kunstverein, den Ausstellungen für Gegenwartskunst, die in der drei Stockwerke umfassenden Galerie der Kreis­ sparkasse seit 1999 präsentiert werden, dem Skulpturenfeld „KUNSTdünger“ am Rande der Stadt, dem Areal von Erich Hauser, dessen Stahlskulpturen auch stadtbildprägend in der City aufgestellt sind, und dem 2009 eröffneten „kunst raum rottweil – museum der gegenwart“ im Dominikanermuseum bieten sich dem Besucher zahlreiche Möglichkeiten des ­E intauchens in aktuelles regionales wie internationales Kunstschaffen. Für ARTMAPP sprach Chris Gerbing mit dem Künstler und Kurator Jürgen Knubben darüber, warum Rottweil ein fruchtbarer Boden für Gegenwartskunst ist und was es diesen Herbst in Baden-Württembergs ältester Stadt und ihrer Umgebung an zeitgenössischer Kunst zu entdecken gibt.

Tobias Zaft, „FlexiPolis“, 2016, interaktive Lichtskulptur (modulares Stecksystem), Acr ylglas, LED - Platinen, WL AN - Modul, Stahl, 85 x 38 x 38 cm (inkl. Stahlsockel), 4 Editionen, Courtesy: Sammlung Karin Abt-Straubinger, Stuttgart, Ausstellung „kunst raum rott weil – museum der gegenwart“ im Dominikanermuseum

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Ganz alt trifft ganz neu


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ARTMAPP: Herr Knubben, weshalb fällt in Rottweil zeitgenössische Kunst auf so guten Boden? Jürgen Knubben: Rottweil war nie Arbeiter-, sondern immer Bürgerstadt. Daraus resultiert das große Kulturinteresse, auf dem die zeitgenössische Kunst auf bauen konnte. Sie wurde hier schon vor fast 50 Jahren in hoher Qualität gezeigt, wobei Erich Hauser, Romuald Hengstler, Franz Bucher und Felix Schlenker die Triebfedern dafür waren. Diese „Viererbande“ gründete den Kunstverein – das „Forum Kunst Rottweil“ –, der bis heute überwiegend von Künstlern getragen wird. Deshalb ist es auch so selbstverständlich, dass die Bürger der Stadt sich gerne mit Gegenwartskunst umgeben und sie aufgeschlossen verfolgen. ARTMAPP: Stichwort „Forum Kunst Rottweil“: Wo liegen die Schwerpunkte? Und was zeigen Sie über die Jahreswende?

Jürgen Knubben, Kurator und Bildhauer, Foto: privat

JK: „Forum Kunst Rottweil“ widmet sich ausschließlich der Präsentation und Vermittlung von zeitgenössischer Kunst in allen Disziplinen. Wir legen besonderen Wert ­d arauf, dass sich die Künstler auf den Raum einlassen, ­wodurch sich ein gewisser Schwerpunkt auf Installationen ­ergibt. Der Kunstverein versteht es auch als seine Aufgabe, insbesondere jungen Kunstschaffenden eine Ausstel­ lungsmöglichkeit zu bieten und sie dadurch zu fördern. Als Ausstellungsraum steht dem „Forum Kunst Rottweil“ der historische Bürgersaal zur ­Ver­f ügung, der optimale Möglichkeiten für Skulpturen, I­ nstallationen und die Hängung auch großformatiger Gemälde bietet. Bis Mitte November ist die Wanderausstellung zum zehnjährigen Jubiläum der Karin Abt Straubinger-Stiftung zu sehen. Eine sehr per­ sönliche Schau, die zuvor in den Stutt­g arter Galerieräumen gezeigt wurde und von Rottweil weiter in die Leipziger Baum­wollspinnerei wandern wird. Weil die Stifterin eng mit dem „Forum Kunst Rottweil“ verbunden ist, war es uns ein An­liegen, ihr über die Ausstellung unseren Dank für die ideelle und finanzielle Unterstützung aus­z u­d rücken. Ab 26. No­vember zeigen wir dann die vierte Kunstaktion der letzten 47 Jahre: Nachdem Künstler bereits Fahnen, Koffer und S ­ childer für Rottweil gestalteten, liegt nun das Au­ genmerk auf Flaschen. „NEBUK ADNEZAR – Künstler machen Flaschen für Rottweil“ heißt die Schau, an der über 90 Kunstschaffende – unter anderem Ottmar Hörl, Leiko ­I kemura, Stefan Strumbel und Franz Erhard Walther – ­be­teiligt sind. Sie alle hatten b ­ ereits Einzelausstellungen im Kunstverein und gestalten nun jeweils eine jener 15-­L iter„Nebukadnezar“-Bordeaux-­F laschen, die nur einmal im Jahr ­aufwendig ­produziert werden.


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ARTMAPP: Im nur wenige Laufminuten entfernten Dominikanermuseum befindet sich mit dem „kunst raum rottweil – museum der gegenwart“ ein weiterer Spielort für zeitgenössische Kunst. Wie grenzt er sich inhaltlich vom Kunstverein ab? JK: Der 2009 eröffnete „kunst raum rottweil“ versteht sich als Plattform für regionale zeitgenössische Kunst und rückt Kunstphänomene in den Blick, die den Kulturraum zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb geprägt haben und ­prägen. Er wird von einer Ausstellungsgemeinschaft getragen, der neben der Stadt Rottweil auch der Landkreis, die ­K reissparkasse und der Kunstverein „Forum Kunst Rottweil“ angehören. Die Institutionen arbeiten in einem kritisch-offenen Dialog eng miteinander und versuchen, Synergieeffekte zu nutzen. Ein erfolgversprechendes Modell für die Präsen­ tation von Gegenwartskunst im ländlichen Raum!

im Besitz des Künstlers, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017 Ausstellung „kunst raum rott weil – museum der gegenwart“ im Dominikanermuseum

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Klaus Hack, „Babel“, 2010, Pappel, weiß gefasst, 243 x 42 x 49 cm,


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ARTMAPP: Was gibt es im „kunst raum rottweil“ aktuell zu sehen?

Siegfried Neuenhausen, Kunstaktion „NEBUK ADNEZAR – Künstler machen Flaschen für Rott weil“ © VG Bild- Kunst, Bonn 2017 Ausstellung im „Forum Kunst Rott weil“

JK: Momentan zeigen wir die zweiteilige Ausstellung „TurmBau“. Es handelt sich um über 40 utopische Bildhauermodelle. Weil Türme zu allen Zeiten in der Architektur eine bedeutende Rolle gespielt haben, von den Wehr- und Kirchtürmen des Mittelalters bis zu den Wolkenkratzern unserer Zeit, war es uns ein Anliegen, das Thema aufzugreifen. Denn Rottweil hat seit Anfang Oktober mit dem thyssenkrupp-Testturm ein neues architektonisches Highlight: Der Stuttgarter Tragwerksplaner Werner Sobek zeichnet zusammen mit dem Stararchitekten Helmut Jahn dafür verantwortlich. Der Turm, in dem Hochgeschwindigkeitsaufzüge für Wolken­kratzer g­ etestet werden, ist trotz seiner fast 250 Meter Höhe ein beeindruckend filigraner Bau. Im großzügigen ­Foyer und auf der höchsten Besucherplattform Deutschlands zeigen wir ein Drittel der „TurmBau“-Schau, die übrigen zwei Drittel sind im „kunst raum rottweil“ zu sehen. Eigentlich war die ­Sparkasse als Ausstellungsort vorgesehen gewesen – deren Räumlichkeiten werden aber gerade saniert, weshalb wir auf die beiden genannten Orte ausgewichen sind. Der Testturm wird damit natürlich auch zum Exponat der Schau!


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ARTMAPP: Etwas außerhalb der Innenstadt sind die Kunststiftung Erich Hauser und der „KUNSTdünger“ in Hausen zu finden. Benennen Sie kurz deren Schwerpunkte? JK: Das Areal, auf dem Erich Hauser (1930–2004) lebte und arbeitete, ist heute ein Gesamtkunstwerk, das einen Skulp­ turenpark beinhaltet. Außerdem ist an den offenen Sonntagen seine Kunstsammlung zu besichtigen. Wer außerhalb dieser Tage durch Rottweil schlendert, begegnet seinen Skulpturen auf verschiedenen öffentlichen Plätzen der Stadt. Zudem ­vergibt die Stiftung seit 20 Jahren in zweijährigem Turnus ­einen Werkstattpreis überwiegend an Bildhauer. Die Künstler leben und arbeiten auf dem Areal und werden am Ende der mehrmonatigen Arbeitsphase mit Ausstellung und Katalog der Öffentlichkeit präsentiert. Der „KUNSTdünger“ ist ein 2002 ins Leben gerufenes Skulpturenfeld in Hausen, auf dem aktuell 2 4 Arbeiten zeitgenössischer Künstler präsentiert werden. Mit der grün gestrichenen Telefonzelle am Rande des Feldes betreibt der Verein das kleinste Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst in Baden-Württemberg. Seit 14. Ok­ tober sind dort Werke von Andrea Kernbach und Nikolaus Kernbach zu sehen. ARTMAPP: Herr Knubben, herzlichen Dank für das Gespräch!

Tu r m B a u I & I I Tu r m - M o d e l l e i n d e r z e i t g e n ö s s i s c h e n S k u l p t u r Die Kre i ssparka sse R ot t we il mit je einer Ausstellung zu Gast: Bis 26. November 2017 „ t h y s s e n k r u p p -Te s t t u r m“ R o t t w e i l Bis 18. Februar 2018 „ k u n s t ra u m ro t t w e i l “ d e s D o m i n i k a n e r m u s e u m s R o t t w e i l

2 6 . N o v e m b e r 2 0 1 7 b i s 7. J a n u a r 2 0 1 8 N EBUK A DN EZ A R Künstler machen Flaschen f ür Rot t weil w w w . f o r u m k u n s t ro t t w e i l . d e w w w . k u n s t s t i f t u n g - e r i c h h a u s e r. d e w w w . k u n s t d u e n g e r- ro t t w e i l . d e

Claus Bur y, Kunstaktion „NEBUK ADNEZAR – Künstler machen Flaschen für Rott weil“, Ausstellung im „Forum Kunst Rott weil“

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www. dominikaner museum. de


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HOP IN ROT T WEIL Stay & Eat

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Historische Innenstadt Rott weil, Foto: © rott weil.de

HOTEL Hotel Johanniterbad J o h a n n s e r g a s s e 12

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Am Hohenkarpfen werden viele Künste gepflegt

Hotel Hofgut Hohenkarpfen Susanne Ritzi- Mathé, Inhaberin, und Francois Howard Kurz, Direktor

Alle Fotos: © Hotel Hofgut Hohenkarpfen

Das Hotel Hofgut Hohenkarpfen ist ein besonderer Ort. Die uralte Bausubstanz atmet den Geist von 300 Jahren, ist aber mit stilsicherer Hand ins Hier und Jetzt befördert worden. Diese behutsame Verbindung von Altem und Neuem erzeugt ein Wohlgefühl beim Eintreten in das Hofgut. Ebenso die 21 Hotelzimmer und die drei modernen Tagungsräume; ihre spektakuläre Aussicht macht die Köpfe frei und lässt neue ­Inspiration zu. Die ruhige und klare Linie spiegelt sich auch in der ­k ulinarischen Handschrift des Küchenchefs Stefan Schäfer wider. Er gestaltet saisonale Rohstoffe zu Köstlichkeiten, die nicht nur den Bauch glücklich machen, s­ ondern auch das Auge satt. Die Küche setzt aber auch auf ­ehr­l iche Bo­den­ ständigkeit und freut sich über hungrige Wanderer, festliche Hochzeitsgesellschaften oder das verliebte Paar mit Hang zum Besonderen. Der Hohenkarpfen wird durch die freundschaftliche Gastlichkeit des Teams auf hohem Niveau ein Ort um immer wiederzukehren.

Ein weithin bekannter Anziehungspunkt für Kunstinte­ ressierte ist das in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene Kunstmuseum Hohenkarpfen. Die museumseigene Sammlung sowie wechselnde Ausstellungen widmen sich der südwestdeutschen Kunst im 19. und 20. Jahrhundert insbesondere der Landschaftsmalerei. Die gelungene Verbindung von Kunst, Landschaft und Natur auf dem Hohenkarpfen vervollständigt ein S ­ kulpturenfeld mit zeitgenössischen Werken, das auf Initiative der ­Hotelierfamilie entstand. Hotel Hofg ut Hohenkar pfen 7 8 5 9 5 H a u s e n o b Ve r e n a T. 0 7 4 2 4 9 4 5 0 D i e Ö f f n u n g s z e i t e n f ü r R e s t a u ra n t u n d Te r ra s s e s i n d t ä g l i c h v o n 1 1 : 3 0 b i s 2 3 : 3 0 U h r, Wa r m e K ü c h e : t ä g l i c h v o n 1 1 : 3 0 b i s 1 3 : 3 0 U h r und von 18 bis 2 1:30 Uhr www. hohenkar pfen. de


76 Das Kunstmuseum Hohenkarpfen in der Region Schwarz wald – Baar– Heuberg

Gegenkultureller Standort Wer einen Blick auf Vorstand und Kuratorium der Kunst­ stiftung Hohenkarpfen wirft, der ahnt, warum sie auf 30 Jahre erfolgreiche Arbeit zurückblicken kann. Prominente und ­einflussreiche Bürger – im besten Sinne die gesellschaftliche Crème jener Gegend, die sich Schwarzwald–Baar–Heuberg nennt – stehen für ein geglücktes Beispiel von Mäzenatentum. Die Stiftung brauchte dies vor allem in ihren Anfängen, da das Kunstmuseum fernab der urbanen Zentren angesiedelt wurde und schlicht das Geld fehlte, um aus dem baulich vernach­ lässigten früheren Meierhof am Fuße des 912 Meter hohen Karpfen ein Museumsjuwel zu machen. Über 400.000 Mark ­k ostete dieses Heldenstück, das sich zunächst mit dem ­Namen des in Hausen ob Verena geborenen, emeritierten ­P rofessors ­F riedemann Maurer – dem Vorsitzenden der Kunststiftung – verbindet. Am Anfang der Stiftung, für Maurer ein „glücklicher Beifang“ des persönlichen Lebensweges, stand 1984 die Schenkung eines riesigen Konvoluts. Es enthielt Darstellungen des Lebens und der Landschaft in der Hochbaar von der Hand des Tuttlinger Zeichners und Buchillustrators Ernst Rieß (1884–1962). Zeitgleich entstand die Idee eines Kunstmuseums, das im denkmalgeschützten Ökonomiegebäude im Juni 1986 eröffnet wurde. Seitdem ist der „Karpfen“ mit seiner gewachsenen und ­i nzwischen umfangreichen Sammlung aus der Mu­seums­ landschaft Baden-Württembergs nicht mehr wegzudenken. Kunst­stiftung und Kunstverein haben sich, trotz peripherer Lage – Maurer spricht gerne von „gegen­k ulturellem

Friedemann Maurer, Initiator und Vorsitzender der Kunststiftung Hohenkarpfen, Foto: © Kunststiftung Hohenkarpfen

Standort“ – zu einem der ersten Regionalmuseen für südwestdeutsche Landschaftskunst des 19. und 20. Jahrhunderts aus dem Dunstkreis der Akademien in Karlsruhe, Stuttgart und M ­ ünchen entwickelt. Die jährlich zwei bis drei Ausstellungen – zuletzt wurden Werke von Käte Schaller-­H ärlin präsentiert – werden stets von Katalogen begleitet, die als ­Beitrag zur Kulturgeschichte der Region gelesen werden dürfen. Auch das Modell der offenen und systematischen ­Kooperation mit Städten, Gemeinden und Landkreisen der Region gehört zum Programm auf dem „Karpfen“. Das bringt Synergie­effekte, vermehrte Haushaltsmittel und personelle Arbeitsbündnisse mit sich. Dass sich also hier Bürger, im ­Ü brigen nicht nur ­prominente, gerne engagieren, und das über den selbstverständlichen Ausstellungsbesuch hinaus, ist also gut zu verstehen (siehe auch das folgende Interview mit Professor Friedemann Maurer). SIEGMU N D KOPITZKI


Kunststiftung Hohenkarpfen, Foto: © Kunststiftung Hohenkarpfen

„Kleinod in der Provinz“

ARTMAPP: Herr Professor Maurer, in einem Beitrag zum 30-jährigen Jubiläum der Kunststiftung Hohenkarpfen schreiben Sie, dass diese Gründung für Sie ein „glücklicher Beifang“ war. Längst gilt dies wohl auch für die Besucher des „Karpfen“ ... War der Erfolg des „Kunstmuseums“ absehbar? Friedemann Maurer: Der Erfolg der Kunststiftung Hohenkarpfen war nicht vorhersehbar. Denn ursprünglich ging es lediglich um ein kleines Museum für Werke des verstorbenen Zeichners und Jugendstilkünstlers Ernst Rieß. Der unsere unmittelbare Umgebung, die Baar, und Hausen ob Verena betreffende Bestand von Zeichnungen, Lithografien und Ölgemälden sollte den Grundstock einer „Ernst-Rieß-Stube“ im Hofgut Hohenkarpfen bilden. Als die Baumaßnahmen im denkmalgeschützten Ökonomiegebäude des Anwesens schon begonnen hatten, trat eine große Ernüchterung ein. Denn die konservatorischen Auflagen für die feinen, wertvollen Bleistiftzeichnungen von Rieß erschwerten eine reguläre Museums- und Ausstellungsarbeit. Deswegen erfolgte die

Umgründung der bisher nur auf Rieß ausgerichteten lokalen Museumsinitiative zu einer überregional ausgerichteten ­E inrichtung, die sich auf die südwestdeutsche Landschafts­ tradition im 19. und 20. Jahrhundert konzentrieren sollte. Und in ebendieser Schwerpunktsetzung verbirgt sich das ­Erfolgsgeheimnis des Karpfenmuseums. ARTMAPP: Es ist ein Liebesverhältnis zwischen Ihnen und dem Kunstmuseum. Aber die Liebe allein ernährt ein solches Unternehmen wohl nicht. Wie halten Sie den Betrieb am Rande der großen weiten Welt am Laufen? FM: In der Tat verbinden mich mit dem „Karpfen“ und der hiesigen Region Herkommen und Verwurzelung in einer ­a lteingesessenen Familie, eine glückliche Kindheit trotz Kriegs- und Nachkriegszeit sowie formative Gymnasialjahre in der Kreisstadt Tuttlingen. Und dann ist da unser kleiner ­Familiensitz, das „Hansmichel-Haus“, das seit über 300 Jahren Lebens- und Zufluchtsort der Familie ist. So konnte ich trotz langer beruf licher Abwesenheit von einem über Ge­ nerationen gewachsenen Beziehungsnetz ausgehen, auf verlässliche Hilfe der Unternehmer, Politiker sowie der Bürger der Landschaft rund um den Karpfen bauen und auf den ­Zusammenhalt der kulturell Interessierten vertrauen.

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Friedemann Maurer, der 77-jährige emeritierte Pädagoge, der in Hausen ob Verena geboren wurde und wieder dort lebt, ist Initiator und Vorsitzender der Kunststiftung Hohenkarpfen. Für ARTMAPP traf ihn Siegmund Kopitzki zum Gespräch.


TurmBau I & II Turm-Modelle in der zeitgenössischen Skulptur

Abraham David Christian Pagode, 2003, Bronze Sammlung Zweckverband OEW)

Claus Bury Hochhauslandschaft, 2010, verschiedene Holzarten und Kupferlegierungen

Klaus Hack Babel, 2010, Pappel, weiß gefasst

Ausstellung mit Arbeiten von Roland Boden, Claus Bury, Abraham David Christian, Marc Dittrich, Anke Eilergerhard, Eberhard Freudenreich, Klaus Hack, Erich Hauser, Stephan Huber, Urban Hüter, Leiko Ikemura, Andrea Kernbach, Nikolaus Kernbach, Hubert Kiecol, Sun-Rae Kim, Jürgen Knubben, Henner Kuckuck, Wolfgang Laib, Pi Ledergerber, Sen-Hao Lo, Heinz Mack, Adrian Maryniak, Frank Neye, Werner Pokorny, Thomas & Renée Rapedius, Karl Manfred Rennertz, Stefan Rohrer, Jo Schöpfer, Hans Schüle, Alf Setzer, Abi Shek, Martin Spengler, Markus F. Strieder, Timm Ulrichs, Peter Vogel, Tobias Zaft Mit je einer Ausstellung sind wir zu Gast im „thyssenkrupp Testturm“ Rottweil vom 20. Oktober bis 26. November 2017 und im „kunst raum rottweil“ des Dominikanermuseums Rottweil vom 15. Oktober 2017 bis 18. Februar 2018

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FM: Wenn man ein klares Konzept hat, findet man auch ­Mäzene und Sponsoren. Die hiesige Wirtschaft hat das Karp­ fenmuseum nicht zuletzt gefördert, weil das auratische Zusammenspiel von Kunst- und Naturschönem allein schon durch die Lage des Hofguts begünstigst ist und weil die Qualität der Ausstellungen den hohen Maßstäben moderner kunsthistorischer Arbeit gerecht wird. So wirbt das „Kleinod in der Provinz“ für sich und findet die notwendige Unterstützung. Diese stabile Entwicklung des Museums verdankt auch den ständigen und stetigen Kooperationen mit der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen und der Erzabtei St. Martin zu Beuron mit ihrer bedeutenden Tradition der Beuroner Kunstschule ein festes Fundament. ARTMAPP: Ihre Ausstellungen, Sie erwähnten das bereits, widmen sich überwiegend der Landschaftsund Porträtkunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Gegenwartskunst lassen Sie dagegen aus. Ist es nicht Zeit, diese Linie zu hinterfragen? FM: Diese thematische Begrenzung im Arbeits- und Ausstellungsprogramm hat sich als ausgesprochen segensreich erwiesen. Kleine Einrichtungen, die „alles“ machen wollen, gefährden ihr Niveau und ihr Profil. Und: Die kulturellen Einrichtungen um den „Karpfen“ herum und all die Kunstkreise in der Region leisten Vorbildliches. Dazu wollen wir auf dem „Karpfen“ nicht in Konkurrenz treten, sondern eher ergänzen mit einem bewusst stillen Programm des zum Teil schon Vergessenen, doch Bedeutsamen und Großen aus der Geschichte des künstlerischen Schaffens und der wichtigen Lehrer an den Akademien in Karlsruhe, München und Stuttgart.

ARTMAPP: Sie haben unlängst den Kustos Stefan Borchardt ans Nannen-Museum in Emden verloren – und guten Ersatz gefunden. Trotzdem: Das war ein Verlust? FM: Stefan Borchardt hat das Profil des Karpfenmuseums über zehn Jahre hinweg mit landesweit beachteten Ausstellungen geprägt. Seine Berufung an die Kunsthalle Emden macht uns stolz. Für seine Nachfolge konnten wir aus einem hervorragend qualifizierten Bewerberkreis auswählen, wir haben uns für Mark R. Hesslinger entschieden. Der junge Kunsthistoriker ist als Oberschwabe von Geburt an mit schwäbischer Landschaft und Kunst vertraut. Mit ihm haben wir einen glänzend ausgebildeten Museumsfachmann, der für die Kunststiftung Hohenkarpfen brennt. Das ist ein echter Gewinn. ARTMAPP: Die Programmplanung für 2018 steht. Was werden die Besucher des „Karpfen“ zu sehen bekommen? FM: Vom 25. März bis 15. Juli 2018 wird die Kunststiftung ­Hohenkarpfen eine monografische Ausstellung des zwischen Impressionismus und beginnendem Expressionismus ­a nzusiedelnden Malers Albert Weisgerber (187 8 –1915) ­p räsentieren. In der Sommerausstellung steht dann die ­L andschaftsmalerei des 18. und 19. Jahrhunderts zwischen Donaubergland und westlichem Bodensee im Fokus. ARTMAPP: Friedemann Maurer – vielen Dank für das Gespräch! www. k unstst if t ung-hohenkar pfen. de

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ARTMAPP: Wer auf die prominente Namensliste der Organe der Stiftung blickt, dem wird in der Tat fast schwindlig. Sponsoren sind begehrt, Sie haben sie ...


Donaueschingen: Zeitgenössische Kunst in historischem Museumsgebäude

Museum Art.Plus


Museum Art.Plus mit der Arbeit „GULFF“ (2014) von Paul Schwer in der Brigach und „Lightning Strike“ (2008) von David Nash auf dem Museumsvorplatz Beide: © VG Bild- Kunst, Bonn 2017

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Etwas abseits der großen Fernstraßen liegt idyllisch am ­ usammenf luss von Brigach und Breg die Stadt Donau­ Z eschingen mit ihrer wechselvollen, reichen Geschichte. In unmittelbarer Nähe der Donauquelle ist hier – seit 2009 – das Museum Art.Plus beheimatet. Die baden-württembergische Privatsammlung ist in einem bereits Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten Museumsbau direkt an der Brigach zu Hause und hat sich der zeitgenössischen Kunst in ihren diversen Spielarten sowie dem Dialog der Künstler verschrieben. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der Kunst seit den 1980er-Jahren. Internationale und regionale Positionen werden gleichermaßen präsentiert und spiegeln damit die Sammlung wider, wobei ein wesentlicher Schwerpunkt des

Museums auf der Kunstvermittlung liegt. Insbesondere ein reiches „KinderKunstProgramm“ will die Kleinen und ganz Kleinen schon früh an Kunst heranführen. In verschiedenen Ausstellungen wurden die Besucher in Kunstprojekte ­i n­v olviert, dazu ­k ommen Künstlergespräche und eine ­Vernetzung in der R ­ e­g ion, die auch andere Kunstformen miteinbezieht. So gibt es ­K ooperationen mit der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen, mit den Donaueschinger Musiktagen, der K ­ unstschule und dem Kommunalen Kino Guckloch in ­D onaueschingen sowie zahlreichen weiteren Kultur­a nbietern; ebenso greift das Museum mit Skulpturen in den gesamten Stadtraum aus. Die Ausstellungen selbst – jährlich eine große Hauptausstellung und drei kleinere im „2-RAUM“ – entstehen aus den Beständen der stiftungseigenen Sammlung heraus, die um Leihgaben ergänzt werden. Noch bis Ende Januar 2018 präsentiert das Museum Art.Plus Werke des Großmeisters des Malens in Schwarz, Pierre Soulages, einem der wichtigsten internationalen Vertreter der abstrakten Kunst. Dass er beileibe nicht der einzige Künstler ist, der schwarze Kunstwerke schafft, macht die Ausstellung en passant deutlich, denn seinen 14 groß­for­matigen „Outrenoirs“ – schwarze Bilder jenseits der Schwärze – werden Kunstwerke von Tony Cragg, Ellsworth Kelly, François Morellet und einigen weiteren Zeitgenossen ergänzend beigefügt. So wird deutlich, wie unterschiedlich die Wirkung des Schwarz im Wechselspiel mit dem Licht und anderen Farben sein kann und welch verschiedene Positionen


sich unter diesem Fokus vereinen lassen. „Leidenschaft . ­ assion – Im Fokus: Pierre Soulages“ lautet der Titel der AusP stellung, auf die dann ab Mitte Februar 2018 das genaue Gegenteil folgt: „colorful – farbenfroh“ ist die Jahresaus­ stellung 2018 benannt, die ausgehend von den Gemälden Dorothy Fratts (1923–2017) die vielfältigen Erscheinungs­ formen, Möglichkeiten und Positionen im Umgang mit Farbe auslotet. Die Ausstellung ist eine Premiere, denn noch nie ­waren so viele Kunstwerke der US-amerikanischen Künstlerin außerhalb ihres Heimatlandes zu sehen. Fratt entwickelte die Farbfeldmalerei auf ihre ganz eigene Weise weiter, indem sie intuitiv Formen und Farben auf großformatigen Leinwänden kombinierte. Zu ihrem „Markenzeichen“ wurden starke Kontraste bezüglich Farbwert und Kontrast, die gelegentlich Landschaftsassoziationen hervorrufen. Obwohl ihre Arbeiten nie spontan entstanden, sondern auf der Grundlage von zahlreichen Skizzen, bezeichnete sie ihre Arbeitsweise stets als Reise ins Ungewisse und als Abenteuer, deren Ergebnis oft eine Überraschung für sie selbst darstelle. Ihre farbenfrohen Werke werden um intensiv koloristische, zwei- und dreidimensionale Arbeiten internationaler Künstler ergänzt. Im „2-RAUM“, einer gesonderten Ausstellungsfläche im Museum, wird über die Laufzeit der Soulages-Ausstellung hinaus bis 10. März 2018 Alfonso Hüppi präsentiert, ein K ­ osmopolit im Wortsinn: Der zweimalige „documenta“-Teilnehmer lebt und arbeitet in Baden-Baden und Namibia, dort leitet er das von ihm 1998 mitbegründete

„Museum im Busch“. In seinen Kunstwerken kombiniert er unter­s chiedlichste Materialien, wechselt gern zwischen der zweiten und dritten Dimension und macht damit ­deutlich, dass die ­Verschlagwortung als Künstler (hier der „Bildhauer“, dort der „Maler“) längst an ihre Grenzen gestoßen ist und dass z­ wischen Abstraktion und Figuration immer noch ein Hüppi passt. CHRIS GERBING

Bis 28. Januar 2018 L e ide n schaf t . Pa ssion – Im Fok u s: P ie r re Soulages 1 2 . November 2017 bis 10. März 2018 A l f o n s o H ü p p i (i m 2 - R A U M d e s M u s e u m A r t . P l u s) Ab Mit te Febr uar 2018 „ c o l o r f u l – f a r b e n f ro h “ – J a h r e s a u s s t e l l u n g 2 0 1 8 Mu seum Ar t. Plu s w w w . m u s e u m - a r t- p l u s . c o m

Blick in den zentralen Ausstellungsraum mit Werken von Pierre Soulages, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017

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Julian Göthe, „This Room is my Castle of Quiet“, umrahmt von griechischen und römischen Standbildern der „Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen“, Donaueschingen

Schloss Heiligenberg, Linzgau am Bodensee, Gesamtanlage, Foto: Achim Mende

Für den Or t of fen und trotzdem auf dem Sprung in die Internationalität

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Schloss Heiligenberg Im Hinterland des Bodensees, unweit von Kloster Salem, liegt auf einem Bergsporn Schloss Heiligenberg. Im Ursprung m ­ ittelalterlich wurde es während der Renaissance umgebaut und besitzt mit seinem prunkvollen Festsaal einen der we­n igen ­e rhaltenen Repräsentativräume dieser Epoche. In den Genuss dieser besonderen Atmosphäre kommen seit 2011 ­e inmal jährlich drei junge, aufstrebende Künstler. Sie müssen sich j­ eweils „durch unverkennbare Formensprache her­vorgetan haben und das Potenzial erahnen lassen, im internationalen Diskurs Fuß zu fassen“, so die ­I nitiatorin des Projekts ­„ Fürstenberg Zeitgenössisch“, Erbprinzessin ­Jeannette zu Fürstenberg. Die durch eine Jury ausgewählten Künstler ­erhalten während ihres dreimona­ tigen Aufenthalts nicht nur finanzielle Unterstützung und weitläufige Arbeits- sowie ­L ebensräumlichkeiten, sondern genießen auch intensiven Austausch mit dem ebenfalls hier wohnenden ­E rbprinzenpaar – Familienanschluss inklusive. Aus der räumlichen Nähe erwachsen nicht selten Freundschaften: „Die Verbindung zwischen dem Erbprinzenpaar und den Künstlern ist sehr herzlich. Die Künstler lieben das Programm. So etwas ist selten“, bemerkt Moritz Wesseler, Kurator von „Fürstenberg Zeitgenössisch“, hinsichtlich der besonderen Atmosphäre. Die diesjährigen Stipendiaten ­Trisha Baga, ­K asper Bosmans und Catharine Czudej ­stammen aus den USA, Belgien und Südafrika, erste A ­ usstellungen auf inter­n ationalem Parkett und Auszeichnungen folgten

bereits dem Studium. Ihre künstlerischen Positionen lassen ex­e mplarisch die Bandbreite der Möglichkeiten von Video­installationen und Performances über einen eher wissenschaftlich moti­v ierten Ansatz bis hin zur Verwendung von Comics und Slogans und dem Einsatz unterschiedlichster Materialien deutlich werden. Bei aller Internationalität, so betont Erbprinz Christian zu Fürstenberg, sei es ihm genauso wichtig, „dass die Künstler die Offenheit haben, sich mit dem Ort und der Region zu ­beschäftigen“. Und wenn später eine ihrer ­E ntdeckungen – beispielsweise das portu­g iesische Duo João Maria Gusmão & Pedro Paiva – auf der Biennale von Venedig zu sehen ist, freut dies die zukunftsweisenden Mäzene na­t ürlich umso mehr. „Unser Wunsch ist es, junge Künstler zu unterstützen und ­i hnen die Möglichkeit zu geben, sich über die Ausstel­ lungen bei uns zu präsentieren“, streicht Jeannette zu Fürstenberg ­heraus. Im Frühjahr 2018 ist es wieder so weit: In den Mu­s eumsräumlichkeiten der Fürstlich Fürstenber­ gischen Sammlungen in Donaueschingen findet dann wieder die stets das Stipendium beschließende Ausstellung statt, bei der sich die Künstler mit den Ergebnissen ihrer dreimonatigen ­A rbeitsphase der Ö ­ ffentlichkeit präsentieren. CHRIS GERBING

www. f ue rste nbe rgzeitge noessisch . com


UND JEDEM ANFANG WOHNT EIN ZAUBER INNE... Zitat: Hermann Hesse, *1877 - †1962 Foto: Blick auf die Donauquelle

Entdecken Sie die Stadt an der Donauquelle! Hier, wo die Reise der Donau beginnt, erwartet Sie die Residenzstadt Donaueschingen mit einer lebendigen Verbindung aus Tradition und Moderne. Bummeln Sie entlang der hübschen Innenstadt bis zum Fürstlich Fürstenbergischen Schloss und in den weitläufigen Schlosspark, bestaunen Sie die Donauquelle und entdecken Sie die Museumsvielfalt und die zahlreichen kulturellen Highlights.

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86 Sammlung Grässlin in der Städtischen Galerie Karlsruhe

Mut zur Freiheit Der deutsche Südwesten ist reich an Privatsammlungen: ­F rieder Burda, Adolf Würth, Rüdiger Hurrle, die Ehepaare Schauf ler und Klein sind klangvolle Sammlernamen mit mehr oder minder großen Kunstsammlungen, die sie in ­eigenen Museen, gern auch im Dialog mit (noch) auf dem Kunstmarkt erhältlichen Werken oder solchen aus öffent­ lichem Museumsbesitz, präsentieren. Die Sammlung Anna und Dieter Grässlin – zusammengetragen innerhalb weniger Jahre durch den Unternehmer und seine Frau – darf in diesem Reigen nicht fehlen, denn sie ist eine der profilier­testen im ­Bereich des Informel. Hierbei handelt es sich um eine nach 1945 unter dem Eindruck von Krieg und Zerstörung entstandene Kunstrichtung, die weniger Stil denn künstlerische Haltung ist. Die sich ihr verpflichtet fühlenden Künstler lehnten Kompositions- und Formprinzipien, aber auch die geometrische Abstraktion ab. Es ist eine Kunst, die aus dem Dagegen schöpft, die ein „Panorama individueller Positionen“ umfasst und eine „offene und prozessuale Bildform anstrebt“ (Christoph Zuschlag). Es sind entsprechend sperrige Kunstwerke, die in jenen Jahren entstanden – oft, aber nicht immer ohne Vorplanung, mit großer Geste und r­ aschem Schwung. Zudem vernetzten sich die in Künstlergruppen wie „ZEN 49“, „Quadriga“ oder „Gruppe 53“ zusammengeschlossenen Künstler, pflegten den Austausch und beförderten damit ein neues Lebensgefühl, das aber noch geprägt war von den ­eigenen Kriegserlebnissen. Die Städtische Galerie Karlsruhe, die mit der Sammlung Garnatz eine weitere Privatkollektion von Museumsformat permanent zeigt, ist entsprechend für die Präsentation der Sammlung Grässlin ein nahezu idealer Ort. Jean Fautrier, Wols, Peter Brüning, Karl Fred Dahmen, Karl Otto Götz, Emil Schumacher, Fred Thieler und etliche andere aus Grässlin’schem Besitz – insgesamt 100 Kunst­ werke von zwölf Künstlern – werden ab Dezember 2017 in der Ausstellung durch ausgewählte hauseigene Bestände ergänzt: Kunstwerke, die zwischen 1946 und 1974 entstanden und die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten sowie die Diversität der unter dem Begriff zusammengefassten Künstler widerspiegeln.

Die Liste der Namen liest sich wie das Who’s who des Informel und mit etlichen von ihnen, allen voran Erich Hauser, verband die Grässlins eine enge Freundschaft. Letzteres ­erklärt auch, weshalb es nur wenige weitere bildhauerische Positionen in deren Sammlung gibt: Hauser war einerseits ­enger Berater des Paars, andererseits aber sehr darauf bedacht, eine singuläre Rolle innerhalb ihrer Kollektion einzunehmen. Deshalb konnte sich Dieter Grässlin nur heimlich seinen lang gehegten Wunsch einer Kricke-Skulptur erfüllen, die gerade so groß sein durfte, dass sie ins Schlafzimmer passt. Dort nämlich hatte Hauser keinen Zutritt. Die Ausstellung „Mut zur Freiheit“ entstand in Kooperation mit dem Mittelrhein-Museum in Koblenz; in Karlsruhe wird sie um rund 30 Arbeiten von Willi Baumeister, Georg Meistermann, Lothar Quinte und weiteren aus dem Bestand der Städtischen Galerie ergänzt. Wer sie verpasst, hat immer noch die Möglichkeit, die Sammlung in dem 2006 eröffneten KUNSTRAUM GRÄSSLIN in St. Georgen zu sehen, der vor Ort ergänzt wird durch die „Räume für Kunst“: Ungenutzte Ladenflächen gibt es durch dieses Projekt in St. Georgen seit 1995 (fast) nicht mehr, denn statt Leerstand werden sie mit Kunst bespielt. CHRIS GERBING

16. Dezember 2017 bis 11. März 2018 Mut zur F re ihe it I n f o r m e l a u s d e r S a m m l u n g A n n a u n d D i e t e r G rä s s l i n im Dialog Städt ische Galer ie Karlsr uhe www. karlsr uhe. de K U NS T R AU M GR Ä S SL I N, St. Georgen w w w . s a m m l u n g - g ra e s s l i n . e u


Carl Buchheister, „Komposition Changvil“, 1960, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017, Sammlung Anna und Dieter Grässlin

linke Seite: KUNSTRAUM GRÄSSLIN, St. Georgen, Foto: Uwe Spoering

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Foto: Visual Art work

Villingen - Schwenningen

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Kulturstadt im Grünen Bis zur Gründung des südwestlichen Bundeslandes verlief die Grenze zwischen Südbaden und Württemberg-Hohen­ zollern genau zwischen den beiden Städten Villingen und Schwenningen. Erst mit der Gebietsreform 1972 entstand die Doppelstadt, in der sich bis heute einige Eigenheiten ­erhalten haben – offensichtlich nicht zum Nachteil der Kultur, denn man betitelt sich als „Kulturstadt im Grünen“. Mit Franziskanermuseum, Uhrenindustriemuseum und ­S täd­t ischer Galerie sind sowohl Ur- und Frühgeschichte, Schwarzwälder Volkskunde, die Geschichte der Uhren­ industrie als auch die Kunst der Klassischen Moderne bis hin zur Gegenwart abgedeckt. Der mittelalterliche Stadtkern von Villingen mit dem frühgotischen Münster, dem spätgotischen Rathaus, der Stadtmauer und drei der ursprünglich vier Tortürme ist weitgehend erhalten. Auch das Franziskanermuseum gehört zum historischen Bestand. Es befindet sich in einem ehemaligen, aus dem 13. Jahrhundert stammenden Kloster. Während die Kirche heute Konzertsaal ist, lässt sich in Kreuzgang und ­K apitelsaal auf den Spuren der Franziskaner wandeln, in den Mönchs­zellen hingegen ist die stadtgeschichtliche Abteilung mit Grabungsfunden untergebracht. Bis in die Gegenwart reicht dieser Bereich, der auch den Einfluss des Fremdenverkehrs und die Etablierung als Industriestandort verdeutlicht. Unter­haltungselektronik „Made in Villingen“, beispielsweise das SABA-Radio, war weltbekannt – und wirkt doch heute in ­einer sich rasant verändernden Welt wie aus der Zeit gefallen. Auch ein 1979 von der Firma Kienzle gebauter Computer ist zu bestaunen, der die Ausmaße einer Einbauküche und dennoch weit weniger Speicherkapazität als ein Smartphone hat! Das Alte Rathaus wird als Sonderausstellungsfläche bespielt, dort sind aktuell Kunstwerke der Schwarzwälder Klassischen ­Moderne unter dem Titel „Der Schatten des Krieges“ zu sehen. Die Sammlung Heinzmann, hervorgegangen aus der gleichnamigen Buchhändlerfamilie, umfasst überwiegend Werke von Ludwig Engler, Waldemar Flaig, Paul Hirt und Richard Ackermann, die im halbjährlichen Turnus mit unterschied­ licher Schwerpunktsetzung gezeigt werden.

Von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart reicht das Spektrum der Ausstellungen, die in der Städtischen Galerie präsentiert werden, die sich im Stadtteil Schwenningen ­b efindet. Dabei zeigt sich deutlich, wie gut die beiden ­u rsprünglich selbstständigen Städte zwischenzeitlich ­z u­s ammengefunden haben: Ein Teil der Sonderausstel­ lungen ist im Franziskanermuseum zu Gast, andere werden im L ­ ovis-­K abinett in Schwenningen gezeigt. Bis Mitte ­D ezember sind dort Meisterschüler der HBK Dresden zu ­sehen, die ­„ Farbenprächtige Malerei und raumgreifende Installa­t ionen“ ausstellen. Schwenningen galt übrigens lange als „größtes Dorf Württembergs“ und der Expressionismus ist hier b ­ esonders greifbar. Hans Herkommer erbaute Ende der 1920er-Jahre das Rathaus, das Krematorium auf dem ­Waldfriedhof von J­ ulius Feucht hält dieses hohe Niveau mit seinem die Gotik neu interpretierenden Stil. Bereits seit 1931 wird das aus dem 17. Jahrhundert stammende Bauernhaus am Marktplatz ­museal genutzt, es beherbergt das Heimat- sowie Uhren­m useum und macht damit auf die Tradition der ­U h­r enproduktion im Schwarzwald aufmerksam, die in Schwenningen ihr Z ­ entrum hatte. Darauf fokussiert ebenso das Uhrenindustriemuseum, das sich in der ehemaligen württembergischen Uhrenfabrik Bürk befindet, einem der einst wichtigsten deutschen Uhrenhersteller, der dazu beitrug, dass Schwenningen jahrzehntelang als bedeutendste Uhrenstadt der Welt galt. CHRIS GERBING

Bis 4 . März 2018 „ D e r S c h a t t e n d e s K r i e g e s“ Altes R athaus, Villingen w w w . f ra n z i s k a n e r m u s e u m . d e galer ie.villingen-schwenningen. de www. uhre nindu st r ie mu se um . de


BEGE Galerien

Markus Lüpertz HERZSCHMERZ noch bis zum 17. November 2017 Robert Schad + Sati Zech PingPong 24. Novemer 2017 – 20. Januar 2018 der Drucker HPH Serigrafien 20 internationaler Künstler 27. Januar – 3. März 2018 art KARLSRUHE Halle 3 F05/06 22. – 25. Februar 2018 Thomas Röthel / Pi Ledergerber / Manu Wurch STAHL STEIN PAPIER 9. März – 22. April 2018 Thitz Tüten Kunst 27. April – 2. Juni 2018 BEGE Galerien Ulm 89073 Ulm Tel +49 (0) 179 . 483 41 88 www.bege-galerien.de

Galerie am Saumarkt Fischergasse 34 , 89073 Ulm Tel +49 (0) 731 . 934 074 11 und +49 (0) 731 . 6 33 49 Mo und Di nach Vereinbarung, Mi bis Fr 11 – 13 und 14 – 18 Uhr, Sa 11 – 15 Uhr


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Singen arbeitet suk zessive an seinem Image als Kulturstadt

Ein zweites Museum unterm Hohentwiel

„MAC 2“, Foto: © MAC – Museum Art & Cars

Helena und Werner Vayhinger, Foto: © Galerie Vayhinger

Vayhingers nehmen sich jetzt einfach Zeit. Das funktioniert bei Gabriela und Hermann Maier, die 200 Meter weiter das MAC – Museum Art & Cars betreiben, noch nicht ganz so gut. Ebenfalls vor vier Jahren hatte das Stifterpaar sein Museum, in dem auf 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche Old­t imer und Kunst in einen Dialog gebracht werden, eröffnet. Die ­großen Feuilletons widmeten Beiträge, von „Bilbao im Hegau“ war die Rede. Einer der Höhepunkte im noch jungen Aus­ stellungsleben des MAC war 2015 die Präsentation von Andy Warhols „Cars“-Serie mit den dazugehörigen Auto­mobilen der Marke Daimler-Benz.

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„Liebe deine Stadt“ – eine Rosette mit diesem eindring­lichen Apell hängt locker an der Türe der Galerie Vayhinger in ­Singen. Wird die Stadt am Fuß des Hohentwiel etwa nicht geliebt? Vor drei Jahren haben Helena und Werner Vayhinger ihre eta­blier­ te Galerie im Radolfzeller Stadtteil Möggingen zugunsten des „Wohnzimmers“ in Singen aufgegeben. Sie wollten keine ­dis­t anzierten Ausstellungen im White Cube mehr wie zuvor 30 Jahre geübt, sondern „Leben in und mit Kunst“. Nein, ihr Verhältnis zu Singen sei ungetrübt. „Eine span­nende Stadt! Mit einer ungewöhnlichen kulturellen Vielfalt.“ So oder so ähnlich formulierten sie schon im November 2014, als ARTMAPP das Paar besuchte. „Liebe deine Stadt“, das war ein von 2005 bis 2015 ­laufendes Kunstprojekt von Merlin Bauer in Köln. Mit seiner 26 Meter breiten und vier Meter hohen gleichnamigen Skulptur, die 2007 in der Nähe des dortigen Schauspielhauses installiert wurde, forderte er zum genaueren Hinschauen auf, zum Erkennen von Qualitäten, und wandte sich zugleich ­gegen mangelnden Respekt und fehlendes Wissen. So, genauso, möchten auch die Vayhingers ihre „freche“ Rosette an der Haustüre verstanden wissen. Andere Räume – anderes Denken. Im Januar 2018 geht ihre Themenausstellung „Von Mensch und Maschine“, von acht Künstlern interpretiert, zu Ende. Der Oberbürgermeister der Stadt hatte sie eröffnet. Und er habe kluge Dinge dazu g­ esagt. Das ist durchaus nicht selbstverständlich. Der ­Konstanzer Galerist Stefan Geiger könnte da von ganz an­de­ ren Erfahrungen mit Stadtoberhäuptern erzählen … Was wird als nächstes folgen? Helena und Werner Vayhinger sind keine Getriebenen mehr wie viele ihrer Galeristenkollegen. Auf die Frage, welche Künstler sie im nächsten Jahr ausstellen werden, lächeln sie und deuten an, dass das noch nicht entschieden ist. Sie seien noch in einem Denkprozess …


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stratozero.net, Künstleratelier und Archiv,

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Foto: © Harald F. Müller

Dass sich das Museum inzwischen zu einer echten ­Institution entwickeln konnte, liegt nicht nur in der pro­fessionellen Präsentation der Ausstellungen, sondern auch am Gegenstand selbst: Mit den Oldtimern holen die Maiers, die über einen repräsentativen Fahrzeugpark verfügen, die Autonarren ins Haus; mit Bildern und Skulpturen die Kunstfreunde. So werden Schwellenängste auf beiden Seiten abgebaut. Doch damit ist die Erfolgsgeschichte noch nicht zu Ende erzählt. Das Stifterpaar vergrößert nun die Aus­ stellungsfläche – nicht zuletzt als Reaktion auf das enorme Besucherfeedback – und errichtet gegenüber dem „alten“ ­Museum das „MAC 2“. Der Rohbau steht bereits. Eine zen­ trale, 26 Meter hohe Halle wird das Herzstück des neuen Museums bilden. Hier werden künftig Foto-, Licht- und ­Audioinstallationen inszeniert. Das „MAC 2“ hat neben 3.000 Quadratmetern Nutzfläche sogar einen Lift, der Oldtimer bis ins obere Stockwerk transportiert. Das historisierende ­Gebäude wurde wie schon das „MAC 1“ vom Gottmadinger Architekten Daniel Binder geplant und soll im Frühjahr 2019 fertig sein. Die aktuelle Ausstellung gilt übrigens dem ­US-Pop-Art-Künstler Francis Gill (bis 18. Februar 2018). Der Mann mit Westernhut ließ es sich nicht nehmen, die Aus­ stellung in Singen zu besuchen.

Und noch einen Zugewinn kann die aufstrebende Kulturstadt verbuchen. Der Konzeptkünstler Harald F. Müller, der sowohl durch seine irritierenden Fotografien und Cuts b ­ ekannt ist als auch durch seine Kooperationen mit internationalen Ar­ chitekten, die seine Expertise für die Farbgestaltung ihrer Gebäude heranziehen, hat seinen Sitz von Öhningen am ­Untersee nach Singen verlegt. Sein komfortables Atelier im Industriegebiet der Stadt gleicht einer Speditionshalle. Müller schottet sich aber durchaus nicht von der Menschheit ab, er versteht das Atelier als Kommunikationszentrum – ­G äste mit Kunstverstand sind sehr willkommen. Und ja: Sie kommen auch. Dagegen läuft im Kunstmuseum Singen, das vor zwei Jahren aufwendig renoviert sowie vergrößert wurde und nun endlich ein Depot für die umfangreiche Sammlung hat, alles strukturiert – so auch im Kunstverein, der einmal im Jahr das Museum mit dem Format „Singen Kunst“ bespielt und nach einem überfälligen Vorstandswechsel wieder im ruhigen Fahrwasser angekommen ist. Ja, Ulrike Veser, die neue Vor­ sitzende, denkt laut über Neuerungen bei den Auftritten des Kunstvereins nach, worüber noch zu berichten sein wird. Christoph Bauer, der das 1990 eröffnete Kunstmuseum leitet,


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zeigt in der aktuellen Ausstellung seines Hauses in Koope­ ration mit der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen den „Stand der Dinge“ (bis 7. Januar 2018), einen Längsschnitt durch die künstlerische Produktion der Mitglieder des Künstlerbundes Baden-Württemberg. Im Anschluss daran ziehen Drucke in die Räume ein: von Andreas Rosenthal, dem Düsseldorfer Künstler, sowie Drucke und Grafiken aus der reichen Sammlung des Museums. Zuletzt: Die „goldenen Äpfel“, Teil einer Skulptur von Ilya Kabakov, die der russische Künstler anlässlich des internationalen Kunstprojekts „Hier Da Und Dort“ im Jahr 2000 zur Landesgartenschau installiert hatte, sind wieder da. Die Äpfel waren gestohlen worden. Es sind zwar nur Kopien, aber vom Künstler für gut befunden … SIEGMU N D KOPITZKI

www. k unst museum-singen. de

Christoph Bauer, Direktor des Kunstmuseums Singen,

w w w . g a l e r i e v a y h i n g e r. d e

Foto: © Kunstmuseum Singen

www. k un st ve re in-singe n . de w w w . h a ra l d f m u e l l e r. d e w w w . m u s e u m - a r t- c a r s . c o m


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Short cuts Engen & Tuttlingen ZUSA M M EN G ES TEL LT VO N S I EG M U N D KO PIT ZK I

I M H E R Z E N D E R A LT S TA D T DA S S TÄ D T I S C H E M U S E U M E ­ NGE N + GA L ER IE S O RG T F Ü R B E S U C H E R S T R Ö M E

„Engen, Tengen, Blumenfeld sind die schönsten Städt‘ der Welt.“ Dieser Spruch, von dem niemand so genau weiß, wer ihn erfand, kommt nicht von ungefähr. Wenigstens was das Hegau-Städtchen Engen betrifft. Seit die Altstadt in den 1970er-Jahren saniert wurde, lohnt sich der Besuch allemal. Aber nicht nur die denkmalgeschützte Altstadt mit ihren Häusern aus dem 15. bis 17. Jahrhundert macht den Charme aus. Einen Kontrast zu den historischen Gebäuden und Gassen bieten sechs moderne Brunnen von renommierten Bildhauern, die die mittelalterliche Tradition der Wasserversorgung aufgreifen. Kunst hautnah bietet auch das Städtische Museum ­E ngen + Galerie. Es residiert in einem ehemaligen Domi­ nikanerinnen-Kloster. Das Museum, das sich Leiter Velten Wagner mit der „Stubengesellschaft 1599“ teilt, ist nicht nur ein Geheimtipp für Freunde zeitgenössischer Kunst – noch bis 19. November wird hier das somnambule Werk von Anna Krammig aus Zürich gezeigt. Auch Wagners Sonderaus­stellungen zur Klassischen Moderne sind Besuchermagnete. So wurden bei der Ida-Kerkovius-Ausstellung im März 2017 nahezu 6.000 Kunstfreunde gezählt. Ebenfalls in den Räumen des Museums werden in einer Dauerausstellung archäologische Funde gezeigt, darunter die berühmte „Venus von Engen“. Die Dokumentation der Stadtgeschichte rundet das Angebot ab.

Anna Krammig, o. T. (Palme), 2014, Öl auf Leinwand, Foto: Schels

Städt isches Museum + Galer ie Engen

VO N W E G E N „ K A N N I T V E R S TA N “

Ö f f n u n g s z e i t e n : D i – F r 1 4 – 1 7 U h r, S a / S o 1 0 – 1 7 U h r

T U T T L I N G E N H AT V I E L M E H R Z U B I E T E N

ra t h a u s @ e n g e . d e /s t u b e n g e s e l l s c h a f t- e n g e n . d e

A L S M EDIZ I N T ECH N IK

Velten Wagner, Leiter des Städtischen Museums ­ Engen + Galerie, Foto: © Museum

Wer Tuttlingen sagt, mag zuerst an „Kannitverstan“, Johann Peter Hebels berühmte Kalendergeschichte, denken. Sie ­erzählt von einem Handwerksburschen, der infolge eines Missverständnisses zu der Erkenntnis der Vergänglichkeit ­allen irdischen Daseins gelangt. „Kannitverstan“ – das ist ein junger Bursche aus Tuttlingen. Literarisch weniger Interessierte denken wohl eher nicht an Hebels Geschichte, sondern an die Unternehmen ­A esculap oder Karl Storz. In Tuttlingen – eine Stadt mit 35.000 Einwohnern – schlägt das Herz der deutschen Me­di­ zintechnik. Mehr als 12.000 Mitarbeiter sind im Landkreis in etwa 400 Unternehmen in diesem Bereich tätig. Aesculap und Storz sind die Umsatzriesen. Wer Tuttlingen sagt, denkt also zunächst weniger an Kultur und Kunst. Und dabei gibt es hier reichlich davon. In den „Tuttlinger Hallen“ finden Konzerte, Theater, Li­ teratur usw. statt. Die „Tuttlinger Krähe“ ist hierzulande einer der a­ ngesehensten Preise für Kleinkunst. Und der


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Anna- Maria Ehrmann-Schindlbeck, Leiterin der Städ­tischen Galerie Tuttlingen, Foto: © Museum

­ amhafter Künstler aus der Region zu sehen. Schon damals n entstand der Wunsch nach einer Fortsetzung. Das Motto und wesentlicher Bezugspunkt für die Neuauf lage der Skulp­t urenschau 2018 – Künstlernamen gibt das Kuratorenduo Ehrmann-Schindlbeck und Werner Po­korny noch nicht preis – ist nun die Donau. Tuttlingen liegt nicht weit von ­ihrem ­Ursprung entfernt. Beginnen wird das Ausstellungsjahr 2018 indes mit ­einer Schau von Arbeiten des Bildhauers Markus F. Strieder (13. Januar bis 25. Februar 2018). Der Österreicher wird einen extra für die Räume der Galerie konzipierten Werkkomplex mit Skulpturen aus massivem Stahl und Arbeiten auf Papier zeigen. – Was noch? Auf nach Tuttlingen! S t ä d t i s c h e G a l e r i e Tu t t l i n g e n R a t h a u s s t r. 7 Öf f nungszeiten Di – So 11 – 18 Uhr www. galer ie-t ut tlingen. de

„Donaugalerie“ in und um Tuttlingen, 2014: Josef Bücheler, „M 13/05“, 2005, Metall, ca. 800 x 800 cm, Foto: HP Kammerer © VG Bild- Kunst, Bonn 2017

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„Honberg-­S ommer“, eines der schönsten Festivals im Südwesten, zieht jährlich 10.000 Musikfans an. Aber auch die bildende Kunst gehört zum Selbstverständnis der Kreisstadt. Die Bronzeplastik der „Krähe“ hat Bildhauer Roland Martin entworfen, ein Sohn der Stadt. ­A llein in Baden-­Württemberg gibt es insgesamt 144 Skulp­ turen, Brunnen, Stelen, Mosaiken, Glasfenster und Denkmale von ihm. Mehr als 80 Arbeiten schuf er für den öffentlichen Raum. Werke von Martin sind auch im Besitz der städtischen Sammlung, die von der Galerie betreut wird. Arbeiten von Willi Bucher aus dem nahe gelegenen Fridingen an der Donau ­gehören ebenfalls zum Bestand. Vielen gilt Bucher nur als der „Masken-Bucher“ – er schnitzt traditionelle Masken für die Fastnacht. Jede dieser Masken ist ein Unikat und daher ­begehrt. Aber im Grunde ist das nur eine liebevoll betriebene Nebenbeschäftigung. Bucher ist ausgebildeter Bildhauer, sein bevorzugtes Material ist Stein. Ob raumfüllend oder als ­Sockelobjekt – die zumeist abstrakten Schöpfungen sind, so die Interpreten, markante Zeichen des Ewigen. Seinen 70. Geburtstag im Jahr 2013 feierte die Städ­ tische Galerie Tuttlingen mit einer großen Ausstellung. Seit 1987 residiert das Haus in einem eigens von Günter Hermann entworfenen Neubau. Der Architekt, ebenfalls Tuttlinger, ist international gefragt. Der Kunstkreis und die Stadt – re­spek­t ive Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck, Leiterin der Galerie – organisieren neun Ausstellungen pro Jahr, acht Einzel­ausstellungen zeitgenössischer Künstler sowie die Jahresausstellung, die einen Querschnitt des künstlerischen Schaffens in Tuttlingen und Umgebung präsentiert. Die Galerie hat schon einige Prominenz gesehen, ­H ermann de Vries und Günther Uecker wurden 2017 gezeigt. Das Highlight im nächsten Jahr ist mit „Donaugalerie“ be­t itelt (1. Juli bis 7. Oktober 2018). Dieser Name steht für ein ambitioniertes Skulpturenprojekt in und um Tuttlingen ­herum, das 2014 sein Debüt hatte. Über 15 Wochen hinweg waren Werke internationaler Größen wie Laura Ford, Tony Cragg, David Nash oder Fabrice Hyber neben Arbeiten


BERND LUZ – Meisterwerke Reloaded Die neue Serie „Reloaded“ des international angesagten Künstlers Bernd Luz entführt in die Welt der Kunst­geschichte. Eine Neuinterpretation von klassischen Meisterwerken in ­einem innovativen Licht. „Übersetzt“ in die Sprache der Neuzeit, subjektiv durch den Künstler. Viele Ikonen der Pop Art wie Andy Warhol, Robert Rauschenberg oder Jasper Johns kamen ursprünglich aus der Werbebranche. Die Praxis des „Scheinwelterzeugens“ war ­ihnen bestens vertraut und dieses Wissen nahmen sie mit in ihre Kunst. Anleihen und Parallelen zur Pop Art finden sich auch im Werk von Bernd Luz. Etwa die perfekte Beherrschung der Medienwelt (schon allein aus Berufs­g ründen, LUZ ist auch diplomierter Designer), der Rückgriff auf Kultbilder, das bewusste Verzahnen von ­Design und Kunst und der offene Umgang mit Auftrags­a rbeiten, also die kommerzielle Auswertung seiner Bildfindungen. Seine Bilder wecken Emotionen, sie wollen gefallen und sie finden ihr Publikum mittlerweile international. Im weltweit größten Automobilmuseum und im größten Deutschen Zweiradmuseum hat er Dauerausstellungen. www.berndluz.de Bernd Luz, „IndianaReloaded – LovePop“

Ethno Pop Atelier Eva Bur am Orde Das Ethno Pop Atelier in Rottweil wurde 2009 von der Künstlerin Eva Bur am Orde gegründet. Es befindet sich in einem alten Industriekomplex, das vielen Kreativen und Startups neue Räume zur Entfaltung bietet. Man kennt solche Areale und „Coworkingplaces“ aus Leipzig und Berlin. Das Atelier in Rottweil ist zentraler Arbeits- und Lebensmittelpunkt der Künstlerin, die mit der Ethno Pop Malerei einen neuen künstlerischen Stil entwickelt hat. Ethno Pop Art vermittelt ethnische Themen mit klassischen Stilmitteln der Pop Art und erweitert den Genrebegriff auf eine globale und welt­ anschauliche Ebene. Die Künstlerin ist bekannt für ihre großformatigen Werkserien wie die Peace Collection und ist inzwischen auf Kunstmessen wie der Art Shanghai und Art Karlsruhe vertreten. E t h n o P o p A t e l i e r E v a B u r a m O rd e H e e r s t r. 5 5 , R o t t w e i l w w w . b u ra m o rd e . n e t


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Korrelation und Kongenialität

Der Bildhauer Frank Teufel „ M e i n e A r b e i t i s t Te i l m e i n e r S p ra c h e . S o m i t i s t d i e K u n s t e i n i n t e g ra l e r Te i l v o n m i r.“ FRANK TEUFEL

Die „Materialkörper“ von Frank Teufel entstehen nach dem klassischen Werkprozess von der Skizze, über die sorgfältige Materialauswahl im Steinbruch bis hin zur bildhauerischen Fertigung. Edelste Materialien wie Diabas, Marmor oder Travertin verleihen der Skulptur Anmut und Eleganz. Er nennt seine Werke auch Cut Works – Säge-Werke. Mit einer Säge bearbeitet er den Stein und setzt damit klare Schnitte und Kanten. Geschwungene, emporwachsende oder selbstbezügliche in sich kreisende Formen korrelieren mit glatten Oberflächen, Kanten und Schnitten, die in Wechselwirkung mit dem Raum den Raum selbst durchschneiden – in ihn eindringen und sich ihren Weg bahnen. Die Dekonstruktion des Steines zur Skulptur wird zur Konstruktion einer Neuschöpfung im Raum. Der Ausdruck an Individualität auf der einen und Kongenialität und Korrelation auf der anderen Seite durchziehen den Werkprozess und eröffnen das Spiel der Formen mit­einander und gegeneinander. Es beschreibt dabei keine Ursache-Wirkung-Beziehung – die Ursache des Zusammenspiels oder Zusammenführens beschreibt eine dritte Größe „das Eins aus zwei Formen“. Es beschreibt das sich in Be­ziehung setzen zueinander. Seine sich windenden und umeinander schlingenden Materialkörper aus Stein finali­sieren sich dabei in einem in Harmonie und Formvollendung gesetzten Austausch. Er schafft es jeder seiner Figuren und Skulpturen in ­u nterschiedlichen Bindungsformen ein Gleichgewicht und eine Zeitlosigkeit in ihrer je spezifischen Konstellation ­ein­zuhauchen. Im Fluss der Kongenialität unterstreichen sie das zentrale Thema seines Schaffens – „Beziehung“. Die ­be­sondere Oberflächenstruktur – mal glatt – mal zerfurcht – beschreibt den Prozess des sich Findens, der nicht reibungslos von statten geht und zur imperfekten Perfektion einer realen Zustandsbeschreibung wird. Frank Teufel, „17012“, 2017, portugiesischer Marmor, Höhe 90 cm

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Frank Teufel besuchte nach seiner Lehre als Steinbild­ hauer die Meisterschule für Steinmetze und Steinbildhauer. Daraufhin folgte das Studium in Ulm an der Akademie für Gestaltung. Er arbeitet mit diversen Steinsorten und deren spezifischen E ­ igenschaften. Heute lebt und arbeitet der Künstler in Tuttlingen. Er stellte seine Skulpturen u.a. in der Galerie an der ­P inakothek der Moderne in München, der internationalen Skulp­turen­a usstellung openArt – und in zahlreichen weiteren Einzel­a usstellungen, Galerien und nationalen sowie internationalen Messen aus.


Mut zur Freiheit. Informel aus der Sammlung Anna und Dieter Grässlin im Dialog 16/12/2017 –11/03/2018

Peter Brüning: Ohne Titel, 1960, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Städtische Galerie Karlsruhe Lorenzstraße 27 76135 Karlsruhe www.staedtische-galerie.de


ARTM APP  WINTER 2017/18 — DIE M ASKE


DIE MASKE

Dimit ris Tzamouranis, „N arrenumzug“ (Detail), 2013, Ö l auf Leinwand, 140 x 190 cm, B erliner Privatsammlung, Cour tesy: Galerie Michael H aas

Das Gemälde zeigt Elzacher Narren (Nachtumzug) beim Narrent ag des Viererbunds 2013. Die Narrenzünf t e aus Elzach im Südschwarz wald, Rot t weil, Überlingen am Bodensee und Oberndor f am Neckar haben sich 1963 zum Viererbund zusammengeschlossen. Die vier Zünf t e tref fen sich alle drei bis vier Jahre zu einem großen Narrent ag. Der nächst e Narrent ag findet 2020 in Überlingen st at t.


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Unbekannt, Panzerfahrergesichtsmaske, 1914 –1918, Frankreich, Eisen und Leder, 13 x 15 x 9,5 cm, Courtesy: Sammlung Michael Haas


107 Der Sammler Michael Haas, Berlin

„Vielfalt macht den Reiz aus“ Nicht immer sind Masken als Kunstobjekte ersonnen worden, doch in der Kunst spielen sie seit so langer Zeit eine so große Rolle, dass die Übergänge zwischen Mummenschanz und Skulptur, zwischen Narretei und Performance, zwischen ­Budenzauber und Avantgarde längst nicht mehr klar aus­ zumachen sind. Die bedeutende Privatkollektion des Berliner Galeristen Michael Haas gewinnt diesem ständigen Wech­ selspiel viele faszinierende Aspekte ab. Für ARTMAPP traf Carsten Probst den Sammler zum Gespräch. ARTMAPP: Michael Haas, als Galerist sind Sie bekannt, als Sammler von Masken bislang weniger. Wann und wie sind Sie dazu gekommen? Michael Haas: Da ich aus dem Schwarzwald stamme, dort mit Masken und der Fastnacht aufgewachsen bin, waren und sind sie in meinem Leben eigentlich immer schon präsent. Später ist mir dann die Idee gekommen, das Thema auch in der bildenden Kunst aufzugreifen: Was motiviert Menschen, aus Köpfen Masken zu machen? Warum ziehen Menschen überhaupt Masken auf? Oder wie kann sich der menschliche Kopf verändern, sodass er zu einer Maske wird? Das reicht für mich bis dahin, dass Menschen sich heute im Gesicht operieren ­lassen, etwa um jünger auszusehen, was dann meist nicht gelingt. Das ist doch auch schon maskenhaft! Mit der Zeit sind jedenfalls immer neue Aspekte hinzugekommen, und das Thema wurde für mich immer spannender.

Michael Haas, Foto: Marco Funke, © Galerie Michael Haas

MH: Die Vielfalt der Materialien und Formen macht für mich den Reiz aus, von Wachs bis Stein, Eichenholz bis Bronze, aber auch gezeichnet oder in Öl gemalt. Aber ich würde schon sagen, dass das Prinzip dahinter oft das gleiche ist. Ob sie nach

Venedig gehen, nach Süditalien oder in den Schwarzwald – dieses Verändern einer Person durch eine Maske, die oft die Wahrheit sagt – der Narr sagt ja immer die Wahrheit –, das ist ein Phänomen, das Sie so überall vorfinden. Nennen Sie es das Bedürfnis der Menschen, ihr Äußeres zu verwandeln, um sich zu schützen. Teilweise erzwungen, wenn man zum Beispiel diese Gasmaske nimmt, die ich aus Venedig habe, oder diese Panzerfahrermaske aus dem Ersten Weltkrieg in Frankreich oder Kriegermasken. Andere legen sich Masken freiwillig an, oft mit verschiedenen Bedeutungen, aber immer mit demselben Ziel, die eigene Identität zu verbergen und dadurch irgendetwas sagen oder tun zu können, was man sonst nicht gewagt hätte.

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ARTMAPP: Interessiert Sie daran die Vielfalt, wie verschiedene Kulturen aus völlig unterschiedlichen Gründen Masken verwenden? Oder sehen Sie da etwas Verbindendes?


108 ARTMAPP: Ihre Sammlung reicht zurück bis ins 12. Jahrhundert, alles wirkt sehr heterogen – von altenglischen Skulpturen über Haarmasken einer ägyptischen Künstlerin, der erwähnten ­P anzerfahrermaske bis zu Gemälden und ­Skulpturen. Steckt dahinter eine Systematik? MH: Systematisch und historisch könnte das sicherlich noch viel weiter zurückgehen. Wenn man wie ich viel auf Reisen ist, auf Messen und Märkten, findet man immer wieder Dinge. Wenn ich meine, dass es irgendwie zum Thema passt, greife ich zu. Und man entdeckt dann immer wieder Neues! Zum Beispiel kann man sich ja fragen, ob Mode, wie es etwa auf ­diesem typischen Jahrhundertwende-Gemälde hier zu sehen ist, mit so einem Federhut, nicht auch etwas Maskenhaftes darstellt. Dann wieder finde ich so etwas hier, eine Folter­ maske aus dem 16. Jahrhundert. Oder eine Totenmaske von

Adolph von Menzel, die Arnulf Rainer übermalt hat. James Ensor, klar, der darf bei dem Thema nicht fehlen. Oder hier, die „Leonie“ oder „Die Kupplerin“ von Otto Dix – das sind keine Masken im engen Sinne, aber gemalte oder gezeichnete Gesichter, die zu Masken erstarrt sind. Andererseits fehlen mir auch wich­t ige Bereiche, Masken aus Asien zum Beispiel fände ich sehr interessant. Der Markt dafür ist schwierig, ­genauso bei afri­k anischen Masken, die ja heute oft nur noch für Touristen gemacht werden. Da etwas Echtes und Origi­ näres zu finden, ist schwer, und ich bin kein Experte auf diesen Gebieten. Da bräuchte man dann Gutachter, auch damit es nichts Illegales ist – diesen Aufwand könnte ich schon rein zeitlich gar nicht treiben. ARTMAPP: Film und Video oder Medienkunst allgemein spielen anscheinend keine Rolle in Ihrer Sammlung, obwohl doch das Virtuelle einen ­Maskensammler sehr interessieren müsste? MH: Ja, ich habe als Galerist schwerpunktmäßig mit Malerei und Bildhauerei zu tun, und damit habe ich auch meinen Sammlungsbereich erst einmal eingegrenzt. Keine Frage, man kann es immer weitertreiben. ARTMAPP: Wie groß ist Ihre Sammlung mittlerweile? MH: Ich habe für mich privat einen Katalog zusammengestellt, um selbst einmal einen Überblick zu bekommen. Darin sind allein 129 Masken oder Bilder enthalten, inklusive einiger weniger Exponate von einem weiteren privaten Sammler, Gemälde von Picasso oder Matisse, die könnte ich mir niemals leisten, er würde sie mir aber für eine Ausstellung zur Verfügung stellen. Dieser Katalog ist inzwischen schon etwas älter, also 150 bis 200 Objekte werden es mittlerweile schon sein! ARTMAPP: Sie stellen Ihre Sammlung auch aus? MH: Ja, es war meine Vorstellung, eine Ausstellung in einem Museum zu präsentieren. Dahinter stand immer die Idee, zu zeigen, was der Mensch sich alles einfallen lässt, um sich zu schützen oder zu verwandeln – um zum Beispiel den Winter auszutreiben oder schöner oder hässlicher zu werden. Das hat ganz offensichtlich schon seit Urzeiten eine Bedeutung und ist als Thema meiner Meinung nach heute so aktuell wie eh und je! Da stelle ich mir vor, dass es viele Leute interessiert. Vielleicht zeigen wir die Sammlung einfach einmal zum Gallery Weekend in Berlin in unseren verschiedenen Räumen. ARTMAPP: Michael Haas – vielen Dank für das Gespräch! www. galer iemichaelhaas. de

Süddeutsche Maske, 19. Jahrhundert, Holz, gefasst, 54 x 29 x 19 cm, Courtesy: Sammlung Michael Haas


Magda Krawcewicz, „ITH 01“, 2013, Ton, glasiert, ca. 25 x 33 cm, Courtesy: Sammlung Michael Haas

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111 Ein singuläres Werk: Willi Buchers Lar ven

Wie kommt ein Künstler auf die Idee, das Thema der Larven und Masken aus dem Kontext der schwäbisch-alemannischen Fastnachtstradition zu lösen und daraus ein so autonomes wie originelles Werk zu entwickeln? Willi ­Bucher, gelernter Steinbildhauer, hatte bereits eine Reihe von Holzlarven für die Fastnacht in seiner Heimatstadt Fridingen an der Donau geschnitzt, als er 1974 einen Entwurf für das „Pestmännle“, Hauptdarsteller des Narrenspiels im hohenzollerischen Hechingen, abliefern sollte. Bucher fertigte eine Larve aus Blech: entstellt, einäugig, Furcht einflößend und bedauernswert in einem. Das Gremium, das über den Vorschlag zu befinden hatte, lehnte ihn ab. Diese Blechlarve, die gestalterisch so reduziert ist, ­d abei aus­d rucksvoller kaum sein könnte und für die schwäbisch-alemannische „Fasnetslandschaft“ revolutionär gewesen wäre, führt Willi Bucher als ­Nummer eins in seinem Werkverzeichnis. Das Nein der Auftraggeber war schnell verschmerzt, denn es öffnete den Horizont hin zu weit kühneren Experimenten. Bis heute sind an die 900 Unikate entstanden – das erfordert nicht nur überbordende Fantasie und überragendes Können, sondern auch Disziplin und Durchhaltevermögen. Auch ein Motiv, das spielerisch daherkommt, muss konsequent beackert werden, um ihm immer wieder andere Aspekte, neue Schattierungen abzuringen – und so ein Werk zu schaffen, das im zeitgenössischen Kunstgeschehen selbst eine singuläre Position einnimmt. Tatsächlich ist jede Larve eine originäre Erfindung des Künstlers. Sie ent­stehen spontan, intuitiv, niemals nach realen Vorbildern oder als Porträts. Lindenholz war Willi Bucher seit jeher zu langweilig, weil es sich leicht schnitzen lässt. Er arbeitet fast ausschließlich mit Eiche, die ist widerständig, hart, setzt auch mal Grenzen, die der Bildhauer respektieren muss. Mit den Herausforderungen des Materials geht er virtuos um: Nur äußerst selten misslingt ihm etwas.

Willi Bucher, „Lar venturm“, 1974 –2016, Ausstellungsansicht Forum Kunst Rott weil, 2017

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Physiognomien, Charaktere und Befindlichkeiten


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Willi Bucher, „Lar venturm“, Ausstellungsansicht Forum Kunst Rott weil, 2017

Was inspiriert ihn? Willi Bucher beobachtet gerne Passanten, freut sich über auffällige, von der Norm abweichende Physiognomien. Für Schönheitsideale hat er nichts übrig, dafür ein ausgeprägtes Sensorium für Skurrilität. Ihm fallen Dinge auf, die andere gar nicht erst wahrnehmen oder gef lissentlich übersehen. Die Ausstaffierung seiner Larven zeugt von ­d iesem besonderen Blick auf die Welt – und von einer aus­ geprägten Sammelleidenschaft: Stoff- und Lederfetzen, abgeschrabbelte Pappe, Perlen, Metallteile, Schnüre, feine ­Stickereien, Drähte, Tierzähne, Kappen, Spiralen, verfilzte Wolle, Flaschenverschlüsse, ausgequetschte Tuben, Spitzendeckchen, überfahrene K röten, Bürsten – gebraucht , ausrangiert, kaputtgegangen, zerknittert, verwelkt, zerstört, weggeworfen, verloren. Willi Bucher recycelt alles. Banalste Alltagsrelikte prägen das Erscheinungsbild vieler seiner ­L arven, treiben ihre Expressivität auf die Spitze. Man könnte es Magie nennen. Doch es sind nicht allein die Attribute, die jede dieser Larven einzigartig macht. In den ersten Jahren blieb die Holz­ oberf läche weitgehend naturbelassen, doch bald begann Bucher sie zur Gänze oder teilweise mit Kalk, Leim und Sand


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Alle Fotos: © Forum Kunst Rott weil

zu behandeln oder zu schwärzen. Mit farbigen Papieren, die er auf klebt und wieder abschleift, akzentuiert er die Tiefen­ wirkung und erzeugt Patina. Auch die Formen seiner Larven spielte Willi Bucher in unzähligen Varianten durch. Dabei bleibt das menschliche Gesicht das Maß aller Dinge – gelegentliche Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch innerhalb dieser Vorgabe findet man alles: breit, schmal, f lächig, ­gewölbt, gelängt, spitz auslaufend, asymmetrisch. Mal dominiert die Stirn-, mal die Kinnpartie. Gelegentlich fehlen Ober- oder Unterkiefer. Münder sind verschlossen, dafür klaffen Löcher und Risse an Stellen, wo sie nicht sein dürften. Man mag das lustig finden. Ist es auch. Aber man kann ebenso erschrecken, den eigenen Ängsten und Traurigkeiten begegnen. Die Bucher-Larven spiegeln die ganze Bandbreite menschlicher Physiognomien, Charaktere und Befindlichkeiten, führen gar Verfall und Endlichkeit vor Augen. CL AUDIA SCHNEIDER

w w w . f o r u m k u n s t ro t t w e i l . d e

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Willi Bucher, „Lar ve Nr. 388“, 1992


Kunst verein für M ecklenburg & Vorpommern Schwerin

Madgermanes „Madgermanes“ werden in ihrer Heimat die rund 20.000 Vertragsarbeiter genannt, die Mitte der 1980er-Jahre aus Mosambik in die DDR kamen, wo sie in verschiedenen Betrieben ausgebildet wurden und arbeiten sollten, um anschließend in ihrem Heimatland die Wirtschaft auf­ zubauen. So sah es ein Abkommen zwischen den beiden damaligen sozialistischen Bruderstaaten vor. Doch die DDR-Regierung behielt bis zu 60 Prozent der Arbeitslöhne ein – zur Tilgung von Staatsschulden, die das bitterarme ­südostafrikanische Land, das im 19. Jahrhundert teilweise

auch deutsche Kolonie gewesen war, bei der DDR angesammelt hatte. Den mosambikanischen Vertragsarbeitern war zwar zugesichert worden, das einbehaltene Geld nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat von der dortigen Regierung zurückzuerhalten, die meisten von ihnen aber warten darauf bis heute. Regelmäßig protestieren nach wie vor Madgermanes, die „aus Deutschland Kommenden“, in Mosambiks Hauptstadt M ­ aputo für ihr Recht und machen auch die deutsche ­Re­g ierung für diesen akuten Fall von „sozialistischem Kolonialismus“ verantwortlich.


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Edson Chagas, Plakate, aus der Serie „Tippo Passe“, Am Grünen Tal, Schwerin, Foto: Hans- Georg Gaul

Zu jenen Madgermanes gehört auch Pedro „Dito“ ­Tembe, der zwischen 1985 und 1989 als Vertragsarbeiter in der Lederverarbeitung der DDR gearbeitet hat und heute als Künstler und Fremdenführer in Maputo sein Geld verdient. Tembe war damals mit 400 bis 500 Landsleuten nach S ­ chwerin beordert worden und hatte an die Wand seines A ­ rbeiterwohnheims ein Kampfbild mit einem Motiv aus dem 16-jährigen mosambikanischen Bürgerkrieg gemalt. Im Stil heimischer Tradition zeigt es eine Frau mit Buch und Gewehr, Hommage an die jungen Frauen, die, obwohl oft noch Schülerinnen, auch Kämpferinnen waren. Drei Jahrzehnte später hat Tembe diese Malerei nun noch einmal auf einer Wand im Schweriner Kunstverein wiederholt. Dabei blickt Tembe selbst durchaus versöhnt auf seine vier Jahre in der DDR zurück, die er als Möglichkeit sah, aus dem zerrissenen Mosambik herauszukommen. Er gehört ­heute auch nicht zu den Protestmarschierern von Maputo, aber eben doch zu jenen künstlerischen Zeitzeugen, mit

­ enen das Ausstellungsprojekt des Schweriner Kunstvereins d dieses junge Beispiel deutscher Kolonialgeschichte inmitten der Zeiten von Flüchtlingsdebatten und AfD-Wahlerfolgen beleuchten will. Edson Chagas aus Angola, ebenfalls ein Land, das einst Vertragsarbeiter in die DDR entsandte, hat Porträtfotografien im Schweriner Stadtraum verteilt, auf denen seine Modelle westliche Kleidung und dabei vor ihren Gesichtern traditionelle Bantu-Masken tragen. Gerade neben der Wahlwerbung zur Bundestagswahl wurde Chagas’ Spiel mit den Klischees der öffentlichen Inszenierung von Identität sinnfällig. Zur Geschichte der Madgermanes gehört letztlich, dass sie sich gängigen Identitätszuschreibungen entziehen: Zwischen die Räder der Weltpolitik geraten wie so viele „Verlierer“ nach dem Ende des Sozialismus, wirken sie wie menschliches Treibgut der jüngsten Geschichte, für deren Schicksal sich niemand wirklich verantwortlich fühlt.

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© 2014, Stevenson Galler y, Kapstadt/Johnannesburg


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Edson Chagas, „Diana S. Sakulombo“, aus der Serie „Tippo Passe“, 2014, C- Print, 100 x 80 cm, Auflage 5 + 2 AP, © 2014, Stevenson Galler y, Kapstadt/Johnannesburg

Ein Fotoprojekt von Felix Mula und Simon Gush do­k u­men­ tiert die Infrastruktur der Ausbeutung und Arbeitsmigration, die während der Systemkonfrontation des Kalten Krieges ihre Hinterlassenschaften tief in den afri­kanischen Kontinent eingegraben hat, etwa in den südafrikanischen Kohleminen. Die jahrelangen öffentlichen Proteste der Madgermanes in Ma­ puto wiederum, die von der Filmemacherin Tina Krüger im Video festgehalten wurden, blieben trotz verschiedener Eskalationsstufen bislang erfolglos. Dorthin, in die mosambikanische Hauptstadt, wird das Ausstellungsprojekt im kommenden Frühjahr wandern – dies wird den Madgermanes vor Ort zwar kaum helfen können, doch als Recherche nach einem transnationalen Gedächtnis sowie nach einer transnationalen Verantwortung


abseits von Systemfragen kann es zumindest helfen, die Er­ innerung wachzuhalten. Dass dies nicht von der jüngst zu Ende gegangenen „documenta“ oder gar dem im Auf bau be­ findlichen Berliner Humboldt Forum, sondern vom kleinen Schweriner Kunstverein geleistet wird, der noch bis vor wenigen Jahren über kein eigenes Ausstellungshaus verfügte, ist dabei bemerkenswert genug.

Edson Chagas, „Salvador D. Kimbangu“, aus der Serie „Tippo Passe“, 2014, C- Print, 100 x 80 cm, Auflage 5 + 2 AP, © 2014, Stevenson Galler y, Kapstadt/Johnannesburg

CARSTEN PROBST

Bis 28. Novmber 2017 M a d g e r m a n e s / M y s t e r y o f F o r e i g n A f f a i r s www. k un st ve re in-schwe r in . de

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Bildgewalt_ANZ_181x125_2_Layout 1 24.10.17 15:14 Seite 1

Darstellungen zwischen Wahn & Wirklichkeit 22.10.2017 bis 2.4.2018

Mi - Fr 15 -18 Uhr Sa 13-18 Uhr So +Fei 11-17 Uhr

J U B I L Ä U M S A U S S T E L L U N G des Bauernkriegsmuseums und der Städtischen Galerie in der Zehntscheuer Böblingen Pfarrgasse 2, 71032 Böblingen, Telefon 07031/669-1705, www.boeblingen.de


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I, the World, Things, Life, 2004/16 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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MUSEUM RITTER Alfred-Ritter-Straße 27 71111 Waldenbuch

Reiner Seliger, Ohne Titel, 2004 (Detail) © Künstler

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Technologiepark Tübingen-Reutlingen

TTR Technologiepark Tübingen-Reutlingen Gerhard-Kindler-Straße 13 72770 Reutlingen T +49 (0) 7121 909 79 90 Öffnungszeiten Mo–Fr 9–16 Uhr Sa, So, feiertags geschlossen


„Die Stadt der Türme“

Reisetipp Rottweil Rottweil, eingebettet in die wunderbare Landschaft ­zwischen Schwäbischer Alb und Südschwarzwald, ist ein ­P aradies für Wanderer, aber auch für Kunstinteressierte hat die älteste Stadt Baden-Württembergs viel zu bieten. Marco Schaffert, Kulturamtsleiter der Stadt Rottweil, gibt Tipps, wie man Rottweil und die Region erkunden kann. Das Interview für ARTMAPP führte Chris Gerbing.

Marco Schaffert, Kulturamtsleiter Rott weil

Fotos: Stadt Rott weil

ARTMAPP: Was empfehlen Sie kulturinteres­ sierten Besuchern, die nach Rottweil kommen?

ARTMAPP: Was prägt Rottweil heute mehr, die mittelalterliche Architektur oder die Skulpturen von Erich Hauser? MS: Den besonderen Reiz Rottweils macht genau dieses Spannungsverhältnis aus. Wer hier lebt, der wandelt durch eine lebendige Historie und hat zugleich moderne Kunst ­erster Güte vor Augen. Mit Rottweils großem Stahlplastiker Erich Hauser begann der Auf bruch in die Moderne. Erich Hauser war Begründer des Forums Kunst Rottweil, das seither zeitgenössische Kunst mitten in die historische Kernstadt bringt. Auf der Königstraße wurde eine Kunstmeile angelegt. Hauser lebte und arbeitete viele Jahre in Rottweil und hinterließ im Bereich der ehemaligen Saline ein Parkgelände, das Arbeit sowie Ausstellung vereinte und in der Kunststiftung Erich Hauser fortbesteht. ARTMAPP: Und wie sieht es allgemein mit dem zeitgenössischen Kunstschaffen aus? Was hat die Region da zu bieten? MS: Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und insbe­ sondere die Stadt Rottweil ist das Zuhause einer ganzen Reihe von Künstlern. Jede größere Stadt in der Region hat ihren

­e igenen Ort für aktuelle Kunst. Wer hier Kunst erleben ­ öchte, kann gut vernetzt unterwegs sein. Zudem sind die m Großstädte Stuttgart, Zürich und Freiburg im Breisgau in ­einer Stunde Fahrt erreichbar. ARTMAPP: Rottweil ist bekannt geworden als Hochburg der schwäbisch-alemannischen „Fasnet“. Nun wandelt sich die Region immer mehr zur Kunstdestination. Können Sie Veränderungen auch bezüglich des Publikums feststellen, das nach Rottweil kommt? MS: Schon die gotischen und barocken Kirchen Rottweils ­ aren Orte, an denen Kunst erlebbar war. Der Auf bruch hin w zur Kunst der Moderne war da eine logische Weiterentwicklung. Jetzt kommt eine weitere Ausprägung hinzu: Technik und Architektur werden verstärkt und ganz offensichtlich Teil u ­ nserer Kultur. Der neue Testturm von thyssenkrupp der ­A rchitekten Helmut Jahn und Werner Sobek ist ein Industriegebäude, das insbesondere durch die gedrehte Membran vom ­rohen Betonturm zum Kunstwerk wurde. Das Gebäude zieht architekturinteressierte Besucher in die Stadt, die sicherlich auch unser breites Kulturangebot zu schätzen wissen. ARTMAPP: Haben Sie noch einen ganz ­persön­lichen Tipp, was man keinesfalls in Rottweil v ­ erpassen sollte? MS: Aktuell die Ausstellung „TurmBau I + II“, die an gleich zwei Orten besichtigt werden kann: bis zum 26. November auf Deutschlands höchster Aussichtsplattform auf 232 Metern Höhe im Testturm von thyssenkrupp und bis zum 18. Februar 2018 im Dominikanermuseum. ARTMAPP: Marco Schaffert – vielen Dank für das Gespräch! w w w . ro t t w e i l . d e

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Marco Schaffert: Der Narrensprung ist sicherlich unser ­bekanntester kultureller Botschafter. Rottweil hat aber das ganze Jahr über eine Fülle an Veranstaltungen zu bieten: das Jazzfest, das Musikfestival „Sommersprossen“, der ­„ Fe­r ienzauber“ mit Pop, Rock und Kabarett, die Klassikreihe „Dreiklang“ und die Reihe „Jazz im Refektorium“. Zudem ist mit dem Zimmertheater ein professionelles Theater vor Ort. Zeitgenössische Kunst kann man im Forum Kunst Rottweil, auf dem Skulpturenfeld „Kunstdünger“, im weitläufigen ­Gelände der Kunststiftung Erich Hauser oder im „kunst raum rottweil – museum der gegenwart“ im Dominikanermuseum erleben. Die Museumslandschaft in Rottweil bietet darüber hinaus interessante Einblicke in die Geschichte der Stadt, von der Antike bis zur industriellen Revolution.


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Appetizer R e i se t ipps z u K un s t und K ult ur von B et t ina Götz und Nina C zayka tour ist @ar t mapp. net

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H i s t o r i s c h, m o d e r n, f r ä n k i s c h

B u r g a n­l a g e n N o r d w e s t -

u n d a u s a l l e r We l t : K r i p p e n

d e u t s c h l a n d s, z i e h t B e s u c h e r

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m a g i s c h a n. Zw i s c h e n We h r-

geschmückten Bamberg eine

Gurlit t Es fing als bizarrer Kriminal -

g ä n g e n, P u l v e r t u r m, A l c h i m i s -

l a n g e Tr a d i t i o n, d i e b i s z u m

tenküche und Prunkräumen

B e g i n n d e s 17. J a h r h u n d e r t s

fall an und erregte welt weites

w i r d d i e We l t d e s M i t t e l a l t e r s

z u r ü c k r e i c h t. B u m m e l n S i e

A u f s e h e n: 2012 w u r d e n i n d e r

August Macke, „Im Schlossgarten von Oberhofen“, 1914, Aquarell auf Papier, Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014, © Kunstmuseum Bern

Chemnit z Kunst g enuss

l e b e n d i g. G l e i c h u n t e r h a l b

­e n t s p a n n t v o n e i n e r K r i p p e

Wo h n u n g v o n C o r n e l i u s G u r-

der Burg zeigt das Sand -

zur nächsten Krippe in Mu ­

l i t t m e h r a l s 1.0 0 0 We r ke,

stein - Museum was es mit dem

s e e n, K i r c h e n u n d a u f ö f f e n t ­

d a r u n t e r A r b e i t e n v o n P i c a s s o,

l i c h e n P l ä t z e n. D a b e i h i l f t

C éz a n n e u n d Ch a g a l l, v o r ü -

h a t. B a d B e n t ­h e i m b i e t e t n i c h t

e i n e ko s t e n l o s e B r o s c h ü r e

b e r g e h e n d b e s c h l a g n a h m t.

d e 1989/9 0 n o c h g r a u e Fa s -

nur interessante Museen und

mit Informationen zu allen

N a c h d e m To d G u r l i t t s t r a t

saden das Stadtbild b e s t i m m t e n, b i l d e n h e u t e h i s -

„ B e n t h e i m e r G o l d“ a u f s i c h

Wo v o r d e r p o l i t i s c h e n We n -

v i e l e k u l t u r e l l e A n g e b o t e,

36 K r i p p e n s t a t i o n e n.

d a s Ku n s t m u s e u m B e r n d a s

­s o n d e r n a u c h E r h o l u n g i n

­G e n i e ß e n S i e d i e s t i m m u n g s -

u m s t r i t t e n e E r b e a n, d a s n u n

t o r i s c h e G e b ä u d e, m o d e r n e

w e i t l ä u f i g e n Pa r k l a n d s c h a f t e n

volle Atmosphäre auf den

zum ersten Mal in z wei zeit -

A r c h i t e k t u r, o r i g i n e l l e

u n d h e r r ­l i c h e r N a t u r. S e i n e n

We i h n a c h t s m ä r k t e n d e r

gleichen Sonderausstellungen

G e s c h ä f t e u n d Re s t a u r a n t s e i n

Ru f a l s Ku r s t a d t v e r d a n k t B a d

­D o m s t a d t. D a s A r r a n g e m e n t

B e n t ­h e i m s e i n e n t r a d i t i o n s ­

„W i n t e r r e i s e i n d i e K r i p p e n -

„Bestandsaufnahme Gurlit t“ in

l e b e n d i g e s Z e n t r u m. M i t t e n -

Bern und Bonn präsentier t

drin befindet sich das „Hotel a n d e r O p e r Ch e m n i t z “, d a s

r e i c h e n H e i l q u e l l e n.

s t a d t “ u m f a s s t u. a. z w e i

w i r d. I m B e r n e r Ku n s t m u s e u m

I n T h e r m e n u n d B ä d e r n ko m m t

Ü b e r n a c h t u n g e n m i t Fr ü h s t ü c k ,

i s t d i e S c h a u n o c h b i s 4 .3.18

f ü r Ku n s t - u n d Ku l t u r l i e b h a b e r

auch der Badespaß nicht zu

e i n 3 - g ä n g i g e s A d v e n t s - M e n ü,

z u s e h e n. A m 18.3.18 l o c k t

at traktive Arrangements

kurz.

die BA MBERGcard mit Stadt -

ein weiteres kulturelles High -

b e r e i t h ä l t. Ve r b r i n g e n S i e

und Krippenführung sowie

light Besucher in die Stadt:

z w e i e n t s p a n n t e Ta g e i n

M u s e u m s b e s u c h e n.

D i e „ M u s e u m s n a c h t B e r n“ m i t

Ch e m n i t z u n d l e r n e n S i e i m

B u c h b a r v o m 2.12.17 – 6.1.18

ihrem abwechslungsreichen

Museum Gunzenhauser eine

P r o g r a m m. I n f o r m a t i o n e n z u

der größten privaten Samm -

w w w.b a d b e n t h e im.d e

w w w.b a m b e rg.inf o

d e n Ve r a n s t a l t u n g e n u n d

lungen der Klassischen

Ü b e r n a c h t u n g s m ö g l i c h ke i t e n

M o d e r n e ke n n e n. O d e r i n t e r-

finden Sie unter:

essieren Sie sich mehr für einen Galerienrundgang und

w w w.b e r n.c o m

O p e r n b e s u c h? I n f o r m a t i o n e n

w w w. M ySw it z e r l a n d.c o m

zu den Arrangements mit jeweils z wei Übernachtungen i n k l u s i v e r e i c h h a l t i g e m Fr ü h stücksbüf fet finden Sie unter w w w.h o t e l o p e r- c h e m nit z.d e

Burg Bentheim, Foto: Touristinformation Bad Bentheim


123 Donau­ esching en Dr esd en

Die Q uelle

Vor fr eud e

und mehr

im Ad vent D o n a u e s c h i n g e n a l s Re s i d e n z s t a d t a m Ra n d e d e s D i e Ku n s t - u n d Ku l t u r s t a d t

S c hw a r z w a l d e s h a t V i e l e s z u

D r e s d e n i s t i m m e r e i n e Re i s e

b i e t e n. Zw e i f e l s o h n e i s t d i e

w e r t. D o c h z u r We i h n a c h t s -

w e l t b e ka n n t e D o n a u q u e l l e

zeit ist die Elbmetropole ein

das Ausflugsziel für Besucher

g a n z b e s o n d e r e s E r l e b n i s,

aus nah und fern und ein

w e n n d e r ä l t e s t e We i h n a c h t s -

Muss für jeden Donaulieb ­

m a r k t D e u t s c h l a n d s, d e r

h a b e r. D i e w e i t e r e n B e s o n -

­S t r i ez e l m a r k t, a m 29.11.

derheiten der Stadt wie die

­s e i n e To r e ö f f n e t. S e i n e n

farbenfrohen Jugendstil ­

Namen verdankt er dem

gebäude oder der neu gestal-

D r e s d n e r Ch r i s t s t o l l e n,

t e t e Re s i d e n z b e r e i c h kö n n e n

­S t r i ez e l g e n a n n t, d e r s e i t

bei einer der vielfältigen

d e m 16. J a h r h u n d e r t a u f d e m

Erlebnisführungen erkundet

We i h n a c h t s m a r k t v e r ka u f t

w e r d e n. G e n i e ß e n S i e a u s g e -

w i r d. „Vo r f r e u d e i m A d v e n t “

dehnte Spaziergänge durch

Foto: Tobias Raphael Ackermann

n e n n t d a s „ B ü l o w Pa l a i s“ i n

den idyllischen Schlosspark

© Stadt Donaueschingen

­D r e s d e n s B a r o c k v i e r t e l s e i n

und besichtigen Sie das

S a i s o n - S p e c i a l. D a s A n g e b o t

S c h l o s s d e s H a u s e s Fü r s t e n -

enthält z wei Übernachtungen

b e r g b e i e i n e r g e f ü h r t e n To u r.

inklusive Gourmet frühstück,

Beliebt ist außerdem die

A f t e r n o o n Te a u n d e i n

u n t e r h a l t s a m e Fü h r u n g d u r c h

­f e s t­l i c h e s Fü n f - G ä n g e - M e n ü

d i e Fü r s t e n b e r g B r a u e r e i m i t

im Sternenrestaurant

a n s c h l i e ß e n d e r Ve r ko s t u n g

­„C a r o u s s e l“. B u c h b a r ­z w i s c h e n 1. – 23.12.17

oder ein Besuch der zahl ­

Blick auf die Donauquelle,

Innsbruck Ski & Cit y

r e i c h e n M u s e e n.

M a r i a - T h e r e s i e n - S t r a ß e, I n n s -

w w w.b u e l ow - p a l ais.d e

w w w.d o n a u e s c hin g e n.d e

I n n s b r u c k f ü r Ku l t u r- S k i - Ko m -

prächtigen Barockbauten und

binierer: Nirgendwo sonst

s c h ö n e n G e s c h ä f t e n a n. I n n s -

liegen weltberühmte Sehens -

b r u c k To u r i s m u s b i e t e t m e h r e -

w ü r d i g ke i t e n u n d a b w e c h s -

r e Pa c ka g e s z w i s c h e n e i n e r

lungsreiche Skipisten so nahe

bis drei Übernachtungen mit

b e i e i n a n d e r. B e s u c h e n S i e

Fr ü h s t ü c k o d e r i n k l u s i v e H a l b -

die 800 Jahre alte Innsbru -

p e n s i o n a n, e i n e n S k i p a s s

c ke r A l t s t a d t m i t G o l d e n e m

n a c h Wa h l f ü r e i n e s v o n f ü n f

D a c h l, ka i s e r l i c h e r H o f b u r g,

Skigebieten sowie einen

Hofkirche oder die moderne

­G r a t i s S k i b u s - S e r v i c e.

Bergiselschanze von Zaha

­B u c h b a r v o m 7.1. – 2. 4 . 2018

H a d i d. Z u m Fl a n i e r e n u n d Ei n ka u f e n b i e t e t s i c h d i e

w w w.in ns b r u c k.inf o

Skifahrer im Grand Hotel Europa © innsbrucktourismus / Christian Vorhofer

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — A P P E T I Z E R

b r u c k s P r a c h t s t r a ß e, m i t i h r e n


124 Lübe ck Kul t ur ­

Luzern

moment e

L ozärner ­F asnacht

We r d e n k t b e i L ü b e c k n i c h t z u e r s t a n M a r z i p a n, T h o m a s M a n n u n d H o l s t e n t o r? O d e r

Bernhard Spahn, „Blick auf Schiodegg“, 1997, Öl auf Hartfaser, Foto: Isny Marketing GmbH

Isny Bernhard S pahn im ­A llg äu

Karlsruhe Cézanne in Karlsruhe

D i e L uz e r n e r Fa s n a c h t n i m m t

U N ES CO -We l t k u l t u r e r b e ? Vo r

u n t e r d e m t r a d i t i o n e l l e n Fa s -

30 Jahren wurde Lübeck die -

n a c h t s b r a u c h t u m d e r I n n e r-

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s c hw e i z e i n e b e s o n d e r e

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S t e l l u n g e i n. Z u d e m i s t s i e

e r h a l t e n d e s h a l b a l l e, d i e

n e b e n d e r B a s l e r Fa s n a c h t

1987 g e b o r e n w u r d e n, 2017

eine der größten und faszinie -

f r e i e n Ei n t r i t t i n d i e L ü b e c ke r

r e n d s t e n Ve r a n s t a l t u n g e n d i e -

M u s e e n. A l l e n a n d e r e n e m p -

s e r A r t i n d e r S c hw e i z . We n n

f e h l e n w i r d a s Pa u s c h a l a n g e -

am schmutzigen Donnerstag

b o t „ L ü b e c k . Ku l t u r m o m e n t e“

um fünf Uhr mit dem Urknall

v o n L ü b e c k To u r i s m u s . Fr e u e n

d i e Fa s n a c h t b e g i n n t, z i e h e n

S i e s i c h u. a. a u f d e n B e s u c h

skurrile Gestalten mit fantasie -

d e s M u s e u m s q u a r t i e r s S t.

v o l l e n M a s ke n u n d Ko s t ü m e n

A n n e n u n d d e s Eu r o p ä i s c h e n

d u r c h d i e G a s s e n d e r A l t s t a d t.

H a n s e m u s e u m s, e i n „ 7- T ü r-

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D a s A l l g ä u i s t L a n d s c h a f t.

e i n e n N i e d e r e g g e r- M a r z i p a n -

a m 8. 2. u n d d a u e r t b i s

B e r n h a r d S p a h n, d e r s e i t d e n

taler und z wei Übernachtun -

13. 2.18 H ö h e p u n k t e s i n d d i e

196 0 e r- J a h r e n i m Vo r a l p e n -

D i e Ku l t u r m e t r o p o l e Ka r l s r u h e

g e n i n k l u s i v e Fr ü h s t ü c k a b

d r e i g r o ß e n U m z ü g e: D e r Fr i t -

l a n d l e b t e, b a n n t e B e r g e u n d

war tet ein weiteres Mal mit

155 Eu r o p r o Pe r s o n i m

schiumzug am schmutzigen

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Von der Heydt- Museum, Wuppertal


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© Murten Lichtfestival, Carim Jost

telalterliche Mur ten im S c hw e i z e r Ka n t o n Fr e i b u r g i n e i n e s p e k t a k u l ä r e We l t a u s L i c h t u n d K l a n g. Wä h r e n d z w ö l f Ta g e l a s s e n z a h l r e i c h e Lichtanimationen regionaler u n d i n t e r n a t i o n a l e r Kü n s t l e r die Altstadt und die Umge b u n g M u r t e n s e r s t r a h l e n.

Re g ensbur g

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Ant ike,

I n s z e n i e r u n g e n v o n S t r a ß e n, G e b ä u d e n, u n d A l t s t a d t t ü rmen bestaunen und am Ufer

Abende im Spa des „Strand hotels Dünenmeer“ oder des „ S t r a n d h o t e l s Fi s c h l a n d“. I n

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e i n e m Kü s t e nw a l d d i r e k t a m

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­R omant ik und

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Ostseebad Dierhagen: Abendstimmung am Strand © Strandhotel- Ostsee.de

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — A P P E T I Z E R

Abend die künstlerischen


An exponierter Lage oberhalb des Schweizer Bodenseeufers wird in drei unterirdisch angelegten Ausstellungsräumlichkeiten – ein umgenutztes Wasserreservoir, ein Zivilschutzbunker und ein militärischer Unterstand – ein konzentrierter Einblick in internationale Gegenwartskunst geboten.

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Wiedereröf fnung der M odernen Galerie des Saarlandmuseums

„Richtig Meter machen“ A m 1 8 . N o v e m b e r 2 0 1 7 e rö f f n e t d i e M o d e r n e G a l e r i e d e s S a a r l a n d m u s e u m s n a c h a n d e r t h a l b J a h r e n S c h l i e ß u n g m i t e i n e m n e u e n A n b a u . F ü r A R T M A P P s p ra c h ­B ü l e n t G ü n d ü z m i t ­M u s e u m s l e i t e r R o l a n d M ö n i g ( * 1 9 6 5 ) ü b e r G l ü c k s g e f ü h l e , n e u e C h a n c e n u n d d a s g rö ß t e K u n s t w e r k E u ro p a s .


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Außenaufnahme Moderne Galerie, Foto: Oliver Dietze © Michael Riedel

ARTMAPP: Aber es war ja ungewiss, was aus dem Museum werden würde.

Roland Mönig: Mir war klar, dass es harte Arbeit und wo­ möglich schwierig werden würde. Einen Großteil der Herausforderungen konnte ich mir gut vorstellen, hatte ich doch Bauerfahrung durch die verantwortliche Mitwirkung an der letzten Ausbauphase des Museums Kurhaus Kleve sammeln können. Aus der Distanz hatte ich verfolgt, was in Saarbrücken gelaufen war. Ich kenne die Moderne Galerie des Saarlandmuseums seit über 30 Jahren, habe das Museum immer geschätzt und geliebt für seine Sammlung. Das war meine Motivation.

ARTMAPP: Hatten Sie Zweifel, dass das gelingen kann? RM: Nein. Ich war einmal inkognito bei einer Baustellen­ führung im Rohbau dabei und habe sofort gespürt, dass diese Architektur wunderbar funktionieren kann. Schöneckers ­P avillon-Ensemble der 1960er- und 1970er-Jahre ist ein Klassiker der Museumsarchitektur. Aber er kann viele Dinge nicht leisten, die man heute von einem Museum erwartet – unter anderem, deutlich in der Stadt sichtbar zu sein. Mit dem Erweiterungsbau gewinnen wir nicht nur neue Räume, sondern auch eine größere architektonische Präsenz. Jetzt ist das Haus als markante Setzung weithin sichtbar und bildet mit Staatstheater und Musikhochschule eine städtebauliche Achse. Bei der Begehung der Ausstellungssäle hatte ich aber das Gefühl, dass man da noch etwas verbessern könnte.

GAR A A RUBBRÜÜNCDKEEN A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — S N

ARTMAPP: Sie sind 2013 an das Saarlandmuseum gekommen in einer Zeit, als das Haus wegen des neuen Anbaus in den Schlagzeilen war. Es gab einen Baustopp wegen Planungsfehlern. Vorwürfe wegen Untreue und Vorteilsnahme hatten zur Entlassung ihres Vorgängers geführt und es war absehbar, dass die Kosten für das Projekt enorm steigen würden. Warum haben Sie sich das angetan und sind vom Museum Kurhaus Kleve an das ­Saarlandmuseum gewechselt?

RM: Ich möchte nichts beschönigen, aber ich habe nie verstanden, warum manche zu glauben schienen, ein Museum von dieser Qualität sei kaum noch zu retten, weil es aufgrund von einzelnen Fehlentscheidungen in eine Schieflage geraten war. Das fand ich schade. Die Menschen hier hatten nur noch die Skandale und die Kosten im Blick. Das war vielleicht die größte Herausforderung, denn ein Museum muss vor Ort funktionieren. Da sind die Bürger, die Künstlerschaft und ­Institutionen, mit denen man im Verbund steht. Diese Verankerung vor Ort war gebrochen. Natürlich möchte ich auch Menschen von außerhalb ins Saarland locken, aber in erster ­L inie interessiert mich, was hier geschieht. Wenn das Museum und sein Konzept im Saarland funktionieren, wird das auch überregionale Strahlkraft entwickeln.


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Installationsansicht: Pae White, Arbeit in situ, 2017, Courtesy: Pae White, neugerriemschneider Berlin, Foto: Iris Maurer, © Pae White 2017


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ARTMAPP: Nämlich? RM: Ein Fehler in der ursprünglichen Ausschreibung für die Erweiterung war die gedankliche Trennung von Bestandsund Neubau. Außerdem sollte der Neubau den Eingang für das gesamte Museum enthalten. Ich habe das anders gesehen, genau wie das Büro Kuehn Malvezzi, die das Projekt 2013 übernommen hatten. Die Architekten kamen auf die Idee, den alten Haupteingang zu reaktivieren und das Ensemble so wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Damit war klar, dass wir im Erdgeschoss einiges verändern mussten. Es konnte ein durchlaufender Parcours über vier Geschosse mit unterschiedlich großen Sälen geschaffen werden. Das war wichtig, weil ein Museum nur so stark ist wie seine Räume, die der Kunst ­d ienen müssen. Ein Vorteil dieser Lösung ist die ideale ­Verzahnung von Alt- und Neubau. Das einstige Foyer wurde wieder zum Z ­ entrum des Museums. Die Gebäudef lügel ­stehen nun gleichberechtigt nebeneinander und jeder Raum kann seine Stärken ausspielen.

ARTMAPP: Auch die im ursprünglichen Entwurf vorgesehene gläserne Außenfassade konnte ­aufgrund von unvorhergesehenen ­Kosten­steigerungen nicht realisiert werden. Was wurde dort verändert? RM: Der Kubus wurde durch die Gegenüberstellung von Rauputz und vorgesetzten Werksteinplatten aufgelockert. Große Fenster verbinden Innen und Außen. Die Werksteinplatten gehören zu einem Kunstwerk von Michael Riedel, das eine Landtagsdebatte vom April 2015 über das Bauprojekt in ein grafisches Muster verwandelt. Es wurde uns zunächst vorgeworfen, wir wollten nun die Rechtfertigungsreden der Politiker auf die Museumsfassade drucken. Tatsächlich aber verwandeln sich Text und Buchstaben in ein grafisches Kontinuum. Der Schriftteppich verdichtet und öffnet sich, trägt einen Rhythmus auf die Flächen und erzeugt Kurzschlüsse zwischen nicht zusammenhängenden Textteilen. Riedels Werk ist so vielschichtig lesbar und interpretierbar. Da gibt es auch verrückte Stellen, wo neuer Sinn entsteht. Schon von Weitem tritt das Wort „Museum“ groß hervor und markiert das Gebäude. Die Verschmelzung von Kunstwerk und Architektur ist im internationalen Museumsbau einmalig. Sie definiert den Ort und spiegelt seine Geschichte. Außerdem ist es mit seinen 4.000 Quadratmetern Fläche wohl das größte Kunstwerk Europas. Mit bescheidenen Mitteln haben wir so etwas Unverwechselbares geschaffen. ARTMAPP: Welche Rückmeldungen gab es bei der Leereröffnung im Juni von den Besuchern? RM: An den beiden Öffnungstagen kamen 3.000 Menschen. Nicht etwa, dass alle kritiklos begeistert waren. Aber die Leute haben gemerkt, dass das Konzept funktionieren wird. Die ­offene Decke mit Elektro- und Klimatechnik sorgte immer wieder für Nachfragen. Das war für uns eine ökonomische ­L ösung und zugleich eine funktionale, weil man mit dieser Decke viel leichter umgehen kann, wenn man zeitgenössische Kunst zeigen will. ARTMAPP: Was wird zukünftig im Anbau gezeigt? RM: Mit dem Anbau gewinnen wir 50 Prozent Ausstellungsfläche hinzu. Wir werden in den kommenden Jahren sehen, welche Möglichkeiten uns das eröffnet. Insgesamt streben wir eine größere Dynamik an. Die Standorte von Sammlung und Sonderausstellungen werden immer mal wieder neu ausgehandelt werden. Im Altbau werden wir anfangs vor allem die

Roland Mönig, Foto: Iris Maurer


Außenaufnahme Moderne Galerie, © Michael Riedel Foto: Hans- Christian Schink, © Hans- Christian Schink

Klassische Moderne und im Neubau Werke der zeitgenössischen Kunst präsentieren, die wir bisher schon aufgrund der Größe kaum zeigen konnten. Jetzt können wir richtig Meter machen und zeigen, was das Museum als Ganzes kann. Deshalb wollte ich auch Pae White zeigen. ARTMAPP: Die US-Amerikanerin wird das Haus mit zwei raumgreifenden Installationen eröffnen. Wie sind Sie auf Pae White gekommen? RM: Ich habe Whites Schaffen über viele Jahre verfolgt und finde sie so faszinierend, weil sie sich verrückte Dinge traut. Sie kann Räume zum Pulsieren bringen. Mit dem mehr­ge­ schossigen Atrium des Neubaus konnten wir den perfekten Raum für ihre Kunst stellen. Er bietet viele verschiedene ­P erspektiven auf Whites Installation, weil man aus den ­Obergeschossen immer wieder aus anderen Blickwinkeln ­hineinschauen kann. ARTMAPP: Warum gibt es keine Eröffnungs­ ausstellung mit ganz großen Namen? RM: Wir wollen die Identität des Museums in den Vordergrund stellen, und das macht man am besten mit der eigenen Sammlung. Uns ist es wichtig, den Menschen zu zeigen, was dieses Museum ausmacht. Ich wollte aber auch eine Marke ­setzen, die das Museum unverwechselbar macht. Picasso und Matisse können Sie überall zeigen. Das Werk von Pae White hingegen ist etwas Einmaliges, das Sie so an keinem anderen Ort erleben können. In der zweiten Jahreshälfte 2018 werden wir dann mit „Max Slevogt und Frankreich“ ein populäres Thema zeigen.

RM: Es ist populär geworden, Museen an ihren Besucher­ zahlen zu messen. Natürlich möchte ich so viele Menschen wie möglich anlocken. Wirklich glücklich würde mich aber machen, wenn die Menschen vor Ort sich wieder stärker mit diesem Haus und seinem Bestand identifizieren. ARTMAPP: Roland Mönig – vielen Dank für das Gespräch!

18. November 2017 bis 18. März 2018 Pae White 18. November 2017 bis 3. Juni 2018 Michael R iedel Saarlandmuseum, Moder ne Galer ie www. saarlandmuseum. de

GAR A A RUBBRÜÜNCDKEEN A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — S N

ARTMAPP: Was sollte bis zum Ende des ersten Ausstellungsjahres passiert sein, damit Sie ­zufrieden sind?


Helga Grif fiths in der Stadtgalerie Saarbrücken

Helga Griffiths, „Turbulent Souvenirs / Memories“, 2002–2017, Multi-Sense - Installation, Foto: Anton Minayev

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Alle Sensoren auf Empfang


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Helga Griffiths erwischt uns da, wo wir ganz Mensch sind. Wer ihre Rauminstallationen mit Licht, Video, Sound und Duft betritt, ist auf die eigenen Sinneswahrnehmungen zurückgeworfen: Hier ist sehen, hören und riechen angesagt! Aber auch, wenn man diese multimedialen und -sensuellen Installationen nur über die Empfindungen erfassen kann, ist ihre elementare Grundlage die naturwissenschaftliche ­F orschung. Seit mehr als 20 Jahren lotet die 1959 geborene Helga Griffiths die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung aus – überschreitet sie womöglich? Ihre raumgreifenden Installationen bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Mensch und Umwelt. In ihnen überkreuzen sich Kunst, Wissenschaft und Technologie, und eine besondere Rolle spielen dabei Düfte. „Out-SIGHT-In“ heißt ein zweiteiliges Projekt, das Griffiths 2002 für ihre Ausstellung im Palais de Tokyo in Paris konzipiert hat. Der erste Teil war ein Spaziergang mit der blinden Laurence Jamet durch Paris, bei dem diese einer Gruppe von Sehenden, die spezielle Augenmasken trugen, von ihren inneren Bildern berichtete. Gleichzeitig machte sie Fotografien, indem sie die Kamera in Richtung von Geruchseindrücken auslöste und damit ihre olfaktorische Wahrnehmung visualisierte. Im zweiten Teil, der auch in Saarbrücken gezeigt wird, werden diese Fotografien einer Reihe von Metallkästen

gegenübergestellt, aus deren perforierten Oberflächen Licht und Gerüche strömen. Die ausgestanzten Löcher markieren gleichsam wie Brailleschrift (Blindenschrift) den jeweils zurückgelegten Weg, während die vom Parfümeur Karl-Heinz Bork nach den Beschreibungen komponierten Gerüche, etwa von Asphalt oder Linden, die olfaktorische Essenz des Spaziergangs vermitteln. Im von Helga Griffiths installierten Erlebnisraum ergibt das eine beinahe synästhetische Wahrnehmung der Welt. In der poetischen Multi-Sense-Installation „Turbulent Souvenirs / Memories“ hängen Abertausende von Duftprobenstreifen von der Decke und bilden einen spiralförmigen Gang. Eine Wand des Raumes ist mit Spiegeln verkleidet, auf der gegenüberliegenden Seite sind Lautsprecher angebracht, aus denen Stimmen in verschiedenen Sprachen von Geruchs­ erinnerungen berichten. Es ist dunkel im Raum, Schwarzlicht taucht die Duftstreifen in leuchtendes Blau, endlos vervielfältigt in der Spiegelwand verströmen sie im leichten Luftzug der Bewegungen im Raum Jacques Guerlains Duft „L’Heure Bleue“. Guerlain wollte mit seinem 1912 kreierten Klassiker

Helga Griffiths, „Migrator y Sense“, 2017, Lichtinstallation, Foto: Anton Minayev


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GAR A A RUBBRÜÜNCDKEEN A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — S N

Helga Griffiths, „Odyssey“, 2017, Lichtinstallation, Foto: Anton Minayev, Saarbrücken


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das melancholische Gefühl des schwebenden Augenblicks zwischen Tag und Nacht einfangen. Dazu inspiriert hatte ihn ein Spaziergang zur „blauen Stunde“ entlang der Seine. Beim Durchschreiten der Spirale scheint sich der Raum komplett aufzulösen. Nur noch diese endlosen blauen Teilchen, der Duft und das Stimmengewirr umfangen den Besucher. Man ist in einer Art Schwebezustand. Alle Sinne sind hellwach, die Wahrnehmung ist für feinste Nuancen geschärft. Alle Sensoren stehen auf Empfang. Unsere sinnlichen Erfahrungen nehmen wir meist über das Sehen und Hören wahr und doch funktioniert nichts so schnell wie die Verbindung von Geruchssinn und Gefühl. Bis heute ist es zwar nicht möglich, olfaktorische Eindrücke a­ ufzuzeichnen, aber Gerüche können sehr komplexe Erinnerungen hervorrufen. Und Erinnerungen sind das, was bleibt, etwa wenn man die Heimat verlassen musste. Im Ersten Weltkrieg schickte Guerlain „L’Heure Bleue“ an seine Freunde im Feld, um ihnen ein Stück Heimat zu senden. Helga Griffiths hat in der Installation „Migratory Sense“ die olfaktorischen Erinnerungen des gef lohenen Mohammad Ghassan Arksousi an Damaskus gebannt. Eine von innen ­beleuchtete und perforierte Metallkugel verströmt den Duft seiner Heimat.

Auch Odysseus war einer, der seine Heimat für lange Zeit ­verlassen hat. In der Videoinstallation „Odyssey“ durchwogt eine Art Spruchband den lang gestreckten Raum. Meeresbrandung tönt aus den Lautsprechern und über das Band, die Wände ­sowie die Besucher projiziert bewegen sich Wörter und Buchstaben wie Treibgut im f lachen Wasser. Es sind Fragmente aus Homers „Odyssee“, aus der am Ende dieser Woge in einer kreisförmigen Videoprojektion der Schauspieler Oliver ­Powell, überblendet von Meeresbildern, rezitiert. Geschichte und Geschichten werden weitergegeben, sie schreiben sich in uns ein, werden Teil unserer Erinnerung, in der sich visuelle, akustische, haptische, gustatorische und olfaktorische Wahrnehmungen überlagern. „Crossing“ ist der Titel von Helga Griffiths’ Ausstellung in der Stadtgalerie Saarbrücken, in der insgesamt sieben Installationen zu erleben sind. Andrea Jahn präsentiert damit hier die erste große Einzelausstellung von Helga Griffiths in Deutschland. KIM BEHM

Bis 1 4 . Januar 2018 H e l g a G r i f f i t h s . C ro s s i n g www. stadtgaler ie-saarbr uecken. de

Helga Griffiths, „Brainscape“, Installationsansicht Kunsthalle Darmstadt, 2017, Foto: Gregor Schuster

Die Videoaufnahmen basieren auf Computertomografien von Griffiths’ Gehirn, die mit Unterstützung des Max- Planck- Instituts für H ­ irnforschung in Frankfurt am Main erstellt wurden. Es ist eine persönliche Reise in die kartografische Körperlandschaft der eigenen Identität.


Bernd Zimmer Out of this world 9. November – 21. Dezember

galerie-neuheisel.de


140 Bernd Zimmer: „Out of this World“

Ein subjektiver Blick auf die Welt A l s M i t g l i e d d e r „ N e u e n W i l d e n“ g e l a n g t e B e r n d Z i m m e r z u We l t r u h m . Die Saarbr ücker Galer ie Neuheisel beweist mit ak t uellen Arbeiten, d a s s d e r K ü n s t l e r s e i n e K ra f t n i c h t e i n g e b ü ß t h a t .

Bernd Zimmer, Foto: Roger Fritz


141

Bernd Zimmer, Ohne Titel (Kosmos V), 2017, Acr yl auf Leinwand, 190 x 260 cm

Bekannt wurde Bernd Zimmer Anfang der 1980er-Jahre als Mitglied der „Neuen Wilden“. Von der einst „heftigen Malerei“ ist aber wenig geblieben. Zimmers Arbeiten aus der Anfangszeit sind rau und in wildem Gestus auf die Leinwand gebracht. Wuchtige schwarze Linien bestimmen die Bilder, expressive Farbigkeit und grobe, reduzierte Strukturen. Seine Sujets waren vor allem Landschaften. Damit nahm er innerhalb der vor allem vom Urbanen faszinierten Neuen Wilden eine Sonderstellung ein. Ende der 1980er-Jahre wurden Zimmers Bilder sanfter. Der Maler schwelgte in Farben und erreichte eine fast transzendent anmutende Ruhe in seinen Bildern. Immer ­stärker versank er in der Abstraktion und näherte sich der Farbfeldmalerei an. Doch bei Zimmer bleiben die Landschaften als solche erkennbar. Man nimmt in den monochromen Flächen das Meer wahr, die Wüste, den Himmel mit drama­ tischen Wolkenfetzen. Wie ein Besessener arbeitet sich der Künstler in Serien am immer gleichen Motiv ab und variiert es endlos, ohne sich zu wiederholen oder in eine Routine zu ­verfallen. Hat er das Gefühl, es geht nicht mehr weiter, kommt es zum Bruch und der Künstler wandelt Arbeitsweise und ­Sujets. Vor einigen Jahren wandte sich Zimmer wegen seines Interesses für die Astronomie dem Motiv des Kosmos zu. Die ausgeklügelte Tiefenwirkung der Bilder saugt den Betrachter förmlich in die kosmischen Nebel. Nachdem er in der Uckermark ein Atelier an einem See bezog, malte er aber wieder vermehrt Landschaftsansichten. Stimmung und Atmosphäre scheinen ihm seither wichtig geworden zu sein. Zimmer spielte mit der Farbe und ihrer Wirkung und macht das Licht zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Bilder. Reflexionen wurden bestimmendes Element vieler Gemälde. Insbesondere in den Landschaften konstruiert der Maler komplexe Lichtverhältnisse.

Die Saarbrücker Galerie Neuheisel zeigt eine Übersicht von Arbeiten aus den vergangenen Jahren. Neben den geheim­ nisvoll leuchtenden Landschaften faszinieren den Maler derzeit Felsbrocken, die wie Asteroiden durch das Nirgendwo f liegen. Zimmer ist gefesselt davon, das schwere Material leicht ­werden und durch die Lüfte schweben zu lassen. In ­e inem ­g esteuerten Zufallsprozess malt er mit f lüssigen ­F arben auf der am Boden liegenden Leinwand. In den Kosmos- und den Felsenbildern sind Tropfen und Spritzer zu erkennen, Farb­l achen sind auf der Leinwand getrocknet. Farbnebel ­k ulminieren in wenigen reduzierten Formen. ­D iese Technik macht aus dem schweren Material Stein ein leichtes und luftiges. Bäume und Linien malt Zimmer oftmals nicht mit dem Pinsel, sondern lässt sie durch den Farbfluss über die schräg gehaltene Leinwand wachsen. Aber auch bei den neueren ­A rbeiten ist die Bedeutung der Geste im spontanen Malakt und der breite Pinselstrich unverkennbar. So entstehen ­i nsbesondere die Hintergründe mit kurzen stakkatohaften Pinselstrichen in hohem Tempo, um die Farben auf die Leinwand zu bringen und dort zu mischen, bevor sie trocknen. Bernd Zimmer gehört zu den Älteren der Neuen ­W ilden und er ist der einzige Autodidakt. Wie kaum ein ­a nderer der Künstlergruppe hat er sich malerisch stetig ­weiterentwickelt ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Seine großformatigen Gemälde offenbaren bis heute ein romantisches Verhältnis zur Natur und sind zugleich Klage gegen den Raubbau des Menschen an seiner Umwelt. Geblieben ist als Konstante der subjektive Blick auf die Welt und die Suche nach der Schönheit in den Dingen. BÜLENT GÜNDÜZ

9. November bis 2 1. Dezember 2017 B e r n d Z i m m e r : „ O u t o f t h i s Wo r l d “ Galer ie Neuheisel, Saarbr ücken www. galer ie-neuheisel. de

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© VG Bild- Kunst, Bonn 2017


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linke Seite: Flakon aus Vulkanglasasche für das Parfum „Femme de Paris“, von Simon Jaroslawski für Ybr y, Paris,

Der Unterschied zwischen Kunst und Design liegt wie so häufig im Auge des ­Betrachters: Setzt er auf die Verwendbarkeit des ­Objekts, ist die Rede von Design, steht das interesselose Wohlgefallen im Vordergrund, so handelt es sich um Kunst. Dass diese Grenzziehung aber doch recht willkürlich ist, dass es Grenz­ bereiche gibt, bei denen der künstlerische Anspruch gleichberechtigt neben der Möglichkeit zur Verwendung steht, das macht insbesondere zeitgenössischer Schmuck exemplarisch deutlich. Dafür stehen zum einen die Messe „Handwerk & Design“ in München, die wieder ein breites Spektrum zwischen Handwerk, ­D esign und Kunst zu bieten hat, und zum anderen spannende Ausstellungen, die in diesem Herbst in den beiden Schmuckstädten Hanau und Pforzheim, aber auch in Basel und Paris zu sehen sind. Schmuck- und Modedesigner, Maßschneider, Holz- und Metallhand­ werker, Künstler und Kreative zeigen ihre Entwürfe, Werke und Produkte auf der „Handwerk & Design“ – oft von der Entstehung bis zum fertigen Objekt. Vier inter­ national ­renommierte Sonderschauen lenken den Blick dezidiert auf das Besondere. Beispielsweise werden bei der „TALENTE“ junge Gestalter aus unterschiedlichen Gewerken mit ihrem experimentellen Umgang mit Materialien und Techniken ­präsentiert. Ein w ­ eiteres Highlight ist die Sonderschau „SCHMUCK“, bei der renommierte Schmuckkünstler neben jungen Designern ausstellen. Über die Messehallen hinaus, in denen wie jedes Jahr auch Preise verliehen werden, wird es auch 2018 einen „Schmuck-­Stadtplan“ zu den Veranstaltungen in Galerien, Ateliers und Museen in München geben – die Stadt funkelt also ganz im Glanze des Schönen! Handwerk­ liches Können und gute Gestaltung, Innovation und Meisterschaft werden bei der „Handwerk & Design“ großgeschrieben, und man darf gespannt sein auf die breite ­P alette an A ­ uto­renschmuck, Keramik, maßgeschneiderter Mode, handgefertigten Taschen, ­Designermöbeln, Leuchten und Accessoires.

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Frankreich, um 1925


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Im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau werden Schmuck und Objekte von Saskia Detering und Peter Frank gezeigt, die, wie der Ausstellungstitel verrät, zu „Gefährten“ ihres Trägers werden. Letzterer zeigt überwiegend Halsschmuck, dessen Ausgangspunkt die Architektur und organische ­Motive sind, die über die Jahre eine Reduktion erfahren haben. Oft ­erinnern seine Colliers mit ihren zarten Oberflächen an ­a rchäologische Fundstücke imaginärer Kulturen, ihre Verschlüsse sind spielerische Verbindungsglieder der einzelnen Elemente. Der Betrachter sowie der Träger eines solchen Schmuckstücks werden damit zu Spurensuchern, die Einzelstücke zur Anregung, die Fantasie spielen zu lassen. Die Spurensuche, nicht zuletzt bezüglich der Materialität und deren Bearbeitung, ist auch den Schmuckstücken von Detering inhärent. Broschen, Armreifen, aber auch Keramikobjekte sind Schwerpunkte ihres Schaffens. Ihr besonderes Anliegen ist die Umdeutung von vermeintlich Hässlichem in eine schmückende Gestalt. Derweil geht es in der Ausstellung „Pretty on Pink. Graue Eminenzen des Schmucks“, die seit Oktober im Schmuckmuseum in Pforzheim im Reuchlinhaus zu sehen ist, um die Gegensätzlichkeit von F ­ arbe und Nichtfarbe, um das nuancierte In-Szene-Setzen von Grau durch knalliges Pink. Dabei wird (auch) daran erinnert, dass Silber, Weißgold und Platin Edelmetalle sind, die, um das „Berliner Eisen“ und um Stahl ergänzt, die Farbe Grau in verschiedenen Schattierungen in Schmuck verwandeln. Der Wandel des Geschmacks lässt sich somit von der Bronze- und Eisenzeit über das Art déco bis ins 21. Jahrhundert in der Ausstellung ebenso ablesen wie der Beginn des Industrie­zeitalters, und gerade zeitgenössische Künstler wie Katja Prins oder ­Ruudt Peters wenden sich inzwischen dem G ­ egensatz aus knalliger Farbe und Nichtfarbe zu. Die Aus­stellung bietet d ­ arüber hinaus ein spannendes optisches Phänomen: Durch die pinkfarbene Stoffbespannung der ­Vitrinen und die ­Beleuchtung mit ebensolchem Licht wird die eigentlich weiße Vitrinenf läche in ihrer Komplementärfarbe Türkis wahrgenommen. Zu einem edlen Setting gehört selbstredend auch ein wohl­riechender Duft – dieses Bedürfnis ist (fast) so alt wie die Menschheit, wie die Ausstellung „Parfumflacons – Hüllen verführerischer Düfte“ im Spielzeug Welten Museum Basel eindrücklich vor Augen führt: Von den Pharaonen über die Antike bis in unsere heutige Zeit spannt die Sammlung der Storp Collection München, aus der über 500 Flakons aus

5.000 Jahren Duftgeschichte präsentiert werden. Dieser kleine Querschnitt aus der überreichen Sammlungsfülle ­verdeutlicht eindrücklich, dass weder der Form noch dem ­M aterial Grenzen gesetzt sind: Gold, Silber, Glas, Email, ­Porzellan, Schildpatt, Perlen und Edelsteine sind vertreten, wobei unsere antiken Vorfahren auch Holz, Stein und Metall, ­Bronze oder Ton für die Herstellung von Flakons verwendeten – die allerdings nicht sonderlich gut dafür geeignet waren. Wer es nach Basel während der Laufzeit nicht schafft, hat die ­Möglichkeit, im Grand Musée du Parfum in Paris weiteren Objekten aus dieser Flakonsammlung zu begegnen. Während der internationalen Kunstmesse FIAC kooperiert das Museum überdies mit ihr und zeigt in der Reihe „Chambres à Part“ noch bis 26. November die Ausstellung „Parfums de femmes“, bei der zeitgenössische Künstler wie Marina Abramović und Sylvie Fleury auf die ästhetischen Fotowelten von Robert Mapplethorpe sowie das besondere Ambiente des Gebäudes treffen und damit die Kunstwerke bewusst in einen anderen Kontext versetzt werden.


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Katja Prins, Brosche, 2006, Ausstellung „Prett y on Pink“, Schmuckmuseum Pforzheim, Foto: Eddo Hartmann

Saskia Detering, „Gestrüpp“, 2015, Brosche, Aluminium, Bronze, Silber, Feingold, Email, Bemalung,

Peter Frank, Collier, 2014, Silber, Foto: Ben Klein

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Foto: Saskia Detering


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149 Gernot Leibold, „dear Louise 1 – blue Pebbles“, Brosche, 2016, Kunststoffe, Türkise, Silber, Stahl, 8,7 x 8,7 x 1,5 cm, Foto: Carsten Birnbaum

Parallel zur Flakonausstellung wird in den Spielzeug ­ elten in Basel über den Jahreswechsel zudem essbarer W Weihnachtsschmuck thematisiert: Seit Anfang des 17. Jahrhunderts wurden Christbäume mit allerlei schmackhaftem Dekor ­behängt. Vom Springerle über den Lebkuchen bis zum Spe­k ulatius reicht die Bandbreite des wohlriechenden, schmackhaften Schmucks, ergänzt durch zahlreiche weitere Leckereien, die längst in Vergessenheit geraten sind. Denn inzwischen gilt weltweit: Der Christbaum ist aus Fichte oder Tanne, mit Kerzen und Kugeln behängt. Als Mittelpunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten löste er ab etwa 1850 das Neujahrsfest als Mittelpunkt und Platz des Geschenkeaustauschs ab. Zahlreiche Bräuche, die die regionale Verschiedenheit sowohl des Baums als auch dessen Behangs dokumentieren, werden ebenfalls, passend zur (Vor-)Weihnachtszeit, gezeigt. CHRIS GERBING

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1. OKTOBER 2017 BIS 4. FEBRUAR 2018

L i b r a r y, 2 0 0 7 © L o r i N i x C o u r t e s y o f G a l e r i e K l ü s e r, M ü n c h e n

Buchwelten Zeitgenössische Künstler, die sich in ihrem Werk mit Natur und Landschaft auseinandersetzen, richten ihren Fokus immer wieder auf das Buch und die Schrift als Ausdrucksform. Aus geschnitzten Büchern werden Landschaften und aus natürlichen Materialien entstehen Buchobjekte. Geschichten finden ihren bildhaften Ausdruck in Skulpturen, die aus den Buchseiten erwachsen oder in Büchern aus Glas, die in ihrer transparenten Anmutung verwunschene Wälder und das tiefe Meer sichtbar werden lassen. Gedruckte Textpassagen berühmter literarischer Werke

werden in Aquarelle übersetzt, die den Grenzbereich zwischen Wort und Bild überspannen. Auch das zerstörerische Zusammenspiel zwischen dem Buch und dem Element Feuer wird in der zeitgenössischen Kunst reflektiert: verbrannte Bücher werden zu eindrucksvollen Bildern für ihre Gefährdung durch Mensch und Natur. Ebenso die Frage, ob das Buch ein dauerhafter Begleiter der Menschheit bleibt oder ob es als Kulturgut schon längst „unter Naturschutz“ stehen sollte, beschäftigt die Künstler. So wird das Museum Sinclair- Haus durch diese Ausstellung zu einer universellen künstlerischen Bibliothek.


„Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne.“ J e a n Pa u l

B r a n d b u c h I V, 1 9 7 2 © H u b e r t u s G o j o w c z y k Courtesy Gutenberg Museum, Mainz

PROGRAMMTIPPS ZUR AUSSTELLUNG KÜNSTLERGESPRÄCHE Hannes Möller im Gespräch mit Rudolf Schmitz, hr2-kultur Mittwoch, 22. November 2017, 19 Uhr | 5 € Peter Wüthrich im Gespräch mit Bianca Schwarz, hr2-kultur Mittwoch, 6. Dezember 2017, 19 Uhr | 5 € Nanne Meyer im Gespräch mit Dr. Sibylle Anderl, FAZ Mittwoch, 17. Januar 2018, 19 Uhr | 5 € VORTRAG: „Die Hohenheimer Xylothek“ Mittwoch, 15. November 2017, 19 Uhr | 5 €

Jardínes, 2017 © Alicia Martín Courtesy Bernhard Knaus Fine Art GmbH, Frankfurt VG Bild-Kunst, Bonn 2017

MUSEUM SINCLAIR-HAUS Löwengasse 15 61348 Bad Homburg v. d. Höhe www.museum-sinclair-haus.de Öffnungszeiten: DI 14 – 20 Uhr | MI bis Freitag 14 – 19 Uhr SA, SO und Feiertage 10 – 18 Uhr MO sowie am 24. und 31.12. geschlossen. 25., 26.12. und 1.1. 12 – 18 Uhr Information und Anmeldung: T +49 (0) 6172 404 -120 info@museum-sinclair-haus.de

Th e G r a n d L i b r a r y, 2 0 1 2 © G u y L a r a m é e C o u r t e s y J H B G a l l e r y , N e w Yo r k


Robert Schad

Juni 2017 bis März 2018

PERCURSO LUSITANO Der Bildhauer Robert Schad kehrt mit einem großen Ausstellungsprojekt seiner Skulpturen in das Land zurück, in dem seine künstlerische Karriere Anfang der 1980er-Jahre begonnen hat. Im Jahre 2007 hat er für die neue Kirchenanlage ‘Santissima Trindade’ des Santuário de Fátima die 34 Meter hohe Cruz ALTA gestaltet. Im Kontext mit diesem für Robert Schad zentralen Werk, zeigt er 2017/2018 an 20 verschiedenen Orten Portugals über 50 Skulpturen in einer Ausstellung, die sowohl hinsichtlich der Anzahl der gezeigten Skulpturen, als auch seiner räumlichen Ausdehnung vom Norden bis zum Süden Portugals einzigartig ist. Seine von der Linie bestimmten Skulpturen ziehen sich wie ein ‚roter Faden‘ durch das Land und ermöglichen neue Sichtweisen und Perspektiven auf deren jeweilige Standorte. Robert Schad wohnt und arbeitet in Larians (Frankreich) und Chamosinhos (Portugal). Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Deutschen Botschafters in Lissabon, Dr. Christoph Weil und wird gesponsert durch DB Schenker, Fajozes und INDIMESA /Industria Metalomecânica e Soluções Ambientais, Lda., Maia

Ausstellungsorte Mosteiro de Sanfins, Friestas Município de Valença do Minho, Fortaleza Município de Vila Nova de Cerveira Município de Santo Tirso Quinta das Camélias, Fornelos Vila Chã Município da Maia Canidelo Praia de Valadares Gulpilhares / Praia de Miramar Praia da Granja Têdo / Santo Adrião Município de Viseu Santuário de Fatima Casino de Estoril Município de Cascais Évora Monte Município de Estremoz Castelo de Veiros Quatro Estradas

Es erscheint eine Publikation im modo Verlag, Freiburg

DONNEK 2017, Estremoz / Foto: Dominique Verité

ROBERT SCHAD > Percurso Lusitano < mit einem Dialog zwischen Rita Fabiana und Robert Schad und einem Text von Miguel von Hafe Perez 224 Seiten, 249 Abbildungen, Portugiesisch/Deutsch, Hardcover ISBN 978-3-86833-229-2

www.schad-percursolusitano.pt


A

RTKIBO MARTIN NOËL JANUAR

VERNISSAGE SO 28. JANUAR 2018 | 11:00 UHR AUSSTELLUNGSDAUER MO 29. JANUAR 2018 – SO 31. JULI 2018 HOTEL BRAUN – ART HOTEL

Hotel Braun – ART Hotel Uhlandstraße 1 67292 Kirchheimbolanden Tel: 06352 – 4006-0

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16.10.17 17:16

11.11.2017 bis 18.02.2018


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Auf Spurensuche zu gehen heisst, sich von den Spuren zu ­ihren Geschichten tragen zu lassen. Die Suche charakterisiert auch den Suchenden, er muss neugierig auf das Ungewisse sein, sich abseits von Bekanntem bewegen und das Gespür ­b esitzen, Spuren zu erkennen. Der Fotograf Dierk Maass bringt bemerkenswerte Motive von seinen Expeditionen in die entlegensten Gebieten dieser Welt mit. Bei diesen Reisen steht nicht Komfort im Zentrum, sondern ganz im Gegenteil, minutiöse Planung der riskanten Routen, körperliche Kon­ dition und ein gutes System an Absicherungen. Seit über 30 Jahren bereist er ferne Regionen: die ­A nden, Grönland oder das Himalaya Gebirge und konnte so über 60 Gipfel in der Top-Liga der Gebirge, 6.000 und 8.000 Meter Höhe, besteigen. Diese körperliche Anstrengung wird mit der Entdeckung von Orten belohnt, an die kaum sonst ­jemand kommt. Die Werke von Dierk Maass erzählen ­G eschichten von Neugierde, Einsamkeit, der körperlichen Anstrengung und der Faszination für die Natur. Die Serie TRACES° of ’ URBANITY” ist eine Spurensuche an entlegenen Orten meist fernab von Großstädten. Dierk Maass veranschaulicht, wie sich Menschen ihre Wege durch die Natur bahnen, wie sie Mikrogesellschaften bilden und welche Spuren sie dabei hinterlassen. Er zeigt Formen,

­Strukturen und Regeln, die der Mensch ausbildet, um sich ­ eripheren Raum anzueignen. Es ist eine spannende Be­ p ziehung zwischen der Aneignung von Natur und wie die Landschaft mit diesen Veränderungen umgeht. Die Serie steht im Kontrast zu vielen Landschafts­ bildern von Dierk Maass, auf denen sonst die unberührte Natur und das Erhabene zu sehen sind. Bei der hier vorgestellten Serie zeigen sich Spuren des Menschen und seiner Eingriffe in die Natur. Die ruhigen, oft sehr konzentrierten Motive evozieren einen bittersüssen Moment, um über die Vergänglichkeit der Dinge nachzudenken. ANABEL ROQUE RODRÍGUEZ

www. kehre r ve rlag. com

DIERK MA ASS

TR ACES ° OF ’ URBANIT Y”

Dierk Maass Traces° of‘ Urbanity“

Kehrer Verlag 84 S. 47 Farbabb. 33 x 29,7 cm Festeinband mit Schutzumschlag EUR 34 ISBN 978-3-86828-837-7 Dt./Engl.

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Dierk Maass im Kehrer Verlag Traces° of ‘ Urbanity“


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Sebastian Baden Das Image des Terrorismus im Kunstsystem — Das Image des Terrorismus konstruiert sich aus einem ­komplexen Zusammenwirken von Anschlägen, Bildern, Texten und Kritik. Es bestimmt die Vorstellung, Repräsentation und I­mitation politischer und religiös motivierter Gewalt, die Terror als Effekt einsetzt. Die Bild- und ­B egriffsgeschichte des Terrors reicht vom Kirchenportal bis zum Internet-Portal. Mit der M ­ edienrevolution der Moderne haben sich auch die Formen des Terrors durch Terrorismus verändert. Die Untersuchung v­ erfolgt diese Entwicklung einer terroristischen Mediasphäre ab der Französischen Revolution über die RAF hin zum ­s ogenannten ‚Islamischen Staat’ aus kunstwissen­ schaftlicher Perspektive.

Diogenes Verlag 144 S. 16 x 20,5 cm Hardcover Pappband EUR 15 ISBN 978 3 257 02155 4

All about us Hrsg. Philipp Keel — Sie sind in einer Beziehung und wollen sich noch besser kennenlernen? Mit Fragen über den Alltag mit­e inander oder den gemeinsamen Traum, über Leidenschaft und Abenteuer: ›All About Us‹ lädt Sie und Ihren Partner ein, mehr über sich zu erfahren, als Sie je für möglich ­g ehalten haben. Ob Sie es zusammen ausfüllen oder ­a llein, ob Sie darüber sprechen oder gewisse Dinge ein ­G eheimnis bleiben, dieses spannende Buch für Paare wird Ihre Beziehung vertiefen, und Ihnen bestätigen, dass L­ iebe die beste Antwort ist.

Edition Metzel 632 S. 178 Abb., 24 Farbtafeln 17 x 24 cm Klappenbroschur, fadengeheftet EUR 38 ISBN 978-3-88960-157-5

All about me Hrsg. Philipp Keel — Den meisten Menschen fällt es leichter, einem Fremden die eigenen Gedanken anzu­v ertrauen. Und noch ­leichter ist es, wenn jemand genau die richtigen Fragen stellt. „All About Me“ war das erste Fragebuch dieser Art, das in 25 Kapiteln die wichtigsten Seiten eines Menschen und seines Lebens aufzeigt. Mit Fragen zu Wünschen und Ängsten, Erinnerungen und Träumen, ausgefüllt für sich oder mit anderen, enthüllt dieses Buch über­raschende Antworten.

Diogenes Verlag 96 S. 16 x 20,5 cm Hardcover Pappband EUR 15 ISBN 978 3 257 02154 7


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Prestel 272 S. 248 Farbabb. und 49 S/W-Abb. 20 x 27 cm Hardcover mit beschnittenen Pappen EUR 39,95 ISBN 978-3-7913-5704-1 deutsch

Gabriele Münter Malen ohne Umschweife Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung und Städtische Galerie im Lenbachhaus ­M ünchen (Hrsg.), Isabelle Jansen — Zum 140. Geburtstag der großen Künstlerin wird in diesem Ausstellungskatalog gezeigt, dass Münters Werk viel facettenreicher, phantasie­v oller und stilistisch breitgefächerter ist als bisher bekannt. Das vorliegende Buch ­e rweitert die bis heute auf die Zeit des „Blauen Reiter“ reduzierte Rezeption und stellt das ­m alerische OEuvre in den Mittelpunkt. Der Bogen wird von klassischen Gattungen wie Porträt und Landschaft über I­nterieur, Abstraktion bis hin zum „Primitivismus“ gespannt. Prestel 224 S. 150 Farbabb. und 30 S/W-Abb. 24 x 28 cm Hardcover EUR 49,95 ISBN 978-3-7913-8363-7 deutsch

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Frida Kahlo Verschollene, zerstörte und kaum gezeigte Bilder Helga Prignitz-Poda — Wenn wir glauben, Frida Kahlo umfassend zu kennen, wird uns diese neue Publikation überraschen: Die Kahlo-Kennerin Helga Prignitz-Poda hat die „unge­ sehenen“ Arbeiten zusammengetragen. Dazu zählen Bilder, die verschollen oder zerstört sind – aber auch solche, die sich in unzugänglichen Privatsammlungen befinden und nicht mehr für Ausstellungen ausgeliehen werden. Es sind berühmte Schlüsselwerke wie „Meine Geburt“ darunter, das seit langem in Besitz der ­S ängerin Madonna ist, aber auch frühe Arbeiten von Frida Kahlo wie ein gesticktes Bild oder Zeichnungen, die private Briefe illustrieren.


53°8‘N 8°13‘O

W W W. H O R S T - J A N S S E N - M U S E U M . D E

Bild: Tobias Dostal, Kopfkino, 2017, Foto: Markus Georg

Horst-Janssen-Grafikpreis der Claus Hüppe-Stiftung

TOBIAS DOSTAL Preisträger 2017

22.10.2017 bis 14.01. 2018 Horst-Janssen-Museum Oldenburg


160 Staatliches Museum Schwerin / Ludwigslust / Güstrow

Sammlung Brabant

Frank Brabant, 27. Juli 2017, Foto: © Bernd Fickert, Museum Wiesbaden

Die Sammlung Frank Brabant, eine der größten Privatkollektionen zur Klassischen Moderne in Deutschland, wird zu jeweils gleichen Teilen dem Museum Wiesbaden und dem Staatlichen Museum Schwerin überlassen. Die Ausstellung, die das Schweriner Museum ab dem 24. November aus diesem Anlass zeigt, umfasst herausragende Werke wie das „Stillleben mit grüner Kerze“ von Max Beckmann sowie mehrere Arbeiten von Karl Hofer, Alexej von Jawlensky oder Georg Tappert. Insgesamt soll die Schenkung Brabants an das Staatliche Museum Schwerin etwa 300 Werke umfassen, darunter auch zahlreiche Arbeiten auf Papier: Aquarelle von Ernst Ludwig Kirchner oder Emil Nolde, neusachliche Lithografien von Christian Schad oder expressionistische Holzschnitte von Max Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff. Für die während der Zeit des Nationalsozialismus arg dezimierten Sammlungsbestände zur Moderne des Schweriner Museums ist diese Schenkung ein außerordentlicher Glücksfall, den sie vor allem der Verbundenheit des Sammlers mit seiner Heimatstadt verdankt, wo Frank Brabant 1938 geboren wurde. Im Alter von 20 Jahren siedelte er nach Wiesbaden über und lebt dort seither. Seine Ausrichtung auf zumeist figürliche Malerei mit den Sammlungsschwerpunkten Expressionismus und Neue Sachlichkeit sowie Werken der „verschollenen Generation“ von Künstlern, deren Karrieren von Weltkriegen und Diktaturen verhindert oder später vielfach vergessen wurden, wird die Schweriner Bestände so plausibel ergänzen, wie es kaum ein Museumsdirektor passender hätte arrangieren können. Seit DDR-Zeiten ist hier die sogenannte Leipziger Schule mit Werken unter anderem von Wolfgang


Max Beckmann, „Stillleben mit grüner Kerze“, 1941

Mattheuer sowie Bernhard Heisig reichlich vertreten und findet nun mit ­ orläufern der Neuen Sachlichkeit der 1920er-Jahre bis hin zum west­ V deutschen Nachkriegsexpressionismus von Markus Lüpertz oder Bernhard Schultze zu einer Kontextualisierung, die das historische Gewicht der ­Schweriner Moderne-Sammlung auf Dauer neu ausbalanciert. CARSTEN PROBST

2 4 . November 2017 bis 18. Febr uar 2018 Vo n B e c k m a n n b i s J a w l e n s k y . D i e S a m m l u n g F ra n k B ra b a n t i n S c h w e r i n u n d W i e s b a d e n Staatliches Museum Schwer in www. museum-schwer in. de

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© VG Bild- Kunst, Bonn 2017


KULTUR trifft BEGEISTERUNG. HIER IM LAND ZUM LEBEN.

Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern, Land zum Leben. Wo das Team um Toni Berndt die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern hinter den Kulissen orchestriert. Ob auf großen oder kleinen Bühnen – Erfolg ist bei uns das Zusammenspiel vieler. Erfahren Sie mehr über gelebte Kultur und Konzerte von Weltklasse:

www.mecklenburg-vorpommern.de

Entdecken Sie uns auf facebook.com/mvtutgut

In Zusammenarbeit mit der Konzertkirche Neubrandenburg und


163 Kunstmuseum Ahrenshoop zeigt eine Architekturausstellung

„Baumeister für die Kunst“ Anhand von Modellen und Fotografien wird deutlich, wie moderne Museumsräume heute gestaltet werden. Das Büro David Chipperfield Architekten präsentiert seinen Entwurf des Museums Folkwang in Essen sowie das Galeriehaus „Am Kupfergraben 10“ in Berlin. Das Büro Kuehn Malvezzi zeigt die „Moderne Galerie Saarlandmuseum“ in Saarbrücken, die Nieto Sobejano Arquitectos sind mit dem ausgezeichneten Madinat AlZahra Museum in Cordoba vertreten. Staab ­A rchitekten, die auch den Entwurf für das Kunstmuseum ­A hrenshoop lieferten, präsentieren unter anderem ihre Arbeit am Albertinum in Dresden. M AT T H I AS SCH ÜM A N N

Bis 18. März 2018 www. k un st mu se um- ahre n shoop. de

Ansicht des Kunstmuseums Ahrenshoop, ein Ent wurf des Büros Staab Architekten, das ebenfalls an der Ausstellung und am Symposium beteiligt ist, © Museum, KMA

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Die Architektur von Museen steht im Mittelpunkt einer ­ usstellung, die derzeit im Kunstmuseum ­A hrenshoop zu A ­sehen ist. Beteiligt sind renommierte Architekturbüros wie David Chipperfield Architekten aus Berlin oder das Büro des spanischen Stararchitekten Enrique Sobejano. Gezeigt ­w erden Bilder und Modelle von bereits fertiggestellten ­Museumsneubauten oder -umbauten unter dem Titel „Baumeister für die Kunst“. „Bühne sein, nicht Hauptdarsteller“, so beschreibt die Architekturkritikerin Katrin Voermanek die Aufgabe eines modernen Museumsbaus. Für Ahrenshoop wurde unter ­Mitarbeit des Büros Staab Architekten eine Schau kuratiert, in der Museumsbauten als „dienende Räume“ in ihrem Spannungsfeld zwischen Werkstatthäusern und Kulturtempeln wahrnehmbar werden. „Ein gutes Museum dient seinen Kunstwerken und trägt sie auf Händen. Das heißt nicht, dass neutrale Kisten die einzige Lösung zur Präsentation und ­Rezeption von Kunst wären“, so Voermanek.


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Norbert Schwontkowski, Ohne Titel, 2007, Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm, Foto: Zhenia Couso Martell

Jürgen Fitschen, neuer Leiter der Kunsthalle Wilhelmshaven

Das Meer im Rücken Der Streit tobte heftig, die Wogen schlugen hoch: Würde die Stadt die Kunsthalle Wilhelmshaven wirklich verkaufen? ­Jenes Haus, das seit seiner Gründung 1913 vom Verein der Kunstfreunde für Wilhelmshaven betrieben wurde? Immerhin gehört es, allemal mit dem Neubau von 1968, zu den wichtigsten kulturellen Aushängeschildern der maritim geprägten Stadt. Nun ist die Zukunft der Kunsthalle gesichert, die Stadt bespielt sie jetzt und berief als neuen Leiter Jürgen Fitschen. Er führte unter anderem lange Jahre das Bremer Gerhard-Marcks-Haus und war zuletzt als Galerist in Stade tätig. Mit dem 51-Jährigen sprach für ARTMAPP Irmtraud Rippel. ARTMAPP: Sie haben sich bei Ihrem Antritt als Direktor der Kunsthalle Wilhelmshaven als ­„leidenschaftlichen Norddeutschen“ bezeichnet. Ist ein norddeutsches „Feeling“ wichtig für die Arbeit hier, etwas abseits der Zentren?

Jürgen Fitschen: Na ja, zunächst: Ich bin tatsächlich in der Nähe geboren, lebe hier seit vielen Jahren und möchte im Grunde nicht so gerne wieder weg – und mag deshalb natürlich wissen, warum manche Dinge im Norden so ganz anders laufen als woanders. Ich weiß, dass anderswo auch Menschen mit Armen, Beinen, Nasen und Ohren leben, klar – aber der Schlag hier ist schon etwas Besonderes. Ich schätze mal: Es kann nicht ganz verkehrt sein zu wissen, was die Leute an der Küste umtreibt – und was nicht. ARTMAPP: Die aktuelle Ausstellung der ­Kunsthalle ist dem Bremer Künstler Norbert Schwontkowski gewidmet. Kann man an ihm typisch „Norddeutsches“ entdecken? Was ist das Faszinierende an seiner Malerei?


165 JF: Machen wir uns nichts vor: Der Norden ist ein weites Land und Bremen liegt nun nicht gerade an der Küste. Verglichen mit den Städten, die ich etwas besser kennenlernen durfte, und den Leuten, die ich dort traf, hat das Dorf an der ­Weser schon seinen ganz eigenen Rhythmus, eine eigenwil­lige Art, die Welt wahrzunehmen, das Wichtige vom weniger Wichtigen zu unterscheiden und als Wirklichkeit anzuerkennen, anderes dafür nicht. Und Norbert Schwontkowski war nun einmal die meiste Zeit seines Lebens Teil dieser Welt. Das bedeutet freilich nicht, dass seine künstlerischen Ideen und sein Blick auf die Existenz nicht allgemeingültige Bedeutung haben. Was ihm an Tagträumereien, beim morgendlichen Aufwachen oder im Nebel kurz vor der Volltrunkenheit so ­a lles in den Augenwinkeln unterkam: Das geht uns alle an! Schwontkowski konnte mit den Strukturen, die zum Beispiel ein Keilrahmen unter der Leinwand vorgab, mit den Grund­ tönen der Farben, die durch rostige Beimischungen erreicht wurden, und mit köstlichen Strichen des kleinen Pinsels ­einen meisterhaften Takt in seinen Bildern finden – voller Hintersinn, Humor und feiner Melancholie.

nachdenken könnten, das zwar Baudenkmal ist, aber dessen Möglichkeiten längst an allzu deutliche Grenzen stoßen. ARTMAPP: Gibt es Pläne für Kooperationen in der Kunstszene Nordwest? JF: Jede Menge. Und wer noch mehr Ideen hat, darf sich gerne melden! ARTMAPP: Verraten Sie Ausstellungsvorhaben und Projekte, auf die wir uns freuen können? JF: Es wird wirklich spannend und vielfältig! Wussten Sie etwa, dass im Sommer 2018 „Smörfs“ die Regierung in ­Wilhelmshaven übernehmen werden? Oder dass die Berliner „Novembergruppe“ um den Expressionisten Max Pechstein im Winter 1918 nur auf das Signal der Wilhelmshavener und

ARTMAPP: Es dauerte lange, bis man ihn ­außerhalb Bremens wahrnahm. Zu lange. Gibt es dafür eine Erklärung? JF: Seine Bilder sind ganz offensichtlich anziehend, anders lässt sich der Erfolg, den er zuletzt hatte, kaum erklären. Dass es etwas dauerte, bis man das auch außerhalb Bremens begriffen hat, liegt ein Stück weit vielleicht an der Zögerlichkeit, mit der sich Bremer allgemein in der Republik bewegen. Berliner, Frankfurter, die Rheinländer ganz und gar oder die Münchner zum Beispiel sind da offensiver. ARTMAPP: Wilhelmshaven wurde als preußischer Kriegshafen gegründet, den Bau der ersten ­Kunsthalle initiierte 1913 ein Marinekommandeur mit Unterstützung des Kaisers. Ist das ein schwieriges Erbe – spielt es bei der ­P rogrammplanung eine Rolle?

Jürgen Fitschen, Leiter Kunsthalle Wilhelmshaven,

ARTMAPP: 2018 wird der „Neubau“ der ­Kunsthalle 50 Jahre alt. Wie werden Sie das ­Jubiläum feiern? JF: Wir werden schauen, was aus den künstlerischen Posi­ tionen der Zeit um 1968 geworden ist und beabsichtigen, mit einer großen Installation, die unmittelbar mit den Verfasstheiten des Baus selbst arbeitet, zu veranschaulichen, wie mit und im Bau inszeniert wurde. Es wäre auch schön, wenn wir aus Anlass dieses Geburtstags über die Zukunft des Gebäudes

Kieler Matrosen gewartet hat, um in der Hauptstadt loszu­ legen? Oder dass atemberaubende künstlerische Talente vor kaum einigen Jahren angetreten sind, um nichts weniger als den Raum in der Malerei neu zu erfinden? Oder was es heißt, 50 Jahre Kunst für die schönste Stadt der Welt zu machen? Oder was Cy Twombly an der Küste zu suchen hat? Oder ­w arum Street Art ausgerechnet in Wilhelmshaven am subversivsten ist? – Nein? Dann denken Sie in den kommenden Jahren immer mal wieder an die Stadt am Jadebusen und besuchen Sie die Kunsthalle Wilhelmshaven! ARTMAPP: Das tun wir ganz sicher – Jürgen ­F itschen, vielen Dank für das Gespräch! B i s 7. J a n u a r 2 0 1 8 „ D e m To d i n s G e s i c h t g e l a c h t “ – Male re i von Norbe r t Schwontkowsk i www. k unsthalle-wilhelmshaven. de

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Foto: A xel Biewer

JF: Es ist ein Erbe, ja. Aber natürlich denkt man als gegen­ wärtiger Leiter der Kunsthalle nicht andauernd daran. Da Sie schon danach fragen: Sicher, die Geschichte erzähle ich gerne. Sie eignet sich dazu, Begründungen zu gewinnen für das, was wir hier zeigen sollten. 1913, 1918, 1933, 1945, 1968 – das sind alles Jahreszahlen, bei denen es im Kopf klingelt. Nur wenn wir die Vergangenheit kennen, verstehen wir die Gegenwart. Und nur wer die Gegenwart versteht, kann eine sinnfällige Vorstellung von der Zukunft haben.


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Tobias Dostal erhält den Horst -Janssen - Grafikpreis der Claus Hüppe - Stif tung

Die Magie der Dinge

Tobias Dostal, Foto: Reza Nadji

Er ist einer der höchstdotierten deutschen Grafikpreise: der mit 20.000 Euro ausgestattete Horst-Janssen-Grafikpreis der Claus-Hüppe-Stiftung, der im Drei-Jahres-Rhythmus vergeben wird. Mit der Auszeichnung verbunden ist neben dem Preisgeld eine Einzelausstellung im Horst-Janssen-Museum Oldenburg und eine Katalogpublikation. Der sechste Preis­ träger in der Geschichte des Preises ist 2017 der 1982 geborene Berliner Künstler Tobias Dostal. Die Jury zeigte sich überzeugt von der innovativen Kraft seines Werkes und der Tatsache, dass er den Zeichnungs­ begriff in überraschend neue Dimensionen erweitert. „Vor allem die filmische Dokumentation von flüchtigen ­Motiven [...] entwickelt eine besondere Magie“, heißt es in der Jury­ begründung. Tobias Dostal zeichnet nicht nur auf Papier, sondern auch auf Film, Zelluloid und neuerdings auch auf Acrylglas. In seinem Werk verbindet er Zeichnung, Film und Installation. So baut er kinetische Apparaturen, die Bilder ­erzeugen und ein illusionistisches Theater hervorbringen.

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linke Seite: Tobias Dostal, „I am so jelly“, 2017, Foto: Markus Georg


168 ­ obias Dostal hat von 2004 bis 2011 Freie Kunst an der T Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Walter Dahn, Christoph Schlingensief und Thomas Virnich studiert. 2011 bestand er sein Diplom mit Auszeichnung. Zu dem 2010 v ­ erstorbenen Filmemacher, Theaterregisseur und Künstler Christoph Schlingensief hatte er eine be­ sondere Beziehung entwickelt. 2007 begleitete er ihn als Assistent für Bühnenbild und Kamera für die Inszenierung der Wagner-Oper „Der fliegende Holländer“ nach Manaus, Brasilien. 2015 war er der erste „Artist in Residence“ des von Christoph Schlingensief initiierten Projekts „Operndorf ­A frika“ in Burkina Faso. Zwei Jahre zuvor erhielt er das New-York-Stipendium der Niedersächsischen Sparkassen­ stiftung und des Landes Niedersachsen. Tobias Dostal ist nicht nur ein begnadeter Zeichner und Apparatebauer. Auch Zaubertricks f ließen gelegentlich in seine Arbeit ein. In seiner Oldenburger Ausstellung sind auch neue Ritzungen auf Acrylglas zu sehen. In diese Glasplatten kratzt er die Silhouetten von Figuren. Indem er sie um eine sich drehende Stange montiert und mit LEDLicht beleuchtet, ergeben sich kurze Abfolgen bewegter Bilder. Zu den Inspirationsquellen von Tobias Dostal ge­ hören auch avantgardistische Bewegungen früherer Zeiten, etwa die Ende der 1960er-Jahre in den USA entstandene Expanded-­C inema-Bewegung, die das Medium Film von der Kinoleinwand kreativ in andere Kontexte überführte. Analoge Tricks statt digitaler Special Effects, Mehrfachprojektionen statt Photoshop: Bei Tobias Dostal ist noch alles handgemacht. Das überzeugte sowohl die Künstlerkollegin Jorinde Voigt, die den Nachwuchskünstler für den Horst-Janssen-Grafikpreis vorschlug, als auch die Jury, der Nicole Deufel, Leiterin des Amtes für Museen, Sammlungen und Kunsthäuser der Stadt Oldenburg, Dirk Dobke, Leiter der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg, Wulf Herzogenrath von der Akademie der Künstler Berlin, Jutta Moster-Hoos, Leiterin des Horst-Janssen-Museums, und der Sammler und Kurator Rik Reinking angehörten. Jorinde Voigt empfahl Tobias Dostal mit folgenden Worten: „Alle Arbeiten entstehen aus allergrößter Ernst­ haftigkeit, ohne angestrengt zu sein. Für mich besonders interessant die Aussagen, die über Zeit stattfinden. So zum Beispiel die filmische Arbeit aus Afrika, in der mit Wasser auf Steine gezeichnet wurde und durch den Verduns­ tungsprozess ein ständiges Oszillieren der Bewegung und Erscheinungsform entsteht.“ Zeichnen mit Licht und Schatten, bewegte Bilder durch rotierende Apparaturen, Technik sinnlich eingesetzt: Tobias Dostal ist ein Meister der Illusion. Angeregt durch das Großstadtleben in Berlin, aber auch durch Kino, Theater und Reisen schafft er eine künstlerische Parallelwelt voller Figuren und Szenen in f lüchtigem Zusammenspiel. Wer in die Bilderwelt des Tobias Dostal eintaucht, wird fasziniert sein von den sich überlagernden bewegten Bilder, von optischen Tricks und Täuschungen. Zeichenkunst einmal jenseits von Stift und Skizzenblock: Das klassische Medium wird von ­Tobias Dostal völlig neu interpretiert. N I C O L E B Ü S I N G & H E I K O K L A A S

Bis 1 4 . Januar 2018 To b i a s D o s t a l – 6 . H o r s t- J a n s s e n - G ra f i k p r e i s t rä g e r der Claus Hüppe-St if t ung H o r s t- J a n s s e n - M u s e u m , O l d e n b u r g w w w . h o r s t- j a n s s e n - m u s e u m . d e www. tobiasdostal. com


Tobias Dostal, „Der Gefügte“, 2017, Tusche auf Papier

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170 Die besten Arbeiten des Felix Schoeller Photo Awards 2017 in Osnabrück

Winners & Nominees Schon im August hatte sich die Jury entschieden: 187 Arbeiten aus 2.377 Einreichungen schafften es auf die Shortlist des Felix Schoeller Photo Awards 2017 – dem höchstdotierten Fotowettbewerb im deutschsprachigen Raum. Eine Ausstellung im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück stellt nun ­A rbeiten von 30 nominierten Fotografinnen und Fotografen in den fünf Kategorien des Wettbewerbs vor – und natürlich auch die Gewinner. In den Kategorien siegten der Argentinier Rodrigo ­Illescas (Porträt), die Niederländerin Saskia Boelsums (Landschaft/Natur), der Bielefelder Mario Brand (Architektur/ Industrie), der Belgier Alain Schroeder (Fotojournalismus/ Editorial) sowie der Brite Matt Hulse (Freie/ Konzep­ tionelle Fotografie). Sie dürfen sich über ein Preisgeld von je 2.000 Euro freuen. Den mit 5.000 Euro dotierten Nach­ wuchs­f örderpreis, gesponsert von Olympus, verlieh die Jury dem syrischen Fotografen Hosam Katan. Der neu

geschaffene P ­ ublikumspreis, unterstützt und als Onlinevoting durch­geführt von dem internationalen Medienpartner „British Journal of Photography“, ging an den brasilianischen Foto­grafen Guilherme Bergamini für seine Arbeit „Education for all“. Zum Höhepunkt der Verleihung wurde Matt Hulse ein zweites Mal geehrt. Er erhält für seine außergewöhnliche ­A rbeit „Sniper“ den Felix Schoeller Photo Award in Gold und damit 10.000 Euro zusätzliches Preisgeld. „In vielen Fällen waren es kleinste Nuancen, die am Ende über die Nominierung entschieden haben“, so der Fotograf Michael Dannenmann, Vorsitzender der fünfköpfigen Jury. Die Ausstellung „Winners & Nominees – Felix Schoeller Photo Award 2017“ zeigt bis zum 25. Februar 2018 alle Arbeiten der Sieger und N ­ ominierten im großen Format – gedruckt auf Papier des traditionsreichen Osnabrücker Fotopapierherstellers Schoeller.

Architektur/Industrie: „China West“ von Julien Chatelin, FR


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Nominierte Fotografinnen und Fotografen wie George ­S elley, Julien Chatelin, Frank Kunert oder Rodrigo Illescas vertreten ganz unterschiedliche Positionen der Fotokunst. Frank K ­ unerts Werk etwa ist in den vergangenen Jahren ­i mmer ­b ekannter geworden. In der Tradition von Modell­ fotografen wie Thomas Demand, Thomas Wrede oder Oliver Boberg kreiert er kleinbürgerliche fotografische Idyllen, ­denen man erst auf den zweiten oder dritten Blick ansieht, dass sie nicht echt sind – sondern Fake. Bei Kunerts Arbeiten wendet sich die Kühle und Strenge der Vorbilder aber ins ­D etailverliebte, Idyllische: „Fotografien kleiner Welten“ nennt er seine Serie, die in Filigranarbeit aus Leichtschaumplatten, Knetmasse und Farbe entsteht. Alles, was wir hier sehen, sind dreidimensionale Kulissen, die im Studio mit der Großformatkamera fotografiert wurden. Doch warum greift der in Frankfurt am Main geborene Fotokünstler nicht zu Photoshop und täuscht digital? Es geht dem Fotografen nicht um Perfektion – alles soll ein wenig analog und retro glänzen. Humorvoll sind diese Bilder, skurril und manchmal auch grotesk. Die Idyllen von Kunert blicken oft zurück in die Geschichte Deutschlands: Nachkriegshäuser, die Wohnkultur der 1960er- und 1970er-Jahre – Melancholie mischt sich mit Tristesse.

Wunderbar und geheimnisvoll sind die Porträts von Rodrigo Illescas aus Argentinien oder die Bilder der Serie „China West“ von Julien Chatelin aus Paris, die sich mit dem Wandel des asiatischen Landes befasst. „China West“ erforscht den schwindenden Raum zwischen Natur und Stadt – dringt bis zum Kern des Wandels vor. Nominiert in der Kategorie „Beste Nachwuchsarbeit“ ist schließlich unter anderem die Serie „Vault 7“ von George ­S elley aus London, die in Frankfurt am Main fotografiert ­w urde. Selley greift hier das Thema von CIA-Geheimdokumenten auf. Dazu sagt er: „Mit meinen Fotos möchte ich nicht nur diese absurde Banalität vermitteln und verfolgen, sondern auch unsere Vorstellungen von der Funktionsweise solcher Organisationen und deren Integrität hinterfragen …“ MARC PESCHKE

Bis 25 . Februar 2018 W i n n e r s & N o m i n e e s – F e l i x S c h o e l l e r P h o t o A w a rd 2 0 1 7 Museumsquar t ier Osnabr ück / Kult urgeschichtliches Mu seum www. osnabr ueck. de/ kg m w w w . f e l i x- s c h o e l l e r- p h o t o a w a rd . c o m

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — A U S S T E L L U N G E N

Freie/Konzeptionelle Fotografie: „Lifest yle“ von Frank Kunert, D


Foto: Holger Biermann

Abb.: LOTHAR SERUSET | JERUSALEM | 2017 7-teilige Installation, Holz bemalt, Keramik ca. 200 x 400 x 400 cm

GALERIE TAMMEN & PARTNER auf der Kunstmesse art KARLSRUHE 2018 Do, 22. Februar – So, 25. Februar 2018 Preview: Mi, 21. Februar 2018 15 - 21 h (nur für geladene Gäste)

HALLE 3 STAND J 27 + J 29

D-10969 Berlin • Hedemannstr. 14

Künstler / innen: MARION EICHMANN CLAUDIA FÄHRENKEMPER SABINE OSTERMANN GABI STREILE DIETMAR BRIXY WERNER SCHMIDT THORSTEN ZWINGER Skulpturenplatz: ANKE EILERGERHARD

Tel: +49 (0)30 225 027 910

Galerieausstellungen: 20. Oktober – 25. November 2017: HEIKE JESCHONNEK - Paraffinzeichnungen LOTHAR SERUSET - Skulpturen / Holzschnitte 1. Dezember 2017 – 27. Januar 2018: HARALD GNADE - Malerei HERBERT MEHLER - Cortenstahlskulpturen 2. Februar – 10. März 2018: PERSIS EISENBEIS - Malerei DETLEF WASCHKAU - Holzrelief 13. März – 21. April 2018: ANDREAS THEURER - Skulpturen / Reliefs KARSTEN KUSCH - Malerei / Zeichnungen

Fax: +49 (0)30 225 027 911

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173 Kunstpreis der Stadt Wolfsburg an Julius von Bismarck

Forschungsreisender in Sachen Natur

Julius von Bismarck, Courtesy: alexander lev y, Berlin © Julius von Bismarck

Politiker Wahlkampf betreibt, indem er Flutkatastrophen­ opfern hilft. Die Natur ist voll in der Politik angekommen. Der Titel lässt offen, welche Gewalt genau gemeint ist. Das er­öffnet eine politische Interpretation der gezeigten Naturgewalten vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation, aber eben auch jeder anderen Situation.“ So viel steht also fest: Das Publikum erwartet eine Ausstellung, die sich auf der Höhe der Zeit und mit womöglich spektakulären Bildern mit den drängenden Fragen unseres Planeten auseinandersetzen wird. NICOLE BÜSIN G & HEIKO KL A AS

11. November 2017 bis 3. Juni 2018 Juliu s von B i s marck – G e walte nte ilung S t ä d t i s c h e G a l e r i e Wo l f s b u r g www. staedt i sche -gale r ie -wolf sburg. de

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — A U S S T E L L U N G E N

„Ich ziehe meine Inspiration aus der Wissenschaft und arbeite künstlerisch“, sagt der Berliner Künstler Julius von Bismarck, Jahrgang 1983, der in diesem Jahr den Kunstpreis der Stadt Wolfsburg „Junge Stadt sieht Junge Kunst“ erhält. Schlagartig bekannt geworden ist von Bismarck, dessen Erkennungszeichen ein markanter Vollbart ist, in den vergangenen Jahren durch eine Reihe spektakulärer Aktionen und Performances. Für seine Arbeit „Egocentric System“ etwa verlegte er sein Atelier während der Art Basel 2015 knapp eine Woche lang publikumswirksam auf eine rotierende Betonscheibe. Zuvor hatte schon seine fotografische Serie „Punishment“ für Aufmerksamkeit gesorgt. Zwischen 2011 und 2012 nahm er im Grand Canyon, am Strand von Ipanema und in den Schweizer Bergen den vergeblichen Kampf gegen die Naturelemente auf. Auf den dabei entstandenen Bildern zu sehen ist der Künstler selbst, wie er sich, ausgerüstet mit einer mehrere Meter langen Peitsche, der übermächtigen Natur entgegenstellt. Der Wolfsburger Preis, der seit 1959 existiert und seit 1992 alle drei Jahre vergeben wird, ist einer der renommier­ testen Kunstpreise der Bundesrepublik. Zu den früheren Preisträgern gehören Thomas Schütte, Olaf Nicolai und ­zuletzt Angela Bulloch und Bettina Pousttchi. Die Vergabe des Preises ist mit einer Einzelausstellung und einer Publikation verbunden. Für seine Ausstellung in der Städtischen Galerie hat Julius von Bismarck den Titel ­„Gewaltenteilung“ gewählt. In der Schau präsentiert werden Werke der Medien Skulptur, Installation und Video, die sich im weitesten Sinne mit den Naturgewalten ausein­a n­ dersetzen. Was genau zu sehen sein wird, verrät der viel reisende Künstler, der zuletzt Waldbränden in Italien und dem Hurrikan Irma in der Karibik auf der Spur war, allerdings noch nicht. Nur so viel: „Der Mensch ist böse, und die Natur ist gut“, sagt er. „Wir sind eine Art Schande für unseren ­Pla­neten. Vor diesem Hintergrund untersuche ich die Naturgewalten. Sintflut, Fegefeuer, Donner, Gott. Was steckt heute hinter diesen Gewalten?“ Der Titel „Gewaltenteilung“ bietet aber zugleich eine politische Lesart an. Julius von Bismarck dazu: „Wir leben in einer Zeit, in der die Natur an die Stelle der Religion tritt. ­Naturgewalten haben also auch eine politische Dimension. Egal, ob die Klimapolitik verantwortlich gemacht wird für eine Flutkatastrophe oder einen Waldbrand oder ob ein


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Ravensburg

Galerie 21.06 Die Galerie 21.06 in der Marktstraße der Ravensburger Oberstadt in unmittelbarer Nähe zu Kunstmuseum, Humpis-Quartier, Ravensburger und Wirtschaftsmuseum strahlt ein besonderes Ambiente aus. Sie vernetzt zeitgenössische Kunst in mittelalterlichen denkmalgeschützten Räumen. Ihr Eingang ist kaum zu übersehen, ziert diesen doch zwischen Gehweg und Straße eine meterhohe Holzskulptur von Klaus Prior. Die beiden Galeristinnen Stefanie Büchele und Andrea Dreher nennen sie gar ein „kleines Galerie-Quartier“. Drei Räume mit rund 130 Quadratmetern Fläche sind es, verbunden durch eine Passage und einen Innenhof. Einer davon dient als „Schaulager“, wo wechselnde Ausstellungen einzelner

Künstlerinnen und Künstler aus dem Galerieprogramm zu ­sehen sind. In dem größeren der beiden Ausstellungsräume sind die Deckenholzbalken aus Eiche der bauliche Blickfang in dem einstigen Welfenhaus. Einer davon stammt aus dem Jahr 1179 und ist der älteste Balken der ganzen Stadt. Vor vier ­Monaten haben Stefanie Büchele, die aus Berlin kommt und für den unternehmerischen Part verantwortlich zeichnet, und die Kunsthistorikerin Andrea Dreher aus Ravensburg die Galerie von ihrer Vorgängerin Doris Hölder übernommen. Ihr Motto: Teamgeist, Aufrichtigkeit, die Fähigkeit mit allem und jedem achtsam und adäquat umzugehen. Jeder und jedes habe hier eine hohe Wertigkeit. Ihr Anliegen ist es, eine Stätte der Begegnung zu schaffen mit dem Ziel, über Bekanntes hinauszudenken. Das findet allein schon seinen Ausdruck im Galerienamen. Ohne Umschweife haben sie ihre Galerie nach jenem Tag und Monat benannt, an dem sie gestartet sind – am 21. Juni 2017. „PUNKTLANDUNG“ hieß dann die Eröffnungsschau mit Bettina Sellmann aus Berlin und ihrer sphärischen Malerei im Kontrast zu den klaren „spot prints“ aus dem Atelier von Damien Hirst. Die Werke dieser beiden Künstler haben gezeigt, dass der Mix aus Alt und Neu aufgeht. Im hinteren Bereich des großen Raums ist zusätzlich eine „Kunstbox“ installiert. Ein mobiles Objektmöbel, in dessen Innerem ausgewählte Kunst- und Designprodukte im nied­ rigeren Preissegment angeboten werden. Darunter befinden sich Auflagenobjekte aus dem „kunstkaufhaus-ost“ als Label von Jan M. Petersen, die Solarlampe „Little Sun“ des ­dä­nischen Künstlers Ólafur Elíasson oder Miniatur­schachtelUnikate mit Ravensburg-Motiven von Alicja Kosmider-Feist. Eine offene, vorurteilsfreie Kunstvermittlung auf allen


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oben: Ausstellungsansicht „PARAGONE“ (9.9.–18.10.2017) mit Franco Campana und Phil Dera, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017 links: Isa Dahl und Daniel Wagenblast in der aktuellen Ausstellung „KOPF UND HAND UND ROSENROT“, © VG Bild- Kunst, Bonn 2017 Fotos: © Galerie 21.06

linke Seite: Andrea Dreher und Stefanie Büchele, Foto: Markus Haner

Alastair Gibson, „Carbon Sturgeon“, Ausstellung „HIGH PRECISION“, Foto: Carbon Art 45 Ltd.

Dieser steht für den extrem hohen Anspruch an die tech­n i­ schen Herausforderungen der beiden Positionen. Und dazu passt bestens die One-Woman-Show von Eva Gieselberg, ­deren Candy Cars man parallel im Schaulager bestaunen wird können. Ab Februar 2018 folgt der Münchner Maler Richard Schur, Meisterschüler von Jerry Zeniuk, in einer Einzelausstel­lung „SOUNDS OF LIGHT “ mit ­a bstrakter Farbfeldmalerei. Von neuer Sinnlichkeit und n ­ euen Horizonten ist die Rede. Und von Kooperationen mit anderen kunstaffinen Einrichtungen. Denn dem Galeris­t innen-Duo geht es um weitaus mehr, als nur ein Bild an die Wand zu ­hängen. Ihnen liegt an der Kommunikation mit ­ihren Kunden und Künstlern und an der ästhetischen Bereicherung, die ein Leben mit Kunst mit sich bringt. BABETTE CESAR

www. galer ie 2 106r v. de

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — A U S S T E L L U N G E N

­ benen strebt Andrea Dreher vor dem Hintergrund ihrer E langjährigen Tätigkeit in dieser Sparte an. Mit ihrer zweiten Ausstellung unter dem Titel „PARAGONE“ haben sie längst bewiesen, dass Provinz nicht gleich provinziell ist. Franco Campana, Maler aus Köln, und Phil Dera, Fotograf aus Berlin, waren eingeladen. Aktuell sind es die Malerin Isa Dahl und der Bildhauer Daniel Wagenblast aus Stuttgart mit neuen Werken zum Thema „KOPF UND HAND UND ROSENROT“. Sie sind keine Unbekannten in der Oberschwabenmetropole und werden auch künftig zum festen Künstlerstamm der Galerie 21.06 gehören. Die Galeristinnen schauen weit voraus – bis Ende 2018 würde das Programm stehen – und sind doch stets mit offenen Augen in der Kunstszene unterwegs. So sind sie auf der Suche nach neuen Schnittmengen während der Messe „art KARLSRUHE“ auf die außergewöhnlichen Skulpturen des südafrikanischen Carbon-Künstlers Alastair Gibson ­gestoßen. Diese werden nun ab 2. Dezember 2017 mit Seri­ grafien aus den 1970/80er-Jahren der Edition Domberger, Filderstadt, in Dialog treten. Titel der Ausstellung, die bis Ende Januar 2018 zu sehen sein wird: „HIGH PRECISION“.


ART OF ENGINEERING 2018 BINÄR.BEWEGT

WIR VERBINDEN KUNST UND TECHNIK ART OF ENGINEERING ist der interdisziplinäre FERCHAU-Kunstwettbewerb im Spannungsfeld von Kunst und Technik. Zum fünften Mal wird der mit 20.000 Euro dotierte Kunst- und Wissenschaftspreis ausgeschrieben. Das Motto in diesem Jahr lautet: »binär.bewegt – Symbiosen von IT und Mobilität«. IT und Mobilität sind eng miteinander verzahnt. Digitaler Wandel, Datenströme, Neuroscience und Verkehrsinfrastruktur stehen für die Bewegung der Zukunft. Zeigen Sie uns Ihre Arbeiten, die sich mit Symbiosen von IT und Mobilität auseinandersetzen. Überzeugen Sie unsere hochkarätige Jury von Ihren innovativen Ideen in Form von Objekten, Installationen, Bewegt- oder zeitgestützten Bildern. Melden Sie sich noch bis zum 7. Januar 2018 an. Alle Details zur Teilnahme finden Sie online: ferchau.com/go/aoe Partner des »ART OF ENGINEERING« sind unter anderem die Fraunhofer-Gesellschaft, der VDI Verlag, das Internationale Bionik-Zentrum, das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, die Technische Universität Berlin und die Kunsthochschule für Medien Köln sowie die UNICUM Hochschulmagazine.

FERCHAU Engineering GmbH, Zentrale Steinmüllerallee 2, 51643 Gummersbach, Fon +49 2261 3006-0, info@ferchau.com

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FOTO: URSUL A NEUGEBAUER, QUARTEIR A , ALGARVE (PORTUGAL), 2017

Eröffnung: 18.11.2017, 11.30 Uhr

AUSSTELLUNG 19.11. – 10.12.2017 geöffnet: täglich 10–16 Uhr

KUNSTRAUM St. Georgen St.-Georgen-Kirchhof, 23966 Wismar

Partner

Veranstalter


FOKUS FROHNER DIE SAMMLUNG GABRIEL 15.10.2017â&#x20AC;&#x201C;08.04.2018 WWW.FORUM-FROHNER.AT

Adolf Frohner, Hochzeit der Schwestern (Detail), 1967, Sammlung Gabriel, Foto: Christian Redtenbacher


wege

aus dem

bauhaus Gerhard Marcks und seine Freunde

26. November 2017 bis 4. März 2018

Gefördert von:

Medienpartner:

bäuerlegestaltung

In Kooperation mit:

freundes kreis

RAUM SCHROTH im Museum Wilhelm Morgner, Soest

painting black

2. Dez. 2017 – 4. März 2018

www.skk-soest.de


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A m r e i’s A r t b l o g f ü r E n t d e c k e r Amrei Heyne ist Kunstberaterin (Stuttgart/München) und berichtet sehr persönlich vom Suchen und Finden der Kunst.

„Where have all the Flowers gone …“ – „Sag mir, wo die Blumen sind ...“ Hören Sie die Melodie klingen? Wie bedroht ist die Welt gerade? Wie schaffen wir den Spagat zwischen Weltschmerz und Wegsehen im Tageskampf? Sehen Sie noch Nachrichten? Und wie kann die Kunst den Planeten retten, wenn die Politik versagt!? Wann wird man je verstehn … „Normalzustand“ hieß eine Undergroundfilm-Reihe zwischen Punk und Kunstakademie, die im goldenen Lenbachhaus in München spielte. Hochpoetische Produktionen der 1980er in Super-8! Von und mit Yana Yo, Die Tödliche Doris, Anarchistische Gummizelle, Notorische Reflexe und anderen! Eva Huttenlauch und Matthias Mühling kuratierten eine starke Schau der dem Lenbachhaus und dem Kunstmuseum Bonn verbundenen Bonner Privat­ sammlung KiCo – an beiden Häusern gleichzeitig: „Mentales Gelb. Sonnenhöchststand“ mit Franz Ackermann, Karla Black, Thomas Demand, Thea Djordjadze, Ceal Floyer, Thomas Scheibitz, Maria Lassnig, Sarah Morris, Isa Genzken, Wolfgang Tillmanns … bis Corinne Wasmuht: Hochkaräter der Installation, Malerei, Skulptur, Fotografie und Film, die abbilden, was muss und ist! Und was gibt es Schöneres, als obendrein und anschließend im Bilderbuch-Oktoberherbst eines gewöhnlichen Wochentag-Nachmittages im Garten der Villa in die Sonne zu blinzeln? Oktoberfest, nein danke! Zum „OPEN art“-Wochenende im September in München feierte vogelARTediton um Sebastian Vogel sein einjähriges Bestehen mit Künstlern und glücklichen Kunden. Arbeiten von Brigitte Kowanz und Sébastien de Ganay (beide Häusler Contemporary), Daniel Richter, Jonathan Meese, Katharina Sieverding, Erwin Wurm und andere glänzten im Dialog. Edgar Leciejewski war im renommierten Forum für Fotografie in Köln mit der Einzelausstellung „Welt im

Liam Gillick, Lihotsky Carpet by Equator Production

Am Ammersee …

Erinnern Sie sich an Ihre Träume! Finden Sie den Punk in Ihrem Leben! Machen Sie doch, was Sie wollen!

Thomas Demand @Lenbachhaus

Martin Klimas, Katharina Sieverding @vogelARTedition

Jiri Georg Dokoupil @Galerie Jahn

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — A M R E I ’ S A R T B L O G

Amrei Heyne, 2017, Alle Fotos: Amrei Heyne

Kopf“ bis Ende Oktober präsent. Seine Pionierarbeit geht weit über das reine Medium Fotografie hinaus! Seit den 1980er-Jahren schon gibt es „Equator Production“, gegründet von Petra Grunert-Singh und Ranbir Singh: Hier denken Künstler Objekte neu bzw. findet man Teppiche von alten und jungen Meistern wie Felix Gonzalez-Torres, Joseph Kosuth, Walter Dahn, Jiri Georg Dokoupil, Ken Lum, Emilia und Ilja Kabakov, Jonathan Monk, Rob Scholte, Albert Oehlen, Rosemarie Trockel, Heimo Zobernig. Nach Ausstellungen im MOCA Cleveland und in New York City bei tANJA gRUNERT freu ich mich auf eine Show in Deutschland! Jiř í Georg Dokoupil zeigt neue Bilder in seiner Ausstellung „NEW BUBBLES“ in der Galerie Jahn in Landshut. Zur gut besuchten Vernissage sprach der Künstler über Seifenschaum und Arbeitsweise. Überhaupt macht es Sinn, sich zu erinnern, was bislang vergessene Künstler in diesem und dem vorigen Jahrhundert bereits leisteten. Riskieren Sie doch wieder einmal einen Blick in die ständigen Sammlungen moderner Ausstellungshäuser – in Ihrer Stadt oder anderswo. Meine Wunschliste für ganz bald: „Paris Photo“ (post Frankfurter Buchmesse) – because of the flair!, Tate Modern, London: „Soul of a Nation: Art in the Age of Black Power“ – afroamerikanische Kunst der 1960er- und 1970er-Jahre unter anderem aus der Privatsammlung von Spike Lee (das Haus ist übrigens Finalist des „Art Fund Museum of the Year“ 2017) sowie dem MOCA A Museum of Contemporary Art Africa in Kapstadt (Danke! Jochen Zeitz). Außerdem die Eröffnung des Louvre Abu Dhabi im November und (das könnte wahr werden) die Biennale (und mehr) in Venedig im Novembernebel … ah, „La Serenissima“!


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Ahrenshoop

Bad Arolsen

Berlin

Baumeister für die Kunst: Museumsarchitektur bis 18.3.2018 Der Ungeheuerte. Bilder vom Meer: Harald Metzkes, Malerei und Zeichnungen außerdem: Sammlungspräsentation 125 Jahre Künstlerkolonie bis 11.3.2018 Kunstmuseum Ahrenshoop

Dietrich Klinge Im Dialog mit der Klassik Interventionen im Christian Daniel Rauch-Museum bis 31.12.2017

Benjamin und Brecht. Denken in Extremen bis 28.1.2018 Akademie der Künste

„Baumeister für die Kunst“ versammelt herausragende Entwürfe von Museumsneubauten oder spektakulären Sanierungen. David Chipperfield Architects, Staab Architekten, Nieto Sobejano Aquitectos zeigen Fotos und Modelle von ihren realisierten Museumsprojekten als „dienende Räume“ für künstlerische und historische Objekte. In der zweiten Schau sind Bilder des Malers Harald Metzkes zu sehen. Die Ausstellung konzentriert sich auf Darstellungen vom Meer oder allegorische Szenen am Strand. Tatsächlich spielt gerade die Ostsee eine wichtige Rolle im Schaffen Metzkes‘ – auch als Inspiration für künstlerische Wendepunkte. Zu sehen sind Bilder aus 50 Jahren. In der Sammlungsausstellung zeigt das Museum Kostbarkeiten der Künstlerkolonie Ahrenshoop – ­a ngefangen bei den Gründern Paul Müller-Kaempff und Anna Gerresheim bis hin zur nächsten Künstlergeneration mit Arbeiten von z.B. Alfred Partikel. ☞ Kunstmuseum Ahrenshoop Mo–So 10–17 Uhr, Geschlossen 24./25.12. Weg zum Hohen Ufer 36, 18347 Ostseebad Ahrenshoop T +49 (0)38220 667914 www.kunstmuseum-ahrenshoop.de

Die Intervention im Christian Daniel Rauch-Museum gestaltet der Bildhauer Dietrich Klinge. Seine Skulpturen, vor dem Marstall und im Inneren des Museums präsentiert, stehen im Dialog oder Diskurs zu den Skulpturen des Klassizismus. Wie Christian Daniel Rauch arbeitet Klinge mit dem Material Bronze, jedoch mit dem künstlerischen Anspruch eines zeitgenössischen Bildhauers, der seine Grundformen aus grob bearbeiteten Holzstämmen entwickelt. Es entstehen gegenständliche Figuren, die mytholo­g ische oder religiöse Inhalte aufweisen können. Die Prämisse des Gewinns von Erkenntnissen und der Erweiterung ästhetischer Erfahrungen ist auch der Intervention Dietrich Klinges zu eigen, der einer der renommiertesten Bildhauer der Gegenwart ist. „Ich habe eine starke Affinität zu unserem Zeitalter, aber ich denke ebenso an andere Räume, andere Epochen. Das ist nur ein anderer Dialog.“ (Dietrich Klinge) ☞ Christian Daniel Rauch-Museum Mi–Sa 14–17 Uhr, So 11–17 Uhr und nach Vereinbarung Schlossstraße 30, 34454 Bad Arolsen T +49 (0) 5691 625734 www.museum-bad-arolsen.de

Die Ausstellung „Brecht und Benjamin. Denken in Extremen“ widmet sich der Beziehung zwischen Walter Benjamin und Bertolt Brecht. Höchst unterschiedlich geprägt, nähern sich der Dichter und der Kritiker in der Weimarer Republik einander an. Sie diskutieren Grundfragen der Kunst und der Politik in einer Form, die bis heute Spannungen erzeugt und Fragen aufwirft. Gezeigt wird eine Auswahl mitunter noch unbekannter Originale sowie historisches Material in Form von Film- und Audiodokumenten. Zeitgenössische künstlerische Arbeiten kommentieren das Geschehen aus der Gegenwart. Die Ausstellung wird gefördert von der FRIES-Gruppe, der Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste, dem Goethe-Institut, der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur sowie von Alexander Kluge, München. ☞ Akademie der Künste Di–So 11–19 Uhr Hanseatenweg 10, 10557 Berlin T +49 (0) 30 200 57 2000 www.adk.de/benjamin-brecht

„Bertolt Brecht und Walter Benjamin spielen Schach“, 1934, Skovsbostrand/Dänemark, Foto: unbekannt © Akademie der Künste, Berlin, Bertolt-Brecht-Archiv

Harald Metzkes, „Selbst in der Ostsee“, Öl auf Leinwand, 80 x 110 cm, 1977 (Quelle: Manuel Weidt)

Dietrich Klinge, „Daphne II“, Bronze, 2016, Höhe 167 cm, Ex. 5/6


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Berlin

Bietigheim- Bissingen

Böblingen

Guy Bourdin. Image Maker Helmut Newton. A Gun for Hire Angelo Marino. Another Story 1.12.2017 – 13.5.2018 Helmut Newton Stiftung Museum für Fotografie

Stand der Dinge Der Künstlerbund Baden-Württemberg zu Gast in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen und im Kunstmuseum Singen bis 7. Januar 2018

Bildgewalt Darstellungen zwischen Wahn und ­W irklichkeit aus den Kunstsammlungen der Stadt Böblingen Bis 2.4.2018 Bauernkriegsmuseum und Städtische Galerie Böblingen (Museum Zehntscheuer)

Guy Bourdin revolutionierte in den 1960er- und 1970er-Jahren die Modefotografie ähnlich radikal, wie es Helmut Newton getan hat. Beide arbeiteten für die gleichen Magazine, aber auch direkt für Klienten aus der Modewelt; dabei entwickelten sie – neben einer zeitlosen Eleganz – unabhängig voneinander die Idee des „Radical Chic“. In der umfangreichen Berliner Ausstellung werden Auftragsarbeiten dieser beiden einflussreichen Modefotografen erstmals gemeinsam gezeigt. Von Guy Bourdin werden unter dem Titel „Image Maker“ exemplarisch knapp 100 Aufnahmen aus verschiedenen Quellen vorgestellt. Von Helmut Newton sehen wir in „A Gun for Hire“ vor allem Auftragsarbeiten für Modedesigner, die zunächst in deren Modebüchern veröffentlicht wurden. Ergänzend zu Bourdin und Newton stellt Angelo Marino, ehemaliger Assistent Newtons, unter dem Titel „Another Story“ einen ungewöhnlichen Blick auf seine unmittelbare Umgebung vor. ☞ Helmut Newton Stiftung Museum für Fotografie Di/Mi, Fr–So 11–19 Uhr, Do 11–20 Uhr Jebensstraße 2, 10623 Berlin 
T +49 (0) 30 318 648 56 www.helmutnewton.com

Der Künstlerbund Baden-Württemberg mit über 400 Mitgliedern aus allen künstlerischen Sparten richtet jährlich in Kooperation mit einer baden-württembergischen Kunstinstitution eine umfassende Ausstellung aus und zeigt den „Stand der Dinge“. 2017 sind mit der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen und dem Kunstmuseum Singen gleich zwei Häuser – im Norden und im Süden des Bundeslandes – beteiligt. Die besondere Herausforderung, eine Präsentation in zwei Teilen getrennt zu denken, haben die beiden Museumsleiter noch potenziert: Sie tauschen ihre Plätze, indem sie jeweils im Haus des Anderen die Ausstellung kuratieren. So heißt es für die Kunsthistoriker, gewissermaßen überkreuz zu denken, welche Arbeiten von den insgesamt 63 ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern in welchem Raum angemessen präsentiert werden können. Dies ergibt eine spannende Korrespondenz und zugleich einen frischen Blick bei der Auswahl aus der aktuellen Produktion der baden-württembergischen Kunstszene. ☞ Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen Di/Mi/Fr 14–18 Uhr, Do 14–20 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr, 1.11/26.12./1.1./6.1. 11–18 Uhr Hauptstraße 60–64, 74321 Bietigheim-Bissingen T +49 (0) 7142 74 483 galerie.bietigheim-bissingen.de

Aus dem feierlichen Anlass des 30-jährigen Bestehens des Museums Zehntscheuer werden erstmals gemeinsam Werke aus den Beständen des Deutschen Bauernkriegsmuseums und der Städtischen Galerie Böblingen zu den Themen Aufruhr, Ohnmacht und Unterdrückung präsentiert. Die „bildgewaltigen“ Arbeiten von Heinrich Altherr, Otto Dix, Hans Fähnle, Franz Frank, Wilhelm Geyer, HAP Grieshaber, Alice Haarburger, Bernhard Heisig, Maria Hiller-Foell, Alfred Hrdlicka, Käthe Kollwitz, Gérard Krimmel, Christian Landenberger, Rudolf Müller, Reinhold Nägele, Peter Neubert, Rudolf Schlichter, Werner Tübke, Marinus van Aalst und vielen mehr zeigen auf beeindruckende Weise, wie vielfältig sich Künstler den Erscheinungsformen der Gewalt in Gesellschaft und Politik in ihren Gemälden, Installationen und Plastiken nähern. ☞ Deutsches Bauernkriegsmuseum Städtische Galerie Böblingen (Museum Zehntscheuer) Mi–Fr 15–18 Uhr, Sa 13–18 Uhr, So 11–17 Uhr Pfarrgasse 2, 71032 Böblingen T +49 (0) 7031 669 1705 www.boeblingen.de

Franz Frank, „Proletarisches Altarbild“, 1928

Helmut Newton, „Thierry Mugler“, Milan 1998

Daniel Bräg, „3 Kühlschränke“, 2016, Kühlschränke, Holzsockel,

© Helmut Newton Estate

Gläser, Gelatine, Obstblüten, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Kunstmuseum Singen Di–Fr 14–18 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr Ekkehardstr. 10, 78224 Singen (Hohentwiel) T +49 (0) 7731 85271 www.kunstmuseum-singen.de


Vier Winde Pia Fries Gerhard-Altenbourg-Preis 2017

L I N DE NAU - M U S E U M A L T E N BU RG 2017

CéCile Reims D´après Hans Bellmer 11.11.2017 bis 18.02.2018 Panorama Museum

La rose pudique, 1971

Pia Fries: ponton (Ausschnitt), 2015 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

12.11.2017 – 18.2.2018

Am Schlachtberg 9 06567 Bad Frankenhausen Tel.: 034671 / 6190 www.panorama-museum.de Di bis So 10 - 17 Uhr


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Brühl

Davos

Dortmund

MIRÓ – Welt der Monster bis 28.1.2018 Max Ernst Museum Brühl des LVR

Ernst Ludwig Kirchner & Oskar Kokoschka 19.11.2017 – 22.4.2018 Kirchner Museum Davos

Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes 25.11.2017 – 8.4.2018 HMKV im Dortmunder U, Ebene 6

Das Werk des Jahrhundertkünstlers Joan Miró (1893–1983) zeichnet sich durch eine faszinierende Vielfalt und Erfindungskraft aus. Die Ausstellung „MIRÓ – Welt der Monster“ widmet sich dem bildhauerischen Schaffen Mirós und konzentriert sich dabei auf seine in den 1960er- und 1970er-Jahren geschaffenen Plastiken. In dieser Zeit entstanden zahlreiche, aus Fundstücken und ausgedienten Gegenständen kombinierte Figuren, die Miró in Bronze gießen ließ und teils farbig bemalte. Für ihn bevölkern sie eine „traumhafte Welt lebender Monster“. Gezeigt werden insgesamt 67 Werke, darunter rund 40 bis zu drei Meter hohe Bronzeplastiken, die das Herzstück der Ausstellung bilden. Die Ausstellung ist exklusiv in Zusammenarbeit mit der Fondation Marguerite et Aimé Maeght im südfranzösischen Saint-Paul-de-Vence entstanden. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der mithilfe der App „Miró 2.0“ eine virtuelle Umrundung ausgewählter Werke möglich macht. ☞ Max Ernst Museum Brühl des LVR Di–So/feiertags 11–17 Uhr Geschlossen 24./25./31.12.17 und 1.1.18 Comesstraße 42, Max-Ernst-Allee 1, 50321 Brühl T +49 (0) 2232 5793 0 www.maxernstmuseum.lvr.de

Mit Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) und Oskar Kokoschka (1886–1980) werden erstmals in einer Ausstellung die Protagonisten des deutschen und österreichischen Expressionismus einander gegenübergestellt. Die Biografien der beiden Künstler überschneiden sich in ihren künstlerischen Anfängen im Jugend- bzw. Sezessionsstil, in Wirkungsorten wie Berlin und Dresden und ihrer Stigmatisierung als „entartete Künstler“ durch die Nationalsozialisten im Jahr 1937. Um ihren Ruf als Pioniere der expressionistischen Kunst zu untermauern, waren sowohl Kirchner als auch Kokoschka darauf bedacht, ihre Frühwerke vorzudatieren. Zudem spielt die Schweiz eine überaus wichtige Rolle in ihren Leben. Das wird durch die Tatsache bestätigt, dass sich der Kirchner- und der Kokoschka-Nachlass in der Schweiz befinden. Die Ausstellung versammelt Zeichnungen, Aquarelle, Druckgrafiken und Gemälde der beiden Künstler. Sie konzentriert sich auf Werke aus der Zeit von 1905 bis 1938. ☞ Kirchner Museum Davos Di–So 11–18 Uhr Promenade 82, CH-7270 Davos Platz T +41 (0) 81 410 63 00 www.kirchnermuseum.ch

E.L. Kirchner, „Männerkopf, Selbstbildnis“, 1926 / O. Kokoschka, „Selbstbildnis von zwei Seiten“, 1923

„Sturm auf den Winterpalast“, unretuschierte Variante und vermutetes Original des theatrales Reenactments auf dem Palastplatz, Sankt Petersburg, 1920, von Nikolaj Evreinov (Regisseur), u.a. Foto: CGAKFFD SPb, Katalognummer Ar 86597

Joan Miró, „Fliehendes junges Mädchen“, 1967, bemalte Bronze, Collection Fondation Marguerite et Aimé Maeght, Saint-Paul, France © Successió Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

2017 jährt sich die Oktoberrevolution zum 100. Mal. Aus diesem Anlass widmet sich die Ausstellung jener Fotografe, die wie keine andere zum Symbolbild dieser Revolution geworden ist: dem Sturm auf den Winterpalast. Allerdings stammt das Foto nicht vom historischen Ereignis selbst, sondern von einem Massenspektakel, das 1920 von dem russischen Theaterregisseur Nikolaj Evreinov inszeniert worden ist. Aus der Fotografie eines Theaterereignisses wurde ein „historisches Dokument“. Die Ausstellung präsentiert Filmaufnahmen und Fotografien des Massenschauspiels sowie die Dokumentwerdung des Fotos in der sowjetischen Geschichtsschreibung. Zudem werden Arbeiten zeitgenössischer Künstler und Künstlerinnen gezeigt, die den Sturm auf den Winterpalast kommentieren und sich mit den Themen Geschichte, Erinnerung, Reenactment und Wiederholung auseinandersetzen. Kuratorinnen: Inke Arns & Sylvia Sasse Mit: Chto delat (RU), Nikolaj Evreinov (RU), Milo Rau – International Institute of Political Murder (CH), Peter Watkins (UK) u. a. ☞ HMKV (Hartware MedienKunstVerein) im Dortmunder U Di/Mi, Sa/So 11–18 Uhr, Do/Fr 11–20 Uhr Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund T + 49 (0) 231 496642 0 www.hmkv.de


Cartoonmuseum Basel

präsentiert—presents

Lorenzo Mattotti Imago

11.11.2017 —11.3.2018

cartoonmuseum.ch

E. L. Kirchner, Männerkopf, Selbstbildnis, 1926; O. Kokoschka, Selbstbildnis von zwei Seiten, 1923

171008_Cartoon_Artmapp_RZ.indd 1

kirchnermuseum_artmap_181x125_druck.indd 1

08.10.17 18:47

19.11.17 – 22.04.18

Ernst Ludwig Kirchner & Oskar Kokoschka Kirchner Museum Davos

Ernst Ludwig Kirchner Platz Promenade 82 CH–7270 Davos Platz www.kirchnermuseum.ch

26.09.17 19:00


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Duisburg

Eberdingen

Heilbronn

Rebecca Horn. Hauchkörper als ­L ebenszyklus Ausstellung der ­W ilhelm-Lehmbruck-Preisträgerin 2017 24.11.2017 – 2.4.2018 Eröffnung und Verleihung des Preises am 24. November, 18 Uhr Lehmbruck Museum

beide | both Sean Scully und Liliane Tomasko bis 22.12.2017 KUNSTWERK – Sammlung Klein

Richard Deacon. About Time bis 25.2.2018 Kunsthalle Vogelmann Der international renommierte Bildhauer Richard Deacon erhält für sein Lebenswerk den Ernst Franz Vogelmann-Preis für Skulptur 2017. Seit mehr als vier Jahrzehnten umkreist das bildhauerische Schaffen des Briten virtuos elementare Fragen der Skulptur und deren Wahrnehmung. Dabei reizen ihn extreme Lösungen. Auch das In-Beziehung-Setzen mit dem Betrachter durch Sprache ist ein wesentlicher Bestandteil. In der sinnlich-materiellen Ausstrahlung dieser rätselhaften Schöpfungen sind Körper und Intellekt somit gleichermaßen gefordert. Ob in Holz, Stahl, Aluminium, Keramik oder Kunststoff, die ungeheure Vielfalt der daraus entwickelten Form(er) findungen versetzt in gleichem Maß in Erstaunen wie deren handwerkliche und industrielle Umsetzung. Die gemeinsam mit Richard Deacon angelegte Schau umreißt 50 Jahre künstlerische Produktion. Mit noch nie öffentlich gezeigten Arbeiten aus der Frühzeit und prominenten Einzelwerken präsentiert die Ausstellung das außergewöhnliche Spektrum seiner Materialien und Formen bis in die jüngste Gegenwart. ☞ Kunsthalle Vogelmann Di/Mi/Fr–So/feiertags 11–17 Uhr, Do 11–19 Uhr Allee 28, 74072 Heilbronn T +49 (0) 71 31 56 44 20 www.museen-heilbronn.de

Richard Deacon, „Big Time“, 2016, Edelstahl bemalt und lackiert, Rebecca Horn, „Hauchkörper“, 2017, 600 x 300 x 362 cm,

Courtesy: Marian Goodman Gallery, New York / London / Paris,

Messingstäbe, Stahl, Elektronik, Motoren, Foto: Gunter Lepkowski

Liliane Tomasko,

Sean Scully,

© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

„The Great Unfolding“, 2016,

„Oisin Sea Green“, 2016,

Öl und Acryl auf Leinwand,

Öl auf Aluminium,

193 x 178 cm,

215,9 x 190,5 cm,

Foto: Eric Tschernow

Foto: Christoph Knoch

© Liliane Tomasko

© Sean Scully

Foto: Ian Coomans, Belgien

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Die Ausstellung zeigt erstmals die neuesten raumgreifenden Installationen der Künstlerin, die Hauchkörper: Überlebensgroße, spitze Stäbe aus Messing bewegen sich in präzise komponierten Choreographien aufeinander zu und voneinander weg. Die unendlich scheinende Bedächtigkeit ihrer Bewegungen wirkt meditativ: Sie verlangsamt uns und führt zur Versenkung in unser Inneres. Zyklische Bewegungen prägen viele der Werke Rebecca Horns von Performances der 1970er Jahre über ihre Spielfilme der 1980er bis hin zu aktuellen kinetischen und skulpturalen Werken. Im Zentrum steht der Mensch und seine Seele, der Mensch auch mit seinen dunklen Seiten, mit seinen Apparaturen, die er sich selbst geschaffen hat, der Mensch mit seiner Fähigkeit, seine eigenen Unzulänglichkeiten durch Schönheit zu überwinden. Die Werke Rebecca Horns nehmen uns unmittelbar gefangen, sie fesseln unsere Aufmerksamkeit und verankern sich in unserem Gedächtnis. Bewegliche Skulpturen bekommen ein Eigenleben und führen uns in Räume des Unbewussten jenseits der Alltagswelt. ☞ Lehmbruck Museum Di–Fr 12–17 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr Düsseldorfer Str. 51, 47051 Duisburg T +49 (0) 203 283 3206 www.lehmbruckmuseum.de

In der zweiten Jahreshälfte präsentiert das KUNSTWERK – Sammlung Klein Werke des Künstlerpaares Sean Scully und Liliane Tomasko. Beide sind genuine Maler. Beide malen abstrakt, und dennoch schöpft sich bei beiden das künstlerische Tun aus dem persönlichen Wahrnehmen und Erleben. Über grundsätzliche Gemeinsamkeiten hinaus verläuft ihre künstlerische Arbeit parallel zueinander mit jeweils individuellem Stil. Jeder von ihnen hat einen eigenen Weg. Sean Scully hat mit seinen Bildgefügen aus Farbfeldern und -bändern bereits in den 1980er-Jahren den internationalen Durchbruch erzielt. Seine Gemälde befinden sich in den Sammlungen der großen Museen weltweit. Wie Scully ist auch Liliane Tomasko in internationalen Ausstellungen mit ihren Gemälden präsent, die mit gestischen Zügen bildräumliche Gewebe aus grafischen und malerischen Elementen bilden. Dass nun Arbeiten der beiden Künstler in Eberdingen-Nussdorf zu sehen sind, findet einen Grund im Bestand der Sammlung. Alison und Peter W. Klein haben in den letzten Jahren repräsentative Werke von Sean Scully erworben, die – in Europa einzigartig – alle Schaffensphasen von Beginn der 1970er-Jahre bis in die Gegenwart umfassen. Nach der Umbaupause im Januar präsentiert das KUNSTWERK – Sammlung Klein von 26.1. – 10.6.2018 die Hängung #18 mit dem Titel „Räumlichkeiten“. ☞ KUNSTWERK – Sammlung Klein Mi–Fr/So 11–17 Uhr Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf T +49 (0) 70 42 376 95 66 www.sammlung-klein.de


KARLSRUHE Klassische Moderne und Gegenwartskunst 22. – 25. Februar 2018

Messe Karlsruhe | www.art-karlsruhe.de KW_Wien_Ad_4c_181x125.qxp_Artmapp 19.10.17 08:30 Seite 1

aus Wien Die Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien zu Gast in der Kunsthalle Würth

Schwäbisch Hall 17. 9. 2017– 8. 4. 2018, täglich 10 – 18 Uhr, Eintritt frei

Abb.: Nicolaes Maes, Bildnis eines Knaben im Kostüm des Adonis, um 1670 (Detail), Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Swiridoff Verlag.

[] www.kunst.wuerth.com


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Köln

Ludwigshafen

Mettingen

GIORGIO MORANDI bis 9.12.17 Galerie Karsten Greve

Stimme des Lichts – Delaunay, Apollinaire und der Orphismus 2.12.2017 – 2.4.2018 Wilhelm-Hack-Museum

Dem Bild gegenüber bis 28.1.2018 Draiflessen Collection

In einem Vortrag im Jahr 1912 unterteilte der Dichter Guillaume Apollinaire den Kubismus in vier verschiedene Strömungen. Dabei führt er angeregt durch die farbenprächtigen Werke des Künstlers Robert Delaunay den Orphismus als ideale Form des Kubismus ein. Die orphische Malerei solle sich so weit wie möglich von der Realität lösen, forderte Apollinaire. Er beschrieb so als einer der ersten eine vollkommen abstrakte Kunst, die kubistische, futuristische und expressionistische Ansätze vereint. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendet die Versuche, den Orphismus als radikale Avantgarde-­ Bewegung zu etablieren. Dennoch ist er für Entwicklung der modernen Kunst des 20. Jahr­ hunderts von entscheidender Bedeutung. Mit Leihgaben aus renommierten internationalen Sammlungen stellt das Wilhelm-Hack-Museum diese Keimzelle der Abstraktion erstmals in ihren Ursprüngen und Einflüssen vor. Präsentiert werden Werke von Robert Delaunay, August Macke, Max Ernst, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Marc Chagall, Sonja Delaunay-Terk u. a. ☞ Wilhelm-Hack-Museum Di/Mi/Fr 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr, Sa/So/feiertags 10–18 Uhr Berliner Straße 23, 67059 Ludwigshafen T +49 (0) 621 504 3045 www.wilhelmhack.museum

Bei der Betrachtung von Kunst geht es um ein individuelles Erleben. Im Fokus der Ausstellung stehen sowohl der Moment der Wahrnehmung von Kunst als auch die Beziehung, die sich zwischen einem Kunstwerk und seinem Gegenüber ergeben kann. In diesem Sinne möchte die Ausstellung anhand ausgewählter Kunstwerke aus unterschied­ lichen Jahrhunderten die Perspektive darauf lenken, was der flüchtige, schwer fassbare, individuell oder kollektiv erlebte Augenblick der Betrachtung von Kunst bewirken kann. Die Präsentation thematisiert keine medien- oder gattungsspezifischen Aspekte, sondern fragt vielmehr, welche formalen und materiellen Beziehungen in welchen Verbindungen welche Wirkungen entfalten und welche Inhalte sie mitbringen. Es sind Kunstwerke unter anderem von Francis Bacon, Georg Baselitz, Janet Cardiff, Marlene Dumas, Lucio Fontana, Vilhelm Hammershøi, Yves Klein, Sigmar Polke, Angelo Puccinelli de Lucca, Neo Rauch, Gerhard Richter, Thomas Struth und Franz von Stuck zu sehen. ☞ Draiflessen Collection Mi–So 11–17 Uhr, jeder 1. Do im Monat 11–21 Uhr Georgstraße 18, 49497 Mettingen T +49 (0) 5452 9168 0 www.draiflessen.com

Thomas Struth, „Hermitage 2, St. Petersburg 2005“, 2005, Courtesy: Thomas Struth und Galerie & Galerie Rüdiger Schöttle © Thomas Struth

Gorgio Morandi, „Paesaggio“, 1957 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Robert Delaunay, „Formes circulaires – Soleil No. 1“, 1913, Öl auf Leinwand, 100 x 81 cm, Sammlung Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Zwanzig Jahre nach der epochalen Präsentation GIORGIO MORANDI in den Räumen am Wallrafplatz (1996–1997) zeigt die Galerie Karsten Greve in einer retrospektiv angelegten Schau 50 Werke Giorgio Morandis (1890–1964) – neben bedeutenden Gemälden auch Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken. Die Ausstellung bietet die seltene Gelegenheit eines profunden Einblicks in das vielschichtige Œuvre des italienischen Künstlers. Ausgangspunkt für sein gesamtes Schaffen sind gewöhnliche Alltagsgegenstände, die er in aufwändigen Arrangements in immer neue Beziehung zueinander setzt. Anhand dieses motivischen Grundrepertoires treibt Morandi seine Auseinander­ setzung mit malerischen Elementen wie Form, Farbe und Volumen bis an die Grenze der Abstraktion voran. Zudem lotet er die Relation zwischen besetztem Raum und Zwischenraum aus. Mit der Loslösung vom realen Entstehungskontext sind die dargestellten Sujets häufig ihrer spatialen und temporalen Verortung enthoben, ihre stille, statuarische Gegenwart erscheint archaisch, zeitlos. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. ☞ Galerie Karsten Greve Köln Di–Fr 10–18.30 Uhr, Sa 10–18 Uhr Drususgasse 1–5, 50667 Köln T +49 (0) 221 257 10 12 www.galerie-karsten-greve.com


INNSBRUCK

INTERNATIONALE MESSE FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST VOM 19.– 21. JHDT.

25 – 28 JANUAR 2018 MESSE INNSBRUCK

Haupthalle A

DO – SA / 11.00 – 19.00 SO / 11.00 – 18.00

www.art-innsbruck.com


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Münster

Oberhausen

Rosenheim

Unerwartete Begegnungen. Nolde, Kippenberger, Fritsch & Co. in der Sammlung der Westfälischen Provinzial 6.12.2017 – 4.3.2018 LWL-Museum für Kunst und Kultur

MORDILLO – The Very Optimistic Pessimist bis 7.1.2018 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Broken Lines_ Jutta Burkhardt . Rose Stach . Adidal Abou-Chamat 8.12.2017 – 21.1.2018 Städtische Galerie Rosenheim „Broken Lines“ thematisiert die Konstruktion und Brüchigkeit ethnischer, kultureller und geschlechtlicher Identitäten. Untersucht werden Zugehörigkeiten, Ab- und Ausgrenzungsprozesse sowie fremdenfeind­ liche Projektionen auf das unbekannte Andere, damit verbundene Machtstrukturen und Auswirkungen auf die Betroffenen. Jutta Burkhardt verweist in ihren Tuschezeichnungen und Installationen mit ironischer Überzeichnung auf die Vielschichtigkeit normativer Wirklichkeiten und zeigt entlang von Klischees wie dem weiblichen Narzissmus Risse in der Welt der Konventionen. Adidal Abou-Chamat nähert sich in ihren Fotoarbeiten und Zeichnungen mit Mitteln ironischer Verschiebung rassistisch-sexistischen Realitäten sowie den Projektionen westlicher Gesellschaften auf den Islam. Rose Stach hinterfragt in ihren Performances, Video- und Fotoarbeiten durch Re-Kontextualisierung von Alltagsobjekten, Funktionsweisen sozialer Interaktion sowie alltägliche Auswirkungen von Krieg und Gewalt. ☞ Städtische Galerie Rosenheim Di–Fr, 10–17 Uhr, Sa/So, 13–17 Uhr Max-Bram-Platz 2, 83022 Rosenheim T +49 (0) 8031 365 1447 www.galerie.rosenheim.de

Adidal Abou-Chamat, „Dreaming of. . .“, Videostil, 2014

© Mordillo Foundation, all rights reserved 2007

Klaus Rinke, Ohne Titel (New York, Lower Manhattan), 1973, Foto: LWL / Anne Neier, © Klaus Rinke

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Unter diesem Titel zeigt das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster rund 140 Objekte von 37 Künstlern aus der Sammlung der Westfälischen Provinzial. Die seit den frühen 1980er-Jahren zusammengetragene Sammlung umfasst 1.700 Werke aus der Moderne bis hin zur Gegenwart. In der Auswahl der Werke wird das Profil der Sammlung sichtbar: Neben Künstlern der Moderne wie Emil Nolde, Ida Gerhardi und Peter August Böckstiegel wurden in den letzten Jahren vor allem Werke der Konrad-von-Soest-Preisträger erworben. Material, Farbe, Form und Bildsprache könnten kaum unterschiedlicher sein. Geometrie, Porträts, Stadtansichten, westfälische Küche und politische Tendenzen bilden die Klammer um die vielseitigen Exponate, die in fünf Räumen präsentiert werden. Skulpturen von Ulrich Rückriem und Timm Ulrichs, Textilarbeiten von Josef Albers, Fotografien von Barbara Klemm und Bernd und Hilla Becher sowie Gemälde von Martin Kippenberger und Katharina Fritschs großformatige Handsiebdrucke machen die Vielfalt der Sammlung sichtbar. ☞ LWL-Museum für Kunst und Kultur Di–So 10–18 Uhr, am 2. Fr im Monat 10–22 Uhr Domplatz 10, 48143 Münster T +49 (0) 251 5907 201 www.lwl-museum-kunst-kultur.de

Guillermo Mordillo, 1932 in Buenos Aires geboren, setzt seine kugeligen Figuren seit Jahrzehnten pointiert ins Bild und lässt sie mit Leichtigkeit die Hindernisse des Alltags meistern. Humorvoll verkehrt er Weltschmerz und Melancholie in Gegensätzliches und tritt so dem Pessimismus des Alltags mit Optimismus entgegen. Zum ersten Mal seit 25 Jahren zeigt ein deutsches Museum eine Retrospektive mit über 150 seiner originalen Zeichnungen. Neben frühen Schwarz-Weiß-Arbeiten halten vor allem zahlreiche aktuelle bunte Bildwelten Einzug in die LUDWIGGALERIE. Dschungel, einsame Insel, Piratenschiff und Großstadt warten darauf entdeckt zu werden! In der darauffolgenden Ausstellung „SHOOT! SHOOT! SHOOT!“ zeigt die LUDWIGGALERIE, vom 21. Januar bis 27. Mai 2018, über 200 Schwarz-Weiß-Foto­ grafien aus der Schweizer Nicola Erni Collection. Vertreten sind renommierte Fotografen, wie Richard Avedon, Bert Stern oder Helmut Newton. ☞ LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen Di–So 11–18 Uhr Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen T +49 (0) 208 41249 28 www.ludwiggalerie.de


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Schwäbisch Hall

Schwerin

Verborgene Schätze aus Wien bis 8.4.2018 Kunsthalle Würth

Von Beckmann bis Jawlensky Die Sammlung Frank Brabant in Schwerin und Wiesbaden 24.11.2017 – 18.02.2018 Staatliches Museum Schwerin

Die Gemäldegalerie der 1692 gegründeten Akademie der bildenden Künste Wien gehört zu den großen Sammlungen Alter Meister in Wien. Zunächst waren es ausschließlich die Aufnahmewerke der Akademiemitglieder des 18. Jahrhunderts und die jährlich prämierten Preisstücke der Kunststudenten aus den Abschlussausstellungen, die den Grundstock der Sammlung formten. Als aber Anton Franz Graf von Lamberg-Sprinzenstein 1822 seine rund 750 Werke umfassende Gemäldesammlung der Akademie als Legat überlässt, hebt dies die der Akademie angegliederte Galerie aus dem Stand in den Rang einer international viel beachteten Institution. Von Botticelli bis Guardi, von Rembrandt bis Maes und von Dürer bis Schnorr von Carolsfeld, von Klimt über Hundertwasser bis Lassnig stammen die »Schätze«, die es zu entdecken gilt. Punktuell ergänzt um Werke aus der Sammlung Würth, zeigen sie in den zahlreichen Zitaten und Paraphrasen zu klassischen Themen den wechselseitigen Einfluss und die konträren Temperamente der Epochen zwischen Neuzeit, Goldenem Zeitalter, Sturm und Drang, frühem Realismus, Romantik und beginnender Moderne bis zur Gegenwartskunst. ☞ Kunsthalle Würth Täglich 10–18 Uhr Lange Straße 35, 74523 Schwäbisch Hall T +49 (0) 791 94 6720 www.kunsthalle-wuerth.de

Die Sammlung Frank Brabant zählt zu den großen privaten Kunstsammlungen der Klassischen Moderne in Deutschland, die aufgrund ihrer Vielfalt das Kunstgeschehen sowie die politischen und sozialen Verwerfungen, Ängste, Hoffnungen und Utopien der Menschen im letzten Jahrhundert spiegelt. Angefangen hat alles mit einem Holzschnitt von Max Pechstein, den sich Frank Brabant von dem Geld kaufte, das er für seinen ersten VW-Käfer gespart hatte. Später kamen Werke von Alexej von Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Georg Tappert, Emil Nolde, Otto Dix, Max Beckmann und vielen anderen hinzu. Der in Schwerin geborene Kunstsammler wird nach seinem Tod seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich machen und diese anteilig dem Staatlichen Museum Schwerin überlassen. Die Ausstellung „Von Beckmann bis Jawlensky“ zeigt schon heute einen Querschnitt der Werke, die die Sammlung des Schweriner Museums in Zukunft ergänzen werden. ☞ Staatliches Museum Schwerin Di–So 11–17 Uhr Alter Garten 3, 19055 Schwerin T +49 (0) 385 5958 0 www.museum-schwerin.de

Pieter Boel, „Stillleben mit Globus, Prunkgarnitur und Kakadu“, um 1658, Öl auf Leinwand, 130 x 168 cm, Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Georg Tappert, „Zwei Mädchen im Profil“, um 1918 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017


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Soest

Waib ling en

Winterthur

painting black 2.12.2017 – 4.3.2018 RAUM SCHROTH im Museum Wilhelm Morgner

Christoph Niemann. Modern Times bis 7.1.2018 Galerie Stihl Waiblingen

Cupboard Love Der Schrank, die Dinge und wir 3.12.2017 – 22.4.2018 Gewerbemuseum Winterthur

Die Nicht-Farbe Schwarz gilt als Erzfeind des Malers. Der Kampf mit dem Antagonisten oder die kontemplative Meditation sind Antworten auf diese Herausforderung. Der Maler Ivo Ringe hat als Kurator die Ergebnisse von 44 internationalen Künstlern und Künstlerinnen der neuen Konkreten Kunst aus 10 europäischen Nationen und den USA, die sich ins Schwarze vertieft haben, zusammengestellt. Ein Teil der Arbeiten kommt direkt aus der SAMMLUNG SCHROTH. Die Auseinandersetzung mit der Farbe Schwarz in all ihren Facetten der Materialität wie auch der malerischen Aktion spiegelt sich in dieser Ausstellung wieder: Enkaustik ebenso wie Kohle, Öl wie Acryl und Collagen auf nahezu allen modernen Trägermaterialen lassen das Thema lebendig und anschaulich werden. Der niederländische Künstler Jan van der Ploeg kreierte ein 3,3 x 5 m großes Wandgemälde speziell für diese Ausstellung. Die Ausstellung im RAUM SCHROTH im Museum Wilhelm Morgner eröffnet am 2. Dezember 2017 und läuft bis zum 4. März 2018. ☞ Museum Wilhelm Morgner Raum Schroth der Stiftung Konzeptuelle Kunst Di–Fr 14–17 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr Thomästraße 1, 59494 Soest T +49 (0) 2921 14177 www.skk-soest.de

Die Herbst-/Winterausstellung in der Galerie Stihl Waiblingen widmet sich vom 23. September 2017 bis 7. Januar 2018 einem der gefragtesten Künstler und Illustratoren unserer Zeit. Christoph Niemann wurde in Waiblingen geboren, studierte an der Stuttgarter Akademie der Bildenden Künste bei Heinz Edelmann und wurde berühmt durch seine Coverbilder für Zeitschriften wie The New Yorker, The New York Times Magazine und das ZEITmagazin. Niemanns Bilder bestechen durch ihren unnachahmlichen Humor. Mit scharfer Beobachtungsgabe und wenigen Strichen erzählen sie treffsicher von den Tücken des Alltags, den Fallstricken der großen Politik oder den Kehrseiten einer digitalisierten Welt. Die Waiblinger Ausstellung, die gemeinsam mit dem Künstler konzipiert wurde, zeigt die große Vielfalt im Schaffen Niemanns. Zu sehen sind rund 160 Werke, neben Originalzeichnungen und Druckgrafiken auch Animationen, Filme, Installationen und Apps. ☞ Galerie Stihl Waiblingen Di/Mi/Fr–So 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr Weingärtner Vorstadt 12, 71332 Waiblingen T +49 (0) 7151 5001 1686 www.galerie-stihl-waiblingen.de

Christoph Niemann, „Camera, Sunday Sketch“, 2016 Jan van der Ploeg, Wall Painting design Soest 2017

© Christoph Niemann

Regina Baierl, „S1. Privates Gehäuse“, 2012, Foto: Michael Heinrich

A R T M A P P   W I N T E R 2 0 1 7/ 1 8 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Ohne ihn geht es kaum, und doch wollen wir ihn oft loswerden. Ob Repräsentationsobjekt oder unliebsame Notwendigkeit, immer ist der Schrank praktisches Behältermöbel. Er dient als Ort der Aufbewahrung, der Sicherung und der Ordnung, nicht nur von Dingen, sondern auch von Wissen, Erinnerungen oder Geheimnissen. Die Schau beleuchtet das sperrige Möbel aus der Perspektive von Design, zeitgenössischer Kunst, Film und Kulturgeschichte. Sie erforscht die Gestaltung und das metaphorische Potenzial und wirft einen Blick ins Innere. Ausgewählte Möbelstücke zeigen gestalterische Herausforderungen auf, vom Designklassiker über neue Konzepte bis zur Raumskulptur, und erzählen auch aktuelle Zeitgeschichte rund um Mobilität, Minimalismus, Besitztum oder Sozialstatus. In Film und Literatur sind Schränke oft Schauplatz narrativer Höhepunkte mit symbolischem Gehalt. Der klassische Lagerraum wird zum Versteck von Verfolgten und heimlichen Liebhabern oder zur Schwelle für den Übergang in andere Welten. ☞ Gewerbemuseum Winterthur Di–So 10–17 Uhr, Do 10–20 Uhr, Besondere Öffnungszeiten an Feiertagen Kirchplatz 14, CH-8400 Winterthur www.gewerbemuseum.ch


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16. Ausgabe – 6. Jahrgang

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Geschäftsführerin Silvia Brouwer

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Verlag in der Pfizerstraße 11, 70184 Stuttgart

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Erscheint im Verlag ARTMAPP GmbH

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REDAKTION

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Bettina Götz

Silvia Brouwer

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Am 13. März 2018 erscheint die nächste Ausgabe:

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Weitere Informationen unter www.artmapp.net

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Sebastian Baden, Volker Bauermeister, Kim Behm, Nicole Büsing & Heiko Klaas, Babette Caesar,

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Dr. Chris Gerbing, Bettina Götz, Bülent Gündüz,

Design – Chris Steurer, www.csteurer.com

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Der ARTMAPP-Gesamtauflage liegt auf Seite 65 die Broschüre „Kunst der Gegenwart in der Region Schwarzwal Baar Heuberg“ c/o FORUM KUNST ROTTWEIL, bei. Sollte diese Beilage nicht vorhanden sein oder Sie weitere Exemplare wünschen, wenden Sie sich bitte an: mail@artmapp.net.

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MUSEUM DE FUNDATIE ZWOLLE, NIEDERLANDE

NEO RAUCH DROMOS MALEREI 1993-2017 21. JAN. 2018 - 3. JUNI 2018 Neo Rauch (Leipzig, 1960) ist einer der bedeutendsten Künstler der heutigen Zeit. Seine Werke, die mit dem vorhersehbaren Rhythmus der Kunstentwicklung der vergangenen Jahrzehnte nichts gemein haben, haben die Kunstwelt im Sturm erobert. Ab 21. Januar 2018 werden im Museum de Fundatie 66 Gemälde von Neo Rauch aus internationalen Sammlungen gezeigt.

Neo Rauch, „Die Kontrolle“, 2010, Öl auf Leinwand, 300 x 420 cm, Privatsammlung Basel © Neo Rauch / VG Bild-Kunst, Bonn (Foto: Uwe Walter, Berlin).

Neo Rauch, „Gewitterfront“, 2016, Öl auf Leinwand, 150 x 100 cm, Sammlung Museum de Fundatie, Zwolle und Heino/Wijhe. Erworben mit finanzieller Unterstützung der BankGiro Loterij, der Vereniging Rembrandt (auch dank ihres Titus Fonds), des Mondriaanfonds so wie des VSBfonds. © Neo Rauch c/o Pictoright Amsterdam 2017 (Foto: Uwe Walter, Berlin); „Der Former“, 2016, Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm, ACT Art Collection, Berlin © Neo Rauch / VG Bild-Kunst, Bonn (Foto: Uwe Walter, Berlin); „Vater“, 2007, Öl auf Leinwand, 200 x 150 cm, Sammlung Ruth © Neo Rauch / VG Bild-Kunst, Bonn (Foto: Uwe Walter, Berlin).

Das Museum de Fundatie geht auf den Kunstsammler Dirk Hannema zurück. Die Sammlung umfasst unter anderem Werke von: Joseph Mallord William Turner, Antonio Canova, Edgar Degas, Vincent van Gogh, Franz Marc, Francis Picabia, Piet Mondriaan, Marino Marini, Karel Appel und Neo Rauch.

GEÖFFNET DIENSTAG BIS SONNTAG 11:00 BIS 17:00 UHR BLIJMARKT 20, ZWOLLE TEL: 0031 572 388 188 WWW.MUSEUMDEFUNDATIE.NL

ARTMAPP #16, Winter 2017/18  
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