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N O V 2 0 16 – F E B 2 0 17 E U R 6 , 9 0 D/A

S F R 9, 9 0

DAS KU NSTM AGA ZI N FÜ R ENTD ECK ER

Die Kunst-App im App Store und bei Google Play mobil.artmapp.net

GO NORDWEST

GOLDSTADT PFORZHEIM

BULLITT KINETISCHE SKULPTUREN

BARTNIG GAIDA MELHUS SCHÜLKE SCOPIN TINGUELY

BERN FRIBOURG INNSBRUCK KÖLN MÜNCHEN SAARBRÜCKEN SINGEN


worldwide and exclusive distribution of multiples of Hendrik Kerstens: www.amstelgallery.com


Titelmotiv: Hendrik Kerstens (*1965), „Doily“, 2011, Fotografie © Hendrik Kerstens, Ausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“ (bis 19.2.2017) der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, siehe Seite 191

Editorial 13 2016/17

IHRE KUNSTREISE NACH BASEL.

Foto Editorial: © Carmen Jäger unten: Michael Ramsauer, Foto: Ludger Meyer

Farbrausch

Wer sich in dieser trüben Jahreszeit jetzt auf den Weg in den Nordwesten macht, der wird mit „rauschenden Farben“ in den Museen Böttcherstraße, im Landes­ museum Oldenburg und in der Kunsthalle Emden belohnt – mit Paula Modersohn-­ Becker, den Brücke-Künstlern und Nikolai Astrup. Einem Farbrausch gleichen auch die Ölbilder des Malers Michael Ramsauer, den ich in seinem Oldenburger Atelier besuchte. Das Michael-Ramsauer-Porträt finden Sie auf Seite 50. ARTMAPP: Michael, sehnst du dich an diesen kalten und trüben Tagen wieder in die Zeit zurück, als du in Rom und Venedig gearbeitet hast? Michael Ramsauer: Von Zeit zu Zeit natürlich schon. Allerdings ist das hiesige Klima und Licht meiner Arbeit eher dienlich; die Verlockungen Italiens bergen doch auch die „Gefahr“ der Ablenkung und des Müßiggangs. ARTMAPP: Deine neuen Arbeiten, reduzierte lakonische Malerei in Schwarz auf Weiß, Bild­ gestalten, die der antiken Mythologie ent­sprungen sein könnten: Sie haben etwas von Zeichnungen, der Pinselstrich kann nicht mehr korrigiert werden, sie sind dem Risiko des S ­ cheiterns ausgesetzt! MR: Ja, ich finde, sie haben etwas vom Charakter asiatischer Tuschzeichnungen; für mich ist das Spannende an dieser Art zu arbeiten der spielerische Umgang mit Akzenten und die Entdeckung der leeren Fläche. Und natürlich scheitert man oft. Aber: „Malen ist wie jedes Mal neu schwimmen zu lernen“, hat einst Manet gesagt. Ich sichere mich aber gerade bei größeren Formaten mit vorbereitenden Skizzen ab. ARTMAPP: Michael, verrate uns doch bitte noch einen ganz persönlichen Tipp an der Unterweser, einen Ort, den man unbedingt aufsuchen sollte, wenn man in den Nordwesten reist. MR: Mein Tipp wäre der Besuch der großartigen manieristischen MünstermannAltäre in Varel und Rodenkirchen und die damit verbundene, überaus lohnende Spazierfahrt durch die Wesermarsch.

Liebe Leser, in diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß auf Ihrer Entdeckungstour mit ARTMAPP. Reiner Brouwer Herausgeber

Rund 40 Museen mit Sammlungen und Ausstellungen von Weltruf – das ist in der Schweiz einzigartig und auch im internationalen Vergleich Spitzenklasse. Darunter sind vier weltberühmte Museen: Fondation Beyeler, Kunstmuseum Basel, Museum Tinguely und Vitra Design Museum. Mit dem Art & Design Special können Sie alle Facetten dieser vier Museen erleben. Leistungen des Angebots: 1 Basel Art Pass: 48-h-Eintritt in die Art & Design Museums Basel 1 Übernachtung in der gewählten Hotelkategorie 1 Mobility Ticket: kostenlose Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs Buchen Sie Ihren Aufenthalt unter: www.basel.com/ baselartpass, artanddesign@basel.com oder + 41 (0)61 268 68 58

HIGHLIGHTS Fondation Beyeler / Riehen: Kandinsky, Marc & Der Blaue Reiter 04.09.2016 – 22.01.2017 Kunstmuseum Basel: Der figurative Pollock 02.10.2016 – 22.01.2017 Museum Tinguely / Basel: Musikmaschinen / Maschinenmusik 19.10.2016 – Januar 2017 Vitra Design Museum / Weil am Rhein (D): Alexander Girard. A Designer`s Universe 12.03.2016 – 29.01.2017 Schaudepot: Die Sammlung des Vitra Design Museums 1800 bis heute. Januar bis Dezember 2017 NEU: 24 Stops / Rehberger-Weg: www.24stops.info


Max Pechstein, Aufgehende Sonne (Detail), 1933 © Pechstein Hamburg / Toekendorf / Adagp, Paris 2016 © Saarlandmuseum Saarbrücken, Stiftung Saarländischer Kulturbesitz

ZWISCHEN ZWEI HORIZONTEN DEUTSCHE UND FRANZÖSISCHE AVANTGARDEN AUS DEM SAARLANDMUSEUM

29.06.16 16.01.17 >

centrepompidou-metz.fr

Die Sammlung des Saarlandmuseums zu Gast in Metz


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16. OKTOBER 2016 BIS 12. FEBRUAR 2017

Die Zweite Haut Die Sehnsucht des zivilisierten Menschen nach unmittelbaren Naturerfahrungen scheint größer denn je. Er folgt hier seinem pseudo-romantischen Impuls, das eigene Ich aus seinem urbanisierten Umfeld heraus zu lösen und in die scheinbar unberührte Landschaft hinein zu versetzen. Nie zuvor gab es umfassendere Angebote zur „Flucht“ in die Natur. Kaum ein Wald mehr ohne Barfußpfad, der uns freiwillig über stachelige Zapfen laufen lässt, nur um „etwas“ auf unserer Haut zu erspüren, was nicht mehr zu unserem eigentlichen Erfahrungsschatz gehört. Jedes Angebot von Tracking, Rafting und Climbing wirbt mit der Verheißung elementarer Begegnungen mit Naturkräften. Die „Rüstungen“ der Neuzeit, die vor den widrigen Elementen Wind und Wetter schützen sollen, bestehen dabei aus atmungsaktivem Gore-Tex und vergleichbaren Schutz-Kleidern. Kommen wir so der Natur näher, begeben wir uns in einen tatsächlichen Einklang, oder bestätigen wir in unseren Freizeit-Aktivitäten dieser Art letztendlich nur einen Begriff von „Landschaft“, die wir selbst gestaltet und nach unseren Bedürfnissen geformt und erfunden haben? Welche Formen wahrhaftiger Körper- und Naturerfahrungen können wir heutzutage überhaupt noch machen? Die Begegnungen mit unserer naturhaften Umgebung bleiben ein permanentes Ausloten zwischen Abgrenzung einerseits und Durchlässigkeit anderseits, zwischen Angst und Sehnsucht, zwischen Reflexion und Hingabe. Auffällig viele Künstlerinnen und Künstler haben in den vergangenen Jahren diese Beziehung des Menschen zur Natur, die auf der großen Bühne „Landschaft“ gelebt und inszeniert wird, in den Fokus genommen. Als Stiftung mit einer Sammlung zeitgenössischer Kunst zum Thema „Natur“

und als Museum Sinclair-Haus, das in seinen Ausstellungen diesen Leitgedanken konsequent aufgreift, schien uns dieses Phänomen ausgesprochen beachtens- und betrachtenswert. Schließlich spiegelt sich in diesen künstlerischen Bearbeitungen die existentielle Frage, wie es um unser Verhältnis zur Natur zwischen irreversibler Entfremdung einerseits und unverbrüchlicher Verbundenheit andererseits steht. Das osmotische Medium zwischen Mensch und Natur ist dabei zunächst die Haut – sie umschließt den Körper und dient als begrenzender Schutz vor äußerlichen Einflüssen. Neben ihrer Funktion als schützende, umfangende Hülle erlaubt die Haut gleichzeitig die Interaktion zwischen Individuum und Umwelt. Stellvertretend kann Kleidung – als zweite Haut – diese Grenzfunktionen übernehmen. Sie kann schützen und verhüllen oder kann als Schmuck Inneres nach außen transportieren und ein Ausdruck kultureller oder individueller Identität sein. Aufgrund dieser gleichsam symbiotischen Beziehung von Haut, Körperhülle und Außenwelt rückt das Thema auch in der zeitgenössischen Kunst immer stärker in den Fokus. Zunehmend werden dabei vegetative Rohstoffe und kreatürliches Material in den Werkprozess integriert. Aus Blumen, Käfern, Fischen, Blättern und Zweigen entstehen Kleider, die als skulpturale Objekte sowie in Fotografien und Gemälden auch an den biblischen Entstehungsmythos von Kleidung erinnern: Adam und Eva werden sich nach dem Biss vom Apfel des Baumes der Erkenntnis ihrer Nacktheit gewahr und bedecken sich mit Feigenblättern. Ziel der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Varianten naturhafter Umhüllung scheint es dabei zumeist nicht,

MUSEUM SINCLAIR-HAUS Löwengasse 15 61348 Bad Homburg v. d. Höhe www.museum-sinclair-haus.de Öffnungszeiten: Dienstag 14 – 20 Uhr Mittwoch bis Freitag 14 – 19 Uhr Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10 – 18 Uhr Montags sowie am 24. und 31.12. geschlossen. 25., 26.12. und 1.1. 12 – 18 Uhr Information und Anmeldung: T +49 (0) 6172 404 -120 info@altana-kulturstiftung.de.

Il Sarto Immortale: Couture © Alba D’Urbano


in der Natur „zu verschwinden“ – wie es der von Apoll genötigten „Daphne“ bei ihrer mythischen Verwandlung in einen Lorbeerbaum widerfährt – sondern sich ihr in unterschiedlichen und reflektierten Versuchsanordnungen anzupassen. Und die Künstlerinnen und Künstler bedienen sich scheinbar souverän der Requisiten und der Accessoires, die uns sowohl die Natur als auch die Kreatur liefern. Alle Arbeiten jedoch, ob sie den Menschen in floraler Pracht zeigen, in erdiger Kargheit oder auch in drastischer Ummantelung mit tierischem Material, verweisen bereits auf den alles verbindenden „Verwitterungsprozess“. Denn am Ende sind wir aus dem gleichen Holz geschnitzt wie all das Schmuckwerk und das Material einer zweiten Haut, mit der die Menschen in den Arbeiten dieser Ausstellung bekleidet sind. Zu guter Letzt, wenn alle Hüllen fallen gelassen werden, dann sind auch wir Staub, Asche und Erde und sind selbst Werkmaterial für das eine große Naturkleid, das alles umfasst. Aus dem Katalogvorwort von Andrea Firmenich und Johannes Janssen Katalog zur Ausstellung: 20 €

PROGRAMMTIPPS ZUR AUSSTELLUNG KÜNSTLERGESPRÄCHE Mittwochs, 19 Uhr | Eintritt frei Deborah Sengl, 30.11.2016 im Gespräch mit Martin Maria Schwarz, hr2-kultur Vollrad Kutscher, 14.12.2016 im Gespräch mit Katinka Fischer, Chefredakteurin Artkaleidoscope Bettina Zachow, 25.1.2017 im Gespräch mit Daniella Baumeister, hr2-kultur Alba D’Urbano, 8.2.2017 im Gespräch mit Rudolf Schmitz, hr2-kultur

o b e n l i n k s : D e c e m b e r, 6 , 2 0 0 2 ( S e l f p o r t r a i t ) © D i e t m a r B u s s e , 2 0 0 2

o b e n r e c h t s : C h i n e s e L a n d s c a p e – Ta t t o o N o . 9 © H u a n g Ya n , 1 9 9 9 M+Sigg Collection, Hong Kong

KURATORENFÜHRUNG 2.11.2016, 18 Uhr | 5 € Dr. Johannes Janssen und Ina Fuchs VORTRAG: „USE-LESS?“ 7.12.2017, 19 Uhr | 12 € Prof. Martina Glomb, Hochschule Hannover


Inhalt

6

(auszugsweise)

ARTM APP Winter 2016/17

Go Nordwest

Paula Modersohn- Becker, um 1905, Paula Modersohn- Becker-Stiftung, Bremen

Bremen. Oldenburg. Emden.

16

BREMEN GL ÄNZT Museen Böttcherstraße, Kunsthalle und Gerhard-Marcks-Haus von Kai Jäger, Carsten Probst

18

WORPSWEDE Kunst vor weitem Horizont – von Raimar Stange

32

FÜ R DEN GENIALEN PROVOK ATEU R Horst-Janssen-Museum Oldenburg – von Irmtraud Rippel

46

VOM MIT TEL ALTER BIS ZU R MODER NE Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg von Michael Stoeber

60

30 JAHRE KU NSTHALLE EMDEN Der kulturelle Leuchtturm Ostfrieslands – von Dr. Achim Sommer

66

ALLES NEU AM JADEBUSEN Museumslandschaft Wilhelmshaven – von Nicole Büsing und Heiko Klaas

70

Martin-Gropius-Bau Berliner Festspiele

Omer Fast »Reden ist nicht immer die Lösung« 18.11.2016 – 12.3.2017

Eske Nannen, Kunsthalle Emden

www.gropiusbau.de

Goldstadt Pforzheim

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GOLD, SILBER U ND GESCHMEIDE Drei Städte, vier Museen, eine enge Zusammenarbeit – von Chris Gerbing

82

ES FU NKELT U ND GLITZERT Pforzheimer Architektur der Nachkriegszeit – von Chris Gerbing

86

EMMA – JANUSZ CZECH – HOCHSCHU LE Ein gutes Verhältnis für Pforzheim – von Regina M. Fischer, Chris Gerbing

92

PATRICK MU FF Von Pforzheim in die Welt – von Barbara Brubacher

Museumsleiterin Cornelie Holzach, Schmuckmuseum Pforzheim

80

26.10.16 13:26

100

Kinetik

116

MUSIK MASCHINEN IN BEWEGU NG Jean Tinguelys „Méta-Harmonien“ in Basel – von Sebastian Baden

118

KL ANGKU NST IN SA ARBRÜCKEN Max Eastley, Martin Riches – von Bettina Wurche

122

BJÖR N SCHÜ LKE Werkstattgespräch mit Bettina Wurche

124


Por träts

Horst Bartnig

MICHAEL R AMSAU ER  von Irmtraud Rippel

50

SCOPIN ASPHALT  von Bazon Brock

136

ROLF ROSE , HORST BART NIG, JAN VOSS  von Kim Behm

144

DIERK MA ASS  von Jasmin Hummel

148 Frauenporträt, 1870er Jahre, Maison Prod’hom

Ausstellungen

10. Dezember 2016 – 23. April 2017

ORIENTBILDER

TOTEN TANZ – BER N LEBT! Der Berner Spätherbst im Zeichen des Totentanzes von Carola Ertle-Ketterer

163

SCHÖN U ND GU T Hundertwasser im Buchheim Museum Bernried – von Daniel J. Schreiber

164

KOMPLEMEN TÄR ANDERS Die neue ART Innsbruck Complementary – von Jasmin Hummel

166

ATELIEREINBLICKE Junge Kunst in Karlsruhe – von Chris Gerbing

168

ME IN A NO-TIME STATE KOLUMBA Köln feiert 2017 zehnjähriges Bestehen – von Corinna Stammen

170

MUSEU M BARBERINI POTSDAM Alte Pracht, neu interpretiert – von Nicole Büsing und Heiko Klaas

172

BUCHTIPPS

155

APPETIZER

176

AMREI‘S ARTBLOG

181

TER MINE

182

Impressum

199

Fotografien 1850 –1910

KUNSTSAMMLUNG JENA Markt 7 · www.kunstsammlung.jena.de Di, Mi, Fr 10 – 17 Uhr · Do 15 – 22 Uhr Sa, So 11 – 18 Uhr

Johanna Penz, Direktorin der ART Innsbruck

La prieure, 2009

3. Dezember 2016 – 17. April 2017

BÉNÉDICTE PEYRAT Malerei und Fayencen


THE MEP SHOW

HELMUT NEWTON YELLOW PRESS

MART ENGELEN PORTRAITS

BIS 21. MAI 2017 | HELMUT NEWTON FOUNDATION | MUSEUM FÜR FOTOGRAFIE JEBENSSTRASSE 2, 10623 BERLIN | DI, MI, FR, SA, SO 11-19, DO 11-20 UHR

Alice Springs, Self-Portrait, New York 2000 © Alice Springs

ALICE SPRINGS


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NIKOLAI ASTRUP Norwegen. Eine Entdeckung

2. Okt. 2016 bis 22. Jan. 2017 Kunsthalle Emden SJUBILÄUM UNG AUSSTELL

Audioguide für Kinder Führungen · Museumsshop Cafe Henri‘s · Malschule Raumvermietung

Info +49 (0) 49 21 97 50-50 kunsthalle@kunsthalle-emden.de www.kunsthalle-emden.de Hinter dem Rahmen 13, D-26721 Emden

Öffnungszeiten Di bis Fr 10 bis 17 Uhr, Sa, So/Feiertage 11 bis 17 Uhr Jeder erste Di/Monat 10 bis 21 Uhr (Langer Kunstabend)

Organisation der Ausstellungstour

Die Kunsthalle wird gefördert von

Die Ausstellung wird gefördert von

Kulturpartner


JAU M E

D i e i n n e r e S i c h t | 4 . 9 . 2 016 – 15 .1. 2 017

Jaume Plensa, Julia, 2016, Privatsammlung, Foto: Jürgen Vogel / LVR-LandesMuseum Bonn, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

PLENSA

www.maxernstmuseum.lvr.de


Vincent Barré Géométrie bâ(s)tarde bis 29. Januar 2017

Am Wall 208, 28195 Bremen, www.marcks.de Dienstag, Mittwoch, Freitag – Sonntag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 21 Uhr Unterstützt vom Freundeskreis des Gerhard-Marcks-Hauses e. V.

©VG Bild-Kunst, Bonn 2016 für Vincent Barré bäuerlegestaltung


Emil Nolde: Detail aus Bruder und Schwester, 1918, © Nolde Stiftung Seebüll

9.10. 2016 29. 1. 2017

Emil Nolde trifft Paula Modersohn-Becker Museen Böttcherstraße Bremen

Partner

Förderer

Medienpartner

In Kooperation mit


GO NORD WEST


Aber warum eigentlich? Ich denke, die Lebensqualität im Nordwesten des Landes bietet für jeden die richtige Balance aus ­urbanem Stadtleben und naturnaher, ländlicher Idylle. Hier darf man einfach noch ganz Mensch sein. Zugleich ist der Nordwesten, wie diese aktuelle Ausgabe der ARTMAPP versuchen wird aufzuzeigen, aber auch eine spannende und vielseitige Kulturregion. Hier wird den Besuchern eine besonders ­g roße Vielfalt geboten – nicht nur landschaftlich und städtebaulich, sondern besonders das breite Kulturangebot mit Tanz, Theatern, Museen zeitgenössischer Kunst und klassischer Moderne, Neuen Medien, experimenteller Musik und klassischen Orchestern von internationalem Rang kann sich ­sehen lassen. Mit dem UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer bietet die Region ihren Besuchern besondere maritime Erlebniswelten, aber auch ein reiches kulturhistorisches Erbe mit Denkmälern von ­weltweiter Bedeutung wie das UNESCO-Weltkulturerbe Bremer Rathaus und Bremer Roland ­lohnen unbedingt einen Besuch. Lassen Sie sich einfach erst den Wind um die Ohren pusten, um sich dann, vielleicht im Anschluss an einen Ausstellungsbesuch, bei einer Tasse wärmendem Tee & ­G ebäck zu stärken und angeregt über das soeben Gesehene und Erlebte zu diskutieren. Beste ­Voraussetzungen also für eine lohnende Reise in den Nordwesten. Diese Ausgabe der ARTMAPP erstreckt sich übrigens von einem Besuch bei Franz Radziwill in Dangast an der Nordseeküste über einen Zwischenstopp bei der Künstlerkolonie in Worpswede bis in die Hansestadt Bremen mit seiner vielfältigen Museumslandschaft. Und von dem diesjährigen Jubilar, der Kunsthalle Emden, bis nach Oldenburg, einer Stadt, die sich dem Horst-Janssen-Museum, dem Stadtmuseum, dem Edith-Russ-Haus für Medienkunst sowie dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte verschrieben hat und sich sehen lassen kann. Viel zu entdecken also an Land, Leuten – und vielleicht sich selbst. Hierbei wünsche ich Ihnen viel Freude! RIK REINKING

Eines der Lieblingsbilder von Henri Nannen, Kunsthalle Emden auf Seite 66. Heiner Altmeppen, „Norddeutsche Landschaft“, 1980/81, Acr yl auf Holz, 150 x 200 cm, Kunsthalle Emden © VG Bild- Kunst, Bonn 2016

BREMEN OLDENBURG EMDEN


Museen Böt tcherstraße – Kunsthalle – Gerhard - M arcks - Haus

Bremen glänzt

Paula Modersohn- Becker Museum bei Nacht, Foto: freiraumfotografie Bremen


19 Al s ve rgle ich swe i se ar me r Stadt staat glän z t B re me n doch zugle ich al s ­b e m e r k e n s w e r t r e i c h e r M u s e u m s s t a n d o r t m i t e t l i c h e n S a m m l u n g e n v o n We l t ra n g . E i n B l i c k i n d i e G e s c h i c h t e z e i g t , d a s s s i c h d i e S t a d t i h r e Tra d i t i o n pr ivaten Mä zenatent ums bis heute bewahr t hat. Ein St re if z ug durch dre i de r bekannteste n Au sstellungsor te de r Stadt i s t n i c h t a l l e i n e i n e To u r d u r c h a k t u e l l e K u n s t e r e i g n i s s e , s o n d e r n a u c h e i n e R e i s e d u r c h e i n e L a n d s c h a f t v e r s c h i e d e n e r We i s e n ­b ü r g e r l i c h e n E ­ ngagements f ür die Kunst.

Direktor Frank Schmidt in der Ausstellung „Emil Nolde trifft Paula Modersohn- Becker“, Foto: Kay Michalak

Ein Zentralgestirn der jüngeren Bremischen Stiftertradition ist dabei zweifellos der durch ein Verfahren zum Entkoffeinieren von Kaffee („Kaffee HAG“) zu Reichtum gelangte Unternehmer Ludwig Roselius. Neben dem Paula Modersohn-Becker Museum ist in der Böttcherstraße im Ludwig Roselius Museum seine private Sammlung historischer Kunstwerke ausgestellt. Das architektonische Backsteinensemble im expressionistischen Stil der 1920er-Jahren ist dabei gleichsam sein mäzenatisches Opus magnum. Obgleich wegen ihrer internationalen Bekanntheit und ihrer Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus bisweilen als das „wahre Zentrum“ der Bremer Altstadt bezeichnet, sind die Museen Böttcherstraße indes keine öffentliche Institution, sondern eine private GmbH in der Trägerschaft der Sparkassenstiftung. Im Februar wurde Frank Schmidt von der Kunsthalle Emden als neuer jung-dynamischer Direktor nach Bremen berufen, um die Besucherzahlen der beiden Häuser auf alte Höhen zurückzuführen. Seine aktuelle Sonderausstellung widmet sich seit Anfang Oktober der künstlerischen Begegnung zweier Leitsterne der klassischen Moderne in Deutschland: Paula Modersohn-Becker und Emil Nolde.

Das klingt in der Tat publikumswirksam und verspricht sogar Entdeckerpotenzial, zumal bisher keine vergleichbare ­Zusammenschau dieser beiden so unterschiedlichen malerischen Œuvres stattgefunden hat. Frank Schmidt verweist darauf, dass sich die damals noch unverheiratete Paula ­Becker und Emil Nolde im Jahr 1900 tatsächlich in Paris begegnet seien. In einem Brief der Künstlerin an ihre Schwester bezeichnet sie die Bekanntschaft mit dem „Schleswiger Bauernsohn“ gar als „neue Errungenschaft“. Nolde kom­mentiert in seinen Erinnerungen seinerseits die Bilder der inzwischen schon längst verstorbenen Paula Modersohn-­Becker als „einfach und schön und menschlich innig“. Nachhaltiger wechselseitiger Austausch oder gar Einfluss ist jedoch nicht festzustellen, wie Schmidt freimütig einräumt. Doch sein eigentliches Ziel ist es, den Blick auf andere Aspekte zu lenken. So zum Beispiel auf Noldes frühes Werk aus seiner Pariser Zeit. Seine Übungsblätter aus den Aktkursen an der Académie Julian sind durchweg im realistischen Stil gehalten, es lässt

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — N O R D W E S T

M USEE N BÖT TCHER ST R ASSE


20 Paula Modersohn- Becker, „Bildnis Lee Hoetger vor Blumengrund“, 1906, Museen Böttcherstraße, Bremen

sich allerdings schon vage sein Gespür für Farben festmachen. Einige der Arbeiten waren noch nie ausgestellt, weil sich bisher offenbar noch ­niemand dafür interessiert oder tiefer damit beschäftigt hat. Indes sind Paula Beckers Zeichnungen aus derselben Zeit b ­ ereits dokumentiert. Andere Werke, die außerhalb des S ­ tudienkontextes entstanden, etwa ihr stilistisch bereits weit vorausweisendes „Selbstbildnis vor Fenster­ ausblick auf P ­ ariser Häuser“, deuten an, dass beide Künstler schon zur Zeit ihrer flüchtigen Begegnung auf unterschied­ lichen Pfaden wandelten: Sie fokussierte die Formen, er spielte mit dem Kolorit. Im Bewusstsein, dass die kurze Begegnung in Paris nicht ausreichend Anlass für eine solche Ausstellung ist, widmet sich der Hauptteil der Schau einem bestimmten Thema im Werk beider Kunstschaffender, in dem Frank Schmidt ­P arallelen zu erkennen glaubt: dem Menschen. Vor allem bei Nolde überrascht die Tatsache, dass die Figurenbilder zu den

rechts: Max Liebermann, „Tennisspieler am Meer“, erste Fassung, 1901, Öl auf Leinwand, 69,5 x 100,3 cm, Museum Kunst der Westküste, Alkersum, Föhr

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — N O R D W E S T

© Repro Lukas Spörl

Emil Nolde, „Akt (Mädchen)“, 1899 © Nolde Stiftung Seebüll

häufigsten Sujets seines Gesamtwerks zählen. Die mitunter ins Rätselhafte und Befremdliche gesteigerte Vereinfachung von Figuren und insbesondere von Gesichtern, das Abrücken von naturhafter Darstellung, auch das „Maskenhafte“ in den Porträts verweisen auf eine Verwandtschaft zwischen Emil Nolde und Paula Modersohn-Becker. Beide befanden sich zeitlebens auf der Suche nach Einfachheit und Größe. Die jeweiligen künstlerischen Umsetzungen hingegen wirken zum Teil geradezu gegensätzlich: Modersohn-Beckers Porträts forschen sichtlich nach dem intimen Moment, nach der inneren Wesenheit des anderen – bei Nolde dominiert die ­extrovertierte Geste, die die Oberflächen der Gesichter und Körper mit teils karikaturesken Zügen versieht. Ebenso ­g egensätzlich sind die Lebensläufe beider: Paula Modersohn-Becker war bis zu ihrem frühen Tod 1907 quasi


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K U NS T H A L L E BR E M E N

unbekannt, sie zeigte fast niemandem ihre Arbeiten. Ihre Experimentierfreude sowie die daraus resultierende neue und eigene Formensprache wurden von der Kunstwelt erst viel später erkannt. Nolde hingegen war schon zu Lebzeiten ein prominenter und durchaus selbstbewusster Vertreter des Expressionismus, der auch nicht davor zurückscheute, sich öffentlich gegen Max Liebermann und andere Protagonisten der etablierten Kunstszene auszusprechen. Macht eine solche Gegenüberstellung überhaupt Sinn? Das Werk einer Künstlerin mit solch kurzer Schaffensphase mit den Bildern eines Malers, der über 80 Jahre alt wurde, in Dialog zu bringen? – Oh ja, denn es entfaltet sich vor allem die Modernität Paula Modersohn-Beckers, die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, also vor vielen ihrer männlichen Kollegen, eine neue Formensprache gefunden hatte. Und ja, denn die Ausstellung präsentiert einen anderen Emil Nolde, der entgegen aller Klischees nicht nur Blumen und Landschaften malte, sondern sich insbesondere auch für das Motiv Mensch begeisterte. K AI JÄGER

Keine zehn Gehminuten von der Böttcherstraße entfernt liegt mit der Bremer Kunsthalle ein nicht weniger bedeutendes Haus mit noch viel älterer mäzenatischer Tradition. Es handelt sich um die Ausstellungshalle des bereits 1823 ­begründeten Kunstvereins Bremen und ist somit aktuell das einzige M ­ useum mit einer eigenen, großen Sammlung im deutschsprachigen Raum, das sich in privat-gemeinnütziger Trägerschaft befindet. Auch hier hat man sich unter Direktor Christoph Grunenberg für diesen Herbst offenkundig ­vor­genommen, Besucher mit einem ungewöhnlichen Ausstellungsthema um einen beliebten deutschen Maler zu locken, der Beziehung von Max Liebermann zum Sport. Das ist freilich weniger abwegig, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Sport war am Beginn des 20. Jahrhunderts ein eher halbfamiliäres Freizeitvergnügen der Oberschicht, die mit Reiten, Tennis- oder Polospiel einen modischen Lifestyle ­englischer Prägung pflegte. Liebermanns Interesse daran galt wie schon bei seinen impressionistischen Vorbildern aus


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im doppelten Wortsinn verstanden wissen will. Transparent und klimatisch angenehm sollen etwa nicht nur die Räume mit ihren schönen Sichtachsen, die neue Beleuchtung und der neue gläserne Portikus sein, sondern auch die Kommunikation zwischen dem Haus und seinen Besuchern. Freundlichkeit und Einlässlichkeit zu vermitteln, das ist Jan Schulze, dem ­A rchitekten des Umbaus, durchaus eindrucksvoll gelungen. Das Gerhard-Marcks-Haus basiert auf einer Stiftung privaten Rechts. Das Land Bremen trägt die laufenden Kosten, doch für alles, was darüber hinausgeht – etwa die zwei Millionen Euro für den Umbau – müssen Drittmittel eingeworben werden. Dafür mussten die Arbeiten nicht öffentlich ausgeschrieben werden und konnten sofort beginnen. Als Finanzier fand sich die ebenfalls in der Stadt beheimatete Waldemar Koch Stiftung. Mit privaten Geldgebern hat Hartog kein Problem und sieht sich durch sie in seinen Entscheidungen nicht beeinträchtigt. Ihm geht es vielmehr um effektive Allianzen für eine Rückbesinnung auf museale Kernaufgaben. „Was wir Frankreich vor allem der Darstellung bewegter Körper und flüchtiger Momente in naturnaher Umgebung. In der Gegenüberstellung mit Bildern von Künstlern der 1920er-Jahre, als Sportarten wie das Boxen allmählich zum Massenphänomen wurden, zeigt sich alsdann der ästhetische Kontrast zur Liebermann-Zeit und deutet auf die totale Ästhetisierung des Sports als Ganzes hin – während der Nazizeit und natürlich auch darüber hinaus. Stoff genug für eine große Kunstgeschichte des Sports, die die Kunsthalle freilich nur mit einer kleinen Episode anreißt.

oben: Vincent Barré, „Vier Ringe“, 2009, Eisen, Sammlung Fonds de dotation © VG Bild- Kunst, Bonn 2016

G E R H A R D - M A RC K S - H AU S

In der Ostertorwache, in direkter Nachbarschaft auf der Kunstmeile, befindet sich das soeben nach anderthalbjähriger Umbauzeit wiedereröffnete Gerhard-Marcks-Haus – eines der wichtigsten deutschen Museen für moderne Plastik. Mit ­„ Barrierefreiheit, Klima, Transparenz“ hat Arie Hartog, der seit über 20 Jahren am Haus tätig und seit 2009 dessen ­D irektor ist, die Schlagworte für sein Leitbild ausgegeben – drei Vorgaben, die der gebürtige Niederländer ausdrücklich

Arie Hartog, Direktor Gerhard- Marcks- Haus, Bremen Foto: © GMH


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Foto: © Gerhard- Marcks- Haus, Ingo Wagner

nett ist.“ Eine durchaus wagemutige Wortwahl zwar, jedoch vorgetragen mit dem Selbstbewusstsein eines unermüdlichen Museumsmannes, der sich noch als genuiner Gestalter von Kunsterfahrung versteht und sich mit seinem Haus diesem ­alten Ideal schon sehr nahe weiß. CARSTEN PROBST

bis 26. Febr uar 2017 „ Max Lieber mann – Vo m F r e i z e i t v e r g n ü g e n z u m m o d e r n e n S p o r t “ Kun sthalle B re me n www. k un sthalle -bre me n . de bis 29. Januar 2017 „ B r i g i t R a m s a u e r – I c h b i n k e i n e B i l d h a u e r i n“ bis 29. Januar 2017 „V i n c e n t B a r r é – G é o m é t r i e b a (s) t â rd e“ u n d „ K o s m o s M a r c k s – G ü n t e r B u s c h ‚ D a s i s t m e i n M a n n‘ “ G e r h a rd - M a r c k s - H a u s www. marck s 1 . de bis 29. Januar 2017 „ E m i l N o l d e t r i f f t P a u l a M o d e r s o h n - B e c k e r“ Paula Mode rsohn-B ecke r Mu seum w w w . m u s e e n - b o e t t c h e r s t ra s s e . d e

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schon länger in Bremen erleben, ist, dass die verschiedenen Kulturinstitute nur noch größer und lauter sein wollen“, sagt er. „Ich denke, das ist die falsche Richtung. Ich glaube, dass Museen sich eher durch ihren Stil unterscheiden müssen.“ Vom Stil seines Hauses hat er die klare Vorstellung, dass das Museum „für die Skulptur als Königsdisziplin der Architektur Raum schaffen soll, ohne dass man Raum dafür baut“. Und tatsächlich: Betritt man das Haus, vermittelt sich dem Besucher über die verschiedenen Säle und Etagen hinweg ­a nschaulich eine präzise ausgeleuchtete Leichtigkeit von Übergängen eines Raumes zum nächsten, eine Erfahrung vielseitiger Formabfolgen, ohne dass man erklärter Kenner von Architektur oder des Werkes von Gerhard Marcks sein müsste, dessen berühmteste Skulpturen die „Bremer Stadtmusikanten“ auf dem Bremer Marktplatz oder der „Rufer“ auf der Straße des 17. Juni unweit des Brandenburger Tores in ­Berlin sind. Marcks’ Werk präsentiert sich nun in der ständigen Ausstellung neu geordnet, sehr sinnlich und nahbar. Zudem gibt es eine aktuelle Sonderausstellung mit den zwischen ­Natur- und Industrieform changierenden Arbeiten des französischen Altmeisters Vincent Barré, an denen sich die neuen Raum- und Lichtqualitäten des Hauses besonders gut demonstrieren lassen. „Wir sind uns darüber im Klaren“ sagt Arie Hartog, „dass die Bildhauerei ein Ghetto ist, aber wir wollen jedem zeigen, dass es bei uns in diesem Ghetto ganz


24 Ein Überblick über die zeitgenössische Kunst in Bremen

Alles im Fluss

Weserburg mit Ausstellungsplakat, Foto: Just yna Lubecka

Zeitgenössische Kunst in Bremen? Aber ja! Im kleinsten deutschen Bundesland tut sich da einiges und das schon lange. Vor 25 Jahren wurde hier mit der Weserburg – Museum für moderne Kunst das erste Sammlermuseum Europas eröffnet. Die Lage im Stadtzentrum könnte besser kaum sein: Auf einer Insel mitten in der Weser, dem sogenannten Teerhof, residiert das Haus mit seinen 6.000 Quadratmetern. Direkter Nachbar ist die Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK). Und nur einen beherzten Steinwurf davon entfernt sorgt das Künstlerhaus mit innovativen Ausstellungen für Aufmerksamkeit. Die traditioneller ausgerichtete Kunsthalle zeigt neben Klassikern der Kunstgeschichte ebenfalls immer wieder zeitgenössische Positionen. Und dann ist da noch die Städtische Galerie am Buntentor, die 1985 gegründet wurde. Sie zeigt in einer ehemaligen Brauerei auf 600 Quadratmetern Ausstellungen regionaler und überregionaler Künstler. Aktiv ist in Bremen auch der Bremer Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler. Zu den Höhepunkten seiner Unternehmungen gehört die Ausrichtung des Bremer Kunstfrühlings, der alle paar Jahre im Mai in einer 14.000 Quadratmeter großen Gleishalle stattfindet.

25 Jahre Weserburg: Das „Museum im Fluss“ behauptet sich mit einem hierzulande einzigartigen Konzept. Die Ausstellungstätigkeit beruht primär auf der engen Kooperation mit Privatsammlungen. Schon Gründungsdirektor Thomas ­Deecke setzte in den 1990er-Jahren auf die Zusammenarbeit mit wichtigen deutschen Sammlern, darunter der Berliner Reinhard Onnasch, der Duisburger Hans Grothe und der Hamburger Klaus Lafrenz. Heute leitet Peter Friese das Haus. Gegenüber ARTMAPP betont er die Kernkompetenz seines Hauses: „Als das Sammlermuseum am 6. September 1991 eröffnet wurde, setzte Bremen mit diesem neuen Museumstyp ein europaweites Zeichen: Der Mut, groß zu denken und auf Neues zu setzen, sollte auch unser Ansporn für die Zukunft sein. Zusammen mit dem Zentrum für Künstlerpublikationen und der im selben Gebäude beheimateten GAK ist und bleibt die Weserburg ein einmaliges und wichtiges Zentrum für Gegenwartskunst in Bremen.“ Gerade in den letzten Jahren setzte Friese verstärkt auf junge Sammlungen. Mit der Sammlung Dominic und Cordula Sohst-Brennenstuhl aus Hamburg, der Sammlung Mario von Kelterborn aus Frankfurt


25 Was bleibt, ist die Erkenntnis: Man sollte also unbedingt von Zeit zu Zeit im Stadtstaat vorbeischauen und dort die eine oder andere Institution besuchen. Auch wenn der Etat für Kultur im chronisch klammen Bremen knapp bemessen ist: Den findigen und engagierten Protagonisten der Bremer Kunstszene gelingt es trotzdem immer wieder, spannende Ausstellungsprojekte zu realisieren. NICOLE BÜSIN G & HEIKO KL A AS

Eingangsbereich GAK, Courtesy: GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen, Foto: Peter Podkowik

bis 26. Febr uar 2017 „ M i r i s t d a s L e b e n l i e b e r“ – S a m m l u n g R e y d a n We i s s We s e r b u r g – N e u e s M u s e u m B r e m e n www. wese rburg. de bis 13. November 2016 Ib Geertsen 26. November 2016 bis 1 2 . Febr uar 2017 T i l l K ra u s e – B r i e s e n e r Z o o t z e n GA K – G esell schaf t f ür A k t uelle Kun st, B re me n www. gak-bre me n . de bis 11. Dezember 2016 „ K abbo ka Muwala – The Girl ’s B a ske t“ M i g ra t i o n u n d M o b i l i t ä t i n d e r z e i t g e n ö s s i s c h e n K u n s t in Süd- und Ostaf rika Städt i sche Gale r ie B re me n www. staedt i schegale r ie -bre me n . de 19. November 2016 bis 29. Januar 2017 To b i a s H e i n e – K a r i n H o l l w e g P r e i s 2 0 1 5 Gale r ie Kün stle rhau s B re me n www. k ue n stle rhau sbre me n . de

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am Main und der Sammlung Ivo Wessel aus Berlin holte er zum Teil noch ungesicherte Positionen ins Haus. Dieses Wagnis einzugehen, unterscheidet die Weserburg von anderen Museen, die dem allgemeinen Kanon folgen. Als Jubiläumsschau präsentiert die Weserburg unter dem Titel „Mir ist das Leben lieber“ die Sammlung Reydan Weiss. Die in Istanbul geborene Sammlerin wuchs in mehreren Ländern auf und lebt heute in Deutschland. Viele der gezeigten Arbeiten setzen sich mit Tradition und Moderne sowie mit kulturellen Unterschieden auseinander. Die Künstlerliste reicht von Bettina Rheims über Anselm Kiefer bis zu Cindy Sherman. Außerdem beherbergt die Weserburg das Zentrum für Künstlerpublikationen mit mehr als 100.000 publizierten Kleinstwerken und Druckerzeugnissen – zugleich Fundgrube und wertvolles Archiv gerade auch für Forscher und Wissenschaftler. Aus der Bremer Kunstlandschaft nicht wegzudenken ist ebenso die Gesellschaft für aktuelle Kunst (GAK). Unter der Leitung von Janneke de Vries hat sie ein sehr klares Profil entwickelt. De Vries definiert die Ausrichtung so: „Die GAK ist als 1980 gegründeter Kunstverein der Ort für internatio­ nale Kunst der Gegenwart in Bremen. Sie definiert sich als Verbindungsglied zwischen Akademie und Museum und stellt in ihren Einzelausstellungen internationale Künstle­ rinnen und Künstler vor, bevor diese sich im Kunstbetrieb etabliert haben. Eine Vielzahl der Projekte entsteht dabei in direkter Auseinandersetzung mit der Situation vor Ort. ­D arüber hinaus fokussieren Gruppenausstellungen un­ terschiedliche Themen des öffentlichen Diskurses. Der traditionelle Fokus des Ausstellungsprogramms auf noch weitgehend unbekannte Positionen wird in unregelmäßigem Turnus um eine Vorgängergeneration erweitert, die die Produktion junger Künstlerinnen und Künstler beeinflusst hat, selbst jedoch in Vergessenheit geraten ist.“ Die GAK ist also eine Art Labor, in dem junge Tendenzen zeitgenössischer Kunst experimentell erprobt werden. Doch auch heute weltbekannte Künstler wie Peter Doig oder Tracey Emin wurden hier bereits sehr früh gezeigt. Daneben erregten Gruppen­ projekte wie „Girls can tell“ oder „Bin beschäftigt“ große Aufmerksamkeit weit über den Raum Bremen hinaus. Nach Stationen in Paris, Wien, Berlin und Bonn leitet die französische Kuratorin Fanny Gonella seit Anfang 201 4 die Galerie des Künstlerhauses. Ihr anspruchsvolles, inter­n ational ausgerichtetes Programm ist dabei äußerst diskurs­f reudig. Jüngere Positionen werden häufig im histo­ rischen Kontext verortet. Konzeptuelles und Politisches, Performances, Lesungen, Filmabende und Diskussionen ­betten die monografischen und thematischen Ausstellungen in ein reichhaltiges Rahmenprogramm ein. Die Bremer Kunstszene ist übersichtlich. Man kennt sich, anders als etwa in Berlin, untereinander sehr gut. Die meist rege besuchten Eröffnungen sind willkommene Ge­ legenheiten, sich zu treffen und auszutauschen. Durchaus auch über brisante Themen wie die immer wieder wie ein ­D a­moklesschwert über der Weserburg schwebende Forderung einiger Politiker nach Verkleinerung, Verlegung oder gar Schließung des Hauses.


Gregor Gaida

twisted

Se it Anfang 2009 i st de r Kün stle r ve re in „Ve r e i n 2 3 e . V. z u r F ö rd e r u n g i n t e r m e d i a l e n K u l t u ra u s t a u s c h e s“ G e n e ra l m i e t e r d e s g e s a m t e n 3 6 . 0 0 0 Q u a d ra t m e t e r g ro ß e n , z e n t ra l g e l e g e n e n B r e m e r G ­ üterbahnhofs. Ü b e r 2 0 0 K ü n s t l e r, M u s i k e r u n d K u l t u r s c h a f f e n d e a l l e r G a t t u n g e n n u t z e n i n z w i s c h e n d a s e i n m a l i g e Z e n t r u m z e i t g e n ö s s i s c h e r K u n s t a l s A r b e i t s - , P ro b e - u n d P ro d u k t i o n s ra u m u n d d i e A u s s t e l l u n g s - u n d Ve ra n s t a l t u n g s o r t e „ S p e d i t i o n“ , „ S c h a u l u s t “ , „ G l e i s h a l l e“ u n d „­ G a l e r i e H e ro l d “ h a b e n s i c h a l s f e s t e G rö ß e n d e r B r e m e r K u l t u r l a n d s c h a f t e t a b l i e r t . H i e r b e s u c h t e A R T M A P P G r e g o r G a i d a i n s e i n e m A t e l i e r. www. ga-bre me n . de

Ein hartnäckiges Paradigma der Kunst nach 1945 war, Kunst und Narration als zwei unvereinbare Komponenten zu be­ greifen. Die Kraft der Moderne vermutete man in einer Kunst, die sich selbstreferenziell gab, ohne Einfluss eines äußeren Sujets und damit ohne die erdrückende Last der Geschichte. Doch gerade in den letzten Jahren ist insbesondere in den ­Kultur- und Sozialwissenschaften eine Wiederentdeckung des Erzählens zu verzeichnen. Wird hier schon von einem „narrative turn“ gesprochen, der davon ausgeht, dass die „Konstitution, Stabilisierung und Transformation individueller wie kollektiver Identitäten“ auf Erzählung angewiesen ist, gesteht die Kunstkritik dies nur wenigen Ikonen zu. Eine ­solche „Ikone des 20. Jahrhunderts“ ist sicherlich Jewgeni

Chaldejs Aufnahme eines Rotarmisten, der auf dem Berliner Reichstag die sowjetische Fahne hisst. Was der scheinbar historische Schnappschuss nicht preisgibt, ist das sorgfältige Arrangieren des Fotos. Zwei Tage nach dem tatsächlichen Ereignis wurde die Szene unter großem Aufwand nachgestellt und für Chaldejs symbolträchtige Aufnahme inszeniert. ­Gregor Gaida hat sich in seiner Arbeit „Reichstagsfiale“ von 2009 mit dieser symbolträchtigen „Momentaufnahme“ ­beschäftigt, um sodann mit seinen Objekten Fragen zu Wirkmacht und narrativem Potenzial nachzuspüren. Dabei geht es gerade nicht um eine bloße Transformation von Bildinhalten über Gattungsgrenzen hinweg, sondern um eine Unter­ suchung davon, was passiert, wenn die konstituierende Syntagmatik einer Erzählung gestört wird und – einem „narrative twist“ gleich – die Erzählung in sich selbst umschlägt. Gaida gelingt es, das narrative Potenzial in seinen Objekten


27 Gregor Gaida, „Outliners“, 2014, Acr ylharz, je 60 x 75 x 85 cm

präsent zu halten, ohne dass eine Erzählung vom Betrachter je ausformuliert werden könnte. Extrem raumgreifende Objekte wie seine „Fahnenträger“ (2007/08) oder sein jüngeres Werk „Der Dornenauszieher“ (2013) werden so zu hermetisch abgeschlossenen Objekten, mehrdeutig und unentschlüsselbar zugleich. Dabei geht Gaida mit einer erstaunlichen Offenheit vor, wie das Werk „Outliners“ (2014) beispielhaft zu verdeutlichen vermag. Alle Hinweise auf einen mög­ lichen Bildinhalt sind vorhanden: Klar zu erkennen ist, dass es sich nicht um Kinder handelt, die diesen Strich zeichnen, sondern – wenn überhaupt – um ein einziges Kind, das als Dublette ­seinem Gegenüber spiegelbildlich begegnet. Ebenso deutlich wird, dass weniger spielerische Freude als bitterer Ernst die Szene bestimmt. Gaida legt all das schonungslos ­offen und doch reißt er die entscheidende Brücke ein. Seine in der Struktur narrativ angelegte Bildhauerei bricht, da jeglicher Kontext fehlt. Nur durch den Kontext – seien es die in Gregor Gaidas Werken angerissenen kunsthistorischen Bezüge, sei es der historische, politische oder gesellschaftliche Rahmen oder der konkrete räumliche Bezug – ließen sich seine Szenen

entschlüsseln. Und nur jener Kontext brächte die erhoffte Eindeutigkeit. Doch Eindeutigkeit gibt es im Werk von Gregor Gaida nicht. In der Ambivalenz und prinzipiellen Offenheit seiner Werke verbinden sich Gaidas Arbeiten mit den Ideen der französischen Décadence. Jean Moréas beschrieb im „Supplément littéraire“ des „Le Figaro“ von 1886 sehr präzise den Symbolismus als eine Kunstform, die darin bestehe, „eine Idee niemals begrifflich zu fixieren oder direkt anzusprechen. Und deshalb dürfen die Bilder der Natur, die Taten der Menschen, alle konkreten Erscheinungen in dieser Kunst nicht selbst sichtbar werden, sondern sie werden durch feinnervig wahrnehmbare Spuren versinnbildlicht. […] Der Vorwurf der Unverständlichkeit, die einer solchen Ästhetik entgegengehalten wird, ist nicht erstaunlich. Aber – was spricht dagegen?“ Genau diesen Vorwurf der Unverständlichkeit provozieren die Arbeiten Gaidas. Seine Werke geben uns all jene „feinnervig wahrnehmbaren Spuren“ von Wirklichkeit, ohne je real

Gregor Gaida, „Sun“, 2012,

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Kunststoff, 55 x 55 x 55 cm


Gregor Gaida vor der Plakat wand des Kunstraums „FAQ“ im Güterbahnhof Bremen, Foto: Steffi Neumann, 2016

zu sein. Seit den 2010er-Jahren entwickeln die figurativen Werke des Bildhauers eine extreme Autonomie, in der die Spannung nicht mehr von Objekt und (fehlendem) Kontext generiert wird, sondern diese zunehmend aus dem Objekt selbst heraus gespeist wird. Mag „Der Dornenauszieher“ mit seiner kunsthistorischen Referenz auf Gustav Eberlein genau diese Grenze markieren, so offenbart sich dieser Ansatz zur Gänze in seiner Arbeit „Canes Major I–III“ (2014). Die verspiegelten, prismenartigen Öffnungen, die die organischen

Hundeleiber durchziehen, halten die Pole Bild und Abbild, Abstraktion und Gegenstandsbezug in Spannung. Dabei ­c hangieren die Spiegel in ihrer Wahrnehmung als sich ­zurücknehmende, nach innen gerichtete Reflexionsflächen und einer dominanten, aber scheinbar materielosen Körperlichkeit. In der Werkgruppe der polygonalen Strukturen, darunter „Swog“ oder „Elementarz“ aus dem Jahr 2013, wird das spannungsgeladene Prinzip förmlich auf die Spitze getrieben. Sie bestehen allesamt aus einer figürlichen individuellen Einzelform, die in serieller Reihung, Dopplung oder punktsymmetrischer Spiegelung zu einem geschlossenen Ganzen „konfiguriert“ wird. Hier ist es nicht die Narration, die in sich umschlägt, sondern die Form selbst. Gregor Gaida greift damit auf das Strukturprinzip der Arabesque zurück, in der sich


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die „künstlich geordnete Verwirrung“ der naturähnlichen, scheinbar zufälligen Form zu einem neuen Ganzen wendet: Denn, so Friedrich Schlegel, „das ist der Anfang aller Poesie, den Gang und die Gesetze der vernünftig denkenden Vernunft aufzuheben und uns wieder in die schöne Verwirrung der Fantasie, in das ursprüngliche Chaos der menschlichen Natur zu versetzen“. Genau hierin liegt der kategoriale Un­ terschied von Arabesque und Ornament. Während sich Ornament und Arabesque in der wiederkehrenden Rhythmik treffen, ist es die Arabesque, die sich zum Bedeutungsträger eines zyklischen Prozesses emporschwingt und so neben dem ästhetischen Reiz des Ornamentalen neue Assoziationsfelder öffnet. Scheinen auf den ersten Blick die beiden hier besprochenen Werkgruppen zunächst fundamental unterschiedlich,

links: Gregor Gaida, „Teilen und Herrschen“, 2005, bemaltes Holz, Zement,

so gründen beide doch – strukturell betrachtet – auf dem gleichen Prozess. Ist es einerseits der fehlende Kontext, der einen eindeutigen Sinnzusammenhang unmöglich macht und damit das Werk auf sich selbst zurückwirft, so ist es im Falle der polygonalen Strukturen die bildhauerische Form selbst, die sich verselbstständigt und aufgeladen wird. Sie entfaltet sich in einer unendlichen Fülle an Möglichkeiten, in der – einem spiegelnden Verwirrspiel gleich – im Vorwärts- und Rückwärtsbewegen, im Unterlaufen gewohnter Anordnungen von unten und oben oder von Zentrum und Peripherie Schnittpunkte sich überkreuzender Raum- und Zeitlinien entstehen. Gregor Gaida entwirft mit seinen Skulpturen Vexierbilder, in denen bei aller spielerischen Raffinesse stets ein rätselhafter Kern verborgen ist. Jener tritt allerdings nur für denjenigen deutlich zutage, der weiß, dass es zu suchen gilt. Oder – mit den Worten Kaf kas gesprochen: „Das fremde Wesen muß dann [...] so deutlich und unsichtbar sein, wie das Versteckte in einem Vexierbild, in dem man auch niemals etwas finden würde, wenn man nicht wüsste, daß es drin steckt.“ Y VE T TE D ESEY VE, KUSTODIN A M GERHARD-M ARCKS-HAUS, BREMEN

je ca. 160 x 240 x 130 cm

Alle Arbeiten Courtesy: Galerie Parrotta Contemporar y Art

2 4 . November 2016 bis 1 4 . Januar 2017 G r e g o r G a i d a – „W i d e r h a l l “ G a l e r i e P a r ro t t a C o n t e m p o ra r y A r t , S t u t t g a r t w w w . p a r ro t t a . d e w w w . g r e g o r- g a i d a . d e

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Gregor Gaida, „Zweibeiner“, 2015, Eiche, MDF, Kunststoff, 117 x 30 x 202 cm, Foto: Jan Meier


30 Worpswede

Winterlicher Kunstkosmos

Der Barkenhoff, Foto: © Rüdiger Lubricht

Wer sich in diesen Wochen auf den Weg ins Künstlerdorf Worpswede macht, findet – neben eindrucksvollen Natur­ erlebnissen und dörflicher Idylle – ein breites Spektrum an Kunsterlebnissen. Im Barkenhoff gibt die Dauerausstellung „Heinrich Vogeler. Malerei, Grafik, Architektur, Design von 1892 bis 1942“ Einblicke in das Leben und Werk des ehemaligen Hausherrn und Universalkünstlers Heinrich Vogeler. Der Besucher ist eingeladen, in die Ideenwelt Vogelers und das ­G esamtkunstwerk Barkenhoff einzutauchen – mehr als ein Museumsbesuch! Die Familie Heinrich Vogelers lebt heute im Haus im Schluh. Die Dauerausstellung dort führt den Besucher in die ­G eschichte der Sammlung, die von Martha Vogeler, der Frau Heinrich Vogelers, nach der Trennung aufgebaut worden ist und bis heute in dem malerischen Museumsensemble ­bewahrt und gezeigt wird. Das Ausstellungshighlight dieses Herbstes ist die Schau zum Paula Modersohn-Becker Kunstpreis in der ­Großen Kunstschau Worpswede. Aus über 160 Bewerbungen aus dem In- und Ausland hat eine regionale Jury neun Posi­ tionen für die Ausstellung ausgewählt, aus denen die überregionale Jury die Preisträgerin bzw. den Preisträger kürt. Die Kuratorin des Paula Modersohn-Becker Kunstpreises, ­Susanne Hinrichs: „Seit der ersten Auslobung im Jahr 2010 hat sich der Preis enorm entwickelt. Es ist immer wieder ­erstaunlich für mich, welch namhafte Künstler einen Bezug zur Metropolregion Nordwest haben und sich bewerben. ­Besonders freut mich, dass wir durch die Qualität der Bewerbungen und durch das Renommee der Jurymitglieder die Relevanz dieses Kunstpreises alle zwei Jahre aufs Neue ­u n­terstreichen können. Die Herausforderung für mich als

­ uratorin der Preisausstellung besteht darin, aus ganz unterK schiedlichen Positionen eine Ausstellung zu kreieren, die jedem einzelnen Ausstellungsteilnehmer gerecht wird und gleichzeitig als Parcours sinnstiftende Bezüge zwischen den ausgestellten Arbeiten herstellt.“ Ein ungemein wichtiger Bezugspunkt für internationale Künstlerinnen und Künstler in Worpswede sind die Künstlerhäuser Worpswede. Deren Atelierhäuser sind heute der zentrale Worpsweder Ort für künstlerische Produktion sowie ästhetischen Diskurs auf internationalem Niveau und somit ein unverzichtbarer Impulsgeber für das Künstlerdorf und seine Kunstszene.


31 Die Idee der Verbindung von Kunst und Leben, die die ersten Worpsweder Künstler um 1900 umtrieb, wird in den A ­ teliers der Künstlerhäuser für das 21. Jahrhundert neu formuliert. Spektakuläres Beispiel ist das temporäre Forum, das im ­August 2016 in nur drei Wochen im Rahmen eines internationalen Workshops von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt errichtet wurde. Es wird in den kommenden zwei Jahren als kollektiver Arbeits- und Präsentationsraum dienen. Seine Besichtigung ist einen Spaziergang an den Ortsrand und in die Hammewiesen wert. Zeitgenössische Kunst ist in diesem Winter auch in der Worpsweder Kunsthalle zu Gast. Unter dem Titel „furios und feminin – da sind wir!“ stellen sich 22 Künstlerinnen vor und zeigen die Vielfalt zeitgenössischer Kunst aus einer genuin weiblichen Perspektive. Und schließlich kann man die zahlreichen Facetten der aktuellen Worpsweder Kunst in den monatlich wechselnden Ausstellungen in der kommunalen Galerie Altes Rathaus im Zentrum des Ortes kennenlernen. Das Künstlerdorf Worpswede hat natürlich nicht nur Kunst zu bieten: Unter dem Motto „Winterzauber in Worpswede“ haben Gastgeber und Gästeführer, Museen und Geschäftsleute für die Wintergäste ein Programm mit zahlreichen Sonderveranstaltungen zusammengestellt. Galerien bieten kreative Vielfalt, Konzerte und Theatervorstellungen sorgen für Unterhaltung und gute Laune. Winterspazier­ gänge mit Atelierbesuchen, exklusive Museumsevents oder einfach ein romantisches Winterwochenende in kreativer ­A tmosphäre – der Worpsweder Winterzauber verspricht Muße und Inspiration.

Temporäres Forum der Künstlerhäuser Worpswede, Foto: © Thomas Baldischw yler

AU S S T E L L U N G S T I P P S D a u e ra u s s t e l l u n g „ H e i n r i c h Vo g e l e r. M a l e r e i , G ra f i k , A r c h i t e k t u r, D e s i g n v o n 1 8 9 2 b i s 1 9 4 2“ B arkenhof f bis 8. Januar 2017 Au sstellung zum Paula Mode rsohn-B ecke r Kun st pre i s

M AT T H I AS JÄG ER

G ro ß e K u n s t s c h a u Wo r p s w e d e unten: Blick in die Ausstellung

D a u e ra u s s t e l l u n g

zum Paula Modersohn- Becker Kunstpreis 2012

„ M a r t h a u n d H e i n r i c h Vo g e l e r –

in der Großen Kunstschau Worpswede,

D i e G e s c h i c h t e e i n e r S a m m l u n g“

links unten: Susanne Hinrichs,

Haus im Schluh

Kuratorin des Paula Modersohn- Becker Kunstpreises,

bis 19. Febr uar 2017 „f ur ios und feminin – da sind wir!“ Wo r p s w e d e r K u n s t h a l l e www. wor pswede-museen. de 4 . Dezember 2016 bis 8. Januar 2017 „Wa l d e m a r G ra że w i c z – S o n d e r p r e i s t rä g e r d e s P a u l a M o d e r s o h n - B e c k e r K u n s t p r e i s e s“ We c h s e l n d e A u s s t e l l u n g e n z e i t g e n ö s s i s c h e r Wo r p s w e d e r K u n s t Galer ie Altes R athaus w w w . g a l e r i e - a l t e s - ra t h a u s - w o r p s w e d e . d e To u r i s t i s c h e I n f o r m a t i o n e n u n d B u c h u n g e n : To u r i s t- I n f o r m a t i o n Wo r p s w e d e B e r g s t ra ß e 1 3 , 2 7 7 2 6 Wo r p s w e d e T + 4 9 (0) 4 7 9 2 9 3 5 8 2 0 www. wor pswede. de

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Fotos © Focke Strangmann / Worpsweder Museumsverbund


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Worpswede

Kunst vor weitem Horizont

Gewitter über den Hammewiesen, Worpswede, Foto: Klaus Lampe

Worpswede ist so etwas wie die „Mutter“ aller deutschen Künstlerdörfer, denn schon 1889 wurde dort, nordöstlich von Bremen, die Künstlerkolonie Worpswede gegründet. Damals nämlich zogen Maler wie Fritz Mackensen, Hans am Ende und Otto Modersohn in das idyllisch zwischen Hügeln und Feldern gelegene Dorf mit seinem weiten Horizont und einer beinahe archaisch anmutenden Moorlandschaft. Wenig später kamen Heinrich Vogeler, Clara Westhoff und Paula Becker dazu, die 1901 Otto Modersohn heiratete. Heinrich Vogeler war es dann, der 1894 den inzwischen legendären „Barkenhoff “ kaufte und im Jugendstil zu einem Wohn- und Atelierhaus umbaute. Schnell wurde das Anwesen zum

Zentrum der Künstlergruppe, zu der auch der Dichter Rainer Maria Rilke, damals verheiratet mit Clara Westhoff, hinzustieß. Die überaus kreative, aber auch spannungsgeladene Atmosphäre dieser Gruppe hat jüngst Klaus Modick in seinem Erfolgsroman „Konzert ohne Dichter“ (2015) einfühlsam geschildert. Nach dem Ersten Weltkrieg dann wurde der Barkenhoff unter Leitung Heinrich Vogelers zunächst als reformistische Arbeitsschule für Kinder genutzt, später als Heim der „Roten Hilfe“, also als Zufluchtsstätte für Kinder von Eltern, die politisch verfolgt wurden. Bis heute aber ist der Barkenhoff vor allem berühmt für seine Zeit als wohl erste deutsche „interdisziplinäre“ Künstlerkommune. Heute ist er ein viel besuchtes Museum, in dem sowohl die künstlerische Arbeit Heinrich Vogelers gezeigt wird wie auch Ausstellungen aktueller Kunst.


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Kunstschau präsentiert. So zum Beispiel in diesem Sommer die israelische Künstlerin Karen Russo, die ihre Video­ installation „Haus Atlantis“ (2016) in dem altehrwürdigen Gebäude zeigte. Diese wurde mithilfe der Künstlerhäuser Worpswede e. V. – darüber später mehr – in Worpswede produziert und thematisiert das Zusammenspiel von Bernhard Hoetgers sowohl visionären wie nationalistischen Ideen, ­alten Mythen wie etwa jenem von Atlantis und der Aktualität solch gefährlichen Gedankenguts heute. In der Großen Kunstschau werden alle zwei Jahre ferner die Gewinner des Paula Modersohn-Becker Kunstpreises präsentiert, der auch 2016 wieder in den Kategorien „Hauptpreis“, „Sonderpreis“ und „Nachwuchspreis“ verliehen wird. Ein echter Gewinn ist auch der Besuch der soge­ nannten Käseglocke in Worpswede, die sich – ein wenig versteckt – im Wald zwischen der Großen Kunstschau und dem Barkenhoff befindet. Dieses halbrunde Wohnhaus in ­Igluform wurde 1926 nach Plänen Bruno Tauts erbaut und ­besticht in seiner Verquickung von organischer Form, schnörkellosem Design und der konsequenten Absage an alle damals vorherrschenden akademischen Regeln. Als Geheimtipp können außerdem noch Paula Moder­ sohn-­Beckers Blumenvignetten in der Zionskirche angesehen werden. 1900 hatte die Malerin gemeinsam mit Clara Westhoff-Rilke verbotenerweise die Kirchenglocke geläutet, als Strafe mussten sie dann diese überaus reduzierten, aber umso sensibleren Blumenbilder malen.

Heinrich Vogeler, „Sommerabend (Das Konzert)“, 1905, Öl auf Leinwand, 175 x 306 cm, Courtesy: Bundesrepublik Deutschland / Land Niedersachsen / Kulturstiftung Landkreis Osterholz

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Neben dem Barkenhoff, der lange Zeit dem Land Niedersachsen als Stipendienort diente – unter skandalösen Umständen wurde dies 2009 von der niedersächsischen Landesregierung ohne jede Notwendigkeit eingestellt, Günther Grass sprach überaus wütend von „Geschichtsvergessenheit“ –, gibt es noch weitere bemerkenswerte Museen in dem kleinen Ort. Zu nennen wären da vor allem das „Haus im Schluh“ und die „Große Kunstschau“. Das Haus im Schluh, ein ehemaliges Bauernhaus, wurde 1919 von Martha Vogeler gegründet. Nach der Trennung von ihrem Ehemann Heinrich Vogeler richtete sie dort gemeinsam mit ihren drei Töchtern Bettina, Mascha und Mieke eine Handweberei sowie eine ­Gästepension ein. Zur Anlage gehörte ebenfalls ein großer Nutzgarten, der noch immer zu einem entspannenden B ­ esuch einlädt. Heute ­f inden hier in regelmäßigen Abständen spannende Projekte auch zur zeitgenössischen Kunst statt, zum Beispiel 2012 die Einzel­ausstellung „I do not belong in this House“ des Berliner Videokünstlers Bjørn Melhus. Unvergessen für mich bis heute die After-Show-Party der Eröffnung, die bis in die späten Abendstunden im Worpsweder Caféhaus „moma“ – nomen est omen – über die Bühne ging. Die Große Kunstschau dagegen wurde erst 1927 von dem Architekten Bernhard Hoetger im Stil des Expressionismus erbaut. Wichtige Bilder der Künstler der Worpsweder Künstlerkolonie sind hier ausgestellt, unter anderem Heinrich Vogelers bekanntes großformatiges Werk „Sommerabend“ (1905), das die Mitglieder der Gruppe bei einem sommer­ lichen Konzert vor dem Barkenhoff zeigt. Einer aber fehlt: Rainer Maria Rilke – ein „Konzert ohne Dichter“ also. Aber auch Kunstschaffende unserer Tage werden in der Großen


Barkenhoff/Heinrich-Vogeler-Museum, Foto © Rüdiger Lubricht

Winterzauber in Worpswede Natur und Kunst Muße und Inspiration Entspannung und Unterhaltung

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Bjørn Melhus auf der Eröffnung seiner Ausstellung „I do not belong in this House“ im Worpsweder Haus im Schluh, Foto: © Focke Strangmann / Worpsweder Museumsverbund, 2012

Dass die Probleme der heutigen Welt aber auch vor dem malerischen Worpswede nicht haltmachen, das verdeut­ lichen die Windräder, die jet zt zunehmend vor dem Künstlerdorf aufgestellt werden. Sicherlich: Windräder sind eine relativ umweltfreundliche Form der Energiegewinnung; gleichzeitig jedoch zerstören sie das Bild des eingangs ­erwähnten weiten Horizonts, indem sie dieses mit ihren vertikalen Stelen durchschneiden. Nicht zuletzt dieser Horizont aber macht(e) eigentlich den Charme Worpswedes und seiner Landschaft aus. R A I M A R S TA N G E

www. worspwede-museen. de w w w . k u e n s t l e r h a e u s e r- w o r p s w e d e . d e

Große Kunstschau, Worpswede, Foto: © Rüdiger Lubricht, Worpsweder Museumsverbund

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Der für die zeitgenössische Kunst wichtigste Worpsweder Anlaufpunkt aber sind die Künstlerhäuser. Hier, an dem ­inzwischen einzigen Platz für Stipendiaten im Ort ­a r­beiten ­jeweils für einige Monate Künstler aus unterschiedlichsten Sparten – Opern werden ebenso geschrieben wie Lyrik und Romane, Bilder werden gemalt, Installationen ­erarbeitet, ­V ideos gedreht. Immer wieder sind auch K lassen aus ­u n­t erschiedlichen nationalen und internationalen Kunsthochschulen eingeladen, hier P rojekte zu realisieren. Zudem organisiert Tim Voss, der künstlerische Leiter, wich­ tige Symposien, etwa in diesem Herbst eines zum Thema „Horror“. Der neueste gelungene Coup der Künstlerhäuser Worpswede ist ein von Freiwilligen und den Teilnehmern ­eines Sommerworkshops gebautes Mehrzweckhaus, das jetzt auf der Wiese hinter den Künstlerhäusern steht. Es kann nun als Atelier, Probebühne oder Versammlungs- und Tagungsraum genutzt werden.


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Headshots, Galerie Ebensperger, Berlin

Bjørn Melhus Melhus in seiner Version 1995 unter dem Titel „Weit Weit Weg“ in eine Berliner Plattenbausiedlung verlegt und dort als leicht überdimensioniert-freakige Dorothy mit charakteristischer grüner Haarschleife in eine Spielzeugwelt aus Telefon, TV und World Wide Web f lieht, die schließlich die totale Entfesselung lauter medialer Alter Egos zur Folge hat. In längeren Videofolgen wie „Auto Center Drive“ von 2003 und dessen Fortsetzung „The Meadow“ von 2007 treibt Melhus seine Rollenvervielfältigungen in immer neue Höhen. Die Pseudohandlungen inszenieren letztlich nichts anderes als ein von ihm selbst gespieltes Panoptikum aus Popikonen der 1960er- und 1970er-Jahre von Elvis über Jim Morrison, Marilyn Monroe und Andy Warhol bis zu den Schlümpfen. Mit „I’m not the Enemy“, Teil einer installativen Videotrilogie von 2011 über traumatisierte Kriegsheimkehrer, oder in „Freedom & Independence“ von 2014 ist Melhus danach wieder zu eher märchenhaften Erzählkonzepten zurückgekehrt, bei ­denen sich historische Ereignisse – Kriege, Katastrophen, religiöse Bewegungen – in Einzelschicksalen und ihrer medialen Verarbeitung spiegeln. So sind die „Headshots“ eigentlich die Ahnengalerie dieser ironisch collagierten Technikmärchen, eines Zauberreichs medialer Ich-Vervielfältigung, dessen Gesetze kaum ein anderer Medienkünstler so virtuos und witzig erforscht und auf den Punkt gebracht hat. CARSTEN PROBST

Bjørn Melhus, „Nurse“, 2014, aus dem Film „Moon Over Da Nang“, 2016, Foto: Studio Bjørn Melhus © VG Bild- Kunst, Bonn 2016

w w w . e b e n s p e r g e r. n e t www. melhus. de A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — P O R T R Ä T

Im US-Western „Broken Arrow“ von 1950 beginnt James ­S tewart eine Romanze mit einem Indianermädchen, das ­erstmals ihr eigenes Gesicht in seinem Rasierspiegel erblickt und staunend ausruft: „Was für ein seltsames Ding ist das?“ Stewart antwortet ihr: „Ein Zauberglas.“ Mit dieser Szene, transponiert aus der Western- in die Nachkriegs-Fernsehwelt, beginnt Bjørn Melhus’ in der europäischen Medienkunst ziemlich einzigartige Karriere als Verwandlungskünstler. Sein Video „The Magic Glass (Das Zauberglas)“ von 1991 ­versetzt das Paar, dessen Rollen Melhus beide selbst übernimmt, in die Welt dies- und jenseits der Mattscheibe. „Was für ein seltsames Ding ist das?“, fragt auch hier wieder das Mädchen, während es staunend aus dem Apparat herausblickt. Der ­Junge davor antwortet: „Ein Zauberglas.“ Die Travestie historischer Filmsequenzen im ­t echnisch aktualisierten ­A mbiente und mit skurrilen Ver­k leidungen – das sind die Kennzeichen von Melhus’ Arbeit der letzten 25 Jahren. 90 ­seiner Rollen für Videos, Foto­serien oder Animationen zeigt das Tableau „Headshots“, ausgebreitet über zwei Wände der Galerie Ebensperger in Berlin. Anstelle einer Retrospektive erscheint dies als angemessene Würdigung des Künstlers, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert. Viele noch während Melhus’ Braunschweiger Studienzeit in den 1990er-Jahren entstandene Kurzfilme wurden stilbildend für sein Werk, vor allem seine Persiflage auf den Musicalfilm „The Wizard of Oz“ („Der Zauberer von Oz“) von 1939, die bis heute zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört. Auch hier wird durch ein „Zauberglas“ kommuniziert. Das Mädchen Dorothy, im Original gespielt von Judy Garland, taucht mit dessen Hilfe ein in eine kindliche Traumwelt, die


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© (Michael Fackelmann) VG Bild-Kunst Bonn, 2016

53°8'N 8°13'O

DER HORSTJANSSEN ARCHIPEL Die Reise geht weiter …

17.09.2016 – 15.01.2017 Horst-Janssen-Museum Oldenburg


Eine Institution des Landes


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Oldenburg

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Thomas Schütte Er steht da wie ein rätselhafter Wächter, etwas im Abseits platziert – der rie­sige „Mann im Matsch – der Suchende“ von Thomas Schütte. Der Künstler und gebürtige Oldenburger hat eine Art Hofsituation des Neubaus der Landessparkasse zu Oldenburg für ihn gewählt. Wer auf die fünf Meter hohe Skulptur trifft, ist überwältigt. Eine Männergestalt im Kittel steht da auf e­ inem wasserumf lossenen ­k reisrunden Sockel. Bis zu den Waden im Un­wegsamen eingesunken, trägt sie eine Wünschelrute vor sich her. Ein Spielzeugteddy schaut kess zu ihr auf. So sieht ein Antiheld aus, so einer passt schwer ins ­umtriebige Heute. Der dreifache „documenta“-Teilnehmer und weltbekannte Kunststar Thomas Schütte hat das Modell seiner Großplastik mehrfach international in Ausstellungen gezeigt. In seiner Heimatstadt gab es zunächst Staunen, w ­ arum ein Bankinstitut sich und der Stadt ausgerechnet eine Metapher für die Selbstüberschätzung der Moderne schenkt. Im Alltag hat das monu­mentale Werk freilich schnell sein Publikum erobert. Spaziergänger lassen sich hier zu einem Ruhepäuschen nieder, man posiert für ein Gruppenfoto vor dem bronzenen Riesen, Skater lieben seine Basis für akrobatische Rundkurse. Kunst hat eben ihre ganz eigene Wirkmacht. Wenn das keine Maxime für die Universitätsstadt ist, die sich selbst auch schon mal „Übermorgenstadt“ genannt hat! Wer weiß, vielleicht hat übermorgen aktuelle Kunst tatsächlich noch eine ganz andere Reichweite. Heute sind es Einrichtungen wie der Oldenburger Kunstverein oder das international agierende Edith-Russ-Haus für Medienkunst, die starke Zeichen setzen. Und wer zusätzliche Anlaufstellen außerhalb der Museen sucht, der findet sie eben auch im Umfeld von Thomas ­Schüttes „Mann im Matsch“: Die LzO-Kunstsammlung führt unter dem Motto „Im Norden“ Arbeiten von Gegenwartskünstlern zusammen, die inhaltlich oder bio­g rafisch Bezug zum Norden haben – von Ólafur Elíasson und Per Kirkeby über Hermann Pitz und Rainer ­Fetting bis zu ­M ariella Mosler und Thomas Hartmann. Für Interes­ sierte ­bietet sie öffentliche Führungen an (Anmeldung über die Website www.lzo-im-norden.de). IR MTR AUD RIPPEL


Thomas Schütte, „Mann im Matsch – der Suchende“, 2009, Bronze, Höhe 550 cm, Foto: Harr y Köster, Oldenburg, © LzO / VG Bild- Kunst, Bonn 2016


42 Claus Hüppe (1924 –20 09)

Der Stiftertradition verbunden E i n G e s p rä c h m i t A n n a - J u l i a R e i n k i n g v o n M i c h a e l S t o e b e r

Wie ein leuchtend weißes Ufo liegt das Horst-Janssen-­ Museum in der Oldenburger A ltst adt . A ls ei ne A r t Wahrzeichen für den Auf bruch der Stadt in die architek­ tonische Moderne. Ohne die finanzielle Unterstützung der Claus Hüppe-Stiftung hätte das Haus, das im Jahr 2000 seine Türen öffnete, wohl kaum gebaut werden können. Und es ­h ätte darüber hinaus auch nichts zu zeigen gehabt. Denn die Stiftung – sie wurde 1990 von dem für sein humanitäres E ­ ngagement v ­ ielfach geehrten und ausgezeichneten Oldenburger Unternehmer, Mäzen und Kunstsammler Claus Hüppe (192 4–2009) gegründet – sorgte 1995 durch

den E ­ rwerb der umfangreichen Horst-Janssen-Sammlung des Hamburger Ehepaars Vogel auch für den essenziellen ­B ilderschatz des Museums. Seit 2003 vergibt die Claus ­H üppe-St if t ung zudem den renommierten und mit 20.000 Euro dotierten Horst-Janssen-Grafikpreis an junge Künstler. Doch sie f­ ördert nicht allein kulturelle, sondern auch soziale Projekte. Um die Stiftung kümmert sich heute ehrenamtlich Claus Hüppes Tochter Anna-Julia Reinking. Mit ihr sprach Michael Stoeber für ARTMAPP – über ihren Vater, ihre Stiftungspflichten, das Museum und Oldenburg.

ARTMAPP: Wie haben Sie Ihren Vater in Erinnerung? Anna-Julia Reinking: Als einen Menschen, der Dinge bewegen wollte und dies auch konnte. Dabei war sein Leitmotiv „leben und leben lassen“. ARTMAPP: Aus welchen Gründen hat Ihr Vater 1990 die auf seinen Namen lautende Claus ­Hüppe-Stiftung gegründet? AJR: Er fühlte sich der Stiftertradition innerhalb des 1890 als Sattlerei gegründeten Familienunternehmens verbunden. Daher initiierte er nach Verkauf der Firma Hüppe eine eigene Stiftung, durch die er seine Dankbarkeit für ein erfolgreiches und glückliches Leben ausdrücken wollte. ARTMAPP: 1995 erwarb Claus Hüppe die ­Janssen-Konvolute von Carin und Carl Vogel. Aus Leidenschaft für diesen Künstler? AJR: Auch. Ich glaube, mein Vater schätzte besonders das Aufmüpfige und Eigenwillige in Janssens Werk. Aber vor ­a llem, weil die Oldenburger Stadtväter damals nach einem Sponsor für den Ankauf der Sammlung Vogel C & C suchten. Denn man war hier inzwischen stolz auf den Künstler und seinen Ruhm. Janssen ist in Oldenburg aufgewachsen, Ehrenbürger der Stadt und er liegt hier begraben. Claus Hüppe (1924 –2009), © Claus Hüppe -Stiftung, 1992


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Horst-Janssen- Museum Oldenburg, © Foto: Museum

AJR: Ansehen für seine Geburtsstadt. Das Museum prägt ­Oldenburg und fördert seinen Ruf als kulturelles Zentrum. Um dem Haus im Bereich der zeitgenössischen Grafik eine ­herausragende Position zu verschaffen, initiierte mein Vater darüber hinaus den Horst-Janssen-Grafikpreis. Für die Ver­ gabe dieser Auszeichnung beruft die Claus Hüppe-Stiftung bis heute renommierte Juroren, die ihn jungen Spitzenkünstlern zuerkennen. Jedes Mal entsteht zu diesem Anlass auch ein wunderbarer Katalog. All das mit dem Ziel, den Namen des Museums sowohl beim breiten Publikum als auch in der Fachwelt noch bekannter zu machen.

AJR: Ich denke dabei im Besonderen an interessante Wechsel­ ausstellungen. Gleichgültig, ob sie sich auf Techniken und Themen konzentrieren oder auf hervorragende Grafikkünstler in Geschichte und Gegenwart. Da ist noch ganz viel möglich! Auch im Hinblick auf Janssens Werk, das natürlich immer sichtbar sein sollte. Vielleicht könnte man in Zukunft vermehrt externe Kuratoren einladen, die das Ausstellungsprogramm durch neue Ideen bereichern. Mich entsetzten letzthin Stimmen, die nicht mehr nur Grafik im Haus zeigen wollen, weil das angeblich beim breiten Publikum nicht ankomme. Ich finde, das Museum sollte mehr Vertrauen zu sich und seinen Besuchern haben, verbunden mit einem deutlich höheren Anspruch, als es heute der Fall ist.

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ARTMAPP: Was hat sich Ihr Vater vom Bau des Horst-Janssen-Museums erhofft?

ARTMAPP: Sicher hat die Einrichtung des Grafikpreises die Attraktivität des Museums erhöht. Durch welche Strategien könnte man das Haus noch attraktiver werden lassen ?


Inspiration ist einfach. Wenn man einen Finanzpartner hat, der Kunst und Kultur in der Region mit Begeisterung unterstützt. Unsere Nähe bringt Sie weiter.

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45 ARTMAPP: Welche Aufgaben nehmen Sie in der Stiftung wahr? AJR: Die üblichen Aufgaben eines Stiftungsvorstands. Vor ­a llem nimmt mich die Ausrichtung des Grafikpreises in Anspruch. Da muss lange im Voraus geplant werden. Der Preis sieht keine Eigenbewerbungen vor. Die acht Kandida­t innen und Kandidaten werden in der Regel von Hochschulprofessoren aus der bildenden Kunst nominiert. Wichtig ist daneben, eine Jury zusammenstellen, die ordentlich miteinander arbeitet. 2017 wird der Grafikpreis zum sechsten Mal vergeben. Er hat inzwischen ein sehr gutes Renommee. Aber darauf darf man sich nicht ausruhen. ARTMAPP: In welchem Geist, meinen Sie, hätte Ihr Vater gewünscht, dass seine Stiftung geführt wird? AJR: In dem von ihm vorgegebenen. Durch die Projekte des Ankaufs der Horst-Janssen-Sammlung und der Errichtung des Horst-Janssen-Museums sowie des Saals der Claus ­Hüppe-Stiftung im angrenzenden Stadtmuseum hat sich die Stiftung ein markantes kulturelles Profil erworben. Aber mein Vater hatte zugleich eine ausgeprägte soziale Ader. ­D aher unterstützt die Stiftung bis heute auch Sozial- und Bildungsprojekte. ARTMAPP: Verstehen Sie Ihre Arbeit in der ­Stiftung als Ehrung Ihres Vaters?

AJR: Auf jeden Fall! Ich arbeite ehrenamtlich in der Stiftung und fühle mich dabei in hohem Maße dem Erbe meines Vaters verbunden. Genauso wie er selbst sich zuvor dem Werk seines Vaters, Justin Hüppe, verpflichtet gefühlt hat und dessen im Jahre 1938 gegründeter Betriebsstiftung, die bis heute in ­Oldenburg aktiv ist. ARTMAPP: Welche Attraktionen hat Oldenburg dem Besucher neben dem Museum noch zu bieten? AJR: Ich empfehle einen Ausflug ins Umland, gern auch per Rad, um bei der Kornbrennerei Hullmann in Etzhorn vorbeizuschauen. Die Brennerei auf einem sehenswerten Gut produziert mittlerweile in der achten Generation einen ganz hervorragenden Korn. Den Oldenburgern ist dieser ebenso bekannt wie Horst Janssen! ARTMAPP: Kunst und Schnaps – heißt das, das eine ist ohne das andere nicht zu ertragen? AJR: Im Falle Janssens würde ich dem fast zustimmen. ­Dessen energiegeladene Kunst fordert den Betrachter manchmal ganz schön stark heraus und nötigt dabei fast zu einem klärenden Trunk. Aber bitte nicht zu viel, denn die hochpointierten ­E rgüsse des Künstlers verlangen am Ende doch unsere volle Aufmerksamkeit! ARTMAPP: Anna-Julia Reinking, vielen Dank für das Gespräch!

Sammlung Vogel C & C im Horst-Janssen- Museum Oldenburg, © Andrej Gradetchliev

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Horst-Janssen- Plakat, Oldenburg, 6. Juli 1978, Pinsel und Gouache ßber Blei- und Farbstift Š Horst Janssen, VG Bild- Kunst, Bonn 2016


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Horst -Janssen - Museum Oldenburg

Für den genialen Provokateur

Jutta Moster- Hoos, Foto: Gerlinde Domininghaus

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In Oldenburg habe er „lallen, laufen, lächeln und schließlich sprechen“ gelernt, notierte Horst Janssen in seiner Auto­biografie. Zum Wahlhamburger geworden, blieb er immer Herzensoldenburger. Er ernannte die Stadt zu seinem ­P aradies, hier wollte er auch begraben sein. Und die Stadt ­erwiderte diese Zuneigung und widmete ihm ein eigenes ­Museum. Damit überrundete sie Hamburg, wo man sich nur zu einem Kabinett für den genialen Künstler in der Kunsthalle entschließen konnte, der dort 50 Jahre bis zu seinem Tod 1995 gelebt hatte. Der in Bahnhofsnähe gelegene und elegant geschwungene Oldenburger Museumsbau arrondiert das Stadtmuseum mit seinen drei Gründerzeitvillen zu einer gefragten kulturellen Anlaufstelle. Das lokale Kunstpublikum reagierte sofort positiv, sagt Jutta Moster-Hoos, die als Museumsleiterin seit der ersten Stunde dabei ist. Das Haus ist eine angesagte ­Location. Hier trifft man sich in Foyer und Museumsgarten zu Empfängen und Feiern, man kommt mit Freunden und ­Bekannten vorbei. „Man nimmt unser Haus als imagestiftenden Ort wahr.“ War der Namensgeber nun ein Unzeitgemäßer oder ein Genie? In der Dauerausstellung, die eine stets wechselnde Auswahl an Zeichnungen, Aquarellen, Radierzyklen, Lithografien präsentiert, kann sich der Besucher selbst die Antwort geben. Objekte wie Radierplatten, der große bemalte Flügel oder das nachgebaute Arbeitszimmer aus der Zeit im Verlag St. Gertrude bilden den anschaulichen Rahmen. „Unsere Ausstellungssäle haben eine gute Raumatmosphäre und eine gute Größe – hier muss sich niemand von Überfülle des Präsentierten erschlagen fühlen“, freut sich Moster-Hoos. Sie registriert gerne, dass das Interesse am genialischen Alles­ könner ­Janssen, das zu Lebzeiten mit seiner Ernennung zum

Ehrenbürger der Stadt 1992 enorm angestiegen war, nach 15 Jahren ­Forschungs-, Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit nach wie vor sehr groß ist. Seine verschlüsselte Bilderwelt, in der Glück und Grauen, Wohl und Wehe oft so nah beisammen liegen, lässt niemanden unberührt. Auch wer sich wissenschaftlich mit ihm befassen will, kommt an Oldenburg nicht mehr vorbei. Die Magazinbestände sind gewachsen, die Stadt hat nach dem Start im Jahr 2000 mit Leihgaben der Claus Hüppe-Stiftung unter anderem das Konvolut von Birgit Jacobsen, der langjährigen Lebensgefährtin und Vertrauten des Künstlers, sowie die Sammlung des Janssen-Freundes Stefan Blessin angekauft. „Der Horst Janssen Archipel“ – so der Titel der ak­ tuellen Sonderausstellung – lässt sich freilich schwer fassen. Die Schau, die in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kuratorin Helene Roolf entstand, beschreibt ihn aber umfassender und persönlicher denn je. Bisher Ungekanntes ist zu sehen, ­illustrierte Korrespondenz, Polaroids, Liebesgaben an Lebens­­ gefährtinnen, die bekritzelte Tür aus seiner Wohnung oder die kleinen Stempel, die er sich anfertigen ließ „für Ge­le­ genheiten, wo ich mal keine Lust habe, einen Tatbestand wortreich auszuwalzen“.


Christane Möbus ZWISCHEN DEN ZEITEN, ZWISCHEN DEN WELTEN Eröffnung: 11. November 2016, 16 Uhr Ausstellungsdauer: 12. November bis 4. Dezember 2016 täglich geöffnet: 10 bis 16 Uhr – Eintritt frei – KUNSTRAUM St. Georgen St.-Georgen-Kirche, St.-Georgen-Kirchhof, 23966 Wismar

Christiane Möbus, „das unnötige Verlöbnis der Frau Holle mit dem Schamanen – oder – a new life“, 1971/72, Foto: Renate Altenrath © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Kunst am Meer

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Es ist nicht nur das künstlerische Werk, das Besucher anzieht, vermutet Kunsthistorikerin Moster-Hoos: „Janssen ist ja wie ein Klischeekünstler, das Extreme, das er verkörperte, sein unbürgerliches Leben – all das fasziniert ja. Viele Leute stellen sich vor, dass ein Künstler so ticken muss.“ Das schmälert nicht seine Position in der Kunstgeschichte. Der „Millionenstrichler“ gilt als einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Nachkriegszeit. Er selbst war von seinem Format sowieso überzeugt: „Es gibt so gut wie keine höhere Intelligenz als die meiner rechten Hand.“ Wie hält man das aus, im Dauerkontakt mit einem ­E gomanen zu stehen? Moster-Hoos kuratierte schon die ­E röffnungsausstellung, zu der auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder anreiste. Sie studierte Tausende Blätter Janssens, seine aphoristischen Höhenf lüge und sexistischen Auslassungen, die Selbstbespiegelungen und Dokumente der Alkoholexzesse, die Arbeit an der eigenen ­L egende. Man bleibt nüchtern gelassen, sagt sie. „Es ist nicht unsere Aufgabe als Wissenschaftler, einen Lebenswandel zu bewerten.“ Im künstlerischen Werk lassen sich zum Beispiel Impulse und Inspirationen ablesen, die von den jeweiligen ­leidenschaftlichen Beziehungen zu den jeweiligen Lebens­gefährtinnen ausgingen. Und nicht zuletzt

hat sich Janssen ja intensiv mit den Werken von Künstler­ kollegen und Vor­bildern auseinandergesetzt – mit Goya, Füssli oder etwa Rembrandt, seinem selbsternannten See­ lenverwandten. „Damit sind automatisch Arbeits- und Ausstellungsthemen gesetzt.“ Sie kann sich vorstellen, sagt die Kunsthistorikerin, künftig auch Gegenwartskünstler einzubeziehen. Warum nicht Janssens Porträts denen von Jonathan Meese gegenüberstellen? Eine aktuelle Entwicklung spielt dem Museum sowieso in die Hände: „Zeichnung ist zurzeit wirklich spannend. Das Unmittelbare, das Händische – das bewegt heute“, ist Moster-Hoos sicher. Unter den jüngeren Grafikkünstlern lasse sich dabei allerdings kein Janssen-Nachfolger ausmachen. Doch alle wissen von ihm als einem, der nur für die Kunst lebte und immer durchgehalten hat. „Er war unser Held“, wurde ihr schon einmal verraten. IR MTR AUD RIPPEL

bis 15. Januar 2017 „Der Horst Janssen Archipel“ H o r s t- J a n s s e n - M u s e u m w w w . h o r s t- j a n s s e n - m u s e u m . d e

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Horst Janssen, Foto: Ingeborg Sello


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Die M alerei von Michael Ramsauer

Dahinter die Unendlichkeit


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Michael Ramsauers Atelierräume liegen im Herzen Oldenburgs. Das Schloss ist nicht weit, über der Fußgängerzone liegt das „Grundrauschen“ des urbanen Alltags. Mag sein, dass man sich davon gern in Sehnsuchtsräume davonmacht. So jedenfalls könnte man seine Bilder lesen. Sie zeigen flammend farbige Landschaften, vibrierende Tiefenräume, weite

Michael Ramsauer, „Taucher“, 2014, Öl auf Leinwand, 30 x 50 cm

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Vielseitig und rigoros individualistisch, expressiv und ­abstrakt reduziert, in der Kunstgeschichte verortet und offen für malerische Experimente – die künstlerische Position von ­M ichael Ramsauer lässt sich nicht mit einem kurzen Schlagwort fassen. Seine Bildstrategien führen den Betrachter in immer neue Sehprozesse.


52 Horizonte, spiegelnde Wasser-Szenarien, die Atmosphäre atmen und Emotionen wecken. Selbstversunkene Gestalten tauchen darin auf, Gehende, Badende, Sitzende – Figuren, die den Raum besetzen mit Lebensfülle. Schemen gleichen sie oft, die als lichte Konturen in den pastos gesetzten Farbstrukturen förmlich aufgehen. Der heftige Duktus lässt vermuten, dass solche Kompositionen in spontaner Geste entstehen. Doch der Künstler geht mit Kalkül vor. Deshalb wiederholt er Sujets auch. Im Malprozess realisiere man ja nur eine von vielen möglichen Kompositionen, sagt er. „Aber mich interessiert sofort auch eine andere Struktur. Beim Gestalten eines Bildes ist schon der Keim für das nächste gelegt.“ Eigentlich male er dann immer das gleiche Bild.

Von opulenter Farbfülle wechselt er regelmäßig zur konträren Strategie der Schwarz-Weiß-Komposition. Da stürzt oder schwebt dann etwa eine schwarze Figur kopfunter in den leeren Bildraum, die vorgestreckten Arme manie­ ristisch gelängt. Der Betrachter meint gleichzeitig vor und über ihr zu stehen. Das Element Wasser ist ausgespart, nur die A ­ ktion zählt. Die Körperlichkeit des „Tauchers“ im ­B ildraum ist durch spar­s ame, fast reliefartige Farbset­ zungen bestimmt, sodass Lichtref lexe auf dem Schwarz spielen können. An bildhaue­rische Prinzipien erinnert solch haptische Präsenz. Und Ramsauer arbeitet ja immer wieder auch skulptural. Eine R ­ eihe kleiner Bronzen belegt das ebenso wie ein großes ­R eiterstandbild, das als Hommage an den legen­dären Oldenburger Grafen Anton Günter im Weserort Elsfleth platziert wurde.

Michael Ramsauer, „SW-Stier“, 2016, Öl auf Leinwand, 200 x 160 cm


Michael Ramsauer, „SW- Mädchen“, 2016, Öl auf Leinwand,

Das Bildgestalten in Schwarz auf Weiß ist für ihn auch zu einer Art Forschungsstrategie geworden, die ihn immer ­n äher an seine malerische Essenz führt. Dabei hat er für sich die Faszination der Leere entdeckt. „Wenn man einer Figur im Bild lange genug über die Schulter sieht, stellt sich die Illusion ein, dass sich hinter ihr die Unendlichkeit auftut.“ Das „Wie“ steht für ihn im Vordergrund, nicht die inhalt­ lichen Setzungen: „Das ist wie in der Musik. Wenn du eine Wagner-Oper ansiehst, bist du auch nicht gefesselt von der ­i rren Story und willst wissen, wie es weitergeht. Du hörst doch nicht auf den Inhalt, sondern auf die Musik. In der Malerei ist das für mich nicht anders.“ Erst über die Kontemplation, das Sichvertiefen in die Malerei sollen sich beim Betrachter Aussagen konkretisieren.

Michael Ramsauers visuelle Statements kann man in Oldenburg kontinuierlich in der Galerie Lake verfolgen, die ein paar Minuten entfernt im zentralen Herbartgang liegt. In Berlin vertritt ihn Tammen und Partner seit vielen Jahren, der Berliner Kunstszene gehörte er selbst zeitweilig an, arbeitete dort in einem zweiten eigenen Atelier. Im Artist-in-Residence-­ Atelier des Außenministeriums bekam er 2009 besondere Tuchfühlung zur Stadt. Doch Oldenburg ist sein Standort, pragmatisch und emotional. Sein Ururgroßvater kam als Prinzenerzieher an den herzoglichen Hof von Oldenburg, Großtante Helene machte in Oldenburg von sich reden als ­erste Professorin für evangelische Theologie, der Theologe Rudolf Bultmann gehörte ebenso zum Familienverbund. ­Seine künstlerische Karriere begann er allerdings 1997 weit ab,

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180 x 140 cm


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mit Ausstellungen in Venedig. 2001 startete er dann in Berlin und Oldenburg durch – nach dem Malereistudium an der HFK Bremen bei Professor Jürgen Waller. Zuvor hatte sich an der Universität Kiel mit Kunstgeschichte und klassischer Ar­ chäologie befasst. 2004 wurde er mit dem Malereipreis der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg geehrt, überregionale Ausstellungen, Auftritte etwa in Istanbul und Seoul, bestätigten schnell seine künstle­ rische Position. Seine Malerei ist in großen Sammlungen wie dem Museum Würth und der Sammlung Hurrle vertreten. Ob ihm Oldenburg ausreichend Inspiration bieten kann? Darüber muss er sich keine Gedanken machen, An­ regung und ideelle Gesprächspartner sucht er sich eher in der Kunstgeschichte. Kaum ein Bild entsteht, bei dem sich nicht eine kunstgeschichtliche Anspielung findet. In einer Himmelfahrtsszene, die er als Altarbild für die Kirche im nahe ­gelegenen Sandkrug schuf, zitiert er tradierte Bildaus­sagen. Der mythische Minotaurus taucht in einer aktuellen Arbeit als athletische Männerfigur im sportlichen Dress auf – schwarz wie eine antike Vasenfigur. Ebenfalls vor Kurzem entstanden ist eine Sommerlandschaft, in der eine gelb-lieb­ liche Mädchenfigur platziert ist: heitere Referenz an den Goethe-Freund Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, dessen berühmter Idyllenzyklus zu den Juwelen der Kunstsammlung im Oldenburger Schloss gehört. Michael Ramsauers Bilder sind ein Kommentar zur Befindlichkeit des Menschen. Auf der art Karlsruhe im Februar wird man ihnen in einer One-artist-Show begegnen. Michael Ramsauer, Foto: Jörg Felix Wenzel

IR MTR AUD RIPPEL

Michael Ramsauer, „Goethe“, 2016, Öl auf Leinwand, 30 x 25 cm

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w w w . ra m s a u e r. o r g


56 Das altera Hotel & Schmitz Restaurant im Herbar tgang

Oldenburg’s finest

Das Hotel altera im Herbartgang ist Oldenburgs feine Adresse für Besucher, die stilvolle Eleganz mögen. Die klaren Linien der klassischen Moderne bestimmen das Designkonzept des Vier-Sterne-Boutiquehotels im Herzen der Stadt. „Wohnen wie bei Freunden.“ So lautete von Anfang an das Motto des Hotelier-Ehepaars Andrea und Michael Schmitz. Wer im ­„altera“ übernachtet, ist mittendrin in der Fußgängerzone und wohnt doch ganz besonders: mit allem Full-Service-Komfort eines Viersternehotels und in einem Gang, der als Ensemble mit einem Konzept aus Architektur, Kunst und exklusiven Geschäften sowie Galerien besticht.

Die 1960er-Jahre-Architektur zeigt sich von ihrer besten Seite in dieser Passage, die nach dem Philosophen und ­P ädagogen Johann Friedrich Herbart (17 76–1841) benannt wurde, weil sein Geburtshaus hier stand. Die kontrastreichen Fassaden des Gangs oszillieren zwischen glattem Beton, ­f ar­b igen Reliefs und Mosaiken des nordwestdeutschen Künstlers Georg Schmidt-Westerstede (1921–1982). Den östlichen Eingang markiert eine übermannshohe Bronzesäule des zeitgenössischen regionalen Künstlers Udo Reimann (* 1939). „Kunst am Bau“ wurde nicht als Pflicht, sondern als tragendes Konzept verstanden. Dazu zählt auch ein Brunnen der Bildhauerin Anna Maria Strackerjan (1919–1980). Schon während der Planung hatte der Kaufmann Georg Hanßmann nicht nur die Oldenburger Hans Latta und Hajo Hölscher als Archi­tekten beauftragt, sondern auch Schmidt-Westerstede. Gemeinsam entwickelten sie den Entwurf bis hin zu Tür­ griffen, deren Mosaike noch heute leuchten.


Andrea und Michael Schmitz kamen aus der Stadthagener „La Tannerie“ und brachten Küchenchef Cord-Henning Pieper mit, den auch „Gault & Millau“, „Guide Michelin“ und „­ Feinschmecker“ positiv bewerten. Seit sie 2004 das „altera“ mit 40 Zimmern eröffneten, haben sie es auf hohem Niveau geprägt. Von Anfang an zeichnete der Oldenburger Architekt Volker Droste (Büro Droste Droste & Urban) für das Haus v ­ erantwortlich – bis hin zu den Möbelentwürfen und späteren Erweiterungen: Elf Zimmer und Juniorsuiten mit Klima­a nlage und iPod-Dockingstation sowie eine 80-Quadratmeter-Lounge zum Chillen mit Kamin und Weinschrank entstanden 2009 im „Loftturm“ in der Mitte des Ganges. 2013 eröffneten Schmitz eine feine Brasserie mit guter Weinkarte und 120 Plätzen. Cord-Henning Pieper lässt regionale Küche, aber auch – laut „Feinschmecker“ – die ­besten Steaks der Stadt servieren, inklusive Dry-Aged-Spe­ zial aus dem eigenen Reifeschrank. Neuerdings kommen Rolls und Wraps mit feinem Innenleben dazu. Im Sommer genießt man alles draußen. Dazu zählen auch die monatlich wechselnden Kartengerichte wie Zitronengras-Curry-Creme mit Gambas, Frühlingsrolle von der Oldenburger Ente mit ­Chilli-Mayonnaise, aber auch immer Fischvariationen, Pasta und Flammkuchen sowie Austern und Jakobsmuscheln in wechselnder Begleitung.

Selbst Hollywoodstar Nicolas Cage aß schon hier, als er 2016 zum Filmfest in der nagelneuen XL-Suite mit begeh­barem Schrank und 2,20-Meter-Bett wohnte (ca. 178 Euro pro Nacht für zwei Personen). Andrea und Michael Schmitz hatten das Hotel gerade auf den Kopf gestellt und auf 66 Zimmer in vier Kategorien erweitert. Außer der XL-Starvariante kann man seither zwischen „Cube“ (zwölf Quadratmeter) über „Medium“ (16 bis 22 Quadratmeter) und „Large“ (25 Quadratmeter) wählen. Der Gast soll sich zu Hause fühlen in den Zimmern, die mit Pariser Treca-Betten, Espresso­m aschine, Unterhaltungselektronik und Highspeed-Internet ausgestattet sind. „Nach zwölf Jahren mussten wir frischen Wind in das Hotel bringen“, sagen sie. Man setzte die klare ­L inienführung fort, vielfach in heller Holzanmutung und ­individuellen Entwürfen – modern interpretierte Alkoven für junge Gäste. Auch beim Fitness-, Spa- und Wellnessbereich wurde energetisch zugelegt: Geräte von Technogym, Sauna, „Personal Trainer“ auf Wunsch und Massagen sowie Salzbad unterm Sternenhimmel gehören zum Wohlfühlprogramm. Schon beim Einchecken in das Hotel kann sich der Gast entspannen in einer Lounge, die mit stylishen Retrosesseln in Tannengrün und Dunkellila jene Designakzente setzt, die auch bei Filmstars bestens ankommen. SELMA SCHMID

w w w . a l t e ra - h o t e l s . d e www. schmit z- olde nburg. de

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Fotos: Felix Wenzel


Oldenburger Kunst verein, Ausstellung: Jürgen Staack, „Reduktion der Wirklichkeit“, 2016

Oldenburger Kunst verein & Edith - Russ - Haus für M edienkunst

Aktuelle Kunst D E R O L D E N B U RG E R K U N S T V E R E I N F E U E R Z AU B E R U N D S P I E G E L K A B I N E T T E

Steht für das Ausstellungsprogramm: die OKV-Vorsitzende Gertrude Wagenfeld- Pleister

Zwischen der lokalen Kulturgeschichte und der aktuellen Kunst liegen in Oldenburg nur wenige Schritte. Direkt ­n eben dem pala zzoart igen Aug usteum, wo man die Großherzog­l iche Gemäldegalerie mit alten Meistern bewundern kann, liegt die kleine Kunsthalle des Oldenburger Kunstvereins (OK V). Gegründet 1843, ist er einer der äl­ testen Deutschlands – und ein sehr bekannter. Unabhängig, ehrenamtlich geleitet und überregional anerkannt setzt er sich für zeitgenössische Kunst ein, ohne Zugeständnisse an den Publikumsgeschmack. Plattform dafür ist ein Ausstellungsraum, dem das ­B erliner Büro Kühn Malvezzi durch einen Umbau über­ raschende Großzügigkeit verliehen hat. Er präsentiert sich immer wieder wunderbar verwandelt. Denn Prinzip des OKV ist es, vor allem junge, nicht etablierte Künstler einzuladen, die ihre Positionen im wörtlichen Sinn in Szene setzen.


59 Da sind dann auch mal Feuerzauber und Spiegelkabinette zu sehen, Sand­ornamente, Teppiche oder Klanginstallationen – Experimentelles auf hohem Niveau. Mancher Akteur, der hier seinen frühen Auftritt hatte, steht heute auf der internatio­ nalen Bühne. Nicht immer eingängig sind die Ausstellungsprojekte – allemal wenn Künstler querdenken, die Bedingungen ihrer künstlerischen Arbeit ausloten. Deshalb bietet der OKV vielfältige Programme zur Kunstvermittlung an und

treibt mit Vorträgen und Diskussionsrunden den Kunst­ diskurs voran. Ganz im Sinn seiner eigenen Maxime von 1843, dass es um die „Förderung des Kunstsinnes“ geht. IR MTR AUD RIPPEL

28. November 2016 bis 29. Januar 2017 F r i e d e r i k e F e l d m a n n u n d A l e x a n d e r Wa g n e r w w w . o l d e n b u r g e r- k u n s t v e r e i n . d e

Edit Molnár und Marcel Schwierin,

DA S E D I T H - R U S S - H AU S F Ü R M E D I E N K U N S T S I G N A L E I N D I E W E LT

Ein Haus „für Kunst im Übergang ins neue Jahrtausend“ wollte die Oldenburger Studienrätin Edith Russ mit ihrem Erbe gebaut wissen. So bekam die Stadt im Jahr 2000 ein Haus für Medienkunst. Wie eine Trutzburg liegt der kleine Bau nahe dem städtischen Kulturzentrum in einem klassizistischen einstigen Hospitalbau. Von hier gehen Signale der Kunst in die Welt – auch von Videoprojektionen, die nach Einbruch der Dunkelheit bis Mitternacht aus den Fenstern des Atelieranbaus nach außen leuchten. Die Bandbreite der Medienkünste ist schier endlos: von Film und Computeranimationen bis zu Datenhandschuh und anderen Technologien der Interaktion. Mit seinen Themen und Projekten hat das Edith-Russ-Haus längst Maßstäbe

setzen können. Künstler wie Bjørn Melhus und Candice Breitz standen früh auf dem Programm. Nicht zuletzt Arbeitsstipendien, die mit Unterstützung der Stiftung Niedersachsen vergeben werden, haben Oldenburg als Standort der Medienkunst international bekannt gemacht. Zu den lokalen Anknüpfungspunkten gehören Workshops und umfangreiche Vermittlungsprojekte. Edit Molnár und Marcel Schwierin, renommiertes Führungsduo seit 2014, treffen mit ihrem Programm den Nerv der Gegenwart. Ihre aktuelle Schau beleuchtet das ­Verhältnis von Politik und Ästhetik; sie zeigt, wie sich Kunstwerke mit den Theorien und Praktiken radikaler Politik der 1960er- und 1970er-Jahre sowie dem Scheitern fortschritt­ licher Ideen in der Praxis auseinandersetzen. Ein Thema also, dem in Zeiten anhaltender Krisen einige Brisanz zukommt. IR MTR AUD RIPPEL

10. November 2016 bis 15 . Januar 2017 „ Die f iebr igen Gespenster der Kunst“ www. edith-r uss-haus. de

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Leitung Edith- Russ- Haus für Medienkunst, Oldenburg, Foto: ERH


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Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg

Vom Mittelalter bis zur Moderne E i n G e s p rä c h m i t D i r e k t o r R a i n e r S t a m m v o n M i c h a e l S t o e b e r

Rainer Stamm, geboren 1967 in Hagen/Westfalen, leitet nicht nur ein Museum, sondern gleich drei Häuser. Zum einen die einstige Residenz der Großherzöge von Oldenburg, ein herrliches Schloss, in dem kunst- und kulturgeschichtliche Schätze aller Art präsentiert werden. Über 800 Exponate vom frühen Mittelalter bis zur Moderne. Absolut sehenswert! Dann das nicht weniger zu beachtende, im 19. Jahrhundert als erstes Oldenburger Kunstmuseum errichtete und 2015 aufwendig sanierte Augusteum mit seiner ausgezeichneten Sammlung alter Meister vom 15. bis 18. Jahrhundert. Und schließlich das klassizistische Prinzenpalais, erbaut von

einem Schüler Karl Friedrich Schinkels, mit neuerer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter exzellente Werke der deutschen Impressionisten, der Künstler aus Worpswede ­sowie der Brücke und des Dangaster Malers Franz Radziwill. Rainer Stamm, promovierter Germanist, Kunstpädagoge und ­L i­teraturwissenschaftler, leitete von 2000 bis 2010 die Kunstsammlungen Böttcherstraße in Bremen mit dem Paula Modersohn-Becker Museum sowie dem Ludwig Roselius Museum. Mit ihm sprach Michael Stoeber für ARTMAPP über unentdeckte Oldenburger S ­ chätze, seine Aufgaben und Ausstellungen.

ARTMAPP: Was ist für Sie als Museumsdirektor in Oldenburg anders als zuvor in Bremen? Rainer Stamm: Ich habe sehr gerne in Bremen gearbeitet, aber ein Künstlermuseum erlegt einem gewisse Beschränkungen auf. Hier in Oldenburg ist das Themenspektrum im Grunde die ganze Kunstgeschichte – von der Ritterrüstung bis zur Gegen­w artskunst. Überwältigend war für mich der Reichtum der Bestände, die auf mehrere Einzelmuseen zurückgehen: die ehemalige Großherzogliche Gemäldegalerie, ein um 1900 ­geschaffenes Kunstgewerbemuseum, die Großherzogliche Altertümersammlung und ein Landesmuseum, das nach A ­ bsetzung der Fürsten als republikanisches Museum für den Freistaat Oldenburg eingerichtet wurde. ARTMAPP: In Oldenburg sind Sie Direktor dreier Häuser. Welche besonderen Anforderungen stellen diese an Sie? RS: Eine besondere Herausforderung ist der Denkmalcharakter aller drei Gebäude: Zusammen bilden sie ein einzigartiges Ensemble, etwa dem Kunstareal in München vergleichbar. Doch das Bewahren historischer Substanz und zugleich die Beachtung der Anforderungen an ein Museum im 21. Jahrhundert erweisen sich manchmal als Gratwanderung. Rainer Stamm, Direktor des Landesmuseums Oldenburg, Foto: Landesmuseum, Sven Adelaide


Oldenburger Schloss, Foto: Landesmuseum, Sven Adelaide

RS: Vor allem mit den vielen unbekannten Schätzen, die hier zu entdecken sind! Ich kenne ja die „Hauptreiserouten“ des Kulturtourismus in Deutschland. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass viele Kunstinteressierte häufig zu den immer gleichen Orten und Museen reisen, zu den gelernten „Hot­ spots“ des Kulturbetriebs. Ich höre oft, dass viele Menschen Oldenburg noch nicht kennen und erlebe dann, dass alle, die zum ersten Mal hierherkommen, unsere Schätze und die schöne Innenstadt entdecken, überrascht und begeistert sind.

ARTMAPP: Muss ein Museumsleiter bei seiner Arbeit heute stärker als früher Besucherzahlen und Publikumsakzeptanz im Auge haben? RS: Ich bin im Jahr 2000 als Museumsdirektor gestartet. Das heißt, ich habe begonnen, als dieser Job schon sehr zahlen­ fixiert war. Aber ich kann auch sagen, dass sich gute Arbeit, das heißt ein seriöser Einsatz für unsere Kernaufgaben des Sammelns, Forschens, Bewahrens und Vermittelns, immer noch auszahlt und geschätzt wird. Sowohl von unseren ­Trägern als auch von den Besuchern. Für mich bilden diese Kernaufgaben eine nachhaltige Investition und letztlich den Eros der Museumsarbeit.

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ARTMAPP: Wie überzeugen Sie kunstinteressierte Mitmenschen davon, die von Ihnen geführten Häuser zu besuchen?


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Augusteum, Raumaufnahme „Aufbruch in die Neuzeit“, Foto: Sven Adelaide

ARTMAPP: Gibt es Kooperationen mit anderen Kunstinstituten in Oldenburg, etwa dem ­Kunstverein oder dem Horst-Janssen-Museum? RS: Oldenburg ist relativ überschaubar, die Kulturakteure sind gut miteinander vernetzt und im direkten Dialog. ­G emeinsam engagieren wir uns dafür, den Kulturstandort Oldenburg zum Strahlen zu bringen. Nicht nur für die Region, sondern bundesweit! ARTMAPP: Im Oktober zeigen Sie im Augusteum Meisterwerke aus dem Brücke-Museum in Berlin. Warum dort und nicht im Prinzenpalais? RS: Im Augusteum haben Erich Heckel und Karl SchmidtRottluff 1908 zum ersten Mal ihre kurz zuvor in Dangast ­e ntstandenen Brücke-Meisterwerke ausgestellt. Für die ­Geschichte der Künstlergruppe ist das Augusteum daher ein

geradezu ikonisches Haus. Es gibt weltweit kaum einen besseren Schauplatz, um „Die Welt in diesen rauschenden Farben“ zu präsentieren. Wir sind hier am historisch richtigen Ort. Unser Titel ist übrigens ein Zitat aus einer Besprechung der Ausstellung von 1908! ARTMAPP: Sie beherbergen in Ihren Beständen die größte Sammlung von Bildern Franz ­R adziwills. Ist der Besuch seines Hauses in Dangast eine sinnvolle Ergänzung, um diesen Künstler noch besser kennenzulernen? RS: Ich persönlich mag das besondere Flair solcher „Iconic Houses“ und „Artists Houses“. Und auch das Künstlerhaus dort hat diesen Charme. Hinzu kommt, dass man in Dangast etliche Orte sowohl der Brücke-Maler als auch aus den Bildern Radziwills fast unverändert wiederfinden kann.


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Karl Schmidt- Rottluff, „Bauernhaus in Dangast“, 1910, Brücke - Museum Berlin, Foto: Roman März, © VG Bild- Kunst, Bonn 2016

ARTMAPP: Sie sind nicht nur Museumsleiter, sondern daneben Buchautor und Honorarprofessor. Was lernt man beim Schreiben und Lehren? RS: Vor allem lernt man, sich präzise zu äußern und eine Meinung oder Wahrnehmung, die man sonst vielleicht nur vage im Kopf hat, zu formulieren, sodass sie Bestand hat. Das hilft ebenso für die tägliche Arbeit.

ARTMAPP: Welches Ihrer eigenen Bücher steht Ihrem Herzen am nächsten? RS: Ich glaube, es geht mir wie jedem Autor: immer das letzte, aktuellste; daher momentan Rainer Maria Rilkes „Bildbetrachtungen“. Hier f ließen Literatur und Kunst auf ideale Weise und auf höchstem Sprachniveau zusammen. Und es ist eine Einladung zur Reise, um die Bilder mit dem Buch in der Hand zu entdecken. ARTMAPP: Welche Zukunftspläne haben Sie für die Landesmuseen in Oldenburg? RS: Nach Prinzenpalais und Augusteum gilt es nun, etliches im Schloss zu modernisieren. Eine gewaltige Aufgabe! Doch das wichtigste Ziel ist und bleibt, das ganze Ensemble weiter bekannt und zu einem lebendigen Ort der Entdeckungen und Begegnungen zu machen. Und zum Reiseziel für alle, die noch nicht hier waren! ARTMAPP: Rainer Stamm, vielen Dank für das Gespräch!

bis 2 2 . Januar 2017 Meister werke aus dem Br ücke-Museum B erlin Augusteum bis Febr uar 2017 Die Maler der Br ücke in Dangast. Ernst Ludwig Kirchner, „Liegender Akt vor Spiegel“, 1909/10,

A u s d e r G ra f i s c h e n S a m m l u n g

Brücke - Museum, Berlin, Foto: Roman März

des L andesmu seum s Oldenburg Pr inzenpalais www. landesmuseum-ol. de

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„ D i e We l t i n d i e s e n ra u s c h e n d e n F a r b e n“


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Franz Radziwill vor dem Haus © Franz Radziwill Haus, Dangast

Ein Künstleror t am Jadebusen

„Geh doch nach Dangast“ D a n g a s t h a t F ra n z R a d z i w i l l s Œ u v r e s i c h t b a r g e p rä g t . D a s F ra n z R a d z i w i l l H a u s e r z ä h l t v o m L e b e n u n d We r k d e s M a l e r s , desse n Mot ive sich bi s he ute in de r Umgebung wiede re ntdecke n la sse n .

„Geh doch nach Dangast“, so lautete einst der ­R atschlag von Karl Schmidt-Rottluff an Franz Radziwill (1895–1983). Nachdem die Brücke-Maler von 1907 bis 1912 mehrere Sommer in dem beschaulichen Dörfchen am J­ adebusen verbracht hatten, sollte Dangast den jüngeren ­Malerkollegen Radziwill für immer in seinen Bann ziehen. 1923 erwarb er dort ein ­kleines Fischerhaus, das er selbst a­ usbaute und gestaltete. Der hohe Backsteinbau ist deutschlandweit eines der wenigen Künstlerhäuser, die im Originalzustand erhalten sind. Im ­g roßen Atelier steht noch heute die Staffelei, daneben hängt der M ­ alerkittel. Bestückt mit Leihgaben aus Museen und ­P rivatbesitz, finden in den Räumen seit 30 Jahren wechselnde Ausstellungen statt. Wohl nirgends treten die Werke eines Künstlers besser in Erscheinung als am authentischen Ort ­ihrer Entstehung.

In Dangast schuf R adziwill die Vielzahl seiner rund 850 Gemälde. Hier, weit abgelegen von den Kunstmetropolen, entwickelte er eine einzigartige Bildsprache, die ihm den Titel einer Ausnahmeerscheinung in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts einbrachte. Mit seiner kritischen Haltung ­g egenüber dem technischen Fortschritt wurden Darstel­lungen von stürzenden Flugzeugen und lodernden Himmelskörpern zu seinem Markenzeichen. Jetzt startet im Franz Radziwill Haus eine neue Ausstellungsreihe, die seinen formalen Gestaltungsmitteln gewidmet ist. Zum Auftakt wird der Fokus auf Radziwills Betonung der Kontraste gelegt. Unter dem Titel „Schneeweiß und Nachtschwarz“ sind noch bis zum 8. Januar 2017 frühe Holzschnitte, spukartige Nachtstücke und frostige Schneelandschaften zu sehen. Nach der Winterpause startet dann am 19. März 2017 die Ausstellung „Die Palette des Malers“, die Radziwills Gebrauch der Farben thematisiert.


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„Posthaus“, das bereits von Erich Heckel auf die Leinwand gebracht wurde und in dem ebenso Radziwill bei seinem ersten Besuch vor bald 100 Jahren Quartier genommen hat. Nach ihnen hinterließen noch weitere Künstler im Ort ihre Spuren: Am Strand – mal im Wasser, mal im Watt – stehen Skulpturen von Eckart Grenzer, Wilfried Gerdes alias Butjatha und dem Beuys-Schüler Anatol. Und egal, ob Ebbe oder Flut, weht über allem ein ganz besonderer Wind. BIRGIT DENIZEL

bis 8. Januar 2017 „ S c h n e e w e i ß u n d N a c h t s c h w a r z“

Franz Radziwill, „Strand von Dangast mit Flugboot“, 1929, Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, Foto: Sven Adelaide, © VG Bild- Kunst, Bonn 2016

w w w . ra d z i w i l l . d e

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Für sein umfangreiches Œuvre war Dangast die wesentliche Quelle der Inspiration. „Hier habe ich einen Himmel, der stündlich, oft von Minute zu Minute, einem anderen Licht ausgesetzt ist, und ich sehe die seltsamsten Wolkenbildungen. Ich habe das Meer und den Wechsel der Gezeiten“, schwärmte der Maler. Diese Kulisse kann man noch heute genießen – am besten im „Alten Kurhaus“, das zu Fuß gerade mal 900 Meter vom Franz Radziwill Haus entfernt zu finden ist. Das Kurhaus entstand schon 1804, als der Reichsgraf Bentinck in Dangast das erste Seebad der Festlandküste ­g ründete. Inmitten großer Eichen wurde das Gebäude ­d irekt auf dem Geestrücken oberhalb des Strandes errichtet und hat heute Kultcharakter. Von der Terrasse aus kann man über das Wattenmeer bis nach Wilhelmshaven blicken und dabei den legendären Rhabarberkuchen genießen, für den das Kurhaus überregional bekannt ist. Übernachten lässt sich im


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Der kulturelle Leucht turm Ost frieslands

30 Jahre Kunsthalle Emden Möchte man da s Bild des k ult urelle n L e ucht t ur mes be mühe n, wo passte es besser hin als nach Emden in Ost f r iesland? D o r t , „ w o d i e S t ra ß e n s i c h i m S u m p f v e r l i e r e n“ (w i e e s d a m a l s i n d e r P r e s s e h i e ß ), a u s g e r e c h n e t d o r t b a u t e H e n r i N a n n e n (1 9 1 3 – 1 9 9 6 ) s e i n e n B i l d e r n e i n H a u s .

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S o h a t e r e s s e l b s t e i n m a l m i t n o rd d e u t s c h e m U n d e r s t a t e m e n t f o r m u l i e r t .

Eske Nannen, © Michael Kerstgens


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Kunsthalle Emden, © Karlheinz Krämer, Emden

Unter Aufwendung eines Großteils seines Vermögens sowie mithilfe zahlreicher Spender und Förderer ruhte der gebürtige Emder, „Stern“-Gründer (1948) und weltläufige Chefredakteur nicht, bis sein Traum Wirklichkeit geworden war: Die Kunsthalle in Emden, ein Backsteinbau der Architekten Ingeborg und Friedrich Spengelin, konnte am 3. Oktober 1986 der Öffentlichkeit übergeben werden. Eske Nannen, seine spätere Ehefrau, war schon damals aktiv an seiner Seite. In Begeisterungsfähigkeit und Tatkraft ebenso kaum zu bremsen, war sie es nach Henri Nannens Tod, die die Kunsthalle als umtriebige Geschäftsführerin der privaten gemeinnützigen Stiftung weiterhin erfolgreich navigierte und unermüdlich für den Ausbau und die finanzielle Absicherung sorgte. Ihrer Zielstrebigkeit und Überzeugungskraft ist es zu verdanken, dass die öffentliche Hand, aber auch private Mäzene, diesem Leuchtturm stets ausreichend Strom lieferten, damit er stark und damit weit genug strahlen konnte – und bis heute strahlt.

Als Henri Nannen seine Sammlung in der Kunsthalle vorstellte, sprach man von Willkür gegenüber musealer Systematik. Nannen konterte mit der ihm so eigenen Schlagfertigkeit, dass man vielmehr von „Lustkür“ zu sprechen habe. Im Einklang dazu seine Überzeugung als passionierter Sammler: „Ich habe immer nur gesammelt, was Lust in mir erweckt hat – oder was mich bis unter die Haut schmerzte – was mich freute, aber auch wütend machte, wie könnte Lust entstehen ohne den Rausch der Farbe, wie könnten etwas Gefühls- und Denkanstöße vermitteln, was nicht auch ‚anstößig‘ ist.“ Diese Sichtweise geriet gleichsam zur Quelle positiv wirksamer Eigenwilligkeit, aus der sich nicht zuletzt die programmatische Ausrichtung des Wechselausstellungsprogramms und die Sammlungserweiterungen inspirativ speisen konnten. Die Kunsthalle Emden realisierte so wirkungskräftige wie innovative Projekte, mit denen sie im Laufe der Jahre immer professioneller ihre Attraktivität und ihr unverwechselbares


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69 Profil ausbildete. Das zeigte sich auch in der Aufnahme der Schenkung von Otto van de Loo (192 4–2015), die eine ­substanzielle Bereicherung und pointierte Fortführung des im Expressionismus liegenden Schwerpunkts der Nannen-­ Sammlung in die Jahrzehnte nach 1945 bildet. Zugleich gab dies den Anlass zu einem großen E ­ rweiterungsbau (2000), der die Ausstellungsfläche der Kunsthalle verdoppelte und die museale Infrastruktur ­w esentlich verbesserte. Der sensatio­nelle Erfolg der „Edvard Munch“-Schau von 2004/05 mit über 121.000 Besuchern krönte die beständige und nachhaltige Arbeit des hoch mo­t ivierten Teams an der Qualität und Publikumswirksamkeit der Wechselausstellungen. 2007 folgte eine weitere umfassende Modernisierung des architektonischen Ensembles, derweil die Sammlungsbestände durch private Schenkungen, S ­ penden, insbesondere der Freunde der Kunsthalle e. V., ­sowie bedeutende Dauerleihgaben kontinuierlich erweitert wurden – bis heute. Aktuell umfassen sie rund 1.800 Werke. Untrennbar zur Erfolgsgeschichte und zum lebendigen Charakter der Kunsthalle Emden gehört die angegliederte Malschule. Noch ein privat initiiertes Herzensprojekt. Hier ist nicht nur gelungen, die klassische Kunstvermittlung durch praktisches kreatives Schaffen in fast sämtlichen Bereichen der Kunst fördernd zu ergänzen, sondern einen eigenen vielseitigen Akzent auszuprägen.

Seit drei Jahrzehnten stellt die Kunsthalle Emden ihre ganz besondere Anziehungskraft unter Beweis. Sie wird auch international immer stärker beachtet. Mehr als 2,2 Millionen Besucher sahen bisher 149 Ausstellungen – aktuell können sie im Rahmen der 150., der Jubiläumsschau, den Norweger ­Nikolai Astrup (1880–1928) entdecken. Überhaupt: Neben der Kunst hat man hier dem Museumsgast schon immer einen hohen Rang eingeräumt. Dieser hat stets das angenehme Gefühl, überaus willkommen zu sein, in einer Atmosphäre, die durch außergewöhnliche Kunstwerke in einer sympathischen Architektur bestimmt ist. Das macht jeden Besuch unvergesslich! ACHIM SOM MER

Dr. Achim Sommer, Direktor des Max Ernst Museums Brühl des LVR, entwickelte und prägte als wissenschaftlicher Leiter der Kunsthalle Emden von 1996 bis 2006 deren Sammlungsund Ausstellungskonzept.

bis 2 2 . Januar 2017 „ N i k o l a i A s t r u p : N o r w e g e n“

Nikolai Astrup, „Foxgloves“, ca. 1918 –1920, Farbholzschnitt, Astruptunet, Sogn og Fjordane Kunstmuseum, MISF © Sogn og Fjordane Kunstmuseum, MISF

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www. k unsthalle-emden. de


70 Museumslandschaf t Wilhelmshaven

Alles neu am Jadebusen?

Kaiser-Wilhelm- Brücke, Wilhelmshaven, Foto: © Wilhelmshaven Touristik

rechts: Der Berliner Galerist Werner Tammen, Foto: Holger Biermann

Die Museumslandschaft im niedersächsischen Wilhelms­ haven soll neu geordnet werden. Eine zentrale Rolle soll dabei auch Rainer Fetting, der wichtigste Künstler der Stadt, spielen. Nicole Büsing und Heiko Klaas sprachen für ARTMAPP mit dem Berliner Galeristen und Vorsitzenden des Landesverbandes Berliner Galerien (LVBG), Werner Tammen, der ebenfalls seine Wurzeln in Wilhelmshaven hat und als externer Berater in die Neuordnung eingebunden ist. ARTMAPP: Herr Tammen, die Museums­ landschaft in Wilhelmshaven soll neu konzipiert ­werden. Warum? Werner Tammen: Ich denke, grundsätzlich ist es erst einmal die Überlegung, wie Wilhelmshaven insgesamt auf der ­norddeutschen Landkarte als Kunst- und Kulturort erkenn­ barer wird. ARTMAPP: Wer ist der Motor dieser Entwicklung? Wird sie kontrovers diskutiert? WT: Initiator ist erst einmal die Stadtverwaltung, die die gesamte Kunst- und Museumslandschaft auf neue Füße stellen möchte. Da in diesem Zusammenhang auch die potenzielle Aufgabe der alten Räumlichkeiten der Kunsthalle aufgrund des hohen Sanierungsbedarfes zur Diskussion stand, ent­ wickelte sich eine äußerst kontroverse Diskussion. Aufgrund dieser Diskussion wurde eine gesonderte Arbeitsgruppe ­u nter Beteiligung der betroffenen Institutionen gebildet für die auch ich als externer Galerist und ehemaliger Wilhelms­ havener angefragt wurde. Ich habe dem gerne zugestimmt, da ich mich nach wie vor mit der Stadt verbunden fühle.

ARTMAPP: Wie sieht es mit der Finanzierung aus? WT: Es wird nach bisherigem Stand eine Stiftung angestrebt, in die die Stadt, aber auch private Unterstützer einzahlen. ARTMAPP: Inwiefern sind Sie als Berliner Galerist dort involviert? W T: Aufgrund meines unabhängigen Sachverstands, sicher­l ich aber auch als Vorsitzender des Landesverbandes Berliner Galerien (LVBG) und meines sachlichen Blicks von außen. Die Herkunft aus der Stadt, die Bekanntschaft mit Rainer ­F etting und anderen ehemaligen Wilhelmshavener Kulturschaffenden helfen dabei ebenso wie die Kenntnis der allgemeinen kulturellen und politischen Bedingungen in der Stadt. ARTMAPP: Wie weit deckt sich das Konzept der Neuorientierung in Wilhelmshaven mit Ihren eigenen Vorstellungen? W T: Grundsätzlich muss mehr passieren, um Wilhelms­ haven auch für auswärtige Besucher neben der besonderen Lage am Meer auch kulturell attraktiver zu machen. Be­ mühungen wie das inzwischen sehr anerkannte und stark besuchte „Street-Art-Festival“ im Sommer gehen in die ­r ichtige Richtung. Im Rahmen der Kunstlandschaft und ­i hrer Institutionen sollte eine stärkere überregionale Zusammen­a rbeit und der Austausch mit anderen Häusern ­a ngestrebt werden. Die guten Kontakte nach Berlin könnten intensiviert werden.


W T: Ich denke, die Schwächung und Aufgabe der Eigen­ ständigkeit der Kunsthalle ist überhaupt nicht intendiert. Die Rolle soll auch durch eine jetzt neu zu besetzende Leitung gestärkt werden, die sich aktiv in den Prozess der Neuorien­ tierung einbringt. ARTMAPP: Rainer Fetting als gebürtiger ­W ilhelmshavener ist der wichtigste Künstler der Stadt. Inwieweit wird das in die neuen Planungen miteinbezogen? W T: Die Idee einer Neuausrichtung der Museumslandschaft hängt eng mit dem bekanntesten Künstler der Stadt zu­s ammen. Es gibt vielfältige Bemühungen, Teile seiner Kunst als ständige Leihgabe möglichst an ein neu zu errichtendes Museum zu binden. Vor dem Hintergrund schwieriger kommunalpolitischer Bedingungen gestaltet sich dieser Prozess nicht immer zielführend. Ich hoffe, dass die Stadt­ väter – aber auch das Land Niedersachsen – die Bedeutung dieses weltweit bekannten Künstlers erkennen und würdigen und wichtige Teile seiner Sammlung nach Wilhelmshaven zu holen in der Lage sind.

ARTMAPP: Generell: Was müsste man Ihrer ­Meinung nach tun, um eine gute Museumsarbeit zu gewährleisten? WT: Im Rahmen der sogenannten Kulturwirtschaft ist die Wirkung und Bedeutung einer lebendigen Kultur- und Mu­ seumslandschaft inzwischen vollkommen unbestritten und teilweise wie etwa in Berlin harter Wirtschaftscluster geworden. Eine sinnvolle Verbindung von sogenanntem U und E, von Unterhaltung und ernsthafter Kunst und Kultur, ist im Mix absolut sinnvoll. Beides steht und fällt mit intensiver Kommunikation über die Inhalte des jeweiligen Angebots. Dies erweitert und stärkt die kulturelle Identität und fördert die Attraktivität einer Region. Die Förderung und der Erhalt von Kunst und Kultur werden gerade in den heutigen Zeiten ­einer globalisierten Verunsicherung immer notwendiger. Eine gute Kommunalpolitik stellt den Schutz und Erhalt ganz oben auf die Prioritätenliste. ARTMAPP: Herr Tammen, wir danken Ihnen für das Gespräch. w w w . g a l e r i e - t a m m e n - p a r t n e r. d e www. wilhelmshaven-tour ist ik. de

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — N O R D W E S T

ARTMAPP: Die Kunsthalle Wilhelmshaven hat bundesweit einen guten Ruf. Besteht da nicht die Gefahr, dass ihr Stellenwert durch eine mögliche Aufgabe der Eigenständigkeit geschwächt wird?


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Short cuts. Nordwest VON IR MTR AUD RIPPEL

GA L ER IE L A K E , O L D E N B U RG ab 15 . November 2016 „ A c c ro c h a g e – M i c h a e l R a m s a u e r, L e i f Tr e n k l e r, Vo l k e r M ä r z , A r i a n e B o s s“

Oldenburgs zentralster Ort für aktuelle Kunst liegt im ­Herbartgang. Ralf Lake – der einst selbst in Düsseldorf Malerei studierte – führt seit 2010 in der noblen Passage seine Galerie. Das Programm mit fünf bis sechs Ausstellungen pro Jahr ist mit drei Stichworten beschrieben: jung, zeitgenössisch, ­f igürlich. Ihn interessierten nur Künstler „klarer Klasse mit einer unverwechselbaren Handschrift“, sagt Lake. Durch ­Kooperationen mit wichtigen Berliner Galerien stellt er sicher, dass auch relevante Namen aus der „Kunstweltstadt“ da­ runter sind. Werner Berges, Brief, 1965, 130 x 100cm

www. galer ielake. de

K U N S T H A L L E A M K U LT U R B A H N H O F, C L O P P E N B U RG 6. November 2016 bis 8. Januar 2017 „We r n e r B e r g e s – 5 0 We r k e a u s 5 0 J a h r e n“

Werner Berges, geboren 1941 in Cloppenburg, hat einen festen Platz in der Kunstgeschichte als einer der wichtigsten deutschen Pop-Art-Künstler. Die Werbewelt inspirierte ihn einst zu seinem künstlerischen Hauptthema: der weiblichen Figur. Wie er sie umspielte – plakativ, in dynamischen Körper­ umrissen und Porträts, leuchtend farbig, raffiniert gerastert, strukturiert, in immer neuen Techniken –, das machte ihn ­unverwechselbar und international erfolgreich. Die Schau des Kunstkreises Cloppenburg e. V. gibt Einblicke in das vielschichtige Werk von Berges, zeigt seine Wandlungsfähigkeit wie Konsequenz. www. k un stk re i s- cloppe nburg. de

Galerist Ralf Lake, Foto: Hendrik Reinert


links: Foto: © Palais Rastede

PA L A I S R A S T E D E bis 18. Dezember 2016 „ I c h h a l t e m i c h f ü r e i n e n b ra u c h b a r e n u n d e h r l i c h e n M a l e r“ M a l e r e i u n d G ra f i k v o n J o s e f P o l l a k (1 9 1 2 – 1 9 9 7) 29. Januar bis 1 2 . März 2017

Motiv aus der Ausstellung „In Syke“, Foto: Jo Fischer

„ H a r t m u t B e r l i n i c k e – G ra f i k “

Das Erbprinzenpalais des Schlosses gegenüber der einstigen Sommerresidenz der Oldenburger Herzöge in Rastede ist ­erste Kulturadresse am Ort. Der alte, von einem gepflegten Park umgebene Bau wurde einst für die Oldenburger Erbherzöge im Stil des Historismus hergerichtet. Hier präsentiert der Kunst- und Kulturkreises Rastede e. V. seine Ausstellungen mit regional und überregional bekannten Künstlern. Aktuell erinnert er an den Delmenhorster Maler Josef Pollak, der als Einzelgänger und ohne akademische Ausbildung erst spät Anerkennung fand. Im Obergeschoss des Palais ist eine Dauer­ausstellung zur Geschichte der Residenz zu sehen. w w w . k k r- ra s t e d e . d e

SK U L P T U R E NGA RT E N F U N N I X , WIT T MU ND IN OST FR IESL A ND

S Y K E R VO RW E R K – Z E N T RU M F Ü R Z E I TGE NÖSSISCHE K U NS T 4 . Dezember 2016 bis 19. Febr uar 2017 J o F i s c h e r – „ I n S y k e“ E i n e f o t o g ra f i s c h e R e c h e r c h e

Jo Fischer gehört zu den Shootingstars unter den jungen deutschen Fotografen. Als Fotograf für den Spiegel und Leica Fotografie International reist Fischer um die Welt. Nun ist er bald zu Gast in Syke: Im Vorfeld der Ausstellung „In Syke“ zieht Fischer für mehrere Monate in die Region Bremen und begibt sich auf eine fotografische Recherche – über die Stadt Syke, das niedersächsische Umland und die Menschen, die hier leben. Insbesondere die Alltagsgeschichten interessieren ­F ischer, die kleinen Begebenheiten, die manchmal komisch-­g rotesk und manchmal auch abgründig sind. Auf der Suche nach diesen Geschichten besucht der Fotograf Schützen­vereine, Bauernhöfe oder Gaststätten, porträtiert die Menschen und kommt mit ihnen ins Gespräch. Es entsteht ein fotografisches Tagebuch über Fischers Zeit in Syke.

Die Sammlung des Bildhauers Leo Wübbena

w w w . s k u l p t u r e n g a r t e n -f u n n i x . d e

rechts: Leonard Wübbena, „Marschblick“, 2007, Stahl, Skulpturengarten Funnix, 2016, Foto: © Reiner Brouwer

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — N O R D W E S T

w w w . s y k e r- v o r w e r k . d e

Garten- und Kunstfreunde pilgern stets im Sommer ins ostfriesische Funnix. Dort hat der Bildhauer Leonard ­Wübbena vor zehn Jahren einen Skulpturengarten eröffnet, ausgehend vom Garten seines eigenen Hauses, direkt gegenüber der alten Kirche. Ursprünglich wollte er nur eigene Kunstwerke präsen­t ieren, doch längst gehören zur Sammlung auch Ar­b eiten von Bildhauerkollegen. Formstarke Stahlskulpturen überraschen in austarierter Symbiose mit der Natur – in ­Heckenzimmern, in offenen Installationen, als ­r ostige K ­ ontrapunkte zu Wasser und mitten im Grün. Sonderaus­stellungen mit internationaler Besetzung sind zusätzliche Attraktion. Für 2017 (ab Himmelfahrt) steht das Thema ­„ Märchen“ an.


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Short cuts. Nordwest VO N NICOLE BÜSIN G & HEIKO KL A AS

U N T E R E R SCH W E RT E N BE DI NGU NGE N D a s F e l i x- N u s s b a u m - H a u s i n O s n a b r ü c k w i d m e t s i c h d e m We r k d e s f a s t i n Ve r g e s s e n h e i t g e ra t e n e n , e i n s t v e r f o l g t e n M a l e r s F r i t z A s c h e r.

Filipe Berndt, Untitled, 2014, 31st São Paulo Biennial

U N T E R V E R DAC H T D e r j u n g e B ra s i l i a n e r É d e r O l i v e i ra e r h ä l t

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — N O R D W E S T

de n Linge ne r Kun st pre i s 2016.

Der 1983 geborene Brasilianer Éder Oliveira erhält am 2. Dezember 2016 den renommierten Lingener Kunstpreis. Der jetzt zum 22. Mal von einer Fachjury vergebene Preis ist ausschließlich Künstlern vorbehalten, die im Medium Malerei arbeiten. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter an­ derem Karin Kneffel, Cornelius Völker, Julia Oschatz, Birgit Megerle und zuletzt 2014 Marieta Chirulescu. Éder Oliveira studierte Kunst an der Universidade Federal do Pará und machte seinen Abschluss im Jahr 2007. Neben Gemälden und Wandmalereien entstehen auch Arbeiten im öffentlichen Raum. Oliveiras Motive stammen aus der lokalen Tageszeitung in Belém. Grundlage für seine großformatigen, in den Farben Rot, Blau oder Gelb gehaltenen Porträts sind Polizei­ fotos von noch nicht verurteilten, mutmaßlichen Straftätern, meist mit afrikanischem oder indigenem Hintergrund. ­Oliveiras Malerei setzt sich also, durchaus politisch und ­g esellschaftskritisch motiviert, mit den Themen Gewalt, Vorverurteilung und Rassismus auseinander. Meike Behm, die Direktorin der Kunsthalle Lingen, unterstreicht die Bedeutung des Preises: „Der Lingener Kunstpreis hat sich seit seiner ersten Vergabe 1983 – also vor über 30 Jahren – zu einer wichtigen Auszeichnung für junge Künstlerinnen und Künstler etabliert. Wir freuen uns sehr, dass er in diesem Jahr zum ersten Mal an einen Künstler aus Brasilien, also aus einem Land außerhalb Europas, verliehen wird.“ Die Eröffnung der Ausstellung „Painting – or the Photography as Violence“ mit Arbeiten von Éder Oliveira in der Kunsthalle Lingen samt Preisverleihung findet am 2. Dezember 2016 um 19 Uhr statt.

In seiner Reihe „Verfemte Kunst“ zeigt das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück jetzt die Ausstellung „‚Leben ist Glühn‘ – Der Expressionist Fritz Ascher“. Mit dieser Retro­ spektive zum Werk des fast vergessenen Berliner Künstlers gibt das Museum einmal mehr einen Einblick in eine durch die Nationalsozialisten teils zerstörte Künstlerkarriere. Felix Ascher wurde 1893 in Berlin-Zehlendorf geboren. Die Familie war jüdisch, die Kinder wurden jedoch evangelisch getauft. Nach Studien bei Max Liebermann und Lovis Corinth entstand ein kraftvolles Frühwerk mit expressionistischer Auf ladung. Religiöse Themen und Motive aus dem Theater und der Oper hatten es ihm besonders angetan. Die Nationalsozialisten verhafteten Ascher unmittelbar nach der Machtergreifung 1933. Zum Glück kam er jedoch bald wieder frei. Mit der Hilfe von Freunden gelang es ihm, das Dritte Reich in einem Kellerversteck zu überleben. Während dieser Zeit schrieb er Gedichte. Erst nach 1945 begann er wieder zu malen. Seine Motive waren jetzt jedoch ganz andere: Spirituelle Landschaftsgemälde und dramatische Naturstudien zeugen von seiner inneren Aufgewühltheit. Die Ausstellung versammelt 70 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken aus allen Schaffensphasen Fritz Aschers von eher spielerischen Studien auf Papier über großformatige ­F igurengemälde aus der Weimarer Zeit bis hin zu den ­L andschaftsgemälden der Nachkriegszeit. Die von der US-­ Amerikanerin Rachel Stern kuratierte Schau entstand in Kooperation mit der Fritz Ascher Society in New York. 

 bis 15 . Januar 2017 „ ‚ L e b e n i s t G l ü h n‘ – D e r E x p r e s s i o n i s t F r i t z A s c h e r“ www. osnabr ueck. de/f nh

3 . D e z e m b e r 2 0 1 6 b i s 2 6 . F e b r u a r 2 0 1 7
 „ É d e r O l i v e i ra . P a i n t i n g – o r t h e P h o t o g ra p h y a s V i o l e n c e“

Fritz Ascher, „Pagliaccio“, 1916,

www. k unsthallelingen. de

Foto: Felix- Nussbaum- Haus, Osnabrück


RAUM SCHROTH im Museum Wilhelm Morgner, Soest

HEINER THIEL

14. Januar 23. April 2017

Werkschau 40 Jahre

www.skk-soest.de

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FASZINATION ERLEBEN

08.–14.03.2017

MESSEGELÄNDE MÜNCHEN www.ihm-handwerk-design.com Erstklassiges Kunsthandwerk, hohe Handwerkskunst und kunstvolles Design zum Anfassen und Mitnehmen. Besuchen Sie unsere einzigartigen Sonderschauen EXEMPLA (Thema 2017 „Materialwelten“), TALENTE, MEISTER DER MODERNE und SCHMUCK. Willkommen auf der «Handwerk & Design».


BENJAMIN SCHUBERT „I SEE THAT YOU HAVE SEEN“ 01.11.2016 – 08.01.2017 Wenn einfache Reklame Kunstobjekt wird …

Das Erlebnis von Kunst wird deutlicher und schöner in der Begegnung miteinander. Deshalb wollen wir kunstinteressierte Menschen - egal ob jung oder alt - zusammenbringen, um im direkten Kontakt mit unseren Künstlern den Austausch zwischen „Schöpfer“ und „Betrachter“ lebendig zu erleben.

Dann sind es die Arbeiten des Hamburger Künstlers Benjamin Schubert, der ausrangierte, alte Neo-Leuchtreklame zu origineller Leucht-Objekt-Kunst verwandelt. „I SEE THAT YOU HAVE SEEN“ heißt unsere Ausstellung passend zum Ende des Jahres, die ab dem 01. November in der Venet-Haus Galerie zu sehen ist.

Galerie im Venet-Haus

Kontakt:

Bahnhofstrasse 41

info@galerie-im-venet-haus.de

D-89231 Neu-Ulm

www.galerie-im-venet-haus.de


Angewandte Kunst & Design

19. - 21. Mai 2017 Messe Karlsruhe www.eunique.eu

Veranstalter


»Designer in Residence« Internationales Stipendiatenprogramm für Schmuck-, Mode- und Produktdesign in Pforzheim.

Stipendium 1. April – 30. Juni 2017

gefördert durch:


PFORZHEIM 2 5 0 J A H R E „ G O L D S TA D T “ P F O R Z H E I M

Im Jahr 1767 überreichte Markgraf Karl Friedrich von Baden drei Unternehmern aus der Schweiz und Frankreich das ­P rivileg, mit dem sie im Pforzheimer Waisenhaus eine ­U hrenfabrik errichten konnten; wenig später folgte die ­E rlaubnis zu einer „feinen Stahlfabrik“. Damit war jener Wirtschaftszweig geboren, dem heute noch 80 Prozent des in Deutschland gefertigten Schmucks zu verdanken ist. Die Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule, nur ein Jahr später gegründet und damit älteste Berufsschule der Welt, die 1877 gegründete Werkkunstschule (die heutige Hochschule Pforzheim mit ihren renommierten Fakultäten für Gestaltung und automotives Design), das Kreativzentrum EMMA, aber auch Kunstinitiativen zeugen von einer geballten Ladung Kreativität. Ob im (industrienahen) Design-, im Mode- oder im Schmuckbereich: Kreative Köpfe fanden und finden in der Drei-Flüsse-Stadt ein gutes Klima für die Umsetzung ihrer Ideen, die oft weltweit Beachtung erfahren. Aus diesem Anlass feiert die Stadt Pforzheim ihr 250. Goldstadt-Jubiläum mit einem ganzen Strauß unterschiedlichster Veranstaltungen, die auch den kreativ-innovativen Geist der ansässigen Industrie belegen. Diese war von ­A nfang an von einem starken Bestreben, trotz manufak­ tureller P ­ roduktion sehr gute Qualität zu liefern, geprägt, was sich bis heute in so klangvollen Namen wie Chopard, Wellendorff oder Victor ­M ayer niederschlägt. Es sind, trotz verschiedener Rück­s chläge, goldene Zeiten, auf die ­P forzheim zurückblickt – und für die Zukunft sieht. Deshalb feiert sich die Stadt zu Recht mit einigem Stolz und über 200 Veranstal­t ungen. Einer der Höhepunkte ist sicher das ­Wochenende vom 8./9. April 2017 – man wählte bewusst dieses Datum zur Wiedereröffnung des Technischen Museums, denn auf den 6. April datiert das markgräfliche Privileg. Aber mit der Vernissage der Ausstellung Manfred Mohrs, ­eines Pioniers der Computerkunst, wird zugleich deutlich, dass die Stadt dabei nicht nur die ­Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart thematisiert. CHRIS GERBING

www. goldstadt 250. de


JASMINA JOVY JEWELLERY, w w w.jasminajov y.com

Foto: Rafael Krรถtz, St yling: Carmen Stahl, Hair & Make -up: Sabine Nania, Model: Tori | TUNE Model MGMT

Showroom & Studio: EMMA Creative Center Pforzheim


Drei Städte, vier Museen, eine enge Zusammenarbeit

Gold, Silber und Geschmeide

Anlässlich des Jubiläumsfestivals „Goldstadt 250“ zeigt die Auftaktausstellung „Frühe Schmuck- und Bijouteriemanufakturen: Hanau, Pforzheim, Schwäbisch Gmünd “ im Stadtmuseum Pforzheim die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei Städte, die in diesem Zusammenhang oft in einem Atemzug genannt werden: Hanau, die Diamantenstadt, Pforzheim, die Goldstadt, und Schwäbisch Gmünd, die Silberstadt, deren Tradition sich bis heute an Wohnhäusern und Industriegebäuden ablesen lässt. In Hanau, das durch die Ansiedelung von 500 calvi­ nistischen Familien aus Antwerpen und den spanischen Niederlanden um 1600 zu einem internationalen Zentrum für Edelmetallhandwerk und Diamantschleiferei wurde, gibt es mittlerweile so gut wie keine Schmuck produzierende und gar keine Silberwarenindustrie mehr. In der Stadt haben sich aber einige freischaffende Schmuckdesigner niedergelassen und seit 2004 verleiht sie im zweijährigen Turnus den Titel „Stadtgoldschmied“ an einen Schmuckkünstler, der dann als „Artist in Residence“ für einige Zeit in Hanau tätig ist.

In Schwäbisch Gmünd dagegen produzieren Ateliers und Werkstätten durchaus bis heute – wenngleich auf niedrigerem Niveau als vor 1945. Mit der Ott-Pauserschen Fabrik hat sich sogar der museale Blick in ein Unternehmen um 1900 er­ halten, der stellvertretend für die Branche in dieser Zeit steht. In der Stauferstadt ist das Goldschmiedehandwerk bereits ab 1427 nachweisbar und seit 1549 in Zünften organisiert, die sich zunächst erfolgreich gegen die Einrichtung von ­M anufakturen wehrten, da sie, nicht ganz zu Unrecht, die Konzentration des Kapitals in den Händen weniger Fabrik­ besitzer und die Ausbeutung der Arbeiter befürchteten. Durch die schon früh eingeführte arbeitsteilige ­P roduktion und die manufakturelle Herstellung – beides wichtige Charakteristika der Pforzheimer Schmuckindustrie – konnte sich die Fertigung in der Drei-Flüsse-Stadt am Rande des Schwarzwalds auch nach dem Zweiten Weltkrieg wieder etablieren. Außerdem entwickelten sich aus der Schmuck- und Uhrenindustrie – 1767 durch das Privileg des badischen Markgrafen in Pforzheim angesiedelt und um 1900 Weltmarktführer zum Beispiel in der Uhrenkettenproduk­ tion – neue Branchen, etwa die Medizin- und Dentaltechnik, die heute sehr erfolgreich am Markt agieren.


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erbaut z wischen 1957 und 1961 nach den Plänen von Manfred Lembruck (1913–1992), Foto: Valentin Wormbs

Die drei Städte und ihre Museen arbeiten eng zusammen. Ausstellungen werden ausgetauscht, Kooperationsprojekte, Vorträge und Workshops verbinden die Häuser miteinander. Dabei sind sich die Direktorinnen einig, dass sich trotz der Konkurrenz aus Fernost sehr gute handwerkliche Qualität, besondere Produkte sowie ausgefallenes Design am Markt durchsetzen und letztlich auch deutsche Firmen interna­ tional Erfolg haben, wenn der Preis stimmt. Aus Anlass der Pforzheimer Ausstellung zum Jubiläum sprach ARTMAPP mit den Direktorinnen der Museen Katharina Bechler ­(Städ­t ische Museen Hanau) und Christianne Weber-Stöber (Deutsches Goldschmiedehaus Hanau), dem stellvertre­ tenden Leiter der Hanauer Zeichenakademie, Bruno Thiele, sowie mit Cornelie Holzach (Schmuckmuseum im Reuchlinhaus, Pforzheim) und Monika Boosen (Museum und Galerie im Prediger, Schwäbisch Gmünd). ARTMAPP: Frau Holzach, das Reuchlinhaus in Pforzheim ist zwischenzeitlich durch den Auszug der meisten Institutionen, die ursprünglich in dem von Manfred Lehmbruck Anfang der 1960er-Jahre erbauten Haus beheimatet waren, zum monogra­ fischen Schmuckmuseum geworden. Diese Ausrichtung gilt gemeinhin als schwierig, weil Besucher heute gewöhnt sind, immer wieder Neues geboten zu bekommen. Wie gehen Sie damit um?

Katharina Bechler: Das Profil der Gold- und Silberschmiede­ stadt Hanau zeichnete sich aus durch exquisiten Juwelen- und Diamantschmuck. Die Silberwarenproduktion war von ­Beginn an „im antiken Geschmack“ gestaltet. Erst um 1900 wurde mit dem Jugendstil diese Gestaltungstradition ab­ gelöst. Das Edelmetallgewerbe in Hanau ist traditionell nicht von großen Industrien, sondern stattdessen von kleineren, gut ausgebildeten, selbstständigen Handwerksbetrieben ­g ekennzeichnet, die mitunter eine große Anzahl von ­Mit­arbeitern hatten. Insofern wäre der Begriff „Gewerbe“ zutreffender als „Industrie“, da die Einzelstückfertigung eine wichtige Rolle spielte. Der Einsatz von Maschinen wurde in der Hanauer Fabrikation zu allen Zeiten kritisch betrachtet und war daher nicht verbreitet. Die hochwertige Handarbeit in der Unikatfertigung stand im Vordergrund und war kennzeichnend für die frühere Schmuckfabrikation vor Ort. ARTMAPP: Trotz mancher Gemeinsamkeiten ist der Hanauer Unikatschmuck sicher ein Unterschied zu insbesondere Pforzheim, wo größere Stückzahlen durch Arbeitsteilung und manufakturelle Fertigung produziert wurden. Hier sehe ich aber auch einen Unterschied zu Gmünd, wo ganz offensichtlich Handwerk und Manufaktur parallel existierten. Monika Boosen: Gmünd war im 18. und 19. Jahrhundert vor allem bekannt für die Produktion von weltlichem, insbe­ sondere Trachtenschmuck, und religiösem Schmuck, insbesondere Rosenkränze aus Silberfiligran – aber auch für kleines Gerät aus Silber wie Tabakdosen und Tafelgerät. Nach 1850 sind es dann vor allem die industriell hergestellten ­Silberwaren, zu denen zwar auch kirchliche Geräte sowie ­Judaica gehörten, diese bildeten aber nicht den Schwerpunkt.

Cornelie Holzach: Unsere Erfahrungen sind andere. Wir ­haben ausgesprochen häufig Besucher, die fasziniert sind von ebendieser monografischen Herangehensweise. Wir sind uns dessen bewusst, dass wir ein sehr spezialisiertes Thema ­b ehandeln, aber durch den Umfang und die Qualität der Sammlung – immerhin sind wir weltweit das einzige auf Schmuck spezialisierte Museum – wirkt diese Besonderheit ausgesprochen positiv. Außerdem haben wir durch den Auszug der Bibliothek, die bis Anfang der 2000er-Jahre in dem als Kulturzentrum geplanten Bau ebenfalls beheimatet war, ­Flächen gewonnen. So kann – neben dem weiterhin auch im Reuchlinhaus residierenden Kunstverein – zum einen die ethnografische Sammlung Herion seither dauerhaft präsentiert werden, zum anderen haben wir einen neuen Raum für Sonderausstellungen. ARTMAPP: Frau Bechler, als Leiterin der Städtischen Museen Hanau bringen Sie im Historischen Museum in Schloss Philippsruhe immer wieder Schmuck, Gerät und bildende Künste zusammen, ein Aspekt, der angesichts des Unikatschmucks „made in Hanau“ sicher besondere Bedeutung hat.

Foto: © Goldschmiedehaus Hanau

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — P F O R Z H E I M

Schmuckmuseum Pforzheim im Reuchlinhaus,


84 Bruno Thiele: Die Hanauer Zeichenakademie wurde seit ihrer Gründung im Jahre 1772 durch zahlreiche Bürger der Stadt ­u nterstützt. Circa 170 Gold- und Silberwarenfabriken, ­K ettenfabriken, Edelsteinschleifereien, Etuifabriken usw. standen in engem Kontakt mit der Zeichenakademie. Dort wurden zahlreiche Spezialisten ausgebildet, auch Mitarbeiter aus den Betrieben kamen zu Fortbildungen hierher. Ein großer Teil der heute noch vorhandenen Bibliotheksbestände stammt entweder aus Spenden oder anderen Förderungen durch Hanauer Bürger.

Uhr werk von Pierre Viala, Genf, Gold, Silber, Diamanten, Glas, Email, um 1770, Foto: © Schmuckmuseum Pforzheim

Kirchliches Gerät wurde meist in Werkstätten hergestellt, und das ist auch heute noch so. In Gmünd gab es daneben ­g roße Silberwarenfabriken mit einem breit gefächerten Angebot an vor allem Tafelgerät, aber auch kleinere Betriebe, die Schmuck in Gold und Silber fertigten. Die lokalen Traditionen spiegeln sich heute in den nur noch wenigen vorhandenen ­Fabriken, aber auch in etlichen Ateliers und Werkstätten, in der Goldschmiedeschule und auch im Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik.

Christianne Weber-Stöber: Zwischen dem Deutschen Goldschmiedehaus und der Zeichenakademie in Hanau gibt es seit vielen Jahrzehnten eine enge Zusammenarbeit. Schüler präsentieren ihre aktuellen Werke und zu besonderen Anlässen gibt es große Ausstellungen mit Schülerarbeiten oder denen ehemaliger Schüler. Seit acht Jahren geben Schüler und Absolventen der Zeichenakademie Goldschmiedekurse für Kinder im Deutschen Goldschmiedehaus. Außerdem gab es viele Jahre lang einen gemeinsamen Messeauftritt der Schule und der Gesellschaft für Goldschmiedekunst bzw. des Deutschen Goldschmiedehauses. Schüler absolvieren außerdem Praktika in unserem Haus und nutzen die im Haus beheimatete Fachbibliothek. Monika Boosen: Die Zeichenschule in Schwäbisch Gmünd war als Ausbildungsstätte für Entwerfer wichtig. Mit der Gründung des Kunstgewerbemuseums 1876 entstand eine Vorbildersammlung, deren Objekte zu wichtigen An­ schauungsmaterialien f ür die aus der Zeichenschule hervorgegangene Fachschule wurden. Die Bestände des Kunstgewerbemuseums sind heute Teil der Sammlungen des Museums im Prediger. Das Haus arbeitet nach wie vor mit der aus der Fachschule hervorgegangenen Hochschule für Gestaltung zusammen.

ARTMAPP: Jede der drei Städte hat nahezu zeitgleich eine Ausbildungsstätte begründet, die die Qualität der arbeitsteiligen Prozesse innerhalb der Schmuckproduktion sicherte. In Pforzheim wurde hierfür 1768 die Goldschmiedeschule gegründet, in Hanau 1772 die Zeichenakademie nach dem Vorbild der Pariser Académie des Beaux-Arts und in Schwäbisch Gmünd 1776 die Zeichenschule. Wie war und ist das Verhältnis zwischen Schulen und Industrie bzw. zwischen Schulen und Museen? Cornelie Holzach: Es gab gerade in der Vergangenheit einen regen Austausch zwischen Schulen und Betrieben. Viele der Zeichner und Designer der Schmuckbetriebe absolvierten ihre Ausbildung an der Kunst- und Werkschule, vormals Großherzoglich-Badische Kunstgewerbeschule. Auch heute bestehen gute Verbindungen zwischen Stadt, Industrie und Ausbildungsstätten sowie dem Technischen und dem Schmuckmuseum, sei es im Hinblick auf Ausstellungs­ projekte oder museumspädagogische Veranstaltungen. Außerdem sind viele Schmuckkünstler, die ihre Ausbildung in ­P forzheim gemacht haben, in der Sammlung des Schmuckmuseums vertreten.

Museumsdirektorin Katharina Bechler, Foto: © Städtische Museen Hanau


ARTMAPP: Schauen wir abschließend noch auf die Gegenwart: Die Globalisierung ist dafür ver­ antwortlich, dass billiger Schmuck aus Fernost die Märkte überschwemmt. Haben Schmuck­ produzenten in Deutschland dagegen überhaupt eine Chance? Monika Boosen: In Schwäbisch Gmünd hat sich mit Schließung vieler Fabriken und Betriebe der Schwerpunkt von der Silberwarenproduktion zur Schmuckproduktion verlagert. Ich denke schon, dass Qualität sich generell durchsetzen kann. Cornelie Holzach: Mit guter handwerklicher Qualität, guten Entwürfen und schnellem Vertrieb bestehen sehr wohl gute Chancen, konkurrenzfähig zu bleiben. Bruno Thiele: Schmuckproduzenten können dann in Deutschland erfolgreich sein, wenn sie gestalterisch inno­ vativ und technisch auf hohem Niveau arbeiten. Für beides werden auf der Hanauer Zeichenakademie die Grundlage ­geschaffen. Diese qualitätsvolle Ausbildung ist auch im Ausland bekannt, was durch Schüler aus Singapur, Korea, China oder Japan, aber auch aus Skandinavien oder den USA be­ stätigt wird. Die Schmuckproduktion etwa in Asien ist nicht zuletzt deshalb preisgünstiger, weil in asiatischen Ländern ­sowohl Umweltstandards, aber auch soziale Leistungen und dementsprechend auch die Löhne weitaus niedriger als in Deutschland sind. Museumsleiterin Cornelie Holzach, 2014,

ARTMAPP: Frau Holzach, Frau Boosen, Frau ­Bechler, Frau Weber-Stöber und Herr Thiele – ­herzlichen Dank für das Gespräch!

Foto: Petra Jaschke, @ Schmuckmuseum Pforzheim

Das Interview für ARTMAPP führte Chris Gerbing.  

S C H M U C K M U S E U M I M R E U C H L I N H AU S

D E U T S C H E S G O L D S C H M I E D E H AU S

PFOR ZHEI M

H A N AU

25 . November 2016 bis 23 . Apr il 2017

bis 29. Januar 2017

„ M e c h a n i k e n m i n i a t u r e – A r m b a n d u h r e n d e r L u x u s k l a s s e“

„ U l r i k e K n a b – b u n t e We l t e n |

www. schmuck museum. de

Annelies Planteijdt – schöne Stadt“ 6. November 2016 bis 15 . Januar 2017 18 . Silber t r iennale Inter nat ional

S TA D T M U S E U M P F O R Z H E I M

www. goldschmiedehaus. com

20. November 2016 bis 1. Mai 2017

M USEU M I M PR E DIGE R

„ F r ühe Schmuck- und B ijoute r ie manufak t ure n :

S C H WÄ B I S C H G M Ü N D

Hanau, P forzheim, Schwäbisch Gmünd “ www. pforzheim . de

bis 5 . Febr uar 2017 „ R e g i n a B a u m h a u e r. L i t t l e M i s s L i b e r t y C ro s s i n g t h e D e l a w a r e ”

H I S T O R I S C H E S M U S E U M H A N AU

5 . März bis 11. Juni 2017

SCHLOSS PHIL IPP SRU HE

„ E m i l H o l z h a u e r. A m e r i k a – d e r Tra u m v o m K ü n s t l e r l e b e n“ www. schwaebisch-g muend. de

19. November bis 11. Dezember 2016 25 Jahre Gr uppe Umbr ia www. museen-hanau . de

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — P F O R Z H E I M

I M M USE U MSA R E A L BRÖ T Z I NGE N


Versteckte Anspielungen auf die Goldstadt in der Pforzheimer Architektur der Nachkriegszeit

Es funkelt und glitzert

Aus dem siebengeschossigen, markanten Geschäftshaus, erbaut 1956, das den Leopoldplatz Richtung Osten begrenzt, kragt das erste Obergeschoss als voll durchfensterte, leicht ausgestellte Zone. Typisch fßr die 1950er-Jahre sind die goldeloxierten Fenstergewände und der umlaufende Mosaikfries mit Tiermotiven von Blasius Spreng. Foto: Chris Gerbing


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D i e P f o r z h e i m e r I n n e n s t a d t i s t g e p rä g t v o n B a u t e n d e r 1 9 5 0 e r- u n d 1 9 6 0 e r- J a h r e , d e n n d e r N e u a u f b a u d e r C i t y f o l g t e d e m Ve rd i k t d e r „ a u t o g e r e c h t e n S t a d t “ . In R e infor m lä sst sich hie r de r For me nre icht um und ­G e s t a l t u n g s w i l l e d e r A r c h i t e k t e n d e r e r s t e n N a c h k r i e g s z e i t st udie re n, die of t in de n B alkonbr ü st unge n, K a n a l e­ i n f a s s u n g e n u n d U n t e r f ü h r u n g e n d i r e k t e n B e z u g auf die „Goldstadt“ nahmen. E s sind diese architek toni sche n De tail s, die die G ebäude a u f l o c k e r n u n d F a r b t u p f e r i n d i e S t ra ß e n b r i n g e n . D a b e i i s t d e r F l a n e u r g u t b e ra t e n , i m m e r w i e d e r d e n B l i c k entlang der Fassade nach oben gleiten zu lassen, um die

Im Hauptbahnhof, bereits Anfang der 1950er-Jahre ­errichtet, als die Stadt noch weitgehend in Trümmern lag, wird der Goldstadt bis heute ein würdiges Entree bereitet: Gold­ eloxierte Aluminiumprofile als Rahmung der groß­zügigen Fensterflächen und eingestreute, vergoldete Granitsteinchen an den Wänden der Eingangshalle sind als direkter Bezug zum Haupterwerbszweig vor Ort zu lesen. Goldene Mosaiksteine finden sich zudem am ehemaligen Hauptgebäude des als Betrieb zur „Kehretspräparation“ (Rückgewinnung von Edelmetallen) im 19. Jahrhundert gegründeten Unter­ nehmens C. Hafner. 1955 bezogen, ist dieser Bau bis heute Signetstück für die filigrane Leichtigkeit und Materialfreude der 1950er-Jahre. Das Foyer mit Mosaiken, eleganten Leuchten und großzügig geschwungener Wendeltreppe zeugen vom Selbstbewusstsein der hiesigen Unternehmer. Überhaupt war Mosaikwandschmuck eines der typischen Elemente der 1950er-Jahre, wie es sich entsprechend am Leopoldplatz als Erkerzutat am Hotel ­„Goldener Adler“ wie auch als großflächiges Wandbild in der Schalterhalle des Zollamts findet. Bernhard Karl Becker w ­ ählte als Motiv und Hinweis auf den weltweiten Export der Pforzheimer Preziosen den Götter­boten Hermes, Schutz­patron der Händler und Kaufleute. Aber auch die Theaterpassage mit ihren trapezoiden Kera­mikkacheln, die eine oder andere Balkonbrüstung mit ornamentalem Schwung, auch hier wieder mit Mosaiksteinchen (wie sie ebenfalls Sedansbrunnen und das Wandrelief des „Rosselenkers“ an der Jahnhalle aufweisen), zollen der Goldstadt Tribut.

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or namentale Fülle zu entdecken.


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Das Thema des Mosaiksteins griff auch Hans Theo Baumann an der Matthäuskirche im Stadtteil Arlinger auf: Der erste Sichtbeton-Kirchenbau der Nachkriegszeit wurde zwar von Egon Eiermann erbaut, für den Raumeindruck verantwortlich zeichnete aber der südbadische Designer. Die wandhoch versetzten Hohlblocksteine, in die Dickglasscheiben eingelassen sind, leuchten dem Wechsel des Tageslichts folgend und verleihen dem Raum eine immaterielle Anmutung, der bei Nacht zum leuchtenden Schrein in der Landschaft wird. An der Altarwand beim Tauf becken befindet sich als direkte ­Referenz zur Goldstadt ein drei mal drei Steine großes Feld, bei dem die „Mosaikteile“ durch den Lichteinfall zu leuchten beginnen. Diese Kombination aus Dickglas und Beton findet sich auch an einer der Brüstungen am Metzelgraben, der ­I nnenstadt und Stadtgarten verbindet. Dort steht mit dem Reuchlinhaus ein weiterer ikonischer Bau der frühen Nachkriegszeit. Manfred Lehmbruck schuf „architecture parlante“, indem er durch die Fassadengestaltung die ursprüngliche Funktion jedes der vier Kuben ablesbar machte: Zunächst ­waren verschiedene Institutionen in dem als Kulturzentrum geplanten Gebäude untergebracht, die bis 2002 sukzessive auszogen. Gerade die Verkleidung des Kubus für das Schmuckmuseum kann als Verweis auf die Goldschmiede­ tradition gelesen werden, denn sie besteht aus Riffelglas, die alternieren mit Aluminiumgussplatten. Letztere schuf Adolf Buchleitner, dessen künstlerischer Entwurf den Wettlauf zum Mond in den 1960er-Jahren widerspiegelt.

Übrigens: Wem die Nachkriegsarchitektur nicht so sehr ­z usagt, der findet in den direkt an den Innenstadtbereich angren­zenden Stadtteilen – der Ost-, Südost-, Südwest-, Westund Nordstadt – zahlreiche Beispiele aus Historismus und Jugendstil, die bis heute vom Reichtum der Stadt um 1900 Zeugnis ablegen. Von der originalen, wandfesten In­nen­ ausstattung bis zu Wandmalereien und großzügigen Buntverglasungen im Treppenhaus: Nicht nur die Villen­ bauten der Unternehmer auf dem Rodrücken, auch die Mietshäuser sind Beleg für den Wohlstand Pforzheims zur vorletzten Jahrhundertwende. CHRIS GERBING

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„Visionen für eine Stadt. 50er-Jahre-Architektur in ­P forzheim“, hrsg. von Isabel Greschat, Regensburg 2011 „Architektur – Goldstadt“, hrsg. von Christoph Timm, für je 2 Euro erhältlich in der Tourist-Information und den Kultureinrichtungen: „Nachkriegsmoderne: 50er- und 60er-Jahre“, Pforzheimer Stadtrundgänge, Bd. 1 „Jugendstil und Art Déco“, Pforzheimer Stadtrundgänge, Bd. 2

Der Hauptbahnhof muss den Menschen in den 1950er-Jahren wie eine Vision vorgekommen sein: Licht und hell, mit sorgfältig aufeinander abgestimmten, hochwertigen Materialien. Eingerahmt werden die großen, wandhohen Fenster zur Stadt hin von einer Granit verkleidung, in die als kleiner Gruß der Goldstadt goldene Mosaike eingesetzt sind. Foto: Chris Gerbing


chronometer: wilhelm rieber gestaltung: L2M3.com

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Bürgerschaf tliches Engagement

Kunstmuseum Pforzheim

Das Kunstmuseum Pforzheim im Kollmar & Jourdan- Haus,

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Foto: Stadt Pforzheim

Das Kunstmuseum Pforzheim befindet sich in einer ehema­ ligen Kettenfabrik. Im Untergeschoss sitzt das Technische Museum der Pforzheimer Schmuck- und Uhrenindustrie, das nach der Umgestaltung im April 2017 wiedereröffnet wird. Die Institution des Kunstmuseums geht zurück auf bürgerschaftliches Engagement. Dank zahlreicher groß­ zügiger Spenden konnte es 2000 eingerichtet werden. Das Haus steht unter der Leitung des Kulturamts der Stadt, wird aber vom Förderverein unterstützt. Die Werke der Vereinssammlung gingen als Schenkung in die Städtische Kunstsammlung über. Diese beinhaltet neben Arbeiten des 19. bis 21. Jahrhunderts auch eine Reihe wertvoller älterer Gemälde. Beispielsweise das Re­naissanceporträt einer Pforzheimer Bürgerin und einen Christuskopf, der Jörg Rathgeb zugeschrieben wird. Ein besonderer Schatz ist „Der Mineraloge“ von Karl Spitzweg. Werke von Erich Heckel, Otto Dix oder dem Pforzheimer Richard Ziegler sind in der Sammlung ebenso zu finden wie Arbeiten von Jürgen Brodwolf, Hans Peter Reuter oder Hetum Gruber. Die zunächst eher kleinteilige, übrigens auch den jeweiligen Sponsoren zugeordnete, Raumgestaltung und eine Konzep­t ion nach Stilen wurde zu Beginn der 2000er-Jahre in eine großzügige und wandelbare Ausstellungsfläche umgestaltet. Zwei l­ ange Raumfluchten und zwei kleinere Räume mit Kabinettcharakter stehen für zwei bis drei Ausstellungen jährlich zur Verfügung. Natürlich ist es auch eine Aufgabe eines Städtischen Museums, Künstlern aus der Region ein Forum zu bieten. ­Z uletzt wurde das Ausstellungsformat der „Wahlver­­ wandtschaften“ gezeigt, die Malerin Michaela Escher war

aufgefordert , eigene A rbeiten mit Werken aus dem Sammlungs­bestand in Bezug zu setzen. Sie zeigte zwei neue Werkgruppen und interagierte mit der Arbeit „Boot“ von ­J ürgen Brodwolf und zwei frühen Werken von Manfred Mohr. In dem Bewusstsein, dass in einer komplex ver­ netzten Welt auch der Blick auf das künstlerische Schaffen nicht mehr zu eng gefasst sein kann, liegt der Fokus der Ausstellungs­t ätigkeit heute auf dem überregionalen bis ­i nternationalen Kunstschaffen. Bis März 2017 wird die Ausstellung „Abraham David Christian: SILVA NIGRA, DER SCHWARZE WALD“ gezeigt. Der international bedeutende Zeichner und Bildhauer ­A braham David Christian (* 1952) hat 2013 eine 81-teilige ­Zeichenserie geschaffen. Der Künstler fuhr ohne vorgefassten Plan im Schwarzwald umher. Blieb oft über Nacht und ­er­w anderte dieses große Gebiet intuitiv. An den für ihn bedeutenden Orten hielt er die Zeit im Zeichnen an und ­gewann so eine Zone des Schweigens. Seine Zeichnungen ­haben die eminente Aufgabe, das Wahrgenommene sichtbar zu ­machen, den Ablauf der Zeit zu unterbrechen, die Realität ohne Worte zu reflektieren. Abraham David Christian, eine der wichtigen Figuren der abstrakten Nachkriegskunst, ­erhielt als erster Stipendiat die Förderung für Kunst der Friedrich-Ebert-Stiftung. 1978 wurde er mit dem Villa-­Romana-Preis und neben weiteren Auszeichnungen 2003 mit dem Oberschwäbischen Kunstpreis ausgezeichnet, 1972 und 1982 nahm er an der „documenta“ teil. Seine Werke sind in zahlreichen wichtigen Privatsammlungen und Mu­seen im ­I n- und Ausland vertreten. Seit fast 25 Jahren ist er Professor an der Fakultät für Gestaltung, Hochschule Pforzheim. Anschließend zeigt das Kunstmuseum eine u ­ mfassende R ­ etrospektive des Digitalkunstpioniers Manfred Mohr. Von den frühen Arbeiten der 1960er-Jahre bis hin zu ­a k­t uellen Werken aus 2016 gibt die Ausstellung einen reprä­sentativen Überblick über das Œuvre des Künstlers. Mohr nutze bereits Ende der 1960er-Jahre einen Computer und ein selbst ­geschriebenes Computerprogramm als Grundlage für seine Bilder. Das Thema Kinder- und Jugendkultur wird in ­P forzheim großgeschrieben, so gibt es zahlreiche museums­pädagogische Angebote für Kindergärten und Schulen. Der Freundeskreis des Kunstmuseums hat vor einigen Jahren den Jugendklub „Herzblau“ ins Leben gerufen, der Jugend­lichen das freie kreative Arbeiten ermöglich. REGINA M. FISCHER

bis 19. März 2017 A b ra h a m D a v i d C h r i s t i a n : S I LVA N I G R A , D E R S C H WA R Z E WA L D


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Janusz Czech, „Der Unterschied z wischen et was, was möglicher weise kaputtgehen könnte, und et was, was unmöglich kaputtgehen kann, besteht darin, dass sich bei allem, was unmöglich kaputtgehen kann, falls es doch kaputtgeht, normaler weise herausstellt, dass es unmöglich zerlegt oder repariert werden kann.“, aus: „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams, Installation, Ø ca. 200 cm, hängend, mit Drehmotor, 16 Aquarelle (je 30 x 40 cm), Drehmotor, Hula- Hoop - Reifen, aufblasbarer Wasserball (Ø 100 cm), Version 1/3, 2016, Ausstellungsansicht „Himmelskörper“, Kunstmuseum Pforzheim


Ein gutes Verhältnis für Pforzheim

EMMA und Janusz Czech Janusz Czech hat sich nach Studien an den Akademien in Wien und Karlsruhe bewusst neben München auch für ein Atelier im EMMA Kreativzentrum in Pforzheim entschieden. Nicht nur, weil er seine Jugend hier verbracht hat. Nein, Pforzheim ist für den Künstler, der in zahlreiche Kunst­projekte in ganz Europa involviert ist und überregional ausstellt, ein Rückzugsort. Hierher kommt er nach seinen R ­ eisen, die ihn in viele Länder geführt haben, wie die foto­g rafische Serie ­„ Sightseeing“ beweist. Ausschnitthaft und dennoch lesbar und in extremer Untersicht sind Wahr­zeichen aus den unterschiedlichen Metropolen zu sehen. Reisestipendien wie das für Helsinki durch die Landes­g raduiertenförderung Baden-­ Württemberg 201 4 , der Heinrich-Hertz-Gesellschaft Karlsruhe und der Freunde der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe ermöglichten es ihm, ohne Druck im Ausland zu arbeiten. Pforzheim ist für Janusz Czech auch wegen seiner ­sozialen und wirtschaftlichen Situation von Interesse. Im kommunistischen Polen geboren und im Pforzheimer ­Stadtteil Haidach aufgewachsen, weiß er, was es bedeutet, anzukommen, sich fremd zu fühlen, und kann nachvollziehen, was Integration bedeutet. Diese Erfahrungen, aber auch ak­ tuelle kommunalpolitische Fragen sind in die siebenteilige Serie „MultiKulti“ eingeflossen. Sieben identische Hochhäuser, die nur in der Farbgestaltung unterschiedlich sind, nehmen die obere Hälfte der jeweils hochformatigen Bild­ ausschnitte über einer weißen Schneefläche ein. Sie wirken isoliert und menschenleer. Architektur und Stadtgestaltung als Faktoren einer menschenwürdigen Umgebung

und letztlich auch einer funktionierenden Gesellschaft. Umso mehr sucht J­ anusz Czech Orte, an denen sich etwas bewegt in Pforzheim, ­P rojekte, die für Künstler Chancen bieten, wo wie im EMMA die Möglichkeit zum Austausch besteht, dort ­können sich neue Perspektiven entwickeln, die auch auf die Stadt zurückwirken. Das Kreativzentrum – am Enzufer und in direkter Nähe zur Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim gelegen – ist die zentrale Plattform für Pforzheims Kreative: Studierende und Absolventen der Hochschule Pforzheim, Existenzgründer, Freelancer, Agenturen und Unternehmen können auf einer Fläche von ca. 3.000 Quadratmetern ­Werkstattarbeitsplätze, Ateliers, Schreibtische im Coworking-Bereich, Büros und Besprechungsräume zu günstigen Konditionen mieten. Darüber hinaus bietet die Veran­ staltungsf läche im Erdgeschoss Platz für Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Tagungen und Workshops. Was aber braucht es, um Kreative in Pforzheim zu halten, welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden? Janusz Czech als bildender Künstler weiß es genau. Natürlich bezahlbaren Atelierraum, aber auch die Logistik, die alle ­M ieter gemeinsam nutzen können und vor allem den Austausch mit anderen Kreativen. Auch wenn es klein ist, sein Atelierhäuschen, malerisch gelegen auf dem Dachgarten des EMMAs, hier entsteht ein Teil seiner künstlerischen Projekte. Czech betont die gute strategische Lage von Pforzheim. Rasch ist er in Karlsruhe, seinem ehemaligen Studienort. Hier ist er mit der V8-Plattform verbunden, einem Projekt, das vor zwölf Jahren von Studenten der Akademie, alle aus der Klasse


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Janusz Czech, „MultiKulti“, 2015,

Kluge, ins Leben gerufen wurde. Ebenso nah hat er es von hier aus nach Stuttgart, dort ist er seit 2011 redaktionelles Mitglied des philosophischen Wirtschaftsmagazins „agora42“ und sagt selbst, dass er diese Tätigkeit und die Begegnungen mit zahlreichen interessanten Zeitgenossen als eine große persönliche Bereicherung empfindet. 2015 war Janusz Czech als „Artist in Residence“ in der Partnerstadt Irkutsk. Damals entstanden farbige Aquarelle, Tuschzeichnungen und Objekte zum Thema Schamanismus. Die dreiteilige Arbeit „Der tanzende Schamane“ aus diesem Komplex hat die Stadt Pforzheim angekauft.

Schon während seines Studiums der Malerei und Grafik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei den Professoren Gustav Kluge, Marcel van Eeden und Jonas Burgert sowie in der Klasse für konzeptionelle Kunst bei ­M arina Grzinic an der Akademie der Bildenden Künste in Wien hat Janusz Czech Kontakte geknüpft. Seit 2011 werden Arbeiten von ihm regelmäßig ausgestellt. Er hatte Prä­ sentationen in Kunstvereinen wie Ellwangen, Ettlingen, Pforzheim oder im Badischen Kunstverein Karlsruhe, aber auch internationale Projekte wie „Art Rocket“ in Nantes und Saint-Nazaire oder „LIP 15 ORTAKÖY Meydani“ in Istanbul. Zweimal war Czech in Ausstellungen im Kunstmuseum Pforzheim einbezogen, 2010 in das Projekt „Alle Tiere sind gleich“ und in die Gruppenschau „Himmelskörper“. Wie im Roman von Adams schafft er eine Melange aus Satire und Science-Fiction, wenn er über einer auf blasbaren Erde 16 Aquarelle kreisen lässt. In absichtlich kindlicher Malweise hat er Flugzeuge aus verschiedenen Epochen dargestellt. Sie stehen für Kriege, etwa die Albatros D.V., das Flugzeug des legendären Manfred von Richt­hofen aus dem Ersten Weltkrieg, oder das britische Kampfflugzeug Hawk. Czech zeigt auf, wie bedrohlich die künstlichen Himmelskörper sind, die über ­unseren Köpfen schweben und welch wahnwitziges Spiel der Aufrüstung die Mächte spielen. Er lässt die aktuelle Welt­ politik wie russisches Roulette erscheinen. Um komplexe Zusammenhänge beleuchten zu können, bedient er sich einer multimedialen Bildsprache, so in der Installation „Tip/Top“ mit einer frei im Raum hängenden, hölzernen 1-Euro-Münze von 2 Metern Durchmesser und der Serie „Positiv/Negativ“, die den Umgang mit HIV thematisiert. Eine Übersicht über sein Schaffen konnte Czech in ­einer Ausstellung beim Kunstwettbewerb 2016 „forumkunst“ im Regierungspräsidium Karlsruhe zeigen, daraus wurden Arbeiten aus den Serien „Sightseeing“ und „Positiv/Negativ“ angekauft. Der literarisch und politisch interessierte Künstler durchforscht mit feinen Sensoren unsere Zeit und gibt sie in

Janusz Czech, Foto: Daniela Scheil

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Version A, 7-teilig, Bar ytpapier, je 30 x 40 cm, Edition 1/3


94 einprägsamen und differenziert-mehrdimensionalen Bildern wieder. Gerade in der Verbindung traditioneller Medien wie Zeichnung, Grafik, Aquarell und Fotografie mit sogenannten neuen Medien Film, Ton und der Zusammenschau in installativen und raumbezogenen Zusammenhängen schafft Janusz Czech Bildwelten, die die Absurditäten und den Wahnwitz weltpolitischer Situationen plötzlich glasklar erscheinen lassen. Er teilt den Ansatz, dass in einer Zeit, die zuallererst von ökonomischen Überlegungen geprägt ist, gerade der Philosophie und der bildenden Kunst als den Wegen, die Welt und die Existenz des Menschen zu deuten, eine entscheidende Rolle zukommt. Seine Forderung zu hinterfragen, sich nicht mit vordergründigen Wahrheiten zufriedenzugeben, macht sein Werk seismografisch und relevant für uns als Zeitgenossen. Bis ins Jahr 2019 hinein sind Projekte zugesagt: noch im ­Dezember in der Galerie Karin Wimmer contemporary art in München und die Teilnahme an der Ausstellung „Oppor­ tunismen“ im Accélérateurs de particules in Straßburg. Auch wenn Janusz Czech wieder in einem überregionalen Umfeld unterwegs sein wird, sein Atelier im EMMA in Pforzheim möchte er auf alle Fälle auch weiterhin behalten. Schmuck von Frieda Dörfer im EMMA- Kreativzentrum,

REGINA M. FISCHER

Brosche, Messing, Rotgold vergoldet, Silber, Edelstahl,

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w w w.frieda- doerfer.de,

www. janusz-czech. de

Foto: David Gabriel Fischer

EMMA- Kreativzentrum, Sommerfest auf der Dachterrasse, Foto: Winfried Reinhardt


Hochschule Pforzheim

Design verbindet

ARTMAPP: Die Goldschmiedeschule ist fast so alt wie die zugehörige Industrie. Können Sie sich vor diesem Hintergrund erklären, weshalb vor fast 140 Jahren noch zusätzlich eine Werkkunstschule, die heutige Hochschule, gegründet wurde? Und welche Bedeutung hat die Hochschule in Pforzheim? Michael Throm: Bezüglich der Gründe, die zur Gründung der Schule führten, kann ich nur mutmaßen. Vielleicht führten das Vorbild England mit der „Arts & Crafts“-Bewegung und die dynastischen Verflechtungen zu einer Konkurrenzsituation, in der der Markgraf nicht hatte zurückstecken wollen. Und möglicherweise war die Gründung auch von seinem Wunsch und dem der Industrie getragen, in Abgrenzung zur handwerklich-technischen Ausbildung an der Goldschmiedeschule zu neuen Entwürfen zu kommen. International genießen wir hohes Ansehen, aber trotz verschiedentlicher Bemühungen ist Pforzheim keine klassische Studentenstadt. In den ersten sechs Semestern sind die Studierenden gerade meiner Fakultät noch am ehesten vor Ort, aber es gibt nur eine zaghafte Auseinandersetzung mit der Pforzheimer Kultur und entsprechend keinen künstlerischen Humus. Im Bereich der Alumni, von denen sich in den letzten Jahren eine Handvoll für den Standort Pforzheim entschieden hat, können wir aber durchaus von einer zarten Bewegung sprechen. Auf der Makroebene könnte die Hochschule tatsächlich – mit Ausnahme des Schmucks! – auch an anderer Stelle existieren. Aber innerhalb der weltweiten Nachhaltigkeitsdebatte, Stichwort „think global, act local“, beobachte ich eine gegenläufige institutionelle Entwicklung auf die Stadt zu.

Professor Michael Throm, Dekan der Fakultät für Gestaltung, Foto: Harald Koch

ARTMAPP: Design wird mittlerweile als echter Wirtschaftsfaktor begriffen. Gibt es eine Entwicklung, auf die Sie in diesem Zusammenhang besonders stolz sind? MT: Die Hochschule folgt letztlich seit ihrer Gründung dem Gedanken der Emanzipation von industrieller Nutzenorientierung. Das heißt, wir sind frei schwebender Ideengeber, nicht Dienstleister für die Industrie, wollen deshalb neue Trends aufspüren und diese in neue Produkte umwandeln. In diesem Zusammenhang bin ich froh, dass wir trotz der Bologna-Reform in gewisser Weise konservativ geblieben sind und damals die freien Künste nicht abgeschafft haben. Dem bauhäuslerischen Gedanken, dass das künstlerische Mitspiel die Produkte aufwertet, sowie den Gedanken von Bauhaus und Werkbund sind wir übrigens bis heute verpflichtet. Außerdem haben wir gerade im Schmuckbereich eine ideale Verschmelzung von Tradition und Aktualität; um unsere Schmuckwerkstätten werden wir immer wieder beneidet. ARTMAPP: Herr Professor Throm, vielen Dank für das Gespräch! Das Interview für ARTMAPP führte Chris Gerbing. w w w . d e s i g n p f. c o m

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1877 als Herzogliche Kunstgewerbeschule und Fachschule für Metallindustrie gegründet, blickt die Hochschule Pforzheim auf eine bewegte Geschichte und zahlreiche Umfirmierungen. Aus der Werkschule wurde die Fachhochschule, die mit der FH für Wirtschaft 1992 fusionierte und sich seit 2005 „Hochschule Pforzheim – Gestaltung, Technik, Wirtschaft und Recht“ nennt. Deshalb feiert die Hochschule 2017 nicht nur 250 Jahre Goldstadt Pforzheim mit, sondern auch ihr ­eigenes 25-jähriges Jubiläum als international anerkannte ­A usbildungsstätte. Michael Throm, Dekan der tradi­ tionsreichen Fakultät für Gestaltung, stellte sich den Fragen von ARTMAPP.


MORITZ GÖTZE

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Städtische Galerie Offenburg 22. Oktober 2016 bis 5. Februar 2017

Amand-Goegg-Str. 2, Kulturforum // 77654 Offenburg Tel. 0781.82 2040 // galerie@offenburg.de // www.galerie-offenburg.de

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Museum im Schafstall in Neuenstadt a. K.

16.10. – 11.12.2016

flumoto.de

Mittwoch und Sonntag 10.00 – 17.00 Uhr | Eintritt: € 5,- (ermäßigt € 3,-)

Museumsweg 1 : 78166 Donaueschingen : museum-art-plus.com

Sebastian Kuhn: Polyrhythmic Walkabout, 2008 / © VG Bild-Kunst, Bonn & Museum Art.Plus

www.museum-im-schafstall.de

28.02.2016 – 22.01.2017


97 Gasometer Pforzheim

Alt und neu glücklich vereint

Sie tauchen wie viele andere Relikte des Industriezeitalters in den Fotografieserien von Bernd und Hilla Becher auf, aus dem Bild der Städte sind sie aber überwiegend verschwunden: die Gasometer. Wo sie erhalten sind, stehen sie zwischenzeitlich als Industriedenkmal unter Schutz, zeugen von vergangenen Zeiten und dienen mittlerweile oft als Ausstellungsbereich sowohl für Kunst als auch für Industriekultur. So auch beim Pforzheimer Glockengasbehälter von 1912, der noch bis 2005 in Betrieb war, seit Dezember 2014 das weltgrößte 360°-Panorama von Yadegar Asisi beheimatet und damit beide Aspekte miteinander vereint. Die glatten Wände des ausgefahrenen Behälters dienen dabei als wandhoher, gebogener Bildgrund für Szenen aus dem alten Rom. Bei 40 Metern Höhe und 40 Metern Durchmesser können die Besucher auf einem eigens in der Mitte installierten Turm mit mehreren Plattformen vom Sonnenaufgang bis zum nächtlichen Gewitter den ­Tagesverlauf der antiken Großstadt exemplarisch nacherleben. Die Ausstellung, die in den Vorräumen des Kessels zu sehen ist, stimmt mit großformatigen Tafeln, ausgewählten Exponaten und Filmmaterial auf die Ewige Stadt ein. Hier herrschte im Jahr 312 nach Christus Kaiser Konstantin unangefochten und läutete die Christianisierung ein – das antike Rom steht im Zenit seiner Blüte. Was heute an Ruinenarchitektur noch erhalten ist, erweckt Asisi auf der Grundlage eines historischen Panoramas von 1889 und mit eigens dafür komponierter Musik von Eric Babak zu neuem Leben. Das pralle Leben ­i nmitten einer antiken Millionenstadt macht der persischstämmige, in Wien geborene und in Berlin lebende Asisi mit

vielen liebevoll ausgestalteten Details bis an den Horizont der Albaner Berge greif bar und schlägt damit den Bogen zur Römergründung Portus – dem heutigen Pforzheim. Für seine großformatigen Panoramen fand der mehrfach ausgezeich­ nete Architekt übrigens die sinnige Bezeichnung „Panometer“ als Wortkombination aus „Panorama“ und „Gasometer“. Der Blick über den Enzauenpark verrät die Bemühungen Pforzheims, die Lage an den drei Flüssen Enz, Nagold und Würm als Naherholungsgebiet am Rande des Schwarzwalds zu begreifen und dieses attraktiv zu machen. So entstand um den Gasometer eine parkähnliche Landschaft, deren Höhepunkt das Industriedenkmal ist, in dem sowohl Familien als auch Unternehmen sich wohlfühlen, die Ausstellung be­ suchen, einen Kaffee im Bistro genießen, aber auch vor ungewöhnlicher Kulisse tagen und feiern können. Es handelt sich, so auch der Verband deutscher Tagungshotels, um eine der Top-Locations in Deutschland. Er zeichnete deshalb den Gasometer in der bundesweiten Wahl mit dem 2. Platz in der Kategorie „Event“ aus. CHRIS GERBING

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Foto: © Gasometer Pforzheim


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A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — P F O R Z H E I M

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100 Von Pforzheim in die Welt: Ein Kosmos voller Schmuckideen

Patrik Muff

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Patrik Muff, Armkette „Maori“, ornamental gravierte Glieder aus massivem Sterlingsilber

Patrik Muff, 54, entschied sich nach fünf Jahren als Dozent in Pforzheim, wo er all die Fragen und Themen des Autorenschmucks hin- und hergewälzt hatte, seinen eigenen Weg zu gehen. Muff stammt aus einer Familie von Kunsthand­ werkern; er selbst ist Goldschmied der etwas a­ nderen Art. Sein kraftvoller Körper ist bis zum Hals tätowiert – seine

Stimme und seine Art, mit Kunden umzugehen, sind dagegen sanft. Seine Kreationen – vom kraftvollen Siegelring bis zu wunderschönen Perlenkreationen – erweisen sich als ­M ischung aus beidem. Darüber hinaus hat der gebürtige Schweizer, der nach dem Studium eigentlich in einem VW-Bulli mit eingebauter Goldschmiede-Werkstatt die Welt


101 erkunden wollte, der Liebe wegen aber in München „strandete“, einen Hang zum Sammeln – mit Vorliebe alte Tierschädel. Zusammen mit seiner Frau Bele führt er ein Atelier in der ­L edererstraße 10, mitten im Herzen der Münchner Altstadt. ARTMAPP: Herr Muff, hier in Ihrem Laden fühlt man sich ja wie in einer Wunderkammer … Patrik Muff: … Ja, wir zeigen meinen Schmuck in einem ganz alten Münchner Bürgerhaus aus dem 16. Jahrhundert, aber eben nicht konventionell, sondern zwischen Flohmarktschmuckstücken wie antiken Holzvitrinen, herrschaftlichen Türen aus Abbruchhäusern und inmitten von Geweihen und sonstigen antiken Fundstücken. In den hinteren Räumen befindet sich die Werkstatt mit alten Werkbänken, einer Spindelpresse und Ziehbank. ARTMAPP: Macht das auch das Flair Ihrer Produkte aus? Patrik Muff, Foto: Matthias Ziegler

ARTMAPP: Herbert Grönemeyer und Nena zählen zu Ihren Kunden … PM: Das stimmt. Ich freue mich sehr darüber, aber natürlich über alle meine anderen Kunden auch. Das schönste Kompliment ist für mich, wenn jemand wiederkommt, auch noch nach vielen Jahren, und genau denselben Ring oder ein bestimmtes Schmuckstück nochmal haben will. ARTMAPP: Geht das denn? PM: Wir haben ein gut sortiertes Archiv sämtlicher Formen aus meiner 40-jährigen Schaffenszeit. Wenn es sich nicht um ein Unikat handelte, könnte ich es also reproduzieren. ARTMAPP: Arbeiten aus dem Hause Muff gibt es zum Beispiel auch bei Birkenstock und Nymphenburg-Porzellan. Wie kommt es dazu? PM: Es hat natürlich mit dem Schmuckmachen zu tun. Das Weiß des Porzellans hat mich immer fasziniert. Also sind wir an Nymphenburg herangetreten. Idealerweise hatte die ­M anufaktur zu diesem Zeitpunkt gerade selbst die Vision, eine Schmucklinie auf den Markt zu bringen und da passte das perfekt. Herausgekommen sind dann die Kollektionen ­„Treasures“, die mit mystischen Elementen ozeanischer ­Kulturen spielt, oder „Essentials“, Schmuckstücke mit sak­ raler ­Sym­bolik. Es war eine wunderbare Zusammenarbeit, weil wir gegenseitig hohen Respekt vor dem Handwerk des anderen hatten. Birkenstock kam wiederum auf uns zu, was bei dem internationalen Hype um die Sandalen schon ein großes Kompliment war. Wir sind nun im dritten Jahr unserer K ­ ooperation. Ich entwerfe und fertige im Atelier ganz ex­klusive Schnallen für limitierte Editionen, die zum Beispiel

in Japan hohen Absatz finden. In diesem Jahr entwickle ich ­e rstmalig „massentaugliche“ Schließen. Ich bin für alles ­offen – zum Beispiel würde ich auch gerne mal etwas im ­Bereich Jeans machen oder ein Design für eine Uhr. ARTMAPP: Ihre Kollektionen sind ja ein ganzes Universum – von Tieren, Adlerkrallen, Maori-­ Masken bis zu Federn als Anhänger. Ihre neue ­Kollektion „Afro meets Bavaria“ passt da sehr gut dazu. Und immer wieder Totenköpfe … PM: (lächelt) Ja, einen gewissen Hang zum Morbiden habe ich schon, seit ich als kleiner Junge in einer Kapelle in der Erde ­l iegende Totenköpfe gesehen habe. Und das mit dem Kosmos stimmt. Ich versuche, mir immer wieder neue Anregungen zu holen, gerade aus anderen Kulturen. Für unsere neue ­Kol­lektion „Afro meets Bavaria“ habe ich mich etwa vom t­ raditionellen Kunsthandwerk der Tuareg inspirieren lassen – herausgekommen sind modulare Schmuckstücke mit einer sehr starken Ausstrahlung und Kraft. ARTMAPP: Sie machen auch Schmuck für Männer. Ohrringe & Co. sind doch eigentlich seit den 1980ern out …? PM: Das sehe ich nicht so. Der Großteil meiner Arbeiten ist sehr „tough“ und lebt von der Massivität, in der ich mit Gold und Silber umgehe. Das passt schon sehr gut zu Männern und wird auch angenommen, zum Beispiel meine silbernen Armreifen, die sind sehr puristisch und kraftvoll. Und natürlich immer wieder meine Siegelringe … ARTMAPP: Patrik Muff, vielen Dank für das Gespräch! www. facebook . com / Pat r ik-Muf f

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PM: Ich denke, ein Stück weit schon. Goldschmieden funktioniert auch heute noch wie vor 500 Jahren. Dieses archaische Arbeiten liegt mir sehr. Dass die Schmuckindustrie inzwischen mit Computern und 3-D-Druckern Stücke entwickelt, stärkt meine Arbeiten fast noch mehr.


102 Schlüsselfiguren der Kunstsammlung Jut ta & M anfred Heinrich, M aulbronn

Berliner Maler der 1980er Der Bauunternehmer Manfred Heinrich aus Maulbronn hat seit 1984 eine umfassende Sammlung kritisch-realistischer bis neoexpressionistischer Gemälde zusammengetragen. Zu den Schlüsselfiguren der Berliner Szene der 1980er-Jahre, etwa Wolfgang Petrick, Walter Stöhrer, Johannes Grützke oder Bernd Koberling, stand er in persönlichem Kontakt und hat ihre Arbeiten oft direkt im Atelier gekauft. Im Jahr 2012 überführte er seine 300 Bilder von 41 Künstlern umfassende Sammlung in eine Kunststiftung und schenkte sie mitsamt dem Museumsgebäude auf dem Schafhof seiner Heimatstadt Maulbronn, wo sie nun einem interessierten Publikum zugänglich ist. Für ARTMAPP sprach Hansjörg Fröhlich vor Ort mit Manfred Heinrich. ARTMAPP: Herr Heinrich, wie kamen Sie zu ­Ihrem Interesse an Kunst, wie wurden Sie Sammler? Manfred Heinrich: Jeder Sammler braucht einige Glücks­ momente, die ihn auf den Weg bringen. Mein erster solcher Moment war, als mich mein Vater im Alter von 14 Jahren zum Kunstmaler Robs Mayer schickte, um freies Zeichnen zu lernen. Dies war der Beginn meiner Leidenschaft für die Kunst. Während des Studiums in Stuttgart bin ich dann jede Woche

zur Galerie Valentien am Schlossplatz gegangen. Dort habe ich „Die Bucht der Engel von Nizza“, eine Lithografie von Marc Chagall, gesehen. Ich fragte Herrn Valentien nach dem Preis, und der Fall schien für mich erledigt ... Doch der Galerist gab mir ein Jahr Zeit, um den Betrag aufzutreiben. Im Alter von 18 Jahren kaufte ich schließlich das Blatt, welches das Debutstück unserer ersten Sammlung darstellt, Werke von HAP Grieshaber, Salvador Dalí, Pablo Picasso und vieler Künstler aus unserer Region folgten. Diese Sammlung schmückt unsere Privatwohnung und hat mit der „Berliner Sammlung“, die hier auf dem Schafhof zu sehen ist, nichts zu tun. ARTMAPP: In den 1980er-Jahren schwenkten Sie dann auf zeitgenössische Malerei um. Weshalb? MH: Durch Zufall. An einem Freitagnachmittag 1984 traf ich auf dem Maulbronner Klosterhof den befreundeten Galerist Willy Asperger. Er saß vor seinem Restaurant „Klosterkatz“ und sagte zu mir: „Wenn du ein Kerl bist, fliegst du morgen mit mir nach Berlin!“ – Ich fuhr nach Hause, sprach mit meiner Frau, und sie meinte: „Ja, flieg mit!“ Das war ein weiterer Glücksmoment. Hätte ich Asperger nicht an jenem Nachmittag getroffen, hätte ich wohl so weitergesammelt, wie ich begonnen hatte. Jedenfalls kam ich so nach Berlin.

Hansjörg Fröhlich im Gespräch mit dem Sammler Manfred Heinrich auf dem Schafhof, Maulbronn, Foto: Mario Strzelski


Wolfgang Petrick, „Ingenieur“, 1974, Mischtechnik auf Leinwand, 146 x 114 cm, Foto: Eric Tschernow, Courtesy: Kunstsammlung Jutta & Manfred Heinrich

MH: 1984 befand sich die Kunstwelt hier in einer Phase des Umbruchs. Die abstrakte Nachkriegsmoderne wurde von der Postmoderne abgelöst. Ich habe dort die Bewegung der „Jungen Wilden“ miterlebt, die in den 1970er-Jahren begonnen hatte, habe den Kritischen Realismus entdeckt, Johannes Grützkes „Schule der neuen Prächtigkeit“. Und ich habe etliche jener Künstler kennengelernt, die damals die Starre des akademischen Denkens aufgelöst haben. Auch die Sammler änderten ihren Fokus: Das Alte kannte man bereits, jeder wollte nun „Junge Wilde“ haben. Wiederum durch Zufall bin ich dann in das Künstlerlokal „Café Mora“ gekommen, das 1983 von Manfred Giesler gegründet worden war. Dies war eminent wichtig für meine Sammeltätigkeit. Hier war der Knotenpunkt für den Ideenaustausch. Künstler aus dem ­Ostteil der Stadt kamen herüber und trafen auf Westler. Im „Mora“ habe ich den Literaten Heiner Müller getroffen, Walter

Stöhrer, Johannes Grützke und andere kennengelernt, deren Werke jetzt hier im Schafhof hängen. Ich bin freitagabends angereist, habe im Hotel den Koffer abgestellt und bin sofort ins „Mora“, wo schon Maler auf mich warteten. Dort wurden dann die Weltlage und die Kunst diskutiert. Diese Gespräche haben meinen Blick für diesen totalen ästhetischen Wandel geöffnet. Die Künstler wollten wieder Gefühle zeigen, sich selbst auf der Leinwand sehen. Die „akademische“ Malerei mit all ihren Vorschriften und Erwartungshaltungen war passé. Salomé, Helmut Middendorf, Rainer Fetting und Bernd Zimmer hatten schon ihre eigene P roduzentengalerie am Moritzplatz, andere Selbsthilfegalerien kamen später hinzu. Der Berliner Normalbürger bekam davon nichts mit, es war eine Subkultur mit ihren eigenen Galerien, Ateliers und Cafés. Eines davon war das „Mora“, wo im Gefolge von Heiner Müller viele Ostkünstler saßen.

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ARTMAPP: Was war Ihr erster Eindruck von der Berliner Szene?


Matthias Gálvez, „Das Verbrechen“, 2011, Öl auf Baumwolle, 150 x 220 cm, Foto: Eric Tschernow, Courtesy: Kunstsammlung Jutta & Manfred Heinrich

ARTMAPP: Wo haben Sie Ihre Gemälde dann gekauft? MH: Die Künstler nahmen mich mit in ihre Ateliers und zeigten ihre neuesten Arbeiten. Nur zwei Werke der Sammlung habe ich in einer Galerie gekauft, alle anderen direkt im Atelier des jeweiligen Malers. Das erste Gemälde unserer „Berliner Sammlung“, Walter Stöhrers „Empedokles“, konnte ich in seinem Atelier erwerben. ARTMAPP: Welche Rolle spielte „Mora“-Chef und Galerist Manfred Giesler? MH: Mit ihm bin ich jahrelang durch Berlin gezogen, wir ­haben Museen, Ateliers und Ausstellungen besucht. Er, der Philosoph, hat mir die Augen geöffnet für den Blick hinter die Leinwand, dafür, was ein Künstler überhaupt will, wenn er malt. Durch die Nähe zu den Malern hatte ich Einblicke in die Umstände, aus denen ein Bild hervorging, und erfuhr, wie der jeweilige Künstler lebte. Mir kann keiner sagen, Teile meiner Sammlung seien informell. Für mich sind alle diese Bilder ausnahmslos Realismus, weil ich die Kontexte kenne, die ­E ntstehungsgeschichten. Durch Manfred Giesler habe ich auch Johannes Grützke kennengelernt, der damals gerade an „Der Zug der Volksvertreter“ arbeitete, seinem Werk für die

Frankfurter Paulskirche. Ich verpasste eine einmalige Chance, denn Grützke fragte mich, ob ich gegen eine Gebühr von 1.000 DM mit aufs Bild wolle. Ich lehnte ab, doch bestimmt 50 seiner Freunde sind unter den etwa 200 abgebildeten „Volksvertretern“ versammelt. Das ist typisch Grützke, er ist ein scharfsinniger und witziger Mensch. ARTMAPP: Ganz anders als die oft apokalyptischen Bildwelten von Wolfgang Petrick ... MH: Petrick, der ja 35 Jahre Professor an der Hochschule der Künste Berlin war, hat eine ganz andere Weltsicht, die ich ein Stück weit teile. Wir wissen, was in der Welt draußen passiert – diese Härte, diese Gewalt, das findet sich bei Petrick wieder. Bei ihm geht es weniger um Gefühle und Literatur, sondern darum, zu zeigen, was wirklich ist, wie die Welt ist. Inte­ressanterweise bildet sein Schüler Philipp Weber eine Art Gegenpol. Seine fotorealistischen Frauenporträts sind der Wohlfühlbereich meiner Sammlung. Immer, wenn ich bei meinen Führungen durch den Schafhof den Eindruck habe, die Besucher sind gestresst von der Härte und Zerrissenheit auf vielen Bilden, schicke ich sie zur Erholung zu Webers Arbei­ten. Wie ich überhaupt der Ansicht bin, dass niemand sich ein Gemälde, vor dem ihm graut, länger anschauen muss. Bitte einfach weitergehen. Keine Frage, es sind schwierige


105

ARTMAPP: Welche Arbeiten sind für Sie die zentralen Werke der Sammlung? Bilder dabei, aber die wollte ich. Ich will damit leben, ich fange mit diesen harten Arbeiten etwas an. Jedes einzelne Bild hat seine Geschichte, jedes einzelne hat mich berührt, als ich es erstmals gesehen habe. ARTMAPP: Seit gut 30 Jahren sind Sie in der ­Berliner Kunstszene unterwegs. Es hat ein großer Wandel stattgefunden. Wie empfinden Sie das „neue“ Berlin? MH: Das Berlin der 1980er-Jahre war eine Insel, hatte einen Sonderstatus. Dort konnten Subkulturen entstehen und vor allem auch wachsen. Kunst, Musik, Literatur, Fotografie und Kunstfilm standen in enger Beziehung zueinander, es gab ­v iele Kooperationen zwischen den Genres. Die Polarisierung Deutschlands und der Welt in Ost und West, in verschiedene gesellschaftliche Systeme, bedingte eine Energie, auf die die Kunst – mal politisch mal eskapistisch – reagierte. Nach 1989 war das schlagartig vorbei. Da zählten dann andere Dinge: die Integration des Ostteils in den Westen, Infrastruktur­ maßnahmen, Immobilienmarkt etc. Die Kunst verlor an Bedeutung. Heute ist Berlin die Kunsthauptstadt Europas, es gibt dort Tausende Künstler und entsprechend viele Galerien, doch keine Subkulturen mehr, keine Kreativzellen. Ich finde heute in Berlin keine relevante junge Kunst mehr. Einer, der heute mit dem Sammeln beginnen möchte, hat es schwer in Berlin. Ich wüsste nicht, wo ich ihn hinschicken sollte. Aus Kunst wurde ein Markt für wenige.

MH: Walter Stöhrers „Empedokles“, weil es mein erstes Bild war, mein Eintritt in Berlin sozusagen. Dann „The Fog/ Der Nebel“ von Wolfgang Petrick. Er ist der zentrale Künstler g­ eworden, von ihm befinden sich etwa 50 Werke in der Sammlung. Auf „The Fog“ sind alle seiner damals we­sent­ lichen Themen versammelt : die K riegsmaschiner ie, Tierversuche, Giftgasexperimente, Pornoindustrie, aber auch die Liebe, die Verletzlichkeit des Menschen. Sein ­K ritischer Realismus ist eine Richtung, die mich sehr interessiert. Dann „Auf der Leiter (die Leiter ist besetzt)“ von Johannes Grützke. Hier lösen sich die starren Formen wieder auf, hin zum Neoexpressionismus, der mein zweiter Interessensschwerpunkt ist. Zentral ist auch Reinhard Stangl, ihn habe ich von Anfang an, ab 1984, gesammelt. ­„ Paris Bar IV“ und „Nocturno“ sind sehr wichtige Arbeiten von ihm. Ein ganz zentrales Werk ist auch Rainer Fettings „Van Gogh an Mauer“. ARTMAPP: Werden Sie weiter im großen Stil sammeln? MH: Nein, es werden keine neuen Künstler mehr hinzukommen. Es geht jetzt nur noch ums Verdichten der Sammlung. ARTMAPP: Manfred Heinrich, vielen Dank für das Gespräch!

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MH: Ich bin emotionaler Sammler und kein Sammler von Aktien. Das ist mir sehr wichtig! Und ich habe noch nie ein Bild verkauft. Die Sammlung auch in Zukunft zusammenzuhalten und an einem Ort präsentieren zu können, war der Anlass für die Stiftungsgründung und für den Umbau des Schaf hofs zum Museum. ARTMAPP: Wie kamen die Gemälde in den Schafhof? MH: Anfänglich hatte ich 40 Bilder bei uns im Wohnhaus stehen. Wir konnten schon niemanden mehr einladen und wenn ich abends ins Bett bin, musste ich erstmal zwei Bilder vor der Schlafzimmertür wegräumen. Dann ergab sich die Möglichkeit, den Schaf hof zu erwerben. Nun war genug Platz, um ohne Hemmungen weitersammeln zu können. Vor etwa sechs Jahren bahnte sich dann die große Entscheidung an: Sollen wir die Sammlung behalten oder abgeben? Es war ein innerer Kampf. Es ist schwer, etwas loszulassen, das ein großer Teil des eigenen Lebens ist. Also gründeten wir die Jutta und Manfred Heinrich Stiftung und schenkten Sammlung und Museumsgebäude der Stadt Maulbronn.

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Maulbronn gilt als die am besten erhaltene mittelalter­ liche Klosteranlage nördlich der Alpen. Hier sind alle Stilrich­t ungen und Ent wicklungsst ufen von der ­R o­m anik bis zur Spätgotik vertreten. Die 11 47 von ­Z isterziensern gegründete Anlage mit Kirche, zwei Refektorien, Marstall, Brunnenhaus, Pfisterei, Klostermühle, Wachhaus und zwei Orgeln ist a­ ufgrund der einzigartigen Geschlossenheit ihres Erhaltungszustands seit 1993 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Das h ­ erausragende Ensemble vermittelt dem Besucher noch heute ein Bild von der geistigen und wirtschaft­ lichen L ­ ebenswelt der Mönche. Die umliegende Kulturlandschaft tut ein Übriges. w w w . k l o s t e r- m a u l b ro n n . d e

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — M A U L B R O N N

ARTMAPP: Gemälde sind heute auch Spekula­ tionsobjekte. Haben Sie Ihre Sammeltätigkeit auch unter diesem Aspekt betrieben?


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A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — D E S I G N

aus der Kollektion „neomatik“, nachtblau

Zu DDR-Zeiten gingen die traditionsreichen Uhrenhersteller in der sächsischen Stadt Glashütte allesamt im VEB-Kom­ binat Glashütter Uhrenbetriebe auf. Nach der Wende entstanden unter Verwendung der alten Markennamen neue Uhrenmanufakturen, denen die handwerkliche Produktion auf höchstem Niveau gemeinsam ist. Ihr Zuspruch zeigt ­deutlich, dass Qualität „made in Germany“ gefragt ist und eine bestimmte Käuferschicht anspricht. Bei NOMOS ­Glashütte ist man entsprechend stolz darauf, nicht nur die hochfeinen Uhren in der Erzgebirgsstadt herzustellen, ­sondern sowohl das ­Uhrwerk (Kaliber) in insgesamt zehn ­Varianten vor Ort zu bauen als auch das sogenannte Assor­ timent selbst entwickelt zu haben. Der Taktgeber, der unter anderem in der neuen Serie „neomatik“ arbeitet, überzeugt durch höchste Präzision und ist ­damit eine Unabhängigkeitserklärung g­ egenüber den Schweizern, die den Weltmarkt mit den „Uhrenherzen“ beliefern. Aber auch im Bereich der Handaufzug-Uhren überzeugen die NOMOS-Modelle mit pfiffigen Ideen: So hat die „Tetra ­K leene“ eine integrierte Gangreserve, die zuverlässig anzeigt, wann ihr Träger sie ­w ieder aufziehen sollte. Und die „Metro“ besitzt ein fingerschmeichelndes Punktrelief, das an Funk­t ionswerkzeuge erinnert – und damit an die Technik, die sich in nur we­ nigen Millimetern Gehäuse auf geringstem Platz verbirgt. ­Insgesamt vier Jahre braucht es von der ersten Konstruktionszeichnung, bis die erste Uhr das Werk verlässt. Vier Jahre, während derer das Augenmerk auf jeder noch so kleinen Winzigkeit liegt. Deshalb ist NOMOS Glashütte auch zu Recht stolz darauf, bis zu 95 Prozent der Wertschöpfung selbst vor Ort in Glashütte zu erzielen. Das heißt, der überwiegende Teil der Produktion – ob in Edelstahl, Weiß- oder Roségold – ­f indet in Glashütte selbst statt.

Design wird traditionell bei NOMOS Glashütte großge­ schrieben – die Mitgliedschaft im Deutschen Werkbund verpflichtet. Ziel des 1907 gegründeten Verbands war und ist die „Veredelung der gewerblichen Arbeit im Zusammen­ wirken von Kunst, ­I n­d ustrie und Handwerk “. Diesem Anspruch wird NOMOS Glashütte durch nachhaltige Produktion, faire Arbeitsbedingungen und sorgfäl­t ige Wahl der Rohstoffe g­ erecht. Manufakturelle Herstellung von der Entwicklung über die Patentierung bis zum hochwertigen Endprodukt stammen bei dem Unternehmen aus einer Hand. Mehr als 130 Mal wurde NOMOS Glashütte allein seit dem Jahr 2000 für Design, das Preis-Leistungs-Verhältnis und beste uhrmacherische Qua­l ität mit Preisen ausgezeichnet. Das Wort „Nomos“ heißt aus dem Griechischen übersetzt „gerechte Verteilung“ – dieser Name ist Programm! CHRIS GERBING

www. nomos-glashuet te. com

NOMOS -Stammsitz im ehemaligen Bahnhof von Glashütte Fotos: © NOMOS Glashütte


DIERK MAASS F

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art KARLSRUHE - 16.-19.2.2017 -Stand V06, Halle 1 www.brouwer-edition.com -www.dierk-maass-ch.com


Scenenbild, Foto @ EUNIQUE

Die Karlsruher M esse im Spannungsfeld von Kunst und Kreativ wir tschaf t

EUNIQUE ist unique Angewandte Kunst, Kunsthandwerk, Design – dies sind ­Etiketten, die auch zur Abgrenzung von der „hohen“ Kunst, also von Malerei und Skulptur, von Druckgrafik und Installation, von Video und Performance, herangezogen werden. Nur: Es trifft den Kern der Sache nicht, denn die Übergänge sind fließend und letztlich hängt es vom Betrachter des Objekts ab, ob daraus Kunst oder ein Gebrauchsgegenstand wird. Auf höchstem Niveau, mit wechselnden Länderschwerpunkten und Sonderschauen führt dies die international ausgerichtete Karlsruher Messe EUNIQUE seit 2009 eindrücklich vor. Es ist die einzige jurierte, auf die Kreativwirtschaft fokussierte Messe. Das ist insofern erstaunlich, als allein in Deutschland rund eine Million Erwerbstätige in dieser Branche aktiv sind und damit laut Monitoringbericht des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie von 2014 Platz 4 nach der Automobilbranche, dem Maschinenbau und dem Finanzsektor einnimmt. Den größten Anteil mit über 20 Prozent steuert die Designwirtschaft bei. „Mit der Ausrichtung auf die Kreativwirtschaft haben wir einer Wirtschaftssparte Raum gegeben, die trendsetzend ist und hohe Relevanz hat – auch für die gesamtwirtschaftliche Innovationskraft“, so Messe­ geschäftsführerin Britta Wirtz. In Karlsruhe mit seiner lebendigen Designerszene, der traditionsreichen Majolika und der Hochschule für Gestaltung als künstlerischem ­Nukleus lag die Etablierung einer solchen Messe nahe. Seit 2015 die LOFT hinzugekommen ist, können die Besucher ein noch breiteres Spektrum an Gegenständen besichtigen und

erwerben, die das Eigenheim mit witzigen Ideen und brauchbaren Schmuckstücken bereichern. Dabei, und das macht die Messe ebenso deutlich, muss gutes Design noch nicht einmal teuer sein! Von Modeaccessoires über Bekleidung bis hin zu Wohntextilien, Spielzeug, Möbeln und Leuchten – auf der EUNIQUE lässt sich der gesamte Heimbereich inklusive der eigenen Erscheinung mit überzeugendem Design ausstatten. Seit ihrer Gründung wird auf der Messe der EU­N I­ QUE-Award an einen herausragenden Gestalter unter den Ausstellern verliehen. Im vergangenen Jahr ging der Preis an die Leipziger Porzellangestalterin Claudia Biehne, deren teilweise transluzente Gefäße, Lampenschirme und Objekte von filigraner Eleganz und dem Mut zeugen, Neues aus einem traditionellen Werkstoff zu fertigen. Bewährt hat sich auch, Länderschwerpunkte zu setzen, gleichzeitig präsentieren sich die Organisationen und Verbände – damit f ächert die EUNIQUE ein breites Spektrum möglichen Designs auf höchstem Niveau auf. CHRIS GERBING

19. bis 2 1. Mai 2017 EU NIQUE – Angewandte Kunst & Design und LOF T – Da s Desig nkauf hau s Messe Karlsr uhe www. eunique. eu

Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 19 Uhr Eintrittspreise (zwei Messen, ein Preis): Tagesticket: 15 EUR Dauerticket: 25 EUR Ermäßigte Eintrittskarten: 12 EUR


111 „Handwerk & Design“: ein Erlebnis für Schmuck- und Designinteressier te

Kaleidoskop der Ideen Felieke van der Leest, „African Caucasian Indian“, Halsschmuck / Brosche, Textil, Silber, Gold und Mondstein, ausgestellt auf der SCHMUCK 2016,

Ob maßgefertigte Schuhe oder Abendkleider, exquisite ­ aschen, Uhren, besonderer Schmuck, Objekte oder DesigT nermöbel – die „Handwerk & Design“, die jedes Jahr im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse in München stattfindet, ist Treffpunkt für Liebhaber guter Gestaltung, Mode und Design, aber auch für Sammler und Museumskuratoren. Rund 200 Kunsthandwerker, Gestalter, Künstler und Kreative präsentieren dort ihre Werke und Produkte und zeigen vielfach deren Entstehung, Be- und Verarbeitung in eigens aufgebauten Werkstätten auf dem Messegelände. ­Natürlich stehen sie auch für persönliche Gespräche zur Verfügung und die Besucher können die Produkte direkt auf der Messe erwerben. Den Weg von der Idee zur Umsetzung zeigen nicht nur zahlreiche Aussteller, sondern auch die Fachschulen, ­A ka­demien und Hochschulen, die auf dem „Handwerk & ­Design“-Campus über die Aus- und Weiterbildung informieren. Auf der Bühne in Halle B1 finden darüber hinaus täglich Modenschauen, Live-Präsentationen und Experten-Interviews statt. Auch Verbände und Vereine wie der Bayerische Kunstgewerbeverein, der 2017 auf der Messe den BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk verleiht, und internationale Galerien gehören zu den Ausstellern der „Handwerk & Design“. Daneben locken vier international renommierte Sonderschauen, wie zum Beispiel die SCHMUCK: Seit mehr als 50 Jahren ist sie eines der Jahresereignisse der internationalen Schmuckszene und immer wieder Ausgangspunkt neuer Strömungen. Auch 2017 zeigen hier junge Goldschmiede und bekannte Schmuckgestalter aus aller Welt Werke von faszinierender Ausdrucksstärke und bezaubernder Schönheit. Manche märchenhaft schön – wie die Tasche der Designerin Anna Talbot aus Oslo, die sich von Märchen zu ihren filigran verzierten Behältnissen inspirieren lässt. Gezeigt wurde ihr Werk auf der SCHMUCK 2016, ebenso wie der Schmuckanhänger der Niederländerin Felieke van der Leest, ein kunstvoll mit dünnen Goldfäden zusammengefügter weißer Schafskopf mit lockigem Schopf. Höhepunkt der Sonderschau ist die Verleihung der renommierten Herbert-Hofmann-Preise am Messesamstag.

Eine weitere Sonderschau der „Handwerk & Design“ ist die EXEMPLA, die rund um ein jährlich wechselndes Thema Einblicke in die kreativsten Werkstätten aus aller Welt bietet. 2017 steht die Schau unter dem Motto „Materialwelten des Handwerks“. Ausgewählte Handwerksbetriebe und Gestalter bieten eine erlebnisreiche Vorstellung ihrer Arbeit mit verschiedensten Werkstoffen. Neben traditionellen Materialien wie Holz, Glas, Metall und Naturstein, sind auch neue Materialien wie Corian oder keramische Funktionswerkstoffe Thema auf der EXEMPLA. Unkonventionell und erfrischend ist auch immer wieder die Sonderschau TALENTE – ein Muss für Liebhaber des Originellen und Schöpferischen. Junge Handwerker und Designer aus aller Welt zeigen, was neu, spannend und ganz und gar nicht unmöglich ist. Und schließlich zeigt die Sonderschau MEISTER DER MODERNE eine Auswahl der besten Arbeiten international renommierter zeitgenössischer Kunsthandwerker und Künstler. BARBAR A BRUBACHER

8. bis 1 4 . März 2017 Handwerk & Design 2017 Messe München Öf f nungszeiten Mi – Di 9.30 – 18 Uhr www. ihm-handwe rk- desig n . com

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Foto: Felieke van der Leest


Schwarzwald Bilder Kunst des 19. Jahrhunderts 3/12/2016 — 26 /2/2017

Städtische Galerie Karlsruhe Lorenzstraße 27 76135 Karlsruhe www.staedtische-galerie.de


Für die Kunst! » 20 Jahre Ateliereinblicke bei der EnBW Ausstellung: 18. November 2016 bis 10. Februar 2017 montags bis freitags (an Werktagen) geöffnet von 10:00 bis 18:00 Uhr Eintritt frei!

Mit Werken von: Simon Czapla Stefanie Gerhardt Ilona Herreiner Jan Jansen Karin Kieltsch Britta Marquardt Markus Paetz Betty Rieckmann

Lukas Schneeweiss Andreas Schnelle Matthias Schöner Meik Stamer Corinna von der Groeben Reinhard Voss Helen Daphne Walch Martina Ziegenthaler

EnBW Energie Baden-Württemberg AG Durlacher Allee 93 76131 Karlsruhe


Fotos Fischteller: Sven Beham © Spielzeug Welten Museum Basel

Das Mädchen und dasMeer Jahrtausendealte geheimnisvolle Abbildungen von Meereswesen – Sammlung Florence Gottet Sonderausstellung 22. Oktober 2016 – 2. April 2017 Museum, Di bis So von 10 bis 18 Uhr, im Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr Ristorante La Sosta und Museumsshop, täglich von 10 bis 18 Uhr Steinenvorstadt 1, CH-4051 Basel | www.swmb.museum MW_Cant_Ad_4c_181x125.qxp_Artmapp 10.10.16 10:22 Seite 1

Spielzeug Welten Museum Basel

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Farbpoesie zwischen Fantasie und Wirklichkeit

Cantastorie der Puppenspielerfamilien Maldera und Parisi in der Sammlung Würth Museum Würth, Künzelsau 24. 10. 2016– 21.5. 2017 Täglich 11–18 Uhr Eintritt frei

www.kunst.wuerth.com

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Swiridoff Verlag.

Alle Aktivitäten des Museum Würth sind Projekte der Adolf Würth GmbH & Co. KG.

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Hermann Wiehl

Maler der klassischen Moderne Otto Dix Schüler & Freund

Farbe

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Geschwindigkeit 29. 10. 2016 — 28. 05. 2017

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KINE TIK Automobile. Skulpturen. Musikmaschinen. „Maschinen“ sind zielführende Konstruktionen, sie sollen Arbeit verrichten und damit unser Leben erleichtern. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort „mē chanḗ“ – „Werkzeug, künstliche Vorrichtung“ – ab. Die Mechanisierung unseres Alltags spiegelt sich auch in den bildenden Künsten. Jean Tinguely, der Pionier der kinetischen Kunst, ­k onstruierte Maschinen mit mechanischen sowie akus­ tischen Komponenten und führte sie über ihren reinen Selbstzweck ins Absurde. In der ironischen Verweigerung des Sinnvoll-sein-Müssens ließ er sie spielerisch scheppern und rattern. Seine kinetisch-akustischen Wundermaschinen ­baute er dabei aus gebrauchten Teilen mit teils bedeutungs­ voller Vergangenheit. Ein zentrales Element seines Schaffens war zugleich die Leidenschaft für den Rennsport, er sammelte für seine Skulpturen sogar Schrott an den Rennstrecken. Die morbide anmutende Fahrskulptur „Le Safari de la Mort ­Moscovite“ fuhr nun zu seinem 25-jährigen Todestag in Fribourg (CH) in der Prozession „Grand Prix Tinguely“ mit, in Reminiszenz an den einstigen Trauerzug im September 1991. Das Museum Tinguely in Basel ehrt den Künstler ­überdies zu seinem 20-jährigen Bestehen mit einem groß­a rtigen Fest.

Aufgrund der Bedeutung des Automobils für ­Tinguelys Werk sowie als Fetisch der Moderne haben wir für Sie im Folgenden eine Reihe von Ausstellungen mit facetten­reichen Themen zusammengestellt: vom Reisemobil über Bullitt, das berühmteste Autorennen der Filmgeschichte, und mit Airbrush gestalteten Edelkarossen bis zum Asphalt­g emälde, inter­ medial vom Film bis zur Klanginstallation. In Saarbrücken inszenieren die beiden Sound-Art-­ Pioniere Max Eastley und Martin Riches akustische und visuelle Installationen, ein interaktiver Kunstparcours zum Schauen und Hören. Der Kölner Künstler Björn Schülke führt dagegen die akustisch-mechanische Arbeit seines Vorbilds Tinguely in die Jetztzeit: Er befreit seine Maschinen aus der zweidimen­sionalen Bewegung auf dem Asphalt und lässt sie abheben in den dreidimensionalen Luftraum. Zum Abschluss beschäftigen wir uns noch mit dem ­b esonderen Material, das Räder erst richtig zum Leben erweckt: Asphalt! In den hoch aufragenden Bitumen-Gemälden und –Skulpturen von Scopin wird aus der urstofflichen Macht des fossilen Rohstoffes Bitumen Kunst. Durch das Aufrichten aus der Zweidimensionalistät in die Dreidimensionalität rückt der Künstler den Asphalt aus der infrastrukturellen Nützlichkeit in die artifizielle Nicht-Befahrbarkeit. Ganz im Sinne von Tinguelys Un-Sinnsmaschinen entsteht so ein Un-Fahrbelag. BETTINA WURCHE


117 Björn Schülke, „Defender“, 2016, © The View – Contemporar y Art Space, Luca Rüedi


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Jean Tinguelys „ M éta - Harmonien“ feiern gemeinsam Weltpremiere

Musikmaschinen in Bewegung Das Museum Jean Ting uely in B asel feier t 2016 sein 20 -jähr iges Jubiläum u n d h a t d a f ü r a u s g i e b i g e F e i e r l i c h k e i t e n v e ra n l a s s t . E r s t m a l s w e rd e n d i e v i e r g ro ß e n M u s i k m a s c h i n e n T i n g u e l y s zusammen in einer Ausstellung gezeigt und im Kontex t d e s v i e l s e i t i g e n S c h a f f e n s d e s K ü n s t l e r s p rä s e n t i e r t .

Die Schau wird sich speziell auf die „Méta-Harmonien“ ­konzentrieren, also auf jene Ensembles, die mit quietschenden und lärmenden Klängen, Perkussionen und automatisch ­erzeugten musikalischen Sequenzen einen anarchisch an­ mutenden Sound produzieren. Sie bilden den Rahmen für ein vielseitiges Veranstaltungs- und Konzertprogramm, das sich den Themen Musikmaschinen und Maschinenmusik widmet. Im Vorfeld der Ausstellung hat Sebastian Baden für ARTMAPP die beiden Kuratorinnen Annja Müller-Alsbach und Sandra Beate Reimann getroffen, um mehr über die kommende Ausstellung zu erfahren. ARTMAPP: Welchen Stellenwert haben die ­Musikmaschinen im Werk von Jean Tinguely? Was bedeuten ihre Werktitel? Annja Müller-Alsbach: Jean Tinguely hat schon in seinem Frühwerk bei den beiden „Relief méta-mécanique sonore I“ und „II“ (1955) Klangkörper verwendet. In seiner bekannten autodestruktiven Aktion „Homage to New York“ von 1960 hatte er sogar ein Klavier integriert. Tinguelys künstlerische Recherchen, Klang und Skulptur zusammenzubringen, ­waren in jener Zeit sehr innovativ. Die vier zwischen 1978 und 1985 entstandenen „Méta-Harmonie“-Musikmaschinen, die eher zum Spätwerk zählen und zum Teil gigantische Dimensionen haben, bilden dabei einen Höhepunkt. Übrigens hat der Kunsthistoriker Pontus Hultén in den 1950er-Jahren in Paris Tinguely den „Méta“-Begriff als Bezeichnung für seine Kunst vorgeschlagen. Denn viele Arbeiten Tinguelys sind ­ref lexiv auf die Kunstgeschichte bezogen, etwa die „Méta-­ Malevich“-Reliefs oder seine mechanischen Zeichnungs- und Malmaschinen, die „Méta-Matics“.

Sandra Beate Reimann: Tinguely hat die „Méta-Harmo­nien“ nacheinander gebaut. Zuerst war 1978 die „Méta-Harmonie I“ fertig. Sie wurde an die Sammlung L ­ udwig verkauft und kam nach der zweiten Ausstellung der Arbeit im Wilhelm-­ Lehmbruck-Museum in Duisburg als Leihgabe ans mumok in Wien – von dort bekommen wir sie ausgeliehen. Wir sehen hier in Basel die Nachfolgerin „­ Méta-Harmonie II“ (1979), eine Dauerleihgabe der Emanuel Hoffmann-Stiftung, die Tinguely für seine Ausstellung im Frankfurter Städel 1979 entwickelte. Zunächst erscheint die Abfolge der Töne sehr chaotisch, sie erfolgen zufällig. Man hört viel Disharmonie, lautes Scheppern und sieht auch Werkzeuge wie einen ­H ammer und handwerkliches Gerät, die zu Schlagzeugen umfunktioniert wurden, etwa der Jauche­löffel oben links. Dann gibt es etwa das von einer Pinocchio-Figur „gespielte“ Klavier und zwei Tasteninstrumente, eigentlich Kinderspielzeuge, die hier in die Kunst eingebaut wurden. ARTMAPP: Sind die „Méta-Harmonien“ beide gleich aufgebaut? Und wie harmonieren sie miteinander? AMA: Es sind „Ton-Mischmaschinen“, die aber ohne Synthesizer laufen, ganz analog. Ihre jeweilige Zusammenstellung ergibt das Klanginstrumentarium. Die „Méta-Harmonie II“ ist in drei rollbare Gerüste verbaut, was ganz praktisch ist, und wird von vielen kleinen und großen Rädern über Keilriemen angetrieben. So kommt jedes Element während der Aufführung in Bewegung. Teilweise hat Tinguely als Räder die Holzgussmodelle der Von-Roll-Eisen- und Gusswerke verwendet. In der für Karuizawa in Japan konstruierten dritten Version, „Pandämonium Nr. 1 – Méta-Harmonie 3“ (1984), liegt die aufwendigste Variation vor.


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Jean Tinguely, „Méta- Harmonie I“, 1978, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung seit 1983 © VG Bild- Kunst, Bonn 2016 – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

ARTMAPP: Wie wird die kuratorische ­Inszenierung aussehen?

SBR: Und für „Fatamorgana – Méta-Harmonie IV“ (1985) hat Tinguely keine melodischen Instrumente verwendet, sondern nur perkussive Elemente und viele bunte Holzräder. Sie ist insgesamt zwölf Meter lang und die größte der vier Arbeiten. Hier geht es mehr um den Klang von Maschinen und metallverarbeitenden Werkstätten, während in „Pandämonium“ seine Idee von Hölle und Inferno umgesetzt werden sollte. Diese Arbeit hat 52 Motoren und das Gerüst ist mehr im Hintergrund. Hier werden die Elemente jeweils über ihren eigenen Motor betrieben.

AMA: Die „Méta-Musikmaschinen“ sind ein visuell-akustisch inszeniertes Spektakel, das verschiedene Sinnesebenen anspricht. Man fühlt sich etwa immer veranlasst, die Klangquelle mit den Augen zu suchen und an der Skulptur entlangzugehen – um in sie hineinzuschauen. Deshalb haben wir drei Hallensegmente im Museum ohne Stellwände für die „Méta-Harmonien“ vorgesehen, sodass man um die Werke herumgehen kann. SBR: Wir werden ein großes Team mit mindestens acht ­ ersonen brauchen, um den Aufbau zu leisten. P

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SBR: Wir zeigen erstmals überhaupt die vier „Méta-Harmonien“ zusammen. In welchen Rhythmen die Maschinen laufen, werden wir noch in Abstimmung mit den Konservatoren und Leihgebern entscheiden.


120 ARTMAPP: Wie steht es um die räumliche ­Beweglichkeit der Skulpturen? AMA: Tinguely hat drei „Fahrskulpturen“ geschaffen, wobei nur zwei von ihnen erhalten sind. Für die kommende Aus­ stellung ist geplant, die Fahrskulptur „Klamauk“ (1979) zum Einsatz zu bringen. Sie basiert auf einem Traktor, macht einen Höllen-„Maschinenlärm“, und vom Künstler ist vorgesehen, dass der Fahrer während der Fahrt ein Feuerwerk zündet. Diese Skulptur fuhr 1981 unter anderem auch beim Bergrennen „Mémorial Jo Siffert“ in St-Ursanne – Les Rangiers, mit dem an den zehnten Todestag des Rennfahrers gedacht wurde. SBR: Wir waren am 3. September zum „Grand Prix Tinguely“ in Fribourg. Dort fuhr die zweite erhaltene Skulptur, „Le ­Safari de la Mort Moscovite“ (1989), die für eine Ausstellung in Moskau konstruiert worden war, in einer bunten Parade mit. Anlass war die Gedenkfeier zum 25. Todestag des Künstlers, zu dem der Verein Tinguely2016 einen karnevalesken Umzug organisiert hat. Sogar Oldtimer-Rennwagen fuhren mit und eskortierten die „Safari“-Skulptur. AMA: Im Zusammenhang mit seinem Spätwerk sprach ­Tinguely von einer „Verburleskierung des Todes“. Die Topoi Tempo, Vergänglichkeit und Tod sind in dieser Zeit seines Schaffens sehr präsent. ARTMAPP: Tinguely hatte ein intensives ­A rbeitsleben, er liebte den Motorsport und dessen technische Dynamik. Wie schlug sich das im Werk nieder? AMA: Der Motorsport, vor allem die Formel 1, war für ­Tinguely so wichtig, dass er oft sogar seinen Terminkalender danach richtete und auch Flüge so buchte, dass er etwa in den

Jean Tinguely, „Klamauk“, 1979, Fahrt durch die Basler Innenstadt 2011, Foto: Kathrin Schulthess © Museum Tinguely, Basel, VG Bild- Kunst, Bonn 2016

USA noch ein Autorennen sehen konnte. Der Künstler war mit dem ebenfalls aus Fribourg stammenden Rennfahrer Jo Siffert befreundet, der 1971 tödlich verunglückte. Von ihm hatte Tinguely 1969 wohl einen exklusiven Lotus R6 von ­C olin Chapman erworben, der auf Fotos sogar im Schlaf­ zimmer seines Hauses in Neyruz zu sehen ist. Er besaß auch mehrere Ferraris. In unserem Museum sieht man mehrere Werke, die von Tinguelys Leidenschaft für den Motorsport zeugen. Da ist zum einen der große dreiteilige Altar „Lola T 180 – Mémorial pour Joakim B.“ (1988), der in Erinnerung an den schwedischen Formel-1-Piloten Joakim Bonnier entstand, der 1972 während des Rennens in Le Mans tödlich verunfallte. Tinguely hat immer kolportiert, den Altar aus Schrottfragmenten des originalen Wagens gebaut zu haben. Tatsächlich aber sind es Teile eines Rennwagens Lola Typ 210 – T 212 aus seinem Besitz, die hier in ein Memento mori des Motorsports integriert wurden. Und dann sieht man in der ständigen Sammlung noch „Pit Stop“ (1984), ein Auftragswerk für Renault, in das Fragmente von Formel-1-Rennwagen mit dem Firmenlogo des Autobauers integriert sind, dazu drei Projektoren mit Filmmaterial über den Rennfahrer Alain Prost beim Boxenstopp. Tinguely war ein Künstler, der bewegte Skulpturen, bewegte Bilder und den Zuschauer als wichtige, aktive Teile seiner Skulpturen zusammengebracht hat. ARTMAPP: Annja Müller-Alsbach und Sandra Beate Reimann, vielen Dank für das Gespräch! 19 . Ok tober 2016 bis 2 2 . Januar 2017 „ Musik maschinen / Maschinenmusik “ w w w . t i n g u e l y . c h /d e


Leidenschaf t für flinke Flitzer und verspielte M aschinen

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Jean und „Jeannot“ In B a sel ist Jean Ting uely aufgewach sen . Mit Fr ibourg ­v e r b a n d e n d e n k i n e t i s c h e n K ü n s t l e r d i e G e b u r t , S y m p a t h i e und die F re und schaf t mit de m R e nnfahre r Jo Sif fe r t .

Jean Tinguely, Ausstellung im MAHF, 1991, Foto: François Emmenegger, © MAHF

aktuellen Ausstellung stehen ihre architektonischen Arbeiten und Entwürfe. Räume wie begehbare Körper, Kinderrutschen, die wie die Monsterzungen aus grinsenden Mäulern hängen: Niki de Saint Phalle hat zahlreiche Wohnräume, Kinderspielplätze und Gärten entworfen, im Zentrum stehen meist skulpturale Architekturen in Form imaginärer Figuren. Der Espace Jean Tinguely-Niki de Saint Phalle zeigt eine Auswahl an Skizzen und Maquetten, aber auch Skulpturen und Fotogra­f ien umgesetzter Bauideen Niki de Saint Phalles. ALICE HENKES

bis 31. Dezember 2016 Espace Jean Ting uely-Nik i de Saint Phalle: „ Monumental – S k u l p t u r u n d A r c h i t e k t u r i m We r k v o n N i k i d e S a i n t P h a l l e“ w w w . f r. c h / m a h f A l l e Ve ra n s t a l t u n g e n z u m T i n g u e l y - J a h r unter: www. t ing uely2016. ch

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Als der Schweizer Formel-1-Rennfahrer Joseph „Jo“ Siffert 1971 in seiner Heimatstadt Fribourg beerdigt wurde, säumten rund 50.000 Menschen die Straßen. Eine Trauerfeier von ­d iesem Ausmaß hatte die Schweiz zuvor noch nicht erlebt. 13 Jahre später, im Juni 1984, schenkte Jean Tinguely der Stadt Fribourg den Jo-Siffert-Brunnen, der an den berühmten Sohn der Stadt erinnern soll. Jean Tinguely, Maler, Bildhauer und einer der führenden Köpfe der kinetischen Kunst, begeisterte sich für Tempo und Bewegung. Mit dem Rennfahrer Jo Siffert verband ihn eine enge Freundschaft. Auch mit Freiburg war er eng verbunden. Aufgewachsen war Tinguely, der mit seinen verspielten, beweglichen Skulpturen international erfolgreich wurde, zwar in Basel, geboren aber war er in der Stadt im Üechtland. Von 1968 bis zu seinem Tod 1991 lebte er in Neyruz im Kanton Fribourg. Da ist es durchaus passend, dass die Stadt Fribourg ­i hrem „Jeannot“ ein Museum in einem ehemaligen Tram­ depot einger ichtet hat . Der im Jahr 190 0 er r ichtete Hallenbau mit seiner markanten viertorigen Fassade war in den 1950er-Jahren in eine Autowerkstatt umfunktioniert und dafür umgebaut worden. Ein geradezu idealer Ort also für e­ inen Künstler wie Tinguely mit seiner Leidenschaft für ­f linke Maschinen und schnelle Flitzer. Seit 1998 kreiseln und wirbeln im Espace Jean Tinguely-Niki de Saint Phalle die kinetischen Maschinen des eigenwilligen Künstlers. Organisatorisch ist der Espace dem Musée d’art et d’histoire Fribourg angegliedert. Zahlreiche Ausstellungen mit Werken von Freunden, Wegbegleitern, Geistesverwandten wie Bernhard Luginbühl, Eva Aeppli, Alfred Hofkunst, Daniel Spoerri, Rico Weber und natürlich Niki de Saint Phalle runden das Programm des Ausstellungsraumes ab. Niki de Saint Phalle, die ab 1971 mit Jean Tinguely verheiratet war, war es auch, die die Einrichtung des Museums auslöste. Nach dem Tod Tinguelys 1991 schenkte sie der Stadt Fribourg einige Monumentalwerke, die im nahen Neyruz entstanden waren. In der Folge dieser Schenkung nahmen die Museumspläne Gestalt an. In diesem Jahr, in dem der 25. Todestag Tinguelys begangen wird, feiert Fribourg seinen eigenwilligen Kunststar mit zahlreichen Veranstaltungen wie zum Beispiel Stadtrundgängen auf den Spuren des Künstlers. In Neyruz wird am 10. Dezember eine Allee auf den Namen Jean Tinguelys getauft. Der Espace Jean Tinguely-Niki de Saint Phalle aber gehört in d ­ iesem Tinguely-Jahr der Künstlerin, die lange an seiner Seite stand: Niki de Saint Phalle. Im Zentrum der


122 M ax Eastley – Sound Installations / M ar tin Riches – Sound M achines

Klangkunst in Saarbrücken

Max Eastley, Liveperformance, Galerie Space Under, Athen, 2014

„Two Measures of Time“ – so der Titel der aktuellen Sound-Art-Ausstellung in der Stadtgalerie Saarbrücken. Die Briten Max Eastley und Martin Riches sind Pioniere dieser akustisch-visuellen Kunst, die auf ein ganzheitliches Erleben abzielt. Beide arbeiten oft mit Musikern sowie Komponisten zusammen und schaffen mit ihren Klangwerken einzigartige Erlebnisse zum Hören und Sehen. Sound-Art-Künstler ­erschaffen keine formal geschlossenen Kunstwerke, sondern vielmehr „eine besondere Situation für das Publikum – für Augen und Ohren […]“, erklärte Andrea Jahn, die Direktorin der Stadtgalerie Saarbrücken, zur Ausstellungseröffnung. Max Eastley (* 1944) war zunächst Landschaftsmaler und hat sich seit den 1960er-Jahren der Sound-Art zugewendet. Von seinen kinetisch-akustischen Werken sind die äolischen Skulpturen und Klanginstallationen im Außenraum besonders bekannt. Außerdem arbeitet er als Musiker und Komponist, sein bevorzugtes Instrument „The Arc“ ist ein einzigartiges elektroakustisches Monochord. Für die Stadtgalerie Saarbrücken hat er drei Innen­ rauminstallationen geschaffen: „Rotation 1“ besteht aus horizontal über dem Boden hängenden Stäben. Angetrieben durch Motoren rotieren sie langsam um die eigenen Achsen. Auf den Stäben sind Drähte mit hölzernen und gläsernen ­Perlen, feine Messingplättchen und Stäbchen so arrangiert, dass sie in einer Choreografie des Zufalls in der Bewegung und Berührung klackende und schleifende Töne produzieren. „Rotation 2“, eine minimalistisch aus Messingscheiben

­ onstruierte Wandinstallation, ergänzt sie optisch und k ­a kustisch. Beide verweben ihre Töne zu einem poetischen Klangteppich. Die dritte Rauminstallation ist eine Annäherung an die Konkrete Kunst: In dieser zwölfteiligen kinetischen Skulptur lässt Eastley schwarze Stäbe auf weißen Holz­t afeln tanzen. „Es ist, als hätte der Künstler zwölf kon­ struktive Zeichnungen zum Leben erweckt, als würden schwarze ­Linien aus ihrem weißen Bildgrund ausbrechen, um nun die Bildf läche in immer neuen Kapriolen selbst zu ­b eschreiben“, so Andrea Jahn über diesen kinetisch-grafischen Trommelwirbel. „Two Measures of Time“ ist der Titel einer fragil anmutenden Uhreninstallation von Martin Riches (* 1942), die ihre ganz eigene Zeitrechnung hat. Die Übernahme dieses Werktitels für die ganze Ausstellung impliziert ihr ganzheitliches Erleben als eine Parallelwelt mit ihrer Parallelzeitrechnung. Martin Riches studierte zunächst Architektur und wendete sich dann der Kunst zu. Sein Schwerpunkt sind interaktive Installationen, kinetische Objekte, sprechende oder singende Maschinen. Er lebt und arbeitet seit 40 Jahren in Berlin. Bei seinen Soundmaschinen ersetzt er den Menschen am Instrument oder gleich das gesamte Zusammenspiel Mensch und Instrument durch ausgeklügelte Konstrukte. Eines seiner ungewöhnlichsten Werke ist die „Seri­ nette“: eine kleine automatische Orgel. Im 18. Jahrhundert wurden solche „Vogelorgeln“ eingesetzt, um Kanarienvögeln populäre Melodien beizubringen. So hat Riches 2004 in ­Berlin mit seiner „Serinette“ und mit 16 Kanarienvögeln ein Konzert gegeben. Riches jüngste „Singing Machine“ ist „Four Voices“, die er als „work in progress“ weiterentwickeln wird. Jedes ­i hrer vier Instrumente ist ein vereinfachtes Modell des menschlichen Vokaltraktes „mit einem künstlichen Kehlkopf, einer sich bewegenden Zunge und sich öffnenden und schließenden Lippen, und der ‚Lunge‘ in Form eines Gebläses“, erklärt Andrea Jahn. Auch der „Motor Mouth“ ist solch ein komplexer mechanischer Nachbau des menschlichen Organs. Statt zu singen, spricht er und verabschiedet die Museumsbesucher mit der Frage „How are you?“ und einem freundlichen „I love you!“ aus der Ausstellung. BETTINA WURCHE

bis 8. Januar 2017 „ Tw o M e a s u r e s o f T i m e“ Ma x Eastley – Sound Installat ions Mar t in R iches – Sound Machines www. stadtgaler ie. de


Martin Riches, „String Thing“, 2011/12, Installationsansicht, Foto: Mikolai Polinski

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Werkstat tgespräch z wischen „Space Obser ver“ und „Drone #8“

Björn Schülke Im alten Hafen in Köln-Mülheim, zwischen pat inier ten Indust r iehallen und ­S c h u p p e n a u s B a c k s t e i n u n d B e t o n , b e f i n d e t s i c h B j ö r n S c h ü l k e s We r k s t a t t a t e l i e r : Eine kleine Halle mit außergewöhnlichem Innenleben . Silhouet ten wie Zeppeline mit beweglichen Ausleger n und Schwebefor tsät zen fangen den Blick ein. ­G ro ß f o r m a t i g e F l u g k ö r p e r h ä n g e n u n t e r d e r h o h e n D e c k e , m i t g l ä n z e n d e r ­d u n k e l g ra u e r A u ß e n h a u t o d e r a l s f i l i g ra n e s H o l z s k e l e t t . Die k ine t i sche Kun st hat e r we ite re nt wickelt in k ybe r ne t i sche Kun st und e rgän z t die mechanischen Abläufe mit digitalen Komponenten. F ü r A R T M A P P t ra f B e t t i n a W u r c h e d e n K ü n s t l e r z u m I n t e r v i e w .

ARTMAPP: Wie bist du vom Fotografie- und Filmstudium auf kinetische Skulpturen gekommen? Björn Schülke: Meine Faszination für Maschinen und ki­ne­ tische Skulpturen reicht bis in die Kindheit zurück. Meine Eltern hatten mich zu einem Museumsbesuch in Köln mitgenommen – dort habe ich zum ersten Mal eine Arbeit von Jean Tinguely gesehen. Später haben mich dann auch Alexander Calder und Panamarenko inspiriert. Dass in diesem Jahr in der Ausstellung „Magie und Macht – Von fliegenden Teppichen und Drohnen“ im Marta Herford ein Schülke über einem Panamarenko flog, hat mich wirklich gefreut.

Über uns pendelt die „Drone #8“ (2014) in ihrem Observa­ tionstanz. Ihre Arme tragen Spiegel oder Propeller, auch eine Kamera ist an Bord. Sie filmt den Betrachter und zeigt die aufgenommenen Bilder auf einem Monitor auf der Stirnseite. Die kinetische Skulptur lässt sich nicht einfach passiv ­betrachten, sondern beobachtet und filmt zurück. Björn Schülkes „Observer“ – oder Drohnen – sind Überwachungs­ maschinen, ironisch und bedrohlich gleichermaßen. Er spielt mit dem Sinn und Unsinn unserer Überwachungskultur. BS: Am 11. September 2001 war ich gerade in Berlin in einer Shoppingmall, die sich plötzlich leerte. Das war eine unheimliche Situation. Dann kam jemand vorbei und erzählte von

Björn Schülke, „Drone #8“, 2014, Ausstellung „Magie und Macht“, Marta Herford 2016, Foto: © Björn Schülke


dem Attentat in New York, das konnte ich gar nicht glauben. Also bin ich zum Schaufenster eines Mediengeschäfts ­ge­g angen und habe dort auf den Bildschirmen gesehen, wie das zweite Flugzeug in den zweiten Turm des World Trade Centers flog. Danach ging es ja mit der Terrorangst und der Überwachung so richtig los. Da fiel mir auch Ronald Reagans SDI-Raketenschild wieder ein. Der Gedanke, sich selbst ­unangreifbar machen zu wollen, ist so absurd. Und die immer ausgefeilteren Überwachsungstechnologien sind ambivalent: Benötigen wir das? Oder bedroht es uns eher? Das war für mich der Auslöser meiner der Arbeit an den Überwachungsmaschinen. Absurde Maschinen haben mich schon immer interessiert. Sie sind eine Persif lage auf die Überwachung. Während des Gesprächs bewegen wir uns zwischen und unter den Skulpturen; nach und nach erweckt der Künstler seine Werke zum Leben. An der rohen Betonwand nistet ein Schwarm zier­ licher weißer „Mirror Machines“ – neben „Drone #8“ erscheinen sie winzig. Die „Mirror Machines“ sind Licht­ wesen – mit ihren Sonnenkollektoren fangen sie Licht ein und gewinnen daraus die Energie für ihre Aktionen. Mit dem heller werdenden Tageslicht beginnenden sie zu arbeiten. „Sie wachen auf “, erklärt Björn Schülke. Wie filigrane Kreuzungen aus Gottesanbeterin und Miniatursatellit bewegen sie ihre spinnenbeinfeinen Antennen und drehen sich um die eigenen Achsen, vertieft in ihre ganz eigene kinetische Choreografie.

Viele der Skulpturen erinnern mit ihren dicken Körpern und den dünnen Tentakel-Arm-Fortsätzen an Insekten. Ihre Gestik zwischen Verharren und Aktivität sowie die scheinbare Interaktion mit dem Betrachter lassen die Grenze zwischen Belebtem und Unbelebtem verschwimmen. Die insektoide Anmutung und die scheinbare Lebendigkeit sind kein Zufall, sondern forciert. Der Künstler spielt mit der ­Interaktion zwischen Mensch und Maschine. „Meine Maschinen vollführen Dinge, die unerwartet sind. Es macht Spaß, die Besucher dabei zu beobachten, wie sie sich verhalten. Manche lassen sich auf die Interaktion ein und ‚spielen‘ mit. Andere verstehen die Bewegung der Maschinen nicht, dann kommt es zu keiner Kommunikation zwischen Mensch und Maschine.“ Schülkes größtes Werk ist der „Space Observer“ (2010), der auf dem Flughafen im kalifornischen San José steht – eine gigantische Überwachungsmaschine mit der Anmutung einer Raumsonde. Der gewaltige Tripod ist 8,5 Meter hoch, seine raumgreifenden Ausleger haben eine Spannweite von zehn Metern. Der Künstler erklärt die M ­ aschine am Modell: BS: Der „Space Observer“ ist sehr groß und steht auf einem Flughafen, also im öffentlichen Raum. Die ganze Maschine dreht sich, die Arme strecken sich. Und sie ist sehr energiesparend: Die Propeller werden angetrieben, bewegen sich und setzten dann den Rest der beweglichen Teile in Bewegung. Es ist meine einzige Skulptur, von der ich selbst nur ein Modell gefertigt habe, die GFK-Körperteile der Skulptur wurden von

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Björn Schülke, „Luftseilbahndrohne“, 2016, © The View – Contemporar y Art Space, Luca Rüedi


127 einem Bootsbaubetrieb hergestellt. Zusammengesetzt und zum Leben erweckt wurde der „Space Observer“ in meinem Atelier. Er musste besonders stabil und erdbebensicher sein, außerdem darf er die Bilddaten der Vorbeigehenden nicht speichern. Betrachter gehen sehr unterschiedlich mit der Arbeit um, manche interagieren, andere nicht.

Neben „Drone #8“ schwebt eine Konstruktion aus fragilen hölzernen Leisten.

An einer Wand gegenüber hängt ein orangener Ball aus Webpelz: Das Objekt „Nervous“ (1999). Bei Annäherung beginnt er zu zucken und stößt überirdische Laute aus.

BS: Nein, die Skulptur ist fertig. Nicht im Bau, sondern voll­ endet, sie soll skizzenhaft und reduziert wirken. Die meisten meiner Arbeiten haben perfekt wirkende Oberf lächen, ­ab­solut glatt und lackiert. Meine Skulpturen spielen mit der Ästhetik von industriell gefertigten Produkten und Ma­ schinen, Geräten aus Medizin und Forschung. Bei älteren Exemplaren biete ich sogar eine Wartung an und restauriere dann die Oberf lächen, damit sie auf keinen Fall patiniert wirken. Inzwischen bin ich aber an einen Punkt angekommen, an dem ich noch freier arbeiten, neue Materialien finden möchte. Die Form auf lösen, vielleicht mit leichten, durchsichtigen Materialien, aber auch mit Beton arbeiten.

BS: Nein … das war höchstens unbewusst, schließlich habe ich als Kind ja auch „Star Trek“ geschaut. Nein, für „Nervous“ habe ich die Ergebnisse meiner Arbeit als Research Artist am Forschungsinstitut für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) in Bonn verarbeitet. Mein Forschungsfeld war der ­legendäre russische Musiker, Physiker und Erfinder Leon Theremin und sein Werk. Er hat unter anderem Alarmanlagen konstruiert, die die Leitfähigkeit eines sich nähernden Körpers erfassen und dann ein akustisches Signal abgeben. Auf der Basis dieses Annäherungsalarms hat er auch das nach ihm benannte Musikinstrument konstruiert: das Theremin. Das habe ich in mehreren Klangkunstarbeiten, etwa „Nervous“, verarbeitet.

ARTMAPP: Das macht neugierig! – Björn Schülke, vielen Dank für das Gespräch! www. schuelke. org B j ö r n S c h ü l k e w i rd i n d e n U S A d u r c h d i e G a l e r i e b i t f o r m s , N e w Yo r k , v e r t r e t e n .

Björn Schülke, „Vision Machine #3“, 2014, Courtesy/Foto: bitforms, New York

links: Björn Schülke, „Space Obser ver“, 2010, San José International Airport, USA, Foto: © Björn Schülke

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ARTMAPP: Das wirkt auf mich wie ein gefärbter Tribble, ein außerirdisches Wesen aus dem „Star Trek“-Universum. Ist die Ähnlichkeit beabsichtigt?

ARTMAPP: Ist dieses Objekt eine Skizze, ein ­P rototyp? Bekommt es noch eine glatte Umhüllung mit perfekter Oberfläche?


128 Ein Tref fen im M AC Museum Ar t & Cars, Singen

Bernd Luz und Hermann Maier

ARTMAPP: Hermann Maier, Sie haben gemeinsam mit Ihrer Frau Gabriela ein wunderbares Museum für Oldtimer und Kunst – das MAC – Museum Art & Cars – gebaut, dass die Zeitung „Die Welt“ mit Bilbao verglichen hat. Mehr geht eigentlich nicht. Aber jetzt bauen Sie noch ein zweites Haus. Was hat Sie dazu bewogen? Hermann Maier: Die Leidenschaft für Automobile und der Wunsch eines Großteils unserer vielen Besucher, noch mehr seltene Oldtimer und ihre Geschichten erleben zu können.

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Bernd Luz und Hermann Maier, Foto: MAC Museum Art & Cars Singen

Singen am Hohentwiel macht von sich reden. 2013 eröffnete in der Hegau-Metropole das vielbeachtete MAC – Museum Art & Cars. Name ist Programm: Kunst und Oldtimer finden in dem Museum in der Parkstraße ein Zuhause – für die ­s pektakuläre Architektur sorgte Daniel Binder aus Gott­ madingen. Ein gutes Jahr darauf wurde das modernisierte und vergrößerte Singener Kunstmuseum wiedereröffnet. Doch damit nicht genug Kunst: Momentan gibt es in der Stadt eine zweite B ­ austelle in der Parkstraße: Das Stifterehepaar ­Gabriela Un­behaun-Maier und Hermann Maier lässt hier ein zweites Museum errichten. Für ARTMAPP Grund genug also für ein Gespräch, zu dem sich noch ein zweiter Gast gesellte: Bernd Luz. Der Designer und Abstrakt-Pop-Künstler ist ein guter Bekannter des Singener Stifterpaares. Auch er, ­dessen Atelier sich in Neuhausen ob Eck befindet, hat schon Arbeiten im MAC ausgestellt. Und: Der Farbpoet Luz hat nach eigenem Bekenntnis eine besondere Affinität zu Autos.

ARTMAPP: Wie sieht die Konzeption für das ­zweite Museum aus? HM: Das neue Museum MAC II wird die Besucher in einer einzigartigen Architektur mit auf eine Zeitreise nehmen. Sie werden eintauchen in die spannendsten automobilen Geschichten des letzten Jahrhunderts und das „Thema“ Oldtimer völlig neu erleben. Denn auch hier soll unser ­Versprechen gelten, „einzigartig anders“ zu sein: in der ­A rchitektur, in der Neuinszenierung der Idee Oldtimer und in der Begleitung von Werken aus den Bereichen Video, Film, Lichtkunst und Fotografie zu einem umfassenden Kunstereignis. ARTMAPP: Bernd Luz, Sie haben auch mit Autos zu tun. Und Sie haben sicherlich eine Meinung zu den Museumprojekten von Gabriela und ­Hermann Maier? Bernd Luz: Privat bin ich ein leidenschaftlicher Fahrzeugfan. Die Museumsprojekte von Gabriela und Hermann Maier faszinieren immer wieder aufs Neue. Beide bringen ihr enormes Potenzial an Erfahrung, Kreativität und Leidenschaft ein und begeistern mit ihren besonders inszenierten Ausstellungen die Besucher in unnachahmlicher Weise.


129 ARTMAPP: Sie beschäftigen sich auch künstlerisch mit Oldtimern, aber Sie verwenden dazu „moderne“ Stilmittel des ausgehenden 20. Jahrhunderts, eine aktuelle Pop-Art. Wie das? BL: Wir haben immer noch das Zeitalter der Pop-Art. Sie hat vor allem deshalb überdauert, weil sie ausdruckstark und ­g efällig ist und weil sie radikal neu definiert, was die Qualität eines Kunstwerkes sein soll. Die Direktheit und Farbgebung der Pop-Art wirkt anziehend. Die Motive sind oft vertraut, schnell entsteht Identifikation. Es herrscht die Freiheit, mit verschiedenen Techniken und Methoden auf die verschiedenen Themen Bezug zu nehmen. Dieser Stil entspricht mir auch selbst. Es gibt viele Parallelen zu den Pop-Art-Künstlern der 1960er-Jahre. Viele der Ikonen wie Andy Warhol, Jasper Johns oder Robert Rauschenberg ­k amen ursprünglich aus der Werbebranche. Vor allem das bewusste Verzahnen von Kunst und Design findet sich auch jetzt bei mir wieder. ARTMAPP: Hermann Maier, Sie sammeln Kunst und Autos. Worin sehen Sie die Verbindung ­zwischen diesen beiden eigentlich doch ­gegensätzlichen Objekten? HM: Wir sehen in beidem Zeugnisse ihrer Zeit, die nichts Trennendes, sondern vieles gemeinsam haben. Kunst und die automobile Entwicklung sind eng verwoben und haben sich in der Vergangenheit mit neuen interessanten Ideen gegen­ seitig inspiriert.

ARTMAPP: Bernd Luz, es gab in der Vergangenheit schon eine Zusammenarbeit mit dem MAC. Sie fühlen sich in den Räumen des Hauses mit Ihren Arbeiten wohl und gut aufgehoben? BL: Die Zusammenarbeit mit dem MAC ist geprägt durch die hohe Professionalität des ganzen Teams. Es macht jedes Mal aufs Neue Spaß, sich gegenseitig zu inspirieren. Nicht zuletzt handelt es sich um eine tolle Location, die meine Werke optimal zur Geltung bringt. ARTMAPP: Ihre Bilder wecken Emotionen – nicht nur bei Autofans. Zu Ihren „Pop-Arts“ gibt es aber auch immer kleine Hintergrundinformationen. Was hat es damit auf sich? BL: Meine „Pop-Arts“ und auch die abstrakten Werke sind stets mit einem QR-Code versehen. Mit dem eigenen Handy kann dieser gescannt werden und man erhält so spannende Hintergrundinformationen zum jeweiligen Motiv. Zu meinen abstrakten Bildern gibt es stattdessen ein passendes Zitat oder Gedicht. ARTMAPP: Sie kombinieren in Ihren „Pop-Arts“ altmeisterliche mit moderner Technik und haben so einen ganz eigenen und neuen Stil entwickelt. Worin liegt der Mehrwert?

Lister Jaguar BHL 16, „Der“ Rennwagen der 1950er-Jahre


131 BL: Die Basis für jedes „Pop-Art“ ist ein abstraktes Acrylbild. Dies ist unter anderem auch der Grund, weshalb ich den Stil „Abstrakt-Pop“ nenne. Dieses wird kombiniert mit einer ­Collage, die letztendlich am Computer entsteht. Dabei wird jedes einzelne Element der Collage in mehrere Schwarzbilder zerlegt und später wieder eingefärbt. Mittels moderner Drucktechnik werden dann abstraktes Bild und Collage ­zusammengefügt. Anschließend werden die Bilder weiter mit Acrylfarbe bearbeitet. ARTMAPP: Hermann Maier, es entstehen ja – so mein Eindruck – immer noch neue Museen, die Oldtimer präsentieren. Allein am internationalen Bodensee gibt es davon inzwischen ein halbes Dutzend. Was macht Ihre Häuser gegenüber den einschlägigen Neugründungen oder bereits ­bestehenden Museen so einzigartig?

ARTMAPP: Sie haben in der Vergangenheit ­Ausstellungen auf die Beine gebracht – ich denke hier etwa an das Projekt mit den Warhol-Blättern und den dazugehörigen Benz-Modellen –, die für überregionales Aufsehen gesorgt haben. Mit welcher großer Ausstellung dürfen wir ­demnächst rechnen? HM: Klingende Namen wie Andy Warhol und Marken wie Mercedes sind natürlich für uns als Ausstellungsmacher echte Highlights und sorgen für eine hohe Besucherfrequenz. Aber glücklicherweise erwarten unsere Gäste nicht nur die hochklingendsten Namen, sondern Ausstellungen, die unserem Motto „einzigartig anders“ gerecht werden. Sie möchten Schauen, die spannende Geschichten über interessante Künstler erzählen, und Präsentationen von automobilen Klassikern aus derselben Zeit, die zeigen, inwiefern Kunst, Kultur und automobile Entwicklung oft ein gemeinsames Abbild ­eines Jahrzehnts darstellen. Dies tritt besonders in unserer neuen Ausstellung „Farbe | Form | Geschwindigkeit“ zutage, die sich vor allem auf die 1950er- und 1960er-Jahre konzentriert. Es ist uns eine besondere Ehre, bei unseren Führungen die Einmaligkeit dieser Künstler zeigen zu können: des berühmten Malers Hermann Wiehl, Schüler und Freund von Otto Dix, und von Malcom Sayer, einem der wohl besten ­Automobildesigner des 20. Jahrhunderts und Vater des legendären Jaguar Typ E.

links: Bernd Luz, „Le Mans ’87“, Detail, 2016

Foto: © MAC Museum Art & Cars Singen

ARTMAPP: Bernd Luz, Sie sind als Künstler sehr gefragt. Welche Ihrer Ausstellungen muss ich ­u nbedingt sehen? BL: Falls Sie fahrzeugaffin sind, ist das Cité de l’Automobile – Musée national / Collection Schlumpf im französischen Mulhouse im Elsass immer eine Reise wert. Als weltweit größtes Automuseum mit über 400 Fahrzeugen freue ich mich umso mehr, dort eine Dauerausstellung zu haben. Sehr spannend wird im kommenden Jahr die Ausstellung „Le Mans – Legenden“ im AutoMuseum Volkswagen in Wolfsburg. Wer sich ganz allgemein für Kunst und mein „Schaffen“ interessiert, den möchte ich auf die Retrospek­ tive im hei­m ischen Landratsamt in Tuttlingen hinweisen (Vernissage am 9. November 2016). Und wer gerne größere Ausf lüge macht: Noch bis zum 2. Advent gibt es eine Aus­ stellung in Wien bei Art of Life. Außerdem sind aktuell verschiedene Porsche-­M otive bei Porsche im russischen St. Petersburg zu sehen. ARTMAPP: Hermann Maier, Bernd Luz – vielen Dank für das Gespräch! Das Interview für ARTMAPP führte Siegmund Kopitzki. w w w . m u s e u m - a r t- c a r s . c o m www. B er nd Lu z . de

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HM: „Einzigartig anders“ – mit dieser Ansage sind wir im MAC I angetreten. Auch die arrivierten Vertreter der Kunst hielten unsere Idee, Kunst und Automobile im Kontext zu präsentieren, zumindest für gewagt, meistens jedoch für ­einen absoluten Irrweg. Doch „Einzigartig anders“-Sein ist nicht gescheitert, dies belegen unsere Besucherzahlen: Seit der Eröffnung im November 2013 zählten wir über 80.000 Museumsgäste. Heute wird unsere Idee auf jeder Museums­ tagung als neuster Trend unter dem Fachbegriff „Crossover“ diskutiert.


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Andreas Scholz

Bullitt

Andreas Scholz, „Bullitt“, 6er- Block aus der Serie „Bullitt II – 2007“, je 41 x 64 cm, Privatbesitz

Das Kriminalfilmdrama „Bullitt“ von Regisseur Peter Yates kam 1968 mit Steve McQueen in der titelgebenden Hauptrolle des Frank Bullitt in die Kinos. Die legendäre Autoverfolgungsjagd zwischen ihm und den auf ihn angesetzten Killern war für mich schon immer eine sehr wichtige Sequenz, wieder und wieder habe ich sie angeschaut. In dieser Szene taucht der Held mit seinem Ford Mustang hinter dem Dodge Charger seiner Gegenspieler auf. Dessen Fahrer versucht, Bullitt an ­e iner Kreuzung abzuhängen, worauf eine rasante Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco beginnt, die sich dann außerhalb der Stadt fortsetzt. Eine Zeit lang wird auch der Jäger zum Gejagten: Der Killer auf dem Beifahrersitz schießt auf Bullitt, doch dieser kann den gegnerischen Wagen schließlich von der Straße abdrängen. Der Dodge-Fahrer verliert daraufhin die Kontrolle und rast in eine Tankstelle. Eine spektakuläre Explosion markiert den Schlusspunkt der Jagd.


Neben diesen inhaltlichen Fragen war für mich als Natur­ maler der Zugang zur Landschaftsdarstellung über das Medium Film eine ganz neue Erfahrung. Ästhetisch reizte mich vor a­ llem die reduzierte Farbigkeit des Bildmaterials, aber auch die faszinierende flirrend-staubige Hitze der kalifornischen Straßen – eine Situation, die mir aus meiner Zeit, in der ich in San Diego, Kalifornien, gelebt habe, wohlvertraut ist. Auch dies regte mich zu dieser Serie der gemalten Filmstills an. Die beige-grauen strukturarmen Holzoberflächen der Bildträger vermittelt die staubig Hitze Kaliforniens dabei optimal. Wie schon bei meinen Strandbildern, bei denen das hölzerne Schälfurnier ein wichtiges gestalterisches Element ist, so e­ xperimentiere ich hier mit den nahezu strukturlosen Dreischichtplatten als Malgrund. ANDREAS SCHOLZ

w w w . a t e l i e r- s c h o l z . c o m

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Abseits der Strecke bringt Bullitt seinen Mustang schwer beschädigt und mit Mühe zum Stehen, während die Gangster in ihrem Fahrzeug verbrennen. Insgesamt 42 Standbilder dieser Verfolgungsjagd habe ich auf Holzbildträger (je 30 x 50 cm) gemalt und sie zu einem Bildfeld mit den Maßen 210 x 300 cm zusammengesetzt. Ein Thema der Serie ist neben der künstlerisch reiz­ vollen Übersetzung der ikonischen Filmvorlage in Malerei das Dilemma, in welchem sich Polizisten bei ihrer zum Teil ­gefährlichen Arbeit befinden. In Bruchteilen von Sekunden müssen sie bisweilen Entscheidungen mit möglicherweise ­f atalen Folgen treffen – kaum je wird das von Außenste­ henden wahrgenommen, kaum je erfährt dieser Aspekt angemessene Wertschätzung. Der Film beschäftigt sich ­genau mit dieser Problematik.


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Andreas Scholz, „Bullitt III – 2016“, Block mit 7 x 6 Bildern, je 30 x 50 cm


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Dokumente der energievollen Auseinandersetzung mit einem Urstof f

Scopin Asphalt


Fasziniert war Scopin von der bildhaften Qualität des Asphalts schon als junger Mann in seinem damaligen Wohnort New York. Hier waren die kaputten Straßen aufgerissen, brüchig, wellig – und dadurch von erstaunlich natürlicher, ja sinnlicher Ästhetik. Eindrücke, die nach vielen Jahren nun zu einem Werk von aktueller Präsenz geführt haben.

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Seit fünf Jahren arbeitet Albert Scopin in seinem 600 Qua­ dratmeter großen Atelier in Brombach mit Bitumen. Es geht zu wie in einer Gießerei oder beim Straßenbau: Kochend ­heißes, dickflüssiges Schwarz strömt auf zweieinhalb Meter große Holzträger. Schnell und hoch konzentriert werden die Massen verteilt, das Gestalten ist ein Ringen mit einer urweltlichen Kraft. Es brennt, dampft und riecht. An den Wänden reihen sich die gewichtigen Tafeln zu Bilderstraßen. Asphalt, im Alltag in seiner grauen Allgegenwart kaum noch wahr­ genommen, zeigt sich hier in Scopins Werken von lebendiger Kraft. Das in den Erdtiefen seit Jahrmillionen gesammelte ­Bitumen erwacht auf den Oberf lächen von Scopins Holz­ tafeln zu neuem und vielgestaltigem Leben.


138 In de r Einf ühr ungs rede z u Scopin s Au sstellung in de r Kirche S t . E l i s a b e t h i n B e r l i n h a t B a z o n B ro c k e i n e F ü l l e a n r e g e n d e r Z u s a m m e n h ä n g e a u f g e z e i g t , d u r c h d i e m a n s i c h d e m We r k S c o p i n s n ä h e r n k a n n . B ro c k s i e h t i n S c o p i n e i n e n K ü n s t l e r, d e r d i e B i l d e r m a l e r e i ü b e r s c h r i t t e n h a t , der uns bei seinen Kampf mit einem widerspenst igen

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Stof f zu schauen lä sst – und die Wirklichkeit zum Sieger macht.

Z i t a t e a u s d e r R e d e v o n B a z o n B ro c k zur Au sstellung „ SCOPI N A SPH A LT “ in de r Kirche St . Eli sabe th in B e rlin am 10. Apr il 2016:

„[…] Meister Scopin entsteigt der Arche Noah, denn auch die wurde nur durch ‚Teer‘ schwimmf ähig gemacht . Die Noah-Gesellschaft überlebte durch die Verwandlung des Lebens in den Tod, denn das ist es ja, was wir Teer nennen – unter höchstem Druck verwandelte Fossilien […].“


„[…] Unsere gesamte Zivilisation lebt von der Verlebendigung des Toten seit der altägyptischen Medizin über persische Leuchtfeuer bis zur Gründung der Bayer-Chemie in Elberfeld (heute ins Kunstprodukt Wuppertal gepresst). Meister Albert, ein Fossil des echten badischen Liberalismus der deutschen Revolution von 1848 ff., bewährt sich als Agent unserer Kulturgeschichte. Die startete zwar einerseits durch die Verpflichtung der Pallas Athene auf das göttliche Geschäft des Gelingens, gewann aber andererseits aus der Schmiede des Vulkans Waffengewalt, die Reiche gründete und Kulturen zugrunde gehen ließ […].“

„[…] Bei demiurgischen Temperaturen von 230 Grad aufwärts verarbeitet Scopin großflächig Bitumen. Seit Yves Klein und Otto Piene mit Flammenwerfern Bildträger traktierten, hat niemand sich mit der Erhabenheit stiftenden Gewalt der Natur so konfrontiert wie Scopin. Und in der Tat hat der Betrachter der Scopin‘schen Großformate ein Enthobenheitsgefühl. Er erkennt den Übermut künstlerischer Willkür und selbstherrlicher Gestaltungsmacht im üblichen Kunstbetrieb […].“ „[…] Scopins Arbeiten belegen, dass Wirklichkeit nur das ist, was sich unserem Willen nicht beugt. Sein Schaffen gilt der Anerkennung dieser Wirklichkeit.“

© Foto Bazon Brock: Martin Pudenz


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Aktuell arbeitet Scopin an einer monumentalen Skulptur, die er „Vertical Highway“ nennt. Eine achtspurige Autobahn soll senkrecht aus dem Boden ragen, himmelwärts ... aus dem Sand der Wüste, aus dem gepflegten Rasen des Central Parks, an einer Brandmauer hochkletternd in Berlin. Schon die ­ersten Visualisierungen des Konzepts lassen uns wünschen, dass der „Vertical Highway“ einmal an möglichst vielen ­Orten weltweit zu sehen sein wird. M e h r B i l d e r u n d Te x t e z u S c o p i n u n t e r : w w w . s c o p i n . i n f o

© Abbildungen: Arno Dietsche

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Verein Berner Galerien Galerie ArchivArte Inga Vatter-Jensen Oktober 2016 Hanni Bay November 2016 Verkaufsausstellung Dezember 2016 Breitenrainstrasse 47 T +41 (0)31 331 62 06 www.archivarte-schweiz.ch Galerie Art+Vision delegö Eugen Götz Der Linolschnitt - ein kreatives Abenteuer 21.10. bis 19.11.2016 Martin Thönen Holzschnitte Mangroven 26.11.2016 bis 7.1.2017 Stephan Sude 14.1. bis 4.2.2017 Junkerngasse 34 T +41 (0)31 311 31 91 www.artvisionbern.ch Galerie Bernhard Bischoff & Partner Laurent Schmid „Belauschte Dialoge“ 27.10 bis 26.11.2016 Pascal Danz „Vor der Reise“ 1.12. bis 23.12.2016 Kotscha Reist Painting As Usual 12.1. bis 18.2.2017 Progr_Zentrum, Waisenhausplatz 30 T +41 (0)31 312 06 66 F +41 (0)31 312 06 67 www.bernhardbischoff.ch Druckatelier/Galerie Tom Blaess TIM FITE Tea for Two Druckgrafik mit Zeichnungen und Videos November: Fr-Sa 14-17 Uhr, So 12-17 Uhr Dezember, Januar: Besichtigung nach Vereinbarung Finissage: Berner Galerien-Wochenende, 14. und 15. Januar 2017, 11-17 Uhr Uferweg 10b T +41 (0)31 079 222 46 61 www.tomblaess.ch Galerie Béatrice Brunner Tom Blaess und Aurelia Müller 14.10. bis 12.11.2016 Baum/Jakob 13.1. bis 11.2.2017 Nydeggstalden 26 T +41 (0)31 312 40 12 F +41 (0)31 312 40 13 www.beatricebrunner.ch

www.vereinbernergalerien.ch – mail@vereinbernergalerien.ch

Galerie Duflon & Racz Kathrin Racz „Erahnen was einmal war“ 19.11. bis 23.12.2016 /ProjektLinks/ Beteiligt am BONE 19 Internat. Festival für Aktionskunst 29.11. bis 5.12.2016 Inga Häusermann 13.1. bis 18.2.2017 Gerechtigkeitsgasse 40 T +41 (0)31 311 42 62 www.duflon-racz.ch

Kunstkeller Bern Robert Indermaur Malerei, Skulpturen 29.10. bis 27.11.2016 Niklaus Wenger Zeichnungen, Objekte, Objektmalereien art-room: Caroline von Gunten Zeichnungen, Instalationen 13.1. bis 11.2.2017 Gerechtigkeitsgasse 40 T / F +41 (0)31 311 86 30 www.kunstkellerbern.ch

Gallery da Mihi Niklaus Manuel Güdel Lebenstanz 7.10. bis 5.11.2016 Luce de Tetis - Matadors 25.11. bis 23.12.2016 Stefano Tondo 13.1. bis 25.2.2017 Bubenbergplatz 15 (1. OG Store Maggs) T +41 (0)31 332 11 90 www.damihi.com

Kunstraum Oktogon Alexander Gempeler Fotoarbeiten Hort der Stille – Ort der Ruhe Kuratiert von Gaby Pfyffer 3.11. bis 26.11.2016 Francisco de Goya – Max Hari CAPRICHOS – DESASTRES PROVERBIOS 14./15.1. bis 11.2.2017 Künstlergespräch mit Max Hari Sa 11.2.2017 Aarestrasse 96 T +41 (0)31 311 13 30 www.kunstraum-oktogon.ch

Galerie Henze & Ketterer UNMITTELBAR Kirchner, Thieler, Hödicke, Middendorf etc. KIRCHNERS TOTENTANZ 29.10.2016 bis 28.1.2017 3114 Wichtrach/Bern T +41 (0)31 781 06 01 F +41 (0)31 781 07 22 www.henze-ketterer.ch Galerie Kornfeld

Bernhard Giger Begegnung im Atelier Künstlerportraits 1971–1976. 30.11. bis 23.12.2016 Alberto Giacometti 14./15. Januar – Ende Februar 2017 Laupenstrasse 41 T +41 (0)31 381 46 73 F +41 (0)31 382 18 91 www.kornfeld.ch Krethlow

dessins bis 12.11.2016 mind art 24.11.2016 bis 8.1.2017 Cécile Hummel Berner Galerien-Wochenende Gerechtigkeitsgasse 72/74 T +41 (0)31 312 35 01 www.krethlow.ch

Kunstreich

Petra Amerell „In einem anderen Land“ 15.10. bis 12.11.2016 Pia Schläppi Wasser sehen 19.11. bis 17.12.2016 Andreas Durrer und Greet Helsen 14.1. bis 11.2.2017 Gerechtigkeitsgasse 76 T +41 (0)31 311 48 49 www.kunstreich.ch Galerie Rigassi by SOON Kai Klahre & Birke Bonfert Von Abstraktion zum Figurativen 20.10. bis 12.11.2016 Münstergasse 62 T +41 (0)31 331 81 81 www.galerie-soon.ch


Totentanz – Bern lebt! Danse macabre – Berne, ville en vie !

15.10.–25.11.2016 Danse macabre videokunst.ch im Museum für Kommunikation videokunst.ch au Musée de la communication 13.10.–26.11.2016 Someone’s got to dance Stadtgalerie

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In Kooperation mit En coopération avec videokunst.ch, da Mihi Gallery, DuflonRacz, fahrnisbau.ch, Galerie Henze & Ketterer, Kabinett Krethlow (Schaufenster), Kino REX, Kunstmuseum Bern, Verlag vatter&vatter

MUSEUMSNACHT BERN 17 FREITAG 17. MÄRZ 18 H – 02 H Partner der Museumsnacht Bern

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Partner der Museumsnacht Bern


144 Rolf Rose – Horst Bar tnig – Jan Voss

Wege, die Welt zu begreifen Drei Maler einer Generation – drei Wege, die Welt zu begreifen. Bei allen Unterschieden verbindet sie die Erforschung oder Sicht auf das universelle Ganze und das Einzelne; ihre Mittel sind die Farbe, die Mathematik oder eine ganz individuelle lyrische Bildsprache. Werke aller drei sind in diesem Herbst in Einzelausstellungen zu sehen: Rolf Rose in Köln, Horst Bartnig in Greifswald und Jan Voss in Berlin. Der Älteste von ihnen ist der 1933 in Halberstadt ­ge­borene Rolf Rose. Nach den Ereignissen des 17. Juni 1953 in der damaligen DDR war dem frischgebackenen Abiturienten klar, dass er in den Westen muss. Über Berlin kam er nach Hamburg, wo er zunächst als Fotograf bei einer Werbeagentur arbeitete. Daneben zeichnete und malte er – figürlich in ­e xpressiv-gestischem Duktus – und er besuchte Ausstel­ lungen, etwa 1958 die der Abstrakten Expressionisten im Amerika-Haus. Geradezu eine Initialzündung war für den jungen Rolf Rose die legendär erfolglose Pop-Art-Aus­ stellung, mit der Hans Neuendorf 1964 seine Galerie in Hamburg eröffnete. Rose arbeitete zu dieser Zeit für Neuendorf und war somit unmittelbar konfrontiert mit dieser Rolf Rose im Drawing Room, Hamburg, Foto: Helge Mundt, 2016

Rolf Rose, o.T., 1994, Cyanpigment, Acr yl auf Holz, 127 x 110 x 10,5 cm, Foto: Eberhard Weible, Courtesy: Rolf Rose und galerie floss und schultz, Köln

ebenso brandaktuellen wie andersartigen Kunst. Anfang der 1970er-Jahre fand Rose zu seiner eigenen Bildsprache: ­un­gegenständlich, immer dem Material Farbe nachforschend. Er mischte Wachs und Graphit in die Ölfarbe um deren ­S toff lichkeit zu variieren, später führten Versuche mit Cyan-Pigment nicht zum erhofften blauen Bild, sondern zu schillernd violetten Oberflächen. Die beim Farbauftrag entstehende Wärme setzte einen chemischen Prozess in Gang, der die Farbe verändert. Eine neue Möglichkeit der Farbmodulation, die Rose begeistert aufgriff. Das Unvorhergesehene, das Experiment spielen bei Rose bis heute eine entscheidende Rolle. Er variiert die Art des Farbauftrags immer wieder neu, stets bereit, die Grenzen seiner Malerei zu überschreiten und das Risiko des Scheiterns inbegriffen. Seit 1978 trägt er die Farbe mit Zahn- und Kammspachteln unterschiedlicher Breite auf. Sie bekommt so eine reliefhafte Struktur, in der sich das Licht verfangen kann. Die haptischen Qualitäten der Farbe werden sicht- und spürbar, aber zugleich entzieht Rose die Oberfläche mit diesen Strukturen dem Betrachterblick. Die Fläche löst sich in Farbe auf. Es sind Kleinigkeiten, die hier zur Sensation werden: winzige Bläschen in der Farbe, glänzende Einschlüsse in matter Farbe, das An- und Abschwellen der Farbgrate ­zwischen den Bahnen des Rakels. Roses Werk ist


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eine fortlaufende Reihe einander bedingender, aufeinander bezogener Bilder. Das eine geht aus dem anderen hervor und weist auf das folgende voraus. Rolf Rose ist Farbmaler. Einer, der uns in seinen Farbräumen intuitiv eine Ahnung von Unendlichkeit gibt. Weg vom Gegenstand, weg vom Naturvorbild, ging auch Horst Bartnig. Es dauerte allerdings etwa 15 Jahre, bis er ab etwa 1964 in der Konkreten Kunst seinen Weg fand. ­B artnig, 1936 im schlesischen Militsch geboren, studierte ­zunächst nach einer Malerlehre Bühnenmalerei an der Fachschule für angewandte Kunst Magdeburg. Als Bühnenmaler war er später in Weimar und Berlin tätig. Parallel dazu führte er seine freie künstlerische Arbeit fort. Schon früh versuchte er, etwa durch das Arbeiten mit der linken Hand, die Handschrift aus seinem Werk zu bannen. Zu effektheischend erschien sie ihm – ebenso wie die Natur als Vorbild und Gegenstand der Kunst für ihn keine Berechtigung mehr hatte. Zu Beginn der 1960er-Jahre malte Bartnig stark abstrahierte, oft architek­tonische Motive. Die Konzentration auf geometrische Ordnungen ist bereits deutlich zu sehen, doch der

elementare Wandel von der Abstraktion vom Naturvorbild hin zum Bilden aus rein künstlerischen Mitteln, wie es die Konkrete Kunst fordert, ist hier noch nicht vollzogen. Das passierte erst 1964. „Variationen“ oder „Unterbrechungen“ heißen seine Werkgruppen nun und es geht in ihnen um das Ausloten und Durchspielen von Möglichkeiten eines Systems. Wie viele Variationen eines Themas gibt es? Wie sind die ­P arameter des Systems definiert? Seit 1972 arbeitet Bartnig mit variablen Systemen. Dabei realisiert er nicht nur eine Auswahl der Möglichkeiten, sondern alle. Das können 70, 136, 1.044 oder auch 3.622 sein – Bartnig will alle Variationen als Bild sehen, nicht nur als theoretische Möglichkeit denken. Dafür arbeitete er seit 1979 mit Naturwissenschaftlern und Programmierern des Zentralinstituts für Informatik und ­Rechentechnik in Berlin-Adlershof zusammen. In dieser Zeit entstehen auch erste Computergrafiken. Dessen ungeachtet: Bartnig ist Maler. Und das wird deutlich an seinem Gebrauch der Farbe. Sie ist das Moment, an dem die Berechnungen, die Logik, außer Kraft gesetzt werden und die Wahrnehmung ins Spiel kommt.

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Horst Bartnig in seinem Berliner Atelier, Foto: Brigitte Silner


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Jan Voss in seinem Pariser Atelier, 2016,

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© VG Bild- Kunst, Bonn 2016

Eine Entsprechung für unsere Wahrnehmung der realen Welt findet Jan Voss im charakteristisch Fragmentarischen der Collage. Formen, Einzelbilder, Farben, Zeichen, die wir für einen Augenblick sehen, setzt er in seinen Bildwelten zusammen. 1936 in Hamburg geboren, studierte Voss von 1956 bis 1960 an der Akademie der Bildenden Künste München, seitdem lebt er in Paris. 1968 war er an der „4. documenta“ beteiligt und hatte von 1987 bis 1992 eine Professur an der École nationale supérieure des Beaux-Arts in Paris. Als Jan Voss 1960 nach Paris ging, war die Stadt noch immer das Zentrum für zeitgenössische Kunst in Europa, auf das die Kunstwelt schaute. Hier traten nun der abstrakten Kunst der École de Paris die Nouveaux Réalistes mit ihrer ganz anderen Sicht auf die Welt gegenüber. Der Gegenstand, das gefundene Material, der direkte Realitätsbezug bestimmten ihre Kunst. Wie sie fand auch Jan Voss seine Formen im alltäglichen ­ur­banen Umfeld. Er arbeitet mit Papiercollagen und -reliefs ebenso wie auf Leinwand und in Holz. Er reißt und faltet das Papier, nagelt und klebt die Formen, kombiniert verschiedene Materialien und fügt so eine weitere, haptisch-taktile Spannungsebene in das Beziehungsgeflecht seiner Kom­positionen ein. Waren seine Arbeiten zunächst eher auf die Linie konzentriert und von comichaft-erzählerischen Figuren und Formen bevölkert, so gewinnt seit den 1980er-Jahren zunehmend die Farbe an Gewicht. Die Flächen werden ­d ichter, die palimpsestartigen Schichtungen wichen der ­collageartigen Ansammlung. Stets

behalten seine Arbeiten jedoch die Leichtigkeit des Zufälligen. Jan Voss ist bereit, sich auf das Unerwartete einzulassen, der spontanen Idee zu folgen, auch wenn das möglicherweise in die Irre führt. Freiheit gegen Routine. Er ist ein Suchender in der Welt und folgt dem Spiel der Formen. Voss’ hieroglyphenhafte Bildzeichen scheinen wie Gedanken und Bilder eines Tages, wie der Versuch einer Ordnung im Chaos. KIM BEHM

November 2016 R olf R ose Galer ie Floss und Schult z , Köln 1 4 . b i s 2 7. N o v e m b e r 2 0 1 6 R olf R ose E i n e We r k s c h a u F U H R W E R K S WA A G E K u n s t ra u m e . V. , K ö l n Horst Bar t nig zum 80. E rö f f n u n g a m 1 1 . N o v e m b e r 2 0 1 6 Gale r ie Schwarz , Gre ifswald bis 1 2 . November 2016 „ J a n Vo s s – L a s s d e n D ra c h e n s p r i n g e n“ S h o w ro o m d e r G a l e r i e G e o r g N o t h e l f e r, B e r l i n


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Dierk M aass

Dierk Maass, 25° 09‘ 31.885“ S  68° 31‘ 20.323“ W, 2012, aus der Serie TENSION° OF‘ SECLUSION“, Diasec, 100 x 240 cm, Edition 6 + 2, ID 2761

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An den Grenzen der Welt


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Dierk Maass, 28° 53‘ 22.841“ N  83° 21‘ 47.862“ E, 2013, aus der Serie SHADES° OF‘ DOLPO“, Diasec, 120 x 180 cm, Edition 6 + 2, ID 6534

Das Leben von Dierk Maass gleicht in vielen Bereichen einem Film, in dem er gekonnt von Rolle zu Rolle seine Persönlichkeit – oder vielmehr Beruf und künstlerische Berufung – mit kompromisslosem Anspruch variiert. Seine Expeditionen führen das fotografische Ausnahmetalent oft an die ent­ legensten Orte dieser Welt. Seine Bilder entfesseln dabei eine Erhabenheit in der Fotografie die im Wettstreit mit den E ­ lementen der Natur steht. Als anerkannter Herz­ chirurg , der jahrzehntelang um das Überleben zahlreicher Menschen rang und dessen Berufung es war Leben zu retten und zu bewahren – wurde er zum Fotografen, der die Menschen durch sein Werk mit an die Grenzen einer oftmals kargen und menschenfeindlichen Welt nimmt. Dem Betrachter eröffnen sich hierbei Horizonte und Blickwinkel , die ihm sonst unerreichbar blieben. Sein schlummerndes Talent sollte erwachen im Zuge seiner Leidenschaft als Bergsteiger.

Seit den 1980er-Jahren widmet sich der Schweizer ­Fotograf Dierk Maass der Reise-, Landschafts- und Porträt­fotografie. Die Anden, Alaska, die Antarktis, Grönland, Afrika, die ­A lpen und der Himalaya ... Über 60 Sechstausender, Achttausender ohne Sauerstoff – kein Weg scheint ihm zu weit, kein Berg zu hoch, kein Hindernis unüberwindbar, um am Ende ein Bild einer Wirklichkeit zu präsentieren, das e­ inmaliger und eindrücklicher nicht sein könnte. Er lässt den Betrachter seiner Werke teilhaben an faszinierenden Naturschauspielen und zeigt Bilder von Menschen, die an den Grenzen der Welt und der Zivilisation ein Leben in Abgeschiedenheit führen. Die Sprache seiner Fotografie zeugt von Anspruch, von Zielstrebigkeit, von Sensibilität und Ausdrucksstärke – jedoch auch vom Einfangen des besonderen Moments und den Ge­ gebenheiten in ihrer Natürlichkeit und Ursprünglichkeit. Erzeugnisse menschlicher Kultur und religiöser Relikte sind


Dierk Maass, 28° 53‘ 04.740“ N  83° 20‘ 58.020“ E, 2013, aus der Serie SHADES° OF‘ DOLPO“, Diasec, 180 x 120 cm, Edition 6+2, ID 6568

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Dierk Maass, 24° 58‘ 37.780“ S  68° 37‘ 32.441“ W, 2012, aus der Serie TENSION° OF´ SECLUSION˝, Diasec, 100 x 240 cm, Edition 6 +2, ID 2559

ebenso Teil seiner Bildideen. Er wirft dabei den Blick zurück auf die Anfänge menschlicher Entwicklung und sucht nach den universellen Konstanten menschlichen Seins. Gleich ­einem impressionistischen Maler fängt er Stimmungen, Eindrücke und das Wesenhafte der Dinge mit seiner Kamera ein. Durch seinen Blick wird alles zum Kostbaren erhoben, zur ­E ssenz des Seins in der Wahrnehmung, zum Antlitz der Er­ habenheit im Einfachen, zum schützenswerten Leben. Er wird so vom Natur- zum Seelenforscher – seine Fotografien zu Gefäßen, diese Dinge einzufangen für die Ewigkeit. Es sind jene Dinge jenseits der kontrollierten und erzeugten Welt des Schönen. Es sind die Dinge der Ursprünglichkeit und Natürlichkeit – irdische Rhythmen im Mantel einer erhabenen Melodie der Unendlichkeit gleich.

Dierk Maass, Foto: Carlos Diaz Ahumada, Chile

Licht, Raum und Zeit sind bestimmende Elemente ­s einer Werke – seien sie transportiert über das Sujet selbst oder über die fotografisch-künstlerischen Mittel, mit denen Dierk Maass seine Bildideen und Bildaussagen unterstreicht. Gleich einem Impressionisten verstärken diese Mittel seine Ein­ drücke und subjektiven Wahrnehmungen. Die Im­pression wird so zur Suggestion einer Bildaussage, die den Betrachter unmittelbar erreicht. Das ist der Schlüssel seiner fotogra­ fischen Sprache, die zu fesseln vermag und seine Werke zu etwas ­E rhabenem werden lassen. Er bedient sich dabei nicht ­i rgendwelcher ­d i­g italer Bildbearbeitungsprogramme und verändert die Aufnahmen im Nachgang. Er benutzt seine ­K amera gleich e­ inem Pinsel, um mit dem Bild im Akt des Entstehens seine sinn­l iche und universelle Note einzufangen.


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Dierk Maass, 24° 58‘ 31.559“ S  68° 37‘ 34.457“ W, 2013,

Raum, Zeit und Licht verschmelzen zu einer Einheit. Genauso scheint ein unbändiger Respekt vor dem Leben seinen Motiven ihre Er­habenheit zu verleihen, die sie ausstrahlen. Unverwechselbar ist sein Expeditionsstil. Die Bilder tragen keine Namen, sie sprechen aus sich selbst heraus und sind lediglich mit Koordinaten versehen. Inzwischen sind mehrere Werkserien und spektakuläre Aufnahmen auf ­s einen Reisen entstanden und zeugen von der Gewalt ­s einer ­f o­t og raf ischen Sprache – beeindr uckend und ­z ugleich tiefgründig. Er setzt in diesen Serien gezielt ­Unschärfe oder Überbelichtung ein, um die Kraft der M ­ o­t ive zu verstärken. Bei seinen Expeditionen geht er selbst an seine Grenzen – körperlich wie mental. Er nutzt das Vorhandene – zum Beispiel das extreme Licht der Höhe, um seine Bilder und deren künstlerische Aussage zu ­i n­t ensivieren. Die ­T itel ­s einer Werkserien – Sense° of ‘ Distance“ – Tension°

of ‘ Seclusion“ – Incident° of ‘ Light“ – Shades° of ‘ Dolpo“ und Highway° to‘ Heaven“ zeugen von der Motivation des Künstlers nicht die Oberf läche, sondern die Tiefe menschlicher und weltanschaulicher Existenz zu berühren. Jedes seiner fotografischen Werke hat die Qualität eines Unikats, einer einmaligen Momentaufnahme, wenn er darin mit ­seinem grandiosen Blick das Große, Gigantische und Uni­ verselle und zugleich mit seiner Sensi­b ilität das K ­ leine, Besondere und Subtile eingefangen hat. Diese Kombination macht seine Werke einzigartig und ihn zu ­einem fotogra­ fischen Ausnahmetalent. JASMIN HUMMEL

www. die rk-maa ss- ch . com

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aus der Serie TENSION° OF‘ SECLUSION“, Diasec, 120 x 180 cm, Edition 6 +2, ID 2510


An exponierter Lage oberhalb des Schweizer Bodenseeufers wird in drei unterirdisch angelegten Ausstellungsräumlichkeiten – ein umgenutztes Wasserreservoir, ein Zivilschutzbunker und ein militärischer Unterstand aus dem Kalten Krieg – ein konzentrierter Einblick in internationale Gegenwartskunst geboten.

art KARLSRUHE 2017 Museumsmeile, Halle 1 16. bis 19. Februar 2017

www.the-view-ch.com


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Buchtipps

Dierk M aass im Kehrer Verlag

Shades° of‘ Dolpo“

JASMIN HUMMEL

www. kehre r ve rlag. com

Dierk Maass Shades° of‘ Dolpo“ Mit einer Einführung von Christian Janecke

Kehrer Verlag 104 Seiten 55 Triplex-Abb. 33 x 27,9 cm Festeinband mit Titelschild Euro 28 ISBN 978-3-86828-473-7 Dt./Engl.

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Der Bildband Shades° of ‘ Dolpo“ des Schweizer Fotografen Dierk Maass ist packend und berührend zugleich. Er nimmt die Betrachter mit auf seine Expeditionen und gibt einen ­E inblick in seinen großen Wissens- und Erfahrungsschatz, den er auf seinen Reisen an die entlegensten Orte der Welt ­gesammelt hat. Dierk Maass hat bereits sechs spektakuläre Werkserien in Bildern festgehalten, die alle als Bildbände im Kehrer Verlag erschienen sind. Jedes der Bücher ist ein indi­ viduelles Resultat der konstruktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit und zeugt von hoher gestalterischer und technischer Qualität. Besonderheiten der Ausstattung dieses Buchs sind der Triplexdruck, partieller Drucklack auf den ­Bildern und der Leineneinband. Kehrer-Bücher entstehen mit Liebe zum Detail und mit Herzblut – wie jedes der foto­ grafischen Einzelwerke Dierk Maass. Jede der Werkserien hat ihren ganz speziellen und eigenen Charakter und alle zeugen von der gewaltigen Bildsprache dieses fotografischen Ausnahmetalents. Mit seiner Landschafts- und Porträtserie Shades° of ‘ Dolpo“ nimmt er den Betrachter mit auf seine Reise in den Nordwesten Nepals, ins sogenannte Innere Dolpo an der Grenze zu Tibet. Über 6.000 Meter hohe Bergketten um­ säumen die gesamte Dolpo-Region – eine Welt, abgeschieden von der Zivilisation. Der gelblich-braune und farbreduzierende Sepiaeffekt der Fotografien erzeugt eine ganz besondere Stimmung und Atmosphäre – sie werden zur Spiegelung der subjektiven Empfindungen des Künstlers. Die Sepiatönung legt sich wie ein Schatten über die Bilder, die von der Schwere, Mühsal, kargen Umwelt und Ursprünglichkeit des Lebens der Menschen vor Ort zeugen. Ein beeindruckender Bildband ist entstanden – tief­ sinnig und von ästhetischer Brillanz. Das im Jahre 2013 entstandene Shades° of ‘ Dolpo“ ist nicht nur das Lieblingswerk des Künstlers, sondern ein Buch, das in jede Sammlung fotografischer Meisterwerke gehört, und ein einmaliges ­Geschenk für jeden, der sich für spektakuläre Reisefotografie interessiert.


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Georg Olms Verlag/Olms Presse 240 S. ca. 360 Abb. 23,5 x 22 cm Hardcover EUR 24,95 ISBN 978-3-487-08581-4 Dt.

Stromlinie – für Alltag, Rennen und Rekorde Ausstellungskatalog Zeppelin Museum Friedrichshafen Horst-Dieter Görg (Hg.) — Die Stromlinie steht insbesondere seit den 1930ern für Schnelligkeit und Modernität. Das Buch zur gleichnamigen Ausstellung im Zeppelin-Museum Friedrichshafen gibt einen Überblick zur technischen Vielfalt dieses spannenden ­T hemas. Dazu gehören erste Windkanäle, der Einfluss der Aerodynamik auf Flugzeugkörper, Zeppelinformen und ­Karosserieentwicklung, aber auch die Geschichte ­z ahlreicher Land- und Luftfahrzeuge, ihrer Konstrukteure und Nutzer.

Wertermittlung Klassische Kraftfahrzeuge Definition und Kriterien der Wertermittlung. Bewertungsfaktoren und Einflussgrößen anhand von Fallbeispielen. Herbert F. Schulze — Klassische Kraftfahrzeuge genießen zunehmende Aufmerk­ samkeit als Investitionsalternative. Herbert F. Schulze, lang­ jähriger GTÜ-Sachverständiger, gibt neben einem ausführlichen Einblick in die Kriterien der Wertermittlung Tipps bei der Suche nach dem Traumwagen sowie Hinweise zu den möglichen ­a mtlichen Zulassungsarten. In einem ausführlichen Praxisteil wird anhand von konkreten Beispielen die Fahrzeugbewertung anschaulich vermittelt.

Georg Olms Verlag/ Olms Presse 260 S. 17 x 24 cm Hardcover EUR 29,95 ISBN 978-3-487-08582-1 Dt.

BERND LUZ – AutomotiveArt Kalender „Car Cult” 2017 — Bernd Luz gehört mittlerweile zu den wichtigen zeitgenössischen PopArt-Künstlern. Seine Werke hängen unter anderem in Nationalmuseen. Dauerausstellung im weltgrößten Automobilmuseum, Ausstellung parallel zu Warhol und TV Auftritte sind nur ein kleiner Ausschnitt. AbstraktPop nennt Luz den Stil seiner PopArt-Werke. Die Originale sind großformatig im Mediamix. Dies ist bereits der dritte Kalender des diplomierten Designers und freien Künstlers. Der neue Kalender „CarCult” ist eine kleine Zeitreise durch die Geschichte des Rennsports. Mit den wichtigsten Hintergrund­ informationen zu jedem PopArt-Werk.

Ackermann Verlag 54 x 48 cm Euro 29,95 ISBN: 978-3-8384-2711-9


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Prestel 144 S. 60 Farbabb. 29 x 21,5 cm Hardcover, gebunden EUR 29,95 ISBN 978-3-7913-8275-3 Dt.

Steve McCurry Lesen Eine Leidenschaft ohne Grenzen Mit einem Vorwort von Paul Theroux — Ein kurzer Moment der Ruhe inmitten des Chaos: Versunkenheit, Konzentration. Wenn Menschen lesen, verschwindet die Realität für kurze Zeit. In solchen magischen Augenblicken drückt Steve McCurry auf den Auslöser. Der weitgereiste Magnum-Fotograf hat die unterschiedlichsten Leser fotografiert: Kinder und Alte, Frauen und Männer, mit der Zeitung, dem Schulbuch oder einem Roman.

Georgia O‘Keeffe Tanya Barson (Hrsg.) — Georgia O’Keeffe (1887–1986) war eine der Gründerfiguren der amerikanischen Moderne. Als zukunftsweisende Künstlerin erlebte sie ihren Aufstieg Anfang des 20. Jahrhunderts inmitten der New Yorker Avant-Garde-Szene um Alfred Stieglitz. Dieses Buch bewertet auf brillante und neue Weise O’Keeffes Platz in der Kunstgeschichte.

Prestel 272 S. 200 Farbabb. 23,3 x 28,5 cm Leinen mit eingeklebtem Bild EUR 49,95 ISBN 978-3-7913-5542-9 Dt.

Nordische Malerei Im Licht der Moderne Katharina Alsen, Annika Landmann — Dieser reich bebilderte Band stellt die wichtigsten Stilrichtungen, Künstler und Werke der nordischen Malerei vor. Mit Schwerpunkt auf der Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts stehen Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island im Mittelpunkt, daneben werden mit den Faröern, Grönland und dem deutsch-dänischen Grenzgebiet ebenso interessante nordische Regionen betrachtet.

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Prestel 272 S. 225 Farbabb. 28 x 34 cm Gebunden mit Schutzumschlag EUR 69,00 ISBN 978-3-7913-8130-5 Dt.


158 Aus Begeisterung für die Kunst

Das Phänomen boesner

Fotos © boesner

Zu Beginn der 1980er-Jahre vollzog sich ein einschneidender Wandel im Leben von Wolfgang Boesner: Der studierte Betriebswirt kehrte der Wirtschaft den Rücken – und ­w urde Künstler. Als Maler und Bildhauer sah er sich bald freilich nicht nur mit den Höhen, sondern auch mit den Tiefen des Künstlerlebens konfrontiert, wobei eines der zentralen Probleme das begrenzte Angebot an Materialien und die hohen Preise des örtlichen Einzelhandels waren. Was ihm und seinen Künstlerkollegen in Bochum fehlte, war eine Art Großhandel für Künstlerbedarf, eine große und erschwingliche Auswahl an Werkzeugen und Werkstoffen für bildende Künstler. Für ihn, den gelernten Kaufmann, war es da irgendwie ­n aheliegend, in diese Bresche zu springen und selbst ein ­Unternehmen aufzubauen, das ebenjenen Wünschen der Künstler entsprach und ihrem Ansinnen entgegenkam. Und so sind es die Bedürfnisse der Kunstschaffenden, die bei ­boesner seit über 30 Jahren im Mittelpunkt aller unternehmerischen Aktivitäten stehen. Neben einem großen Angebot an

Künstlermaterialien wie Farben, Pigmenten, Hilfsmitteln und Werkzeugen gehört von Beginn an auch der Dialog mit der Kunstszene und ihrer Protagonisten zum Geschäfts­ modell des Unternehmens. Stammhaus und Verwaltung befinden sich heute noch in Witten, seit 1986 ist Bruder Klaus-Ulrich mit im Boot und die Firma ist weiterhin auf ­E xpansionskurs. So weit, so gut. Zu boesner gehören heute aber nicht allein Niederlassungen an 4 4 Standorten im I­ nund Ausland – gerne in direkter Nähe zu Künstlervierteln und Kreativquartieren, beispielsweise in Berlin, Leipzig oder Paris –, sondern eben auch der seit 2012 verliehene boesner art award, ein Kunstpreis, der international für viel Aufsehen sorgt. boesner, das bedeutet also nicht bloß eine schier ­u nendliche Fülle an Künstlermaterial, ein Sortiment von mehr als 26.000 Artikeln, die auch online bestellt werden kön nen . D a s Unter nehmen u nterhä lt zudem einen ­Z eitschriften- sowie Buchverlag und neuerdings auch das boesnerKunstportal. Das ist eine virtuelle, interaktive


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­ lattform, die sowohl den Kunstprofis als auch interes­ P sierten Laien wertvolle Hinweise liefert. Hier kommen Künstler­i nnen und Künstler selbst zu Wort, geben in ­V ideoporträts Einblicke in ihre Ateliers und ihre Arbeit. Hintergrund­geschichten, Interviews, Buchtipps und Ausstellungsbesprechungen machen das Paket komplett. B ­ esonders interessant sind die vielfältigen Informationen zu Materialien und künstlerischen Techniken. Hier nämlich kann man erfahren respektive lernen, wie ein bestimmtes Malmittel anzuwenden ist, welche Wirkungen und Effekte man mit ­d ieser und jener Technik erreichen kann und vieles mehr. Und selbstverständlich ist das Unternehmen auch auf Facebook und Twitter aktiv. Denn trotz ihres unternehmerischen Erfolges ist die Firma nach wie vor darum bemüht, nah an den Idealen der Kunst sowie den Künstlerinnen und Künstlern zu bleiben. Die boesner-Häuser sollen mehr sein als nur Bezugsquellen für Farbe, Papiere oder Pinsel, sie verstehen sich immer auch als Ort der Inspiration. Man hat die Anfänge der Firma offenbar nicht vergessen ... K ATJA BEH REN S

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w w w . b o e s n e r. c o m


Die Galerie Tammen & Partner präsentiert auf der

One-artist-shows MICHAEL RAMSAUER MARION EICHMANN DETLEF WASCHKAU Ausgestellte Künstler SABINE OSTERMANN GABI STREILE WERNER SCHMIDT DIETMAR BRIXY D-10969 Berlin • Hedemannstr. 14

Michael Ramsauer “Mäadchen“ 2016, Öl auf Leinwand, 180 x 120 cm

HALLE 3, Stand J 31, J 29

Ausstellungen: 28. Oktober – 3. Dezember 2016 DETLEF WASCHKAU »Everything and everywhere alles und überall« Holzreliefs- Zeichnungen

Tel: +49 (0)30 225 027 910

9. Dezember 2016 – 16. Januar 2017 FREDDY LANGER Fotografie THORSTEN ZWINGER Malerei 21. Januar – 4. März 2017 JENS WOHLRAB Malerei Fax: +49 (0)30 225 027 911 info @galerie-tammen-partner.de www.galerie-tammen-partner.de

KARLSRUHE Klassische Moderne und Gegenwartskunst 16. – 19. Februar 2017

Messe Karlsruhe | www.art-karlsruhe.de


Gefördert durch

Der f remd e Ra Angriffe, V erwandlun um ge Explosion en 29.10.16 n 05.02.17 M arta Herfo – rd

Marta Herford Museum für Kunst, Architektur, Design Fon 05221.994430-0 marta-herford.de Motiv: Esther Stocker, Ohne Titel, 2011 Foto: Romy Rodiek

Foto: C. Mallebrein · Konzept ion: BUERO211.DE S Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln


Mischa Kuball: »Licht auf Kirchner« / © Mischa Kuball / VG Bild-Kunst Bonn 2016

20.11.16 – 30.04.17

Mischa Kuball Licht auf Kirchner

Kirchner Museum Davos

Ernst Ludwig Kirchner Platz Promenade 82 CH–7270 Davos Platz www.kirchnermuseum.ch

kirchnermuseum_artmap_181x125_DRUCK.indd 1

21.09.16 15:14

Die Anmaßung der Räume und Orte

16.10.2016 – 26.03.2017

Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 1 / 89073 Ulm / www.kunsthalle-weishaupt.de

© Ben Willikens

WILLIKENS


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Lars Arrhenius & Johannes Müntzing, „The Big Store“, 2008, Animation, 8:06 Min., Ton, Ed. 3 + 1 A, Courtesy: die Künstler

Der Berner Spätherbst 2016 steht ganz im Zeichen des Totentanzes

Totentanz – Bern lebt!

CAROL A ERTLE-KETTERER

15 . Ok tober 2016 bis 25 . November 2016 videok unst. ch im Museum f ür Kommunikat ion „ Dan se macabre. D e r To t e n t a n z i n d e r z e i t g e n ö s s i s c h e n K u n s t “ Peter Aerschmann, Lars Ar rheniu s & Johannes Munt zing, J ü r g e n B ro d w o l f, C o m & C o m , I n g e b o r g D o e t s c h , J e a n e t t e E h l e r s , F o o d C u l t u ra , J u l i e n n e J a t t i o t , F ra n t i če k K l o s s n e r, R e t o L e i b u n d g u t , R u p p r e c h t M a t t h i e s , F ra n z i s k a M e g e r t , A n d r e a N y f f e l e r, M e r e t O p p e n h e i m , L o t h a r S e r u s e t

Künstlerinnen und Künstler verarbeiten das Spiel mit Angst, Faszination und Hoffnung auf höchst unterschiedliche Art und Weise. Die Ausstellung zeigt die Vielseitigkeit zeitgenössischer Totentanz-Kunstwerke, den neuen Medien wird dabei besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Vo r d e m M u s e u m f ü r K o m m u n i k a t i o n : O f f s p a c e - C o n t a i n e r „ f a h r n i s b a u“ m i t d e m V i d e o „V i v a c e I “ v o n P i a M a r i a M a r t i n www.videok unst. ch www. mf k. ch

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — A U S S T E L L U N G E N

Das mittelalterliche Motiv des Totentanzes verdeutlicht als demokratisches Gesellschaftsbild, dass der Sensenmann kein Alter und keinen Stand verschont. Verschiedene Kulturinstitutionen zeigen in loser Kooperation eine breit gefächerte Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit des Lebens und der Präsenz des Todes im Alltag. Am Ursprung der Berner ­Totentanz-Geschichte steht eine Wechselausstellung im Bernischen Historischen Museum zu Niklaus Manuel mit seinem berühmten Berner Totentanz. Ab Oktober bis Ende November 2016 überzieht Bern ein Gef lecht von zeitgenössischen Kunstausstellungen. Im Zentrum stehen die von videokunst.ch initiierte Gruppenausstellung „Danse macabre. Der Totentanz in der zeitgenössischen Kunst“ im Museum für Kommunikation ­s owie die Ausstellung „Someone’s got to dance“ in der Stadtgalerie zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Totentanz in der Gegenwart. Parallel dazu zeigen verschiedene Berner Galerien Werke rund um den Tanz mit der Endlichkeit: da Mihi Gallery, Duf lonRacz, Galerie Henze & Ketterer, Schaufenster K abinett K ret hlow, Showroom und Videofenster von videokunst.ch, Stadt­ galerie sowie der mobile Offspace-Ausstellungsraum „fahrnisbau“. Das Kunstmuseum Bern zeigt Altarbilder von Niklaus Manuel und das Kino REX nimmt die Thematik auf.


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Hunder t wasser im Buchheim Museum, Bernried

Schön und gut Am 12. Dezember 1967 ereignete sich in München-Schwabing einer jener seltenen und glücklichen Momente der Kunstgeschichte, in denen sich vieles, was sich zuvor angebahnt hatte, in einer gültigen, kraftvollen und notwendigen Ausdrucksfor m ent lud . Flank iert von zwei hübschen nackten Kunststudentinnen betrat Friedensreich Hundertwasser, ebenfalls völlig unbekleidet, das Geschehen in den Räumen des Psychiaters und Galeristen Richard P. Hartmann. Hundertwasser hält anschließend seine legendäre „Nacktrede für das Anrecht auf die Dritte Haut“, an deren Ende er weinend zusammenbricht. Die Ansprache ist in dreierlei Hinsicht höchst bemerkenswert. Erstens, weil sie formal die „Uni-Ferkelei“ der Wiener Aktionisten vorwegnimmt, die ein halbes Jahr später stattfinden und als Meilenstein in die Kunstgeschichte eingehen wird; zweitens, weil diese „Nacktrede“ den Auftakt für das im 20. Jahrhundert einzigartige Engagement eines Malers als Architekt bildet; und drittens, weil Hundertwasser neben dem zeittypischen revolutionären Gestus auch einen Aspekt der Kunst vertrat, der in der Moderne völlig aus der Mode geraten war: das Streben nach dem Schönen und

dem Guten. In seiner „Nacktrede“ brandmarkte Hundertwasser die uniforme, rationalistische Architektur der Moderne als „voll glattem Elend“. Anders als die eingepferchten Massen lebe er in einer „Art von goldenem Turm“. Er wünschte sich, dass alle so glücklich wären wie er und »dass die Leute selber anfangen, ihre Schlösser zu bauen«. Als Verfechter einer selbstbestimmten Kreativität fand Friedensreich Hundertwasser in Lothar-Günther Buchheim einen prominenten Mitstreiter. Im 2001 gegründeten Buchheim Museum wird die Fantasie zum Prinzip erhoben. Der Besucher soll aus dem Alltag ausbrechen und eintreten in eine ästhetische Wunderwelt, in der er emotional wie gedanklich neue Wege gehen kann. „Think big!“, war Buchheims Parole, zu der keiner besser passte als Hundertwasser! Buchheim und dieser fanden früh zusammen. Im Sommer 1964 besuchte der Künstler den Verleger zweimal in seinem Haus in Feldafing. Buchheim brachte schließlich noch im selben Jahr Hundertwassers erste farbig bebilderte Monografie heraus. Der Künstler dankte es ihm mit einer liebenswerten Postkarte: „Der Buchheim ist ein toller Mann, der alles tut und alles


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links: Friedensreich Hundert wasser, (25/X) Spiralhaus

kann“. Nun, 16 Jahre nach Hundertwassers Tod, neun Jahre nach jenem Buchheims und 52 Jahre nach dem Kennenlernen der beiden, findet endlich eine Hundertwasser-Ausstellung im Buchheim Museum statt. 125 Werke von 22 Leihgebern aus allen Gattungen – Malerei, Druckgrafik, Tapisserien, Architekturmodelle sowie eine Pf lanzenkläranlage und eine Humustoilette – präsentieren die gesamte Spannbreite von Hundertwassers Schaffen in den Jahren von 1951 bis 2000. Bei Künstlerkollegen, Architekten und Kunsthistorikern war Hundertwasser nicht immer besonders beliebt. Er galt ihnen als „Behübscher“, „Verharmloser“, „Populist“ und „Dilettant“. In der Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit Die Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung entstanden ist, wird dagegen erkennbar, dass Hundertwasser als Avantgardekünstler agierte und sich mit existenziellen Problemen befasste, die heute aktueller sind denn je. Der Starphysiker Stephen Hawking sprach jüngst im Rahmen einer BBC-Vortragsreihe die Warnung aus, dass es nach jetzigem Stand der Dinge „beinahe Gewissheit“ sei, dass sich der Mensch, wenn er seine kulturellen Praktiken nicht grundlegend ändert, in den nächsten 1.000 bis 10.000 Jahren durch Atomkrieg, Erderwärmung, durch gentechnisch erzeugte Viren oder sonstige technologische Entwicklungen selbst auslöschen wird. „Wenn man vor dem Abgrund steht“, so sagte einmal Friedensreich Hundertwasser, „dann ist der Rückschritt ein Fortschritt.“ Wie kein anderer Künstler des 20. Jahrhunderts arbeitete Hundertwasser kontinuierlich an der Veränderung kultureller Praktiken, um Erde und Menschheit vor dem Untergang zu bewahren. Mit all seiner Schaffenskraft trat er für selbstbestimmte Kreativität und ein Leben in Harmonie mit der Natur ein. Er weist uns bis heute die „schönen Wege“, die zu einer Welt führen, in der es sich zu leben lohnt. Das Gute im Schönen nahm er vorweg und zeigt uns, dass vor der tatsächlichen Lösung eines Problems der Ausweg aus der Misere bildhaft vorformuliert werden muss. Diese Strategie der ästhetischen Antizipation, die sein gesamtes Werken und Wirken bestimmt hat, wird uns nun in Bernried am Starnberger See vor Augen geführt. Friedensreich Hundert wasser, (131/I) Hundert wasser Turm

DANIEL J. SCHREIBER

© 2016 Namida AG, Glarus

bis 5 . März 2017 H U N D E R T WA S S E R . S C H Ö N & G U T Buchheim Mu seum der Phanta sie Ber nried www. buchheimmuseum. de

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — A U S S T E L L U N G E N

© 2016 Namida AG, Glarus


ART Innsbruck wird er weiter t um ART Innsbruck Complementar y

Komplementär anders Neu ab 2017 findet zweimal jährlich im Wechsel mit der ART Innsbruck die Messe ART Innsbruck Complementary – Internationale Messe für zeitgenössische Kunst und Antiquitäten in Innsbruck, Österreich, statt. Gezeigt werden internatio­ nale zeitgenössische Kunstwerke sowie Antiquitäten des 18., 19., 20. und 21. Jahrhunderts – Gemälde, Unikate in allen Techniken, Arbeiten auf Papier, Auflagenobjekte, Multiples,

Originalgrafiken, Künstlerbücher, Skulpturen, Objekte, Installationen, Fotografien, Neue Medien, Porzellan, Glas, Silber und vieles mehr ... ARTMAPP hat sich mit Johanna Penz, Gründerin und Direktorin der ART Innsbruck, über das neue Messeformat unterhalten, vor allem darüber, wie es zur Idee kam und wie das neue Messekonzept umgesetzt werden wird.


167 links: Szenebild ART Innsbruck, 2015 © Die Fotografen

ARTMAPP: Was wird die Besucher im Rahmen dieses neuen Messeformats erwarten – wie unterscheidet sie sich von der klassischen ART Innsbruck?

Johanna Penz: Die ART Innsbruck Complementary sieht sich ganz klar – wie bereits im Namenszusatz ausgedrückt – als ­E rgänzung zur Stammmesse. Ich hatte die Ausrichtung ­a nfänglich bewusst nicht starr fixiert, sondern sozusagen die Leine etwas locker gelassen, um die Reaktionen und Be­ dürfnisse von außen aufnehmen zu können. Es hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert, dass die ART Innsbruck Complementary als eine willkommene Fortsetzung im Jahreskreis wahrgenommen wird. Für mich fühlt sich das sehr stimmig an. ARTMAPP: Wie kam es zu dieser Idee? War es Ihre Idee? Zumal Sie ja auch die Gründerin der ART Innsbruck sind, die nun seit 20 Jahren stetig wächst und gerade 2016 einen großen Schub nach vorne gemacht hat! JP: Ja, die „Idee“ war meine und ist dabei Teil einer umfassenden, von langer Hand geplanten Zäsur bzw. Neuausrichtung. Begonnen hat diese schon 2015 mit der Übersiedlung aus der wohl charmanten, aber in die Jahre gekommenen Halle D in die neue und um ein Drittel größere, imposantere Haupthalle A des Messegeländes. Gleichzeitig realisierte ich einen lang ­gehegten Wunsch, und zwar die Erweiterung des Messeprogramms um hochkarätige Antiquitäten des 19. Jahrhunderts. So konnte die ART Innsbruck nun Exponate von der schillernden Gründerzeit über die Jahrtausendwende bis in die Gegenwart zeigen. Antiquitäten wurden seit Jahren von Sammlern stark nachgefragt, da es in einem weiten Radius keine ernst zu nehmende Antiquitätenmesse gibt. Nun kann die ART Innsbruck erfreulicherweise auch diesen Kundenwünschen entsprechen und sich als umfassende Sammlermesse im Fünf-Länder-Eck präsentieren. Diese ­P rogrammerweiterung wurde ad hoc sehr gut angenommen, was sich insbesondere auch in guten Verkäufen aus allen angebotenen Epochen zeigte. Nachdem bekanntlich aller guten Dinge drei sind, stellt der dritte „Streich“ der Neuausrichtung die Ausdehnung der ART Innsbruck auf eine zweite Messeauflage im Jahreskreis durch die ART Innsbruck Complementary dar – einhergehend mit der dadurch notwendigen Terminrochade.

JP: Ich bin überzeugt, dass der völlig neue Veranstaltungszeitraum Mai für die ART Innsbruck Complementary eine ganz besondere Qualität zeigen wird. Die wärmere Jah­ reszeit bringt mit sich, dass der Präsentationsbereich der Messe „outdoor“ um einen attraktiven Skulpturen- und ­I nstallationspark ergänzt werden kann. Hier wird es auch Raum und Möglichkeiten geben für spannende Performances und ausgedehnte Kunstabende in lauen Mainächten. Das ­P rogramm der ART Innsbruck Complementary sieht zeitgenössische Kunst & Antiquitäten des 19. bis 21. Jahrhunderts vor, wobei nach dem großen Erfolg der letzten beiden Messeausgaben die Zeitgrenze für die Exponate vorsichtig etwas weiter nach hinten geöffnet werden wird, insbesondere auch durch Asiatika und russische Ikonen. Abschließend kann ­gesagt werden, dass die ART Innsbruck reif war für die Verdoppelung am angestammten Platz. Künftig sollen die Fühler zusätzlich auch in Richtung anderer attraktiver Messeplätze ausgestreckt werden. ARTMAPP: Johanna Penz, vielen Dank für das Gespräch!

1. bis 4 . Dezember 2016 A RT Innsbr uck 1 2 . bis 15 . Mai 2017 A RT Innsbr uck Complementar y w w w . a r t- i n n s b r u c k . c o m

Johanna Penz, Direktorin der ART Innsbruck, Foto: Günther Egger

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — A U S S T E L L U N G E N

ARTMAPP: Frau Penz, die Messe ART Innsbruck, die dieses Jahr bereits Anfang Dezember stattfindet, wird im Frühjahr 2017 erstmals um ein weiteres Messehighlight erweitert: die ART Innsbruck Complementary. – Ist diese Messe als Ergänzung zur ART Innsbruck zu betrachten oder als ein völlig eigenes und neues Messekonzept?


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Chris Gerbing über junge Kunst in Karlsruhe

Ateliereinblicke Erfahrung. Denn, so Johannes Brümmer, Leiter des Kunstbereichs bei EnBW, „alle insgesamt 16 Künstler haben spontan ihre Teilnahme zugesagt und es ist natürlich sehr spannend, zu sehen, wie sie sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben“. 2 1. November 2016 bis 10. Febr uar 2017 „Für die Kunst“ E n B W, D u r l a c h e r A l l e e 9 3 , K a r l s r u h e

SI L E N T L IGH T U w e L a n g m a n n p rä s e n t i e r t b e i E w a l d S c h ra d e F o t o g ra f i e n v o n R u h e u n d B e s i n n l i c h k e i t Simon Czapla, „Die Tätowiererin“, 2011, Foto: Simon Czapla, Konstanz

F Ü R DIE K U NST!

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — A U S S T E L L U N G E N

20 Jahre Atelie re inblicke be i de r En B W

Es sind Künstler, die an der Schwelle zum Berufsleben stehen, die gerade ihre Meisterschüler-Ausbildung an einer der südwestdeutschen Kunstakademien beendet haben, die bei der EnBW unter dem Titel „Ateliereinblicke“ in den Fokus rücken. Sie erhalten eine Plattform zur Präsentation ihrer Arbeiten – das Foyer der Zentrale des Energieunternehmens in Karlsruhe – und werden damit bei ihrem Schritt in die oft eher ungewisse Selbstständigkeit unterstützt. Gleichzeitig können die „Ateliereinblicke“ als ein Bekenntnis zur Region gewertet werden, das der Energieversorger seit seiner Gründung durch die 1997 erfolgte Fusion verschiedener regional ansässiger Unternehmen abgibt. Die über den Jahreswechsel 2016/17 präsentierte Schau verspricht Vielseitigkeit und Innovation, denn allein die Ausgezeichneten der letzten Jahre machen die Bandbreite künstlerischer Möglichkeiten deutlich: Betty Rieckmann mit ihren zum Teil auf menschliche Energiefelder reagierenden Lichtskulpturen, Lukas Schneeweiss mit seinen Rauminstallationen und Corinna von der Groeben mit ihren die kleinen Merkwürdigkeiten des Alltags einfangenden Fotografien werden neben den übrigen bisher präsentierten Künstlern zu sehen sein. Wenn dann noch Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen zu Installationen, ­Videoarbeiten und Objekten hinzutreten, ist unter dem Titel „Für die Kunst“ tatsächlich das ganze Spektrum aktuellen Kunstschaffens in der Jubiläumsschau vereint. Eine Herausforderung für den Kurator, aber auch eine beglückende

Wörtlich übersetzt heißt Fotografie „mit Licht schreiben“. Was nichts anderes bedeutet, als das immaterielle Licht greifbar, es in Form von Ref lexionen an Oberf lächen und im Kontrast von Licht und Schatten sichtbar zu machen. Eine Fotografie ist zudem immer auch Interpretation, denn bereits der Blickwinkel, der Bildausschnitt, die Komposition und das Verhältnis von Schärfe zu Unschärfe sorgen für eine bestimmte Wahrnehmung durch den Betrachter – ganz zu schweigen von den Möglichkeiten moderner Bildbearbeitung, mit denen Farben verändert, Details retuschiert und damit die sich ­darbietende Realität modifiziert werden können. Uwe Langmann arbeitet bevorzugt mit extremen Langzeitbelichtungen, durch die sich Lichtreflexe in Formen und Gestalten verwandeln, durch die aber auch Bewegungen eliminiert werden, weshalb die Oberflächen oft makellos erscheinen. Mit „Silent Light“ zeigt Ewald Schrade in seiner Karlsruher Galerie eine jüngere Auswahl des in Memmingen und Potsdam lebenden Fotografen. Dessen Arbeiten kreieren Momente der Stille, des Innehaltens, der Besinnung, indem sie eigentlich nicht Sichtbares einfangen und zum länger anhaltenden Moment ausdehnen. Mit Goethes „Faust“ möchte man ausrufen: „Verweile doch, du bist so schön!“ – was natürlich vor den Bildern in der Galerie unschwer möglich ist und ein Pendant zur Hektik des Alltags schafft. Gleichzeitig regt Langmann mit den häufig abstrakt wirkenden, aber doch ihre Ausgangspunkte in der Natur nehmenden Fotografien und nicht zuletzt auch mit deren Titeln die Fantasie des Betrachters an. So wird beispielsweise aus dem Flugzeugflug „Tilt“ der Neigungswinkel – und spontan fragt man sich, wohin die Reise wohl gegangen ist. bis 2 . Dezember 2016 Uwe Lang mann – „ Silent Light“ G a l e r i e S c h ra d e w w w . g a l e r i e - s c h ra d e . d e


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170 KOLUMBA feier t 2017 zehnjähriges Bestehen

Me in a no-time state

Herzstück und Impuls für die aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum des Erzbistums Köln ist die Figurengruppe „Die vier Gekrönten“ – entstanden nach 1445 und Konrad Kuyn zugeschrieben. Sie zählt seit 1849 zur Sammlung des 1853 offiziell gegründeten Diözesanmuseums. 2007 wurde dessen von ­Peter Zumthor in zehnjähriger Planungs- und Bauzeit umgesetzter Museumsneubau fertiggestellt. Seitdem trägt es den Namen KOLUMBA und feiert 2017 zehnjähriges Bestehen. Die Ausstellung „Me in a no-time state“ begibt sich auf Spurensuche nach dem Begriff des Individuums und fragt danach, wie er seit dem Mittelalter verstanden wird. Der Blick in die Zukunft, der Blick zurück und die Realisierung des Hier und Jetzt sind zur Orientierung notwendig. Wer bin ich? Wer bist du? Diese Fragen wohnen dem Menschen inne. Auf der Suche nach Erkenntnis und Verständnis ist die Versenkung in die eigene Natur eine Notwendigkeit. Das ­E rlangen von Orientierung in Zeit und Raum sowie das Bewusstsein für die eigene Identität, die jedem Individuum

unveränderbar gegeben ist, sind lebenswichtig. So manifestiert die Ausstellung ausgehend von „Die vier Gekrönten“ Individualität aufgrund der menschlichen Fähigkeit, Kunst zu schaffen, und des menschlichen Bedürfnisses nach Kreation und Inspiration: ars & artifex. In vielfältigen Kunstwerken und Exponaten aus dem Museumsbestand sowie einigen Leihgaben vom Spätmittel­ alter bis zur Gegenwart verdeutlicht das KOLUMBA-Team um Dr. Stefan Kraus in der diesjährigen Jahres- und damit gleichzeitig der Jubiläumsaustellung die Bedeutung des Individuums. Etwa auch anhand einiger Archivoltenfiguren aus dem Petersportal des Kölner Doms. Die hellen Figuren aus Baumberger Sandstein lassen sich sichtlich drei Künstler­ persönlichkeiten zuordnen und werden beeindruckend präsentiert. Der Ausstellungstitel „Me in a no-time state“ – „Ich im nicht zeitlichen Zustand“ – ist einem Werk von Chris Newman entliehen, welches ebenfalls im 2. Obergeschoss zu sehen ist. Bei den auf ungespannten Nessel gemalten Arbeiten


171

links: Konrad Kuyn, „Vier Gekrönte“ (Bildhauer, Architekt, Steinmetz, Polier) vom Epitaph für Nikolaus von Bueren (+ 1445) aus dem Kölner Dom, Baumberger Sandstein mit weitestgehend erhaltener ursprünglicher Fassung, Höhe 42 cm

rechts: Detailansicht des Bildhauers

Fotos: Lothar Schnepf © Kolumba, Köln

Parallel zur Jahresausstellung ist die Arbeit „Burgtreswitzmensch“ des Künstlers Kurt Benning zu sehen. Diese ist über einen Zeitraum von 40 Jahren entstanden und widmet sich unter anderem dem Thema Verfall: „Ich sehe darin einen ­Umschichtungsprozess, eine Zustandsveränderung, eine Energie, die eine definierte Sache in eine andere überführt“, so der Künstler. CO R I N N A S TA M M EN

bis 1 4 . August 2017 Me in a no-t ime state – Über das Individuum bis 10. Juli 2017 Kur t B e nning – Burg t reswit z me n sch KO L U M B A Kunst museum des Erzbist ums Köln www. kolumba . de

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — A U S S T E L L U N G E N

eignete sich Chris Newman bedeutende Gemälde der klas­ sischen Moderne an, indem er sie in monochromen Farben rekreierte. Gepaart sind sie mit einer barocken Lindenholz­ figur der Heiligen Dreifaltigkeit, ein Dreigesicht, welches dem Betrachter entgegenf lattert. Im Ausstellungsbegleittext wird beschrieben: „Auch die Zeit und die Klugheit, die sich der Vergangenheit erinnert, die Gegenwart versteht und die Zukunft voraussieht, konnte darin bildhaft Ausdruck finden.“ In einem weiteren Werk, einer Videoinstallation und Hommage an Jannis Kounellis, verweist Chris Newman auf seine Intuition und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten als „artifex“ – der bereits im Mittelalter als herausgehobene Künstlerpersönlichkeit galt: „Not have a shame of being me.“ Die Jahresausstellung präsentiert im gesamten Museum ­G emälde, Skulpturen, Fotografien, Videos, Möbeldesign, Schmuck und Goldschmiedekunst, koptische Textilien, Andachtsbildchen und Roboter. Besonders anrührend ist ein kleiner aus Papier gefertigter Zoo der siebenjährigen Carla Messmann. Eine Arbeit, die verdeutlicht, wie nahe Kinder dem Funken der Kreativität, der Inspiration und der Ausdruckskraft sind.


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Alte Pracht, neu interpretier t in Potsdam

Museum Barberini

links: Dr. Ortrud Westheider mit Blick auf das Museum Barberini von der Freundschaftsinsel aus, Foto: w w w.museum-barberini.com, rechts: Hasso Plattner, Foto: Hasso Plattner Ventures

F ür Pot sdam e t wa s Ne ues: I m J a n u a r 2 0 1 7 e rö f f n e t d a s v o n H a s s o P l a t t n e r, d e m G r ü n d e r d e s S o f t w a r e u n t e r n e h m e n s S A P, i n i t i i e r t e , p r i v a t e M u s e u m B a r b e r i n i i n P o t s d a m . N i c o l e B ü s i n g & H e i k o K l a a s s p ra c h e n f ü r A R T M A P P m i t d e r D i r e k t o r i n O r t r u d We s t h e i d e r.

ARTMAPP: Frau Westheider, am 23. Januar 2017 wird in Potsdam das Museum Barberini nach ­mehrjähriger Bauzeit eröffnet. Was erwartet die Besucher der Eröffnungspräsentation? Ortrud Westheider: Die allererste Präsentation wird rund 170 Werke vom Impressionismus bis heute zeigen, darunter Meisterwerke von Monet, Munch, Klimt und Kandinsky. In der Impressionistenausstellung zeigen wir gut 90 Werke in acht Räumen. Räume, die beispielsweise nur Schneelandschaften gewidmet sind. Oder Gärten oder Reflexionen auf Wasserflächen. Anhand dieser Themen und Motive kann der Impressionismus in seiner Konsequenz und Modernität noch einmal völlig neu entdeckt werden. ARTMAPP: Ganz Neugierigen gewähren Sie ­jedoch unter dem Label „#EmptyMuseum“ schon früher Einlass ... OW: Richtig. Noch in diesem Jahr gibt es die Möglichkeit, sich die Architektur anzusehen. Das Palais Barberini war über Jahrhunderte ein Ort, an dem sich die Menschen trafen – zum

Tanzen, Musik hören, Lesen, um Filme zu sehen, sogar zum Heiraten. Bei den Besuchertagen geht unser Programm von all den Einrichtungen aus, die es vormals hier gab, etwa dem Standesamt, der Bibliothek, den Festsälen. ARTMAPP: Der Ende des 18. Jahrhunderts ­errichtete Ursprungsbau wurde 1945 durch ­Bomben weitgehend zerstört und 1948 abgerissen. Inwiefern unterscheidet sich der von den ­A rchitekten HILMER & SATTLER und ­A LBRECHT realisierte Neubau vom zerstörten Original? OW: Friedrich II. ließ das Palais Barberini als fünfge­ schossiges Wohnhaus errichten. Als Museum wurde es nun dreigeschossig wieder aufgebaut, um mit fast fünf Metern ­D eckenhöhe großzügige Galerieräume zu schaffen. Im In­ neren hat Thomas Albrecht eine klassische, souveräne Museums­architektur verwirklicht. Das Museum erfüllt auch technisch die höchsten Standards für den internationalen Leihverkehr. Das ist die wichtigste Voraussetzung für das Ausstellungs­programm der kommenden Jahre.


173 ARTMAPP: Wie wird das Verhältnis zwischen der Dauerpräsentation der Sammlung Hasso Plattner und den Wechselausstellungen sein? Welche weiteren Ausstellungsprojekte sind für 2017 geplant?

ARTMAPP: Was sind die derzeitigen ­Schwerpunkte der Sammlung Hasso Plattner? Sind weitere Ankäufe geplant? Und wo sehen Sie Lücken, die Sie gerne gemeinsam mit dem Sammler füllen würden? OW: Die Sammlung wächst dauernd. Schwerpunkte be­ stehen bereits im Impressionismus, in der klassischen Moderne und in der US-amerikanischen Kunst. Im Museum befindet sich ferner eine umfangreiche Sammlung von Ma­ lerei aus der Zeit der DDR. Sie ist Ausgangspunkt einer Ausstellung im kommenden Herbst, bei der die Verbindung mit Leihgaben aus anderen deutschen Sammlungen mit ­Sicherheit neue P ­ läne für Ankäufe wecken wird.

OW: Die Ausstellungen des Museums Barberini gehen von den Beständen der Sammlung des Stifters aus. Deshalb ­w erden Impressionismus, klassische Moderne und US-­ amerikanische Kunst immer wieder im Fokus stehen und attraktive Themen bieten. Wir können uns aber durchaus Ausstellungen zu alten Meistern und zeitgenössischer Kunst vorstellen. Die Ausstellungen werden in internationalen Kooperationen vorbereitet, aber wir arbeiten selbstverständlich dabei auch mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie weiteren lokalen Partnern zusammen. Berlin ist ganz nah und viele Potsdamer arbeiten in Berlin. Es lässt sich also gar nicht trennen und wir werden uns selbstverständlich mit den Berliner Museen abstimmen. Schließlich geht es darum, das Angebot zu bereichern. ARTMAPP: Frau Westheider, wir danken Ihnen für das Gespräch! 
 28. November bis 4 . Dezember 2016 Besucher tage: #Empt yMuseum G e ö f f n e t j e w e i l s 1 2 – 2 1 U h r, Z e i t f e n s t e r t i c k e t e r f o rd e r l i c h www. museum-barber ini. com

Blick auf das Museum Barberini von der Uferseite, Foto: w w w.museum-barberini.com

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — A U S S T E L L U N G E N

OW: Das Museum Barberini wird sich durch einen dynamischen Wechsel auszeichnen. Auch die Sammlungsbereiche wechseln thematisch, sodass es immer wieder neue Anlässe geben wird, das Museum Barberini zu besuchen. Im Sommer 2017 zeigen wir die Ausstellung „Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne“ in Kooperation mit der ­Phillips Collection in Washington, D. C. Im Herbst dann die Ausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“.

ARTMAPP: Bisher ist Potsdam ja nicht so sehr für die neuere Kunst bekannt. Das nahe gelegene Berlin deckt diesen Sektor ja bereits ausführlich ab. Mit welchen Maßnahmen planen Sie, auch das Berliner Publikum zu erreichen?


Friedensreich Hundertwasser 536, Zahnwehkirche, Aquarell, Privatsammlung Š 2016 Namida AG, Glarus

2 2 .1 0 . 2 0 1 6 bis 0 5 . 0 3 . 2 017 Bernried am Starnberger See


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Burg Rabenstein, Herbstansicht, Foto: BAYERN TOURISMUS

Bayern

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20 0 Jahr e „ St ille N acht, H eilig e N acht “

2017 f e i e r t P f o r z h e i m s e i n e

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i m J a h r 1816, a l s e r i n

23. A p r i l 2017 i m S c h m u c k­

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m u s e u m P f o r z h e i m. Z u s e h e n

( Ko o p e r a t o r ) t ä t i g w a r.

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1818 d e r D o r f s c h u l l e h r e r u n d

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Pa u s c h a l a n g e b o t e r h a l t e n S i e

s e c h s „ S t i l l e N a c h t “- O r t e n i m

e i n e N a c h t i m Fü n f - S t e r n e -­

S a l z b u r g e r L a n d, i n d e n e n

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i n k l. Fr ü h s t ü c k s o w i e f r e i e r

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Ei n t r i t t i n d i e S o n d e r- u n d Dauerausstellung im

Josef Mohr- Brunnen, © TVB Mariapfarr

Re i s e f o l g e n kö n n e n. D a s „ S t i l l e - N a c h t - M u s e u m“ i n

Schmuckmuseum Pforzheim

Mariapfarr dokumentier t die

samt einem Goldstadt - Info ­

Entstehungsgeschichte des

p a ke t : 72 Eu ro p ro Pe r s o n i m

Liedes und zeichnet die

gang mit Atelierbesuch oder

DZ u n d 96 Eu ro i m E Z .

wichtigsten Stationen im

e x k l u s i v e s M u s e u m s e v e n t, o b

L e b e n J o s e p h M o h r s n a c h. w w w.p f o r z h e i m.d e/t o u r i s m u s

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i s t a m 4 . J a n u a r 2017 m i t d e r S t i f t s m u s i k S t. Pe t e r z u e i n e m k l a s s i s c h e n Ko n z e r t i n d e r P f a r r k i r c h e z u G a s t. Armbanduhr „Santos“,

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A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — A P P E T I Z E R

P f orzheim


SONDERAUSSTELLUNG 21 SEPTEMBER 2016 - 19 FEBRUAR 2017

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A m r e i’s A r t b l o g f ü r E n t d e c k e r Amrei Heyne ist Galeristin (Stuttgart/Leipzig) und berichtet sehr persönlich vom Suchen und Finden der Kunst.

How does it feel? „Drei sind wir“ am Schauspiel Leipzig. Das viel bepreiste Werk von Wolfram Höll in der Regie von Thirza Bruncken mit Sebastian Tessenow, Julius Bornmann, Anna Keil, Bettina Schmidt lehrt uns, zuzuhören, zu staunen, zu verstehen. In der Geschichte um Immigration werden Worte neu geboren, artikuliert, gestammelt, gebrüllt, geschluchzt und getanzt. Wow! Kunstherbst 2016 in Deutschland! München. Berlin. Leipzig. Stuttgart. Der Versuch eines Überblicks muss scheitern. Wie Gelassenheit üben im Überangebot? Wie Gutes, Wahres erkennen? – Aufspüren und Fühlen! Sich treiben lassen und konzentrieren! München. OPEN-art-Sonntagsspaziergang in die Amalienstraße zu Rüdiger Schöttle. Martin Creed meets Toulu Hassani! Wandmalerei 2016 begegnet Objekten zwischen Malerei und Skulptur. Begeisterung pur! Mit „Favoriten III“ im Lenbachhaus findet der Generationswechsel in der hiesigen Gegenwartskunst statt, kuratiert von Eva Huttenlauch und Stephanie Weber. „Dual-Use“, die Videoinstallation von Franz Wanner und namensgleich zur EU-Verordnung, die keine Exporteinschränkungen für in Deutschland endgefertigte Rüstungsgüter bedeutet, ist so herausragend wie traurige Realität in Milliarden. How does it feel? Die Berliner „abc“ (art berlin contemporary) am Gleisdreieck verführte mit starken Künstlereinzelschauen, zum Beispiel Raphaela Vogel bei BQ, Alwin Lay bei Natalia Hug, Sofie Thorsen bei Krobath, Roman Signer bei Häusler Contemporary. Über Erwin Wurms Wurstmobil bei Johann König kann man (nicht) streiten. Spinnereirundgang! Die Leipziger Galerien an der Spinnereistraße 7 präsentierten: Birgit Brenner bei Eigen+Art, Jochen Plogsties bei ASPN. Wer hat die Gruppenschau „?“ im Laden für Nichts mit Moritz Schleime/Corinne von Lebusa, Ronny Szillo, Birgit

Erwin Wurm @ art berlin contemporary

Gert & Uwe Tobias @ Pinakothek der Moderne München

How does it feel How does it feel To be on your own With no direction home Like a complete unknown Like a rolling stone? How does it feel?, Mr. Bob „Nobel“ Dylan! – Verneigung! Genießen Sie den Herbst, kuscheln Sie im Winter! Proben Sie den Aufstand, trauen Sie sich was! Singen Sie! Laut! Kochen Sie mal was Verrücktes! Gehen Sie spazieren! Feiern Sie Ihr Leben so wie nie! Machen Sie doch, was Sie wollen!

Anna McCart y @ Lenbachhaus

Jochen Plogsties @ ASPN Leipzig

Roland Halbe @ Amrei Heyne Gallery

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — A M R E I ’ S A R T B L O G

Fotos: Amrei Heyne

Dieker, Jirka Pfahl, Kathrin Thiele, Stefan Stößel, Marian Luft, Sebastian Gögel, Rigo Schmidt, Oliver Kossack, Günther Meyer und Andy Kania gesehen? Art-Alarm in Stuttgart! 17 Jahre jung. 22 Galerien kooperierten und konzipierten für ihr Publikum im Süden. Meine Ausstellung „Architekturfotografien“ mit Roland Halbe begeisterte. Danke! „Francis Bacon. Unsichtbare Räume“ – die Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart läuft noch bis 8. Januar 2017 – zunächst. Die legendäre Tanzperformance „Francis Bacon“ von Ismael Ivo und Johann Kresnik kehrte nach 23 Jahren ins Theaterhaus Stuttgart zurück! Das ist so großartig wie ausverkauft. In Leipzigs HALLE 14 ist noch bis 20. November „Terra Mediterranea: In Action / Über den flüssigen Kontinent“, kuratiert von Michael Arzt und Yiannis Toumazis (NiMAC), zu sehen. Eine brisante, hochaktuelle, poetische und kritische Ausstellung mit 23 Künstlern aus 14 Ländern, die unsere vermeintliche Ordnung hinterfragt und widerständige aktivistische Stimmen zu Wort kommen lässt! In ihrer Performance „Truth Well Faked“ tanzte Lia Haraki (Zypern) am Eröffnungstag über den Horror unserer Zeit. Das Werk „Variations“ des israelischen Sound- und Videokünstlers Ran Slavin verwischt Fiktion und Realität. Ergreifend!


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Ahrenshoop

Altenburg

Bad Arolsen

Waldemar Rösler (1882–1916). Ein Secessionist am Meer bis 19.3.2017 Kunstmuseum Ahrenshoop

ALTENBOURG IN ALTENBURG. Die Schenkung Pfäffle und die Stiftung Gerhard Altenbourg 4.12.2016 – 5.3.2017 Lindenau-Museum Altenburg

made for Arolsen – Reise nach Arglosen – Laura J. Padgett, Martina Wolff Installation, Fotografie, Video bis 4.12.2016 Ausstellungen im Schloss Hessische Kulturstiftung Museum Bad Arolsen

Ausstellung anlässlich des 100. Todestages Waldemar Röslers Waldemar Rösler spielte in der Berliner Secession vor dem Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle. 1911 war er mit Max Beckmann im Vorstand. 1914, nach dem Bruch mit der alten Secession, begründeten diese jungen, noch am Impressionismus orientierten Maler die „Freie Secession“ Berlins mit Max Liebermann als Ehrenvorsitzendem. Waldemar Rösler gehörte zu den ganz großen Hoffnungen der Berliner Kunst vor dem Krieg. Vom Spätsommer 1908 bis zum Sommer 1914 weilte Waldemar Rösler alljährlich zu Malaufenthalten in Klein Kuhren an der samländischen Ostseeküste. Hier malte er im Freien vor der Natur seine eindrucksvollen, teils großformatigen Dünen- und Meeresbilder. Das Kunstmuseum Ahrenshoop zeigt einige der bedeutendsten Klein Kuhrener Gemälde Röslers, wichtige Selbstbildnisse, Porträts von Menschen, die ihm nahestanden, sowie Landschaftsgemälde aus der Rominter Heide und dem Ostpreußischen nahe Schildeck. ☞ Kunstmuseum Ahrenshoop Di–So 10–17 Uhr Weg zum Hohen Ufer 36, 18347 Ahrenshoop T +49 (0) 38220 667 90 www.kunstmuseum-ahrenshoop.de

25 erlesene Arbeiten – mit einer Ausnahme durchweg Zeichnungen – umfasst die 2015 dem Museum geschenkte Sammlung von Dr. Suse und Dr. Werner Pfäffle. Sie setzt sich aus geradezu exemplarischen Blättern aller Schaffensphasen Altenbourgs zusammen, dessen selbstgewählter Künstlername ihn untrennbar mit seiner langjährigen Heimatstadt verbindet. Dass der Künstler am 22. November dieses Jahres 90 Jahre alt geworden wäre, nimmt das Lindenau-Museum zum Anlass, die Schenkung Pfäffle im Rahmen einer großen Sonderausstellung vorzustellen. Verbunden wird dieses Anliegen mit einer Präsentation der Stiftung Gerhard Altenbourg, die 2002 gegründet wurde und seit 2013 in enger Kooperation mit dem Museum geführt wird. Sie betreut und erschließt systematisch den Nachlass des Künstlers, zu dem ganz zentral dessen ehemaliges Wohnhaus zählt. Gerhard Altenbourg hat es über die Jahre zu einem Gesamtkunstwerk geformt. Kuratiert wird die Ausstellung von Lucius Grisebach. Es erscheint ein Begleitkatalog. ☞ Lindenau-Museum Altenburg Di–Fr 12–18 Uhr, Sa/So/feiertags 10–18 Uhr Gabelentzstraße 5, 04600 Altenburg T +49 (0) 34 47 89 55 45 www.lindenau-museum.de

In der Reihe „made for Arolsen“ werden seit 1992 zeitgenössische Künstler eingeladen, aktuelle Positionen im Residenzschloss Arolsen zu zeigen. Mit den Künstlerinnen Laura J. Padgett und Martina Wolff sind zwei Künstlerinnen aus dem Stipendienprogramm der Hessischen Kulturstiftung ausgewählt worden, die in den Medien Fotografie und Video arbeiten und neue Arbeiten im Schloss präsentieren. In poetisch-transparenten Bildern und in radikalen Inszenierungen der Räume verdichten sich Beobachtungen zu bau- und stilgeschichtlichen, funktionalen und historischen Aspekten des Schlosses, die mit den Sehgewohnheiten der Besucher spielen. ☞ Museum Bad Arolsen Mi–Sa 14.30–17 Uhr, So 11–17 Uhr Schlossstraße 30, 34454 Bad Arolsen T +49 (0) 56 91 62 57 34 www.museum-bad-arolsen.de

Martina Wolf f, „Schrank“

Waldemar Rösler, „Zwei Frauen am Meer“, 1911/12, Öl auf Leinwand, Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke, Kühlungsborn Gerhard Altenbourg, „Tanz um das Kalb“, 1966, Aquarell, chinesische Tusche, Kreide auf Karton, Foto: B. Kober/PUNK TUM © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Stiftung Gerhard Altenbourg, Altenburg


Basel

Bern / Brüssel

Bietigheim- Bissingen

Das Mädchen und das Meer Jahrtausendealte geheimnisvolle ­A bbildungen von Meereswesen – Sammlung Florence Gottet bis 2.4.2017 Spielzeug Welten Museum Basel

Baum/Jakob Béatrice Gysin 14.1. – 11.2.2017 Galerie Béatrice Brunner, Bern

stein, erde, holz herman de vries bis 8.1.2017 Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen

Im Rahmen der Ausstellung Über die Natur hinaus – in Transformation im Kunsthaus Grenchen zeigen wir ausstellungserweiternd Werke von Baum/Jakob und Béatrice Gysin. Die Ausstellung Connected in Isolation thematisiert die Isolierung und Reproduktion von Natur in Kunst und Wissenschaft. Mit einer multimedialen Rauminstallation stellen Baum/Jakob (Jacqueline Baum und Ursula Jakob) Bezüge zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Isolierungsprozessen her. Durch diese Gegenüberstellung verbindet sich das ursprünglich Getrennte auf neue Weise und kann aus je anderen Perspektiven erfahrbar gemacht werden. Béatrice Gysin ist Zeichnerin. Akribisch setzt sich die Künstlerin in ihrem Werk mit der Wahrnehmung auseinander und lässt den Betrachter innehalten an flüchtig Wahrgenommenem. Zeichnung als Handlung, Zeichnung als Sprache, Zeichnend denken. ☞ Galerie Béatrice Brunner Do/Fr 14–18 Uhr, Sa 12–16 Uhr Nydeggstalden 26, CH-3011 Bern T +41 (0) 31 312 40 12 www.beatricebrunner.ch

Der gebürtige Niederländer Herman de Vries (* 1931) verfolgt seit fast 60 Jahren konsequent ein beeindruckend eigenständiges Œuvre, das Kunst und Leben vereint, Naturprozesse und Philosophie einbezieht. Die Niederlande beauftragten ihn 2015, ihren Länderpavillon auf der Biennale von Venedig zu bespielen, der bei Publikum wie Presse großen Anklang fand. Der ausgebildete Gärtner und Naturwissenschaftler sammelt, ordnet und präsentiert Gegenstände und Materialien aus der Natur und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Welt, die uns umgibt. Die Ausstellung richtet den Fokus auf Steine, Erden und Hölzer, die Herman de Vries auf ausgedehnten Reisen ebenso wie in seiner deutschen Wahlheimat Eschenau im Steigerwald gesammelt hat. Er bringt diese mit systematisch-konzeptuellem Blick in eine strenge, serielle Ordnung, die eine überaus poetische Wirkung entfaltet. Über seine rational erscheinende Präsentationsform macht er uns die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Fundobjekte und die ihnen eigene Schönheit bewusst – wie Herman de Vries sagt: „Natur ist Kunst!“ ☞ Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen Di/Mi/Fr 14–18 Uhr, Do 14–20 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr Hauptstraße 60–64, 74321 Bietigheim-Bissingen T +49 (0) 71 42 74 483 www.galerie.bietigheim-bissingen.de

Die aktuelle Sonderausstellung „Das Mädchen und das Meer“ im Spielzeug Welten Museum Basel ist den sogenannten Fischtellern gewidmet. Neben rund 60 Fischtellern aus der bemerkenswerten Sammlung Florence Gottet werden auch sechs Originalwerke von Pablo Picasso aus den 1950er-Jahren gezeigt. Auch er ließ sich von den außergewöhnlichen Malereien der Fischteller inspirieren und stellte eigene, entsprechend kunstvolle Fischteller-Keramiken her. In einem etwas anderen Aquarium werden zudem Präparate aus dem Winckelmann-Museum Stendal mithilfe digitaler Technik einzigartig inszeniert. Die sogenannten Fischteller entstanden um 350 bis 325 v. Chr. vorwiegend in Kampanien, Apulien, Paestum und Athen. Sie waren eine Hommage an das Leben sowie an die irdischen Freuden und verliehen der Hoffnung auf ein glückliches Leben im Jenseits Ausdruck. ☞ Spielzeug Welten Museum Basel Di–So 10–18 Uhr Steinenvorstadt 1, CH-4051 Basel T +41 (0) 61 225 95 95 www.swmb.museum

Esther van der Bie – „After Hiroshige“ 14.1. – 25.2.2017 Galerie Béatrice Brunner, Brüssel ☞ Galerie Béatrice Brunner, RIVOLI Building Fr/Sa 13–18 Uhr Chaussée de Waterloo 690, BE-1180 Uccle / Brüssel www.beatricebrunner.ch

Plakatmotiv zur Ausstellung „Das Mädchen und das Meer“, Fischteller, Apulien (Canosa), 4. Jh. v. Chr.,

Esther van der Bie, After Hiroshige:

mit Sägebarsch und Geflecktem Kof ferfisch

Akasaka Kiribatake by Hiroshige

© Spielzeug Welten Museum Basel

Uo-ya Eikichi 1918 Edition Print/ Ultrachrome auf Kozo Papier, 2016 Herman de Vries, „windbruch“, 1984, Collection Joke & Dick Veeze, Foto: Andreas Weiss

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

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Regina Baumhauer. Little Miss Liberty Crossing the Delaware Im Zentrum der Kunst von Regina Baumhauer steht der Mensch in seinem existenziellen Sein, seiner Gefährdung und Zerbrechlichkeit – ein Thema, das die 1962 in Schwäbisch Gmünd geborene Wahl-New-Yorkerin in offenen Werkserien immer wieder neu auslotet. Dazu zeigt die Ausstellung über 70 Gemälde, Zeichnungen und bildhauerische Arbeiten von den späten 1980er-Jahren bis heute. Ausgangspunkt ist eine 2014 neu entstandene Serie von Bildern, die aus der Beschäftigung mit Amerikas Nationalgemälde „Washington Crossing the Delaware“ (1851) entstand, dem Hauptwerk des Historien­ malers Emanuel Leutze. Regina Baumhauers Schaffen umfasst unterschied­ liche Techniken und verschiedenste Materialien. Ihre abstrakte Bildsprache ist verwoben mit teils figurativen, teils ornamentalen Elementen. Sie oszilliert zwischen Erlebtem und Erdachtem, zwischen Rationalem und Rätselhaftem. ­K atalog: 152 Seiten, dt./engl., 20 Euro. bis 5 . Febr uar 2017 Regina Baumhauer,

Mu se um im P redige r Schwäbi sch Gmünd

„Open Letter, Little Miss Libert y Crossing the Delaware #1“, 2014,

D i / M i / F r 1 4 – 1 7 U h r, D o 1 4 – 1 9 U h r, S a / S o / f e i e r t a g s 1 1 – 1 7 U h r,

Acr yl, Grafit, Fadenheftung auf Leinwand, 120 x 152 cm

Mo geschlossen, ebenso Heiligabend, Silvester und Neujahr T + 4 9 (0) 7 1 7 1 6 0 3 4 1 3 0 w w w . m u s e u m - g a l e r i e -f a b r i k . d e

Vorhang auf und Bühne frei! Inspiriert vom legendären „Cabaret Voltaire“ in Zürich ­ idmen sich im großen Dada-Jubiläumsjahr 2016 zwei w ­auf­einander bezogene Ausstellungen dem Thema der Bühne in der bildenden Kunst vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Unter den Titeln „Bühnenreif 1. Akt (1900–2016)“ und ­„ Bühnenreif 2. Akt (1600 –1900)“ wird das wechselvolle ­Verhältnis von Bild und Bühne in der darstellenden und ­bildenden Kunst im jeweiligen historischen Kontext umfangreich und gattungs­übergreifend gezeigt. So bietet die erste Präsentation nicht nur kunsthistorische Einblicke. Sie setzt verschiedene, theaterbezogene Aspekte wie Kulisse und Ausstattung, ­Bühnenvorhang, Kostüm, Maske und nicht zuletzt den schauspielerischen und tänzerischen Ausdruck zuein­ ander in Beziehung und schafft derart einen Erlebnisraum, in dem der Besucher gleichermaßen als Akteur und Zuschauer agiert. Ein Katalog zu beiden Ausstellungen erscheint am 11. November 2016 (Hirmer Verlag). „ B ü h n e n r e i f 1 . A k t (1 9 0 0 – 2 0 1 6 )“ , b i s 2 3 . A p r i l 2 0 1 7 „ B ü h n e n r e i f 2 . A k t (1 6 0 0 – 1 9 0 0)“ , 1 1 . N o v e m b e r 2 0 1 6 b i s 7. M a i 2 0 1 7 Ar p Mu seum B ahnhof Roland seck, R emagen D i – S o / f e i e r t a g s 1 1 – 1 8 U h r, M o g e s c h l o s s e n , ebenso Heiligabend, Silvester und Rosenmontag T + 4 9 (0) 2 2 2 8 9 4 2 5 0

Arnulf Rainer, „Ulrich Wildgruber“, 1997/98, Foto: Christina Vollmert

www. ar pmu seum . org

© Theater wissenschaftliche Sammlung, Universität zu Köln


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Davos

Durbach

Eberdingen

Expressionismus + Moderne Kunst + Philipp Bauknecht – Präsentation WVZ 17.12.2016 – 1.4.2017 Galerie Iris Wazzau

PANORAMA Imagination und Sprache. Schlüsselwerke der Sammlung Hurrle bis 23.4.2017 Sammlung Hurrle

über die Linie hinaus bis 23.12.2016 open minded Stiftungspreis Fotokunst 22.1. – 11.6.2017 KUNSTWERK Sammlung Alison und Peter W. Klein

„La langue et l’imagination“ (Imagination und Sprache) ist ein Bild des dänischen Künstlers Asger Jorn aus dem Jahr 1960. Es ist nicht nur ein Schlüsselbild in der Sammlung Hurrle, sondern gibt auch zugleich das Programm der Ausstellung vor. Die (künstlerische) Sprache und die (visionäre) Vorstellung sind die Grundkonstanten eines Werks – auf sie will die Ausstellung die ­A ufmerksamkeit lenken. Als Schlüsselwerk bezeichnen wir eine künstlerische Arbeit, mit deren Hilfe sich ein größerer Zusammenhang erschließt oder die einen Umbruch aufzeigt. Es verbindet Charakteristika vorangehender Arbeiten mit neuen Merkmalen, die sich als bedeutsam für zukünftige Entwicklungen in der Kunst erweisen. Damit gewinnt es seine besondere Stellung auch stets erst im Rückblick, in der Auseinandersetzung nachfolgender Künstlergenerationen mit der neuen Sichtweise. Die 13 Panoramen rund um jedes der Schlüsselwerke erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sondern sind vielmehr dazu gedacht, den Blick des Betrachters zu schärfen und eine Auseinandersetzung anzustoßen, die nur im Zusammenspiel verschiedener Arbeiten möglich ist. ☞ Museum für Aktuelle Kunst – Sammlung Hurrle Durbach Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa/So/feiertags 11–18 Uhr Almstraße 49, 77770 Durbach T +49 (0) 781 932 01 402 www.museum-hurrle.de

Die Ausstellung „über die Linie hinaus“ präsentiert noch bis 23. Dezember 2016 eine Auswahl von Werken der Sammlung Alison und Peter W. Klein, in denen Linien und lineare Strukturen eine wesentliche Rolle spielen. Gezeigt werden Arbeiten von Markus Oehlen, Katharina Hinsberg, Jorinde Voigt, Anna Ingerfurth, Enrico Bach, Manuel Knapp, Heidi Grandy und Georges Wenger. Ergänzt wird die Werkauswahl durch eine Rauminstallation von Christl Mudrak. Nach dem Jahreswechsel liegt der Akzent auf der Fotografie. Um diesen Aspekt der Sammlung weiter zu stärken und junge Fotokünstlerinnen und -künstler zu fördern, hat die Alison und Peter Klein Stiftung den mit 10.000 Euro dotierten Stiftungspreis für Fotokunst initiiert. Nach den Jahren 2009 bis 2011 wird er nun 2017 im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums des KUNSTWERKs erneut verliehen. Arbeiten der zum Thema „Open Minded“ nominierten Künstlerinnen und Künstler sowie der Preisträger werden von 22. Januar bis 11. Juni 2017 im KUNSTWERK vorgestellt. ☞ KUNSTWERK Sammlung Alison und Peter W. Klein Mi–Fr/So 11–17 Uhr Siemensstraße 40, 71735 Eberdingen-Nussdorf T +49 (0) 70 42 376 95 66 www.sammlung-klein.de

Georg Meistermann, „Im Zerreissen“, 1952/53, Öl auf Leinwand, 152 x 222 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Philipp Bauknecht (1884–1933),

Christl Mudrak, „Vertigo Site II“, 2016, Dispersion und schwarze

„Kaktus im Fenster“, 1926, Öl

Acrylfarbe auf Möbeln, Papier und PVC-Boden, ca. 80 qm, Foto: KUNSTWERK

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Philipp Bauknecht ist der „andere“ Expressionist, der in Davos Heilung gesucht hat. Sein gesamtes Werk entstand in Davos. Als er 1910 schwerer an Tuberkulose erkrankt, wird Davos zum Ort der letzten Hoffnung. Die damals in der Schweiz berühmten Giovanni Segantini und Ferdinand Hodler müssen auf Philipp Bauknecht Einfluss gehabt haben. Als Ernst Ludwig Kirchner 1917 auch in Davos ansässig wurde, hatte Philipp Bauknecht aber bereits zu einem eigenen expressionistischen Malstil gefunden. Die noch fehlende Bekanntheit von Philipp Bauknecht hat viele Ursachen, etwa die Entstehung seines ganzen Œuvres in der kulturellen Abgeschiedenheit und seinen frühen Tod – er verstarb im Alter von erst 49 Jahren. Die Heirat mit einer reichen Holländerin, die keine Veranlassung hatte, mit dem Nachlass „Geld zu verdienen“ und diesen auf dem Dachboden vor den Nazi-Schergen versteckte. 1962 wurde er entdeckt und nochmals 15 Jahre später erst systematisch ausgestellt und zurück ins Bewusstsein gebracht. Die Publikation „Philipp Bauknecht. Gemälde“, in der alle 241 bekannten Werke erfasst sind, ist Beweis für die Kraft und Schönheit der Malerei von Philipp Bauknecht. ☞ Galerie Iris Wazzau Mo–Sa 14.30–18 Uhr Promenade 72, CH-7270 Davos T +41 (0) 81 413 31 06 www.wazzau.com


30.10. 16 –22.1. 17

www.mdbk.de

PANORAMA MUSEUM Werner Tübkes Monumentalgemälde »Frühbürgerliche Revolution in Deutschland« 14 Meter hoch und 123 Meter im Umfang Öl auf Leinwand Foto: ZK-MEDIEN © Tübke, VG Bild-Kunst Bonn, 2016

Die Sixtina DeS

norDenS

Sighard Gille, Prof. auf Bergblau (Ausschnitt), 1993, Privatbesitz © VG-Bildkunst Bonn, 2016

Sighard Gille ru helos


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Filderstadt

Frankfur t am M ain

Hagen

Graphischer Dienst Sammlung Domberger – Eine Siebdrucksammlung des Landes Baden-Württemberg

„... auf eisigem Bergfirst tanzen ...“ Symposium zu Werk und Wirkung Ludwig Meidners Eine Veranstaltung des Jüdischen Museums Frankfurt in Kooperation mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945 16. – 18.1.2017 Deutsche Nationalbibliothek

Thomas Baumgärtel „30 Jahre Bananensprayer“ bis 15.1.2017 Osthaus Museum Hagen

Ludwig Meidner (1884–1966) zählt zu den bedeutendsten Vertretern des urbanen Expressionismus und den wichtigsten jüdischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seine Zeichnungen, Gemälde und literarischen Texte, die die Erschütterungen und Umbrüche seiner Zeit nachzeichnen, wurden bislang noch nicht erschöpfend untersucht. Das Symposion präsentiert den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung zu Ludwig Meidner. Es thematisiert sein Werk und dessen Wirkung als einen Spiegel der Zeitgeschichte. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem jüdischen Erfahrungshorizont von Meidners Arbeiten und deren Rezeptionsgeschichte. Das Symposion wird vom Ludwig Meidner-Archiv des Jüdischen Museums Frankfurt in Kooperation mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek im Rahmen von „Ludwig Meidner – Seismograph“, einen Gemeinschaftsprojekt im 50. Todesjahr des Künstlers 2016, durchgeführt. Das Programm des Symposiums finden Sie unter: www.ludwig-meidner.de. ☞ Deutsche Nationalbibliothek Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main Anmeldung erbeten unter: info@juedischesmuseum.de

Anlässlich seines Jubiläums widmet sich die Ausstellung „30 Jahre Bananensprayer“ im Hagener Osthaus Museum dem Leben und Schaffen Baumgärtels. Die Schau zeigt aus 30 Jahren 50 ausgesuchte Arbeiten verschiedener Werkphasen: aus den Frühwerken, Übersprühungen von alten Meistern, aus dem politischen Block, Sprayarbeiten auf Metall, aus dem Religionsblock, Metamorphosen der Spraybanane, aus dem gelbem Bananenpointillismus, aus der grauen Serie, Stielbildern, Spraygrammen und Objekten. Zentral ist die Installation „Baustelle Europa“ zu sehen, die mit Elementen der Street-Art die Krisenherde Europas thematisiert. Über 4.000 Mal hat der bekannteste Sprayer Deutschlands seine berühmte Spraybanane mittlerweile an die Fassaden von Museen, Galerien und Kunstorten von New York bis Moskau gesprüht. In Westfalen gehören unter anderem das Gustav-­L übcke-Museum in Hamm, das Quadrat – Josef Albers Museum in Bottrop und das Museumsquartier in Hagen zu diesen Kunstorten. ☞ Osthaus Museum Hagen Di–So/feiertags 11–18 Uhr Museumsplatz 1, 58095 Hagen T +49 (0) 23 31 207 31 38 www.osthausmuseum.de

Willi Baumeister, Einladungskarte für die Staatsgalerie Stuttgart 1952, Foto: Stadt Filderstadt, Volker Naumann, Dirk Kittelberger

Ludwig Meidner, Lithografie nach einer Zeichnung von 1915

Thomas Baumgärtel, „BANANENSPR AYER SPR AY CAN“, 2016,

© Willi Baumeister Stiftung

© Ludwig Meidner-Archiv,

Spraylack auf Metall, Höhe ca. 180 cm, Durchmesser 65 cm,

Jüdisches Museum der Stadt Frankfurt am Main

Werkverzeichnis-Nr.: 1921

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Der Graphische Dienst ist ein kostenloses Angebot für interessierte Privatmenschen sowie Studierende und Fachleute für Forschungszwecke. Die gelernte Siebdruckerin und promovierte Kunsthistorikerin Gwendolyn Rabenstein wird Ihre Fragen gerne individuell beantworten, Ihnen auf Wunsch bestimmte Exponate vorlegen oder die kleine Wechselausstellung erläutern. Das Land Baden-Württemberg erwarb 2009 die Sammlung des in Filderstadt ansässigen Siebdruck­ unternehmens Domberger und übergab sie als Dauerleihgabe an die Stadt Filderstadt. Über die Zusammenarbeit von Domberger mit Künstlern ist eine wertvolle Sammlung von über 2.000 Vorlagen, Andrucken und Korrekturen bis hin zu den fertigen Originalgrafiken entstanden. Die Sammlung demonstriert auf eindrucksvolle Weise die höchst unterschiedliche Arbeitsweise der Künstler mit dem Drucker. ☞ Graphischer Dienst Sammlung Domberger Di, 8.11. / 13.12.2016 / 14.2.2017 jeweils von 15–19 Uhr Uhlbergstraße 36–40, 70794 Filderstadt-Plattenhardt T +49 (0) 711 32 70 00 63 www.filderstadt.de


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Hamburg

Heilbronn

Karlsruhe

BMW Art Cars: Harmonie von Kunst und Technik 11.11.2016 – 19.3.2017 Automuseum PROTOTYP, Hamburg

Matt Mullican Nothing Should Exist 6.11.2016 – 19.2.2017 Kunsthalle Vogelmann

Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Frank Stella, Jeff Koons: Das Who‘s who stilprägender Künstler gibt sich mit rollenden Skulpturen die Ehre, wenn das Automuseum PROTOTYP einige der berühmtesten BMW Art Cars in einer Sonderausstellung zeigt. In der erlebnisstarken Inszenierung der Fahrzeuge wird auch über die Vita der Künstler und ihren Bezug zum Motorsport informiert. So etwa Andy Warhol: „Ich habe versucht, Geschwindigkeit bildlich darzustellen. Wenn ein Auto wirklich schnell fährt, verschwimmen alle Linien und Farben“, oder A. R. Penck: „Kunst auf Kunst, Kunst auf Technik – das hat mich interessiert“. In der Sonderausstellung „BMW Art Cars“ bietet sich die Chance, weltbekannte Künstler auf ungewohntem Terrain für sich neu zu entdecken sowie einige der interessantesten BMW-Modelle, deren Design durch die künstlerische Bearbeitung beeindruckend neue Facetten gewinnt. Außerdem bietet das Automuseum PROTOTYP eine Dauerausstellung mit Sport- und Rennfahrzeugen aus 70 Jahren Automobilgeschichte sowie unter anderem einen Porsche-356-Fahrsimulator, Dokumentarfilme und eine Audiobox mit Motorensounds. ☞ Automuseum PROTOTYP Di–So 10–18 Uhr Shanghaiallee 7, 20457 Hamburg/HafenCity T +49 (0) 40 39 99 69 70 www.prototyp-hamburg.de

Das Werk des dreimaligen „documenta“-Teilnehmers kreist um die Frage, was Realität jenseits unseres (subjektiven) Empfindens ist und wie sich Wirklichkeit fassen lässt. Letztlich verdichtet „Mullican unsere Aneignung und Orientierung in der Wirklichkeit auf fünf existenzielle Bereiche von Wahrnehmung und Erkenntnis, denen Zeichen und Farben zugeordnet sind“ (Ulrich Wilmes, 2011). Unverwechselbar wird das Werk von Matt Mullican auch durch die Bandbreite seiner künstlerischen Mittel. Er arbeitet mit Zeichnung und Tusche auf Papier ebenso wie mit Performance, Computeranimation und Bildern aus dem Internet. Die in Kooperation mit dem Künstler und dem Kunstmuseum Winterthur konzipierte Ausstellung in der Kunsthalle Vogelmann in Heilbronn ist die erste monografische Präsentation von Mullican im deutschen Südwesten. Sie setzt mit Arbeiten aus den 1970er-Jahren ein und vermittelt anhand wichtiger Werkgruppen einen repräsentativen Einblick in seine komplexe Denk- und Kunstwelt. ☞ Kunsthalle Vogelmann Di/Mi/Fr–So/feiertags 11–17 Uhr, Do 11–19 Uhr Allee 28, 74072 Heilbronn T +49 (0) 71 31 56 44 20 www.museen-heilbronn.de

art KARLSRUHE Entdecken. Lieben. Sammeln. Internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst 16. – 19.2.2017 Messe Karlsruhe

Foto: © Thomas von Salomon für BMW Group

Matt Mullican, aus der Mappe „Organizational Legend“, 1988, Städtische Museen Heilbronn, Foto: Klaus Seibold

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Jef f Koons, 17th BMW Art Car, 2010, © Jef f Koons,

Zahlreiche One-Artist-Shows, großzügige Skulpturenplätze sowie exklusive Sonderausstellungen – mit ihren Markenzeichen hat die art KARLSRUHE – ­I nternationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst Erfolgsgeschichte geschrieben. Unter dem Slogan „Entdecken. Lieben. Sammeln.“ präsentieren sich vom 16. bis 19. Februar 2017 212 national und international renommierte Galerien in den Karlsruher Messehallen. Bereits zum 14. Mal zeigt Ewald Karl Schrade, Kurator und Projektleiter der Messe, das gesamte Spektrum der Kunst aus über 100 Jahren. Vom klassischen Expressionismus bis hin zu jüngsten Bewegungen der Gegenwartskunst und von gegenständlichen, figurativen Positionen bis zur konkreten Malerei und Skulptur. ☞ Messe Karlsruhe 16. – 18.2.2017 12–20 Uhr 19.2.2017 11–19 Uhr Messeallee 1, 76287 Rheinstetten www.art-karlsruhe.de


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Köln

Künzelsau

Mannheim

Pilgern – Sehnsucht nach Glück? bis 9.4.2017 Rautenstrauch-Joest-Museum

Wasser, Wolken, Wind Elementar- und Wetterphänomene in Werken der Sammlung Würth bis 18.6.2017 Kunsthalle Würth

Barock – Nur schöner Schein? Große Barockausstellung bis 19.2.2017 Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Museum Zeughaus

Wasser ist ein Schlüsselelement der Menschheits­ geschichte. In seiner mannigfaltigen Symbolik steht es mit Begriffen wie Schöpfung und Vernichtung, Leben und Tod, Fruchtbarkeit und Vergänglichkeit sowie mit den Tiefenschichten des Unbewussten in Verbindung. Auch die künstlerische Auseinander­ setzung mit dem wandlungsfähigen Material Wasser ist scheinbar unerschöpflich. Eng gekoppelt mit dem Wasser sind die Phänomene des Windes, vom Wirbelwind bis hin zur unheimlichen Windstille, und der Wolken in ihrem ständigen Gestaltwechsel. Die Ausstellung zeigt über 200 Arbeiten vom Mittelalter bis zur Gegenwart. ☞ Kunsthalle Würth Mo–So 10–18 Uhr Lange Straße 35, 74523 Schwäbisch Hall T +49 (0) 791 94-6720 www.kunst.wuerth.com

Die Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim beweisen mit ihrer aktuellen Sonderausstellung „Barock – Nur schöner Schein?“, dass die Epoche weit mehr zu bieten hat als Puder, Pomp und Dekadenz. Noch bis 19. Februar 2017 präsentieren sie den Barock in all seinen überraschenden Facetten. Die Jahre zwischen 1580 und ca. 1770 waren eine Zeit voller Widersprüche: Es gab rauschhaften Überfluss und verheerende Kriege, religiösen Wunderglauben und bahnbrechende Entdeckungen und Erfindungen. Die Präsentation vereint rund 300 hochkarätige Exponate, darunter Gemälde berühmter Barockmaler wie Rembrandt, Rubens oder van Dyck, erlesenes Kunsthandwerk, faszinierende wissenschaftliche Instrumente und Globen, seltene Bücher sowie Alltagsgegenstände. Die Brücke in unsere Zeit schlagen Werke zeitgenös­ sischer Künstler. Die Besucher können beispielsweise eine Kostümkreation der Modedesignerin Vivienne Westwood bewundern oder eine Fotografie von Hendrik Kerstens, der in seinen Bildern barocke Porträts augenzwinkernd neu interpretiert. ☞ Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Museum Zeughaus C5 Di–So 11–18 Uhr 68161 Mannheim T +49 (0) 621 293 31 50 www.barock2016.de

Pilgern liegt im Trend! Jedes Jahr brechen Millionen Menschen zu Pilgerstätten in aller Welt auf. Sie begeben sich an Orte von besonderer religiöser oder spiritueller Bedeutung. Das Streben nach Heilung, Sinngebung und Erlösung, aber auch der Wunsch nach außergewöhnlichen Reiseerlebnissen oder einer Auszeit können Beweggründe sein. Begeben Sie sich auf eine Reise zu 14 opulent inszenierten Pilgerorten. Neben Jerusalem, Mekka oder Santiago de Compostela werden auch der heilige Berg Kailash in Tibet, die goldene Shwedagon-Pagode in Myanmar oder die Basilika der Jungfrau von Guadalupe in Mexiko-Stadt vorgestellt. In der Ausstellung lernen Sie Pilgerwege und -stätten der großen Religionen ebenso wie jene lokaler religiöser Traditionen kennen. Neben der spirituellen Dimension des Pilgerns zeigt die Ausstellung auch die wirtschaftlichen, politischen, ökologischen und nicht zuletzt touristischen Aspekte des Phänomens. ☞ Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, 1. Do/Monat 10–22 Uhr (außer feiertags) Cäcilienstraße 29–33, 50667 Köln T +49 (0) 221 221 313 56 www.pilgern.koeln www.museenkoeln.de/rjm www.facebook.com/rjmkoeln

Eugène Boudin, „Le Havre, vue du port“, 1889, Öl auf Leinwand, 65 x 90 cm,

Pilger am Kanyakumari-Tempel, Kap Komorin, Indien, Foto: Cornelia Mallebrein, 2006

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Sammlung Würth, Inv. 9242


Lebensspuren

13.10.2016 – 22.1. 2017 www.museum-am-dom.de

RAUMWUNDER Installationen, Raumkonstruktionen, Lichtskulpturen

MUSEUM RITTER Alfred-Ritter-Straße 27 71111 Waldenbuch WWW.MUSEUM-RITTER.DE

Annette Sauermann, Lichtraumwürfel, 2011 (Detail) © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Künstler der Ausstellung: Jacob Dahlgren, Tamás Kaszás, Manuel Knapp, Hans Kotter, Annette Sauermann, Annett Zinsmeister, Beat Zoderer

© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Gudrun Brüne „Genug gekreuzigt“

GUDRUN BRÜNE


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Oberhausen

S t.G a l l e n

Schwerin

Entenhausen >>>> Oberhausen Donald, Micky and friends gezeichnet in der Disney Factory von Carl Barks, Floyd Gottfredson und Al Taliaferro sowie Jan Gulbransson, Don Rosa und Ulrich Schröder bis 15.1.2017 LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Mark Dion – The Wondrous Museum of Nature 17.12.2016 – 10.9.2017 Kunstmuseum St.Gallen

MODERNE in der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin seit 1.7.2016 Staatliches Museum Schwerin, Galerie Alte & Neue Meister Schwerin

Sonntagsseite, 9.6.1946 (Detail)

Mit der Eröffnung des Neubaus der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin bieten sich völlig neue P­ erspektiven für die Präsentation der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. In dem von den Berliner Architekten Scheidt Kasprusch Becker entworfenen Bau findet endlich dauerhaft die Kunst nach 1945 ihren Platz. Spektakulär ist vor allem die Sammlung des 1930 in Mecklenburg geborenen Künstlers Günther Uecker, ergänzt durch Installationen, Videos und Objekte von unter anderem Ulrike Rosenbach, Aernout Mik und Jörg Herold. Eine gläserne Brücke verbindet den Neubau mit dem 1882 eröffneten Altbau sowohl architektonisch als auch inhaltlich: In den Sälen, die bisher für Wechselausstellungen genutzt wurden, führen nun Werke von Künstlern wie Lovis Corinth, Lyonel Feininger, Marcel Duchamp, Nam June Paik, Bernhard Heisig und Sigmar Polke zur Präsentation im Neubau. Damit ist erstmals ein steter Gang durch die Kunstgeschichte vom 17. bis zum 21. Jahrhundert im Schweriner Haus möglich. ☞ Staatliches Museum Schwerin/ Ludwigslust/ Güstrow Galerie Alte & Neue Meister Schwerin Di–So 11–17 Uhr Alter Garten 3, 19055 Schwerin T +49 (0) 385 59 58 0 www.museum-schwerin.de

Mark Dion, „Mobile Wilderness Unit – Wolf“, 2006,

© Al Taliaferro,

verschiedene Materialien,

Courtesy: Sammlung Reichelt und Brockmann, Mannheim

Anhänger: 80 x 148 x 294 cm; Gesamtmaße: 274 x 148 x 294 cm,

Werke Günther Ueckers

Courtesy: der Künstler & Georg Kargl Fine Arts, Wien

im Neubau der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin, Foto: Gabriele Bröcker

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Donald Duck, Micky Maus und ihre oft sehr eigenständigen Freunde und Verwandten verbinden wir mit dem großen Walt Disney und seiner riesigen Factory. Doch wer waren die Zeichner hinter dem Disney-Imperium? Die Oberhausener Ausstellung stellt die drei Altmeister und aktuelle Zeichner erstmalig gemeinsam in Originalen, Skizzen und Figuren vor. Vom 22. Januar bis 14. Mai 2017 zeigt die LUDWIGGALERIE die Ausstellung „Let’s buy it! Kunst und Einkauf – Von Albrecht Dürer über Andy Warhol bis Gerhard Richter“. Die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen ist eins der 20 RuhrKunstMuseen. ☞ LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen Di–So 11–18 Uhr Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen T +49 (0) 208 41249 16 www.ludwiggalerie.de

Schon immer teilte sich das Kunstmuseum St.Gallen das Gebäude mit der Naturabteilung, die am 11. November 2016 einen Neubau beziehen wird. Aus diesem Grund hat das Kunstmuseum den US-amerikanischen Künstler Mark Dion eingeladen, die frei werdenden Räume im Untergeschoss des Hauses zu bespielen, kreist doch das Werk des Künstlers um die Vorstellung von Natur, wie sie sich insbesondere in den Methoden der Naturkunde und damit in Naturmuseen manifestiert. Mit seiner eigenwilligen künstlerischen „Forschungsarbeit“, seiner großen Sammelleidenschaft und seinen präzisen ökologischen Fragestellungen thematisiert Dion das uralte Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt. Dabei stellt er gezielt überlieferte Denk- und Lehrsysteme infrage. Mit abgründigem Humor, philosophischer Schärfe und überraschender Sinnlichkeit verwandelte der Künstler den Ausstellungsraum in einen Parcours aus naturkundlichen Laboratorien, musealen Lagern und geheimnisvollen Jagdgebieten. ☞ Kunstmuseum St.Gallen Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr Museumstrasse 32, CH-9000 St.Gallen T +41 (0) 712 42 06 85 www.kunstmuseumsg.ch


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Soest

Waib ling en

HEINER THIEL Werkschau 40 Jahre 14.1. – 23.4.2017 RAUM SCHROTH im Museum Wilhelm Morgner

Niki de Saint Phalle & Jean Tinguely. Furiose Plakate 5.11.2016 – 22.1.2017 Galerie Stihl Waiblingen

Die Stiftung Konzeptuelle Kunst zeigt von Januar bis April 2017 im RAUM SCHROTH im Museum Wilhelm Morgner, Soest, anlässlich seines 60. Geburtstags eine umfangreiche Werkschau des Bildhauers Heiner Thiel. Es wird eine Auswahl aus den über 60 Arbeiten des Künstlers aus dem Bestand der Stiftung Konzeptuelle Kunst mit Sammlung Schroth präsentiert. Wesentliche Werke Thiels wurden von dem Sammler Carl-Jürgen Schroth im Lauf der letzten gut 25 Jahre zusammengetragen, womit Arbeiten aus allen wichtigen Werkphasen des Künstlers für die Sammlung gesichert wurden. Die ausgestellten Zeichnungen, Reliefs und Skulpturen spiegeln den Prozess seiner 40-jährigen Arbeit konzentriert und anschaulich wider. Die Ausstellung mit retrospektivem Charakter wird von einem umfangreichen Katalog mit zahlreichen Abbildungen sowie einem Sammlervorwort, einem Text des Künstlers und Kurators Michael Post und einem wissenschaftlichen Beitrag von Prof. Dr. Hans Zitko, HfG Offenbach, begleitet. Die Publikation erscheint zweisprachig. ☞ Museum Wilhelm Morgner RAUM SCHROTH der Stiftung Konzeptuelle Kunst Di–Fr 14–17 Uhr, Sa/So 11–17 Uhr Thomästraße 1, 59494 Soest T +49 (0) 29 21 141 77 www.skk-soest.de

Die Ausstellung zeigt rund 100 Künstlerplakate sowie Faltbücher, Briefzeichnungen und plastische Objekte des außergewöhnlichen Künstlerpaares Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely. Seit 1956 verband die beiden eine ebenso intensive wie produktive Arbeits- und Liebesbeziehung. Die Plakate entstanden ab den 1960er-Jahren, um eigene Ausstellungen, Happenings und Theaterproduktionen anzukündigen. Teilweise handelt es sich auch um Auftragsarbeiten für Filmfestspiele oder Musikfestivals. Zu entdecken sind nicht nur überraschende gemeinsame Arbeiten der beiden, sondern auch ihre typischen, sehr verschiedenartigen Schöpfungen wie Niki de Saint Phalles Nana-Figuren und die Maschinenplastiken Jean Tinguelys. Die Poster zeigen, wie die Bildhauer ihre dreidimen­ sionalen Schöpfungen in die Fläche der Grafik übersetzten und zu spannenden neuen Bildlösungen kamen. Neben dem Siebdruck fand auch die von Niki de Saint Phalle virtuos beherrschte Technik der Lithografie Anwendung. ☞ Galerie Stihl Waiblingen Di/Mi/Fr–So 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr Weingärtner Vorstadt 12, 71332 Waiblingen T +49 (0) 7151 50 01 16 86 www.galerie-stihl-waiblingen.de

Heiner Thiel, ohne Titel (WVZ193), 1994,

Niki de Saint Phalle,

Sammlung Schroth, Soest, Foto: Ulli Sowa

„Angel with stars (Mi-femme Mi-ange)“, ca. 1992

© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

© 2016 NIKI CHARITABLE ART FOUNDATION / ADAGP, All rights reserved.

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Wal d enb u ch

Wien

Wismar

RAUMWUNDER Installationen, Raumkonstruktionen und Lichtskulpturen bis 1.5.2017 MUSEUM RITTER

Touch the Reality. Rethinking Keywords of Political Performance bis 3.12.2016 Kunstraum Niederoesterreich

Christiane Möbus – ZWISCHEN DEN ZEITEN, ZWISCHEN DEN WELTEN 12.11. – 4.12.2016 KUNSTRAUM St. Georgen

Vom 30. Oktober 2016 bis 1. Mai 2017 sind im Museum Ritter Installationen, Raumkonstruktionen und Lichtskulpturen zu sehen. In der Ausstellung mit dem Titel „Raumwunder“ zeigen sieben Künstlerinnen und Künstler, wie vielschichtig die Auseinandersetzung mit dem Thema Raum in der Gegenwartskunst ist. Jacob Dahlgren, Tamás Kaszás, Manuel Knapp, Hans Kotter, Annette Sauermann, Annett Zinsmeister und Beat Zoderer erobern mit ihren Werken auf unterschiedliche Weise den Raum, erweitern ihn und modellieren ihn neu. Mal ist es der reale Ausstellungsraum, ein anderes Mal der virtuelle und auch der soziokulturelle Raum, den die Künstlerinnen und Künstler in den Blick nehmen. Öffentliche Führungen: jeden So, 15.30 Uhr Künstlergespräch mit Annett Zinsmeister: So, 27.11.2016, 15.30 Uhr Kuratorenführung mit Hsiaosung Kok: So, 29.1.2017, 15.30 Uhr ☞ MUSEUM RITTER Sammlung Marli Hoppe-Ritter Di–So 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr Alfred-Ritter-Straße 27, 71111 Waldenbuch T +49 (0) 7157 535 11 0 www.museum-ritter.de

Mit „Touch the Reality. Rethinking Keywords of Political Performance“ setzt Kuratorin Ursula Maria Probst teils laute, teils aber auch subtile Interven­ tionen in Beziehung zueinander, begibt sich auf die Spurensuche nach Praktiken politischer Performance heute. Schwerpunkt ist Kunst aus Kuba von Tania Bruguera, Fidel García, Susana Pilar, Grethell Rasúa und Dania González Sanabria, aber auch Künstle­ rinnen und Künstler aus arabischen, lateinamerika­ nischen, asiatischen und osteuropäischen Ländern sowie Österreich sind vertreten. Darüber hinaus sind die beteiligten Künstlerinnen und Künstler eingeladen, vor Ort Projekte zu entwickeln. Die Ausstellung findet in Kooperation zwischen Kunstraum Niederoesterreich, dem österreichischen Bundeskanzleramt und KulturKontakt Austria statt. Performance-Termine: Do, 3.11.2016: EsRAP – rap as resistance Im Rahmen der VIENNA ART WEEK: Di, 15.11.2016: Naïma Mazic & William Ruiz Morales, Jianan Qu Do, 17.11.2016: Masha Dabelka, Pêdra Costa ☞ Kunstraum Niederoesterreich Di–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–15 Uhr Herrengasse 13, A-1014 Wien T +43 1 90 42 111 www.kunstraum.net

Ihre Kunst zeigt eine kritische wie auch poetische Weitsicht. Das bildnerische Konzept umfasst aktuelle Fragestellungen: nach der Umwelt, gesellschaft­lichen Prozessen sowie Mythen und Legenden­b ildungen. Sie bringt zusammen, was nicht zusammen gehört, und überzeugt durch eindrucksvolle Rauminzenierungen. Das Pojekt in Wismar besteht aus Getreide und Objekten. Eröffnung: 11.11.2016, 16 Uhr ☞ KUNSTRAUM St. Georgen Mo–So 10–16 Uhr St.-Georgen-Kirche, St.-Georgen-Kirchhof, 23966 Wismar T +49 (0) 3841 251 1322 www.wismar.de

Christiane Möbus, „das unnötige Verlöbnis der Frau Holle mit dem Schamanen – oder – a new life“, 1971/72, Foto: Renate Altenrath, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Susana Pilar Delahante Matienzo, „Puesto de mando“, Performance, 2014 © Sergio Valdés

Annette Sauermann, „Lichtraumwürfel“, 2011 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016


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Wo lf sb urg

Zürich

Zw i c ka u

BERND LUZ – Legends of Le Mans Anfang 2017 AutoMuseum Volkswagen

Brazil 2014 Revisited bis 19.2.2017 FIFA World Football Museum

Nach der erfolgreichen Jubiläumsausstellung „40 Jahre Golf GTI” präsentiert das Museum nun die Pop-Art-Serie „Legends of Le Mans” des renommierten Bernd Luz. Die Historie des 24-Stunden-Rennens spannend illustriert und in Szene gesetzt in besonderer Abstrakt-Pop-Technik. Der Künstler Bernd Luz zeigt mit seinen Pop-Arts nicht nur Kunst, sondern einen Querschnitt durch die Geschichte des wichtigsten Autorennens. Seit seinem Ursprung in den 1920er-Jahren bis heute. Porsche, Jaguar, Mercedes, Alfa Romeo, Ford, BMW und andere. Kunst und Information überaus emotional und faszinierend umgesetzt. Beim Volkswagen-Werk, dort, wo die neuesten Volkswagen-Modelle gefertigt werden, liegt das AutoMuseum Volkswagen. Vergangenes wird greifbar, Erinnerungen werden wach, Emotionen leben auf – historische Automobile lassen die Herzen höher schlagen. Insgesamt 130 Fahrzeuge geben auf 5.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche einen faszinierenden Eindruck von der Volkswagen-Produkthistorie. Zum Künstler Bernd Luz: – Zeitgenössischer internationaler Pop-Art-Künstler – Bilder in Nationalmuseen, Museen und Galerien weltweit – Internationale TV-Auftritte (aktuell auf VOX: „Goodbye Germany“) – Autor von zwei Kunstbüchern (Stadler Verlag, Konstanz) – BMW Art Car und Campagnolo-Art-Bike www.BerndLuz.de ☞ Stiftung AutoMuseum Volkswagen Di–So 10–17 Uhr Dieselstraße 35, 38446 Wolfsburg T +49 (0) 53 61 520 71 www.automuseum.volkswagen.de

Die FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft 2014 stand im Zeichen herausragender Superstars, leidenschaftlicher Fans, farbenprächtiger Austragungsorte und vieler Überraschungen – eine passende Hommage an das Gastgeberland Brasilien, die erfolgreichste Fussballnation der Welt. „Brazil 2014 Revisited“ ist die erste temporäre Ausstellung des Museums und lässt die Besucher mit ihren zahlreichen Artefakten, die vor Ort gesammelt wurden, und dank ihrer faszinierenden Videozusammenschnitte das Turnier noch einmal erleben. Zudem können die Besucher die spannende Geschichte des Fussballs in Brasilien entdecken und Objekte, die Stars wie Pelé, Zico, Socrates und Friedenreich gehörten, sehen. „Brazil 2014 Revisited“ ist eine Reise durch die Zeit und ein Rückblick auf das Turnier, bei dem Deutschland seinen vierten WM-Titel gewann. ☞ FIFA World Football Museum Di–Sa 10–19 Uhr, So 9–18 Uhr Seestrasse 27, CH-8002 Zürich T +41 43 388 25 21 www.fifamuseum.com

Rita Preuss. Ein Porträt Meisterschülerin von Max Pechstein bis 15.1.2017 KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum

Rita Preuss, verschiedene Selbstbildnisse – mit Ringen (2006, Rita Preuss Stiftung), mit Pelzmütze (1993, Rita Preuss Stiftung), mit Kochtopf (1994, Stiftung Stadtmuseum Berlin) und mit

Bernd Luz, „Bentley Le Mans – 20er Jahre“

Ball des letzten Tores,

Pinselkranz (1993, Stiftung Stadtmuseum Berlin), Öl auf Leinen,

Pelé schoss sein letztes Tor für Brasilien

Fotos: Fotostudio Bartsch, Angelika Weidling

im Spiel gegen Österreich im Jahr 1971.

© Rita Preuss Stiftung

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — T E R M I N E F Ü R E N T D E C K E R

Die 1924 geborene und in Berlin lebende Künstlerin Rita Preuss studierte von 1946 bis 1952 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei so unterschiedlichen Lehrern wie Maximilian Debus, Ernst Fritsch und Willy Robert Huth. 1951 wurde sie Meisterschülerin bei Max Pechstein. Von Beginn an arbeitete Rita Preuss gegenständlich und hat sich ein eigenständiges künstlerisches Profil innerhalb der Berliner Kunstlandschaft geschaffen. Im Jahr 2000 wurde sie mit dem Hannah-Höch-Preis in Berlin geehrt. Nachdem die Kunstsammlungen Zwickau bereits 2015 anlässlich des Internationalen Museumstages einen kleinen Ausschnitt ihres Werkes vorstellten, wird nun eine Ausstellung mit ihren vor allem sehr großformatigen Stadt- und Menschenbildern gezeigt. ☞ KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum Di–So/feiertags 13–18 Uhr Lessingstraße 1, 08058 Zwickau T +49 (0) 375 83 45 10 www.kunstsammlungen-zwickau.de


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13. Ausgabe – 5. Jahrgang

Michael Stoeber, Dipl.-Biol. Bettina Wurche DRUCK

erscheint im Verlag ARTMAPP GmbH Geschäftsführerin Silvia Brouwer

TEXTREVISION

NEEF + STUMME premium printing

Verlag in der Pfizerstraße 11, 70184 Stuttgart

Katrin Günther, Berlin

Schillerstraße 2, 29378 Wittingen

Firmensitz Hamburg

KUNST – Buch, Text, Netz

HRB 124474 Amtsgericht Hamburg

katrin_guenther@gmx.net

USt.-IdNr. DE284814593

VERTRIEB DPV Vertriebsservice GmbH

MITARBEITER DIESER AUSGABE HERAUSGEBER

Mark Brouwer, Bettina Götz, Nina Czayka,

Reiner Brouwer

Carmen Jäger, Ute Lauterjung

M +49 (0) 171 170 69 23

Süderstraße 77, 20097 Hamburg

ABO abo@artmapp.net

r.brouwer@artmapp.net

DATENBANKVERWALTUNG DER APP

20 EUR (D) / 42 EUR (EU und Schweiz)

Silvia Brouwer

Michael Lauterjung, app@artmapp.net

Einzelheftversand 10 EUR / 15 EUR (EU und Schweiz)

AUTOREN DIESER AUSGABE

ANZEIGENLEITUNG

Sebastian Baden, Kim Behm, Katja Behrens,

Silvia Brouwer

Am 10. März erscheint die nächste Ausgabe

Prof. Bazon Brock, Barbara Brubacher M.A.,

Pfizerstraße 11, 70184 Stuttgart

ARTMAPP Frühjahr 2017

Nicole Büsing & Heiko Klaas, Birgit Denizel M.A.,

T +49 (0) 711 161 224 15

Regina M. Fischer M.A., Hansjörg Fröhlich,

s.brouwer@artmapp.net

ISSN 2195-1594

Amrei Heyne, Jasmin Hummel, Kai Jäger, Carola

DESIGNKONZEPT

www.artmapp.net, mobil.artmapp.net,

Ertle-Ketterer, Siegmund Kopitzki, Carsten Probst,

Design – Chris Steurer, www.csteurer.com

www.facebook.com/ARTMAPP

Weitere Informationen unter www.artmapp.net

Dr. Chris Gerbing, Bettina Götz, Alice Henkes,

Der ARTMAPP Gesamtauflage liegt auf Seite 81 die Broschüre „250 Jahre Goldstadt Pforzheim“ der Stadt Pforzheim bei.

A R T M A P P   W I N T E R 2 016/17 — I M P R E S S U M

IMPRESSUM


Spiegelbilder in Kunst und Medizin Vito Acconci, William Anastasi, Christian Andersson, John Baldessari, Attila Csörgö, Marta Dell’Angelo, Dan Graham, Michaelangelo Pistoletto, Markus Raetz, William Utermohlen Kunstmuseum Thun, Hofstettenstrasse 14, 3602 Thun Di–So, 10–17 Uhr / Mi 10–19 Uhr, www.kunstmuseumthun.ch

John Baldessari, Reverse / Repeat Series: Spoons, Peas, Jars, Etc., 2001, Courtesy John Baldessari, Marian Goodman Gallery und Sprüth Magers

MIRROR IMAGES 11.2.– 30.4.2017


Schaf und RudeR ⅼ Wool and WateR

Lili Dujourie / Isa Genzken / Astrid Klein / Mischa Kuball Aron Mehzion / Reinhard Mucha / Sturtevant / Rosemarie Trockel

bis 27. Nov. 2016

SamSon Young

17. Dez. 2016 – 5. Mrz. 2017

Simon fujiWaRa

17. Dez. 2016 – 5. Mrz. 2017

www.kunsthalle-duesseldorf.de

ARTMAPP #13, Winter 2016/17  

Das Kunstmagazin für Entdecker

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