PLATTA

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E I N E E H E MALIG E NAC H BARSC HAFT I M HO C HTAL AVE RS

EINE EHEMALIGE NACHBARSCHAFT IM HOCHTAL AVERS

[29] vgl. NV;

Jürg Stoffel [1]

s. die im Buchu


Das Gebiet von «Underplatta», ca. 1975 [Abb. 1] Auf dem Buchumschlag ist vorne die Einzelhofsiedlung «Underplatta» mit ihrem 1988 abgebrochenen langen Stall zu sehen, hinten das Gehöft «Bim Nüwa Hus». Titelfoto des Magazins «Schweiz Suisse Svizzera Switzerland» Nr. 7/1977, reproduziert mit freundlicher Genehmigung von «Tourismus Schweiz». – Massstab 1:50‘000, 2 cm entsprechen 1 km. Das Averstal in der Übersicht [Abb. 2] Oberhalb des Zusammenflusses von Avner und Madriser Rhein liegt die ehemalige Nachbarschaft Platta auf einer rechtsrheinischen, gestuften Terrasse – mitten in einer schroffen Hochgebirgslandschaft.

[2]


[29] vgl. NV;

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s. die im Buchu


 


EINE EHEMALIGE NACHBARSCHAFT IM HOCHTAL AVERS

Jürg Stoffel


FINANZIERUNG Gestaltung und Druck der vorliegende Publikation – Resultat jahrelanger ehrenamtlicher Recherche- und Forschungsarbeit – wurden durch Beiträge folgender Institutionen ermöglicht: Druckerei Krebs AG, Ernst Göhner Stiftung, Fondation des Fondateurs, Gemeinde Avers, Kraftwerke Hinterrhein AG, SWISSLOS & Kulturförderung Kanton Graubünden, Lienhard-Stiftung, Tino Walz-Stiftung, Walservereinigung Graubünden. Um das Buch leicht zugänglich zu machen, wurde ein familien- und tourismusfreundlicher Verkaufspreis von 25 Franken festgesetzt.

Verein Kulturlandschaft Platta (Avers) – VKP Der VKP bezweckt die Erhaltung der Siedlungs- und Kulturlandschaft im Gebiet der ehemaligen «Nachbarschaft Platta» in der Gemeinde Avers, Kanton Graubünden, insbesondere die Restaurierung historischer Bauten und Anlagen. Mit der Rettung von landschaftsprägenden Gebäuden will der Verein zum einen das Bewusstsein für die kulturelle Vergangenheit und Identität «des Avers» fördern, zum anderen einen Beitrag zur Erhaltung seiner touristischen Attraktivität leisten. Kontakt: info@kulturlandschaftplatta.ch


DANK Zur Aufarbeitung der Thematik habe ich mich zum einen durch zahlreiche Urkunden, amtliche Akten und Bücher hindurchgearbeitet. Zum anderen aber stammen meine Informationen von Personen, mit denen ich mich verbunden fühle und denen ich zu grossem Dank verpflichtet bin. An dieser Stelle möchte ich gerne an sie erinnern: An erster Stelle ist mein Grossvater Johann Rudolf Stoffel (1870 – 1952) zu nennen. Er hat bereits im Jahr 1937 mit seinem eigenständigen, mehrfach aufgelegten und bis heute grundlegenden Buch «Das Hochtal Avers» den Grundstein zur Erhaltung und Beschreibung der Kultur dieses Siedlungsgebiets gelegt. Wichtige Gewährspersonen für meine Forschungsarbeit waren des weiteren Georg ( Jöri) Salis (1908 – 1982), aufgewachsen im Madris und wohnhaft gewesen in Cresta /Avers, sowie Simon (Schmunli) Heinz-Veraguth (1910 – 1994), geboren in Platta «Bim Nüwa Hus», aufgewachsen im Madris und nach seiner Heirat wohnhaft in Pürt/Avers. Beide besassen u. a. auf Plattnergebiet zahlreiche Güter, das Wohnhaus «Bim Nüwa Hus» sowie Ställe. Mein grosser Dank geht schliesslich an Dr. Dr. h. c. Philipp Egger, Basel /  Campsut, welcher die Redaktion dieser Arbeit besorgte und sich auch für die Gestaltung des vorliegenden Buches unermüdlich einsetzte. Die Herausgabe dieser Publikation ist sein Verdienst. Buchen im Prättigau, Juni 2018 Jürg Stoffel


Stoffel, Jürg PLATTA; EINE EHEMALIGE NACHBARSCHAFT IM HOCHTAL AVERS

Herausgeber: Verein Kulturlandschaft Platta (Avers) – VKP, Cresta/Avers Grafik: a+ caruso gmbh, Gregorio Caruso, Basel Druck: Druckerei Krebs AG, Basel Auflage: 500 Juni 2018 ISBN 978-3-033-06491-1


VORWORT Die vorliegende Schrift über Platta im Aversertal ist eine sorgfältige Untersuchung einer ehemaligen früheren Siedlungs- und Kulturlandschaft. In Fortsetzung des sehr interessanten Buches über das Hochtal Avers, verfasst 1937 von seinem Grossvater Johann Rudolf Stoffel, hat sich nunmehr Jürg Stoffel auf die ehemalige Nachbarschaft Platta konzentriert und ein lebendiges Bild dieser unterdessen untergegangenen Siedlung präsentiert: Die Geographie, Siedlungsstruktur, Wohn- und Wirtschaftsbauten, Bewirtschaftung des Landes, Verkehrswege und speziell die etwa 120 Flurnamen. Platta, am oberen Eingang zum Haupttal gelegen, war eine der einst sieben Nachbarschaften der Gerichtsgemeinde Avers, wo sich auf mehreren Höhenstufen (vorwiegend zwischen ca. 1840 m bis 2140 m gelegen) Wohnbauten und Ställe, Wiesen und Alpen befanden; im Süden gehörte noch die Letzialp links des Averser bzw. Avner Rheins zu Platta. Die Besiedlung weist für die Frühzeit (Hoch- bis Spätmittelalter) auf eine Landnahme durch romanische Bauern aus dem Oberhalbstein oder dem Schams hin. Im etwas tiefer gelegenen Campsut gab es zu jener Zeit einen intensiven Ackerbau, von dem Abgaben an die St. Lorenzkirche in Riom im Oberhalbstein abgeliefert wurden. Die Viehwirtschaft war von Herden von Milchschafen geprägt; Orts- und Flurnamen auf *feta deuten darauf hin. Das Grossvieh erlangte erst im ausgehenden Mittelalter grössere Bedeutung. Von Platta aus erreichten die Siedler über einfache Saumwege, unten durch das Gebiet von Tascheal und oben durch die Plattner Alpen, die Alp Starlera, dann über Pass Mal den Starlerapass (Fuorcla Starlera, 2512 m) und schliesslich Riom. Im Einzugsgebiet von Platta liessen sich auch Bergeller Geschlechter (Salis) nieder, die aus Sekundärsiedlungen des Tales hieher gezogen waren. Seit der Walsereinwanderung ca. Mitte des 14. Jhs. wurden die deutschsprachigen Siedler die intensivsten Landnehmer. Von ihnen stammen in der Folge die meisten Flurnamen. Sie, die Walser, haben auch am längsten ihren ständigen Wohnsitz in den Hochlagen von Platta beibehalten. Im 20. Jh. aber gaben auch sie ihren ständigen Wohnsitz in dieser Gegend auf; Landwirt Simon Heinz aus Pürt war der letzte, der «Bim Nüwa Gada» anfangs der 1980er Jahre sein Heu noch ausfütterte. Insgesamt spiegelt die Nachbarschaft Platta, wie mehrere andere Avner Nachbarschaften auch, das Bild einer vielfältigen, ursprünglich von romanischen, italienisch- und deutschsprachigen Bewohnern geprägten Hochgebirgslandschaft wieder: ein einzigartiges Siedlungsbild! Dr. Martin Bundi a. Nationalratspräsident


INHALT Einleitung 1.

7

Eine von sieben Nachbarschaften

9 11 11 17

Bedeutung des Ortsnamens «Platta» 1.2 Auf Romanen folgen Walser 1.3 Lage, Grenzen und Wege

1.1

Siedlungen und Bauten 37 Hofsiedlungen 39 2.1.1 Bestehende Hofsiedlungen 39 2.1.2 Abgegangene Hofsiedlungen 69 2.2 Einzelbauten 77 2.2.1 Bestehende Einzelbauten 77 2.2.2 Abgegangene Einzelbauten 91 2.3 Mauern, Gruben und der Richtplatz 103 2.

2.1

Bewirtschaftung Wiesen 3.2 Alpen 3.3 Transportmittel 3.

107 108 109 114

3.1

Siedlungs- und Flurnamen 119 Bedeutung und Gefährdung von Flurnamen 121 4.2 Namenverzeichnis (NV) 123 4.3 Historische Namen und Bezeichnungen 135 4.

4.1

Anhang Familiennamen: 16. bis 19. Jh. 5.2 Die Familie Salis «Bim Nüwa Hus» 5.3 Der Avner Heuwagen 5.4 Quellen 5.5 Literatur 5.6 Abkürzungen 5.7 Begriffe, Avner und Walser Wörter 5.8 Abbildungsverzeichnis

139 140 141 145 150 158 160 161 170

5.

5.1

Flurnamenkarte im Massstab 1:10’000

hinten eingelegt


EINLEITUNG In meiner Jugendzeit, wenn ich mit den Eltern in Campsut die Sommerferien verbrachte, stiegen wir jeweils mehr als einmal durch das «Bärggli» oder das «Laub» nach Platta hinauf, sei es zu einem Besuch im «Stafelti», welches dem Cousin meines Vaters ( Johann Stoffel, 1907 – 2007) gehörte, oder um von der Alp Butter und Käse zu holen. Platta ist die Heimat meiner Vorfahren väterlicherseits; mein Ur-Ur-Ur-Urgrossvater Zacharias Stoffel ab Platten (1723 – 1778) wohnte mit seiner Familie im «Gruabahus». Jahrzehnte später interessierten mich als Avner Gemeindeschreiber, Grundbuchverwalter und Archivar (1973 – 1991) sowie als Kreispräsident (1983 – 1991) die Geschichte und Kultur meiner Heimatgemeinde. Stets versuchte ich, auch die alte, das Tal prägende Baukultur zu erhalten und zu fördern. Im Jahr 1978 konnte ich den ganzen Hof «Bim Nüwa Hus» käuflich erwerben, was meine Bindung zum uralten, ursprünglich romanischen und seit dem 15. Jh. walserischen Siedlungsgebiet der «Nachbarschaft Platta» massgeblich verstärkte. Meinen Beitrag zur Erhaltung dieses einzigartigen kulturellen Erbes versuchte ich mit der Restaurierung und teilweisen Renovierung des Hofes «Bim Nüwa Hus» (1979 – 1984) zu leisten. In den letzten 30 Jahren ist der Zerfall alter Bauten rasch vorangeschritten. Auch die Änderungen in der Art der landwirtschaftlichen Nutzung kamen schnell und waren einschneidend; sie werden sich nach Abschluss der laufenden Melioration auch im Gebiet von Platta noch beschleunigen. Diese grossen Veränderungen der Kulturlandschaft bewogen mich, erneut einen Beitrag zu ihrer Erhaltung zu leisten, diesmal einen ideellen. Die vorliegende Publikation zur Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte dieser ehemaligen Nachbarschaft in der alten Gerichtsgemeinde Avers ist in den vergangenen vier Jahren Schritt um Schritt entstanden. Sie gliedert sich in ihren Hauptstücken in ein umfassendes, kommentiertes Siedlungsinventar, welches auch die abgegangenen Bauten berücksichtigt, und in ein Namenverzeichnis, das in erster Linie die Flurnamen darstellt. Um den Inhalt des Texts bildlich zu unterstützen, wurde er mit Illustrationen reich versehen. Besonders die Fotos aus den letzten hundert Jahren machen als historische Dokumente den raschen Wandel und die Veränderung der Kulturlandschaft anschaulich und greifbar. Zum Schluss möchte ich auf die verschiedenen Landkartenausschnitte hinweisen, insbesondere auf die hinten in den Buchumschlag eingelegte Flurnamenkarte. Sie sind als Begleiter bei der Lektüre des Buches unverzichtbar.

[ 11 ]


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Blick vom Avner Obertal nach Norden (talauswärts), ca. 1900 [Abb. 3] Im Vordergrund der zur ehemaligen Nachbarschaft der «Höfe» zugehörige Weiler Pürt und weiter talauswärts die Nachbarschaft Cresta mit der Talkirche. Im Hintergrund das Gebiet der Nachbarschaft «Platta». Nicht zu sehen sind die Nachbarschaft «Casal» sowie die drei Nachbarschaften des unteren Avers, «Madris», «Cröt» und «Campsut».

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EINE VON SIEBEN NACHBARSCHAFTEN

[29] vgl. NV;

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Eine von sieben Nachbarschaften Der «Freistaat Gemeiner Drei Bünde», bestehend aus dem Gotteshausbund, dem Oberen oder Grauen Bund und dem Zehngerichtenbund, entstand im 14./15. Jh. und existierte bis zum Zusammenbruch der Alten Eidgenossenschaft 1798. Verwaltungseinheiten waren die ursprünglich 52 Gerichtsgemeinden als einzelstaatliche Glieder der einzelnen Bünde wie auch der Staatenverbindung Gemeiner Drei Bünde. Allein den Gerichtsgemeinden stand nach Ablösung der Feudalrechte im 14. Jh. die politische Gewalt zu, und sie waren in der Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit sowie in der Verwaltung selbständig.[1] Die Landschaft Avers besass bereits im Jahr 1396 ein eigenes Siegel.[2] Innerhalb der Gerichtsgemeinde bestanden die sog. «Nachbarschaften», welche als reine Gebiets- und Wirtschaftskörperschaften galten und die innerhalb ihrer räumlichen Ausdehnung Statuten und Vorschriften betreffend Weide, Wegen, Alpen etc. aufstellen konnten.[3] Da sämtliche Wälder, sogar jeder auf privaten Gütern stehende Baum, gemäss den Bestimmungen des Landbuches Avers von 1622 der Gerichtsgemeinde gehörte (sog. «Pflanzensuperficies»), oblag ihr allein die Regelung der Bau- und Brennholzabgabe an die einzelnen Landschaftsbürger. Diese restriktive Massnahme ergab sich einerseits aus den relativ kleinen Waldgebieten, welche oft die Funktion von Bannwäldern hatten, und dem Nutzungsdruck der zunehmend grossen Bevölkerungszahl; im Jahr 1655 wurden im Avers 498 Einwohner gezählt.[4] Die Zuständigkeit der «Nachbarschaft Platta» beschränkte sich daher auf den Erlass von Bestimmungen über die Nutzung der Alpen und den Unterhalt der internen Hauptwege.

iver, S. 116; Pieth, S. 110 L andbuch Avers von 1622, GAA L [3] Liver, S. 134 [4] Stoffel 1938, S. 63; Zum Vergleich: [1] [2]

Ende 2015 waren 168 Personen im Avers sesshaft. [5] Sprecher v. Bernegg, S. 231 [6] Die geographische Orientierung der Avner äussert sich sprachlich wie folgt: - talaufwärts heisst «taleinwärts» («yhi», ins Tal hinein); - talabwärts heisst «talauswärts» («uus», aus dem Tal hinaus). Gleichenfalls bedeutet «ybert dem Gada» vom Stall her taleinwärts und «uusbert dem Gada» vom Stall her talauswärts. Der «indera Gada» schliesslich ist der taleinwärts gelegene, der «ussera Gada» der talabwärts gelegene Stall; s. auch Kap. 5.7 Begriffe, Avner und Walser Wörter [7] Weber, S. 41

Wie Fortunat Sprecher v. Bernegg in seiner Bündnerchronik «Pallas Rhaetica» von 1617 schreibt,[5] hatte die alte bündnerische Gerichtsgemeinde Avers sieben Nachbarschaften, nämlich: «1. Madrisium [Madris), 2. Crottum [Cröt], 3. Campsuptum [Campsut], 4. Platta [Platta], 5. Casale [Casal], 6. Cresta [Cresta], 7. Curtes [Die Höfe].» Letztere umfasste das ganze Gebiet vom «Maleggabach» zwischen Cresta und Pürt bis hinein[6] nach Juf. Möglicherweise hängt die Zusammenfassung dieses Gebiets als Nachbarschaft «die Höfe» mit deren im 15. Jh. urkundlich nachgewiesenen Zinspflicht gegenüber dem Hospiz St. Peter auf dem Septimerpass zusammen.[7]

[ 14 ]


E I N E VON S I E B E N NAC H BARSC HAFTE N

1.1

[Bedeutung des Ortsnamens «Platta»]

Laut dem Rätischen Namenbuch bedeutet «Platte» Felsplatte, ebene Felsplatte, Terrasse, Hangfläche und geht jedenfalls auf das romanische «Platta» zurück.[8] Der Name dieses Gebietes stammt folglich von den romanischen Siedlern, die das mittlere Averstal vom 11. bis zum 13. Jh. urbarisierten sowie besiedelten,[9] und wurde von den im 14. Jh. eingewanderten Walsern übernommen. Für Avers ist die Form «Platta» urkundlich ausgewiesen und der Avner nennt das Gebiet denn auch heute noch «An Platta». Dieser Orts- bzw. Gebiets- und Flurname passt ausgezeichnet auf das terrassenförmige Gelände mit den einzelnen Höfen auf den verschiedenen Stufen.[10] Urkundlich tritt der Name «Platta» im Urbar des Domkapitels Chur um das Jahr 1370 erstmals auf.[11] Darin werden, unmittelbar nach den Besitzungen der St. Lorenzkirche im Oberhalbstein, auch Zehntenabgaben im Avers aufgeführt, insbesondere «in Platta de ca noua» (in Platta beim neuen Haus). Diese Abgaben bestanden aus Lämmern und waren nach Reams (Riom im Oberhalbstein) abzuliefern.[12] Der Hof «Under Platta» wird erstmals in einem Zinsbrief vom 15. Juni 1551 erwähnt, in welchem als Pfandobjekt ein Stück Wiese verzeichnet ist, «das liet uf der under platta daruff ein gaden stat».[13] Bezeichnenderweise handelt es sich beim Schuldner und Pfandeigentümer um «Christa [Christian] blattner», dessen Familienname sich offensichtlich von seinem Wohnsitz ableitet. Nicolin Sererhard nennt in seiner «einfalten Delineation aller Gemeinden gemeiner dreyen Bünde» vom Jahr 1742 die Nachbarschaft «auf der Platten».[14]

1.2

[Auf Romanen folgen Walser]

Platta zählt nebst Madris, Campsut, Campsur, Cresta und Juf zu den ältesten ganzjährigen Niederlassungen im Avers. Zu den mittelalterlichen Höfen der Romanen, welchen dieser Ausbau der Siedlungen in der Zeit vom 11. bis 13. Jh. zugeschrieben wird,[15] gehörten ausgedehnte, zusammenhängende [8] Schorta, S. 467 [9] Bundi, S. 77 Güter, Weiden und Alpen, die eine dauernde Sesshaftigkeit ermöglich- [10] s. auch W. Z., Literaturverzeichnis ten. Die einzelnen Höfe im Gebiet von Platta bildeten eine auf verschie- [11] von Mohr, S. 64 denen terrassenförmigen Geländeplatten verteilte, dorfähnliche Siedlung, [12] Bundi, S. 211 [13] s. Abb. 66 die in der «Nachbarschaft Platta» zusammengefasst wurde. Die roma- [14] Sererhard, S. 64 nischen Siedler, welche das Gebiet urbarisiert hatten, betrieben Schaf- [15] Weber, S. 37 wirtschaft, was u. a. der im Jahr 1370 urkundlich fassbare Lämmerzehnten, [16] Aus romanisch, bergellisch «feta», Milchschaf, das frisch geworfen hat der Flurname «Feda»[16] aber auch die bis 1899 einzig als Schafalp genutzte (Bundi, S. 69); vgl. NV [17] s. Kap. 3.2 Alpen; Bundi, S. 211 f. «Letzialp» bezeugen.[17]

[ 15 ]


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Eine Änderung dieser Verhältnisse trat erst mit dem kontinuierlichen Vordringen der Walser und der Überlagerung der nurmehr spärlichen romanischen Bevölkerung im 15. Jh. ein. Bereits im 14. Jh. (1354 und 1393) verliessen Romanen aus dem Avers das Tal und liessen sich im Schams mit Hofstatt, Äckern und Wiesen des Bistums Chur belehnen.[18] Dass aber auch seinerzeit eingewanderte Walser die Nachbarschaft «Platta» verliessen und Güter im Schams erwarben, zeigt eine Urkunde vom 1. März 1551, laut welcher «Jery Heinz von Affers uff der Platten» von verschiedenen Schamsern das dortige Maiensäss «ora dagla mit hütten, stadel und ställen» für 75 Gulden kaufte.[19] Bereits am 10. November 1403 übergab Burkart v. Schauenstein dem Göri, Sohn des verstorbenen «Walther von Blatten in Avers», welcher damals in Mutten sesshaft war, verschiedene Grundstücke in Mutten zu einem ewigen Zinslehen.[20] Insbesondere wurde im 15./16. Jh. die Schafhaltung reduziert; die Walser stellten auf die Haltung von Grossvieh um, da dieses auf den Märkten der Alpensüdseite lohnenden Absatz fand.[21] Das walserische Erbrecht sah die Realteilung der Güter vor, indem die nutzbaren Grundstücke und die Alpteilrechte gleichmässig unter den Erben aufgeteilt oder die Grundstücke zerstückelt wurden, was sich sehr nachteilig auf die Bewirtschaftung auswirkte und zur Folge hatte, dass je nach Umfang und Ertrag der Güter an den dortigen Gebäulichkeiten (Häusern und Ställen) Miteigentum geschaffen werden musste. Diese zersplitterten Eigentumsverhältnisse zwangen die Besitzer im Jahreslauf, speziell im Winter, zur Ausfütterung des Heus samt dem ganzen Viehbestand den Wohnsitz zu wechseln – z. B. vom Stettli im Madris nach Platta oder von Juf nach Pürt, woraus das für das Avers charakteristische Halb-nomadentum mit der Übersiedlung des Hausstandes («Roba») und der Viehabe («Säila») entstand.[22]

[18] Bundi, S. 226 [19] StAGR, D

VI A ll 1 Nr. 76 Mutten, Urkunde Nr. 1 [21] Bundi, S. 585 [22] Stoffel 1938, S. 192; s. Kap. 5.7 Begriffe, Avner und Walser Wörter [23] KPA 1915: Bergwiese «im äusseren Fad» [24] Stoffel 1938, S. 61 [20] Gemeindearchiv

Im Gebiet von Platta standen in früheren Zeiten 12 oder 13 Wohnbauten sowie zahlreiche Ställe, und das Wiesland im «Fatt» und in den «Lengabärga» / «Steiniga Bärga» wurde noch anfangs des 20. Jhs. bis in eine Höhe von gegen 2’400 m ü. M. bewirtschaftet.[23] Bereits in den Urkunden des 16. Jhs. fällt auf, dass zahlreiche Besitzer von Liegenschaften «An Platta» auch Güter sowie Wohnhaus- und Stallanteile im Madris besassen.[24] Dieser Umstand dürfte nebst der relativ geringen Distanz zwischen den Höfen im Madris und Platta auch auf die unterschiedlichen Bewirtschaftungszeitpunkte der Wiesen in den beiden Lagen zurückzuführen sein. Im Madris liegen die Fluren zwischen 1’800 und 1’900 m ü. M., auf Platta hingegen von 1’850 bis 2’400 m ü. M.

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«Roba», 1939 [Abb. 4] Eine Bäuerin führt das «Gläiti», beladen mit dem notwendigen Hausrat, von einer Wohnstätte zur nächsten.

Im Laufe der Zeit wurden die Gebäulichkeiten von den Eigentümern nur noch während der Heuernte und zur Ausfütterung des Heus im Winter benützt, wobei diese letztere Aufgabe später oftmals Knechten übertragen wurde. Nach der Umwandlung der Siedlung «an der Oberplatta» in einen Alpbetrieb im Jahr 1942 wohnten keine Familien mehr dort, nicht einmal zeitweise. Damit endete die seit Jahrhunderten ununterbrochene Besiedlung dieser Kulturlandschaft.[25] Bei der ehemaligen Hofsiedlung «An der Oberplatta» fällt auf, dass zwei der Wohnhäuser als Steinbauten in Erscheinung traten, indem der gestrickte Holzteil mit Mauerwerk vorgeblendet war. Beide Häuser stammten wohl aus dem 16. Jh. und waren relativ gross. Der Hinweis, die beiden Bauten seien durch diese Vormauerungen besser vor dem starken Föhn aus dem Madris geschützt, mag zutreffen, aber es erstaunt trotzdem, dass in dieser höchstgelegenen Siedlung des Avers auf 2’142 m ü. M. gleich zwei vollständig verputzte und weiss gekalkte Häuser standen. [25] s. Kap. 4.1 Bedeutung und Gefährdung von Flurnamen

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Die ehemalige Hofsiedlung «Oberplatta», ca. 1930 [Abb. 5] Links und rechts der Weide «im Gufer» zeigt sich der Stand der damaligen Erschliessung: Zur Hofsiedlung führte nur ein steiler und alter Fussweg, der den «Plattnerbach» auf einem einfachen Holzsteg querte. Die Telefonmasten aber zeugen davon, dass eine direkte Verbindung zur Aussenwelt gewährleistet war.[26]

[ 19 ]


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«Oberplatta», ca. 1889 [Abb. 6] Die auf 2’142 m ü. M. liegende Hofsiedlung «Oberplatta» mit den drei Wohnhäusern und verschiedenen Stallbauten. Oberhalb der stattlichen Häusergruppe ist im «Tristel» (Flurname) ein Viehstall zu sehen, welcher heute nicht mehr existiert.

Sogar die runden Giebelfensterchen des unteren Hauses waren mit aufgemalten Ornamenten verziert: «In vielen Fällen hat man den Eindruck, dass Vormauerungen oder Verputz nur angebracht worden sind, um einen Massivbau vorzutäuschen, weil das Steinhaus in Gesellschaft mit Holzbauten als das vornehmere galt.»[27] Bei den übrigen Wohnbauten im Gebiet «An Platta» bzw. in der ehemaligen Nachbarschaft Platta, welche allerdings jünger sind, handelte es sich durchwegs um Holzbauten. [26] vgl. Abb. 19;

Zur Erschliessung des Gebiets von «Platta» in neuerer Zeit s. Kap 1.3 Lage, Grenzen und Wege, am Schluss des Abschnitts «Allgemeines» [27] Simonett Bd. 1, S. 20

[ 20 ]


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1.3

[Lage, Grenzen und Wege] ALLGEMEINES

Das Hoheitsgebiet der ehemaligen Landschaft oder Gerichtsgemeinde Avers wird im sog. «Grenzbrief» von 1520 umschrieben, von dem sich im Gemeindearchiv Avers eine Abschrift befindet. Die Grenzen der heutigen Gemeinde Avers decken sich mit dem bald 500 Jahre alten Grenzbeschrieb. Auch die nördliche Grenze der ehemaligen «Nachbarschaft Platta» ist in dieser Urkunde aufgeführt; sie wird in der nachfolgenden Transkription kursiv gekennzeichnet:

DER AFFNERISCHEN CONFINEN [GRENZEN] COPIA

Im Jar als man zalt von der geburt Christi im 1520 ten jar hatten ein gmeindt dazumal Aman Enderlin in Madrisch mit sampt dem gericht und gantzer gemeindt in Auer [Avers] geordnet, gesetzt und gemacht; Diese hernach geschribne stuckh und artickel: und das auch ein ytlicher wüsse wie weyt und feer unser landtsgebiet marckh, zyl, zwing und ban, gryfft und gange. Das anfenglich das leyenwasser [Reno di Lei] dz da stosst in Ryn [Rhein] und von dem Layenwasser uf an Platnerberg [Guggernüll] und uff den grad [Berggrat] und dem gradt nach in den Grauwen Berg [Hüreli] und von dem Grauwenberg in uff den Wyssenberg und vom Wyssenberg der höhe nach biss auff den Stallenberg. Vom Stallenberg biss auff dz fürckli der höhi nach. Und der hohi nach über in Bergellerberg. Und darnach zwüschent Bergeller alp und Bregalger alp und denn usswert in Salientberg [Salient] der höhi nach und denn herauss von Salientberg abwert an die Zocka [Zocca] die da stosst an die Bleyss [Alp Bleis] und daselbst überhin by der sunnen abgang [im Westen] an den Seebach der da abrinnt zwüschent Madrischer und Bergeller alpen in die höhe welche da stosst uf auff den Glötscher und ausserwert der höhi nach in den Russen [Pizzo Rosso]. Und auswert der höhe nach bis in dz Schyenhorn. Vom Schyenhorn der höhe nach in Cambsutteralp und ab oder uss der höhe nach in den Leybach [Reno di Lei] und an Affner bruckh [Avner Brücke über den Reno di Lei].

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Die Streusiedlung «Platta», 1994 [Abb. 7] Von der gegenüberliegenden Talseite aus ist die terrassenartige Stufung in einzelne Hofsiedlungen sowie in Wiesen, Bergwiesen und Alpgebiet gut zu erkennen.

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Ubriges in disem brieff begriffen sind nur artickel und landtsatzungen die ad dipositum und zur praesent sachen gantz nid dienend. N.B. ist ab dem Afnerischen confinen satzungen brieff dz ob geschribne im bysein hern stathalters und meiner herren in Auer ab copirt ab dem original von wort zu wort, auss dero befelch und vor mich underschriben Und darum ihr hr. minister Petrus metgierus in jrem nammen sich auch underschriben. Geschriben worden in beywesen herren stathalter Rudolf Joss und meiner herren dess gerichtspresenten bezeüg ich Peter metier Kirchendiener in Affer [Avers] auss gesagter herren befelch in mano propria [eigenhändig]. Ich Steffen von Camenisch pfarrer zu Cylis [Zillis] pt. Und Sylss [Sils im Domleschg]» [28] Im Jahr 1986 erstellte die damalige PTT eine unterirdische Elektro-Kabelleitung ab der Kantonsstrasse bis zu ihrem Fernmeldeantennenmast im «Cualti» und verlegte gleichzeitig ein Glasfaserkabel für die Übermittlung. Bei dieser Gelegenheit beschloss die Gemeindeversammlung Avers, die Sekundärleitungen für die Haus- und Stallanschlüsse im ganzen Gebiet von «Platta» ebenfalls im Graben der PTT zu verlegen. Der gesamte Siedlungsraum präsentiert sich deshalb heute frei von störenden Starkstrom- und Telefonstangen. Zur besseren Erschliessung der «Plattneralp» baute der Verein Asyl Neugut in Landquart 1971 ein Fahrsträsschen ab der Kantonsstrasse, da sich der alte Weg nicht für ein Befahren geeignet hatte, weil er teilweise zu steil und zu schmal gewesen war. Im Rahmen der gegenwärtig laufenden Gesamtmelioration Avers soll dieser Fahrweg verbessert und in Form von zwei Betonfahrstreifen neu gebaut werden. [28] Steffen

Camenisch von Tamins war von 1640  – 1645 Pfarrer im Avers; s. dazu Stoffel 1938, S. 171. Die Abschrift (Copia) des «Grenzbriefs» von 1520 wurde demnach Mitte des 17. Jhs. angefertigt.

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Das Gebiet der ehemaligen «Nachbarschaft Platta» [Abb. 8] Das zur ehemaligen «Nachbarschaft Platta» gehörende Gebiet «Letzialp» südlich des Avner Rheins ist grau hinterlegt; s. dazu Abb. 9 – Massstab 1:20’000, 5 cm entsprechen 1 km. [ 25 ]


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UMGRENZUNG

Die Hofsiedlungen «an Platta» auf der rechten Talseite des oberen Avers bildeten eine Nachbarschaft der ehemaligen Landschaft und Gerichtsgemeinde Avers; sie lag zwischen den Nachbarschaften «Casal» im Osten und «Cröt» im Südwesten. Im Gegensatz zu anderen Ortschaften im Avers und im Madris, welche alle entlang der Talstrasse aufgereiht sind, verteilen sich die Gebäulichkeiten und Güter im Gebiet von Platta über eine grosse, sonnige, nach Südsüdwest exponierte Bergflanke auf einer Höhe zwischen 1’840 m ü. M. und 2’400 m ü. M. Das Siedlungsgebiet Platta hatte folgende Umgrenzung:[29] Von der Einmündung des «Twärfattbaches» in den Rhein diesem entlang bis zur «Schärbalma», hinauf auf die «Flua», der Felskante des «Bärggli» entlang, unter Einbezug der «Löchlialp» auf die «Usseregga», ins «Oberlaub» und hinaus ins «Wangbächli». Von dort auf das darüberliegende Felsband und dem «Chleckaturra» folgend zum «Fattbüel», weiter zum «Wannaturra» und hinaus auf den «Guggernüll». Von dort der Territorialgrenze, d. h. dem Berggrat folgend in die «Grimsla», dem Grat entlang bis ins «Hüreli»,[30] abwärts an die alte Mauer zu oberst der «Oberganda», welche die Plattner- von der Cresteralp trennt. Von dort dem östlichen Rand des unteren «Gandagufers» bis zu unterst folgend und der obersten Felskante des «Twärfatt» nach ob dem «Wegg» bis zum «Bächabach» und diesem nach abwärts bis zur Einmündung in den «Twärfattbach» und von dort in den Rhein zum Ausgangspunkt. Zur «Nachbarschaft Platta» gehörte aber auch die «Letzialp» auf der gegenüberliegenden Talseite, welche folgende Begrenzung aufwies: Von der Einmündung des «Alpbach» in den Rhein ersterem folgend bis auf den Grat,[31] der Höhe nach über das «Hougrätli» in den «Ramsbärg» und abwärts auf den «Chrömliturra», diesem folgend zum «Letzitürli» an den Rhein und diesem entlang zurück zum Ausgangspunkt.

[29] vgl. NV;

zur Orientierung im Gelände s. die in den Buchumschlag eingelegte Flurnamenkarte hinten. [30] LK Pt. 2762 [31] LK Pt. 2638

[ 26 ]


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Das Gebiet der «Letzialp» [Abb. 9] Die ehemalige «Nachbarschaft Platta» nördlich des Avner Rheins, zu der die «Letzialp» gehörte, ist grau hinterlegt; s. dazu Abb. 8 – Massstab 1:20’000, 5 cm entsprechen 1 km.

[ 27 ]


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Der «Plattnerstäg», ca. 1889 [Abb. 10] Blick von Süden auf den «Plattnerstäg». Das nördliche Brückenlager auf der Plattner Seite wurde aus dem Felsen herausgeschrotet. Links das heute noch vorhandene Brückenlager; vgl. Abb. 11.

[ 28 ]


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Der «Plattnerstäg», 2003 [Abb. 11] Das auf einer mächtigen Steinplatte am Rheinufer aufgemauerte südliche Brückenlager des «Plattnerstäg»; vgl. Abb. 10.

ZUGANG

Auch wenn der eigentliche Zugang zum Siedlungsgebiet Platta erst beim «Plattnerstäg» beginnt, ist der Verlauf des alten Landweges ab dem «Letzitürli», dessen Spuren heute noch im Gelände sichtbar sind, interessant. Er führte von dort am Fuss des «Galgaboda», der ehemaligen Richtstätte der Landschaft Avers, vorbei zum «Galgabächli» und nach ca. 100 m in den Wald unterhalb der 1890 / 95 erbauten Strasse. Durch diesen und durch die von der «Stutzlawine» geschlagene Lichtung gelangte man zur hohen Felsenecke zu unterst der «Härdegga» an den Rhein. Dieses Wegstück vom «Galgabächli» bis an den Rhein hinab hiess wegen der erheblichen Steigung «uf em Stutz». Dann gelangte man dem Ufer des Rheines folgend über ebenen Boden mühelos zum «Plattnerstäg». Die heikelste Stelle dieses Wegstückes dürfte bei der erwähnten Felsenecke gewesen sein, denn heute ist der Durchgang zu Fuss sehr erschwert, da der Rhein sein Bett ausgeweitet und die dortige Uferpartie auf einer Länge von ca. 10 m weggerissen hat.

[ 29 ]


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Der «Twärfattbach» und das «Chinn», ca. 1998 [Abb. 12] Das «Chinn» mit dem steilen Aufstieg nach dem «Plattnerstäg» zum «Walla».

[ 30 ]


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«Wegpartie mit Stützmauer im «Bärggli» zwischen der «Flua» und dem «Cualti», ca. 1998 [Abb. 13] Der Fussweg von «Platta» nach Cröt war oberhalb der «Flua» mit einer Stützmauer vor dem Abrutschen gesichert.

HAUPT- UND VERBINDUNGSWEGE

Der Zugang nach Platta ab dem alten Landweg erfolgte zur schneefreien Zeit über den «Plattnerstäg» und im Winter, wenn der Schlittweg für die Holztransporte durch das «Ussertobel» erstellt war, über den Rhein.[32] Vom «Plattnerstäg» führte der Weg steil durch das «Chinn» hinauf zum «Walla», wo man über die «Börtli» die Hofsiedlung «an der Underplatta» erreichte. Oberhalb des Wohnhauses, wo der Weg im Bereich der grossen Steine noch gut sichtbar ist, führte er dann auf dem «Egg» zum «Nüwa Hus», um sich anschliessend, ungefähr auf der Linie des heutigen, 1971 vom Verein Asyl Neugut gebauten Fahrsträsschens, bis zu «Ds Andersch Hus» fortzusetzen. Unmittelbar nach dieser Hofsiedlung stieg dann der Weg stärker an und führte ausserhalb des «Schmidisch Gädemli» über das «Stafeltibächli» und in direktem Anstieg durch das «Gufer» zur «Oberplatta». Auf dem «Luss» zweigte der Weg in die «Gruaba» ab. Die Luftlinie zwischen dem «Plattnerstäg» und der «Oberplatta» beträgt 1,1 km und der Höhenunterschied 330 m, was eine ausserordentliche Wegsteigung von über [32] Stoffel 1938, S. 24

[ 31 ]


Alter Landweg von Cröt via «Casalerstäg» nach Cresta Campsut → «Campsur» (Macsur) → «Laub» → «Gruaba»; vgl. Abb. 17 Cröt → «Bärggli» → «Flua» → «Gruaba» sowie «Flua» → «Feda» → «Walla» «Plattnerstäg» → «Underplatta» → «Oberplatta» → «Gruaba» Cresta → «Wegga» → «Stafelti» → «Oberplatta» «Undercasal» → «Walla»

Das Wegnetz: Platta - Campsut - Cröt - Cresta [Abb. 14] Zwischen den Streusiedlungen im Gebiet «Platta» und den benachbarten Ortschaften stellte ein dichtes Wegnetz die Verbindung sicher. [33] Massstab 1:10’000, 10 cm entsprechen 1 km.

30 % ergibt. Transporte von Bau- und Brennholz sowie von Baumaterial (z. B. Kalk) waren nur im Winter mit Schlitten und vorgespannten Rindern («Gläiti») möglich, und man kann sich kaum vorstellen, welche Zähigkeit, Kraft und Ausdauer die Bewältigung dieser Wegstrecke den Bewohnern abverlangte.[34] [33] s. dazu

auch Kap. 3.3 Transportmittel und Kap. 5.7 Begriffe, Avner und Walser Wörter [34] In den Jahren 1958 bis 1962 wurden im Val di Lei die Staumauer und die Kraftwerkanlagen errichtet. Mit diesem Grossprojekt war der Ausbau der Avnerstrasse bis nach Juf zu einer wintersicheren Verbindung verbunden. Die hier verwendete Ausgabe der Landeskarte von 1964 ist die letzte, welche diese neue, rechtsrheinische Trasseeführung mit der Letzibrücke – und den Stausee «Lago di Lei» – noch nicht wiedergibt.

Von Cröt führte der Fussweg dem «Zubibächli» entlang, das «Bärggli» hinauf auf die «Flua», wo sich der Weg verzweigte. Aufwärts gelangte man in die «Gruaba» sowie nach «Oberplatta» und leicht abwärts durch das «Fedenalpelti» zum «Fedahus» und auf den «Walla» oder man stieg östlich des «Fedahus» höher hinan über den «Brunna» zum «Nüwa Gada». Einzelne, aus losen Steinen gemauerte Wegpartien zwischen der «Flua» und dem «Cualti» sind heute noch sichtbar. Von Cresta aus gelangte man auf dem auch heute noch von zahlreichen Wanderern begangenen Fussweg durch die «Wegga», am «Stafelti» vorbei zur «Oberplatta».

[ 32 ]


Plattnerstäg Casalerstäg

Von der «Underplatta» taleinwärts den «Twärfattbach» und den «Bächabach» überquerend, erreichte man den «Ussercasal» und gelangte beim «Undercasal» in den Landweg und schliesslich, die Brücke über den «Casalbach» überschreitend, zum Hauptort «Cresta». Ab dem «Plattnerstäg» verlief der alte Landweg dem Ufer des Rheines entlang bis zum «Casalerstäg» und über diesen die «Furra» hinauf zum «Undercasal». Von dort gelangte man zum «Obercasal» und über eine kleine gewölbte Brücke nach Cresta. Diese alte Bogenbrücke stürzte vor ca. 60 Jahren zusammen, und weiter unterhalb erstellte man einen hölzernen Steg über den «Casalbach», welcher jedoch vor ca. 30 Jahren ebenfalls zusammenbrach. Der heutige Fussgängersteg über den Casalbach steht an der Stelle der einstigen steinernen Brücke. Beim Bau der Talstrasse 1890 /95 wurde der hölzerne «Casalerstäg», welcher seinen Namen von der dortigen Nachbarschaft «Casal» erhielt, durch die unmittelbar daneben errichtete, steinerne Brücke ersetzt. Diese heisst heute «Cresterbrügga» und zwar deshalb, weil im 19. Jh. die Nachbarschaften aufgelöst und die Politische Gemeinde an die Stelle der bisherigen Gerichtsgemeinde trat.

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Der «Casalerstäg», ca. 1889 [Abb. 15] Der wie auch der «Plattnerstäg» ganz aus Holz gezimmerte «Casalerstäg» kurz vor dem Bau der Talstrasse 1890/95. Im Hintergrund der Aufstieg

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Der Alpweg «in da Schimpfsteina», 1988 [Abb. 16] Der schmale Weg führt zwischen mächtigen Felsblöcken hindurch.

[ 36 ]


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Die Nachbarschaft «Casal» existierte damals nicht mehr, und so ist es nachvollziehbar, dass man diesem neuen Übergang den Namen «Cresterbrügga» gab.[35] Vor dem «Casalerstäg» führte auf der linken Talseite ein Alp- und Holzweg durch die «Schimpfsteina» zum «Alpbach». Diesen Zugang benützten die Einwohner der Nachbarschaft «Casal» als Zugang zu der damals ihr gehörenden Alp «Capetta». Der Weg vom «Alpbach» auf die Höhe der «Lenga Flua» und von dort ins ehemalige Weidegebiet ist heute noch begehbar. Wie eingangs bereits erwähnt, war noch im 14. Jh. der Lämmerzehnten des Hofes «Bim Nüwa Hus» an den Grosshof (ehemaliger Königshof ) in Reams /  Riom im Oberhalbstein abzuliefern. Es muss folglich ein mittelalterlicher Weg von Platta ins Oberhalbstein geführt haben. Zu denken ist dabei an eine Route von der «Oberplatta» über die «Plattneralp» zum «Guggernüll»[36] und dann über das Alpgebiet «Dros» nach der Alp «Starlera». Von dort führt der Weg über den «Pass Mal» und weiter über den «Starlerapass» durch das «Val Curtegns» und das «Val Nandro» nach Reams. Diese Route wird auch heute noch als Wanderweg begangen, und alte Wegspuren sind vorhanden.[37] Der ca. 100 m höher und weiter östlich liegende Übergang «Plattnerlücka»[38] dürfte kaum begangen worden sein, da der oberste Teil des Abstieges ins «Val Starlera» steil und rutschig ist. Wegspuren sind dort jedenfalls keine vorhanden. Als in den Hochwasserjahren 1834, 1868 und 1885 der hölzerne Steg im «Leiltobel» (Reno di Lei) zwischen Innerferrera und Campsut fortgerissen wurde, begingen die Avner den alten, oberen Weg ins Oberhalbstein via «Guggernüll» mit Grossvieh.[39] Nebst dem Lämmerzehnten des Hofes «Bim Nüwa Hus» bezog der bischöfliche Dienstmann im Oberhalbstein, Heinrich de Fontana, noch um das Jahr 1400 Einkünfte von vier Äckern aus dem Avers, offenbar von Campsut. Auch die Höfe des Avner Obertales waren noch im 15. Jh. dem Hospiz auf dem Septimerpass zinspflichtig. Es ist davon auszugehen, dass das Averstal im Spätmittelalter zumindest teilweise zur Grafschaft Schams gehörte, welche der Bischof von Chur den Freiherren von Vaz bis 1337 und anschliessend den Grafen von WerdenbergSargans zu Lehen gab. Das Madris und das untere Avers gehörten 1421 nachweislich immer noch zur Grafschaft Schams. Die Frage, weshalb Zehntenabgaben von «Platta» und «Campsut» im 14 Jh. nach Reams abzu- [35] Landbuch Avers v. 1622, GAA; Stoffel 1938, S. 184 liefern waren, bleibt offen. [40] Die Wegverbindung aus dem unteren und [36] LK Pt. 2554 mittleren Avers ins Oberhalbstein entsprach der Route über «Campsur», [37] s. LK Blatt 1255, Splügenpass «Plan», «Tascheal» nach der Alp «Starlera» und weiter über den Starlera- [38] LK Pt. 2639 [39] s. Stoffel 1938, S. 12; vgl. Abb. 16 pass ins Val Nandro nach Reams. Es kann somit von einem unteren und [40] Bundi S. 211, Pappenheim S. 175, von Albertini S. 207 ff. einem oberen Weg vom Avers ins Oberhalbstein gesprochen werden.

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Oberer Weg ins Oberhalbstein «Oberplatta» → «Guggernüll» → «Alp Starlera» → «Pass Mal» → «Starlerapass» → Reams Unterer Weg ins Oberhalbstein «Campsut» → «Campsur» (Macsur) → «Plan» → «Tascheal» → «Alp Starlera» → Oberhalbstein Verbindungsweg «Campsur» (Macsur) → «Laub» → «Gruaba» → «Oberplatta»

Die Wege ins Oberhalbstein: Platta - Campsut - Oberhalbstein [Abb. 17] Auf dem oberen Weg ins Oberhalbstein wurde u. a. der Lämmerzehnten aus dem Gebiet von «Platta» nach Riom gebracht, auf dem unteren der Kornzehnten von Campsut. Massstab 1:20’000, 5 cm entsprechen 1 km. [ 38 ]


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Der alte Fussweg «im Brand» zwischen dem «Fedahus» und der «Gruaba», 1995 [Abb. 18] Im Vordergrund die Ruinen des 1990 abgebrochenen «Fedahus» (vgl. die Aufnahmen vor dem Abriss, Abb. 47 und 48). In der Bildmitte ist der Verlauf des alten Fusswegs zu erkennen.

Der mittelalterliche Weg von Campsut nach Campsur und weiter durch das «Laub» stellte die Verbindung mit Platta her. Eine gemauerte Wegpartie zuunterst bei der Wegkehre «im Wengli» hat sich bis heute erhalten. Zwischen dem «Fedahus» und der «Gruaba» bestand ein lokaler Verbindungsweg, welcher unmittelbar nach dem «Fedabach» abzweigte und durch den «Brand» in einigen Windungen bis hinauf unter den hohen Felsen mit der markanten Arve führte. Auf einem schmalen Felsband am Fusse der Felswand oberhalb des «Plattnerbaches» konnte der sehr steile, westliche Hang traversiert und der «Plattnerbach» an einer günstigen Stelle überschritten werden. Dann gelangte man durch das «Brendli» zum «Wanneltigada» und schliesslich in die «Gruaba». Das Wegstück «im Brand» zwischen dem «Fedabach» und der hohen Felswand kann heute noch im Gelände festgestellt werden.

[ 39 ]


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Die Hofsiedlungen «An der Underplatta» und «Bim Nüwa Hus», ca. 1970  [Abb. 19] Zu erkennen sind die Stangen der elektrischen Freileitung und der alte, einfache Fussweg. Ein Fahrsträsschen wurde erst 1971 erstellt.[41]

[ 40 ]


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SIEDLUNGEN UND BAUTEN

[ 41 ]


An der Oberplatta

Bim Stafelti

[ 42 ]


2.1 [Hofsiedlungen] 2.1.1 BESTEHENDE HOFSIEDLUNGEN

In der Regel werden neben dem Namen der jeweiligen Baute die Schweizer Koordinaten («Swiss Grid») angegeben. Das Kürzel «NV» verweist auf das Namenverzeichnis (Kapitel 4.2). Nicht mehr existierende Bauten werden hier wie dort mit einem vorangestellten «+» markiert. Bim Nüwa Hus

An der Underplatta

[ 43 ]


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[29] vgl.

NV; s. die im Buchu

[ 44 ]


«An der Underplatta» 758’360,149’540 – s. NV

Die Hofsiedlung besteht aus: Wohnhaus – 758’345,149’544 +Wohnhaus – 758’360,149’544 + Stall – 758’352,149’528 Stall – 758’357,149’523 Quelle

Das Wohnhaus «An der Underplatta», 2017 [Abb. 20] Die Fassaden sind im Original erhalten.

[ 45 ]


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Wohnhaus – 758’345,149’544 Das heutige Wohnhaus kann auf Grund seiner Form und der Pfetten ins 19. Jh. datiert werden. Leider ist die Inschrift einer auf der Südfassade befestigten, kleinen Holztafel nicht mehr lesbar, so dass genauere Angaben fehlen. Der frontale Hauseingang führt am einräumigen Keller vorbei und mittels einer steinernen Treppe ins ehemalige «Füürhus» (Küche). Von dort aus sind sowohl der vordere Hausteil mit Stube und Nebenstube, als auch die darüberliegende Schlafkammer und das Gemach zugänglich. Ursprüglich gelangte man mittels einer Holztreppe von der Küche in den oberen Stock. Im Haus sind verschiedene Bauteile einer älteren Baute sichtbar. In einer Urkunde von 1843 heisst es: «bei der unteren Platen am neuen Hause, Wiese und Rain, Ein Viertel Stall. Ein Viertel von Stube, Schlafkammer, Küche und Keller im benachbarten Wohnhäuslein, nebst einem ganzen Gemächlein».[42] Im Kaufprotokoll Avers vom 7. Januar 1853 finden wir folgenden Eintrag: «An der unter Platten Schnitten ausser zu ob dem Haus, wo das Haus gestanden ist.» Im Gelände sind die Spuren dieser Wohnbaute nicht mehr erkennbar. Um 1840 dürften folglich drei Wohnhäuser «an der Underplatta» gestanden haben.[43] Mit Ausnahme des Kellers und des «Füürhus» sind alle Gebäudeteile in Strickbauweise erstellt und der Kantholzblock befindet sich im Originalzustand. Das Haus ist ein typischer Vertreter des einraumtiefen Wohnhauses mit Frontaleingang in der Giebelrichtung, wie solche im Avers verschiedentlich anzutreffen sind. Das Haus ist seit vielen Jahren unbewohnt, befindet sich aber dank der Erneuerung des Steinplattendaches und der Restaurierung der Mauern vor bald 40 Jahren in einem guten allgemeinen Zustand.

[41] vgl. Abb. 5;

Zur Erschliessung des Gebiets von «Platta» in neuerer Zeit s. Kap 1.3 Lage, Grenzen und Wege, am Schluss des Abschnitts «Allgemeines». [42] Grundbuch Avers, KP CVI Nr. 2 [43] KPA C VI 2, Nr. 98

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S I E DLU NG E N U N D BAUTE N

Die Hofsiedlung «An der Underplatta», ca. 1970 [Abb. 21] Typischerweise wurden die Stallbauten unterhalb des Wohnhauses errichtet; hier bestanden diese ursprünglich aus vier Einheiten.

+ Wohnhaus – 758’360,149’544 Vor dem grossen Stein neben dem Haus kann im Gelände noch eine alte Hofstatt festgestellt werden. Es dürfte sich um die ehemalige Wohnbaute handeln, welche im Jahr 1843 noch bestand.[44] + Stall – 758’352,149’528 Vor dem Hause standen bis zum Jahr 1988 drei aneinandergebaute Viehställe mit der Giebelrichtung in der Talachse. Ein auf der Ostseite angebauter vierter Stall war bereits in den 1960er Jahren wegen Baufälligkeit abgebrochen worden. Dank des Zusammenbaus der Ställe konnte eine grosse Menge an Bauholz ge- [44] s. das Wohnhaus «An der Underplatta»; weiteres dazu im NV spart werden, was in dieser Höhenlage von wesentlicher Bedeutung war.

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Stirnseite des «innersten» Stalls, 1984 [Abb. 22] Die östliche Wand der 1988 abgebrochenen Stallkomposition weist zwei verzierte Pfetten auf. Im Vordergrund liegen Bauteile des bereits 1960 abgebrochenen vierten Stalles.

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Der «äusserste» Stall trug am «Obertürner» des Heustalles die Jahreszahl 1588, und zwei Pfetten des dritten, «innersten» Stalles trugen nebst den Initialen und den Hauszeichen Fümm und Rüedi die Jahreszahl 1662. Es ist naheliegend, dass der ganze, ursprünglich vier Einheiten umfassende Gebäudekomplex aus der ersten Hälfte des 19. Jhs. stammte und manche Bauteile von Vorgängerbauten herrührten. Einer der vier Ställe tritt urkundlich als «Spaniers-Stall» in Erscheinung.[45]

Hauszeichen,1662 [Abb. 23] Die beim Stallneubau anfangs des 19. Jhs. wiederverwendeten beiden Firstpfetten von 1662 mit eingekerbten Initialen und Hauszeichen (ca. 6 – 7 cm hoch und 22 cm breit) der im Avers ansässigen Familien Rüedi und Fümm.

Für das Landschaftsbild ist der Verlust dieses einzigartigen Ökonomiegebäudes schmerzlich  –  vgl. dazu eine gleiche, 1960 abgebrochene Baute im «Hohenhaus» im Seitental Madris.[46] Stall – 758’357,149’523 Anstelle der abgebrochenen drei Ställe «an der Underplatta» wurde im Jahr 1990 ein ortstypischer Stall unter teilweiser Verwendung des Abbruchholzes erstellt und dessen Dach mit Steinplatten eingedeckt. Quelle [45] Urkunde

vom 12.5.1796: «Stall an der unter Platten, des Spaniers Stall genannt»; KPA 1853 «Spaniers-Stall»; s. NV, «Spanierwegg» und «Soldatliberg» [46] s. Simonett Bd. 2, S. 15

Wasserbezugsort für das Haus und die Viehtränke war der «Twärfattbach», zu welchem ein heute noch sichtbarer Weg in der äusseren Bachseite führte. Später wurde eine eiserne Rohrleitung zur Tränke beim Stall erstellt.

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Stall «An der Underplatta», 2017 [Abb. 24] Die an Stelle des alten, langen Stalles errichtete Baute dient als Remise.

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Gesamtansicht des Hofes «Bim Nüwa Hus», 2017 [Abb. 25] Die drei heute noch vorhandenen Gebäude der auf einer Geländestufe erbauten Hofsiedlung präsentieren sich in restauriertem Zustand.

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[29] vgl.

NV; s. die im Buchu

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«Bim Nüwa Hus» 758’267,149’647 – s. NV

Die Hofsiedlung besteht aus: Wohnhaus – 758’287,149’645 + Wohnhaus (?) – ca. 758’337,149’616 + Wohnhaus – ca. 758’284,149’664 Doppelstall «Undergada» – 758’277,149’631 – s. NV Stall – 758’298,149’656 Quelle

Das Wohnhaus «Bim Nüwa Hus», 1978 [Abb. 26] Zustand des 1717 erbauten Hauses vor der Restaurierung und ...

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Das Wohnhaus «Bim Nüwa Hus», 2005 [Abb. 27] ... und nach der vollständigen Innen- und Aussenrestaurierung.

Wohnhaus – 758’287,149’645 Das Wohnhaus trägt in der Holzwand der Südfassade oberhalb des Kammerfensterchens die Inschrift «W P S 1717 MHG». Es stellt sich die Frage nach der Bedeutung der Inschrift: Das Haus wurde im Jahr 1717 vom Zimmermeister «MHG» (Meister H.G.) erbaut. Über ihn ist lediglich in Erfahrung zu bringen, dass er 1728 in Oberjuppa ein sehr ähnliches Haus erstellte.[47] Hinsichtlich des Bauherrn «W P S» ergaben Nachforschungen im Avner Kirchenbuch, dass ein «Statthalter Peter Salis ab Platten», geboren 1686, im Jahr 1762 starb. Laut den Gerichtsprotokollen der Landschaft Avers bekleidete er im Jahre 1717, d. h. zur Zeit des Hausbaues «Bim Nüwa Hus», das Amt des Landweibels. Das «W» zu Beginn der Hausinschrift weist auf die amtliche Funktion des Bauherren Peter Salis («P S») als Weibel hin. [47] Haus Christian Safier-Fümm

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