Die Krankheiten des schönen Geschlechts

Page 1

Die Krankheiten des weiblichen Geschlechtes kann man schicklich in allgemeine, die man auch bei männlichen findet, und in eigene ein teilen. Obschon die allgemeinen Krankheiten in beiden Geschlech tern vorkommen; so beobachtet man sie doch zuweilen sonderbar in einem, als zum Beispiel das langsame Nervenfieber, welches zu ge wissen Zeiten mehr das weibliche Geschlecht angreift. Da im Gegen teil das Gallfieber unter dem männlichen gefährlicher zu sein pflegt; also sind auch die Kinderkrankheiten unter den Knaben gemeiner, und öfter tödlicher als unter den Mädchen. Das schöne Geschlecht ist überhaupt mehrern doch nicht so schweren Krankheiten, als das männliche unterworfen. Eigene Krankheiten sind, denen das weibliche Geschlecht nur in einem gewissen Alter, in gewissen Beschäftigungen, und Ständen, worin es sich befindet, ausgesetzt ist. Diese entstehen nun

1. Aus dem schwachen Baue ihres Körpers, wovon ihr schlaffes Tem perament, und zuweilen die Vollblütigkeit entspringen; aus jener leitet man die unter dem schönen Ge- schlechte so gemeinen schleimigen, und wässerigen Krankheiten her, als die Schleimsucht, alle Gattungen der Bleichsucht, Wassersucht, die Verstopfungen der Eingeweide, aus dieser verschiedene Blutflüsse.

2. Von der zu großen Reizbarkeit ihrer Fasern, welche man mit Recht für die Ursache der zahlreichen Nervenkrankheiten, als der Krämpfun gen, Zuckungen, der fallenden Sucht, der Mutterbeschwerden ansehen kann.

3. Von dem besonderen Baue des weiblichen Körpers; daher haben ei gene Krankheiten der Brüste, sonderbar der Krebs, der auch in seltnem Fällen die Brüste der Männer angreift, die Krankheiten der Schamteile der Gebärmutter, der Eierstöcke ihren Ursprung.

4. Von verschiedener Lebensart, so sind gewisse Krankheiten der Säug ammen, der Krankenwärterinnen, der Hebammen, der Nonnen.

5. Von üblen Gewohnheiten, als von der Schminke, dem Missbrauch warmer Getränke, der unschicklichen Kleidung, der Schnürbrüste

6. Von gewissen Zeitpunkten ihres Lebens, wo beträchtliche Verände rungen vor gehen. In diesem letzten Betrachte werde ich die Krankheiten des weiblichen Geschlechtes abhandeln, und zwar erstens die Krankhei ten der Jungfern, von da gehe ich zu den Schwangern, Gebärenden / Kindbetterinnen, Säugammen über; den Schluß machen die Krankheiten der alten Weiber.

Von der monatlichen Reinigung.

Aus den zahlreichen Krankheiten der Jungfern werde ich nur von den allgemeinen , die öfters und zuweilen sogar bei Verheirateten, und Schwangern vorkommen, handeln; nämlich 1. von der monatlichen Reinigung, und ihren Fehlern, 2. von der Bleichsucht, 3.von der Ge bärmutterwuth 4. von der Unfruchtbarkeit, 5. vom weißen Fluße, 6. von den Mutterbeschwerden oder hysterischen Übel. Die monatliche Reinigung ist eine gemeine Ausleerung, da un ter Hunderten kaum eine Person zu finden, der sie fehlet. Denn was einige Reisebeschreibungen erzählen, dass in dem äußersten Ende von Mitternacht die Weiber keine monatliche Reinigung haben, kann man mit dem Ritter von Linee von den Weibern in Lappland verstehen, die wenn sie immer gesund, doch einige, obschon geringe monatliche Ausleerung haben. Was auch immer Ärzte sagen, so sind doch die Beispiele selten, da Weiber einer vollkommenen Gesundheit genossen, ja sogar schwanger ohne alle monatliche Reinigung geworden sind. Vielleicht hatten diese einige obschon geringe, wässrige, ungefärb te Ausleerung, vielleicht waren es Bauernweiber, oder doch solche, die wegen schwerer Arbeit des überflüßigen Geblüts, das sonst zu einer ge wissen Zeit abgehen würde, zur Nahrung ihres eigenen Körpers bedürf tig waren, denn die männliche Beschaffenheitdieser Weiber leidet keine periodische Ausleerung.Wenn man daher nur zur gewissen Zeit eine wässrige Feuchtigkeit anstatt des Bluts fließen sieht, oder aber schwere Arbeit, eine leichte, und wenig nährende Kost, oder eine männliche Be schaffenheit des Körpers antrifft, so hüte man sich eine solche Person für unfruchtbar auszugeben. So geschieht es zuweilen, dass eine schwanger wird, bevor sich ihr Monatliches zeiget alsdann nämlich, wenn dessel ben Ausbruch nahe ist. Die Erscheinung des Monatlichen bestimmt die Zeit der Mannbarkeit welche in Absicht der Länder, und eigenen Be schaffenheit des Körpers verschieden ist; in kalten Himmelsstrichen be kommen die Mädchen ihre Reinigung später, gemeinlich zwischen dem 18. und 20. Jahre, da sich selbige im mittäglichen Asien schon gegen das 9. Jahr zeiget: überhaupt kommt sie in Städten früher als auf dem Lande, früher bei geilen, müßigen, als arbeitsamen Mädchen. Man hat Beispiele, da die monatliche Reinigung die ersten Jahre des Lebens‚ ja sogar die erste Monate erschienen, und beständig zu seiner Zeit ange halten; so erzählet Swieten, dass er den monatlichen Fluss des ersten Monat des Lebens bei einem Mädchen gesehen, die in ihrem 7ten Jah re mannbar, und im 10ten sich verheiratet, ja eine fruchtbare Ehe ge habt habe. Ob man schon diese Beispiele nicht leugnen kann, so wird

doch niemand einen jeden periodischen Blutfluß aus den Geburtsteilen für die monatliche Reinigung ausgeben. Denn in so einem zarten Al ter können aus verschiedenen Ursachen Blutflüsse entstehen, als durch starkes Fatschen, zu enge Kleider, insonders Schnurbrüste, wodurch die Mütter mit unzeitigem Eifer das Auswachsen der Kinder, welches sie in der Tat befördern, zu verhüten suchen; durch laufen, tanzen, fallen, oder zu sehr gewürzte Speisen. Doch fehlen Beispiele so frühzeitiger Reinigung auch in unseren Gegenden nicht: Herr von Haller erzählt, dass ein Mädchen in der Schweiz mit 9. Jahren schwanger geworden, welches In Persien gewöhnlich geschieht. Die Menge des monatlich ab gehenden Blutes kann schwer bestimmet werden: in warme Ländern, bei geilen, müßigen, vollblütigen Personen, wenn eine große Schwäche der Gebärmuttergefäße vorhanden, so ist der Abgang des Bluts reich licher; dahingegen bei Armen, bei Bauernweibern, in kalten Ländern selbst sehr gering ist. Die Alten hielten das Blut, das bei der monatli chen Reinigung zu fließen pflegt, für auswerfbar, schädlich und giftig, ja ganze Völkerschaften verabscheuten eine Person, so ihre Reinigung hatte. Noch heute findet man in Asien, und unter den Juden verschie dene Gewohnheiten, woraus erhellet, wie sehr man einstens die Wei ber zur Zeit ihrer Reinigung floh: doch beziehen sich diese Gewohn heiten meistens auf Reinlichkeit, die in Ländern ungemein notwendig, wo bei der großen Sonnenhitze das Blut geschwindter faulen, und da her schädlich, wenigstens dem Geruch unangenehm werden, obgleich dieses Blut eben so gut und unschädlich ist, als das so aus einer Ader fließt. Die Dauer der monatlichen Reinigung ist verschieden; gemeinig lich hört sie vor drei Tagen nicht auf, und erstrecket sich kaum über sechs. Dauert sie kürzer als 3 Tage und länger als 6 Tage, so kann man meistenteils eine kränkliche Beschaffenheit des Körpers mutmaßen. Ebenso unbestimmt ist die Zeit, wo sie aufhört; doch beobachtet hier, die Natur des beständigen Gesetz, dass je früher das Monatliche erschie nen, desto eher auch zu verschwinden pflege. Daher in warmen Ländern mit 30, oder 35 Jahren, bei uns aber mit 48, zuweilen auch früher, wo die Weiber schon meistens unfruchtbar sind. Denn die Beispiele einer ordentlichen monatlichen Reinigung nach dem 52ten Jahre sind selten, seltener noch die Fruchtbarkeit in diesem Alter; ein einziges führt Herr von Haller an, wo in der Schweiz ein Weib mit 52 Jahren Zwillinge gebar.

Doch waren vielleicht diese Spiele der Natur, wo mit 60-70 ja hun dert Jahren das Monatliche gesehen wurde, nur periodische Blutflüsse,

welche mit der wahren monatliche Reinigung nichts gemeines hatten. Doch eine andere Unregelmäßigkeit findet bei der monatlichen Rei nigung doch ohne Verletzung der Gesundheit statt, nämlich da auch Schwangere meistens einmal, zuweilen drei bis viermal, selten aber bis zur Geburt ihr Monatliches haben. Von diesem Umstande wird weiter unten die Rede sein. Ja man findet Beispiele, dass Weibspersonen nur, wenn sie schwanger waren, ihre Reinigung hatten. Wenn wohlgenährte Säugammen ihr Monatliches bekommen, hat man für das Kind nichts zu fürchten; man hüte sich nur selbiger zu dieser Zeit, da sie ohnehin viel reizbarer, eine Gemütsbewegung zu verursachen. Die Ursache der monatliche Reinigung hängt nicht vom Einfluss des Mondes ab, wel cher, ob er schon die Ebbe, und Flut des Meeres verursachet, doch in unsere Körper keineswegs, oder wenigstens auf eine nicht zu bestim mende Weise wirket. Als die Sekte der Chymikcr im Flor war, wollte man die monatliche Reinigung durch eine Gährung erklären. Anjetzt nimmt man eine allgemeine, und vorderst die Vollblütigkeit der Ge bärmutter an, obschon auch andere, Mitursachen notwendig zu sein scheine. Das monatliche Blut fließt aus der inneren Oberfläche der Ge bärmutter, vorzüglich aus dem Grunde, wie aus der Zergliederung der Weiber, die eben ihre Reinigung hatten, bekräftigt wird. Doch fließt es auch zuweilen aus dem Muttermunde oder der Mutterscheide, wie es vielleicht bei Schwangern zu geschehen pflegt. Die Fehler der monat lichen Reinigung machen den meisten Teil der weiblichen Krankheiten aus; daher vergleichet man nicht unrecht den weiblichen Körper einer Uhr, die nun zu früh, nun zu spät, nun ganz unordentlich geht. Selbe sind, wenn das Monatliche 1. seinen Ort verfehlet, 2. wenn es zu spar sam abgeht, 3. oder gar ausbleibt, 4. wenn es reichlich fließt, 5. oder einige Tage zu früh, 6. oder zu spät kommt, 7. ohne Farbe, 8. ja sogar mit Schmerzen erscheinet. Die Monatliche Reinigung verfehlet ihren Ort, wenn das Geblüt nicht aus den Geburtsteilen fließt; denn durch me dizinische Beobachtungen wissen wir, dass kein Teil des Körpers sein, durch den nicht zuweilen Blut geflossen; so floß es aus den Augen, aus Augen und Ohren zugleich, aus dem Zahnfleische, aus der Blase, aus den Brüsten, durch die Haut, aus Wunden und Geschwüren, ja sogar nach Hallers Zeugnis aus der aufspringenden Pfeilnath, aus der Mün dung eines ausgerissenen Zahnes, aus den Speichelgängen, aus dem Schlunde, durch die Finger, zuweilen entstanden Krampfadern, und Pulsadergeschwülsten. Gemeiniglich aber pflegt sich das Monatliche durch die goldene Ader, das Blut, Blutbrechen, oder Nasenbluten einen

Ausgang zu verschaffen. Meistens geschehen diese Ausleerungen nicht ordentlich. Da aber die monatliche Reinigung ihren gehörigen Ort ver fehlet, werten drei Bedingnisse erfordert, nämlich 1. Vollblütigkeit, 2. ein Hindernis in der Gebärmutter, 3. ein stärkerer Zufluss des Geblüts zu einem andern aus was immer für einer Ursache schwächeren Tei le. Eine jede Hindernis also in den Zeugungsteilen, wodurch der Aus flugs des Geblüts zurückgehalten wird, ist die nächste Ursache, dass das Monatliche seinen Ort verfehlet. Dergleichen sind 1. die Zusammen wachsungen der Schamteile, 2. das Verwachsen der Mutterscheide, 3. die zu große Steifheit, oder 4. Schlaffheit der Gebärmutter, oder wenn dessen Oberfläche dicke Narben hat, wobei eine Vollblütigkeit, und Schwäche des Teils, aus den, das Blut fließt, zugleich nötig ist. Wenn die Scham zusammengewachsen, muss man sorgfältig untersuchen, ob es ein angeborner Fehler, oder ob er nach einer Wundmachung durch die Kinderpocken, durch Verbrennen, durch die Lustseuche, schwere Geburt, oder eine Geschwulst, so diese Teile drückt , entstan den sei; denn die Geschwulst muss gehoben, die Verwachsung aber, besonders, wenn sie schon angeboren, mit Bedacht aufgelöst werden.

Bei Verwachsung der Mutterscheide ist entweder das Jungfernhäutchen, oder ein anderes widernatürliches Fell zugegen, da unterdessen das Jung fernhäutchen in seinem gehörigen Zustande ist. Alsdann muss man se hen, ob das vorgewachsene Häutlein starr, steif, widerstehend, und dem Druck des Fingers auf keine Art weichend; in solchem Falle muss man die Zerschneidung desselben nicht raten/ indem man vielleicht ein nahe gelegenes Eingeweide verletzen könnte. Ist es aber weich, schlaff, von aussen erhaben, weicht es dem Druck des Fingers: so muss man einen kreuzförmigen Einschnitt machen, der in diesem Falle einem einfachen länglichen allzeit vorzuziehen. Die dritte Ursache ist die allzugroße Stei fe der Gebärmutter, wenn nämlich der ganze Körper, insbesonders aber die Gebärmutter, trocken, oder durch kalte Bäder, harte Arbeit steif ge worden. In diesem Umstande dienen äußerlich erweichende Mittel, als das Einspritzen in die Gebärmutter, Blähungen,‚Äö Umschläge, Halb äder, Bäder des ganzen Körpers, wozu noch innerliche Arzneien von eben dieser Gattung gehören. Die vierte ganz entgegengesetzte Ursache ist die zu große Schwäche, und Schlaffheit der Gebärmuttergefäße, die das Geblüt unmöglich fortzubringen vermögen, oder eine schleimige Verstopfung derselben, welche aus der vorhergegangenen Schwäche entspringt, in welchem Falle erstens auslösende, hernach stärkende Ein

spritzungen und die Reinigung treibende Mittel angezeigt sind. Wenn endlich die Oberfläche der Gebärmutter durch Geschwüre, oder durch die mit Gewalt abgelöste Nachgeburt harte Narben bekommen; so kann man laulichte Bäder, erweichende Einspritzungen versuchen, damit viel leicht andere Gefäße der Gebärmutter, oder dessen Mundes, der Mut terscheide geöffnet werden, und die Stelle der verwachsenen vertreten. Sind nun die Hindernisse gehoben, und die monatliche Reinigung wie der hergestellt; so verschwinden die Beschwerden der Teile, aus welchen das Blut vorher floss, zumalen‚Äö wenn selbe auch gestärkt worden, meistens von selbst. Sollte aber eine Krankheit in den Eingeweiden, die vorher litten, zurückbleiben, so müsste nach ihrer eigenen Art be handelt werden. Also wenn zum Beispiel das Blutspeien die Stelle der monatlichen Reinigung‚Äö vertreten, müsste diese Krankheit beson ders geheilt werden. Denn wenn immer das Monatliche durch einen anderen Teil abgeht: so wird eine doppelte Kur erfordert, nämlich die allgemeine bei allen Blutflüssen, welche in der Ruhe im Bette, Unter bindung der Gliedmaßen besteht. wobei man auf den Teil, wovon das Blut fließt, Acht zu geben hat; ausser dieser Zeit muss die Ursache ge hoben, und das Geblüt zu seinem gehörigen Ort, insonderheit, zur Zeit, wo das Monatliche erscheinen sollte, abgeleitet, werden. Ein anderer Fehler der monatlichen Reinigung ist dessen gänzliche Unterdrückung. Die verschiedenen Ursachen derselben kann man in zwo Klassen ein teilen, deren eine die sonderbaren Ursachen, so in den Geburtsteilen, die anderen die allgemeine, die im ganzen Körper liegen, begreift. Die sonderbaren sind eben, diesselben, von denen wir vorher handelten, wohin noch der Mangel der Mutterscheide ohne oder samt der Gebär mutter‚ wie es Morgagni beobachtet, gehört. Bei Herrn von Haller fin det man Beispiele im Überfluss fast von einem jeden Teile, der schon in der ersten Bildung mangelte. So zeigte Herr Klinkotsch zweimal im anatomischen Hörsaale zu Prag, dass die Gebärmutter mangele. Zu weilen findet man selbe so klein, dass es eben soviel, als wenn sie gar nicht da wäre: Eine solche Gebärmutter mit einer ungemein engen Mutterscheide sah auch Morgagni und Amatus Lufitanus, der dabei anmerkt, dass dieser Mangel in unfruchtbaren Frauen öfters gefunden werde, und das selbe sehr kleine, oder fast gar keine Brüste haben, dass man also aus dem Mangel, oder Kleinheit der Brüste zum Mangel der Gebärmutter schließen könne. So findet man auch nach Krankheiten zuweilen eine sehr kleine, zusammengezogene, ja wie Riolan sah, eine

fast knorpelartige Gebärmutter. √úberdies kann durch Vereiterung, den heißen Brand, Ausschneidung, die Gebärmutter mangeln; Krantz führt dergleichen Beispiele an. Wenn daher Weibspersonen ohne mo natliche Reinigung gesund leben, und verheiratet unfruchtbar sind, kleine Brüste haben, wenige Neigung zum Beischlaf fühlen, kann man vielleicht nicht unrecht argwohnen, dass die Gebärmutter fehle oder doch sehr klein sei. Es würde in der gerichtlichen Arznei von sehr gro ßem Nutzen sein, wenn man durch gewisse Zeichen den Mangel der Gebärmutter erkennen möchte; denn es geschieht, dass Personen, die eine verschlossene Mutterscheide haben, sich dem Schnitt aussetzen, wo man erst hernach erfährt, dass ihnen auch die Gebärmutter fehle.

Wenn also die Mutterscheide verschlossen, so muss man den Schnitt nicht raten, bevor man nicht weiß, ob nicht vielleicht selbst die Ge bärmutter mangle. Morgagni glaubte daher nicht ohne Grunde, dass Weibspersonen, die eine geschlossene Mutterscheide hätten, sich aber beständig wohl befänden, keine Beschwerden im Kreuz und der Scham bei gehörigem Alter fühlten, nicht nur keine √ñffnung der Mutterschei de, sondern auch keine Gebärmutter haben. Es widerrät also eben dieser berühmte Mann die chirurgische Operation, damit man nicht vielleicht, da man eine Hindernis mit dem Messer habe, die nahe gelegene Blase, oder den Mastdarm verletze, wie es zuweilen bei Kindern, die mit ge schlossenem Hintern geboren werden, zu geschehen pflegt, wo zugleich der Mastdarm mangelt, und man den Hintern mit Gefahr durchbohren würde. Aus allem diesen kann man noch die praktische Regel ziehen, dass man nämlich gesunden Weibsbildern die monatliche Reinigung, wenn sie ihnen mangelt, nicht treiben soll; denn man weiß durch Be obachtungen, dass die Reinigung treibende Mittel in diesem Falle sehr übel bekommen. Es fragt sich aber, ob kleine, zusammengezogene Brüs te den Mangel der Gebärmutter anzeigen. Die Übereinstimmung der Brüste mit der Gebärmutter beweist man durch vielerlei Gründe; denn zur Zeit der Mannbarkeit, wo die Geburtsteile wachsen, werden auch die Brüste größer; wenn das Geblüt von der Gebärmutter weggetrieben wird, geht es in die Brüste und dient zu einer reichlicheren Absonde rung der Milch; das Geblüt, und die Milch, wenn sie aus den Brüsten vertrieben werden, gehen sie nach der Gebärmutter, und verursachen eine unzeitige Geburt, oder einen eiterreichen Kindbettfluss: dieses sieht man bei Schwangeren, Säugammen, und auch gähling zurückge haltener monatlichen Reinigung: dieses bekräftigen trockene Schrepf

köpfe, die man bei Blutflüssen der Gebärmutter an die Brüste setzt. Es mag nun aus Bereinigung der Gefäße, oder wegen Gleichheit der Milch mit dem Gebärmuttersaft geschehen, oder nicht. Einige Weibspersonen, so keine Gebärmutter hatten, hatten auch, die Warzen ausgenommen, fast kein Zeichen von Brüsten; da aber dieses nicht bei allen statt findet, bleibt es noch ungewiss, so keine Brüste auch keine Gebärmutter haben.

Zu den allgemeinen Ursachen, die das Monatliche zurückhalten, ge hört 1. der Mangel der Säfte; denn wenn keine Vollblütigkeit vorhan den, fehlet auch das Blut, so durch die Gebärmutter abgehen soll; daher kommt es, dass die von einer Krankheit entstehen, nach Blutflüssen, langem Hunger, Saugen, kein Monatliches haben. In diesen Fällen würde man sehr übel die monatliche Reinigung treiben, wo man viel mehr den Körper nähren muss; debb sobald Säfte vorhanden, kommt die gewöhnliche Auslegung von selbst zurück. 2. Eine allzugroße Voll blütigkeit, welche den Umlauf des Geblüts fast ersticket; daher ent stehet eine falsche Schwäche, alle Absonderungen, und Ausleerungen werden vermindert , oder gar aufgehoben; hier vertritt eine Aderlass die Stelle eines treibenden Mittels. 3. Ist eine entzündungsartige Be schaffenheit des Geblüts in Bauernmädchen nicht selten die Ursache des zurückgehaltenen Bluts, wo nur kühlende Mittel nützlich sind.

4. Schleimige Säfte, die Neigung zur Bleich-oder Wassersucht, beson ders wenn die festen Teile zugleich schlaff sind; hier werden stark auf lösende, ausleerende, und endlich stärkende Arzneimittel erfordert. 5. Eine zu große Reizbarkeit, welche sich besonders nach traurigen Ge mütsbewegungen zeigt; also hält der Schrecken gählig das Monatli che zurück, da durch die Zusammenziehung der äußeren Gefäße das Blut zu den inneren Teilen getrieben wird; dann helfen krampfstillen de Mittel. Wenn das Monatliche ausgebliebenen, so ist zu merken: 1. dass, obschon eine Aderlass zur Zeit der Reinigung selbe nicht selten zurückhatlt, man doch, wenn es die Notwendigkeit erfordert, selbe vor nehmen könne, als zum Beispiel wenn ein Seitenstechen dazu kommen sollte; denn in hitzigen Krankheiten zeig sich das Monatliche wegen der Gewalt des Fiebers meistens früher. 2. dass das Monatliche auf ver schiedene Art, und mit ungleicher Gefahr ausbleibt, zuweilen gähling nach einer Erkältung des Bauchs oder der Füße. 3. Dass man nicht vielleicht das zurückgehaltene Monatliche mit der Schwangerschaft verwechsele, denn das Monatliche bleibt fast niemals durch 4 Monate ohne einer merklichen Unpässlichkeit aus; wenn daher bei einer Per

son, die vorher ihre Reinigung allzeit ordentlich hatte, nun selbe ohne alle Beschwerde schon durch 4 Monate mangelt, oder in sehr geringer Menge abgeht, kann man einen Argwohn haben, dass sie vielleicht schwangern seie; hätten sie aber vorher das Monatliche unregelmäßig, zuweilen gar nicht, oder in geringere Menge, wenn sie zugleich kränk lich, so ist die Schwangerschaft schwer und ungewiss zu bestimmen.

Die Zeichen der Schwangerschaft kann man in Büchern, so von der Geburtshilfe handeln, ausführlich finden; die gemeinsten davon sind die zurückgebliebene, oder sehr sparsame monatliche Reinigung, das Schwellen des Leibes, die Bewegung des Kindes, welche nach der Hälf te des fünften Monat erst die Mutter, hernach auch der Geburtshelfer fühlt u. s. w. Hier hat der Arzt große Geschicklichkeit nötig, dass er nicht vielleicht durch stark treibende Mittel eine umzeitige Geburt ver ursache, dass er nicht etwa für eine Schwangere ausgebe, oder um die Schwangerschaft fragen, wo keine da ist, ja wenn er auch vernünftiger weise eine Schwangerschaft argwöhnt, muss er sich doch oft stellen, als wenn er himmelweit von allem Argwöhnt entfernt wäre. Geht das Monatliche zu wenig, oder kommt es um vieles zu spät, so behandelt man es eben so, als wenn es gänzlich ausgeblieben; denn die Ursachen sind eben die nämlichen. Wenn das Monatliche zu reichlich und um vieles zu frühe abgehet, hält man es meistens für eine Wirkung der Vollblütigkeit; man lässt zur Ader und verfährt auf eine ganz kühlen de Art, da doch die Ursache mehr von der Schlaffheit der Gefäße, und von der Dünne des Geblüts abhängt , wo man mit stärkenden Mitteln, die keinen Reiz haben, vorzüglich mit eisenhaltigen helfen sollte. Die Zinnentinktur, die Abkochung der Fieberrinde, und stärkende Ein spritzungen haben nicht minder statt; trockene Schrepftöpfe an die Brüste waren schon zu Hippokrates Zeiten gebräuchlich. Doch kann das Monatliche aus einer sonderbaren Leibesbeschaffenheit, oder zu großer Geilheit in sehr großer Menge fließen. Die Person befindet sich wohl dabei, und hat keiner Arznei nötig. Zuweilen entsteht der allzu große Abbang des Monatlichen durch Heutige Bewegung, Fieber, hys terischer Unfälle, zurückgehaltener Ausleerung, stark treibende Mitel, durch Krankheiten der Gebärmutter, als Gewächse, harte Geschwüls te, den Krebs. Alle diese Krankheiten erfordern ihre eigene Kurart.

Es erscheinet auch das Monatliche nicht selten aus einer leichten Ursa che um einige wenige Tage früher, oder später, ohne dass man einiger

Arzneien, da die Personen sich wohl dabei befinden, nötig habe. So ge het auch das Monatliche zuweilen weiß, oder wie Fleischwasser, ja gar mit Schmerzen. Meistens find die Ursachen und Heilart die nämlichen, wie bei der zurückgehaltenen Reinigung. Finden sich Erhärtungen im Unterleibe um die Gebärmutter, welche den Abgang des Bluts schmerz haft machen, so werden auflösende Mittel, besonders der Schierling, nützlich sein, und in der Tat wird man kaum eine Person finden, die ohne Beschwerde wenigstens das erste Mal ihr monatliches hätte; due leisten haben Kopfschmerzen, Herzklopfen und fliegende Hitze dabei. Wenn sie schwer Atem holen, schleife Säfte haben und sich zur Zeit des Monatlichen übel befinden, so muss man die Säfte verbessern. Diese Be schwerden entstehen auch oft wie bei hysterischen Personen, von puren Krämpfungen; alsdann aber helfen krampfstillende Mittel, besonders der Mohnsaft. Man sieht daher, wie verschieden die Heilart sei. Ist die Mutterscheide verwachsen: hilft zuweilen das Messer; hat die Gebär mutter dicke Narben: werden vielleicht warme Bäder und Einspritzun gen dienlich sein; ist die Person von einer vorhergegangene Krankheit schwach: dann hat sie nährende- und Kraft gebende Speisen nötig; hat sie schleimigte Säfte, dann sind folgende Arzneien gut: als die vene zianische, oder besser noch die starkeische Seife, die übelriechenden Gummiarten, der Meerzwiebel in Wein mit einigen Gewürzen, als der Kalmus, Pomeranzenschalen, Mutterzimmet, weißen Zimmet. So lobet man auch die Zehrwurzel, die verschiedene Extrakten, als von Alant, weißen Andorn, Erdrauch, Löwenzahn, Bitterklee, Wermuth, Enzian, Schafgarbe, gemeinen Osterluzei, Tausendguldenkraut, nicht minder den kalten Ausfluss von der Fieberrinde, denn das Pulver belästigt zu weilen den schwachen Magen, Eisenfeile, den Eisenextrakt, den Extrakt von der schwarzen Nieswurzel, den künstlichen Eisenvitriol, die Myr rhen, die Aloe in geringer Dose, die Eisensalmiakblumen, das flüchtige Hirschhorn, und Bernsteinsalz. Wenn die Gefäße zu steif sind, dann nutzen der Eybisch , gemeine Käsepappeln, Himmelbrand, Bockshorn samen, Steinklee, Seifenkraut. Sind die Fasern zu schlaff: so kann man elektrische Schläge mit Nutzen versuchen. Der Borax scheint sehr ge ringe Kräfte zu haben die monatliche Reinigung zu befördern. Wenn eine zu große Reizbarkeit, und Nervenbeschwerden die Reinigung zu rückhalten, dann dienen der Balsam, der stinkende Asand, Biebergeil, der Baldrian, Kamillen, Krausmünze, Melisse, Lindenblüte, Safran, und selbst der Mohnsaft. Sind schleimige Verstopfungen zugegen: so gibt man die mineralischen Wasser, sonderbar das Seltzer- und Spa - Was

ser; in eben diesem Falle nutzen die Aufgüsse von Raabrber, von der Rieswurzel, die man erstens mit Wasser, dann mit Wein bereitet. Ist eine Vollblütigkeit zugegen: lässt man am Arm oder Fuß zur Ader, so leiten auch Fußbäder, Halbbäder die Säfte nach der Gebärmutter. Bei der Kur der monatlichen Reinigung ist noch zu merken: 1. dass man wohl un tersuche, ob die Zurückhaltung derselben eine Wirkung, welche zu ge schehen pfelgt, oder Ursache einer anderen Krankheit haben, und dann kommt das Monatliche von sich selbst zurück. Sollte aber die Zurück haltung selbst eine Krankheit verursachen: so muss man die Ursache der Zurückhaltung ausfindig zu machen versuchen, und nach selber die Heilung einrichten. 2. Wenn sich keine Kreuzschmerzen oder Grim men usw. zeigen, so sieht man, dass nicht einmal Anzeigen zum Monat lichen vorhanden: und dann wären treibende Mittel schädlich. 3. Wenn aber selbe angezeigt sind, so muss man die zu eben der Zeit geben, wo das Monatliche sonst zu kommen pflegt, insbesondere wenn alsdann einige schwarzes, und dickes Blut, oder ein zäher mit Blut gefärbter Schleim abgeht, die Person schwach, und bleich ist, einen ungleichen Puls hat, und über beständige Kälte klagt. 4. Muss man nicht zu sehr eilen, denn zuweilen verschiebt sich die Sache auf viele Monate hinaus.

Von der Bleichsucht.

Die Bleichsucht ist eine gemeine Krankheit der Weibspersonen, dass kaum eine zu finden, die nicht wenigstens einen Anfang davon hät te. Sie hat verschiedene Namen, als die Jungfernkrankheit, die blei che Krankheit, die Jungfernkacherie, die weiße Gelbsucht, das weiße Fieber, das Liebesfieber, der gemeinste aber ist Bleichsucht. Auch die Alten kannten diese Krankheit, aber, sie hielten sie nur für einen Zu fall der unregelmäßigen monatlichen Reinigung, und erst vor et was mehr als 200 Jahren beschrieb man sie als eine eigene Krankheit, ob sie schon oft wirklich nur ein Zufall, oder Wirkung von andern Krankheiten ist: und dann erfordert sie eine ganz andere Kur, als wenn sie selbst eine Krankheit ausmacht. Es ist nun die Bleichsucht jene Krankheit, so junge Weibspersonen um die Zeit der erste Reini gung befällt, und durch eine weißgelbe, oder grüne Gesichtsfarbe, durch wässriges Anschwellen des Körpers erkennet wird, wobei die monatliche Reinigung sehr gering, oder gar nicht, oder weiß fließt.

Man verwechselt sie zuweilen mit andern Krankheiten, von denen sie wohl zu unterscheiden; also hat die Bleichsucht, von der eigentlichen Kacherie oder üblen Farbe des ganze Körpers keinen großen Unter schied, indem die Bleichsucht selbst eine Gattung von Kacherie ist, die aber nur von Unregelmäßigkeit der monatlichen Reinigung herkommt, nur Weibspersonen befällt, und insbesondere Mädchen zur Zeit der Mannbarkeit, oder jungen Weiteen, oder Nonnen, oder Weiber, die in der Blüte ihres Alters eine sitzende Lebensart führen. Da unterdessen andere Kacherien von langen Krankheiten, Verstopfungen der Ein geweide, besonders der Leber, von übler Verdauung uvm. entstehen; wobei die Kranken abzehren, und geschwinder zu Grunde gehen, als in der Bleichsucht, welche sie lange ohne sonderbare Zufälle vertra gen. Nicht minder hat die Bleichsucht sehr vieles mit der Hautwasser sucht gemein, doch ist in der Bleichsucht die Geschwulst des Körpers mehr teigartig, und behält die eingedruckte Grube länger, indem die Säfte zäher als in der Hautwassersucht sind: √úberdies schwillt in der Bleichsucht der ganze Körper fast gleich, in der Hautwassersucht aber die untern Gliedmassen mehr; in dieser ist größerer Durst, als in je ner zugegen. Vom anfangenden Scharbock lässt sich die Bleichsucht leichter unterscheiden: denn die Schwäche der nie, die Schmerzen, das Beißen des angeschwollenen und beinahe verzehrte Zahnfleisches, die schwarzen, angefressenen Zähne, das Blut, so zwischen selben heraus fließt, der üble Geruch aus dem Munde, zeigen klar den Scharbock an.

Obschon die Bleichsucht einige Gleichheit mit der Gelbsucht hat, so ist doch in dieser die Farbe gelber, oder gar schwärzlich, der Kot weiß lich. das Weiße im Auge gelb, der Harn dick und safranfarbig, und gibt, wenn man schüttelt, einen gelben Schaum. Etwas schwerer unterschei det man die Bleichsucht von der anfangenden Schwangerschaft. Die Zeichen der Bleichsucht sind: Schwindeln, Kopfschmerzen, beständi gen Schläfrigkeit, Schwere des ganzen Körpers. es schwillt das Gesicht, die Augenlieder, die Knöchel der Füße, sie klagen sich über Müdigkeit, ihre Gesichtsfarbe ist bleich, grünlich, das Zahnfleisch blass, bei gerin ger Bewegung fürchten sie zu ersticken, wenn sie gehen, besonders im Stiegensteigen, haben sie Herzklopfen, nach dem Essen klagen sie über Magenweh, in der Frühe brechen sie eine schleimige, dicke Materie weg; zuweilen haben sie keine, zuweilen eine unendlich große, zuweilen ver dorbene Esslust. Der Puls geht schwach, weich, fieberhaft, bei der ge ringen Bewegung aber sehrt hart, sie sind traurig, das Monatliche geht unordentlich. Die nächste Ursache dieser Krankheit ist die Schwäche der feste , und eine schleimige Beschaffenheit der flüssigen Teile. Die entfernten, oder Gelegenheitsursachen sind eine sitzende Lebensart, häufiges warmes Getränke, langes Schlafen, Ruhe, üble Nahrung, eine feuchte Wohnung. Vom Anfangen der Kur muss man die Ersten Wege, die so selten ohne Fehler sind, durch gelind abführende Mittel reinigen; hernach gibt man auflösende Arzneien aus Mittelsalzen, seifenartigen Kräutern und Gummiarten, und sobald durch diese die Geschwulst des Körpers wieder weicher geworden, so har das Reiben mit Flanell, der mit Bernstein durchräuchert, und endlich stärkenden Weine, wozu man Eisenfeile nimmt, ihren sondern Nutzen. Es gibt aber noch eine andere Gattung von Bleichsucht, die man um Unterschiede die warme oder das dicke, weiße Fieber nach Gesner nennt; diese kommt bei starken Weibs personen, insonderheit auf dem Lande vor, wenn nämlich die monat liche Reinigung gähling durch ein Fieber, oder eine Gemütsbewegung unterdrückt wird; selten findet man sie in Städten und bei vollblütigen Personen, die eine wahrhafte, sehr gewürzte Kost genießen, und dabei eine sitzende Lebensart führen. In diesen wird das zurückgehaltene Blut verdorben, sie werden kachnetisch, obschon das äußere Ansehen wie in der vorigen Gattung ist daher man sie auch schwer unterscheiden kann, wenn man nicht auf die Lebensart, auf die Mittel, die wirken, und die vorhergegangene Beschaffenheit des Körpers wohl Acht hat. In die ser Gattung hilft Aderlassen, erweichende kühlende Mittel mit Salpeter.

Von der Mutterwuth.

Die Mutterwuth ist eine Gattung von Wahnwitz, bei der eine ungemein große Geilheit zugegen ist. Mannbare Mädchen, junge Wittwen, die gei le Bücher lesen , stark gewürzte Speisen, viel süßen Wein, oder andere geistige Getränke genießen, und dabei müßig sitzen, sind meistens die ser Krankheit unterworfen, obschon auch mäßig lebende, gut gesittete Personen, aus der einzigen Beschaffenheit ihres Körpers zuweilen damit befallen werden. Die nächste Ursache ist ein größerer Zufluss des Ge blüts zu den Geburtsteilen mit, oder ohne venerischen Reiz. Die ent fernten Ursachen sind zweierlei; denn entweder liegt die Ursache nur im Gemüte, wie bei den Personen, die wir vorher beschrieben, oder es war schon zuvor ein Fehler in den Geburtsteilen zugegen; denn wenn scharfe Säfte die Gebärmutter reizen, wenn eine Entzündung zugegen, wenn die monatliche Reinigung zurückgehalten wird, und das Blut sich dort anhäuft, wenn Geschwüre, Eiterbeulen, und Verhärtungen da sind, so entsteht durch diese Reize die Geilheit und von dieser ein Wahn witz. Im ersten Falle findet man zuweilen Entzündungen der Geburts teile, die man nicht als eine Ursache, sondern als eine Wirkung, oder Zufall betrachten muss. Man unterscheidet diese Krankheit von der wahren Tollheit aus dem, dass Personen, so die Mutterwuth haben, sich freudig gebärden, sobald sie von Liebe reden hören, öffentlich von gei len Sachen reden, und den nächsten Besten zum Beischlafe einladen.

Die Kurart ist nach der Ursache verschieden; wenn der Fehler in den Ge burtsteilen liegt: so muss man selben heben, und die Aufwallung des Ge blüts durch Aderlassen, durch eine kühlende Kost zu vermeiden suchen. Hängt aber das Übel nur vom Gemüte ab: so ist sorgfältig das Lesen, das Anhören geiler Bücher zu meiden: man sollte auf dergleichen Sachen nicht denken. Zuweilen werden solche Personen durch die einzige Hoff nung zu heiraten, oder durch das Heiraten selbst geheilt. Aus diesen kann man nun leicht verstehen, wie die wiederhergestellte monatliche Reini gung, die goldene Ader, der weiße Fluss diesen Wahnsinn heilen könne. Mathes de Gradeaus führt das Beispiel einer Weibsperson an, die außer der Zeit ihrer monatlichen Reinigung allzeit die Mutterwut hatte. So findet man in den Tagebüchern der Naturforscher eine Mutterwut, die von Entzündungen der Gebärmutter, eine andere, so von Würmern ent standen. Die, nachdem selbe weggetrieben wurde, von selbst aufhörte.

Von der weiblichen Unfruchtbarkeit.

Die weibliche Unfruchtbarkeit, so zwar unter die Krankheiten verheira teter Personen gehört, ist eine Unfähigkeit, im gehörigen Alter zu emp fangen. Gleichwie nun das ganze Zeugungsgeschäft uns gänzlich, und vielleicht für allzeit verborgen ist, so sind auch unzählbare verborgene Ursachen der Unfruchtbarkeit, von denen wir sehr wenige kennen. Die Unfruchtbarkeit ist entweder vollkommen, die auf keine Weise kann gehoben werden, oder verhältnismäßig, welche nur unter gerissenen Bedingungen da ist. Ursachen der ersten sind der Mangel der nötigen Zeugungsteile, oder derselben übler Bau, oder Krankheiten, die nicht können gehoben werden, als der Mangel der Eierstöcke, der Mutter trompeten, der Gebärmutter, oder wenn die Eierstöcke mit Wasser blasen, harten Geschwülsten angefüllt, wenn sie wässrig, ausgezehrt, und welk sind, wenn die Muttertrompeten zusammengewachsen, die Gebärmutter verhärtet, mit Geschwülsten, oder Geschwüren haftet ist, wenn sie docke Narben hat, oder gar in eine knorplige Natur ausgeartet ist, oder wenn sie gar eine Luftgeschwulst enthält, oder durch Blutflüs se, oder den weißen Fluss gar zu sehr erschlaffet ist, wenn Fehler der Mutterscheide, die keinen Schnitt zulassen, wenn ein Vorfall derselben, oder der Gebärmutter zugegen, den man nicht mehr zurückbringen kann, oder wenn ein großer Bruch da ist, der den Beischlaf hindert.

Die Ursachen der letzteren sind alle allgemeine Krankheiten, die Zeit der Wiedergenesung aus selben, die Bleichsucht, verschiedene Fehler der monatlichen Reinigung, die Krankheiten der Geburtsteile, die eine Hei lung zulassen, als ein Vorfall, der sich zurückbringen lässt, das Zusam menwachsen der Mutterscheide, so gehoben werden kann, wenn der Saa me wegen der Geschwülste des Muttermundes, die man doch vertreiben kann, nicht in die Gebärmutter kommt, wenn man beim Beischlafe kei ne Wollust fühlt, wenn der Saame nicht in der Gebärmutter bleibt, oder von dem schlaffen Muttermunde nicht eingesogen wird, wenn die innere Oberfläche derselben mit einer zähen Materie überzogen, wenn die Säf te der Gebärmutter übel beschaffen, wenn selbe zu hitzig, und daher der weiße Fluss, oder Geschwüre in selber entstehen. Zuweilen entspringt die Unfruchtbarkeit aus einer zu späten Heirat, wenn die Weibsperson schon über 30 Jahre zählt.

Zu oft wiederholter Beischlaf macht meistens die Unfruchtbarkeit bei liederlichen Weibspersonen. Lange Traurigkeit, Abneigung des Ge müts, Streitigkeiten‚Äö machen oft die Ehe unfruchtbar. Ist die Un

fruchtbarkeit vollkommen: so findet keine Heilung statt. Ist sie aber nur bedingungsweise: so kann sie nach Art der Krankheit, die selbe hervorbringt, geheilt werden. Es entstehet oft die Frage, in wie weit die Unfruchtbarkeit des Weibes die Ehescheidung zulasse? Um dieses zu entscheiden, muss man zur Regel annehmen, dass eine vollkommene Unfruchtbarkeit, die auf keine Weise kann gehoben werden, schon vor der Heirat da war. Wenn dieses gezeigt werden kann, so ist bei rö misch-katholischen sowohl als Protestanten eine gerechte Ursache der Ehescheidung vorhanden. Eis muss aber 1. die Ursache der Unfrucht barkeit vollkommen, beständig, nicht bloß in gewissen Umständen da sein. 2. Muss man sie nicht heben können, sonst würde man die Ehescheidung nicht zulassen. Denn nicht die Verwachsung, zum Bei spiel der Mutterscheide, sondern ihre ganze Zusammenwachsen von erster Bildung her macht die Unfruchtbarkeit unheilbar. 3. Es muss aber diese unübersteigliche Hindernis schon vor der Heirat da gewesen sein; denn wenn sie hernach entsteht, so ist niemals eine genügsame Ursache der Ehescheidung da, sondern der Mann muss Geduld tragen. besonders, wenn diese unüberwindliche Unfruchtbarkeit durch eine unglückliche Geburt entstanden. Man muss aber auch dieses Hinder nis zeigen können; denn gesetzt, es haben bei einer Frau die Mutter trompeten schon vor der Heirat gefehlt, so ist es sicher eine unheilbare Unfruchtbarkeit, die doch die Ehescheidung nicht zulassen würde; denn niemand wird die Frau von dieser Ursache überzeugen können, da sie im Inneren verborgen, und unterdessen die Frau zum Beischlafe fähig ist: daher man sie auch für nicht unfruchtbar halten muss. Diese sind nun die Regeln, nach welchen man in Beurteilung der Unfrucht barkeit, als eine Ursache der Ehescheidung betrachtet, sich zu verhal ten hat.

Der weiße Fluss ist eine Auslegung einer weißen, rötlichen, grünen, milden, oder scharfen Materie aus der Gebärmutter, oder Mutterschei de. Die nächste Ursache ist eine Anhäufung einer wässrigen, oder schleimigen Feuchtigkeit, wobei zugleich die Schlaffheit der Gebär mutter zugegen. Sie hat ihren Sitz in den schleimigen Höhlen, in den Drüsen, und äußersten Enden der Pulsadern. Die entfernten Ursachen sind nach Tissot 1.eine verdorbene Verdauung nach Fiebern, Blutflüs sen, schlechten Speisen, und Missbrauch warmer Getränke. 2. Eine schwache, und schleimige Beschaffenheit der Gebärmutter nach öfte ren Blutflüssen, wenn das Monatliche sehr reichlich abgeht, wenn sie als Mutter nicht selbst ihre Kinder stillen. 3. Eine von Natur angeerbte üble Beschaffenheit der Säfte. Wenn der weiße Fluss aus dieser Ursache entstehet, wird er niemals geheilt, und bleibt er auch nur einige wenige Zeit aus, so entstehen Bauchgrimmen, Kopfschmerzen. 4. Ein Kathar der Gebärmutter. Zu diesen Ursachen gehört noch mit Recht die Un reinlichkeit, und öftere Reizung der Geburtsteile. Zuweilen kann man nur aus Beobachtung der Mittel, die nutzen, oder schaden, beurteilen, ob der weiße Fluss gutartig, oder venerisch sei. Denn alle Zeichen eines venerischen weißen Flusses sind zuweilen bei dem gutartigen zugegen, indem auch dieser gähling in einer gesunden Person, und gleich vom Anfange scharf grünlich, mit Urinbrennen entstehen kann, ob er schon gemein nur nach und nach so bösartig wird. Von der ungefärten monat lichen Reinigung unterscheidet er sich durch die periodische Rückkehr, so selbe beobachtet. Von einem Muttergeschwüre durch die Zufälle der Eiterung, die hier fehlen. Zuweilen leiden Weibspersonen vom weißen Fuße keine Ungemächtlichkeit, und gebrauchen keine Arzneien. Dauert er aber lange, wird er häufiger, so verursacht er eine Schwäche, und Aus zehrung, samt anderen traurigen Zufällen, die eine geschwinde Hilfe verlangen. Entsteht selbiger also von Fehlern der Verdauung, so muss man vor allem die schädlichen, hart zu verdauenden Speisen meiden, die ersten Wege mit Rhabarbara, und Mirobalanen reinigen, und hernach den Magen mit bitteren Mitteln härten. Hat er aber seinen Ursprung von der Schämte der Gebärmutter, dannhelfen auflösenden Mittelfalze, stärkende Purgiermittel und Einspritzungen, und endlich eisenhaltiges Wasser. Wenn eine vererbte, üble Beschaffenheit der Säfte den weißen Fluss, welches doch selten geschieht, verursacht, so muss man, obschon eine vollkommene Kur selten zu hoffen, mir Rohrkassie, mit Manna, Tamarinde die Heilung anfangen, und mit auflösenden Mitteln die Säfte zu verbessern suchen, endlich aber mit stärkenden die Kur vollenden.

Ist ein Kathar der Gebärmutter, oder eine leichte Entzündung der Oberfläche derselben zugegen, so klagen sie über eine Schwere um das Schambein, über Hitze, Fieber; dann hat man Aderlässe, laue Bäder, Halbbäder, erweichende Umschläge, die Ausdünstung gelind beför dernde Mittel zu gebrauchen.Die Unreinlichkeit der Geburtsteile heilet die öftere Reinigung derselben; und wenn sie zu stark gereizt worden, so ist die Enthaltung zur Kur hinreichend. Im Anfsnge der Krankheit muss man sich sorgfältig von allen zusammenziehenden, insondere Bleimitteln hüten; denn der weiße Fluss wird selten ohne Ableitung der Säfte zu den Gedärmen geheilt. Oft sind bei einem verzweifelten Falle nur allein die mineralischen Wässer, die man innerlich und usserlich gebraucht, dienlich.

Von den Mutterbeschwerden, oder hysterischen Übel.

Die hysterische Krankheit ist von allen langwierigen Krankheiten des weiblichen Geschlechts jene, so am öftesten vorkommt. Paracelsus heißt sie die fallende Gebärmuttersucht, von Helmont den Mutterdampf, und jetzt nennt man allgemein die hysterische Krankheit, unter welchem Namen man eine heftige krampfhafte Bewegung des Nervensystems verstehet, die mit einer unangenehmen Empfindung, im Unterleibe an fängt, als wenn eine Kugel bis zum Haste hinaussteigt, und die Ersti ckung droht, wobei das Atemholen schwer, große Ängstlichkeit, und Kälte der ausser Gliedmaßen beobachtet wird. Man stritt sich von Alters her, um den eigentliche Sitz der Krankheit. Die Alten klagten fast einmü tig bis auf das 1600. Jahr die Gebärmutter an. Democrit hält sie für eine fruchtbare Mutter unzählbarer Übel. Hippocrat handelt in verschiede nen Orten von der Gebärmutter, wie sie ihren Ort ändert, bald gegen die Seiten, bald bis zum Zwerchfell, bald bis zur Kehle, ja sogar bis in den Kopf steigt; umsonst bemüten sich viele, ihn zu entschuldigen, als wenn er nur im figürlichen Verstande geredet: denn ein solcher Fehler kann in Abgang der Zergliederungskunst derselben Zeit sehr wohl möglich sein. Galen war der erste, welcher, da er die Mutterbänder gezeiget, die Falschheit des Aufsteigens der Gebärmutter dargetan: doch gab er ihr Schuld, dass sie die Dünste des verdorbenen Geblüts, und des Samens auf alle Teile verbreitete, und also dieselben reize. Diese Lehre fand fast überall Beifall; und ob man schon das unregelmäßige Aufsteigen der Gebärmutter nicht zuließ, so sprach man ihr doch nicht alle Kraft, sich auf die Seiten, oder vor- oder rückwärts zu bewegen, ab. Karl Piso be stritt die Meinung des Galen und behauptete, dass das hysterische √úbel eine Kopfkrankheit, und Gattung der fallenden Sucht sei, deren Ursache im Kopfe selbst läge; die Gelegenheitsursache dazu sei eine angehäufte wässrige Feuchtigkeit, welche den Ursprung der Nerven, insbesondere den Anfang des Rückenmarkes drücke, und reize. ja er bemühte sich so gar, seine Meinung durch √ñffnungen zu bekräftigen. Nach dieser Zeit dachte man verschiedene Hypothesen aus, womit man den Sitz und die Ursache dieser Krankheit zu erklären suchte; daher kommt es, dass eini ge die Lunge, andere den Saft der großen Magendrüse, die mit der Galle aufwallen sollte, anklagten: andere wollten die Eingeweide des Bauchs durch eine schwarze Galle verstopft, die wurmförmige Bewegung der Gedärme ungekehrt, und sogar den Nervensaft angegriffen wissen. Willis, dem auch Sydenham bestimmt, zeigte, dass die hysterischen Zufälle bloß krampfartig sein, und nicht eine wässrige Feuchtigkeit, sondern eine unordentliche Bewegung der Lebensgeister, diese ver

schiedenen Zufällen erwecke. Nach dieser Meinung lässt man eben diese Krankheit auch bei Männern zu, nur dass man sie mit veränder ten Namen das hypochondrische Übel nennt. Heutigen Tages nimmt man als eine vorbereitende Ursache eine allzugroße Reizbarkeit der Muskelfasern an, die durch einen auch kleinen Reiz in Bewegung ge bracht wird.

Jene, welche die Ursache der Krankheit in der Gebärmutter suchen, füh ren verschiedene Krankheiten derselben, und der Eierstöcke, so man in toten Körpern fand, an: doch könnten diese eben sowohl aus anderen Ursachen entspringen, und vielleicht mehr eine Folge, als Ursache der hysterischen Krankheit sein. Man unterscheidet das hysterische √úbel von der fallenden Sucht, mit der sie zuweilen könnte verwechselt wrden, aus dem, dass in jenem Zeugnis des Celfus, die Augen sich nicht so stark bewegen, kein Schaum vor dem Munde ist, und die Zuckungen nicht so allgemein, oder die inneren Sinne gänzlich betäubt sind: da überdies die hysterische Krankheit durch ein Bauchmurren, durch ein krampf artigen blassen und in großen Mengen abgehenden Urin sich zu endi gen pflegt. Vom Schlage unterscheidet sie sich aus dem, dass bei selbem alle Sinne, und Bewegungen gänzlich fehlen, der Puls aber entweder natürlich, oder gar stärker geht, und das Atemholen schwerer ist. Zu weilen verwechselt man einen heftigen Anfall des hysterischen √úbels mit einer schweren Ohnmacht, wo die Person tot zu sein scheint: ja man hielt hysterische Personen sogar für tot, denn nicht selten fallen einige in hysterische Ohnmachten, wo alle Mittel, durch die man versuchen pflegt, ob noch ein Leben da sei: dergleichen sind eine gezupfte Baum wolle, oder Feder, oder ein netter Spiegel. oder polierter Stahl, oder eine angezündete Kerze, die man an die Nase, oder Mund hält, oder ein Glas voll Wasser, so man auf die Brust setzt, vergeblich angewendet wrden: So schnitt auch Vasall ein Weib auf, die man für tot hielt, und in der Tat nur in einer schweren hysterischen Ohnmacht lag. So erzählt Schenk, dass eine Frau vom Stande da man sie in einer lange anhaltenden hys terischen Ohnmacht für tot hielt, und von einer berühmten Zergliede re wollte geöffnet werden, bei erster Ansetzung des Messers zu schrei en anfing. Es gibt unleugbare Beispiele, dass Weibspersonen, die man schon begraben, wieder zu sich gekommen, welches gewiss nur von hys terischen zu verstehen ist. Aus diesem folgt, dass man keine Schwange re, bevor man nicht wahrscheinlichere Weise von ihrem Tode sicher ist, öffnen sol. Denn wenn man bis zur Gewissheit, das ist, bis der Toten

geruch da wäre, mit dem Kaiserschnitte warten wollte, so wäre das Kind schon lange tot. Wollte man aber selben vornehmen, bevor man wahr scheinlicher Weise die Mutter tot zu sein glaubet: so würde man sich der Gefahr aussetzen, die noch lebende Mutter aufzuschneiden. Diese Materie verdient, dass wir uns länger dabei aufhalten. Jene fehlen si cher; die, nachdem sie kaum der Sterbenden letzte Seufzer aufgefangen, gleich in den Körper der Sterbenden vielleicht noch nicht ganz verstor benen Mutter wüten. Daher sollte niemand den Kaiserschnitt vorneh men: Wenn nicht die Mutter nach einer schweren Krankheit, als Fieber, Blutfluss, uvw. verschieden. Bevor man nicht alle Versuche gehörig ge macht, ob sie noch Atem hole und einer der Sache kündigen den Puls an gehörigen Orten untersucht. Auch nicht die mindeste Bewegung, aus genommen des Kindes im Mutterleib, da ist und alle natürliche Hitze entweder gänzlich oder doch zum Teil verschwunden; doch kann man sich auf dieses Zeichen nicht verlassen, da zuweilen die Lebenden Kälte, und bei Toten Hitze verspürt wird, man auch alle wider die Ohnmach ten und hysterischen Übel gewöhnlichen Mittel umsonst angewendet, die man aber nicht nötig hat, wenn man aus den vorhergegangen Ursa chen gewiss weiß, dass die Person gestorben. Nun fragt es sich, ob, wenn alle diese, oder doch die meisten dieser Zeichen da sind, man allzeit den Bauchschnitt machen soll. Es scheint aber, dass, wenn das Kind, da die Mutter stirbt, schon halb geboren, man es durch die Zange ganz leicht herausziehen könne; sollte es aber noch in der Gebärmutter sein, man die Wendung machen, und nur, wenn wir von dem Tode der Mutter versichert sind, und die Wendung nicht mehr gemacht werden kann, den Kaiserschnitt nötig haben? Vielleicht könnte man statt selben die Schambeintrennung mit minderer Gefahr vornehmen, wenn auch die Mutter wieder aufleben sollte. Wenigstens würden sich auf diese Art die Wunderste eine Geschicklichkeit zu dieser Operation erwerben.

Nun kehren wir wieder zu hysterischen Krankheit zurück. Die Zupfelle derselben sind: Kopfschmerzen, der an einem gewissen Orte festsitzt, eine plötzliche Beraubung der Sinne, Kleinmutigkeit; sie erschrecken von einer leichten Ursache, schwitzen, haben flüchtige Hitzen, einen gähen Schwindel, und Erstickung mit einer kropsähnlichen Halsge schwulst, Ohrensausen, die Zähne werden stumpf, der Speichel fließt häufig; sie klagen über Herzklopfen; die linke Rippenweiche schwillt gähling gleichsam von Winden auf, vergehet aber bald wieder; es zieht ihnen die Brust manchmal zusammen, es kommt ihnen vor, als wenn

Ameisen über ihren Körper kriechen, sie fühlen Schmerzen im Flei sche, die das Angreifen nicht ertragen, sie haben Aufstoßen, und bre chen eine saure, grüne Materie weg, es gehen ihnen Winde ab, sie kla gen über Bauchgrimmen, Nieren und Blasenschmerzen, Urinzwang, und Müdigkeit in Knien; auf einmal haben sie Frost, der Puls ist un gleich, der Urin geht wenig, zuweilen in großer Menge ganz blass; nun lachen sie unmäßig, bald darauf werden sie traurig, sie zürnen über jede Kleinigkeit, sie trauen Niemanden; nun bekommen sie eine au genblicklichen hysterischen Schlagfluss, gähe Zuckungen der Lefzen, geschwind vorübergehende Lähmung der Zunge, der Arme uvm. Alle diese Zufälle kommen unfallsweise. Man erkennt die KRankehti meis tens aus dem blassen Urin, aus der Erstickung: ihre Unfälle entstehen nach Gemütsbewegungen, oder wohlriechenden Dingen, und wird durch überreichende vertrieben. Je geringer die Zufälle, desto mehr Hoffnung hat man zur Genesung. Zuweilen sterben die Kranken nach Zeugnis des Biso auch unter dem Unfalle. Während selbem kann man eine Ader öffnen, wenn die Vollblütigkeit zugegen ist, reizende, wider die Mutterbeschwerden dienende Mittel an Mund und Nase, und die Geburtsteile, die äußeren Gliedmaßen reiben, Fußbäder gebrauchen, die Fußsohlen kitzeln; nicht minder sind dem Krampfe wiederstehen de Klistiere, zu denen man auch Mohnsaft hinzusetzen kann, wem großer Schmerz mit Brechen zugegen ist, dienlich. Ausser dem Unfall muss man die Gelegenheitrsachen sorgfältig ausfindig machen; denn die vorbereitende Ursache, die in der zu großen Reizbarkeit besteht, kann man zwar durch stärkendem und Nervenmittel mindern, und zu einer gewissen Mittelmäßigkeit bringen, niemals aber ganz heben. Ent stehet der Anfall von einer verdorbenen Materie in den ersten Wegen, so wird ein Brech- oder Purgiermittel die Rückkehr desselben hindern. Ist die Person vollblütig, hat sie dickes Geblüt, so wird Aderlassen, eine kühlende, meistens aus Pflanzen bestehende Kost statt den krampf stilende Arzneien dienen. Hatte aber eine hysterische Person schlei mige Säfte, einen aufgedunsenen Körper: so wird sie durch auflö sende Gummiarten, und hernach durch eisenhaltige Mittel geheilet werden. Wenn eine angeborne Schwäche des Körpers die Ursache die ser Krankheit wäre: so wird ihr die Bewegung, bittere, stärkende, und krampfstillende Mittel, kalte Bäder insonderheit gedeihen. Käme aber der Anfall von einer Gemütsbewegung: so wird da Ruhe, eine Ader lass, wenn sie nötig, und stillende Mittel hinreichend sein. Zuweilen, wenn alle andere Arzneien ohne Nutzen versucht werden, half nach

Sydenhams Zeugnis die Milchdiät. Doch wird diese Krankheit schwer gehoben, da man die Gelegenheitsursache zu finden meistens ver nachlässigt, und die Kranken selbst, weil ihnen die Kur zu lange dau ert, die Arzneien, welche ihnen zu langsam wirken, verabscheuen.

Von einigen Zufällen, die sich während der Schwangerschaft einfinden.

Krankheiten der Schwangern entstehen gemeiniglich aus folgenden Quellen: 1. Von dem gereizten Nervensysteme, dessen Abfälle man bald nach der Empfängnis beobachtet, und die man aus keiner andern Ursa che herleiten kann. 2. Von dem Anschwellen der Gebärmutter, die aus dem Becken in die Bauchhöhle steigt, und verschiedene Veränderun gen, von denen wir weiter unten handeln werden, hervorbringt. 3. Vom Geblüte, das vor der Zeit einen Ausfluss sucht; daher entstehen die Blut flüsse, die unzeitige Geburten, und tausend andere Übel. 4. Von dem Kinde selbst, das sich verschiedentlich bewegt, oder gar im Mutterleibe tot ist, eine üble Lage hat, in den Muttirtrompeten, Eyerstöcken, oder der Bauchhöhle enthalten ist, woher verschiedene Krankheiten der Mütter entstehen. 5. Aus übeln Gewohnheiten der Mütter in Kleidungen, Spei sen, Tanzen, Beischlafe, und zur Unzeit angewendeten Arzneinen. 6. Von verschiedenen Beschwerden sonderbarer Teile des weiblichen Kör pers, welche zur Zeit der Schwangerschaft leiden; daher kommen die Krankheiten der Brüste, des Mastdarms, der Blase, der Schamteile, der unteren Gliedmaßen. Dieses ist nun die sechsfache Quelle der Krank heiten bei Schwangeren. Nach der Empfängnis beobachtet man die so genannten Nervenkrankheiten; dergleichen sind: Öftere Ohnmachten, eine größere Reizbarkeit, und leichtere Bewegung des Gemüts, Traurig keit, geschwinder Zorn, eine verdorbene Esslust zu ungewöhnlichen Sa chen, ein Abscheu vor Speisen, welche sie vor der Schwangerschaft gerne aßen, der ganze Haufen hysterischer Zufälle, ein Anfang der Bleich sucht mit Herzklopfen, Ekel, Brechen, das zuweilen nur die ersten Tage, oder Wochen, zuweilen aber bis zum Ende der Schwangerschaft anhält. Eben das, was denen, so auf der See fahren, geschieht auch Schwangeren gleich nach der Empfängnis; denn aus einer unordentlichen Bewegung Lebensgeister bekommen sie Ekel und Brechen‚Äö obschon die ersten Wege rein sind. Wider diese Zufälle helfen gelinde windtreibende, und stillende Mittel, ein wenig Mohnsaft, die wider die Mutterbeschwerden dienenden abgezogenen Wasser von Krausminze, Kamillen, Melissen, übel riechende Arzneien, und Magenpflaster. Man hüte sich aber vor allen starken Arzneien: denn es ist besser bei gelinderen zu bleiben, und die ganze Sache nur der einzigen Zeit zu überlassen, vorzüglich bei je nen, die heimlich schwanger sind, dass man nicht vielleicht die noch sehr kleine Frucht abtreibe, welches doch eben sowohl strafbar wäre, als wenn man es bei einer schon größeren Frucht versuchen wollte. Über dies findet man kaum zwei Weibspersonen, die über die nämlichen Beschwerden klagen. Die zweite Ursache der Krankheiten bei Schwan

geren ist die anwachsende Gebärmutter: sie drückt die Eingeweide des Bauchs, woher unzählbare Nebel kommen; so entstehet von gedrückter Leber, oder Gallengängen die Gelbsucht. Wenn am Ende der Schwan gerschaft die Gebärmutter sich bis zum Magen erstrecket, so brechen sie gewiss die nur in einer wenig größeren Menge genommene Speisen weg, welches Brechen man mit jenem zu Anfange der Schwangerschaft nicht verwechseln muss. So wird auch das Netz in die Höhe gescho ben und eingebogen: diese Zusammenwicklung des Netzes kommt uns oft als eine Geschwulst der Eingeweide vor, die man durch das Fühlen untersuchen kann und die in einer jeden Lage des Körpers gleich, ja das ganze Leben durch dableibt. Oft werden hier Ärzte betrogen, dass sie auflösende Mittel, wie bei verhärteten Geschwülsten, lange, doch um sonst anraten. Auf gleiche Weise werden auch die Gedärme zusammen gedrückt, woraus ein harter Stuhl, und Geschwülste des Bauchs aus dem zurückgebliebenen Kot, die, wenn der Leib offen ist, sich augenschein lich mindern, entstehen. Aus eben dieser Ursache kommt zu Ende der Schwangerschaft die goldene Ader, da die angeschwollene Gebärmutter den Rücklauf des Geblüts durch die Blutadern des Mastdarms hindert. Vom verschiedenen Druck der Gebärmutter auf die Nieren, Harngänge, Urinblase werden diese Teile verschiedentlich verletzt, dass bald bestän dig, halb sehr wenig, halb gar kein Urin abgeht. Da auch die absteigende große Herzschlagader gedrückt wird: so häuft sich das Geblüt in den oberen Teilen an, und verursacht in Kopf und Brust alle die √úbel, so von der Vollblütigkeit dieser Teile entstehen können. Insonderheit aber sind die Hohl-und Darmbeinsader dem Drucke der Gebärmutter ausgesetzt; daher entspringt auch die wässerige Geschwulst der Beine und Scham teile. Die Unfühlbarkeit, Krampf, Schmerzen, Lähmung der unteren Gliedmaßen, das Hüftwehe nimmt gleichfalls von der Gebärmutter, so die Rückenmarknerven drückt, ihren Ursprung. Der Dampf, das schwe re Athemholen, das Blutspeien kommt vom Zwergfelle her, welches die angeschwollene Gebärmutter in die Höhe schiebt. Die meisten dieser Zufälle kann man nur minder, nicht ganz heben. Daher man zuweilen, doch behutsam, zur Ader lassen muss; in anderen Fällen nutzt es, die unteren Gliedmaßen fatschen. Klistiere, abführende, ja sogar in größ ter Notwendigkeit Brechmittel sind zuweilen gleichfalls nötig, das ist, man muss einen jeden Zufall durch eigene Arzneien zu lindern suchen.

Wenn die Gebärmutter, indem sie anschwillt, eine üble Lage hat, ent stehet eine schwere und fast allzeit tödliche Krankheit, die zum Un glück kaum noch den Ärzten bekannt, und meisten übersehen wird. Schon Hippocrates wusste, dass von der Schiefstehung der Gebär mutter Krankheiten entstehen aber diese, von der ich handle kann te er nicht. Um von der natürlichen, oder widernatürlichen Lage der Gebärmutter zu urteilen, muss man notwendig vorher den Bau, und die Lage des Beckens kennen, das zwei Öffnungen hat, eine oben, eine unten. Wenn man bei einer aufrechtstehenden Weibsperson durch die obere Öffnung eine Linie ziehen würde, die durch die Mitte der untern Öffnung ging: so hätte man die Achse des Beckens, die-wenn man sie bis auf die Erde verlängert , durch den Hintern gehen, und mit dem Gesichtskreis einen Winkel von 72 Grad machen würde; verlängerte man sie nach oben, so würde sie bis an den Nabel langen. Wenn nun die Lage der Gebärmutter sowohl bei Jungfern, Schwangeren, als bei der Geburt selbst natürlich ist: so gehet die Achse des Beckens mit der Achse der Gebärmutter in eine Linie zusammen, dass im natürlichen Stande der Grund der Gebärmutter gegen dem Nabel, der Mund ge gen dem Hintern sieht, die Mutterscheide aber sich als ein Stück eines Zirkels von vorne anhängt, und bei den äußeren Schamteilen aufhört. Röderer war der erste, der die Achse der Gebärmutter richtig bestimm te. Weicht sie nun, wie Beispiele lehren, auf was immer für eine Weise von dieser Lage ab, so wird die Geburt schwer, und zuweilen unmög lich. Die Ursachen dieser Schiefstehung sind: wenn der Mastdarm, oder linke Grimmdarm mit Kot, oder Luft, oder die Blase mit zu häufigem Urin angefüllt ist, oder wenn die Gebärmutter selbst, wie es die Zer gliederer zeigen, in ihrem Bau fehlerhaft ist, wenn sie zu hoch liegt und mehr in der Bauchhöhle als im Becken zu sein scheinet, wenn selbiges zu weit, wenn die Person bucklig, und daher auch das Becken unge staltet ist, die Mutterbänder von ungleicher Länge sind, wenn eine har te Geschwulst inner oder außer der Gebärmutter, in den Eierstöcken, Muttertrompeten, oder dem Becken selbst ist, wenn eine angeschwolle ne Niere, oder die Milz, insonderheit nach kalten Fiebern, das Netz, das Darmfell sich bis in das Becken erstrecket, durch seine Schwere die Ge bärmutter von ihrem Orte verdrängt, und daher eine schwere Schwan gerschaft, harte, oder unzeitige, oder gar tödliche Geburt verursachet. Ich aber werde nur von einer meistens noch unbekannten Gattung, die Hunter am ersten beobachtet, handeln. Wenn nämlich der Grund der Gebärmutter nach dem heiligen Beine gewendet ist, so kann er

nicht aus dem Becken kommen, sondern wird an das heilige Bein stark angedrückt, und schließt sich selbst ein, oder wenn der Grund der ganz verkehrten Gebärmutter nach dem Hintern, und dem Mit telfleisch der Muttermund aber über den Schambeinen stehet. Daher wird die Urinblase, der Hals derselben, die Harnröhre an die Schambein angedrückt, dass nichts heraus fließen kann, da unterdessen die Blase selbst sehr angeschwollen, und nach van Deventers Beobach tung gar geborsten ist. Eben dieses geschieht mit dem Mastdarm, dass der Stuhl auf eine unheilbare Art zurückgehalten wird. Man erkennt diese Krankeheit, welche sich im dritten, oder in der Hälfte des vierten Monats zeigt, oder in die Hälfte des vierten Monats zeigt, aus folgen den Zeichen: der Urin, und Stuhl werden von Tage zu Tag minder und hören endlich ganz auf, man fühlt eine harte Geschwulst im Grunde des Beckens zwischen dem Mastdarm und der Mutterscheide, der Mut termund steht sehr hoch. Es hält ungemein schwer die Gebärmutter in ihre gehörige Lage zu bringen und der Natur kann man die Sache un möglich überlassen.Vielleicht könnte man im Anfange bevor sich die Gebärmutter gänzlich eingeschlossen, selbige zurückzubringen suchen, wenn man 1. das Becken erweiterte, 2. der Frau eine gehörige Lage gäbe, dass die Gebärmutter durch ihre eigene Schwere in die Bauchhöhle fie le, und 3. durch Handanlegung selbe zurückzustossen trachtete. Das erste geschieht, wenn man mit dem Katheter den Urin abzapfet, und wenn dies nicht möglich, nach Hunters Meinung, die Blase über den Schambeinen durchbohret, das aber sehr schwer sein möchte, da die Teile eine ganz widernatürliche Lage haben. Ja Hunter zweifelt nicht mit einer dreischneidigen Nadel durch die Mutterscheide die Gebärmutter zu durchbohren, dass wenn die Wässer geflossen, auch der Urin abgehe, und die Gebärmutter in ihre natürliche Lage könne gebracht werden.

Diese Durchbohrung hat keine Gefahr, da die Gebärmutter sogar den Kaiserschnitt aufhält, und in diesem Umstande unumgänglich nötig ist, wenn wir nicht Mutter und Kind gewiss zu Grunde gehen lassen wollen. Auch muss man den Mastdarm mit Klistieren auszuleeren su chen; vielleicht möchte zu diesem Ende, wie auch um dem Urin einen leichteren Ausfluss zu verschaffen, die Schambeintrennung nicht un dienlich sein. Das zweite besteht in em, dass man die Frau auf Hände und Knie mit dem Kopf und Brust tiefer legen ließe: denn so würde man die eingeschlossene Gebärmutter, wenn sie nicht freiwillig zurück ginge, doch mit Gewalt zurückstoßen können. Das dritte verrichten die

Hände, mit deren einer man die Mutterscheide herunterziehen, mit der anderen aber, von der man zwei Finger in den Mastdarm bringt, den Grund der Gebärmutter von dem heiligen Beine weg und in die Höhe zu bringen versuchen muss. Wartet man aber bis zum Ende des vier ten Monats, so wird man entweder die Einrichtung der Gebärmutter sehr schwer oder gar nicht mehr machen können, wenn man nicht zu vor die Größe der Gebärmutter nach Hunters Anleitung vermindern, oder eine unzeitige Geburt, die beinahe unmöglich ist, abwarten will.

Von den Blutflüssen bei Schwangeren.

Bei Schwangeren geht das Geblüt entweder durch die monatliche Rei nigung, oder die goldene Ader, oder durch einen wahren Blutfluss, der von einer unzeitigen Geburt kommt, ab. Meistens haben Schwangere doch noch einmal ihr Monatliches, obschon in geringer Menge. Voll blütige aber bis in die Hälfte der Schwangerschaft. Die monatliche Rei nigung zeigt zwar für sich selbst nichts Böses an: weil sie aber ein Zei chen der Vollblütigkeit ist, so würde man die Aufwalltlung des Geblüts und dessen Zufluss nach der Gebärmutter durch eine Aderlass am Arm sehr wohl vor der Zeit verhüten: ist sie aber schon da, dann wird Ruhe und eine kühlende Kost dienlich sein, wobei alle Gemütsbewegungen zu vermeiden; dass nicht vielleicht die Nachgeburt sich ablöse, und eine unzeitige Geburt entstehe.

Man unterscheidet aber das Blut, welches durch die monatliche Rei nigung abgehet, von einem wahren Blutfluss aus folgenden Zeichen: ist keine Ursache eines Missfalles zugegen keine Kreuzschmerzen, kei ne wahren Wehen, obschon auch beim Monatlichen zuweilen Grim men, und Kreuzschmerzen da sind, wenn während vorhergegange ner Schwangerschaften allzeit die monatliche Reinigung sich zeigte, wenn sie regelmäßig in gehöriger Menge, und Zeit abgeht. Ist der Fall zweifelhaft, so wird Ruhe im Bette, kühlende Mittel und Aderlas sen dienlich sein. Eben so leiden auch Schwangere an der goldenen Ader, weil sie selbige schon vorher hatten, oder weil sie vielleicht vom Drucke der Gebärmutter, oder vom harten Stuhle unter der Schwan gerschaft entstehet. Die Zufälle derselben, auch wenn sie an den Schamlefze , oder in der Mutterscheide sich zeiget, kann man durch Klistiere, gelind abführende Mittel, insonderheit durch die Magnesium lindern. Wenn die goldene Ader durch die Mutterscheide fließt, wel ches man aus den Krampfadern, die man in derselben findet, erken net, muss man genau fragen, ob die Person die goldene Ader schon vorher hatte? Ob diese die Zeit, wo sie sich sonst zeigte, sei? Ob eben die Zufälle dabei seien, mit welchen sie sonst zu kommen pflegt?

Von der unzeitigen Geburt.

Der dritte Blutfluss bei Schwangern ist jener, welcher vor unzeitigen Ge burten vorhergeht, ob er schon, wenn er gering ist, und bald aufhört, selbige nicht notwendig nach sich zieht. Eine unzeitige Geburt heißt man, wenn die Frucht vom zweiten bis zum siebten Monat abgeht; denn vor dem zweiten Monat nennt man es keine unzeitige Geburt, weil sie ohne große Schmerzen geschieht, und man die Frucht noch nicht un terscheiden kann. Geht aber die Frucht vom siebenten bis zum Ende des neunten Monats ab, so ist es eine frühzeitige Geburt; denn eine natür liche geschieht entweder nach, oder um das Ende des neunten Monats.

Eine unzeitige Frucht lebt nicht lange, da doch eine frühzeitige eines län geren Lebens fähig ist, wenn man immer den nötigen Fleiß, und Sorge anwendet. Doch gibt es Weiber, die aus einer besondern Beschaffenheit des Körpers eine ganz reife Frucht am Ende des siebenten Monats gebä ren, da doch gemeiniglich die Geburt zwischen der achtunddreißigsten und vierzigsten Woche vor sich gehet, und wenn immer die Geburt vor Ende der. 43. Woche sich ereignet, welches zwar selten geschieht, so ist sie noch natürlich. Ungemein selten aber geschieht die Geburt im zwölften Monat; Röderer zog durch den Kaiserschnitt nach Ende des dreizehnten Monats aus einer kleinen Mutter, ein großes Kind heraus: doch fand er unter 113 Gebärenden nur zwei, welche im 13. Monat geboren wurden. Eine zeitige Frucht erkennt man auf verschiedene Art, insonderheit durch die Schwere, denn sie, wiegt meistens sechs, oder acht Pfund. Eine unzeitige Geburt geschieht meistens im dritten Monat der Schwanger schaft. Die nächste Ursache ist die zu frühzeitige, entweder gänzlich, oder nur zum Teil geschehene Ablösung der Nachgeburt von der inne ren Oberfläche der Gebärrmutter. Die Gelegenheitsursachen, deren un endlich viele sind, kann man schicklich in 4 Gattungen einteilen; denn entweder liegen sie im Saamen des Mannes, oder in der Mutter, oder in der Frucht selbst, oder in den äußeren Ursachen, welche auf die Mutter, und Frucht wirken. Zur ersten gehört der verdorbene Saam des Vaters, welches durch Krankheiten, Alter, oder die Lustseuche geschieht. Die Frucht, welche aus einem solchen Samen entspringt, kann niemals zur Reise gelangen; woraus man sieht, dass bei unzeitigen Geburten, die schon zur Gewohnheit geworden, nicht allzeit die Schuld in der Mut ter liege. Ursachen, welche in der Mutter ihren Ursprung haben, sind folgende: Wenn sich die Gebärmutter über ein gewisses Ziel nicht er weitern kann. Diese Ursache ist wahrscheinlicher Weise zugegen, Wenn eine Frau allzeit zur nämlichen Zeit einen Missfall hat. Eine Schwäche,

und Schlaffheit des ganzen Körpers, besonders wenn die Person ein noch zu zartes Alter hat. Eine zu große Reizbarkeit. Hitzige Fieber. Eine wahre Vollblütigkeit, auch eine falsche, wo sich die Säfte nur zu sehr ausdehnen, wie im Zorn, Tanzen, nach Gebrauch des Weins ge schieht. Eine Vollblütigkeit aus Verminderung des Raumes, wenn nämlich die Gefäße zusammen gezogen werden, wie man bei gä hen Schrecken, und Kälte beobachtet. Wenn also nach einer lan gen Nässe auf einmal eine scharfe Kälte einfallt, oder nach einem nassen Winter ein kalter trockener Frühling kommt, so sieht man schon, nach Hippocrates Beobachtung, viele unzeitige Geburten.

Die Vollblütigkeit der Gebärmutter, die durch Gemütsbewegungen, Fußbäder , und andere reizende, und treibende Bäder entstehet. Alle die Frucht treibende Mittel, besonders wenn man sie zur Zeit der monat lichen Reinigung nimmt. Verschiedene Krankheiten der Gebärmutter, oder Mutterscheide, der Krebs, eine Eitergeschwulst, Gewächse, Wasser sucht der Gebärmutter. Die Krankheiten der Urinblase, als Stein, Verhal tung des Harns, Harnzwang, harter Stuhl, Ausdehnung der Grimmdarms durch Kot, wodurch das Wachstum der Gebärmuttr verhindert wird. Die goldene Ader, von welcher zuweilen Grimmen entstehet, Mastdarm Fisteln, der Vorfall desselben, Stuhlzwang, die rote Ruhr, ein Durchfall, der die Kräfte erschöpft. Heftiges lange anhaltendes Brechen, welches zu Ende der Schwangerschaft von der Gebärmutter, die sich bis auf den Magen erstrecket, entstehet. Ein schwerer krampfartiger Husten, Zu ckungen, die fallende Sucht, während welcher zuweilen doch die Geburt vor sich gegangen; verschiedene Gattungen der Wassersucht, der Ver lust der Milch bei Ammen, die heimlich schwanger geworden, oder bei Müttern, die selbst ihre Kinder stillen, und unterdessen wieder schwanger werden, in welchem Falle man also bald das Kind der Brust entwöhnen muss, wo man ohne diese Vorsicht der Mutter und Frucht notwendig schadet.

In der Frucht selbst liegt oft die Ursache einer unzeitigen Geburt, als: wenn eine Missgeburt, wenn zwei, drei Kinder in der Gebärmutter sind, wenn die Frucht den Wasserkopf, oder Bauchwassersucht hat, wenn sie Zuckungen bekommt‚Äö oder gar tot ist. Zuweilen ist die Frucht, in Betracht einer kleinen Mutter zu groß, oder bewegt sich zu viel, oder es hat die Nachgeburt verschiedene Fehler, so ist die Nabelschnur zu lang, oder zu kurz, oder sie ist wassersüchtig, dann findet man in der Nachgeburt harte, und weiche Geschwülste, Wafferblatter, Geschwü

re. Wenn die Nachgeburt an den Muttermund angewachsen, so löst sie sich notwendig ab, sobald der Hals, und Gebärmuttermund sich aus dehnen: daher entstehet meistens im siebenten Monat ein Anfangs ge linderter Fluss, der öfters zurückkommt‚Äö und besonders die letzen Monate heftiger wird; es folget zwar hieraus nicht notwendig eine un zeitige Geburt, indem es Weiber gibt, die bis an die gewöhnliche Zeit gehen: doch wird eine solche Geburt allzeit mit einem gefährlichen Blutsturz vergesellschaftet sein.Einen Blutsturz, der aus dieser Ursache kommt, erkennet man aus dem, dass er während den Geburtsschmer zen zunimmt, da ein jeder anderer unter den Wehen sich mindert. Am besten aber unterscheidet man diese Gattung Blutfluss von allen andern, wenn man mit den Fingern die Nachgeburt vor dem Mutter mund fühlt. Fängt dieser Blutsturz erst an, so hält man ihn durch Ruhe, Aderlassen, durch eine kühlende Kost, und Arzneien einige Tage, ja Wochen auf: ist er aber starker, so hilft nichts als dass man geschwind die Nachgeburt ablöse, oder durchbohre, und die Frucht bei den Füs sen herauszieht. Levret war der erstes der diesen Fehler der Nachge burt, und den daraus entstandenen Blutsturz ordentlich beschrieben.

Eine zu große Anhäufung des Wassers zwischen den Häuten der Frucht, und die allzugroße Feinheit derselben ist auch zuweilen eine Ursache der unzeitigen Geburt. Äußerliche Ursachen einer unzei tigen Geburt sind: eine zu große Bewegung, ein gewaltsamer Druck, ein gähes Aufheben der Arme, das Tanzen, Fahren auf unebenem Boden, Wunden, Stöße, Fallen, zu enge Kleider, besonders Schnür brüste bei Personen, welche heimlich schwanger geworden, und ihre Schwangerschaft verbergen wollen, unmässiger Beischlaf zur Zeit der Schwangerschaft, den man in diesem Stande gänzlich unterlassen sollte. Um mit Grunde bei unzeitigen Geburten eine Vorher sagung zu machen, muss man folgende Regeln wohl merken:

1. eine unzeitige Geburt die ersten Monate nicht so gefährlich, indem selten ein tödlicher Blutsturz dabei zugegen ist.

2. Vor dem fünften Monat ist bei jeder unzeitigen Geburt die Hand des Geburtshelfers unnütz, indem keine Wendung Statt haben kann, weil die Gebärmutter noch nicht genugsam erweitert ist. Ruhe, Aderlassen, kühlende Mittel, kalte Bähungen auf die Geburtsteile ist alles, was man anwenden kann. Steckt aber die Frucht im Muttermunde, oder in der Mutterscheide, dann kann man ihr mit den Fingern heraushelfen.

3. Bei unzeitigen Geburten vor dem fünften Monat kann man die

Nachgeburt, welche allzeit lange zurückbleibt, weder mit Hilfe der Finger, noch durch reizende Mittel abtreiben; auch nach dem sechsten Monat darf dieses nicht geschehen, obschon alsdenn die Hand leichter dazu kann gebraucht werden. Bisweilen ist in diesen Umständen eine gelind reizende Klistier hinreichend, wow nicht, so muss man die Zeit abwarten, bis sie von selbst abgeht.

4. Je später eine unzeitige Geburt entsteht, desto gefährlicher ist sie wegen eines alsdenn allzeit größeren Blutsturzes.

5. Eine unzeitige Geburt, welche durch heftig treibende Mittel, als Kupfer-Vitriol, den Aufguss von Semenbaum befördert wird, ist allzeit gefährlich: denn durch die heftige Wirkung solcher Mittel gehen die Mütter meistens zu Grunde. Also sah man eine, wo unter heftigem Brechen die Gallenblase zersprang; eine andere starb aus einer Leber entzündung; wieder eine nach beständigem Brechen, welches durch sechs Wochen dauerte und sie ganz auszehrte.

6. Bei schwachen Personen, oder welche ein Faulfieber haben, oder mit dem Scharbock, behaftet sind, oder wenn die Nachgeburt am Mutter munde angewachsen, ist eine unzeitige Geburt gefährlich. Haben sie die Ruhr, so kann man eine unzeitige Geburt beinahe nicht vermeiden. Man verstand daher den Hippocrates sehr übel, wenn man vorgibt, dass er die Ruhr bei Schwangern heilsam gefunden.

7. Diejenigen, welche den weißen Fluss, oder das Monatliche stark haben, sind öfters unzeitigen Geburten unterworfen.

8. Oft hält man die goldene Ader, welche durch den Mastdarm, oder durch die Mutterscheide sich zeiget, wenn sie mit Kreuz- und Bauch schmerzen begleitet wird, für eine herannahende unzeitige Geburt. Doch begehet man hierin keinen Fehler, indem eben dieselben Mittel, als ölige Klistieren, Ruhe, kühlende Arzneien statt finden.

9. Das zu oft wiederholte Aderlassen verursachet oft eine unzeitige Geburt. Die Zeichen derselben sind folgende: Die Brüste fallen zu sammen, und geben eine wässrige Milch von sich, der obere Teil des Bauchs wird schmaler; die Schwangere fühlt die Bewegung des Kinds nicht mehr; es überfällt sie in Schauer, Kälte, Kreuzschmer zen, welche sich bis in die Reihen mit Stuhlzwang erstrecken; der Muttermund wird nass‚weich, und öffnet sich nach jedem Schmer zen, es fließt Wasser, eine rötliche Feuchtigkeit, und endlich Blut.

In diesen Umständen muss man geschwind untersuchen, ob noch Hoff nung die unzeitige Geburt zu verhindern da sei, oder nicht? Dass noch Hoffnung übrig sei, erkennet man, wenn die wahren Wehen nicht be ständig wachsen, der Muttermund sich nicht öffnet, der Blutsturz sich nicht vermehret‚Äö die Ursache gering, und die Person vorher gesund war. Findet man dieses, so muss man sich 1. bemühen die Ursache, wel che man ausfindig gemacht, alsobald zu heben; 2. unterdessen Ruhe, eine horizontale Lage im Bette anraten, und 3. den gefährlichsten Zu fällen am ersten begegnen. Also, wenn zum Beispiel ein Entzündungs fieber die Ursache wäre, müsste ma selbiges alsbald durch Aderlassen zu Mindern trachten. Wäre eine äußerliche angebrachte Gewalt Schuld, würde Aderlassen, erweichende Getränke, und äußerlich zerteilende Mittel allein die unzeitige Geburt verhindern. Wenn eine Schärfe in den Gedärmen Grimmen und Geburtsschmerzen verursachte, dann muss man sich schleimiger, und öhnlicher Mittel bedienen. Sollte aber eine zu große Aufwallung des Blutes die Ursache sein, so würden Ader lassen, und kalte Bäder aus Wasser und Essig nützen. Entstünde die Ursache der unzeitigen Geburt von hysterischen Krämpfungen, aus Schrecken, so heilen krampfstillende Mittel, als Bibergeil, überreichen de Arzneien, welche man äußerlich auf den Magen, oder das Kreuz legt.

Außer diesem Falle sind alle die Geburt aufhaltende Pflaster, wie man sie in Apotheken unschicklich zu nennen pflegt, von gar keinem Nut zen. Sollten allzuhäufige Ausleerungen die Gefahr einer unzeitigen Ge burt verursachen, so werden nur nährende Speisen Platz haben. Sind aber die entgegen gesetzten Zeichen, die keine Hoffnung zu Verhütung der unzeitigen Geburt übrig lassen, zugegen, dann sind wieder zwei Fälle sorgfältig zu unterscheiden: Entweder ist ein wahrer Blutsturz da, oder es fließt nicht mehr Blut, als bei einer natürlichen Geburt. Um dieses zu unterscheiden, muss man die Tücher, womit das Blut auf gefangen wird, wohl betrachten. Um noch sicherer zu sein, trägt das Zeugnis der Kranken selbst, die schon öfters geboren, oder einer er fahrnen Hebamme vieles bei. Im letzten Falle überlässt man das gan ze Geschäft der Natur, und bedienet sich nur einiger gelind reizender Klistieren. Im ersten Falle aber muss man geschwind die Gebärmutter durch eine Wendung, oder Instrumente ihrer Bürde entladen. Aus die sem erhellet, dass bei unzeitigen Geburten nicht immer die nämliche Kurart stattfinde. Man würde sehr übel jedes Mal zur Ader lassen, oder zusammenziehende Mittel, oder den Mohnsaft geben, welchen man

nur, wenn kein Fieber vorhanden, und eine heftige Gemütsbewegung vorhergegangen ist, mit Nutzen gebraucht. Nicht allzeit, sondern nur bei gewissen Umständen wird der kalte Essig, den man auf die Scham legt, den Blutsturz stillen. Es gibt Weibspersonen, die auch nach stark treibenden Mitteln, welche sie nehmen, keine unzeitige Geburt haben, da dieselbe bei andern aus geringen Ursachen in Gewohnheit überge het. Die Ursachen einer solchen zur Gewohnheit gewordenen unzei tigen Geburt sind ohne die allgemeinen schon oben erzählten, beson ders 1. eine Schwäche der Gebärmutter, welche durch öftere Geburten, oder durch den weißen Fluss entstehet. 2. Ein angeerbter Fehler. 3. Mutterbeschwerden; denn meistens ist eine Gemütsbewegung Ursa che davon. 4. Wenn sich die Gebärmutter nur zu einem gewissen Zie le ausdehnen lässt. 5. Der unmäßige Beischlaf, und Selbstbefleckung. Es hält ungemein schwer, die wahre Ursache zu erfahren, und die un zeitige Geburt zu verhüten, indem selbige bei Personen geschieht, die man nicht nur dem äußern Ansehen nach, sondern auch nach sorgfältiger Untersuchung für vollkommen gesund halten würde. Um diese Neigung zur unzeitigen Geburt zu heben, muss man hauptsäch lich 1. außer der Zeit der Schwangerschaft, und 2. kurz vorher, als sonst die unzeitige Geburt zu geschehen pflegt, die gehörigen Mittel anwenden.

Außer der Schwangerschaft nutzen meistens stärkende Arzneien, weil die gemeinste Ursache von einer zu großen Schwäche der Gebärmutter herleitet. Daher hat man beobachtet, dass die Fieberrinde, eisenhaltige Arzneien, welche man vom zweiten Monat der Schwangerschaft an bis zum Ende derselben in geringer Dosis gegeben, auch der Aufguss von Pomeranzenblättern, wie es Herr Baron von Störck bezeuget, un gemein dienlich gewesen. Vor der Zeit, wo sonst die unzeitige Geburt sich ereignete, muss man alle Gelegenheitsursachen, als enge Kleider, Aderlassen, Beischlaf, zu starke Bewegungen, Tanzen, schlüpfrige Wege, Streitigkeiten sorgfältig vermeiden. Übrigens sollten Personen, die leicht zur Unzeit gebären, folgendes beobachten:

1. Müssen sie sich vor großer Bewegung, Aufhebung schwerer Sachen hüten.

2. Sollen sich sich unter einer großen Volksmenge, damit sie nicht ge drückt werden, niemals einfinden.

3. Sollen sie öffentliche Schauspiele, die das Gemüt sehr bewegen, nicht besuchen , schlüpfrige Straßen im Winter meiden, Seiltänzer, Nacht wandler, öffentlich hingerichtete Personen, und mit der fallenden

Sucht behaftete Leute nicht ansehen.

4. Soll man ihnen nichts Trauriges, vorzüglich aber von Todfällen der Kindbetterin erzählen.

5. Ohne Erlaubnis des Arztes sollen sie nicht zur Ader lassen.

6. Ihre Strickröcke sollen sie während dieser Zeit ablegen. Von den Zufällen der Schwangern, die von der Frucht, von übeln Ge wohnheiten der Mutter, und vom Bau ihres Körpers entstehen.

Die Krankheiten der Schwangern von der Leibesfrucht entstehen, wie ich schon oben anmerket, wenn sich die Frucht zu sehr bewegt, Zu ckungen bekommt, oder gar tot ist; wenn sie eine üble Lage hat, in den Muttertrompeten, Eierstocken, oder in der Bauchhöhle enthalten ist. Die allzustarke Bewegung der Frucht verursachet der Schwangern Schmerzen. Hat selbe im Mutterleibe Zuckungen, so reitzet diese auch die Gebärmutter, und es kann eine unzeitige Geburt folgen. Man zankt sich noch, ob die im Mutterleibe abgestorbene Frucht Krankheiten verursache, und wie die √Ñrzte des siebzehnten Jahrhunderts wol len, dass die abgestorbene Frucht faule, woraus ein bleifarbenes Ge sicht, schwarzbleiche, tiefe, dunkle Augen, Herzklopfen, schwerer und stinkender Atem, Kopfschmerzen/ Ohrensausen, ein langsames Fieber, Ohnmachten in der Mutter entstünden. Doch finden sich diese √úbel bei Schwangern nicht, weder fault die Frucht in der Gebärmutter; denn man sieht Kinder, welche zu rechter Zeit geboren werden, die doch so klein, runzelig, und zusammengezogen sind, dass man glauben kann, sie wären schon seit dem sechsten, oder siebenten Monat tot, und doch findet man keine Spur einer Fäulnis, und die Mutter klagt über keine Beschwerde, ja es werden Zwillinge geboren, deren einer stark, und frisch, der andere aber schon lange tot ist. Bisweilen wird die Frucht im Mutterleibe hart, und wenn sie schon steinartig, erst geboren ; manch mal wird die Fäulnis aufgelöst. Da keine Lust zukommt, die doch zur Fäulnis nötig ist, so gehet dir Frucht in selbe nicht über. Um also zu unterscheiden, ob die Frucht tot oder lebendig sei, muss man nicht bis zur Fäulnis warten, sondern wenn die Mutter schon lange keine Bewe gung des Kindes, die vorher stark und beständig war, verspüret, wenn sie im Unterleibe eine ungewöhnliche Schwere entweder auf einer, oder der andern Seite, je nachdem sie sich wendet, gewahr wird, dann kann man sicher vorhersagen, dass die Frucht schon abgestorben sei.

Doch leugne ich nicht, dass von einer abgestorbenen Frucht Krankhei ten entstehen können, wenn nämlich die Häute derselben aus was im mer für einer Ursache zerrissen, und die Luft beigekommen ist, alsdann muss man die Frucht also bald herausziehen, denn sonst könnte die Ge bärmutter selbst in die Fäulung übergehen, und schwere Krankheiten daraus entstehen. Die schiefe Lage der Frucht drückt auf diese oder jene Seite, erreget Schmerzen, und verschiedene Zufalle nach Verschieden heit des Teils, der gedrückt wird. Wenn es zum Beispiele die Blase drückt, so entstehen Harnwinde, Harnverstopfung ; wenn der Mastdarm ge drückt wird, entstehet harter Stuhl; auf den Druck der Schenkelnerven folgt Unempfindlichkeit, Unbeweglichkeit der untern Gliedmaßen. Der gewöhnliche Ort für die Frucht ist die Gebärmutter; denn man hat keine sichere Beobachtung, dass eine Frucht, die man in den Muttertrompe ten, oder Eierstöcken gefunden hat, jemals zu ihrer vollkommenen Reife gelanget sei. So liest man von einer Frucht, die durch ihre Schwere den Eierstock, darin sie enthalten war, bersten machte, und mit einer Menge Blut in die Bauchhöhle fiel, da doch die Muttertrompeten, und Gebär mutter unverletzt waren. Auf gleiche Weise fiel eine andere Frucht, die auch im Eierstock lag, in die Bauchhöhle, und fand endlich nach einer ungemein großen Vereiterung den Ausgang durch den Mastdarm. So entdeckte man eine Frucht in der Muttertrompete, da sie nach Zerrei ßung derselben in die Bauchhöhle fiel, erstens Zuckungen, und endlich sogar den Tod. Es mangeln auch nicht Beispielen, dass bisweilen die Beine einer Frucht, welche ist der Bauchhöhle lag, aus einem Eitersack um den Nabel herauskam, ja zuweilen blieb eine Frucht in der Bauch höhle, und die Frau hatte unter dieser Zeit andere natürliche Geburten. So fand Patung eine Frucht in der Bauchhöhle, die in ihre Häute ein gewickelt war, die Nabelschnur ging durch die Muttertrompeten in die Gebärmutter zur Nachgeburt; diese Frucht hatte kein Kindswasser, und doch ihre vollkommene Größe. Hier würde man sicher schwer behaup ten können, dass das Kindswasser zur Nahrung etwas beitrage; auch lehret uns dieses Beispiel, dass die Schwängerung schon in den Eier stöcken, und nicht erst in der Gebärmutter geschehe. Meistens gehet die Mutter in solchen Fällen zu Grunde; denn die Beispiele, dass durch entstandene Eitersäcke die Frucht herauskam, sind selten. Hier allein wäre der wahre, und einzige Fall, wo der Bauchschnitt notwendig, wenn man nur sichere Zeichen hätte, dass die Frucht aus der der Gebärmut ter sei. Neuere, und alte Geburtshelfer behaupten, die Frucht wende

sich im Mutterleibe; aber die Öffnungen der Schwangern zeigen, dass im natürlichen Stande der Kopf allzeit schwerer ist, als der übrige Leib; wenn man die Frucht vor der behaupteten Wendung untersuchet, so findet man jedesmal den Kopf am ersten. Dies bestätigen auch die ana tomischen Beobachtungen, und unzeitigen Geburten, die immer Kopf geburten sind. Nicht minder entstehen verschiedene Beschwerden in der Mutter, wenn das Kindswasser in zu großer Menge vorhanden ist; wenn die Nachgeburt nicht am Grunde, der Gebärmutter angewachsen, oder wenn sie verhärtet, oder wässrig ist. Auch entstehen bei Schwange ren Krankheiten von schlechter Kost, unschicklicher Kleidung, Schnür brüsten, Strickröcken, Schuhen, durch Tanzen, Beischlaf und übel ge wählte Arzneien. Endlich gibt es noch Krankheiten bei Schwangern, die aus besondern Beschwerden gewisser Teile entspringen, als: 1. Krank heiten der Brüste. die das Fünfte, oder sechste Monats schon die Milch absondern; meistens geschieht es zwar langsam, doch aber zuweilen gähling, alsdann schwellen die Brüste, und verursachen Schmerzen. 2. Krankheiten der Schamteile, woran man eine wässrige Geschwulst, untergelaufenes Blut, Krampfadern findet. Die zwei ersten Beschwerden heilen Bähungen aus Kaltwasser, eine Alaunauflösung, Bleiwasser, oder Rosenwasser mit Silberglettessig. Die Krampfadern springen auch zu weilen auf; doch vertreibt man sie meistens mit einem zerteilenden Um schlage von Wein, oder einem Aufgusse von aromatischen Kräutern mit Salmiak. Selten sind bei einer solchen Wassergeschwulst Einschnitte nötig, die auch jedesmal sehr kurz sein müssen, und oft wenig Erleich terung verschaffen.

3. Harter Stuhl, den man mit öhnlichen Klistieren, (denn reizende sind nur sehr behutsam zu gebrauchen) und Salzmagne sium befördert. Wenn eine unzeitige Geburt zu befürchten, dann wäre auch eine gelind reizende Klistier höchst schädlich, ja selbst öhnlichte nutzen dort selten. Schwangere sollen öfter den Urin lassen, welches sie bisweilen liegend, manchmal mit Unterstüzung des Bauchs leichter verrichten. 4. Die goldene Ader, welche man mit Silberglettessig, oder Salbei, Kalkwasser, gemeinem Brunnenwasser, rotem Wein, und seiner reine Abkochung von Salbei zerteilet; ist sie aber entzündet, welches ein beständiges Brennen, Schmerzen, und Klopfen anzeiget, so braucht man nur erweichende Mittel. 5. Wassergeschwülste, Krampfadern der Schienbeine, die, wenn sie zu groß wurden, und aufspringe könnten, durch eine zwei Finger breite Binde, welche keinen Saum hat, von un ten hinauf, besonders während, der Geburtsschmerzen fatschen muss.

Nach der Geburt vergehet die Wassergeschwulst von selbst, oder lässt sich durch Reiben, und Räuchern leicht vertreiben.

Von den Ursachen derselben, und einigen Zufällen bei Gebährenden.

Die Krankheiten der Gebärenden entstehen aus drei Quellen, entweder von der Mutter, odervon der Frucht, oder von den Fehlern der Hebam me. Zuweilen mangeln die wahren Wehen; dieses geschieht 1. aus einer Schwäche des ganzen Körpers, obschon selten, da sogar auch Mütter in letzten Zügen die Geburt vollendeten, ja nach dem Löde der Mut ter die einzige Schnellkraft der Gebärmutter die Frucht abgetrieben hat; wenigstens trägt sie etwas bei, um dir Geburt zu verlängern. 2. Wenn die Gebärende die Wehen nicht ausarbeitet; denn die letzten Schmer zen kann man zwar nicht unterdrücken, doch aufhalten, wie man es bei Auslegung des Harns, und Stuhls gewahr wird. 3. Aus Schlappheit der Gebärmutter, wenn dieselbe zu sehr ausgedehnet ist. Ist die Schwä che der Mutter Schuld, so braucht man herzstärkende Mittel, als Wein, Zimmet usw. Wenn eine zu reizbare Erstgebärende nicht will, oder nicht weiß, wie sie die Wehen ausarbeiten soll: so muss man sie unter weisen, ja mit Drohungen ihrer Schuldigkeit erinnern. Fehlt aber nur eine zu große Schlappheit der Gebärmutter: so wird das Bauchreiben, Klistiere, und eine gelinde Reizung des Muttermundes nicht undien lich sein. Öfter sind falsche Wehen zugegen, die einer unordentlichen, unstäten, krampfhaften Kolik gleichen, und die Geburt keineswegs be fördern, da die wahren Wehen vom Kreuze zum Nabel, und von da zur Gebärmutter mit Zwange sich ausdehnen, und periodisch wieder zeigen. Ursachen der falschen Wehen sind dir allzugroße Reizbar keit, Vollblütigkeit, Furcht vor einer gefährlichen Geburt. Man heilet sie aber durch Aderlasse, Bibergeil, Mohnsaft, öhlichte windtreibende Klistiere. Unter der Geburt selbst entstehen auch verschieden Zufäl le, als ein heftiger Krampf, Hüftwehe, Gliederreissen, Kopfschmerzen, Brechen, Zuckungen, ein Anfall der fallenden Sucht bei Vollblütigen, und bei jenen, die sich den Hals binden, oder denselben zu sehr he rausstrecken, zu früh arbeiten, Wein trinken, oder treibende Mittel gebrauchen, der Schlagfluss; ungemeine Schmerzen in empfindlichen Personen, die bei einer langsamen, harten, zuweilen unmgölichen Ge burt zu lange anhalten. Brustkrankheiten, als schwerer Atem, Lungen entzündung, Blutspeien; zuweilen bersten die Krampfadern des Mast darms, der Schienbeine, der Scham. Ein heftiger Frost, wie bei kalten Fiebern, indem bei Gebärenden mehr oder weniger Fieber allzeit da ist.

So macht auch das Mittelfleisch, wenn es zu zäh, wie es bei schon be jahrten Erstgebärenden geschieht, die Geburt beschwerlich, ja zu weilen reißt es ganz auf. Wenn die Wunde klein, heilet sie nach einer leichten Eiterung, da sie schon durch einige Tage beim Stuhl, Har nen, und Abgang des Kindbettflusses beträchtlich schmerzet. Ist es ganz ausgerissen, so heilet es ungern; zuweilen gar nicht, wenn auch der Mastdarm ist verletzet worden, wo sie hernach den Stuhlgang nicht mehr halten können. Blutstürzungen in der Geburt, oder bald nach derselben, von denen ich besonders handeln werde; Muttervor fall, oder deren ganze Umkehrung, die, wenn man sie nicht bald zu rückbringt, tödlich ist. Aus diesen verschiedenen Zufällen muss man jene lindern, die nach der Geburt von selbst aufhören; einige, die sonst tödlich würden, erfordern eine geschwinde Auslegung der Be gärmutter, andere aber nach der Geburt noch ihre besondere Heilart.

Von der schweren Geburt

Was dieses anbelangt, kann man überflüssig in Büchern, die von der Geburtshilfe handeln, nachsehen. Ich werde nur die meisten Ursachen einer schweren Geburt, welche von der Mutter, der Frucht, oder vom Geburtshelfer entstehen, berühren. Es lässt Sicht schwer bestimmen, was für eine Geburt man schwer nennen soll; denn keine ist für sich selbst leicht, da eine jede schmerzhaft ist, ausgenommen, wenn die Ge bärenden den Schmerzen nicht fühlt, weil sie vielleicht außer sich ist. Die meisten verwechseln eine schwere mit einer gefährlichen Geburt. Am besten kann man mit Herrn Baron von Störck eine schwere Geburt jene heißen, wo größere Schmerzen zugegen, und die ohne Geburtshilfe nicht vollendet wird. Ursache von Seite der Mutter sind verschiedene Fehler in dem Baue der Geburtsteile, als wenn die Mutterscheide zu eng, verwachsen, entweder vorgefallen, oder Verhärtungen, Geschwülste da sind, wenn sie trocken, entzündet, wund, oder mit Narben besetzt ist u. f. w.

Auch die umliegende Teile machen zuweilen die Geburt schwer, als Brüche, die schmerzende goldene Ader, die zu sehr ausgedehnte Urin blase, und der Mastdarm, die Zähigkeit des Mittelfleisches, welches viel leicht meistens zerrissen ist, und jetzt harte Knoten und Narben hat. Wenn das Becken zu eng, ob es schon regelmäßig, besonders bei Per sonen, die noch nicht ihr vollkommenes Wachstum haben, oder wenn es verunstaltet, die Bänder, so vom heiligen Bein zum Sitzbeine gehen, zu fest und steif sind, und gar nicht weichen, wie bei schon bejahrten Erstgebärenden geschieht. Wenn die Gebärmutter schief stehet, wie ich schon gezeigt. Auf Seite der Frucht, wenn dieselbe einen Wasser kopf bat, der entweder in der Tat oder nur verhältnismäßig zu groß ist, wenn sie eine üble Lage hat. Verschiedene Krankheiten der Frucht, als Wassersucht, Windsucht, Auswachsungen, wenn eine Missgeburt, vou zwei Köpfen, oder mehreren in einem zusammengewachsenen Leibe ist, wenn die Frucht zu lange im Mutterleibe bleibt, wenn Zwillinge, oder gar drei Kinder auf einmal da sind, wenn die Häute des Kindes zu hart, oder gar zu zart sind. Auf Seite der Hebamme, wenn sie die Ge bärende zu frühzeitiger Arbeit zwinget, hitzige Arzneien gibt, ihr Furcht macht, das Kind übel wendet, oder unschicklich die Instrumente anlegt.

Die Blutstürzungen entstehen zu dieser Zeit aus den offenen Gefäßen der Gebärmutter, wenn sich selbige nicht zusammen zieht. Auch unter der Geburt gibt es Blutstürzungen, die man nicht mit dem gewöhnli chen Blutflusse vor und unter der Geburt verwechseln muss. Vor und unter der Geburt entstehen Blutstürzungen von der am Muttermun de angewachsenen Nachgeburt, oder wenn dieselbe sich zu früh vom Muttergrunde ablöset, welches zu geschehen pflegt , wenn sie nicht fest genug angewachsen, oder nur zum Teil sich ablöset, wenn die Nabel schnur zu kurz, oder sich um den Hals des Kindes schlingt, wenn die Gebärmutter zerreißt, welches bei gewaltsamen Zuckungen des Kin des, oder durch Gewalttätigkeit der Hebamme zuweilen geschieht. Hier muss man geschwind das Kind durch die Wendung, oder wenn es schon in dem Ausgange ist, mit der levretischen Zange herauszie hen, und alsdann muss man sehen, dass sich die Gebärmutter zusam menziehe. Die Ursachen der Blulstürzungen nach der Geburt sind:

1. Die Schlappheit der Gebärmutter denn, wenn sie zu sehr ausge dehnt worden, verliert sie ihre Schnellkraft, die Gefäße werden offen bleiben, obschon die Frucht, und Nachgeburt weggegangen. Dieses trägt sich auch nach Krankheiten öfters bei zeitigen, oder unzeitigen, oder schweren Geburten, Bleichsucht, und aus anderen zuweilen auch unbekannten Ursachen zu.

2. Wenn die Frucht samt der Nachgeburt auf einmal abgehet, wenn nämlich das Becken zu weit ist. In diesem Falle ist eine leichte Geburt gefährlich.

3. Oder wenn kurz nach der Frucht die Nachgeburt folget, denn die Gebärmutter zieht sich nach und nach zusammen; erstens gehet das Wasser ab, nach einiger Zeit die Frucht, und endlich durch neue Ge burtsschmerzen die Nachgeburt. Folgen diese drei verschiedenen Ge burten, wie man sie nennen könnte, zu geschwind aufeinander, so findet die Ge bärmutter nicht Zeit sich zusammen zu ziehen, und es entstehet daher ein Blutsturz.

4. Verwundungen der Gebärmutter durch übel angebrachte Instru mente, oder gewaltsame Ablösung der Nachgeburt.

5. Eine halbabgelöste Nachgeburt.

6. Große Blutklumpen, welche durch krampfhafte Zusammenziehung des Muttermundes zurückgehalten werden.

7. Eine vollkommene, oder unvollkommene Umkehrung der Gebär

mutter; die vollkommene ist seltner, und entstehet durch gewaltsame Abreißung der Nachgeburt; eine unvollkommene geschieht öfters bei einer gar zu geschwinden Geburt.

8. Die Zerreissung der Gebärmutter. Zuweilen reißt sie gänzlich durch, zuweilen wird nur der Muttermund oder die innere Oberfläche ver letzt, ohne dass die Wunde durch die ganze Gebärmutter gehet. Die erste Gattung ist allzeit tödlich,. nicht die zweite.

9. Heftige, lang anhaltende Schmerzen, die von einer gar zu großen Reizbarkeit entstehen, und die Säfte häufiger zu dem gereizten Orte treiben. Diese Schmerzen, sind wohl von den Nachwehen zu unter scheiden, die mit einem Zwange verknüpft, und periodisch sind.

Man lobt in Blutstürzungen verschiedene Mittel. 1. Aderlassen, dass aber niemals statt findet. 2. Zusammenziehende Mittel, die nur bei lang samen, geringen Blutflüssen zur Zeit der Schwangerschaft nutzen, 3. Be täubende Arzneien, die nur in dem Falle , wenn ein heftiger Schmerz zugegen ist, dienlich sind. Die Unterbindung der äußern Gliedmaßen, welche aber ganz allein nicht hinreichend ist. 5. Eine horizontale Lage mit dem Kopf, und der Brust. 6. Kalte Umschläge auf das Kreuz, auf die Scham, auch innerlich kalte Getränke. 7. Die Herausnehmung des fremden Körpers, wenn einer da ist. 8. Kalte zusammenziehende Einspritzungen‚Äö aus Wasser und Essig, oder einer geistigen Feuch tigkeit in die Gebärmutter, die schon Galen zu seiner Zeit rühmte.

Könnte man aber den fremden Körper, als die Frucht, und Nachge burt nicht herausschaffen, sollte das mit Gewalt fließende Blut keine Einspritzung zulassen, hätte man auf dem Lande, in einem dringen den Falle keine Mutterspritze, dann müsste man einen Zapfen, den man mit Essig, oder Halbessig, und Wasser befeuchtet, in die Mut terscheide, ja in die Gebärmutter selbst bringen. Bei größerer Gefahr ist das einzige Mittel, die Gebärmutter mit gezupfter Leinwand, oder Charpie ganz auszufüllen. Der Zapfen ist vorzüglich bei einer großen Schlappheit der Gebärmutter, wo auch die Zimmettinktur, und das Bauchreiben angerühmt wird, oder wenn ein fremder Körper zurück bleibt, und bei einem Blutsturze von der am Muttermunde angewach senen Nachgeburt, von ungemeinem Nutzen. Übrigens ist zu merken: 1. Dass, wenn die Gebärmutter schlapp ist, man mit der Geburt nicht zu eilen brauche, sondern dieselbe vielmehr durch Ruhe aufhal ten müsse. Diese Gattung von Blutsturz kommt öfter vor, und zeiget

sich bald nach der Geburt ohne Schmerzen, mit Ohnmachten. Man muss daher die Kindbetterin nach der Geburt nicht verlassen, be vor man nicht eine harte Kugel über dem Schambeine gewahr wird.

2. Bei jeder Geburt muss warmes, und kaltes Wasser, Essig, und eine spritze in Bereitschaft stehen.

3. Man muss die Geburt nicht vor der Zeit zu beschleunigen suchen, oder dieselbe‚Äö alsogleich für hart ausgeben. Es ist daher von we sentlichem Nutzen, wenn man viele natürliche Geburten gesehen; dadurch lernet man, was die Natur allein auswirken kann. Ein un erfahrner Geburtshelfer wird Instrumente anlegen, wo ein ande rer, der mehr Erfahrung hat, das ganze Geschäft der Natur überlässt.

4. Nicht minder muss man auch die Menge des Bluts, welches bei einer na türlichen Geburt abgehet, wissen; gemeiniglich verlieren die Gebärenden kaum mehr als zwei Pfund. Das sicherste Maß hat man aus dem Puls, nicht aber aus diesem allein; denn bei Ohnmachten würde er uns bertrügen.

Von einigen Zufällen nach der Geburt.

Eine Frau heißt man durch sechs Wochen nach der Geburt eine Kind betterin. Während dieser Zeit kommen viele, und verschiedene, oft gefährliche Krankheiten vor, die man doch bei armen, arbeitsa men Weibern kaum kennt. Zuweilen entstehen bald nach der Geburt Ohnmachten, Zuckungen, die von einem Blutsturze, entweder heftige Schmerzen, oder vermehrter Gewalt, mit de das Geblüt in die Gefä ße der Eingeweide des Bauchs, die nun nicht mehr gedrückt werden, fließt, ihren Ursprung haben. Hierzu dienet Ruhe im Bette, wo der Kopf nieder liegen muss, gelinder Druck auf den Bauch, und wenn ein Blutsturz zugegen, die oben angeführten Mittel; hernach Ruhe, Schlaf, herzstärkende, nährende Speisen. Kommen Ohnmachten aus zu gro ßer Reitzbarkeit, so gebraucht man krampfstillende Arzneien; ist ein heftiger Schmerz die Ursache davon, so werden ihn erweichende äu ßerliche Mittel, und wenn diese unzureichend sind, der Mohnsaft stil len. Es geschehen auch nicht selten durch die Geburt Verletzungen der Gebämutter, der Mutterscheide, des Mittelfleisches, des Schließ muskels, und der Blase: als Quetschungen, Unfähigkeit das Wasser zu halten, Schwürung. Diese Übel werden meistens nur mit der Zeit ge hoben. Die Verletzungen her Gebärmutter erfordern Aderlassen, und kühlende Mittel. Das zerrissene Mittelfleisch kann zuweilen nicht an ders, als durch das Heften geheilt werden. Die Harnverstopfung ent stehet von einer zu großen Erschlappung der Blase. Wenn der Schließ muskel noch ganz ist, wird das Übel durch öfteres Anbringen des Katheters, damit die Blase zusammengezogen bleiben kann, gehoben. Es haben auch Kindbetterinnen falsche Nachwehen, welche von einer zu großen Fühlbarkeit abhängen; denn nach der gähen Veränderung, die durch die Geburt im Körper der Mutter vergehet, werden die Säfte, die sich ausleeren sollten, aufgehalten: es entstehen Fieber, Zuckungen, irrige Re den, Melancholie, und Wahnwitz, der öfters bei Kindbetterinnen durch eine zu große Furcht, Schrecken, Zorn, und Freude, als auch aus den so genannten Milchversetzungen entstehet. Man sieht also, wie die Krank heiten bei Kindbetterinnen gefährlicher, als bei andern werden können.

Vom eintägigen, und wahren Milchfieber.

Den vierten Tag nach der Geburt bekommt die Kindbetterin ein Fie ber, welches man in das Tagfieber, und in das wahre Milchfieber ein teilen kann. Das erste entstehet den dritten, oder vierten Tag nach der Geburt, wenn das Geblüt aus der zusammengezogenen Gebär mutter nach den Brüsten gehet. Denn diese gähe Veränderung im Umlaufe des Geblüts kann ohne fieberhafte Bewegung nicht gesche hen, die sich durch eine reichliche Absonderung der Milch, und ge linden Schweiß nach einigen Stunden endiget. Dieses Fieber haben alle Kindbetterinnen, ausgenommen, wenn dieser Zufluss der Säfte nach den Brüsten, welches nicht selten geschieht, die letzten Mona te der Schwangerschaft, nach und nach, ohne Beschwerde geschieht.

Das wahre Milchfieber aber entstehet, wenn die Brüste von angehäuf ter Milch voll sind, und daher keine Säfte mehr fassen; es bleibt also die Milch teils im Geblüte zurück, teils wird sie wieder aus den Brüs ten ist die Masse des Geblüts gebracht, und verursachet eine Vollblü tigkeit mit einem hitzigen remittierenden Fieber, das alle Tage einen neuen Anfall hat, wobei eine langdauernde Kälte, hernach Hitze, und endlich Schweiß folget, der einen sonderbaren säuerlichen Geruch von sich gibt; und so endet sich der Anfall. Die Mütter, welche ihre Kinder selbst stillen, oder von einer trockenen Leibesbeschaffenheit sind, und ihren Körper bewegen, leiden selten an diesem Fieber: wohl aber voll blütige, die viel Milch haben, und doch ihre Kinder selbst nicht stillen. Das erste ist nicht gefährlich, wohl aber das zweite, wenn es unschick lich behandelt wird, und mit einem anderen Fieber verknüpft ist. Seine Ausgänge sind 1. mit Schweiß; 2. durch das von freien Stücken entstan dene Ausrinnen der Brüste, die man doch auch zuweilen durch Kunst ausleeren muss; 3. durch reichlichem Abgang des Kindbettflusses; 4. durch den Harn; 5. durch den Stuhl; 6. durch den Frieselausschlag; 7. durch Übertragung der Materie in verschiedene Teile. Man vergleicht dieses Fieber mit demjenigen Fieber, das von der Vollblütigkeit ent stehet, und rechnet es zu den Entzündungsfiebern, als mit welchen es die meiste Ähnlichkeit hat, und nach welchen auch die Heilart ge schieht. Man mindert also 1. die Vollblütigkeit durch eine leichte Kost, Aderlassen, und Beförderung der Ausleerungen, als aus den Brüsten, durch die unmerkliche Ausdünstung, den Schweiß, den Kindbettfluss, und den Stuhl. 2. Gibt man auf die gefährlichern Zufälle Acht, ob sich nicht etwa die Säfte im Kopf, in der Brust und die Reihendrüsen, be sonders in den Brüsten, anhäufen. 3. Muss man sorgfältig untersuchen,

ob und in wie weit dieses Fieber am gemeinen epidemischen Fieber der Jahrszeit Anteil nimmt; denn aus diesem nur allein kann man oft die Heilart herleiten. Man stritt sich lange: ob die Milch sich so oft aus ver schiedenen Teile werfe? Oder ob die Materie, welche zuweilen in die sem Fieber in verschiedenen Eingeweiden stocket, vielmehr verdicktes Blutwasser sei, das durch die Häute der Gebärmutter durchschwitzet?

Das erste behaupten jene, welche die Zufälle bei andern Krankhei ten nicht gehörig betrachten; denn sieht man nicht bei jener Gat tung Halswehe, welche man die häutige nennt, dass von der in der innern Oberfläche der Luftröhre ausschwitzenden Feuchtigkeit eine dicke Haut entstehe? Kann nicht eine Entzündung in Eiterung über gehen, und das Eiter in verschiedene Teile gebracht werden? Wenn man so etwas bei andern Krankheiten sieht, so denkt niemand, dass die Milch daran Schuld sei: Warum sollte nur im Milchfieber, wo doch eben das nämliche geschieht, allzeit die Ursache an der Milch liegen? Doch will ich hiermit nicht alle Milchversetzungen leugnen; ich be haupte nur, dass sie seltener verkommen, als man glaubt, und öfters, wie wir hernach sehen werden, aus einer ganz andern Ursache entspringen.

Vom Kindbettfieber.

Dieses Fieber muss man sorgfältig vom Milchfieber unterscheiden; denn das Milchfieber entsteht den dritten oder vierten Tag mit An schwellung, und Schmerzen der Brüste bei Müttern, welche vollblütig sind, viel Milch haben, und doch ihre Kinder nicht selbst stillen; da hingegen das Kindbettfieber zu was immer für einer Zeit die Mutter, sie mögen ihre Kinder selbst stillen oder nicht, besonders jene, die üble Säfte haben, die zart sind, anzugreifen pflegt. Kaum arme Weiber sind davon ausgenommen, wenn sie sich vor der Geburt, in der un reinen Luft eines Hospitals aufhalten. Diese ist aus allen Kindbett krankheiten die gefährlichste. Man sieht sie öfters in Städten als auf dem Lande, wo aus Abgang der nötigen Hilfe zwar die Geburt schwe rer, doch aber das Kindbett, weil die Mütter stark und gesund sind, leichter vorübergeht. Es entsteht dieses Fieber aus zwei Ursachen.

Die erste liegt in der Kindbetterin selbst; als eine verdorbene Mate rie in der ersten Wegen, harter Stuhl unter der Schwangerschaft, und Kindbett, bei denen man die nötigen Klistiere unterlässt, und vielmehr Suppe, Dehle und den Mohnsaft gibt, sie warm zudeckt, die Fenster geschlossen hält, wozu eine schwere Geburt bei der man vielleicht Ins trumente anlegt, vieles beiträgt. Die zweite Ursache hängt vom Einfluss ab, den die zur selbigen Zeit herrschende epidemische Krankheit auf die Kindbetterin hat, wie ich solches in den Hospitälern oft beobachtet habe, und schon Sydenham anmerkt: So sah ich verflossenes Jahr im An fange des Herbstes, wo noch die galligen Sommerfieber regierten, eine Kindbetterin, welche das nämliche Fieber hatte, da hernach im Anfange des Winters bei einer anderen Kindbetterin das Kindbettfieber entzün dungsartig war, indem zur nämlichen Zeit auch die Entzündungsfieber allgemein waren. Aus diesem erhellt klar, dass das Kindbettfieber kein eigenes Fieber sei; dass es nicht allzeit ein Friesel- oder Peterschenfieber, wie einige vorgeben, sein müsse, sondern dass es bei manchen Kranken zu verschiedener Jahreszeit ganz anders beschaffen sei, und auch eine andere Heilart erfordere. Oft ist es ein aus Unreinigkeiten der ersten Wege entstehendes Faulfieber, wobei sich eine Entzündung des Netzes, der Gedärme, des Darmfells, oder der Gebärmutter einfindet; der Bauch schmerzet so stark, dass die Kranke nicht die mindeste Berührung des selben verträgt. Man unterscheidet diese Schmerzen von den Nach wehen dadurch, weil jene anhaltend sind, später als die Nachwehen kommen, das Angreifen nicht vertragen, und beständig größer werden. Zuweilen verbindet sich das Milchfieber mit dem Kindbettfieber; dann

muss man sorgfältig unterscheiden, was für Zufälle vom Milchfieber, und welche vom Kindbettfieber entstehen, auch wessen Gattun, das Kindbettfieber sei? Hieraus erhellet, wie übel man das Kindbettfieber allzeit auf die nämliche Art behandeln würde, da in verschiedenen Fäl len ganz entgegen gesetzte Mittel nötig sind. Daher kommt es, dass man bisweilen mit erweichenden Mitteln, und Aderlassen, wenn nämlich das epidemische Fieber entzündungsartig ist, zuweilen mit Brechmit teln, wenn die Ursache des Fiebers in den ersten Wegen lag, selbiges heilet. Auch endiget es sich mit einem Eitersack, worin man nicht Kä sewasser, weder geronnene Milch, sondern Eiter, eine gallichte Mate rie, oder dünne Jauche, wie man bei Entzündungs oder bei Gall-und Fäulungsfiebern beobachtet, findet. Da dieses Fieber sehr oft gefährlich ist, so sollten sich die Ärzte sorgfältig bemühen, selbiges abzuwenden. Dieses bewerkstelliget man, wenn eine Frau zur Zeit der Schwan gerschaft sich einer dünnen Kost, meistens aus dem Pflanzenrei che, bedienet, in einer reinen Luft sich Bewegung macht, unter Tags nicht schläft, und den Leib durch Klistiere beständig offen hält.

Der Frieselausschlag im Kindbettfieber entsteht meistens aus übler Kurtart, da man gemeiniglich Kindbetterinnen eine sehr gewürzte Kost, und schweißtreibende Mittel anzuraten pflegt, damit, wie man glaubt, die noch übrigen üblen Säfte aus dem Leib geschafft, und die verlorenen Kräfte wieder ersetzt werden. Daraus entsteht ein Fieber, die verdorbene Materie der ersten Wege wird schärfer, geht in das Blut über, und da selbige durch die Gefäße der Haut nicht durchzu dringen vermag, so erhebt sie dieselbe in kleine Geschwülste, die eine bessere Heilart und ausleerende Mittel gewiss verhindert hätten.

Vom weißen Flusse bei Kindbetterinnen

Dieser entstehet insonders bei jenen, die gute Speisen genießen, und doch ihr Kind nicht stillen; die Säfte fließen also zur Gebärmutter, der Kindbettfluss dauert lange, und gehet endlich in den weißen Fluss über, der, weil die Gebärmutter ungemein erschlappet ist, kaum geheilt wird. Solche Personen werden fast nicht mehr schwanger, oder gehen doch nicht mit ihrer Frucht bis zur gehörigen Zeit. Hier dienet eine dünne Kost aus dem Pflanzenreiche, abführende Mittel, hernach auf lösende Salben, stinkende Gummiarten, und endlich eisenhaltige Arz neien. Zusammenziehende Mittel, derer sich einige ganz allein bedie nen, müssen allzeit schaden, bevor man die ersten Wege gereiniget hat.

Vom Gliederreißen bei Kindbetterinnen.

Wenn der Schweiß, mit dem sich das Milchfieber endiget, durch kal te Luft gestopfet wird‚ oder wenn eine Übertragung der Krankheits materie auf die Muskelscheiden geschieht, so entstehet Gliederrei ßen. Selbiges behandelt man mit Mittel- oder alkalischen Salzen, mit venezianischer Seife, auflösenden Gesundbrunnen, natürlichen, oder künstlichen Schwefelbädern, die man mit Schwefelleber macht, und wenn alles dieses nicht zureicht, mit stark auflösenden Mitteln.

Von der Tollsucht bei Kindbetterinnen.

Die Tollsucht entstehet öfters bei Kindbetterinnen um den zehnten oder elften Tag, meistens nach einem heftigen Zorn. Einige gaben vor, dass eine Übertragung der Milch in den Kopf, andere, dass das Kindbettfieber Schuld daran sei: Aber es ist klar, dass keines von beiden die Ursache ist; denn diese Krankheit findet man entweder bei Müttern, die ihre Kinder selbst stillen, oder nicht, und die nicht ein mal das Kindbettfieber haben, welches außer dieser Zeit bei Weibern die Tollsucht nicht hervorbringt. Wahrscheinlicher Weise ist eine zu große Reizbarkeit zu dieser Zeit Schuld, da heftige Gemütsbewegungen grö ßere, und lange anhaltende Veränderungen im Gehirne hervorbringen können. Dieser Zufall wird schwerlich vor Verlauf eines Jahrs gehoben, wenn man nicht die vierzehn ersten Tage, wo eine wahre Hirnwut mit Fieber zugegen, mit Aderlassen, und kühlenden Mitteln beispringt. Noch diesem Zeitpunkte geht sie in eine Tollsucht über, wo kleine Aderlassen, die man öfters vornimmt, verdünnende, gelind abführende Arzneien, Mittelsalze, ja zuweilen eine neue Schwängerung am dienlichsten ist.

Vom Kindbettflusse.

Nach der Geburt fließet erstens Blut, hernach Blutwasser, welcher Fluss bei Weibern, die ihre Kinder selbst stillen, kaum durch acht Tage dauert, hingegen aber bei jenen, die ihre Kinder nicht säugen, durch sechs Wochen, ja durch acht Monate anhält, und in einen langwieri gen weißen Fluss übergeht. Nach Verschiedenheit der Länder, des Alters, der Leibesbeschaffenheit, und der monatlichen Reinigung, ist auch die Dauer des Kindbettflusses verschieden. Denn es gehet der Kindbettfluss entweder in zu großer, oder zu geringer Menge ab. Dass er zu häufig abgehe, erkennet man nicht sowohl durch die Men ge der Materie, sondern durch die Abnahme der Kräfte, durch Ohn machten, Blutklumpen, Ekel, Schmerzen in den Rippenweichen, geschwinder Puls, Verfinsterung des Gesichts, Ohrensausen, Zuckun gen. Ursachen davon sind die Erschlappung der Gebärmutter, Blut klumpen, ein Teil der Nachgeburt, welche zurückgeblieben, und die das Zusammenziehen der Gebärmutter hindern, verschiedene Ver letzungen derselben. In diesem Falle nutzen trockene Schrepfköpfe, die man an die Brüste, an das Kreuz, und den Bauch setzet, innerlich und äußerlich zusammenziehende, betäubende Mittel, eine nährende Kost, eine breite Binde um den Leib, wobei man nicht vergessen muss, den fremden Körper, der etwa zurückgeblieben ist, herauszunehmen.

Selten geht der Kindbettfluss so wenig, dass Krankheiten daraus ent stehen. Zwar fürchten sich Kindbetterinnen ungemein, wenn derselbe ausbleibt. Man wendet hitzige, treibende Mittel an, da man doch aus Beobachtungen weiß, dass Weiber ohne allen Kindbettfluss gesund geblieben sind, und Mütter, die ihre Kinder selbst stillen, den Kind bettfluss nur durch wenige Tage haben, und überdies das Ausbleiben des Kindbettflusses meistens nur ein Zufall einer anderen Krank heit, nicht aber eine Krankheit für sich selbst ist; denn alltäglich sieht man, dass, wenn bei Kindbetterinnen ein Fieber entsteht, wenn sie eine heftige Gemütsbewegung haben, aber wenn sie einen Fehler in ihrer Lebensart begehen, derselbe zurückbleibe. In diesen Fällen wird der Kindbettfluss zurückkommen, sobald man diese Ursache auf die Seite geschafft, und die hieraus entstandene Krankheit geheilt hat.

Doch wird ein vernünftiger Arzt, wenn er zu einer Kindbetterin gerufen wird, um den Kindbettfluss nach dessen Menge und Farbe zu fragen nicht unterlassen. Wenn aber der Kindbettfluss sehr sparsam abginge, oder gar ausbliebe, und die Frau ohne vorhergegangene Ursache über

Schmerzen im Unterleibe, Schwindel, Ängstlichkeit, Herzklopfen klag te, und der Puls hart wäre: dann würde man Fußbäder, erweichende Klistiere, und innerliche Arzneien gebrauchen, die Eibischsalbe, oder Bilfenöl mit Kampfer einreiben müssen; und sollten alle diese Mittel nichts nützen, so würden auch gelind treibende Arzneien, nach vorher gegangener Aderlass, wenn selbige nötig wäre, nicht unschicklich sein. Herr Tiffot rät zu Verhüten der meisten Krankheiten, denen zarte Kind betterinnen ausgesetzt sind, folgendes Verhalten an: 1. Sollten sich Frau en am Ende der Schwangerschaft vor allem dem sorgfältig hüten, was ih nen Hitze, und eine Entzündung verursachen könnte. 2. Sei ihnen durch die ganze Schwangerschaft eine öfters Bewegung in freier und gesunder Luft höchst dienlich. 3. Müsste man acht, oder zehn Tage vor der Geburt einen Aderlass vornehmen, vorsorglich, wenn die monatliche Reinigung vor der Schwangerschaft allzeit häufig abging und die Frau sich jetzt über Hitze klagte. 4. Soll man durch Klistiere, oder gelind abführende Mittel zu Ende der Schwangerschaft den Leib offen halten, welches auch 5. im Kindbette nicht zu unterlassen ist; denn dadurch gehet der Kind bettfluss, und man verhindert die Entzündung der Gebärmutter, die sonst nicht selten vorkommt. Wenn sich die Kindbetterinnen auch einer gehörigen Nahrung meistens aus dem Pflanzenreiche bedienen, wenn sie sich nicht zu warm zudecken, keine warmen Getränke, und bösarti ge, oder betäubende Arzneien gebrauchen, und die frische Luft öfters erneuern, so wird das Kindbett meistens glücklich vollendet werden.

Von einigen Beschwerden der Säugammen.

Die eigentlichen Krankheiten der Säugammen, (denn die allgemeinen können selbe auch zu einer anderen Zeit befallen) sind das allzugro ße Anschwellen der Brüste, und die Entzündung derselben; wenn die Warze zum klein, zu tief in der Brust liegt, oder gar wund ist, welches durch zu starkes Saugen, oder wenn das Kind den Mehlhund hat, oder wenn sie von der Luftseuche angesteckt sind, zu geschehen pflegt; klei ne Geschwüre, die Krätze, Mutterbeschwerden, Mangel der Milch, Beschwerden beim Entwöhnen, und die Abzehrung der Säugammen.

Die Brüste schwellen zu sehr an und entzünden sich, wenn ein unge wöhnlicher Überfluss der Milch vorhanden, oder wenn zu viel Milch vorhanden ist, weil man dem Kinde zugleich andere Speisen gibt. In die sem Falle ist es bester, wenn man eine dünne Kost anrät oder die Brüste, durch jemand aussaugen lässt, als wenn man sich bemüht‚ durch ab führende Mittel die Milch aus dem Leib zu schaffen; denn diese treiben die Milch von den Brüsten zu sehr ab, das Kind selbst purgieret ohne Notwendigkeit, und nimmt hernach die Brust nicht mehr an. Daher muss man die Krankheiten, welche aus den Unreinigkeiten der ersten Wege entstehen, bei Säugammen mehr durch Klistiere und eine dünne Kost, als mit abführenden Mitteln zu heilen trachten. Wenn das Wärzel zu klein ist, oder zu tief liegt, muss man es schon während der Schwan gerschaft durch Ziehgläser, oder Saugen herauszutreiben suchen; denn im Kindbette würde das starke Saugen eine Entzündung verursachen.

Ist das Warzel wund, so muss man es mit Eierklar, und Kampfergeist, mit Quittenkernschleim, Eierdotter, Wachs oder zerflossenem Myr rhenöl, und Hauswurzelsaft einschmieren. Bevor man das Kind zum Saugen anlegt muss man das Warzel waschen; denn sonst nimmt es die Brust nicht an. Überdies muss man alle Bleimittel, weil sie dem Kinde schädlich sind, weglassen. Kleine Geschwüre und die Krätze, welche zuweilen an den Brüsten entstehet, wenn die Kinder den Kneis haben, heilet man nur durch äußerliche Mittel, da die Säfte der Säugamme gut sind, und diese Übel nur durch die Berührung entstehen. Säugammen klagen über Mutterbeschwerden, wenn sie, wie Ramazzini anmerkt, in vornehmen Häusern zu nahrhafte Speisen genießen und von allem Beischlafe sorgfältig abgehalten werden. Wenn sie aus dieser Ursache entstehen, so heilet sie der Beischlaf. Es rät zwar unter allen andern Sa len, man sollte die Säugammen vom Beischlafe entfernt halten, damit die Milch nicht verderbe; aber es stimmet dieser Rat mit der Vernunft, und Erfahrung nicht überein. Denn gemeine Mütter stillen ihre Kin

der selbst, enthalten sich nicht vom Beischlafe, und fühlen doch keine Beschwerden, oder Verderbung der Milch davon. Ich halte daher mit Ramazzmi, und Martian für unschicklich, dass man Säugammen, so lange sie nicht schwanger sind, vom Beischlafe abhaiten sollte; denn die Traurigkeit, die daraus entstehet, oder gar ein heimlicher Beischla fe, würde dem Kinde mehr schaden.

Dem Mangel der Milch hilft man durch Armbänder, durch das Sitzen, durch eine Abkochung von Reis mit Kümmel und Anis ab. Die Beschwer den, und das Milchfieber, denen die Säugammen, wenn sie die Kinder ent wöhnen, ausgesetzet sind, heilet eine dünne Kost, und gelind abführende Mittel, die man einige Male wiederhohlen muss. Man hüte sich aber die Zufälle des Milchfiebers, welches zu dieser Zeit entstehet, mit den Zufällen einer andern Krankheit, wenn etwa eine zugegen wäre, zu verwechseln.

Von der Abzehrung der Säugammen.

Die Abzehrung der Säugammen entstehet von zu großem Verlust der Milch, wo zugleich ein langsames, remittirendes Fieber da ist, und das ganze Fett verzehret wird. Die Abzehrung kommt, selten, und nur bei schwachen Personen vor, die mehrere Kinder säugen. Denn gesunde Mütter saugen oft ihr Kind, und sind doch schwanger dabei; ja die Krank heiten, welche von unterlassener Säugung entstehen, sind zahlreicher als die von zu langer Fortsetzung derselbe, dass man also ohne Gefahr auch bei schwachen Personen wenigstens durch zwei Wochen, obschon die Natur erst durch Zahnen das Ziel der Säugling bestimmt, dieselbe anraten kann. Dadurch würden die Mütter vielen Krankheiten ausweichen, und ihre Kinder gesund, und stark heranwachsen sehen. Die Zeichen dieser Abzehrung sind: Sie haben hysterische Anfälle, Schauder, nach dem Es sen und Abends gelindes Fieber, wie bei der Lungensucht, bald werden die Backen rot, bald bleich; sie klagen über einen beständigen trockenen Hustem, über Brennen in der Brust; es kommt ihnen vor, als wenn sie ausgetrocknet, und ihnen mit einem Strick die Brust zusammengezo gen würde; der Puls ist klein, hart, fieberhaft; sie werden mager; endlich werden sie eine eiterartige Materie aus, die zuletzt mit Blut gefärbt ist. Die Kurart in dieser Gattung, der Abzehrung, welche aus Mangel guter Säfte entstehet, woraus eine steichte Entzündung, und Eiterung entste het, fängt man mit Entwöhnung des Kindes an; hernach gibt man süße Käsemilch und Abkochungen aus erweichenden Kräutern. Bäder, auch öfter wiederholtes Aderlassen ist höchst nötig und später nutzet erst die Fieberrinde, das Blutlungenmoos, die Wurzel von Kreuzblümelein usw. Ist aber noch keine netzündung oder Fieber vorhan den, dann kann man sich vieles von nährenden Speisen, als: der Milch, Schildkröten, Fröschen, Krebsen, jungen Hüh nern, von Suppen aus der Kälberlunge, und Milz versprechen.

Von einigen Beschwerden alter Weiber.

Die Krankheiten der alten Weiber entstehen, (nach- Ausbleibung der monatlichen Reinigung) entweder von der Vollblütigkeit, oder einer Schärfe, die nun nicht mehr ausgeleert wird. Es sind dieselben entwe der allgemeine, als: Fieber, Mutterbeschwerden, eine üble Beschaffen heit der Säfte, oder sonderbare, die man folglich einteilen kann:

1. In Bauchkrankheiten, dergleichen sind: Grimmen, Krämpfungen, die goldene Ader, verschie dene Beschwerden im Harnen.

2. In Gebärmutterkrankheiten, als: die Vorfälle derselben, Blutstür zungen, Wassersucht der Eierstöcke, oder der Gebärmutter selbst, ein scharfer weißer Fluss, der Krebs, Windsucht der Gebärmutter, ver schiedene Beschwerden, welche vor der monatlichen Reinigung sich einzufinden pflegen, die falsche Schwangerschaft.

3. In Krankheiten der Brüste, als da sind: das Anschwellen derselben, die Entzündung, Verhärtung, der Krebs usw.

Alle diese Krankheiten werden nach ihrer eigenen Art behandelt; wobei man nicht vergessen muss, dass Vollblütigkeit, und eine zurückgeblie bene Schärfe die Ursachen sind. Zuweilen entstehet ein Blutsturz, wenn das Monatliche, welches einige Zeit lang ausgeblieben ist, auf einmal zurückkommt. Dieses verhüthet man durch kleine Aderlassen, die man zu dieser Zeit nötig hat, obschon bei einem solchen Blutsturz selten eine große Gefahr ist.

Die Krankheiten der Brüste, welche von einem scharfen Blute entste hen, das, nachdem die Gebärmutter steif geworden ist, nun nach den Brüsten gehet. Wenn sie entzündungsartig sind, so können sie mit innerlich und äusserlich erweichenden Mitteln geheilet werden. Sind es aber harte, krebsartige Geschwülste, so wird das Schierlings-Pflas ter, und innerlich der Extrakt desselben, nach vielfältigen Beobach tungen des Herrn Baron von Stört, der mit verschiedenen nützlichen Mitteln die Arzneikunst bereichert hat, von ungemeinem Nutzen sein.

Abhandlung über dem gemeinen achten Tripper der Frauenspersonen

Eine Abhandlung über dieses Übel, obschon es sich weder auf das männliche, weder an das weibliche Geschlecht lediglich einschränkt, aber den noch bei beiden in unsern Zeiten ziemlich alltäglich ist, mag nichtsdestoweniger mancher fromme unverschuldet angesteckten Gattin, und manchen sonst guten aber unglücklich verführten Mäd chen, in wie weit beide diesem √úbel unterliegen können, behagen. Manch gutes ehrliches Weib wird angesteckt, wenn der Gatte ein rascher Venusritter ist, sich nicht mit der Hausmannskost befriedigt, Nymphen nachjaget, und sich äußerst Mühe gibt, zu einem Tripper zu gelangen. Unwissend überlässt sich später das sauste Weib den ihr erlaubten Um armungen ihres vergifteten Mannes, und überkommt ein Übel, das ihr ganz unbekannt ist, unb von dem sich nur allzufrüh die traurigen Ra chenwehen erfährt. Die angeborne Schamhaftigkeit solcher schuldlosen Geschöpfe ist dann Schuld, dass sie sich weder einem Medicus, oder Chirurgus, noch ihren mit derlei Krankheiten schon mehr bekannten Männern vertrauen; allenfalls bekommt irgend eine weise Frau das Übel zu begucken, welche dann die Arme ganz weidlich damit tröstet: es sei nur ein weißer Fluss. Nicht jedem kann es unbekannt sein, wie sehr der Schwarm ausschweifender Wollüstlinge sich bestrebt, an Mädchen die Rose vor Unschuld zu zerblättern. Ohne einen Predigerton anzustim men, darf ich sagen, dass es nebstbei niederträchtige Kupplerinnen ge nug gibt, solche Geschöpfe durch Verheissungen, Schmeicheleien, und Geschenke zum Falle zu überreden. Und da auch manche mit dem Trip per behaftete wohnen, sich damit zu heilen, wenn sie ein Mädchen ent jungfern, so wird dies Streben noch vermehrt, und manch gutes Kind zur Paphos Priesterin geweiht, das opfert um Geld und gute Worte, und die traurigen Zeichen dieses Dienstes mit geweihet, das siechem Kör per umherträgt. Indessen kann es sich auch ereignen, dass Mädchen von guten Familien durch Heuchler zum Falle gebracht, und angesteckt werden, ohne dass sie in der Folge Prosession daraus machen. Solche Unglücke sind wirklich noch mehr zu bedauern; sie nähren aus Furcht und Scham Zunder des Übels, bis er zu hellen Flammen ausbricht. Die sen armen Geschöpfen möchte ich diese Abhandlung widmen, und sie ihnen in den Lagen ihres Leidens in die Hände wünschen, besonders wenn sie sich keinem Medicus, oder Chirurgus anvertrauen wollen. Es wäre Belohnung für mich, wenn ich überdies der gefallenen Unschuld eine Träne in den Stunden des Schmerzens damit abtrocknen könnte.

Nötige Vorerinnerungen über des Natur des Trippers.

Einige der Londoner Mediker und Chirurgen haben seit einiger Zeit angefangen, die venerische Natur des Trippers anzufehden. Unter die sen ragt der Kopenhagener Mediker Herr Tode vor. Er behauptet, und zwar mit einer ihm eigenen überredenden Art: das Gift, welches einen Tripper bereite, sei ein eigenes vom venerischen Gifte ganz unterschie denes Gift, und nennet es darum Trippergift, weil es durch die Mit teilung nur wieder einen Tripper, (so wie das Pockengift‚Äö nur Po cken) und nie die venerische Krankheit selbst verursachen könne. Ich habe diese Meinung des Herrn Tode, so viel an mir ist, geprüft, und trachte noch täglich Versuche darüber zu machen. Sicher ist es in dessen, dass man wünschen dürfte, es seie so, wie Herr Tode sagt. Ich will hier mit Fleiß seine Hauptmeinungen in Kürze anführen. Er sagt:

1. Venerische Zufälle seien nicht zugegen, wenn ein Tripper Statt hat, und es wäre bloß ein seltener Zufall, wenn der Tripper und die Venus seuche zusammenkämen

2. Der Tripper entstehe zwar aus einer Quelle, aus der nämlich alle andere venerische Krankheiten entstehen; allein dies beweise nichts dafür.

2. Seie es dennoch unbegreiflich, wie der Tripper, und die Lustseu che einander so nahe sein sollen, da doch die letztere lediglich durch Quecksilber, der erster hingegen oft von der Natur allein geheilt wird.

4. Nie hinterlässt ein Tripper die geringste Spur eines so gefährlichen Giftes, als das venerische ist.

5. Wo kein Tripper ist, könne kein Tripper geholt werden. Kein Tripper werde von einem Chancre, so wie kein Chancre von einem Tripper erregt.

6. Die Misfärbigkeit des Schleimes sei nicht das Zeichen des Lustseu chegiftes, weil er oft da beobachtet wird, wo offenbar keine Lustseuche stattfindet.

7. Wenn zuweilen ein Geschwür beim Tripper entsteht, so sei dies nicht als ein Chancre anzusehen, denn es heilt mit dem Tripper; wäre hingegen ein wirklicher Chancre da, so ist er dann ein Gefährte, und müsste also von einer Nebenansteckung kommen.

8. Die Geschwulst der Leistendrüsen sei kein Beweis des eingTeil nehmung; die Probe hierüber sei, dass sich diese Geschwulst verliert, sobald der Entzündungsstachel gestumpft ist.

Eben so verhalte es sich, besonders bei Männern mit der Hodenan schwellung in diesem Stande des Trippers, sie sei nämlich lediglich von der Teilnehmung des Reizes abhängig. Entstünden auch derlei Ge

schwülste nach Stopfung des Tripperflusses, so sei nichts weniger als eine Einsaugung daran Schuld, weil eben dadurch nur der Reiz damals vergrößert, und so geschickter wird, derlei Geschwülste zu veranlassen. Diese und mehrere andere Sätze sind von verschiedenen Meistern der Kunst angefochten worden; allein Herr Tode bleibt immer noch unter wiesen. Ich will es daher nicht wagen, diesen sonst treuen Naturzeichner zu widerlegen, noch weniger zu überweisen, bloß meine Zweifel und Meinung will ich hierüber sagen: weil ich glaube, dass es nicht einer lei sei, ob man eine Krankheit so, oder anders behandle, wenn einmal die Natur des Übels durch richtige Versuche bewährter Ausüber zum Teil anerkannt ist; weil ich glaube, dass auch der giftigste Recesent nicht in Harnisch gebracht wird, wenn ein anderer nur Zweifel aufwirft, und nicht blindlings nachbetet, sondern untertanig um nähere Beleuchtung bittet. Ich, meiner Einsicht nach, bin der Meinung, dass sich alle Er scheinungen des Trippers mit allen seinen anderweitigen Wirkungen (unter gewissen Einschränkungen) auf die nämliche Art erklären las sen, wie sie Herr Tode erkläret, wenn man auch die venerische Natur des Trippergiftes annähme, aber nur dabei die Hinsicht auf den örtli chen Mechanismus der Harnröhre, auf die Verrichtung derselben, und auf die lokale Behaftung selbst beibehalten wollte.

Ich erkläre mich näher. Man kann dem venerischen Gifte das Vermö gen zu reizen nicht absprechen. Diese reizende Eigenschaft ist und muss ihm zufolge der Alltagserfahrung zuerkannt. werden; Nur verhält sich der Reiz dieses Giftes und die daraus entspringende Wirkungen ver schieden‚Äö je nachdem nämlich der Teil, der Grad seiner Reizbarkeit, sein örtlicher Mechanismus, und seiner Herrichtung er 9st. Ich den ke, das soll in etwas einleuchtender werden, wenn ich den acht Haupt sätzen des eben genannten Schriftstellers die meinigen entgegensetze; dennoch hat mich die Lehrerin Erfahrung keiner besseren überzeugt. Den ersten Satz hat bereits Herr Richter in Zweifel gezogen. Ich set ze hinzu, dass es nebst dem, als man die Beobachtungen, wo veneri sche Zufälle Gefährten des Trippers waren, doch nicht so schlechtweg leugnen kann, eben nicht so selten geschehen dürfte, wenn es nicht schiene, dass die Vorsichtige Natur gleichsam besorgt sei, um dadurch, m dass die Harnröhre vermag ihre lokalen Bildung und Verrichtung dem Gifte des weiteren Fortbringen versagt, die so gräuliche Folgen der Luftseuche abzuhalten. In der Harnröhre bei Männern befinden

sich zwischen den Häuten des Kanals eine Menge Talgdrüsen; es sind nebst diesen diesen die Comperischen Drüsen, die Drüsen des Littre, die Schleimhöhlen des Morgagni zugegen; eine Anzahl von Nerven wärzlein ist auf der inneren Umkleidung zerstreut; einsaugende Gefä ße sind sehr wenige zugegen. Bei Weibern in der Mutterscheide, und ausser derselben zeigen sich ebenfalls eine Menge Nervenwärzchen und Drüsen mit Ausführungsgängen, welche die Scheide bei Weibern, die Harnröhre bei Männern immerfort mit einem schlüpfrig achtenden Schleim benetze. Auch weiß man sehr gut, dass alle Feuchtigkeiten, die in den Drüsen zirkulieren, ein langsamen trägen Umlauf nehmen und dass selbst die kränkliche Schärfe, die sich in den drüsigten Körpern an schoppt, ziemlich lange festsitzen bleibt. Wenn nun allemal der Tripper seinen Sitz in derlei Drüsen nimmt (so wie man hierüber meistens einig ist), was sollte nun hindern, dass das Gift hier nicht könne aufgehalten werden, bis es eine Entzündung erregt? Nähert sich einmal die Entzün dung, dann lockt der Entzündungsstimulus die Säfte, welche in gefunde nem Zustande zur Schlüpfrigmachung abgeschieden werden, ohnehin häufiger bei; das venerische Gift, welches allenfalls in den ‚ÄöDrüsen haftet, wird unschädlicher, wird milder durch die häufig befleißenden schleimen Säfte gemacht; die Schleimsäfte aber selbst werden durch den Entzündungsstand der nun kränklichen Organen alteriert, und kommen dann umso verkehrter zum Vorschein. Dies könnte also großen Teils Schuld daran haben, dass das venerische Gift, so lange es in der Harn röhre haftet, keine venerischen Zufälle verursacht; obschon es dennoch immer ein und das nämliche Gift ist, das nur damals die Zufälle der Lustseuche erzeugen würde, wenn es in die Wege des Kreislaufes käme. Fürs Zweite liegt eben darin, dass der Tripper aus der nämlichen Quelle entstehet, aus der Chancres und ursprüngliche Schambeulen entstehen, ein mächtiger Beweis wider die nicht venerisch sein sollende Natur des Trippers. Das Wesen des venerischen Giftes selbst ist doch noch nie so analysiert worden, dass es an autoptisch, ein eigenes materielles von al lem andern Saftgemisch getrenntes Ding geworden wäre, welches man dann hätte vorzeigen können; mithin kann durch den Betracht eines Wesens, das man sich bloß denken muss, nicht gerade bestimmet wer den: das ist so, und nicht anders. √úberhaupt ist es sehr wahrscheinlich, dass zur Hervorbringung eines Trippers, oder Chancres, oder einer ur sprünglichen Schambeule sehr viel auf den Grad des Giftes auf die Art der Mitteilung, und auf die körperliche Eigenschaft der Person ankom me. Was den dritten Punkt betrifft, wo gezweifelt wird, dass das Gift,

welches einen Tripper veranlasst, dem venerischen Gifte analog seidenke ich, dass darum die nicht venerische Natur des Giftes keineswegs bewiesen wird, wenn man sagt, das venerische Gift könne nur durch Quecksilber, der Tripper aber oft von der Natur allein geheilet werden. Ich finde, dass noch größerer Beobachter, als ich bin, den Fall mit mir ge sehen haben, wo ein Fieber die bestättigte Lustseuche heilte, und Queck silber den Tripper heben musste - mithin gerade den Fall umgekehrt. Anbelangend den vierten Satz werden die wenigsten denkende Beob achter mit dem Verteidiger können eins werden. Doch scheint mir, wenn dieses wirklich zuweilen Stich hielte, so könnte es wohl daher rühren, dass vermittelst der Entzündung, welche in den angesteckten Organen vorgehet, und mittelst der mannfältig daraus fließenden Effekten das Gift selbst getötet wird. Viele große Ärzte haben beobachtet, dass das graulichst wütende Lustseuchegift durch ein hitziges Fieber unwirksam gemacht wurde. Zufolge der fünften Behauptung könnte man folgern: wo keine Schambeule ist, kann keine geholt werden. Dass nun gar oft nach einem unreinen Beischlafe auf der Stelle Schambeulen und keine andere Krankheitserscheinung hervorkommt, wird wohl jeder, der der lei Kranke beobachtet hat, gesehen haben. Und wie oft hat es sich nicht schon zugetragen, dass 2-3 Lustspieler in Gesellschaft zu einer MezzenLotterie gingen, wo der eine ein Tripper, der andere ein Chancre-Los zog. Ist es wohl wahrscheinlich, dass just der eine nur Trippergift, und der andere venerisches Gift soll empfangen haben? Ist es nicht viel ein leuchtender, dass die von der ungleichen Austeilung, von einer größe ren oder geringeren Menge und Sträke des venerischen Giftes und von dem Teile, der es gieriger, oder widersetzlicher aufnimmt, herrühre? Ich lasse darüber urteilen. Die sechste Meinung wird völlig mit Herrn Rich ter verglichen. Just als wollte man aus einem bösen Eiter, der aus einer nicht venerischen Schambeule käme, bei Abwesenheit anderer sicherer Zeichen schließen, die Beule sei venerisch. Das Gift kann zu sehr in den Teilen der Harnröhre haften, als dass es sich gerade so häufig mit dem Tripperschleime sollte vermische können. Dem siebenten Satz des Herrn Tode setze ich meinen sechsten entgegen, und glaube, weil der Schleim, der sich zuweilen beim Tripper zwischen der Vorhaut und Eichel, und bei Weibern an den äußern Geburtsteilen ansammelt, sehr wenig oder gar nichts vom venerischen Gifte enthält, so kann er auch nur unbe deutende Anfressungen machen; so wie es auch bei gesunden Personen öfters geschieht, welche die nötige Reinigung der Geburtsteile unter lassen. Ist aber ein wirklicher Chancre dabei, dann hat die Eichel eine,

und die Harnröhre die andere Dosis Gift, und dadurch eine doppelte Ansteckung erhalten. Die Nebenansteckung lässt sich mir nicht denken. Die achte Behauptung ist nach meinen Grundsätzen allerdings eine Kopie der Natur. Nur glaube ich dennoch sehr schwer, dass gar keine Versetzung sollte geschehen können. Denn dass zuweilen nach einem zu frühzeitig gestopften Flusse des Trippers Schambeulen und Ho denanschwellungen zurückbleiben, die nur nach dem Gebrauche, des Quecksilbers weichen , kommt sicher in der Ausübung vor. Sagt Herr Tode hingegen, dass die Heilung vermittelst des Quecksilbers kein Beweis der venerischen Natur von derlei Geschwülsten sei, weil das Quecksilber auch andere Krankheiten heile: so muss ich distinguie ren. Es gibt Krankheiten, die das Quecksilber jedes Mal allein heilen muss; es gibt aber auch Krankheiten, die das Quecksilber zuweilen heilen kann. Krankheiten, die das Quecksilber allemal heilen muss, sind venerische Natur, und weichen außer dem Merkur keinem an dern Mittel. Krankheiten hingegen, die der Mercurius zuweilen heilen kann, sind nicht venerischer Natur, und weichen auch nach dem Ge brauch anderer Mittel. Wenn nun gleich nach einem unterdrückten Tripper derlei Geschwülste entstehen, die nach hintangesetztem Ge brauche aller möglichen Mittel einzig nur dem Quecksilber weichen, welcher Natur sind sie? Aus allem dem folgere ich, dass der Tripper venerischer Natur sei; nur kann das Gift durch den Entzündungs stand und durch die dabei vergehenden Wirkungen in der Harnröhre zuweilen durch die Natur, zuweilen aber muss es (aber doch seltener) durch die Kunst, und einzig durch Quecksilber getötet werden. Nach dem ich dies vorausgesetzt habe, rücke ich näher zur Krankheitslehre.

Von dem gemeinen ächten Tripper der Frauenspersonen.

Der gemeine ächte Tripper bei Frauenspersonen ist jene Krankheit der Mutterscheide, die nach einem mit irgendeinem angesteckten Manne gepflogenem Beischlaf entstehet, deren Hauptsymptome in dem Anss tuss einer verschieden gefärbten Materie, und in einem Harnbrennen bestehet, und wo alle oder doch die meisten Mittel, die gegen den wei ßen Fluss gebraucht werden, unwirksam sind. Die nächste Ursache des Weibertripper liegt in dem Reize des venerischen Giftes, welches die Schleim absondernden Werkzeuge der Mutterscheide so lange reizet, bis eine Entzündung, und dann die daraus entspringenden Symptome entstehen. Der Sitz dieses reizenden Giftes ist in der Schleimhöhle der Mutterscheide, in den Vorstehdrüsen derselben, in den traubenförmi gen Drüsen, und in den Talgdrüsen der kleinen Wasserlefzen. Astruc glaubt mit Regneruse de Graf gesehen zu haben, dass der Sitz bloß in den Vorsteherdrüsen und in den Vertiefungen der Harnröhre wäre. Ni kolaus de Blegnii will, der Tripperschleim käme aus der Mutter. Guilelm Cofburn behauptet, die Krankheit hafte einzig in der Mutterscheide. Ich pflichte dem letztern lieber, als den ersteren bei. Die veranlassende Ur sache ist der Beischlaf mit einem Manne, der entweder einen Tripper oder eine andere venerische Krankheit an den Beischlafswerkzeugen hat, besonders wenn die Reinigung der weiblichen Geburtsteile nach dem Beischlaf unterlassen wird, und wenn eine recht innige Berührung der Werkzeuge von Seiten beiderlei Geschlechts statt gefunden hat. Die Zufälle, welche den Tripper der Weibspersonen begleiten, verhalten sich verschieden, je nachdem der Zeitpunkt der Krankheit ist. Da man nun drei Zeitpunkte beobachten kann, so will ich suchen, die Zufälle ein es jeden Zeitpunktes anzugeben. Die Zufälle, welche entstehen, wenn das Gift zu wirken anfängt, sind ganz versteckt, und lassen sich nicht so leicht, wie bei den Männern bemerken. Wenn die Patientinnen bald nach einem verdächtigen Beischlafe ein Jucken oder Kitzeln an den Ge burtsteilen verspüren; wenn ihnen öfter die Klitoris steif wird; sich an den großen Lefzen Home kleine Röte zeigt, und eine etwas schleimige Feuchtigkeit hervorstießt, so dürfen sie allerdings fürchten, dass eine Ansteckung geschehen ist, und dass das Gift zu wirken anfängt. Diese Zufälle werden bald beträchtlicher, wenn die zweite Periode, die Ent zündung, eintritt. Das Jucken geht in Schmerzen über, die Geburtsteile entzünden sich sowohl äußerlich als innerlich; vorzüglich wird die Mut terscheide von der Enteündung und Spannung ergriffen, die sich sogar den nahe liegenden Teilen mitteilet, so zwar, dass die Ruthe entzündet wird und das Harnen unter dem heftigsten Brennen vor sich geht; bis weilen fließt der Harn nur tropfenweise; die Ruthe wird nun öfter steif,

und schmerzet jedesmal; die nahen Teile ertragen nur mit Schmerzen eine Berührung; dazu kommt noch, dass der Tripperschleim nun häufi ger abgehet, manchmahl dick, grünlich, gelb, weislich, auch zuweilen recht dünn scharf ist. Daher entstehen bisweilen Anfressungen zwi schen den Schenkeln, am Mittelfleisch, und an den Wasserlefzen; die Geburtsteile schwellen ziemlich an; manch Kranke haben dabei ab wechselnden Schauder und Hitze, Kopfschmerzen, Durst, verdorbenen Appetit, Mattigkeit in den Gliedern; andere behalten oft durch sechs bis sieben Tage ein recht heftiges Fieber mit allen nur möglichen Fieber symptomen. Diese Zufälle endlich werden gelinder, wenn der Zeitpunkt der Erschlaffung heranrückt. Die entzündete geschwollenen Teile wer den nun der Entzündung und Geschwulst los; der Harn geht freier und ohne heftigen Schmerzen ab; die Teile ertragen nun wieder eine leichte Berührung; der Tripperschleim wird etwas gutartiger und verliert seine grüne Farbe, er wird milder, und die daher erzeugten Anfressungen werden oft von diesem Schleime selbst wieder geheilt; die Fieberzufälle verlassen die Kranke; und am Ende kommt nur zuweilen eine geringe Menge wässriger Feuchtigkeit zum Vorschein. Nun darf ich nicht ver hehlen, dass alle diese hier bezeichneten Zufälle auch manchmal den weißen Fluss begleiten können, und dass es oft dem geschickten Arzt schwer ankommt, diese zwei Krankheiten zu unterscheiden, zumal wenn die Kranke nicht offenherzig ist, oder sich nicht schuldig geben will, oder wenn die Zufälle recht verwickelt sind. Schmerz, Entzündung, und Harnbrennen sind gemeiniglich beim Tripper heftiger als beim weißen Flusse; auch ereignen sich hier viel öfter die Steifigkeiten der Klitoris. Die Heilmittel, welche man dem vermeinten weißen Fluss ent gegen setzen dürfte, sind (wie ich es schon in der Definition sagte) un wirksam. Am besten tut die Kranke, wenn sie sich einem Medicus oder Chirurgo anvertrauet und ihm ein treues Geständnis ablegt, zumalen wenn sie merkt, dass das √úbel um sich greift ; bliebe aber dennoch ei ner von beiden unüberzeugt, so gestatte sie die Besichtigung. Was die Vorherankündigung bei dieser Krankheit anbelanget, so wünschte ich, dass man immer bedenken möchte ein Gift, welches vermag, das herr lichste Geschöpf der Natur zum Scheusal umzuändern, verdiene um so mehr das schärfste Augenmerk, je gewisser es ist, dass nur damals schreckliche Folgen kommen, wenn der Zunder bei anfangendem Glimmen nicht gelöscht wird. Noch ist bei einem Tripper die Natur mächtig genug, dem Gift die Wege zum Kreislauf der Säfte zu verlegen, wenn es anders dem Kranken, und seinem Heilkünstler nicht recht mit Fleiß darum zu tun ist, die heilsamen Bestrebungen dieser guten Mutter

Natur zu vereiteln. Gutes strenges Verhalten , und Geduld von Seite der Kranke , richtige Nachfolge des Arztes auf den Wink der Natur sind si cher allein vermögend, das √úbel aus dem Grunde zu heben. Aber wol len die Kranken, ihren Lüsten Gehör geben, verlieren sie die Geduld, oder kommt ein Medicus oder Chirurgus dazu, der aus dem Heiligtum des Estulaps als ein Profaner imer aber dennoch privilegiert entloffen ist; Handelt ein solcher zufolge seiner Empirie , welcher Mann möchte, könnte bürgen, dass keine üblen Folgen kommen werden? Die Kurme thode fordert, drei Heilungsanzeigen in Erfüllung zu bringen: 1) die Ansteckung (wenn es möglich wäre) abzuhalten, und das wirkende Gift zu töten; 2) der Entzündung entgegen zu arbeiten und den Ausfluss des Tripperschleimes zu befördern; 3 ) die erschlafften Teile zu stärken. Si chere Mittel für die erste Anzeige haben wir keine; wenigstens sind sie noch nicht entdeckt. Mittel zu Erfüllung der zweiten Anzeige sind: Blut abzapfungen, hitzemässigende Arzneien, erweichende schleimige Ge tränke, derlei Klistiere, Bähungen und Dünste, strenge und pünktliche Diät, lindernde Einspritzungen, und in qewissen Fällen das Quecksil ber. Mittel der dritten Anzeige zu entsprechen, sind: Geduld von Seiten der Kranken, und Langmut in der Obsorge des Arztes; eine nach Ver hältnis der Umstände kräftegebende Lebensart; reine Luftveränderung; die Fieberrinde innerlich und äußerlich zu Einspritzungen; seltener die Eisenmittel; ein leichtes Fieber hitziger Natur, und die darnach erfol gende Kräfteerholung. Wenn man der ersten Anzeige genug tun wollte, so müsste man das Mittel erst kennen, welches die Tugend hätte, das Gift ursprünglich zu ersticken. Einige haben freilich Versuche mit Que cksilkerspritzungen angestellt, und wollen Glauben machen, das √úbel sei nicht zum Ausbruch gekommen; allein noch ist es durch die Stim menmehrheit nicht festgesetzt. Zudem kommt noch, dass die Zufälle im ersten Zeitpunkt so dunkel sind, dass es die Kranken sich selbst nicht glauben, dass das Gift anzustecken beginnt; und da auch diese Periode nicht lange dauert, so werden die Zufälle bald auffallender, und man muss der Entzündung entgegen arbeiten. Man muss trachten, die zweite Anzeige zu erfüllen, wenn sich Schmerzen und alle andere schon be schriebene Symptomen der zweiten Periode einfinden. Sind die Ge burtsteile heftig entzündet und gespannt, ist das Fieber stark, das Urin brennen heftig, so lasse man Blut an entfernteren Teilen, oder nahe an den leidende Teilen selbst mittelst Ansetzung der Blutigeln. Man bleibe nicht bei dem einmaligen Gebrauch, wenn diese Zufälle nicht gelinder werden, oder wenn sie auch gelinder worden wären, hernach aber aufs neue angewachsen wären; man wiederhole diese Blutabzapfungen so

oft, als es die Umstände erheischen. Sind die äußern Geburtsteile sehr schmerzhaft, und geschwollen, so nützen erweichende Bähungen, Dunstbäder aus einem Eibisch- oder Pappelkrautabsud in Milch und Wasser. Innerlich nützen häufig erweichende Getränke/ Mandelmilche, und Klistieren, wenn der Leib nicht frei, und das Harnen sehr schmerz haft ist. Wäre der Tripperfluss sehr scharf und übelgefärbt, so kann man eine laue erweichende Abkochung aus Eibischwurzel mit arabischen Gummi‚Äö vermischt in die Mutterscheide mittelst der sogenannten Mutterspritze einlassen. Die Diät muss hitzwidrig sein, und die Kranke muss alle nahrhaften Speisen, so wie alle hitzigen Getränke als; Wein, Kaffee, Schokolade und dergleichen nebst dem Beischlafe meiden, hin gegen nur wenige speisen, umso mehr aber abkühlende Getränke ge nießen. Bei einem solchen Verhalten werden gemeiniglich in 8 bis 10 Tagen die Umstände günstiger. Bleiben aber die Zufälle in einem Hef tigkeitsgrade, so ist die Hilfe eines klugen Medicus oder Chirurgus nö tig, und dann bleibt oft der vernünftige Gebrauch des Quecksilbers das sicherste und letzte Hilfsmittel. Wenn die Entzündungsperiode nicht vernachlässigt worden, so ist die dritte Heilungsanzeige leichter zu er füllen. Man lasse dann die Natur nur wirken, wenn die Zufälle zu ver schwinden anfangen, und enthalte sich damals sehr sorgfältig der so genannten stopfenden Mittel. Selbst die Einspritzungen sind damals nicht ratsam; man helfe deswegen nur der Natur durch schleimige Ge tränke und fortgesetztes gutes -verhalten nach, und lasse den Tripper fortfliegen, bis endlich nur ein noch dünnes sparsames Gewässer zum Vorschein kommt. Schiene denn in der Folge dieser Wassertripper allzu langwierig zu werden, dann nützt der innerliche Gebrauch der Fieber rinde; äußerlich kann man Aufgüsse daraus bereiten, und einspritzen. Allmählich kann die Kranke namhaftere Speisen und Getränke genie ßen; und um die Natur noch kräftiger zu unterstützen, dienet öfter eine Luftveränderung. Zuweilen kommt von ohngefähr ein Fieber aus ganz anderen Ursachen über die Kranke, und der Fluss verliert sich mit dem Fieber. Überhaupt will ich für alle drei Zeitpunkte angeraten habe, sel ten Abführungsmittel zu gebrauchen.

Design & Fotografie von Antonia Werkmüller im August 2022 an der Freien Universität Bozen für Typografie und Grafik bei Professor A. Benincasa

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.