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Mensch,

No –3

SYLT!

DIE ELLUSTRIERTE

R ALLERBESTE LESESTOFF EN, FÜR MENSCH DIE SYLT LIEBEN

FRÜHJAHR 2021

»TRAU DICH!« Stories mit Lebensumkrempler Silke & Thosche Bestsellerautorin Susanne Matthiessen Schulgründerinnen Maria & Johanna Teppichhändler Beauk & Melf Bye Bye Plastik-Sagerin Heike Werner u.v.m.


Liebe „Mensch-Sylt!“ Sympathisanten*innen! Ja, wir gendern jetzt. Warum, steht auf Seite 48. Und ebenfalls ein freudiges Ja: Es gibt überproportional viele tolle Sylter Frauen in dieser Frühlingsausgabe. Das war eher Zufall als Vorsatz und gefällt uns aber auch als Statement sehr gut – so kurz nach dem 8. März.

VOILÀ: Hier sind die Sylter Wahnsinns-Frauen. Da ist Sandra Morchner,

die jeden Morgen zwischen 4 und 5 ersteinmal 1,5 Stunden durch die Sylter Landschaft rennt, bevor sie zur Arbeit ins Büro nach Tinnum radelt. Dann haben wir Silke Duhai, die erst Kauffrau war und heute ihr Leben crazy mag und nach den Wellen vor ihrer Haustür ausrichtet. Oder Maria und Johanna, die für Inselkinder eine innovative Schule gründen werden. Da ist Schauspielerin Wiebke Wimmer, die mitten in Corona ein neues Business aufzog und die Kunst vermittelt, bei einem Zoom-Meeting nicht völlig beknackt rüber zu kommen. Und dann ist da Susanne Matthiessen, die mit Mitte 50 ihr erstes Buch schrieb und dann spontan einen Bestseller landete, der jetzt mal eben von Doris Dörrie verfilmt wird. Und das ist nur ein Ausschnitt aus den bunten Frauengeschichten in dieser Ausgabe.

AN GUTEN TYPEN mangelt es indes nicht. Wir interviewten

Christian Bechmann, den musikalischen Supertasker, und wie er darauf klar kommt, gerade jetzt nicht mit seinen Chören arbeiten zu können, wo das gemeinsame Singen der Seele so gut täte. Wir haben mit Felix Bo in der Ferne telefoniert, Sylter Abiturient, der trotz Corona gerade ein Jahr in Ohio zur Schule geht und fragten ihn, wie er mit viel Schnee und der amerikanischen Präsidentschaftswahl klar gekommen ist. Und wir haben mit Sylt-Marketing-Chef Moritz Luft gesprochen, was er über die Saison 2021 denkt.

Allerbester Lesestoff also.

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Mensch,

SYLT!

Ob Jungs oder Deerns: Die Produktion

dieser „Mensch, Sylt!“-Ausgabe hat ungeheuer viel Spaß gemacht und uns wieder bewiesen, wieviel grandiose Typen*innen diesen Inselknust bevölkern. Jede*r Einzelne – ein Kosmos für sich.

UND OFFENBAR macht das bunte Kaleidoskop von „Mensch,

Sylt!“ auch Euch Spaß! Wir sind gerade im Gespräch darüber, die Ellustrierte bald in einer völlig neuen Form erscheinen zu lassen, damit die bunte Sylter Welt noch mehr Reichweite erzielen kann. Eine spannende Perspektive – mehr können wir noch nicht verraten.

Ihr werdet schon sehenhörenlesen! Viel Spaß jetzt aber bei der Frühlingsausgabe 2021

Imke Wein & Anja Buchholz

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Mensch,

SYLT!

Inhalt / CONTENU

INSELKINDER

7 An der Tiki-Bar bei Thosche und Silke 14 17,5 Minuten mit Moritz Luft 20 Tipps von der Impromeisterin Wiebke Wimmer 26 Schnell wie der Wind Sandra Morchner

LIST AUF SYLT

33 Maiken Neubauer Die Flow Hotspots im Norden

DIE GEDANKEN SIND FREI

45 Bitte recht freundlich! Christa Farwick 48 The time ist now Imke Wein 50 Fasten your seatbelt! Bianca Rehage

Projekte

54 Trotz Corona in Ohio Abiturient Felix Bo Hermann 59 Johanna und Maria gründen eine neue Schule für Sylt 68 Susanne Matthiessen hat Respekt vor Buch Nr. 2 4

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KAMPEN

76 Ineke Scheppler Eine seltene Spezies 79 Kacheln Kampen für daheim 80 Buch-Projekt mit Herz und Seele

In process

82 Bübülük Teppich-Handel auf friesisch 90 Sylt sagt Bye Bye Plastik

Wenningstedt-BRADERUP

98 Jasmin Heimberger und die Wenningstedt Top 10 105 Print? War gestern!

WISSE & ERFAHRE

108 Christian Bechmann probiert Proben über Zoom 116 Tipps vom Bücherwurm Thema: Future 119 Das Mensch, Sylt! A bis U Immentrauds Tipps

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impressum

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SYLT!

Konzept, Design & Redaktion Imke Wein & Anja Buchholz Tel. 0162 1000 925 post@mensch-sylt.de www.mensch-sylt.de

Fotografen

Landschaftsfotos

Julia Aßmann Silke Duhai Andreas Grenacher Felix Bo Hermann Maike Hüls-Graening Nauke Jaschinski Hans Jessel Juliane Kiefer Michael Magulski Nicole Mai Ralf Meyer Hans Scherhaufer Wolfgang Schmidt shutterstock Thorsten Stroetzel Tourismus-Service Kampen Tourismus-Service Wenningstedt Archiv Kurverwaltung List auf Sylt Imke Wein Heike Werner

Ralf Meyer

Autoren Imke Wein Christa Farwick Bianca Rehage

Externe Links Alles, was wir hier extern verlinken, liegt außerhalb unserer Verantwortung.

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THOSCHE UND SILKE VERBRACHTEN AUSNAHMSWEISE DEN WINTER ZU HAUSE

AN AN DER DER

tiki-BAR in in wenning-

stedt

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Schöner Stoff fürs storytelling? Wenn Menschen „werweißwo“ auf dem weiten Erdball überwinterten – immer auf der Suche nach der besten Welle. Für Sylter Surfer plus Anhang ist das seit Jahrzehnten allerdings das Normalste von der Welt. Und so ist dies denn auch die Geschichte von zwei Syltern, die diesen Winter erstmals nicht in ferne Länder reisten. Die wahre Exotik und das kleine Glück verstecken sich eben manchmal direkt vor der Haustür. Wenn muss es eben nur finden wollen. Das ist die wahre Lebenskunst... 8

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Silke und Thosche beim Erzählen zuzuhören, ist ein Riesenvergnügen. Die beiden scheinen wie der viel beschworene Topf und der Deckel, die sich gefunden haben. Beides Einzelstücke, individuell ohne Ende, aber zusammen trotzdem ein Ganzes. Wie gut, dass es solche „Unverbiegbaren“ gibt, sonst wäre es verdammt öde unter den Menschen.

„So richtig cool fanden wir das erst nicht mit dem Hierbleiben. Wir haben alles versucht, um trotz Corona vielleicht eine kleine Weile nach Bali, unsere zweiten Heimat, zu entfleuchen. Aber es war wie verhext. Wir waren immer nah dran, aber am Ende hat einfach nichts funktioniert und irgendwie war es dann auch eine Frage der Solidarität, hier zu bleiben“, erzählt Thosche, Wenningstedter Urgestein, den man sich so nicht ausdenken könnte, wenn es ihn nicht schon gäbe.


winter 2020 auf sylt krass gute bedingungen für einen guten

surf

Die beiden entschieden sich, das Beste draus zu machen, ohne Gäste im Haus und mal mit richtig Gestaltungsraum dort, wo sie im Sommer sonst immer vielbeschäftigt sind.

Arbeit verbunden ist. Thosche hat mal wieder so richtig viel gemalt – seine Bilder im Grafik-Style lassen ganz viel von dem Witz und dem Schalk erkennen, den er auch beim Erzählen hat.

Die beiden genossen den Whirl-Pool und ihre Lounge im Garten bei allen Temperaturen und fühlten sich wie die Fürsten. Sie konnten sich endlich mal Zeit nehmen, wo Sylt doch sonst für sie immer mit reichlich

Die entspannten Begegnungen mit anderen Syltern und mit viel Abstand am einsamen Strand und auf der großen weiten Nordsee gefielen ihnen, ebenso wie gepflegte Grillnachmittage im Schnee. „Klar, das ist toll, die

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Sylter mal so ohne Hektik zu erleben. Wir sind Freunden und Bekannten beim Surfen und Spazierengehen begegnet, die sehen wir sonst manchmal jahrelang nicht. Austausch, anders als sonst natürlich, aber doch im Gespräch, das gehörte zu den Winterfreuden und natürlich ständig auf dem Wasser zu sein sowieso. „Einmal bei -15 Grad hingen an Silke Haaren Eiszapfen“, so Thosche, der gebürtige Wenningstedter. „Heute morgen war Nebel über dem Wasser, dann kam die Sonne und die Wellen waren auch super“, schwärmt

Silkes Vorleben… Silke. „Nur noch an Idylle zu übertreffen, wenn Schweinswale oder unser Seerobben-Homie vorbeikommen“, sagt dann Thosche und beide schwärmen: „So dolle Bedingungen diesen Winter für einen guten Surf – krass.“ Na, dass es ihnen soooo gut gefallen würde, auf ihrer Zuhause-Insel – damit war nun auch wirklich nicht zu rechnen gewesen. Damit ihnen die Temperaturen nichts anhaben konnten („Wir sind ja jetzt schon wieder bei vier Grad!“ Anm.: Stand Anfang März!), waren sie natürlich vermummt mit allerbestem, dicken Neopren. Bereit für Saison und Sommer und alles, was das kommen möge, sind sie jetzt auch. Und nächsten Winter, dann wieder schön muckelig, den Winter hier in Wenningstedt? „Och nö“, meinen die beiden wie so oft aus einem Munde.

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war so ganz anders als kunterbunt! Sie arbeitete 15 Jahre lang als Versicherungskauffrau in Lemgo. Das Bedürfnis, nochmal was ganz Neues, radikal Anderes zu tun, wuchs aber von einer kleinen Sehnsucht zu etwas wirklich Übermächtigem heran. „Ich wusste, dass das Surfen der Schlüssel dazu war.“ Obwohl sie es nie vorher versucht hatte, kaufte Wo sie im Winter sie sich ein gerne mal sind: Brett, fuhr Thosche hat zwar nach Fuerte schon viel von der und checkte Welt gesehen, nicht nach etlizuletzt in Mittel- und chen frustraSüdamerika, aber nen SelbstStädtetouren nehVersuchen men sich die beiden in einer Surfimmer vergeblich schule in vor und landen dann Lajares ein. immer am Meer, gerne in einem kleinen Refugium auf Bali, in der Nähe von Surfer Hotspot Canggu, im Süden der Insel. „Da ist es zwar auch nicht mehr so idyllisch, wie es mal war. Aber für uns ist das dort unsere Homebase – wir müssen auch unser ganzes Zeugs nicht mehr hin- und her transportieren. Echter Luxus.“


Und wie funkte es denn nun zwischen Thosche Irgendwann war das und Silke?

Und siehe da: Silkes Annahme erwies sich als richtig, sie spürte diesen Kick, die Verbundenheit mit der Natur, die Schönheit des Moments. Sie war 35 und jetzt erst recht bereit, dem anderen „Ich“ den nötigen Raum zu geben. Nur einige wenige kleine Umwege später konnte sie ihren Eltern und ihren Freunden in Lemgo erzählen, dass sie einen Job und ein WG-Zimmer auf Sylt hatte. Was sie ahnte, aber noch nicht mit Sicherheit wissen konnte: Sie lag mit diesem radikalen Wandel goldrichtig.

Sie begegneten sich bei einem Standup-Paddling-Event im Mai 2014 an der Oase in Westerland. Thosche, Judge bei diesem WassersportEvent, „mointe“ Silke im Vorübergehen an. Sie „mointe“ nicht zurück. Er dachte sich seinen Teil. Dabei war es von Silkes Seite eher Schüchternheit als alles andere. Aber da er integraler Bestandteil der Sylter Surfszene ist und sie sich auch darin bewegte, liefen die beiden sich bald häufiger über den Weg, entdeckten ihre Seelenverwandtschaft und trafen sich täglich. Ein flüchtiger Kuss in Dänemark einige Monate später erschütterte beide, weil sie mehr als alles andere um ihre Freundschaft fürchteten. Völlig unbegründet:

mit dem Küssen unvermeidbar und die beiden wurden Mann und Frau – mit einer gepflegten Familienfeier in Lemgo. Silke arbeitet heute übrigens als Rettungsschwimmerin am „Onkel-Johnny-Strand“. Thosche kümmert sich um die Gäste im Haus und auch um seine Schwester Birgit, die MS hat. Dabei hilft Silke natürlich, wo sie kann.

Und warum heißt Tho sche nun Osborne mit Nachnamen? … das hatte sich Silke allerdings auch nach dem ersten Kennenlernen gefragt. In Wirklichkeit heißt er nämlich Thorsten Stroezel und zum spanischen BrandyNachnamen kam er so: „Ich habe doch früher, gaaanz früher, bei ,Getränke Ipsen’ gearbeitet. Und als der ,Osborne Veterano’ neu war, habe ich den erst einmal angeboten wie Sauerbier und keiner wollte ihn haben. Daher der Name.“ Silke heißt übrigens in echt Duhai und das ist für eine Surferin natürlich nicht der unspektakulärste Name. Einen, den man auch nach dem „Ja“ für den nettesten Typen der Welt, nicht abgeben sollte. Denn, ganz ehrlich, wer möchte schon Stroezel heißen, wenn er nicht muss?

Und wenn Thosche mal nervt? …zieht Silke sich in ihren Fitenessraum zurück, den ihr netterweise ihr Göttergatte eingerichtet hat. Denn Thosche hat wohl ziemlich jede Ausbildung, die man braucht, um alles bauen und reparieren zu können, was es in einem Haus und drumherum so gibt.

einmal bei -15° GRAD hingen an silkes haaren

eiszapfen!

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MINI-INTERVIEW MIT MORITZ LUFT

17,5 Minuten Montag, 8. März, 8 Uhr. Weltfrauentag und der Tag nach der Bürgermeisterwahl der Gemeinde Sylt. Aber Moritz Luft steht aus vielen anderen Gründen ein Zoom-Gesprächsmarathon bevor. Corona, die schrittweise Öffnung und die Strategien dazu, aber auch weitere Gespräche mit den DB-Regio-Verantwortlichen und dem Landrat über den Einsatz von entsprechendem Wagenmaterial für den sicheren Transport der Sylter Pendlerströme stehen an. Um nur mal zwei Beispiele aus der bunten Themenpalette zu nennen. Trotzdem nahm sich Moritz Luft 17,5 Minuten Zeit für 6 Fragen:

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1. Kurz zur Bürgermeisterwahl: vier Kandidaten, keiner mit absoluter Mehrheit. Stichwahl Ende März. Was sind Deine Gedanken heute morgen? MORITZ LUFT: Die Gemeinde Sylt sucht eine Führungspersönlichkeit für ein Amt mit zweifelsfrei großer Strahlkraft, aber eben für eine Verwaltungstätigkeit, nicht für ein politisches Amt. Ich finde, das muss man sich immer mal vor Augen führen. In den letzten Wochen erinnerte das Ganze manchmal eher an den Wahlkampf in den USA. Möge bei der Stichwahl der Bessere gewinnen. Etwas traurig fand ich die Wahlbeteiligung: Von den 13.100 Wahlberechtigten haben nur 52 Prozent ihr Votum abgegeben. Damit liegen wir zwar nur knapp hinter der Wahlbeteiligung auf Fehmarn, die auch ihren Bürgermeister*in wählte, aber das tröstet nicht. Auf Sylt ist gerade viel in Bewegung, aber gestalten geht nur mit Engagement und Beteiligung. Das „Andie-eigene-Nase-fassen“

und das Sich-Einbringen könnte auf Sylt gerne viel deutlicher ausgeprägt sein. Das wurde auch bei den Ergebnissen der Bürgerbefragung klar. 2. Nach dem vehementen Protest aus der Bevölkerung über den Verlauf der Saison 2020, hat die SMG die Sorgen der Bürger*innen sehr ernst genommen und den Schwung des Moments im Herbst genutzt für die Befragung und eben den grandiosen OnlineZukunfts-Workshop. Ist entsprechend viel passiert über den Winter auf Sylt? MORITZ LUFT: Eine bereits sichtbare und zielführende Veränderungsdynamik konnte sich leider noch nicht entwickeln, da alle seit Dezember vornehmlich mit der Coronabewältigung und dem Exit aus dem Lockdown beschäftigt sind. Großartig fand ich übrigens die Initiative von Hotelier Dirk Erdmann, mit etlichen Gastgebern und Unternehmern für die Entwicklung von Öffnungsstra-


tegien. Das war für mich sehr wertvoll, um damit auf allen regionalen und überregionalen Ebenen weiterarbeiten zu können. 3. Was meinst Du, wie wird die Saison 2021 verlaufen? MORITZ LUFT: Wahrscheinlich genauso anspruchsvoll wie die letzte. Die Sehnsucht der Menschen nach Meer, nach Weite, nach Sylt ist einfach riesig… Das Gute: Wir wissen vom letzten Jahr, wie sich das anfühlt und wieviel Kraft die Bewältigung der aktuellen Aufgaben erfordert. 4. Du bist ein großer Befürworter der Luca-App zur Kontaktnachverfolgung und wirbst dafür mit großer Energie. 200 Unternehmen sind auf Sylt da jetzt (stand Anfang März) registriert. Für Gastgeber ohne Smartphone gibt es sogar eine analoge Alternative. Reicht das schon für mehr Sicherheit? MORITZ LUFT: 200 Betriebe im Boot zu haben ist ein guter Anfang. Ich halte

S Y L T ist eine Jahrhundertmarke. Der knapp 100 Quadratkilometer große „Sandknust“ gehört per Siegel als einzige Urlaubsdestination zum Zirkel der 200 renommiertesten deutschen Marken. Haribo, Tesa, BMW – Sylt reiht sich genau in der Liga ein. Um die Insel mit ihren Facetten und Qualitäten in der Welt strahlen zu lassen, bedarf es eines ausgeklügelten Marketings. Darum kümmert sich seit 15 Jahren Moritz Luft als Geschäftsführer der „Sylt Marketing GmbH“. Alle fünf Inselgemeinden und etliche Institutionen wie die „Sylter Unternehmer“ und die „DB“ sind Gesellschafter dieser GmbH.

die Luca-App tatsächlich in der Kontaktnachverfolgung derzeit für alternativlos. Sie müsste flächendeckend eingesetzt werden wie in Mecklenburg-Vorpommern. 5. Du leistest Großes im Krisenmanagement. Die originäre Aufgabe, strategisches Marketing für Sylt zu machen, ist dagegen gerade wohl etwas schwierig. Wie bewirbt man eine Zukunft und eine Saison, von der man vieles ahnt, aber noch nicht viel weiß, außer, dass es wahrscheinlich sehr voll werden wird, wenn die Menschen dann kommen dürfen. MORITZ LUFT: Das stimmt. Jetzt tun wir erst einmal, was wir können, um uns für die Zeit nach dem Lockdown zu positionieren und möglichst gute Gastgeber zu sein. Dann müssen wir aber wirklich ran, um die grundsätzliche Frage zu beantworten: „Quo vadis, Sylt?“ Ein erster Impuls dafür ist gegeben. Es kommt auf die Politik und das Enga

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gement jedes Einzelnen an, um eine gemeinsame insulare Strategie entwickeln zu können. Mein Team und ich – wir sind jedenfalls zu allem bereit.

prätentiöse Macher gerne „Reklameronkel“: Mit seinem Team realisiert er den insularen Außenauftritt, versorgt alle Presseanfragen, betreibt Markenpflege und Qualitätsentwicklung auf der Insel. In Corona-Times managte er zudem die Krise exzellent. Auf Anregung des interdisziplinären Sylter Strategiekreises brachte Luft im Herbst eine Befragung aller Sylter Bürger*innen auf den Weg, sodass man jetzt auf einer empirisch gesicherFoto © Michael Magulski

6. Wird es im Sommer 2021 Veranstaltungen geben? MORITZ LUFT: Für die großen Konzerte ist noch nichts entschieden, auch das Meerkabarett und Elke Wenning im kursaal³ stehen in den Startlöchern und haben ihr Programm geplant. Kampen hat sich z.B. aber – aufgrund der unsicheren Ausgangslage – schon entschieden, alle Events abzusagen.

SELBST NENNT sich der un-

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ten Basis Aussagen darüber treffen kann, wo die Sylter*innen der Schuh drückt und welche Strategien für die Zukunft der Insel daraus entwickelt werden könnten. Flankiert wurde die Befragung von einem Web-Symposium mit hochspannenden Vorträgen zum Tourismus der Zukunft. Um Sylter und alle an den großen Themen interessierte Menschen auf einen aktuellen Stand zu bringen, publiziert die Sylt Marketing neben allerbestem Image-Stoff seit neuestem die „Kurs Sylt“. GEBOREN wurde Luft in

Kiel. Jedoch hat er Sylter Wurzeln: Sein Ur-UrGroßvater war Thomas Selmer, der 1866 als erster die Rechte erwarb, Post und Passagiere von Dänemark nach Munkmarsch auf Sylt zu befördern. Ein Pionier des Sylter Tourismus-Verkehrs also. UrUr-Enkel Luft beschäftigt sich mit demselben Thema – nur in einer anderen Dimension.


AKTUELLE BÜRGERBEFRAGUNG

Wie ticken die

Sylter*innen? Knapp

18.000

50%

leben in 1-Personen-Haushalten

verschickte Einladungen

29 Fragen

4.484

ausgefüllte Fragebögen

25%

Response = empirische Gültigkeit

Nur

Großfamilien sind

leben länger als zehn Jahre hier Auf Sylt leben

mehr

Zugezogene als gebürtige Insulaner

Nur

Einzelfälle 2/3

72%

80%

9%

haben 3 oder mehr private Autos

Jahre

mehr Frauen als Männer

ihrer täglichen Wege nutzen Sylter ihr Auto

leben in einer Gemeinschaft mit 1 oder 2 Kindern.

Durchschnittsalter der Bevölkerung:

2%

mehr als die Hälfte

20%

der Befragten leben in unmittelbarer Abhängigkeit vom Tourismus

55,5

Für

43%

beteiligen sich an Entscheidungsprozessen Ehrenamtlich engagiert sich fast

jeder Fünfte

mögen ihren Lebensraum Eine

Mehrzahl findet die Entwicklung der Insel als „überwiegend negativ“

98%

empfinden die Insel als zeitweise zu voll

Wichtigste

Kritikpunkte

der Sylter an ihrem Lebensraum (offene Frage): *die Verkehrsproblematik *der Overtourism *die Wohnsituation der Einheimischen *die Bahn-Verbindungen *die Erreichbarkeit der Insel

Die detaillierte Auswertung der Bürgerbefragung findet Ihr bald in der neuesten Ausgabe der „Kurs Sylt“

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Der größte Feind der Qualität ist die Eile HENRY FORD


https://photoguide-sylt.de


DIE GEBÜRTIGE SYLTERIN WIEBKE WIMMER IST IMPROVISATIONSPROFI UND ZEIGT, WIE’S GEHT:

neustart in coronatimes VON IMKE WEIN

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Bei Wiebke Wimmer habe ich mal angeklingelt, weil ich für „Mensch, Sylt!“ von einer Profi-Frau für Improvisation wissen wollte, wie leichtfüßig sie die fordernde Pandemiesituation gerade managt und was man vielleicht im Umgang mit anspruchsvollen Lebensmomenten von ihr lernen kann…

W

iebke Wimmer, Sylterin und langjähriges Ensemblemitglied des ImproTheaters „Steife Brise“ aus Hamburg, kenne ich schon „ewig“. Ihre Mutter ist Gerda Wimmer. Die Westerländerin war in der Ära von Bürgermeisterin

Petra Reiber die weltbeste Bürgervorsteherin weit und breit. Vor allen aber gab's in meinen Jahren als Zirkusdirektorin des InselCircus ein gemeinsames KreativProjekt mit Wiebke. Das hieß „Nicht satt, aber glücklich!“ – es gab Improtheater auf der Bühne und dazu ein Crazy-Menü auf den Tischen. Das Essen, gekocht wurden beispielsweise Menüs nach Farben, wurde entwickelt von Birgit Damer, Goldschmiedin in Keitum und damals auch die amtierende beste Hobbyköchin Deutschlands. Das ist womöglich 15 Jahre her. Wiebke stand im „InselCircus“ häufig mit ihren Kollegen zusammen auf der Bühne und sorgte für unvergessliche Unterhaltungsmomente.

Garantiert jeder, der bei der Show im kleinen Chapiteau dabei war, wird an dieser Stelle sehr dolle und breit grinsen müssen, denn es war einfach grandios. Weit weniger als perfekt. Aber ein hinreißend schräges Format.

Was wir alle gelernt haben: ein Theaterabend mit einem Stück, das im Moment entsteht und immer einmalig ist, ist ein unvergleichliches Vergnügen. Und mit Unerwartetem, mit Unplanbarkeit umzugehen, ist genau das, was das Leben uns gerade lehrt. Unerwartet war bei dem Gespräch mit Wiebke dann auch so einiges. Vor allem die Tatsache, dass die Schauspielerin offenbar auch im wirklichen Leben Meisterin darin ist, ohne Vorlage, aus dem Moment heraus, einen überaus überzeugenden Plot hinzulegen. Denn sie hat im letzten Jahr mal eben ihr gesamtes berufliches Leben umgekrempelt. Das neue Wimmersche Geschäftsmodell ist ein Resultat aus Mut, Erfahrung und der Fähigkeit, sich auf Neues einzulassen Und was macht Sie denn nun eigentlich?

„Ich biete Online-Trainings an für Menschen, die sich im digitalen Raum freier, überzeugender, unterhaltsamer und leichter bewegen wollen“, erzählt die kreative Unter

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Auf Wiebkes Facebook-Seite gibt es auch regelmäßig interaktive Bewegungs-spiele. Exklusiv für „Mensch, Sylt!“ hat sie uns eine Spezial-Impro-Übung vorbereitet.

nehmerin. Will heißen: Sie verhilft Menschen dazu, in Videokonferenzen, bei Seminaren, Coachings, Beratungen oder Online-Workshops souverän aufzutreten und damit den eigenen Erfolg zu potenzie-

Nebenbei bemerkt: Wiebke, wir alle denken, dass die digitale Zukunft durch Dein Tun weniger lahm und ermüdend sein wird und sich vielleicht sogar Teilnehmer nach schnöden Zoom-Konferenz erfrischt und inspiriert fühlen dürfen. ren.

nutze ich die Techniken der angewandten Improvisation. Übungen und Tools, die mitreißen, die Nähe erzeugen und eine gute Energie im digitalen Raum entstehen lassen. Man lernt, den Funken der Kreativität zu zünden, auf Unerwartetes zu reagieren, das Unplanbare anzunehmen und mit Spielfreude zu agieren“, bringt Wiebke das Konzept ihrer Schulungen auf den Punkt. „Die meisten von uns sind ja noch Anfänger darin, vor einem Bildschirm lebendig, mitreißend und zielführend zu

Mit welchen Methoden arbeitest Du?

agieren. Die Kör-

„In meinen Trainings

nahe wichtigste

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persprache ist dafür die bei-

Ressource.“

Auch das aktive Zuhören und Spaß zu vermitteln, spielt für produktive Online-Arbeit eine Rolle und ist erlernbar. In ihren Impro-Mittagspausen gibt Wiebke zum Beispiel Tipps dafür, wie sich für jeden von uns ein langer Tag mit Videokonferenzen viel besser überstehen lässt. Wer nimmt das Angebot wahr?

Alle diejenigen, die Online begeistern wollen, andere Menschen führen, beraten oder überzeugen wollen. Zu Wiebkes Kunden gehören Coaches, Pädagogen und natürlich auch reichlich Businessmenschen. Im Grunde sind Wiebkes Schulungen gut für jeden. Weil Impro-


leitsätze des angewandten Improvisierens:

Willkommen im Moment! Vertraue auf das, was da ist. Sei jetzt kreativ – analysiere später. Techniken einen Fähigkeiten an sich selbst entdecken lassen, von denen man gar nicht wusste, dass sie überhaupt in einem stecken. Man befreit sich von Glaubenssätzen und festen Strukturen. Man wird bereit, das Leben neu zu be- und ergreifen. Und das ist ohnehin genau das, was Corona uns mit Vehemenz aufzeigt. Und wie läuft’s?

„Richtig gut. Ich hatte nicht damit gerechnet,

so so schnell gefragt zu sein, mit meinem Bauchladen. Klar, der Bedarf liegt auf der Hand. Aber es muss sich ja auch erst einmal rumsprechen, was ich so mache“, meint Wiebke, die sich sowohl mit der entsprechenden Technik zuhause ausgestattet hat, als auch die passenden Instrumente fürs Selbstmarketing entwickelte. Fast noch wichtiger für den Erfolg: Die „Mund-zuMund-Propaganda“ begeisterter Teilnehmer.

Die Impro-Tools von Wiebke

finden im Augenblick natürlich online statt. Für die Zukunft ist aber auch reales Training denkbar. Viele ihrer Termine, drei Formate gibt es derzeit, sind jetzt schon oft ausgebucht. mehr info –

nicht zuletzt zur Tradition der Improvisationskunst auf der Bühne und im Leben hier: www.wiebke-wimmer.de

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kleine vita: Wiebke ist Jahrgang 1972 und die jüngste von drei Geschwistern der Westerländer Familie Wimmer. Ihr Herr Papa starb vor einigen Jahren. Mama Gerda, Krankenschwester a.D. und ehemalige Bürgervorsteherin Westerlands, ist inzwischen 85 und trotz einiger gesundheitlicher „Malessen“ gut „in Schuss“. Als Jugendliche erlangte Wiebke „Rum und Ehre“, da sie etliche Male auch im Duett mit Edda Schnittgard beim Henner-Krogh-Musikwettbewerb erfolgreich war. Nach einem kurzfristigen Jobausflug in die Modebranche – Wiebke arbeitete eine Zeit lang in der legendären „Heising“-Boutique in der Friedrichstraße – studierte sie Literaturwissenschaften in Kiel. Dabei entdeckte sie bald eine neue Leidenschaft: Sie begann sich für das Improtheater-Spiel zu begeistern und war bei der noch heute aktiven Laien-Impro-Gruppe „Tante Salzmann“ von Anfang an begeistert mit am Start. Wie herrlich und zielführend Kontrollverluste sein können, war eine ihrer unzähligen bahnbrechenden Erfahrungen durch improvisiertes Theaterspiel. Sie kam mit sich selbst in Kontakt – eine erlernbare Qualität, die bei fast allem hilft und die sie heute weitergibt. Nach intensiven Jahren in

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Kiel schloss Wiebke ihr Studium ab und nahm in Hamburg einen prima Job bei einer Stiftung auf. Er ließ ihr aber Zeit, weiter Theater zu machen. Und in Hamburg gab’s auch damals schon eine der vielleicht zehn bundesweiten Profi-Impro-Gruppen: die „Steife Brise“. Wiebke durfte dort irgendwann auf Probe üben. Dann wurde ihr die Ehre zuteil, ins feste Ensemble aufgenommen zu werden. 20 Jahre lang war sie in dieser wunderbaren Theaterwelt zuhause. Parallel absolvierte sie eine Coaching-Ausbildung. Dann kam Corona und Wiebke wurde klar, dass sie ihr gesammeltes Können in Zukunft vielleicht in neue Zusammenhänge stellen möchte. Und so kam’s. Eine Randerscheinung: Weil sie im Zuge ihrer Ausbildung zum Coach ganz viele Beratungen absolvieren musste, hatte sie ein beglückendes Erlebnis mit jungen Sylterinnen. Seitdem träumt sie heimlich von einem zukünftigen Sommerangebot auf ihrer Heimatinsel: „Pop-up-Coaching“ auf der Promenade. Was früher die Wahrsagerin im hölzernen Zirkuswagen, wäre dann die InstantBeratung in allen Lebensfragen. Grandiose Idee…


Hier will ich nie wieder weg…

Das Prinzip „Ulenhof“: Bei uns darf jeder ganz nach seiner Façon glücklich werden. Mit 36 bildschönen Appartements & Haushälften verteilt auf sieben Häuser, mit viel Platz, dezentem Service und jedem erdenklichen Komfort. Lassen Sie sich’s einfach gut gehen. Bei uns im Ulenhof. Tolle Geschichten über Menschen, die das „Prinzip Ulenhof“ lieben? Gibt's im Magazin. Ulenhof Wenningstedt . Friesenring 14 Tel 0 46 51 / 94 54 0 . info@ulenhof.de . www.ulenhof.de

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UNSPORTLICHE FRAGEN AN DIE SYLTER LAUFKÖNIGIN SANDRA MORCHNER

Schnell wie der

Wind FOTOS: NICOLE MAI

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er auf Sylt einigermaßen frequent spazieren geht, mag das kennen: Man ist eben noch so ganz in Gedanken versunken und plötzlich fegt eine Erscheinung an einem vorbei. Mehr als blonde Haare, krass trainierte Beine, ein immer fröhliches und absolut nicht atemloses „Moin“ ist man so schnell gar nicht im Stande wahrzunehmen. Dann ist sie auch schon wieder am Horizont verschwunden. Manchmal wird das rennende Phantom noch von einem kleinen bulligen Hündchen begleitet. Und je häufiger man diese Erscheinung hatte, desto bohrender werden die Fragen: „Wie kann man nur so schnell rennen?“ „Warum tut sie das?“ und: „Wie der Hund das wohl findet?“ – und das ist nur ein kleiner Teil des Fragenkatalogs. Dann lässt einem das Ganze keine Ruhe mehr, man beschließt zu recherchieren und erfährt: Die Läuferin ist Sandra Morchner, Wenningstedterin aus Überzeugung, Jahrgang 1971, 14fache Deutsche Meisterin auf verschiedenen Distanzen und zweifache Europameisterin im Halbmarathon 2019, absolute Laufrekordhalterin auf den langen Strecken in ihrer Altersklasse, wird stetig ein wenig schneller, Vorbild für alle, die Unmögliches möglich machen wollen. Ein kleiner Anruf und Sandra Morchner stellt sich bereitwillig den Fragen eines Lauf-Dummies.

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Wie ist Ihre Connection zur Insel?

Sandra Morchner Der schönste Ort überhaupt mit den allerbesten Laufstrecken. Mein Zuhause und meine Heimat, denn ich bin hier geboren und habe – bis auf zwei Jahre der Unterbrechung – immer auf Sylt gelebt. Einige Tage in der Woche wohne ich in meinem Zuhause in Wenningstedt, die anderen bei meinem Freund in Westerland – das ist 1,87 Kilometer von meiner Haustür entfernt. Ich arbeite in Tinnum. Sie sehen, ich komme ganz schön rum

nioren in Finnland. Am 21. März laufe ich dann den Syltlauf virtuell. Ehrensache. Mehr dazu: www.tinnum66.de Ehrlich gesagt, ist es schon ganz schön schwer, sich immer wieder neu zu motivieren, denn ich liebe die Gemeinschaft mit anderen Läufern und die Herausforderung natürlich.

😉

Na ja, mit ihrem Sport dann aber ja allemal!

Sandra Morchner Stimmt, ich laufe im Training ungefähr 120 Kilometer die Woche mit unterschiedlichen Anforderungen an Dauer und Intensität. Daher kenne ich auf Sylt an jeder Strecke schon die Dünengrashalme mit Namen. Die Wettkämpfe, Lauf-Events und Meisterschaften lassen mich sonst auch ganz schön unterwegs sein, aber jetzt in Coronatimes eben leider nicht. Gerade sind alle Wettkämpfe für das erste Halbjahr 2021 abgesagt worden – die Deutschen Marathon-Meisterschaften in Hannover, die Weltmeisterschaft der Se28 Mensch, sylt!

Haben Sie die Lauferei mit an die 18 Kilometer pro Stunde eigentlich im Blut?

Sandra Morchner Nein, das Laufen nicht, aber den Sport generell schon. Als Kind und junge Frau war Tanz mein Ein und Alles. Erst Ballett, dann Standard- und Lateintänze bei Ruth Klockenhoff. Das war toll, mein Cousin war mein Tanzpartner. Ich habe dann immer viel Sport gemacht und auch intensiv im Fitnessstudio trainiert. Erst vor elf Jahren, da war ich Ende 30, hat mich ein Bekannter für das Laufen begeistert. Herrlich, plötz-

lich die Umgebung wahrzunehmen, die Schönheit der Insel mit allen Sinnen in sich aufzusaugen, während man Sport macht. Ich fühlte mich super, total ausgeglichen und wurde schnell ausdauernder und schneller. Irgendwann hat mich der Ehrgeiz gepackt.

Ihr erster Marathon, also die unvorstellbaren 42,195 Kilometer, wann war das?

Sandra Morchner Der fand nur zehn Monate nach meinem ersten Lauf statt. Ich bin im Rahmen eines Triathlons in Glücksburg gelaufen. Just for fun… ich kam easy ins Ziel und lief 3 h 44. Das war super und ich war so glücklich – auch, weil Glücksburg nun echt ganz schön hügelig ist. Das konnte ich auf Sylt vorher gar nicht trainieren.

Na ja, und dann haben Sie mal eben nach und nach alle Frauen ihrer Altersklasse abgehängt. Ihr Trainer und Mentor ist in der Szene der Langstreckenläufer eine Legende. Winfried Aufenanger aus Kassel. Sie beide sind offenbar ein grandioses Team. Wie ist es zu der Kooperation gekommen?

Sandra Morchner Ja, es passt super zwischen uns.


Winfried schickt mir jede Woche meine ,Trainingsvorschläge’, wie er es liebevoll nennt, wir telefonieren oft. Gesehen hat er mich zum ersten Mal 2016 bei einem Traningscamp für Läufer in Portugal. Da hat er wohl ein gewisses Potenzial gespürt und mochte meine Herangehensweise.

Er hat sich damals nicht vertan. Sie haben eben nicht nur alle Qualitäten einer exzellenten Läuferin auf langer Strecke, sondern vor allem die richtige Haltung, auch eine Härte gegen sich selbst.

Sandra Morchner Aber ich habe vor allem Spaß. Wenn ich morgens um fünf, manchmal auch eine Stunde früher, vor der Arbeit, trainiere und 90 Minuten laufe, dann fällt mir das kein Stück schwer. Ich freue mich darauf – bei jedem Wetter. Vom Aufstehen bis zum Loslaufen vergehen keine zehn Minuten. Die Strecke entscheide ich immer danach, woher der Wind kommt. Tipp: immer erst gegen den Wind und dann mit Schwung zurück.

Lieblingsstrecke auf Sylt?

Mensch, sylt!

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Sandra Morchner Gibt es nicht, auf Sylt sind alle Strecken toll, kein Tag ist gleich und es ist immer voller Wunder. Man muss halt nur flexibel sein und sich auf den Moment einstellen!

Hand aufS Herz: Gibt es für sie nie Ausnahmen von der Regel, drehen Sie sich manchmal auch einfach im Bett wieder um, selbst wenn der Trainingsplan vor Morgengrauen 30 Kilometer Strecke vorsieht?

Sandra Morchner Nein, das gibt es nie. Da bin ich wirklich diszipliniert. Rauchen und Trinken war für mich auch noch nie ein Thema. Nur bei Schokolade widerstehe ich der Versuchung nicht.

Welche Accessoires brauchen Sie, wenn sie morgens um 3.55 Uhr zum Laufen aus dem Bett springen?

Sandra Morchner Ohne Lippenstift geht schonmal gar nichts. Auch nicht morgens um 4. Dann brauche ich einen guten „Zwiebelchenlook“ mit verschiedenen Schichten. Das ist auf Sylt zu fast jeder Jahreszeit unentbehrlich. Allerbeste Laufschuhe brauche ich natürlich am nötigsten, dafür gebe ich im Monat auch gut und gerne 200 Euro aus. Kopfhörer gehören jedoch nicht zum 30 Mensch, sylt!

»Vor allem gilt: mit dem Training anfangen, nicht nur darüber reden. Machen ist das A und O.«

Equipment, denn ich will ja wahrnehmen, wenn das Meer rauscht, der Regen prasselt, der Wind pfeift oder eben wahlweise die Vögel zwitschern.

200 Euro im Monat – krass. Haben Sie keinen Sponsor? Sie sind ja nicht nur ein Star in der Szene, sondern auch ein Vorbild für alle, die vermeintliche Grenzen nicht gelten lassen. Andere Menschen in unserem Alter beschäftigen sich ja oft eher mit ihren Defiziten, als dass sie immer neue Potenziale ausschöpfen.

Sandra Morchner Stimmt. Das ist schon ein Geschenk, was der Körper alles zu leisten im Stande ist. Zurück zur Frage: Ich habe einen Sponsoren für natürliche Energielieferanten. OSP 22 – heißt die Firma. Aber Geld verdiene ich sonst mit dem Laufen nicht und ich habe auch keine großen Spon-


soren. Im Bereich der ausgeklügelten Sportler-Ernährung kann ich für die Zukunft bestimmt noch entscheidende Verbesserungen herausholen. Da bin ich im Gespräch mit Niels Asbjörn Schuldt, um mich kompetent beraten zu lassen. Mehr Infos hierzu: www.strongerlab.com Das Thema Nutrition habe ich bisher noch nicht so ausgeschöpft.

Das heißt, Sie arbeiten also auch neben der ganzen Lauferei so ganz normal zum geld verdienen?

Sandra Morchner Aber ja. 20 Stunden die Woche. Ich bin gelernte Bürokauffrau und arbeite jetzt seit ein paar Monaten bei einem neuen Arbeitgeber, „Beckmann – Die Küche“ in Tinnum. Gefällt mir sehr gut. Zur Arbeit fahre ich meistens übrigens mit dem Rad.

Was wollen Sie denn eigentlich noch verbessern? Sie sind ja schon die absolute Laufkönigin, die vor allem ihre eigenen Rekorde bricht?

Sandra Morchner Na ja, die Konkurrenz schläft nicht und ich setze mir natürlich auch gerne selbst immer neue Ziele. Für mich sensationell war, dass ich die Halbmarathondistanz 2017 in 1h 23 lief und mich drei Jahre später um sieben Minuten verbessert habe. Das ist vielleicht noch tol-

ler als die entsprechenden Titel, weil mich das wirklich sehr stolz macht, besser zu werden.

2020 wurden ja schon viele Wettkämpfe abgesagt. Hoffen Sie jetzt auf das zweite Halbjahr 2021?

Sandra Morchner Auf jeden Fall. Ich hoffe zum Beispiel auf die Deutschen Meisterschaften im Halbmarathon in Hamburg oder auch den Berlin- oder Frankfurt Marathon – das wäre so toll, wenn das klappen könnte.

Nachmittags trainieren Sie ja meistens noch eine zweite Einheit, inklusive Kraft- und Pilatestraining zuhause. Den Nachmittagslauf machen Sie ja auch gerne mal mit ihrem Hund Cracker. Findet der das eigentlich gut?

Sandra Morchner Wir haben auch noch eine Hündin, die hätte da ehrlich gesagt keine Lust zu, sie ist Couchpotato durch und durch. Aber Cracker läuft eine lockere Runde über zehn bis zwölf Kilometer mit Freude mit.

Vom Tier nochmal zum Menschen. Kann jeder gesunde Mensch mittleren Alters ohne Vorkenntnis eine Marathon-Distanz schaffen?

Sandra Morchner Also, das braucht schon ein gutes Jahr Vorbereitung. Es muss ja für den Anfänger nicht

gleich die Königsdisziplin sein. Das kann aus der Initialzündung später wachsen. Aber zehn Kilometer ohne Tempodruck durchzulaufen, ist ja auch schon ein tolles Ziel für den Anfänger. Sich ärztlich einmal checken zu lassen, macht ganz viel Sinn, bevor man mit dem Laufsport generell beginnt. Vor allem gilt: mit dem Training anfangen, nicht nur darüber reden. Machen ist das A und O. Ersteinmal eine Minute laufen und zwei gehen – und das über 30 oder 45 Minuten. Das Wichtige ist die Kontinuität, dass man dran bleibt. Es gibt dafür auch Super-Trainingspläne. Und auf Sylt mit dem Laufen anzufangen, ist die beste Idee überhaupt. Nur eben mit Plan… Vielleicht hilft auch ein Personaltrainer, das motiviert total.

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Lektüre Wie laufe ich einen Marathon?

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Mensch, sylt!

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RUBRIK:

LIST AUF SYLT Wenn man an den Sylter Norden denkt, ist atemberaubende Natur die erste Assoziation – darum spielt sie in dieser Ausgabe die Hauptrolle.

34 Was ist eigentlich „Flow“? 36 Und wo in List auf Sylt erreicht man diesen Zustand? 39 Und warum die Kurdirektorin List so mag?

MAIKEN NEUBAUER Die Westerländerin mit langem Stammbaum und 20-jähriger „FestlandExpertise“ hat als Kurdirektorin von List auf Sylt seit fast drei Jahren ihr „Eldorado“ gefunden. Wo sich für sie in der Lister Natur der „Flow“ einstellt, hat sie „Mensch, Sylt!“ verraten.

LIST

PLATZ FÜR MEERESLUST

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UNTERWEGS MIT KURDIREKTORIN MAIKEN NEUBAUER

List ist perfekt für den

Flow »

FOTOS: Nicole Mai

34 Mensch, sylt!


{Was ist Flow?}

»

Besonders positives emotionales Erleben, das dadurch charakterisiert ist, dass eine Person ganz auf ihr Tun konzentriert ist und darin aufgeht, sich selbst dabei vergisst, das Zeitgefühl weitgehend verloren ist („Die Zeit vergeht wie im Flug”). Dieses emotionale Erleben kann sich dann einstellen, wenn die wahrgenommenen Anforderungen der Tätigkeit den Fähigkeiten entsprechen. Der Anreiz bei einer solchen Handlung liegt nicht in erwarteten Handlungskonsequenzen (extrinsische Motivation), sondern in der Ausführung der Handlung selbst (intrinsische Motivation).*

«

*aus dem Wirtschsftslexikon „Gabler“

Ist Flow ein Magazin mit stylischen Bastel- und Lebensführungstipps? Stimmt! Benannt ist das Printerzeugnis nach dem FlowZustand der Seele, der noch erstrebenswerter ist als großes Glück, Ekstase oder der schnelle Kick. Denn der Flow kommt irgendwie stiller, individueller, inniger und produktiver daher. Zudem hat man großen Einfluss darauf, ihn immer wieder selbst herzustellen.

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er eine kommt ganz einfach beim Arbeiten in einen Flow, viele gelangen in schöpferischen Tätigkeiten oder beim Sport dahin, Yoga und Meditation, sowie andere Konzentrationstechniken aus allen Kulturkreisen, helfen Selbstvergessenheit zu üben. Und natürlich die Natur – wie nichts anderes. Auch Maiken Neubauer liebt es, im Flow zu sein. Dieses Gefühl stellt sich bei ihrer Arbeit beinahe täglich ein. Spazieren in der Sylter Natur ist für die Lister Kurdirektorin jedoch, seit sie klein ist, das konsequenteste Mittel, um in Balance zu kommen und dabei – en passant – die besten Ideen für den Tourismus im Inselnorden zu entwickeln.

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Maiken Neubauers FlowHotspots in der Lister Natur Ausgehend vom Hafen lassen sich gleich mehrere Spots erreichen, um die Leichtigkeit des Seins zu erfahren.

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36 Mensch, sylt!

Die Lister Oststrandpromenade ermöglicht einen ungeahnten Blick auf Dänemark, das Festland und in Richtung Keitum und Morsum. In Verbindung mit Strand und Stille stellt sich der Flow schnell ein. Natürlich gelingt das ebenso auf dem Möwenbergdeich, wenn das Auge sich an der Fernsicht über den Königshafen bis hin auf die beiden Leuchtfeuer auf dem Ellenbogen erfreut. Tipp hier: Antizyklisches Verhalten – lieber morgens ganz früh oder abends spät „flowen“.


»2

Das urige und geschichtsträchtige Areal der „Akademie am Meer“ erkunden: An den putzigen „Tiny-KlappholttalHouses“ vorbei über den Holzweg zum Strand gehen, dann dort etwa 2,5 Kilometer Richtung Nord Einsamkeit genießen, durch die traumhafte Dü-

nenlandschaft mit Blick auf die Wanderdünen zurück über die alte Inselbahntrasse und dann – auf ebendiesem Weg durch beinahe unwirklich schöne Landschaft zurück zum Ausgangspunkt wandern: dem Parkplatz Klappholttal. Infos zu einem besonderen Ort: www.akademieam-meer.de

»3

Maiken Neubauer wählt diesen Express-FlowSpaziergang nach Feierabend: „Bambus Bar“, dort an den Strand und so lange wie einen die Beine tragen am Flutsaum hinein in die Stille Richtung Ellenbogen. Gleiche Strecke zurück, denn auf Sylt ist es ein himmelweiter Unterschied, ob man von Süd nach Nord oder von Nord nach Süd am Flutsaum tippelt.

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» Gefühlt kommt der Wind meistens von vorn – auf dem Radweg Richtung List.

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Nicht nur eine Option, sondern ein unbedingtes Muss: der schönste Friedhof der Insel, nein, weit und breit, ist der Lister Friedhof. Ein meditativer Ort inmitten der Dünen, an dem man sich die großen Fragen des Lebens stellen und vielleicht auch beantworten kann. Ein Flow-Ort der Extraklasse.

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Der Lister „Urwald“ ist auf der Mitte der Straße Landwehrdeich mit einem kleinen Hinweisschild zu erreichen und verspricht tatsächlich etwas mehr, als er hält. Aber wer die Weite liebt, wird hier den erstaunlichen grünen Kontrast dazu empfinden können – die Vögel zwitschern und auf seine ureigne Art ist dieser nordische Urwald in der Tat sehr idyllisch.

»Lister Natur auf sich wirken zu lassen, führt oft zu tiefer Erkenntnis!«


Maiken Neubauer

„Hier bin ich in meinem Element“

„ Für Sylter ist eine Fahrt aufs Festland, ganz gleich, wie lange sie dauert, nie mehr als ein Tagesausflug.“

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Bei den Kollegen*innen in den anderen Inselorten muss man immer überlegen, wie der Titel nochmal genau geht: Tourismusdirektor*in kommt einem jedenfalls bei weitem nicht so leicht über die Lippen wie „Kurdirektorin“. Und Maiken Neubauers Job heißt wirklich noch so. Sie bekleidet ihn seit fast drei Jahren mit großer Freude. Hinter dem Titel verbirgt sich eine facettenreiche Position rund um das touristische Business im Ort. „Die touristische Verwaltung leiten, ebenso wie den Hafen managen, das Personalwesen und den Veranstaltungsbereich, das Marketing voran bringen, neue Projekte im Ort und gesamtinsular entwicklen und natürlich die Gäste glücklich machen – das ist mein Job.

Direkte Gespräche mit unseren Gästen sind mir sehr wichtig, daraus ergibt sich für beide Seiten viel. Da kommt die Hotelfachfrau in mir raus“, sagt Maiken Neubauer. Im Sommer umfasst ihr Team – inklusive der Retter*innen am Strand, der Kurkartenkontrolleure*innen, Strandkorbwärter*innen und der Beacholympiadenlegende Manfred – 34 Personen. Die Winter-Équipe in List auf Sylt besteht inklusive aktuell zweier Azubis aus 17 Menschen. „Es ist für unsere Gäste das Tüpfelchen auf dem i, in all diesen Positionen empathische Menschen zu treffen, die man im besten Fall wiedererkennt und die einen auch kennen. Das sind die Feinheiten eines List-Urlaubs, die die Seele zum Schwingen bringen und genauso wichtig sind wie eine brillante Infrastruktur“, weiß Maiken Neubauer aus vielen Gesprächen.

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»

List auf Sylt ist…

berauschende Natur & 1.000 und eine Möglichkeit zu genießen.

»Die ,Komoot̒ App schlägt allein für List auf Sylt

36 Wanderun-

gen für unterschiedlichste Ansprüche vor. 40 Mensch, sylt!

Dort, wo ihr Büro heute ist, verbrachte sie übrigens schon als Kind viele Stunden: Lehrerkollegen und Freunde ihrer Mutter lebten hier, in der Dienstwohnung neben der Grundschule. Maiken Neubauer war oft zu Besuch.

S

Sie ist eine Durch-undDurch-Sylterin mit eindrucksvollem insularen Stammbaum, der sich Jahrhunderte zurückverfolgen lässt. Genau erforscht hat das ihr legendärer Großvater Alwin Pflüger, C.-P. Hansen-Preisträger und renommierter Sylter Geschichtskundler, der auch den genialen Satz prägte: „Für Sylter ist eine Fahrt aufs Festland, ganz gleich, wie lange sie dauert, nie mehr als ein Tagesausflug.“ Genauso war es auch bei Maiken Neubauer: Nach einer wunderbaren Kindheit lernte sie das Hotelfach bei den Strickers im

gleichnamigen Tinnumer Landhaus und zog dann in die Welt. Sie studierte in Würzburg Betriebswirtschaft, arbeitete in Frankfurt, heiratete und bekam ihre Tochter Jule. Fast auf den Kopf genau – 20 Jahre nach ihrem Weggang zog sie 2006 zurück nach Sylt – auf ihre Insel, zu ihrer Familie nach Westerland. „Die 20 Jahre meiner Abwesenheit waren wir oft auf Sylt, ich konnte super anknüpfen – nichts war mir fremd. Meine Tochter fühlte sich auch pudelwohl. Sie musste vielleicht nur eine kleine Fehleinschätzung korrigieren:

Sie hat früher, wenn wir zu Besuch waren, immer gedacht, dass ihrer Oma der Strand gehört“, berichtet Mai-

ken Neubauer mit einem Augenzwinkern.

2009 begann sie in List auf Sylt als Assistentin der Kurdirektion zu arbeiten und fand hier im Norden ihrer Insel ihr berufliches „Eldorado“. 2016 wurde sie zur stellvertretenden Chefin des


www.list.de

Betriebs und dann kam der Moment, der sie ganz schön herausforderte: „Als Boris Ziegler ging, bewarb ich mich auf die Stelle der Kurdirektorin. Und obwohl ich beim Vorstellungstermin natürlich jeden kannte, war es – trotzdem oder gerade deshalb – unglaublich aufregend. Aber, ich habe wohl überzeugt“, meint die Westerländerin strahlend. List liegt ihr am Herzen. Sie ist die perfekte Botschafterin für den Ort. Denn sie liebt hier jeden Winkel. Die berauschende Natur, die Vielfalt der Erlebnismöglichkeiten, den Einzelhandel, die Gastronomie, das Naturgewaltenzentrum und den Hafen. Was sie bis heute nicht so mag, sind eigentlich nur Lister Krabben – also Krabben generell. Auch dazu hat Maiken Neubauer eine wunderbare

Geschichte parat: „Mit meinem Vater habe ich als Kind immer lange Spaziergänge am Ellenbogen unternommen. Zur Stärkung haben wir uns an Jünne Goschs Stand am Hafen ein Fischbrötchen gegönnt. Einmal kaufte mein Vater Krabben bei „Krabben Paul“. Ich habe eine probiert und hatte sie immer noch im Mund, als wir am äußersten Zipfel des Ellenbogens angelangt waren. Ich konnte sie einfach nicht runterschlucken.“ Aber, wenn’s nur das ist. Fisch liebt Maiken Neubauer dafür umso mehr. Und die Kulinarik ist nur ein Aspekt, der List auf Sylt so besonders macht.

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, nee... 2 Fragen noch:

Was beschäftigt Sie Anfang März 2021? „Die große Kunst ist es, auf alles richtig vorbereitet zu sein. Ich stelle mich einerseits ein auf eine ganz ,normale’ Saison mit einem großen Team – alle werden eingestellt, wir planen auch alle Veranstaltungen – und sind aber genauso auf alle anderen Varianten vorbereitet. Das ist eine schöne Herausforderung!“ Und zum Ausgleich? „Qi Gong für die Zentriertheit und viel Lister Natur mit ihrer inspirierenden Kraft.“

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Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist BEN GURION


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T

BITTE T RECHT FREUNDLICH! MEINUNG // AUTORIN: CHRISTA FARWICK

Das Ding vorne an einem Kehrblech ist die „Lippe“. Da habe ich was dazu gelernt. Die Lippe musste bei meinem Modell dringend mal erneuert werden. Der Hersteller stand auf der Kehrschaufel drauf. Ein Anruf dort und am nächsten Tag lag ein Umschlag im Briefkasten mit der „Lippe“ für das Kehrblech. Kostenlos. Wir hätten das kleine Ding ja gerne bezahlt, aber wir haben uns über die Kleinigkeit gefreut wie kleine Kinder. So wie wir uns über die herzlichen Worte und kleinen Überraschungen in den gelieferten Speisen freuen – mit freundlichen Grüßen vom Koch bis zum Restaurantbesitzer, die ja gerade eigentlich eher verzweifelt als vergnügt sind und uns dennoch solche Freuden bereiten. Freundlichkeit, ob ganz persönlich oder in der Kundenbeziehung, sie ist ein unschätzbarer Wert. „You made my day“, kann ich da nur dem Jogger entgegenrufen, der Abstand hält und mir den Vortritt und dabei die Rempeleien leicht vergessen lässt.

Neben Home-Office und HomeSchooling, Zukunftssorgen und Alltagsnöten erzählen wir uns von den kleinen Momenten, die so groß sind. Ich konnte ja schon immer locker über das „Hey da, runter vom Weg,“ des E-Bikers auf dem Weg zwischen Wenningstedt und Kampen hinwegschauen. Die kleine Chance, dem Anderen ein gutes Gefühl zu geben, hat er allerdings vertan. Laut Glücksatlas leben die zufriedensten Menschen Deutschlands in Schleswig-Holstein und Hamburg. Sind die zufriedensten Menschen auch die freundlichsten? Und in welchem Zustand kommen die Reisenden eigentlich auf die Insel, jetzt bald vielleicht wieder, aber auch früher immer ohne Corona? Vielleicht haben wir uns ja schon vor der Pandemie nicht mehr ordentlich über Kulturtechniken abgestimmt, die für manche Sinn haben, für andere offenbar eher nicht. Und jetzt

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liegen die Nerven bei vielen blank und bei anderen hat die Empfindlichkeit zugenommen. Rituale können sich verändern, weil sie ihren Sinn verlieren. In meinem Lieblingsdorf auf Mallorca hörte jeder Fremde ein „Bon Dia“, zurückhaltend, wie es so die Art ist, aber nett. Mit zunehmendem Einfall der Touristen war es damit natürlich vorbei. Draußen in der Natur im Münsterland grüßte man sich, inzwischen ist es in den Wäldern, in denen man vorpandemisch alleine war, so voll, dass man vor lauter Grüßen den Wald nicht mehr sehen und keine Ruhe finden würde. Aber was freundlich ist, spüren wir doch immer. Nach Monaten – vor allem auch der Sorgen – hatten die Sylter*innen plötzlich Zeit füreinander. Sie konnten entspannt stehen bleiben, mal quatschen und friesisch zugewandt sein; nicht euphorisch, aber verbindlich-freundlich. Können diese Gesten auch in der Krise in den touristischen Alltag hineingerettet werden? Kann „gastfreundlich“ eine Steigerung von „freundlich“ sein? Auch angesichts dessen, dass der kleine Querschnitt einer deutschen Gesellschaft – Auto- und Radfahrer*innen, Fußgänger*innen, Hundeliebhaber*innen, Familien, Alte, Junge, Sportler*innen, Partymacher – die Lieblingsinsel (hoffentlich) wieder bevölkern wird? 46 Mensch, sylt!

In dem Buch „Die Kunst der Gastlichkeit“ beschreibt Erwin Seitz, wie kulturbildend die Gastlichkeit war, eine zivilisatorische Errungenschaft vor Jahrtausenden, zu Zeiten, als Kultanlagen entstanden wie der Denghoog in Wenningstedt. Eine vergnügliche Zeit haben, gute Gespräche führen, achtsam und rücksichtsvoll sein. Von der Lebenskunst und Ethik liest man bei Aristoteles, für den das gute Benehmen charakterbildend ist. Die Wissenschaften zeigen uns, dass Fortschritt, Kreativität und Glück durch das freundliche Miteinander, durch Verständigung und Begegnung erst möglich werden. Als Gastgeberin, als Host im Zoom-Meeting habe ich ja auch die Aufgabe: Die Sicht des anderen ernst nehmen, verstehen wollen, fair diskutieren, gemeinsam Lösungen suchen, idealerweise mit Freude. Kann mein Gegenüber, so wie ich mich verhalte, gut arbeiten? Und umgekehrt? Da stellt sich wohl die Frage, wie gastgeberfreundlich auch der Gast sein darf, der sein ganzes Päckchen mit auf die Insel bringt: Stress, Alltag, Sorgen, Erholungssuche. In unserer hoch-individualistischen Gesellschaft stellen wir gerade auch fest, dass wir uns in einem Prozess der Abstimmung über unsere Rituale und das Benehmen befinden. Dennoch spüren wir trotz Maske, was freundlich ist oder eben sogar nicht.


Die allgemeine große Ungewissheit ist ein hartes Training, das Unvorhergesehene des Lebens zu akzeptieren. Was also wünscht sich in dieser Situation der Gast, was wünscht sich der Gastgeber? Schlüpfen wir einfach mal in die Haut des Anderen und werden dabei milde. Auch Unsicherheit kann zu Unhöflichkeit führen. Eine freundliche Reaktion kann da ansteckend wirken, das kennt jeder. Da sind die unendlichen Möglichkeiten, sich mit der Natur zu verbinden, der Sonnenaufgang am Ellenbogen, das Friesenhaus auf dem Weg in die Braderuper Heide, die Rutsche bis an den Strand von Wenningstedt, der Duft von Watt oder Heckenrosen. (Ich spreche jetzt mal nicht von der Gentrifizierung, von Preisen und unerschwinglichem Wohnraum).

gestellt hat: Alle verhalten sich so, dass sie unbewusst auf den anderen reagieren, sich zurückziehen, wenn es eng wird, den anderen Raum geben, ganz bei sich und trotzdem mit den Andren verbunden sind. Und die vielen Schuhabdrücke auf den Sneakers vom versehentlichen Auf-den-Fuß-Treten sind Trophäen glücklicher Stunden.

Christa Farwick, Mediation und Kommunikation, Münsterbuch-Autorin und voller Sehnsucht nach Sylt

Als Gast darf ich mich gerne nach neuen tollen Erlebnissen mit äußerst freundlichen Menschen im Service ein zehntes Mal freuen und dankbar sein. Umgekehrt darf der Gastgeber auch den hunderttausendsten Gast freundlich schätzen. Weil Freundlichkeit so ansteckend ist (siehe Spiegelneuronen), schwappt sie einfach über. Und so träumen wir von einer durchtanzten Nacht in einem vollen Club, wie Rainer Erlinger sie in seinem „Buch über die Höflichkeit“ an den Schluss

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GENDERN ODER WATT? MEINUNG // AUTORIN: IMKE WEIN

Ist das Gendern nun die ultimative Verstümmelung der Sprache oder Ausdruck konsequenter Geschlechtergerechtigkeit? Die Diskussion hatten wir doch schonmal vor Jahrzehnten, nicht ganz so konsequent, aber nicht minder konträr vorgetragen. Aber außer im Infoflyer an der Uni und im Programm der „Grünen“ haben die Studenten*innen, wahlweise Studenten_innen und damals vor allem Studenten/Innen nie so richtig konsequent Einzug gehalten in die Schriftsprache, geschweige denn in das gesprochene Wort. Obwohl inhaltlich mega überzeugt, fand ich die linguistischen Bemühungen um Emanzipation damals eher albern, einen Fall für die Kabarettbühne allenfalls, aber nicht für meine sprachliche Wirklichkeit. Und ebenfalls ja, es gibt noch mehr Themen, die so vielversprechend und mit viel Drive losgetreten wurden – in den 70er und 80er Jahren. Und dann wohl irgendwo im Ringen um 48 Mensch, sylt!

das täglich Brot versackt sind: Themen wie eine ganzheitliche Medizin zum Beispiel, eine vegetarische Ernährung, mehr ökologisches Bewusstsein. Hatten wir das nicht schon alles eingehend besprochen und war der Wandel zum Guten nicht beschlossen? Wohl nicht so ganz. Oder wie erklärt es sich sonst, dass der reizende Assistenzarzt in der Nordseeklinik eine militant schulmedizinische Auffassung von Genesung vertritt (und das am Anfang einer jahrzehntelangen Karriere). Oder es auf auf Sylt, der Insel, immer noch kein einziges vegetarisches Restaurant gibt und ökologisches Handeln nur in homöopathischen Dosen erfolgt – es dafür aber umso mehr begeisterte SUV-Fahrer und Vielflieger gibt?

MAN KÖNNTE VERZWEIFELN, WOLLEN WIR ABER NICHT.


Also wenden wir uns zunächst mal dem Frauenthema zu. Denn der 8. März war ja gerade erst und es gibt Mutmachendes zu berichten. Zum Beispiel von „Budni“, da habe ich als Frau an der Kasse zur Feier des Tages Extra-Bonuspunkte gekriegt. Das ist doch schon mal was. Denn ansonsten ist das Thema ja noch eine Riesenbaustelle: Frauen, auch auf dieser schönen Insel, tragen ein Gros der Verantwortung, was sich aber noch viel zu selten in ihrem gesellschaftlichen Ansehen oder gar in der Geldbörse widerspiegelt. Sie werden immer noch viel zu oft Opfer von männlicher Gewalt, verdienen weniger und arbeiten mehr und unter schlechteren Bedingungen. Laut dem „Global Gender Gap Report“, also einer international anerkannten Untersuchung, wird in Deutschland genau in 99,5 Jahren Gleichberechtigung herrschen, sollten wir in dem Tempo weitermachen. 153 Länder wurden unter den unterschiedlichsten Aspekten analysiert – Deutschland liegt auf Platz 68. Ganz ehrlich: Das hatte ich mir als junge Frau echt anders vorstellt.

leidenschaftlicher aufnehmen – für sich, aber vor allem auch für andere Frauen. Und ich freue mich auch, dass junge Journalisten*innen in Podcasts nicht holpern beim Gendern und das richtig geschmeidig klingen lassen. Und wenn ich auch vor 25 Jahren noch geschmunzelt habe über die Studenten/Innen… ab jetzt werde ich das in all meinen Texten versuchen und zwar mit Stern*, um der Vielschichtigkeit unserer Gesellschaft Solidarität zu zollen. Und ja, da können wir gerne drüber diskutieren. Meiner heutigen Auffassung nach muss man über Sprache auch mal stolpern, wenn das denn zum Nachdenken führt. Für eine Weile wenigstens, bis Emanzipation mehr ist als ein Postulat, liebe Leser*innen!

THE TIME IST NOW! Diesen Text lieber vorgelesen bekommen? Bitte hier:

Aber einfach nur selbst ein emanzipiertes Leben zu führen, reichte wohl nicht für den großen Wandel. Und so freue ich mich, dass meine beiden Töchter diese Diskussion jetzt umso

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FASTEN

YOUR SEATBELT MEINUNG // AUTORIN: BIANCA REHAGE

Fastenzeit. Diese eine Zeit, in der es darum gehen soll, Verzicht zu üben und dem Überfluss eine Absage zu erteilen. Diese Zeit ist üblicherweise im Frühjahr. In vielen Religionen fest verankert und auch terminiert, von Anhängern verschiedenster Richtungen und Motivation irgendwo im Kalender verankert. Spätestens seit letztem Frühjahr fasten alle. Kaum bis keine Sozialkontakte. Kaum bis keine Bewegung. Kaum bis keine Pläne, weil keiner weiß, was morgen geht und was nicht. Kaum bis keine Freizeitaktivitäten, wie wir sie bis hierhin gekannt haben. Hau mir also einer ab mit noch mehr Verzicht – scheint kein unverständlicher Gedanke. Und doch einer, der gerne um eine weitere Blickrichtung ergänzt werden darf. Also mal eben den Sessel verlassen, in die andere Ecke des Raumes begeben und von dort aus blicken. Von hier aus erzähle ich die Geschichte meiner ersten Fastenerfahrung, die sich im März 2017 zutrug. Damals ging es mir körperlich nicht gut. Ich hatte Beschwerden, die keine

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eindeutige Klärung fanden. Ich rannte von Arzt zu Arzt, hatte diese und jene und keine Diagnose. Zusätzlich hatte ich nun auch hin und wieder Angst, dass mein Körper mir einen Streich der Sorte spielen könnte, von der man später sagt: „Du, die haben nie was gefunden und dann war es… – und dann ging alles ganz schnell“, was einem nicht alles durch den Kopf gehen kann, wenn der erst einmal losdenkt. Was einem nicht alles noch in den Sinn kommt, wenn man dann noch bekloppt genug ist, die Symptome zu googeln. Schwerer Fehler. „Du solltest mal fasten“, sagte eine Freundin eines Tages zu mir. Fasten. Dieses überhaupt nichts essen fasten, oder wie? Ne! Alles, aber das nicht! Ich kann mich in vielem disziplinieren, aber nichts essen ist schlichtweg für mich keine Option. Essen ist meine Oase. Essen ist Genuss, Phantasie, Poesie, manchmal blanke Gier, Trost, Fest, Freude, Erleben. Ich könnte einiges lassen, aber essen? Ich konnte mal vier Wochen lang kein Auto fahren. Für mich als Autonomieliebhaberin


und passionierte Roadtripperin unschön. Aber auch das geht. Aber nicht essen. Ich wüsste nicht warum. Nur noch zu toppen von: kein Kaffee. Ja, das gehöre auch dazu. Auf Kaffee solle man während der Fastenzeit auch verzichten. Ok. Damit ist es final raus für mich. Keinen Kaffee und kein Essen, warum sollte ein Mensch sich das antun? Wie so oft im Leben, wenn wir etwas kategorisch ablehnen, fällt es uns plötzlich wieder und wieder vor die Füße. Noch am selben Abend meldet sich eine ehemalige Arbeitskollegin, mit der ich früher in Hamburg viele freudige Stunden verbracht hatte. Sie wäre auf der Insel in drei Wochen, ob wir uns nicht treffen wollten. Ja, natürlich. Tolle Idee, wir könnten schön essen gehen. Nein, das ginge tatsächlich nicht, da sie sich in ein Fastenhaus einquartiert hätte. Das mache sie jedes Jahr und jedes Mal würde es besser und das Erleben noch toller, weiß sie zu berichten. Mit gerunzelter Stirn blicke ich auf die Textnachricht auf dem Handydisplay. Oh Mann. Am nächsten Nachmittag logge ich mich auf der Seite einer Community ein, in der ich Mitglied bin. Eine Schar Coaches, psychologische Berater und Supervisoren befinden sich darin. Regelmässig nehme ich hier an Onlinekursen teil und gedenke wie so oft

auch heute das aktuelle Angebot zu checken, um zu sehen, ob etwas dabei ist, was mich interessiert. Ganz oben in der aktualisierten Angebotsliste sehe ich „OMEGA. Im inneren Reichtum ankommen.“ Der Titel nervt schon. Zu viel tibetische Weisheitspostkarte, zu viel Reiten auf Einhörnern und Singen mit Delphinen, eingeleitet mit einem Wort in Großbuchstaben. Ich will weiter scrollen und sehe dann im Schweifen, wer es anbietet. Veit Lindau und Rüdiger Dahlke. Dahlke und Lindau, was ist das denn für eine Combo? Veit Lindau, der Sascha Huber der Motivationspsychologie und Rüdiger Dahlke, dieser verschmitzte Mediziner, der schon lange vor, hinter, neben und unter die Kulissen schaut, nicht rät, einen Tumor nicht zu entfernen, aber stets zu fragen, warum dort? Warum wächst genau da was? Sein holistischer Blick hat mich stets angesprochen, sein Buch „Krankheit als Symbol“ fand ich faszinierend. Ok, schaue ich mal rein in Eure „Omega Nummer“. Jetzt bin ich doch neugierig, worum es überhaupt geht. „Fasten und Feiern, die OMEGA-Fastenkur.“ Ach jetzt hör doch auf, hier ist doch irgendwo ne versteckte Kamera. Ich klappe den Deckel zu, mache mir etwas zu essen und setzte direkt dazu einen Kaffee auf wie ein trotziger Teenager. Spä-

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ter setze ich mich mit meinem Becher ins Fenster und schaue raus. Verrückt. Genau so war es damals bei Asien. Fast die ganze Welt hatte ich schon bereist. Nur Asien nicht. Wollte ich nicht. Hat mich nicht gereizt. Im Gegenteil, es gab fast eine kleine Abneigung, von der ich nicht wusste, wo sie herkommt. Als eine Freundin vorschlägt, dass wir uns in Hongkong treffen und vorn dort aus nach Vietnam und Kambodscha reisen, schlage ich ihr vor, sie sollen sich für den Trip einen andren Travelbuddy suchen. Ich käme gerne nach Neuseeland, aber Asien ist nicht mein Pflaster. Plötzlich war überall Werbung für Südostasien, ständig traf ich Leute, die gerade da waren oder hin wollten. Am Ende flog ich doch. Und machte die mitunter schönste Reiseerfahrung meines Lebens. Menschen, Kultur, Kulinarik, einfach alles war neu, alles war wunderbar, alles war nachhaltig bereichernd und ich beschloss, dass sollte ich jemals wieder so kategorisch etwas ablehnen, dass ich es erst recht tun würde, um zu schauen, was mich vielleicht wunderbares erwartete, genau dort, wo ich es eben nicht tat. Fasten. Boah ne. Ok. Erstmal lesen. Was genau passiert eigentlich im Körper, wie lange geht sowas, was berichten Menschen, die es tun, am besten solche, die es zum ersten Mal tun. Warum

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sollte man das überhaupt tun? Wie heißen noch diese Typen in Indien, die nichts essen. Also nichts. Sadhus? Ja, ich glaube Sadhus. Cool, ich lese was über Sadhus. Ach ne, war ja nicht der Plan. Ok. Also los. Recherche. Gut eine Stunde später habe ich eine Menge Informationen getankt und vieles gefunden. Eines nicht: Negativberichte. Jeder und jede schwärmt. Ätzend. Na dann, Rüdiger und Veit, bring it on. Wo muss ich mich eintragen, was ist zu tun. Ich mach’s jetzt. Also dann: fasten your seatbelt. Kaum, dass ich mich eingetragen habe, bekomme ich das erste PDF. Einkaufsliste, Zeitplan. Entlastungstage. Worauf ich gefasst zu sein habe. Müdigkeit und Kopfweh stehen ganz oben auf der Liste. Na wunderbar. Passiert beides weniger wahrscheinlich mit Kaffee, aber der soll ja besser wegbleiben. Hab ich geschnallt. Entlastungstage. Nettofastentage. Aufbautage. Das Vokabular der Teilzeitesser. Brühe kochen aus Gemüse. Bio. Kein Salz. Hefeflocken. Wasser. Tee. Smoothies vielleicht. Wer abnehmen möchte, verzichtet auf Banane. Aha. Morgens Yoga mit Ursula Karven. Ach herrje. Auch die noch. Abends Onlinesession mit Fragestunde und anschließend Meditation. Als ich am nächsten Morgen aufwache sind es noch drei Tage, bis es losgehen


soll. Plötzlich kann ich es nicht mehr erwarten. Ich will das jetzt durchziehen. Wenige Tage später ist dieser Ehrgeiz etwas, wofür mir nur noch ein leises Lächeln über die Lippen geht. Ich startete an einem Freitag. Am Abend knurrte der Magen. Veit sagt, das soll ich genießen. Die Leere wahrnehmen. Für alles einen „Tschacka-Spruch“, der Kerl. Von der gegenüberliegenden Pizzeria kommt Duft durch mein Fenster. Böse. Am zweiten Tag bin ich abends bereit für ein Schwarzbrot mit Käse zu töten. Am dritten wache ich morgens um 04.30 Uhr auf und fühle mich so fit wie ewig nicht. Ich stehe auf, koche einen Tee, mache eine Kerze an. Die Kinder schlafen noch, der Morgen gehört mir, ich arbeite in der Küche, mache die Brote für die Kinder, lächle dabei. Überhaupt lächle ich die ganze Zeit. Heute muss auch ich zur Arbeit. In der Pause schaue ich herab. Auf die essenden Kollegen. Fasten macht arrogant. Sie stöhnen, sie klagen, sie stopfen, ich fliege. Natürlich stöhnen sie nicht. Sie klagen auch nicht. Sie stopfen auch nicht, sie essen sehr gesittet. Aber von hier oben sieht das alles so anders aus. Ich muss lachen. Auch heute noch wenn ich den geringschätzigen Blick gerade Fastender auf mir spüre, während ich esse. Ich schlafe so gut wie nie. Ich wache so erholt auf wie nie. Ich bin wach, bewusst und fühle mich täglich

fitter. Am fünften Tag koche ich für die ganze Familie und es kratzt mich überhaupt nicht. Als es langsam wieder ans Essen gehen soll, bin ich fast ein wenig traurig. Nein, wenig bis gar nichts ist nicht zwingend Verzicht. Jedenfalls keiner, der zu weniger Fülle führt. Die ganze Postkartenweisheit hat sich in mir ausgebreitet. Ich bin Fan. So eine großartige Erfahrung. Ich gehe einkaufen und decke mich mit allem ein, was für die Aufbautage auf der Liste steht. Bei REWE treffe ich eine alte Freundin. Auf die Frage, wie es ihr ginge antwortet sie umfangreich. Körperlich sei es nicht so gut gerade und das schlägt auch auf die Seele. Vielleicht sei es aber auch umgekehrt, sie wisse nicht, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Ich lausche ihr aufmerksam und sage am Ende genau einen Satz. „Du solltest mal …“

Bianca Rehage: Brillante Grundschullehrerin und nicht minder brillante Schnell- und Neudenkerin. Nicht zu vergessen. Sie schreibt auch toll – und zwar ihre Meinung. Für uns.

Mensch, sylt!

53


FELIX BO HERMANN

„ich bin

dann mal

weg!"

54 Mensch, sylt!


E

r heißt wie Beauk von Seite 82, den zweiten Teil seines Vornamens nutzt er aber nicht und wird nur Felix genannt, hat auf Sylt nach dem ersten Lockdown Abi gemacht (ein grandioses, nebenbei bemerkt), schon mit 17, weil er irgendwann in der Grundschule eine Klasse übersprungen hat. Und weil Felix zudem ein total tiefenentspannter Typ ist, hat er sich von Corona auch nicht ins Bockshorn jagen lassen und es nach einem wilden Hin-und-Her geschafft, für zehn Monate in Ohio die High School zu besuchen – genau so ein Auslands-Abenteuer nach dem Abi, wie es bis vor einem Jahr noch für die meisten Schulabgänger*innen beinahe selbstverständlich war. Felix hat’s gemacht und uns erzählt, wie das Leben so spielt – weit weg von seiner kleinen Zuhause-Insel, im Mittleren Westen der USA, mitten in der Pandemie und dann noch in einer Hochburg der Republikaner.

Gib uns mal grob Deine Koordinaten durch: Wo lebst Du seit dem letzten Sommer und wie? FELIX Ich wohne in einer Klein-

stadt mit 8.000 Einwohnern, sie heißt Oberlin und liegt 60 Kilometer von Cleveland im Norden Ohios entfernt. Oberlins wichtigste Struktur ist das Community College. Landschaftlich wunderbar gelegen, aber tatsächlich nicht besonders aufregend. In meiner Familie lebt außer mir noch eine chinesische Gastschwester. Ich besuche die 11. Klasse einer privaten High School mit insgesamt 160 Schülern – und wir haben sogar regelmäßig Präsenzunterricht.

Was vor zwei Jahren noch normal gewesen wäre, klingt jetzt exotisch. Wie hast Du es geschafft überhaupt dorthin zu kommen? FELIX Das war tatsächlich

ganz schön spannend. Nach dem Abi auf Sylt sah es erst gar nicht so aus, als könnte ich los. Dass ich in die USA wollte, stand für mich schon lange fest, aber natürlich nur, wenn es auch Sinn macht mit dem Unterricht und so. Nachdem

Mensch, sylt!

55


ich den Plan eigentlich schon fast aufgegeben hatte, hat es dann doch noch geklappt: Am 13. August musste ich in die Botschaft nach Berlin und am 23. August konnte ich losfliegen.

S

ind aus Deinem Jahrgang jetzt viele der Sylter Abiturienten*innen unterwegs? FELIX Nicht, dass ich

wüsste. Die meisten haben – aus den Umständen

56 Mensch, sylt!

heraus – direkt angefangen zu studieren. Online natürlich…

Vermisst Du Sylt? FELIX Klar, freue ich mich

darauf, Ende Mai oder Anfang Juni zurückzukommen. Theoretisch könnte ich dann auch noch 60 Tage hier bleiben und reisen. Mal sehen, wie die Lage sich entwickelt. Aber Heimweh habe ich nicht, da bin ich nicht so der Typ für.

Dir kommt wahrscheinlich sehr entgegen, dass Du ohnehin eher ein rationaler Mensch bist, der sich gut auf den Status Quo einstellen kann, oder? Stichwort Corona: Wie erlebst Du in den USA den Umgang damit?

Hier in den USA ist eine gute Ausbildung nicht für jeden selbstverständlich, sondern ein Privileg für Wohlhabende. Außerdem würde mir auch Sylt echt fehlen, meine Familie, meine Freunde und Grünkohl mit allem Drum und Dran.


Lecker-Essen, meistens vegan, im Kreise der Gastfamilie – Da muss Felix als Sylter Weststrandkind schonmal selbst auf jagd gehen

😂🎣

FELIX Viel entspannter als

in Deutschland. Die Maske ist zum Beispiel eher eine Empfehlung und die Kontaktbeschränkungen auch. Wobei ich das Leben ohne Corona hier natürlich auch gar nicht kenne, ich bin es nicht anders gewohnt. Aber ich habe den Eindruck, man setzt mehr auf Eigenverantwortung. Zudem ist man mit dem Impfen hier viel weiter als in Deutschland. Meine Gastgroßmutter hat jedenfalls auch schon die zweite Impfung. Mein Leben hier ist aber trotzdem eingeschränkt. Ich treffe Leute, aber nur in Maßen. NBA-Basketball live ansehen, also meiner großen Leidenschaft nachgehen, geht nicht wirklich. Aber ich spiele viel Basketball draußen.

Ist Ohio langweilig? FELIX Die Landschaft ist

traumhaft mit all ihren Seen und Cleveland ist auch nicht so weit weg. Aber insgesamt ist das Leben hier schon ruhig. Dadurch, dass meine Gastfamilie so nett ist, lässt es sich wirklich prima aushalten.

Könntest Du für immer in den USA leben? FELIX Nö. Ich finde

Deutschland schon in vielerlei Hinsicht besser, auch sozial gerechter. Ein Beispiel: Hier in den USA ist eine gute Ausbildung nicht für jeden selbstverständlich, sondern ein Privileg für Wohlhabende.

Außerdem würde mir auch Sylt echt fehlen, meine Familie, meine Freunde und Grünkohl mit allem Drum und Dran. Meine Gastfamilie ist nämlich vegan, obwohl sie für meine Gastschwester und mich auch manchmal Fleisch zubereiten.

So, neues Stichwort: Die politische Spaltung Amerikas, Trump, Biden – das ganze Programm: Wie hast Du die Wahlzeit erlebt? FELIX Nicht so dramatisch,

wie man es aus den Medien vielleicht annehmen könnte. Natürlich gibt es politische Diskussionen, auch hitzige, aber das ist nicht gewalttätig oder un

Mensch, sylt!

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Cleveland ist 60 Kilometer entfernt und reizt mit Großstadtflair. In Oberlin ist die Umgebung eher schön und ruhig, sehr ruhig.

versönlich. Ohio ist zwar eindeutig ein republikanischer Staat – meine Familie ist aber superliberal und sehr politisch. Dadurch bekomme ich natürlich auch total viel mit.

Was hast Du vor, wenn Du zurückkommst? FELIX Über den Sommer

möchte ich wie in den letzten Jahren im „Kaamps7“ arbeiten, dann habe ich vor, Mathematik zu studieren in Heidelberg, da ist nämlich mein bester Kumpel schon.

58 Mensch, sylt!

M athematik – bist Du verrückt? FELIX Ich habe es halt sehr

gemocht in der Schule. Ich weiß zwar noch nicht ganz, was ich damit machen werde beruflich, aber das findet sich sicherlich.

Das „Kaamps 7“ hat Dein Papa gemacht, als es noch das „Grande Plage“ war. Hättest Du Dir auch vorstellen können, den Laden zu übernehmen? FELIX Ich war ja noch

ziemlich jung, 14 oder so, als er das verkauft hat. Ich habe mich das nie gefragt. Es ist alles gut, genauso wie es ist. Immer Gastronomie wäre nicht mein Ding.


VON DER VISION ZUR WIRKLICHKEIT

�Eine�neue� �Schule�für� �Inselkinder� M

ensch besucht die Schule und denkt: „Na ja, Lernen könnte auch ganz anders gehen! Freier, ganzheitlicher, lustvoller, lebenspraktischer.“ Dann besucht der Mensch die Uni und kommt zu dem Schluss: „Na ja, optimal geht anders!“ Der Mensch schaut sich um in der Welt und weiß: „Bildung und Erziehung sind der Schlüssel, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Soll etwas besser werden, müssen wir genau da etwas verändern. Sollten wir Schule nicht nochmal komplett neu denken?“

Mensch, sylt!

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S

o in etwa ging es – grob vereinfacht – der Westerländerin Johanna Erken. Nun hätte sie es bei dieser Erkenntnis belassen und sich für den eigenen Nachwuchs mit dem, was es gibt, arrangieren können oder sie könnte auch einfach das eigene Kriterium im vorhandenen System einbringen. Oder aber sie traut sich und entwickelt eine Vision von einer neuen Freien Schule für Sylt. Johanna entschied sich für Letzteres und fand in Maria Köhn ein Gegenüber, das von der Idee alternativer Bildung für die Insel genauso begeistert ist wie sie. Die erste Begegnung der beiden Frauen ereignete sich zufällig beim Babyschwimmen und liegt gut 1,5 Jahre zurück. Inzwischen ist viel passiert. Die beiden Frauen brennen für die Idee eines neuen Bildungsangebots noch viel mehr als am Anfang. Sie verstehen Schule als einen magischen Ort, an dem sich die natürliche Lernleidenschaft, die Abenteuerlust, die Phantasie und die Interessen der Kleinen angstfrei und mit allen Sinnen weiterentwickeln und entfalten kann.

60 Mensch, sylt!

Seit dem 16. Jahrhundert entwickeln Pädagogen, Philosophen und Visionäre Alternativen zum gängigen System. Die heute etabliertesten und bekanntesten reformpädagogischen Ansätze sind Schulen nach der Pädagogin Maria Montessori (über 40.000 Gründungen) und die ebenfalls international vertretenen Waldorfschulen (1.187 Schulen weltweit), die auf die Ideen und Konzepten von Rudolf Steiner zurückgehen. Steiner ist unter anderem der ge-

dankliche Vater der biologisch-dynamischen Landwirtschaft (Stichwort „Demeter“) und der anthroposophischen Medizin (Stichwort „Globuli“). Mit den Konzepten von Maria Montessori und Rudolf Steiner beschäftigten sich die beiden Sylterinnen eingehend und lassen sie in ihre Vision von Schule mit einfließen. Besonders begeistert sind sie von der Idee „Freie Schule“. Ein mögliches Vorbild fanden sie in dem reformpädagogischen Mo-

Zur Person: JOHANNA ERKEN machte auf Sylt ihr Abitur, studierte in Bielefeld Soziologie, absolvierte erst den Bachelorund dann den Masterabschluss. Ihr Schwerpunkt: Migrationsforschung. Ihre Sehnsucht nach Sylt zurückzukehren, war immer da. Sie wollte eigentlich in Bremen promovieren. Doch das Leben hatte einen anderen Plan. Johanna lernte Mike kennen, der damals im „SyltnessCenter“ als Masseur arbeitete. Die beiden machten gemeinsame Pläne, gründeten eine Familie, bauten das Hausteil von Johannas Oma in Westerland für sich um und leben mit Johannas Mutter unter einem Dach. 2016 wurde Lilith geboren, Janosch 2018 und die kleine Stina 2020.


dell „Infinita Schule“, die ein Schulkonzept umsetzten, das auch dem neuesten Stand der menschlichen Gehirnforschung entspricht. „Lernen sollte nicht primär akademisch sein und nur in Leistung gemessen werden, sondern vor allem Freude machen und den Koffer bestücken, der die späteren Erwachsenen dazu befähigt, ihr Leben erfolgreich und glücklich zu gestalten“, meint Maria, die in ihrer Ausbildung zur Lehrerin schon Erfahrung an den unterschiedlichsten Bildungseinrichtungen gesammelt hat. Inzwischen gibt es mehr als zehn junge Sylter Familien, die auch eine freie Schule für ihre Kinder wollen. Zu diesem Kreis gehören auch etliche Eltern mit pädagogischer Ausbildung. Die Grün-

Zur Person: MARIA KÖHN

war Lehramtsstudentin und jobbte im Sommer immer in der Gastro auf Sylt. Irgendwann lief ihr Rasmus über den Weg. Die beiden mochten sich auf Anhieb sehr, steckten aber noch in anderen Liebes- und Lebenszusammenhängen. Irgendwann, Jahre später, verabredeten sie sich zu einem „Rendezvous“ im „Manne Pahl“ und es war endgültig um sie geschehen. Sie zogen kurz danach in Hamburg zusammen. 2019 wurde ihre Tochter Alma geboren. Im Mai 2021 wird das zweite Kind des Paares auf die Welt kommen.

dung des „Vereins für Freie Bildung Sylt e.V.“ ist bereits in trockenen Tüchern. Erste Gespräche mit den Verantwortlichen möglicher Schulstandorte werden geführt. „Natürlich hängt fast alles am Standort – wir sind ja auf Sylt, wo Platz Mangelware ist. Aber wir lassen

uns da nicht beirren. Wo ein Wille ist, ist ein Weg“, weiß Johanna, die mit ihrer gelassenen Art die ideale Besetzung für die Umsetzung großer Ideen scheint. Auf Hindernisse, Ecken und Kanten sind die beiden Frauen eingestellt. Aber das Ziel ist klar und die Vision

Mensch, sylt!

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scheint absolut nicht unrealistisch. „Wir sind ja zum Glück nicht die ersten auf der Welt, die eine Schulgründung planen und das dann auch hinbekommen. Wir holen uns Inspiration und Unterstützung von anderen“, versichert Maria. Beide Frauen wollen später in der neuen Schule selbst aktiv sein. Die eine als Geschäftsführerin, die andere als Lernbegleiterin, wie Lehrer*innen an Freien Schulen sinnigerweise heißen. Das Kurzkonzept der neuen Schule für Sylt steht. Ein Logo gibt es auch schon. „Wir möchten das Vorhandene gar nicht in Frage stellen, sondern einfach eine Alternative bieten zum klassischen staatlichen Schulsystem*“, beschreiben die beiden Frauen. 62 Mensch, sylt!

Alters- und fächerübergreifend soll in der neuen Sylter Schule gearbeitet werden, stark in Projekten, lebenspraktisch, ganz nah dran an den individuellen Bedürfnissen jedes Kindes. Lernen in der Natur und mit Partnern aus Landwirtschaft, Handwerk und Handel genießt eine hohe Priorität im Konzept. Eine Schule, die staatlich an-

erkannt ist und sich langsam entwickeln kann. Die zunächst mit kleinen Kinder beginnt und dann wachsen darf. Eine auf die Sylter Verhältnisse zugeschnittene Schule, die zu großen Teilen aus der öffentlichen Hand getragen wird, aber auch ein solidarisches Schulgeldsystem zur Finanzierung brauchen wird. Zunächst werden die Kinder ihren

Klein-Stina und auch alle anderen Kinder sind bei den Planungsgesprächen gerne dabei. Zur Inspiration…


Abschluss an den staatlichen Schulen machen. Andere reformpädagogische Schulen beweisen, dass ihre Absolventen ganz locker im alten Leistungssystem mithalten können, zudem aber Fertigkeiten besitzen, die für einen glücklichen Lebensentwurf vielleicht noch wichtiger sind.

GEDANKLICHE IMPULSE FÜR INTERESSIERTE ZUM THEMA FREIES LERNEN: www.infinita-schule.de

www.gerald-huether.de

www.waldorfschule.de

www.montessori-deutschland.de

www.freie-alternativschulen.de

U

nd wie geht es jetzt weiter mit der Vision? Die Suche nach einem geeigneten Schulstandort wird in nächster Zeit Priorität haben. Das Konzept soll noch weiter wachsen und seinen Feinschliff bekommen. Die Vertreter*innen des Kernteams werden Hospitationen in alternativen Schulen absolvieren – zur Inspiration und um den eigenen pädagogischen Horizont zu erweitern. Bis zum ersten Schultag in der neuen Bildungseinrichtung werden sicher noch gut zwei Jahre vergehen. Maria und Johanna und die anderen engagierten Eltern setzen sich da nicht unter Druck. „Aber natürlich möchten wir, dass unsere Kinder an der neuen Schule lernen“, formuliert Maria das Ziel.

Ob als Eltern oder als Förderer: Wer die Idee tatkräftig unterstützen möchte, kann jederzeit Johanna Erken kontaktieren: info@freieschulesylt. de

freie schule Sylt www.freieschulesylt.de

Auf Sylt gibt es aktuell neun Kindergärten, vier Grundschulen, eine davon mit einer Montessori-Klasse, ein Förderzentrum für Menschen mit Behinderung, das Schulzentrum mit der Möglichkeit zu allen Abschlüssen. Darüber hinaus trägt die Dänische Minderheit in Schleswig-Holstein auf Sylt eine dänische Bildungsalternative mit Kindergarten und einer Schule vom 1.-8. Jahrgang. Die weiterführende Schule für die Jugendlichen des dänischen Schulsystems ist ein Internat in Flensburg.

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IM GESPRÄCH MIT SUSANNE MATTHIESEN

68 Mensch, sylt!


Ob Ministerin, Naturschützer oder neurotischer Popstar – den Reporter schreckt normalerweise kein Gesprächspartner*in. Außer solchen, die zur eigenen Zunft gehören. Für den Zustand von schwindender Souveränität und erhöhter Pulsfrequenz sorgte bei mir unlängst das Gespräch mit Susanne Matthiessen. Sylterin und Medienfrau, die mit ihrem autobiografischen Debüt-Roman einen Mega-Bestseller landete und Filmemacher-Ikone Dorris Dörrie derart begeisterte, dass sie „Ozelot und Friesennerz“ jetzt verfilmen wird.

Als es noch Strandfotografen gab: Susanne Matthiessen als Baby 1963 auf dem Schoß ihrer Mutter Telse. Daneben ihre Tante Helga mit Cousin Thorsten.

Das ist krass. Da könnte ich, die Karla Kolumna der Insel (nach jener neurotischen, penetrant neugierigen und rundherum gutherzigen Reporterin aus den mittelmäßig-feinsinnigen „Bibi Blocksberg“-Hörspielen), schon mal mit allem Recht eine dezente Sehnsucht nach Mehr verspüren. Zumal man von Freunden mantrenhaft eingetrichtert bekommt, dass man als Schreiberling erst dann etwas gerissen hat, wenn man einen Roman oder zumindest ein oft verkauftes

Sachbuch vorzuweisen hat. Susanne Matthiessen ist so gar nicht Karla Kolumna. Schon als Medienfrau spielt sie erste Liga. Nach dem Abi auf Sylt und einer exzellenten Ausbildung war sie bald Chefredakteurin von RSH, dann in den redaktionellen Spitzenpositionen von TV-Magazinen wie dem von Sabine Christiansen oder Dunja Hayali tätig. Sie gründete etliche Unternehmen im Medienbereich, sorgte in der Berliner Radioszene für neue Sender und digitale Angebote, entwickelte das Bewegtbild-Business der „dpa“, verfasste Sachbücher, ist Ghostwriterin für hochrangige Figuren des öffentlichen Lebens und gibt als Dozentin an der Akademie für Publizistik in Hamburg ihre Erfahrung weiter. Puh! Und jetzt der autobiografische Roman. Zum Glück. Weil gut erzählter Sylt-Stoff bisher Mangelware war und die Insel Qualität wirklich verdient hat. Susanne verfasste ein Buch, das sieben Monate nach Veröffentlichung schon die 11. Auflage verkauft, das von allen großen Feuilletons besprochen

Mensch, sylt!

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wurde, von Menschen mittleren und gehobenen Alters verschlungen und jetzt verfilmt wird. Dazu noch die nicht zu verachtende Perspektive für die Autorin, mit Mitte 50, die große schreiberische Form für sich entdeckt zu haben. Ich sag' ja, das ist alles voll krass. Susanne Matthiessen hat's richtig gemacht und Sylt mit einem Buch beschenkt, das die Boomerjahre so differenziert, skurril und witzig beschreibt, wie sie eben waren. Da darf mir der Puls vor dem Interview schonmal in die Höhe schnellen. Ich bin trotzdem nicht vor Aufregung kollabiert.

70 Mensch, sylt!

Wir drehen mal ein Jahr zurück. Dein Buch war fertig. Aber die Welt begab sich wegen Corona in eine Art Schockstarre. Keiner wusste, was als nächstes passierEN WÜRDE. Dagegen sind wir jetzt ja schon alte PandemieHasen. Wie ging es Dir damit? Susanne Matthiessen:

Es war, als würde auf allen Ebenen plötzlich und unerwartet der Pausenknopf gedrückt. Auch mein Verlag wusste natürlich überhaupt nicht, wie es wohl weitergeht. Dabei war alles perfekt für die Veröffentlichung vorbereitet. Nicht zuletzt hier auf Sylt, denn ich habe das Buch ja vor allem für die Sylter geschrieben, für meine Familie und Freunde. Für den Gründonnerstag 2020 war eine

Lesung im „Friesensaal“ in Keitum mit Häppchen und einer befreundeten Band aus Berlin geplant. Dieses Event hat dann aber nie stattgefunden. Ich hatte natürlich auch alle Buchhandlungen auf Sylt abgeklappert. Verena Liedelt, die Inhaberin von der Buchhandlung an der Wilhelmine, meinte, ich solle unbedingt auf den Verlag einwirken, dass das Buch auf keinen Fall im Frühjahr erscheint. Das war ein kleines Schockerlebnis, wenn auch ein wohlmeinender Rat zu diesem Zeitpunkt. Das Erscheinen wurde dann ja wirklich ein wenig verschoben. Du hast Dich aber von der düsteren Gemengelage nicht schrecken lassen. Im Gegenteil. Auch die sozialen Medien hast Du mit Deinem grandiosen Sylter LockdownTagebuch super bespielt. Die Beiträge waren an sich schon wertvoll, haben aber auch ganz nebenbei Aufmerksamkeit für die Buchveröffent-


lichung erzielt. Was passierte dann? Susanne Matthiessen:

Hinter den Kulissen für andere maximale Aufmerksamkeit zu generieren, das ist Teil meines Jobs. Das mache ich in den unterschiedlichsten Projekten. Jetzt war es aber anders, weil ich Marketing für ein Buch gemacht habe, dass so viel mit mir und den Menschen zu tun hat, die ich liebe. Das war neu und ganz schön aufregend. Darüber habe ich aber ein noch innigeres Verhältnis zur Insel entwickelt, so wie sie jetzt gerade ist. Und ich habe deutlich meine Verantwortung gespürt hier mitzugestalten. Wie würdest Du die Dynamik der Buchveröffentlichung beschreiben? Susanne Matthiessen:

Es gab schon eine gewisse Neugier der Sylter am

... ICH habe gemerkt, wie sehr die Sylter Erinnerungen an diese Zeit lieben. Dann habe ich irgendwann eine Idee entwickelt für eine autobiografische Geschichte, die die jüngere Sylter Moderne erzählerisch einfängt. 15. Juni 2020, als das Buch erschien. Nicht rechnen konnte ich aber mit der großen Begeisterung der Leser und damit, dass es offenbar über die Inselgrenzen hinaus eine so große Sehnsucht gab nach Sylt-Futter, das kein Krimi, keine Lovestory, kein Ratgeber oder Sachbuch ist. Die Insel war gerade wieder offen für den Tourismus und das Buch war schnell in aller Munde. Es

kam aus den unterschiedlichsten Gründen zu einer Entwicklung, die man halt so nicht planen kann. Auch ohne Corona nicht. Das macht gerade die Kultur- und Kreativbranche so spannend und auch so fragil. Während die meisten Kreativen 2020 also die Flaute ihres Lebens bewältigten und noch bis heute damit umgehen müssen, trat bei Dir das Gegenteil ein. So ein erstes Buch zu schreiben, mit dem Du Dich aus den vertrauten beruflichen Kreisen herausBegeben hast, ist aber bestimmt eine aufregende Reise mit Gefühlen aller Art. Wie hast Du am Anfang den Mut gefunden, dieses Projekt anzugehen? Susanne Matthiessen:

Als 2014 Elfi Fuchs, die beste Freundin meiner Mutter, starb, habe ich einen sehr persönlichen Nachruf geschrieben, der viel mit unserer Kindheit auf

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Drei Generationen Matthiessen: Großmutter Ally, Vater Peter und die kleine Susanne 1968 in Wenningstedt.

Sylt zu tun hatte. Durch die Reaktionen auf diesen Text habe ich gemerkt, wie sehr die Sylter Erinnerungen an diese Zeit lieben. Dann habe ich irgendwann eine Idee entwickelt für eine autobiografische Geschichte, die die jüngere Sylter Moderne erzählerisch einfängt. Ich habe die Idee ausgearbeitet und habe sie mal Kristine Kress vorgestellt. Sie ist wie ich Sylterin und eben Lektorin beim Ullstein-Verlag. Sie war sehr angetan – und der Verlag signalisierte Interesse. Das war entscheidend.

72 Mensch, sylt!

Ein paar typische Klischees zum Arbeitsalltag einer Autorin, die mir selbst immer viel Spaß machen. Number one: „Du arbeiteSt bestimmt nur, wenn Dich die Muse küsst und Du Dich dann mitreißen lässt.“ Susanne Matthiessen:

Der Prozess des Schreibens war tatsächlich sehr beglückend und hatte sicher auch eine therapeutische Kompetenz. Aber mühelos und wie von selbst war der Prozess nicht. Dafür gab es zu viele unbe-

Ich hatte mit nichts von dem gerechnet, was 2020 geschah. Meiner Familie zolle ich hohen Respekt für den Mut und ihren Umgang mit dem buch. kannte Größen. Ich arbeite immer sehr straight und strukturiert – gar nicht wie das Künstlerklischee vermuten ließe. Ich habe für „Ozelot und Friesennerz“ ein Exposé geschrieben, viel recherchiert, natürlich auch über das Pelzhandwerk, bin mir über meine Erzählperspektive und den Stil klar geworden und habe den Plot entwickelt, bevor ich losgelegt habe. Im Arbeiten bin ich schnell und fleißig. Ich habe acht Monate gebraucht, das erste und das letzte Kapitel haben am längsten gedauert.


Wenn man das Manuskript beim Verlag einreicht, wie fühlt sich das an? Susanne Matthiessen:

Das war aufregend, man lehnt sich halt weit aus dem Fenster, wenn man sowas Persönliches schreibt. Ich hatte zwischendurch einmal Kristine Kress konsultiert und sie bestärkte mich, dass ich erzählerisch auf dem richtigen Weg bin. Ich habe am Ende alle Original-Protagonisten im Buch über die entsprechenden Textstellen lesen lassen, habe aber trotzdem keine großen Kompromisse machen müssen. Der Verlag hat am Manuskript so gut wie gar nichts verändert, obwohl es stellenweise ja ganz schön zur Sache geht. Richtig aufreibend war dann die Prüfung durch einen Juristen, um Klagen der Menschen, die im Buch auftauchen, auszuschließen, vor allem aus der Pelzbranche. Das dauerte Wochen und ich musste dabei auch nochmal die Grenze aufzeigen, bis wohin ich zu Veränderungen bereit war. Ist ja eigenlich toll, wenn der Stoff einen Ju-

risten so intensiv beschäftigt. Zeugt ja davon, dass das Buch kein Weichspülwerk ist. Wie war denn nun die Reaktion Deiner Freunde, Familie, der branche und überhaupt der ganzen Insel? Susanne Matthiessen:

Ich hatte mit nichts von dem gerechnet, was geschah. Meiner Familie zolle ich hohen Respekt für den Mut und ihren Umgang mit dem Buch. Ich habe viel Zuspruch, Briefe, Mails und Anrufe von Syltern bekommen, die begeistert waren. Kritik aus dem Sylter „Inner Circle“ gab's verrückterweise gar nicht. Bis heute bekomme ich jeden Tag Post zum Buch. Nach den Syltern waren es die Syltbegeisterten, die lasen und mir schrieben. Jetzt ist der Kreis noch weiter gewachsen. Unter den Lesern sind reichlich Menschen meiner Generation, die mit Sylt eigentlich gar nicht so viel zu tun haben und über das Buch aber tief eintauchen konnten. Klischee No. 2: „Du bist ja jetzt reich!“

Susanne Matthiessen:

Ja, stimmt, ein wenig… Aber im Ernst: Ich habe ja auch schon vor dem Buch Geld verdient, mein Vater hat mich gelehrt, wie man eine gute Geschäftsfrau ist und wie man Verträge macht. Und das Buch beschert jetzt natürlich Geld. Auch dadurch, dass ich die Filmrechte verkaufe. Das ist wirklich ein Ritterinnenschlag. Doris Dörrie macht den Film zum Buch… Susanne Matthiessen:

Dass es so viel Interesse der Film-Branche an dem Stoff gab – unfassbar. Klar, Sylt ist eben spannend und das Buch würde auch zu einem Film in Episoden taugen. Es traf offenbar den Nerv. Ich freu mich so… Klischee No. 3: „Das zweite Buch kann in der Qualität niemals anknüpfen.“ Susanne Matthiessen:

Natürlich waren das Schreiben des ersten Romans und die Resonanz darauf Momente der Einmaligkeit. Ich habe tatsächlich Respekt vor dem

Mensch, sylt!

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zweiten Buch. Aber nicht nur der Verlag hat ein berechtigtes Interesse an einer Fortsetzung. Ich freu mich auch sehr darauf… Wie weit bist Du? Susanne Matthiessen:

Ich arbeite am Konzept und recherchiere fleißig. Willst Du noch etwas mehr verraten? Susanne Matthiessen:

Nö, noch nicht. Nochmal zum Anfang: Wenn es

wieder geht, holst Du dann die Lesungen im „kursaal³“ nach? Susanne Matthiessen:

Ich habe ja schon meine Premiere gehabt. Zwei kleine, coronakonforme Lesungen im Sommer. Edda Schnittgard hat mich am Flügel begleitet. Das war richtig toll. Sie hat mir als Feedback gespiegelt, dass ich noch etwas an einem professionellen und unterhaltsamen Finale arbeiten muss. Das ist ja genauso wichtig wie die Begrüßung… da fehlt mit noch die Erfahrung. Aber die kommt dann ja hoffentlich bald.

Nach den Syltern waren es die Syltbegeisterten, die lasen und mir schrieben. jetzt ist der Kreis noch weiter gewachsen.

Foto © Hans Scherhaufer

Mehr über die Autorin und ihren Bestseller hier: www.susannematthiessen.de

74 Mensch, sylt!

Entzückenderweise hat Susanne Matthiessen für „Mensch, Sylt!“ eine ihrer Lieblingsstellen aus „Ozelot und Friesennerz“ für uns gelesen.


RUBRIK:

KAMPEN 76 Frau, 25, in Kampen geboren Eine seltene Spezies 79 Kachelig schön Kampen für zuhause 80 Das Kampen-Buch

INEKE SCHEPPLER ist nicht nur smart, hübsch und superfit im Hotelbusiness: Sie hat auch etwas, das sie auf der Welt mit sehr wenigen Menschen teilt: Sie ist unter 30 und in Kampen aufgewachsen.

Mensch, sylt!

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INEKE SCHEPPLER

EINE SELTENE SPEZIES!

Sprechen wir über Menschen, die im Dorf aufgewachsen sind, ist die Grundgegebenheit winzig. Um die 500 Einwohner*innen zählt das Dorf am Meer. Junge Erwachsene, die hier aufgewachsen sind, gibt es so gut wie gar nicht. Wir haben uns für „Mensch, Sylt!“ also eine echte Exotin vor die Linse geholt und die 25-jährige Ineke Scheppler mal ausgequetscht, wie das so ist, an einem derart speziellen Ort groß zu werden…

76 KAMPEN


1. Ineke, bist Du noch hier oder wieder? Bleibst Du oder gehst Du? Willst Du irgendwann ganz hierher siedeln? Fragen über Fragen…

Ineke Scheppler:

Gerade arbeite ich im „Hotel Rungholt“ – ganz schräg gegenüber von dem Ort, wo ich aufgewachsen bin: dem „Hotel Ahnenhof“. Es gefällt mir super. Bevor es mit Corona losging, war ich in London im modernen „Berkeley“-Hotel im Service und wollte als nächstes eigentlich in die Schweiz gehen. Das wurde dann ja nichts. Darum habe ich erst einmal über den Sommer meinem Vater im „Ahnenhof“ geholfen. Zurzeit wohne ich in Westerland und ziehe bald nach Wenningstedt, da habe ich auch die ersten fünf Jahre meines Lebens verbracht.

2.

3.

Okay. Du hast trotzdem nach dem Abi das Weite gesucht…

4.

Wie ist es denn nun, in Kampen groß zu werden? Stinklangweilig oder bullerbümäßig?

Ineke: Ganz viel Buller-

bü. Darüber wird man sich dann natürlich erst so richtig klar, wenn man erwachsen ist. Hier habe ich grandiose Freundschaften geknüpft, wie zu Amelie Knochenhauer, mit ihr war ich nach dem Abi auch in Australien.

Wir haben in der Ausbildung in Hamburg zusammen gewohnt und sind bis heute ein Herz und eine Seele. Die Kindheit war hier total frei. Mit meinem Bruder Thies habe ich als kleines Mädchen superviel Quatsch gemacht. Rückblickend war es etwas sehr Besonderes, in Kampen groß zu werden. Ich bin mit dem vielleicht weltweit schönsten Blick überhaupt aufgewachsen – über die Heide, über die Meere, bis nach List und Dänemark. Das ist jetzt kein Kitsch: Mich durchströmt jedes Mal großes Glück, wenn ich ans Watt oder an den Strand gehe. Die Natur in Kampen hat so viel Kraft.

5.

Ineke: Ja, ich bin der

Meinung, dass es wichtig ist, die Insel einmal zu verlassen als Sylter Jugendlicher, den Horizont zu erweitern und Erfahrungen zu sammeln, die man hier einfach nicht haben kann. Als ich in Hamburg im „Vier Jahreszeiten“ lernte, habe ich mir den Stadtmodus erst aneignen müssen, bin dann da aber tief eingetaucht und habe es sehr genossen.

Mensch, sylt!

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Du hast mit 25 Jahren schon ein großes Erfahrungsspektrum im Gastro-Business gesammelt – hast früher schon Dein Taschengeld aufgebessert mit Jobs im „Gogärtchen“ oder in der „Sturmhaube“, die ja spätestens 2022 im neuen Gewand mit dem großen Bruder Deiner Freundin Amelie als Gastgeber wiedereröffnen wird. Du liebst das Business, das spürt man. Übernimmst Du irgendwann den Laden Deines Vaters?

6.

INEKE, FAMILY & FRIENDS… 1. mit Bruder Thies // 2. im Business // 3. mit Kumpel // 4. mit Nele Möllendorf und Amelie Knochenhauer // 5. mit Papa auf Ostertour // 6. mit Mama

Ineke: Ausschließen will

ich das nicht. Aber es ist auch alles andere vollkommen möglich. Ich bin meinem Vater total dankbar dafür, dass er mich in der Entscheidung frei lässt. Was lehrt Dich Corona?

Ineke: Ich habe früher

immer gedacht, ich könnte mein Leben zumindest mittelfristig durchplanen. Corona hat mir gezeigt, dass es ganz viel Sinn macht, im Augenblick zu leben. Das mache ich jetzt. Ich genieße die vielen kleinen schönen Momente, arbeite mit großer

78 KAMPEN

Freude im „Rungholt“ und was im Herbst kommt, kann ich noch gar nicht sagen. Alles ist möglich. Singapur wäre spannend…

z


K A C & H E C L O N

KAMPEN FÜR ZU HAUSE

W

as bitte sind „Mufus“? Naaaatüüüürlich! Multifunktion-Schals, die wahlweise auch als Stirnband oder Mützen funktionieren. Die gibt’s jetzt neu im Shop im Kaamp-Hüs. Neben gut 50 anderen Merch-Artikeln von allerbester Qualität. Der zweite Neuling im Sortiment sind Kampen-Kacheln – mit Stranddistel drauf, versteht sich. Wenn man die einmal (geschenkt) bekommen hat, möchte man sie im Hausstand nie mehr missen. Weil praktisch für heiße Pötte und einfach schön. Die schönsten sind die türkisen (nach einem völlig subjektiven Urteil!).

Als Wandschmuck haben handbemalte Fliesen auf Sylt eine Riesentradition: Die Walfänger brachten die Keramikschmuckstücke mit von ihren Reisen. Sie kamen damals allerdings vorwiegend aus Delft und waren der Inbegriff für Wohlstand. Wer Delfter Fliesen an der Wand hatte bzw. Kacheln am Ofen, der hatte es geschafft.

Die Kamp für-zuhau ense dukte gib -Prot’s zu den Öffnungs zei Kaamp-H ten im üs… und sonst nirg endwo!

Ob türkis, grau oder blau: Alle sind handbemalt und kommen aus einer Manufaktur in Portugal.

Mensch, sylt!

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DAS KAMPEN-BUCH

lauter coole

TYPEN!

Schillernd und unerschütterlich – kaum ein Dorf auf der Welt verfügt über ein derart betonhartes Image wie Kampen. „Reich“, „nackt“ und „schön“ wird medial seit Jahrzehnten in jeder erdenklichen Art und Spielform durchdekliniert. Jeder, der Kampen kennt und liebt, weiß natürlich, dass das Nobeldorf viel mehr ist, als die Summe seiner Klischees. Kampen ist mondän. Ganz richtig. Vor allem aber ist es ein liebenswertes Dorf mit kauzigen Typen, illustren Gestalten und kreativen Geistern. Die perfekte Mischung aus Natur, Savoir Vivre und viel Seele eben.

80 KAMPEN


rt Garnie uch wird das B imhafts mit Landsc des pressionen Meisters: el Hans Jess

ürgermeisterin Steffi Böhm hatte an einem geselligen Abend vor dem Lockdown des Winters die geniale Idee, Lebenswege aus neun Jahrzehnten festzuhalten. In einem schicken Buch im Strandkorbformat. Mit Porträts von Menschen, die wirklich wissen, wie es war – vor dem zweiten Weltkrieg, in Zeiten von Hunger und Solidarität, in den Wirtschaftswunderjahren, in den knallbunten 70er und 80er Jahren – auf Sylt, mitten in Kampen. Menschen, die sich zutiefst verwurzelt fühlen und keinen Ort mehr lieben als ihr Dorf am Meer.

Jetzt im Frühjahr ist dieses Buch mit seinen verrückten Geschichten von Dorfbewohner*innen und Zugereisten in der „Mache“. Das Projekt entpuppt sich als Herzensangelegenheit für Autorin Imke Wein, Gestalterin Anja Buchholz und Fotografin Nicole Mai. Irgendwann im Sommer soll es dann erscheinen, im Kaamp Hüs und überall im Buchhandel erhältlich sein. Und da Kampen in Sachen Literatur auch immer auf das Live-Format setzt, wird man bei Lesungen im Literatursommer 2022 die Protagonisten des Kampen-Buchs persönlich kennenlernen.

Diese Story gibt auch einen

DesignVorgeschmack

auf das KampenBuch. In diesen Blocks werden dann tolle Zitate stehen!

Im Sommer 2021 findet in Kampen kein Literatursommer und auch kein anderes Event statt. Umso größer die Freude auf 2022!

Mensch, sylt!

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SYLTER BUSINESS – ERFRISCHEND ANDERS

82 Mensch, sylt!


Mensch, sylt!

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eauk und Melf gehören zu der Generation junger Sylter, die ihre Werte schon längst von „Big Business“ auf „bewusst“ und „im Einklang mit der Welt“ umgestellt haben. Die beiden erwarten im Mai ihr zweites Inselkind, und das hat oberste Priorität. Zusammen mit dem bald großen Bruder Arved (5) kann die Familie die Ankunft der*s neue*n, kleine*n Sylters*in kaum erwarten. Ob es ein Mädchen oder Junge wird? Wollen sie gar nicht wissen. Eventuell warten sie sogar mit der Namensgebung noch, bis sie umfänglich erfahren können, mit wem sie es eigentlich zu tun haben. „Denn das weiß man ja erst, wenn man das Baby zum ersten Mal im Arm halten durfte“, meint der engagierte junge Vater. 84 Mensch, sylt!

Und damit sind wir mitten in unserer Geschichte. Als Beauk nämlich vor 31 Jahren noch im Bauch ihrer Mama strampelte, da lebten die damals werdenden Eltern zwar ganz anders, aber mit Sicherheit ebenso unkonventionell wie die junge Familie es heute tut. In Bezug auf den Namen ihrer Tochter planten sie allerdings ganz anders. „Die beiden haben sich ein Namensbuch geschnappt und sich das Exotischte ausgesucht, was sie finden konnten – und, was nach deutschem Namensrecht möglich war.“ Dabei heraus kam Beauk, sprich: Bo. Aber in der Schreibweise ging nicht einfach B und O, weil das ein dänischer Jungsname ist und der damalige Westerländer Standesbeamte sehr streng sein konnte, explizit mit den manchmal schrägen Wünschen der posthippesken Sylter Surferszene der 90er Jahre.


Zudem bestand Beauks inzwischen verstorbener Vater Kim noch auf den Zweitnamen „Bübülük“, was wohl irgendwo im weiten, orientalischen Raum „aufgehende Sonne“ heißt. Keiner weiß bis heute jedoch so genau in welcher Sprache. (Sachdienliche Hinweise über die Herkunft des Namens werden von den IpsenHarders gerne entgegengenommen…) So kam die Friesin jedenfalls zu ihrem Namen, nannte sich zwar eigentlich nie Bübülük, hatte aber trotzdem ein inniges Verhältnis zu diesem lautmalerischen Konstrukt. Wie viele Sylter damals verbrachte auch Tiffany Harder, Beauks Mama, die Winter oft in Taghazout, nördlich von Agadir. Marokko mit dem Wohnmobil verhieß unkompliziertes und günstiges Leben,

gute Wellen, ein Hauch Abenteuer. Die Sylter besiedelten eine Bucht, in der man jahrelang immer eine Kolonie Insulaner antreffen konnte.

„Ich habe wohl die Farben, das Licht und die marokkanische Kultur in mich aufgesogen. Jedenfalls bereiste ich als junge Erwachsene jedes Jahr Marokko und fühle mich dort extrem verwurzelt.“

WER KEINE ZEIT (ODER KEINE LUST) hat zu lesen, kann sich die inspirierende Geschichte hier vorlesen lassen.

„Heute ist es dort allerdings kaum wiederzukennen“, berichtet Beauk. Begeistert war sie auch von der Ursprünglichkeit und Qualität des marokkanischen Kunsthandwerks, der Keramik, den Flechtwaren, der Mode und vor allem von den schweren Wollteppichen mit den geheimnisvollen Mustern. Sie entdeckte Manufakturen, die traditionelles Handwerk und moderne Formen miteinander verknüpften – im wahrsten Sinne des Wortes. So war es vielleicht kein Zufall, dass in Keitum ein kleines Ladenlokal frei wurde, das Melfs Eltern

Mensch, sylt!

85


„Mir ist das so schwer gefallen, mich von jedem Stück zu trennen. Verrückt. Jeder Teppich hat seine eigene Geschichte – das muss ich noch üben.“ neu vermieten wollten. „Wir haben gedacht, das ist es doch. Hochwertiges Kunsthandwerk passt zu Keitum wie nichts Gutes. Die Liebe zu Marokko hat für Sylter eine große Tradition. Exotik, Qualität und Individualität tun Sylt zudem ganz gut“, bringt Melf die Idee auf den Punkt. Er selbst hat gerade die Metamorphose vom Immobilienfachwirt mit eigenen Geschäftsanteilen zum alternativen Familienunternehmer gewagt.

ne Familie reiste mehrmals nach Marokko, fand wunderbare Händler im Atlasgebirge und stellte die neuen Geschäftsverbindungen auf eine erste Grundlage. „Das ist für uns natürlich alles neu und sehr aufregend gewesen – auch wie das alles rechtlich geht, wie man verhandelt, wie die Transportwege funktionieren und wieviel wir überhaupt bestellen wollten. Irgendwann möchten wir vor Ort Initiativen unterstützen, die einen sozialen Ansatz verfolgen und dabei helfen, die handwerklichen Traditionen weiter zu beleben. Aber eins nach dem anderen.“

So heckten die beiden einen Plan aus für ein Familienbusiness. Es war ihnen sofort klar, dass das Geschäft „Bübülük“ heißen müsste. Die klei-

Beauk und Melf machen sich aber um die Zukunft gar keine Sorgen. Die Dynamik und die Energie für dieses Projekt stimmten von Anfang

86 Mensch, sylt!

an. Ein Keitumer Freund, Morten Marmulla, entwickelte das Logo. Im frühen Herbst 2020 konnten die beiden ihr erstes eigenes Geschäft eröffnen. „Kaum zu glauben: Wir hatten in den Herbstferien genau eine Woche auf und dann blieb bis zum Lockdown nur minimal Zeit – aber ,Bübülük’ lief vom ersten Tag an wunderbar.“ Etliche Kunden waren von dem Laden und seiner Ware gleich so begeistert, dass sie sich mit mehreren der Teppicheinzelstücke eindeckten und auch im Lockdown noch bestellten. „Mir ist das so schwer gefallen, mich von


jedem einzelnenStück zu trennen. Verrückt. Jeder Teppich hat seine eigene Geschichte und ist mir ans Herz gewachsen, erzählt Beauk lachend. Dass sie weitermachen mit „Bübülük Rugs“, steht für Beauk und Melf außer Frage. Gerade ordern sie – unter coronabedingten Komplikationen – neue Ware. Das alles bringt die beiden aber nicht aus der Ruhe. Trotz der abenteuerlichen Umstände ihres Geschäftsstarts so guter Dinge zu sein, ist eine Gabe. Wenn sie etwas machen, dann frohen Mutes. „Das wird toll. Im Laden gibt es oben einen schönen Lagerraum, da können wir mal einen Tee kochen und die Kinder können dort spielen.“

die kleine beauk bübülük zu beginn der 90er jahre mit papa kim in marokko.

Sicher wären die Berber aus dem Atlasgebirge begeistert, wie mit ihrer Ware auf einer kleinen Insel im Norden gehandelt wird. Vielleicht weil es so anders ist als das Klischee vom klassischen Teppichhandel, wenn auch ähnlich familiär.

die große beauk mit business und familie in keitum.

Auf Instagram: bubuluk.rugs

In der richtigen Welt: Bahnhofstraße 4, Keitum

Mensch, sylt!

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Es gibt Wichtigeres im Leben als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen. Mahatma GandHi


https://photoguide-sylt.de


VIER SYLTERINNEN SAGEN: BYE BYE PLASTIK!

Nicht lAng

schnacken…

90 Mensch, sylt!


Wenn man sich mit all den Baustellen verbindet, die der Mensch auf der Erde anrichtet, wird einem ganz „blümerant“ und man hat allen Anlass, der gesamten Spezies einen düsteren Ausgang vorherzusagen. „Davor bewahrt eigentlich nur, das große Ganze auszublenden und sich auf ein Thema zu fokussieren – so niedrigschwellig wie möglich. Denn kleine Bewegungen können große Wellen auslösen“, weiß Heike Werner, Chefin vom „Fastenhaus Werner“ und ist darum – schwuppdiwupp – seit fast zwei Jahren „Bye Bye Plastik“Aktivistin.

„Drei Stück PlAstik beim Spazierengehen aufsammeln unD drei Stück Verpackung wenigeR einkaufen“

heißt das einfache Mantra, das die Initiative jedem Verbraucher mitgibt. Das ist simpel, überfordert nicht und braucht nichts außer etwas Konsequenz. „Wir kommen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger oder der Ökokeule daher, sondern sensibilisieren die Wahrnehmung. Und ich sag Dir, es ist schön, wenn die Gelbe Tonne plötzlich immer leerer wird“, weiß Heike Werner aus eigener Anschauung. „Bye Bye Plastik“ hat seinen Ursprung in Dänemark, arbeitet dort in etlichen Orten erfolgreich und inspirierte die vier Sylterinnen auf der Insel, genau diese Art von Easy-Umweltaktivismus auf den Weg zu bringen. Die Initiative motiviert Verbraucher zum Beispiel, auf köstliches Leitungswasser umzusteigen

Mensch, sylt!

91


statt Plastikflaschen mit italienischem Acqua zu schleppen oder das Gemüse nicht nur bio, sondern auch noch lose zu kaufen. Grandios einfache Empfehlungen findet man auch auf der Webseite www. byebyeplastik.com

„Wir vier Frauen arbeiten genial zusammen. Jede von uns hat eine andere Stärke. Ob es der internationale Blick ist, der kreative Part oder zum Beispiel das Monitoring der Strände. Das hat eine wunderbare Dynamik“, freut sich Hei-

Die Initiative zeichnet darüber hinaus aber auch Unternehmen und Institutionen mit dem Bye-ByeSmiley aus: Betriebe und Einrichtungen, die sich verpflichten, auf Kunststoff in den unterschiedlichsten Bereichen des Unternehmens zu verzichten. Simpel in der Umsetzung und gut fürs Image. 23 Sylter Unternehmungen – von der „Inselkind“-Boutique, über das Restaurant „Foodporn“ bis hin zum Tourismus-Service in Kampen – haben sich seit Juni 2019 schon zertifizieren lassen. Zwei Hotels kommen dieses Frühjahr noch hinzu.

„Es ist schön, wenn die gelBe tonne plötzlich immeR leerer wird.“

92 Mensch, sylt!

ke Werner, die als erfolgreiche Geschäftsfrau die Sehnsucht hatte, ehrenamtlich etwas zurückzugeben an ihre Heimatinsel. Außerdem lebte und arbeitete sie selbst lange in Süd-Ostasien und hat mit eigenen Augen gesehen, wie Plastikmüll diese Länder im wahrsten Sinne überschwemmt. In der kurzen Zeit ihrer Aktivität auf Sylt haben die vier Frauen eine unfassbare Akzeptanz erzielt, wunderbare Aktionen umgesetzt und sind an entscheidenden Stellen gefragt: Dass jetzt in Westerland und Rantum am Strand an etlichen Standorten Mülltrenn-Depots ausprobiert werden und schicke Cartoons an den Übergängen inselweit dazu anhalten, Strand und Meer vor Plastik zu schützen – ist auch eine Frucht dieses Engagements.


Foto © Andreas Grenacher

von links nach rechts: Christine Andresen, Carin Winkler, Heike Werner und Claudia Casarotto

Einer der jüngsten Coups: Eine gemeinsame Initiative mit Sylt Marketing und dem Landschaftszweckverband. „Klare Kante Sylt“ heißt das und verheißt effektives, gemeinsames Vorge-

hen in Umweltthemen. 2021 gilt ein Schwerpunkt der Arbeit dem Vermeiden von Kippen in der Natur. Es muss doch wohl zu ändern sein, dass Raucher die hochgiftigen Reste

ihres Lasters in die Sylter Natur werfen. Ein klarer Fall für eine neue Aktion. Kleine Maßnahmen, die große Wellen erzeugen – „Bye Bye Plastik“ bietet allerbestes Anschauungsmaterial wie’s geht.

Mensch, sylt!

93


To-go-Becher

Da einen nicht unerheblichen Anteil des Verpackungsmülls (jährlich: drei Milliarden Becher deutschlandweit) ausmachen, ist das „RecupSystem“ (ausgezeichnet mit dem Blauen Engel) seit drei Jahren auch auf Sylt der Vorstoß, um zumindest den Wegwerfbechern den Kampf anzusagen. Nach der Initiative von „Bäckerei Raffelhüschen“ machen inzwischen auf Sylt über 50 Betriebe mit bei dem deutschlandweit erfolgreichen Pfandsystem. Da im Sommer 2020 aber auch diese Vielfach-Becher immer häufiger in den Dünen und im Müll landeten, entwickelte der Sylter Schlosser Frank Schaller eine Stele, in der die Recups gesammelt werden. Standorte: z.B. am Hauptstrand in Wenningstedt. Nach zwei Monaten Test zählte Maike Belbe, die bei „Sylt Marketing“ alle Nachhaltigkeitsprojekte koordiniert, 200 Becher in den Stelen. „Das ist ein schöner Erfolg. Die 200 Euro Pfand spenden wir jetzt Sylter Naturschutzprojekten, die sich darauf bewerben können.“ www.recup.de

Und da gerade in Coronatimes mehr als je zuvor mit

To-go-Portionen

aus der Gastro in der Natur und in den Haushalten gepicknickt wurde, wünscht man sich auch für Mahlzeiten ein wertiges System, das die vielen Verpackungen (selbst die aus Bambus!) ersetzen kann. Und das gibt’s schon in der Erprobungsphase: analog zu „Recup“ existiert „Rebowl“. Bisher auf Sylt mit „Rebowl“Schüsseln auf Pfandbasis am Start: „Sölkitchen“ im Hagenbaumarkt und die „Küchenkate“ in Keitum. www.rebowl.de

Maurice Morell und seine veganen Suppen in List (Parkplatz „Mylin“ und „Eismanufaktur“) sind ohnehin der Knaller. Natürlich ist der wunderbare „Suppendealer“ auch Bye Bye Plastik zertifiziert.

94 Mensch, sylt!


„Es giBt nichts Gutes, außer man tut es!“ Der kleine Müllknigge für jeden, weil das Prinzip „eigentlich müsste ich“ nicht reicht. Denn jeder kann, und der beste Müll ist der, der nicht gemacht wird.

*Wasser aus der Leitung *Im Haushalt: Bienen-

trinken – es gibt nichts Besseres als das Sylter Wasser. Gastgeber sollten entsprechende Flaschen in den Unterkünften bereit halten – „Appartements & Mehr“ macht das seit Jahren. Eine stylische Sylt-Refill-Flasche mit Kunst von Sonni Hönscheid darauf, wird in diesem Frühjahr auf den Markt kommen. Koordiniert wird das von der Sylter Projektleiterin für Nachhaltigkeit Catharina Bayerlein.

*Frische Lebensmittel

unverpackt und natürlich

in Bioqualität kaufen.

*Eigene Behältnisse mit

in die Märkte nehmen und auch den Handel vermehrt darauf aufmerksam machen, dass es Zeit ist umzustellen.

*Auf Einweg-Verpa-

ckung verzichten und

auch in der Gastro freundlich, aber deutlich auf Alternativen hinweisen.

NEWS

wachstücher statt Klar-

Hier gibt es alle News zu den aktuellen Aktionen: www.byebyeplastik.com

*Müll konsequent

Auf der Facebook-Seite von Byebyeplastik gibt es auch aktuelle Fotos zum Beachmonitoring.

sichtfolie, kochbare Textilien statt Wegwerftücher…

trennen. Als Gastgeber:

das Sylter Trennungssystem anschaulich erklären.

*Wert legen auf nach-

haltige, qualitativ hochwertige Kleidung, beim Shoppen nachfragen und bewusst handeln. Nicht bestellen, sondern „in echt“ einkaufen, wenn’s geht. Plastiktüten zum Transport sind natürlich tabu.

*An kollektivem Müll-

sammelaktionen auf der Insel teilnehmen.

*Bei jedem Strandgang

drei Teile Müll einsammeln und entsorgen und beim Einkauf auf drei Stück Plastik verzichten. Das sind bei sechs Millionen Übernachtungen pro Jahr viele Tonnen Plas-

tik, die garantiert nicht im Meer landen.

Bundesweite Aktionen, um Verbraucher zu bewegen, Wasser nur noch aus der Flasche zu trinken. Die Wasserwende wird auch auf Sylt intensiv propagiert: www.atiptap.org www.bracenet.de – Fischernetze verrotten erst nach Jahrhunderten und sind eine latente Gefahr für alle Wesen im Meer. Aus diesen Netzen Armbänder zu machen – ein Upcycling, das gleichzeitig auf das Problem hinweist und durch die Erlöse Initiativen finanziert. Auf Sylt gibt es die im „Inselkind“-Shop.

Mensch, sylt!

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FAKTEN

1.

FAKTEN FAKTEN

2.35.000 Tonnen

3.

Sylt produzierte 2019

Da 47 Prozent davon Gewerbemüll sind, kommen

Abfall. 8.000 Tonnen bleiben als Grünabfall auf der Insel – der „Rest“ wurde per Autozug abtransportiert.

5.

Trotz der Lockdowns stieg das Plastikmüllaufkommen 2020 nochmal um wenigstens

10 Prozent.

227,5 Kilo

Mit Verpackungsmüll pro Kopf lagen die Deutschen 2019 europaweit auf dem traurigen Platz 1.

107 Kilo

auf jeden einzelnen privaten Endverbraucher.

4.

Obwohl konkrete Zahlen für das ganze Jahr noch nicht vorliegen, erlebte gerade auch auf Sylt die

Kunststoffverpackung

6.

im Corona-Sommer eine unerwünschte Renaissance.

Machen wir so weiter, gibt es in den Meeren im Jahr 2050 weltweit

mehr Plastik als Fisch. 96 Mensch, sylt!


RUBRIK:

WENNINGSTEDTBRADERUP 98 Durchgestartet! Lockdown als Karrierebooster 100 Die Wenningstedt Top 10 von Jasmin Heimberger 105 Flyer? Waren gestern!

JASMIN HEIMBERGER wusste von Sylt so gut wie nichts, als sie sich entschied, hier eine Ausbildung zu beginnen. Warum die Insel für sie das Zuhause geworden ist, an dem sie es bisher am längsten ausgehalten hat, verrät sie in „Mensch, Sylt!“.

97 Mensch, sylt!


JASMIN HEIMBERGER

Chance? ErGRIFFEN! Gewiss bescherte Corona neben Ungemach auch unerwartet schöne Augenblicke und neue Erkenntnis. Gerade auch auf Sylt in seiner Einsamkeit und Weite. Einen so positiven „Corona-Nebeneffekt“ wie Jasmin Heimberger kann nicht jeder für sich verbuchen: „Ich bin schon seit 2018 beim Tourismus-Service angestellt. Bis zum ersten Lockdown waren Veranstaltungen mein Metier – zum Beispiel die Organisation vom ,Dorfteichfest‘ und von den ,Hundstagen‘ gehörten mit zu meinem Aufgabenbereich. Da fehlten mir im Lockdown plötzlich Projekte. Untätigkeit ist nicht mein Ding. Ich habe mich gefreut, als mein Chef Henning Sieverts den Relaunch unserer Webseite an mich herantrug“, erinnert die gelernte Hotelfachwirtin einen entscheidenden Moment im letzten Frühjahr. 98 WENNINGSTEDT-BRADERUP

D

ass sie die große Aufgabe perfekt anging und so viel Freude am Texten, Fotografieren, Planen und Umsetzen hatte, blieb nicht unbemerkt. Es folgte ein Jobangebot: Seit Anfang 2021 bekleidet Jasmin nun die Stelle für „Kommunikation- und Öffentlichkeitsarbeit“ im TSWB. Einen Posten, den es bis dahin so noch gar nicht gab. Jasmin freut sich über die Chance und all die anstehenden Herausforderungen. Sie hat bereits die bisherigen Social Media-Kanäle neu sortiert und versorgt die wachsende Wenningstedt-Braderup-Community auf Insta, facebook, Twitter & Co mit spannenden Inhalten und Fotos. Sie pflegt die Webseite, das Ticketsystem, entwickelt ein internes Netz für das TSWB-Team, küm-


mert sich um aktuelle Newsletter und betreut die Anfragen von Pressevertretern aller Medien. „Das ist genau mein Ding, denn ich mag Wenningstedt-Braderup total“, versichert die Wahl-Morsumerin. Das Leitbild des Ortes heißt: „Wenningstedt-Braderup – Das Zuhause für Familienmenschen in Sylts goldener Mitte“. Jasmin hat sich vorgenommen, diesen Slogan und all das, was das im wirklichen Leben heißt, auf allen Ebenen leuchten zu lassen.

Foto © Nicole Mai

WIE JASMIN NACH SYLT KAM…

UND HIER KANN MAN DIE ERGEBNISSE VON JASMINS ARBEIT SEHEN:

www.wenningstedt.de

Nicht mal die Hälfte der 18.000 Insulaner sind hier geboren. Das ergab die Umfrage der „Sylt Marketing GmbH“ bei Menschen mit Erstwohnsitz Sylt. Was Wahl-Insulaner nach Sylt zog? Viele waren schon lange in die Insel verliebt, bevor sie sich für ein Leben hier entschieden. Nicht so Jasmin: „Mein Vater war bei der Bundeswehr und wir sind entsprechend oft umgezogen. Als ich Sylt für ein Vorstellungsgespräch im ,Benen-Diken-Hof‘ ansteuerte, war das mein erster Besuch.

Aus Erkundungszwecken bin ich mit dem Rad von Keitum zum Ellenbogen gefahren und hatte sofort ein Zuhausegefühl.

Mensch, sylt!

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Q 11

Das hat sich bis heute nicht geändert. Ich war noch nie so lange an einem Ort wie hier“, gesteht die begeisterte Inselfrau. Bevor sie ihre erweiterte Ausbildung im Hotelfach begann, hatte sie übrigens Jura studiert und gelangte bei einem Praktikum im Bundesverteidigungsministerium zu der Erkenntnis, dass das Ganze gar nicht ihr Ding war. Exakt vier Jahre nach ihrem ersten Sylt-Tag lernte sie Georg kennen, der heute ihr Ehemann ist. Noch ein Grund, Sylt als Zuhause zu betrachten. Ein weiterer ist ihr Hund Elmo, der den Strand liebt wie sie und sogar mit zur Arbeit kommen darf.

Ein Sonnenaufgang am Braderuper Watt VERSPROCHEN: Das frühe Aufstehen lohnt sich! Die Stimmung, kurz bevor die Sonne aufgeht, ist unbeschreiblich schön. Und wenn dann „das Licht an“ ist, sieht und hört man sofort, dass die Natur erwacht. Herrlich kitschig und ziemlich romantisch. Im Winter ist der Sonnenaufgang so spät, dass auch Langschläfer wie ich ihre Chance haben…

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MINI-SPAZIERGANG: DORFTEICH und FRIESENKAPELLE

MEINE LIEBLINGS-MITTAGSPAUSE: Eine hübsche Runde um den Dorfteich drehen. Durch die Bäume gibt es hier auch im Sommer schattige Plätze, von denen aus man die vielen Vögel beobachten kann. Am nördlichen Ufer des Teiches befindet sich die Friesenkapelle, unsere Kirche im Dorf, deren Türen tagsüber immer für Besucher geöffnet sind.

100 WENNINGSTEDT-BRADERUP

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Jasmins Wenningstedt-Braderup top

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Spaziergang über die langen Holzstege auf der Dünenkrone

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naturzentrum braderup

LIEBEVOLL GESTALTET und stark „horizonterweiternd“ ist das Naturzentrum in Braderup. Die Ausstellung informiert über die verschiedenen Naturschutzgebiete der Insel, deren Bewohner und Besonderheiten. Ich liebe den Kräutergarten hinter dem Zentrum, der auf den ersten Blick so gar nicht Sylt typisch ist und so viel Ruhe ausstrahlt.

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DIESEN HOLZWEG kann man getrost mal gehen. Auf dem langen Steg (Zugang am besten vom Übergang Berthin-Bleeg-Straße) gibt es die allerschönsten Aussichten auf die Dünen, den Strand, den Ort und bei klarer Sicht bis nach Kampen und Westerland. TIPP: Zwischendurch eine Pause auf den schönen Bänken machen und das Glück genießen.

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DIE STEGE Früher war fast jeder Weg durch die Dünen ein Holzweg. Heute dienen sie zumeist dazu, Besonders sensible Orte zu „überbrücken“.

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DIE „ALLTAGSMENSCHEN“

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DIE SKULPTUREN der Künstlerin Christel Lechner sind im gesamten Ortsgebiet von Wenningstedt-Braderup verteilt und sorgen immer wieder für gute Laune. Einige „Alltagsmenschen“ leben ganzjährig bei uns, andere kommen nur für eine Saison.

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DER SYLTER SAGENWALD

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AUF DIESEM SPIELPLATZ im Wäldchen zwischen Wenningstedt und Kampen werden Geschichten und Geschichte lebendig. Hinweistafeln erklären die Sagen, die Inspiration für die Spielstationen waren. Ich freue mich schon darauf, den Wald im Sommer mit meinen kleinen Nichten zu erkunden.

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102 WENNINGSTEDT-BRADERUP


Foto © Wolfgang Schmidt Foto © Nicole Mai

WenningstedtBraderup bewegt sylter und gäste

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Foto © Maike Hüls-Graening

FUNSPORT VOM FEINSTEN

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spaziergang in den wiesen braderups

DIE SYLT4FUN-HALLE bietet Indoor-Spaß und Bewegung, wenn das Wetter mal nicht so toll ist.

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Die aktuellen Öffnungszeiten und alle Infos gibt es hier: www.wenningstedt.de/sylt4fun

WENN ICH IN DEN WIESEN spazieren gehe, vergesse ich kurz, dass ich auf Sylt bin. Die Ruhe dort wird gelegentlich von Treckern, Kühen, Ziegen oder Schafen unterbrochen – ansonsten hört man hier vor allen Dorfidylle. Ein kleiner Weiher lädt zum Verweilen und Träumen ein. Hier steht auch meine „Lieblingsbank“, von der aus man so wunderbar in die Natur schauen kann.

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DER kursaal3 im haus am kliff

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IST DIE LOCATION MIT MEERBLICK. Im Vordergrund stehen Kulturveranstaltungen von Konzerten über Kabarett, Comedy, Lesung hin zum Kinoabend. Mein Lieblingsabend war bislang eine musikalische Lesung des „Kleinen Prinzen“. Unbedingt immer wieder mal ins Programm schauen und „einfach mal machen“. Es tut so gut, von Kunst und Kultur aus dem Alltag entführt zu werden.

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Sobald möglich, wird im kursaal³ wiEDEr LiVe-Kultur und -Entertainment zu erleben sein. Das prickelnde Programm findet Ihr hier: www.wenningstedt.de

JASMINS MANN PRODUZIERT MIT SEINEM „STUDIO SYLT“ ÜBRIGENS FILME FÜR UNTERNEHMEN UND TV-SENDER. FÜR WENNINGSTEDT-BRADERUP MACHTE ER DIESEN FILM:

z 104 WENNINGSTEDT-BRADERUP

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SONNENUNTERGANG NA KLAR – der Sonnenuntergang am Weststrand der Insel gehört natürlich auf jede To-Do-Liste und lockt Abend für Abend jede Menge Romantiker an den Strand. Ideale Plätze zum Sonnenuntergang-Gucken in Wenningstedt-Braderup sind zum Beispiel ein (kostenloser!) Strandkorb an der Promenade, die Haupttreppe oder die Braderuper Heide (nicht so voll und wunderschöne Fotomotive!).

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WENNINGSTEDT-BRADERUP MACHT ERNST

Qualität ja, aber bitte digital „KEINE LIPPENBEKENNTNISSE, HANDELN – UND ZWAR KONSEQUENT“, HIEß HENNINGSIEVERTS HALTUNG ZUR UMSTELLUNG SEINES BETRIEBES VON PRINT AUF DIGITAL. AN EINEM NATURORT MÜSSE MAN AUCH ÖKOLOGISCH VORBILDLICH HANDELN, MEINTE DER TOURISMUS-DIREKTOR UND SO WURDE IN DEN LETZTEN JAHREN KONSEQUENT AUF NATÜRLICHE WERTSTOFFE, AUF E-MOTOREN UND NACHHALTIGKEIT GESETZT.

UND DAZU GEHÖRT auch, dass

die Kommunikation und das Wenningstedt-Marketing auf digital umgestellt werden. Ab sofort gibt’s keine gedruckten Flyer mehr und auch das „Wenningstedt-Braderup Magazin“ ist 2020 zum letzten Mal erschienen. „So leid es uns tut. Das war wirklich ein schönes Format, aber wir transferieren unsere Form des authentischen, journalistischen Story-Tellings in neue digitale Form – da sind wir einfach schneller, können sofort auf aktuelle Ereignisse reagieren. Die Qualität in unseren Produkten – grafisch wie inhaltlich – wird darum nicht leiden“, verspricht Henning Sieverts. EIN AUSDRUCK der Umstellung

sind beispielsweise die Wenningstedt-Beiträge hier in der

DIGITALE INFO-STELEN AB DIESEM FRÜHJAHR WERDEN DIE ALTEN WEGWEISER IM ORT DURCH SCHICKE STELEN ERSETZT. SIE SIND MIT EINEM QR-CODE VERSEHEN, DER DEN NUTZER BEI BEDARF AUCH ZUR HOMEPAGE FÜHRT. BALD WIRD ES AUCH KOMPLETT DIGITALE „PLAKATWÄNDE“ GEBEN, ALSO BILDSCHIRME, AUF DENEN GÄSTE UND EINHEIMISCHE SICH INTERAKTIV ÜBER THEMEN, AKTUELLE VERANSTALTUNGEN, ÖFFNUNGSZEITEN ETC. INFORMIEREN KÖNNEN.

„Mensch, Sylt!“. Zudem ist ein innovativer Blog in der Entwicklungsphase, der das gedruckte Medium auf Dauer ersetzt. Auf ein klassisches Gastgeberverzeichnis hatte Wenningstedt-Braderup ohnehin schon verzichtet. Auch die Sylt Marketing druckt in diesem Jahr kein Gastgeberverzeichnis mehr. Die entsprechende Quartiersuche funktioniert zentral auf www.sylt.de oder über www.wenningstedt.de WER SICH ÜBER Sylt-Themen,

wie zum Beispiel „Urlaub mit Kindern“ oder „aktuelle Veranstaltungen“ informieren will, findet die Info auf den Webseiten. In der Lounge im „Haus am Kliff“ wird es zudem Plakate geben, an denen man sich alle relevanten InfoThemen auf sein Handy und Tablet laden kann. „Unsere Mitarbeiter am Counter im ,Haus am Kliff’ beantworten natürlich sowieso jede Frage gerne telefonisch und auch persönlich“, versichert Jasmin Heimberger, die die Digitalisierung-Offensive umsetzt.

Mensch, sylt!

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Auch die Pause gehört zur Musik STEFAN ZWEIG


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CHRISTIAN, DIE CHÖRE UND CORONA

Macht singen über „Zoom“ Sinn?

108 Mensch, sylt!


Krasse Zeiten. Nicht zuletzt für Kinder, Kulturschaffende, Clubbesitzer und Klamottenhändler. Zu der Kategorie der „Schwer-Gebeutelten“ gehören auch die Chorsänger*innen, deren Stimmen im letzten Jahr sicher nicht wirklich gewonnen haben – außer man hat zuhause im Kämmerlein bewusst und laut geträllert. Was das musikalisch für Konsequenzen hat? Das wird das Publikum wohl erst zu hören bekommen, wenn Konzerte wieder möglich sind… Die Sylter Chöre haben jedenfalls zwischendurch alles gegeben, um bei Stimme zu bleiben! Und stehen natürlich jetzt im Frühling in den Startlöchern.

Beispiele: DIE JUNGS VOM „Sylter *Shanty Chor“ sind für ihre

Proben im Herbst zeitweilig auf die Reithalle vom „Erdbeerparadies“ in Braderup ausgewichen, um die Aerosole wegen Temperatur und Distanz ins Leere fliegen zu lassen. „Island Voi*ces“,BEVORder DIEGospelchor der Norddörfer Kirchengemeinde unter der Leitung von Renate Henke, im Herbst wieder ganz aufs Singen verzichten musste, haben die Sänger*innen echt alles gegeben: Zuerst übten sie auf einer Morsumer Wiese, dann im Sommer vor dem Ostflügel

der Friesenkapelle. Als es kälter wurde, gingen sie in die Strandkorbhalle – dann kam der zweite Lockdown. GETROFFEN *hatGANZes dieHART35 Sylterinnen

vom „Maritimen Damengesangsverein“. Das neue Ensemble, das alte Seemanslieder in die Moderne transferiert, hatte sich gerade gegründet und mit einer gewaltigen Dynamik die Proben unter der Leitung von Beate Salzig und Christian Bechmann im Schulforum aufgenommen, als Corona den Energiefluss brachial stoppte. Die Damen waren noch nicht eimal dazu gekommen, über ihren endgülti

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Sangesnot macht erfinderisch Gründungsabend des „Maritimen Damengesangsvereins“, noch vor Corona, Shanty-Herren in der Reithalle (siehe auch den Film zum Thema), Renate Henke und die „Island Voices“ in der Strandkorbhalle zu Wenningstedt

„Das einzige, was besser ist als Singen, ist, mehr zu singen.“ ELLA FITZGERALD

gen Namen abzustimmen. Und da es noch keine wirkliche musikalische Basis gab, machte es auch keinen Sinn, auf alternative Distanzproben und die virtuelle Welt umzusteigen. „Das würde nur zu Frust führen. Wir wollen dann lieber wieder richtig loslegen, wenn es voll umfänglich möglich ist“, meint Silke von Bremen als eine der beiden organisatorischen Chefinnen des Chores. WESTERLÄNDER Kan*toreiDIEunter der Leitung von

Christian Bechmann hat im letzten Jahr auch Erfahrungen in beinahe allen Alternativ-Proben-Formaten gesammelt. Auf der Wiese vor der Nicolai-Kirche hat der Chorleiter immer erst 110 Mensch, sylt!

haufenweise Hundehaufen eingesammelt, bevor die Stimmbildung ohne Rutschgefahr beginnen konnte. Die Sänger*innen haben im Sommer in der Lockdown-Light-Variante auch in der Kirche in kleinen Gruppe geübt. Jetzt will der Chorleiter mal ausprobieren, ob das Singen über „Zoom“ sinnhaft ist und allen Freude macht. ES GIBT NATÜRLICH noch *weitere Chöre auf der Insel,

nicht zuletzt den hochkarätigen Keitumer Kirchenchor unter der Leitung von Alexander Ivanoff oder auch den Kammerchor von Beate Salzig, aber von denen erzählen wir bei anderer Gelegenheit.


MUSIKALISCHER MULTITASKER

Christian Bechmann KIRCHENMUSIKER in St. Nicolai zu Westerland

LEITER der Kantorei

MUSIKALISCHE Begleitung aller Gottesdienste und Amtshandlungen wie Hochzeiten, Taufen und Trauerfeiern

LEITER des offenen Morgensingens am Freitag

LEITER des Kinder- und Jugendchors

KINDERMUSICAL Freizeit in Kleve: Christian Bechmann komponiert die Stücke, begleitet die Kinder und erarbeitet mit ihnen das Musical

*

Sohn des ehemaligen Hörnumer Pastors Friedhelm Bechmann.

zeigte sein musikalisches *Talent schon als kleiner Kerl beim Instrumentalunterricht an der Westerländer Musikschule. Als Jugendlicher war *Christian in unterschied-

lichen Band-Formationen unterwegs.

MUSIKLEHRER am Schulzentrum

LEITUNG des Projektchors Gospel, der für jeden Sangesfreudigen offen ist und regelmäßig nach jeweils sechs Proben einen Auftritt realisiert.

*

Musiklehrer für die Sekundarstufe II.

*

u.a. mit Engagements an der Orgel im Lübecker Dom.

Unvergessen: die Band „Obsäschn“, gewann auch den Henner-Krogh-Förderpreis. war in tragenden Rollen in den legendären BeateSalzig-Musicals mit von der Partie. sehr engagiert als *ZiviSpäter: in der Norddörfer Kirchengemeinde.

A-Kirchenmusiker *mitHeute: Master-Abschluss und

studierte in Lübeck und *finanzierte sich das Studium Seit Sommer 2017 ist er *Kirchenmusiker der evangelischen Kirchengemeinde in Westerland und unterrichtet auch am Schulzentrum. Programmchef der Kirchenkonzerte mit Gästen und eigenen Orgel-Konzerten.

Mensch, sylt!

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5

schnelle Fragen

Damit Deine Sylter Sänger*innen der unterschiedlichen Ensembles bei Stimme bleiben, hast Du im letzten Jahr alle möglichen Varianten des Probens organisiert und mit Leben gefüllt… drinnen mit Abstand, draußen mit Abstand und in kleinen Gruppen sowieso. Hast Du es auch schon mit digitaler Technik versucht? Schulunterricht machst Du ja schon länger so. CHRISTIAN BECHMANN:

Wir haben immer versucht, das jeweils Beste aus dem Moment zu machen. Und wenn die Proben auf Distanz vielleicht 112 Mensch, sylt!

auch musikalisch nicht so viel gebracht haben, so doch sozial – wir konnten uns wahrnehmen, begegnen und zusammen singen, dass ist einfach wichtig für die Seele. Neue Stücke zu erarbeiten, das war natürlich unter den gegebenen Voraussetzungen eher nicht so gut möglich. Da mir Freunde und Kollegen berichtet haben, dass man auch mit „Zoom“ durchaus freudvoll proben kann, werden wir das jetzt auch mal ausprobieren. Das organisiere ich gerade. Dabei ist es aber so, dass dann jede*r Sänger*in sein Mikrofon

ausstellt. Wir werden das mal in der Kantorei ausprobieren und dann gegebenenfalls auch in anderen Ensembles versuchen. Wir sind inzwischen ja alle Meister*innen der Improvisation. Wie gehst Du gerade um mit dem Thema „Konzertprogramm St. Nicolai im Sommer 2021“? CHRISTIAN BECHMANN: Flexibel. Damit habe ich im letzten Sommer die allerbesten Erfahrungen gemacht und eben auch viele Konzerte selbst gegeben und nur vereinzelt Kollegen eingeladen, wann immer es möglich


war. Das war unter den gegebenen Umständen eigentlich sehr schön. In diesem Sommer werde ich wohl ähnlich vorgehen, so scheint es im Augenblick am sinnvollsten. Große musikalische Ereignisse müssen noch ein wenig warten… Sehr planungsintensiv ist ja auch die MusicalFreizeit mit Sylter Kindern in Kleve, weil Du dafür ja sogar selbst komponierst. Wie ist da der Stand der Dinge? CHRISTIAN BECHMANN: Mit Stand Anfang März hoffen wir ganz inständig, dass die Kleve-Freizeit vom 21. Juni bis zum 1. Juli stattfinden kann. Darauf bereiten wir uns jedenfalls vor – und freuen uns drauf. Auch in Bezug auf die musikalische Begleitung aller Gottesdienste und Amtshandlungen habt Ihr ja schon Digitales erprobt. Wie ist da der Plan? CHRISTIAN BECHMANN: Theoretisch durften wir ja die ganze Zeit Gottesdienste im kleinen Rahmen feiern, haben uns aber aus Vorsicht und Solidarität dagegen entschieden. Wir hoffen ganz stark, dass wir jetzt im Frühjahr wieder mit allen unseren Gottesdienst-Varianten – natür-

lich unter Einhaltung aller Regeln – loslegen können. Da Du jemand bist, der Musik so sehr mit jeder Faser seines Seins lebt, ist diese Zeit für Dich bestimmt auch persönlich kantig. Vieles ist durch die Umstände sperrig, wenig inspirierend und das kommt der Kreativität sicher nicht unbedingt zugute. Du hast bestimmt ohne Ende viel um die Ohren, aber womit nutzt Du das Mehr an Zuhause-Zeit, das dann zwischendurch mal entsteht? CHRISTIAN BECHMANN:

Mit dem ersten Lockdown habe ich mich am Anfang wirklich schwer getan. Aber inzwischen fühlt es sich geschmeidiger an und ich nutze die Freiräume. Zum Beispiel, um für mich selbst an der Orgel und am Klavier viel zu üben. Klassische Werke, aber ich improvisiere eben auch viel – das entspricht ja auch dem, was diese Zeit uns auf anderen Ebenen abverlangt. Improvisation ist das Gebot der Stunde.

Frage am Rande: Weil wir es gerade mehrmals in diesem Gespräch hatten. Findest Du das „Gendern“ sinnvoll? CHRISTIAN BECHMANN: Habe ich gerade neulich viel drüber nachgedacht, weil ich so oft von „meinen Sängern“ spreche, dabei sind meistens viel mehr Frauen in den Chören. Ja, ich finde das wichtig, das wir auch mit Sprache geschlechtergerecht umgehen. Ich stelle mich da gerade um. Die ganz junge Generation beweist ja, mit welcher Selbstverständlichkeit das auch in der gesprochenen Sprache gehen kann.

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Enjoy every sunseT.


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BÜCHER-FRÜHLING 2021

Literarisches Zukunfts-Medley „Mensch, Sylt!“ hat, was Ihr auch haben könnt: den allercoolsten Bücherempfehler von der ganzen Welt. Er ist so eine Art Literaturflüsterer. Jörg Höfs weiß, was man lesen muss, bevor man es selbst weiß. Er ist, wenn es denn seinerzeit wieder möglich sein wird, mit all seinen Fähigkeiten in der Buchhandlung „Elatus“ in der Lister Tonnenhalle am Hafen zu finden. Bis dahin hier exklusiv bei uns seine Empfehlung für Lesestoff, der sich rund und mannigfaltig um das Thema „Zukunft“ dreht. „Was wird das Morgen uns bringen?“ – zu jeder Zeit eine unerschöpfliche Frage. Und gerade jetzt noch mehr…

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1 Benedict Wells

HARD LAND DIOGENES, 24€

Endlich. Benedict Wells langersehnter fünfter Roman ist erschienen – und nimmt uns mit auf die Reise zur zaubervollsten aber auch ernüchterndsten Zeit unseres Lebens, unserer Jugend. Eine herrlich chaotische Zeit war das. Oder? Nun, jede Jugend ist einzigartig, diese glücklich, jene eher nicht. Aber in keiner anderen Zeit unseres Lebens werden wir vom Verliebtsein und von der Erkenntnis der Endlichkeit allen Lebens so hart erwischt. Die erste große Liebe und der Tod seiner Mutter bedeuten für den Erzähler von „Hard Land“, den fast 16jährigen Samuel, dass sein bisheriges Leben als schüchterner Eigenbrötler vorbei ist. Es ist 1985, ein Städtchen in Missouri, Hitze, die Sommerferien stehen an. Dann kommt die Liebe, dann der Tod. So wird man erwachsen.

Was wird das morgen uns bringen? Die besten literarischen Antworten zum Thema stellt uns Jörg Höfs zusammen...

2 John Brockman

Neuigkeiten von morgen FISCHER, 15€

Von der Vergangenheit in die Zukunft! Diese 635 Seiten umfassende Sammlung wissenschaftlicher Kurzbeiträge unbekannter bis berühmter Forscher liefert dem Neugierigen ein umfassendes Radarsystem für sich andeutende oder bereits im Werden befindliche irdische und außerirdische Zukunftsszenarien. Ein unerschöpfliches „Vademecum“ sowohl für Zukunftsphobiker als auch Apologeten des Silicon Valley.

3 Iwan Gontscharow

Oblomow DTV, 17€

Ich habe mich gefragt, ob man in unserer von vielen existentiellen Krisen geplagten Zeit einen Roman wie „Oblomow“ noch guten Gewissens empfehlen kann. Sollte ich nicht trotz coronabedingter Zwangssedierung wenigstens versuchen, mich gegen Klimawandel, Artensterben oder Pandemie irgendwie handelnd zu stemmen? Als Motivation kann die vielleicht phlegmatischste literarische Figur der Literaturgeschichte wohl kaum dienen. Und doch liegt in Oblomows intellektuellem Müßiggang, seinem engagierten Sinnieren über soziale Gerechtigkeit und ob man überhaupt mit der Welt zurecht kommen soll, der Wille zur Tat vergraben. Mir reicht das für ein paar Stunden müßigen Faulseins völlig aus. Oder: Müßiges Faulenzen ist erst richtig schön mit Oblomow.

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4 Raymond Queneau

Zazie in der Metro SUHRKAMP, 12€

Dieser inhaltlich wie sprachlich rotzfreche französische Klassiker aus dem Jahr 1959 über die pubertierende Provinzgöre Zazie, die ein verrücktes Wochenende bei ihrem Onkel in Paris verbringt, ist gerade in einer großartigen Neuübersetzung erschienen. Das ist kein Buch zum Denken. Das ist ein Buch zum Schlapplachen. Grober inhaltlicher Unfug, deftig übersetztes Argot, skurrile Figuren und vor allem eine pfiffige, respektlose Pippi Langstrumpf hoch 3! Zur Gemütserhellung an trostlosen Schietwedderwochenenden sei das Buch ans Herz und an die Lachmuskeln gelegt.

Jahr 1962 hat ein bisschen Staub angesetzt, ok. Aber die Sehnsucht nach einer Erde, die nicht von westlicher Rationalität und kannibalischem Wirtschaftswachstum zermürbt wird, der Glaube an eine friedenstiftende Fusion westlicher und östlicher Philosophie oder der Versuch Gemeinwohlökonomie global zu entwerfen – das sind aktuelle Themen, die Soziologen, Philosophen und Ökonomen mehr und dringlicher denn je beschäftigen. Und es trägt ja schon Früchte. Also: Nur Mut zum angestaubten Klassiker!

6 Harald Welzer

Alles könnte anders sein FISCHER, 12€

5 Aldous Huxlex

EILAND PIPER, 12€

Gut, Huxleys utopischer Roman „Eiland“ aus dem 118 Mensch, sylt!

Zum Schluss möchte ich aus der glücklicherweise immer größer werdenden Anzahl von Sachbüchern zum Thema „Wie ist eine gute Zukunft für alle Lebewesen machbar?“ einen Titel herausheben, der mir mit seiner mal anschaulichen, mal wissen-

schaftlichen Diktion die „Möglichkeitsräume" des homo sapiens – hoffentlich nachhaltig – ins Hirn gepflanzt hat. Harald Welzer zeigt, dass die Rettung der Welt nicht mit groß angelegten ideologischen und womöglich gewalttätigen Paukenschlägen zu retten ist. Das wünschenswerte Morgen und Übermorgen muss „modular“ entwickelt werden, mit Instrumenten, die wir längst kennen, aber noch nicht gut genug kombiniert haben. Als homo ludens drängt sich für uns das Spielen mit LEGO-Steinen ja geradezu auf. 17 dieser recht frei kombinierbaren LEGOS stellt Welzer vor (z.B. Solidarität, Gemeinwohl, Infrastrukturen und Freundlichkeit) und entwickelt mit ihnen eine praktikabel klingende Rettungsstrategie der vielen kleinen Schritte, die vermutlich selbst einen Oblomow motivieren würde! Ein Optimismus injizierendes Buch mit vielen konkreten Beispielen dafür, wie der sinnlose Weg des „Probleme müssen gelöst werden!“ durch den des „Stück für Stück zum globalen Glück“ abgelöst wird.


Immentrauds Tipps von

A bis U Wilde Mischung und total ohne Gewe/ähr!

A

Anettes Fußmassage Wenn es um Beauty- und Wellness geht, vertraue auf die Kräfte des Nordens! Will sagen, ich habe im vorvorletzten Leben in List gewohnt und mich so an die Expertise der dortigen Fachfrauen gewöhnt, dass ich bis heute da niemanden anders ran lasse. Von Herzen zutiefst empfohlen seien daher Petra Stahl in Sachen

Kosmetik und Birgit Gerlang in Sachen „Haarmonie“. Und A wie Anette! Anette Voelmy wohnte neben mir und war Galeristin, aber damals weder Yogalehrerin noch war sie Expertin für ayurvedische Therapien. Das hat sich in den letzten 1,5 Jahrzehnten geändert und zwar grundlegend: Denn Anette lernte von den Besten – oft in Indien – und bietet heute in List ein exzellentes Spektrum ihres Könnens an. Unbedingt ausprobieren: ihre „Fußmassage“, bei

der keinesfalls Füße massiert werden. Stattdessen bringt Anette mit ihren Füßen die Energiebahnen im ganzen Körper in einen geschmeidigen Fluss. Genau das, was es jetzt braucht! www.yoganeesha.de

B

Biike: Der Song Die Biike, also das „Walfängerabschiedsund-Winterausdem-

bodenvertreib-Fest″ der Friesen fiel dieses Jahr aus. Verrückt. Da Biike aber ebenso wenig ausfallen kann wie Weihnachten, gab’s ein echtes Feuer in Tinnum und dessen Online-Übertragung für die Sylter und deren Sympathisanten. In den Häusern und davor wurden alternativ die tollsten Sachen veranstaltet, um die Tradition zu ehren. Die sozialen Medien taten Kunde davon. Wirklich putzig ist der Song mit Video, der zu Biike in Coronatimes entstand – und man kann


den jetzt auch schön im März mal hören, den Biike-Song von „Merret“. Fürs Herz und weil man so viele Leute darauf kennt. Die Aktivisten*innen der „Merret“-Bürgerinitiative haben den in Windeseile mit Jörn Ingwersen produziert.

B

Bürgermeister Wahlkampf geführt wurde über den Winter in der Gemeinde Sylt wie bei den Großen. Aber nur jeder zweite Wahlberechtigte aus Westerland, Rantum, Tinnum, Keitum, Munkmarsch, Morsum und Archsum ist am Ende auch zur Wahlurne getapert oder hat seine Stimme per Post abgegeben. Das ist blöd. Aber zu ändern: Denn 120 Mensch, sylt!

Wahlweise ist Bürgermeister ein leckeres Teilchen in der Bäckerei Ende März gibt es ja noch eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Nikolas Häckel www.nikolas-haeckel. de und Clemens Raab www.clemensraab.de – also ran da: wählen! Nicht nur meckern, machen. Ein wenig mehr Engagement statt Lamento würde Sylt ohnehin super zu Gesicht stehen.

E

Ellenbogen Urlaub! Wo ist denn nu die schönste Herberge auf Sylt? Keine Ahnung, ist ja allerhand Schönes dabei. Wenn ich, nach den ganzen Strapazen und Unwegsamkeiten in Corona-Times bald mal was richtig Wildes machen möchte, dann miete ich mich jedenfalls mit dem neuen Buch von Christian Kracht „Eurotrash“ (hat viel mit Kampen zu tun)

in ein Appartement von Conni und Thomas Diedrichsen auf dem Ellenbogen ein. Und ich reise mit dem Fahrrad aus Wenningstedt an… craazyyy. Dort in der Weite wach zu werden, davon träume ich schon lange. Wenn man irgendwo neue Erkenntnis gewinnt, dann sicher da. www.uethoern.de


G H Galerie von Barbara & Jensi Barbara Sewing-Delius und Jens Holste servieren in der Braderuper Kurve, neben „Café Curve“ und der Ledermanufaktur eine Wahnsinnsmischung aus dänischen Lampen, Möbel-Retro-DesignKlassikern in neuem und meistens knalligem Gewand sowie Kunst, Lichtskulpturen und putzigen Kleinigkeiten. Mitten in Kampen, direkt neben dem Kaamp Hüs, eröffneten sie jetzt auch eine Kunst-Galerie, bei der man angesichts der Exponate respektvoll „Ohhhh“ und „Ahhhhh“ haucht. Unbedingt anstaunen…im Wattweg 1.

Hansen-HofLädchen

Bewusstes Shoppen rettet die Welt. Nicht komplett, aber ein wenig. Also bitte auf Sylt, wo immer es geht, Lebensmittel einkaufen, die was „mit hier“ zu tun haben und/oder ohne Jetlag auf den Teller kommen sowie bestenfalls „bio“ und mit Liebe gemacht sind. Neu: So ein putziger kleiner Laden mit Produkten vom „Hansen Hof″ in Morsum und darüber hinaus. Mitten auf der Friedrichstraße.

Man munkelt, auf dem Markt werde es auch bald einen UnverpacktStand geben. Juchu! Sonst BioshoppingEmpfehlung: „Budni“, „Denn’s“ und das gute alte Westerländer Reformhaus.

In der No. 6 nämlich. Find’ ich gut. www. hansenhof-sylt.de Allerbestes Biobrot gibt’s ja bei Bäcker Lund in Hörnum (und Eis, Essen, Kuchen – sowieso alles in köstlich).

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Auch im Café Wien wird’s sehr bald ein kleines Sortiment feinster Bio-Backwaren geben.

Kohle ist da" Bio-Produkte-Sponsoring für die „Sylt Klinik“: In „Mensch, Sylt!“ Ausgabe 2 berichteten wir über Nina Krainz, die seit Jahrzehnten in der Wenningstedter „Sylt Klinik“ mit Leidenschaft dafür sorgt, dass die krebskranken Kinder und ihre Familien nach allen Regeln der Kunst mit gutem, gesunden Essen versorgt werden. Wir schrieben also über Nina und ihr Werk und

Obst & Gemüse: Fr., und im Sommer auch Di., im „Erdbeerparadies″ in Braderup und Mi. und Sa. auf dem Westerländer Wochenmarkt

Mensch, sylt!

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mensch – installieren und mitmachen… und saver raus aus dem Lockdown! Das Gleiche gilt – in meinem Augen – fürs Impfen: eine Frage der Solidarität. ihren Wunsch, ihre Küche bald komplett auf Bio umzustellen. Und, zack, kaum ein paar Tage nach Erscheinen meldete sich eine Spenderin für die künftige Bioversorgung. Durch den freundlichen Geldsegen können jetzt schon mal die ökologisch einwandfreien Fleisch- und Milchprodukte bestellt werden. Eine frisch gegründete Projektgruppe der Klinik will sich um weitere Maßnahmen für noch mehr Bio kümmern. Ich kann nur sagen: So macht schreiben Spaß, wenn daraus Gutes und Sinnvolles entsteht.

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Und wer weiß, vielleicht kommt ja noch mehr Geld zusammen… Spendenkonto Sylt Klinik Nord-Ostsee Sparkasse IBAN: DE32 2175 0000 0030 0141 61 BIC: NOLADE21NOS

L

LUCA-App Dazu nur so viel: Ob Gastgeber oder Einzel-

M

MOIN – jetzt auch in Wenningstedt Klar, die Pommes beim „Pottkieker“ in der Wenningstedter Seestraße waren immer lecker. Aber es ist auch toll, dass der Traditions-Imbiss jetzt zu einer Filiale der kleinen MOIN-Kette wird. Da stimmte bislang die Performance in der Friedrichstraße: Ein Ambiente, wie es gerade als schick gilt, aber eben auch kein Anschlag auf das Geschmackszentrum ist, die Speisen: unpräten-

tiös und lecker, verlässlicher Abholservice in der ganzen Lockdownzeit und Sushi immer nur dann, wenn es auch einen Profi im Team gibt. Das wird bestimmt laufen wie verrückt in Wenningstedt. www.moin-sylt.de

Mit „M“ fängt so viel Gutes an: Meer z.B. und Marmelade. Und „Mensch, Sylt!“


N

Nachhaltigkeitsquiz Sylt hat eine Klimaschutzmanagerin. Das ist schonmal cool. Sie heißt Catharina Bayerlein und ist megaqualifiziert für den Job. Neben vielen anderen Aktivitäten hat sie eine „Syltbottle“ für frisch gezapftes Leitungswasser (es gibt nichts Besseres) auf den Weg gebracht und ein Nachhaltigkeitsquiz. Einfach mal reinklicken. klimaschutzsylt.de

S

Schlittschuh fahren Jeder*r Sylter*in, der in den kalten Tagen hinter Tinnums Deich Schlittschuh gelaufen ist, wird jetzt verträumt lächeln. Kinder, war das schön! Das Highlight des Lockdown-Winters. Wenn es auch nur von kurzer Dauer war, das Vergnügen. Erst kam die Polizei wegen zu vieler Menschen, dann das Tauwetter. Ein Lehrstück in Sachen: Feiert den Moment!

upm Dörp üblich. Das hat schwierige Aspekte, aber auch sehr viele Wunderbare. „Sag’ mir, was Du brauchst, und ich kann das innerhalb von zehn Minuten besorgen!“ Wenn man auf Sylt lebt, funktioniert das wirklich so. Dieser Spirit des Miteinanders wird auf der Facebook-Seite „Gesucht gefunden Sylt“ virtuell gelebt. Wir berichteten in Ausgabe 1. Jetzt baten dort die „Admins“ um Unterstützung für eine vom Schicksal gebeutelte junge Mutter mit Baby und zick-zack, beeindruckend, wie viele Sylter*innen da geholfen haben, mit Geld, Sachen und Handwerkskompetenz.

Söl’ring Hof: Zwei Sterne für Johannes King Wir sind ja Fans vom Kräuter-King. Jetzt hat er – zusammen mit seinem Küchenchef JanPhilipp-Berner – wieder seine zwei Sterne im Guide Michelin verteidigt und noch Extralorbeeren für Nachhaltigkeit ergattert. Erstmals bekam er 2004 zwei Sterne. Chapeau.

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Unterstützung: Wie auf dem Dorf Sylt funktioniert wie

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We love crazy locals!

Mensch,

SYLT!

Mehr kunterbunte Stories gibts am 15. Juni 2021 in der Mensch, Sylt!

post@mensch-sylt.de www.mensch-sylt.de 124 Mensch, sylt!

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