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an.schläge05/2002

an.schläge DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN mai

thema

AufHorchen Gehörlose werden nicht (an)gehört. Sie kämpfen um ihre rechtliche Anerkennung österreich

EntRechtet Das Integrationspaket ist schikanös, verfassungswidrig und frauenfeindlich e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,–


an.schläge an.spruch

Ein besonderer Saft Auf jedes Blut ist das „Rote Kreuz“ nicht scharf integration

auf.takt

Basta! – Es reicht! Das Integrationspaket als Schikane gegenüber Frauen

08

gewalt.schutz

Fünf Jahre gegen Gewalt Schützt Wegweiserecht Frauen besser vor Gewalt?

10

international.polen

Frauen fordern solidarnosc

forum

thema

politik

In Sachen Chancengleichheit besteht in Polen Aufholbedarf

14

an.sage

Wahlrecht für MigrantInnen Wählengehen; sofort oder erst nach fünf Jahren Aufenthalt?

24

gehör.los

Weder stumm noch dumm Die Gebärdensprache ist immer noch nicht anerkannt

16

forum.wissenschaft

Ludus, Romantik & Co. Der Einfluss des Liebesstils auf die PartnerInnenschaft

22

arbeit

feuer.wehren

„Ich will Feuerwehrfrau werden!“ Von der Pionierarbeit von Frauen bei der Feuerwehr

28

fuß.ball

UEFA-Women’s Cup Interview mit Olga Hutter, Frauenfußball-Trainerin

32

ausdruck.tanz

Befreiter Ausdruck Der Ausdruckstanz erlebte durch die NS-Diktatur eine Zäsur

34

dorothy.parker

Regen für Dorothy „New Yorker Geschichten“ sind Anlass, die Autorin neu zu entdecken

36

an.klang

Gitarre mit Elektronik Ein musikalischer Cocktail aus Stimmwölkchen und Punk

38

lese.zeichen

Kein Vermächtnis Alle fünf Stücke von Sarah Kane in einem Band

39

ge.fragt

kultur

Die Produktion dieser an.schläge war alles andere als leicht und unbeschwert, denn ganz andere Dinge benötigten unsere Aufmerksamkeit und verstopften die Telefonleitungen der Redaktion. Auf Antrag der ÖVP werden mehrere Frauen des Vereins CheckArt und der Redaktion an.schläge voraussichtlich noch im April vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss geladen. Vorwürfe wie „indirekte Parteifinanzierung (Kommunisten)“ und missbräuchliche Verwendung von Subventionsgeldern wurden in den Raum gestellt, denen wir uns nun stellen müssen. Wie genau das abgelaufen ist und alle Hintergründe zur Hetzjagd auf alternative und feministische Vereine gibt es im nächsten Heft. Das Thema der aktuellen Ausgabe widmet sich der Welt der Gehörlosen und ihren spezifischen Sichtweisen und Problemen (ab Seite 16). Vernichtend fällt Karins Urteil zur „Integrationsvereinbarung“ aus (ab Seite 8). Wenig erfreulich sind diese Tendenzen in Österreich, Menschen zu Arbeitsmaschinen ohne Rechte zu degradieren. Gar nicht erfreulich war auch der neonazistische Aufmarsch auf dem Wiener Heldenplatz und der anschließende Marsch durch die Kärntnerstraße, ohne Eingreifen der Polizei. Denn die hatte alle Wasserwerfer im Volksgarten im Einsatz, wo all jene in Schach gehalten wurden, die ein Zeichen gegen AusländerInnenfeindlichkeit setzen wollten. Große Freude bereitet hat es hingegen Evelyn Steinthaler, ein Porträt über ihr Idol, die Schriftstellerin Dorothy „Dotty“ Parker, zu verfassen (ab Seite 36). Evelyn bleibt uns auch weiterhin als Autorin und Mitarbeiterin erhalten. Eine Neuerung gibt es für alle an.schläge-Abonnentinnen: Die vierteljährlich erscheinende Rezensionszeitschrift WeiberDiwan wird zwar weiterhin in Kooperation mit den an.schläge produziert, doch die Redaktion und somit die Aboverwaltung koordiniert ab sofort die Buchhandlung Frauenzimmer. Die Zeitschrift kommt nicht mehr automatisch mit dem an.schläge-Abo ins Haus, sondern wird getrennt verschickt. Welche auch in Zukunft nicht auf den kostenlosen WeiberDiwan verzichten will, hinterlasse Name und Adresse bitte in der Buchhandlung Frauenzimmer: T. 01/522 48 92, e-mail: frauenzimmer@aon.at

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Kosmopolitin wider Willen Eine irische Spanierin, die den „Spider Dance“ kreierte

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Fo t o : A r c h i v

an.an.schläge

der Suche nach neuen Heraus-

an.schläge

forderungen

Herausgeberinnen und Verlegerinnen:

fleißig, fleißig, fleißig…

an.schläge-Frauen ständig auf

CheckArt, Verein für feministische Medien und Politik A-1030 Wien, Hetzgasse 42/1, T. 01/920 16 76 Fax: 01/ 715 98 88, e-mail: redaktion@anschlaege .at http://www.anschlaege.at

Redaktionskollektiv: Karin Eckert/keck (Koordination), Verena Fabris/vab (web), Angela Heissenberger/AH (Termine, Abos), Gabi Horak/GaH (Koordination), Kerstin Kellermann/kek, Helga Pankratz/ pan

IInserate, PR: Eva Melnik Ständige Mitarbeiterinnen: Doris Brenner/DoB, Anni Bürkl/abü, Heike Ehlers/HE, Claudia Saller/cs, Eva Steinheimer/ESt

Mitarbeiterinnen dieser Nummer: Angelika Baier/ajb, Ulrike Breit/ueb, Ewa Dziedzic/ewa, Charlotte Eckler, Daniela Fohn/DF, Maria Kohen, Nina Luef/NiL, Gabi Obojkovic, Petra Öllinger/PÖ, Lisa Rosenblatt, Evelyn Steinthaler, Maria Wimmer

an.sage: Renate Brauner & Miriam Lehner neu.land: Jasmina Jankovic’ heim.spiel: Angela Heissenberger wyber.space: Eva Steinheimer ge.fragt: Elke Koch an.klang: Sonja Eismann & Ute Hölzl plus.minus: Helga Pankratz Cartoon: Gabi Szekatsch Unsere Werbung: Magdalena Blaszczuk Fotos: an.schläge-Archiv, artemis-generationentheater,

Betrifft:„Raum zum Altern“ in 4/02

Betrifft: an.schläge 4/02

Viel Lob

Viel Arbeit

Geschätztes an.schläge-Team, liebe Gabi! Mit Überraschung und Freude gab ich mich dem Artikel „Raum zum Altern“ in der letzten Ausgabe hin und durfte feststellen: an.schläge greift endlich auf, was GerontologInnen schon länger beforschen – das Alter ist weiblich und wer, wenn nicht das einzig lesbare feministische Printmedium Österreichs, hätte das Thema so kurz und vielsagend einleiten können! Viele Aussagen des Artikels sind weiterführend unter gerontologischer Sichtweise zu diskutieren, doch es erscheint mir als wichtigster Punkt, dass es grundlegend um die gezielte Förderung eines gelebten Generationendialoges gehen wird dürfen. „Raum zum Altern“ – das ist gesellschaftlicher Mut und Auftrag, ist gleichzeitig die Förderung Junger und auch Tatsache (altern, vor allem biologisches, nimmt sich Raum). Noch ein Hinweis: informiert euch z.B. bei jungundalt_lernen@gmx.at über Altersressourcenorientierung. Liebe Grüße und viel Erfolg weiterhin!

Liebe an.schläge Gratuliere! Die Zeitschrift ist gut gemacht und inhaltlich auch sehr interessant. Frau sieht, dass da viel Arbeit dahinter steckt.

Annemarie Appl (akad. Gerontologin, per e-mail)

Katharina Charvat (per SMS)

Betrifft: Kurzmeldung in an.schläge 4/02

Viele Fehler Liebe an.schläge-Redaktion, Vielen Dank, dass ihr das Coachingprojekt in eure aktuelle Ausgabe reingekommen habt, aber leider haben sich einige Fehler eingeschlichen, die ich richtig stellen möchte: Die Anmeldung für die Angebote für Dissertantinnen als auch die Diplomandinnen, die in frauenunterrepräsentierten Studien abschließen UND die Angebote für Lehrende gehen über mich bzw. die Telefonnummer: 4277/184 63. Trägerin des Projektes ist das Projektzentrum Frauenförderung. Die ÖH macht ausschließlich die Angebote in allen anderen Studienrichtungen. Danke! per e-mail: diplomcoaching@gmx.at

Betrifft:„Kunst im Wohnzimmer“ in 4/02

Magdalena Blaszczuk, Borges, Michaela Bruckmüller, Kathy Bryla, Angela Heissenberger, Yanick MacDonald, Margarete Neundlinger, Ingrid Targyik-Böhm, Helene

Viel Freude

Trauner, Christine Weislein

an.schläge Schrift: Martha Stutteregger Grafisches Konzept: Beate Schachinger für Layout: Andrea Gadler Druck: Reha Druck, Graz © an.schläge: Titel, Vorspänne und Zwischentitel von der müssen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion

Liebe Claudia, Wir haben uns über den Artikel in den an.schlägen sehr gefreut und finden uns alle sehr gut getroffen... also auch Dank an die tolle Fotografin. Liebe Grüße

entsprechen. Kürzungen vorbehalten.

Elke (per e-mail)

Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge

04 an.schlägemai 2002

an.schläge werden gefördert von: FRAUEN BURO MAGISTRAT DER STADT WIEN


an.spruch

Verena Fabris

Ein besonderer Saft Mit dem coolen Spruch „Scharf auf dein Blut“ wirbt das Rote Kreuz um BlutspenderInnen. Blutspenden ist eine wichtige Sache, denn Blut kann Leben retten. „Menschen, die ihr Blut aus Nächstenliebe geben, drücken damit ihre Solidarität mit Schwächeren aus – mit Verletzten oder Kranken. Menschen geben einander Blut, ohne sich überhaupt zu kennen, aber die freiwilligen Spender wissen: Durch meine Spende wird ein anderer weiterleben“, heißt es auf der Internet-Site des Roten Kreuzes, das zu 9095 % die österreichischen Blutspenden organisiert. Auf jedes Blut jedoch ist das „Rote Kreuz“ nicht scharf. Zum Beispiel nicht auf jenes meiner Freundin Laura: Man will kein Blut, das über längeren Zeitraum in Großbritannien war, es könnte BSE-verseucht sein – ob sich die entsprechende Blutspenderin dort vegetarisch ernährt hat, tut nichts zur Sache. Auch nicht auf jenes meiner Freundin Karin. Man will kein Blut von kürzlich Tätowierten, denn auch das könnte verunreinigt worden sein. Und ganz bestimmt will man kein Blut von Menschen mit sogenanntem Risikoverhalten:Von Prostituierten zum Beispiel. Oder von Drogensüchtigen. Oder von Schwulen und Lesben. Um festzustellen, ob jemand in Großbritannien war, als Prostituierte arbeitet oder lesbisch ist, muss die willige Spenderin einen Fragebogen ausfüllen. Manche tun das wahrheitsgemäß – andere nicht. Meine Freundin Nadine kreuzte sich wundernd ob der Frage, aber nichts Böses ahnend wahrheitsgemäß an, dass sie homosexuell lebt. Daraufhin erklärte ihr der Arzt, dass sie leider nicht zum Blutspenden zugelassen sei, und dass sie ihm ihren ausgefüllten Fragebogen übergeben solle, damit er sie für ganz Österreich sperren lassen könne. – Nadine hat den Fragebogen vor seinen Augen zerrissen. Warum ihre lesbische Orientierung ein Risikofaktor sein solle, konnte der Arzt ihr nicht erklären. Auch, dass Nadine seit drei Jahren in einer monogamen Beziehung lebt, brachte den Arzt nicht von seinem Urteil ab. Alfons Haider ist kein Freund von mir. Er ist schwul und durfte vor der Kamera Blut spenden und so für sich und das Rote Kreuz werben. Daraufhin postete ein williger schwuler Spender im Gästebuch von www.blut.at, dass er sich freue, dass Homosexualität offensichtlich nicht mehr länger als

Risikofaktor betrachtet werde. Gerhart Svoboda von der Marketingabteilung des Roten Kreuzes bedankte sich bei ihm für seinen Willen, Blut zu spenden, erklärte aber, dass Homosexualität, Prostitution, Gefängnisaufenthalt und Drogenkonsum nun mal risikoreiche Verhaltensweisen seien. Es gehe nicht um eine Diskriminierung von Homosexuellen, sondern „einzig und allein um umfassende Kriterien im Sinne der höchstmöglichen Sicherheit für Spender und Empfänger“. Meine Freundin Nadine trägt sich mit ihrer eigenen Geschichte ins Gästebuch ein und bringt eine Lawine ins Rollen. Zahlreiche Leute erklären sich mit ihr solidarisch. Andere wiederum beschimpfen sie. Das Rote Kreuz schweigt. Mehrmals wird es – schließlich auch von meiner Seite – dazu aufgefordert, Stellung zu beziehen. Die Stellungnahme kommt schließlich: 25 % aller mit HIV neu infizierten Menschen sind homosexuell, heißt es da. 75 % aller neu mit HIV infizierten Menschen sind heterosexuell, heißt es – nicht. Die Frage, warum Alfons Haider Blut spenden durfte und andere Schwule nicht, wurde ignoriert. Ebenso ignoriert wurden meine wiederholten Fragen nach dem erhöhten Risiko, sich bei lesbischem Sex mit HIV anzustecken. Das verwundert nicht: Denn es gibt keine spezifische Gefahr bei lesbischem Sex, die es nicht auch bei heterosexuellem Verkehr gibt. Auf telefonische Nachfrage, warum Lesben nicht Blut spenden dürfen, erklärt sich Herr Svoboda schließlich nach anfänglichem Zögern (das müsse alles noch mit der Organisation abgesprochen werden) zu folgendem Statement bereit:„Wir sind in einer Evaluierungsphase, und wenn die Datenlage das zulässt, werden die Formulierungen auf dem Fragebogen zu adaptieren sein.“ Prinzipiell sei keine Lesbe vom Blutspenden ausgeschlossen, das hätte immer noch der Arzt im persönlichen Gespräch zu entscheiden. Bei Schwulen sei das was anderes: Denn 25 % aller u.s.w. Die österreichische Aids-Statistik des Bundesministeriums für Soziale Sicherheit und Generationen vom 4. April 2002 weist übrigens keinen einzigen Fall aus, wo sich eine lesbische oder bisexuelle Frau mit AIDS infiziert hätte. So viel zur Datenlage … Vielleicht entscheidet sich das Rote Kreuz bald dazu, zwischen Schwulen und Lesben zu unterscheiden. Vielleicht kann das auch dazu beitragen, Lesben sichtbarer zu machen. Nicht nur als potentielle Blutspenderinnen. ❚ mai 2002an.schläge 05


österreichan.riss frauennetzwerk

Grenzenlos

flüchtlinge

Gelebte Integration

Fo t o : Ka t h y B r y l a

Im von UNICEF und „asylkoordination Österreich“ initiierten Projekt „connecting people“ übernahmen ÖsterreicherInnen die Patenschaft für jugendliche Flüchtlinge, um diesen moralische Unterstützung teilwerden zu lassen. Die PatInnen hatten keinerlei finanzielle oder rechtliche Verpflichtungen einzugehen. Heinz Fronek von der asylkoordination dazu:„PatInnenschaften sind gelebte Integration, sie sind ein Brückenbauen, Geben und Nehmen für beide Seiten.“ Das Projekt ist ein Zeichen dafür, dass die Zivilgesellschaft immer mehr dort einspringt, wo der Staat wegschaut. Am 8. April präsentierte „connecting people“ im Rahmen einer multikulturellen Feier im Rathaus das Erfahrungsbuch zum Projekt. Darin kommen die Flüchtlinge und ihre PatInnen selbst zu Wort. Demnächst wird das Projekt auf ganz Österreich ausgeweitet – PatInnen werden weiterhin gesucht. abü asylkoordination Österreich, Schottengasse 3A, 1010 Wien,T. 01/53 212 91, e-mail: asylkoordination@t0.or.at, http://www.asyl.at „connecting people. Jugendliche Flüchtlinge und ihre PatInnen erzählen“, hg. von UNICEF und asylkoordination Österreich, Mandelbaumverlag 2002, nähere Infos zum Projekt: http://www.asyl.at/umf/index.htm

„Dass für die Weibchen der Urhorde

plus.minus

Die von den Wiener Sozialwissenschafterinnen Cheryl Bernard und Edit Schlaffer gegründete Organisation „Frauen ohne Grenzen“ hat zum Ziel, die politische Präsenz von Frauen bei Friedensverhandlungen, Regierungsbildungen und der Planung von Entwicklungsprogrammen zu forcieren und damit Frauen in politische Entscheidungsprozesse einzubinden. Die Standpunkte von Frauen in Krisengebieten sollen bei der Suche nach Konfliktlösungen endlich gehört werden. Zu den ersten Projekten des internationalen Netzwerkes gehört ein Schulprojekt in Afghanistan, durch das vor allem Jugendlichen eine fundierte Berufsausbildung zuteil werden soll. Außerdem wird Künstlerinnen und JournalistInnen in Europa eine Ausbildung ermöglicht, damit diese in der Heimat das Denken aktiv mitgestalten können. In Palästina arbeitet „Frauen ohne Grenzen“ an der Errichtung einer Entbindungs- und Notfallstation für Frauen und Kinder in Birzeit. ajb Infos unter: http://www.frauenohnegrenzen.org

wohnrecht

Gleich und ungleich Die Reform des Wohnungseigentumsgesetzes ermöglicht ab 1. Juli 2002 erstmals auch den Wohnungserwerb für gleichgeschlechtliche LebenspartnerInnen. Ob die Regierung damit einen Weg Richtung Gleichstellungspolitik einschlägt, oder ob nur wirtschaftspolitische Interessen hinter der Neuerung stehen, fragen sich sowohl VertreterInnen der Grünen als auch der SPÖ. Dass plötzlich die langjährige Forderung nach Gleichstellung ohne große Debatten durchgesetzt wird, überrascht viele. Als nächstes will die Opposition auch die Gleichstellung im Mietrecht erreichen. Anlässlich der ins Haus stehenden Zivilverfahrensreform wollen

plus.minus Reaktionen und Anregungen an die Redaktion per Brief oder e-mail, mit dem Betreff:„plus.minus“

der böse Schurke überlebenswichtig war“

.. und wir alle das „noch in den Genen“ hätten. – Diesen biologistischen Ursprungsmythos der Machokratie wärmte neulich Gerti Senger in „Willkommen Österreich“ auf. Gute Nacht Österreich! Als Betthupferl erzählt dir Tante Gerti ein populäres Wissenschafts-Märchen.

06 an.schlägemai 2002

großes i

großes geld

Franz Karl

Junior-Millionenshow

Landtagsabgeordneter Franz Karl (VP) kämpft als „Leser-Anwalt“ der an alle Wiener Haushalte gehenden Bezirkszeitung gegen das Binnen-I: Dieses sei „eine links-linke Erfindung und daher ideologisch zutiefst abzulehnen“. Die in Meidling mit Grünen-, SP- und liberalen Stimmen beschlossene Umbenennung von Bürgerdienst in BürgerInnendienst sei ein „Schwachsinn“. Die Bezirksrätin, die den Antrag eingebracht hatte, sei eben „grün“ im Sinn von unerfahren. Mit diesen und weiteren Ausfälligkeiten gegen die „rot-grüne I-Idiotie“ wechselt Herr Karl politisches Kleingeld. (–)

Großes Geld winkt den Kleinen seit dem 27. April im ORF. Dass es schon für Erwachsene sehr stressig ist, von Barbara Stöckl mit sanfter Stimme ins Schwitzen gebracht zu werden, genügt wohl nicht. Da muss die „Junior Millionenshow“ her, in der 10- bis 13-Jährige ganz genau nach dem Muster des Quiz für Erwachsene große Summen gewinnen oder verspielen; mit Vati und Mutti im Rücken. „Die Kinder wollen es so“, argumentiert Stefan Zechner, der verantwortliche Sendungschef, den Nervenkitzel auf Kosten der Jüngsten bei der modernen Version von „Brot und Spiele“. (–)


an.rissösterreich die Grünen nun einen Antrag einbringen, damit gleichgeschlechtliche LebenspartnerInnen, wie es im Strafrecht bereits der Fall ist, als Angehörige anerkannt werden. Die grüne Justizsprecherin Terezija Stoisits: „Es wäre den Regierunsparteien dringend angeraten, unseren Anträgen zuzustimmen, denn dieses doppelbödige Spiel – hier gleichstellen, da nicht – entbehrt jeglicher sachlichen Grundlage.“ Außerdem könne die Regierung so der Peinlichkeit einer Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte entgehen. Dort läuft ein Verfahren im Falle eines schwulen Mannes, dem nach dem Tod seines Lebensgefährten die Mietvertragsübernahme verweigert wurde. ESt

paragraph 209

an.ruf Barbara Klein im Gespräch mit Verena Fabris

Eingemottet Weil 5 Millionen Schilling (362.264 Euro) fehlen, wird der kosmos.frauenraum voraussichtlich nur bis Juni geöffnet haben. Was passiert danach?

Was Österreich will... „Die Österreicher wollen das so!“ meinte der vorsitzende Richter im Oberlandesgericht Wien zur Begründung seines Urteils im Fall eines 36-jährigen homosexuellen Mannes, der wegen Beziehungen zu minderjährigen Männern vom Erstrichter zu sechs, nun aber zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden war.„Angesichts der schweren Schuld des Angeklagten“ sei das Ersturteil nicht zu verstehen. Ein Drittel der Strafe wurde sogar ohne Bewährung verhängt. 1998 war der Mann im Zuge einer Grenzkontrolle verhaftet worden, weil sich ein 17-Jähriger in seinem Wagen befunden hatte. Über 30 Organisationen haben sich in einer Plattform gegen den Paragraph 209, in dem für homosexuelle Beziehungen zwischen Männern noch immer das Sondermindestalter von 18 Jahren verankert ist, zusammengeschlossen. Allgemein (auch für lesbische Beziehungen) gilt hingegen das Mindestalter von 14 Jahren.Wollen das die ÖsterreicherInnen? DF

sozialstaat österreich

In die Schublade? 717.314 Stimmen wurden in der Woche nach Ostern für die verfassungsrechtliche Verankerung des Sozialstaates in ganz Österreich abgegeben. Ein Erfolg oder für die Schublade? Verfolgt frau die Diskussionen rund um das Ergebnis des Volksbegehrens „Sozialstaat Österreich“, tun sich politische Abgründe auf. Weniger inhaltliche Auseinandersetzungen, wie die Forderungen umsetzbar sein könnten, finden statt, sondern vielmehr Schuldzuschreibungen, Häme und Pessimismus oder gegenseitiges Schulterklopfen. Sozialminister Haupt hält von einer Verankerung des Sozialstaates in der Verfassung nichts, weil Österreich ja sowieso ein Sozialstaat sei. ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat und ihr Kollege von der FPÖ, Karl Schweitzer, sind sich einig: Die Millionenmarke wurde verfehlt, weil die Bevölkerung den Sozialstaat bei der schwarzblauen Regierung in guten Händen wisse. „Wir müssen diesen Menschen, die durch die Gräuelpropaganda der Vereinten Linken Österreichs verunsichert worden sind, zeigen, dass ihre Befürchtungen und Ängste völlig unbegründet sind“, so Karl Schweitzer. FPÖ-Klubchef Peter Westenthaler witterte einen Vorwahlkampf der beiden Oppositionsparteien. Die Reaktion von ÖVP-Klubobmann Andreas Khol scheint sich auf den Vorwurf des (finanziellen) Engagements von SPÖ, ÖGB und der ArbeiterInnenkammer zu beschränken. Wenig Optimismus bei den Grünen: Obmann Alexander van der Bellen fürchtet eine „Schubladisierung“ des Volksbegehrens. Die InitatorInnen selber zeigen sich hingegen zuversichtlich. Es bleibt die Hoffnung, dass soziale Anliegen nicht nur die Basis für politisches Hick-Hack sind, sondern auch für zielführende Diskurse. PÖ

Das Theater wird „eingemottet“. Es gibt nur Geld für die Miete und einen kleinen Sockel an Grundkosten und Hausverwaltung. Wir können vermieten und kleine Veranstaltungen (Diskussionen, workshops, etc.) machen, die kein Werbeetat benötigen dürfen. Auch Gastronomie wäre grundsätzlich möglich. Der Verein „Link.* – Verein für weiblichen Spielraum“ hat Konkurs angemeldet. Was bedeutet das für die Mitarbeiterinnen des kosmos.frauenraums? Sie wurden gekündigt. Nur nach Maßgabe des Eintreffens der ausstehenden Förderungen können sie weiterbeschäftigt werden, um die vertraglich vereinbarten Vorstellungen bis 6. Juli abzuwickeln. Danach kann nur ein Arbeitsplatz für Administration besetzt werden. In eurer jüngsten Programmzeitschrift schreibst du, dass die arbeitsrechtlichen Schritte, die einige ehemalige kosmos-Mitarbeiterinnen unternommen haben, auch eine Folge „neoliberaler Entsolidarisierung“ seien. Kannst du jede Verantwortung für die anhängigen Klagen von dir weisen? So aus dem Zusammenhang genommen möchte ich das nicht sagen. Ich habe beschrieben, dass die politischen Umstände konkrete Auswirkungen im kosmos zeitigten. Meine Verantwortung sehe ich nicht dort, wo es darum geht, Schulden zu machen ohne Aussicht auf Deckung, um den Druck der derzeitigen Förderungspolitik von den Arbeitnehmerinnen fernzuhalten. Die Verantwortung, dass ich das bisher getan habe – allerdings mit dem gravierenden Unterschied der berechtigten Hoffnung auf Deckung –, damit kosmos. frauenraum überhaupt existiert, übernehme ich. Dies hatte vermutlich zur Folge, dass Arbeitnehmerinnen den Ernst der Lage zu wenig wahrgenommen haben und nun mit großer Enttäuschung agieren. Wohin entwickelt sich deiner Meinung das kulturpolitische Klima in Österreich? Leider nicht zum besseren. Die Bundespolitik führt meines Erachtens zu einer erschreckenden Lethargie auf Seiten der inner- und außerparlamentarischen Opposition. Haupt & Co ist es weitgehendst gelungen, Frauenpolitik ausschließlich auf sozialpolitische Aspekte zu reduzieren. Barbara Klein ist die Leiterin von kosmos.frauenraum

mai 2002an.schläge 07


politikintegration

Fo t o : M a g d a l e n a B l a s zc z u k

Basta! – Es reicht!

Weder Integration noch Assimilation will die Regierung mit dem neuen Integrationspaket erreichen. Schikane ist das einzige Ziel. Und diese trifft Frauen ganz besonders. Ein vernichtendes Urteil von Karin Eckert

Integr… hust. Das Wort müsste ihnen eigentlich im Hals stecken bleiben. Nicht aber unseren PolitikerInnen, die in frecher Manier Wortumpolung betreiben, und dabei weder rot vor Scham, noch weiß vor Übelkeit werden. Und schwarz-blau sind sie ja schon. Aber nicht, weil sie an ihren pragmatischen Worthülsen ersticken und dabei blau anlaufen oder weil ihnen schwarz wird vor Augen. Leider. Integration. „Wie soll ich mich integrieren, wenn ich dauernd mit Ablehnung zu kämpfen habe? Auf der Straße werde 08 an.schlägemai 2002

ich beschimpft, die Leute schauen mich abfällig an und meinen, ich soll erst mal deutsch lernen. Wie soll ich das, wenn sie im Dialekt mit mir reden?“ Verónica aus Peru bringt das Problem Integration auf den Punkt. Der Prozess ist ein wechselseitiger und verlangt von der Aufnahmegesellschaft das Übernehmen von Verantwortung. Strukturen müssen geschaffen werden, die den MigrantInnen das Gefühl vermitteln, überhaupt erwünscht zu sein. Gegenteiliges bewirkt vielmehr einen Rückzug in die Geborgenheit der eigenen Community, die im öffentlichen Raum nur unzureichend bis gar nicht angetroffen wird.

Die österreichische Regierung hingegen vertritt eine völlig andere Auffassung von Integration. Sie legt MigrantInnen jede Menge Pflichten auf, ohne ihnen im Gegenzug Rechte in Aussicht zu stellen. Mit ihrem Gesetzesentwurf wälzt Schwarz-Blau zum einen jede Verantwortung auf die MigrantInnen ab, zum anderen reduziert sie Integration auf den Spracherwerb, der zwar Voraussetzung aber sicher nicht alleiniges Mittel zur Integration sein kann. Damoklesschwert. Alle MigrantInnen, die nach dem 1. 1. 1998 eingewandert sind oder ab dem 1. 1. 2003 einwandern,


integrationpolitik werden nun verpflichtet, einen Deutschkurs zu absolvieren. Die Regierung unterstellt den Betroffenen damit Integrationsunwilligkeit, weshalb sie zu ihrem zweifelhaften Glück gezwungen werden müssten. Erfahrungen zeigen hingegen, dass die bisher angebotenen Deutschkurse die Nachfrage in keinster Weise abdecken können. Dass die Integrationsvereinbarung, so der offizielle Wortlaut, gar nicht ernst gemeint sein kann, zeigt der Blick aufs Detail. 100 Kursstunden vorzusehen, um eine so schwierige Sprache wie Deutsch zu vermitteln, bezeichnet der Sprachwissenschafter Hans-Jürgen Krumm als „absolut lächerlich“. Zudem werde auf Muttersprache und Bildungsniveau keine Rücksicht genommen. Gerade für Frauen, denen immer noch weniger Schulbildung zuteil wird als Männern, und die einen höheren Prozentsatz der AnalphabetInnen stellen, ist dieser Punkt besonders wichtig. „Völlig verrückt“ aus pädagogischer Sicht sei die Verknüpfung von Spracherwerb mit Sanktionen wie Geldstrafen und drohender Ausweisung. Ganz anders zeigt sich die Situation beispielsweise in Holland: Nach einer individuellen Einstufungsberatung folgt ein 600-stündiger Kurs, der zudem zu 90 % vom Staat finanziert wird. In Österreich hingegen müssen 50 % der Kurskosten aus eigener Tasche bezahlt werden – für Frauen, die durch Familienzuzug nach Österreich gekommen sind und daher nicht arbeiten dürfen eine besondere Belastung. Und überhaupt: Wie sollen MigrantInnen, die zu einem hohen Prozentsatz in unregelmäßigen Arbeitsverhältnissen stehen, einen regelmäßig stattfindenden Kurs besuchen? Sollen alleinerziehende Migrantinnen ihre Kinder in die Kurse einfach mitnehmen? Rechtlosigkeit. Während in Deutschland Anreize wie Aufenthaltsverfestigung geschaffen wurden, sieht Österreich eine Harmonisierung von Aufenthaltsund Arbeitsrecht erst nach fünfjährigem Aufenthalt vor. Im Gegenzug wird mit der SaisonarbeiterInnenregelung ein Heer von rechtlosen Arbeitskräften geschaffen. Die Regelung wird auch auf alle Branchen mit Arbeitskräftemangel

ausgedehnt. Für sechs Monate – verlängerbar auf ein Jahr – bekommen die „neuen GastarbeiterInnen“ das Recht zu arbeiten. Nach einer zweimonatigen Pause kann erneut angesucht werden. Damit wird ein angeblich befristeter Einsatz zum rechtlosen Dauerzustand, denn die SaisonarbeiterInnen haben keinerlei Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Familienzuzug. Gleichzeitig wird bereits ansässigen MigrantInnen, beispielsweise nachgereisten Ehefrauen, der Zugang zum Arbeitsmarkt verweigert. August Gächter, Arbeitsmarktexperte des Instituts für Höhere Studien (IHS): „Es hat sich schon in ganz Europa gezeigt, dass das Rotationssystem illusorisch ist. Wenn die Regierung glaubt, sie könnte das in den Griff bekommen, dann betreibt sie entweder Selbsttäuschung oder Täuschung der Anderen.“ Schlüsselkräfte. Sesam öffen dich für NeuzuwanderInnen, die der Wirtschaft nützlich sind, Türeknallen vor den Nasen von Menschen, die „uns“ nicht nützlich erscheinen. Wer nützlich ist, das wird künftig die Wirtschaftskammer entscheiden, die bestimmt, wer als Schlüsselkraft anerkannt wird und wer nicht. Voraussetzung ist jedenfalls ein Mindestbruttogehalt von 1.962,- Euro. Die Verfassungsrechtlerin Anna Sporrer hält dies für verfassungswidrig, da in der Praxis weibliche Führungskräfte durchschnittlich weniger verdienen und daher vor allem Männer in den Genuss der neuen Regelung kommen werden.

Die Novelle fördert folglich weibliche Abhängigkeit und Isolation. Bedenklich auch das künftig obligate Gesundheitszeugnis für NeuzuwanderInnen: bedeutet das in der Praxis, dass ein gesundes Kind nach Österreich darf, ein krankes aber nicht? ExpertInnen sind sich einig: in der Praxis wird die Novelle so nicht zu halten sein. Verfassungswidrige Bestimmungen landen vor dem Verfassungsgerichtshof, unklare Bestimmungen, wer nun tatsächlich die Deutschkurse besuchen muss, wer als Schlüsselarbeitskraft und wer als Saisonier anerkannt wird, werden zu chaotischen Zuständen führen. Der ständige Wechsel von Saisoniers und die zu erwartenden Klagen bedeuten einen unglaublichen und teuren Mehraufwand für die Verwaltung. Die ArbeitgeberInnen werden – je nach Branche – auch nicht glücklich, wenn sie Arbeitskräfte einschulen müssen, die nach wenigen Monaten wieder gehen müssen. Änderungen wird es also zwangsläufig geben.

Wahlkampf. PolitikerInnen Unkenntnis und Dummheit zu unterstellen, greift zu kurz. Denn sie wissen was sie tun. Sie wissen, dass viele der Regelungen verfassungsrechtlich nicht haltbar sind. Sie wollen Zeit schinden bis zur nächsten Wahl. Die FPÖ kann damit ihre WählerInnen auf den Nullzuzug verweisen, die ÖVP auf ihren wirtschaftlichen Opportunismus. Lösungen sind das freilich nicht. Aber darum scheint’s auch nicht zu gehen. Denn sonst wären ja ExpertInnen bereits im Vorfeld zugezogen worden, und nicht erst nach beschlosChaos. Forderungen, durch Familienzusener Novelle, um sich einen intellektuzug nach Österreich gekommene MigrantInnen – und dabei handelt es sich ellen Sanktus zu holen. MigrantInnen werden im Regievor allem um Frauen – ein eigenständirungsentwurf lediglich als statistische ges Aufenthaltsrecht zuzugestehen, Größe behandelt. Aber auch Gesetzesblieben natürlich ungehört. Frauen sind daher rechtlich an ihre Männer ge- gegnerInnen lassen sich mitunter auf die vorgegebene ökonomische Argubunden. Bei Scheidung oder Tod des mentationsschiene ein: MigrantInnen Partners verlieren sie ihr Aufenthaltswerden zu Zahlen im Pensionssystem, recht und können abgeschoben werden. Dass sie erst nach fünf Jahren Auf- am Arbeitsmarkt, in der Gesellschaft. enthalt arbeiten dürfen, führt die „Inte- Sie werden nur noch an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit gemessen. Wieso grationsvereinbarung“ ad absurdum: ist es nicht möglich, einfach mit dem deutsch lernen müssen die Frauen – Recht auf menschenwürdige Behandden Kurs wird wohl der Ehemann zahlung zu argumentieren? Nachdenklichlen müssen – ihre Deutschkenntnisse ❚ in der Praxis umsetzen allerdings nicht. keit macht sich breit.

Der Entwurf zur Fremdenrechtsnovelle ist nachzulesen unter: http://ln-inter1.bmi.gv.at/web/ bmiwebp.nsf/AllPages/BEG0009 11104954

mai 2002an.schläge 09


Fo t o s : M a g d a l e n a B l a s zc z u k

politikgewaltschutz

Fünf Jahre gegen Gewalt Seit 1997 hat Österreich ein europaweit einzigartiges Gesetz zum Schutz gegen Gewalt in der Familie. Wegweiserecht und Betreuung für Betroffene – sind Frauen nun besser geschützt? Von Daniela Fohn und Claudia Saller

„Ich glaube, es waren ,Sternjahre‘, in denen mehrere glückliche Konstellationen zusammengekommen sind.“ So erklärt Rosa Logar, Leiterin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, wie in Österreich ein Gewaltschutzgesetz entstehen konnte, das europaweit seinesgleichen sucht. „Die Idee kommt eigentlich aus der Frauenhaus-Arbeit: Es stellte sich zunehmend die Frage, wie es mit den Frauenhäusern weitergehen soll: Sollen Frauen und Kinder weiterhin in endlosen Strö10 an.schlägemai 2002

men in Frauenhäuser flüchten? Warum müssen denn nicht eigentlich jene, die Gewalt verursachen, die Konsequenz tragen?“ Die UNO-Menschenrechtskonferenz 1993 in Wien gab ebenfalls einen wichtigen Anstoß. Es wurde erstmals anerkannt, dass Gewalt an Frauen, egal ob im öffentlichen oder im privaten Bereich, Menschenrechtsverletzungen darstellen und dass die Staaten für ein Ende dieser Gewalt verantwortlich sind. Gleichzeitig gab es auch eine sehr aktive Frauenministerin Johanna Dohnal,

sowie eine große Bereitschaft seitens Polizei und Justiz, mit den Fraueneinrichtungen zusammenzuarbeiten. Eine interministerielle Arbeitsgruppe schuf die Grundlagen des „Bundesgesetzes zum Schutz gegen Gewalt in der Familie“, das schließlich am 1. Mai 1997 in Kraft trat. Die drei zentralen Punkte des Gesetzes sind die polizeiliche Wegweisung von gefährdenden Personen für zehn Tage, die „einstweilige Verfügung“ (= die Verlängerung des Schutzes auf drei Monate) sowie die Einrichtung und Förderung


gewaltschutzpolitik Mitarbeiterinnen der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie links Rosa Logar: „…nur eine gesellschaftspolitische Signalwirkung.“ rechts

Sozialarbeiterin übernimmt. Allgemein ist das Gesetz für schwer gefährliche Täter nicht geeignet. In diesem Fall empfiehlt die Interventionsstelle nach wie vor die Flucht ins Frauenhaus. Die meisten Weggewiesenen verbringen die Zeit bei Bekannten oder ihren Eltern. Dabei sind wiederum die Mütter die Leidtragenden, die nun mit dem aggressiven Sohn fertig werden müssen, wobei auch hier eine Wegweisung möglich ist. Im Sommer schlafen viele „starke Männer“ in ihrem Auto, um nicht in ein städtisches Männerwohnheim gehen zu müssen. Die Exekutive hat innerhalb der ersten drei Tage die Aufgabe, zu überprüDie Praxis. Die „Gefährder“ sind zu 95% fen, ob sich der Weggewiesene auch an Männer. Rund ein Drittel der überwiedie Maßnahmen hält. Hier wurde in der gend weiblichen Opfer (ca. 92 % sind Frauen), die von der Polizei an die Wiener Vergangenheit leider manchmal unsensibel vorgegangen und das Opfer in Interventionsstelle weitergeleitet wermanchen Fällen als MitwisserIn zu eiden, sind Migrantinnen. Diese Zahl steigt kontinuierlich, was darauf zurück- ner Verwaltungsstrafe verurteilt, wenn zuführen ist, dass hier auch Beratungen sich der Täter unerlaubterweise doch in der Wohnung aufgehalten hatte. in Türkisch, Armenisch, Serbisch, Kroatisch und Bosnisch angeboten werden. „Bei der polizeilichen Wegweisung konPolizeischulungen. Allgemein funktioniert zentriert man sich darauf, dass Mendie Zusammenarbeit mit der Polizei schen bei Gewalt in ihrem persönlichen aber gut. Im Jahr 2000 wurden die SeWohnumfeld geschützt werden“, erklärt minare zum Gewaltschutzgesetz, die Logar. Allerdings wird der Schutzbereich seit 1992 Teil der polizeilichen Aus- und manchmal zu eng gewählt und endet Weiterbildung sind und vom Innenmibereits vor dem Haustor, sodass das Op- nisterium finanziert werden, novelliert. fer den Weg zur nächsten Bushaltestelle Was für die ursprünglich wenig euphoschutzlos bewältigen muss. Hält sich rischen Frauenhaustrainerinnen 1990 der Täter nicht an die Wegweisung, wird im Rahmen einer Schulungswoche er notfalls mit Befehls- und Zwangsgefrühmorgens mit einer knappen Stunwalt entfernt und im Wiederholungsfall de Redezeit vor skeptischen Polizisten auch inhaftiert. Direkt nach dem Polizei- mit Waffe und Uniform begann, wurde einsatz nimmt die Interventionsstelle sukzessive zu einem zweitägigen SemiKontakt mit den Opfern auf und berät nar ausgebaut. Der erste Tag wird von sie, wie nun weiter vorgegangen wird. einer Frauenhaustrainerin, der zweite Dazu gehört auch ein Fragenkatalog, der von einem polizeilichen Trainer geleierheben soll, wie akut die Gefahr motet. Als weitere Begleitmaßnahme wermentan ist. Besonders wichtig ist außer- den laufend Evaluationsstudien durchdem, den Täter zu beschäftigen, denn geführt. die meisten Männer sind neben ihrer Zusammenfassend kann gesagt Gewaltbereitschaft völlig orientierungs- werden, dass zwar eine gesellschaftspolilos ohne Frau. Oft handelt es sich um ei- tische Signalwirkung erzielt wurde; für ne gefährliche Mischung aus Gewalt viele Frauen, egal ob sie sich nach der und Abhängigkeit, in der die gewalterWegweisung für eine Trennung oder ein fahrende Frau zusätzlich die Rolle der weiteres Zusammenleben entschieden von Interventionsstellen, die unmittelbar nach dem Polizeieinsatz die betroffenen Personen unterstützen. Besonders wichtig, so Logar, sei der Paradigmenwechel, den dieses Gesetz, das bisher 12.182 Mal angewandt wurde, bewirkt habe: Nicht die Opfer müssen gehen, sondern die Täter. „Wir vergleichen das immer mit der Roten Karte im Sport, das ist auch etwas, was Männer ganz gut verstehen können, die sonst vielleicht mit Frauenrechten nicht so viel am Hut haben: Wer unfair spielt, muss gehen.“

haben, endet die Gewalt aber nicht, sondern verstärkt oder verlagert sich. Eine längerfristige Nachbetreuung von Seiten der Interventionsstelle wäre sinnvoll, um Anzeichen neuerlicher Gewalt rechtzeitig zu erkennen. Gesetze allein und eine Interventionsstelle pro Bundesland sind natürlich nicht genug, betont Logar: „Wenn wir nicht vorher ein Netz aus Frauenhäusern, Notrufen, Beratungsstellen und Einrichtungen für Migrantinnen aufgebaut hätten, würde das überhaupt nicht funktionieren.“ Verbesserungen. Auch das Gesetz selbst habe noch einige Lücken. So könne etwa die zivilrechtliche „einstweilige Verfügung“ nur von nahen Angehörigen in Anspruch genommen werden. Im Falle einer Scheidung endet der Schutz sofort, gerade das sei aber eine kritische Phase, warnt Logar. Zahlreiche Vorschläge zu einer Verbesserung des Schutzes von Gewaltopfern habe die Interventionsstelle dem Justizminister immer wieder mitgeteilt, aber der politische Wille, auf die Erfahrungen der Facheinrichtungen zu hören, fehle. Immerhin wurde aber die Verpflichtung zum Ausbau und der Förderung der Interventionsstellen im Koalitionsabkommen der schwarzblauen Regierung übernommen. Bislang sei es auch zu keinen Budgetkürzungen für die Interventionsstellen gekommen. Das Gewaltschutzgesetz ist natürlich nur ein kleines Gesetz in einem großen System: An der strukturellen Gewalt gegen Frauen und an der Ungleichheit der Geschlechter ändert das Gesetz kaum etwas. Gerade die Ungleichheit sei es aber, die Gewalt hervorbringe, betont Logar. Frauen, die von ihrem Partner ökonomisch und/oder sozial abhängig sind, seien besonders gefährdet. „Langfristig gesehen ist nur die de facto Gleichstellung von Frauen und Männern, aber auch von MigrantInnen die einzige Möglichkeit, sie nicht mehr zu Opfern werden zu lassen!“ ❚

Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie Amerlingstraße 1/6, 1060 Wien T. 01/ 585 32 88 Fax: DW 20 e-mail: istwien@magnet.at

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internationalan.riss berlin

Schamrot Es muss nicht immer Hamburg sein, wo ein Strukturwandel in der Landespolitik erschreckende Parallelen zu den Akzenten in der Österreichischen Bundespolitik erkennen lässt (vgl. an.schläge 4/02). Die Personalpolitik Berlins nach dem linken Wahlerfolg im vergangenen Herbst verdient nicht weniger besorgte Aufmerksamkeit. Nun hat Berlin zwar eine SPD/PDS-Koalition und mit Klaus Wowereit sogar einen offen schwulen Bürgermeister. Doch der am 17. Jänner gewählten neunköpfigen Landesregierung gehören nur zwei Frauen an. Karin Schubert (SPD) wurde Justizsenatorin und Heidi Knake-Werner (PDS) Senatorin für Gesundheit, Soziales und KonsumentInnenschutz. „Frauenpolitisch ist das Personaltableau eine Katastrophe“, kommentiert Sabine Röhrbein von der Berlin-Redaktion der Zeitschrift „Queer“ die Besetzung des Senats. Die Agenden der früheren Frauensenatorin Gabriele Schöttler fallen nämlich nunmehr in den Kompetenzbereich eines Mannes. Es ist kein geringerer als der PDS-Frontmann Gregor Gysi selbst, der nun als „FrauensenatorIn“ firmiert. Die Dreierkombination von Gregor-„Ich-bin-ein Feminist“-Gysis Zuständigkeit – nämlich Wirtschaft, Arbeit und Frau – macht Sinn: Sie garantiert, dass Frauenpolitik in Berlin auch weiterhin nicht in die Familien-Ecke abgeschoben wird. Dass die Besetzung dieser Funktion in einer Regierung, deren erklärte Ziele Gleichstellung und soziale Gerechtigkeit sind, justament gegengeschlechtlich erfolgt und mit dem Schlagwort Gendermainstreaming verkauft wird, lässt die Bezeichnung der Koalition als „Rot-Rot“ in neuem Licht erscheinen. Es ist wohl Schamrot im Gesicht der Männer und Zornrot bei den Frauen. pan

chile

Gewerkschaft anerkannt ecuador.venezuela

Homophobie

Fo t o : A r c h i v

Theorie: Ecuador gehört zu jenen wenigen Ländern, in denen der Schutz vor Diskriminierung auf Grund von „sexueller Orientierung“ in die Verfassung aufgenommen wurde. Praxis: Die Polizei pfeift darauf. Amnesty International berichtet von einem steilen Anstieg von Razzien in den Städten Guayaquil und Quito, die oft in willkürlichen Verhaftungen von Mitgliedern sexueller Minderheiten enden. Folter und Misshandlungen in der Haft sind keine Seltenheit. Der neue regionale Polizeichef bekannte sich kürzlich offen zu seiner homophoben Einstellung. Der Mord an Angie Milano, einer bekannten transsexuellen Aktivistin, im März ist der traurige Höhepunkt einer Reihe von Gewaltakten gegen Transgenderpersonen in Venezuela: Dokumentiert sind sexuelle Nötigungen, willkürliche Inhaftierungen, schwere Körperverletzungen und einige Mordfälle, in die, nach Angaben lokaler AktivistInnen, vor allem Mitglieder der Polizei involviert sein sollen. Die Internationale Menschenrechtskommission für Lesben und Schwule (IGLHRC) fordert eine sofortige und objektive Untersuchung der Fälle und bittet um Protestschreiben an Santiago Cantón von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission in Washington: cidhoea@oas.org Keck Nähere Infos unter: www.iglhrc.org

12 an.schlägemai 2002

Zwanzig Jahre mühsames Kämpfen haben zum Erfolg geführt: Im März wurde die erste Gewerkschaft der Sexarbeiterinnen in Chile (APRODEM) anerkannt. Rund 15.700 chilenischen Sexarbeiterinnen wird damit die Möglichkeit eröffnet, endlich grundlegende Arbeitsrechte einzufordern. Der Alltag der Frauen ist von Willkür, Schikanen und Gefahren geprägt, gegen die sie sich bis dato aufgrund ihres rechtlich unsicheren Status kaum zur Wehr setzen konnten. Bei gewalttätigen Übergriffen von Klienten oder Barbesitzern wagten sie es nicht einmal, die Polizei zu Hilfe zu rufen, da sie damit Gefahr liefen, festgenommen zu werden. Die Täter hingegen gingen straffrei aus. APRODEM fordert nun Rechte, wie sie jeder anderen Arbeiterin zustehen: Arbeitsverträge, eine Pensionsversicherung und der Zugang zu Kranken- und Sozialversicherung. Ein wichtiges Anliegen betrifft die soziale Anerkennung von Sexarbeit, verbunden mit der Beendigung der schikanösen Vorgehensweise der Exekutive. Um den fehlenden Schutz des Staates zu kompensieren, kümmerte sich die Organisation seit den 80er Jahren auch um soziale Betreuung und psychologische Beratung. Mit Kampagnen gegen Kinderprostitution, ihrer Aufklärungsarbeit über Aidsrisiken und das Insistieren auf die Verwendung von Kondomen schufen sich die Mitarbeiterinnen von APRODEM nicht nur FreundInnen. Die offizielle Anerkennung der Organisation als Gewerkschaft ist auch ein wichtiger Schritt, um in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Probleme der Sexarbeite rinnen zu schaffen. Keck


an.rissinternational kreta

Urlaubsseminar Unter dem Motto „Entspannung – Neubestimmung – Tanz“ haben urlaubsreife Frauen vom 19.-26. Oktober 2002 auf Kreta die Möglichkeit, im Rahmen eines einwöchigen Workshops, wieder zu sich selbst zu finden. Mit Hilfe von Rollenspielen, systemischer Aufstellung und Mediation, erarbeitet jede Frau – unterstützt durch die Gruppe – ihre persönlichen Anliegen. Die Abendgestaltung wird durch Tanz- und Bewegungssequenzen bestimmt. Auf lustvolle Art werden ureigene Bewegungsspielräume erkundet und Energien mobilisiert. Noch sind Plätze frei! DF Anmeldung bis spätestens 15. 7. 2002 bei Maria Menz, T. 01/545 77 64, e-mail: office@mediatorin.at

Deutschland I

Papiere für Alle Wer keinen legalen Aufenthaltsstatus besitzt, kann selbstverständliche Grundrechte nicht in Anspruch nehmen. Frauen ohne Aufenthaltspapiere sind noch einmal anders betroffen als Männer. Frauen, die alleine in der „Illegalität“ leben, sind oft mit rassistischer und sexistischer Diskriminierung konfrontiert. Sich gegen diese Übergriffe zu wehren, ist ihnen meist nicht möglich: zu groß ist die Gefahr, aufgegriffen und abgeschoben zu werden. Tragen die Frauen auch Verantwortung für Kinder, so sind sie zusätzlichen Belastungen ausgesetzt. Die Erwerbstätigkeit wird erschwert, wenn die Kinder aufgrund ihres rechtlosen Status nicht in den Kindergarten oder in die Schule gehen können. Seit zehn Jahren besteht in Berlin das Frauen- und Lesbenbündnis „Papiere für Alle“, das Frauen und Kinder ohne Aufenthaltspapiere unterstützt: bei der Suche nach Wohnungen und Jobs, bei der Vermittlung von AnwältInnen, Schul- und Kindergartenplätzen. Um auch in Zukunft Hilfestellungen anbieten zu können, sind die Betreiberinnen dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen. PÖ Infos unter e-mail: sorglosfinanz@yahoo.de Spendenkonto des Netzwerk Selbsthilfe: Kto.-Nr. 30 29 802, Bank für Sozialwirtschaft AG, BLZ 100 205 00

wyber.space

www.aufdersuche

deutschland II

FiNuT Vom 9.-12. Mai 2002 findet der alljährliche Kongress „Frauen in Naturwissenschaft und Technik“ (FiNuT) statt, dieses Mal in Kassel. Unter dem Motto „Alles unter einem Hut“ wird heuer das 25-jährige Jubiläum gefeiert und gleichzeitig auf die Themenvielfalt der vergangenen Kongresse der FiNuT eingegangen. Als vielversprechende Schwerpunkte sind die Themen „Splitter zum Ganzen fügen“ und „Vielfalt der Perspektiven“ angekündigt. Auch heuer gibt es wieder Vorträge, Diskussionen, Workshops und andere Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch. Frau wird über Erfolgsdarstellungen und Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre sowie über Zukunftsperspektiven informiert. NiL Anmeldung unter http://www.uni-kassel.de/finut/

argentinien

Rückschritt Schwangerschaftsabbrüche sind in Argentinien prinzipiell verboten. Als Fortschritt für die weibliche Selbstbestimmung war es insofern zu bewerten, als 1998 die sogenannte Pille danach zugelassen wurde. In einem umstrittenen Urteil hat der Oberste Gerichtshof das Verhütungsmittel nun wieder verboten. Als Begründung wurde angeführt, dass die Pille danach abortiv sei und somit das in der Verfassung geschützte Recht auf Leben verletze. Als „nicht wissenschaftlich“ und „ideologisch“ wird das Urteil von argentinischen Frauengruppen bezeichnet, die nun gegen das Verbot Sturm laufen. Sie haben angekündigt, die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte anzurufen, um das Urteil überprüfen zu lassen. GaH

Was macht frau, wenn sie im Internet auf der Suche ist? Sie verwendet eine Suchmaschine. Und was macht frau, wenn sie auf der Suche nach feministischen oder zumindest frauenspezifischen Inhalten ist? Sie sucht erst mal eine Frauensuchmaschine. Unter diesen Seiten, die sich Frauensuchmaschinen nennen, gibt es dann jede Menge solcher, die mit Themen wie Outfit, Body,Trend und Horoskop herkömmlichen Frauenzeitschriften à la WOMAN Konkurrenz machen, z.B. http://www.bellissima.de oder http://www.hausfrauenseite.de. Letztere hat eine jugendlicher angelegte Tochter-Site mit dem Namen http://www.powercat.de, die einen Webkatalog mit Links zu allen möglichen Themen, eine Suchmöglichkeit und ein Forum bietet. Allerdings muss frau auch hier auf Versandhaus- und Anticellulitewerbebanner gefasst sein. Seriöser präsentiert sich http://www.woman.de; ebenfalls Webkatalog und Suchmaschine mit Themen wie Bildung, Medien, Politik und Wirtschaft. Sehr amerikaspezifisch, aber informativ und spannend zum Schmökern sind die beiden englischsprachigen Sites http://www.femina.com und http://www.wwwomen.com. Als Suchmaschinen sind zwar alle genannten Sites nicht so toll, als Webkataloge aber in jedem Fall. ESt

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Fo t o s : M a g d a l e n a B l a s zc z u k

politikinternationalpolen

Frauen fordern solidarnosc Seit 1997 hat Polen eine neue europakompatible Verfassung. Trotzdem fühlt sich keine Fraktion im polnischen Parlament und erst recht keine Regierungspartei derzeit verpflichtet, bei „Europa“ auch „Gleichstellung“ mitzudenken. Von Gabi Obojkovic Von Gleichstellung ist am polnischen Arbeitsmarkt nicht viel zu bemerken. Die Frauenerwerbsquote lag im Jahr 2001 bei 52 %. Seit 1989 haben Frauen vermehrt Schwierigkeiten bei der Stellensuche, obwohl mehr als die Hälfte aller berufstätigen Frauen eine weiterführende Ausbildung hat. Zum Vergleich: unter Männern sind es gerade ein Drittel. Damit sie überhaupt Chancen am Arbeitsmarkt haben, müssen Frauen also von vornherein eine höhere Ausbildung vorweisen können als Männer. Den größten Grad der Gleichstellung erreichen Frauen mit höherer Ausbildung in technischen Bereichen. Einerseits ist eine Feminisierung der Erwerbstätigkeit in vielen Wirtschafts- und einigen Industriebereichen festzustellen. Andererseits sind viele 14 an.schlägemai 2002

Frauen aus ökonomischen Gründen oft gezwungen, minder qualifizierte Tätigkeiten in Kauf zu nehmen. Verhärtete Rollenbilder. Verschärft wird diese Situation durch das vorherrschende Bewusstsein einer klaren Rollenteilung: Viele Frauen sehen es nach wie vor als ihre Hauptaufgabe an, für Haushalt und Familie zu sorgen. Oft verhindern die steigenden Kosten von Kinderbetreuungsplätzen eine Tätigkeit in schlecht bezahlten Berufen oder verunmöglichen überhaupt eine Berufstätigkeit. Frauen haben also nur formal gleiche Chancen am Arbeitsmarkt. Die Regierungsprogramme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sind nicht frauenspezifisch, Stellenangebote richten sich zudem vorwiegend an Männer.

Am ehesten Aussicht auf Chancengleichheit haben Frauen als Firmengründerinnen. Ein Drittel aller UnternehmerInnen ist weiblich, so auch Agnieszkas Mutter, die in Polen lebt, während ihre Tochter in Österreich ihr Glück versucht. Sie hat sich ihren Job selbst kreiert und kommt damit einigermaßen über die Runden. Die Miete für das Geschäftslokal ist allerdings so hoch, dass sie sich keine eigene Wohnung leisten kann. Finanzielle Überlegungen sind auch der Grund dafür, dass sie immer noch, obwohl unglücklich, verheiratet ist. „It´s the economy“, meinte sie, als ich sie auf die sehr geringe Scheidungsrate ansprach. Daheim gilt ihre dreißigjährige Tochter Agnieszka, die in Österreich lebt und illegal arbeitet, als „altes Mädchen“, das nun


poleninternationalpolitik

Gleiche Chancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt? links Glück hat Frau, wenn sie einen leistbaren Kinderbetreuungsplatz ergattert. rechts

Hinweise auf gravierende Erbkrankheiten/Schädigungen gibt oder die Schwangerschaft Resultat einer Vergewaltigung ist, bleibt ein Schwangerschaftsabbruch straffrei. Das Gesetz wird in der Praxis teilweise noch rigider gehandhabt. Manche Ärzte führen den Eingriff selbst in indizierten Fällen nicht Mythos Mutter. Obwohl die Lebensrealität durch, aus Angst vor Repressalien oder von Frauen eher dem realsozialistischen aus „Gewissensgründen“. Die Folge: ein Abtreibungstourismus, der finanziell Bild der Mutter-Arbeiterin als dem der schlechter gestellte Frauen in den bürgerlichen Familie gleicht, werden Osten (beispielsweise in die Ukraine weiterhin konservative Rollenmodelle bemüht. Frauenpolitik existiert nur un- oder nach Weißrussland), wohlhabendere Frauen in den Westen Europas auster dem Signet der Familienpolitik. zuweichen zwingt. Eine Auswahl möglicher Gründe Die Abtreibungsdebatte fungierte für den wenig ausgeprägten Feminismus: die Tradition kollektiver Rechte vor als Kristallisationspunkt für viele Frauengruppen. Es bildeten sich Komitees für Individualrechten, fehlende objektive ein Referendum zur Abtreibungsfrage. Interessenkonflikte zwischen den Ge1995 gab es die erste öffentlich wahrgeschlechtern im Realsozialismus, mangelnde Tradition unabhängiger Frauen- nommene Auseinandersetzung zum Thema Schwangerschaftsabbruch.Verschiebewegungen, die Diskreditierung des dene Frauenorganisationen taten sich zuGleichheitsgedankens durch verkürzte sammen und definierten in Hinblick auf sozialistische Emanzipationsideologie sowie traditionelle katholische Normen die Weltfrauenkonferenz in Peking die Situation der Frauen in Polen. Zudem suchund Wertvorstellungen. Letztere münten Frauenorganisationen den Kontakt den teilweise in nationale Mythen wie mit Menschenrechtsgruppen, um auf die beispielsweise der „Matka Polka“, der Unteilbarkeit von Frauenrechten als Menpolnischen Mutter. Das Wahlrecht erschenrechte hinzuweisen. hielten die Polinnen 1918. Maria Sklo1991 wurde eine parlamentarische dowska-Curie war eine der ersten ausFrauengruppe gegründet, die mehrmals ländischen Studentinnen an der SorGesetzesinitiativen startete. Informelle bonne in Paris, Hanna Suchocka die erGruppen wie „Kobiety Tez“ (deutsch: ste Ministerpräsidentin von 1992 bis Frauen auch) ermuntern Frauen zur Kan1993. Die absolute Zahl von Frauen in öffentlichen Ämtern ist seit 1989 leicht didatur für politische Ämter und schulen Interessentinnen. 1995 gab es eine weitgestiegen. Es gab eine stellvertretende hin wahrgenommene Kampagne gegen Verteidigungsministerin und zwei Regierungssprecherinnen. Bei den letzten häusliche Gewalt. Verschiedene Organisationen schlossen sich zur „Niebieska LiParlamentswahlen sind deutlich mehr Frauen als bisher in beide Kammern des nia“ (deutsch: blaues Band) zusammen. polnischen Parlaments gewählt worden. Zwei Jahre später wurde diese KampagDer Anteil der weiblichen Abgeordneten ne mit Fernsehspots und Fernsehdiskussionen weitergeführt und Männergebeträgt 20 %, im Senat sind es 23 %. walt so ein Stück weit „de-legitimiert“. Abtreibungstourismus. Das polnische Abtreibungsgesetz ist eines der restriktiv- Frauenhandel. Schätzungsweise zwei sten in Europa. Nur wenn das Leben der Drittel aller verschleppten Frauen Frau oder des Fötus gefährdet ist, es kommen aus Osteuropa. Seit dem Fall wirklich bald heiraten und an Kinder denken sollte. Polnische Frauen heiraten im Schnitt fünf Jahre früher als in Österreich lebende Frauen und Familie steht auf der Werteskala ganz oben. Dabei gilt: je kleiner das Einkommen desto größer der Kindersegen.

des Eisernen Vorhangs ist eine massive Zunahme des Frauenhandels zu verzeichnen. Armut ist eine der Hauptursachen für diese Form organisierter Ausbeutung und Erniedrigung. Polen ist zugleich Herkunfts-, Zielund Durchzugsland für den organisierten Menschenhandel, wobei die polnischen Behörden ihre Anstrengungen zu seiner Bekämpfung in den letzten Jahren verstärkt haben, sodass sich die Zahl der angeklagten Menschenhändler von 24 im Jahr 1999 auf 119 im Nachfolgejahr deutlich erhöht hat. Auch die Zahl der bekannt gewordenen Opfer ist erheblich gestiegen. Kampf in Österreich. Hierzulande setzen sich die SPÖ-Frauen dafür ein, dass die Aufnahme der EU-Beitrittsbewerber abhängig ist von ihrer Kooperationsbereitschaft im Kampf gegen Frauenhandel. Österreich gilt aufgrund seiner geographischen Lage als Drehscheibe für Frauenhandel und ist zur Mitarbeit im Kampf dagegen aufgerufen. Vorbildcharakter hat hier der Verein LEFÖ (Lateinamerikanische exilierte Frauen in Österreich). Die vor vier Jahren gegründete Interventionsstelle betreut Sexarbeiterinnen, mittlerweile vor allem aus den ehemaligen Ostblockländern. LEFÖ fordert, dass Frauenhandel als internationales Delikt gewertet wird, einen Abschiebestopp für betroffene Frauen sowie umfassende Betreuung und Schutz, nicht nur für „aussagekräftige“ Zeuginnen. Denn zur Zeit werden nur jene Frauen als Betroffene anerkannt, die mit den Behörden kooperieren und als Zeuginnen aussagen, was nicht alle können oder wagen. In Sachen Chancengleichheit hat Polen noch einiges aufzuholen. Es sind hier Maßnahmen seitens der nationalen (Frauen)Politik gefragt aber auch Unterstützung von der Europäischen Union wird notwendig sein, um dem Land faire Chancen in einem vereinten Europa zu eröffnen. ❚ mai 2002an.schläge 15


themagehörlos In Österreich leben etwa 6.800 Gehörlose. Gehörlos ist aber nicht gleichbedeutend mit Stumm-Sein: deshalb wurde in den 80er Jahren der Begriff „taubstumm“ als diskriminierend erkannt und offiziell abgeschafft.

Weder stumm noch dumm!

http://www.gehoerlos.at http://www.witaf.at Petition für Chancengleichheit Gehörloser: info@oeglb.at

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Eine Welt ohne Geräusche. Menschen, die darin leben, werden häufig mit dem Vorurteil konfrontiert, sie seien behindert. Jedoch nicht Gehörlose haben ein Defizit, vielmehr herrscht ein Mangel an Ausbildungschancen, nicht zuletzt bedingt durch die Nichtanerkennung der Gebärdensprache in Österreich. Von Anni Bürkl und Karin Eckert, Fotos von Magdalena Blaszczuk

Eigene Kultur. Gehörlosigkeit ist ein Defizit und muss ausgeglichen werden – so lautet zumindest der Anspruch vieler Hörender. Gehörlose sollen sich an die Welt der „Gesunden“ anpassen, sie sollen Hörgeräte tragen und vor allem: sie sollen die Lautsprache lernen. Häufige Folgen: Isolation, Feindseligkeit, Unverständnis. Doch Gehörlosigkeit ist nicht gleich Gehörlosigkeit. Es besteht ein großer Unterschied, ob jemand von Geburt an kein Hörvermögen hat, oder ob sie/er als Kind noch hören und so Sprache kennenlernen konnte. Auch der Grad der Gehörlosigkeit ist entscheidend für einen möglichen Lautsprachenerwerb. Manche Gehörlose können zumindest noch Geräusche wahrnehmen, Sprache aber nicht herausfiltern, außer mit Hilfe eines Hörgerätes. Das am häufigsten genannte Argument für die Erziehung hin zur Lautsprache und gegen das Erlernen und Verwenden der Gebärdensprache lautet, Gehörlose so in eine „normale“ Welt einzubinden und Isolation zu vermeiden. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein, werden dadurch doch weder die Laut- noch die Gebärdensprache ausreichend erlernt. Zerrissenheit, in der sich die Betroffenen weder zur Gemeinschaft der Hörenden noch der der Gehörlosen als zugehörig erleben, sei die Folge, so Valerie Clarke vom Wiener Taubstummenfürsorgeverband (WITAF). Dem defizitären Ansatz, und dessen Drang zur Lautsprache, steht das Modell von Gehörlosigkeit als eigenständige Kultur mit besonderer Sprache, bestimmten Eigenheiten, Normen, Werten und Traditionen gegenüber. Dabei ist die Frühförderung gehörloser Kinder besonders wichtig, denn für sie ist Gebärdensprache die adäquate Sprache schlechthin. Sie zur Lautsprache zu zwingen bedeutet, ihnen die Chance zu nehmen, jene Sprache zu erlernen, die ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen entspricht, und ihnen eine Fremdsprache aufzuzwingen, die sie nie zur Gänze werden lernen können.


gehörlosthema

vom Forschungszentrum für Gebärdensprache an der Uni Klagenfurt (FZGS) führt aus, dass die Argumente gegen die Gebärdensprache jenen rassistischer Ablehnung gegenüber als minderwertig bezeichneten Sprachen sehr ähnelt. Diese militante Ablehnung klassifiziert Dotter außerdem als autoritär. Zu fordern ist daher Respekt vor – und Anerkennung von – der Muttersprache Gehörloser.

Eine Anerkennung der Gebärdensprache bedeutet das Recht auf Verständigung in allen Bereichen, auf Förderung und finanzielle Hilfe. Speziell letzter Punkt ist besonders wichtig, damit Gehörlose nicht zu Sozialfällen werden. Eine Anerkennung der Gehörlosen als Minderheit würde zahlreiche Vorteile mit sich bringen: Gelder für Gebärdensprachausbildung für Hörende und Gehörlose, adäquate BerufsausRecht auf Gebärdensprache... Die Österbildung, eine ausreichende Zahl an reichische Gebärdensprache (ÖGS) ist DolmetscherInnen, und das Recht, all trotz unzähliger Anträge im Parlament ...ein Menschenrecht. Auf EU-Ebene benoch immer nicht anerkannt. Kaum treibt die EUD seit 1985 Sprachenpolitik dies gerichtlich einzufordern. Bis dato verwunderlich, wurde doch erst 1984 für Gehörlose als Bestandteil ihrer Bür- fordern aber eher jüngere Menschen ihre Rechte ein. „Warum gebärdest du das, sogar an Gehörlosenschulen herr- gerInnen- und Menschenrechte, und nicht besser, ich hab ein Recht, hier in schende, Verbot der Gebärdensprache setzt sich aktiv für die Anerkennung Gebärdensprache beraten zu werden“, im Unterricht aufgehoben. Ein der Gebärdensprache ein. Die Belange Hauptargument gegen die Anerkengehörloser EU-BürgerInnen sind jedoch wurde zum Beispiel Natasha Zickbauer, Arbeitsassistentin bei WITAF gefragt. nung ist der Umstand, dass Gehörlose weiterhin Sache von BeamtInnen, die keine Volksgruppe darstellen, ihre Spra- für Behinderte zuständig sind. che daher auch kein Recht auf AnerkenImmerhin ist die ÖGS seit 1999 als Recht auf Ausbildung... Artikel 26 der Mennung habe. Weitere Gründe für die Gerichtssprache anerkannt, womit schenrechtskonvention besagt: „Jeder Nichtanerkennung basieren auf traGehörlose ein Anrecht auf eine dolmet- Mensch hat ein Recht auf Bildung“. Für dierten Falschinformationen Hörender, schende Person haben. Die Kosten Gehörlose gilt dieses Recht nur eingedie mit dem Begriff Sprache automadafür übernimmt der Bund. Das Proschränkt. Gehörlose Menschen erhalten tisch Lautsprache verbinden: Gebärblem dabei ist: in ganz Österreich gibt kaum eine Chance auf adäquate Schuldensprache sei demnach gar keine es nur 30 anerkannte Gebärdensprach- und Berufsausbildung oder Jobwahl. Sprache oder habe zumindest keinen dolmetscherInnen – Schweden wartet Gehörlosenpädagogik wird von Hörenhistorischen Charakter, sei nicht an die bei gleicher Bevölkerungszahl mit 500 den bestimmt. In Schulen für Gehörlose Zugehörigkeit einer ethnischen, religiö- auf – und erst seit kurzem gibt es ein wird Lautspracherwerb als vorrangigsen oder linguistischen Minderheit ge- Dolmetschstudium an der Uni Graz. stes Ziel gesehen, bilingualer Unterricht bunden. Demgegenüber betont die EuEuropaweit ist die Situation besser. ist noch kaum verbreitet. Bis heute sind ropean Union of the Deaf (EUD), dass Schweden anerkannte als erstes Land die LehrerInnen in Gehörlosen-Schulen Gebärdensprachen bereits seit Jahrtau- die Gebärdensprache im Jahr 1981. Es nicht zum Verwenden der Gebärdensenden existieren und aus der Notwen- folgten Tschechien, Frankreich, Restsprache verpflichtet. In der Praxis wird digkeit heraus sehr wohl natürlich geSkandinavien, Schweiz, Slowakei, Portu- im Bundesinstitut für Gehörlosenbilwachsen seien. Gebärdensprachen sei- gal und Griechenland. International: dung (BIG) auch kaum gebärdet. Durch en „minority non-territorial languages“, Uganda, Kolumbien und Südafrika. In Lippenlesen können maximal 30 % eiund somit nicht-ethnische Minderheiden USA sind Gehörlose als Minderheit nes oralen Gesprächs verstanden wertensprachen. anerkannt und fallen unter das Antidis- den – und dies erfolgt auch erheblich Der Gebärdensprache wird außer- kriminierungsgesetz. Außerdem könlangsamer und ist mit großer Anstrendem unterstellt, sie habe keine Gramnen sie an der speziell für Gehörlose gung verbunden. Diese verminderte matik, sei bloß regelloses Gestikulieren. eingerichteten bilingualen Gallaudet Verständnismöglichkeit reduziert die Der Sprachwissenschafter Franz Dotter University in Washington studieren. Ausbildungschancen, und in weiterer Einen guten Ansatz verspricht hier das bilinguale Modell in der Ausbildung, wonach die Gebärdensprache als Erst-, und die Schrift- und Lautsprache als Zweitsprache unterrichtet werden. Dies ermöglicht von Beginn an die Integration gehörloser Menschen in ihre hörende Umwelt, ohne sie der eigenen Kultur zu berauben.

Ingeborg „Borges“ Ledolter und ihre Freundin Ursula unterhalten sich angeregt.

Verena Krausneker: Gebärdensprachen in der Minderheitensprachpolitik der Europäischen Union. Diplomarbeit Uni Wien, 1998.

Franz Dotter:Wer nicht ordentlich sprechen kann, muss dumm sein. http://uni-klu.ac.at/usrs/fdotter/ publ/ebinoest.htm

Valerie Clarke: Die Anerkennung der Gebärdensprache in Österreich. Diplomarbeit an der Bundesakademie für Sozialarbeit. Wien, 2000.

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themagehörlos lich die Bedürfnisse der Frauen respektiert und gefördert werden.

bisher keine geeigneten Kommunikationsmittel wie FAX, E-mail oder SMS, von gebärdenkundigen MitarbeiterInnen PartnerInnenschaft. In der Studie „Gehör- ganz zu schweigen. Der Autonome lose Menschen in Österreich“ aus dem Frauen-Notruf in Wien verfügt über eine E-mail-Kontaktmöglichkeit. Diese Jahr 1997 gaben 5 % der befragten gehörlosen Frauen an, am Arbeitsplatz hilft aber in einer akuten Notsituation nicht rasch genug. Die Möglichkeiten und in der Partnerschaft benachteiligt der Beratung für gehörlose Frauen sind zu sein. Diese doppelte Diskriminiebeim Autonomen Frauen-Notruf aufrung als Frau und als Gehörlose ist jedoch nach Einschätzung von WITAF-So- grund mangelnder Ressourcen ebenso ...und Wunschberuf. Gehörlose Menschen zialarbeiterin Valerie Clarke den Betrof- begrenzt wie etwa für MirgantInnen. Uschi Kussyk, Autonomer Frauen-Notwerden sehr häufig in eine bestimmte fenen wenig bewusst. Die Gehörlosigruf: „In Einzelfällen gehen wir mit bekeit steht ihres Erachtens als Identität Berufsrichtung gedrängt, wobei Frautroffenen Frauen zu anderen Beraen fast ausschließlich in traditionellen und Problem im Vordergrund. Auch Frauenberufen Platz findet. Ein Drittel Käthi George und Gerlinde Gerkens aus tungseinrichtungen, etwa einer MigrantInnenberatung. Wünschenswert der Frauenarbeit für Gehörlose in der Gehörlosen ist Schneiderin, Tischwäre aber, dass mit einem MitarbeiteDeutschland machten die Erfahrung, ler oder Schuster, ein Drittel ist ohne dass sie gehörlose Frauen erst über ih- rInnen-Schlüssel ein gewisser Standard Berufsausbildung und ein weiteres re Doppelrolle informieren mussten. In vorgeschrieben wird, dass etwa von so Drittel ist in anderen Berufsgruppen und so vielen KollegInnen mindestens zu finden. Wiederum sind hier die feh- der kleinen Wiener Gehörlosen-Community (1.500 Personen) kennt jedeR je- eine Gebärdensprache, eine türkisch lenden DolmetscherInnen in den Beetc. sprechen soll.“ deN. PartnerInnenschaften werden rufsschulen ein Problem. ErzieherInAuch der Notruf der Stadt Wien nen und BerufsberaterInnen informie- schnell geschlossen. Kinder sind erverfügt über Fax und E-mail, allerdings wünscht, sie werden oft auch als ein ren die Jugendlichen unzureichend gibt es dort bisher keine Erfahrungen über ihren zukünftigen Arbeitsbereich. Mittel gesehen, Isolation zu durchbrechen. Durch Verständigungsschwierig- mit gehörlosen Frauen. Ein Interesse an Die Jugendlichen wissen eigentlich Zusammenarbeit mit Gehörlosen-Organicht, was sie erwartet. Dazu kommen keiten kann es jedoch schnell zu Pronisationen und an Fortbildung der Mitveraltete Berufsausbildungen, die heu- blemen in einer Beziehung kommen, was am Anfang häufig übersehen wird. arbeiterinnen besteht auch hier, so Kate kaum noch gefragt sind, wie etwa rin Dietz vom Notruf der Stadt Wien. So erzählt Valerie Clarke, dass in PartLedergalanterie an der IntegrationsKürzlich entstand ein erster Kontakt nerInnenschaften manchmal nur einE schule Ungargasse. Arbeitslosigkeit PartnerIn die ÖGS gelernt hat, während zwischen WITAF und der Plattform auoder zumindest große Unzufriedentonomer Frauenhäuser. Die Zusammender/die andere nur die Lautsprache heit im Beruf, führt die Betroffenen arbeit zwischen Fraueneinrichtungen (halbwegs) beherrscht. schließlich zur Arbeitsassistenz von und Gehörlosenvereinigungen ist allerWITAF. Diese bietet Hilfe bei der richtidings erst ansatzweise im Entstehen. gen Bewerbung und der Berufswahl, Gewalt. Wird Gewalt unter Gehörlosen und unterstützt Betriebe bei der Inteauch tabuisiert, präsent ist sie dengration gehörloser MitarbeiterInnen. noch. Laut Valerie Clarke ist das alltägli- Lesbisch-Sein. Viele Gehörlose bleiben in Eine Umschulung aber ist kaum mög- che Frust- und Aggressionspotential der Freizeit gerne unter sich, erzählt Valich. Die Zusammenarbeit mit dem Ar- ungleich höher als unter Hörenden, die lerie Clarke, weil das weniger Stress bebeitsmarkt-Service ist zwar besser geSelbstmordrate sogar fünfmal höher. deutet – schließlich bewegen sie sich worden, jedoch: Es fehlt an DolmetAlkoholismus und Depressionen seien den ganzen Tag in der Welt der HörenscherInnen und an Geld. Aber Verände- weit verbreitet. Ein Problem bei Selbst- den. Dadurch verbreiten sich Informarungen sind spürbar. Eltern werden hilfegruppen und psychosozialen tionen aller Art in Windeseile. Manche sich zunehmend der Notwendigkeit ei- Hilfsangeboten, meint sie, sei die fehFrauen verbergen aus diesem Grund, ner guten und angemessenen Ausbillende Anonymität in der relativ kleinen dass sie lesbisch sind. Jedoch: Eine indung bewusst, sodass einige ihre KinGehörlosen-Community und infolge ternationale lesbisch/schwule Gehörloder bereits frühzeitig zur Berufsberadie Hemmschwelle, über Probleme wie sen-Szene hat sich in den letzten Jahtung ins WITAF schicken. Eine gute Gewalt oder sexuelle Belästigung zu ren übers Internet bestens vernetzt. Grundlage wird durch eine derzeit in berichten, besonders hoch. Die Schwie- Und auch nach Clarkes Einschätzung Arbeit befindliche Studie geliefert wer- rigkeit an einer Krisenintervention werden lesbische oder schwule Paare den, in der Marion Breiter vom Verein außerhalb der Gehörlosengemeinunter Gehörlosen gut akzeptiert. „Frauen beraten Frauen“ gehörlose schaft sei, dass Gehörlose erst auf gean.schläge-Cartoonistin Borges quittiert Frauen nach ihren Wünschen und bärdensprachkundige HelferInnen diese Aussage jedoch mit einem erTräumen befragt. Bleibt zu hoffen, treffen müssen, meint Clarke. staunt-verständnislosen Kopfschütteln. dass das Ergebnis der Untersuchung Viele Hilfsangebote, ebenso Notru- Die 20-Jährige bewegt sich lieber in der einen Umdenkprozess anregt und end- fe wie bei Polizei oder Rettung haben Welt der Hörenden. Sie hat die ErfahFolge werden der Zugang zu höherer Bildung und damit auch soziale Aufstiegschancen fast unmöglich gemacht. Nur 1 % der Gehörlosen sind (angehende) AkademikerInnen. Ohne DolmetscherIn jedoch ist das Studium ein Unterfangen, das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Und wenn kein Geld für eineN DolmetscherIn vorhanden ist…

18 an.schlägemai 2002


gehörlosthema rung gemacht, dass Gehörlose kaum Verständnis für ihr Lesbisch-Sein aufbrachten. Ihre jetzige Freundin ist eine hörende Frau: sie lernt jetzt Gebärdensprache. Die Arbeitssuche gestaltet sich für Borges sehr schwierig. Sie ist immer wieder mit Ablehnung aufgrund ihrer Schwerhörigkeit konfrontiert. ArbeitgeberInnen glauben, sie sei weniger intelligent, und führen beispielsweise als Grund für eine Absage an, sie könne ja nicht telefonieren. Die fehlende Anonymität in der Gehörlosen-Community ist ein Grund, warum Borges den Kontakt zu Gehörlosen meidet. Sie hat nur wenige gehörlose FreundInnen. Zwar beherrscht sie die Gebärdensprache ausgezeichnet, bevorzugt aber, unter Hörenden ihre Fähigkeiten im Lippenlesen zu verbessern. Bei Gehörlosen hat sie das Gefühl, dass diese einerseits viel tratschen aber nicht wirklich zu„hören“ können. Andererseits würde ständig über Probleme gejammert werden. Genau das will Borges nicht: für sie ist es wichtig, sich über alle möglichen Dinge zu unterhalten und auszutauschen. Sie hat den Eindruck, von ihren hörenden FreundInnen mehr lernen zu können. Durch die Überschaubarkeit der Gehörlosen-Gemeinschaft sei der Horizont limitiert, es gebe kaum Austausch mit anderen, auch hörenden, Menschen. Selbst bezeichnet sich Borges als Feministin, weil ihr die Rechte von Frauen ein Anliegen sind. Sie kennt sonst keine gehörlosen Feministinnen, bewegt sich in ihrer Freizeit daher viel unter hörenden Feministinnen. Das Gespräch mit Borges, geführt mit Hilfe von Gebärden, Papier und Kugelschreiber, dem Computer, sowie allen möglichen und unmöglichen Gesten, war eine neue Erfahrung und führte zu der Frage: wer behindert hier eigentlich wen? Zu wirklich stattfindender Integration und zur rechtlichen Gleichstellung Gehörloser bedarf es staatlicher Unterstützung und Anerkennung, was eine steigende Bewusstseinsbildung unter Hörenden für dieses Thema voraussetzt. Die rechtliche Anerkennung der Gebärdensprache und Garantie auf die damit verbundenen Rechte sind dabei der erste, sehr wichtige, Schritt. ❚ Mitarbeit: Doris Brenner und Nina Luef

mai 2002an.schläge 19


Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941–1944

Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien (Semperdepot), Mehrzwecksaal (2. Stock) A-1060 Wien, Lehárgasse 8 9. 4. – 26. 5. 2002 tägl. 10.00–18.00 Uhr, Do 10.00 –21.00 Uhr geschlossen: 1. und 9. Mai 2002

Infos: Mo–Fr, 10.00 –13.00 Uhr, Tel.: +43 (1) 4277-41241

Neu muss nicht immer schlechter heißen! Das neue Koordinationsteam dankt der Redaktion für die Unterstützung und das Vertrauen. Wir wünschen allen Leserinnen viel Spaß mit den an.schlägen, die noch kommen werden! Gabi Horak, Karin Eckert


an.risswissenschaft universitätsreform

Stimmlos Der Entwurf für das neue Universitätsgesetz macht frau das Leben nicht leicht: Die Regierung möchte die Universitäten in die Autonomie entlassen und ihnen eine neue Führungsstruktur verpassen. Neben dem/der RektorIn sollen die Universitäten künftig von einem Senat und einem Universitätsrat geführt werden. Die universitären Gremien, die allgemeinen Universitätsbediensteten, AssistentInnen und StudentInnen bisher ein Mitspracherecht einräumten, werden fast zur Gänze abgeschafft. Gerade diese Gremien aber sicherten bis dato einen halbwegs nennenswerten Frauenanteil. Im Senat haben die Professoren die klare Mehrheit. Der Gesetzesentwurf stärkt also lediglich deren Position und somit die der Männer. Schließlich sind beispielsweise an der Universität Linz nur 4 % der ProfessorInnen Frauen, während bereits 23 % der AssistentInnen weiblich sind. Für die Zusammensetzung des Universitätsrates ist neben dem Senat die Regierung verantwortlich. Vermutlich wird diese vor allem einflussreiche Personen aus der Wirtschaft gewinnen wollen. Dass diese unter Umständen keine Kenntnisse im Bildungsbereich vorweisen können, scheint von geringer Bedeutung zu sein. Eine gesetzlich festgelegte Frauenquote ist nicht vorgesehen. Zu befürchten bleibt, dass es frau trotz Gleichbehandlungsgesetz und Frauenförderungsmaßnahmen angesichts mangelnder Demokratie die Sprache verschlägt. ajb

reader

biographieforschung

Menschenrechte! Frauenrechte?

biografiA

Am 3. April luden das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte und der Neue Wissenschaftliche Verlag zur Präsentation des Readers „Frauenrechte“, herausgegeben von Elisabeth Gabriel. Im exklusiven Dachgeschoß des Juridicums debattierten JuristInnen und Fachleute wie die Richterin Petra Smutny und Christina Buder vom Verein Frauensolidarität über wesentliche Fragen: Sind Frauen in Österreich benachteiligt? Können Frauen ihre Rechte wahrnehmen? Wissen Frauen Bescheid über Menschenrechte und ihre Durchsetzung? Diskutiert wurden Strategien gegen die Verletzung von Frauenrechten. So besteht die bisher nicht genutzte Möglichkeit der Verankerung der UNO-Frauenrechtskonvention in der österreichischen Verfassung. Seit 2000 gibt es auch das Fakultativprotokoll, mittels dessen eine Beschwerde einzelner Frauen bei der UNO möglich ist. Durch den offenbar zu geringen Bekanntheitsgrad wurde allerdings bis dato noch keine einzige Beschwerde eingereicht. Die Tatsache, dass die HöchstrichterInnenschaft männlich dominiert ist, beeinflusst auch die Entscheidungen. Der juristische Reader ist als Einstieg in die Thematik und als Anleitung zum konkreten Handeln konzipiert. Bisher musste dazu auf fremdsprachige Literatur zurückgegriffen werden. Zu finden sind ein historischer Einstieg, Informationen über die Pekinger Aktionsplattform, ein Serviceteil sowie ein Lexikon relevanter Begriffe. abü

Die Projektinitiative „biografiA. biografische datenbank und lexikon österreichischer frauen“ hat sich die historisch-biographische Aufarbeitung österreichischer Frauenpersönlichkeiten zum Ziel gesetzt. Auf der Grundlage von Expertinnen-Interviews wurde von einer Arbeitsgruppe eine Datenbank entwickelt, in die bislang ca. 4.100 Frauen aufgenommen wurden. In thematischen Modulen wie Wissenschafterinnen in und aus Österreich, Naturwissenschafterinnen sowie Kinderund Jugendbuchautorinnen wird die Ausarbeitung der Text-Biographien in Einzelprojekte ausgegliedert. Der hierbei verwendete „Österreichische Frauenthesaurus“ hat seinen Ursprung im Diskurs über die Defizite der herkömmlichen Schlagwortkataloge hinsichtlich frauenspezifischer Thematik und bietet ein Vokabular, welches Frauen in der Beschlagwortung sichtbar macht. Es wird davon ausgegangen, dass die Berücksichtigung einer historischen Kategorie „Geschlecht“ zu einer anderen Lesart der traditionellen Quellen führt und Differenzierungen in der Geschichtsschreibung zur Folge hat. Eine geschlechterdifferente Sichtweise wird zum Beispiel in den Bereichen „Namensformen – Namensänderung“ oder „Beziehungen“ als notwendig gesehen. Weitere geplante Projektschritte sollen sich anderen Zeitabschnitten (beispielsweise Frühe Neuzeit) und der Gestaltung einer InternetDatenbank widmen. ewa

„Frauenrechte. Einführung in den internationalen frauenspezifischen Menschenrechtsschutz.“ hg. von Elisabeth Gabriel.

Infos: Dokumentationsstelle Frauenforschung am Institut für Wissenschaft und Kunst, Berggasse 17, 1090 Wien,

Eine Publikation des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte. Neuer Wissenschaftlicher Verlag,Wien 2002, eur 25,60

T. 01/315 76 88 oder 317 43 42, e-mail: Ilse.Korotin@univie.ac.at, http://www.biografia.at

Fo t o : A r c h i v

mai 2002an.schläge 21


Fo t o s : A r c h i v

wissenschaftforum

Ludus, Romantik & Co. Glückliche alte Paare und gescheiterte junge Beziehungen. Haben unterschiedliche Einstellungen zur Liebe und differierendes partnerschaftliches Verhalten Einfluss auf die Dauer und Qualität der Beziehungen? Von Corinna Klein

Corinna Klein schrieb ihre Diplomarbeit zum Thema: „Einstellungsunterschiede zur Partnerschaft bei verheirateten und geschiedenen Personen.“

22 an.schlägemai 2002

Ehe und Partnerschaft nehmen als Forschungsthema einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Dieser Umstand erklärt sich unter anderem durch die steigende Nachfrage nach professioneller Hilfe in Ehe- und Partnerschaftsfragen aber auch durch hohe Scheidungsraten. Es stellt sich die Frage, warum soviel hoffnungsfroh eingegangene Ehen schlussendlich nur wenige Jahre halten, während andere Ehen über Jahrzehnte bestehen bleiben. Eine Erklärungsmöglichkeit mag darin liegen, dass Menschen, die viele Jahre verheiratet sind, andere Beziehungsstrukturen gewohnt sind als geschiedene Personen. Ein anderer Ansatz liegt im unterschiedlichen Rollenver-

ständnis von Frauen und Männern. Frauen werden nach wie vor Eigenschaften wie Selbstlosigkeit und Aufopferungsbereitschaft zugeschrieben. Ein Bild, von dem sich zu lösen, viel Kraft und Mut erfordert. Bisherige Studien griffen vor allem auf kulturelle und historisierende Erklärungsmuster zurück. Die Herangehensweise in dieser Untersuchung war eine andere: Ein Ziel lag darin, die befragten verheirateten Personen hinsichtlich ihrer Einstellung zur Liebe (Liebestypen) und des partnerschaftlichen Verhaltens (Partnerschaftsqualität) zu typisieren. Partnerschaft neu. Laut Österreichischem Familienbericht von 1999 heirateten in Österreich 1998 insgesamt 39.143 Frau-

en und Männer. 1970 waren es noch 52.773 Personen. Anhand dieser Statistik lässt sich ein sozialer Wandel der Institution Ehe in Österreich nachvollziehen. Stand früher also die Ehe absolut im Vordergrund, werden heute bewusst andere Formen der PartnerInnenbeziehung eingegangen und akzeptiert. Auch die Beendigung einer Ehe ist, zumindest in rechtlicher Hinsicht, erleichtert worden. Freier gestaltete Scheidungsgesetzgebung und die gesteigerte wirtschaftliche Selbständigkeit der Frau könnten Gründe dafür sein, dass der Entschluss zur Trennung eher erfolgt. Auch das Rollenverständnis von Frauen hat sich verändert, weshalb der Anspruch an eine hohe Beziehungsqualität zum primären


forumwissenschaft

Ein neues Verständnis von PartnerInnenschaft: Frauen sind weder aufopferungsbereit noch romantisch.

Pragmatik spielt gleichsam keine Rolle in der Beziehung. Bei der PartnerInnenwahl spielt der soziale Hintergrund der/des Partners/Partnerin nur eine marginale Rolle. Auffallend ist, dass diese beiden Liebestypen ihre Partnerschaft am qualitätsvollsten einschätzen. Schließlich die pragmatisch-ludusartig-freundschaftlichen Typen: Sie legen die Betonung einerseits auf die Kompatibilität der PartnerIn, andererseits weisen sie spielerische, gleichzeitig aber auch freundschaftliche Komponenten auf. Sie versuchen, ihr Leben sorgfältig und praktisch ausgerichtet zu ordnen. Beim vierten, dem ludusartigen Liebesstile und Partnerschaftsqualität. Gibt es Typ ist die spielerische Liebe das hervorstechendste Merkmal: Eine Beziehung einen bestimmten Liebestyp? Wenn ja, wie lassen sich Unterschiede feststellen wird als angenehmer Zeitvertreib ohne große Gefühlstiefe verstanden und und abgrenzen? Wissenschaftsgeschichtlich wurden drei Liebestypen, der nicht besonders ernst genommen. Die VetreterInnen der beiden zuromantische, der spielerische und der pragmatische Typ definiert, die wieder- letzt genannten Gruppen gaben eine relativ niedrige Beziehungsqualität an. um in Unterkategorien aufzusplitten Möglicherweise werden jene Personen sind. Welchen Einfluss nehmen diese in Krisenzeiten anstelle energieraubenLiebesstile auf das Verständnis von der partnerschaftserhaltender MaßnahPartnerschaftsqualität? Dieser Termimen eher die kurzfristig angenehmere nus soll hier im Sinne von StreitverhalLösung eines Partnerwechsels anstreten, Austausch von Zärtlichkeiten, Geben. Diese Vermutung entspricht auch meinsamkeiten und der Kommunikadem Ergebnis, wonach Personen der tionsbasis verstanden werden. Für den letzten beiden Typen eher in der Zweitromantisch-nicht altruistischen-nicht bzw. Folgeehe anzutreffen sind. Die freundschaftlichen Typ ist eine stark „ausbalancierten Typen“ der fünften ausgeprägt romantische Haltung charakteristisch. Erotik spielt eine wichtige Gruppe sind pragmatisch, durchschnittRolle. Eine enge Freundschaft innerhalb lich romantisch und freundschaftlich eingestellte Menschen. Die erlebte Beder Beziehung ist hingegen nicht von ziehungsqualität ist weder besonders Bedeutung. Im Vordergrund steht das stark negativ noch positiv. eigene Wohlbefinden. Beim romantisch-altruistisch-nicht pragmatischen Typ findet sich zwar Rollenverständnis. Interessant ist hier vor auch eine ausgeprägt romantische und allem, dass bei der Frage nach dem Zuerotische Neigung. Im Gegensatz zum sammenhang zwischen Liebesstil und ersten Typ steht aber sehr wohl das BePartnerschaftsqualität keine Unterfinden der Partnerin/des Partners im schiede zwischen Frauen und Männern Vordergrund und nicht nur das eigene. gefunden wurden. Wird aber die Ein-

Faktor für den Fortbestand einer ehelichen Beziehung geworden sein mag. Besitzen nun verheiratete und geschiedene Personen mit neuem Partner unterschiedliche Einstellungen zu Liebe und Partnerschaft? Und bestehen hier Unterschiede zwischen Frauen und Männern? Dieser Frage wurde einerseits durch die Ermittlung eines vorherrschenden Liebesstils und andererseits durch die Ermittlung der Partnerschaftsqualität nachgegangen. Befragt wurden 48 Frauen und 45 Männer im Alter zwischen 25 und 55 Jahren, die in erster Ehe oder Folge-Ehe verheiratet waren.

stellung zur Liebe gesondert betrachtet, ergibt sich ein anderes Bild: Männer finden sich eher beim ausbalancierten und ludusartigen Liebestyp. Sie müssen sich nicht gleichermaßen wie Frauen in einem neuen Rollenbild zurechtfinden – sind finanziell meist besser abgesichert – können sich eine spielerische Liebe eher leisten. Bemerkenswerterweise gehören ausschließlich Frauen jenem Liebestyp an, der als „unentschiedener Liebestyp“ tituliert werden kann. Unentschieden bedeutet hier, verschiedene Alternativen in und zu einer Partnerschaft zu sehen aber auch, nach wie vor um Freiheiten und Gleichbehandlung zu kämpfen, unter anderem in finanzieller Hinsicht. Frauen, die sich dieser erneuernden Bewegung anschließen, erleben unter Umständen in Partnerschaften eine innere Ambivalenz (z.B. versorgt zu werden, wäre angenehm, darf ich mir aber nicht erlauben). Die befragten Frauen entsprechen keinesfalls dem Bild einer aufopferungsbereiten Partnerin, die ihrem Ehepartner vollkommen ergeben ist. Sie neigen weder zu einer verspielten noch zu einer ausgeprägt altruistischen Liebe. Sie gehen nicht mit der rosaroten Brille in eine Beziehung. Vielmehr sind sie pragmatisch orientiert. Die gegenwärtigen ökonomischen Belange sind für Frauen nach wie vor nicht sehr rosig und so ist es verständlich, dass sie ihre PartnerInnen nach praktischen Kriterien auswählen. Sie sind vermehrt an gesellschaftlichen Positionen interessiert und verlangen nach soziodemographischen Ähnlichkeiten ihres/r Partners/Partnerin. Diese Einstellung mag es Frauen erlauben, sich selbst das Recht zu geben, aus einer Beziehung auszubrechen und die anfangs angesprochenen Einstellungsänderungen gegenüber Partnerschaften weiterzutreiben. ❚

Zum Weiterlesen: M. Amelang, H.J. Ahrens & H.W. Bierhoff (Hrsg.): Partnerwahl und Partnerschaft. Hogrefe 1991

mai 2002an.schläge 23


an.sage

Wahlrecht für MigrantInnen Standpunkte und

Renate Brauner, SPÖ-Stadträtin für Integration und Miriam Lehner, Aktivistin der

AK-Liste „Bunte Demokratie für Alle“ über ein politisch heißes Eisen.

Kommentare müssen nicht mit der Redaktionsmeinung übereinstimmen.

Renate Brauner

Miriam Lehner

„Mitverantworten heißt Mitbestimmen“ – unter diesem Motto plant die Wiener Stadtregierung in den kommenden Monaten ein umfassendes Demokratiepaket, mit dem wir die Demokratie in unserer Stadt noch weiter ausbauen wollen. Unter anderem wollen wir auch unsere ausländischen MitbürgerInnen in Wien verstärkt einbeziehen. Sie sollen gemäß unseres Mottos neben der Verantwortung, die sie bereits jetzt als SteuerzahlerInnen tragen, auch die Möglichkeit der Mitbestimmung haben. Das heißt, dass all jene, die seit fünf Jahren in Österreich leben und bei uns eine neue Heimat gefunden haben, ihre VertreterInnen im Bezirk wählen, aber auch selber gewählt werden können. Mit der Voraussetzung eines fünfjährigen Aufenthalts in Österreich befinden wir uns dabei im europäischen Durchschnitt. Denn auch in den in Integrationsfragen immer als „Musterland“ genannten Niederlanden gilt ein 5-jähriger Aufenthalt als Voraussetzung für das Wahlrecht. Während uns erfreulicherweise große Interessensvertretungen wie die ArbeiterInnenkammer in unserem Bemühen unterstützen, verweigern sich ÖVP und FPÖ einer inhaltlichen Debatte und kündigen bereits jetzt eine Anfechtung des AusländerInnen-Wahlrechts beim Verfassungsgerichtshof an. Gerade was die politische Partizipation betrifft, so haben wir in der Stadt Wien bereits langjährige Erfahrungen mit einem solchen Modell: Denn die Staatsbürgerschaft spielt bei den Personalvertretungswahlen der Stadt Wien schon seit 1984 keine Rolle mehr. Gerade für Frauen stellen das Wahlrecht und die Partizipation einen wesentlichen Faktor für eine gelungene Integration dar. Aus diesem Grund haben wir bei unserer Sprachoffensive, durch die in den letzten vier Jahren mehr als 25.000 ZuwanderInnen Deutsch gelernt haben, viel Wert darauf gelegt, Frauen speziell zu fördern. So haben wir es auch geschafft, dass im letzten Jahr 66 % der TeilnehmerInnen Frauen waren. Angesichts der frauen- und integrationsfeindlichen Politik der derzeitigen Bundesregierung ist es für uns unendlich wichtig, diesen Weg der positiven Integration in Wien weiter voranzugehen. Das AusländerInnen-Wahlrecht ist für mich auf diesem Weg ein sehr wichtiger Schritt. ❚

„MigrantInnen vertreten sich am besten selbst“ – mit diesem Slogan sind wir als „Bunte Demokratie für Alle“ bei der letzten AKWien-Wahl angetreten und haben ein Mandat erreicht. Unsere Organisation hat zum Ziel, mehr Rechte für Menschen ohne österreichischen Reisepass durchzusetzen. Eines unserer zentralen Anliegen, die Möglichkeit zur politischen Partizipation, scheint dabei ein besonders sensibles Thema zu sein. MigrantInnen, die nicht aus EU-Staaten kommen, sind nach wie vor von den meisten politischen Bühnen ausgeschlossen: Sie dürfen nicht als BetriebsrätInnen kandidieren, können nicht in die Bezirksvertretungen und schon gar nicht in die Gremien der Landes- oder Bundespolitik gewählt werden. Ebenso ungerecht: diese Menschen, die teilweise jahrzehntelang in diesem Land leben, dürfen hier immer noch nicht wählen. Damit schneidet Österreich im europäischen Vergleich sehr schlecht ab. In manchen EU-Staaten gibt es das Kommunalwahlrecht für AusländerInnen schon seit dreißig Jahren! Jetzt hat sich die SPÖ Wien dem verstärkten Druck vonseiten der MigrantInnenorganisationen und der Wiener Grünen gebeugt. Das Wahlrecht auf Bezirksebene für alle in Wien lebenden Menschen wurde in ihr politisches Programm aufgenommen und soll noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Allerdings wird im vorliegenden Entwurf wieder einmal die Unterscheidung zwischen EU-BürgerInnen und Drittstaatsangehörigen getroffen: Während GriechInnen bereits nach einem halben Jahr Wohnsitz in Wien wählen dürfen, sollen SlowenInnen fünf bis acht Jahre auf diese Möglichkeit warten müssen. Die Argumente für diese Wartefrist sind schwer nachvollziehbar: es dauere einige Zeit, bis man/frau das politische Geschehen in Wien überblicken kann. Fragt sich nur, warum einE EngländerIn hier schneller durchblicken soll, als einE Kroate/Kroatin? Bei der nächsten Vollversammlung der AK Wien im Mai wird auf Initiative der „Bunten Demokratie für Alle“ daher ein „Mitgliederantrag“ gestellt werden, in dem die Gleichstellung von Drittstaatsangehörigen mit EU-BürgerInnnen und damit das Wahlrecht für MigrantInnen auf Bezirks- und Gemeinderatsebene ohne verlängerte Aufenthaltsfrist eingefordert werden. 1.700 AK-Mitglieder haben diesen Antrag mit ihrer Unterschrift bereits unterstützt. ❚

24 an.schlägemai 2002


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an.rissarbeit burgenland

Vernetzt Im Burgenland gab es bisher kaum Ansätze zur beruflichen Vernetzung von Frauen. Deshalb lud das Frauenbüro des Landes Burgenland im November letzten Jahres zu einem ersten großen Vernetzungstreffen. Frauen aus unterschiedlichen Berufsbereichen, Branchen und Gruppen kamen, und legten den Grundstein für das überparteiliche „frauen.netzwerk.burgenland“. Erstmals gab es die Möglichkeit, Kontakte aufzubauen, Adressen und Informationen auszutauschen. Im November konstituierte sich auch ein Gründungskomitee mit Frauen aus verschiedenen Bereichen. Darunter sind etwa die Frauenlandesrätin Verena Dunst, die evangelische Superintendentin Gertraud Knoll oder die Landesfrauenvorsitzende des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Sylvia Gartner. Als die drei Hauptziele wurden formuliert: Bildung und Festigung eines burgenländischen Frauennetzwerkes, Sichtbarmachung und Förderung der Interessen der burgenländischen Frauen in Gesellschaft, Wirtschaft und am Arbeitsmarkt, Medien und Kultur sowie Erfahrungs- und Informationsaustausch. „Der Erfolg ist derzeit noch nicht abschätzbar, das Netzwerk befindet sich noch im Aufbau. Aber es ist schon ein zweites großes Treffen geplant und zwar am 16. Mai. Genauere Infos gibt es dann kurzfristig auf der Homepage“, erklärt Andrea Szabo vom Frauenbüro Burgenland, das die Gesamtkoordination übernommen hat. ESt Infos und Kontakt: Frauenbüro des Landes Burgenland, Europaplatz 1, 7000 Eisenstadt: Sonja Kögl, e-mail: sonja.koegl@bgld.gv.at oder Andrea Szabo, e-mail: andrea.szabo@bgld.gv.at, T. 0268/600-2265 oder 2156 http://www.burgenland.at/frauennetzwerk

winzerinnen

Freundinnen studie Bereits vor drei Jahren hatten die drei Winzerinnen Heidi Schröck aus Rust/Bgld, Birgit Eichinger aus Strass/NÖ und Birgit Braunstein aus Purbach/Bgld die Idee, ein Winzerinnen-Netzwerk zu gründen. Mittlerweile sind elf Winzerinnen aus verschiedenen österreichischen Weinbauregionen mit dabei. Gemeinsam ist den Frauen, dass sie erfolgreich in einer männerdominierten Branche agieren. Sie wollen Frauen Mut machen, sich bewusst für diesen Beruf zu entscheiden. Die meisten Frauen in Weinbaufamilien sind traditionellerweise für Marketing und Vertrieb verantwortlich und nur selten in der eigentlichen Produktion anzutreffen. Seit die Frauen nach außen hin als Gruppe auftreten, hat sich ihr Selbstverständnis im Weingeschäft verändert: „Wir werden jetzt doch etwas ernster genommen als bisher“, meint Heidi Schröck. Gewachsen ist die bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft von Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen durch Freundinnenschaften der drei Initiatorinnen. Jede kannte wieder eine andere, die dazu passte. Die elf Winzerinnen haben bewusst nicht die Form eines Vereins mit Statuten und Hierarchien gewählt. In einer lockeren Gemeinschaft fühlen sie sich wohler. Gemeinsam planen sie Weinreisen ins In- und Ausland, um sich weiterzubilden und zu entwickeln. Sie treffen einander zur Verkostung der eigenen Erzeugnisse, aber auch zum Austausch über neue Methoden oder Trends im Weinbau. Trotzdem sind sie bemüht, nach außen hin als individuelle Weinproduzentinnen mit eigenen Erzeugnissen aufzutreten. ESt Kontakt und weitere Infos: http://www.11frauenundihreweine.at/

typisch atypisch

Fo t o : M a r g a r e t e N e u n d l i n g e r

Alles in Ordnung, müsste frau annehmen, denn laut Aussage von Arbeitsminister Bartenstein sind nur 5 % der ArbeitnehmerInnen unzufrieden mit ihrer „atypischen“ Beschäftigung. Ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich Studien-Ergebnisse interpretiert werden, um sie als „Kein-Problem“-Parole auf die eigenen Fahnen zu heften und die Schwierigkeiten dieser Arbeitsverhältnisse zu negieren. Zur Erinnerung: Das Institut für Staats- und Politikwissenschaft der Universität Wien und „L&R Sozialforschung“ führten letztes Jahr eine Studie über „Atypische Arbeitsverhältnisse“ durch. Doris Lutz von der Frauenabteilung der ArbeiterInnenkammer (AK) hält fest, dass die atypische Beschäftigung als Arbeitsform noch viel zu kurz praktiziert wird, um wirklich gesichertes Datenmaterial zu haben. Schon jetzt sei eine zunehmende Überqualifizierung der Betroffenen festzustellen. Außerdem müsse unterschieden werden zwischen verheirateten Frauen mit einem entsprechenden Einkommen des Partners als Stütze und alleinstehenden Frauen. In der Studie wird auch auf die prekäre finanzielle Lage von atypisch Beschäftigten hingewiesen. Beispielsweise verdienen trotz vielfältiger Mehrfacheinkommen zwei von drei Beschäftigen im Monat weniger als 363,- Euro. Eine genaue Analyse der Untersuchungsergebnisse, und das schön gemalte Bild von Bartenstein kippt. PÖ Infos: L&R Sozialforschung, Liniengasse 2A/1, 1060 Wien, T. 01/595 40 40-0, e-mail:office@lrsocialresearch.at, http://www.lrsocialresearch.at

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arbeitfeuerwehrfrauen

„Ich will Feuerwehrfrau werden!“ Angebliche körperliche Unterlegenheit, mangelndes technisches Verständnis und der Umstand, dass sie manchmal Kinder zu versorgen haben, werden als Argumente gegen die Aufnahme von Frauen in die Feuerwehr vorgebracht. Feuerwehrfrauen leisten in Österreich immer noch Pionierarbeit. Von Eva Steinheimer, Fotos von Christine Weislein Wohl jede erinnert sich an den kleinen grünen Zeichentrickdrachen Grisu und seine Schwierigkeiten auf dem Weg zum Traumberuf bei der Feuerwehr. Wegen seiner Fähigkeit, Feuer zu speien wurde er abgelehnt. Ähnliche Absurditäten erleben Frauen, die sich für eine Arbeit bei der Feuerwehr interessieren. 28 an.schlägemai 2002

Oberstes Gremium der österreichischen Feuerwehren ist der Österreichische Bundesfeuerwehrverband (ÖBFV) als Dachorganisation der Landesfeuerwehrverbände und der Städte mit Berufsfeuerwehr (Wien, Graz, Linz, Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt). Außerhalb der großen Städte gibt es über 4.500 Freiwillige Feuerwehren. Die Sta-

tistik besagt, dass der Frauenanteil bei allen Feuerwehren von 1997 bis 2000 von 0,51 % auf 1,38 % gestiegen ist, bei der Feuerwehrjugend von 3,77 % auf 7,74 %. Kein Frauenjob. Meine Recherche bei der Wiener Berufsfeuerwehr bringt Ernüchterndes zu Tage: Dort gibt es eine einzi-


feuerwehrfrauenarbeit ge Frau, die seit etwa drei Jahren dabei ist. Sie ist das Vorzeigeobjekt der Berufsfeuerwehr und hat mittlerweile genug von all den Medienleuten, die sie interviewen wollen. Eine weitere Frau hat gerade die Aufnahmeprüfung bestanden und Anfang April mit der Grundausbildung begonnen. Bei den anderen Berufsfeuerwehren gibt es noch gar keine Frauen. Ich fragte Herrn Görlich, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit bei der Wiener Berufsfeuerwehr, nach dem Grund: „Meiner persönlichen Meinung nach ist es einfach kein typischer Frauenberuf. Es ist auch nicht mit der Arbeit im Polizeidienst zu vergleichen. Der 24Stunden-Wechseldienst liegt nicht jedem. Das kann eine Frau mit Kind nicht machen in der heutigen Zeit. Außerdem gibt´s auch einfach viele Dinge wie Tote usw. – das ist einfach kein Frauenjob.“ Es stellt sich heraus, dass es sehr wohl mehr Bewerberinnen gibt, diese jedoch oft an der Aufnahmeprüfung scheitern. Zu absolvieren sind ein körperlicher Eignungstest, eine Schwimmprüfung und Tests für praktisch-technisches Verständnis, Deutsch und Grundrechnungsarten. „Als unsere Feuerwehrfrau damals den Aufnahmetest machte, gab es viele Frauen unter den BewerberInnen. Von 40 Damen blieb aber nur eine übrig. Viele schafften den körperlichen Eignungstest nicht, andere den Test für technisches Verständnis. Aber das ist keine Schande, auch von den Männern fallen 50 % aus“, erklärt Görlich weiter. „Die körperliche Tauglichkeit ist sehr wichtig. Bei schweren Arbeiten wird kein Unterschied gemacht. Der Kommandant erkennt ja unter dem Helm gar nicht, wem er was anschafft.“ Frauenpower. Gerade der Umstand, dass in der Arbeitszuteilung kein Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht wird, motiviert Marion Ettenauer (25), Feuerwehrfrau bei der Freiwilligen Feuerwehr Imbach in Niederösterreich:„Ich bin einstweilen die einzige Frau in unserer Gruppe und habe ein super Verhältnis zu meinen Kollegen. Ich darf alles machen, bin wirklich aktiver Helfer und nicht nur die Putzfrau.“ Stolz erzählt sie von ihrer Laufbahn bei der Freiwilligen Feuerwehr (FF): „Ich bin seit 19. Februar 1996 dabei. Weil ich damals die erste Frau im Bezirk war, gab´s eine Mitgliederversammlung und eine

Abstimmung und da waren fast alle dafür. Nach der Aufnahme gab´s einen Grundkurs, ich absolvierte einen Funkkurs, dann auch einen Schadstofflehrgang. Als Zusatzausbildung habe ich einen Sprenglehrgang gemacht. Dafür war mein Studium der Technischen Chemie eine gute Voraussetzung.“ Als erste und bisher einzige Frau Österreichs hat sie dann vor wenigen Monaten das Sprengabzeichen in Bronze erworben. Während wir uns unterhalten, jauchzt im Hintergrund Marions kleiner Sohn. Die Schwangerschaft war der Grund dafür, dass sie im Jahr 2000 nicht zum ersten reinen Feuerwehrfrauenwettkampf nach Finnland fahren konnte. Marion sagt von sich selbst:„Ich bin Oberfeuerwehrmann, Feuerwehrjugendführer und Sprengmeister.“ Verwundert frage ich sie, ob es sie nicht stört, dass immer nur von Feuerwehrmännern die Rede ist. „Stören eigentlich nicht. Es ist natürlich schon komisch, wenn ich dann in der Zeitung Frau Oberfeuerwehrmann lese. Da könnte man schon etwas ändern. Aber ich bin komplett involviert in der Mannschaft und das zählt, das ist mir wichtig.“ Männerwirtschaft. Nicht bei allen Freiwilligen Feuerwehren ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen so harmonisch. Im Internet finde ich ein Diskussionsforum, wo unter anderem dieses Thema heftig diskutiert wird. Unter den Diskutierenden sind hauptsächlich Männer. Viele von ihnen sehen Frauen als eine Bereicherung und haben „in Zeiten der Gleichberechtigung“ kein Problem mit Frauen in der Gruppe. Einer schreibt: „Ich weiß, dass Frauen in unseren Reihen dort und da und über einen längeren Zeitraum noch ‚gewöhnungsbedürftig’ sein werden, aber schaut einmal 25 – 30 Jahre zurück, da gab es dasselbe ‚Theater’ bei den Musikvereinen und wer spricht heute noch darüber??“ Das beliebteste Argument der Gegner von Frauen bei der Feuerwehr ist die körperliche Unterlegenheit. Im Feuerwehrjargon wird da gefachsimpelt, welche Werkzeuge denn nun zu schwer sind für Frauen und welche Aufgaben passend. Einer meint zum Beispiel: „Gerade bei Verkehrsunfällen schadet eine beruhigende Frauenstimme sicher nicht.“

Einige Diskutanten im Forum lassen sich in allen Einzelheiten über die Missstimmung aus, die Frauen angeblich in die Gruppe bringen. Einer drückt seine Eifersucht und Verunsicherung dadurch aus, dass er sich über „ungerechtfertigte Bevorzugung von Frauen auf Lehrgängen und bei Bewerben“ beschwert. Eine wichtige Rolle in einem hierarchischen System wie der Feuerwehr spielt aber der Kommandant – in seltenen Fällen die Kommandantin. Er/Sie hat dafür zu sorgen, dass Frauen dieselbe Arbeit machen dürfen wie ihre männlichen Kollegen. Schließlich sind gar nicht wenige FF-Ortsgruppen auf Feuerwehrfrauen angewiesen, weil viele der Männer zur Arbeit auspendeln und so zu wenig Personal zur Verfügung steht. Pionierinnen. Ein Blick ins Ausland zeigt, dass Vorbehalte gegenüber Feuerwehrfrauen sehr leicht zerstreut werden können. Die Anfang April in ORF 2 ausgestrahlte Dokumentation von Stefanie Jordan „Feuerwehrfrauen in San Francisco“ berichtete, dass es seit 1987 Frauen beim San Francisco Fire Department (SFFD) gibt. In Kalifornien sind heute 13 % der hauptberuflichen Feuerwehrleute Frauen. Die interviewten Frauen präsentieren sich jenseits aller Geschlechterklischees. Körperlich sind sie gut in Form, sodass sie jedem Feuerwehrmann das Wasser reichen können. Und sie lieben ihren Beruf. Sie schwärmen von dieser „gigantischen, rollenden Werkzeugkiste“, dem Feuerwehrauto. Eine Frau beschreibt, wie sie in ein brennendes Haus stürmt und mit ihrer Axt Hindernisse aus dem Weg räumt als „primitiven, rohen, aber auch sinnlichen“ Akt. Eine andere sieht sich als Gegenpol zum typischen, weißen, heterosexuellen Feuerwehrmann. Alle sind stolz auf die Vorbildrolle, die sie durch ihre optische Präsenz in den Straßen San Franciscos für kleine Mädchen einnehmen, die den Beruf ergreifen sollen, der ihnen gefällt. Die Pionierinnen in Österreichs Feuerwehren haben noch einen weiten Weg vor sich, bis der Berufswunsch Feuerwehrfrau nicht mehr automatisch belächelt wird. Die Beharrlichkeit des kleinen Drachen Grisu könnte Vorbildwirkung haben. ❚

links: http://www.wien.gv.at/feuerwehr http://www.feuerwehr.at http://www.oebfv.or.at (Österreichischer Bundesfeuerwehrverband)

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kulturan.riss frauen-kunst-festival

Fo t o : S o n j a K h u ra n a : „ Zo e t r o p e “ 1 9 9 9 , Co u r t e s y t h e a r t i s t

Femme:os

moderne indische Kunst

Sigharting liegt in Oberösterreich, genauso wie der Sauwald. Und wenn die Frauen vom Kulturprojekt Sauwald ein Festival in Sigharting veranstalten, heisst das femme:os und so ist es auch. Auf der Bühne, an den turntables, am Mischpult und in der Organisation sind ausschließlich Frauen am Werk. Mit dem Recht des Erfolges, denn 2001 bekam das erste femme:os Festival den „Kleinen Landespreis für Initiative Kulturarbeit“ verliehen. Ende März luden die Verantwortlichen Julia Estermann und Inge Habereder bekannte und unbekanntere Künstlerinnen aus Wien, Oberösterreich und Berlin ein. Zu sehen waren Kabarett, Filme, Flamenco, Installationen sowie Live-Musik: Von Holly May oder den jungen Blue Roses, den Drei Damen, die großartig Jazz spielten, über Benedikta Manzano mit ihren wunderschönen und düsteren Liedern bis hin zu Célia Mara, die zum Sound von DJane Sweet Susie mit Gitarre und Gesang improvisierte und dabei von Bernadette Reiter an der Bratsche unterstützt wurde. Gute Nachricht zum Schluss: Voraussichtlich wird es auch nächstes Jahr ein frauenkunst-festival im Schloss Sigharting geben. ueb Mehr Infos unter: www.kuprosauwald.org/veranstaltungen

Kapital & Karma Eine nackte Frau – lustvolle Antithese zur magersüchtigen Fitnessgesellschaft – bewegt sich ausgelassen vor der Kamera. Mit ihrer Videoinstallation „Bird“, die im Rahmen der noch bis Anfang Juni laufenden Ausstellung „Kapital & Karma“ in der Wiener Kunsthalle gezeigt wird, arbeitet die indische Künstlerin Sonia Khurana im Spannungsfeld von Körperlichkeit und medialer Repräsentation. Gerade der weibliche Körper ist in der indischen Welt der Massenmedien immer wieder Ziel von Zensurbestimmungen. Werke von insgesamt elf KünstlerInnen sind in dieser bisher größten Präsentation indischer Gegenwartskunst im deutschsprachigen Raum ausgestellt. Seit der 1991 massiv vorangetriebenen „Ökonomischen Offensive“ hat sich Indien sozial und kulturell verändert. Indische Kunst ist plötzlich dem Einfluss und der Konkurrenz globalisierter Kunst ausgesetzt. Damit ergibt sich ein interessantes Paradoxon: Parallel zu Globalisierung und wirtschaftlicher Liberalisierung steigt die Möglichkeit für KünstlerInnen, innovativ und politisch engagiert zu arbeiten. DF

kunstfestival

Art in public space

Kunsthalle Wien, Halle 2, Museumsplatz 1, 1070 Wien, T. 01/5218-1222,

In ihrer Ausstellung „Puppenhäute“, die bis 19.Juni 02 in der Ersten Wiener Schulgalerie gezeigt wird, dokumentiert Irina Dar anhand von Fotografien und Portraits die Veränderung eines Mädchens durch Drogenabhängigkeit. Im Rahmen eines künstlerischen Projektnachmittags zum Thema „Drogensucht“ arbeitete die in der ehemaligen UdSSR geborene Künstlerin mit SchülerInnen der Multimediahauptschule Grundsteingasse zusammen. Die dabei entstandenen Arbeiten sowie Plakate und Material zum Thema Drogen und Sucht für Jugendliche und Erwachsene werden in der Ausstellung ebenfalls zu sehen sein. Ziel der Ersten Wiener Schulgalerie ist das künstlerisches Arbeiten mit SchülerInnen und KünstlerInnen. DF

„Flüchtig daheim“ lautet das Motto des vom 25. Mai bis 8. Juni 2002 in Ottakring stattfindenden Kunstfestivals SOHO. Zwei Wochen lang werden Ateliers und leerstehende Geschäftslokale zwischen Ottakringer und Neulerchenfelder Straße zum Schauplatz von Kunstaktionen. Österreichische und internationale KünstlerInnen präsentieren Bilder, Objekte, Installationen und Perfomances. Besonders der öffentliche Raum soll benutzt werden, um BesucherInnen und AnrainerInnen die Möglichkeit zu bieten, in urbane Strukturen einzugreifen und diese zu formen. Dass das „Brunnenviertel“ von den verschiedensten Ethnien bewohnt ist, führte Festivalinitiatorin Ula Schneider zum Motto der diesjährigen Veranstaltung: „Flüchtig daheim“. Begriffe wie Fremdheit, Zugehörigkeit und innere Heimat sollen gerade in Aktionen mit Jugendlichen zur Sprache gebracht werden. So wird z.B. unter dem Schlagwort „Trigger happy“ (engl. für kampflustig) mit Kindern untersucht, was nötig ist, um sich zu Hause zu fühlen. Neben den zahlreichen Veranstaltungen wird auch ein facettenreiches Rahmenprogramm geboten, Musik- und Filmabende, Lesungen und ein Kunstversteigerungsevent versprechen Unterhaltung. ajb

Erste Wiener Schulgalerie, Multimediahauptschule, Grundsteingasse 48, 1160 Wien, T. 01/4060108

Weitere Informationen: Ula Schneider, T. 0699/125 35 741, http://www.basis-wien.at, http://www.sohoinottakring.at

http://www.kunsthallewien.at/german/kapital_karma.html

drogensucht

„Puppenhäute“

30 an.schlägemai 2002


an.risskultur filmdokumentation

Courage auf brasilianisch

heim.spiel

Am 2. Mai wird im „project space“ der Kunsthalle Wien die Filmdokumentation „Die Königinnen von Salgueiro haben relative Bürgerrechte“ präsentiert. Spätestens seit Abschaffung der Sklaverei kennt Brasilien das Problem der unkontrollierten Urbanisierung und die damit verbundenen sozialen Spannungen. Die daraus resultierenden Armenviertel gelten als Hort von Gewalt und Kriminalität. Sílvia Santangelo Jura zeigt in ihrem Film den Kampf der 60jährigen Dona Ivete, welche schwarzen Jugendlichen aus ihrem Viertel ein besseres Leben ermöglichen will. Das Mittel, den Kampf gegen den Rassismus aufzunehmen, stellt für sie die Kultur dar; insbesondere die spirituelle Verbindung zu den Göttern nutzt Ivete, um Veränderungen zu bewirken. Die von der brasiliansichen Künstlerin Célia Mara komponierte Filmmusik untermalt den lebendigen Einblick, den der Film in das Alltagsleben der schwarzen Bevölkerung Brasiliens gewährt. vab Weitere Filmvorführungen: 14. und 15. Mai im Schikaneder-Kino, Margaretenstraße 24, 1040 Wien. T. 01/585 28 67

Angela Heissenberger

Animal Farm

ausstellung

Kultur der Geburt „Aller Anfang“ im Österreichischen Museum für Volkskunde ist eine Annäherung an das Thema Geburt aus unterschiedlichen kulturellen und historischen Blickwinkeln. Zehn Schwerpunkte geben Einblick beispielsweise in Schöpfungsmythen, die Arbeit von Hebammen, Geburtssysteme und alternative Geburtspraktiken. Die BesucherInnen sind aufgefordert, aktiv am Geschehen teilzunehmen: Gegenstände der persönlichen Verbundenheit mit Geborenwerden und Gebären können vorbeigebracht und als „Give aways“ ausgestellt werden. Ein großer Bereich ist den Reproduktionstechniken gewidmet. Zahlreiche Materialien informieren über künstliche Befruchtung und Genetik. Cyberkörper und Golem, Homunculus der Alchemie und Frankenstein werden ebenso thematisiert wie Klonschaf Dolly oder Gentherapie. Geburt wird nicht nur als persönliche Geschichte einer Frau verstanden, sondern auch als Ausgangspunkt für künstlerisches Schaffen. Endstation Findelhaus (in den letzten Jahrhunderten) oder Babyklappe (in der Gegenwart) zeigen die Folgen unerwünschter Schwangerschaft.Was leider fehlt, ist ein Blick auf die kulturelle Diverität in Sachen Verhütung sowie Standpunkte hinsichtlich Abtreibung. Und es taucht ein ethisches Fragezeichen auf, wenn BesucherInnen vor einem missgebildeten Neugeborenen im Reagenzglas stehen, um mit dem „Anderssein“ konfrontiert zu werden. Zwei große Pluspunkte: Die eigene Lese- und Spielecke für unsere lieben Kleinen und der kleine feine Garten des Museums mit Heilkräutern, die in der Geburtsheilkunde verwendet wurden und werden. Die Ausstellung läuft bis Anfang Oktober 2002. PÖ

Eigentlich haben Tiere bei uns Hausverbot. Robi reagiert auf Tierhaare, insbesondere wenn sie von Katzen stammen, mit dramatischem Röcheln und Grunzen (wegen Atemnot und Gaumenjucken). Die Haustierfrage, sollte sie in naher Zukunft von den Buben gestellt werden, erübrigt sich somit von selbst – außer sie bezieht sich auf die Unterbringung von Schlangen, Schildkröten, Vögeln oder Fischen. Gegen die bin ich dann allergisch. Nun, da wir fast am Land wohnen, wo quasi Haustierpflicht gilt, hat uns die Fauna kürzlich selbst heimgesucht. Nein, ich meine nicht die Vögel, die nach fünf Monaten endlich das Futterhaus entdeckt haben und seither den ganzen Balkon versauen. Schlimmer, viel schlimmer. Kaum zeigte das Thermometer konstante 15 Grad und mehr an, schlüpfte die Ameisenbrut. Unter dem Fassadenputz war die schwarze Mafia bis in den zweiten Stock gekrochen und hatte sich durch Fensterrahmen und Gummidichtung gefressen. Viertelstündlich saugte ich mit dem Staubsauger Unmengen von zwei Zentimeter großen, geflügelten Riesenameisen vom Fenster. Nils versuchte, sie mit dem Lego-Bagger aufzuschaufeln. Ich entwickelte schon zwangsneurotisches Hautjucken. Als die Horde schließlich auch noch das Bett erklomm, sah ich endgültig rot. Als Neo-Freizeit-Gärtnerin praktiziere ich zwar sogar in der Schneckenbekämpfung die „buddhistische“ Methode, die sich in der Vernichtung der Eier (also Schwangerschaftsabbruch im Frühstadium) und der Evakuierung der Schnecken in weit entfernte Gefilde (Kindeswegnahme) offenbart. Das alles spielt sich aber im Garten ab, und der kann meinetwegen biologisch-dynamisch sein. Solange im Garten bleibt, was in den Garten gehört. In Anbetracht der heranrückenden Armada schienen vorgeblich humane Mittelchen wie Backpulver oder Zitronenscheiben geradezu unverhältnismäßig. Die Giftkeule musste her! Tatsächlich: Alles wurde gut. „Wir haben ein Bift gebitzt (= Gift gespritzt; kleine sprachliche Unzulänglichkeit meines Sohnes) und alle Ameisen sind weggegangen“, erklärte Jan allen, die es hören wollten, und allen anderen auch. Inzwischen ist aber ein neues Problem aufgetaucht: Der Staubsauger ist kaputt. Möglicherweise verstopft von Ameisenleichen? Späte Rache? Das Imperium schlägt zurück.

Österreichisches Museum für Volkskunde, Laudongasse 15-19, 1080 Wien, T. 01/406 89 05, http://www.volkskundemuseum.at

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Fo t o s : M i c h a e l a B r u c k m ü l l e r ( g r. ) , H e l e n e Tra u n e r ( k l . )

gesellschaftfußballinterview

UEFA-Women’s-Cup Die Sportlehrerin Olga Hutter ist Trainerin von USC Landhaus und Co-Trainerin des österreichischen Fußball-Frauennationalteams. USC Landhaus ist das erfolgreichste Frauenfußballteam Österreichs. Ein Interview von Maria Kohen und Kerstin Kellermann

an.schläge: Welches Bild assoziieren Sie mit dem Motto „Fußball für alle“? Welche Erfahrungen haben Sie mit Fremdenfeindlichkeit gemacht? Olga Hutter: In so einem Bild sehe ich Mädchen und Buben beim Fußball spielen. Wenn jemand Fußball spielen möchte – egal, ob Mann oder Frau, Mädchen oder Bub – dann soll sie oder er Fußball spielen; unabhängig von Ge32 an.schlägemai 2002

schlecht, Hautfarbe, Religion und Kultur. Meiner Erfahrung nach gibt es im Männerfußball in den Stadien Rassismus, wenn farbige Spieler auftreten. Im Mädchen- und Frauenfußball ist der Rassismus nicht so ausgeprägt. Da im Frauenfußball noch kein Geld im Spiel ist, es mehr um Hobby, Sportausübung oder Freizeitgestaltung geht, existiert dieses Problem eher weniger. In unse-

rem Verein „Union Landhaus“ haben im Laufe der Jahre immer wieder ausländische Spielerinnen mitgespielt oder einfach mittrainiert. Die Integration ist uns eigentlich sehr gut gelungen. Im Januar habe ich die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen. Nach schlechten Erfahrungen habe ich meinen Namen geändert, ich will nicht gleich wegen meinem ausländischen Namen


interviewfußballgesellschaft in eine Schublade gesteckt werden. Das weibliche Suffix -ová ist jetzt weg und ich heiße Hutter – wie mein Vater. Sie kommen aus der Slowakei. Hatte der Frauenfußball in Osteuropa einen höheren Stellenwert als in Österreich? Nein, es ist eigentlich genauso wie in Österreich. Frauenfußball ist mit dem Männerfußball nicht zu vergleichen, von der Gesellschaft wird er nicht anerkannt. Mit diesem Problem ist in sehr vielen Ländern zu kämpfen, in denen Frauenfußball jetzt zwar verstärkt gespielt wird, aber sicher noch nicht diesen Stellenwert hat, den er haben könnte. Wie sind die AusländerInnenbestimmungen im Frauenfußball? Die Situation ist ein bisschen anders als bei den Männern, da wir an sich keine Profispielerinnen haben. Die ersten Ausländerinnen tauchten im Frauenfußball überhaupt erst vor zehn Jahren auf, dazu gehöre auch ich. Es gibt Bestimmungen, dass pro Team in einem Spiel zwei ausländische Spielerinnen antreten dürfen, d.h. ein Verein darf auch zehn Spielerinnen aus dem Ausland haben, aber für ein Spiel sind nur zwei berechtigt. Bei uns ist das noch nicht so festgelegt, ob das eine EU- oder Nicht-EU-Ausländerin sein muss. Das finde ich positiv, weil man ist ja überall Mensch. Es ist, glaube ich, in dieser Phase des Frauenfußballes sehr wichtig, dass ein paar von diesen Spielerinnen kommen, weil die Erfahrungen bringen und sicher das Niveau des österreichischen Fußballs heben. Aus finanziellen Gründen spielen bei den Frauenteams überwiegend Spielerinnen aus den ehemaligen Ostblockstaaten. Für die ist eine Reise nach Österreich noch immer etwas wert, auch wenn sie nur Reisekosten und vielleicht Spesenersatz kriegen. Auf diese Weise haben wir Slowakinnen, Ungarinnen, Bulgarinnen in der Bundesliga, aber sicher keine Französin oder Deutsche. Wie sieht es bei den Mädchen aus? In der Bundesliga sind jetzt schon 14-jährige Mädchen mit Bestätigung des Amtsarztes spielberechtigt. Das liegt an und für sich daran, dass wir keine geeignete Liga für den Nachwuchs haben, deshalb kommen die größten Talente gleich in die Kampfmannschaft. Eine Nachwuchsliga zu bilden, ist aus finanziellen Gründen im

Moment nicht möglich, wäre aber sehr wünschenswert. Es gibt Vereine, die Mädchenteams haben, dazu gehört z.B. Landhaus. Bei Hellas Kagran spielen sie mit den Burschen, wobei die Mädchen ein Jahr älter sein dürfen. Das ist eine Burschenliga. Die Mädchen haben ab vierzehn entweder die Möglichkeit, in der sogenannten Reserve, das bedeutet in B-Teams zu spielen, oder eben Landesliga. Oder, wenn sie wirklich sehr talentiert sind, können sie schon bei ATeams dabei sein. Die ausländischen Mädchen sind den österreichischen im Nachwuchsbereich gleichgestellt. Wir haben eine Bestimmung, dass bei den Bundesländermeisterschaften nur die Österreicherinnen spielen dürfen, aber beim Nachwuchs sind sie gleichgestellt. Das Problem ist, wenn sie dann hinaufgehen, sind sie schon als Ausländerin einzustufen. Aber die Teams haben nicht so viele Ausländerinnen, dass die Trainerin sie nicht einsetzen kann. Sehr viele sind schon in Österreich geboren, nur bei einigen bestehen die Eltern auf die ursprüngliche Staatsbürgerschaft. Wie realistisch sehen Sie die Chancen auf Profifrauenfußball? Es wäre sicher ein großes gemeinsames Ziel, und auch realistisch, aber es wird noch lange dauern. Deutschland wäre ein Vorbild, aber wir können nicht automatisch alles übernehmen, weil uns einfach die Grundlage fehlt, nämlich die Arbeit im Nachwuchs. Ich sehe die Möglichkeiten in erster Linie in der Schule, wo man Mädchenfußball verstärkt einführen sollte. Dann sollten sich vielleicht auch die großen Vereine der Mädchen ein bisschen annehmen. Bayern München hat durch die Förderungen in den letzten vier Jahren einen Riesensprung nach vorne gemacht, zur Zeit stehen sie auf dem dritten Tabellenplatz. In der deutschen Frauenbundesliga haben wir aus Österreich zwei Mädchen spielen. Gibt es Bereitschaft vonseiten der großen Männervereine? Ich habe nicht die Macht, diese Vereine anzusprechen, aber im Österreichischen Fußballbund gibt es ein Bemühen, mit diesen Vereinen die Zusammenarbeit zu versuchen. Nur kostet das Ganze sehr viel Geld. Für viele Probleme muss man vielleicht erst langsam eine Lösung suchen. Die Vereine und über-

haupt die ganze Gesellschaft müssen ihre Einstellung ändern. Auch in bezug auf Fraueneishockey oder andere Sportarten. Was erwarten Sie für die dieses Jahr stattfindende Unter-18-Europameisterschaft? Bei der ersten Unter-18-EM sind wir sogar in die zweite Runde aufgestiegen. Da hatten wir Dänemark, Tschechien und Schottland in der Gruppe – also nicht viele Chancen. Heuer ist uns der Aufstieg leider nicht gelungen, obwohl wir selber Austragungsort waren. Im September werden wir zum dritten Mal an der U-18-EM teilnehmen. Es ist für die Mädchen die Möglichkeit, international zu spielen. In dieser Saison wurde zum ersten Mal eine UEFA-Cup-Runde für Frauenfußball eingeführt, das ist sicher ein riesiger Erfolg. Es ist so etwas Ähnliches wie Champions-League bei den Männern, nur halt finanziell absolut nicht zu vergleichen. USC Landhaus war im Oktober in Finnland, unsere Gegner waren HJK Helsinki, Torres aus Italien und KI Klaksvik von den Faröer Inseln. Da konnten wir den Unterschied sehen, wenn jemand profimäßig trainiert. Wahrscheinlich wird der UEFAWomen’s-Cup jedes Jahr stattfinden. Die führenden Länder wie Italien, Deutschland, Schweden, Norwegen, Finnland haben schon die ersten Schritte unternommen und besitzen Profispielerinnen. Zwar werden die Spielerinnen nicht reich, aber sie können zweimal am Tag trainieren. Haben Sie den Eindruck, dass im Zuge der Frauenbewegung und des Feminismus, die Mädchen sich jetzt selbstverständlich gleichberechtigt fühlen und selbstbewusst sind? Die Mädchen haben nicht so diese Gedanken wie noch viele unserer Mütter – ich muss als Frau dem Mann, ist gleich Gott, dienen. Viele Mädchen können sich einfach durchsetzen. Das spürt man auch im Verein, die jungen Mädchen spielen gegen die Burschen in der Meisterschaft und kommen sehr gut mit dieser Konfrontation zurecht. Bei den ganz jungen Mädchen sehen die Eltern das auch nicht so problematisch, wenn ein Mädchen sagt:„Ich möchte Fußball spielen“. Es ist nicht mehr so wie vielleicht vor zwanzig Jahren. Es geht langsam, aber sicher voran. ❚

Dieses Interview erschien auszugsweise in der neuen Ausgabe des Fairplay-Magazines. http://www.vidc.org/fairplay

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Fo t o s : a r t e m i s g e n e ra t i o n e n t h e a t e r / We r n e r Ko s c h e r

kulturausdruckstanz

Befreiter Ausdruck Mit dem Ausdruckstanz konnte sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein neues befreites Bewegungsgefühl etablieren, das durch den Nationalsozialismus erstickt wurde. Ein historischer Ausflug von Gabi Horak

artemis generationentheater, c/o Ingrid Türk-Chlapek, Adolf-Tschabuschnigg-Straße 12/2, 9020 Klagenfurt, T. und Fax: 0463/511 300, e-mail: artemis_generationentheater@utanet.at, http://www.generationentheater.at

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Als die Wanderausstellung „Wege nach Ravensbrück“ im Oktober 2001 in Klagenfurt gastierte, ließen sich die kreativen Frauen von „artemis generationentheater“ eine besondere Choreographie einfallen. Mit dem Tanztheater „Out of Memory“ rückten die Amateurschauspielerinnen – unterstützt von drei jungen Tänzerinnen – den eigenen Erfahrungsschatz in den Mittelpunkt. „Mit der Bewegung als Sensor, tasten sich zehn Tänzerinnen über einen Berg aus weißen Flecken und wiederkehrenden Alpträumen zu ihren verschütteten Erinnerungen“, heißt es in der Selbstbeschreibung. „Out of Memory“, nach einer Choreographie von Alenka Hain und

produziert von Ingrid Türk-Chlapek, reagierte auf die Ausstellung über die Überlebenden des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück mit einer tänzerisch-ästhetischen Auseinandersetzung. Für den Ausdruckstanz, dessen Bewegungsduktus artemis bewusst zitierte, bedeutete der Nationalsozialismus eine brutale Zäsur, von der er sich nie wirklich erholen konnte.

ebenso abgestreift wie Spitzenschuhe und alle Bewegungen, die nichts mit natürlichen Abläufen zu tun hatten. In den 1920er Jahren etablierte sich neben zahlreichen SolokünstlerInnen innerhalb des Ausdruckstanzes eine breite Laientanzbewegung – nach dem Motto „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Tanzen war modern, doch einigen wenigen Persönlichkeiten ist es zu verdanken, dass der „Freie Tanz“ als Alternative zum BalPionierin. Der Begriff Ausdruckstanz fasst lett wirklich Fuß fassen konnte. Die Geschichte des Ausdruckstansehr unterschiedliche Tanzrichtungen zes ist auch eine Geschichte der Emanzusammen. Ihnen allen gemeinsam ist der Versuch, sich aus erstarrten Konven- zipation der Frau. Die neuen Bewetionen zu befreien: dem klassischen Bal- gungsfreiheiten abseits der herkömmlichen institutionalisierten Tanztempel lett den Rücken zu kehren. Und zwar beinhalteten mehr Möglichkeiten für den blanken, denn das Korsett wurde


ausdruckstanzkultur In „Out of Memory“ zitierten die Tänzerinnen von artemis generationentheater den Bewegungsduktus des Ausdruckstanzes.

Frauen, sich als Solokünstlerinnen zu entwickeln. Als Pionierin auf diesem Gebiet gilt die US-Amerikanerin Isadora Duncan (1877 – 1927). Die bekennende Frauenrechtlerin fegte wie ein Wirbelwind über die Bühnen der ganzen Welt und ihr Auftreten – barfuß, in leichten Gewändern – war Anfang des 20. Jahrhunderts schlicht und einfach ein Skandal. „Der nachhaltige Einfluss der Duncan ist kaum zu überschätzen, ja es kann sogar behauptet werden, dass ihre Wirkung in der Geschichte des Tanzes keine Parallele kennt“, schreibt Gunhild Oberzaucher-Schüller1. Als Vorbild für Generationen von Freien Tänzerinnen waren Duncans Errungenschaften die Basis für den Ausdruckstanz in Europa, dessen Blüte zwischen 1920 und 1930 angesetzt wird.

Arbeit. Hedwig Müller, Autorin zahlreicher Wigman-Biographien: „Die Tänzerin Mary Wigman war kein ätherisch auf Zehenspitzen trippelndes Feenwesen aus einem Märchenballett, sie war die Hexe leibhaftig, die gierig um sich greifende, erdverbundene, am Boden kriechende und mit heftigen Bewegungen den Raum erobernde Frau. Mary Wigman wollte nicht mit Liebreiz und Anmut gefallen, sie wollte ihr Publikum aufrütteln, es zu den verborgenen Seiten der Psyche hinführen.“2

Zäsur. Mary Wigman erkannte das pädagogische Wirken als eine ihrer großen Leidenschaften, weshalb sie 1920 die „Wigman-Schule“ in Dresden gründete, die Zentrum des Deutschen Ausdruckstanzes wurde. Die Machtergreifung durch die NaHexe. Am Beispiel einer der einflussreichs- tionalsozialisten in Deutschland – so wie später in Österreich – bedeutete für ten Ausdruckstänzerinnen lässt sich der den Ausdruckstanz und seine SolokünstWeg nachzeichnen, den der Tanz in den lerinnen in jeder Beziehung einen dranächsten Jahrzehnten gegangen ist. Mary Wigman (1886 – 1973) stammte aus matischen Einschnitt. Mary Wigmans einer reichen Familie, deren Haus sie auf Schule wurde geschlossen, so wie zahlreiche andere Ausbildungsstätten und der Suche nach Freiheit mit 23 Jahren Aufführungsorte. Jüdische KünstlerInverließ. Ihre Kindheit war geprägt von nen erhielten Arbeitsverbot, als kommuder kränkenden Bevorzugung ihres Bruders und dem unentwegten Versuch der nistisch, homosexuell oder einfach zu kritisch eingestufte Menschen wurden Eltern und Tanten, aus dem „braven verfolgt, was der Kunst und dem AusKind“, das leider „so hässlich ist“, eine druckstanz im Besonderen erhebliches junge Dame zu machen. Mary bekam Potential entzog. In Österreich hatte Tanzstunden, doch nur um zu lernen, schon das Klima im austro-faschistisich „angemessen“ zu bewegen. Zweimal wurde sie verlobt, was beide Male in schen Ständestaat tragische Auswirkungen auf die künstlerische Vielfalt. Das einem Nervenzusammenbruch der unglücklichen Braut endete, womit sie sich Patriotische, Wienerische stand im Vorfür den Heiratsmarkt endgültig disquali- dergrund und wurde von großen Tanzensembles mit viel Aufwand inszeniert. fizierte. Endlich auf sich selbst gestellt, All jene Tänzerinnen, die nicht emigmachte sie erst einmal Erfahrungen mit riert waren, reagierten unterschiedlich der rhythmischen Gymnastik von Emile Jaques-Dalcroze, danach war ihr Mentor auf die NS-Kulturpolitik, die die Schaffung eines neuen Deutschen Tanzes Rudolph von Laban, dessen Einfluss sich die unglücklich verliebte Mary erst einige zum Ziel hatte. „Zwischen Anpassung, innerer Emigration und WiderstandsJahre später entziehen konnte. Ihre UnArbeit im Untergrund muss eine relativ abhängigkeit als Frau findet Mary Wigbreite Palette der künstlerischen Überman erst, als sie Laban verlässt und sich lebensmöglichkeiten gelegen haben“, ganz auf ihre Solokarriere konzentriert. überlegt die Autorin Andrea Amort.3 Die Frage nach der Identität als Frau in einer von Männern dominierten Die im Nationalsozialismus propaGesellschaft war Ausgangspunkt ihrer gierte Volkstümlichkeit ließ ein Über-

schreiten der Geschlechtergrenzen nicht mehr zu. Mary Wigman, anfangs noch fasziniert vom kultischen Gedanken innerhalb der NS-Ideologie, erkannte jedoch bald die zerstörerische Kraft der neuen Macht in Europa und ihre verheerenden Auswirkungen nicht zuletzt auf ihre eigenen Emanzipationsbestrebungen: „Ich bin eine Frau, eine selbständig schaffende Frau – wir haben einen Männerstaat, der naturgemäß die Tendenz haben muss, die wenig schöpferisch begabten Frauen zu überrennen.“4 Wigman war bis Kriegsende nur selten auf der Bühne zu sehen und auch ihre pädagogische Tätigkeit musste sie auf Eis legen. Vernichtet. An die Stelle der aus der Improvisation gewachsenen freien Bewegung trat der auf Einheitlichkeit bedachte Aufmarsch von ganzen Tanztruppen. Auch LaientänzerInnen wirkten an den effektvollen Massenveranstaltungen mit, als deren Höhepunkt die von angepassten AusdruckstänzerInnen choreographierte Eröffnung der Olympischen Spiele in Berlin 1936 gilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es nicht mehr möglich, an die Blütezeit des Ausdruckstanzes anzuschließen – zuviel Potential war vernichtet worden. Statt dessen erlebte das klassische Ballett einen großen Aufschwung. Die Ausdrucksmöglichkeiten des „Freien Tanzes“ beschränkten sich fast ausschließlich auf den pädagogischen Bereich:Von den Nationalsozialisten geschlossene Tanzschulen wurden wieder eröffnet, auch Mary Wigman konnte in ihre Schule in Dresden zurückkehren. Der Name Ravensbrück stand für die „Hölle der Frauen“ im nationalsozialistischen Deutschland: Zehntausende wurden hier gequält und ermordet. Die Präsentation der Ausstellung „Wege nach Ravensbrück“ zu verbinden mit Erinnerungstheater, das an das Bewegungsgefühl des Ausdruckstanzes anschließen will, war eine hervorragende Idee.„Ein Berg aus weißen Flecken“ ist die Geschichte des „Freien Tanzes“, dessen emanzipatorische Schöpfungskraft noch lange nicht vollständig erfasst ist. ❚

1 Gunhild Oberzaucher-Schüller: Der Freie Tanz in Wien bis 1938. In: Andrea Amort und Mimi WundererGosch (Hg): Österreich tanzt. Geschichte und Gegenwart. Böhlau 2001, S. 55

2 Hedwig Müller: Die sieben Tänze des Lebens. In: Ursula May (Hg): Theaterfrauen. Fünfzehn Porträts. Suhrkamp 1998, S. 100

3 Andrea Amort: Zwischen den Kriegen, Russischem Ballett und Ausdruckstanz. In: Andrea Amort und Mimi Wunderer-Gosch 2001, S. 85

4 Mary Wigman zitiert in: Hedwig Müller 1998, S. 103

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Fo t o : A r c h i v

kulturdorothy parker

In der angloamerikanischen Welt steht Dorothy Parker fast 35 Jahre nach ihrem Tod noch immer für Esprit, beißenden Sarkasmus und die US-amerikanische Literatur Bohème. Gleichzeitig weiß frau im deutschsprachigen Raum kaum etwas über sie. Zwei Möglichkeiten gäbe es dann noch: Ein Studium der Amerikanistik mit Schwerpunkt Literatur des 20. Jahrhunderts oder vielleicht den Film „Mrs. Parker und ihr lasterhafter Kreis“ vor Jahren zufälligerweise gesehen zu haben.

Regen für Dorothy Eine der aufregendsten Autorinnen Nordamerikas gilt es neu zu entdecken: Dorothy Parkers „New Yorker Geschichten“ wurden dieses Frühjahr in deutscher Übersetzung aufgelegt. Von Evelyn Steinthaler 36 an.schlägemai 2002

Zufälligkeiten kann aber die Bekanntschaft mit Dorothy Parker und ihrer Arbeit nicht überlassen werden, zu bedeutend ist ihr Beitrag in der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Wegweisend ist Parker nicht nur mit ihrer mehrfach preisgekrönten Lyrik und ihren Kurzgeschichten. 1944 erschien unter dem Titel „The Portable Dorothy Parker“ erstmals eine ausgewählte Sammlung der Parkerschen Kurzgeschichten. Der Diana Verlag hat diese Kurzgeschichtensammlung als „New Yorker Geschichten“ den deutschsprachigen Leserinnen neu vorgelegt. Parker, die 1893 als Dorothy Rothschild geboren wurde, hatte nicht nur mit dem frühen Verlust der Mutter und Schwierigkeiten mit einem dominanten Vater zu kämpfen, sondern auch mit der Aussicht, alle Anstrengungen in ihrem Leben nur zum Zwecke einer reichen Verheiratung aufbringen zu dürfen. Dorothy wollte anders leben als ihre Schwester Helen und ihre Schulfreundinnen in den katholischen Privatschulen. Sie arbeitete daran, aus der kleinen stark kurzsichtigen Dorothy eine Berühmtheit zu machen: Dorothy Rothschild erfand Dorothy Parker. New York City war über all die Jahre Parkers Lebensmittelpunkt und der Big Apple erinnert sich ihrer bis heute unter anderem mit der Stadtführung „Dorothy Parkers New York“, bei der frau nicht nur die Häuser und Hotels zu Gesicht bekommt, in denen sie gelebt hat, sondern auch die Theater und Bars, die sie besuchte. Allen voran natürlich das Algonquin Hotel, in dem sich nach Ende des 1. Weltkriegs eine Gruppe Intellektueller zum täglichen Lunch traf und


dorothy parkerkultur aus der bald der „Algonquin Round Table“ wurde – die wichtigste US-amerikanische Literaturgruppe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Lebende Legende. Dorothy Parker, die mit ihren Lyrikbänden „Enough Rope“ und „Sunset Gun“ wochenlang die amerikanischen Bestsellerlisten anführte, war die erste Frau, die in die Männerdomäne der Theaterkritiker einbrach. Mit ihren unnachahmlich zynischen Kritiken vergrämte sie die Broadway-Produzenten und gewann gleichzeitig die Herzen des Publikums. Als sie 1920 wegen zu heftiger Kritik ihren Job bei „Vanity Fair“ verlor, begann sie für Magazine wie „Ainslees“, „Life“ und auch für den neugegründeten „New Yorker“ zu schreiben. Kaum 35 Jahre alt war sie bereits eine lebende Legende. Sie war der Inbegriff des „Flappers“ – wie die selbstbewusste, schlagfertige, mondäne junge Frau dieser Zeit genannt wurde. Parker war erfolgreich und ihr Leben schien der Öffentlichkeit ein einziges nie enden wollendes Fest zu sein. Tatsächlich war das Leben der Lyrikerin aber alles andere: Abtreibungen, Fehlgeburten, Selbstmordversuche, Alkoholabhängigkeit und Narkotikasucht gehörten ebenso zu Parker wie ihre Parties. Zu den Berichterstattungen über ihr aufregendes Leben hatte Parker nichts anderes zu sagen, als dass es ihr egal wäre „was man über mich schreibt, solange es nicht wahr ist“. Politische Berufung. Als „The Portable Dorothy Parker“ 1944 erstmals erschien, war Parker 51 Jahre alt und gehörte zu den höchstbezahlten Drehbuchautorinnen Hollywoods und schillerndsten Persönlichkeiten Nordamerikas. Privat kämpfte sie zu dieser Zeit vor allem erbitterte Grabenkämpfe gegen Alan Campbell, ihren zweiten Ehemann, von dem sie sich 1947 nach 13jähriger Ehe scheiden ließ, um ihn nur drei Jahre später wieder zu heiraten. In einem Interview wurde Parker gefragt, warum sie Campbell noch einmal heiraten wollte: „Was kannst du schon machen, wenn du einen Hurensohn liebst?“ Trotz Differenzen blieben die beiden bis zum Tod Alans im Jahr 1963 verheiratet.

„The Portable Dorothy Parker“ sollte eine Ansammlung von Kurzgeschichten sein, die Parker über die Jahre geschrieben hatte und die auch mehrfach preisgekrönt worden waren. Parker mochte aber den Großteil ihrer Arbeiten nicht mehr, sie wollte nur mehr ihre politischen Kurzgeschichten wie „So kleide die Nackten“ und „Soldaten der Republik“ gedruckt sehen. Parkers große Feinde waren ihre eigene Diziplinlosigkeit und das frisch eingespannte Blatt Papier. Sie quälte sich mit der Produktion ihrer Texte wie mit ihren öffentlichen Auftritten, die sie vor allem für Wohltätigkeitsveranstaltungen zugunsten der spanischen Republikaner auf sich nahm. Ihre politische Berufung erkannte Parker erst, als sie schon Mitte Dreißig war, dafür war sie in ihrem Engagement umso beherzter. Sie war maßgeblich an der Gründung der „DrehbuchautorInnengewerkschaft“ und der „Anti-Nazi-Liga“ in Hollywood beteiligt. Ihre politischen Unternehmungen brachten sie vor den „Ausschuss für unamerikanische Umtriebe“: Dorothy Parker wurde auf die „Schwarze Liste“ Hollywoods gesetzt. Auch wenn dort kaum noch jemand mit ihr zu arbeiten wagte, hörte sie nicht damit auf, sich bis zuletzt politisch zu engagieren. Sie vermachte ihren gesamten Nachlass inklusive der Rechte an ihrem Werk Martin Luther King und seiner Bürgerrechtsbewegung „NAACP“ – National Association for the Advancement of Coloured People. Nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes kehrte Parker nach New York City zurück. Freundinnen kümmerten sich um die vorzeitig gealterte Autorin: Ihr exzessiver Alkohol- und Tablettenkonsum und zuletzt auch der Tod Alans hatten ihr schwer zugesetzt. Ihre letzten Jahre verbrachte sie zurückgezogen im New Yorker Frauenhotel „Volney“, über das sie Jahre zuvor das Theaterstück „Ladies of the Corridor“ geschrieben hatte. In ihrem Gedicht „Testament“ hatte sie sich bereits in den 20er Jahren Regen in ihrer Todesstunde erbeten. Doch dies blieb ihr verwehrt: Dorothy Parker starb am Nachmittag des 7. Juli 1967, einem warmen, sonnigen Tag. ❚

traum.projekt

Charlotte Eckler und Lisa Rosenblatt

Traum-Interview Liebe Daniela Beuren, Traumfrau der ersten Stunde, das Dream Coordination Office freut sich, dir zu gratulieren. Du hast einen Traum realisiert und stehst nach 11 Jahren Arbeit vor dem Abschluss deiner Dissertation. Wir interessieren uns sehr für diese Überbrückung der Träume mit der Realität. Wie hast du es empfunden, dass ein Wunschtraum in Erfüllung geht? Als Traum sah ich die Diss nie, obwohl sie mit den Jahren einen Zug ins Irreale annahm. Es schien utopisch, dass ich sie noch fertig mache. Aber es gab andere, vordringliche Wunschträume. Zum Beispiel, mit einem Mikrophon auf einer Bühne zu stehen. Diesen Traum habe ich mir erfüllt, aber mich dabei nie vom Diss-Projekt verabschiedet, sondern es als etwas Unerledigtes mitgeschleppt. Das schlechte Gewissen hat sich auch in Nachtträumen geäußert. Ich bin erleichtert, dass ich die Diss nun vollende, und ich wurde vom Dream Coordination Office durch Coaching bestens in der Richtung unterstützt. Kannst du kurz einen dieser Nachtträume schildern? Luise von Flotow, eine Größe auf meinem Fachgebiet (feministische Übersetzungswissenschaft) ist mir im weißen Gewand erschienen, als ich mich in einem Theater gerade auf eine Performance vorbereitete. Ich berichtete voll Stolz, dass ich im Mai die Diss abgeben werde und sagte: „Jetzt werden Sie sich wahrscheinlich fragen, was ich dann da mache.“ Sie lachte und sagte: „Ja, genau.“ Vielen Dank für deine Zeit und Mühe und noch mal viel Realität im Träumen. Das Dream Coordination Office wünscht allen einen schönen Frühling!

Dorothy Parker:„New Yorker Geschichten“, Diana Verlag 2002, eur 9,30

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an.klang Hörtipps: Breeders: http://www.4ad. com/artists/bree ders/index.htm Buffalo Daughter: http://www.buffa lodaughter.com

Gitarre mit Elektronik Wenn man Glück hat, kann man jetzt schon wieder draußen sitzen. Sonja Eismann und Ute Hölzl hatten Glück und haben sich gleich einen musikalischen Cocktail bestellt

Buffalo Daughter: „I“ All Girl Summer Fun Band: „All Girl Summer Fun Band“

38 an.schlägemai 2002

Wer hätte das gedacht. The Breeders are back – mit ihrem langerwarteten dritten Album. Neun Jahre nach ihrem Maßstäbe setzenden PlatinAlbum „Last Splash“ mit dem IndieMegahit „Cannonball“ und nach endlosen Gerüchten und Verwirrungen um vermeintliche Reunionen und Reinkarnationen gibt es ein Wiederhören. Dass Mastermind Kim Deal zwischenzeitlich mit neuer Band „The Amps“ fremdging, ihre Zwillingsschwester Kelley Deal der Heroinsucht anheim gefallen war und der Rest der Band sich in alle Richtungen zerstreut hatte, ließ das Follow-Up zu „Last Splash“ immer unrealistischer erscheinen. Doch nachdem sie angeblich schon dazu bereit war, das neue Album ganz allein einzuspielen, hat die resolute Kim Deal noch mal all ihre Energien gebündelt, ihren Zwilling Kelley und drei neue Bandmitglieder am Händchen gefasst und in Steve Albinis mythisches Chicagoer Produktionsstudio geführt, wo die 12 Nummern von „Title TK“ (4AD/ Beggars Group/Connected) aufgenommen wurden. Das Ergebnis klingt ganz entschieden nach Breeders, und zwar so, als wären seit der letzten Platte nicht neun Jahre, sondern neun Wochen vergangen. Der Indierock der 90er, dessen Gesicht die Breeders mit ihrem Sound ganz entscheidend geprägt haben, wird hier ohne Anstrengungen ins Jahr 2002 geholt. Denn auch auf dem neuen Release kommen

die Breeders-typischen Trademarks wie straight rockende, energetische Gitarren, klare rhythmische Strukturen und die typischen Vocals zwischen mädchenhaft und aggressiv zum Tragen. Insgesamt jedoch scheint das Tempo etwas ausgebremst und eine gewisse Reife schimmert zwischen einigen Takten hervor, die das Album stellenweise etwas introspektiver erscheinen lässt. Ähnliches ließe sich auch über die japanischen Buffalo Daughter sagen und ihre aktuelle Platte, die ganz schlicht und doch raffiniert mehrdeutig „I“ (Emperor Norton/EFA) betitelt ist. Engelhafte Stimmwölkchen, die an Stereolabs delikate Gesangsharmonien erinnern, und Geigen- und Gitarrengeflirre schaffen eine Atmosphäre der inneren Ruhe und Sanftheit. Doch Buffalo Daughter wären nicht Buffalo Daughter, wenn sie nicht abseits dieser Sweetness wild durch die verschiedensten Popgenres turnen und dabei abrupt von Harmoniesegen zu experimentellen Elektronikgefiepse mit zerhäckselten Stimmsamples und stakkatohaften Synthiesounds switchen würden. Trotz dieser scheinbar disparaten Elemente aus dem großen Popbaukasten funktioniert die Platte dank der Brückenfunktion der zahlenmäßig am stärksten vertretenen loungy-melodischen Tunes als schlüssiges Ganzes. Locker und flockig, wie schon der Name verspricht, ist die All Girl Summer Fun Band (K-Records, Trost), aus

All Girl Summer Fun Band: http://www.ags fb.com

Portland, Oregon. Mit nur 13 Songs in 27 Minuten auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum schaffen es Kathy Foster, Kim Baxter, Ari Douangpanya und Jen Sbragia, gute Laune und Sommergefühle zu verbreiten. Mit mehrstimmigem Gesang, Handclaps und la-lalas liegt der Vergleich zu den Girl Groups der 60er Jahre nicht fern. Allerdings wird diese vordergründige Naivität und Unschuld von den ironischen Texten durchbrochen. Musikalisch hätte das, wenn man sich den Wall of Sound samt Streicher dazudenkt, auch in den 60ern passieren können. Der Unterschied: diese jungen Damen haben die volle Kontrolle über ihren Output. Und sind so die wiederauferstandenen Ronettes für die Lo-Fi-Generation. Mittlerweile ebenfalls aus Portland kommt die 21-jährige Tami Hart, die mit „What passed between us“ (Mr. Lady/Trost) ihr zweites Album veröffentlicht. Mittlerweile deshalb, weil Tami Hart eigentlich aus South Carolina stammt und erst vor kurzem nach Portland umgezogen ist. Der Umzug hat sich hörbar auf die Musik ausgewirkt: Während Harts Debütalbum, „No Light in August“ noch ruhig und langsam war, nur selten lauter wurde, präsentiert sich Tami Hart jetzt rockiger, teilweise sogar punkig, textlich hingegen aber deutlich persönlicher und introvertierter. Aber keine Angst: Die ruhigen Gitarren-Lieder in bester Singer/Songwriter Manier gibt es immer noch. ❚


lese.zeichen

Kein Vermächtnis Ein einziger Band versammelt alle fünf Stücke der großartigen Dramatikerin Sarah Kane. Kein Lese-Vergnügen, aber reichlich Lese-Roh-Stoff. Von Gabi Horak

„Wenn man diese Stücke darauf hin liest, was sie uns über ihre Autorin sagen, begeht man einen … sinnlosen forensischen Akt. Ihre wahre Vollendung erfahren die Stücke, wenn man sie darauf hin liest, was sie über uns selbst sagen.“ David Greig, Kollege und Freund Sarah Kanes, hat in seiner Einleitung zu deren Schaffen treffendere Worte gefunden, als ich seit Kanes Tod vor drei Jahren in so manchem Nachruf lesen konnte. Als Sarah Kane Selbstmord beging, rückten ihre Stücke in den Hintergrund; ihr Schaffen wurde zum „Vermächtnis“, das in erster Linie Auskunft über ihre Depressionen geben sollte. RezipientInnen und KritikerInnen erlagen vielerorts genau jenem sensationslüsternen Voyeurismus, den sie Kane zeitlebens vorgeworfen hatten. Die Uraufführung ihres ersten Stückes „Blasted“ (Zerbombt) 1995 im Londoner Royal Court Theatre wurde zum größten Theaterskandal des Jahres. Da wurde auf der Bühne geschimpft, gesoffen, vergewaltigt, gemordet und ein totes Baby verspeist. Erst langsam gelang es Kritik und Publikum, hinter diese Provokationen zu blicken und ein Stück zu erkennen, das den formalen Naturalismus des britischen Theaters mit einem Schlag in Frage stellte. Es ging um viel mehr als Tabubrüche oder den kindischen Wunsch zu schockieren. David Greig interpretiert, dass „Blasted“ „nicht in den Blutbädern des postmodernen Kinos wurzelt, sondern in Shakes-

peares Anatomie von Menschen, die auf ihr bloßes Dasein zurückgeworfen sind“. Autoren, deren Werke Kane bewunderte, waren etwa Georg Büchner oder Samuel Beckett. Deren Weg der Darstellung fragmentierter Individuen ging sie entlang – und noch viel weiter. Bereits in „Phaedra´s love“ (Phaidras Liebe) wird der Fragementierungsprozess fortgesetzt. Die Dialoge um Macht und Liebe zerfallen zusehends, gleichzeitig verbergen sich darin einige der komischsten Momente in Kanes Schaffen. „Cleansed“ (Gesäubert) verzichtet endgültig auf alle erklärenden Erzählmechanismen. Das Stück ist eine Szenenfolge aus poetischen Bildern, die Menschen könnten als Insassen oder ÄrztInnen einer Nervenheilanstalt identifiziert werden. Ihre Suche nach der eigenen Identität geht so weit, dass sie die Identitäten untereinander wechseln – durch Austausch von Kleidern und Hautteilen. Die „Frage der Machbarkeit“ stellt sich angesichts Regieanweisungen wie dieser: „Carl versucht seine Hände aufzuheben – er kann nicht, er hat keine Hände“. Sie verlangen nach theatralischen Umsetzungsideen, die ebenso radikal und poetisch sind wie Sarah Kanes Texte selbst. Das Gefühl des fragmentierten Ich erreicht Sarah Kane in „Crave“ (Gier) durch den Verzicht auf namentliche ProtagonistInnen. Die vier Stimmen, „C“, „M“, „B“ und „A“, sprechen meist ohne erkennbaren Zusammenhang. Fragmente von (Lebens-)Geschichten erge-

ben sich. Dieser Text war für mich beim ersten Lesen nicht sofort greifbar und vermutlich entfaltet sich seine poetische Kraft erst auf der Bühne, wenn der Rhythmus der Dialoge spürbar wird. Die depressiven Schübe, unter denen Sarah Kane ihr Leben lang litt, wurden gegen Ende immer stärker. Schließlich musste sie sich im Sommer 1998 in stationäre Behandlung begeben. „4.48 Psychosis“ entstand in dieser Zeit; jeden Morgen wachte sie um 4 Uhr 48 auf, um einen Moment größter Klarheit zu erleben. Die offene Form des Stückes – keine gekennzeichneten DialogpartnerInnen und keine Gliederung in Szenenfolgen – erlaubt es LeserIn und ZuseherIn, sich selbst in diesem Kampf wieder zu erkennen. „4.48 Psychosis“ entstand im Winter 1998/99, am 20. Februar beging Sarah Kane Selbstmord. Kurz vor ihrem Tod hat sie alle ihre Stücke noch einmal überarbeitet. Der vorliegende Sammelband vereint diese „verbindlichen Fassungen letzter Hand“ und „4.48 Psychosis“ erscheint erstmals in deutscher Übersetzung. Der Schlusssatz ist kein Hilfeschrei – gegen diese Interpretationen hat sie sich immer gewehrt. Es ist ihr tatsächliches Vermächtnis, eine Aufforderung an den von ihr auf den Kopf gestellten Theaterbetrieb, das eigene Potential zu nutzen: „bitte öffnet den Vorhang“ – Kein Punkt ❚ Sarah Kane: Sämtliche Stücke Mit einer Einleitung von David Greig rowohlt paperback 2002, eur 13,14 (Ö)

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lese.zeichen Spektakulär alltäglich

Es ist 1899. May Amelia ist gerade zwölf geworden. Sie wohnt im nordwestlichsten Teil der USA, in den Wäldern um den Columbia River, der gerade erst von europäischen EinwanderInnen besiedelt wird. May hat sieben ältere Brüder und ist auch das einzige Mädchen in der gesamten Nachbarschaft. Ihr sehnlichster Wunsch ist daher eine Schwester. Das ist der Rahmen, in den Jennifer L. Holm ihre episodenhafte Geschichte stellt. Vorbild für die junge Ich-Erzählerin ist eine Großtante der Autorin, die als Mädchen ein Tagebuch führte, das erhalten blieb. Dieser wahre Hintergrund ist es auch, der die Geschichte so glaubwürdig erscheinen lässt. Die Handlung ist mal spannend, mal traurig, dann wieder komisch. Holm lässt ihre Heldin munter drauf los plaudern und erzählen: über das Verhältnis zu ihren großen Brüdern, den strengen Vater, die ausgelaugte Mutter. May Amelia wächst auf zwischen harter Arbeit auf der elterlichen Farm und großer Freiheit, durch die wilde Landschaft zu streunen, zwischen Erwachsenen- und Kinderleben. Und das in dem Bewusstsein, als einziges Mädchen der gesamten Gegend so etwas wie ein Wunder zu sein. Die einzigen Wertungen über Gesellschafts- oder Geschlechterordnung in dem Buch sind die eines 12-jährigen Mädchens, das nur das Tal kennt, in dem es geboren wurde. Trotzdem erkennt es immer mehr und oft schmerzhaft, wie die Welt funktioniert. Ein Buch zum Verschenken an alle 12-jährigen, die sich selbst für wunderbar halten, oder zum Selberlesen für alle, die vergessen haben, dass sie schon als Kinder ganz schön klug waren.

„Die Großmutter hat den Verstand verloren. Der Großvater sagt zu den Nachbarn: Die Frau hat sich ein Bein gebrochen.“ In nur wenigen Sätzen wird die Tragik des Nicht-wahrhaben-Wollens in „Adam und Apfel“ beschrieben. Elke Papp ist unter anderem (Sprach-)Performerin. Dieser spielerische Umgang mit Wörtern spiegelt sich in den neunzehn Texten wider. Ihre Sprache übt einen Sog aus, lässt die Leserin an Wörtern haften und verführt zum Weiterlesen. Auf den ersten Blick unspektakuläre Inhalte erfahren eine persönliche und beklemmende Atmosphäre. Frauen gehen mit ihrem nächsten Verwandten auf Reisen („avantchine“), sind wütend auf ihre Mütter („sag niemals“) oder erzählen, wie sie dem Unmut der Großen begegneten („Innungen“). Faszinierend ist die Schilderung des Tagesablaufs in einer (Nerven?) Heilanstalt („taglos“), wenn beispielsweise die Musik-Therapiestunde beinahe in ein Chaos ausartet. Papps Texte verlangen absolute Aufmerksamkeit und fordern zu wiederholtem Lesen auf.

Eva Steinheimer

Jennifer L. Holm: May Amelia In den Wäldern am großen Fluss. Cecilie Dressler Verlag 2001, 12,40 EUR (Ö)

Elke Papp: Wundräume Resistenz Verlag 2001, 15,- EUR (Ö)

Subversion in der Krise? Anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens der Sektion Frauenforschung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie veranstalteten deren Protagonistinnen eine Jubiläumstagung und hielten kritische Rückschau:Wo steht die sogenannte Frauenfoschung, trägt sie ihren Namen noch zurecht, was bedeutet die Kategorie Geschlecht in Zeiten der „Butlerisierung“ der feministischen Wissenschaften überhaupt noch? Handelt es

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Frauenzimm

Claudia Saller

Zwischen Emanzipationsvision und Gesellschaftskritik Hg. von Ursula Hornung, Sedef Gümen, Sabine Weilandt. Westfälisches Dampfboot 2001, 21,10 EUR (Ö)

Gestohlene Jahre „Was habe ich falsch gemacht in meinem bisherigen Leben? Ich hatte ja nicht einmal die Chance dazu, etwas falsch zu machen“. In der im Eigenverlag erschienen Autobiographie „Gestohlene Jahre“ schildert Jennifer L. offen Details aus ihrer Kindheit, die geprägt war von Vergewaltigung und Missbrauch. Der Mut und die Stärke, mit denen sie sich ihrer Vergangenheit stellt, sind bewundernswert. Es dominieren Selbstvorwürfe und Gefühle der Machtlosigkeit – und vor allem Angst. Mit ihrer direkten und unverfälschten Art ist es Jennifer gelungen, den Druck und die Einschüchterungen darzustellen, durch die sie so lange Zeit gefangen war. Seit sie 15 war, wurde sie regelmäßig vom

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Petra Öllinger

sich mittlerweile um einen etablierten Wissenschaftszweig? Haben sich Frauenforschung, Frauenbewegung und Frauenpolitik auseinandergelebt? Wo ist die Subversivität geblieben? Die Antworten sind – wie immer in der Wissenschaft – nicht so einfach. Der vorliegende Sammelband beinhaltet die Beiträge der Tagung sowie Ausblicke auf neue Herausforderungen und Perspektiven. Die Autorinnen beweisen wieder einmal, dass die Selbstreflexion nicht nur Qualitätsmerkmal feministischer Forschung ist, sondern für diese auch existenziell notwendig. Denn „der andauernde Konflikt zwischen Anpassung und Abgrenzung im Verhältnis zur etablierten Wissenschaft“, der Zwiespalt zwischen Institutionalisierung und Emanzipation wird die Frauenforschung immer begleiten.

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Wunder Mädchen

1 0 7 0 W i e n , Z i e g l e r g a s s e 2 8 • Te l . 0 1 / 5 2 2 4 8 9 2 • Fa x 0 1 / 5 2 2 6 3 2 0 • f r a u e n z i m m e r @ a o n . a t • w w w. f r a u e n z i m m e r. a t

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lese.zeichen Freund ihrer Mutter vergewaltigt, gedemütigt und missbraucht. Sie erlitt zwei Fehlgeburten und musste ihren Peiniger sogar heiraten. Erst das dritte Kind gibt ihr wieder Hoffnung auf eine Zukunft, ein normales Leben, in dem sie einen Beruf ausüben und für ihre Tochter sorgen kann. Der Weg in die Freiheit ist mühsam. Nach langen Gerichtsverhandlungen werden ihre Mutter und ihr Ex-Mann, der sich auch an ihrer Tochter vergriffen hat, verurteilt. Jennifer kann endlich eine Therapie beginnen und ihr Leben in Freiheit in Angriff nehmen. „Gestohlene Jahre“ stellt den einzigartigen Versuch dar, mit dem Erlebten fertig zu werden und gleichzeitig soll das Buch anderen Menschen Mut machen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben: „Wenn du dieses Buch zu Ende gelesen hast, sollst du aufstehen und gehen. Denke an dich – nur mehr an dich.“ Dieses Buch hat mich tief berührt und ich wünsche der Autorin von ganzem Herzen, dass sich bald ein Verlag findet, der es veröffentlicht. Maria Wimmer

Jennifer L.: Gestohlene Jahre Eine wahre Begebenheit über Missbrauch und Vergewaltigung. Eigenverlag 2001, Kontakt e-mail: info@gestohlene-jahre.at

Ohnmacht Gewalt gegen Frauen ist auch Gewalt gegen ihre Kinder. Kinder sind hier zwar „nur“ indirekte Opfer von Gewalt. Philomena Strasser führt allerdings deutlich vor Augen, dass das Miterleben von Gewalt genauso traumatische Auswirkungen auf Kinderseelen haben kann, wie direkt gegen sie gerichtete Handlungen: „Wir sind steif gelegen, wir haben so getan, als ob wir nichts gehört hätten“. Kinder berichten über ihre Gefühle der Ohnmacht, über Verlustängste, Demütigungen und Drohungen. Besonders einprägsam sind die abgebildeten Zeichungen von betroffenen Kindern und Jugendlichen; sie sprechen Bände: Übergroße Vaterhände, verängstigte, schutzbedürftige Mütter, vor hifloser Wut implodierende Kinderherzen. Aus Scham und Angst wird nach außen die Fassade der heilen Familie aufrecht erhalten. Isolation und eine Verfestigung des Traumas sind die Folge. Die Autorin

zeigt in ihrem Buch die große Bandbreite an Reaktionen und Überlebensstrategien von Kindern, aber auch Möglichkeiten des Schutzes und der Verarbeitung der Traumata kommen nicht zu kurz. Mit einer Mischung aus Wut und Betroffenheit lege ich das Buch zur Seite und denke mir: Frauen, die ihr in einer solchen Situation lebt: lest diese Berichte und geht endlich fort!

Fo t o : M i c h a e l a B r u c k m ü l l e r

neu.land

Karin Eckert

Philomena Strasser: Kinder legen Zeugnis ab Gewalt gegen Frauen als Trauma für Kinder. Studienverlag, 2001, 29,80 EUR (Ö)

Anteilnahme

J a s m i n a J a n k o v i c’

Rotraud Perner spricht eine Einladung zu einem dialogischen Leben aus; ein Tausch-Handel, der Austausch auf vielen Ebenen ermöglicht. Das Sachbuch ist in einen Briefroman an einen Freund verpackt. Neben der gewohnt praxisnahen Sachebene wagt sie erstmals, die literarische Ebene einzusetzen. Dusan, die fiktive Figur, auf die sie zugeht, ist ein Substrat verschiedener Menschen, die sich bitten lassen und nicht PARTnerschaftlich verhalten. Neben Einblicken in ihre aktuelle Arbeit als Psychoanalytikerin blendet sie auch zurück, etwa in die Zeit als jüngste Bezirksrätin Wiens. Sie macht ihre Sozialisation als Pionierin und Außenseiterin – einziges Mädchen im Gymnasium – transparent, die männlich-draufgängerische Herangehensweisen internalisiert hat, sich also Demut im Umgang mit „Langsameren“ erst erarbeiten musste. Gesprächsverweigerung enttarnt sie als Gewalt, die andere im Dunkeln lässt. Rotraud Perner zeigt brauchbare Wege zu anTEILnehmender, symmetrischer Kommunikation auf und vermittelt in diesem Subsistenzhandbuch des inneren Haushalts, wie Energien gebündelt und sinnvoll eingesetzt werden können. Arbeiten statt schuften. Sich Muße und (auch soziale) Auszeiten gönnen. Sich dann aber zusammensetzen statt auseinander.

Eine kleine Familiengeschichte

Gabi Obojkovic

Rotraud A. Perner: Kultur des Teilens Einladung zu einem dialogischen Leben.

Sie lernen sich über eine Zeitungsannonce kennen. Sie allein, er mit Kind und Hund, sie Inländerin, er Ausländer. Kein Problem, Liebe kennt keine Grenzen. Ihr Vater meint zwar zuerst, was solle sie mit diesem „Zigeuner“, aber als er dann erfährt, dass dieser einen Magistertitel hat, sieht die Sache doch anders aus. Um Gottes Willen, wir haben nichts gegen AusländerInnen, wir haben sogar eine/n im Bekannten-, Freundes-, Familienkreis... Nun ziehen sie zusammen, reden davon, dass sie bald heiraten würden. Sie möchte unbedingt seine Muttersprache lernen. Die Zeit vergeht. Sie wird schwanger, ihre gemeinsame Tochter kommt auf die Welt. Nun ist die heile Familie komplett. Aber plötzlich beginnt der Hund zu stören. Sein Lebensraum wird immer mehr eingeschränkt, ins Schlafzimmer durfte er von Anfang an nicht, jetzt darf er nicht mehr in die Küche, nicht ins Wohnzimmer – Weißt du Schatz, das Sofa haben Mama und Papa persönlich überzogen, die Haare und Flecken vom Hund, das geht doch nicht... Irgendwann löst sich dieses Problem, indem seine Schwester den Hund zu sich nimmt. Von der Heirat wird nicht mehr geredet, die kleine Tochter hat ihren Namen, weil sie der Meinung ist, ihr Kind würde es in Österreich leichter haben, wenn sein Name nicht auf -ic endet. Das mit seiner Muttersprache hat sich inzwischen auch erledigt: Sie sprechen nur Deutsch, und wenn er mit seiner älteren Tochter oder Schwester in der Muttersprache spricht, kriegt sie hysterische Anfälle... Seine fünfzehnjährige Tochter wird mittlerweile auch als Störfaktor empfunden, es sei denn, sie nimmt ihre Rolle als Aschenputtel wahr und kuscht... Sonst gibt es Hausarrest und Fernsehverbot. Ordnung muss sein. Wir sind ja nicht am Balkan! Tja, eine kleine Alltagsgeschichte zum Kotzen. Ein Querschnitt aus einem Familienleben in Österreich. Ohne Anspruch auf Kollektivität. Aber wie war das mit der Familie als kleinster Zelle der Gesellschaft?!

Überreuter Verlag 2002, 19,90 EUR (Ö)

mai 2002an.schläge 41


ge.fragt

Wer war die weitgereiste Frau, die sich um Konventionen nicht scherte und einfach tat, wozu sie Lust hatte? Antworten bitte bis 17. Mai 2002 an die Redaktion. Hetzgasse 42/1, 1030 Wien, T. 01/920 16 76, Fax: 01/ 715 98 88, e-mail: redaktion@anschlaege.at

Kosmopolitin wider Willen Von Elke Koch

Auflösung aus 4/02 Unsere Vorarlbergerinnen konnten diesmal nicht zuschlagen. Gewinnerin unseres letzten Rätsels ist Edith Lehna-Päßler aus Deutschland. Und die scharfe Zunge, die hatte Mary Mc Carthy. Herzliche Gratulation der Gewinnerin!

42 an.schlägemai 2002

Unsere Frühlingsheldin wird am 17. Februar 1821 in einem irischen Dorf bei Sligo geboren und erhält den klangvollen Namen Marie Dolores Eliza Rosanna Gilbert. Ihre Eltern sind ein englischer Offizier und eine irische Landadelige. Die Kindheit und Jugend unserer wilden Heldin spielt sich in Indien, England und Schottland ab und verläuft eher ereignislos. Als Eliza Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts von Indien nach London zurückkehrt, beginnt sie eine ungeahnte Karriere. Sie wechselt ihre Identität und wird zur skandalumwitterten Tänzerin. Spanien ist gerade als „Erholungsland“ en vogue – und unsere Heldin versteht es blendend, sämtliche Klischees zu diesem Land zu befriedigen. Sie entlehnt ihren Künstlerinnennamen von einem andalusischen Stierkämpfer, der als bester Torero seiner Zeit gilt. Im Juni 1843 hat Eliza ihren ersten Auftritt: Sie präsentiert sich als Solotänzerin aus Sevilla, wird allerdings vom Publikum durchschaut und muss London verlassen. Sie zieht quer über den Kontinent, gastiert in St. Peterburg, Warschau, Berlin, Dresden und Paris. Nach ihren stets von Skandalen und Affären begleiteten Auftritten wird sie zumeist aus den Städten ausgewiesen. In

Frankreich kommt es zu einem Sensationsprozess, nachdem einer ihrer Liebhaber im Duell erschossen wird – wieder einmal muss sie das Land verlassen. Nächste Station ist München, hier bemüht sie sich um ein Engagement am Hof- und Nationaltheater, das sie schließlich nach persönlichen Interventionen des bayrischen Königs Ludwig auch tatsächlich erhält. Das Publikum ist von den „wahrhaft känguruh-artigen Sprüngen der Schönen“ eher komisch berührt als hingerissen. Unsere Heldin habe Ausstrahlung und Appeal, zur Tänzerin habe sie jedoch keinerlei Talent. Aufmerksamkeit erregt sie hauptsächlich dadurch, dass ihr Tanz eher einem Striptease gleicht. Ein Tänzerkollege schreibt: „Als spanische Tänzerin ist sie so schlecht, wie es keine zweite gibt. Sie betritt unsere Bühne zweimal und wird jedesmal ausgezischt.“ Sie tritt also kurzfristig von der Bühne ab, um als „Private“ eine Rolle zu spielen, von der ganz Europa sprechen sollte. Sie wird zur Geliebten König Ludwigs, der sie in den Adelsstand erhebt und mit dem sie das luxuriöse Leben vorerst in vollen Zügen genießt. Zu den Zeugnissen der königlichen Anbetung zählt eine Marmorskulptur des Fußes unserer Heldin, die von Ludwig wie ein Fetisch gehütet wird und die er allabendlich mit in sein

königliches Bettchen nimmt. Ludwig gerät wegen seiner Beziehung zur verfemten Tänzerin immer mehr ins Zwielicht und muss 1848 schließlich abdanken. Wieder einmal flüchtet unsere Heldin – diesmal in die Schweiz. 1849 kehrt sie nach London zurück, um 1851 ihre Memoiren zu veröffentlichen und schließlich nach Amerika auszuwandern. Sie hat eine eigene Theaterrevue am Broadway, bereist die Westküste, erfindet den „Spider Dance“, lässt sich als erste Frau öffentlich mit einer Zigarette fotografieren und tourt durch Australien. Nach dem Abflauen ihrer heftigen Karriere lebt sie in New York, schreibt Schönheitsratgeber und engagiert sich für „gefallene Mädchen“. Unsere Heldin stirbt kurz vor ihrem 40. Geburtstag. Zeit ihres Lebens aber hält sie an ihrer fiktiven Herkunft fest:„Mein Vaterland ist Spanien. Ich bin im Jahre 1823 zu Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens, geboren, welches das Land der Serenaden und der Balkons ist, der Troubadours und der Romanzen; das Vaterland des Miguel Cervantes... Ich bin Irländerin durch meinen Vater, Spanierin durch meine Mutter, Engländerin durch meine Erziehung, Französin aus Neigung, und Kosmopolitin durch die Umstände, und ich kann von mir sagen, dass ich allen Nationen angehöre oder keiner.“ ❚


an.künden musik.tanz 2.-3. 5., 20.00, Wien Luvos, Vol. 2. Ch: Editta Braun. Mit Ulrike Hager, Lisa Hinterreithner, Savile Rasiti und Sandra Hofstötter WUK, 9., Währinger Straße 59, T. 40 121/70

5. 5., 20.00, Wien Dee Dee Bridgewater. Jazz Konzerthaus, 3., Lothringerstr. 20, T. 242 002

10.-18. 5., 20.30, Wien Christina Zurbrügg: „Christl’s Wunderwelt“. One-Woman-Music-Show kosmos.frauenraum, 7., Siebensterngasse 42, T. 523 12 26

19. 5., 19.30, Wien Montserrat Caballé in Concert Konzerthaus, 3., Lothringerst. 20, T. 242 002

24. 5., 20.00, Wien Happy Our: piano-life-music von brigitte: jazz-standards & improvisationen Frauencafe, 8., Lange Gasse 11

25.-26. 5., Wien Das kleine Ich bin Ich. Nach Mira Lobe. Für Kinder von 5-9 Jahren. Mit Donna Molinari, Lisi Naske und Theresita Colloredo Konzerthaus, Neuer Saal, 3., Lothringerstraße 20, T. 242 002

28. 5., 19.30, Wien 1. Wiener Frauen-Kammerorchester. Mit Charlotte Leitner (Sopran) Konzerthaus, Schubert-Saal, 3., Lothringerstraße 20, T. 242 002

film ab 16. 5., Österreich Iris. USA/UK 2001. Mit Kate Winslet

Iris

Premierenkinos

ab 30. 5., Österreich Engel + Joe. D 2001, R: Vanessa Jopp. Mit Jana Pallaske Premierenkinos

t h e a te r . ka b a r e t t 1.-11. 5., 20.00, Wien Dolores Schmidinger: „Operation Punschkrapferl“

Leben und Sterben der berühmten britischen Schriftstellerin Iris Murdoch stehen im Mittelpunkt einer HollywoodVerfilmung. Kate Winslet spielt die dominante Literatin, die schon früh den eigenbrötlerischen Literaturkritiker John Bayley heiratet. Für ihn bleibt es die einzige Beziehung, während Iris Murdoch ihre Liebe unbeschwert mit anderen Frauen und Männern teilt. Doch erst die Alzheimer-Erkrankung der Dichterin stellt die Ehe nach mehr als 40 Jahren wirklich auf die Probe. ab 16. 5. in den österreichischen Kinos

Orpheum, 22., Steigenteschg. 94b, T. 481 17 17

30. 4.-7. 5., 20.00, Wien Le Balayeur (Der Straßenkehrer). Mit Astrid Walenta. Musik: Lisi Naske dietheater Konzerthaus, 3., Lothringerstraße 20, T. 587 05 04

2. 5., 20.00, Wien Hilde Fehr: „reduziert“ Spektakel, 5., Hamburgerstraße, T. 587 06 53

9.-15. 5., Wien Apasionada. Ein Theaterprojekt über Frida Kahlo. Text und Darstellung: Sophie Faucher. In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln Museumsquartier, Halle G, 7., Museumsplatz 1, T. 589 22-0

17. 5., 19.30, Wien Heidi Böpple: „Schwäbisch Roulette“ Kabarett Niedermair, 8., Lenaugasse 1a, T. 408 44 92

27. 5., 19.30, Wien Heidi Böpple: „Schwäbisch Roulette“ Kulisse, 17., Rosensteingasse 39, T. 485 38 70

27.-28. 5., 19.30, Wien Hilde Fehr: „reduziert“ Theater am Alsergrund, 9., Löblichgasse 5-7, T. 310 46 33

28.-29. 5., 20.00, Wien Dolores Schmidinger: „Operation Punschkrapferl“ kosmos.frauenraum, 7., Siebensterngasse 42, T. 523 12 26

s e m i n a r . w o rk s h o p 1. 5., Wien Schreiben in freier Wildbahn. Schreibworkshop mit Petra Öllinger und Anni Bürkl 6., Garbergasse 18. Anm.: Petra Öllinger, T. 597 75 54

4. 5., 14-18.00, Zwettl Schreibwerkstatt. Mit Roswitha Wohlgenannt Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstr. 2, T. 02822/522 71/0; eur 15,-

4. 5., Bregenz Magie des Körpers - Yoga. Entspannungstag mit Barbara Müller PfadfinderInnenheim Thalbachbergstraße. Anm.: Frauengetriebe, 6900, Schillerstr. 2 T. 05574/ 45 538

5. 5., 10-17.00, Wien Grundlagen benutzungsfreundlicher Webseiten Anm.: Webakademie - von Frauen für Frauen, 1., Schottengasse 33, T. 96 90 207; eur 305,-

ab 6. 5., 17-20.00, Zwettl PowerPoint 2000 Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstraße 2, T. 02822/522 71/0; eur 174,41

ab 7. 5., 17-20.00, Zwettl Excel 2000 Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstr. 2, T. 02822/522 71/0; eur 207,12

11.-12. 5., Neunkirchen Neuorientierung am Bild. Kreativer Orientierungsworkshop. Mit Gerlinde Ossberger Anm.: Frauenberatung Freiraum, 2620, Wiener Straße 4/9, T. 02635/611 25; eur 18-33,-

13.-15. 5., Wien Dynamik in die Website bringen Anm.: Webakademie - von Frauen für Frauen, 1., Schottengasse 33, T. 96 90 207; eur 335,-

15. u. 23. 5., 10-17.00, Wien Go2career - special for women. Workshop zur beruflichen (Neu-)Orientierung für Studentinnen Anm.: Beratungsstelle Amandas Matz, 3., Engelsberggasse 4/3, T. 718 56 88

ab 17. 5., 9-14.00, Wien EDV für Frauen III Anm.: VHS Landstraße, 3., Hainburgerstr. 29, T. 715 08 00; eur 159,88

ab 17. 5., 18-21.00, Wien Wie werde ich selbstsicher - wie behaupte ich mich selbst? Mit Anna Hörschläger Anm.: VHS Floridsdorf, 21., Angerer Straße 14, T. 271 32 36; eur 36,-

23.-24. 5., Wien Als Frau überzeugen. Argumentationsfähigkeit und Überzeugungskraft stärken und für den beruflichen und persönlichen Erfolg nutzen. Mit Andrea Scheutz

24.-25. 5., Wien Träumen Sie nicht Ihr Leben - Leben Sie Ihre Träume! Visionen und Zielplanung. Mit Doris Gartner

Anm.: Institut Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, T. 89 58 440

24.-26. 5., Bregenz Spurensuche im Lebenslauf. Fortbildung in Biografiearbeit. Mit Christine Cologna

23. 5., 15-18.00, Zwettl Selbst ist die Frau! Einführung in Theorie und Praxis überlebensnotwendiger handwerklicher Arbeiten: bohren, schlagbohren, dübeln, handsägen, schneiden mit Stichsäge, Befestigungstechniken. Mit Birgit Reif Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstraße 2, T. 02822/522 71/0; eur 7,27

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71; eur 109,50

PfadfinderInnenheim Thalbachbergstraße. Anm.: Frauengetriebe, 6900, Schillerstr. 2, T. 05574/ 45 538

25. 5., 14-18.00, Hollabrunn Erdbotschaften. Malen mit Naturfarben. Mit Irena Racek Frauenberatungszentrum Hollabrunn, 2020, Kirchenplatz 1-2, T. 02952/21 82; eur 16,-

24.-25. 5., Wien Im Visier der KollegInnen: Mobbing. Mit Elisabeth Knizak

26. 5., 14-18.00, Zwettl Wir haben ein Ziel: Bogenschießen für Frauen. Mit Erika Hütter und Nina Riess

Anm.: VHS Landstraße, 3., Hainburgerstraße 29, T. 715 08 00; eur 36,-

Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstraße 2, T. 02822/522 71/0; eur 15,-

24.-26. 5., Wien Professionelle Datenbankanbindung unter Windows und Linux

28. 5., 17-20, Zwettl Grundlagen der Informationstechnologie (Theorie)

Anm.: Webakademie - von Frauen für Frauen, 1., Schottengasse 33, T. 96 90 207; eur 500,-

Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstraße 2, T. 02822/522 71/0; eur 25,44

mai 2002an.schläge 43


an.künden ab 31. 5., Zwettl Erstellung bzw. Verwaltung von Web-Sites mit FrontPage 2000

22. 5., 19.00, Salzburg Edith Miller: „Herz(ens)angelegenheiten“. Herzkrankheiten bei Frauen

bis 5. 5., Wien Cosima von Bonin: „Too quick for binoculars“

Internet-Cafe für Frauen und Mädchen. Auch Anfängerinnen. Kinderbetreuung

Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstr. 2,T. 02822/522 71/0; eur 207,12

ISIS, 5020, Willibald-Hauthaler-Straße 12

Gabriele Senn Galerie, 4., Schleifmühlgasse 1A; Di-Fr 13-19.00, Sa 11-15.00 Uhr

Zeit!Raum, 15., Braunhirscheng. 33-37, T 895 72 67. Jeden Mo 15-18.00 Uhr

1.-2. 6., Wien Vom Wüten. Zornestexte. Schreibworkshop für Frauen. Mit Petra Öllinger und Anni Bürkl 6., Garbergasse 18. Anm.: Petra Öllinger, T. 597 75 54

ab 4. 6., 18.30-21.00, Wien Frauensprache in der Familie. Mit Lotte Rumplmair Anm. (bis 28.5.): Evangelische Akademie, Albert Schweitzer-Haus, 9., Schwarzspanierstraße 13, Saal 1; eur 70,-

4.-6. 7., Wien Bits don’t bite. Lernen, experimentieren und gestalten mit Neuen Medien. Intensiv-Workshop für Eltern, MulitplikatorInnen und andere, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben Anm. (bis 4.6.) schriftlich: ifp, 8., Albertgasse 35/II

v o r t r a g . d i s ku s s i o n

22. 5., 19.00, Graz Kornelia Müller: „Wird mein Kind gesund?“ Beratung über vorgeburtliche Diagnostik, Fragen, Risiken und Konsequenzen. Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010, Brockmanngasse 48, T. 0316/83 79 98; eur 5,-

23. 5., 18.30-20.00, Wien Juliane Mikoletzky: „Zur Geschichte der Technikstudentinnen in Wien“ VHS Floridsdorf, 21., Angerer Straße 14

27. 5., 11.00, Graz Helga Klösch-Melliwa: „Informationsquellen zu Frauengesundheitsthemen“. Einführung in die Fachbibliothek, Dokumentation und Website des FGZ Graz Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010, Brockmanngasse 48, T. 0316/83 79 98

27. 5., 19.00, Wien GenderTalk: Was haben feministischemit transgender-Politiken zu tun?

3.-5. 5., 19.00, Salzburg Sicher und geliebt – Lebenslust statt Beziehungsfrust. Mit Surabhi Notburga Schaubmair

Frauencafe, 8., Lange Gasse 11

Anm.: ISIS, 5020, Willibald-HauthalerStraße 12, T. 0662/44 22 55; eur 150,-

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71; eur 5,-

7. 5., 16.15-17.30, Graz Christine Saiko-Jogan: „Ess-Störung meines Kindes – Was tue ich als Mutter?“

31. 5.-1. 6., Linz Tagung: Frauenliturgie. Mit Teresa Berger

Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010, Brockmanng. 48, T. 0316/83 79 98; eur 5,-

8. 5., 19.30-21.00, Wien Irene Fleiss: „Als alle Menschen Schwestern waren – eine Reise in alternative Lebensformen und Denkweisen“ VHS Landstraße, 3., Hainburgerstraße 29, T. 715 08 00

15. 5., 19.30, Wien Helga Gritzner: „Tage wie diese... Das berüchtigte Prämenstruelle Syndrom“ Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71; eur 5,-

15. 5., 19-21.00, Zwettl Monika Steinkellner: „Was knackst denn da? Gelenksschmerzen?“ Info und praktische Übungen Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstraße 2, T. 02822/522 71/0; eur 3,63

15. 5., 19.00, Salzburg Barbara Maier: „Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt...“ ISIS, 5020, Willibald-Hauthaler-Straße 12

16. 5., 19.00, Zwettl Monika Knödelsdorfer: „Wenn ich einmal reich bin...“ Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstraße 2, T. 02822/522 71/0; eur 3,63

16. 5., 19.00, Hollabrunn Hildegard Köhler-Köck: „Patchworkfamilien. Neue Familienform als Herausforderung und Chance“ Frauenberatungszentrum Hollabrunn, 2020, Kirchenplatz 1-2, T. 02952/21 82

17. 5., 9-12.00, Zwettl Gesundheitsberufe nach Matura oder Studienberechtigungsprüfung Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstraße 2, T. 02822/522 71/0

22. 5., 18.30-20.00, Wien Christa Binder: „Mathematikerinnen aus Wien“ VHS Floridsdorf, 21., Angerer Straße 14

44 an.schlägemai 2002

29. 5., 19.30, Wien Isabella Ammering: „Depression und Angst“

Ursulinenhof, Linz. Anm.: kardinal könig haus, 13., Lainzerstraße 138, T. 804 75 93

a u s te l l u n g Dauerausstellung, Wien Eugenie Schwarzwald und ihr Kreis VHS Hietzing, 13., Hofwiesengasse 48, Mo-Fr 8.30-19.30 Uhr

bis 8. 5., Wien Thema: Frauen: Thema. Ausstellung I: Alltag. Werke von Iris Andraschek, Heidi Czipin, Simone Demandt, Rita Fabsits, Laurie Long, Anja Manfredi, Fiona Rukschcio und Moira Zoitl Fotogalerie Wien, 9., Währinger Straße 59; Di-Fr 14-19.00, Sa 10-14.00 Uhr

13. 5., Wien „femmes“ von AKIDA/Irene Schwarz, Ausstellung und Vernissage, Laudatio: Madeleine Petrovic Frauencafe, 8., Lange Gasse 11

bis 22. 9., Wien Margherita Spiluttini: „Nach der Natur. Konstruktionen der Landschaft“. Fotografien Technisches Museum, 14., Mariahilfer Straße 212

bis 26. 5., Wien Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944 Akademie der bildenden Künste/ Atelierhaus (Semperdepot), 6., Lehargasse 6-8; Mo-Sa 11-18.00 Uhr, Di 11-19.00 Uhr

bis 30. 5., Wien Monika Kupka: „Begegnung findet an den Grenzen statt – mit der Kamera gemalt“ Kunstraum Dr. David, 13., Jagdschloßg. 6; Do 17-19.00 Uhr

bis 11. 5., Wien Karin Kneffel: „Neue Malerei – Früchte und Ornamente“ Christine König Galerie, 4., Schleifmühlgasse 1A; Di-Fr 13-19.00, Sa 11-15.00 Uhr

bis 4. 5., Wien Maria Hahnenkamp

Encounter-Gruppe für Lesben und Frauen, die sich da noch nicht so sicher sind

Galerie Krobath Wimmer, 1., Eschenbachgasse 9; Di-Fr 13-18.00, Sa 11-15.00 Uhr

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29/7, T. 89 58 440. Jeden 2. u. 4. Mo 19.30 Uhr; eur 21,-/Abend

bis 11. 5., Wien Ketty La Rocca

Frauen-Lokal-Abend der HOSI-Lesben Linz

Galerie Georg Kargl, 5., Schleifmühlgasse 5; Di/Mi/Fr 13-19.00, Do 13-20.00, Sa 11-15.00 Uhr

Coffee Corner, 4020, Bethlehemstraße 30. Jeden Mo ab 18.00 Uhr

bis 5. 5., Wien Maria Hahnenkamp: „Transparency“

AFZ, 4020, Humboldtstr. 43, T. 0732/602 200. Jeden 1. Mo ab 19.00 Uhr

MAK, 1., Stubenring 5; Di 10-24.00, Mi-So 10-18.00 Uhr

Elterngruppe. Für Eltern homosexueller Töchter und Söhne

bis 15. 5., Krems Maria Theresia Litschauer: „landscapes“

HOSI Linz, 4020, Schubertstraße 36, T. 0732/60 98 98/1. Jeden 2. Mo 20-22.00 Uhr

Kunsthalle Krems, Kunstmeile; tgl. 10-18.00 Uhr

Frauencafé

lesung 6.5., 19.00, Wien Ursula Kubes-Hoffmann: „Wohin und Zurück“ Frauencafe, 8., Lange Gasse 11

7. 5., 20.00, Wien Ruth Weiss: „full circle“. Buchpräsentation Amerlinghaus, 7., Stiftgasse 8

24. 5., 19.00, Wien Unterm Strich. Lesbische Erzählungen, lesbische Politik. Buchpräsentation der slowenischen Autorin Suzana Tratnik + Diskussion, Lesung in deutscher Sprache von Helga Pankratz Stichwort, 15., Diefenbachgasse 38/1

s e l b s t v e r te i d i g u n g 24.-26. 5., Wien SV für Mädchen, Technik: Drehungen. Mit Hanja Dirnbacher Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71; eur 58,-

24.-25. 5., Zwettl SV für Mädchen von 14-18 Jahren, Technik: Drehungen. Mit Rosemarie Ertl Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910, Galgenbergstraße 2, T. 02822/522 71/0; eur 14,53

25.-26. 5., Neunkirchen Wen Do-Grundkurs für Mädchen von 11-15 Jahren Sporthaus Neunkirchen, Fabriksgasse 34. Anm.: Frauenberatung Freiraum, 2620, Wienerstraße 4/9, T. 02635/611 25;

27. 5., 18.30-21.00, Wien SV-Auffrischungsabend, Technik: Drehungen. Mit Hanja Dirnbacher Anm.: VHS Floridsdorf, 21., Angerer Straße 14, T. 271 32 36; eur 13,-

f i x te r m i n Montag Zwischen den Welten. Erfahrungsaustausch für lesbische (Co-)Mütter Institut Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, T. 89 58 440. Jeden 1. Mo, 19.30, eur 3,6/Abend

Psychotherapeutische Jahresgruppe für Frauen in Trennung. Mit Dorothee Böhme-Lindmaier Frauenberatung, 1., Seitenstetteng. 5/7, T. 587 67 50, Mo 17.30-19.00 Uhr

Politisches Café

Selbsthilfegruppe: „Wenn Frauen zu sehr lieben“ Frauenservice, 8020 Graz, Idlhofgasse 20, T. 0316/71 60 22. Jeden Di 19.30-21.00 Uhr

Mittwoch Selbsthilfegruppe für Frauen mit Angststörungen Institut Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, T. 89 58 440. Jeden 2. Mi 18.30; eur 3,6/Abend

Come in. Offene Gruppe für Lesben Lila Tip, 6., Linke Wienzeile 102, T. 586 81 50. Jeden 2. Mi ab 20.00 Uhr

HOSI Lesbengruppe Novaragasse 40, 2., T. 216 66 04. Jeden Mi ab 19.00 Uhr

Open House – Für Frauen, die Kontakt zu anderen Frauen suchen Frauenberatung, 1., Seitenstetteng. 5/7, T. 587 67 50. Jeden Mi 18-20.00 Uhr

Venus im Bade: Sauna, Whirlpool, Schwimmbecken und Tepedarium. Women only ...

AFZ, 4020, Humboldtstr. 43, T. 0732/602 200. Jeden Mo 18-22.00 Uhr

Badehaus Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169. Jeden 3. Mi 20-24.00, Anm f. Massage T. 892 78 64

Selbsthilfegruppe für Frauen zum Thema: Verlust eines Kindes

Selbsthilfegruppe für Frauen mit Brustkrebs

Frauenservice, 8020 Graz, Idlhofgasse 20, T. 0316/71 60 22. Jeden 1. Mo 19.30-21.00 Uhr

Wiener Krebshilfe, 18., Theresiengasse 46/ Ecke Kreuzgasse, Info-T. 408 70 40. Mo-Mi 9.00-14.00, Di, Do 14-19.00 Uhr

Selbsthilfegruppe: Brustkrebs aktiv begegnen

Gesprächsgruppe für Frauen mit sexuellen Gewalterfahrungen

Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010, Brockmanngasse 48, T. 0316/83 79 98. Jeden 2. Mo 18-20.00 Uhr

Anm.: Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen, T. 523 222. Jeden Mi 18.00 Uhr

Frauencafé FLZ, 6020 Innsbruck, Liebeneggstr. 15. Jeden Mo, Mi u. Fr 20-24.00, T. 0512/58 08 39

Dienstag Gynäkologische Kummernummer F.E.M., T. 01/476 15/57 75. Jeden Di 9-12.00 Uhr

Therapeutische Gruppe für Frauen mit Mißbrauchs- und Gewalterfahrungen. Mit Bettina Reinisch Anm.: Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, T. 89 58 440. Jeden Di 18.30-20.00 Uhr; eur 21,-/Abend

FrauenART – offenes Atelier für Frauen. Lustvolles Experimentieren steht im Vordergrund, keine künstl. Vorkenntnisse nötig Jeden 1. Mi.abend. Info & Anm.: Anna Rakos, T. 478 63 88

Dein Körper, deine Verbündete. Gruppe für Frauen, „einfach zum Wohlfühlen“. Mit Andrea Scheutz Anm.: Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, T. 89 58 440. Jeden 2. Mi 19.00 Uhr, eur 21,-/Abend

Bücherflohmarkt. Der Erlös kommt dem Deutschkurs für ausländ. Frauen zugute

Team for girls: Gruppe für weibliche Lehrlinge

Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, T. 89 58 440. Verkauf u. Abgabe von Büchern jeden Mi 9-12.00 Uhr

Anm.: Sprungbrett, 15., Pilgerimg. 22-24/ Stg. 1/Top 1, T. 789 45 45. Jeden Di 18-21.00 Uhr

Schreibwerkstatt für Frauen. Mit Fini Zirkovich

Frauenlaufgruppe Hollabrunn. Mit Sylvia Möstl Treffpunkt: Parkplatz des ATSV, 2020 Hollabrunn. Jeden Di 9.00 Uhr

Selbsthilfegruppe für von sexualisierter Gewalt betroffene Frauen AFZ, 4020 Linz, Humboldstr. 43. T. 0732/60 22 00/60. Jeden 2. und 4. Di. 17.30-18.30 Uhr

Frauencafé der Frauengruppe ABRAXA 4060 Wels, Spitalhof 3, T. 07242/55 6 40, abraxa@goplay.com. Jeden Di 14-18.00 Uhr

Literaturhaus Mattersburg. Jeden Mi 19.00 Uhr. Anm.: T. 02626/677 10

Selbsthilfegruppe für Frauen nach einer Scheidung/Trennung AFZ, 4020 Linz, Humboldtstr. 43, T. 0732/602 200, Mi 18-19.00 Uhr

Frauenselbsthilfe nach Krebs Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Brockmanngasse 48. Info: Elisabeth Holzer, T. 0316/32 34 33. Jeden 2. Mi 16-17.30 Uhr

Donnerstag Comgirls. Kostenlos chatten, mailen und surfen für Mädchen Sprungbrett, 15., Pilgerimgasse 22-24/Stg. 1/ Top 1,T. 789 45 45/14. Jeden Do 16-19.00 Uhr

Raus aus der Schuldfalle. Gesprächsgruppe für Mütter von Kindern mit Essstörungen. Mit Christine Saiko-Jogan

Selbsthilfegruppe für Frauen mit Essstörungen. Mit Olivia Wollinger

Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Brockmanng. 48, T. 0316/ 83 79 98. Jeden 1. Di 16.15-17.30 Uhr

Institut Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, T. 89 58 440. Jeden Do 18.30; eur 7,3/Abend

Muttertag. Kostenlose Kinderbetreuung

Telefonische Verhütungsberatung – kompetent, anonym, kostenlos

Anm: ega, 6., Windmühlgasse 26, T. 589 80/0. Jeden Do 14-19.00 Uhr

Frauengesundheitszentrum Graz, T. 0664/99 27 44. Jeden Di 17-19.00 Uhr. Infos auch unter http://www.fgz.co.at/links.htm

Kostenloser Deutschkurs für Migrantinnen. Mit Irmtrud Pohl Anm.: Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, T. 89 58 440. Jeden Do 10.30 Uhr


an.künden Widerstandslesung. Künstlerische Beiträge (lesen, spielen, singen, feuerschlucken etc.) willkommen: http://www.awadalla.at/el/ kalender.at Botschaft der besorgten BürgerInnen, 1., Ballhausplatz 1a. Jeden Do 17-19.00 Uhr

Feministische Schreibwerkstatt Frauencafé, 8., Lange Gasse 11. Jeden 2. Do 19.30-21.00 Uhr

sistaDance-Toptraining 4., Rienößlgasse 4. Jeden Do

Treffpunkt Internetcafe. surfen – mailen – chatten und dazwischen plaudern. Mit Sylvia Körbler Frauenberatung, 3910 Zwettl, Galgenbergstr. 2. Jeden 1. u. 3. Do 16-19.00, T. 02822/522 71-0

Die Tür - Frauencafe

Samstag Club Anderwelt 6., Theobaldgasse 10. Jeden 2. Sa ab 22.00 Uhr

Sonntag Frauenbadefreuden. Mit Schönheitsmitteln „à la Sonja“ und Spezialistinnen für Hand, Fuß, Düfte und Massage Anm.: Sargfabrik, 14., Goldschlagstr. 169, T. 988 98 214. Jeden 3. So 16-20.00 Uhr

Weiber-Frühstück: Videos, Diskussion, Provokation, feministische Literatur, veganes Buffet E.K.H., 10., Wielandgasse 2-4, Jeden 1. So

Sonntagsfrühstück. Für Lesben und interessierte Frauen Frauengetriebe, 6900 Bregenz, Schillerstr. 2 T. 05574/ 45 538. Jeden 1. So ab 11.00 Uhr

7000 Eisenstadt, J. Joachimstr. 11/2, 02682/66 124; 7210 Mattersburg, Brunnenpl. 3/2, T. 02626/62 670. Jeden Do 10-12.00 Uhr

Nach Vereinbarung

Selbsthilfegruppe für Angehörige von Frauen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind

Verein Ninlil, 3., Hetzgasse 42/1, T. 714 39 39

AFZ, 4020 Linz, Humboldtstr. 43, T. 0732/602 200, Do 15-16.00 Uhr

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71; Erstgespräch kostenlos!

Gynäkologische Ordination und „zweite“ Meinung. Mit Marianne Stögerer

Help – schnelle Hilfe für junge Leute bei Fragen zu Partnerschaft, Liebe und Sexualität

Frida Kahlo war eine „Apasionada“, die Leidenschaft in Person schlechthin. Kunst, Liebe, Politik – alles betrieb die mexikanische Malerin mit innerem Feuer, das angesichts ihres Schicksals noch heute fasziniert. Sophie Faucher verkörpert in dieser Festwochenproduktion (in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln) die exzentrische Kultfigur, Computereffekte lassen Frida und ihre Bilder ineinander verschmelzen.

Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010, Brockmanngasse 48, T. 0316/83 79 98. Jeden Do

F.E.M., T. 476 15/57 72

9. – 15. 5., 20.30 Uhr, Museumsquartier, Halle G, 7., Museumsplatz 1, T. 589 22-0

Freitag

Beratung, Kurse, Information für geistig oder mehrfach behinderte Frauen und ihre Angehörigen Einzelberatung für Frauen in Krisensituationen. Mit Isabella Ammering

Theaterworkshop „Liebe, Sex & Co.“ Mit Martina Nöster

Frauendisco. Powered by Las Chicas

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 72

Rosebud, 2., Obere Augartenstraße 5. Jeden Fr ab 21.00 Uhr

Mädchenworkshop: Besuch bei der Frauenärztin. Mit Gabriele Knappitsch

Intenet-Café von Frauen für Frauen

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71

abz wien.cybercenter, 6., Gumpendorfer Straße 83, T. 595 21 55. Jeden Fr 13-19.00 Uhr, jeder letzte Fr, speziell für Mädchen!

Einzelberatung und Therapie bei Essstörungen für betroffene Frauen und Eltern. Mit Renate Gänszle

Schulworkshops zum Thema Essstörungen. Mit Renate Gänszle und Martina Nöster

Your line. Für Mädchen, die gerade eine Lehre machen und darüber reden wollen

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71

Sprungbrett, T. 789 45 45/12. Jeden Mo/Di/Mi 12-16.00 Uhr

Verein Frauen für Frauen Burgenland, 7400 Oberwart, Spitalg. 5, T. 03352/338 55; 7540 Güssing, Hauptstraße 26, T. 03322/430 01

Sexualberatung. Mit Renate Türk-Lindmaier

Arbeitsgruppe für Frauen mit sexuellen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit

Beratung im Schwangerschaftskonflikt, bei Verhütungsfragen und Essstörungen

Verein Frauen beraten Frauen, 1., Seitenstettengasse 5/7. Info: T. 0676/717 29 67

ISIS, 5020 Salzburg,Willibald Hauthalerstr. 12, T. 0662/44 22 55

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71; Erstgespräch kostenlos!

Schwanger – was nun? Beratungshotline F.E.M., T. 476 15/57 71

Welser Frauen-Stammtisch – gemütlicher Frauentreffpunkt

Einzelberatung und Therapie bei Essstörungen für Mädchen. Mit Martina Nöster

Schubert-Stüberl, 4600 Wels, Schubertstr. 13. Jeden 4. Fr ab 20.00 Uhr

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 72; Erstgespräch kostenlos!

Treffpunkt für junge Lesben bis 25

Video-Workshop „Essstörungen einmal anders“. Mit Renée Frauneder und Martina Nöster

Resis.danse-Tanzabend Brot & Rosen, 12., Ratschkygasse 48. Jeden Fr 21.00 Uhr

HOSI Linz, 4020, Schubertstr. 36, T. 0732/60 98 98. Jeden 2. u. 4. Fr ab 20.00 Uhr

Fo t o : Ya n i c k M a c D o n a l d

Apasionada

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,T. 476 15/57 72

Frauencafé der Rosa-Lila-Pantherinnen – der Abend für Lesben und Freundinnen

Medizinische Sprechstunde für Mädchen und Frauen mit Bulimie und Magersucht

Feel Free, 8010 Graz, Rapoldgasse 24. T. 0316/32 80 80. Jeden Mo 19-22.30 Uhr

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,T. 476 15/57 71

Coaching und Supervision für berufstätige Frauen. Mit Susanne Schmölzer Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71

Coaching für berufstätige Mütter. Hilfestellung zur Orientierung und Selbstpositionierung. Mit Gundi Grunner Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71

Frauendisco

Fortbildung für psychosoziale Berufsgruppen. Mit Renate Gänszle

Einzelberatung für Frauen in der Lebensmitte – die „berüchtigten“ Wechseljahre. Mit Helga Kalmar

Feel Free, 8020 Graz, Rapoldgasse 24. Jeden letzten Fr 19-2.00 Uhr

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71

Anm.: F.E.M., 18., Bastiengasse 36-38, T. 476 15/57 71

Women first: Selbstbestimmung für behinderte Frauen Info: Verein Ninlil, 3., Hetzgasse 42/1, T. 714 39 39

Beratung, Gruppen, Kurse, Vorträge für Frauen. Auch muttersprachliche Beratung Wendepunkt, 2700 Wr. Neustadt, Raugasse 16, T. 02622/825 96. Mo, Do, Fr 9-12.00, Di 17-20.00 Uhr

Psychologische , juristische und arbeitsmarktpolitische Beratung sowie Sozialberatung für Frauen Die Tür - Frauenservicestelle, 7210 Mattersburg, Brunnenpl. 3/2, T. 02626/62 670; 7000 Eisenstadt, Joachimstr. 11/2 02682/66 124

Frauenberatung

Hotline Essstörungen des Frauengesundheitszentrums Graz Telefon zum Ortstarif: 0810/810 400. Mo u. Do 16-19.00, Mi 9-12.00 Uhr

Schwangerschaftstest zum Selbstkostenpreis (eur 1,50). Hilfe zur Selbsthilfe und Infos zu Schwangerschaftshilfen und/oder Schwangerschaftsabbruch Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Brockmanngasse 48, T. 0316/83 79 98; Mo/Di/Mi/Fr 9-13.00, Do 15-19.00 Uhr

Psychotherapeutisches Orientierungsgespräch. Einmalige, kurzfristige Unterstützung in einer schwierigen Lebenssituation. Mit Christine Saiko-Jogan Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010, Brockmanng. 48, T. 0316/83 79 98; eur 22,50

mai 2002an.schläge 45


an.künden aus.blick

an.schläge

im juni

thema

Frauen und Technik Warum sind Frauen in hochqualifizierten Technikberufen immer noch unterrepräsentiert? Eine wissenschaftliche Untersuchung zum Thema.

arbeit

LKW-Fahrerinnen Frauen, die mit ihrem LKW quer durch Europa unterwegs sind: Was lässt Frauen einen Beruf ergreifen, der derart männlich dominiert ist?

Dee Dee Mit einer Hommage an Ella Fitzgerald wurde Dee Dee Bridgewater berühmt, und zwar so, dass es ihr über Jahre kaum gelang, das Image der Ella-Erbin abzustreifen. Mit ihrem neuen Kurt Weill-Projekt könnte es ihr gelingen, wieder als eigenständige Jazz-Interpretin wahrgenommen zu werden. Ausflüge in Chansons, Mainstream und Latin Music zeigen: In dieser großen, schwarzen Stimme steckt mehr. 5. 5., 20.00 Uhr, Konzerthaus, 3., Lothringerstraße 20, T. 242 002

r a d i o . f i x te r m i n jeden 1. Mo 18-19.00 Khorschid Khanum. Persische Frauensendung Radio Orange 94,0 MHz

Di 18-19.00 ta mera – an Orten wie diesen.Von Frauen für Frauen.Von Lesben für Lesben Radio Orange 94,0 MHz

Mi 18-19.00 Abwechselnd: orangina – Fanzine zu Mädchennetzwerken in der Subkultur / bauch, bein, po – Die Sendung für die ganze Frau Radio Orange 94,0 MHz

Jeden 2. Fr 18.00-19.00 Radio UFF. Das Radio des Unabhängigen Frauenforums Radio Orange 94,0 MHz (Telekabel Wien 92,7)

Fr 16.30-17.00 Kosmos-Frauenraum-News Radio Orange 94,0 MHz

Fr 19-19.15 hot news for the sisters Radio Orange 94,0 MHz

Jeden 1. u. 3. Fr 16.30-17.30 SPACEfemFM. Frauenradio Radio FRO, 105,0 MHz (Linz)

tanz.fest

Mi 20.05-20.20 Das Frauenzimmer. Die Plattform für eine frauenspezifische Information

23. 5., 20.00, Linz Frauen-Disco. Die populäre Disco der HOSI-Frauengruppe mit DJin

Freies Radio Salzburg, FM 94.0 MHz

Blue Heaven, 4020, Starhembergstraße 11

Mi 18-19.00 Abwechselnd: Dyketime – Radiomagazin für Lesben/frauenforum Do 18-19.00 Abwechselnd: HOSI Lesbenradio/la manifesta/Görls linkup/Lourdes Radio Orange 94,0 MHz

Info: F.E.M., T. 476 15/57 71

46 an.schlägemai 2002

Cyberfeminism Über die Präsentation feministischer Widerstansstrategien im Cyberspace. Frauen erobern den Cyberspace als Handlungsraum für sich.

Frauenberatungszentrum Hollabrunn, 2020, Kirchenplatz 1-2. Info: Monika Schuhleitner, T. 02952/49 92

15.5., 20.00, Wien „lesben-leben-recht“ – Rechtsberatung vom Rechtskomitee Lambda

an.schläge gibt`s in folgenden Buchhandlungen

Frauencafe, 8., Lange Gasse 11

25. 5., 14-15.30, Graz FrauenStadtSpaziergang – Diskussionen auf der Straße: „Sportlerinnen“. Mit Brigitte Dorfer und Ilse Wieser Treffpunkt: Jakominiplatz 12, Eingang Einkaufszentrum Steyrerhof

diverses 8. 5., 10-17.00, Wien 10 Jahre Semmelweis-Frauenklinik. Vorträge zu Frauengesundheit, Schnupperworkshops, Buffet und Kinderecke

RadioHelsinki, 92,6 MHz (Graz)

13. 5., 20.00, Hollabrunn Selbsthilfegruppe für Eltern von Kindern mit besonderen Bedürfnissen

gesellschaft

Redaktionsschluss Termine 6/02: 10.5. 2002 termine@anschlaege.at

Winter Zentralbuchhandlung Ebbe & Flut Jeller Südwind Frauenzimmer Riedl Löwenherz Südwind

1010 1010 1030 1040 1070 1070 1080 1090 1090

Landesgerichtsstr. 20 Schulerstr. 1-3 Radetzkystr. 11 Margaretenstr. 35 Mariahilferstr. 8 Zieglergasse 28 Alser Str. 39 Berggasse 8 Schwarzspanierstr. 15


Von AUF bis UFF 30 Jahre autonome Frauenbewegung in Österreich 1972-2002 Projektpräsentation: „Aktualisierung der Dokumentation österreichischer Frauengruppen“

Hetzgasse 42/1, 1030 Wien fon: 715 98 88, e-mail: frauenhetz@t0.or.at

Frauenhetz Frauenhetz im Mai:

6. 5. 02, 18.00 Uhr

Baustellen Eröffnungsfest mit Versteigerung, Tombola, Buffet und

Ort: Zeit:

Kosmos Frauenraum, 7., Siebensterngasse 42 Freitag, 3. Mai 2002, 17.00 Uhr

Im Rahmen von frida wurde das Projekt „Die Dokumente der österreichischen Frauenbewegung. Aktualisierung der Dokumentation österreichischer Frauengruppen“ von STICHWORT duchgeführt. Zentrales Anliegen war es, Daten zu aktualisieren und Lücken im Bestand der österreichischen Frauenbewegungsdokumentation zu schließen. Über eine Datenbank können nunmehr rund 670 österreichische Frauengruppen der Neuen Frauenbewegung, ihre Geschichte und Aktivitäten recherchiert werden. Sie bietet somit eine Grundlage für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Frauen- und Lesbenbewegung in Österreich, ermöglicht aber zugleich Kontaktaufnahme zu anderen Frauengruppen sowie Information über vergangene und laufende Projekte. Programm:

Musik 11. / 12. 5. 02 9.00 bis 18.00 Uhr

15. 5. 02, 18.30 Uhr

Do. 23. 5. 02, 18.30 Uhr

Lesung frauenpolitischer Texte von Eva Geber Frauenbewegte Lieder Christina Zurbrügg Buffet Veranstalterinnen: frida – Verein zur Förderung und Vernetzung frauenspezifischer Informations- und Dokumentationseinrichtungen in Österreich STICHWORT. Archiv der Frauen- und Lesbenbewegung

Vortrag Diskussion:

Normalisierung, Selbstnormalisierung und Denormalisierung von Sexualität, UKB: +/- Euro 4,Sa. 25. 5. 02

Workshop – Lesbe sein, lesbisch

12.00 – 18.00 Uhr +

leben – was heißt das und was

So. 26. 5. 02

sagt die Theorie? UKB: Euro 40/20,-

13.00 – 17.00 Uhr

Außerdem:

Frauenbewegte Geschichte(n)

Diskussionsforum – Ad Nahost

„Kritische Reflexionen zur gegenwärtigen Frauenpolitik – Perspektiven aus Realpolitik, Theorie und widerstehlichem Handeln.“ UKB: +/- Euro 4,-

Frauengruppen, Initiativen und Netzwerke

Projektpräsentation mit Diashow von Lilli Frysak und Margit Hauser

als Ressource, UKB: Euro 60/30,Anm. bis 7. 5. 02

Für Frauen

Vom Sammeln und Archivieren frauenbewegter Dokumente

Seminar, Alltag und Wissen: Wissen


an.schläge

Nr. 05/02, mai 2002/16. Jahrgang, e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,– , P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1030 Wien, envoi à taxe réduite, GZ 02Z031419 M


2002_05_anschlaege