April 2012 an.schläge

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€ 3,80 (Ö) € 4,80 (D) sfr 9,00

l l an.schläge das feministische monatsmagazin. april 2012

Thema: Who’s your man?    Auf der Suche nach neuen Männlichkeiten

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Schnupperabo (3 Hefte): 10 / 12* Euro Jahresabo (10 Hefte): 35 (ermäßigt 29) / 45* Euro Unterstützungsabo (10 Hefte): 43 / 53* Euro * gültig für Europa, weitere Auslandspreise auf Anfrage Infos und Bestellungen unter abo@anschlaege.at oder auf www.anschlaege.at an.schläge Nr. 04/12, 26. Jahrgang, € 3,80 (Ö) € 4,80 (D) sfr 9,00 , ISSN 1993-3002, P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1030 Wien, envoi à taxe réduite, GZ 02Z031419 M

FEMEN Blond & barbusig gegen Sexismus    Frauenkrankheit Endometriose: weit verbreitet & weitgehend unbekannt Plus: Sparpaket >> Sexistische Männermagazine >> Synthie-Pionierin Suzanne Ciani >> Frauenquoten in den Medien >> Critical Crafting >> Solomonowitz’ Spanien >> und vieles mehr


BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS

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Die BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS hat seit ihrem Start im März 2010 bereits zwölf Mediabooks veröffentlicht. Ihr Ziel ist es, in 100 Ausgaben die weltweit wichtigsten politischen Kämpfe und sozialen Bewegungen seit Mitte der sechziger Jahre zu dokumentieren. Die einzelnen Ausgaben enthalten bis zu drei DVDs sowie ein Hardcoverbuch mit zahlreichen Abbildungen zur vielfältigen Geschichte linken Widerstands. Obwohl dieses einzigartige Projekt von den bürgerlichen Medien weitgehend ignoriert wurde, konnte es auch viel Zuspruch erfahren. Mit Ihrem Abonnement unterstützen Sie die weitere Herausgabe der BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS und erhalten finanzielle Vorteile:

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20.03.2012 10:32:05

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Die derzeitige Form der Globalisierung geht an den Menschen vorbei. Einer kleinen Gruppe von GewinnerInnen steht eine große Mehrheit von VerliererInnen gegenüber. Die „Freiheit” der Investoren geht zu Lasten der sozialen Gerechtigkeit, Gesundheit, Umwelt, der kulturellen Eigenständigkeit und zu Lasten der Frauen. Dies ist kein Naturgesetz. Wirtschaft ist für alle da, und sie geht uns alle an. Attac zeigt Entwicklungen auf und bietet Alternativen. Denn Globalisierung braucht Gestaltung. Bei Interesse schicken wir Ihnen gerne Informationsmaterial zu. E infos@attac.at, T 01 5440010

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Politik 06 >>>

an.riss politik

08 >>>

„Gleichstellungsperspektive spielt keine Rolle“ Das Sparpaket verstärkt die ungerechte Verteilungspolitik

09 >>>

„Skeptisch bleiben“ Interview: Das Sparpaket ist ein Krisenverschärfungspaket, sagt Michaela Moser

10 >>>

Von Gehaltsgütesiegeln und Solidaritätssteuern Sind die Forderungen nach Frauenquoten in der EU-Politik angekommen?

12 >>>

Keine Angst vor der Bilderflut Interview: Die Aktivistinnen von FEMEN kämpfen mit bloßen Brüsten gegen Sexismus

14 >>> an.riss international

Thema: Männlichkeiten 17 >>>

„Wer hat diese Waschlappen erzogen?“ Interview: Rolf Pohl über die unreflektierten Selbstbilder von Männern

19 >>>

What it takes to be a man Alternative Männlichkeitsentwürfe im Pop

21 >>>

Emanzipation von der Männlichkeit Interview: Der Verein Poika betreibt gendersensible Bubenarbeit

23 >>>

Reaktionärer Krisenmarkt Auch die Männlichkeitsforschung zeigt: Den Mann gibt es nicht

Gesellschaft 26 >>>

an.riss arbeit wissenschaft

28>>>

Normalisierung von Frauenhass Wenig überraschendes Studienergebnis: Männermagazine sind schlimm sexistisch

30>>>

Keine Heulsusen Die Erkrankung Endometriose ist weit verbreitet, aber weitgehend unbekannt

Kultur „Sind das überhaupt Männer?“ Interview: Regisseurin Sylvia Sobottka bringt Geschlechterverhältnissen auf die Bühne

36 >>>

„Warum spielst du nicht Flöte?“ Von ihr stammt das Coca-Cola-Zischen: Suzanne Ciani war eine Pionierin der Synthie-Ära

an.sage: Quotenbekenntnisse: Schaffen Sie das! sprechblase: Sager des Monats plusminus: Print and Paste & Delete an.frage: Doppelrolle medienmix: Interface, johanna-dohnal.at, ofra.at, Girls an.sprüche: Ich sehe was, was du nicht siehst an.lesen: Critical Crafting Circle, Do It Yourself, Yvonne Hirdman, Eva Maria Bachinger, Lilo Nein, Caitlin M ­ oran, Sarah Kuttner, Kate Walbert, Sandrine Fabbri an.klang: Soko, Y’akoto, Rue Royale, Saschienne an.sehen: „Spanien“ an.künden: Termine & Tipps

05 06 06 07 15 25 38

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Kolumnen

34 >>>

Rubriken

an.riss kultur

Rubriken

32 >>>

feminist superheroine neuland zeitausgleich heimspiel lebenslauf lesbennest bonustrack: vera kropf katzenpost Pin-Ups Werbe-Wäh

04 11 26 29 33 37 40 45 46 46

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editorial Das Jahr ist jung, trotzdem ist es heuer bereits die zweite chaotische Heftproduktion unter widrigsten Bedingungen (zur ersten vgl. Editorial 2/2012). Während wir beim ersten Mal zumindest termingerecht fertig wurden, ist uns diesmal auch der Zeitplan völlig entglitten. Wir bitten deshalb den leicht verspäteten Erscheinungstermin zu entschuldigen! Zu unserer Rechtfertigung: Die Redaktion musste Ende März mit einem neuen Kind, einem kranken Hund und Grafiker, verlorenen Kontaktlinsen und allgemeiner Überlastung fertig werden. Der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe gibt hoffentlich nicht weiteren Anlass zur Klage: Männer sind das Thema. Welche unterschiedlichen Männlichkeiten gibt es? Welche wären wünschenswert? Willkommene Entwürfe von Männlichkeit zeigt die Bildstrecke: Lina Walde hat unsere Lieblingsserienmänner gezeichnet! Eure Redaktion

an.schläge werden gefördert von:

Feminist Superheroines Victoria Ocampo Aguirre

(1890 –1979) war eine argentinische Schriftstellerin und Herausgeberin. Sie gründete die Zeitschrift „Sur“, das damals wichtigste Literaturmagazin Südamerikas. Durch ihr Engagement bei der Vermittlung zwischen den kulturellen und literarischen Welten Lateinamerikas, Europas, den USA und Indiens wurde ihr Haus Dreh- und Angelpunkt für Intellektuelle der 1920 und -30er Jahre. Auch politisch war sie aktiv: Die Antifaschistin, die Flüchtlinge des Spanischen Bürgerkrieg und aus Nazi-Deutschland bei sich unterbrachte, war die einzige Argentinier_in, die an den Nürnberger Prozessen teilnahm. Sie war allerdings auch überzeugte Gegnerin des Kommunismus und Anhängerin eines elitären Liberalismus und kämpfte auf dieser Grundlage für mehr Frauenrechte. Für ihre beharrliche Kritik an Präsident Juan Perón musste sie 1953 eine Haftstrafe verbüßen. Die Autobiografie ihres eindruckvollen Lebens umfasst eindrucksvolle sechs Bände.  jumac Illustration: Lina Walde

impressum

Herausgeberinnen und Verlegerinnen: CheckArt, Verein für feministische Medien und Politik. A-1030 Wien, Untere Weißgerberstr. 41, T. 01/920 16 76, E-Mail: redaktion@anschlaege.at, office@anschlaege.at, www.anschlaege.at l Koordinierende Redakteurinnen: Vina Yun, redaktion@anschlaege.at, T. 01/920 16 76, Lea Susemichel, office@anschlaege.at, T. 01/920 16 78 l Buchhaltung, Abos: Svenja Häfner, buchhaltung@anschlaege.at, abo@anschlaege.at l Termine, Tipps: Anita Weidhofer, termine@anschlaege.at l Inserate: Michèle Thoma, mi.thoma@chello.at l Redaktion: Bettina Enzenhofer/be, Andrea Heinz/han, Leonie Kapfer/leka, Sylvia Köchl/sylk, Silke Pixner/pix, Fiona Sara Schmidt/fis, Lea Susemichel/les, Irmi Wutscher/trude, Vina Yun/viyu l

Praktikum: Julia Mac Gowan l Texte: Lisa Bolyos, Daphne Ebner, Sonja Eismann, Denice Fredriksson, Anna Gielas, Svenja Häfner/svh, Christine Hartmann, Gabi Horak-Böck, Mia Kager/ miak, Kathrin Ivancsits/kaiv, Belinda Kazeem, Chris Köver, Vera Kropf, Melanie Letschnig, Julia Mac Gowan/jumac, Paula Pfoser, Alexandra Schmidt, Brigitte Theißl, Paula Wischer, Beat Weber l Layout: Patrick Anthofer l Illustration Back/Cover: Lina Walde l Cartoons & Illustrationen: Paula Bolyos, Yori Gagarim, Nadine Kappacher, Melanie Letschnig, Lisa Max, Bianca Tschaikner, Lina Walde l Fotos: an.schläge-Archiv, Nadja Brendel, Endometriose Vereinigung Austria, Dor Film/Simon Varsano, Carolina Frank, Dolan Halbrook/flickr, Caroline Heider, Esther-Judith Hinz, Anna Jermolaewa, Martin Juen, Peter A. Krobath, Igor Mukhin, Jean-Marc Ruellan, Warner Music Entertainment, Alexandra Weinig, www.sevwave.com l Homepagebetreuung: Mirjam Bromundt, www.anschlaege.at l Druck: H.R.G. Druckerei © an.schläge: Titel, Vorspann und Zwischentitel von der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht der Auffassung der Redaktion entsprechen. Kürzungen vorbehalten. l ISSN 1993-3002

04 l an.schläge April 2012


an.sage

Quotenbekenntnisse: Schaffen Sie das! Ein Kommentar von Fiona Sara Schmidt

An die „sehr geehrten Chefredakteure, Intendanten, Verleger und Herausgeber“ formulierte die Initiative „ProQuote“ Ende Februar einen offenen Brief (siehe www.pro-quote.de), der seitdem für viel Medienecho sorgt. Die 340 Erstunterzeichnerinnen, darunter zahlreiche Prominente wie Anne Will und Sandra Maischberger, fordern darin, innerhalb der nächsten fünf Jahre mindestens dreißig Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen mit Frauen zu besetzen. „Schaffen Sie das?“, wird abschließend an den sportlichen Kampfgeist der Entscheider appelliert. Bei nur zwei Prozent der rund 360 deutschen Tages- und Wochenzeitungen sitzen Frauen im Chefsessel. Die Initiative war lange geplant und ging, so ist zu hören, vornehmlich von jungen Kolleginnen aus. Es tut sich also was beim Nachwuchs, der ernüchtert feststellen muss, dass es nicht reicht, gute Ideen und viel Ausdauer zu haben, um Karriere zu machen. Die Antworten der Chefredakteure bewegen sich zwischen Solidaritätsbekundungen und Lippenbekenntnissen – man möchte schließlich mit dem Zeitgeist gehen und die Leserinnen nicht verschrecken. Die WAZ-Mediengruppe etwa schwärmt von den eigenen Förderprogrammen – ihre Geschäftsführung und Redaktionsleitungen sind aber weiterhin Männervereine. Andere sprechen von „individuellen Zielwerten“ oder von längst erreichten Quoten, wenn denn alle kleinen Ressorts mitgezählt werden. Susanne Gaschke von der Wochenzeitung „Die Zeit“ entlarvt dies als Schönrechnerei: In aller Regel seien das Positionen „von Reisen bis zur schönen Literatur (…), Kinderseiten und Rezepte. Da wird man vielleicht mit Ach und Krach auf verantwortliche Posten kommen. Aber bei den harten Ressorts, Wirtschaft und Politik, können Sie es doch vergessen. Und in den Chefredaktionen sowieso.“ Auch der Chef des „Spiegel“ bekennt sich zu den Forderungen. Bereits im Januar rechneten zwei Mitarbeiterinnen in einer Titelgeschichte vor: Der „Spiegel“ hat zwei Chefredakteure, einen stellvertretenden Chefredakteur, einen Textchef. Dann gibt es noch 28 männliche Ressortleiter. Und nur zwei Ressortleiterinnen. Zusammengezählt heißt das: 32 zu 2. Angesichts dieser Lage ist es also erstmal wunderbar, dass das Thema auf der Agenda ist und prominente Unterstützung

findet. Aber, Momentchen mal, warum eigentlich eine Quote von dreißig und nicht von fünfzig Prozent? Und wieso nur von den „Männern da oben“ fordern? Schließlich gibt es – auch unter den Unterzeichnerinnen – durchaus Frauen in den entsprechenden Entscheidungspositionen. Auch sie tragen mit, dass immer nur dieselben drei weiblichen Talkshowgäste eingeladen werden. Oder ob feministische Themen lanciert werden. Nicht nur für die Quote werden Medienschaffende aktiv und leisten konkreten Widerstand. Gegen die Praxis der Postenvergabe beim ORF hatten sich Anfang des Jahres Mitarbeiter_innen erfolgreich für die politische Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eingesetzt. Ähnliche Verhältnisse seien ebenfalls beim ZDF zu beklagen, so die Gruppe „Freiheit für das Zweite“, deren Mitglieder wegen ihrer „meist befristeten, wackeligen Verträge“ anonym bleiben. Missstände prangerte kürzlich auch das „Paroli“Magazin an: Unmittelbar zum Start des jungen österreichischen Online-Journals kritisierte die Redaktion die prekären Arbeitsverhältnisse motivierter, bestens ausgebildeter Journalist_innen. Sie machen nun unbezahlt ihr eigenes innovatives ReportageMagazin – neben schlecht bezahlten Brotjobs, aber immerhin selbstbestimmt. Während derzeit über Privilegien für Journalist_innen – wie etwa Rabatte bei der Bahn – diskutiert wird, kämpfen viele von ihnen stattdessen mit prekären Arbeitsbedingungen. Denn wie ein Kollege von der „Jungle World“ einwendet: Die Reisekosten des journalistischen Fußvolks interessieren niemanden – sie nutzen die Mitfahrzentrale statt das ermäßigte Bahnfahren oder die Prozente bei Air Berlin. Die Quote kann dabei helfen, Geschlechtergerechtigkeit durchzusetzen. Sie kann allerdings nur ein Instrument unter vielen sein, um die Arbeitsverhältnisse von prekarisierten Medienarbeiter_innen zu verbessern und faire Strukturen im Journalismus zu etablieren. Denn auch wenn es mehr Frauen in den Chefetagen gibt: Ihren Kolleginnen in schlecht bezahlten und unsicheren Arbeitsverhältnissen ist damit noch nicht zwangsläufig geholfen.  l

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an.riss politik bot derart formuliert, dass jede Form des Bettelns, also auch das (nicht aggressive) „stille Betteln“, verboten ist. Zudem seien die Bettelverbote ein Eingriff in das Recht auf Erwerbsfreiheit und verletzten das Recht auf Achtung des Privatlebens. Der Antrag aus Oberösterreich bringt zudem vor, dass der Beschluss eines solchen Bettelverbots in den Zuständigkeitsbereich des Bundes und nicht des Landes falle. Auch die Regelungen über die Kontrolle zur Einhaltung des Bettelverbots widersprächen der Verfassung. Ein Urteil wird es voraussichtlich im Frühsommer geben. Bis zum Herbst sollen auch die Verfahren zu den Bettelverboten in Salzburg, der Steiermark und Kärnten abgeschlossen sein.  svh

schulwettbewerb Gegen uniforme Schönheitsideale © Peter A. Krobath

bettelverbot Vor Gericht Nach Wien, Tirol, Vorarlberg, Niederösterreich und Salzburg hat auch Oberösterreich im März 2011 ein Bettelverbot eingeführt. Damit wurde „Aufdringliches oder aggressives Betteln“ sowie „der Einsatz von Kindern“ als Verwaltungsübertretung gewertet und unter Strafe gestellt, Gemeindewachorgane wie die Linzer Stadtwache wurden zur Kontrolle ermächtigt. Am 9. März fand nun eine öffentliche Verhandlung des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) über eine Verfassungsklage gegen die Bettelverbote in Wien und Oberösterreich statt. Eingebracht wurden die Anträge zum einen von einer Bettlerin aus Wien – unterstützt von der BettelLobby Wien, dem Neunerhaus und den Wiener Grünen –, zum anderen von einem Drittel der oberösterreichischen Landtagsabgeordneten. Die Bettelverbote seien aus verschiedenen Gründen verfassungswidrig: So sei in Wien das Bettelver-

„…

es

so dass wir

alle sehen können.“

Stammtisch-Rhetorik galore aus den USA: Der konservative Radio-Moderator Rush Limbaugh bezeichnete die Jura-Studentin Sandra Fluke, die sich für die staatliche Finanzierung von Verhütungsmitteln stark macht, als „slut“. Sie wolle schließlich, so Limbaugh, dass er sie mittels Steuern für Sex bezahle. Zudem forderte er, dass im Falle einer Kostendeckung für Verhütungsmittel Frauen dazu verpflichtet werden sollten, Sexvideos zu posten: „Wer zahlt, soll auch etwas geboten bekommen.“ Igitt.  leka 06 l an.schläge April 2012

2011 wurde vom Wiener Programm für Frauengesundheit der Wettbewerb „we like everyBODY – unsere Schule ohne Schlankheitswahn“ ausgeschrieben. Dabei sollten Schüler_innen eigene Werbe- und PR-Kampagnen für ihre Schule gestalten, die sich gegen rigide Schönheitsvorstellungen, vor allem Mädchen und Frauen betreffend, stellen. Anfang März wurden die Schüler_innen der Zwi-Perez-Chajes-Schule für ihr Konzept „genau richtig“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet und erhalten nun professionelle Unterstützung bei der Umsetzung. Die PRIdee „Wohlfühlzone“ der Handelsschule des bfi Wien wurde zweitplaziert, gefolgt vom BRG 19 Billrothgymnasium mit ihrem Kampagnenkonzept „Billroth likes EveryBODY!“, das darüber informiert, was zu einem gesunden Körpergefühl beiträgt. Gesundheits- und Sozialstadträtin Sonja Wehsely würdigte im Rahmen der Preisverleihung die insgesamt 17 Einreichungen, die von mehr als 340 Schüler_innen entwickelt wurden: „Die kritische Auseinandersetzung mit Körpernormen und Schönheitsidealen ist ein wesentlicher Schritt zur eigenen Akzeptanz. Die rege Teilnahme zeigt, wie wichtig den Schülerinnen und Schülern diese Thematik ist.“  jumac

plus

Print and Paste (+)

Delete (–)

Die Pro-Choice-Organisation „Women on Waves“ hat eine Sticker-Kampagne gestartet, die es Frauen ermöglichen soll, eine DIYAbtreibung durchzuführen. Die Sticker, die in mehreren Sprachen zum Download angeboten werden, enthalten Informationen über die sichere Abtreibungsmethode mithilfe von Misopostrol. Dieses Arzneimittel ist zur Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren rezeptfrei erhältlich und wirkt wie die Abtreibungspille. Vor der nächsten Reise also Sticker drucken!  leka

Wenig begeistert von Stickern und Frauenrechten zeigte sich hingegen die Internetplattform Facebook. Diese zwang „Women on Waves“-Direktorin Rebecca Gomperts ihr Profilfoto, das eben jene Sticker zeigte, zu löschen, da Informationen über Abbrüche nicht mit den Prinzipien der Plattform vereinbar seien. Immerhin: Nach Gomperts Beschwerde entschuldigte sich Facebook. Empörend bleibt die Vorgehensweise trotzdem, zumal auch die Suchmaschine Google vermehrt Seiten von Abtreibungsanbieter_innen blockiert.  leka


an.frage gläserne decke (K)Ein Schweizer Mythos? Fast drei Viertel der Schweizerinnen wissen um die Existenz der Gläsernen Decke. Im Gegensatz dazu leugnen 61 Prozent der Männer das Bestehen von Hindernissen für Frauen, die in Führungspositionen gelangen möchten. Dies ergab eine von der Universität George Washington in der Schweiz und den USA durchgeführte Studie, die Anfang März von der USBotschaft in Bern im Rahmen der Women’s Conference präsentiert wurde. Von den insgesamt 1.100 Befragten wurde jedoch bestätigt, dass Frauen im Beruf grundsätzlich benachteiligt seien. Zudem führe eine Schwangerschaft zu einem erheblichen Karriereknick, während Vaterschaft kaum Auswirkungen auf das berufliche Weiterkommen habe. Dennoch wird eine Quotenregelung für Führungspositionen von über der Hälfte der befragten Frauen und von 89 Prozent der Männer abgelehnt. Als Strategie für mehr Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt billigten die Befragten hingegen die Zertifizierung von Firmen, in denen Lohngerechtigkeit herrscht.  miak

preisverleihung Clara-Zetkin-Frauenpreis 2012 Von den neun nominierten Projekten für den Clara-Zetkin-Preis (darunter Mädchenmannschaft.net, Interkultureller Frauengarten, Muschiballett, papatya vom Türkisch-Deutschen Frauenverein, Tag der Reinigungsfrauen Recklinghausen oder Ruby Tuesday – Rock Camp für Mädchen) wurde dieses Jahr das Projekt „Keine Schwangerschaft ist illegal“ der Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative Stay mit dem von der Partei „Die Linke“ initiierten und mit 3.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet. Das Projekt unterstützt Schwangere ohne gültige Aufenthaltspapiere im Großraum Düsseldorf mit anonymer Einzelfallhilfe, vermittelt kostenlose medizinische Betreuung und sensibilisiert darüber hinaus die Öffentlichkeit für die Lage illegalisierter Flüchtlingsfrauen.  svh

migrantinnen Mehrfach diskriminiert Der vom österreichischen Bundeskanzleramt herausgegebene „Migrantinnenbericht 2007“ sieht Migrantinnen in dreifacher Hinsicht diskriminiert: Frauen seien in der österreichischen Gesellschaft generell benachteiligt, umso mehr, wenn sie keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen bzw. Drittstaatsangehörige sind. Auch müssten viele – vor allem muslimische – Frauen den gesellschaftlichen Konflikt zwischen einer modernen und einer traditionellen Frauenrolle aufnehmen und für sich lösen. In konkrete Zahlen gegossen sieht die Benachteiligung aus wie folgt: 73 Prozent der Frauen aus der Türkei und 48 Prozent der Frauen aus Ex-Jugoslawien (ohne Slowenien) haben gerade mal einen Pflichtschulabschluss. Schülerinnen mit nicht-deutscher Erstsprache sind mit dreißig Prozent überproportional in Sonderschulen vertreten. Nur 59 Prozent der Migrantinnen sind erwerbstätig (Im Vergleich: die Österreicherinnen sind es zu 68 Prozent), Türkinnen sind mit 13,9 Prozent am häufigsten von Arbeitslosigkeit betroffen, so die zentralen Ergebnisse aus dem Bericht „Femigration & Integration“ des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und der Statistik Austria aus dem Jahr 2011. Aus einer MikrozensusArbeitskräfte-Erhebung von 2008 geht zudem hervor, dass sich vor allem Frauen mit Migrationshintergrund für ihre Tätigkeit überqualifiziert fühlen.  svh

Doppelrolle Seit 2009 gibt es *peppa, das Interkulturelle Mädchenzentrum, in Wien Ottakring. Die 13-jährige Paula Wischer, die in der an.schläge-Redaktion ihre berufspraktischen Tage absolviert hat, wollte von den Betreiberinnen mehr über Mädchenarbeit wissen.

Was ist euch wichtig an eurer Arbeit im Mädchenzentrum? Anliegen von *peppa ist es, Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund, insbesondere Neuzuwanderinnen, als erste Anlaufstelle zu dienen und sie in sämtlichen gesellschaftlichen und sozialen Bereichen zu beraten und zu begleiten. Mit unserer Arbeit möchten wir die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit junger Frauen fördern und ihnen einen Raum bieten, in dem sie sich frei bewegen und den sie selbst gestalten können. Wichtig ist uns auch ein niederschwelliger Zugang, der es ermöglicht, möglichst viele Mädchen zu erreichen. Wer kommt zu euch? Und nimmt welche Angebote in Anspruch? Zu uns kommen Mädchen und junge Frauen unterschiedlicher nationaler Herkunft, z.B. aus der Türkei, Ex-Jugoslawien, Afghanistan, Irak oder Ägypten, meist sind es zwischen dreißig und vierzig Mädchen pro Tag. Beliebt sind Freizeitangebote jeglicher Art: Workshops (Theater, Selbstverteidigung, Computer), einkaufen, kochen und essen. Außerdem Tischfußball, Internet und Kino sowie gegenseitige KosmetikStündchen. Unverzichtbar ist außerdem unsere Lernhilfe! Relativ hoch frequentiert sind inzwischen auch unsere Beratungen rund um Liebe, Sexualität, Freundinnen, Schulprobleme sowie unsere medizinische Beratung. Welche politischen Forderungen habt ihr bezüglich Mädchenarbeit? Vom theoretischen Hintergrund her ist der Diversitätsansatz bzw.

Intersektionalität für unsere Arbeit von besonderer Bedeutung, da unsere Klientinnen mehrfach diskriminiert werden. Uns ist es wichtig, Geschlecht auch mit anderen Gesellschaftskategorien wie z.B. „Kultur“ in Verbindung zu bringen. Das bedeutet, dass wir versuchen möchten, feministische Anliegen zu vertreten und zu vermitteln, aber einen westlich orientierten bzw. eurozentristischen Feminismus kritisch zu hinterfragen. Uns ist wichtig, auch im Umgang mit Idealen und politischen Wertvorstellungen kulturell bedingte Differenzen zu respektieren. Im Bezug auf Mädchenarbeit haben wir wohl die üblichen feministischen Forderungen in unserem Katalog. Gerade in Bezug auf unsere Doppelrolle als „Integrationsarbeitsleistende“ halten wir aber auch die Förderung eines differenzierten Blicks in der Öffentlichkeit für unsere Aufgabe: also (junge) Migrantinnen in der Gesellschaft als heterogene Gruppe wahrzunehmen und nicht auf die „zwangsverheiratete, opferimmanente Kopftuchträgerin“ zu reduzieren. Soviel zu dem, was wir nach außen transportieren wollen. Nach innen möchten wir unseren Klientinnen auch eine queere Anschauungsweise näherbringen bzw. versuchen, Vorurteilen entgegenzuwirken und neue Grenzen für Toleranz zu stecken.

*peppa besteht aus drei verschiedenen Einrichtungen: dem Mädchenzentrum, der Interkulturellen Familienberatung und der im Mai 2012 neu eröffnenden Interkulturellen Mädchenberatung.

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sparpaket

„Gleichstellungs­perspektive spielt keine Rolle“ Kritik am Sparpaket ist von vielen Seiten zu vernehmen. Aus frauenpolitischer Perspektive wird vor allem die gleichbleibend ungerechte Verteilungspolitik kritisiert. Eine Bestandsaufnahme von Silke Pixner. „Diese Kürzungen klingen zwar harmlos, können aber großen Schaden anrichten“ 1, kommentierte Michaela Moser, Sprecherin der Armutskonferenz, die geplanten Kürzungen bei den sogenannten Ermessensausgaben – also jenen Budgetmitteln, über die die Ressorts nach eigenem Ermessen verfügen können. Im Bundeskanzleramt fallen darunter u.a. Förderungen für Frauenberatungen, Frauenhäuser, Kriseninterventionszentren oder Einrichtungen für Wohnungslose – sprich genau jene Stellen, bei denen sowieso chronischer Geldmangel herrscht. Obwohl vonseiten des Frauenministeriums Kürzungen ausgeschlossen wurden, bleibt die Unsicherheit groß, denn schon vor dem Sparpaket war der Posten „Frauenförderungen“ im Förderplan mit 5,3 Millionen sehr mager dotiert.

1 Zitiert aus http://diestandard.at/ 329870036344/Kritikam-Sparpaket-Verschontwerden-sehr-reicheMaenner Quellen: http://diestandard.at http://derstandard.at www.wege-aus-der-krise.at www.wienerzeitung.at http://relevant.at

08 l an.schläge April 2012

Kleine Kürzungen, große Auswirkungen. Vermeintlich kleine Kürzungen können gerade im Bereich Frauenförderung dramatische Folgen haben, etwa wenn Frauenhäuser aus allen Nähten platzen und von Gewalt betroffene Frauen und Kinder keine Anlaufstelle mehr finden. Oder wenn bei Minusgraden keine Unterkünfte mehr zur Verfügung stehen und Gesundheits- oder Drogentherapiezentren keine Plätze mehr haben. Statt Kürzungen müssen angesichts des Bedarfs eigentlich mehr Geld und Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Vermögende wurden verschont. Neben den drohenden Budget-Kürzungen im Sozialbereich ist es vor allem die fehlende hohe Besteuerung von Vermögenden – weiterhin überwiegend männlich –, die in den Reihen der Kritiker_innen für Unmut sorgt. So sei die sogenannte Solidarabgabe (Einkommensbezieher_innen von über 180.000 Euro im Jahr müssen eine Solidarabgabe entrichten, Anm.) viel zu wenig, kritisiert Attac-Obfrau Alexandra Strickner: „Im Vergleich zu den Milliardenkürzungen für die breite Masse sind 110 Millionen Euro jährlich aus einer Solidarabgabe für Spitzenverdiener ein Tropfen auf den heißen Stein. Eine moderate Besteuerung von Vermögen würde jährlich rund vier Milliarden Euro einbringen. Damit wären die steuerliche Entlastung niedriger Arbeitseinkommen und Investitionen im Bildungs-, Umwelt- oder Gesundheitsbereich möglich.“ Perspektivenmangel. Auch Margit Schratzenstaller vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) kritisiert die mangelnde Gleichstellungsperspektive bei der Planung und Bewertung des Sparpakets. „Die Geschlechterperspektive spielt hier keine Rolle. Es wurde keiner Genderprüfung unterzogen, und das obwohl seit 2009 die Verpflichtung zum Gender Budgeting in der Verfassung verankert ist.“ Sie identifiziert eine ganze Reihe

von Konsolidierungsmaßnahmen, bei denen auch Gender-Effekte zu vermuten sind. „Während höhere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge für höhere Einkommen im Durchschnitt Männer mehr belasten als Frauen, sind letztere mehr von den mäßigen Pensionsanpassungen sowie den Nulllohnrunden bzw. geringeren Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst betroffen.“ Frauenverarschung. Dass für die Sparmaßnahmen, die besonders Frauen negativ betreffen, auch zahlreiche Politikerinnen mitverantwortlich sind, ist umso bitterer. Eine Tatsache, die besonders den Aktivistinnen der Sozialistischen LinksPartei (SLP), ob der Scheinheiligkeit der Politikerinnen, die stets beteuern, sich für Frauenfragen einzusetzen, sauer aufstößt. Deswegen überreichen sie etwa an Laura Rudas und Sandra Frauenberger von der SPÖ eine „Urkunde für Frauenverarschung“. Sonja Grusch, Bundessprecherin der SLP: „Wir haben in Österreich rund 300.000 Menschen, die sich in diesem Winter das Heizen nicht leisten können. Davon sind vor allem Pensionistinnen, Frauen und auch Alleinerzieherinnen betroffen.“  l


sparpaket

„Skeptisch bleiben“ michaela moser, Sozialexpertin der Armutskonferenz, warnt im Interview mit gabi Horak-Böck vor vermeintlich kleinen Kürzungen im Sozialbereich. Auch Fraueneinrichtungen könnten trotz Finanzierungszusage des Frauenministeriums gefährdet sein. an.schläge: Wie beurteilst du das Sparpaket der Bundesregierung grundsätzlich? michaela moser: Das sogenannte Sparpaket – besser wäre wohl, es Kürzungspaket zu nennen – ist ein Krisenverschärfungsinstrument. Die darin enthaltenen Maßnahmen sind sozial unausgewogen und ökologisch blind, es fehlt an wirklichen Maßnahmen, die zu einer gerechteren Verteilung, und zwar sowohl zwischen Arm und Reich als auch zwischen Frauen und Männern, führen würden. Die Solidarabgabe ist ein Tropfen auf den heißen Stein, solange die Vermögen, von denen sich zwei Drittel in der Hand der obersten zehn Prozent befinden, unangetastet bleiben. Wer oder was wäre von Kürzungen bei den ermessensausgaben betroffen? In diesen Bereich fallen neben Förderungen für Frauenberatungen auch jene für Wohnungsloseneinrichtungen, Kriseninterventionszentren, Sachwalterschaft, Unterstützung für Menschen mit Behinderungen und viele andere Hilfsangebote für Menschen in Not. aus dem Frauenministerium war zuletzt zu hören, dass beim Frauenbudget nicht gekürzt werden soll. Können Fraueneinrichtungen somit beruhigt sein? Solange sie keine fixe Zusage bzw. das Geld auf ihren Konten haben, sollten sie aus meiner Sicht skeptisch bleiben. Nicht vergessen werden darf außerdem, dass noch nicht bekannt ist, an welchen Stellen die Einsparungen der Länder erfolgen werden. Das Negativbeispiel Steiermark, wo gerade das Sozialbudget um 25 Prozent gekürzt wurde, lässt gerade hier weitere Kürzungen befürchten. Außerdem: Fraueneinrichtungen und -initiativen werden oft von mehreren Ministerien gefördert, nicht nur vom Frauenministerium. Auch da

könnte es teilweise um existenzbedrohende Summen gehen, zumal derzeit völlig unklar ist, wie das Vorhaben, Mehrfachförderungen zu vermeiden, letztlich umgesetzt werden wird.

Wie wirken sich Kürzungen im Sozialbereich speziell auf Frauen aus? Vermeintlich kleine Kürzungen haben hier dramatische Folgen. Zum einen ist zu erwarten, dass Frauen fehlende Angebote quasi innerfamiliär und natürlich unbezahlt ausgleichen bzw. dass das von ihnen erwartet wird, z.B. wo es um die Pflege oder Unterstützung betreuungsbedürftiger Menschen geht. Das schränkt dann meist auch ihre Erwerbsmöglichkeiten ein und führt u.a. zu Einkommens- und Pensionseinbußen. Zum anderen fehlt es ihnen gleichzeitig an Beratungsstellen und Unterstützung, wenn die eigene Situation problematisch wird. Frauen, besonders Alleinerzieherinnen, sind schon jetzt wesentlich stärker armutsgefährdet als Männer mit kontinuierlichem Erwerbseinkommen. Da müsste eigentlich mehr Geld in die Hand genommen werden, um diese strukturelle Ungleichheit zu bekämpfen. Und natürlich braucht es eine ganze Reihe echter Reformen, wie etwa eine deutliche Verkürzung der Normalarbeitszeit, besser noch einen generellen Umbau des sozial- und arbeitsmarktpolitischen Systems, um wirklich mehr Gerechtigkeit zu schaffen.

hat. Frauen und ihre Organisationen sollten sich jedenfalls deutlich gegen diese Kürzungspolitik aussprechen, sich informieren – z.B. auf der Website der Allianz www.wege-aus-der-krise. at – und auf der Hut bleiben. Sie sollten sich gemeinsam mit anderen Organisationen noch stärker für soziale Investitionen und Umverteilungsmaßnahmen einsetzen. l

Viele Frauen müssen sich warm anziehen, warnt Michaela Moser. Denn das Sparpaket sei ein Krisenverschärfungsinstrument.

in Spanien und griechenland wird gerade der Sozialstaat abgebaut. Hier bestätigen sich bereits die Befürchtungen, dass es wiederum Frauen sind, die den ausfall öffentlicher Leistungen durch unbezahlte arbeit abfangen. Steuern wir in Österreich auch auf derartige Szenarien zu? Auszuschließen ist das nicht. Zumal Österreich hier ohnehin eher einen Nachholbedarf in die andere Richtung April 2012 an.schläge l 09


gender pay gap

Von Gehaltsgütesiegeln und Solidaritätssteuern Während sich die Lohnschere nur ganz langsam schließt, kommt Bewegung in die EU-Politik: Forderungen nach Frauenquoten und wirksameren Maßnahmen werden lauter – zumindest zum Frauentag. Gabi Horak-Böck berichtet aus Brüssel. Plakatsujet zum Frauentagsworkshop in Brüssel zum Thema „Equal Pay for Equal Work“

„Mir fehlen die Worte, um diese Ungerechtigkeit zu beschreiben.“ Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments (EP), zeigte sich anlässlich des Internationalen Frauentags bestürzt. Neben vielen hochrangigen EU-Politikerinnen saß Schulz in Brüssel auf einem Podium, auf dem VertreterInnen des EP und der nationalen Parlamente sowie VertreterInnen der EU-Kommission die neuesten Zahlen zur Lohnschere diskutierten – und was gegen sie zu tun wäre. Noch immer verdienen Frauen in allen Staaten Europas weniger als Männer, durchschnittlich minus 16,4 Prozent. „Nur wenn wir gleichen Lohn für gleiche Arbeit durchsetzen, gibt es eine echte Chance für das europäische Sozialsystem“, gab sich Pervenche Berès, Vorsitzende des Beschäftigungsausschusses und französische Sozialdemokratin, kämpferisch.

Einkommensschere in Österreich Frauen verdienten 2010 um 39,7% weniger als Männer. Bei den Vollzeitbeschäftigten betrug die Einkommensdifferenz 19%. 43,8% der beschäftigten Frauen arbeiteten 2010 Teilzeit. 81% der Teilzeitarbeitsstellen waren von Frauen besetzt. Die durchschnittliche Alterspension von Frauen (ohne Beamtinnen) betrug 784 Euro, die von Männern 1.632 Euro. Quelle: Statistik Austria

10 l an.schläge April 2012

Frauenquote statt Freiwilligkeit. „I’m not a great fan of quotas. However, I like the results they bring“, resümierte EU-Kommissarin Viviane Reding Anfang März nach der Präsentation eines Berichts, demzufolge sich die Zahl der Frauen in Führungspositionen viel zu langsam erhöht. Ein Jahr nachdem Reding eine freiwillige Selbstregulierung der Unternehmen eingefordert hatte, zählte sie Ende 2011 nur 13,7 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten europäischer Top-Unternehmen (im Vergleich zu 11,8 Prozent 2010). Da es mit Freiwilligkeit also offensichtlich nicht funktioniert, schlägt Reding jetzt eine verpflichtende Frauenquote für ganz Europa vor und bekommt dabei Rückendeckung von Frauenpolitikerinnen aller Fraktionen wie auch vom EP. Doch die Mühlen in Brüssel mahlen langsam, und viele wollen mitreden: Redings Bericht wird nun – wie üblich – drei Monate lang öffentlich diskutiert, erst dann setzt sich die EU-Kommission zusammen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Eine Gesetzesinitiative ist nur eine der Möglichkeiten. Die deutsche Frauenministerin Kristina Schröder etwa hat schon abgewunken, sie will keine gesetzliche Quote. Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen hat zuletzt eine Kehrtwende hingelegt: Hatte sie Frauenquoten bisher abgelehnt, möchte sie einem Bericht des „Spiegels“ zufolge nun sogar damit in den Bundestagswahlkampf 2013 gehen. Die österreichische Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist sowieso eine überzeugte Verfechterin der

Frauenquote, und auch beim Koalitionspartner ÖVP hat sich einiges bewegt. Nicht zuletzt die Wirtschaft selbst hat erkannt: Frauen in Führungspositionen tun Unternehmen sehr gut. Das ist auch das Ergebnis zahlreicher Untersuchungen, aktuell bestätigt wird dies etwa von einer EU-Studie bei 190 börsennotierten Unternehmen, wonach eine ausgewogene Gender-Balance bei den Aufsichtsräten für höhere Gewinne sorgt. Equality Fail since 1957. Das Thema Lohnungleichheit hat jedoch wesentlich mehr Aspekte als nur den von Frauenquoten in Führungspositionen. In allen EU-Ländern, in fast allen Branchen und auf jeder Ebene verdienen Frauen spätestens ab der Geburt des ersten Kindes weniger als Männer. Am 2. März wurde in Brüssel der „Tag der gleichen Entlohnung“ begangen: Denn Frauen brauchen durchschnittlich 14 Monate, um das Jahresgehalt von Männern zu verdienen. Dabei wurde schon in den Gründungsverträgen der EU von 1957 „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ festgelegt. „Wir kennen die Daten!“, poltert Siiri Oviir, Frauenrechtsaktivistin und liberale Vertreterin aus Estland, am Frauentag im EP. Jetzt werde es Zeit, endlich etwas dagegen zu tun. „Es gab schon so viele Anträge, Berichte und Richtlinien, dass die Staaten aktiv werden sollen. Aber offensichtlich sind Sanktionen notwendig, sonst werden wir über das Problem noch in Jahrzehnten reden!“ Marije Cornelissen, GrüneVertreterin im Frauenausschuss aus den


che Pension eingerechnet werden. Der kausale Zusammenhang ist eindeutig: Weniger Lohn für Frauen bedeutet auch weniger Pension und damit eine erhöhte Armutsgefährdung im Alter. Laut dem jüngst veröffentlichten „Weißbuch Rente“ im EU-Raum erhalten Frauen im Durchschnitt gerade einmal fünfzig Prozent der Pension der Männer. Um das Pensionssystem in Zukunft überhaupt finanzieren zu können, müssten mehr Frauen in die nationalen Arbeitsmärkte geholt werden. Im südlichen Italien beispielsweise liegt die Frauenerwerbsquote bei kaum dreißig Prozent. Niedrige Frauenerwerbsquoten sind im Übrigen auch der Grund für das relativ geringe Lohngefälle in Ländern wie Italien oder Polen. Niederlanden, sitzt neben ihr und meint scherzhaft, am effizientesten wäre eine Solidaritätssteuer der Männer in der Höhe der Einkommensdifferenz, „aber das wird wohl nicht machbar sein“. Am Nachmittag des FrauentagWorkshops in Brüssel kommt von der Niederländerin Ria Oomen-Ruijten dann der erste ernsthafte Vorschlag für eine konkrete Maßnahme: „Beweislast umkehren!“ Der Arbeitgeber muss beweisen, dass es nicht stimmt, dass er der Frau weniger bezahlt. Frauen haben seit Jahren die Möglichkeit, in ihrem Land oder auf EU-Ebene gegen ungerechte Bezahlung zu klagen. Wirklich getan haben das bisher aber nur wenige. Zuletzt klagte in Norwegen eine Arbeitnehmerin, weil sie als Kindergartenleiterin weniger als der Leiter eines technischen Büros verdiene – obwohl sie eine längere Ausbildung hinter sich hat. Sie bekam in erster Instanz Recht. Der Weg einer Einzelklage ist aber mühsam und teuer. Daher gibt es den Vorschlag, ein Verbandsklagrecht einzuführen, damit Frauenorganisationen oder Gewerkschaften im Namen vieler Frauen klagen können. Zusätzlich müssten die Strafen bei Lohndiskriminierung erhöht werden. Denn derzeit seien die Ersparnisse durch jahrelange Unterbezahlung von Frauen viel höher als die Strafen, die im Falle einer Verurteilung fällig werden. Pflicht zur Transparenz oder die Einführung eines „Equal Pay“-Gütesiegels für Unternehmen lauten weitere Ideen beim Workshop. Außerdem sollen Erziehungszeiten in die staatli-

Freiheit zur Diskriminierung. „Die Kürzungspolitik läuft der Gleichstellungspolitik extrem entgegen“, warnt Gabriele Zimmer von der Linkspartei und Vize-Vorsitzende des Beschäftigungssausschusses im EP. In Griechenland und Spanien sei ein Rückbau des Sozialstaates zu beobachten. Frauen seien es, die fehlende öffentliche Angebote für Kinderbetreuung und Pflege wieder abfangen müssen. Das Lohngefälle, das zu einem großen Teil aufgrund struktureller Ungleichheiten und Diskriminierungen bestehe, werde sich in der Krise noch verschärfen. Alena Gajdusková aus der Tschechischen Republik beobachtet, dass Einkommensunterschiede durch rechte Regierungen und deren neoliberale Konzepten ansteigen: „Schlechtere Bezahlung von Frauen wird als Recht des Arbeitgebers betrachtet.“ Es braucht also mehr als ein paar Werbespots der EU-Kommission, jährliche Broschüren und bunte Folder des EU-Parlaments, um dem Gender Pay Gap beizukommen. Neben der Initiative von EU-Kommissarin Reding liegt auch ein Initiativbericht des EP-Frauenausschusses vor, in dem die Kommission aufgefordert wird, einen konkreten Gesetzesvorschlag zu mehr Lohngerechtigkeit zu erstellen. Dafür wurde nun auch von VertreterInnen der Kommission Unterstützung signalisiert. Die Mühlen mahlen.  l

entdeckungen im alltag

Belinda Kazeem

Must have of the season:

Sonnenbrille

Ich freue mich über die ersten Sonnenstrahlen. Ganz ehrlich. Es ist toll, wieder auf der Parkbank sitzen zu können, ohne Haube, dicken Schal. Alle lachen, sind kontaktfreudig und endlich wieder besser drauf. Tatsache ist jedoch, dass es im Park meiner Wahl so wenige Bänke in der Sonne gibt, dass wir – mein Sohn und ich – sie immer mit anderen Menschen teilen müssen. Und das ist der Punkt, an dem es meist nicht mehr so fein für mich ist. Unbehaglich rutsche ich hin und her, immer in Erwartung einer dummen Ansage. Meist dauert es nicht lange, bis diese, begleitet von einem supersüßen Lächeln, auch kommt: „Sie sprechen so ein schönes Deutsch. Toll.“ Die Oma gestern konnte sich kaum noch halten vor Begeisterung. Beide Daumen hoch gestreckt, schrie sie mir entgegen: „Echt super!“ Darauf mein Sohn: „Was ist das?“ Mit Blick auf die Alte sage ich: „Das wüsste ich auch gerne.“ Mein fragender Blick hat sie leider dazu motiviert, den Satz nochmals zu wiederholen, diesmal mit dem Zusatz: „Sie sprechen so ein schönes Deutsch, es ist eine Freude, Ihnen zuzuhören.“ Wie darauf immer wieder reagieren? Sauer? Wütend? So tun, als hätte ich nichts verstanden? Höflich mit einem „Danke“ auf den Lippen wegdrehen? Langsam sollte ich wirklich einen Umgang damit finden, schließlich muss ich auch noch meinem Sohn beibringen, wie er in Zukunft solchen Mist parieren kann. Ahhhhhhhh … Ich wollte doch nur in der Sonne sitzen, Kieselsteine werfen, Bagger auf- und abladen. Was soll der Scheiß? Ja, ich lebe schon lange genug in diesem Land, um zu wissen, dass solche Szenen noch zu den harmloseren gehören. Oftmals ist’s ja auch schlimmer: Fragen nach der Heimat – Heimat, what the fuck? –, nach der Rückkehr dorthin, nach dem Kind und seinem Vater, dazwischen ein paar FPÖStammtisch-Ansagen loswerden und so weiter und so fort. Heute habe ich zu einem alten Trick gegriffen: Blickdicht. Schwarz. Verspiegelt. Die gute alte Sonnenbrille. Und weil der Frühling gerade erst begonnen hat und der Sommer noch vor der Türe steht, werde ich mir noch ein paar zulegen, in allen Farben des Regenbogens. Hauptsache blickdicht. Belinda Kazeem ist freie Autorin und lebt in Wien. Nadine Kappacher :: meerweh :: gibt es da www.salonnadine.at und dort http://meerweh.tumblr.com. April 2012 an.schläge l 11


Femen

Keine Angst vor der Bilderflut Seit 2008 kämpft die feministische Protestgruppe FEMEN aus der Ukraine gegen patriarchale und sexistische Unterdrückung in der post-sowjetischen Gesellschaft. Ihre Mittel: bloße Brüste und auf Körper und Schilder geschriebene Slogans. Paula Pfoser traf die Aktivistinnen Inna & Sasha Shevchenko, die Anfang März auf Einladung der Grünen in Wien waren.

© Martin Juen

an.schläge: „EURO 2012 ohne Prostitution“ lautet der Slogan beim Protest gegen die kommende Fussball-EM in Polen und in der Ukraine. Wie sieht die Situation rund um Sexarbeit derzeit aus? Was sind eure Forderungen? FEMEN: Wir sehen jetzt ziemlich erschreckende Zeichen davon, was in der Euro-Zeit auf uns zukommt: Die Sexindustrie in der Ukraine entwickelt sich rasant, es werden massenhaft Massage-Salons und Strip-Bars gegründet. Wenn man durch die Straßen geht, sieht man immer wieder Anzeigen, in denen „Tänzerinnen“ oder „Masseurinnen“ gesucht werden. Die UEFA hat im Zuge der Vorbereitungen zur Europameisterschaft die Forderung gestellt, die Prostitution zu legalisieren. Prostitution ist in der Ukraine zurzeit noch verboten, aber auch im Parlament will man schon die Legalisierung. Es ist unrealistisch, etwas gegen die Verschärfung der Situation während der EURO 2012 zu tun – wir können deswegen nur utopische Slogans in die Menge werfen, damit das Wellen schlägt. Warum nicht befürworten, dass Prosti­tution legalisiert wird? Die ­Illegalisierung unterstützt ja in der Regel versteckte Sexarbeit unter gefährlichen Arbeitsbedingungen. 12 l an.schläge April 2012

Ich widerspreche hier einem bei uns weit verbreiteten Sprichwort, „Man soll zwischen zwei Übeln das geringere wählen“, und würde stattdessen sagen, wir sollten nicht nach dem geringeren Übel suchen, sondern nach einem anderen Weg. Prostitution ist die schlimmste Form der Diskriminierung von Frauen. Wir sind überzeugt, dass der einzige richtige Ausweg im Kampf gegen die Prostitution der Kampf gegen die Kunden ist. Wir haben deswegen ein Gesetz zur Kriminalisierung der Kunden vorgeschlagen, was natürlich als Gesetz nicht verabschiedet werden wird … Denn wir wissen ja, wer hinter dem Geschäft mit der Prostitution steht – und dass diese Leute nicht gegen ihre eigenen Interessen handeln.

Aktionistische Auftritte, bloße Brüste – das Mittel, auf das FEMEN setzt, sind die Bild produzierenden Medien. Was sagt ihr zur Kritik, dass diese Bilder die Sexualisierung und Objektivierung von Frauen reproduzieren? Der Effekt, tatsächlich wie ein Sexual­ objekt auszusehen, wird von uns sehr bewusst erzeugt. Wir wollen, dass Frauen in einer patriarchal denkenden Gesellschaft endlich als Besitzerinnen ihrer Körper wahrgenommen werden.

Der Körper ist sozusagen meine eigene Ware, mit der ich machen kann, was ich will – das heißt auch, den Körper für die eigenen politischen Ziele einsetzen zu können. Unsere Bewegung hatte diesbezüglich sicher schon Erfolg: Als wir begonnen haben, wurden wir eher als Sexualobjekte besprochen, zum Beispiel mit Aussagen wie: „Die hat schönere Brüste.“ Jetzt aber bewegen sich die Diskussionen schon wieder davon weg, nämlich hin zur Frage, ob wir das Recht haben, „oben ohne“ zu protestieren. Wenn darüber diskutiert wird, haben wir unser Ziel schon erreicht. Und wenn jemand sagt, wir sehen wie Sexualobjekte aus, haben wir nichts dagegen – eine protestierende Frau soll auch sexuell sein.

Eine protestierende Frau soll sexuell sein, weil damit medial Aufmerksamkeit erregt werden kann? Ja, das ist „basic instinct“. (lacht) Indem wir uns vor der ganzen Welt entblößen, können wir auch der ganzen Welt etwas mitteilen. In der gängigen Wahrnehmung entblößt sich eine Frau nur vor einem Mann irgendwann abends. Wenn das aber am Tag in der Öffentlichkeit passiert, dann wirkt es auf ganz andere Weise. Mit uns gab es eine kleine


Revolution in den Medien: Frauenbrüste werden nicht nur in erotischen Programmen gezeigt, sondern jetzt auch in den Nachrichten, zur Prime Time – und nicht nur als Sexobjekte, sondern als Protestmittel.

Seid ihr mit eurer Darstellung in den Medien einverstanden? Eine Internet-Suche nach FEMEN ergibt Bilder, Bilder, Bilder und wenig andere Inhalte … Wir haben keine Angst vor dieser Bilderflut. Alles was wir mit unseren

gehen, da könnt ihr vieles ändern.“ Inzwischen sind wir auch selbst wirklich dafür, wir sehen aber, dass es heute in der Ukraine fast nicht möglich ist, eine mit ehrlichen Mitteln arbeitende Partei zu gründen. Deshalb ist uns die Idee der Internationalisierung viel näher. In mehreren Orten und Ländern sind spontan oder auf unsere Initiative hin Bewegungen entstanden, die uns ähnlich sind. Es gibt FEMEN in den USA, es gibt Schweizer Aktivistinnen, bulgarische, italienische, holländische … Nachfolgerinnen-Bewegungen von

„Wir sollten nicht nach dem geringeren Übel suchen, sondern nach einem anderen Weg.“ Aktionen sagen wollen, wird durch Körperhaltungen ausgedrückt, durch Plakate oder durch Slogans, die direkt auf uns geschrieben sind. Es sind sehr kurze Slogans, die aber gut passen für die heutige Welt, die eher Informationshappen gewohnt ist. Diese „Fast-FoodGesellschaft“ wird auf diese Weise unsere Nachrichten viel schneller und leichter verstehen.

Warum eigentlich die Strategie, Protestbilder zu inszenieren, statt viele zu mobilisieren? Wir gehen ganz bewusst den Weg der provokativen Bilder. Ich bin mir sicher, dass Sie hier nicht sitzen würden, wenn Sie nicht auf die Bilder reagiert hätten. (lacht) Die Ukraine ist außerdem ein post-sowjetisches Land, Frauen oder die Menschen insgesamt sind Massendemonstrationen nicht gewohnt. In der Sowjetunion fanden Demos nur am 1. Mai oder zum Jahrestag der Revolution statt. Deswegen sehen wir es als Aufgabe, erst einmal in die Gehirne der Menschen zu gelangen und zu zeigen, dass Protest möglich ist. In einem Interview vor einem Jahr war davon die Rede, eine Partei und eine internationale Bewegung zu gründen. Wie sieht diesbezüglich der Stand der Dinge aus? Der Gedanke, eine Partei zu gründen, wurde uns eher von JournalistInnen und SympathisantInnen aufgedrängt, die gesagt haben: „Ihr müsst in die Politik

FEMEN sind außerdem die Slut-Walks und die Gruppe Pussy Riot in Russland – wir können also von der Eroberung der ganzen Welt sprechen. (lacht)

Kürzlich las man von der brutalen Misshandlung dreier Aktivistinnen durch die weißrussische Polizei. Inwieweit seid ihr als Bewegung mit Repressionen konfrontiert? In letzter Zeit gab es zwei Fälle von Repression: Der eine war in Weißrussland, der andere betrifft die Aktion auf dem Balkon der indischen Botschaft in Kiew. Die Geschichte mit der indischen Botschaft war folgende: Das Außenministerium Indiens hat an die Botschaften in der ganzen Welt die interne Anweisung erteilt, dass man genauer auf die Besucherinnen aus den sogenannten Russ-Ländern achten soll, weil diese eine Neigung zur Prostitution hätten. Das wurde über die Medien und damit auch bei FEMEN bekannt. Wir haben dann sehr schnell reagiert, Aktivistinnen kletterten auf den Balkon der indischen Botschaft und standen dort mit Bannern mit dem Text: „Wir sind keine Prostituierten“ und „Die Ukraine ist kein Bordell.“ Die Aktion war Mitte Januar, Mitte Februar wurden dann zwei Frauen angeklagt, und zwar wegen „Störung der gesellschaftlichen Ruhe“ und der „Beleidigung des nationalen Heiligtums Indiens“, weil sie die indische Fahne in der Hand hatten. Jetzt sind wir sehr besorgt um die beiden, weil es so aussieht, als würde man

diese Gelegenheit nutzen, um sie zum Schweigen zu bringen. Wir können behaupten, dass die Rezeption unserer Aktivitäten ein Demokratie-Test ist – das Land, das dabei eindeutig durchgefallen ist, ist Weißrussland, wo drei Aktivistinnen von Geheimdienstmitarbeiterinnen verschleppt wurden. Sie wussten nicht, wo sie sind, ihnen wurden alle Dokumente weggenommen, sie wurden körperlich und psychisch schikaniert, es war sehr erniedrigend, mit Haare-Abschneiden und Vergewaltigungsdrohnungen. Es gibt immer wieder Repressionen gegen uns. Mit der Machtübernahme der jetzigen Regierung begannen auch Schikanen gegenüber der Frauenbewegung, nach jeder Aktion werden jetzt Teilnehmerinnen verhaftet.

War das unter der Regierung der vorherigen Präsidentin Juljia Timoschenko anders? Ja, es war anders. Wir wurden zwar bewacht, aber niemals verhaftet. Unsere Proteste sind absolut legal, wir verletzen keines der ukrainischen Gesetze. Es ist umgekehrt: Das, was seitens der Gesetzeshüter geschieht, ist gesetzwidrig.  l Paula Pfoser ist Sozialarbeiterin und u.a. als Redakteurin der Zeitung „MALMOE“ tätig.

April 2012 an.schläge l 13


an.riss international ßerdem soll ihnen verboten werden, in Büros mit Männern zusammenzuarbeiten. Im Januar dieses Jahres hatte das Informationsministerium in Kabul alle TV-Sender dazu aufgefordert, ihre Moderatorinnen dazu anzuhalten, Kopftücher zu tragen. Das Ratsmitglied Maulawi Chalikdad begründete die Forderungen damit, dass sich eine „islamische Gesellschaft eben von einer nicht-islamischen“ unterscheide. Wie radikal und frauenverachtend die Forderungen des Rates sind, zeigt auch ein von Präsident Hamid Karsai unterstütztes Edikt, welches das Schlagen von Frauen in allen mit der Scharia zu vereinbarenden Fällen billigt. Die „Revolutionary Association of the Women of Afghanistan“ sprach nach den jüngsten Vorkommnissen von einem „erheblichen Einschnitt ins Leben der Frauen“. Erste Proteste ließen nicht lange auf sich warten – so meldeten sich vor allem junge Afghan_innen via Facebook und Twitter zu Wort, um gegen die restriktive Geschlechterpolitik im Land zu demonstrieren.  leka

© Igor Mukhin

www.jungewelt.de, www.taz.de, www.rawa.org

russland Free Pussy Riot In Russland kam es anlässlich der Proteste bei der Wiederwahl von Ex-Geheimdienstchef Wladimir Putin zum Präsidenten zur Verhaftung von zwei Mitgliedern der feministischen Aktionsgruppe Pussy Riot. Die beiden Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren stürmten den Altar der Moskauer „Christi Erlöser“-Kathedrale und flehten dort Gott in einer Punk-Performance an, Russland endlich von Putin zu befreien. Neben dem Protest gegen das Regierungsoberhaupt ging es den Künstlerinnen auch darum, Kritik an der engen Verbindung von Kirche und Staat zu üben. In ihrem „Gebet“ wiesen sie darauf hin, dass Patriarch Kirill sich mehr aus Putin als aus Gott mache. Das orthodoxe Oberhaupt hatte sich zuvor hinter den Präsidenten gestellt und alle Gläubigen zur Unterstützung Putins aufgerufen. Dass sich Pussy Riot auch klar gegen Rassismus, Sexismus, Nationalismus und Homophobie ausspricht, macht das Künstler_innenkollektiv selbst in regierungskritischen Zirkeln nicht gerade beliebt. Derzeit befinden sich die Aktivistinnen bis voraussichtlich Ende April in Untersuchungshaft. Laut einem Bericht der Rosa Antifa Wien wurden die Angeklagten wie auch ihre Richter während der Verhöre massiv unter Druck gesetzt. Die Frauen befinden sich derzeit im Hungerstreik. Unterstützung bekommen die Aktivistinnen jedoch nicht nur aus linken Kreisen, auch Kirchentreue forderten eine Beendigung der Hetzjagd, nachdem die zwei angeklagten Frauen in Käfigen im Gerichtssaal vorgeführt wurden.  leka

14 l an.schläge April 2012

usa Neue Anti-Choice-Gesetze In den USA scheinen die Abtreibungsgegner_innen weiterhin die Oberhand bei der Gesetzgebung zu behalten. So trat nun auch im Bundesstaat Virginia ein Gesetz in Kraft, das jede Frau dazu zwingt, vor einer Abtreibung einen Ultraschall durchführen zu lassen. Virginia ist damit bereits der achte Bundesstaat, der ein solches Gesetz unterzeichnet. Ein Ultraschall stellt jedoch für die Durchführung einer Abtreibung keine medizinische Notwendigkeit dar, wie auch das American College of Obstetricians and Gynecologists betont. Besonders strikt sind die Vorschriften in Oklahoma und Texas: Dort sind Ärzt_innen dazu verpflichtet, das Ultraschallgerät so zu platzieren, dass die Frau während der gesamten Untersuchung auf den Bildschirm blicken muss. Große Empörung rufen die „ultrasound laws“ auch deshalb hervor, weil in frühen Stadien einer Schwangerschaft nur ein vaginaler Ultraschall möglich ist. Pro-Choice Aktivist_innen sprechen daher auch von einer „staatlich verordneten Vergewaltigung“. Nahezu zeitgleich trat in Arizona ein Gesetz in Kraft, das es Ärzt_innen ermöglicht, Geburtsdefekte zu verschweigen, wenn dadurch ein Schwangerschaftsabbruch verhindert werden kann. Cecile Richards, Direktorin von Planned Parenthood, urteilt in einer Pressemitteilung, dass es bei den neuen Gesetzen einzig darum ginge, „Frauen bloßzustellen“ und ihnen die „freie Entscheidung über ihren Körper zu entreißen“.  leka

http://raw.at

www.plannedparenthood.org, http://feministing.com

afghanistan Einschränkung von Frauenrechten

ägypten Freispruch nach Jungferntests

In Afghanistan hat der mächtige Ulema-Religionsrat die Regierung aufgefordert, Frauenrechte erheblich einzuschränken. Frauen soll es demnach untersagt werden, ohne männliche Verwandte öffentliche Transportmittel zu benutzen. Au-

In Ägypten wurde nun jener Militärarzt freigesprochen, der nach Angaben der Zeugin Samira Ibrahim vor etwa einem Jahr nach Verhaftungen am Tahrir-Platz sogenannte Jungferntests an Demonstrantinnen durchgeführt haben soll. Ein


an.riss international Militärgericht befand Ahmed Adel aufgrund mangelnder Beweise für nicht schuldig. Die Menschenrechtsorganisation Egyptian Initiative for Personal Rights (EIPR), die Ibrahim vertritt, zweifelt die Unbefangenheit des Militärgerichts an. Ibrahim hatte dem Arzt vorgeworfen, an ihr sowie an 18 anderen Frauen Tests durchgeführt zu haben, mit denen ihre Jungfräulichkeit geprüft werden sollte. Dabei wurden die Frauen von Soldaten festgenommen und gezwungen, sich zu entkleiden, nackt fotografiert und von Adel selbst manuell vaginal untersucht. Das Militär erklärte die Übergriffe damit, dass die Erhebung der Jungfräulichkeit vor einer Verhaftung notwendig sei, da Soldaten sonst später der Vergewaltigung beschuldigt werden könnten. Nach einer Umfrage der Frauenorganisation Egyptian Center for Women’s Rights werden 83 Prozent aller Ägypterinnen mindestens einmal in ihrem Leben Opfer sexueller Übergriffe. „Es geht den Tätern vor allem darum, Frauen einzuschüchtern und sie aus der Öffentlichkeit zu verdrängen“, so Magda al-Adly vom Kairoer Nadeem-Zentrum, das Opfer von Gewalt unterstützt. Auch unter der neuen Regierung sind Frauen massiven Übergriffen ausgesetzt. So sorgte Ende des letzten Jahres ein Youtube-Video für Aufsehen, das die brutale Misshandlung einer Frau durch Soldaten während einer Demonstration zeigte. Auch die ersten freien Wahlen brachten in Ägypten nicht den gewünschten Umbruch. Nur zwölf der 498 Abgeordneten sind weiblich. Dies entspricht einem Frauenanteil von nur zwei Prozent, selbst zu Mubaraks Zeiten befanden sich mehr Frauen im Parlament.  leka

fußball Fifa erlaubt Kopftücher Anfang März 2012 hat die FIFA das Kopftuchverbot für Fußballerinnen aufgehoben. Der einstimmige Beschluss revidierte einen Entscheid von 2007, der es den Spielerinnen nicht gestattete, auf dem Feld ein Kopftuch zu tragen. Die offizielle Begründung damals war, dass die Sicherheit der Frauen nicht riskiert werden solle. Dies führte im Vorjahr dazu, dass etwa das iranische Frauenteam disqualifiziert wurde, da es auf das Tragen der Kopfbedeckung bestand. Der neue Beschluss ist auch die Folge einer Intervention des UN-Sonderbeauftragten für Sport, Willi Lemke, der Kopftücher mit Klettverschluss als sicheren Kompromiss vorschlug. Zudem sollten gerade muslimische Frauen, die im professionellen Sport ohnehin kaum vertreten seien, nicht auch noch mit dieser Zugangsbarriere zu kämpfen haben. Auch Rimla Akhtar, Aktivistin und Vorsitzende der Muslim Women’s Sports Foundation betont, dass sie kein Hindernis für Frauen sehe, derart Fußball zu spielen. Diese Diskussion gibt es bei anderen Sportarten übrigens nicht: Im Rugby und Taekwondo ist das Tragen von Kopftüchern schon immer erlaubt gewesen.  jumac www.obv.org.uk

www.ecwronline.org/english

medienmix Frauenbewegung Eine freundliche 50er-Jahre-Frau lächelt von der neuen Ausgabe der Interface – ausgestattet mit einer Handgranate. Die internationale Publikation der irischen Maynooth-Uni ist wissenschaftlich, aber nicht unparteiisch: Die Zeitschrift für und über soziale Bewegungen hat sich globale Solidarität auf die Fahnen geschrieben und bietet Analysen von Strategien feministischer Praxis. Alle Aufsätze können auf www.interfacejournal.net als PDF heruntergeladen werden.  fis

Frauenpolitik Um Strategien institutionalisierter Frauenpolitik geht es auf www.johanna-dohnal.at. Auf der Website zeichnen die SPÖ-Frauen das Leben und Wirken der ersten Frauenministerin nach: Dohnals Politik wird im zeitgeschichtlichen Kontext anhand zahlreicher multimedialer Zeugnisse auf anschauliche Weise erfahrbar. Wer das Dohnal-Archiv in Wien nicht persönlich besuchen kann, wird auf www.ofra.at fündig und kann in Dokumenten, Bildern und Plakaten aus der Geschichte österreichischer Frauenpolitik stöbern.  fis

Frauenfreundschaft Mit dem Uni-Abschluss, aber ohne Plan und ohne Job in der Tasche mitten in der Rezession im teuren New York klarkommen: Wenig Glamour, aber viel Humor verspricht eine neue HBO-Serie mit dem schlichten Titel Girls. Regisseurin, Autorin und Schauspielerin Lena Dunham steht im Mittelpunkt einer Clique von vier Normalo-Freundinnen. Die Trailer – voll mit peinlichen Alltagssituationen, Großstadt- und Beziehungschaos – machen Lust auf mehr.  fis April 2012 an.schläge l 15


Who’s your man? In regelmäßigen Abständen wird die Debatte um den „neuen Mann“ geführt – egal ob dabei vom „Schmerzensmann“, dem Softie oder dem Metrosexuellen die Rede ist. Dabei stellen sich altbekannte Fragen: Ist das nur Etikettenschwindel oder hat sich am aktuellen Entwurf von Männlichkeit tatsächlich etwas geändert? Wie definiert sich eigentlich Männlichkeit? Welche unterschiedlichen Männlichkeiten gibt es? Und nicht zuletzt: Was zeichnet einen emanzipierten Mann aus?

albert „al“ Borland, Hör mal, wer da hämmert. Assistent des selbst ernannten Heimwerker-Kings Tim Taylor in dessen TV-Show „Tool Time“, leidenschaftlicher Flanellhemden-Träger und bester Freund der eigenen Mutter. Eine Bombenfigur von Teddybär und treue Seele, mit dem ausgeprägten Bedürfnis, der Umwelt seine Gefühle zu offenbaren. Lieblingssatz an seinen Macho-Chef: „Das glaube ich nicht, Tim.“

millhouse van Houten, the Simpsons. Blauhaariger Junge mit dicker Brille und einer unerwiderten Leidenschaft für Lisa Simpson. Gehört weder zu den Strebern noch zu den Coolen und wird deshalb von allen gleichermaßen schikaniert. Kann kochen, Italienisch und über seine Gefühle sprechen.

Dale cooper, twin peaks. Sleeker, softer FBI-Agent mit einer Schwäche für Kirschkuchen und guten, heißen Kaffee („Nothing like a great cup of black coffee“). Gibt Wohlfühlund Wellness-Tipps („Every day, once a day, give yourself a present“), ist einfühlsam, macht Yoga und kann gut zuhören. Daumen hoch!

illustrationen: Lina Walde http://linawalde.tumblr.com & http://evaundeva.blogspot.com

16 l an.schläge April 2012


thema: männlichkeiten

„Wer hat diese Waschlappen erzogen?“ Die Selbstbilder von Männern haben sich in den letzten Jahrzehnten nicht wesentlich verändert, meint der Soziologe Rolf Pohl. Ein Interview von Brigitte Theißl an.schläge: Deutschland spricht über die „Schmerzensmänner“ – haben Sie den Artikel in „Die Zeit“ gelesen? Rolf Pohl: Nein, der ist mir wohl entgangen. Es ist ein Text über junge Männer, deren sensible und rücksichtsvolle Verhaltensweisen angeblich groteske Züge angenommen haben. Auch die Waschlappen-Metapher wird bemüht. Ja, das wiederholt sich ständig, dass eine neue Generation oder ein Typus Mann kreiert wird, der ebenso schnell wieder verschwindet wie er aufgetaucht ist. Denken wir nur an den „Metro­ sexuellen“. Das weist natürlich auf eine tiefe Verunsicherung hin, was Männlichkeitskonstrukte betrifft. Es wird befürchtet, es könne sich ein Männlichkeitsmodell durchsetzen, das in irgendeiner Form gegen die Interessen von Männern bzw. Männlichkeit gerichtet ist. Hinter solchen Trends steckt eine rückwärtsgerichtete Perspektive, die ich „Remaskulinisierung“ nenne. Wenn von den Waschlappen die Rede ist, taucht auch häufig die Frage auf: Wer hat diese Waschlappen erzogen? Und viele Erklärungsansätze landen schnell bei den Müttern und den abwesenden Vätern – das ist eine uralte Diskussion, die wieder einmal auf der Bildfläche erscheint.

Im „Die Zeit“-Artikel, der von einer Frau verfasst wurde, schwingt auch mit, dass Frauen damit ein Problem haben und sich im Grunde einen Mann wünschen, der ein Macher ist. Das ist, glaube ich, der Versuch, diese Unzufriedenheit anzusprechen und damit wieder so ein klassisches Rollenmodell herbeizubeschwören, als etwas, das heute fehlt. Diese allgemeine Verunsicherung von Männern und Männlichkeitsbildern ist da natürlich ein tolles Alibi. Noch dazu, wenn eine Frau es übernimmt, das einzuklagen. Sie spricht angeblich aus der Perspektive der Frauen und sagt, Frauen wollen diese starken Männer, an die man sich anlehnen kann, die ihre Gefühle zeigen, aber sich nicht darin verstricken. Das Ganze ist aber ein genuin männlicher Diskurs, kein Frauen-Diskurs.

einem neuen Bild entwickelt, das mit dem Zulassen von Emotionen, Sensibilität und Beziehungsfähigkeit vereinbar war. Allerdings glaube ich, dass sich unterschwellig nicht wahnsinnig viel geändert hat. Immer wenn es zu gesellschaftlichen Krisen kommt, in denen etablierte und hegemoniale Modelle einer Erosion unterliegen, passiert diese Rückschau und Idealisierung von traditionellen, krisenfesten Formen von Männlichkeit. Diese Wellenbewegung hat es in den vergangenen dreißig Jahren immer wieder gegeben. Die Erscheinungsform hat sich gewandelt, auch in Hinblick auf die Beziehung zu Kindern, aber ich glaube, dass sich die grundsätzlichen männlichen Selbstbilder, diese Konstruktion der hegemonialen Männlichkeit, nicht wesentlich geändert haben.

Wenn Sie daran zurückdenken, als Sie Ende zwanzig waren: Was hat sich aus Ihrer Sicht seither verändert am hegemonialen Männlichkeitsbild? Ende der 70er Jahre war ich Ende zwanzig. Da gab es natürlich eine Umbruchssituation, die mit der 68er Bewegung zu tun hatte, und da hat sich als Ideal schon ein etwas anderes Männlichkeitsmodell als in den 1950er und -60er Jahren durchgesetzt. Diese Nachkriegsmännlichkeit hat sich hin zu

Antifeministische Positionen bekommen in den deutschsprachigen Medien derzeit verhältnismäßig viel Raum. Was steckt hinter solchen medialen Strategien? Ja, dieses Phänomen sehen wir in Deutschland auch, allen voran bei der „Berliner Wochenzeitung“, „Der Spiegel“ und „Die Zeit“. Auch von einer Redakteurin der „taz“ habe ich gehört, dass es immer schwieriger wird, feministische Themen unterzubringen. Die April 2012 an.schläge l 17


thema: männlichkeiten Gruppen der Männer- und Väterrechtler sind zwar sehr klein, aber ich glaube, sie bekommen deshalb eine Plattform, weil es eine große Aufnahmebereitschaft für ihre Positionen in den männlich dominierten Redaktionen gibt. Die Journalisten favorisieren insgeheim diese Thesen über die Verunsicherung und schreiben zum Teil auch selbst so – Franz Schirrmacher, der Herausgeber der „FAZ“, vertritt etwa diese

auch Holocaust- und Nazi-Analogien, um die angebliche Dramatik ihrer Lage auszudrücken und zu zeigen, dass es ihnen schlechter geht als den Frauen. Interessant ist aber eben, dass sie keine eigene Sprache haben, sie kommen eigentlich vom Feminismus nie wirklich los. Und damit verstricken sie sich in etwas, was ich „Männlichkeitsdilemma“ nenne. Sie müssen so tun, als ob sie immer an uns Männer

„Immer wenn es zu gesellschaftlichen Krisen kommt, passiert diese Idealisierung von traditionellen Formen von Männlichkeit.“ Positionen selbst ganz massiv. Sobald irgendeine obskure Studie auftaucht, die die Thesen der Männerrechtler erhärten könnte, gibt es sofort eine Titelgeschichte in „Der Spiegel“. Offensichtlich ist eine große Unzufriedenheit mit dem Feminismus da. Als sozialpolitische Bewegung existiert er nicht mehr mit dieser Kraft und Intensität, und dadurch entsteht gesellschaftlich eine Art Vakuum – und dieses Vakuum wird mit solchen Positionen aufgefüllt. Plötzlich kommen diese Typen wieder aus ihren Löchern, und sie haben das Gefühl, dass sie endlich dieses Unbehagen, das sie ja jahrelang aufgrund der Political Correctness nicht äußern durften, nun wieder artikulieren können.

Der Autor Walter Hollstein spricht von „anonymen Besamern“, in den Texten und Foren der Männerrechtler finden sich noch weit drastischere Begriffe, die in keiner Relation zu den realen Verhältnissen stehen. Da ist vom „Männer-Abschlachten“ und „Väter-Abtreiben“ die Rede … Ja, das stimmt, und es gibt da noch schlimmere Begriffe, „Femifaschismus“ etwa oder „Feminazis“. Bei einem meiner Vorträge hat mich einmal ein Väterrechtler beiseitegenommen und mir verschwörerisch ins Ohr geflüstert: „Herr Pohl, Sie wissen schon, dass heute mehr Väter abgetrieben werden als Föten.“ Das ist sehr interessant, diese entliehene Sprache aus dem Feminismus, die diese Männer benutzen. Sie übernehmen Begriffe und benutzen 18 l an.schläge April 2012

denken, schaffen es aber nicht, sich von ihrer Verstrickung mit dem Feminismus zu lösen. Trotz allem sind sie nicht ungefährlich, weil es eine Anfälligkeit gibt für solche Parolen. Und wenn eine „Befreiungsbewegung“ über solche tief sitzenden Feindbildkonstruktionen läuft, dann reproduziert sie eigentlich auch die Gewalttätigkeit dieser Verhältnisse, die es immer schon gegeben hat. Jetzt werden die Frauen verantwortlich gemacht, diese Täter-Opfer-Umkehr steckt in ihrer Logik. Mit diesen Feindbildern und einfachen Lösungswegen gibt es auch viele Berührungen zu den Rechtsradikalen, einige Männerrechtler schreiben etwa für Neonazi-Organe. Allerdings gibt es da auch eine Grenze, denn den rechten Männer ist diese Opferhaltung ein Dorn im Auge, sie wollen Männer ja als starke Helden sehen.

Sie setzen sich nicht nur mit Antifeminismus, sondern auch mit Rassismus und Rechtsextremismus auseinander: Steckt hinter Xenophobie und Misogynie dasselbe Muster? Von den psychologischen Mechanismen her ist es eine ähnliche Logik, eine Abwehrstruktur. Also da wird etwas, das befürchtet wird, an sich selbst abgewehrt, abgespalten und auf eine konstruierte Fremdgruppe projiziert. Dieses Fremde wird dann als Repräsentant des Fremden schlechthin gesehen und als reale Bedrohung erlebt. Damit kann es dann auch verfolgt werden, notfalls sogar durch Vernichtung, Zerstörung oder Gewalt. Diese Gefahr von außen ist in Wirklichkeit eine Gefahr, die von innen

kommt und veräußerlicht wurde. Man muss aber trotzdem einen Unterschied machen zwischen Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus. Antisemitismus hat eine ältere und eine andere Tradition, es geht dabei vielmehr um die Repräsentation eines völlig Abstrakten, etwas, das den absoluten Feind darstellt, auf den man alles projizieren kann. Beim aktuellen Antiislamismus ist es ja auch eher eine Sozialabwehr, Sozialängste, die in Hass transformiert und projiziert werden. und dann erscheint das als Bedrohungsszenario, dem man sich zur Wehr setzen muss. Hier gibt es natürlich wieder eine große Ähnlichkeit zum Antifeminismus.

Gibt es denn im deutschsprachigen Raum aktuell auch eine progressive Männerbewegung? Es gibt sicher Gruppen bzw. Kampagnen wie White Ribbon, die sehr klein sind, aber die ich sehr wichtig und unterstützenswert finde. Bei ihnen geht es eben nicht um diesen Rückblick und das Heraufbeschwören eines traditionellen Männlichkeitsideals. Bei vielen Männergruppen wird aber der Umgang mit dem Feminismus überhaupt nicht mehr diskutiert, es wird so getan, als könnte man eine eigenständige MännerEmanzipationsbewegung kreieren, die sich mit dem Geschlechterverhältnis bzw. Herrschaftsverhältnis nicht auseinandersetzen muss. Solche Ansätze sind äußerst problematisch und gehen komplett in die falsche Richtung.  l

Rolf Pohl ist Sozialpsychologe und Soziologe, lehrt an der Universität Hannover und forscht unter anderem zu Männlichkeiten und Geschlechterverhältnissen. 2004 erschien sein Buch „Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen“ im Offizin-Verlag. Brigitte Theißl ist Medienwissenschafterin, Autorin und Öffentlichkeitsarbeiterin. Sie arbeitet beim Verein „Genderraum“ und bloggt unter www.denkwerkstattblog.net.


thema: männlichkeiten

What it takes to be a man Alternative Männlichkeitsentwürfe im Pop: Chris Köver stellt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – einige (überraschende) Beispiele vor. Bruce Springsteen

Well you can go out with him Play with all of his toys But takin’ care of you darlin’ Ain’t for one of the boys Oh there’s somethin’ in your soul That he’s gonna rob And lovin’ you baby lovin’ you darlin’ Lovin’ you woman is a man’s man’s job – Bruce Spingsteen: Man’s Job Was der gebeutelte US-amerikanische Stahl- und Auto-Arbeiter im Werk tut, macht Bruce Springsteen an der Gitarre: arbeiten. Entsprechend gehört auch eine zerbeulte Jeans und ein zerknittertes Karo-Hemd oder T-Shirt zur Grundausstattung. Kann man klischiert finden oder ihm auf der Haben-Seite als Beständigkeit anrechnen – die ja einigen als Grundtugend „wahrer Männlichkeit“ gilt. Fakt ist: Von „Born in the USA“ (1985) bis zum aktuellen Album „Wrecking Ball“ (2012) hat sich an seinem Style und seinen Themen bemerkenswert wenig geändert.

Jarvis Cocker

Laid here with the advertising sliding past my eyes Like cartoons from other peoples lives I start to wonder what it takes to be a man Well, I learned to drink and I learned to smoke and I learned to tell a dirty joke If that’s all there is then there‘s no point for me So please can I ask just why we’re alive? ’Cos all that you do seems such a waste of time And if you hang around too long you’ll be a man. Tell me ’bout it. Your car can get up to a hundred and ten –

You’ve nowhere to go but you’ll go there again And nothing ever makes no difference to a man – Pulp: I’m a Man

Justin Vernon aka Bon Iver

Now all your love is wasted? Then who the hell was I? Now I’m breaking at the britches And at the end of all your lines Who will love you? Irgendwo zwischen Dandy und Nerd Who will fight? war Jarvis Cocker in den 1980er und Who will fall far behind? 1990er Jahren so etwas wie der Prototyp des Metrosexuellen: Ein Hetero-Typ, – Bon Iver: Skinny Love der so cool, gut aussehend, stylish und kultiviert ist, dass viele ihn für schwul Für sein Debütalbum „For Emma, halten. Was ihm aber egal ist, weil er Forever Ago“ (2008) schloss sich Justin sich seiner Männlichkeit so sicher ist, Vernon monatelang in eine Hütte in dass ihn das nicht weiter juckt. Nichts den Wäldern von Wisconsin ein, um die bringt diese zweifelnd-ablehnende Trennung von seiner Freundin und seiner Haltung gegenüber dominanten Formen Band zu verarbeiten. Das Ergebnis ist von Männlichkeit so treffend auf den ein gequältes, zerbrechliches Album, Punkt, wie die Zeilen, die Cocker in auf dem Vernon mit gespenstisch „I’m a Man“ singt. Männlichkeit, das ist anmutender Falsettstimme seine ganze halt, was passiert, wenn man zu lange glorreiche Verletztheit ausstellt. Das dabei bleibt. schien damals bei ziemlich vielen jungen Männern (und Frauen) anzukommen – das Album wurde ein Welterfolg. Vernon sitzt trotzdem lieber weiter in James Blake seiner Heimatstadt Eau Claire, Wisconsin, und spielt Gitarre. I don’t know about my dreams I don’t know about my dreamin’ anymore All that I know is Kanye West I’m falling, falling, falling, falling Might as well fall in Gossip gossip nigga just stopp it Everybody knows I’m a – James Blake: The Wilhelms Scream motherfuckin’ monster I’mma need to see your fuckin’ Soul wird neuerdings auch gerne von hands at the concert schlaksigen weißen Briten gesungen. I’mma need to see your fuckin’ Wie zum Beispiel von James Blake, der hands at the concert auf seinem gleichnamigen Debütalbum Samples seiner zerstückelten, spukigen – Kanye West: Monster Stimme und sanfte Pianoklänge über Dubstep-beeinfllusste Beats legt und Auch wenn musikalisch und produktionsdamit vergangenes Jahr KritikerInnen technisch ein bis vier Welten dazwiwie Publikum in sein Team zog. Nicht schen liegen: Die HipHop-Entsprechung nur, weil er unter anderem auch Joni zu Bon Iver ist derzeit wohl Kanye Mitchell und Feist covert, kann man das West. Nach der Trennung von seiner als die erfolgreiche Dekonstruktion des langjährigen Verlobten und dem Tod bis dato ziemlich männlich geprägten seiner Mutter veröffentlichte er 2008 Genres Dubstep sehen. Über sich selbst ein stark introspektives Album, das sagt Blake: „I’m not an outwardly overly musikalisch sehr zu Pop und Auto-Tune masculine sort of personality.“ Kommt tendiert und lyrisch um die Themen wohl drauf an, was man maskulin findet. Bedauern, Schmerz und SelbstbefraApril 2012 an.schläge l 19


thema: männlichkeiten gung kreist. Das Motiv setzt sich auch auf seinem letzten Album „My Beautyful Dark Twisted Fantasy“ (2010) fort („Everybody knows I’m a motherfuckin’ monster“). Offensichtlich gefällt sich da jemand in der Rolle. Trotzdem: So viel Selbstzweifel und ausgestellte Verletzlichkeit von einem als arrogant geltenden HipHop-Weltstar war noch nie. Da ist es nur konsequent, dass West Bon Iver als Gaststar auf sein Album holte und die beiden mittlerweile auch gemeinsam Auftritte absolvieren.

The Strokes / The Libertines / The Hives / Mando Diao

Juggling chainsaws with just one hand Falling down the stairs with a marching band Swim across the ocean in a concrete suit

Keith Charles, Six Feet Under – Gestorben wird immer. Häuslicher Langzeit-Partner von David Fisher und schwuler Traummann. Nachdem er seinen Job als Polizist und Sicherheitsmann verliert, ist er bereit, an sich und seinen unbewältigten Aggressionen zu arbeiten. Keith ist out & proud – und ermutigt David, dies auch zu sein. Schlussendlich adoptieren die beiden ein Brüderpaar und gründen eine Familie.

Trying to grow a beard but still look cute Whoo Hoo! On and on the world spins round It is enough to Get you down But I don’t worry cause sometimes you just Have to … Whoo Hoo! Yeah! – The Hives: Well All Right The Strokes: Fünf Jungs aus New York gründen eine Rock’n’Roll-Band, veröffentlichen viele dreckige, laute Songs, auf denen sie über prägnanten Gitarrenriffs oft „Yeah“ schreien, und werden damit auf der ganzen Welt sehr erfolgreich. Mando Diao: Fünf Jungs aus einem Kaff in Schweden gründen eine Rock’n’Roll-Band, veröffentlichen viele laute, dreckige Songs, auf denen sie über prägnanten Gitarrenriffs oft „Yeah“ schreien, und werden damit auf der ganzen Welt sehr erfolgreich. The Libertines: Vier Jungs aus London gründen eine Rock’n’Roll-Band … Klingt langweilig? Hmmm. Als hätten sie das Problem auch selbst erkannt, haben The Hives (fünf Jungs aus einem anderen schwedischen Kaff) es zu ihrem Markenzeichen gemacht, ausschließlich in maßgeschneiderten schwarz-weißen Anzügen aufzutreten – und brechen damit die Rockerpose zumindest optisch, indem sie aussehen wir eine A Capella Band. Außerdem haben sie sich ein fiktives sechstes Bandmitglied dazugedichtet. Das gibt Extrapunkte für Kreativität.

Noah Lennox aka Panda Bear

So they say practice makes you perfect So they say you can‘t teach an old dog So they say have an apple a day So they say better safe than sorry Everyone knows what they always say And when I slow it down It‘s clear just how It‘s what they don‘t say That‘s what counts – Panda Bear: Slow Motion Der Mann als Tier, aber nicht im animalischen Ur-, sondern im schrägen Donna-Haraway-Interspecies-Sinne: Noah Lennox, Gründungsmitglied der

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experimentellen US-Avantgarde-Band Animal Collective und seit einigen Jahren auch als Solokünstler auf allen möglichen Listen geliebt und abgefeiert, nennt sich nach seinem Lieblings­tier Panda Bear und trägt bei Auftritten zeitweise gerne eine Tiermaske. Musikalisch wird das passend untermalt von den entspannten, driftenden, schillernden Klanglandschaften seiner Soloplatten, auf denen die Stücke „Slow Motion“, „Drone“ oder „Surfer’s Hymn“ heißen.

Patrick Wolf

And we are private worlds away from Public Eyes I say I love you more than my life Truth completely You come near, I see my future clear And the threshhold appears And I’m carrying you over, carrying you over Into the best days of the rest of our lives – Patrick Wolf: The Future Der Mann als Tier II: Diesmal als Wolf – in den sich der britische Elektro-FolkBarde auf seinem Debüt „Lycantrophy“ (2004) lyrisch verwandelte – oder als schillernder Raubvogel, als der er sich auf der Bühne gerne inszeniert, mit Federn, goldenen Jacken und Makeup. Dass er als schwuler Künstler dafür in der Presse gerne als „camp“ und „flamboyant“ etikettiert wird, obwohl seine Musik eher düster ist, nervt Wolf mächtig. Wollte er doch für sein jüngstes Album „Lupercalia“ (2011) gerade ein männlicheres Image schaffen, das seine Entwicklung vom Jungen zum Mann auch optisch unterstreichen sollte, sagte er der britischen „Gay Times“. Wenigstens für Wolf schließen sich Männlichkeit, Federn und Make-up offenbar schon mal nicht aus. Nur der Rest der Welt hat es seit David Bowie in den 1970ern immer noch nicht geschafft, aufzuschließen.  l Chris Köver ist Chefredakteurin des „Missy Magazine“ und freie Autorin. Sie lebt in Hamburg und Berlin.


thema: männlichkeiten

Emanzipation von der Männlichkeit Der Verein Poika betreibt in und außerhalb von Schulen gendersensible Bubenarbeit. Vina yun sprach mit den „Poikaistas“ philipp Leeb und emanuel Danesch über die Herausforderung, sich von patriarchalen Männlichkeitsbildern zu lösen.

an.schläge: im deutschsprachigen FeuilVon welcher männlichkeit ist hier leton ist vor kurzem eine Debatte eigentlich die rede? über die neuen „SchmerzensmänLeeb: Es gibt nicht nur eine Männlichner“ aufgeflammt. Dabei wird immer keit, sondern eine Vielzahl … wieder darüber geklagt, dass männer Danesch: Von Männlichkeiten, die heutzutage in der Krise seien. Findet nicht mehr in tradierten Rollenbildern denn aus eurer Sicht tatsächlich eine Anerkennung finden können. Von emanerosion von männlichkeit statt? zipatorischen Männlichkeiten, die nicht mehr mit obsolet werdenden Attributen philipp Leeb: Ich finde es interessant, punkten wollen. Von Männlichkeidass Männer immer dann eine Krise ten, die sich von „der Männlichkeit“ haben sollen, wenn das Patriarchat in emanzipieren. Emanzipation ist, wie Gefahr ist. Wovor sollen wir Männer wir wissen, ein Prozess, der nicht von Angst haben? Jegliche Abkehr von heute auf morgen passiert. Ich finde es patriarchalen Strukturen kann nur ein sehr spannend, die Diskussion um die Gewinn sein. Nicht nur Frauen profitie„Schmerzensmänner“ zu verfolgen, weil ren davon, sondern auch all jene Mänsich daran sehr schön ablesen lässt, wo ner, die in der Hegemonie keinen Platz die Probleme eines Veränderungsprohaben. Und genauso alle Kinder, um zesses in Richtung eines emanzipierten etwas freier von Geschlechternormen Zusammenlebens liegen. entspannt aufwachsen zu können. emanuel Danesch: Das Problem, das ich bei dieser Debatte sehe, ist, dass sie Der Verein poika steht für emanwieder nur von zwei Männlichkeitstypen zipatorische Bubenarbeit. Was ist ausgeht: vom Macho und vom sogedarunter zu verstehen, auf welchen nannten Softie. Der Artikel von Nina prinzipien beruht diese? Pauer in der Wochenzeitung „Die Zeit“, Leeb: Poika steht für gendersensible den du ansprichst, ist ein nicht besonBubenarbeit, die durchaus emanzipatoders reflektierter, aber unterhaltsamer rischen Charakter haben kann. „HalVersuch, dem Problem der „alternatungen“ finde ich ein weniger strenges tiven Männlichkeiten“ auf den Grund Wort als „Prinzipien“. Unsere Haltung zu gehen. Ich persönlich kann dieser in den Workshops mit Jungs ist eine Panik und der Rede von einer Krise der offene und respektierende. In GespräMännlichkeit wenig abgewinnen außer, chen erkunden wir ihre Lebenswirkdass ein Diskurs gehalten wird, der aber lichkeit: Was erleben sie als Burschen an sich schon problematisch ist, weil in der Gruppe? Wie ist ihr Kontakt mit damit die Gefahr einer RemaskulinisieMädchen? Welche Sanktionen begegrung, also ein Rückgriff auf traditionelle nen ihnen in ihrem Alltag? Wo fühlen Männlichkeitsmodelle, einhergeht. sie sich unfair behandelt? Als junger Eine Erosion der Männlichkeit kann Bursch wäre ich froh gewesen, wenn ich so gesehen nur begrüßen, weil damit ich die Gelegenheit bekommen hätte, auch Platz für alternative Männlichdass mir ein Mann zuhört und sich auch keitskonstruktionen gemacht wird. Ich ehrlich für mich interessiert. verstehe zwar die Angst vieler Männer, Danesch: Emanzipatorisch bedeutet, wenn sie zusehen müssen, wie ein Teil Möglichkeiten anzubieten, um Proihrer patriarchalen Identität flöten geht, zesse der Loslösung von verkrampften aber die Formen des Zusammenlebens Rollenbildern und ihren Ausdrucks- und verändern sich nun einmal. Denkarten zu unterstützen. Raewyn

David Healy, roseanne. Der schüchterne Softie von nebenan, im SlackerLook und mit langen Haaren, steht auf Kunst und Comics. Kriegt den Job als: Boyfriend von Roseannes Tochter Darlene. Er ermuntert sie, sich auf der Kunsthochschule zu bewerben, wird aber selbst nicht angenommen. Das Happy End nach zwischenzeitlicher Trennung: Darlene macht David einen Heiratsantrag.

Connells Modell der „hegemonialen Männlichkeit“ beschreibt sehr gut, warum es so schwer ist, sich als Mann von alten Rollenbildern zu lösen. Es ist im Prinzip und vereinfacht gesagt wie bei der Mafia: Es gibt eine Übereinkunft, welche Art der Männlichkeit das Sagen hat, und diese hat ihre Unterstützer und Mitläufer. Wer sich nicht dem Diktat einer heteronormativen Chefmännlichkeit fügt, wird – und das ist systemimmanent – sofort bewusst oder unbewusst von seinen männlichen und weiblichen Kolleg_innen sanktioniert. Es handelt sich also um ein sich selbst erhaltendes System, das schwer zu durchbrechen ist. Die Tätigkeiten unseres Vereins umfassen die Bereiche Gewalt(-prävention), Sexualität, Berufsorientierung, Vaterschaft und Medien. In diesen Bereichen arbeiten wir an Schulen, in Jugendzentren, in der Erwachsenenbildung und auch in Frauenhäusern daran, erfahrbar zu machen, dass es nicht mit Angst verbunden sein muss, neue Sichtweisen auf ein Mannsein zu entwickeln und neue Wege zu gehen.

Wie wird euer angebot angenommen? Leeb: Den meisten Jungs machen die Workshops Spaß, und viele wünschen sich ein Follow Up. Natürlich gibt‘s April 2012 an.schläge l 21


thema: männlichkeiten auch manchmal Bröseln, wenn die Gruppe überhaupt keine Mitte hat und ständig geflucht und gerempelt wird. Da können wir nichts ausrichten, das ist ein Problem der Gruppenbildung innerhalb von Schulen. Im Großen und Ganzen aber sind die Jungs ganz lieb und kämpfen halt mit den Rollenerwartungen von innen und außen. Das ist nicht leicht. Mädchen geht es da überhaupt nicht anders. Danesch: Unsere Arbeit wird, abgesehen von einigen Angsthasen des rechten

gern und schnell Zuschreibungen am Geschlecht festmachen. Bis auf wenige Ausnahmen in der Erziehungsliteratur besteht der Eintopf Buben aus Fußball spielenden, raufenden, machtorientierten und triebgesteuerten Kreaturen. Ich sehe diese Buben auch, aber gar nicht so häufig, wie das Werbungen und Gazetten ständig suggerieren. In unseren Workshops gibt es natürlich übergriffige Jungs, aber auch intellektuelle, verschlossene, fröhliche, interessierte und reflektierte Burschen.

„Es ist wie bei der Mafia: Es gibt eine Übereinkunft, welche Art der Männlichkeit das Sagen hat, und diese hat ihre Unterstützer und Mitläufer.“ Emanuel Danesch Randes, durchwegs positiv angenommen. Es bedarf einer eingehenden Auseinandersetzung und auch einer Offenheit, um Neues in sich zu entdecken, aber wir machen oft sehr gute Erfahrungen.

Die Rede vom „neuen Mann“ wird derzeit vor allem als Opferdiskurs geführt – da geht es etwa um die „entsorgten“ Väter oder Jungs als die neuen „Bildungsverlierer“. Obwohl die Männerbewegung der 1970er Jahre einem emanzipatorischen Gedanken entsprungen ist, tummeln sich heute zahlreiche Männer-Aktivisten und -forscher im Umfeld rechter Maskulinisten, die erfolgreich lobbyieren und den medialen Diskurs bestimmen. Wie sehen hier die Interventionen linker, pro-feministischer Männer aus? Leeb: Die „Männerbewegung“ ist immer noch sehr klein. Die Zahl der Männer, die versuchen, sich von herkömmlichen Rollenbildern zu emanzipieren, wird dagegen stets größer. Natürlich gibt es nicht wenige Männeraktivisten; die aber einer „Männerbewegung“ zuzuschreiben, finde ich seltsam, da ihre ganze Energie in die entgegengesetzte Richtung geht. Die einzige Männerforschung, die seriös ist, ist die kritische Männerforschung, die sich eben auch mit Gender- und Queer-Theorien beschäftigt. Herrschende Diskurse werden natürlich von seltsamen Protagonist_innen aus konservativen Kreisen dominiert, da sie mit ihren „Erziehungsratgebern“ 22 l an.schläge April 2012

Unsere Interventionen sind unsere Arbeit und unsere Haltung. Besser, als etwa ein Buch zu schreiben, finde ich nachhaltige Gespräche mit den Menschen meiner Umgebung und den Leuten, mit denen wir arbeiten. Das führt gar nicht selten zu Umdenkprozessen. Danesch: Es stimmt schon, dass es im rechten Lager rumort und die Angstmaschine angelaufen bzw. nie ausgelaufen ist. Aber wir sind guter Dinge, weil die Notwendigkeit einer Veränderung nicht mehr wegzuleugnen ist und es glücklicherweise zunehmend mehr Männer und Frauen gibt, die das ähnlich sehen.

Mir scheint, dass die (rhetorische) Distanzierung von bestimmten Männlichkeitsbildern zunehmend als klassenspezifische Distinktion funktioniert: Gewaltbereit und traditionellen Rollenbildern verhaftet – das wird aktuell insbesondere Männern mit Migrationshintergrund und aus „bildungsfernen“ Schichten angelastet. Demnach beinhaltet die Kritik an „hegemonialer Männlichkeit“ nicht nur die Auseinandersetzung mit Geschlechterverhältnissen … Leeb: Stimmt, wenn ein österreichischer Mann seine Familie ausradiert, wird das „Familiendrama“ genannt. Ein türkischer Mann begeht „Blutrache“. Die Hintergründe sind nicht immer ganz unähnlich. Das sollte uns sehr wohl zu denken geben. Ich finde den Begriff „gewaltbereit“ auch recht furchteinflößend, da müsste ich in jeder Schulklasse

Angst haben, weil solche Jungs gibt es ja angeblich überall. Ich kann den Umstand nicht leugnen, ein biologischer Mann zu sein. Die Zuschreibungen, die mir begegnen, beziehen sich recht schnell auf mein Äußeres. Ein Beispiel: Wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin, gelte ich als liebevoller und sorgender Vater. Würde ich äußerlich als Frau identifiziert werden, würde ich in derselben Rolle wahrscheinlich nicht einmal auffallen.

Welche Rolle spielen soziale und andere Herkünfte in eurer Praxis mit den Jungs? Leeb: Für mich keine. Wenn mich einer nicht gut versteht, muss ich Rücksicht nehmen. Danesch: Es ist zwar mit einer gewissen Herausforderung verbunden, die Lebenswelten der jungen Männer generell und ganz unabhängig ihres sozialen Hintergrundes zu verstehen, aber die Jugendlichen lehren uns sehr viel. Es ist ja nicht so, dass die jungen Männer nichts zu sagen hätten, ganz im Gegenteil, sie gestalten ihre Lebenswelt aktiv mit. Was bedeutet denn Männlichkeit bzw. Mannsein für euch persönlich? Leeb: Dass ich biologisch ein Mann bin. Meine Geschlechtsidentität bekommt jedoch mehr Raum. Danesch: Die Frage sollte eher lauten: Was nicht?  l

Philipp Leeb ist Obmann des Vereins Poika und u.a. als Portalbetreuer für Gender und Bildung beim Unterrichtsministerium tätig. Emanuel Danesch arbeitet u.a. als Filmemacher, ist Vorstandsmitglied und Trainer zu gendersensibler Bubenarbeit bei Poika sowie als Vorstandsmitglied beim Verein EXIT in unterschiedlichen Projekten gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution aktiv.


thema: männlichkeiten

Reaktionärer Krisenmarkt Den Mann gibt es nicht, den „Neuen Mann“ ebenso wenig. Brigitte theißl über zentrale Erkenntnisse und Konzepte der akademischen Männlichkeitsforschung. Ob Softie, Metrosexueller oder Schmerzensmann – der „Neue Mann“ wird medial bereits seit Jahrzehnten gesucht. Von Verunsicherung und der Überwindung traditioneller männlicher Normen ist da die Rede. Daten zum Selbstbild und dem Frauenbild der Männer lieferten schon früh die Sozialwissenschaften. Mitte der 1970er Jahre offenbarte eine groß angelegte Studie 1, die von der „Brigitte“ in Auftrag gegeben worden war, dass nach wie vor ein sehr traditionelles Rollenbild dominierte. Nachfolgestudien in den 1980er und 1990er Jahren brachten erste abweichende Ergebnisse, der große emanzipatorische Sprung blieb aber aus. Während aktuell männer- und väterrechtliche Gruppierungen die „Männeremanzipation“ (zumindest begrifflich) für sich zu beanspruchen scheinen, waren es in den späten 1970er Jahren US-amerikanische und britische Vertreter einer anti-sexistischen und pro-feministischen „Männerbewegung“, die – beeinflusst von feministischen Politiken – erste Texte unter dem Label der Männlichkeitsforschung publizierten. Das unsichtbare geschlecht. Auch wenn es die Bezeichnung „Männerforschung“, die im deutschsprachigen Raum durchaus üblich ist, nahelegt, so ist dieser Forschungszweig der Gender Studies keineswegs das Pendant zur Frauenforschung. Denn diese fordert(e) das Sichtbarmachen von Frauen und ihren Leistungen in den androzentrischen Wissenschaften – Männer sind hingegen schon immer im Mittelpunkt der Sozialund Geisteswissenschaften gestanden. Trotzdem gelten Männer als das „unsichtbare Geschlecht“ der Wissenschaft, denn obwohl unsere Geschichtsbücher von Herrschern, Dichtern und Denkern erzählen, waren es nicht Männer als Geschlechtswesen, die da erforscht wurden – vielmehr war der Mann stets mit dem (scheinbar geschlechtslosen) Menschen an sich gleichgesetzt worden. Im Zuge der neuen Wissenschaft von der Männlichkeit wurde diese schließlich erstmals als kulturell und historisch

variables Konstrukt analysiert. Es wurde fortan von „Männlichkeiten“ gesprochen, die sich mit anderen Kategorien wie Klasse, ethnischer Zugehörigkeit oder sexueller Orientierung überschneiden. Zugleich entstanden in den 1980er Jahren erste Maskulinisten-Gruppen, deren Vertreter eine Zurückdrängung von Männlichkeit orteten und sich als Opfer von Feminismus und Gleichstel-

Dominanz des männlichen Geschlechts auseinander und analysiert die verschiedenen Ebenen dieser Dominanz. Die „Hegemoniale Männlichkeit“ ist dabei jene Männlichkeit, die innerhalb der Struktur der Geschlechterverhältnisse die bestimmende Position einnimmt. Sie wird von der Soziologin nicht als Eigenschaft, sondern als historisch und kulturell variables Konstrukt definiert, das in sozialen Interaktionen, in den

„männerforschung“ ist keineswegs das pendant zur Frauenforschung. lungsbemühungen betrachteten. Im deutschsprachigen Raum war es unter anderem Walter Hollstein, der solche Thesen aufgriff und publizierte. „Noch in den sechziger Jahren sind Männer als Schöpfer der Kultur, Entdecker, Religionsstifter, Weise, Heiler, Ärzte und Philosophen gefeiert worden. Wenn wir heute in Literatur und Medien schauen, dann tritt uns der Mann als Zerstörer, Kriegstreiber, Vergewaltiger, Kinderschänder und Pornograph entgegen“, schreibt der Schweizer Soziologe in „Männerdämmerung“ 2 und beklagt wie viele andere Autoren die Verunglimpfung des „Mängelwesens“ Mann. Hegemoniale männlichkeit. Während ausgehend von Großbritannien vor allem im Dunstkreis von Stuart Hall zahlreiche kulturwissenschaftliche Arbeiten entstanden, die sich mit Männlichkeiten und deren Repräsentation beschäftigen, waren und sind es im Bereich der Sozialwissenschaft vor allem zwei SoziologInnen, die großen Einfluss auf die Männlichkeitsforschung ausüben: Raewyn Connell (vormals Robert Connell) und Pierre Bourdieu. 3 Insbesondere Connells Konzept der „Hegemonialen Männlichkeit“ hat sich zu einem Standard der (sozialwissenschaftlichen) Männlichkeitsforschung entwickelt und ist im deutschsprachigen Raum breit rezipiert worden. Connell setzt sich mit der globalen

Beziehungen zu anderen Männern und Frauen entsteht: „Hegemonic masculinity is always constructed in relation to various subordinated masculinities as well as in relation to women. The interplay between different forms of masculinity is an important part of how a patriarchal social order works. There is no feminitity that is hegemonic in

1 Pross, Helge: Die Männer. Eine repräsentative Untersuchung über die Selbstbilder von Männern und ihre Bilder von der Frau. Reinbek 1978 2 Hollstein, Walter: Männerdämmerung. Von Tätern, Opfern, Schurken und Helden. Göttingen 1999. S. 12f 3 Vgl. Bourdieu, Pierre: Die männliche Herrschaft. Frankfurt am Main 2005

Wickie, Wickie und die starken männer. Der Wikinger mit Köpfchen versucht nicht durch stupide Muskelkraft, sondern mit Verstand und Empathie zu punkten. Ob Schlacht, Wettkampf oder Seenot – Wickie reibt sich das Näschen und rettet den „starken“ Männern mit seinen Tricks nicht nur einmal das Leben. Außerdem überzeugt er durch rosarotes Hemdchen und pinke Strumpfhose.

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thema: männlichkeiten the sense that the dominant form of masculinity is hegemonic among men“, schreibt Connell 1987 in „Gender and Power“. 4 Als „untergeordnete Männlichkeit“ bezeichnet die australische Soziologin vor allem schwule Männlichkeit, die unter anderem zur Abgrenzung und Absicherung für eine dominante Form von Männlichkeit dient. „Schwarze Männlichkeit“ hingegen ordnet sie in einem weiß dominierten Kontext ebenso wie Männlichkeiten im ökonomischen Abseits einer marginalisierten Form zu.

4 Connell, Robert: Gender and Power. Stanford 1987 5 Connell, Robert.: Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. Wiesbaden 2006. S. 100 6 Mathes, Bettina: Ödipus in der Männerforschung – Bemerkungen zur „hegemonialen Männlichkeit“. In: Scholz, FrauenMännerGeschlechterforschung, S. 175 7 Ein guter Überblick, insbesondere für die Filmwissenschaft, findet sich in „Borderlines and Passages: Liminal Masculinities in Film“ von Klaus Rieser (2006). 8 Pohl, Rolf: Männer – das benachteiligte Geschlecht? Weiblichkeitsabwehr und Antifeminismus im Diskurs über die Krise der Männlichkeit. Vorabdruck aus: Bereswill, Mechthild und Neuber, Anke (Hg.innen): In der Krise? Männlichkeiten im 21. Jahrhundert. Münster 2012

r ltu u K er d le r Ke

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Patriarchale Dividende. Ein interessanter Aspekt ihres Konzepts ist weiters die „Komplizenschaft“. Es würden zwar nur sehr wenige Männer den normativen Ansprüchen der „Hegemonialen Männlichkeit“ genügen, dennoch profitiere eine überwiegende Mehrheit der Männer von ebendieser, da sie an der sogenannten „patriarchalen Dividende“ teilhaben. Connell versteht darunter „den allgemeinen Vorteil, der den Männern aus der Unterdrückung der Frauen erwächst“. 5 Für die Soziologin sind also nicht nur die Machtbeziehungen zwischen Männern und Frauen, sondern auch die hierarchischen Strukturen, die unter Männern bestehen, von zentraler Bedeutung. KritikerInnen des einflussreichen Konzepts beziehen sich vorrangig auf die Verhandlung der männlichen Macht und die zentrale Stellung innerhalb der Männlichkeitsforschung. Die Kulturwissenschafterin Bettina Mathes

etwa schreibt: „Meine Vermutung ist folgende: Die Erforschung ‚hegemonialer Männlichkeit‘ vermittelt denjenigen, die sie erforschen, das sichere Gefühl, die zentralen Fragen des jeweiligen Fachs zu bearbeiten. Während Feministinnen jahrzehntelang dafür belächelt wurden, dass sie sich mit ‚Opfern‘ und ‚marginalisierten‘ Gruppen beschäftigen, suggeriert der Terminus ‚hegemoniale Männlichkeit‘, hier werde ‚harte‘ Wissenschaft betrieben.“ 6 Abseits der Soziologie waren es vor allem die Cultural Studies und die Queer Studies, die theoretisch fundierte Texte zu Männlichkeiten produzierten. 7 Krisendiskurs. Obwohl sich kritische MännlichkeitsforscherInnen meist innerhalb einer feministischen (Theorie-) Tradition verorten, ist das Verhältnis zur feministischen Wissenschaft nach wie vor unklar. Akademisch hat sich die Männlichkeitsforschung im deutschsprachigen Raum ansatzweise etabliert, doch die Befürchtung, sie könne Ressourcen der Gender Studies bzw. Geschlechterforschung an sich binden und eine Zirkelbildung von Männern innerhalb der Disziplin fördern, steht nach wie vor im Raum. Aktuell sind es Themen wie die angebliche Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem oder eine „vaterlose Gesellschaft“, die auch von Männlichkeitsforschern aufgegriffen werden und die schnell in einen Opfer- und Krisendiskurs münden. Und gerade das Heraufbeschwören einer Krise

Wie bleibt ein Mann ein Mann? Was müssen Männer tun, um Männlichkeit zugesprochen zu bekommen? Welche Formen von Männlichkeit gibt es, und wie werden diese in Szene gesetzt? Ausgehend von diesen Fragestellungen haben sich Studierende der Sozialen Arbeit an der Hochschule Esslingen in der Projektgruppe „Mannopoly“ zusammengeschlossen und sind dorthin ausgeschwärmt, wo Kerle dafür sorgen, dass sie Kerle bleiben: in Fitnessstudios, Sportarenen, Musikszenen, im Gefängnis, in Kasernen, auf der Straße usw. Ebenso wurden solche Räume aufgesucht, in denen herkömmliche Männlichkeiten bewusst zurückgewiesen oder reflektiert werden – etwa bei Männern in „Frauenberufen“, in linksautonomen Kontexten oder in schwulen Coming-out-Gruppen.

impliziert die Vorstellung eines stabilen Konzepts männlicher Identität, das es aufrechtzuerhalten und gegen äußere Widerstände zu verteidigen gelte. Oder, um mit Rolf Pohl zu sprechen: „Die Rede von der ‚Krise der Männlichkeit‘ ist eine rückwärtsgewandte Reaktion auf die marktradikale Verschärfung des gesellschaftlichen Krisengeländes.“ 8 Dass gerade reaktionäre Positionen auf breite Resonanz in den Medien stoßen, verdeutlicht die Notwendigkeit einer kritischen und pro-feministischen Männlichkeitsforschung, die zu solchen Debatten deutlich Stellung bezieht.  l Brigitte Theißl ist Medienwissenschafterin, Autorin und Öffentlichkeitsarbeiterin. Sie arbeitet beim Verein „Genderraum“ und bloggt unter www.denkwerkstattblog.net.

„Männlichkeit kommt einem nicht einfach zu, Männlichkeit muss belegt und kontinuierlich reproduziert werden“, betont Kurt Möller in der Einleitung zum neu erschienenen Reader „KerleKulte“, der rund sechzig (!) Interviews von „Mannopoly“ mit Jungs und Männern mit den unterschiedlichsten sozialen Hintergründen featuret. Ein aufschlussreicher Blick auf das „Doing Masculinity“ – also die Ausverhandlung, Einübung und Verkörperung männlicher Identität in der alltäglichen Praxis – und auf das heterogene „Produkt“ Männlichkeit/Mannhaftigkeit/Maskulinität. Um mit den Worten des Krankenpflegers Jan ein Resümee zu ziehen: „Jeder Mann ist auf seine Art und Weise männlich.“  viyu Projektgruppe Mannopoly: KerleKulte. Inszenierungen von Männlichkeit, Archiv der Jugendkulturen 2012, 26,80 Euro


an.sprüche

Ich sehe was, was du nicht siehst ... Auch mit seiner neuesten Kampagne feiert das Kosmetikunternehmen Dove die „echte“ Schönheit der ­unperfekten Durchschnittsfrau. Was ist davon zu halten? Alexandra Schmidt und ­Melanie Letschnig diskutieren.

Illustration: Bianca Tschaikner

Dove wirbt neuerdings mit „realistischen“ Frauenbildern – ganz „normale“ Frauen sollen ihre Schönheit entdecken und zu ihren Körpern stehen. Ziel der Kampagne ist es, Frauen dabei zu unterstützen, selbstbewusster mit dem eigenen Äußeren umzugehen und ein gesundes Schönheitsbewusstsein zu entwickeln. Der Hintergrund: Nur ein Prozent aller Frauen würde sich selbst als „schön“ beschreiben, so das Ergebnis einer eigens weltweit durchgeführten Dove-Studie, immerhin auch mit 500 Frauen aus Österreich. Die Bilder der Kampagne heben sich wohltuend von den gewohnten Abbildungen von Frauen in der Werbung ab. Die Frauen sind zum Teil mit ihren Freundinnen zu sehen, sie sind fröhlich, in aktiven Posen und ohne unnötige Freizügigkeit dargestellt. Sie vermitteln einen selbstbewussten und selbstbestimmten Eindruck. Sicherlich sind auch diese Bilder nachbearbeitet – aber was zählt, ist ein dargestelltes Frauenbild abseits von Sexismus und Diskriminierung. Hier ist ein Bewusstsein für den sensiblen Umgang mit Bildern erkennbar. Wir von der Salzburger Watchgroup gegen sexistische Werbung begrüßen das. Denn die Werbelandschaft ist nach wie vor voll von frauenverachtenden Darstellungen, von Diskriminierung und einem unrealistischen Schönheitsideal. Natürlich will Dove auch etwas verkaufen und signalisiert den potenziellen Kundinnen: „Macht euch schön!“ Doch die Botschaft ist hier nicht „schön für einen Mann“, sondern Pflege, um sich in der eigenen Haut wohlzufühlen und das eigene Äußere anzunehmen. Ein positives Beispiel für uns – leider unter vielen negativen, mit denen wir uns immer wieder beschäftigen müssen.  l

Bereits Jahre vor „Brigitte“ hat Dove die echte Frau als Testimonial für sich entdeckt. Im Gegensatz zum professionellen Model darf die echte Frau trotz beachtlicher Retuschierleistung den einen oder anderen, von der Kosmetikindustrie als solchen identifizierten Makel behalten. Die Produktlinie von Dove für Frauen eines gewissen Alters heißt nicht „Anti“, sondern „Pro Age“, deswegen zeigen die (nackten) Frauen auf den Plakaten und in den Fernsehspots auch Mut zur Falte. Ebenso findet sich an den jüngeren Werbeträgerinnen mit Bindegewebsschwäche die eine oder andere Delle an Bauch und Oberschenkel – logischerweise, denn irgendwo muss die Lotion ja einschreiten. Das Motto der aktuellen Werbekampagne von Dove lautet: „Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist schön.“ Sie ist Teil von Doves „Initiative für wahre Schönheit“, einem mehrformatigen Programm, das durch Workshops an Schulen, Selbsttests im Internet, Arbeitshefte etc. vor allem Mädchen und jungen Frauen helfen soll, „ihre Definition von Schönheit zu erweitern“ (so zu lesen auf der Webseite von Dove). Der dazugehörige TVWerbespot fußt auf einer von Dove durchgeführten Studie, laut der sich nur zwei Prozent der deutschen Frauen als schön bezeichnen. Dieses Ergebnis verillustriert die Fernsehwerbung. Zu sehen sind – jeweils in Zweierkonstellation und auf der Straße abgepasst – Mutter und Tochter, Schwestern, Freundinnen unterschiedlicher Altersstufen, von denen zunächst eine befragt wird, was sie an sich selbst schön finde. Dazu fällt den Interviewten nichts ein, auf die Frage allerdings, was sie an ihrer Schwester/Freundin/ Tochter denn schön fänden, sprudeln die Komplimente für Bauch, Beine, Po und Gesicht nur so raus aus den 98 Prozent. Die Produkte, die es von Dove zu kaufen gibt, kommen im Spot nicht vor. Müssen sie auch nicht, denn das Produkt bin ich, die echte Frau. Ich bin der Posten, den sich Dove mit Facebook als Kapitalakkumulator teilen möchte. Das ist, was mir der Spot von Dove bewusst macht, nicht meine eigene Schönheit. Danke dafür, Dove!  l

Alexandra Schmidt ist Projektkoordinatorin des Frauenbüros der Stadt Salzburg und beteiligt sich aktiv bei der Salzburger Watchgroup gegen sexistische Werbung: www.watchgroup-salzburg.at.

Melanie Letschnig liebt alle Cremes dieser Welt, wenn sie nicht an Tieren getestet wurden, kein Palmöl enthalten und nicht in perfide an ihrer Emotionalität rüttelnden Monsterwerbekampagnen beworben werden.

April 2012 an.schläge l 25


arbeitsfragen in allen

lebenslagen

Sie will partout nicht aussterben: die Geschlechtertrennumg beim Spielzeug. © Dolan Halbrook/flickr

studie I Gender-Nonkonformität und Missbrauch Irmi Wutscher

Tierisches Hier soll diesmal ein weiteres ehernes Gesetz des Boulevardjournalismus behandelt werden, das da lautet: „Frauen, Kinder, Tiere“. Zum Stichwort „Frauen“ ist anzumerken, dass natürlich junge, hübsche und idealerweise leicht bekleidete Frauen gemeint sind. Und diese bebildern abseits ihres Dauerabos der berühmten Seite Drei meist belanglose Allerweltsgeschichten wie „Der Frühling ist da“, „Eröffnung des Freibads“ usw. Sind keine Frauen zur Hand oder steht ein kirchlicher Feiertag vor der Türe (Ostern, Weihnachten etc.), wird für die entsprechende BelanglosGeschichte auch gerne ein Kind hergenommen, womit wir beim zweiten Element der eisernen Boulevardregel wären. Mehr ist zu diesem auch nicht zu sagen. Schwieriger wird es bei Nr. 3: den Tieren. Weil Tiere per se keinen News-Wert besitzen (außer vielleicht Hunde, die jemanden gebissen haben), muss einer geschaffen werden. Da gibt es einerseits die „Arme Viecherln suchen ein Zuhause“-Masche, im Printbereich werden außerdem gerne Haustierfoto-Wettbewerbe ausgerufen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Bilder sind gratis und werden zugeschickt. Bloß den betreuenden Redakteur_ innen bereiten solche Wettbewerbe graue Haare. Ich hatte einige Monate lang täglich ein Katzenbild in der Kurzmeldungsleiste der von mir betreuten Seite zu präsentieren. Als Information gab es meist nur das Bild und den Namen des edlen Tieres. Weil aber das Foto einem anderen ehernen Gesetz des Boulevards zufolge immer eine Überschrift haben musste, habe ich regelmäßig Katzengeschichten erfunden. Manchmal ist das ja leicht: „Felix ist ein großer Kuschler“ oder „Minki liegt am liebsten am Fenster“ sind simple Bildbeschreibungen. Ein größeres Problem bildete da schon „Soi“, ein Kater oder eine Katze in Schwarz-Weiß und in Großaufnahme. „Soi ist eine echte Lady“, schrieb ich in meiner Not. Ob das stimmt, oder was Sois wahrer Charakter ist, habe ich leider nie erfahren. Irmi Wutscher hat ein paar Monate lang bei einer Boulevardzeitung gearbeitet – und viel dabei gelernt.

26 l an.schläge April 2012

Stimmen Kleidung, Aktivitäten, Angewohnheiten und Interessen eines Kindes nicht mit dem überein, was für das jeweilige Geschlecht als „typisch“ gilt, sprechen Wissenschaftler_innen von „Gender-Nonkonformität“. Inwieweit diese mit sexuellem, körperlichem oder psychischem Missbrauch und einer späteren Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) einhergeht, untersuchte nun das Team um Gesundheitswissenschaftlerin Andrea L. Roberts von der Harvard University. Nach der retrospektiven Befragung von 9.864 Erwachsenen resümiert die Studie: Gender-Nonkonformität ist ein Indikator für ein erhöhtes Missbrauchsrisiko und wahrscheinlich auch für PTBS. Allerdings schränken sie ihre Ergebnisse ein: Die Kausalität ist nicht klar. Außerdem könnte es – bedingt durch die Erinnerung der Befragten – gewisse Wahrnehmungsverzerrungen geben. Dass Medien Studien wie diese auf unseriöse Weise wiedergeben, kritisieren die feministischen Blogs Feministing.com und Maedchenmannschaft.net. „Mädchenspiele können Gesundheit gefährden“ – so etwa der Titel des Berichts auf orf.at: Darum geht’s nun wirklich nicht.  be http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2012/02/15/peds.2011-1804.full.pdf, http://maedchenmannschaft.net, http://feministing.com

gender medizin Herzinfarkt + junge Frau = hohe Mortalität Ein Herzinfarkt kann sich bei Männern und Frauen – wie viele andere Krankheiten auch – unterschiedlich äußern. Als „klassisches“ Symptom gilt ein plötzlicher Schmerz, der bis in den linken Arm ausstrahlt. Doch gerade Frauen zeigen oft andere Symptome wie etwa Erbrechen, Übelkeit, Kiefer-, Hals- und Rückenschmerzen oder Atemnot. „Gender Medizin“ nennt sich die vergleichsweise junge Disziplin, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern dann betont, wenn es um Erkrankungen und ihre Diagnostik und Behandlung geht. Eine aktuelle Studie zeigt einmal mehr, warum bei körperlichen Auffälligkeiten das Geschlecht eine wesentliche Rolle spielen kann: In der Auswertung von 1,1 Millionen Herzinfarkt-PatientInnen wurde festgestellt, dass Frauen weitaus seltener Brustschmerzen hatten als Männer. Interessanterweise ist dabei das Alter ein wesentlicher Faktor: Mit zunehmendem Alter ähneln sich die Geschlechter bezüglich ihrer Herzinfarkt-Symptome immer mehr. Die Studie bestätigte zudem, dass Frauen öfter als Männer an einem Herzinfarkt sterben – wahrscheinlich, weil ihre „atypischen“ Symptome nicht mit einem Herzinfarkt in Zusammenhang gebracht wer-


an.riss arbeit wissenschaft den. Allerdings wäre es falsch, männliche und weibliche Herzinfarktsymptome gegenüberzustellen, wie John Canto betont: „Wir stellen die Aussage, dass ein Set von Symptomen für alle Männer und ein anderes für alle Frauen gilt, infrage. Eher sollte sie für junge Frauen herangezogen werden, denn diese haben bei einem Herzinfarkt das höchste Sterberisiko.“  be

studie II Gender-Ungleichgewicht in der US-Gastronomie

http://jama.ama-assn.org, http://healthland.time.com

Zehn Millionen Menschen sind in den USA in der Gastronomie tätig. Sieben der zehn landesweit am schlechtesten bezahlten Jobs finden sich in dieser Branche – und die meisten werden von Frauen erledigt. 52 Prozent der Angestellten in der Gastronomie sind weiblich, die schlechter bezahlten „tipped workers“ – Beschäftigte, die Trinkgeld bekommen – sind zu 66 Prozent Frauen. Bei diesen Tätigkeiten liegt der gesetzlich festgeschriebene Mindeststundenlohn bei unglaublich niedrigen 2,13 USD (1,63 EUR). Hinzu kommt, dass neunzig Prozent der in der Restaurant-Industrie Beschäftigten keine Krankenversicherung haben. Die Karrierechancen für Frauen in der Gastronomie sind gering, nur 19 Prozent der Küchenchefs sind weiblich. Die Wahrscheinlichkeit, belästigt zu werden, ist dort für Frauen fünf Mal höher als in allen anderen Branchen. Zu diesen Ergebnissen kam die von Restaurant Opportunities Centers United und mehreren Frauenorganisationen in Auftrag gegebene Studie „Tipped over the Edge“.  kaiv

petition Wertlose Frauengeschichte? Frauengeschichte ist der Universität Wien offenbar nicht wichtig genug, um sie weiter zu finanzieren. Nach zwanzig Jahren mühevollem und vorwiegend unentgeltlichem Auf- und Ausbaus droht einer international anerkannten feministischen Forschungsplattform nun die Schließung. Von 2006 bis 2011 wurde das von der Historikerin Edith Sauer initiierte Projektkonglomerat „Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext“ mit der Einrichtung „Sammlung Frauennachlässe“ und dem historischen Fachjournal „L’Homme. Europäische Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft“ vonseiten der Wiener Universität mitfinanziert. Doch mit diesem Jahr endet das Dienstverhältnis der zwei teilzeitbeschäftigten Hauptverantwortlichen. Eine Petition, die auf die bedrohliche Situation aufmerksam macht und eine Sicherung der Finanzierung fordert, kann noch bis Ende Mai unterzeichnet werden.  miak http://openpetition.de/petition/online/fuer-die-zukunft-von-lhomme-z-f-g-und-der-sammlungfrauennachlaesse-an-der-universitaet-wien, www.univie.ac.at/Geschichte/NeuverortungGeschlechtergeschichte

sendereihe  Workers Rights Are Human Rights Die interkulturelle Sendereihe „Globale Dialoge“ der Radiogruppe „Women on Air“ berichtete im Jahr 2011 unter dem Titel „Arbeitsrechte von Frauen“ über die miserablen Arbeitsbedingungen, denen Frauen weltweit ausgesetzt sind, – und wie sich feministische Aktivist_innen dagegen zur Wehr setzen. Auf der Homepage finden sich nun als Podcast in einem „Best of Globale Dialoge 2011“ diverse Beiträge wie z.B.„Arbeiterinnen wehren sich“ (zum Streik türkischer Arbeitnehmerinnen gegen die unwürdigen Arbeitsbedingungen, wie sie in den türkischen Freihandelszonen keine Seltenheit sind). „Global denken, lokal handeln“ hingegen schenkt der Forderung nigerianischer Frauen nach fairen Arbeitsbedingungen und Gleichbehandlung Gehör. Auch der prekären Situation Wiener Sexarbeiterinnen, die sich mit dem am 1. November 2011 in Kraft getretenen Gesetz zur Regulierung von Straßenprostitution drastisch verschlechtert hat, widmet sich ein eigener Beitrag. Hörenswert!  miak http://globale-dialoge.o94.at

http://rocunited.org

frauenbarometer Keine Gleichstellung bei Einkommen und Karriere Das erste österreichische Frauenbarometer zeigt, dass es mit der Gleichstellung hierzulande nicht weit her ist: Die 1.004 befragten Frauen und Männer fühlen sich v.a. in punkto Einkommen und Karriere keineswegs gleichgestellt – wobei Männer die Situation insgesamt positiver beurteilen als Frauen. Einig sind sich laut Umfrage die Geschlechter darin, dass sie im Ausbildungsbereich „eher“ bzw. „voll und ganz gleichgestellt“ sind. Interessantes Detail: Bei der Hausarbeit fühlt die Hälfte der befragten Männer die Gleichstellung „eher“ bzw. „voll und ganz“ realisiert, wohingegen 74 Prozent der Frauen die Arbeitsteilung zu Hause als „eher nicht“ bzw. „gar nicht gleichberechtigt“ bewerten. Ähnliche Ergebnisse finden sich bei weiteren Frauendomänen, wie z.B. bei der Pflege von Angehörigen oder der Kindererziehung. Grund zur Hoffnung bieten immerhin die Antworten auf die Frage nach den wichtigsten frauenpolitischen Anliegen: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ rangiert bei beiden Geschlechtern auf Platz 1, gefolgt von der „Verhinderung von Gewalt gegen Frauen und sexuelle Belästigung“. Das Frauenbarometer ist eine repräsentative Online-Umfrage zur Gleichstellung in Österreich und wird von nun an vierteljährlich im Auftrag der Frauenministerin durchgeführt.  be www.bka.gv.at/DocView.axd?CobId=46836

Calls  Veranstaltung „Feminism in Academia: An Age of Austerity? Current Issues and Future Challenges“, Abstract bis 11.4., http://feminismandausterity.wordpress.com  Fachtagung „Intersektionelle Benachteiligung und Diskriminierung – Soziale Realität und Rechtspraxis“, Abstracts bis 15.4., http://antidiscrimination.etc-graz.at/cms/index.php?id=45  Annual Review of Critical Psychology No. 11, Special Issue: Gender and Sexuality, Paper bis 15.4., www.discourseunit.com  Fachtagung „Geschlecht im Kontext verschärfter ökonomischer

Krisen“, Abstract bis 16.4., http://genderstudies.unibas.ch/aktuelles/ agendaeintrag/article/8762/cfp-geschlecht-im-kontext-verschaerfteroekonomischer-krisen  Konferenz „Intersecting Feminisms: Theory, Politics and Activism“, Abstracts bis 30.4., http://genderstudies.pl/wp-content/uploads/2012/01/AnniversaryConference_Call-for-Papers.pdf  Queerer Kleinprojektetopf, Anträge bis 31.5., www.wien.gv.at/ queerwien/foerderungen April 2012 an.schläge l 27


männermagazine

Normalisierung von Frauenhass Die sexistische Sprache in Männerzeitschriften unterscheidet sich kaum von der verurteilter Vergewaltiger, zeigt eine britische Studie. Von anna gielas

! P U T U SH Noch schlimmer als die Verpackung ist der Inhalt vieler Männermagazine.

In dem führenden britischen Männermagazin „Zoo Weekly“ gab Schauspielstar Danny Dyer einem Leser mit Herzschmerz Rat: Der 23-Jährige hatte gefragt, wie er über seine gescheiterte Beziehung hinwegkommen solle. Es helfe, so Dyer, das Gesicht der Ex dermaßen zu entstellen, dass sie keiner mehr wolle. Die Öffentlichkeit wütete, Dyer entschuldigte sich. Und die Redakteure der Männermagazine? Sie forderten, den Inhalt ihrer Zeitschriften nicht für bare Münze zu nehmen – es sei alles ironisch gemeint. Damit geben sich die britischen PsychologInnen Miranda Horvath, Peter 28 l an.schläge April 2012

Hegarty, Suzannah Tyler und Sophie Mansfield von den Universitäten Middlesex und Surrey nicht zufrieden. Sie unternahmen zwei Experimente, deren Ergebnisse letztes Jahr im renommierten „British Journal of Psychology“ erschienen. In einem der Versuche wurden Frauen und Männern Zitate aus Männermagazinen sowie Aussagen von verurteilten Vergewaltigern vorgelegt – die ProbandInnen konnten diese jedoch kaum unterscheiden. Die ForscherInnen zeigten: Die Zeitschriften vermitteln besonders jungen Lesern sexistische Ansichten und normalisieren diese auch gesamtgesellschaftlich.


leben mit kindern gewalt in Wort und tat. Das ForscherInnen-Team entnahm acht repräsentative Zitate aus den Männerzeitschriften „Zoo Weekly“, „Nuts“, „Loaded“, und „FHM“. Darunter: „Dem Mädchen kann Analsex gefallen, weil er ihr das Gefühl gibt, unglaublich frech zu sein, und sie mag das Gefühl, eine schmutzige

dritten Version verzichteten die PsychologInnen auf jegliche Quellenangabe. „Waren die Quellenangaben vertauscht, identifizierten sich die Probanden in Wirklichkeit eher mit den Zitaten der Vergewaltiger“, beobachten die Forscher. Sahen die Teilnehmer die korrekten Quellen, stimmten sie aber den

es scheint in ordnung, sich mit sexistischen Kommentaren zu identifizieren, sofern diese einer gesellschaftlich legitimierten Quelle entstammen. Schlampe zu sein“; „Schmutzig reden kann so anregend für das Mädchen sein … Ein paar Komplimente werden nicht schaden: ‚Ich wette, du willst es von hinten, du dreckige Schlampe‘“; „Escort-Service … die wissen genau, wie man einen Mann anmacht. Ich habe aufgegeben, Freundinnen zu suchen. Sie wissen nicht zu befriedigen, Escorts schon“; „Girls lieben es, gefesselt zu werden … es gibt ihnen die Chance, das hilflose Opfer zu sein“; „Ich glaube, Mädchen sind wie Plastilin, wenn du sie heiß machst, kannst du alles mit ihnen tun, was du willst.“ Zitate der verurteilten Vergewaltiger lasen sich sehr ähnlich: „Es gibt eine bestimmte Art und Weise, die zeigt, dass ein Mädchen Sex will … Die Art und Weise, wie sie sich kleidet, sich zur Schau stellt“; „Mädchen im Allgemeinen sind in Ordnung. Aber einige von ihnen sind Schlampen … Die brauchen es, hart und heftig genommen zu werden“; „Der Mann soll der Mann sein. Wenn er wie ein Mann handelt, wird die Frau nicht bestimmend“; „Ich finde, es sollte ein Gesetz zur Kleiderordnung geben … Wenn Mädchen kurze Röcke und solche Sachen tragen, bitten sie quasi darum.“ Legitimierter Sexismus. In der ersten Untersuchung beurteilten neunzig männliche Probanden die Zitate und sollten angeben, mit welchen sie sich identifizieren. Doch das Team der PsychologInnen gestaltete das Experiment aufschlussreicher: In der ersten Version wurden alle 16 Zitate ihren korrekten Quellen zugeordnet; in der zweiten Version wiesen die ForscherInnen die Sätze aus den Zeitschriften als Zitate der Kriminellen aus und umgekehrt. In der

Aussagen der Magazine zu. Es schien ihnen in Ordnung, sich mit sexistischen Kommentaren zu identifizieren, sofern diese einer gesellschaftlich legitimierten Quelle entstammen. „Die Magazine normalisieren gefährlichen Sexismus“, halten die ForscherInnen fest. In der zweiten Studie sollten zwanzig Frauen und zwanzig Männer die Zitate den richtigen Quellen zuordnen. Mit rund der Hälfte ihrer Vermutungen lagen die ProbandInnen falsch. Die WissenschaftlerInnen berichten: „Alle Partizipanten unterschätzten die inhaltliche Überlappung in den Aussagen von verurteilten Vergewaltigern und den Magazinen.“ Die Studie zeigt, dass junge Menschen – im Einklang mit der öffentlichen Meinung – glauben, es gebe eine klare Grenze zwischen der Sprache der Männermagazine und der Kriminellen, die sie erkennen können. Mit ihren Untersuchungsergebnissen sorgten Horvath, Hegarty, Tyler und Mansfield für Aufregung. Mehrere Supermarktketten und TankstellenBetreiber entschieden, die Männermagazine aus den unteren Verkaufsregalen in die höheren zu verfrachten – damit sie Jungen und Heranwachsenden nicht auf Augenhöhe begegnen. Das ist KritikerInnen allerdings nicht genug: Sie diskutieren das Problem der Männerzeitschriften unter anderem im Rahmen der politischen Debatte über die Auswirkungen einer sexualisierten Medien- und Alltagswelt auf Kinder und Heranwachsende. l anna gielas hat u.a. politische psychologie studiert und ist als freie Journalistin für die „Neue Zürcher Zeitung“ und „Die Zeit“ tätig.

Beat Weber

Subtile Väter-Fallen Jeanne Rubner erklärte jüngst in der „Süddeutschen Zeitung“ die „neuen Väter“ zum Mythos. Väter würden sich gar nicht mehr als früher an der Kinderbetreuung beteiligen, sondern bloß viel darüber reden. Schluck. Als frisch gebackener Väter-Kolumnist falle ich wohl schon mal unter das Verdikt des notorischen männlichen Selbstdarstellertums. Bleibt die bange Frage: Kann ich von mir sagen, bei mir zu Hause herrsche eine geschlechtergerechte Arbeitsteilung – oder ist das nur eine hohle Pose? Ein Blick in die Väterratgeber, die rund um die Geburt meines Kindes den Weg aus den Händen wohlmeinender Mitmenschen in mein Bücherregal gefunden haben, verleitet zu einer Sicherheit, die trügerisch ist. Denn gemessen an dem Männerbild, das in diesen Büchern vorausgesetzt wird, steht jemand bald mal als aufgeklärter „neuer Vater“ da: Dort wird mann nämlich überwiegend als Neandertaler adressiert, der schon stolz sein kann, wenn er bescheidene zivilisatorische Grundregeln beherrscht. Auch Lobesworte von älteren PassantInnen, wenn mann mal den Kinderwagen durch die Straßen schiebt, können da nicht wirklich beruhigen. Denn die Rollenmuster-Fallen im Alltag sind subtil und werden erst mit Erfahrung und unter genauerer (Selbst-)Beobachtung sichtbar. Wenn sich die zunächst unglaubwürdige Beobachtung anderer Eltern, Väter würden nächtens weniger hellhörig auf das schreiende Kind reagieren als Mütter, an der eigenen Erfahrung bestätigt: Warum nicht Einsicht in die Plausibilität biologistischer Erklärungen zeigen? Wenn die Mutter in der Früh immer ungefragt als erste aufsteht, um das lärmende Kind aus dem Bett zu holen, warum nicht das Weiterschlafen zur Routine werden lassen? War mein väterliches Engagement beim Zimmern des Wickelbretts eventuell tatsächlich etwas ausgeprägter als jenes beim täglichen Eincremen des Kinderpopos? Habe ich die Karenzmonate nicht doch zu sehr als persönlichen Bildungsurlaub begriffen anstatt mich anspruchslos in den Dienst der Kinderbetreuung zu stellen? Fragen über Fragen – die Vaterrolle ist auch: ein Selbsterfahrungskurs. Beat Weber ist Vater einer eineinhalbjährigen tochter in Wien.

April 2012 an.schläge l 29


endometriose

Keine Heulsusen Endometriose ist die zweithäufigste Erkrankung bei Frauen im gebärfähigen Alter und trotzdem unter Frauen weitgehend unbekannt. Bis zur Diagnose vergehen oft viele Jahre. Von Bettina Enzenhofer

„Lass dich nicht von deinen Bekannten diagnostizieren. Extreme Regelschmerzen können ein Zeichen von Endometriose sein“, betont die E ­ ndometriose Vereinigung Austria (EVA) in ihrer aktuellen Plakat-Kampagne.

Wäre der Befund nicht so erschütternd, könnte man sich über eine derartige Ehrlichkeit fast amüsieren: „Die Endometriose ist eine für Ärzte und betroffene Patientinnen gleichermaßen verwirrende Erkrankung.“ So lautet der erste Satz im Vorwort der aktuellen medizinischen Endometriose-Leitlinie. „Endometriose“ heißt: Endometriumartige Zellen – also Zellen der inneren Gebärmutterschleimhaut – finden sich nicht nur innerhalb der Gebärmutterhöhle, sondern auch an anderen Orten im Körper, etwa an den Eierstöcken, Eioder Harnleitern, in Darm, Blase oder Vagina. Diese Zellen werden, genauso wie in der Gebärmutter, von Hormonen gesteuert: Es kommt zyklusbedingt zu Blutungen, doch anders als bei Gebärmutterblutungen (der Menstruation) kann dieses Blut nicht abfließen. Dadurch können wiederum Zysten und Entzündungen entstehen – für Betroffene äußert sich das oft in sehr starken Schmerzen. Vielen EndometriosePatientinnen ist aber neben diesen Schmerzen vor allem eines gemein: ein 30 l an.schläge April 2012

jahrelanger Leidensweg mit unzähligen Fehldiagnosen. Schmerzhafte Normalität. So erging es auch Michelle: Zehn Jahre lang wurde sie im Unterbauch immer wieder von massiven Schmerzen geplagt. Die Ärzte tippten im Laufe der Jahre u.a. auf eine Blinddarmentzündung, einen Leistenbruch, das Reizdarmsyndrom oder eine Fehlstellung der Lendenwirbel. In den folgenden Untersuchungen fanden sie aber nie etwas Diagnosebestätigendes, und dann hieß es: „Ihre Beschwerden sind psychosomatisch. Haben sie schon mal an Psychopharmaka/Antidepressiva gedacht?“ Denn Menstruationsbeschwerden gelten in unserer Gesellschaft – unter Ärzt_innen ebenso wie unter Frauen – auch dann noch als „normal“, wenn sie sehr stark sind. Genau das ist ein fundamentales Problem, wie Rita Hofmeister und Kathrin Steinberger, Obfrauen der Endometriose Vereinigung Austria (EVA), bestätigen: „Viele Frauen denken selber lange Zeit nicht, dass sie

krank sein könnten. Sie leben in dem Glauben, eine Menstruation verursache starke Schmerzen – das haben sie auch schon bei ihrer Mutter so erlebt. Wenn sie nun vom Arzt bzw. der Ärztin hören, dass er ihren Schmerzen keinen organischen Befund zuordnen kann, zweifeln sie an ihrer Wahrnehmung. Sie fragen sich, ob sie sich etwas einbilden oder möglicherweise wehleidiger als andere sind.“ Deshalb setzt EVA auf Aufklärung und Information. In der aktuellen Werbekampagne prangen Begriffe wie „Heulsuse“, „Mimose“ oder „frigide“ auf den Stirnen von Frauen, begleitet vom Aufruf, sich nicht von Bekannten diagnostizieren zu lassen – extreme Regelschmerzen können ein Zeichen von Endometriose sein. Michelle stieß zufällig in einer Zeitschrift auf das Krankheitsbild der Endometriose und sprach ihren Arzt darauf an – dieser schickte sie zu Spezialist_innen, die den Verdacht bestätigten. Eine definitive Diagnose steht bei Michelle aber immer noch aus, denn die kann nur mittels Bauchspiegelung (Laparosko-


endometriose pie), bei der Gewebe entnommen und analysiert wird, gestellt werden. Und genau das stellt ein weiteres Problem dar: Es sei, wie die Frauen von EVA erklären, nicht möglich, jede Frau mit Menstruationsschmerzen einer solchen Operation zu unterziehen. Abgesehen davon, dass nicht jede Frau mit starken Schmerzen an Endometriose leidet, äußert sich die Erkrankung nicht bei allen Frauen gleich: Manche haben Schmerzen, manche nicht. Hinzu können Schmerzen während des (penetrativen) Geschlechtsverkehrs, eine erhöhte Infektanfälligkeit und Blutungsstörungen kommen. Ein weiteres Symptom, das immerhin bei vierzig Prozent der Endometriose-Patientinnen auftritt, ist ein unerfüllter Kinderwunsch. Die Lebensqualität vieler Endometriose-Patientinnen ist (nicht zuletzt wegen Krankenständen, ständigem Rechtfertigungsdruck und dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit) stark beeinträchtigt. In manchen Fällen kann es auch zu Organschäden kommen, die einen operativen Eingriff unabdingbar machen. Von der Diagnose zur Behandlung. Steinberger ist pragmatisch: „Ich will gar nicht, dass alle GynäkologInnen Endometriose-ExpertInnen sind. Aber ich will, dass alle GynäkologInnen an die Möglichkeit einer Endometriose denken. Am allerliebsten wäre mir eine gute Anamnese, in der danach gefragt wird. Wenn ÄrztInnen richtig tasten, spüren sie etwas, bei richtigem Ultraschall sehen sie etwas. Und dann soll die Patientin an gute KollegInnen überwiesen werden.“ Doch selbst wenn das der Fall ist und eine definitive Diagnose gestellt wurde, ist das Problem noch lange nicht gelöst. Denn genauso wie sich eine Endometriose individuell unterschiedlich äußern kann, sprechen auch die Betroffenen auf die Behandlungsmöglichkeiten unterschiedlich an. Es gibt keine kausale, d.h. eine Ursachen bekämpfende, Therapie, da die Ursache der Endometriose nach wie vor ungeklärt ist. Michelle war zwar nach ihrer Diagnose „erstmal wahnsinnig erleichtert, weil ich endlich wusste, was ich habe“. Seither geht es ihr aber aus anderen Gründen schlecht: „Ich will endlich wissen, was mir helfen kann! Ich habe Homöopathie und Osteopathie

probiert, im Moment gehe ich zu einer TCM-Ärztin. 1 SchulmedizinerInnen wollen mir die Pille verschreiben, aber die vertrage ich nicht.“ Neben der Laparoskopie, bei der im Idealfall alle Endometriose-Herde entfernt werden, ist die Hormontherapie eine klassische Behandlungsmethode, bei der die Symptome aber höchstens unterdrückt werden können. Andere, komplementärmedizinische Behandlungsarten wie z.B. TCM, Homoöpathie, Luna Yoga, Shiatsu, Autogenes Training und nicht zuletzt eine bewusste Ernährung wirken sich für viele Endometriose-Patientinnen positiv aus. Allerdings muss auch hier jede Frau für sich selbst herausfinden, was ihr hilft. Martina Schröder vom Feministischen FrauenGesundheitsZentrum Berlin sieht in der Vermittlung eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts den größten Handlungsbedarf: „Für jede Frau sind unterschiedliche Aspekte im Heilungsprozess wichtig, d.h. für die eine ist die körperspezifische Therapie zentraler, für die andere die Bewältigung von Belastungssituationen etc. Es braucht eine Beratung, die alle Faktoren vorstellt und die Frau ermutigt, herauszufinden, was ihr hilft. Die Beschränkung auf die schulmedizinischen Verfahren reicht nicht aus.“ Forschungsdefizite. Obwohl etwa zehn bis 15 Prozent aller Frauen zwischen der ersten Menstruation und den Wechseljahren von einer Endometriose betroffen sind (EVA geht in Österreich von ca. 300.000 Frauen aus), ist sie „in der klinischen und basiswissenschaftlichen Forschung unterrepräsentiert“, wie auch in der deutschen Leitlinie zugegeben wird. Paradoxerweise sind die Gründe dafür laut Schröder darin zu suchen, dass die Endometriose eine gutartige Erkrankung ist, denn finanziert würden vor allem (bösartige) Krebserkrankungen. Außerdem gebe es im deutschsprachigen Raum nur sehr wenige Expert_innen, die zu dem Thema arbeiten. „Man könnte böse sein und sagen: Mit der Erforschung der Endometriose kannst du nicht berühmt werden“, verdeutlichen die EVA-Obfrauen. „Das Leitsymptom, d.h. die Menstruationsbeschwerden, gelten als ,normal‘. Über andere Schmerzen, etwa beim

Geschlechtsverkehr oder Stuhlgang, wird gar nicht gesprochen. Es gibt also wenig Aufmerksamkeit für das Thema, deshalb auch wenig Lobby und umso weniger gesundheitspolitischen Druck, auf die Forschung einzuwirken.“ Organisierte Selbsthilfe. Umso wichtiger ist es für betroffene Frauen, sich in Selbsthilfeorganisationen mit anderen Endometriose-Patientinnen austauschen

„Viele Frauen denken selber lange Zeit nicht, dass sie krank sein könnten. Sie leben in dem Glauben, eine Menstruation verursache starke Schmerzen – das haben sie auch schon bei ihrer Mutter so erlebt.“ zu können. EVA blickt mittlerweile auf zehn Jahre Aufklärungsarbeit zurück – und es haben sich, wie Steinberger berichtet, auch Dinge bewegt: „Vor ein paar Jahren hat man in Österreich mit der Zertifizierung begonnen, d.h. die Stiftung Endometriose Forschung zeichnet kompetente ÄrztInnen und Krankenhäuser aus. Mittlerweile ist EVA an der Zertifizierung beteiligt, und wir schauen sehr genau, welche Häuser für die Patientinnen wirklich gut sind. Es wird außerdem immer mehr zu Endometriose publiziert, es finden viele Veranstaltungen statt, und ich glaube, die Situation wird besser werden.“ Noch nicht gebessert hat sich das Problem der Rehabilitation: Diese gilt in Österreich noch immer nicht als selbstverständliche Kassenleistung. „Die Reha wäre mein größter Traum“, sagt Steinberger und erzählt von der Ignoranz eines Pensionsversicherungszuständigen: „Warum brauchen Sie denn eine Reha bei einer gynäkologischen Erkrankung – das wird rausgeschnitten und gut ist’s.“ Aufklärung ist auf allen Ebenen notwendig – nicht zuletzt bei den Patientinnen selbst, so die EVA-Obfrauen: „Es ist wichtig, dass man eine mündige Patientin wird. Man darf das nicht an die ÄrztInnen abgeben. Frauen sollen aktiv auf ihre ÄrztInnen zugehen, sich selbst informieren und auf ärztliche Gespräche vorbereiten. Nach dem ersten Schock hast du eine Handlungsmöglichkeit.“  l

1 TCM: Traditionelle Chinesische Medizin

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an.riss kultur über die Bühne geht, ist die Preisvergabe im Internationalen Debüt-Spielfilmwettbewerb: Heuer präsentieren acht Filmemacherinnen ihren ersten Langspielfilm, mit der Chance auf ein Preisgeld von 10.000 Euro. Ziel ist es, die Regisseurinnen damit zu einem kontinuierlichen Filmschaffen zu ermutigen.  han Int. Frauenfilmfestival Dortmund Köln, 17.–22.4., Köln: Odeon, Filmforum NRW, Filmpalette, KunstSalon, COMEDIA, www.frauenfilmfestival.eu

tanz Verbotenes Gelände

© Anna Jermolaewa

ausstellung Zu Ihren Diensten Arbeit ist ein allgegenwärtiges Thema. Hat man Arbeit, liebt man sie oder man leidet an ihr (manchmal auch beides zugleich). Hat man keine Arbeit, sucht man eine – wie auch immer geartet. Dem Thema Arbeit in seiner ganzen Breite widmet sich das Technische Museum Wien mit einem Jahresschwerpunkt. In der künstlerischen Intervention „At Your Service“, die bis zum 3. März 2013 in den Museumsräumlichkeiten zu sehen ist, sind Arbeiten internationaler bildender Künstler_innen in die Dauerausstellung integriert. Neben Ulrike Lienbacher, Harun Farocki oder Anne Tallentire ist auch die in Wien lebende gebürtige Russin Anna Jermolaewa mit zwei Arbeiten vertreten: der Fotoinstallation „Tafel der Ehre“ und der Videoinstallation „Nordbahn“, beide eigens für die Ausstellung erarbeitet. Wie schon in ihrer Installation „Handschuhe aus Gummi, Putzkittel und Wischmopp“ (zu sehen in der AK Wien, bis 30.4.) widmet sich Jermolaewa in „Nordbahn“ dem Thema Arbeitsmigration. Sie sprach mit osteuropäischen Pflegekräften, die nach Wien pendeln, um jene Arbeit zu verrichten, die in Österreich niemand übernehmen will, oder Dienstleistungen, die sonst kaum leistbar sind.  han At Your Service, bis 3.3.2013, Technisches Museum Wien, Mariahilfer Str. 212, 1140 Wien, http://www.technischesmuseum.at

film Kontinuierliches Filmschaffen Von 17. bis 22. April findet wieder das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund Köln statt. Bereits jetzt stehen die Gewinnerinnen der Nachwuchspreise für Bildgestalterinnen fest: Julia Daschner und Eva Katharina Bühler. Sowohl der Spielfilm „Bergig“, bei dem Julia Daschner Regie führte, als auch der Dokumentarfilm „Der weiße Schatz und die Salzarbeiter von Caquena“ unter der Regie und Kameraarbeit von Eva Katharina Bühler sind im Festivalprogramm zu sehen – letzterer als Eröffnungsfilm. Höhepunkt des Festivals, das jährlich alternierend in Köln und Dortmund 32 l an.schläge April 2012

Tanz verbindet man in der Regel mit Party, mit Spaß, mit Ausgelassenheit, mit Kunst. Mit Politik verbindet man ihn eher weniger (mit Ausnahme vielleicht des „Tanzenden Kongresses“ 1815 in Wien). Doch Modjgan Hashemian und Susanne Vincenz präsentieren in ihrem Stück „Don’t move“ Tanz als dezidiert politische Ausdrucksweise – notgedrungen, wie ergänzt werden muss. Seit der Revolution von 1979 im Iran sind dort Tanzaufführungen, zumindest in der Öffentlichkeit, illegal. Wer eine Tanz­ausbildung absolvieren, Tanz auf der Bühne zeigen oder auch nur eine Party veranstalten will, der/die bewegt sich auf verbotenem Terrain. Wie es gelingt, gegen alle Widerstände eben doch zu tanzen, zeigt „Don’t move“, das eine Kooperation zwischen TänzerInnen in Teheran und Berlin ist.  han Modjgan Hashemian & Susanne Vincenz: Don’t move, 8.–10.4., Ballhaus Naunynstraße, Naunynstr. 27, 10997 Berlin, T. 030/754 537 25, www.ballhausnaunynstrasse.de

film Historische Leerstellen aufheben Noch vor wenigen Jahrzehnten mussten Lesben und Schwule in Österreich in ständiger Angst vor Polizeirazzien leben. Und sie mussten bei solch einer Razzia – die nicht selten passierte – brav, gesittet und heteronorm nebeneinander sitzen. Im viel beachteten queeren Dokumentarfilm „Verliebt verzopft verwegen“ der Regisseurinnen Katharina Lampert und Cordula Thym kommen drei Frauen zu Wort, die diese Atmosphäre der 1950er und -60er Jahre durchlebt haben. Charmant, witzig, manchmal anrührend, immer aber hoffnungsvoll und mit sich selbst im Reinen erzählen Rosmarin Frauendorfer, Ursula Hacker und an.schläge-Autorin Birgit Meinhard-Schiebel von dieser Zeit. Dafür gab es zahlreiche Preise und viel Lob von allen Seiten: „Ein Film, der die Lücke füllt“, heißt es etwa von der Straßenzeitung „Augustin“. Seit Anfang März ist der Film als DVD im gut sortierten Handel oder direkt beim neuen Filmverleih identities erhältlich.  han verliebt, verzopft, verwegen. Geschichten lesbischer (Un-)Sichtbarkeit im Wien der 50er und 60er Jahre (Österreich 2009). Weitere Infos unter www.verliebtverzopft.at

ausstellung Kunst aus Osteuropa Das aktuelle Kunstschaffen Ost- und Südosteuropas hat eine Plattform in der Galerie ArtPoint, die Künstler_innen aus dieser Region Präsentationsmöglichkeiten für ihre Arbeit bietet. Aktuell werden die Werke der Artists in Residence 01/2012 gezeigt, zeitgenössische Kunst aus Albanien und Bosnien-Herzegowina. Neben Dritan Hyska aus Albanien und Mladen Bundalo aus Bosnien-Herzegowina ist die ebenfalls aus Bosnien stammende Adela Juˇsi´c mit ihrer Videoarbeit „When I die, you can do what you want“ (2011) zu sehen. Juˇsi´c setzt sich in ihrer Arbeit besonders mit dem Krieg in Bosnien und insbesondere mit der Rolle der Frauen während des


gewaltsamen Konflikts auseinander. In der Videoarbeit ist sie selbst gemeinsam mit ihrer Großmutter zu sehen. Die visuelle Ebene ergänzt Juˇsi´c durch ihre eigene Stimme, die Erlebnisse aus dem Leben der Großmutter wiedergibt. Das extrem Persönliche und bisweilen Intime ist hier zugleich politisch und zeitgeschichtlich.  han

lebenslauf auch feministinnen altern

KulturKontakt Austria: Werkpräsentation der Artists in Residence 01/2012, bis 5.4., Galerie ArtPoint, Universitätsstraße 5, 1010 Wien, T. 01/523 87 65-0, www.kulturkontakt.or.at

monografie Keine Ordnung Sex, Nacktheit, Drogenkonsum, Pornografie und Messietum. Sex zwischen Frauen in halböffentlichen Räumen und Darkrooms. Das klingt zunächst ziemlich reißerisch. Tatsächlich zeigen die aquarellartigen Ölgemälde, in denen die deutsche Künstlerin Kerstin Drechsel diese Themen verarbeitet, verschwommene Gesichter, Körper, die nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können, und halbdunkle, konturenlose Räume. Unter dem Titel „Wärmespeichersystem“ erschien vor wenigen Monaten die erste Monografie der deutschen Künstlerin mit zahlreichen Abbildungen ihrer Malereien, Siebdrucke, Skulpturen und Installationen. Drechsel „hinterfragt die Aussagekraft von Kategorien, indem sie sexuelle Identitäten, Geschlechterrollen und Vorstellungen von Ordnung durch die Unschärfe ihrer Darstellung dekonstruiert“ (Aviva Berlin). Ergänzt werden die abgebildeten Arbeiten durch Aufsätze von Birgit Effinger, Jack Halberstam, Angela McRobbie und Jutta von Zitzewitz.  han Kerstin Drechsel: Wärmespeichersysteme. Hatje Cantz Verlag, 39,80 Euro

 Das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse erhielt am 5. März die Wissenschaftlerin, Kunstvermittlerin und Kuratorin Cathrin Pichler. „Mit ihren Ausstellungskonzeptionen, den neuen Wegen in der Umsetzung und der Überzeugung, dass die Ausstellung ein Instrument der sinnlichen Erfahrung sein soll, hat Cathrin Pichler unser Verständnis für die Kunst nachhaltig geprägt“, erklärte Kulturministerin Claudia Schmied.  Seit zwanzig Jahren sammelt, archiviert und digitalisiert die Informations- und Dokumentationsstelle Ariadne in der Österreichischen Nationalbibliothek frauenspezifische Literatur. Am 6. März wurde in der Nationalbibliothek gefeiert.  Ausschreibung: Zum sechsten Mal wird der Niederoesterreich Preis für Performance vom Kunstraum Niederoesterreich in Wien ausgeschrieben – der nach wie vor einzige Preis in Österreich, der sich ausschließlich der Kunstform Performance widmet. Bisher erhielt den Preis u.a. die brasilianische Künstlerin Roberta Lima. Einreichen können Künstler_innen, die seit mindestens zwei Jahren in Österreich leben. Die Einreichfrist endet mit 21. Mai 2012. Nähere Infos: Kunstraum Niederoesterreich, Herrengasse 13, 1014 Wien, T. 01/90 42 111, www.kunstraum.net

Christine Hartmann

Manchmal erkenne ich mich und öfter nicht Neulich konnte ich mein Spiegelbild tatsächlich sofort und ohne nachzudenken mir zuordnen. Überraschend, muss ich dazu bemerken, denn in den meisten Fällen erkenne ich mich im Spiegel nicht, was wohl damit zusammenhängt, dass mein aktuell gespiegeltes Gesicht nicht mein gefühltes ist. In „Die Erinnerungen sehen mich“ sagt Tomas Tranströmer: „In mir trage ich meine früheren Gesichter wie ein Baum seine Jahresringe hat. Die Summe daraus ist das, was ‚ich‘ ist. Der Spiegel sieht nur mein letztes Gesicht, ich spüre all meine früheren.“ Genau so ist es. Natürlich brauche ich keinen Spiegel, um zu merken, dass mein Bild von mir selbst offensichtlich wenig übereinstimmt mit dem Anblick, den meine Mitmenschen vor sich haben, wenn sie mir begegnen.. Der Blick der anderen schreibt mein vermutetes kalendarisches Alter und ein dazu passendes Gesicht fest, die Wahrnehmung durch andere lässt mich kurzfristig rapide altern. Die Veränderungen, die mein Körper so zu bieten hat, hingegen decken sich mit meinem Gefühl. Das Zuviel an Haut, das mit den Jahren wächst, drapiert sich in gefälligem Faltenwurf an Leib und Beinen, und die Arme bauen sich mit langsamer Stetigkeit in Fledermausflügel um. Nichts davon erstaunt mich, wenn ich mich im Spiegel besehe, stets erkenne ich meinen Körper. Nur das Gesicht scheint mir nicht zu gehören. Vermutlich geht es nicht nur mir so. Also schaue ich ein paar Tage lang speziell den alten Frauen genauer ins Gesicht und entdecke hart geschminkte Jugendlichkeitsbilder oder energische Vogelgesichter mit knalligen Lippen. Ich sehe Gesichter, die wie mit einem Schutzfilm überzogen scheinen, und Gesichter, die sich mit Farbe in die Sichtbarkeit drängen. Und ich sehe gelassene Gesichter, in Ruhe gelassene Gesichter, mit Geschichten in den Faltenlinien, mit Erlebnissen, die sich in die Kontur der Lippen eingeschrieben haben. Ich schaue in Augen, deren Weitsicht ich in der winzigen Zeitspanne der Begegnung nur erahne. Diese gelassenen Gesichter sind Argument genug, an meinem gefühlten Gesicht festzuhalten, auch wenn ich mich im Spiegel nicht erkenne. Christine Hartmann geht am Bodensee energisch dem Sechziger entgegen.

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sylvia sobottka

„Sind das überhaupt Männer?“ Sylvia Sobottka bringt Kritik an globalen Macht- und Geschlechterverhältnissen auf die Bühne. Daphne Ebner hat mit der Regisseurin über die Durchsetzung von „Frauenscheiß“ im Theaterbetrieb gesprochen. Aus dem Stück „Einladung an die Waghalsigen“, © Esther-Judith Hinz, VG Bild-Kunst, Bonn 2012

an.schläge: Du hast dir für deine Abschlussinszenierung in München den Debüt-Roman „Einladung an die Waghalsigen“ von Dorothee Elmiger ausgesucht, in dessen Zentrum die Geschichte zweier Schwestern steht. Was hat der Roman mit dir zu tun? Sylvia Sobottka: Zum einen erinnert er mich ganz intim an mein Zuhause, ans Ruhrgebiet und an Postindustrie. An die Industriezweige, in denen richtig gearbeitet wurde, und wo die Leute sich über Arbeit und Bergbau identifiziert haben. Ich komme aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt. Wir haben damals mit ganz vielen Witwen zusammengewohnt, deren Männer im Bergbau gearbeitet hatten. Dieser Arbeitsbegriff, wo man was mit den Händen macht, schwitzt und am Abend schmutzig und fertig ist, hat ja wieder so einen romantischen Auftrieb und wird auch von den Protagonistinnen im Roman stark hochgehalten. Damit konnte ich viel anfangen. Du hast das Stück auch mit Laien besetzt. Was haben die auf der Bühne, was SchauspielerInnen nicht haben? Ich finde es ganz wichtig, mit denen nicht „als ob“ zu machen. Ich will die nicht dressieren zu irgendwas. Die spielen nicht, die „sind“ viel eher auf der Bühne. Natürlich können die Laien ganz viel nicht, was ausgebildete Schauspieler können. Andererseits haben Laien 34 l an.schläge April 2012

eine ganz andere Präsenz auf der Bühne als Schauspieler. Ein sechzigjähriger, ausgebildeter Schauspielerkörper wirkt natürlich anders als der Körper einer achtzigjährigen ehemaligen Sekretärin oder eines Realschullehrers. Das hat eine andere Aura, das spürt man.

Wie ist denn dein Verhältnis als Künstlerin zu Arbeit? Du bist ja gewissermaßen das andere Extrem zum Arbeitsbegriff, wie du ihn beschrieben hast. Vom Schwitzen und mit den Händen arbeiten ist ja bei dir nicht mehr viel übrig, oder? Stimmt. Zumindest nicht bei mir selber. Die anderen schwitzen ja schon im Scheinwerferlicht. Das war definitiv ein langer, sowohl psychisch als auch physisch anstrengender Prozess zu sagen: Das ist Arbeit, und davon muss ich irgendwann leben. Das hat acht Jahre gedauert. Wie gesagt, ich komme aus einer Region mit wenigen Akademikern und einem Elternhaus, wo ich die erste Generation bin, die studiert. Deswegen ist das auch echt krass, dass ich mich heute wirklich hinstellen und sagen kann: Ja, ich bin Regisseurin, und das ist mein Beruf. Wie definierst du deine Aufgaben und deine Rolle als Regisseurin am Theater? Ich finde ja, die Arbeit am Theater ist nur zur Hälfte eine tatsächlich künstle-

rische. Also der Teil, wo man Einfälle hat und es konkret um die Herstellung von Bildern und Atmosphären geht. Die restlichen fünfzig Prozent sind soziale Arbeit. Was es so anstrengend macht. Das ist viel anstrengender als der eigentliche künstlerische oder kreative Teil.

Gibt es Themen, die dich immer wieder anspringen, wenn du auf Stoffsuche bist? Kollektivierungsprozesse, Bandenbildung und die Frage nach Utopie, die auch in meinem aktuellen Projekt „Einladung an die Waghalsigen“ eine große Rolle spielt. Die Autorin baut in dem Roman eine konkrete Sehnsucht nach Utopie auf, ohne mir explizit zu erklären, welche das ist. Es bleibt eine Leerstelle. Damit kann ich mich identifizieren. Und Gender-Themen spielen natürlich auch in vielen meiner Inszenierungen eine Rolle. Klar, das kann man nicht verleugnen. Darauf springen ja jetzt auch die Theaterhäuser an. Ist das komisch, wenn man dezidiert als Expertin für … … Migrations- und Weiblichkeitsthemen angefragt wird? Ja schon. Ich frage mich halt, woher das kommt. Zum einen finde ich es natürlich super. Dass man auch mal zu Wort kommt, nicht nur immer „Die Räuber“ gespielt werden. Das gab’s ja früher nicht. Zum anderen


sylvia sobottka habe ich schon das Gefühl, dass das gerade auch irgendwie en vogue ist.

Liegt darin denn eine Gefahr? Hast du Angst, auf den postkolonialen und Gender-Themen „sitzenzubleiben“? Ja, teilweise. Ich finde es ja nicht schlecht, dafür gebucht zu werden. Nur

der Inszenierung von Weiblichkeit ein Stück über Männlichkeit zu machen? In der Performance geht es ja, basierend auf der Situation der Freier um Penelope in der Odyssee, um eine Gruppe Männer, die gemeinsam warten und sich dabei gegeneinander behaupten müssen.

„Als ich mich dafür entschied, ,Die Anstalt der ­besseren Mädchen‘ zu machen, wo es um ­Weiblichkeit als Strategie und ­Maskerade ging, ­fanden das alle Scheiße.“ was die dann darin sehen, ist meistens genau das, worüber ich doch eigentlich schon längst hinaus sein will. Und das nervt dann. Wenn es zum Beispiel heißt, das sei doch so wenig emanzipiert dargestellt, wenn ich eine Protagonistin zeige, die sich mit inszenierten weiblichen Strategien durchschlägt. Da muss ich dann sagen: Es ist ok, wenn du das darin siehst. Aber dann sind wir gerade einfach nicht im selben Diskurs.

Gab es denn schon mal negative Reaktionen auf die Wahl deiner „Frauenthemen“? Ja, das war interessant. Als ich mich dafür entschied, „Die Anstalt der besseren Mädchen“ zu machen, wo es um Weiblichkeit als Strategie und Maskerade ging, fanden das erst mal alle Scheiße. Vom Roman an sich bis hin zu der Frage, warum man das auf die Bühne bringt. Ich habe bis auf eine Ausnahme nur Männer als Dozenten. Da hieß es dann schnell: „Vielleicht kann man sich damit auch einfach nicht identifizieren, weil es da ja vor allem um weibliche Themen geht.“ Da dachte ich: Das ist doch jetzt eine Diskussion, die wir mittlerweile seit fünfzig Jahren führen. Genau das musste Elfriede Jelinek sich in den 1980er Jahren anhören, als es hieß: „Was für ein Frauenscheiß.“ Und mittlerweile ist sie eine der meistgespielten und wichtigsten Autor_innen in Deutschland. Auch fürs Theater. Da war ich schon sauer. Und habe stark gekämpft um das Stück. Kurz darauf hast du „Die Freier“ gemacht. War das ein bewusster Schritt, direkt im Anschluss an die Frage nach

(Überlegt kurz) Ja, doch, da ging es ganz klar um Männlichkeitsbilder. Da braucht man gar nicht um den heißen Brei herum zu reden. Außerdem hatte ich auch einfach mal Lust, Männer zu treffen und die tatsächlich zu fragen: Wie ist denn das heute für dich als Mann? Und, wie ist es? Na ja, schon schwierig mit der Forderung nach Soft Skills und dem ganzen Paradigmenwechsel von Männlichkeit einerseits. Und dem griechischen Ideal des Helden andererseits, das ja weiterhin besteht: heroisch sein, athletisch sein, stark sein und eine Schutzfunktion bedienen können. Auch wenn die kein Mensch braucht. Trotzdem ist das so das Mindeste, um attraktiv zu sein. Wie stark ist bei solchen Themen dann dein Sendebewusstsein? Gibt es Inhalte, die du unbedingt vermitteln willst? Auf jeden Fall. Zum Beispiel hat es mich überhaupt nicht interessiert, einen Herkules darzustellen. Eher die Frage: Wie sieht eigentlich Odysseus aus? Der ist ja ein Stratege, kein Held im physischen Sinne, kein durchtrainierter Bodybuilder. Bis auf eine Szene, in der ein Schauspieler oben ohne an der Wand steht und seine Muskeln zeigt, kommt körperliche Stärke auch sonst an dem Abend gar nicht vor. Das fällt dann schon auf. Danach kam zum Beispiel die Frage auf: Was sind denn das für Männer? Sind das überhaupt Männer? Zwar gab es keine richtige Beschreibung dafür, was die sonst sein könnten, aber Männer schienen es offensichtlich

keine zu sein. Das ist schön, wenn man nach so einer Vorstellung ins Gespräch kommt und merkt, wie gewisse Kategorien plötzlich angezweifelt werden.

Wo zieht es dich nach deinem Abschluss hin? Ans Stadttheater oder in die freie Szene? Ich arbeite schon gerne am Stadttheater, sofern ich da meine Ansätze weiterverfolgen kann. Die freie Szene ist der absolute Möglichkeitsraum, in dem Sinn, dass man seine Inhalte und die Arbeitsbedingungen nur nach sich selbst ausrichten kann. Auf der anderen Seite bedeutet das auch, dass man wirklich alles selbst machen muss. Und natürlich ist das auch eine Geldfrage. Wird die freie Szene skeptisch, wenn man, wie du, Inszenierungen sowohl an Stadttheatern als auch an freien Häusern macht? Die freie Szene ist da auf jeden Fall skeptischer als andersrum. Ich bin da, glaube ich, an einer Schnittstelle: Ich erzähle gerne Geschichten, aber eben nicht mit den tradierten Mitteln. Auch was die Schauspieler_innen angeht. Ich bin da so eine Art Zwitter. Ich schätze das Stadttheater auf jeden Fall. Mein Traum wäre, die eigenen Inhalte zusammen mit den Leuten eines festen Hauses entwickeln und produzieren zu können.  l Sylvia Sobottka (*1983) studierte erst Sozialwissenschaften, dann Szenische Künste in Hildesheim und anschließend Theaterregie an der Otto-Falkenberg-Schule in München. Aktuell von ihr zu sehen sind „Gespräche mit Astronauten“ von Felicias Zeller am Theater Augsburg und ihre Abschlussinszenierung „Einladung an die Waghalsigen“ von Dorothee Elmiger im Werkraum der Münchner Kammerspiele. „Einladung an die Waghalsigen“ ist auch ins Körber-Studio am Thalia Theater in Hamburg eingeladen. Daphne Ebner (*1986) studiert Dramaturgie und arbeitet in der freien Theatergruppe Fake[to]Pretend in München. Sylvia Sobottka lernte sie im Rahmen des Theaterfestivals „Young Actors Week“ in Salzburg 2011 kennen, zu dem beide mit ihren Inszenierungen eingeladen waren.

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electro feminism

„Warum spielst du nicht Flöte?“ Suzanne Ciani zählt zu den wichtigsten Protagonist_innen der frühen Synthie-Ära. Das Retrospektiv-Album „Lixiviation“ zollt nun der elektronischen US-Komponistin Tribut. Von Vina Yun

Ihr Name ist nur wenigen geläufig, doch mit ihren Synthie-Sounds ist eine ganze Generation in Nordamerika aufgewachsen: In den 1970er und frühen -80er Jahren gehörte Suzanne Ciani zu den erfolgreichsten Produzent_innen von Werbe-Jingles und lieferte einige der bekanntesten Soundeffekte für die elektronische Unterhaltungsindustrie. Dabei begann Cianis musikalische Ausbildung ganz traditionell: KlavierUnterricht als Kind, Klassik-Studium am Wellesley College bei Boston, der renommierten Hochschule für privilegierte Töchter der US-Bildungselite. Schon in ihrer ersten Studienzeit kam die junge Italo-Amerikanerin mit synthetisierten Klängen in Berührung: In einem Abendseminar am M.I.T. (Massachusetts Institute of Technology) rekonstruierte ein Professor mithilfe eines Computers den Laut eines Seiteninstruments. Hingerissen vom „puren“, künstlich hergestellten Klang, erkannte Suzanne Ciani sofort das Potenzial: „Ich begriff, dass es sich hierbei um ein neues Musikinstrument handelte.“

Quellen & Links: www.sevwave.com – Suzanne Cianis Homepage www.finderskeepersrecords.com www.bitchmagazine.org www.bowlegsmusic.com www.latimes.com www.nrp.com

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Neue Klangpolitik. Mitte der 1960er Jahre nahm Ciani ihr KompositionsStudium an der UC Berkeley in San Francisco auf, die zum Zentrum der studentischen Protestbewegung in den USA avancierte. In dieser politischen wie kulturellen Aufbruchsstimmung traf Suzanne Ciani auf Don Buchla, der zeitgleich mit Robert Moog den ersten analogen Modular-Synthesizer entwickelte. In Buchlas Produktionsstätte lernte Ciani, die Geräte zusammenzubauen und besuchte nebenbei Kurse im Artificial Intelligence Lab. Dort unterrichtete neben dem Computermusik-Pionier

www.sevwave.com

Max Matthews auch John Chowning – der die so genannte FM-Synthese (Frequenzmodulation) entwickelte – ein Klangsynthese-Verfahren, das vom japanischen Instrumente-Hersteller Yamaha lizensiert wurde und den Sound zahlreicher Synth-Pop-Hits der 1980er prägen sollte. Großgezogen in wissenschaftlichen Labors, waren die neuartigen Sounds eine Reaktion auf bzw. eine Übersetzung der gesellschaftlichen Umbrüche jener Zeit. „Heutzutage haben unsere Ohren schon so vieles gehört. Für die Menschen ist es schwierig zu verstehen, wie neu das damals war“, erzählte Suzanne Ciani der „LA Times“. „Deine Ohren wurden wachgerüttelt. Das Frequenzspektrum war um so vieles größer. Nachdem ich das gehört hatte, erschien mir akustische Musik sehr eingeschränkt. Sie war nicht lebendig.“ Doch der Synthesizer als massenkulturelles Konsumgut stand erst am Anfang und galt noch als teures Spielzeug für exzentrische Charaktere. „Als ich einen Synthesizer kaufen wollte, hielten mich alle für verrückt. Sie fragten: ,Warum spielst du nicht Flöte?‘“

Emanzipation durch Technik. Rückblickend mögen die Technologie-Euphorie und die damit verbundenen Befreiungsutopien jener Zeit recht naiv erscheinen. Für Suzanne Ciani boten die Möglichkeiten der elektronischen Musik jedoch ein Maximum an Selbstbestimmung: „Es erlaubte mir die totale Kontrolle über meine Arbeit. Ich war unabhängig von äußeren politischen Bedingungen. So viele Komponisten sterben, ohne dass ihr Werk jemals gehört wird. Das gilt umso mehr für Frauen.“ Erst seit relativ kurzer Zeit werden Pionierinnen der elektronischen Musik wie etwa Delia Derbyshire, Laurie Spiegel oder Doris Norton wiederentdeckt – wenngleich ihre unterschiedlichen künstlerischen Herangehensweisen durch den gemeinsamen Nenner „Frau“ oftmals nivelliert werden. So wird Suzanne Ciani mit den Worten „Meet The American Delia Derbyshire of the Atari generation“ beworben. Tatsächlich wurde aus den Ausschlüsse von Frauen im Boys’ Club lange Zeit gar kein Hehl gemacht, wie Ciani selbst beschreibt: „Als ich Mitglied der Audio Engineering Society wurde, wurde ich sofort


von einigen männlichen Mitgliedern kontaktiert, die es nicht glauben konnten – sie meinten, da wäre ein Fehler passiert.“ Zischender Erfolg. Bis Suzanne Ciani, die von sich selbst behauptet, „wochenlang mit ihrer Maschine verbringen zu können“, als elektronische Musikerin und Komponistin auch tatsächlich Anerkennung fand, sollte es noch einige Zeit dauern. „Wenn

Ehefrau und Mutter im wörtlichen Sinne entwischt. Als Cianis bekannteste Arbeit gilt das „Pop & Pour“-Soundlogo für den Getränkekonzern Coca-Cola: ein acht Sekunden kurzes sonisches Markenzeichen, in denen der Kronkorken der Cola-Flasche geknackt und die Sprudel-Limonade unter großem Zischen und Blubbern in ein Glas geleert wird – jeder einzelne Klang synthetisch hergestellt.

Cianis bekannteste Arbeit: ein acht Sekunden kurzes sonisches Markenzeichen, in denen der Kronkorken der Cola-Flasche geknackt und die Sprudel-Limonade unter großem Zischen und Blubbern in ein Glas geleert wird. ich mein Band vorspielte, fragten die Leute: ‚Tolle Musik, hat die dein Ehemann geschrieben?‘“ Geld ließ sich mit Synthie-Musik zunächst auch keines verdienen. Die Plattenfirmen, die Ciani der Reihe nach abgraste, ließen sie knallhart abblitzen: „Warum singst du nicht? Wo ist die Gitarre?“ Wesentlich aufgeschlossener zeigte sich hingegen die Werbeindustrie: „Obwohl sie nicht verstanden, was ich da tat, waren sie viel offener. Es war sogar von Vorteil, weil die Musik so neu und anders war.“ Vor allen die elektronische Unterhaltungsbranche war daran interessiert, ihre neuen Produkte mit entsprechend ungehörten Klängen zu branden. 1974 verließ Suzanne Ciani Kalifornien und zog nach New York, wo sie ihr eigenes Unternehmen, Ciani/ Musica Inc. gründete und Werbe-Jingles und Soundeffekte für große Unternehmen wie AT&T, Skittles, Atari sowie für Kinofilme produzierte. Als erste Solo-Komponistin schrieb Suzanne Ciani auch den Soundtrack für den Hollywood-Major-Release „The Incredible Shrinking Woman“ („Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K.“): Eine SciFi-Komödie und Sozialsatire mit Lily Tomlin in der Hauptrolle, die – nachdem ihr Körper unter dem Einfluss von Haushaltschemikalien plötzlich zu schrumpfen beginnt –, ihrer Rolle als fürsorgliche

Queen of the New Age. Für Suzanne Ciani ist der Synthesizer allerdings nicht bloßes Werkzeug, das vorhandene Klänge imitieren soll, sondern ein eigenständiges Instrument. Davon zeugt auch das retrospektive Album „Lixiviation“, das vor kurzem beim Londoner Label Finders Keepers Records auf CD und Vinyl erschienen ist und dem frühen Werk Cianis Tribut zollt. Die hier versammelten 16 Tracks umfassen neben einigen bekannten Werbespots auch experimentelle Soundskulpturen, die Ciani auf ihrem legendären Buchla200-Synthesizer komponierte. Auch wenn sich das Booklet so manches Klischee nicht verkneifen kann („A woman’s touch was the essential secret ingredient to successful sonic seduction“), ist es erfreulich, Suzanne Ciani nunmehr im Spotlight zu sehen. Zuletzt besann sich die mehrfach für den Grammy nominierte Musikerin wieder auf ihre Klassik-Wurzeln und präsentierte auf ihrem 1995 gegründeten Label Seventh Wave mehrere Alben. In das westliche kulturelle Gedächtnis hat sich die Synth-Queen jedoch mit jenen Sound-Experimenten eingeschrieben, die, platziert mitten im Mainstream, bereits das kommende digitale Zeitalter antizipierten.  l

lesbennest the fabulous life of a queer femme in action

denice

I spy with my little eye … When I’m writing this I’m on a well deserved vacation in northern Italy. My choice of where to go when I finally have time off from work is usually very functional. A five week trip through south east Asia is simply not gonna happen. Something I talk about, yes. Something I would actually plan, pay for and do; nope. I go to California because things have to be done there, Chicago or Barcelona to see friends and this time to Meran to see a friend’s parents and where she grew up. Every bloody year I tell people that I will go on a last minute trip to a Mediterranean island by myself to just relax and write. Never happens. Said it last time yesterday and already I know; fat chance. One specific thing that has been topping my list of “but this year I will REALLY go there!” is a good ol’ lesbian holiday. I even made a drunk promise last week to go and perform at Femö this summer … Femö = the Danish island where dykes from all over the map gather in the summer to join each other in ancient sacred sapphic rituals such as workshops, collective cooking and being naked on the beach. And for fuck’s sake; I still haven’t managed to get my flamboyant ass to Lesbos. However, dears, your favourite columnist had yet another one of her legendary epiphanies today; EVERY holiday is a queer holiday! Each time I go on a trip I google “gay bars and clubs”. If I’m going anywhere, it SHALL be gay. And although I didn’t find many queer places on the Estonian country side or in Monaco, the intentions were always good. My solution: tireless queerspotting, like counting cows on a five hour drive to nowhere. At the end of the day my first sentence to sum up my experiences is rarely about the beautiful basilica, but to proudly announce how many queers I saw walking the streets of Firenze. On this trip it already started when we changed trains in Innsbruck and a dyke was eavesdropping on us talking about Rita Mae Brown. I KNEW that she was listening to our conversation, totally lesbian style, while the others said that she was simply a German teacher, alas the dyke-look. But what do they know. They don’t have the same queer travelling experience that I do. And for the record, no. I haven’t learned nothing since my last column. Denice hopes that her precious lesbian mafia crew won’t un-invite her to Femö after having put them in a quite prejudice dyke cliché context. She means it with love.

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an.lesen

Pimp my revolution Als „Craftivism“ kehren Stricken, Häkeln & Co. zurück in den aktivistischen Diskurs. Von Vina Yun

1912 tauchte erstmals der Slogan „Do It Yourself“ – kurz DIY – in der US-Zeitschrift „Suburban Life“ auf. In der jüngsten Vergangenheit hat die Heimwerker-Parole von einst eine bemerkenswerte Renaissance erfahren, und die Idee des „Selbermachens“ zieht sich mittlerweile durch die unterschiedlichsten Bereiche der Kulturproduktion: von selbstorganisierten Medien­kanälen wie Zines oder Freien Radio­ sendern über digitale Open-Source-Projekte bis hin zu autonomen Distributionswegen für Musik. Aus dem weitläufigen DIY-Spektrum findet derzeit aber vor allem ein Bereich Beachtung: Die gute alte Hand- und Heimarbeit ist wieder salonfähig und erlebt unter dem Label „Crafting“ ein erstaunliches Comeback. Ob „Urban Knitting“ oder „Guerilla Gardening“: Stricken & Co. sind nicht mehr fade und altbackene Gender-Rollen zementierende Hobbys der Großeltern-Generation, sondern gelten neuerdings als „kreativer Widerstand“ gegen Kulturindustrie und Konsumismus. Die neue Kreativität hat allerdings auch ihre Tücken – immer öfter wird DIY als individueller Deko-Lifestyle für privilegierte Schichten (file under: „Neue Häuslichkeit“) denn als partizipatorische Praxis begriffen. So präsentierte etwa das italienische Luxus-Fashion-Label Fendi vor einiger Zeit eine quasi „nackte“ Tasche samt Stickset und Anleitung zur Selbstverschönerung – in limitierter Auflage und für wohlfeile 690 Euro. Wie ist aber die Rückkehr der Handarbeit gesamtgesellschaftlich zu verorten? Sind die Attribute „revolutionär“ und „radikal“, die dem Crafting neuerdings zugeschrieben werden, bloß schickes Etikett? Oder steckt in den Aktivitäten, die zuvor als Ausdruck einer repressiven „Hausfrauenkultur“ bzw. als „peinliche Handarbeit“ verschmäht wurden und nunmehr von jungen Feminist_innen angeeignet und umgedeutet werden, interventionistisches Potenzial? Fragen wie diesen geht der aktuelle Sammelband „Craftista!“ nach, herausgegeben vom 38 l an.schläge April 2012

„Critical Crafting Circle“ (Elke Gaugele, Verena Kuni, Sonja Eismann und Elke Zobl). Entlang zahlreicher Beiträge von Theoretiker_innen, Künstler_innen, Praktiker_innen und Aktivist_innen untersucht der Reader das Phänomen „Handarbeit als Aktionismus“ („Craftivism“) in seinen unterschiedlichen Dimensionen, etwa mit Blick auf historische Vorläuferbewegungen (z.B. die „Tricoteuses“, die Strickerinnen der französischen Revolution) oder auf die veränderten Arbeits- und Produktionsverhältnisse heutiger postfordistischer Ökonomien. Denn: Mittlerweile lässt sich die Kapitalismuskritik, die der Haltung der „Craftistas“/„Craftivistas“ implizit ist, vor dem Hintergrund des neoliberalen Selbstverwertungsdrucks durchaus in neue Märkte überführen, wie erfolgreiche Online-Verkaufsplattformen wie Etsy oder Dawanda beweisen. Der Vielfalt und Relevanz des Selbermachens nähert sich auch die Begleitpublikation zur aktuellen Ausstellung „Do It Yourself: Die MitmachRevolution“ an, die von Tine Nowak, Verena Kuni und Annabelle Hornung kuratiert wurde und nach Frankfurt nun in Berlin haltmacht. In den Themenblocks „Hobby“, „Arbeit“, „Gegenkultur“, „Wissen“ und „Medien“ wird dabei die Entwicklung der „Amateurkulturen“ vom 19. Jahrhundert bis hin zur heutigen Nutzung von Web 2.0 dargestellt. DIY als Politikum – das postulieren vor allem alternativ- und gegenkulturelle Bewegungen wie der Third Wave Feminism. Bei der Losung „Wir machen es uns selbst“ steht jedoch weniger der handgemachte Pulli oder das Radio Marke Eigenbau im Mittelpunkt denn die Umkehrung hierarchischer Strukturen: Eigeninitiative statt Fremdbestimmung, Selbstermächtigung statt professionellem (lies: männlichem) Expertentum, Offenlegung von Produktionsbedingungen, gemeinschaftlicher Austausch und Vernetzung, Entschleunigung und Absage an Profitdenken etc. Freilich, DIY als Mittel der Selbstorganisierung ist alles andere als neu. Interessant ist, was aktuell mit dem hippen DIY-Label versehen

„Pink Yarn“, 2009, © Alexandra Weinig

wird und was nicht – denn in vielen Weltregionen gehen dem „Selbermachen“ prekärste Bedingungen und der Kampf ums tägliche Überleben voraus. „Aus dieser Perspektive ist Crafting also nicht unbedingt ein Gegenstück zur ökonomischen Ausbeutung, sondern oftmals ganz einfach ein Resultat davon“, wie auch die Aktivist_innen des „Radikalen Nähkränzchens“ aus Innsbruck im „Craftista!“-Band resümieren. So müssen sich Craftivist_innen auf den Widerspruch einlassen, dass sich in der Artikulation ihres – durchwegs legitimen – Protestes zugleich der Wohlstand der westlichen Mittelkasse ­widerspiegelt.  l

Critical Crafting Circle (Hg.): Craftista! ­Handarbeit als Aktivismus, Ventil Verlag 2011, 15,40 Euro Do It Yourself: Die Mitmach-Revolution. ­ ataloge der Museumsstiftung Post und TeleK kommunikation, Band 29, Ventil Verlag 2011, 20,50 Euro Alle Infos zur Ausstellung unter www.diy-ausstellung.de


an.lesen Muttergeschichte

l Yvonne Hirdman ist Professorin für Frauen- und Gender-Geschichte in ihrer Geburtsstadt Stockholm. Ihre Mutter Charlotte (1900 –1966) führte ein ereignisreiches Leben, bevor sie sich in Schweden niederließ: Mit der elterlichen Buchhandlung in der Bukowina aufgewachsen, heiratet diese den „roten Grafen“, Schriftsteller und Widerstandskämpfer Alexander Stenbock-Fermor. Im Berlin der Weimarer Republik gehört Charlotte zur ­Bohéme und wird politisiert. Nach der Scheidung flieht die Kommunistin nach Moskau, ihr Partner, der Journalist Heinrich Kurella, wird 1937 Opfer Stalins. Über Frankreich gelingt ihr schließlich die Flucht nach Schweden. Zuletzt erschien von Yvonne Hirdman eine Biografie über die schwedische Friedensnobelpreisträgerin Alva Myrdal. Nach dem Tod ihrer Mutter beschäftigte sie sich mit deren Leben. Das Spannende an der über 500 Seiten starken Biografie ist nicht nur die kenntnisreiche Darstellung europäischer Geschichte anhand der eigenen Familienchronik, sondern auch Hirdmans Aufarbeitung der Mutter-Tochter-Beziehung. Sie lässt die Leser_innen teilhaben an ihrer Deutung von Fotografien, Tagebucheintragungen, Gedichten und Briefen. Dabei stellt sie Mutmaßungen an, verwirft, stellt infrage und schafft so eine Meta-Ebene, die dennoch eine große Nähe zu den Geschehnissen ermöglicht. Fiona Sara Schmidt

Yvonne Hirdman: Meine Mutter, die Gräfin. Ein Jahrhundertleben zwischen Boheme und Kommunismus Insel Verlag 2011, 23,60 Euro

Fakten statt Mythen  l „Die

Kulturalisierung des Integrationsbegriffs dient dazu, nicht über Menschen- und Bürgerrechte reden zu müssen“, lautet der zentrale Satz, mit dem das Problemfeld auch schon umrissen ist: In der emotional und populistisch geführten „Integrationsdebatte“ wird mit falschen Zahlen um sich geworfen und mit Pflichten und Integrationsleistungen der EinwanderInnen, mit angeblichen Mängeln, fehlenden Deutschkenntnissen und jeder Menge „Kultur“ argumentiert. Aber: „Die Integrationslüge verschluckt die wichtigen Fragen: Bildung, Gesundheit, Arbeitsmarkt, Wohnen, Menschenrechte, soziale Rangordnungen, …“

Thirtysomething-Krise

Eva Maria Bachinger, seit Jahren antirassisl Luise tisch engagierte Journalistin, und Martin Schenk, ist 32, hat einen Job, den sie Sozialexperte der Diakonie und Armutskonfemag, einen Freund, den sie renz, haben für ihr Buch nicht nur sehr viele liebt, und ist irgendwie doch Fakten gesammelt, sondern auch authentische nicht zufrieden. Erst ist alles Geschichten von Menschen, deren Vorankommen zuckersüß, doch spätestens an ökonomischen und sozialen Hürden scheitert. nach dem Zusammenziehen Die Jugendlichen in Berlin sind „Problemkinmit Flo wird ihr klar: So geht der“, weil sie aus stigmatisierenden sozialen das alles nicht. Und „alles“ Verhältnissen ausbrechen wollen – nicht urstimmt hier: Luise weiß gar nicht, wo und was sächlich aufgrund ihres Migrationshintergrunds. sie eigentlich anders machen könnte. All die Was zu tun wäre, sei klar: u.a. Schulklassenzahl Möglichkeiten überfordern sie, und gleichzeitig halbieren, mehr LehrerInnen, Frühförderung. vermisst sie bei sich einen entschlossenen „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Willen: „Aber ich will wollen! Alle wollen mehr, Umsetzungsproblem“, wird ein Sozialpädagoge weil sie mehr haben können, wenn sie nur zitiert. Das Buch ist ein wichtiger Beitrag zur wollen. Ich will auch wollen und dann haben!“ Versachlichung einer sozialen Debatte, in der Und mit diesem Gedanken befindet sich Luise es in erster Linie um Verteilungs- und Chancenmitten in der berühmten „Quarterlife-“ oder gleichheit geht.  Gabi Horak-Böck „Thirdlife-Crisis“. Zwar zeigt das zahlenmäßige Alter, dass man schon längst „erwachsen“ sein sollte, doch das innere Gefühl passt gar nicht Eva Maria Bachinger, Martin Schenk: Die Indazu, und dauernd stellt sich die Frage, ob man tegrationslüge. Antworten in einer hysterisch nicht eigentlich etwas Anderes vom Leben will: geführten Auseinandersetzung „Wir sind nicht mehr in unseren goldenen ZwanDeuticke 2011, 18,40 Euro zigern, wir sollten inzwischen erwachsen sein. Und alles, was wir zu bieten haben, sind vollgeschissene Hosen.“ l Die Feministisch ist der Roman von Sarah Kuttner Frage nach der Autor_innennicht direkt, und an einzelnen Stellen fragt man schaft eines Kunstwerkes ist sich, ob sie wirklich nötig gewesen sind – zum lange nicht so eindeutig, wie Beispiel wenn es darum geht, wie „männlich“ man immer glauben wollte. Luises Freund ist. Aber: „Wachstumsschmerz“ Was das für die performative ist sehr kurzweilig, liest sich gut und schnell Kunst bedeutet, das will die und ist gerade dann, wenn Konflikte auftauchen, Künstlerin und Herausgeberin Lilo Nein in „Die wahrlich herzzerreißend.  Bettina Enzenhofer anwesende Autorin“ näher erforschen. Sie lässt dazu Künstler_innen über ihre eigene Arbeit, über ihre Autor_innenschaft reflektieren. Dass Sarah Kuttner: Wachstumsschmerz dabei kein dröges Theorie-Buch herausgekomFischer 2011, 17,50 Euro men ist, ist der spannenden und schön gestalteten Zusammenführung der auf Deutsch und Englisch verfassten Beiträge zu verdanken. Wähl rend Christian Falsnaes eine Performance-Parti„Klettert auf einen Stuhl und tur erstellt und Isabelle Schad eher methodisch ruft: Ich bin eine Feministin!“ das Thema „Körper, Erfahrung und Schreiben in Das fordert die britische der Choreografie“ angeht, erläutert Jakob Lena Autorin und Kolumnistin Knebl auf Fotos nur mit seinem Gesicht, was mit Caitlin Moran in ihrem neuen „ich bin die anderen“ gemeint ist. Anhand von Buch „How to be a woman: Fotografien und Text schließlich thematisiert Wie ich lernte, eine Frau zu Carola Dertnig die Rolle der Frauen im Wiener sein.“ Moran ist alarmiert, dass nur 42 Prozent Aktionismus. Eine spannende Sammlung, die der britischen und 29 Prozent der US-amerikavieles erläutert, mehr noch aber kluge Anregunnischen Frauen sich als Feministinnen begreifen. gen zum Weiterdenken gibt.  Andrea Heinz Deshalb ruft sie uns auf, den Feminismus zurückzufordern – nämlich in zwei Schritten: Erstens müssten wir begreifen, dass bereits Lilo Nein (Hg.): Die anwesende Autorin / The „eine Vagina zu haben und über sie bestimmen Present Author. Wer spricht in der Perforzu wollen, uns zur Feministin macht“. Im mance? / Who Speaks in Performance? zweiten Schritt sollten wir eine Null-ToleranzRevolver Publishing, 23 Euro Haltung gegenüber täglichen Demütigungen entwickeln, sei es das Brazilian Waxing oder die

Und wer hat’s gemacht?

Feministisches Durcheinander

April 2012 an.schläge l 39


an.lesen XXS-Unterwäsche. Details, wie dieser Kampf zu führen ist, bleibt uns Moran aber schuldig. Der Feminismus kommt in ihrem Buch zu kurz, der englischsprachige Originaltitel „How to be a woman“ ist daher irreführend. Der deutsche Verlag hat das erkannt und in seiner Titelzeile verdeutlicht, worum es eigentlich geht: Morans Biografie. Es ist unmöglich, keine Sympathie für Jung-Caitlin zu hegen, das pummelige, eigenwillige Mädchen, das sich bereits mit fünfzehn für den Journalismus entscheidet. Am Ende wünscht die Leserin sich dennoch, Morans Leben und die Rückeroberung des Feminismus wären zwei verschiedene Bücher und kein unglückliches Durcheinander geworden.  Anna Gielas Caitlin Moran: How to be a woman: Wie ich lernte, eine Frau zu sein Ullstein Verlag 2012, 17,50 Euro

Familiengeschichte

l Der Roman „Die Frauen“ von Kate Walbert ist eine Generationengeschichte: Beginnend mit der Suffragette Dorothy Trevor Townsend, die infolge ihres Hungerstreiks stirbt, erzählt Walbert vom Leben von Town-

sends Nachfahrinnen. Wir begegnen Dorothys Tochter, die als Wissenschaftlerin Karriere macht, ihrer antikriegsbewegten Enkelin sowie den Ur- und Ururenkelinnen. Sie alle kämpfen um Selbstbestimmung und nähern sich diesem Ideal auf unterschiedlichen Wegen. „Meine Geschichte ist der Ihren, falls Sie eine Frau sind, ein gewisses Alter und Kinder haben, gar nicht so unähnlich“, liest die Urenkelin, als sie zufällig das Blog ihrer Mutter entdeckt. Und sie ist erstaunt über die Gleichartigkeit der Gefühle, wenn sie etwa bei ihrer Mutter liest, „wie lange es dauert, seine Stimme zu finden, und damit meine ich, irgendetwas Wahres zu sagen.“ Walberts Spurensuche über die Generationen hinweg bleibt jedoch unbefriedigend. Die Gliederung des Romans ist verwirrend, unchronologisch werden die vielen Frauen in einzelnen Kapiteln porträtiert. Ebenso diskussionswürdig ist der Buchtitel (im Original „A Short History of Women“): Er klammert nämlich alle Frauen aus, die nicht der Oberschicht angehören. Bettina Enzenhofer Kate Walbert: Die Frauen btb Verlag 2011, 20,60 Euro

Monologes Schweigen  l

Die französische Journalistin und Theaterkritikerin Sandrine Fabbri hat ihren ersten Roman geschrieben. Es ist ein kompaktes Büchlein, der Staccato-Stil liegt wohl nicht jeder Leserin, aber der lange Monolog ist zumindest in kurze Sequenzen unterteilt, was viele Verschnaufpausen bietet. Das Thema – der lange angekündigte und nach häufigen Krankenhausaufenthalten vorhersehbare Selbstmord der Mutter – gibt durchaus was her. Die Suche der Erzählerin, der Tochter, nach der Wahrheit und den Hintergründen führt sie in ein patriarchales Netz von Unterdrückung und Selbstaufgabe. Auch der Stoff ist also gut. Nur irgendwie kommt keine Nähe auf, die Protagonistin und ihre Familie bleiben Schablonen. Und es fehlt jede Spur von Lebensfreude, Hoffnung, Ausbrechen aus den zerstörerischen Rollen. Dass die Tochter dann der Mutter auch noch ankreidet, dass diese nach der Hochzeit ihre Weiblichkeit verloren hätte, weil sie ohne Make-up und High-Heels unterwegs war, macht die Sache nicht gerade besser.  Gabi Horak-Böck Sandrine Fabbri: Dieses endlose Schweigen. Aus dem Französischen von Yla M. von Dach Lenos Verlag 2011, 22,70 Euro

On Tour: Chaos und Schönheit bonustrack: Vera Kropf

Berlin, Donnerstagnacht, 05:16. Ich hätte diesen Text schon am Dienstag schicken sollen, aber da waren wir mit Luise Pop in Hamburg und haben in der Astra Stube gespielt. Am Samstag hatten wir noch in Wien gespielt, am Sonntag sind wir dann nach Berlin gefahren, und Montag kamen wir nach Hamburg, direkt von der Autobahn in den Medienbunker auf der Feldstraße zu „byte fm“ ins Radio. Zuerst wussten wir nicht, wo wir schlafen sollen, haben dann aber bei meiner Freundin Adja in St. Pauli einen Übernachtungsplatz für die ganze Bagage gefunden. Wegen eines Fussballspiels (St. Pauli gegen Karlsruhe, 2. Liga, St. Pauli hat 1:0 gewonnen, glaube ich) keinen Parkplatz gefunden. An der Reeperbahn gibt es Parkhäuser, die sind nicht billig, aber besser als ein Stein am Schädel. Am Dienstagnachmittag habe ich mit meiner Berliner Band Half Girl noch geprobt, und zwar im Proberaum der Hamburger Band Bessere Zeiten, deren Sänger Joachim Franz Büchner dann am Abend auch mit uns auf der Bühne war. Wir waren also drei Bands in der Astra Stube, es war ein wirklich toller Abend. Am Mittwoch mussten wir schon um neun Uhr morgens die Sachen abholen, dann nach Leipzig, wo nachmittags zwei Radio-Interviews geplant waren. Aber, auf der Autobahn, kurz vor Leipzig, plötzlich – das Auto

macht traktorartige Geräusche, und: peng! Der Tourbus hat jetzt leider einen Motorschaden und steht einsam auf dem Parkplatz einer ADACVertragswerkstatt in Schkeuditz, nahe dem Flughafen Leipzig-Halle. Immerhin haben wir es, mit einem Mietwagen, doch noch rechtzeitig zum Konzert in die naTo in Leipzig geschafft und wieder schön gespielt. Danach waren wir im Ilses Erika, wo die Berliner Band Die Türen ein Konzert gab. Bei Die Türen spielt Chris, der Vater von Half-Girl-Schlagzeugerin Anna Leena, Schlagzeug, und mein Ex-Freund Andreas ist der Gitarrist. Also quasi ein Familientermin. Und jetzt in Berlin, im Monarch einen fast schon triumphal schönen Abend gehabt. Chaos und Schönheit. Es geht weiter.

Vera Kropf ist Gitarristin und Sängerin in den Bands Luise Pop und Half Girl. Illustration: Lina Walde, http://linawalde.tumblr.com & http://evaundeva.blogspot.com

40 l an.schläge April 2012


an.klang

Unfolkiger Folk Folk, der eigentlich gar keiner ist, und Ehepärchen, die angenehm unspießige Musik machen – das ist doch mal ein passendes Programm für den wechselhaften Frühling. Von Sonja Eismann

Eines ist auf jeden Fall klar: Soko ist eine Type. Das Lied, das die 1986 geborene französische Schauspielerin in einem globalen Internet-Hype schlagartig auch als Musikerin bekannt machte, „I’ll kill her“, verabscheut sie heute. Weil es unehrlich gewesen sei, voller Schauspielerinnen-Getue. Als Kind verließ sie selten ihr Zimmer, und auch heute hasst sie Menschenaufläufe und kriegt die Krise, wenn sie mit mehr als drei Leuten dinieren muss. Für ihr lang erwartetes Album, das nun unter dem ziemlich passenden Titel I Thought I Was An Alien (Warner) erschienen ist, ließ sich die zwischen Paris, London, New York und Los Angeles nomadisierende Tochter eines Russo-Polen und einer Franko-Italienierin dann auch mal locker fünf Jahre Zeit und lernte selbst Gitarre und Bass, um musikalisch komplett unabhängig zu sein. Dass sie seit dem überraschenden Tod ihres Vaters, als sie erst fünf Jahre alt war, von Albträumen und Todesvisionen geplagt wird, hört man der minimal-folkigen Platte nicht an – zu betörend ist zu scheppernden Heimorgel-Beats und sanften Gitarren die heisere, manchmal brechende Stimme von Stéphanie Sokolinski, wie sie mit vollem Namen heißt. Der Teufel steckt im Textdetail, in dem die von MusikerInnen wie Daniel Johnston oder Karen Dalton beeinflusste geborene Bordeauxerin über herzzerrei­ßende Gefühle zwischen bedingungsloser Liebe und tiefen Ängsten singt. Was zunächst harmlos lieblich klingt, verdeckt klaffende Abgründe – wie im Song „Don’t You Touch Me“, in dem es zu punkigen Wutausbrüchen kommt. Da passt es ja, dass Soko in der Verfilmung von Virginie Despentes’ Roman „Bye-Bye Blondie“ die jugendliche Punkette Gloria spielt – und in Alice Winocours „Augustine“ eine pathologisierte Hysterikerin aus dem 19. Jahrhundert.

Als Folksängerin – und zwar als ebenso ungewöhnliche – versteht sich auch Y’akoto. Denn während viele ihr in Berlin, unter anderem mit Joy-Denalane-Gatten Max Herre, aufgenommenes Debütalbum Baby Blues (Warner) als „Soul“ etikettieren würden, ist das Y’akoto selbst zu engstirnig. „Soul-seeking“ trifft es für die in Hamburg geborene Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers da schon besser. Mit ihrer an Größen wie Erykah Badu, Nina Simone und Billie Holiday erinnernden Stimme und funky-jazzy bis besinnlichen Arrangements singt die zwischen Hamburg, Paris und Lomé (Togo) pendelnde Musikerin vornehmlich über verlorene Liebe und Selbstzweifel, aber in „Tamba“ auch über das Schicksal von afrikanischen Kindersoldaten. Musikalisch an mancher Stelle ein wenig zu glatt auf geschmeidige Gefälligkeit poliert, besticht „Baby Blues“ doch durch Y’akotos stimmliche Ausdruckskraft. Wunderbar geschmeidig, ohne trivial zu werden, klingt auch das bereits vor einem Jahr in Eigenregie und jetzt vom rührigen Berliner Sinnbus-Label wieder veröffentlichte Album der EhepärchenBand Rue Royale. Ruth und Brookln Dekker, die 2008 vom nordamerikanischen Chicago ins englische Nottingham übersiedelten, bilden zwar eine DIYBand im besten Sinne – mit Zigtausenden von Tour-Meilen unter der Haube, selbst veröffentlichten Platten sowie liebevollem Merchandise (teilweise selbst gestrickt!) im Gepäck –, doch ihrer Musik, die auf Guide To An Escape (Sinnbus/Rough Trade) tatsächlich an manchen Stellen wie die Alternativ-Variante ihrer Vorbilder Fleetwood Mac klingt, hört man das Selbstgemachte in keinster Weise an. Sphärische Gitarren, verwischt chorale Frauen- und Männerstimmen und hier und da ein paar dekorative Glöckchen oder Synthies.

Y’akoto © Warner Music Entertainment

Träumerisch schön und tatsächlich auf feine Weise eskapistisch. Und zum Schluss ein weiteres Paar-Projekt, dieses aber mit einem elektronischen Fundament: Julienne Dessagne, Multi-Instrumentalistin, und ihr Ehepartner Sascha Funke, Berliner Techno-Produzent, kehren mit ihrem ersten gemeinsamen Album Unknown (­Kompakt/Rough Trade) als ­Saschienne zu Funkes erster Labelheimat, dem traditionell frauenarmen Kölner Kompakt-Label, zurück. Zu reduzierten technoiden Beats beschwört Dessagnes tiefe Stimme mit halbem Sprechgesang dunkle Club-Visionen herauf, die so gar nicht an stille Ehe-Idylle denken lassen. Aber es gibt auch luftigere Momente, in denen dahingetupfte Sounds als pastellige Wölkchen durch den Cocon fliegen – alles harmonisch also.  l

Links www.myspace.com/mysoko www.yakoto.de http://rueroyalemusic.com www.kompakt.fm/artists/ saschienne

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an.sehen

Schweigen vor Landschaft mit Wein Anja Salomonowitz hat in Zusammenarbeit mit Dimitré Dinev ihren ersten Spielfilm gedreht. Darin gibt es viele Erzählstränge und wenige Farben: eine Bildfolge in Brauntönen mit politischem Anspruch. Von Lisa Bolyos

„Wir sind kein beschissenes Reisebüro!“ – „Und ich bin kein Scheißtourist.“ So wird in einem Streit ums Eingemachte im schmierigen Geldbeschaffungsinstitut in der Ottakringer Straße (ja, ja, wo sonst) Migration definiert. Sava (Grégoire Colin) fordert dort von den Kollegen seines verstorbenen Schleppers die Rückzahlung des offenen Betrags bis zum Reiseziel. Kein Scheißtourismus. Sondern elfmal so teuer und unendliche Male so risikoreich. Auf einer Weinviertler Landstraße, in der ersten Szene schon, schließt sich der Kreis der später sorgsam entwickelten Geschichten bei einem Autounfall. Sava, ein junger Restaurator, verschwindet unverletzt vom Unfallort und versucht, nach einer kurzen Zeit der Orientierung, seinen Weg nach Spanien fortzusetzen. „¿No estoy en España?“ – „No, no, Austria. Austria.“ Die Antwort des Dorfpfarrers im braunen Pullover, der Sava durch abendsonnige Hügellandschaften auf seinem braunen Motorroller mitnimmt, quittiert der Gestrandete maximal mit einem Stirnrunzeln – unter seiner braunen Hipster-Frisur. Braun, orange, erdfarben: Der ganze Film, die Kostüme, jegliches Inventar, die Handys, das Müsli, 42 l an.schläge April 2012

Grégoire Colin, Anja Salomonowitz © Dor Film / Simon Varsano

die Badezimmerfliesen, selbst die Haarfarben von Menschen und Hunden sind aus derselben Farbpalette gewählt. „Bodenständig und doch märchenhaft“ ist – ein wenig verkürzt – Salomonowitz’ Begründung für die Farbwahl. Ein bisschen sandiger Western, ein bisschen handfeste Realität. Rasende Langsamkeit. Wie ein Westernheld würde sich auch Albert (Cornelius Obonya) gerne fühlen, der gewalttätige, geschiedene Mann, der es bei der Fremdenpolizei zu seinem sadistischen Vergnügen macht, binationale Ehen infrage zu stellen. Der seine ehemalige Ehefrau Magdalena (Tatjana Alexander) stalkt und den Machtverlust als Liebesverlust inszeniert. Magdalena, ihres Zeichens Ikonenmalerin, beginnt ein wortloses Liebesverhältnis mit Sava im sakralen Raum der renovierungsbedürftigen Kirche. Und Erzengel Gabriel (Lukas Miko) kämpft gemeinsam mit Helene (Stefanie Dvorak) parallel zu allen anderen um ein prekäres Familien-

glück. Und sie alle treffen sich auf den Kreuzungen der Zeitschleifen, auf denen der Film trotz Langsamkeit in Wort und Bild dahinrast. Szenen aus dem Film: Vergoldete Haut gegen zugefügten Schmerz. Der Blick vom Bagger über die Enge der Welt. Zartschweres Kindergespür für erwachsene Unzulänglichkeiten. Und ein bisschen zu viel Sentimentalität auf der Scheinehen-Jagd. Parteiischer Blick. Anja Salomonowitz hat sich von ihren Dokufilm-Recherchen zu einer Spielfilmproduktion führen lassen. Die Zerstörung von binationalen Beziehungen durch die Praxis der Fremdenpolizei hat sie motiviert, sich mit der Fragilität der Liebe in einer rassistischen Gesellschaft zu befassen. In „Spanien“ sind die einzelnen Schauplätze kaum mehr als Kulisse für die gewaltförmige Beziehung von Albert zu Magdalena. Die schlussendlich nicht ungerächt bleibt, was den etwas zu vielseitigen Blick auf die Verhältnisse wieder dorthin lenkt, wohin

er am nötigsten zu richten ist: auf die Position der Parteilichkeit. Ihre Positionierung zum Heiraten stellt die Regisseurin im Interview zum Film außer Frage: „Selbst wenn jemand eine Scheinehe eingeht – das find ich gut, ja.“ Bei der Benennung von Beziehungsgewalt hingegen wäre eine etwas präzisere Sprache wünschenswert gewesen: Nicht Eifersucht (neben Spielsucht und Sehnsucht – das sind die drei Motive, die dem Film vorangestellt werden: als weiße Worte in handgeschriebenem Schriftzug), sondern häusliche Gewalt ist das Thema. Das ergibt zwar kein so ein romantisches Wortspiel, wird aber der Brutalität dessen, wovon „Spanien“ erzählt, viel eher gerecht. l

Spanien (Österreich, 2012) Regie: Anja Salomonowitz, 102 min., ab 23.3. in den österreichischen Kinos


an.künden Redaktionsschluss Termine 05/12 10.04.2012 termine@anschlaege.at

fest musik 1.4.–31.5., Wiener Neustadt Anmeldephase für das Girls Rock Camp NÖ (19.–25.8.) für Mädchen von 14 bis 21 Jahren Jugend- und Kulturhaus Triebwerk, 2700 Wr. Neustadt, Neunkirchnerstraße 65b, www.girlsrock.at 6.4., 20.00, Berlin Nina Hagen und Band: Volksbeat, Tickets €27, VVK unter www.koka.de Astra Kulturhaus, Berlin, Revaler Str. 99, 10245 Berlin, T. 030/20056767, www.astra-berlin.de 12.–22.4., Wien Soundframe – Festival for Audiovisual Expressions, mit u.a. Ikonika, Anna Leiser, Enscha, Nightwave u.v.m., div. Veranstaltungsorte, Programm u. Infos unter http://2012.soundframe.at 14.4., 21.00, Wien VILLA Frühlingsfest RoSa, Lila Villa, 1060 Wien, Linke Wienzeile 102, T. 01/5868150, www.villa.at 16.4., 20.00, Wien Girls Rock Camp NÖ presents STLS (US) & MAYR (A), Tickets €7 Arenam 1030 Wien, Baumgasse 80, T. 01/7988595, www.arena.co.at 21.4., 20.00, Berlin LesbensLust – TanzParty, eine Einladung zum Tanzen für Frauen BEGiNE – Treffpunkt und Kultur für Frauen e.V., 10783 Berlin, Potsdamer Str. 139, T. 030/2151414, www.begine.de 28.4., 21.00, Wien Diversity Ball, 5. Ballnacht der Vielfalt, abwechslungsreich und barrierefrei, Tickets VVK €45/39 Kursalon Wien, 1010 Wien, Johannesgasse 33, 01/4098318, www.diversityball.at

film ab 5.4., Österreich Das bessere Leben (Elles) (F/D/Polen 2011), Drama mit Juliette Binoche, Anais Demoustier u.a., Regie: Malgorzata Szumowska

10.–29.4., Österreich HUNGER.MACHT.PROFITE 5 – Die Filmtage zum Recht auf Nahrung, mit Filmen wie u.a. LoveMEATender, Voices of Transition, Raising Resistance u.v.m. Veranstaltungsorte und Programm unter http://hungermachtprofite. blogspot.com ab 13.4., Österreich Sommer 1972 (Ö 2012), Regie: Wilma Calisir. Die junge Filmemacherin Wilma Calisir begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit ihrer weit verzweigten Familie. 17.–22.4., Köln Internationales Frauenfilmfestival, Einzeltickets € 7/5, Dauerkarte €60/50, Programmdetails und Festivalorte unter www.frauenfilmfestival.eu 19.4., 19.00, Wien Guerilleros in den kurdischen Bergen & Bêrîtan, Spielfilme über die als Märtyrerin verehrte Kommandantin Gülnaz Karatas, danach Diskussion mit kurdischen AktivistInnen Depot, 1070 Wien, Breite Gasse 3, T. 0699/13537710, www.depot.or.at 25 –28.4., Linz Crossing Europe – Filmfestival Linz Programm und Veranstaltungsorte unter www.crossingeurope.com div. termine, Österreich Spanien (Ö 2012) Regie: Anja Salomonowitz, mit: Tatjana Alexander, Grégoire Colin, Cornelius Obonya, Lukas Miko, Wolf Bachofner, Doris Schretzmayer, u. a.

bühne 3.4., 20.30, Salzburg Costas Kekis/cieLaroque Helene Weinzierl: What u lookin’ at, Performance in Kooperation mit Anna MacRae ARGEkultur Salzburg, 5020 Salzburg, Ulrike-Gschwandtner-Straße 5, T. 0662/848784, www.argekultur.at 8.–10., 13.–16.4., 20.00, Berlin Don’t move – ein Tanzstück von Modjgan Hashemian & Susanne Vincenz über das Tanzverbot im Iran, Tickets €14/8 Ballhaus Naunynstraße, 10997 Berlin, Naunynstraße 27, T. 030/75453725, www.ballhausnaunynstrasse.de

10.–14., 17.–21., 24.–28.4., 20.30, Wien ARGE Mordslust – ein musikalischer Thriller, Regie: Susanne Draxler, mit Caroline Koczan, Petra Kreuzer, Linde Prelog, Susanne Rader, Herbert Tampier, Tickets € 17/13/10 Kosmostheater, 1070 Wien, Siebensterngasse 42, T. 01/ 5231226, www.kosmostheater.at 11.4., 20.30, Wien Eszter Salomom:Tales of Bodiless – Musikalische Fiction ohne Science, Tickets € 18 Tanzquartier Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien, T. 01/5813591, www.tqw.at 14.,19.,20.4., 20.00, Wien Was geschah nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaft, von Elfriede Jelinek, Tickets € 19/10 Garage X, Garage 1, Theater Petersplatz, 1010 Wien, Petersplatz 1, T. 01/5353200, www.garage-x.at 15.4., 20.00, Salzburg Luise Kinseher: Einfach reich. Ein virtuoses Typen-Kabarett übers Haben und Nichthaben. Tickets € 22/20/11 ARGEkultur Salzburg, 5020 Salzburg, Ulrike-Gschwandtner-Straße 5, T. 0662/848784, www.argekultur.at 24.–28.4., 20.00, Wien Festival des Absurden, mit Lucy McEvil, Stefano Bernardin, Hubsi Kramar, u.a. 3-raum Anatomietheater, Raum 1, 1030 Wien, Beatrixgasse 11, T. 0650/3233377, www.3raum.or.at 25.4., 21.30, Wien Spontan: WIE ES UNS GEFÄLLT II, Event mit Poetry Slam-Queen Mieze MeduSa, und der Sponti-Post-GirliePunk-Band sibylle, Tickets € 9 Rote Bar, Volkstheater, 1070 Wien, Neustiftgasse 1, T. 01/521110, www.volkstheater.at 17., 20., 25., 27.4., 19.30, Wien Enigma Emmy Göring. Modernes Theater Wien, von Werner Fritsch, mit Karin Pettenburger, Regie: Hartmut Nolte, Tickets € 24/12 unter T. 01/504 86 81 ost klub/Bar, 1040 Wien, Schwarzenbergplatz 10, T. 01/5056228, www.ostklub.at 27.u. 28.4., 19.30 u. 21.00, Berlin Naoko Tanaka: Die Scheinwerferin, Tickets € 10/7 Sophiensäle, 10178 Berlin-Mitte, Sophienstraße 18, T. 030/28352 66, www.sophiensaele.com

FRAUENHOTEL artemisia BERLIN Zimmer zum Wohlfühlen in Citylage Ab 39,– Euro Brandenburgische Str. 18, 10707 Berlin, T 0049 30 8738905 artemisia@frauenhotel-berlin.de www.frauenhotel-berlin.de

seminar workshop 12.–13.5., 11–17.00, Berlin GENDER TRAINING – Geschlechterrolle vorwärts, Teilnahmegebühr €30 Queer Leben, 10999 Berlin, Glogauer Straße 19, Anmeldung unter www. fes.de/forumpug/campus-reihe/anmeldung.php 17.4., 9–19.00, Wien Der Weg zur beruflichen Gleichstellung am Beispiel von Bibliothekarinnen, Koordination: Edith StumpfFischer, Ilse Korotin, Tagesprogramm unter www.univie.ac.at/iwk Institut für Wissenschaft und Kunst, 1090 Wien, Berggasse 17/1, T. 01/3174342 18.4., 19–21.00, Wien Human Right Talk: Verliebt, verlobt, verpartnert? Möglichkeiten und Grenzen der Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen PartnerInnenschaften, Podiumsdiskussion Universität Wien, Marietta-Blau-Saal, 1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, T. 01/42770, www.univie.ac.at 26.4., 18.30, Linz Bilder im Kopf, Workshop zum Thema Vorurteile Verein Begegnung – Arcobaleno, 4020 Linz, Friedhofstraße 6 (blaues Haus im Hof), T. 0732/605897, acrobaleno.info

vortrag diskussion 2.4., 19.00, Linz diskuthek: Feministische Religionsphilosophie und Queer-Theory, Diskussion mit Brigitte Buchhammer Autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz, Starhembergstraße 10, Ecke

Mozartstraße, 2. Stock, T. 0732/602200, www.frauenzentrum.at 16.4., 19.00, graz Patientinnen haben Rechte. Vortrag und Diskussion mit Christine Hirtl, Teilnahme kostenfrei, Anmeldung erbeten unter frauen.gesundheit@ fgz.co.at Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz, Joanneumring 3, T. 0316/837998, www.fgz.co.at 23.4., 19.00, Wien Sing it loud! Musik der Frauenbewegung in den 1970ern und -80ern, Vortrag u. musikalische Illustrationen von Leni Kastl Stichwort, 1040 Wien, Gusshausstraße 20/1A+B, T. 01/8129886, http://www.stichwort.or.at 26.4., 19.30, Berlin Julie Wolfthorn: Vortrag über Leben und Werk der Malerin und Grafikerin BEGiNE – Treffpunkt und Kultur für Frauen e.V., 10783 Berlin, Potsdamer Str. 139, T. 030/2151414, www.begine.de

ausstellung bis 5.4., Wien Dritan Hyska – Adela Jusic – Mladen Bundalo, Artists-in-ResidenceAusstellung Galerie ArtPoint, 1010 Wien, Universitätsstraße 5, T. 01/52387650, www.kulturkontakt.or.at 13.4., 20.30, innsbruck Vernissage: Nikolina Žunec – NICOART Autonomes FrauenLesbenZentrum Innsbruck, 6020 Innsbruck, Liebeneggstraße 15, T. 0512/580839, www.frauenlesbenzentrum.at

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an.künden Caroline Heider, „Jemima Stehli: After Newton’s Here they come II, S. 28“, 2012, © VBK Wien

Verschollenes Jemima Stehli reinszeniert Konzepte bekannter Künstler_innen und schlüpft selbst in die Rolle der „Anderen“, indem sie ihren eigenen, nackten Körper als Projektionsoberfläche gesichtslos ins Bild setzt. Caroline Heider hinterfragt in ihren Bildern den repräsentierten Bildkörper selbst: Durch Faltungen entstehen am Fotomaterial Ausblendungen, deren Leerstellen nur mit unserer eigenen Identifikation mit dem Vorbild ersetzt werden können. bis 5.5., Caroline Heider und Jemima Stehli: Der Verschollene: Bodies of work, Galerie Raum mit Licht, 1070 Wien, Kaiserstraße 32, Mi–Fr 14–18.00, Sa 11–14.00, T. 01/5240494, www.raum-mit-licht.at

Let’s Jazz! Im FZ wird’s jazzig! Das FrauenJazzCafe präsentiert ab sofort jeden Monat einen Live-Act, exklusiv für Frauen. Den Anfang macht im April das Duo Nika Zach und Julia Seidl alias Pearlmania. Durch die Verbindung verschiedener Jazzstile zaubern die Musikerinnen mit Klavier und Stimme einen Haufen bunter musikalischer Ideen voll Groove, Virtuosität, Ironie und Emotion. 13.4., 19.00, JazzIn – Das FrauenJazzCafe, jeden 1. Freitag im Monat, FZ-Bar, 1090 Wien, Währingerstraße 59/6, Eingang Prechtlgasse – bitte läuten. bis 15.4., Salzburg Anna Jermolaewa: Das vierzigste Jahr. Fotoportäts unterschiedlicher Lebensmodelle Salzburger Kunstverein, Künstlerhaus, 5020 Salzburg, Hellbrunner Straße 3, T. 0662/84229427, www.salzburger-kunstverein.at bis 30.4., Wien Elfie Semotan. Fotografien und Skultpturen die angewandte, 1010 Wien, Ausstellungszentrum Heiligenkreuzer Hof (Eingang Grashofgasse 3 od. Schönlaterngasse 5), Mo–Mi, Fr 14–18.00, Do, 14–20.00, www.dieangewandte. at, www.semotan.com bis 30.4., Wien Anna Jermolaewa: Handschuhe aus Gummi, Putzkittel und Wischmopp. Foto- und Videoausstellung

Arbeiterkammer Wien, 1040 Wien, Prinz Eugen Straße 20-22, Mo–Fr, 8–18.00 (Eintritt frei), T. 01/501650, http://kultur.arbeiterkammer.at bis 6.5., Linz Ursula Biemann: Mission Reports. Videoessays. Eintritt € 6,50/4,50 Lentos Kunstmuseum Linz, 4020 Linz, Ernst-Koref-Promenade 1, Di–So 10–18.00, Do, 10–21.00, T. 0732/70703600, www.lentos.at bis 13.5., München Georgia O’Keeffe (1887–1986) – Leben und Werk, Eintritt € 11/5 Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, 80333 München, Theatinerstraße 8, tägl. 10–20.00, T. 089/224412, www.hypo-kunsthalle.de bis 16.5., Wien Cindy Sherman: That’s me – That’s not

Feminismus bio-logisch? Ist Biologie Legitimationsgrundlage für sexistische Unterdrückung und Feind des Feminismus? Oder können moderne Zellbiologie, Genetik und Molekularbiologie einen Beitrag zur Emanzipation leisten? Und ist umgekehrt Feminismus zum notwendigen Werkzeug biologischer Forschung geworden? Diese Fragen erörtert Margarete Maurer, feministische Philosophin und Mikrobiologin, im Depot. 25.4., 19.00, Feminismus in der biologischen Forschung – feminismen diskutieren, Depot, 1070 Wien, Breite Gasse 3, T. 0699/13537710, www.depot.or.at 44 l an.schläge April 2012

me. Das Frühwerk 1975–1977. Vertikale Galerie der VERBUND-Zentrale, 1010 Wien, Am Hof 6a, jeden Mi, um 18.00 u. jeden Fr, um 16.00 (Eintritt frei), T. 0/50313-50044, www.verbund.com/sammlung

N.Kabiru, Lazarus Tumbuti, Harrison Mburu u. Meshak Oiro FORTUNAGalerie, 1090 Wien, Berggase 21, Mo–Fr, 10–18.00, T. 01/586685422, www.fortunamedia.at

bis 28.5., Berlin DoDo, – Ein Leben in Bildern, 120 grafische Arbeiten Sammlung Modebild – Lipperheidesche Kostümbibliothek, 10785 BerlinTiergarten, Matthäikirchplatz 6, Di–Fr, 10–18.00, Sa, u. So 11–18.00, T. 030/266424101, http://ifskb.de/modebild

bis 1.7., Krems Wunder. Kunst, Wissenschaft und Religion. Vom 4. Jahrhundert bis zu Gegenwart, mit Werken von Yoko Ono, Francis Alÿs, Joseph Beuys, Dara Birnbaum, Jonathan Horowitz, Helmut & Johanna Kandl, Martin Kippenberger & Albert Oehlen, Terence Koh, Ingeborg Lüscher, Katharina Sieverding, Franz West u.a., Eintritt € 10/9 Kunsthalle Krems, 3500 Krems, Franz-Zeller Platz 3, tägl. 10–17.00, T. 02732/908010, www.kunsthalle.at

bis 24.6., Mannheim Pipilotti Rist: Augapfelmassage. Videoarbeiten, Skulpturen und raumgreifende Installationen aus über 25 Schaffensjahren, Eintritt € 7/5 Kunsthalle Mannheim, 68165 Mannheim, Friedrichsplatz 4, Di–So, Feiertage 11–18.00, Mi, 11–20.00 (Eintritt frei), T. 0621/2936452, www.kunsthalle-mannheim.de bis 25.6., Wien Eveline Rabold: Fokus, Blicke, Faltungen. Fotoarbeiten, Eintritt frei KosmosTheater, Theaterfoyer, 1070 Wien, Siebensterngasse 41, jeweils 90 Minuten vor Vorstellungsbeginn, T. 01/5321226, www.kosmostheater.at bis 30.6., Wien ausgeFLIPpt – Junge Kunst aus Kenia, mit Werken von Gor Soudan, Cyrus

bis 3.3.2013, Wien At Your Service – Kunst und Arbeitswelt, mit Werken von Anna Jermolaewa, Ulrike Lienbacher, Anne Talentire u.a., Eintritt € 10 Technisches Museum Wien, 1140 Wien, Mariahilferstraße 212, Mo–Fr, 9–18.00, Sa, So u. Feiertag 10–18.00, T. 01/899980, www.technischesmuseum.at

lesung 16.4., 19.00, Berlin Literaturrunde: Elfriede Jelinek „Winterreise“ BEGiNE – Treffpunkt und Kultur für Frauen e.V., 10783 Berlin, Potsdamer Str. 139, T. 030/2151414, www.begine.de

30.4., 20.,00, Wien Christiane Rösinger „Liebe wird oft überbewertet“, mit Showband Claudia Fierke, Andreas Spechtl, Stefan Pabst, Tickets: € 14/12 brut – Künstlerhaus, 1010 Wien, Karlsplatz 5, T. 01/5870504, www.brut-wien.at

aktivitäten 26.4., div. Veranstaltungsorte Girls Day 2012 – Berufs- und Bildungsinformation für Mädchen Termine z.B unter www.mona-net.at/ network/girlsday jeden Mo, 17–19.00, Wien LBT-Spot – Treffpunkt für junge Lesben, Bi’s und Trans*personen zwischen 13 und 20 Jahren, Infos u. Termine: www. villa.at/lilatip Lila Tipp – Lesbenberatung, 1060 Wien, Linke Wienzeile 102, T. 01/5868150 jeden Do, 19.00, Salzburg Frauenabend der HOSI Salzburg Homosexuelle Initiative Salzburg, 5020 Salzburg, Gabelsbergerstraße 26, T. 0662/435927, www.hosi.or.at jeden Do, 16.30–18.30, Hamburg LesbenTreff-Café: Klönschnack in ungezwungener Atmosphäre, für Lesben jeden Alters Lesbenverein Intervention e.V., 20357 Hamburg, Glashüttenstraße 2, T. 040/245002, www.intervention-hamburg.de

20.4., 19.00, Wien Elisabeth Reichart liest aus „Die Voest-Kinder“ Buchhandlung ChickLit, 1010 Wien,, Kleeblattgasse 7, T. 01/5331964, www.chicklit.at

jeden Freitag, 12–20.00, Berlin Sexclusivitäten mit Laura Méritt: Freitags-Freuden-Salon bei Kaffee & Kuchen, ab 18 Uhr Veranstaltungen zu verschiedenen Themen Sexclusivitäten, 10961 Berlin, Fürbringerstraße 2, T. 030/6936666, www.sexclusivitaeten.de

24.4., 20.00, Ried im Innkreis Maja Haderlap „Engel des Vergessens“ KiK – Kunst im Keller, 4910, Ried im Innkreis, Harwagnerstraße 14, www.kik-ried.com

div. Termine, Schweiz Wen-Do, – Selbstverteidigung und Selbstbehauptung von Frauen, für Mädchen und Frauen Infos und aktuelles Kursangebot unter www.wendo.ch

26.4., 19.00, Wien Regina Nössler liest aus dem Thriller „Auf engstem Raum“ Buchhandlung ChickLit, 1010 Wien, Kleeblattgasse 7, T. 01/5331964, www.chicklit.at

div. Termine, Berlin Kneipenabende, div. Stammtische, Spiele-Abend und Kreativwerkstatt BEGiNE – Treffpunkt und Kultur für Frauen, 10783 Berlin, Potsdamer Str. 139, T. 030/2151414, www.begine.de


an.künden Porno, queer Der Film „Sisterhood“ dokumentiert Gespräche mit Frauen, die vor und hinter der Kamera an Marit Östbergs Pornofilmen mitgearbeitet haben: Sie sprechen über ihre Motivation und ihre Erfahrungen und diskutieren das queer-feministische Potenzial des Genres. Marit Östberg, Aktivistin, Journalistin und Filmemacherin aus Schweden, produziert seit drei Jahren queer-feministische Pornos, die weltweit auf diversen Festivals zu sehen sind.

Marit Östberg © Nadja Brendel

19.4., 20.00, Sisterhood: Filmvorführung und Diskussion, Schwules Museum, 10961 Berlin, Mehringdamm 61, T. 030/69599050, www.schwulesmuseum.de

beratung

9–12.00, Do, 13–16.00), www.frauenzentrum.at

jeden Mi, 20.00–21.30, Wien Coming-out-Gruppe für Lesben (Neuund Quereinsteigerinnen, Spätzünderinnen und solche, die sich – noch – nicht sicher sind), Termine: 23.5., 30.5., 6.6., 13.6., 20.6., 27.6. Lila Tipp – Lesbenberatung, 1060 Wien, Linke Wienzeile 102, T. 01/58681650, www.villa.at/lilatip

radio fixtermine

jeden Donnerstag (werktags), 9–11.00, Graz Infotage 2012, Bildungsberatung im Rahmen von zam (Zentrum für Ausbildungsmanagement), spezielle Angebote für Frauen mit Interesse an technischen Berufen, bis 28.6. im zam Frauenservice, 8020 Graz, Lendplatz 38, ab 5.7. im zam nowa, 8010 Graz, Jakominiplatz 16, Steinfeldhaus, weitere Infos unter T. 0316/482600, www.nowa.at

Mo, 18–19.00, Wien Khorschid Khanum – Die persischsprachige Frauensendung Orange 94.0 MHz, Live Stream: http://o94.at, jeden 1. Mo, Mo, 19–20.00, Oberösterreich 52 Radiominuten – Sendung von FIFTITU%, Vernetzungsstelle für Frauen in Kunst und Kultur in OÖ Radio FRO, 105.0 MHz (Linz), Live Stream: http://fro.at, jeden 4. Mo

Mo, 18–19.00, Kärnten Frauenstimmen – Glas zena Radio Agora 105.5 MHz (Dobrac), Live Stream: www.agora.at, wöchentlich Di, 13–14.00, Wien Globale Dialoge – Women on Air Orange 94.0 MHz, Live Stream: http://o94.at, wöchentlich Di, 18–19.00, Wien Weibertalk – Sendung des Autonomen FrauenLesbenZentrums Innsbruck Orange 94.0 MHz, Live Stream: http://o94.at, jeden 2. Di

jeden Fr, 14–19.00, Berlin Coming-Out-Beratung für Frauen, telefonisch, persönlich oder per E-mail beratung@spinnboden.de Spinnboden Lesbenarchiv, 10115 Berlin, Anklamer Straße 38, 2. Hinterhof/3. Aufgang/2. Stock, T. 030/4485848, www.spinnboden.de div. Termine, Vorarlberg FEMAIL-Sprechtage zu Themen wie Beihilfen, Karenz, Wiedereinstieg, Bildung, Gesundheit, Trennung und Pension Sprechtage und Orte unter www. femail.at div. Termine, Berlin Frauenkreise – anonyme Krisen- Konflikt- und Rechtsberatung für Frauen Frauenkreise – soziokulturelles Projekt, 10991 Berlin Mitte, Choriner Straße 10, T. 030/2806185, www. frauenkreise-berlin.de div. Termine, Wien, Graz, Innsbruck verschiedene therapeutische Gruppen, z.B. Young*Trans, Queer*Family, SAPPHO u.a. COURAGE – Beratungsstelle für gleichgeschlechtliche und transGender Lebensweisen, Standorte und Termine unter www.courage-beratung.at nach Terminvereinbarung, Linz Rechtsberatung, psychosoziale Beratung, Selbsthilfegruppen, Beratung nach Terminvereinbarung Autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz, T. 0732/602200 (Mo–Fr,

CocoRosie © Jean-Marc Ruellan

Back to Paradise Unter dem Motto „Die Vertreibung ins Paradies“ begibt sich das diesjährige donaufestival entlang zahlreicher Musik- und Performance-Acts auf die Suche nach dem Garten Eden gesellschaftlicher Utopien. CocoRosie, Spezialistinnen in Sachen queere Wunderwelten, sind mit einem Großprojekt vertreten: Die Casady-Schwestern präsentieren u.a. die Uraufführung der Popera „Soul Life“ und hosten ein All-StarsKonzertwochenende mit ungewöhnlichen Pairings wie z.B. Laurie Anderson mit Light Asylum, Scout Niblett mit Lapdog of Satan oder Antony Hegarty mit Sissy Nobby. 28.–30.4. u. 3.–5.5., donaufestival, Krems an der Donau, www.donaufestival.at

© Carolina Frank

Mitfibern! Zehn Jahre – zwanzig Ausgaben „fiber. werkstoff für feminismus und popkultur“. Zu diesem besonderen Anlass gibt es eine Jubiläums-Release-Party der Extra-Klasse: Scream Club heizen mit einer Mischung aus Elekto, Punk und HipHop ein, United Queendoms bringen das brut zum Überkochen. Feier mit den fiberHeld_innen und sichere dir die Jubiläumsausgabe! 28.4., 21.00, fiber #20: Superheld_innen: We can be hero_ines – for more than 10 years, brut Konzerthaus, 1030 Wien, Lothringerstraße 20, Eintritt: €6 inkl. aktuellem Heft, www.fibrig.net, www.brut-wien.at Di, 20–21.00, Deutschland Mrs. Pepsteins Welt – FeminismusAllüren, und Musik, Musik, Musik Radio Blau 99.2 MHz (Leipzig), www.mrspepstein.de, jeden 4. Di

Fr, 18–19.00, Wien Radio UFF – Sendung des Unabhängigen FrauenForums Orange 94.0 MHz, Live Stream: http://o94.at, jeden 1. Fr

Di, 21–22.00, Wien female:pressure – Feministisches Magazin zu Musik- und Clubkultur Orange 94.0 MHz, Live Stream: http://o94.at, jeden 2. Di

Fr, 19–20.00, Oberösterreich SPACEfemFM Frauenradio

Mi, 18–18.30, Salzburg Frauenzimmer – Plattform für eine frauenspezifische Information Radiofabrik 107.5 MHz (Salzburg Stadt), Live Stream: www.radiofabrik.at, wöchentlich Mi, 17–18.00, Steiermark Femme Totale – frauenspezifische Themen aus den Bereichen Kunst, Kultur, Politik, Gesundheit, Soziales Kultur- und Bildungskanal des Radio Helsinki auf 92,6 MHz, Live Stream: www.helsinki.at Mi, 18–19.00, Wien Bauch, Bein, Po – Die Sendung für die ganze Frau Orange 94.0 MHz, Live Stream: http://o94.at, jeden 2. Mi Do, 18–19.00, Wien Transgender Radio liefert eine bunte Mischung zu Transgender-Themen aus Berlin Orange 94.0 MHz, Live-Stream: http://o94.at/programs/transgenderradio/, jeden 1. und 3. Do

Radio FRO 105.0 MHz (Linz), Live Stream: http://fro.at, eden 1., 3. u. 4. Fr Sa, 12–13.00, Deutschland Rainbow City – Radio für Lesben und Schwule 97.2 MHz (Berlin), Live Stream: www.radiorainbowcity.de, wöchentlich So, vierwöchentlich, 17–18.00, Steiermark Wäre ich ein Buch... feministische Inhalte aus Büchern und anderen Medien Radio Helsinki 92.6 MHz (Graz), Live Stream: www.helsinki.at So, 17–18.00, Steiermark Genderfrequenz – Sozialpolitisch, feministisch, unbeugsam Radio Helsinki, 92.6 MHz (Graz), Live Stream: www.helsinki.at, jeden 2. So So, 19–20.00, Tirol Weibertalk – Sendung des Autonomen FrauenLesbenZentrums Innsbruck FREIRAD 105.9 MHz (Innsbruck), Live Stream: www.freirad.at, jeden 1. So

Do, 21–22.00, Web Disco Biscuit, präsentiert von Vina Yun Live-Stream: www.muelgrimeradio.de jeden 4. Do

April 2012 an.schläge l 45


Fachbuchhandlung ÖGB 1010 Rathausstr. 21 Kuppitsch 1010 Schottengasse 4 Morawa 1010 Wollzeile 11 Winter 1010 Rathausstr. 18 Frick International 1010 Schulerstr. 1–3 tiempo 1010 Johannesgasse 16 Facultas 1010 Universitätsstr. 7 Lhotzkys Literaturbuffet 1020 Taborstr. 28 Südwind 1070 Mariahilferstr. 8 Tabak Trafik Brosenbauch 1070 Kaiserstr. 96 Riedl 1080 Alser Str. 39 Löwenherz 1090 Berggasse 8 Südwind 1090 Schwarzspanierstr. 15 Infoladen Infomaden 1110 Wielandgasse 2–4 Infoladen Treibsand 4040 Rudolfstr. 17 Kulturverein Waschaecht 4600 Dragonenstr. 22 Rupertusbuchhandlung 5020 Dreifaltigkeitsgasse 12 Wagnersche Buchhdlg. 6020 Museumstr. 4 Verein Amazone 6900 Kirchstraße 39 Berta – Bücher & Produkte 8020 Siebenundvierzigergasse 27 KiG! Kultur_in_Graz 8020 Feuerbachgasse 25 Hacek-Bücherei 9020 Paulitschgasse 5/7 und auch in vielen Städten in Deutschland. 46 l an.schläge April 2012

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Wer aus dem Zweigeschlechtersystem rausfällt

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