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DAS OFFIZIELLE MAGAZIN ZU D E N 7 9. H A H N E N K A M M - R E N N E N

Inside 2019


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SOMMER 2019

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13. Juni – 8. September Valery Gergiev · Königliches Concertgebouworchester Amsterdam Rolando Villazón · Mariinsky Orchester St. Petersburg Leonidas Kavakos · Mirga Gražinytė-Tyla · Wiener Philharmoniker Camilla Nylund · Gautier Capuçon · Tonkünstler-Orchester

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Aus der Sicht der Sieger. Was ist noch besser als gewinnen? Immer wieder gewinnen! Der österreichische Serien-Netz-Testsieger wünscht den österreichischen Skistars eine erfolgreiche Saison!


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AUSERWÄHLT VON DEN BESTEN

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Fotograf: Iris Velghe


K I T Z- R AC E- I n si d e

2019

G RUS S W O RT

DAS OFFIZIELLE MAGAZIN ZU DEN 7 9. H A H N E N K A M M - R E N N E N

Editorial Wenn man die Hahnenkamm-Rennen als „Klassiker“ bezeichnet, tut man das im besten Sinne dessen, was einen solchen auch ausmacht. Denn was einen Klassiker – von Sachertorte bis Neujahrskonzert – kennzeichnet, sind die Wertigkeit der Herkunft und der Bedacht auf Tradition, gepaart mit dem steten Blick nach vorne. Aber wann ist so eine Veranstaltung eigentlich ein Klassiker? Ein Ereignis, dem Menschen entgegenfiebern, welches sie in ihren Bann zieht und dessen Faszination anhaltend ist? Die Hahnenkamm-Rennen blicken hier stolz auf eine lange Historie zurück. Ebenso wie auf einen sportlich einzigartigen Schwierigkeitsgrad und dem folgend eine begeisterte Anhängerschaft. Diese versammelt sich sowohl vor Ort an der Rennstrecke als auch vor den TV-Geräten, oder sie verfolgt das Geschehen auf ihren Mobile Devices. Egal wo und über welchen Kanal – das Erleben der sportlichen Höchstleistungen eint alle in ihrer Begeisterung. Darauf haben wir auch in diesem Jahr in der Erstellung des KITZ-RACE-Inside Bezug genommen. Mit Spannung werden Sie in diesem offiziellen Programmheft lesen können, wie sich die TV-Übertragung durch den ORF im Laufe von 60 Jahren entwickelt hat. Wir werfen für Sie einen Blick auf die Wichtigkeit von

Material wie den perfekten Ski – für Speedfahrer und Slalom­artisten gleichermaßen der Erfolgsfaktor. Vielleicht sind am Ende aber auch das Quäntchen Glück oder der Aberglaube ausschlaggebend. Wer worauf schwört und was die bemerkenswertesten Spleens der Skiwelt sind, lesen Sie hier. Wir porträtieren Sportler wie Sebastian Vettel, spannende Menschen und Orte, die das Hahnenkamm-Wochenende zu etwas Besonderem und eben einem echten Klassiker machen. Erlauben Sie uns an dieser Stelle auch eine persönliche Bilanz. Denn wir dürfen wie jedes Jahr mit Stolz auf unsere lange Partnerschaft mit dem K.S. C., dem Kitzbüheler Ski Club, und dem ÖSV, dem Österreichischer Skiverband, blicken. In unserem Geschäft sind über 20 Jahre bester Zusammenarbeit definitiv auch ein Klassiker. Zusammen sind wir ungebrochen fasziniert von den HahnenkammRennen und nehmen die alljährlichen He­­ rausforderungen sportlich und freudig an. Vielleicht hat sich daraus im Zuge unserer Vorbereitungsarbeit auch unser diesjähriges Motto für die KITZ-­RACE-Party ergeben: „The Classic Challenge“. Wir wünschen Ihnen, den Sportlern, den Fans und allen, die hinter den Kulissen für einen perfekten Ablauf sorgen, unvergessliche Hahnenkamm-Rennen 2019 – Sie erleben hier ohne Zweifel einen echten Klassiker!

Mirjam Hummel-Ortner und Philipp Radel, Gastgeber und CEOs der SportmarketingAgentur WWP

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K I TZ-R AC E- I ns i de

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I N H A LT

70 R E N D E Z VO U S D E R A B FA H RT S H E L D E N

P RO G R A M M

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Das Rennwochenende hat es auch 2019 wieder in sich. Hier finden Sie alle Termine, die Sie nicht verpassen sollten. Bei Tag und bei Nacht.

SIE MÖ CHTEN Z AHLEN?

Zur perfekten Karriere gehört auch mindestens eine Bestzeit auf der berüchtigten Streif – sieben Storys über sieben glorreiche Siegertypen.

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K.S.C.-Präsident Dr. Michael Huber gibt uns einen Einblick, was hinter den Kulissen des berühmtesten Skirennens der Welt passiert.

M I ST E R U N I V E R SU M

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Roman Kariolou gilt als gefragter Komponist für Filmmusik. In diesem Jahr ist er für die Klangeffekte der KITZ-RACE-Party verantwortlich.

ST R E I F I M B I L D

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Seit genau 60 Jahren überträgt der ORF die Hahnenkamm-Rennen. Aus einem Live-Ereignis mit fünf Kameras wurde ein Spektakel der Superlative.

DER CLEVERE VISIONÄR

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Peter Schröcksnadel leitet seit 29 Jahren die Geschicke des ÖSV. Was dem „Mister Ski“ nie geschah: dass ihm die Ideen ausgingen.

62 DA S R E N N E N U M D E N SCHNELLEN SKI

So gut trainiert ein Sportler auch sein mag, ohne den richtigen Ski hat er keine Chance auf den Sieg. Den zu finden, ist eine wahre Wissenschaft.

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M A RC E L H I R S C H E R

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Her mit den Kristallkugeln und Medaillen! Er bricht Rekorde am Fließband. Gedankenslalom mit dem besten Skifahrer unserer Zeit.

RO S E N K R A N Z & K Ä S E- D O P I N G

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Ohne Aberglaube kein Triumph. Welche Spleens die besten Skifahrer haben, und warum sie auf ihre besonderen Rituale vertrauen.


Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Kitzbüheler Goldschmiede Schroll haben sich die beiden Traditionshäuser gemeinsam etwas ganz Besonderes einfallen lassen und präsentieren ein exklusives Schmuckstück, den Happy Diamonds „Kitzbühel“ Anhänger. Happy Diamonds – die unverkennbaren Ikonen von Chopard begeistern bereits seit mehr als 40 Jahren ihre Trägerinnen. Nun lässt Chopard die berühmte Gams von Kitzbühel zwischen fröhlichen Diamanten tanzen.

C H O PA R D H A P P Y D I A M O N D S K I T Z B Ü H E L A N H Ä N G E R

„Seit 1987 sind wir autorisierter Chopard Händler und freuen uns sehr, dass wir für die Freunde und Liebhaber von Kitzbühel etwas ganz Außergewöhnliches bieten können. Ein zwischen zwei Saphirgläsern bewegliches Kitz hat es noch nie gegeben.“ Christopher & Yvonne Schroll

Foto Familie Schroll © Franz Miko und Paul Dahan

Erhältlich in 18 kt Rosé-, Gelb, oder Weißgold mit mobilem Kitz und Happy Diamond, sowie Weißgold Version komplett ausgefaßt Exklusiv bei Juwelier Schroll – Vorderstadt 23 – 6370 Kitzbühel


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L I E B E ZU M S P E E D

I N H A LT

Impressum

LO O K & L E D E R

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Interview mit Sebastian Vettel. Der vierfache Formel-1-Weltmeister spricht über die Skistars, den Druck und seine Streif-Erfahrungen.

Wir sind doch immer auf der Jagd. Nach dem perfekten Outfit, das uns im Winter wärmt. Glamourfaktor inklusive

KO ST B A R E S C H W Ü N G E

IDEENSCHMIED & LEBEMANN

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Kein Künstler prägte Kitzbühel mehr als Alfons Walde. Seine Schneebilder schufen den Archetypus dieser winterlichen Alpenstadt.

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So isst Kitz. Wenn die Skiakrobaten die Streif zum Glühen bringen, stellt sich die Gastrowelt vor allem die Frage: Wo und wie schmeckt’s?

Herausgeber: WWP Weirather-Wenzel & Partner AG, Industriering 3, 9491 Ruggell, Fürstentum Liechtenstein Chefredakteur: Michael Hufnagl

Artdirektion & Design: Coco Breban, brand unit Projektmanagement: Lukas Kopf, brand unit

Ein Spaziergang, viele besondere Orte. Die Stadt hat mehr Sehenswertes zu bieten als das bekannte Bild vom Geldadel und den Society-Rendezvous.

150 S H A K E O N…

Er macht die Gäste des KITZ-RACEClubs mit seinen Cocktails happy. Robert Pölzl ist der Mastermind hinter der edlen Red Bull-Bar.

Designer, Unternehmer, Familienmensch und Jäger – Markus Meindl schafft in 11. Generation aus hochwertigem Leder Lieblingsteile fürs Leben. Eine ­Spurensuche.

Redaktion: 1010 Wien, Stubenring 24

Kreativdirektion: Albert Handler, brand unit

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Geschäftsführung: Reinhold Gmeinbauer, Angela Kindermann, Alexandra Seyer-Gmeinbauer

Chefin vom Dienst: Julia Schmid

L E B E N S( T) R AU M K I T Z B Ü H E L

D E R E I G E N E W EG

Medieninhaber: ALBA Verlags GmbH

Autoren: Michael Hufnagl, Stephan Huber, Walter Delle Karth, Samir Köck, Josef Metzger, Alexander Rinnerhofer, Almuth Spiegler, Walter Unterweger Coverbild: Alfons Walde, Übungshang, um 1925 © Bildrecht, Wien, 2017 Fotografen: Philipp Horak, Joey Ikemoto Richard Stow, Helge Kirchberger, Peter Straub Weitere Bilder: WWP, GEPA, APA, ORF, Alfons Walde, Lacerta, 1935 © Bildrecht, Wien, 2018, Foto: Kunstverlag Alfons Walde; Almen im Schnee, 1935, Dorotheum Wien, Auktionskatalog 9.6.2015; Skifahrer bei der Alm, 1933, Dorotheum Wien, Auktionskatalog 29.11.2005 Lektorat: Romana Gillesberger

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Lithografie: Mario Rott

Viele Helden und ein Helm. Erinnerungen an Sportgrößen der Kindheit und den Idolkult um Ski-Kaiser Franz.

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Anzeigen: Reinhold Gmeinbauer, Angela Kindermann, Gernot Zerza Druck: Grasl FairPrint


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Z E I T P L A N

P RO G R A M M Was, wann, wo? Bei Tag: S A M STAG, 19. JÄ N N E R 2019 11:00 Uhr 1. Europacup-Abfahrtstraining, Streif S O N N TAG, 20 . JÄ N N E R 2019 10:30 Uhr 2. Europacup-Abfahrtstraining, Streif 18:15 Uhr  Eröffnung der Rennwoche, Legendenpark M O N TAG, 21. JÄ N N E R 2019 10:30 Uhr ­Europacup-Abfahrt, Streif anschließend Siegerehrung Europacup-Abfahrt, Zielhaus / Red Bull

S A M STAG, 26 . JÄ N N E R 2019 11:30 Uhr Hahnenkamm-Abfahrt, Streif 14:00 Uhr ­KITZ-CHARITY-Trophy, Rasmusleitn / Zielgelände 18:00 Uhr Startnummernvergabe Slalom, Zielhaus 18:30 Uhr ­Siegerehrung Abfahrt, Zielhaus; anschließend Feuerwerk „Hahnenkamm-Rennen 2019“, Zielgelände S O N N TAG, 27. JÄ N N E R 2019 10:30 Uhr Hahnenkamm-Slalom, 1. Lauf, Ganslernhang 13:30 Uhr Hahnenkamm-Slalom, 2. Lauf, Ganslernhang; anschließend Siegerehrung Slalom, Zielgelände

D I E N STAG, 22 . JÄ N N E R 2019 11:30 Uhr 1. Abfahrtstraining, Streif M I T T WO C H, 23. JÄ N N E R 2019 10:00 Uhr ­Hahnenkamm Juniors, 1. Lauf (Riesenslalom), Ganslernhang 11:30 Uhr ­2. Abfahrtstraining, Streif 13:00 Uhr ­Hahnenkamm Juniors, 2. Lauf (Slalom), Ganslernhang; anschließend Siegerehrung Hahnenkamm Juniors, Zielhaus / Red Bull D O N N E R STAG, 24. JÄ N N E R 2019 11:30 Uhr 3. Abfahrtstraining, Streif F R E I TAG, 25. JÄ N N E R 2019 11:30 Uhr Hahnenkamm-Super-G, Streifalm 18:00 Uhr Startnummernvergabe Abfahrt, Zielhaus 18:30 Uhr Siegerehrung Super-G, Zielhaus

Bei Nacht: F R E I TAG, 25. JÄ N N E R 2019 19:00 Uhr Weißwurstparty im Stanglwirt, Going (nur mit gültigem Ticket) 20:00 Uhr Gösser-Abend, Krone Weltcup-Haus (nur mit Einladung) 20:00 Uhr A1 Kitz Night in Rosi’s Sonnbergstuben (nur mit Einladung) 21:00 Uhr Kitz’n‘Glamour im Club Take Five S A M STAG, 26 . JÄ N N E R 2019 19:00 Uhr Rosi’s Schnitzelparty in Rosi’s Sonnbergstuben (nur mit gültigem Ticket) 21:00 Uhr KITZ-RACE-Party im KITZ-RACE-Club im Zielhang (nur mit gültigem Ticket) 22:00 Uhr Goldrausch Afterrace Party im Hotel Zur Tenne

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EUROPACUP-ABFAHRT | MO 10:15 SUPER-G HERREN | FR 10:55 ABFAHRT HERREN | SA 11:00 DIE SIEGEREHRUNG | SA 18:25 DIE STARS | SA 19:00 SLALOM HERREN | SO 10:00


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DAT E N

&

FA K T E N

SIE MÖCHTEN ZAHLEN? Bitteschön! Als Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs (K.S.C.) weiß Dr. Michael Huber freilich über alles Bescheid, was sich rund um die Hahnenkamm-Rennwoche so tut. Einen Teil seines Insider-Wissens hat er uns weitergegeben – in Zahlen.

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WOCHEN DAUERT DIE „HEISSE PHASE“ VOR DEN RENNEN.

Sie beginnt mit einer sogenannten „Generalaussprache“ der wesentlichen Beteiligten des Organisationskomitees (OK).

2.500

Mal die Streif runter.

Das ist grob geschätzt die Lebensbilanz von Michael Huber. Im Sommer hat er sie zusätzliche 1.250 Mal „bezwungen“. Fazit: „Ich glaube, man kann sagen, ich kenn sie recht gut...“

Hahnenkamm-Rennen gab es bereits. Heuer steigt die 79. Auflage. Gegründet wurde der K.S.C. übrigens im Jahr 1902.

100

350

OK-Mitglieder zählt das Event.

6.500

Schnee-Erzeuger sind im Einsatz. Was Schnee-Erzeuger sind? „Wir sagen nicht Kanonen, weil wir ja niemandem wehtun“, sagt Huber. Bespielt werden diese über zwei große Teiche auf der Seidlalm sowie je einer Pumpstation am Berg und im Tal.

PRESSEARTIKEL erscheinen im Monat Jänner über die Hahnenkamm-Rennen.

MAL

PRO RENNTAG STEHT HUBER AUF DER PISTE. DR. MICHAEL HUBER, K.S.C.-Präsident

Aber: „Da wird seitgerutscht, nicht gewedelt. Man bewegt sich schonend, um die Arbeiten nicht zu behindern!“

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52 DIENSTLEISTER FÜR DEN K.S.C.

Einer der wichtigsten davon ist die Bergbahn AG: „Sie macht den Liftbetrieb, präpariert und beschneit – wenn es sein muss, auch rund um die Uhr.“


Fühl dich auf der legendären Streif wie zuhause Start Something Priceless Erlebe eine legendäre Zeit – mit deiner Mastercard®, der beliebtesten Karte in Kitzbühel. Mehr über unsere attraktiven Angebote findest du auf mastercard.at/hahnenkamm und weitere Abenteuer auf priceless.com


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G E P F L EGT

1 Sinnliches Rouge für die Nacht: Dior Rouge. Er macht die Lippen sinnlich rot und verspricht lange Beständigkeit. Zudem spendet Mangobutter Feuchtigkeit, der Meerfenchel ist für die revitalisierende Wirkung verantwortlich. Ein feuriger Begleiter für eine rauschende Partynacht. 2 Jungbrunnen zum Auftragen: Laut Hersteller Clarins entschlüsselt das Anti-Aging-Wunder Double Serum die Sprache der Jugendlichkeit. Eine von der Natur inspirierte Formel, die 20 der leistungsstärksten Anti-Age-Pflanzenaktivstoffe für eine sichtbare Wirkung gegen die Anzeichen der Hautalterung einsetzt. Wow! 3 Die Creme für Anspruchsvolle: Die Lancôme-Laboratorien haben eine außergewöhnliche Creme-Textur gezaubert. ABSOLUE ist überraschend, evolutiv und in hohem Maße sensorisch. ABSOLUE soll bisher gegebene Grenzen der Premium-Pflege sprengen und neue Dimensionen eröffnen. Einfach ausprobieren und schauen, ob die von Lancôme versprochene „Reise ins Reich der Sinne“ gelingt. 4 Lippenschmeichler für die Piste: Clarins schickt den Lippenstiftklassiker „Joli Rouge Velvet – 742V joli rouge“ ins Rennen, der sowohl auf der Ski- als auch auf der Party-Piste eine gute Figur macht. Er spendet Feuchtigkeit und die leichte, samtige und cremige Textur ermöglicht ein ultraleichtes Auftragen. 5 Glamour-Zauber für die Haut: Shiseido hat das perfekte Make-up-Starprodukt für eine glanzvolle Kitz-Partynacht. Aura Dew lässt die Haut vital und weich erstrahlen und setzt glitzernde Akzente auf Gesicht, Augen und Lippen. Und das in Rosé, Silber und Gold. Einem glitzernd-strahlenden Look steht nichts mehr im Wege. 6 Es werde Licht: Sensai hat mit seinem Produkt „Glowing Base“ das Licht eingefangen. Licht, das der Haut einen zauberhaften Schimmer verleiht. Die zartgoldene Grundierung überzieht mit einem flüssigen Licht das Gesicht und bewahrt den frischen Look des Make-ups. Der zarte Perlenschimmer glättet optisch. Der perfekte Begleiter für eine strahlende Erscheinung.

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Glanz für die Kitz-Nacht Glamouröse Events, coole Bars, superschicke Restaurants, KITZ-RACE-Night. Die Kitzbühler Nachtschwärmer haben während des HahnenkammRennspektakels definitiv die Qual der Wahl. Wo lässt man sich blicken, wo feiert man am besten ab? Einer sollte immer passen: der perfekte Look. Wir haben ein paar Glamour-Produkte für die Nacht in Kitz gefunden… 22


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G E S C H N Ü RT

Der Skischuh drückt. Wer kennt ihn nicht, den Schmerz, wenn die bindungstaugliche Hartschale zur Qual für z ­ arte Füße wird. Und wenn´s dann noch im Schuh so richtig kalt wird, bleibt einem nur mehr der Einkehrschwung in die nächstgelegene Skihütte. Der Freemotion #feelgoodskiboot stellt alles auf den Kopf. Er wird geschnürt und nicht geschnallt. In unglaublichen zehn Sekunden ist der Pistenfan abfahrbereit. Das Power-String-Controlsystem schmiegt den Schuh rund um den Fuß und so kommt man morgens leicht rein und abends schnell wieder raus. Ein kleiner Hartschalen-Rest sorgt für die nötige Stabilität beim

Carven. Zudem verspricht der Produzent aufgrund der Leichtigkeit des Schuhs eine Kraftersparnis von rund 40 Prozent. Kalte Füße sind auch kein Thema mehr. Einer perfekten Durchblutung sind mangels schmerzender Enge keine Grenzen gesetzt. Ein bekanntes Gesicht ist als wirksamer Botschafter für den ­coolen Boot im Einsatz: Ex-Slalom-Ass Rainer Schönfelder. Der Kärntner verleiht aber nicht nur sein Gesicht, er bringt sich auch mit technischem Know-how rund um das Skifahren ein. Aus Überzeugung, wie der Produzent versichert. Na dann…! Für die After-Pisten-Gaudi soll der Schuh übrigens auch bestens geeignet sein. Dem Abtanzen auf der Power-Almhütte steht nichts mehr im Weg. Ja, er ist wohl der bequemste Skischuh der Welt.

Patschen für die Skipiste Die Suche nach dem passenden Skischuh – mitunter ein Spießrutenlauf. Er drückt auf die Waden, bedrängt die Knöcheln und zieht auf der Seite. Freemotion verspricht Abhilfe. 24

foto: FREEMOTION

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A DV E RTO R I A L

Die Trophäen der Hahnenkamm-Rennen Das Familienprojekt ist eine Erfolgsgeschichte. Seit Mitte der 1970er-Jahre werden die Trophäen von Johannes Schroll in seinem Restaurationsbetrieb in Kirchberg und in der Goldschmiede-Werkstatt in Kitzbühel gefertigt. Danach graviert Goldschmiedemeister Peter Foidl die Ehrentafeln und verziert sie mit dem berühmten Lorbeerkranz. Ein Gespräch mit Store-Managerin Yvonne Schroll.

Yvonne Schroll: Dr. Walther Tappeiner, der damalige Bergbahn-AG-Vorstand, saß mit meinem Schwiegervater Josef Schroll im Huberbräu Stüberl und dabei ist die Idee entstanden, eine Trophäe für die Hahnenkamm-Rennen zu gestalten. Herr Tappeiner hat als Vorstand zwischen 1967 und 2001 viele Projekte umgesetzt, er war mit für den Neubau der Hahnenkammbahn und die ersten Beschneiungsanlagen im Kitzbüheler Skigebiet verantwortlich. Zudem unterstützte er jahrelang die Rennen und war der Ansicht, die Trophäen sollten zu Kitzbühel und diesen Rennen passen. Was eignet sich da besser als die bekannte Alfons-Walde-Gams? Hat sich das Design verändert? Die Slalom-Trophäe wurde verändert. Meine Schwiegermutter Karin Schroll hat sie entworfen. Ursprünglich war sie ein Bronzeguss der heraldischen Gams im Kitzbüheler Wappenschild.

Die Stadtgemeinde, die die Trophäe für den Slalom alljährlich sponsert, wollte schließlich etwas Neues. 2012 hat mein Schwager Johannes Schroll ein neues Design für die Trophäen aller Disziplinen entworfen. Die Grundidee für das neue Konzept basierte auf den von uns so genannten „vier Elementen von Kitzbühel“. Die Abfahrts-Trophäe, die traditionell von der Bergbahn AG gesponsert

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wird, fertigen wir aus Metall, als Symbol für den Bergbau. Die Trophäe für den Slalom besteht aus dem roten Hahnenkammstein. Die Super-G-Trophäe besteht aus Acrylglas und wird vom Tourismusverband finanziert. Für die Trophäe des Abfahrtssiegers verwenden wir Lärchenholz in Anlehnung an den Lärchenschuss. Die Siegergams ist die größte, die Trophäen für den

fotos: SERGIO MARTINEZ

KITZ-RACE Inside: Wann wurde die Idee einer Trophäe geboren?


zweiten und dritten Platz reichen der ­ Siegergams nur noch bis zum Hals. Ist die Herstellung der Trophäen sehr zeitintensiv? Die Zeit, die wir für die Herstellung brauchen, ist nicht das Entscheidende. Es geht vor allem um die Liebe zum Detail, die in all unseren Trophäen steckt. Die reine Form der Trophäen benötigt nicht viel Zeit. Durch den technischen Fortschritt ist die Fertigung einfacher und schneller geworden. Die Skulpturen werden mit einer sogenannten CNC-Präzisionsmaschine ausgefräst, und der Sockel wird aus Holz im Schichtverfahren angefertigt. Alles andere wird anschließend in liebevoller Handarbeit von Johannes Schroll bearbeitet. Er achtet auf jede Kleinigkeit und ist mit viel Herzblut bei der Sache. Die Vorbereitungszeit beginnt immer im Jahr vor dem Wettbewerb und dauert etwa drei Monate.

Die Veredelung nimmt je nach Material dann noch einmal drei bis sechs Tage in Anspruch. Wie werden die Trophäen veredelt? Die Abfahrts-Trophäe wird mit 23,5-karätigem Blattgold vergoldet und wiegt 4,8 Kilogramm. Die Trophäe für den zweiten Platz wird mit Blattaluminium überzogen, die Trophäe für den dritten Platz mit Blattkupfer. Bei den Super-G-Trophäen bearbeiten wir die Kanten und Stege des Acrylglases wie bei den Abfahrts-Trophäen. Die Materialien sind sehr empfindlich. Das bedeutet, dass die Mineralharz-Platten sehr fein geschliffen werden müssen. Ansonsten scheint jede kleine Unebenheit durch die Vergoldung hindurch, da das Blattgold nur 1/5000stel dick ist, also ausgesprochen dünn. Bei den Trophäen aus dem Hahnenkammstein ergeben sich weitere Schwierigkeiten. Sie

sind sehr schwer und spröde, dadurch können sie leicht brechen. Hier ist der schmale Fußansatz die Schwachstelle, bei dessen Fertigung größte Vorsicht und Fingerspitzengefühl gefordert sind. Wo werden die fertigen Trophäen aufbewahrt, ehe sie dann den Siegern übergeben werden? Sobald in Kitzbühel die Weihnachtsund Wintersaison beginnt, werden die Trophäen gut verpackt von Johannes Schroll nach Kitzbühel gebracht. Dort können sie dann in der Kitzbüheler Innenstadt bewundert werden. Sie stehen bei der Sparkasse Kitzbühel, bei uns im Rolex-Geschäft in der Vorderstadt und im Büro vom Kitzbüheler Ski Club in der Hinterstadt. Wenn dann die Hahnenkamm-Rennwoche startet, werden die Trophäen in die Zentrale ins Zielgelände gebracht und bei der Siegerehrung den Gewinnern übergeben.

Im Angesicht der edlen Gams: Christopher und Yvonne Schroll präsentieren die Abfahrts-Trophäen, Peter Foidl (l.) verdelt sie mit seiner Gravurarbeit

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Es gibt zwei Gründe, warum sich die wagemutigen Skihelden aus aller Welt halsbrecherisch die Streif hinunterstürzen: Einerseits natürlich, um eine der legendären Gams-Trophäen in Gold, Silber oder Bronze zu erlegen, andererseits, um einen von drei edlen Hirschleder-Blazern mit dem klingenden Namen „Harrison“ ihr Eigen nennen zu ­dürfen. Handgeschneidert von einem der Besten Europas, Markus Meindl. Gleich nach dem Zieleinlauf der schnellsten drei Renn-

läufer geht die Mannschaft des Meisters an den Start. Die Blazer werden an die Fahrer angepasst und vor allem ihre gefahrene Zeit auf der Brusttasche eingestickt. Für die Ewigkeit konserviert. Ganze sieben Stunden bleiben den Schneidern, bevor der Blazer in den Besitz seines künftigen stolzen Trägers übergeht. Die gute Nachrichr: Der „Harrison“ ist nicht nur den schnellsten Abfahrern der Welt vorbehalten. Auf Wunsch kann man sich auch seine persönlichen Bestzeiten auf die Brusttasche sticken lassen. Eines steht fest. Im Blazer des Siegers sehen alle gleich gut aus.

Der erste Hahnenkamm-Sieger ist bereits fix. Harrison! Die Lederkluft der Sieger steht in Kitzbühel nach dem Streif-Race garantiert am Stockerl. Der Blazer, handmade by Markus Meindl, holt sich Gold, Silber und Bronze. 28

fotos: WWP

Blazer of Glory


bmoeds.gv.at

Wintersportwochen haben wieder Saison! Die Servicestelle Wintersportwochen bietet auf dem YouTube-Kanal WISPOWO und der WISPOWO-App FIS-Pistenregeln für die Sicherheit, aktuelle Tipps zum Skifahren und Snowboarden, gezielte Übungen zur Verbesserung von Sprungkraft, Ausdauer, Gleichgewicht und Koordination und vieles mehr für den Spaß im Schnee. Teilnehmende Schulen erhalten mit der WISPOWO-Card exklusive Leistungen zur Abwicklung der Schulskikurse. Alle Infos zu den Wintersportwochen unter www.wispowo.at Der Sportminister unterstützt das österreichweite Projekt Pro Wintersportwochen, um möglichst viele Kinder und Jugendliche für den Wintersport zu begeistern.


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G E E I G N E T

Sie sind keine Anzugmakler, die um jeden Preis jedermann eine Immobilie aufs Auge drücken wollen. Franz, Roman und Markus Gobec von KITZIMMO sind anders. Statt Anzug wird oft Tracht getragen, und zu allererst kommt bei dem Trio der Mensch und dann erst die Immobilie. An den schnöden Mammon denkt Senior-Chef Franz ganz zum Schluss: „Es geht nicht um die teuerste, sondern um die geeignetste Immobilie für den Kunden. So ist es schon öfter vorgekommen, dass ein Kunde, der zwei Millionen ausgeben wollte, von KITZIMMO eine Immobilie um 900.000 Euro empfohlen wurde. Auf Biegen und Brechen werden bei uns keine Geschäfte gemacht.“ Dieser Umgang mit Kunden hat der Makler-Familie viel gute Reputation eingebracht, und so bestehen die Kunden des Öfteren darauf, auch nach der Kaufabwicklung betreut zu werden. Die Männer von KITZIMMO kümmern sich auch noch später um diverse Wartungsarbeiten und lassen schon mal den Möbellieferanten aus Mailand ins Haus. Die Menschen, die mit Gobec & Söhnen je zu tun hatten, schenken ihnen höchstes Vertrauen. Darauf ist Vater Franz ganz besonders stolz: „Wir haben es sehr oft mit Persönlichkeiten zu tun, die sehr viel Geld haben, und hier ist Vertrauen das oberste Gebot. Das garantieren wir schon seit 17 Jahren und haben noch niemanden enttäuscht.“ Für die oft aufwendige Nachbetreuung nehmen die Gobecs übrigens keinen Cent. Das gehört hier zum Kundenservice. „Wir haben beim Kauf unsere Provision erhalten, und das passt wunderbar. Damit sind wir voll und ganz zufrieden“, stellt Gobec sen. fest. Cirka 90 Makler matchen sich in und rund um Kitzbühel um die heiß begehrten Realitäten, die vor allem deutsche Staatsbürger magisch anziehen. „Es ist wohl die höchste Maklerdichter der

Welt, gemessen an den Einwohnern“, lacht der Immo-Profi. Am liebsten sind ihm jene Kunden, die schon vorher einige Makler der Gamsstadt ausprobiert haben, denn nur so kann der Kunde dann selbst entscheiden, wem er sein Vertrauen schenkt. Oftmals wundern sich die Kunden beim Erstgespräch im keinesfalls prunkvollen, sondern vielmehr gemütlichen Büro der Mak­ler-Familie. Sie werden nach ihren Lebensumständen gefragt, wie viele Kinder sie denn hätten und wie alt diese denn wären. „Das fragen wir nicht aus Neugierde, sondern weil wir dem Kunden die Immobilie verkaufen möchten, welche am besten zu ihm und seinen Lebensgewohnheiten passt“, stellt Gobec fest. So hat er beispielsweise gut betuchten Unternehmern aus Deutschland ein Domizil auf der glamourösen Bichlalm ausgeredet, da sich die 16-jährige Tochter da oben langweilen würde und die Ehefrau oftmals ohne ihren Mann, der in Berlin seinen Geschäften nachgeht, auch ohne Auto in die Innenstadt von Kitzbühel kommen will. Es muss also passen. Von der Location bis zur Ausstattung. Egal, ob es dann das alte Bauerhaus mit kleinen Fenstern wird oder das moderne Objekt mit riesen Glasfronten mit Blick auf den Hahnenkamm. Im Trend liegt auf jeden Fall, ausgestattet mit allem Drum und Dran: Boxspringbett, Marmorbad mit freistehender Badewanne mit Goldfüßchen, Designerküche, Geschirr und nachgebaute Tiroler-Stube. Von einer Tatsache sind die Männer von KITZIMMO überzeugt: Eine schlechte Immobilie kann den Menschen auch krank machen. Mit diesem Glauben im Hintergrund wollen sie ihren Kunden eben nur das vermitteln, was sie für gut halten und ihre Kunden oft später erst richtig zu schätzen wissen.

KITZIMMO –

Die Gamsstadtmakler mit Herz 30

fotos: KITZIMMO

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G E SPA N N T

Das Tullner Unternehmen, das seit rund 25 Jahren die ganze Welt mit formschönen Schattenspendern versorgt, hat mit dem neuem Segel ein echtes Wunderding geschaffen. Die 270 Grad-Verdrehbarkeit zaubert aus dem 30 m²Schirm einen 75 m² großen Sonnenschutz. Noch dazu ist das Sonnensegel intelligent. Wenn der Wind zu stark wird, klappt das Armsystem automatisch ein und das Segel rollt sich zusammen. Einem Uhrwerk gleich, steuern Zahnräder

aus Edelstahl die Seilumlenkungen, damit die Segel-Enden nach einer Tangensfunktion gleichmäßig einfahren können. Der innovative Sonnenschutz, der für etliche Designpreise eingereicht wurde, wird sich, ähnlich wie andere SunSquare-Produkte, wieder einen fixen Platz in der Geschichte im Bereich Sonnenschutz sichern können. Davon sind die Produzenten aus Niederösterreich überzeugt. Den „Fold & Roll“ gibts ab sonnigen € 21.600,–. Weitere Informationen auf www.sunsquare.com.

Der Sonne entgegensegeln „Fold & Roll“ ist der neue Superstar aus der SunSquare-Familie. 32

fotos: SUNSQUARE

Eine Frage der Entwicklung und der Intelligenz: Der moderne Sonnenschutz schützt sich ohne menschliche Hilfe selbstständig vor starkem Wind


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Party mit

Mister „Universum“ Es ist ein bekanntes, zutiefst menschliches Phänomen, das zunächst im Schulunterricht auftritt: Immer, wenn man Schiller lesen soll, beginnt man, sich wahnsinnig für Goethe zu interessieren. Und umgekehrt. Das hat auch Roman Kariolou kennengelernt. Als Sohn eines Violinisten lernte er sehr sehr früh, sehr gut Geige zu spielen. tex t : S A M I R KÖ C K foto: JOEY IKEMOTO

Der Vater schaffte es sogar, den damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk für die Fähigkeiten seines Sohnes zu begeistern. Er half mit einem Stipendium. Der kleine Roman wurde als Wunder­ kind auf die Walz geschickt. Paris, Lon­ don, Prag und Athen hießen seine ersten Stationen. Insgeheim aber entdeckte er seine Liebe zum Klavier. Am Ende ent­ wand er sich dem Korsett des Virtuo­ sentums und wandte sich der Filmmusik zu, in der er jene Ausdrucksfreiheit fand, die ihm in den frühen Jahren schmerz­ lich abgegangen war. Plötzlich konnte er alles mischen, was zuvor durch strikte Genregrenzen voneinander getrennt war. Romantische symphonische Tondichtung, avantgardistische Klänge, popmusikali­ sche Melodien und zuweilen auch elek­ tronische Sounds.

Als Dreijähriger nahm er die ersten Violin-Stunden, als Vierjähriger spielte er sein erstes Konzert, als Fünfjähriger wurde er in die Klasse von Stargeiger Yehudi Menuhin eingeladen – heute, als 35-Jähriger, ist Roman Kariolou ein gefragter Filmmusikkomponist

Zur Musik von Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“, die von Ennio Mor­ ricone komponiert wurde, hat Kariolou ein besonderes Naheverhältnis. Und na­ türlich waren ihm von Anfang an auch John Williams und Bernard Herrmann strahlende Vorbilder. Mittlerweile hat er selbst einige wichtige Awards wie den „Wiener Filmmusikpreis“ gewonnen. Von Österreich aus zu arbeiten, ist für einen Filmmusikkomponisten aber nicht gera­ de einfach. Kariolou fertigt neben seinen Filmsoundtracks auch viel fürs Fernse­ hen. Zahlreiche Folgen von „Universum“ und so mancher „Tatort“ tragen seine musikalische Handschrift. Derzeit ar­ beitet Kariolou am Soundtrack einer neuen Robert-Dornhelm-Fernsehserie namens „Liebermann“, die das versun­ kene Wien von Freud, Klimt, Schnitzler und Mahler reflektiert. Und so kommt bei Kariolou nie Routine auf. Auch Sig­

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nations für Sportveranstaltungen ge­ hen ihm locker von der Hand. Aktuell hat er für die KITZ-­R ACE-Party, die gla­ mouröse Zwillingsveranstaltung zum Hahnenkamm-Rennen, ein aufwühlen­ des Stück Musik kreiert. Es wurde exakt jenes reichhaltige Klangkaleidoskop, für das die Marke Kariolou steht. Effektvoll bannt es die großen Gefühle, die mit Sport verbunden sind.


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B I LD

Seit genau 60 Jahren überträgt der ORF die legendären Hahnenkamm-Rennen. Und wo einst fünf Kameras eine spannende Live-Premiere möglich machten, garantiert die Technik heute eine TV-Show der Superlative. text: MICHAEL HUFNAGL f o t o s : O R F / F R A N Z N E U M AY R , THOMAS RAMSTORFER & ROMAN ZACH-KIESLING

Als die Bilder wedeln lernten. Für die ersten Übertragungen aus Kitzbühel wurden sogar Holzpodeste auf Hüttendächern errichtet (l.), und von Helmen war damals auch noch keine Rede

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Claudia Reiterer, Moderatorin der Diskussionssendung „Im Zentrum“ erzählt gerne jene Geschichte, als sie in einem Winter einst die Zuseherschaft zur traditionellen Pressestunde begrüßte mit den Worten: „Vielen Dank an all jene, die uns den Vorzug gegenüber Kitzbühel gegeben haben.“ Es war ein Einstieg, der nicht ohne Folgen blieb. Allein die Erwähnung des Hahnenkamm-Rennens bewog zahlreiche Menschen zum sofortigen Senderwechsel. Offensichtlich hatten sie in ihrer Sonntagvormittagsroutine auf das Rennen der Rennen vergessen. Effekt: Die Quote der Pressestunde halbierte sich. Was beweist: Die Ski-Übertragungen aus Kitzbühel gehören alle Jänner wieder zu Österreich wie das Schnitzel, der Veltliner oder der Bundesadler. Wenn im Herzen Tirols die besten Skifahrer der Welt ihr alljährliches Rendezvous haben, bedeutet das für das öffentlich-rechtliche Fernsehen von Freitag (Super-G) über Samstag (Abfahrt) bis Sonntag (Slalom) das, was die Programmexperten einen Einschaltimpuls nennen. Heißt: Das Spektakel in Kitzbühel garantiert Quoten, Marktanteile und Werbeeinnahmen in Rekordhöhen. Und das seit mittlerweile 60 Jahren. Die Rennserie 2019 ist also ein Jubiläum der besonderen Art.

Bilder zu, sondern vor allem die technischen Möglichkeiten. Es war die Zeit, als die Kameras noch mit Schlitten (statt mit Hubschraubern) zu ihren Positionen geschafft wurden, als große Holzpodeste gebaut werden mussten, und als fette Kabel von geländegängigen Technikern in den Hängen zu verlegen waren. Dabei geschah es einmal, dass ein Kabel ins Rutschen geriet und sich ein ORF-Mann beim Versuch, es zum Halten zu bringen, durch die Materialwucht schwer verletzte. Erst mit der Umstellung auf Farbfernsehen (im Rahmen der Olympischen Spiele 1972 in Sapporo) und der rasanten Entwicklung einer völlig neuen Optik, war auch für die Ski-Übertragungen die Zeit der Revolution angebrochen. Denn einer wie Schmidtleitner wollte niemals ruhen, wenn es darum ging, für bahnbrechende Ideen von Pontius zu Pilatus zu marschieren, um Finanzierungen zu ermöglichen. Und so gelang es Anfang der 1970er-Jahre tatsächlich, endlich die ersehnte Kamera im Steilhang zu platzieren. Fritz Melchert, der 1968 beim ORF als Inspizient begonnen und sich bald an Schmidtleitners Seite zum Regie-Idealisten der neuen Generation entwickelt hatte, erinnert sich: „Der Lucky hatte ein einzigartiges Engagement und ständig neue Ideen, mehr Action zu produzieren. Und so wurde dann im Steilhang eine Art Hochstand errichtet und das

Bilder einer Modernisierung: Wo einst wenige Standkameras errichtet wurden, sorgen heute Helm- oder Krankameras für besondere Effekte. Fritz Melchert war jahrzehntelang als ORFRegisseur für Weiterentwicklung, Innovationen und Übertragungs­ action verantwortlich

Im Jahr 1959 übertrug der ORF erstmals das legendäre Abfahrtsrennen auf der Streif. Es schien – auch aus patriotischer Sicht – der perfekte Zeitpunkt zu sein, die Ski-Helden via Fernseher in die Wohnzimmer des Landes zu vermitteln. Seit Ende des Krieges hatte es auf der berüchtigten Strecke in zwölf Abfahrten immerhin elf österreichische Sieger gegeben, zuletzt waren Anderl Molterer, Toni Sailer und Christian Pravda verantwortlich dafür gewesen, dass die nationalen Emotionen im Ekstase-Modus gehalten werden konnten. Aber ausgerechnet bei der großen TV-Premiere am 17. Jänner 1959 gewann dann … erstmals ein Amerikaner. Wallace „Buddy“ Werner hieß der Triumphator, bester Österreicher war Karl Schranz als Dritter. Übertragen wurde die Kitz-Show damals mit fünf Kameras. In Schwarz-Weiß, eh klar. Unter der Regie von Altmeister Lucky Schmidtleitner. Zu sehen waren jedoch nur die Passagen vom Oberhausberg über die Traverse und den Zielhang, also die letzten 30 Sekunden der Husarenritte. Nicht nur die knappen Startintervalle von einer Minute ließen nicht mehr

Bildsignal erstmals mittels Richtfunk über das gegenüberliegende Kitzbüheler Horn zum Übertragungswagen im Zielbereich gesendet. Endlich konnten die Menschen diese Schlüsselstelle live sehen, und das war auch für die Trainer und die Analysen ein Meilenstein.“ 45 Jahre lang war Melchert der ORF-Regisseur im Skizirkus, seit Anfang der 90er-Jahre als Chef, ein Zeremonienmeister mit Drang zur Perfektion. Seine Feuertaufe bestand er … ausgerechnet in Kitzbühel. Es war 1976, und das Streif-Spektakel sollte das letzte heiß ersehnte vorolympische Duell zwischen Franz Klammer und Bernhard Russi werden. Schmidtleitner war bei einer Sitzung und schaffte es nicht rechtzeitig zum Start in den Ü-Wagen. Melchert übernahm, und als sein großer Mentor während des Rennens eintraf, sondierte er nur kurz die Lage und sprach seelenruhig: „Tut’s weiter, ihr macht’s das wunderbar.“ Übrigens, Klammer gewann die Abfahrt mit über zwei Sekunden Vorsprung auf Erik Håker, Russi wurde nur Fünfter.

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Das Sieger-Jacket wird anhand dieses Musters geschnitten. Dazu braucht es rund 3,10 m2 Hirschleder. Macht 4 – 5 Hirsche pro Jacke.

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In den Jahren darauf galten Schmidtleitner und Melchert als glorreiches Duo der Sportszene. „Wir waren mehr zusammen unterwegs als mit unseren Frauen“, sagt der Fritz von Kitz. Von der Formel 1 über Tennis-Events bis zu Fußball-Highlights, immer dann, wenn Übertragungscoups vonnöten waren, sollten sich die beiden Herren wieder etwas einfallen lassen. Und so entstand im Sinne der Work-Streif-Balance bald die Idee einer eigenen Übertragungshütte am Rand der Mausefalle. Unten im Ziel saß Schmidtleitner, oben werkte Melchert und schickte die bereits bearbeitete Magnetaufzeichnung und geschnittenes Bild-Ton-Material zu seinem Kompagnon, um die Abfahrtsdynamik zu maximieren. Es begann der Kampf, veränderte Zeitintervalle zu ermöglichen. Für die Regisseure war klar: Je mehr Zeit zwischen den Fahrern gewährt wird, desto mehr Action, Emotion und Zeitlupen, desto mehr Bilder von Sprüngen, Schräglagen und Risikolinien, von Landschaft, Fans und Promis sind möglich. Das Problem war stets die Sicherheit durch veränderte Lichtund Pistenverhältnisse während eines (zu langen) Rennens. Im

Drohnenkameras und Seilkameras, die mit 100 km/h mit den Stars um die Wette rasen, jenes Gefühl, das die Kitzbüheler am liebsten transportiert wissen: Dass diese Strecke die aufregendste und schwierigste der Welt ist. „Ich steh ja sehr auf die Gegenhang-Kamera“, sagt Fritz Melchert. „Da können wir dank der Technik vom Berg vis-à-vis mittlerweile den Fahrern beim Start ins Gesicht filmen. Einzigartig.“ Für ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz ist die Zusammenarbeit mit Kitzbühel eine Erfolgsgeschichte: „Der Wert für den ORF lässt sich leicht in Zahlen gießen. Im Vorjahr erreichte der Slalom mit 1,773 Millionen Zuschauern einen Rekordwert. Bis zu 1,5 Millionen sahen die Abfahrt. Kitzbühel ist ein weltbekannter Sportmythos, an dessen Entstehung der ORF tatkräftig mithelfen durfte. Die spektakulären TV-Bilder sind eine Visitenkarte Österreichs an die Welt, wie das sonst nur das Neujahrskonzert ist.“ Ausgereizt ist das Hahnenkamm-Hollywood aber auch im Jahr 2019 noch lange nicht. Wrabetz: „Sechzig Jahre Hahnenkamm-Rennen im ORF sind ein Stück Zeitgeschichte in seiner spannendsten Form, und unser Sport-Team gehört im

Den Hahnenkamm und die Skistars immer im Fokus: Mit fünf Kameras wurde das erste Live-Spektakel eingefangen, 60 Jahre später sind es bis zu 45. Für ORF-Generaldirektor Wrabetz sind die Kitz-Bilder „eine Visitenkarte Österreichs“

Laufe der Jahre wurden aber die Pausen zwischen den Starts zumindest bei den Top-Piloten auf 1:30, dann auf 2:00, später sogar auf 2:30 Minuten ausgedehnt, um die Kitz-Show zur bestmöglichen Entfaltung kommen zu lassen. Getreu dem Credo: Ohne Fernsehen kein Event der Superlative. Fritz Melchert war auch bald Mitglied in der FIS-Kommission, mit der Intention, Mitsprache für die immer vielseitiger werdenden TV-Optionen zu besitzen. Um die Jahrtausendwende wurden in Kitzbühel mehr und mehr Ideen realisiert, wurde das technische Aufrüsten zur eigenen Sportart und die internationale Regie aufgrund der enormen Bildauswahl zu einem Drahtseilakt in Höchstgeschwindigkeit. Wo früher einmal fünf Kameras und 30 Mitarbeiter gefordert waren, sind es heute 40 bis 45 Kameras (nahezu alle mit eigenen Lupen-Modulen) und rund 200 Mitarbeiter. Die Streif ist längst mit Glasfaserkabeln durchzogen, die nur mehr an Plug & Play-Stationen angeschlossen werden müssen. Einst gab es in Kitzbühel zwei Zwischenzeiten, heute sind es acht. Dazu kamen die Geschwindigkeitsmessungen bei Steilhang-Ausfahrt und Zielschuss, wurden die Parallelbilder zum direkten Fahrer-Vergleich inszeniert, schenken Superzeitlupen, die 2000 Bilder in der Sekunde produzieren, atemberaubende Impressionen, verstärken Krankameras, Torkameras,

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Wintersport zum Kreativsten und Innovativsten, was es weltweit zu finden gibt, man denke etwa an die Kamerafahrten mit 360 Grad-Rundumblick.“ Mit der einen oder anderen Überraschung ist daher auch in den kommenden Jahren zu rechnen. Fritz Melchert bestätigt das, und er sagt gerne mit einem Augenzwinkern: „Klar, am liebsten würde ich mit den Kameras mitten auf der Piste stehen, damit die Burschen auf mich zurasen. Aber das macht man wohl nur einmal.“ An Fantasien mangelt es für das Kitzbühel von morgen jedenfalls nicht. M ­ elchert, der den Regie-Zauberstab vor drei Jahren an den nächsten ORF-Visionär, Michael Kögler, übergab, hat als immerwährender Tüftler zwei denkbare Szenarien im Kopf: „Zusätzlich zu den Zwischenzeiten wäre ein sekündlicher Vergleich zwischen Läufer A und Läufer B großartig. Wo am Bildrand mit einer Farbskala permanent sichtbar ist, wer vorne liegt.“ Und dann fehlt wohl wirklich nur mehr der Traum von der Ausstattung aller Streif-Helden mit Helmkameras. „Die sind mittlerweile auch dank winziger Zwei-Minuten-Batterien so klein, dass ein Sicherheitsrisiko im Kopfbereich kaum noch gegeben ist“, sagt Melchert. Mit dem Blick des Fahrers in die Mausefalle, durch den Steilhang und entlang der Traverse zu bretteln … „das wäre für das Publikum ein Nervenkitzel auf allerhöchstem Niveau“.


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G E S C H Ü T Z T

Wenn die Sonne scheint, steigt das allgemeine Wohlbefinden. Ihren Schattenseiten treten allerlei Cremes, ausgestattet mit unterschiedlichsten Lichtschutzfaktoren, entgegen. Gesicht und Hände sind also geschützt. Auch Bekleidung, die den Körper gegen schädliche Strahlen abschirmt, hat den Markt längst erobert. Den Kopf allerdings hat man bislang wie ein Stiefkind behandelt. Haare, wenn vorhanden, können dem stahlenden Fixstern nichts entgegensetzen. Da braucht´s bedeutend mehr.

Eine sportliche Kopfbedeckung schließt die Schutz-Lücke. Das Gewebe der „Capcool“ reflektiert die Sonnenstrahlen und lässt gefährliche UVA- und UVB-Strahlung einfach abprallen. Dieser Prozess löst praktischerweise auch einen kühlenden Effekt aus. Der sorgt dafür, dass man wesentlich weniger schwitzt. Lästige Schweißränder fallen somit ebenfalls flach. Ein cooles Kapperl für Langläufer, Schnee-Golfer oder sonnenhungrige Après-Ski-Genießer. Informationen unter www.capcool.at.

Eine verschneite Landschaft im Sonnenschein – der Traum aller Winter-Fanatiker. Aufgeladen von freudespendendem Vitamin D, steigt die Stimmung. Wären da nicht die bösartigen UV-Strahlen, die das Haupt bescheinen… Eine Kappe garantiert 100-prozentigen Schutz. Capcool. 42

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G E T R AG E N

Ein Familienunternehmen mit Persönlichkeit und Unternehmergeist 65 Jahre wird Sportalm nun bereits als erfolgreiches Familien­ unternehmen geführt. Seit 1980 im Besitz von Wilhelm Ehrlich und seiner Frau Herta, ist mittlerweile auch deren Tochter Ulli Ehrlich in die Geschäftsführung involviert. Zur Sportalm-Familie im weiteren Sinne zählen aber auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne die Sportalm nicht wäre, wo es heute ist. Inspiriert von der Schönheit der Alpen, den Erfolgen der Skihelden und

dem Mythos des legendären Rennens auf der Streif, entwickelt Sportalm Kollektionen, welche den Sportgeist Kitzbühels mit jeder Faser repräsentieren. Absolute Sportlichkeit verbindet sich mit glamourösem Après-Ski-Chic zu Kitzbühel pur. Dies zeigt sich in 3 Kollektionen: luxuriöse Skimode für Damen und Herren, dekorative Tracht sowie detailverliebte Fa­ shion-Kollektionen inklusive Active und Golf für Damen. Werfen Sie einen Blick auf www.sportalm.at

The Austrian Luxury Brand Traditionelles Trendsetting. Dank modischer Kollektionen, die den Geist von Kitzbühel mit jeder Faser repräsentieren. Wo Sportalm draufsteht, ist stets glamouröser Après-Ski-Chic drin. 44

fotos: #ANDRE ASORTNERSTUDIO

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G E S C H A F F E N

Bernd & Ruth Gruber sowie Creative Director Philipp Hoflehner verbinden in ihrer Interieur-Manufaktur in Aurach bei Kitzbühel handwerkliche Tradition mit modernem Design. Als Innenarchitekten wissen sie: Was einem Raum Atmosphäre verleiht, ist das subtile Zusammenspiel aus optischen, haptischen und sinnlichen Eindrücken. Darum haben sie den Schritt gewagt, ihre Idee von einem eigenen Raumduft Realität werden zu lassen. „Bernd Gruber N°01“ setzt sich aus vier Komponenten zusammen, die in Kombination ein angenehmes und wohltuendes Raumklima schaffen. Die Duftstruktur ist einzigartig. Eine

Komposition aus Zedern- und Sandelholz mit exotischen Nuancen aus Vetiver und Patschuli weckt Erinnerungen an die Reisen der Interior Designer: Denn aus kreativen und außergewöhnlichen Orten bringen sie nicht nur Kunst- und Vintagegegenstände für das Atelier bei Kitzbühel mit, sondern auch sinnliche Inspirationen aus der ganzen Welt. „Bernd Gruber N°01“ ist die Essenz jener unvergesslichen Räume, die geschaffen wurden, um die Schönheit des Lebens zu genießen – und sie trägt uns immer wieder dorthin zurück. Weitere Informationen: www.bernd-gruber.at

Hommage an die Sinne Die Interieur-Designer der Kitzbüheler Bernd Gruber-Manufaktur haben ihre ganz eigene Duftwelt erschaffen. „Bernd Gruber N°01“ schafft eine unmittelbare Verbindung zu unseren Erinnerungen und Gefühlen. 46


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G E T RU N K E N

Wenn eine Vision zum Wein wird. Rainer Garger wollte seinen eigenen edlen Tropfen auf den Markt bringen. Den besten Kékfrankos (Blaufränkisch).

der Kékfrankos-Weinbeeren. Garger, dessen Vorfahren väterlicherseits aus dem ungarischen Vaskeresztes stammen, und seine Mitstreiter überraschen mit einem frischen, markanten, seidig-eleganten, mineralischen und würzigen Roten die WeinGewonnen aus den Trauben, die auf der ungarischen Seite welt. Im Frühjahr 2013, mehr als zehn Jahre nach dem Erwerb des Eisenbergs gedeihen. Garger erkannte die außergewöhn- des Weingartens, kamen 500 Flaschen „NADOR 2009“ auf den lichen Eigenschaften des Terroirs am Vas-hegy, wie der Berg Markt. Raritäten, die große Trinkfreude bereiten. Heute sind es in der Landessprache unserer Nachbarn genannt wird. Er hol- rund 10.000 jährlich, die sich auf „NADOR Falu“, die Selektion te sich Profis an Bord, um das Projekt ins Glas zu bringen. Die „NADOR LPG“, sowie die beiden Lagenweine „NADOR Voller“ Trauben werden in Eigenregie, nachhaltig und sorgsam zur und „NADOR Wanzer“ verteilen. Reife geführt. Die renommierten Winzer Reinhold Krutzler und Christoph Wachter-­Wiesler kümmern sich um die Vinifizierung Weitere Informationen: www.nadorwine.com

Ungarisches Vollblut Ein rotes Kraftpaket verblüfft verwöhnte Gaumen. Neo-Winzer Rainer Garger hat mit dem reinrassigen Blaufränker Kékfrankos „Nador“ einen eleganten Volltreffer gelandet. 48


Unsere Alpenkรถnige.

Offizieller Partner des Max Franz, Marcel Hirscher, Vincent Kriechmayr


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P O RT R ÄT

P R O F. P E T E R S C H R Ö C K S N A D E L

Der clevere Visionär Wer Schröcksnadel sagt, der denkt zwangsläufig an einen der längst dienenden, erfolgreichsten, wenn nicht den besten ÖSV-Präsidenten, den es je gab. An den Mister Ski, der in 29 Jahren seiner Amtszeit mehr Medaillen und Weltcupsiege als alle Vorgänger auf das ÖSV-Konto gebracht hat. Bevor Schröcksnadel den Skiverband übernahm, hatte er sich schon als Pisten-Regler, Tourismus-Experte und Werbefachmann mit der von ihm gegründeten Firma Sitour einen Namen gemacht. text: JOSEF METZGER

Kaum einer versteht es besser als der clevere Tiroler, wie man mit innovativen Initiativen, zündenden Ideen und spektakulärem Sport den Weltcup so attraktiv macht, dass er mit den Medien auch die Massen bewegt, Promis und VIPs anlockt, Umsätze steigert und Kassen klingeln lässt. Jawohl, Helden braucht der Skisport, um sowohl Promi-Magnet als auch Zuschauer-Hit zu werden. Vor allem Lo-

kalmatadore, die mit spektakulären Siegen auch tolle Stories liefern. Immer und überall. Das ist ein Patentrezept als Erfolgsformel. Das gilt nicht nur für Kitzbühel und Rot-Weiß-Rot. Auch für Wengen, Adelboden und die Schweizer von Collombin über Russi bis Cuche. Auch für Garmisch und deutsche Größen von Wasmeier bis Dreßen. Für Gröden und Südtiroler von Ghedina bis Fill. Für Kvitfjell und Norweger von Aamodt bis Kristoffersen. Für Chamonix, Val

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d’Isère und Franzosen von Killy bis Pinturault. Und abseits von Geisterrennen in entlegenen, sündteuren, publikumsfernen (Nobel)Resorts und der glamourösen Speed-Queen und Rekord-Jägerin Lindsey Vonn trifft das neuerdings auch auf die USA, das vorher kaum bekannte Killington und Mikaela Shiffrin zu, mit deren Seriensiegen der Weltcup den ausgehungerten US-Osten im D-Zug-Tempo eroberte. Alles in Verbindung mit Moderatoren,


die die Stimmung anheizen, Promi-Gästen, die spezielles Flair schaffen, Entertainment abseits der Piste, also der Mix aus Patriotismus und Power, Nervenkitzel und Belustigung macht’s aus. Auf den Punkt gebracht: Aus nichts wird nichts, aber wo Tauben sind, fliegen Tauben zu. Was der Volksmund sagt, hat Hand und Fuß. Wenn’s nach den Weltcup-Reformern geht, dann würd’s ein ÖSV-Kegel­ ergebnis (Alle Neune) wie einst beim Patscherkofel-Super-G nie mehr geben, weil man angeblich auf Drängen der TV-Anstalten künftig die Team-Kontingente auf womöglich nur noch fünf LäuferInnen beschränken will. Aus Schröcksnadel-Sicht und nicht nur ÖSV-Großmacht-Perspektive würde es sich dabei sowohl um Vorspiegelung falscher Tatsachen als auch um Wettbewerbsverzerrung und einen Schuss ins Knie handeln. „Unsinn. Das Fernsehen steigt sowieso nach 45 oder 50 Läufern aus. Und anders als bei Olympia und WM darf’s für Qualifizierte keine Beschränkung geben. Im Weltcup müssen die Besten der Besten fahren – auch im Tennis spielen zehn Spanier bei Turnieren!“ Als Alternative dazu plädiert der ÖSV-Präsident für Fix-Startplätze der Top 50 im Ranking und für ein Ausscheidungsrennen unter der Woche in einem Nachbarort der Weltcupstation, „bei dem sich dann ja auch sechs, acht

oder zehn LäuferInnen aus kleinen Nationen oder Ski-ExotInnen noch für den Weltcup qualifizieren können. Das würde auch diese Orte aufwerten!“ Schröcksnadel denkt da an Kirchberg und Kitzbühel, Radstadt und Zauchensee, Tignes und Val d’Isère, um Beispiele zu nennen. Nichts übrig hat er als Master-Racer für Ski-Clowns, die als Minderbemittelte oder Nichtskönner die Lachmuskeln der Zuschauer kitzeln, den Top-Sportlern aber medial die Show stehlen oder Verträge rauben. Motto: Was Olympia billig ist, darf dem Weltcup nicht recht sein. Zwei verschiedene Paar Schuhe. Exotik ist aber ein Stichwort. Einst gab’s in Portillo eine alpine Ski-WM mitten im europäischen Sommer, später auch noch Weltcups in Australien (Thredbo) und Neuseeland (Mount Hutt). Inzwischen ist der Skirennsport ein Ganzjahressport geworden – allerdings nicht punkto Weltcup, sondern mit Sommertrainingslagern in der südlichen (Winter-)Hemisphäre (Argentinien, Chile, Neuseeland, Australien), bei denen die großen Stars aus allen Ländern mit den Starlets und Statisten sowohl an Technik als auch an Technologie, sprich Material, feilen. Ergebnisse aber werden nur bei sekundären Testrennen gemessen, nicht aber im Weltcup. Ein Fehler oder Versäumnis? „Nein“, sagt Schröcksnadel. „Der Kernmarkt des Skisports befindet sich immer noch in Europa und in

„Es darf keine Beschränkungen geben. Im Weltcup müssen die Besten der Besten fahren – auch im Tennis spielen zehn Spanier bei Turnieren!“

Nordamerika, vielleicht noch in Japan, irgendwann in China. Sommer-Weltcup weit weg wäre auch sehr, sehr teuer. Und wie soll’s Fernsehzeiten geben gegen alle Großevents der Sommersportarten?“ Als PR-Guru würde Schröcksnadel aber Ausnahmen von dieser seiner Regel nicht ausschließen, wenn sie weltweites Echo auslösen könnten. Er denkt dabei laut nicht über die herkömmlichen Trainingsgebiete nach, sondern in ganz anderen Sphären. „Natürlich würde ein Ski-Weltcup in Afrika, also weißer Sport auf dem schwarzen Kontinent, für Schlagzeilen sorgen – Schneeregionen und Skigebiete gibt’s ja in Lesotho und im Atlasgebirge. Aber auch ein Weltcup in Island bei den Geysiren wäre eine tolle Sache!“ Beides ist bei weitem nicht so weit entfernt wie einst der Mond und jetzt der Mars, dafür aber weiter entfernt als ein Weltcup in einem neuen, multifunktionalen Nationalstadion in Wien mit Sprungschanze und aufklappbaren Pisten, von dem er träumt. Nicht der Diskussion wert, wie es der neue Sport-Stadtrat schon abgekanzelt hat? Keineswegs! Schröcksnadel kann’s nämlich mit den Plänen jenes Architekten belegen, der dieses kühne Projekt entworfen hat. Aber Visionäre werden oft so lange belächelt, bis die Utopie von der Realität eingeholt wird. Jahre später und Unsummen teurer...

Professor Peter Schröcksnadel ist seit 1990 Präsident des Österreichischen Skiverbandes.

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FAKT 01: Wo Flocken durch die Luft tanzen, offenbaren sie uns die Leichtigkeit des Seins. Aber man täusche sich nicht. Die Masse macht’s aus. Ein Kubikmeter Pulverschnee wiegt immerhin schon 30 bis 50 Kilogramm. Der klassische, nicht ganz so leichte und trockene Neuschnee kommt bereits auf das Doppelte. Während der berühmte Pappschnee, dessen Feuchtigkeit ein Geschenk für Schneeballwerfer ist, bis zu 200 Kilogramm auf die Waage bringt. Bleibt noch der Firn. Also jener Altschnee, der durch Schmelz- und Gefriervorgänge so stark verdichtet ist, dass er als Schwergewichtsweltmeister gilt – er wiegt bis zu 600 Kilogramm pro Kubikmeter. Mehr als nur ein Firngespinst. FAKT 02: Was der Schneekristall mit einem Fingerabdruck gemeinsam hat. Er kommt milliardenfach vor, aber keiner gleicht dem anderen. Lediglich die sechseckige Form ist naturgemäß konstant. Verantwortlich dafür sind die Wassermoleküle, die nur in Winkeln von 60 bzw. 120 Grad kristallisieren. Die sternförmigen Eiskristalle gedeihen bei -12 bis -16 Grad. Ist es kälter, entstehen Plättchen und Säulen, und es dauert Stunden, bis sich die sechseckigen Strukturen bilden. Kunstschnee hat dagegen nur wenige Meter Flugzeit, daher seine kugelige Form. Am Boden aber verändern sich die Flocken sofort. Der Kristallfex nennt das gerne ­Schneemetamorphose. FAKT 03: Viele Flocken in kurzer Zeit lassen ZuckergussWelten entstehen, die wir als Winterzauber wahrnehmen. Eis ist jedoch nahezu durchsichtig. Woher kommt also dieses Weiß? Unter dem Mikroskop betrachtet, sind Schneekristalle

transparent. Aber die Art, wie sie das einfallende Licht streuen, erzeugt in unseren Augen einen Weiß-Effekt. Anders als bei Eis trifft die Strahlung bei den sechseckig verzweigten Sternen, Plättchen oder Prismen der Schneeflocken auf eine Vielzahl von gegeneinander verdrehten und verkippten Oberflächen. Diese werfen das Licht in unterschiedliche Richtungen zurück, ähnlich wie Millionen von winzigen Spiegelscherben. Durch die Überlagerung der vielfach reflektierten Strahlung erscheint der Schnee weiß. FAKT 04: „Gut einschmieren!“ Das kennen wir alle. Und zwar mit Recht. Durch das hohe Rückstrahlvermögen des Schnees besteht die Gefahr, dass sich Schifahrerinnen und Schifahrer schneller einen Sonnenbrand zuziehen. Insbesondere Neuschnee wirft bis zu 90 Prozent des Sonnenlichts zurück, wobei sich die Reflexionsstrahlung bei schmelzendem Altschnee bis auf knapp 50 Prozent reduziert. Zum Vergleich: Schneefreier Rasen reflektiert nur rund 20 Prozent des einfallenden Sonnenlichts. FAKT 05: Jede Schneeflocke besteht aus etwa zehn Millionen winzigen Eiskristallen. Die unterschiedlichen Formen von Schneeflocken entstehen, weil sich nicht alle Seiten des Prismas in derselben Geschwindigkeit entwickeln. Seit 1952 gibt es sieben offizielle Schneeflocken-Kategorien, aufgelistet von der – ja, die gibt’s tatsächlich – Internationalen Kommission für Schnee und Eis. Der Schneeforscher Ukichiro Nakaya ging sogar noch weiter und unterteilte die Flocken in 41 verschiedene „morphologische Formen“, seine Nachfolger erfassten 1966 sogar insgesamt 80 verschiedene Schneeflocken-Typen.

text: MICHAEL HUFNAGL

Flockige Wahrheiten Ohne Schnee ka Musi, ohne Schnee kein Skispektakel, ohne Schnee keine Kitz-Show. Allerlei Wissenswertes über das Weiß, das uns die Magie des Besonderen garantiert. 52


Das Ziel nicht aus den Augen verlieren Wie finde ich die Ideallinie? Wir wissen, wie wichtig es ist, schnell auf Marktereignisse zu reagieren. Unsere größte Stärke ist die gemeinsame Arbeit von Hunderten von Analysten auf der ganzen Welt, die für unsere Kunden die Finanzmärkte genau im Auge behalten. Bei einigen Fragen im Leben ist man nicht allein. Gemeinsam können wir eine Antwort finden. Besuchen Sie uns auf ubs.com/cioyearahead

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G E D EC K T

Geschirr ist Chefsache. Zumindest im Restaurant ­ teirereck. Wenn’s um Tassen, Untertassen, Suppenteller, S flache Teller oder sonstige Porzellan-Schätze geht, macht Heinz Reitbauer keine Kompromisse. Über die Art des Geschirrs definiert sich eine gewisse Stilistik, so sein Motto. Also fliegt der Chef höchstpersönlich zu den wichtigsten Geschirrmessen nach Paris oder Frankfurt, um die optimalen Träger für erlesenste Speisen ausfindig zu machen.

Meierei im Stadtpark Wien und Steirereck am Pogusch (Steiermark) standen auf der Vorgabenliste: romantisch, naturbezogen, erdig, beseelt von Normalität und einem Hauch von Vintage. Der Patron wurde fündig, und nun wird es in grün und blau exklusiv für Reitbauers produziert. Und dann geschah das Unbeabsichtigte: Teller, Tassen, Schüsseln und Konsorten avancierten zur Take-away-Sensation. Mitarbeiter, Freunde und Gäste des Hauses haben bereits ordentlich zugeschlagen. Und die Nachfrage ist nach wie vor groß.

Preise: von € 2,20 bis € 17,– Das Geschirr ist am Pogusch und im Steirereck-­Shop erhältlich.

Kostbares Tischgedeck Darauf kommen die besten Speisen zu vollendeter Geltung. Ein Augenschmaus aus Porzellan: das Reitbauer-Geschirr als Verkaufsschlager. 54


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K I TZ-R AC E- I ns i de

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G E L E I T E T

Großer Bahnhof nicht nur für Papst, Popstars, Schauspieler oder Top-Manager, sondern auch für Reisende aller Fluglinien und jeder Buchungsklasse in Wien Schwechat. Wenn Persönlichkeiten im Anflug auf die Bundeshauptstadt sind, wird der Red Carpet im VIP Terminal ausgerollt. Direkt an der Gangway wartet der BMW 7er-Shuttle und chauffiert die honorigen Gäste – ganz bequem – in das eigens für sie geschaffene Areal. Anstellen bei Passkontrolle & Co. ist hier kein Thema. Abgefertigt wird im VIP-Modus, und sollten diverse Einreisemodalitäten notwendig sein, dann werden auch diese von den qualifizierten Mitarbeitern prompt erledigt. Der Gast soll sich von Anfang an in Wien wohlfühlen und in den Genuss

des besten Service kommen, so das Credo der ­Betreiber. Die Passagiere genießen den VIP-Service, der von kulinarischen Leckerbissen bis zur persönlichen Begleitung durch Familienangehörige oder Geschäftspartner bis zum Flugzeug reicht. Das ultramoderne, 2.400 m2 große Terminalgebäude bietet aber noch weit mehr. Für Business Events, Vernissagen oder Konferenzen stehen das beeindruckende Foyer, gediegene Lounges, das Restaurant sowie zahlreiche Konferenz- und Büroräumlichkeiten zur Verfügung. Wer ganz hoch hinauswill, nutzt die edle „Skyview Lounge“ mit imponierender Terrasse. Zum Gebäudekomplex gehört auch der exklusive Ehrenhof, der gerade bei politischen Empfängen intensiv genutzt wird. Auch für jene, die mit eigenen Businessoder Privat-Jets angeflogen kommen, ist bestens gesorgt.

Weitere Informationen: www.viennaairport.com/ VIP

Terminal der Stars Ehre, wem Ehre gebührt, abgefertigt wird im VIP-Modus. Und auch sonst gibt es in diesem besonderen Bereich des Flughafens nur ein Credo: Der beste Service ist die Garantie zum Wohlfühlen. 56


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G E N O S S E N

Da, wo sich Nostalgie und Luxus treffen. Jugendstil und Neuzeit. Chic und Ästhetik. Die „Villa Antoinette“ öffnet am Semmering das Tor zu einer Welt. Diesseits von Gemütlichkeit und Luxus und jenseits der Zeit des 20. Jahrhunderts. Als die Schönen, Reichen und Adeligen aus der Stadt in die Sommerfrische Richtung Berge flüchteten, kamen sie hier durch. 1912 mit dem Charme des Jugendstils erbaut, diente das schmucke Haus erst einmal als Jausenstation. Vor einem Jahr holten Andreas Wessely und Michael Niederer das Anwesen in die Neuzeit. Mit viel Liebe zum Detail entstand ein Ort, der in alpinem Glanz und Glamour strahlt. Die exquisite Ausstattung der Villa begeistert die Gäste. Farben, Stoffe und Tapeten sind handverlesen. Die nostalgischen Fliesen, Möbel und

Accessoires lassen längst vergangene Zeiten im Hier und Jetzt auferstehen. Belebend sind das beheizte Außenschwimmbecken, ein Freiluft-Sprudelbecken, das Badehaus mit Sauna, Dampfbad und Tauchbecken. Dann ist da noch Herr Edi. Die gute Seele des Hauses. Er sorgt als patenter Gastgeber für reibungslose Abläufe in der Traum-Villa. Ein Gesamtkunstwerk ist am Semmering entstanden. Ein Platz zwischen Raum und Zeit, der bis zu 13 Personen beherbergen kann. Luxus in den Bergen darf genossen werden. Auf Zeit. Voll und ganz.

Weitere Informationen und Booking-Details: www.villa-antoinette.at

Zeitreise zum alpinen Luxus Alpine Nostalgie. Zeitgenössischer Chic. In der „Villa Antoinette“ trifft der Charme des längst Vergangenen auf Glanz & Glamour von heute. 58


1645 M

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Bilder: © andreaswimmer.com

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Urlaubsgenuss auf höchstem Niveau in einem der exklusivsten Private-Chalets der Alpen. 1645 m über den Dächern von Kitzbühel und nur 50 m vom Start des legendären Hahnenkamm-Rennens entfernt wird Ski-In & Ski-Out zum exklusiven Erlebnis. First-ClassService gepaart mit alpinem Lifestyle und kulinarischen Meisterwerken schaffen ein besonderes Ambiente zum Wohlfühlen.

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Ein Ski-Star für einen Tag

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Wo die Besten der Besten um die „Goldene Gams“ wetteifern, können sich Hobby-Skiläufer wie Weltcup-Stars fühlen: Beim Audi quattro Ski Cup in Kitzbühel, dem Hotspot des Wintersports. Wer hat als Fernsehzuschauer der legendären HahnenkammRennen nicht schon gedacht: „Das würde ich auch gern erleben?“. Der Audi quattro Ski Cup in Kitzbühel ermöglicht jedermann, was sonst den Skistars im Kampf um die „Goldene Gams“ vorbehalten ist. Hobby-Läufer haben die gleichen Rahmenbedingungen wie im Audi FIS Ski Weltcup - ein Starthaus, professionelle Zeitnehmung, perfekte Piste, großer Zielbogen und Live-Moderation. Vom 15. – 17. Februar 2019 sorgt Audi in Kitzbühel für echte Wettkampfatmosphäre vor traumhafter Bergkulisse. Die Besten im Riesentorlauf qualifizieren sich für das Weltfinale im März in Megève / Frankreich.

Die Profis der Skischule element3 setzen den Kurs und übernehmen die Rennleitung. Für Skischulleiter Manfred Hofer ist der Audi quattro Ski Cup ein besonderes Erlebnis. „Die Amateure werden behandelt wie Rennfahrer. Das Startgelände zum Beispiel ist fast wie beim HahnenkammRennen – mit viel Platz und eigener Wachskammer. Dazu bekommen die Läufer Tipps von früheren Weltcup-Stars wie Niki Hosp oder Benni Raich. Das alles hat Weltcup-Niveau. Die Teilnehmer können die Atmosphäre aufsaugen, das gibt es sonst nirgendwo.“ Zudem zaubert die Bergbahn AG Kitzbühel eine perfekte Piste in den Schnee, die jener im Audi FIS Ski Weltcup um nichts nachsteht. Das betrifft sowohl die Präparierung als auch die Sicherheit. Auch der Kitzbüheler Ski Club, der die Hahnenkamm-Rennen organisiert, unterstützt das Rennen mit ganzer Kraft und sorgt auch beim Audi quattro Ski Cup für eine professionelle Abwicklung.

Nehmen Sie die Herausforderung an? Dann schnell anmelden unter www.audiquattroskicup.com

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Mate K I T Z- R AC E- I n si d e

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„Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft, es kommt auf das Material an.“ Sagte Marie von Ebner-Eschenbach. So fit kann ein Athlet gar nicht sein. So wach sein Geist. So groß sein Talent. So kämpferisch sein Charakter. Am Ende entscheidet ein Heer von Spezialisten, ob ein Triumph möglich werden kann oder nicht. Denn der perfekte Mensch ist auf der Piste nichts ohne seine Maschine. Und die muss produziert, gepflegt und auf jedes Bedürfnis abgestimmt werden. Wer nach den Sternen greifen will, benötigt vor allem einen Ski, der greift.

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DAS RENNEN

Wachsler-Romantik war einmal. Skikeller der Weltcup-Helden ähneln heute Waffenkammern, in denen Spezialisten an Hightech-Brettln werken. Kein Aufwand ist zu groß, um auf der Werbepiste zu glänzen – und dem Modell Hirscher auf die Schwünge zu helfen. te x t : WA LT E R D E L L E K A RT H

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UM DEN SCHNELLEN SKI


Die Differenz zwischen schnellem und nicht so schnellem Ski bewegt sich heutzutage, bei groĂ&#x;teils gleichbleibenden Verhältnissen auf pickelharten Kunstschnee-Pisten, im Bereich von Sekundenbruchteilen

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Papa Helmut war verhindert. Also wurde der kleine Marc einer französischen Delegation anvertraut. „Mausgaglallein“ habe er sich Ende der 1970er-Jahre also auf die Socken gemacht. Das Ziel des damals 15 Jahre alten Buben aus dem Bregenzer Wald: irgendwelche Punkterennen, irgendwo in Osteuropa. So genau muss man das heute nicht mehr wissen. Was allerdings in der Erinnerung haften blieb, ist die Packliste.

Die Rede ist von Marc Girardelli, aufgrund seines Werdegangs – Siege in allen fünf alpinen Disziplinen, vier Weltmeistertitel und fünf große Weltcup-Kugeln zwischen 1985 und 1993 – eine Ikone des Skirennsports. Mit zwölf hatte er Österreich – zumindest sportlich – den Rücken gekehrt und sich dem luxemburgischen Skiverband angeschlossen. Was sich vor allem zu Beginn der Laufbahn als ziemlich mühsam entpuppte. So wunderte sich der Knabe im Verlauf des Ausflugs in den wilden Osten, dass die prächtige Notration unverhältnismäßig schnell schrumpfte. Einzige Erklärung: Die Kollegen aus Frankreich hatten Witterung aufgenommen, sich im Skistall heimlich am Geräucherten gelabt. Schon ein erstes Zeichen dafür, welch bedeutende Rolle das Material im Skirennsport seit jeher spielt… Die Zeiten haben sich rasch geändert: Mit 17 belegte Marc Girardelli im Lauberhorn-Slalom in Wengen den zweiten Platz, da stellte ihm Rossignol einen eigenen Servicemann zur Seite – der zum einen ein Auge auf mitgeführte Schmankerl warf, dem Sportler selbst vor allem nächtliche Schichten zur fachgemäßen Präparierung der Rennski abnahm. Was er ihm nicht ersparen konnte, war die damals schon ausgiebige Testerei des infrage kommenden Geräts. „Wir waren damals die Ersten“, erinnert sich Girardelli, „die auf dem Gletscher mit einem Motorschlitten unterwegs waren.“ Einfach aus dem Grund, mehr Rotationen als mit dem Lift zu machen, dadurch mehr Ski testen zu können. Da sei es schließlich um rennentscheidende Sekunden gegangen, seien Unterschiede mitunter mit freiem Auge leicht erkennbar gewesen: „Teilweise hatte ein Ski im Vergleich zum anderen bis zu einem halben Zentimeter Überstand…“ Das Problem hat sich im Zeitalter computergesteuerter Produktionsketten längst gelöst. Und auch die Differenz zwischen schnellem und nicht so schnellem Ski bewege sich heutzutage, bei großteils gleichbleibenden Verhältnissen auf pickelharten Kunstschnee-Pisten, im Bereich von Sekundenbruchteilen. „Heute geht es an

Etwa 3000 Paar Athletenski werden bei Head jedes Jahr gebaut, handgefertigt und handgetunt. Die sind den Bedürfnissen der Spitzenkönner individuell angepasst und bei vernünftiger Kalkulation für den Normalo unerschwinglich

der Spitze nicht mehr so ums Skifahren“, sagt Girardelli, „sondern darum, stehen zu bleiben, wenn der Ski mit dir um die Kurve fährt.“ Er selbst hatte Gelegenheit, sich am Kaunertaler Gletscher im Duell mit Top-Athlet Manuel Feller ein Bild zu machen. Bei einem 35-Sekunden-Riesentorlauf verlor er mit Skiern Baujahr 87 lediglich 1,7 Sekunden, mit aktuellen Modellen ein wenig mehr. Der spürbare Unterschied: Während die schmalen, alten Latten nur eine vergleichsweise gemütliche Rutschpartie zuließen, machten sich mit modernen Carving-Raketen („Unglaublich viel schneller!“) bereits nach einem Durchgang Knie und Rücken, seine Problemzonen, schmerzlich bemerkbar: „Der Druck auf den Körper ist gewaltig!“ Girardelli schlussfolgert, dass nur, wer über überproportional austrainierte Muskulatur und unbändige Kondition verfügt, in der Lage sei, das Rennmaterial zu kontrollieren. Zudem sei ein kompakter Körperbau von großem Vorteil. Lackel wie der Schweizer Ramon Zenhäusern (zwei Meter groß) oder der Schwede André Myhrer (1,89 m) müssten sich schon eigene Techniken aneignen, sich kräftezehrend zwischen den Toren kleinmachen, um am Ende immer noch, aufgrund größerer Hebelwirkungen, arg benachteiligt zu sein und nur abschnittsweise aufzeigen zu können. Womit wir beim Phänomen Marcel Hirscher wären. Natürlich handelt es sich bei dem 29 Jahre alten siebenmaligen Gesamtweltcupsieger aus Salzburg

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Neben einer Reisetasche mit dem Allernotwendigsten waren da: zwei Paar Skischuhe, erstanden beim Sportfachhändler des Vertrauens, ein Skisack mit zwei Paar Slalom- und zwei Paar Riesenslalom-Ski von der Firma Kästle aus Vorarlberg. Und fünf Kilo Speck aus Südtirol, schließlich hatte man von der Verpflegung im Zielgebiet Besorgniserregendes vernommen.


um ein Ausnahmetalent. Das allerdings wäre zu wenig, um die Szene derart zu beherrschen. Mit 1,73 Metern Körpergröße, gepaart mit beinah verbissenem Trainingseifer und großer Akribie in der Auswahl des geeigneten Materials, vereint er die Voraussetzungen, die Konkurrenz in den technischen Disziplinen Slalom und Riesenslalom das Fürchten zu lehren. Nicht vergessen darf man dabei einen weiteren entscheidenden Wettbewerbsvorteil, der Ferdinand Hirscher heißt. Der Herr Papa zieht die Fäden im Hintergrund, vor allem wenn es darum geht, zum schnellsten Ski zu greifen, das gesamte Set-up an vorherrschende Verhältnisse anzupassen. Wenn nicht anders möglich, oder schreckliche Flugangst persönliches Erscheinen an entlegenen Pisten verhindert, gibt es nach eingehendem Studium der Fernsehbilder siegbringende Tipps auch schon einmal telefonisch.

In Bezug aufs Arbeitsgerät setzt Marcel Hirscher zweifellos Trends, wie es sich für einen Branchen-Primus geziemt. In seinem Fall ist dies mit ungeheurem personellem und materiellem, im Skirennsport bislang nicht gekanntem Einsatz verbunden. Dabei ist ihm nicht nur die Unterstützung von Ausrüster Atomic sicher, der mit Ex-Abfahrer Thomas Graggaber und Lukas Rottinger gleich zwei Mann fürs Skiservice abstellt. Auch der Skiverband konzentriert einen Großteil seiner Anstrengungen auf das verbliebene alpine Zugpferd. So verbringt Edi Unterberger, einst Wunderwachsler an der Seite von Hermann Maier, mittlerweile im ÖSV-Kompetenzzentrum in Neukirchen am Großvenediger angestellt, sehr viel Zeit mit der Optimierung von Hirschers Hightech-Brettln. Der Annaberger, versichert ein Insider, treibe den Aufwand jedenfalls „ins Unermessliche“.

„Pro Paar Ski muss ich für die Präparierung, bis es picobello ist, mit einem Zeitaufwand von eineinhalb bis zwei Stunden rechnen.“ Das Besondere am Paket, das Marcel Hirscher zu großen Vorsprüngen verhilft, ihm erlaubt, Reserven einzubauen und das Risiko, einzufädeln, beinah auf null zu verringern, wird gehütet wie ein Staatsgeheimnis: Er testet alles, was der Markt so hergibt, und setzt – unabhängig vom Hersteller – alles ein, was erfolgversprechend erscheint und ihn schneller macht. Das Privileg des Seriensiegers, meinen die einen. Vorspiegelung falscher Tatsachen, nennen es andere. Fakt ist, dass sich bei der vergleichsweise minderbemittelten Konkurrenz gegen die ungewöhnliche, geschichtlich einzigartige Herangehensweise des Modells Hirscher keinerlei Widerstand regt. Das wiederum könnte auf Folgendes hinweisen: Man verneigt sich vor dem Rekordmann, räumt ihm Freiheiten aufgrund seines Eifers und seiner Fertigkeiten ein, die man selbst nicht aufbringen kann. Oder es schwant einem, dass dies einen Vorgeschmack auf die Zukunft des alpinen Skirennsports darstellt. Denn in den vergangenen zehn, 15 Jahren hat sich bis auf kleine Korrekturen im Reglement am großen Ganzen in der Skiindustrie nichts Entscheidendes getan. Während sich die Produktion von Rennskiern auf einen ziemlich konstanten Wert eingependelt hat, dient ihr die Rennszene nach wie vor als ideale Werbe-Plattform, wie René Harrer, bei Head zuständig fürs Marketing, bestätigt: „Hier wird Medienpräsenz geschaffen, die du sonst nicht zahlen könntest.“ So gesehen seien auch die Spitzenathleten allemal ihr Geld wert. Unterschiede, so Harrer, bestünden darin, wie sich Firmen dem Thema näherten. Bei Head setze man auf ein, zwei Aushängeschilder in jedem

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relevanten Markt. Mitbewerber wie Atomic indes legten den Fokus auf ein, zwei Topkönner. Circa 50 Rennläufer fahren allein im Weltcup auf Head ab, während Christian Höflehner, der Global Race Director von Atomic, insgesamt 72 Vertragsathleten „ab gutem Europacup-Niveau“ zählt. Zwischen 20 und 30 von ihnen bezögen ein regelmäßiges Fixum, der Rest komme auf seine Kosten, „wenn er was gewinnt“. Etwa 3000 Paar Athletenski werden bei Head jedes Jahr gebaut, „handgefertigt“ und „handgetunt“, sagt René Harrer. Die seien den Wünschen und Bedürfnissen der Spitzenkönner individuell angepasst und bei vernünftiger Kalkulation für den Normalo unerschwinglich. Dennoch komme dem Rennsport in der Serienproduktion eine maßgebliche Rolle zu: Bei den Skiern mit der aus Funk und Fernsehen bekannten Rennlauf-Optik handle es sich nach wie vor um die Bestseller. Freunde des gepflegten Kurzschwungs griffen weiterhin am liebsten zu Slalommodellen, von denen jede Saison 10.000 Paar über den Ladentisch gingen.

Skiservice ist ein Marathonlauf mit vielen leeren Kilometern, weil die Stars beim Ausmisten nicht zimperlich vorgehen.

Christian Höflehner gerät ins Schwärmen, wenn es um das APC (Atomic Performance Center) in Altenmarkt geht: „Da wird nur Rennlaufmaterial verkauft. Und das läuft brutal gut!“ Recht so, möchte man bemerken, gäbe einem nicht Christian Greber, einst ÖSV-Stütze in Super-G und Abfahrt, jetzt „Sportlicher Leiter Nachwuchs“, wie seine Funktion im Verbands-Sprech heißt, Grund, zu grübeln. Jedes Jahr stiegen zwar zwischen 110 und 120 Nachwuchskräfte in die Liga der FIS-Punkterennen, die erste relevante Stufe auf dem Weg zum Weltcuphelden, auf. Diese Zahl sei im Verlauf der vergangenen 15 Jahre gleich geblieben, aber auch die Ausfallsquote sei enorm.

Immerhin verschleißt jeder aufstrebende Ski-Star pro Saison im Schnitt acht Paar Ski, wobei es noch mehr um die skifahrerische Ausbildung als um die Brillanz des Materials geht. Greber: „Die meisten sind da noch mit den gleichen Waffen unterwegs.“ Ab einem gewissen Niveau und Alter ändert sich dies grundlegend. Davon weiß Heinz Hämmerle, seit 36 Jahren als Servicemann tätig und schon Herr im Skikeller von Größen wie Todd Brooker, Ken Read, Helmut Höflehner, Patrick Ortlieb, Hannes Trinkl oder Bode Miller, um ein paar zu nennen, ein Lied zu singen.

„Früher war’s mehr Spaß, familiärer. Heute ist es Business, überhaupt mit den Hochkarätern“, so Hämmerle. Wenn er mit seinem aktuellen Schützling Lindsey Vonn auf Reisen geht, hat er im Schnitt 35 Paar Ski im Gepäck. Pro Paar rechnet er bei der Präparierung, „bis es picobello ist“, mit einem Zeitaufwand von eineinhalb bis zwei Stunden. „Auf jedem sind ungefähr 20 Stunden Arbeit drauf. Ich möchte die Strecke wissen, die ich schon am Tisch hin- und hergelaufen bin. Das sind bestimmt tausende Kilometer“, schätzt Hämmerle. Skiservice ist also beileibe kein Spaziergang, eher ein Marathonlauf – mit vielen leeren Kilometern, weil die Stars beim Ausmisten nicht zimperlich vorgehen. Hämmerle: „99 Prozent meiner Arbeit sind für die Katz.“ Erfolgserlebnisse freilich wiegen Entbehrungen auf, überhaupt, wenn sie einer gewissen List entspringen. So erinnert sich Hämmerle gerne an den Sieg eines österreichischen Abfahrers, dessen Ski er kurz vor dem Rennen noch „umgeschrieben“ habe, um ihn im Glauben zu lassen, dass es das von ihm gewählte Modell sei. „Im Ziel hat er mich abgebusselt.“ Das ist heutzutage der Speck, den sich einer wie er auf der Zunge zergehen lässt.

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Mut K I T Z- R AC E- I n si d e

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„Der Furchtsame erschrickt vor der Gefahr, der Feige in ihr, der Mutige nach ihr.“ Sagte Jean Paul. Wer am Start steht, hat vor allem eine Gewissheit vor Augen: Nicht an die eigenen Grenzen zu gehen, um dem Tempo die Stirn zu bieten, ist der erste Schritt zur Niederlage. Der Grat zwischen Respekt und Angst, zwischen Erfahrung und Unbekümmertheit, zwischen Strategie und Risiko ist verdammt schmal. Aber ohne die Bereitschaft zur Überwindung und die Überzeugung, dass den Mutigen die Welt gehört, wird das Gewinnen nicht gelingen.

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Als Ski-Express der Zeit voraus

text: JOSEF METZGER

Wer in der Geschichte der großen Ski-Triumphatoren verewigt sein will, sollte auf seiner Visitenkarte in großen Lettern eines stehen haben: Kitzbühel-Sieger! Zu einer perfekten Karriere gehört auch mindestens eine Bestzeit auf der berüchtigten Streif. Rendezvous mit sieben glorreichen Abfahrtshelden. 70


Jean-Claude Killy, aktiv von 1960–1968 Wer den Namen Killy hört, der weiß, dass es sich bei diesem Franzosen um den Ski-TGV der 1960er-Jahre handelt. An sich hätte er schon zum 50. Weltcup 2017 nach Kitzbühel kommen sollen, wurde aber erst 2018 als „Legend of the Year“ und „Legend of the World Cup“ geehrt. Eine einjährige Verspätung als Ausnahme von der Regel, weil das begnadete französische Ski- und Sporttalent Jean-Claude Killy, inzwischen 75, meist seiner Zeit voraus war. Anfangs oft so schnell, dass er über seinen eigenen Speed stolperte, vor allem im Slalom. Aber je standfester er wurde, desto öfter siegte er, umso mehr wuchs sein Nimbus der Unschlagbarkeit. Slalom- und Kombi-Siege in Kitzbühel hatte er schon auf seinem Konto, ehe er bei der Weltcup-Premiere anno 1967 den totalen Triumph feierte: Sieg im Streif-Abfahrts-­ Klassiker mit 1,37 Sekunden Vorsprung auf den Deutschen Vogler, mehr als vier Sekunden auf Vorjahrssieger Schranz (8.). Und nicht nur, weil er es einem fünfjährigen Mäderl im Ziel versprochen hatte, hielt er Wort, gewann anderntags auch den Slalom – und die Hahnenkamm-Kombi mit Idealnote Null.

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Martin Maier, der legendäre Sport-Literat, beschrieb Killy einst als ersten Ski-Hexenmeister, der tiefer als alle Gegner in die Geheimnisse von Ski und Schnee eingedrungen wäre. Und er bezeichnete ihn nicht als neuen Toni Sailer (der er 1968 als Tripel-Olympiasieger in Grenoble mit dem Odium der Schranz-Disqualifikation werden sollte), sondern als Trendsetter eines neuen Typus, der alles dem Erfolg unterordnet, keinen Wert auf Ästhetik legt, sondern mit vollem Risiko attackiert, ganz so, wie es Killy nach seinem ersten und einzigen Streif-Sieg schilderte: „Es war ein bitteres Rennen, die Ski haben ständig geflattert, ich bin vom Start bis zum Ziel von Bodenwelle zu Bodenwelle gesprungen, fast geflogen!“ Aber Sturzangst? Nein, Fehlanzeige! In einem Atemzug relativierte Killy, Sohn eines Elsässers, der ihn nach Chamonix ins Internat gesteckt und so mit dem Ski-Virus infiziert hatte, seinen Streif-Zug so: „In keinem Augenblick war ich in einer kritischen Situation, in der ich gedacht hätte: Jesus, fast hätt’s mich erwischt.“ Es hatte Jahre gedauert, ehe der französische Frauenschwarm Jean-Claude die Streif eroberte, dafür aber umso imponierender, weil er den Schranz-Streckenrekord um nicht weniger als 14 Sekunden unterbot. Kurzum, damals war Killy der Zeit voraus. Und damit allen Gegnern. Aus Kitzbühel verabschiedete er sich 1968 als Olympionike mit dem kompletten Medaillensatz (Slalom-Dritter, Abfahrts-Zweiter, Kombi-Sieger). Und auch sonst, so sagt die Fama, habe der Feschak, spätere Filmstar, Autorennfahrer und Tour de France-Organisator am Fuße des Hahnenkamms seine Spuren hinterlassen…

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Die Streif war sein Schicksal 72


Karl Schranz, aktiv von 1957–1972 Schranz und Streif, Karl und Kitzbühel, das ist Geschichte und das sind auch Geschichten. Triumphe, Tragödien, Dramen und Dolchstoßlegenden in bunter Reihenfolge. Sowohl gefeierter Held als auch einsamer Wolf – Gegensätze, die sich anzogen.

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Schranz war der Erste, der viermal auf der klassischsten aller Abfahrten triumphierte, immer von ganz oben, zweimal unten rund um den Hausberg. Als er 1972 den ersten historischen Streif-Weekend-Doppelpack schaffte, besiegelte er auch sein Olympia-Schicksal. Ende von Karl dem Großen, der sich als fast unschlagbarer kleiner Karli mit weißer Zipfelmütze, Sohn eines Eisenbahners aus St. Anton, schon anno 1957 mit 18 (nach Sestriere-Bestzeit) fürs Streif-Debüt empfohlen hatte. Angst, als er vom Start zur Mausefalle und ins Nichts blickte? „Na, na, wir sind ja als Buben über alle Hügel g’sprungen, 20 bis 25 Meter. Wennst Angst kriegst, brauchst net fahren“, so Schranz, der sich erinnert, „dass wir direkt auf die Mausfall’n hin sind. Absperrungen oder Netze hat’s noch keine ’geben!“ Karl kam, sah und – siegte (noch) nicht, landete aber als Arlberg-Laus im Kitz-Wunderteam-Pelz: „Sailer hat g’wonnen, ich war Sechster!“ Wiege des Skikönigs, der er wurde, begleitet von Dramen.

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Ehe Schranz beim 10. Kitz-Start 1966 erstmals die Abfahrt gewann, wäre alles fast vorbei gewesen. Wie, wo, wann? In Kitz, wo sonst! Nicht in der Abfahrt, aber im Slalom 1960, als eine geborstene Holzstange seinen Unterleib durchbohrte. Holzstange hin, Malheur her – ein Schranz war nie auf dem Holzweg. Erst recht nicht, als sein White-Star-Ski wie die Feuerwehr ging. So schnell, dass er beim zweiten Abfahrtstriumph 1969 sogar der Zeit davonlief. Wie bitte? Als Karl in der legendären Schranz-Hocke durchs Ziel schoss, lief die Uhr auf dem SW-Bildschirm weiter. Keine Bestzeit, hatte doch Dätwyler gewonnen? Die Telefone liefen heiß, bis Handstoppung und TV-Zeitlupe das Ergebnis korrigierten, Schranz zum Sieger erklärten und der spätere Fifa-Boss Sepp Blatter als Chef der Zeitnahme dem Karl bis ins Hotel Haselsberger nachlief, um ihn mit einer Gold-Longines für den Fauxpas zu entschädigen. Sie liegt daheim im Kastl. Wie so viele Trophäen. Als Schranz im Jänner 1972 nach Kitzbühel kam, war er IOC-Chef Brundage als alpiner Rebell ein Dorn im Aug. Als Ikone mag’s Karl damals unterschätzt haben, als Familienvater (eines Damen-Kleeblatts) und Allzeitgröße ist er heute überzeugt, „dass mein Ausschluss beschlossene Sache war!“ Bevor es dazu kommen sollte, setzte er mit dem Streif-Doppel der Kitz-Karriere die (Dornen)Krone auf. Alle jagten ihn, keiner konnte ihn packen. Auch Henri Duvillard, zweimal Zweiter, nicht. Auf die Frage, wie man Schranz schlagen könnte, meinte der scherzhaft: „Vergiften…“ Die bittere Pille wartete auf Karl bei Olympia in Sapporo.


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Seine Majestät, der Abfahrtskaiser

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Franz Klammer, aktiv von 1972–1985 Als die Angst vor der eigenen Courage verflogen war, wurde die Streif für den Draufgänger Franz Klammer zum zweiten Wohnzimmer. Vier Siege auf der klassischen Strecke ohne Abkürzungen und Umwege hat nur er geschafft – mit Carving ohne Carving-Ski.

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Franz Klammer und die Kitzbüheler Streif, das war Liebe auf den – nein: nicht ersten –, sondern zweiten Blick. „Als ich ’s erste Mal am Start g’standen bin, hab ich gedacht: Was, da sollst runter, wo nix is als a Lattenzaun? Aber dann hab ich mir g’sagt: Wenn die anderen obifoan, dann werd ich des a noch können!“ Gesagt, getan. Debütant Klammer kam 1973, sah und wurde Vierter, im Jahr darauf, als es nach seinem ersten Planai-Weltcupsieg im Weltrekordtempo schon Franz-Banner gab, wurde es Platz fünf, ehe 1975 die Klammer-Serie begann – mit einem Herzschlagfinish, bei dem der Kelch an ihm gerade noch vorüberging. „Ich hab ein Cut am Fuß g’habt, bin mit Schmerzen, Müh und Not in die Skischuh’ reinkommen“, erinnert sich Franz mit glucksender Stimme ans Streif-Drama vor Zigtausenden. „Mei’ Bestzeit mit Nr. 1 hat g’halten, Grissmann war a paar Hundertstel dahinter, dann die Sonn’ weg, es ist schneller worden – und der Thöni hat’s als Superfahrer ausg’nützt.“ Eng, enger, am engsten. Ein paar Tausendstel retteten Klammer den ersten Streif-Sieg, dem die nächsten alle Jahre wieder folgen sollten. Wie 1976 vor den Winterspielen in Innsbruck, „was wichtig war, weil’s mich in Val d‘Isère g’schmissen hat. Und damals hat’s ja g’heißen: Wer in Kitzbühel g’winnt, der wird auch Olympiasieger!“ Klammer hat diese These als Kaiser Franz spektakulär bestätigt, im Jahr 1977 wieder triumphiert, ehe ihn der erste Materialwechsel in eine Abwärtsspirale und Dauerkrise beförderte, aus der er sich erst 1981 befreite. „Ich war wieder dabei, einmal Zweiter, hab aber schon geglaubt, das wird nix mehr…“ Aber erstens kam es im Jänner 1984 anders, zweitens als er dachte. Vor dem emotionalsten seiner vier Streif-Siege („Immer klassisch von ganz oben bis unten!“) war Klammer plötzlich mental so im Hoch, „dass ich überzeugt war, dass ich heut g’winnen werd!“ Der Schein trog nicht, er erwischte alle Schlüsselstellen („Mausfall’n und Steilhang-Ausfahrt, unten Hausbergkant’n, wo da noch einmal richtig die Muff’n geht!“) wie in alten Tagen und besten Zeiten. Auf Teufel komm raus, als würde er über die Strecke rattern. Falscher Eindruck, richtiger Stil. „Ich bin damals“, so Klammer, „alles auf der Kante g’fahren, also schon Carving, aber ohne Carving-Ski!“ Ein Trendsetter zum einen, ein unverwechselbares Kärntner Original zum anderen, das keinen kalt ließ, nicht nur Ski-Fans bewegte, sondern die ganze Nation. Darum wurde er auch als Kaiser geadelt, der Menschenmassen wie der Rattenfänger von Hameln zur Streif zog. Märchenhaft, aber wahr.

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Doppelpack übers Knie gebrochen Pirmin Zurbriggen, aktiv von 1980–1990 Das Schweizer Allroundgenie Pirmin Zurbriggen schaffte bei seinem Streif-Doppelpack 1985 das Wunder, mit gerissenem Meniskus zu gewinnen – und ebenso wundersam, drei Wochen später Weltmeister in Bormio zu werden. Er kam aus dem hintersten Winkel des Wallis, aus Saas-­ Almagell zu Füßen des Matterhorns. So fromm, wie der gläubige Pirmin Zurbriggen stets war, hätte ihm eine Mönchskutte ebenso gut gepasst wie der maßgeschneiderte Skidress, mit dem er Abfahrts-Olympiasieger, vierfacher Weltmeister, vierfacher Weltcupsieger und sechsfacher Hahnenkammsieger wurde. Dreimal in der Kombination, dreimal in der Abfahrt, wobei er beim vollendeten Doppelpack im Jahre 1985 bewies, dass – in Abwandlung eines geflügelten Wortes – auch ein blonder Älpler aus der Westschweiz keinen Schmerz kennt. Niemand ahnte einen Tag nach seinem ersten Abfahrts­­ sieg auf der Streif, was Pirmin beim zweiten Rennen im für alle überblickbaren Schlussdrittel auf einem Buckel der Kompression passiert war. Auch dann nicht, als er nach seiner Bestzeit humpelnd, aber geradezu fluchtartig, ohne Siegerfoto den Zielraum verließ, um sich im damaligen Schweizer Quartier, dem Weißen Rössl, vom Mannschaftsarzt Dr. Spring behandeln zu lassen. „Meniskusschaden oder Bänderriss, zugezogen durch einen Schlag in die Kniekehle“, so lautete die Erstdiagnose des Mediziners, die sich bei der genaueren Untersuchung in Basel bestätigen sollte. Niederschmetternd deshalb, weil zwei Wochen später das WM-Abfahrtstraining in Bormio rief.

Wie sollte Pirmin, bei allem Respekt vor der Härte gegen sich selbst, bis dahin wieder fit und noch dazu so in Form sein können, dass er dort starten und gewinnen konnte? Der „Blick“, Boulevard-Pendant zur deutschen „Bild“-Zeitung, hielt seine Leser mit täglichen Bulletins über das „Knie der Nation“ als Schlagzeilen so auf dem Laufenden, dass Kitzbühel und die fatalen Folgen das Schweizer Ski-Volk in Atem hielten. Und siehe da, Zurbriggen gewann nach dem Doppelschlag auf der Streif auch den nächsten Wettlauf mit der Zeit; auch deshalb, weil die Ärzte in der Klinik Muttenz in Basel damals mit der neuen Spiegelungs-Technik (Arthroskopie) den Meniskus kappten und die Wunde so klein hielten, dass Zurbriggen nach einer Woche wieder mit dem Training beginnen konnte. Der Sieg mit schwerer Verletzung war das erste, die blitzartige Genesung das zweite und der erste Titel als Abfahrtsweltmeister das dritte Wunder eines Comebacks, das der Walliser sozusagen übers Knie gebrochen hatte. Dass er zwei Jahre später als Vorgriff auf die nächsten WM-Titel in Crans-Montana in Kitzbühel noch einmal in der Abfahrt und Kombination triumphieren sollte, stellt einen der erfolgreichsten und zugleich bescheidensten Skirennläufer aller Zeiten in eine Reihe mit den Größten der Hahnenkammgeschichte(n).

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Fritz Strobl, aktiv von 1991–2007 Vor mittlerweile 22 Jahren fixierte Fritz Strobl mit 106,9 km/h den Streif-Rekord – für einen Polizisten a. D. schneller, als die Polizei erlaubt. Nach der Karriere stürmte er mit einem Hit auch die Charts. Rundlich, friedlich, freundlich – doch der erste Blick verleugnet den Teufelskerl auf leisen Sohlen. Einen, der Abfahrts-Olympiasieger (2002) wurde, WM-Silber im Super-G (2007) gewann, zweimal auf der klassischen Streif-Abfahrt (1997, 2000) triumphierte und beim ersten seiner Kitzbühel-Siege vor inzwischen 22 Jahren in 1:51,58 Minuten und mit einem Schnitt von 106,9 km/h einen sagenhaften Streckenrekord fixierte – womöglich für die Ewigkeit! Übrigens war es so nebenbei nur wenige Wochen nach der Premiere in Val d‘Isère (mit Nr. 43) erst sein zweiter Weltcupsieg! Ja, ja, Fritz Strobl, Polizist von Beruf, fuhr auf Abfahrten – überspitzt formuliert – am liebsten schneller, als die Polizei erlaubt. Ganz so, als gäb’s für ihn speziell in Kitz kein Speed-Limit – auch dann nicht, als er einmal die Mausefalle küsste (1992) oder zum Abschied (2006) von der Traverse flog. Dabei war Strobl nie ein Klescher à la Klammer, Maier oder Cuche, sondern ein geborener Schleicher, wie eine hungrige Raubkatze, der deshalb den Beinamen „Fritz the Cat“ erhielt.

f o t o : B R A N D S TÄT T E R , A PA , P I C T U R E D E S K . C O M

„Als Junger bist ja mutig, da denkst nicht lang nach. Aber beim ersten Blick vom Starthaus am Hahnenkamm is’ mir schon die Dos’n ’gangen“, schilderte Strobl. „Aber wenn du fahrst, dann bist nur noch auf die Streck’n konzentriert, dann schaust nur noch auf die Linie!“ Strobl fand die allerschnellste, die es bisher gab und nach einigen Änderungen an der Strecke auch kaum zu übertreffen sein wird. Darum hat er sich auch den Hütten-Hit mehr als verdient, mit dem er nach der SkiKarriere die heimischen Charts ebenfalls im Rekordtempo stürmen konnte – als Mozart der Mausefalle, Paganini mit der Skischuhschnalle, der mit dem Skistock wie der Karajan dirigiert. Kurzum, weit mehr als nur ein Pfitschipfeil auf Brettln. Die musisch-musikalische Ader, die er entdeckte, lebt der Familienvater auch als Autor von Kinderbüchern („Wennst selbst kleine Kinder hast, wirst dazu animiert, was für die Jungen zu tun!“) aus. Zugleich aber tauschte der Ski-Profi i. R., Revier-Inspektor a. D. und Neo-Künstler das alte Leben gegen ein neues als Bergbauer in seiner alten Kärntner Heimat. Seither wandelt er auf der Gerlamooser Alm als Züchter von Angus-Rindern auf den Spuren seiner Eltern, die selbst gar nicht Ski fahren oder sich Ski leisten konnten. Umso bewundernswerter, dass ihr Sohn historische, legendäre „Streif-Züge“ unternahm, mit denen er Geschichte schrieb.

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Erst Katze, dann Mozart

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Didier Cuche, aktiv von 1993–2012 Als Senkrechtstarter gewann er 1998 den Sprint, als Spätzünder holte der stämmige Didier Cuche zuerst Klammer und Schranz ein, ehe er sie beim Happy End mit dem fünften StreifSieg übertrumpfte. Aus früher Liebschaft wurde die späte große Liebe. Woher kam der Rekord-Abfahrtssieger? Nein, nicht aus dem Hochgebirge, sondern dem Jura. Sohn eines Viehhändlers aus Le Pasquier, Fleischer von Beruf, der mit Stiernacken und gedrungenem Körper auch aussah, als würde er Pisten hacken. Als Cuche als 21-Jähriger sein Kitz-Debüt gab, wäre er am liebsten nicht mit Ski, sondern der Gondel zu Tal gefahren. Dann fuhr er doch und verlor 8,5 Sekunden auf den Sieger, in etwa so viel wie einst Skiprinz Hohenlohe! Auch als Didier im Jänner 98 seine selbst für ihn überraschende Halbzeit-Führung verteidigte, um den (zweiten) Streif-Sprint der Geschichte in zwei Akten zu gewinnen, hätte niemand gedacht, dass Cuche je den Klammer/ Schranz-Rekord brechen würde.

Und warum auch immer – seines gewinnenden Wesens halber, der immer besseren deutschen Zunge oder des Skis wegen, den er bei Bestzeiten in der Luft spektakulär jonglierte –, je älter, besser und schneller Cuche wurde, desto mehr schrumpfte die Neidgenossenschaft des Eidgenossen, desto mehr wuchsen Respekt und Popularität. Aus dem Kämpfer, der schon Zweifler gewesen war, schlüpfte der Mister, Monsieur oder doch Meister Streif, der 2010 erstmals vom Original-Start sowie 2011 und 2012 (jeweils auf verkürzter Strecke) fast nach Belieben gewann. „Der fünfte und letzte Sieg“, fand er 2012, „war was ganz Spezielles, weil ich wusste, dass es das letzte Mal ist, dass ich im Rennen runterfahr…“ Und sich dabei als Fünffachsieger nicht nur den Streif-Rekord schnappte, nicht nur spontan Applaus vom entthronten Kaiser Franz (Klammer) im Ziel bekam, sondern aufs Neue als ältester Weltcup-Abfahrtssieger in die Annalen einging. Und nicht zu vergessen – Cuche gehörte mit „Herminator“ Maier und Stephan Eberharter zu den SpeedGrößen, die der Streif sowohl in Abfahrt als auch Super-G den Sieger-Stempel aufdrückten. Auch das ist speziell.

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f o t o : H A N S K L A U S T E C H T , A PA , P I C T U R E D E S K . C O M

Schon gar nicht, als er ein ganzes Jahrzehnt lang mit Verletzungspech und mit dem Makel des glücklosen, ewigen Zweiten kämpfen musste, ehe er endlich doch wieder triumphierte – mit Start bei der Mausefalle, überschattet vom Horror-Sturz des US-Amerikaners Scott Macartney, den es bei Höllentempo im Zielsprung so zerlegte wie ein Jahr darauf Freund Daniel Albrecht. Aber jenseits der 35 war das Stehaufmanderl bis zum Rücktritt nicht mehr zu bremsen am Hahnenkamm. Zogen die Cuche-Fans mit ihren Kuhglocken von frühmorgens bis spät­ abends durch die Gamsstadt, zum Schweizerhof, wo er logierte, zum Ziel, zur Siegerehrung und zurück, um Didier als „Speedier“ zu bejubeln.


Der fĂźnffache Jongleur

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Thomas Dreßen, aktiv seit 2015 Fast zehn Jahre länger als im Slalom, als Felix Neureuther nach 30 Jahren in die Siegesspur von Papa Christian geglitten war, dauerte es in der Abfahrt, bis wieder ein Deutscher triumphierte, noch dazu ein Außenseiter. Als es 2018 den Sensationssieg von Thomas Dreßen hereinschneite, gratulierte spontan Sepp Ferstl, der 1978/79 gewonnen hatte. Himmelstürmer als Himmelsgeschenk für Kitz.

Für den Halbwaisen aus Garmisch-Partenkirchen (das DD auf dem Helm steht als Memento mori für die Initialen seines Vaters, den er beim tragischen Seilbahnunglück in Sölden verloren hat) ist die Streif-Challenge das wahrhaft Faszinierende an der berüchtigten Abfahrt. „Hier befindest du dich von oben bis unten im Kampf mit der Strecke, bist du im Clinch mit ihr und mit dir selbst und freust dich, wenn du heil im Ziel bist!“ Eben anders als anderswo. Auf der Streif, so meint Thomas, gehe es weniger darum, die schnellste Linie zu finden, sondern darum, die Linie überhaupt zu halten. Erst recht bei der für ihn wichtigsten Schlüsselstelle. „Die Steilhang-Ausfahrt musst erwischen, weil es sonst über das Gschöss einfach zu lang dauert, bis du wieder Speed aufbauen kannst.“ Ihm ist’s im Vorjahr perfekt gelungen. Und besser als allen anderen. So wie einst Sepp Ferstl, mit dessen jüngstem Sohn Christian er schon Jugend-Rennen gefahren war. Seit Thomas Dreßen den Streif-Triumph mit dem zweiten Abfahrtssieg der Saison in Kvitfjell bestätigte, ist aus dem Nobody von vorgestern ein neuer deutscher Skistern geschlüpft, den es zwar stolz macht, „wenn man mich erkennt und anspricht“, der aber auch froh ist, „wenn ich weg vom Trubel daheim normal herumlaufen kann“. Wie Medaillen haben auch Streif-Siegeszüge ihre Kehrseiten…

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f o t o : S T E FA N A D E L S B E R G E R , E X PA , P I C T U R E D E S K . C O M

Thomas Dreßen, wer, wie, was? Für Normalverbraucher eine unbekannte Größe, nach zwei Junioren-WM-Silbernen und Weltcup-Spitzenplätzen für Insider der Szene eine Abfahrer-Größe der Zukunft, der sie in Kitzbühel vorwegnahm. Ein weiteres Kapitel für den Mythos Streif, der schon den Ski-Bub Thomas in den Bann gezogen hatte. Damals, als er sah, wie sein Vorbild Hermann Maier als halber Invalider mit Willens­ stärke das Rad der Zeit zurückdrehte. Die Streif ließ ihn nicht los, er nahm sie bereits in Angriff, ehe er dort debütierte. Vor vier Jahren bergauf im Sommer, „wo alles noch viel brutaler ausschaut als im Winter!“ Schreck, lass nach. Weil der Mittzwanziger schon wusste, was ihn in der Abfahrt erwarten würde, war er bei seiner Streif-Premiere zwar aufgeregt, aber auch voller Vorfreude und voll Adrenalin vor der großen Herausforderung, die auf ihn wartete. Begleitet von einer Begeisterung der Fans, die neben dem hohen sportlichen Stellenwert für ihn das ganz Besondere an Kitzbühel ist.


HimmelstĂźrmer als Himmelsgeschenk 83


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Marcel Hirscher Ein Gedankenslalom

66 Fragen an den besten Skifahrer der Welt text: MICHAEL HUFNAGL f o t o : G E PA P I C T U R E S / H A R A L D S T E I N E R

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Start

1 Was treibt einen Sportler an, der alles erreicht hat? Was ist Ihre Motivation, um den Kreislauf immer wieder aufs Neue zu starten? Für mich hat sich nichts geändert. Es ist nicht so, dass ich das Gefühl habe, dass sich als Weltmeister, Olympiasieger, Gesamtweltcupsieger Genugtuung eingestellt hat, Marke: So, klass war’s, jetzt bin ich fertig, das Projekt ist durch. Für mich ist die Motivation, dass ich einen Sport auf einem so hohen Niveau betreiben kann, das ich ansonsten in keinem anderen Sport jemals erreichen werde. Und die Freude am Rennfahren ist und bleibt etwas Faszinierendes. Wenn ich mir im Nachhinein Rennen anschaue, stelle ich mir oft die Frage: Wie geht das? Weil im Training war ich nie in der Lage, so Ski zu fahren. Dafür braucht es dann schon den Wettkampf. 2 Ist Motivation ein Geschenk des Himmels oder etwas, das man sich ­antrainieren kann? Das kann man sich zu einem gewissen Teil ganz sicher erarbeiten. Aber ich würde einmal so sagen: Wenn man in Kitzbühel nach dem ersten Durchgang als Führender in den zweiten Durchgang geht, wo 40.000 Leut’ Stimmung machen, da braucht mir keiner erzählen, dass er nicht bis in die letzten Fingerspitzen auf Vollschub ist. Und für genau diese Momente der Anspannung und Motivation lohnt sich der ganze Aufwand.

3 Erinnern Sie sich an Ihr erstes Weltcuprennen?

Logisch. In Lenzerheide war das, 2007. Sehr präsent ist die Erinnerung, dass ich damals Junioren-Weltmeister war, und der hat die Möglichkeit, bei einem Weltcup-Finale an den Start zu gehen. Nur 30 Startberechtigte plus Junioren-Weltmeister. Ich bin als Letzter oben gestanden am Start, da haben sie hinter mir schon alles zusammengepackt, irgendwie eine lustige Stimmung, ganz schräg. Normalerweise stellt man sich das DER ERFOLGSMANN etwas anderes vor. Aber wie ich dran war, haben 7× Gesamt-Weltcupsieger sie neben mir schon den Zaun abgebaut. 2012, 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018 4 Wissen Sie, Wievielter Sie geworden sind? Letzter schätze ich. Oder Vorletzter. 5× Slalom-Weltcupsieger 5 Nein, Drittletzter. Wer hat gewonnen, und wie groß war 2013, 2014, 2015, 2017, 2018 der Rückstand (Anm.: Svindal, 3,17 Sekunden)? Weiß ich nimmer. Aber vier Sekunden werden es wahrscheinlich gewesen 5× RTL-Weltcupsieger sein. Ich weiß aber noch genau, dass ich irgendwo eine fantastische 2012, 2015, 2016, 2017, 2018 Teilzeit hatte. 6 Wann haben Sie Hochzeitstag? Ich weiß es. 7 Können Sie sich vorstellen, dass Sie den Hochzeitstag einmal vergessen? Biep. Kein Kommentar. 8 Das Lernen von Slalom-Kursen ist für unsereinen wie ein ­Mythos. Kaum nachvollziehbar, weil alles so rasend schnell geht. Wie und was lernen Sie, nur Übergänge oder jedes Tor? Ich lerne jedes Tor. Mein System ist eine Zahlenkombination. Zehn Schwünge bis zur ersten Vertikale, sieben bis zum Übergang ins Steile, drei Tore bis zum nächsten Rhythmusbrecher und so weiter. Auf diese Art hangelt man sich runter bis ins Ziel. Und weiß dann genau: 6 – 12 – 3 – 9 – 15, so entwickelt man ein Schwung­schema, und letztendlich weiß man dann immer, wie viele Tore es sind bis zur nächsten Kombination oder kritischen Stelle.

9 Und wie lange brauchen Sie für so einen Lernprozess? Wir haben nicht länger

als 45 Minuten. Und die nehme ich immer. Es kommt nur ganz selten vor, dass ich die Zeit nicht völlig ausnütze. 85


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10 Gibt es den Augenblick in einem Rennen, wo man losgelöst von Konzentration und körperlicher ­Anstrengung dieses Gefühl von „Yes, ist das geil“ hat, diesen Flow, wo das Leben wie ein schöner Traum ist und man weiß: Deshalb mache ich das alles!? Ich würde weiter gehen. Der ganze Zustand ist ein bisserl so wie dieses beschriebene Yes-Gefühl, die ganzen eineinhalb Minuten. Aber so in einzelnen Momenten spielt’s das nicht, weil das alles viel zu schnell passiert. Am ehesten noch in der Abfahrt, wenn du für ein, zwei Sekunden bei einem Sprung in der Luft bist … aber auch nicht wirklich, weil der Fokus auf das, was als nächstes kommt, das gar nicht zulässt.

11 Heißt das, Sie sind in einem eigenen Universum in diesen eineinhalb Minuten? Nein, das heißt es

nicht. Ich nehme alles rundherum genau wahr. Es ist nicht so, dass man da wie im Film einen Tunnelblick kriegt und rechts und links nix mehr sieht. Vielleicht ist das bei anderen so, aber ich sehe alles, sogar, an welcher Stelle der Strecke mein Servicemann steht.

Weltcup-Bilanz Stand 20. 12. 2018: 63 Siege (29x Slalom, 30x Riesenslalom, 2x Parallelslalom, 1x Parallelriesenslalom, 1x Super-G), 129 Podestplätze seit 2007/2008

12 Sie schauen doch gerne Filme, welche Filme finden Sie witzig? Auch nicht mehr. Meinen Fernseher könnte ich längst in die Garage stellen. 13 Und wenn doch, welchen Film schauen Sie, wenn Sie allein sind? Tage des Donners. Action pur. Ein NASCAR-Film, schwerer Unfall, alles ganz schlimm, aber der Held kommt wieder, kämpft sich zurück. Geheult habe ich, wie ich das als Junger gesehen habe. Dann stellt’s einen anderen auf vor ihm, er überlegt lange, was er tun soll, und dann drückt er das Gaspedal durch, weil das Rennfahrer-Gen besiegt alles. 14 Und wenn Sie mit Ihrer Frau zu zweit sind? Game of Thrones. Das hat uns schon gefesselt. 15 Wenn Sie sich entscheiden müssten, Riesenslalom oder Slalom – wofür schlägt das Herz eher? Das ist nicht beantwortbar. Ich würde das bevorzugen, wo es gerade besser läuft.

16 Existiert so etwas wie ein Lieblingshang? Nein, gar nicht. Jeder Hang, jedes

Rennen hat seine Passagen, oder es gibt Momente, wo man sich denkt: Wow, das ist jetzt echt ein Traum, oder auch im Gegenteil, wo dir einschießt, wie zäh oder tückisch es ist. Egal wie vermeintlich leicht oder schwer ein Hang ist.

17 Das heißt, es gibt im Umkehrschluss auch keinen Hang, der ein Horror ist? Nein, da würde ich mich ja schon im Vorhinein mental aus dem Rennen nehmen. Ich muss fahren, und ich kann es eh nicht ändern. Obwohl voriges Jahr bei Olympia, die Präparation, aber hallo, die war eigentlich nicht weltcupwürdig. Das war für mich schon ein bisserl ein Wahnsinn. Dass man da kein Wasser hinzufügt und die Koreaner sagen: Da rutschen wir nicht runter, weil das können unsere Leute nicht. Da fragt man sich schon: Was tun wir dann da? 18 Gibt es einen Hang oder ein Rennen, mit dem Sie eine persönliche Rechnung offen haben? Nein, in solchen Kategorien denke ich nicht, weil da machst du dir nur unnötig Druck. Es hilft dir ja nix, wenn du dir besonders viel vornimmst und der Tag dann nicht passt, was die Bedingungen, die Kurssetzung, das Set-up oder das Material betrifft … wenn die ganzen Parameter nicht funktionieren, da kannst du zwar Rechnungen offen haben, die wirst du aber nicht begleichen können. 19 Erinnern Sie sich noch an Ihr Weltcup-Debüt in Kitzbühel? Ja, 2008 bin ich die ersten Rennen gefahren, da war auch Kitz dabei, und ich bin im ersten Durchgang ausgeschieden. Aber ein Jahr später war ich nach dem ersten Durchgang auf Platz 21 und bin im zweiten Durchgang Laufbestzeit gefahren und noch Vierter geworden. 20 Faszination Ganslernhang, was hat der für eine Charakteristik, wie speziell ist dieses Rennen? Was man sagen muss, es ist wunderschön, in Kitzbühel in einem Naturstadion

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zu fahren, wo die Leute sehr nahe dran sein können, das ist schon spektakulär. Da sehen die Zuschauer viel und können fantastische Impressionen mitnehmen. Und was schon sehr besonders ist, dort ist wirklich fast kein Schwung wie der andere. Heißt: Es geht bergauf, es hängt, es geht nach links, nach rechts, fehlt nur noch, dass man auch noch rückwärtsfährt. Es ist einfach wahnsinnig viel Gelände dabei. 21 Der Begriff Demut klingt gut, aber gibt es die im Spitzensport tatsächlich? Schon. Am öftesten stelle ich mir die Frage: Warum ich? Wo ich mir denke: Das ist unfassbar. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet mir dieser Weg erlaubt war? Es hätte jeder andere sein können. Angefangen von meinem Bruder bis hin zu zig anderen Menschen, die das Privileg haben hätten können, dass sie mit ihrem Hobby, mit dem Sport, so viel erreichen und so viele besondere Momente erleben dürfen … aber es bleibt immer nur: Warum ich? Andere bemühen sich auch, tun wie ich alles, was in ihrer Macht steht, aber ich bin’s. Das macht demütig.

22 Fünf Zitate zum Thema Glück, welches gefällt Ihnen am besten und warum? 1. Glück ist kein Geschenk der Götter, sondern die Frucht

innerer Einstellung. (Erich Fromm) 2. Glück ist Liebe, nichts anders. Wer lieben kann, ist glücklich. (Hermann Hesse) 3. Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern. (Konfuzius) 4. Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind. (Francis Bacon) 5. Mut steht am Anfang des Handelns. Glück am Ende. (Demokrit) Wow, die sind alle sehr schön … aber am ehesten das vierte. Das drückt eben genau dieses Gefühl aus, welchen Wert Demut hat, nichts als Selbstverständlichkeit zu sehen. 23 Wie würden Sie für sich Glück definieren? Glück kann man in vielerlei Hinsicht interpretieren. Wenn es mir gut geht, körperlich, seelisch, mir alles leicht von der Hand geht, und wenn es der Familie gut geht, den Menschen, die mir wichtig sind, wenn es nicht schirch hergeht, mit schweren Krankheiten, wo es dann unlustig wird, das ist für mich ein Glückszustand. Es kann aber auch sein, wenn ich am Berg oben bin, und da ist eine Quelle, und ich nehme einen Zug frisches Wasser und denke mir nur: Ein Wahnsinn, wo wir leben. 24 Top-Athleten sind – egal in welchem Sport – immer auch akribische Arbeiter. Sie bewegen sich auf einem Niveau, wo man sich denkt: Das ist alles am Anschlag, da geht nix mehr. Sie müssen aber in den Bereich jenseits scheinbarer Grenzen gehen und immer wieder erkennen: Da ist noch was drin. Wie trainiert man dieses Besserwerden? Wo sehen Sie noch Reserven? Überall. Da brodelt’s in mir. Das fängt an bei meiner Technik, bei meiner körperlichen Verfassung, geht weiter zum Material, über die Infrastruktur bis hin zur Ernährung. Die ganze Bandbreite, da kann man immer etwas verbessern. Wenn ich glauben würde, das Maximum ist erreicht und ich habe keine Luft mehr nach oben, dann ist das der erste Tag, wo ich schlechter werde. Dann ist es g’scheiter, man lasst’s.

25 Und wo lagen die Schwerpunkte für diese Saison, oder ist das Jahr für Jahr ein Gesamtpaket? Von überall ein bisserl, ganz sicher, aber

wenn man einen Schwerpunkt herausnimmt, dann waren es wahrscheinlich diesmal die Gegebenheiten vor Ort, also Hotellerie, Essen, Reisen, das ganze Package.

26 Da gab es echt Optimierungsbedarf? Das ist interessant, weil das ja mit der Physis und dem Skifahren per se gar nicht so viel zu tun hat. Ja, gab es, dramatisch sogar. Denn, ganz ehrlich, ob ich gut oder schlecht schlafe, hat schon einen Rieseneinfluss. Und wenn ich wo wohne, wo bis zwei Uhr in der Früh die Musi spielt und es unmöglich ist zu schlafen, weil man den Bass bis in den Körper spürt, dann glaube ich, hat man da schon ein echtes Verbesserungsverlangen. 27 Sie müssen sich jede Saison wieder aufs Neue quälen. Wie schmal ist der Grat zwischen Notwendigkeit und Lust? Wenn es der Körper akzeptiert, ist es wirklich okay. Aber speziell nach einer langen Saison, wenn man das Training wieder aufnimmt, ist es manchmal schon so, dass man sich denkt: Wäh, das ist nicht schön, das ist nicht lustig, und der Körper will auch nicht so recht. Momente, wo man fühlt: Das ist mir echt zu viel, zu hart, zu anstrengend. Weil, wenn der Körper einmal heruntergefahren ist, dann kommst du ziemlich früh in den Schweinehund-Bereich. Das ist definitiv kein Spaß. Aber wenn man diese Überwindung gefunden hat und wieder drin ist, dann lernt der Körper damit umzugehen.

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28 Welche Musik hören Sie? Von A bis Z.

Erster Sieg im Riesentorlauf:

29 Klassik auch? Da muss ich einen richtig schlechten Tag haben. Aber 13. Dezember 2009 Val-d’Isère wer weiß, wenn ich richtig verzweifelt bin…? Erster Sieg im Slalom: 30 Welche Musik hören Sie auf keinen Fall? Also, dass ich mir im Auto 12. Dezember 2010 Val-d’Isère freiwillig Volksmusik anhöre oder Schlager, das spielt’s nicht. 31 Also doch nicht von A bis Z. Nein. Stimmt. Das Z lass’ ma aus. 32 Ich habe eingangs gesagt, Sie haben alles erreicht. Das stimmt aber nicht. Olympiagold im Slalom fehlt. Ist das einen Gedanken wert? Oder überwiegt das Gefühl von „Meine Güte, ich habe so viel gewonnen, alles geht eben nie“? Ich habe gerade schmunzeln müssen, weil irgendetwas kann man immer finden, was fehlt. 33 Und erlauben Sie sich im Stillen eine Emotion der schmerzlichen Unvollständigkeit? Nein, da habe ich nie darüber nachgedacht. 34 So entspannt sehen Sie das? Ja. Wofür soll Nicht-entspannt-Sein gut sein? 35 Naja, es gibt Menschen, die sich fehlende Puzzlesteine als Ziel … ja schon, aber es wird mein Leben nicht ändern. Und auch nicht meine innere Zufriedenheit, was den Sport betrifft. 36 Ohne Ehrgeiz funktioniert bekanntlich nix. Gibt es nie diese Überlegungen über verpasste Siege? Oder stattdessen ein Übereinkommen mit dem Schicksal, Motto: Es ist alles gut, wie es ist, auch, wenn es nur eine Hundertstel Rückstand war? Das Schicksal mache ich da nicht verantwortlich. Eher mich selbst. Wenn einer besser war als du, dann ist es eben so, das ist der Wettkampf. Dann sage ich mir: Wärst’ schneller gefahren. Im Ernst, an solche Gedanken verschwende ich keine Sekunde meines Lebens. Nachtrauern macht keinen Sinn. Wo kämen wir da hin, wenn wir nur die verpassten Chancen im Kopf hätten? Und im Gegenzug habe ich ja auch Rennen mit einem Hundertstel Vorsprung gewonnen. 37 Was ist Ihr Parfüm? Sie fragen mich Sachen. Aber wenn Sie es wissen wollen: Das, was die Natur hergibt (lacht). Nein, ehrlich, es ist selten, dass ich ein Parfüm verwende … wenn, dann anstandshalber.

38 Was sind Ihre letzten Gedanken vor dem Start?

Oder existiert da nur der Fokus auf das erste Tor bzw. die ersten Tore? Oder ist es überhaupt ein völliges Ausblenden? Nein, du kannst nicht 50.000 Zuschauer ausblenden. Aber du kannst die Erwartungshaltung ausblenden, den Gedanken ausblenden, der dich daran erinnert, dass du versagen könntest. Grundsätzlich geht es darum, sich den Kurs noch einmal herbeizurufen, und was meine Aufgabe ist in diesen 60 bis 70 Toren … und noch vieles, vieles mehr, was aber nicht auf ein Blatt Papier gehört. 39 Ist Kitzbühel als Gesamtereignis tatsächlich anders? Ja, klar. Es ist von Anfang bis Ende eine Riesenshow, aber für uns Fahrer auch gerade deshalb sehr anstrengend, manchmal sogar richtig mühsam. 40 Sie haben 2013 und 2017 in Kitzbühel gewonnen. Sind Siege dort wirklich so besonders? In Österreich wird man ja schon als Kind darauf sozialisiert, dass es so sein muss. Hm, tja, die Frage stelle ich mir jetzt auch gerade. Ist das gerechtfertigt oder nicht? Für mich ist Kitzbühel natürlich speziell, aber Schladming ist – also rein aus Slalom-Perspektive – schon auch sehr nennenswert. Die beiden Rennen sind sicher … obwohl … auch Adelboden, halleluja! Das ist vielleicht der schwierigste Slalom, den es gibt. Also, ich sag einmal so: Ich bin froh, dass es mehrere solche Highlights gibt. 41 Ich denke gerne in der Kategorie Gesamtkunstwerk. Gibt es diesen klassischen Bubentraum, der lautet: In Kitzbühel muss man einmal gewonnen haben? Ja, das schon. Also wenn ich dort nie gewonnen hätte, würde ich mir ganz sicher denken, dass ich dieses Ziel unbedingt gerne erreichen würde. Diesen Wert hat so ein Rennen auf jeden Fall. Aber das gilt zum Beispiel auch für Wengen, das war die letzte Station, die mir noch gefehlt hat, und das war dann schon ein besonderes Gefühl, wie ich es dann endlich geschafft habe. Das ist auch so ein Klassiker. 42 Also gibt es doch diesen Anspruch, von dem ich vorher gesprochen habe? Ja, aber auch deshalb, weil man immer daran erinnert wird. Wenn es dann nicht funktionieren würde, ja mei, dann ist es halt so, ein Schandfleck mehr … ironisch gemeint. Aber wenn man die Chancen hat, und es dann gelingt, denkt man sich schon: Fein. Cool. Hakerl machen. 43 Haben Sie alle Hakerln beieinander? Ja, habe ich … obwohl Sie werden schon noch eines finden, das fehlt, irgendwo, oder? 44 Ihre letzte Mahlzeit besteht aus drei Gängen, was wäre das für ein Menü? Eine Kaspress­knödelsuppe. Ein gutes Rindsfilet, natürlich bio, mit Erdäpfeln. Und hintennach unbedingt ein Kaiserschmarren mit einem Apfelkompott.

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45 Und was kommt Ihnen auf keinen Fall auf den Teller? Innereien. Obwohl ich die noch nie gekostet habe. Das ist zwar bescheuert, aber das ist so aus meiner Kindheit in mir eingetrichtert, dass ich das nicht haben mag. 46 Wenn ich Ihnen jetzt meine Ski gebe und Sie fahren den Kitz-Slalom damit, wie viel würden Sie geschätzt an Zeit verlieren? Die Frage ist nicht zu beantworten, weil ich nicht einmal ein Tor weit komme. Beim Start würde schon die Bindung ausreißen. Und wenn nicht, bin ich beim ersten Schwung schon weg, weil die Kanten dem Druck auf einer präparierten Piste nicht einmal im Ansatz standhalten würden. Du kannst auch nicht mit Sommerrädern eine Rallye auf Schneefahrbahn ohne Spikes fahren. 47 Nicht einmal dann, wenn Sie von Beginn an Tempo und Dynamik rausnehmen, um irgendwie durchzukommen? Nein, Sie haben keine Vorstellung, ich könnte mit unprofessionellem Material nicht einmal den Hang besichtigen. Ich würde nur herumrutschen und ein Bremsen oder Stehenbleiben wäre unmöglich. Glauben Sie mir, keine Chance. Skipräparierung macht fünfzig Prozent des Erfolgs aus. 48 Was für ein Verhältnis haben Sie zum Rummel? Wie viel ist im Sinne der Professionalität erträglich, und wo werden Grenzen überschritten? Bei mir ist die Grenze relativ schnell erreicht. Ich bin nicht extrem extrovertiert. Ich bin Skirennfahrer geworden, aber ich habe nicht mit der Intention die Karriere gestartet, eine Person der Öffentlichkeit zu werden. Mein Antrieb war nie, jetzt werde ich Skifahrer, damit ich berühmt werde. 49 Es ist ein schmaler Grat: Gewisse Bedürfnisse als Star zu befriedigen, Journalisten, Sponsoren, Fans, alle wollen etwas. Gleichzeitig das Flehen um Ruhe, weil man ja sonst nicht die Leistung bringt, deretwegen der Rummel entsteht. Und schon glauben Menschen, der hat Allüren, spüren Sie das? Ich versuche, auf jeder Ebene mein Maximum zu geben, auch wenn das manchmal nicht das Gescheiteste ist. Ich hatte zum Beispiel im Herbst eine Veranstaltung über einen ganzen Tag. Und es war ausgerechnet einer von den Tagen mit idealen Bedingungen am Gletscher. Und dann frage ich mich schon heimlich: Was mache ich da? Weil, was zählt schlussendlich? Dass ich schnell Ski fahre, oder dass ich der nette und brave Sportler bin, der überall die Zahnderln herzeigt vor lauter Freude, dass er da sein darf? Aber andererseits, ohne Sponsoren und Medien ginge in Wahrheit nix im Skizirkus. 50 Es geht ja bei den Verpflichtungen auch ums Finanzielle, macht es das vielleicht noch schwerer, bei sich zu bleiben? Ja, es ist ein schmaler Grat, aber trotzdem muss man weitgehend bei seiner Linie bleiben, um alle Bälle zu spielen. Das Schlimmere ist oft: Die Leute schauen sich das Rennen an und implizieren damit, dass zum Hirscher-Sehen auch mindestens einmal Stehenbleiben und Autogrammeschreiben dazugehört. Für mich ist aber der Auftrag, hier hochkonzentriert ein Rennen zu fahren und bestmöglich zu performen. Und dann kannst du halt, wenn die Besichtigung losgeht – und ich brauche jede Minute – nicht Schmäh führen. Dann sage ich: „Leut’ln, nicht böse sein, ich muss da jetzt durch, weil ich muss auf die Piste.“ Und ich kann mir sicher sein, dass einer von zehn Fans „Orschloch“ oder „arrogante Sau“ schreit. Da denke ich mir: Habe ich mir das verdient? Ich mache gerade meinen Job. Und muss mir dann, weil ich nicht jede Erwartung erfülle, Beschimpfungen anhören. Erster Kitzbühel-Sieg: Das hat mir früher schon wehgetan. Nicht einfach bei einem sogenannten 27. Jänner 2013 Volkssport. Das sind dann schon sehr anstrengende Arbeitstage, wo man am Abend daheimhockt und gar nicht weiß, was man jetzt richtig und Zweiter Kitzbühel-Sieg: 22. Jänner 2017 falsch gemacht hat. 51 Das heißt, es gibt eine Selfie-Schmerzgrenze? Ja, schon. Mit den Smartphones hat sich sehr viel verändert. Mir ist das Autogrammschreiben sicher lieber als das Posieren für Selfies. Wir haben jetzt kürzlich eine Autogrammstunde gehabt, wo Selfies nicht erlaubt waren, einfach aus Rücksichtnahme auf die vielen Menschen, die sich auch anstellen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, es war super. Wir haben das Doppelte durchgebracht, und die Leute haben auch noch ein richtiges Foto bekommen, von einem Fotografen, der jede Begegnung festgehalten und das Bild dann online gestellt hat.

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52 Wann haben Sie das letzte Mal geweint? Die Frage beantworte ich nicht. Ich bin eine beinharte Sau, und ich weine nicht (lacht herzlich). 53 Es gibt für jeden Menschen die Punkte im Leben, wo er Täler durchschreiten muss. Sind Sie jemand, der sagt: Man muss sich auch im Selbstmitleid fallen lassen können, oder eher jemand, der sagts: Schnell weg, verdrängen? Ich glaube, mein Knöchelbruch erklärt es ziemlich gut. Ich habe am nächsten Tag schon mit Klimmzügen angefangen. Mein Zugang ist es: Aufstehen, gleich weitermachen. Gar nicht zu lange damit beschäftigen, es ist eh schon geschehen.

54 Worüber denken Sie häufig nach, wenn es nicht ums Skifahren geht? Über das Leben. Ob das richtig oder

falsch ist, was wir jeden Tag hören oder sehen. Was uns erzählt wird, was wir interpretieren… Was tun wir da jetzt gerade im Augenblick? Wäre es jetzt nicht vernünftiger, daheim bei meiner Frau und meinem Kind zu sein? So viele Fragen, so wenige Antworten.

Olympia: 2 Gold (RTL, Kombi 2018), 1 Silber (SL 2014) WM: 6 Gold (Team, SL 2013, Team, Kombi 2015, RTL, SL 2017) 3 Silber (RTL 2013, RTL 2015, Kombi 2017)

55 Skistars haben in diesem Land ja einen Sonderstatus. Wenn Sie Ihre eigene Rolle als Idol betrachten, macht Sie das stolz oder empfindet man das auch als Bürde, ein Vorbild zu sein? Natürlich ist man sich dessen bewusst, dass man zu jedem Zeitpunkt, egal wann und wo, unter Beobachtung steht. Da ist es oft eine Challenge, diszipliniert und kontrolliert zu sein und zu versuchen, in jeder Situation ein Vorbild zu sein. Es wäre aber vermessen zu behaupten, dass ich das annährend schaffe. Für mich ist nur wichtig, dass es im sportlichen Bereich immer gelingt, meinen Weg absolut durchzuziehen und jungen Sportlern den Anreiz zu geben, es ähnlich zu machen. Das ist schon etwas, das ich sehr ernst nehme. 56 Gibt es Momente, wo man den Erfolg auch verdammt? Manchmal. Ich glaube, es ist zutiefst menschlich, wenn ich erkenne, dass ich in vielen Bereichen meines Lebens fremd­ bestimmt bin. Gelegentlich mehr als mir guttut. Aber es steht halt schon viel Einspruch auf der Gegenseite, wo man sagt: Halt die Gosch’n Hirscher, reiß dich z’samm, kriegst eh so viel Kohle, schau, dass du dein Ding machst und beschwer dich ja nicht. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Nur im Endeffekt wird man extrem viel herumgereicht, und es ist völlig egal, ob du zu einer Hochzeit eingeladen bist, und auch egal, ob du an dem Tag gut drauf bist. Launen kann man sich kaum welche erlauben. 57 Wie sehr lassen Sie zu, dass Ängste Sie durchs Leben begleiten? Oder sind Sie der wilde Hund, der sagt: Ich bin zu jung und zu cool für Ängste? Es ist schon manchmal so, dass ich froh bin, wenn ein Training vorbei ist. Denn es ist immer wieder ein Grenzgang, und du kommst so oft in Situationen, wo du dir denkst: Scheiße, jetzt ist das Kreuzband hin. Und dann bist du froh, wenn du am Abend im Bett hockst und dich freust, dass du gesund bist. Das ist schon eine Nervosität, die Teil von dir wird, dass man sich nicht wehtun will. Ich weiß aber nicht, ob es Angst ist. Oder Respekt. Vorsicht. Vernunft. Schwer einzuordnen. Im Wettkampf schalte ich das komplett weg, aber im Training hast du so einen Zwang, speziell, wenn du mit dem Team trainierst und der Druck von den Jungen kommt, die alle Harakiri fahren. Da musst du auch performen. 58 Welchen Luxus gönnen Sie sich? Mein Privatleben ist mittlerweile schon ein Luxus. Und etwas Gescheites zu essen. Das ist oft nicht billig, aber ich will und muss etwas Vernünftiges essen. 59 Ein Skifahrer ist Individualist und Egoist, gleichzeitig sind Sie aber auch ein leidenschaftlicher Familienmensch. Gibt es dieses Bewusstsein zweier Welten? Nein, das sehe ich anders. Ein Skifahrer ist generell nicht nur ein Individualist, sondern es ist schon eine Teamleistung. Ohne guten Ski, ohne gutes Set-up geht nix, wenn die Verantwortlichen da einen Fehlgriff machen, bin ich nach vier Toren weg. Wenn der Mike, mein Trainer, mir sagt: „Du, beim zehnten Tor, da kannst du voll gerade reinfahren, lass’ laufen“, und ich tue das, und es schmeißt mich raus, weil dort ein Loch ist, dann hat er die Passage falsch interpretiert. Dass so etwas nicht passiert, das ist Teamleistung. Es müssen viele Menschen ihre Arbeit sehr gut machen, damit ich überhaupt die Voraussetzungen habe, meine gut machen zu können.

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60 Sind Sie ein patriotischer Mensch? Was ich sagen muss, mittlerweile taugen mir Traditionen wieder. Früher war ich ja fast schon ein Gegner davon, wenn man mir als 18-Jährigem eine Lederhose hingelegt hätte, die hätte ich nie und nimmer angezogen. Aber heute gefallen mir österreichische Traditionen wie eine echte Tracht, ein echtes Dirndlg’wand, eine gewisse Wirtshauskultur mit richtig guter Hausmannskost. Das sind schon Werte, die nicht verloren gehen dürfen. Mit den Jahren kam ein anderes Werteverständnis, mehr Bewusstsein, was Tradition und Liebe zur Heimat, auch was unsere Vorfahren und unsere Wurzeln betrifft. Die Idee davon: Wie haben unsere Urgroßeltern in unserer Region gelebt, wovon haben sie gelebt? Das wäre mir schon wichtig, dass dieses Bewusstsein dafür erhalten und gefördert bleibt. Und nicht, dass man dieses Österreich als eigene Identität komplett vergisst. Aber dass ich jetzt überall mit der Flagge herumrenne und mir „I’m from Austria“ auf die Brust tätowiere, das Bedürfnis habe ich sicher nicht. 61 Wie viel Einsamkeit suchen und brauchen Sie? Ich brauche sicher eine Stunde am Tag nur für mich, egal wo ich bin, wann es ist, ob in der Früh oder am Abend, aber ich brauche Zeit, um bei mir zu sein, nachzudenken, was geschieht, und was mit mir geschieht. Es reicht, wenn ich allein im Auto bin, wenn niemand anruft, ich keine Musik höre, nix, nur ich und meine Gedanken. 62 Wenn Ihr Job als Skifahrer irgendwann einmal getan ist, glauben Sie, dass Sie das dann als erlösend empfinden? Ja. Ein kleines Beispiel: Letztes Jahr, als mir das mit dem Knöchel passiert ist, habe ich meinen Manager Stefan angerufen und gesagt: „Du wirst viel hackeln müssen die nächsten Tage, ich habe mir den Hax’n gebrochen.“ Daraufhin hat er mich gleich gefragt: „Und wie geht’s dir?“ Und ich habe geantwortet: „Super.“ Denn bei all den Schmerzen, die man hat, ist es wichtig, sofort zu erkennen, dass das alles auch etwas Gutes hat. Es sollte keine Situation geben, der man nicht auch etwas Positives abgewinnen kann. Und für mich waren es, obwohl ich trainiert habe, zwei Monate Urlaub. Der ganze Druck war auf einmal völlig weg. Keine Termine und keine Angst, ob ich beim ersten Rennen nur Dreißigster werde oder ausfalle. Eine wertvolle Erfahrung.

63 Die Konsequenz kann allerdings nicht sein, dass es fein wäre, sich alle zwei Jahre den Knöchel zu brechen? Selbst-

verständlich nicht. Aber so ein Ereignis zeigt eben sehr gut auf, unter welchem Pantoffel man als Spitzensportler steht, und das tagtäglich.

Ziel

64 Einem jungen Skifahrer, der sagt, dass er werden will wie Marcel Hirscher, was würden Sie ihm raten? Es ist schon wichtig, welches Talent er hat. Weil sonst würde ich sagen: Lern was G’scheites. Natürlich sollen Kinder das tun, was ihnen Spaß macht. Aber wenn du am Scheideweg bist, dann finde ich es nicht gut, wenn man auf ein Pferd setzt, das wenig bis keine Erfolgsaussichten hat. Und es gibt solche Fälle, das muss man einfach sagen. Denn die Realität ist beinhart im Profisport, darauf würde ich schon hinweisen. Und nur die wenigsten bleiben von der riesigen Pyramide am Ende übrig. Das soll gut überlegt sein. Ich habe ein Riesenglück. Aber ich weiß, wenn mir das nicht alles aufgegangen wäre, habe ich zumindest eine schulische Ausbildung. Aber es gibt auch Kollegen, die haben damals alles hingeschmissen für die Karriere. Geklappt hat’s trotzdem nicht, und das ist heute nicht lustig für die. 65 Und was würden Sie einem großen Talent mit guten Aussichten mit auf den Weg geben? Dass er seine Brötchen klein backen soll. Schritt für Schritt denken. Was ich am meisten kritisiere ist, wenn hochgejubelte 14-Jährige präsentiert werden mit den Worten „Das ist der neue Hirscher“ und „Schau dir den an, den muss ich dir vorstellen, das wird einmal dein Nachfolger“. Das ist ja verrückt. Dann denke ich mir nur: Was tut’s ihr denn da? Haut’s ihm vielleicht noch zehn Rucksäcke auf die Schultern. Der arme Bua, wie soll der denn das alles schleppen? Und deshalb: Step by step. Auch als ich schon Europacuprennen gewonnen habe, hat es in meinem Umfeld immer geheißen: Burli, es ist noch ein langer, steiler Weg, bis du einmal irgendwohin kommst. 66 WM 2019 Åre, WM 2021 Cortina, Olympia 2022 Peking, WM 2023 Courchevel, welches dieser Ereignisse bestreiten Sie fix nicht mehr? Fix ist gar nix. Ich lass mich da gar nicht festnageln. Mein Wunsch ist, in Åre mitzumachen, und über den Rest mache ich mir noch keine Gedanken. Ich habe ehrlich gesagt nicht einmal gewusst, dass diese Großereignisse in der Reihenfolge an diesen Orten stattfinden. So war das immer bei mir. Richtig weit nach vorne blicken tu ich nicht, was soll das bringen? Zu sagen: In fünf Jahren will ich Weltmeister werden … das kann ich selbst nicht ernst nehmen. Lebe den Tag, das passt für mich.

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Sind Sie abergläubisch? Skistars sind es. Sie brauchen in der Vorbereitung auf den Wettkampf fixe Rituale, sonst geht gar nichts. Wir wollten von Kitzbühel-Startern wissen, welche Spleens und Marotten sie haben. Die Ergebnisse sind skurril und witzig zugleich. te x t : WA LT E R U N T E RW EG E R

Rosenkranz und KäseDoping 92


MIT BUNTEM SCHNAUZER Name: M A N U E L F E L L E R S L A L O M - W M - Z W E I T E R 2 0 1 7, O LY M P I A- S I L B E R MANNSCHAFT 2018

f o t o : G E PA P I C T U R E S / D A N I E L G O E T Z H A B E R

Ein Schnurrbart ist kein modisches Must-have. Schon gar nicht, wenn man(n) dazu noch lange Haare trägt. Doch auf geltende Regeln hat Manuel Feller immer gepfiffen. Der Skizirkus kann froh sein, so einen schrillen Typen wie den Tiroler zu haben. 2017 überraschte er in Kitz mit grün gefärbtem Bart. Seine Erklärung: „Welche Farbe braucht es im Ziel? Genau. Grün muss es aufleuchten.“ Leider schied er im Slalom aus. Anders bei der WM in St. Moritz. Feller raste zu Silber und färbte den Schnauzer erst danach. In welcher Farbe? Richtig! In Silber. Lustig dabei: Die Mitglieder seines Fanklubs färben sich die Bärte in derselben Farbe. „Ich will eine Einheit mit meinen Anhängern bilden“, erklärt er. „Das spornt an.“

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Vor den größten Siegen gönnte sich Feuz jedes Mal seine Leibspeise. Sogar im Wachskeller von Servicemann Sepp Kuppelwieser wurde aufgekocht, damit es die Betreuer nicht mitbekamen. Beat: „Früher musste ich meinen Menüplan vor den Trainern geheim halten, weil sie sich nicht vorstellen konnten, dass man mit einem Käseklumpen im Bauch schnell Ski fahren kann.“ Was ihm den Beinamen Kugelblitz bescherte. Das Rezept stammt von Käsemeister Markus Aegerter aus Schangnau. Das befindet sich, na klar, im Emmental und ist Beats Heimatdorf. Mittlerweile liegt den Trainern sein Käse-Doping nicht mehr schwer im Magen. Kein Wunder bei den Erfolgen.

Name: B E A T F E U Z A B F A H R T S - W E L T M E I S T E R 2 0 1 7, O LY M P I A- Z W E I T E R & - D R I T T E R 2 0 1 8

FÜR DEN KUGELBLITZ

Am liebsten macht sich der Schweizer mit Käsefondue heiß. 94

foto: SVEN THOMAN

KÄSEDOPING


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Vor den Rennen liebt er es laut. Kopfhörer auf und… Er bevorzugt Heavy Metal, damit wärmt er sich für das Abfahrts-Rodeo auf. „Musik ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich höre immer Musik, das regt mich an“, sagt er. Er lässt es aber nicht nur auf Streif & Co. ordentlich krachen. Mit Freunden gründete er die Heavy Power Metal-Band „Rise OF Voltage“, im Sommer wurde das energiegeladene Debüt-Album „Time“ veröffentlicht. Paris ist stimmgewaltiger Sänger der Band. „Eigentlich ist es kein Singen, eher ein Brüllen“, grinst Dominik.

foto: LISA RENNER

Name: D O M I N I K P A R I S A B FA H RT S - W M - Z W E I T E R 2 0 1 3, 3 - FA C H E R K I T Z B Ü H E L- S I E G E R ( A B FA H R T 2 0 1 3 , 2 0 1 7, S U P E R - G 2 0 1 5 )

Mit 97 Kilo zählt der Südtiroler zu den Schwergewichten im Skizirkus. Auf der Piste kennt „Domme“, wie er von Freunden genannt wird, nur ein Gas – Vollgas! 95


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GL AUBENS­ BEKENNTNIS Der Südtiroler aus Gais bei Bruneck ist ein gläubiger Mensch. mich bei den Abfahrten sicherer. Das gibt mir Ruhe und Selbstvertrauen.“ Bevor Innerhofer ins Bett geht, betet er meistens. Gebetet für ein Date mit ihm dürften auch schon einige Damen haben. Der Feschak, der sogar für Armani über den Laufsteg lief, ist nach wir vor der große Frauenschwarm im alpinen Skiweltcup.

Name: C H R I S T O F I N N E R H O F E R A B FA H RT S - O LY M P I A- Z W E I T E R 2 0 1 4 , S U P E R- G - W E LT M E I ST E R 2 0 1 1

fo t o : C H R I STO F I N N E R H O F E R P R I VAT

Vorm Start bekreuzigt er sich, was übrigens auch schon Piero Gros, einer seiner berühmten italienischen Vorgänger im Skizirkus, machte. Außerdem hat er immer zwei Rosenkränze mit dabei. Christof: „Einen von meiner Oma, der ist im Auto. Einen von meinem Taufpaten, der ist in der Tasche meiner Windjacke. Dadurch fühle ich

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f o t o : G E PA P I C T U R E S / D A N I E L G O E T Z H A B E R

„Als ich in den Weltcup gekommen bin, war ich viel nervöser als heute. Unruhig werde ich nur dann, wenn ich 15 Minuten herumsitzen muss“, erzählt Kristoffersen. Deshalb hat er sich die perfekte Ablenkung ausgesucht. Gleich nach der Streckenbesichtigung zieht er sich mit seinem Vater und Betreuern in ein Restaurant oder eine Hütte an der Piste zurück und zückt die Spielkarten. Henrik: „Nach der Besichtigung spielen wir noch ein bisschen Karten. Das beschäftigt den Kopf, aber lenkt mich vor allem ab.“

DER MIT DEN KARTEN S P I E LT

Name: H E N R I K K R I S T O F F E R S E N S L A LO M- O LY M P I A- Z W E I T E R 2018, 2 - FA C H E R K I T Z B Ü H E L- S I E G E R (2016, 2018)

An den Renntagen ist der Norweger meistens locker drauf. Zappelig wird er nur, wenn es während der Vorbereitung Leerläufe gibt. 97


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EIN „LINKER“ S L A LO M STA R Name: F E L I X N E U R E U T H E R 2 - FA C H E R K I T Z B Ü H E L- S I E G E R ( 2 0 1 0 , 2 0 1 4 ) , 5 - FAC H E R W M - M E DA I L L E N G E W I N N E R IM SL ALOM

Deutschlands Slalom-Artist hat den Links-Tick. 98

foto : S A M M Y M I N KO F F

„Ich steige immer zuerst in den linken Skischuh und in den linken Ski rein. Und wenn ich angeschnallt habe, gibt’s noch den Faustgruß mit meinem Servicemann und meinem Physiotherapeuten“, verrät Neureuther. Das für Außenstehende vielleicht neurotisch anmutende Ritual hilft ihm, seine Konzentration zu schärfen. Erst danach ist der Bronzemedaillen-Gewinner von St. Moritz 2017 bereit für den Kampf um Millimeter und Hundertstelsekunden. Felix: „Ein bisschen abergläubisch bin ich schon. Ich muss einfach wissen, dass ich gut vorbereitet bin.“


Das Motto des Vollblut-Downhillers aus Kärnten: Geht nicht, gibt’s nicht!

„SCHWEIN G E H A BT “

Dementsprechend kompromisslos ist auch sein Fahrstil. Seit Jahren ziert deshalb ein ganz spezielles Motiv seinen knallgelben Rennhelm: eine Wildsau! Die passt perfekt zu seiner draufgängerischen Art. „Die Wildsau ist mein Talisman“, sagt Franz. Nicht nur. So lautet auch sein Spitzname. Einzig die Minuten vor dem Rennstart verbringt der Weißbri­ acher lieber weniger wild. „Ich bin sehr organisiert und strukturiert, brauche meine fixen Bewegungsabläufe.“ Gestützt auf seine Skistöcke und mit geschlossenen Augen fährt er dann die Strecke mit allen Schlüsselstellen schon mal im Geiste durch.

fo t o : M A X F R A N Z P R I VAT

Name: M A X F R A N Z FR A B F A H RName: T S - B RMOANXZ E MAE N DZ AILLENA B FA H RG T SE-W B IRNONNEZRE M 2 0E1D7A I L L E N GEWINNER 2017

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„Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren.“ Sagte Albert Schweitzer. In diesem Sinne, was wäre das Leben ohne Erinnerungen? Ohne die vielen Impressionen, die einen Mythos ausmachen? Ohne die großartigen Geschichten, die von Menschen geschrieben wurden? Wir sehen moderne Athleten, die sich wie Gladiatoren gegen die Gefahren auflehnen. Und in der Arena sitzen, stehen und staunen die Massen, um das Bild vom Spektakel, das niemanden kaltlässt, zu vollenden.

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„U NS VERBINDET DIE LIEBE ZU M S P E E D !“ Sebastian Vettel (31) ist ein echter Gentleman. Das wissen wir seit seinem Kitzbühel-Besuch im Vorjahr. Auf dem Heimweg von der KITZ-RACENight stand der vierfache Formel-1-Weltmeister plötzlich barfuß im Schnee. Grund: Vettel hatte die Sportschuhe ausgezogen und sie seiner Hanna übergestreift. Ihr wären die Stöckelschuhe zuvor im tiefen Schnee fast zum Verhängnis geworden. Was für ein schönes Liebesbekenntnis!

i n te r v i e w : WA LT E R U N T E RW EG E R fotos: RICHARD STOW

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„Ich schaue viel Wintersport und finde es Wahnsinn, welche Leistungen erbracht werden. Besonders interessiert mich das Training, die Vor- und Nachbereitung der Rennläufer“

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Dass der Deutsche ein großes Herz hat, beweist er auch mit seinem Engagement für Gutes wie die KITZ-CHARITY-Trophy, die heuer zum 22. Mal über die Bühne geht. Bevor das Hahnenkamm-Wochenende startete, nahm sich Vettel Zeit für einen Boxenstopp mit uns. Dabei outete er sich als Kitzbühel-Fan und zog Parallelen zwischen Skirennsport und Formel 1.

„Ich kann mich an ein Zitat von Walter Röhrl erinnern, der hat mir mal gesagt: ‚Das Gefühl, das ich beim Autofahren brauche, kommt vom Skifahren.‘“ >> Herr Vettel, Sie sind ein gern gesehener Gast bei den Hahnenkamm-Rennen. Was verbindet Sie mit Kitzbühel? Warum kommen Sie so gerne hierher? Generell mag ich Österreich, die Berge, die Menschen, man hat hier einfach auch sehr viele Möglichkeiten, was die Freizeit betrifft. Außerdem fahre ich gerne Ski. Ob Sonnenschein, klirrende Kälte oder Schneeregen. Egal! Seit der ersten KITZ-CHARITY-Trophy im Jahr 1997 winkt Bernie Ecclestone als Renndirektor jeden einzelnen Teilnehmer bei jeder Wetterlage persönlich durchs Ziel. Vermissen Sie Ecclestone in der Formel 1? Ich vermisse ihn, besonders als treuen Backgammon-Partner. Nervenkitzel und Gefahr sind ständige Begleiter, sowohl in der Formel 1 als auch im Skirennsport. Während Formel-1-Autos dank Monocoque sehr sicher sind, müssen Abfahrer ohne Knautschzone auskommen. Skirennfahrer leben zum Teil viel gefährlicher als Formel-1-Piloten, verdienen aber nur einen Bruchteil von ihnen. Ist das nicht ungerecht? Ich weiß nicht genau, wie viel sie verdienen, aber ich denke, beides ist nach wie vor gefährlich, auch wenn sich die Standards in den Jahren gebessert haben. Sicherlich sind Skifahrer exponierter. Ich habe großen Respekt vor den Sportlern und Sportlerinnen.

Nirgendwo anders ist der Grat zwischen Ruhm und Verletzung so schmal wie in Kitzbühel. Für viele endet der Traum vom Streif-Sieg mit Trümmerbruch, Kreuzbandriss und Gehirnerschütterung im Spital. Muss man nicht ein wenig verrückt sein, um auf zwei Brettern diese vereiste Piste mit über 140 km/h hinunterzurattern? Ich glaube, das hat mit Verrücktsein nichts zu tun. Wenn man von klein auf in den Sport hineinwächst, geht man mit den Risiken anders um als jemand, der nicht so viel damit zu tun hat. Verrückt wäre, wenn sich jedermann auf der Streif probiert. Kitzbühel ist die Formel 1 des Winters. Das HahnenkammSpektakel wird gerne mit dem Grand Prix von Monaco verglichen. Sehen Sie Parallelen, oder wird das von den Medien nur reißerisch zu einer guten Story aufgebauscht? Nein! Was Monaco für die Formel 1 ist, ist in der Tat Kitzbühel für den Skisport. Jeder interessiert sich für Monaco, jeder interessiert sich für die Streif. Es geht den Leuten ums Rennen, aber natürlich auch ums Drumherum. In Kitzbühel sind auch jedes Jahr zahlreiche Stars aus dem Motorsport vor Ort. Zu den Stammgästen zählen u. a. Bernie Ecclestone, Niki Lauda, Gerhard Berger, Toto Wolff, aber auch aktive Racer wie Max Verstappen, Daniel Ricciardo,

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Von 2011 bis 2014 wurde Sebastian Vettel viermal hintereinander Formel-1-Weltmeister, das war vor ihm nur Fangio und Schumacher gelungen. Seit 2015 ist der Deutsche als Ferrari-Pilot auf Titeljagd

Neel Jani sowie die MotoGP-Asse Marc Márquez und Dani Pedrosa. Fühlen Sie sich ein wenig heimisch bei so vielen Motorsport-Experten? Es ist einfach nett, Gleichgesinnte an einem Ort zu treffen – außerhalb der Formel-1-Strecken. Würden Sie sich selbst als guten Skifahrer bezeichnen? Was fasziniert Sie so an diesem Sport? Gut ist relativ. Ich selbst würde mich nicht als guten Skifahrer bezeichnen, aber es ist die Verbindung von Sport, Natur und Speed, die mich begeistert. Die Jagd nach der schnellsten Linie steht immer im Mittelpunkt. Können Formel-1-Fahrer von Skirennfahrern etwas lernen? Auf jeden Fall! Ich kann mich an ein Zitat von Walter Röhrl erinnern, der hat mir mal gesagt: „Das Gefühl, das ich beim Autofahren brauche, kommt vom Skifahren.“ Wäre aus Ihnen auch ein Weltklasse-Skirennfahrer geworden? Das glaube ich nicht. Den Spaß hätte ich zwar gehabt, aber

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ich bin als Kind einen anderen Weg gegangen, außerdem waren in meiner Heimat Heppenheim die Berge nicht ganz so hoch (schmunzelt). Familien-Streif oder doch echte Streif? Haben Sie eine der beiden Strecken schon auf Skiern in die Knie gezwungen? Ja, letztes Jahr – wenn auch sehr langsam. Streif oder Ganslernhang? Speed-Disziplin oder TechnikBewerb? Was begeistert Sie im Skirennsport mehr? Ganz klar die Speed-Disziplinen, aber begeistern kann ich mich für beides. Ich schaue viel Wintersport und finde es Wahnsinn, welche Leistungen erbracht werden, sowohl was den Mumm der Abfahrer angeht als auch die Technik-Disziplinen. Besonders interessiert mich aber auch das Training, die Vor- und Nachbereitung der Rennläufer. Kitzbühel-Sieger kriegen neben Preisgeld noch die Goldene Gams und eine Gondel mit Namenszug als Trophäen. Haben Sie auch eines Ihrer Sieger-Autos zu Hause stehen? Ja, das eine oder andere Auto steht bei mir in der Garage.


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„Was Monaco für die Formel 1 ist, ist in der Tat Kitzbühel für den Skisport. Jeder interessiert sich für Monaco, jeder interessiert sich für die Streif.“

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Ferrari will mit Ihnen als Fahrer an die glanzvollen und legendären Zeiten mit Michael Schumacher anschließen. Die Erwartungshaltung ist groß, der Erfolgsdruck enorm. Haben Sie Angst, zu scheitern, oder befassen Sie sich erst gar nicht mit solchen Gedanken? Scheitern will niemand, aber Ängste habe ich keine. Ich fahre Rennen für Rennen, der Druck ist immer groß, und natürlich will ich mit Ferrari die WM gewinnen. Ich liebe das Team, ich liebe diese große Marke. Ferrari ist einzigartig. Ferrari hat etwas, was andere Teams nicht haben. Wir sind ein sehr talentiertes, begabtes Team, haben viel Potenzial. Einiges davon muss noch freigesetzt werden, aber alle kämpfen sehr hart dafür. Wir müssen weiterwachsen und lernen. Der Traum vom fünften WM-Titel lebt bei Ihnen also nach wie vor? Meine Motivation ist ungebrochen. Das hat sich nicht geändert. Ich darf mich bei jedem Rennen in das Auto meiner Träume setzen, also gibt es vieles, worauf ich mich freuen kann. Es gibt viele

Fotos von sich selbst macht oder publiziert bzw. über sich selbst spricht oder sein Leben ständig preisgibt. Das ist nicht meine Art. Ich finde soziale Medien unsozial, und dafür ist mir meine Zeit zu schade. Ich bin Sportler, ich bin kein Promi. Wenn ich also irgendwohin gehe und jemand mich wiedererkennt, glaube ich, dass sich dieser Mensch für Sport interessiert und nicht dafür, wie ich meine Haare mache oder welche Schuhe ich trage. In der Formel 1 galt immer die Faustregel, wonach ein Kind den Piloten pro Runde eine bis zwei Zehntelsekunden koste. Was halten Sie als glücklicher Vater von zwei jungen Töchtern von dieser angeblichen Weisheit? Stimmt das? Naja, glücklicherweise bin ich ja noch schnell genug! Mit Thomas Dreßen holte 2018 erstmals seit 39 Jahren wieder ein Deutscher in Kitzbühel den Sieg auf der schwierigsten Abfahrtsstrecke der Welt. Wussten Sie, dass Sie neben Österreichs Skiheld Hermann Maier sein großes Idol sind? Er sagt, dass Sie für ihn menschlich ein Riesenvorbild sind… Nein, das wusste ich nicht, aber das ist mir eine Ehre. Nach dem

„Ich bin einfach keiner, der gerne Fotos von sich selbst macht oder sein Leben ständig preisgibt. Das ist nicht meine Art. Ich finde soziale Medien unsozial.“

Dinge, die wir lernen konnten, als Team und ich als Individuum. Es ist klar, dass wir es besser können. Wir haben das Potenzial. Das zu entfalten, muss jetzt das Ziel für die nächste Saison sein. Sie sind vierfacher Formel-1-Weltmeister. Glauben Sie, dass die Erfolge und Titel Sie verändert haben? Nein, das glaube ich nicht. Ich denke vielmehr, dass die Jahre und die Erfahrungen mich vielleicht verändert haben. Ich empfinde mich nicht als besonders wegen meiner beruflichen Tätigkeit. Es ist ein Teil von mir, meine Identität, aber ich bin mehr als ein Formel-1-Fahrer. Ich bin auch eine Menge anderer Dinge. Die Formel 1 definiert mich nicht als Person. Natürlich ist sie ein großer Teil meines Lebens, aber sie ist nicht das Wichtigste. Im Umgang mit Menschen sind Sie viel vorsichtiger geworden. Findet man Sie deshalb auch nicht in den sozialen Medien wie Instagram, Facebook und Twitter? Nein, das ist nicht der Grund. Ich bin einfach keiner, der gerne

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Rennen im Vorjahr konnte ich Thomas auch persönlich gratulieren und ihn kennenlernen. Er ist ein super Typ, trägt sein Herz auf der Zunge, und man sieht ihm an, dass er zu hundert Prozent mit Leidenschaft bei der Sache ist. Neben Thomas Dreßen gibt es auch noch etliche andere Skistars wie Aksel Lund Svindal, Hannes Reichelt und Kjetil Jansrud, die immer wieder bei der Formel 1 zu Gast sind. Alle gemeinsam verbindet ihre sympathische Art und die Tatsache, dass sie große Fans von Ihnen sind. Was sagen Sie dazu? Das freut mich, vor allem aber verbindet uns die Liebe zum Speed. Ich denke, dass es im Skisport und Motorsport viele Parallelen gibt. Man trainiert viel und oft, kennt die Strecken eigentlich – aber trotzdem ist jede Runde oder Abfahrt etwas anders. Die Bedingungen ändern sich jedes Mal, es ist eine ständige Suche nach der perfekten Linie.


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2019

M E NS C H E N

Alfons Walde, Almen im Schnee, 1935 1918 kehrte Alfons Walde nach Kitzbühel zurück, wo er bis zu seinem Lebensende blieb und malte

Ideenschmied und Lebemann Kein Künstler prägte Kitzbühel mehr als Alfons Walde (1891–1958), Zeitgenosse von Klimt und Schiele. Von ihm stammt das rote Logo der Stadt mit Gams, er entwarf die Kleidung der berühmten „Roten Teufel“, der Skilehrer. Seine Schneebilder prägten den Archetypus dieser winterlichen Alpenstadt.

text: ALMUTH SPIEGLER fotos: DOROTHEUM WIEN, KUNSTVERL AG A L FO N S WA L D E © B I L D R EC H T, W I E N 2 0 1 9

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M E NS C H E N

Alfons Walde, Skifahrer bei der Alm, 1933 Dieser ganz besondere Walde-Stil: Als ziehe sich eine Schneeschicht so mollig und dick wie Schlagobers über Hänge, Berge, Bäume und Hüttendächer

Jeder kennt sie, die „Schneebilder“ von Alfons Walde. Dieses ganz besondere Weiß, diese ganz besondere Malweise, dass es wirkt, als ziehe sich eine Schneeschicht so mollig und dick wie Schlagobers über Hänge, Berge, Bäume und Hüttendächer. Aus einer rauen alpinen Landschaft wird so eine aus heutiger Sicht fast nostalgische, die Sehnsucht nach einer heilen Kindheit im Schnee befeuernde Bilderbuchkulisse – ohne Kälte, ohne Wind, ohne hässliche Verfärbungen. Darin noch ein paar kernige, braungebrannte Skifahrer mit aufgeknöpften weißen Hemden. Oder bodenständige Bauersleute am sonntäglichen Weg ins „Auracher Kirchl“, so eines der bekanntesten Walde-Motive. Idylle pur. Hier ist sie, die Essenz des Traums von dem Kitzbühel, das seit der Zwischenkriegszeit den internationalen Skitourismus zu erobern vermochte. Der Maler Alfons Walde war wesentlich an diesem Erfolg beteiligt, von dem er natürlich auch selbst profitierte – hier lebte er, hier verkaufte er seine Bilder an ein immer größer und globaler werdendes Publikum. Der um 1900 als Sohn des Kitzbüheler Schulleiters aufgewachsene Künstler war ein Vermarktungsgenie. Nicht nur von seiner Heimat, deren Werbeauftritt er 1932 den bis heute verwendeten roten Gams-Schriftzug verpasste, deren Altstadthäusern er eine buntere Bemalung verordnete, deren Hahnenkamm-Liftstationen er entwarf. Er war auch der perfekte Vermarkter seiner Kunst, die er alles andere als elitär behandelte. Es ging ihm durchaus um Verbreitung. 1923 gründete er dafür sogar einen eigenen Kunstverlag, der seine schon zu Lebzeiten populären Motive als Postkarten und Kunstdrucke vertrieb. Auch dieser Verlag besteht bis heute und wird von seinem Enkel und Nachlassverwalter, dem Schauspieler Michael Walde-Berger, geführt. Der künstlerische wie finanzielle Erfolg zeigte jedoch früh seine Tücken – schon ab den 1930er-Jahren hatte Walde mit Fälschern zu prozessieren. Angesichts von Rekordpreisen wie den 760.000 Euro, die 2016 das Gemälde „Der Aufstieg“

erzielte, im deutschen Auktionshaus Karl & Faber, kann man sich vorstellen, dass das kriminelle Interesse am Kopieren von Waldes Werk nicht gerade abgenommen hat. Ein Tipp: Im Kitzbüheler Stadtmuseum kann man sich jedenfalls von der originalen Qualität überzeugen, anhand eines Querschnitts durch Waldes Gesamtwerk, das einst unter Einfluss des Wiener Jugendstils, der Wiener Moderne, begann. 1910 ging es für den ausgezeichneten Maturanten erst einmal nach Wien, wo er bis 1914 Architektur studierte. Daneben aber malte er, immer schon ländliche Motive, die er damals auch in Klimts Secession unterbrachte. Als der Erste Weltkrieg begann, meldete Walde sich freiwillig, brach danach das Studium ab und kehrte Ende 1918 nach Kitzbühel zurück. Wo er bis zu seinem Lebensende blieb – und davor genoss, was es zu genießen gab, darf man so sagen. Dreimal war er verheiratet, er habe eben die Frauen an sich geliebt, wird überliefert. Seine rauschenden Feste in dem von ihm entworfenen „Berghaus Walde“, das er sich 1928 am Hahnenkamm baute, sind legendär. Waldes Akt-Pastellmalerei, seine gar noch üppigere Aktfotografie, die man spät, vor ein paar Jahren erst, in der Wiener Fotogalerie Westlicht entdecken konnte, sind vielleicht nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zu den so traditionell wirkenden Landschaften und Genreszenen. Eher wird hier augenscheinlich, was Kitzbühel so besonders machte – dass hier mit dem Tourismus eben auch die weite Welt, in den 20er-Jahren eben eine mondäne, durchaus freizügige, Einzug hielt. Das kann einen Lebemann und Maler wie Walde nicht kaltgelassen haben. Nicht einmal im Schnee, in dem er seine nackten Modelle gerne posieren ließ – in dem er sich aber auch schon selbst einmal mit heruntergelassenen Hosen fotografierte. Dieses Laszive, manchmal auch einen Hauch Ironie, sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man seine Landschaften betrachtet. So wird auch aus einer weißen Schneedecke schnell einmal eine sinnliche, weich geschwungene Form.

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Alfons Walde, Lacerta, 1935 Die andere Seite ... des Alfons Walde – die Kunst der (originellen) Erotik. Auch seine Aktfotografien und Aktmalereien finden viel Zuspruch

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Ma gie K I T Z- R AC E- I n si d e

2019

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„Der Zauberstab ist mir gegeben, ich muss ihn nur zu gebrauchen wissen.“ Sagte Leo Tolstoi. Am Ende sind es nur ganz wenige, die den Traum vom Außergewöhnlichen mit Leben füllen. Ganz wenige, denen es geschenkt ist, magische Momente wahr werden zu lassen. Ganz wenige, die das Besondere zu ihrer Normalität entwickeln können. Und wir dürfen ihnen zusehen und uns immer wieder mit glänzenden Augen die Fragen stellen: Wie machen die das? Wie schaffen die das? Wie geht das alles?

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Zwischen I und Erlebn

Heute ist die dezent arrangierte Symbiose aus Alt und Neu längst eine Sehenswürdigkeit. Das Haus Walde, mit dem ungetrübten Blick auf den Hahnenkamm

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dylle iskultur text: MICHAEL HUFNAGL fotos: PHILIPP HORAK

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Vorbei am Haus Walde und der Villa Mellon … und schon öffnet sich wie so oft der grandiose Kitzbüheler Raum. Die Stadt und der malerisch gelegene Friedhof liegen den Beobachtern vor dem Hintergrund des Bergpanoramas zu Füßen


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2019

M AG I E

Lebens(t)raum Kitzbühel – ein Spaziergang, viele besondere Orte. Die Stadt hat mehr Sehenswertes und Erstaunliches zu bieten als das bekannte Bild vom Geldadel und den Society-Rendezvous.

Sagen Sie niemals Gemeinde! Das ist ein feiner Tipp an alle Touristen. Wer das Stadtrecht unerwähnt lässt, nimmt Kitzbühel einen Teil seines Stolzes. Rund 8.500 Einwohner leben hier in den Alpen auf 762 Metern Seehöhe, und sie haben sich längst an jene außergewöhnliche Schönheit gewöhnt, die Besucher wieder und wieder in besonderes Staunen versetzt. Karl Hohenlohe, Herausgeber des Gault&Millau, TV-Entertainer und leidenschaftlicher Geschichtenerzähler, verbringt seit seiner frühesten Kindheit regelmäßig viel Zeit in Kitzbühel. „Und wenn es nur das Wochenende ist, das wir mit der ganzen Familie in Tirol genießen, was uns diese Stadt an Erholung bietet, hat etwas Einzigartiges“, sagt er. Wir sitzen an einem prachtvollen Spätherbsttag auf dem Sessellift, der uns zur Bichlalm bringt. Auch eine Wanderung (etwa zwei Stunden von der Talstation) zu diesem Panorama-Hotspot über Kitzbühel ist stets lohnenswert, aber dafür fehlt uns in diesen Tagen die Zeit. Wir wollen einen Streifzug durch einen der berühmtesten Orte des Landes machen, das Programm erscheint also naturgemäß dicht. Mit dem Auto ist die Bichlalm nicht zu erreichen und auch das Skigebiet liegt fern. Umso verständlicher daher, dass die Lift-Geschwindigkeit an die gute alte Zeit erinnert. Hier, abseits der mondänen und skitouristischen Erlebniswelt, gehen die Uhren ein bisschen anders. Hohenlohe: „Im Jänner und Februar kann man zu den Vollmondnächten herauffahren, und es gibt ein sehr spezielles Moonlight-Dinner. Ein Naturschauspiel und eine originelle Idee.“ Wir erreichen die Bergstation, etwa hundert Meter oberhalb der Bichlalm mit ihrer imposanten Fernblick-Terrasse steht eine kleine Kapelle. Die letzten Daunen der Wolkendecken schweben an uns vorüber und wir bekommen einen Eindruck, warum diese Region so anziehend ist. Das offene und weitläufige Tal liegt uns in seiner ganzen Pracht zu Füßen, die Stadt schmiegt sich mit ihren vielen Ausläufern an die Hänge und am Ende ragt der Wilde Kaiser empor, dessen Massiv stellvertretend für das Kitzbüheler Selbstverständnis erscheint.

Wir fahren zurück, vorbei am Golfplatz Eichenheim in Richtung Aurach, unser Ziel ist Kochau. Dort haben sich Millionäre aus der ganzen Welt ihre Wohnparadiese erschaffen. Zuvor kommen wir aber noch an der berühmten Auracher Kirche vorbei. Jenes spätromanische Bauwerk, das Ende des 13. Jahrhunderts in malerischer Landschaft erbaut wurde und dessen Charakteristik (vor allem die Turmkuppel) sich perfekt als Fotomotiv eignet. „Das könnte aber auch daran liegen, dass Alfons Walde vermutlich kein Gebäude so oft als Inspiration betrachtet hat wie diese Kirche“, ergänzt Karl Hohenlohe. Ein paar Kurven später erreichen wir Kochau. Wo sich eine sehenswerte Villa an die andere reiht. Wo Architekturmeister und Immobilienfüchse einander die Hände reichen. Und wo das Bild durch vereinzelte alte Bauernhöfe, deren Besitzer seit vielen Jahren den Versuchungen des Grundstücksverkaufs mit Tiroler Hartnäckigkeit widerstehen, eine geradezu pittoreske Anmutung besitzt. Einerseits die zahllosen imposanten Anwesen, die als Komposition aus Holz, Stein und Glas kunstvoll und stilgerecht ins steile Gelände integriert wurden, andererseits die auffälligen traditionellen Höfe, die von Kühen und Schafen umgeben sind, und die der Region genau jene Authentizität verleihen, die der Lockstoff für die Reichen und Schönen sind. „In dieser beschaulichen Ecke haben sehr viele prominente Menschen bauen lassen“, sagt Karl Hohenlohe, und er weiß auch genau, wer sich welche Villa fertigen ließ. Aber da er nicht nur ein gut vernetzter Stammgast in besten Kreisen ist, sondern vor allem ein niveauvoller Feingeist, sagt er gleich: „Keine Namen. Das Recht auf Privatsphäre sollte gewahrt bleiben. Erwähnenswert ist aber, dass ein Asiate das teuerste Haus von Kitzbühel besitzt. Es soll 25 Millionen Euro gekostet haben. Nahe jenem Ort übrigens, wo im März 1966 das berühmte Syberberg-Interview mit Romy Schneider, Porträt eines Gesichts, gedreht wurde.“ Und dass Deutschlands reichste Frau, Susanne Klatten, und ihr Bruder Stefan Quandt, die milliardenschweren BMW-Erben, mittlerweile drei große Anwesen in Kitzbühel besitzen, ist so oder so kein Geheimnis.

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Harmonie aus natürlicher Pracht und architektonischer Raffinesse – im mondänen Millionärsparadies herrscht majestätische Strahlkraft. Und in der Ferne offenbart der Wilde Kaiser stets das erhabene Selbstverständnis dieser magischen Region

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2019

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Viel Holz, viel Glas, viel traditioneller Baustil, und vor allem viel Ausblick. Wer in und 체ber Kitzb체hel bauen l채sst, bekommt ein Lebensgef체hl geliefert

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„Wer sich einen Ausflug in das Tiroler Immobilienparadies schenkt, wo der Geldadel die Symbiose aus Idylle und Erlebniskultur sucht und findet, wird als Staunender verlässlich belohnt.“

Es gibt so viel zu sehen, zu erkunden in Kitzbühel. Auch abseits der zahllosen altbekannten Lokalitäten, die in der Hochsaison regelmäßig dank Society-Rendezvous fröhliche Medien-Präsenz feiern. Wie das Haus Plahl von Lois Welzenbacher als gelungenes Beispiel für die klassische Moderne, in der so manche namhafte Architekten in Kitzbühel zu Werke gingen. Oder die Villa Zurna als Prototyp einer Sommerfrische-Villa im Heimatstil, die zur Pionierzeit des Tourismus um 1900 gebaut wurde. Oder das Mesnerhaus oberhalb des Friedhofs, ein Holzblockbau aus dem 17. Jahrhundert. „Der Friedhof über der Stadt ist überhaupt einer der schönsten Flecken in Kitzbühel“, erzählt Karl Hohenlohe, während Fotograf Philipp von einem Aussichtspunkt zum nächsten spaziert, um die Panorama-Vielfalt einzufangen. „Auf diesem Friedhof ist Meinhard Schwarzenegger begraben. Arnolds älterer Bruder, der 1971 bei einem Autounfall ums Leben kam. Und immer dann, wenn Arnie in Kitzbühel ist, kommt er hierher, um das Grab zu besuchen.“

zum Beispiel jenes, das im Stil eines Schiffes möbliert und arrangiert wurde, nachdem sich einer der Mellon-Söhne auf hoher See das Leben genommen hatte.“

Nicht weit von hier, am Fuße der Nobeladresse des Lebenbergs, befindet sich das berühmte Haus von Alfons Walde, jene denkmalgeschützte Villa mit den rotweißroten Fensterläden, um die es in Kitzbühel vor einigen Jahren ziemliche Aufregung gegeben hat. Hohenlohe erinnert sich: „Die Enkelin wollte gleich neben dem alten Gebäude einen modernen Neubau errichten, mit viel Glas, und da haben sich wohl einige Einheimische gefürchtet, dass die natürliche Harmonie kaputtgeht.“ Doch das Gegenteil war der Fall. Heute ist die dezent arrangierte Symbiose aus Alt und Neu längst eine Sehenswürdigkeit mehr, und der ungetrübte Blick auf den Hahnenkamm (wo Walde übrigens sein Berghaus errichten ließ) lohnt einen Ausflug.

Umso bewegender ist dann unser Ortswechsel. Karl Hohenlohe besteht darauf, dass wir ein Stück in die Abgeschiedenheit, zum Römerweg unterhalb des Kitzbüheler Horns reisen, um uns für eine Stunde in der Welt der bäuerlichen Vergangenheit zu verlieren. „Kitzbühel wird so oft mit Luxus und Exklusivität assoziiert, aber ich finde es wichtig, daran zu erinnern, dass es auch in dieser Region das einfache Leben mit großer Hingabe zum Handwerk gab und gibt. Dankenswerterweise findet sich das im Bauernhausmuseum wieder.“ Was für ein Anblick! Was für eine Zeitreise! Der typische Einhof samt Nebengebäuden wie Waschküche, Kapelle, Backofen, Bienenhütte, Tenne und Fuhrhütte wurde in seiner ursprünglichen Form erhalten und zu einem Ort der Melancholie arrangiert. Mit der guten alten Stube samt Herrgottswinkel, einer Machkammer, der Rauchküche und einem Dachboden voller landwirtschaftlicher Exponate aus den vergangenen Jahrhunderten. „Abgesehen davon kann man an diesem besonderen Ort etwas tun, was viele Menschen gar nicht wissen“, erzählt Hohenlohe. „Und zwar heiraten. Der Standesbeamte kommt in die Bauernstube, und für die Gesellschaft ist so eine Feier ausgerechnet im noblen Kitzbühel eine spektakuläre Alternative.“

Gleich hinter dem anmutigen Doppelbau versteckt sich inmitten hoher Bäume die legendäre Villa Mellon. Die hatte einst der Großvater von Karl Hohenlohe als gräfliches Domizil der Familie von Seilern bauen lassen, beste Lage, standesgemäß. Später verkaufte er sie an die amerikanische Bankiersfamilie Mellon, heute gehört sie der Hotelierstochter Rosemarie Harisch, die dort 15 Gästezimmer und drei Salons zu einem lebendigen Ort der Sammelleidenschaft gemacht hat. „Man betritt das Haus und befindet sich augenblicklich in einer anderen Welt“, erzählt Hohenlohe, während wir im Kaminzimmer stehen und auf die gigantische Bibliothek blicken. „Jedes Zimmer hat seine eigene Geschichte, wie

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Ein Stück weiter den Berg hinauf liegt das Anwesen von Luis Trenker. Gut verborgen, aber umso idyllischer, mit freier Sicht auf die Stadt im Tal, hat der Südtiroler Alpinist seine Zeit in Kitzbühel verbracht. Auch in dieser Gegend gilt, was für das Kitzbühel des dritten Jahrtausends so typisch geworden ist: Das Außergewöhnliche hat seinen Preis. Zwischen 12.000 und 15.000 Euro, Tendenz steigend, kostet in den Top-Lagen in und um die Stadt ein Quadratmeter. Nur die Wiener Innenstadt kann hierzulande in diesen finanziellen Grundstücksdimensionen noch mithalten. Aber wer sich einen Ausflug in das Tiroler Immobilienparadies schenkt, wo der globale Geldadel wie nirgendwo sonst mit Vorliebe die Symbiose aus Idylle und Erlebniskultur sucht und findet, wird als Staunender verlässlich belohnt.

Und weil wir schon auf das „Damals“ eingeschwungen sind, setzen wir unseren Rundweg im Zentrum der Stadt fort. Wir passieren das architektonisch auffällige Park Hotel,


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„Hereinspaziert!“ Rosemarie Harisch bittet in die legendäre Villa Mellon

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Wer durch diese Räumlichkeiten spaziert, wird das Staunen genießen. Fünfzehn Gästezimmer und drei Salons in völlig unterschiedlichen Stilen präsentieren sich als lebendiger Ort der Sammelleidenschaft

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Haben Sie Kitz schon bei Nacht gesehen? Haben Sie das schon erlebt? Wenn sich die Sonne hinter die Alpen zurückzieht und die Stadt ihre Metamorphose vollzieht – nirgendwo sind einander Idylle und Party näher

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„Geheimtipp: Das Dach des Heimatmuseums ist einer der wunderbarsten Übersichtsplätze mit 360-Grad-Panorama in ganz Kitzbühel.“

das allerdings nicht öffentlich zugänglich, sondern speziellen Seminaristen vorbehalten ist, und erreichen bald den Südwestturm der ehemaligen Stadtbefestigung, wo man im ersten Obergeschoß das romanische Mauerwerk aus der Gründerzeit des 13. Jahrhunderts sehen kann. Dort befindet sich das sehenswerte Heimatmuseum. Und auch hier hat Hohenlohe, fern der Dokumentationen von Stadthistorie, Walde-Werken und Heldentaten des Ski-Wunderteams, einen Geheimtipp parat: „Das Dach des Hauses. Da darf man hin, und es ist einer der wunderbarsten Übersichtsplätze in ganz Kitzbühel.“ In der Tat. Durch eine kleine Tür gelangen wir auf einen Steg und ein paar Treppen später befinden wir uns über den Dächern der Stadt. Fotograf Philipp ist jetzt nicht mehr zu bremsen. Der 360-Grad-Blick, vom Horn über die Katharinenkirche im Zentrum bis zum Zielhang der Streif, ist so außergewöhnlich wie unbekannt – sogar zahlreiche Einheimische wissen nichts von seiner Existenz. Und er verleitet Hohenlohe einmal mehr zu einem Exkurs: „Kitzbühel hat einst auch Kitzbühl geheißen. Zusammengesetzt aus Kitz und dem Bühl, also dem Hügel. Am Ende mussten sich die Stadtväter entscheiden, wie sie eingetragen werden wollen. Und da nahmen sie die Variante mit dem e, weil’s edler wirkt.“ Der anschließende Spaziergang durch die Innenstadt macht Freude. Die Farbenpracht der Häuser, die – eh klar –

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einst eine Idee von Alfons Walde gewesen ist, ist mindestens so imposant und charakteristisch wie die berühmten Schlufs, also die schmalen Durchgänge zwischen den Häusern, das legendäre Café Praxmair mit dem Charme der späten 1950er-Jahre und der konsequenten Verweigerung der Modernisierung, die barocke Apotheke, das alte Weißgerberhaus in der Graggaugasse mit seiner urig-originellen Zirbenstube oder das Franziskaner-Kloster. „Das muss man immer empfehlen“, sagt Hohenlohe. „Auch wegen des tollen Gartens und der aufwendig gestalteten Marien-Statue gleich beim Eingang.“ Es ist später Nachmittag geworden und die Erkenntnis ist einmal mehr gewiss: Kitzbühel hat so viel mehr zu bieten, als der Adabei-Zirkus Jahr für Jahr glauben macht. Fotograf Philipp drängt uns, noch einmal nach Kochau zu fahren. Wegen des Abendlichts. Bald darauf stehen wir hoch oben über den Dächern der Millionärsvillen und blicken ins Land. Die tief stehende Sonne verleiht dem Tal ein goldenes Antlitz. Das Zusammenspiel aus prachtvoller Natur und sichtbarer Lebensqualität lässt uns schweigend staunen. Nur vereinzelt ist das Klicken der Kamera zu hören. Und über Kitzbühel, seinen Wiesen und Bergen, schwebt ein einziger Gedanke: bildschön.


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„Mode ist die Synthese aus Wissen und Ausprobieren.“ Sagte Vivienne Westwood. Die Welt ist ein Laufsteg. Wo die Grenzen zwischen Sein und Schein so sehr verschwimmen, dass der Blick stets aufs Neue gefordert ist, sich auf die Suche nach den Werten zu begeben. Wie wohltuend mag es dann sein, wenn sich vor dem Auge wahrer Glanz offenbart, und wenn zwischen Authentizität und Inszenierung eine natürliche Harmonie entsteht.

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Der eigene Weg text: STEPHAN HUBER fotos: HELGE KIRCHBERGER

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Designer, Unternehmer, Familienmensch, Jäger – das alles gehört zur Persönlichkeit von Markus Meindl, der im beschaulichen oberbayerischen Kirchanschöring in 11. Generation aus hochwertigstem Leder Lieblingsteile für das ganze Leben erschafft. Eine Spurensuche.

Das Hochgebirge ist für Markus Meindl das einzig wahre Jagdrevier. Auf einem Hochstand sitzen und warten, bis ein Tier den Weg kreuzt, ist für den passionierten Weidmann keine Herausforderung. Auf der Jagd will er ständig in Bewegung sein, am liebsten zwischen 1.300 und 2.500 Metern Höhe in seinem Revier im Lungau

„Mach’s g’scheit oder mach’s gar net!“ Egal ob er in seinem Atelier an einem Entwurf feilt oder im Hochgebirge der Gamsjagd nachgeht – Markus Meindl zieht diesen Anspruch konsequent durch. Von Kindesbeinen an hat er sich nie für den einfachen Weg entschieden, sondern für den richtigen, seinen eigenen. Hineingeboren wurde er in eine Familie, in der die exklusive Verarbeitung von hochwertigem, sämisch gegerbtem Leder über Generationen zu einem Teil der DNA geworden ist. Auch bei ihm erwachte früh die Leidenschaft für dieses einzigartige Material. Der erste eigenständige Entwurf, noch im Volksschulalter, war ein Federpenal. Im frühen Teenageralter folgte die erste Jacke, gefertigt aus alten Jeans und mit Lamm-

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fell gefüttert. Vintage, lange bevor dieses Wort in der Mode allgegenwärtig werden sollte. Und dann wurde es ernst: Mit der Unbekümmertheit eines 15-Jährigen schneiderte er einen Blazer aus bestem Hirschleder mit aufgesetzter Lederhosentasche. Ausgestattet mit einem psychedelischen Paisley-Futter, kein Knopf glich dem anderen. „Für den Papa war die Jacke der absolute Albtraum. Aber Lodenfrey in München war begeistert und hat auf Anhieb 70 Stück bestellt“, lacht Markus Meindl heute rückblickend über diesen sanften Generationenkonflikt, der ihn darin bestärkte, seinem Können und seinem Instinkt zu vertrauen. Er wusste jetzt, was er wollte: Aus feinstem Leder Bekleidung erschaffen, handwerklich auf höchstem Niveau und mit einer eigenen, klaren Designsprache. Lieblingsteile eben, die mit ihren Besitzern durch ein ganzes Leben gehen.


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Auf die Schneiderlehre beim traditionsreichen Herrenausstatter Regent in Weißenburg folgte ein zweijähriges Kolleg für Mode & Bekleidungstechnik in Ebensee. Diese intensive Ausbildung war wichtig, denn Markus Meindl wollte nicht einfach nur entwerfen, sondern diese Entwürfe auch selbst umsetzen und verstehen. „Ich arbeite auch heute noch wie ein klassischer Couturier“, erzählt er. Und erlaubt sich einen kurzen Anflug von Stolz.

auf der Pirsch bleibt er seinem Motto treu. G’scheit oder gar nicht! „Im Hochstand zu sitzen und zu warten, das ist nichts für mich. Ich suche das archaische, emotionale Naturerlebnis“, erklärt Meindl. Er findet es bei der Hochgebirgsjagd, zumeist im eigenen Revier im Biosphärenpark Lungau. Steile Hänge und schroffe Wände stehen zwischen ihm und der Gams, die, perfekt angepasst an die alpine Welt, nur vom erfahrenen Jäger mit einem Blattschuss zu erwischen ist. „Die Gamsjagd

Das erfolgreiche Ende eines anstrengenden Bergjagdtages. Mit der Gams im Rucksack geht’s zurück ins Tal

Voller Respekt vor den Traditionen und den Wurzeln eines Unternehmens, dessen erste urkundliche Erwähnung in das Jahr 1683 zurückreicht, machte sich Markus Meindl daran, die Tracht zu erneuern, ohne sie dabei zu verfälschen oder gar zu verkitschen. Die Zusammenarbeit mit dem Ausnahmekünstler Hubert von Goisern markierte einen weiteren Höhepunkt. Markus Meindl erinnert sich: „Wir hatten eine sehr ähnliche Vision, er als Musiker und ich als Designer. Aus dieser Energie ist etwas wirklich Neues und gleichzeitig sehr Authentisches entstanden.“ Mit „Meindl Authentic Luxury“ hat Markus in weiterer Folge eine Marke geschaffen, die das Wissen und die Expertise von Generationen weiterträgt. Sein Vater Hannes, Onkel Alfons und Großvater Lukas Meindl haben ihm nicht nur ein in jeder Hinsicht gesundes Familienunternehmen übergeben. Sie haben ihn auch stärker geprägt, als sich der 15-jährige Rebell das seinerzeit vorstellen konnte. Markus Meindl wird nachdenklich: „Nachhaltigkeit, langfristiges Denken, mutig sein, aber nicht übermütig werden, das alles wurde mir mit auf den Weg gegeben. Diese Tradition weiterzuführen, ist eine ebenso schöne wie verantwortungsvolle Aufgabe.“ Ausgleich und Inspiration in einem findet der liebevolle dreifache Vater in der Natur, insbesondere bei der Jagd. Auch

ist eine echte Herausforderung, physisch und psychisch. Die ­ önigsdisziplin!“, schwärmt Meindl, der auch in den Bergen K bei Wind und Wetter seinen eigenen Produkten das Vertrauen schenkt. Denn sämisch gegerbtes Leder hat ganz besondere Eigenschaften. Die aufwendige und nur noch von wenigen Spezialisten beherrschte Methode macht aus der Haut von Hirsch oder Reh ein völlig natürliches Funktionsmaterial. Atmungsaktiv, die Temperatur ausgleichend, geschmeidig und dennoch robust, wird es mit den Jahren immer noch schöner. So wundert es nicht, dass die Liste der internationalen Superstars, die mit einem Stück Meindl Authentic ­Luxury durchs Leben gehen, immer länger wird. Mit vielen ist der bodenständige Erfolgsunternehmer seit Jahr und Tag eng befreundet. Darunter der ewige Terminator Arnold Schwarzen­ egger, Meisterkoch und TV-Star Roland Trettl oder zahlreiche internationale Spitzensportler. Bei der K ­ ITZ-RACE-Party, dem glanzvollen Top-Event im Rahmen des Hahnenkamm­ Wochenendes, kommen auch dieses Jahr wieder glückliche Downhill-Helden dazu. Markus Meindl überreicht den Top 3 der legendären Streif ihren persönlichen Hirschleder-Blazer, versehen mit einer ganz besonderen Widmung. Auf der Brust des edlen Stücks die Laufzeit, von Hand eingestickt. Ein Lieblingsteil.

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Auf der Hochgebirgsjagd prĂźft Meindl seine Produkte auf Herz und Nieren. Das Ergebnis: mit Auszeichnung bestanden!

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Leben, Leder, Leidenschaft Wir doch der Jagd: dem perfekten Edlesind Mode hatimmer immerauf Saison. DerNach besondere Leder-Look Look, auch im Bewusstseins Winter wärmt,für aber trotzdem bedarfder voruns allem eines Kreativität und einen Hauch von Glamour vermittelt. Noble ZurückQualität. Ob lässig durch den Alltag oder elegant durch den haltung und höchste Qualität zeichnen diese Outfits Abend, ob klassischer Chic oder verwegenes Designaus – – wie gemacht für ein Wochenende Leidenschaft gehört getragen. in Kitzbühel. rf e od t oask:t iPoEnT:E U R RSSTUR LAAU B MACHER fotos: PETER GARMUSCH s t y l i n g : I L I JA H VA L A

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Maxwell Jacket aus Merino-Walk mit Details aus handgefärbtem Ziegenveloursleder um € 678,–, Daytona Trousers, Racing-Hose aus sämisch gegerbtem Hirschleder um € 1.478,–, Lounge Quater, ein echtes Allroundtalent, zu verwenden als Sitzgelegenheit oder Abstellmöglichkeit, aus sämisch gegerbtem Hirschleder um € 2.800,–, im Hintergrund: Safari Chair Klappbarer CampingSessel mit Holzgestell und Sitzauflage aus sämisch gegerbtem Hirschleder um € 980,–.

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Coach Jacket, ungefüttertes, lässiges Worker-Jacket aus sämisch gegerbtem Hirschleder um € 1.978,–, Norman Weste, klassische Herrenweste mit V-Auschnitt, aus superleichtem Wollstoff mit Karo-Muster um € 328,–, Wilson Hose aus hochwertigstem Wollstoff mit Pepita-Muster um € 378,–.

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Allegra Jacke aus Ziegen­ veloursleder mit aufwendigen Spitzendetails aus gelasertem Leder und elegant-verspielten Rüschen um € 1.098,–, Cortina Hose aus hochwertigstem Loden mit Pepita-Muster um € 378,–.

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Amarillo Trench, klassischer Trenchcoat aus super­ weichem, handgefärbtem Ziegenveloursleder in der Farbe Highland Green um € 2.178,–, Cortina Hose aus superleichtem Loden mit Karo-Muster um € 378,–.

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Harrison Jacket, superleichtes, ungefüttertes Classic-Jacket aus sämisch gegerbtem Hirschleder – perfekt für jeden Anlass, ob lässig im Alltag oder abends elegant, um € 1.748,–, Norman Weste, klassische Herrenweste mit V-Auschnitt, aus hochwertigstem Loden mit Karo-Muster um € 328,–, Wilson Hose aus superleichtem Wollstoff mit Karo-Muster, um € 428,–.

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M O D E

Bonnie Gehrock, eleganter, leicht taillierter Gehrock aus hochwertigem Baby Calf mit detailverliebter Stickerei am Ärmelaufschlag um € 1.948,–, Agatha Hose, klassische Röhrenhose aus schwarzem Stretch-Nappaleder für das perfekte Tragegefühl, um € 998,–.

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Me nü

K I T Z- R AC E- I n si d e

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K A P I T E L

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„Jede Freude endigt sich mit dem Genuss.“ Sagte Johann Wolfgang von Goethe. Kein Fest der Superlative vermag ohne die Sinnlichkeit zum unvergesslichen Abenteuer zu reifen. Die Bedürfnisse, Hunger und Durst zu stillen, sind kaum weniger wert als jene nach dem traditionellen Helden-Epos. Was für ein Glück daher, wenn die Meister der Kulinarik zum verlässlichen Rendezvous bitten und die Ski-Show mit der Verführung zum Geschmackserlebnis in den Rang des Gesamtkunstwerks erheben.

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Kostbare Schwünge

D U RC H D I E G A M S STA DT text: ALEXANDER RINNERHOFER fotos: PHILIPP HORAK

So isst Kitz. Wenn die Skihelden die Streif zum Glühen bringen, steht die Gastrowelt am Fuße des Hahnenkamms kopf. Frage: Wo und wie schmeckt’s?

Trio infernale im Wirtshaus Steuerberg: Jürgen Kleinhappl, Martina Feyersinger und Alois Sieberer laden zum steirischtirolerischen Freudentanz – Hausmannskost vom Feinsten

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Kiss me, Tiger prawn, das Auge isst mit – eine Devise, die in Kitzbühel gilt wie kaum wo. Die qualitätsvolle kulinarische Dichte und die Kultur des Besonderen haben immer Saison

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Hahnenkamm-Rennwoche. Ganz Kitzbühel ist im Ausnahmezustand. Die Hoteliers und Wirte bereiten sich auf DAS Geschäft des Jahres vor. Für die einen ein Segen, für die Gäste beginnt der Spießrutenlauf. Freie Plätze in den angesagten Lokalen sind schwer zu ergattern. Flexibilität und Hartnäckigkeit sind gefragt. Wo man kulinarisch dranbleiben sollte, haben wir uns angeschaut. Das Trio vom Steuerberg „Schatzi, machst du mir zwoa Klachlsupp´n fertig…?“ Ein herzlicher Empfang ist dem Ruf in die Küche vorausgegangen. Mit ehrlichem Lächeln und leuchtenden Augen weist die fesche Wirtin uns einen Platz an der Sonne am Steuerberg. „Die scheint hier oben fast täglich“, strahlt Martina Feyersinger, ehe sie hinter die Schank eilt, um ein schönes Zwickel von Stiegl in einen irdenen Krug laufen zu lassen. Der Blick in die Karte wird zum steirisch-tirolerischen Freudentanz. Die Klachlsuppe wird’s. Ganz klar. Erinnerungen an Omas Küche und die guten alten Zeiten werden vom Bestellruf der Chefin an den Chef unterbrochen. „Mach ich!“, tönt es aus der Küche. Die Stimme gehört von Jürgen Kleinhappl. Den kennt man doch. Mit 25 war er Österreichs jüngster Sternekoch und erkochte sich drei Gault-Millau-Hauben. Martin Sieberer, Heinz Reitbauer junior. und Helmut Österreicher waren seine großen Lehrmeister. Etwas mehr als zehn Jahre später verschlug es den Steirer an die Hausbergkante. Der Liebe wegen. Martinas Heimat. Dort wohnt er jetzt, sein Herd steht am Steuerberg mit Blick auf Kitzbüheler Horn und Wilden Kaiser. Alois Sieberer, des Meisterkochs Bruder, ist die Nummer drei am Ruder des Wirtshauses hoch über Kitzbühel. Nach der ehrlich-geschmeidigen Klachlsuppe mit Thymian und Sauerrahm und dem Schweinshaxerl drin, gekrönt von einem Krenhauferl, bestellt Martina bei ihrem Jürgen ebenso euphorisch den legendären Schweinsbraten. Saugut! Das Bratl war überwältigend. Klassische Hausmannskost, schön und gut. Kleinhappls Repertoire entfaltet sich bei der Forelle mit fermentiertem Gemüse, Kren und Wassermelone sowie einer Kalbsleber mit Rotweinschalotten, Speck, Selleriepüree und Staudensellerie. Das Tatar „Steuerberg“ Rind & Thuna mit Avocadocreme und Gewürzma­ yonnaise macht ebenso viel Spaß wie der gebratene Rehrücken mit Schupfnudeln, Rotkraut, Kohlsprossen und glasierten Maroni. Genug des Lobes, jetzt geht’s ab ins Tal. Mitten in der Gamsstadt wird weitergegessen.

Die Klachl­­ suppe wird’s. Ganz klar. Erinnerungen an Omas Küche und die guten alten Zeiten werden hier wach.

Im Stanglwald beim „Weißen Hirsch“ Speist es sich auf einem Sessel, auf dem zu Hahnenkamm-Rennen-Zeiten ein Marcel Hirscher Platz nimmt, anders? Wir wollen es wissen und haben uns im Kitzhof einen Tisch reserviert. „Genau hier sitzt er immer sehr gerne, wenn er da ist“, steckt uns die Kellnerin – streng vertraulich, versteht sich. „Und was isst er dann am liebsten?“ Wenn wir schon auf der „Feel-like-Hirscher-Welle“ hier im hauseigenen Restaurant „Weißer Hirsch“ surfen, dann muss auch diese Frage erlaubt sein. Die „Namensähnlichkeit ist reiner Zufall“, bestätigt Hoteldirektor Johannes Mitterer. Und weiter: „In Kitzbühel gibt’s viele Locations mit einem Hirsch im Namen.“

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MARTINA FEYERSINGER Sie garantiert als Frohnatur das Gelingen des kulinarischen Ausflugs: „Ein gutes Service ist in einem Wirtshaus die halbe G’schicht“

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MARTIN REITER Sein Credo im „Weißen Hirsch“ lautet: Die Gäste mit lokalen Schmankerln, internationalen Spezialitäten und ausgewogener, gesunder Küche verwöhnen und überzeugen

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Alles klar, aber wir wären ja wegen des kulinarischen Checks hier und wollen weder VIPs stalken noch Namensherkunfts-Forschung betreiben. Chefkoch Martin Reiter stellt eines klar: „Der Marcel ist ein ganz toller Sportler, der alles isst, sich aber vor allem auf unser Kalbsgulasch und die Topfenknödel freut.“ Okay, verstanden. Allesgewinner ist ein unkomplizierter Allesesser. Gelernt. Apropos Promis. Den Nebentisch übernimmt gerade Sport­ reporter und Radio-Legende Tono Hönigmann. Goldbrasse gegrillt mit Gemüse wird kredenzt. „Ein leichtes Zwischendurch hilft, wenn die nächste Moderation ansteht“, sagt der ORF-Mann. Er ist hier Stammgast. Seit Jahren. Genug der G’schichteln. Jetzt wird gegessen. Zweierlei vom Kalb kommt – Tatar und Roastbeef. Ein Treffer als Start zu einem Kitzhof-Streifzug. Im nächsten Gang erreichen wir die Mausefalle und stürzen uns mit einem Filetsteak vom regionalen Almochsen mit Portweinglace und Pastinakengratin in die nächste Kurve. Knapp vor der Hausbergkante kommen die Nuss-Mürbteigbuchteln mit Zwetschke, Ribiseleis und Schokotörtchen. So, es reicht. Das Rennen sollen die anderen weiter bestreiten. Aber noch etwas: Der Kitzhof hat am Samstag nach den halsbrecherischen Speed-Bewerben die Hummerparty am Start. Eines der ganz coolen Side-Events des Wahnsinns-Wochenendes, wie uns der Hausherr verrät. So, und jetzt aber… Wir wandern weiter, es warten noch einige Gustostückerl zum Aufgabeln. Des Patrons Bergdiele vulgo Stamperl Ein schicker Laden am Hotspot des Kitzbühel-Nachtlebens, schräg vis-à-vis vom legendären Londoner, hat sich fein rausgeputzt und angehübscht. Mächtige Kristallluster hängen von der Decke herab, und das in arktischem Weiß gehaltene Interieur mit Holzumrandung bietet ein stylisches Ambiente mit dem hier nötigen Alm-Touch. Ein Platzerl für die Gutbetuchten und für jene, die gerne gut essen. Auch für jene, die gesehen werden wollen. Das Reich von Michael Staybl, dem Mann mit auffallend großer Designerbrille und lässigem Haircut. Bergdiele, da war doch was … richtig. Der legendäre Gourmettempel in Linz. Seine Mama hatte dort in der Küche für den Hauben-Regen gesorgt. Damals. Michael war auch dort und kümmerte sich um den Weinsegen. Das macht er heute noch, aber in seinem eigenen Reich in Kitzbühel. Wir könnten Staybl ewig zuhören. Ein wahrer Geschichten-Erzähler, der auch so einiges anzubieten hat.

MICHAEL STABYL Dieser Mann hat mit Sicherheit immer den Durchblick. In sein „Bergdiele Stamperl“ kommt Bernie Ecclestone, um Kürbiscremesuppe mit Ingwer zu essen

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SANDRO BALOGH Aus München nach Kitzbühel – die traditionelle Küchenlinie der Tenne ist dank seiner würzigen Zutaten um einige moderne Ideen reicher

Sein Onkel Friedrich war der legendäre Wienerwald-Gründer, seine Mama, wie oben erwähnt, eine begnadete Köchin, und die Oma hatte das beste Eierlikör-Rezept auf Lager. Eines sei noch erwähnt, um den VIP-Faktor zu heben: Bernie Ecclestone kommt regelmäßig vorbei und bestellt die Kürbiscremesuppe mit Ingwer. Zurück zum Wesentlichen, dem kulinarischen Angebot des Hauses, für das Mario Peschel verantwortlich zeichnet. Ein für Kitzer Verhältnisse auffallend entspannter Typ, der aufs Skifahren pfeift und ganz unaufgeregt in seiner Küche feinste Werke vollbringt. Und der Mann weiß zu überraschen. Mit Oktopushaxerl mit Chorizo, Fenchel und Safran-Aioli. Ein würdiges Entrée. Dazu ein Gläschen Pinot Grigio. Mehr geht nicht. Vor dem Hauptbewerb wirft er eine kleine Runde Ragout vom heimischen Wild ins Rennen. Auch gelungen. Und wie. Dann der Höhepunkt in Form eines Heilbuttfilets mit Noilly Prat-Schaum. Und während der Küchenchef sich hinter verschlossenen Türen austobt, lässt der Hausherr den Gastraum glühen. Er entkorkt ein feine Bouteille aus dem Keller von Angelo Gaja. Well done!

Schwarzenegger wird immer wieder kommen. Der Terminator hat sich in den Kaiser­ schmarrn verliebt.

Auf Kaiserschmarrn & Co. in die Tenne So ein Kitz-Slalom hat es ganz schön in sich. Aber hilft nichts, da muss man durch. Am Restaurant Tenne kann man in der Gamsstadt nicht vorbeiwedeln. Das gehört dazu. Schon sehr lange. Als die legendäre Audi-Night hier noch das Pflaster zum Brennen brachte, glamourte es in dem altehrwürdigen Haus in allen Ecken. Seit der heißeste Side-Event hier nicht mehr gastiert, ist es promimäßig ruhiger geworden. Einer wird jedenfalls immer wieder kommen. Arnie Schwarzenegger. Der Terminator hat sich in den Kaiserschmarrn verliebt. In den von Frau Birgit, die seit vielen Jahren die Patisserie leitet.

Ihr Boss ist neu im Haus und in Kitzbühel. Sandro Balogh, der zuletzt im Hotel Bayerischer Hof München am Herd stand. Große Veränderungen musste er nicht vornehmen, einfach die traditionelle Küchenlinie des Hauses brav weiterführen. Jene, welche die Stammgäste zu schätzen wissen. Wobei Balogh mit ein paar modernen Würzungen schon seine eigene Handschrift dezent einfließen lässt. Das zeigt er gleich beim nicht alpenliken Entrée: gerösteter Pulpo mit schwarzem Bohnenragout, Rosmarinpolenta und Chilisauce. In der Hauptgerichte-Kategorie sticht der Rehrücken aus heimischer Jagd hervor. Mit Grießknödel, Wirsing und Pfefferkirschen. Auf den Punkt zubereitet, ohne Chichi zu Teller gebracht. Eine Seezunge darf man nicht übersehen, wenn sie auf der Karte gesichtet wird. Sandro umspielt diese mit Mandelbutter und Blattspinat. Dafür gibt’s Daumen nach oben. Last but not least wandeln wir auf Schwarzeneggers Spuren und lassen ihn kommen. Den Kaiserschmarrn. I’ll be back. Steakhouse am Abschlag Was treibt uns auf einen Golfplatz im Winter? Der melancholische Charme? Impressionen einer unendlich weiten weißen Hügellandschaft und kitschig romantischer Schneewelt? Sicher nicht. Für Timeout-Szenarien sind wir nicht angetreten. Ein als Clubhaus getarntes Steakhouse hat uns neugierig gemacht. Das Kaps. Lukas Muntigl schlägt mächtig ab und definiert hier seit dem Sommer den richtigen Garpunkt des Fleisches. Lukas ist kein Unbekannter im Kitzer Gastro-Universum, schließlich hat er noch bis vor Kurzem gemeinsam mit seinem Vater das „Rehkitz“ unter Dampf gesetzt. Jetzt macht er sein eigenes Ding, im Verbund mit Restaurantleiter Daniel Lebmeier.

Frau Birgits Gefühl für das Süße. Sie zaubert in der Tenne eine Patisserie, die auch für Arnie zum Lockstoff wird

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Wo ein Griller, da ein Weg – wer sinnlichen Genuss schätzt, vom Steak über Burger bis Fisch, ist nahe des Kaminfeuers im Restaurant Kaps gut aufgehoben

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LOIS STERN Außeralpine Meditation im Zentrum von Kitz – zusammen mit Maria setzt er auf das Anderssein, auf asiatische Raffinesse mit einem Hauch von Frankreich

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Hier am Fuße der Nobelabsteige Arosa. Auf der Hitze des Lavasteins bringt er das Dry Aged Rib-Eye zum Schwitzen und offenbart es mit drei hausgemachten Saucen. Muntigl will mehr für seine Gäste und kredenzt ihnen Wagyu-Rind aus Oberndorf. Die sauteuren Gustostückerl lassen Fleischtiger Dankes-Hymnen anstimmen. Und dann kommt der junge, innovative Küchenkünstler mit einem Topf zu Tisch. 300 Grad heißes Salz, Rosmarin, Thymian, Basilikum, Limetten- und Orangenzesten und dann die Kingsize Tiger Prawns drauf. Heißes Wasser über Salz und Zutaten, Deckel drauf. Eine Minute warten. Fertig. Die Garnelen schmiegen sich an den Gaumen und erzeugen ein Wow-Erlebnis. Schön glasig, à point. Für Fleisch-Verweigerer tanzt Lukas mit gegrillter Seezunge an, die im Ganzen auf dem Lavastein zum kulinarischen Erlebnis wird. Dann lässt er noch Schlutzkrapfen mit Graukas-Füllung vom Stapel. Und Schluss. Er kann’s, und das zeigt er auch. Im Clubhaus des Golfplatzes. Hole in one! Wenn Kitz nach Asien und in die Welt schaut Edamame-Bohne, Maldon-Salz und Olivenöl. Das Amuse-­ Bouche? Im Ernst? Ja. Die junge Sojabohne gibt den gesunden Kick, das Salz protzt mit englischem Flair und das Olivenöl lässt sich der Wirt in eigenen Flaschen abfüllen. Keine Holzdecken weit und breit. Keine angedirndelten Servicekräfte. Keine Tiertotenschädel an der Wand. Ein Ort der außeralpinen Meditation tut sich auf. Tatsächlich, wir sind noch in Kitzbühel, und zwar mittendrin. Lois und Maria Stern haben sich in der Josef-PirchlStraße, unweit der berauschenden City, Asien mit einem bisserl Frankreich hingestellt. Junger Style, cooles Industrial Design, edles, cremiges Farbenspiel und eine sich weit in den Raum öffnende Kocheinheit. Diesen Traum haben sich die beiden nicht erst jetzt – in den superschicken Asia-Superfood-Zeiten – erfüllt. Nein, es war schon vor 24 Jahren. Als schräge Exoten wurden sie in den 1990ern angeschaut. Die einen fanden es okay, andere konnten mit dem Konzept gar nichts anfangen. Heute sitzen sie alle harmonisch aneinandergekuschelt da. Die deutsche Industriellen-Gattin mit dem Pelzmanterl und der Einheimische in der Lederhose. Auf den Tisch kommt, was sich Lois Stern in den Kopf setzt. Zum Start eine „Tom Kha Gai“ Kokos-Chili-Suppe, die den Reigen der Individualität des Koches eröffnet. Fortsetzung folgt: Wildgarnelen mit Gemüse aus dem Wok mit Zitronengras und Jasminreis. Dann das gelbe Thai Curry mit französischer Maishendlbrust, gerösteten Erdnüssen und Thaibasilikum. Zwischendurch ein Heilbutt-Ceviche mit Schalotten, Koriander, Minze und Datterino-Tomaten. Beschlossen wird mit der Yuzu-Crème brulée mit Nougateis. Wo isst man hier eigentlich? In einer FrankoAsia-Welt, im Stern-Himmel. Wie auch immer. Das ist Kitzbühel-­ Kulinarik der anderen Art. Liebe Sterns, danke fürs Durchhalten!

Asia-Food, und das seit 24 Jahren – die Qualität des rohen Fisches macht Appetit auf mehr

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SHAKE ON… Er macht die honorigen Gäste des KITZ-RACE-Clubs mit seinen hochprozentigen Mixturen happy. Robert Pölzl ist seit zehn Jahren der Mastermind hinter der edlen Red Bull-Bar.

text: ALEXANDER RINNERHOFER fotos: PHILIPP HORAK

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Die gigantische VIP-Oase, KITZ-RACE-Club, am Fuße des Hahnenkamms gleicht einer Bastion. Bewacht von der strengen Security-Crew, geht hinter den weißen Zelt-Planen die Post im Glanz & Glamour-Style ab. „The place to be“ während der Hahnenkamm-Renntage. An der KITZ-RACE-Club-Pforte sind schon zahlreiche prominente Persönlichkeiten gescheitert, wenn sie nicht mit den passenden Zugangs-Utensilien ausgestattet waren. So mancher Politiker oder Schauspieler musste zurück ins Hotelzimmer, um seinen vergessenen Pass zu holen, denn ohne diesen geht gar nichts. Einer hat sein All-area-access-Band seit zehn Jahren am Handgelenk fix montiert und geht in den heiligen Hallen von WWP-Boss Harti Weirather ein und aus. Robert Pölzl. Der 38-Jährige leitet das zehnköpfige Barkeeper-Team der mächtigen Red Bull-Bar, die das Herzstück des VIP-Tempels bildet. Drei Tage

lang wird hier geschüttelt und gerührt, was das Zeug hält. 6000 Cocktails, hunderte Flaschen Wodka, Gin, Rum & Co., 80 Stunden im Mix-Einsatz, 120 Minuten Schlaf pro Nacht. Zahlen, die den gebürtigen Steirer nicht erschrecken, denn mit Groß-Events kennt er sich aus. Audi quattro Ski Cup, Ennstal-Classic, Red Bull Dolomitenmann, Red Bull Air Race, Leonidas-Sportgala, Wings for Life-Events. Dort, wo promimäßig der Rauch aufgeht, ist auch Pölzl mit seinen Bars vertreten. Der ehemalige Kicker des legendären Fußballvereins GAK, der nach seiner aktiven Karriere Sport- und Medien-Management in Graz studierte, eine Ausbildung zum Heilmasseur machte und die Prüfungen zum Ski- & Snowboard-Lehrer ablegte, traf vor 15 Jahren eine zukunftsweisende Entscheidung. Die Cocktailbar wird seine Welt.

Wo Robert Pölzl draufsteht, ist verlässliche Cocktail-Action drin. Mit seinem zehnköpfigen Team sorgt er im VIP-Tempel für Getränke-Kult

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Wer viel Schlaf braucht, ist im Barkeeper-Business fehl am Platz. Rund 6000 Cocktails – geschüttelt und gerührt – werden in den Kitzbüheler Partynächten gemixt und getrunken

Erstmals Bar-Feuer gefangen hatte der Steirer im Alter von 19 Jahren. Er war auf der Suche nach einem Nebenjob und fand diesen in der „Copacabana“. Die damals schwer angesagte Cocktail-Bude am Schwarzlsee bei Graz. Dort lernte er auch seinen Mentor Börni M. kennen, der ihm bei den ersten Schritten mit Shaker & Rührstab hilfreich unter die Arme griff. Börni erklärte ihm, was es denn bedeute, ein Barkeeper zu sein. Dass es in diesem Beruf um weit mehr geht, als Alkohol, Eis und diverse Säfte zu einem Cocktail zu mixen. Der Barmann ist Entertainer, Zuhörer, Seelsorger und bester Freund für gewisse Stunden am Tresen. Pölzl hatte sich die Ratschläge von Börni zu Herzen genommen, begann, Fachbücher zu studieren, schaute Kollegen über die Schultern und bildete sich in Workshops und diversen Schulungen weiter. Mit 23 Jahren startete Pölzl endgültig sein Profibarkeeper-Dasein und managte zunächst Bars diverser Nobelhotels in Tirol, Salzburg und der Steiermark während der Wintersaisonen. 2008 stellte ein Engagement bei Österreichs größter Gastro-Messe „Alles für den Gast“ in Salzburg die wichtigste Weiche für seine Zukunft. Red Bull fand Gefallen an dem smarten und talentierten Barmann. Die Folge: Pölzl bekam den Auftrag, die coole Red Bull-Bar bei Großevents zu übernehmen. Eine Megachance, die ihn in ganz neue Dimensionen katapultierte. Heute, zehn Jahre später, shakt er sich im berühmtesten VIP-Zelt der Welt für die Schönen, Reichen, Stars und Sternchen weg. Er weiß ganz genau, wer welche Vorlieben in Sachen Cocktails hat. Aber Verschwiegenheit steht bei ihm an erster Stelle. Das eine oder andere G’schichtl lässt sich Pölzl dann aber doch aus der Nase ziehen. So erinnert er sich an eine amüsante Bar-Situation mit Moderator und Ex-Skiracer Armin Assinger. Der Kärntner wollte unbedingt einmal hinter dem Tresen ins Rennen gehen, und so holte ihn Pölzl an seine Seite. Gemeinsam ließen es die beiden mit dem Shaker in der Hand so richtig krachen. Heuer werden sicher wieder einige nette Bar-Storys von VIPs dazukommen. Aber: „Was an der Bar passiert, bleibt an der Bar“, verspricht der Profi. Gut so.

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Worauf sich die Gäste des KITZ-RACE-Clubs heuer gefasst machen können, darf an dieser Stelle ruhig verraten werden: „Die Mausefalle“ (3 cl Olmeca Blanco Tequila, 1 cl De Kuyper Cherry Brandy Likör, 1 cl Pulco Zitronensaft, ½ Dose Red Bull Winter Edition. Dekoration: Pflaume, Vanilleschote und Zimtstange), der „Old Snowman“ (3 cl Campari, 1 cl Martini Rosso, 2 Schuss Orange Bitter, 1 Schuss Soda, Eis, mit Red Bull Winter Edition aufgefüllt) und der „Tellerlift“ (3 cl Beefeater Gin, 1 cl Monin Kiwi Püree, 10 cl Apfelsaft, 1 cl Monin Mojito Mint Sirup, 1 cl Pulco Zitronensaft, Eis, frische Äpfel, Kiwi, Minze und Red Bull Green Edition). Na prost! Neben den heißen Drinks aus der Pölzl-Mixwerkstatt wird das Thema Nachhaltigkeit erstmals hinter der Bar am Fuße des Hahnenkamms eine große Rolle spielen: „Wir möchten unseren Beitrag zum Thema Umweltschutz leisten und werden auf Plastiktrinkhalme sowie auf nicht essbare Garnituren verzichten“, sagt der Wahl-Oberösterreicher, der mit seiner Ehefrau und drei Kindern in Altheim lebt. Robert Pölzl ist nicht nur hinter der Bar ein Meister seines Faches, auch geschäftlich lässt er nichts anbrennen. 2017 wurde das Unternehmen BillionBars gegründet, das Bar-Catering vom Feinsten für Großevents anbietet. Zudem kam das erste Buch auf den Markt. Darin stellt Pölzl seine Kreationen und Visionen rund um das Thema Cocktails vor: „Highballs und Longdrinks sind bei mir ganz vorne mit dabei. Ich verwandle diese mit modernen Techniken und Geschmäckern in neue Kreationen. Besonders stolz bin ich, dass meine Drinks es auf die Karten zahlreicher Bars in Österreich geschafft haben.“

Das Buch BillionBars kann auf Amazon oder www.billionbars.com bestellt werden. Ein Euro pro Exemplar geht an das Charity-Projekt von Heinz Kinigadner „Wings for Life“.


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S C H LUS S W O RT

Essay

VIELE HELDEN

UND EIN HELM von MICHAEL HUFNAGL

Stundenlang fuhr ich in meiner Kindheit mit dem Fahrrad im Hof unter unserer Stadtwohnung im Kreis. Und in meinen Gedanken war ich dabei immer Bernard Hinault, der wieder einmal Francesco Moser besiegen musste. Als ich dann den Tennisschläger in der Hand hielt, musste ich unbedingt Björn Borg darstellen und Jimmy Connors den Pokal wegschnappen. Und wenn ich in den Park zum Fußballspielen ging, fühlte ich mich wie Herbert Prohaska, der mit jedem Haken, jedem Trick und jedem Tor Hans Krankl alt aussehen ließ. Identifikation war wichtig. Ohne Idole wäre für uns Buben der Sport nur halb so lustig gewesen. Daher wünschte ich mir zu einem meiner Kinder-Geburtstage nichts so sehnlich wie einen Ski-Helm. Einen rotweißroten. Es musste unbedingt ein rotweißroter sein. Wie jener, den Franz Klammer trug, als er 1976 nicht einfach nur Olympiasieger in der Abfahrt wurde, sondern auf einzigartige Weise als Favorit und Publikumsliebling dem Erwartungsdruck einer ganzen Nation standhielt und mit einer spektakulären Fahrt auf dem Innsbrucker Patscherkofel jene Goldmedaille eroberte, die bei fantasievoller Betrachtung irgendwie auch mir gebührte. Zu dieser Zeit war es unüblich, dass die Menschen auf den Skipisten des Landes Helme trugen. Dieses Zugeständnis an Vernunft und Sicherheit sollte sich erst Jahrzehnte später entwickeln. Aber für mich war der Helm ein Statussymbol. Eine Trophäe. Ich wollte keine Mütze. Keine Haube. Kein Stirnband. Ich trug den Helm, wann immer ich konnte. Auch abseits aller Schneehänge. Ich wollte nur eines: Klammer sein. Zu jeder Zeit. An jedem Ort. Als Klammer erkannt werden. Als Klammer gefeiert werden. Und ich erinnere mich noch an den Satz meiner Mutter: „Wir essen, nimm also bitte wenigstens jetzt den Helm vom Kopf.“

Erst Jahre später durfte ich zum ersten Mal in meinem Leben am Rande der Streif stehen. Und jenes Staunen erleben, das niemand so sehr zur Vollendung brachte wie die Abfahrtshelden. Die Crazy Canucks Podborski, Read und Brooker, die feindlichen Schweizer Müller, Heinzer und Cathomen, und die österreichischen Stars, die im Höllentempo an mir vorbeischossen: Wirnsberger und Weirather, Höflehner und Resch, Stock und Spieß. Sie alle offenbarten mir in jeder Schräglage und mit jedem Sprung, welchen Wert ein einziges Skirennen haben konnte. So oft bin ich in der Hocke über die Pisten geflitzt, um zu sein wie sie – Abenteurer, waghalsiger Pilot, Siegertyp im Grenzbereich. Aber erst die Nähe in Kitzbühel hat mich begreifen lassen, was Athletik, Geschwindigkeit und Risikobereitschaft wirklich bedeuten. Die Abfahrer haben im Ski-Land Österreich immerzu den Traum vom Spitzenanspruch verkörpert, ihre Triumphe sollten stets zum Selbstverständnis einer Republik werden. Mehr als in jeder anderen Sportart. Das ist ein Wollen, ein Sehnen, ein Glauben an das Wir-Gefühl, wie es nur auf zwei Brettln im Schnee möglich ist. 1984 gewann Franz Klammer, zu diesem Zeitpunkt 31 Jahre alt, ein viertes Mal in Kitzbühel und schenkte den Zuschauermassen eine letzte Franzi-Franzi-Ekstase. Eine Saison danach beendete er seine Karriere. Viele Jahre später traf ich ihn zu einem großen Interview über den Skisport, den Patriotismus und das Leben. Den rotweißroten Helm ließ ich damals daheim. Die Ehrfurcht vor dem großen Ski-Idol hingegen hatte ich noch immer dabei. Und nie wieder sollte ich mich so österreichisch fühlen.

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Elektro

ist jetzt

quattro. Mehr persönlicher Freiraum für selbstbestimmte Mobilität: Als erstes Serienfahrzeug kann der Audi e-tron an Schnellladesäulen mit 150 kW Gleichstrom geladen werden und ist damit in 30 Minuten wieder startklar für die nächste Langstreckenetappe. Seine leistungsstarke Hochvoltbatterie garantiert eine alltagstaugliche Reichweite von 400 Kilometern*. Für optimale Traktion und Dynamik sorgt eine neue Generation des quattro Antriebs. www.audi.at/etron gemessen nach WLTP-Fahrzyklus. CO₂-Emission in g/km: 0.

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KITZRACE Inside 2019  

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