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aha! magazin Themenheft Allergien und Sport

Mit Asthma aufs Podest Seite 20

Beat Villiger spricht Klartext Seite 24

Noemi Zb채ren startet durch Seite 30

Mit Asthma leben und skoren RZ_aha_Magazin_Spotlight_temp_de.indd 1

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Themenheft Allergien und Sport aha! magazin

Im Brennpunkt

Ja zu Sport, ja zu Lebensqualität

Liebe Leserin, lieber Leser Vor Ihnen liegt die erste Ausgabe des neu lancierten aha!magazins. Jedes Jahr greift die Stiftung aha! Allergiezentrum Schweiz ein Thema aus dem breiten Allergienspektrum auf, das für die Betroffenen und ihre Betreuenden von besonderer Wichtigkeit ist. Um dieses Schwerpunktthema möglichst lebensnah, aktuell und nutzbringend anzugehen, beleuchten wir es mit verschiedenen unserer Angebote und auf verschiedenen unserer Kommunikationswege. Diesen Themen möchten wir nun einen besonderen Rahmen geben und haben zu diesem Zweck das aha!magazin ins Leben gerufen. Sie als Leserinnen und Leser sollen hier in ansprechender Gestaltung ein Füllhorn an interessanten Informationen mit entdeckenswerten Facetten zur abwechslungsreichen Lektüre erhalten.

Dass wir der ersten Ausgabe unseres Magazins das Thema Sport gewidmet haben, ist natürlich kein Zufall. Denn es verdeutlicht wie kaum ein anderes Thema unsere Grundhaltung und unser aktivitätsorientiertes Engagement in der Aufklärungs- und Präventionsarbeit für mehr Lebensqualität. Allergien können eine schwere Belastung darstellen und müssen ernst genommen werden. Mit den richtigen Informationen zur richtigen Zeit können die Betroffenen ihren Gesundheitszustand grundlegend verbessern und ihre Lebensqualität deutlich erhöhen. Diese Erfahrung dürfen wir bei unseren Schulungen, ganz besonders aber bei unseren beliebten Sportangeboten immer wieder machen: etwa im spannungsgeladenen Finalspiel eines aha!cup-Fussballturniers für Kinder oder beim begeisternden Zieleinlauf einer Mannschaft von Kindern mit Allergien beim Grand Prix von Bern. Mit fundierten, fachlich abgestützten Informationen und mit der richtigen Begleitung ist für Menschen mit Allergien Sport ganz klar gesundheitsfördernd. Sie werden diese Botschaft auf jeder Seite unseres Magazins wiederentdecken. Sie werden faszinierende und mutmachende Beispiele von Sportgrössen präsentiert erhalten, die auch für uns im Alltag Vorbilder sein können. Sie werden erleben, wie sich trotz oder vielleicht sogar wegen allergiebedingter Einschränkungen Spitzenleistungen erzielen lassen. Wir sind überzeugt, dass unser neues Magazin für Allergiebetroffene Motivation sein kann, gesundheitsbedingten Einschränkungen im Alltag mit ­Gesundheitsförderung in eigener Sache entgegen­­zuwirken. Georg Schäppi Geschäftsleiter aha! Allergiezentrum Schweiz

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Themenheft Allergien und Sport aha! magazin

Inhalt 6 11 13 14 16

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Check

Im Bundesamt für Sport setzt man auf den Ruhe-Lungenfunktionstest.

Marco Gruber ist ein Paradebeispiel, wie man mit Asthma Spitzensport betreiben kann.

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Prof. Dr. Arthur Helbling glaubt, dass Allergien weitgehend therapiert werden können.

Tribüne

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Ein Hausbesuch beim Schweizer Sportarzt und Dopingbekämpfer Dr. Beat Villiger.

Alles im Griff: Jan van Berkels trainiert heute dank gezielter Medikation beschwerdefrei. Nahaufnahme

Allergien im Amateurfussball: eine Bestandesaufnahme. Ein Blick in den ganz normalen Schulalltag. Novak Djokovic: Aufstieg dank glutenfreier Diät.

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Labor

Atemmuskeltraining ist wichtig, meint Sportphysiologin Christina Spengler Walder. Fragestunde

Zehn Stichworte für die Spitzenhürdenläuferin Noemi Zbären. Gut beraten

Wichtige Tipps und Tricks. Zum Lesen gern

Eine Auswahl von Publikationen zum ­Thema Allergien und Sport. Gegenüber

Die ehemalige Spitzenläuferin Anita ­Weyermann im Interview.

Impressum Herausgeber aha! Allergiezentrum Schweiz Scheibenstrasse 20 3014 Bern Postfach 1 Konzept und Realisation ZB Werbung AG Redaktion Denise Jeitziner, Miriam Kolly, Fabian Rottmeier, Denis Jeitziner Druck Stämpfli Publikationen AG, Bern Auflage 10’000 Exemplare

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Foto: Oliver Menge

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Spiel ohne Grenzen Nichts unterscheidet Marco Gruber von anderen Spitzensportlern. Ausser, dass dem Davoser manchmal der Schnauf ausgeht.

Davos. Die Schweizer Hockeygemeinde schlechthin. Hier ist er aufgewachsen. Hier hat er seine ersten Schritte auf dem Eis absolviert. Und hier hat er auch erstmals bemerkt, dass etwas mit seiner Atmung nicht stimmt. «Ich war vielleicht zehn Jahre alt. Nach anstrengenden Sequenzen musste ich oft husten. Zuerst dachte ich noch an eine Erkältung. Aber dann hörte das Husten nicht mehr auf.» Gruber suchte mit seinen Eltern einen Arzt auf. Er absolvierte spezifische Tests und bald darauf wurde bei ihm Leistungsasthma diagnostiziert. «Das war keine schwierige Diagnose. Ich hatte Die Eishalle Schoren in Langenthal liegt auf einer leichten schlechte Lungenwerte und der Arzt leichtes Spiel herausAnhöhe. Im gegenüberliegenden, schattigen Waldstück zufinden, was es war.» sagen sich bestimmt Fuchs und Hase täglich gute Nacht. An diesem Morgen ist es fast schon gespenstig beschaulich. Gruber denkt eigentlich praktisch nie mehr an diese Es ist die Ruhe nach dem Sturm. Der lokale SC Langenthal Zeit zurück. «Ich weiss, dass etwas war, aber wir haben hat soeben den grössten Erfolg seiner Vereinsgeschichte rasch eine Lösung gefunden, so dass ich keine speziellen geschrieben und mit dem Sieg gegen den hoch favorisierten Erinnerungen daran habe – schon gar keine schlechten.» HC Lausanne die NLB-Meisterschaft gewonnen. Fast 5000 Zuschauer haben sich am Vorabend in die Halle gezwängt. Unvorstellbar, wenn man das Oval am Tag danach betritt. Es herrscht gähnende Leere. Die heilige Garderobe des SCL erreicht man nach einem Irrlauf durch enge Katakomben. «1. Mannschaft» steht in striktem Blau an der Kabinentüre geschrieben. Wir aber dürfen trotzdem und ohne anzuklopfen rein. Weil wir mit jemandem unterwegs sind, der hier zuhause ist: Marco Gruber, 29-jährig, ursprünglich aus Davos, Stürmer beim Schlittschuhclub Langenthal. Gruber nimmt uns direkt in den Vorraum der Garderobe mit – ins Reich von Materialverwalter und Chauffeur Jürg Hegi. Dieser verkörpert so etwas wie das Gewissen der Umkleidezone: Immer hier, sonst da und vor allem dort, wo man ihn braucht. Die Stimmung ist gelöst. In der Garderobe dasselbe Bild. Es herrscht Ordnung. Jeder Spieler hat seinen zugeordneten Platz. Verteidiger Marc Wolf ist soeben zum freiwilligen Training erschienen. Ersatzgoalie Marco Mathis hat mit Goalietrainer Stephan Siegfried Überstunden geschoben. Marco Gruber fühlt sich sichtlich wohl in seiner neuen Heimat. Seit vier Jahren spielt er bereits im Oberaargau. Und trotzdem: Nach dem Ende seiner Karriere zieht es Gruber nach Aarau, wo er sein Masterstudium in Biomedical Engineering beginnt. Seine richtige Heimat aber ist

«Das war keine schwierige Diagnose.»

Das Einzige, woran sich der Eishockey-Profi erinnert, ist, dass er ab sofort immer einen Asthmaspray dabei hatte und regelmässig davon Gebrauch machte. Aber der gelernte Konstrukteur weiss auch noch genau, dass er den besagten

Das Leistungsasthma Das Leistungsasthma, auch als Belastungsasthma bekannt, tritt bei oder nach schweren Anstrengungen auf – meistens bei schnellem, erhöhtem Atmen in kalter, trockener Luft. Es ist sehr verbreitet bei den nordischen Wintersportlern. Meistens halten die Beschwerden 5 bis 15 Minuten nach der Anstrengung an. Selten können die Beschwerden auch erst Stunden nach der Anstrengung auftreten. Tipps: Während des Sports Kaugummi kauen; so ist der Mund beschäftigt und die Nase muss die Atmung übernehmen. Wer schon an einem allergischen Asthma leidet, entwickelt oft auch ein Belastungsasthma (umgekehrt nicht). Bei Menschen mit Belastungsasthma kann jede körperliche Anstrengung einen Asthmaanfall auslösen.

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Spray das eine oder andere Mal einfach vergass. Einge- weiss hingegen ­höchstwahrscheinlich nicht mal, dass ich schränkt hat es ihn trotzdem nie. Gruber hat gelernt, mit Asthma habe.» Asthma zu leben. Und zu spielen. Eine gewisse Gelassenheit hat sich breitgemacht. Die Vorbereitungen in der Garderobe laufen. Marco Gruber bindet seine Schlittschuhe, zieht sich um, wie er das Auch in seinem heutigen Umfeld wird um seine Krankheit kein Aufsehen gemacht. Weder Trainer noch Mitspieler haben jemals reagiert. «Viele haben es gar nicht gewusst. Und dies, obwohl ich den Spray nie verdeckt eingenommen habe – im Gegenteil.» Das Erstaunliche dabei: «Die Trainer von früher wussten schon tausend Mal gemacht hat. Doch statt eines Griffs immer Bescheid über mein Asthma – mein jetziger Coach zu den Medikamenten macht sich der Bündner schon

Foto: Oliver Menge

«Viele haben es gar nicht gewusst.»

Marco Gruber spielt seit 20 Jahren Eishockey – trotz Asthma.

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Marco Gruber (29) hat das Eishockey-ABC in seiner Heimat Davos erlernt. Nach seiner Zeit bei den Junioren des HC Davos wechselte er in die Organisation der GCK Lions. Seit vier Jahren spielt er beim NLB-Spitzenclub SC Langenthal, mit dem er kürzlich die NLB-Meisterschaft gewann. Gruber hat seine Karriere im April beendet. Er hat seinen Bachelor in Life Science Technologies an der FHNW erlangt, beginnt nächstens mit dem Masterstudium in Biomedical Engineering und möchte danach eine Herausforderung in der Arbeitswelt annehmen. Marco Gruber spielt seit Kindesbeinen mit der Nummer 13 – es ist seine Glückszahl.

auf den Weg in die Halle. «Den Inhalator verwende ich täglich, meistens am Morgen – den Asthmaspray hingegen höchstens bei Bedarf, zum Beispiel vor einem Spiel», erklärt er.

­ruber nicht, dass er wegen seines Asthmas mehr G ­leisten muss als seine Kollegen. «Ausdauer ist einer der entscheidenden Faktoren – und die Ausdauer ist meine Schwäche», lacht er und fährt fort. «Das hat aber nichts mit dem Asthma zu tun. Dafür bin ich schneller als Und trotzdem hat auch Gruber seine (schlechten) Erfah- andere ...» rungen mit der Krankheit gemacht. «Das war vor ca. sechs Jahren bei einem Spiel mit den GCK Lions. Ich fing Asthma ist in der Garderobe des SC Langenthal nie einen extremen Husten ein, worauf mir der Arzt zu einer ein Thema. Und dies, obwohl Marco Gruber weiss, Lungenspiegelung riet. Seit diesem Zwischenfall und dass er längst nicht der einzige Spieler ist, der sich der entsprechenden Medikamentendosierung gehts mir damit herumschlägt. Dass Asthma unter den Spieeigentlich super», so Gruber. Inzwischen hat der Davoser lern nicht mehr diskutiert wird, hat damit zu tun, dass ­M edikamente gegen Asthma nicht mehr auf der Dopingliste stehen. «Im ­­G e­g en­s atz zu früher; da brau­­ chte es eine Bewilligung. Heute reicht ein Nachweis des Arztes.»

Asthma ist in der Garderobe des SC Langenthal nie ein Thema.

gelernt, damit zu leben. Er benutzt präventiv den Inhalator und den Asthmaspray. Von Ersterem ist er speziell begeistert. «Es öffnet die Lunge, schützt vor Atembeschwerden und ist einfach praktisch.» Gruber kommt vom Training zurück. Vollgeschwitzt, erschöpft, aber mit einem Lächeln auf den Lippen. «Ich verspüre heute keine Einschränkungen.» Auch denkt

Für Marco Gruber ist klar: Er wird auch nach seiner ­Karriere als H ­ ockeyspieler dem Sport treu bleiben – speziell dem Biken. «Für mich gibt es keine Grenzen. Ich weiss zwar, dass ich immer bis zu einem gewissen Grad auf die Medi­k amente ­a ngewiesen bin, aber ich verspüre keine Nebenwirkungen und hoffe, dass dies so bleibt. Ich lasse mich jedenfalls nicht einschränken und binder Meinung, dass Asthma für viele Sportler kein Problem ist – sofern sie sich mit der Krankheit aus­- einandersetzen. Und sich helfen lassen.»

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Tribüne

Ohne Einschränkung Ich hatte schon immer Atemprobleme, wenn es heiss war. Am Anfang dachte ich einfach, das sei Teil des Wettkampfschmerzes, und habe mich durchgebissen. Beim ersten Test in Davos haben die Ärzte dann herausgefunden, dass ich unter stark leistungs- und allergieinduziertem Asthma leide. Höchste Zeit für mich, mit meinem Sportarzt über Medikation und weitere Massnahmen zu reden. Allein durch Inhalationssprays und den gezielten Aufenthalten in der Höhe habe ich es inzwischen geschafft, mein Asthma zu besänftigen. Dank meinem Höhentraining konnte ich zudem den Pollen und der Luftverschmutzung aus dem Weg gehen – und der Höheneffekt hatte erst noch eine positive Auswirkung auf meine Leistung. Heute habe ich meine Atemprobleme vollstänJan van Berkel (26) aus Winkel (ZH) war Vizeeuropameister dig im Griff. Ich bin der im Team und Schweizer Meister im Triathlon. Meinung, dass wenn ein stark ­eingeschränkter Spi­ t zensportler wie ich es an die Olympischen Spiele schafft, das genug Motivation für alle anderen Asthmatiker sein sollte, Sport zu treiben. Ich bin der lebendige Beweis dafür, dass eine systematische Behandlung Lebensqualität und Leistungsfähigkeit nicht einschränkt. Die durch den Sport gewonnene Fitness hilft mir ausserdem, in allen Situationen des Alltags, meine körperlichen und geistigen Anstrengungen besser zu überwinden.

Foto: zvg

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Aufgrund meiner Leistungen verfüge ich ausserdem über ein erhöhtes Selbstvertrauen und kann fokussiert meine Ziele anpeilen. Und erreichen. Dank gezielter Medikation bin ich heute im Alltag und im Training beschwerdefrei. Mein grosses Ziel ist der olympische Triathlon. Er findet am 7. August 2012 statt. Drücken Sie mir die Daumen. Jan van Berkel

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Es lebe der gesunde Menschenverstand Ein Augenschein bei einem lokalen Berner Fussballverein zeigt: Das Thema Allergie ist präsent und steht trotzdem nicht im Vordergrund.

im Eintrittsgespräch darauf aufmerksam gemacht – im Speziellen bei Allergien wie Asthma oder Bienenstichallergien. Danach nimmt das Kind jeweils automatisch seine ­eigenen Medikamente wie beispielsweise den Inhala­ tionsspray mit.»

Martin Abbühl ist seit 40 Jahren Fussballer mit Leib und Seele. Als Knirps stand er beim lokalen Rot-Weiss Bümpliz auf der Matte. Der Fussball hat ihn sein ganzes Leben begleitet. Heute ist «Tinu» ­K inderfussballverantwortlicher des FC Muri Gümligen. Er ist erstaunt, als er auf das Thema Allergie und Sport angesprochen wird. «Ich bin jetzt seit 1973 lizenzierter Fussballer, aber mit dem Thema Allergie wurde ich bisher nur am Rande konfrontiert», so seine Feststellung. Selbst klassische ­A llergiebeispiele wie Heuschnupfen ändern nichts an der Tatsache, dass sich Abbühl in der Vergangenheit nicht an ein bleibendes Ereignis zu erinnern vermag. «Es gab sicher mal ein Spieler mit einem Bienenstich. Oder vielleicht hatte mal jemand einen Asthmaspray dabei – das war aber alles.» Nach dem Training die konkrete Frage an den Trainer: Wie viele Spieler mit Allergien hat Abbühl in seiner Mannschaft? «Ich trainiere aktuell 14 Buben – davon haben zwei leichtes Asthma.» Vergleicht man diesen Durchschnittswert mit Werten aus den anderen Juniorenteams im Verein, kommt man zu ähnlichen Resultaten. Pro Team gibt es etwa ein bis zwei Allergiker. Wie aber erfährt ein Juniorencoach wie Martin Abbühl, ob ein Kind Allergiker ist oder nicht? «Das ergibt sich ganz natürlich. Wir befragen die Kinder und Eltern vor dem Eintritt in den Verein, ob sie gesundheitliche Gebrechen haben. Normalerweise werden wir von den Eltern

Foto: Oliver Menge

Was aber, wenn es während eines Spiels zu einem Ein Pfiff, und es herrscht Ruhe: Die Jungs von E-Junioren- Zwischenfall kommt; einem allergischen Anfall oder einem Trainer Martin Abbühl lernen schon früh, dass im Sport Bienen- beziehungsweise Wespenstich? «Insekten­­­s tiche eine gewisse Disziplin erforderlich ist. Mit ruhiger und werden vor Ort behandelt. Bei Asthmaanfällen kommt ein trotzdem energischer Stimme erklärt Abbühl seinen 10- bis 11-jährigen Schützlingen das Ziel der heutigen Trainingseinheit.

Spray zum Einsatz, den ein Allergiker stets selbst dabei hat. Ich muss aber nochmals betonen, dass ich in den letzten 40 Jahren keinen ernsthaften Fall erlebt habe», so Abbühl zum Schluss.

PS:

Eine spontane und nicht repräsentative Umfrage bei einigen anderen Fussballvereinen in der Region Bern ergab, dass auch diese keine besonderen Vorkehrungen im Zusammenhang mit Allergien treffen. Und dass bis anhin keiner der befragten Vereine negative Erfahrungen gemacht hat. Beim Schweizerischen Fussballverband verweist man in erster Linie auf die Unterschiede zwischen Profi- und Amateurfussball. Verbandsarzt Dr. Cuno Wetzel: «Bei den Profis werden alle Spieler in einer Eintrittsuntersuchung unter anderem auf Allergien untersucht. In unserem medizinischen Konzept ist auch Doping ein wichtiges Thema. Bei den Amateuren ist ein solcher Aufwand natürlich nicht möglich.»

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Mündliche Prüfung im Spitalbett

René Zahno, Leiter Berufs- und Lernberatung, Feusi Bildungszentrum.

seine Schützlinge – auch in Sachen Allergien. «Zum ersten Mal wurde ich vor über 20 Jahren mit dem Thema konfrontiert. Ein Ruderer, der Bäcker werden wollte, hatte eine Mehl­ staub­allergie und absolvierte anschliessend unsere Sporthandelsschule», erinnert sich Zahno. Und ergänzt: «Allergien und Intoleranzen haben bei unseren Schülern klar zugenommen, besonders die Pollenallergie und die Laktoseintoleranz wird häufig erwähnt.» Ein spezielles Konzept hat man bei Feusi aber nicht erstellt. «Das war bisher kein Thema. Weil die meisten Schülerinnen und Schüler von selbst zu uns kommen und mit uns über ihre Allergien reden. Ausserdem wissen die Studierenden, an wen sie sich wenden können.» Und trotzdem: Feusi hat auf die zunehmenden Allergiefälle reagiert. «Wir führen beispielsweise unsere Sportlager immer in höheren Lagen durch – damit kommen wir speziell den Pollenallergikern entgegen», erzählt Zahno.

Feusi ist im Mittelland eine Institution. Das Bildungszentrum Ähnlich grosszügig verhält sich das Bildungszentrum mit Disin Bern und Solothurn gibt es seit 60 Jahren – mittlerweile pensen. «Wir gehen vom gesunden Menschenverstand aus. gehören zum Beispiel die Feusi Sportschulen zu den drei Wenn jemand wegen einer Allergie oder akuter Anfälle den Turnunterricht nicht besuchen kann, wird er dispensiert.» Einzig bei längeren Abwesenheiten wird von den Schulleitern ein Arztzeugnis verlangt. «Wir hatten aber bisher keine Probleme.» Im Gegenteil: Feusi ermöglicht seinen Schülerinnen und Schülern bei Ausfällen, ihre Prüfungen in Ausnahmefällen auch mal zuhause zu schreiben. «Das funktioniert einwandfrei», weiss Zahno. «In der Sportschule gibt es Lerbedeutendsten in der Schweiz. In den über 80 Lehrgängen nende, die schon während Turnieren ihre Prüfungen geschriegehen insgesamt über 2000 Studierende ein und aus. Beson- ben haben.» ders die Sporthandelsschule und das Sportgymnasium sind auf Spitzen- und Leistungssportler/innen ausgerichtete, Ein gutes Beispiel, wie bei Feusi auf die Bedürfnisse von erfolgreiche und beliebte Grundausbildungen. Sie dauern Schülern eingegangen wird, ist Sandro von Bergen. Der beide zirka vier Jahre – abhängig von der Verfügbarkeit der 20-jährige Handelsschüler hat zwar keine Allergien, leidet Studierenden. jedoch seit Geburt unter Cystischer Fibrose – e­iner ­genetisch bedingten Stoffwechselerkrankung, die ­chronisch René Zahno ist Leiter Berufs- und Lernberatung und zustän- und fortschreitend verläuft. Sandro von Bergen hat sich dig für die Sportschüler von der 7. Klasse bis in die ­Private ­mittlerweile sowohl mit seiner Krankheit als auch mit seiHochschule Wirtschaft (PHW). Seit 29 Jahren begleitet er nen Lehrern arrangiert.

Die Allergien und Intoleranzen haben klar zugenommen.

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Wie geht man eigentlich mit Schülerinnen und Schülern um, die an Allergien leiden? Eine Ursachenforschung im Feusi Bildungszentrum in Bern.


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Als er eine Antibiotikakur im Spital machen musste, durfte er seine mündlichen Prüfungen im Spitalbett absolvieren. «Alles war professionell organisiert und verlief ­problemlos.» Im Gegensatz zu früher, als Sandro noch in der öffentlichen Schule das Gymnasium besuchte, wird bei Feusi auf Sandros Krankheit Rücksicht genommen. «Für uns

Das hat auch Yannick Kohler schon erfahren. Der 20-jährige Handelsschüler hat eine Hausstaub-, Milben- und Tierhaarallergie. Er spielt bei den ambitionierten A-Junioren des FC Solothurn und steht vor dem Sprung ins Fanionteam (1. Liga). «Wenn ich eine Prüfung verpasse, werde ich automatisch zu einem offiziellen Nachholtermin aufgeboten. Dieser findet zweimal pro Semester statt. Es gibt Schüler, die an diesen Tagen gleich mehrere Tests nachholen müssen.» Sowohl für Kohler als auch für von Bergen ist wichtig, dass bei Feusi junge Menschen mit gesundheitlich­ en Einschränkung­­en nicht nur geduldet, sondern gleich wie alle anderen Schülerinnen und ­Schüler geschätzt werden. «Obwohl alle in der Klasse w ­ issen, dass ich Cystische Fibrose habe, ist dies kein Thema», zeigt sich Sandro von Bergen erleichtert. Und Yannick Kohler ergänzt: «Ich kenne keine grossen Einschränkungen – weder in der Schule noch im Privatleben. Meine Allergie gibt mir manchmal sogar einen Sonderkick an Motivation.»

Wenn ich eine Prüfung verpasse, werde ich zum Nachholtermin aufgeboten.

Fotos: zvg

ist es zwar ein leicht grösserer Aufwand, aber wir wollen ­flexibel sein und für unsere Schülerinnen und Schüler nur das Beste herausholen», bekräftigt René Zahno die Bestrebungen. Und ergänzt: «Gerade in der Sportschule kommt es öfters vor, dass Spieler für Trainings oder Länderspiele aufgeboten werden.»

Sandro von Bergen (links) und Yannick Kohler – beides Handelsschüler.

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Foto: HEAD International

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Der zurzeit beste Tennisspieler der Welt: Novak Djokovic.

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Plötzlich Nummer 1 Novak Djokovic hat seinen Aufstieg zum weltbesten Tennisspieler auch einer glutenfreien Diät zu verdanken. Novak Djokovic ist Tennisprofi und damit nur selten zuhause bei seinen Eltern in Serbien. Und das ist vielleicht ganz gut so. Seine Eltern betreiben im Skigebiet Kopaonik seit 20 Jahren ein Restaurant, das sich auf Pizzas und eine Art Crèpes spezialisiert hat. Hinsichtlich Ernährung nicht ein ideales Umfeld für einen Spitzensportler – seit Ende 2010 noch weniger. Dann nämlich diagnostizierte der Ernährungswissenschaftler Igor Cetojevic bei Djokovic eine Glutenunverträglichkeit – zumindest gemäss Djokovic. Viele Worte verlor er nicht darüber. Djokovic sagte vor den Medien lediglich, er sei «allergisch auf einige Nahrungsmittelinhalte wie Gluten». «Im Volksmund spricht man dabei von einer Glutenallergie», sagt Beatrice Conrad Frey, Ernährungsberaterin und Mitglied der Fachgruppe Sporternährung im Auftrag von Swiss Olympic. «Das ist jedoch nicht ganz richtig, denn bei der so genannten Zöliakie handelt sich um eine Unverträglichkeit, also keine Allergie.» Die Zöliakie gehört zu den Nahrungsmittelintoleranzen – wie auch die Laktoseintoleranz oder die Histaminintoleranz – und wird per Blut- und Gewebeprobe der Dünndarmschleimhaut diagnostiziert. Zuerst muss man aber darauf kommen, denn: «Das Typische an der Zöliakie ist, dass die Symptome nicht typisch sind», sagt Conrad. Bei Djokovic folgte auf den Befund eine erstaunliche Entwicklung. Der heute 25-Jährige passte seine Ernährung an, fühlte sich noch fitter – und spielte immer stärker. «Ich habe etwas Gewicht verloren und davon profitiert, denn ich konnte mich auf dem Platz noch besser bewegen», sagte Djokovic rund ein halbes Jahr nach der «Umstellung». Er fühle sich sehr gut. Zwei Monate später war er nicht mehr die Nummer 3 der ATP-Weltrangliste, sondern erstmals die Nummer 1. Er hatte eine der unglaublichsten Serien in der jüngsten Tennisgeschichte hingelegt, gewann 41 Spiele in Serie und viele grosse Turniere, darunter die beiden GrandSlam-Titel am Australian Open und in Wimbledon. Ein weiterer sollte 2011 am US Open in New York folgen. Djokovic

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DC Bank Deposito-Cassa der Stadt Bern

Seit 1825 Berner Traditionen und Werten verpflichtet Solide Mit der Substanz der Burgergemeinde im Rücken gehört die DC Bank zu den am solidesten finanzierten Finanzinstituten der Welt. Von einem ehemaligen Präsidenten der Eidgenössischen Bankenkommission wurde sie sogar als die «sicherste Bank der Welt» bezeichnet. Dieser Ausspruch kommt nicht von ungefähr, übersteigt doch das Eigenkapital der Burgergemeinde Bern sämtliche Verpflichtungen der Bank. Um von der Stabilität der DC Bank profitieren zu können, ist es übrigens nicht nötig, Bernburger zu sein. Das ganzheitliche Angebot steht selbstverständlich der gesamten Bevölkerung zur Verfügung.

v.l. Ueli Winzenried (Bankratspräsident), v.r. Peter A. Vonlanthen (Vorsitzender der Geschäftsleitung) h.l. Josef Meyer und h.r. Sacha Ammann (Mitglieder der Geschäftsleitung)

In ihrer fast 200-jährigen Geschichte hat die DC Bank beharrlich ihre Berner Wurzeln und Werte gepflegt. Dabei wurde stets das langfristige vor das kurzfristige Denken gestellt und die Solidität der Rendite vorgezogen. Weil zudem die Burgergemeinde Bern als Trägerin bürgt, gilt die Bank als eines der sichersten Finanzinstitute der Welt. Als stadtbernisches Finanzinstitut im Jahre 1825 gegründet, zählt die DC Bank zu den ältesten und traditionsreichsten Banken der Schweiz. Das unabhängige, geschichtsträchtige Bankhaus hat sich auf die Vermögensverwaltung und die Anlageberatung von vermögenden privaten und institutionellen Kunden sowie auf das Hypothekargeschäft spezialisiert. Daneben betreut die Bank zahlreiche öffentlich-rechtliche und private Stiftungen, burgerliche Institutionen und Berner Gemeinden. Die DC Bank hat ihren Standort im Herzen von Bern, vis-à-vis vom Hotel Bellevue Palace an der Kochergasse 6, und beschäftigt gegen 50 Mitarbeitende. Solid, bernisch und langfristig – dies sind Werte, auf welche das Traditionshaus baut: Solid, weil der Rückhalt der Berner Burgergemeinde einzigartig ist; bernisch, weil die Bank durch ihre Berner Wurzeln geprägt wird, und langfristig, weil sie dafür sorgt, dass der Wohlstand der Kundschaft über Generationen gesichert und gezielt vermehrt werden kann.

Solidität heisst aber auch, auf stabile Partnerschaften zu bauen, etwa auf die Zusammenarbeit mit der renommierten Genfer Privatbank Pictet & Cie. Dieser erstklassige Partner zählt zu den besten Vermögensverwaltern in der Branche und passt sowohl von der Philosophie als auch von der Ausprägung des Geschäftsmodelles her ausgezeichnet zum Berner Bankhaus. Bernisch Bern ist für die DC Bank mehr als nur ein Standort. Die Stadt hat die Denkweise der Bank massgeblich beeinflusst und geprägt – kein Wunder, bietet sie der Bank doch seit beinahe 200 Jahren eine unverwechselbare Heimat. Dies spüren auch die Kundinnen und Kunden, die sich dank der gleichen Sprache und den ähnlichen Interessen rundum gut betreut fühlen. Bernisch sind aber auch die kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Aktivitäten der Bank. Als Gründerin und Schirmherrin der Stiftung Sunnesyte etwa spendet die Traditionsbank kranken oder behinderten Kindern in der Region Bern und deren Familien unbürokratische Soforthilfe. Langfristig Langfristigkeit hat für die DC Bank verschiedene Facetten. Zum einen werden seit jeher langfristige Kundenbeziehungen gepflegt. Von manchen heutigen Kundinnen und Kunden wurden bereits die Eltern und Grosseltern beraten, und mit hoher Wahrscheinlichkeit werden dereinst auch deren Kinder und Enkel betreut. Damit fortwährend eine kompetente Beratung angeboten werden kann, braucht es verlässliche und kompetente Mitarbeitende. Mit einer Bankerfahrung von durchschnittlich über 20 Jahren übertrifft das praktische Wissen der Beraterinnen und Berater den Branchenschnitt bei Weitem. Es ist deshalb das Selbstverständnis der Bank, dass sie auch in Zukunft ihren Werten und den Erwartungen ihrer Kundschaft gerecht wird. Sacha Ammann, Mitglied der Geschäftsleitung

DC BANK, Kochergasse 6, 3011 Bern Tel. 031 328 85 85, www.dcbank.ch

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beendete das Jahr mit sensationellen 70 Siegen (bei nur 6 Niederlagen) und 10 Tur­ niersiegen. Eva Götz ist ebenfalls Ernährungsberaterin, führt eine «Gesundheitspraxis» in Walzenhausen und hat bis vor kurzem auch im Zentrum für Medizin und Sport im Säntispark Abtwil gearbeitet. Sie glaubt, dass Djokovic viel mehr Energie aus der Nahrung gewinnen konnte als zuvor. «Der Körper hat durch die Unverträglichkeit viel zu viel Energie verpufft. Und weil sich der Spitzensportler trotzdem fit fühlt und sich gut ernährt, bemerkt auch er dies unter Umständen gar nicht», sagt sie. Die Ernährung habe einen wahnsinnig hohen Stellenwert bezüglich Leistung. «Das wissen viele auch heute noch nicht.» Spitzensportler haben einen hohen Bedarf an Kohlenhydraten. Es wird diskutiert, dass durch den Konsum von sehr grossen Mengen von weizenhaltigen Produkten allenfalls eine Unverträglichkeit ausgelöst werden kann. Bei der Milch sei es ähnlich. «Viele Leute sagen, sie würden keine Milch mehr vertragen, aber das stimmt gar nicht. Sie vertragen lediglich das Übermass an Milch nicht.»

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Ernährungsberaterin Beatrice Conrad kann sich an eine Marathonläuferin erinnern, bei der nach monatelangem Rätseln eine Zöliakie diagnostiziert wurde. Zuvor hatte sie an schwerem Eisenmangel gelitten. «Der Eisenmangel führte zu einem erschwerten Sauerstofftransport, was sich wiederum in starken Leistungseinbussen niederschlug», sagt Conrad. Nachdem die Läuferin ihre Ernährung angepasst hatte, wirkte die Eisentherapie immer besser. «Sie konnte ihre Bestzeit massiv verbessern, obwohl sie bereits über 40 Jahre alt war.»

ist. «Es gibt kein Geheimnis um meine gute Form», sagte er im vergangenen Jahr beim Turnier in Belgrad, «es sind einfach viele kleine Dinge, die nach jahrelanger harter Arbeit zusammenpassen.» Es scheint, als hätte Djokovic von einem positiven Dominoeffekt profitiert: bessere Ernährung = besseres Körpergefühl = verbesserte Fitness Novak Djokovic hat nie behauptet, dass er vor allem wegen = mehr Siege = mehr Selbstvertrauen = Turniersiege. Bis seiner glutenfreien Ernährung die Nummer 1 geworden zur Nummer 1.

Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen Reaktionen auf Nahrungsmittel dürfen nicht generell als Allergien Die Nahrungsmittelallergie basiert auf einer überhöhten ­A bwehr­bezeichnet werden. Denn es kann sich bei einer Reaktion auf ­reaktion des Immunsystems auf an sich harmlose ­Bestand­teile, Nahrungsmittel auch um eine Unverträglichkeit handeln. Anders meist pflanzliche oder tierische Eiweisse, in Lebensmitteln. Die als bei der Allergie entsteht diese nicht aufgrund immunologischer ­allergische Reaktion kann im Extremfall zu einem lebensbedroh­ Mechanismen. lichen Kreislaufkollaps (anaphylaktischer Schock) führen.

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Check

Patrik Noack demonstriert den Ruhe-Lungenfunktionstest.

Mit Asthma aufs Podest Fast alle Schweizer Spitzensportlerinnen und Spitzensportler werden einmal jährlich gezielt auf Asthma getestet. Im Ernstfall kann dies über olympische Medaillen entscheiden.

Das Wartezimmer im Swiss Olympic Medical Center in Magglingen ist ein wenig anders als normale Wartezimmer. Hier gibt es keine Arztdiplome an weissen Wänden, sondern Trikots von Spitzensportlern, die wie Trophäen in einer Vitrine liegen. Sie sind signiert von Dario Cologna, Sergei Aschwanden oder der Schweizer Fussballnationalmannschaft. An einem haftet noch die Startnummer «Sydney 2000» und mit ihr wohl auch noch der Geruch der Olympischen Sommerspiele.

Es ist Viertel vor zehn, der leitende Arzt Patrik Noack hat kurz Zeit. Normalerweise sitzen ihm Spitzensportler wie Dario Cologna, Nicola Spirig oder Sven Riederer gegenüber. «Bei unseren Athleten sind Asthma, bronchiale Hyperreagibilität und Allergien ein grosses Thema», sagt der 38-Jährige, der keinen weissen Kittel trägt, sondern eine Trainingsjacke von Adidas. Besonders häufig bei Sportlern sei das Anstrengungsasthma. Dabei komme es unter Belastung unverhofft und anfallsweise zu asthmaähnlichen Beschwerden mit Husten, Atemnot und Leistungseinschränkung. Denn Spitzensportler können Schadstoffen nicht ausweichen. Ein Triathlet etwa atmet morgens im Schwimmbad unter anderem chlorhaltige Stoffe ein, spult mittags seine Velokilometer ab, wenn die Ozonwerte am höchsten sind, und atmet abends beim Lauftraining Abgase ein. Langläufern kann die eiskalte Winterluft zusetzen, weil sie die Atemwege besonders reizt. Auch Medikamente oder der psychische Leistungsdruck können eine bron­chiale Hyperreagiblität auslösen, die später zu Asthma führen

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kann. «Spitzensport ist manchmal eine Gratwanderung», sagt Patrik Noack, der seit fünf Jahren im Swiss Olympic Medical Center des Bundesamts für Sport (BASPO) tätig ist. Zur sportmedizinischen Untersuchung werden die Schweizer Spitzenathleten einmal jährlich geladen. Dabei werden nicht nur Herztöne überprüft, Blutwerte kontrolliert und der Bewegungsapparat angeschaut, sondern auch gezielt die Lungenfunktion getestet. Viele Spitzensportler, die sich schlapp fühlen, wissen gar nicht, dass sie an einer Allergie oder an Asthma leiden. Patrik Noack und seine Kollegen setzen auf den RuheLungenfunktionstest. «Das sieht lustig aus», kündigt der Sportmediziner an, setzt sich eine Klammer auf die Nase und bläst voller Kraft in ein rundes Mundstück, das via Schlauch mit einem Computer verbunden ist. Das klingt ein bisschen so, als ob Noack stimmlos schreien würde. Die Grafiken am Computer zeigen nun an, wie viel Luft seine Lunge in der ersten Sekunde ausatmen kann. Das ist deswegen entscheidend, weil Asthmatiker nicht beim Einatmen Probleme haben, sondern beim Ausatmen. Im nächsten Schritt müssen die Athleten reizende Stoffe wie Metacholin oder Mannitol inhalieren und zwischendurch wieder ins Mundstück blasen. «Das Gerät zeigt die geringste Veranlagung für ein Anstrengungsasthma an», so Patrik Noack. Zusätzlich macht er bei seinen Athleten alle drei Jahre einen Allergietest auf diverse Pollen und Hausstaubmilben, denn diese können ein allergisches Asthma auslösen.

Der Lungenfunktionstest Mit einem Lungenfunktionstest kann das Lungenvolumen und die Flussgeschwindigkeit der Atemluft gemessen werden. Neben der Ruheatmung wird auch die maximale Ein- und Ausatmung gemessen, bei Bedarf kann zusätzlich der Atemwiderstand gemessen werden. Ein Lungenfunktionstest wird für die Diagnosestellung, aber auch als Verlaufskontrolle bei chronischen Atemwegserkrankungen durchgeführt.

Diese sportmedizinischen Tests wurden auch vor den letzten Olympischen Spielen 2008 in Peking durchgeführt. Während an den Sommerspielen Athen Patrik Noack ist seit fünf Jahren Arzt im Swiss Olympic 2004 noch 16 Prozent der Athleten an Smog- oder Anstreng­ Medical Center. ungsasthma gelitten hatten, musste man davon ausgehen, dass es in Peking wegen der starken Schadstoffbelastung jeder vierte bis fünfte Sportler sein würde. Das sagte die Swiss Olympic Association voraus. Tatsächlich kamen dank den Lungentests bei vermeintlich gesunden Sportlern Auffälligkeiten zum Vorschein, die in Peking mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Anfällen geführt hätten. Einer davon war Mountainbiker Nino Schurter. Wäre seine Veranlagung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt worden, hätte es Schurter wegen eines möglichen Asthmaanfalls kaum zur Bronzemedaille gereicht. Das Swiss Olympic Medical Center in Magglingen setzt also auf Früherkennung und Prophylaxe mit individuell abgestimmten Medikamenten. Das gilt gemäss Patrik Noack nicht nur für Spitzensportler, sondern auch für Hobbysportler. «Lieber mit Asthma­ medikamenten Sport treiben als gar nicht. Denn Bewegung ist das Wichtigste.»

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Check

«Sport ist gerade bei Lungenerkrankungen wichtig.»

Arthur Helbling ist überzeugt, dass mit den heutigen Medikamenten Asthma bei den meisten Betroffenen gut therapiert werden kann.

Herr Helbling, ist es sinnvoll, trotz einer Allergie oder Asthma Sport zu treiben? In meiner Schulzeit war es üblich, dass Kinder und Jugendliche mit Asthma beim Sport auf der Bank sassen und zuschauen mussten. Es hat Jahre gedauert, bis sich die Sichtweise der Ärzte in Bezug auf Asthma geändert hat. Wichtig ist, dass das Asthma gut eingestellt ist und dass

der Betroffene deswegen nicht gehänselt wird, wenn er inhalieren muss. Gerade bei Lungenerkrankungen ist es wichtig, dass auch die Atemmuskulatur regelmässig gestärkt und trainiert wird. Was empfehlen Sie Betroffenen, die Sport treiben wollen? Wichtig ist, die Allergie oder das Asthma genau zu diagnostizieren und allergologisch abklären zu lassen. Anschliessend sollte man mit dem Arzt einen Terminplan ausarbeiten, sich mit ihm besprechen, was es besonders zu beachten gilt und wie man zum Ziel kommt. Die Asthmakontrolle ist Aufgabe jedes Betroffenen. Welche Sportarten eignen sich besonders? Prinzipiell kann jeder Asthmatiker oder Allergiker jede Art von Sport ausüben, wenn er die nötigen Vorsichtsmassnahmen trifft und die verordneten Medikamente einnimmt.

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Ist es möglich, mit einer Allergie oder Asthma Spitzenleistungen zu erbringen? Auf jeden Fall. Mit den heutigen Medikamenten kann Asthma bei den meisten gut therapiert werden. Sicherlich gehört bei jedem Asthma auch eine Allergieabklärung dazu. Wenn eine Quelle identifiziert worden ist, kann man gezielt Auslöser oder Verstärker meiden. Die Geschichte der Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften hat gezeigt, dass immer wieder Athleten mit Asthma Gold oder andere Medaillen oder Meisterschaften gewonnen haben. Wie haben sich die Allergien über die Jahre verändert? Die Zahl der betroffenen Pollenallergiker in der Schweiz ist seit 1926 von weniger als einem auf rund 15 Prozent Ende der 90er-Jahre gestiegen. Seither hält sich der Wert auf diesem hohen Niveau. Initial wurde vor allem die Umweltverschmutzung für die Zunahme der Allergien verdächtigt. Im Verlauf der letzten 20 Jahre stellte sich aber heraus, dass dies nicht die alleinige Ursache sein kann. Denn trotz massiv höherer Luftverschmutzung in den früheren Oststaaten und anderen Regionen war die Allergiehäufigkeit dort im Vergleich zu den westlichen Ländern viel geringer.

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bleibt das ganze Leben lang bestehen. Man kann auch im fortgeschrittenen Alter immer noch an Allergien leiden oder allergisch auf Pollen oder Medikamente reagieren. Kann man einer Allergie vorbeugen? Es gibt verschiedene Thesen, um das Immunsystem bei Säuglingen und Kleinkindern, ja sogar bereits in der Schwangerschaft so zu beeinflussen, dass Allergien umgangen oder verhindert werden können. Dabei handelt es sich um die atopischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, allergisches Asthma oder Neurodermitis. Bei Erwachsenen werden in gewissen Zentren Untersuchungen gemacht, in denen die Pollenallergie durch das vorzeitige Einnehmen von Hakenwurmeiern im Frühling und die Symptome während der Saison im Sommer unterdrückt werden. Endgültige und sichere Resultate liegen noch keine vor. Das heisst, man muss sich noch etwas gedulden, bis man diese Art von Prävention weiterempfehlen kann.

Welches sind die häufigsten Allergien? In der Schweiz ist es die Pollen-, speziell die Gräserpollenallergie. Global dürfte wahrscheinlich die Hausstaubmilbenallergie eher bedeutender sein. Dann folgen die Tierhaarund die Insektengiftallergien. Kann eine Allergie verschwinden oder lässt sie sich langfristig heilen? Das Immunsystem wird bei den meisten Allergiebetroffenen mit zunehmendem Alter respektive über den Zeitverlauf von Jahren und bei repetitivem Kontakt eine Toleranz aufbauen, so dass die Beschwerden in den Hintergrund treten und nicht mehr realisiert werden. Aber die Veranlagung

Prof. Dr. med Arthur Helbling (59) ist Leiter der Allergiestation Spital Netz Bern Ziegler und leitender Arzt der AllergologischImmunologischen Poliklinik Inselspital Bern. Als passionierter Sportler ist er seit über 40 Jahren täglich «mindestens eine Stunde» sportlich aktiv.

Auf www.aha.ch finden Sie Informationen über Allergien und Asthma (Rubrik «Info zu Allergien») können Sie einen Test über Ihre Asthmakontrolle machen (Rubrik «Leben mit Allergien / Tests») finden Sie ein Asthma-Info-App (Rubrik «Leben mit Allergien / Apps») finden Sie Büchertipps und Broschüren zum Downloaden (Rubrik «Leben mit Allergien / Infothek») können Sie sich für unsere Seminare «Allergien, Asthma und chronische Bronchitis» anmelden (Rubrik «Leben mit Allergien / Schulungen»)

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Check

Der Lungendetektor Der herausragende Sportarzt Beat Villiger hat 30 Jahre lang Spitzensportler betreut und dafür gekämpft, dass Asthmasprays von der Dopingliste verschwinden. Ein Hausbesuch.

Lungen­heilkunde und somit alles, was mit den Bronchien und dem Atmen zu tun hat. Der Arzt hat möglicherweise zu einigen Schweizer Olympiamedaillen seinen Beitrag geleistet. So ­ordnete er vor den Olympischen Spielen in Turin 2006 und Peking 2008 bei allen Athleten einen speziellen Test an, um herauszufinden, wer die Veranlagung für ein so genanntes Leistungsasthma hat – auch Sportlerasthma oder Anstrengungsasthma genannt. Im Gegensatz zum allergischen Asthma ist die Chance nämlich gross, dass jemand Leistungsasth­ matiker ist, ohne es zu bemerken. Es kann sein, dass als einziges Symptom ein Leistungseinbruch festzustellen ist. Grund ist die bronchiale Überempfindlichkeit, die bei Anstrengung zu einem Bronchialkrampf führt. «Andere Sportler husten wie ein Pferd», sagt Villiger, und meinen, das sei normal. «Es gab Athleten, die nach Diagnose und Therapie leistungsmässig einen Quantensprung gemacht haben.» Und ergänzt: «Darunter war auch ein späterer Medaillengewinner, der davor nicht zu den Anwärtern gehörte.»

Eigentlich wäre er ja längst pensioniert. Wäre mit seiner Frau wie versprochen monatelang mit dem Camper herumgereist. Doch Beat Villiger will noch nicht loslassen, kann gar nicht anders, als noch ein wenig zu bleiben. In der Welt des Sports. Beim Eishockey, bei seinen Olympioniken und Spitzensportlern, die er während über 30 Jahren als Chefarzt der Swiss Olympic Medical Centers in Bad Ragaz und Davos betreut hat – und dies heute auf Wunsch der Athleten Das Leistungsasthma wird mit Inhalationssprays behanimmer noch tut. «Zumindest, solange ich noch eins und eins delt. Diese stehen seit 2012 nicht mehr auf der Dopingliste zusammenzählen kann», sagt der 68-Jährige in seinem Büro der Welt-Antidoping-Agentur WADA. «Das war ein insgesamt 30-jähriger Kampf, bis es soweit war», sagt Villiger, der acht Olympische Spiele als Arzt miterlebt hat. Sie hätten zu Beginn zu wenige wissenschaftliche Fakten gehabt, um beweisen zu können, dass durch Inhalation keine Leistungsstei­ gerung erreicht werden kann. Weiterhin verboten ist aber die Einnahme und das Spritzen des Medizinischen Zentrums des Grand Resort Bad Ragaz, von gewissen Medikamenten. «Der Nachweis ist einfach, da wo er auf dem Papier noch einen Tag pro Woche arbeitet. die Konzentration im Urin dann bis zu 1000 Mal höher ist.» «Meinen Rentneralltag habe ich mir ehrlich gesagt auch Es habe in den 80ern einen ganz berühmten Schweizer etwas anders vorgestellt.» Das Medizinische Zentrum des gegeben, der in den ersten Jahren seiner Karriere einFünfsternhotels ist einerseits ein öffentliches Zentrum für die fach nur dank seinem Willen mit den Besten mithalten Region und beherbergt andererseits auch alles, was sich konnte. Trotz der Diagnose seines allergischen Asthmas der Hotelgast hier leisten kann und will: beispielsweise wurde er Weltmeister. Dann fügt er an, dass auf Pollen eine Abteilung für plastische Chirurgie und eine Zahnklinik allergische Profiradfahrer am meisten gefährdet seien namens «Perfect Smile Swiss Dental Care Bad Ragaz». für «Heuschnupfenasthma», «und zwar, weil sie den Pollen quasi hinterherradeln». Die Vorbereitung zu ­ JahresBeat Villigers Fachgebiet jedoch ist neben der Sportmedizin beginn sei im Süden, dann kämen die Frühjahrsklassiker und der Physikalischen Medizin die Pneumologie, also die wie Mailand–San Remo («mitten in der Pollensaison»).

Beat Villiger will nicht loslassen, kann gar nicht anders, als noch ein wenig zu bleiben.

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Wenn der Pollenflug in den Beneluxstaaten stark ist, stehe die Flandern-Rundfahrt auf dem Programm. «Im Sommer fahren sie zwischen den Wiesen, und im Herbst folgt das Höhentrain­ing im Engadin.» Früher hatte Villiger manchmal nur ein müdes Lächeln übrig, wenn sich ein «Heuschnüppeler» darüber beklagte, dass er wegen seiner verstopften Nase zu wenig Luft bekomme. «Heute weiss man hingegen, dass immer ein gewisser Luftstrom durch die Nase gelangen muss, damit nicht das Gefühl von Atemnot entsteht.»

Folge davon musste der Asthmatiker immer stärker inhalieren.» Es gilt also, das Asthma grundlegend zu behandeln. Und da hatte Villiger die grösste Hürde meistens erst noch vor sich: den Sportler oder die Sportlerin selbst. «Spitzensportler sind sicher die am schwierigsten zu behandeln-

Das Leistungsasthma wird mit Inhalationssprays behandelt. Diese stehen seit 2012 nicht mehr auf der Dopingliste.

Es gab lange ein Missverständnis, wie man Asthma zu bekämpfen hat. Villiger räumt ein, dass man zuerst nur die Symptome des Bronchialkramp- den Leute, die ich kenne.» Villiger beruft sich auf über fes bekämpft habe, nicht aber die Entzündung, die für das 35 Jahre Erfahrung. Er nennt drei Gründe: Sie wollen Ganze verantwortlich ist. «Die Entzündung blieb, und als ­erstens keine Medikamente nehmen. Sie haben zweitens

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Es gibt auch heute noch Abende in seinem Haus in Maienfeld, an denen er sich kaum entscheiden kann, welchen Sport er schauen soll am Fernsehen: gibts Liveeishockey, fällt die Entscheidung leicht. Er belässt es nicht beim Pas-

Der Sport hat Beat Villiger in seinen Bann gezogen.

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sivsport und nimmt jedes Jahr an zwei Marathons teil. «Ich bin halt einfach ein Bewegungsmensch.» Seine Frau glücklicherweise auch, wie er anfügt. Die beiden gehen oft «z Berg» – im Sommer zu Fuss und im Winter per Ski. Berggänger Villiger ist neben seinem Teilzeitjob in Bad Ragaz und seinem Eishockeyengagement auch Verwaltungsratspräsident des Kantonsspitals Luzern («ein 700-MillionenLaden mit 5600 Angestellten, da läuft immer etwas») und Präsident von Swiss Health. Er mag sich deshalb nicht beklagen. Es gehe ihm gut, sagt er, und es klingt nicht wie eine Floskel. «Ich habe gute Gene erhalten. Meine Tanten und Onkel wurden sehr alt.» Sagts, lacht, doch das Lachen weicht rasch einem nachdenklich-traurigen Blick. Grund: Zwei Tage vor unserem Gespräch verstarb seine letzte Tante. Sie wurde 99 Jahre alt. «Eine Woche vor ihrem Tod hat sie mich am Telefon scherzhaft zusammengestaucht, was wir uns eigentlich erlaubten, ihren geliebten HC Davos bereits in den Playoff-Viertelfinals ausscheiden zu lassen.»

Angst vor Dopingproblemen. Sie sind drittens «starke Persönlichkeiten» und deshalb nicht einfach zu führen. Beat Villiger ist in Erstfeld im Kanton Uri aufgewachsen und spielte als Junior beim HC Ambri-Piotta. Zur Karriere habe ihm das Talent gefehlt, sagt er. Doch Eishockey sollte immer Teil seines Lebens bleiben. Zuerst war Villiger zehn Jahre lang im Ärztebetreuungsteam des Tessiner Traditionsvereins tätig, später war er während seiner Zeit als Direktor und Chefarzt der Davoser Höhenklinik 25 Jahre lang Teamarzt beim HC Davos. Immer wieder sah man ihn auch im Fernsehen, wenn er in Sendungen wie «Time Out» oder «Sportpanorama» medizinische Fragen so beantwortete, dass ihn auch der Laie verstand. Er ist seit über zehn Jahren Mitglied der Medizinischen Kommission des Internationalen Eishockeyverbandes IIHF, für die er im Mai drei Wochen an der WM in Finnland und Schweden im Einsatz stand. Beim Gespräch wird spürbar, wie sehr der Sport Beat Villiger in seinen Bann gezogen hat – mit all seinen Geschichten und Emotionen, mit seinen Gewinnern und Verlierern.

Dr. med Beat Villiger (68) ist Facharzt für Lungenkrankheiten/Innere Medizin FMH, Physikalische Medizin/Rehabilitation FMH sowie Sportmedizin. Heute leitet er das Medizinische Zentrum des Grand Resort Bad Ragaz.

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Labor

«Die Resultate sind vielversprechend.» Frau Spengler Walder, woran arbeiten Sie gerade? Wir befassen uns mit leistungslimitierenden Faktoren beim Sport. Momentan möchten wir unter anderem wissen, warum einige Personen in Atemnot geraten und das Tempo drosseln müssen, wenn sie beispielsweise einen Berg hochrennen, und andere nicht. Was haben Sie bisher herausgefunden? Zum Beispiel, dass die Grösse der Lunge keinen Einfluss darauf hat, ob jemand schneller ausser Atem kommt. Es gibt aber Hinweise, dass die Ermüdung der Atmungsmuskeln eine Rolle spielt. Wir konnten als eine der ersten Forschungsgruppen nachweisen, dass die Atmungsmuskeln, also Zwerchfell, Zwischenrippenmuskulatur und Bauchmuskulatur, beim Sporttreiben genauso ermüden wie zum Beispiel die Beine beim Radfahren. Diese Ermüdung der Atmungsmuskeln kann den Blutfluss zu den Beinen beeinträchtigen, was zu einer Leistungseinbusse führt. Die Atmungsmuskulatur lässt sich jedoch trainieren, damit sie weniger schnell ermüdet. Dazu haben wir den SpiroTiger entwickelt.

Christina Spengler Walder präsentiert den SpiroTiger.

Die Sportphysiologin Christina Spengler Walder forscht an der ETH Zürich. Im Interview sagt sie, wie sich Atmungsmuskeln trainieren lassen und weshalb es so wenige Asthmastudien gibt.

Was muss man sich darunter vorstellen? Der SpiroTiger ist ein kleines Gerät, in das man während einer gewissen Zeit so stark hineinatmet, wie wenn man einen Ausdauersport betreiben würde. Damit es einem nicht schwindlig wird, hat das Gerät ein Reservoir. So atmet man einen Teil der Luft und des CO2, das man gerade ausgeatmet hat, wieder ein. Funktioniert das Atmungstraining auch bei Asthmatikern? Momentan gibt es sehr wenige Studien dazu – und vor allem kaum gute. Darin wurden Leistungs- und Symptomverbesserungen beschrieben. Dies gilt auch für Studien mit Körpertraining, von denen es jedoch schon mehrere gibt.

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Andererseits weiss man auch, dass Personen, die sehr viel Sport treiben, eher häufiger Asthma entwickeln. Da die Balance zu finden, ist nicht einfach.

Die Aufwärmphase vor dem Sport ist wichtig.

Die meisten zeigen, dass sich Asthmatiker bei Körpertraining leistungsmässig verbessern. Was die Lungenfunktion angeht, zeigte sich jedoch keine Veränderung. Vier Studien konnten nachweisen, dass sich die Entzündung der Atemwege durch Körpertraining verbessert. Es gibt auch einige Studien, die eine Verbesserung der Lebensqualität festgestellt haben. Das Problem bei vielen dieser Studien ist jedoch, dass sie ohne Vergleichsgruppe durchgeführt wurden, also nicht kontrolliert sind.

Worum geht es in der zweiten Studie? Wir vergleichen verschiedene Arten von spezifisch konzipierten Übungen und untersuchen, welchen Effekt diese jeweils auf die Entzündung und die Reaktivität der Atemwege haben. Insgesamt dauert die Studie vier Monate. Die Idee ist, dass wir in der letzten Phase die Medikamente reduzieren können. Mit einzelnen Probanden haben wir die gesamte Studie bereits durchlaufen. Die Resultate sind vielversprechend. Wann soll die Studie fertig sein? Das dauert sicher noch ein bis zwei Jahre, weil wir mindestens 40 Personen testen wollen. Die Aufwärmstudie ist hoffentlich Ende Jahr fertig. Übrigens können wir für beide Studien noch neue Probanden aufnehmen.

Wieso gibt es so wenige Studien zu Asthma? Weil man lange Zeit der Ansicht war, dass Asthmatiker keinen Sport treiben sollten. Momentan gibt es jedoch immer mehr Asthmastudien. Auch bei uns an der ETH laufen gerade die ersten beiden Studien an. Worum geht es dabei? In der ersten Studie untersuchen wir, welchen Einfluss eine Aufwärmphase vor dem Sport auf Asthma hat. Man weiss, dass nach gewissen sportlichen Aktivitäten für eine bestimmte Zeit keine Bronchienverengung mehr auftritt. Wir versuchen nun herauszufinden, wie man mit gezieltem Aufwärmen des Atmungssystems vor dem Sport ein Anstrengungsasthma vermeiden kann, ohne eine Ermüdung hervorzurufen. Könnten Asthmamedikamente eines Tages überflüssig werden? Das wäre ein zu hoch gestecktes Ziel. Aber es wäre schön, wenn wir die Medikamentenmenge durch regelmässiges, gezieltes Training des Atmungssystems reduzieren ­könnten.

Prof. Dr. Christina Spengler Walder ist Sportphysiologin. Sie hat Biochemie und Medizin in Zürich studiert. Nach mehreren Jahren an der Harvard University, Boston, forscht sie heute am Institut für Bewegungswissenschaften und Sport der ETH Zürich. Hier wurde unter anderem auch der SpiroTiger entwickelt, ein kleines Gerät, mit dem sich die Atmungsmuskulatur trainieren lässt.

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Fragestunde

«Die Luft geht mir nicht so schnell aus.» Die 18-jährige Emmentaler Leichtathletikhoffnung Noemi Zbären erzählt von Allergien, Austausch und Ausdauer.

Luft

Hausstaubmilbenallergie. In meinem Zimmer zuhause gibt es weder einen Teppich noch Vorhänge, dafür aber Mikrofaserbettbezüge. Wir haben mein gesamtes Zimmer umgebaut.»

Motivation «Damit habe ich nie Probleme. Ich mache es einfach so lange, wie ich Spass daran habe. Der Verein funktioniert wie eine grosse Familie. Ich habe bereits sehr viele Freunde hier gewonnen, dabei bin ich erst seit fünf Jahren dabei. Früher ging ich in die Jugendriege und habe Volleyball gespielt.»

«Die geht mir nicht so schnell aus, und dies, obwohl ich einen eng bepackten Plan habe. Schule, Sport, Kollegen, Kino usw. Ich bin Asthmatikerin und habe eigentlich alles im Griff. Seit ich vor drei Jahren zu meinem Sportarzt ging, habe ich keine Probleme mehr. Ich habe viele Allergien. Ganz am Anfang hatte ich Probleme mit den Augen, dann mit der Nase und schliesslich mit der Lunge. Mittlerweile habe ich mich an mein Anstrengungsasthma gewöhnt und gelernt, damit zu leben. Auch dank meinem Arzt, der mich «Das A und O. Ich selbst bin eine Perfektionistin. Das begleitet und mir die richtigen Medikamente verschreibt.» kommt mir manchmal auch in die Quere. Besonders, wenn ich mit Leistungen nicht zufrieden bin, die eigentlich gut sind. So war ich über meinen Silbermedaillengewinn an der Junioren-WM letztes Jahr zuerst enttäuscht. Erst später realisierte ich, dass ich es aufs Podest geschafft hatte und «Diese Disziplin ist hier im Club sehr populär und wird ent- eine absolute Spitzenzeit gelaufen war.» sprechend gefördert. Vielleicht, weil sie so vielseitig ist: Technik, Sprungkraft, Koordination, Schnelligkeit. Für mich ist der Hürdenlauf aber weniger ein Hindernis als viel mehr einfach meine Sportart.» «Das Coole beim Mehrkampf ist, dass der Hürdenlauf darin vorkommt. Auch wenn meine Spitzenresultate in erster Linie vom Hürdenlauf stammen – ich liebe es, auch all die anderen Disziplinen wie Kugelstossen oder Weitsprung zu «Das ist in Bezug auf Asthma eigentlich kein Thema. Meine trainieren. Das macht mich auch weniger anfällig für VerTrainer wissen Bescheid – das reicht. Ich denke, dass letzungen.» Asthma in erster Linie eine persönliche und individuelle Geschichte ist, mit der man selbst fertig werden muss.»

Disziplin

Hürdenlauf

Mehrkampf

Austausch

London 2012

Gegenmittel

«Das ist eigentlich kein Thema, weil ich mich zuerst an die neue Hürdenhöhe (84 statt 72,6 cm) gewöhnen muss und «Es war meine Mutter, die merkte, dass etwas mit mir meine Saisonplanung nicht darauf ausgerichtet ist; ich trete nicht stimmte. Neben Asthma habe ich ausserdem eine an der U20-Weltmeisterschaft in Barcelona an.»

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Lisa Urech «Mit ihr werde ich oft verglichen. Kein Wunder, sie stammt ebenfalls aus Langnau und ist im gleichen Club unter den gleichen Trainern gross geworden. Natürlich ist sie für mich auch ein Vorbild. Leider habe ich erst wenige Male mit ihr trainieren können. Sie wohnt in Stuttgart und trainiert dort mit einer Sparringpartnerin, die etwa ähnliche Zeiten läuft wie sie.»

Medaillen «Das ist die Belohnung für meine Arbeit und natürlich etwas ganz Besonderes. Beeindruckt hat mich im Speziellen die Ambiance an der Jugendolympiade in Singapur. Diese Stimmung, das Village, das Sicherheitspersonal. Und dann stehst du in diesem Trubel plötzlich auf dem Treppchen ...»

Noemi Zbären (18) ist Hürdensprinterin und Mehrkämpferin beim SK Langnau. Sie holte an der Jugendolympiade in Singapur (2010) im 100-MeterHürdenlauf die Bronzemedaille. An der Jugendweltmeisterschaft in Lille (2011) stellte Zbären einen neuen U18-Schweizer-Rekord auf (13,17) und wurde Zweite. Zbären wohnt in Langnau und besucht das Gymnasium Kirchenfeld in Bern.

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Zuverlässige Hilfe für Allergiker.

Läuft die Nase oder brennen die Augen? Die qualitativ hochwertigen Produkte der Amavita Eigenmarke helfen zuverlässig allergische Symptome zu lindern. Zudem schonen sie Ihr Portemonnaie, sind mehrheitlich gluten-, laktose und zuckerfrei und dadurch gut verträglich. Entdecken Sie jetzt die Amavita Eigenmarke – exklusiv in Ihrer Amavita Apotheke.

Amavita Maresol Nasenspray Reinigt und spült die Nasenhöhlen und befeuchtet gereizte Nasenschleimhäute.

Amavita Cetirizin Filmtabletten Das Antiallergikum zur wirksamen Behandlung von Heuschnupfen und anderen Allergien. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten und lesen Sie die Packungsbeilage.

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Gut beraten

Die wichtigsten Tipps und Tricks Experten sind sich einig: Menschen mit Allergien und Asthma sollen regel­ mässig und gezielt Sport treiben, weil er grundsätzlich die Gesundheit fördert.

Positive Auswirkungen Die Lungentätigkeit wird angeregt Das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt Die Durchblutung wird verbessert, und so wird die Konzentration gesteigert Das Immunsystem wird gestärkt und damit der Körper belastbarer Übergewicht und Gelenkbeschwerden werden vorgebeugt Eine verbesserte Fitness hilft, den Alltag leichter zu meistern

Was muss beachtet werden Vor dem Sport antiallergische Medikamente einnehmen oder Asthmaspray inhalieren Atmungsaktive Sportbekleidung tragen Lockeres Aufwärmtraining von mindestens 10 Minuten Realistische Trainingsziele setzen Den Körper nicht überfordern Auf die Signale des Körpers achten Bei akuten Beschwerden: sportliche Aktivität abbrechen, verordnete ­Medikamente einnehmen, gegebenfalls einen Arzt aufsuchen Nach dem Sport Belastung langsam reduzieren Dehnübungen machen zum Abkühlen 33 RZ_aha_Magazin_Spotlight_temp_de.indd 33

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Gut beraten Geeignete Sportarten Schwimmen Wo Schwimmbad See Meer Vorteil Rückenfreundlich Gelenk-/Bänderschonend Besonders geeignet für Asthmatiker Das warme und feuchte Klima in Schwimmbädern befeuchtet die Schleimhäute, und die Schleimansammlungen in den Atemwegen werden abgelöst Die Schwimmbewegung unterstützt das Ausatmen und kräftigt die Atemmuskulatur Eine kräftige Atemmuskulatur hilft, Anfälle zu verringern

Ausrüstung Badeanzug/-hose Schwimmbrille

Allergiker-Tipps Kopf dicht über der Wasseroberfläche halten, hier ist das Klima ideal für heuschnupfengeplagte Atemwege Training kann bei hoher Pollenbelastung oder schlechtem Wetter in die Schwimmhalle verlegt werden Nach dem Schwimmen die Haut nur abtupfen Damit die Schutzfunktion der Haut erhalten bleibt, diese nach jedem längeren Wasserkontakt mit rückfettenden Cremen oder Lotionen pflegen

Radfahren Wo Je nach Fitnesslevel überall Ideal in den Bergen

Vorteil Für Sportanfänger geeignet Kann z.B. als Tagesausflug geplant werden

Ausrüstung

Fahrrad (Mountainbike, Rennrad) Feste Schuhe Sportbekleidung Brille Helm

Allergiker-Tipps Eng anliegende (Sonnen-)Brille Helm schützt vor Pollen in den Haaren Insektengiftallergiker sollten ein hochgeschlossenes Oberteil tragen Bei sehr starker Pollenbelastung vorher ein Antihistaminikum einnehmen

Joggen/Walking Wo Auf ebenen Strecken Ideal am Flussufer

Vorteil Schwierigkeitsgrad kann leicht gesteigert werden Strecken können variiert werden

Ausrüstung

Joggingschuhe Atmungsaktive Sportbekleidung Brille Mütze

Allergiker-Tipps Bei Atemschwierigkeiten kann jederzeit auf kräftesparendes Walken umgestellt werden

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Pollenkalender www.pollenundallergie.ch

JAN

FEB

MAR

APR

MAI

JUN

JUL

AUG

SEP

Hasel Erle Weide Esche

Birke

Hagebuche Hopfenbuche (TI) Platane Eiche

Buche Kastanie (TI)

Gräser Roggen Ampfer

Wegerich

Glaskraut (TI)

Mais

Beifuss (VS, TI)

Goldrute Ambrosia (TI, GE)

Apps

Die Applikation «Pollen-News» stellt Pollenallergiebetroffenen aktuellste Daten und Fakten über die Pollensituation zur Verfügung: regionale Messungen und Belastungsanzeigen, Prognosen, Informationen zu den allergenen Pflanzen und deren Blühbeginn oder die jeweilige Wetterprognose für die nächsten fünf Tage. Die kostenlose, von aha! Allergiezentrum Schweiz gemeinsam mit MeteoSchweiz betriebene App für Smartphones vermittelt zudem Wissen zur Pollenallergie und Tipps zur Prävention. Mit der Applikation «Asthma-Info» können Betroffene Klima- und Wetterinformationen, News über die Pollenbelastungen oder wichtige Daten zu den aktuellen Ozon- und Feinstaubbelastungen abrufen. Ein personalisierter Test dient zur besseren Kontrolle des Asthmas. Die Resultate lassen sich in einem Journal zusammenfassen, statistisch auswerten und direkt an den behandelnden Arzt weiterleiten. Ein Ratgeberteil, Hinweise zu Prävention und Atemtechnik sowie Informationen zu Asthma in Zusammenhang mit Sport oder Schule runden das Angebot dieses kostenlosen Apps ab. Beide Applikationen gibt es in drei Sprachversionen.

Links

aha!infoline: 031 359 90 50

Sie finden die Links zu den Apps für iPhones und Smartphones auf ­w ww.aha.ch (Rubrik «Leben mit Allergien / Apps»)

Haben Sie Fragen zum Thema Allergien und Sport? Ihren Anruf nehmen Beraterinnen aus dem Fachteam von aha! Allergiezentrum Schweiz gerne entgegen.

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Themenheft Allergien und Sport aha! magazin

Zum Lesen gern

Seite um Seite zu mehr Wissen Es gibt zahlreiche Publikationen zum Thema Allergien und Asthma – anschliessend eine Auswahl.

Therapiehandbuch Allergie und Asthma Von Arthur Helbling, Michael Fricker, Christiane Pichler, Martin Heinrich Schöni Allergische Erkrankungen haben in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen; die Diagnose Asthma betrifft 100–150 Millionen ­Menschen. Die Einschränkung der Lebensqualität und nicht zuletzt der Arbeitsfähigkeit macht eine frühzeitige und korrekte Diagnose unabdingbar. Dieses Fachbuch verschafft einen Überblick über die verschiedenen Formen atopischer Erkrankungen und ihr klinisches Bild. Die modernen Methoden der Allergiediagnostik werden anschaulich erläutert. Bewährte Massnahmen zur Aller­ gienvermeidung und Allergietherapie werden neben neuesten Entwicklungen, wie der spezifischen ­Immuntherapie, praxisnah und übersichtlich dargestellt sowie kritisch beleuchtet. Spezielle Patienten­ gruppen wie Kinder, Schwangere und Sportler ­finden in eigenen Kapiteln Beachtung. Uni-Med Verlag, Bremen (März 2009) ISBN-10: 3837410307 ISBN-13: 978-3837410303

Der Luftikurs für Kinder mit Asthma Lern- und Lesebuch für Kinder und Eltern Von Thomas Lob-Corzilius, Rüdiger Szczepanski, Stephan Theiling Der erste Teil des Buchs informiert Kinder altersgerecht über die veränderten Atemwege beim Asthma, über Auslöser, Medikamente, das Inhalieren, ergänzt von Atem- und Entspannungsübungen bis hin zu Tipps, wie mit den Einschränkungen im Alltag, in der Schule oder beim Sport umzugehen ist und, wichtig auch, wie man sich bei einer plötzlichen Atemnot zu verhalten hat. Der zweite Teil des Buchs vermittelt Informationen und Ratschläge für Eltern und Betreuende. Dustri-Verlag, Deisenhofen-München (2011) ISBN-10: 3-89967-694-7

Neurodermitis Leitfaden für Ärzte und Patienten Von Jürgen Schickinger Die Auslöser von Schüben sicher erkennen und gezielt vermeiden; den «Hautfrieden» dank gezielter Pflege mit Medikamenten und anderen Verfahren finden. Der Ratgeber liefert auch Erkenntnisse über den Einfluss von Psyche und Stress, gibt Hinweise zum Umgang mit betroffenen Kindern. Stiftung Warentest (2011) ISBN-10: 3-86851-122-9

Basiswissen Allergie Die Broschüre «Basiswissen Allergie» bereitet gesichertes Wissen von Forschern für Allergiebetroffene verständlich auf. Neben Beiträgen zu den wichtigen Krankheitsbildern, zu den schwierigen immuno­ logischen Zusammenhängen oder zu Fragen über den Einfluss von ­Umweltfaktoren bei der Allergieentstehung enthält die 50 Seiten starke Broschüre auch Betroffenenberichte und Interviews. Sie soll die Arzt-Patienten-Information unter­ stützen. Als Autoren zeichnet ein Team von Wissenschaftlern des Christine Küh­ne Center for Allergy Research and Education (CK-CARE). Verlag Springer Medizin Bestellungen per E-Mail: gesundheit@springer.com per Fax: +49 89 203043-31362 Preis: 12 Euro

Broschüre Allergie, Asthma und Sport Was ist im Kindes- oder Erwachsenenalter zu beachten, um trotz Pollenallergie, Asthma oder Neurodermitis beschwerdefrei Sport zu treiben? Welche Rolle spielt die Ernährung, und welche Regeln gilt es bei einer Insektengiftallergie einzuhalten? Eine von Professor Arthur Helbling verfasste Broschüre vermittelt in verständlicher Form alles Wissenswerte zum Thema. Eine der zentralen Aussagen: Mit guter Abklärung, Therapie und Kontrolle können Allergie- und Asthmabetroffene grundsätzlich jede Sportart treiben. Die Broschüre steht als Download (www.aha.ch / Leben mit Allergien) zur Verfügung oder kann beim aha! Allergiezentrum Schweiz bestellt werden (031 359 90 00, info@aha.ch).

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Gegenüber

«Aufhören war nie ein Thema.»

Die ehemalige Spitzensportlerin Anita Weyermann (35) lebt seit 17 Jahren mit Asthma und hat sich gut darauf eingestellt. Frau Weyermann, wann haben Sie gemerkt, dass mit Ihrem Körper etwas nicht stimmt? An der Cross-WM 1995 bin ich zusammengebrochen, danach suchte ich den Sportarzt Beat Villiger auf. Er sagte mir: «Ich bin der Beat und wir werden länger miteinander zu tun haben.» Er diagnostizierte bei mir nicht nur Leistungsasthma, sondern auch allergisch bedingtes Asthma. Kam dazu, dass meine Paradedisziplin, der 1500-Meter-Lauf, so ziemlich die dümmste Disziplin für Asthmatiker ist ...

Haben Sie nach der Diagnose wieder dieselbe Leistung erbracht wie zuvor? Meine Leistungen wurden danach eher besser. Sicher auch dank den Medikamenten. Wichtig war für mich einfach, dass ich nie mehr zusammengebrochen bin. Mit wem haben Sie sich damals ausgetauscht? Grundsätzlich brauchte ich keinen grossen Austausch – ich hatte ja mit Beat Villiger einen Fachmann, der mich in jeder Hinsicht darauf einstellte.

Was haben Sie danach unternommen? Ich habe die Medikamente genommen, die mir Dr. Villiger verschrieben hat. Obwohl ich weiter Entzündungen hatte, ging es mir viel besser. Einzig im Winter hatte ich Probleme mit der kalten Luft. Ich musste deshalb oft aufs Laufband ausweichen.

Gab es denn keine Mitbewerberinnen, die unter ähnlichen oder gleichen Symptomen litten? Wahrscheinlich schon, aber es war einfach kein Thema. Vor allem auch, weil man ja zu dieser Zeit noch ein Arztzeugnis haben musste, wenn man Ventolin oder Symbicort nahm. Heute sind Asthmamedikamente zum Glück freigegeben.

Wie sind Sie mit der Diagnose Asthma umgegangen? Für mich war vor allem positiv zu wissen, wo das Problem lag. Mit den verschriebenen Medikamenten lief es ja danach gut. Ich liess mich einfach nicht gross davon beeinflussen und habe das Beste daraus gemacht.

Haben Sie nach der Diagnose jemals daran gedacht, mit Sport aufzuhören? Nein, niemals. Es gibt schlimmere Asthmavarianten als jene, die ich habe. Ausserdem wusste Beat Villiger genau, wie wichtig der Leistungssport für mich war. Er hat mir deshalb immer geraten, unbesorgt weiterzulaufen.

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Themenheft Allergien und Sport aha! magazin

Haben Sie die Medikamente immer konsequent genommen? Nein, natürlich habe ich sie zwischendurch immer wieder vergessen. Aber dann wurde es mir bereits bei der kleinsten Anstrengung bewusst – da reichte eine kurze Fahrt mit dem Velo.

Fotos: zvg

Sie sind mit Ihrer Erkrankung immer offensiv umgegangen und haben sich auch öffentlich engagiert. Ich habe nichts zu verstecken, und wenn ich mithelfen kann, den Leuten Mut zu machen, trotz Asthma Sport zu treiben, dann ist das gut. Wichtig ist einfach, dass man es Inzwischen sind Sie ja Mutter. beim Arzt abklären lässt. Aus meiner Sicht ist es falsch, zu Haben Sie überhaupt noch Zeit behaupten, dass man mit Asthma keinen Sport oder Ausund Lust, Sport zu treiben? dauersport machen kann. Es ist heute medizinisch belegt, Aber sicher. Wenn einem etwas wichtig ist, dann hat man dass Sport eine gute Therapie für Asthma ist. Dafür stehe Zeit dafür. Ich bin deshalb häufig mit dem Babyjogger oder ich ein. dem Veloanhänger unterwegs. Zum Schluss: Gibt es etwas, Was können Sie Asthmadass Sie in Bezug auf betroffenen, die gerne Sport treiben, Asthma im Nachhinein anders mit auf den Weg geben? machen würden? Man sollte immer auf den eigenen Körper hören, die Ratschläge Ich hätte es früher abklären lassen können. Aber es war des Arztes befolgen und nach Möglichkeit nicht auf den Sport schwierig: Ich dachte, dass man beim Asthma zu wenig Luft verzichten. Wichtig ist zudem, dass man sich gut aufwärmt. in die Lunge bringt, dabei ist es genau umgekehrt. Und ich Wenn man am Anfang von 0 auf 100 aufdreht, ist man schlimm habe meine Atemprobleme damals einfach verdrängt und dran. Die Lunge muss langsam aufgewärmt werden. Man kann gedacht, das sei normal. Bis ich dann beim Arzt erfuhr, was deshalb nicht einfach die Schuhe anziehen und losspurten. wirklich Sache ist.

Anita Weyermann war 15 Jahre lang Spitzensportlerin. Sie gewann an der WM 1997 in Athen Bronze im 1500-m-Lauf.

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aha!magazin – Themenheft «Allergien und Sport»