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Prof. Dr. Dagmar Rinker, geboren in Vöhringen, wurde in diesem Semester zur Professorin für Designgeschichte, Designforschung und Ausstellungstheorie im Studiengang Kommunikationsgestaltung berufen. Sie leitete seit 1997 das Archiv der ehemaligen Hochschule für Gestaltung Ulm. Während dieser Zeit kuratierte sie zahlreiche Ausstellungen zu unterschiedlichen Aspekten der HfG Ulm und dem international bekannten Gestalter Otl Aicher. Als Wissenschaftlerin veröffentlichte sie zahlreiche Texte zu diesem Themenkomplex und organisierte Veranstaltungen zu aktuellen Fragen des Designdiskurses. Mit dem Lehrbetrieb ist Dagmar Rinker bestens vertraut. Neben der HfG Schwäbisch Gmünd war sie auch Dozentin an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt.

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„Dass das Leben aber den Dienst der Historie brauche, muss eben so deutlich begriffen werden als der Satz, der später zu beweisen sein wird − dass ein Übermaß der Historie dem Lebendigen schade.“ Als Friedrich Nietzsche die zweite der „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ mit dem Titel „Von Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“ 1874 schrieb, zeichnete er das Spannungsfeld auf, in dem sich unsere tägliche Arbeit an einer Gestaltungshochschule bewegt. FORMAT befasst sich in dieser Ausgabe mit dem „Blick zurück nach vorn.“ Als Dozentin für Designgeschichte ist dieses Thema für mich von besonderer Relevanz. Grundsätzlich geht es an der HfG Schwäbisch Gmünd nicht um den Umgang mit Geschichte im Sinne einer exakten Abfragbarkeit von Faktenwissen oder gar um Nachahmung und Heldenverehrung. Das ist eine Form von Beschäftigung mit Geschichte, die Kreativität und Spontanität massiv blockieren würde. Besser ist es, in der Designgeschichte zu entdecken, welche Strukturen und Methoden sie uns bietet, aktuelle Gestaltungsprobleme zu lösen oder auch nur die richtigen Fragen zu stellen. Historische Kenntnisse können der Ausgangspunkt für neue Entwicklungen sein und sie können Mut machen, nicht nur zu entwerfen, sondern sich auch in politische Prozesse gestalterisch einzubringen. Ein zweiter Aspekt erweitert das Diskussionsfeld: Geschichte und Zufall sind eng miteinander verbunden. Sind die Wendepunkte in der Geschichte oder in unserer persönlichen Entwicklung Zufall oder voraussehbare Ereignisse? Wie steht es mit der Planbarkeit? Solche Fragen blitzen hinter jedem Textbeitrag dieser FORMAT auf. Wo finden wir mögliche Antworten? Ein Tipp: Richten Sie den „Blick zurück nach vorn“, und denken Sie wie beim Autofahren an den notwendigen Blick in den Rückspiegel – die Frequenz bestimmt die aktuelle Verkehrslage. Prof. Dr. Dagmar Rinker

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Heft Nummer Zehn

Blick zurück nach vorn

Was nicht ins Raster passt

HfG Schwäbisch Gmünd

03 Editorial

07 Meisterleistung Gesamtauslagerung

39 Schriftgestaltung: Tilde Medium

47 Laborwoche, Wintersemester 2012/2013

04 Inhalt 74 Impressum

09 Schwarz-weiß gedacht

50 Die Anfänger

12 Räume aus Papier

52 Karl Gerstner Preis 2012

14 50 Semester Hingabe

54 allgäu airport Memmingen

18 „Gute Ideen kommen manch- mal auch von unerwarteter Seite.“

56 Mesh Experience

23 Die Zeit, die Zeit

62 schreibweise – way too fast

58 MIRO-Lab

26 Eine traumhafte Umfrage 64 Informative Frischetheke 28 „Nein“ statt „Ja“, „Ja“ statt „Nein“

66 Design for Behaviour Change

30 Ein Semester woanders 68 Cogent 36 „Früher war alles besser.“ 70 Mobile Payment Experience 75 FORMAT in English

72 smart flow interface


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Meisterleistung Gesamtauslagerung Holzkreuze, Pappsärge, Banner und weiße Tücher – am 14. Dezember 2009 begaben sich etwa 300 Studenten, die mit sechs Bussen aus Schwäbisch Gmünd in Stuttgart anreisten, auf einen bedeutenden Siegeszug.

Ein Termin der Hochschulrektorin Frau Salerno, des Landrates Klaus Pavel und des Oberbürgermeisters von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold mit dem Finanzministerium stand an. Grund hierfür war die Entscheidung über die Zukunft der HfG. Aus dringlichen Sanierungsmaßnahmen war diese gezwungen ihre Räumlichkeiten, den Elsässerbau am Fuße des Rechberges, vorübergehend zu verlassen. Das Wichtigste war es nun eine passende und finanzierbare Lösung zu finden. Mit dem Vorschlag einen Teil der Räumlichkeiten während der Renovierung weiter zu nutzen und für den Rest Ausweichmöglichkeiten an fünf verschiedenen Standorten zu belegen, gaben sich weder die Rektorin Frau Salerno, noch die Studierenden der HfG, zufrieden. Eine Teilauslagerung würde die Zerschlagung der Hochschule bedeuten, war die einstimmige Meinung aller. Umso wichtiger war es, dass die anwesenden Studenten an dem entscheidenden Tag präsent waren und somit einmal mehr zeigten, dass das Gemeinschaftsgefühl der Hochschule von entscheidender Bedeutung ist. Vor dem Verhandlungsgebäude, dem neuen Schloss in Stuttgart, beendete der Demonstrationszug seinen Marsch und war nun bereit und entschlossen. Mit weißen Tüchern bedeckt und Holzkreuzen am Kopfende, wollten sie verdeutlichen, dass die Zerschlagung der Hochschule massive Auswirkungen auf das Studienleben hätte. Doch dies blieb der Studierendenschaft erspart. Die erhoffte gute Nachricht ließ nicht lange auf sich warten. Die Hochschulrektorin, der Landrat und der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, verkündeten der Studentenschaft noch direkt auf dem Schlossplatz die Entscheidung. Unter allen Beteiligten machte sich große Erleichterung breit.

Zum Widerstand bereit wartet die engagierte Studentenschaft der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd auf die Verkündung der Entscheidung.

Es gelang den Parteien eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Das große Paket konnte nach Stuttgart geholt werden. Dies bedeutete, dass für die Gesamtsanierung bis Abschluss 2015 etwa 5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket zwei gewonnen werden konnten und etwa 9 Millionen aus dem Landeshaushalt, um die Finanzierung der Renovierung und der Auslagerung zu meistern. Die Parteien einigten sich auf eine Gesamtauslagerung der Hochschule. Hierfür verzichtete die Stadt Schwäbisch Gmünd auf die Mieteinnahmen des im Industriegebiet angesiedelten Bürogebäudes Gmündtech in der Marie-Curie-Straße. In Verbindung mit einem Containerkomplex sollte dort ein neuer Campus entstehen. Einzig die Werkstätten würden in das Zapp-Gebäude nahe des Bahnhofes ziehen, wo es großzü-


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gigen Platz zu Verfügung gibt. Die Bibliothek wird in das Nebengebäude der alten HfG umziehen. So gelang es rund 4000 Quadratmeter für die Hochschule zu schaffen. Nach der Rückkehr gab es in Schwäbisch Gmünd von noch mehr Jubel begleitete Ansprachen, bei denen der Zusammenhalt der Hochschule aber auch der Region gelobt wurde. Hochschulrektorin Frau Salerno beschreibt die Stimmung rückwirkend als gelöst und kann sich an an die lachenden Gesichter der jubelnden Studenten erinnern. Auch heute spricht sie ein großes Lob an die damaligen und heutigen Beteiligten aus. Die Gemeinschaft der Hochschule hatte es geschafft ihr Anliegen durchzuringen und war froh, dem Horrorszenario eines Marathonlaufes durch die Stadt, von Standort zu Standort, entgangen zu sein. Folglich war es nun an der Zeit den Umzug der Hochschule zu meistern. In kurzer Zeit musste Gesammeltes aus 100 Jahren geräumt und anderweitig verstaut werden. Hinzu kam, dass sich das Aufstellen der Container auf Grund von Bodenfrost verzögerte, wodurch die Hochschule gezwungen war, das folgende Semester um einen Monat zu verschieben. Die Semesterferien Anfang des Jahres –

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zum Sommersemester – wurden somit um einen Monat verlängert und vor dem Wintersemester um einen Monat verkürzt. Es gelang der Hochschule jedoch auch diese Hürde zu meistern. In der Zwischenzeit konnten intern zusätzliche Räumlichkeiten des Gmündtech angemietet werden. Auch die Rektorin weiß, dass die Containerlösung ihre Nachteile hat. Ein Aufenthaltsraum fehlt. Dieser ist eines der angesetzten Ziele für die Rückkehr in die alte HfG. Anschließend an die neue Mensa, die zum Innenhof hin offener gestaltet werden soll, ist ein großer Aufenthaltsraum geplant, der den Studenten die Möglichkeit bietet, darin zu arbeiten, aber auch Freizeit zu verbringen. Für die Werkstätten ist bei Rückkehr 2015 das alte Postgebäude am Bahnhof Schwäbisch Gmünd vorgesehen. Jedoch möchte die Rektorin, wenn möglich, die Räumlichkeiten des Zapp-Gebäudes weiterhin für die Hochschule gewinnen, um dort Projekträume zu schaffen und Räume für freie Arbeiten zu ermöglichen. „Nach der Rückkehr wird die räumliche Situation entspannter. Unser Studium braucht Kommunikation!“ so die Hochschulrektorin. Text: Tabea Hartwich


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Schwarz-weiß gedacht Behandelt, überdenkt, wertet, zeigt, stellt fest und stellt dar. Schwarz-Weiss gedacht denkt in Graustufen, RGB, CMYK, Sonderfarben, bunt oder auch mal nur einfarbig. Farben als Wege. Oder auch einmal ganz und gar Farblos, jedoch auf einem Weg. Weg als Strich, vielleicht durch die Rechnung oder abschließend als Resumeé.

Zugegeben, wenn man in diesen Tagen durch die Räumlichkeiten der Hochschule läuft, trifft man auf sonderbare Bilder. Studenten schieben sich gut gelaunt aber ein wenig müde über die Galeriegänge des eisigen Atriums. Professoren hetzen, so sehr es die gefüllte Kaffeetasse hergibt, von Tür zu Tür. Treppen hoch und wieder runter, stets drei bis vier Stufen auf einmal nehmend. Dazwischen schlendert, der deutlich entschleunigte Finanzberater Richtung Ausgang, im Mundwinkel eine Zigarette, selbstverständlich noch nicht angesteckt. Er entspricht dem Stereotyp, weißes Hemd, dazu Jeans, ein eher vernachlässigter Sieben-Tage-Bart und schläfriger Blick. Eine Etage höher steht der Architekt vor seiner Bürotür und raucht eher hektisch seine Zigarette. Unmittelbar vor einem Rauchen-VerbotenSchild. Alles wirkt fast wie ein überdimensioniertes Terrarium in dem Eidechse, Schlange, Pudel und Papagei Tür an Tür leben müssen. Eine Zweckgemeinschaft ohne besonderen Zweck oder freundschaftlicher Gemeinsamkeit. Die Kommunikation zwischen den Spezies beschränkt sich auf gelbe Verhaltenshinweise auf den Toiletten und ab und an einmal einer E-MailBeschwerde. Zuvor, vor dem Umzug ins Terrarium, hatte die Hochschule ihren ganz eigenen Lebensraum. Es war mehr als ein Terrarium, eher ein Biotop. Ein baulich marodes Biotop zwar, jedoch ein funktionierendes. Die Königin hatte alles im Blick, ihre Generäle formten Designsoldaten, die mit der Ideologie der Hochschule gestählt, in die Welt hinauszogen. Dort führten und führen sie bis heute den Kampf für Ästhetik und gegen den Verlust des Inhalts im Design und vor allem dem inflationären Umgang damit. Die Spezies des Designers– ob Professor,

Dozent oder Student – war unter sich. Die Wände dienten als Billboards, der Innenhof als Plattform zum Kennenlernen, Austauschen, Rumhängen. Das brüchige Terrarium in der Rektor-Klaus-Straße 100 musste dann jedoch saniert werden und die Königin musste mit ihrem Volk das Biotop verlassen und in ein Mischterrarium umziehen. Nun gibt es diejenigen, die ins Biotop hineingeboren wurden und ins Terrarium umziehen mussten und diejenigen, die es gar nicht anders kennen, als mit verschiedenen Spezies zusammen leben zu müssen. Sie konnten nie die Wärme und Geschlossenheit des alten Biotops kennenlernen. Sie müssen immer wieder heraus in das kalte Atrium oder über die Straße in die Containerbauten. Bücher stehen in Stahlregalen, die eine ähnlich emotionale Anmutung haben, wie eine Univers im Regular-Schnitt, anstatt in charmanten, eingelassenen Holzregalen. Anstelle vom Jugendstil-Gebäude mit dem Charme zwischen „Harry Potter“ und „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, steht der moderne Einheits-StahlBeton-Bau.


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Zeig‘ mir dein Haus und ich sag‘ dir wer du bist. Ist das so einfach? Die räumliche Situation der HfG steht sinnbildlich für deren inneren Zustand. Die Lähmung durch die Veränderung des Kontextes mit all der designerischen Flexibilität zu handeln. Viele, die der Phantomschmerz des Alten quält, wirken wie nicht anwesend oder zu Besuch. Als würden sie es hier nur aussitzen müssen, bis es wieder zurückgeht in das alte Biotop. Nach dem Motto „Augen zu und durch“. Diejenigen verschließen sich jedoch dem Umstand, dass es das alte Biotop in gewohnter Form nicht mehr geben wird. Die charmante und lebhafte Atmosphäre des alten Gebäudes wird mit weißer Wandfarbe und Raufaserputz clean planiert. Kehrt die HfG zurück, wird sie nicht nahtlos in ihr altes Muster zurückgleiten können. Sie wird ein weißes Blatt Papier vorfinden. Ähnlich wie sie es bei der jetzigen Situation vorgefunden hat, nur eben ohne die anderen Mitbewohner. Ich, als Kind des Atriums, respektiere die alte HfG zutiefst, muss aber ein Initiator des Neuen sein. Wir sind jetzt. Eine Hochschule ist immer nur so gut, wie ihre Studierenden und Absolventen. Es ist unsere Hochschule, unsere Eltern und viele andere Steuerzahler, die dafür bezahlen. Wir dürfen und müssen sie kritisieren, in Frage stellen und verbessern. Hier geht es nicht darum, grauen Rohlingen den HfG-Stempel aufzudrücken und sie pass-genau für die Anforderungen der Industrie zu formen. Vom Design einmal abgesehen, sollte ein Studium doch eine Zeit der Selbstfindung, der Expertisenbildung und des Scheiterns sein. Denn nur durch das „Scheiternlernen“ kann man die wirklichen Schritte nach vorne machen. Eine Sieben-Semester-Fabrik, in der jeder Student befolgt was

der Professor sagt, den Professor sogar als „Kunden“ sieht, ist fatal. Und das auch noch frisch nach dem Abitur. Ein Studium sollte doch ein Weg sein, mit Höhen und Tiefen und keiner, der nur von Noten und Daumen hoch oder runter dominiert wird. Ich trage meine Noten mit Würde, jene 3er und 4er, die mir verliehen wurden. Sie zeigen mir meine Defizite und Stärken genauso wenig, wie 1er und 2er. Sie sind nur bürokratische Mittel der Vergangenheit, die in Zukunft niemand mehr erfragt. Es fühlt sich an, wie eine Zeit des Umbruchs, nur ohne Bruch. Die HfG sollte voranschreiten, die Traditionen neu überdenken, jedoch keinesfalls verwerfen. Die jetzige Situation ist kein Provisorium, viel mehr ist sie eine Skizze der neuen HfG. Dabei spielt die Frage der Transformation und vor allem der Innovation eine führende Rolle. Text und Fotografie: Daniel Wojcik


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Räume aus Papier „Verbunden bin ich, Mann ohne Eigenschaften, dem Buch als Ratte. Ich fresse und beschnüffle sie. Das Papier und der Leim kann angenehm duften.“ Andreas Uebele

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Bücher begleiten uns von Kindesbeinen an. Bücher sind Zeugen der Zeit und Boten großer Geschichten. Einige unter uns Gestalterinnen und Gestaltern kennen den Zauber von Büchern. Der Typograf im Designer ist besessen von Schriften und deren kleinsten Details, von Papieren und Bindungsarten. Die typografische Arbeit schafft eine ganz besondere Beziehung zu diesen fassbaren Informations- und Emotionsträgern. Der Typofreak in uns platziert Texte und Bilder millimetergenau, er entwirft, schafft Raster, testet, verwirft, setzt Farben ein, spationiert und flattert Textblöcke. Und irgendwann - nachdem alle Probleme der Produktion gemeistert sind - kommt der große Moment: Er hält das Buch in seinen Händen, spürt sein Gewicht, riecht die druckfrische Farbe und streicht übers Papier. Zeichen erzählen eine Geschichte, Weißräume und Textblöcke ergeben ein rhythmisches Zusammenspiel. Fast scheint sich dieser Zauber im multi-

„Bücher sind der wichtigste Bestandteil meines wachen Lebens, denn die allermeisten Abenteuer erleben wir nur in der Phantasie – gelesen.“ Ali Mitgutsch medialen Zeitalter immer mehr zu verflüchtigen. Wir wollen Informationen und das bitte schnell. Die Buchbranche steht im Umbruch. Mutiert das klassische Buch zum E-Book, dessen Display digitale Texte wie gedruckt erscheinen lässt? Ist das das Ende des Buches? Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache. Laut dem Börsenverein des Deutschen


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Buchhandels sind die Umsätze der Vertriebswege Sortiment, E-Commerce und Warenhäuser im deutschen Buchhandel von September 2011 bis September 2012 um 0,8 Prozent angestiegen. Im Hier und Jetzt, wo Zeit einerseits Luxus ist, in der es andererseits gilt, diese in der Bahn, im Flugzeug etc. totzuschlagen, liegen die Vorteile eines E-Books klar auf der Hand. Und fast muss man laut lachen wenn man ein im Internet kursierendes Video sieht, in dem Smartphone und iPadgewohnten Kleinkindern das Medium Buch erklärt wird. „Kann es simsen? Kann es twittern? Braucht es ein Passwort?“ fragt da ein kleiner Esel einen großen Bären. Aber das Lachen bleibt einem im Halse stecken, im Hinblick auf die Abgründe, die sich in den USA auftun. Mehr als die Hälfte der volljährigen Amerikaner kommt nicht mehr in Kontakt mit literarischen Werken. Das hat langfristig gesehen weitreichende Folgen. Auch Museen, Opern, Theater und andere Kulturstätten werden womöglich der Versuchung elektronischer Unterhaltung nicht mehr standhalten können. Hier hat sich der Verkauf von E-Books im letzten Jahr fast verdoppelt. Für viele scheint das E-Book dennoch ein Rätsel mit sieben Siegeln zu sein, denn ein Drittel der E-Book-Reader BesitzerInnen benutzen das Lesegerät nur einmal. Was heißt Inhaltsverzeichnis und wie setzt man Lesezeichen? Kann mein Buch auch abstürzen? Ist das unsere Zukunft? Der Marktanteil von E-Books auf dem deutschen Buchmarkt 2011 liegt, laut des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels lediglich bei 0,5 Prozent. Deutschland bleibt also vorerst das Land der gedruckten Bücher. Kann das alles wirklich durch ein kleines elektronisches Gerät mit Display ersetzt werden? Geben nicht die Schwere eines Buches, das spürbare Gewicht, das Knistern der Seiten beim Blättern, der feste Umschlag dem Text erst die richtige Tiefe? Ein optisches und haptisches Erlebnis. Ist es wirklich vorstellbar, dass ein Buch wie die Heilige Schrift auf dem iPad gelesen wird? Das Buch als dreidimensionaler Körper ist nicht mehr länger ohne Konkur-

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renz und genau deshalb wird eine hochwertige Ausstattung und gute Gestaltung immer wichtiger. Buchrücken und Umschlag müssen möglichst ansprechend sein und den Leser zu einer Reise einladen und zum Lesen verführen. Mit der offiziell eingeläuteten Entmaterialisierung, dem Ende des Gutenberg-Zeitalters, ändert sich auch die Rolle der Gestalter. Bücher werden zum Symbol für Beständigkeit und Wissen. Für mich sind die Arbeit mit unterschiedlichen Materialen, Papieren, Stoffen, Folien oder Stanzungen, das Experimentieren mit der haptischen Wahrnehmung die Sahnehäubchen der Aufgaben eines Grafikdesigners und durch reine Bildschirmarbeit nicht zu ersetzen. „Erst war es der Bildschirmtext, dann die sogenannte tragbare Staatsbibliothek von Sony, anschließend CD-ROM und DVD, jetzt ist es das World Wide Web, welches das Buch verdrängen soll. Nein! Das Buch hat eine wunderbare Zukunft!“ Florian Langenscheid, deutscher Unternehmer und Publizist auf der Frankfurter Buchmesse. Hoffentlich. Schuhe aus, Füße hoch und lesen. Auf Papier. Text und Illustration: Helen Steinmetz


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50 Semester Hingabe Wer läuft bei den Bachelor-Zwischenpräsentationen mit einem Fernglas durch die Projekte? Richtig – Professor Peter Stebbing! Auf diese kreative Weise nimmt er, die seiner Meinung nach „viel zu kleine Schrift an der HfG“ aufs Korn. Ja, Peter ist und bleibt eine Legende an der HfG oder wie er es wörtlich sagen würde: „Half Gay“.

Montag morgen, acht Uhr früh. Peter steigt schweißgebadet und mit roten Wangen vor dem Gmündtech vom Fahrrad. Bald darauf sieht man ihn mit breitem Grinsen und Kaffee schlürfend durchs Gebäude gehen. Auf dem Weg in sein kleines, mit Unterlagen überflutetes Büro grüßt er jeden mit einem freundlichen „hai, haaaiii“. Original englisch. So kennt man ihn! 1987 ist das Jahr, an dem seine Karriere an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd beginnt. Er wird als Professor für analytisches Zeichnen und kreatives Visualisieren berufen. Seither ist die Vermittlung der Technik des Profilzeichnens fester Bestandteil seiner Lehre. Als ob es nicht schon genug wäre, eine wahrheitsgetreue Kontur des Gesichts zu zeichnen, gibt Prof. Peter Stebbing seinen Studentinnen und Studenten noch weitere Ratschläge. Wäre da nicht das klitzekleine Problem mit der deutschen Sprache, das seinen Unterricht erst so richtig unterhaltsam macht: „Achtet auf die Öhren! Die Öhr..., die Öhre..., oh fuck it!, the ears!“ Prof. Stebbing – der bei allen einfach nur Peter heißt – ist bekannt für sein Interesse an fremden Kulturen. Das brachte ihn dazu, seine erste Auslandserfahrung bei einem Volontariat in Malawi zu sammeln. Mit gerade mal 18 Jahren unterrichtet er dort bereits Biologie, Geografie und Englisch. Im Anschluss daran beginnt er ein Zoologie-Studium in London, das er durch ein Scientific Illustration Studium ergänzt – dies erscheint ihm als ideale Kombination. 1971 macht er sein Diplom und arbeitet danach als Scientific Illustrator und Informationsdesigner in England. Bis 1994 verwendete Peter hauptsächlich die Technik der Spritzpistole, Feder, Tusche und Gouachefarben, um Objekte und Prozesse darzustellen. Im Vergleich

zu heute gab es nur eine sehr geringe zeichnerische Vermittlung, denn Zeichnen wurde mehr mit Kunst verbunden. Verantwortung außerhalb der Lehre übernahm Peter als einer der Gründungsmitglieder der Ulmer „Akademie für Gestaltung im Handwerk“ im Jahr 1989. Er setzte sich dafür ein, dass Handwerkern und Bachelor-Studenten dieselbe Ausbildung ermöglicht werden konnte. Auch heute ist er der Meinung, dass die Möglichkeit zu zeichnen und zu gestalten für jeden zugänglich ist: „Design und Zeichnen sind kein Talent, sondern Handwerk.“ 1990 wächst ihm, zunächst gemeinsam mit Prof. George Burden, die Aufgabe zu, das Auslandsstudienprogramm Socrates/ Erasmus zu koordinieren. Zurzeit belegt die HfG deutschlandweit den zweiten Platz in der Auslandsmobilität ihrer Studierenden. Seine Motivation dafür wurde vor allem durch die mehr als zehnjährige Arbeit an verschiedenen Hochschulen in England entfacht, welchen er die Möglichkeit bieten wollte, mit der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd Wissen und Gestaltungsgrundlagen auszutauschen. So entstand seine Bereitschaft, auf multidisziplinäre


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Weise mit internationalen Gruppen zu arbeiten. Als besonders wichtig empfindet er in diesem Hinblick die Vorbereitung der Studierenden, offen gegenüber anderer Kulturen zu sein und die Möglichkeit wahrzunehmen, ihren Horizont zu erweitern. Dass auch wirklich niemand Angst vor dem Bewerbungsgespräch für das Auslandssemester haben muss, zeigt Peter, indem er die Stimmung durch einen einfachen, aber dennoch unterhaltsamen Witz auflockert: „Hast du eine Loche in de Socke?“ — “Ähm, nein!?“ — “Wie bist du dann heute morgen da reingekommen mit deine Fuß?“ Peters Ansicht nach müsse der Gestalter der Zukunft in der Lage sein, soziale Aspekte, sowie wirklich wichtige Probleme, die von internationaler Bedeutung sind, zu berücksichtigen, und das sei nur durch eine Vernetzung des DesignDenkens möglich. Zukünftig wird Claire Garnier – gemeinsam mit Vertretern des Rektorats und der Professorenschaft – die Koordination des Erasmus-Programms übernehmen. Der Grundgedanke einer

globalen Vernetzung der Gestaltung brachten Peter und die Rektorin Salerno dazu, im Jahr 2004 die Internationale Seminarwoche, die jedes Sommersemester eine Woche lang stattfindet, ins Leben zu rufen. Dank seiner internationalen Beziehungen gelang es ihm, Professoren und Professorinnen, sowie Dozenten und Dozentinnen von internationalen Partnerhochschulen zu gewinnen, die bei Workshops und Vorträgen verschiedenster Gestaltungsbereiche mitwirken. 2013 wird die letzte Internationale Seminarwoche stattfinden, die von Peter organisiert wird. Seit 2004 ist die Hochschule für Gestaltung Mitglied der „International Association of Universities and Colleges of Art, Design and Media“, kurz Cumulus. Bei diesem Zusammenschluss von Designhochschulen auf der ganzen Welt tauschen sich Studenten und Professoren insbesondere über die Themen Lehre, Forschung und Designpraxis im internationalen Dialog aus. 2007 wurde die Konferenz unter dem Thema „Crossing Boundaries – Transfer into Design, within Design and from Design“ von der HfG organisiert. Zwischen 2007 bis 2010 war Cristina Salerno im Vorstandsgremium vertreten und wurde anschließend von Peter abgelöst, der noch bis 2013 amtieren wird. Eine weitere Tätigkeit, die er ausgeführt hat, war die Gründung einer Arbeitsgruppe zum Thema „Greening the Campus“. Peters Idealvorstellung ist es, in allen Tätigkeitsfeldern der HfG nachhaltig zu handeln und dies auch in die Hochschulphilosophie einzugliedern. Seiner Meinung nach müsse jetzt sofort damit


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begonnen werden, den Nachhaltigkeitsgedanken umzusetzen und anzuwenden, denn nur dann könne er auch im alten HfG Gebäude, das ab 2015 wieder bezogen wird, fortgesetzt werden. Für viele schwer vorstellbar ist die Tatsache, dass Peter nach langjähriger intensiver Arbeit die Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd verlässt. Vor allem stellt sich aber die Frage: Was fängt Peter nur mit so viel freier Zeit an? Laut eigener Aussage scheint er die nächsten paar Jahre gut beschäftigt zu sein, denn ihm wurde gleich drei Mal angeboten, ein Buch zu veröffentlichen. Getreu seiner Naturverbundenheit gestaltet er ein Kapitel eines Buchs im Auftrag der Cumulus- Organisation über „Design for Sustainability: Why and How?“. Weitere Projekte sind ein Buch über „Visuelle Kompositionen“, sowie ein zweites Buch, dessen Inhalt mit einer geballten Ladung von Peters Erfahrungen gefüllt wird. Es soll den Titel „Zeichnen“ tragen, ganz nach dem Motto: „The only mistake in drawing is not to draw.“ Dabei dürften auch seine Grundprinzipien zum Ausdruck kommen: Die Lehrer sollten seiner Meinung nach die Themen über die Komplexität hinaus analysieren können, um zu wissen, was sie ihren Studenten vermitteln. Eine gute Grundlagenvermittlung ist für ihn sehr wichtig, da nur dadurch diese Komplexität bewältigt werden kann und die Studenten vielseitiger werden. Dabei geht Peter selbst mit bestem Beispiel voran, wie die Studenten der Hochschule für Gestaltung des Öfteren miterleben dürfen. So versucht er stets mit viel Herzblut, allen seine Techniken näher zu bringen. Dazu steckt er sich zum Beispiel zwei Stifte in

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seine Mundwinkel, womit er sehr stark einem Säbelzahntiger ähnelt. Dies ist schließlich die anschaulichste Demonstration, dass man Bewegungen auch im Augenwinkel noch wahrnimmt. Ein bisschen Freizeit wird Peter sicher noch bleiben. Als eines seiner Hauptvorhaben in der Zukunft zählt er mehr Zeit mit seinem Sohn zu verbringen. Da ist er wieder, der rote Faden, der sich stetig durch Peters Leben zieht. Fest steht, dass er auch in Zukunft das Potenzial von jungen Leuten weiterentwickelt und im eigenen Garten im Einklang mit der Natur leben und wirtschaften wird – „Turning the Wiese into a permaculture system“ eben. Text: Judith Holzer, Melanie Schenk Illustrationen: Prof. Peter Stebbing


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„Gute Ideen kommen manchmal auch von unerwarteter Seite.“

Umgeben von Rems, Josefsbach und Baustellen liegt neben dem Gmünder Stadtgarten ein imposantes weißes Haus, gekrönt mit einem dunkelgrauen Dach – oft gesehen und oft gegrübelt, was sich wohl im Inneren befinden mag? An der linker Seite der Eingang. Sieben Stufen hinauf zu einer großen grauen Tür mit der Aufschrift „Baumann & Baumann Büro für Gestaltung “ – Baumann und Baumann, das sind Barbara und Gerd, zwei Gestalter und Urgesteine der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. In den 70ern studierten sie an der HfG, lernten sich dort kennen und gründeten 1978 ihr Büro für Gestaltung. Sie arbeiteten schon für namhafte Firmen wie WMF oder für das British Museum in London und gewannen für ihre Publikation „Spiel Räume Room to move“ den begehrten red dot design award 2003. Nach einem Blick zurück auf ihre Studienzeit, geht der Blick wieder nach vorn, auf heute und in die Zukunft.

Format Warum haben Sie an der HfG studiert? Gerd Baumann Ich wollte eigentlich an der HfG Ulm studieren. Da diese jedoch aus politischen Gründen geschlossen wurde, ging‘s nach Gmünd. Viele Dozenten, die in Ulm studiert und teilweise gelehrt hatten, unterrichteten an der damals noch Fachhochschule genannten HfG in Gmünd. Michael Klar zum Beispiel hat den Ruf der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd mitbegründet und geprägt, zumindest was den Bereich der visuellen Kommunikation betrifft. Die Fachhochschule Schwäbisch Gmünd hatte immer versucht den Hochschulstatus zu erlangen, den damals zum Beispiel Offenbach, Braunschweig, Kassel oder etwa Berlin hatten. Dies hätte es erlaubt, theoretische Grundlagen und Forschungsfelder weiter auszubauen und die „handwerklich-praktische Ausrichtung“ etwas zurückzunehmen. Dennoch hat sie es geschafft, z. B. durch Gastdozenturen Disziplinen anzubieten, die die geistige Auseinandersetzung mit dem Thema Information und Kommunikation forderten und förderten – z. B. Prof. Dr. Martin Krampen


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für das Feld der Semiologie, um nur ein Beispiel zu nennen. Barbara Baumann Auch damals gab es Mittwochsseminare, die allerdings weniger darauf ausgerichtet waren, den Studenten durch irgendwelche Praxisberichte von mehr oder weniger bekannten Einzelpersonen Einblicke, Tipps und Ratschläge für ihren späteren Berufsalltag zu geben. Zu einem bestimmten Thema wurden vier bis fünf renommierte Referenten eingeladen, alle ganz bewusst aus unterschiedlichsten Disziplinen: aus Industrie und Werbung, aus Kultur und Wissenschaft, aus philosophischen und soziologischen Forschungsfeldern. Wolfgang Fritz Haug, Abraham Moles, Michael Schirner, Bazon Brock, Claude Schnaidt, um nur wenige zu nennen. Anschließend folgten Podiumsdiskussionen, in denen Auffassungen und Haltungen nicht selten aufeinander sprengten und mehr Inhalt und Geist vermittelten, als dies in einem „normalen“ Semesterverlauf möglich ist. Von früh morgens bis abends und meist danach bis spät nach Mitternacht Spannung, Inspiration und Kommunikation. F Wie war es als einer der ersten an der Fachhochschule für Gestaltung zu studieren? GB Wir hatten ja damals so gut wie kein Equipment.

„Der Vorteil war aber gegenüber von heute, dass wir gezwungen waren zu denken und erfinderisch zu handeln.“ Da gab es diese klapprige Reprokamera, und ständig fehlende Objektive. Lange Anmelde-Listen um sich einen Termin zu ergattern, machten ein flüssiges und kontinuierliches Arbeiten wirklich schwer. Der Vorteil war aber gegenüber von heute, dass wir gezwungen waren zu denken und erfinderisch zu handeln. Im Semester waren wir damals nur 8 Leute. Wichtig war nicht, dass man immer da war, wichtiger war es, präsent zu sein, sich einzubringen, sehen zu lernen und inhaltlich zu experimentieren. Damals wie heute war da die Angst oder besser der Respekt vor dem unberührten, weißen Blatt Papier, entsprechend Peter Handkes „Die Angst des Tormanns vor dem Elfmeter“. Es gab ja auch noch keine Rechner und damit auch keine schnelle Entfernen-Taste.

F Auf welche Studienarbeit sind Sie besonders stolz? GB Ein Typografie-Projekt im 3. Semester sollte zu einem – ja vielleicht – Schlüsselerlebnis werden ... Thematischer Ausgangspunkt war ein bestehender Faltplan mit einer synchronoptischen Darstellung der Geschichte der Produktivkräfte, dessen visuelle Anmutung nach einem Redesign „verlangte“. BB Dieses Projekt beinhaltete für uns zwei bis heute unverzichtbare Arbeitsprozesse. Zum einen das Untersuchen des Bestehenden auf Inhalt, Aussage, Funktion, auf Mittel und Methoden. Zum anderen das Entwerfen gestalterischer Alternativen, die dann zu einer objektiven Verbesserung führen, sowohl funktional, als auch visuell. Die inhaltlichen Grundlagen wurden mit allen Kommilitonen gemeinsam erarbeitet, in kleinen Gruppen entstanden dann ganz unterschiedliche Gestaltungslösungen. Wir beide hatten uns das Ziel gesetzt, mit einem Minimum an grafischen Elementen zur Lösung des diagrammatischen Problems zu gelangen. Wie wenig braucht man, auf wie viel kann man verzichten. Damals wie heute eine spannende Herausforderung! F Was war das Thema für Ihre Diplomarbeit? GB Eine Wandzeitung zum Thema Energie

unter technischen und gesellschaftlichen Aspekten. Die Errichtung der ersten AKWs lag noch nicht lange zurück, in Whyl am Kaiserstuhl formierte sich die erste Protestbewegung. Es erschien mir wichtig, in diesem Zusammenhang auch die wirtschaftlichen Hintergründe und Verflechtungen aufzuzeigen. BB Eine Einführung in die Semiologie der visuellen Kommunikation. Ich habe diese zusammen mit Gerd gemacht. Er war jedoch ein Semester unter mir – bei ihm lief das Projekt als Semesterarbeit. F Seit 1978 sind Sie nun mit Ihrem Büro für Gestaltung erfolgreich. Die 1988 von Otl Aicher entworfene Schrift Rotis, durchzieht Ihr gesamtes Erscheinungsbild und ebenso zahllose Projekte – was ist für Sie das Besondere an der Rotis? GB Lesen Sie am besten das Kapitel in unserem Buch „Spiel Räume Room to move“. Jede gute Schrift hat auch ihre eigene Geschichte. Heute werden Schriften oft als bloßes Stilmittel aufgegriffen. Draußen (zeigt zum Fenster) hängen gerade Plakate für eine Hochzeitsmesse im Stil der 20er Jarhre. Also ich muss sagen, meine Mei-


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nung zur Rotis hat sich über die Jahre eher gefestigt. Sie war die erste Schrift mit den positiven Attributen der Groteskschriften und den Antiqua Schriften. Es geht um Gestaltung als Kommunikation. Es geht um Qualität, nicht um mich, nicht um Sie. Kommunikation kommt aus dem Thema. Ob ich jetzt die Univers, Rotis, Bodoni oder Helvetica verwende ist doch im Grunde nebensächlich, wir transportieren Inhalte! F Die Verbindung zu Otl Aicher ist aus Ihrer Gestaltung spürbar ersichtlich, was denken Sie macht seine Philosophie so zeitlos und aktuell? Oder ist diese heute doch ein wenig überholt? GB Erstens sehe ich große und kleine Unterschiede zu unseren Ausdrucksweisen. Zweitens lassen sich Aichers Geist und Ausdrucksformen nicht an einer Formel festmachen. Viel zu vielschichtig waren seine Interessen, Einmischungen und sein visuelles Repertoire. BB Was heißt überholt? Ist Chopin überholt? Wir haben es hier doch nicht mit modischen Allüren zu tun. F Hatten Sie die Chance Otl Aicher persönlich kennenzulernen? GB Eigentlich war es seine Rotis, die uns zusammen gebracht hatte … Zeitgleich, und ohne von seinem Entwicklungsprozess der Schriftfamilie zu wissen, experimentierten wir mit der Univers und der Times in ähnlicher Weise: Mehr Raum für den einzelnen Buchstaben ohne mehr Platz zu verbrauchen. Es waren jedoch viele unterschiedliche Facetten, Momente, Gedanken, Begegnungen, die uns mit Otl Aicher zusammenbrachten. BB Schon als Studenten bewunderten wir die gestalterische Arbeit für die Olympiade 72 in München. Leicht, klar, frisch, funktional, und doch von großer Emotionalität. Gleich nach Abschluss unseres Studiums bewarben wir uns deshalb als Mitarbeiter in seinem Team – Glück oder Pech, dass er uns im unzertrennlichen „Doppelpack“ nicht aufnehmen konnte. (lacht) Mit der Friedensbewegung, die mit der Mutlangen Blockade gegen die dort stationierten Pershing II Raketen einen ihrer Höhepunkte fand, lernten wir Otl Aicher und Inge Aicher-Scholl näher kennen. GB Gemeinsam mit Michael Klar hatten wir zuvor eine Plakatserie entworfen, gedruckt und in und um Schwäbisch Gmünd großflächig plakatiert. Aus dieser „visuellen“ Begegnung entstand die Initiative „Herbst ‘83“, die gemeinsam mit Otl Aicher, Rolf

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Müller und Nick Roehricht weitergedacht und gemacht wurde. Später war es seine Rotis, die wir kennend und anerkennend als richtigen Schritt empfanden und sie bis heute heftig gegen massive Kritiker verteidigen. Die Rotis hat inzwischen den visuellen Alltag erobert, die Zeit hat uns Recht gegeben. F 1994 lieferten Sie sich mit Erik Spiekermann eine hitzige Debatte über die Qualität und Erfolg der Rotis. Hat sich Ihre Meinung zur Rotis geändert? BB Die Verbreitung und Etablierung der Rotis hatten wir schon damals prophezeit und wurden belächelt. Und heute? Ähnlich der Helvetica zu ihrer Zeit hat sie sich als Gebrauchsschrift durchgesetzt, auch in Bereichen fernab jeder „Design-Szenarien“. F Haben Sie ein Lieblingsdesignbuch? BB Fragen Sie mich bitte nicht nach einem

Lieblingsbuch, Lieblingshelden oder so etwas. Die Welt ist voller guter Geschichten und Autoren aus ganz unterschiedlichen Bereichen. GB Ich habe eigentlich auch kein Lieblingsbuch (überlegt) … doch, da gibt es das Kompendium für Alphabeten von Karl Gerstner und das Buch Programme Entwerfen, ebenfalls von Gerstner – das sind fantastische Bücher. F Seit dem letzten Jahr wird an der HfG der Karl Gerstner Preis an Projekte aus den Grundlagensemestern verliehen. Der Initiator war Christian Holzäpfel einer der großen Kunden und Freund Karl Gerstners.

„Sekt oder Selters … dazwischen gab und gibt es für uns nichts. Schorle mochten und mögen wir bis heute immer noch nicht.“ F Die HfG befindet sich seit einigen Jahren in einem Provisorium in Modulbauten und in den Räumlichkeiten des Gmündtech im Industriegebiet von Schwäbisch Gmünd. 2015 soll der Umzug in das alte Gebäude in der Rektor-Klaus-Straße stattfinden. GB Mal ehrlich, ich verstehe nicht, warum man fünf lange Jahre benötigt, um das alte Gebäude zu sanieren. BB Man könnte fast den Verdacht hegen, als wolle man auf galante Art Studentenzahlen reduzieren.


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F Letztes Jahr feierte die HfG 40 jähriges Bestehen – was hat sich für Sie innerhalb dieser vier Jahrzehnte verändert? GB Es haben sich ganz klar mit den Werkzeugen auch Methoden und Ausdrucksweisen verändert. Heute sind die Leute viel weniger politisch. Früher waren wir viel theoretischer und inhaltlicher – wir sind ja fast nicht zur Gestaltung gekommen! Über die Jahre gibt es immer wieder diese Pendelbewegung zwischen Inhalt und Gestaltung. Einen wesentlichen Anteil daran hat auch die Digitalisierung. Man muss sich heute viel mehr mit den Werkzeugen herumschlagen als wirklich mit ihnen zu arbeiten! Die erhoffte Beschleunigung, Erleichterung und Vereinfachung von manuellen Arbeitsprozessen hat zwar stattgefunden, dafür haben Bürokratie und Verwaltung ein Ausmaß angenommen, das bedenklich stimmt.

„Heute sind die Leute viel weniger politisch. Früher waren wir viel theoretischer und inhaltlicher, wir sind ja fast nicht zur Gestaltung gekommen!“ F Ja, das können wir bestätigen. Von uns wird in den Grundlagensemestern verlangt, sich mit komplexen Inhalten auseinanderzusetzen und gleichzeitig sollen wir InDesign, Illustrator, Cinema 4D usw. erlernen und parallel anwenden!

BB Wesentliches kommt dadurch zu kurz. Oftmals landen ja bereits die ersten visuellen Skizzen im Digitaldruck. Ein Großteil unserer visuellen Umwelt sieht zumindest so aus. Sorgfalt, die immer auch mit einem sich Zeit nehmen verbunden ist, verkümmert. Gestaltung verkommt zunehmend zum oberflächlichen schnellen Dekor. Sehen lernen, sich intensiv mit etwas auseinandersetzen wird unter dem Diktat der Geschwindigkeit und ökonomischen Zwängen schwieriger. Fragen und Hinterfragen, ganzheitliches Denken und Gestalten, das bewusste Entwickeln einer visuellen Grammatik und Rhetorik spiegeln sich in zunehmend weniger Arbeiten nieder. GB Aus diesem Grund haben wir seit vielen Jahren die vier Tage Woche eingeführt. Morgens treffen wir uns gemütlich in unserer Küche, plaudern, essen und starten entspannt in den Tag. Danach geht das Arbeiten um einiges leichter. Der Donnerstag ist quasi unser Freitag (grinst). An den restlichen drei Tagen der Woche gehen wir dann in Ausstellungen, Messen und dergleichen. F Davon können wir als Studenten nur träumen! Gerade im 3. Semester ist der Druck und die Projektdichte sehr hoch. Da sitzt man schon einmal Nächte an einem Layout. GB Zu unsere Studentenzeit war das sehr ähnlich. (schmunzelt) Ich weiß nicht, ob das bei euch heute genauso ist, aber bei uns ging es morgens erstmal an die Hochschule, mittags dann in die Kneipe, dann wieder zurück bis spät in die Nacht, danach wieder in die Kneipe und wieder zur HfG (lacht) … F Was ist Ihr Lieblingszitat? BB Naja, ich mag ganz gern: „Alles sollte

so einfach wie möglich sein, aber nicht einfacher“, Albert Einstein, glaube ich. GB Hab ich keins (grübelt kurz) … nehmen Sie das hinter sich. (grinst und zeigt auf eine Postkarte im Stil einer Raucherwarnung auf Zigarettenschachteln an der Wand, auf der steht: „Lesen gefährdet Ihre Dummheit.“) F Mussten Sie sich für Kunden verbiegen und Kompromisse eingehen? GB „Sekt oder Selters“… dazwischen gab und gibt es für uns nichts. Schorle mochten und mögen wir bis heute immer noch nicht. Nennen wir es Einstellung, Haltung, Auffassung der Welt und ihren Dingen gegenüber, die wir beide, jeder auf seine Weise, mitbrachten und die sich in dem uneingeschränkten Willen gute Gestaltung zu


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machen, ausdrückte. Gute Gestaltung nicht als „kopfloses“ Arrangieren und Dekorieren zu verstehen, sondern als Resultat ständiger Fragen nach dem Was, Wie, Wozu, Warum … In diesem sehr grundsätzlichen Denken wurden wir während unseres Studiums eher unterstützt. Durch Lehrer, die an der HfG in Ulm studiert hatten, durch viele interdisziplinäre Workshops und Symposien, die eine ständige Diskussion und Reflektion über das eigene Denken und Machen auslösten. Über mehrere Semester beschäftigten wir uns mit der Semiologie der visuellen Kommunikation. BB Blicken wir selbstkritisch mit einem Augenzwinkern zurück auf unsere Anfänge, schmunzeln wir heute über unsere damalige fast exzessive Kompromisslosigkeit. Unsere sorgfältig und intensiv erdachten und gemachten Entwürfe duldeten keinen Einspruch, waren aus unserer Sicht unangreifbar. Lieber riskierten wir ein „Adieu“, ohne lange nach ökonomischen Konsequenzen zu fragen. Entsprechende Hungerperioden und Durststrecken blieben nicht aus. Heute nach fast 35 Jahren Büroalltag haben wir ein wenig dazugelernt. Es gibt nicht nur eine selbstgemachte Wahrheit. Gute Ideen kommen manchmal auch von unerwarteter Seite. Gestaltung ist nur im Dialog möglich. Es geht vieles, aber nicht immer alles. Viele Köche verderben nicht immer den Brei. Der Weg von der wirklichen Verbesserung zum „guten“ Kompromiss ist manchmal holprig und nebelig. Man kann leicht ausrutschen. Deshalb gut aufpassen. F Woran arbeiten Sie gerade? GB Unter anderem arbeiten wir, wenn es

die Zeit zulässt, an einem neuen Buch. Quasi eine Fortsetzung zu unserem ersten Buch „Spiel Räume Room to move“. Im

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alten sowie im neuen dokumentieren wir unsere eigene Arbeit, wie im Studium. Über die Jahre ist da noch einiges dazugekommen! F Einen Kommentar zum FORMAT Magazin? BB Ich stolpere etwas über den Namen Format – er ist mir einfach zu naheliegend. GB Ich finde ein HfG-Magazin, das in sporadischen Abständen erscheint gut, vor allem die Macher, die dafür Zeit und Engagement geben. Es zwingt dazu, sich Inhalten zu widmen, Vergangenes aufzuspüren, sich damit auseinanderzusetzen und zu gestalten. Ohne Aktion keine Reaktion. F Vielen Dank für das Gespräch! Text: Daniel Otto Fotografie: Jonas Heilgeist Icons: Baumann & Baumann


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Die Zeit, die Zeit Unser Alltag wird immer digitaler und schnelllebiger, die Umwelt um uns herum gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Wie gehe ich als Designer mit diesen Veränderungen um? Passe ich mich dem neuen Rhythmus an, oder nehme ich meine Zukunft selbst in die Hand?

Ich sitze hier, links qualmt eine Zigarette, mit der rechten Hand umklammere ich hoffnungsvoll meinen Stift. Der Wein hinterlässt einen trockenen, fruchtigen Film auf meiner Zunge. Bei Rotlicht und Heavy-Metal-Musik gehen hier drüben die Altrocker ab. Links versuchen HfG'ler sich über zusammengeschobenen Tischen voller Bierflaschen in Konversation. In meiner Stammkneipe ist auch unter der Woche was los. Hier läuft die Zeit noch richtig. Hier fühle ich mich inspiriert, also bringe ich meine Arbeit her. Die Welt außerhalb dieser rot bestrahlten Wände folgt einem anderen Rhythmus. Die Welt außerhalb folgt dem Rhythmus des Fortschritts. In dieser Welt da draußen bin ich Designer, oder zumindest auf dem besten Weg dorthin. Das ist meist ein bisschen stressig; aber das ist ja normal. Als Designer bin ich privilegiert und ich trage Verantwortung. Ich soll dazu beitragen, diese Welt zu verbessern. Design ist gestaltete Absicht. Aber was ist meine Absicht? Und was braucht diese Welt? Der Qualm meiner Zigarette beißt mir in den Augen. Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit beschäftigt gerade viele Nationen unserer Erde. Ich sollte meine Arbeit moralisch und ethisch gestalten. Ich sollte Einfluss nehmen auf die Geschehnisse meiner Zeit. Wir beuten unseren Planeten aus und wenn wir so weitermachen, gibt es die Gesellschaft, wie wir sie kennen, in ein paar Jahrzehnten nicht mehr. Das haben sie auf dem letzten Klimagipfel gesagt. Der Klimagipfel, auf dem sie nichts bewegt haben. Ein paar Länder strengen sich an. Die, auf die es ankommt, strengen sich nicht an. Vielleicht sollte ich daran etwas ändern. Kann ich daran überhaupt etwas ändern? Außerhalb dieser Wände passiert noch mehr. Das Leben wird vir-

tueller. Man hört da ja so einiges zu diesem Thema. Visionäre sagen, die ganze Technologie und die Medien machten das Leben leichter. Meines machen sie kürzer. Wenn ich morgens aufstehe, schalte ich meinen Laptop an und werde von meinen sozialen Netzwerken begrüßt. Weil ich nichts verpassen will, fahre ich mehrgleisig. Facebook ist Pflicht. Wenn ich mich über meine Spiegel-Online-App wieder auf Welt-Zeit-Informationsniveau gebracht habe, zwitschere ich gerne mal über Twitter meinen neusten Motivations-Schub ins unendliche Netz. Auf Xing bin ich auch angemeldet. Warum, habe ich vergessen. Jemand, den ich wichtig finde, hat mir gesagt, das sei wichtig. Für Business-Kontakte und so. Wenn ich ehrlich bin, verstehe ich nicht mal ein Viertel von dem, was in dieser Welt da draußen so alles passiert. Und manchmal bin ich mir sicher, dass es all den Anderen genauso geht. Das erinnert mich an eines der Lieder, das ich mir in dieser Woche jeden Tag ein paar mal angehört habe. Eine schrille Frauenstimme singt: „Why would I carry such a weight on my shoulders?“ Ja – warum soll ich das tun? Warum mich jeden Tag mit


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den Problemen meiner Zeit konfrontieren? Weil ich es muss? Weil ich es will? Weil es mich vielleicht zu einem guten Designer macht? Ich glaube ich tue es aus Gewohnheit. Und weil ich es will. Und weil es mich vielleicht zu einem guten Designer macht. Die Menschen versuchen sich überall der Geschwindigkeit anzupassen. Und oft scheitern sie daran. Der Mensch ist vielleicht gar nicht für diese Geschwindigkeit geeignet. Das sagten die Menschen auch schon, als die Eisenbahn erfunden wurde. Es gibt zu viel Input, zu viel Information. Ich weiß vom Bürgerkrieg im Gazastreifen. Europa leidet unter der Eurokrise und vielleicht droht doch eine Rezession aus den USA. Eine Freundin aus der Schulzeit hat sich nach sieben Jahren Beziehung von ihrem Freund getrennt. Und für das Referat morgen muss ich mich zum dritten mal mit Otl Aicher beschäftigen. Wusstet ihr, dass er beim Rasenmähen überfahren wurde? So viel Information. Und morgen kommt noch mehr dazu.

„Why would I carry such a weight on my shoulders?“ Am Tag bekommt eine Person etwa 6000 Werbebotschaften vermittelt. Das lernt eine angehende Kommunikationsgestalterin wie ich an der HfG. Als logische Folge suchen die Leute sich nur die Information aus, die ihnen wichtig erscheint und stumpfen ab. In der Vorlesung habe ich auch gelernt, dass 98 Prozent der täglich angebotenen Informationen nicht wahrgenommen und genutzt werden können. Ein Studienkollege aus dem höheren Semester hat mich bemerkt, wie ich hier sitze und kritzle. Er ist beim zweiten Bier, motiviert und will seine Sicht auf die Zukunft mit mir teilen. Er will raus aus dem Rhythmus unserer Zeit. Als Produktgestalter sieht

er sich mit einer Zukunft konfrontiert, die seine Individualität einschränkt. Produkte kommen zunehmend aus der Massenproduktion. Allein in Deutschland gibt es pro Woche ca. 910 neue Produkteinführungen. Schwellenländer wie China oder Indien produzieren Massenware noch ohne Rücksicht auf Qualität. Als Designer sieht er sich in diesem Welten-Getriebe als eines von vielen Zahnrädern. „Ein Mensch alleine kann an sich nicht viel ändern. Am besten funktioniert Innovation dann, wenn die Leute sich zusammen setzen. Jeder bringt seine eigenen Kompetenzen mit. Jeder ist gut in dem was er tut. Das können Produkt-, Kommunikations-, Interaktionsgestalter, Ingenieure und, ja, ein Werbefachmann sein. Kein Mensch entwirft etwas ganz für sich alleine in einem leeren, grauen Raum. Gestaltung entsteht aus Einflüssen.“ Mut zu Eigenständigkeit ist für ihn der Schlüssel zu Erfolg und Zufriedenheit. Das gefällt mir. Dieser junge Mann will sich nicht einfach anpassen und machen, was alle machen. Er will mit Individualität Qualität schaffen. So funktioniert das für ihn. Er arbeitet nebenher um Geld zu verdienen und den Rest seiner Zeit investiert er in seine professionelle Existenzgründung. Irgendwann, so der Plan, ist er selbständig genug, um auf den Nebenerwerb zu verzichten und nur noch das zu machen, was sich für ihn richtig anfühlt. Dafür arbeitet er heute hart, aber aus Überzeugung. Es ist hart, für die eigenen Ideen Umwege in Kauf zu nehmen. Aber es ist auch hart, einen vermeintlich einfacheren Weg zu gehen und dafür auf die eigenen Ideale zu verzichten. So – jetzt will auch eine angeheiterte HfG'lerin mithelfen. Das Thema Zukunft entfesselt Emotionen. „Im Jahr 2080 wird es dieses ProduktdesignerDingsi nur noch in Verbindung mit einem


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Ingenieurstudium geben“, sagt sie. Philippe Starck sagt etwa Ähnliches. Er sieht den Beruf des Designers immer mehr verwoben mit dem eines Projektplaners. Da stellt sich die Frage, ob die eigene Qualifikation noch ausreicht. „Produktgestalter lernen heute nur noch entweder reines Design ohne Technik, oder reine Technik ohne Design“, meint die PG-Studentin. Der Kommunikationsgestalter blickt ähnlich unsicher in die Zukunft. Er lernt in seinem Studium noch Printmedien zu gestalten. Aber braucht er diese Fähigkeiten in der Zukunft noch? Gedruckte Bücher werden von E-Books verdrängt und Zeitungen und Magazine gibt es bald wahrscheinlich nur noch in Form von Apps für Tablets. Poster hängt vielleicht bald auch keiner mehr auf. Da bleiben eigentlich nur noch die Medien der IG'ler. Anwendungen für den PC, das Smartphone oder den Tablet-PC. Als ich mein KommunikationsgestaltungsStudium angefangen habe, habe ich mir das alles etwas anders vorgestellt. Ich wollte zeichnen, malen, fotografieren, experimentieren. Jetzt lerne ich zu coden. HTML ist mein Bleisatz, CSS mein Pinsel. Meine Träume haben der Realität Platz gemacht. Aber es beruhigt mich zu wissen, dass ich so auf den Berufsalltag vorbereitet werde. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass KG und PG irgendwann auf IG hinauslaufen. Aber was bedeutet das für junge Designer, wie wir sie sind? Was wird aus der Interaktionsgestaltung wie wir sie jetzt kennen? „Anwendungen müssen intuitiver werden.“ Das ist die Botschaft eines IG'lers, der sich ein bisschen Zeit für mich genommen hat. „Man darf nicht nachdenken müssen, wie man sie bedient. Es muss einfach funktionieren, sich selbst erklären.“ Der demografische Wandel ist da auch eine Sache, die wir nicht aus den Augen verlieren dürfen. Unsere Gesellschaft wird immer älter. Das sehe ich jeden Tag im Supermarkt. Wie gehen diese älteren Generationen mit den neuen Möglichkeiten der Technik um? „Ich denke, dass die Aufgaben von uns Interaktionsgestaltern in der Zukunft in fast allen Bereichen stattfinden. Wir werden noch mehr als jetzt mit Maschinen kommunizieren müssen. Das fängt schon morgens bei der Kaffeemaschine an und wird irgendwann bis zu unseren Lichtschaltern und sogar unseren Turnschuhen gehen.“ Wenn es nach den fleißigsten Interaktionsgestaltern unserer Zeit geht, soll alles zu einem riesigen Informationsnetz verwoben werden. Außerdem soll

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das Leben jedes Menschen digitaler werden. Schon jetzt kann über das Internet ein Personenprofil unzähliger Internetnutzer erstellt werden. Das haben wir natürlich zum größten Teil Facebook zu verdanken. Ein bisschen Angst macht mir das ehrlich gesagt schon. Vielleicht wird ja irgendwann auch in mich ein Chip eingepflanzt, der meine Körperfunktionen reguliert und mit meiner Umwelt kommuniziert?

„Mein Leben ist ein Designprozess. Ich lerne und entdecke, daraus ziehe ich Schlüsse.“ „Ein Interaktionsgestalter soll sich langfristig mit den Problemen seiner Zeit auseinandersetzen und nicht nur alles zum Leuchten bringen“, meint mein IG-Kollege. „In erster Linie müssen wir uns über die Konsequenzen im Klaren sein, die unser Handeln nach sich zieht. Der Mensch macht sich die Bionik zunutze und sieht seine Zukunft in künstlicher Intelligenz. Aber vielleicht muss ja gar nicht alles um uns herum intelligent sein.“ Die Welt soll nachhaltig gut werden. Und das kann sie durch die Ideale des Einzelnen werden. Diese Botschaft scheint die Essenz aller Zukunftsvisionen meiner Designer-Freunde zu sein. Langsam wird es leerer um mich herum. Die letzte Runde wurde schon ausgeschenkt. Was mache ich denn jetzt aus mir und meiner Zukunft? Am besten, ich warte einfach mal ab, was so auf mich zukommt. Mein Leben ist ein Designprozess. Ich lerne und entdecke, daraus ziehe ich Schlüsse. Und irgendwann werden diese Schlüsse vielleicht von anderen Erkenntnissen untermauert oder ersetzt. Auf jeden Fall werde ich nie stillstehen, weil auch die Zeit um mich herum nie stillsteht. Das beruhigt mich ein bisschen. Unsere Zeit ist geprägt von Wandel. Und ich schaue nicht von außen zu, sondern bin mittendrin. Ich bin ein Teil dieses Wandels. Mein Glas ist leer und ich werde langsam schläfrig. Als ich die Türe meiner Stammkneipe öffne, trifft mich die klare, kalte Winterluft. Ich atme ein paar tiefe Züge in meine dankbaren Lungen. Dann mache ich mich zufrieden auf den Heimweg. Text: Evelyn Binder, Petroula Voultsopoulou Illustration: Evelyn Binder


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Eine traumhafte Umfrage Studieneinsteiger starten hochmotiviert. Sie sind voller Träume, Hoffnungen und Wünsche. Im Laufe des Studiums können sich die Erwartungen ändern, sich weiterentwickeln oder ganz neue entstehen. Einige Studentinnen und Studenten geben uns einen Einblick in ihre ganz persönlichen Vorstellungen von der perfekten Zukunft. Text: Katharina Krotova Fotografie: Jörg Kahlhöfer

„Ich möchte nicht diesen klassischen Designer im Büro geben müssen, der die ganze Zeit auf seinen Bildschirm starrt.“ Ich habe bereits eine Ausbildung abgeschlossen und schon genaue Vorstellungen, wie meine Zukunft aussehen soll. Eine Werbeagentur kommt für mich nicht in Frage. Ich erhoffe mir durch das Studium die Möglichkeit, viel unterwegs zu sein und direkt mit Kunden zusammenarbeiten zu können. Es ist mir wichtig, meine Auftraggeber persönlich zu sehen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Am liebsten würde ich eine beratende Funktion einnehmen, in der ich konzeptionell der Ideen- und Impulsgeber sein kann. Tobias Strohbach, 25 Interaktionsgestaltung 1. Semester

„Du kommst irgendwohin, egal was du dir vorgenommen hast.“ Ich bin der Überzeugung, dass man sich am Anfang seiner Karriere wahrscheinlich nicht aussuchen kann, wo man arbeitet. Man gerät von einem Arbeitsplatz zum nächsten und landet zum Schluss ganz woanders, als man es sich vorgestellt hat. Ich träume davon, neue Spielkonzepte zu entwickeln und die Illustrationen dafür anzufertigen. Sergej Ermolaev, 25 Kommunikationsgestaltung 3. Semester

„Mein Traum ist es, in meinem Laden zu bedienen und an meinem eigenen Design zu arbeiten. So bleibe ich nahe am Kunden und kann meine Arbeit immer weiter verbessern.“ Ich träume von einem kleinen Laden, in dem ich selbstproduzierte Ware mit meinem Design verkaufe. Nette, kleine Produkte zu einem erschwinglichen Preis. Von Keksen aus dem eigenen Ofen mit selbst gestalteter Verpackung über Postund Grußkarten mit eigenen Fotografien, bis hin zu selbst entworfenen Einzelstücken aus recycelten Materialien. Ein Traum von einer kreativen, handwerklichen Arbeit, die gutes Design für jeden zugänglich macht. Jacqueline Möck, 23 Kommunikationsgestaltung 3. Semester


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„Es wäre nichts für mich, später irgendwo angestellt zu sein und für jemanden zu arbeiten. Ich will mein eigener Chef sein.“

„Ich möchte meine beiden Leidenschaften verbinden: Visuelles Gestalten und Musik machen.“ Ich wünsche mir, eine Anlaufstelle für Musiker zu gründen. Einen Komplex, der all das beinhaltet, was man für eine erfolgreiche Musikkarriere braucht. Dort können Tonaufnahmen gemacht werden, man kann professionelle Fotos aufnehmen, ein Musikvideo drehen oder einen Live Auftritt managen lassen. Dieses Unternehmen würde ich am liebsten mit meinem Bruder gründen, mit dem ich schon heute Musikaufnahmen im eigenen Homestudio mache. Jörg Kahlhöfer, 21 Kommunikationsgestaltung 3. Semester

Der Idealfall wäre, nach dem Master mit ein paar Leuten ein eigenes Designbüro zu gründen und bekannt zu werden. Am liebsten in einer Großstadt wie München oder Hamburg. Ich wünsche mir, für große Kunden zu arbeiten und in einer Forschungsgruppe Konzepte zu anspruchsvollen Projekten zu entwickeln, zum Beispiel im Bereich Invention Design. Apps für das iPhone zu entwerfen wäre mir zu wenig. Dominik Witzke, 24 Interaktionsgestaltung 7. Semester

„Ich finde es spannender, es einfach auf mich zukommen zu lassen.“ Ich habe noch keine konkreten Träume oder Vorstellungen in Bezug auf meine spätere Tätigkeit. Nach meiner Ausbildung zum Goldschmiedemeister machte ich den nächsten Schritt und entschied mich für ein Studium im Bereich Produktgestaltung. Man kann nicht alles planen, ich lasse es einfach auf mich zukommen und genieße die Studienzeit. Thomas Schlüter, 23 Produktgestaltung 2. Semester


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„Nein“ statt   „Ja“,   „Ja“   statt     „Nein“

Simon, Tobias, Tabea, Melanie, Tatjana, Felicitas und ich und sitzen in der Bibliothek der HfG. Es ist spät und wir sind genervt, genervt von diesem Artikel, der nicht fertig werden mag. Er hat keinen Anfang und keinen Schluss, er hat Sinn, doch keinen Inhalt. Der Bauch knurrt, die Laune sinkt. Statt in der Bibliothek zu sitzen, könnten wir in der WG sein, mein Mitbewohner hat eingeladen, es dürfte viel los sein. Speis und Trank, später KKF. Tobi wäre bereits im KKF und Meli längst auf dem Heimweg Richtung Ulm. Tabea hätte soeben ihre siebte Zigarette geraucht, unser zweites Bier wäre getrunken. Die Bibliothek wäre leer, Hanna Heer allein, in Ruhe. Wir wären betrunken, Übelkeit von Speis und Trank. Im Radio sagen sie, auf der Autobahn Richtung Ulm gab es

einen Unfall, Meli fährt zum Glück erst Morgen nach Hause. Diese eine könnte die letzte Zigarette für Tabea gewesen sein. Tobi hätte einen Rausch und wäre morgen früh niemals zu Englisch gegangen. Der Englischunterricht war interessant, es kamen Fragen auf: „Wenn wir alle allem viel Freiraum lassen, reduzieren, auf Farben verzichten, die Univers verwenden. Wodurch unterscheidet sich dann das Eine vom Anderen, geht die Individualität verloren?“ Fragen, die mich, dich und Tobi interessieren. Fragen, die selten gestellt werden, zum Glück waren wir im Englischunterricht. Dank der Format, dank Frau Heer, dank des Artikels. Ich bleibe dran, ich schreibe den Text, gleich morgen. „Blick zurück nach vorn“; hätte ich mich in der Vergangenheit anders entschieden, hätte ich andere Wege eingeschlagen, „Ja“ statt „Nein“, „Nein“ statt „Ja“. Wir wären nicht hier, nicht an der HfG, nicht in der Format. Ich wäre jetzt nicht Zuhause, auf der Couch. Ich würde diesen Text nicht verfassen, sondern mit den anderen losziehen, Musik hören, Bier trinken, Zigarette rauchen. Hier kann ich nicht rauchen, Mama schimpft. Es ist Montag, Montag in den Ferien, deshalb der Drang nach draußen, der Drang um die Häuser zu ziehen. Es sind immer Montage, jeden Montag ab 19.00 Uhr Format-Treffen, außer in den Ferien. Doch jetzt sitze ich auf der Couch, hier drin statt draußen und schreibe diesen Text. Ich schreibe diesen Text in den Ferien. Einen Text ohne Anfang und ohne Schluss, mit Sinn ohne Inhalt. Ich hätte „Nein“ statt „Ja“ sagen sollen. Hätte ich „Nein“ statt „Ja“ gesagt und diesen Text nicht geschrieben hätte der Auslandsbeitrag von Chris nicht so drastisch gekürzt werden müssen und du wüsstest schon, wie ein Auslandssemester in Madrid ist, ein Text


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welcher weiter hinten in diesem Magazin folgt. Du hättest bereits jetzt bunte Bilder von anderen Ländern gesehen und dir eine Meinung zum Thema E-Books bilden können. Jetzt liest du Zeile für Zeile und fragst dich vermutlich nach dem Inhalt, er ist durcheinander, quer, doch er ist echt. Stücke aus dem Leben gegriffen, die mit diesem Artikel scheinbar zusammenhängen und Dinge unbewusst beeinflussen. Gestern habe ich meiner Mutter den Sinn und die Idee des Artikels beschrieben und ihr anfängliche skizzenhafte Textzeilen vorgelesen. Roh und wirr, doch sie war begeistert und redete genauso durcheinander, wie ich geschrieben hatte. Sie erzählte von Ereignissen, die sie in der Vergangenheit, aufgrund von richtigen oder falschen Entscheidungen, erlebt oder gesehen hat. Es war das Jahr 1983, Mama 23, Papa 26, ein junges verliebtes, außerordentlich schönes Paar. Sie wohnt über meiner Uroma (Ticktackoma), klein, rund, Kittel, Schürze, Dutt. Die Miete ist deshalb billig, dafür muss sie wie so häufig mit einkaufen fahren. Uroma rennt in den Supermarkt, Moni (Mama) nach kurzer Zeit in den daneben liegenden SecondHand-Shop. Oma findet Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch, alles kein Problem. Moni einen wundervoll wertvollen alten Esstisch für 70 Mark, ein Problem. Der Tisch passt auch nach dem zehnten Versuch nicht ins Auto und auch nicht aufs Auto, scheiß Käfer. Peter, ein junger Typ, Mitte dreißig, ohne Tattoos, beobachtet die Szene und bietet nach einer Weile seine Hilfe an. Sie fährt vor, er nach, sie ist schön, er charmant. Nach einem Danke und einem Kaffee tritt Peter seinen Rückweg an. Perfektes Timing, Papa kommt. Er fährt sich lässig durch die Haare, Kippe ist an, Jeansjacke sitzt „Hey Moni, sorry, aber ich fühl mich noch zu jung für eine feste „Beziehung“. Sie heult, er feiert, er kriegt Dates, sie Post. Im Briefkasten liegt eine Postkarte, unterzeichnet von Peter mit Nummer und einem

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kleinen Bild. Mama wurde begehrt, Papa traurig. Nach drei Wochen entschieden sie sich wieder für einander. Welch Glück für die HfG, die Format und diesen Artikel – sonst gebe es mich nicht. Es gibt nicht immer ein zurück, deshalb ist es so schwer sich zu entscheiden, man muss die „richtige“ Entscheidung treffen. Solange man sich nicht entscheidet, scheint es fast so, als bleiben alle Möglichkeiten offen. Eine Entscheidung, obgleich sie mit „Ja“ statt „Nein“ oder „Nein“ statt „Ja“ beginnt, kann nie falsch getroffen werden, jeder Weg hat genauso viel Bedeutung. Das komplette Ausmaß ist für dich, den Entscheidungsträger, nicht mehr zu verfolgen, es ist das „ jetzt“, das dich urteilen lässt, doch was aus der Entscheidung entsteht, ist von viel größerem Wert für dich und dein Umfeld – Entscheide dich. Text: Alina Schmid, Philipp Ries


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Ein Semester woanders Im sechsten Semester haben alle Studierenden die Chance, ein Austauschsemester an über 30 Partnerhochschulen auf der ganzen Welt zu absolvieren. Im Folgenden zeigt FORMAT acht Berichte aus dem Wintersemester 2012/13.

Mützen sind Pflicht! Beanies halten nicht nur warm, sondern markieren den Status der „Kreativen Freiheit“. Zwischen all dem Individualismus wird gelehrt, wie dänisches Design entsteht. Pur, echt, mit einem Hang zum Ausgefallenen. Dieses Denken findet sich in der gesamten dänischen Kultur wieder. An der Universität baut sich jeder seine Ausbildung nach Interessensgebieten zusammen. Gelernt wird das, was einem liegt und interessiert. Man ist dazu angehalten mit Form, Struktur und Materialien zu experimentieren. Die Universität bietet nicht nur im gestalterischen Sinne sehr viele Möglichkeiten sich selbst zu entdecken und weiterzuentwickeln. Die Werkstätten sind super ausgestattet und an den Maschinen kann 24 Stunden am Tag gearbeitet werden.

Es ist möglich, auch Kurse von anderen Designrichtungen, wie zum Beispiel Mode-, Game-, Produktionsdesign, Kommunikations-, Raum- / Möbel- und Industriedesign zu belegen. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Freunde für‘s Leben lassen sich hier allerdings nicht finden, da der skandinavischen „Kühlheit“ treu geblieben wird. Jedoch wachen selbst die scheusten Dänen unter Alkoholeinfluss auf und dann kann man sich auf einen sehr verrückten und lustigen Abend freuen! Kopenhagen – Dänemark – The Royal Dansih Acadamy of Fine Arts School of Design (DKDS) Studentin: Jasmin Karatas (PG)


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Mein Auslandssemester führte mich ins Land der Träumer und Bekloppten, in die USA. Die Ohio State University zählt unglaubliche 60 000 Studenten. Auf den Designstudenten warten motivierte Dozenten von lokalen Designbüros, eine ausgezeichnete Design Research Vorlesung und Professoren mit hohem Unterhaltungsfaktor. Die Kommilitonen sind zurückhaltend aber freundlich, es ist alles etwas anonymer als zu Hause. Trotzdem trifft man sich spätestens am Abend vor der Präsentation mit Dosenbier und Pizza im Studio. Ich bin vor allem wegen der Kultur und Sprache nach Amerika gekommen. Für alle ignoranten Europäer, die behaupten Amerikaner hätten keine Kultur – Bullshit! Es gibt Kunst, Essen, Architektur, Musik, Literatur und, wie in diesem Jahr, die Präsidentschaftswahl, die ich hier im wichtigen Swing-State Ohio hautnah miterleben konnte.

Irgendwann habe ich angefangen Englisch zu denken. Und wenn man doch mal etwas nicht versteht, erklären einem die Amerikaner auch alles gerne dreimal. Aufgrund der recht hohen Lebensmittelpreise sollte man besser keine Angst vor Fast Food haben, denn dieses ist oft nicht teurer als etwas Selbstgekochtes. Ich habe Beef Jerky und Sellerie-Schiffchen mit Erdnussbutter probiert und das wahrscheinlich beste Steak meines Lebens mit Barbecue-Sauce und French Fries gegessen. Und wenn der Prof morgens eine Tüte mit 20 warmen Donuts mitbringt, ist die Sehnsucht nach deutschen Backwaren auch für eine Weile verflogen. Ohio–USA – Ohio State university (OSU) Student: Robin Ritter (PG)


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Als ich die Moholy-Nagy University in Budapest entdeckt habe, war ich von Anfang an sehr interessiert. Verschiedene Departments in Grafik, Media, Fotografie, Textil und Industriedesign mit ansprechendem, modernen und multimedialem Auftritt. Passend für jemanden, der sich nicht auf ein Medium spezialisieren möchte. Die MOME legt bei der Ausstattung einen anderen Schwerpunkt als die HfG. So gibt es eine umfangreiche Werkstatt für Buch- und Siebdruck und ein großes Fotolabor. Moderne und hochwertige mediale Geräte, wie im Medienlabor der HfG, findet man hier allerdings kaum. Wenn doch, sind diese nur eingeschränkt nutzbar. Dies spiegeln auch Arbeiten im Department Graphic Design wider, welche eher freihändisch und künstlerisch geprägt sind. Im Media Design Department wird viel mit Medien, Gestaltung, Kommunikation und Installation experimentiert. Diese Einsicht wurde mir aber erst gegen Ende klar, da ich es für sehr schwierig empfand, in die Philosophie der gesamten Hochschule einzutauchen beziehungsweise zu verstehen, was dahinter steckt. Budapest – Ungarn – Moholy – Nagy University of Art and Design Budapest (MOME) Student: Chris Gackenheimer (KG)

Die Fakultät hier heisst „Bellas Artes“, soviel wie „Freie Kunst“. Der Name ist Programm. In den Kategorien Restauration, Kunst und Design kann man von Malen, Zeichnen, über Skulptur-Kurse und Szenografie, bishin zu Fotografie und Videokursen, alles belegen. Ich wollte das Auslandssemester als Vorbereitungszeit für meinen Bachelor nutzen und habe deswegen unter anderem die Kurse „Audiovisuelle Technik“ und „Media Art Technologie“ belegt. Die meisten Studenten sind Gruppenarbeiten nicht gewohnt, was schnell zu Chaos führt. Zudem wird oftmals nicht mit Photoshop oder Indesign, sondern mit Word, gearbeitet, wofür es ein vorgefertigtes Layout gibt. Ich war schockiert! Die meiste Zeit analysiere ich Kunstwerke, male in Paint und ärgere mich über die unstrukturierte Studentenplattform. Semesterprojekte gibt es keine. Organisation und Ablauf der Fakultät sind ziemlich anstrengend. Nach zwei Monaten habe ich noch immer keinen Studentenausweis. Geht es um die eigene Arbeit, hält sich die studentische Hilfsbereitschaft in Grenzen. „Ich bin Künstler, ich bin frei.“ – Das muss ich wirklich nicht verstehen! Zur Stadt: Madrid ist phänomenal! Neben den vielen Tappa-Bars, besetzten Häusern und ständigen Demonstrationen gibt es wunderschöne Grünflächen. Es wird selten langweilig, da ist wirklich für jeden was dabei! Madrid – Spanien – Universidad Complutense de Madrid (UCM) Studentin: Mouna Bouafina (KG)


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Was so sicher ist wie Ganeshas monströser Elefantenkopf: In Indien muss man sich in sehr viel Geduld und Ruhe üben, was unter anderem der gnadenlosen Sturheit und dem frechen Pascha-Theater der Männer zu verdanken ist. Dadurch lässt ein halbes Jahr Indien vor allem deine Grundkompetenzen wachsen. Laut Statistik kann nur ein Bruchteil der indischen Bevölkerung Englisch, aber wenn es um die rollende Rupie geht, stellt sich heraus, dass ein Inder doch die erforderlichen Wörter zur Geldeintreibung kennt. Das Designdepartment ist, wie sich später herausstellen sollte, “nur“ ein Masterprogramm, was nicht heißt, dass es hier professioneller zugeht. Abgabetermine wurden alle zweimal um einen Monat verschoben, da keiner der Kommilitonen auch nur ansatzweise etwas vorzuweisen hatte.

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Trotzdem möchten wir die Zeit um nichts eintauschen. Die Menschen haben einen kulturellen Hintergrund, der nicht weiter entfernt von der deutschen Erziehung sein könnte und mittendrin zu sein, war besser als jedes TV-Format. Das ist nur ein Grund dafür, warum man in Indien die Priorität auf Kulturerfahrung legen sollte. Wir haben uns den Semesterplan nicht gerade vollgepackt, um so viel wie möglich von dem Land zu sehen. Was wir hier erlebt haben, die guten wie die schlechten Erfahrungen, ist – auf den Punkt gebracht – einfach abartig und einmalig. Mumbai – Indien – International Institute of Technology Bombay (IIT) Studenten: Elisa Eichner (KG), Maike Schütze (PG)


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Bereits die ersten zwei Wochen meines Auslandssemesters haben mir gezeigt, wie eine Stadt mit einem Studentenanteil von vierzig Prozent so tickt. Mit ca. 100 000 Einwohnern ist die Stadt recht klein und daher ein großer Campus unterschiedlichster Fakultäten. Auf dem Ingvar Kamprad Design Campus befinden sich rund 125 Studenten, welche in fünf Klassen unterteilt sind. Im Gegensatz zur HfG wird nur der Studiengang Industrial Design angeboten. Die Kurse finden in Blockseminaren statt. Die Studenten werden bewusst nicht in eine Richtung gelenkt, sondern haben die Chance, ihren eigenen Stil und Arbeitsweise zu entwickeln. Dies führt für einen strukturierten HfG'ler schon mal zu Verwirrung. Im Gesamten vermittelt die Hochschule eine breit gefächerte Ausbildung mit viel KnowHow, ohne dabei den Spaß am Gestalten und an der Individualität zu verlieren. Jedes Semester besitzt zwei „Klassenzimmer“, in denen die Studenten ihren eigenen Arbeitsplatz mit Schreibtisch, Regal, etc. besitzen. Gearbeitet wird allerdings fast ausschließlich am eigenen Rechner. Die Gebäude und Werkstätten sind gut ausgestattet und rund um die Uhr geöffnet. Mitnehmen werde ich nicht nur die Freundlichkeit und Gelassenheit der Schweden, sondern auch neue Denkansätze, kreatives Arbeiten und ein erweitertes Urteilsvermögen. Ob ich die School of Industrial Design in Lund weiterempfehlen würde? Absolut! Hejdå! Lund – Schweden – Ingvar Kamprad Design Campus (IKDC) Studentin: Kristina Bauer (PG)

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Es dauerte nicht lange, bis ich mich in alle meine Wunschkurse eingeschrieben hatte. In zwei Kursen habe ich Kooperationen mit den Unternehmen Mercedes und Medion (Warum geht man eigentlich nach Budapest, um dann Kooperationen mit deutschen Firmen zu haben) Bevor ich hier her kam, habe ich gedacht, dass der Studiengang TransportationDesign nur etwas für Studenten ist, die keine Freunde haben und nichts anderes als Autos zeichnen können (sorry für's ins Schubladen schieben). Allerdings hat sich dieser Kurs für mich als die beste Zeichen- und Proportionslehre herausgestellt, die es geben kann – inklusive hervorragenden Lehrern und hilfsbereiten Kommilitonen, mit denen man auch mal abends ein Bier trinken gehen kann – und ja, manche sind schon ein bisschen freaky. Für diejenigen, die nicht an Autos interessiert sind, gibt es aber auch noch viele andere hervorragende Kurse wie FurnitureDesign, Glas, Keramik, (Akt-)Zeichnen und den klassischen Basic Design-Kurs,  der eigentlich so wie die Kurse bei uns abläuft. Wer lieber während des Semesters herumreisen und chillen möchte, ist in diesem Studiengang, an dieser Hochschule allerdings nicht richtig. Ich würde auf jeden Fall jedem Produktgestalter empfehlen, ein Auslandssemester in Budapest in Erwägung zu ziehen. Budapest – Ungarn – Moholy-Nagy University of Art and Design Budapest (MOME) Studentin: Anna Karin Nehls (PG)


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Unseren Wunschplatz haben wir nicht bekommen, aber immerhin einen Platz in Manchester. England – ja, es regnet. Ohne Plan machen wir uns auf zur University of Salford. Nach freundlichem Empfang führt man uns durch das Gebäude, schwärmt von den Gmünder Studenten und verspricht uns tolle Kurse während unseres Aufenthaltes. Dafür ist John zuständig, doch John ist nicht da. Eine Woche später steht er dann doch vor uns. Er hätte es leicht mit Harry Potters Hagrid aufnehmen können, doch von dessen Herzlichkeit und Begeisterung scheint er wenig zu haben. Etwas unfreundlich schaut er uns an, mustert uns skeptisch und unterbreitet uns die Kursvorschläge: „Drei Kurse müsst ihr wählen. Diese drei könnt ihr wählen“. „Hä – und wo war jetzt die Wahl?“, John erklärt uns, dass es eben keine anderen Kurse für uns gibt. Sie seien zu schwer für uns und mit unserem Vorlesungsplan nicht kompatibel. Willkommen an einer Uni mit 25 000 Studenten.

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Durch den Regen stapfen wir in unser jeweils 8 m 2 großes Zimmer im Wohnheim zurück und muntern uns auf dem Weg dorthin gegenseitig auf: Wir haben schließlich ein hartes Bewerbungsverfahren hinter uns, wie auf einen heißbegehrten Managerposten. Resultat nach den ersten drei Wochen sind Zeichnungen von Würfeln, Zylindern, Pyramiden und anderen geometrischen Grundkörpern, welche wir aus Papier – und sogar aus Blauschaum – gebaut haben. Nichts für ungut, aber das haben wir bereits in der Schule, in der Ausbildung und natürlich in Gmünd gemacht. Haben die sich wohl jemals unsere Portfolios angeschaut? Täglich versuchen wir die Professoren davon zu überzeugen, doch noch die Kurse wechseln zu können. Nach sieben Wochen ein Lichtblick. Ab jetzt dürfen wir ein Projekt mit dem zweiten Jahr machen und wir werden diesmal ein „echtes Modell“ bauen! Doch da ist unsere Motivation schon lange auf der Strecke geblieben. Zurück in Deutschland steht die Bachelorvorbereitung an, denn dafür haben wir in England leider nichts gelernt. Salford – England – University of Salford Studenten: Daniel Wünsch (PG), Pierre Thurner (PG)


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Die konstruierte Schrift Tilde Medium entstand als ein freies Studien-

projekt, dessen Grundgedanke es war, eine plakative Display

Schrift für Headlines zu entwerfen. Mit ihren geometrischen

Grundformen erinnert sie auf den ersten Blick an klassi-

sche Groteskschriften aus der Zeit des Konstruktivismus.

Auf den zweiten Blick offenbaren sich jedoch eigenwillige Details und Brüche. Mit der Hilfe von Prof.

Daniel Utz entstand eine voll funktionsfähige Schrift, die eine größere Schriftgröße voraus-

setzt um gut zur Geltung zu kommen. Auf Anfrage kann die Schrift gerne für Studien-

projekte verwendet werden.

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ABCDEHfG IJKLMNOPQR STUVWXYZ abcdehfg ijklmnopqr stuvwxyz 1234567890 äöü&ß?!.,


Tilde medium

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Aa


Tilde medium

Cc

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Nur Klonen ist schöner

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Schwachsinn im Angebot

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Der vorprogrammierte Mensch

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Es kann auch anders gewesen sein

Es gibt kein warum Eine Kette hält nicht Der große Schwindel Pneumanisch 95 - 95 - 95

Kontakt: armin.brenner@hfg-gmuend.de markus.john@hfg-gmuend.de

30 pt

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Was nicht ins Raster passt

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Laborwoche, Wintersemester 2012/13

In jedem Semester bietet die Hochschule für Gestaltung eine Seminar- oder Laborwoche an. Dies wird von den Studierenden gerne angenommen, da es eine gelungene Abwechslung zum Studienalltag bietet. Wir zeigen Eindrücke und eine Übersicht der Laborwoche im Wintersemesters 2012/13.

3 Analoge s/w Labortechnik Der Kurs gab Einblicke in die analoge Arbeitsweise der s/w Fotografie. Neben der Vermittlung von theoretischen Grundlagen wurden in einer praktischen Anwendung, die belichteten Filme entwickeltm, sowie Abzüge hergestellt.

1 The fucked up radio Das Ziel dieses Workshops war vor allem, Techniken und Arbeitsmethoden im Bereich Physical Prototyping zu vermitteln. Diese wurden am Beispiel des Radios erarbeitet. Kommt ein Radio beispielsweise ohne Knöpfe und Drehregler aus?

4 Der wahre Preis der Dinge –Nachhaltigkeit Die Studierenden beschäftigten sich mit Methoden zur Bewertung der Nachhaltigkeit. Dazu wurden selbst Konzepte entwickelt, welche sich mit dem „Wahren Preis der Dinge“ auseinandersetzten.

2 Konstruktion, Visualisierung und Animation in 3D Der Workshop vermittelte grundlegende Vorgehensweisen und Visualisierungstechniken in der Produktgestaltung. Neben Tipps zu grundlegenden Kriterien digitaler Darstellungstechniken, konnten die Studierenden ihre Kenntnisse im Umgang mit dynamischen Visualisierungsmethoden weiterentwickeln.

5 Ringe für den Finger aus Silber Zunächst mussten Ringmodelle aus Papier und Plastilin entworfen werden. Diese dienten als Grundlage für eine Sandgussform, mit welcher die Ringe gegossen wurden.

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6 Rendering Der Kurs vermittelte Fähigkeiten zur zeichnerischen Umsetzung von Ideenstrukturen. Sowohl der Findungsprozess, als auch die Ergebnisse der einzelnen Projektstadien, wurden sichtbar. 7 Packaging Der Kurs Packaging vermittelte ein Gespür für die kommunikative und emotionale Wirkung, sowie für die technischen Aspekte der Verpackung. Durch Dialog, Exkursion zur Branddesignagentur Eberle und der Entwicklung von Verpackungskonzepten, erhielten die Studenten einen umfangreichen Einblick in die Verpackungswelt.

9 Lego-Largeformat-Kamera Projekt Mit Hilfe von Legobausteinen entwickelten die Studenten Großformatkameras. Dabei wurde ihnen ein Grundverständnis des fotografischen Prinzips vermittelt. 10 Hart-Weich Mit Hammer und Meißel, bearbeiteten die Studenten unter der Leitung von Volkmar Mayer, einen Ytong-Stein und gaben ihm Freiformflächen und weiche Kanten. 11 Pop-Up Lounge Cloud Durch die Nutzung von Kartons, entstand im Atrium eine temporäre Rauminstallation, welche gleichzeitig als Bar, Möbel und Bühne für die Ergebnisse der Laborwoche diente.

8 Filmkurs für Gestalter der Zukunft Die Design-Hochschule der Zukunft. Dafür wurden die innersten Wünsche und Bedürfnisse der Studierenden und Lehrenden der Hochschule mit Hilfe von persönlichen Interviews in den Fokus genommen. Letztendlich entstand das Projekt „Why limit yourself“.

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12 Designing Emotions Ob sich Produkte oder Dienstleistungen gut verkaufen hängt von der Entscheidung der Käufer ab – und diese sind zu 90% von unseren Emotionen geleitet. Wie kann ich Emotionen besser verstehen und in zielgruppengerechte Gestaltung transferieren? 13 Urbaner Raum Es wurde scheinbar ungeplanter Stadtraum, Nischen, Zwischenräume, verwahrloste Orte im urbanen Raum betrachtet. Anhand einer Analyse der jeweiligen, ortsspezifischen Problemstellungen, sollten gestalterische oder inszenierte Interventionen realisiert werden. 14 Ulmer Hocker Wie schon bei den vorangegangenen Laborwochen, bestand auch diesmal die Möglichkeit, seinen eigenen Ulmer Hocker zu bauen.

15 Massive Media Installation In diesem Kurs wurden mehrere Medien mit vvvv verbunden. So wurde über einen LEDAufbau und vier Monitore ein Rennspiel gezeigt. Die Strecke wurde von einem ersten Spieler durch Gestik vorgegeben. Worauf der zweite Spieler, zeitversetzt, diese in einem Chassis nachfuhr. 16 Multiscreen Experience Design Das Ziel war es, den eigenen Fokus zu schärfen, über den Tellerrand zu blicken, neue Eindrücke, Ansätze und Inspiration für die tägliche und zukünftige Arbeit im Bereich digitaler und auch analoger Medien zu gewinnen und allgemein über das Thema Multiscreen und zukünftige Herausforderungen zu diskutieren.


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Die Anfänger

Seit dem Wintersemester 2012/13 zählt das Kollegium der HfG fünf neue Gesichter. Dabei wurden besonders die Studiengänge Kommunikations- und Interaktionsgestaltung ausgebaut. FORMAT filmte mit versteckter Kamera und stellt die Neuzugänge in Bildreihen vor. Text: Vanessa Kammerbauer Fotografie: Daniel Wojcik, Philipp Brucker, Tobias Albrecht

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Prof. Dr. Dagmar Rinker Die ehemalige Leiterin des HfG Archivs in Ulm betreut die Fächer Designgeschichte, Designforschung und Ausstellungstheorie. Ihre Promotion erhielt sie an der TU München. Während ihrer Zeit am HfG Archiv hat sie verschiedene Ausstellungen kuratiert. Diese langjährige Erfahrung möchte sie nun an die Studenten der HfG weitergeben.

Prof. Jens Döring Der gebürtige Dresdner wurde für eine Professur in der Interaktionsgestaltung an die HfG berufen. Sein Studium schloss er an der Hochschule der Medien in Stuttgart ab. Neben einigen Lehraufträgen gründete er 2006 seine eigene Agenur 2av-media art office und konnte dadurch bereits viel Erfahrung für seine Lehrtätigkeit sammeln.

Prof. Daniel Utz Der diplomierte Grafik-Designer hat selbst an der HfG studiert. Im Jahr 2006 eröffnete er sein eigenes Büro in Stuttgart und begann seine Tätigkeit als Dozent an der HfG. Außerdem lehrte er einige Jahre an der Universität Ulm. Seit dem letzten Semester ist er Professor für den Bereich Entwurf.

Prof. Marc Guntow Nach seinem Studium im Bereich Architektur und Design war er zunächst bei hg merz architekten tätig, bis er sich 2006 schließlich selbständig machte. Er gestaltete bereits eine Vielzahl von Ausstellungen für Kunden im In-und Ausland und bringt beste Voraussetzungen für seine Lehrtätigkeit im Bereich der Ausstellungsgestaltung mit. Prof. Andreas Teufel Der aus Bremen stammende GrafikDesigner ist für eine Professur im Studiengang Interaktionsgestaltung an die HfG berufen worden. Neben seiner Qualifikation als erfolgreicher Mediendesigner hat er außerdem als Dozent an den Hochschulen in Potsdam und Bremen gelehrt.


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Karl Gerstner Preis 2012

Karl Gerstner Preis 2012 Preisträger Platz 1 Fabian Fischer Interaktionsgestaltung Platz 2 Sven Stumm Interaktionsgestaltung Platz 3 Fabian Schröbel Kommunikationsgestaltung

Seit 2011 wird der Karl Gerstner Preis für herausragende Studienleistungen in den gestalterischen Grundlagen verliehen. Durch ihn sollen die Studierenden in ihrer Arbeit bestätigt sowie ermutigt und motiviert werden, ihr Studium mit Engagement und Begeisterung fortzusetzen. Als der Unternehmer Christian Holzäpfel die Semesterausstellung besuchte, war er sehr beeindruckt von den Projekten aus den Grundlagensemestern. Er wollte die Grundlagensemester daher mehr fördern und hatte daher die Idee eines Gestaltungswettbewerbs, an dem Studenten der Gundlagensemester teilnehmen könnten. Da dies jedoch mit erheblichem Arbeitsaufwand und zusätzlichem Stress für die Studenten verbunden wäre, verwarf er diesen Gedanken und entschied sich hingegen dazu, einen Preis zu stiften. Der Preis sollte mit keinem

Mehraufwand einhergehen und Studenten sollten zukünftig durch eine hochschulinterne Kommission von Professoren und Professorinnen nominiert werden. Dies schlug er Rektorin Christina Salerno vor, welche begeistert alle nötigen Schritte einleitete, um den Vorschlag in die Realität umzusetzten. Der erste Platz des Karl Gerstner Preises ist mit 500 Euro dotiert. Jeweils drei Studierende aus jedem der drei Studiengänge der Interaktions-, Kommunikations- und Produktgestaltung nominiert. Bewertet wird ein Portfolio ihrer Studienarbeiten, das aus jedem der drei Grundlagensemester ein repräsentatives Projekt beinhaltet. An einem Abend im Herbst findet die Preisverleihung statt. In bisher kleinem Kreise, zu dem Studierende, Professoren und Professorinnen, Vertreter aus der Politik und sonstige Interes-


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Von links nach rechts: Prof. Dr. Dagmar Rinker, Preisträger Fabian Fischer, Prof. Franklin Hernandez-Castro, Stifter Christian Holzäpfel, HfG-Rektorin Cristina Salerno, Prof. Dieter Raffler und Preisträger Fabian Schröbel

sierte eingeladen sind, werden die Preisträger bekanntgegeben. 2011 fand die Preisverleihung im großen Hörsaal der HfG Schwäbisch Gmünd im Gmünd Tech statt, 2012 wurde sie dagegen im Prediger und damit mitten in Schwäbisch Gmünd ausgerichtet. Die Jury besteht aus international angesehenen Design-Fachleuten unter anderem Prof. em. Dieter Raffler (ehemaliger Student der HfG Ulm), Prof. Dr. Franklin Hernández-Castro (Dekan und Professor am Instituo Tecnológico de Costa Rica) und Prof Dr. Dagmar Rinker (ehemalige Leiterin des HfG-Archiv Ulm). Karl Gerstner, der Namensgeber dieses Preises, ist 1930 in Basel geboren und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Schweizer Typografie. Die Vielseitigkeit und Prägnanz seiner Arbeiten als Schweizer Grafiker und Werber brachten ihm im deutschsprachigen Raum, wie auch auf internationaler Ebene,

höchste Anerkennung ein. Er ist Mitbegründer der Schweizer Werbeagentur „Gerstner, Gredinger + Kutter“. Nach seinem Rückzug aus der aktiven Agenturtätigkeit entwickelte er unter anderem die Corporate Identity für die Unternehmen Swissair, Burda und Langenscheidt. Seine Bücher über Typografie gehören zur Pflichtlektüre für ganze Generationen von Grafikdesignern. Text: Daniel Otto Fotografie: Daniel Wojcik


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allgäu airport Memmingen

Kommunikationsgestaltung 6. Semester Kontakt Marius Riether mail@marius-riether.de Jochen Strotzer mail@jochenstrotzer.de Christian Witt Betreuung Prof. Daniel Utz

Thema war die Konzipierung eines Orientierungssystems und Erscheinungsbildes für den allgäu airport Memmingen. Die Wahl des Regionalflughafens mit einer Kapazität von bis zu 1,5 Millionen Passagieren pro Jahr war in der relativen Überschaubarkeit der Einrichtungen und damit dem zeitlichen Rahmen eines Semesterprojektes begründet. Mit den Anforderungen eines Flughafenleitsystems und -erscheinungsbildes gehen diverse Vorgaben, Einschränkungen, internationale Konventionen und deutsche Normen einher. Allgemeingültigkeit und Verständlichkeit sind deshalb besonders wichtig. Bestimmte Faktoren wie Stress und Zeitnot der Nutzer bedingen weiterhin die Gestaltung. Regionalflughäfen bieten ein breites Anwendungsspektrum zur Implementierung eines Designs, das diesen Problemen Rechnung trägt. Relevant sind unter anderem die Architektur, infrastrukturelle Begebenheiten, die Einbindung digitaler Kommunikationskanäle und lokale Aspekte. Das Ziel war in erster Linie, den Fluggästen die Orientierung zu erleichtern. Die identitätsstiftende Funktion von Leitsystem und Erscheinungsbild stellte den zweiten wichtigen Punkt des Projektes dar. Mittels Analyse, Tests und Variantenbildung sollten im Zuge des Semesters grundsätzliche als auch spezielle Lösungen erarbeitet werden.

Bei Orientierungssystemen für Flughäfen können verschiedenste Gewichtungen und Prämissen festgestellt werden. Zwischen individuell-verspielten Designs im touristischen Kontext à la Ruedi Baur bis hin zu formalnüchternen Ausführungen wie in München oder Zürich wird selbst ein Laie massive Unterschiede feststellen. Im Zuge des Projektes sollten die maßgeblichen Merkmale und Eigenheiten bestehender Systeme näher analysiert und daraus gewonnene Erkenntnisse in die eigene Planung aufgenommen werden. Zur Erläuterung und Simulation wurden Renderings und Architektur-Diagramme erstellt. Während des Entwurfsprozesses wurden auch digitale Modelle genutzt, um schnell und anschaulich Zwischenschritte darzustellen. Eine auszugsweise Umsetzung des Orientierungssystemes zur Prüfung der Funktionalität war ebenfalls Teil des Endergebnisses. Um dem Aspekt des Erscheinungsbildes Rechnung zu tragen, wurde eine exemplarische Gschäftsausstattung und deren probeweise Implementierung in möglichst differenzierten Bereichen umgesetzt.


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Mesh Experience

Interaktionsgestaltung 3. Semester Sommersemester 2012 Kontakt Fabian Fischer fabian.fischer@hfg-gmuend.de Florian Friesinger florian.friesinger@hfg-gmuend.de Sven Stumm sven.stumm@hfg-gmuend.de Betreuung Prof. Michael Götte Veldana Sehic Andreas Brendle vimeo.com/57783565

Spätestens seit so ganannten VJs ( Visual Jockeys) in die Club- und Disco-Szene eingebrochen sind und mit großflächigen Video- und Lichtinstallationen die Räume passend zur Musik aufpeppen, um die Nacht für Besucher auch zu einem Erlebnis für die Augen zumachen, sind Musikvisualisierungen – oder englisch Visuals – keine Seltenheit mehr. Mesh Experience, eine interaktive GitarrenInstallation, bringt dieses Erlebnis auf die Bühne von Live-Konzerten. Unser Ziel war es, die Musik nicht nur für den Betrachter, sondern auch für den Musiker selbst über das auditive hinaus erfahrbar zu machen. So wird die Projektion Teil des Musikers und folgt ihm durch Tracking auf Schritt und Tritt. Einer der wichtigsten Aspekte von Mesh Experience war die Lesbarkeit. Das Grundgerüst besteht aus einem Kreis, der sich aus insgesamt

48 Punkten zusammensetzt, die anhand ihrer Tonhöhe um den Gitarristen herum angeordnet und gefärbt sind. Gespielte Töne entfernen sich je nach Spielstärke entsprechend weit vom Musiker, besonders stark gespielte Töne bleiben dabei auf der Bühne stehen und werden mit nahe liegenden Punkten verbunden. Es entsteht ein flächiges Netz aus Tönen, das je nach Spielart variiert. Offen und großflächig bei langsamen Passagen oder dicht und kompakt in schnellen Soli. Wichtig hierbei ist jedoch immer die Bewegung des Gitarristen, mit der er selbst die gesamte Visualisierung stark beeinflussen kann. Bei Bendings oder Slides bekommt der Kreis eine Drehung, wodurch nicht nur die Position des gespielten Tons sondern auch die Dynamik der Projektion beeinflusst wird. Mesh Experience funktioniert am besten, wenn es für entsrechend des Musikstils und der Spielwei-


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se angepasst wird. Da es komplett in vvvv programmiert wurde, können zahlreiche Parameter verändert und variiert werden – auch live während der Performance. Wir sehen in der Installation jedoch noch mehr Potential. So könnten nicht nur der Gitarrist sondern mehrere Musiker ein unterschiedliches visuelles Feedback ihrer Musik erzeugen und so die Bühne in eine große farbenprächtige Netzstruktur verwandeln.

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MIRO-Lab

In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wurde ein ergonomischer und prozessoptimierter Arbeitsplatz für das Chirurgiesystem MiroSurge entwickelt. Dieses ist ein vielseitig einsetzbares Telerobotersystem für die minimal-invasive Chirurgie, welches sich derzeit noch in der Entwicklung befindet. Dabei steuert der Chirurg über die Bedienkonsole MIRO-Lab bis zu vier Roboterarme, deren Werkzeuge er über ein 3D Videobild betrachten kann. Durch anwenderorientierte Methoden, wie Observationen und Inteviews, wurden die Ziele, Wünsche und Bedürfnisse der Mediziner erfasst. Hier hatten die Studenten die Möglichkeit, sich mit Chirurgen der Universitätskliniken in München und Leipzig auszutauschen. Der Schwerpunkt des interdisziplinären Entwurfsprozesses lag darin, gemeinsam mit den Chirurgen, Ingenieuren und Psychologen eine hohe Gebrauchstauglichkeit für die Arbeit mit dem System zu erzielen. Auch die Verbesserung der Immersion des Chirurgen durch haptische und visuelle Feedbacks spielte eine wichtige Rolle. Der Einsatz von Robotersystemen in der minimal-invasiven

Chirurgie ist ein junges und innovatives Forschungsgebiet. Diese können dem Chirurgen gegenüber konventionellen OP-Verfahren einige Vorteile bieten und ihn bei seinem operativen Eingriff unterstützen. Ihr Einsatz setzt jedoch hohes Vertrauen in eine zuverlässige Technik, sowie eine einfache Bedienung voraus. In einem anwenderorientierten Gestaltungsprozess wird nun die Lücke zwischen dem aktuellen Forschungsstand und einer möglichen Kommerzialisierung geschlossen. In der Masterthesis im Bereich „Human Computer Interaction“ von Jürgen Graef und Martin Glückler wurde ein modulares Informationssystem entwickelt und Interaktions- und Bedienkonzepte für das Chirurgiesystem entworfen. Parallel befassten sich Timo Röhrig und Moritz Schmidt in ihrer Bachelorthesis der Produktgestaltung mit der ergonomischen und prozessoptimierten Gestaltung der Konsole.


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Masterthesis Communication Planning and Design Sommersemester 2012 Kontakt Martin Glückler hello@martinglueckler.de Jürgen Graef juergen.graef@hfg-gmuend.de Bachelorthesis Produktgestaltung Sommersemester 2012 Kontakt Timo Röhrig timo.roehrig@hfg-gmuend.de Moritz Schmidt moritz.schmidt@hfg-gmuend.de

FORMAT traf sich mit Moritz Schmid, um mehr über das Projekt zu erfahren: Format Im Gegensatz zu den meisten Projekten bisher, hattet ihr die Möglichkeit an einem realen Projekt zu arbeiten, welches zugleich durch verschiedenste Fördermittel unterstützt wird. Hattet ihr das Gefühl mehr unter Druck zu stehen als bei bisherigen Projekten? Moritz Schmidt Nein. Im Gegenteil, denn anders als sonst hatten wir keine Deadlines, so hatten wir die Möglichkeit in Ruhe und konzentriert unseren Aufgaben nachzugehen. Zudem war die Arbeit sehr frei. Forschung eben (lacht). F Um ein prozessoptimiertes und ergonomisches Ergebnis für die Bedienkonsole zu erzielen, mussten einige Gespräche mit Ärzten und Chirurgen geführt werden und auch

Besuche im OP standen auf dem Programm. Wie war das Verhältnis zwischen euch und den Medizinern? MS Wir hatten ein sehr lockeres Verhältnis zu allen Beteiligten, auch im OP. In München waren wir bei einer Operation dabei. Dort hatte der leitende Chirurg seine erste eigenständige Operation mit einem Telerobotersystem. In Leipzig hatten wir die Möglichkeit Prof. Dr. Stolzenburg, einer Koryphäe im Bereich der minimal-invasiven Chirurgie, in den OP zu begleiten. Zudem hatten wir totale Bewegungsfreiheit und Fotos waren auch kein Problem. F Als Nichtmediziner hat man nun nicht all zu oft die Möglichkeit bei einer Operation live dabei zu sein. Nichts für einen empfindlichen Magen. Wie war es für euch? MS Na ja, im Grunde ist es so, dass das die


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Roboterarme sehr viel Platz über dem Operationstisch einnehmen und der Blick nicht frei auf den Patienten ist. Außerdem werden in der minimal-invasiven Chirurgie lediglich kleine Schnitte angesetzt, wodurch größtenteils kein Blut zu sehen ist. F Also keine Horroroperation am offenen Herzen? MS Nein. Wir waren lediglich bei Operationen an der Harnröhre und Prostata beteiligt. Nur als wir letztere unter die Nase gehoben bekamen, und der Satz fiel „Du hast da ne coole Kamera, mach mal ein Foto!“, war es für den Moment genug! F Nun läuft dieses Forschungsprojekt schon seit einiger Zeit und wird, nachdem ihr euren Beitrag dazu geleistet habt, weiterhin gefördert und entwickelt. Hat sich eure Einstellung gegenüber eurer Arbeit als Gestalter verändert, nachdem ihr an einem solch bedeutenden Projekt, welches vielen Menschen auf der Welt helfen wird, mitwirken konntet? MS Natürlich war es eine großartige Erfahrung am DLR, jedoch hat sich unsere Einstellung dadurch nicht maßgeblich verändert. Der Prozess gestaltete sich wie in Gmünd, angefangen von der Recherche bis zur Ausarbeitung. Es war uns aber klar, dass unsere Arbeit die Chirurgen und Ärzte sehr entlasten könnte.

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Bisher standen bei Operationen vier bis fünf Personen am Operationstisch. Ein großes Problem, vor allem bei längeren Operationen, ist hier die Haltung der Mediziner. Viele klagen beispielsweise über Kreuzschmerzen. Arbeitet der Chirurg zudem mit Endoskopen so musste er bisher die Bewegung spiegelverkehrt ausführen. Dieses Problem wird ebenfalls durch die Telechirurgie gelöst. Die Zukunftsvision ist das System von Chirurgen steuern zu lassen, ohne dass sie im Operationssaal anwesend sein müssen, das heißt eine OP könnte über tausende Kilometer Entfernung gesteuert werden, was vor allem bei sehr schwierigen Operationen von Vorteil wäre, da nicht erst ein Spezialist eingeflogen oder Patient ausgeflogen werden müsste. F Vielen Dank für das Gespräch.


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Funktionsweise des Miro-Lab Der Arzt steuert in der Regel drei Roboterarme (MIRO), von denen zwei mit DLR-Instrumenten (MICA) und der andere mit einer Stereo-HDEndoskopkamera bestückt sind. Das Videobild kann mit zusätzlichen Darstellungen, zum Beispiel Kraftpfeilen, überlagert und via Ethernet an verschiedene Anzeigen verteilt werden. Während des Eingriffs steuert der Chirurg mittels der MIRO-Lab Bedienkonsole, über kraftrückgekoppelte Eingabegeräte, den Chirurgieroboter im Operationsfeld. Haptische und taktile Feedbacks ermöglichen es Kräfte, Momente und Impulse realistisch wiederzugeben. So kann beispielsweise Tumorgewebe ertastet werden. Skalierbare Eingabebewegungen und ein Tremorfilter garantieren bei mikroskopischen Operationen, makroskopisch entzitterte Bewegungen. Das Operationsfeld wird über ein Endoskop auf einen frei einstellbaren, gewölbten 3DMonitor übertragen. Das MiroSurge Chirurgiesystem setzt sich aus den MIRO Leichtbaurobotern, der MIRO-Lab Bedienkonsole und dem MICA Instrument zusammen. Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Überblick Über seine umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Luftfahrt, Raumfahrt, Energie und Verkehr ist das Zentrum in nationale und internationale Kooperationen eingebunden. Darüber hinaus ist das DLR als Raumfahrtagentur im Auftrag der Bundesregierung für die Planung und Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten zuständig. Das Forschungsportfolio reicht von der Grundlagenforschung bis hin zur Entwicklung von innovativen Anwendungen und Produkten von morgen. An seinen 16 Standorten untehällt das DLR 32 Institute beziehungsweise Test und Betriebseinrichtungen, unter anderem das Institut für Robotik und Mechatronik. Eines der langfristigen Ziele des Institutes und dessen Robotik-Aktivitäten basierte immer auf der Idee, Menschen von inhumanen und gefährlichen Aufgaben zu befreien oder sie mit Assistenzsystemen zu entlasten. Im abteilungsübergreifenden Themengebiet medizinische Assistenzsysteme werden Erkenntnisse aus der Raumfahrt und Servicerobotik in den Bereich der Medizin übertragen und neu interpretiert.

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Kommunikationsgestaltung Bachelorthesis Sommersemester 2012 Kontakt Jennifer Speichert hi@jenniferspeichert.de Isabel Winter hi@isabelwinter.de Betreuung Prof. Ulrich Schendzielorz Prof. Michael Götte

schreibweise – way too fast

Die Buchpublikation „schreibweise - way too fast“ zeigt den Umgang mit der schriftlichen Sprache in den modernen Kommunikationsmedien. Durch eine visuelle Umsetzung schafft sie einen neuen Zugang zu diesem Thema. Aufgrund des Internets leben wir in einem Zeitalter der digitalen Daten. Seit Erfindung des Webbrowsers im Jahr 1993, der das World Wide Web für alle zugänglich machte, haben wir 1,3 Zettabyte, also 1300 000 000 000 000 000 000 Byte, Informationen produziert. Das entspricht dem Datenvolumen, das auf 328 Milliarden DVDs passt. Durch die daraus resultierende Informationsflut haben wir stets das Ziel möglichst effizient und schnell zu kommunizieren. Die Art und Weise, wie wir dabei mit der Sprache umgehen, ist für uns selbstverständlich. Wir machen uns keine Gedanken darüber, wie wir kommunizie-

ren, denn es zählt lediglich, dass der Gesprächspartner die Nachricht versteht. Die Kommunikation über viele verschiedene Medien gehört mittlerweile zu unserem Alltag. Die Buchpublikation „schreibweise – way too fast“ beschäftigt sich mit den sprachlichen Phänomenen, die durch den Einfluss der heutigen Kommunikationsmedien entstanden sind. Die meisten dieser Phänomene treten in der privaten schriftlichen Kommunikation auf. Daher dient diese als Grundlage für die Betrachtung. Die visuelle und experimentelle Umsetzung schafft einen neuen Zugang zum Thema und soll daher nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Abhandlung erfüllen. Durch eine neutrale Positionierung bietet sie dem Leser die Möglichkeit selbst zu beurteilen, ob diese sprachlichen Veränderungen einen Gewinn oder Verlust für die deutsche Sprache darstellen.


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Interaktionsgestaltung Bachelorthesis Wintersemester 2011/2012 Kontakt Benedikt Burgmaier info@bburgmaier.de Fabian Kreuzer info@fabiankreuzer.de Betreuung Prof. Hans Kr채mer Prof. Dr. habil. Georg Kneer www.vimeo.com/57782417

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Informative Frischetheke

Hinter den Produkten der Frischetheke verbirgt sich eine Vielzahl an Informationen, wie Preis, Herkunft und Inhaltsstoffe. Ein geübter Koch kann Angebote und Bezeichnungen leicht zuordnen, für alle anderen Kunden wird die Zeit an der Theke schnell zum munteren „Produkte-Raten“. Also stellte sich die Frage, wie man die vielen Informationen leichter zugänglich machen könnte. Ein wichtiger Teil des Konzeptes ist, dass der Kunde auf das gewünschte Produkt oder Angebot zeigt und die Bezeichnung sowie der Preis erscheinen direkt darüber. Das Zeigen ist eine einfache Geste und wird von den meisten Kunden schon bisher zur Kommunikation mit dem Fachpersonal genutzt. Um den Einkauf an der Theke zu simulieren, wurde zuerst ein einfacher Papierprototyp erstellt. Somit entstand ein erstes Gefühl für die Interaktion und verschiedene Thesen konnten überprüft werden. Zentraler Bestandteil des Prototypen ist die Thekenscheibe. Diese muss möglichst transparent und gleichzeitig bespielbar sein, um die nötigen Informationen einzublenden. Nach längerer Suche wurde eine spezielle Rückprojektionsscheibe von HoloPro® verwendet. Die Thekenkonstruktion wurde so entworfen, dass die Scheibe im optimalen Winkel zum Kunden steht. Zudem kann zuviel Umgebungslicht zu einem kontrastarmen Bild führen. Mit Hilfe der „Microsoft Kinect®“ wird in vvvv ein Skelett in einem 3D-Raum erstellt. Zudem wird beim Skelett der Vektor vom Ellbogen über die Hand hinaus verlängert. Mit diesem verlängerten Unterarm kann durch eine Kollisionsabfrage ermittelt werden, auf welches Produkt gezeigt wird. Tiefergehende

Informationen kann sich der Kunde einfach greifen. Hierfür liegen, gruppiert in kurzen Abständen, immer drei Objekte im vorderen Thekenbereich aus. Jeweils eines steht für Produktinformationen, Herkunft und Rezeptvorschläge. Diese Tangible Objects verfügen über eingelassene Mini-Magnete. Dadurch können Reed-Schalter in der Theke aktiviert werden. Durch das Greifen eines Tangible Objects wird der Stromkreis zum Arduino unterbrochen und dadurch die gewünschten Informationen auf die Thekenscheibe projiziert. Eine LED-Leiste im oberen Rahmen der Theke beleuchtet jedes Produkt, auf das der Kunde zeigt. Dadurch erhält nicht nur der Kunde ein direktes Feedback, sondern auch die Fachkraft hinter der Theke weiß nun, welches Produkt der Kunde meint. Diese LEDBeleuchtung wird ebenfalls über eine Arduinoschaltung gesteuert. Durch den frühzeitigen Bau von Prototypen ist es möglich, sich experimentell mit den Problemen zu beschäftigen. Der iterative Prozess, in dem man baut, testet und überdenkt, fördert völlig neue Ideen. Für einen Kreativprozess, der nicht auf einen serienreifen Prototypen abzielt, bietet vvvv daher alle Möglichkeiten.


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Design for Behaviour Change

Produktgestaltung Bachelorthesis Sommersemester 2012 Kontakt Marko Goller markogoller@aol.com Tobias Martsch tobias.martsch@gmx.de Betreuung Prof. Gabriele N. Reichert Prof. Matthias Held vimeo.com/57781271

Die Bachelorthesis „Design for Behaviour Change“ nimmt unsere Gewohnheiten, unsere alltägliche Nachlässigkeit und unsere Verhaltensmotivationen unter die Lupe und belegt durch fünf ganz unterschiedliche Produkte, dass Wasser sparen, Strom sparen und soziales Miteinander durch Designlösungen tatsächlich beeinflussbar sein können. Dabei steht neben dem Produkt an sich vor allem die nachhaltige Interaktion zwischen Nutzer und Produkt im Mittelpunkt. „Wasserspiegel“ ist ein Waschbecken, das den Wasserverbrauch direkt und unmittelbar vor Augen führt. Die gestalterische Inszenierung führt ebenso plastisch wie spielerisch vor Augen, dass klares Wasser ein kostbarer Rohstoff ist: Im Spiegel steigt uns das Wasser virtuell bis zum Hals wenn das Händewaschen mal wieder etwas länger dauert.

„Dreieinhalb“ ist ein Gemeinschaftswaschbecken für öffentliche Toiletten. Da es für vier Waschplätze nur eine gemeinsame Wassersäule als Wasserquelle gibt, beeinflusst das Verhalten eines jeden direkt die zur Verfügung stehende Wassermenge der anderen: Verbrauche ich zu viel, bleibt für die anderen nichts mehr übrig. „Gib‘s mir“ bietet die Möglichkeit, sich durch Pfandflaschen leicht etwas dazu zu verdienen, ohne im Schmutz wühlen zu müssen. Entwickelt wurde ein „Flaschenbaum“ für den öffentlichen Raum. Leere Pfandflaschen werden nicht einfach in den nächstgelegenen Mülleimer geworfen, sondern eingehängt und können jederzeit „abgepflückt“ werden. Der Praxistest in der Stuttgarter Fußgängerzone war ein voller Erfolg – im Verlauf einer halben Stunde wurden 33 Flaschen deponiert und von anderen wieder mitgenommen.


HfG Schwäbisch Gmünd

Das Thema des bewussten Umgangs mit Strom zeigen zwei Leuchten, die verschiedene Prinzipien der Visualisierung nutzen und uns damit unterstützen, den Stromverbrauch zu senken. „Konkret“ ist eine Hängeleuchte, die leuchtet, wenn sie nach oben gezogen wird und die langsam nach unten ‚tickt‘, bis sie schließlich von alleine wieder ausgeht. Der Nutzer bestimmt durch die Höhe des Aufziehens wie lange er Licht haben möchte. „Ikon“ ist eine dimmbare Stehleuchte, die mehr Licht mit mehr Aufwand und einer längeren Strecke der Zugschnur übersetzt: In drei Schritten lässt sich die Lichtausbeute einstellen, je mehr Lichtstärke gewünscht wird, desto tiefer muss man sich nach unten bücken.

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Information

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Kommunikationsgestaltung 4. Semester Sommersemester 2012 Kontakt Natalie Smith natalie.smith@hfg-gmuend.de Ricardo Ferrol ricardo.ferrol@hfg-gmuend.de Betreuung Tanja Huber

Cogent

Cogent ist ein neugegründetes ConsultingUnternehmen, das im Sektor der Entwicklungshilfe tätig ist. Das Unternehmen arbeitet jedoch nicht direkt in der Entwicklungshilfe, sondern vermittelt professionelle BeratungsStrategien, um die Situation in Entwicklungsländern besser kennenzulernen und zu verbessern. Das internationale Team besteht aus speziell ausgebildeten Fachkräften. Alle verfügen über langjährige Erfahrungen in namhaften Organisationen im Bereich der Entwicklungshilfe. Cogent besitzt mehrere Standorte weltweit, um global agieren zu können. Unsere Leitidee bei der Kreation eines völlig neuen Erscheinungsbildes für Cogent war die Bedeutung des Wortes selbst sowie das Tätigkeitsfeld des Unternehmens. Cogent ist ein altenglisches Wort und bedeutet soviel wie "überzeugend, klar". Die Schlagworte "Emotion" und "Professionalität" sollten gleicherma-


HfG Schwäbisch Gmünd

ßen, sowohl inhaltlich als auch visuell, in unser Konzept integriert werden, da diese für uns die Bereiche der "Entwicklungshilfe" einerseits und "Wissen" andererseits am besten widerspiegeln. So entschieden wir uns beispielsweise für ein zweifarbiges Farbschema oder für zwei Schriftarten – eine klare, moderne Groteskschrift zusammen mit einer Serifenschrift. Innerhalb der Bildsprache wollten wir vor allem mit Bildmaterial arbeiten, welches eine starke, positive Aussage hat – farbenfroh und gerne auch im analogen Stil. Dieser gewährleistet eine gewisse Authentizität in den jeweiligen Motiven, die durch den handwerklichen Charakter gestützt wird. Negatives, betrübliches Bildmaterial, wie es häufig aus der Entwicklungshilfe bekannt ist, vermieden wir, um einen hoffnungsvollen Eindruck zu schaffen. Cogent soll den Kunden

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positiv stimmen und ihm das Gefühl vermitteln, einen entscheidenden Beitrag zu einer besseren Lebenssituation dieser Menschen zu leisten. Um die verschiedenen Standorte weltweit in einer Wort-Bildmarke zu vereinen, abstrahierten wir die jeweiligen Muster der entsprechenden Nationalflaggen in einfache, grafische Muster, welche wir mit einer 49-PunktMatrix generierten. Somit hatte jeder Standort sein persönliches Logo. Legt man alle Muster der fünf Standorte deckungsgleich aufeinander, so entsteht die Dachmarke von Cogent. Platziert wird das Logo immer zentrisch, knapp zum oberen Rand, um der Bildmarke genügend Wirkungsraum zu geben. Der zentrische Blocksatz sowie das zentrisch ausgerichtete Logo folgen dem Prinzip der Symmetrie und wirken daher harmonisch und ausgeglichen.


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Mobile Payment Experience

Wie muss eine Mobile Payment Lösung gestaltet sein, damit man einfach und schnell bezahlen kann und das Ausgeben und Erhalten von Geld ein erfahrbares und nachvollziehbares Erlebnis wird? Neben den alltäglichen Bezahlsystemen, wie Bargeld oder EC-Karte, drängen immer mehr Varianten des mobilen Bezahlens auf den Markt. Durch die Verbreitung des mobilen Internets haben sich nun neue Möglichkeiten eröffnet. Zusätzlich erschließen neue Technologien wie NFC (Near Field Communication) stetig neue Welten des kontaktlosen Bezahlens. Wie bezahlen wir Deutschen? Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind wir eher traditionell veranlagt und vertrauen dem Bargeld immer noch am meisten. Bargeld bietet Sicherheit, vermittelt einen individuellen Wert und wir verbinden damit persönliche Emotionen. Unsere mobile Bezahllösung soll diese Vorteile und Werte mit den digitalen Systemen wie Überweisung oder Kreditkarte vereinen. Daher war es uns wichtig, die zu übertragende Geldmenge haptisch und visuell erfahrbar zu machen und den Bezahlvorgang so nachvollziehbar wie möglich zu gestalten. Unserer Meinung nach sollte sich das Bezahlen einer

Brezel beim Bäcker anders anfühlen als der Kauf eines neuen Fernsehers. Wir gestalteten infolgedessen die für uns optimale Lösung, wie wir im Einzelhandel gerne digital Bezahlen würden. Dabei handelt es sich um ein Bezahlterminal, ähnlich eines EC-Kartenlesegeräts. Während der Kassierer die Ware scannt, bekommt der Kunde auf dem Display des Terminals eine Übersicht über die gekauften Artikel angezeigt. Nachdem die Ware gescannt wurde, fordert das Terminal den Kunden dazu auf die zwei Geräte zu verbinden. Der Nutzer startet die Applikation und führt sein Smartphone von unten an das Terminal heran. Durch Magnete, die im Terminal sowie im Smartphone verbaut sind, wird das Gerät bei Annäherung an die Station angezogen. Das Smartphone positioniert sich an der richtigen Stelle. Durch das Arretieren spürt der Kunde ein haptisches Feedback. Das Einrasten suggeriert Sicherheit und Zusammengehörigkeit der zwei Geräte. Nachdem die Geräte erfolgreich verbunden wurden, wird die nächste zu tätigende Interaktion angezeigt. Um die Zahlung einzuleiten, schiebt der Kunde das Smartphone Richtung Terminal. Dort wird durch zwei weitere, stärkere Magnete das Smartphone fest fixiert und die Zahlung wird


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durchgeführt. Die App unterstützt visuell, wie sich der zu bezahlende Betrag vom Smartphone löst und auf das Terminal übertragen wird. Im Anschluss daran wird eine digitale Quittung vom Terminal an das Mobiltelefon übertragen. Nach einer erfolgreichen Transaktion ändern die Magneten ihre Polung und das Smartphone wird vom Terminal abgestoßen. Für den Kunden ist nun klar, dass die Aktion erfolgreich und ordnungsgemäß verlaufen ist und er sein Gerät wieder entfernen kann. Die Smartphone Applikation wird durch ein Übersichtsmenü abgerundet, in dem man sich alle Einnahmen und Ausgaben ansehen kann.

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Interaktionsgestaltung 6. Semester Sommersemester 2012 Kontakt Dominik Witzke dominik.witzke@googlemail.com Antonio Krämer Fernandez akf.ixd@gmail.com David Nickel nickel.david@gmx.net Betreuung Prof. Hans Krämer


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smart flow interface

Kommunikationsgestaltung Bachelorthesis Sommersemester 2012 Kontakt Sandro Brezger mail@sandrobrezger.de André Maier andremaier88@googlemail.com Antonio Sierra Lois webmaster@loisl.com Betreuung Prof. Ulrich Schendzielorz Prof. Jörg Beck vimeo.com/57783702

Das smart flow interface ist ein unterstützendes System aus interaktiven, berührungssensitiven Oberflächen, das eine schnelle und problemlose Kommunikation von Ideen, Daten und Abläufen ermöglicht. Der Einsatz dieses Systems ist für Besprechungsräume konzipiert und erleichtert die Zusammenarbeit, die Präsentation und den übersichtlichen Zugriff auf Daten in komplexen Prozessstrukturen. Die Module werden sowohl auf Tischen, wie auch an Wänden eingesetzt. Wird eine größere Arbeitsfläche benötigt, besteht jederzeit die Möglichkeit mehrere Module zu einer Einheit zusammenzuschließen. Auf dieser erweiterten Fläche sind die Grenzen der einzelnen Module aufgehoben und Inhalte können über die gesamte Fläche verschoben werden. Die Wandelemente lassen sich als Präsentationswand nutzen und von den Tischmodulen aus steuern. Bei Bedarf kann der Moderator diese auch an der Wand selbst steuern und bearbeiten.

Das smart flow interface wird ausschließlich über Berührungsgesten bedient. Der Container ist dabei das Grundinteraktionselement des Interfaces. Er bildet die Basis für jegliche Bearbeitung und Darstellung von Daten und kann mit beliebigen Inhalten gefüllt werden. Die Chronik ist der Zugangspunkt zu den Containerdaten und zeitbasierten Aktionen. Mit Hilfe der dazugehörigen Menüleiste können Grundfunktionen wie Nachrichten, Organizer und Kontakte aufgerufen werden. Die Agenda mit Erinnerungsfunktion wird auch hier angezeigt und kann ausgefahren werden. Das Zusammenspiel und der Aufbau der Elemente unterstützt aktiv den intuitiven Arbeitsprozess.


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Überformat

Herausgeber Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd Marie-Curie-Straße 19 D-73529 Schwäbisch Gmünd format@hfg-gmuend.de www.formatmagazin.de www.hfg-gmuend.de Chefredaktion Aileen Kassing, Daniel Otto, Jonas Heilgeist, Simon Renner, Tobias Albrecht Konzeption Daniel Otto, Daniel Wojcik, Ira Bolsinger, Simon Renner, Tobias Albrecht Cover Ira Bolsinger, Tamara Lang, Alina Schmid, Julia Walter Bildbearbeitung Mario Simon, Philipp Brucker Redaktionsteam Alina Schmid, Armin Brenner, Claudia Henriod Kusel, Daniel Wojcik, Evelyn Binder, Felicitas Ohnesorge, Helen Steinmetz, Ira Bolsinger, Jasmin Hellmann, Judith Holzer, Julia Walter, Katharina Krotova, Katharina Blust, Marina Wunderlich, Mario Simon, Markus John, Melanie Schenk, Narges Mohammad, Petroula Voultsopoulou, Philipp Ries, Philipp Brucker, Tabea Hartwich, Tamara Lang, Tatjana Brenner, Vanessa Kammerbauer Gründung Dominic Specht, Jonas Heuer, Asaad El Salawi, Rebecca Schellhorn FORMAT dankt Prof. Ulrich Schendzielorz, Prof. Dr. Dagmar Rinker, Prof. Daniel Utz, Prof. George Burden, Gerd Häußler, Torsten Dodillet, Bernd Petzold, Beate Heilig, Ilona Walther

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Copyright Abdruck nur nach vorheriger Genehmigung durch die Redaktion Papier SoporSet premium weiß, 250g/m² SoporSet premium Offset, 100g/m² Schriften Akkurat Regular, Bold New Century Schoolbook, Regular Auflage 1000 Stück /2013 Druck Wahl-Druck GmbH D-73431 Aalen www.wahl-druck.de


Look back to the future

FORMAT in English Translated by Prof. George Burden

Pages 7 – 8 Moving out – a master performance “Moving out? Master performance?” some will question. But who knows why we‘re still sitting in containers, and what is behind the temporary solution? A report on the day when the HfG demonstrated solidarity.

With wooden crosses, cardboard coffins, banners, and white sheets about 300 HfG students set off on 14 December 2009 in six buses from Schwäbisch Gmünd to the State capital Stuttgart on a victorious campaign. The occasion was the meeting of the HfG Rector Salerno, Regional President Klaus Pavel, and the Lord Mayor of Schwäbisch Gmünd with the Ministry of Finance to decide on the future of the HfG. Because the Elsässer building at the foot of the Rechberg desperately needed thoroughly renovating the University would need to move out of the building for some years. It was essential to find a suitable and affordable solution. It had been suggested that while the renovation went on parts of the building should continue to be used and that the remaining activities should be distributed among five different sites, but neither the Rector nor the students were satisfied with this suggestion. All parties were unanimously agreed that such a partial move would mean the destruction of the University. It was thus essential that the students be present to demonstrate to the meeting yet again the community spirit and solidarity of the University. In front of the New Palace in Stuttgart where the meeting took place, the demonstrators ended their march and stood ready and determined. With coffins draped in white sheets and with wooden crosses at the head they were prepared if necessary to demonstrate that this relocation of the University‘s activities would have massive repercussions on student life. Luckily this wasn‘t necessary. They did not have to wait long for the good news. The Rector, the Regional President, and the Lord Mayor announced the decision right there on the square in front of the Palace, and the relief was palpable among all those present. The parties had succeeded in reaching an acceptable solution. It was possible to attract funds to Stuttgart and the final plan envisaged a budget for the proposed renovation, to

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be completed by the end of 2015, of about €5 million from the Economic Package II, and about €9 million from the State budget to finance the renovation and the relocation. The parties agreed on a total relocation of the University. The City of Schwäbisch Gmünd was to waive the rental on the ‚Gmünd Tech‘ office complex in Marie-Curie-Strasse. A new temporary campus was to be created, built of containers. The workshops would move to the Zapp building closer to the main station, where there was generous space available. The library would move to the Annex at the original HfG site. This decision enabled about 4000m2 of space to be created for the University. On the return to Schwäbisch Gmünd there were more speeches, much applause, and generous praise for the solidarity of the University and the Region. Reminiscing, Rector Salerno describes the atmosphere as relaxed and can clearly recall the smiling faces of the cheering students. Today she remains full of praise for the participants‘ willing cooperation both then and now. The University‘s community successfully made its case. All participants were relieved that the horrific vision of marathons through the city from site to site had been avoided. Finally came the time to make the actual move. In a very short time everything collected over the last hundred years had to be cleared out and stored elsewhere. Then the installation of the containers was delayed by severe ground frost, and the following semester had to be postponed for a month. The spring break between winter and summer semesters was extended by a month and the summer break shortened by a month. The University took this hurdle successfully too. In the meantime it has been possible to rent additional space in the Gmünd Tech building. The Rector realizes that there are disadvantages to the container solution; for instance there is no meeting space. This deficit should be made up when the old HfG building is reoccupied. The cafeteria will be more open to the courtyard, and a large adjoining recreation space is planned where students will be able to work, meet, or relax. In 2015 the workshops are scheduled to move into the former Post Office building at the Main Station. However the Rector wants to retain the space in the Zapp Building to create more working space for special projects if possible. “When we move back the space situation will be much more relaxed. Communication is essential to our study programme needs communication”, says the Rector.

Pages 9 – 11 Thinking in black and white Records, demonstrates, comments, reflects, evaluates, and presents. Black and white thinks in greys, RGB, CMYK, special colours, monotone or multi-coloured. Colours as paths, or colourless but still on a path. The path as a line, maybe crossing out your idea or your resumeé.

Admittedly, when you walk through the rooms of the University today you see some strange things. Students shuffle happily but a little wearily along the galleries in the icy at-


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rium. Professors scurry as fast as their full cup of coffee will allow from door to door. Up and down stairs, always three or four steps at a time. In between a markedly relaxed financial advisor strolls towards the exit, a cigarette in the corner of their mouth – or course not lit. He‘s an absolute stereotype: white shirt, jeans, an almost neglected seven-day beard, and a sleepy look. One floor higher the architect is standing in front of his door and drawing hectically on his cigarette. Right in front of a ‚No Smoking‘ sign. Everything seems like an over-sized terrarium in which lizards, snakes, poodles, and parrots must live together. The communication between the species is limited to yellow Post-It recommendations for behaviour in the toilets and occasionally an email complaint. Earlier, before moving into the terrarium, the University had its very own territory. It was more than a terrarium, more of a biotope – a structurally shaky, but functioning, biotope. The Queen could keep an eye on everything, her generals trained design troops who, steeled by the ideology of the University marched out into the world. There they fought and fight the battle for aesthetics and against the loss of content in design, and above all against the inflationary tendencies of the term. Members of the species ‚designer‘ – professors, tutors, and students – lived among themselves. The walls served as billboards, the courtyard as a platform for meetings, exchanges, or for just hanging out. The crumbling terrarium in Rektor-Klaus-Strasse 100 finally needed renovation and the Queen and her swarm had to leave their biotope to take up residence in a mixed terrarium. Now there are those who were born into the biotope and had to move into the terrarium and those who have known nothing else except having to live in a terrarium with other different species. They never knew the warmth and closeness of the old biotope. They always had to go out in the cold atrium or cross the street to the containers. Books live in steel racks that have as much emotional charm as Univers regular instead of in charming, carved wooden shelves. Instead of an Art Nouveau building with the charm of something between ‚Harry Potter‘ and the ‚League of Extraordinary Gentlemen‘ stands a modern uniform steel and concrete edifice. Show me your house and I‘ll show you who you are. Is it that simple? The spatial situation of the University represents its inner condition. The change of context has paralyzed all the designer‘s flexibility to act. Many are suffering from phantom limb syndrome and appear somewhat distant or seem as if they‘re just visiting. It‘s as if they just had to sit it out until everybody moves back to the old biotope, in line with the motto ‚Eyes shut and hold tight‘. However these members are blind to the fact that the old biotope as they knew it will not exist. It will be full of clean fresh white paint and textured plaster. When the HfG returns it will not be able to slide into its old patterns of behaviour. It‘ll be just like the current situation but without the other inhabitants. I, as a child of the atrium, have the deepest respect for the old HfG, but must act as an initiator of the new. We are here now. A university is only ever as good as its students and graduates. It is our university; it is our parents and many other taxpayers who are paying for it. We may and must

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criticise them, question, and improve them. It is not a case of taking unformed raw personalities and stamping them with the HfG seal of approval and making them fit for all the needs of industry. Apart from the design aspects, studies should be a time of self-discovery, building skills, and failures. Because it‘s only by ‚learning to fail‘ that you make any real progress. A seven-semester production process in which every student does what the professor says, or even sees the professor as a ‚client‘, is fatal. And that right after school graduation. Studies should be a journey with high and low points, not just dominated by grades and by ‚thumbs up/thumbs down‘ judgements. I accept my grades with pride, the threes and fours that I was awarded. They show my deficits and strengths just as little as ones and twos. They are mere bureaucratic relics that nobody will ask about in the future. If feels like a time of upheaval, but without the heave. The HfG should take the lead, reconsidering its traditions without rejecting them. The current situation is not a provisional stage, but rather a sketch of the new HfG. And that‘s where the question of transformation, and above all innovation, plays a leading role.

Pages 12 – 13 Paper spaces “I am bound, a man without characteristics, like a rat to the book. I eat and sniff them. The paper and the glue can smell so pleasing.”

Andreas Uebele Books accompany us from our childhood days. Books are witnesses to the times and bringers of great stories. Some of us designers know the magic of books. The typographer in the designer is obsessed with typefaces and their tiniest details, with paper and bindings. Working in typography cultivates a very special relationship to these tangible vessels of information and emotion. The typo-freak in us places texts and illustrations to fractions of a millimetre, designs, creates grids, tests, employs colours, justifies and sets ragged blocks of text. And at some stage – after all the problems of production have been mastered – comes the great moment: you hold the book in your hands, feel the weight, savour the fresh ink, and caress the paper. Signs tell a story, white spaces and blocks of text create a rhythmic play. “Books are the most important items of my waking life, because we experience most adventures only in our imagination – by reading.” Ali Mitgutsch It seems almost as if this magic is disappearing increasingly in this age of multi-media. We demand more information and we want it fast. The book world is changing. Will the classic book mutate into an e-book, whose display shows digital texts as if they were printed? Is that the end of the book? Statistics tell an unequivocal story. According to the Association of German Booksellers the turnover in retail stores, e-commerce, and department stores increased by 0,8 percent between September 2011 and September 2012. Here and now, time is a luxury on the one hand yet when we are desperate to kill it in the train or aircraft while travelling


Look back to the future

the advantages of e-books are clear. And you almost have to laugh when you see videos in the Internet in which someone explains to children brought up on smart phones and iPads what books are. “Can you send text messages with it? Can it Twitter? Do you need a password?” asks a little donkey of a giant bear. But the laughter will die on your lips when you learn of the abyss opening up in the USA. More than half of adult Americans never come into contact with works of literature. This has significant long-term consequences. Museums, opera houses, theatres, and other cultural institutions will probably not be able to hold their own against the temptations of electronic entertainment. The sales of e-books have almost doubled during the past year. For many however the e-book seems to remain a mystery, because a third of those who own an e-book use it only once. What is an index and how do you place bookmarks? Can my book crash? Is that our future? According to the Association of German Booksellers the ebook‘s share of the market in Germany is all of 0,5 percent. Germany looks set to remain the land of the printed book. Can all this really be replaced with a small electronic device with a display screen? Do not the gravity of a book, its tangible weight, the crackling of the pages as they are turned, and the firm binding create an appropriate setting for the text? The book is at once a visual and tactile experience. Is it really possible that a book like the Bible will be read on an iPad? The book as a three-dimensional object is no longer without competition, and that is the very reason why a high quality finish and good design is becoming more important. The book‘s spine and cover must be as attractive as possible to invite the reader on a journey and tempt him into reading. With the officially welcomed dematerialization and the supposed end of the age of Gutenberg the role of the designer will change. Books will become the symbols of stability and knowledge. For me working with different materials – papers, cloths, foils, or stamps – or experimenting with tactile perceptions are the icing on the cake for a graphic designer. Working on a computer screen is simply no substitute. “First came screen text, then the so-called portable City Library by Sony, then CD-ROM and DVD, now it‘s the worldwide-web that will replace the book. No! The book has a wonderful future!” declared Florian Langenscheid, German industrialist and publisher at the Frankfurt Book Fair. Hopefully. So shoes off, feet up, and read – on paper.

Pages 14 – 17 50 semesters of dedication Who attends the intermediate Bachelor presentations carrying a binocular? Right – Professor Peter Stebbing! This is his imaginative way of commenting on what is, in his opinion, the “far too small print at the HfG.” Certainly, Peter is and will remain a legend at the HfG, or as he would say, the “Half Gay”.

Monday morning, eight o‘clock. Peter, bathed in sweat and red in the face, gets off his bike at Gmünd Tech. Shortly afterwards he can be seen slouching through the building

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with a wide grin and a cup of tea, heading for his small office that‘s buried in files and papers. He greets everyone with a friendly, “Hi, hiiii!” Original English. That‘s how we knew him! His career at the Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd began in 1987 when he became professor for drawing and visualisation techniques. Since then demonstrating the analytical techniques for drawing profiles with circles has become an integral part of his teaching. As if it were not enough to draw the true contours of the face, Prof. Peter Stebbing gives his students additional tips. If only it weren‘t for that little problem with the German language that made his classes so entertaining: “Pay attention to the Öhren! The Öhr..., the Ohre..., oh shit!! The ears!” Prof. Stebbing – known to all simply as Peter – is well known for his interest in foreign cultures. It was this that led him to his first experience abroad as a volunteer in Malawi. At just 18, he taught biology, geography, and English there. Subsequently he started studies in zoology in London, later adding studies in scientific illustration – for him the ideal combination. He graduated in 1971 and started working as a freelance scientific illustrator and information designer in England. Until 1994 he taught airbrush, pen, ink, and gouache techniques. In contrast to today drawing was a low priority subject and was taught very little as it was associated more closely with the arts. In 1989 Peter took on additional responsibilities outside teaching as one of the founder members of the “Akademie für Gestaltung im Handwerk (Academy for Design in the Crafts”. His idea was that craftspeople and Bachelor students should be offered the same education. Today he is still believes that it is possible for anyone to learn to draw and to design: “Design and drawing are not talents, but crafts, because you have to think with your hands.” In 1990, together with Prof. George Burden, he took on the job of coordinating the overseas study programme SOCRATES/Erasmus. Shortly afterwards the HfG was in second position in the rankings of student mobility. Peter‘s motivation came largely from his experience of more than ten years of teaching at various universities in England: he wanted to give those students the opportunity of exchanging knowledge and experience of design foundations with the students at the HfG. Thus his willingness to work with multi-disciplinary international groups grew. He considers it especially important in this regard to encourage students to be open-minded about other cultures and to seize the opportunity of extending their horizons. To show that the selection interview for the overseas semester was not a frightening prospect Peter used to break the ice with a simple but entertaining joke. “Have you a hole in your sock?” “Errr, no!?” “How did you get your foot in it this morning then?” According to Peter, tomorrow‘s designers must be able to consider both the social aspects and the really important and internationally significant problems. That becomes possible when design thinking is networked. In the future Claire Garnier, working with members of the Directorate and professors, will take over the administration of the Erasmus programme. In 2004 the essential concept of a global design network led


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Peter and Rector Cristina Salerno to establish the International Seminar Week to be held every summer semester. Thanks to Peter‘s many contacts he was able to win teachers and staff from international partner institutions to give workshops and lectures covering a wide variety of design areas. The 2013 event will be the last one organized by Peter. Since 2004 the HfG has been a member of the “International Association of Universities and Colleges of Art, Design, and Media”, generally known as CUMULUS. This grouping of design schools from all over the world enables students and teachers to maintain a focussed professional international dialogue on the teaching, research, and practice of design. In 2007 the annual major CUMULUS conference was organized and hosted by the HfG with the topic “Crossing Boundaries – Transfer into Design, within Design, and from Design”. From 2007 to 2010 Rector Cristina Salerno was on the board of CUMULUS and Peter followed her and will remain a member until 2013. Another of Peter‘s activities was the founding of a working group with the title “Greening the Campus”. Peter‘s idea is to make all the HfG‘s activities ecologically sustainable and to incorporate this concept into the school‘s philosophy. He believes that an immediate start must be made to formulating and incorporating sustainable concepts, as only this way will it be possible to continue the process when the institution returns to its old building in 2015 after the restoration programme is completed. For many it is difficult to imagine that Peter is leaving the Hochschule für Gestaltung after so many years of intensive work there. Above all we wonder what on earth he will do with all that free time. According to him he will have enough to do for the next few years, since he has had at least three offers to publish a book. True to his feelings for Nature he is designing a chapter of a book for the CUMULUS organization on “Design for Sustainability: Why and How?” Further projects include a book on “Visual Composition” and another one to be filled with the distilled essence of Peter‘s life experience. This latter is to be called “Drawing”, based on the premise that “the only mistake in drawing is not to draw.” These writings are designed to express Peter‘s basic belief that teachers must be able to analyze beyond the obvious the complexities of their topic in order to know what they must pass on to their students. A good grounding in the foundations of design is important for him as a way of tackling this complexity and making the student more versatile. Peter himself sets a good example, as students often experienced. He would sometimes stick two pencil stubs into the corners of his mouth, making him look much like a sabre-toothed tiger. This was his dramatic demonstration of how it is possible to detect movement out of the corner of an eye. Peter will still have a little free time of course. One of his major goals is to spend more time with his son. There we have it again, the red thread that runs through Peter‘s life. We are sure that in the future he will continue to develop the potential of young people, living and working in his own garden in harmony with Nature. “Turning,” as he says, “the Wiese into a permaculture system.”

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Pages 18 – 22 “Good ideas sometimes come from unexpected quarters” Between the Rems, the Josefsbach, and some building sites next to the Stadtgarten in Schwäbisch Gmünd there is an imposing white house topped by a dark green roof. We‘ve often passed and wondered what goes on inside. The entrance is on the left. Seven steps up is a large grey door with the title “Baumann und Baumann Büro für Gestaltung” – Baumann and Baumann, Barbara and Gerd, two designers and originals from the Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. During the 1970s they studied there, met, founded their office in 1978, and have been operating successfully ever since. Their clients include The British Museum in London, renowned companies like WMF, and their publication “Spielräume – Room to Move” won the coveted red dot design award in 2003. After a quick look back at their student days our conversation moved on to the present and to the future. FORMAT Why did you study at the HfG? Gerd Baumann Originally I wanted to study at the HfG

Ulm, but since this was closed for political reasons it was Gmünd. Many of the teachers who had studied or taught in Ulm were active at what was then the Fachhochschule in Gmünd. Michael Klar, for example, was instrumental in establishing and developing the reputation of the Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd, at least in the area of visual communication. The Fachhochschule Schwäbisch Gmünd had always being looking for university status, as had already been achieved by Offenbach, Braunschweig, Kassel, or Berlin, for example. This would have allowed the institution to expand the theoretical foundations and research fields and to reduce the practical ‚crafts‘ orientation a little. Despite this the school was able, for instance by hiring part-time lecturers such as Prof. Martin Krampen in semiology, to offer subjects that challenged and encouraged intellectual studies in information and communication. Barbara Baumann Even then we had Wednesday Seminars, but they were not for more-or-less well-known individual designers to tell the students about their practice and to give them insights, hints, and advice for their later careers. Instead, four or five renowned speakers, all from different disciplines – industry, advertising, culture, science, philosophy or social research, were invited. Among these were Wolfgang Fritz Haug, Abraham Moles, Michael Schirner, Bazon Brock, Claude Schnaidt, to name just a few. Afterwards there would be a podium discussion that often led to a clash of ideas and standpoints, providing more information and inspiration than was possible during the “normal” course of a semester. From early morning until late in the evening – often after midnight – there was excitement, inspiration, and communication. F What was it like to be one of the first students at the Fachhochschule für Gestaltung? GB At that time we had as good as no equipment. There was an old repro camera that never had any lenses. There was always a long waiting list for appointments, which made it really hard to work smoothly and continuously. One advan-


Look back to the future

tage over today, though, is that it made us think and act inventively. There were only eight of us in the semester group. It wasn‘t important to be there all the time; it was more important to contribute, to learn how to see, and to be experimental. Then, as now, we were afraid – better respectful – of the empty white sheet of paper. Peter Handke‘s “goalkeeper‘s fear of the penalty kick”. There weren‘t any computers and so no instant delete keys. F Which student project are you especially proud of? GB A typography project in the third semester turned into

– maybe – a key experience. The topic was an existing concertina plan with a synchronoptic overview of the history of productive forces that “needed” a visual redesign. BB For us this project had two essential working processes. The first was the study of the current content, message, function, and their associated media and methods. The second was the design of alternatives leading to both functional and visual improvements. The basic content was worked up cooperatively with all the group members and then smaller groups created totally different design solutions. We‘d both set ourselves the goal of using a minimum of graphic elements to solve the diagrammatic problem. How many do you need, and how many can you do without? Then, as now, that was an exciting challenge!

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Aicher‘s spirit and forms of expression in a formula. His interests, actions, and visual repertoire were much too complex. BB What do you mean by outdated? Is Chopin outdated? We‘re not talking about fashion here. F In 1994 you had a intense debate with Erik Spiekermann about Rotis‘ quality and success. Has your opinion of Rotis changed? BB Back then we prophesied the establishment and spread of Rotis and people laughed. And today? Like Helvetica in its day Rotis has succeeded as a utilitarian typeface, even in areas far removed from the ‚design scene‘. F Have you a favourite design book? BB Don‘t ask me about a favourite book, hero, or anything.

The world is full of good authors and stories about all sorts of things. GB I don‘t think I have a favourite book either (thinks)... Yes, there‘s that collection of alphabets by Karl Gerstner and a book on designing programmes, also by Gerstner. They‘re fantastic books. F Since last year there‘s been a Karl Gerstner Prize for pro-

jects from the foundation semesters at the HfG. It was initiated by Christian Holzäpfel, a major client and a good friend of Karl Gerstner‘s.

F What was the topic of your Diploma project? GB A poster series about the technical and social aspects of

F Did you ever get the chance to know Otl Aicher perso-

energy. It was not long since the entry of the first atomic power plants, and the first protest movement was forming in Whyl in the Kaiserstuhl. It seemed to me to be important to describe the commercial background and business connections. BB It was an introduction to semiology in visual communication. I did the project with Gerd, but as he was a semester after me for him it was just a semester project.

GB Actually it was Rotis that brought us together. At the

F Your design office has been successful since 1978. You‘ve used Otl Aicher‘s Rotis typeface throughout your own identity and for so many projects. What do you find so special about Rotis? GB You‘d best read the chapter in our book “Spielräume – Room to Move”. Every good typeface has its own history. Today typefaces are often just used as elements of style. Out there (pointing to the window) there are posters for a Wedding Fair in a 1920s style. I must say that my opinion of Rotis has been confirmed over the years. It was the first typeface with the positive aspects of both grotesque and antique fonts. It‘s about design as communication. It‘s about quality, not about me, not about her. Communication grows from the topic. Whether I use Univers, Rotis, Bodoni, or Helvetica is basically irrelevant – we are transmitting content! F There‘s a connection to Otl Aicher in your work. What do

you think makes his philosophy so timeless and topical? Or isn‘t it a little outdated today? GB First I think there are both large and small differences in our ways of expression. Secondly you can‘t describe

nally? same time and without knowing about his development of a family of type, we were experimenting with Univers and Times in a similar way: more space for the individual letters without using more space in total. But it was many different facets, moments, thoughts, and meetings that brought us together with Otl Aicher. BB As students we‘d already admired his design work for the Olympiad 72 in Munich. Light, clear, fresh, functional, and yet full of emotion. Right after graduation we applied to work in his team. Luckily or not, he couldn‘t take us on in our inseparable ‚double pack‘ (laughs). Through the freedom movement that culminated with the blockade in Mutlangen against the Pershing II missiles stationed there we got to know Otl Aicher and Inge Aicher-Scholl better. GB Earlier, together with Michael Klar, we‘d designed and printed a series of posters and pasted them all over Schwäbisch Gmünd. This “visual meeting” led to the “Herbst ‚83 (Autumn ‚83) initiative, which was developed and carried out jointly with Otl Aicher, Rolf Müller, and Nick Roericht. Later we got to know and recognized his Rotis as the right step and still today we defend it fiercely against criticism. In the meantime Rotis has conquered the everyday visual environment, and time has proved us right. F For the last few years the HfG has been in provisional accommodation in containers and in the Gmünd Tech building on Schwäbisch Gmünd‘s industrial estate. It is due to move back into its old building in Rektor-Klaus-Strasse in 2015.


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GB Honestly, I don‘t understand why it takes as long as five years to renovate the old building ... BB You could almost imagine that it was a quiet way of reducing the number of students. F Last year the HfG celebrated its 40th year – what has changed for you during these four decades? GB With all the new tools it‘s clear that methods and ways of expression have also changed. Today people are much less political. Earlier we were much more theoretical and content-oriented – we almost didn‘t get round to designing! Over the years the pendulum swings between content and design. Digitalization also plays a large part in this. Today you have to spend a lot more time messing around with the tools than really working with them! The speeding up, the easing, the escape from manual working processes has all happened, but bureaucracy and administration have taken on worrying proportions. F Yes, that‘s our experince. In the foundation semesters we‘re expected to tackle complex content and at the same time we have to learn InDesign, Illustrator, Cinema 4D, etc., and apply them too. BB That‘s how important things get neglected. The first visual sketches are often digitally printed. That‘s the way a lot of our visual environment looks anyway. Taking care, which always means taking time, is getting rare. Design is degenerating increasingly into a fast superficial process of decoration. The diktat of speed is making it progressively difficult to study something intensively and to learn how to see. It‘s getting harder to find evidence of questioning and examining, holistic thinking, the conscious development of a visual grammar and rhetoric in much of the work we see today. GB That‘s why we introduced the four-day week many years ago. In the morning we meet leisurely in our kitchen, chat, eat, and start the day relaxed. Then it‘s much easier to work. Thursday is our Friday, so to speak (smiles). On the other three days of the week we go to exhibitions, trade fairs, and the like. F As students we can only dream of something like that! In the 3rd semester for example the projects are tough and the pressure is on. You can sit at a layout for nights in a row. GB When we were studying that was very similar (chuckles). I don‘t know if it‘s the same with you but we went to the HfG in the morning, to a café at midday, then back again until late at night, then back again for a drink, and back to school... (laughs). F Do you have to make many compromises for clients? GB Champagne or mineral water. There‘s nothing in bet-

ween for us. We never liked watered wine and still don‘t. Call it attitude, philosophy, or a concept of the world and everything in it, we both, each in their own way contributed our bit and it showed in an unlimited desire to do good design work. For us good design is not as a ‚mindless‘ arrangement or decoration but as the result of a continuous series of questions: What, how, what for, why? While we were studying we were supported in this kind of thinking by teachers who had studied at the HfG Ulm, and

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by many interdisciplinary workshops, all stimulating constant discussion and reflection on one‘s own thoughts and actions. We worked on the semiology of visual communication for many semesters. BB When we look back critically but lightheartedly today at our beginnings we laugh at our almost excessive lack of willingness to compromise. To us our carefully and intensively worked out designs were beyond challenge and invincible. We‘d rather have risked a dismissal without thinking long about the economic consequences. The expected bleak periods came and went. Today, after almost 35 years of life in the office we‘ve learned a little. You‘re not the font of all knowledge and wisdom. Good ideas sometimes come from unexpected quarters. Design is only possible when a dialogue exists. A lot of ideas will work, but not all. Too many cooks can spoil the broth. The path from real improvement to a ‚good‘ compromise is sometimes stony and foggy. It‘s easy to slip and stumble. So you watch out. F What‘s your favourite quotation? BB Hmmm! I like, “Make everything as simple as possible,

but not simpler.” That‘s Albert Einstein, I think (smiles). GB I don‘t have one (thinks a moment) ... take the one behind you. He smiles and indicates a postcard in the style of a smoking warning on cigarette packets that says, “Reading endangers your ignorance”. F What are you working on at the moment? GB Whenever we have time we‘re working on a new book,

among other things. It‘s a kind of sequel to our first book “Spielräume – Room to Move”. As in the earlier one we‘ve documented our own work, as we did when we were studying. Over the years we‘ve done a lot more projects! F Any comments on FORMAT magazine? BB I‘m not quite sure about the name FORMAT – it‘s a bit

too close to home for me. GB I think the idea of a HfG magazine that is published regularly is good, and particularly the time and effort put in by those who produce it. It makes you devote yourself to content, do some research into the past, reflect on all of this, and do some designing. Without action no reaction! Thank you for the interview.

Pages 23 – 25 The time, the times Our world is characterized by change. As our world accelerates and becomes more and more digitized it becomes more unbalanced. As a designer how do I deal with these changes? Do I move with the new rhythms or do I take my future into my own hands?

Our age is characterized by change. All over the world people are increasingly networked. Information is becoming a common good. Economic systems are becoming interdepen-


Look back to the future

dent, cultural boundaries are blurring. New technologies are seriously challenging our ethical values. We are plundering our planet and are facing dramatic climate change. I‘m sitting here; my left hand hold a lighted cigarette, my right hand grips my pen hopefully. The wine leaves a dry, fruity film on my tongue. Bathed in red light and heavy metal music the old rockers blast away. Over to the left several HfG students have pushed tables loaded with bottled beer together and are attempting conversation. In my local pub it‘s lively during the week as well. Here time still runs properly. I feel inspired here, so I bring my work along. The world outside these red-lighted walls has a different rhythm. The world outside follows the rhythm of progress. In the world outside I‘m a designer, or at least well on the way to becoming one. It‘s often stressful, but that‘s normal. As a designer I‘m both privileged and have a responsibility. I‘m supposed to be helping to make the world better. Design is intention made concrete. But what is my intention? And what does the world need? The smoke from my cigarette stings my eyes. Sustainability. Sustainability is on the minds of many nations of the world today. I‘m supposed to design morally and ethically. I‘m supposed to have an influence on the developments of my time. We‘re plundering our planet and if we go on like this the society we know won‘t exist in a few decades. That‘s what they said at the last climate summit anyway; the climate summit at which nothing ever happens. A few countries are making an effort. The ones that matter aren‘t. Maybe I should change something there? Can I change anything? Outside these walls a lot more is happening. Life is becoming more virtual. You hear a lot about that. Visionaries say that all the technology and media are making life easier. They‘re making mine shorter. When I get up in the morning I switch on my laptop and am greeted by my social network. Because I don‘t want to miss anything I have many accounts. Facebook is a must. After I‘ve updated myself worldwide via my Spiegel-Online app, I Twitter my latest motivational surge into the infinite net. I‘ve also registered for Xing. I‘ve forgotten why. Somebody I find important told me that it was important – for business contacts and so on. If I‘m honest I don‘t understand even a quarter of what‘s going on in the world out there. And sometimes I think that applies to everyone else. That reminds me of one of the songs that I‘ve heard several times a day this week. A tinny female voice sings, “Why would I carry such a weight on my shoulders?” Yes – why would I? Why should I take on the problems of my age every day? Because I must? Because I want to? Because it might make me a good designer? I think I‘m doing it out of habit, and because I want to. And perhaps because it might make me a good designer. Everywhere people try to keep up with the speed, and often they fail. Perhaps mankind is not made for such speeds. That‘s what people said when the railways were invented. There‘s too much input, too much information. I know about the civil conflict in the Gaza strip. Europe is suffering its Eurocrisis, and the USA might suffer a recession soon. A school friend of mine has broken off her relationship after seven years. And for tomorrow‘s presentation I‘m supposed to tackle Otl Aicher for the third time. Did you know that he died mowing the

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lawn? So much information. And tomorrow there‘ll be more. Every day an average person receives about 6000 advertising offers. That‘s what a budding information designer like me learns at the HfG. As a logical consequence people just select what they think is important and shut the rest out. In the lectures I‘ve learned that 98 percent of the information offered cannot be perceived and used. A student buddy of mine in an upper semester has noticed that I‘m sitting here and scribbling. He‘s on his second beer, well motivated, and burning to share his view of the future with me. He wants to get out of the rhythm of our times. As a product designer he sees himself facing a future that will limit his individuality. More and more products are mass-produced. In Germany alone about 910 new products are introduced on the market every week. Developing countries like India and China are mass-producing goods without any thought for quality. He feels like just one among many tiny cogs. “One individual alone cannot change much. Innovation works best when people work together. Everybody contributes his own skills. Everybody is good at what they do, whether they‘re a product, communication, or interaction designer, engineer, or even an advertising agent. No single person designs in isolation in a grey, empty room. Design thrives on influences.” The courage to be independent is the key to success and satisfaction. I like that. This young man doesn‘t want to be simply a conformist and do what everyone is doing. He wants to create quality with individuality. That‘s the way it works for him. He‘s working alongside his studies to make money and invests the remainder of his time in establishing himself professionally. At some stage, he plans, he‘ll be independent enough to do without his side-jobs and be able to do just what he feels is right. He‘s working hard towards this goal and is convinced he‘s right. He‘s tough and prepared to take the long way round for his own ideas. But he‘s tough enough to take an apparently easier way and to sacrifice his own ideals. Now a young excited female HfG student is prepared to help too. The subject of the future sets emotions free. “By 2080 this product design thingy will be possible only with engineering studies,” she says. Philippe Starck said something similar. He sees the design profession becoming ever more closely interwoven with that of the project planner. That raises the question of whether a single qualification is enough. “Product designers today learn how to design without technology, or how to do technology without design,” according to the young product design student. The view of the future is equally uncertain for the communication designer. He still learns to design print media. But will he still need these skills in the future? Printed books are being displaced by e-books, and in future newspapers and magazines will probably exist only as apps for tablet computers. There‘ll probably be no posters posted. That leaves just the media for the interaction designer – applications for PCs, smart phones, or tablets. When I started my communication design studies I‘d thought it would all be different. I wanted to draw, paint, photograph, and experiment. Now I‘m learning to code. HTML is my lead, CSS is my brush. My dreams have given way to reality. But it is comforting to know that I‘ll be ready for professional life.


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Perhaps one day Communication Design and Product Design will merge into Interaction Design. But what would that mean for young designers like me? What will become of Interaction Design as we know it now? “Applications must become more intuitive,” is the message of one interaction designer who has taken a bit of time for me. “You can‘t afford to think how you must use a machine. It must simply work, and explain itself.” We mustn‘t lose sight of the demographic changes taking place. Our society is getting older. I see that every day in the supermarket. How does the older generation deal with all the new technologies and their possibilities? “I think that our task as interaction designers will be in all areas. We‘ll have to communicate with machines more and more. It starts in the morning with the coffee machine and will at some time include our light switches and even our sneakers.” According to the ambitious interaction designers everything will become part of a huge information network. People‘s lives are to become more digitized too. It‘s already possible on the Internet to compile personal profiles of any number of Internet users. For that we‘ve got Facebook to thank in a large part. But to be honest it scares me a bit. Maybe one day I‘ll have a chip implanted to regulate my bodily functions and to communicate with my environment? “In the long term interaction designers should be concerned with the problems of the times and not light up everything,” says my ID colleague, “In the first instance we must be clear about the consequences of our actions. Mankind is starting to use bionics and sees a future in artificial intelligence. But maybe not everything around us must be intelligent.” The world should be better if it‘s sustainable. It can become sustainable by applying the ideals of individual people. This seems to be the message my design friends are giving. Slowly the place is emptying around me. The last orders have been served. What do I make of myself and of my future now? The best thing is just to wait and see what happens. My life is a design process. I discover and learn, and draw conclusions. And at some time these conclusions might be confirmed or contradicted. In any case I‘ll never stand still, because around me the times never stand still. That comforts me a little. Our times are characterized by change, and I‘m not on the outside looking in, but am right in the middle. I‘m a part of the change. My glass is empty and I‘m starting to feel sleepy. As I open the door of my local clear cold winter air greets me. I breathe in deeply and gratefully, then set out for home, satisfied.

course of training and I‘ve got precise ideas about what my future looks like. There‘s no question of an advertising agency. I hope that my studies will enable me to travel a lot and be in direct contact with clients. It‘s important for me to know my clients personally and to be in direct touch with them.Ideally I‘d like to have an advisory function in which I can provide conceptual ideas and impulses.”

Pages 26 – 27 A dream survey

Dominik Witzke, 24, 7th semester Interaction Design:

Thomas Schlüter, 23, 2nd semester Product Design: “I think it‘s exciting just to see what comes along. I don‘t have any specific dreams or ideas about my later work. After my training as a master goldsmith I took the next step and enrolled in Product Design studies. You can‘t plan everything; I‘ll just wait and see how things work out and enjoy my studies.” Jacqueline Möck, 23, 1st semester Communication Design:

“I dream of serving in my own shop and working on my own designs. That way I can remain in touch with clients and can continuously improve my work. My dream is a small shop where I can design and make my own products and then sell them. Nice little products at reasonable prices. They would range from cakes from my own oven in my own packaging, postcards and greeting cards with my own photographs, to individual pieces made of recycled materials. A dream of a creative craft design that makes good design available to all.” Jörg Kahlhöfer, 21, 3rd semester Communication Design:

“I want to combine my two loves – visual design and music. I‘d like to found a centre for musicians. A complex that incorporates all that you need for a successful career in music and where you could make sound recordings, professional quality photos, record a music video, or find management for a live show. I‘d like to found this business with my brother, with whom I‘ve made several recordings in our own home studio.” Sergej Ermolaev, 25, 3rd semester Communication Design:

“You get somewhere anyway, whatever you set out to do. I‘m convinced that you probably can‘t decide where you‘re going to work at the beginning of your career. You move from one job to another and finish up somewhere entirely different to what you‘d imagined. I dream of developing new game concepts and doing my own illustrations for them.”

When students start their studies they are highly motivated. They are full of dreams, hopes, and desires. During the course of their studies their expectations can change, develop, or be replaced by completely new ones. Some students have given us an insight into their most personal ideas about the perfect future.

“I don‘t want to be employed by someone else and be working for them. I want to be my own boss. It would be ideal to start up a design office with a few colleagues after the Masters course and then to make a name, preferably in a big city like Munich or Hamburg. I hope to work for large clients and to be in a research group developing concepts for challenging projects, for example in innovation design. Designing apps for iPhones wouldn‘t satisfy me.”

Tobias Strohbach, 25, 1st semester Interaction Design: “I don‘t want to have to be the classic designer in an office, staring at my screen all day. I‘ve already completed one

Pages 28 – 29 “No” instead of “Yes”, “Yes” instead of “No”


Look back to the future

Everyday you make decisions, based on much thought or simply on gut feeling, decisions that may feel important or banal and might not even seem to change anything much. On the other hand these decisions will affect not only your life but, unconsciously and sooner or later, the life of everybody around you – and their future decisions.

Simon, Tobias, Tabea, Melanie, Tatjana, Felicitas and I are sitting in the HfG library. It is late and we are nervous, nervous about this article that we can‘t draw to a close. It has no beginning and no end; it makes sense, but has no content. Our stomachs rumble, our mood darkens. Instead of sitting here in the library we could be in our communal home; one of our companions is throwing a party and there‘ll be lots going on – food and drinks, later the KKF. Tobi would already be in the KKF, and Meli already on the way home to Ulm. Tabea would have smoked her seventh cigarette, we‘d have downed our second beer. The library would be empty, Hanna Heer alone in peace. We‘d have eaten too much and be slightly tipsy. The radio brings news of an accident on the autobahn near Ulm – luckily Meli is only going home tomorrow. This one could have been Tabea‘s last cigarette. Tobi would be drunk and would never have made it to tomorrow morning‘s English class. English was interesting, posing questions like, “If we all gave everyone the freedom to reduce, shunned colour, used Univers, how would one design differ from another? Would individuality be lost?” Questions that interest me, you, and Tobi. Questions that are seldom put, and luckily we were in the English class. Thanks to FORMAT, thanks to Hanna Heer, thanks to this article. I stick with it, and will write the text first thing tomorrow. “Look back to the future”. If I‘d decided it all differently in the past, I‘d have taken a different path. “Yes” instead of “No”, “No” instead of “Yes”. I wouldn‘t be here, not at the HfG, not in the FORMAT team. I wouldn‘t be home on the sofa. I wouldn‘t be writing this text. I‘d be off with someone else listening to music, drinking beer, smoking a cigarette. Here I can‘t smoke; my Mother gets mad. It‘s Monday, a Monday in the holidays, that‘s why I want to be out, outdoors wandering the neighbourhood. It‘s always a Monday, every Monday at 7pm we have a FORMAT meeting, except during the holidays. But now I‘m sitting on the sofa, here inside instead of outdoors, and am writing this text. I‘m writing this text during the holidays – a text without a beginning or an end, with meaning but no content. I should have said “No” instead of “Yes”.‘ If I‘d said “No” instead of “Yes” and hadn‘t written this text we wouldn‘t have had to shorten Chris‘ overseas contribution so drastically and you‘d have discovered what it‘s like to be spending a semester in Madrid in a text that‘s would come later in this issue. You‘d already have seen colourful pictures of other lands and have been able to form an opinion on e-books. Now you‘re reading this line for line and are probably wondering about the content – which is confused but contains the truth. Bits of real life, somehow connected to this article, and unconsciously affecting things. Yesterday I described the idea and the essence of this article to my mother and read her the first sketchy drafts. It was

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rough and confused, but she was excited and talked as confusingly as I‘d written. She talked about events that she‘d experienced or seen in the past as a result of the right or wrong decisions. It was in 1983, Mum was 23, Dad 26, a young, extremely handsome couple deeply in love. They lived above my great-grandmother, gossipy, small, rotund, with smock, apron, and hair in a bun. The rent was low, and in exchange they had to take her with them shopping every so often. Great-granny rushes into the supermarket, and after a while Moni (Mum) into the second hand shop next door. Granny finds vegetables, fruit, fish, and meat – no problem. Moni discovers a wonderful old dining table for 70 marks, and that‘s a problem. After the tenth attempt, the table still won‘t fit into the car, or on top of the car, damned Beetle. Peter, a young fellow in his mid-thirties, no tattoos, watches the scene for a while and then offers his help. She drives ahead, he follows. She‘s attractive, he‘s charming. After a coffee and a thank you, Peter departs. Perfect timing; Dad arrives. He runs his fingers through his hair, cigarette jauntily poised, well fitting jeans jacket. “Hey, Moni, sorry, but I still feel too young for a serious relationship.” She cries, he‘s happy. He gets dates, she gets mail. The letterbox disgorges a postcard with a number and a picture, signed by Peter. Mum felt desired, Dad felt sad. After three weeks they decided to make a go of it together – otherwise I wouldn‘t have been here. How lucky for the HfG, FORMAT, and this article. There‘s not always a way back, that‘s why I think it‘s so difficult to make decisions when you‘ve got to make the “right” one. As long as you don‘t decide, it almost seems that all the possibilities remain open. A decision, whether it begins with “Yes” instead of “No”, or “No” instead of “Yes” cannot be wrong, for each way is just as meaningful. As the decision maker you cannot foresee the whole range of subsequent developments. It‘s the present that enables you to make a decision. But what results from this decision is of much more value to you and your surroundings. So decide now.


FORMAT #10 - Blick zurück nach vorn  

Die 10. Ausgabe der FORMAT - Blick zurück nach vorn

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