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OSTERINSEL Die Geschichte vom Vogelmann

VALPARAISO UNESCO-Juwel am Pazifik

BERGSTEIGEN Am hรถchsten Vulkan der Welt

www.chile.travel


Chile | XXX

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bienvenido!

Arica

ARICA Y PARINACOTA

Iquique

TARAPACÁ

ANTOFAGASTA

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wenn Sie Chile von einem Ende zum anderen durchreisen, legen Sie eine Strecke zurück, die – übertragen auf die „alte Welt“ – vom Nordkap bis nach Gibraltar reicht. Diese riesigen Nord-Süd-Distanzen spiegeln sich natürlich in den spannenden landschaftlichen Kontrasten und in den Klimazonen des chilenischen Festlands wider: Im Norden dehnt sich die trockenste Wüste der Welt aus, im Süden eines der größten Eisfelder der Erde und dazwischen locken Vulkane, Wälder und Wildnis. Maritime Facetten Chiles birgt nicht nur die lange und zerklüftete Küste, sondern auch die Weite des endlos scheinenden Pazifiks selbst – mit dem Archipel Juan Fernández mit der Isla Robinsón Crusoe sowie mit der mehr als 3750 Kilometer weit entfernten Osterinsel. Es gibt also viel zu entdecken. Probieren Sie’s einfach aus.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Antofagasta

ATACAMA

Copiapo

La Serena Coquimbo COQUIMBO Viña del Mar VALPARAÍSO Valparaíso Santiago SANTIAGO Rancagua BERNARDO O’HIGGINS Curicó MAULE Talda Chillán Conceptión Los Angeles BIOBÍO Temuco

ARAUCANÍA

Valdivia

LOS RÍOS

Osorno Puero Montt

LOS LAGOS

AYSÉN

MAGALLANAS Y ANTÁRCTICA CHILENA

Punta Arenas

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Inhalt

ALLGEMEINES

SPORT

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Grußwort, Übersichtskarte Chiles Highlights Chile von A bis Z Impressum, Gewinnspiel

Skifahren in den Anden Chiles Fußball: Längst in der Königsklasse Portrait: Surf-Star Ramón Navarro Bergsport am höchsten Vulkan der Welt

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KULTUR

NATUR

10 Bräuche, Feste und Spektakel 12 – 14 Neue Klänge aus Chile 15 – 17 Weltliteratur: Pablo Neruda 20 UNESCO-Juwel am Pazifik: Valparaíso 42 – 43 Indigene Völker Chiles 44 – 46 Osterinsel: Die Geschichte vom Vogelmann 48 – 49 Chilenische Weine und Rebflächen 54 – 55 Weltkulturerbe: Holzkirchen auf Chiloé

18 –  19 Chiles atemberaubende Nationalparks 24 – 25 Atacama: Die trockenste Wüste der Welt 28 – 29 Ganz im Süden: Isla Navarino 36 – 37 Parque Patagonia: Chiles jüngster Nationalpark 47 Robinson Crusoes Eiland

INDUSTRIE + FORSCHUNG 21  24  25

Die Algentaucher und ihre Frauen Observatorien in der Atacama-Wüste Kupfertagebau in der Chuquicamata

UNTERWEGS 26 – 27 Erlebnis im Eismeer: Kap Hoorn 38 – 39 Abenteuer und Landschaft: Carretera Austral 50 – 52 Familienreise: Chile mit Kindern 56 – 58 Chile hoch zu Ross


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Chile | Highlights

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Chiles Highlights Zwischen Pazifik und Wüste, weiten Ebenen und eisigen Bergen liegt Chile – das extrem schmale Land auf der Pazifik­seite Südamerikas reicht vom Regenschatten der Anden bis ans „Ende der Welt“.

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3 3762 km

von Robin Daniel Frommer

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Schon aufgrund der ungewöhnlichen Geografie seines Festlands hält Chile fraglos für jeden seiner Gäste viel Spannendes und Faszinierendes bereit – und die im Pazifik vorgelagerten Inseln steigern die Vielfalt und den Anreiz für einen Besuch Chiles zusätzlich. Hier erwartet Sie ganz sicher mehr Sehenswertes, Einzigartiges, Unerwartetes und Unerhörtes, als sich – mit dem üblichen Zeitbudget eines Urlaubs – im Rahmen einer einzigen Reise angemessen besuchen lässt. Bereiten Sie sich also auf den während Ihrer Chile-Reise unvermeidlich aufkeimenden Wunsch vor, schon bald wiederkommen zu wollen. Gegen den ist nichts zu machen. Auf den folgenden Seiten finden Sie eine erste kleine Auswahl der verschiedensten Highlights, die Sie in Chile erwarten. Der vielleicht größte Trumpf Chiles: Nirgendwo in Südamerika können Sie so sicher und fast unbekümmert reisen wie zwischen Arica und Puerto Williams.

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Chile | Highlights

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1 NATIONALPARK TORRES DEL PAINE Patagoniens markante Granittürme, die Torres del Paine, sind das wahrscheinlich schönste Stück Stein auf unserem Planeten. Die „Zinnen im Blau des Himmels“ stehen als Biosphären-Reservat seit 1978 unter UNESCOSchutz. Die raue Berglandschaft des Nationalparks erinnert mit ihren Seen, kalbenden Gletschern, Wasserfällen und dichten Wäldern leise an Nordnorwegen. Im antarktischen Sommer (etwa September bis März) liegen die Höchsttemperaturen hier bei 11 Grad Celsius, im Winter bei 1 Grad Celsius. p S. 18


Chile | Highlights

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SAN PEDRO – DIE PFORTE ZUR ATACAMAWÜSTE Die Wüste bestimmt den Lebensstil im Oasendorf San Pedro: Alle Häuser der kleinen Indio-Gemeinde sind aus Lehmziegeln und Kaktusholz gebaut, denn andere Materialien sind in der Atacama rar. San Pedro ist dank seiner touristischen Infrastruktur ein idealer Ausgangsort für Touren zu Dünenfeldern, Vulkanen und Geysiren sowie zum Salar de Atacama, einem weitgehend ausgetrockneten Salzsee, dessen Lagunen im Winter und Frühjahr von großen Flamingo-Schwärmen besucht werden. p S. 22

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JUAN-FERNÁNDEZ-ARCHIPEL UND RAPA NUI Weit draußen im Pazifik, mehr als 600 Kilometer vom chilenischen Festland entfernt, liegen die drei Inseln des Juan-Fernández-Archipels: die Isla Robinsón Crusoe, (bis 1970: Isla Más a Tierra), Santa Clara und die Isla Alejandro Selkirk (früher Isla Más Afuera). Alle drei sind bereits seit 1935 ein Nationalpark und vulkanischen Ursprungs. Nur die Isla Robinsón Crusoe ist bis heute besiedelt. Noch weiter abgelegen – mehr als 3762 Kilometer vom chilenischen Festland entfernt – ist das Eiland Rapa Nui; die Osterinsel mit ihren riesigen Moai-Steinfiguren aus dem 10. bis 16. Jahrhundert, die 1995 zum UNESCO-Welt­ kulturerbe erklärt wurden. Die Inselbewohner mit polynesischen Wurzeln – die Rapanui – halten entschlossen an ihrer tradierten Kultur fest. p S. 44


Chile | Highlights

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CARRETERA AUSTRAL Sie gilt nicht nur Enduro-Fahrern als eine der Traumstraßen der Erde: Die 1200 Kilometer lange Carretera Austral (offiziell: Ruta 7) verläuft von Puerto Montt (teils auf argentinischen Territorium) über Coyhaique und Puerto Yungay durch die traumhafte Landschaft Patagoniens bis zum 400-Seelen-Dorf Villa O’Higgins nahe der argentinischen Grenze. Der nördliche Teil der Carretera Austral ist noch nicht fertiggestellt. Zwischen Hornopirén und Caleta Gonzalo pendelt zwischen Januar und Februar eine Autofähre. p S. 38

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SEEN UND VULKANE Der südlich von Santiago gelegene Landesteil zwischen dem 38. und dem 42. Breitengrad trägt den Beinamen „chilenische Schweiz“. Hier erwarten Sie wahre Bilderbuchlandschaften – tiefblaue Seen und perfekt geformte Schichtvulkane mit leuchtend weißen Krägen aus Eis und Schnee. Die Kleinstädte Pucón am Lago Villarrica und Puerto Varas am Lago Llanquihue sind die besten Anlaufstellen für Aktivtouristen. Südlich von Puerto Montt lockt die Insel Chiloé mit weitgehend unberührter Natur. p S. 54


Chile | Highlights

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ARICA UND DER NATIONALPARK LAUCA Arica, die „Stadt des ewigen Frühlings“, war während der spanischen Kolonialzeit der florierende Ausfuhrhafen des bolivianischen Silbers aus Potosí und lag auf dem Territorium Perus. Erst 1880 – während des Salpeterkriegs – wurde die „Stadt des ewigen Frühlings“ von chilenischen Soldaten gestürmt und besetzt. 1929 wurde Arica durch Vermittlung des US-Präsidenten Herbert Hoover endgültig Chile zugeschlagen. Heute ist Arica dank seines internationalen Flughafens Chacalluta sowohl das Tor zum Azapa-Tal mit großen präkolumbianischen Scharrbildern, als auch zur 200 Kilometer entfernten Hochebene des Lauca-Nationalparks, einem von der UNESCO geschützten Biosphärenreservat auf mehr als 4000 Metern Höhe, das von den schneebedeckten Gipfeln majestätischer Sechstausender umgeben wird. p S. 18

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IQUIQUE UND DIE SALPETERSTÄDTE Ein Musterbeispiel gelungener Stadterneuerung: An der nordchilenischen Hafenstadt Iquique schieden sich früher die Geister. Sie stinke „nicht nach Geld, sondern nach Fischmehl“, hieß es noch 2009 in einem weit verbreiteten deutschsprachigen Reiseführer. Inzwischen wurde der alte Ortskern sehenswert saniert und Iquique verfügt mit der Plaza Prat, dem 1890 eingeweihten Opernhaus „Teatro Municipal“, dem 1913 errichteten Gewerkschaftshaus „Sociedad Protectora de Empleados de Tarapacá“ und dem 1904 in maurischem Stil gestalteten „Centro Espanõl“ über echte Preziosen. Krasser könnte der Kontrast zu den nur 50 Kilometer östlich von Iquique gelegenen und in der Pampa del Tamarugal immer mehr verfallenden Humberstone- und Santa Laura-Salpeterwerken kaum daherkommen. Die in der Wüste vergessenen Geisterstädte gleichen einer Filmkulisse und werden seit 2005 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes geführt.


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Der erste Eindruck von Santiago de Chile? Die Metropole ist sehr sauber, modern und ausgesprochen sicher. In ihren Straßen herrscht statt typisch südamerikanischem Chaos eher mittel­europäische Ordnung. Santiagos Zentrum ist leicht überschaubar: Markante, weil erhabene Punkte wie die öffent­lichen Parks Cerro Santa Lucía und der Cerro San Cristóbal sowie die im Osten majestätisch aufragen­ de Andenkette erleichtern den Besuchern die rasche Orientierung in der Stadt. Den einfachsten Zugang in die verschiedenen Stadtteile schaffen fünf U-Bahn-Linien. Musiker und Straßenkünstler sind in der Innenstadt Santiago fast allgegenwärtig. Geradezu nordamerikanische Qualitäten haben Santiagos Einkaufs-Malls. Gäste aus Europa fühlen sich besonders in Vierteln wie ParísLondres, Bellas Artes oder Bellavista wohl – oder auf einem der Weingüter in den nahen Tälern Casablanca, Colchagua oder Maipo. Und das nicht nur im März, dem chilenischen Herbst, mit seinen Weinlesen und -festen. p S. 48

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Chile | Feste und Feiertage

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CHILES FESTKALENDER wird von den Feiertagen der Katholischen Kirche geprägt. Nachstehend finden Sie Informatio­ nen zu den landestypischen Events und regionalen Festivals. Eine chilenische Be­ sonderheit: Der Karneval hat es nie über die Anden geschafft.

Chiles TAG DER MARINE am 21. Mai er­innert an das Seegefecht von Iquique (Combate Naval) während des Salpeter­ kriegs (1879 – 84) gegen Peru und Bolivien.

JANUAR / FEBRUAR

JULI

KLASSIK-MUSIKFESTSPIELE im Teatro del Lago von Frutillar (40 km nördlich von Puerto Montt gelegen), am Westufer des Lago Llanquihue und mit Blick auf den Vulkan Osorno. TAPATI-VOLKSFEST in Hanga Roa auf den Osterinseln mit Wettbewerben zu Gesang, Tanz und Sport. Lateinamerikas größtes POP-, FOLKUND ROCK-MUSIKFESTIVAL findet seit 1960 in Viña del Mar statt.

Teufelsmasken und Trommeln locken am 16. Juli bis zu 250 000 Besucher zur FIESTA DE LA TIRANA bei Iquique in der nordchilenischen Region Tarapacá.

MÄRZ WEINLESEFEST (span.: Vendima) in Curicó (185 km südwestlich von Santiago). Chiles Cowboys (Huasos) ermitteln beim RODEO-VOLKSFEST in Rancagua (85 km südlich von Santiago) ihren besten Stiertreiber. Chilenisches Rodeo ist nach „König Fußball“ die beliebteste Sportart im Land.

MAI

SEPTEMBER Chiles UNABHÄNGIGKEITSTAG wird landesweit am 18. September begangen, unter den „ramadas“ auf öffentlichen Plätzen in Chile tanzt man den Volkstanz Cueca, trinkt Wein und genießt die typischen chilenischen Speisen wie Empanadas de pino und Anticuchos (Fleischspieße).

OKTOBER Siebentägiges FILMFESTIVAL in Valdivia, Región de los Ríos (www.ficvaldivia.cl).

DEZEMBER APRIL OKTOBERFEST (Cumbre Guachaca) in Santiago mit Rotwein, Tanz und Musik.



Die Hügel der historischen Hafenstadt Valparaíso sind beim grandiosen SILVESTER-FEUERWERK Ziel Hunderttausender Schaulustiger.


Am Ufer des wunderschönen Tagua Tagua Sees, im Valle de Puelo in der Region „Los Lagos“ in Chile liegt vor traumhafter Kulisse die Mítico Puelo­ Lodge. Bekannt für die malerische Landschaft, die sich mit fischreichen Flüssen und Seen bei Anglern weltweit einen Namen gemacht hat, bietet Mítico­ Puelo­Lodge viele touristische Aktivitäten unter freiem Himmel an, zum Beispiel Exkursionen in das südlichste Weinanbaugebiet Chiles. Wein­proben bei Villasenor Wines entführen Sie in die Welt des chilenischen Export­schlagers und halten viele spannende Informationen für Sie parat. Das private Schutzgebiet Tagua Tagua umfasst 3000 Hektar und kann auf Trekking- und Hiking-Touren zu Fuß oder auf Reit-Exkursionen durchquert werden. Die Optionen sind vielfältig und erlauben ebenso Kayak-Expeditionen oder Mountainbike-Touren in der Region. Auf 26 Kilometer erstrecken sich gut ausgebaute Wege und lassen in einem weitestgehend unbekannten Territo­ rium selbst für Kenner des Landes neue Entdeckungen zu. Der Küchenchef hat es sich zur Aufgabe gemacht, die alten patagonischen Rezepte wieder zu beleben. Dabei werden fangfrischer Fisch, Meeresfrüchte und Fleisch mit fast vergessenen Gewürzen kombiniert, deren Herkunft tief in Patagonien verwurzelt ist. Die Mítico Puelo Lodge ist ganzjährig geöffnet und bietet ihren Besuchern die perfekten Möglichkeiten, Patagonien in all seinen Farben, Geschmäckern, Aromen und Landschaften zu erleben. Weitere Informationen unter: Tel: +56 652234892 E-Mail: info@miticopuelo.com www.miticopuelo.com

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Chile | Musik

Neue Klänge aus Chile CHICO TRUJILLO, ANA TIJOUX UND GONDWANA

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FÜR ZU HAUSE: CHILENISCHE MUSIK IM INTERNET Die ganze Bandbreite der chilenischen Musik – vom unvergessenen Victor Jara bis zu Inti-Illimani – finden Sie u.a. hier: www.last.fm/de/tag/chile

von Robin Daniel Frommer

Chilenische Musik im Hier und Jetzt

Längst hat sich Chiles Popmusik – auch in Europa – unüberhörbar­zurück­­ gemeldet. Andenfolklore, lebens­frohe­ Cumbia und traditionelle Cueca werden munter mit zeitgenössischem Hip-Hop, Reggae, Ska, Funk und Jazz gemischt. Mit schlafwandlerischer Sicher­­ heit überschreitet die junge Musik aus Chile dabei Hörgewohnheiten und Grenzen: Die Formation Chico­ Trujillo und die Rap-Musikerin Ana Tijoux­zählen zu den derzeit populärsten Live-Acts – und sind regelmäßig auf internationalen Touren.

Ein Konzert wie ein Blitzeinschlag. Die Musiker der chilenischen Band Chico Trujillo fackeln nie lange: Schon mit den ersten Takten geht ihr süffiger Mix aus Merengue, Cumbia, Ska und Rock direkt in Hirn, Bauch und Beine. Der rasante, eindringliche Rhythmus und die ansteckend ausgelassene Stimmung der Formation verfangen sofort. Das Publikum tanzt, klatscht und jubelt. Die Chilenen im Publikum begleiten die Songs textsicher und euphorisch. Die Band um den quirligen Frontman „Macha“ wurde 1999 in Valparaíso gegründet und zählt in Chile seit geraumer Zeit zu den besonders angesagten Formationen. Mal klingen ihre Songs und Instrumentaltitel überschäumend karnevalesk, mal – mit zwei Panflöten dargeboten – andin und getragen, im nächsten Moment rockig oder balkanesk, dann wieder poppig und maritim leicht und lebensfroh. Trompeter „Zorrita“ Cabezas weiß um die Sogwirkung der rhythmischen Musik von Chico Trujillo: „Getanzt wird immer. Wir haben in Marokko gespielt. Sogar dort haben alle getanzt. Vorne die Männer, hinten die Frauen.“ Frontline und Herzstück der vielköpfigen Band sind die Bläser. Neben Cabezas sind das Saxophonist „Felita“


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links: Kraftstrotzende Bläser sind ein Merkmal der Band Chico Trujillo; Foto: © R.D. Frommer oben und unten: Frontman „Macha" ist - mal mit, mal ohne Bart - das Gesicht von Chico Trujillo Fotos: © Reina (2)

und der wuchtige Posaunist Luis „Oso“ Tabilo; gemeinsam sorgen sie für mächtigen, druckvollen Drive. Nicht minder vorwärtstreibend bedient das Tandem Juanito Gronemeyer und Rodolfo „Tío“ Fuica dahinter Schlagzeug und Percussion, während der bärtige Sänger „Macha“ mit wild rudernden Armbewegungen zum Mitklatschen und Mitfeiern animiert. „Musik überwindet Mauern“, sagt „Zorrita“ Cabezas und betont, dass der Chico Trujillo-Sound zwar zum Mittanzen anstacheln mag, aber „die Leute auch zum Nachdenken bringt“. Überdeutlich wird das beim älteren Titel „Cabildo“ – mit dem Tonbandmitschnitt der markantesten Sätze der Ende 1972 vor den Vereinten Nationen gehaltenen Rede von Salvador Allende: „Ich komme aus Chile, einem kleinen Land, in dem heute aber jeder Bürger das Recht hat, sich so zum Ausdruck zu bringen, wie er das möchte …“ Diese Worte scheinen die Kreativität und Spielfreude der sehens- und hörenswerten Band bis heute zu beflügeln. Weitere Infos: chicotrujillo.com


Chile | Musik

Rapperin Ana Tijoux ist in Chile und in Frankreich zu Hause. Foto: © Inti Gajardo

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Authentisch und erfrischend individuell

Chilenischer Reggae

Ana Tijoux ist die bekannteste Rap-Sängerin Chiles. Sie wurde 1977 in Lille, Frankreich geboren – ihre Eltern waren vor Pinochets Militärdiktatur geflohen. Die Singer-Songwriterin kehrte 1993 nach Chile zurück, wo sie sich in der Hip-HopSzene Santiagos rasch zu einer der bekanntesten weiblichen MCs entwickelte. Ihre Texte sind unmissverständlich und politisch. Ihre mal zupackende, mal sanft verspielte Musik integriert Anleihen aus der südamerikanischen Folklore und vermengt sie ganz selbstverständlich mit ihrer ureigenen dynamischen Mischung aus Hip-Hop, Funk und Jazz. Im November 2014 wurde Ana Tijoux‘ Song „Universos Paralelos“ in Los Angeles mit dem Latin-Grammy als „Record of the Year“ ausgezeichnet.

Der Auftritt von „The Police“ beim internationalen Song-Festival von Viña del Mar 1982 war die Initialzündung: Fünf Jahre später wurde im Norden Santiagos das Quartett Gondwana gegründet. Seither fügt die Band – Gato Ramos (Saxophon), I Locks Labbé (Bass), Keno Valenzuela (Keyboards) und der charismatische Sänger MC Jona – der karibischen Weltsprache Reggae eine (hierzulande noch) ungewohnte spanischsprachige Facette hinzu. Nicht nur wer die schlurfenden Rhythmen aus Jamaika schätzt, wird sich in diesen Sound neu verlieben. Wollen wir wetten?

Weitere Infos: anitatijoux.cl

Weitere Infos: gondwana.cl

Für Reggae aus Chile steht das Quartett Godwana. Foto: © Aly H. Morales


Chile / Literatur

AUF DEN SPUREN VON

PABLO NERUDA

Lange bevor Pablo Neruda 1971 den Nobelpreis für Literatur erhielt, herrschte über seine surrealistischen Sprachbilder millionenfaches Einvernehmen. Und schon „zu Lebzeiten war er eine Legende“, erinnert sich der mit „Don Pablo“ befreundete chilenische Romancier Antonio Skármeta. Was Neruda anbelangt, legt er sich fest: „Dieses Land hat viele Dichter, so wie das Meer Wellen und die Kordilleren Zacken haben. Einen gibt es jedoch, der ist das Meer und die Kordilleren in einem.“ Pablo Neruda wurde 1904 als Sohn eines Eisenbahners in Parral in Zentralchile geboren. Sein voller Name lautete Neftalí Reyes Basolto. Bereits mit 16 Jahren gewann er seinen ersten Dichterwettbewerb. Er veröffentlichte seine Gedichte unter dem Pseudonym Pablo Neruda: Wie er in seinen Memoiren „Ich bekenne, ich habe gelebt“ einräumt, fürchtete er die Missbilligung seines Vaters. Mit 24 Jahren wird Neruda Konsul und vertritt Chile in Südostasien, später in Argentinien und in Spanien. Im Zuge des Spanischen Bürgerkriegs werden seine Werke zunehmend politisch. 1939 erhält Neruda von der Regierung den Auftrag, nach Paris zu reisen und spanische Emigranten, die vor Francos Regime fliehen müssen, für eine Einwanderung nach Chile zu begeistern. Es gelingt ihm, gut 2000 spanische Flüchtlinge mit dem Passagierdampfer „Winnipeg“ nach Chile zu bringen. Dort tritt er im März 1945 als unabhängiger Kandidat für die Senatswahlen auf der Liste der KP Chiles an; nach seiner Wahl wird er am 8. Juli Mitglied der Kommunistischen Partei. Als Senator genießt Neruda volle parlamentarische Immunität. Ein Jahr darauf attackiert er die Regierung unter Präsident Gabriel González Videla so scharf, dass er – nach einer Gesetzesänderung – über Argentinien nach Paris fliehen muss. In diesem extrem schwierigen Lebensabschnitt entsteht Nerudas bedeutendstes Werk „Canto General“ („Der große Gesang“) – 15 000 Verse, in denen er Wesen und Geschichte des amerikanischen Kontinents von der Vorzeit bis zur Gegenwart deutet. In Paris unterstützen ihn prominente Freunde, allen voran Pablo Picasso. Doch erst 1952 kann Neruda nach Chile zurückkehren, wo er sich zunächst ausschließlich seinem dichterischen Schaffen widmet. 1969 wird Neruda von der KP als Präsidentschaftskandidat nominiert, er verzichtete aber zugunsten von Salvador Allende. Dessen Sturz und Tod 1973 überlebt der Dichter nur um zwölf Tage. Seit November 2015 wird von offizieller Seite eingeräumt, dass Pablo Nerudas Tod möglicherweise durch Fremdeinwirkung verschuldet wurde. ›

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„Gebeugt werfe ich abends meine elenden Netze aus / in die Brandung, wo schlingernd deine Meeraugen treiben.“ Pablo Neruda, 1924 in „20 Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung"


Chile | XXX Literatur

ERSCHEINUNGEN AUF DEUTSCH Einige Werke Pablo Nerudas sind in deutscher Übersetzung beim Luchterhand Literaturverlag, München, als Taschenbuch erschienen und gegenwärtig erhältlich: „Ich bekenne, ich habe gelebt“ (Nerudas Memoiren)

„In deinen Träumen reist dein Herz“ (Übersetzung: Fritz Rudolf Fries)

„Hungrig bin ich, will deinen Mund“ (Liebessonette; Deutsch v. Fritz Rudolf Fries)

„20 Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung“ (Deutsch v. Fritz Vogelsang)

„Balladen von den blauen Fenstern“ (1980 wiederentdeckte Frühwerke Nerudas)

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„Sie können alle Blumen abschneiden, aber nie werden sie den Frühling aufhalten können." Pablo Neruda, Canto General, Ciudad (Mexiko), 1950

„Ich jedoch fahre fort, über Träume zu schreiben.“ Pablo Neruda

FILM Im Februar 2017 soll Pablo Larraíns in Cannes vorgestellter Spielfilm „Neruda“ in Deutschland und in der Schweiz in die Kinos kommen. In der Titelrolle ist der chilenische Schauspieler Luis Gnecco zu sehen. Längst ein Klassiker und als DVD erhältlich ist der 1996 Oscar-prämierte Film „Der Postmann“ von Michel Radford. Die 110-minütige Produktion basiert auf Antonio Skármetas 1985 bei Piper erschienenem Roman „Mit brennender Geduld“. Hauptdarsteller sind Philippe Noiret (Neruda) und der italienische Schauspieler Massiomo Triosi (Briefträger Mario).


DIE REFUGIEN DES DICHTERFÜRSTEN Pablo Nerudas ehemalige Wohnhäuser sind heute Literatur-Museen und der Öffentlichkeit zugänglich. Sie gewähren einen Einblick in das bewegte Leben des Dichters:

La Chascona – das Liebesnest Mitten in Santiagos Ausgehviertel Bellavista versteckt sich Nerudas Haus „La Chascona“ („Lockenkopf“). Er hat das nach außen unauffällig und abweisend wirkende Anwesen 1953 – noch mit Delia de Carril verheiratet – heimlich für seine (lockige) Geliebte Matilde Urrutia erworben. x Calle Fernando Márquez de la Plata 0192, Barrio Bellavista, Providencia, Santiago Tel. (02) 7778741 und 7378712; montags geschlossen

Naturreisen Expeditionen Trekking Privat-Reisen

Chile & Patagonien

La Sebastiana – der Ausguck Die Räume in Pablo Nerudas 1961 bezogenem Haus in Valparaíso sind noch so eingerichtet, als hätte sie der Dichter nie verlassen. Sie spiegeln sein literarisches Schaffen, seine Sammelleidenschaft und seinen zuletzt feudalen Lebensstil wider. Dennoch wird „La Sebastiana“ weniger stark von Besuchern frequentiert. x Ferrari 692, Valparaíso Tel. (032) 2256606, montags geschlossen

Isla Negra – das Arbeitshaus Das Fischerdorf Isla Negra liegt bei El Quisco, ungefähr 80 Kilometer südlich von Valparaíso. In seinen Memoiren „Ich bekenne, ich habe gelebt“ meint Neruda dieses 1939 erworbene Refugium, wenn er schreibt: „In meinem Haus habe ich kleine und große Spielzeuge zusammengetragen, ohne die ich nicht leben könnte.“ x Calle Poeta Neruda s/n, Isla Negra, El Quisco Tel. (035) 641284, montags geschlossen

Weitere Infos: fundacionneruda.org

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Chile | Nationalparks

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LAVA, GLETSCHER UND LAGUNEN ATEMBERAUBENDE NATIONALPARKS

Chile ist ausgesprochen reich an Naturschutzgebieten: 36 Nationalparks, 49 Reservate und 16 Naturmonumente nehmen ungefähr 20 Prozent der Staatsfläche (14,6 Millionen Hektar Land) ein. Wir haben ein paar „Rosinen“ auf dem chilenischen Festland für Sie herausgepickt.

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Chile | Nationalparks

NATIONALPARK LAUCA Der Nördlichste

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Menschenleere Landschaft: Gipfel mit Schneekrägen, dazwischen Lagunen wie Spiegel und verwaiste Hochlanddörfer; staubige Pisten und Wege, die sich in der einsamen Weite zu verlieren scheinen. Highlights: Bis zu 6000 Meter hohe Vulkane und, mit dem Lago Chungará, der höchstgelegene See der Welt auf 4571 Metern. Bei gutem Wetter spiegeln sich die Vulkane Parinacota und der bolivianische Sajama in seinem Wasser. An den Ufern der Seen und Lagunen: Enten, Flamingos, Füchse, Guanacos, Ñandús, Vizcachas und Vicuñas. Unmittelbar an den 138 000 Hektar großen Lauca-Park grenzt der blendend weiße, eine Fläche von 17 500 Hektar einnehmende Salzsee Salar de Surire mit seinen Thermalquellen. Erreichbar ist er über die Ruta 11, ab Putre, vorzugsweise mit Offroad-Fahrzeugen.

NATIONALPARK CONGUILLÍO Von Araukarien beschirmt

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Araukarien, Südbuchen, die sich im Herbst fotogen färben, und andere Baumarten prägen den märchenhaften Zauberwald des Nationalparks Conguillío seit Menschengedenken. Den Silhouetten der Araukarien und den Niederschlägen verdankt das 60 000 Hektar große Naturschutzgebiet auch seinen Zweitnamen: „Las Paraguas“ (die Regenschirme). Mehr als 100 Kilometer Wanderweg erschließen die immergrüne Wald- und Seenlandschaft. Besonders lohnende Trekkingziele: der Conguillío-See und die Lagune Captrén, ein wahres Paradies für zahlreiche Vogelarten. Erreichbar von Temuco aus auf einer 35 Kilometer langen Schotterpiste ab Curacautín (nur mit Geländewagen).

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NATIONALPARK BERNARDO O’HIGGINS Der Größte

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Mit 3,5 Millionen Hektar Fläche ist der nach dem ersten Präsidenten Chiles benannte Nationalpark Bernardo O’Higgins das – mit Abstand – größte Naturschutzgebiet des Landes. Der Park reicht von der Región Aysén im Norden bis zur Región de Magallanes y de la Antártica Chilena. Nennenswerte Straßen gibt es nicht. Zielflughafen ist Puerto Natales an der Grenze zu Argentinien. Die Fjorde des O‘Higgins-Nationalparks sind nur per Schiff oder Fähre erreichbar. Die viertägige Fährpassage verbindet Puerto Natales (November bis März) über Puerto Chacabuco mit Puerto Montt. In den Fjorden des Nationalparks treiben oft Eisberge. Unterwegs sind Kormorane, Schwarzhalsschwäne, Seelöwen und gelegentlich Delfine zu entdecken.



NATIONALPARK TORRES DEL PAINE Der am meisten Fotografierte

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Noch tiefer im menschenarmen Süden Patagoniens liegt der bekannteste und für viele Besucher schönste Nationalpark Chiles. Er verdankt seinen Namen dem markanten und weltweit am meisten fotografierten Bergmassiv „Torres del Paine“­. Bis zu 3000 Meter hohe Felszinnen, riesige Gletscher, markante Fjorde und kristallklare Seen, die auf der Welt ihres­ gleichen suchen, prägen dieses 242 000 Hektar große Natur­ schutzgebiet. Flora und Fauna bestimmen große Wälder aus Zypressen- oder Olivillo-Bäumen, in denen beispielsweise Darwin-Füchse, Pumas und Ñandús zu Hause sind. Der Nationalpark Torres del Paine hat mehrere Zugänge: die Porterías Sarmiento, Laguna Amarga und Serrano. Sie sind auf dem Landweg von Puerto Natales aus erreichbar. Lagerfeuer sind seit Flächenbränden 2012 im gesamten Park verboten. Einzelne Unterkünfte sind auch im patagonischen Winter geöffnet.


Chile | Valparaíso

Valparaíso UNESCO-JUWEL AM PAZIFIK

20 Kenner zählen sie zu den schönsten Orten Südamerikas: Valparaíso – die historische Hafenstadt in der Mitte der chilenischen Küste. Valparaíso, von den Einheimisch oft nur kurz „Valpo“ genannt, lebt vom und mit dem Meer und inzwischen auch von den hier anlegenden Kreuzfahrtschiffen und ihren Passagieren. Viele der bunt getünchten, teils prachtvollen Häuser und Kontore der Stadt stammen aus den von Salpeter- und Guano-Export genährten Boom-Jahren – vor der Eröffnung des Panamakanals. Sie nehmen einen schmalen Uferstreifen ein, von dem mehr als ein Dutzend hundertjähriger Standseilbahnen ihren Fahrgästen recht steile und dicht bebaute „Cerros“ (Hügel) samt Panoramablick auf die Bucht erschließen. Viele Fassaden Valparaísos tragen bunte und phantasievolle Graffiti. Wellblech mit Lack und Patina grenzt an den verschnörkelten Schmuck alter Residenzen. Die Altstadt stammt aus dem 19. und 20. Jahrhundert, sie wird seit Juli 2003 von der UNESCO auf der Liste des schützenswerten Weltkulturerbes geführt. Valparaíso („Paradiesgarten“) hat eine sehr lebhafte Kunst-, Café-, Kneipen- und Musikszene. Der nur acht Kilometer entfernte mondäne Badeort Viña del Mar richtet alljährlich das wichtigste Popfestival Südamerikas aus. In der Hafenstadt hat der chilenische Nationalkongress seinen Sitz. Kurios: Zum Stadtgebiet zählen auch die mehr als 1000 Kilometer entfernt aus dem Pazifik ragenden Desventuradas-Inseln.


Chile | Algenfischerei

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Der Surf-Sport hat Punta de Lobos und das Fischerdorf Pichilemu in jüngster Zeit schlaglichtartig bekannt gemacht. Im Zuge dieses Booms nimmt erst jetzt eine breitere Öffentlichkeit allmählich auch Notiz von den mindestens 35 000 Algenfischern, -sammlern und -tauchern, die schon seit Menschengedenken an Chiles Pazifikküste arbeiten und leben. Algen zählen zu den wichtigen chilenischen Exportgütern: gut 700 000 Tonnen werden hier jährlich geerntet. Etwas mehr als 70 Prozent dieser maritimen Ausbeute werden nach Japan, China und Spanien oder in die Vereinigten Staaten verkauft. Dort schätzen Gourmets und die wachsende Zahl der Sushi-Liebhaber Algen, Seetang und Seegras. Experten beziffern den jährlich mit Algen erzielten Umsatz auf ungefähr 300 Millionen USDollar: ein für Gastronomie und Exporteure äußerst gewinnbringendes BioGeschäft – doch „Marktteilnehmer“ auf der Erzeugerseite waren – noch bis ins Jahr 2002 – ausschließlich die männlichen Familienmitglieder der Fischer, denen es allein vorbehalten war, ins kalte Meer abzutauchen und Algen herauszufischen. Den Frauen der Fischer-Clans blieb nur die diskriminierte, weil traditionell unbezahlte Zuarbeit des Algensammelns und -bündelns. Seit einem Jahr, als 35 couragierte Fischerfrauen in Pichilemu Südamerikas erste Genossenschaft der Muschel- und Algensammlerinnen gründeten, gelingt es allmählich, den gelebten „Machismo“ der Kollegen, Konkurrenten und Ehemänner zu reduzieren. Wenigstens in der Hoch­ saison (Oktober) können Pichilemus „Algueras“ jetzt jeweils umgerechnet monatlich 330 Euro verdienen. Unerwartete logistische Hilfe erhielten die Frauen von der chilenischen Marine: Die „Armada“ überließ ihnen GummiTaucheranzüge, Angelwerkzeug und Regenschutzplanen für die gesammelten und gestapelten Algen sowie einen Container, den sie sich als Umkleide- und Schlafraum samt Küche einrichteten.

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In manchen Algen steckt mehr Nicht nur als Meeresnahrungsmittel sind Rotalgen (Gracilaria chilensis) in den Fokus geraten, sondern auch als potenziell leistungsstarker Bio-Treibstoff. Forscher und Pionierunternehmen versprechen sich vom Algen-Sprit geradezu ein Wunder: Makroalgen sollen über ein nachhaltiges und preiswertes Leistungspotenzial von 2300 Litern Ethanol je Hektar und Jahr verfügen – das wäre der doppelte Ethanol-Ertrag des brasilianischen Zuckerrohrs (1200 Liter).

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Chile | Atacama

Die trockenste Wüste der Welt

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Sie ist 50-mal trockener als das kalifornische Death Valley: Chiles Atacama-Wüste. Auf einer Länge von mehr als 1000 Kilometern und einer Breite von durchschnittlich 160 Kilometern gibt es hier keinen Tropfen Wasser. Wissenschaftler führen mehrere Gründe für die extreme Trockenheit der Atacama-Wüste an: Sie ist sowohl Wendekreis- als auch Küstenwüste und sie liegt im Regenschatten der Anden. Konkret bedeutet das: Luft, die in Äquatornähe aufsteigt, hat bei Erreichen eines der beiden Wendekreise auf 23,5° südlicher oder nördlicher Breite längst ihre gesamte Feuchtigkeit verloren. Der kalte Humboldtstrom und die vom Land weg­ strömenden Passatwinde erlauben an der nordchilenischen Pazifikküste nur die Bildung von Nebel, der von der Hitze sogleich verdunstet wird. Zudem stellt sich die bis zu 6000 Meter hohe Andenkette den aus dem Amazonasbecken kommenden Wolken als unüberwindliches Hindernis in den Weg. Bleibt für die Atacama unterm Strich eine jährliche Niederschlagsmenge von 0,75 Millimeter – es würde also 100 Jahre dauern, damit eine Tasse zu füllen.


Chile | Atacama

Salzsee, Lagunen und Geysire Die Wüstenoase San Pedro de Atacama ist gleichermaßen das Tor zu den Anden und zur Atacama: Von hier aus lassen sich Sehenswürdigkeiten wie die Täler Valle de la Muerte und Valle de la Luna sowie der viertgrößte Salzsee der Welt, der abflusslose Salar de Atacama, erkunden. Außerdem locken malerische Hochlandlagunen zwischen den Vulkanen Miscanti und Meñiques und die El Tatio-Geysire auf gut 4300 Metern Höhe an den Grenzen zu Argentinien und Bolivien. ›

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TAUCHEN SIE EIN IN EIN UNVERWECHSELBARES ABENTEUER. Das Alto Atacama Desert Lodge and Spa wird Ihre Erwartungen übertreffen: Es ist mehr als nur ein Hotel: Liebevolles Design und einzigartiger Stil sowie die sensationelle Lage mitten im chilenischen Hochland sind formgebend und prägend für diese Luxus-Lodge. First Class Service ist hier eine Selbstverständlichkeit. Auch bei den minutiös geplanten Exkursionen. Erfahrene Guides nehmen Sie mit an geschichtsträchtige Orte und lassen Sie teilhaben an den Überlieferungen ihrer Vorfahren, die schon vor Jahrhunderten diese trockene Hochebene bevölkerten. Die Gastronomie ergänzt die lokale Küche durch zeitgenössische Techniken zu einer Fusion-Cuisine, die den Gaumen mit „neuen" antiken Zutaten verwöhnt. Am Abend, wenn sich Millionen Sterne am Firmament aufreihen, können Sie im hauseigenen Observatorium dem Nachthimmel noch ein Stück näher kommen. Im Spa-Bereich werden Kräuter und Zutaten der Region für wohltuende Behandlungen genutzt und auch so manche Massagetechnik ist alten Überlieferungen zuzuschreiben. Das Zusammenspiel einzigartiger Komponenten in stilvoller Vollendung machen aus Alto Atacama Desert Lodge and Spa einen Ort, der mehr anbietet, als man zu träumen wagt.


Chile | Atacama

Ziele des Astronomie-Tourismus

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Die extreme Trockenheit und die klare Sicht in der Ata­camaWüste schaffen in Nordchile außergewöhnlich günstige Bedingungen für inzwischen mehr als 40 astronomische Observatorien, darunter seit September 2011 auch das größte bodengebundene Astronomie-Projekt der Welt namens „ALMA“ auf der Hochebene Chajnantor – ein Verbund von 66 Präzisionsantennen, die bis zu 16 Kilometer voneinander entfernt stehen können. Angemeldete Besuche sind Sa. und So. Vormittag möglich; Abfahrt der ALMA-Busse in San Pedro de Atacama, jeweils um 9 Uhr. weitere Infos unter: almaobservatory.org

Das Very Large Telescope (kurz: VLT) des Observatoriums auf dem 2644 Meter hohen Cerro Paranal liegt gut 130 Kilometer südlich der Hafenstadt Antofagasta. Die 2001 fertiggestellte Interferometrie-Anlage kombiniert vier Spiegel von je 8,20 Meter Durchmesser mit mehreren kleineren Teleskopen und erreicht so die optische Auflösung eines 200 MeterTeleskops. Übrigens: Im Gästehaus des Paranal-Observatoriums, in der „Residencia“, wurden 2008 einige Szenen für den James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ gedreht. Für Besuche ist die vorherige Anmeldung auf der Website erforderlich; Führungen finden Sa. 10 und 14 Uhr statt. Weitere Infos unter: eso.org


Chile | Chuquicamata

Gemeinsam

Chile

KUPFERTAGEBAU DER WELT

Chile ist das exportstärkste Land Südamerikas. Rohstoffe tragen traditionell den Löwenanteil zu den Ausfuhren bei – allen voran Kupfer. 59 Prozent der chilenischen Exporterlöse werden allein mit dem roten Metall erwirtschaftet. Das Land verfügt über die größten Kupfervorkommen der Erde, ungefähr 40 Prozent der weltweit bekannten Bestände. Nur 16 Kilometer vor der Stadt Calama, mitten in der Atacama-Wüste, wird Kupfererz mit dem hohen Massenanteil von 1,53 Gewichtsprozent sogar im Tagebau gewonnen. Zu betrachten ist eine riesige, kilometertiefe Grube, deren Name „Chuquicamata“ („Heimat der Chucos“) aus der Sprache der Aymara stammt. Schon die gewaltige Größe der hier eingesetzten Schwerlast-Muldenkipper vermittelt einen bleibenden Eindruck, welche Dimensionen diese Kupfermine der staatlichen Codelco hat. Täglich werden hier gut 180 000 Tonnen Gestein bewegt und bis zu 2500 Tonnen hochprozentiges Kupfer gewonnen. Die in 1800 Meter Tiefe ruhenden Kupfervorräte sollen in naher Zukunft unter Tage abgebaut werden – die Vorkommen könnten bis ins Jahr 2060 reichen.

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Technikbegeisterte können die Mine von Chuquicamata im Rahmen einer geführten Tour (Mo. – Fr.) besuchen. Anmeldungen sollten fünf Tage vorher per Mail an die Minengesellschaft eingereicht werden: visitas@codelco.cl Der Eintritt ist kostenlos, es wird aber eine freiwillige Spende für eine der Codelco-Stiftungen erbeten. Lange Hosen, langärmlige Oberbekleidung und festes, geschlossenes Schuhwerk sind vorgeschrieben. Die Mitnahme von Sonnenbrille und Trinkwasser wird empfohlen. Der Tour-Bus fährt am Büro der Codelco in Calama ab.

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Chile | Kreuzfahrten, Kap Hoorn, Inlandeis

Erlebnis im Eismeer VON DER MAGELLANSTRASSE ZUM KAP HOORN

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Die Stella Australis ist das Mutterschiff der Expeditionsschlauchboote, die ein intensives Naturerlebnis garantieren. Alle Fotos: © Cruceros Australis

Mythos Kap Hoorn: Der fast senkrechte, 425 Meter hohe Felsenabbruch an der Südspitze der Isla de Hornos ist die maritime Herausforderung des chilenischen Feuerlandarchipels. Die Umrundung von Kap Hoorn galt und gilt vor allem für Segel­ schiffe ohne zusätzlichen Dieselmotor als herausragende seemännische Leistung. Dieses Glanzstück der Steuermannskunst gelang vor etwas mehr als 400 Jahren zum ersten Mal: Die niederländischen Seefahrer Willem Cornelisz Schouten und Jakob Le Maire schafften 1616 die Route um Kap Hoorn. Der legendäre Bounty-Kapitän William Bligh versuchte 1788 auf dem Weg nach Tahiti einen vollen Monat lang, das Kap in der schwierigeren Ost-West-Richtung zu passieren, musste sein Vorhaben aber aufgeben. Der letzte Frachtsegler ohne Hilfsmotor, der das Kap (insgesamt 36 Mal) bezwang, war am 11. Juli 1949 das deutsche Dreiinselschiff „Pamir“­– 35 Jahre nach Eröffnung des Panamakanals, der den Seeweg vom Atlantik in den Pazifik seither wesentlich schneller und einfacher macht.


STAPELLAUF: FRÜHJAHR 2018

HÄFEN, ROUTEN UND TECHNIK

In der international renommierten Asenav-Werft in Valdivia

Punta Arenas (Chile) und Ushuaia (Argentinien) sind die

wird gegenwärtig die „Ventus Australis“, das neue Kreuzfahrt-

Einschiffungshäfen für sechs- bis achttägige Kreuzfahrten

schiff der chilenischen Reederei Cruceros Australis, konstru-

an Bord des 89 Meter langen und bis zu 14,60 Meter brei-

iert. Sie ist für 210 Passagiere ausgelegt und soll wie das 2010

ten Expeditionsschiffs „Stella Australis“. Außerdem werden

in Dienst gestellte Schwesterschiff „Stella Australis“ als Expe-

drei- und viertägige One-Way-Routen zwischen den beiden

ditionsschiff zwischen Patagonien und Kap Hoorn eingesetzt

Hafenstädten angeboten. Die „Stella Australis“ verfügt über

werden. Übrigens: Chiles einhundertjährige Schiffsbautradi­

100 Außenkabinen und wurde eigens für Manöver in den

tion geht auf deutsche Einwanderer zurück.

teils engen Fjorden Patagoniens Feuerlands konstruiert. Sie wird von zwei 1400 PS starken Cummins-Dieselmotoren an-

Die Werft Asenav (Valdivia/Santiago) wurde 1973/74 vom

getrieben, die ihr eine Reisegeschwindigkeit von 12 Knoten

deutschen Ingenieur Eberhard Kossmann gegründet und

und eine Höchstgeschwindigkeit von 13 Knoten erlauben. Für

wird bis heute von ihm geleitet.

begleitete Landgänge ihrer Passagiere führt das Expeditionsschiff vier Zodiac-Schlauchboote mit.

Weitere Infos: asenav.cl

Weitere Infos: australis.com

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Heute ist der Weg das Ziel

Grandiose Eis- und Fjordlandschaft

Von der luxuriösen Ausstattung an Bord der modernen Kreuzfahrt- und Expeditionsschiffe, die heute Kap Hoorn ansteuern oder umrunden, konnten die inzwischen fast ausgestorbenen „Kaphoorniers“ (Seeleute, die Kap Hoorn ohne Motor bezwungen haben) nur träumen. Radar und die elektronische Navigation (GPS und DGPS) sorgen für verlässliche Sicherheit und Außenkabinen mit großflächigen Panoramafenstern machen schon die Anreise zum Kap, durch die Magellanstraße und den Beagle-Kanal, zu einem unvergesslichen und angenehmen Erlebnis, denn die spektakulärsten Landschaften Feuerlands, vergletscherte Fjorde oder die bis zu knapp 2500 Meter hohe Darwin-Kordillere, sind nur übers Wasser zu erreichen.

Schlauchboot-Exkursionen und Landgänge sorgen für zusätzliche Highlights: Besucht werden beispielsweise die Magellan-Pinguine der Tucker-Insel, die Ainsworth-Bucht am Almirantazgo-Fjord mit dem mächtigen, 40 Meter hohen­ Mari­ nelli-Gletscher, dem größten Gletscher im Eisfeld des Darwin-Gebirges, und die Pia-Bucht, in der sich die eindrucksvolle Zunge des gleichnamigen Gletschers von der Gebirgskette bis ins Meer schiebt. Im Nordwestarm des Beagle-Kanals folgt die majestätische „Allee der Gletscher” und über den Murray-Kanal wird die Wulaia-Bucht und ihr Magellanscher Urwald erreicht, bevor Kap Hoorn – Position 55 Grad 59 Minuten südlicher Breite und 67 Grad 17 Minuten westlicher Länge – angesteuert wird.


Chile | Isla Navarino

GANZ TIEF IM SÜDEN ISLA NAVARINO

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VERBINDUNGEN ZUM FESTLAND: Zweimotorige Turbopropflugzeuge (Twin Otter DHC-6­) der chilenischen Aerovías DAP (dapairline.com) verbinden Puerto Williams von Montag bis Samstag täglich mit Punta Arenas. Abflug in Punta Arenas ist 10 Uhr Ortszeit, in Puerto Williams 11.30 Uhr. Wenn es die Wetterlage zulässt, pendeln (Oktober bis März) Schlauchboote von Ushuaia Boating zwischen Puerto Navarino (im Westen der Insel) und der argentinischen Stadt Ushuaia. Auskunft und Buchung vor Ort: Muelle Turismo (Ushuaia) und Turismo Shila (Puerto Williams). Einmal wöchentlich verkehrt zwischen Puerto Williams und Punta Arenas die Personen- und Autofähre „Yaghan“ der Transbordadora Austral Broom (tabsa.cl); die einfache Fahrt dauert zwischen 30 und 34 Stunden, an Bord haben die Passagiere die Wahl zwischen Pullman- und Sofa-Bed-Sitzen.


Puerto Williams auf der Isla Navarino Puerto Williams ist Chiles südlichster Zoll- und Einfuhrhafen und liegt am BeagleKanal. Im antarktischen Sommer geht an der Mole vor dem Hauptort der Isla Navarino ein buntes Fähnlein von Hochseejachten aus aller Welt vor Anker, deren Skipper und Crews von der seemännischen Herausforderung angezogen werden, das Kap Hoorn zu umschiffen. Unter weitgereisten Seglern berühmt ist die Bar „Micalvi“ des Jachtklubs von Puerto Williams, das Oberdeck eines 1962 auf Grund gesetzten Dampfers, der 37 Jahre zuvor in der Hansestadt Wismar vom Stapel gelaufen war. Flaggen und Wimpel aus aller Herren Länder zieren Decke und Wände des Schankraums. Die „letzte Bar vor Kap Hoorn“ ist fraglos Puerto Williams‘ bester Ort für Pisco Sour, frisch gezapftes Bier und Seemannsgarn.

Chile

Highlights

Nur 100 Kilometer bis Kap Hoorn Doch nicht nur wegen der „Micalvi“ steigt auf Navarino die Zahl der Landgänge von Segel- und Kreuzfahrttouristen. Puerto Williams (54° 57‘ S) ist auch die kleine Hauptstadt der riesigen Provinz Antártica Chilena – und wäre die südlichste Siedlung der Erde, gäbe es im Osten der Isla Navarino, zu den vorgelagerten Inseln Picton, Lennox und Nuevo blickend, den winziger Ort Puerto Toro nicht. Die Provinzhauptstadt selbst zählt etwas mehr als 2000 Einwohner – die meisten sind Krabbenfischer, Marineangehörige oder Stadtbedienstete – und eine Handvoll familiärer Herbergen, deren Betreiber auch Touren zum Aussichtspunkt Cerro la Bandera (Fahnenhügel), zum sehenswerten botanischen Park Omora, zu den Wasserfällen Los Bronces und Cascada de la Virgen oder in die von Nachkommen der Yagan-Indianer bewohnten Siedlung Villa Ukika anbieten.

Trekkingziel: Dientes de Navarino Puerto Williams ist Ausgangs- und Endpunkt der mehrtägigen Trekkingroute um das markant gezackte Massiv der Dientes de Navarino. Der Rundweg führt zunächst durch geradezu mystisch anmutende Südbuchenwälder, deren Stämme und Geäst vom Wetter ausgebleicht sind wie sonst vielleicht nur Treibholz. Das saftige Maigrün von Moosen, Gräsern und Blattwerk steht hier im farbigen Kontrast zum kargen Grau der Felsen und Bäume. Der Pfad sollte unbedingt im Uhrzeigersinn beschritten werden. Er führt vorbei an der Laguna del Salto und in mehreren steilen Anstiegen über Altschneefelder zum Paso Australis in 805 Meter Höhe, tags darauf zum Paso Ventarron (696 Meter) und schließlich zum Paso Virginia (859 Meter). Da es keine Schutzhütten gibt, muss in Zelten übernachtet werden. Die Temperatur- und Wetterwechsel sind auch im antarktischen Sommer (Januar: 5 ° bis 15 °Celsius) extrem. Es ist nicht außergewöhnlich, auf Navarino an einem einzigen Tag sowohl Sonne als auch kalten Wind, Regen, Schnee und Hagel zu erleben.

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Chile | Sport

Skifahren IN DEN ANDEN

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Die Saisonvorbereitung führt europäische Spitzenskiläufer zwischen Juni und Oktober meist nach Chile. Während des Winters auf der Südhalbkugel werden neben professionellen Abfahrtsläufern längst auch ambitionierte Ski-Enthusiasten angelockt, die ihrer Freizeit im weichen Schnee, beispielsweise vor den Toren von Punta Arenas, den zusätzlichen Luxus der freien Sicht aufs Meer gönnen wollen. Das Valle Nevado gilt als das modernste und beliebteste Skigebiet in den Anden. Es ist nur 38 Kilometer von der Hauptstadt Santiago entfernt und verfügt auf einer Höhe zwischen 2860 und 3670 Meter über 14 Lifte, 34 Abfahrten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und bietet auch alle Voraussetzungen für das Heli-Skiing. Hier trainiert die Elite der internationalen Cracks. Das älteste und größte Skigebiet Chiles liegt ebenfalls nahe bei Santiago (Distanz: 32 Kilometer) und heißt El Coronado oder Farellones. Hier warten in 2380 bis 3333 Meter Höhe nicht weniger als 22 Lifte und Pisten mit einer Gesamtlänge von 50 Kilometern. Farellones und Valle Nevado sind die teuersten Skigebiete Chiles.

Skifahrer finden im zentralchilenischen Gebiet Nevados de Chillán gut 35 Kilometer Abfahrtspisten auf einer Höhe von 1600 bis 2700 Meter Höhe, zehn Lifte, Tiefschnee, Thermalbäder (der Stratovulkan Nevados de Chillán zählt zu den aktivsten Vulkanen des Landes), luxuriöse Unterkünfte und Pisten­raupen fürs Catskiing abseits vielbefahrener Pisten. Das überschaubare Skizentrum beim Vulkan Villarica verfügt über sieben Lifte und reicht von 1380 bis auf 2100 Meter­ Höhe. 13 Abfahrten aller Schwierigkeitsgrade, Skischule und -verleih­, Loipen für Skilanglauf und eine Huskyfarm für Hunde­schlittentouren komplettieren das Angebot. Namensgebender Hausberg des südlichsten Skigebiets der Welt ist der Cerro Mirador, nur acht Kilometer von Punta Arenas­im chilenischen Südpatagonien entfernt. Die elf Pisten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade verlaufen zwischen 380 und 600 Meter Höhe; sie werden von einem Schlepplift und einem Doppellift bedient und bieten in ihren oberen Abschnitten Sicht auf die Magellanstraße.


Chile | Sport

Kampf um jeden Ball – aufregend, emotional und dramatisch. 2015 und 2016 bestritt und gewann die chilenische Fußballnationalmannschaft „La Roja“ die südamerikanische Meisterschaft Copa América. Der Wettbewerb wird seit 1916 ausgetragen. Jahrzehntelang dominierten die Teams aus Argentinien, Brasilien und Uruguay die Copa América; Uruguay ist mit 15 Titeln der Rekordsieger – aber das ist längst Fußballgeschichte. Im Hier und Jetzt scheint selbst Argentinien mit Superstar Leonel Messi (FC Barcelona) der chilenischen Nationalelf nicht mehr gewachsen zu sein. Beide Finals gewann „La Roja“ in Elfmeter-Krimis, die Messis Rücktritt bei „La Albiceleste“ nach sich zogen. Die Kampfkraft der chilenischen Mannschaft kommt keineswegs aus dem Nichts: Bereits bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 schickte die Mannschaft um Mittelfeld-Abräumer Arturo Vidal (FC Bayern München) den zu diesem Zeitpunkt amtierenden Weltmeister Spanien mit einem sensationellen 2:0-Sieg nach Hause. Tore in allen drei genannten Spielen erzielte Charles Aránguiz (Bayer 04 Leverkusen). Der für die chilenischen Erfolge maßgebliche Nationaltrainer Jorge Luis Sampaoli (seit 2016: FC Sevilla) ist Argentinier, wie auch Juan Antonio Pizzi, der aktuelle Coach von „La Roja“.

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Chile | Extremsport

Ramón Navarro ÜTZER

SURF-STAR UND NATURSCH von Robin Daniel Frommer

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Ramón Navarro hat Chile im Alleingang in die weltweite Wahrnehmung des Surfsports gebrannt. Mit einem maritimen Husarenritt, der ihn 2009 zu einem phänomenalen Außenseitersieg trug – beim „Monster Drop Award“ des viel beachteten Eddie Aikau-Wettbewerbs in der Waimea Bay vor Oahu in Hawaii, einem epischen Big-Wave-Event, der nur während besonders massiver „Swells“ ausgetragen wird, bei denen sich die anbrandenden Wellen mindestens sechs bis neun Meter hoch auftürmen müssen. Extreme Voraussetzungen, die nur neunmal in den letzten 25 Jahren eintrafen.


Chile | Extremsport

d, das uns allen gehört und „Wir haben ein fantastisches Lan en. er alleine kann das nicht schaff das wir bewahren müssen. Ein n.“ Wir müssen zusammenarbeite

Navarros chilenische Heimatstrände – Infiernillo Beach, La Puntillia und Punta de Lobos – haben vom plötzlichen Ruhm des eher schmächtigen Wellenreiters profitiert: Sie entwickeln sich seither zu den populärsten Surfspots auf der Pazifikseite Südamerikas. Navarro ist von klein auf mit dem Meer verbunden: Der bodenständige Surf-Star stammt aus einer Fischerfamilie, die schon seit Generationen an der Pazifikküste bei Pichilemu zu Hause ist. Er hat seine Wurzeln nie aus dem Blick verloren und ist entwaffnend bescheiden, wenn er sagt: „Alles, was ich über den Ozean und die Natur weiß, wie man sie respektiert und bewahrt, habe ich von meiner Familie gelernt.“ Ramón Navarro setzt sich mit der Umweltschutzorganisation „Save the Waves Coalition“ und mit seiner Gemeinde Pichilemu für den nachhaltigen Umgang mit der Küste bei Punta de Lobos ein. Navarro lenkt hierbei den Blick auf den Bauboom, auf Trawler aus dem Norden, die Chiles Küste abgrasen, sowie auf Zellstoff-Firmen, Forstindustrie und Kraftwerke. Er betont: „Wir haben ein fantastisches Land, das uns allen gehört und das wir bewahren müssen. Einer alleine kann das nicht schaffen. Wir müssen zusammenarbeiten.“

der Ramón Navarro surft sogar in

33 Der Chilene Ramón Navarro (36) ist längst eine Surf-Legende. Er surft weltweit Big-Wave-Meisterschaften und reitet als Pionier neue Wellen an der gesamten Küste Chiles: Im August 2014 sogar in der Antarktis, vor der chilenischen Südpolbasis „Presidente Eduardo Frey Montalva“, auf der Fildes-Halbinsel – ausgerüstet mit einem speziell gefertigten Patagonia-Tauchanzug, der Wärme aus jeder Bewegungen generiert, und mit 6 Millimeter starken Handschuhen.

Antarktis. Fotos: Red Bull / De

Heeckeren (1) und Red Bull /

Alfredo Escobar (6)


Chile | Sport

Bergsteigen Am höchsten Vulkan der Welt Majestätisch, riesig und kalt. Der höchste Vulkan der Welt – der 6893 Meter hohe Ojos del Salado – überragt weithin sichtbar die leere Weite der Atacama-Wüste an Chiles Grenze zu Argentinien.

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Das erste Mal bestiegen wurde der sporadisch aktive Schichtvulkan bereits am 26. Februar 1937 von den beiden polnischen Bergsteigern Jan Szczepanski und Justin Wojszins. Unter Alpinisten gilt der Gipfel des Ojo del Salado heute als vergleichsweise einfach zu erklimmen, sieht man von einer Kletterpassage mit Fixseilen unterhalb des Kraterrands einmal ab. Allerdings verlangt bereits die Anfahrt zur Basisstation von der Atacama-Stadt Copiapó aus ein geländegängiges sowie höhentaugliches Allradfahrzeug. Das erste Basislager – Laguna Verde – liegt bereits auf einer Höhe von 4250 Metern über dem Meeresspiegel, hier gibt es Mineralquellen und ein kleines Badehaus. Das erste Höhenlager, das Refugio Atacama, wartet auf 5300 Metern, während sich das Refugio Tejos auf 5825 Metern Höhe befindet und in zwei Containerhütten bis zu 15 Bergsteigern Platz bieten kann.


Fotos: © Markus Walter

Zu Fuß nimmt die Route zum Gipfel mindestens acht Stunden in Anspruch, eine gute Akklimatisation an die Höhe ist die Grundvoraussetzung für alle Aktivitäten an diesen Bergen. Der Gipfel des Ojos del Salado ist meist nur im Winter von Schnee bedeckt, daher kann bei der Besteigung im Sommer (zwischen Oktober und März) in der Regel auf Eispickel verzichtet werden. Doch selbst in dieser Jahreszeit steigen die Höchsttemperaturen nur auf höchstens 17 °C, während die Tiefsttemperaturen bei -20 °C verharren­.

Der Ojo del Salado lockt nicht nur Trekkingtouristen und Bergsteiger – er war seit 2005 immer wieder Ziel verschiedenster Rekordfahrten: Die aktuellen Höherekorde halten das chilenische Duo aus Gonzalo Bravo und Eduardo Canales (seit 2007) mit 6688 Metern an Bord eines modifizierten Suzuki Samurai für allradbetriebene Fahrzeuge; der Thüringer Fahrradfahrer Guido Kunze schaffte mit einem Fatbike 6233 Meter. Eine wahre Rekordflut brachte das Jahr 2014: Das von Matthias Jeschke geleitete Extrem Events Team fuhr mit einem dieselbetriebenen MB-Truck Zetros bis auf eine Höhe von 6675 Metern und der chilenische Motorradfahrer Gianfranco Bianchi jagte seine Suzuki RM-Z 450 auf eine Höhe von 6472 Metern.

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Chile | Patagonien

Der PARQUE PATAGONIA UND SEINE PRIVATEN GEBURTSHELFER

Auf allzu vielen Landkarten ist er noch gar nicht zu finden: der Parque Patagonia – Chiles jüngster Nationalpark. Sollten Sie also auf Ihrer Karte keinen entsprechenden Eintrag finden: Die (meist noch eingezeichnete) Reserva Nacional Lago Jeinimeni ist inzwischen ein Teil des 2015 neu entstandenen und knapp 259 000 Hektar großen Naturschutzgebiets in der chilenischen Provinz Aysén.

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Private Impulsgeber

Philanthropische Vordenker

Der erste „Schritt“ zum Parque Patagonia erfolgte bereits elf Jahre zuvor, als Conservacion Patagonica, eine von Kristine McDivitt Tompkins im fernen Kalifornien gegründete Nonprofit-Organisation, gut 70 000 Hektar Grasland der Estancia Valle Chacabuco erwarb. Obwohl Chile eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Nationalparks besitzt – Naturschutzgebiete für dieses wichtige Rückzugsgebiet vieler bedrohter Pflanzen- und Tierarten sind (weltweit) sehr dünn gesät. Bevor Kristine „Kris“ Tompkins sich dem Umweltschutz in Chile und Argentinien verschrieb, leitete sie 20 Jahre lang die Geschäfte von Yvon und Malinda Chouinards OutdoorMarke „Patagonia“. Gemeinsam mit ihrem Ende 2015 bei einem Kajak-Unfall tödlich verunglückten Ehemann „The North Face“- und „Esprit“-Gründer Douglas „Doug“ Tompkins hat Kris allein in Chile mehr Land erworben und in großflächige Naturschutzparks verwandelt als jede andere Privatperson. Der Parque Patagonia soll in Kürze dem chilenischen Staat – mit der Auflage, den strikten Naturschutz zu wahren – geschenkt werden, um ihm den höchsten Schutz als Nationalpark dauerhaft zu sichern.

Doug Tompkins (1943 – 2015) stammte, wie seine Frau, aus den USA. Zu seinen Vorbildern zählte er den Osloer Philosophen und Tiefenökologen Arne Næss (1912 – 2009) und den US-amerikanischen Nationalpark-Pionier John Muir (1838 – 1914). Zu den Vereinigten Staaten hatte Tompkins ein in vielerlei Hinsicht angespanntes Verhältnis, auf die amerikanische Nationalparktradition ließ er jedoch nichts kommen. Er beschrieb sie als das weltweit „beste Beispiel für Schutz naturbelassener Umwelt“. Die Outdoor-Marke Patagonia hat den gleichnamigen Naturpark mit der Produktion des (bei YouTube archivierten) Sportfilms „Mile For Mile“ seit 2015 einem breiteren Publikum bekannt gemacht und gleichzeitig zum Bau von gut 80 Kilometern Pfaden innerhalb des Parks aufgerufen. Seither sind 42 500 US-Dollar an privaten Spenden eingegangen; das Unternehmen unterstützt den Ausbau der Parkwege mit dem gleichen Betrag.


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Fotos: Š Parque Patagonia

Weitere Informationen: UnterkĂźnfte im Nationalpark: patagoniapark.org/accomodations.htm Conservacion Patagonica: conservacionpatagonica.org Tompkins Conservation: tompkinsconservation.org Patagonia Funktions- und Outdoor-Kleidung: patagonia.com


Chile | Carretera Austral

CARRETERA AUSTRAL ABENTEUER UND LANDSCHAFT

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Motorradfahrer geraten ins Schwärmen, sobald sie von der Carretera Austral sprechen. Gut, hier und dort mag der Schotter ziemlich tief und grob sein, aber das wird angesichts der spektakulären Landschaft entlang der chilenischen Traumstraße rasch nebensächlich. Klar: Ersatzreifen für die Enduro haben alle auf dem Gepäckträger festgezurrt. Vorsorglich. Schließlich sind Tankstellen oder gar Werkstätten hier genauso dünn gesät wie Menschen, Geldautomaten und Siedlungen.

Dessen ungeachtet lockt Chiles Traumstraße auch couragierte Biker an – mit atemberaubenden Fjord-Landschaften, Nationalparks und Vulkanen, mit Gletschern, kristallklaren Seen oder einfach nur mit blühenden Lupinenfeldern, so weit das Auge reicht. Für Selbstfahrer ist die Auswahl an Campern, Jeeps und Pick-ups am Flughafen von Puerto Montt deutlich vielfältiger als in Coyhaique. Und in Villa O’Higgins sind alle verfügbaren Fahrzeuge stets am schnellsten „vergriffen“. Einer der zahlreichen Gründe, die Carretera Austral zunächst in Nord-Süd-Richtung zu erkunden – oder sich auf ihren nördlichen Abschnitt zu konzentrieren. ›


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ZAHLEN & FAKTEN Offizieller Name: Ruta 7 Länge: rund 1350 Kilometer Regionen: Los Lagos, Aysén Endpunkte: Puerto Montt im Norden † Villa O’Higgins im Süden (Teilstücke noch nicht fertiggestellt) Kosten bisher: rund 200 Millionen US-Dollar

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Chile | Carretera Austral

Fjorde im Norden Auf dem nördlichsten Teilstück der Carretera Austral sind allein bis Caleta Gonzalo mehrere Fjorde mit unterschiedlichen Fähren zu überqueren. Von Gonzalo führt ein Pfad in den Valdivianischen Regenwald des Parque Pumalín. Das 290 000 Hektar große Naturschutzgebiet wurde 1991 bis 1998 von Douglas Tompkins (p S. 36–37) gegründet. Nicht zuletzt wegen des mit Puerto Montt und der Insel Chiloé direkt verbundenen Hafens bauen die zurückgekehrten Einwohner ihre (2008 vom gleichnamigen Vulkan verwüstete) Provinzhauptstadt Chaitén allmählich wieder auf. Nach weiteren 78 Kilometern führt eine Abzweigung kurz vor Villa Santa Lucia zum wilden Río Futaleufú, Chiles Eldorado für Whitewater Rafting. Wer es ruhiger mag, unternimmt einen Abstecher zum ursprünglich gebliebenen Hafendorf Raúl Marín Balmaceda. Hier lohnen die rustikalen Termas El Sauce und eine im Pazifik vorgelagerte Felsinsel samt Seelöwen und Kormoranen.

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Beim Pionierdorf Puerto Puyuhapi beginnt Chiles drittgrößter Nationalpark Queulat (154 000 Hektar), dessen spektakuläres Highlight, der Ventisquero Colgante („hängender Gletscher“), auf einem Wanderweg bequem erreicht werden kann. Ein 35 Kilometer langer Abstecher in westlicher Richtung führt hinter dem Queulat-Pass zum regenreichen Hafenort Puerto Cisnes, wo an Bord von Fischerbooten mit etwas Glück Delfine beobachtet werden können.

Gletscherseen im Süden In der 50 000 Einwohner zählenden Stadt Coyhaique ist das touristische Angebot deutlich breiter gefächert als in den meisten anderen Orten entlang der Strecke. Die besten Steaks der Stadt gibt es in der Hacienda Patagonia. Selbst wer aus Zeitgründen die Carretera Austral nicht bis zu ihrem Endpunkt in Villa O’Higgins befahren kann oder möchte, sollte unbedingt bis zum Lago General Carrera „durchhalten“. An der Uferstraße in Puerto Tranquilo werden Bootstouren zu den vom türkisblauen Seewasser umspielten Felshöhlen „Capillas de Mármol“ („Marmorkapellen“) angeboten – und deren Anblick ist (auch wegen des hier im Windschatten der Andengipfel herrschenden sonnigen und trocke­ nen Mikro­ klimas) „der“ optische Höhepunkt jeder Fahrt auf der Carretera Austral. Wer die restliche Strecke fährt, sollte sowohl am kraftvollen Río Baker als auch im Valle Chacabuco mit dem jungen Parque Patagonia (p S. 36–37) Zeit zur Besichtigung der einzigartigen Natur bereithalten. In Puerto Yungay legt die Fähre nach Río Bravo ab; die letzten 90 Kilometer der Piste führen auf dem Flachstück nach Villa O’Higgins an Seen, Urwäldern und Gletschern vorbei.

Río Futaleufú

AUTOFÄHREN AN DER CARRETERA AUSTRAL La Arena – Puelche; in ca. 45 Minuten über den Fjord Reloncaví, 22 Verbindungen tägl. 6:45 – 0:30 Uhr, keine Reservierung erforderlich Hornopirén – Letepú; auf dem Fjord Comau, Fahr­ zeit: ca. 3,5 Stunden; nur drei Verbindungen tägl.; während der Hochsaison Anfang Dezember bis Ende Februar empfiehlt sich der Ticketkauf über die Website von Transportes Austral: taustral.cl Fjordo Largo – Gonzalo; Vorverkauf nur zusammen mit der Strecke Hornopirén – Letepú, Fahrzeit: ca. 45 Minuten Puerto Yungay – Río Bravo; 3-mal tägl. in ca. 35 Minuten kostenlos über den Fjord Mitchell; wenn Autos nicht mitkommen, pendelt die Fähre nochmals. Weitere Infos: Somarco; Satelliten-Tel. 02 1962-6551; barcazas.cl

Aysén, Catedrales de Marmol


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Chile | Ureinwohner

DIE INDIGENEN VÖLKER CHILES Drei indigene Völker stellen heute die Ureinwohner Chiles: die Aymara, die Mapuche und die Rapanui. Ihre Geschichte und Kultur, ihre heutige Lebensweise und die Zahl ihrer Stammesangehörigen, ihr Selbst- und Zeitverständnis sind ähnlich verschieden wie ihre traditionellen Siedlungsgebiete – auch den schwierigen „Sprung“ ins 21. Jahrhundert haben sie unterschiedlich erfolgreich gemeistert.

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AYMARA

RAPANUI

Chiles andiner Nordosten ist ein Teil des angestammten Siedlungsgebiets der Aymara, eines indigenen Volks der AruSprachfamilie. Die meisten der ungefähr 2,2 Millionen Aymara leben auf dem Altiplano in Bolivien, im Süden Perus und, seit Zwangsumsiedlungen während der spanischen Kolonialzeit, in Ecuador. Indigene Autoren, Historiker und Sprachforscher streiten über die Herkunft der Aymara und darüber, ob ihre Gesellschaft die auf 3600 Meter Höhe gelegene Hauptstadt Tiwanaku in Bolivien aus Stein erbaut haben kann. Einige Historiker gehen sogar davon aus, dass die Aymara ursprünglich aus der Region von Coquimbo in Chile stammen – und das Siedlungsgebiet der Tiwanaku nur im Rahmen ihrer Wanderung nach Norden übernommen haben.

Die freundlichsten Ureinwohner Chiles leben auf der Osterinsel. Sie nennen sich Rapanui und stellen heute noch ungefähr die Hälfte der Inselbevölkerung. Ein Teil ihrer polynesischen Kultur ist die herzliche Begrüßung aller neu eigetroffenen Besucher mit jeweils einem eigenen Lei (Blütenkranz). Mehr zu den Rapanui finden Sie auf den folgenden Seiten 44 und 45.

Heute leben die Aymara als Bauern und Viehzüchter (Lamas und Alpacas); alle Frauen der Aymara können Wolle spinnen und verstehen es, Stoffe zu weben. Die Aymara besitzen ein völlig anderes Zeitkonzept als alle bisher untersuchten Kulturen der Erde. Vor etwas mehr als zehn Jahren haben zwei amerikanische Forscher – Rafael Núñez und Eve Sweetser – durch Befragungen älterer Aymara in Nordchile herausgefunden, dass in ihrer Anschauung die Zukunft hinter dem Sprecher liegt, während Vergangenes metaphorisch vor seinem Gesichtsfeld liegt. Dieses Zeitkonzept, so die Forscher weiter, verliere sich jedoch bei den zweisprachig aufwachsenden jüngeren Aymara in Nordchile.

Rapanui (oben), Aymara-Frau (unten)


MAPUCHE

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Sie waren der personifizierte Schrecken der spanischen Eroberer: Die Mapuche („Menschen der Erde“) verteidigten ihr Stammesgebiet zwischen dem Río Choapa im Norden und der Insel Chiloé im Süden ebenso erbittert wie erfolgreich. Wesentlich schneller und entschlossener als die nordamerikanischen Prärie-Indianer verschafften sie sich gestohlene Pferde, schauten den Spaniern sowohl Reitkunst als auch die Tierzucht ab und entwickelten in kürzester Zeit „die“ kriegerische Reiterkultur Südamerikas. Erst 1883 verloren die Mapuche ihren eigenen Staat. Während der Regierung Salvador Allendes erhielten sie einen Teil ihres Landes zurück – was unter der Diktatur Pinochets ab 1973 sofort wieder rückgängig gemacht wurde. Seit 1993 betreibt der chilenische Staat die allmähliche Rückgabe ihrer angestammten Gebiete. Zu den Mapuche zählen sich heute anderthalb Millionen Menschen, was ungefähr neun Prozent der chilenischen Gesamtbevölkerung entspricht. alle: Mapuche am Lago Budi


Chile | Rapa Nui

Der Kult um den VOGELMANN ABENTEUER OSTERINSEL Fünfeinhalb Flugstunden trennen die nahezu baumlose Osterinsel von Santiago de Chile. Die nächsten Inseln – die Pitcairns – ragen erst 1835 Kilometer weiter­östlich aus dem Pazifik. In dieser Abgeschiedenheit entstanden steinerne Moai-Kolosse und der mit neuem Leben versehene Vogelmann-Kult, dem Kevin Costner ein cineastisches­Denkmal setzte.

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27° 7' S 109° 21' W


Triathlon ist nichts für Feiglinge. Schon gar nicht auf Rapa Nui, der entlegenen Osterinsel. Der hier ausgetragene Mehrkampf hat polynesische Wurzeln und wird noch heute von den sechs „Hopu Manu“ genannten Athleten barfuß und im knappen Lendenschurz ausgetragen. Bei dem eisenharten Wettstreit geht es seit dem Tapati-Fest 2013 wieder ganz offiziell um den Titel des „Tangata Manu“, des „Vogelmannes“ – eine Tradition der Insulaner, die das winzige Vulkaneiland bereits vor 1500 Jahren besiedelt haben. Woher sie kamen, wann genau, in wie vielen Gruppen sie auf die Osterinsel gelangten, wird wohl nie endgültig zu klären sein. Hinterlassen haben die durch Krankheiten und Zwangsarbeit im GuanoAbbau Perus fast ausgerotteten Ureinwohner – 1877 lebten nur noch 111 Personen auf der Insel – Tempelanlagen, Kultstätten, die bis heute nicht zu entschlüsselnde Rongorongo-Schrift, Felsbilder und fast 1000 einzigartige, markante Kolossalfiguren, die „Moai“. Sie sind zwischen zwei und 21 Metern groß, haben einen übergroßen Kopf und sind fast überall auf der Insel zu finden.

Der Film zum Kult Der von Kevin Costner 1994 auf der Osterinsel mit riesigem Aufwand produzierte Spielfilm „Rapa Nui – Rebellion im Paradies“ gibt einen leicht nachvollziehbaren, wenn auch sehr gerafften Abriss der Kulturentfaltung und ihres dramatischen Niedergangs wieder. Die Hollywood-Produktion war weltweit zwar ein Flop, doch in Hanga Roa, dem 5000 Einwohner zählenden Hauptort der Insel, ist sie bis heute ein Hit. Im rustikalen Inselkino flimmert er mehrmals in der Woche abwechselnd auf Spanisch, Englisch und Französisch über die kleine Leinwand. Den Handlungsstrang seines 102-minütigen Films lehnte Costner an den jährlichen Wettkampf des tradierten Vogelmann-Kults an, der den europäischen Forschungsreisenden – der Niederländer Jakob Roggeveen hatte Rapa Nui am Ostersonntag 1722 entdeckt – jedoch lange verborgen blieb.

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Chile | Rapa Nui

Der ungekrönte Inselkönig Junge Krieger rangen verbissen um Status und Privilegien des Vogelmanns, der von den Insulanern als erstgeborener Sohn des Schöpfergottes „Makemake“ wie ein König verehrt wurde. Um Vogelmann zu werden, kletterten die Kombattanten zunächst die 300 Meter abfallende Steilwand unterhalb der Kultstätte Orongo zum Pazifik hinunter, schwammen mithilfe von Schilfbündeln zum vorgelagerten, anderthalb Kilometer entfernten Felsen „Moto Nui“, rafften ein Ei aus den Gelegen der hier saisonal brütenden Seeschwalben und schwammen, surften und kletterten damit hastig zum Ausgangspunkt zurück. Nur ein Krieger, der ein Ei heil und als Schnellster ins Ziel brachte, konnte Vogelmann werden. Nicht wenige „Hopu Manu“ haben bei diesem archaischen Wettkampf ihr Leben verloren. Heute sind die ausgetragenen Disziplinen – Wettlauf, Kanurennen und Wettschwimmen – weniger gefährlich, aber dennoch für die Einwohner von Rapa Nui von großer identitätsstiftender Bedeutung. Ihr Tapati-Fest richtet sich, trotz seines stetig wachsenden profanen Teils aus Musik und Tanz, nicht primär an Besucher, sondern an die Insulaner selbst.

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Chile | Robinson Crusoe Insel

ROBINSON CRUSOES GESCHICHTE IST

CHILE/ARGENTINIEN Seit über 25 Jahren sind wir auf die Organisation von Reisen zwischen Mexiko und Feuerland spezialisiert - persönliche Beratung und Reiseplanung immer inklusive.

Selbstfahrertouren

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Carretera Austral & Ruta 40 Patagonien pur: Auf ausgefallene Routen durch den Pumalin Park und Patagonia Park zum Lago General Carrera und über Los Alerce NP zurück nach Bariloche. 24 Tage ab/bis Europa* ab €

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Rundreisen Der Juan-Fernández-Archipel ragt 670 Kilometer vor Chile einsam aus dem Pazifik. Die drei Inseln vulkanischen Ursprungs sind nicht nur so abgelegen wie das von Daniel Defoe in London ersonnene Eiland seines Romanhelden „Robinson Crusoe“, sondern sie lieferten mit dem hier 1704 ausgesetzten Segelmeister Alexander Selkirk zusätzlich die konkrete Vorlage des 15 Jahre später erschienenen Literaturerfolgs. Alexander Selkirk wurde nach einem heftigen Streit mit Kapitän Thomas Stradling kurzerhand ans Ufer der zu dieser Zeit unbewohnten Insel mit dem etwas fantasielosen Namen „Más a Tierra“ (Spanisch für: „Näher am Festland“) gerudert und dort mit überschaubaren Vorräten zurückgelassen. Vermutlich wäre der britische Seemann längst vergessen, hätte er nach mehr als vier Jahren auf „seiner“ Pazifikinsel nicht doch noch die Rückkehr nach England geschafft – und seine Geschichte Daniel Defoe und anderen erzählt. Seit 1966 heißt die nur 9300 Hektar große Insel ganz offiziell „Robinsón Crusoe“ – und ihre 170 Kilometer weiter westlich gelegene Schwesterinsel ehrt mit ihrem Namen „Alejandro Selkirk“ den verstoßenen Segelmeister. Nur die dritte Insel des Archipels – Santa Clara – hieß schon immer so. Die UNESCO verlieh den drei Inselwinzlingen 1977 den Schutzstatus eines WeltBiosphären-Reservats; einen chilenischen Nationalpark bilden sie schon 42 Jahre länger. Heute wird nur die Isla Robinsón Crusoe von ungefähr 550 Menschen bewohnt, die vom Hummerfang leben und in angenehm familiären Herbergen des Hauptortes San Juan Bautista gerne Inselurlauber aufnehmen.

Beste, weil trockenste Reisezeit ist der antarktische Hochsommer von Dezember bis Februar. Zu erreichen sind die naturschönen Inseln bis zu drei Mal wöchentlich mit den Turboprop-Maschinen der Fluggesellschaften Aerolíneas­Ata (aerolineaata.cl) und Lassa (Tel. +56 22273-5209) sowie an Bord des Frachters „Antonio“ (sechs Plätze, 30 bis 48 Stunden Überfahrt; transmarko.cl).

Atacama & Patagonien Individuelle Reise von 47 der trockensten Wüste über das liebliche Seengebiet vorbei an den Gletschern Patagoniens bis nach Feuerland. 21 Tage ab/bis Europa* ab €

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Chile | Wein Weinbau

DIE REBLAUS … … HAT ES NIE ÜBER DIE ANDEN GESCHAFFT

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Wein und Rebstöcke gelangten mit den Spaniern nach Chile. Seit der Kolonialzeit zählen Albilho, Moscatel, País und Torontel zu den ersten hier angepflanzten Sorten. Für einen enormen Qualitätsschub sorgten Mitte des 19. Jahrhunderts aber Winzer, die geradewegs aus Frankreich einwanderten und ihr Know-how sowie ihre Reben – beispielsweise den Cabernet Sauvignon aus Bordeaux – mitbrachten. Auch die ursprünglich aus dem französischen Médoc stammende CarménèreTraube ist längst ein Aushängeschild des chilenischen Weinbaus, während sie in Europa im 19. Jahrhundert durch die Reblaus ausgerottet wurde.

Durch seine geografische Abgeschiedenheit blieb Chiles Weinbau bislang auch vom sogenannten falschen Mehltau verschont und kann deswegen bis heute mit wertvollen, wurzelechten Reben auftrumpfen, was gerade seine aus Bordeaux-Reben hervorgegangenen Sorten international ausgesprochen begehrt macht. Sogar in Frankreich wurden inzwischen ganze Landstriche neu bepflanzt – mit aus Chile reimportierten Rebsorten.


Chile | Weinbau

WEINGÜTER MIT LANGER TRADITION

VALLE COLCHAGUA

Chiles traditionsreichste Weingüter laden vor den Toren Santiagos zu Besuch und Verkostung ein. Besonders sehenswert sind folgende Anwesen – ihre Tore und Keller öffnen sie allerdings nur nach Voranmeldung:

Die qualitativen Trendsetter unter Chiles Weingütern kommen aus dem Valle Colchagua zwischen San Fernando und dem Provinzstädtchen Santa Cruz. Die Mehrzahl der international preisgekrönten chilenischen Tropfen wurde auf den weitläufige Anbauflächen zu beiden Seiten des Río Tinguiririca angebaut.

VIÑA COUSIÑO MACUL ist das älteste Weingut des Landes und wurde bereits im Jahr 1546 gegründet. Führungen gibt es von Mo – Fr. www.cousinomacul.com

Besonders erfolgreich ist seit mehreren Jahren das 1892 gegründete Weingut

Das denkmalgeschützte Weingut

Im kürzlich restaurierten Herrenhaus des Familienbetriebs entstand ein Boutique-Hotel. www.casasilva.cl

VIÑA SANTA RITA wurde 1880 gegründet und liegt etwa 40 km südlich von Santiago. Spezialitäten seines vielfach ausgezeichneten Restaurants sind Ossobuco in Merlot-Soße und fangfrische Schalentiere. Di – So für Besucher geöffnet. www.santarita.com Nur 35 km südwestlich der chilenischen Hauptstadt befindet sich das 1885 gegründete Gut

VIÑA UNDURRAGA. Hier werden täglich Führungen durchgeführt. www.undurraga.cl

VIÑA SILVA.

Auf dem Gelände der

VIÑA SANTA CRUZ pendeln Kabinenseilbahnen zu einem Hügel mit AymaraSteinhaus, Mapuche-Ruka und Rapanui-Schilfhütte. www.vinasantacruz.cl

WEITERE WEINGÜTER IM VALLE COLCHAGUA:

VIÑA VIU MANENT www.viumanent.cl

VIÑA LAPOSTOLLE www.casalapostolle.com

VIÑA MONTES www.monteswines.com

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Chile | Reisen mit Kindern

UNSERE SCHÖNSTEN REISEERLEBNISSE IN CHILE

Rico (38), PR-Manager

Planvoll entschleunigt

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Fotos: privat

Ausblick ins Valle de la luna bei San Pedro de Atacama; im Hintergrund das sogenannte Amphitheater

Wir haben zwei Monate unserer gemeinsamen Elternzeit genutzt, um zusammen mit unseren beiden Kindern nach Chile zu fliegen. Meiner Frau und mir war dabei klar: Das ist eine Chance, die so nie wieder kommt. Wir haben uns im Vorfeld natürlich, wie vermutlich alle besorgten Eltern, über alle Krankheiten und gefährlichen Tiere informiert, aber rasch festgestellt, dass Chile ein ganz entspanntes Reiseland ist. Als unproblematisch erwies sich auch die Versorgung der Kinder vor Ort: In den chilenischen Malls gibt es schlichtweg alles. Jede Etappe unserer Reise haben wir kindgerecht geplant. Wir waren „entschleunigt“ unterwegs. Zunächst in Valparaíso, Viña del Mar und Curauma. Später in der Seenregion bei Las Cascadas und in Castro auf Chiloé, in San Pedro de Atacama, an der Bahía Inglesa und auf der Osterinsel. Mag sein, dass die Unterkünfte teilweise etwas teurer sind. Was uns im Nachhinein jedoch viel wichtiger erscheint: Beide Kinder erzählen bis heute viel und oft von der Chile-Reise.

Mit kleinen Kindern für zwei Monate nach Chile über den Atlantik – geht das? Rico, Rita, Oscar und Ida haben es gemeinsam nicht einfach nur ausprobiert, sondern haben weite Teile des facettenreichen Reiselands – einschließlich der Osterinsel – auf kindgerecht geplanten Etappen intensiv bereist. Mit Flugzeug, Bus, Mietwagen und sogar mit dem Nachtbus. Was die vier erzählen, dürfte manchen Familien eine ähnliche Entscheidung sehr einfach machen.

Café del lago auf Chiloé.


Fahrt

ns Osorno zum Gletscher des Vulka

Gipfelstürmer

CHILE

Rita (38), Marketing-Referentin

Natur pur Als Mutter hatte ich anfangs schon Bedenken, wegen der für Kinder vielleicht strapaziösen Länge des 16-stündigen Transatlantikflugs. Zum Glück war in jeder Rückenlehne ein Bildschirm: Das Kinderprogramm wurde von unseren beiden Kindern rege genutzt. Zu Hause dürfen sie das in diesem Ausmaß nicht. Von Santiago nach Curauma bei Valparaíso sind wir per Bus weitergereist – während dieser Fahrt hat unsere Tochter Ida zum Glück geschlafen. Wann ich wirklich in Chile „angekommen“ bin? Dieses Gefühl stellte sich bei mir im Blockhaus am Lago Llanquihue ein. Der See ist so weit und groß, dass man glaubt, am Meer zu sein. Einfach: Natur pur. Die Kinder waren am Strand und im Wasser total in ihrem Element. Überall, auf dem Festland wie auch auf Rapa Nui, wurde uns und unseren Kindern viel Sympathie entgegengebracht. Die Chilenen sind sehr kinderfreundlich; die Polynesier ganz besonders. Und auf der Osterinsel hat eine Japanerin spontan unseren Blondschopf Ida – statt der Moai – zu ihrem Lieblingsfotomotiv gemacht.

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Chile individuell ab 2 Personen Individuell kombinierbare Bausteinprogramme und Verlängerungsoptionen:

Blick auf den Osorno

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Anakena Beach –  die Moais blicken immer landeinwärts

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Chile | Reisen mit Kindern

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Oscar (6)

Ida (4)

Seelöwen, Speckfalten,Steinkolosse

Begeistert vom Pinguinland

In Valparaíso haben wir eine Mole voller Seelöwen vom Ufer aus beobachtet. Die haben sich gesonnt oder in die Fluten gestürzt. In der Mitte lag der dicke Chef, der hatte eine große Speckfalte um den Kopf. Die sah aus wie eine Mähne. Die Zugänge zur Mole haben zwei fette Bullen bewacht. Das Fell der Seelöwen, die im Wasser waren, glänzte und sah viel glatter aus. In der Nähe gab es auch Pelikane mit Säcken an den Schnäbeln. Auf der Osterinsel haben mir die Moais am Rano Raraku gefallen: Manche waren schon tief in die Erde eingesunken, andere umgefallen. Die Vulkankrater fand ich auch toll.

Die Pinguine waren lustig. Sie standen alle auf einem Felsen: Humboldt- und MagellanPinguine. Ein Fischerboot hat uns zu den Puñihuil-Inseln gefahren, da brüten beide und wir konnten sie ganz nah sehen. Und auch Kormorane und Möwen. In der Salzwüste haben mir die vielen Eidechsen und die rosa Flamingos mit den schwarzen Schnäbeln am besten gefallen. Unter der Terrasse, auf der wir gegessen haben, sind ganz viele Mäuse herumgeflitzt. Die fand ich niedlich.

Ida und Oscar am Ahu Tahai auf Rapa Nui

Paddeln am Lago Llanquihue

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Petri Heil am Lago Llanquihu

Magellanpinguin in Punihuil auf Chiloé


EIN UNVERGESSLICHES, EINZIGARTIGES ERLEBNIS AM ENDE DER WELT

Das „Singular Patagonia“ liegt außerhalb von Puerto Natales an den Ufern des Fjordes „Last Hope“ in der Nähe des Natio­nalparks "Torres del Paine" –  inmitten der atemberaubenden Szenerie Patagoniens. Das besondere Flair entsteht durch die verschiedenen Komponenten Landschaft, Geschichte der Region und der damit einhergehenden Kultur sowie Spitzengastronomie und unverwechselbaren Service. Das Abenteuer beginnt mit einer Anreise per Seilbahn zu der ehemaligen Woll- und Fleisch-Manufaktur, welche 1915 erbaut und 1996 zu einem National-Monument ernannt wurde. Hunderte von spanischen und englischen Pionieren arbeiteten früher an diesem Ort – heute ist er (seit 2011) in ein Hotel der Extra-Klasse umgebaut worden. Die Geschichte lebt und ist allerorts weiterhin lebendig: Im Hotel ist heute ein Museum untergebracht, in welchem die alten Maschinen und Werkzeuge ausgestellt sind.



Das „Singular Patagonia“ bietet eine Vielzahl von Exkursionen an. Zu einer der spektakulärsten zählt die Bootsfahrt durch die Fjorde bis hin zum „Balmaceda“- und „Serrano“- Gletscher im Bernardo O´Higgins Nationalpark. Ausritte mit Pferden, Radtouren, Kayak-Abenteuer und ausgedehnte Trekking-Passagen sind weitere Optionen, um die Traumlandschaft Patagoniens aktiv zu erkunden. Genießen Sie die Gastronomie Patagoniens in den beiden Restaurants „The Singular“ und „El Asador“ – in fantastischer Begleitung chilenischer Weine. Am Ende eines erlebnisreichen Tages steht Ihnen das Spa zum Relaxen und zur Entspannung zur Verfügung. Ein beheizter Innen- und Außen-Pool, eine Dampfsauna sowie verschiedene Wohfühl-Angebote und Massagen offerieren alles, was das Herz begehrt. Viele Auszeichnungen und Preise, nicht zuletzt von Trip Advisor als eines der besten Hotels der Welt (Platz 18), verraten, dass das „Singular Patagonia“ eine „once in a lifetime experience“ für Sie bereithält.

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Chile | Insel Chiloé

Weltkulturerbe HOLZSCHINDELKIRCHEN NATUR UND KULTUR AUF DEM CHILOÉ-ARCHIPEL

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Der Chiloé-Archipel besitzt viele Facetten: einsame­ Leuchttürme und bunt getünchte Pfahlbauten. Fjorde­, Folklore, Meeresfrüchte und mehr als 400 Kartoffel­ sorten, valdivianischen Regenwald und den zugehörigen Regen, jede Menge Strickwaren und mehrere Kolonien von Magellan- und HumboldtPinguinen. Was die zentrale Ostküste der chilenischen Inselgruppe aber noch deutlicher von anderen Küstenregionen unterscheidet, ist die in Lateinamerika einzigartige Konzentration altehrwürdiger Holzschindelkirchen, die hier ab dem 17. Jahrhundert – ohne Metallbeschläge und Nägel – aus dem Holz heute rarer Alercen (chilenische Zypressen) konstruiert wurden. Ursprünglich gab es auf den 40 Inseln schätzungsweise 1500 Holzkirchen; heute existieren nur noch etwa 60. Sie gelten als außergewöhnliche Beispiele der Fusion eines europäischen Architekturstils mit lo-

kaler Zimmermannskunst und jesuitischem Missionseifer. Ihre charakteristischen Merkmale sind Türme und arkadenförmige Portale an den stets symmetrischen Stirnseiten. Seit dem Jahr 2000 hat die UNESCO insgesamt 16 Holzschindelkirchen an der Ostküste als Weltkulturerbe unter Schutz gestellt. Chiloés älteste Stadt Castro ist (mit vier Kirchen) der ideale Ausgangspunkt für die Besichtigung einiger Gotteshäuser. Eine der ältesten Holzkirchen ist Santa María in Achao; besonders farbenfroh – gelb und blau – präsentiert sich das Carlos de Borromeo geweihte Kirchlein in Chonchi.­ Ebenfalls sehr fotogen: die von drei blau getünchten Türmen gezierte Holzkirche im 750-Seelen-Dorf Tenaún, einem Zentrum lebendiger Akkordeon-Folklore. 


Chile | Insel Chiloé

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oben: Muelle de las Almas; darunter rechts: Wasserfall bei Tenaún; links von oben nach unten: Strand von Tenaún; typisch farbenfrohe Pfahlbauten; Kirche in Tenaún

Fährverbindungen Ganz im Norden der Isla de Chiloé, zwischen Chacao und Pargua, pendeln alle 90 Minuten (tgl. 6:35 bis 24 Uhr) leistungsstarke Fähren, die Passagiere und Fahrzeuge befördern. Ab 2019 soll eine vierspurige Brücke den Canal de Chacao überspannen.

Flughafen Seit 2012 ist Chiloés Flughafen, unweit der Inselhauptstadt Castro, in Betrieb. Er befindet sich gut 20 Kilometer nördlich von Castro; Kleinbusse verbinden Stadt und Airport.


Chile | Reiten

CHILE HOCH ZU ROSS

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Man muss kein gestandener Reiter sein, um in Chile Geschmack an Exkursionen auf dem Pferderücken zu finden. Hier gibt es viele unterschiedliche Kreuzungen, teils mit englischem Vollblut veredelt. Sogar reinrassige Araber und – für Feldarbeiten – Bretones werden hier gehalten. Typisch für Chile sind aber die in allen Farben vorkommenden „Caballos Chilenos Criollos“.

Gutmütige Huftiere Die chilenischen Criollo-Pferde sind ruhig und gutmütig, trittsicher und zuverlässig, ausdauernd, robust und mit einem Stockmaß von 1,49 Metern nicht sehr groß. Sie kommen in fast allen Farben vor und machen sowohl Anfängern als auch geübten Reitern jede Menge Spaß, denn sie reagieren sofort und bereitwillig auf leichteste Zügelführung, auf Zurufe und Zungenschnalzen. Außerdem vertragen Criollos sommerliche Hitze und winterliche Kälte und sind in der Haltung vergleichsweise anspruchslos.


Chile | Reiten

57 Auch in Chile liegt das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde. Fotos: © Hacienda Los Andes (3), Turismo Chile (1)

Vielfältiges Angebot

Authentisch unterwegs

In den letzten Jahren hat das Angebot an Pferde-Exkursionen in ganz Chile deutlich zugenommen. Pferde verleihen Pferdehöfe, Hotels und Herbergen, Outdoor-Camps und -Veranstalter. Angeboten werden sowohl Halbtages- und Tagesritte als auch mehrtägige Ausflüge. Die eintägigen Touren erfordern in der Regel keine besondere Ausrüstung. Selbstverständlich sollten bequeme lange Hosen und festes Schuhwerk sein. Je nach Wetterlage und Region sind Regenjacke oder Sonnenhut unverzichtbar. Gerade in Nord- und Mittelchile sind leichte, aber langärmlige Blusen oder Hemden von Vorteil. Für mehrtägige Treks gehören strapazierfähige Hosen, wärmende und regenfeste Oberbekleidung, Hut und – in Patagonien – Handschuhe zur erforderlichen Minimal-Ausrüstung. Packund Satteltaschen sollten einen warmen Schlafsack und eine Isomatte aufnehmen. Ein Tagesrucksack bietet sich für alle Gegenstände an, die während des Ritts erreichbar sein müssen: Trinkwasser, Nahrung, Medikamente, Hygieneartikel oder Fotoausrüstung.

Pferde als Transmittel bieten ihren Reitern die Chance, selbst in unwegsame, selten von Touristen besuchte Regionen Chiles bequem vorzudringen. Der Kontakt zur lokalen Bevölkerung ergibt sich dabei fast von selbst, denn die nutzt Pferde in vielen Teilen des Landes – beispielsweise in den Anden – als angestammtes und selbstverständliches Vehikel. ›


Chile | Reiten

ANGEBOTE VON NORD NACH SÜD

Río Hurtado Gerade für deutschsprachige Pferdefreunde ist die Hacienda Los Andes am Río Hurtado (Zufahrt via La Serena) eine gute Anlaufstelle. Die Hacienda im Kolonialstil steht unter deutscher Leitung. Übernachtet wird während der längeren der angebotenen Touren abwechselnd in Outdoor-Camps und in den angenehmen Gästezimmern der fast 100 Jahre bestehenden Farm. Weitere Infos: haciendalosandes.com

Cajón del Maipo In der Umgebung von Santiago finden sich schöne, teils sehr steile Trails, sowohl in Farellones als auch beim Cajón del Maipo. Die von kalten Bächen durchzogene raue Landschaft wird von malerischen Lagunen aufgelockert. Reitpferde bieten mehrere Veranstalter an. Cabalgatas Santiago, im Stadtteil Las Condes der Hauptstadt, hält auch Reitangebote für pferdebegeisterte Kinder bereit. Weitere Infos: cabalgatasantiago.com

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Valle Melado Beständige und sonnige Witterung ist der Trumpf der Anden in Mittelchile. Die Agentur Turismo Caminante steht unter deutsch-österreichischer Leitung und bietet mehrtägige Pferde-Treks im Melado-Tal an. Die Pferde werden von Huasos­(chilenischen Cowboys) betreut, übernachtet wird in rustikalen Berghütten. Weitere Infos: trekkingchile.com

Pucón Sowohl das Campo Antilco (12 Kilometer von Pucón entfernt) als auch die Rancho de Caballos am Rande des Natio­ nalparks Villarrica werden von Deutschen geführt. Ein- bis neuntägige Reittouren führen durch steinalte Aukarienwälder, zu einsamen Lagunen, Bergseen und Hochgebirgsmooren­. Weitere Infos: antilco.com und rancho-de-caballos.com

Puerto Natales

Fotos: © Hacienda Los Andes (3), Turismo Chile (1)

Den Nationalpark Torres del Paine auf dem Pferderücken zu erkunden, könnte leicht zu einem der schönsten Eindrücke einer Chilereise werden. Die Estancia Lazo liegt im westlichen Teil des Parks an der Laguna Verde. Tagestouren können auch kurzfristig gebucht werden, mehrtägige Exkursionen sollten hingegen möglichst frühzeitig angefragt werden. Weitere Infos: chilenativo.com


Aachen

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Bochum

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Dresden

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Hamburg

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Hannover

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Ludwigsburg

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München

Chile

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Chile | Von A bis Z

OSLO

4275 km

CHILE VON A BIS Z

ALLGEMEINES

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Etwas mehr als 18 Millionen Menschen leben insgesamt in der 756 096 Quadratkilometer² großen República de Chile; gut acht Millionen sind im Ballungsraum von Santiago de Chile zu Hause. Im landesweiten Durchschnitt kommen in Chile nur 23 Einwohner auf einen Quadratkilometer – was ungefähr einem Zehntel der Bevölkerungsdichte Deutschlands entspricht. Der UN-Wohlstandsindikator „Human Development Index“ (HDI) sieht Chile in Lateinamerika auf dem Spitzenplatz. Der Großteil der chilenischen Bevölkerung lebt in Städten – die klimatisch extremen Regionen weisen den höchsten Urbanisierungsgrad auf.

Einwohner Chile: ca. 18 Millionen

davon im Raum Santiago: ca. 8 Millionen

Bevölkerungsdichte

Chiles Nationalfeiertag ist der 18. September 1810 („Dieci­ ocho“); Spanien erkannte die Unabhängigkeit Chiles am 12. Februar 1818 an. Die Nord-Süd-Ausdehnung des chilenischen Festlands beträgt rund 4275 Kilometer (was etwa der Distanz zwischen Oslo und Luxor entspricht; die Breite des Landes beträgt im Durchschnitt jedoch nur ca. 180 Kilometer. Zum Staatsgebiet gehören die Juan-Fernández-Inseln, Rapa Nui sowie die Insel Salas y Gómez, die Desventuradas-, ldefonso- und die DiegoRamírez-Inseln und ein Teil der Antarktis.

Deutschland: ca. 230 pro km2

Chile: ca. 23 pro km2

LUXOR


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ANREISE Chiles internationaler Verkehrsknotenpunkt ist Santiagos Flughafen „Comodoro Arturo Merino Benítez“. Zahlreiche europäische und nordamerikanische Airlines bieten Umsteigeverbindungen nach Chile an. Mit den von LATAM Airlines (www.latam.com) angebotenen Direktflügen (mit Zwischenlandung in Madrid) lässt sich die Flugzeit ab/nach Frankfurt auf ungefähr 17 bis 20 Stunden reduzieren.

Touristische Auskünfte zu Chile erteilt in Deutschland: ProChile, Mohrenstr. 42, 10117 Berlin, Tel. 030-726203740, info@prochile.de, www.prochile.de Ausführliche Informationen finden Sie unter www.chile.travel

BOTSCHAFTEN

GELD UND WÄHRUNG

DEUTSCHLAND: Botschaft von Chile Mohrenstr. 42, Berlin Tel. 030 – 72 620 35

Offizielles Zahlungsmittel ist der Chilenische Peso (CLP). Es gibt Münzen zu 1, 5, 10, 50, 100 und 500 Pesos und Banknoten zu 1000, 2000, 5000, 10 000 und 20 000 Pesos. 1 Euro entspricht 745 Pesos (Stand: September 2016). Um Bargeld am Automaten abzuheben, genügt eine Maestro-Karte. (Tageslimit: 200 000 Pesos). Chile kennt keine Devisenbeschränkungen, Ein- und Ausfuhr aller Währungen ist ohne Limit möglich.

ÖSTERREICH: Botschaft von Chile Lugeck 1/3/10, Wien Tel. 01 – 512 92 08 SCHWEIZ:

Informationsstellen für Touristen unterhält Sernatur in allen größeren Städten Chiles.

Botschaft von Chile Eigerplatz 5, Bern Tel. 031 – 370 00 58

GESUNDHEIT EINREISEBESTIMMUNGEN Deutsche, Schweizer und Österreicher benötigen für die Einreise einen mindestens noch sechs Monate gültigen Reisepass. Auch Kinder benötigen ein eigenes Dokument. Alleinreisende Minderjährige benötigen eine Reiseerlaubnis in spanischer Sprache, die von beiden Eltern unterzeichnet sein muss. Für einen Aufenthalt bis zu 90 Tagen benötigen Touristen aus EU-Staaten kein Visum. Im Flugzeug und an den Grenzstationen ist von jedem Ausländer eine maximal 90 Tage gültige Touristenkarte (Tarjeta de Turismo) auszufüllen. Sie muss bei der Ausreise vorgelegt werden. Bei einer Anreise mit Zwischenlandung in den USA ist zusätzlich eine vorherige ESTA-Anmeldung im Internet unter https://esta.cbp.dhs. gov/esta/ erforderlich.

INFORMATIONEN Einreisebestimmungen können sich kurzfristig ändern. Aktuelle Informationen erhalten Sie bei den Auswärtigen Ämtern Deutschlands, Österreichs und der Schweiz im Internet unter: www.auswaertiges-amt.de, www.bemia.gv.at und www. dfae.admin.ch.

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Eine Reise nach Chile erfordert keine umfangreichen medizinischen Vorkehrzungen. Für die Einreise besteht derzeit keine Impfpflicht, es sei denn, man reist aus einem GelbfieberGebiet ein. Empfehlenswert sind – vor allem bei Reisen durch das Landesinnere – Schutzimpfungen gegen Hepatitis A und B, Cholera, Meningokokken, Tollwut und Typhus. In Santiago de Chile empfiehlt sich für Notfälle die Deutsche Klinik (Clínica Alemana), Avenida Vitacura 5951, Tel. 2 – 22101111, www.alemana.cl Die Kosten für eine Behandlung in Chile werden von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht übernommen. Der Abschluss einer privaten Auslandskrankenversicherung (idealerweise mit Absicherung des Rücktransports) sei hiermit empfohlen. Eine Jahresversicherung (ggf. für die ganze Familie) ist in der Regel kostengünstiger als mehrere Einzelversicherungen.

NOTRUF-NUMMERN AMBULANZ FEUERWEHR POLIZEI KRIMINALPOLIZEI FLUGRETTUNG (LAND) FLUGRETTUNG (SEE)

131 132 133 134 138 137


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REISEZEIT UND KLIMA

WELTKULTURERBE­STÄTTEN

Chile hat ganzjährig Saison. Auf der Südhalbkugel gilt der Zeitraum von November bis März als Sommer. Faustregel: Je weiter südlich, desto kürzer fällt der Sommer aus. Die meisten Chilenen verbringen ihren Urlaub während der Schulferien (Mitte Dezember bis Anfang März). In Nordchile kann man ganzjährig unterwegs sein, nur auf dem Altiplano können zwischen Januar und März durch Unwetter Straßenschäden entstehen.

RAPA NUI NATIONALPARK (Osterinsel): seit 1995 p S. 44 HOLZKIRCHEN VON CHILOÉ: seit 2000 p S. 54 HISTORISCHES VIERTEL DER HAFENSTADT VALPARAÍSO: seit 2003 p S. 20 SALPETERWERKE VON HUMBERSTONE UND SANTA LAURA: seit 2005 p S. 8 KUPFERMINENSTADT SEWELL: seit 2006 QHAPAQ ÑAN, die Inka-Hauptstraße in den Anden, die durch sechs Anden-Staaten führt: seit 2014

SICHERHEIT Chile ist eines der sichersten Länder Südamerikas. Dennoch ist Vorsicht auf Märkten, in der U-Bahn und bei Menschenansammlungen an Busbahnhöfen angebracht. In Mietwagen sollte man kein Gepäck sichtbar im Innenraum liegen lassen. Ortskundige Begleitung ist immer ein Vorteil.

ZEITVERSCHIEBUNG Während des europäischen Winterhalbjahrs beträgt der Zeitunterschied zwischen Mitteleuropa (MEZ) und Chile (Central Standard Time) minus vier Stunden. Anders gesagt: Wenn die Uhren in Deutschland, in Österreich oder in der Schweiz 12 Uhr zeigen, ist es in Chile 8 Uhr. Während der deutschen Sommerzeit (Ende März bis Ende Oktober) beträgt der Zeitunterschied zu Chile fünf Stunden.

STROMVERSORGUNG 62

Chiles Netzspannung (220 Volt, 50 Hertz) entspricht zwar der in Mitteleuropa, nicht aber die Steckdosen den meisten Steckern. Preisgünstige Adapter halten Fachgeschäfte und Supermärkte vor Ort bereit.

SPRACHE Offizielle Landessprache ist Spanisch („Castellano“). Englisch hilft zwar in auch Chile weiter, kann aber eigene Spanischkenntnisse kaum ersetzen.

TAXI Generell ist das Fahren mit dem Taxi in Chiles größeren Städten vergleichsweise günstig. Alle Taxen haben ein Taxameter, das auch eingeschaltet werden muss. Wie überall ist es auch in Chile sinnvoll, den Fahrpreis vor Antritt der Taxifahrt auszuhandeln. Via Internet und Telefon lassen sich Funktaxis bestellen („Radiotaxi“); sie sind zwar geringfügig teurer, bieten aber den Vorteil, dass man sich bei der Zentrale nach der Fahrtstrecke erkundigen kann.

ZOLL Bei der Einreise nach Chile sind Gegenstände, die für den individuellen Bedarf bestimmt sind, zollfrei. Hierzu zählen beispielsweise auch je ein mitgeführter Laptop, eine Foto- und eine Filmkamera, ein gebrauchtes Musikinstrument, ein Radio, Medikamente für den persönlichen Gebrauch, ein Fernglas sowie Sportgeräte. Die Einfuhr von Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukten, Obst und Gemüse (Ausnahme: Konserven), Samen und Körnern ist hingegen strikt verboten und wird auch bei versehentlichen Verstößen streng geahndet. Bei der Rückkehr aus nicht zur EU gehörenden Ländern dürfen Erwachsene zollfreie Güter im Wert von höchstens 430 Euro nach Deutschland und Österreich (300 CHF in die Schweiz) einführen. Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren sind Mitbringsel im Wert von bis zu 175 Euro nach Deutschland oder 150 Euro nach Österreich erlaubt. Bei der Rückreise in die EU oder in die Schweiz liegt das Limit für mitgeführte Barmittel bei 9999 Euro bzw. CHF (einschließlich gleichgestellter Zahlungsmittel wie Inhaberpapiere, Schecks oder Wechsel). Streng bestraft wird die Einfuhr von Produkten, die aus vom Washingtoner Artenschutzabkommen geschützten Tieren gewonnen oder entnommen wurden.


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Chile | Impressum

WIR SEHEN UNS IN CHILE! NOS VEMOS EN CHILE!

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IMPRESSUM: Herausgeber:

7o7 MARKETING Thömelstraße 2 01259 Dresden www.7o7.com

Gestaltung:

7o7 MARKETING, Anne Recknagel

Redaktion:

7o7 MARKETING, Robin Daniel Frommer (07231 4254122, rdfrommer@photos-facts-features.com)

Lektorat:

Sven Müller (www.korrektur.org)

Druck:

Druckerei Vetters, Radeburg

Auflage:

10 000 (Januar 2017)

Bildnachweis:

wenn nicht anders angegeben: Turismo Chile Markus Walter; Aly H. Morales; Inti Gajardo; Reina; Robin Daniel Frommer; Parque Patagonia; Red Bull / De Heeckeren; Red Bull / Alfredo Escobar; Luchterhand Literaturverlag; Cruceros Australis; Hacienda Los Andes; Mitico Puelo Lodge; Alto Atacama Lodge and Spa; The Singular Patagonia; Titel: sunsinger - fotolia; S.8: Bartosz Hadyniak - iStock; S.21: Gfed - iStock; S.25: roccomontoya - iStock (2x); S.31: GettyLatam - iStock; S.28: michalknitl - Fotolia; S.38: sunsinger - fotolia; S.40: FotoNeves - iStock; S.42: LaurensT - shutterstock


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