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ZÜRICHSEE-ZEITUNG BEZIRK HORGEN FREITAG, 6. SEPTEMBER 2013

Die «Amerikanerschule» bleibt eine internationale Insel KILCHBERG. Vor fünfzig Jahren wurde die Zurich International School gegründet. Seither wuchs die «Amerikanerschule im Spinnergut» von 120 Schülern auf über 1500 an und ist damit heute die grösste internationale Schule in der Deutschschweiz. MERET MICHEL

Der Kilometerlauf, den die Kilchberger Oberstufenschüler vor fünfzig Jahren laufen mussten, führte an der Villa Spinnergut vorbei. Ansonsten hatten die Sekundarschüler mit der «Amerikanerschule» keinen Kontakt. «Die Amerikanerschule interessierte uns nicht», sagt der Kilchberger André Welti, der zwischen 1962 und 1965 die Oberstufe Kilchberg besuchte. «Wir interessierten uns mehr für Mädchen.» Auch sonst bekamen die Kilchberger wenig mit von den Amerikanern im Spinnergut. Einzig im Bus Nummer 61, der die amerikanischen Schüler täglich vom Zürcher Bürkliplatz hoch zur Kirche Kilchberg fuhr. Diesen Herbst ist es fünfzig Jahre her, seit die Zurich International School (ZIS), damals noch unter dem Namen American International School of Zurich (AISZ), 1963 in der Villa Spinnergut gegründet wurde. Die Gründer suchten nach einem Standort in der Nähe von Zürich. Kilchberg war aber auch insofern naheliegend, als dass dort wie auch im benachbarten Rüschlikon schon damals viele internationale Grosskonzerne ihren Sitz hatten. «Vermutlich entsprach die Villa dem amerikanischen Idyll des klassizistischen Landguts», sagt der ehemalige Sekundarschüler Welti.

Abgekapselt im Spinnergut Trotz Skepsis in der Bevölkerung, die zur internationalen Gemeinschaft wenig Bezug hatte, begrüsste die Gemeinde den Einzug. «Mit der AISZ hatte Kilchberg eine Mieterin gefunden, die bereit war, in den Unterhalt der Villa zu investieren», sagt der heutige Gemeindepräsident Jean-Marc Groh. 120 Schüler besuchten damals die Schule im Spinnergut. Ihre Eltern waren bei internationalen Firmen angestellt und meist nur für rund drei Jahre in der Schweiz. Zu Kilchberg hatten die Schüler in der Regel kaum einen Bezug. «Unser ganzes Leben spielte sich in der Schule ab», sagt Harry

Hoch über Kilchberg thront die Villa Spinnergut, die seit 50 Jahren die Zurich International School beherbergt. Bild: Sabine Rock

Korine, der die Schule in den 1970er Jahren besuchte. Ein typischer Expat ist Korine nicht; seine Mutter war Amerikanerin, sein Vater staatenlos. Seit 1960 lebt Korine in der Schweiz und spricht fliessend Zürichdeutsch. Nach zwei Jahren an der Kantonsschule Rämibühl wechselte er an die AISZ. «Die AISZ hat mich absorbiert», sagt Korine. «Man ging hier nicht nur zur Schule. Auch das ganze Freizeitangebot wurde von der Schule abgedeckt. Das ganze soziale Leben organisierte sich über die Schule.» Mit der Globalisierung des internationalen Arbeitsmarkts wuchs die Zahl internationaler Zuwanderer in und um den Wirtschaftsstandort Zürich rasant an. Davon war auch die AISZ betroffen: 2001 fusionierte sie mit der 1970 in Horgen gegründeten International Primary School of Zurich (IPSZ) zur Zurich International School. Zur Villa Spinnergut, die 1994 renoviert und erweitert worden war, und einem zweiten Standort am Kilchberger Seeufer kamen drei weitere Standorte in Wädenswil, Adliswil und Baden dazu. Aus den rund 120 Schülern im Spinnergut entwickelte sich die ZIS zur grössten internationalen Schule der Deutschschweiz mit derzeit 1500 Schülern. Auch die Zusammensetzung

der Schüler veränderte sich: Besuchten in den 1970er Jahren fast ausschliesslich Amerikaner die Schule, so kommen sie heute aus über 50 Nationen.

Sozialer Mittelpunkt Mit ihrem umfangreichen Angebot für die Schüler wie auch deren Familien wird die internationale Schule für ihre Mitglieder zum sozialen Mittelpunkt. «Wir möchten, dass sich Neuankömm­ linge möglichst schnell zu Hause fühlen», sagt Dale Braunschweig, Head of Administrations und seit über 35 Jahren bei der ZIS. «Durch das starke Schulnetzwerk leben sie aber in einer Blase, welche die Integration in der Schweiz ­erschwert.» Integration ist nicht das primäre Ziel von Schülern, die eine internationale, englischsprachige Schule besuchen, sagt Julia Morais, Integrationsbeauftragte des Kantons. Für Ausländer, die nur kurz in der Schweiz verweilen, sei dies legitim. «Planen Expats allerdings, länger in der Schweiz zu bleiben, sollten sie ihre Kinder auf eine lokale Schule schicken, beispielsweise ein zweisprachiges Gymnasium.» Parallel läuft zudem eine andere Entwicklung: Auch Schweizer Eltern, oft mit internationalem Hintergrund, schi-

cken ihre Kinder auf internationale Schulen. 2012 entschied aber die Bildungsdirektion, dass nur Kinder von ­Eltern diese besuchen dürften, die vor­ übergehend in der Schweiz leben. Auch jene Ausländer, die länger in der Schweiz bleiben, sollten ihre Kinder auf Schweizer Schulen schicken. «Dazu müssen aber gerade angelsächsische Ausländer besser über das Schulsystem informiert werden», sagt Julia Morais. Denn bei ­ihnen hat die öffentliche Schule ein schlechtes Image. Jeff Paulson, Direktor der ZIS, sagt ­indes klar: «Wir sind primär eine Schule für internationale Familien, die vorübergehend in der Schweiz leben.» Für viele Kilchberger ist die Schule im Spinnergut nach wie vor ein weisser Fleck. Für die ZIS ist die Villa Spinnergut mittlerweile einer von fünf Standorten. Und für die Kilchberger Sekundarschüler? Die hatten vor zwei Jahren zum ersten Mal einen intensiveren Austausch mit den Schülern der ZIS, als ZIS-Schüler ein Projekt über den Klimawandel vorgestellt hatten. «Unser Ziel ist, dass die Schüler auch ausserhalb der Schule Kontakt haben», sagt Anton Kuffner, Leiter der Sekundarschule. Ansonsten bleibt die ZIS eine internationale Insel.

UMFRAGE

Wie nehmen Sie die Zurich International School wahr? Janine Werder Kilchberg

«Jeden Tag spaziere ich mit meinem Hund an der Schule vorbei. Ich wohne noch nicht so lange in Kilchberg, aber ich denke, die ZIS ist eine Schule für Kinder von Eltern, die nicht auf Dauer hier leben – vor allem von englischsprachigen Leuten und von Diplomaten. Die Kollegin meiner Tochter geht dort zur Schule, obwohl die Eltern Schweizer sind. Das finde ich eher ungewöhnlich. Vielleicht möchten die Eltern, dass sie gut Englisch lernt. Für meine eigene 12-jährige Tochter kann ich mir das weniger vorstellen, nur schon, weil sie zu wenig Englisch kann. Ich finde die ZIS aber nicht unsympathisch, auch wegen des schönen Gebäudes und des Gartens. Die Schule gibt sich Mühe, eine grüne Oase zu schaffen. Vielleicht ist es auch eine etwas abgesonderte Oase.» (mct)

Stephanie Volland Kilchberg

«Die ZIS ist unauffällig geworden. Als ich vor neun Jahren zu­ gezogen war, roch es immer süsslich in der Umgebung. Was mir auch auffiel, waren die Autos: Als die Strasse dichtgemacht wurde, fuhren sie einfach über die Felder. Es ist eine Subkultur, aber eine nette – sehr elitär, sehr teuer, aber unglaublich kreativ, weil sie die ZIS früh schon die freie Rede individuell fördert. Meine Nichte geht in Lausanne in die International School und ist sehr zufrieden. Meine Schwester stammt aus Deutschland, mein Schwager aus Frankreich, und die Tochter wurde in Warschau geboren, daher ist es für sie die beste Schullösung. Schwierig ist es wohl, dann an eine normale Schule zu wechseln. Ich habe keine eigenen Kinder – meine Hunde haben sie in der ZIS nicht angenommen.» (mct)

Saghi Derakhshanian Kilchberg

«Ich wurde im Iran geboren und bin seit meiner Kindheit in der Schweiz. Ich lebte in Zürich und studierte in St. Gallen, ging selber aber nicht in die ZIS. Die Schule ist eher versteckt; in Kilchberg kennt man vor allem die Schokoladenfabrik. Seit Dezember 2010 wohne ich in der Nähe der ZIS, bin aber viel auf Reisen und bekomme nicht viel mit. In der Badi fällt mir manchmal auf, dass es extrem viele englischsprachige Kinder hat. Ich denke, sie stammen aus England oder aus internationalen Familien, vielleicht Eltern, die bei Dow in Horgen arbeiten. Kilchberg ist sehr international, aber alles ist mehr inkognito als beispielsweise in Küsnacht, bescheidener. Die Schule widerspiegelt das wohl auch, kommt nicht pompös daher, und das spricht für sie.» (mct)

Werner Lüthi Kilchberg

«Die Zurich International School für die Älteren befindet sich neben unserer Tennisanlage, und sie benutzen teilweise die Tennisplätze. Mir fällt auf, dass nach Schulschluss meistens ein irrsinniges Autopuff herrscht – die Eltern kommen aus der halben Zentralschweiz, aus Zug, Schwyz, aber auch viele aus der Stadt Zürich. Das ist verständlich, weil viele Ausländer hier arbeiten. Die Verkehrssituation ist prekär; dieses Problem müsste der Kanton Zürich einmal angehen. Verständlicherweise müssen die Eltern auf das Schulareal fahren können, aber dadurch wird vor allem die Seestrasse belastet, und es ist eine Frage der Zeit, bis es einen grösseren Unfall gibt. Die Schule ist eher isoliert und nicht ins Dorf integriert, nicht Teil von Kilchberg – sie ist einfach da.» (mct)

Gautschi ist oberster Spitaldirektor HORGEN/KILCHBERG. Markus Gautschi, Direktor des See-Spitals, ist gestern in Solothurn zum Präsidenten der Schweizerischen Vereinigung der Spitaldirektorinnen und Spitaldirektoren (SVS) gewählt worden. Die SVS-Generalversammlung hat den 52-Jährigen zum Nachfolger des Uetikers Rolf Gilgen gewählt, wie der Verband mitteilte. Das Amt bedeute nebst der Ehre auch Arbeit, sagte Gautschi. Es beinhalte hauptsächlich zwei Aufgaben. Einerseits organisiere er zusammen mit dem Vorstand einen jährlichen Kongress mit Sachvorträgen. Andererseits verfasse er Stellungnahmen bei Vernehmlassungen. Markus Gautschi ist für eine dreijährige Amtsdauer gewählt worden. Er kann gemäss Verbandsstatuten zwei Mal wiedergewählt werden. Der Verband vertritt die Interessen von rund dreihundert Kaderpersonen in Spitälern und Kliniken. Markus Gautschi verlässt das See-Spital Ende Jahr. Er wird CEO der Psychiatrischen Dienste Aargau AG. Ein Nachfolger ist noch nicht ernannt worden. (dh)

LESERBRIEF Cumulus-Wolken über der Beichlen Zum geplanten Golfplatz-Projekt der Migros in Wädenswil Die Beichlen ist ein beliebtes Naherholungsgebiet für viele Wädenswiler Spaziergänger, Joggerinnen, Biker und Reiterinnen. Diverse Sportvereine haben dort ihr Klublokal: Der Fussballverein, die Schiesssportler, eine Hundeschule und der Campus Golf mit einer 3-LochAnlage. Das Gebiet der Beichlen besteht weitgehend aus Landwirtschaftsland von guter Qualität und bildet für viele Bauernbetriebe die Existenzgrundlage. Dieser harmonischen Koexistenz droht nun grosses Ungemach: Die Genossenschaft Migros plant in der Beichlen eine massive Vergrösserung der bestehenden Golfanlage: Aus der 3-Loch-Anlage soll eine 18-Loch-Anlage werden mit einem Platzbedarf von über 70 Hektaren, eine Fläche, welche die Existenz von 4 mittelgrossen Landwirtschaftsbetrieben sichern würde. Mit einem Golfplatz dieser Grösse haben andere Erholungsuchende und Sportler das Nachsehen: Wegen der Gefahr der fliegenden Golfbälle wird das Gebiet für viele Wädenswilerinnen und Wädenswiler nicht mehr zugänglich sein. Schon jetzt wurden von den Betreibern der Golfanlage Warnsignale mit der Aufschrift «Achtung fliegende Golfbälle, Durchgang verboten» angebracht. Für die angrenzenden Bauern sind die «verirrten» Golfbälle im Weideland schon heute ein grosses Ärgernis. Weil die Betreiber des Golfplatzes im Vergleich mit einer landwirtschaft­ lichen Nutzung viel höhere Pachtzinse bieten können, droht den produzierenden Landwirten in der Region mit dem knapper werdenden Agrarland auch eine existenzbedrohende Pachtzinserhöhung. Zusammen mit der IG Kulturland Zimmerberg werden sich die Grünen mit allen politischen Mitteln gegen die geplante Erweiterung des MigrosGolfplatzes engagieren. Die Aufwertung der Naherholungsgebiete und der Erhalt des Kulturlandes sind und bleiben zentrale Anliegen der Grünen. Heinz Wiher, Gemeinderat Grüne Wädenswil

VERANSTALTUNG Wortlabor THALWIL. Am 13. September findet das nächste Wortlabor statt. Dabei treffen sich Schreibende mit dem Künstler Béla Jancso. Ob Kurzgeschichten, Krimis, Biographien oder auch nur zur Überwindung von Schreibblockaden – das Spektrum ist grenzenlos. (e) Freitag, 13. September, 17 bis 20 Uhr, Kulturlabor, Gotthardstrasse 62, Thalwil.


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