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NIN 2005 und NIN-Compact 2005

NIN-Know-how Die NIN 2005,das neue Normenwerk,wie auch die kompakte Ausgabe NIN Compact 2005, sind recht umfangreich. Beide Ordner lassen sich nur sinnvoll nutzen, wenn sie gut erschlossen sind.Natürlich haben schon die Autoren der beiden Werke das Ihrige dazu beigetragen. Aber in diesem Beitrag zeigen wir Ihnen einige zusätzliche Hilfsmittel, mit denen Sie Ihre Arbeit mit beiden Werken enorm beschleunigen können. Ernst Feldmann

Navigieren mit dem MAP

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Rubriken

Das MAP (zeichnerische Darstellung des Inhaltes der Norm) ist ein hervorragendes Instrument, um Fragen geführt zu klären. Betrachten Sie dazu den Ausschnitt aus dem MAP 2005 im Bild 2. Die Suche beginnt stets im Zentrum des Bildes, beim Ausdruck NIN

Education

An der Änderung des Titels haben aufmerksame Leser des NIN-Know-how sicher schon vermutet, dass diese Ausgabe einen etwas anderen Inhalt haben wird. In der Tat stehen heute keine NIN-Fragen im Mittelpunkt, sondern die praktische Handhabung der NIN 2005. Seit der Präsentation der NIN 2005 ist bereits einige Zeit vergangen. Die erste Auflage war im Handumdrehen vergriffen, ein Nachdruck wurde notwendig. Der beste Beweis, wie gefragt die neue Norm in Fachkreisen ist. Sie hat sich zu einem richtigen Bestseller entwickelt! Wahrscheinlich hat der eine oder andere Anwender gleich bei der ersten Anwendung die fehlende eigene Routine bemerkt. Es wäre sehr schade, wenn sich als Folge eine Missstimmung einschleichen und die Norm weniger konsultiert würde. Ein Ausweichen auf die NIN-CD ist eine gute Möglichkeit, der Verkaufserfolg der Papierversion zeigt jedoch, dass diese Art noch gebraucht und nicht ausgestorben ist. Jahrelange Erfahrung in der NIN-Ausbildung hat zur Erstellung von sinnvollen Hilfestellungen in der Arbeit mit der Norm geführt. Die folgenden Gedanken tragen dazu bei, diese Hilfestellung neu anzuwenden und die praktische Anwendung der Papierversion der NIN 2005 weiter zu verbessern und noch bedienerfreundlicher zu gestalten.

2005. Davon gehen mit 7 fetten, farbigen Linien, die 7 Kapitel der Norm nach allen Richtungen aus. Folgen Sie einer einzelnen Kapitellinie, sie führt in das zugehörige Kapitel. Dort teilen sich die Linien in die detaillierten Bereiche des entsprechenden Kapitels auf, bis der gesuchte Bereich gefunden wird. An zwei Beispielen soll gezeigt werden, wie bedienerfreundlich sich die Suche mit dem MAP gestaltet. Zuerst stellen wir die Frage, ob Anlagebesitzer die NIN 2005 verschärfen dürfen. Wählen Sie dazu folgendes Vorgehen: Start im Zentrum des MAP beim Titel NIN 2005. Da es sich um eine grundsätzliche Frage handelt, erwarten wir sie im Kapitel 1 und folgen vom Zentrum schräg nach links unten der roten Linie zum Zeichen «§». Werkvorschriften sind eine rein helvetische Angelegenheit, demzufolge führt unsere Reise über das «CH-Zeichen» horizontal weiter nach links unten zum Punkt «2/3 Vorschriften Dritter wenn». Dort steht ein grün hinterlegter Balken mit der Aufschrift «>NIN Ja», also sind zusätzliche Forderungen zulässig. Etwas tiefer doppelt ein brauner Balken nach «<NIN NEIN», abschwächende Angaben sind demzufolge unzulässig. Die Antwort ist eindeutig. Wer sie im Artikel 1.0.3 im Wortlaut nachlesen will, stösst in der NIN Compact auf die klare Aussage: .2 Jeder Anlagebesitzer kann für seine eigenen Anlagen zusätzliche Sicherheit verlangen, wie z. B. keine KRF-Rohre, sondern nur KRFW-Rohre, nur Steckdosen mit Schutzkragen usw. Die Frage ist beantwortet. Bei der zweiten Frage geht es um den Bereich Schutzmassnahmen. Die Frage lautet: Was versteht man unter dem Begriff «Basis-Schutz»? Hier finden wir die Antwort im Bereich

«Schutzmassnahmen» vom Zentrum aus der gelben Linie folgend im Kapitel 4. Über die Linie mit dem Schriftzug «Schutz gegen elektrischen Schlag» weiter nach links zum Stichwort «Basis-Schutz I». Dort ist ebenfalls links ein «durchgestrichener Finger» zu sehen und das Wort «direkt». Gleich darüber stehen die Begriffe: «Isolierung, Verschalung, Umhüllung», etwas nach links, bzw. rechts verschoben «Abstand, Hindernis». Die Aussage des MAP lautet: «Der Basisschutz verhindert eine direkte Berührung spannungführender Teile durch die erwähnten Massnahmen.» Auch hier gibt die NIN-Compact die exakte Antwort, sie schreibt dazu: 4.1.2 Basisschutz (Schutz gegen direktes Berühren) .1 Mit dieser Massnahme wird der Schutz gegen elektrischen Schlag im Normalbetrieb (ungestörter Betrieb) sichergestellt. Damit ist die Antwort gefunden.

Bild 1 Darstellung der neuen Symbole in der NIN 2005. Elektrotechnik 10/05 | 85


L PEN

…Hitze •Feuer •Verbrennung •Überhitzung

SELV PELV ≤50V Basisschutz + 4 4 Fehlerschutz

2

…Überstrom •Überlast Verbraucher! •Kurzschluss Leitung! •Begrenzung

Potenzialausgleich

Ab aut sc om ha at ltu . ng indirekt

Abschaltung schneller!

z ut

kl

s as

e

…Überspannung

II

•atmosphärisch •Hochspannung

ug a) enn b) tztr

…Unterspannung

ch S chu S

Brandschutz Einrichtung A 6

… Anwendungen gemäss Kapitel 7

aktiver Teile

s

i ern

d Hin

nd

5

•Betrieb •Wartung •Notfall

Isolierung Abdeckung Umhüllung Ab sta

A N L A G E N B

…Trennen und Schalten

3

II - FEHLER-Schutz

A

4 Aufteilung 3 Versorgung

4

Leistungs-

[kWh]

2

FI

C

B

U [V] - I [A] - f [Hz]

1 bedarf

Auswahl von Schutzmassnahmen als Funktion äusserer Einflüsse

s

Standort

TN

us

+

TN-S

INFRASTRUKTUREN C

•Zweck •Stromversorgung •Aufbau

Verträglichkeit

isoliert

PA + besser!

ZPA

3

C-S TN-C

2 Verteilung

«Zündschnur»

III - ZUSATZ-Schutz

le be ns w ich tig !

30 [mA] 0.3 [s]

m

ZPA FI

Lastwechsel

Û [V] Î [A] HF [Hz]

4

2

8

7

bei…

direkt

2

I - BASIS-Schutz

SCHUTZ-

Schutz gegen elektrischen Schlag

1

MASSNAHMEN

ALLGEMEINE 4

MERKMALE

3

Ex

harmonisiert

CH MASSNAHMEN

Ub reduzieren

Ib reduzieren

•500Ω

tb < 5.0 s •500Ω

PEN Ub < 50 V

oder

Ib < 0.5 mA oder tb < 0.4 s

< 25 V oder

direkt

indirekt

PERSONENSCHUTZ OK wenn… U [V]

U/t unzulässig! GRENZWERTE

230 160

t/I

t [s]

50

zulässig! t [s]

( )

0.4

160 30

S A C H W E RT S C H U T Z

VKF BRAND •

suva •nicht elektrisch

GEFAHREN

Bild 2 Prinzip der Suche im MAP zu der NIN 2005.

Übersichtliches, ständig präsentes Inhaltsverzeichnis Nicht alle Fragen lassen sich so spielend über das MAP lösen. Einigen Anwendern wird deshalb ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis weiterhin sehr wichtig bleiben. Die in der NIN 2005 vorhandenen Inhaltsverzeichnisse haben einen kleinen Nachteil, sie sind jeweils nur auf dem Registerdeckblatt des entsprechenden Kapitels sichtbar und geben nur die Titel ohne weitere Angaben des Inhalts bekannt. Zur Behebung dieses kleinen Nachteils schlagen wir folgende Lösung vor. Eine Übersicht über die sieben Kapitel mit Kurzangabe des 86 | Elektrotechnik 10/05

BEACHTEN!

Sauna

4

Gebäude Bauten Räume Kabel INST Leitungsanlagen

< NIN NEIN!

50≤U<1000 [V]

Baustellen

5

Landwirtsch. Betriebsstätten

6

UAC

Leitfähige Räume Camping Caravan

2-Ohne …

BV

Ib [mA]

2

Schwimmbecken

3

ab 1.7.2005 0.5

1

Duschen Badezimmer

1-Für… 1

2/3-Vorschriften Dritter wenn… > NIN JA!

EN HD

8

10 Medizinisch genutzte Räume

+ div. Sonderfälle

11 Ausstellungen Shows / Stände

EleG StV

12

Photovoltaische Anlagen

LeV VEMV NIV NEV NISV

TK64

6

RÄUME

Anwendungsbereich

0 1-Grundlagen

VS E ca / VSE r su bura I v VK a F

Electrosuisse Luppmenstrasse 1 CH-8320 - Fehraltorf

§

5-Geltung

0.3s / 30mA

electrosu sse

CH

4-Abweichungen

0.3

FI

1-Schutz zur Sicheheit

Un < 50 V

Grundsätze

3

7

Besondere

EN

Ib

Ub

Start

NG FU

3-Betriebsmittel 4-Errichtung / Erstprüfung

RL

Un

1

2-Planung

1

Ü PR

•Schutzklasse II •Schutztrennung •Isolierter Standort

•Potenzialausgleich •Automat. Abschaltung

•ELV

2 2

GR AN Z UND W WE SÄ EN C T DU K ZE NG

Un reduzieren

BETRIEBS5 MITTEL WAHL

BEGRIFFE

14 Beleuchtung im Freien

5

Erdung + Schutzleiter

B

national

Z u s a t z b e s t i m m u n g e n

Anlagen

allgemein

4

3 Verbindungs Schutzleiter Erdung Potenzialau

1.2

61 Ex

?

Explosionsgefährdete Bereiche

53 Decken- / Bodenheizungen

29

t

Sichtprüfung Funktionsprü + Messungen < 5.0s

< 0.4s

Elektrische Betriebsräume

17 auf Fahrzeugen / in transportierbaren Baueinheiten

 Folgen Sie vom Start aus der roten (gelben) Linie bis zum eingezeichneten Rechteck. Inhaltes wird auf der Innenseite des NIN-Ordners eingeklebt. So bleibt das Inhaltsverzeichnis während der Benützung der ganzen Norm stets sichtbar. Sehen Sie dazu die vorgeschlagene Übersicht im Bild 3 und im Bild 4 den besten Platz für das Anbringen der Klebefolie im Ordner. Als weitere Hilfe sind die in den NIN 2005 angewandten Kurzzeichen und neuen Symbole für N-, PE-, und PEN-Leiter in der Zusammenfassung aufgeführt. Bild 1 zeigt die wichtigen Symbole im Detail. Es bedarf keiner Sucharbeit mehr, wenn Skizzen mit den erwähnten Symbolen in der NIN entschlüsselt werden sollen, sie sind Seite 3 von 276

im Ordnereinband stets sofort ersichtlich, das ist ausserordentlich praktisch. Die Aufstellung im Bild 3 lässt sich vergrössern, kopieren und an der vorgeschlagenen Stelle einkleben. Wenn Sie die Kopierarbeit nicht selber übernehmen wollen, beachten Sie unser Angebot am Schluss dieses Artikels.

Suchen mit dem Stichwortverzeichnis Wer die NIN 2005 aufschlägt, stösst gleich zu Beginn, genau dort wo man es sucht, auf das Stichwortverzeichnis. Auf 45 blauen A4-Seiten sind etwa 2500 Begriffe aufgeführt. Die zugehörigen NIN-Nummern geben Aus-


kunft, wo über den gesuchten Begriff in der Norm etwas ausgesagt wird. Um tatsächlich den gewünschten Begriff zu finden, ist es gut, die Logik des Registers zu kennen. Das bringt ab und zu etwas Schwierigkeiten. Wir interessieren uns z. B. um die neuen Bedingungen für Installationen in Badezimmern. Was liegt da näher als unter dem Stichwort: «Badezimmer» zu suchen? Dieses Stichwort bringt jedoch nicht weiter, erst die Suche nach «Badewanne» führt sofort zu

mehreren Treffern im Kapitel 7.01. Das Beispiel zeigt, der Anwender muss mit den Gesetzmässigkeiten des Registers etwas vertraut sein, um rasch zum Ziel zu gelangen. Das betrifft noch weitere Begriffe, die über lange Zeit in Fachkreisen vertraut waren und nun dem modernen Sprachgebrauch angepasst wurden, wie z. B. «Nullung», oder «Warmwassererwärmer». Die Suche danach wird nicht von Erfolg gekrönt. Anstelle der Nullung wird heute der aussagekräfti-

1.0 Grundlagen 1.1 Anwendungsbereich 1.2 Gegenstand 1.3 Grundsätze

1 AnwendungsBereich, Zweck allg. Grundsätze

2.1 Harmonisierte Begriffsbestimmungen 2.2 Nationale Begriffsbestimmungen

2 Begriffsbestimmungen

3.1 Allgemeines 3.2 Zweck, Stromversorgung, Aufbau der Anlage, Netzformen 3.3 Einteilung der äusseren Einflüsse, Raumart 3.4 Verträglichkeit 3.5 Möglichkeit der Instandhaltung 3.6 Stromquellen für Sicherheitszwecke

3 Bestimmungen allgemeiner Merkmale

Bild 4

4.1 Schutz gegen zu hohe Berührungsspannung, Basisschutz, Fehlerschutz, TN, TT, IT, FI-

4.2 4.3 4.4 4.5 4.6 4.7

,

Schutz gegen thermische Einflüsse, Heizgeräte, Boiler Überstromschutz , IK-Schutz, Normogramm IK Schutz gegen Überspannung, Hochspannung, -Schutz Schutz gegen Unterspannung Trennen+Schalten , , Betriebs-, Wartungs-, Not-Aus-Schalter Anwendung der Schutzmassnahmen, Basis-Fehler-Schutz Wo- FI-

4 SchutzMassnahmen

Bild 5

platzieren, Überlast-, Kurzschluss-Schutz

4.8 Schutzmassnahmen als Funktion äusserer Einflüsse feuergefährliche Räume, Distanz

-Schutz

5.1 Allgemeine Bestimmungen, äussere Einflüsse, Betriebsbedingungen, Kennzeichnung N-PE-PEN

5.2 Leitungen, Arten, Verlegung, Strombelastbarkeit, min. Querschnitte, Abzweigstellen, Verlegungsarten, Kennzeichnung L

5.3 Schalt-, Schutz- und Steuergeräte, FI- , Allgemeines, Herstellung, Montage

5.4 Erdungen, Schutzleiter, Erder erstellen, NEL, PE-mm2, PEN Potenzialausgleich, Wasseruhrbrücke

5.5 Möglichkeit der Instandhaltung 5.6 Stromquellen für Sicherheitszwecke 6.1 Erstprüfungen 7.01 7.02 7.03 7.04 7.05 7.06 7.08 7.10 7.11 7.12 7.14 7.17

Räume mit Badewanne oder Dusche Schwimmbecken Räume mit elektrischen Sauna-Heizgeräten Baustellen Landwirtschaftliche Betriebsstätten Begrenzte, leifähige Räume Elektrische Anlagen auf Campingplätzen und in Caravans Elektrische Anlagen in medizinischen Räumen Ausstellungen, Shows und Stände Photovoltaik (PV)-Stromversorgungssysteme Beleuchtungsanlagen im Freien Elektrische Anlagen in Fahrzeugen und transportablen Baueinheiten 7.29 Elektrische Betriebsräume 7.53 Fussboden- und Decken-Flächenheizungen 7.61 Elektrische Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

5 Wahl und Anordnung der Betriebsmittel

6 Prüfungen

7 Zusatzbestimmungen für Räume mit besonderen Anforderungen

Bild 3 Inhaltsverzeichnis zu NIN 2005.

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ge Begriff «automatische Abschaltung, System TN» benützt. Warmwasser erwärmen, ist eine Art «weisser Schimmel», also heisst es neu richtig «Wassererwärmer». Bei Vielsuchern, wie z. B. in der Ausbildung stehenden Elektrofachleuten, macht sich gelegentlich das Fehlen eines alphabetischen Griffregisters bei den blauen Seiten negativ bemerkbar. Die häufig benutzte Stichwortsuche auf 45 Seiten bereitet eher Mühe. Eine kleine, aber sehr effiziente Hilfe lässt sich ohne grossen Aufwand selber herstellen. Betrachten Sie Bild 5. Bearbeiten Sie das Stichwortverzeichnis in dieser Art und Sie werden überrascht sein, mit welcher Leichtigkeit sich die gesuchten Begriffe finden lassen. Auch hier haben wir ein Angebot für Sie am Schluss dieses Artikels. In der NIN 2005 befinden sich die eigentlichen Begriffsbestimmungen im Kapitel 2. Darin werden Begriffe aus dem Harmonisierungsdokument HD 384.2, welche für die Schweiz massgeElektrotechnik 10/05 | 87


Ausschneiden und auf der OrdnerInnenseite einkleben

Praktische Bedienungshilfe für die NIN 2005 zum Selberherstellen

Griffregister für das – Stichwortregister und Kapitel 7 der NIN 2005

Vorgehen:

Stichwortregister Kapitel 7 der NIN 2005 Passen Sie dabei auf, dass kein Text abgeschnitten wird. – Fertig – Ihre NIN 2005 ist wesentlich bedienungsfreundlicher geworden!

S 23 S 35 S 47 S 49

S3

Register zu Kapitel 5

– Schneiden Sie mit einem Teppichmesser ein gestuftes Register in die beiden Teile:

Register zu Kapitel 4

– Kleben Sie die Bezeichnung auf die richtige Seite in den NIN 2005.

S3

S 13 S 29 S 41 S 43

Register zu Kapitel 7

– Lösen Sie auf der schmalen Seite die Klebefolie von der Schutzfolie. Schneiden Sie Stück um Stück der notwendigen Bezeichnung mit der Schere ab.

S 51 S 49

S 13 S 29 S 41 S 43 S 49 S 53 S 59 S 65 S 71 S101 S 107

S 61

© Ernst Feldmann, Dorf 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch

Register zu Stichwortverzeichnis

S3

– Schneiden Sie mit einem Messer/Schere die ganzen Klebestreifen gemäss Skizze rechteckig aus.

S 53

S 35

S 69 S 59 S 65

Griffregister für das Kapitel 7 der NIN

S 71

S 39 S 41 S 45

S101

S 47 S 107

S 49 S 117

Griffregister für das Stichwortregister

Bild 6 Praktische Bedienungshilfe zum Selberherstellen. bend sind, definiert und erläutert. Für den Anwender der NIN-Compact ist es gut zu wissen, dass sich diese wichtigen «Begriffsbestimmungen» direkt anschliessend an das Stichwortverzeichnis befinden, deshalb fehlt in der NIN-Compact das Kapitel 2.

Zusatzbestimmungen für Räume mit besonderen Anforderungen im Kapitel 7 Wesentliche Neuerungen beinhaltet das Kapitel 7. Unter anderen erscheinen neu die Teile: «Räume mit Badewanne oder Dusche, Photovoltaik, Beleuchtungsanlagen im Freien», insgesamt etwa 50 bedruckte Seiten, ohne 88 | Elektrotechnik 10/05

S 51 S 55

© Ernst Feldmann, Dorf 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch

S1

Bild 7 Bezeichnungshilfe für die neue NIN-Compact 20056. die gelben B+E-Seiten mitzuzählen. Die fehlende Seitennummerierung vereinfacht die Suche nicht. Auch hier möchten wir Ihnen eine erhebliche Arbeitserleichterung für Ihre NIN 2005 empfehlen. Ein Griffregister mit aussagekräftigen Symbolen schafft rasch Übersicht (Bild 6). Das Anbringen der Symbole lohnt sich, die Bedienung des Kapitels 7 wird ganz erheblich erleichtert. Sehen Sie dazu unser Angebot am Schluss des Artikels. Mit relativ geringem Aufwand schaffen Sie sich eine erhebliche Zeitersparnis im täglichen Gebrauch der NIN 2005. Die aufgewendete Zeit ist rasch vergessen, wenn Sie erfahren, Seite 5 von 276

wie sich der Zugang zu Ihrer Norm verbessert hat. Eine didaktische Kleinigkeit sei nicht verschwiegen. Bereits das Anbringen der einzelnen Klebefolien zwingt Sie, sich mit der neuen Norm konkret zu befassen. Sie erfahren während des Anbringens der einzelnen Kleber recht viel über deren Inhalt. Dieses Wissen trägt ebenfalls zur Steigerung der Bedienerfreundlichkeit der NIN 2005 mit bei.

NIN-Compact 2005 Die NIN-Compact dient vor allem der Ausbildung. Jeder Lehrling im Elektrogewerbe benützt dieses Lehrbuch. Je leichter der Zugang zum Buch,


desto grösser die Chance, dass es auch in der täglichen Installationspraxis zu Rate gezogen wird. Jeder Auszubildende soll einen optimalen Zugang zur Norm haben. Das Ziel sichere, fachgemässe Installationen zu erstellen, wird damit gefördert. Zum Vorgehen, genau gleich wie bei der NIN 2005, besitzt das Stichwortverzeichnis auch in der NIN-Compact vorn im Buch kein Griffregister. Die über das Stichwortverzeichnis der NIN 2005 vorstehend gemachten Überlegungen gelten gleichfalls. Im Normenteil der NIN-Compact beinhalten die Kapitel 1, 3 und 6 nur wenige Blätter. Die Erstellung einer Suchhilfe lohnt sich nicht. Anders sieht es in den Kapiteln 4, 5 und 7 aus. Die im Lieferzustand eingefügten Unterteilungskartons bringen keinen echten Vorteil. Wir empfehlen deshalb allen Benutzern, diese Kapitel ebenfalls selber zu unterteilen. Für die erwähnten Kapitel sehen Sie eine übersichtliche Einteilung mit Aussagen zum Inhalt im Bild 7. Alle Register sind auf einem Blatt zusammengefasst, die richtigen Seiten für das Anbringen ist vermerkt. Sehen Sie unser

Unser Angebot Wenn Sie sich die Kopierarbeit sparen wollen, profitieren Sie am besten von unserem Angebot: Wünschen Sie zwei Folien für die NIN 2005, dann senden Sie an die Adresse des Autors ein frankiertes, an Sie selber adressiertes A4-Couvert, unter Beilage von Fr. 6.– in Briefmarken. Möchten Sie alle drei Folien erhalten, legen Sie bitte Fr. 10.– mit bei. Möchten Sie nur die Klebefolie der NIN-Compact, legen Sie bitte Fr. 5.– in Briefmarken bei. Für Klassensätze bitte Spezialpreis anfragen!

Angebot am Schluss dieses Artikels. Zusätzlich kann im vorderen Ordnereinband die Übersicht über die Kurzzeichen und Symbole platziert werden. Sie werden staunen, welche echte Verbesserung die kurze Fleissarbeit ET 09 auch hier bringt. Ernst Feldmann, Dorf 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Jede verantwortliche Elektrofachkraft sieht sich im Rahmen der täglichen Installationspraxis regelmässig mit Fragen aus dem Bereich der NIN konfrontiert. Viele lassen sich aus dem Erfahrungsschatz lösen, andere durch gezieltes Suchen in der Norm. Da die Normen häufig allgemeine, und nicht für jede Anwendung eine 100%ige fixe Antwort erteilen, bleiben einige Probleme trotzdem weiter offen. Die heutige Ausgabe bringt wieder eine Hand voll davon. Machen Sie mit, bestimmt finden Sie darunter Fragen, die Sie ebenfalls interessieren!

ter zeigt bekanntlich den ausgeschalteten Zustand an. Es ist eine Art neutraler Zustand. Weder die Bedeutung der roten, grünen, gelben oder blauen Leuchte entspricht dieser Situation. Die Norm schreibt dazu: Bestehen Schwierigkeiten, eine geeignete Farbe zuzuordnen, muss Weiss verwendet werden. 60 204-1, Artikel 10.4. Sehen Sie dazu die Tabelle A1.

Ernst Feldmann

Die auf Sicherheitsschaltern angebrachten Signalleuchten zeigen den ausgeschalteten Zustand des Schalters mit einer weissen Meldeleuchte an. Warum haben diese Leuchtmelder weisse und nicht grüne Kalotten? (H.Z. in M.) Die Antwort auf diese Frage lässt sich in der technischen Norm SN 60 204-1 über die Sicherheit von Maschinen in Artikel 10.3.2 finden. Hier werden die Farben Rot, Grün, Gelb, Blau und Weiss den unterschiedlichen Bedeutungen zugeordnet. Die weisse Meldeleuchte auf einem Sicherheitsschal-

1

Farbe

In einer Heizungsinstallation muss ich viele mehradrige Kabel verlegen. Einige davon haben mit Ausnahme des grün-gelben Schutzleiters nur numerisch gekennzeichnete Adern. Verschiedene der anzuschliessenden Verbraucher benötigen einen Neutralleiter.

2

Erklärung

Handlung durch den Bediener

Notfall

Gefahr bringender Zustand

Der Bediener kann sofort reagieren um den gefahr bringenden Zustand zu beenden ( z.B. Überdruck in einem Speichergefäss)

Normaler Zustand

Der Bediener kann die Anlage in Betrieb nehmen oder die Anlage befindet sich im normalen Betrieb

Anormal

Anormaler Zustand; kritischer Zustand bevorstehend

Überwachen und/oder eingreifen, z. B. durch Reduktion der Last (Wiederherstellen des normalen Zustandes)

Zwingend

Anzeige eines Zustandes, der zwingend Handlung durch den Bediener erfordert

Zwingende Handlung, z.B. wenn ein Reservoir gefüllt ist, darf keine weitere Füllung erfolgen

Neutral

Anzeigen von anderen Zuständen, die nicht mit den Farben Rot, Grün, Gelb oder Blau erfolgen kann

Als Beispiel kann eine Überwachungsleuchte gelten

z.B. PUR-Kabel

A2

Bezeichnung mit Zahlen PE-Leiter = grüngelb Neutralleiter = 1 Polleiter = 2, 3, 4 usw.

Welche Nummer soll nun als Neutralleiter zum Einsatz gelangen? Obwohl ich mit der CD gesucht und in den NIN nachgeschlagen habe, finde ich keine Antwort auf meine Frage. Besteht darüber keine sinnvolle Regelung? (U.W in D.) Sie haben Recht, Kabel mit numerischer Kennzeichnung der einzelnen Adern sind in der praktischen Installationstätigkeit häufiger anzutreffen. Mit einer guten Einführung in die CD wäre Ihre Suche sicher erfolgreich verlaufen, die NIN nehmen sehr wohl Stellung und regeln diese Frage eindeutig. In NIN 5.1.4.3.5 schreiben sie die tiefste Nummer für die Kennzeichnung des Neutralleiters vor. Sehen Sie dazu Bild A2. Ich bin in einer NIN-Lektion zum Artikel 5.3.7 gefragt worden, ob ein Not-Ausschalter gleichzeitig als Wartungsschalter verwendet werden darf, wenn der Notschalter den Hauptstromkreis allpolig schaltet und nur mit einem Schlüssel zurückgestellt werden kann? An sich sind damit die wichtigen Grundsätze der Sicherheit erfüllt. (P.B. in W.) Ihr Vorschlag ist sicher nicht die übliche Variante. Bei einer kleinen Anlage kann im Wartungsfall mit dem all-

3

Tabelle A1 Farben für Leuchtmeldern und ihre Bedeutung in Bezug auf den Zustand der Maschine. (aus SN 60 204-1) Seite 7 von 276

Elektrotechnik 1/06 | 73

Rubriken

Normal

Richtiger Einsatz von alphanumerisch gekennzeichneten Adern in Leitungen nach NIN 5.1.4.3.5, Compact S 5/15

Education

Bedeutung

8


poligen Not-Ausschalter prinzipiell geschaltet werden. Allerdings sind da die folgenden Überlegungen zu beachten: • Es kann sich nur um eine kleine Anlage ohne mehrere Bereiche handeln. • Falls ein Wartungsschalter durch den Ort seiner Platzierung abschliessbar sein muss, setzt die SUVA die Möglichkeit drei Vorhängeschlösser einzulegen voraus. Im erwähnten Fall trifft das nicht zu. • Bei regelmässigem Schalten des Notausschalters besteht die Gefahr, dass der Schlüssel aus Routine oder der Einfachheit halber stecken bleibt. So fehlt der Schutz durch Abschliessen. • Der Not-Ausschalter besitzt nicht die normengemässe Farbe des Wartungsschalters. • Beim Zurückstellen eines Not-Ausschalters darf die Maschine nicht direkt anlaufen.

Meiner Auffassung nach ist eine «Zweckentfremdung» des Not-Ausschalters nur in ganz speziellen Fällen zulässig, jedoch nicht sinnvoll. Beachten Sie dazu auch die Suva-Checkliste «Unerwarteter Anlauf von Maschinen und Anlagen», Bestellnummer 67075.d. In den NIN 2005 sind unter Artikel 7.01.5.5 Betriebsmittel beschrieben, welche in Bad- und Duscheräumen in den Bereichen 0-1-2 zulässig sind. Trifft es zu, dass im Bereich 2 fest angeschlossene Betriebsmittel wie Handtuchradiatoren, Badzimmerschränke, Waschmaschinen, nur dann zulässig sind, wenn sie der Schutzart IP X4 entsprechen? (H.S. in R.) Die Formulierung für die zulässigen Betriebsmittel in den beiden Bereichen 1+2 in den NIN ist unterschiedlich. Die Angaben lauten in 7.01.5.5: • Im Bereich 1 dürfen nur die folgenden elektrischen Energieverbraucher montiert werden, sofern diese fest angeordnet und fest angeschlossen sind. Für den Bereich 2 hingegen: • Im Bereich 2 dürfen nur elektrische Energieverbraucher montiert werden, sofern diese mind. der Schutzart IPX4 entsprechen. Der feine Unterschied fällt sofort auf. Die in Ihrer Frage erwähnten Betriebsmittel wie Handtuchradiatoren, Badzimmerschränke, sind eindeutig fest angeordnet und auch fest ange-

4

74 | Elektrotechnik 1/06

schlossen. Deshalb haben diese im Bereich 2 der Schutzart IP X4 zu entsprechen. Waschmaschinen, Tumbler, gelten als bewegliche Betriebsmittel und sind heute kaum mehr fest angeordnet, sondern werden nur gestellt und sind vielfach über Steckvorrichtungen angeschlossen. Beim Durchlesen der Unterlagen des Forums für Elektrofachleute vom 8.12.2004 ist mir im Bereich Installationsverteiler Folgendes aufgefallen. Der maximale Bemessungsstrom beträgt 250 A bei einem Kurzschluss-Strom von ICP 10 kA. Wird die zweite mögliche Variante der Beschriftung gewählt, darf die maximal vorgeschaltete Schmelzsicherung keinen grösseren IN aufweisen als 125 A. Mir geht hier etwas nicht auf, oder handelt es sich um einen Druckfehler? (R.E. in St.G.) Im ersten Moment scheint es tatsächlich, als würde etwas nicht stimmen. Das Problem löst sich jedoch, wenn man die unterschiedliche Stossrichtung der Angaben betrachtet. • Die Angabe auf einem Installationsverteiler mit dem maximalen Kurzschluss-Strom von ICP 10 kA bedeutet, dass im vorliegenden Verteiler Betriebsmittel eingebaut sind, die im Kurzschlussfall keinen grösseren Strom als die vermerkten 10 kA ertragen. Deshalb dürfen solche Verteiler nur an Orten montiert werden, wo keine so hohen Kurzschlussströme auftreten können. Solche Verteiler dürfen einen maximalen Bemessungsstrom von 250 A aufweisen. • Wird an Stelle des maximal zulässigen Kurzschluss-Stromes der Nennstrom der maximal vorzuschaltenden Schmelzsicherung vermerkt, wie z. B. IN ⱕ125 A, dient diese Vorsicherung dem Schutz der eingebauten Betriebs-

5

Richtige, normengemässe Anordnung eines Neutralleitertrenners mit je einer separaten Klemmstelle für jeden Neutralleiter L1 L2 L3 N

mittel. Sie schützt diese im Falle von unzulässigen Kurzschlussströmen. Je höher der IN einer solchen Vorsicherung ist, umso höher fällt in Abhängigkeit des gegebenen, prospektiven Kurzschlussstromes ICW die mögliche Durchlassenergie ICF aus. Aus diesem Grund wurde der Nennstrom der Vorsicherung auf maximal 125 A begrenzt, mit der Absicht, die eingebauten Betriebsmittel bei den im Normalfall in der Installationspraxis auftretenden Kurzschlussströmen genügend schützen zu können. Natürlich ergibt sich daraus gleichzeitig eine Begrenzung des Bemessungsstromes auf 125 A. Ein Nachweis des vorhandenen Kurzschlussstromes ist nicht notwendig. In der Zuleitung zu einer grossen Unterverteilung wurden die bestehenden, zu gering dimensionierten 5 ⫻ 95 mm2 gegen Einzelleiter 5 ⫻ 150 mm2 ausgewechselt. Bei der Abnahmekontrolle stellten wir fest, dass sämtliche Einzelleiter (alle Pol-, N- und Schutzleiter) unter dem hellgrauen PVC-Mantel eine schwarze Isolation tragen. Meines Erachtens schreiben die NIN in Artikel 5.1.4.3 vor, dass Neutral- sowie Schutzleiter auf der ganzen Länge mit der zugeordneten Farbe gekennzeichnet werden müssen. Darf der verantwortliche Unternehmer in der geschilderten Situation nur die Enden der bereits verlegten Kabel mit den richtigen Farben kennzeichnen, oder sind die Einzelleiter für den N- bzw. den PE-Leiter gegen Leiter mit der korrekten Kennzeichnung auszuwechseln? (D.K. in B.) Der von Ihnen erwähnte Artikel spricht an sich eine deutliche Sprache: • 5.1.4.3: PA-, PE-, PEN- und N-Leiter müssen als solche eindeutig erkennbar sein. Für die Kennzeichnung sind in den NIN zwei Möglichkeiten aufge-

6

Unzulässige Anordnung einer Spezialklemme für mehr als einen Neutralleiter L1 L2 L3 N

(Die Skizze ist der Übersichtlichkeit wegen ohne Schutzleiter gezeichnet)

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führt. Sie kann durch entsprechende Farbgebung oder durch alphanumerischen Aufdruck geschehen. Das grösste Gewicht liegt eindeutig auf der Erkennbarkeit der erwähnten Leiterfunktionen. Natürlich sind auch die Polleiter korrekt zu bezeichnen. Weil sie keine Schutz-, sondern nur Betriebsfunktionen ausüben, gehören sie nicht zu den «wichtigsten Leitern». • 5.1.4.1: Isolierte Leiter sind auf ihrer ganzen Länge wie folgt zu kennzeichnen: Neutralleiter hellblau, PE-Leiter grüngelb usw. Mit diesen Angaben legt die Norm die zu verwendenden Farben in Abhängigkeit der Funktion fest, und erwähnt nochmals die speziell wichtigen Leiterfunktionen. Aus diesem Grund sehe ich keine Möglichkeit, die von Ihnen geschilderte Verlegung von lauter gleichfarbiger Leiter nach den Normen gut zu heissen. Die in den NIN erwähnte Ausnahmeregelung bezieht sich auf ein geschlossenes Objekt, wie z.B. einen fertig verdrahteten Heizkessel, und darf für eine Installation nicht angewandt werden. Meines Erachtens muss speziell der Schutzleiter eine durchgehend grüngelbe Kennzeichnung aufweisen. Der Neutralleiter ist gleichfalls mit einer durchgehenden Bezeichnung erwähnt. Zuzeit beschäftigt mich eine Unklarheit im Zusammenhang mit den NIN 2005. Laut NIN 3.2.4.1.2.7 dürfen an einem Neutralleitertrenner nur ein Leiter und nicht zwei Leiter unterklemmt werden. Meiner Meinung ist das nicht praxisgerecht, oder deutlicher gesagt, es kommt in der täglichen Installationstätigkeit regelmässig vor. Ich frage mich nun, ob die neue Norm nicht konsequent umgesetzt wird, oder ob ich etwas falsch interpretiere? Ist ein Unterklemmen von zwei Leitern zulässig, wenn der Neutralleitertrenner zwei Klemmen besitzt? Haben Sie Erfahrung mit dieser Neuerung aus den NIN 2005? (M.L. in B.) In Ihrer Frage sind zwei unterschiedliche Probleme angesprochen, die nur indirekt zusammengehören. Die erste Frage dreht sich um den Einsatz von eigentlichen Neutralleitertrennern oder lösbaren Klemmen. • Die von Ihnen erwähnte Skizze in NIN 3.2.4.1.2.7 bezieht sich auf die Situation bei Neutralleitertrennern oder bei Spezialklemmen. Sehen Sie dazu

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Bild A7. Die Verwendung von lösbaren Spezialklemmen anstelle von Neutralleitertrennern ist seit längerer Zeit zugelassen. Allerdings schreiben die NIN klar vor, dass nur ein einziger Leiter auf einer lösbaren Spezialklemme geklemmt werden darf. Wären mehrere Neutralleiter zulässig, müssten bei einer allfälligen Isolationsmessung mehrere Neutralleiter gelöst und wieder unterklemmt werden. Beim erneuten Unterklemmen könnte einer der Neutralleiter abbrechen und grossen Schaden verursachen. Bei einem eigentlichen Neutralleitertrenner erfolgt die Trennung durch die vorhandene Trennvorrichtung, Leiter müssen keine gelöst werden. Demzufolge besteht die Gefahr des Abbrechens nach einer Iso-Messung nicht. • Die zweite Frage schwingt unterschwellig mit. Es geht grundsätzlich um den Anschluss von mehr als einem Neutralleiter auf einem Trenner. Im Allgemeinen soll auf einer Anschlussklemme/Neutralleitertrenner nur ein einziger Neutralleiter angeschlossen werden, weil sonst die gleiche Gefahr, wie bei lösbaren Spezialklemmen besteht. Diese Forderung ist sinnvoll. Das Unterklemmen von mehr als einem Leiter ist nur zulässig, wenn die Klemmen für diesen Zweck vorgesehen und ausgelegt sind, siehe NIN 5.3.9.7.1.3.5. In Bild A7 ist dieser Forderung bereits durch drei getrennte Klemmstellen der Neutralleiter Rechnung getragen. Ähnlich wie auf den von Ihnen erwähnten Neutralleitertrennern mit Federklemmtechnik. Hier können bis zu vier Neutralleiter sauber und sicher geklemmt werden. Sie erfüllen die gestellten Bedingungen. Nach den NIN 2000 durften bei Umbauten von Badezimmern oder Duschen die vorhandenen Steckdosen gegen Sidos-Steckdosen ausgetauscht werden. Die Forderungen des Fehlerstromschutzes bestand nur für Steckdosen. Neu muss die ganze Installation mit Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt sein. Gelegentlich sind in alten Wohnungen jedoch noch Installationen nach dem «alten» Schema III ausgeführt. Ein Nachzug von Leitern ist manchmal nicht durchführbar. Hier war die alten Regelung äusserst praktisch. Wie muss man in solchen Situationen vorgehen? (J.S. in F.)

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A9 Erklärende Skizze zum Begriff «Restwanddicke».

Im Innern von Bade- und Duscheräumen

Ausserhalb von Bade- oder Duscheräumen

• Wenn die Restwanddicke >6 cm ist, sind keine weiteren Massnahmen notwendig Restwanddicke • Ist die Restwanddicke <6 cm, muss die Fehlerstromschutzschaltung angewandt und ein speiseseitig angeschlossener Schutzleiter mitgeführt werden.

Einlasskasten

Verputz

Wandplatten

Wandstärke Backsteinwand

Die NIN wissen um solche Probleme und haben in Artikel 7.01.4.7.2 diesen Gedanken wie folgt aufgenommen: Erweist sich bei Umbauten und Renovationen die Realisierung des zusätzlichen Schutzes durch Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCDs) als sehr aufwändig (z. B. die Platzverhältnisse in der Schaltgerätekombination lassen den Einbau einer Fehlerstromschutzeinrichtung (RCD) nicht zu, oder eine Installation im System TN-C (alt Schema III), wo ein Schutzleiternachzug als ausgeschlossen erscheint), so kann der zusätzliche Schutz für alle Stromkreise durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung in der Steckdose realisiert werden.

Korrigenda: Die Leser der NIN Know-how sind ausgewiesene Fachleute und beobachten sehr genau. Allfällige Unstimmigkeiten fallen ihnen auf. Leider ist auch diese Rubrik nicht frei von Fehlern. Sie betreffen die ET 8/05, Skizze 10. Die Steckverbindung zwischen Generator und zu speisendem Bereich ist richtungsverkehrt gezeichnet, Steckdose und Stecker sind auszutauschen. Der Verfasser entschuldigt sich und dankt für solche wichtige Rückmeldungen.

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Im Sinne einer Ausnahme sind damit die von Ihnen erwähnten Fälle explizit erwähnt und Ihr Problem gelöst. An einer NIN-Information habe ich die Begriffe Restwanddicke und Verlegetiefe im Zusammenhang mit der Angabe >6 cm aufgeschnappt, wurde aber nicht so recht schlau daraus. Bedeutet das, alle im Bereich von Bade- und Duscheräumen montierten Leitungen sind mindestens 6 cm tief zu verlegen? (S.E. in F.) Da scheint sich ein Missverständnis eingeschlichen zu haben. Dazu die folgende Präzisierung: • In Räumen mit Bad oder Dusche sollen grundsätzlich nur Leitungen verlegt werden, die Verbrauchern in diesen Räumen dienen. Sind sie weniger als 6 cm tief unter Putz verlegt, besteht die Gefahr der Beschädigung durch Bohren von Befestigungspunkten für Handtuchstangen usw. Um dieser Gefahr zu begegnen, verlangen die NIN 2005 zusätzlich zum allgemeinen Schutz durch Fehlerstromschutzeinrichtungen das Mitführen eines speiseseitig angeschlossenen Schutzleiters. Werden elektrische Lei-

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ter, die in Rohre verlegt, im Normalfall etwa 2–2,5 cm tief eingeschlitzt sind, durch einen Bohrer oder Schrauben verletzt, löst entweder der Fehlerstromschutzschalter oder das vorgeschaltete Schutzorgan sofort aus. • Bei Leitungen zu Verbrauchern ausserhalb des Bade- oder Duschebereiches besteht, falls sie in dünnen Wänden (6 cm + Verputz) geschlitzt sind, die gleiche Gefahr. Deshalb gelten für sie die gleichen Bedingungen wie für Leitungen im Badezimmer (Fehlerstromschutzschaltung zwingend und Mitführen eines speiseseitig angeschlossenen Schutzleiters. Besteht jedoch eine grössere Restwanddicke als 6 cm, kann auf die erwähnten Massnahmen verzichtet werden, weil man davon ausgeht, dass eine Beschädigung der Leiter durch Bohren/Schrauben unwahrscheinlich ist. Betrachten Sie dazu Bild A9. Müssen Photovoltaik-Module in jedem Fall mit der Blitzschutzanlage verbunden werden, bzw. führt die Montage einer Photovoltaikanlage automatisch zur Blitzschutzpflicht? ( E.F. in U.) Wird auf einem Gebäude eine Photovoltaikanlage montiert, führt das nicht automatisch zur Blitzschutzpflicht für das Gebäude. Ist eine Blitzschutzanlage vorhanden, sind die Potenzialausgleichsverbindungen mit der Blitzschutzanlage zu verbinden. Moderne Photovoltaik-Module werden auch in der Schutzklasse II, also schutzisoliert, geliefert. Solche Module besitzen möglicherweise keine Potenzialausgleichsverbindungen und können demzufolge nicht angeschlossen werET 09 den. [NIN 7.12.4.1.3.4]

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Wieder stehen spannende Probleme mit Schwergewicht Schaltgerätekombinationen an. Natürlich sind auch andere Themen aktuell. Beim Lesen der Fragen stellt die eine oder andere Elektrofachkraft fest, dass ähnliche Probleme im eigenen Betrieb schon diskutiert wurden. Ein Vergleich der eigenen Lösungen mit den hier vorgeschlagenen Varianten ist interessant und erweitert das eigene Fachwissen weiter. Ein erklärtes Ziel des NIN-Knowhow. Stehen Sie schon am Start?

Ernst Feldmann

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F2 Welche Bedingungen gelten nach NIN bezüglich der Abschaltbarkeit der Einspeisung eines Installationsverteilers? Betrachten Sie die beiden fast identischen Installationsverteiler!

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Hauptschalter direkt in der gemessenen Einspeisung

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Kein Hauptschalter in der gemessenen Einspeisung

Was ist richtig bzw. enspricht der NIN? ❑ Jede Einspeisung eines Installationsverteilers muss allpolig geschaltet werden können, deshalb ist ein Hauptschalter in der gemessenen Zuleitung zwingend notwendig. ❑ Die gemessene Zuleitung kann ohne Schalter direkt auf Abzweigklemmen (richtige Anwort ankreuzen) geführt werden.

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Rubriken

Mir ist eine Frage nicht klar im Zusammenhang mit Installationsverteilern. Muss in der Einspeisung eines Installationsverteilers als Erstes ein Anlageschalter eingebaut sein, oder kann die speisende Leitung direkt auf Abzweigklemmen geführt werden? Betrachten Sie jetzt zuerst Bild F2 und geben Sie dazu Ihre eigene Meinung bekannt. (A.B. in M.) Dieses Thema wurde in unterschiedlichen Varianten schon mehrfach angesprochen. Die NIN schreiben grundsätzlich keinen Haupt- oder Anlage-

se Lösung beinhaltet keine Gefahr. Bei Erweiterungen oder Störungen unterbricht das Fachpersonal den vorgeschalteten Überstromunterbrecher und der ganze Verteiler ist spannungslos. Es existieren jedoch bestimmte Spezialfälle mit anderen Voraussetzungen. a) Wenn Anschlussleitungen durch die Netzbetreiberin direkt an den Eingangsklemmen von Hausanschlusskasten geschlauft werden, kann der Installationsverteiler nicht mehr im Haus spannungslos geschaltet werden (Bild A2). Der Wohnungsverteiler be-

Education

Wir haben Projektanfragen von Planungs- und Installationsfirmen erhalten, die sich mit der richtigen Installation im Bereich von Hundeduschen beschäftigen. Offenbar handelt es sich bei Hundeduschen um einen neuen Modetrend in unserem Versorgungsgebiet. Muss die Installation im Bereich einer Hundedusche die gleichen Sicherheitsstandards gemäss NIN 7.01 erfüllen? Häufig ist diese Dusche im UG neben der Wärmepumpe usw. angeordnet und könnte von der Bauweise her auch von Personen benützt werden. (T.T. in O.) In Ihrem letzten Satz ist die Antwort bereits enthalten. Sie schreiben, dass in Extremfällen auch Personen die Dusche benützen könnten. Damit kommen die Bestimmungen der NIN zum Einsatz. Nutztiere (Haustiere) werden selbstverständlich ebenfalls in der NIN als schützenswert erwähnt (NIN 1.3.1.1).

schalter in der Einspeisung von Installationsverteilern vor. Die Zuleitung wird ohne Schalter direkt auf die Abzweigklemmen geführt, um von dort direkt auf die einzelnen Überstromunterbrecher verteilt zu werden. Die-

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nötigt zwingend Anschlussüberstromunterbrecher, die eine eindeutige Trennung zwischen dem speisenden Netz und den angeschlossenen Hausinstallationen zulassen. Anstelle des Anschlussüberstromunterbrechers könnte, die Zustimmung der Netzbetreiberin vorausgesetzt, allenfalls ein Leistungsschalter mit genügendem Abschaltvermögen montiert sein. b) Bei Installationsverteilern, die in grossen Maschinen eingebaut sind, erfolgt die Anspeisung häufig über an der Decke geführte Installationskanäle. Die zugehörigen Überstromunterbrecher sind in Kästen auf den Installationskanälen platziert. Für eine rasche Abschaltung ist ein Hauptschalter in den jeweiligen Installationsverteilern absolut zwingend. Der Elektrokontrolleur hat bei einem unserer wichtigen Kunden die Hauptverteilung kontrolliert. Dabei wurde die Situation mit dem Neutralleitertrenner beanstandet. Wir fragen uns, ob die durch uns gewählte Lösung nicht belassen werden kann, da sie unseres Erachtens den NIN entspricht. Er verlangt die Entfernung des Neutralleitertrenners und die Montage von Ein-

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pressmuttern auf der Neutralleiterschiene. (R.E. in St.G.) Zu Ihrer Frage möchte ich zuerst zwei grundsätzliche Bemerkungen machen. • Die Basis für die Ausführungen der NIN in Kapitel 5.3.9 über die Schaltgerätekombinationen sind die SN 60 439-1 und -3. Sie geben noch detaillierter Auskunft als die NIN, die hierarchisch ihnen untergeordnet ist, und haben deshalb ein grösseres Gewicht. • Neutralleitertrenner sind eine helvetische Spezialität. Andere Nationen kennen die Forderung nach Neutralleitertrennern nicht. Sie kommen deshalb in den SN 60439 nicht vor. Die Bedingung der Trennbarkeit des Neutralleiters wird durch geschraubte Verbindungen ermöglicht. Damit sind verschiedene Störquellen eliminiert, wie z. B. die Probleme mit ungenügendem Federdruck in bekannten Trennern, die manch erfahrener Elektrofachmann aus eigener, unliebsamer Erfahrung kennt. Auf dem beigelegten Bild der Anlage ist es leider nicht möglich, exakt festzustellen, ob die Führung des PEN-, N- und PE-Leiters in der richtigen Art durchgeführt wurde. Deshalb

A2 Spezielle Situation mit einer Einspeisung für zwei Wohnungen mit abgeschlaufter Anschlussleitung ab Hausanschlusskasten im Haus 1 zum Wohnungsverteiler im Haus 2. Eine Trennvorrichtung zum speisenden Netz ist hier zwingend notwendig. Wohnungsverteiler Haus 2

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Hausanschlusskasten Haus 1

Anschlussüberstromunterbrecher zwingend! (Trennvorrichtung)

Anschlussleitung Netzbetreiber

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Anschlusssicherung

Abgeschlaufte Anschlussleitung zum Haus 2

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möchte ich meine Antwort mit zwei Bildern ergänzen. Sie sehen die Aufteilung der eingeführten Anschlussleitung im Schutzsystem TN-C mit einem Neutralleitertrenner. Der Trenner ist immer im Neutralleiter zu platzieren, damit sich die ISO-Messung durchführen lässt. Der Schutzleiter wird an gegen Selbstlockerung geschützten Verbindungen geklemmt und ausschliesslich durch Werkzeuge gelöst oder abgetrennt. Diese Variante gelangt vor allem in kleineren und mittleren Schaltgerätekombinationen zum Einsatz. Die zweite Möglichkeit der Auftrennung des PEN-Leiters ergibt sich automatisch bei grossen bis sehr grossen Querschnitten. Im Handel fehlen Neutralleitertrenner mit den notwendigen Bemessungsstromwerten. Auf der Neutralleiterschiene werden Einpressmuttern angebracht. So kann, unter Zuhilfenahme eines einzigen Werkzeuges (Schraubenschlüssel) die Verbindung PEN–Neutralleiterschiene getrennt und die ISO-Messung ebenfalls durchgeführt werden. Sehen Sie dazu die beiden Bilder zu A3. Bei der Herstellung einer grösseren SK ist eine Frage um die Behandlung des PEN-Leiters in Verteilungen aufgetaucht. Muss die PEN-Schiene isoliert montiert und wie die Polleiter behandelt werden, oder darf sie ohne Isolierung so platziert werden, dass weitere, leitende Verbindungen zu Gehäuse, Einbaurahmen, PE-Schiene zusätzlich zur gewollten Verbindung PEN- und PESchiene bestehen? (R.E. in St.G.) Die Antwort ergibt sich aus der Überlegung der Funktion, die eine PENSchiene in der Schaltgerätekombination vor der Auflösung des Schutzsystem TN-C in TN-S ausübt. Sie leitet im Fehlerfall den fliessenden Kurzschlussstrom zum Netz retour. Je niederohmiger die bestehenden Verbindungen sind, desto geringer fällt der Übergangswiderstand und damit die Abschaltzeit aus. Das unterstreicht die Wichtigkeit einer niederohmigen Verbindung. Wird diese nur durch die gewollte Verbindung hergestellt, fällt sie bedeutend schlechter aus als bei mehrfach parallel geschalteten Verbindungen. Demzufolge ist eine nicht isolierte Montage der PEN-Schiene in der SK einer isolierten Verlegung vorzuziehen.

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A3 Normengemässe Auflösung Schutzsystem TN-C in TN-S

Normengemässe Auflösung Schutzsystem TN-C in TN-S

Variante mit Neutralleitertrenner (in kleinen SK üblich)

Variante mit trennbarer Verbindung PEN-Leiter–Neutralleiter (kommt in SKs mit grösseren Querschnitten zur Anwendung) L1

Stromschienen

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Stromschienen

N PE

Einpressmuttern*

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Anschlussüberstrom unterbrecher

Neutralleitertrenner

Anschlussüberstrom unterbrecher

*trennbar mit einem Werkzeug Erdungsleitung

Erdungsleitung Anschlussleitung

An verschiedenen Tagungen habe ich gehört, dass gemäss NIN 2005 der IP-Schutzgrad im Innern von SKs lediglich IP2X zu entsprechen hat. Bis heute war ich der Meinung, dass Abdeckungen im Innern von Schaltgerätekombinationen, die für Laien zugänglich sind, mindestens einen Schutzgrad IP4X (Schutz gegen Berühren mit Werkzeug >1 mm) aufweisen müssen. Wie verhält es sich wirklich? Falls Laien Zugang zu einer Schaltgerätekombination haben, muss der Berührungsschutz in Innern mindestens einem Schutzgrad IP 2XC entsprechen. Mit dem Buchstaben C wird ein Werkzeug mit ⭋>2,5 mm verstanden, wie z. B. ein Schraubendreher der Grösse 3. Bei montierter, vertikaler Abdeckung dürfen damit keine spannungsführenden Teile berührbar sein. Das gilt für alle blanken, spannungsführenden Teile, die hinter der Abdeckung montiert sind, wie Abzweigklemmen, Anschlussklemmen auf Schaltschütze usw. (NIN 5.3.9.7.2). Die gestellte Bedingung wird erfüllt, wenn entweder alle Öffnungsgrössen in der Schutzabdeckung ⭋ <2,5 mm gehalten werden, oder im Bereich von Öffnungen ⭋<12 mm mit einem Schraubendreher Gr. 3, Klingenlänge 100 mm keine offenen, spannungs-

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Anschlussleitung

führenden Teile berührbar sind. Diese Forderung ist in den EN 60 439 und den NIN identisch. Für horizontale Abdeckungen stellen die NIN in 4.1.2.2.3 noch eine zusätzliche Bedingung. Solche Abdeckungen eignen sich ausgezeichnet zur Aufbewahrung von kleinen Gegenständen, die leicht in die Schaltgerätekombination fallen könnten. Deshalb verlangen die NIN bei horizontalen Abdeckungen einen Schutzgrad IP 4XD. Wahrscheinlich stammt Ihre in der Frage geäusserte Auffassung daher. Wir haben in unserem Betrieb die NIN-Compact 2005 für die Mitarbeiter angeschafft. Bei Abklärungen von Fragen mit einer externen Kontrollinstanz ist uns aufgefallen, dass diese nur mit der NIN 2005 arbeiten und die NIN-Compact nicht benützen. Darauf angesprochen haben sie uns die fehlende rechtliche Stellung der Compact erwähnt. Haben wir demzufolge in unserem Betrieb eine Fehlinvestition getätigt? (F.D. in O.) Die NIN-Compact hat den Status eines Lehrbuches und ist keine offizielle Norm, wie die NIN 2005. In dieser Hinsicht war die Aussage Ihrer Kontrollinstanz korrekt. Für den täglichen

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Gebrauch in Ihrem Betrieb bin ich jedoch überzeugt, dass sie eine sehr gute Lösung darstellt. Die in der Compact gewählte Sprache ist gut verständlich, die vielen zusätzlichen Erklärungen und Skizze machen das kleine Werk zu einer grossen Hilfe für den Praktiker. Sie können beruhigt sein, die Anschaffung der NIN-Compact war mit Sicherheit keine Fehlinvestition! Ich habe in den NIN die Aussage gesucht, dass Leiter mit leichter Isolation nicht direkt auf Gebäudeteile ohne Rohre/Kanäle fest verlegt werden dürfen. Trotz Suche mit allen möglichen Hilfsmitteln bin ich nicht fündig geworden. Ist eine solche Verlegung demzufolge zulässig? (D.K. in W.) Der von Ihnen gebrauchten Ausdruck «Leiter mit leichter Isolation» stammt noch aus den guten, alten HV-Zeiten. Im Elektrikerjargon sind leicht isolierte Leiter, die allseits bekannten T-Drähte. Die Kurzbezeichnungen für Leiter sind seit längerer Zeit angepasst worden (HD 361). T-Draht wird mit H07V-U bezeichnet. Sie fragen sich, ob PVC-Aderleiter, wie sie neu heissen, zur direkten Verlegung auf Gebäudeteile eignen. Es gibt keinen direkten Hinweis. Gräbt man jedoch ein wenig

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A9 Zusammentreffen der alten mit der neuen Nummerierungsnorm Neutralleiter neu: kleinste Zahl

Neue Zuleitung mit nummerierten schwarzen Adern, Kabel TT-Flex

Vorschlag zur besseren Übersichtlichkeit: Kennzeichnung der nummerierten Adern mit farbigem Schrumpfschlauch/Kabelbindern

(alt: höchste Zahl)

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Anlage, errichtet Anfang 2005

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Neue Zuleitung mit nummerierten schwarzen Adern, Kabel TT-Flex

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tiefer, fällt auf, dass das Wort «Leitungen» immer für Kabel, der Begriff «Aderleitern» nur für T-Draht benützt wird. Bei der Verlegung auf Gebäudeteile sprechen die NIN 2005 immer von «Leitungen» und nie von Aderleitungen. Offenbar ist eine direkte Verlegung von H07V-U (T-Draht) auch in den NIN 2005 nicht vorgesehen. Bei der Schlusskontrolle einer Installation habe ich festgestellt, dass Niederspannungs- und Buskabel im selben Rohr verlegt wurden. Nach meinem Verständnis müssen die beiden Spannungen getrennt voneinander in separate Rohre verlegt werden. Wie verhält es sich gemäss NIN? Niederspannung und Kleinspannung (Elektronik) sind im Normalfall getrennt zu verlegen. Eine gemeinsame Verlegung ist nur unter bestimmten Bedingungen zulässig. Sehen Sie dazu den NIN-Artikel 4.1.4.1.2 mit dem Grundsatz und den Ausnahmebestimmungen. • Beim Zusammentreffen von Schwachstrom- mit Starkstromanlagen sind . . . isolierte Leiter zuverlässig voneinander zu distanzieren, es sei denn, die Schwachstromanlage ist wie die Starkstromanlage isoliert und sie bilden eine zusammengehörende Einheit. Isolierte Leiter dürfen in die gleichen Rohre eingezogen sein oder unter dem gleichen Schutzmantel liegen, wenn eine Unterscheidung durch deutliche Kennzeichnung gewährleistet ist.

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Anlage, errichtet Anfang 2005

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Oder NIN 4.1.4.1.3.2: • mehradrige Kabel, Leitungen oder

Leiterbündel dürfen Stromkreise mit verschiedenen Spannungen enthalten, wenn die Leiter der SELV- und PELV-Stromkreise einzeln oder gemeinsam mit einer Isolierung für die höchste vorkommende Betriebsspannung versehen sind. Diese Bedingungen sind mit grosser Wahrscheinlichkeit in der vorliegenden Installation erfüllt und demzufolge ist sie nicht zu beanstanden. Siehe auch NIN 5.2.1.7.1. Ich bin der Auffassung, dass in mehradrigen Kabeln die Wahl der tiefsten Nummer für die Kennzeichnung des Neutralleiters auf Kosten der Sicherheit geht. In bestehenden Gebäuden, Betrieben und Anlagen entsteht ein gefährliches Wirrwar, zumal die Maschinen- und Apparate-Industrie vielfach noch heute nach alten Normen verdrahtet. Sehen Sie dazu unser Bild F9. Nach intensiven Gesprächen in unserer Firma sind wir zum Schluss gekommen, aus Sicherheitsgründen die Kabel vorerst nach der bewährten Installationsnorm anzuschliessen. Wie sehen Sie die neue Situation? (C.K. in L.) Jede Änderung der Normen erfordert Anpassungen, die bei der praktischen Umsetzung da und dort schwierige Situationen hervorrufen. Mit Sicherheit ist die neue Nummerierung eine Umstellung für das Montagepersonal. Trotzdem ist es sinnvoll, wenn sich alle Betriebe an diese Regelung hal-

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ten. Mir scheint die aktuelle Bezeichnung sicherer und klarer als die bisherige Art mit der Wahl der jeweils höchsten Adernummer für den Neutralleiter. Zur Begründung die folgende Überlegung: Werden mehrere Kabel mit einer unterschiedlichen Anzahl Adern verbunden, bleibt bei der neuen Bezeichnungsnorm stets die Ader mit der tiefsten Nummer für den Neutralleiter, ungeachtet der Adernzahl im Kabel. Nach alter Norm erhält der Neutralleiter einmal die Nummer 4, 8, 10 usw. Sie sehen, das könnte ebenfalls gefährlich werden! Gemäss Ihrer Skizze befürchten Sie Probleme beim Zusammentreffen von Installationen mit alter Bezeichnung der Neutralleiter und der neuen Art. Vielleicht könnte schon der folgende Vorschlag die Sache entschärfen. Versehen Sie die alle Adern zusätzlich mit einem kurzen Stück Schrumpfschlauch oder Kabelbinder in den genormten Farben Braun, Schwarz, Grau und Hellblau. Sehen Sie dazu Bild A9. Vielleicht sprengt meine Frage den Rahmen des NINKnow-how. Trotzdem möchte ich mich mit einem Problem an Sie wenden. Als selbständiger Elektrokontrolleur bin ich gewohnt, elektrische Installationen den Normen entsprechend auf fehlenden Schutz für Personen, Nutztieren und Sachwerten zu kontrollieren. Jede seriöse Überprüfung mit anschliessendem «Papierkrieg» benötigt einen gewissen Zeitaufwand. Vor kurzem habe ich einen

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Auftrag für die periodische Kontrolle von mehreren Arztpraxen mit der Begründung nicht erhalten, mein Angebot sei zu hoch. Auf meine Rückfrage hin wurde mir eröffnet, dass Mitbewerber die fällige Kontrolle der Praxis mit Vor- und Sprechzimmer, Röntgenanlage usw. inkl. Ausstellen des SINA für Fr. 50.– übernommen hatten. Für den erwähnten Betrag kann meines Erachtens diese Kontrolle auf keinen Fall seriös sein. Ich frage mich, ob das ESTI solche, wie mir scheint, unseriöse Machenschaften von Kontrollorganen gelegentlich überprüft oder ob zugewartet wird, bis ein Unfall passiert. Ihre Frage hat mehrere Aspekte und ist tatsächlich nicht nur fachlicher Natur. Trotzdem nachstehend ein paar Gedanken dazu. • Sie sprechen ein düsteres Kapitel im Elektro- bzw. Kontrollgewerbe an. Jede Elektrofachkraft, ob in der Installations- oder Kontrolltätigkeit, trägt eine hohe Verantwortung. Sie hat die

entsprechende Ausbildung und besitzt das notwendige Fachwissen. Qualifizierte Fachleute müssten ihren Wert kennen, aber auch ihre grosse Verantwortung beachten. Es ist unverständlich, wenn die eigene, nicht gratis, sondern mit viel Schweiss erworbene Fachkompetenz so verscherbelt wird. Trotzdem die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Angaben von Kunden für bare Münze zu nehmen sind, ist es unbegreiflich, wie ein solches Angebot zustande kommen kann. Das betrifft nicht nur diesen Auftrag, im Elektrogewerbe scheint etwas faul zu sein. • Ausgehend von einem minimalen Verrechnungsansatz von Fr. 80.–/h stehen nur rund 38 Minuten zur Verfügung. Von seriöser Kontrolle einer Arztpraxis, Durchführung der vorgeschriebenen Messungen, korrekter Prüfung der Fehlerstromschutzeinrichtungen, wohlverstanden inkl. Anmeldung beim Kunden, Hin- und Rückfahrt und korrektem Erstellen

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des SINA kann in dieser Zeit nicht die Rede sein! • Könnte es sich um ein Lockvogelangebot mit Blick auf allfällige, lukrative Folgeaufträge handeln? • Das ESTI hat keine Kenntnis von solch unseriösen Anbietern im freien Markt. Handelt es sich jedoch um ein derartiges Dumpingangebot, sollte es dem ESTI mit eindeutigen Fakten zur Überprüfung gemeldet werden. Unangenehme Folgen gemäss NIV-Artikel 28 sind für eine solche «Kontrollstelle» nicht auszuschliessen. • Wenn sie zu ihren Verbandsmitgliedern zählen, ist es denkbar, dass der Verband der Kontrollfachleuchte VSEK solchen «Spezialisten» die Mitgliedschaft aufkündigen könnte. ET 09

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Leserfragen haben es in sich. Es geht nicht um theoretische, sondern um ganz praktische Probleme, wie sie im täglichen Installationsalltag vorkommen. Manchmal sind auch Wissensfragen darunter, die sich um den Personenschutz drehen. So kommt ein ganzer Mix aus den NIN zum Zug. Das reizt interessierte Elektrofachkräfte immer wieder zum Mitdenken und kritischen Hinterfragen. Hervorragende Voraussetzungen, um an der nächsten Fragerunde teilzunehmen!

Ernst Feldmann

Schutzleiter und sonderisoliertes Gerät Mir ist nicht klar, wieso die Bestimmung in NIN 4.1.3.2.2.6 das Anschliessen des Schutzleiters bei Geräten der Schutzklasse II untersagt. Können Sie mir weiterhelfen? (A.G. in H.)

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Die Sicherheit von schutz- oder sonderisolierten Geräten ist sehr hoch und allgemein bewährt. Das Prinzip der Schutzklasse II ist eine absolute galvanische Trennung aller berührbaren, leitenden Gehäuseteile vom speisenden Netz. Das wird erreicht durch eine zusätzliche Isolierung, die es praktisch unmöglich macht, dass sich

gefährliche Spannungen aus dem Geräteinnern nach aussen übertragen und Personen gefährden können. Um diese hohe Sicherheit zu erreichen, darf kein von aussen eingeführter Leiter mit dem sonderisolierten Gehäuse Verbindung aufweisen. Würde der Schutzleiter angeschlossen, könnte von aussen ein unerwünschtes Potential auf die leitenden, berührbaren Gehäuseteile übertragen werden. Leider passieren immer wieder solche fatalen Fehler, PE-Leiter irrtümlich an einen spannungführenden Polleiter anzuschliessen. Darum ist die Forderung in 4.1.3.2.2.6 verständlich. Das sonderisolierte Gehäuse kann selbst dann nicht unter Spannung geraten!

Die doppelte Isolation verhindert die Übertragung eines Isolationsdefektes auf das leitende Gehäuse.

Querschnitt PA-Leiter In einem Spital besteht Unsicherheit über den richtigen Querschnitt des Hauptpotenzialausgleichsleiters. Der Leistungsschalter in der Zuleitung hat einen Nennstrom von 250 A. Welcher Querschnitt ist richtig, 16 oder 25 mm2? (Ch.M. in F.) Die NIN verlangen in 5.4.7.1 einen Minimalquerschnitt für den Hauptpotenzialausgleichsleiter von 50% des Hauptschutzleiters (Abgang vom Anschlussüberstromunterbrecher). Bei einem Anschlussüberstromunterbrecher (Leistungsschalter) von 250 A liegt der PE-Querschnitt bei 70 mm2, damit würde der PA-Querschnitt bei 35 mm2 liegen, weil aber gemäss 5.4.7.1 der Maximalquerschnitt für den Hauptpotenzialausgleich auf 25 mm2 begrenzt ist, gilt dieser Querschnitt als genügend. Wir möchten Sie auf die praktische Tabelle in den COMPACT 5.4.2.3 aufmerksam machen. Sie bietet ebenfalls Hilfe in solchen Fragen.

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Abschaltbarkeit Betriebsmittel Ein Installateur hat den Storenmotor eines Dachfensters mit einer Abzweigdose fest angeschlossen. Nach der Kontrolle habe ich verlangt, die Abzweigdose durch eine Steckdose zu ersetzen, mit der Begründung, bei Servicearbeiten den Motor allpolig trennen/schalten zu können. Der Installateur ist nicht einverstanden und erwartet von mir einen konkreten Artikel aus den NIN. Trotz intensiver Suche bin ich in den NIN 2005 nicht fündig geworden. Existiert die Bedingung der allpoligen Abschaltbarkeit nicht mehr? (M.W. in K.)

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Kein Schutzleiteranschluss, um die Gefahr einer Einschleppung eines unzulässigen Potenzials zu vermeiden.

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Rubriken

Der von Ihnen gesuchte Artikel stand in der NIN 2000, in 4.6.3.4. Es handelte um einen CH-Artikel, und er lautete wie folgt: In folgenden Anlagen müssen sämtliche Polleiter gleichzeitig schaltbar sein. 1. Bei allen Energieverbrauchern usw.

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Diese Forderung entfällt in den NIN 2005. Betriebsmässige Schalter müssen nicht mehr unbedingt alle aktiven Leiter eines Stromkreises schalten (Ausnahmen: Widerstandheizungen, Wassererwärmer und Dampferzeuger). Das lange gepflegte Verständnis der generellen, allpoligen Schaltbarkeit ist nach NIN 2005 nicht mehr in gleichem Umfang zwingend. Das ist die aktuelle Situation. Mir scheint dazu ein weiterer Aspekt beachtenswert. Wird der Motor mittels Klemmdose angeschlossen, lässt er sich im Fehlerfall oder bei allfälligem Service nur mit Werkzeugen vom Netz trennen. Vielleicht muss das gesamte Stockwerk spannungslos geschaltet werden. Häufig ist nicht einmal genau bekannt, an welcher Sicherungsgruppe die Storenmotoren angeschlossen sind. Aus diesen Überlegungen wird jeder seriösen Elektrofachkraft deutlich, wie sinnvoll eine Steckdose (gilt ebenfalls als Schalter) oder ein allpoliger Schalter, wie Sie ihn verlangt haben, in solchen Situationen ist. Die NIN drücken sich in Kapitel 1 unter den Grundsätzen ähnlich aus. In Artikel 1.3.2.10 wird vermerkt: .1 Geräte zum Ausschalten müssen so vorgesehen werden, dass sich elektrische Anlagen, Stromkreise oder einzelne Teile von Geräten so abschalten lassen, wie es für Instandhaltung, Prüfung oder die Fehlersuche erforderlich ist. Trotzdem der Artikel 4.6.3.4 nicht mehr enthalten ist, liegt meines Erachtens Ihre Version der korrekten In-

terpretation des Gedankens der NIN näher. IP-Schutz Spiegelschrank Ich habe in einem NIN-Kurs gelernt, dass ein Spiegelschrank im Bereich 2 der IP-Schutzart X4 zu entsprechen hat. Vor kurzem habe ich einen Spiegelschrank angeschlossen. Er trug die Aufschrift IP24. Bis heute hatte ich das noch nie gesehen. Nach einem Blick in die NIN 2005 und dort in der Tabelle 5.1.1.1.1.4 bemerkte ich, dass es den IP-Schutz 24 gar nicht gibt. Wie verhält es sich genau? (R.H. in B.)

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Es ist richtig, dass die NIN in 7.01.5.5 seit Juli 2005 in Bade- und Duscheräumen im Bereich 2 einen IPSchutz X4 vorschreiben. Sie haben diesen IP-Schutz in der Tabelle 5.1.1.1.1.4 vergeblich gesucht. Offenbar haben Sie den Titel «Beispiele für IP-Bezeichnungen» nicht genau gelesen. Daraus geht hervor, dass auch andere Bezeichnungen, wie eben IP 24 möglich sind. Ein Fabrikant darf sein Produkt nicht mit einem IP-Schutz bezeichnen, den dieses nicht erfüllt. Sie können deshalb davon ausgehen, dass der von Ihnen erwähnte Spiegelschrank die gestellten Bedingungen für den Fremdkörper- und Wasserschutz erfüllt. FI-Schutz BaderaumBereich 2 In den NIN 2005 wird verlangt, dass sämtliche Verbraucher/Leitungen im Bade- und Duschebereich über einen Fehlerstromschutz mit I⌬N ⱕ30 mA verfügen müssen. Wie sieht es

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A6 Korrekte Beschriftung von Sicherungselementen

NH 00 80 A, träg/flink

Übersichtliche Angaben zum korrekten Ersatz von NH-00Einsätzen.

Hier sind keine Angaben zum Nennstrom notwendig, die Passschrauben verhindern den Einsatz einer Sicherungspatrone mit zulässigem Nennstrom.

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mit Wassererwärmern aus, die im Badezimmer im Bereich 2 installiert sind, müssen sie ebenfalls über einen FISchutz verfügen? (R.M. in K.) Nach 7.01.4.7.2 scheint mir ein Fehlerstromschutz ganz klar für alle Stromkreise gegeben. Die NIN 2005 sprechen nicht von einer Ausnahme für Wassererwärmer. Erfahrene Elektrofachleute vermuten gewisse Schwierigkeiten bei Wassererwärmern mit Panzerheizkörper. Diese haben eine negative Eigenschaft. Nach längerem Gebrauch nehmen sie etwas Feuchtigkeit auf. Bei regelmässiger Aufheizung verdampft diese immer wieder und der Ableitstrom bleibt gering, der Fehlerstromschutzschalter löst nicht aus. Bei längeren Ausschaltphasen (Ferienabwesenheiten) wird mehr Feuchtigkeit gespeichert. Das könnte zu unerwünschten Auslösungen führen. Weil in modernen Bauten Wassererwärmer kaum mehr im Bade- und Duschebereichen platziert sind, ist die Gefahr gering. Kennwerte Leistungsschalter Wir treffen bei Kontrollen von Industrieanlagen mittlere und grosse Leistungsschalter mit IN bis 1200 A an. Häufig sind keine Angaben über die notwendigen Einstellungen vorhanden. In der Regel sind es drei Grössen, die durch die Elektrofachkraft eingestellt werden müssen. Ist es richtig, wenn wir im Mängelbericht verlangen, dass die wichtigen Angaben in unmittelbarer Nähe des Leistungsschalter gut sichtbar anzubringen sind? (C.M. in F.)

6

Für NHS-Schutzorgane ist das Anbringen der Charakteristik und des richtigen Nennstromes absolut zwingend, weil z. B. in der Grösse 00 Schmelzeinsätze zwischen 2 und 160 A eingeschoben werden können. Siehe Skizze A6. Bei Leistungsschaltern hingegen verlangen die NIN nur für steckbare oder ausziehbare Modelle die gut sichtbare Aufschrift. Sie gehen offenbar davon aus, dass bei fest montierten Schaltern eine Verstellung des Ansprechstromes usw. nur durch Werkzeuge möglich, und somit die verlangte Sicherheit gegeben ist. Ihre Forderung ist sinnvoll, die notwendigen Angaben müssen aber nicht unbedingt auf der Schaltgerätekombina-


F7

Unzulässige Aufteilung von System TN-C in TN-S TN-S

TN-C

5x

TN-S

4x

N PE

Ermittlung des Gleichzeitigkeitsfaktors Unsere Industrieanlage muss nach einem unschönen Unwetter neu installiert werden. Die aktuelle Belastung wurde nicht festgehalten. Mir stehen alle Daten der neuen Geräte und Motoren zur Verfügung. Ich bin mir aber nicht sicher, welche Gleichzeitigkeit zu wählen ist, um die effektive Belastung zu berechnen. Wie soll ich vorgehen? (M.R. in H.)

8

5x

N PE

PEN

tem TN-C nicht mehr eingesetzt werden soll.

PEN L1, L2, L3

A7

Korrekte Aufteilung von System TN-C in TN-S TN-S

TN-C

4x

TN-S

5x

5x

N PE

N PE

PEN

N PEN L1, L2, L3 Die Trennvorrichtung lässt sich mit einem Werkzeug trennen.

tion stehen, sie können auch in den technischen Unterlagen aufgeführt sein. NIN 4.3.2.1.5 Korrekte Aufteilung TN-C in TN-S In einer neuen Hauptverteilung treffe ich eine Situation gemäss Bild F7 an. Mir wurde eine solche Anordnung schon einmal bemängelt (TN-C und TNS im selben Feld). Was sagen die NIN 2005 dazu? (H.D. in O.)

7

Eine Aufteilung der Schutzsysteme TN-C in TN-S muss verschiedene Bedingungen erfüllen. • Die Auflösung hat an einer Stelle der Schaltgerätekombination zu erfolgen.

• Sie darf mit Neutralleitertrennern oder Einpressmuttern gemacht werden. • Abgänge mit beiden Systemen sollen gut erkennbar sein, am besten in getrennten Feldern der Schaltgerätekombination. • Neutralleiter und Schutzleiter sind nach der Auftrennung getrennt zu führen. Nach der Auflösung vom 4-adrigen System zum 5-adrigen dürfen Schutzleiter und Neutralleiter keine weitere Verbindung mehr aufweisen. In Ihrem Bild F7 sind mehrere Auflösungen vorhanden, das ist unzulässig. Sie sehen in Bild A7 die korrekte Auflösung. Bitte beachten Sie, dass in modernen Anlagen auf Grund verschiedener Nachteile das SchutzsysSeite 18 von 276

Am einfachsten hätte sich die maximale Belastung vor dem Unwetter ermitteln lassen! Der Gleichzeitigkeitsfaktor von Industrieanlagen lässt sich nicht aus dem Ärmel schütteln. Es sind umfangreiche Abklärungen notwendig, um gesicherte Angaben zu erhalten. Wenn im Betrieb ein Spitzenlastzähler vorhanden ist, wären dessen Daten massgebend. Die Nenndaten der verschiedenen Geräte und Motoren sind eine Sache, zusätzlich sind folgende Grössen wichtig: • pro Gerät/Motor die durchschnittliche Leistungsaufnahme/Belastungsstrom. • Der cos ␸ grosser Motoren unter der gegebenen Belastung. • Die Anlaufströme • Die Dauer der Belastungsphasen. • Die zeitliche Überlappung der Verbraucher. Ohne diese Aussagen sind Angaben über den Gleichzeitigkeitsfaktor eine Lotterie. Erfahrungswerte von ähnlichen Anlagen könnten ebenfalls weiterhelfen. Zoneneinteilung Futtermühle Wir haben den Auftrag Installationen in einer Futtermühle durchzuführen, laut Anlagebesitzer hat die Gebäudeversicherung des Kantons Luzern alle Räume als Zone 22 festgesetzt, ausgenommen Treppen, Silos und WC’s. Mir ist nicht klar, was das bedeutet. (M.R.in H.) Grundsätzlich sollten Sie sich zuerst direkt bei der GVB, Luzern, über die Festsetzung der Zonen orientieren. Mir scheint eine generelle Festlegung auf Zone 22 für praktisch die ganze Futtermühle eher unwahrscheinlich. Deshalb würde ich nicht auf die Angaben des Anlagebesitzers abstellen.

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A10a Trennbarkeit und Abschliessbarkeit bei Baustromverteilern

Anschlussschränke 230/400 V dazu gehören: Hauptverteilschrank IN ⱕ630 A Verteilschrank 125 A < IN ⱕ630 A Endverteilschrank IN ⱕ125 A

Trennbarkeit und gesicherte AUS-Stellung notwendig!

Die EN 60 439-4 unterscheiden verschiedene Baustromschränke und -verteiler, dazu Steckdosenverteiler. Siehe die Aufstellung A10a. Die Trennbarkeit der Einspeisung ist für beide Arten eine zwingende Forderung. Baustrom-Verteilschränke dürfen zusätzlich nicht unbeaufsichtigt in Betrieb gesetzt werden können. Sie müssen deshalb eine gesicherte AUS-Stellung aufweisen. Die NIN sprechen

Realisierung der gesicherten AUS-Stellung bei Baustromverteilern

Mobiler Steckdosenverteiler

Variante 1 Abschliessbarer Anlageschalter

Fotos: Gilas-Electric

Variante 2 Abschliessbare Türe zum Schrank

Einspeisung trennbar ohne gesicherte AUS-Stellung Variante 3 Abschliessbare Steckdose

Für den Bereich 22 sind für alle Betriebsmittel wie zum Beispiel Schalter, Steckdosen, Beleuchtungskörper, MSRE-Equipment als minimale Voraussetzung die Gerätekategorie Ex 3D erforderlich. Dabei gilt es aber zu beachten, dass auch die Ex-Zonen im Innern der Anlage, z. B. Silo oder Getreidemühle, anhand einer Gefahrenund Risikoanalyse bewertet und ggf. entsprechende Zonen festgelegt werden. Diese können die Zonen 20, 21 oder 22 enthalten. Dies ist bei der Beschaffung der Geräte in jedem Fall zu berücksichtigen. Verantwortlich für die Zoneneinteilung ist der Betreiber. Dieser kann aber Expertenwissen extern beschaffen, wie z. B. die Suva. Zudem muss der Betreiber ein Explosionsschutzdokument erstellen, in welchem alle Massnahmen für den sicheren Betrieb der Anlage, also z. B. Zoneneinteilung, max. zulässige Oberflächentemperaturen, verweisen auf Ex-Zonenpläne oder Listen/Tabellen. Ohne diese grundlegenden Informationen kann ein Installateur weder planen noch installieren.

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Bilder 10a und 10 b

IN > 16 A Die AUS-Stellung muss gesichert werden! Es stehen dazu verschiedene Möglichkeiten offen.

A10b

NIN, 7.04.5.3.7, Compact Seite 22

Die Fehlerstromschutzschaltung ist als zusätzliche Schutzmassnahme generell anzuwenden. Für Rohre und Kabel gelten die normalen Bedingungen für Installationen entsprechend der Staubbelastung (Antwort koordiniert mit Herrn François Schlessinger, Mitglied TK 31). Abschliessbarkeit von Baustromverteilern Wir liefern Baustromverteiler mit ungemessenen Eingangsklemmen, Anschlussüberstromunterbrecher für DIN 00 Schmelzeinsätze und Zählerplatz mit gemessenen Abgangsklemmen an Netzbetreiber. Wie steht es mit der Abschliessbarkeit der Trennvorrichtung in diesen Verteiler, bis heute ist das DIN 00 Element nicht abschliessbar? (siehe auch Antwort in ET Nr.11/5). (A.A. in R.)

10

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nicht nur von einer Variante. Die gesicherte AUS-Stelllung kann durch eine der folgenden Möglichkeiten erreicht werden: • abschliessbare Türen am Verteilschrank (mit Schlüssel, Steckschlüssel usw.). • ein abschliessbarer Anlageschalter/Trenner in der Einspeisung (meist mit Vorhängeschloss) • abschliessbare Steckvorrichtungen in der Einspeisung (mit Vorhängeschloss), siehe dazu Skizze A10b. Eine gesicherte AUS-Stellung ist für Steckdosenverteiler nicht vorgeschrieben (NIN 7.04.5.3.7). ET 09

Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Es scheint, wie wenn die Fragen aus dem Bereich Bade- und Duscheräume noch nicht vollständig geklärt seien, wurden doch verschiedene in dieser Ausgabe neu gestellt. Dazu stossen jedoch ganz gemischte Probleme aus den NIN 2005. Wir sind überzeugt, dass es für alle Elektrofachkräfte etwas Spannendes zum Mitdenken und Mitlösen gibt.

Ernst Feldmann

Farbkennzeichnung von Ein- und Aus-Bedienteilen Ich habe mich gefragt, warum bei Motorschutzschaltern der Ein-Betätigungsknopf grün, der Aus-Knopf rot bezeichnet wird. Bei Fehlerstromschutzeinrichtungen z.B. ist die Signalisation umgekehrt. Grün erscheint im Bezeichnungsfenster im ausgeschalteten, Rot im eingeschalteten Zustand. War das früher nicht genau umgekehrt? Gibt es dazu eine Norm? (H.A. in E.)

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Meines Erachtens sind in Ihrer Frage zwei Elemente verknüpft. Für die Betätigungsknöpfe bei Motorschutzschaltern stehen nach EN 60 204-1,

Art. 10.2.1 folgende Farben zur Verfügung. Für Start/Ein-Bedienteile Grün, Weiss, Grau oder Schwarz, unzulässig ist Rot. Für Stopp/Aus-Funktionen wird Rot, Grau, Weiss oder Schwarz empfohlen, während Grün hier nicht verwendet werden darf. Bei Fehlerstromschutzeinrichtungen, bei Leitungsschutzschaltern verhält es sich anders. Die Farbe «Rot» bedeutet, es besteht ein Zustand, der Gefahr bringen kann, während die grüne Farbe den unkritischen Zustand signalisiert (siehe 60 204-1, Art. 10.3). Beschriftung von Schaltgerätekombinationen Wäre es bei Schaltgerätekombinationen, die nur für instruierte Personen zugänglich sein dürfen, nicht sinnvoll,

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wenn die Aufschrift lauten würde: «Bedienung nur durch instruierte Personen?» Ich stosse bei der Kontrolle von Schaltgerätekombinationen öfters auf Datenschilder, die falsche bzw. gefährliche Angaben enthalten, wie z.B. ein Bezeichnungsschild mit Markierung unter Berührungsschutz sowohl «für instruierte Personen» wie auch «für nicht instruierte Personen». In Schaltgerätekombinationen, in denen unkontrolliertes Ausschalten schlimme Folgen haben könnte, scheint mir die Aufschrift: «für nicht instruierte Personen» zu wenig aussagekräftig. (H.G. in K.) Ihre vorgeschlagene Aufschrift ist deutlich und lässt tatsächlich weniger Zweifel offen. Warum nicht diesen Vorschlag in die Tat umsetzen. In einem technischen Beruf sollte so viel technisches Verständnis vorhanden sein, um die von Ihnen erwähnten Fehler zu vermeiden. Mit Sicherheit ist die von den Normen verlangte Abschliessvorrichtung der Türe eine wesentlich konkretere Massnahme, um unberechtigte Personen vor unbedachtem Hantieren abzuhalten.

A4 Zulässige Anschlussvariante

Steckdose Keller Licht Keller

Steckdose Aussen

Endverbraucher

Education

Richtige Anschlussvariante

16 A Licht Keller

1 0

Beispiel ohne Abgangsklemmen

6000 3

16 A

16 A

1

1 0 6000 3

Zulässige Variante für PE-Leiter ReservePE-Klemmen

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PE-Zuleitung

Elektrotechnik 4/06 | 89

Rubriken

0 6000 3

Nur Pe-Leiter gezeichnet


Spezialanschluss von Geschirrspülern In einer älteren Wohnungsüberbauung werden zusätzlich Geschirrwaschautomaten installiert. Um den Aufwand möglichst gering zu halten, wählt der Installateur eine speziell günstige Lösung. Direkt am Klemmenbrett des Einbau-Backofens wird eine Kupplung T23 mit einem 30cm langen Kabelstück «Purgi» 3 ⫻ 1,5 mm2 sauber mit AMP-Kabelschuhen angeschlossen und zugentlastet. Meiner Meinung nach ist eine solche Installation nicht sauber. Was sagen die NIN dazu? (T.M. in G.)

3

Darf im Bereich Bad/WC ein Zwischenverteiler montiert werden?

A5

Hoeschkabine Bereich 0/1

Zwischenverteiler

Bereich 2

Radiator

Um die Zulässigkeit einer Installation zu beurteilen, gilt es, sich immer wieder die wichtigste Frage aus den Normen 1.3.1.2 und 1.3.1.3 zu stellen. Sie lautet: • Können durch diese elektrische Installation Gefahren für Personen, Nutztiere und Sachwerte entstehen?

Bestehen auch nur geringe Zweifel bzw. Möglichkeiten von Gefahren, gilt sie als unzulässig. Im vorliegenden Fall hat der Installateur eine äusserst ungewöhnliche Art des Anschlusses für die GWA gewählt. Gefahren im erwähnten Sinn bestehen meines Erachten jedoch nicht. Ein direkter, fester Anschluss auf den Klemmen das Backofens ist zulässig, lassen doch die NIN in 5.2.6.2.1 Compact, Verbindungsstellen auf Energieverbrauchern zu. Im Servicefall wird jedoch der Aufwand wesentlich höher. Sinnvoll wäre demzufolge die Zuleitung des Backofens auf eine fest montierte Abzeigdose zu führen und die beiden Geräte mit je einem separaten Kabel anzuschliessen. Die geringen Mehrkosten, wenn überhaupt, würden durch den grossen Vorteil des getrennten Anschlusses mehr als nur wettgemacht. Schade, solche Überlegungen sind heute eher rar geworden. Anschluss von abgehenden Leitungen von Schaltgerätekombinationen Meine Frage betrifft verschiedene Situationen mit Abgangsleitungen an Klemmen und Überstromunterbrecher/NTrenner in Schaltgerätekombinationen. Sind Doppelanschlüsse an Abgangsklemmen nicht mehr zulässig? (B.Z. in S.)

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Bereich 1 Bereich 2 Bereich 2 Bad/WC

Bereich 0/1

Der Anschluss von aussen eingeführten Leitern in Schaltgerätekombinationen gibt seit der Herausgabe der NIN 2005 immer wieder zu Fragen Anlass. Die am häufigsten angesprochenen Punkte stammen aus den Art. 5.3.9.7.1.3.5 + 6. und 5.3.9.7.4.3.6. Der leicht gekürzte Normentext lautet: • 5.3.9.7.1.3.5 Es müssen Klemmen vorgesehen werden, sodass pro Endstromkreis die Neutralleiter einzeln angeschlossen werden können... Der Anschluss von mehr als einem Leiter pro Klemme ist nur dann zulässig, wenn die Klemmen für diesen Zweck ausgelegt sind. [NIN 2005, Fig. 3.2.4.1.2.6 (B+E)] . . . Es müssen Klemmen vorgesehen werden, sodass pro Endstromkreis die Schutzleiter einzeln angeschlossen werden können. Diese Klemmen müssen so angeordnet oder gekennzeichnet werden, dass ihre Zuordnung zu den Stromkreisen eindeutig erkennbar ist. Im ersten Moment scheint es, wie wenn keine Doppelanschlüsse mehr zulässig wären. Die Normenschreiber sprechen jedoch von Endstromkreisen und lassen damit die Anschlussvarianten gemäss Bild A4 zu. Bitte beachten Sie, dass es eine richtige, normenkonforme Lösung gibt, bevor Sie Seite 21 von 276

sich mit den zulässigen Varianten abgeben. Sollen die zulässigen Varianten angewandt werden, sind folgende Bedingungen einzuhalten: • Mehrfachverbindungen auf Abgangsklemmen dürfen nur im selben Endstromkreis gemacht werden. • Die Klemmen müssen für das Verbinden von mehr als einem Leiter geeignet und geprüft sein. • Es dürfen maximal 2 Leiter auf einer Abgangsklemme geklemmt werden. • Die Zugehörigkeit der Klemmen zum entsprechenden Stromkreis muss durch Anordnung oder Kennzeichnung eindeutig erkennbar sein. Kleinverteiler in Badeund Duscheräumen In einer grösseren Überbauung will der Architekt unbedingt die Zwischenverteiler im Bade-/Duscheraum an der eingezeichneten Stelle platzieren. Wir sind nicht sicher, ob diese Anordnung nach den NIN 2005 zulässig ist bzw. was wir allenfalls beachten müssen? (R.G. in W.) Um die Frage besser klären zu können, habe ich in Bild A5 die Situation

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gemäss Ihrem Grundrissplan nachgezeichnet. Dazu die folgenden Gedanken: • Der Zwischenverteiler tangiert keinen dieser Bereiche. • Der ZV ist im Bereich Bad-/Dusche platziert. Deshalb sind die folgenden Punkte zu beachten: a) alle Leitungen für den Bad/Duschebereich müssen zwingend durch Fehlerstromschutzschalter mit IN ⱕ30 mA geschützt werden. b) Falls es weitere Leitungen zum Verteiler gibt, die nicht tiefer als 6 cm verlegt sind, müssen sie ebenfalls durch Fehlerstromschutzschalter mit IN ⱕ30 mA geschützt sein. c) Zudem müssen alle Leitungen, die nicht tiefer als 6 cm verlegt sind, einen mindestens speiseseitig angeschlossenen PE-Leiter mitführen. d) Auf normenkonforme Leitungsführung ist zu achten, d. h. die Leitungen sind in den vorgesehenen Korridoren vorwiegend senkrecht zu den Betriebsmitteln und Apparaten zu verlegen. [NIN Compact 5.2.2.8.1a] e) Sind Leitungen, in den Bad-/Dusche-Mauern ausserhalb des Badezimmers verlegt, müssen sie vom Badezimmerbereich aus gesehen tiefer als 6 cm unter Putz montiert sein, sonst gelten die Punkte b und c gleichfalls. Das gilt auf Ihrem Plan für die Anschlüsse im Küchenbereich rechts unten. Grundsätzlich scheint mir die von Ihnen gewählte Platzierung zulässig. Sie sehen jedoch an meiner Wortwahl, dass ein weniger kritischer Standort dem Sicherheitsdenken der NIN näher liegt.

Drehfeld auf Drehstromsteckdosen Auf einem Bauernhof habe ich die unrichtige Polleiterfolge (Drehrichtung) auf einer Steckdose J25 beanstandet. Der die Mängel behebende, fachkundige Elektroinstallateur schreibt auf dem Kontrollbericht neben der Beanstandung: «Der Eigentümer weigert sich, diesen Mangel zu beheben, er braucht diese Drehrichtung für seine Maschine». Wer haftet, wenn ein Unfall passieren sollte? (S.R. in K.) Nach NIV Art. 4 ist grundsätzlich jeder Anlagebesitzer verpflichtet, seine Installationen gemäss den anerkannten Regeln der Technik zu unterhalten

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und allenfalls instand setzen zu lassen. Eine unrichtige Polleiterfolge auf Steckdosen kann Unfälle zur Folge haben. Der beste, aber vielleicht nicht der einfachste Weg scheint mir, dem Anlagebesitzer zu erklären, dass seine Maschine trotz Behebung des Mangels die gewünschte Drehrichtung behalten kann, und ihn auf die vorhandenen Gefahren und seine Verantwortung hinzuweisen. Etwas anders gelagert ist die Situation mit dem «fachkundigen» Elektroinstallateur. Leider gibt es immer noch so genannte «Fachleute», die es sich einfach machen und vielleicht beim Anlagebesitzer über die «unsinnigen Vorschriften» schimpfen, statt auf die Vorteile von normenkonformen Installationen hinzuweisen. Der NIV Artikel 9 macht klar, dass das Einhalten der Vorschriften wie z. B. nach Art. 3 eine Grundvoraussetzung für die Installationsbewilligung darstellt. Dazu gehört auch das Beheben bestehender Mängel bei seinen Kunden, kann doch seine Bewilligung auch wi-

derrufen werden, NIV Art. 19. Anlagebesitzer die personengefährdende Mängel nicht beheben lassen, werden von der Netzbetreiberin zur Durchsetzung von mängelfreien Installationen dem Inspektorat übergeben, Art. 40. Platzierung von Waschmaschine und Tumbler im Bade-/Duschebereich Ich lege Ihnen verschiedene Grundrisse mit eingezeichneten Standorten von WA/TU in Nasszellen bei. Damit ich im Gespräch mit Architekten verbindlich erklären kann, wie es sich mit der Regelung der NIN 2005 verhält, bitte ich Sie mir zu sagen, ob die vorgeschlagenen Standorte mit Anschluss der Geräte über Fehlerstromschutzschalter I⌬N ⱕ30 mA geschützte Steckdosen der Norm entspricht. (B.Z. in S.) Sie sehen in Bild A7 die eingezeichneten Bereiche 1 und 2. In Variante 1 wird der Bereich 2 durch die WA/TU an keiner Stelle berührt. Die Platzierung ist problemlos, der IP-Schutz des Gerätes spielt keine Rolle. In Variante 2 steht das Gerät praktisch voll inner-

7

A7 Richtige Platzierung von WA und TU im Bereich Bad/Dusche Bereich 1 Bereich 2 Der WA/TU berührt den Bereich 2 an keiner Stelle. Richtige Platzierung

60 cm

Bereich 2 WA

Beachten Sie auch die richtige/falsche Platzierung der Steckdosen für Waschautomaten und Tumbler!

Variante 1

Der WA/TU wird erfasst vom Bereich 2. Kritische Platzierung, wenn WA/TU nicht IP X4.

Der WA/TU wird kaum vom Bereich 2 erfasst. Zulässige Platzierung.

WA

WA

Bereich 2

Bereich 2

Variante 3 mit zusätzlicher Schutzwand

Variante 2

Gemäss Angaben der Firmen Miele und V-Zug besitzen ihre WA/TU einen IP-Schutz X4.

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Elektrotechnik 4/06 | 91


A9 Überprüfung des Leitungsschutzes nach Schleifenimpedanzmessung bei ungenügendem Personenschutz

Speisender Transformator

LS 13 A «C»

(systematisch)

RCD I⌬N ⱕ30 mA Zur besseren Übersicht nur Endstromkreis gezeichnet

Im vorliegenden Beispiel ist ein LS 13 A «C» eingebaut. Die NIN gehen in der Berechnung des Leitungsschutzes wie folgt vor: 1. Berechnen der maximal zulässigen Zeit bis zur Abschaltung für den verlegten 1,5 mm2 bei einem Ik von 125 A.

Zuleitung 3⫻1,5 mm2

mit eingesetzten Werten

IK

halb des Bereiches 2 und muss hier die Schutzart IP X4 besitzen. Bekannte Gerätehersteller teilten mir mit, dass ihre WA + TU spritzwassersicher, also IP-X4-geschützt sind. Damit ist Variante 2 ebenfalls abgedeckt. Allerdings dürfen im Bereich 2 keine Steckdosen, sondern nur Schalter montiert werden, auch sie IP-X4-geschützt. Sollen Geräte ohne IP-Schutz X4 montiert werden, wählen Sie die Variante 3 mit der Zwischenwand. Zudem ist die gesamte Installation im Bereich Bade-/Duscheräume durch Fehlerstromschutzeinrichtungen mit I⌬N ⱕ30 mA zu schützen. Bis zu einem Abstand von 3,0 m ab Wannenrand sind Steckdosen T13 zu wählen. Anschluss von Handtuchradiatoren im Bade-/Duschebereich Muss eine UP-Anschlussdose für einen Handtuchradiator im Bereich 2 wirklich NUP-ausgeführt sein? (z.B. Radiator direkt neben Dusche- oder Badewanne). Muss ein Lichtschalter im Bereich 1 über der Dusche- oder Badewanne auch IP X4 sein? (B.Z. in S.)

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Ja, sie muss. Im Bereich 2 sind Anschluss-Verbindungsdosen und Schalter nur in der IP-Schutzart X4 zulässig. Ein Lichtschalter im Bereich 1 ist unzulässig. Siehe Übersichtstabelle der NIN Compact 7.01, Seite 9, oder NIN 2005, 7.01 5.5. Maximal zulässige Abschaltzeit für Leitungen Der Kurzschlussstrom der Zuleitung zu einer Steckdose T 13 ergab zwischen L und PE mit einem Schleifen-

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2. Mit diesem Wert kann in den Ansprechkurven des LS kontrolliert werden, wie rasch die Abschaltung erfolgt und ob der 1,5-mm2-Leiter geschützt ist. Im vorliegenden Beispiel beträgt die Abschaltzeit ⱕ3 s, die berechnete, maximal zulässige Abschaltzeit 3,4 s. Demzufolge ist der Schutz der 1,5mm2-Leiter auch im Kurzschlussfall knapp erfüllt. Nach den NIN, Artikel 4.3.4.3.2.1, soll im Kurzschlussfall aus Sicherheitsgründen mindestens der obere Ansprechstrom des elektromagnetischen Auslösers fliessen. Das ist hier nicht der Fall. Man kann jedoch auf Grund der Tabelle 6.1.3.6 NIN Compact für die Abschaltzeit von 5 s davon ausgehen, dass die Leiter bei Abschaltzeiten <5 sec keinen Schaden nehmen.

widerstandmessgerät gemessen 125 A. Der Personenschutz ist nicht gewährleistet, weil die für Steckdosen zulässige Abschaltzeit von 0,4 s überschritten wird. Wir haben den Einbau eines Fehlerstromschutzschalters veranlasst. Betriebsintern sind wir uns jedoch nicht einig, ob der verlegte Querschnitt mit 3 ⫻ 1,5 mm2 durch den vorgeschalteten Leitungsschutzschalter 13 A «C» trotzdem noch genügend gegen Kurzschluss geschützt wird. Gibt es dazu in den Normen konkrete Angaben? (R.L. in F.) Mit dem vorliegenden Kurzschlussstrom von 125 A ist der Personenschutz auf der Steckdose knapp nicht erfüllt. Beachten Sie dazu Bild A9. Das wird behoben durch den Einbau Ansprechkurve für Hager-Leitungsschutzschalter Typ «C» eines Fehlerstromschutzschalters. Zum Schutz der Leitung finden Sie in NIN 4.3.4.3 ausgezeichnete Erklärungen mit zugehörigen Berechnungsbeispielen. Dabei fällt auf, dass die AbschaltBerechnungsgrundzeit lagen gemäss Anmerkung in den NIN offenbar nur für Querschnitte >10 mm2 voll zutreffen. Die NIN sprechen in B+E 4.3.4.3.2.1 von zwei Schutzorganen, den Schmelzeinsätzen IK = 125 A ⫻ 0,75 = 93 A/13 = 7,2 ⫻ IN des LS und den Leitungsschutzschaltern. Seite 23 von 276

A9


Probleme mit Fehlerstromschutz von 32-A-Steckdosen auf Baustromverteilern Was muss oder kann mit bestehenden, mobilen Baustromverteilern gemacht werden, bei denen die Steckdose CEE 32 A nicht durch Fehlerstromschalter geschützt ist, weil sie als Schlaufverbindung benützt wird. Dieses System ist sehr verbreitet. Wir haben über Jahre viele Verteiler dieser Art gebaut, inklusive der Verlängerungen. Alle weiteren Abgänge weisen den verlangten Fehlerstromschutz auf. Die Forderung der NIN nach Fehlerstromschutzschaltern mit I⌬N ⱕ30 mA für alle Steckdosen ⱕ32 A auf Baustellen ist sehr sinnvoll. Trotzdem stellt die von Ihnen geschilderte Situationen ein Problem dar, für das die NIN im Moment keine Hilfe bieten. Es könnte nämlich durch ungewolltes, nicht selektives Auslösen der Serie geschalteten Fehlerstromschutzeinrichtungen z. B. in Ausstellungen Panik entstehen oder auf Baustellen schwere Unfälle passieren. [NIN 4.7.2.2.3] Lösungsvarianten dürfen auf keinen Fall die nach NIN 2005 verlangte Sicherheit beeinträchtigen. Vorstellbar wäre demzufolge z. B.: • Einen abschliessbaren Anlageschalter in die Zuleitung zur CEE-32-ASteckdose zu montieren. • Die CEE-32-A-Steckdose selber abschliessbar zu machen. • Einen speziellen Typ CEE-32-ASteckdose zu wählen, z. B. 5-polig, aber 11 h. Damit würde der Bedienerkreis eingeschränkt und ein unzulässiger Einsatz weit gehend verhindert. Würden die CEE-32-A-Steckdosen ausschliesslich zur Anspeisung weiterer Verteiler benützt, bestünde der verlangte Fehlerstrom-Schutz für alle Endverbraucher gemäss Norm. Betrachten Sie diese Gedanken nicht als verbindlich, sondern als Anregungen. Das Problem scheint mir im Augenblick nicht gelöst und sollte daher durch das Eidg. Starkstrominspektorat oder das TK 64 rasch bearbeitet werden.

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ET 09

Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch Seite 24 von 276


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Für den Redaktor der Leserfragen ist es immer wieder richtig spannend, den Briefkasten zu leeren. Unerwartete, aber sinnvolle Fragen finden sich darin. Die Klärung benötigt etwas Aufwand, ist aber sehr interessant und anregend. Erfreulich sind jeweils Rückmeldungen von Lesern mit bemerkenswerten Beiträgen zu unseren Antworten. Lesen Sie dazu die wichtige Ergänzung in Punkt 3 von Herrn Ernst Jäggi über sein Spezialgebiet. Ein solcher Austausch ist sehr erfreulich. Die heutige Fragenserie bringt erneut einen Strauss der unterschiedlichsten Probleme. Steigen Sie ein, mit Sicherheit finden Sie Themen, die auch Sie interessieren!

Ernst Feldmann

Farbzuordnung auf Installationsplänen Ich wurde gefragt, in welcher Norm die Farben für Lichtinstallationen blau, Kraftinstallationen rot (oder gelb) Telefon grün, TV violett, für Installationspläne festgelegt sind. Trotz intensiven Suchens in verschiedenen Schulbüchern fand ich keine Antwort. Können Sie mir weiterhelfen? Gibt es eine entsprechende Norm? (A.R. in L.)

1

Arbeiten in explosionsgefährlichen Bereichen Aus der Fragestellung von M. R. in W. in Frage 3/9 schliesse ich, dass diese Elektroinstallationsfirma erstmals mit dem Ex-Schutz konfrontiert worden ist. Wenn eine Installationsfirma noch keine Erfahrung mit Ex-Installationen hat, sollte sie sich von einer kompetenten Fachperson beraten lassen. Es genügt nicht, Ex-konforme Materialien einzukaufen und dann «loszulassen». Bei der Installation im Ex-Bereich müssen spezifische Punkte berücksichtigt werden, wie z.B. Abstände zu benachbarten elektrischen Kabeln, geeignete Kabelkanäle, Materialien, welche sich nicht statisch aufladen können, Durchleitung von Kabeln usw. Der Installateur ist verantwortlich, dass die von ihm anzuschliessenden Apparate (Motoren, Fühler, Initiatoren usw.) den Zonenvorschriften entsprechen, bzw. ATEX-konform sind und für die jeweilige Ex-Zone (Gas- oder Staub-Ex-Zone) zertifiziert sind. Zumindest bei erstmaligen Ex-Installation sollte sich deshalb der «weise» Elektriker von einem erfahrenen Ex-Kenner beraten und begleiten lassen. (E.J. in W.)

3

Besten Dank für Ihre Stellungnahme zu unserer Antwort 3/9. Die NIN 2005 bieten in 7.61 für Installationen in ex-

Ausschnitt aus einem aktuellen Installationsplan

F1

Farblegende: Blau = Licht Rot = Kraft Violett = TV Braun = Sonnerie Grün = Telefon und Erdleitung

Bemessungsspannung für Bodenheizungen Welche maximale Nennspannung ist gemäss NIN für Wärmekabel in Gebäudeteilen, z.B. Bodendirektheizungen zulässig? (R.H. in S.)

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Elektrotechnik 5/06 | 83

Education

Leider blieben auch meine Nachforschungen, Anhaltspunkte für eine bestehende Normung der Farben auf Elektroinstallationsplänen zu finden ohne Erfolg. Ich habe den Eindruck, dass die von Ihnen erwähnten Farben sich im Laufe der Zeit, vielleicht durch diesbezügliche Anordnungen an der Elektromeisterprüfung eingebürgert haben. Sehen Sie dazu einen Planausschnitt in Bild A1. Mir sind aber auch Elektroingenieurbüros bekannt, die andere Farben wählen. Vielleicht bringt die geplante Herausgabe der Sammlung von Elektrosymbolen durch electrosuisse eine Klärung in dieser Frage.

In den NIN habe ich in Art. 7.53.5.1 .1 den folgenden Hinweis gefunden: Heizleitungen müssen entweder den Anforderungen der IEC 60800 «Heating cables with a rated voltage of 300/500 V for comfort heating an prevention of ice formation» ... entsprechen. Auf Grund dieser Angabe kann man von diesem Spannungsbereich ausgehen. Die Firma Systec Therm AG, St. Gallen, ein Spezialbetrieb auf diesem Gebiet, hat mir mitgeteilt, dass ihre Heizkabel für Dachrinnen-Rohrbegleitheizungen und Bodenheizsysteme im Innenbereich für eine maximale Bemessungsspannung von 230 V ausgelegt sind. Höhere Spannungen verwenden sie ausschliesslich für Bodenheizsysteme im Aussenbereich. Die Bemessungsspannung liegt bei diesen Produkten bei maximal 400 V.

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plosionsgefährlichen Bereichen nur grundsätzliche Hilfe. Deshalb haben wir Ihre Anregungen leicht gekürzt übernommen. Sie können für Elektrofachleute mit ähnlichen Problemen sehr hilfreich sein.

Normengemässe Überprüfung des Schutzleiters in Installationen

zu kontrollierender PE-Leiter

CD mit Skizzen aus NIN-Know-how Ich habe im Kollegenkreis gehört, dass die Zeichnungen aus dem Buch NIN-Know-how eventuell auf CD herauskommen werden. Für uns Lehrer in der beruflichen Weiterbildung wären das sensationelle Unterrichtsvorlagen. Können Sie mir bitte sagen, wie der Stand dort ist? (R.E. in St.G.)

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Im Moment ist die CD noch nicht verfügbar. Es wird daran gearbeitet. Sie wird voraussichtlich Ende Mai erhältlich sein. Es ist erfreulich, wenn die rund 300 Zeichnungen und Skizzen in der Aus- und Weiterbildung eine Hilfe sein können. Sie lassen sich einzeln im PDF-Format direkt am Bildschirm zeigen oder in eine eigene Präsentation übertragen. Anfragen bitten an: ernstfeldmann@bluewin.ch. IP-Schutzgrad von Aussenleuchten Beim Installieren einer Tankstellenbeleuchtung ist mir auf den angelieferten Leuchten die Kennzeichnung IP 30 aufgefallen. Sie werden im überdachten Aussenbereich installiert. Der Lieferant erklärte mir, die Leuchten seien für eine Aussenmontage geeignet und entsprächen der Norm. (Anschlussdose IP30, Leuchtengehäuse mit Glas IP40). Die Leuchten sind wohl nicht der Witterung ausgesetzt, aber im Aussenbereich herrschen Umgebungsbedingungen mit Feuchtigkeit, Wärme, Kälte usw. Sollten diese Leuchten nicht einen höheren Schutzgrad aufweisen? (D.M. in A.)

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Meine Suche in Dokumentationen einschlägiger Leuchtenlieferanten ergab für Aussenleuchten überall einen höheren IP-Schutzgrad. Allerdings dürfen diese Leuchten Regen und Wind ausgesetzt sein. Das trifft für Ihre Angabe nicht zu. Die fraglichen Leuchten sind im überdachten Bereich platziert, was wohl am ehesten einer offenen Halle entspricht. Aussenbereiche können nach NIN 5.1.2.2.4.2, Anmerkung 3, kaum als feuchte «Räume» taxiert werden, 84 | Elektrotechnik 5/06

Taschenlampe 0,2 A, 4,5 V

ReferenzErdpunkt

Ist der PE-Leiter richtig angeschlossen, fliesst der Messstrom über die bestehende Verbindung (nach 6.1.3.2 mindestens 0,2 A bei 4–24 V AC/DC)

A6

schlägt sich doch die Feuchtigkeit kaum als grosse, wahrnehmbare Tropfen nieder. Deshalb scheint mir der Schutzgrad IP 40 (mit Glas) gerade noch zulässig, weil kein direkter Spritz- oder Regenwassereinfluss zu erwarten ist. Wie sich der von Ihnen erwähnte Aussenbereichseinfluss jedoch auf längere Sicht gesehen auswirkt, ist fraglich. Meines Erachtens ist die Lebenserwartung der Leuchten durch den geringen Schutzgrad eher begrenzt. Somit handelt es sich bei der besprochenen Leuchtenwahl nicht um Wert- und Qualitätsarbeit, wie sie der Kunde schätzt und erwarten könnte! Varianten für die Messung des PE-Leiters Es gibt anscheinend 7 verschiedene Varianten, um den Schutzleiter zu messen, die nach EN-Norm xy zugelassen sind. Leider konnte uns das niemand bestätigen, beziehungsweise uns die richtige EN-Norm nennen. Könnten Sie uns weiterhelfen? (Elektro-H. in K.)

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Die Schutzleiterprüfung ist in den nationalen Normen genauso verankert wie in den EN, aus diesem Grund scheint mir die Angabe der nationalen Norm sinnvoll. Dabei werden grundsätzlich drei unterschiedliche Situationen unterschieden, in denen Schutzleiter gemessen werden müssen. a) Am häufigsten wird der Schutzleiter in Installationen kontrolliert bzw. gemessen. Die Anforderung an die Messung steht in NIN 6.1.3.2 und geht Seite 26 von 276

von einem minimalen Messstrom von 0,2 A bei 4–24 V AC/DC aus. Als einfache Lösung für die Messung schlagen die NIN Compact in Bild 6.1.3.2.1 eine Taschenlampe vor (siehe Bild A6a). Der PE-Leiter wird bei der Schleifenimpedanzmessung ebenfalls mitgemessen. Je nach eingesetztem Messgerät fliessen zwischen 1 bis 15 A über die Schleife L–PE. Allerdings wird der genaue Wert des Schutzleiters nicht getrennt angezeigt, sondern nur die gesamte Impedanz der Schleife. b) Die zweite Angabe für die Messung der PE-Leiter findet sich im Bereich von Schaltgerätekombinationen. Hier geht es um den Nachweis der einwandfreien Verbindung der PE-Leiter. Das Ergebnis der Messung zwischen Schutzleiter-Eingang zu abgehenden PE-Leitern darf 0,1 ⍀ nicht übersteigen, dabei soll ein Messgerät verwendet werden, das einen Strom von 10 A bei 12 V DC/AC liefern kann. NIN 5.3.9.8.1 Tabelle c) Die dritte Angabe stammt aus dem Reparaturbereich von Elektrogeräten. Die Kontrollmessung des im Gerät angeschlossenen Schutzleiters zum einspeisenden Stecker soll nicht mehr als 0,3 ⍀ ergeben. Die Messung wird mit niederohmigen Messgeräten durchgeführt. Info 3024a/2003. Fehlerstromschutz im Saunabereich Muss der Innenraum, einer Sauna, bzw. der Saunaofen selber, über Fehlerstromschutzschalter geschützt sein? Wenn ja, mit welcher Nennauslöse-

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stromstärke. Wir gehen davon aus, dass dieser Bereich wie in Badezimmern der Bereich 1 behandelt wird, in beiden Bereichen sind keine Steckdosen zulässig. (Elektro-H. in K.) Die Antwort ist in den NIN 2005 etwas verwirrlich. Im NIN Artikel 4.7.2.3.1.8 stehen die Angaben über Orte mit zwingender Anwendung der Fehlerstromschutzschaltung. Hier ist auch ein Hinweis auf das Kapitel 7.03 vorhanden. Geht man aber dorthin, so wird man nicht fündig. Weil im ganzen Saunabereich keine Steckdosen platziert werden dürfen, existieren nur festangeschlossene Betriebsmittel. Ein Unterbruch eines PE-Leiters wird somit viel unwahrscheinlicher. Die primäre Schutzmassnahme TN-S bietet einen hohen Sicherheitsgrad. Die Anwendung der Fehlerstromschutzschaltung ist im Saunabereich nicht vorgeschrieben. Leider hat sich in der tabellarischen Übersicht der NIN-Compact in 7.03 ein Fehler eingeschlichen. Dort wird erwähnt, dass alle Leitungen mit Feh-

lerstromschutzeinrichtungen mit IN ⱕ30 mA zu schützen sind. Das ist nicht richtig, die notwendige Korrektur wird in Kürze publiziert. Installationen in Duschen einer Sportanlage In einer Sportanlage werden die Duschen tagsüber von Schulen und abends wie auch am Wochenende von Vereinen benützt. In den Duscheräumen mit einer Raumhöhe von etwa 2,4 m wurden Armaturen für trockene Räume installiert. Auf meine Frage, warum keine Nassarmaturen notwendig seien, bekam ich zur Antwort, dass gemäss Norm 7.01 in Bade- und Duscheräumen über 2,25 m trockene Betriebsmittel verwendet werden dürfen. Sollte in solchen Situationen nicht die effektive Betriebssituation mit täglicher, länger dauernder Benützung und entsprechender Dampfentwicklung beurteilt werden? (W.L. in ?) Die NIN lassen kaum Zweifel aufkommen. Die für das Kapitel 7.01 massgeblichen Bedingungen gelten für

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Bade- und Duscheräume im Wohnbereich. Sie lassen sich nicht mit der von Ihnen beschriebene Situation vergleichen, die eher als «gewerbliche» Duscheräume zu bezeichnen sind. Dort liegt die relative Luftfeuchtigkeit über längere Zeit hoch, also zwischen 75 und 90%. Die Montage von Betriebsmitteln für trockene Räume entspricht meines Erachtens nicht dem Sicherheitsgedanken der NIN. Im Zweifelsfall wählt die verantwortliche Elektrofachkraft immer die Lösung mit der grösseren Sicherheitsreserve. Deshalb sollten in solchen Fällen Leuchten für feuchte, bzw. nasse Räume eingesetzt werden. NIN 5.1.2.2.4.2 Anmerkung 3 und allenfalls 4. Fehlerstromschutz bei Aussensteckdose In einem Aussenschacht haben wir eine Steckdose T13 für eine Pumpe installiert. Der Bauherr möchte die Steckdose nicht über Fehlerstromschutzschalter schützen, weil bei einer Auslösung des Schalters grosser Schaden entstehen

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Elektrotechnik 5/06 | 85


A10 Montage des richtigen Steckdosentyps im Bade- und Duschebereich NIN 7.01 T13 oder SIDOS?

230 V Seitenansicht

2,25 m

IPX4

Im Normalfall müssen hier generell Steckdosen T13 mit Schutzkragen montiert werden.

IPX4

Ausnahmsweise können auch SIDOS-Steckdosen T12 mit I⌬N 10 mA eingesetzt werden.

IPX7

60 cm

könnte, da die Pumpe eine wichtige Funktion zu erfüllen hat. Wie sollen wir vorgehen? (S.K. in W.) Die NIN kennen diese Situation. Falls durch eine Auslösung einer Fehlerstromschutzeinrichtung andere, wesentliche Gefahren entstehen, wie das z. B. bei der Beleuchtung einer Baustellenabschrankung der Fall sein kann, soll die Fehlerstromschutzschaltung nicht angewendet werden. Durch den Einsatz von anderen, geeigneten Massnahmen, wie Sonderisolation, Schutztrennung und dergleichen muss jedoch der zusätzliche

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Formal nicht als Bereich aufgeführt

2,4 m

Schutz von Personen und Sachen sichergestellt werden. Die erwähnten Schutzmassnahmen lassen sich in der geschilderten Situation kaum anwenden. Als mögliche Variante mit hohem Schutzniveau bietet sich der Einbau eines Fehlerstromrelais mit Signalisation eines Fehlers an. Weil der Anwenderkreis durch die Platzierung der Steckdose im Aussenschacht so oder so sehr eingeschränkt ist, wäre es meines Erachtens zulässig, die verlangte zusätzliche Sicherheit mit einer abschliessbaren Steckdose und der Beschriftung «Die Steckdose

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darf nur für die Pumpe benützt werden» zu erreichen. SIDOS-Steckdosen im Bad-Duschebereich In den NIN 2000 war es zulässig, anstelle einer Steckdose T13 im Bad- und Duschebereich eine SIDOSSteckdose mit I⌬N 10 mA zu montieren. Ist das nach NIN 2005 immer noch erlaubt, wenn die Steckdose ausserhalb des Bereichs 2 platziert wird oder sind nur noch Steckdosen T13 mit Schutzkragen zulässig. Wie ist diese Sache genau geregelt? (R.H. in A.)

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Die NIN 2005 lassen in 4.7.2.2.5 ausnahmsweise Steckdosen T 12 mit eingebauter Fehlerstromschutzeinrichtungen mit I⌬N 10 mA anstelle von Steckdosen mit Schutzkragen zu. Das gilt auch für den Bereich >60 cm ab Wannen- oder Duschenrand in Badeund Duscheräumen. Im Normalfall sind Steckdosen mit Schutzkragen T13 vorgeschrieben. Ausnahmsweise, wie die NIN es ausdrücken, sind SIDOSSteckdosen T12 mit einem I⌬N von 10 mA zugelassen. Schon aus preislichen Gründen wird das mit Sicherheit nicht der Normalfall werden (Bild A10). Eine SIDOS-Steckdose mit über die Fehlerstromschutzeinrichtung geführten Abgangsleitern kann auch die gesamten, weiteren Installationen im Bade- und Duschebereich schützen. ET 09

Ernst Feldmann, 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Wenn sich Elektrofachleute mit Fragen der Normen beschäftigen ist das ein gutes Zeichen. Es sind Indizien für das Bestreben, normenkonforme Installationen zu erstellen und den Sicherheitsstandard hochzuhalten. Gelegentlich tauchen Fragen aus anderen Gründen auf. Es geht weniger um die Sicherheit als mehr um noch billiger, im negativsten Sinn des Wortes, zu installieren. Die äusserste, noch zulässige Grenze wird gesucht, um mit möglichst geringem Aufwand zum Ziel zu gelangen. Gemäss Norm ist zwar manches zulässig, deswegen aber noch lange nicht wirklich fachgemäss und häufig einer seriösen Elektrofachkraft nicht würdig. Die NIN-Knowhow richten sich seit jeher an Elektrofachleute mit einem Flair für saubere, ungefährliche Installationen, über die man stolz sein kann. Sie gehören mit Sicherheit ebenfalls dazu. Lassen Sie sich überraschen von der neuen Fragenserie!

Schalten der SK immer noch unter Spannung stehen. Das können z.B. die Eingangsklemmen von Anlageschaltern sein, die sich direkt in der SK befinden. Diese bleiben nach dem Abschalten weiter spannungsführend. Hier ist ein zusätzlicher Berührungsschutz notwendig (Bild 1). Eingangsbzw. Verteilklemmen bleiben nach dem Freischalten in der Regel nicht unter Spannung. Deshalb benötigen sie keine zusätzliche Abdeckung. Bleiben sie hingegen nach Abschalten der SK spannungsführend, ist ein zusätzlicher Berührungsschutz notwendig. [NIN 5.3.9.7.4.2.2.4]

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Einsatz von CEE-Steckdose 5-polig für 2LNPE-Verbraucher Ein Kochherd soll mit einem Kabel 4 ⫻ 2,5 mm2 (2LNPE) steckbar angeschlossen und mit 16 A gesichert werden. Kann dazu eine rote CEE-Steckdose Type 75, 5-pol mit IN 16 A, zum Einsatz gelangen? Der Platz für L3 auf der Steckdose würde leer bleiben. Die Steckdose ist so für freizügige Verwendung nicht mehr zu gebrauchen. Ist das nach NIN zulässig? (R.E. in St.G.) Grundsätzlich sollen in Neuinstallationen freizügige Steckdosen korrekt angeschlossen werden, d. h. eine 5-po-

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A1 Ausschnitt einer Schaltgerätekombination mit Anlageschalter

Hier ist keine zusätzliche Abdeckung notwendig, weil die berührbaren Teile hinter der normalen Abdeckung liegen und im ausgeschalteten Zustand spannungslos sind.

1 0 Zusätzliche Abdeckung auf Eingangsklemmen in Schaltgerätekombinationen Müssen Eingangs- oder Verteilklemmen in Schaltgerätekombinationen gegen Berührung zusätzlich mit einer weiteren Abdeckung geschützt sein, wenn sie nicht durch einen Schalter spannungsfrei geschaltet werden können, der sich direkt in der SGK befindet? (A.S. in ?)

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Hier ist eine zusätzliche Berührungsschutzabdeckung notwendig, weil diese Anschlüsse im ausgeschalteten Zustand Spannung führen. Schutzgrad mindestens IP2X Rubriken

Berührbare, spannungsführende Teile in Schaltgerätekombinationen, die hinter einer Abdeckung liegen, müssen nur dann mit einem zusätzlichen Berührungsschutz ausgerüstet werden, wenn sie nach spannungsfreiem

Education

Ernst Feldmann

Hauptschalter für die ganze Schaltgerätekombination

Warnaufschrift auf der zusätzlichen Abdeckung

Seite 29 von 276

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lige Steckdose mit 5-adriger Zuleitung 3LNPE. Benötigt ein Verbraucher keinen dritten Polleiter, spielt das keine Rolle. Über die von Ihnen erwähnte Situation sprechen die NIN nicht explizit. Jede Elektrofachkraft muss überlegen, ob allenfalls eine Gefährdung für Personen oder Brandgefahr besteht. Das ist hier nicht der Fall zu sein, auch handelt es sich sicher nicht um eine freizügig montierte Steckdose. Sie ist ausschliesslich für den Kochherd bestimmt. Deshalb bin ich der Ansicht, dass dieser Anschluss bei Servicearbeiten, wenn es sich z.B. um den Ersatz einer defekten Steckdose handelt, zulässig ist [NIN 5.1.1.1.2]. Wenn jedoch bei einer Auswechslung des heutigen Kochherdes allenfalls ein fünfter Draht notwendig wird, ist eine ärgerliche Nachinstallation unvermeidlich. Besser wäre es daher, diese Installation schon jetzt «richtig» auszuführen.

1. Sichtprüfung

Im Besondern die Kontrolle der Isolierteile und Isolierungen, dazu der Gehäuse von Geräten, speziell bei Geräten der Schutzklasse II

2. Schutzleiter

Überprüfen des Schutzleiteranschlusses, Selbstlockerung, Handprobe am PE-Leiter, Messung der Niederohmigkeit <0,3 ⍀

3. Isolationswiderstand

Schutzklasse I 1 M⍀

Schutzklasse II 2 M⍀

Schutzklasse III 0,25 M⍀

4. Ableitstrom (über den PE-Leiter)

Schutzklasse I

Kochherde und Geräte <6 kW 7 mA

Kochherde und Geräte >6 kW 15 mA

3,5 mA

Tabelle zu Antwort 6a Die durchzuführenden Kontrollen/Messungen an elektrischen Gebrauchs- und Arbeitsgeräten nach Reparaturarbeiten. (Info 3024a Electrosuisse leicht geändert)

6b

CEE-Steckdose für Verbraucher 1⫻ 400 V+PE Welcher Steckdosentyp sollte verwendet werden, wenn ein Apparat 1⫻ 400 V, mit IN 16 A angeschlossen werden soll? (R.E. in St.G.)

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Die NIN schlagen bei freizügigen Verbrauchern grundsätzlich Steckdosen mit getrenntem Neutral- und Schutzleiter vor [NIN 5.1.1.1.3 B+E]. In der Praxis hat sich diese Forderung bestens bewährt. Aus Sparsamkeitsgründen soll diese sinnvolle Regelung nicht unterbleiben. Jede Elektrofachkraft weiss, wie lästig beim Geräteersatz der Nachzug des fehlenden, zusätzlichen Polleiters oder Neutralleiters ist. Für nicht freizügige Steckdosen, und um solche handelt es sich hier, steht das Modell 66 zur Verfügung. NIN-Tabelle 5.1.1.1.2 B+E. Erdverlegung von KRF-Rohren Auf einem Privatgrundstück liegt die Zuleitung zu einer Wärmepumpe nur 15 cm tief im Erdreich verlegt. Laut NIN 5.2.1.3.3 müssen Rohre im Erdreich in öffentlichem Grundstück oder gleicher Zweck 60 cm tief vergraben sein. Von Privatgrundstücken steht nichts in den NIN. Kann das Rohr so belassen werden? ( M.S. in W.)

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6a

Die NIN lassen über diese Frage keinen Zweifel. In NIN 5.2.1.3.2 steht die folgende Bedingung: • Bei der Verlegungsart nach Kennziffer 70 und 71 (Verlegung in Erdreich mit Kabelschutzrohr oder KabelSeite 30 von 276

schutzkanal) müssen die Leitungen durch geschlossene Rohre oder Kanäle so geschützt sein, dass sie leicht ausgewechselt werden können und eine Beschädigung bei Grabarbeiten und dgl. ausgeschlossen ist.


Das verlegte KRF-Rohr bietet in dieser geringen Tiefe keinen ausreichenden Grabungsschutz. Es ist gefährdet. Für eine normenkonforme Installation bestehen folgende Möglichkeiten. – Über das ungeschützte, in zu geringer Tiefe verlegte KRF-Rohr einen ausreichenden Grabungsschutz anbringen. Das könnte z. B. durch eine Metallabdeckung, Betonschutz in genügender Stärke usw. erreicht werden. – Die Leitung in geeignete Metallrohre verlegen, die gegen Grabungen einen ausreichenden Schutz bieten. – Die KRF-Rohre in genügender Tiefe eingraben, damit Grabungen bei normalen Gartenarbeiten keinen Schaden anrichten. Fehlerstromschutzeinrichtungen bieten wohl einen zusätzlichen Schutz, ersetzen jedoch den verlangten Grabungsschutz nicht. Bodenbeschaffenheit in Schaltgeräteräumen Gibt es Vorschriften oder Auflagen, in welchen beschrieben ist, wie die Bodenbeschaffenheit (leitend oder isolierend) bei Hauptverteilungsräumen, Unterverteilungsräumen und EDV-Räumen sein muss? (M.L. in A.)

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Über die Bodenbeschaffenheit von Hauptverteilungs- oder Unterverteilungsräumen äussern sich elektrische Normen nicht. Für EDV-Räume existiert eine SN EN 1081. Sie stammt aus dem Jahr 1998 und kann bei der Schweiz. Normenvereinigung SNV für 48 Franken bezogen werden. Sie enthält Angaben über den verlangten elektrischen Ableitwiderstand von Bodenbelägen im EDV-Bereich. Kontrolle und Prüfung von Geräten nach Reparaturarbeiten Wir führen in unserem Elektrofachgeschäft zwischendurch kleine Reparaturen an Haushaltsgeräten durch. Häufig werden diese durch Auszubildende erledigt. Ich lege Wert auf eine sicherheitsund rechtskonforme Ausführung. Welche Messungen bzw. Kontrollen sind z. B. nach Auswechslung des Anschlusskabels eines Bügeleisens durchzuführen? Existieren hier Angaben für eine Kontrolle oder Prüfung der revidierten Geräte, deren Aufwand sich in einem vertretbaren Masse bewegen. (U.W. in Z.)

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Tatsächlich werden solche Reparaturen aus Kostengründen häufig durch Auszubildende erledigt. Das wäre eigentlich ein Grund mehr, um vor Aushändigung der Geräte an den Kunden eine seriöse Prüfung und Kontrolle durchzuführen. Electrosuisse kennt diese Problematik und hat im Infoblatt 3024a dazu wichtige Aussagen gemacht. Sehen Sie die sinnvollen Angaben für die Prüfung in Tabelle A6a. Während die NIV für alle elektrischen Installationen einen Sicherheitsnachweis verlangt, bewegen sich Reparaturarbeiten an Kleingeräten häufig in einer Art Grauzone. Aus eigener Erfahrung wage ich zu bezweifeln, dass die Weisungen des Infoblattes 3024a bereits flächendeckend umgesetzt werden. Ein Nachweis für die ordnungsgemäss durchgeführten Prüfungen ist nicht zwingend. Es dürfte jedoch klar sein, dass eine Reparatur erst dann wirklich beendet ist, wenn auch die Kontrollarbeiten durchgeführt sind. Deshalb ist eine saubere und normengemässe Kontrolle und Prüfung sinnvoll. Ein Protokoll gemäss Vorschlag A6b mit den notwendigen Angaben könnte in die Lücke springen. Mit wenig Zusatzaufwand können die durchgeführten Messungen und Kontrollen dokumentiert werden. (Kopie erhältlich bei «ernstfeldmann@bluewin.ch». Selbstverständlich ergeben nur fachmännisch eingesetzte Messgeräte aussagekräftige Resultate. Seit einiger Zeit sind verschiedene,ausgezeichnete Modelle erhältlich. Haftung bei Schäden nach Installationsarbeiten Kann ein Mitarbeiter der Installationsabteilung zur Verantwortung gezogen werden, wenn in einer durch ihn erstellten Installation ein Brand entsteht, der auf die elektrische Installation zurückzuführen ist? Können für Kontrollfachleuten, nach Abnahme- oder periodischen Kontrollen ebenfalls Haftungsansprüche entstehen, wenn Mängel zu Schäden geführt haben, die bei der Kontrolle übersehen wurden?

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Dazu zuerst einige grundsätzliche Gedanken. Moderne Installationsmaterialien lassen sich immer schneller verarbeiten, zeitgemässe Arbeitshilfen bringen weitere enorme Einsparungen. Auf den Bauplätzen wird häufig Seite 31 von 276

unter grossem Zeit- und Kostendruck gearbeitet. Für eine normenkonforme Kontrolle nimmt man sich häufig nicht die notwendige Zeit. Die Installationen sind häufig unter Putz und nach Fertigstellung nicht mehr sichtbar, eine schludrige Arbeit bleibt weitgehend verborgen. Die korrekte Sichtprüfung während der Installation müsste solche Mängel aufdecken! Wird sie nicht oder nur oberflächlich durchgeführt, können Schäden und gefährliche Unfälle entstehen. Dann kann die Elektrounternehmung durch den geschädigten Kunden belangt werden und muss, je nach Beweislage für den entstandenen Schaden, haften (OR Art. 55). Die Unternehmung kann ihrerseits auf den verantwortlichen Mitarbeiter Rückgriff nehmen, soweit der Schaden durch seine unfachgemässe Arbeit in seinem Wissens- und Verantwortungsgebiet entstanden ist. (OR Art. 321e und Art 21.8 GAV) Kontrollfachleute sind für Schäden ebenfalls zivil- und strafrechtlich haftbar, sofern diese auf Defekte zurückzuführen sind, die sie bei pflichtgemässer sorgfältiger Durchführung hätten erkennen müssen. Beachten Sie dazu den ausgezeichneten Artikel Haftungsfragen Teil 1 und 2 von Frau Dr. Meret Heierle, VSEI in der ElectroRevue Nr. 3 und 4/2006. Blechhaubenanschlusssicherung im Estrich Bei der periodischen Kontrolle auf dem Estrich eines alten Wohnhauses habe ich eine Blechhaubensicherung gesehen (Bild F 8). Ich bin gewohnt, solche Blechhaubensicherungen in dieser feuergefährlichen Umgebung zu beanstanden und durch eine Anschlusssicherung mit geschlossenem, feuerfestem Kasten ersetzen zu lassen. (H.G. in K.)

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Der Estrich eines Wohnhauses ist, trotz offenen Holzbalkens, nicht zum vornherein feuergefährlich. So gesehen könnte das bestehende Blechhaubenelement mit der nicht brennbaren, wärmeisolierenden Unterlage belassen werden. Allerdings kann die Netzbetreiberin bei Anschlussüberstromunterbrechern eigene Forderungen stellen. Zu beachten gilt es auch, dass die nächste periodische Kontrolle im Wohnbereich erst wieder in 20 Jahren erfolgt.


Blechhauben-Anschlussüberstromunterbrecher im Estrich eines Wohnhauses bei periodischer Kontrolle belassen oder ersetzen?

Unachtsam ausgebrochene Öffnung für die Hausleitung

A8

Je nach Mieter/Besitzer kann sich ein sauberer Estrich durch Stapelung von leicht brennbarem Material in einen feuergefährlichen Bereich verwandeln. Das gezeigte Element ist durch die unachtsam ausgebrochene Einführungsöffnung für die Hausleitung nicht abgeschlossen. Die Empfehlung, die bestehende Haubensicherung gegen einen geschlossenen Kasten auszuwechseln, ist die beste und sicherste Lösung. Einpressmuttern anstelle von Neutralleitertrennern In den NIN finde ich keine Angabe über die Verwendung von Einpressmuttern anstelle von Neutralleitertrennern. Wo sind solche Angaben zu finden? (A.H. in B.) Die NIN machen keine Angaben über Einpressmuttern. Sie sprechen von lösbaren Neutralleiterverbindungen, die mit einem Werkzeug trennbar sind. Hier eignen sich Einpressmuttern. Allerdings auch nur für Einzelleiterabgänge. Sobald die Neutralleiter doppelt geführt werden, wie das in modernen Installationen vielfach der Fall ist, weil der Querschnitt von Neutralleitern nicht mehr automatisch um 50% reduziert wird, ist der Einbau von Trennern sinnvoll. Das ist zwingend bei Auftrennung des Systems TN-C in TN-S. Die Firma Weber in Emmenbrücke fabriziert Neutralleitertrenner mit Bemessungsstromstärken >1000A. Das sprengt den Rahmen der NIN 2005 in Kapitel 5.3.9 Schaltgerätekombinationen mit Bemessungsströmen

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ⱕ250 A und gehört in den Bereich der EN 60 439. Reduktion des Neutralleiterquerschnittes In den NIN-Compact 2005 habe ich in Artikel 5.2.4.3 Angaben zum minimalen Querschnitt der Neutralleiter gefunden. Sie lauten wie früher. Bei Polleiterquerschnitten >16 mm2 kann der Neutralleiter auf 50% des Pollleiterquerschnittes reduziert werden, der Neutralleiter darf jedoch nicht geringer als 16 mm2 bemessen sein. Sind diese Angabe noch verbindlich? Mein Suchen in den NIN 2005 verlief erfolglos? Wie verhält es sich mit dem PEN-Leiter?

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Die konkrete Angabe mit einer 50%igen Reduktion des Neutralleiterquerschnittes, bezogen auf den Polleiterquerschnitt wie sie in Artikel 5.2.3.7 der NIN 2000 stand, existiert in dieser Art nicht mehr. Der Text lautet neu wie folgt: • 5.2.4.3 Bei mehrphasigen Wechselstromkreisen, in denen jeder Polleiter einen Querschnitt grösser als 16 mm2 Cu aufweist, darf der Neutralleiter einen kleineren Querschnitt haben, wenn die folgenden Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind. – Der zu erwartende maximale Strom, einschliesslich Oberwellen im Neutralleiter, ist während des ungestörten Betriebes nicht grösser als die Strombelastbarkeit des verringerten Neutralleiterquerschnittes. Damit wird klar, dass die NIN dem zunehmenden Auftreten von Oberwellen die notwendige Beachtung schenken und nicht mehr unbesehen eine 50%ige Reduktion gutheissen. Die verantwortliche Elektrofachkraft muss den auftretenden Strom sorgfältig berechnen und erst dann entscheiden, ob eine Reduktion sinnvoll und zulässig ist. Natürlich gilt es auch auf Erweiterungen Rücksicht zu nehmen. Grundsätzlich ist eine Reduktion des Neutralleiterquerschnittes nur für Spezialfälle sinnvoll und sollte nicht mehr allgemein angewandt werden. Beachten Sie dazu auch NIN 5.2.3.4.2 B+E. Die obigen Aussagen gelten in gleicher Weise auch für den PEN-Leiter. ET 09

Ernst Feldmann, 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch Seite 32 von 276


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Bis heute dachte ich, man müsse Metallgehäuse nur dann mit dem PA verbinden, wenn elektrische Teile fest eingebaut sind. Wie sehen das die NIN? (M.E. in U.) Das Schutzsystem TN-S legt den Schutzleiter an leitende Gehäuse von Betriebsmitteln, um im Fehlerfall die Berührungsspannung zu senken und vor allem eine rasche Abschaltung des gefährlichen Zustandes zu erreichen. Der Potenzialausgleich verbindet unterschiedliche Metallteile, die an sich keine elektrische Funktion haben, um im Fehlerfall ein möglichst geringes unterschiedliches Potenzial zwischen den Metallteilen untereinander bzw. ihnen und elektrischen Geräten entstehen zu lassen (Bild A 1a). Wenn das Metallgestell z. B. durch ein defektes Kabel unter Spannung gerät, kann zwischen leitenden Gestellen und Geräten der Schutzklasse I eine Berührungsspannung von etwa der Netzspannung anstehen, das bedeutet

Lebensgefahr! Ist am Metallgestell der PA angeschlossen, steht praktisch keine Berührungsspannung zwischen den beiden leitenden Teilen an, weil die beiden leitenden Teile galvanisch verbunden sind (Bild A 1b). Aus diesem Grund ist die Forderung des Kontrolleurs mehr als nur sinnvoll. NIN 4.1.3.1.2.1. Der notwendige Querschnitt richtet sich nach NIN 5.4.7.1. Fehlerstromschutz an Tauchpumpe Bei der Abnahmekontrolle eines neu erstellten Pumpwerkes ist mir aufgefallen, dass die fest angeschlossenen Verbraucher im Pumpenbecken ohne Fehlerstromschutzeinrichtung angeschlossen sind. Ich gehe davon aus, dass ein Pumpbecken zu den korrosionsgefährdeten Räumen zählt. Die NIN verlangen in 4.7.2.3 FI-Schalter mit I⌬N 300 mA für fest angeschlossene Verbraucher. Der zuständige Lieferant der Schaltgerätekom-

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A1a

Installation ohne Potenzialausgleich, hier besteht Lebensgefahr!

L1 Education

In dieser Ausgabe sind ganz verschiedene Fragen zusammengekommen. Die Gebiete könnten zum Teil nicht unterschiedlicher sein. Hinter den Fragen steht der Wille verantwortungsbewusster Elektrofachkräfte, die Installationen ihrer Kunden normenkonform auszuführen. Nicht wie so genannte «Fachleute» bzw. angebliche «Spezialisten». Ein aufmerksamer Leser hat uns auf zwei Internetseiten aufmerksam gemacht. Hier wird versucht, die Unwissenheit von elektrischen Laien schamlos auszunützen. Überzeugen Sie sich selber bei www.beesign.at/erdstrahlen/index.html und www.nucleostop.de/index.html. Ganz anders ergeht es den Kunden kompetenter Elektrofachkräfte. Auch sie haben vielleicht keine grossen Kenntnisse über elektrische Installationen. Aber sie können ihren Elektroinstallateuren ohne Risiko Vertrauen schenken, es wird nicht missbraucht. Die folgenden Fragen dienen erneut als Gedankenanstoss und führen zu Wissen und Erfahrung, das bedeutet Kompetenz, eines der Ziele des NIN-Know-how.

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N PE

Ernst Feldmann

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Gerät ohne Fehler

Isolierter Standort Erder

Rubriken

Potzenzialausgleich an Metallgestellen Bei einem Take-Away-Verkaufsstand verlangt der Kontrolleur den Anschluss des Potenzialausgleichs an Metallbuffet und Metallgestellen. Er begründet es damit, dass sich regelmässig transportable Elektrogeräte wie Grill, Toaster usw. auf dem Metallgestell befinden würden. Jede Verletzung des Anschlusskabels könnte die Metallgestelle unter Spannung setzen und für Personen eine grosse Gefahr darstellen.

Schluss des Kabels auf das Eisengestell U auf Eisengestell

Lebensgefahr U ⬇ 230 V

Die automatische Abschaltung funktioniert nicht!

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A1b

Installation mit Potenzialausgleich, hier besteht keine Lebensgefahr!

L1

N PE Schluss des Polleiters auf das Eisengestell Gerät ohne Fehler

PotenzialAusgleich Isolierter Standort Erder

Keine Lebensgefahr U⬇0V Gestell und Gerät liegen am gleichen Potenzial!

Die automatische Abschaltung funktioniert!

bination sagte mir, dass bis heute noch nie eine Tauchpumpe im Pumpenbecken mit einer FI-Schaltung ausgerüstet worden sei. (R.Z. in L.) Pumpenbecken einer ARA-Anlage sind mit grosser Wahrscheinlichkeit korrosionsgefährlich. Bei korrekter Auslegung der NIN ist deshalb bei einem fest angeschlossenen Verbraucher die Anwendung der Fehlerstromschutzeinrichtung mit maximal I⌬N 300 mA zwingend. Aus diesem Grund sollten Sie überprüfen, ob sich ein Einbau von Fehlerstromschutzschaltern bewerkstelligen lässt und die vorgeschriebene Massnahme veranlassen. Eine Ausnahme könnte gegeben sein, wenn es sich um Sauberwasserbecken mit fest angeschlossenen Verbrauchern handelt. Hier sehen die NIN die Fehlerstromschutzschaltung für alle Steckdosen und nicht für Festanschlüsse vor. Trotzdem wäre auch in solchen Situationen die Anwendung sinnvoll. Steckdosen im Bade- und Duschebereich über 2,4 m Sind im Bade- und Duschebereich Steckdosen T 13 für einen Niedervolttransformator in einer Höhe von 2,4 m zulässig? (R.E. in U.)

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Die NIN schliessen die Platzierung von Steckdosen im Bade- und Duschebereich in den Bereichen 1 und 2 bis zu einer Höhe von 2,25 m ganz klar aus. Ausserhalb der Bereiche 1 und 2 ist die Platzierung von Steckdosen und auch Transformatoren zulässig. Vielleicht mutet es etwas merkwürdig an, wenn im Bereich 2 keine Steckdosen montiert werden dürfen, diese dann aber über diesem Bereich in einer Höhe von >2,25 m zulässig sind. Der Gedanke der NIN ist jedoch klar. Personen, die sich im Bad oder in der Dusche befinden, sollen keine Steckdosen im Handbereich vorfinden, um von spontanen Hantierungen abgehalten zu werden. Bewusste, fahrlässige Handlungen, wie sie bei Platzierung der Steckdose an der Decke notwendig wären, schliessen die NIN nicht aus. Stark- und Schwachstromleitungen im gleichen Rohr Dürfen Busleitungen in die gleichen Rohre wie die Lichtinstallation eingezogen werden, wenn die Lichtinstallation mit T-Draht erstellt wird? Wie verhält es sich in einer Abzweigdose mit Klemmstellen von Bus- und Lichtinstallation? Wenn die Antwort ja lautet, folgt die Zusatzfrage: Dürfen dann auch Tele-

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fon- und TV-Installationen im gleichen Rohr geführt werden? (Ch.B. in U.) Im Normalfall werden Schwachund Starkstromleitungen ordnungsgetrennt in separate Rohre verlegt. Das ist die sinnvolle und richtige Installationsart, und so wird es auch in Zukunft bleiben. In 4.1.4.1 sprechen die NIN jedoch von zulässigen Ausnahmen. Das betrifft Schwach- und Starkstromanlagen, die eine zusammengehörende Einheit bilden. BUS-Installationen sind ein solches Beispiel. Isolierte Leiter können dann in die gleichen Rohre eingezogen werden. Die NIN 5.2.8.1 schreiben in solchen Fällen die minimale Isolation vor. Diese muss zwischen den einzelnen Leitern einer mehradrigen Leitung mindestens der höchsten vorkommenden Spannung entsprechen. Besteht jedoch Gefahr, dass elektronische Steuerungen durch den Starkstromteil beeinflusst werden, ist von einer gemeinsamen Führung in jedem Fall abzusehen. Die Firma Woertz AG in Muttenz fabriziert Flachkabel mit zwei integrierten, abgeschirmten BUS-Leitungen. Damit wird ein Einstreuen unerwünschter Signale verhindert (Bild A 4). Zu Ihrer Zusatzfrage: Telefon- und TV-Installationen bilden kaum je eine zusammengehörende Einheit mit Starkstromanlagen. Durch die Hersteller wird die in NIN 5.2.8.1 verlangte minimale Prüfspannung für Leiter und Kabel aus dem Telematikbereich nicht geprüft. Damit ist es in der Praxis sehr schwierig, den Nachweis der richtigen Prüfspannung zu erbringen. So ist es sinnvoll, sie getrennt zu führen. Montage und IP-Schutz von NV-Leuchten im Badezimmer Ein Kunde möchte NV-Leuchten in einer 12 cm tiefen Nische direkt hinter der Badewanne etwa 0,8 m über Wannenrand einbauen. Der zugehörige Trafo soll auf Rückseite der Badzimmerwand im Korridor platziert werden. Ist das zulässig und genügt der IP-Schutz X4 für die Einbauleuchten. Sehen Sie dazu die Skizze F5? (Ch.B. in U.)

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Die NIN geben in 7.01.5.3 Auskunft. Im Bereich 1 sind Betriebsmittel mit Nennbetriebsspannungen ⱕ25 VAC, SELV zulässig. Über den IP-Schutz


spricht Artikel 7.01.5.1.2.2. Im Bereich 1 müssen die Betriebsmittel mindesten IPX4 entsprechen. Sobald der Transformator ausserhalb der Bereiche 1 und 2 platziert wird, entspricht die Montage den NIN. Die ganze Installation muss über Fehlerstromschutzeinrichtungen mit I⌬N ⱕ30 mA geschützt sein. Querschnitt des Hauptpotenzialausgleichsleiters In einem Mehrfamilienhaus wird die Hausleitung zur Hauptverteilung mit TT-Kabel 5 ⫻ 35 mm2 geführt, trotzdem der Anschlussüberstromunterbrecher nur mit NH 00 IN 40 A ausgerüstet ist. Nach welchem Parameter richtet sich der Querschnitt für den Hauptpotenzialausgleichsleiter, ist es der verlegte Querschnitt oder der eingesetzte Schmelzeinsatz des Anschlussüberstromunterbrechers? (G.M. in Z.)

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Grundsätzlich richtet sich der Querschnitt des HPA nach dem Hauptschutzleiter. Bei einem Schmelzeinsatz von 40 A gehen die NIN in der Verlegeart B1 und 2 von 6 mm2 (mit Blitzschutz 10 mm2) für den HPA aus. Im erwähnten Beispiel wird ein wesentlich grösserer Querschnitt (5 ⫻ 35 mm2) verlegt. Ein grösserer Querschnitt als notwendig wird in der heutigen Zeit kaum grundlos installiert, deshalb liegt ein späterer Ausbau mit erheblich höherem Strombezug auf der Hand. Bei diesem voraussehbaren Ausbau, mit Auswechslung des

Schmelzeinsatzes im Anschlussüberstromunterbrecher von 40 A gegen 100 A, scheint es mir sehr unwahrscheinlich, dass das installierende Montagepersonal den zu geringen Querschnitt des HPA-Leiters überhaupt bemerken und dann auch korrigieren würden. Deshalb bin ich der Auffassung, dass es dem Ziel der NIN wesentlich näher liegt, wenn sich der Querschnitt des HPA-Leiters gleich zu Beginn nach dem effektiv verlegten Hauptschutzleiter richtet. Der HPA erhält damit einen minimalen Querschnitt von 10 mm2. So sind keine ärgerlichen Auswechslungsaktionen bzw. spätere Beanstandungen notwendig.

eindeutig sind. Artikel 5.3.9.7.8.3.2 lautet wie folgt: «Kabel und Leitungen dürfen zwischen zwei Klemmstellen keine Flick- oder Lötstelle haben. Die Verbindungen müssen möglichst an ortsfesten Anschlüssen hergestellt werden.» Die etwas unverbindlichere Formulierung will jedoch mit Sicherheit keine solche Verbindungen zulassen. Zu gefährlich wären bei allfälligen Kurzschlüssen die elektrodynamischen Auswirkungen. Deshalb gehe ich davon aus, dass nur deshalb keine deutlichere Weisungen herausgeben worden sind, weil fliegende Verbindungen in Schaltgerätekombinationen für die NIN 2005 tabu bzw. unzulässig sind.

Fliegende Klemmverbindungen in Schaltgerätekombinationen In den NIN 2000 waren fliegende Klemmverbindungen nicht zulässig. Die Forderung in Artikel 5.3.9.2.2.4.1 «Schraub- und Klemmverbindungen in Schaltgerätekombinationen müssen fest montiert und leicht zugänglich sein», war eindeutig und klar. In den NIN 2005 konnte ich den erwähnten Artikel nicht mehr gleich verbindlich finden. Wie soll ich mich jetzt bei Schlusskontrollen mit fliegenden Klemmverbindungen in Schaltgerätekombinationen verhalten? (M.W. in K.)

Anwendung von SidosSteckdosen im Badund Duschebereich >2 Mit der Antwort 10 in ET 5/2006 zu Sidos T12 im Bad habe ich ein Problem. Der von Ihnen erwähnte Einsatz von Sidos-Steckdosen T12 ist weder im Kapitel 7.01 noch in einem Infoblatt von Electrosuisse erwähnt. Deshalb bin ich der Auffassung, dass Sidos-Steckdosen T12 im Bad-Duschebereich grösser als 2 nicht eingesetzt werden dürfen, sondern nur mit 30-mA-geschützte Steckdosen T13. ( Ch.E. in T.) Es trifft zu, dass der Einsatz von Sidos-Steckdosen T12 nur im Kapitel 4.7.2.2.5 erwähnt wird. Das Symbol y vor dem Text zeigt, dass es sich um einen rein schweizerischen Artikel handelt. Zum heutigen Zeitpunkt ist die-

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Es ist leider so, dass in den NIN 2005 die Anweisungen über fliegende Klemmverbindungen nicht mehr so

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Einbau von Niedervoltleuchten in Bade- und Duschebereich 1

Spezielles Flachkabel der Firma Woertz AG, Muttenz mit Starkstromleitern 3LNPE und integriertem, abgeschirmtem BUS-Teil im gleichen Kabel

Niedervolt-Einbauleuchten in Nische über Badwanne mit IP-Schutzart X4

Bereich 1 Gesteckter Anschluss für Starkstromund BUS-Teil

2,25 m

Starkstromteil 3LNPE

Der wird ausserhalb des Badzimmers platziert

Abgeschirmtes BUS-Kabel

F5

A4 Seite 35 von 276

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ser Artikel in der Schweiz jedoch verbindlich. In Kapitel 7.01 wird nur indirekt davon gesprochen. Wie kam es zu dieser Ausnahmeregelung. Bis zum Erscheinen der NIN 2005 wurde der Fehlerstromschutz im Bad- und Duschebereich nur für Steckdosen verlangt. Sidos-Steckdosen boten oft die einzige Möglichkeit, um ohne extreme Umbauarbeiten den normengemässen Schutz zu erreichen. Sie sind deshalb recht gut bekannt und haben sich in sehr vielen Bade- und Duschebereichen bewährt. Bis zur 100%igen Harmonisierung der Normen in Europa gehe ich davon aus, dass wir mit solchen schweizerischen Eigenheiten weiter leben werden. Gibt es Problemsituationen ohne konkrete Lösungen in den Normen,

steht immer eine wichtige Frage im Vordergrund: «Wird durch die Anwendung von Sidos-Steckdosen T12 eine Gefährdung von Personen herbeigeführt». Ist das nicht der Fall, können auch in den Normen nicht explizit erwähnte Lösungen angewandt werden. Bei Sidos-Steckdosen mit I⌬N 10 mA scheint mir der verlangte Personenschutz in ausreichender Weise erfüllt, im Gegenteil, die Auslösung erfolgt bereits bei einer geringeren Ansprechschwelle als den vorgeschriebenen 30 mA für Steckdosen T13. Meine Überlegungen stützen sich zusätzlich auf den Artikel 4.1.2.5.3. In diesem gleichfalls rein schweizerischen Artikel werden Fehlerstromschutzeinrichtungen mit I⌬N 10 mA für Sonderanwendungen erwähnt. Die NIN sprechen z.B. von Fruchtsaftsteri-

A9a

Querschnittsdimensionierung nach NIN 2005 in normalen Bereichen Kurzschlussschutz der Leitung durch Schmelzsicherung 50 A Überlastschutz der Leitung durch das Thermorelais 24 A Verlegeart B2 Querschnitt = 4 mm2 50 A

3⫻400 V/50 Hz

24 Nennstrom Motor

Verlegeart B2 Querschnitt = 4 mm2

24 A IK L–PE = 400 A

A9b

Querschnittsdimensionierung nach NIN 2005 in feuergefährlichen Bereichen Variante 1

Kurzschluss- und Überlastschutz durch Schmelzsicherung 50 A Kurzschlussschutz durch Schmelzsicherung 50 A

Variante 2 Überlastschutz d. Schmelzsicherung

Überlastschutz d. Thermorelais

lisierung, galvanischen Bädern usw. Das durch die Fehlerstromschutzeinrichtung mit I⌬N 10 mA erbrachte Sicherheitsniveau wird als so hoch erachtet, dass sogar der Schutzleiter entfallen kann. Es wird in Kauf genommen, dass im Fehlerfall erst der über den Menschen fliessende Fehlerstrom zu einer Auslösung führt. Der Einsatz von T12-Steckdosen in Verbindung mit 10-mA-Fehlerstromschutzeinrichtungen ist deshalb im Bade- und Duschebereich >2 im Sinne einer Ausnahme nicht kritisch. Er entspricht dem Grundsatz des Personenschutzes. Leiterdimensionierung in feuergefährlichen Räumen Wir haben ein Problem mit einer Leitungsdimensionierung in Räumen ohne spezielle Einflüsse und solchen in feuergefährlichen Bereichen. (R.E. in U.) Gemäss Ihren Angaben haben Sie bei einer Installation in einem Raum ohne spezielle Einflüsse für einen Motor 3 ⫻ 400 V mit 12 kW Leistung und IN 24A eine Endverbrauchersicherung mit IN 50 A gewählt. Der Überlastschutz des Motors wird durch das auf den Nennstrom von 24 A eingestellte Thermorelais gewährleistet. Für die ganze, in Verlegeart B2 montierte Leitung, wird ein Querschnitt von 4 mm2 gemäss Motorennennstrom gewählt. Weil das Thermorelais nur den Überlastschutz der 4-mm2Leitung sicherstellt, muss der Kurzschlussschutz durch die vorgeschaltete 50-A-Schmelzsicherung berechnet werden. Am Motor wird zwischen L– PE ein Kurzschlussstrom von 400 A gemessen (Bild A9a). Für Berechnung des Kurzschlussschutzes gehen die NIN von einem wirksamen Kurschlussstrom von 3/4 des gemessenen Wertes von 400 A = 300 A aus.

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2

⎛ S⎞ t = ⎜k ⎟ = ⎝ IK ⎠

Verlegeart B2 Querschnitt = 4 mm2

4 ⎞2 ⎛ t = ⎜115 = 2,3 s ⎝ 300⎟⎠

50 A

3⫻400 V/50 Hz

24 Nennstrom Motor

Verlegeart B2 Querschnitt = 16 mm2

24 A

Feuergefährlicher Bereich

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Damit würden die verlegten 4-mm2Leiter den minimalen Kurzschlussstrom von 300 A maximal 2,3 s ertragen. Die vorgeschaltete 50-A-Sicherung schaltet jedoch innert ⱕ2 s ab (aus Auslösekurve der Schmelzsicherung heraus gelesen) und erfüllt somit den Kurzschlussschutz gemäss NIN.


In feuergefährlichen Bereichen müssen gemäss NIN 4.8.2.2.6 die Leitungen durch ausserhalb des gefährlichen Bereiches platzierte Überlastund Kurzschlussschutzorgane geschützt sein. Schützt die vorgeschaltete Schmelzsicherung nur die Strecke bis zum Motorschutzschalter in dieser Art, kann der Motorschutzschalter zusätzlich zum Überlastschutz des Motors durch das Thermorelais auch den Überlastschutz der 4-mm2-Leitung übernehmen (Bild A9 b). Bei kleineren Querschnitten kann der vorgeschaltete Überstromunterbrecher unter günstigen Umständen sowohl den Überlast- wie auch den Kurzschlussschutz der ohne Reduktion zum Motor geführten Leiter übernehmen. Das Thermorelais im Motorschutzschalter dient dann dem Motorschutz. Montage einer Unterverteilung in Putzschrank Bei der Montage einer Unterverteilung in die brennbare Rückwand eines Putzschrankes muss keine Anpassung am Schrank vorgenommen werden. Wird dieselbe Verteilung jedoch AP installiert, schreiben die NIN in 5.3.9.9.1 (B+E) eine nicht brennbare und wärmeisolierende Auskleidung des Schrankinneren vor. Für mich ist die von der Verteilung ausgehende Gefahr in beiden Fällen gleich (Wärmeentwicklung, Fehlmanipulation, defekte Apparate, ...). Beide Verteilungen haben Blechtüren und daher denselben Brandschutz. Worauf wird der Unterschied begründet? (M.S. in Z.)

Platzierung von Überstromunterbrechern in nicht brennbare Nische mit verkleideten brennbaren Abschlussteilen Sicherungselement, hinten offen

a Nicht brennbare Nische Nicht brennbare und wärmeisolierende Verkleidung

Brennbare Abschlusstüren

Überstromunterbrecher in geschlossenem, nicht oder schwer brennbarem Verteiler

b Einbau in brennbares Material

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Schaltgerätekombinationen, die in brennbare Gebäudeteile eingebaut werden, müssen aus nicht oder schwerbrennbarem Stoff bestehen. Sind sie hinten geschlossen, benötigen sie keine zusätzliche nicht brennbare und wärmeisolierende Unterlage. Der von Ihnen erwähnte Einbau entspricht deshalb den Angaben der NIN (Bild A10 b+c). Sobald es sich jedoch um

Überstromunterbrecher in geschlossenem, nicht oder schwer brennbarem Verteiler

c Nische aus brennbarem Material

A10 offene Bauteile, wie das beim eingezeichneten Sicherungselement in Bild A 10 a handelt, schreiben die NIN die nichtbrennbare und wärmeisolierende Verkleidung der brennbaren Teile wie Türen usw. aus verständlichen Gründen vor. NIN 5.3.9.9.1+2. Leider fehlen die Angaben aus den NIN 2000. Man kann ohne Risiko davon ausgehen, dass die dort erwähnten Distanzen für die vorzunehmende Verkleidung sinnvoll ist.

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Werden die Sicherungselemente in einem geschlossenen, nicht oder schwer brennbaren Kleinverteiler in eine Nische aus brennbarem Material eingebaut, bietet der Kasten den verlangten Schutz. Es ist keine zusätzliche Auskleidung notwendig. Das gilt auch beim Einbau in brennbares MaET 09 terial (Bild A10 b+c). Ernst Feldmann, 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Es gibt Situationen, die lassen sich nicht direkt aus den NIN beantworten. Wahrscheinlich werden die Normen in Zukunft eher weniger konkrete Angaben über Distanzen, maximale Stromstärken und dgl. machen, als es heute noch der Fall ist. Konkrete Aussagen unterliegen ständigen Änderungen. Während die Schutzziele verbindlich bleiben und Gewicht haben. Kompetente Elektrofachleute müssen somit in der Lage sein, auf dieser Basis sichere, ungefährliche Installationen zu erstellen. Sie müssen sich an Produkteinformationen orientieren und korrekt vorgehen können. Einige der folgenden Fragen gehören zu dieser Sorte. Gerade sie schaffen wertvolle ErfahrungenErnst und Fachkompetenz. Lesen Sie unsere Antworten. Teilen Sie unFeldmann sere Auffassung? Diskutieren Sie mit und geben Sie uns Ihre Meinung bekannt (nin-know-how@elektrotechnik.ch).

Richtige Platzierung von Wartungs- oder Serviceschaltern Kann ein abschliessbarer Serviceschalter eines Ventilationsgeräts im Steuerschrank oder im Nebenraum abgebracht werden, oder muss er direkt beim Gerät platziert sein? (E.H. in D.)

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Normen einhalten – aber das Denken nicht ausschalten Ich habe bei einer Abnahmekontrolle, die in den Bildern F 3a und b gezeigte Badzimmerinstallation angetroffen. Obwohl die Bedingungen der NIN eingehalten wurden, scheint mir das Ziel der NIN im Bereich Bad verfehlt. Elektrische Geräte werden fast zwangsläufig in dieser heiklen Zone bedient. Sind damit nicht die Grenzen einer sturen NINAnwendung gesprengt? (R.H. in B.)

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Verschiedene «Elektrofachleute» halten sich ohne weitere Überlegungen, stur an den Buchstaben der NIN und sind überzeugt, so sei die Norm immer 100% erfüllt. Dem ist nicht so! Von Fachleuten wird mit Recht erwartet, dass sie mögliche elektrische Gefahren erkennen und gemäss Grundsatz der NIN vermeiden helfen. Als eindrückliches Negativbeispiel kann die alten Aussage dienen, dass mechanische Beschädigungen an Leitungen nur bis zu einer Höhe von 10 cm ab Boden auftreten würden. Das geistert noch heute in vielen Köpfen von angeblichen Fachleuten herum. Die Beschädigungsgefahr ist jedoch in einer Höhe von 25–50 cm eher grösser als in Höhen ⱕ10 cm. Genauso verhält es sich mit der Steckdose im gezeigten Badzimmer. Die NIN gehen davon aus, dass die Handhabung von elektrischen Geräten im Bade- und Duschebereich gefährlich ist. Deshalb verlangen sie die bekannte Schutzzone mit einem Minimalabstand von 60 cm von der Wanne bis zu einer Steckdose. Badende Personen sollen so vom Hantieren an Elektrogeräten, besonders vom Einstecken und Ausziehen abgeElektrotechnik 9/06 | 101

Rubriken

Normen über Lichtinstallationen in Badeund Duscheräumen Als Lichtplaner sind wir immer wieder mit dem Thema Licht im Badezimmer beschäftigt. Gibt es klare Vorschriften, Abstände für die Beleuchtung im Bereich Badezimmer/Dusche/Badewanne? (A.G. in W.) Es gibt sehr wohl klare Normen über die Platzierung der Beleuchtung im Bereich Bad / Dusche. Sie finden diese Angaben in den NIN im neuen Kapitel 7.01 und in der NIN Compact. Dort besteht in tabellarischer Form eine sehr gute Zusammenfassung der gestellten Bedingungen in diesen Bereichen. Ich lege Ihnen eine Kopie bei. Weitere, noch detailliertere Informationen können Sie aus der VDE-

Schriftenreihe 67a «Räume mit Badewanne oder Dusche» der Herren Hörmann, Nienhaus und Schröder erhalten. Sie können diese Angaben praktisch 1 : 1 übernehmen. Die vielen Skizzen bieten in verschiedenen Situationen eine willkommene Hilfe.

Education

Im Normalfall ist der beste Platz des Wartungsschalters eindeutig direkt neben dem Gerät. Das geht aus einer Publikation der Suva hervor. Dort wird diese Platzierung vorgeschrieben. In «Der Sicherheitsschalter» (Bestell-Nr. CE93-9.d, Ausgabedatum 04. 07. 2005) steht auf Seite 6: In technischen Einrichtungen, die bei Sonderbetrieb (Störungsbehebung, Reparatur, Unterhalt, Reinigung usw.) eine Gefahr darstellen, muss in der Nähe jeder Funktionseinheit ein Sicherheitsschalter installiert werden. Der Sicherheitsschalter muss die folgenden Anforderungen erfüllen: Er muss so angeordnet sein, dass man Sicht auf den ausgeschalteten Anlageteil hat. Allerdings tritt die Suva nur bei komplizierten Anlagen und kaum bei einem einzelnen Ventilationsgerät in Aktion. Selbstverständlich gelten die Vorgaben zur Gefahrverminderung der NIN auch für den Wartungsschalter eines einfaches Ventilationsgerätes. Weil es sich jedoch im Sinne der NIN um eine einfache, überblickbare

Anlage handelt, darf der Wartungsschalter gut beschriftet, als abschliessbarer Anlageschalter z. B. auch im Steuerschrank oder im Nebenraum platziert werden. Die Skizze in 4.6.3.2 B+E zeigt, dass der Platz des Wartungsschalters mit einer Anschrift angezeigt wird, um ihn rasch finden zu können. Eine Montage im Nebenraum sehen die NIN besonders dann vor, wenn in Ventilatornähe eine ausserordentliche Beeinträchtigung durch mechanische Beschädigung, Nässe, Korrosionsgefahr und dgl. besteht.

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Detail: Montage der Steckdose nach Norm ...

Übersicht über das Badezimmer

Dis

tan

z>

60

cm ▲

... ist eine solche Anordnung sinnvoll?

F 3a F 3b

halten werden. Obwohl die Steckdose in der gezeigten Installation normengemäss platziert ist, provoziert ihre Lage geradezu solch gefährlichen Hantierungen. Meines Erachten sollte der Bauherrschaft dieser Grundsatz klar gemacht, die kritische Platzierung der Stereoanlage vermieden und eine andere Lösung gesucht werden. Normengemässe Bezeichnung von Kabeln und Leitern Wir sind ein Elektroplanungsbüro und bauen unsere Schemas auf einem Datenbankprinzip auf. In diesem Zusammenhang taucht die Frage nach den heute aktuellen Kabelbezeichnungen auf. Wenn eine Kabeltype erfasst ist, dann sollte die Bezeichnung normenkonform sein, und auch die Elektrofachkraft vor Ort sollte genau wissen, welches Kabel sie zu verwenden hat. Früher hiess es einmal Tdc, später TT jetzt wieder Tdc. Mit der Angabe Td war klar von einem Litze-Kabel die Rede, während TT- Kabel starre Cu-Leiter oder Cu-Seile beinhalteten. Gilt heute nur noch der Cenelec Code? Hier fehlen die Aussagen über den Funktionserhalt und die Halogenfreiheit. H07… usw sagt den meisten Elektrofachleuten leider sehr wenig. Aus diesen Gründen stellt sich uns die Frage: «Wie werden Kabel nach heutigem Stand der Technik gekennzeichnet?» (A.B. in Sch.)

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Die Kurzbezeichnung in den NIN 2005 stammen aus dem Harmonisierungsdokument 361, «System für Typenkurzzeichen von isolierten Leitungen».In den NIN-Tabellen 5.2.1.2.3.4+5 B+E werden sowohl die alten SEVwie auch die modernen Cenelec-Kurz102 | Elektrotechnik 9/06

zeichen nebeneinander geführt. Die beiden Arten stehen ohne weitere Angaben gleichwertig nebeneinander. Die Cenelec-Kurzzeichen haben sich im Installationsalltag noch kaum durchgesetzt. Auch der VSEI benützt in den Berechnungsbüchern die alten SEV-Abkürzungen. Mittelfristig ist jedoch davon auszugehen, dass sich die Cenelec-Bezeichnungen einleben werden, sind sie doch wesentlich aussagekräftiger und detaillierter. Ähnlich wie die EN-konforme Angabe der IP-Schutzart die alten helvetischen Symbolen ebenfalls abgelöst hat. Warum also nicht für eine gewisse Übergangszeit die alte SEV- neben den modernen Cenelec-Bezeichnungen stellen, und so zu einer weiteren Verbreitung der modernen Abkürzungen beitragen? Zuleitungsquerschnitt zu Storenmotoren In einem Grossobjekt in Zürich hat der Lieferant die Anschlusskabel mit einem Querschnitt von 0,75 mm2 für die Storenmotoren geliefert. Die Anschlusskabel sind zirka 3 m lang. Der verantwortliche Elektriker beruft sich auf die NIN, beanstandet den geringen Querschnitt und verlangt einen Mindestquerschnitt von 1,5 mm2, wie für Festinstallationen. Gehört das Anschlusskabel von Storenmotoren bereits zur ortsfesten Installation, oder kann der Querschnitt wie für ortsveränderliche Installationen gewählt werden? (W.S. in Z.)

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Storenmotoren sind in der Regel mit Kabel und Stecker angeschlossen.Deshalb kann der Querschnitt wie für Seite 39 von 276

ortsveränderliche Leitungen gewählt werden, wie z. B. bei Kühlschränken, auch hier wird die weitere Zuleitung fest verlegt. Für ortsveränderliche Leitungen ist die NIN-Tabelle 5.2.4.4 verbindlich. Als Parameter für die Bestimmung des Querschnittes der Zuleitungskabel gelten entweder der Nennstrom der Energieverbraucher oder derjenige der Apparate- oder Kupplungssteckdose. Bei einem Gerätenennstrom von IN ⱕ6 A entsprechen Kabel mit 0,75 mm2 der Norm. In der Tabelle wird allerdings vermerkt, dass die Kabel «freiliegend» bleiben müssen. Das deutet bereits darauf hin, dass nicht vorgesehen ist, solche Kabel in Rohre einzuziehen oder ortsfest zu verlegen. Falls eine solche Installation bei den von Ihnen erwähnten Storenmotoren vorliegt, schreiben die NIN Leiter mit Minimalquerschnitt 1,5 mm2 vor (Tabelle 5.2.4.3). Wo sind PA-Anschlüsse erforderlich? In der NIN werden unter dem Titel Hauptpotentialausgleich diverse leitfähige Teile aufgezählt (nicht abschliessend). Leider definiert die NIN die Ausdehnung, Länge oder Fläche nicht, ab welcher Grösse metallene Gebäudeteile an den Hauptpotentialausgleich angeschlossen werden sollen. In den SEV-Info haben wir auch keine Angaben gefunden. Können Sie uns sagen, wo solche Angaben zu finden sind. (G.W. in O.)

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Es trifft zu, die Ausdehnung, Länge oder Fläche von Metallteilen, die an den PA anzuschliessen sind, werden in den NIN 2005 4.1.3.1.2.1 nicht genau definiert. Man hält sich an die An-


gaben aus dem Dokument WeR STI 507.1087 d. Auch wenn das Dokument nicht direkt über den PA spricht, wird trotzdem auf diese Angaben abgestellt, und man geht von der Notwendigkeit des PA bei einer leitenden Rohrlänge ⬎6 m bzw. bei Geräten von Ausdehnungen ⬎1 m2 aus. Diese Angaben sind sinnvoll für die Praxis. Herr Peter Bryner, Electrosuisse hat eine informative Broschüre geschrieben. Sie befasst sich mit dem PA und erläutert mit vielen Fotos und Skizzen das Wie und Wo des PA. Die Broschüre ist bei electrosuisse zu beziehen (Tel. 044 956 11 65, Herr Pfister). Leuchten in Workshop basteln Wir wollen im Winter das Thema Licht (Licht Farben/Licht und Empfinden/Licht und Leuchten) thematisieren. Mit der Idee in einem Workshop unserer Firma die Kunden unter Anleitung eine Leuchte «basteln» zu lassen. Ist die Herstellung einer Leuchte durch Laien in einem Workshop zulässig, oder müssen wir allenfalls noch wichtige Bedingungen beachten z.B. Trafos als Trenntrafo? (S.G. in Z.) Gemäss NIV dürfen Laien Leuchten selber montieren und anschliessen. Die NIV erläutern nicht weiter, wo diese gekauft oder allenfalls selber hergestellt werden. Werden einfache Tischleuchten in einem Workshop unter kundiger Anleitung erstellt, kann man davon ausgehen, dass das Vorgehen besondere Rücksicht auf die elektrische Sicherheit nimmt. Dazu würde meines Erachtens gehören, dass zu jeder erstellten Leuchte ein Merkblatt mitgeliefert wird, mit Angabe über die maximal zulässige Leistung des Leuchtmittels, minimale Distanz zu einem allfälligen Schirm, oder zu brennbaren Gebäudeteilen, die Unzulässigkeit eines Verkaufs solcher Leuchten, selbst an befreundete Personen usw. Damit kann der Grundsatz der Sicherheit gemäss NIN als erfüllt betrachtet werden.

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Aufteilung von Leitungsschutzschaltern im Wohnbereich Dreipolige Leitungsschutzschalter mit mechanisch gekoppelten Polen sollen als Bezügerüberstromunterbrecher eingesetzt werden. Im Etagenverteiler sind die nachgeschalteten LS mit geringerer Aus-

lösenennstromstärke für den Schutz der einzelnen Leitungen eingebaut. Ist damit die in den NIN 3.2.4 verlangte Unterteilung erfüllt? (G.P. in O.) Ihre Frage hat zwei unterschiedliche Aspekte (Bild 8a). Zunächst die nach NIN verlangte Unterteilung der Stromkreise. Eine genügende Unterteilung soll verhindern, dass bei einer Störung am Ende einer einzelnen Leitung die ganze Wohnung oder das ganze Haus spannungslos wird und so andere Gefahren heraufbeschworen werden, wie z. B. das Hinfallen beim Treppensteigen im Dunkeln und dgl. Sie möchten gemäss Ihrer Frage Leitungsschutzschalter mit mechanisch gekoppelten Polen als Bezügerüberstromunterbrecher einsetzen. Genau damit können solche gefährlichen Situationen auftreten. Deshalb sind Leitungsschutzschalter gemäss NIN 3.2.4.2 B+E als Bezügersicherungen mit mechanisch gekoppelten Polen unzulässig. Der zweite Teil Ihrer Frage betrifft die Selektivität. Werden Leitungsschutzschalter in Serie geschaltet, ist die Selektivität vom fliessenden Kurzschlussstrom abhängig. Ein LS

mit IN 13 A «C» löst magnetisch aus, wenn der Kurzschlussstrom ⱖ130 A erreicht. Besitzt der vorgeschaltete Bezügerleitungsschutzschalters Type «C» einen Nennstrom von 25 A, spricht die elektromagnetische Auslösung ebenfalls bei einem 10-mal höheren Kurzschlussstrom sicher an. Steigt der Kurzschlussstrom jedoch auf diesen oder einen höheren Wert, löst sowohl der LS mit 13 A wie auch der Bezügerautomat mit 25 A aus, es besteht keine Selektivität mehr. Bei langen Leitungen sinkt der Kurzschlussstrom. Bei einem Kurzschluss am Ende der mit 13 A geschützten Leitung erreicht der Kurzschlussstrom häufig keinen Wert über 200 A mehr. Unter diesen Umständen ist die Anordnung selektiv. Die Selektivität lässt sich demzufolge entweder im voraus berechnen – dazu sind alle Daten der Anlage notwendig – oder sie muss an der bestehenden Anlage geklärt werden. Dann ist es allerdings für eine Korrektur in der Regel zu spät. Abschaltung von Geräten in Kochnischen In vielen Kleinwohnungen (Studios) werden Kochnischen eingebaut, die

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F8

Probleme bei der Serieschaltung von Leitungsschutzschaltern Type «C» Der fliessende Kurzschlussstrom ist von – den speisenden Trafos – der Leitungsimpedanz – dem Widerstand an der Kurzschlussstelle usw. abhängig

Leitungsschutzschalter 25 A, Type «C»

Leitungsschutzschalter 13 A, Type «C»

Kurzschluss am Ende der Leitung

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Übersteigt der IK 250 A, löst der LS mit IN 25 A «C» aus!

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Übersteigt der IK 130 A, löst der LS mit IN 13 A «C» aus!

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Schutz einer Schrankküche vor Brandgefahr nach VKF Endschalter

Schrankküche mit Rechaud

F9 sich mittels Türen gegenüber dem Wohnbereich abschliessen lassen. Um bei geschlossenen Türen eine sichere Abschaltung zu gewährleisten, musste früher gemäss HV eine Abschaltvorrichtung eingebaut werden. Diese wurde in der Regel mittels eines durch die Türe betätigten Endschalters erreicht. In den NIN 2005 finde ich keine Hinweise bezüglich dieser Abschaltvorrichtung. Hat sich hier etwas geändert? (F.W. in N.) Sie haben Recht, der Endschalter für Schrankküchen wird in den NIN nicht mehr explizit erwähnt. Trotzdem be-

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steht die Forderung nach wie vor. Sie finden sie an einer anderen Stelle, nämlich in den Richtlinien des Verbandes Kantonaler Feuerversicherer VKF unter 4.1.5 Küchen. (www.vkf.ch) Die Angabe lautet unter Punkt 3. Bei Schrankküchen ist an der Schranktür ein Sicherheitsschalter erforderlich. Sehen Sie dazu Bild A 9 mit einer sinnvollen Platzierung der Endschalter. Sie schalten bei geschlossener Schranktüre die Zuleitung zum Rechaud über ein Schaltschütz ab und verhindern so gefährliche Situationen. Verlegung von Leitungen im gleichen Installationskanal In einer Kirche treten Störungen auf, die sich über die Akustikanlage sehr negativ bemerkbar (hörbar) machen. Nach Einschalten der Lichtsteuerung ist ein «Zirpen», ebenso Knackgeräusche der Heizungssteuerung (Ventil auf und zu) hörbar. Das «Zirpen» ist noch im Schaltschrank der Lichtsteuerung sehr stark. Selbst der Leitungsschutzschalter der entsprechenden Gruppe schwingt mit. Wir befürchten, das die rund 700 m geschirmtes Mikrofon- und Audiokabel, die parallel mit den übrigen Netzkabeln in einem Installationskanal verlegt sind, die Ursache sind. Wir haben Planer und Elektroinstallateur auf die Bestimmun-

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gen in der NIN 5.1.1.1 und 5.1.5 hingewiesen. Beide sind jedoch der Ansicht, eine gute Akustikanlage müsste solche Geräusche ausfiltern. Was sagen die NIN dazu? Die langen Leitungen der Mikrofonund Audioeingänge wirken wie grosse Antennen und nehmen bei einer Verlegung im gleichen Installationskanal wie die Starkstromkabel die von Ihnen erwähnten Störsignale auf. Die NIN lassen wohl eine gemeinsame Verlegung von Schwachstrom- und Starkstromkabel zu, sprechen jedoch ausdrücklich von der Unzulässigkeit einer negativen Beeinflussung, wie sie hier vorliegt. Diese Forderungen sind grobfahrlässig verletzt. Die Filter in der Akustikanlage können derartig massive Störgrössen nicht ausfiltern. Meines Erachtens nehmen die NIN gemäss den von Ihnen erwähnten Artikeln sowohl den Planer wie auch den Elektroinstallateur in die Pflicht. Sie beide müssen durch getrennte Planung und Verlegung der Schwachstromkabel dafür sorgen, dass die unzumutbaren Beeinflussungen ausgeET 09 merzt werden.

Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Wieder ist ein ganzer Strauss voller unterschiedlicher Fragen zusammengekommen. Fragen, die sich nicht immer «digital» mit falsch oder richtig beantworten lassen. Es ist notwendig, das Grundziel der NIN vor Augen zu behalten und die Antwort danach zu bewerten. Vielleicht ist ein Problem darunter, das Ihnen auch schon begegnet ist bzw. das Sie schon gelöst haben. Mit Sicherheit wird es Elektrofachleute geben, die andere Lösungen vorschlagen. Ihre Lösung oder Meinung interessiert uns. Nehmen Sie Stellung und schreiben Sie uns. ernstfeldmann@bluewin.ch

Ernst Feldmann

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Rohr- und Kanal-Installationen Spannungsreihe I und II

richtig

Der Steuerschrank darf nicht direkt neben dem Schwimmbecken, sondern erst im Bereich 2 platziert sein. Der Trafo muss jedoch ausserhalb der Bereiche 0,1 und 2 angeordnet werden. Die weiteren Bedingungen sind in NIN 7.02 ersichtlich. Skizzen mit Abmessungen der Bereiche sehen Sie in den praktischen Übersichtsblättern der NIN Compact 2005 in Kapitel 7.01 und 7.02. Welche Aussenbeleuchtungen benötigen einen Fehlerstromschutz? Gemäss NIN 2005 müssen Aussenbeleuchtungen im Freien durch Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt sein. Welche Aussenbeleuchtungen im Freien gehören dazu? Wir installieren im Moment eine offene Halle mit Dach. Gelten die darin montierten FI-Armaturen als Aussenleuchten? Wie steht es mit Nassleuchten an der Fassade eines Mehrfamilienhauses, gehören sie auch zu den in den NIN aufgeführten Aussenbeleuchtungen im Freien? (R.E. in S.)

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Die NIN beantworten in 7.14.1.1 Ihre Fragen. Die besonderen Anforderungen mit Einschluss des Fehlerstromschutzes gelten für feste Beleuchtungsanlagen im Freien. Dabei sprechen die NIN vom Bereich ausserhalb

Rohr- und Kanal-Installationen Spannungsreihe II

Bisherige, gute Regelung – mehrere Leitungen ab verschiedenen Sicherungsgruppen nur mit Kabel im gleichen Rohr/Installationskanal zulässig

Eine saubere Ordnungstrennung für den Starkstrombereich und den Schwachstrombereich ist richtig, jedoch unter gewissen Bedingungen nicht zwingend.

heute zulässig

Es ist zulässig, wenn: – jedes Kabel/jede Leitung gemäss der höchsten vorkommenden Spannung isoliert ist. NIN 5.2.8.1

Achtung: Massnahmen gegen negative Beeinflussung können notwendig sein!

heute zulässig

Gemäss NIN 5.2.1.7 – mehrere Gruppen ab unterschiedlichen Sicherungsgruppen sind in einem Rohr/Installationskanal zulässig, auch wenn es sich um T-Draht handelt

Rubriken

zulässig

Education

IP-Schutz von Leuchten in Badewannen Ein Kunde unserer Firma möchte in einer Badewanne im Aussenbereich Einbauleuchten einbauen. Die Leuchten weisen einen Schutzgrad IP67 auf. Welche Art Trafo muss verwendet werden, wenn er in einem Steuerschrank direkt neben der Wanne montiert werden soll? (E.M.) Sie schreiben von einer Badewanne im Aussenbereich, deshalb ist es unklar, ob es sich um eine «normale» Badewanne oder ein eigentliches Schwimmbad handelt. • Wenn es sich um eine «normale» Badewanne handelt, wird für die fest eingebauten Leuchten ein Minimalschutz IPX7 vorgeschrieben. Sie dürfen nur mit U ⱕ12 VAC oder ⱕ30 VDC

gespeist werden. Der speisende Trafo muss ausserhalb der Bereiche 0 und 1 liegen. Der Bereich 1 erstreckt sich von der Standfläche der Wanne über die ganze Breite und Länge bis zu einer Höhe von 2,25 m. In dem von Ihnen angegebenen Standort handelt es sich um den Bereich 2. Dieser erstreckt sich ab Wannenrand auf eine Breite von 60 cm und einer Höhe von 2,25 m (NIN 7.01.5.5). Die Anordnung des Trafo im Bereich 2 ist normenkonform. Es muss sich um einen Sicherheitstrafo für Sicherheitskleinspannung SELV handeln, natürlich über eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt. Der Steuerschrank muss dem verlangten Schutzgrad IPX4 entsprechen. • Gilt die Wanne hingegen als eigentliches Schwimmbecken, ist ein Minimalschutz IPX8 für die Einbauleuchten verbindlich (NIN 7.02.5.1 Tabelle).

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Achtung: Zugänglichkeit!

A3a

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Elektrotechnik 10/06 | 87


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Schaltgerätekombination mit «schreinerischer Engstverschalung»

offenen Halle, noch Aussenleuchten an MFHs unter diese Bestimmungen der NIN fallen. Mehrere Gruppen und Spannungsbereiche I und II in einem Kabel Die NIN nehmen in 5.2.1.7 Stellung über mehrere Stromkreise in einem Elektroinstallationsrohr oder einem zu öffnenden Kanal. Ich finde jedoch keine Aussage über mehrere Stromkreise in einem Kabel. Ist eine Führung von 3 Gruppen 230 VAC in einem Sammelkabel von einer Verteilung zu einem Klemmenkasten erlaubt? Wie sieht es mit mehreren Stromkreisen verschiedener Spannungen in einem Kabel aus? (A.B. in Sch.)

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Beachten Sie bitte die handwerklich saubere Arbeit. Feuerschutzmässig nicht über alle Zweifel erhaben.

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Abschluss der gleichen SGK nach vorn mit leicht brennbarem Rollladen

Leicht brennbarer Rollladen verdeckt die Schaltgerätekombination

der Gebäude und schliessen neben Leuchten auch die Leitungssysteme ein. Gemäss der Aufstellung in den NIN gehören dazu Leuchten: – auf Strassen, in Parkanlagen, Gärten, Telefonzellen, Autobuswartehäuschen, Hinweistafeln, Ortspläne, Verkehrszeichen. Ausdrücklich nicht unter die Anforderungen von NIN 7.14.1.1 gehören: – aussen an einem Gebäude angebrachte Leuchten, die aus dem inneren Leitungssystem dieses Gebäudes gespeist werden. – öffentliche Beleuchtungsanlagen, die Bestandteil des öffentlichen Verteilungsnetzes bilden. – vorübergehende Girlandenbeleuchtungen. Daraus geht deutlich hervor, dass weder die erwähnten FI-Leuchten in der 88 | Elektrotechnik 10/06

Im Artikel 5.2.1.7 sprechen die NIN von mehreren Niederspannungsstromkreisen in einem Rohr oder zu öffnenden Installationskanal unter der Bedingung, dass alle Leiter (Drähte) gemäss der höchsten Nennspannung isoliert sind. Drei verschiedene Gruppen 230 VAC in einem Installationskanal sind demzufolge zulässig. Die von Ihnen geschilderte Situation von unterschiedlichen Gruppen unter einem gemeinsamen Kabelmantel wird im Starkstrombereich nicht ausdrücklich erwähnt. Zudem dürfte es kaum möglich sein, Kabel mit den für diesen Fall korrekten Aderbezeichnungen aufzutreiben. Aussagen über Stromkreise der Spannungsbereiche I und II in einem Kabel finden sich in den Artikeln 4.1.4.1.2 und 5.2.8.1. Dort sprechen die NIN vom Zusammentreffen von Schwach- und Starkstromanlagen. Bei einem einzelnen Speicherheizgerät können z.B. die folgenden drei Stromkreise in einem gemeinsamen Kabel geführt werden. Die Zuleitung zu den Heizelementen mit 3 ⫻ 400V (3LNPE), die Speisung 1⫻ 230 V (LN) für den eingebauten Ventilator und die elektronische Restwärmeerfassung (LL). Als Bedingungen für solche Installationen geben die NIN zwei Punkte an: • Jeder Leiter der mehradrigen Leitung muss gemäss der höchsten Spannung bemessen sein und • sind SELV-, PELV-Stromkreise und Starkstromkreise involviert, muss der Schwach- und der Starkstromkreis zu einer zusammengehörenden Einrichtung führen. Seite 43 von 276

Die vielleicht wichtigste Bedingung wird aber in einer Anmerkung zu 5.2.8.1 erwähnt. Es handelt sich um den Schutz von Datenübertragungsoder Fernmeldestromkreisen vor elektrischer Beeinflussung. Wer keine negativen oder gar gefährlichen Überraschungen erleben möchte, schenkt diesem Umstand die gebührende Beachtung! Aus diesen Gründen ist es immer sinnvoll, die bewährte, getrennte Führung von Schwach- und Starkstromanlagen anzuwenden, sehen sie die Bilder 3a und 3b. Platzierung der Anschrift «Achtung Fremdspannung» Ein Schaltschrank wird mit vier verschiedenen Spannungen, 3 ⫻ 400/230 VAC, 48 VDC, 110 VDC und 220 VDC eingespeist. Diese unterschiedlichen Spannungen sind auf Eingangsklemmen und von dort auf verschiedene Schütze, Steuergeräte usw. geführt. Wie verhält es sich hier mit dem Thema Fremdspannung? Wo muss das Warnschild «Achtung Fremdspannung» platziert werden? (A.B. in S.)

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Um bei Servicearbeiten zu verhindern, dass Elektrofachleute ungewollt an spannungsführenden Teilen arbeiten, wird das Schild «Achtung Fremdspannung» angebracht, 4.1.2.1. In dem von Ihnen erwähnten Schaltschrank besteht die Gefahr erst beim Entfernen der Basisabdeckung. Deshalb wird das Schild am besten auf der inneren Abdeckung oder beim Schloss des Schaltschrankes angebracht. Derart gewarnte Fachleute müssen bei Arbeiten im Schaltschrank zu ihrem eigenen Schutz das richtige Vorgehen mit Abschalten, Abdecken usw. wählen. Schutzleiter auf Leuchten In einem 40-jährigen Mehrfamilienhaus sind die Installationen nach TN-S ausgeführt. In einigen Wohnungen sind in den Schlaf- und Wohnzimmern keine Schutzleiter auf die Lampenstellen eingezogen bzw. direkt auf Steckdosen durchgeschlauft. Der Fussboden besteht überall aus Parkett. Mussten zu HV-Zeiten Metallleuchten in Wohnräumen mit nicht leitenden Böden nicht geerdet werden? Was sagen die NIN heute dazu? Müssen für erdungspflichtige Leuchten Schutzleiter nachgezogen werden? (D. R. in F.)

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In Artikel 41 211 der alten HV war die Anwendung der Nullung beschrieben. Unter Absatz 1 a) schreiben die HV: – die Nullung ist in folgenden Fällen anzuwenden: «an Objekten mit berührbaren, leitfähigen Teilen in nicht trockenen Räumen oder in gewerblich oder industriell benützten Räumen mit nicht isoliertem Standort.» Gemäss vorstehendem Artikel mussten früher Leuchten mit leitenden Gehäusen in den von Ihnen erwähnten Wohnräumen nicht mit dem Schutzleiter verbunden werden. Es handelte sich ja um trockene Räume, zudem war der Standort durch den Parkettboden recht gut isoliert. Sicher ist sicher, sagten sich schon damals viele vorsichtige Elektrofachleute und schlossen den Schutzleiter trotzdem an. Hier sind die NIN 2005 kategorischer. Nach Artikel 4.7.2 müssen grundsätzlich alle elektrischen Betriebsmittel in eine Schutzmassnahme einbezogen werden. Der Fehlerschutz durch die automatische Abschaltung mit Anschluss des Schutzleiters darf nur für kleine, leitende Teile von Betriebsmitteln entfallen, wenn sie eine Grösse von 50 ⫻ 50 mm nicht überschreiten (4.7.2.2.7). Also ist der Schutzleiter heute auf jede Leuchtenstelle mitzuführen. Häufig ist ja nicht im Voraus festgelegt, ob sonderisolierte Leuchten ohne oder Metallleuchten mit zwingendem Schutzleiteranschluss eingesetzt werden. Soll nur eine einzelne Leuchte ausgewechselt werden, besteht in dieser Situation keine wesentliche Gefahr. Sie als Fachperson werden vielleicht den Schutzleiter im Lampendübel suchen. Ein Laie darf ohne weiteres sel-

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Gleichzeitigkeitsfaktor nicht geglättet

ber Leuchten montieren. Mit grosser Wahrscheinlichkeit weiss er nichts von der Funktion des Schutzleiters und schliesst ihn auch nicht an. Wenn hingegen ältere Installationen erneuert oder erweitert werden, sind die heute gültigen Normen anzuwenden. Platzierung von Schaltgerätekombinationen auf brennbare Gebäudeteile Bei einer periodischen Kontrolle habe ich die auf Bild 6a gezeigte Verteilung angetroffen. Dazu die folgenden Fragen: a) Gelten die Bestimmungen von NIN 2000, Artikel 5.3.9.3 über die notwendigen Abstände von SGKs zu brennbaren Gebäudeteilen nicht mehr? b) Aus dieser Bestimmung wäre ja auch ein Abstand vom Sicherungselement nach vorne einzuhalten, in meinem Fall wäre der brennbare Vorhang vor der Verteilung wohl nicht zulässig? c) Die seitlichen Abstände ab dem Verteilerrahmen zu der Holztäfelung sind sicher auch nicht über alle Zweifel erhaben. (P.G. in W.)

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a) Nach NIN 5.3.9.9.1 müssen offene Schaltgerätekombinationen von brennbaren Gebäudeteilen durch nicht brennbare und wärmeisolierende Verkleidungen getrennt sein. Bei der Montage neuer SGKs auf brennbare Gebäudeteile gehen die NIN 2005 offenbar davon aus, dass mehrheitlich geschlossene, nicht oder schwer brennbare Kasten eingesetzt werden. Weil ein geschlossener Kasten die gestellten Bedingungen ringsum erfüllt, sind die von Ihnen erwähnten Abstände in den NIN 2005 nicht mehr aufgeführt. Die bekannten, bewährten Unterlagen und vorgegebenen Distanzen in den NIN 2000 waren keinesfalls

falsch. Meines Erachtens sind sie überaus vorsichtig und es ist sinnvoll, sie auch in Zukunft bei solchen Fragen zu verwenden. b) Bild 6b zeigt einen Vorhang, der sich vom Kunden über die Verteilung ziehen lässt. In Anlehnung an die Skizze in NIN 2005, B+E 5.3.9.9 ist dieser leicht brennbare Rollladen nicht gut platziert, weil vom ihm bei einem elektrischen Störungsfall eine Brandgefahr ausgehen könnte. c) Die direkt anschliessend gefertigten Täferteile waren beim Erstellungzeitpunkt klar nicht normengemäss, Damals musste die nichtbrennbare und wärmeisolierende Verkleidung der Rückwand bekanntlich seitlich, je nach Grösse der SGK, 10– 20 cm vorstehen. Die NIN 2005 gehen hier davon aus, dass der ALU-Rahmen einen genügenden Brandschutz darstellt. Wichtig ist, dass die Einführungsöffnungen der Leitungen sehr sorgfältig erstellt bzw. verschlossen werden. Geglätteter Häufung- und Gleichzeitigkeitsfaktor In der NIN Compact wird im Bild 5.2.3.1.1.15a (Seite 35) von einem geglätteten Gleichzeitigkeits- und geglättetem Häufungsfaktor geredet. Was wird mit «geglättet» gemeint? (M.D.)

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Die Gleichzeitigkeits- und Häufungskurven bestehen aus vielen, einzelnen, berechneten Punkten. Würden sie so dargestellt, entstünde ein «digitales», treppenartiges Bild. Sehen Sie dazu Bild 7a. Sie werden jedoch «geglättet» gezeichnet, d. h. sie folgen dem Mittelwert der berechneten Punkte wie in Bild 7b dargestellt.

Gleichzeitigkeitsfaktor geglättet

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A7b

Elektrotechnik 10/06 | 89


Druckfehler in der Tabelle 5.2.3.1.1.15.5 der NIN Compact Im Kapitel 5.2.3.4 der NIN Compact sind zwei Beispiele über die Dimensionierung von Leitungen aufgeführt. Im Beispiel 1 auf Seite 37 wird der Querschnitt der Lichtinstallation mit 2,5 mm2 angegeben. In der Tabelle 5.2.3.1.1.15.5 auf Seite 40 ist jedoch für die gleiche Leitung jedoch nur ein Querschnitt von 1,5 mm2 notwendig. (VA B2/Stromkreise 5–8). Was ist jetzt richtig, 2,5 oder 1,5 mm2? Muss man hier die ganze Lichtinstallation mit 2,5 mm2 erstellen oder nur die Zuleitung? (M.D.)

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In der von Ihnen erwähnten Tabelle 5.2.3.1.1.15.5 sind tatsächlich Druckfehler vorhanden. Wenn Sie die gleiche Tabelle in den NIN 2005 betrachten, sieht sie anders aus. Im Beispiel 1 der Compact ist ein Querschnitt von 2,5 mm2 richtig. Die Korrekturen 2006 für die NIN Compact lassen sich auf der Homepage von Electrosuisse www.electrosuisse.ch/Normen/NIN 2005/NIN-Compact herunterladen. Der angegebene Querschnitt bezieht sich auf die ganze Länge der Leitung. Eine Reduktion des Querschnittes auf 1,5 mm2 bei allfälligen Abzweigungen ist nicht zulässig. Fehlerstromschutz für ältere Steckdosen Bei der Sanierung einer Aussenfassade erhielten wir den Auftrag, die Ausseninstallationen zu kontrollieren sowie defekte Schalter, Steckdosen und Leuchten zu ersetzen. Zusätzlich wurde eine neue Steckdosenleitung bei einem Balkon gewünscht. Die neue Steckdosenleitung wurde durch uns mit einem Fehlerstromschutzschalter ausgerüstet. Wie sieht es jetzt bei den anderen Steckdosen, es wurden effektiv nur die bestehenden Betriebsmittel gegen neue ersetzt, muss die Fehlerstromschutzschaltung nachgerüstet werden? (M.D.)

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Normengemässe Platzierung von Niedervoltleuchten im Badebereich

12 V 20 W

12 V 20 W

12 V 20 W

12 V 20 W

Spiegelschrank

Distanz 60 cm Badewanne

Bereich 2

F10 Es war richtig, dass Sie die neue Steckdosenleitung über eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt haben. Die Situation der anderen Steckdosen ist delikater. Zwar gelten die NIN für neu zu erstellende Installationen und nicht für in der Vergangenheit erstellte. Insofern kann man davon ausgehen, dass bei einer blossen Auswechslung der Apparate die bestehende Installation nicht verändert oder erneuert wird und eine Nachrüstung der Fehlerstromschutzschaltung nicht zwingend ist. Dazu jedoch Folgendes: In solchen Situation sind Elektrofachleute nicht nur beruflich, sondern auch als Vertrauens- und Fachperson für den Kunden gefordert. Das vorhandene Sicherheitsrisiko ohne Fehlerstromschutzeinrichtung sollte dem Kunden plastisch vor Augen geführt werden. Er soll begreifen, was z. B. beim Anschluss von Verbrauchern über Kabelrollen mit dem Kurzschlussstrom passiert, dass häufig das vorgeschaltete Schutzorgan nicht mehr in der geforderte Zeit auslöst und der Personenschutz nicht eingehalten ist. Vernünf-

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tige Kunden lassen sich überzeugen und die normengemässe Sicherheit durch Einbau von SIDOS-Steckdosen nachrüsten. Schutzgrad für Einbauleuchten in Badezimmerschrank Wir sollen einen Spiegelschrank gemäss Bild F10 anschliessen. Muss der gezeichnete Spiegelschrank trotzdem der Schutzart IPX4 zu entsprechen, obwohl der Transformator für die Niedervoltleuchten ausserhalb des Bereichs 2 platziert ist? (M.Sch.)

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Die NIN schreiben für alle Betriebsmittel im Bereich 2 den Schutzgrad IPX4 vor. Das hat mit der Platzierung des Transformators nichts zu tun. Wenn ein Teil des Spiegelschrankes in diesen Bereich hineinragt, haben die eingebauten Betriebsmittel diesem Schutzgrad zu entsprechen. Lesen Sie dazu auch die Antwort zu Frage 1. ET 09

Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Die Tendenz der Normen geht dahin, eher weniger konkrete Fakten als vielmehr Grundlagen festzulegen. Die Norm wird dadurch langlebiger und die persönliche Fachkompetenz und Entscheidungsfähigkeit der Elektrofachleute ist notwendig und gefragt, um sie korrekt anzuwenden. Ein Bespiel zeigt die Frage 9. Vielleicht ist das für mache Elektrofachkraft noch ungewohnt, aber so wird das eigene Wissen ständig geschärft und keine Buchstaben-, sondern echte Konformität mit den Grundgedanken der Norm erreicht. Die folgenden Fragen streben dieses Ziel an. Sind Sie mit dabei? Ich freue mich darüber!

Ernst Feldmann

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Die Hierarchie der Normen und der NIN-Compact

Die EN-Normen haben Priorität, gefolgt von den NIN 2005

Die NIN-Compact ist keine Norm, sie dient als Lehrbuch!

A3

Verkleidung von Schaltgerätekombinationen in brennbaren Gebäudeteilen Die NIN verlangen bei einem Einbau von Schaltgerätekombinationen in Gebäudeteilen mit einem Abschluss durch Türen eine nicht brennbare und wärmeisolierende Verkleidung der brennbaren Türen. In der Skizze NIN B+E 5.3.9.9.1 sind Schmelzsicherungen eingezeichnet. Ist diese Verkleidung nur bei Schmelzsicherungen oder auch bei Leitungsschutzschaltern notwendig. (K.U.)

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Differenz zwischen der NIN 2005 und der NIN-Compact Bei der Vorbereitung einer NINLektion ist mir aufgefallen, dass zwischen der NIN 2005 und der NIN Compact 2005 eine Abweichung besteht. Bei der Tabelle 5.2.4.4 in den NIN 2005 ist 1,5 mm2 nur bis 16 A Nennstrom gestattet. In der NIN Compact hingegen wird 1,5 mm2 bis zu einem Nennstrom von 20 A gestattet. So war es früher auch in der NIN 2000. Welcher minimale Querschnitt gilt nun für ortsveränderliche Leitungen? (W. B.)

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Grundsätzlich gilt die NIN 2005 als rechtlich verbindlich, die NIN Compact hingegen als Lehrbuch. Das zur Rechtslage. Sehen Sie dazu die Skizze A3. Dazu jedoch die folgenden Gedanken. In der Tabelle 5.2.4.4 der NINCompact werden mit PVC- und VPEisolierten Kabeln zwei Arten von ortsveränderlichen Leitungen erwähnt. Elektrotechnik 11/06 | 111

Rubriken

Die NIN sprechen in 5.3.9.9 von Schaltgerätekombinationen und definieren nicht, ob es sich bei den eingebauten Schutzorganen um Schmelzsicherungen oder Leitungsschutzschalter handelt. Im Kurzschlussfall können sowohl von Schmelzsicherungen, aber auch von Leitungsschutzschaltern Flammenauswirkungen ausgehen. In der Skizze B+E 5.3.9.9.1 sind zwar Schmelzsicherungen gezeichnet. Die gleichen Forderungen der Verkleidung einer brennbaren Abschluss-

türe gelten auch, wenn Leitungsschutzschalter eingebaut sind.

Education

Querschnitt von Lautsprecherleitungen 100-V-Musikanlagen werden mit Wechselstrom betrieben. An den über Trenntrafos gespeisten Lautsprecherkreisen können bis zu 100 V auftreten. Die NIN verlangen bei Niederspannungsinstallationen einen Minimalquerschnitt von min 1,5 mm2. In der Praxis werden jedoch 0,8- oder 1-mm2-Kabel verwendet. Gelten die NIN für Musikanlagen nicht? (S.S.) Die NIN richten sich grundsätzlich an Niederspannungsinstallationen. Bei Musikanlagen handelt es sich um Produkte. Diese fallen nicht unter den Bereich der NIN. Weil die Anspeisung der Lautsprecher über Trenntransformatoren erfolgt, besteht für den Anwender auf der Sekundärseite keine Gefahr, ausgenommen wenn er beide Leiter gleichzeitig berühren würde. An den Boxen wird kaum im eingeschalteten Zustand manipuliert, es könnte sonst der Endstufe des Verstärkers sehr abträglich sein. Trotz Rückfrage bei verschiedenen Firmen konnte ich keine verbindlichen Normen über Minimal-Querschnitte für Musikanlagen finden. Offenbar werden für kurze Strecken auch kleinere Querschnitte als 1,5 mm2 verlegt. Auf der Webseite www.acs-akustik.at/hoeren.htm wird

1,5 mm2 oder noch besser 2,5 mm2 empfohlen. Die Autoren des Artikels begründen ihren Rat für den grösseren Querschnitt jedoch nicht mit den Normen, sondern mit der Übertragungsqualität.

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VPE-Isolationen ertragen wesentlich höhere Strombelastungen. In der NIN 2005 geht die Tabelle 5.2.3.1.1.11.11 (VPE-Isolation in der Verlegungsart E, frei verlegt) für 1,5 mm2 von maximal 23 A Belastungsstrom aus. Für VPEIsolationen treffen demzufolge die angegebenen 20 A Belastungsstrom für 1,5 mm2 gemäss NIN-Compact zu.

Zusammentreffen bestehender Installationen TN-C mit neuem System TN-S

Bezügerüberstromunterbrecher

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Ihre Frage beinhaltet zwei verschiedene Aspekte. Der Grundsatz der allpoligen Abschaltbarkeit ist grundsätzlich 112 | Elektrotechnik 11/06

Bestehende, ältere Überstromunterbrecher im System TN-C

A

Abzweigkasten

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Hauptschalter bei Waschmaschinenanschluss? In einem Mehrfamilienhaus habe ich die Installationen einer anderen Firma begutachtet. Die Waschmaschine war mit einer Abzweigdose, ohne Schalter fest angeschlossen. Ich war der Meinung, dass alle Energieverbraucher abschaltbar sein müssen. Ist es heute zulässig, dass getrennt montierte Leitungsschutzschalter oder gar Schmelzsicherungen als Schalter dienen können? Was sagen die NIN dazu? (M.R.)

Zähler

A

Normengemässe Auflösung TN-C in TN-S Wir erweitern die Installationen in einem älteren Wohnhaus. Sehen Sie dazu meine beigelegte Skizze. Was sagen die NIN zum grundsätzlichen Vorgehen mit den unterschiedlichen Nullungsschemas Sch III und heute TN-S? (C.F.)

Ein grundsätzlicher Gedanke ist bei diesen Fragen wichtig. Wenn das alte 4-adrige Schutzsystem TN-C einmal aufgelöst ist auf das 5-adrige System TN-S, sind keine weiteren Verbindungen zwischen Neutral- und Schutzleiter mehr zulässig. In Kurzform ausgedrückt: TN-C → TN-S ja, aber TN-S → TN-C nein. In der Skizze, die Sie mir zugestellt haben, ist dieser Grundsatz nicht eingehalten. Die Hausleitung ab Hausanschlusskasten wird 5-adrig, also bereits aufgelöst geführt. Nach den Bezügerüberstromunterbrechern wird trotzdem wieder auf das alte Schutzsystem Sch III zurückgegriffen. Beachten Sie die vorgeschlagene Lösung in Bild A 4. Der Übersichtlichkeit halber ist die Skizze einpolig und nur mit je einem Zählerkreis pro Stockwerk gezeichnet. Die weiteren Kreise lassen sich sinngemäss installieren. Die NIN nehmen in B+E 4.1.3.1.3.2.2 mit Schema dazu Stellung.

B

Abzweigkasten Neue Überstromunterbrecher im System TN-S

A = Querschnitt 10 mm B = Klemmen mit spezieller Trennmöglichkeit

A

Bezügerüberstromunterbrecher

B Zähler

A

Bestehende, ältere Überstromunterbrecher im System TN-C

A

Abzweigkasten

Abzweigkasten Neue Überstromunterbrecher im System TN-S A

Hausanschlusskasten

Erderanschluss

Einpolige Darstellung um die Übersichtlichkeit zu erleichtern

A4

nach wie vor richtig. Er ist in der bekannten Art in den NIN 2005 nicht mehr verankert. Ein Grund sind sicher die vielen elektronischen Schalter in modernen Geräten, die nicht allpolig oder galvanisch trennen. Die NIN haben die grundsätzliche Forderung etwas reduziert und gestatten den Festanschluss von Geräten über Abzweigdosen, ohne zusätzlichen Schalter in der Zuleitung. Es war schon früher nicht exakt festgelegt, wo der Netzschalter platziert sein musste. Er kann demzufolge genau so gut im Gerät, wie in der speisenden Leitung oder auf der Schaltgerätekombination montiert sein. Sehen Sie dazu Bild A 5a. (Ausnahmen beachten) Demzufolge ist die von Ihnen beobachtete Installation zulässig. Der zweite Teil betrifft das Schalten durch Leitungsschutzschalter oder Schmelzsicherungen. Schmelzsicherungen gelten nicht als Schalter sonSeite 47 von 276

dern immer nur als Trennvorrichtungen. Leitungsschutzschalter gelten heute auf Grund der ausgereiften Technik als Schalter. Bei Drehstromgruppen müssen sie jedoch mechanisch verbunden sein, um die gestellte Bedingung des gleichzeitigen Schaltens der drei Polleiter zu erfüllen. Sehen Sie dazu die Skizze A 5b. Fehlerstromschutz für Steckdosen im Hausinnern Im Keller eines EFH habe ich bei der Stichprobenkontrolle eine Steckdose CEE 32 angetroffen. Sie ist die einzige Drehstromsteckdose und nicht Fehlerstrom geschützt. Weil es wahrscheinlich ist, dass dort im Freien benützte Gerät angeschlossen werden, bin ich der Meinung, für eine solche Steckdose sollte die Fehlerstromschutzschaltung angewandt werden. Der von mir angesprochene Installateur versicherte mir jedoch, dass diese Steckdose nur für eine Holzfräse im

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Keller benützt werde, da es etwa 10 m bis zur Türe seien. Mir scheint, der Installateur sollte dem Kunden eher den Fehlerstromschutz anpreisen und auch verkaufen, weil er nie sicher sein kann, dass nicht doch Geräte dort eingesteckt und im Freien benützt werden. (D.Z.)

Rechtfertigung übernimmt. Zur Verwendung der Steckdose kann sich nur der Anlagebesitzer verbindlich äussern. Er allein weiss, wie seine Installationen benützt werden. • Die geschilderte Situation ist ein geradezu klassisches Beispiel. In unserem Beruf scheint es leider derzeit nur eine Maxime zu geben. Billig, billiger, am billigsten und das um jeden Preis, selbst auf Kosten der Sicherheit, wie schade. Warum setzen Elektrofachleute nicht auf die andere Karte und verkaufen ihre Fachkompetenz gewinnbringend? Anstatt den Kunden von Fehlerstromschutzeinrichtungen abzuraten, wäre doch der intelligentere Weg ihnen die Vorteile dieses bewährten Schutzes aufzuzeigen und sie zu

Die NIN schreiben für alle Steckdosen im Freien den Fehlerstromschutz eindeutig vor. Darunter fallen auch Steckdosen, deren Einsatz im Freien voraussehbar ist. Die Normenlage ist demzufolge eindeutig, die praktische Anwendung leider nicht immer. Das scheint auch hier der Fall zu sein. Dazu die folgenden Gedanken. • Es ist merkwürdig, dass der Elektroinstallateur die Argumentation und

A 5b Platzierung von Schaltern nach NIN Schmelzsicherungen gelten nur als Trennvorrichtung

Waschmaschine

ZwischenVerteilung

Waschraum

Vorplatz

Eine Beschriftung ist notwendig, wenn die Zugehörigkeit der Schalteinrichtung nicht eindeutig ist.

A 5b Schaltung durch Leitungsschutzschalter

Ohne mechanische Verbindung So angeordnet gelten LS nur als Trennvorrichtung

anders hier!

Dieser Block gilt als Schalter, weil alle Polleiter gleichzeitig schalten

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überzeugen. Ich bin überzeugt, das wäre auch in diesem Fall möglich. Selbstverständlich muss der Kunde erkennen, welche Risikoreduktion durch den geringen Mehrpreis möglich ist. Zudem entspräche die Installation dann auch den Normen. • Im Bericht über die kontrollierte Installation sollten Sie auf jeden Fall die positive Schutzwirkung der Fehlerstromschutzschaltung hervorheben. Erwähnen Sie ganz klar, dass nur so die von dieser Steckdose gespeisten Geräte, wenn sie im Freien betrieben werden, normengemäss geschützt sind. IP-Schutz für Maschinen und zugehörige Installation Wir haben in einer Schreinerei eine grosse Kombi-Fräse installiert. Wie in den NIN verlangt, haben wir für die Betriebsmittel in feuergefährlichen Räumen einen IP-Schutz von mindestens IP 5X gewählt. Der installierende Monteur hat mich auf etwas Merkwürdiges hingewiesen. Der Steuerkasten der Maschine selber und die darauf montierten Steckdosen wiesen nur einen Schutzgrad von IP 44 auf. Auf unsere Rückfrage beim schweizerischen Importeur der österreichischen Maschine wurde uns ziemlich knapp und energisch entgegnet, die Maschine sei ordnungsgemäss geprüft und das Weitere sei nicht unser Problem. Die Staubansammlung ist aber direkt bei oder auf der Maschine grösser als im Installationsbereich. Weshalb kann der IP Schutzfaktor bei solchen Maschinen kleiner sein als für die ortsfesten Installationen? Dieses Problem lässt mich nicht los, und so bin ich nun mit dieser Frage bei Ihnen angelangt. (M.S.)

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Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Schaltgerätekombinationen an einer Maschine die für feuergefährliche Bereiche zugelassen ist, einen geringeren IP-Schutzgrad aufweisen kann als die Betriebsmittel der Installation. Wir haben mit den entsprechenden Stellen Kontakt aufgenommen und es hat sich etwas bewegt. Lesen Sie nachstehend die dritte Meldung des Maschinenlieferanten: • Nachdem ich kontaktiert worden bin, habe ich mich mit meinem Kollegen in Verbindung gesetzt und nochmals die Normen durchgelesen. Dieser erklärte mir, dass in der Norm für die allg. elekElektrotechnik 11/06 | 113


trische Ausführung von Maschinen auf eine maschinenspezifische Norm verwiesen wird, in der die notwendige Schutzklasse angegeben ist. Leider habe ich diesen Verweis übersehen, daher war meine Annahme, dass ein Schutz IP44 ausreichend ist, nicht korrekt. Ich möchte mich dafür entschuldigen. Die Nachrüstung der Maschine wird intern erörtert. Wie Sie mir berichtet haben, ist in der Zwischenzeit die Nachrüstung erfolgt und die SGK auf der Maschine entspricht den Normen. Potenzialausgleich in einem Viehstall Von einem externen Kontrolleur haben wir einen Kontrollrapport über den PA in einem älteren Stall erhalten. In diesem Viehstall bestehen die Melkanlage, die Selbsttränke, die Wasserleitung und natürlich die Stahlträger aus Metall. Alle Teile liegen im Berührungsbereich und können gleichzeitig erfasst werden. Wir haben diese Teile miteinander verbunden und in den Potenzialausgleich einbezogen. Der Kontrolleur hat den PA beanstandet mit der Begründung, im bestehenden Boden (altes Läger) sei kein PA angeschlossen. Ich habe den Eindruck, dass der Anschluss des PA trotzdem sinnvoll ist. Bin ich da falsch? (M.S.) Der Potenzialausgleich in Viehställen ist sehr wichtig, weil Tiere extrem heikel selbst auf geringe Potenzialdifferenzen von wenigen Volts reagieren. Sie haben die sichtbaren Metallteile mit dem PA verbunden. Für die angebundenen Tiere kann so eine äusserst unangenehme Situation entstehen. Wenn der bestehende, alte Boden ein anderes Potenzial annimmt als die mit dem PA verbundenen Teile, stehen die Tiere ständig unter dieser Spannungsdifferenz. Aus diesem Grund wurden früher alle metallischen Zuleitungen zum Stall mit einem Isolierstück eingeführt. Die Beanstandung des Kontrolleurs ist somit verständlich. Meines Erachtens existiert noch eine weitere Lösung. Dazu müssten im bestehenden Boden Armierungseisen vorhanden sein. Ist das der Fall, müssten diese an mindestens zwei Stellen gesucht und mit den übrigen Metallteilen verbunden werden. So wäre das Auftreten von Potentialdifferenzen nicht mehr möglich und die Situation entscheidend verbessert.

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Gemeinsame Verlegung von Schwachund Starkstromkabel In der ET 9/2006 wurde in Frage 3 von der Beeinträchtigung von Schwachstromanlagen durch Starkstromanlagen gesprochen. Wann besteht bei gemeinsamer Verlegung auf demselben Trassee oder Kanal die Gewissheit, dass keine negativen Einflüsse auf die Schwachstromanlagen übertragen werden? Eine getrennte Verlegung von Schwach- und Starkstromkabeln ist bei Umbauten meistens nicht möglich. Schreiben die NIN minimale Abstände vor? (P.O.)

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Nein, die NIN können keine minimalen Abstände bekannt geben, zu unterschiedlich sind die Empfindlichkeiten von Schwachstromanlagen. Möglicherweise reichen bereits abgeschirmte Kabel aus um eine unzulässige Beeinträchtigung zu vermeiden. In der Regel sind aber zusätzliche, durch den jeweiligen Hersteller des Schwachstrom- oder Elektronikbereiches vorgeschriebene Abstände notwendig. Er ist für Elektrofachleute der Ansprechpartner um Anlagen mit Sicherheit so installieren zu können, dass keine negativen Auswirkungen zwischen Schwach- und Starkstrombereich entstehen. Basisschutz für Aussenbeleuchtungen Im Kapitel 7.14.4.1.2. über Aussenleuchten wird verlangt, dass bei solchen Leuchten bis zu einer Höhe von 2,8 m über der Grundfläche, der Zugang zu der Lichtquelle nur nach Entfernen einer Abdeckung oder Umhüllung mittels Werkzeug möglich sein darf. Heisst das, dass offene Pilzleuchten mit direktem Zugang zum Leuchtmittel, wie sie auf vielen Minigolfplätzen montiert sind, neu nicht mehr zulässig sind? (V.E.) Die NIN sprechen in 7.14.4.1.2 den Basisschutz für Laien an und verlangen eine erhöhte Sicherheit für die von Ihnen erwähnten Leuchten. Die verlangte Abdeckung, die durch Werkzeug oder Schlüssel entfernbar ist, bietet diesen Schutz und muss demzufolge in Zukunft angebracht werden.

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ET 09

Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Der Verfasser hat in jüngster Vergangenheit an verschiedenen Anlässen über die NIN 2005 gesprochen. Der beachtliche Andrang zeigte einmal mehr das Interesse der Elektrofachleute an normengemässen Installationen. Es drückte sich auch in verschiedenen Fragen aus, die teilweise nachstehend aufgeführt sind. Der sichtbare Wille, die Sicherheit von Personen, Nutztieren und Sachwerten in den Vordergrund zu stellen, hatte Priorität. Vereinzelt fanden sich Probleme aus Graubereichen darunter. Gelegentlich könnte dabei der Eindruck entstehen, es drehe sich alles nur noch um den Preis. Über Normenkonformität, Qualität, Sauberkeit wird kaum gesprochen. Solche Installationsarbeiten sind wenig erquicklich und machen auch nicht Freude. Es ist schön eine fachgemässe, saubere Installationen zu erstellen, worauf man stolz sein kann!

Ernst Feldmann

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Jedes Druckerzeugnis weist kleine Fehler auf. Das ist auch bei den NIN 2005 nicht anders. Ich finde es super, dass es immer wieder Elektrofachleute mit Spürnasen für solche Fälle gibt. Es zeigt auch, wie genau die NIN 2005 gelesen und analysiert wird, da kann man nur gratulieren und Bravo sagen! Sie haben den kleinen Fehler richtig erkannt. Es soll Ipk = Icp ⫻ Faktor n heissen.

hältnisse in der Schaltgerätekombinationen den Einbau nicht zulassen oder bei Installationen im System TN-C (alt SCH III), wenn ein Schutzleiternachzug als ausgeschlossen erscheint), so kann der zusätzlich Schutz für alle Stromkreise durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung in der Steckdose realisiert werden.» So gesehen ist Ihre Meinung der Nachrüstung in Frage 2a richtig. Sehr tragisch, wenn selbst Fachleute versagen und Installationsinhaber, aus welchen Gründen auch immer, falsch informieren. b. Wie sieht es in Badezimmern aus, wenn wir den Auftrag erhalten die defekte Steckdose einer Kombination I-I (Sch3 / T13) auszuwechseln? Die defekte, ältere Steckdose ist nicht FI-geschützt. Muss hier der heute vorgeschriebene Fehlerstromschutz nachgerüstet werden, oder kann nur der defekte Steckdoseneinsatz ausgewechselt werden? (PN. in A.) Sinnvoll ist der Einbau sicher auch hier. Es ist jedoch eine Frage des Augenmasses und gesunden Menschenverstandes, ob ein defekter Steckdoseneinsatz zum Einbau einer Fehlerstromschutzeinrichtung führen muss, mir scheint eher nein. Gerade hier ist eine objektive Information der positiven Wirkung von Fehlerstromschutzeinrichtungen wichtig für den Perso-

Education

Berechnung des dynamischen Kurzschlussstromes In den NIN 2005 findet man unter 5.3.9.7.5.3 eine Tabelle mit dem Faktor für die Bestimmung des dynamischen Kurzschlussstromes. Gemäss Text der NIN und EN 60439-1 in Tabelle 4 berechnet sich der elektrodynamische Stosskurzschlussstrom Ipk aus dem gemessenen oder prospektiven Kurzschlussstrom multipliziert mit dem in der Tabelle angegebenen Faktor. Mir scheint, dass die Formel deshalb wie folgt lauten sollte Ipk =Icp ⫻ Faktor n und nicht Icp =Ic ⫻ n, wie sie in den NIN steht. (M.L. in S.)

lerstromschutzeinrichtung in die Steckdosen des neuen Spiegelschrankes. Der Eigentümer beharrt darauf, beim Ersatz von Spiegelschränken sei keine Fehlerstromschutzeinrichtung notwendig. Ein versierter Elektrokontrolleur habe ihm das versichert. Ich bin der Auffassung, in solchen Situationen sei der Fehlerstromschutz nachzurüsten. Gibt es Weisungen über dieses Problem, damit ich den Disput mit dem Eigentümer klären kann? (M.H.) Die NIN sprechen eine eindeutige Sprache. In 7.01.4.7.2.1 wird der geschilderten Situation Rechnung getragen. Der Text lautet: «Erweist sich bei Umbauten oder Renovationen die Realisierung des zusätzlichen Schutzes durch Fehlerstromschutzeinrichtungen als sehr aufwändig (z.B. wenn die Platzver-

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F3 Sichtprüfung der Schutzleiterverbindung in SK Zuleitung des PE-Leiters

Nachrüsten von Fehlerstromschutzeinrichtungen bei kleinen Reparaturen usw. a. Ich habe ein Problem mit einem Eigentümer wegen dem Einbau einer Feh-

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Schutzleiterverbindung über zwei Alu-Profile

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Elektrotechnik 12/06 | 73

Rubriken

Verbindung des PELeiters auf den Rost der Schaltgerätekombination


nenschutz. Erfolgt sie auf gute Art und Weise, ohne «Holzhammer», ist die Wahrscheinlichkeit extrem hoch, dass Installationsinhaber einsichtig sind. Wird stur die Norm vorgeschoben und mit Drohungen vorgegangen, besteht die Gefahr der Verhärtung und Eskalierung. Schutzleiterverbindung in Schaltgerätekombinationen Im vorliegenden Verteilschrank mit verschiedenen Feldern wird die Einspeisung in Bild F3 gezeigt. Der Schutzleiter wird mit zwei Schrauben auf die beiden ALU-Profilschienen erstellt. Der Einbaurahmen bildet die Verbindung auf die ganze Schaltgerätekombination. Alle Profilschienen des Rahmens sind gut miteinander verbunden und ich vermute mit Spezialschrauben gegen Selbstlockerung geschützt. Der Hersteller dokumentiert mit Prüf- und Messprotokoll eine normengemässe Schutzleiterprüfung (300 V, 10 A). Wird damit der Nachweis erbracht, dass die Schutzleiterverbindungen auf alle Felder und sämtliche Abgangsklemmen in Ordnung sind? (H.G. in K.) Die Einspeisung des PE-Leiters ist offenbar allein über zwei Schrauben auf die beiden ALU-Profile der Schaltgerätekombination verbunden. Bei der Prüfung mit 300 V/10 A ergibt das zwar einen genügenden Wert. Zudem sind die heute eingesetzten Schrauben vielfach direkt gegen Selbstlockerung geschützt. Diese beiden Punkte sind demzufolge erfüllt. Anders beurteile ich den notwendigen Leitwert der Schutzleiterverbindung. Die Norm

3

schreibt klar vor, dass dieser mindestens demjenigen der Zuleitung zu entsprechen hat. NIN 5.4.3.2.2+4. Gemäss Bild F3 habe ich den Eindruck, dass dieser Punkt nicht eingehalten ist. Diese Kontrolle hat ebenfalls zu erfolgen. In einem allfälligen Kurzschlussfall könnten sonst grosse Kurzschluss-Ströme verheerende Auswirkungen bewirken. Das zeigt, wie selbst ein korrekt ausgefülltes Mess- und Prüfprotokoll des Herstellers die nachfolgende Kontrollinstanz nicht davon entbindet die Sichtkontrolle mit Fachkompetenz durchzuführen. Gemeinsamer Schutzleiter für mehrere Geräte a. Wir installieren 4 grosse Geräte. Ihre Einspeisung erfolgt ab Hauptverteilung über 4 NH-Sicherungsgruppen zu je 350 A pro Gerät. Die Geräte sind örtlich nahe beieinander aufgestellt und auf Eisenprofilen am Boden befestigt und verfügen über gut leitende Verbindungen. Die Polleiter der vier Zuleitungen haben je einen Querschnitt von 240 mm2 +PE. Wir fragen uns, ob für jedes Gerät ein separater PE-Einzelleiter notwendig ist oder die Möglichkeit besteht für alle 4 Geräte einen gemeinsamen PE-Leiter zu verlegen und diesen von Gerät zu Gerät zu schlaufen?

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Es ist absolut unwahrscheinlich, dass ein Isolationsfehler bei 4 verschiedenen Geräten im gleichen Moment auftreten kann. Deshalb darf ein gemeinsamer Schutzleiter für mehrere Geräte benützt werden. Die vorgegebenen

A4 Verwendung eines gemeinsamen Schutzleiters für mehrere Objekte

Alle Schaltvorrichtungen sind der Einfachheit halber weggelassen worden!

Gemeinsamer PE-Leiter, separat verlegt. Der Leitwert muss dem grössten zu verlegenden Querschnitt entsprechen. Bei Abzweigungen gilt der geringere Leitwert des angeschlossenen Objektes als Querschnitt-bestimmend.

74 | Elektrotechnik 12/06

Seite 51 von 276

Bedingungen werden in NIN in Artikel 5.4.3.1.5.1 B+E erläutert. Dabei sind die Angaben zur Querschnittsbemessung zu beachten. Je nach Leitungsführung kann allenfalls noch eine Reduktion des PE-Leiters auf Geräte mit geringerem Zuleitungsquerschnitt angewendet werden. Beachten Sie Bild A4. b. Wie würde die Verlegung eines gemeinsamen PE-Leiters normenkonform erfolgen? Muss dieser örtlich bei den Polleitern platziert, bzw. verlegt sein, oder kann er allenfalls getrennt von den Polleitern, z.B. im oberen Trassee montiert werden? (R.K.) Der Schutzleiter kann auch separat, getrennt von den aktiven Leitern verlegt werden. NIN 5.4.3.1.4. Es ist demzufolge möglich den Schutzleiter in einem anderen Trassee zu platzieren. Gültigkeit der NIN 2005 für ältere Installationen bei periodischen Kontrollen Sind Installationen bei periodischen Kontrollen auf den Stand der NIN 2005 zu bringen oder ist der Stand der Vorschriften massgebend, die zur Zeit der Erstellung der Installationen in Kraft und gültig waren? (E.H. in D.)

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Die NIN blicken im Normalfall grundsätzlich nicht zurück. Als Beispiel können die in älteren Lichtinstallationen verwendeten 1-mm2Leiter gelten. Die HV schrieben bereits 1995 einen Minimalquerschnitt von 1,5 mm2 für alle Verbraucherleitungen vor. Wenn alte 1-mm2-Leiter normengemäss geschützt (6 A) sind besteht keine Gefahr. Solche Situationen müssen bei periodischen Kontrollen nicht beanstandet werden, weil keine Gefahr besteht. Weniger eindeutig ist es z. B. in älteren Badzimmern oder bestehenden Aussensteckdosen mit den vorgeschriebenen Fehlerstromschutzeinrichtungen. Wurden keine Erweiterungen an den Installationen vorgenommen und die normengemässe Abschaltung überprüft, soll dem Hausbesitzer die Fehlerstromschutzschaltung wärmstens empfohlen werden. Erfahrungsgemäss wird ein sehr hoher Prozentsatz der Empfehlung nachkommen. Bei durchgeführten Erweiterungen oder unzulässig hoher Ab-


Grenzen der Zulässigkeit für die Montage von Steckern T12 an Geräten mit 240 V Nennspannung

1,5

1,0

0,5

A8

Energieverbraucher 240 V der Nennstrom darf nicht grösser als 10 A sein, sonst . . .

H2O-Hitzi

. . . ist kein Stecker T12 zulässig!

schaltzeit (>0,4 s) ist der fehlende Fehlerstromschutz zu beanstanden. Sicherheitsrelevante Forderungen, wie z.B. die verlangte Schalt- und Abschliessbarkeit von Baustromverteilern, müssen bei neuen Baustellen bereits am 1. Januar 2007 eingehalten werden. Auf Baustellen, die vor dem 1. Januar 2007 in Betrieb genommen wurden, gilt eine um 6 Monate längere Übergangsfrist. So muss die jeweilige Situation beachtet und entsprechend entschieden werden. Installationen ohne Hauptpotenzialausgleichsleiter bei periodischen Kontrollen Ich treffe an verschiedenen Orten Installationen ohne Hauptpotentialausgleich. Die Verbindung zwischen Kabelkasten und Wassereintrittstelle fehlt. Der Neutralleiter ist offenbar direkt über das Kabel geerdet. (E.H. in D.)

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Ich bin nicht ganz sicher, ob Sie vom Potentialausgleich oder von der Erdungsleitung sprechen? Der Potentialausgleich dient in Verbindung mit der automatischen Abschaltung TN vorwiegend dem Personenschutz und betrifft die ganze Installation. Ohne PA sind Spannungsdifferenzen zwischen Geräten mit Schutzleiterverbindung und leitenden mit der Wasserleitung verbunden Teilen möglich. Diese können sich sehr negativ auswirken. Deshalb ist eine Nachrüstung des PA sinnvoll. Ähnlich steht es mit der Erdungsleitung. Auch ihre positive Wirkung erstreckt sich auf die ganze Installation. Besteht kei-

ne, können ebenfalls die erwähnten, gefährlichen Spannungsdifferenzen entstehen. Meines Erachtens ein wichtiger Punkt um die fehlende Erdungsleitung zu erstellen. Allerdings müsste geklärt werden, warum die Netzbetreiberin beim Erstellen des Kabelanschlusses keine Erdungsleitung mitverlegt hat und ob die Verwendung der metallenen Wasserleitung als Erdungsleitung zulässig ist. (NIN 5.4.2.2.6) Fehlerstromschutzeinrichtung für die Beleuchtung einer begehbaren Höhle In einer recht umfangreichen Höhle, die durch Personen begangen wird, ist die Beleuchtung über Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt. Leider haben Auslösungen während Führungen zu sehr unangenehmen oder sogar gefährlichen Situationen geführt. Welche Möglichkeiten bestehen um den hohen Sicherheitsstandart beizubehalten? (G.S. in W.)

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Die NIN kennen solche Situationen, wo durch die Auslösung von Fehlerstromschutzeinrichtungen andere wesentliche Gefahren entstehen (NIN 4.7.2.3.2). In der geschilderten Höhlenbeleuchtung ist eine direkte Auslösung zu riskiert und deshalb gefährlich. In der dunklen Höhle könnte Panik unter den Besuchern entstehen. Obwohl Ihre kurze Schilderung keinen hundertprozentigen Überblick erlaubt, möchte ich Ihnen die folgenden Lösungsvarianten vorschlagen, die situativ anzuwenden sind. Eine Möglichkeit besteht in der Alarmierung Seite 52 von 276


A9

Welche Forderungen gelten für mobile Steckdosenverteiler auf Baustellen?

Verteilschränke auf Baustellen bekannt. Demzufolge gelten die im Bulletin SEV/VSE 3/06 publizierten Übergangsfristen sowohl für die Baumeister, Elektrounternehmungen wie auch für Netzbetreiber. Vorsicherung von Leitungsschutzschaltern Bei einer periodischen Kontrolle habe ich ältere Leitungsschutzschalter (Picomate) angetroffen. Damit der Backup-Schutz erfüllt ist, lässt die Aufschrift keine grösseren Vorsicherungen zu als Diazed Patronen 40 A träg/ 60 A flink oder N-Hochleistungssicherungen NH1 100 A/NH2 60 A. Die vorhandene Vorsicherung beträgt jedoch 125 A. Der gemessene KurzschlussStrom auf der Schaltgerätekombination zwischen L und PE beträgt 2500 A. Wie verhält es sich in einem Kurzschlussfall, könnten die Leitungsschutzschalter zerstört werden? (H.G. in K.)

10 Bei diesen mobilen Steckdosenverteilern ist die verlangte Trennbarkeit durch die Steckvorrichtung ⱕ63 A bereits erfüllt. Sie benötigen keine Abschliessvorrichtung oder weitere Schalter.

von kritischen Ableitströmen über akustische oder optische Melder ohne direkte Abschaltung der betroffenen Anlageteile. Im Alarmzustand können die Besucher die beleuchtete Höhle gefahrlos verlassen. Als weitere Möglichkeit bietet sich eine mehrfache Unterteilung in verschiedene, sich überschneidende Abschnitte an. So würde die Auslösung eines Teilabschnittes keine gravierenden Folgen bewirken. Wenn die Besucher keine verlegten, leitenden Leitungen und Leuchten berühren können, liessen sich die vorhandenen Steckdosen durch eingebaute Fehlerstromschutzeinrichtungen ausrüsten. Eine Auslösung würde damit auf einen kleinen Bereich begrenzt. Einsatzgrenzen von Steckern T12 Gemäss NIN 2005 dürfen T13Steckdosen in Gebäuden mit 10-jährigem Kontrollintervall mit 16 A vorgesichert werden. Der Nennstrom der T13-Steckdosen beträgt jedoch nur 10 A. Wird ein T12-Stecker an ein Gerät montiert, das mehr als 10 A Nennstrom aufweist, könnte die Steckdose beschädigt werden. Das ist gefährlich, mir scheint hier eine kritische Situation zu bestehen! (S.E.)

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Die NIN 2005 lassen eine höhere Vorsicherung für Steckdosen T13 nur noch in den von Ihnen erwähnten Gebäuden zu. In gewerblich, industriellem Bereich kann eher von Bedienungspersonal mit Fachkompetenz 76 | Elektrotechnik 12/06

ausgegangen werden, Personen die vorhandene Gefahren erkennen. Für alle Steckdosen in Bereichen mit 20jährigen Kontrollintervallen gilt IN der Steckdose als maximal zulässige Vorsicherung. Stecker T12 dürfen nicht an Geräte montiert werden, die mehr als 10 A Nennstrom beziehen. Die benützten Steckdosen werden sonst beschädigt. Sehen Sie dazu Bild A8. Forderungen für Steckdosenverteiler auf Baustellen a. Gemäss NIN Kapitel 7.04.5.3.7 müssen alle Verteilschränke auf Baustellen schalt- und trennbar sein. Trifft das auch für die bekannten Steckdosenverteiler mit IN ⱕ63 A zu oder sind diese nicht betroffen? (S.H.)

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Unter Verteilschränken verstehen die NIN 2005 grössere Schaltgerätekombinationen, die vorwiegend in Metallschränken platziert sind. Steckdosenverteiler, sofern diese entweder mit Gerätesteckdosen oder mit einer fest angeschlossenen, ortveränderlichen Leitung mit Steckvorrichtungen ⱕ63 A getrennt und spannungslos gemacht werden können, erfüllten die Forderung der NIN. Es sind keine weiteren Massnahmen notwendig. Sehen Sie dazu die Foto A 9. b. Müssen Netzbetreiber ihre eigenen Verteilschränke auch gemäss den neuen Forderungen nachrüsten? (S.H.) Die NIN und das Eidg. Starkstrominspektorat geben keine Ausnahmen für Seite 53 von 276

Die angegebenen Schmelzsicherungen schützen den älteren Leitungsschutzschalter vor zu hohem Kurzschluss-Strom. Die Aufschrift «3000» im Rechteck eingeschlossen gibt den maximalen IK (3000 A) an, die der LS schadlos abschalten kann. Trotz der unzulässigen 125 A Vorsicherung wird es für den LS nur dann kritisch, wenn der Kurzschlussstrom auf mehr als 3000 A ansteigen würde. Das ist gemäss Messung zwischen L und PE nicht der Fall. Dies ist die heutige Situation. Findet aber ein Netzausbau statt, so kann der Kurzschlussstrom massiv ändern. Und anders sieht es bei einem direkten Kurzschluss zwischen den Polleitern aus. Die Zerstörung der LS könnte in der Schaltgerätekombination gravierende FolET 09 gen haben.

Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Erneut hat sich eine Anzahl interessanter Probleme angesammelt. Es lohnt sich für jede Elektrofachkraft mitzudenken. Wie schnell tauchen ähnliche Fragen im eigenen Installationsalltag auf. Dann sind bereits gemachte Überlegungen sehr hilfreich. Sinnvolle Lösungen lassen sich rascher finden. Wer möchte da nicht auch teilnehmen und dabei sein!

Diese Frage berührt gleich mehrere Bereiche, die nacheinander angesprochen werden sollen. Eine grundsätzliche Überlegung zuerst: • Der PA soll vor allem an leitenden Teilen angewandt werden, die ein fremdes Potenzial annehmen können. Bei Türzargen im Bad- und Duschebereich besteht nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, dass ein fremdes Potenzial eingeschleppt wird.

kWh kWh

Hauptverteilung Haus 1

NH00 100 A

NH 400 A

kWh kWh

Hauptverteilung Haus 2

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ZV Wohnung 6

ZV Wohnung 5

ZV Wohnung 4

Trenn- oder Schalteinrichtungen bei Schaltgerätekombinationen

Education

kWh kWh

Hauptverteilung Haus 3

Beachten Sie die Anspeisung der Häuser 2 und 3! Welche Einspeisung ist normenkonform?

Rubriken

Die NIN geben drei Hinweise in 5.1.3.1 B+E über die Montage von Überstromunterbrecher in Stromschienen. • Für solche Überstromunterbrecher gilt keine obere Begrenzung der Einbauhöhe. • Um die gefahrlose Bedienung sicherzustellen, wird weiter verlangt, dass jederzeit standsichere Hilfsmittel zur Verfügung stehen und • die Stromschienensysteme dürfen nur über oder entlang von Gängen montiert sein. So wie Sie das Beispiel schildern, ist die jederzeitige gefahrlose Bedienung nicht gewährleistet. Wobei auch die standsicheren Hilfsmittel einen wichtigen Aspekt der sicheren Bedienung bilden, und demzufolge zur Verfügung stehen müssen. Sie müssen den Anlagebetreiber auf diese Sicherheitsmängel aufmerksam machen.

Türzargen mit dem ZPA von mindestens 4 mm2 zu verbinden.» Müssten nach NIN 4.1.3.1.2.2 metallene Türzargen nicht immer angeschlossen werden?! Wie und wo soll die Verbindung zum Hauptpotenzialausgleich denn sein? (M.L. in A.)

ZV Wohnung 3

1

2

ZV Wohnung 2

Platzierung von Überstromunterbrechern in Stromschienen Bei der Abnahmekontrolle im Neubau eines neuen Lebensmittelgeschäftes habe ich Überstromunterbrecher inkl. Fehlerstromschutzschalter direkt auf der Stromschiene in etwa 3,5 m Höhe ab Boden montiert angetroffen. Leitungsschutzschalter und FI-Schalter befinden sich zum Teil direkt über einem Verkaufsgestell. Eine Rückstellung erfordert hier einige Fitness und turnerisches Können des Verkaufspersonals. Was sagen die Normen dazu? (X.Y in Z.)

Zusätzlicher PA an Türzargen in Bade- und Duschebereich Ich habe den Eindruck, dass es in den NIN 7.01.4.1.3.1 einen Widerspruch gibt. Ich habe ein Problem mit der Aussage: «Wenn in einem Gebäude ein Hauptpotenzialausgleich erstellt ist, dann müssen metallene Türzargen nicht angeschlossen werden, falls kein Hauptpotenzialausgleich vorhanden ist, sind

ZV Wohnung 1

Ernst Feldmann

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Mit Anlageschalter Ohne Anlageschalter (Zutreffendes ankreuzen)

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Elektrotechnik 1/07 | 53


• Die NIN sprechen deshalb in NIN 7.01.4,1,3 nur dann von der Notwendigkeit des zusätzlichen PA (ZPA), wenn in der Installation kein allgemeiner PA vorhanden ist. Diese Situation ist in modernen Installationen nur sehr selten gegeben. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die anderen Bereiche ebenfalls mit dem ZPA verbunden werden. Sonst könnten zwischen Wasserleitungen und Türzargen gefährliche Potenzialdifferenzen entstehen. • Der Anschluss des ZPA-Leiters erfolgt mit einem 4-mm2-Leiter auf die Schutzleiterschiene von Zwischenverteilern usw. NIN 7.01.4.1.3.1. Anspeisung von Kranmotoren Wir sind bei einem Kran auf eine merkwürdige Situation gestossen. Die Zuleitung führt auf eine Schaltgerätekombination mit einer Vorsicherung von 80 A. Der Anlageschalter ist ebenfalls im Schrank eingebaut. Ohne spezielle Vorsicherung sind zwei Frequenzumrichter über die erwähnte 80-A-Sicherung angeschlossen. Die Zuleitung zu den beiden Motoren führt direkt auf die Frequenzumrichter. Alle Leiter sind in einem einzigen, abgeschirmten Kabel 10 ⫻ 2,5 mm2 zusammengefasst. Der Querschnitt stellt vom Motorennennstrom her gesehen kein Problem dar. Was sagen die NIN über den Schutz der Frequenzumrichter und der Motoren, ist das so zulässig? Der Kranhersteller beruft sich auf die SUVA, diese habe die Anlage abgenommen. (X.Y. in Z.) Kran-Installationen werden durch speziell ausgebildete Spezialisten erstellt und gewartet. Diese stammen meistens aus dem Elektrogewerbe. Sie erhalten das notwendige Zusatzwissen in Kursen entweder durch ihre Firma oder direkt durch die Herstellerfirmen der Baukrane. Spezialanlagen wie Krane usw. haben spezifische Normen. Zu den gestellten Fragen: • Für Kranmotoren werden häufig keine Thermorelais verwendet oder allenfalls nur solche, die wesentlich höher als den Motorennennstrom eingestellt sind. Thermorelais würden durch das ständige Einschalten zu früh auslösen. • Der Schutz der Motoren erfolgt häufig durch eingebaute Wicklungsfühler oder durch auf die Motorenwerte einstellbare Grössen in den Frequenz-

A6 Kennzeichen auf Leuchten für Montage auf brennbare Gebäudeteile

F D

tc = 70 °C

3

54 | Elektrotechnik 1/07

Diese Zeichen sind vorwiegend auf Leuchten zu finden. So bezeichnete Leuchten dürfen auf brennbaren Stoffen montiert werden. (Entzündungstemperatur >200 °C) Die Oberflächentemperatur dieser Leuchte ist begrenzt (auf 115–180 °C). Für eine direkte Montage auf brennbare Gebäudeteile nicht geeignet. Diese Angabe findet sich sowohl auf Vorschaltgeräten wie auch auf Transformatoren und bedeutet, dass die Oberflächentemperatur auf den angegebenen Wert begrent wird. Im Beispiel sind es 70 °C. Damit ist eine direkte Montage auf brennbare Gebäudeteile auch ohne nicht brennbare, wärmeisolierende Unterlage zulässig.

umrichtern. Durch die Begrenzung des Motorenstromes in den Frequenzumrichtern sind gleichzeitig die Zuleitungsquerschnitte der Leitungen auf die Motoren ebenfalls geschützt. • Die Frequenzumrichter selber erhalten in der Regel eine Schmelzsicherung vorgeschaltet. Diese hat den Herstellerangaben der Umrichter zu entsprechen. Natürlich dürfen die Grundsätze des Personen- und Sachenschutzes nicht vernachlässigt werden. Schalter, Trenner oder Überstromunterbrecher vor Wohnungsverteiler In einer grossen Wohnüberbauung sind mehrere Häuser mit verschiedenen Hauseingängen zu einem Block zusammengebaut. Die Netzzuleitung wird an einer Stelle zur Arealhauptverteilung eingeführt. Dort sind Bezügersicherungen, Zähler, gemessene Überstromunterbrecher in der Hauptverteilung platziert. Ungezählte NHS-Elemente führen die ebenfalls ungemessenen Zuleitungen durch die Einstellhalle und diverse Räume in weitere Gebäudeteile der Überbauung. Am Ende dieser ungezählten Leitungen sind in den einzelnen Häusern Schaltgerätekombinationen mit Bezügersicherungen, Zählern und Abgangssicherungen für die einzelnen Wohnungen installiert. Nun meine Frage: Muss in die Zuleitung dieser Verteilungen eine Trennstelle (Schalter, Trennmesser, Sicherungen usw.) eingebaut werden oder kann das Kabel direkt auf den Eingang der Be-

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zügersicherungen angeschlossen werden? Was sagen die NIN dazu. (X.Y. in Z.) Die NIN behandeln dieses Thema nicht direkt. In Artikel 4.6.2.1 wird verlangt, dass alle von einer Schaltgerätekombination abgehenden Leitungen eine Trennvorrichtung aufweisen müssen. Das ist bei Ihrer Anlage im Hauptgebäude der Fall. Weiter spricht Artikel 3.2.4 B+E über die Aufteilung der Stromkreise und verlangt, dass jede Anlage sinnvoll unterteilt werden muss, mit der Begründung, Störungen so auf einzelne Anlageteile, auf einzelne Gebäudekörper usw. zu begrenzen. Auch hier kein direkter Bezug zu Ihrem Problem. Trotzdem scheint mir der angesprochene Grundsatz wichtig und anwendbar. Bei einem allfälligen Störungsfall soll es möglich sein, die Anlagen spannungslos zu schalten, ohne in einem anderen Gebäude nach Überstromunterbrechern suchen zu müssen. In der von Ihnen geschilderten Situation scheint mir deshalb der Einbau einer Trenn- oder Schaltvorrichtung in der Zwischenverteilung der einzelnen Häuser nicht zwingend vorgeschrieben, aber sehr sinnvoll. So kann jede Anlage im eigenen Haus spannungslos geschaltet werden. Eine eindeutige Forderung der NIN ist das jedoch nicht. Der Nachsatz in den NIN ist beachtenswert. Die Entscheidung über diesen Einbau ist dem Anlagebesitzer überlassen. Er wägt über Zweckmäs-


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Bei der von Ihnen erwähnten Frage drehte es sich um die Abtrennbarkeit von Geräten durch Schmelzsicherung. Schmelzsicherungen lassen sich nicht gleichzeitig entfernen und gelten demzufolge nicht als Schaltvorrichtung. Genau gleich ist es bei 1-poligen Leitungsschutzschaltern. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie nebeneinander oder übereinander montiert sind. Sie gelten so angeordnet nur als Trennvorrichtung und dürfen im Sinne der Mitteilung 3039a von Elektrosuisse eingesetzt werden. Sollen sie hingegen als eigentliche Schalter im Sinne der NIN und nicht nur als Trennvorrichtung gebraucht werden, müssen die Pole mechanisch verbunden sein, nur so schalten sie allpolig gleichzeitig. Unbekannte Zeichen auf Leuchten An einem NIN-Kurs wurde uns das Zeichen F im Dreieck auf Leuchten erklärt. Nun habe ich jedoch in einem Kontrollbericht ein anderes Zeichen gefunden und auf einer Leuchte noch eine weitere Angabe. Jetzt bin ich verunsichert und weiss nicht was die Zeichen bedeuten sollen. Können Sie mir weiterhelfen? (X.Y. in Z.)

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Moderne Leuchten werden durch aussagekräftige Aufschriften gekennzeichnet. Die von Ihnen erwähnten Zeichen sind in Bild A6 dargestellt. Beachten Sie die Bedeutung der einzelnen Zeichen direkt im Bild.

Bei gemauerten Duschen mit fester Brause wird der Bereich 1 von der Wasseraustrittsstelle und einem Fadenmass von 1,2 m Länge definiert. In diesem Bereich sind nach Artikel 7.01.5.5 nur Leuchten mit U ⱕ25 VAC zulässig. Dabei müssen die speisenden Trafos ausserhalb des Bereiches 1 montiert sein. Dazu kommen noch weitere, beachtenswerte Argumente:

• Bei gross gewachsenen Personen kann während des Duschens die obere mit Glas abgedeckte Stelle über der Leuchte intensiv mit Nässe beschlagen werden. Die Gefahr der Wasseransammlung in der Aussparung besteht. Ein Leuchtmittelwechsel durch Laien könnte zur Reduktion des verlangten IP-Schutzes führen. • Die Platzierung der Leuchte ergibt keine gute Beleuchtung im Bereich des Spiegels über dem Lavabo. Aus diesen Gründen scheint mir die geplante Installation mit 230-V-Leuchten nicht nur wenig sinnvoll, sie entspricht auch nicht den NIN. Kennzeichnung von Neutralleitern Ist es gestattet in einem Abzweigkasten Kabel mit blauen Neutralleitern und Kabel mit nummerierten Adern (Neutralleiter mit der Nummer 1) zu verbinden? Was sagen die NIN dazu? (F.H. in E.) Die NIN äussern sich nicht direkt zur Kennzeichnung der Neutralleiter beim Zusammentreffen von Kabeln mit hellblauen und solchen mit nummerierten Neutralleitern. Der Grundsatz der NIN ist jedoch klar. Es soll

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Platzierung einer Fluoreszenzleuchte im Bereich 1

F7

Bauseitige Glasabdeckung Fluoreszenzleuchte in die Brüstung eingelassen 0,26

Wann gilt ein Leitungsschutzschalter als Schalter Eine Frage habe ich zu der aktuellen Ausgabe 11/06 Frage Nr. 5: Gemäss Info-Blatt 3039a von Electrosuisse sind bei Haushaltsgebrauch auch LS ohne mechanische Verbindung oder übereinander angeordnet erlaubt. Warum wird in der Frage betont, dass LS nur als Schalter gelten, wenn sie mechanisch verbunden sind? (X.Y. in Z.)

eine vorgefertigte Nische installieren. Die Leuchte befindet sich im Bereich 1, besitzt den Schutzgrad IP X4 und ist über Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt. Gemäss NIN 7.01 sind in diesem Bereich nur mit Kleinspannung betriebene Leuchten zulässig, zudem muss der Trafo ausserhalb dieses Bereichs platziert werden. Beachten Sie das Bild F7 mit der gezeichneten Installation, ist das so zulässig. Mir sind verschiedene Gedanken durch den Kopf gegangen. Könnte man allenfalls die NIN umgehen, weil die Beleuchtung komplett in der Mauer eingelassen ist und die Glasabdeckung eigentlich zur Mauer gehört? Die Mauer höher zu machen bringt nicht viel, da sie schon fast bis an die Decke reicht und auch die Duschbrause an der Decke platziert ist. (S.S. in S.)

Duschbrause, fest

Dusche 2,00

sigkeit, Nutzen und Kosten ab (Bild A4).

Bereich 1

1,2 m = Bereich 1 mit Fadenmass ab fester Duschbrause gemessen

0,90

Platzierung von 230-V-Leuchte in Badeund Duscheräumen Der Architekt möchte in einer Dusche, in einer Brüstung auf etwa 2,00 m Höhe, eine normale 230-V-FL-Beleuchtung in

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Elektrotechnik 1/07 | 55


A8 Zusätzliche Kennzeichnung mit hellblauem Kabelbinder/Schrumpfschlauch

Abzweigstelle 2 1 Kabel mit farblich gezeichneten Adern

Kabel mit nummerierten Adern

Einpolige Thermostate bei 1 ⫻ 400-V-Wassererwärmern Beim Anschluss eines neuen Wassererwärmers mit UN = 1 ⫻ 400V ist mir aufgefallen, dass die Zuleitung über den Regulierthermostaten nur einpolig ge-

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Reihenfolge der Leiter auf Abgangsklemmen Früher war die übliche Reihenfolge der Abgangsklemmen in einer Schaltgerätekombination von links nach rechts L1, L2, L3, N und PE. Bei einer Kontrolle habe ich gerade die umgekehrte Reihenfolge angetroffen, also PE, N, L1, L2, L3. Gibt es eine neue Normreihenfolge? (X.Y. in Z.) Die Reihenfolge der Abgangsklemmen ist nicht zwingend genormt. In der Schweiz ist die von Ihnen erwähnte Reihenfolge üblich, auch wenn die Tabelle 5.2.1.2.3.2 der NINCompact eine andere Folge wählt. Zulässig sind beide Varianten.

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Zusammentreffen von farblich und mit Nummern gekennzeichneten Leitungen an Abzweigstellen

kein Zweifel über die wichtige Funktion des Neutralleiters aufkommen können. Hier hilft eine eindeutige Kennzeichnung der Funktion, z.B. mit hellblauen Kabelbindern oder einem Schrumpfschlauch (Bild A8).

dieser über den durch den Regler nicht geschalteten Polleiter und den Schutzleiter ungeregelt heizt. Als zusätzliche Sicherheit dient jetzt der Sicherheitsthermostat. Dieser muss die Zuleitung allpolig trennen. Die Rückstellung des Sicherheitsthermostaten darf nicht automatisch erfolgen, der Defekt wird bemerkt und kann behoben werden.

schaltet wird. Nur der Sicherheitsthermostat schaltet allpolig. Ist das so zulässig, was sagen die NIN dazu? (W.T. in B.) Diese Frage betrifft den Wassererwärmer, also ein Gerät und nicht die Installation. Deshalb finden sich in den NIN keine Angaben darüber, sondern in der Gerätenorm EN 60335-2-21. Darin wird gesagt, dass der Temperaturregler nicht allpolig schalten muss. Bei einem Körperschluss des Heizkörpers wird in Kauf genommen, dass

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Ernst Feldmann, 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch

Mit ABB verlieren Sie keine Zeit!

Neues Leitsystem in nur drei Tagen migriert. Die Kehrichtverbrennungsanlage Limmattal verarbeitet 10 Tonnen Abfall pro Stunde. 365 Tage pro Jahr. Bei soviel Müll ist klar, dass bei einer Erneuerung des Leitsystems keine Zeit verloren werden darf. ABB verlor keine Zeit: Nach nur drei Tagen Stillstandzeit nahm die Anlage ihren Betrieb wieder auf. „Aber nicht nur die Migration verlief zackig“, erzählt Urs Freundorfer, Betriebsmeister KVA Limmattal. „Auch beim Lokalisieren von Fehlern verlieren wir mit dem neuen System keine Zeit mehr“, so Freundorfer. www.abb.ch Urs Freundorfer, Betriebsmeister KVA Limmattal Peter Hochstrasser, ABB Schweiz, nehmen das neue Leitsystem in Betrieb. © Copyright 2006 ABB.

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Es ist ein gutes Zeichen für die Leserschaft der NIN-Know-how, wenn spürbar ist wie achtsam und kritisch sie gelesen wird. Einer dieser aufmerksamen Leser hat in der Frage 3 der Nummer 12/06 einen Fehler entdeckt. Die richtige Prüfspannung bei der Durchgangskontrolle von Schutzleitern in Schaltgerätekombinationen ist natürlich in der Regel 12 V und nicht 300 V. Besten Dank für die Korrektur! Schön, wenn Sie auch dieses Mal wieder mit von der Partie sind.

Ernst Feldmann

Nochmals Höhlenbeleuchtung Ein Leser schlägt anstelle von Fehlerstromschutzeinrichtungen für die Beleuchtung der begehbaren Höhle in den Leserfragen 18/ Frage 7 vor einen oder mehrere Trenntransformatoren einzusetzen. Das ist eine weitere Variante als Lösung zum Problem Höhlenbeleuchtung. Besten Dank für diese Option.

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Stand-Wassererwärmer FSE 200 – 500 Kaiser/Prinz Dieses Datenblatt wollen Sie bitte als technische Ergänzung zum FRIAP-Boiler-Prospekt verstehen. Es gibt Ihnen alle relevanten technischen Angaben und Hinweise. Für Ergänzungen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung. Installationsvorschriften Die Wassererwärmer dürfen ohne Abstände gegen Holzwände montiert werden. Eine Pical-Auskleidung ist nicht erforderlich. Die Bedingungen der Installationsnorm SN 4.2.4.2 inkl. B+E betreffend Abstände von brennbaren Gebäudeteilen, Verkleidungen und Ventilationsöffnungen müssen nicht eingehalten werden. Der Wassererwärmer muss über einen Stecker am Netz angeschlossen werden oder es ist in der fest verlegten Installation ein allpoliger Schalter mit mindestens 3 mm Kontaktabstand für die Trennung von Netz vorzusehen.

Varianten mit unterschiedlichen Trennvorrichtungen ohne/mit Lösen der Leiter

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Trennung ohne Lösen der Leiter

b) Abgangsklemme mit Trennvorrichtung Trennung ohne Lösen der Leiter

c) einzelne Neutralleiterklemmen F1, F2 und die Zuleitung auf die Neutralleiter schiene

F1

F2

Trennung mit Lösen der Leiter (Zugehörigkeit bezeichnet)

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Rubriken

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a) Neutralleitertrenner auf Abzweigklemme

Neutralleitertrenner oder lösbare Spezialklemmen Bei periodischen Kontrollen bin ich auf Gruppenüberstromunterbrechern ohne Neutralleitertrenner gestossen. Die Neutralleiter sind direkt auf Abzweig- oder Reihenklemmen verdrahtet. Zum Trennen muss der Leiter gelöst und aus der Klemme gezogen werden. Gilt eine Abzweig- oder Reihenklemme als Spezialklemme? War das allenfalls nach HV zulässig, und wie ist die Sachlage heute? (B.S. in E.) Neutralleitertrenner sind eine helvetische Spezialität. Um die nach NIN verlangte Trennung herzustellen, sind folgende Möglichkeiten vorhanden. a) Einsatz der bekannten Neutralleitertrenner, diese Lösung ist am meisten verbreitet. Es ist kein Lösen der Leiter notwendig. Platzierung in der Regel direkt bei den Überstromunterbrechern. Diese Variante ist überall zulässig. b) Verwendung von Spezialklemmen mit integrierten Trennern. Die Spe-

A1

Technische Daten

Education

Abstand von Wassererwärmern zu brennbaren Gebäudeteilen In NIN 4.2.2.11 wird verlangt, Wassererwärmer, die für benachbarte Teile eine Brandgefahr darstellen, so zu montieren, dass durch einen ausreichenden Abstand eine sichere Ableitung der Wärme gewährleistet ist (B+E). Auch die notwendigen Abstände zu brennbaren Teilen sind aufgeführt. Allenfalls sind brennbare Teile mit nichtbrennbaren und wärmeisolierenden Stoffen zu verkleiden. Gelten diese Abstände für Wassererwärmer nicht mehr gemäss NIN, oder kann es sein, dass keine Abstände mehr nötig sind, da es keine Brandgefahr für benachbarte Teile mehr darstellt? (M.R. in L.) Bei Wassererwärmern handelt es sich um Geräte. Die Hersteller von Geräten können eigene Montageanweisungen für ihre Produkte vorschreiben. Elektrofachleute müssen sich an diese Vorschriften halten. Sie haben Priorität vor den Angaben der NIN,

die als generelle Weisungen zu verstehen sind. Bei modernen Wassererwärmern werden z.B. Halbschalen aus Polyurethanschaum (EPS) als Isolation verwendet. Dieses Material gehört zu der Brandklasse 5 und ist schwer entflammbar. Deshalb benötigen solche Geräte keine Abstände zu brennbaren Gebäudeteilen mehr. Sehen Sie in Bild A1 die verbindlichen Technischen Daten eines Lieferanten von Wassererwärmern. Sie werden den Geräten beigepackt.

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zialklemmen sind direkt bei den Abgangsklemmen platziert, so ist auch die Zugehörigkeit zur entsprechenden Gruppe eindeutig. Eine Trennung lässt sich ohne Lösen der Leiter bewerkstelligen (Bild A2). c) Verbinden der einzelnen Neutralleiter auf nummerierten Einzelklemmen oder Klemmenblöcken mit nummerierten Klemmstellen. Die Leiter müssen gelöst und herausgezogen werden. Die Zugehörigkeit wird durch die Nummerierung der einzelnen Klemmstellen sichergestellt. Die Begriffsbestimmungen in NIN 2.2.1.38 sprechen von diesen drei Varianten. Der erklärende Text lässt offen, ob die Trennung auch direkt auf gewöhnlichen Abgangsklemmen erfolgen darf. Das Lösen und Herausziehen der Leiter würde aber bei Isolationsmessungen einen höheren Arbeitsaufwand bedingen, als bei eigentlichen Neutralleitertrennern. Die Varianten b und c sind nur in Fällen zulässig, wenn die NIN keinen Neutralleitertrenner vorschreiben, wie das z. B. bei Anschluss- und Bezügerüberstromunterbrechern der Fall ist (NIN 4.6.2.1). Motorschutz in feuergefährdeten Betriebsstätten Bei Motoren ⬎0,5 kW kann gemäss NIN 4.7.3.1.2.1.4 in feuergefährdeten Räumen auf ein Überlastschutzorgan verzichtet werden, wenn der Motor beaufsichtigt ist. Diese Präzisierung fehlt in NIN 4.8.2.2.15. Dort steht nichts von «beaufsichtigt». Was ist nun verbindlich, welcher Artikel gilt tatsächlich? (H.B. in F.) Damit in feuergefährlichen Bereichen der Motorschutz entfallen kann, müssen gemäss 4.7.1.2.1.4 zwei Bedingungen erfüllt sein. Einmal darf der Anschlusswert des Motors 0,5 kW nicht übersteigen und zum zweiten muss er ständig beaufsichtigt sein. Es handelt sich eindeutig um eine Ausnahme. Beim Schleifen eines Werkstückes mit einer kleinen Schleifmaschine würde die Bedienungsperson das Überhitzen sofort feststellen, da sie sich ja unmittelbar beim Motor arbeitet und könnte mit der Belastung zurückfahren. Die Bedienungsperson ersetzt damit quasi den Motorschutz, der kleine Motor ist nicht gefährdet. Deshalb sprechen die NIN 4.8.2.2.15 auch von gleichwertigem Überlastschutz. Zwi-

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schen den beiden Artikeln besteht kein Widerspruch. FI-Schutz für Boiler im Bad Im Europa-Lehrmittel Fachkunde Elektrotechnik Kapitel 10.6.1 wird kein Hinweis über den Fehlerstromschutz von Wassererwärmern im Bereich Bad und Dusche gemacht. Offenbar wird er in Deutschland nicht verlangt. Gibt es einen Grund, dass in Deutschland Wassererwärmer im Bad nicht FI-geschützt sein müssen? (H.B. in K.) Leider liegt mir weder das von Ihnen erwähnte Lehrmittel noch eine Erklärung von deutschen Normenspezialisten zu dieser Differenz in der DACH-Vereinbarung im Bereich Badeund Duscheräume vor. DACH steht für die drei Länder Deutschland (D), Österreich (A) und die Schweiz (CH). Denkbar wäre z. B. ein Vermeiden von unnötigen Auslösungen durch zu geringen Isolationswiderstand bei Tauchheizkörpern, die nicht jeden Tag in Betrieb gesetzt werden. Im Bereich Bade- und Duscheräume bestehen noch weitere nationale Differenzen zwischen Deutschland und der Schweiz, wie z. B. der PA an metallenen Bade- und Duschewannen. Ich bin gespannt, ob informierte Leser eventuell dazu weitere Angaben machen können!

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Wo hat die Messung der Schleifenimpedanz zu erfolgen? In der Regel wird die Messung der Schleifenimpedanz nur zwischen Anschlussüberstromunterbrecher und der entferntesten Stelle der Installation mit dem geringsten Querschnitt durchgeführt. Genügen diese beiden Messungen oder

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sollten noch weitere ausgeführt werden? Als Beispiel möchte ich eine über mehrere Steckdosen geschlaufte Leitung zu mehreren Steckdosen erwähnen. Die Messung auf der letzten Steckdose zeigt keine Mängel. Wenn auf einer der Verteilung näher liegenden Steckdose ein Schutzleiterunterbruch auf der Verteilklemme im NIS-Kästli entstanden wäre, würde dieser grobe Fehler nicht entdeckt. Wäre es nicht sinnvoll alle Steckdosen/ Geräte zu messen. (M.DM. in S.) Das Schlussprotokoll verlangt pro Gruppe die von Ihnen erwähnten Werte IK max. und IK min.. Der gezogene Schluss, die Messung nur an zwei Stellen in der Installation durchzuführen, ist von der Überlegung her verständlich, jedoch nicht korrekt. Ihr Beispiel mit der geschlauften Steckdosenleitung ist dazu eine gute Erklärung. Die zwischen Anfang und Ende der Leitung liegende Steckdosen würden von der Messung nicht erfasst. Das ist unzulässig. Zudem ist bei der Messung die entfernteste Stelle nicht immer bekannt. Die Weisungen der NIN und NIV sind eindeutig: Alle Betriebsmittel wie Steckdosen und Geräte sind zu überprüfen und zu messen. In NIN 4.1.3.1.3.3 sind keine Einschränkungen der Messung erwähnt. Der Text ist deutlich: Die Schutzeinrichtungen müssen so ausgewählt werden, dass beim Auftreten eines Fehlers (Kurzschluss) zwischen einem Polleiter und einem Schutzleiter oder einem damit verbundenen Körper an einer beliebigen Stelle der Anlage die automatische Abschaltung innerhalb der festgelegten Zeit erfolgt (5 s/0,4 s). Bei dreiphasigen Leitungen müssen alle Polleiter gegen den Schutzleiter

Warum bei Schleifenwiderstandsmessungen alle Polleiter zu messen sind!

Solche gefährliche Situationen lassen sich nur bei der Messung zwischen jedem einzelnen Polleiter und dem Schutzleiter feststellen.

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A8 Normensituation für Notbeleuchtung

Erstellung

EN 183 8

Wiederkehrende Kontrolle

2⫻ jährlich – Funktionskontrolle – Leuchtmittel – Brenndauer max.45 min mit Journal

Wartung

VKF 2.2

Journ

Prüfung des Schutzleiters mit der Taschenlampe Ich habe ein Problem mit der in den NIN erwähnten Prüfung des Schutzleiters mit der Prüftaschenlampe. Von mir aus gesehen reicht die Prüfung mit der Taschenlampe nicht. Wie hell muss die Taschenlampe leuchten? (Interpretationssache). Genau die gleiche Frage stellt sich bei Lampenstellen und Haushaltsgeräten? (M.DM. in S.)

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Die Prüfung des Schutzleiters mit der Prüftaschenlampe wird nur in den NIN Compact als mögliche Variante erwähnt. Die Prüfung mit der Taschenlampe ergibt keine exakten Resultate. Die Helligkeit der Taschenlampe ist kein absolutes Mass. Bei richtiger Bedienung lassen sich jedoch Werte um ⬎1⍀ bereits feststellen. Der Grenzwert von ⱕ2 ⍀ für den PA ist recht gut ersichtlich. Zeigt die Prüfung kritische Resultate (geringere Helligkeit als bei direktem Durchgang), sind Messungen mit präziseren Geräten zwingend. Exakte Messungen sind nur mit geeigneten Messgeräten möglich, die sowohl von der Messspannung mit 4 bis 24 VDC/AVC, wie auch vom Messstrom mit mindestens 0,2 A den gestellten Anforderungen genügen.

Verantwortlich: – Anlagebesitzer – Betreiber

al

– Anlage überprüfen – Ladezustand Akkus – Journal überprüfen – usw.

überprüft werden. Es reicht nicht, wenn nur zwischen einem Polleiter und dem Schutzleiter die Messung durchgeführt wird. Nur durch Messen aller Polleiter lassen sich Störungen, wie sie Bild A5 zeigt, ermitteln.

Zu beachten durch den/die Ersteller

Nur durch qualifizierte Fachleute, wie z. B. – Notlichtanbieter

Die folgenden Gedanken sprechen keineswegs gegen genaue Messungen mit geeigneten Geräten. Sie möchten jedoch eine Lanze brechen für eine, wenn auch einfache Überprüfung des Schutzleiters. Ohne Schutzleiter ist die Schutzmassnahme TN wirkungslos. Deshalb ist die Kontrolle des Schutzleiters vielleicht die wichtigste Kontrolle im Installationsbereich. Damit diese Basismessung nicht vergessen geht, sollen alle Elektrofachkräfte, auch die mit Montagearbeiten betrauten Lehrlinge, über möglichst einfache Kontrollmöglichkeiten verfügen. Die Geräte sollen preisgünstig und bedienerfreundlich sein. Sie gehören in die Werkzeugkoffern der Montagemitarbeiter. Nach erfolgter Montage ist der Schutzleiter zu überprüfen, weil es später vielfach nur mit grosser Mühe möglich ist. Als Beispiel denke man an eine Steckdose hinter Küchenmöbeln und dgl. Leider taugen vielfach die heute zur Schutzleiterkontrolle eingesetzten, hochohmigen Geräte in keiner Weise. Auch wenn die Taschenlampe keine genauen Messungen ermöglicht, lassen sich doch im Gegensatz zu hochohmigen Geräten, gefährliche oder kritische Situationen auf einfache Art finden und beheben. Weil sie erschwinglich ist, den nach NIN gestellten Bedingungen genügt, keine grossen Anforderungen an die Bedienung stellt, kann sie jedem Mitarbeiter anvertraut werden kann. Ich bin überzeugt, viele der durch Kontrollfachleute später festgestellten, schweSeite 60 von 276

ren Mängel, hätten sich durch diese einfache, aber wirkungsvolle Prüfung feststellen lassen. Im Sinne des Spatzes in der Hand, viel besser die Prüfung mit der Taschenlampe durchzuführen, als mangels exakten Messgeräten keine Kontrolle zu machen. Sicherheitsnachweis mit Iso-Messung und Schutzleiterkontrolle Vor einer Woche erhielt ich einen SINA für die Installation einer Wärmepumpe. Der Elektroinstallateur hatte nur die Isolationsmessung und die Schutzleiterkontrolle mit der Taschenlampenprüfung durchgeführt. Genügen diese beiden Angaben wirklich für einen Sicherheitsnachweis? (M.DM. in S.)

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Dieser SINA ist nicht vollständig. Die Messung des Isolationswiderstandes ist richtig, sie zeigt allfällige Isolationsfehler. Mit der Taschenlampe lassen sich wohl unzulässige Übergangswiderstände im Schutzleiter feststellen. Die Aussage der Leitfähigkeit des Schutzleiters sagt jedoch nichts aus über die normengemässe Abschaltzeit im Störungfall. Die nach NIN verlangte maximale Abschaltzeit von 5 s muss mit der Schleifenmessung belegt werden. Durch die Schleifenmessung zwischen L1, L2, L3 und dem Schutzleiter wird gleichzeitig der Schutzleiter und die Abschaltzeit geprüft. Eine weitere Kontrolle mit der Taschenlampe ist so überflüssig. Überprüfung von Notbeleuchtungen In einem kleinen Hotel sind ältere Notbeleuchtungen installiert. Sie sollten gemäss Angabe in NIN 5.6.1 bei Stromausfall mindesten 60 min leuchten. Wie

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A9

Reihenfolge der Abgangsklemmen in Schaltgerätekombinationen Reihenklemmen 35 mm2 Serie ´Compact»

Übliche Reihenfolge der Abgangsklemmen L1, L2, L3, N, und PE

Elektrotechnik 2/07 | 61


Einflussgrössen auf die Anschlussbewilligung von grösseren Verbrauchern Trafostation

Abonnent L1 Leistungsfähigkeit Versorgungsnetz – Ausbau – Reservekapazität – usw.

L2

– Art des Verbrauchers – Zeitpunkt des Energiebezuges – Anlaufverfahren – Häufigkeit des Anlaufes usw.

L3 N PE

125 A

Leistungsfähigkeit speisender Trafo – Leistungsreserven – usw.

50 kW Betriebserde Trafo

A10

Erdungsleitung Abonnent

muss ich diese bei einer periodischen Kontrolle prüfen, muss die Batterie wirklich 60 min belastet werden? Wie steht es mit dem vorgeschriebenen Kontrollbuch, wer ist hier verantwortlich für die korrekte Führung? (M.H. in •) Für Notbeleuchtungen gelten die EN 1838 und die NIN, aber zusätzlich auch die wesentlich detaillierteren Weisungen des Verbandes der Kantonalen Feuerversicherer VKF. Grundsätzlich obliegt die Belastungsprobe dem Anlagebesitzer oder Betreiber. Bei der periodischen Kontrolle wird der Sicherheitsberater die ordnungsgemässe Führung des Kontrollbuchs der Notleuchten, mit den durch den Anlagebesitzer durchgeführten Beleuchtungsproben überprüfen. Eine Belastungsprobe führt der Anlagebetreiber durch. Sie soll auf 1/2 bis maximal 3/4 Stunden eingegrenzt bleiben. Würde sie auf 60 min ausgedehnt, wären die Akkus bei einem kurz nachher auftretenden Brandfall nicht einsatzfähig. Die Leuchten sollen nach der Kontrolle die Fluchtwege noch ausreichend beleuchten können, nur

so besteht bei einem Ernstfall keine Gefahr. Das Bild A8 zeigt eine Übersicht über die Normensituation bei Erstellung, Wartung und Unterhalt von Notbeleuchtungen. Klemmenreihenfolge in Schaltgerätekombinationen Bei einer neuen Schaltgerätekombination habe ich eine ungewöhnliche Klemmenreihenfolge angetroffen. Anstelle von L1, L2, L3, N und PE wie üblich, war die Reihenfolge PE, N, L1, L2, L3. Hat die gewohnte Reihenfolge ausgedient und muss einer neuen Platz machen? (T.Sch. in R.) Die Reihenfolge der Abgangsklemmen ist nicht verbindlich genormt. Am häufigsten ist die Folge L1, L2, L3, N und PE anzutreffen. Das Bild A9 zeigt die Reihenfolge aus einer aktuellen Publikation der Firma Woertz AG in Muttenz.

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Wann ist ein spezielles Anschlussgesuch für Motoren notwendig? Ab welcher Motorenleistung ist ein spezielles Anschlussgesuch an die Netzbe-

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treiberin notwendig? Welche Grössen sind dafür verantwortlich, die Vorsicherung, die angeschlossene Motorenleistung oder allenfalls die Häufigkeit des Anlaufes? (E.Sch. in U.) Werden in einem Verteilnetz bedeutende Energieverbraucher neu angeschlossen, die genau dann in Betrieb stehen, wenn bereits Verbrauchsspitzen auftreten, kann das sehr teuer sein. In NIN 1.0.2 B+E werden deshalb Netzbetreiber befugt, für den Anschluss grosser Verbraucher Weisungen zu erlassen. Diese Weisungen sind von Netzbetreiber zu Netzbetreiber unterschiedlich und hängen von vielen verschiedenen Einflussgrössen ab. Ein Netzbetreiber speist zum Beispiel viele Tagesenergieverbraucher, hat aber wenig Nachtenergiekonsumenten und muss demzufolge täglich Spitzenenergiekosten bezahlen, bei anderen ist es gerade umgekehrt, sie bezahlen Spitzenenergie nachts. Weiter spielt auch der Ausbaustandard des Verteilnetzes eine Rolle. Ein gut ausgebautes Netz mit relativ grossen Reserven verkraftet einen zusätzlichen Anschluss von Energieverbrauchern ohne grosse Probleme, während ein anderes an die Leistungsgrenze gerät. Die verlangten Grössen wie die Anschlussleistung des neuen Verbrauchers, das Anlassverfahren, Anzahl Anlaufvorgänge pro Zeiteinheit usw. sind deshalb ebenfalls grundsätzlich wichtig, werden aber in den verschiedenen Verteilnetzen unterschiedlich gewichtet. Es ist möglich, dass ein Netzbetreiber bereits ab 5 kW Anschlussleistung ein spezielles Anlassverfahren verlangt, ein anderer erst ab ⬎10 kW usw. Die örtlichen Werkvorschriften erläutern diese Auflagen, sie müssen beachtet werden (Bild ET 09 A10). Ernst Feldmann,4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch

Beleuchtungstechnik für Praktiker H.R. Ris 3. Auflage 2003, 388 Seiten, Format A5, gebunden, Fr. 65.60, ISBN 3-905214-39-3 AZ Fachverlage AG, Neumattstrasse 1, 5001 Aarau Tel. 058/200 56 19, Fax 058/200 56 51 mary.hochstrasser@azag.ch

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Die Beleuchtungstechnik ist eine der innovativsten Sparten innerhalb der technischen Gebäudeausrüstung. Ergonomische und energetische Gesichtspunkte verlangen eine sorgfältige Planung, die sich aber nicht nur auf die Beleuchtungsstärke in Lux bzw. die spezifische Anschlussleistung in W/m2 abstützt. Gut geplante Beleuchtungsanlagen basieren auf individuell und fachkompetent erarbeiteten Lösungen.

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Die Partnerschaft zwischen Elektroinstallationsfachleuten und Kontrollfachleuten weist gelegentlich Spannungspotenzial auf. Dabei haben beide das eine Ziel: Installationen zu erstellen, die weder Personen, Nutztiere noch Sachen gefährden. Jede Elektrofachkraft muss die einschlägigen Normen beachten und hat saubere Installationen zu erstellen. Kontrollfachleute sollen sich beim Betreten eines Gebäudes nicht genüsslich fragen, was sie beanstanden dürfen, sondern was sie beanstanden müssen, also Verstösse gegen die Zielvorstellung der NIN, keine Steckenpferde. Werden solche Mängel aufgedeckt, hat das Installationspersonal zwar Grund, sich zu schämen, muss im Grunde aber dankbar sein, dass der Mangel vor einem Brand oder einem Unfall bemerkt wurde. Die folgenden Fragen zeugen von dieser Spannung und zeigen, wie sie gelöst werden kann. Interessante Probleme, die es lohnt zu beachten.

Ernst Feldmann

1

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In Art. 31 NIV wird verlangt, dass eine unabhängige Kontrollinstanz weder an der Planung noch an der Erstellung, Änderung oder Instandstellung einer zu kontrollierenden Installation beteiligt sein darf. Auch wenn die Elektroinstallationsfirma X dem Kunden sowohl für die elektrischen Installationen wie für die unabhängige Kontrolle Rechnung stellt und Ihre Kontrollfirma die unabhängige Kontrolle der Installationsfirma X verrechnet, liegt keine Verletzung von Artikel 31 vor. Die NIV schweigen sich darüber aus, wie die unabhängigen Kontrollen an die Bauherrschaft verrechnet werden bzw. wer sie verrechnet. Das kann durch die Kontroll- oder Elektroinstallationsfirma geschehen. Die Unterschriften auf dem SiNa gehören für die Firma X unten links im Bereich «Unterschriften Elektroinstallateur» und für die Kontrollfirma unten rechts im Bereich «Unterschriften unabhängiges Kontrollorgan». Das entspricht dem Gedanken der NIV. Unzulässig wäre, wenn Ihre Kontrollfirma für die Elektroinstallationsfirma X die Schlusskontrolle der Installationen und anschliessend auch die Abnahmekontrolle durchführen würde. So wie Sie es schildern, ist die Unabhängigkeit der Kontrollfirma gewährleistet. Die Beanstandung des Bauherrn ist nicht haltbar. Fehlerstromschutz in gewerblichen Küchen Wir haben einen Kontrollbericht der Installation einer grossen, gewerblichen Küche erhalten, mit der Forderung, sämtliche Steckdosen ⱕ32 A durch Fehlerstromschutzeinrichtungen auszurüsten. Mir ist es schleierhaft, warum einige durchgerutscht und nicht geschützt wurden. Als ich dem verantwortlichen Elektromonteur die entsprechenden Arti-

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Elektrotechnik 3/07 | 85

Rubriken

Eine rasche, allpolige Abschaltung der Zuleitung ist beim Auftreten von Isolationsfehlern in der Regel sinnvoll und richtig. Unter Umständen kann eine Maschine jedoch nur mit extremem Arbeitsaufwand wieder betriebsbereit gemacht werden, wenn die Energiezufuhr so plötzlich unterbrochen und sie nicht zuvor in eine Ruheposition gefahren wird. Man stelle sich eine Rührmaschine für eine grosse Menge Schokolade vor. Durch eine plötzliche Abschaltung würde die Schokolade aushärten, und sie müsste mühsam aus der Maschine herausgekratzt werden, anders liesse sie sich nicht mehr in Betrieb setzen. Die Forderung nach dem zusätzlichen Schutz

Unabhängigkeit zwischen Elektroinstallationsfirma und Kontrollorgan Die Elektroinstallationsfirma X zählt zu unseren Kunden und hat den Auftrag für die Installation in einem Werkhof erhalten. Der Auftraggeber übertrug der Firma X nicht nur die gesamte Installation, sondern auch die Organisation der unabhängigen Kontrolle. Unser Kontrollbüro führt regelmässig Arbeiten für die Firma X durch. Der verantwortliche Elektroinstallateur und wir haben den SiNa gemeinsam unterzeichnet. Wie vereinbart stellten wir der Firma X unsere Rechnung, welche ihrerseits den Betrag an den Kunden weiterverrechnet. Der Bauherr ist der Auffassung, dass die Unabhängigkeit der Kontrolle nicht gewährleistet sei, weil wir ihm nicht direkt Rechnung gestellt haben und die Unterschriften beider Verantwortlichen der

Firmen auf dem SiNa stehen. Ist die Unabhängigkeit unserer Kontrolle gegeben oder nicht? (R.S. in E.)

Education

Fehlerstromschutz an Maschinen in Räumen mit brennbarem Staub Wir haben den Auftrag erhalten, eine grosse Holzbearbeitungsmaschine in einer Sägerei zu installieren. Der Maschinenlieferant erwartet von uns, diese Maschine ohne Fehlerstromschutzeinrichtung anzuschliessen. Das werde überall so gemacht. Die NIN verlangen jedoch diesen zusätzlichen Schutz in 4.8.2.2.8 ganz klar. Was sollen wir tun? (X.Y. in Z.)

durch Fehlerstromschutzeinrichtungen wird damit nicht aufgehoben. Als Lösung bietet sich die indirekte Auslösung mit Alarmierung eines bestimmten Schwellenwertes an. Bei einem Isolationsfehler kann das Bedienungspersonal z.B. durch Drehlicht aufmerksam gemacht werden, die Maschine sofort in den Ruhezustand herunterzufahren. So ist dem Anliegen der NIN mit Personen- und Sachenschutz Genüge getan.

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kel in den NIN 2005 zeigen wollte, suchte ich vergebens, über gewerbliche Küchen ist nichts zu finden. Geht man einfach von nassen Räumen mit leitendem Fussboden aus, oder lassen sich Grossküchen sonst irgendwo finden? (R.E. in S.) In NIN 4.7.2.3 wird in feuchten und nassen Räumen der Fehlerstromschutz mit I⌬Nⱕ30 mA für alle Steckdosen ⱕ32 A verlangt. In Gewerbeküchen liegt die Feuchtigkeit in der Regel hoch, auch wenn sie sich nicht sichtbar an Wänden und Decken niederschlägt. Zusätzlich sind grosse Metallflächen vorhanden, an denen mit Elektrogeräten gearbeitet wird. Aus diesen Überlegungen ist die Forderung der Kontrollperson sinnvoll und entspricht dem Gedanken des Personenschutzes der NIN, auch wenn keine konkretere Angabe zu finden ist. Spannungsfall bei Verbraucherleitungen Auf einem weitläufigen Fabrikgelände dient eine Aussensteckdose der Speisung von Handleuchten und kleinen Handmaschinen. Am HAK beträgt der gemessenen Kurzschlussstrom L-PE = 3050 A, während die Messung nach der über 80 m langen Zuleitung an der Steckdose nur noch 110 A ergab. Der Leitungsschutz erfolgt über einen LS «C» 13 A und der Personenschutz über einen 30-mA-Fehlerstromschutzschalter. In unserem Messprotokoll tragen wir auch den gemessenen Schleifenwiderstand mit 1,98 ⍀ ein. Dieser Wert ist einem Beauftragten des Bauherrn in die Nase gestochen. Er hat den Spannungsfall mit einem Belastungsstrom von 13 A nachgerechnet und einen Wert >10% erhalten. Nun verlangt er das Auswechseln der 1,5-mm2-Leiter gegen 2,5 mm2 , weil die erstellte Leitung einen höheren Spannungsfall als die in den Normen erwähnten 4% aufweise. Ist diese Forderung gerechtfertigt?

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Der unterschiedliche Einsatz und die spezielle Platzierung von Steckdosen sind zu beachten. Die Verfasser der Norm sind nicht praxisfremd. Nach NIN 5.2.5 sollte der Spannungsfall nicht mehr als 4% betragen. Dieses Ziel ist in der regel einzuhalten! Die Norm schreibt jedoch von «sollte» und nicht von «muss». Die Anmerkung im erwähnten Artikel erläutert weiter: Abweichende 86 | Elektrotechnik 3/07

A4 Wie steht es an dieser Steckdose mit dem nach NIN erwünschten maximalen Spannungsfall von 4%?

Zähler

RCD 30 mA

Leitung 3⫻1,5 mm2 auf Aussensteckdose Werkhof. Länge etwa 80 m, =1,98⍀ LS 13 A «C»

IK = 3050 A

Gemessener IK auf Steckdose 110 A

IK =110 A Gemessener IK (L-PE)-Ausgang Hausanschlusskasten Werkareal

Werte sind zulässig für Motoren während des Anlaufs und für Energieverbraucher mit hohen Einschaltströmen. Genau das trifft für diese spezielle Aussensteckdose zu. Beim Anschluss von Handleuchten und kleinen Handmaschinen tritt kein kritischer Spannungsfall auf. Die Forderung des Beauftragten der Bauherrschaft ist in dieser Situation praxisfremd, das gilt auch für die Berechnung mit 13 A. Der Querschnitt müsste auf 4 mm2 erhöht werden, um die gewünschten 4% Spannungsfall einzuhalten (Bild A4). Fehlerstromschutz in Ladengeschäft Wir haben in einem Kleiderladen eines Shoppingcenters die gesamte Beleuchtung erneuert. Der verantwortliche Betriebselektriker verlangt von mir einen SiNa mit dem Vermerk, alle Steckdosen im Ladengeschäft seien durch Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt! Er beruft sich auf ein anderes ebenfalls renoviertes Geschäft im gleichen Center. Dort wurde der Fehlerstromschutz durch eine Kontrollinstanz verlangt. Das ist aber gar nicht so einfach, die vorhandene Schaltgerätekombination besteht noch aus einer uralten Marmorplatte mit Einbauschmelzsicherungen ohne Fehlerstromschutzeinrichtungen. Wie sollen wir uns verhalten? (P.N.in M.)

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Grundsätzlich verlangt die NIV vom Elektroinstallateur einen SiNa für die Seite 63 von 276

von ihm ausgeführten Arbeiten. In diesem Falle betrifft dies ausschliesslich die Installation der Beleuchtung. Aus den NIN geht kein direkter Hinweis über einen zwingenden Einbau von Fehlerstromschutzeinrichtungen in Verkaufsläden hervor, auch wenn der Einsatz immer sinnvoll ist. Die Bauherrschaft bzw. seine Beauftragten, hier der Betriebselektriker, können jedoch den zusätzlichen Schutz durch Fehlerstromschutzeinrichtungen sehr wohl vorschreiben. Die von Ihnen gegebene Entschuldigung mit der vorhandenen, schlecht ausbaubaren Schaltgerätekombination ist durchsichtig. Eigentlich sollte jede Elektrofachkraft hier einen zusätzlichen Auftrag wittern und dem Kunden auch noch eine neue Schaltgerätekombination verkaufen, natürlich inkl. Fehlerstromschutzschalter. Fehlende Anlagedokumentation bei periodischen Kontrollen Bei der periodischen Kontrolle in einem Gewerbehaus waren weder Anlagedokumentation noch das Schema der Schaltgerätekombination auffindbar. Rückfragen des Anlagebesitzer wie auch durch unser Kontrollbüro bei der Installationsfirma über den Verbleib der fehlenden Unterlagen waren erfolglos. Mehr noch, der verantwortliche Chef rief mich kurz darauf an und zweifelte an meinem Verstand. Dieser Bau sei 11-jährig, er müsse die Unterlagen nur 10 Jahre behalten

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und könne sie anschliessend wegschmeissen. Das habe er auch getan. Zudem bezahle ihn sowieso niemand für diesen Aufwand, er habe nur die Auftragsnebenarbeiten TB-C verrechnet und nicht auch noch Planungsarbeiten TBA+B. Kann ich nach 11 Jahren die Anlagedokumentation noch verlangen, oder bringt erst die NIV 2001 die Forderung, dass diese zwingend an den Anlagenbesitzer abzugeben ist? Was soll ich tun, wenn er sagt, er habe sie nicht mehr? Ihre Frage enthält mehrere wichtige Teile. Hier die Antworten: • Bereits die NIN 2000, Artikel 5.1.4.5 kennen die Forderung über das Anbringen von Schaltplänen, Legenden in Anlagen, von Wegschmeissen war nie die Rede. Das Prinzipschema in Schaltgerätekombinationen ist jeder Elektrofachkraft bestens bekannt, für Hersteller von grösseren Schaltgerätekombinationen seit jeher eine Selbstverständlichkeit. • Die NIV 2001 bringt in Artikel 5.2 die eindeutige Pflicht der Anlagedokumentation. Der Anlagenersteller oder der Elektroplaner händigt die notwendigen Dokumente dem Eigentümer aus, dieser muss sie während der ganzen Lebensdauer der Anlage aufbewahren. • Die Anlagedokumentation mit Installationsplänen im Brouillon gezeichnet, Betriebsanleitungen usw. ist in den Auftragsnebenarbeiten TB-C enthalten. Bei Bauten mit getrennter Elektroplanung liefert der Elektrounternehmer die Angaben für die Revisionspläne an das Elektroplanungsbüro. Dieses erstellt daraus die defini-

tiven Unterlagen und gibt sie der Bauherrschaft ab.

UP-Wohnungsverteiler «Volta», Schutzklasse E, Schutzgrad IP30

Genügt die Leckstrommessung für den Eintrag im SiNa? In einer Gewerbeliegenschaft konnten wir für die unabhängige Kontrolle nur die Leckstrommessung durchführen, weil zum Zeitpunkt der Kontrolle verschiedene Kursteilnehmer mit PCs und Beamer arbeiteten. Unsere Leckstrommessung bestätigte die Angaben der Isolationsmessung, die der Elektroinstallateur vor Inbetriebnahme durchgeführt hatte. Auf dem SiNa übernahmen wir deshalb den Wert der Isolationsmessung des Installateurs. Der Kunde akzeptiert nun diesen Wert nicht und verlangt, dass wir zu einem anderen Zeitpunkt nochmals eine Isolationsmessung durchführen – natürlich gratis. Sind wir verpflichtet, diese Messung nochmals nachzuholen oder muss der Kunde die als Kontrolle durchgeführte Leckstrommessung akzeptieren?

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Bei der Schlusskontrolle muss der Elektroinstallateur gemäss Art. 24 Abs. 2 NIV eine Isolationsmessung durchführen. Offenbar ist diese Voraussetzung erfüllt. Zudem zeigte die Leckstrommessung bei der unabhängigen Kontrolle ebenfalls, dass die Anlage in Ordnung ist. Wenn Sie die Bedingungen für die Durchführung von Leckstrommessungen eingehalten haben, wie sie das ESTI definiert und in einer Mitteilung veröffentlicht hat (Bulletin Electrosuisse/VSE 15/2004, S. 14 f.), bestehen meines Erachtens keine Einwände dagegen, den Wert der Isolationsmessung des Elektroinstallateurs auf dem SiNa zu überneh-

Müssen diese 35-mmDIN-Schienen mit dem Schutzleiter verbunden werden?

men. Der Kunde kann keine nochmalige Isolationsmessung fordern. Schutzleiteranschluss an 35-mm-Tragschiene in Wohnungsverteiler Ein Kontrolleur hat uns bei einem Kunststoff-Wohnungsverteiler Volta in Schutzklasse II, IP 30 beanstandet, dass die leitfähigen Teile des Verteilers (35-mmDIN-Schienen) nicht mit dem Schutzleiter verbunden sind. Schiesst diese Beanstandung nicht über das Ziel hinaus? (J.E. in W.) Der Wohnungsverteiler Volta besitzt die Schutzklasse II, ist also sonderisoliert, ein Anschluss des Schutzleiters macht keinen Sinn und ist nicht zuläs-

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Gipsdecke 15 mm

Infrarot – Temperaturmessgerät

sig. Lediglich bei der Montage von leitenden Schutzleiterklemmen erhält die betroffene Trageschiene das Potenzial der Erde. Es bleibt jedoch auf eine einzelne Schiene beschränkt, weil die Metalltragschienen im Verteiler links und rechts in Kunststoffhalterungen befestigt sind. Die meisten Installationsverteiler besitzen einen eingebauten Schutzleiterblock, dort können alle Schutzleiter normenkonform verbunden werden, deshalb kommt diese Situation selten vor (Bild A8). Die erwähnte Beanstandung schiesst wirklich übers Ziel hinaus und ist nicht gerechtfertigt. Nicht brennbare Auskleidung eines Putzschrankes nach periodischer Kontrolle In älteren Liegenschaften wurde eine offene Sicherungsverteilung mit Eternitplatten in einem Putzschrank beanstandet. Der Kontrollbericht verlangt das Auskleiden des Schrankes im Bereich der Schaltgerätekombination mit nicht brennbarem, wärmeisolierendem Material zusätzlich zur bestehenden Unterlage, die allseitig gemäss HV vorsteht. Wir haben den Eindruck, dass diese Forderung nur in feuergefährlichen Räumen gilt, nicht aber in einer Wohnung. Sehen wir das richtig?

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Für eine exakte Analyse müsste mir eine detailliertere Beschreibung des Putzschrankes zur Verfügung stehen. Grundsätzlich gelten die Forderungen der NIN nicht rückwirkend für ältere 88 | Elektrotechnik 3/07

Installationen. Diese können entsprechend den zur Erstellungszeit der Installationen gültigen Normen belassen werden und die nach heutiger Norm verlangte zusätzlich Auskleidung wäre hinfällig. Ausnahmen bilden Installationen, die eine unmittelbare Gefahr für Personen oder ihre Umgebung darstellen. Das wäre z. B. der Fall, wenn der Holzabschluss extrem nahe an die Verteilung reicht, feuergefährliche Putzmittel im Schrank aufbewahrt werden, leicht isolierte Leiter der Berührung ausgesetzt sind usw. Ich könnte mir eine solche Situation gut vorstellen. So würde sich eine Auskleidung eindeutig vertreten lassen. Wesentlich sinnvoller scheint mir jedoch dem Anlagebesitzer zu erklären, dass das Sicherheitsniveau der Norm verbessert werden kann, und ihm zu empfehlen, einen sauberen, geschlossenen Wohnungsverteiler zu montieren. Vorteil: Leitungsschutzschalter anstelle von Schmelzsicherungen, sauberer, geschlossener Kasten mit absolutem Berührungsschutz usw. und erst noch einen zusätzlichen Auftrag hereingeholt! Einbau von Halogenleuchten in Täferdecken Wir haben Einbauhalogenleuchten in eine Gipsdecke eingebaut. Die Abnahmekontrolle beanstandet die fehlenden Wärmeschutzboxen um die Einbauleuchten und verweist auf den etwa 10 cm über den Leuchten liegenden

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Blindboden aus Holz. Leider sind die Montageanleitungen des Leuchtenherstellers nicht mehr aufzutreiben. Wir haben nun in der Werkstatt die Situation nachgebaut, eine Leuchte eingebaut und die auftretende Temperatur an den Holzteilen gemessen. Sie liegt nie über 70°C, die NIN lassen jedoch für die Montage von Betriebsmitteln auf brennbare Gebäudeteilen maximal 80°C zu. Wir sind der Meinung, dass die Leuchten so belassen werden können, was sagen Sie dazu? Die Normen setzen verbindliche Schutzziele, die eingehalten werden müssen. Hersteller von Geräten geben solche Angaben für ihre Produkte bekannt. Der Anwender muss sich daran halten. Wie die Schutzziele erreicht werden, ist zuerst sekundär. Die Normen zeigen eine praxisbezogene, gangbare Lösung auf. Das heisst jedoch nicht, dass keine weiteren Möglichkeiten bestehen. Wendet die Elektrofachkraft normengemässe oder herstellerkonforme Lösungen an, benötigt sie keinen Nachweis für deren Zulässigkeit. Will sie hingegen eine eigene Lösung anwenden, so muss sie die Wirkung und Zulässigkeit belegen können. So ist es auch bei den Einbauleuchten. Die NIN gehen von ⱕ80 °C an brennbaren Gebäudeteilen aus. So kann entweder durch Absenken der Temperatur am Holz mit Verkleiden der brennbaren Gebäudeteile oder durch Einhalten von Sicherheitsabständen für die notwendige Sicherheit gesorgt werden. Sie haben Versuche mit grösserem Sicherheitsabstand (Bild F10) über der Leuchte angestellt und können durch Messungen belegen, dass an brennbaren Gebäudeteilen keine unzulässig hohen Werte auftreten. Für die Einbauleuchten existieren keine Leuchtmittel mit grösserer Leistung und ungünstigerer Wärmeabgabe. Natürlich ist auch die Verschmutzung durch brennbaren Staub zu berücksichtigen. Damit sind die Forderungen der NIN erfüllt. Die Montage ist in der von Ihnen gewählten Art zulässig. Die Verantwortung für eine saubere Montage in der untersuchten Art trägt natürlich die ausführende Elektrofachkraft. ET 09

Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Die vielen Leserfragen zeigen, dass die NIN-Know-how ein Bedürfnis ist. Das freut natürlich den Verfasser. Auch in dieser Ausgabe sind wichtige NIN-Fragen angesprochen. Vielleicht ist gerade eines Ihrer Probleme darunter! Machen Sie mit und schärfen Sie Ihren NIN-IQ.

Ernst Feldmann

Selektivität von Leitungsschutzschaltern Type «C» zu Überstromunterbrechern Ein für den hoheitlichen Bereich zuständiger Kontrollfachmann hat schon mehrfach fehlende Selektivität in Schaltgerätekombinationen bemängelt. Aus diesem Grund verlangt er in Anlagen mit 25 A Anschlussüberstromunterbrechern für die nachgeschalteten Verbraucherüberstromunterbrecher ausschliesslich Leitungsschutzschalter Type «B» und keine Type «C», weil diese nicht selektiv zu den vorgeschalteten Anschlussüberstrom unterbrechern seien. Er stützt sich dabei auf die Angaben der Firma Hager «Profi-Spick 2006» Seite 144. Ist diese Beanstandung berechtigt und wie stellen sich die NIN dazu? (E.H. in K.)

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Aus «Profi-Spick» der Firma Hager Tehalit AG Selektivität Sicherung Leitungsschutzschalter Ik >1,5 kA Minimale vorgeschaltete Sicherung

(Prinzipielle Darstellung ohne Angabe von Stromwerten)

Ausschaltkennlinie LS Ansprechkurve Sicherung

Im grünen Bereich sind LS und Schmelzsicherung selektiv

Kurzschlussstrom Grenze der Selektivität

A1b Zentralgedimmte Steckdosen Type 12 Bei einem Auftritt in einem grossen Hotel schlossen Musiker ihre Anlagen an einer ihnen zugewiesenen «normalen» 3fachen T12-Steckdose an. Bei der Funktionskontrolle klappte alles einwandfrei. Kurz vor dem Auftritt wurden die verwendeten Steckdosen ohne Information der Musiker zentral gedimmt. Leider wurden die Benutzer weder durch Warnaufschriften noch auf andere Art auf diesem Umstand aufmerksam gemacht. Beim Auftritt funktionierte plötzlich nichts mehr. Umstecken auf andere, nicht gedimmte Steckdosen erweckte zwar einen Teil der Geräte wieder zum Leben, für die teuren Aktivlautsprecher Bose kam jedoch jede Hilfe zu spät. Sie überlebten den Dimmvorgang nicht. Was sagen die NIN dazu, dürfen ganz gewöhnliche T12-Steckdosen gedimmt sein, oder sollten andere Modelle eingesetzt werden? Wer könnte für den ent-

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Rubriken

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A1a

Selektivität zwischen Schmelzsicherung und Leitungsschutzschalter

Education

Die Angaben im Handbuch von Hager sind korrekt. Beachten Sie die Tabelle aus dem «Profi-Spick 2006» in Bild A1a. Entscheidend ist die Angabe in der Kopfzeile. Keine Selektivität herrscht bei Kurzschlussströmen >1,5 kA. Probleme mit der Selektivität treten vor allem bei hohen Kurzschlussströmen auf. Im Haushaltbereich sind häufig höhere Leitungsimpedanzen vorhanden, es fliessen selten derart hohe Ströme. Die genannten Schwierigkeiten sind vorwiegend auf den industriellen Bereich beschränkt. Die Problematik liegt beim elektromagnetischen Sofortauslöser und der Systemträgheit der Leitungsschutzschalter. Liegt der Kurzschlussstrom unter der Auslösegrenze des Sofortauslösers, besteht Selektivität, weil der thermische Auslöser

träger als eine Schmelzsicherung reagiert. Auch ein Leitungsschutzschalter Type «B» schaltet bei hohen Kurzschluss-Strömen nicht selektiv, bzw. bringt die vorgeschaltete Schmelzsicherung ungewollt zum Ansprechen, wenn der Kurzschluss-Strom genügend hoch ist. Aus diesem Grund sind die NIN vorsichtig mit konkreten Forderungen und formulieren in Artikel 4.3.2.1.3 offen wie folgt: • Überstromschutzorgane sind so zu bemessen bzw. einzustellen, dass sie: (2.) bei Überstrom womöglich nur den gestörten Anlageteil abschalten. In Bild A1b wird die Situation übersichtlich dargestellt. Im grün hinterlegten Bereich besteht Selektivität zwischen LS und der vorgeschalteten Schmelzsicherung. Steigt der Kurzschluss-Strom über die eingezeichnete Grenze hinaus, löst sowohl die Schmelzsicherung wie auch der LS aus.

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standenen Schaden zur Rechenschaft gezogen werden? (M.B. in ?) Die NIN äussern sich nicht direkt zu diesem Thema. Artikel 5.1.1.1.2 verlangt für Steckdosen mit unterschiedlicher Spannung die gegenseitige Unverwechselbarkeit. Dieser Artikel spricht zwar nicht von gedimmten Steckdosen. Das geschilderte Problem geht jedoch in die gleiche Richtung. Wie Ihre Frage zeigt, können grosse Schäden entstehen. Grundsätzlich erwartet der Anwender an Steckdosen T12 die volle Netzspannung. Verschiedene Betriebsmittel ertragen keine gedimmte Spannung bzw. nur solche von speziellen Dimmern (Phasenabschnitt, Phasenanschnitt). Aus diesem Grund dürfen meines Erachtens freizügige Steckdosen nicht an einen zentralen Dimmer angeschlossen werden. Das trifft besonders in einem öffentlichen Lokal zu. Die beste Lösung sind spezielle Steckdosenmodelle, die eine Verwechslung unmöglich machen. Als einfache Variante bieten sich Steckdose T12a mit waagrecht flachen Stiften an. Natürlich sind noch verschiedene weitere Modelle im Handel. Eine zusätzliche, orientierende Anschrift ist sinnvoll. Die Frage der Haftung scheint in diesem Fall eindeutig. Für den Anschluss der Geräte wurden den Musikern ohne Einschränkungen oder Warnhinweisen Steckdosen zugewiesen. Der Anlagebetreiber ist demzufolge für den entstandenen Schaden haftbar, kann aber allenfalls auf den Installateur zurückgreifen.

Temperaturmessstreifen mit exakter, irreversibler Anzeige der erreichten Temperatur

Überprüfung von Leistungsschaltern Das ESTI verlangt bei Leistungsschaltern eine periodische Überprüfung bzw. Revision durch den Lieferanten. Mich würde interessieren, wo das in der NIN steht. Hat es auch mit der Grösse des Nennstromes des Leistungsschalters zu tun? (V.K. in S.) In der NIN findet sich keine direkte Forderung für eine Wartung von Leistungsschaltern. In NIN 3.5.1 sind allgemeine Angaben über die Instandhaltung vorhanden. Anders in der NIV. Hier befinden sich klare Hinweise. In der Regel werden Leistungsschalter durch die Lieferanten gewartet. Die Grösse des Nennstromes ist nicht begrenzt, weil die Forderung grundsätzlich gilt. Verantwortlich ist der Betriebsinhaber, deshalb ist die Forderung des ESTI begründet. Beachten Sie dazu NIV, Abschnitt 4, Artikel 17. 1 Die Betriebsinhaber müssen ihre Starkstromanlagen dauernd instandhalten und periodisch reinigen und kontrollieren oder diese Arbeiten durch Dritte ausführen lassen. 2 Im Besonderen ist zu kontrollieren, ob: a) sich die Anlagen und die daran angeschlossenen elektrischen Einrichtungen in einwandfreiem Zustand befinden; b) die Anlagen bezüglich Unterteilung, Anordnung und Kurzschlussfestigkeit den Vorschriften entsprechen; c) die Schutzeinrichtungen korrekt eingestellt und wirksam sind; Das kann nur mit einer periodischen Überprüfung der Leistungsschalter eingehalten werden. Die Kontrollperi-

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Die schwarze Farbe zeigt: Diese Temperatur ist mindestens 1 s erreicht, bzw. überschritten worden.

Die weisse Farbe zeigt: Diese Temperatur ist mindestens 77°C ist noch nicht erreicht, bzw. überschritten worden. Die Temperaturmessstreifen sind auf einen Alu-Block geklebt

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oden sind in Artikel 18 beschrieben. Sie sind der Art der Anlage, den äusseren Einflüssen und der Beanspruchung anzupassen. Installation eines Dampfbades Wir installieren gerade ein Dampfbad. In den NIN finde ich keine Angaben, wie eine solche Installation zu erstellen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier geringere Anforderungen gelten als in Bad- und Duschebereichen. Können Sie mir weiterhelfen? (P.B. in O.)

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Installation, die nicht in den NIN beschrieben sind, müssen nach den Grundsätzen bzw. den anerkannten Regeln der Technik installiert werden. Dazu fehlt mir jedoch noch eine genauere Beschreibung (Skizze) der von Ihnen erwähnten Anlage. Mit Detailplänen liesse sich eine wesentlich genauere Beurteilung abgeben. Die folgenden Gedanken zeigen die Richtung. In einem Dampfbad herrscht eine Temperatur von 40 bis 50 °C und eine Luftfeuchte von rund 100%. Das sind wesentlich härtere Bedingungen als in Bad- oder Duschebereichen, diese gelten ja bekanntlich als trockene Räume. Im Dampfbad ist es jedoch ganz anders. Die Feuchtigkeit schlägt sich an Decke, Wänden und Fussboden nieder. Die folgenden Bedingungen können wahrscheinlich im Dampfbad gelten: a) Die Angaben des verantwortlichen Herstellers beachten. b) Betriebsmittel, wie Schalter, Steckdosen und dgl. ausserhalb der heiklen Bereiche platzieren. c) Genereller Einsatz von Fehlerstromschutzeinrichtungen I⌬N 30 mA. d) Alle UP-Rohrleitungen tiefer als 6 cm verlegen. e) Beleuchtungskörper mindestens in IP-Schutzgrad IP 54–66, im Bereich der Kabine nur mit SELV-Spannung von max. 25 VAC gespeist. Die speisenden Transformatoren sind ausserhalb der kritischen Bereiche zu platzieren. f) Wenn im Haus ein HPA fehlt, allenfalls ein zusätzlicher PA mit 4 mm2. Steckdose T14 bei einem Umbau belassen? Wir haben in einer Wohnung alle alten 1,5-mm2-Drähte mit gelben Neutralleiter durch neue ersetzt. Die Zulei-

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tung zur Balkonsteckdose mit TT-Kabel 3 ⫻ 1,5 mm2 wurde belassen, weil die Fassade erst kurz vorher erneuert wurde und die vorhandene Gusssteckdose T14 sehr schwer zu ersetzen ist. Die ganze Installation ist mit Fehlerstromschutzschaltern I⌬N 30 mA geschützt. Darf diese Steckdose T14 bestehen bleiben oder muss sie ebenfalls ausgewechselt werden, weil sie ein Sicherheitsrisiko darstellt? ( G.M. in Z.) Grundsätzlich sind Steckdosen T14 nicht mehr zulässig für neue Installationen. Die beste Lösung ist eindeutig die Auswechslung der alten Steckdose. Es ist richtig, dass die NIN bei älteren Installationen nicht unbedingt den Totalersatz der Betriebsmittel verlangen. Bei einem so umfangreichen Umbau ist es jedoch die Regel. Sie möchten die Gusssteckdose auf dem Balkon belassen. Vielleicht ist die neue Fassade zum Teil über die Steckdose verlegt und sie kann deshalb nur schlecht demontiert werden. Wichtig ist Ihre Frage, ob die Steckdose T14 ein Sicherheitsrisiko darstellt. Es existierten zwei verschiedene Modelle T14. Bei den ersten sind keine Stecker T12 einsteckbar, weil die Öffnung für den Schutzkontakt fehlt. Solche Modelle sind gefährlich und sind auf jeden Fall zu ersetzen. Das sogenannte Übergangsmodell besitzt eine Öffnung für den PE-Kontakt, für Geräte mit Stecker T12 besteht kein Risiko. Das Belassen ist als zweitbeste Lösung zulässig. Randbemerkung: Das Risiko liegt bei älteren Geräten mit Steckern T14. Werden sie an Steckdosen T12 eingesteckt, fehlt der Schutzleiter zum Gerät. Stecker T14 sind deshalb zu eliminieren. Querschnitt für temporär verlegte Kabel Wir haben in erster Linie mit temporären Anlagen zu tun. Dabei stellt sich die Frage der Wahl des richtigen Querschnitts für Kabel. Es handelt sich um PUR-PUR-Kabel, die meist offen auf dem Erdboden verlegt sind. 1–5 Kabel werden ab und zu auch in 2–6 m lange Kabelbrücken gelegt. Ich konnte in der NIN 2005 keine Tabelle dafür finden und es ist soweit ich gesehen habe auch keine Referenzverlegeart vorhanden. Wie sollen wir bei der Querschnittsdimensionierung vorgehen? (B.V. in K.)

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Platzierung von Wohnungsverteilern in Bade- und Duschebereichen Separat-WC-Raum Keine zusätzlichen Bedingungen

Dusche- und WC-Raum Bedingungen nach NIN 7.01 gelten UP-Wohnungsverteiler

UP-Wohnungsverteiler

3 cm

3 cm

Mauerdicke 15 cm Mauerdicke 15 cm

WA

A8

Bei temporären Anlagen dürfen im Bereich der Sicherheit von Personen, Nutztieren und Sachen keine Kompromisse gemacht werden. Zur Querschnittsdimensionierung gelten deshalb die gleichen Bedingungen wie für ortsfeste Anlagen. Die NIN verlangen zur Bestimmung der Verlegungsart die Berücksichtigung der ungünstigsten Art, schränken jedoch ein, nur wenn sie länger als 1 m ist. Das trifft bei Ihrem Beispiel zu. Wenn Sie die Verlegearten in NIN 5.2.3.1.1.10 B+E ansehen, trifft die von Ihnen gewählte Verlegungsart mit 2–6 m langen Kabelbrücken wohl am ehesten auf die Verlegearten 30,31 oder 32 mit der zugeordneten Referenzverlegeart E/F zu. Vielleicht auch noch auf die VA 20 oder 21 mit der Referenzverlegeart C. Die zulässige Strombelastbarkeit finden Sie in den Tabellen 5.2.3.1.1.11.11, Spalte 2 oder 5.2.3.1.1.11.4, Spalte 5. Die Differenz zwischen den beiden Tabellen ist gering. Temperatur erfassen an PVCKabeln in Installationskanal Wir haben den Auftrag erhalten, in das bestehende Kabelkanalsystem einer grossen Industrieanlage ein weiteres Kabel zu verlegen. Um die vorhandene Belastung der verlegten Kabel beurteilen zu können, möchten wir die Temperatur der Kabel an einer kritischen Stelle über eine gewisse Zeit erfassen. Wir haben gehört, dass es Klebstreifen oder Etiketten gibt, die eine Temperatur angeben.

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Eignen sich solche Klebstreifen für unser Problem? (J.G. in G.) Solche Temperaturmessetiketten gibt es in verschiedenen geometrischen Abmessungen und Temperaturkombinationen zwischen +40 und +260 °C. Diese zuverlässige, preiswerte Temperaturüberwachung per Etikette bewährt sich zur Maximaltemperaturaufzeichnung an Oberflächen. Wird der spezifische Temperaturwert für mehr als eine Sekunde erreicht oder überschritten, so verfärbt sich das entsprechende dreieckige, temperaturempfindliche Anzeigefeld von ursprünglich Weiss für dauernd in tiefes Schwarz. Die Etiketten können auf beliebige Oberflächen, z. B. wie in Ihrem Beispiel erwähnt auf Kabelmäntel selbstklebend aufgebracht werden. Die Genauigkeit liegt im ungünstigsten Fall bei 2,5% bezogen auf den Streifenendwert. Beachten Sie das Bild A7 mit Temperaturstreifen. Weitere Details über die Messstreifen CelsiStrip® der Firma Spirig finden Sie unter www.spirig.com. Wohnungsverteiler im Bad-Duschebereich Wir haben bei einem Umbau in einer WC-Wand einen Wohnungsverteiler montiert. Er wird vom Korridor bedient. Die Wanddicke beträgt 12 cm, der Wohnungsverteiler selber hat eine Tiefe von 9 cm. Die NIN verlangen vom Badeoder Duschebereich aus eine Mindest-

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A9 Prinzipielle Darstellung der Auflösung TN-C in TN-S

Schutzsystem TN-S

Schutzsystem TN-C

verlegetiefe von 6 cm für alle Leitungen in diesen Räumen. Kann das nicht eingehalten werden sind alle Leitungen über Fehlerstromschutzeinrichtungen zu schützen und mit einem speiseseitig angeschlossenen Schutzleiter zu versehen. Die Zuleitungen zum Wohnungsverteiler sind alle tiefer als 6 cm verlegt. Wie verhält es sich aber mit dem Wohnungsverteiler selber. Der Kunststoffrücken hat nur etwa 3 cm zum WC-Bereich. Muss ich nun die gesamten Leitungen zum Verteiler durch Fehlerstromschutzschalter schützen, weil er dem WC-Bereich zu nahe kommt? Sehen Sie dazu Bild F8. In Ihrer Frage erwähnen Sie, dass der Wohnungsverteiler in einer WC-Wand platziert ist. Falls weder Dusche- noch Badewanne im gleichen Raum vorhanden sind, gelten die Bestimmungen der NIN für einen Separat-WCRaum nicht. Der Wohnungsverteiler kann ohne die von Ihnen erwähnten Einschränkungen montiert werden. Ihre Überlegungen sind richtig, wenn es sich um einen Bade- oder Duscheraum mit WC handelt. Um die NIN richtig anzuwenden ist es wichtig, die Gedanken, die den Forderungen der Norm zu Grunde liegen, zu verstehen. Die minimale Verlegetiefe von 6 cm soll verhindern, dass keine Schrauben in Leitungen geschraubt und Handtuchstangen und dgl. ungewollt unter Spannung geraten. Meines Erachtens gilt das auch für den Wohnungsverteiler. Er liegt vom Badezimmerbereich nur etwa 3 cm tief in der Mauer. Spannungsführende Teile können durch 84 | Elektrotechnik 4/07

Der Neutralleiter muss als Trennvorrichtung ausgebildet sein, die die Trennung ohne Lösen der Leiter ermöglicht.

Bohrarbeiten ebenfalls erreicht werden. Lasttrenner als Neutralleitertrenner Kann ein 4-poligerLasttrennschalter/Leistungsschalter beim Übergang von TN-C auf TN-S und auch beim Übergang vom Netz in die Hausinstallation als Anschlussüberstromunterbrecher verwendet werden, wenn er die Bedingung von NIN 4.6.1.2.3.5 des gleichzeitigen Trennens von allen Polleitern und dem Neutralleiter erfüllt, oder muss er zwingend NIN 4.6.2.1.5, das voreilende Verbinden und das nacheilende Öffnen des Neutralleiters erfüllen? (K.J. in ?) Meines Erachtens hat Ihre Frage drei unterschiedliche Aspekte. • Beim Übergang vom Schutzsystem TN-C in TN-S sehe ich keinen Einsatz von 4-poligen Lasttrennschaltern. Die vorgeschriebene Trennvorrichtung bezieht sich nur auf den Neutralleiter. Die anderen aktiven Leiter können auch an anderer Stelle, z.B. auf einem Sicherungselement, getrennt werden. Ein 4-poliger Lasttrenner ist nicht notwendig. Beachten Sie dazu Bild A 9. • Beim Übergang vom Netz in die Hausinstallation liegt die Situation anders. Die Trennung vom Netz könnte auch mit einem 4-poligen Trenner erfolgen. Das wird mit 4-poligen Leistungsschaltern bereits gemacht. Die von Ihnen erwähnte Bedingung des gleichzeitigen Schaltens aller aktiven Leiter ist natürlich Voraussetzung. Aus Servicegründen können die Netz-

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betreiber über die Anschlussüberstromunterbrecher entscheiden. Die Hausinstallation beginnt bei den Abgangsklemmen. Im Störungsfall müssen Auswechslungen rasch erfolgen, das bedingt die Lagerhaltung der kritischen Teile. Deshalb ist der Einsatz von 4-poligen Lasttrennern kaum wahrscheinlich. • Bei der in NIN 4.6.2.1.5 erwähnten Bedingung handelt es sich eindeutig um Neutralleitertrenner, die sich zeitlich getrennt von den Polleitern öffnen und schliessen lassen. Das gilt für Neutralleitertrenner in Endstromleitungen, die getrennt, z. B. auf den Abgangsklemmen angebracht sein können. Es braucht nicht besonders erwähnt zu werden, warum diese immer nach den Polleitern geöffnet und vor diesen geschlossen werden müssen. Für 4-polige Anlage-, Leistungs- und Fehlerstromschutzschalter gilt die Bedingung der gleichzeitigen Schaltbarkeit aller aktiven Leiter seit längerer Zeit. Sie können das selber testen. Wenn Sie einen älteren FI-Schalter prüfen, werden Sie feststellen, dass der Neutralleiter noch vor- und nacheilend schaltet. Moderne Schalter schalten alle 4 Pole gleichzeitig. Abschaltbarkeit in 0,4 s von Steckdosen Warum müssen selbst Steckdosen mit hohem Nennstrom wie 32 A, 63 A usw, in 0,4 s abschaltbar sein, die daran angeschlossenen ortsveränderlichen Betriebsmittel werden kaum in der Hand gehalten? (K.J.in ?)

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Die gefährlichste Situation bei der Schutzmassnahme TN-S ist das Abbrechen des Schutzleiters. Diese Gefahr ist bei ortsveränderlichen Leitungen wesentlich höher als bei ortsfesten. Deshalb gilt die Fehlerstromschutzschaltung heute durchgehend für alle 32-A-Steckdosen. Damit ist diesem Umstand Rechnung getragen. Auch bei höheren Nennströmen ist das Auftreten eines Leiterbruches trotz grösserem Querschnitt erhöht. Ein Körperschluss trifft häufiger auf. Mit der Abschaltung in 0,4 s ist dieser Umstand berücksichtigt und der verlangte Personenschutz gewährleistet. ET 09

Ernst Feldmann, 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Wieder liegt eine neue Reihe interessanter Fragen aus dem ganzen Gebiet der NIN vor Ihnen. Nehmen Sie sich die Zeit, überlegen Sie, welche Antworten Sie geben würden, und lesen Sie dann unsere Vorschläge. Mit Sicherheit lassen sich weitere Lösungen vorschlagen. Teilen Sie uns diese mit. Die NIN-Know-how lebt nicht nur von den Leserfragen, sondern auch von Anregungen und interessanten Ideen. Wir freuen uns auf Ihre Stellungnahmen!

Ernst Feldmann

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li auf die vorliegende Situation hinzuweisen. Achtung, Netzbetreiber können zu diesem Problem verschärfende Bestimmungen erlassen! Kennzeichnung des Neutralleiters bei Normal- und Notnetz Durch ein Planungsbüro erhalten wir ein Schema einer Lichtinstallation mit Normal- und Notnetz. Der Neutralleiter des Normalnetzes wird mit «1» und derjenige des Notnetzes mit «2» bezeichnet. Nach NIN sollte er aber die tiefste Nummer aufweisen. Weiter ist noch das Notnetz für die Sicherheitsleuchten vorhanden. Im gleichen Kabel sind jetzt auf einmal zwei Neutralleiter vorhanden. Wie sieht es aus mit der Kennzeichnung des Notneutralleiters? Genügt es, wenn wir klar und deutlich beschriften, welche Funktion der Leiter hat, obwohl es nicht möglich ist, für den Notneutralleiter ebenfalls die tiefste Nummer zu wählen? (R.E. in S.) Die NIN erwähnen in einer Anmerkung zu 5.1.4.3, dass der Neutralleiter bei nummerierten Kabeln mit der kleinsten Zahl bezeichnet werden soll. Auf Zeichnungen und Schemata ist es ebenfalls sinnvoll, diese Bezeichnung zu übernehmen. In dem von Ihnen geschilderten Fall kommt der Neutralleiter des Notnetzes dazu. Zur Bezeichnung des Neutralleiters im Not-

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Education

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Bauernhaus

Diese Zuleitung zur Heizung im Stöckli ist auf der Schaltgerätekombination im Bauernhaus trenn- und freischaltbar.

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Stöckli

Rubriken

Vorsichtsmassnahmen bei Einspeisungen ab anderer Liegenschaft Wir installieren eine neue Heizung in einem Bauernhaus. Von dort führt ein Heizkreis zum benachbarten Stöckli. Beide Häuser besitzen einen separaten Hausanschluss. Im Stöckli sollen Ventile und eine Heizpumpe vom Bauernhaus aus gespeist werden (Bild F1). Ein Kontrollfachmann hat uns auf Anfrage erklärt, eine solche Installation sei nicht zulässig, trotz spannungsfreiem Schalten aller elektrischen Installationen im Stöckli liege an den vom Bauernhaus gespeisten Betriebsmitteln weiterhin Spannung. Was sagen die NIN dazu? (K.B. in K.) Es gibt Fragen aus dem Installationsgebiet, die sich nicht direkt aus den NIN beantworten lassen. Das von Ihnen geschilderte Problem gehört dazu. Solche Fragen sind nach den Grundsätzen des Personen-, Nutztierund Sachenschutzes zu analysieren und zu bearbeiten. Durch die parallele Einführung der Anschlussleitung ab speisendem Netz und der Heizungsleitungen aus einem unabhängigen Gebäude besteht die Gefahr, dass bei Servicearbeiten nicht die richtigen Leitungen abgeschaltet und so an unter Spannung stehenden Betriebsmitteln Servicearbeiten vorgenommen würden. Die folgenden Massnahmen beugen dieser Gefahr vor (Bild A1): • Die aus dem Bauernhaus gespeisten Betriebsmittel sind über einen War-

tungsschalter anzuschliessen. Bei Servicearbeiten lassen sich diese einfach spannungslos schalten. Weil der Schalter direkt im Bereich der Betriebsmittel liegt, muss er nicht abschliessbar sein. • An Betriebsmitteln im Stöckli, die aus dem Bauernhaus gespeist werden (Pumpe und Ventile), muss die Warnungsaufschrift «Achtung Fremdspannung ab Bauernhaus Gruppe F X» angebracht sein. • Im Hausanschlusskasten des Stöcklis ist eine Warnaufschrift mit der Angabe «Achtung, die Heizung Stöckli wird aus dem Bauernhaus gespeist: Sicherungsgruppe F X in der SGK Bauernhaus» anzubringen. Im Brandfall werden Feuerwehrfachleute auf die noch anstehende Spannung der Betriebsmittel im Heizungsbereich aufmerksam und können diese im Bauernhaus spannungsfrei schalten. • Gleichzeitig ist je in der Schaltgerätekombination im entsprechenden Verteilschema Bauernhaus und Stöck-

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Je eine unabhängige Zuleitung der Netzbetreiberin im Stöckli und im Bauernhaus.

Elektrotechnik 5/07 | 75


A1

Übersicht der Anlage Heizung ab Bauernhaus zum Stöckli (Die Leitungen sind alle einpolig gezeichnet)

Prinzipschema in jeder Schaltgerätekombination SKG Bauernhaus Pumpe Stöckli F X

Achtung: Fremdspannung ab Bauernhaus Gruppe F X

SKG Stöckli Verbraucher Stöckli

Pumpe kWh

kWh

Ventil Achtung: Die Heizung ist gespeist ab Bauernhaus Gruppe F X

Netzeinspeisung Bauernhaus

Netzeinspeisung Stöckli

Bauernhaus

netz äussern sich die NIN nur grundsätzlich im gleichen Artikel 5.1.4.3.1: Die Leiter sollen eindeutig gekennzeichnet werden. Das bedeutet in Ihrem Fall, den Neutralleiter des Notnetzes so zu beschriften, dass keine Zweifel über die Funktion des Leiters besteht. Die tiefste Nummer steht nicht mehr zur Verfügung, deshalb kann die Nummer 2 gewählt werden. Am aussagekräftigsten scheint es mir, den Notnetzneutralleiter mit Notund allenfalls zusätzlich mit hellblauer Markierung zu versehen. Elektrische Sicherheitsmassnahmen bei Wassererwärmern Im Zuge eines Badzimmerumbaues wurde eine neue Schaltgerätekombination montiert. Schreckensmeldung am letzten Samstag: Kalt- und Warmwasserleitung am Wassererwärmer sei abgeschlagen, die ganze Wohnung stehe voll Dampf und vom Standort des Wassererwärmers im DG fliesse Wasser bis zum Keller. Die Ursache war schnell gefunden, auf der neuen Verteilung wurde der bestehende Wassererwärmer direkt ab Schaltschütz angeschlossen. Die vorhandene Steuerleitung zu Thermostat und Übertemperaturschutz wurde in der Verteilung mit einem Kleber «Reservedrähte zu Boiler» versehen und nicht angeschlossen!

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Achtung: Fremdspannung ab Bauernhaus Gruppe F X

Zuleitung Pumpe/Ventil Stöckli ab Bauernhaus

Stöckli

Nun zu meiner Frage. Ist ein Anschluss ohne direkte Abschaltung der Heizkörper durch den Regulier- und Übertemperaturthermostat nach NIN überhaupt noch zulässig? Das ist eine abenteuerliche Geschichte. Zum Glück sind keine Personenschäden zu beklagen. Etwas ist mir an Ihrer Schilderung nicht klar. Warum hat das Sicherheitsventil im Wasserkreis nicht angesprochen? Diese Sicherheit müsste vor einem Bersten bzw. Absprengen der Wasserleitungen den Überdruck ablassen. Den NIN sind die von Wassererwärmern ausgehenden Gefahren wohlbekannt. Deshalb verlangen sie Schutz bei allen Arbeitsbedingungen, also auch bei einem eventuellen Störungsfall. In NIN 4.2.4.2 B+E werden grundsätzlich drei Varianten erwähnt, die den notwendigen Schutz für den Anschluss der Heizkörper, des Regulier- und des Sicherheitsthermostaten bieten. Dazu gehören: • Bei Wassererwärmern bis etwa 16 A Bemessungsstrom wird die Zuleitung zu den Heizkörpern in der Regel direkt über den Regulier- und den Sicherheitsthermostaten geführt und dort geregelt und geschaltet. Eine zusätzliche Steuerleitung ist nicht notwendig. Seite 71 von 276

• Bei grösseren Leistungen ist der Betriebsstrom für Regulier- und Sicherheitsthermostaten zu hoch. Eine direkte Schaltung ist nicht mehr möglich. Weil ein Kleben des Schützes im Hauptstromkreis fatale Folgen haben könnte, verlangen die NIN eine vorsichtige Bemessung bzw. Überdimensionierung der Bemessungsstromstärke des Schützes, damit kein Verschweissen der Kontakte erfolgen kann. • Bei der Variante c schalten Regulierund Sicherheitsthermostat ebenfalls den Steuerstromkreis. Die beiden Thermostaten steuern je ein getrenntes Schaltschütz an. Die Hauptkontakte der beiden Schütze liegen Serie im Hauptstromkreis und schalten je die Zuleitung zu den Heizkörpern sicher. Eher seltene Variante. Sehen Sie dazu die aufschlussreiche Skizze A3. Schuko-Steckdosen in Schweizer Küchen In Grenznähe zu Deutschland möchten Hauseigentümer vermehrt Geräte, Einrichtungen usw. direkt aus Deutschland einkaufen und diese teilweise montieren lassen. Vom ausführenden Elektroinstallateur wurden wir als Netzbetreiberin um eine Stellungsnahme für folgende Situation gebeten: «Eine komplette Küche wurde in Deutschland gekauft und soll in der Schweiz installiert werden. Verschiedene Geräte z. B. Kühlschrank, Mikrowelle sind mit Schuko-Steckern versehen. Der Bauherr wünscht weitere SchukoSteckdosen, um die Handgeräte mit Schuko-Steckern zu benutzen. Wie sollen wir reagieren? Gibt es dazu schriftliche Rechtsgrundlagen/Normen?»

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Ich habe bereits in der ET Nr. 11/05, Frage 4, auf diese Situation hingewiesen. Es existieren im Moment keine schriftlichen Angaben über dieses Problem. Aufgrund des vorhandenen Preisgefälles bei Elektrogeräten zwischen Deutschland und der Schweiz ist die Haltung der Kunden in Grenznähe verständlich. Am Grundsatz, dass in der Schweiz T12/T13-Steckdosen zu installieren sind, darf nicht gerüttelt werden. Es soll immer eine absolute Ausnahme bleiben, SchukoSteckdosen in schweizerischen Hausinstallationen zu platzieren. Wie damals in Antwort 4 ausgeführt, gilt zusätzlich, dass Schuko-Steckdosen nur


Es ist tatsächlich so, der Leitwert des Chromstahlbandes von Flury-Erdleitungsbride entspricht nicht demjenigen von 6 mm2 Cu bzw. noch weit weniger für 25 mm2, wie die Bride ausgelegt ist. Sehen Sie dazu Bild A5. Gemäss Aussage des Lieferanten ist die Leitfähigkeit des Bandes von untergeordneter Bedeutung. Die wirksame, gut leitende Verbindung wird über den Anpressdruck der Verbindungsklemme auf das leitende Rohr erzeugt. Über diese Verbindung wird im Störungsfall der Kurzschluss-Strom fliessen. Somit muss bei solchen Erdleitungsbriden diese Stelle wirklich gut leitend gereinigt werden. Was jedoch nicht heisst, dass eine bestehende Verzinkung abzuschmirgeln ist, weil sonst der Korrosionsschutz des Rohres beschädigt wird. Diese Erdleitungsbriden sind für alle PA- und Erdungsinstallationen im Innenbereich geprüft. Sie eignet sich jedoch nicht für Anwendungen im Blitzschutzgebiet, weil sie nicht nach der neuen Prüfung Klasse H der Norm SEV 4022 : 2004 geprüft sind. Überstromschutzorgane vor Steckdosen T13 Wir haben ein Bauernhaus mit angebauter Scheune und Kuhstall zu installieren. Dürfen wir im Stallteil verschiedene T13-Steckdosen über LS «C» 16 A schützen, während es im Wohnbereich unzulässig ist? (T.S. in B.)

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Steckdosen mit 10 A Bemessungsstromstärke dürfen im Kontrollbe-

Potenzialausgleich an Brüstungskanal In einem Bürogebäude haben wir einen Brüstungskanal aus Aluminium montiert. Darin sind neben Steckdosen 230 V auch Steckdosen und Leitungen

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A3 Mögliche Varianten für Wassererwärmeranspeisung und Steuerung Variante a (gebräuchliche Variante)

Wassererwärmer

Wassererwärmer

ab Netzkommando

Schaltschütz (Das Schaltschütz mit dem Steuerschalter gilt als eigentlicher Schalter für den Wasererwärmer)

Schaltgerätekombination

RegulierThermostat

SicherheitsThermostat

geht automatisch wieder in die Ruheposition

bleibt nach der Auslösung ausgeschaltet und muss manuell wieder zurückgestllt werden

Heizkörper Wassererwärmer

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schutzorgane notwendig, ist es wesentlich besser, Steckdosen T23 oder T25 einzusetzen, als solche mit IN 10 A mit 16 A zu übersichern, auch wenn es die NIN noch zulassen.

Variante b (für grössere Leistungen)

Wassererwärmer Wassererwärmer

Netzkommando Steuersicherung Schaltschütz (Ein Verschweissen der Kontakte wird durch höher gewählten Bemessungsstrom unwahrscheinlich)

Schaltgerätekombination

RegulierThermostat

SicherheitsThermostat

geht automatisch wieder in die Ruheposition

bleibt nach der Auslösung ausgeschaltet und muss manuell wieder zurückgestllt werden

Heizkörper Wassererwärmer

Querschnitt von Band – Erdleitungsbriden Bei der Montage einer Erdleitungsbride der Firma Flury haben wir uns gefragt, warum das Chromstahlband der Bride so dünn sein darf. Als minimaler Querschnitt für den Potenzialausgleich schreiben die NIN 6 mm2 Cu vor. Die am Band montierte Klemme ist maximal für 25-mm2-Leiter ausgelegt, den grössten für den PA zu verlegenden Leiter. Muss das Chromstahlband der Erdleitungsbride nicht auch diesem Mindest-Leitwert entsprechen? (H.F. in O.)

reich ⱕ10 Jahre mit 16 A vorgesichert werden. Deshalb können Sie diese im Stallbereich so installieren. Im Wohnhaus gilt die 20-jährige Kontrollperiode. Also ist keine höhere Absicherung als 10 A (LS 13 A) zulässig. Gestatten Sie mir eine persönliche Bemerkung. Eigentlich sollten keine Steckdosen mehr über ihrem Bemessungsstrom vorgesichert werden. Sind für bestimmte Geräte, z. B. wegen hoher Anlaufströme, 16 A Überstrom-

Variante c (seltene Variante)

Wassererwärmer Wassererwärmer

NetzSteuersicherung

kommando Schalt- schütze

Schaltgerätekombination

Steuerschalter Er gilt als eigentlicher Schalter

RegulierThermostat

SicherheitsThermostat

geht automatisch bleibt nach der wieder in die Auslösung Ruheposition ausgeschaltet und muss manuell wieder zurückgestllt werden

Heizkörper Wassererwärmer

dann montiert werden dürfen, wenn in unmittelbarer Nähe eine Steckdose T13 vorhanden ist, um gefährliche Manipulationen am Erdstift von T12Steckern zu vermeiden.

Die Skizzen sind ohne Steuer-NL und PE-Leiter gezeichnet.

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Elektrotechnik 5/07 | 77


A5 Erdleitungsbride der Firma Flury AG

Die Verbindungsklemme zur Erdungsleitung mit Klemme bis maximal 25 mm2, mit Anschlussmöglichkeit in Längs- oder Querrichtung.

Das Chromstahlband presst die Verbindungsklemme auf das leitende Rohr und sorgt so für eine gut leitende Verbindung.

aus dem Schwachstrombereich angeordnet. Nun fragen wir uns, ob der leitende Installationskanal gemäss Norm als ausgedehntes Metallteil gilt und deshalb mit dem Hauptpotenzialausgleich zu verbinden ist, oder ob der Schutzleiteranschluss bei den 230-V-Steckdosen mit Verbindung auf den Kanal bereits genügt. (P.N. in M.) Aus Ihrer Frage geht nicht genau hervor, wie die Anordnung des leitenden Brüstungskanals erfolgt. Es gibt zwei unterschiedliche Möglichkeiten: • Wenn der Installationskanal nur in einem Büro verlegt ist und keine grössere Ausdehnung (<6 m) besitzt, reicht der Schutz über den Schutzleiter der Steckdosen 230 V aus. Es ist kein Anschluss des PA-Leiters notwendig.

A10 Dauerströme für Stromschienen, Angaben der Firma Rittal Aus E-Cu mit Rechteck-Querschnitt DIN 43671 in Innenanlagen bei 35°C Lufttemperatur und 65°C Schienentemperatur

Breite ⫻ Dicke

Dauerstrom Querschnit 2

mm

Gewicht

Wechselstrom bis 60 Hz Blanke Schienen

mm

Gestrichene Schienen

12⫻2

23,5

0,209

108

123

15⫻2

29,5

0,262

128

148

15⫻3

44,5

0,396

162

187

20⫻2

39,5

0,351

162

189

20⫻3

59,5

0,529

204

237

20⫻5

99,1

0,882

274

319

20⫻10

199,0

1,770

427

497

25⫻3

74,5

0,663

245

287

25⫻5

124,0

1,110

327

384

30⫻3

89,5

0,796

285

337

30⫻5

149,0

1,33

379

447

30⫻10

299,0

2,660

573

676

40⫻3

119,0

1,06

366

435

40⫻5

199,0

1,770

482

573

40⫻10

399,0

3,550

715

850

50⫻5

249,0

2,220

583

697

50⫻10

499,0

4,440

852

1020

60⫻5

299,0

2,660

688

826

60⫻10

599,0

5,330

985

1180

80⫻5

399,0

3,550

885

1070

80⫻10

799,0

7,110

1240

1500

78 | Elektrotechnik 5/07

• Wird der Kanal raumübergreifend durch mehrere Büros geführt, ist er länger als 6 m. Dann gilt er gemäss NIN als ausgedehntes metallisches Teil. In diesem Fall muss der leitende Installationskanal an den PA angeschlossen werden. Reparatur von Industriesteckdosen J15, 25 und 40 Neue Industriesteckvorrichtungen dürfen nach dem 1. Juli 2008 nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Wie steht es mit Reparaturen von bestehenden Steckdosen und Steckern, gelten diese auch als «Inverkehrbringen» oder sind Reparaturen nach dem erwähnten Datum noch möglich? (S.H. in T.)

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Neue Steckvorrichtungen dürfen nach diesem Datum nicht mehr neu montiert werden. Reparaturarbeiten sind jedoch, solange noch Ersatzteile erhältlich sind, weiter zulässig. Aufgrund des günstigen Preises von CEESteckvorrichtungen stellt sich relativ bald die Frage, wie sinnvoll eine solche Reparatur ist. Vor allem aber, weil die Gefahr von unzulässigen Verbindungskabeln zwischen Steckvorrichtungen J und CEE besteht, ist ein Ersatz der alten J-Steckdosenreihe gegen CEE-Modelle besser. Nummerierung von Installationskabeln In den Unterlagen eines NIN-Kurses vom März 2007 wird vermerkt, dass Neutralleiter in Kabeln mit nummerierten Leitern die Zahl 1 aufweisen sollen. Bei der im Kurs gezeigten Skizze handelt es sich aber nur um ein 3-adriges Kabel. In den NIN ist eine Tabelle zu 5.2.1.1 aufgeführt, darin wird der Neutralleiter bis und mit 5 Adern blau gekennzeichnet.

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Gilt die Bestimmung mit der Nummerierung nicht erst ab 6-adrigen Kabeln? (P.O. in A.) Die NIN Compact zeigt im Kapitel 5 auf Seite 15 in einer Tabelle nummerierte Kabel ab 6 Adern, da haben Sie Recht. Die Anmerkung in NIN 5.1.4.3 geht jedoch von der grundsätzlichen Bezeichnung des Neutralleiters aus und legt keine Aderzahl fest. Bei der von Ihnen erwähnten Skizze des NINKurses geht es wahrscheinlich um die eindeutige Bezeichnung des Neutralleiters. Das Prinzip der Bezeichnung mit der tiefsten Nummer für den Neutralleiter gilt mit Sicherheit auch für 3-adrige Kabel. Querschnittsbemessung in Schaltgerätekombinationen Wo sind Angaben zur Querschnittsbemessung in SGK zu finden? In der EN 60439 steht in 7.8.2 dass die Querschnittswahl für Leiter innerhalb der SGK der Verantwortung des Herstellers unterliegt. Gibt es keine ausführlichere Angaben zu diesem nicht einfachen Problem, wie Tabellen für Leiter von 1,5 bis 240 mm2 und Tabelle für Kupferschienen bis Bemessungsströme 2000 A? (A.B. in S.) In Kapitel 5.3.9 beschränken sich die NIN auf Installationsverteiler mit einem Bemessungsstrom IN ⱕ250 A. Deshalb sind Angaben über die Querschnittbemessung in diesem Gebiet nur bis 16 mm2 für Leiter und Stromschienen bis 250 A vorhanden. In den allgemeinen Angaben zur Querschnittsbemessung der NIN wird man jedoch auch für grössere Ströme fündig. Die Verlegungsarten E/F in 5.2.3.1.1.11.9 B+E lassen sich meines Erachtens zur Leiterbemessung in SGKs verwenden. Sie gehen bis zu einem Querschnitt von 630 mm2. Natürlich sind die weiteren Einflussgrössen wie Häufung, Umgebungstemperatur usw. ebenfalls zu berücksichtigen. Für Stromschienen finden sich in DIN 43671 weitere Angaben. Beachten Sie dazu in Bild A10 die Tabelle aus dem kleinen Büchlein für Schaltschrankexperten der Firma Rittal auf ET 09 Seite 54.

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Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen

Raumes mit Whirlpool. Mir scheinen zwei Varianten möglich: a) Die gesamte Installation im Bereich Bad und Wohnen über eine Fehlerstromschutzeinrichtung mit I⌬N 10 mA schützen und dann auch T12-Steckdosen verwenden. b) Die ganze Installation mit Fehlerstromschutzeinrichtung mit I⌬N 30 mA schützen und dann alle Steckdosen mit Modellen T13 ausrüsten. Wenn der Whirlpool z.B. durch eine Glasfront bis oben geschlossen würde, gilt dann der ganze Wohnraum immer noch als Nasszone? (M.W. in Z.)

Eingefleischte NIN-Know-how-Leser werden sich wundern. In dieser Ausgabe geht es um verschiedene Situationen, die sich in einer Art Grauzone bewegen, das bedeutet, es gibt für verschiedene Fragen keine direkten Antworten aus den NIN. Bei solchen Problemen ist es entscheidend, die Grundsatzfragen nach dem Personen-, Nutztier- und Sachwerteschutz zu stellen. Sich die Lösung einfach machen und vor möglichen Gefahren die Augen zu schliessen, ist riskant und kurzsichtig. Zu schwerwiegend sind die möglichen Folgen. Lesen Sie die vorgeschlagenen Lösungen und diskutieren Sie mit! Ihre Meinung ist gefragt. (ernstfeldmann@bluewin.ch)

Ernst Feldmann

Fehlerbehebung bei ungenügender Isolationsmessung durch Fehlerstromschutzeinrichtung Der Installateur hat in einem Bauernhaus nach einer periodischen Kontrolle offenbar Mühe, den Isolationsfehler zu finden. Nun schlägt er vor, die Leitung durch Fehlerstromschutzeinrichtungen mit I⌬N 300 mA zu schützen, und bittet uns, als unabhängiges Kontrollorgan den SiNa zu unterschreiben, weil ja die Störung behoben sei. Was sagen Sie zu diesem Vorgehen? (G.S. in Z.)

1

2

In Bade- und Duscheräumen unterscheiden die NIN neben den drei Bereichen 0–1–2 zusätzlich den weiterführenden Bereich «>2». Dieser er-

A2 Bad mit Wohnbereich: Wo sind Steckdosen T13 vorgeschrieben? Bereich >2

Bereich 2

ab Wannenrand +300 cm

ab Wannenrand +60 cm

Hier sind nur Steckdosen mit Schutzkragen zulässig (T13).

Hier sind keine Steckdosen zulässig.

60 cm

Whirlpool

300 cm

Im EFH gilt der Badeund Wohnraum ausserhalb der Bereiche 1 und 2 als trocken.

Rubriken

Installationen im Bad- und Wohnbereich kombiniert Wir sollen ein sehr grosses Bad mit Whirlpool installieren. Der Kontrolleur hat uns bei einer ähnlichen Anlage er-

klärt, dass der ganze Raum als Nasszone gelte und nur Steckdosen Typ 13 zulässig seien. Lediglich wenn der Raum einen Holzboden aufweise, könnte er ein Auge zudrücken. Bevor wir aber jetzt das grössere Projekt ausführen, möchte ich sicher sein, ob diese Aussage zutrifft. Sie sehen in Bild A2 den Grundriss des

Ausserhalb des Bereiches >2 sind auch Steckdosen T12 zulässig. Steckdosen T13 sind sinnvoll, aber nicht vorgeschrieben.

Seite 74 von 276

Education

Natürlich bieten Fehlerstromschutzeinrichtungen einen recht guten Brandschutz. Es kann aber sicher nicht angehen, einen bestehenden Isolationsfehler in einer mangelhaften Isolation zu belassen und einfach eine Schutzeinrichtung einzubauen. Das ist kein guter Vorschlag. Er wirft ein eigenartiges Licht auf die Kompetenz dieses Elektroinstallateurs. Weist eine Installation einen ungenügenden Isolationswiderstand auf, so ist dieser eindeutige Mangel den Normen entsprechend zu beheben.

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Elektrotechnik 6/07 | 77


Anschluss der Armierung

streckt sich ab Ende des Bereiches 2 noch 2,4 m weiter. Die Distanz zum Wannenrand beträgt demzufolge 0,6 bis 3 m. Die NIN lassen in 7.01.5.3 für diesen Bereich «trockene» Steckdosen T13 zu. Ausserhalb dieser Distanz >3 m ab Wannenrand gilt der Bade- und Wohnbereich als Raum ohne weitere Anforderungen. Ein IP-Schutz 22, wie es für Schalter und Steckdosen im Wohnbereich üblich ist, genügt, Steckdosen ohne Schutzkragen sind zulässig. Die Fehlerstromschutzschaltung mit einem Auslösebereich von I⌬N ⱕ30 mA soll im ganzen Raum angewandt werden. Beachten Sie die aufschlussreiche Skizze A2. Ihr Vorschlag unter a) ist denkbar, bei so grossen Räumen aber kritisch wegen Fehlauslösungen der Fehlerstromschutzeinrichtungen. Bei einem Glasabschluss des Whirlpools endet der Bereich 2 an der Glaswand, wie bei einer Wand aus anderem Material, wie z.B. Mauerabschluss und dgl. Der weitere Raumbereich gilt dann wieder als «trocken». Kabelarmierung als Schutzleiter? Darf der Armierungsmantel eines Kabels 5 ⫻70 mm2, 3LNPE, als Erdleiter verwendet werden? Beachten Sie dazu mein Foto eines Zuleitungskabels ab Trafo zur Unterverteilung. (R.M. in R.)

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Grundsätzlich dürfen Armierungen mit der notwendigen Leitfähigkeit als Schutzleiter dienen. NIN 5.4.3.2 gibt die einzuhaltenden Bedingungen bekannt. Ihr Foto lässt jedoch eher auf 78 | Elektrotechnik 6/07

Handtuchradiator im Badezimmer Wir schliessen häufig Badezimmerradiatoren an. Beim zuletzt angeschlossenen Radiator war ich nicht sicher, ob die vorhandene Anordnung nach NIN zulässig ist. Ich lege zwei unterschiedliche Situationen mit Skizze bei und bitte Sie, zu beiden Varianten Stellung zu nehmen. (A.O. in ?)

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Handtuchradiatoren dürfen im Bereich 2 angebracht werden. Sie sind im Moment nicht für den Bereich 1 zulässig. Deshalb ist die Montage direkt über der Badewanne, wie Variante 1, Bild A4 zeigt, nicht zulässig. Bei der Variante 2 hat der Radiator etwas Abstand vom Badewannenrand. Er ist in einer Art Nische hinter der Wanne platziert. Nun liegt der Radiator im Bereich 2, das ist zulässig. Der Anschluss darf jedoch nur über Anschlussdose erfolgen, weil Steckdosen im Bereich 2 nicht gestattet sind (siehe NIN 7.01.5.5).

Zu geringe Raumhöhe für die Platzierung der Hauptverteilung Im Zuge einer Teilsanierung möchten wir die veraltete Hauptverteilung des Kleintheaters am gleichen Ort ersetzen. Die NIN schreiben eine Raumhöhe von 1,9 m vor. Die Raumhöhe im ganzen UG beträgt aber nur 1,8 m. Ein Verschieben der HV in die oberen Geschosse ist aus Platzgründen praktisch nicht lösbar. Zudem würde das Umlegen sämtlicher Zuleitungen Kosten in unzumutbarer Höhe auslösen. Die kantonale Gebäudeversicherung hat uns nach Rücksprache die Bewilligung für eine Auswechslung der Verteilung am alten Ort erteilt. Was sagen die NIN dazu? (R.G. in S.)

5

Die NIN äussern sich in den weissen Blättern zu 5.1.3.1.2 nicht konkret zur Raumhöhe. Es wird lediglich verlangt, dass die Überstromunterbrecher jederzeit ohne Hilfsmittel zugänglich und bedienbar sein müssen. Erst die Angaben in den B+E legen eine minimale Raumhöhe von 1,9 m fest. Im gleichen Artikel wird für eine besondere Situation, z. B. unter Treppen, Rampen und dgl., eine auf 1,6 m reduzierte Raumhöhe erlaubt, jedoch nur unter weiteren Bedingungen, wie Rampenbreite, Gangbreite usw. Die nach NIN verlangte minimale Raumhöhe von 1,9 m ist im Normalfall eindeutig sinnvoll und richtig. In speziellen Situationen, wie hier eine vorliegt, muss zuerst die Frage nach allfälligen Gefahren für Personen und Sachwerte durch die geringere Raumhöhe von 1,8 m geklärt werden. Das betrifft

A4 Platzierung von Handtuchradiatoren im Bereich Badewanne Variante 1

Variante 2

Der Handtuchradiator ist im Bereich 1 montiert.

Der Handtuchradiator ist im Bereich 2 montiert.

unzulässige Platzierung

zulässige Platzierung

Vormauerung 1,5 m a.f.B. Handtuchradiator IP X4 mit ortsfestem Anschluss

WA

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Bereich 2

Kabel als Armierung

andere Gründe zum Anschluss der Armierung schliessen. Wenn der Schutzleiter an der Abschirmung liegt, wird bei mechanischen Beschädigungen durch eindringende Werkzeuge und dgl. durch die Abschirmung des Kabels immer zuerst der Schutzleiter berührt. Führt die Beschädigung weiter zum Kabelinnern, entsteht bei der Verbindung auf einen Polleiter ein direkter Kurzschluss. Wahrscheinlich geht der Grund des Schutzleiteranschlusses auf die leichte Kabelarmierung eher in diese Richtung.

Bereich 1

Armierung von Kabeln als Schutzleiter verwenden?

Bereich 1

A3

WA


A5

nicht gefunden. Können Sie mir weiterhelfen, in welcher Norm ich diesen Wert finde? (R.E.in S.)

Platzierung von Schaltgerätekombinationen bei speziellen Verhältnissen mit geringer Raumhöhe

ⱖ1,6 m

Minimale Raumhöhe nach NIN 5.1.3.1.2.3 B+E = 1,6 m, aber nur wenn spezielle Verhältnisse vorliegen, wie z.B. unter Treppen, Rampen und dgl. Weitere Angaben sind ebenfalls zu beachten!

Die folgenden Punkte spielen weiter eine Rolle: – private oder öffentliche Nutzung – Bedienung durch Laien oder instruierte Personen – Fluchtwegsituationen usw.

ganz besonders öffentliche Räume und Gebäude. Der Massstab ist hier besonders streng. Deshalb sollte nochmals genau untersucht werden, ob es keine Möglichkeit gibt, die Hauptverteilung im EG zu platzieren. Sind Risiken sorgfältig geklärt, mit Gebäudeversicherung und zuständiger Kontrollbehörde abgesprochen, kann die Erneuerung der Hauptverteilung allenfalls am alten Standort erfolgen. Kontrolle von Installationen, die durch Betriebselektriker erstellt wurden In einer grossen Firma werden verschiedene Installationen direkt durch den Betriebselektriker erstellt. Diese werden aufgrund der Liste, die der Betriebselektriker führt, durch das Eidg. Starkstrominspektorat kontrolliert. Wenn nun ein externer Installateur für diese Firma Installationen erstellt, ist dann noch eine unabhängige Kontrolle notwendig oder ist der durch den externen Installateur erstellte SiNa ausreichend? (F. B. in ?)

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Jährlich kontrolliert das Inspektorat gemäss NIV 34.2 Installationen, welche durch Inhaber von Bewilligung für innerbetriebliche Installationsarbeiten erstellt wurden. Periodische Kontrollen kann auch ein unabhängiges Kontrollorgan übernehmen. Führt hingegen ein externer Unternehmer Installationen in solchen Firmen aus, hat das nichts mit der Bewilligung des Betriebes für innerbetriebliche Installationsarbeiten zu tun, sie unterstehen der Verantwortung und Installationsbewilligung des externen Installateurs. Somit hat der Installateur eine Schlusskontrolle durchzuführen und

einen SiNa zu erstellen. Die Abnahmekontrolle muss von einem unabhängigen Kontrollorgan ausgeführt werden. Verrechnung der innerbetrieblichen Schlusskontrolle Darf ein Installateur nach der Fertigstellung die Schlusskontrolle zusätzlich verrechnen bzw. ist sie nicht automatisch in den offerierten Preisen enthalten? Die Schlusskontrolle ist doch ein Bestandteil der Arbeit, ohne diese wäre die Installation nur «halbfertig». Bei den Ausmasspreisen des VSEI ist die innerbetriebliche Schlusskontrolle jedenfalls inbegriffen. (P.N.in M.)

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Die Schlusskontrolle ist ein Bestandteil der Installation, sie darf nicht zusätzlich verrechnet werden. Prüfungen, Messungen und Proben, die für die Abnahme eines Werkes notwendig sind, gehören gemäss SIA-Norm 118/ 380, Art. 2.2.3 zu den inbegriffenen Leistungen. Daran ändert auch die Abrechnungsart nichts, ob nun nach Pauschal-, Global-, Regie- oder Einheitspreisen, die Schlusskontrolle des Installateurs ist inbegriffen.

Eine generelle Angabe von 10 Ohm für den Erdübergangswiderstand von Blitzschutzanlagen existiert in der SEV-Leitsätzen 4022 nicht. Nur in Artikel 6.3.5 wird dieser Wert erwähnt und zwar für ein vereinfachtes Erdungssystem beim Nachrüsten einer Blitzschutzanlage an Einfamilienhäusern mit maximal 2 Stockwerken. In solchen Situationen darf der Erdübergangswiderstand für den einzelnen Ableiter maximal 10 ⍀ betragen. Im ausführlichen Handbuch der Firma Flury, Deitingen, mit Beispielen zu Blitzschutz und Erdung wird auf Seite 2 der maximale Sollwert des Erdübergangswiderstandes für Fundamenterder mit ⱕ2 ⍀ aufgeführt. Diese Angabe bezieht sich auf einen fachgemäss verlegten Fundamenterder gemäss SEV-Norm 4113. Auf der gleichen Seite wird der Ringerder mit einem anzustrebenden Wert ⱕ10 ⍀ aufgeführt. Der Erdübergangswiderstand hat bei Blitzschutzanlagen nicht den höchsten Stellenwert. Entscheidend ist die Gesamtheit der Blitzschutzanlage mit sauber erstelltem faradayschem Käfig, aus Fang-, Ableit- und

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Erdübergangswiderstand von Blitzschutzanlagen Wir haben über den Erdübergangswiderstand von Blitzschutzanlagen diskutiert. In der Fachliteratur wie «Messen gemäss NIN 2005», Katalog der Firma Arthur Flury, wird von etwa 10 Ohm gesprochen und immer wieder auf die Leitsätze SEV 4022 der Blitzschutzanlagen hingewiesen. In den erwähnten Leitsätzen habe ich jedoch diese Angabe

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Schaltgerätekombination mit Flammbox und Leitungsschutzschalter unter der Berührungsschutzabdeckung

F10a

Leitungsschutzschalter Bedienung erst nach Demontage der Abdeckung möglich! Bei Bedienung durch Laien unzulässig!

blanke, berührbare Cu-Schiene

Befestigungsschrauben der PVC-Abdeckung Flammbox in der Schaltgerätekombination integriert

Schaltgerätekombination mit Flammbox und Leitungsschutzschalter bedienbar ohne Demontage der Berührungsschutzabdeckung

F10b

Leitungsschutzschalter Bedienung ohne Demontage der Abdeckung möglich! Bedienung durch Laien zulässig!

Flammbox in der Schaltgerätekombination integriert

Ringleitung. Bei einer wirklich blitzgefährdeten Berghütte wäre sonst ein Blitzschutz nicht normenkonform zu erstellen, weil ein Erdübergangswiderstand ⱕ10 ⍀ bei felsigem Untergrund kaum zu realisieren ist. Neueinzug in UP-verlegte, armierte Isolierrohre In einem fast 70-jährigen Gebäude sollen wir die Elektroinstallationen sanieren. Alle Leitungen, ausser im Keller, sind UP-verlegt. Jedes Stockwerk enthält mehrere Abzweigdosen und die Leiter lassen sich mühelos auswechseln. Nun der entscheidende Punkt, die UP-Leitungen bestehen ausschliesslich aus alten Blei- bzw. Bergmann-Rohren. Gemäss NIN dürfen Leitungen mit Metallmantel nur UP-verlegt werden, wenn sie mindestens 8 cm tief verlegt sind und die

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80 | Elektrotechnik 6/07

Gefahr beim Eindringen eines Nagels unwahrscheinlich ist. Der Kunde wird vermutlich mit Unverständnis reagieren, wenn sämtliche, alten Leitungen neu eingefräst werden sollen, und auch den erheblichen Mehraufwand nicht goutieren. Gibt es eine vernünftige Lösung? (M.H. in ?) Die Forderung der NIN, leitende Rohre nur mit einer minimalen Verlegungstiefe von 8 cm UP zu verlegen, ist sinnvoll und richtig. Sie verhindert im Normalfall Gefahren durch eindringende Nägel oder Schrauben. In der geschilderten Situation sind mit Sicherheit nicht alle Rohre in dieser Tiefe verlegt. Deshalb würde ich folgende Forderungen an ein Belassen der leitenden Rohre stellen. • Der Einzug muss ohne Zwang und Seite 77 von 276

Beschädigung der Leiter erfolgen können. Das ist eine Grundvoraussetzung. • Um die Gefahren mit Nägeln und Schrauben unter Kontrolle zu haben, können die gleichen Bedingungen gelten wie in Räumen mit Bade- und Duscheanlagen. Alle Leitungen sind durch Fehlerstromschutzeinrichtungen mit I⌬N ⱕ30 mA zu schützen. Zudem müssen alle Leitungen einen speiseseitig angeschlossenen Schutzleiter mitführen. Bedienbarkeit von Leitungsschutzschaltern Bei der Installation einer Notbeleuchtung in einer Schule wurde in der Schaltgerätekombination eine normenkonforme Flammbox für die Notlichtkomponenten eingebaut. Sie sehen im Bild F 10a die Leitungsschutzschalter hinter einer geschlossenen Plexiabdeckung angeordnet. Zur Bedienung muss diese mit einem Werkzeug entfernt werden. Die Einspeisung der LS geschieht über blanke Cu-Schienen. Das könnte bei der Bedienung zu einer Personengefährdung führen. Im gleichen Schulhaus sind von einem anderen Lieferanten noch weitere Notlichtkomponenten vorhanden. Dort sind die LS ohne Demontage der Abdeckung bedienbar, wie das Bild F10b zeigt. Sind beide Varianten der Bedienung der LS nach NIN zulässig? Grundsätzlich soll die Bedienung von Betriebsmitteln, wie Leitungsschutzschalter und dgl., ohne Demontage von Abdeckungen möglich sein. Durch das Entfernen des Berührungsschutzes werden blanke spannungsführende Teile der Berührung zugänglich. Beachten Sie dazu Bild F 10a. Falls auch Laien Zugang zu der Schaltgerätekombination haben, ist das nicht zulässig. Ich würde vorschlagen, die in Bild F 10b gezeigte Variante zu wählen. Die Rückstellung des LS ist ohne Demontage der PVCAbdeckung durchführbar. So sind Laien nicht gefährdet, diese Ausführung ET 09 ist richtig (NIN 5.3.9.7.4.2).

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Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Die tägliche Installationspraxis stellt jede Elektrofachkraft immer wieder vor neue und interessante Probleme. Jede Ausgabe des NIN-Know-hows ist der Beweis. Die vielen Rückmeldungen aus der Leserschaft zeigen das bestehende Interesse an den gestellten Fragen. Es ist immer wieder spannend zu erfahren, welche Lösung andere Fachleute gefunden haben. Nur ein stetes Training hält Körper und Muskeln fit. Das trifft genauso auf die NIN-Kenntnisse zu. Auch hier geht es nicht ohne permanentes Üben und auch «Kräftemessen». Die folgende Frageserie bietet Gelegenheit dazu. Nutzen Sie die gebotene Möglichkeit.

Ernst Feldmann

Steckdosenmodelle nach NIN In den NIN sind in den Tabellen B+E 5.1.1.1.2 die verschiedenen Steckdosentypen mit Nummern bezeichnet. Bei Steckdosen T12/13/15 haben sich die NIN-Bezeichnungen gut durchgesetzt. Bei den CEE-Modellen hingegen habe ich in den Lieferantenkatalogen vergebens nach den Typen 75/76/77/78 gesucht. Werden diese Bezeichnungen in der Praxis nicht gebraucht? (H.M.in B.)

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Eigentümer der schädigenden Installation ist, auch wenn ihn kein Verschulden trifft. Der Eigentümer hat aber allenfalls ein Rückgriffsrecht auf diejenigen, die ihm für die Sicherheit der Installation verantwortlich sind, z.B. der Ersteller der Installation, oder der Mieter, der aufgetretene Schäden nicht gemeldet hat. Existiert die Installationsfirma nicht mehr, so kann diese auch nicht mehr belangt werden. Der Eigentümer kann allenfalls noch versuchen, den fachkundigen Leiter der konkursiten Firma für unerlaubte Handlung nach Art. 41 ff. OR zur Rechenschaft zu ziehen. Nach dieser Bestimmung haftet, wer schuldhaft einem anderen widerrechtlich Schaden zufügt. Schuldhaft handelt insbesondere, wer als fachkundiger Leiter bei der Erstellung der Installationen bewusst oder grobfahrlässig Sicherheitsvorschriften verletzt. In einem solchen Fall wird es dem fachkundigen Leiter kaum möglich sein, sich der Verantwortung zu entziehen. Für genaue Auskunft gelangen Sie bitte mit den notwendigen Informationen der Situation an Herrn lic. iur. Rey, Rechtsdienst des ESTI in Fehraltorf (peter.rey@esti.ch).

Für den Anwender sind alle notwendigen Angaben übersichtlich aufgeführt

A1

Education

Die Steckdosen T12/13/15 sind Schweizer Modelle und werden nur in der Schweiz gebraucht. Die Bezeichnungen sind gut bekannt und allgemein üblich. CEE-Modelle hingegen werden nicht nur in der Schweiz montiert. Für den Anwender ist weniger der Typ als weitere Informationen zu den Steckvorrichtungen wichtig. Sehen Sie dazu den übersichtlichen Prospekt «Steckverbindungen» der Firma Gifas-Electric in Bild A1, darin sind die notwendigen Angaben aufgeführt. Die für diese Steckverbindungen nicht gebräuchlichen Angaben T 75/ 76/77/78 aus den NIN fehlen sowohl hier wie auch in den Kalkulationsbüchern des VSEI.

antwortung für die erstellten Installationen, die Firma existiert ja nicht mehr. Haftet der fachkundige Leiter mit seiner Unterschrift über den Konkurs hinaus? (P.H. in A.) Aufgrund von Art. 5 Abs. 1 der Verordnung über elektrische Niederspannungsinstallationen (NIV) hat der Eigentümer dafür zu sorgen, dass die elektrischen Installationen ständig den grundlegenden Anforderungen an die Sicherheit und denjenigen zur Vermeidung von Störungen entsprechen. Entsteht wegen einer mangelhaft erstellten Installation ein Schaden, so haftet dafür der Eigentümer aufgrund von Art. 58 des Obligationenrechts (OR; Werkeigentümerhaftung). Er haftet einzig darum, weil er

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Rubriken

Verantwortlichkeit nach Konkurs einer Elektroinstallationsfirma Eine Elektroinstallationsfirma ist Konkurs gegangen. Wer trägt nun die Ver-

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Elektrotechnik 8/07 | 137


Abschaltbarkeit von Gebäuden In einer grossen Schulanlage werden die Nebengebäude von einer gemeinsamen Hauptverteilung gespeist. Die Speiseleitungen sind alle auf der Hauptverteilung gemessen und abgesichert. Die grösste Distanz zwischen Nebengebäude und Hauptgebäude beträgt ca.180 m. Wir sind der Auffassung, dass in jedem Nebengebäude zusätzlich Überstromunterbrecher in die Zuleitung eingebaut sein sollten, um die Nebengebäude direkt vor Ort abtrennen zu können. Leider finden wir keine entsprechende Angaben in den NIN. Können Sie uns weiterhelfen? Sehen Sie dazu Bild F3. (E.H. in D.)

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Die NIN machen zu diesem Problem keine Angaben. Als Gedankenmodell kann man sich ein Mehrfamilienhaus vorstellen. Die einzelnen Bezügersicherungen sind in der Hauptverteilung untergebracht. In den einzelnen Zwischenverteilern sind in der gemessenen Zuleitung keine weiteren Schutzorgane mehr notwendig. Ähnlich liegen die Verhältnisse in dem erwähnten Schulgebäude. Grundsätzlich können Zuleitungen zu Nebengebäuden ohne weitere Schutzorgane im Nebengebäude direkt über die entsprechenden Schutzorgane im Hauptgebäude geschützt werden. In der Schulanlage liegt jedoch zwischen Haupt- und Nebengebäude eine grosse Distanz von etwa 180 m. Hier sind die folgenden Überlegungen wichtig: • Durch die grosse Distanz ist ein rasches Spannungsfreischalten schlecht möglich. • Durch die Entfernung zwischen den Gebäuden könnte die Gefahr bestehen, Arbeiten unter Spannung auszuführen, weil der Aufwand zum Freischalten mit dem Gang ins Hauptgebäude als zu gross erscheint. • Ein generelles Problem könnte bei dieser Installation die grosse Leiterlänge bezüglich des Spannungsfalls sein. Werden die Leiter mit dem Bemessungsstrom belastet, so wird dieser ausserhalb der Toleranz sein. Aus diesem Grund scheint mir eine Trenn- oder Schaltvorrichtung in der Zwischenverteilung des Nebengebäudes richtig. Ein zusätzliches Schutzorgan (Schmelzsicherung/Leitungsschutzschalter) würde jedoch den 138 | Elektrotechnik 8/07

möglichen Nennstrom reduzieren. Die gleiche Bemessungsstromstärke im Haupt- wie im Nebengebäude ist nicht sinnvoll. Abzweigklemmen Woertz in SGK In einer Schaltgerätekombination wurden die Schutzleiter der eingebauten Pneumatikventile gemeinsam auf einer Abzweigklemme der Firma Woertz verbunden. Nun erhalten wir eine Beanstandung durch den Kontrollfachmann mit Angabe der EN 60439/7.8.3.7. «Im Allgemeinen sollte an einer Klemme nur ein Leiter angeschlossen werden; das Anschliessen von zwei oder mehr Leitern ist nur zulässig, wenn die Klemmen für diesen Zweck vorgesehen sind.» Auf Abgangsklemmen gestatten die NIN das Unterklemmen von maximal zwei abgehenden Leitern des gleichen Endstromkreises. Unseres Erachtens besteht ein Unterschied zwischen Abgangsund Verbindungsklemmen. In der beanstandeten Anlage sind die Schutzleiter der eingebauten Ventile auf einer Abzweigklemme sauber verbunden, sie verlassen die SGK nicht. Sehen Sie dazu unsere Bilder F 4a und b der fraglichen Anlage. Wie sehen Sie das? (J.S. in F.)

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Die Weisung der NIN für alle von einer Schaltgerätekombination abgehenden Leiter ist eindeutig. Das trifft vor allem für Abgangsklemmen zu. Ihr Einsatzgebiet liegt in diesem Bereich. Wie Sie richtig bemerken, sind maximal zwei abgehende Leiter des gleichen Endstromkreises zulässig.

Anordnung der verschiedenen Steuerventile in der Schaltgerätekombination

In der Schaltgerätekombinaltion montierte Ventile. Zu jedem Ventil führt ein separater Schutzleiter.

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Ihr Problem liegt jedoch anders. Bild F 4b zeigt eine Abzweigklemme mit lauter schaltgeräteinternen Schutzleitern, die die Schaltgerätekombination nicht verlassen. Es handelt sich also nicht um abgehende Leitungen. Weil es sich wahrscheinlich um gleiche oder ähnliche Querschnitte handelt, besteht keine Gefahr von Wackelkontakten. Die Klemme ist nicht überladen. Die gezeigte, saubere Verbindung lässt das Lösen eines einzelnen Schutzleiters ohne Weiteres zu. Die eingesetzte Abzweigklemme ist für solche Situationen vorgesehen. Im angegebenen Normentext 60439/7.8.3.7 wird von «zwei oder mehr» Leitern gesprochen. Demzufolge ist die gezeigte Verbindung fachmännisch und normengemäss erstellt. Vermutete Mängel an elektrischen Installationen von Liftanlagen In einem Hotel wurde ein Personenlift ausgewechselt. Einer unserer Monteure schloss die Zuleitung zum neuen Lift am Anlageschalter an und prüfte die Drehrichtung. Damit war die Sache für uns erledigt. Unser Mitarbeiter berichtet jedoch von verschiedenen Installationsmängeln, die ihm aufgefallen sind, wie z.B.: • Die Zuleitung der Steuerung/Kabinenlicht wird auf einem kombinierten Fehlerstromschutz-Leitungsschutzschalter Typ C13 A/30 mA angeschlossen. Ab Ausgang FI/LS wird nur der Pol- und Neutralleiter geführt, der Schutzleiter fehlt.

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A4a


den Angaben der minimalen Fehlerströme, bezogen auf den Bemessungsstrom der Schutzorgane? ( G.P. in O.)

A4b Verbinden der schaltgeräteinternen Schutzleiter auf einer Abzweigklemme mit genügendem Einführ- und Reserveplatz

Die Differenz stammt von der internationalen Harmonisierung der Auslösebemessungsströme der Schmelzsicherungen. Die alte, bestehende SEV-Norm 1065/1066 wurde abgelöst durch die harmonisierte Norm 1018. Eine zusätzliche Folge davon war, dass die alten Kategorien «flink» nicht mehr existieren. Bei den NH-Patronen existieren nur noch die Charakteristik gG/gL. Die Differenzen liegen überall <10% und sind somit sehr gering.

Die sichere Verbindung der schaltgeräteinternen Schutzleiter ist auf der Woertz-Abzweigklemme gewährleistet. Die Klemme ist nicht überbelegt, die Leiter lassen sich problemlos lösen und allenfalls weitere PE-Leiter sicher unterklemmen.

Der Sachbearbeiter der Liftanlage hat mir versichert, er werde mir einen SiNa für die gesamte Liftinstallation zustellen. Wie verhält es sich bei solchen Anlagen, soll unser Sicherheitsberater den Lift einer Stichprobenkontrolle unterziehen? (H.S. in W.) Liftanlagen können mit einer speziellen, auf solche Anlagen begrenzten Bewilligung erstellt werden. Die fachgemässe Erstellung, Kontrolle und Verantwortung obliegt den Inhabern einer solchen Bewilligung. Eine Beurteilung der von Ihrem Mitarbeiter festgestellten Mängel ist ohne detailliertere Angaben nicht möglich. Fremde leitfähige Teile dürfen z. B. nach NIN 5.4.3.2.4 unter definierten Umständen als Schutzleiter verwendet werden. Vielleicht ist die Schutzleiterführung durch die Liftfirma in dieser Art realisiert worden. Wenn Sie den Eindruck haben, personen- oder pachwertegefährdende Mängel entdeckt zu haben, schlage ich Ihnen vor, sich an die verantwortliche Liftfirma zu wenden. Nach Erhalt des SiNa der Liftfirma hat der Anlagebesitzer die Gewähr einer normengemässen Liftinstallation. Weitere Kontrollen an der Liftanlage müssen Sie nicht durchführen. Sie tragen die Verantwortung lediglich für die durch Ihre Mitarbeiter erstellte Zuleitung. Deren fachgemässe Erstellung attestieren Sie und ein unabhängiges Kontrollorgan ebenfalls durch einen SiNa.

Anschluss von Bauprovisorium Wir haben eine grosse Baustelle direkt ab Kabelverteilkabine angeschlossen. Nun verlangt der bauleitende Elektroingenieur direkt neben der Kabelverteilkabine zusätzlich einen Hausanschlusskasten, damit die Zuleitung zum Bauprovisorium ohne Öffnen der Verteilkabine abschaltbar sei, sonst könne nur die Netzbetreiberin abschalten. Kann er diese Forderung stellen? (P.R. in Sch.)

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In Kabelverteilkabinen sind häufig blanke, berührbare Teile vorhanden, für Laienbedienung kaum geeignet. In einem Hausanschlusskasten ist der Berührungsschutz selbst bei NHSchutzorganen höher als in vielen, älteren Verteilkabinen. Weiter fehlen in solchen Situationen häufig Ersatzschmelzeinsätze, das könnte zu gefährlichen Manipulationen in der Kabine führen. Deshalb ist die Forderung des Elektroingenieurs sinnvoll. Zudem ist der Anlagebesitzer oder von ihm beauftragte Personen befugt, für die eigenen Installationen besondere Anforderungen zu stellen. (NIN 1.0.3) Differenz zwischen den alten und neuen Auslösebemessungsströmen von Schmelzsicherungen Warum unterscheiden sich die Angaben in den alten und den neuen Tabellen mit

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Abschalten des Schutzleiters bei ortsveränderlichen Fehlerstromschutzeinrichtungen In unserem Betrieb benützen wir zwei unterschiedliche Fabrikate von ortsveränderlichen Fehlerstromschutzeinrichtungen (Stecker-Fehlerstromschutzschalter). Der Schutzleiter wird beim einen Fabrikat geschaltet, beim anderen nicht. Diese Tatsache hat uns sehr überrascht. Wir fragen uns, welche Situation richtig ist. Die NIN sagen dazu unseres Erachtens nichts aus. Wie verhält es sich? (B.O. in S.)

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Es ist richtig, die NIN äussern sich dazu nicht, weil transportable Fehlerstromschutzeinrichtungen (PRCDs) keine Installationen darstellen, sondern zu den Erzeugnissen gehören. Die Anforderungen sind wenn vorhanden in Produktenormen zu finden. Das trifft für transportable Fehlerstromschutzeinrichtungen mit der SN HD 639 S1+A1+corrJuli 2003 zu. In Artikel 8.1 wird auf den Schutzleiter Bezug genommen und verlangt, dass dieser nicht unterbrochen werden darf. Die internationale Norm zu diesem Thema (IEC 61540) spricht jedoch von zwei Ländern mit abweichenden Normen. In Deutschland und Australien gilt diese Forderung nicht; im Gegenteil es wird vorgeschrieben, den Schutzleiter zu schalten. Möglicherweise handelt es sich beim einen Schalter um ein Fabrikat aus Deutschland, beim andern um ein schweizerisches Produkt. Grundsätzlich darf jedoch in der Schweiz kein transportabler Fehlerstromschutzschalter in Verkehr gebracht werden, bei dem der Schutzleiter geschaltet wird. Elektrotechnik 8/07 | 139


Beachten Sie in Bild A 9 die eingezeichneten Linien für die 5-s-Abschaltzeit. Beim Leitungsschutzschalter «B» schaltet definiert der elektromagnetische Auslöser spätestens beim 5-fachen Bemessungsstrom ab. Beim Typ «C» erfolgt die Auslösung thermisch. Dieser Wert ist wesentlich weniger eindeutig. Offenbar berücksichtigen die bekannten Tabellen diesen Umstand. Aus diesem Grund liegt der darin angegebenen «sichere» Auslösestrom höher.

A9

Abschaltzeit etwa 5 Sekunden

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Die Abschaltung in 5 Sekunden erfolgt: – bei LS «B» durch die elektromagnetische, – bei LS «C» durch die thermische Auslösung Vielfaches des Bemessungsstromes

Eine persönliche Bemerkung sei dem Verfasser hier gestattet. Es ist interessant, wie unterschiedlich selbst Fachleute wichtige Bereiche, wie die Schaltbarkeit des PE-Leiters, beurteilen. Es stellt sich die Frage, ob bei unter Spannung stehendem Schutzleiter an einer Steckdose der geschaltete Schutzleiter bei ortveränderlichen FISchaltern nicht die bessere Variante wäre. Zu tiefer Kurzschlussstrom auf Beleuchtungsstromschienen Anlässlich einer periodischen Kontrolle wurde bei einem Kunden der «zu niedrige» Kurzschlussstrom an den LeuchtenStromschienen beanstandet. Die Stromschienen sind mit einem Leitungsschutzschalter Weber LSC 13 A geschützt und weisen einen gemessenen Kurzschlussstrom von 95 A auf. Laut der Liste des Sicherheitsberaters müsste der Wert der 5 s Auslösezeit mindestens 120 A beim C-Automaten bzw. 93A beim B-Automaten betragen. Nach der Überprüfung der Kennlinien des Herstellers (Weber) stellte ich nun fest, dass es bei einer Zeit von 5 s keine Rolle spielt, ob es sich um B- oder C-Automaten handelt, der gleiche Kurzschlussstrom, 5-facher Wert des Nenn-

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Leitungsverlegung in Hohldecke Bei einem Neubau sind hinter heruntergehängten Gipskartondecken die gesamten Kabel an der Decke auf MDM-Trägern frei verlegt. Ich habe die Auswechselbarkeit und das Fehlen von KRFW-Rohren beanstandet. Beim Telefongespräch mit dem zuständigen Installateur meinte dieser, die Auswechselbarkeit sei durch die Einbauleuchten und durch die Revisionsdeckel der Lüftung gegeben. Ferner seien für die Niederspannungsinstallationen ausschliesslich FE-0-Kabel eingesetzt, die in Hohldecken frei verlegt werden dürfen. Was sagen die NIN dazu? ( P.W. per E-Mail) Die NIN bestanden bis vor kurzer Zeit auf dem Grundsatz der Auswechselbarkeit der Leitungen. Dieser Grundsatz ist für saubere, fachgemässe Installationen nach wie vor richtig und soll so angewendet werden. In Zuge internationaler Anpassungen der Normen lassen sich in den NIN aber auch bisher unbekannte Verlegungsarten finden. Sehen Sie dazu die Verlegungsart 40 in der Tabelle 5.2.1.3.1 für Leitungen ohne Befestigungsmittel in nicht zugänglichem, baulichem Hohlraum. Wenn gemäss Artikel 5.2.2.8.1.5 das Ein- und Ausziehen der Leitungen durch die erwähnten Öffnungen ein ausreichender Zugang besteht, gelten solche Installationen als zulässig. Die Bezeichnung FE 0 steht für flammwidrige, halogenfreie Kabel. Der Einsatz dieser Kabel ist auf jeden Fall sinnvoll und richtig. Damit hat der Unternehmer einen Beitrag an den Brandschutz geET 09 leistet.

stromes des Leitungsschutzschalters, löst beide Modelle aus. Leider beharrt der Sicherheitsberater auf den Kurzschlussströmen «seiner» Liste und verlangt vom Kunden (uns), die entsprechenden Massnahmen vorzunehmen. Wie soll ich mich verhalten? (M.H. per E-Mail) Stromschienen sind an sich fest angeschlossene Objekte. Deshalb gilt die erwähnte Abschaltzeit von 5 s. Der angeführte Kurzschlussstrom von 93/ 120 A ist mit einer Sicherheitsmarge von 25% berechnet. Das ist vorsichtig und richtig. Wenn Sie die Tabellenwerte in den NIN-COMPACT 6.1.3.6 mit 0,75 dividieren, erhalten Sie in etwa die gleichen Werte. Das Model «C» liegt ausserhalb der angegebenen Werte der Tabelle. Das kann kritisch werden, vor allem weil es leitende Leuchten gibt, die bei Servicearbeiten durch Laien umfasst werden können oder sich auch Steckdosenadapter montieren lassen. Hier würde eine Abschaltzeit von 0,4 s gelten. Unter diesem Aspekt rate ich Ihnen entweder zum Einbau einer Fehlerstromschutzeinrichtung mit I⌬N ⱕ30 mA, oder zur Auswechslung des 13-A-«C»Automaten gegen ein Model, dessen Abschaltzeit den Anforderungen genügt. Seite 81 von 276

Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Eine normenkonforme Installation benötigt kaum mehr Zeit als schludrige Arbeiten. Im Gegenteil, kommt es zu einer Beanstandung, vervielfacht sich plötzlich der Zeitbedarf, vom unzufriedenen Kunden gar nicht zu sprechen. Die folgenden Fragen zeigen einmal mehr Situationen, die für Elektrofachkräfte ein Problem darstellen. Wenn Sie andere Lösungen vorschlagen möchten, benützen Sie doch die Gelegenheit. Ich freue mich auf Ihre Anregungen.

Ernst Feldmann

Normengemässe Abschaltung von Leitungsschutzschaltern In einer grösseren Überbauung haben wir die letzte Steckdose der Gartenanlage gemessen. Vorgeschaltet sind ein Leitungsschutzschalter 13 A «C» und ein Fehlerstromschutzschalter mit I⌬N = 30 mA.Der gemessene Kurzschlussstrom L–N beträgt 93 A. Ich meine, das ist genügend für eine zeitgerechte Abschaltung im Kurzschluss- bzw Überlastfall. Wo ist aber das Minimum? Im «NIN-Dschungel» habe ich keine für mich brauchbare Angaben gefunden. (K.Z. in M.)

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Querschnittsbemessung in einem feuergefährlichen Raum In einer Schreinerei ist die Zuleitung zu einem Motor mit einem Leitungsschutzschalter «C» 40 A geschützt. Weil der Motorschutzschalter auf den Bemessungs-

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strom von 24,6 A eingestellt ist, wählten die installierenden Elektrofachleute einen Querschnitt von 6 mm2 für die ganze Zuleitung. In den NIN steht aber, dass in einem feuergefährdeten Raum eine Querschnittsreduktion nicht zulässig ist. Ist diese Installation zulässig? (B.Z. per Mail) Grundsätzlich sind in feuergefährlichen Bereichen, gemäss NIN 4.8.2.2.6, die Leitungen durch ausserhalb des gefährlichen Bereiches platzierte Überlast- und Kurzschlussschutzorgane zu schützen. Der vorgeschaltete Leitungsschutzschalter «C» 40 A erfüllt diese Bedingung in der gezeichneten Skizze. Das ist jedoch abhängig vom im Fehlerfall fliessenden Kurzschlussstrom. Dazu ist eine Schleifenwiderstandsmessung am Motor notwendig. Der Überlastschutz bis zum Motorschutzschalter wird durch den Leitungsschutzschalter, von dort bis zum Motor über das Thermorelais sichergestellt. Ein Motorschutzschalter mit integriertem Kurzschlussauslöser zusätzlich zum Thermorelais kann auch den Kurzschlussschutz der 6- mm2Leitung übernehmen (Bild A2).

A2

Überlast- und Kurzschlussschutz in feuergefährlichen Räumen

Education

Kurzschlussschutz durch Leitungsschutzschalter 40 A «C»

Überlastschutz durch Leitungsschutzschalter

Überlastschutz durch Thermorelais

Verlegeart B2 Querschnitt = 2 mm2

LS 40 A «C»

3⫻400 V/50 Hz

24,6 A Nennstrom Motor

Verlegeart B2 Querschnitt = 10 mm2

24,6 A Feuergefährlicher Bereich

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Elektrotechnik 9/07 | 81

Rubriken

Grundsätzlich unterscheiden die NIN zwischen Personenschutz und Sachwerteschutz. Für den Personenschutz gilt für alle Steckvorrichtungen eine Abschaltzeit von 0,4 s. In Ihrem Fall ist der Personenschutz durch den vorgeschalteten Fehlerstromschutzschalter gegeben (Abschaltzeit 0,3 s). Der Sachwerteschutz ist etwas anders gelagert. Hier dürfen die Leiter keine gefährliche Temperatur annehmen. Die Einhaltung dieser Bedingung ist abhängig vom vorgeschalteten Überstromschutzorgan, vom fliessenden Kurzschlussstrom mit berücksichtigtem Sicherheitsfaktor, vom Querschnitt und von der Länge der Leitung. Der Überlastschutz der Leitung kann anhand der Abschaltzeit im Kurzschlussfall mit dem Strom, der am Ende der Leitung fliesst, berechnet werden. Nach der Näherungsfor-

mel für eine Abschaltzeit von 5 s ertragen die 1,5-mm2-Leiter einen Kurzschlussstrom von 93 A ⫻ 0,75 maximal 6,11s. Bleibt der Stromkreis länger eingeschaltet, übersteigt die Temperatur am Cu-Leiter 70 °C und er kann beschädigt werden. Die Kontrolle in der Ansprechkurve eines LS 13A «C» ergibt eine Ansprechzeit von ⱕ5 s. Damit sind der Sachwerteschutz und die maximale Abschaltzeit der NIN knapp gegeben und Ihre Vermutung bestätigt.

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Fehlerstromschutzeinrichtung in der Schutz massnahme TN-C? Ich möchte fragen, ob es in den Normen eine Angabe gibt, ob Fehlerstromschutzeinrichtungen in Installationen nach Schutzsystem Sch3 oder TN-C unzulässig sind? (B.O. in S.)

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Fehlerstromschutzeinrichtungen können im alten Schutzsystem Sch3 oder TN-C nicht funktionieren. Die Normen geben dazu in einer Anmerkung zu 5.4.6.2 Auskunft. Dort wird erwähnt, unter welchen Bedingungen PEN-Leiter nicht anwendbar sind. Als erster Punkt werden Installationen nach Fehlerstromschutzeinrichtungen erwähnt. Technikraum mit eingebauter Dusche In einem bestehenden Wohnhaus sollen in einem Technikraum neben einer neuen Heizung eine Waschmaschine, ein Wassererwärmer und eine Dusche mit Bodenablauf eingebaut und installiert werden. Wie verhält es sich nach den NIN 2005? Müssen alle Zuleitungen zu den verschiedenen Verbrauchern über Fehlerstromschutzeinrichtungen mit max. 30 mA geschützt werden? Wie würde es aussehen, wenn die Heizung und der Warmwasserspeicher durch eine Trennwand mit Türe abgetrennt werden vom Duschraum? (R.E. in K.) Wenn in einem Raum eine Dusche eingebaut wird, gilt dieser als Badeund Duscheraum mit den in den NIN 7.01 dargelegten Konsequenzen wie z. B. der Notwendigkeit der Fehlerstromschutzschaltung mit I⌬N ⱕ30 mA für alle Verbraucher usw. Wenn jedoch die Heizung und der Wassererwärmer mit einer Trennwand und einer Türe vom Duschebereich getrennt werden, gehört dieser abgegrenzte Raum nicht mehr zum Bade- und Duschebereich, auch wenn sich die Türe zur Dusche hin öffnet.

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stromverteilern sind kaum mehr 4-polige Steckdosen anzutreffen. Die Firma hat uns angefragt, ob wir ihre 4-adrigen Kabel mit 5-poligen Steckern und Kupplungen versehen können. Nach unserer Meinung müssten die Kabel ersetzt werden, auch wenn die 4-poligen Kabel nur für diese Maschinen benutzt werden und als zusätzliche Massnahme gekennzeichnet würden. Was sagen die NIN dazu, gibt es allenfalls Weisungen zu diesem Problem? (R.E. in K.) Hier gilt es sich die Frage zu stellen, welche Personen- bzw. Sachwertegefährdung durch die Verwendung von 4-adrigen Kabeln an 5-poligen Steckvorrichtungen entstehen könnte. Würden die Kabel nur für die erwähnten Fräsmaschinen eingesetzt, besteht durch das Fehlen des Neutralleiters in den 4-adrigen Kabeln keine Gefährdung. Die Funktion der Fehlerstromschutzschaltung wird nicht beeinträchtigt. Ich schlage Ihnen vor, die Verlängerungskabel als Übergangsstücke mit neuem 5-poligem Stecker, aber bestehender 4-poliger Kupplung auszurüsten. Von einer generellen Umrüstung der 4-adrigen Kabel auf 5-polige Stecker und 5-polige Kupplungen ist abzusehen. Auch wenn der Kunde einen anderen Einsatz ausschliesst, ist das nicht mit 100%iger Sicherheit gewährleistet. Würden die 3 LPE-Kabel z. B. als Zuleitung zu Bauprovisorien verwendet, könnte eine kritische Si-

tuation eintreten. Um eine bessere Stromverteilung zu erreichen, sind in Bauprovisorien die eingebauten 230V-Steckdosen auf die drei Polleiter verteilt. Alle Neutralleiter sind auf den Abzweigklemmen verbunden. Der im Zuleitungskabel fehlende Neutralleiter wirkt wie ein Neutralleiterunterbruch. Auf den 230-V-Steckdosen können gefährliche Überspannungen entstehen (Bild A5). Wandflächenheizungen mit oder ohne Schutzkleinspannung? In einem EFH sind elektrische Flächenheizungen in den Wänden geplant. Gemäss Herstellerangaben sind diese mit Schutzkleinspannung zu betreiben. Die Firma stützt sich auf die IEC-Norm. Die NIN sagen hierzu nur aus, dass die Herstellerangaben zu beachten sind. Ein weiterer Lieferant stellt Wandheizungen her, die keine Schutzkleinspannung benötigen. Wir sind verunsichert, weil ein Lieferant Schutzkleinspannung vorschreibt, der andere nicht. Was gilt nun? Unsere Abklärung bei einem Kontrollbüro ergab nachstehende Antwort: Gemäss unseren Abklärungen gibt es im Bereich von elektrischen Wandheizungen keine Normen in deutscher Sprache, so ist auch die Norm IEC 60335-2-96 nur in Französisch und Englisch erhältlich! Jedoch sind gemäss NIN Art. 1.0.3/1.0.4 die Instruktions- und Montageangaben des Herstellers zu beachten und einzuhalten. (A.B. in S.)

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A5 Unzulässige, gefährliche Situation bei Verwendung von 4-adrigen Kabeln ohne Neutralleiter als Zuleitung auf Bauprovisorien L1 L2 L3 Neutralleiter unterbrochen

Steckdosen 230 V

PE

Vieradrige Verlängerungskabel mit 5-poligen Steckvorrichtungen Eine im Baubereich tätige Firma besitzt eine grosse Anzahl 4-adriger Verlängerungskabel. Die Kabel dienen dem Betrieb von Fräsmaschinen, die lediglich 4 Leiter (3 LPE) benötigen. Bei Bau-

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Drei ungleiche Verbraucher 230 V Am hochohmigsten Verbraucher kann die höchste Spannung (nahe an 400 V), am niederohmigsten die tiefste Spannung (praktisch 0 V) liegen!

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A7 Formularablauf bei Neuinstallation mit Kontrollperiode 20 Jahre

Anschlusswert <3,6 kVA

NIV Art. 23.1+2

Schritt:

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Der Eigentümer erteilt den Installationsauftrag. Elektrofachleute erstellen die Installation. Die betriebsinterne Schlusskontrolle (Erstprüfung) wird durchgeführt. Der Eigentümer erhält den SiNa und allenfalls weitere Dokumente, mit dem Auftrag, die Dokumente während der Lebensdauer der Installation, den SiNa während mindestens einer Kontrollperiode, also hier 20 Jahre aufzubewahren. 6 Der Eigentümer hat den SiNa an die Netzbetreiberin weiterzuleiten. 7 Häufig wird der SiNa durch den Unternehmer an die Netzbetreiberin zugestellt (freiwillige Leitung des Unternehmers).

Grundsätzlich sind Bedingungen der Hersteller/Lieferanten, die sie für ihre Produkte vorgeben, einzuhalten. Auch wenn verschiedene Hersteller unterschiedliche Bedingungen für ihre Geräte vorschreiben. Als einfaches Beispiel können Niedervolteinbauleuchten gelten. Die eine Leuchte lässt sich aufgrund ihrer Konstruktion in brennbare Gebäudeteile einbauen, die andere nicht. Diese Forderungen gehen gelegentlich weiter als die Bedingungen der NIN. Sie haben Priorität. In diesem Sinn ist die Antwort des angefragten Kontrollbüros richtig und normenkonform. Wohin hat der Elektrounternehmer den SiNa zu senden? Wenn wir eine kleine Installation ausführen, für die keine Installationsanzeige nötig ist, und am Schluss die Schlusskontrolle und den SiNa ausfüllen und dem Kunden übergeben, sind wir dann verpflichtet, der Netzbetreiberin auch eine Kopie des SiNa zuzustellen? (M.G. in L.) Die Meldepflicht wird in Artikel 23 der NIV geregelt. Absatz 2 verlangt vom Eigentümer die Meldung des Abschlusses von Installationsarbeiten an

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die Netzbetreiberin mit dem SiNa (siehe auch Artikel 35). In der Praxis wissen jedoch die wenigsten Eigentümer von ihrem Glück bzw. sie kennen die NIV-Forderung nicht. Deshalb stellen Elektrounternehmer in der Regel den SiNa neben dem Eigentümer als freiwillige Dienstleistung auch der Netzbetreiberin zu (Bild A7). Kontrollpflicht bei kleinen Installationen mit Kontrollperiode >20 Jahre In einer grossen Metallbaufirma schliessen wir einen neuen Kompressor mit unverändertem Anschlusswert an. Nach der Installation wird die Schlusskontrolle durchgeführt und der SiNa erstellt. Eine solche Installation müsste nach unserer Schlusskontrolle durch ein unabhängiges Kontrollorgan kontrolliert werden. Sind wir in einem solchen Fall ebenfalls verpflichtet, der Netzbetreiberin den SiNa zuzustellen, obwohl wir gar keine Installationsanzeige erstellt haben? (M.G. in L.) Der Eigentümer hat spätestens 6 Monate nach Übernahme der Installation die Abnahmekontrolle durch ein unabhängiges Kontrollunternehmen zu veranlassen und nach dieser Kontrol-

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le den SiNa an die Netzbetreiberin einzureichen (NIV, Artikel 35.3). So lauten die Forderungen der NIN. Wenn es sich, wie im vorliegenden Beispiel, um eine derart kleine Installation handelt, scheint es paradox, allenfalls durch eine unabhängige Kontrolle grössere Kosten zu verursachen als durch die Installation selber. Also übergibt der Elektrounternehmer dem Eigentümer den SiNa mit den durchgeführten Messungen und weist ihn auf seine Pflicht hin, ein unabhängiges Kontrollunternehmen zu beauftragen. Will der Eigentümer auf die nächste in spätestens 10 Jahren erfolgende periodische Kontrolle warten, ist das seine Angelegenheit. Er hat ja den SiNa des Elektrounternehmers. Wichtig ist in solchen Situationen, dass der Unternehmer seine Messungen dokumentiert. Er haftet so oder so für allfällige Mängel an den durchgeführten Arbeiten. Würden alle Elektrounternehmen selbst kleinste Installationen, wie es in der NIV vorgesehen ist, der Netzbetreiberin melden, könnte sich diese über Arbeitsmangel wahrlich nicht beklagen! Leitungsführung bei UP-Installationen Wir haben als Kontrollunternehmen durch eine Eigentümerin das Bild einer Leitungsverlegung in ihrer Liegenschaft zugestellt erhalten (siehe Foto F9). Sie hat den Eindruck, dass eine derart «chaotische» Verlegung unzulässig sei, und fordert uns auf, Stellung zu beziehen. Was sagen die NIN zu dieser Situation? (P.L. in B.)

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F9

Kritische Leitungsführung, nicht normenkonform. Die Gefahr der Beschädigung durch Bohrarbeiten besteht!

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A9 Bereiche für die Rohrverlegung nach den NIN-Compact 5.2.2.8.1.a 0,2 m

0,2 m

0,2 m

0,15 m

0,1 m Die grünen Linien zeigen, wo Leitungen verlegt werden dürfen. Die Schutzkorridore laufen den Türen, Fenstern, Raumkanten und dem Fussboden entlang. Die normengemässen Abstände zeigt die Skizze.

Seit längerer Zeit verlangen die NIN eine Verlegung der UP-Leitungen in bestimmten Bereichen (NIN 5.5.2.8.1a). Der Grund liegt in gefährlichen Situation, die durch Bohrarbeiten für Vorhangschienen, Bilder, Handtuchstangen und dgl. entstehen können. Die Forderung ist sinnvoll, auch wenn sie bei Praktikern in der Regel eher Kopfschütteln auslöst und noch nicht zu allen Fachkräften durchgedrungen ist. In der vorliegenden Installation ist diese Bedingungen eindeutig missachtet. Es stellt sich die Frage, was vorzukehren ist. Ein mechanischer Schutz, wie z.B. eine Blechabdeckung, könnte vor allem bei der Häufung der Leitungen unten links schützen, die Gefahr der Beschädigung durch Nägel oder Schrauben ist jedoch dort eher gering. Deshalb scheint es mir sinnvoller, vom Elektrounternehmer zu verlangen, alle Leitungen in diesem Bereich durch Fehlerstromschutzeinrichtungen mit I⌬N ⱕ30 mA zu schützen. Damit würde meines Erachtens ein genügend hohes Schutzniveau entstehen.

Wo sind halogenfreie Kabel vorgeschrieben? Wann und in welchen Räumen sind halogenfreie Kabel vorgeschrieben? Ich habe in den NIN gesucht, aber keinen direkten Hinweis gefunden. Können Sie mir weiterhelfen? (W.M. in H.) Halogenfreie Kabel sind frei von reaktionsfreudigen Elementen Brom, Jod, Fluor und Chlor. Im Vergleich zu herkömmlichen PVC-Kabeln besitzen sie im Brandfall eine ganze Reihe von Vorteilen. Bei PVC-Kabeln bilden sich grosse Mengen an korrosiven und giftigen Gasen, die erhebliche Schäden bei Menschen und an Gebäuden verursachen. Bei halogenfreien Kabeln werden keine korrosiven Gase freigesetzt, d. h. die gefährliche Abspaltung von halogenhaltigen Brandgasen ist ausgeschlossen. Weil die Sicherheit eines Gebäudes im Brandfall nicht nur von der Funktionsfähigkeit bestimmter elektrischer Anlagen abhängt, sondern auch davon, ob Fluchtwege durch dichten Rauch verqualmt sind oder der Brand durch Kabel in andere

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Elektro-Thermographie Vorbeugender Unterhalt und Störungsbehebungen in elektrischen Anlagen und an Maschinen.

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Brandabschnitte übertragen werden kann, sind vor allem Eigentümer an der Verwendung halogenfreier Kabel interessiert. Die NIN 2005 sprechen im Zusammenhang mit der Verstärkung des Schutzes der Leitungen nur an zwei Stellen (7.12.5.2.1 und 7.12.5.2.2) direkt von halogenfreien Kabeln. Wahrscheinlich eher in der von Ihnen gesuchten Richtung gehen halogenfreie und schwer entflammbare Kabel FE0. In den Berechnungshilfen des VSEI besitzen sie die Abkürzung «hffr» (halogenfree and flame retardant). Halogenfreie Kabel mit verbessertem Verhalten im Brandfall sind schwer entflammbar und besitzen eine geringe Brandfortleitung, die Feuerausbreitung bleibt somit begrenzt. Der bei PVC-Kabeln gefürchtete Zündschnureffekt tritt nicht auf. Zu diesen Leitungen äussern sich die NIN mit verschiedenen Hinweise deutlicher z. B. in: • 1.3.2.7: als allgemeine, grundsätzliche Forderung die Leitungen den gegebenen Verhältnissen, wie z. B. bei Beanspruchung durch Feuer, anzupassen. • 5.1.2.2.4.9: Diese Tabelle listet die Räumungsmöglichkeiten von Gebäuden im Brandfall auf und verlangt in Räumen BD2–BD4 flammwidriges Material. • 5.1.2.2.4.9: Hier geht es um das im Raum gelagerte oder verarbeitete Material. In Räumen der Kategorie BE 2 wird ebenfalls flammwidriges Material verlangt. Eine Forderung, die sich in der Praxis noch nicht durchgesetzt hat. • 7.10.4.7: Einsatz von speziellen Leitungen, deren Isolation während einer gewissen Zeit einem Brand widersteht (FE 180), für die Raumkategorie 4. • 7.11.5.2.1: FlammwidrigeKabelFE0 ET 09 für Ausstellungen, Shows. Ernst Feldmann, 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch

Hofstetter Energietechnik GmbH 8046 Zürich, Telefon 01 372 20 90 Fax 01 372 20 94, www.het.ch

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Die nachstehenden Probleme drehen sich mehrheitlich um sogenannte «Grauzonen». Das sind Fragen die sich nicht immer ganz eindeutig klären lassen. Elektrofachkräfte müssen sich dann der wichtigen Frage stellen: Liegt ein Sicherheitsrisiko in der vorliegenden Installation vor? Bei einem Ja werden seriöse Kontrollfachleute die Situation nicht auf sich beruhen lassen. Vielleicht ist Ihnen eine ähnliche Installation begegnet. Die folgenden Probleme helfen solche Entschlüsse erleichtern.

Ernst Feldmann

Was ist zu unternehmen bei Weigerung des Kunden beanstandete Mängel zu beheben? Bei einer periodischen Kontrolle treffe ich in einer Werkstatt eine offene Elektroverteilung ohne Schrank. Die Betriebsmittel wie Leitungsschutzschalter, Fehlerstromschutzschalter und dgl. sind mit einem leichten Fettfilm überzogen. Die Prüftaste des Fehlerstromschutzschalters bleibt beim Testen fast kleben. Ich habe einen Schutzkasten um die offene Verteilung verlangt. Alle weiteren Mängel wurden behoben, der verlangte Schutzkasten je-

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A5a

doch nicht, weil sich der Kunde weigert einen Schrank zu montieren. Meine Frage, bin ich zu streng, soll ich das so durchgehen lassen? Muss der Kunde seinen Willen schriftlich kundtun, damit bei einem Störungsfall die Sachlage eindeutig ist? (S.R. per E-Mail) Inwiefern ein leichter Fettfilm die Funktionsfähigkeit der Betriebsmittel beeinträchtigt und ein Sicherheitsrisiko darstellt, müsste vor Ort beurteilt werden. Bei jeder Kontrolle gilt ein wichtiger Grundsatz. Kontrollfachleute sollen sich bei der Kontrolle nicht fragen «Was darf ich beanstanden?», sondern vielmehr: «Was muss ich be-

Eingebaute Messung

Vorgeschaltete Überstromunterbrecher Kabelverteilkabine

Sie sind ohne Öffnen der Verteilkabine bedienbar

Aussensteckdose ohne Fehlerstromschutzeinrichtung, jedoch mit steckbarem Adapter Bei einer periodischer Kontrolle im Garten eines Einfamilienhauses treffe ich eine 1995 neu montierte Steckdose T13 ohne Fehlerstromschutz an. Der Kunde versichert mir, dass die Steckdose immer mit einem steckbaren Fehlerstromschutzadapter benützt wird. (S.R. per E-Mail) Diese Situation liegt meines Erachtens anders. Es ist äusserst unwahrscheinlich, dass transportable Fehlerstromschutzadapter immer zu Stelle sind, wenn Elektrogeräte im Garten eingesetzt werden. Das bestehende Sicherheitsrisiko soll dem Kunden eindrücklich vor Augen geführt werden. So erkennt auch er die Notwendigkeit der Behebung des Mangels mit einer fest montierten Sidos-Steckdose.

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Vierpolige Fehlerstromschutzeinrichtung für einen grossen Schulraum In einem Landschulhaus wird die Lehrerwohnung umgenutzt. Der Wohnraum und drei Zimmer werden zu einem grossen Raum für den Nähunterricht zusammengefasst. Aus den zwei bestehenden Lichtgruppen LNPE möchten wir

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Elektrotechnik 10/07 | 97

Rubriken

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anstanden?» Sie spüren den wesentlichen Unterschied! Falls ein Mangel beanstandet werden muss, besteht ein Risiko für Personen oder Sachwerte. Solche Mängel können nicht belassen werden. Wenn die geschilderte, offene Schaltgerätekombination einen solchen Mangel darstellt, muss der Schutzkasten nachgerüstet werden. Vielleicht kann auch eine andere Lösung eine entscheidende Verbesserung bringen, wie z. B. die Schaltgerätekombination reinigen und die Verschmutzungsquelle besser abschliessen. Die Fachkompetenz von Kontrollfachleuten ist in solchen Situationen gefragt.

Education

Einspeisung eines Bauprovisoriums mit Messung

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Besten Dank für die Bilder, solche saubere Lösungen sind super, bravo! Verschiedene Elektrofachkräfte finden vielleicht auch für ihr Problem eine Antwort.

A5b

Sauber verlegte Einspeisung eines Bauprovisoriums

eine 3-polige Gruppe installieren mit mechanisch nicht gekoppelten Leitungsschutzschaltern. Zum Schutz der zusätzlichen Arbeitssteckdosen wird ein 4-poliger Fehlerstromschutzschalter vorgeschaltet. Bei einer Auslösung des Fehlerstromschutzschalter ist der ganze Schulraum spannungslos. Darf ich diesen Unterrichtsraum so installieren? (S.K. per E-mail) Die NIN nehmen in 3.2.4 zu diesem Problem ausführlich Stellung. Grundsätzlich sollen durch die Auslösung der Schutzorgane von Beleuchtungsgruppen keine anderen Gefahren, wie Panik durch fehlende Beleuchtung des Fluchtweges und dgl. entstehen. Obwohl solche Gefahren in der von Ihnen erwähnten Situation kaum bestehen, rate ich Ihnen das neue Zimmer über 2 kombinierte Fehler- und Leitungsschutzschalter zu schützen. So entspricht Ihre Installation dem im Kapitel 3 geforderten Grundsatz der sauberen Unterteilung. PVC-Aderleitung in kleinem Installationskanal Dürfen T-Leiter (H07V-U) in einem kleinen Kunststoffkanal z.B. 20⫻35 verlegt werden? Der Deckel des Kanals ist ohne Werkzeug leicht lösbar. Ist eine solche Leitungsführung zulässig? (S.K. per E-mail)

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Aderleitungen (T-Drähte) dürfen für Laien nicht allgemein zugänglich sein. Die NIN äussern sich in einer Legende zur Tabelle 5.2.1.2.3 dazu: Aderleitungen sind erlaubt, wenn die Deckel nur mit Hilfe von Werkzeug oder mit besonderer Anstrengung von 98 | Elektrotechnik 10/07

Verwendung von grün-gelben Leitern für Schwachstromanlagen Für die Anspeisung von 24-V-Brandschutzklappen hat ein Elektroinstallateur den grün-gelben Schutzleiter des speisenden Kabels als stromführenden Leiter eingesetzt. Was sagen die NIN zu einer solchen Schwachstrominstallation (2A)? Kennen Sie einen NIN-Artikel, der diese Kennzeichnung als unzulässig erklärt, oder ist der Einsatz zulässig? (P.L. in B.) Grundsätzlich gelten die NIN für Installationen und Anlagen >50 V, >2 A, AC. Ausgeschlossen sind Schwachstromanlagen. Der Einsatz von grüngelben Leitern in diesem Bereich ist keineswegs sinnvoll, man müsste ihn jedoch als zulässig ansehen, weil auch Laien Schwachstrominstallationen erstellen können. Über Schwachstromanlagen existiert demzufolge auch kein entsprechender Artikel. In Ihrem Fall wurde die Installation durch Elektrofachleute erstellt. Fachpersonen müssten wissen, dass grüngelbe Leiter eine besondere Bestimmung besitzen und diese Farbe für keine andere Funktion dienen darf. Besonders in Schaltgerätekombinatio-

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Hand geöffnet werden können… Demzufolge sind Installationskanäle mit leicht lösbaren Deckeln nicht zulässig. Sinnvoller Anschluss von Bauprovisorium Sie haben in den Leserfragen 25 in Frage 6 über den Anschluss von Bauprovisorien geschrieben. Ich möchte Ihnen mit zwei Bildern (5a und 5b) zeigen, wie solche Anschlüsse sinnvoll gelöst werden können. Beachten Sie in Foto 5a die aussen an der Kabelverteilkabine liegende Messung. Hier erfolgt die Trennung der Leitung. Im Bild 5b sehen Sie die sauber verlegte Zuleitung zur Baustromverteilung. (P.S. per E-mail)

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F7 Zuleitungssituation in Landwirtschaftsbetrieb mit drei Gebäuden

Scheune/Stall

Hengste-Fohlenstall Remise

Zuleitung ZV Scheune/Stall 5⫻16 mm2

ZV

ZV

ZV

HV

Zuleitung ZV Remise

Zuleitung ZV Hengste-Fohlenstall

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AnschlussLeitung Netz


A9

Erklärungen zu Baustromverteilern nach NIN 2005/Info 2071 Zuleitungskabel

Haupt-Baustromverteiler

Verteiler (ohne Abschlaufung) – Freizügige CEE-Steckvorrichtung (blau/rot) Schutzleiter auf 6h, – IN ⱕ16–32 A

ortsfester Bereich

6h IN>32 A

7h

6h

– Mit oder ohne weitere eingebaute Fehlerstromschutzeinrichtung – Steckvorrichtung IN ⱕ16–32 A/6h eingebaut

6h

Verteiler (mit Abschlaufung zu weiteren Baustromverteilern) Das Zuleitungskabel zum Bauprovisorium ist durch Schutzorgane gegen Überlast und Kurzschluss geschützt, aber nicht durch FehlerstromSchutzeinrichtungen. Das Zuleitungskabel ist im Handbereich, bei mech. Beanspruchung und dgl. zusätzlich geschützt, z.B. durch Verlegung in Schutzrohre.

Die Energiezufuhr muss im ausgeschalteten Zustand abschliessbar sein. Für die verlangte Abschliessbarkeit gibt es verschiedene Möglichkeiten: – über eingebauten Wartungs- oder Anlageschalter – über eine abschliessbare Steckvorrichtung der Einspeisung – über eine abschliessbare Türe Variante 1 Abschliessbarer Anlageschalter

Variante 2 Abschliessbare Türe zum Schrank

Variante 3 Abschliessbare Steckdose

– Sollen weitere Verteiler abgeschlauft werden, z.B. in andere Stockwerke, kann eine Auslösung der Fehlerstromschutzeinrichtung eine Gefahr bedeuten. – Die zum Abschlaufen bestimmten Steckvorrichtungen müssen deshalb nicht unbedingt über Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt sein, dürfen aber dann nicht freizügig sein oder müssen einen IN >32 A, z.B. ⱖ63 A aufweisen. – Nicht fehlerstromgeschützte Steckvorrichtungen sollen optisch sofort erkennbar sein. Sinnvoll ist deshalb der Einsatz von schwarzen CEE-Modellen mit Schutzleiterplatzierung 7h. – Schwarze, im Verteiler eingebaute CEE-Steckvorrichtungen mit Schutzleiterplatzierung 7h müssen nicht fehlerstromgeschützt sein. Das gilt auch für rote CEE-Steckvorrichtungen, Schutzkontakt auf 6h, IN ⱖ63 A.

– Im Verteiler eingebaute CEESteckvorrichtungen 6h, blau oder rot mit IN ⱕ16–32 A müssen fehlerstromgeschützt sein.

7h

IN >16 A

Ernst Feldmann/Version 30.08.2007

Die AUS-Stellung muss gesichert werden!

7h

NIN 7.04.5.3.7

7h

6h

nen, wo Schwach- und Starkstromleiter aufeinander treffen, ist die verwendete Kennzeichnung kritisch. Deshalb bin ich der Auffassung, dass die so eingesetzten grün-gelben Leiter der Schwachstrombereichs bei Zusammentreffen mit Starkstromleitern auf der ganzen Länge mit andersfarbigem Schrumpfschlauch zu markieren sind. Fehlerstromschutz für Zuleitungen zu weiteren Zwischenverteilern Wir haben den Auftrag für den Umbau eines Wohnhauses mit zusammengebauter Scheune/Stall erhalten. Von der Hauptverteilung im Wohnhaus führt eine Zuleitung (5⫻16 mm2) zum Zwischenverteiler in der Scheune/Stall. Von dort gehen zwei weitere Zuleitungen weiter zu einer Remise (etwa 50 m von ZV Scheune) und einem Hengstfohlenstall (etwa 100 m von ZV Scheune). Muss die Zuleitung zum ZV Scheune/Stall über Fehlerstromschutzschalter mit I⌬N ⱕ300 mA geschützt werden, wenn die Leitung 5⫻16 mm2 bereits im Bereich Scheune/Stall verläuft, oder reicht es, wenn der Fehlerstromschutzschalter im ZV

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Scheune/Stall platziert wird und dort alle abgehenden Leitungen Fehlerstromschutzschalter-geschützt sind (Bild F7). Die gleichen Fragen stellen sich auch für die Zuleitungen zu den externen Zwischenverteilern in Remise und Hengstfohlenstall ab ZV Scheune/Stall. Können Sie mir diesbezüglich helfen? (S.K. per E-mail) Wenn die Zuleitung ab Hauptverteilung zum ZV Scheune/Stall durch feuergefährlichen Bereich führt, muss sie durch Fehlerstromschutzschalter mit I⌬N ⱕ300 mA geschützt sein. Kann man sie durch nicht feuergefährlichen Bereich verlegen, wie z. B. Betondecken, im Boden und dgl., benötigt sie keinen Fehlerstromschutz, weil keine Brandgefahr besteht. Natürlich sind dann keine Abgänge wie Steckdosen von dieser Leitung zulässig. Das gilt auch für die beiden Zuleitungen ab ZV Scheune/Stall zu ZV Remise und Hengste-Fohlenstall. Die anderen von den ZV’s abgehenden Leitungen müssen selbstverständlich FI-geschützt sein. So sind alle Endstromkreise mit den angeschlossenen Leitungen und Betriebsmittel ab den jeweiligen ZV Scheune/Stall/Remise, Seite 88 von 276

Hengste-Fohlenstall normengemäss geschützt. Es ist eine sinnvolle Aufteilung zu wählen, damit im Störungsfall nicht die ganze Anlage abgetrennt wird. Beanstandung von Steckdosen Type 1 bei der periodischen Kontrolle Für die freizügige Verwendung sind gemäss NIN 5.1.1.1.3 und B+E nur Steckvorrichtungen zu wählen, welche eine freizügige Verwendung der Energieverbraucher gewährleisten. Bei periodischer Kontrolle werden ältere Steckdosenmodelle wie z.B. Steckdosen Typ 1, L2, W2 usw. aber auch die alten Motorsteckvorrichtungen KD 42, WAS , Oerlikon usw. angetroffen. Manchmal sind sie noch in einem recht guten Zustand und weisen keine Defekte oder ausgebrannte Buchsen auf. Steckdosen Typ 1 sind zudem häufig in Räumen mit isoliertem Standort platziert. Dazu meine Frage: Ist eine Beanstandung überhaupt richtig oder gelten für solche Materialien, falls sie keine Defekte aufweisen, noch die alten HV? Wie sollen wir in solchen Situationen vorgehen. (P.L. in T.)

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Elektrotechnik 10/07 | 99


Alte Type-1-Steckdosen besitzen keinen Schutzleiteranschluss. Sie verleiten den Laien zu gefährlichen Manipulationen wie das Entfernen des Schutzkontaktes an T12-Steckern. Auch wenn im Fehlerfall an einem defekten Gerät bei isoliertem Standort noch kein Fehlerstrom spürbar ist, kann das an einem anderen Standort blitzartig in fataler Weise ändern. Fehlende Schutzkontakte stellen ein grosses Sicherheitsrisiko dar. Bei periodischen Kontrollen sind deshalb solche Steckvorrichtungen zu beanstanden. Natürlich ist hier das Kontrollpersonal gefordert. Der Kunde soll verstehen, warum seine Steckdose beanstandet wird. Das verlangt eine verständliche Erklärung. Bei den weiteren von Ihnen erwähnten Typen spielt es eine entscheidende Rolle, ob die Steckvorrichtung freizügig oder nicht freizügig eingesetzt wird. Wenn sie nur einem einzelnen Gerät dient, wie z. B. bei alten T7-Steckdosen für Kochherde, besteht keine Veranlassung zur Bean-

standung. Bei Motorsteckvorrichtungen WAS jedoch führt der Schutzkontakt über eine heikle Verbindung mit einer Schleiffeder über das Gehäuse, ein eindeutiges Sicherheitsrisiko! Der Schutzleiter funktioniert nur über eine sichere, niederohmige Verbindung. Steckvorrichtungen, die derartige Sicherheitsrisiken aufweisen, sollen beanstandet werden. Anspeisung mehrer Baustromverteiler Bei grossen Bauten kommt es häufig vor, dass von einem Baustromverteiler weitere angespeist bzw. abgeschlauft werden. Nach den NIN müssen alle Steckdosen bis 32 A pro Stock über Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt sein. Bei einer Auslösung des Fehlerstromschutzschalters im speisenden Verteiler sind alle daran angeschlossenen Verteiler ebenfalls spannungslos. Dabei können gefährliche Situationen entstehen. Wie sehen Sie die unbefriedigende Sachlage? (E.F. in U.)

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In der Info 2071 vom August 2007 wird der unbefriedigenden Situation Rechnung getragen. Nicht freizügige Steckvorrichtungen ⱕ32 A müssen nicht unbedingt durch Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt sein. Das gilt vor allem für Steckvorrichtungen zum Abschlaufen bzw. Speisung von weiteren Baustromverteilern. Damit sie nicht als freizügig gelten, sollen sie mit einer anderen Schutzleiterlage als 6h versehen sein. Der Einsatz üblicher Stecker 6h wird unmöglich. Damit im hektischen Baubetrieb nicht freizügige Steckvorrichtungen sofort erkennbar sind, ist die Verwendung von CEE-Steckdosen mit schwarzer Färbung sinnvoll. Der Schutzkontakt liegt bei Modellen mit 3⫻500 V/230 V auf 7h. Eine Verwechslung mit roten Modellen 6h ist ET 09 ausgeschlossen (Bild A9). Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch

Elektrische Installationen und Apparate

Elektrotechnik für Praktiker

Hans Rudolf Ris

Hans Rudolf Ris

Das Fachbuch «Elektrische Installationen und Apparate» gilt als Fachkunde für die elektrische Installationstechnik. Es behandelt die berufskundlichen Themen für die Aus- und Weiterbildung. Dank der klaren und übersichtlichen Gliederung der einzelnen Kapitel ist das Buch gleichermassen für den Unterricht, für das Selbststudium wie auch als Nachschlagwerk geeignet. Die vielen Bilder und Tabellen stellen in knapper Form den Sachverhalt dar. Berufsleute in der elektrischen Installationstechnik schätzen das praxisnahe Kompendium. Die 10. Auflage wurde wiederum stark überarbeitet und fachlich ergänzt. Auslösende Momente sind für die inhaltlichen Veränderungen nicht nur der stetige Fortschritt in der elektrischen Installations- und Gebäudetechnik, sondern auch die Neuausgabe der NIN 2005, deren Belange voll in die Neuauflage eingeflossen sind.

100 | Elektrotechnik 10/07

10. Auflage 2005, 560 Seiten, 624 Bilder, 87 Tabellen, Format 16,5 3 24 cm, Fr. 79.–, ISBN 3-905214-51-2 AZ Fachverlage AG Neumattstrasse 1, 5001 Aarau Telefon 058 200 55 77 Fax 058 200 55 77 fachbuch@azag.ch

Das in Elektro-Fachkreisen bestens bekannte Fachbuch «Elektrotechnik für Praktiker» von H. R. Ris steht in der 4. Auflage 2004 neu überarbeitet zur Verfügung. Alle Daten sind aktuell aufdatiert und wo nötig den Normen angepasst. Geeignet ist «Elektrotechnik für Praktiker» für alle Stufen der beruflichen Grund- und Weiterbildung, insbesondere für die • Berufliche Grundbildung (ElektromonteurIn, TelematikerIn, ElektrozeichnerIn, AutomatikerIn, NetzelektrikerIn und andere Berufe) an Berufsfachschulen • Berufliche Weiterbildung an Technikerschulen und als Vorbereitung für die Berufs- und höheren Fachprüfungen an Fachschulen • Praktiker, die wissen wollen, wie es funktioniert • Fachlich Interessierten auf allen Stufen, die ein gutes Nachschlagewerk zur Hand haben wollen. Die 12 Kapitel des Buches werden durch das reich-haltige Bildmaterial ausgezeichnet ergänzt.

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4. Auflage 2004, zweifarbig, 624 Seiten 900 Bilder und Grafiken Fr. 79.–, ISBN 3-905214-43-1 AZ Fachverlage AG Neumattstrasse 1, 5001 Aarau Telefon 058/200 55 77 Fax 058/200 55 76 fachbuch@azag.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Die neue Ausgabe möchte mit verschiedenen grundsätzlichen Fragen zum Nachdenken über die gestellten Probleme anregen. Gerade bei Fragen der Zulässigkeit von Materialien, wie z. B. bei Einlass- und Abzweigdosen in brennbaren Gebäudeteilen wird sich die Elektrofachkraft in Zukunft vermehrt informieren müssen. Der Markt und damit die angebotenen Erzeugnisse sind enorm vielfältig geworden. Sie verlangen exakte Kenntnisse über die Montagevorschriften und Merkmale. Allenfalls sind detaillierte Angaben vom Hersteller anzufordern. In der Ausgabe 9/07 hat ein aufmerksamer Leser einen dummen Druckfehler in der Skizze A2 entdeckt. Im gelben Feld mit der Verlegeart B2 soll der Querschnitt natürlich 6 mm2 betragen.

Ernst Feldmann

1

2

Die von Ihnen erwähnten Geräte von Schaustellern werden seit dem 1. Januar 2003 durch die Bundesgesetzgebung geregelt. Sie erhalten nur dann eine Bewilligung, wenn die Schaustellund Zirkusanlagen periodisch von zuständigen Kontrollstellen auf Einhaltung der internationalen Normen und der Sicherheit der elektrischen Anlagen überprüft werden. Durch den SiNa mit Mess- und Prüfprotokoll wird bestätigt, dass die elektrischen Installationen gesetzeskonform sind und den gültigen technischen Normen entsprechen. Weil Schaustellergeräte recht häufig auf- und abgebaut werden, muss die Kontrolle in <1 Jahr regelmässig wiederholt werden. Der durch die zuständige Kontrollstelle ausgestellte SiNa ist demzufolge ein zwingender Ausweis für jeden Schausteller. Ein Anschluss an das speisen-

A1

Bemessung von Bezügerleitungen nach NIN 2006 Virtuelle Strombelastung

40 A = 57,1 A 0,7

(Faktor Häufung)

Zu den einzelnen Zwischenverteilern in den Wohnungen

Kabeltrasse mit 15 Bezügerleitungen (Der Übersicht wegen sind nur 3 gezeichnet)

Bezügerüberstromunterbrecher 40 A

Die Verbraucher in den einzelnen Wohnungen sind nie gleichzeitig in Betrieb, deshalb entsteht ein neuer virtueller Strom von 57,1 A ⫻ 0,58 = 33,1 A Die Berüchsichtigung der Umgebungstemperatur kann entfallen, weil 30° nicht überschritten wird.

Hauptverteilung

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Elektrotechnik 11/07 | 85

Rubriken

Zuerst zum Gleichzeitigkeitsfaktor der einzelnen Wohnungen. Mit 0,6 ist er noch recht gut bemessen. Die damit berechneten Bezügerüberstromunterbrecher legen in den Bezügerleitungen den maximal fliessenden Strom mit 40 A fest. Ihre Berechnung mit der Häufung ist ebenfalls richtig. Nun zum nochmaligen Einsatz des Gleichzeitigkeitsfaktors. Die Bezügerüberstromunterbrecher begrenzen den

SiNa bei Schaustellergeräten wie Riesenrad, Reitschule und dgl. Alljährlich zur Chilbizeit taucht die Frage auf: Braucht ein Schausteller für seine Chilbibahn (Tütschi, Playball, Riesenrad usw.) einen SiNa? Laut Angaben

des Schaustellers werden seine Anlagen jährlich bezüglich Mechanik und Elektrik durch den «TüF» kontrolliert. Zudem sind sie ja nicht fest installiert. Bei gewissen Netzbetreibern werden die Bahnen nicht angeschlossen, wenn der Schausteller keinen SiNa vorweisen kann. (P.H. in E.)

Education

Querschnittsbemessung für Bezügerleitungen in grosser Überbauung Es geht um die normengemässe Querschnittsdimensionierung bei der Installation einer Überbauung mit 15 Wohnungen. Pro Wohnung berücksichtigen wir die angeschlossenen Verbraucher und rechnen mit einem Gleichzeitigkeitsfaktor 0,6. Das ergibt eine Bezügersicherung von 40 A pro Wohnung. Die 15 Bezügerleitungen werden über ein Kabeltrasse in der Verlegeart E/F zur Hauptverteilung geführt. Hier muss ich die Häufung berücksichtigen, das ergibt nach 5.2.3.1.1.12.2.1 einen Faktor 0,7. Die Temperatur hat keinen Einfluss. Der berechnete virtuelle Belastungsstrom ergibt 57,1 A. Meine Frage betrifft den Gleichzeitigkeitsfaktor. Kann ich hier nochmals einen Gleichzeitigkeitsfaktor eingeben? (M.E. per E-Mail)

Strom auf 40 A. In den 15 Wohnungen werden nie gleichzeitig alle Geräte eingeschaltet sein. Zu unterschiedlich sind die Lebensgewohnheiten. Also fliesst auch in den Zuleitungen ein geringerer Strom. Demzufolge ist der Gleichzeitigkeitsfaktor aus der Tabelle von 0,58 sinnvoll. Sonst resultiert ein unnötiger, praxisfremder Querschnitt.

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A2 Anschluss von Schaustell- und Zirkusanlagen mit fester Verbindung zum Netz (Auszug aus dem Informationsblatt für Schaustell- und Zirkusanlagen vom 6. Juni 2007)

Die Installationen benötigen einen jährlich zu erneuernden SiNa. Die Kontrolle ist durch kontrollberechtigte Personen nach NIV durchzuführen. Netzbetreiber

Anschluss fest

Der Netzbetreiber schliesst an, wenn ein SiNa mit Kontrolldatum <1 Jahr vorliegt.

de Netz darf nur erfolgen wenn er vorliegt (Bild A2). Anschluss von Verkaufsanhängern, Schiessbuden und dgl. Wie verhält es sich mit «Verkaufsanhängern» (z.B. Schiessbuden, SofticeWagen usw.), welche interne Steckdosenund Lampeninstallationen aufweisen und mittels 5-poligem CEE16A an einem Baustromverteiler angesteckt werden? Müssen solche Verkaufsanhänger kontrolliert werden? (P.H. in E.)

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Die NIN geben in 7.11 Anweisungen über den Sicherheitsstandard solcher mobiler Stände. Weil sie über Steckvorrichtungen angeschlossen werden, ist ein Überblick über die Kontrolle nicht ganz einfach. Im Anhang zu Artikel 32 der NIV unter Punkt 2a unterliegen elektrische Installationen auf Baustellen und Märkten der einjährigen periodischen Kontrolle. Personen, die solche Stände betreiben, müssen Bescheid wissen über ihre Verpflichtung, die elektrischen Installationen in sicherem Zustand zu erhalten. Elektrounternehmen, die provisorische Installationen für solche Anlässe erstellen, sollten Bescheid wissen über ihre Verantwortung und allenfalls einen SiNa für einen Verkaufswagen anfordern. Weil häufig Steckvorrichtungen zum Anschluss vorhanden und keine Installationen notwendig sind, soll auch die Standaufsicht von Märkten und dgl. ihrer Aufsichtspflicht nachkommen und allenfalls eine Kontrolle veranlassen. 86 | Elektrotechnik 11/07

Die Inspektionsstelle für Schaustellund Zirkusanlagen (IS-SZ) überprüft, ob der SiNa (<1 Jahr) für Installationen, die Konfirmitätserklärung für Erzeugnisse vorliegt. Die anschliessende Netzbetreiberin/ Elektrofachkraft kann den SiNa verlangen.

Anschluss eines Kochherdes, Zuleitung LN und Bemessungsstrom von 50 A In der Küche eines Ferienhauses wird ein Kochherd aus den USA mit einer Bemessungsspannung 1⫻230 V und einem Bemessungsstrom von 50 A eingebaut. Unsere Werkvorschriften lassen keinen Anschluss eines einphasigen Verbrauchers dieser Grösse zu. Aus diesem Grund haben wir einen Transformator mit getrennten Wicklungen installiert. Nun stellen sich ein paar Fragen. Ist der Kochherd mit dem Schutzleiter zu verbinden, auch wenn kein aktiver Leiter des Sekundärstromkreises mit der Erde verbunden ist? Müssen sekundärseitig Überstromunterbrecher eingebaut werden? Über dem Kochherd ist eine Dunstabzugshaube aus Chromstahl montiert. Ist es sinnvoll, einen zusätzlichen Potenzialausgleich zwischen Kochherd und Abzugshaube anzbringen? (A.O. per E-Mail)

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So wie Sie Ihre Installation beschreiben, handelt es sich beim Anschluss des Kochherdes um Schutztrennung. Die NIN stellt in den Artikeln ab 4.1.3.5 dazu klare Bedingungen. Die aktiven Teile eines Stromkreises mit Schutztrennung dürfen weder mit dem Schutzleiter noch mit Teilen anderer Stromkreise verbunden werden. Der Kochherd darf demzufolge nicht mit dem Schutzleiter verbunden werden und auch keine Verbindung zum PA aufweisen. Weiter stellen Sie die Frage, ob allenfalls zwischen der Abzugshaube und dem Kochherd ein zusätzlicher Potenzialausgleich instalSeite 91 von 276

liert werden soll. Im Artikel 4.1.3.5.1.8 der NIN wird klar beschrieben, dass eine Verbindung von einem Gehäuse eines Stromkreises mit Schutztrennung zu einem Körper eines anderen Stromkreises nicht zulässig ist. Nur so ist der Schutz gegen indirektes Berühren gewährleistet. Überstromunterbrecher verlangen die NIN erst, wenn mehrere Betriebsmittel vom gleichen Transformator gespeist werden. Der Überlastschutz der Leitung zwischen Transformator und Kochherds muss jedoch gewährleistet sein. Festanschluss ab Generator als Ersatzstromversorgung Ich muss für eine Veranstaltung einen Generator (Bemessungsstrom 63A) einsetzen. Es ist mir nicht ganz klar, wie ich den Anschluss des Schutzleiters handhaben muss. In meiner Ausbildung haben wir dazu das System IT mit Isolationsüberwachung angewandt. Mir scheint jedoch ein TN-S-Netz mit einem Tiefenerder sinnvoller. Ist das ebenfalls zulässig und auf was muss man besonders beachten, wie z.B. Messungen und dgl.? (C.M. per E-Mail)

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Die NIN 2005 äussern sich dazu in 5.5.1 und 7.11. Die Wahl der Schutzmassnahme hängt von der Bauart der Ersatzstromversorgung ab. Bei modernen Geräten werden häufig IT-Systeme mit Isolationsüberwachungen eingesetzt. Der Vorteil liegt darin, dass ein erster Fehler nur signalisiert wird. Er kann behoben werden, während die Anlage weiter in Betrieb bleibt. Erst ein zweiter Fehler löst die soforti-


ge Abschaltung aus. Der Trend bewegt sich jedoch dahin, dass die Isolationsüberwachung bereits beim Unterschreiten des eingestellten Schwellwertes, also beim ersten Fehler, sofort abschaltet. Im Fall einer direkten Berührung kann im IT-System kein gefährlicher Berührungsstrom fliessen. Beim Schutzsystem TN wird der Fehlerschutz durch die normengemässe Abschaltung der Überstromunterbrecher beim Auftreten eines Fehlers sichergestellt. Als zusätzlicher Schutz dienen Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCDs) im Fall einer direkten Berührung. Eine einwandfreie Erdung wird für die richtige Funktion beider Systeme zwingend benötigt! Die in den Bildern A 5a und b angegebenen Werte der Erder sollen nicht überschritten werden. In der Nähe verlegte Erdungssysteme wie Blitzschutzanlagen, metallene Wasserleitungen usw. bieten allenfalls gute Erdübergangswiderstände. Selbstverständlich ist die Wirksamkeit der Schutzmassnahme in beiden Systemen durch Messungen zu prüfen! 200 m langes Verlängerungskabel 1⫻230 V Ein Baugeschäft bestellt bei uns ein Verlängerungskabel mit 200 m Kabel 3⫻1,5 mm2 mit Stecker T12 und Kupplung T13. Der Einsatz ist für die Lichtsignalanlage vorgesehen. Die Problematik ist hier der Kurzschlussstrom. Würden Sie dies liefern? Genügt es, wenn wir auf die Lieferpapiere entsprechende Hinweise zur Problematik angeben und uns auch als nicht «verantwortlich» für das Produkt und den Einsatz ausgeben? (A.A. in B.)

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Der Personenschutz wird bei Bauinstallationen durch Fehlerstromschutzeinrichtungen gewährleistet. Beim Sachenschutz muss das vorgeschaltete Überstromschutzorgan die gefährdete Leitung so rasch abschalten, dass die nachgeschaltete Leitung keinen Schaden nimmt. Natürlich gelten diese Werte für ortsfeste Installationen und nicht direkt für Verlängerungskabel. Wenn ein solches Kabel an einer durch Leitungsschutzschalter mit IN 13 A geschützten Steckdose angeschlossen würde, lassen sich die Folgen leicht vorstellen. Der Schleifenwiderstand steigt allein durch das

Ersatzstromversorgung mit Schutzsystem IT und Isolationsüberwachung

A5a

Generator (Ersatzstromversorgung)

L1 L2 L3 N

Riso

Min 50 k⍀ Optionale Auslösung bereits beim 1. Fehler

Isolationsüberwachung und Anzeige

RCD I⌬N ⱕ30mA

Festanschluss Baustromverteiler Eingebaute Steckdose I⌬N ⱕ32mA

Ra ⱕ100⍀

Baustromverteiler

Erder Ersatzstromversorgung

alle eingebauten Steckdosen über RCD geschützt mit I⌬N ⱕ30 mA

A5b

Ersatzstromversorgung mit Schutzsystem TN Generator (Ersatzstromversorgung)

L1 L2 L3 N

RCD I⌬N ⱕ30 mA Festanschluss Baustromverteiler Eingebaute Steckdose I⌬N ⱕ32 mA

Ra ⱕ5 0 ⍀

Baustromverteiler

Erder Ersatzstromversorgung

alle eingebauten Steckdosen über RCD geschützt mit I⌬N ⱕ30 mA

200 m lange Kabel schon auf rund 5 ⍀. Im Normalfall liegen an der vorgeschalteten Installation noch etwa 1–2 ⍀. Damit erreicht der totale Schleifenwiderstand 6–7 ⍀. Es würden demzufolge am Ende der Leitung nur noch etwa 30–40 A Kurzschlussstrom fliessen. Der vorgeschaltete Leitungsschutzschalter mit IN 13 A würde erst nach etwa 3 Minuten auslösen. Ein im Freien verlegtes Kabel könnte der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein, wäre also schon sehr warm und würSeite 92 von 276

de durch den lange fliessenden Kurzschlussstrom zerstört oder könnte sogar einen Brand entfachen.Häufig sind Steckdosen in Baustromverteilern LS sogar mit IN 16 A vorgeschaltet. Als mögliche Lösung würde sich z.B. ein Kabel mit Querschnitt 2,5 mm2 anbieten. Wenn die Lichtsignalanlage immer vom gleichen Bauprovisorium angespeist wird, könnte eine codierte Steckvorrichtung für die Lichtsignalanlage eine weitere Lösung bieten. Elektrotechnik 11/07 | 87


A5c

F7 Generator Ersatzstromversorgung

Detail Erdspiess

Aussenzählerkasten mit begrenzter Abdeckung der Leiter

Eingebauter Fehlerstromschutzschalter, auch Laien können ihn bedienen.

Sauber, erdfühlig verlegter Spiess (Vorhandene Erdungssysteme, wie Blitzschutzerder und dgl. sind zu benützen. Übergangswiderstand je nach Schutzsystem ⱕ50 bis 100 ⍀.)

So wäre ein Anschluss des extrem langen Kabels nur an dieser speziell geschützten Steckvorrichtung möglich. Der codierten Steckvorrichtung könnte ein Motorschutzschalter mit auf den IN der Lichtsignalanlage eingestelltem Thermorelais vorgeschaltet werden. Dieser liegt wahrscheinlich kaum höher als bei 2–3 A. Auf jeden Fall wesentlich tiefer als die 13 A des erwähnten Leitungsschutzschalters. Damit wäre sowohl der Personen- wie auch der Sachenschutz gewährleistet. Auch der Spannungsfall könnte so in erträglichen Grenzen von etwa 4–5% gehalten werden. Neuer Aussenzählerkasten ohne gesamte Abdeckung Ein neuer Lieferant erstellt für uns Aussenkasten. Ich bin nicht sicher, ob die offen zugängliche Verdrahtung mit H07V-U (T-Draht) des Aussenkastens in der gezeigten Art zulässig ist (siehe Foto F7). Was sagen die NIN dazu? (F.S. per E-Mail)

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Grundsätzlich sind bei allgemein zugänglichen Schaltgerätekombinationen Aderleitungen der direkten Berührung zu entziehen. Die NIN verlangen für Aderleitungen entweder Rohre oder Kanäle, die sich nicht einfach von Hand öffnen lassen (Tabelle 5.2.1.2.3). Schlüssel von Aussenzählerkasten befinden sich häufig in der Nähe gut sichtbar aufbewahrt. Also sind sie auch für Laien zugänglich. Als Regel gilt deshalb, dass Aderleitungen abzudecken sind. Anders verhält es sich, wenn der Schlüssel des Aussenzählerkastens, 88 | Elektrotechnik 11/07

Offene, berührbare H07V-U-Aderleiter (T-Drähte) bei allgemeiner Zugänglichkeit auch für Laien?

der als Werkzeug zählt, nicht offen zugänglich ist und nur berechtigte Personen zum Kasten Zutritt haben. Diese sind mit den Gefahren vertraut. Hier sind offene Aderleitungen zulässig. Diese Situation ist jedoch eher selten, deshalb sollen die H07V-U (T-Draht) abgedeckt werden. Zudem befindet sich im gezeigten Fall ein in der Regel durch Laien betätigter Fehlerstromschutzschalter im Kasten. Isolationsmessung bei Installation mit 20-jähriger Kontrollperiode Warum muss bei Installation mit 20jähriger Kontrollperiode keine Isolationsmessung gemacht werden? (G.S. per E-Mail)

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Gemäss Artikel 10.2 der Verordnung des UVEK über elektrische Niederspannungsinstallationen vom 15. Mai 2002 besteht für Installationen mit Kontrollperioden 20 Jahre keine zwingende Pflicht für eine erneute Isolationsmessung bei der periodischen Kontrolle. Die modernen Isolationsmaterialien haben eine derart hohe Isolationsfestigkeit, dass bei einfachen Installationen eine nochmalige Überprüfung des Isolationswertes nicht notwendig erscheint. Zudem war bei älteren Installationen eine Messung nicht möglich, weil das Schutzsystem TN-C vorherschte. Die Isolationsmessung wird jedoch nicht untersagt. Vorsichtige Kontrollfachleute führen deshalb diese wichtige Messung trotzdem durch. Gerade bei Installationen mit 20-jähriger Kontrollperiode kann ja der Eigentümer Seite 93 von 276

selber installieren. Durch die Isolationsmessung lassen sich allfällige Fehler leicht feststellen. Flammwidrigkeit von Einlass- und Abzweigkasten Ein Aussendienstmitarbeiter der Firma Agro erwähnte an der Ineltec bevorstehende Neuerungen mit flammwidrigen Einlass- und Abzweigkasten. Offenbar werden die gängigen Begriffe flammwidrig und feuerhemmend abgelöst. In unserem Betrieb wusste niemand von den bevorstehenden Änderungen. Können Sie uns weiterhelfen? (H.S. in W.) Die graue Farbe von Rohren, Einlassund Abzweigkasten war über viele Jahre das deutlich sichtbare Zeichen der Flammwidrigkeit. Grau gekennzeichnete Teile eigneten sich zur Montage in Hohlräumen und Holzbauten. Die rote Farbe dagegen stand für Kunststoffe, die von nicht brennbarem Material umschlossen sein mussten. Diese Angaben sind im Moment auch noch in den NIN zu finden. Ab 1. Oktober 2007 entfallen die Begriffe «flammwidrig» und «feuerhemmend». Die graue Farbe hat ja bereits seit längerer Zeit ihre bisherige Bedeutung verloren. Einlass- und Abzweigdosen werden von diesem Zeitpunkt nach international festgelegtem Prüfverfahren mit der Glühdrahtprüfung getestet. Damit Einlass- und Abzweigdosen zur Montage in Hohlräumen und für Holzmontage geeignet sind, müssen sie die Glühdrahtprüfung mit 850 °C bestehen, solche für Einbau in Mauerwerk diejenige mit 650 °C. Diese Angaben sollte sich

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jede Elektrofachkraft einprägen und sich allenfalls beim Hersteller erkundigen, ob ein bestimmtes Produkt für die gewählte Montage geeignet ist. Nur so lässt sich normengemäss installieren. Weitere Informationen finden Sie in der Ausgabe ET 9/07 «Flammwidrigkeit versus Feuerbeständigkeit» von Markus Studer, Agro AG, 5502 Hunzenschwil. Welche Auswirkungen hat die neue Regelung in der Praxis? Die notwendigen Informationen sind noch nicht zu allen Elektrofachleuten durchgedrungen. Leider ist im Moment auf vielen Einlass- und Abzweigdosen, selbst auf solchen, die erst in naher Zukunft ausgeliefert werden, noch die bekannte Angabe «flammwidrig» eingeprägt. Die Hersteller benötigen auch Zeit, um ihre Werkzeuge umzurüsten. Die Verarbeitung der Lagervorräte bei Lieferanten und Elektrounternehmern in der gewohnten Montageart wird die Regel darstellen. Die Unternehmer tun jedoch gut daran, ihr Personal umfassend zu informieren, die korrekten, nach neuen Normen geprüften Betriebsmittel einzukaufen und diese fachgemäss zu montieren. Beim Antreffen von Einlass- und Abzweigdosen, die nach alter Version verlegten wurden, gilt es für das Kontrollpersonal im Moment eine Schon-

frist zu beachten und keinen «eisernen Besen» zu benützen Rohrverlegung nach NIN, Stellungsnahme eines Lesers Sie haben richtig bemerkt, Herr Feldmann, Ihr Artikel in der ET 9/07 über die Rohrverlegung nach NIN 5.2.2.8.1.a hat bei Praktikern ein Kopfschütteln ausgelöst. Meines Erachtens gilt die von Ihnen erwähnte Skizze nur für Kabel, die ohne Rohre verlegt werden. In Installationen mit Rohren lassen sich die Drähte auch bei Beschädigungen durch Nägel und dgl. auswechseln. Das gezeigte Foto 9 sieht schlimm aus. Wir Elektriker sind häufig gezwungen, die Installationen mit fast normalen Änderungswünschen der gegebenen Situation anzupassen. Der Mehraufwand z.B. bei einem Küchenumbau wäre enorm, wenn die Leitungen nach NIN verlegt werden müssten. Ich frage mich auch, wie mit einem übereifrigen Kontrolleur umzugehen ist, der jetzt auch noch den Rohbau kontrolliert oder solche Fotos zugespielt erhält! (A.M. in S.)

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Besten Dank für die ausführliche Stellungnahme zu der Frage 9 in der ET 9/07. Mir sind die von Ihnen erwähnten Bedenken nicht fremd, zu sehr stehe ich in der Praxis. Bei Änderungen im Bau sind die Elektrofachleute häufig am meisten betroffen. Ihre Lei-

tungen und Betriebsmittel lassen sich ja so «einfach» verlegen. Der Gedanke der NIN, Verlegungskorridore für elektrische Leitungen vorzusehen, ob diese nun direkt oder in Rohre verlegt sind, ist trotz allem sinnvoll. Das Montagepersonal muss auf die Problematik der Spannungsverschleppung durch Bohrarbeiten und die damit zusammenhängenden Gefahren sensibilisiert werden. Dieser Grundsatz gilt vor allem bei kritischen Bereichen wie Bad, Dusche, Küche und dgl. soll in Zukunft vermehrt darauf geachtet werden. Bei einer seriösen Avor ist der Mehraufwand nicht gross oder gar vernachlässigbar. Es ist mir klar, dass die auf dem Bau erreichte Platzierung der Rohre aus vielfältigen Gründen nicht immer dem vorgesehenen Idealzustand entsprechen wird. Das setzt Augenmass auch beim Kontrollpersonal voraus. Da ist natürlich auch der Planer angesprochen. In diesem Sinn freue ich mich über Ihr Verständnis für das Anliegen der NIN auch in diesem BeET 09 reich.

Ernst Feldmann, 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch unter Mithilfe von Pius Nauer und David Keller

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Die aktuelle Ausgabe der NIN-Know-how befasst sich wiederum mit ein paar Alltagsproblemen aus der Installations- und Kontrollpraxis. Es ist nicht immer leicht Entscheidungen zu treffen. Auch dann nicht, wenn wir an einer bestehenden Installation, sei sie neu oder alt, eigentliche aus der Norm klare Mängel beanstanden müssen. Wer sich aber seiner Verantwortung bewusst ist, wird jedoch im Sinne einer guten normengerechten Installation entscheiden.

Pius Nauer/David Keller

Schalter IP40 neben Dusche mit Glastür In einer Neuinstallation müssen wir neben einer Dusche mit Glastür einen Schalter Schema 0 installieren. Siehe Bild 1A. Wir wählten eine trockene Schalterausführung IP40, weil wir der Meinung sind, dass in diesem Bereich keine Gefahr für Personen und Sachen besteht. Was sagt die NIN dazu? Und wie sollen wir dies in der Praxis umsetzen? (A.L. per E-Mail)

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Verzicht auf Isolationsmessung nach einer Fehlerstromschutzeinrichtung Ich habe gehört, dass nach einer Fehlerstromschutzeinrichtung auf eine Isolationsmessung verzichtet werden kann. Wo finde ich den entsprechenden Artikel dazu und welche Bedingungen müssen erfüllt werden, damit nicht gemessen werden muss? Bis zu welcher Auslösenennstromstärke von Fehlerstromschutzeinrichtungen gilt diese Aussage? (C.C. per E-Mail)

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A1 Schalter SO Schater SO IP40, 30 cm von Duschtüre entfernt!

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Rubriken

Sie finden den entsprechenden Artikel in der «Verordnung des UVEK 734.272.3 über die elektrischen Niederspannungsinstallationen», auch NIVV genannt, (Art. 10, Abs. 3). Darin finden wir tatsächlich den Hinweis, dass bei Anlagen, in welchen die Isolationswiderstände dauernd durch geeignete Einrichtungen überwacht werden, auf die Isolationsmessung verzichtet werden kann. Aber Achtung! Dies gilt in jedem Fall nur für eine periodische Kontrolle. Wird eine Installation neu erstellt, ist eine Isolationsmessung zwingend durchzuführen, auch dann, wenn ein Stromkreis durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt wird. In

der entsprechenden Verordnung ist keine Angabe zu finden, bis zu welcher Nennauslösestromstärke dieser Artikel Gültigkeit besitzt. Die Isolationsmessung hilft mit, Isolationsschäden zu ermitteln und dadurch Brände und weitere Schäden zu verhindern. Gemäss den gültigen Regeln der Technik wird ebenso mit einer Fehlerstromschutzeinrichtung mit einem Auslösenennstrom von maximal 300 mA die Isolation so überwacht, dass ein Entzünden von Stoffen als ausgeschlossen erachtet werden kann. Aus diesem Grund kann auch bei einer Fehlerstromschutzeinrichtung mit 300 mA Auslösenennstromstärke auf eine Isolationsmessung verzichtet werden. Eines sei hier jedoch noch hinzugefügt. Mit einer seriösen Isolationsmessung können bereits Isolationsdefekte detektiert werden, welche zu einem spätern Zeitpunkt zu Auslösungen der Fehlerstromschutzeinrichtung führen können.

Education

Die NIN nimmt zu diesem Problem klar Stellung. Aus Bild 1b können Sie die Zoneneinteilung im erwähnten Fall sehen. Das Fadenmass von 60 cm gilt auch dann, wenn die Dusche mit einer Glastüre abgetrennt ist. Dies befremdet im ersten Moment wahrscheinlich, denn bis zum Erscheinen dieser Norm war die Platzierung eines solchen Schalters absolut zulässig. Ein Bereich wird durch Decken, Dachschrägen, Wände, einschliesslich Fenster und Raumtüren, Fussböden und fest angebrachte Abtrennungen begrenzt. In diesem Beispiel ist dies jedoch nicht der Fall, da eine Duschtüre gemäss NIN nicht als Begrenzung eines Bereichs gilt. Die NIN 2005 erlaubt in der Zone 2 Schalter von Lichtinstallationen, setzt jedoch voraus, dass diese mindestens im IPX4 ausgeführt sind. Wie sollen wir dies nun in die Praxis umsetzen? In alten Anlagen, das heisst bei periodi-

schen Kontrollen, gilt das alte Recht. Es ist also nicht angebracht eine Änderung dieser Installation zu Verlangen. Bei einer Neuinstallation ist auf jeden Fall ein Schalter IPX4 zu montieren oder als zweite Möglichkeit, den Schalter ausserhalb des Raumes anzubringen.

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3 Überprüfung von Schutzleiterprüfgeräten Die Leerlaufspannung muss zwischen 4-24 V DC oder AC betragen!

Das Prüfgerärt muss mindestens 0,2 A abgeben!

4.000

0.200 A

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Schutzleiterprüfung mit Taschenlampe Ich habe dem ganzen Montagepersonal eine Taschenlampe zur Schutzleiterprüfung abgegeben. Beim Kauf dieser Lampe achtete ich, so dachte ich, auf eine hohe Qualität dieses Produktes. So entschied ich mich für ein Modell, welches angeblich auch bei einer versehentlichen Messung unter Spannung kein Verglühen der Lampe versprach. Natürlich wurde auch das ganze Personal geschult, wie eine seriöse Schutzleiterkontrolle durchzuführen ist. Ein kürzlich gemachtes Erlebnis verunsicherte mich jedoch über den Kauf dieser Lampe. Bei einer Schlusskontrolle stellte ich mit der Schleifenwiderstandsmessung einen

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TN-C-Installationen nach Umbau Neulich habe ich eine SGK ausgewechselt und die alte TN-C-Installation soweit möglich neu eingezogen und TN-S -tauglich gemacht. Nun konnten wir aber nicht alles neu erstellen und darum bleibt ein Teil der Anlage TN-C. Ist es erlaubt, die alte Installation nach TN-C an die neue SGK anzuschliessen, auch wenn der PEN-Leiter nicht 10 mm2 Cu beträgt? In der NIN ist dies nicht so genau beschrieben, jedoch stand letzthin auf einem Mängelbericht, dass dies erlaubt sei, jedoch sei der PEN-Leiter an der N-Klemme der Gruppe anzuschliessen. Ist diese Aussage korrekt und wo kann ich dies in der NIN finden oder steht das in einer SEV-Info? (R.M. aus E. per Mail)

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schlechten Schutzleiterwiderstand fest. Wir gingen der Sache mit dem verantwortlichen Monteur nach und fanden die Ursache in einer nicht angezogenen Klemme in der Unterverteilung. Der Monteur beteuerte die Unschuld, er habe schliesslich mit der Prüflampe alles sauber ausgetestet. Ein erneutes Austesten mit seiner Taschenlampe ergab keinen Mangel. Sie leuchtete mit voller Stärke, was zur Vermutung eines guten Schutzleiters führen würde. Was haben wir falsch gemacht? (F.G. per E-Mail) Zuerst möchte ich ihnen einmal gratulieren, dass sie sämtliche Monteure mit einer Taschenlampe ausrüsten und diese dazu noch schulen, wie ein Schutzleiter zu prüfen ist. Leider haben sie sich im Modell vergriffen. Es gibt auf dem Markt eine grosse Anzahl von Durchgangsprüfern, ebenso eine grosse Menge in Form von Taschenlampen. Viele dieser Geräte funktionieren mit sehr kleinen Messströmen im mA-Bereich, oder sogar noch kleiner. Damit ein Schutzleiter einwandfrei kontrolliert werden kann, ist ein grösserer Strom notwendig. Die NIN legt sich auf 0,2 A fest. Beim Kauf eines solch wichtigen Testgerätes muss unbedingt auf diese Angabe des Messstromes geachtet werden. Sie können aber auch auf einfache Art ihre vorhandenen Geräte testen, indem sie den Strom ihrer Taschenlampe messen. Siehe Bild 3.

Die NIN schreibt dazu im Kapitel 5.4.6.2, dass bestehende Leitungen (nach Nullung Schema III ausgeführte Installationen) für Erweiterungen verwendet werden können, sofern der für einen PEN-Leiter nötige Querschnitt von mindestens 10 mm2 eingehalten wird. Eine ganz interessante Skizze dazu findet man in den zugehörenden B+E. Da das Gefährdungspotenzial bei kombiniert geführten Neutral- und Schutzleitern erheblich ist (z. B. Falschanschlüsse, PEN-Unterbruch), wird dringend empfohlen, Installationen nach Sy-

A4a Neue Installationen nach System TN-S

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Bestehende Installationen nach Nullung Schema III

Neue Installationen nach System TN-S

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Bestehende Zuleitung Nullung Sch III (wenn > 10mm2 ➔ System TN-C

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Neue Zuleitung nach System TN-S

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stem TN-S auszuführen. Gerade bei Umbauten aber stellt sich sehr oft die Frage nach der Verhältnismässigkeit. Wird z.B. im Zuge einer Küche-Bad-Sanierung auch gleich der Wohnungsverteiler neu mit LS und FI bestückt, so macht das durchaus Sinn. Nun müssen aber bestehende Leitungen zu den übrigen Räumen wieder angeschlossen werden, welche möglicherweise nach Nullung Schema III ausgeführt sind, (Nullung Schema III entspricht technisch dem System TN-C, wobei mit dem Begriffwechsel 1985 gleichzeitig der Mindestquerschnitt für den PEN-Leiter auf 10 mm2 festgelegt wurde. So können also Installationen mit kleinerem Querschnitt als 10 mm2 nicht dem System TN-C zugeordnet werden.) Es gilt der Grundsatz, dass bestehende Installationen, welche nicht «berührt» werden, also nicht von einer Änderung betroffen sind, nach den dem Erstellungsdatum gültigen Normen bzw. Vorschriften unverändert belassen werden können, sofern sie sicher sind. In dem von Ihnen beschriebenen Fall können also die bestehenden Leitungen wieder angeschlossen werden, sofern die Isolation noch genügende Werte aufweist und vor allem alle Betriebsmittel und Steckdosen richtig angeschlossen sind. Eine seriöse Kontrolle ist einmal mehr gefragt! Wie Sie die entsprechenden Leitungen anschliessen können, ersehen Sie aus Abbildung 4a und 4b. Innerbetriebliche Kontrolle durch unabhängiges Kontrollorgan Unser Kontrolleur, welcher für die innerbetriebliche Kontrolle zuständig war, verlässt uns. Nun haben wir uns darauf geeinigt, dass wir unsere innerbetrieblichen Kontrollen an auswärtige Kontrollorgane, mit denen wir schon längere Zeit zusammenarbeiten vergeben, bis wir geeigneten Ersatz gefunden haben. Ist dies möglich? Und ist ein Sina gültig ohne die Unterschrift in der linken Spalte eines Sina? A.P. aus U.

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Die NIV verlangt für jede Installation eine betriebsinterne Schlusskontrolle durch eine kontrollberechtigte Person (NIV Art. 24, Abs. 2). Dabei regelt sie aber nicht das Vertragsverhältnis zwischen dieser Person und dem ausführenden Unternehmen. Somit können die betriebsinternen Schlusskon-

trollen durchaus durch eine externe Firma oder Person durchgeführt werden. Einige Installateure praktizieren dies auch ohne «Notlage». Ein externes Kontrollorgan für die innerbetriebliche Kontrolle zu beauftragen, kann auch weitere Vorteile bringen. Eine solche Person geniesst sehr oft eine höhere Akzeptanz als ein Mitarbeiter aus dem eigenen Betrieb. Im Weiteren kann ein Kontrollprofi möglicherweise durch seine Routine und Normenkenntnisse effizienter arbeiten als ein Mitarbeiter aus dem eigenen Betrieb, welcher solche Kontrollarbeiten vielleicht weniger häufig ausführt. Egal ob die Person, welche die betriebsin-

terne Schlusskontrolle durchführt, extern oder intern beauftragt wurde, unterschreibt diese auf dem von den Verbänden vorgeschlagenen Standard-Sicherheitsnachweis immer auf der linken Seite, zusammen mit dem Inhaber der Installationsbewilligung. Auf der rechten Seite unterschreibt das Kontrollorgan, welches mit der unabhängigen Abnahmekontrolle beauftragt wurde, sofern diese Kontrolle nach NIV Art.35, Abs.3 verlangt wurde. ET 9

Pius Nauer und David Keller Fachlehrer, STFW Winterthur pius.nauer@elektrotechnik.ch david.keller@elektrotechnik.ch

Vom 1. ins 2. Glied Während Jahren des Normenunterrichts an der Schweizerischen Technischen Fachschule STF spürte ich zunehmend deutlich das Fehlen einer Anlaufstelle für Fragen aus diesem Gebiet. Viele Elektrofachleute, selbst Experten an Lehrabschluss- und höheren Fachprüfungen zeigten sich in diesem Bereich nicht immer hundertprozentig sattelfest. Der Wunsch, diesem Mangel abzuhelfen, führte 1992 zur Geburt der «NIN-Ecke» in der Elektrotechnik. Während vieler Jahre durfte ich die unterschiedlichsten Fragen zuerst in der erwähnten NIN-Ecke und anschliessend im moderneren NINKnow-how bearbeiten. Das gleichnamige, erfolgreiche Fachbuch bietet eine wertvolle Zusammenfassung der im Laufe der Zeit behandelten Fragen. Normen sind nicht nur schwarzweiss! Mit manchen Fragestellern, aber auch mit Experten bestimmter Sachgebiete entstand in dieser Zeit ein wertvoller und anregender Gedankenaustausch. Viele positive Rückmeldungen ermutigten mich immer wieder, weil sie zeigten, welchem Bedürfnis die behandelten Fragen entsprachen. Selbstverständlich war der wesentlichste Aspekt immer die Sicherheit von Personen, Nutztieren und Sachen vor den Gefahren des elektrischen Stromes. Bedingt durch andere Blickwinkel erwiesen sich jedoch in machen Fällen mehrere Antworten als richtig. Mancher Elektrofachkraft wurde dadurch deutlich, dass selbst Normenfragen aus der täglichen Installationspraxis nicht immer durch schwarzweiss-Lösungen gelöst werden können. Wenn dadurch mein erklärtes Ziel, aufmerksame Leser zu einem umfassenden, integralen Verständnis der Norm zu führen und keine pingeligen Buchstabenreiter zu erzeugen, da und dort erreicht wurde, bin ich erfreut.

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Nachfolge gesichert Mit grosser Freude möchte ich der treuen Leserschaft eine interessante Neuerung mitteilen. Junge, fähige Fachkräfte sind bereit, die Kontinuität dieses wichtigen Bereiches zu gewährleisten und allenfalls noch auszubauen. Ab sofort werden die ausgewiesenen Fachleute Pius Nauer und David Keller in meine Fussstapfen treten. Sie bereiten an der Schweizerischen Technischen Fachschule STF im Fach Normen junge Elektrofachleute auf die höheren Fachprüfungen vor. Sie weisen mehrjährige, Erfahrungen als Experten im Bereich der Berufbildung aus. Neben seinen Lehraufgaben an der Fachschule führt Pius Nauer in verschiedenen Teilen der Schweiz sowohl für den VSEI wie auch vor anderen Fachgremien wichtige Schulungen durch. Vorerst werden sie noch gemeinsam mit mir den Bereich NIN-Know-how betreuen. Ich wünsche den beiden jungen Kollegen einen erfreulichen Start und viele positive Erlebnisse. Dank an Sie – liebe Leserin, lieber Leser An dieser Stelle möchte ich es nicht versäumen, Ihnen, werte Leser, für wichtige Korrekturen, wertvolle Vorschläge, aber auch für die vielen, zustimmenden und aufbauenden Äusserungen, die Sie mir im Laufe der Zeit zukommen liessen, ganz herzlich zu danken. Übertragen Sie das mir über Jahre gewährte Vertrauen auch auf meine beiden Nachfolger Pius Nauer und David Keller. Ernst Feldmann 4937 Ursenbach ernstfeldmann@bluewin.ch

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f9_30_nin-leserfragen

3.1.2008

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Besonders in älteren elektrischen Installationen, ist es oft schwierig darüber zu entscheiden, ob diese noch der Norm entsprechen oder nicht. Grundsätzlich kann eine solche Installation auch in Ordnung sein, wenn sie nicht der aktuellen Norm entspricht. Hier hilft oft die Frage: «Ist diese Installation gefährlich, was kann passieren?» weiter. Vielfach lässt sich der Kunde auch von etwas neuem überzeugen, wenn man im die Sicherheitsaspekte aufzeigen kann. Mit den folgenden Antworten wollen wir ihnen ein paar Lösungswege aus der Praxis aufzeigen.

Pius Nauer/David Keller

Fussbodenheizung neben Badewanne Ich habe eine Kundin, welche die Liegefläche rund um die Badewanne beheizen möchte. Ich bin mir nun nicht sicher, ob dies nach neuer Badzimmernorm noch möglich ist, denn Sie möchte eine Elektroheizung mit einer Millimeterheizmatte, welche direkt unter die Plättli verlegt wird. Mit der Einbautiefe und den Abständen ist dies nach meiner Meinung nicht mehr machbar. Können sie mir weiterhelfen? (M.B. per Mail)

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So wie sie mir ihre Situation beschreiben, ist die Liegefläche neben der Badewanne angeordnet. In diesem Bereich (siehe Abbildung 1), ist gemäss Norm die Zone 2 definiert. Böden, Wände, Decken wie auch Raumtüren etc. schliessen eine Zone ab. Das heisst, die Plättli der Liegefläche begrenzen auch die Zone 2. Da in der Zone 2 bereits Energieverbraucher zugelassen sind, steht dieser Montage der Millimeterheizplatte an diesem Ort nichts im Wege. Ein paar wichtige Punkte sind jedoch zu beachten. Die Verlegetiefe ist weniger als sechs Zentimeter, daher ist es zwingend, dass

Zone 2 Liegefläche

Heizmatte Thermostat

1 Fussbodenheizung neben Badewanne.

Industriesteckdosen nach Schweizer Norm Ich habe gelesen, dass die Schweizer Industriesteckdosen J15/25/40/75 ab 1.7.08 nicht mehr in Verkehr gesetzt werden dürfen. Heisst das auch, dass defekte Steckdosen nicht mehr durch gleiche CHIndustriesteckdosen ersetzt werden dürfen? Im weiteren habe ich auch gelesen, dass schon heute der Einsatz von den CHIndustriesteckdosen in Neuinstallationen nicht mehr zulässig ist. Heisst das, dass ich gar keine Steckdosen-Verteiler mit Schweizer Industriesteckdosen bestellen und montieren darf? (R.K. per E-Mail)

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Ab dem 1.Juli 2008 dürfen keine nationalen Industriesteckvorrichtungen (J10, J15, J25, J40, J75 etc.) mehr in Verkehr gebracht werden. Diese Steckvorrichtungen entsprechen nicht internationalen Normen. Nicht in Verkehr gebracht bedeutet, dass ab diesem Datum keine solchen Steckvorrichtungen mehr verkauft werden dürfen. Das heisst aber nicht, dass sie nicht mehr montiert werden dürfen. Als Installateur haben sie möglicherweise noch solche Typen an Lager, um Ihren Kunden bei Bedarf eine defekte Steckdose oder einen defekten Stecker ersetzen zu können. Das ist auch nach dem 1.Juli 2008 noch zulässig. Hingegen dürfen Sie diese Steckdosen-Typen Ihrem Kunden nicht mehr über den Ladentisch verkaufen, genauso wie der Grosshandel Ihnen diese ab diesem Datum nicht mehr verkaufen darf. Für Neuanlagen gilt dies eigentlich sinngemäss. Hierbei gilt es aber anzumerken, dass bereits in der HV Elektrotechnik 1/08 | 53

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Rubriken

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Zone 1

um den Heizleiter eine Metallumflechtung angeordnet ist, welcher mit dem Schutzleiter der Installation verbunden wird. Dazu ist auch der Einsatz einer Fehlerstromschutzeinrichtung mit einem Auslösenennstrom von maximal 30mA zwingend. (Na)

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(Hausinstallationsvorschriften des SEV) von 1985 geschrieben steht, dass für Neuanlagen möglichst die europäisch genormten Steckdosentypen (z. B. Typ 75, 76, 77; besser bekannt unter der Bezeichnung CEE 16, 32, 63, etc.) zu verwenden sind. Etwas zynisch gesagt, besteht die Empfehlung ja erst seit 22 Jahren, weshalb also jetzt schon wechseln? Ihre Steckdosenverteiler für Baustellen, welche noch mit Schweizer Steckdosen ausgerüstet sind, dürfen Sie also weiterhin verwenden und wenn Sie bei der jährlichen Sicherheitsprüfung eine defekte Steckdose ersetzen, so ist das absolut legitim. (Ke) Alte, zweipolige Steckdosen Typ 1 Bei einer Erweiterung in einem Einfamilienhaus stellten wir fest, dass noch einige alte, 2- polige Steckdosen montiert sind (Kinderzimmer, Wohnzimmer etc.). Der Mieter wollte von uns wissen, was er unternehmen muss, damit er handelsübliche Stecker mit Schutzkontakt in die Steckdosen einstecken kann. Was raten sie uns? (F.W. aus N.)

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Wir kennen grundsätzlich nach Normenänderungen keine Sanierungspflicht, sofern eine elektrische Anlage hinsichtlich Personen- und Sachwertschutz sicher ist. Sicher heisst dabei, dass die Isolationsfestigkeit genügend ist, der Überlast- und Kurzschlussschutz eingehalten ist und der Basis-

und Fehlerschutz einwandfrei funktionieren. An Steckdosen Typ 1 lassen sich Geräte der Schutzklassen 0 und II einstecken. Die Verwendung von Geräten mit Schutzklasse 0 ist nur in «nichtleitenden Räumen» nach NIN 4.1.3.3 zulässig, Geräte mit Schutzklasse II sind hingegen bedenkenlos einsetzbar. Hier ist nun die Verwendung von Geräten mit Schutzklasse I an Steckdosen Typ 1 nicht möglich. Im weiteren müssen Verlängerungskabel mit einem separaten Schutzleiter und entsprechend natürlich einem Stecker mit Schutzleiterkontakt ausgerüstet sein, was deren Verwendung an Steckdosen Typ 1 ebenfalls verunmöglicht. Dieser Umstand verleitet (um nicht zu sagen «zwingt») nun die Benutzer zu unerlaubten Handlungen, indem sie Schutzleiterkontakte an Steckern entfernen. Dieser Situation ist unbedingt Beachtung zu schenken: Im Grundsatz nach NIN 5.1.1.1.3 sind freizügig verwendbare Steckvorrichtungen mit getrenntem Schutz- und Neutralleiter zu verwenden. Bei bestehenden Anlagen kann dies durch Ersatz, aber auch durch Ergänzung mit Steckdosen Typ 12/13 erreicht werden. (Ke) Niedervoltleuchte in Holz montiert Für einen Kunden führen wir die elektrischen Installationen in seinem Wohnhaus aus. Das ganze Haus besteht aus Holz. Die Decken sind aus Massiv-

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Herstellerangaben

4 Niedervoltleuchte in Holz montiert. Der Einbau von Niedervoltleuchten, direkt in brennbares Material, ist bei den meisten Herstellern nicht erlaubt. Die Herstellerangaben sind auf jeden Fall zu berücksichtigen, denn sie wirken wie eine Norm.

* Im Hohlraum von abgehängten Decken muss ein Abstand von 75 mm zwischen Leuchte und brennbaren Teilen eingehalten werden.

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holz, mit einer Stärke von 20cm. Auf den Wunsch des Kunden, Niedervoltbeleuchtungen einzubauen, haben wir uns auf die Suche von Niedervoltleuchten gemacht, welche man ohne Probleme in diese Deckenkonstruktion einbauen kann. Die von uns vorgeschlagenen Modelle fanden jedoch bei unserem Kunden keinen Gefallen. Nun hat er sich ganz normale Niedervoltleuchten (35 Watt mit Alureflektoren) besorgt, welche er direkt ins Holz eingebaut hat. (siehe Abbildung 4) Mein Kunde behauptet, dass dies so gemacht werden darf. Schliesslich sei durch den Rost und die Gipsplatte eine genügend grosse Abkühlung der Leuchte vorhanden. Was soll ich nun tun? In meiner Firma würde ich eine solche Lösung nie akzeptieren und trotzdem muss ich die Schlusskontrolle und den Sina dieser Installation machen. Ihre Bedenken sind berechtig und es ist sicherlich nicht falsch, wenn man eine solche Installation kritisch hinterfragt. Bei Einbauleuchten gelten grundsätzlich die Angaben des Herstellers. Schliesslich muss er auch für die Konformität seines Produktes gerade stehen. Er wird also genau ausgetestet haben, wie seine Leuchte gefahrlos montiert werden darf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Niedervoltleuchte 35 Watt mit Alureflektor direkt in das Holz eingebaut werden darf. Es gibt Modelle, welche direkt für den Einbau in Holz angeboten und so auch geprüft wurden. Aus diesen Herstellerangaben sind dann der Einbau und die einzuhaltenden Abstände zu brennbaren Gebäudeteilen klar ersichtlich. In der Skizze 4 habe ich einige Angaben eines Herstellers eingefügt. Daraus ist ersichtlich, dass diese Leuchte nur in Hohlräume von abgehängten Decken montiert werden dürfen. Der Hersteller schreibt darin auch ganz klar fest, welchen Abstand nun zu den brennbaren Gebäudeteilen einzuhalten sind. Klären sie den Kunden über die Gefahren eines falschen Einbaus auf und bringen sie ihn dazu die Herstellerangaben dieser Leuchte zu studieren. Vielleicht können sie ihm mit einem Temperaturmesser auch die Oberflächentemperatur einer solchen Lampe aufzeigen. Nicht nur der Laie wird staunen, wenn auf dem Thermometer eine Zahl grösser 100°C ersichtlich ist.


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3.1.2008

13:53 Uhr

Natürlich müssen sie eine Schlusskontrolle und auch den Sina ihrer ausgeführten Installation machen. Schliessen sie Arbeiten, welche nicht durch ihre Firma erledigt wurden ganz klar aus. Eine Notiz auf dem Sina oder den Vermerk auf die Rechnung hilft, die nötigen Abgrenzungen zu machen. Selber installierte Installationen von Kunden gehören auch in dessen Verantwortung. (Na) Selektivität in elektrischen Anlagen Wir wurden in ein neu erstelltes EFH gerufen. Der Kunde hatte ein de-

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fektes Gerät eingeschaltet und der vorgeschaltete FI-Schutzschalter hat die Anlage korrekt vom Netz getrennt. Leider ist der FI-Schutzschalter für die ganze Licht- und Steckdoseninstallation im EFH als Schutz zuständig. Entspricht diese Installation der Norm? (F.W. aus N.) Selektivität ist primär ein Qualitätsmerkmal und nicht immer eine sicherheitsrelevante Forderung. Natürlich treten bei einem totalen Stromausfall in einer Anlage andere wesentliche Gefahren auf, wie z. B. Verletzungsgefahr durch einen Sturz in der Dunkelheit.

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Das Begrenzen der Auswirkungen eines Fehlers auf einen einzelnen Anlageteil ist aber mit Kosten verbunden, weshalb die NIN dazu schreiben: NIN 3.2.4.1.2.B+E: «...Es ist grundsätzlich Sache des Anlagebesitzers, im Hinblick auf die Art des Betriebes zu entscheiden, in welchem Masse seine Anlage unterteilt sein soll...» (Ke) ET 9

Pius Nauer und David Keller Fachlehrer, STFW Winterthur pius.nauer@elektrotechnik.ch david.keller@elektrotechnik.ch

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Die Norm zu lesen und zu verstehen, ist nicht immer einfach. Oft sucht man nach einer bestimmten Lösung und ist dann enttäuscht, wenn man dazu keine genaue Antwort findet. Besonders Grenzfälle führen oft zu Diskussionen. Hier ist es immer wichtig, seine Entscheidungen im Sinne einer sicheren Installation zu fällen. Diskussionen helfen aber auch, verschiedene Ansichten zu einem guten Resultat zusammenzuführen. Lieber geht man doch einen Schritt auf die sichere Seite. In den folgenden Fragestellungen beantworten wir Ihnen solche Alltagsprobleme.

Pius Nauer/David Keller

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Maximale Vorsicherung für Steckvorrichtungen Bei einem Elektriker, für den ich Schlusskontrollen als Fremdfirma machen darf, traf ich Folgendes an: Der Elektriker ersetzte eine Elektroverteilung in einem EFH. Beim Aufnehmen der Sicherungsgruppen beachtete er nicht, dass eine alte Steckdose T15 mit 16A gG abge-

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Elektrische Installationen müssen nicht nur nach den anerkannten Regeln der Technik erstellt werden, sondern auch nach diesen geändert und in Stand gehalten werden, so verlangt es die Verordnung (NIV, Art. 3). Spätestens dann also, wenn eine Installation geändert wird, müssen die Forderungen aus den Normen für die von den Änderungen betroffenen Teile eingehalten werden. Die NIN 2005 sehen in Art. 5.1.2.1.2 für Steckdosen mit einem Nennstrom von 10A eine maximale Vorsicherung von 10A mit Schmelzeinsätzen, bzw. eine solche von 13A mit Leitungsschutzschaltern vor. Die Auswechslung der Schaltgerätekombination ist sicherlich eine Änderung der Installation im Sinne der NIV. Die Umsetzung der Forderungen aus der NIN 2005 ist in diesem Falle kaum spitzfindig, sondern durchaus verhältnismässig und deshalb auch anzuwenden. (Ke) Steckdose 230 V in Schaltgerätekombination TN-C In einem Industriebetrieb mit einigen CNC-Bearbeitungscentern müssen wir ein Funksystem montieren. Dazu sollten in den Schaltschränken der CNCMaschinen 230-V-Steckdosen montiert werden. Nun stehen wir aber vor dem Problem, dass in diesen Schaltgerätekombinationen kein Neutralleiter vorhanden ist. Die Maschinen sind mit Kabeln 3LPEN erschlossen. Kann ich jetzt einfach eine Sidos-Steckdose in den Schrank montieren oder verlangt die Norm einen Trenntrafo? (A.N. per E-Mail)

3

Elektrotechnik 2/08 | 57

Rubriken

Grundsätzlich ist der Ersteller einer Installation für die Wahl der Betriebsmittel verantwortlich. Das heisst, dass er die äusseren Einflüsse am Einbauort kennt und dementsprechend auch die richtigen Betriebsmittel und Schutzmassnahmen wählt. Die NIN drückt sich bezüglich der Raumart in 5.1.2.2.4.2. klar aus. Beachten Sie die Anmerkungen auf der Rückseite der Tabelle des angegebenen Artikels. Hier gibt die Norm vor, dass ein Raum mit einer relativen Luftfeuchte von maximal 75% als trocken gilt. Wenn

sichert ist (Installation nach HV ca. 1990 i.O.). Nun baute er natürlich eine Gruppe 16A 3LN «C» ein. Da dies im Wohnungsbau (PK 20J.) so nicht erlaubt ist, gemäss NIN 2005, habe ich es beanstandet. Hier mischt sich Altes mit Neuem. Ich bin der Meinung, dass ich die NIN hier richtig anwende, der Elektriker meinte, es wäre spitzfindig. Wie sehen Sie das?

Education

Umbau einer Küche in einem Café In einem Umbau eines Cafés haben wir die gesamte elektrische Installation erneuert. Auch die Küche wurde komplett umgebaut und mit neuen T13und T15-Steckdosen bestückt. In der NIN 4.7.2.3.1.2 haben wir nachgelesen, dass in feuchten und nassen Räumen freizügig verwendbare Steckvorrichtungen bis und mit 32 A durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung zu schützen sind. Wir sind nun nicht sicher, ob diese Küche ein trockener oder nasser Raum ist und ob damit die Steckdosen durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt werden müssen. Wer definiert uns, um welche Raumart es sich handelt? Wo finde ich die Definition, ob ein Raum nass oder feucht ist? (P.S. per E-Mail)

sich also in der Regel kein Kondenswasser an Wänden, Decken oder sonstigen Einrichtungen bildet, kann von einer trockenen Umgebung ausgegangen werden. Zwischen 75%–90% relative Luftfeuchtigkeit treffen wir in feuchten Räumen an. Hier kommt es zu gut sichtbarer Kondenswasserbildung an Gegenständen, welche eine tiefere Temperatur als die Umgebungstemperatur aufweisen. Dazu gehören z.B. auch Grossküchen, feuchte Keller usw. Werden nun also in der von Ihnen installierten Küche auch Essen und Menüs zubereitet, kann dieser Raum sicher als feucht definiert werden. Wird die Küche jedoch nur für kleinere Sachen benötigt, so ist der Raum als trocken zu bezeichnen. Natürlich kann nun der Gedanke aufkommen, auf eine Fehlerstromschutzeinrichtung zu verzichten. Aus Sicht einer guten Installation und in Voraussicht, dass in Zukunft wohl alles, bis auf ein paar Ausnahmen, durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung zu schützen ist, sollte man dem Einbau eines solchen Schutzes nicht im Wege stehen. (Na)

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3 Installationsverteiler mit Hauptschalter.

So wie Sie die Installation beschreiben, ist sie im System TN-C ausgeführt. Nun stehen Ihnen zwei Möglichkeiten offen. Mit einem Trenntransformator können sie die vorhandene Netzspannung auf die gewünschten 230V transformieren. Oder, Sie lösen im Schaltschrank das vorhandene TN-C-System zum TN-S auf. Hier gilt es zu beachten, dass am Übergang vom TN-C zum TN-S ein Neutralleitertrenner einzubauen ist (siehe Abbildung 3) Ist die Zuleitung jedoch bereits im System TN-S ausgeführt, so ist der Einbau eines Trenntransformators erforderlich. (Na) Fehlerstromschutz in Bühnenhäusern In einem Bühnenhaus sind mehrere Steckdosen vorhanden. Zwei davon sind nicht FI-geschützt. Ich meine, dies ist so erlaubt, obwohl der FI immer richtig, aber hier nicht zwingend ist. Was meinen Sie dazu? (S.G. per E-Mail)

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In Bühnenhäusern besteht tendenziell ein erhöhtes Brandrisiko aufgrund der gelagerten und verarbeiteten Stoffe (Bühnenbilder, Requisiten etc.) sowie der sehr oft verwendeten brennbaren Baustoffe der Bühnenanlage selber. Deshalb verlangt die NIN 2005 (Art. 4.8.2.2.8 ) für Leitungen einen Schutz gegen Isolationsfehler. Im System TN wäre das mit einem RCD mit 58 | Elektrotechnik 2/08

einer maximalen Nennauslösestromstärke (IDN) von 300 mA zu bewerkstelligen. Diese Massnahme deckt aber noch nicht den Personenschutz ab! Auch wenn die NIN 2005 den FISchutz als zusätzliche Schutzmassnahme für Steckdosenstromkreise in Bühnenhäusern nicht explizit verlangt, so empfiehlt sie jedoch diese Massnahme für Steckdosen bis und mit einem Nennstrom von 32 A (Anmerkung zu NIN 4.7.2.3). In dem von Ihnen beschriebenen Fall besteht zusätzlich die unangenehme Situation, dass für die Steckdosen ein unterschiedliches Sicherheitsniveau besteht. Der Benutzer weiss um das Vorhandensein der FI-Schutzschalter und wiegt sich nun womöglich in falscher Sicherheit, wenn er dann eine Steckdose benutzt, welche gerade nicht FIgeschützt ist. Diesen Umständen ist Rechnung zu tragen. Sicher wäre es die sinnvollste Lösung, alle Steckdosenstromkreise über einen RCD IDN 30mA zu schützen. Alternativ wäre es denkbar, die Leitungen zu den Steckdosen nur über einen RCD IDN 300 mA zu schützen. Dazu müssten aber jetzt ergänzende Massnahmen getroffen werden, wie z. B. das Anbringen eines Warnschildes bei den Steckdosen, welches auf das Fehlen des FI-Schutzes hinweist, oder das Verunmöglichen einer freizügigen Verwendung. (Ke) PA in einer neuen Metzgerei Wir befinden uns im Endausbau einer Erweiterung einer Metzgerei. Der Ausbau dieser Erweiterung hat total 3 Stockwerke und ca. 20–25 Räume von Aufenthalts- bis Tiefkühlraume und besteht hauptsächlich aus sog. «Sandwichpaneelen» mit ca. 1 mm dickem, weisslackiertem Chromstahlblech. Die Grössen der Panelen sind unterschiedlich, meistens etwa 1,5 m breit und ca. 2 m lang. Sie haben eine Art Nut und Kammsystem und werden so ineinander geschoben. Die Zuleitung für die neue Unterverteilung der Erweiterung wurde mit einem 5x95-mm2-Kabel realisiert. Meine Frage betrifft den Potenzialausgleich. Muss ich diese Paneelen alle mit dem Pot-Ausgleich verbinden? Sie sind alle mit Abschlusswinkel versehen, die die Panelen miteinander verbinden, oder reicht es aus, jeden Raum einmal zu verbinden. Welchen Querschnitt sehen die Normen vor?

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Da es sich um grosse Metallflächen handelt, sehen die NIN gemäss 4.1.3.1.2 den Anschluss des PA-Leiters vor. Ich gehe davon aus, dass sich die einzelnen Sandwichpaneelen leitend berühren bzw. durch die Befestigungswinkel leitend verbunden sind. Demzufolge muss der Anschluss pro Raum nur einmal erstellt werden. Der Querschnitt des PA-Leiters hat gemäss 5.4.7.1 die Hälfte des Hauptschutzleiters zu betragen, er muss jedoch keinen grösseren Querschnitt als 25 mm2 aufweisen. Das wäre bei dieser Installation der Fall. (Na) Zusätzliche Abdeckungen in Schaltgerätekombinationen Bei einer Abnahmekontrolle hat der Kontrolleur eine fehlende Abdeckung über der Zuleitungsklemme in einem Tableau bemängelt. Meines Erachtens braucht es aber keine solche Abdeckung, die Klemmen sind ja berührungssicher. Oder müsste auch ein Hauptschalter eingebaut sein? (M.G. per E-Mail)

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Einen Hauptschalter braucht es für Schaltgerätekombinationen grundsätzlich nicht. Für Wartungsarbeiten, Reparaturen und auch Kontrollen wäre aber ein solcher durchaus empfehlenswert. Aufgepasst: Wenn die Schaltgerätekombination für die Steuerung einer Maschine dient, kann es durchaus Sinn machen, den nach EN 60204-1 geforderten Hauptschalter direkt in diese einzubauen (er muss aber von aussen her bedienbar sein). Nun aber zu Ihrer Frage bezüglich Abdeckungen über der Zuleitungsklemme. Die dafür relevante Norm ist die EN 60439-1. Darin ist beschrieben, dass blanke, spannungsführende Teile mit Abdeckungen geschützt sein müssen, welche sich nur mit Werkzeug oder Schlüssel entfernen lassen. Ist nun tatsächlich aber ein Hauptschalter eingebaut, so dürfen alle Teile, welche nach Ausschalten dieses Schalters immer noch unter Spannung stehen, nicht unbeabsichtigt berührt werden können. Zudem braucht es bei diesen Teilen entsprechende Warnschilder. Diese Forderung kann erfüllt werden durch die Verwendung von berührungsfingersicheren Anschlussklemmen oder einer gleichwertigen, zusätzlichen Abdeckung (IP XXB). Beachten Sie dazu die Skizzen. Wenn kein Hauptschalter vorhanden ist,


Abbildung 1 zu Frage 6 Installationsverteiler mit Hauptschalter.

sind hinter der ersten Abdeckung keine weiteren Massnahmen mehr nötig. (Die SK wird ja dann allenfalls extern als Ganzes abgeschaltet). (Ke) Schutzleiter Kontrolle mit Dus-Pol Ich überprüfe meine installierten Steckdosen mit dem Dus-Pol. Gilt diese Messung als Schutzleiterkontrolle? Ich weiss, dass der Messstrom kleiner als 200mA ist und darum die Messung auch nicht der Norm entspricht. Ich denke aber, dass ich damit bei einer Steckdose die Anschlusskontrolle durchführen kann und diese auch genügend ist. (Ch.K. per E-Mail)

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Die Schutzleiterkontrolle ist die wichtigste Messung an einer Installation. Umso grösser der Messstrom ist, desto sicherer und zuverlässiger ist auch die Überprüfung einer Verbindung. Sie sind sich bewusst, dass mit ihrem DusPol die geforderten 200 mA Messstrom für die Schutzleiterprüfung nicht eingehalten werden. Dieses hochohmige Messgerät zeigt die volle Netzspannung auch bei einem erhöhten Widerstand des Schutzleiters an. Dies kann natürlich zu gefährlichen Situationen im Fehlerfall führen. Testen Sie Ihr Messgerät selber aus. Nehmen sie einen 10 ⍀ Widerstand, schalten Sie diesen zwischen einen Schutzleiter einer

Abbildung 2 zu Frage 6 Installationsverteiler ohne Hauptschalter.

Steckdose und messen Sie dann die Spannung zwischen dem Polleiter und dem Schutzleiter. Bei einem Schutzleiterwiderstand von 10 ⍀ wäre der Kurzschlussstrom noch bei ca. 23 A und somit ist die geforderte Abschaltzeit sicher nicht eingehalten. (Na) Muss ein rot-gelber Hauptschalter abschliessbar sein? Immer wieder diskutieren wir über die Abschliessbarkeit von Hauptschaltern. Dabei habe ich einmal gelernt, dass wenn vom Standort des Schalters aus die Eingriffsstelle eingesehen werden könne, müsse man keine Abschliessvorrichtung montieren. Nun behauptet unser Sicherheitsberater, diese Schalter müssen immer abschliessbar sein und dürfen nicht mehr rotgelb sein? Was stimmt jetzt? (C.F. per E-Mail

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Eine fast tragische Geschichte – diejenige über Sicherheitsschalter! Ich gehe davon aus, dass es sich bei Ihrer Anlage um eine Maschine im Sinne der EN 60204-1 handelt. Dazu muss man zuerst die Begriffe klären. Jede Maschine braucht (ausnahmslos) eine sogenannte Netztrenneinrichtung. Diese bezeichnen wir oft ja auch als Anlage- oder Hauptschalter. Dieser Anlageschalter ist allpolig und schaltet die gesamte Anlage. Die Anforderungen an diese «Netztrenneinrichtung» sind unter anderem, dass sie Seite 104 von 276

normalerweise in den Farben Schwarz und Grau ausgeführt werden und auf jeden Fall eine Abschliessvorrichtung aufweisen müssen. Die an die Maschine angeschlossenen Antriebe können einzeln oder zu Funktionseinheiten zusammengefasst angeschlossen werden. Jede Funktionseinheit muss zu Wartungs- und Instandhaltungszwecken über einen Sicherheitsschalter geschaltet werden können. Wir nennen diese Schalter oft auch Revisions- oder Wartungsschalter. Die Anforderungen an einen Sicherheitsschalter sind vielfältig. Unter anderem sind sie immer abschliessbar und normalerweise in den Farben Schwarz und Grau auszuführen. Nur ausnahmsweise, nämlich

Abbildung Frage 8 Anlage-, Sicherheits- und Not-Aus-Schalter. Elektrotechnik 2/08 | 59


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wenn der Antrieb eine im normalen Betrieb Gefahr bringende Bewegung aufweist und ein Ausschalten einen sofortigen Halt dieser Bewegung bewirkt, nur dann kann der Sicherheitsschalter gleichzeitig auch als Not-Aus verwendet werden und wird dazu mit den Farben Rot und Gelb gekennzeichnet. Ich hoffe, die Abbildung dient dem Verständnis. (Ke) Unterverteilung in einem Badezimmer Neulich unterhielt ich mich mit einem Elektrosicherheitsberater-Kollegen über eine Unterverteilung, welche in ei-

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nem Badezimmer montiert wurde. Ich bin der Meinung, dass diese Installation nicht empfehlenswert ist. Die Unterverteilung wurde mit einem Abstand von 3 Meter zur Bade- und Duscheinrichtung montiert und komplett durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt (auch die Zuleitung). Nun bin ich der Meinung, dass diese Installationsart gemäss den Normen zulässig ist. Mein Kollege ist sich jedoch sicher, dass eine Unterverteilung in einem Bade- und Duschraum nicht gestattet ist. In den Normen haben wir nichts gefunden, können Sie uns weiterhelfen? (R. R. per E-Mail)

Die NIN drückt sich hier im Kapitel 7.01 ganz klar aus. Um Bade- und Duscheinrichtungen sind die verschiedenen Zonen definiert. (siehe dazu auch Abbildung 9). Im 7.01.5.3 äussert sich die NIN über die Anordnung von Schalt-, Schutzund Steuergeräten. Daraus ist ersichtlich, dass in den Zonen 0, 1, 2 weder Überstromunterbrecher, Schütze, Fehlerstromschutzeinrichtungen etc. montiert werden dürfen. In diesen Zonen ist also der Einsatz einer Unterverteilung nicht erlaubt. Ausserhalb dieser Bereiche ist die Installation einer Unterverteilung zulässig, sofern sie durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt ist. (Na)

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen

Pius Nauer/David Keller

Fehlerstromschutzeinrichtung in der Sauna Bei uns stellt sich immer wieder die Frage, ob es in einer Saunaanlage eine Fehlerstromschutzeinrichtung braucht oder nicht. Gemäss dem Kapitel 7.03 aus der NIN muss keine Fehlerstromschutzeinrichtung installiert werden. Liest man jedoch im 4.7.2.3 nach, so fordert die Norm in feuchten und nassen Räumen solche Schutzmassnahmen. Gilt nun dieser Raum nicht auch als feucht oder nass? (M.S. per E-Mail)

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Beleuchtungsanlagen im Freien Wir planen als Bauherrin eine Wohnungsüberbauung. Der mit der Ausschreibung betraute Ingenieur hat für die Deckenleuchten auf den Balkonen solche mit IP-Schutzgrad 54 vorgesehen, welche sehr teuer sind. Im Weiteren sollen nach seiner Meinung alle Wegbeleuchtungen über FI geschützt werden. Nun bin ich der Ansicht, dass diese Anforderungen über das Ziel hinausschiessen. Kann ich als Kunde dem Planer widersprechen? (P.K. per E-Mail)

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Als Eigentümer haben Sie die Möglichkeit, über das Schutzniveau mitzubestimmen. Jedoch können Sie nicht die aus den Vorschriften und Normen geforderten Massnahmen mindern oder gar weglassen. Offensichtlich handelt es sich bei den beschriebenen Punkten um Beleuchtungen im Freien. Diesem Thema widmet sich die NIN 2005 als besondere Anlage im Kapitel 7.14. Schon im Anwendungsbereich wird erklärt, für welche Teile die beschriebenen Massnahmen anzuwenden sind. Dabei fällt auf, dass sich diese Forderungen nur für die Leuchten und das Zubehör ausserhalb von Gebäuden beziehen. Die Deckenleuchte im Balkon fällt also nicht unSeite 106 von 276

Schlusskontrolle durch akkreditiertes Unternehmen Durch unseren Elektro-Installationsbetrieb wird eine elektrische Anlage in einem Ex-Bereich ausgeführt. Nun bin ich der Meinung, dass die Schlusskontrolle durch eine akkreditierte Unternehmung durchgeführt werden müsste. Ein Kollege ist jedoch der Überzeugung, dass ein Elektro-Sicherheitsberater aus unserer Firma die Kontrolle erledigen darf. (A.K. per E-Mail)

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Sie sprechen ganz klar von der Schlusskontrolle einer elektrischen Installation. Die Niederspannungs-Installationsverordnung klärt diese Frage in Art. 24 unmissverständlich. Vor der Übergabe eines Werkes an den Eigentümer Elektrotechnik 3/08 | 69

Rubriken

In einer Sauna muss man sicherlich von einer feuchten, sogar von einer nassen Umgebung, mindestens während und nach dem Aufguss, ausgehen. Dies ist auch der Grund, dass die Betriebsmittel, welche in Saunaräumen angeordnet werden, mindestens der Schutzart IP 24 entsprechen müssen. Eine Fehlerstromschutzeinrichtung ist in Kapitel 7.03, wie Sie richtig festgestellt haben, nicht erwähnt. Die Forderung der NIN, in feuchten und nassen Räumen die Fehlerschutzeinrichtung einzusetzen, beschränkt sich ausschliesslich auf freizügig verwendbare Steckdosen. In Saunaräumen ist jedoch die Montage von Steckdosen unzulässig. Somit ist der Einsatz einer Fehlerstromschutzeinrichtung in einer Sauna

auch nicht zwingend, jedoch wenn immer anwendbar, absolut sinnvoll. (Na)

ter diese Bestimmungen. So müssen also die geeigneten Massnahmen aufgrund der äusseren Einflüsse, wie zum Teil im Kapitel 5.1.2.2 beschrieben, angewandt werden. Wie ist diese Leuchte z. B. dem Auftreten von Wasser (AD) ausgesetzt? Wahrscheinlich regnet es nicht unter die Decke. Möglich ist eher, dass die Luftfeuchte gelegentlich zu Tropfen kondensiert, also genügt ein IP-Schutz X1. Eine Massnahme, die immer wieder zu Verwirrungen führt, ist der FISchutz für Beleuchtungsanlagen im Freien. So merkt die NIN in 7.14.4.1.3 an, dass nicht eine einzelne Fehlerstromschutzeinrichtung verwendet werden sollte, da sonst bei einem einzigen Fehler die gesamte Anlage abgeschaltet würde. Die konkrete Forderung nach einer Fehlerstromschutzeinrichtung 30 mA bezieht sich aber nur auf «andere Einrichtungen mit integrierter Beleuchtung, wie Telefonzellen, Autobuswartehäuschen, Hinweistafeln, Stadtpläne, Verkehrszeichen». So gilt es für Sie abzuwägen, wie Sie den Personenschutz insgesamt für die Wegbeleuchtungen realisieren. (Ke) Education

Im vorliegenden NIN-Know-how finden Sie wiederum eine ganze Fülle von Fragen, welche sich in der Installationspraxis stellen. Zum Beispiel, ob in einer Sauna eine Fehlerstromschutzeinrichtung vorgesehen werden muss. In der Norm findet man nicht die Aussage, wo keine Fehlerstromschutzeinrichtung eingesetzt werden muss, sondern vielmehr an welchen Orten ein solcher Schutz notwendig ist. Dies verunsichert manch einen Leser und kann auch zu Unstimmigkeiten zwischen verschiedenen Parteien führen. Mit der richtigen Blickweise zu unseren aktuellen Normen lassen sich solche Fragen klären.

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Aufgaben der Kontrollorgane

Aufgaben des Installateurs

Aufgaben des Eigentümers

seriös durchgeführt wurden, so müssen sicher nicht alle Prüfungen nochmals erfolgen. Die Verantwortung dafür trägt aber natürlich diese Kontrollperson selber und es liegt in ihrem Ermessen, wie weit sie diese Kontrolle nochmals durchführt! Sobald die Anlagen tatsächlich mängelfrei sind, unterschreibt die kontrollberechtigte Person den Sicherheitsnachweis. Zudem können aber damit auch gleich Nachkontrollen über der Mängelbehebung durchgeführt werden. (Ke)

ESTI

Installationsanzeige an Netzbetreiberin Installationstätigkeit Baubegleitende Erstprüfung Schlusskontrolle Übergabe des Werkes mit allen Dokumenten wie Sina, M+P-Protokoll, Pläne, technische Unterlagen etc.

Eigentümer vergibt Auftrag für die Abnahmekontrolle (in der Praxis meist durch Installateur organisiert) Akkreditiertes Kontrollorgan

Zone 0, 1, 20, 21

unabhängiges Kontrollorgan

Zone 2, 22

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Sina

Sina Stichprobenkontrolle

Abbildung zu Frage 3 ist eine Schlusskontrolle durchzuführen und die Ergebnisse der Kontrolle sind in einem Sicherheitsnachweis festzuhalten. Die ausführende Person muss entweder fachkundig sein oder den Fachausweis Elektro-Kontrolleur/Chefmonteur besitzen (neu Elektro-Sicherheitsberater). Die NIV verlangt für die Schluss-kontrolle kein unabhängiges oder sogar akkreditiertes Kontrollorgan. Somit besteht die Möglichkeit, diese Schlusskontrolle betriebsintern durchzuführen und zu protokollieren. Die NIV lässt jedoch offen, auch die Schlusskontrolle durch eine externe Kontrollfirma durchführen zu lassen. Die Abnahmekontrolle muss nun jedoch durch ein unabhängiges Kont-rollorgan durchgeführt werden. Für die Zonen 2 und 20 genügt ein «normales» unabhängiges Kontrollorgan, die restlichen Zonen müssen durch eine akkreditierte Inspektionsstelle geprüft werden. Aus der Abbildung 3 ist der Verlauf der verschiedenen Kontrollen einer elektrischen Installation in explosionsgefährdeten Bereichen ersichtlich. (Na) Darf ein Sicherheitsnachweis stellvertretend unterzeichnet werden? Das Arbeitsverhältnis mit unserem Sicherheitsberater mussten wir aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig be-

4

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Verzicht auf Hausanschlusskasten In unserem Netzgebiet hat ein Elektroinstallateur die elektrische Installation eines Einfamilienhauses gemacht. Der Aussenzählerkasten wurde wie verlangt mit Zähler- und Empfängerplatz montiert. Der Platz für den Hausanschlusskasten fehlte. Stattdessen baute der Installateur im oberen Teil des Kastens normale Schmelzsicherungselemente (Diazed Grösse 2) ein, an welchen nun unsere Netzzuleitung daran angeschlossen werden sollte. Üblicherweise wird in unserem Netzgebiet immer ein separater Hausanschlusskasten montiert, was wir auch als richtig erachten. Was sagt dazu die Norm? (D.R. per E-Mail)

enden. Der Berater hat sehr viele Kontrollen durchgeführt, die mit einem Kontrollbericht behaftet wurden. Jetzt melden die beauftragten Installateure mit einer unterzeichneten Ausführungsbestätigung, dass die Mängel behoben sind und somit die SiNa ausgestellt werden können. Darf ich als Geschäftsführer (ohne Installationsbewilligung) diese Sicherheitsnachweise jetzt mit «i.V.» unterzeichnen? (P.S. per E-Mail) Nach Artikel 37 NIV muss der Sicherheitsnachweis immer von der Person unterzeichnet werden, welche die Kontrolle durchgeführt hat, und zusätzlich vom Inhaber der Kontrollbzw. Installationsbewilligung. Wenn nun also diese Person, welche kontrolliert hat, nicht mehr in der Lage ist, diese Unterschrift zu leisten, so muss wohl oder übel eine andere kontrollberechtigte Person diese Kontrolle nochmals durchführen. Die Bezeichnungen «i. V», oder «i. A.» oder «ppa» sind Abkürzungen für die Unterschriftsberechtigungen nach OR und sind nicht für Angelegenheiten nach NIV anwendbar. Die Person, welche nun diese periodische Kontrolle (nochmals) durchführt, kann aber durchaus pragmatisch handeln. Wenn aufgrund der vorhandenen Prüfberichte plausibel und nachvollziehbar ist, dass die Kontrollen umfassend und Seite 107 von 276

Die NIN verweist in diesem Falle ganz klar auf die entsprechenden Werkvorschriften. In NIN 1.0.2.1 ist nämlich zu lesen, dass die Netzbetreiberin die NIN durch weitere Vorschriften ergänzen darf, sofern solche Vorschriften wegen der Energietarife oder der Betriebssicherheit, des Unterhalts und der Bedienung der eigenen Anlage nötig ist. Konsultiert man dann einige dieser Werkvorschriften, so findet man klar den Hinweis, dass die Netzbetreiberin die Art und Ort des Hausanschlusses, der Einführungsstelle sowie des Anschlussüberstromunterbrechers bestimmt. Ebenfalls kann die Netzbetreiberin den Einbau der Anschlussüberstromunterbrecher direkt in grosse Schaltgerätekombinationen gestatten. Sie sehen also, in kleineren Anlagen werden gemäss den Vorschriften der Netzbetreiberin in der Regel die Anschlussüberstromunterbrecher in Hausanschlusskasten montiert. Bei grösseren Anlagen gestatten sie den direkten Einbau in Verteilungen, wobei dann ganz klar den


Art des Leiters

Anforderungen

Blanke Leiter oder einadrige Leiter mit Basisisolierung, z. B. nach IEC 60227-3.

Gegenseitige Berührung oder Berührung mit leitfähigen Teilen muss verhindert sein, z. B. durch die Verwendung von Abstandhaltern.

Einadrige Leiter mit Basisisolierung und einer zulässigen Betriebstemperatur des Leiters von mindestens 90 °C, z. B. nach IEC 60245-3, oder wärmebeständige PVC-isolierte Leiter nach IEC 60227-3.

Gegenseitige Berührung oder Berührung mit leitfähigen Teilen ist ohne äussere Druckeinwirkung zulässig. Berührung mit scharfen Kanten ist zu verhindern. Es darf keine Gefahr der mechanischen Beschädigung bestehen. Diese Leiter dürfen nur so belastet werden, dass eine Temperatur von 80 % der zulässigen Betriebstemperatur des Leiters nicht überschritten wird.

Leiter mit Basisisolierung, z. B. nach IEC 60227-3, die eine zusätzliche zweite Isolierung haben, z. B. einzeln mit Isolierschlauch überzogen oder einzeln in Kunststoffrohren verlegt.

Keine zusätzlichen Anforderungen, wenn keine Gefahr einer mechanischen Beschädigung besteht.

Abbildung B zu Frage 6 Steuerleitung ohne Kurzschlussschutzeinrichtung: • Maximale Länge 3 m • Verstärkt oder doppelt isoliert Bei diesem Beispiel fehlt den Steuerleitern die doppelte oder verstärkte Isolierung.

Leiter, die mit einem Werkstoff von sehr hoher mechanischer Festigkeit isoliert sind, z. B. Ethylentetrafluorethylen- (ETFE-) Isolierung, oder doppelt isolierte Leiter mit einem verstärkten Aussenmantel, bemessen für die Verwendung bis 3 kV, z. B. nach IEC 60502. Ein- oder mehradrige Kabel/Mantelleitungen, z. B. nach IEC 60245-4 oder IEC 60227-4. ANMERKUNG: Blanke und isolierte Leiter, verlegt nach den Angaben dieser Tabelle und mit einer Kurzschlussschutzeinrichtung auf der Lastseite, dürfen höchstens 3 m lang sein.

Tabelle A zu Frage 6

Weisungen der Netzbetreiberin Folge zu leisten ist. (Na) Kurzschlusssichere Verlegung in Schaltgerätekombination Für eine grössere Anlage mit einem Bemessungsstrom von 400Ampere bauen wir eine Wandlermessung ein. Die Eingangsverdrahtung für die Spannungssicherung erfolgt jetzt direkt ab der Sammelschiene. Diese Leitung muss kurzschlusssicher verlegt werden. Ich habe da schon jene Telefone geführt und von jedem bekam ich eigentlich eine andere Antwort, wie diese Verlegeart zu erstellen ist. Auch vonseiten angehender Automatiker-Meister hörte ich, dass diese Norm nirgends genau beschrieben ist. Das kann ich einfach nicht glauben und nehme ich nicht so hin. (R.E. per E-Mail)

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Zur Beantwortung dieser Frage muss man die EN 60439-1 zitieren. Unter 7.5.5.3 «Auswahl und Verlegung von nicht geschützten aktiven Leitern, um die Möglichkeit von Kurzschlüssen zu reduzieren» steht geschrieben, dass aktive Leiter in einer Schaltgerätekombination, die nicht durch Schutzeinrichtungen zum Schutz bei Kurzschluss geschützt sind, in ihrem gesamten Verlauf in der Schaltgerätekombination so ausgewählt und verlegt sein müssen, dass unter bestimmungsgemässen Betriebsbedingungen zwischen den Aussenleitern oder zwischen Aussenleiter und Erde kein

Kurzschluss zu erwarten ist. Beispiele für die Leiterarten und die Anforderungen an die Verlegung sind in Tabelle 6A gegeben. Ein Beispiel dazu ersehen Sie aus Abbildung 6B: Am Anlageschalter (400 A) ist die Zuleitung zur Steuersicherung angeschlossen. Aufschriften auf einem Wohnungsverteiler Kürzlich führten wir als unabhängiges Kontrollorgan für eine Elektrounternehmung eine Schlusskontrolle in einem Mehrfamilienhaus durch. Uns fielen die fehlenden Typenschilder an den Schaltgerätekombinationen auf und beanstandeten diese. Darauf meldete sich der Installateur und meinte, dass auf die Aufschrift verzichtet werden kann, wenn die Angaben in den Dokumenten des Herstellers ersichtlich sind. Gelten diese Zertifikate für alle Arten von Wohnungsverteilern des Herstellers, inklusive der Einbauten und Verdrahtungen, welche durch den Installateur gemacht wurden? (P.R. per E-Mail)

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Grundsätzlich gelten für den Bau von Schaltgerätekombinationen die EN 60439. Daraus sind alle Details für Kleinverteilern bis zu grossen Schaltgerätekombinationen ersichtlich. Die NIN fasst im Kapitel 5.3 die wesentlichen Grundsätze und Forderungen der EN so zusammen, dass damit problemlos Verteilungen für Wohnungsbauten realisiert und kontrolliert werSeite 108 von 276

den können. Im 5.3.9.5.1 steht geschrieben, dass jede Schaltgerätekombination eine oder mehrere Aufschriften aufweisen muss, welche bei angeschlossener Schaltgerätekombination lesbar sind. Diese Aufschrift darf selbstverständlich hinter einer Türe oder sogar eines Deckels angeordnet werden. Angaben, welche in der Abbildung 7 gelb markiert sind, müssen zwingend als Aufschrift auf der Schaltgerätekombination angebracht werden. Die restlichen, in der Abbildung blau hinterlegt, können als Aufschriften angebracht werden oder es genügt auch, wenn diese Angaben aus den technischen Dokumenten hervorgehen. Wer ist nun der Hersteller, wenn wir als Elektrounternehmer ein Lehrgehäuse bestellen und dieses selber bestücken und verdrahten? Auch hier drückt sich die NIN präzise aus. Als Hersteller gilt, wer die Verantwortung der betriebsfertigen Schaltgerätekombination übernimmt. Wird also durch eine Elektrofirma ein Installationsverteiler zusammengebaut, ist er als Hersteller zu bezeichnen und auf dem Datenschild zu vermerken. (Na)

Baujahr: 2007

Elektro- Blitz AG EFH Müller, Waldstrasse 139, Auftrag 12345 Bemessungs-Spannung

Stromart/ Frequenz

Schutzart

400/230V

50Hz

IP 30

IN

Berührungsschutz max.25A

Instruierte Personen

Bemessungs-Strom

25A System

TN-S

Nicht instruierte Personen

Abbildung zu Frage 7 Elektrotechnik 3/08 | 71


Ganzes Badzimmer über Fehlerstromschutzeinrichtung IΔN30mA Zone 1

Zone 2

In diesem Bereich, sind grundsätzlich nur Steckdosen mit Schutzkragen zugelassen!

Ausnahmsweise zugelassen

Zone 0

Sidos 10 mA

0,6m

2,4m

Abbildung zu Frage 9 Fehlender Anlageschalter Bei einer Schlusskontrolle stellte ich fest, dass die Garagentorsteuerung mit einem Anschlusskabel und Stecker Typ 12 direkt an einer Steckdose angeschlossen wurde. Meines Erachtens fehlt hier ein Anlageschalter. (S. K. per E-Mail) Wie schon in der letzten Ausgabe beschrieben, gilt ein Garagentor grundsätzlich als Maschine und deshalb ist die EN 60204 sicher anzuwenden. Darüber hinaus hat die SUVA in der EKASRichtlinie1 Nr. 1511 «Türen, Tore und Fenster» sehr übersichtlich alle Forderungen zusammengestellt. Für ein Garagentor braucht es auf jeden Fall, wie für jede Maschine, einen abschliessbaren Anlageschalter. Bis maximal 16 Ampere Bemessungsstrom kann auch eine Steckvorrichtung dafür verwendet werden. Im Weiteren braucht es auch hier eine Sicherheitsschaltvorrichtung für Instandhaltungsarbeiten. Wenn vom Standort des Anlageschalters aus die gesamte Anlage überblickt werden kann (was gerade bei Garagentoren meist der Fall ist), so kann ausnahmsweise auch dieser Anlageschalter zu diesem Zweck verwendet werden. Die Forderung nach Abschliessbarkeit, Zugänglichkeit etc. ist aber auf jeden Fall immer einzuhalten. Nun stellt sich noch die Frage nach der Notschalteinrichtung. Wenn das Garagentor im nor-

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malen Betrieb eine Gefahr wie Quetschen, Abscheren etc. für Personen mit sich bringt, so ist eine Notschalteinrichtung nötig. Auf diesen Notschalter kann nur verzichtet werden, wenn es sich um eine Tippschalteinrichtung handelt und sich der Sicherheitsschalter unmittelbar bei den Befehlsgebern befindet. Gemäss OR Art. 58 haftet der Eigentümer eines Gebäudes für den Schaden, den dieses infolge fehlerhafter Anlage verursacht. Es ist deshalb sinnvoll, die Konformitätserklärung sicher aufzubewahren. (1Infos, siehe www.ekas.ch) (Ke) Steckdose T12 in Badzimmer Bei uns im Betrieb stellt sich öfters die Frage, ob in Badzimmern die Steckdosentypen T12 weiterhin zugelassen sind oder nicht. Gemäss den NIN 7.01.5.3 ist für eine Distanz von 2,4m ab Zone 2 die Forderung, dass nur Steckdosen mit Schutzkragen montiert werden. Können Sie mir die Sachlage klären. (P.R. per E-Mail)

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Grundsätzlich ist es sicher nicht sinnvoll, in einem Badzimmer eine T12 zu montieren. Steckdosen mit Schutzkragen bieten einen erheblich besseren Berührungsschutz. In Zone 0, 1, 2 sind gar keine Steckdosen zugelassen. In einem Bereich von 2,4 m ab der Zone 2 gemessen, also 3 m ab Wannenrand ist Seite 109 von 276

gemäss NIN ganz klar eine Steckdose mit Schutzkragen gefordert. Natürlich muss diese wie die gesamte Installation mit einer Fehlerstromschutzeinrichtung von max. 30 mA Auslösenennstrom geschützt sein. In einer Distanz von 3 m und weiter ab Wannenrand sind sogar Steckdosenmodelle ohne Schutzkragen zulässig. Siehe dazu auch Abbildung 9. Ausnahmsweise lässt die NIN jedoch auch in diesem Bereich, 2,4 m ab Zone 2, eine Steckdose ohne Schutzkragen zu. In diesem Fall muss aber zwingend eine Fehlerstromschutzeinrichtung mit max. 10 mA Auslösenennstrom eingesetzt werden. Was ist gemäss Norm eine solche Ausnahme? Für neue Installationen ist der Einsatz von Steckdosen ohne Schutzkragen sicherlich nicht sinnvoll. Bei Änderungen, z. B. einem Austausch eines Spiegelschrankes, ist es verhältnismässig, wenigstens die eingebaute Steckdose durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung zu schützen. In diesem Fall, wenn ein Einbau dieses Schutzorgans in die Schaltgerätekombination nur erschwert oder nicht möglich ist, bietet sich eine Sidos-Steckdose geradezu an. (Na) ET 09 Mailen auch Sie Ihre Fragen rund um NIN 2005 an: pius.nauer@elektrotechnik.ch david.keller@elektrotechnik.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

Die bekannten fünf Sicherheitsregeln beginnen unter Punkt 1 mit «Abschalten». Die naheliegendste Schutzmassnahme überhaupt! Ob es sich dabei um Gefahren des elektrischen Schlages handelt oder aber um mechanische Gefahren wie Quetschen, Einklemmen, Abscheren etc., immer sieht der Gesetzgeber mit den Verordnungen zum Unfallversicherungsgesetz oder auch der Starkstromverordnung die Ausschaltung einer Gefahr als grundsätzliche Schutzmassnahme an. Nur braucht es dazu eben Vorrichtungen, die das Abschalten ermöglichen. In dieser Ausgabe widmen wir uns unter anderem diesem Thema mit Fragen zu Sicherheits- und Anlageschaltern.

Pius Nauer/David Keller

Kleiner Kurzschlussstrom hinter Dimmer Ein unabhängiges Kontrollorgan hat eine periodische Kontrolle durchgeführt und bei einer Deckenlampenstelle einen schlechten Schutzleiter gemessen und dies auch beanstandet. Mein Monteur hat nun zur Mängelbehebung zuerst eine Schleifenmessung gemacht und dabei ebenfalls einen sehr schlechten Wert von 40A bekommen (siehe Abbildung 1A). Bei der Steckdose, welche abgeschlauft hinter der Lampenstelle liegt, hat er über 190A Kurzschlussstrom gemessen. Meiner Meinung nach müsste der Schutzleiter also gut sein. Als zweite Kontrolle hat mein

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Monteur den Lichtregler überbrückt und eine zweite Messung an der Lampenstelle gemacht. Diese Messung ergab einen Wert, welcher auf einen guten Schutzleiter hinweist. Darauf hin hat er den Lichtregler ersetzt und einen etwas besseren Wert erreicht, aber nicht einen genügend guten Wert um den Normen zu entsprechen. Wo könnte das Problem liegen, respektive kann es durch den Lichtregler falsche Werte am Messgerät anzeigen? Sind die Schutzmassnahmen in dieser Installation erfüllt? (A.I. per E-mail) Um die Schutzmassnahmen an der Lampe zu erfüllen, muss der Stromkreis im Fehlerfall innert 5s abgeschalten werden. Den Wert, welchen ihr Monteur und der zuständige Sicher-

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heitsberater gemessen haben, scheint auf den ersten Blick nicht zu genügen. Was ist passiert? Die Schleifenmessung funktioniert bekanntlich mit einer Belastung des Stromkreises. Dazu wird die Spannung im unbelasteten, wie auch im belasteten Netz gemessen und die Spannungsdifferenz ermittelt. Aus dem Belastungsstrom und der Spannungsdifferenz berechnet das Messgerät den Schleifenwiderstand. Nach einem elektronischen Dimmer ist je nach Dimmerstellung kein Sinus der Spannung mehr vorhanden. Dies kann je nach Messgerät zu erheblichen Messabweichungen führen. Der Innenwiderstand des Dimmers senkt ausserdem den Kurzschlussstrom erheblich. Die durchgeführte Messung lässt also die Beurteilung der Schutzleiterqualität offen. Überprüfen Sie den Schutzleiter mittels einer Schutzleiterprüfung, zum Beispiel mit der Taschenlampe oder einer Niederohmmessung ihres Schutzmassnahmenmessgerätes. Als Referenz sollte eine bereits geprüfte Steckdose dienen (siehe Abbildung 1B). Wie sind nun die Schutzmassnahmen erfüllt, wenn der Kurzschlussstrom an der Lampe so klein ist? Die Abschaltung übernimmt in diesem Fall

Abbildungen zu Frage 1

Education

NIN-Know-how Leserfragen

Rubriken

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1B Seite 110 von 276

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Sicherheitsschütz

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M 3~ Antrieb

Sicherheitschalter

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M 3~ Antrieb

Sicherheitschalter

Abbildungen zu Frage 2 nicht der vorgeschaltete Leitungsschutzschalter, sondern das im Dimmer eingebaute Überstromschutzorgan. Bei konventionellen Modellen wird dies meistens durch Kleinleistungsüberstromunterbrecher gewährleistet. Weil diese mit kleinen Nennströmen eingesetzt werden, genügen bereits kleine Kurzschlussströme zu dessen Abschaltung. Bei elektronischen Dimmern ist eine elektronische Sicherung in Form eines thermischen Schutzes eingebaut. Bei einem Kurzschluss schaltet diese Schutzeinrichtung bereits bei einem kleinen Fehlerstrom den Stromkreis ab. (Na) 72 | Elektrotechnik 4/08

Sicherheitsschalter im Steuerstromkreis Für eine Kältemaschine sind mehrere Kompressoren installiert worden. Unser Sicherheitsberater verlangt nun, dass für jeden dieser Kompressoren ein separater Revisionsschalter im Hauptstrom vorgeschaltet werden muss. Die Maschinen laufen Stern-Dreieck an und wir müssen je eine Zuleitung von 16mm2 bringen. Wir finden kaum Platz für die Montage so grosser Revisionsschalter. Nun meine Frage: Können wir diese nicht auch auf einen Hauptschütz einwirken lassen und nur den Steuerstrom mit dem Wartungsschalter betätigen? (P.K. per E-Mail)

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Ihr Sicherheitsberater hat da schon Recht. Die schweizerische Verordnung über die Unfallverhütung (VUV, SR 832.30) verlangt in Artikel 30, dass auch einzelne Funktionseinheiten abschaltbar sein müssen. Die direkte Abschaltung, also mittels allpoligem Sicherheitsschalter, stellt dabei die sicherste Möglichkeit dar. In der NIN findet man unter 4.6.3.2.1 die Möglichkeit, den Sicherheitsschalter im Steuerstromkreis anzubringen. Dabei muss die Abschaltung des Hauptstromkreises durch eine Meldeleuchte angezeigt werden. Nun genügen diese Angaben aus den NIN tatsächlich nicht, um alles richtig zu machen. Grundsätzlich gilt für die elektrische Ausrüstung von Maschinen die EN 60204-1. Ergänzt wird das Ganze noch durch die SEV-Norm 1122. Die SUVA hat dazu eine Broschüre (CE93-9.d) verfasst, die klar und übersichtlich die Zusammenhänge und nötigen Massnahmen beschreibt. (Gratisdownload: www.suva.ch/waswo/ce93-9.d) Einige Aspekte zur Sicherheit dazu seien hier noch erläutert. Die Meldeleuchte darf erst leuchten, wenn das Hauptschütz sicher abgefallen ist und der Sicherheitsschalter betätigt ist. Was nun, wenn die Steuerleitung eingeklemmt und so gequetscht wird, dass zwei Funktionsleiter gemeinsam einen Erdschluss verursachen? Das könnte trotz ausgeschaltetem Sicherheitsschalter zum Anziehen des Schützes führen und damit natürlich gefährlich werden. Bis anhin genügte eigentlich die Massnahme, dass ein Steuerleiter betriebsmässig geerdet wurde. So führte ein Isolationsdefekt auf dem Steuerleiter zusammen mit einem Überstromschutzorgan zur automatischen Abschaltung des Stromkreises (Beispiel siehe Abbildung 2A). Wenn nun aber Betriebsmittel isoliert oder, wie heute erwartet werden darf, sogar schutzisoliert sind, so nützt die Erdung nicht mehr sehr viel. Deshalb wurden die Normen so angepasst, dass Massnahmen getroffen werden müssen, um diese Gefahr abwenden zu können. Eine dieser Möglichkeiten zur Umsetzung sehen Sie in Abbildung 2B. Zuletzt verweise ich auch noch auf ein SEV-Info (Nr. 3038) aus dem Jahre 1999. Darin wird beschrieben, dass die für die indirekte Abschaltung benötigten Schütze als Sicherheitsschütze auszuführen sind. Das bedeutet, dass diese nicht mechanisch betätigt


werden können, als solche mittels Beschriftung erkennbar gemacht werden, und die Hilfskontakte zu den Schaltkontakten zwangsgeführt sind. (Ke) Steckdosen 3xT12 dreiphasig angeschlossen In einem Büro haben wir den Auftrag erhalten, 5 Steckdosen des Typs 3xT12 zu installieren. Die bereits vorhandene Installation und auch die Steckdosenanschlüsse sind dreiphasig ausgeführt. Mir ist nun aufgefallen, dass diese getrennten Steckdosen nur mit einer Prüfspannung von 230V geprüft worden sind. Ist ein solcher Anschluss, welcher somit 3 x 400 V entspricht, überhaupt zulässig? (A.N. per E-mail)

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Mit dem Verkauf solcher Dreifachsteckdosen, welche mit allen drei Polleitern getrennt angeschlossen werden können, hat sich wirklich ein neues Problem aufgetan. Im SEV info 3036 vom August 1998 wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Steckdosen nicht aus mehr als einem Polleiter gespiesen werden dürfen. Einerseits entspricht die Spannungsprüfung lediglich 250V und ausserdem wird bei der Erwärmungsprüfung jede einzelne Steckdose mit dem Gesamtprüfstrom geteilt durch die Anzahl Einzelsteckdosen geprüft. So kann bei einem dreipoligen Anschluss ein wesentlich höherer Belastungsstrom fliessen, als derjenige, mit welchem die Steckdose geprüft wurde. Mit dem vermehrten Einsatz von elektronischen Verbrauchern sind ausserdem die Belastungen im Neutralleiter sehr stark angestiegen. Häufig kann man in Büros, in welchen die Netzsteckdosen 230V auf dreipolige Gruppen aufgeteilt sind, einen Neutralleiterstrom messen, welcher einiges höher ist, als der einzelne Polleiterstrom. Dies belastet nicht nur die Leitung, sondern natürlich auch die Steckkontakte von Steckdosen. Mit einpoligen Gruppen hat man zum Beispiel dieses Problem im Griff, kann doch so der Neutralleiterstrom nie höher als der Polleiterstrom sein. (Na) Berechnung des Kurzschlussstromes Wir haben in unserer Firma ein neues Messgerät angeschafft, mit welchem wir alle nötigen Messungen für eine Schlusskontrolle der Elektroinstallation durchführen können. Da dieses

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Messgerät einiges mehr kann, als unser altes, habe ich mich intensiv mit der Gebrauchsanweisung auseinandergesetzt. Nun habe ich dabei gelesen, dass bei der Schleifenstrommessung die Spannung auf Nennspannungen wie 220 V oder 230V, oder auf effektiv anstehende Netzspannung eingestellt werden kann. Ich nehme an, dass die effektive Netzspannung mir den genauesten Wert ergibt? (M. D. aus E. per E-Mai) Die Installationstester ermitteln eigentlich die Netzimpedanz, oder den Netzinnenwiderstand. Dabei messen sie den Spannungsfall während eines definierten Stromes und errechnen so die Netzimpedanz. Um den Personenschutz zu überprüfen benötigen wir aber die Angabe des im Fehlerfall fliessenden Stromes, um damit die Ausschaltzeit des vorgeschalteten Überstromschutzorganes zu eruieren. Also übernehmen die Installationstester auch noch die «Taschenrechnerfunktion» und berechnen für uns den mutmasslichen Strom. Jetzt kommt aber die Frage, mit welcher Spannung gerechnet werden soll. Dazu können verschiedene Normen zitiert werden. Einerseits sind das die Euronormen (EN) 60364-4-41 (Schutz gegen elektrischen Schlag) und dann natürlich die EN 61557-3 (Anforderungen an die Messgeräte). In diesen Normen werden alle Angaben auf die Nennspannungen U0 bezogen. So sind also Messgeräte, welche für die Berechnung des Kurzschlusses, oder Fehlerstromes mit der voreingestellten Netzspannung von z.B. 230V rechnen, absolut normenkonform. Gerade bei der Messung von Schleifenimpedanzen besteht aber eine Vielzahl von möglichen Fehlerquellen. Wenn Sie nun die Verhältnisse an einem bestimmten Ort genau kennen, z.B. wissen Sie um eine konstant von der Nennspannung abweichende, effektive Netzspannung, so erzielen Sie sicher ein genaueres Messergebnis, wenn Ihr Gerät mit dieser effektiven Spannung rechnet. Anders verhält es sich, wenn die Spannung auf Grund von ändernder Belastung schwankt. So ist also einmal mehr Fachkompetenz nötig, um jeweils die richtige Methode anzuwenden. (Ke) Erdungsleitung bei bestehender Anlage Bei einer unabhängigen Kontrolle eines alten Wohnhauses stellte ich das

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Fehlen der Erdungsleitung fest. Das Gebäude und die Installation wurden ca. 1950 erbaut. Sämtliche Schutzmassnahmen sind in diesem Gebäude ansonsten eingehalten. Für einige Stromkreise wurden bereits Fehlerstromschutzeinrichtungen eingebaut, welche ich kontrolliert habe und auch absolut in Ordnung sind. Bei den restlichen Stromkreisen sind die geforderten Abschaltzeiten eingehalten. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den fehlenden Erdungsleiter beanstanden soll. Was sagt die Norm dazu? (T.M. per E-mail) Der Erdungsleiter hilft mit, die Schutzmassnahmen in einer Installation zu erfüllen. In Neuanlagen ist ganz klar, dass der zum Schutz dienende Leiter beim Übergang vom Netz zur Installation geerdet werden muss. Ausserdem muss in jeder Neuanlage ein Erder verlegt werden, vorzugsweise ein Fundamenterder. In älteren bestehenden Installationen fehlen zum Teil die Erdungsleiter, aber auch die Erder. Zudem wurden früher meistens die metallenen Wasserleitungen als Erder benutzt, welche heutzutage an vielen Orten durch Kunststoffleitungen ersetzt werden. Wie verhält es sich nun hier in bestehenden Installationen? In Artikel 58 der Starkstromverordnung ist zu lesen, dass auf die Erdungsleitung in bestehenden Anlagen verzichtet werden kann, sofern die Schutzmassnahmen in der Installation erfüllt sind. Die NIN klärt dies in 4.1.3.1.3.1 B+E wie folgt: In bestehenden Anlagen muss die Erdungsleitung immer dann erfolgen, wenn ein geeigneter Erder vorhanden ist. Die Bestimmungen des Personenschutzes müssen jedoch in jedem Fall erfüllt sein. In der Praxis ist es jedoch sicherlich verhältnismässig und auch sinnvoll, wenn man bei einer Auswechslung einer Wasserleitung einen zusätzlichen Banderder in den bereits offenen Graben verlegt. Dadurch helfen wir mit, die Fehlerspannung zu senken und den Kurzschlussstrom eventuell anzuheben. Fehlt jedoch ein geeigneter Erder, so kann man darauf verzichten, wenn in der gesamten Installation die Schutzmassnahmen eingehalten sind. (Na) Anlageschalter auch in Haushaltküchen? Immer wieder kommt die Frage, wie es bezüglich Abschaltbarkeit bei Küchen-

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Publikationstext Fachzeitschrift aus SIMAP

Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern

Externe Unterstützung im Bereich Elektro Klassifikation Dienstleistungsauftrag, offenes Verfahren Sprache des Verfahrens Deutsch

1. Vergabestelle

Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion, Amt für Grundstücke und Gebäude, Reiterstrasse 11, 3011 Bern Verantwortlicher für die Ausschreibung Bruno Rankwiler, 031 633 34 40, bruno.rankwiler@bve.be.ch

2. Beschaffungsobjekt Kurzbeschrieb der zu beschaffenden Dienstleistungen BKP 293 Elektroingenieur Das Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern (AGG) sucht für die Unterstützung im Bereich Elektro, inkl. MSRL, zwei externe Firmen. Die Leistung umfasst das projektspezifische Fachcontrolling, das Erstellen von Vorgaben im Fachbereich und die Beratung der Projektleitenden des AGG. Ausführungsort Kanton Bern Ausführungstermin Start: 1. Juli 2008. Vertragsdauer: 6 Jahre mit Option auf Verlängerung Teilangebote Nicht zulässig

3. Bedingungen Generelle Teilnahmebedingungen Dem Angebot ist die ausgefüllte Selbstdeklaration samt Nachweisen beizulegen. Die Ausschreibungsunterlagen müssen vollständig ausgefüllt, datiert und unterzeichnet werden. Eignungskriterien Fähigkeit (Qualifikation und Erfahrung der Unternehmung und des Personals) Kapazität (personelle Verfügbarkeiten und Kapazitäten) Referenzen (ähnlich komplexe Aufgaben) Zuschlagskriterien Auftragsanalyse: 30 % Preis: 20 % Fachkompetenz/Verfügbarkeit der Schlüsselperson: 50 % Bezugsquelle für Ausschreibungsunterlagen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion, Amt für Grundstücke und Gebäude, Reiterstrasse 11, 3011 Bern Bedingungen zum Bezug der Ausschreibungsunterlagen Einsenden eines adressierten Rückantwortcouverts C4 mit Angabe von Objekt und BKP-Nummer. Erwünscht bis 05.05.2008. Die Ausschreibungsunterlagen sind verfügbar ab 07.05.2008 Adresse für die Einreichung der Offerte Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion, Amt für Grundstücke und Gebäude, Reiterstrasse 11, 3011 Bern Frist für die Abgabe der Offerte 28.05.2008 Die vollständige Offerte muss innerhalb der Eingabefrist bei der Einreichungsstelle eintreffen oder der Schweizerischen Post übergeben werden. Sie muss schriftlich in verschlossenem Couvert/Paket vorliegen. Auf dem Couvert/Paket müssen Objekt und BKP-Nummer angegeben sein. Sprache der Ausschreibungsunterlagen Deutsch Akzeptierte Sprache für Offerte und Ausführung Deutsch

4. Rechtsmittelbelehrung

Diese Ausschreibung kann innert 10 Tagen seit der Publikation im Amts-blatt des Kantons Bern bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion, Reiterstrasse 11, 3011 Bern, angefochten werden. Eine allfällige Beschwerde muss einen Antrag, die Angabe von Tatsachen und Beweismitteln und eine Begründung enthalten sowie rechtsgültig unterzeichnet sein. Greifbare Beweismittel sind beizulegen. Hinweis: Der vollständige Text der Ausschreibung ist ab 23.04.2008 unter www.simap.ch publiziert. Giorgio Macchi, Kantonsbaumeister

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Abbildung zu Frage 6 apparaten wie Kochherd, Backofen und Waschautomaten aussieht. Zum Teil sind diese Geräte auch fest angeschlossen und haben daher keine Trenn,- oder Schaltvorrichtung vor Ort. Auch können diese Verbraucher nicht alle gleichzeitig getrennt werden – wo ist denn dort eigentlich der Schalter? Dabei scheint es sich um eine Grauzone zu handeln, wie sieht denn das eigentlich dort aus? Alltägliche Fehler nach dem Motto «man macht das halt so»? (R.E. per E-Mail) Die von Ihnen beschriebenen Geräte fallen unter Erzeugnisse nach NEV. Zu den anerkannten Regeln der Technik gehören die EN 60335. «Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke». Nach der Grundnorm müssen alle Geräte allpolig abgeschaltet werden können. Wenn das Gerät selber nicht über einen solchen Schalter, eine Steckvorrichtung, oder ein Anschlusskabel mit Steckvorrichtung verfügt, so muss in einem Anweisungsblatt/Instruktionsblatt auf die Notwendigkeit einer solchen Schaltvorrichtung in der festen Zuleitung hingewiesen werden. Das bedeutet, dass der Elektroinstallateur – wie immer – zuerst die Anweisungsblätter genau studiert und die geforderten Massnahmen dann auch umsetzt. Wenn also ein Schalter verlangt wird, so muss dieser auch installiert werden. Diese Forderung hat gerade in Haushaltküchen zu schwierigen Situationen geführt. Das eidgenössische Starkstrominspektorat hat im November 2000 entschieden (SEV-Info 3039a vom März 2001), dass bei Haushaltanforderungen (3x400V oder 1x400V) auch 1polige Leitungsschutzschalter sowie Schmelzsicherungen als Trennvorrichtungen im Sinne von EN 60 335 zugelassen sind, sofern der Benutzer dieser Geräte freien, ungehinderten Zugang zu (Ke) ET 09 diesen Trennvorrichtungen hat. Mailen auch Sie Ihre Fragen rund um NIN 2005 an: pius.nauer@elektrotechnik.ch david.keller@elektrotechnik.ch


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen

Pius Nauer/David Keller

Unterverteilung in Wandkasten im Bad eingebaut Bei einer neuen Überbauung wird im Badezimmer/Duschbereich ein Steigzonenschrank installiert, siehe dazu die Abbildung 1. Aus dieser Abbildung sind auch die Zonen ersichtlich, wie sie in der NIN definiert sind. Laut Angaben des zuständigen Kontrolleurs muss die Zuleitung zum Wohnungsverteiler in der Hauptverteilung durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt sein. Nach meinen Auslegungen der Vorschriften trifft dies jedoch nicht zu, da die Steigzone und die Unterverteilung in einem Wandschrank montiert sind. Ebenfalls befindet sich im geschlossenen Verteiler ein Abteil für Multimedia, in welchem für das NT und den Router eine Steckdose eingebaut wird. Muss diese Steckdose ebenfalls durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt sein? Auch dann, wenn sie eigentlich hinter einem «doppelten Verschluss» liegt? (A.M. per E-Mail)

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nung kann die Zugänglichkeit der Betriebsmittel eingeschränkt werden. Im Störungsfall kann dies zu unerwünschten Folgen kommen. Nun zu ihrer Frage, ob die Zuleitung durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt werden muss. In NIN 7.01.4.7.2.1 wird für Räume mit Bade- und Duscheinrichtungen ganz klar eine Fehlerstromschutzeinrichtung (ⱕ30mA) für sämtliche Licht- und Steckdosenstromkreise sowie für festangeschlossene Energieverbraucher gefordert. Des Weiteren verlangt die NIN die Fehlerstromschutzeinrichtung auch für sämtliche Leitungen, welche nicht mehr als 6cm unter Putz liegen. Gehört nun der

Wandschrank zum Badzimmer oder ist dieser als separater Raum zu betrachten? In Artikel 7.01.3.3.1 beschreibt die NIN ganz klar, wie ein Raum mit Badewanne oder Dusche begrenzt wird. Dazu gehören Decken, Dachschrägen, Wände, Fenster, Raumtüren, Fussböden und fest angebrachte Abtrennungen. Schranktüren, Duschvorhänge und dergleichen begrenzen dementsprechend keine Bade- oder Duschräume. Somit ist dieser Wandschrank zum Badzimmer zu zählen und die Zuleitung durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung zu schützen, sofern die Leitungen nicht beidseitig 6cm Unterputz liegen. Auch die Steckdose, welche für das NT und den Router vorgesehen wird, ist somit im Badzimmer platziert und ist durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung (ⱕ30mA) zu schützen. (Na) Einbau einer 230-V-Steckdose in die Sonnerieplatte Bei einer periodischen Kontrolle habe ich folgende Situation angetroffen: In der Türsprechstelle mit Sonneriedrückern hat jemand (offensichtlich ein Laie) nachträglich eine Steckdose Typ 13

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Abbildung zu Frage 1

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Bereich 1 Bereich 2

Dusche/WC

Education

Die Norm lässt oft auch Installationstechniken zu, welche in der Praxis kaum sinnvoll sind oder uns als nicht sinnvoll erscheinen. Bewegt man sich während den Installationsarbeiten in solchen «Grauzonen der Norm», so zieht das oft langwierige, nervenaufreibende und zeitraubende Diskussionen über die Richtigkeit der erstellten Installationen nach sich. Hier helfen auf jeden Fall der gesunde Menschenverstand und die Bereitschaft einen Schritt auf die sichere Seite zu gehen. In dieser neuen Ausgabe des NINKnow-how stellen wir uns weiter solchen «Knacknüssen».

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Bad/WC

Rubriken

Die Unterverteilung ist ausserhalb des Bereichs 2 in einen Wandkasten eingebaut. Diese Platzierung lässt die NIN 2005 grundsätzlich zu. Die bessere Lösung ist jedoch mit Sicherheit eine Anordnung der Schaltgerätekombination ausserhalb eines Bade- und oder Duschraumes. Durch Lagerung von Sachen und Gerätschaften im Wandschrank durch die Bewohner der WohSeite 114 von 276

Elektrotechnik 5/08 | 73


eingebaut. Dazu hat diejenige Person ein Loch vom Drücker der Treppenhausbeleuchtung in der Innenwand zu der Aussensprechstelle gebohrt und dann drei TDrähte 1,5mm2 für den Anschluss eingezogen. Die Sonnerieplatte aus Aluminium bzw. die eingebauten Komponenten sind nach SELV ausgeführt. Nach meiner Auffassung dürfen aber Schwachstromanlagen nicht mit Starkstromanlagen zusammengebaut werden, wie sehen Sie das? (E.P. per E-Mail) NIN 4.1.4.1 befasst sich mit dem Schutz durch Kleinspannung. Dabei wird beschrieben, dass beim Zusammentreffen von Stark- mit Schwachstromanlagen alle Leiter wie die Starkstromanlage isoliert sein müssen und beides eine zusammengehörende Einheit bilden muss. Andernfalls würde eine sichere Distanzierung zwischen den Leitern nötig. Durch den Zusammenbau mit einer 230-V-Anlage wird aber möglicherweise mindestens teilweise der Schutz durch SELV aufgehoben. Denn die Aluminiumplatte mit eingebauter Steckdose T13 muss nun in eine andere Schutzmassnahme mit einbezogen werden. Sollte es gelingen, für die Steckdose Schutzklasse II (doppelte oder verstärkte Isolierung) zu erfüllen, so könnte mit dem Auswechseln der TDrähte gegen ein TT-Kabel der Personenschutz am einfachsten erreicht werden. Andernfalls muss die Aluminiumplatte in den Schutz durch automatische Abschaltung mit einbezogen werden, das heisst, Anschluss an den Schutzleiter. Da die Körper von SELVStromkreisen aber nicht mit Erde oder Schutzleitern verbunden werden dürfen, muss nun die sichere Trennung zu den Sonneriedrückern überprüft und allenfalls geändert werden. So wie ich mir die Situation vor Augen halte, dient jetzt diese Steckdose auch der Verwendung von Geräten im Freien. So wäre also sicher zusätzlich noch die Fehlerstromschutzschaltung anzu(Ke) wenden! T-Drähte in einem Installationskanal In einer grossen Überbauung, in welcher wir die elektrischen Installationen ausgeführt haben, sollen wir nun für die neuen Eigentümer Lampen montieren. An einigen Stellen sind die vorgesehenen Lampenstellen am falschen Ort.

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74 | Elektrotechnik 5/08

Um die Lampen anzuschliessen, müssen wir nun diese Leitungen Aufputz verlegen. Damit wir möglichst kleine Kabelkanäle wählen können, möchten wir darin gerne T-Leiter verlegen. Ist dies nach den gültigen Normen erlaubt? (N.P. per E-Mail) Grundsätzlich lässt die NIN unter bestimmten Bedingungen das Verlegen von T-Drähten direkt in einen Installationskanal zu. Beachten sie dazu die Tabellen 5.2.1.2.3 und 5.2.1.2.3.4 B+E in der NIN. Aus diesen Tabellen geht hervor, dass in einem Elektroinstallationskanal (einschliesslich Sockelleistenund Fussbodenkanäle) das direkte Verlegen von Aderleitungen, also auch TDrähte, zulässig ist, wenn der Kanal den folgenden Bedingungen entspricht: Der Deckel des Installationskanals darf nur mit Hilfe eines Werkzeuges oder mit besonderer Anstrengung von Hand geöffnet werden können. Des Weiteren muss er in der Schutzart IP 4X ausgeführt sein. Das Verwenden solcher Drahtkanäle ist also in der Praxis möglich. Im Handbereich von Kindern (Sockelleisten) ist es jedoch absolut sinnvoll, auf diese Verlegeart zu verzichten und stattdessen ein bewährtes (Na) PVC-Kabel zu verlegen. Nur noch TN-S-Installationen Um die Installationsanzeige korrekt bei der Netzbetreiberin einreichen zu können, hatte ich vorgängig ein Telefongespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter. Dabei wollte ich wissen, wie und wo genau die alte Steigleitung (T 4x10mm2 ) mit den neuen Anlageteilen zusammengeschaltet werden muss. Dabei erklärte mir dieser Sachbearbeiter, dass in ihrem ganzen Versorgungsgebiet nur TN-S-Installationen erlaubt seien, weshalb die alte Steigleitung ohnehin ersetzt werden müsse. In den NIN habe ich jedoch in 5.4.6.2 gelesen, dass alte Leitungen weiterhin verwendet werden dürfen, wenn sie den Anforderungen an einen PEN-Leiter genügen. Darf die Netzbetreiberin das verlangen? (R.S. per E-Mail)

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Die Netzbetreiberin darf die NIN nur dort ergänzen, wo dies die Sicherheit ihrer eigenen Anlagen oder die Energietarife betrifft (NIN 1.0.2). Die Forderung, im gesamten Versorgungsgebiet nur noch TN-S zuzulassen, kann in diesem Sinne nicht durchgesetzt Seite 115 von 276

werden. Jedoch ist die Idee durchaus unterstützungswürdig. Sobald es sich gar um ein Gebäude mit «Einrichtungen der Informationstechnik» handelt, müssen zugleich auch noch die Forderungen aus der SN EN 50310 (mit eben diesem Titel) angewandt werden. Daraus ergeht, dass die Installationen nämlich im System TN-S ausgeführt werden müssen. Man weiss heute sehr wohl um die Probleme mit TN-C-Systemen hinsichtlich EMV und Korrosion. Aus Fachkreisen stammt deshalb auch die Forderung, bereits Hausanschlüsse nach TN-S auszuführen. Wenn also Ihre Netzbetreiberin mit gutem Beispiel vorangeht und bereits einen separaten Schutzleiter ins Gebäude einführt, so wäre durchaus sinnvoll, die alte Steigleitung zu ersetzen. (Ke) Schlusskontrolle mit Mängeln Letzte Woche war ich bei einem Kunden und erledigte für ihn die Schlusskontrolle seines neu umgebauten Hauses. Da er einmal Elektromonteur gelernt und auch erfolgreich abgeschlossen hatte, installierte er die gesamte elektrische Installation selber. Die Kontrolle gab bis auf eine Ausnahme keine Mängel, alles war sauber und den Normen entsprechend installiert. Die Ausnahme bildete eine über der Badewanne montierte Leuchte (230V), auf einer Montagehöhe von 2 m. Es ist mir klar, dass im Bereich 2 keine mit 230 V betriebene Leuchte montiert werden darf. Ich habe ihm vorgeschlagen, die Lampenleitung auszuwechseln, einen SELV-Transformator zu montieren und die Leuchte durch ein Niedervolt-Modell auszuwechseln. Mein Kunde will jedoch nicht darauf eingehen. Er versprach mir eine schriftliche Erklärung, dass er in eigener Verantwortung diese Leuchte montiert habe und dafür auch gerade steht. Ich könne dies auch im Sina so vermerken und somit hätte ich dafür keine Verantwortung mehr zu tragen. (R.B. per E-Mail)

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Mit dem Sicherheitsnachweis bezeugen Sie, dass die vorliegende Installation den Vorschriften der NIV und den Regeln der Technik entspricht und auch, dass Sie die vorgeschriebenen Prüfungen und Kontrollen an der elektrischen Installation durchgeführt haben. Für eine mangelhafte Installation kann und darf auf keinen Fall ein Sicherheitsnachweis ausgestellt wer-


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Gehbereich

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N e u e

Arbeitsbereich

• Durch die Verwendung des Präsenzmelders PD 360i/24 DUO können die Lichtbänder getrennt voneinander geschaltet werden. Es findet eine Lichtmessung zur Fensterfront und eine in der Raumtiefe statt. Durch 2 Taster-Eingänge kann jedes Lichtband jederzeit manuell angesteuert werden. Die Tafelbeleuchtung kann an das Lichtband an der Wandseite angliedern werden.

w w w. i n t e r s o l a r. d e Seite 116 von 276

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den. Mit dem Schreiben Ihres Kunden beweisen Sie im Schadensfall sogar, das Sie diese Normenwidrigkeit der Leuchte im Badzimmer erkannt und auch bemängelt haben. Für die Behebung der Mängel sind nicht Sie als kontrollierendes Organ verantwortlich, sondern vielmehr der Eigentümer der elektrischen Installation. Somit liegt es an Ihm, die Sache in Ordnung zu bringen, da er den Sicherheitsnachweis der Netzbetreiberin einreichen muss. (Na) Baubegleitende Erstprüfung Bei meinen Aufgaben als Sicherheitsberater stelle ich immer wieder gravierende Mängel, gerade bei Neuanlagen, fest. Ich frage dann jeweils das zuständige Montagepersonal, wie sie die nach NIV Artikel 24 verlangten, baubegleitenden Erstprüfungen durchgeführt haben. Dabei merke ich, dass da offensichtlich nicht klar ist, wer überhaupt diese Prüfungen durchführen muss. Noch schlimmer finde ich, dass selbst Lehrlinge nicht einmal einen Schutzleiteranschluss richtig prüfen können. (D.K. per E-Mail.)

Die wichtigsten Erstprüfungen Vor dem Einschalten:

Unmittelbar nach Einschalten:

Sichtprüfungen:

Funktionsprüfungen:

• Abdeckungen

• Auslösung der FI-Schutzschalter innert 300 ms

• Verbindungen/Schraubenkontrolle

• Polaritäten und Drehsinn von Steckvorrichtungen Messungen:

• Sicherheitseinrichtungen (Lichtschranken, Not-Schalter usw.)

• Schutzleiter niederohmig

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Mit Ihrer Feststellung sind Sie da nicht alleine. Dem Thema Erstprüfungen muss man sich unter uns Fachleuten vermehrt annehmen. Es kann und darf nicht sein, dass Anlagen in Betrieb stehen, welche mangelhaft oder gar gefährlich sind. Tatsächlich führt die Elektrofachkraft eine baubegleitende Erstprüfung selber durch. Zu diesem Personenkreis zählen auch Lernende. Diese dürfen Anlageteile im Rahmen ihre Fähigkeiten in Betrieb nehmen. Deshalb müssen sie natürlich auch die Erstprüfungen dafür beherrschen. Beispiele siehe Abbildungen 6 (Ke) Schaltgerätekombination in Treppenhaus Wir haben von einem Kunden einen Mängelbericht eines 3-FamilienHauses mit Tiefgarage erhalten. Darin wird bemängelt, dass die Schaltgerätekombination, welche im Untergeschoss des Treppenhauses angeordnet ist, in einen Schutzkasten montiert werden muss. Der Elektro-Sicherheitsberater verweist auf den Artikel 4.2.2.1 aus der aktuellen NIN. Da bei diesem Objekt nun aber eine periodische Kontrolle gemacht wurde (PK 20 Jahre), sind wir nun der Mei-

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Abbildungen zu Frage 6: In den Abbildungen sehen Sie Anschlüsse in Neuanlagen, bei welchen Schutzleiter unter Spannung standen. Finden Sie die Fehler? Bild 6 A: Bodensteckdose, auf Baustelle verdrahtet. Bild 6 B: Anschluss für eine Steckdose ab Flachkabel. Bild 6 C: Anschluss TT-Kabel an Flachkabel.

nung, dass für die Kontrolle die Vorschriften der HV (Hausinstallationsvorschriften) geltend gemacht werden müssen und daher auf ein Schutzkasten verzichtet werden kann. Wie stehen sie zu dieser Sachlage? (C.M. per E-Mail) Die Materialien und Verdrahtungen einer Schaltgerätekombination stellen im Brandfall eine grosse Gefahr für Personen dar, welche das Haus über die Fluchtwege verlassen möchten. Aus diesem Grund fordert die NIN, dass wenn bei einem Brand in einer Schaltgerätekombination mit der Verqualmung des Treppenhauses gerechnet werden muss, ein geschlossener Brandabschnitt erforderlich ist. Dies Seite 117 von 276

kann durch einen Schutzkasten El 30 oder durch die Anordnung der Schaltgerätekombination in einem separaten Raum gewährleistet werden. Wie Sie richtig erwähnen, ist für periodische Kontrollen grundsätzlich die Norm oder Vorschrift geltend, welche zum Zeitpunkt der Installationstätigkeit aktuell war. Wenn man nun also zurückschaut, wird man feststellen, dass diese Anforderung nicht das erste Mal in der NIN 2005 beschrieben wird, sondern schon weit davor. Schlägt man in den Hausinstallationsvorschriften nach, findet man unter 43 900.3 B+E genau die gleichen Aussagen und Skizzen wie in der heutigen aktuellen Norm. (Na)


TT- Kabel auf Baustellen Wir erstellen regelmässig und seit langer Zeit für einen Baumeister den Anschluss für seine Provisorien und Steckdosenverteiler. Nun hat erstmals ein Kontrolleur die Zuleitung beanstandet. Der Baumeister besitzt dieses TT-Kabel schon lange und wir messen nach jedem Anschluss auch den Isolationswiderstand. Wieso dürfen wir dieses Kabel nicht mehr verwenden? (P.S per E-Mail)

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Für die Installationen auf Baustellen gelten ja zusätzlich zu den allgemein geltenden Bestimmungen die Anforderungen aus Teil 7 den NIN. Darin wird beschrieben, dass für flexible Leitungen solche der Bauart CH07 QQ-F (PUR-PUR), H07 RN-F oder einer gleichwertigen Bauart verwendet werden müssen. Für den Anschluss eines ortsfest montierten Verteilers muss aber nicht unbedingt eine flexible Leitung verwendet werden. Wenn die Leitung ortsfest installiert wird, so muss diese allen Anforderungen an eine solche genügen. NIN 5.2.2.8 schreibt: Leitungen müssen so ausgewählt und errichtet werden, dass während der Errichtung, der Nutzung und der Instandhaltung eine Schädigung am Mantel von Kabeln und an der Isolierung von Leitungen und ihren Anschlüssen vermieden wird. Bei TT-Kabeln besteht besonders bei niedrigen Temperaturen die Gefahr, dass die Isolation (Mantel und Aderisolation) durch Schlageinwirkung aufplatzt, also zerstört wird. Da man eine solche Aufplatzung nicht immer sofort sieht, stellt sie ein erhebliches Risiko für einen elektrischen Schlag dar. Davon ausgehend, dass gerade die Zuleitung nicht FI-geschützt ist, muss diesem Umstand besonders Rechnung getragen werden. Wird also auf Baustellen ein TT-Kabel verwendet, so müssen folgende Bestimmungen eingehalten werden: • Nur für den Anschluss ortsfester Betriebsmittel (deshalb auch nicht gesteckt!) • Keine Kreuzungen mit Gehwegen und Strassen • Zusätzlicher mechanischer Schutz Zusätzlicher Schutz gegen weitere äussere Einflüsse (z.B. Sonneneinstrahlung) Wenn Sie nun alle diese Massnahmen treffen, so ist die Verwendung eines TTKabels zulässig. Interessant wäre durchaus auch mal die Berechnung der Amor-

tisationszeit eines PUR-PUR-Kabels, wenn man die Mehrkosten dessen mit den Mehraufwendungen für die Verlegung eines TT-Kabels vergleicht, lassen Sie es mich wissen! (Ke) Elektrische Bodenheizungen mit Fehlerstromschutzeinrichtung Auf einem Umbau müssen wir eine elektrische Bodenheizung verlegen. Die Heizleiter werden in den bestehenden Unterlagsboden im Wohnbereich eingefräst. Ich war immer der Überzeugung, dass gemäss NIN 2000 keine Fehlerstromschutzeinrichtung für eine solche Installation gefordert war, sofern das Kabel eine metallene Ummantelung hatte und nicht in Kontakt einer feuchten Umgebung lag. In der NIN 2005 in 7.53.4.1.3.1 ist nun nachzulesen, dass bei solchen Installationen in jeden Fall Fehlerstromschutzeinrichtungen mit einen I䉭N ⱕ30mA verwendet werden müssen. Ist nun bei einer elektrischen Bodenheizung im Wohnzimmer eine Fehlerstromschutzeinrichtung vorzusehen? Wie verhält es sich im gleichen Fall bei einer bestehenden Anlagen nach NIN 2000? (R.J. per E-Mail)

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Wie sie in der NIN 2005 in Artikel 7.53.4.1.3.1 richtig erkennen konnten, ist bei elektrischen Fussbodenheizungen der Fehlerschutz (Schutz durch automatische Abschaltung) durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung mit einen I䉭Nⱕ30mA zu gewährleisten. In bestehenden Anlagen bestand gemäss Norm tatsächlich die Möglichkeit, die automatische Abschaltung durch den vorgeschaltenen Überstromunterbrecher zu erfüllen. Dies galt jedoch nur für Heizleiter, welche mit einem metallenen Schirm ausgeführt waren. Dieser Schirm musste zudem an den Schutzleiter angeschlossen werden. Eine Fehlerstromschutzeinrichtung war für solche Kabel nur dann gefordert, wenn ein Ende des Heizleiters in einer feuchten oder nassen Zone oder sogar im Freien lag. Meistens haben jedoch schon früher die Hersteller solcher Bodenheizungen in ihren Anschlussbedingungen den Einsatz von Fehlerstromschutzeinrichtungen vorgeschrieben. Solche Bedingungen des Herstellers sind auf alle Fälle zu befolgen. Schauen sie einmal in den Unterlagen ihres Lieferanten oder Herstellers nach, sie werden dazu bestimmt etwas finden. (Na) Seite 118 von 276

Strombelastbarkeit eines Steckers Typ 12 Als Betriebselektriker erhalte ich immer wieder Aufträge von den verschiedenen Abteilungen in unserem Betrieb. So zum Beispiel habe ich ein Dutzend Geräte erhalten, welche am Anschlusskabel einen SCHUKO-Stecker aufweisen. Der Chef meint nun, ich könne einfach einen Schweizer Stecker anbringen und dann funktioniere das schon. Auf dem Leistungsschild des Gerätes steht ein Nennstrom von 14.5 Ampère. In der NIN steht, dass man Steckdosen Typ 13 auch mit 16 A absichern darf. Kann ich jetzt dort wo diese Geräte dann eingesetzt werden, einfach eine 16A- Patrone einsetzen und an den Kabeln einen Typ 12 Stecker montieren? (A. K. per E-Mail)

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Da kommen einige Probleme auf Sie zu! Grundsätzlich müssen Sie zuerst mit dem Hersteller abklären, wie er sich zu Garantieleistungen stellt, wenn Sie den Stecker auswechseln. Sie haben in den NIN richtig gelesen, dass (ausser im Wohnbereich) Steckdosen mit 10A Nennstrom tatsächlich mit 16 Ampère abgesichert werden dürfen. Das heisst aber nicht, dass sie aus der Steckdose mehr als 10 Ampère ziehen dürfen! Diese Regelung ermöglicht nur eine Parallelschaltung mehrer Steckdosen an einen Endstromkreis. So wäre Ihre Freude von kurzer Dauer, wenn Sie aus einer 10Ampère-Steckvorrichtung tatsächliche 14.5 Ampère beziehen (es sei denn, Sie sind gerade auch noch in der Betriebsfeuerwehr). Ob Sie nun eine Sicherungspatrone mit 16 Ampère Nennstrom einsetzen, hängt natürlich nicht nur von der angeschlossenen Steckdose ab. Sicher überprüfen Sie vorher auch noch die Strombelastbarkeit der Leitung. Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass das ESTI für Geräte mit ausländischen Haushalt- Steckvorrichtungen ein Verkaufsverbot verfügt. Im SEV- Info 3044 vom März 2004 wird diese Thematik ausführlich beschrieben. (Ke) ET 09

Mailen auch Sie Ihre Fragen rund um NIN 2005 an: pius.nauer@elektrotechnik.ch david.keller@elektrotechnik.ch

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen

Pius Nauer/David Keller

Absicherung einer Steckdose CEE 32 A Kürzlich diskutierten wir in unserer Firma, ob eine CEE-Steckdose 32A mit 40A abgesichert werden darf. Im Gegensatz zu einigen anderen Mitarbeitern bin ich der Meinung, dass man Steckdosen nicht über ihren Nennstrom absichern darf. Was sagt die Norm dazu? (P. F. per E-Mail)

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Doppelte Isolierung für den Handbereich Hin und wieder treffe ich bei periodischen Kontrollen Teile von Installationen an, welche nur mit einem T-Draht isoliert sind. Selbst alte Messeinrichtungen (siehe Abbildung 3) haben manchmal keine Abdeckung über dem Anschlussfeld. In den alten HV stand noch geschrieben, dass Installationen im Handbereich immer doppelt isoliert sein müssen, in den aktuellen Normen finde ich aber nichts dergleichen, was ist jetzt zu tun? (A.W. per E-Mail)

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Sina nach Mängelbehebung von periodischer Kontrolle Kürzlich haben wir bei einem Kunden den Auftrag erhalten, diverse Mängel in seiner Installation zu beheben. Diese Mängel wurden von einem Elektro-Sicherheitsberater anlässlich der periodischen Kontrolle beanstandet. Nach Abschluss der Arbeiten haben wir den unterzeichneten Mängelbericht an das Kontrollunternehmen retourniert und glaubten, die Sache sei damit für uns erledigt. Nun verlangt das Kontrollunternehmen von uns, dass wir für die ausgeführten Arbeiten der Mängelbehebung einen Sina ausstellen. Wir sind jedoch der Meinung, dass das Ausstellen des Sicherheitsnachweises ganz klar Sache des Elektro-Sicherheitsberaters ist, welcher die periodische Kontrolle durchgeführt hat. Es kann doch nicht sein, dass aus einer periodischen Kontrolle zwei Sicherheitsnachweise hervorgehen. Was sagt die NIV dazu? (L.B. per E-Mail)

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2 Für Laien zugängliche Schaltgerätekombinationen: Es fehlt die doppelte Isolierung.

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Tatsächlich steht diese Forderung nicht mehr so klar und direkt in der Norm, wie das früher in den HV gestanden hat. Jedoch gilt das dreiteilige Schutzkonzept gegen elektrischen Schlag heute in allen Anlagen über U0 = 50VAC. So müssen gemäss NIN Artikel 4.7.2 alle elektrischen Betriebsmittel mit einem Fehlerschutz ausgestattet bzw. in eine solche Massnahme einbezogen sein. Für eine Leitung gehört also sinngemäss die erste Isolierung zum BasisSeite 119 von 276

Rubriken

Früher, zu den Zeiten der Hausinstallationsvorschriften, durften die Steckdosen tatsächlich zwei Stufen höher abgesichert werden. Die Beschaffenheit der damaligen Steckdosentypen liess dies auch zu. Bei den heutigen Modellen führt eine längere Überlastung der Steckkontakte schnell zu Schäden, welche unter Umständen auch Personen und Sachen gefährden können. Aus diesem Grund regelt die NIN in 5.1.2.1.2 ganz klar, dass die Nennauslösestromstärke des vorgeschaltenen Überstromunterbrechers nicht grösser sein darf als die Nennstromstärke der daran angeschlossenen Steckdosen. Folgende Ausnahmen lässt die Norm heute noch zu. In Wohnbauten dürfen Steckdosen mit einem Nennstrom von 10 A mit einem Leitungsschutzschalter von höchstens 13 A abgesichert werden. In gewerblich und industriell genutzten Bauten ist eine Absicherung solcher Steckdosen von maximal 16 A erlaubt. Eine Steckdose heute noch zu übersichern,

ist auf keinen Fall sinnvoll. In einigen Jahren wird man wohl auch Steckdosen mit einem Nennstrom von 10 A nicht mehr übersichern dürfen. Eine einzige Ausnahme wird der Einsatz eines Leitungsschutzschalters 13 A bilden. In Ihrem Fall darf also der CEE32 A-Steckdose ein Leitungsschutzschalter mit max. 32 A oder ein Schmelzüberstromunterbrecher von max. 25A Nennstrom vorgeschalten werden. (Na)

schutz und die zweite Isolierung zum Fehlerschutz, ähnlich wie Betriebsmittel der Schutzklasse II. (Ke)

Education

In dieser Ausgabe findet der versierte Leser wiederum einige interessante Fragestellungen zur aktuellen Norm. Normenänderungen machen die Übersicht zu den geltenden Regeln der Technik nicht immer ganz einfach. So war zum Beispiel das Übersichern von Steckdosen lange Zeit erlaubt, sucht man in der heutigen Norm danach, ist das Übersichern nicht mehr erlaubt. Sie finden noch mehrere solche Fälle in der heutigen Ausgabe. Nur eine stetige Weiterbildung hilft Ihnen am Ball zu bleiben.

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Elektrotechnik 6/08 | 63


3 Die NIV regelt bekanntlich das Arbeiten an elektrischen Niederspannungsinstallationen und die Kontrolle dieser Installationen. Es wird auch definiert, wer einen Sina auszustellen hat. In Artikel 24 erwähnt die NIV, dass vor der Inbetriebnahme von Teilen oder ganzen elektrischen Installationen eine baubegleitende Erstprüfung durchzuführen ist. Diese Kontrolle wird durch den Ersteller der Installation gemacht. Dies kann der Elektroinstallateur EFZ, Lehrling usw. sein. Danach muss eine Schlusskontrolle durch eine fachkundige Person oder durch einen Elektro-Sicherheitsberater gemacht werden, welcher die Ergebnisse der Kontrolle in einem Sina festzuhalten hat. Nach dem Wortlaut der NIV ist zu erkennen, dass dies auch für kleine, neu erstellte oder geänderte Installationsteile gilt. Bei der Behebung von Mängeln, welche anlässlich einer periodischen Kontrolle durch ein unabhängiges Kontrollorgan festgestellt worden sind, verhält es sich ähnlich. Der Elektroinstallateur beziehungsweise sein Personal übernimmt in diesem Fall die Mängelbehebung. Wird zum Beispiel im Laufe der Mängelbehebung eine Steckdose ausgewechselt, dürfte klar sein, dass der Ersteller eine baubegleitende Erstprüfung durchführt. Wenn sämtliche Mängel behoben sind, führt der Elektroinstallateur eine Kontrolle über die ausgeführte Mängelbehebung durch. Da es sich um eine periodische Kontrolle handelt, ist 64 | Elektrotechnik 6/08

das Erbringen eines Sicherheitsnachweises durch den Elektroinstallateur nicht erforderlich. Es genügt, wenn der Elektroinstallateur mit Datum und Unterschrift auf der Mängelliste des unabhängigen Kontrollorgans die fachgerechte Mängelbehebung bezeugt und diese dem Kontrollorgan zustellt. Nur eine mündliche Zusage der Mängelbehebung genügt nicht. Nach der Erledigungsmeldung macht das Kontrollorgan eine Nachkontrolle und stellt dem Eigentümer, sofern nun alles in Ordnung ist, den Sicherheitsnachweis aus. Das unabhängige Kontrollorgan kann auf sein Ermessen, z.B bei nur wenigen oder nicht sehr gefährlichen Mängeln, auf eine Nachkontrolle verzichten. Siehe zum Ablauf auch Abbildung 3. (Na) Warnzeichen auf Schaltgerätekombinationen Wir als Installateure beziehen grössere Tableaus immer von verschiedenen Herstellern. Kleine Verteiler stellen wir aber auch selber zusammen. Nun erhalten wir immer wieder auf Kontrollberichten die Aufforderung, fehlende Warnzeichen anzubringen. Neulich aber stand genau die umgekehrte Forderung, wir müssen, nachdem wir nun endlich auf allen SGKs diese Schildchen platziert hatten, diese Warnzeichen wieder entfernen. Wann müssen nun gemäss den gültigen Normen die besagten Schilder auf der Schaltgerätekombination vorhanden sein? (W.R. per E-Mail)

Für Schaltgerätekombinationen gibts Euronormen. Und zwar bestehen diese aus der Grundnorm EN 60439-1 und vier weiteren Unternormen für besondere Anforderungen an spezielle SGKs, wie z.B. den Installationsverteiler (bei uns auch «Wohnungsverteiler» genannt). Hinsichtlich der Warnschilder ist die Situation eigentlich klar geregelt: Schaltgerätekombinationen, zu welchen nur instruierte Personen Zugang haben dürfen, müssen so verschlossen sein, dass sich der Zugang nur mit einem Werkzeug oder Schlüssel bewerkstelligen lässt. Zudem muss bei der Zugriffsstelle (also dort wo das Werkzeug, oder der Schlüssel angesetzt wird) ein Warnschild auf die elektrische Gefahr hinweisen. Im Gegenzug muss der Zugang zu Schaltgerätekombinationen, zu welchen Laien zwecks Bedienung von Schaltgeräten Zugang haben müssen, immer ohne Werkzeug möglich sein. Natürlich darf dann auch kein Warnschild den Benutzer von der Handhabung abhalten. Sehen Sie dazu die Abbildungen 4. (Ke)

Zugang zu den Bedienteilen nur mit Werkzeug oder Schlüssel möglich. Beim Eingriffsort Warnzeichen zwingend

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Zugang zu den Bedienteilen ohne Werkzeug oder Schlüssel möglich. Kein Warnzeichen erlaubt

4B 4A Schaltgerätekombination für Instruierte zugänglich. 4B Schaltgerätekombination für Laien zugänglich


Zeichen setzen für die Zukunft

Handtuchradiator an Wand zur Dusche In einem neuen Wohnungsbau wünscht der Kunde einen Anschluss des Handtuchradiators gemäss Abbildung 5A. Darf dort eine Steckdose montiert werden und ist auch die Platzierung des Handtuchradiators zulässig? (M.S. per E-Mail)

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Bevor wir Aussagen über die richtige Platzierung der Betriebsmittel und Verbraucher machen können, müssen wir die Bereiche um die Duschwanne definieren. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass eine fest angebrachte Abtrennung einen Bereich begrenzen kann. In diesem Fall stellt die Wand auf der rechten Seite der Dusche eine solche Abtrennung dar. Die Norm gibt vor, dass man in solchen Fällen auch das Um- und Übergreifen berücksichtigen muss, wenn sie weniger als 225 cm in der Höhe oder 60 cm in der Tiefe aufweisen. Am besten betrachtet man das Bad zuerst von oben und begrenzt mit dem Fadenmass den Bereich 2, siehe dazu Abbildung 5B.

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Wie nun ersichtlich wird, ist der Handtuschradiator im Bereich 2 angeordnet. Dies ist zulässig, sofern er mindestens der Schutzart IPX4 entspricht. Die Steckdose ist bei dieser Überprüfung ausserhalb des Bereichs 2 platziert und somit richtig. Aber aufgepasst! Als zweite Prüfung muss der Bereich 2 beim Übergreifen der Abtrennwand kontrolliert werden. Am besten schaut man für diese Überprüfung von vorne an die Duscheinrichtung. In Abbildung 5C ist ersichtlich, dass auch hier die Steckdose ausserhalb des Bereichs 2 liegt und somit auch richtig platziert wurde. (Na)

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Schalterkennzeichnung von NOT-AUS-Geräten Für Not-Aus-Schalter gibt es verschiedene Ausführungen. Nebst Druck-, Pilz- und Drehschaltern kommen auch solche als Seilzugschalter vor. In den NIN steht beschrieben, dass Not-AusSchalter rot mit gelbem Hintergrund zu kennzeichnen sind. Wie viel rot und gelb bedeutet das denn? (R.W. per E-Mail)

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Not-Aus-Schalter sind deshalb so zu kennzeichnen, damit man diese eben im Notfall rasch als solche erkennt. Damit sollte auch einmal mehr darauf hingewiesen werden, dass eben deshalb Schalter mit anderen Funktionen nicht rot gekennzeichnet sind, um so eine Verwechslung möglichst auszuschliessen. Die EN 60947-5-5 (Niederspannungsschaltgeräte) beschreibt die Kennzeichnung wie folgt: Druckknöpfe, die als Betätiger eines NotAus-Geräts verwendet werden, müssen rot sein. Soweit ein Hintergrund hinter dem Betätiger vorhanden und soweit es durchführbar ist, muss dieser gelb sein. Wenn also beispielsweise Apparateeinbauschalter verwendet werden, so ist ein gelber Hintergrund nicht immer möglich und also auch nicht zwingend. (Ke) Grösse der Kurzschlussströme Mir ist aufgefallen, dass ich an Orten, welche sich in der Nähe eines Transformators befinden, am Hausanschlusskasten Kurzschlussströme von 2000A und grösser messen kann. Ist die Installation jedoch weiter vom Transformator weg, so zeigt mein Messgerät z.B. 1000 A an. Dies ist auch verständlich, denn bei längeren Netzzuleitungen ist auch der Schleifenwiderstand grösser, welcher den Kurzschlussstrom beeinflusst. Messe ich jedoch nun in den beiden erwähnten Installationen jeweils an der entferntesten Steckdose den Kurzschlussstrom (jeweils in der etwa gleichen Distanz vom HAK), so erhalte ich beide Male fast den gleichen Wert von

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Abbildung zu Frage 7. ca. 200A. Dies, obwohl bei der zweiten Installation der Kurzschlussstrom am Hausanschlusskasten bereits um die Hälfte reduziert war. Wo liegt darin die Erklärung? (S.M. per E-Mail) Ihre genauen Beobachtungen lassen sich mit ein wenig Elektrotechnik herleiten. Sehen sie sich dazu die Abbildung 7 an. In der oberen Darstellung ist die Variante mit dem Kurzschlussstrom von 2000 A gemessen am Hausanschlusskasten aufgezeigt. Mit dem gemessenen Kurzschlussstrom lässt sich der Schleifenwiderstand der Netzzuleitung berechnen (gelb hinterlegt).

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Nun nehmen wir an, dass der Schleifenwiderstand in der Hausinstallation zwischen Anschlussüberstromunterbrecher und der entferntesten Steckdose 1 ⍀ beträgt. Im roten Balken der Skizze rechnen wir nun die beide Leitungswiderstände zusammen, dies ergibt den Schleifenwiderstand an der Steckdose. Daraus lässt sich nun der zu erwartende Kurzschlussstrom an der Steckdose errechnen, welcher bei rund 206,3 A liegt. Wiederholen wir nun die gleiche Berechnung, jedoch mit einem am Hausanschlusskasten gemessenen Kurzschlussstrom von 1000A, so erhalten wir am Ende den fast gleichen Kurzschlussstrom. Da wir in Hausinstallationen mit kleinen Querschnitten zu höheren Schleifenwiderständen beitragen, fallen die kleinen Schleifenwiderstände der Netzzuleitungen bei der Kurzschlussstrommessung an den entferntesten Steckdosen einer Installation nur wenig ins Gewicht. Bei kleinen Schleifenwiderständen, so wie Sie es am Hausanschlusskasten gemessen haben, machen jedoch ein paar m⍀ bereits eine grosse Änderung des Kurzschlusstromes aus. (Na) Mailen auch Sie Ihre Fragen rund um NIN 2005 an: pius.nauer@elektrotechnik.ch david.keller@elektrotechnik.ch


NIN-Know-how für die Praxis

Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Leserfragen Normen leben mit der laufenden Technik. Dies ist auch der Grund, dass gegenüber von früher immer wieder Änderungen anstehen. Die Problempunkte und Gefahren ergeben sich oft erst mit den Erkenntnissen im Nachhinein. So werden im Laufe der Zeit immer wieder Anpassungen nötig sein. Die schnelle Entwicklung von neuen Installationstechniken führt dazu, dass der Wandel der Normen beschleunigt wird. Wir wünschen ihnen viel Spass bei der Lektüre dieses NIN-Know-how.

Pius Nauer und David Keller

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Zusatzschutz bei Rohrbegleitheizungen Müssen Rohrbegleitheizungen auch FI-geschützt werden? In den NIN findet man diesen Begriff als solchen nicht (mehr?). (C. M. per E-Mail)

Die NIN haben das Kapitel 7.53 von «In Gebäudeteile integrierte Heizeinheiten» in «Fussboden- und Deckenflächenheizungen» umgetauft. Damit schliesst sie aber Rohrbegleitheizungen von den in diesem Kapitel beschriebenen Massnahmen aus. Die Frage taucht auch immer wieder auf und deshalb hat das ESTI im INFO Nr. 2036b vom Dezember 2006 dazu im Wesentlichen wie folgt Stellung genommen: Bei geschirmten, ein- oder zweiadrigen Wärmekabeln wird der Schutzleiter ein- bzw. beidseitig mit dem Schirm verbunden. Ein zusätzlicher Schutz durch FI-IΔΝ-300mA ist dabei nur für selbst regulierende Kabel in feuchter Umgebung gefordert (Brandschutz). Bei ungeschirmten Kabeln kann man vereinfacht sagen, dass ein FI-Schutz IΛΝ 30mA zwingend ist (Ausnahme: durchgehend isolierter Standort eingehalten, sofern überhaupt möglich). Wenn der Hersteller eines Heizbandes in seinen Betriebsanleitungen den An82 | Elektrotechnik 8/08

schluss des Heizkabels an eine Fehlerstromschutzeinrichtung vorschreibt, so ist dies jedoch zwingend einzuhalten. (dk)

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Steckdose bei Tankstelle Bei einem Kunden ist an der Tanksäule (Benzin) auf einem Meter ab Boden eine Sidos-Steckdose montiert. Welche Möglichkeiten bestehen zur Korrektur oder wäre dies etwa sogar zulässig? (J. G. per E-Mail) Bei Tanksäulen (Benzin) ist um die Säule, in einem Radius von 3 m und einer Höhe von 1 Meter die Zone 2 definiert. Hier dürfen nur Betriebsmittel mit der

36 entsprechenden Ex-Klassifizierung montiert werden. Über einem Meter bestehen für die Installation keine besonderen Anforderungen. Das heisst, die Sidos-Steckdose darf grundsätzlich über einem Meter ab Boden montiert sein. Als sehr sinnvoll erachte ich diese Platzierung der Steckdose jedoch nicht, denn so wird der Gebrauch von normalen, nicht explosionsgeschützten Betriebsmitteln in der Nähe der Zapfsäule (pn) geradezu gefördert.

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Schweizer Stecker anstelle Schuko Unsere Firma liefert auch Geräte für den Haushalt, wie Waschmaschinen und dergleichen. Nun wurden auch Geräte angeliefert, welche bereits mit einem ausländischen Stecker ausgerüstet waren. Mein Chef meint, dass wir anstelle der Schuko- Stecker einfach einen Stecker Typ 12 anschliessen können. Nach meiner Ansicht dürfte das aber nur bis zu einem Nennstrom von 10 Ampere erfolgen, da der Stecker ja nur für so viel dimensioniert ist. (Die Maschinen haben zum Teil einen Nennstrom von 14,5 Ampere.) Der Chef meint, dass sonst die Geräte nicht an unseren Haushaltsteckdosen eingesteckt werden können. Was sollen wir tun? P. S. (per E-Mail)

Geräte für den Hausgebrauch nach NEV und EN (z.B. 60335-1)

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Hausinstallationen nach NIV und NIN

Querschnitt AnschlussKabel nach Nennstrom Apparat und gem. Tabelle EN 60335/ NIN 5.2.44

Überstromunterbrecher < Nennstrom der nachgeschalteten Steckdose (Ausnahme beachten)

Nennstrom Stecker < Nennstrom Apparat, z.B. T12 und 15 max 10A T23 und 25 max. 16A

Nennstrom der Steckdose darf nicht überschritten werden, z.B T12/13 und 15 max. 10A T23 und 25 max. 16A


NIN-Know-how für die Praxis

Das ist ein heikles Thema. Sehr wahrscheinlich erlischt die Produktegarantie des Herstellers, wenn Sie den Stecker ersetzen. Grundsätzlich aber dürfen keine Geräte in der Schweiz in Verkehr gebracht werden, welche keine Stecker nach internationaler oder Schweizer Norm haben. Wenn Sie mit dem Hersteller übereinkommen, dass Sie diese Stecker ersetzen können, dann tun Sie das fachgerecht und führen am Schluss auch noch die geforderte Geräteprüfung mit allen Messungen durch. Sie haben Recht, wenn Sie den Nennstrom des Gerätes als Erstes berücksichtigen. Tatsächlich darf eine Steckvorrichtung Typ 12, 13 und 15 nie mit mehr als 10 Amperes belastet werden. In der Schweiz sind Haushaltsteckvorrichtungen über 10 Amperes noch nicht so lange erhältlich. Diese neueren Steckvorrichtungen haben das gleiche Steckdosenbild wie die bereits bewährten. Für 230 V, L+N+PE heisst das Typ 23, für 400/230 V 3L+N+PE Typ 25. Ihre Maschine müsste demzufolge einen Stecker Typ 23 oder 25 haben. Nötigenfalls ist die Hausinstallation anzupassen. Sie ersehen es in der Abbildung 3. (dk)

4 Test und FI-Fehlerstromanzeige: Test-Taste, halbjährlich dürkcen FI-Schutzschalter muss auslösen.

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Periodische Prüfung RCD Ich war der Meinung, dass eine Fehlerstromschutzeinrichtung halbjährlich mit dem Testknopf geprüft werden muss. In den NIN habe ich dazu jedoch keine Aussage gefunden. Kann man diese Angabe in den Normen finden? (A. L. per E-Mail)

Diese Angabe finden Sie tatsächlich nicht in den NIN. Die meisten Hersteller von Fehlerstromschutzeinrichtungen machen jedoch diese Angabe in ihren Betriebsanleitungen, siehe Abbildung 4. Herstellerangaben sind auf jeden Fall zu berücksichtigen und einzuhalten. In der Praxis unterliegt diese Prüfung dem Eigentümer der Installation. Dem Elektroinstallateur fällt dadurch die Aufgabe zu, den Eigentümer der Installation richtig zu instruieren. Der Hinweis, dass eine Fehlerstromschutzeinrichtung nach langem nichtauslösen eventuell nicht mehr einwandfrei funktionieren könnte, erachte ich als sehr wichtig. Solche Betriebsanleitungen gehören ausserdem in die Dokumentation der Anlage, sodass der Eigentümer die Prüfanleitung nach(pn) schlagen kann.

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Potenzialausgleich bei Umbauten Wir sind dabei, die Installationen einer älteren Liegenschaft zu sanieren. Vom HAK

5 geht ein rot-gelb isolierter Leiter zur Wassereintrittstelle, ein weiterer Potenzialausgleich ist nicht ersichtlich. Müssen wir nun einen Hauptpotenzialausgleich erstellen und genügt der Anschluss an die Wasserleitung noch? (A. K. per E-Mail) Sie greifen gleich zwei Themen auf: Potenzialausgleich und Erdungsleiter. Der Potenzialausgleich dient dazu, eine Berührungsspannung zwischen gleichzeitig berührbaren Teilen (auch solche, die nicht zur elektrischen Installation gehören!) möglichst gering

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zu halten. Gerade in älteren Installationen, wo möglicherweise noch Nullung Schema III angewandt wurde und damit Neutralleiter- und Fehlerströme bewusst über leitende Gebäudeteile abfliessen, oder der Isolationszustand eher nicht mehr so gut ist, fehlt ausgerechnet auch noch der Hauptpotenzialausgleich. Wenn Sie die Installationen nun im grossen Stile erneuern, ist das Verbinden von allen ausgedehnten, leitenden Gebäudeteilen nicht nur eine wertvolle, sondern auch eine nötige Verbesserung des PersonenElektrotechnik 8/08 | 83


NIN-Know-how für die Praxis

schutzes. Ungeachtet des nun erstellten Potenzialausgleiches stellt sich die Frage nach dem Erder. Seit Anfang der siebziger Jahre müssen Wasserleitungen im öffentlichen Grund nicht mehr erdfühlig verlegt werden. Das ermöglicht den Wasserversorgungsunternehmen Kunststoffleitungen zu verwenden, um damit Korrosionsproblemen aus dem Wege zu gehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass deshalb die Wasserleitung noch gute Erdungsbedingungen aufweist, ist also eher klein. Messen Sie den Erderwiderstand bei noch nicht angeschlossenem Potenzialausgleich. Für das System TN verlangen die NIN, dass der zum Schutz dienende Leiter in bestehenden Anlagen «nur» dann geerdet werden muss, wenn ein geeigneter Erder vorhanden und ein Anschluss auch verhältnismässig ist. Natürlich müssen aber die Bestimmungen für den Personenschutz eingehalten werden: Im System TN muss ein Fehler automatisch innert den geforderten Zeiten abschalten, oder die Berührungsspannungen übersteigen nicht 50 V. Ist die Wasserleitung also nicht mehr geeignet, so können Sie einen Ersatzerder erstellen. Möglicherweise können Sie bestehende Armierungseisen dazu verwenden (an zwei Stellen im Gebäude, etwa diagonal zum Grundriss angeordnet anzuschliessen), oder Sie setzen einen Stab/- Tiefenerder. Nach dem Erstellen des Ersatzerders sind dessen Werte unbedingt zu messen und in einem Protokoll festzuhalten. Eine vereinfachte Methode zur Ermittlung dieses Widerstandes ersehen Sie aus (dk) Abbildung 5.

6

Kurzschlussstrom an langer Leitung Wir haben eine sehr lange Leitung (3 x 1,5mm2)verlegt und daran eine Steckdose installiert, welche wir mit einem Leitungsschutzschalter C13A abgesichert haben? Der Schutzleiterkontakt der Steckdose haben wir mit dem zusätzlichen Potenzialausgleich verbunden. Bei der Schlusskontrolle haben wir festgestellt, dass am Ende der Leitung zwischen Pol- und Neutralleiter ein Kurzschlussstrom von 100 A resultiert. Messen wir zwischen Pol- und Schutzleiter, so beträgt der Kurzschlussstrom 200A. Wir sind uns nun nicht sicher, ob der Fehlerschutz an dieser Installation erfüllt ist. Ist der kleinere der beiden Kurzschlussströme massgebend oder die Messung zwischen L und PE? (R. K. per E-Mail)

der Leitungsschutz erfüllt sein und zum Zweiten der Personenschutz. Der Leitungsschutz ist erfüllt, wenn die Leitung im Überlast- und im Kurzschlussfall keinen Schaden nehmen kann, dass heisst, sich nicht unzulässig erwärmt. In der Verlegeart B2 kann ein 3 x 1,5 mm2 bis zu 16,5 A belastet werden. (Tabelle 5.2.3.1.1.11.1 B+E). Natürlich müssen die Anforderungen wie z. B. Häufung, Umgebungstemperatur, Gleichzeitigkeit etc. auch berücksichtigt werden. Ist in diesem Fall jedoch der Leiterquerschnitt richtig ausgewählt, so schützt der vorgeschaltene Leitungsschutzschalter die Leitung vor Überlast. Wird die Leitung mit dem vorgeschaltenen Leitungsschutzschalter nicht übersichert, so ist auch der Kurzschlussschutz erfüllt. Entsteht nun an der Steckdose zwischen Pol- und Neutralleiter ein Kurzschluss, so schaltet dieser nicht in der für den Personenschutz notwendigen Zeit von 0,4 s ab. Er schützt aber in jedem Fall die Leitung. Die NIN fordert in 4.1.3.1.3.3 eine maximale Abschaltzeit für Steckdosenstromkreise von 0,4s im Fehlerfall. Im gleichen Artikel finden Sie auch, dass der Kurzschlussstrom zwischen einem Polleiter und einem Schutzleiter für die Einhaltung der Abschaltzeit massgebend ist. Folgende Überlegungen dazu. Bei einem Kurzschluss zwischen Pol- und Neutralleiter werden Gehäuse von elektrischen Betriebsmitteln nicht unter Spannung gesetzt, aus diesem Grund ist dieser Kurzschlussstrom nur für den Leitungsschutz massgebend. Es muss also auch nicht von einer Personengefährdung ausgegangen werden. Bei einem Kurzschluss zwischen Polund Schutzleiter steht nun aber das ganz Gehäuse eines Betriebsmittels unter Spannung und kann eine Persongefährdung hervorrufen. Deshalb ist in diesem Falle eine schnelle Abschaltung des Stromkreises notwendig. In ihrem Fall ist der Personenschutz erfüllt, da die für den Leitungsschutzschalter 13 AC geforderten 130 A Kurzschlussstrom zwischen Pol- und Schutzleiter erreicht werden. Weiter ist jedoch zu beachten, dass, wenn grössere Verbraucher an der Steckdose betrieben werden, der Spannungsabfall nicht zu gross ist. Die NIN schreibt im 5.2.5.1, dass der Spannungsfall an Verbraucheranlagen zwischen Anschlussüberstromunterbrecher und Energieverbraucher nicht grösser als 4% sein sollte. (pn)

Diese Installation müssen wir aus zwei Blickwinkeln betrachten. Einmal muss 84 | Elektrotechnik 8/08

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7

Einstellungen an einem Leistungsschalter Neulich habe ich bei einer Abnahmekontrolle Leistungsschalter angetroffen, bei welchen für mich nicht klar war, welche Einstellungen effektiv vorgenommen wurden. Zudem war auch nicht ersichtlich, auf welche Werte überhaupt eingestellt werden sollte. Wie geht man mit so einer Situation um? (D. S. per E-Mail) Bei Sicherungssystemen ohne Passeinsätze müssen die maximalen Nennauslösestromstärken angegeben werden. Das gilt gemäss NIN auch für Leistungsschalter, sofern sie steck- oder ausziehbar sind. Der Überlastschutz der Leitung kann aufgrund der Einstellung am Leistungsschalter oder durch den Nennstrom des angeschlossenen Objektes erfolgen. Wenn die maximal mögliche Einstellung der Überlastschutzeinrichtung des Leistungsschalters (thermischer Auslöser) die Strombelastbarkeit des angeschlossenen Leiters überschreitet und der Überlastschutz nicht durch das angeschlossene Objekt sichergestellt ist, so muss sinngemäss die maximal zulässige Einstellung auf dem Leistungsschalter angegeben werden. Des Weiteren gilt es natürlich auch den Kurzschlussschutz zu überprüfen, und falls möglich und gewünscht auch die Selektivität. Für eine fachgerechte Ausführung und Kontrolle gehört deshalb zu jedem Leistungsschalter eine dauerhafte Beschriftung der Sollwerte aller möglichen Einstellungen. Da jeder Hersteller seine Geräte etwas anders aussehen lässt, ist es tatsächlich nicht immer einfach, die Einstellungen richtig vorzunehmen und auch zu überprüfen. Da bleibt nichts anderes übrig, als sich die nötigen An(dk) gaben zu beschaffen.

8

Kontrolle Bauprovisorien Als Netzbetreiberin sind wir in unserem Gebiet auch verantwortlich, die Bauprovisorien der Bauunternehmer anzuschliessen. Welche Kontrollen müssen wir durchführen? Reicht die Messung des Kurzschlussstromes an den Eingangsklemmen, oder müssen auch sämtliche Steckdosen und Fehlerstromschutzeinrichtungen geprüft werden? (A. M. per E-Mail) Grundsätzlich gelten für Installationen auf Baustellen die üblichen Regeln nach NIV. Das heisst, wenn Sie ein Bauprovisorium eines Kunden anschliessen, dann müssen Sie an dieser Installation eine baubegleitende Erstprüfung und eine Schlusskontrolle durchführen. Die


Aufgaben Kontrollorgan

Aufgaben des Installateurs

Aufgaben des Eigentümers

Netzbetreiberin

NIN-Know-how für die Praxis

Schlusskontrolle erstreckt sich in jedem Fall auch auf die Installation des Bauprovisoriums (Ausnahme, wenn für das Provisorium ein Sina besteht, welcher nicht älter als 1 Jahr ist). Gerade bei solchen Installationen, welche rauen Umgebungsbedingungen ausgesetzt sind, ist eine seriöse Überprüfung des Basis- und des Fehlerschutzes wichtig. Gerade der Fehlerschutz, welcher bei solchen Anlagen durch die eingebauten Fehlerstromschutzeinrichtungen gewährleistet wird, muss sorgfältig überprüft werden. An einem Bauprovisoriun werden zum Teil mehrere Kabelrollen aneinander betrieben. An dessen Ende resultieren meist nur noch sehr kleine Kurzschlussströme, welche ein zügiges Ausschalten eines Überstromunterbrechers verhindern. Hier übernimmt im Fehlerfall nur eine einwandfrei funktionierende Fehlerstromschutzrichtung die sichere Abschaltung! Mit der Schlusskontrolle übergeben Sie die Installation dem Eigentümer und bezeugen so mit dem ausgestellten Sina eine mängelfreie und sichere Installation. Der Eigentümer, in diesem Fall der Bauunternehmer, muss nun innerhalb von 6 Monaten nach Übernahme der Installation eine Abnahmekontrolle

Installationsanzeige an Netzbetreiberin Anschluss Bauprovisorium Baubegleitende Erstprüfung Schlusskontrolle Übergabe des Werkes mit allen Dokumenten wie Sina, M+P Protokoll

Eigentümer vergibt Auftrag für die Abnahmekontrolle ( in der Praxis meist durch Installateur organisiert)

SEV info 2027.1b

Unabhängiges Kontrollorgan

nicht zwingend

Baustelle kürzer 6 Monate

zwingend

Baustelle länger 6 Monate

Sina

Sina

Event. Stichprobenkontrolle

8 durch ein unabhängiges Kontrollorgan veranlassen und auch innerhalb dieser Frist den Sicherheitsnachweis der Netzbetreiberin einreichen. Für Bauprovisorien, welche nicht länger als 6 Monate in Betrieb sind, kann die unabhängige

Kontrolle nicht zwingend verlangt wer■ den. (pn) Mailen auch Sie Ihre Fragen rund um NIN 2005: pius.nauer@elektrotechnik.ch david.keller@elektrotechnik.ch

Aufs Lux genau Klartext im Display. So programmieren Sie die LUNA 121 top2 selbst im dunkelsten Keller ruck zuck. Das beleuchtete Display „Redet Klartext“. Leicht verständlich durch die Schritt für Schritt Führung. Einfacher und bequemer – dank Voreinstellungen, einfach mit OK bestätigt und schon sind exakt die 15 Lux für die Wegebeleuchtung eingegeben. Jetzt passt die Einstellung ohne Nachstellen bei Dunkelheit. Sicherheit gewonnen – ob Straße, Wege oder Schaufenster – alles wird automatisch, zuverlässig beleuchtet. Energie gespart – durch bedarfsoptimierte Nachtabschaltung mit zusätzlichem Ferien- und Feiertagsprogramm. Montage erleichtert, denn bis zu 40 % Montagezeit sparen die DuoFix Steckklemmen. Neugierig auf die neue LUNA top2-Serie? Mehr Informationen auf www.theben-hts.ch

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Elektrotechnik 8/08 | 85


Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how

NIN-Know-how In der neuesten Ausgabe dieses NIN-Know-hows finden Sie wiederum interessante Fragen und Antworten aus Ihrem Installationsumfeld, welche von den Lesern der Elektrotechnik stammen. Manche Fragen lassen sich nicht einfach nur aus der NIN beantworten. So zum Beispiel die Änderung im Badzimmer, bei welcher man die Lösung einem Info-Blatt des SEV entnehmen kann. Für unsere Installations- und Abrechnungstätigkeit sind auch weitere Normen, wie zum Beispiel die des SIA, vonnöten. Auch dazu finden sie in dieser Ausgabe eine entsprechende Problemstellung.

Pius Nauer und David Keller

1

Handtuchradiator neben Dusche In einem Neubau müssen wir für unseren Kunden einen Anschluss für einen Handtuchradiator erstellen. Der Handtuchradiator wird rund 0,8 m neben der Dusche installiert. Die Dusche wird ohne Duschwanne installiert. Gemäss NIN sind

Variante 1: Die Steckdose ist ausserhalb des Bereichs 1 angeordnet.

Bereich 1 Bereich Der Handtuchradiator darf im Bereich 1 angeordnet sein, wenn er mindestens IPX4 aufweist!

Bei Duschen ohne Wanne definiert das Fadenmass von 1,2m ab fester Wasseraustrittsstelle den Bereich 1

1

Variante 2: Es wird ein fester Anschluss vorgesehen.

Zuleitung zu Wicklungsthermostat 230V z.B. TT 2x 1.5mm2, 2L kein PE- Leiter nötig, bereits in Zuleitung Antrieb mitgeführt

2

84 | Elektrotechnik 9/08

Zuleitung zu Antrieb 3x 400V, z.B. TT 4x 2.5mm2, 3L +PE

Kompaktpumpe

im Bereich 1 nur Ventilatoren und Wassererwärmer zugelassen. Gibt es in der Norm Ausnahmen, welche diese Installation erlauben? (S. A. per E-Mail) In der NIN sind im Bereich wirklich nur Ventilatoren und Wassererwärmer zugelassen. Das neueste SEV info 2028c erlaubt nun aber auch die Montage von Handtuchradiatoren im Bereich 1. Diese dürfen jedoch nur durch einen Festanschluss angeschlossen werden. Es sei denn, die Steckdose ist aus-serhalb des Bereichs 1 angeordnet. Beim Festanschluss ist darauf zu achten, dass die Abdeckung dem Schutzgrad IPX4 ent(pn) spricht. Siehe dazu Abbildung 1.

2

Gemeinsamer Schutzleiter für Heizungspumpe Bei einer Heizungserneuerung muss ich für die Umwälzpumpe zusätzlich zur Zuleitung neu auch noch für den «Klixon» eine Leitung hinführen. Da dieser dann in die 230-V-Steuerung integriert wird, weiss ich jetzt nicht, ob in diesem Kabel auch ein Schutzleiter mitgeführt werden muss, oder ob derjenige der Zuleitung genügt. (A. W. per E-Mail) Wenn Sie die Steuerleitung für den Wicklungsthermostat separat führen, so kommen die NIN 5.4.3.1.5 zur Anwendung. Darin wird beschrieben, dass für mehrere Stromkreise ein gemeinsamer Schutzleiter verwendet werden darf. Die Dimensionierung richtet sich dann (natürlich) nach dem grössten Polleiter.

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37 Sie hätten aber auch die Möglichkeit, die Steuerleitung sogar in einem gemeinsamen Kabel mit dem Leistungsteil zu führen. Sofern alle Adern für die höchstvorkommende Spannung isoliert sind, wäre das zulässig und wahrscheinlich die einfachste Lösung. (dk)

3

Verrechnung der Installationskontrollen In einen Neubau ist der Aufwand der Schlusskontrolle im Angebot inbegriffen und kann somit nicht separat verrechnet werden. Bei Installationen mit Kontrollperioden von unter 20 Jahren muss gemäss NIV eine unabhängige Abnahmekontrolle durchgeführt werden. Wir sind uns nun nicht sicher, ob dieser Aufwand bereits in unserem Angebot enthalten ist. Wo findet man dazu Hinweise? (M. S. per E-Mail) Hier gibt die SIA 118/380 (Allgemeine Bedingungen für Gebäudetechnik) Auskunft. Es wird darin ganz klar aufgelistet, was alles in ein Angebot des Elektroinstallateurs gehört und somit auch in den Leistungen inbegriffen ist. Dazu gehören auch die betriebsinternen Kontrollen einer Installation, gemäss NIV, die Schlusskontrolle. In den NPK-Kalkulationsgrundlagen des VSEI wird dieser Aufwand der Schlusskontrolle mit einem TB-C-Zuschlag (Auftragsnebenarbeiten) auf jeder Position berücksichtigt. Die Abnahmekontrolle ist gemäss der Niederspannungsverordnung in der Pflicht des Eigentümers. Somit muss auch der Eigentümer des Objekts für die Aufwände dieser Kontrolle eigenhändig aufkommen. Daraus ist ersichtlich, dass die Abnahmekontrolle nicht in den Leistungen eines Elektroinstallateurs enthalten sind. Der Unternehmer kann natürlich die Kosten der Abnahmekontrolle bereits in der Offertenstellung in sein Angebot integrieren. Dazu ist für die Abnahmekontrolle eine eigene Position (pn) zu erstellen.

4

FI-Schutzschalter im System TN In einem Kontrollbericht wurde beanstandet, dass bei einem Lampenstromkreis im Fehlerfall die Abschaltung zu spät erfol-


5

5a

NIN-Know-how

Nur mit dem richtigen Leuchtmittel, ist die Leuchte geeignet für unmittelbare Montage auf brennbare Gebäudeteile

MAX. 60 W – E27 Werden grössere Lampenleistungen eingesetzt, so darf diese Leuchte nicht direkt auf brennbare Gebäudeteile montiert werden!

Der Anlagebetreiber muss die Anforderungen an die maximalen Lampenleistungen kennen!

Auch der Anlagebetreiber muss diese Anforderungen kennen.

Diese Leuchte darf direkt auf oder an normal entflammbare Baustoffe montiert werden

Zeichenerklärung Aufschriften von Leuchten

ge. Unser Sicherheitsberater hat uns nun empfohlen, dass wir einen FI-Schalter einbauen sollen, der müsse ja schon in 0,3 Sekunden abschalten, was dann sicher genüge. Meines Wissen darf aber die FI-Schutzschaltung nicht als alleinige Schutzmassnahme angewandt werden, weshalb ich mit dieser Aussage nicht einverstanden bin. Wie sehen Sie das? (D. B. per E-Mail) Die von Ihrem Sicherheitsberater vorgeschlagene Lösung ist absolut praktikabel. Das Schaltgerät «FI-Schutzschalter» kann für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Die NIN sehen die Anwendung der FI- Schutzschaltung als zusätzliche Massnahme zum Basisschutz, also als Schutz gegen direktes Berühren. Wenn zum Beispiel beim Rasenmähen das Verlängerungskabel verletzt wurde und es nun beim Einrollen zu einer Berührung mit dem Polleiter und damit zu einem Körperstrom kommt, so schaltet der FI sofort aus. Die Berührungsspannung beträgt dabei volle Netzspannung, also 230 Volt. Die Gefahrenkennlinie (aus der Starkstromverordnung) zeigt, dass eine solche Berührungsspannung tatsächlich nicht länger als 300 Millisekunden anstehen darf. Ihre Bedenken sind aber nicht aus der Luft gegriffen. Tatsächlich erlauben die NIN diese Massnahme nur als eben zusätzliche Massnahme zur Isolierung, Abdeckung etc., also nicht als alleinige Schutzmassnahme gegen direktes Berühren. Der in Ihrem Kontrollbericht beanstandete Mangel bezieht sich aber nicht auf den Basisschutz, sondern auf den Fehlerschutz. Die am häufigsten angewandte Massnahme auf dieser Stufe heisst ja «Schutz durch automatische Abschaltung». In der Schweiz wenden wir dazu das System TN (früher Nullung genannt) an. Da die maximale Fehlerspannung bei diesem System 160 Volt nicht übersteigen kann, darf ein Fehler gemäss der oben erwähnten Gefahren-

kennlinie nicht länger als 400 Millisekunden anstehen. Und nun kommts: Die NIN erlauben in Artikel 4.1.3.1.3.8 als Schutzgeräte sowohl Überstromschutzorgane (z. B. Leitungsschutzschalter, Schmelzsicherungen, etc.) als auch Fehlerstromschutzeinrichtungen. (dk)

5

Fluoreszenzleuchten auf Holz montiert In unserer Firma stellt sich immer wieder die Frage, ob Fluoreszenzleuchten und einfache Kristallglasleuchten direkt auf Holz montiert werden dürfen oder ob eine nicht brennbare Unterlage dazwischen gelegt werden muss. Was sagt die Norm dazu? (A. W. per E-Mail)

Schutzklasse I: Die Leuchte muss mit dem Schutzleiter verbunden werden Schutzklasse II: Die Leuchte ist schutzisoliert. Ein Anschluss an den Schutzleiter ist unzulässig!

III

Schutzklasse III: Die Leuchte muss mit Schutzkleinspannung betrieben werden.

F

Diese Leuchte darf direkt auf oder an normal entflammbare Baustoffe montiert werden

F

F

Diese Leuchte eignet sich für staub- und faserstaubgefährdete Bereiche (feuergefährdete Betriebstätten)

5b

Zeichenerklärung Aufschriften von Leuchten 850°C

0,8m

Auf diese Temperatur wird ein Glühdraht erhitzt und damit Kunststoffteile der Leuchte auf das Abtropfen und Verlöschen beim Hinunterfallen getestet.

Mindestabstand zur angestrahlten Fläche in Meter

Leuchte nur für Halogenglühlampen mit Glasschutz vor der Lampe Das Vorschaltgerät oder der Trafo erfüllt den Basisschutz

Die NIN fordert im Artikel 4.2.2.7, dass brennbare Gebäudeteile im Bereich von Energieverbrauchern keine Temperaturen von mehr als 80° C annehmen dürfen. Dies gilt selbstverständlich im normalen Betrieb des Energieverbrauchers wie auch in voraussehbaren Störungsfällen. Nun könnte also die Antwort lauten, dass diese Leuchten direkt auf Holz montiert werden dürfen, sofern diese den brennbaren Montagegrund nicht mehr als 80° C erwärmen. Die Entscheidung fällt jedoch einfach, wenn man die Aufschriften des Herstellers zur Hilfe nimmt. Sehen Sie sich dazu die Abbildung 5a an. Hier findet man den entsprechenden Hinweis, das «F» in einem Dreieck, welches die Montage der Leuchte direkt auf Holz zulässt. Natürlich gilt diese Angabe nur dann, wenn das Betriebsmittel nach Angaben des Herstellers betrieben wird. Werden Lampen mit höheren Leistungen als der Hersteller angibt- eingesetzt, so erlischt die Gültigkeit dieses Montagehinweises. Hier ist wichtig, dass man den Kunden auf das richtige Ersetzen des Leuchtmittels hinweist. Weitere

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IP-Schutzart

IP20

5d

Zeichenerklärung Aufschriften von Leuchten

M

F

Diese Leuchte darf nur auf nicht entflammbaren Oberflächen montiert werden

F

Diese Einbauleuchte darf mit Isoliermaterial abgedeckt werden.

D

Gleiche Bedeutung wie

M

Diese Leuchte darf in und an Möbel mit schwer- und normalentflammbaren Stoffen montiert werden

M

F

F

Diese Leuchte eignet sich für die Montage auf Material mit unbekannten Brandverhalten

5c

Bedeutungen der Zeichen sind in den (pn) Abbildungen 5b–d ersichtlich.

6

Personenschutz hinter einer USV-Anlage Immer wieder habe ich Probleme beim Nachweis des Personenschutzes hinter USV-Anlagen. Da gerade bei solchen Verbrauchern auf die FI-Schutzschaltung verzichtet wird und der Kurzschlussstrom sehr klein wird, müssen immer sehr kleine LS

Elektrotechnik 9/08 | 85


NIN-Know-how

eingesetzt werden. Was kann man da sonst machen? (W. S. per E-Mail) Ins Zentrum des Personenschutzes sind Massnahmen gerückt, welche einen Fehler in der Anlage automatisch abschalten. Deshalb messen wir ja an den Enden der Stromkreise die Schleifenimpedanz und berechnen daraus den möglichen Fehlerstrom, um wiederum festzustellen, ob das vorgeschaltete Schutzorgan den Fehler auch rechtzeitig abschaltet. Bei USV-Anlagen im online-Betrieb führt das zu Problemen. Die Messung stellt für die USV quasi eine Überlast dar, weshalb der elektronische Bypass die USV überbrückt und man nun die Netzimpedanz des Versorgungsnetzes misst. Somit kann aber die automatische Abschaltung für diese Betriebsart überprüft werden. Wenn man nun den Schutz im USVBetrieb – also ohne Versorgungsnetz – prüfen will, so stellt man fest, dass die Anlage eine sehr hohe Innenimpedanz aufweist. In der Folge wird der Fehlerstrom auch sehr klein ausfallen, so klein eben, dass ein Leitungsschutzschalter zum Beispiel für den Personenschutz nicht rechtzeitig abschaltet. Nun müssen wir ja dafür sorgen, dass ein Fehler in einer Anlage grundsätzlich keine gefährliche Situation hervorruft. In einem System TN muss ein Fehler innert 0,4 Sekunden abschalten, wenn die Berührungsspannung 50 Volt übersteigt. Bei der USV-Anlage ist es aber auch möglich, dass im Fehlerfall die Spannung zusammenfällt und dadurch gar keine gefährliche Situation entsteht oder aber das eingebaute Überlastschutzorgan schaltet ab. Wie nun also der Per-sonenschutz bei USV-Anlage realisiert wird, muss sicher mit dem Hersteller abge(dk) sprochen werden.

7

Serieschaltung von Fehlerstromschutzschalteinrichtungen Bei uns in der Firma stellt sich immer wieder die Frage, ob bei der Serieschaltung von zwei Fehlerschutzeinrichtungen der Vorgeschaltene selektiv sein muss. Wir finden in der NIN keine Antwort dazu. (L. K. per E-Mail) Die Selektivität einer Hausinstallation ist grundsätzlich Sache des Betriebsinhabers. Aus diesem Grund schreibt uns die NIN auch nicht vor, dass zwei in Reihe geschaltete Fehlerstromschutzeinrichtungen selektiv sein müssen. In NIN 5.3.2.2.3.5 ist nachzulesen, dass selektive Fehlerstromschutzeinrichtungen in Reihenschaltung immer als vorgeschaltete Fehlerstromschutzeinrichtungen einzusetzen sind. Ausserdem müssen Nachgeschaltete einen kleineren Auslösestrom haben und dürfen die Kennzeichnung Selektiv nicht tragen. Wer diese Forderungen genau studiert, merkt, dass die NIN nicht die Selektivität von in Serie geschalteten Fehlerstromschutzeinrichtungen fordert, sondern nur Hinweise gibt, wie man eine selektive Fehlerstromschutzeinrichtung richtig installiert. Werden mit einer vorgeschaltenen Fehlerstromschutzeinrichtung grössere Teile einer Installation geschützt, so ist es jedoch absolut sinnvoll und auch zu empfehlen, dass (pn) man die Selektivität einhaltet.

8

Pflichten eines unabhängigen Kontrollorgans Als Netzbetreiberin führen wir Stichprobenkontrollen durch. Neulich hat mich fast der Schlag getroffen, als ich bei einer Anlage auch personengefährdende Mängel festgestellt habe. Dabei handelte es sich um einen Gewerbebetrieb. Bei der HV fehlten Abdeckungen, Steckdosen waren nicht FI-

geschützt und Weiteres. Auf dem Sicherheitsnachweis hat auch ein unabhängiges Kontrollorgan für das Einhalten der Normen unterschrieben. Wer ist jetzt eigentlich verantwortlich? (J. K. per E-Mail) Nach Schweizer Recht ist eigentlich jeder für sein Tun und Lassen verantwortlich. So kann man auch für NichtTun oder Unterlassen sicher zur Verantwortung gezogen werden. Ihre Aufgabe im Sinne der NIV als Netzbetreiberin nehmen Sie mit den Stichproben wahr. Ebenfalls im Sinne der NIV ist der Eigentümer nach Artikel 5 für die Sicherheit seiner Anlagen verantwortlich. Wenn Sie nun also mangelhafte Sinas erhalten, so weisen Sie diese gegenüber dem Eigentümer zurück. Dieser hat die Aufträge dem Installateur und dem unabhängigen Kontrollorgan erteilt und muss nun deren Arbeiten im Sinne des OR rügen. Da es sich dann um Mängel in der Anlage und nicht um administrative Belange handelt, muss nun sicher der Installateur die Mängelbehebung vornehmen. Die fachliche Auseinandersetzung, aus welchen Gründen Sie als Netzbetreiberin den SINA zurückgewiesen haben, wird nun sicher zwischen Ihnen und dem Installateur erfolgen müssen. Nur wenn Sie den Eindruck erhalten, dass der Installateur seine Pflichten in schwerwiegender Weise verletzt, so müssen Sie das Inspektorat informieren. Wie weit das mit der Abnahmekontrolle betraute, unabhängige Kontrollorgan verantwortlich gemacht werden muss, ist schwierig abzuschätzen. Was genau muss dieses Kontrollorgan ausführen und was nicht? Grundsätzlich müssen alle nötigen Prüfungen durchgeführt werden. Ob es sinnvoll ist, die Prüfun-

Dipl. Techniker/in HF (Höhere Fachschule) Vorbereitung auf den Abschluss der Höheren Fachschule, das höchste Diplom im Nicht-Hochschulbereich. Ideale Weiterbildung für erfolgreiche Absolventen einer technischen Berufslehre, welche eine verantwortungsvolle Tätigkeit in einer Führungsposition oder als anerkannter Fachspezialist in Wirtschaft oder Verwaltung anstreben. Fachrichtung Kommunikationstechnik Fachrichtung Elektrotechnik Fachrichtung Informatik

Kurzkurse Messkurs Schutzmassnahmen (1 Tag) TV-Kabelnetzanlagen (1 Tag)

86 | Elektrotechnik 9/08

Oktober 2009 bis Oktober 2012 Oktober 2009 bis Oktober 2012 Oktober 2009 bis Oktober 2012 5. November 2008 10. Dezember 2008

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NIN-Know-how

TrafoStation

vorgeschaltetes Schutzorgan anpassen

NS-HV ja Wert grĂśsser als I pk

Art und GrĂśsse des vorgeschalteten Schutzorganes

begrenzter Peakwert

nein

Unterverteilung

ja Schutz der SGK und backupSchutz o.k.

nein

Wert grĂśsser als Icp

Gemessener Wert zwischen L N x 2 = ca. IK3 (IK max)

ZS

Bemessungs spannung

Stromart/ Frequenz

9a

gen doppelt auszufßhren, sei dahingestellt. MÜglicherweise begleitet das unabhängige Kontrollorgan die innerbetriebliche Schlusskontrolle und stellt so die Richtigkeit und Vollständigkeit fest. Oder aber das unabhängige Kontrollorgan fßhrt separate Prßfungen durch. Wahrscheinlich ist eine Kombination aus beidem sinnvoll. Der Gesetzgeber

verlangt wohl kaum explizit eine unabhängige Kontrolle, wenn der eine (dk) sich auf den anderen abstßtzt.

9

Kurzschlussschutz von Schaltgerätekombinationen Bei einer Schlusskontrolle habe ich an der Eingangsklemme einer Schaltgerätekombination einen Kurzschlussstrom gemessen,

sind wir stark!

zur

â&#x20AC;&#x17E;PraxisprĂźfung gemäss NiederspannungsInstallationsverordnung (NIV)â&#x20AC;&#x153; - FĂźr dipl. Techniker TS/ HF und Ing. FH/ETH - Praxis-Kurs zur Erlangung der Fachkundigkeit (Art. 8, NIV) als berufsbegleitenden, einsemestrigen Vorbereitungskurs.

&KG #DUQNXGPVGP UKPF KP FGT .CIG PCEJ GTHQNITGKEJGO -WTUCDUEJNWUU FKG 2TCZKURTÂ&#x20AC;HWPI PCEJ 0+8 \W DGUVGJGP 0CEJ DGUVCPFGPGT 2TÂ&#x20AC;HWPI GTJCNVGP 5KG FGP (CEJMWPFKIMGKVU#WUYGKU

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Ihr Nutzen â&#x20AC;˘ Individuelle MarketingunterstĂźtzung â&#x20AC;˘ Ă&#x153;ber 120 Vertragspartner â&#x20AC;˘ Zusätzliche Ăźberdachende RĂźckvergĂźtung â&#x20AC;˘ Kostenlose Beratung in allen Versicherungsfragen â&#x20AC;˘ Interessensvertretung im Markt

Weitere Infos: www.eev.ch

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Wir sind der Partner fĂźr Ăźber 1800 Elektroinstallationsfirmen

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Beginn 15. Januar 2009

Den Schutz der Schaltgeräte nennt man auch Backup-Schutz. Schaltgerätekombinationen ( SGK) gelten als

Gemeinsam

Vorbereitungskurs

#POGNFWPI

der viel hĂśher war als das SchaltvermĂśgen der nachgeschalteten Leitungsschutzschalter. Muss ich dies nun beanstanden, oder ist der Tableaubauer fĂźr das verantwortlich? (K. B. aus E.)

Schweizerische ElektroEinkaufs-Vereinigung eev office@eev.ch â&#x20AC;˘ www.eev.ch Tel. 031 380 10 10

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Elektrotechnik 9/08 | 87


NIN-Know-how

Beispiel der Strombegrenzung von NHS der Firma Weber AG: Ein Kurzschlussstrom von 2 kAeff wird durch folgende Sicherungen begrenzt: bei symmetrischem Strom: 6 A; 10 A; 16 A; 20 A; 25 A; 40 A; 50 A bei asymmetrischem Strom: 6 A; 10 A; 16 A; 20 A; 25 A; 40 A; 50 A; 63 A; 80 A; 100 A Zum Beispiel begrenzt die 25-A-Sicherung den Kurzschluss auf ca. 1,6 kA peak. (Schnittpunkt der senkrechten Linie, bei 2 kAeffektiv, mit der schrägen Linie der NH-Sicherung, ergibt den Peak-Wert, bei dem die Sicherung auslöst. Dieser Wert kann in der senkrechten Y-Achse abgelesen werden.)

tätserklärung ersichtlich sein? Wo findet man dazu Angaben? (S. M. per E-Mail)

9b

Erzeugnisse. Der Hersteller deklariert sein Produkt als Ganzes und gibt auch die Kurzschlussfestigkeit an. Der Hersteller der SGK kennt aber die Bedingungen am Einbauort meist nicht, weshalb die Überprüfung vor Ort durch den Sicherheitsberater nötig wird. Wie diese Prüfung erfolgen kann, ersehen Sie aus nachfolgender Abbildung. (dk)

10

Konformitätserklärung eines Herstellers Kürzlich mussten wir für einen Kunden eine Maschine anschliessen. Da wir uns nicht sicher waren, ob das Produkt in Ordnung ist, haben wir vom Hersteller die Konformitätserklärung verlangt. Diese enthielt nicht sehr viele Angaben. Nun fragen wir uns, was muss alles in einer solchen Konformi-

Wie eine Konformitätserklärung auszusehen hat, finden Sie in der Verordnung über elektrische Niederspannungserzeugnisse NEV. Im Artikel 6 ist aufgeführt, was eine Konformitätsklärung alles enthalten muss. Die Konformitätserklärung muss in einer schweizerischen Amtssprache oder in Englisch abgefasst sein. Des Weiteren müssen der Name und die Adresse des Herstellers oder seines in der Schweiz niedergelassenen Vertreters aufgeführt sein. Auch die Beschreibung des Niederspannungserzeugnisses muss aufgeführt werden, sodass aus der Konformitätserklärung hervorgeht, um was es sich handelt. Die Angabe der angewandten Vorschriften, Normen oder auch anderer Spezifikationen ist ebenfalls zwingend. Als letzter Punkt müssen der Name und die Adresse der Person aufgeführt sein, welche die Konformitätserklärung für den Hersteller oder seinen in der Schweiz niedergelassenen Vertreter unterzeichnet. (pn) ■ Haben auch Sie fragen rund um NIN? Wir freuen uns auf Ihre Mails an: pius.nauer@elektrotechnik.ch david.keller@elektrotechnik.ch

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how 38 Das haben wir ja schon immer so gemacht – aber keiner weiss warum… Solche Aussagen stammen bestimmt nicht aus unseren Reihen, oder? Dürfen Litzenkabel jetzt oder schon seit jeher auch ortsfest verlegt werden und ist das Verlöten von Litzenenden dann erlaubt? Stimmen die alten Selektivitäts-Faustregeln heute nicht mehr? Manchmal übernimmt man Gewohnheiten, welche seit Jahren nicht überprüft wurden, und nicht selten ist man sich bei den einfachsten Angelegenheiten nicht mehr sicher, ob deren Umsetzung noch den Normen entspricht oder «schon wieder» etwas geändert hat. Auch in dieser Ausgabe haben wir uns der einen oder anderen Gewohnheit angenommen.

Pius Nauer und David Keller

1

Anpassungen an der alten Installation Wir dürfen für ein bestehendes landwirtschaftliches Ökonomiegebäude eine neue Hauptverteilung liefern. Nach den gültigen Regeln der Technik muss in solchen Anlagen alles über eine Fehlerstromschutzeinrichtung geschützt werden. Nun sind einige der Installationen noch nicht nach System TN-S installiert. Dies verunmöglicht uns, den Einsatz einer Fehlerstromschutzeinrichtung für die gesamte Installation vorzusehen. Die Änderung der alten Installation würde sehr hohe Kosten verursachen. Ist es nun möglich, in der neuen Hauptverteilung nur die Stromkreise mit einer Fehlerstromschutzeinrichtung zu schützen, welche bereits in TN-S ausgeführt sind, oder muss die gesamte Installation saniert werden? Findet man in der Norm einen entsprechenden Verweis? (R. v. W. per E-Mail) Grundsätzlich kann und muss eine Norm nie rückwirkend angewandt werden. Dass heisst, wenn Ihre Installationsteile vor dem Jahre 1985 installiert wurden, ist der Einsatz einer Fehlerstromschutzeinrichtung nicht zwingend. Mit dem Ersatz der Hauptverteilung ändern Sie nur einen Installationsteil und dieser muss den gültigen Normen entsprechen. In der Starkstromverordnung finden Sie im Artikel 1 dazu eine entsprechende Be-

96 | Elektrotechnik 10/08

merkung. Es heisst dort unter anderem: Die Bestimmungen für die Erstellung gelten für bestehende Anlagen, wenn sie in einem bedeutenden Mass verändert werden und die Erfüllung der Anforderungen weder unverhältnismässig ist noch die Sicherheit wesentlich beeinträchtigt. Wie Sie aus diesem Abschnitt erkennen können, definiert die Starkstromverordnung die Anwendung der gültigen Regeln der Technik in bestehenden Installationen mit der Verhältnismässigkeit. Als versierter Elektroinstallateur wird man wohl nun aber dem Kunden die Vorteile einer neuen Installation si-

cher aufzeigen. Gerade auch mit dem Wechsel der Steckvorrichtungen ist dem Kunden in Zukunft sicher gedient, wenn man grössere Anpassun(pn) gen vornimmt.

2

Herbstmarkt mit Dorffest Wie jedes Jahr installieren wir für unseren Dorfmarkt die Grundinstallation. Ab den eigens für diesen Zweck vorgesehenen Verteilkasten schliessen wir PUR-Kabel an und führen diese auf Steckdosenverteiler. Für diese Installationen erstellen wir auch einen Sicherheitsnachweis. Was uns aber dann erstaunt, sind die Installationen in den jeweiligen Ständen. Wer ist eigentlich für die Sicherheit dieser Installationen zuständig, doch hoffentlich nicht auch noch wir? (W. S. per E-Mail) Die Verantwortlichkeiten für die Sicherheit von elektrischen (Starkstrom-) Anlagen regelt die NIV und auch die StV. So ist nach Artikel 5 NIV der Eigentümer grundsätzlich verantwortlich. Eigentümer der Grundinstallation, welche Sie erstellen, ist möglicherweise die Netzbetreiberin oder der Veranstalter stellvertretend. Viele Gemeinden erteilen eine Bewilligung für einen Grossanlass nur dann, wenn eine natürliche Person als Verantwortungsträger bestimmt ist.

4 Beispiel für die Selektivitätsgrenze aus dem Katalog der Firma Hager.

25A

16A

0.56

DII 25A gL

Die Selektivitätsgrenze liegt bei 560 Ampère

4 Seite 132 von 276

LS-C 16 A

IK 560A


3

Flexible Leitungen ortsfest montiert Wir hatten letzthin in unserer Firma eine angeregte Diskussion über die Verlegung von Leitungen. Auch nach längerer Zeit waren wir uns nicht einig, ob flexible Leitungen ortsfest verlegt werden dürfen oder ob diese ausschliesslich für die ortsveränderliche Verlegeart zugelassen sind? (S. R. per E-Mail) Für die ortsfeste Verlegeart definiert die NIN keine besonderen Ansprüche an die Bauart der Leitung. So können also steife, flexible und hochflexible Leitungen ortsfest installiert werden. Im Artikel 5.2.2.8.8.1 ist nachzulesen, dass flexible und hochflexible Leitungen bei ortsfester Montage in Rohre einzuziehen sind, oder man wählt eine andere Verlegeart, wobei jedoch zu beachten ist, dass die Befestigungsmittel die Leitung nicht beschädigen. Weiter heisst es, dass Nägel und Agraffen nicht als Befestigungsmittel eingesetzt werden dürfen. Flexible Leitungen werden oft mit der ortsveränderlichen Verlegeart in Verbindung gebracht, natürlich

auch darum, weil man sie dort auch am häufigsten antrifft. Verlegt man nun aber diese flexiblen Leitungen ortsfest, so darf auf keinen Fall der Leiterquerschnitt von der ortsveränderlichen Verlegeart übernommen werden. Auch für flexible Leitungen muss bei ortsfester Verlegeart der Querschnitt entspre(pn) chend dimensioniert werden.

NIN-Know-how

Für die Standbauten sind die Eigentümer teils Firmen, teils Vereine und auch Privatpersonen verantwortlich. Gerade bei Vereinen stellt sich bei solchen Anlässen oft die Frage nach den Verantwortlichkeiten. Wenn die für den Anlass verantwortliche Person keine weiteren Regelungen mehr trifft, so trägt diese Person nun die Haftung auch für solche Stände. Besser für den Bewilligungsträger wäre es jetzt, vorgängig und schriftlich von jedem Standbetreiber eine Person zu bezeichnen, welche für das Einhalten der Vorschriften Rechenschaft ablegt. Gemäss SEV-Info Nr. 2027 1.b vom November 2005 müssen Sicherheitsnachweise bei solchen Jahrmärkten wie folgt ausgestellt werden: • für alle fest angeschlossenen Teile, seien es Installationen oder auch Erzeugnisse • für gesteckte Anschlüsse mit Nennstrom grösser als 32 Ampere, es denn, eine Konformitätserklärung nach NEV liegt vor. Keinen Sicherheitsnachweis brauchen Anlageteile, welche gesteckt werden und keinen grösseren Nennstrom als 32 Ampere aufweisen. Diese werden als Erzeugnisse betrachtet, weshalb (auf Verlangen) eine Konformitätserklärung vorgelegt werden muss. Für die normenkonforme Installation finden Sie alle Angaben in Kapitel 7. 11 (dk) der NIN.

4

Kurzschlussselektivität Nach dem Einzug in die neue Eigentumswohnung hat sich unser Kunde darüber beklagt, dass ein Defekt in der Waschmaschine im Keller die halbe Wohnung stromlos gemacht habe. So etwas sei keine fachmännische Installation. Wir haben aber, wie so oft, eine Bezügersicherung D II mit 25 Ampere Nennstrom und für die Gruppe Waschmaschine einen LS-C mit 16 Ampere eingebaut. Genügen zwei Stufen nicht mehr für das Einhalten der Selektivität? (K. B. per E-Mail)

Wenn es hier um Obst ginge, würden Sie Äpfel mit Birnen vergleichen, ist ja fast dasselbe. Wir müssen Selektivität im Kurzschlussfall von der Überlastselektivität unterscheiden! Die einfachere Variante für die Planung ist sicher die Überlastselektivität. Beim Hintereinanderschalten von Schmelzsicherungen ist die Selektivität eingehalten, wenn der Nennauslösestrom der vorgeschalteten Sicherung mindestens um den Faktor 1,6 höher dimensioniert ist. Früher (nach älterer SEV-Norm) betrug der Faktor sogar 2, vielleicht hier die Verwechslung mit «2 Stufen». Macht man das Gleiche mit Leitungsschutzschaltern der Charakteristiken B, C oder D, so genügt ein Faktor von 1,5. Im Kurzschlussfall treffen wir aber eine ganz andere Situation an: Es fliesst nämlich sehr rasch ein sehr grosser Strom, der in keiner Art und Weise mit einem Überlaststrom verglichen werden kann. Zudem hängt die Grösse dieses Stromes nun im Wesentlichen von der Entfernung zur Energiequelle ab, ist also an jedem x- beliebigen Ort wieder anders. Die Selektivitätsgrenze hängt hier also von der Grösse des Kurzschlussstromes ab und muss aus den Herstellerangaben entnommen werden. Aus Abbildung 4 ersehen Sie, dass z. B. ein LS-C 16 A zu einer Schmelzsicherung 25 A bis zu einem Strom von 560 Ampere selektiv ist. Gerade im Wohnungsbau nimmt man (vielleicht gar nicht so bewusst?) in Kauf, dass die Anlage nicht 100% selektiv ist. Jedoch nimmt man mit einer Risikoabwägung

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Elektrotechnik 10/08 | 97

29.7.2008 7:46:14 Uhr


NIN-Know-how

Gerätekategorie nach Zonen

Temperaturklasse

1G

Gas

Zone 0/1/2

T1

450

2G

Gas

Zone 1/2

T2

300

3G

Gas

Zone 2

T3

200

1D

Staub Zone 20/21/22

T4

135

2D

Staub Zone 21/22

T5

100

3D

Staub Zone 22

T6

85

6

Gerätegruppe 7

in Kauf, dass beim wahrscheinlich eher seltenen Kurzschlussfall die Konsequenzen nicht allzu folgenschwer sind. (dk)

5

Aderhülsen, verlöten oder nichts? Ich habe mich schon oft gefragt, ob auf Litzendrähte zwingend Aderhülsen angebracht werden müssen. Man könnte die Litze für den Anschluss an Klemmen auch verlöten oder einfach so belassen. In den Normen habe ich dazu keine eindeutige Aussagen gefunden. Was muss, kann oder darf gemacht werden? (Y. A. per E-Mail) In der NIN 5.2.6.1 sind die Anforderungen an die elektrischen Verbindungen definiert und es wird auch angegeben, was alles berücksichtigt werden muss. Im Folgenden ist das Wesentliche kurz zusammengefasst: Der Anschluss muss eine dauerhafte Stromübertragung gewährleisten. Damit dies eingehalten werden kann, müssen die Verbindungsmittel richtig ausgewählt werden. Wer nun in der NIN nach der Aderendhülsen auf Litze sucht, der wird nichts finden. Es kommt also auf die Verbindungstechnik an. Schliesst man eine Litze an eine Leuchterklemme an, welche mit der Schraube direkt den Litzendraht unterklemmt, so ist der Einsatz einer Aderendhülse vonnöten. Bei Federklemmen gibt der Hersteller an, welche Verbindungstechnik gewählt werden kann. Die meisten Fabrikate

98 | Elektrotechnik 10/08

lassen eine Unterklemmung der Litze auch ohne Aderendhülsen zu. Schlecht angebrachte oder zu grosse Hülsen können sich bei solchen Verbindungen sogar sehr schnell negativ auswirken. Die Litze für Anschlüsse zu verlöten, wäre eine weitere Möglichkeit. Aber Achtung, bei Schraubklemmen schwindet das Lötzinn auf der Litze sehr schnell. Das weiche Lot verformt sich unter dem Druck der Klemme und führt dazu, dass sich die elektrische Verbindung sehr schnell verschlechtert. In der EN 60204-1 Artikel 14.1 wird darauf hingewiesen, dass gelötete Anschlüsse nur dann erlaubt sind, wenn die Anschlüsse zum Löten geeignet sind. Wir sehen nun also deutlich, Aderendhülse ja oder nein das kann man so alleine nicht beantworten. Um diese Frage richtig zu beantworten, ist es wichtig, das entsprechende Verbin(pn) dungssystem zu kennen.

6

Schaltgerätekombinationen für Laien In einem Kontrollbericht wird bemängelt, dass die Schaltgerätekombination nicht von Laien bedient werden könne. Wir haben tatsächlich eine Schaltgerätekombination für instruierte Personen gebaut und auch so gekennzeichnet. Die Türe lässt sich nur mit einem Vierkantschlüssel (Werkzeug) öffnen und auch ein Blitzsymbol ist angebracht, wie in der ET 6/08 angegeben. Die SK hat einen angegebenen Schutzgrad von IP2XB. Nach dem Öffnen der Türe ist Seite 134 von 276

die Einspeisung der SK gegen zufällige Berührungen geschützt (siehe Foto). Unserer Meinung nach ist dieser Schutz ausreichend. (P. G. per E-Mail) In einer Wohnung müssen SGKs so ausgeführt werden, dass diese von Laien gefahrlos bedient werden können. Dafür finden sich ergänzenden Anforderungen in den EN 60439-3, u. a. müssen alle Aussenflächen IP 2XC aufweisen. 2XB würde bedeuten, dass sowohl die Aussenflächen genauso wie die inneren Abdeckungen eine maximale Öffnung von 12 mm aufweisen, was so keinen Sinn macht. Also: aussen 12 mm (IP2), innen 2,5 mm (IP XXC). Bei Schaltgerätekombinationen, in denen gelegentlich Zugang zu bestimmten Teilen notwendig ist (z. B. zum Auswechseln von Lampen oder Sicherungseinsätzen), muss ein Hindernis so angeordnet werden, dass aktive Teile, die nicht durch eine andere Schutzmassnahme geschützt sind, nicht unabsichtlich berührt werden können. Dieses Hindernis braucht jedoch das absichtliche Berühren aktiver Teile durch Herumgreifen mit der Hand nicht zu verhindern. Es darf nur mit Werkzeug (dk) oder Schlüssel zu entfernen sein.

7

Schalterauswahl in Ex-Bereich In einer Abwasserreinigungsanlage ist ein kleiner Raum als explosionsgefährdeter Bereich definiert. In dieser Zone 1 sollen


wir einen Schalter und eine Leuchte montieren. Mit Katalogen und NIN versuchten wir nun, ein richtiges Schaltermodell zu finden. Wir sind uns aber nicht ganz sicher, ob wir die Aufschriften des Herstellers richtig verstanden haben. Wo findet man die Bedeutung der verschiedenen Zeichen? (N. H. per E-Mail) Sie finden dazu Angaben in der NIN Kapitel 7.61 und in der EN 60079-14. Bei der Wahl von Betriebsmitteln für explosionsgefährdete Zonen ist Folgendes zu beachten: Zoneneinteilung, Gerätekategorie nach Zonen, Gerätegruppe und die Temperaturklasse. Die Verantwortung der Zoneneinteilung liegt beim Eigentümer der Installation und wird in Zusammenarbeit der Suva und der kantonalen Feuerpolizei geregelt. In ihrem Fall ist dies bereits erfolgt und sie können also einen Schalter wählen, welches den Anforderungen der Zone 1 gerecht wird. Dazu ist die Angabe der Gerätekategorie sehr hilfreich. Schauen Sie sich dazu die Abbildung 7 an. In den Herstellerangaben ist der Aufdruck 2G ersichtlich. Dieses Betriebsmittel kann also gemäss Tabelle in der Zone 1 eingesetzt werden. Der Buchstabe hinter der Zahl sagt aus, ob ein Betriebsmittel in gasexplosionsgefährlichen Zonen (G) oder in staubexplosionsgefährlichen Zonen (D) eingesetzt werden kann. Die Gerätegruppe wird mit einer römischen I oder II bezeichnet. Betriebsmittel, welche im schlagwettergefährdeten Grubenbau eingesetzt werden, müssen der Gerätegruppe I entsprechen. In den anderen Einsatzgebieten, also auch bei Ihrer, ist ein Betriebsmittel mit der Gerätegruppe II zu installieren. Zuletzt ist noch die Temperaturklasse zu beachten. Dazu ist es notwendig, die Zündtemperatur des Gases zu kennen. Die Oberflächentemperatur eines in einer explosionsgefährdeten Zone eingesetzten Betriebsmittels darf verständlicherweise nicht grösser sein als die Zündtemperatur des betreffenden Gases. Hier hilft uns die Temperaturklasse weiter. In unserem Beispiel in Abbildung 7 ist dem Schalter die Temperaturklasse T6 zugeteilt. Das heisst, dass die Oberflächentemperatur des Schalters nie grösser als 85° C werden wird. Ist nun die Zündtemperatur Ihres explosionsfähigen Gemisches grösser, so kann der Schalter eingesetzt werden. Es ist darauf zu achten, dass auch Verschraubungen etc. der entsprechenden Klassifikation (pn) entsprechen.

8

Alter Stecker des Typs 1 Bei einer Kundin musste ich eine Ständerlampe reparieren. Beide hatten etwa den gleichen Jahrgang, so um die Kriegszeit herum. Als ich im Geschäft einen neuen Stecker (Typ 12) holte, meinte mein Chef, ich dürfe diesen nicht an diese Leuchte anschliessen. Er konnte aber auch nicht sagen warum. Ich finde aber, dass das überhaupt kein Problem geben sollte. (S. A. per E-Mail) Wenn diese Ständerleuchte vollständig aus Isoliermaterial besteht (z. B. Holz) und auch keine metallenen Fassungen sowie ein doppelt isoliertes Anschlusskabel besitzt, so sehe ich da auch keine Probleme. Sicher hätte Ihr Chef aber recht, wenn es sich bei der besagten Leuchte möglicherweise um einen Messingständer handelt. Ohne Schutzleiter würde das nach heutiger Definition der Schutzklasse 0 entsprechen. Und Geräte der Schutzklasse 0 dürfen nach geltenden Normen nur in nicht leitenden Räumen eingesetzt werden. Früher wollte man diese besondere Gefahr so eindämmen, dass ebensolche Geräte nicht an Orten mit erhöhtem Risiko zum Einsatz gelangen durften. Zu diesen Orten zählten neben Werkstätten und anderen Arbeitsstätten mit leitendem Fussboden oder mit fest montierten und geerdeten Maschinen auch feuchte, nasse und korrosionsgefährdete Räume sowie die Verwendung von Geräten im Freien. Deshalb steht auch noch in der aktuellen Norm der Passus, dass an ebendiesen Orten Steckdosen mit Schutzkragen montiert werden dürfen. Somit wurde verhindert, das dort Stecker des Typs 1 eingesteckt wurden. Die aktuelle Norm (NIN 2005) besagt im Weiteren in Artikel 5.4.3.4.7: An ortsveränderliche Leitungen ohne Schutzleiter dürfen nur Steckvorrichtungen ohne Schutzkontakt angeschlossen werden. Stecker mit Schutzkontakt dürfen nur dann angeschlossen werden, wenn die Leitungen am andern Ende mit Apparaten mit Sonderisolierung (Schutzklasse II) oder mit Apparate- oder Kupplungssteckdosen für solche Appa(dk) rate verbunden sind.

9

Probleme mit der Leckstrommessung Kürzlich habe ich an einem Stromkreis die Leckstrommessung durchgeführt. Es ergab sich ein Leckstrom von 14 mA. Eigentlich wäre dieser Wert in Ordnung. Erstaunt habe ich jedoch nach der Isolationsmessung festgestellt, dass der Isolationswert bei 0 ⍀ lag. Weitere Messungen ergaSeite 135 von 276

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NIN-Know-how

N-PE Verbindung

14mA

Messung mit einem Verbraucher

12mA

10000 3

Messung mit: 0 MΩ

ON C13

9a

28mA

Durch zuschalten von Lasten ändert sich der Leckstrom!

28mA

10000 3

Messung mit: 0 MΩ

ON C13

9b

ben eine Verbindung zwischen einem Neutral- und Schutzleiter auf einer Steckdose. Das Ganze hat mich nun sehr verunsichert. Ist es nicht möglich, solche N-PEVerbindungen mit der Leckstrommessung zu erkennen? (A. W. per E-Mail) Die Leckstrommessung ist eine heikle Methode, um den Isolationswiderstand einer Installation zu überprüfen. Damit man die Messwerte richtig interpretieren kann, braucht es einiges an Erfahrung. Die Isolationsmessung wird bekanntlich mit einer Gleichspannung durchgeführt, dies darum, weil man so die meisten Messfehler, welche durch eine Wechselspannung entstehen, umgehen kann. Nun zu Ihrer Frage. Ein zentraler Punkt bei der Leckstrommessung ist die Belastung des Stromkreises. So muss vor der eigentlichen Leckstrommessung geprüft werden, ob der entsprechende Stromkreis auch Strom führt. Dies kann mit der Messzange über die einzelnen Polleitern geprüft werden. Ist dem so, kann mit der Leckstrommessung begonnen werden, wobei die gemessenen Werte zu protokollieren sind. Um nun das Ganze zu analysieren, ist es hilfreich, eine zweite Messung durchzuführen. Dazu schalten wir jedoch zum entsprechenden Stromkreis eine weitere Last zu und lesen die Anzeigen wiederum ab. Siehe dazu die Abbildungen 9a und 9b. Die zwei Resultate der beiden Messungen sind miteinander zu vergleichen. Geben diese beiden Messungen unterschiedliche Werte, ist eine Überprüfung mittels Isolationsmessung unabdingbar. Die Methode der Leckstrommessung darf nicht dazu führen, dass man «einfach so» auf eine Isolationsmes■ sung verzichtet. (pn)

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100 | Elektrotechnik 10/08

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how

NIN-Know-how Gerade wer sich regelmässig weiterbildet, merkt, dass nicht nur die Technik laufend verbessert wird, sondern auch die Normen fliessend den neuen Situationen angepasst werden. Manchmal kaum auffällig, dann und wann auch ausgeprägter mit eigenen Kapiteln im Teil 7 über «besondere Räume». Leitungen von zwei verschiedenen Sicherungsgruppen im gleichen Rohr eingezogen wäre früher undenkbar gewesen, heute wird sogar ein Lautsprecherkabel miteingezogen. Badezimmer und Schwimmbäder haben eigene Kapitel erhalten und stellen höchste Ansprüche an die Sicherheit. Lesen Sie die nachstehenden Fragen und Anworten und vielleicht erfahren Sie gar Neues? Pius Nauer und David Keller

1

Schwimmbad im Freien

Kürzlich wurde ich von einem Kunden angefragt, seine Schwimmbadsteuerung anzuschliessen. Das Schwimmbad steht ebenerdig im Freien. Direkt neben dem Schwimmbad wurde ein betonierter Installationsschacht eingelassen, welcher mit einem Gitterrost abgedeckt ist. In diesem Installationsschacht wurden sämtliche notwendigen Installationen wie Pumpen, Steuerung und die Transformatoren für die Unterwasserbeleuchtung montiert. Ich bin mir nun nicht sicher, ob in diesem

Schacht elektrische Installationen ausgeführt werden dürfen. Wie sieht es mit der Zoneneinteilung aus? Ist im Schacht nicht auch die Zone 1? Durch den Gitterrost kann Regen oder auch Spritzwasser durch das Baden eindringen. Was meinen Sie dazu? (R. R. per E-Mail) Bevor entschieden werden kann, ob in diesem Schacht elektrische Installationen getätigt werden dürfen, muss das Schwimmbad in die verschiedenen Bereiche eingeteilt werden. Siehe dazu auch Abbildung 1. Wir behandeln hier ausschliesslich Schwimmbäder im Frei-

Bereich 2

2,5m

Bereich 1

2,0m 2, 2,0m ,0m

Bereich 1:

Bereich 0

Nur fest installierte Betriebsmittel, welche für Schwimmbecken hergestellt sind. Z.B. Beleuchtung. Min. IPX5 und SELV AC 12V oder DC 30V

Bereich 2: Schalter, Steckdosen und Schalt- und Steuergeräte sind erlaubt, wenn min. mit Fehlerstromschutzeinrichtung 30mA geschützt. Min. IPX4

1

74 | Elektrotechnik 11/08

1, ,5m 1,5m 1,5 m

Bereich 0: Nur fest installierte Betriebsmittel, welche für Schwimmbecken hergestellt sind. Z.B. Beleuchtung. Min. IPX8 und SELV AC 12 V oder DC 30V

Seite 137 von 276

39 en. Bei Anlagen innerhalb eines Gebäudes müssen kleine Abweichungen, vor allem in den Schutzarten der Betriebsmittel berücksichtigt werden. Nun zur Einteilung der verschiedenen Bereiche. Der Bereich 0 erstreckt sich über das ganze Innere des Schwimmbeckens. Dazu gehören aber auch Öffnungen wie Skimmer oder auch das Innere von Überlaufkanälen, welche neben dem Becken angeordnet sind. Innerhalb des Bereichs 0 dürfen nur Betriebsmittel installiert werden, welche für die Verwendung in Schwimmbecken hergestellt wurden. Es sind dies vor allem Unterwasserbeleuchtungen. Diese müssen der Schutzart IPX8 entsprechen und mit SELV max. 12 V AC oder 30 V DC betrieben werden. Der Bereich 1 wird nun durch die senkrechte Fläche in 2,0 m Abstand vom Beckenrand begrenzt und erstreckt sich über eine Höhe von 2,5 m. In der Waagrechten begrenzen der Boden, aber auch eine Standfläche, auf der sich Personen aufhalten können, den Bereich 1. Der Gitterrost auf dem Installationsschacht gilt nun als Begrenzung des Bereichs 1. Das heisst, dass im Inneren des Schachtes kein Bereich mehr definiert ist. Im Bereich 1 dürfen keine Schalter, Steckdosen und dergleichen montiert werden. Zugelassen sind wiederum fest installierte Betriebsmittel, welche mit SELV max. 12 V AC oder 30 V DC betrieben werden. Es ist darauf zu achten, dass diese Betriebsmittel min. der Schutzart IPX5 entsprechen. Zum Bereich 2 gehört nun die Fläche, welche sich in einem Abstand von 1,5 m vom Bereich 1 erstreckt. Im Bereich 2 dürfen nun auch Schalter und Steckdosen installiert werden. Diese müssen aber zwingend durch eine Fehlerstromschutzeinrichtung von max. 30 mA Auslösestrom geschützt sein. Die Schutzart der Betriebsmittel ist für Anlagen im Freien min. IPX4. Bei der Einteilung der Bereiche ist ausserdem zu achten, das die Bereiche sich weiter ausdehnen, wenn Sprungtürme etc. vorhanden sind. Wie sie nun sehen, können sie in ihrem Installationsschacht elektrische Installationen ausführen. Die Installation ist jedoch zwingend mit einer Fehlerstrom-


NIN-Know-how 2a

2b

2a Richtig: Adapter fest mit SCHUKO-Stecker verbunden. Pfeile: Übergang von SCHUKO-Stecker zu Adapter Typ 12.

2b Nicht zulässig: Adapter vom Stecker trennbar.

schutzeinrichtung von max. 30 mA zu schützen. Der IP-Schutzgrad der montierten Betriebsmittel im Installationsschacht muss ebenfalls den Umgebungsbedingungen entsprechen. Da es sich bei der Abdeckung des Schachtes nur um einen Gitterrost handelt, ist es sicher empfehlenswert über den Betriebsmittel als zusätzlicher Schutz ein Blech zu montierten, welches verhindert, dass Wasser über die elektrischen Betriebsmittel laufen kann. Weiter ist darauf zu achten, dass die NIN bei Schwimmbädern in den Bereichen 0, 1 und 2 einen zusätzlichen Potentialausgleich fordert. Das heisst, sämtliche fremden leitfähigen Teile in diesen Bereichen müssen untereinander und mit dem Schutzleiter aller Körper, welche in diesen Bereichen angeordnet sind, verbunden werden. Dazu gehört in diesem Beispiel auch der Anschluss des (pn) Gitterrostes.

2

Ausländische Stecker

Kürzlich habe ich bei einem Grossverteiler einen neuen Hochdruckreiniger eingekauft. Das Gerät ist serienmässig mit einem SCHUKO-Stecker ausgerüstet. In der Packung lagen auch noch verschiedene Übergangsstecker, auch einer mit Übergang auf Schweizer Normsteckdosen. Eigentlich kann ich jetzt dieses Gerät, zwar mit etwas Gewalt, auch ohne Übergangsstecker in eine Steckdose Typ 12 einstecken, nur wäre dann eben der Schutzleiter nicht verbunden. Ist das denn so korrekt? (P. S. per E-Mail) Eigentlich dürften nur Geräte mit Schweizer Haushaltsteckern, z. B. Typ 12, 15, 23, 25 etc. und international genormte Stecker für industrielle Anwen-

dungen, z. B. Typ 76, 77 (besser bekannt als «Stecker CEE 32, 63», etc.) in der Schweiz in Verkehr gebracht werden. Da dieses Problem aber immer wieder auftaucht, hat das ESTI diesbezüglich folgendes entschieden (nachzulesen im SEV-Info Nr. 3044 vom März 2004): Wenn Geräte mit ausländischen Steckern auftauchen, so werden diese mit einem Verkaufsverbot belegt, auch wenn, wie in Ihrem Fall beschrieben, in der Schachtel ein Adapter beigelegt wurde. Mindestens müsste also das Übergangsstück fest mit dem Stecker verbunden sein (Abbildung 2 a und b). Dabei gilt es auch unbedingt zu beachten, welchen Betriebsstrom das Gerät führen kann! Die deutschen SCHUKO-Stecker zum Beispiel sind bis zu einem Strom von 16 Ampere ausgelegt, während Schweizer Stecker Typ 12 nur bis 10 Ampere zugelassen sind. Wenn Sie solche Situationen antreffen, melden Sie dies dem ESTI in Fehraltorf. (dk)

3

Bewilligung für Schlusskontrolle

Wir haben für unser Elektro-Installationsgeschäft einen Elektro-Sicherheitsberater angestellt. Dieser soll für die elektrischen Installationen, welche durch das Unternehmen ausgeführt werden, die Schlusskontrolle übernehmen und den Sina ausstellen. Die zuständige Netzbetreiberin verlangt nun von uns, dass für den Elektro-Sicherheitsberater eine Kontrollbewilligung beim ESTI beantragt werden muss, damit er diese Schlusskontrollen ausführen und den entsprechenden Sicherheitsnachweis ausstellen kann. Da durch die Installationsfirma jedoch weder Abnahmekontrollen noch periodische Kontrollen durchgeführt werden, sind wir der MeiSeite 138 von 276

nung, dass keine Kontrollbewilligung gelöst werden muss. Können Sie mir weiterhelfen, wie das nun tatsächlich geregelt ist? (S. M. per E-Mail) Die NIV drückt sich in dieser Frage eigentlich klar und deutlich aus. In Artikel 24 der NIV steht geschrieben, dass vor der Übergabe einer elektrischen Installation eine Schlusskontrolle durchgeführt werden muss. Diese muss nach NIV durch eine fachkundige Person oder durch einen Elektro-Kontrolleur/Chefmonteur erfolgen. Der heutige ElektroSicherheitsberater weisst die gleichen Kompetenzen wie der Elektro-Kontrolleur/Chefmonteur auf. Die Schlusskontrolle muss also nicht durch ein unabhängiges Kontrollorgan durchgeführt werden, sondern kann betriebsintern organisiert sein. In Artikel 26 Absatz 2 definiert nun die NIV wer zur Ausübung von Kontrollen eine Bewilligung des Inspektorates benötigt. Es sind dies die unabhängigen Kontrollorgane und die akkreditierten Inspektionsstellen. Das heisst nun, wer Schlusskontrollen durchführt, muss mindestens die Berufsprüfung Elektro-Sicherheitsberater erfolgreich abgeschlossen haben, eine Kontrollbewilligung muss für diese Arbeiten jedoch (pn) nicht gelöst werden.

4

Neutralleiterbelastungen

Kürzlich mussten wir bei einem Kunden eine Schalter-Steckdosen-Kombination ersetzen, weil bei dieser der Nullleiter abgebrannt ist (siehe Bild 4). Nun habe ich in den NIN nachgelesen, dass Verbindungen besser nicht an den Steckdosen, sondern in Abzweigklemmen gemacht werden sollten. Wieso denn das? (W. M. per E-Mail) Elektrotechnik 11/08 | 75


NIN-Know-how

Der Grund für den Neutralleiterabbrand der in Ihrem Foto gezeigten Schalterkombination liegt womöglich eher in einem mangelhaft ausgeführten Anschluss. Regelmässig führen solche Situationen zu Bränden in Steckdosen und auch Schaltern. Da bei diesen Steckklemmen die sichere Verbindung nicht ersichtlich ist, muss beim Anschluss besonders darauf geachtet werden, dass der Draht fest angeschlossen ist. Beim Abisolieren ist die geforderte Länge einzuhalten und nach dem Einstecken unbedingt die Prüfung durch Ziehen am Draht durchzuführen. Der in den NIN beschriebene Grund für separate Klemmen liegt aber darin, dass bei Drehstromnetzen mit Neutralleiter dieser häufig sehr stark belastet wird. Die in den B+E gezeigte Grafik erklärt auch den Grund dazu. Bekannterweise heben sich die 50-Hz-Ströme der Polleiter L1…3 bei symmetrischer Belastung auf. Anders verhält es sich eben mit Strömen höherer Frequenzen, genauer gesagt, mit den Harmonischen. Diese Ströme können sich je nach Phasenlage im Neutralleiter arithmetisch addieren und so einen höheren Wert annehmen, als in einem einzelnen Polleiter fliesst. Solche Ströme werden durch sogenannt nichtlineare Verbraucher «erzeugt». Solche nichtlinearen Verbraucher findet man in allen Netzgeräten von PCs, Bildschirmen, Druckern, Handy-Ladegeräten, USV, Frequenzumrichtern, etc. Deshalb gilt es, gerade dem Neutralleiter in Brüstungsund Bodenkanälen besondere Beach(dk) tung zu schenken.

5

4 4 Mangelhafter Neutralleiteranschluss.

5a

Hauptverteilung Temporäranschluss

Kürzlich wurde ich zu einer Abnahmekontrolle einer temporären Anlage gerufen. Es handelte sich um einen grossen Festanlass. Die Hauptverteilung, welche ich antraf, wurde in der Bauform für instruierte Personen ausgeführt. Siehe Abbildung 5 a,b. Ich war mir nun nicht sicher, ob ich diese Situation so zulassen kann oder nicht. Was sagen die Regeln der Technik darüber aus? (H. M. per E-Mail) Eine Schaltgerätekombination, welche für instruierte Personen gebaut ist, muss nicht den gleichen Anforderungen entsprechen, wie ein Modell, welches für Laien gedacht ist. Wie auf den Bildern 5a und 5b zu erkennen ist, ist die Verteilung auch in der Schutzart IPX2, der sogenannten Prüffingersicherheit ausgeführt. Es spricht auf den ersten Blick nichts gegen die Ausführung der

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5b 5a und b Temporäre Hauptverteilung für instruierte Personen.

Schaltgerätekombination. Das Blitzsymbol am Türschloss warnt auch normengerecht vor einer Schaltgerätekombination für instruierte Personen. Es muss viel eher die Frage gestellt werden, ob sie in der Tat auch von Laien Seite 139 von 276

bedient werden kann. In Betrieben, wo die Mitarbeiter eindeutig über die Gefahren und die Bedienung solcher Anlagen instruiert werden können, ist der Einsatz von Schaltgerätekombinationen in der Bauart für instruierte Personen


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Rote Anlageschalter

In der ET Nr. 2/08 habe ich gelesen, dass Anlageschalter grau und schwarz ausgeführt werden müssen. Nun treffe ich immer wieder solche in rot-gelber Ausführung, muss ich dies bei einer Abnahmekontrolle nun beanstanden? (H. R. aus P.) Die Farbe «rot» soll Geräte für den Notfall eindeutig kennzeichnen. Damit in einem solchen Notfall diese auch nicht verwechselt werden, ist diese Farbe ausschliesslich für Not-Schalter zu verwenden. Man unterscheidet bei Notschaltungen zwischen NOT-AUS und NOT-HALT. Nach dem Betätigen einer NOT-AUS-Schalteinrichtung müssen alle Energien weg sein, bzw. abgebaut sein. Hingegen kann es für einen NOT-HALT nötig sein, Energie zu einem Betriebsmittel zuzu-

führen. Möglicherweise braucht es für ein Stillsetzen eines Antriebes eine Gegenstrombremsung. Mit einem Anlageschalter ist die NOT-HALT-Funktion nur möglich, wenn durch Abschalten der Energie auch sofort keine Gefahr bringende Bewegung mehr im Gange ist. Dies ist jedoch eher selten der Fall, weshalb dann die Farben Rot und Gelb nicht verwendet werden dürfen. Im SUVA-Dokument CE 93-d kann man nachlesen, unter welchen Bedingungen ein Anlageschalter rot und gelb sein darf oder muss. Ein typisches Beispiel bieten einige Torantriebe. Sehen Sie (dk) dazu Abbildung 6.

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NIN-Know-how

wohl bedenkenlos. Wie steht es aber nun an einem solchen Festanlass? Wer macht sich hinter die Verteilung, wenn ein oder mehrere Stromkreise abschalten? Um diese Fragen zu beantworten, müssen sicherlich verschiedene Faktoren angeschaut werden. Zum Beispiel, wie sieht das Sicherheitskonzept des Veranstalters aus? Ist als Pikettdienst eine sachverständige Person oder dergleichen vor Ort? Wenn dem so ist, kann sicher davon ausgegangen werden, dass diese Person auch mit dem Umgang von Schaltgerätekombinationen für instruierte Personen vertraut ist. Ein wichtiger Punkt ist ganz bestimmt der Aufstellungsort dieser Verteilung. Handelt es sich nicht um eine Schaltgerätekombination für Laien, so muss der Aufstellort so gewählt werden, dass das «normale Festvolk» keinen direkten Zutritt zu diesen Anlagen hat. (pn)

Querschnitt Hauptpotenzialausgleich

Die Lüftungsanlage ist korrekt mit dem richtigen Querschnitt in den Hauptpotenzialausgleich eingebunden. Müssen die Überbrückungen der Isolierstücke der Lüftungskanäle mit dem gleichen Querschnitt wie des Querschnitts des Hauptpotenzialausgleichsleiters ausgeführt werden? Oder kann der Querschnitt reduziert werden, wenn an den nachfolgenden Lüftungskanälen nirgends ein weiter Potenzialausgleichsleiter abgenommen wird? (A. S. per E-Mail) In der NIN 5.4.7.1.1 finden Sie die Angaben, welche für die Dimensionierung eines Hauptpotenzialausgleichsleiters angewandt werden müssen. Der Querschnitt des Hauptpotenzialausgleichsleiters darf auf die Hälfte des Hauptschutzleiters, in der Regel entspricht dies dem angeschlossenen Schutzleiter am Anschlussüberstromunterbrecher, reduziert werden. Bei Kupfer muss er jedoch mindestens 6 mm2 sein. Ist im gleichen Gebäude eine Blitzschutzanlage vorhanden, so muss der Mindest-

6 6 Voraussetzungen für rot-gelbe Anlagenschalter: • es besteht eine Gefahr bringende Bewegung • 1 einzige Funktionseinheit • Stopp nach Kategorie 0 erfüllt • vom Standort des Anlagenschalters ist die gesamte Anlage überblickbar.

querschnitt einem 10 mm2 entsprechen. Der maximale Querschnitt des Hauptpotenzialausgleichsleiters ist auf 25mm2 beschränkt. Dieser daraus folgende Querschnitt gilt nun für sämtliche Anschlüsse an den Hauptpotenzialausgleich, wie auch für die Überbrückung von Ventilen und dergleichen. Eine Reduktion des Hauptpotentialausgleichs kann in Ihrem Fall nicht gemacht werden, auch dann nicht, wenn die Lüftungskanäle nicht als Hauptpotenzialausgleichsleiter für andere Anschlüsse ■ (pn) benützt werden.

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NIN-Know-how

Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Nichts ist so beständig wie die Veränderung! Die Innovationen in der Technik verlangen auch laufend Anpassungen der Normen. Hin und wieder kommen neue Normen hinzu, oder für Teile entstehen separate Normen. In der aktuellen Ausgabe finden Sie auch wieder Hinweise zu europäischen Normen, welche durchaus für den Elektrofachmann nützlich sind. Pius Nauer und David Keller

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Verschiedene Stromkreise im gleichen Kanal

Mein Nachbar ist mit dem Bericht über die in seinem Eigenheim durchgeführte periodische Kontrolle nicht einverstanden. So haben wir seinerzeit zusammen alle im Wohnzimmer benötigten Kabel gemeinsam in einen Kanal verlegt, damit Ordnung herrscht und keine Stolperfallen mehr existieren. Nun dürfen wir gemäss Kontrollbericht die Lautsprecherkabel und das Telefonkabel nicht im gemeinsamen Kanal führen. Wieso ist das nicht erlaubt? (M. K. per E-Mail) Das ist nicht unbedingt verboten! Diesbezüglich haben die Normen einen Wandel durchlebt. Noch zu HV- Zeiten war es strikte untersagt, verschiedene Stromkreise im gleichen Rohr zu führen. In Kanälen und Trassees musste eine Ordnungstrennung (nach Art der Quelle bzw. Spannung getrennt verlegt) eingehalten werden. Die aktuelle Norm beschreibt diese Umstände in den Kapiteln 5.2.1.7 und 5.2.8.1. Dabei stellt man fest, dass es durchaus zulässig ist, verschiedene Stromkreise im gleichen Kanal oder Rohr zu führen, vorausgesetzt, jede Leitung ist für die höchst vorkommende Spannung isoliert. In Ihrem Falle gilt es nun zu prüfen, für welche Spannungen die jeweiligen Kabel und Leiter isoliert sind. Typischerweise sind Telefonkabel U72 genügend für 230 V isoliert, nicht aber der Installationsdraht I83. Bei TV-Kabeln finden sich noch etliche, welche nicht genügend isoliert sind. Genauso verhält es sich für Lautsprecherkabel. Teurere Kabel (meist auch dickere) erfüllen die Forderungen, andere wiederum nicht. So sind Sie als Installateur und natürlich auch als Kontrolleur gefordert, diese Umstände ge-

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nau zu prüfen. Der Vollständigkeit halber sei der Hinweis auf die EMV (Elektromagnetische Verträglichkeit) erlaubt. Nicht selten verlangen Hersteller bestimmter Geräte gar einen Abstand (nicht nur Ordnungstrennung!) ihrer Leitungen von anderen. (dk)

2

Steckdose im Spiegelschrank

Bei einer Weiterbildung hat unser Lehrling erläutert, dass die waagrechte Distanz einer Steckdose im Spiegelschrank nicht zwingend 0,6 m zum Wannenrand einer Badewanne sein muss. Er meinte, dass es reichen würde, wenn die 0,6 m mit dem Fadenmass um die Spiegelschranktüre einge-

40 halten werden. Gilt dies auch, wenn die Spiegelschranktüre nicht bis zu einer Höhe von 220 cm reicht? (A. S. per E-Mail) Die Aussage Ihres Lehrlings ist korrekt. Beachtet man aus der NIN nur die Einteilung der Bereiche, so wäre die Steckdose nun im Bereich 2 angeordnet, was grundsätzlich nicht zulässig ist. Was möchte die Norm mit der Distanz von 0,6 m erreichen. Die Distanz soll verhindern, dass eine sich in der Badewanne befindende Person nicht einfach «gedankenlos» einen Verbraucher an einer Steckdose einstecken kann. Die Norm geht also davon aus, dass dies mit dem Abstand von 0,6 m realisiert werden kann. Ein Hindernis, wie es die Spiegelschranktüre darstellt, kann den gleichen Sinn erfüllen. Deshalb schreibt die NIN in 7.01.3.3.1, dass bei Abtrennungen, welche niedriger als 225 cm sind, das Um- und Übergreifen berücksichtigt

Das Fadenmass, senkrecht zur Wanne gemessen, muss grösser als 0,6m sein.

<0,6m

2a Seite 141 von 276


Hier ist bestimmt auf das Umgreifen zu achten. Das Fadenmass muss grösser 0,6 m sein!

reichen, Schusspressen sind dafür nicht geeignet. Gerade für grosse Querschnitte ist also eine solche Verlängerung verhältnismässig, liegen diese Leiter doch dann meistens in einem Kabelkanal oder Trassee und sind weder irgendwelchen Zugkräften noch anderen mechanischen Belastungen ausgesetzt. Bei periodischen Prüfungen könnte man den Zustand unter Belastung thermografisch überprüfen. (dk)

4 2b werden muss. Die Figur f in NIN 7.01.3.3.1 B+E zeigt deutlich, dass bei einem Spiegelschrank das Fadenmass von 0,6 m zwischen Wannenrand und der Steckdose eingehalten werden muss. Siehe dazu auch Abbildung 2a. Hiermit wird kontrolliert, ob beim Umgreifen die Distanz von 0,6 m eingehalten wird. Diese Praktik darf auch dann angewandt werden, wenn die Spiegelschranktüre nicht bis zu einer Höhe von 225 cm reicht. Das Übergreifen ist theoretisch auch bei einer Spiegelschranktüre möglich. Bei Spiegelschränken, welche auf normalen Höhen, das heisst, die Oberkante der Spiegelschranktüre ist zwischen 1,8 m und 2,0 m montiert, ist das Übergreifen viel «unbequemer» als das Umgreifen der Türe und kann aus diesem Grund ausgeschlossen werden. Deshalb kann auf das Mass des Übergreifens im Normalfall verzichtet werden. Muss aber davon ausgegangen werden, dass das Übergreifen möglich ist, so muss zwingend auch dieses Fadenmass kontrollieren. Siehe dazu Abbildung 2b. (pn)

3

Verlängerung von ortsfest verlegten Leitern. Die Frage stellt sich nun, ob mit Pressverbindern eine Verbindungsstelle im Sinne der Norm erstellt ist. Die NIN verlangen tatsächlich, dass Verbindungsstellen jederzeit zugänglich sein müssen (5.2.6.1.3). Jedoch erwähnen sie auch, dass dies für Muffen, sowohl erdverlegt wie auch in der Installation mit Isoliermasse gefüllte Muffen, nicht eingehalten werden muss. Zum Glück! kann man da nur sagen. Worin liegt jetzt der Unterschied einer vergossenen Muffe zu einer «geschrumpften» Muffe? Erst einmal in der Grösse. Sicher sind die Verbindungen in mit Kunstharz vergossenen Muffen sehr gut gegen äussere Einflüsse geschützt. Besser gar als das Kabel selber. Mit den heute zur Verfügung stehenden Materialien kann aber auf jeden Fall eine gleichwertige Isolation und Festigkeit wie z. B. die eines TT-Kabels erreicht werden. Beim Pressen der Verbinder sollte man mit hydraulischen Werkzeugen den korrekten Pressdruck er-

Anschluss des DINSicherungselements

Bei einem Anschluss eines 3-poligen DIN-Sicherungselements (siehe Abbildung 4) stellte ich mir kürzlich die Frage, ob die Einspeisung oben oder unten gemacht werden muss. Wird nämlich der Anschluss von unten angebracht, so wird der obere Kontakt beim Abschalten der Sicherung während des Ziehens noch unter Spannung stehen. Dies könnte bei Unachtsamkeit zu einer Personengefährdung führen. Ist in der Norm definiert, wo der Anschluss der Speisung zu erfolgen hat? (V . K. per E-Mail) Die von Ihnen erwähnten Sicherungselemente sind gemäss Norm nur an Einbauorten vorgesehen, wo ausschliesslich instruierte Personen Schalthandlungen vornehmen. Aus diesem Grund schreibt uns die Norm auch nicht vor, wo die Einspeisung anzuschliessen ist. In der Praxis wird der Anschluss der Einspeisung in der Regel von unten ausgeführt. Dies ist auch der Fall, wenn die Elemente so konstruiert sind, dass sie für die Einspeisung direkt auf eine Stromschiene zur Einspeisung montiert werden können. Bei Sicherungssystemen für Laien, wie zum Beispiel Normalleistungssicherungen (Schraubschmelzeinsätze), ist zwingend

Verlängerung ortsfest verlegter Leiter

Wir müssen in einem Industriebetrieb ein grosses Tableau versetzen. Nun reichen einige Leitungen nicht mehr bis zum neuen Standort. Bis anhin haben wir in solchen Fällen diese Leiter mit Pressverbindern und Schrumpfschlauch verlängert. Unser Sicherheitsberater meint nun, dass nach NIN Verbindungsstellen immer zugänglich sein müssen und die bei solchen Muffen nicht mehr eingehalten werden können. (J. B. per E-Mail) Die von Ihnen beschriebene Art ist eine durchaus praktikable Möglichkeit zur

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NIN-Know-how

© STFW Pius Nauer 08


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F1

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5

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8

F3 95

F1.1 96 4

2 1

3

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neu: Q3

neu: B3.1

1

alt: S3.1

4

2

neu: B5 alt: S5

1

Q1 = Anlageschalter M1 = Pumenantrieb B3.1 = Niveauschalter unten B3.2 = Niveauschalter oben B5 = Niveauschalter Alarm S5 = Quittierung Horn P7/P8 = Alarm Niveau

1

alt: K3M F1.1 2

4

6

4

2

neu: B3.2 alt: S3.2

PE

1

neu: Q3

A1

alt: K3M

A2

3

13

neu: Q3

S5 4

alt: K3M 14

13

K5 14

21

K5 22

A1

neu: P7

neu: P8

A2

alt: H7

alt: H8

K5

L1 L2 L3 U1 V1 W1

M1

M 3~

5 Beispiel der Betriebsmittelkennzeichnung.

darauf zu achten, dass die Einspeisung am Fusskontakt des Überstromunterbrechers erfolgt. (pn)

5

Betriebsmittelkennzeichnungen in Schemas

Bei der Übergabe der Revisionsunterlagen an unseren Kunden bemängelte dieser, dass die in den Schemas verwendeten Symbole und Kennzeichnungen nicht den aktuellen Normen entsprächen. Wir haben wie immer die aus unserem CAD verfügbaren Symbole verwendet. Im Vorspann fügen wir auch immer eine Legende mit allen Betriebsmitteln und Kennzeichnungen an, das müsste doch genügen? (P. N. per E-Mail) Nach NIV-Artikel 3 sind für elektrische Installationen, dazu gehören natürlich auch die technischen Unterlagen wie Schemas etc., die anerkannten Regeln der Technik anzuwenden. Zu diesen Regeln gehören, wo vorhanden, die internationalen IEC-, und Cenelec-Normen. Für Symbole ist die IEC-Norm 60617 wegweisend. Wenn Sie nun für Ihre Darstellung in dieser Norm kein Symbol finden, so können Sie selber eines entwerfen und die Erklärung dazu in einer Legende beschreiben. Für die Kennzeichnung hat sich gegenüber früheren Usanzen einiges geändert. Mit der europäischen Norm

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EN 61346 (in Kraft seit dem Jahr 2000) werden in allen technischen Fachbereichen die gleichen Prinzipien angewandt. Das bringt den Vorteil, dass in einer technischen Anlage sowohl der Elektrowie der Lüftungs- und der Heizungsfachmann, etc. ein Betriebsmittel anhand des Kennbuchstabens erkennen können. Alle Bereiche verwenden dieselbe Terminologie. Wir als Elektrofachleute haben früher einem elektromagnetisch betätigten Schalter (Relais, Schütz) den Buchstaben «K» zugewiesen. Um dessen Funktion noch genauer zu beschreiben, haben wir nach der Strompfadnummerierung noch einen zusätzlichen Buchstaben hinzugefügt, «M» für Hauptfunktion oder «T» für Zeitfunktion. In der aktuellen Fassung gibt es nur noch einen Buchstaben und der gibt den Hauptzweck des Betriebsmittels an. So bedeutet z. B. der Buchstabe Q «Kontrolliertes Schalten oder Variieren eines Energie-, Signaloder Materialflusses». Dabei ist es egal, ob dies von Hand pneumatisch oder elektromagnetisch passiert. Beachten Sie dazu das Beispiel in Abbildung 5. So hat Ihr Kunde sicher ein Anrecht auf normenkonforme Schemas. Denkbar wäre, dass Ihr Kunde eine für seinen Betrieb von der Norm abweichende Bezeichnung wünscht. Diese Abmachung müsste aber sinnvollerweise vor Auftragsausführung geschehen. Seite 143 von 276

Übrigens können Sie ein Handbuch mit den gebräuchlichsten Symbolen und Kennzeichnungen bei electrosuisse in Fehraltorf beziehen! (dk)

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Beschriftung der Leitungsschutzschalter im Wohnungsverteiler

Wir hatten in unserer Firma eine Diskussion über die Beschriftung von Leitungsschutzschaltern, welche in einem Wohnungsverteiler eingebaut sind. In der NIN 5.3.9.5.2 haben wir Folgendes gefunden: Innerhalb der Schaltgerätekombination muss es möglich sein, die einzelnen Stromkreise und ihre Kurzschlussschutzeinrichtungen eindeutig zu unterscheiden. Nun stellt sich bei uns die Frage, ob gemäss NIN jeder einzelne Leitungsschutzschalter separat beschriftet werden muss. Oder reicht es, wenn die Beschriftung auf der Abdeckung angebracht ist? ( B. M. per E-Mail) Bei kleinen Schaltgerätekombinationen, wie in Ihrem Beispiel ein Wohnungsverteiler, kann sicher davon ausgegangen werden, dass die Übersichtlichkeit und die Zuordnung der Stromkreise auch dann eindeutig gemacht werden kann, wenn die Beschriftungen auf der Abdeckung angebracht sind. Hier ist die Beschriftung direkt auf jedem Leitungsschutzschalter nicht unbedingt nötig. Natürlich ist es für den Anschluss ei-


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Schönheitsoperationen sicher durchführen

In einem Einkaufszentrum haben wir die elektrischen Installationen für eine sogenannte Tagesklinik ausgeführt. In dieser Klinik werden vor allem Schönheitsoperationen durchgeführt, wie Fettabsaugen, Botox-Spritzen etc. Gelten solche Praxen nicht als medizinisch genutzt im Sinne der NIN? (W. R. per E-Mail) Selbstverständlich fallen auch Tageskliniken in den Geltungsbereich der NIN, Kapitel 7.10! Gerade Räume, in denen Fettabsaugungen gemacht werden, könnten sogar der Nutzungskategorie 3 zugeteilt werden. Aber der Reihe nach: Bevor Sie planen und ausführen, müssen Sie eine vom Betriebsinhaber zusammen mit dem Arzt schriftlich erstellte Einteilung aller Räume besitzen. Nachträglich gemachte Entscheide können grössere Kostenfolgen haben. Wenn nun also ein Therapieraum der Kategorie 3 zugeordnet wird (Fettabsaugen gehört hier sicher dazu!), so müssen einige Massnahmen getroffen werden. Auf jeden Fall muss für alle medizinischen Apparate der RCD 30 mA angewendet werden, hinzu kommt ein zusätzlicher, isoliert verlegter Potenzialausgleich und bei jeder Steckvorrichtung eine Anschlussmöglichkeit für die Potenzialausgleichsleiter ortsveränderlicher Geräte. Zudem sind besondere Anforderungen an den Bodenbelag gestellt, nämlich muss dieser so leitfähig sein, dass sein Widerstand zwischen 50 kOhm und 1 GOhm liegt. Im weiteren darf die maximale Berührungsspannung 10 mV nirgends überschritten werden. Einige Netzbetreiber geben mit der Installationsbewilligung ein Formular für die Raumklassifizierung mit. Aufgepasst: Wenn tatsächlich Kategorie 3 er-

füllt ist, müssen die Installationen durch eine akkreditierte Inspektionsstelle kontrolliert werden. Sicher haben Sie auf der Schaltgerätekombination die geforderte Aufschrift «Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Elektroinstallateur» angebracht. (dk)

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Verschiedene Nennströme bei LS

Bei einer periodischen Kontrolle habe ich festgestellt, dass bei einem dreipoligen Boilerstromkreis Leitungsschutzschalter mit verschieden Nennströmen eingebaut wurden. Die Leitung führte durch ein Rohr in Beton und der Querschnitt entsprach einem 1,5 mm2. Zwei Leitungsschutzschalter wiesen den Nennstrom von 13 AC auf und einer den Nennstrom von 16 AC. Kann dies gemäss NIN beanstandet werden. (M. B. per E-Mail) Grundsätzlich gilt, dass jeder Leiter vor Überlast und Kurzschluss geschützt sein muss. Um den Überlastschutz zu beurteilen, ist der Nennstrom des Wassererwärmers massgebend. In Ihrem Fall wurde die Leitung in einem Rohr in Beton verlegt. Dies entspricht der Verlegeart B2. In dieser Verlegeart können die Leiter gemäss NIN 5.2.3.1.1.11.3 B+E mit maximal 15,5 A belastet werden. Ist nun der Nennstrom des Wassererwärmers kleiner als die Strombelastbarkeit von 15,5 A, so sind die Leiter vor Überlast geschützt. Zusätzlich muss jetzt aber auch der Kurzschlussschutz der Leiter überprüft werden. Dies wird nötig, sobald ein Leiter übersichert wird. Das heisst, der Leiter, welcher durch den Leitungsschutzschalter von 16 AC geschützt werden soll, ist ein ganz wenig übersichert. Hier ist der Kurzschlussschutz erfüllt, wenn mit dem minimalen Kurzschlussstrom am Wassererwärmer der magnetische Auslöser des Leitungsschutzschalters anspricht (NIN 4.3.4.3.2 B+E). Bei einem Nennstrom von 16 A entspricht dies einem minimalen Kurzschlussstrom von 160 A. (pn)

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NIN-Know-how

ner Verteilung, aber auch für spätere Kontrollen viel komfortabler, wenn die Beschriftungen direkt auf den Betriebsmitteln sind. Bei grossen Verteilungen mit vielen Überstromunterbrechern und grösseren Abdeckplatten kann die Zuordnung nur erschwert getätigt werden, wenn die Beschriftung nur auf der Abdeckung gemacht werden. Zudem könnte unter Umständen auch das Verwechseln von Abdeckungen möglich sein. Hier ist die Beschriftung direkt auf den Betriebsmitteln anzubringen. Diese Kennzeichnungen müssen auch mit den Unterlagen der Schaltgerätekombination übereinstimmen. (pn)

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Gebrauchskategorien für Schütze

Wir haben für die Schaltungen einer Beleuchtung mit LED-Lampen Schütze eingesetzt. Nun mussten wir innert eines Jahres bereits zwei Schütze ersetzten, da die Kontakte völlig abgebrannt waren. Was für Schütze sind denn eigentlich für solche Lampen die richtigen? (V. G. per E-Mail) Für die Auswahl eines Schützes müssen verschiedene Kriterien berücksichtigt werden. Nebst der Steuerspannung

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NIN-Know-how

Fragen und Antworten zur NIN 2005

NIN-Know-how Seit die FI-Schutzschaltung als zusätzliche Schutzmassnahme gegen direktes Berühren im Juni 1985 in die Vorschriften aufgenommen wurde, hat sich die Zahl der tödlichen Elektrounfälle kontinuierlich und deutlich verkleinert. Dass aber der FI- Schutzschalter, heute natürlich besser bekannt unter dem Namen Residual Current Device, auch zum Schutz bei indirektem Berühren bestens eignet, scheint einigen Fachleuten offensichtlich manchmal unverständlich. Zudem bereiten uns hin und wieder die richtige Dimensionierung dieser überaus wertvollen Geräte Schwierigkeiten. Nebst interessanten Fragen und Antworten zu diesem Thema lesen Sie auch die weiteren Fragen von Elektrofachleuten, vielleicht finden Sie auch Antworten auf Ihre Fragen.

Pius Nauer und David Keller

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Übersicherung Sidos-Steckdose

Unser Elektroplaner möchte in einer Installation eine Sidos-Steckdose montieren und daran 10 weitere Steckdosen anschliessen. Diese Installation soll mit einem Leitungsschutzschalter 13 AC abgesichert werden. Nun ist mir aufgefallen, dass die Sidos-Steckdose einen Nennstrom von 10 A aufweist. Ich bin nun der Meinung, dass eine Fehlerstromschutzeinrichtung nicht übersichert werden darf. Mit einem Leitungsschutzschalter von 13 A wäre die Fehlerstromschutzeinrichtung rund 30% übersichert, was grundsätzlich nicht zulässig ist. Wie kann man diese Installation normengerecht ausführen? (M. O. per E-Mail) In NIN 5.3.2.2.2.5 definiert die NIN tatsächlich, dass der Nennstrom einer Fehlerstromschutzeinrichtung stets grösser oder gleich des nächst vorgeschalteten Überstromunterbrechers sein muss. Liest man aber weiter, so findet der Leser auch ein paar Ausnahmen. Zum Beispiel, dass der vorgeschaltene Überstromunterbrecher einen höheren Nennstrom als die Fehlerstromschutzeinrichtung aufweisen darf, wenn dies auf der Fehlerstromschutzeinrichtung angegeben

ist. Auf ihrer Sidos-Steckdose ist nun der Nennstrom von 10 A aufgedruckt. Oft finden sich aber solche Zusatzinformationen in den entsprechenden Herstellerunterlagen. Siehe dazu Abbildung 1. Wie daraus ersichtlich ist, lässt der Hersteller bei einer Fehlerstromschutzeinrichtung mit einem Auslösestrom von 10 mA einen vorgeschalteten Überstromunterbrecher mit Nennstrom 13 A zu. Bei SidosModellen mit einem Auslösestrom von 30 mA kann sogar mit einer Vorsicherung von 16 A gearbeitet werden. Hier ist jedoch anzufügen, dass in Wohnbauten gemäss NIN 5.1.2.1.2.2 Steckdosen mit einem Nennstrom von 10 A höchstens 13 A abgesichert werden dürfen. (pn)

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Potenzialausgleich für die Balkonbrüstung

Wir haben bei uns eine Diskussion bezüglich des Potenzialausgleichs an einem Balkongeländer. Müssen wir die Geländer an den Fundamenterder anschliessen, wenn anstelle einer Glasbrüstung nun eine Metallbrüstung installiert wird? Das Gebäude ist nicht blitzschutzpflichtig. (M. G. per E-Mail) Sobald ein äusserer Blitzschutz installiert ist, müssen die leitenden Teile an

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der Aussenhaut des Gebäudes natürlich in diesen mit einbezogen werden. Wenn wir nun vom Potenzialausgleich sprechen, sprechen wir auch vom inneren Blitzschutz. Bei einem Blitzeinschlag entstehen durch den hohen und vor allem sehr rasch ändernden Blitzstrom hohe Induktionsspannungen am Gebäude. Durch den Potenzialausgleich wird verhindert, dass dann innerhalb des Gebäudes Spannungsdifferenzen entstehen und so zu Zerstörungen führen, oder gar Netzfolgeströme zu Bränden führen. Der Potenzialausgleich hat aber auch eine hohe Bedeutung für den Personenschutz. So dürfen auch im Falle eines Fehlers in der elektrischen Anlage keine gefährlichen Berührungsspannungen auftreten. Die Regel besagt, dass leitendene Gebäudeteile, welche sich über mehr als sechs Meter ausdehnen, oder eine grössere Fläche als einen Quadratmeter haben, in den Hauptpotenzialausgleich mit einbezogen werden müssen. Besteht die Gefahr einer Spannungsverschleppung, so kann es auch erforderlich werden, dass auch kleinere, leitende Teile mit dem Potenzialausgleich verbunden werden, eben als zusätzlichen Potenzialausgleich. (dk)

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Selektive Fehlerstromschutzeinrichtungen

Ich habe zwei Fragen zu den selektiven Fehlerstromschutzeinrichtungen. 1. Muss bei der Reihenschaltung die vorgeschaltete Fehlerstromschutzeinrichtung selektiv sein? Ich bin der Meinung, dass bereits eine Abstufung des Auslösenennstromes reicht, um die Selektivität zu erreichen. 2. Ich habe bei der Prüfung der selektiven Fehlerstromschutzeinrichtung oft beobachtet, dass die Auslösezeit bei ca. 200 ms liegt. Welche maximale Abschaltzeit muss eingehalten werden? (D. W. per E-Mail) Grundsätzlich ist die Selektivität Sache des Eigentümers. Aus diesem Grund verlangt die NIN auch nicht, dass bei Reihenschaltung von mehreren Fehlerstromschutzeinrichtungen ein selektives Modell eingebaut werden muss. Wer den NIN-Artikel 5.3.2.2.3.5 aufmerksam liest, stellt


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Anlageschalter für Heugebläse

Bei periodischen Kontrollen stelle ich immer wieder fest, dass in landwirtschaftlichen Betriebsstätten oft für die Heugebläse keine Anlageschalter im Sinne der EN 60204-1 vorhanden sind. Kann man das so belassen, oder muss das beanstandet werden? (H. M per E-Mail) Für die Anwendung der Normen und Vorschriften für unsere elektrischen Hausinstallationen gelten in der Re-

gel diejenigen, welche zur Zeit der Ausführung gültig waren. Ein Heugebläse muss nach den heutigen rechtlichen Grundlagen den EN 60204-1, elektrische Ausrüstung von Maschinen, entsprechen. Darin ist der Anlageschalter als Trenneinrichtung, in der AUS-Stellung abschliessbar und gut zugänglich, immer vorzusehen. Bei älteren Anlagen hatten das die Hausinstallations-Vorschriften so nicht gefordert. Die EN 60204-1 muss spätestens seit dem 1. Juli 2001 in der Schweiz angewendet werden. Bei Anlagen, welche vor diesem Datum installiert wurden, muss also bei periodischen Kontrollen ein fehlender Anlageschalter nicht beanstandet werden. (dk)

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Kompensation der Messleitungen

Wir haben in unserer Firma kürzlich neue Installationstester angeschafft. Bei der Instruktion der Mitarbeiter über die Anwendung der neuen Messgeräte kam die Frage auf, ob die Messleitungen für die Schleifenmessung abgeglichen werden müssen. Wir waren in dieser Frage geteilter Meinung. Können sie uns weiterhelfen? (S. R. per E-Mail) Diese Frage kann man nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Es kommt darauf an, wo man die Messung macht und welches Schutzziel damit überprüft werden soll. Grundsätzlich sind in einem Stromkreis zwei Schleifenmessungen zu machen. Am Anfang der Leitung wird der maximale Kurzschlussstrom ermittelt. Dieser Kurzschlussstrom darf nicht höher

sein als das Schaltvermögen des Überstromunterbrechers, welcher die Leitung schützen soll. Ist nämlich das Schaltvermögen des Überstromunterbrechers kleiner als der maximale Strom, welcher in diesem Stromkreis auftreten kann, ist es möglich, dass die Durchlassenergie des Überstromunterbrechers bis zur endgültigen Abschaltung für den Leiter zu gross ist. Diese Durchlassenergie würde den angeschlossenen Leiter beschädigen. In solchen Fällen kann das Problem mit einem Backup-Schutz entschärft werden. Bei der Messung des maximalen Kurzschlussstroms möchten wir den grösstmöglichen im Stromkreis vorkommenden Strom ermitteln. Da hier die Schleifenwiderstände der Leitungen meist noch sehr klein sind, wirken die Messleitungswiderstände des Installationstesters bereits sehr negativ auf das Messresultat ein. Aus der Abbildung 5 A ist ersichtlich, dass der Fehler bereits bei 30% liegt, wenn im vorgezeigten Beispiel die Messleitungen nicht abgeglichen werden. Dementsprechend ist das Abgleichen der Messleitungen für das Ermitteln der maximalen Kurzschlussströme zwingend. Da der Kontaktdruck der Prüfspitzen bereits Übergangswiderstände verursacht, ist es sinnvoll, den maximalen Kurzschlussstrom mit Krokodilklemmen auszuführen. In diesem Fall können zum Abgleichen der Messleitungen die beiden Krokodilklemmen auf eine Kupferschiene angebracht werden. So wird auch der Übergangswiderstand bezüglich Federdruck der Krokodilklemmen be-

NIN-Know-how

fest, dass die NIN nur angibt, wie eine selektive Fehlerstromschutzeinrichtung installiert werden muss. Wird nämlich ein selektives Modell eingesetzt, so muss dieses zwingend als vorgeschaltete Fehlerstromschutzeinrichtung eingesetzt werden. Ausserdem müssen nachgeschaltete Fehlerstromschutzeinrichtungen einen kleineren Auslösenennstrom aufweisen. In der Praxis ist es jedoch absolut sinnvoll, dass bei Reihenschaltungen von Fehlerstromschutzeinrichtungen auf die Selektivität geachtet wird. Trägt die vorgeschaltete Fehlerstromschutzeinrichtung das Zeichen «Selektiv» nicht, so ist auf keinen Fall eine selektive Abschaltung gewährleistet, auch dann nicht, wenn der Auslösestrom des Nachgeschalteten kleiner ist. Dies liegt daran, weil die Auslösezeiten bei Fehlerstromschutzeinrichtungen verschiedener Auslösenennströmen gleich bleibt. Die Auslösezeit für selektive Fehlerstromschutzeinrichtungen sind gemäss NIN 6.1.3.9.3 bis zu 500ms zulässig. (pn)

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Elektrotechnik 1/09 | 61


Messung des maximalen Kurzschlussstromes Fehler 30%!

NIN-Know-how

697A Messung ohne kompensierte kompensiertenMessleitungen Messleitungen

Annahme Messleitung 0,1 Ω

Rs

U 230 V = = 697 A Rs 0,23 Ω + 0,1 Ω

IK =

1000A Messung mit kompensierten Messleitungen

IK =

Rs

U 230 V = = 1000 A Rs 0,23 Ω

10000 3

Messung des maximalen Kurzschlussstromes zur Überprüfung des Schaltvermögens

ON

C13

Annahme RS 0,23 Ω HAK LN13AC

5a

Messung des minimalen Kurzschlussstromes Fehler 7,5%! 173A Messung ohne kompensierte kompensiertenMessleitungen Messleitungen

Annahme Messleitung 0,1 Ω

IK =

Rs

10000 3

U 230 V = = 173 A Rs 1,23 Ω + 0,1 Ω

187A Messung mit kompensierten Messleitungen

IK =

Rs

U 230 V = = 187 A Rs 1,23 Ω

ON

C13

Messung des minimalen Kurzschlussstromes zur Überprüfung der automatischen Abschaltung im Fehlerfall

Annahme RS 1,23 Ω HAK LN13AC

5b

rücksichtigt. Beim minimalen Kurzschlussstrom überprüfen wir, ob im Fehlerfall die nach NIN geforderten Abschaltzeiten eingehalten werden können. Im Beispiel der Abbildung 5 B ist ersichtlich, dass der Messfehler bei nicht kompensierten Messleitungen nicht mehr so sehr ins Gewicht fällt. Dies, weil am Ende der Leitung der Schleifenwiderstand im Verhältnis zum Widerstand der Messleitungen viel grösser ausfällt. Bei der Ermittlung des minimalen Kurzschlussstromes kann auf das Kompensieren der Messleitungen verzichtet werden. So bringen wir noch mehr Sicherheit in unsere Installation. Es macht jedoch Sinn, periodisch die Messleitungen abzugleichen und dabei den Widerstandswert der Messkabel zu überprüfen. So können Schäden der Messleitungen, welche nach längerem Gebrauch vorkommen können 62 | Elektrotechnik 1/09

(Abbruch einzelner Litzen) frühzeitig erkannt werden. (pn)

6

Kann man System TT noch anwenden?

Bei einem Umbau haben wir festgestellt, dass offensichtlich das System TT angewandt wurde, eine Verbindung des Schutzleiters zum PEN-Leiter der Anschlussleitung fehlt nämlich. Können wir das so belassen, oder muss neu auch System TN installiert werden? (R. W. per E-Mail) Die Anwendung des Schutzsystems muss mit dem EW (neu heisst das ja Verteil- Netzbetreiber) abgesprochen sein (NIN 4.1.4.1.3). Mit grösster Wahrscheinlichkeit wird auch in Ihrem Versorgungsgebiet das System TN angewandt werden. In einigen Ländern Europas ist die Schutzerdung noch immer aktuell. In der Schweiz hat man sich schon vor lanSeite 147 von 276

ger Zeit darauf geeinigt, dass System TN anzuwenden. Die Ausnahme machen die SBB als Netzbetreiber. Obschon sich das System TN durchgesetzt hat, ist man noch nicht überall soweit, generell TN-S anzuwenden. Der Vorteil im TT-System findet sich darin, dass Erdung und Schutzleiter nirgends mit einem aktiven Leiter verbunden sind und dadurch im normalen Betrieb auch keine Ströme in diesen Leitern fliessen. Nehmen also Sie Kontakt mit Ihrem EW auf und wenn Sie die Zustimmung erhalten haben, verbinden Sie den PEN-Leiter mit dem Schutzund Erdungsleiter der Hausinstallation. Beachten Sie dabei die Arbeitssicherheit! Bereits an Anschlussüberstromunterbrechern können durchaus grössere Kurzschlussströme auftreten. Messen Sie nach erfolgreichem Anschluss den Strom im Erdungsleiter und überprüfen dadurch die Wirksamkeit dieses Leiters, denn bei eingeschalteter Anlage sollte nun auch ein geringer Strom im Erdungsleiter fliessen. (dk)

7

Schutz durch automatische Abschaltung mit Fehlerstromschutzeinrichtungen

Bei einer Aussensteckdose in einem Garten habe ich die Schlusskontrolle durchgeführt. Da die Leitung relativ lang ist, beschränkt sich der Kurzschlussstrom auf 100 A. Vorgeschaltet ist ein LSFI 13AC 30 mA. Zusätzlich zur Netzinnenwiderstandsmessung habe ich die Fehlerstromschutzeinrichtung geprüft und den Schutzleiter der Steckdose mit einer Niederohmmessung mit dem Installationstester ausgemessen. Ich war nun der Meinung, dass diese Installation den Normen entspricht und alles in Ordnung ist, weil der Kurzschlussstrom nach einer Fehlerstromschutzeinrichtung für die automatische Abschaltung im Fehlerfall nicht mehr relevant ist. Mein Vorgesetzter zitierte mir danach aber den NIN Artikel 4.1.2.5.4, worin steht, dass die Verwendung der Fehlerstromschutzeinrichtung als alleinigem Schutz nicht zulässig sei und ich den Mangel mit einem Einbau eines LSFI Charakteristik «B» beheben solle. (F. S. per E-Mail) Die Schutzmassnahmen sind erfüllt, wenn beim Auftreten eines Fehlers zwischen einem Polleiter und einem Schutzleiter oder einem damit verbunden Körper der Stromkreis innerhalb von 0,4 s unterbrochen wird. (siehe NIN 4.1.3.1.3.3). Bei einem


Schutzmassnahmen mit Fehlerstromschutzeinrichtung Test

-25

ON 13AC IΔn 0.03A

8a Drehstromnetz mit symmetrischer Belastung, lineare Verbraucher 50 Hz. 8b Drehstromnetz mit symmetrischer Belastung, nicht lineare Verbraucher (z. B. Brückengleichrichter mit Glättungskondensator). 8c Die Summe aller Polleiterströme zu jedem Zeitpunkt beträgt null. 8d Die Ströme heben sich hier eindeutig nicht mehr auf. Im Neutralleiter fliesst der Strom mit der dreimal grösseren Frequenz. (3. Oberschwingung)

100A

28 ms

Rs

RCD

Steckdose im Garten

7

NIN-Know-how

Der Wert des Kurzschlussstromes ist somit für die automatische Abschaltung nicht mehr relevant!

FI

3x1,5 mm2

Eine Fehlerstromschutzeinrichtung unterbricht den Stromkreis innert 0,3 s, wenn ein Fehlerstrom in der Grösse des Auslösenennstromes fliesst!

8a

8b

8c

8d

Leitungsschutzschalter 13 AC muss der minimale Kurzschlussstrom somit mindestens 130 A betragen. Wird nun jedoch eine Fehlerstromschutzeinrichtung montiert, reicht es bereits aus, wenn der Fehlerstrom grösser ist als der Nennauslösestrom

der Fehlerstromschutzeinrichtung. In ihrem Fall löst die Schutzeinrichtung bereits mit 30 mA Fehlerstrom aus! Die Auslösezeit von 0,4 s, welche bei Steckdosenstromkreisen zwingend eingehalten werden muss, wird sogar mit einer Fehlerstrom-

schutzeinrichtung (20 – 40 ms) wesentlich unterboten. Siehe dazu das Kleingeschriebene in NIN 4.1.3.1.3.3. Somit hängt die Abschaltzeit im Fehlerfall nicht mit dem Kurzschlussstrom zusammen. Aus diesem Grund muss der Kurz-

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Elektrotechnik 1/09 | 63


NIN-Know-how

Unachtsamkeit des Benutzers eine grössere Sicherheit in die Installation zu bringen. Demnach kann auch nach einer Fehlerstromschutzeinrichtung nicht auf die Isolation von spannungsführenden Teilen verzichtet werden. (pn)

8

Neutralleiterströme

Die Antwort 4 aus dem NIN Know-how Nr. 39 hat neue Fragen generiert. So fragt W. L. per E-Mail: «Bei symmetrischer Belastung heben sich doch die Ströme im Neutralleiter auf, weshalb soll das bei PCs etc. nicht der Fall sein und was sind nichtlineare Verbraucher?» Am besten betrachten Sie Abbildung 8. In den erwähnten Geräten befinden

S8 / 3.2008

schlussstrom nach einer Fehlerstromschutzeinrichtung für den Nachweis der automatischen Abschaltung nicht gemessen werden. Siehe Abbildung 7. In der Praxis ist es jedoch von Vorteil, wenn man nach einer Fehlerstromschutzeinrichtung den Netzinnenwiderstand (Messung zwischen L – N) misst. Dadurch können schlechte Verbindungen in Pol- und Neutralleiter aufgespürt werden. Nun zu ihrem Artikel NIN 4.1.2.5.4, welcher die Verwendung der Fehlerstromschutzeinrichtung als alleinigen Schutz verbietet. Das NIN Kapitel 4.1.2 behandelt den Basisschutz. Hier kann die Fehlerstromschutzeinrichtung als zusätzlicher Schutz verwendet werden, um beim Versagen des Basisschutztes oder bei

sich immer ganz am Anfang Netzteile, welche erst einmal unseren Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln müssen. Mit der bewährten Grätzschaltung von 4 Dioden macht man einen Zweiweg- Gleichrichter und glättet diesen mit dem Kondensator. Nach der Entladung des Kondensators fliesst ein erneuter Ladestrom. Dieser fliesst aber nur während relativ kurzer Zeit, dafür aber mit einer höheren Amplitude. So entstehen Impulse in jedem Polleiter. Durch die kurzen Impulse fliesst aber zeitgleich nie mehr als in einem Polleiter wirklich Strom. Diese Ströme können sich so nicht mehr aufheben und im Neutralleiter fliesst zu jeder Zeit der volle Polleiterstrom und das mit dreimal grösserer Frequenz. (dk) ■

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

Oft wird der Aufwand, einer Norm zu entsprechen, sehr gross, nämlich dann, wenn die Installation bereits errichtet ist und man bei der Schluss- oder Abnahmekontrolle Mängel entdeckt. Es entstehen so oft auch unangenehme Situationen gegenüber dem Kunden. In der Frage 7 ist dies der Fall, am Schluss wurde bemerkt, dass die Anordnung des Zugschalters im Bereich 1 der Dusche wohl eher nicht ganz sorgfältig ausgewählt wurde. Man tut sich gut daran, wenn man vor allem gerade in speziellen Räumen die NIN bis in die Detailplanung berücksichtigt. Die NIN gilt bekanntlich nicht nur für das Errichten einer elektrischen Anlage, sondern auch für dessen Planung. Lesen Sie nebst dieser auch die weiteren interessanten Fragen aus dem Leserkreis.

Pius Nauer und David Keller

1

Mängelbehebung: Isolationswiderstand

Kürzlich erhielten wir von einem Kunden den Auftrag, die Mängelbehebung seiner elektrischen Installation des Einfamilienhauses vorzunehmen. Der Elektro-Sicherheitsberater führte in seiner Mängelliste einen schlechten Isolationswiderstand auf. Dieser muss nach seinen Angaben behoben werden. Wir sind jedoch der Meinung, dass bei periodischen Kontrollen auf die Isolationsmessung verzichtet werden darf und wir deshalb diesen beanstandeten Mangel nicht beheben werden müssen. Was denken Sie dazu? ( S. R. per E-Mail )

Sie stützen sich wohl auf die Verordnung des UVEK über elektrische Niederspannungsinstallationen (auch NIVV genannt), welche in Artikel 10 Abs. 3 den Isolationswert bei periodischen Kontrollen von Anlagen mit 20-jähriger Kontrollperiode nicht zwingend fordert. Gemäss diesem Artikel ist es also dem Elektro-Sicherheitsberater überlassen, ob er bei einer periodischen Kontrolle eines Einfamilienhauses eine Isolationsmessung macht oder eben nicht. Gerade in älteren Installationen kommt noch oft die Nullung nach Schema 3 vor. In diesen Anlagen ist eine Isolationsmessung kaum durchführbar und der Elektro-Sicherheitsberater kann gemäss NIVV auch darauf verzichten. In Anlagen, welche nach System TN-S errichtet sind, ist eine Isolationsmessung aber auf jeden Fall möglich. Mit der Isolationsmessung bei einer periodischen Kontrolle werden nicht nur die klassischen Isolationsdefekte sichtbar gemacht, sondern es lassen sich auch Mängel aufspüren,

welche durch Laieninstallationen entstehen können. Der versierte Elektro-Sicherheitsberater wird also gerade auch deshalb bei periodischen Kontrollen nicht auf die so wichtige Messung verzichten. Eine Ausnahme ist, wenn die Installation oder einige Stromkreise durch Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt sind. Hier kann auf die Messung verzichtet werden, weil die Fehlerstromschutzeinrichtung den Isolationswiderstand dauernd überwacht. Die NIN definiert im Kapitel 6 nicht nur Isolationswiderstände für Neuanlagen, sondern auch für bestehende Anlagen. Aus diesen Gründen muss ein beanstandeter Isolationsdefekt anlässlich einer periodischen Kontrolle auf jeden Fall instand gesetzt werden. (pn)

2

Einsparungen bei Kupferleitungen

Bei einem Neubau eines Bürogebäudes hat mein Chef gemeint, man sollte die Zuleitungen auf die Etagenverteiler kleiner dimensionieren als im Devis vorgegeben. Seine Berechnungen nach NIN haben ergeben, dass das durchaus drinliegt. Ich bin da aber nicht so sicher, kann man das einfach so? (S. D. per E-Mail) Da gibt es verschiedene Aspekte, nach welchen die Leitungen nun ausgewählt werden können. Die NIN definiert die nötigen Querschnitte aus sicherheitstechnischen Überlegungen. Mit dem Einhalten dieser Norm wird kein Brand entstehen und die Leitung wird im normalen Betrieb und im voraussehbaren Störungsfall keinen Schaden nehmen. Zudem beeinflusst der Leiterquerschnitt die automatische Abschaltung im Fehlerfall. Nun gibt es aber Seite 150 von 276

NIN-Know-how

NIN-Know-how 42 durchaus noch weitere Gesichtspunkte. Zum einen gilt es, die an der Leitung in Wärme umgewandelten Verluste in Franken und Rappen umzurechnen. Auch bei den momentan sehr hohen Kupferpreisen kann man eine Amortisationsrechnung anstellen und so feststellen, wie lange es dauert, bis die für einen allenfalls höher als durch die NIN berechneter Leiterquerschnitt entstehenden Mehrkosten durch die Strompreise wieder aufgefressen sind. Da würde mancher noch staunen! (Die CD zur NIN 2005 beinhaltet übrigens ein solches Berechnungsprogramm, sie kann bei der electrosuisse in Fehraltorf käuflich erworben werden.) Das ist aber noch nicht das letzte Argument. Die modernen Probleme betreffen nicht selten die Netzqualität. Dabei hängt die Spannungsverzerrung sehr stark vom Leiterwiderstand ab. Die dann nötig werdende Fehlersuche und -behebung für solcherlei Störungen kostet innert Kürze ein Vielfaches der Mehrkosten eines dickeren Kabels. Nicht zuletzt sollte das Augenmerk dem Spannungs-(-ab)fall gelten. Die NIN empfehlen den Wert von 4 % vom Anschlussüberstromunterbrecher bis zum Energieverbraucher nicht zu überschreiten. Bevor Sie also den kleineren Querschnitt installieren, besprechen Sie diese Punkte nochmals mit Ihrem Chef. Möglicherweise sind solche Überlegungen in die Devisierung mit eingeflossen. (dk)

3

Widerstandswert der Schutzleiter in Mess- und Prüfprotokoll

Beim Ausfüllen des Mess- und Prüfprotokolls ist mir aufgefallen, dass in der neusten Ausgabe die Leitfähigkeit des Schutzleiters in Ohm aufgeführt ist. Dies hat mich verunsichert und ich bin mir nun nicht sicher, ob ich sämtliche Schutzleiterwiderstände messen und dann auch in das Protokoll eintragen muss ? Sind im Messund Prüfprotokoll sämtliche Felder auszufüllen ? ( W. v. L. per E-Mail ) Grundsätzlich ist das Mess- und PrüfElektrotechnik 2/09 | 61


28ms

NIN-Know-how

RCD

1

Wohnzimmer

TT

3x1,5

LSFI C 13

450

-------

45

OK

13

30

27

450A Rs Test

ON

F I

-25

13AC I n 0.03A

3

protokoll ein gutes Hilfsmittel für Sie, um die Mängelfreiheit Ihrer Installation darzustellen. Dementsprechend genügt es, dass man jene Felder ausfüllt, welche auch mit der Sicherheit des entsprechenden Stromkreises in Verbindung stehen. Wie die einzelnen Messungen und Prüfungen durchgeführt werden müssen, wird in der NIN im Kapitel 6 beschrieben. Ich möchte diese Frage an einem Beispiel, welches Sie in der Abbildung 3 ersehen können, erklären. Hier handelt es sich um eine Steckdoseninstallation, welche durch einen LSFI geschützt ist. Nebst der Beschreibung des Stromkreises muss der maximale Kurzschlussstrom ermittelt und eingetragen werden. Die Messung wird am Anfang des Stromkreises ausgeführt und dient der Kontrolle des Schaltvermögens der Kurzschlussschutzeinrichtungen. Bei grösseren Anlagen genügt es, wenn die Messung an der Hauptverteilung einmal gemacht wird. Der minimale Kurzschlussstrom wird am Ende der Leitung ge-messen. In unserem Beispiel ist dieser jedoch nicht mehr Relevant für die automatische Abschaltung im Fehlerfall (Fehlerstromschutzeinrichtung) und es kann darauf verzichtet werden. Natürlich ist es nicht verboten, den Kurzschlussstrom zwischen Pol- und Neutralleiter zu messen und auch in das Mess- und Prüfprotokoll einzutragen. Es können so auf einfache Art die Verbindungen der Pol- und 62 | Elektrotechnik 2/09

Neutralleiter überprüft werden. Mit der Messung der Fehlerstromschutzeinrichtung und dem Eintragen der entsprechenden Auslösezeit ist die automatische Abschaltung im Fehlerfall überprüft und gewährleistet. Der Schutzleiter kann nun gemäss NIN mit einer Niederohmmessung geprüft werden. Gemäss NIN 6.1.3.2 kann diese Prüfung mit einem Gerät durchgeführt werden, welches mit einer Spannung von 4 – 24V AC oder DC und einem Strom von mindestens 0,2 A arbeitet. Dies kann also auch die gute alte Taschenlampe sein. Wähle ich diese Art von Schutzleiterprüfung, so vermerke ich dies im Mess- und Prüfprotokoll in dem entsprechenden Feld mit «OK». Mit einem Installationstester lässt sich auch der genaue Widerstandswert ermitteln, dieser kann direkt in das Protokoll aufgenommen werden. (pn)

4

Fremde Sicherungssysteme

Neulich musste ich bei einem Piketteinsatz eine durchgebrannte NHS-Sicherung ersetzen. Dabei passte meine NH-00-Sicherung nicht richtig in das Element, sie stand leicht vor. Sind die Toleranzen tatsächlich so gross, oder haben die Maschinenerbauer ( die Maschine stammt aus Deutschland) irgendwelche exotischen Elemente eingebaut ? ( HP. K. per E-Mail) Die Toleranzen sind nicht derart gross ! Weltweit gibt es sehr viele verSeite 151 von 276

schiedene Sicherungssysteme. Für Hausinstallationen legt die NIN in Artikel 4.3.2.1 ( und die folgenden ) fest, welche Systeme angewendet werden dürfen. Für Hochleistungssicherungen sind für Neuanlagen solche nach DIN-Norm in den Grössen 00 bis 4a zu benützen. Für Geräte, Maschinen, einfach generell für Verbraucher gelten aber die NIN so nicht. Das Inverkehrbringen von Erzeugnissen in der Schweiz wird in der Niederspannungs- Erzeugnisverordnung ( NEV) geregelt. Diese verlangt, ähnlich wie die Niederspannungs-Installationsverordnung ( NIV), dass die vereinbarten technischen Normen oder die anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden müssen. Dazu gibt es natürlich ein Universum von IEC und ENNormen. In dem von Ihnen beschriebenen Fall könnte es also so sein, dass der Hersteller der Maschine zum Schutze der eingebauten Teile Schmelzsicherungen eingebaut hat, welche für Schweizer Hausinstallationen nicht zulässig wären. Zum Beispiel gibt es neben den bei uns verbreiteten Grössen 00 bis 4a auch solche mit Zwischengrössen. Grössen wie « 000» oder « C00» unterscheiden sich nur marginal von der uns bekannten Grösse DIN 00. So sind NH-Sicherungen der Grösse C00 nur etwa anderthalb Millimeter weniger tief und etwa neuen Millimeter schmaler als die der Grösse 00. Wenn Sie also vor Ort genau hinschauen, erkennen Sie wahrscheinlich die Bezeichnung C00 auf dem Sicherungselement, was erklären würde, weshalb Sie Ihre NH00-Patrone nicht richtig einsetzen konnten. Diese Situation trifft man immer öfter, das ist auch zulässig. Vielleicht bestellen Sie für Ihren Kunden einen Reservesatz von diesen Sicherungen, damit im Notfall nicht noch mit langen Ausfallzeiten gerechnet werden muss. Zu diesem Thema sei auch noch erwähnt, dass es nicht nur bei NHS andere Grössen gibt. Auch Normalleistungssicherungen findet man in allen Grössen und Formen. Sicher sind die Neozed bei uns auch bekannt, auch wenn diese in den NIN nicht erwähnt (dk) sind.

5

Installationsanzeige beim Austauschen eines Verbrauchers

Bei einem Kunden dürfen wir ein älteres Ceran-Kochfeld austauschen. Anstelle des alten Gerätes werden wir einen Induktionsherd einbauen. Nun sind wir uns nicht sicher, ob wir für diese Arbeiten eine Installationsanzeige an die zu-


Z Polleiter (ZL)

UN

L1 XL

L3

L1

3

R

I K1

Z Neutralleiter (ZN)

Z Neutralleiter (ZN)

N

UN 3 • ( ZL + ZN) UN ≈ 3 • 2 • ZL

Z Polleiter (ZL)

L2

I K1 =

N

XL

R

XL

Es ist richtig, dass die Niederspannungs-Installationsverordnung NIV ab 3,6 kVA Anschlusswert eine Installationsanzeige fordert. Wesentlich genauere Angaben zu diesem Thema erhält man jedoch in den entsprechenden Werkvorschriften der Netzbetreiberinnen. In den Werkvorschriften der Ostschweizer Netzbetreiberinnen ist zum Beispiel eine Installationsanzeige gefordert, wenn bei Erweiterungen oder Änderungen ein Mehranschluss von 3,6 kVA entsteht. Das heisst, dass bei einem Austausch eines Kochherdes mit annähernd gleicher Leistung keine zusätzliche Installationsanzeige gemacht werden muss. Aber aufgepasst, eine entsprechende Anzeige muss auch bei Anschlüssen unter 3,6 kVA getätigt werden, wenn es sich um einen Apparat handelt, für welchen ein separates Anschlussgesuch gemacht werden muss. Ein Induktionskochherd kann Oberschwingungen verursachen und muss deshalb auf jeden Fall mit einem separaten Anschlussgesuch und der entsprechenden Installationsanzeige der Netzbetreiberin angemeldet werden. In solchen Fällen lohnt es sich also, wenn man die Werkvorschriften zur Hand nimmt. (pn)

R

6a

L1

L1

Z Polleiter (ZL)

IK2

UN

XL

L2 L3

R

IK2

N

L)

IK2 =

UN 2 • ZL

r (Z

ite

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ZP

R XL

L2

6b

L1

L1

I K3

L3

R

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Z Polleiter (ZL)

UN

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ZP

ZP

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IK 3 =

oll

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XL

XL

L2

eit

R

UN 3 • ZL

I K3

I K3

L3

6c

6d

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ständige Netzbetreiberin senden müssen. In der Niederspannungs-Installationsverordung NIV wird eine Installationsanzeige ab 3,6 kVA Anschlusswert gefordert. Gilt dies auch dann, wenn nur ein Verbraucher ausgetauscht wird? (K. S. per E-Mail)

Bestimmen des maximalen Kurzschlussstromes mit einfachem Installationstester 6a Einpoliger Kurzschluss Pol,- Neutralleiter (IK 1) 6b Zweipoliger Kurzschluss zwischen zwei Polleitern (IK 2) 6c Dreipoliger Kurzschluss zwischen allen Polleitern (IK 3)


Maximaler Kurzschlussstrom IK max

Auf dem Mess- und Prüfprotokoll können verschiedene Werte eingetragen werden. Unter der Spalte IK findet man aber verschiedene Angaben. Zum Beispiel liest man da IK min. In den NIN habe ich gelesen, dass man, um den IK min berechnen zu können, den dreipoligen Kurzschlussstrom durch 4 dividieren soll. Heisst das umgekehrt, dass ich, wenn ich den einpoligen Kurzschlussstrom messe, diesen mit dem Faktor 4 multiplizieren muss, um den « IK max» bestimmen zu können? ( R. S. per E-Mail ) Die Bezeichnungen «min» und «max» führen immer wieder zu Verwirrungen. Die in den NIN 4.3.4.3.2. B + E beschriebenen Berechnungen helfen, aus dem mutmasslichen, maximalen Kurzschlussstrom (in der Installation entspricht das dem prospektiver Kurzschlussstrom zwischen allen drei Polleitern) direkt den minimal fliessenden Kurzschlussstrom zu bestimmen. Dabei sind auch Ungenauigkeitsfaktoren, allen voran die Widerstandserhöhung der Leiter infolge Erwärmung, mit eingerechnet. Um den Leitungsschutz, aber auch den Personenschutz sicherstellen zu können, muss man mit diesen Ungenauigkeiten rechnen. Umgekehrt könnte das aber auf den Holzweg führen. Den maximalen Kurzschlussstrom muss man kennen, um den Schutz der Schaltgeräte zu überprüfen. Wenn also ein Leitungsschutzschalter über ein Nennschaltvermögen von 6000 Ampere verfügt, so darf an der Einbaustelle kein grösserer Strom als diese 6000 Ampere fliessen, da sonst der LS zerstört wird. Da die Installationstester keine dreipoligen Kurzschlussströme bestimmen können, muss man nun eine Art «rick» anwenden. Um den maximalen Kurzschlussstrom zu bestimmen, misst man die Schleifenimpedanz zwischen Polund Neutralleiter, oder wenn das Messegerät mitmacht denjenigen zwischen zwei Polleitern. Der Installationstester rechnet nun den mutmasslichen Kurzschlussstrom und zeigt diesen im Display. Dieser Wert entspricht

7 aber nicht dem minimalen Kurzschlussstrom (IK min ), denn die Folgen aus der möglichen Leitererwärmung, den Übergangswiderständen und der Messgeräteungenauigkeit sind ja noch nicht eingerechnet. Um den ungünstigsten Fall hier anzunehmen, wäre aber gerade der Einbezug der Leitererwärmung falsch am Platz. Die echte Messgeräteungenauigkeit des Installationstesters kann man aus den technischen Unterlagen herauslesen. Nun berechnet man den dreipoligen Kurzschlussstrom (IK max) indem man den angezeigten Wert mit dem richtigen Faktor multipliziert. Wie gross dieser Faktor ist und wie er zustande kommt, ersehen Sie aus den Abbildung 6. (dk)

7

Platzierung des Schalters neben Duschhahn

In einem Altersheim wurde im Badzimmer eine Personenrufanlage installiert. Der Zugschalter ist ca. 50 cm neben dem Mischhahn der Dusche auf einer Höhe von 1,2 m platziert (Dusche ohne Wanne ). Ist diese Platzierung so zulässig, wenn es sich beim Zugschalter um eine Trockenausführung handelt und der Stromkreis mit SELV betrieben wird? (A. S. per E-Mail)

Bei Duschen ohne Wanne erstreckt sich der Bereich 1 1,2 m ab fester Wasseraustrittsstelle. In diesem Fall, weil keine fest installierte Brause montiert ist, wird vom Wasserhahn gemessen. Siehe dazu auch Abbildung 7. Der Zugschalter für den Personennotruf liegt nun also im Bereich 1. Gemäss NIN dürfen hier nur bedingt elektrische Betriebsmittel angeordnet sein. In NIN 7.01.5.1.2.2.1 wird die Schutzart für sämtliche Installationsgeräte und Energieverbraucher definiert, welche in den verschiedenen Bereichen zugelassen sind. Für den Bereich 1 gibt die NIN die Schutzart IPX4 vor. In NIN 7.01.5.3 lässt die Norm für den Bereich 1 folgende Installationsgeräte zu: Verbindungs- und Anschlussdosen für die zugelassenen Energieverbraucher (Handtuchradiatoren, Ventilatoren, Wassererwärmer) und Betriebsmittel in SELV- oder PELV-Stromkreisen mit einer Nennspannung bis 25 VAC oder bis 60 VDC. Wollen Sie den Zugschalter nun neben dem Wasserhahn belassen, so kann er mit SELV bis 25 VAC betrieben werden und muss der Schutzart IPX4 entsprechen. Eine weitere Möglichkeit ist die Anordnung ausserhalb des Bereichs 1, so kann ein «ormaler» Zugschalter installiert werden. (pn)

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6

64 | Elektrotechnik 2/09

Schutzleiter: 10 A Isolation: 500 V DC HV: 1kV, 2.5 kV AC Ableitstrom: mA

Maschinen: EN 60204 Schaltgeräte: EN 60439 Werkzeuge: VDE701/702 Seite 153 von 276

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

Wiederum kamen uns einige interessante Fragen zu. So zum Beispiel der Anschluss eines Verpflegungsautomaten in der Nähe einer Benzinzapfsäule. Der versierte Elektroinstallateur hinterfragte die Situation und kam zum Schluss, dass dies nicht wie nach den Wünschen des Kunden gemacht werden kann. Es ist nicht immer einfach, dem Kunden dann die Norm näher zu bringen. Aber wenn man das Hintergrundwissen hat, so kann man den Kunden sicher auch für eine andere Lösung überzeugen.

Pius Nauer und David Keller

1

Querschnitt einer Kochherdleitung

Ein Kochherd muss bekanntlich mit 16 A abgesichert werden. Nun hat sich herumgesprochen, dass eine Kochherdleitung, welche in Beton verlegt ist, trotz der 16-A-Absicherung mit 1,5 mm2 ausgeführt werden darf. Ich wollte es genau wissen und habe in der NIN nach einer Lösung gesucht. In der Tabelle NIN 5.2.3.1.1.11.3 darf ein 1,5 -mm2Leiter in der Verlegeart B2 nur mit 15 A belastet werden. Das heisst doch, dass nach einem 16 -A-Leitungsschutzschalter für die Kochherdleitung ein 2,5- mm2-Leiter gewählt werden muss. Oder schaue ich in der falschen Tabelle nach ? (P.F. per E-Mail)

Bei der Leiterdimensionierung muss als Erstes der im Leiter fliessende Strom ermittelt werden. Denn der Strom, welcher dauernd in einem Leiter fliessen kann, ist zuständig für die Grösse des Querschnittes. Bei Steckdosenstromkreisen und Stromkreisen mit Verbrauchern, welche Überlast erzeugen können, ist auf jeden Fall der Nennstrom des vorgeschalteten Überlastschutzorgans für den Leiterbelastungsstrom massgebend. Bei fest angeschlossen Verbrauchern, welche keine Überlastströme erzeugen können, ist der Leiterbelastungsstrom durch den Nennstrom des Verbrauchers gegeben. In ihrem Beispiel, dem Anschluss eines Kochherdes, ist genau dies der Fall. Wenn wir eine Leistung von 10 kW annehmen, so ergibt dies einen Nennstrom von 14,5 A. Siehe dazu auch Abbildung 1. Somit kann also zum Anschluss des Kochherdes in der Verlegeart B2 ein Querschnitt von 1,5 mm2 eingesetzt werden. Des Weiteren wird bei einem Kochherd

2

Zugang zu Schaltgerätekombination

Wir planen, in einem Raum Schaltgerätekombinationen zu platzieren. In diesem Raum werden die SGK einander gegenüber aufgestellt. Der freie Platz zwischen den beiden Schaltschrankfronten beträgt 1,2 m. In der NIN unter 7.29.3 sind die geforderten Mindestabstände angegeben. Mir ist nicht klar, ob dies auch gilt, wenn die Türen beider Schrankfronten jeweils 1m breit sind. ( T. B. per E-Mail )

niemals die ganze Leistung über eine längere Zeit benötigt. Schaltet man alle Kochplatten ein, so werden die Leistungen der einzelnen Platten zur Leistungsregulierung getaktet. Es ist jedoch so, dass bei Leitungen, welche übersichert werden, der Kurzschlussschutz nachzuweisen ist. In diesem Fall ist die Leitung ganz knapp übersichert, denn nach NIN kann ein 1,5-mm2-Leiter 15A Strom führen. Unsere Leitung ist aber für den Kurzschlussschutz mit 16A abgesichert. Bei Leitungsschutzschaltern ist der Kurzschlussschutz der Leitung gegeben, wenn der kleinste Kurzschlussstrom grösser ist als der sichere Ansprechstrom des magnetischen Auslösers des Leitungsschutzschalters. Bei einem LS 16 AC entspricht dies einem Kurzschlussstrom von 160 A. Siehe dazu auch NIN 4.3.4.3.2 B+E. ( pn)

Der Zugang zu Schaltgerätekombinationen ist aus mehreren Hinsichten wichtig. Zum einen geht es dabei um die sichere Bedienung von Schalt- und Steuergeräten. Weiter müssen auch Arbeiten an den Verteilern sicher ausgeführt werden können. Und nicht zuletzt geht es um einen sicheren Fluchtweg im Falle eines Ereignisses. Die NIN stützen sich dabei auch auf die Starkstromverordnung. Darin steht geschrieben, dass Bedienungsgänge in Niederspannungsanlagen mindestens 80 cm breit und Notausgänge mindestens 60 cm breit sein müssen. Der von Ihnen geplante Abstand zwischen

Der im Leiter fliessende Strom ist vom Kochherd gegeben. Dieser kann keinen Überlaststrom erzeugen!

I =

P 10 000 W = = 14,5 A U × 3 400 V × 3

Der maximale Strom, welcher durch einen Leiter dauernd fliessen darf, ohne dass sich der Leiter unzulässig erwärmt. Bei einem 1,5 mm 2, 3 belastete Leiter und in der Verlegeart B2 entspricht dies 15 A. Tabelle 5.2.3.1.1.11.3 B+E

Belastungsstrom der Leitung

Bei Steckdosenstromkreisen ist der Leiterbelastungsstrom durch den vorgeschalteten ÜberStromunterbrecher gegeben.

NIN-Know-how

NIN-Know-how 43

10000 3

10000 3

10000 3

ON

ON

ON

C16

C16

C16

Achtung: Werden Leitungen übersichert, so muss der Kurzschlussschutz nachgewiesen werden!

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Elektrotechnik 3/09 | 69


NIN-Know-how

den Verteilungen von 1.2 m genügt also vollauf. Die Türbreite spielt dabei so lange keine Rolle, wie diese in Fluchtrichtung schliessen und im offenen Zustand nicht blockiert sind. Zudem ist zu beachten, dass im Falle von in den Gang hineinragenden Bedienteilen diese die lichte Breite auf nicht weniger als 60 cm beschränken.

2 Nicht nach NIN 5.1.3.1.1 B + E: mindestens 60 cm freie Gangbreite. 4 Zweckentfremdete Steckdosenleiste.

Es ist aber auch wichtig, diese Zugangsbreite nicht einzuschränken, um gefahrlos Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten ausführen zu können. In Abbildung 2 sehen Sie ein schlechtes Beispiel, wo durch nachträglichen Einbau eines Heizkessels in den Raum mit Schaltgerätekombination der Zugang zu stark eingeschränkt wurde. (dk)

3

Verpflegungsautomat neben Zapfsäule

Kürzlich wurden wir zu einem Kunden gerufen, welcher eine Autogarage und eine Tankstelle betreibt. Er wollte, dass wir für ihn eine Zuleitung für einen Verpflegungsautomaten verlegen, welcher 1,5 m neben der Zapfsäule zu stehen kommt. Für den Verpflegungsautomaten sollten wir eine Steckdose montieren. Darf man neben einer Benzinzapfsäule eine solche Installation ausführen? Welche Abstände müssen eingehalten werden? ( J. F. per E-Mail) Um Benzinzapfsäulen ist ein explosionsgefährdeter Bereich der Zone 2 eingeteilt. Diese Zone umschliesst die Zapfsäule in einem Radius von 3 m und wird in einer Höhe von 1m ab Boden begrenzt. Siehe Zoneneinteilung, Abbildung 3. Im Bereich der Zone 2 dürfen nur Betriebsmittel eingesetzt werden, welche die Aufschriften der entsprechenden Zone erfüllen. Das heisst, wenn unter einem Meter eine Steckdose installiert wird, so muss diese der entsprechenden Zone genügen. Dasselbe gilt natürlich auch für den Verpflegungsautomaten. (pn)

2

4

Steckdosenleiste fest anschliessen

Unser Kunde hat uns eine Art von Steckdosenleisten geliefert und möchte, dass wir diese nun fest anschliessen und fest montieren. In der

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Zone 2

In den Ex-Zonen dürfen keine «normalen» Betriebsmittel installiert werden!

1m

3

70 | Elektrotechnik 3/09

Solche Steckdosenverteiler fallen sicher unter den Begriff der Erzeugnisse und damit unter die entsprechende Verordnung. Dabei muss der Inverkehrbringer mit der Konformitätserklärung darlegen, nach welchen Normen sein Gerät gebaut und geprüft wurde. Wenn nicht eindeutig ersichtlich ist, für welche Zwecke und unter welchen Umständen das Gerät eingesetzt werden darf, so braucht es dazu eine Gebrauchsanweisung. Wenn also die Steckdosenleiste nach den nötigen Normen gebaut und geprüft wurde, so lesen Sie in den Instruktionen, wie Sie diese verwenden dürfen. Wenn bereits ein Anschlusskabel mit ( Schweizer ) Stecker angebracht ist, so würden Sie mit dem Entfernen dieses Kabels oder Steckers einen Eingriff in den Verantwortungsbereich des Herstellers machen und die Produktehaftpflicht wäre in Frage gestellt. Andernfalls beachten Sie die Instruktionsanweisungen, auch was die Schutzgeräte betrifft. Unter den Begriff «Branch circuit protections» fallen unter anderem auch Leitungsschutzschalter. Für den Überlastschutz sind solche auf jeden Fall geeignet. In Abbildung 4 sehen Sie eine nicht konforme Verwendung von einer Steckdosenverteilleiste. ( dk )

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Wechsel auf NIN 2010

Wie ich an verschiedenen Veranstaltungen erfahren habe, wird mit der NIN 2010 die Fehlerstromschutzeinrichtung für alle Steckdosenstromkreise bis 32A zur Pflicht. Ich finde dies eine gute Sache, denn es gibt keinen bessern Schutz. Nun bin ich aber mit der Submission einer grossen Wohnüberbauung beschäftigt. Dieser Bau soll ab 2010 begonnen werden, einzelne Etappen werden aber erst ab 2012 starten. Muss ich nun für alle Steckdosenstromkreise eine Fehlerstromschutzeinrichtung vorsehen? Oder gibt es Übergangsfristen? (R. K. per E-Mail ) Die NIN 2010 wird auf den 1. Januar 2010 in Kraft gesetzt. Das heisst, dass sämtliche Installationen, welche sich zu diesem Zeitpunkt in der Ausführung befinden, nach der bisherigen Norm installiert werden können.

Bleifrei

3m

Leiste hat es sogenannte «Branch circuit protections». Dürfen diese als Überlastschutzorgane verwendet werden und dürfen wir diese Leisten fest anschliessen? (T. M. per E-Mail)

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Nullung an bestehender Beleuchtung nachrüsten?

Die Installationen bei einem unserer Kunden wurden periodisch kontrolliert. Dabei hat der Kontrolleur festgestellt, dass die Fluoreszenzleuchten in der Werkstatt nicht « geerdet » bzw. « genullt » sind. Gemäss Kontrollbericht müssten wir die Gehäuse mit dem Schutzleiter verbinden. Sämtliche Leitungen haben aber keinen Schutzleiter mit eingezogen, weshalb wir praktisch die gesamte Beleuchtung sanieren müssten. Dies würde den Kunden mehrere tausend Franken kosten. Wieso hat das vorher noch niemand bemerkt und ist so eine Sanierung verhältnismässig ? (P. S. per E-Mail) Dass elektrische Anlagen und Installationen weder im normalen Betrieb noch in voraussehbaren Störfällen weder Personen noch Sachen gefährden dürfen, steht schon seit jeher im Gesetz bzw. in den Verordnungen niedergeschrieben. Der Weg dahin, bzw., die für diese Sicherheit geforderten Massnahmen haben sich aber im Laufe der Zeit verändert. Aus verschiedenen Erkenntnissen konnte und kann man die Massnahmen stetig anpassen. Frü-

her wurden für Installationen die «Hausinstallations-Vorschriften» angewandt, heute verwenden wir Normen, grösstenteils sogar internationale. Vieles wurde verbessert. Und so stand in früheren Ausgaben der Vorschriften, dass eben nur Geräte im Handbereich genullt oder geerdet werden müssen. Das führte legitimerweise dazu, dass gerade Fluoreszenzleuchten mit Blecharmaturen auf einer Höhe von z. B. 4 Metern eben nicht an einen Schutzleiter angeschlossen wurden. Im Falle von Normenänderungen besteht in der Regel keine Sanierungspflicht. Das heisst, elektrische Installationen müssen nach den anerkannten Regeln der Technik erstellt werden, aber nicht rückwirkend angepasst werden. Nun erübrigt sich die Frage nach dem früheren Erkennen, denn wahrscheinlich entsprach die Installation den bei der Erstellung gültigen Vorschriften, erkundigen Sie sich nach dem Erstellungsdatum. Trotzdem muss aber diese Anlage sicher sein, auch wenn heute ein besseres Schutzniveau verlangt würde. Sicherheit bedeutet unter anderem, dass bei dieser Beleuchtung kein Isolationsfehler besteht und der Basisschutz (Schutz gegen direktes Berühren, z. B. Isolierung oder Abdeckung) einwandfrei funktioniert. Als Fachmann gehen Sie sicher mit mir einig, dass dieser fehlende Fehlerschutz schon einige Risiken birgt. Nach den heute anerkannten Regeln der Technik müssten die FL-Leuchten ja auf jeden Fall mit dem Schutzleiter verbunden werden. Die NIN schreiben aber im Artikel 4.1.2.5.3 interessanterweise auch noch Folgendes: In Sonderfällen kann auf den Schutzleiter zu Geräten mit berührbaren leitenden Teilen verzichtet werden, wenn Fehlerstromschutzeinrichtungen ( RCDs) mit einer Nennauslösestromstärke IDn <10 mA vorgeschaltet werden. Weiter steht in den zugehörenden B + E, dass man « . . . in einem solchen Fall in Kauf nimmt, dass die Fehlerstromschutzeinrichtung ( RCD) erst aufgrund des Fehlerstroms, der beim Berühren durch den menschlichen Körper fliesst, auslöst.»

NIN-Know-how

Dasselbe gilt auch für Installationen, welche bis Ende Juni 2010 der Netzbetreiberin mit der Installationsanzeige gemeldet werden. Diese Übergangsregelung ist nicht neu, sondern wurde auch bereits in den vorgegangenen neu in Kraft gesetzten NIN angewandt. Siehe dazu in NIN 1.0.5 Geltungsbeginn und Übergangsregelungen. Eine Installationsanzeige ist nach den gängigen Werkvorschriften in der Regel 1 Jahr nach der Bewilligung der Netzbetreiberin gültig. Je nachdem, wann Sie die Installationsanzeige machen können, kann nach alter oder neuer NIN installiert werden. Grundsätzlich erachte ich es aber nicht als sinnvoll, diese Übergangsfrist so auszunutzen, dass auf Fehlerstromschutzeinrichtungen verzichtet werden kann. Es ist ein guter Dienst an Ihren Kunden, diese Änderung für ihr neues Projekt bereits einfliessen zu lassen. (pn)

8 8 Sichtprüfung an Baustromverteilern.

Wenn Ihr Kunde also die empfehlenswerten Sanierungsmassnahmen nicht finanzieren kann, könnten Sie ihn vielleicht als Sonderfall behandeln. Nicht in Frage zur Sanierung kommt sicher die Anwendung des Systems TN-C, denn nach heutigen Normen müsste der dafür eingesetzte PEN-Leiter mindestens 10 mm2 aufweisen. (dk)

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Erdungsleiter von Elektrozaunanlagen

Bei einer Pferdestallung müssen wir einen Viehhüter installieren. Das Gerät kommt an die Aussenwand, welche aus Sichtbackstein gemauert ist. Nun habe ich gesehen, dass an dem Elektrozaungerät ein Anschluss für einen Erdungsleiter vorgesehen ist. Leider konnte ich in der NIN keinen Artikel dazu finden, welcher etwas über den Erdungsleiter von Elektrozaunanlagen aussagt. Welchen Querschnitt muss ich wählen ? ( W.K. per E-Mail ) Für Elektrozaunanlagen und deren Erstellung gibt es ein separates Regelwerk (3127.2001), welches man bei der electrosuisse beziehen kann. Darin findet man klare Angaben, wie Elektrozaungeräte zu installieren sind. Der Erdungsleiter zwischen der Anschlussklemme des Elektrozaungeräts und dem Erder darf nicht länger als 5 m sein und soll aus Kupfer mit mindes-

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Weiterbildung ist Goldwert

Elektrotechnik 3/09 | 71


NIN-Know-how

tens 10 mm2 bestehen. Wenn die Einrichtung auf brennbaren Gebäudeteilen angebracht ist, muss darauf geachtet werden, dass der Erdungsleiter in ein nicht leitendes Rohr aus schwer brennbarem Material eingezogen wird. Ausserdem muss auch das Elektrozaungerät auf eine nicht brennbare Unterlage fest montiert werden, welche das Elektrozaungerät allseitig um 10 cm überragt. (pn)

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Prüfung von Baustromverteilern

Wir haben ein Handwerkerprovisorium für eine bevorstehende Fassadensanierung installiert. Logischerweise haben wir auch einen SINA erstellt und dem EW zugestellt. Nun verlangt das EW, dass wir noch ein unabhängiges Kontrollorgan für eine Abnahmekontrolle beauftragen. Nach NIV muss diese Abnahmekontrolle innert 6 Monaten erfolgen. Bis dahin ist die Sanierung aber längst abgeschlossen, was soll dann dieser Kontrolleur noch tun? (H. B. per E-Mail) Eigentlich stimmen alle gemachten Aussagen ! Nochmals einen Blick zurück : Nach alter Gesetzgebung hatten Eigentümer und Installateure nach erfolgter Kontrolle (durch die Netzbetreiberin notabene) drei Monate Zeit, um allfällige Mängel zu beheben. Mit der Liberalisierung des Kontrollwesens musste man aber nun auch den Kontrollorganen die nötigen Fristen einräumen, also nochmals drei Monate. Gerade für temporäre Installationen, Provisorien und Installationen auf Baustellen entstehen durch diese Vorgaben etwas komische Situationen. Einige Netzbetreiberinnen verlangen deshalb nur dann eine unabhängige Abnahmekontrolle, wenn die Betriebszeit des Provisoriums länger als sechs Monate dauert. Damit können die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Das Wichtigste am Ganzen ist aber nicht unbedingt die Abnahmekontrolle nach einem halben Jahr, sondern die Erstprüfung bei Inbetriebnahme! Mit der Sichtprüfung stellen wir vor allem das Vorhandensein eines genügenden Basisschutzes fest (Abdeckungen in Ver-

teilern, Isolationen auf Kabelrollen, ausgerissene Stecker etc.) und die richtige Auswahl der Betriebsmittel (z. B. sind keine TT-Kabel verwendet, ausser diese wären ausreichend mechanisch geschützt). Die Fehlerstromschutzschalter werden auf jeden Fall sofort geprüft und natürlich wird der Drehsinn an allen Drehstromsteckdosen geprüft. Nicht dass ein Handwerker auf die Idee kommen müsste, an einer Kupplung zu hantieren, ohne vorher den Stecker auszustecken und so eine Zweitprüfung des FI-Schutzschalters zu machen. (dk)

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Periodische Kontrolle

Laut Niederspannungs-Installationsverordnung ( NIV Art. 31 ) darf, wer an der Planung, Erstellung, Änderung oder Instandstellung der elektrischen Installation beteiligt war, nicht mit der periodischen Kontrolle beauftragt werden. Wie ist es nun aber, wenn der Kunde darauf besteht, dass wir die periodische Kontrolle durchführen, obwohl ich ihm erklärt habe, dass dies nach NIV nicht möglich ist? ( H. B. per E-Mail ) Wenn ein Kunde darauf besteht, dass Sie in seiner Installation keine Fehlerstromschutzeinrichtungen montieren und Sie dies danach nach seinen Wünschen ausführen, liegt die Verantwortung bei Ihnen. Dies wird vor allem in einem Schadensfall unangenehme Nebenwirkungen mit sich ziehen. Sie sind der Fachmann und deshalb auch verantwortlich, dass die Regeln der Technik eingehalten werden. Genau gleich verhält es sich mit der periodischen Kontrolle. Wenn Sie in der zu kontrollierenden Installation bereits tätig waren, kann und darf die periodische Kontrolle nur durch ein unabhängiges Kontrollorgan ausgeführt werden. Es ist nur verständlich, dass der Kunde alles aus einer Hand haben möchte. Sie können ihm den Service anbieten, indem Sie für ihn die Organisation der Kontrolle übernehmen. Avisieren Sie ein unabhängiges Kontrollorgan und beauftragen Sie dieses mit der periodischen Kontrolle der Installation Ihres Kunden. Vielleicht hält

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Schutzleiter: 10 A Isolation: 500 V DC HV: 1kV, 2.5 kV AC Ableitstrom: mA

Maschinen: EN 60204 Schaltgeräte: EN 60439 Werkzeuge: VDE701/702 Seite 157 von 276

Ihnen dieses Kontrollorgan einmal einen Auftrag zu.

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auch ( pn)

Versierte Heimwerker

Immer wenn ich in einem Hobby-Baumarkt einen Einkauf mache, besuche ich noch die Elektroabteilung. Es erstaunt mich dabei jedes Mal, wie gross das Sortiment ist. Eigentlich darf ja der Laie keine Installationen ausführen. Neulich habe ich sogar in einem Prospekt folgenden Satz gelesen: «Versierte Heimwerker müssen nicht unbedingt einen Elektriker rufen, wenn es um den Anschluss einer Leuchte oder den Tausch eines Schalters geht – doch sollten sie wichtige Grundregeln beachten.» Und dann folgten gut bebilderte Instruktionen für den Anschluss irgendeines Kabels. Für mich wirkt das etwa gleich, wie wenn in einem Autoprospekt stehen würde: «Versierte Autofahrer müssen nicht unbedingt bei rot anhalten». Ist das legitim ? (K. M. per EMail) Nun, zugegeben, das ist nicht ganz leicht zu verstehen. Die NIV regelt die Installationsbewilligungen. Sie schreibt u. a. im Artikel 16 Abs. b, dass es keine Bewilligung braucht, um Beleuchtungskörper und zugehörige Schalter in selber bewohnten Wohn- und zugehörigen Nebenräumen zu montieren und demontieren. Damit macht der Detailhändler im Prospekt schon keine falschen Angaben. Weiter erlaubt die NIV sogar die Installation von Steckdosen, dies aber nur einphasig und hinter einem FI. Wenn man das Elektrosortiment bei diesen «Fachmärkten» durchstöbert, findet man allerdings auch Steckdosen für Drehstrom. Diese darf der Laie nun kaufen, aber nicht selber installieren. Auch Installateure dürfen hier einkaufen. Was leider in den Prospekten, meines Erachtens fälschlicherweise, nicht erwähnt wird, ist der 3. Absatz aus dem zitierten Artikel, nämlich dass auch für die Laieninstallationen die Kontrollpflicht besteht. Woher soll der versierte Heimwerker nun wissen, dass die von ihm installierte Steckdose nun noch kontrolliert werden muss? Diese Frage kann ich ■ hier nicht beantworten. (dk)

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Fragen und Antworten zur NIN 2005

Wie war das schon wieder. Ich habe doch einmal in der NIN gelesen, dass bei einer Schaltgerätekombination, welche Aufputz montiert wird, über die Schaltgerätekombination hinaus die brennbaren Gebäudeteile verkleidet werden müssen. Ich finde diesen Artikel in der aktuellen Norm nicht mehr. Ist es Ihnen auch schon einmal so ergangen? Die NIN lebt und verändert sich wie die Anforderungen unserer elektrischen Installationen. So wie wir auch in der Installationstechnik auf dem Laufenden sein müssen, um unseren Kunden einen optimalen Service zu leisten, so müssen wir uns auch in den Normen weiterbilden. Wir helfen Ihnen gerne dabei. Bilden Sie sich weiter, lesen Sie unser NIN-Know-how. Viel Vergnügen!

Pius Nauer und David Keller Minimaler Kurzschlussstrom hinter Fehlerstromschutzeinrichtung

In der Frage 3 der Februarausgabe haben Sie ein Beispiel mit einem Messund Prüfprotokoll und einer Steckdose gemacht, welche mit einem LSFI abgesichert wurde. Im Mess- und Prüfprotokoll haben Sie auf die Werte des minimalen Kurzschlussstroms verzichtet, mit der Aussage, dass dieser für den Fehlerschutz nicht mehr relevant sei. Ich kann es ver-

Um die automatische Abschaltung im Fehlerfall zu gewährleisten, dürfen Überstromschutzorgane oder Fehlerstromschutzeinrichtungen eingesetzt werden. NIN 4.1.3.1.3.8

Jede Installation muss natürlich dem Fehlerschutz (Personenschutz) und dem Sachenschutz entsprechen. Diese zwei Schutzziele muss man bei einer Installation separat beachten. Der Fehlerschutz soll Personen, Nutztiere und Sachen vor elektrischem Schlag schützen. Das heisst, wenn ein Gehäuse eines Betriebsmittels durch einen Fehler oder Defekt unter Spannung gesetzt wird, muss eine Massnahme getroffen werden, dass niemand zu Schaden kommt. Damit dies eingehalten werden kann, muss zuerst einmal zwingend der Basisschutz erfüllt sein. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten wie die Isolierung aktiver Teile, Abdeckungen oder Umhüllungen, Hindernisse, Abstand oder als zusätzliche Schutzmassnahme den Einsatz von Fehlerstromschutzeinrichtungen. Zusätzlich zum

Die Fehlerstromschutzeinrichtung löst bei diesem Fehler nicht aus. Das vorgeschaltete Überstromschutzorgan, Überstromschutzorgan muss mussausausschalten, bevor der Leiter Schaden nimmt.

RCD

Bei einem Fehler zwischen einem Polleiter und einem Neutralleiter entsteht keine Personengefährdung, da das Gehäuse nicht unter Spannung zu stehen kommt.

Bei einem Fehler zwischen einem Polleiter und einem Schutzleiter oder einem Gehäuse,können Gehäuse könnenfür fürMensch Mensch und Tier gefährliche Situationen entstehen. Deshalb muss der Stromkreis im Fehlerfall innert 0,4 / 5s 0,4/5 s abgeschalten werden. NIN 4.1.3.1.3.3

1A

1C

Die Fehlerstromschutzeinrichtung löst bereits mit einem kleinen Fehlerstrom in der geforderten Zeit aus. Der Fehlerschutz für diesen Stromkreis ist erfüllt!

1,5 mm 2

Überlastung des Stromkreises mit 50A!

1,5 mm 2

RCD

Gefahrenkurve eines 1,5-mm 1,5mm2 -Leiters Leiters Abschaltzeit ca. 66-10s –10s

Der Ls löst aus aus, bevor der Leiter Schaden nimmt.

50A entspricht etwa dem 4-fachen Nennstrom eines LSC13A.

1

stehen, dass die Fehlerstromschutzeinrichtung auch in der geforderten Zeit abschalten kann, wenn der Kurzschlussstrom sehr klein ist. Für mich ist jedoch nicht verständlich, wie in diesem Fall der Sachenschutz respektive der Leitungsschutz eingehalten wird. Bei einem Kurzschluss zwischen einem Pol- und Neutralleiter löst nämlich die Fehlerstromschutzeinrichtung nicht aus und der Leiter könnte bei einem kleinen Kurzschlussstrom von z. B. 70 A Schaden nehmen. (M. B. per E-Mail)

NIN-Know-how

NIN-Know-how 44

Test

F ON I

1B

1D Seite 158 von 276

-25

Die Fehlerstromschutzeinrichtung übernimmt den Fehlerschutz und der Leitungsschutzschalter den Leitungsschutz.

13AC IΔn 0.03A

Elektrotechnik 4/09 | 61


Fehlerschutz durch Fehlerstromschutzeinrichtung Bei einem Fehler zwischen Polleiter und Schutzleiter oder einem Gehäuse schaltet die Fehlerstromschutzeinrichtung vor 0,4 0,4ssab. ab.

Wird die Leitung nicht übersichert, so ist der Leitungsschutz im Überlastwie auch im Kurzschlussfall erfüllt. Die Grösse des Stromes (Kurzschluss- oder Überlaststrom) spielt dabei keine Rolle.

Test

F ON I

-25

13AC IΔn 0.03A

1E sondern richtet sich nach der Höhe des Kurzschlussstroms und des Querschnitts der Leiter. Bei grossen Kurzschlussströmen fällt eine viel grössere Leistung am Leiter ab (P = I 2 x R) als bei kleinen Kurzschlussströmen. Somit kann auch gesagt werden, dass bei grossen Kurzschlüssen die Zeit bis zum Abschalten kleiner sein muss als bei kleinen Kurzschlussströmen. Heutige Schmelzsicherungen und Leitungsschutzschalter sind natürlich auf die Eigenschaften unserer Leiter abgestimmt und erfüllen in der Regel den Überlast- sowie auch den Kurzschlussschutz einer Leitung. Das heisst, wenn wir den richtigen Querschnitt wählen und dabei die Leitung nicht übersichern, dann ist der Leitungsschutz erfüllt. In NIN 4.3.5.1.1 heisst es zudem, wenn ein Überstromschutzorgan für den Leitungsschutz eingesetzt wird, welches vor Überlast und Kurzschluss die Leitung schützt, so ist der Kurzschlussschutz automatisch erfüllt, wenn die Leitung nach den Gesichtspunkten des Überlastschutzes (NIN 4.3.3) dimensioniert wurde. Einfach ausgedrückt: Wenn eine Leitung nicht übersichert ist, dann ist der Überlastsowie auch der Kurzschlussschutz unabhängig der Grösse des zu erwarteten Kurzschlussstroms erfüllt. Aus der Tabelle NIN 5.2.3.1.1.11.1 B + E ist er-

Elektro-Thermographie Vorbeugender Unterhalt und Störungsbehebungen in elektrischen Anlagen und an Maschinen.

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1,5 mm2

Leitungsschutz durch Leitungsschutzschalter 1,5 mm2

NIN-Know-how

Basisschutz muss der Fehlerschutz gewährleistet sein. Auch hier gibt es drei Möglichkeiten, wobei mindestens eine angewandt werden muss. Es sind dies die automatische Abschaltung im Fehlerfall, die Berührungsspannung oder der Berührungsstrom. In der Praxis wird heute praktisch immer die Schutzmassnahme der automatischen Abschaltung im Fehlerfall angewandt. Hier geht es darum, wenn ein Fehler in einem Stromkreis auftritt, diesen wirkungsvoll abzuschalten, bevor jemand Schaden nehmen kann. Dazu sind die bekannten Zeiten von 0,4 s für Steckdosenstromkreise und 5 s für fest angeschlossene Verbraucher in der NIN 4.1.3.1.3.3 zu finden. Diese Zeiten müssen immer dann eingehalten werden, wenn zwischen einem Polleiter und einem Schutzleiter oder einem Polleiter und einem Gehäuse, welches mit dem Schutzleiter verbunden ist, ein Fehler auftritt. Siehe dazu auch Abbildung 1A. Werden für die automatische Abschaltung Überstromschutzeinrichtungen eingesetzt, hängt die Abschaltzeit mit der Höhe des auftretenden Kurzschlussstroms zusammen. Nicht so bei einer Fehlerstromschutzeinrichtung. Diese schaltet unabhängig der Grösse eines Kurzschlussstroms schon bei einem geringen Fehlerstrom, mindestens der Grösse seines Auslösenennstroms, in der gewünschten Zeit aus. Wie Sie aus der Abbildung 1B ersehen können, ist der Fehlerschutz nach einer Fehlerstromschutzeinrichtung immer erfüllt. In der Abbildung 1C habe ich nun einen Fehler zwischen einem Polleiter und einem Neutralleiter eingezeichnet. Überlegen Sie sich, welche Gefahren bei einem solchen Fehlerfall auftreten können. Obwohl ein Kurzschlussstrom fliesst, steht das Gehäuse nicht unter Spannung und es kann für eine Person, welche das Gehäuse berührt, in erster Linie keine Gefahr entstehen. Gefährdet ist nun aber die Leitung. Wenn der Kurzschluss nicht unterbrochen wird, so wird sich der Leiter erwärmen und dann auch Schaden nehmen. Aber in welcher Zeit muss nun der Stromkreis abgeschaltet werden? Diese Abschaltzeit ist nicht wie im Personenschutz fix,

sichtlich, dass ein 1,5-mm2-Querschnitt mit zwei belasteten Leitern einen maximalen Strom von 16,5 A dauernd führen darf (gilt für die Verlegeart B2). Wenn sie nun die Abbildung 1D anschauen, so können Sie sehen, dass dieser Stromkreis entsprechend den Grundlagen des Überlastschutzes richtig dimensioniert ist. Stellen Sie sich nun vor, ein Betreiber schliesst an dieser Steckdose mehrere Scheinwerfer an, welche den Stromkreis zum Beispiel mit 50 A belasten. Also ein typischer Überlastfall einer Leitung. Was wird nun passieren? Richtig, der Leitungsschutzschalter schaltet ab, bevor die Leitung Schaden nimmt. Wenn man diese Abschaltzeit aus einem Diagramm eines Leitungsschutzschalters liest, so stellt man fest, dass die Abschaltung eines Überlaststroms von 50 A ca. 6 – 10 s dauert. Im Überlastfall ist nun also der 1,5- mm2Leiter durch den Leitungsschutzschalter geschützt. Im Diagramm in der Abbildung 1D ist in roter Farbe die Gefahrenlinie eines 1,5-mm2Querschnittes ungefähr eingetragen. Daraus ist auch klar ersichtlich, dass bei einem Strom von 50 A der Leitungsschutzschalter ausschaltet, bevor der Leiter Schaden nimmt. Das Gleiche können Sie auch für andere Grössen von Überlastströmen aus dem Diagramm herauslesen. Und

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Kleingenerator, Ersatzstromanlage Anschluss für zwei Verbraucher System TN

NIN-Know-how

Erzeuger/ Generator L N

PE

RA ≤ 50Ω

Anschlussmöglichkeit für Staberder

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4

was für einen Überlaststrom gilt, gilt natürlich auch für einen Kurzschlussstrom. Sehen Sie sich dazu die Abbildung 1E an. Bei dieser Steckdose übernimmt nun die Fehlerstromschutzeinrichtung den Fehlerschutz. Im Fehlerfall wird der Stromkreis mit Sicherheit durch die Fehlerstromschutzeinrichtung in den geforderten 0,4 s (Steckdosenstromkreise) unterbrochen. Der Leitungsschutzschalter übernimmt vollumfänglich den Leitungsschutz. Egal wie gross der Kurzschlussstrom sein wird, der Leitungsschutzschalter unterbricht im Kurzschlussfall (Polleiter-Neutralleiter) den Stromkreis, bevor sich der Leiter unzulässig erwärmen wird. Aus diesem Grund ist das Eintragen des Kurzschlussstromes in das Mess- und Prüfprotokoll bei nicht übersicherten Stromkreisen mit Fehlerstromschutzeinrichtung nicht mehr relevant. Übrigens in den «guten alten HV-Zeiten» durften wir Leiter nie übersichern, aus diesem Grund musste auch nie eine Berechnung des Kurzschlussschutzes durchgeführt werden. Bei Installationen, bei welchen die Leitungen übersichert werden, z. B. Motoreninstallationen, ist der Kurzschlussschutz zwingend nach den Grundsätzen von NIN 4.3.4.3.1 nachzuweisen. (pn)

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Unterschiedliche Kurzschlussstrommessungen

Mit meinem Installationstester messe ich unter anderem jeweils die Kurzschlussströme an Steckdosen und Lampen. Dabei zeigt das Messgerät manchmal unter-

schiedliche Werte, wenn ich zwischen Pol- und Neutralleiter bzw. zwischen Pol- und Schutzleiter messe. Macht das Messegerät diese beiden Messungen nicht gleich? (F. M. per E-Mail) Um das mit Sicherheit beantworten zu können, muss man sich zuerst schlau machen, was das Messgerät wirklich macht. Einige Installationstester können so eingestellt werden, dass sie die Messung zwischen Pol- und Schutzleiter mit nur einem sehr geringen Messstrom durchführen. Das machen sie deshalb, um einen möglicherweise vorgeschalteten FI-Schutzschalter nicht auszulösen. Je kleiner aber der Messstrom, desto ungenauer das Resultat. Damit ein FI-Schutzschalter mit einem Nennauslösestrom von 30 mA nicht anspricht, begrenzt das Gerät den Prüfstrom auf unter 15 mA. Ohne diese Berücksichtigung führt das Gerät je nach Hersteller und Typ diese Messung mit einem Strom von 5 bis 20 oder sogar mehr Ampere durch. Also um den Faktor dreihundert bis einige Tausend Mal besser! Je hochohmiger das Netz ist, desto genauer wird die Messung. An dieser Stelle kann man auch gerade noch darauf hinweisen, dass einige Geräte den Netzinnenwiderstand und anderen die Netzinnenimpedanz messen. Das heisst, je näher beim Transformator die Messung durchgeführt wird, desto mehr fällt das Verhältnis XL zu R ins Gewicht, weshalb Messgeräte, welche «nur» Innenwiderstand messen, auch nur bei Trafo-entfernten (in der Pra-

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xis bei Kurzschlussströmen unter 1000 Ampere) Stellen, einigermassen brauchbare Resultate ausgeben. Wenn Sie aber die Messungen zwischen Pol- und Neutralleiter bzw. dem Schutzleiter mit dem gleichen Messstrom durchführen, so ist das natürlich, dass unterschiedliche Werte angezeigt werden. Gerade im System TN-S ist der Neutralleiter isoliert geführt und der Schutzleiter über die Körper der Betriebsmittel mit dem Potenzialausgleich verbunden. Das führt dazu, dass eben die Messung über den Schutzleiter niederohmiger ausfällt als über den Neutralleiter. Anders ausgedrückt könnte man aufgrund der nun unterschiedlichen Resultate auf einen mehr weniger guten Potenzialausgleich schliessen! (dk)

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Abdeckung eines alten Wassererwärmers

Was meinen Sie zu diesem alten Wassererwärmer? Die Türe lässt sich nur mit dem Schraubenzieher öffnen, trotzdem finde ich, dass man die offenen Klemmen der Heizung und der Thermostaten rechts oben mit einer zusätzlichen Abdeckung vorsehen sollte. Was sagen die NIN zu diesem speziellen Fall? (W. S. per E-Mail) Grundsätzlich müssen gemäss NIN sämtliche spannungsführenden Teile der zufälligen Berührung entzogen werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. In diesem Fall wurde mittels einer Türe diesem sogenannten Basisschutz Rechnung getragen.

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NIN-Know-how

5 In NIN 4.1.2.2, Schutz durch Abdeckungen oder Umhüllungen, kann nachgelesen werden, was dazu alles eingehalten werden muss. So müssen zum Beispiel sämtliche Öffnungen der Schutzart IP2X, der Prüffingersicherheit, entsprechen. Dies ist in diesem Fall, siehe Abbildung 3, sicher gewährleistet. Da die Türe für Servicearbeiten geöffnet werden muss, darf dies nur durch den Einsatz eines Schlüssels oder eines Werkzeugs geschehen (NIN 4.1.2.2.5). Auch dieser Aufforderung ist also Rechnung getragen. Da nach dem Öffnen der Türe ein direkter Zugang zu spannungsführenden Teilen entsteht, muss am Schloss ein Warnzeichen angebracht werden (Dreieck mit Pfeil, siehe NIN 4.1.2.1). Wenn diese Punkte eingehalten sind, so entspricht dieser alte Wassererwärmer den Grundlagen der NIN. Eine weitere Abdeckung im Innern des Schrankes anzubringen, ist natürlich nicht verboten. (pn)

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Schutzmassnahmen für Generator in Waldhütte

Unser Vereinspräsident hat mir ganz stolz seinen neuen Erwerb für unsere Vereinshütte zum Anschliessen übergeben. Nämlich hat er bei einer Aktion in einem Fachmarkt einen Benzin-Generator gekauft. Nun habe ich die Instruktionsanweisungen gelesen. Darin steht, man sollte das Gerät erden, um sich keinem elektrischen Schlag auszusetzen. Mich erstaunt die Formulierung «sollte». Denn als ich beim nun angeschlossenen Baustromverteiler den FI messen wollte, funktionierte dieser überhaupt nicht. (W. S. per E-Mail) Sicher sind Sie mit diesem Problem nicht alleine, weshalb ich hier versuche, Lösungen aufzuzeigen. Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Personenschutz sicherzustellen. In unseren Hausinstallationen wenden wir am häufigsten «Schutz durch automatische Abschal-

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tung» an. Dabei werden immer Teile der Anlage geerdet, und seien es «nur» die Körper der Betriebsmittel, wie im System IT. Am allermeisten aber wird das System TN angewandt. Dabei wird der aktive Teil mindestens einmal, möglichst beim Erzeuger, direkt geerdet und die Körper wieder mit diesem «neutralen» Teil über Schutzleiter verbunden. In besonders heiklen Fällen, z. B. in enger, elektrisch gut leitender Umgebung schützt man sich noch besser, wenn man die Schutztrennung anwendet. Dabei ist es aber sinnvoll, nur einen einzigen Verbraucher pro Trafo anzuschliessen. Andernfalls müssten die leitenden Gehäuse mit einem erdfreien Potenzialausgleich verbunden werden. In Abbildung 4 sehen Sie, wie die Anschlüsse erfolgen könnten. Bei der Schutztrennung gilt es besonders zu beachten, dass die gesamte angeschlossene, zulässige Leitungslänge (Quotient aus 100 000 und Nennspannung) nicht überschritten wird. Die internationalen Normen lassen übrigens die Verwendung von mehreren Betriebsmitteln am selben Trenntrafo nur dann zu, wenn die Anlage von einer instruierten Person überwacht wird. Damit Sie nun die FI-Schutzschalter auch prüfen können, müssen Sie erden. Somit entfällt die Schutztrennung als Schutzmassnahme. Verwenden Sie dazu einen klassischen Staberder (zugespitzter Stab) oder ein Metallrohr, verzinkt oder noch besser aus Edelstahl, und verbinden diesen mit der am Generator dafür vorgesehenen Klemme (siehe ebenfalls Abbildung 4). (dk)

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Verkleidungen von Schaltgerätekombinationen

Eine Aufputz-Schaltgerätekombination (Alu-Rahmen gegen hinten offen), siehe Abbildung 5, ist auf einem Holztäfer montiert. Gemäss der «alten» NIN musste unterhalb, links und rechts sowie oberhalb und nach vorne eine wärmedämmende, nicht brennbare Isolierplatte montiert werden. Ich habe in der NIN 2005 danach gesucht und nichts gefunden. Gibt es diesen Artikel nicht mehr? Genügt es, wenn die nicht brennbare und wärmeisolierende Verkleidung wie auf der Abbildung 5 angebracht ist? (W. S. per E-Mail) Sie finden in der aktuellen NIN diesen Artikel mit den Verkleidungen, welche über den Rand einer Schaltgerätekombination gehen, nicht mehr. Seite 161 von 276

Noch in der NIN 2000 wurde in NIN 5.3.9.3.1 gefordert, dass bei Schaltgerätekombinationen mit aufgebauten Geräten, welche grösser als 0,5 mm2 sind, oberhalb 40 cm und seitlich, unterhalb und nach vorne 20 cm mit einer nicht brennbaren und wärmeisolierenden Platte verkleidet werden müssen. Beim genauen Lesen dieses Artikels stellt der aufmerksame Leser fest, dass es sich hier um die sogenannten «Schaltgerätekombinationen mit aufgebauten Geräten» nur um die alten Schwenktableaus handeln kann. Bei Alu-Verteilern, wie wir es aus der Abbildung 5 erkennen können, werden die Geräte nicht aufgebaut, sondern eingebaut. Hier galt bereits früher, dass die Öffnungen gegen brennbare Gebäudeteile und Stoffe durch eine nicht brennbare und wärmeisolierende Verkleidung getrennt sein müssen. Diesen Artikel finden Sie übrigens genau gleich in der NIN 2005 in NIN 5.3.9.9.1. Somit gilt also in diesem Fall, ein gegen brennbare Gebäudeteile offener Alu-Verteiler ist hinten gegen das Holztäfer mit einer nicht brennbaren und wärmeisolierenden Verkleidung von mindestens El 30 zu verkleiden. (pn)

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Dokumentation von Messwerten

Als Elektroplaner haben wir nach Abschluss der Installationsarbeiten vom Installateur die technischen Unterlagen inkl. der entsprechenden Mess- und Prüfprotokolle verlangt. Die Installationserweiterung beinhaltete drei Dreifach-Steckdosen in je einen separaten Raum jedoch hinter der gleichen Gruppensicherung. Im Mess- und Prüfprotokoll ist jedoch nur eine Steckdose enthalten, und zwar die mit der längsten Leitung. Wir haben den Installateur gebeten, die anderen Steckdosen ebenfalls in das Protokoll einzutragen und gemäss NIN auch mind. zwei Schleifenimpedanzmessungen. Dieser Installateur meint jedoch, die erwähnten Angaben genügen vollauf. (F. W. per E-Mail) Mit Papieren und Prokollen schaffen wir noch keine Sicherheit. Die Protokolle sollten übersichtlich sein und es den involvierten Fachleuten (Installateur, Kontrollorgan, Netzbetreiberin, ESTI) ermöglichen, mit den Angaben das Einhalten der Normen nachzuvollziehen. Dazu bedarf es auch einiger Fachkompetenz. Beispiel: Um das einwandfreie Funktionieren der automatischen Abschaltung nach-


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NIN-Know-how

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zuweisen, bedarf es der Angaben über die Art des Schutzorganes (LS, Schmelzsicherung, aber auch FI!) und des kleinstmöglichen, am Stromkreis je auftretenden Fehlerstromes. Diesen Strom (im System TN auch als «IK min.» bezeichnete Strom) misst man deshalb am Ende jedes Stromkreises oder eben sinngemäss am Ende der längsten an diesen Stromkreis angeschlossenen Leitung. Der protokollierte Kurzschlussstrom am Anfang der Leitung hilft einerseits zur Plausibilitätsprüfung, aber eben auch zur Beurteilung des Backup-Schutzes des vorgeschalteten Schutzorgans, oder der ganzen Schaltgerätekombination. In dem von Ihnen beschriebenen Fall handelt es sich um die Installation von drei Steckdosen. Es scheint mir hier durchaus noch übersichtlich und verhältnismässig, die Werte aller Steckdosen zu protokollieren. Wie sieht aber eine Protokollierung für ein Geschäftshaus aus, in welchem nebst diversen Haustechnikanlagen und Beleuchtungen möglicherweise hunderte von Bodendosen mit jeweils einigen eingebauten Steckdosen vorhanden sind. Wie sieht hier der Detaillierungsgrad aus, welche Angaben müssen im Protokoll ersichtlich sein? Ist es der kleinste Wert in der Bodendose, oder sind es alle Werte der eingebauten Steckdosen oder der Wert der am Ende des jeweiligen Stromkreises angebrachten Dose? Es bestehen Vorlagen für Mess- und Prüfprotokolle, welche zur Anwendung von den verschiedenen Fachverbänden (sev electrosuisse, vsek, vsei, vse) empfohlen werden. Als Rechtsgrundlage dienen aber die Verordnungen NIV Art. 37 sowie die Verordnung UVEK, Art. 10. Allzu aufgeblasene, seitenlange Protokolle dienen nicht unbedingt der ■ Übersichtlichkeit. (dk )

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5.9.2008 11:20:04 Uhr


Fragen und Antworten zur NIN 2005

Die stete Entwicklung in unserer Branche wirft bei neuen Produkten und Techniken auch hin und wieder die Frage nach der Normenkonformität auf. Zuweilen greifen verschiedene Normen auch ineinander, oder sollten es zumindest. Braucht es überhaupt noch Neutralleitertrenner und wenn diese in einer Schaltgerätekombination zu finden (oder zu suchen! ) sind, wer ist für dessen Platzierung verantwortlich? Ist generell ein Anlageschalter in Schaltgerätekombinationen gefordert, oder nur wenn diese eine Maschine versorgt? Wie sieht es mit dem Brandschutz an den verschiedenen Orten aus, ist die NIN umfassend, oder gibt es noch weitere Normen? Vielleicht haben Sie sich die nachstehenden Fragen auch schon gestellt. Lesen Sie hier die Antworten, viel Vergnügen!

Pius Nauer und David Keller

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Neutralleiterklemme oder Spezialklemme

Kürzlich erhielten wir einen Auftrag einer Störungsbehebung. Schnell stellte sich heraus, dass an der Bezügersicherung der Neutralleitertrenner keinen guten Kontakt mehr machte. Die Folgen waren gravierend. So mussten einige elektronische Ge-

räte wie PCs, Telefone, Kaffeemaschinen etc. ersetzt werden. Dies passierte, obwohl kürzlich eine periodische Kontrolle an genannter Anlage durchgeführt wurde. Offensichtlich bemerkte der Elektro-Sicherheitsberater diesen Defekt nicht. Mir scheint, dass Neutralleitertrenner an 3phasigen Stromkreisen, besonders an Bezügerstromunterbrechern, ein erhebliches Gefahrenpotential aufweisen. Was sagt die

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7.4.2008 15:21:57 Uhr

NIN-Know-how

NIN-Know-how 45 Norm dazu? Gibt es die Möglichkeit, anstelle eines Neutralleitertrenners eine Neutralleiterklemme zu montieren. (H. Z. per E-Mail) Es ist bekannt, dass gewisse Neutralleitertrenner, die in die Jahre gekommen sind, plötzlich einen sicheren Kontakt verweigern. Oft sind diese Trenner an Orten eingebaut, wo die äusseren Bedingungen für die Trenner nicht optimal sind. Zum Beispiel in einer Verteilung in einem Kuhstall, wo die korrosiven Dämpfe die Kontaktfedern des Trenners angreifen. Es lohnt sich also auch, die Schaltgerätekombinationen entsprechend den äusseren Einflüssen gewissenhaft auszuwählen. Dass dies oft bei einer Kontrolle nicht bemerkt wird und werden kann, ist leider eine Tatsache. Eine Niederohmmessung über dem geschlossenen Neutralleitertrenner hilft jedoch, diesen Mangel zu entdecken. Heute gibt es aber auch die Möglichkeit, mit Wärmebildaufnahmen solche Materialalterungen zu erkennen und vor einem eventuellen Schadensfall zu beheben. Vor allem nach dem Öffnen und Schliessen eines Trenners ist der sichere Kontakt zu kontrollieren. Nun, sie fragten nach der Möglichkeit, eine Neutralleiterklemme anstatt eines Trenners zu montieren. Hier gibt die NIN ganz klar Auskunft. Im System TN-S sind beim Anschlussüberstromunterbrecher und beim Bezügerüberstromunterbrecher Neutralleitertrenner einzubauen, siehe NIN 4.6.2.1.3. Bei allen anderen Überstromunterbrechern kann anstelle des Neutralleitertrenners eine Spezialklemme verwendet werden. Es gilt also grundsätzlich: In ungezählten Stromkreisen müssen Neutralleitertrenner eingebaut werden und in gezählten Stromkreisen kann zwischen einem Neutralleitertrenner und einer Spezialklemme gewählt werden. Gemäss NIN 5.3.7.2.10 muss ein Neutralleitertrenner so ausgebildet sein, dass er nur mit einem Werkzeug betätigt werden kann. Die Norm lässt also offen, ob dies ein Trenner ist, bei welchem der Elektrotechnik 5/09 | 79


System TN-C Feld 2

Feld 3