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Zuger Presse · Zugerbieter · Mittwoch, 5. Februar 2014 · Nr. 5
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Franz Fidel Landtwing
Erinnerung an unbekannten Zuger Pionier Am 21. Januar 1714 wurde Franz Fidel Landtwing als Spross einer alteinge sessenen Zuger Familie geboren. Er erlebte nicht nur mit dem 18. Jahrhun dert eine interessante Zeitepoche, sondern gestaltete sie als Offizier, Forscher und Kartograf auch kräftig mit. Landt wings Werke und Spuren sind auch in Zug zu finden.
Flusspläne gezeichnet haben. Freundschaft, gegenseitige Achtung und wissenschaftlicher Austausch prägten die Beziehung Landtwings mit dem Luzerner Patriziersohn Franz Ludwig Pfyffer von Wiher, in dessen Regiment er als Hauptmann eine Kompanie übernahm. Die musikalische Reverenz erwies dem Gelehrten ein Trompetentrio der Musikschule Zug mit Noemi Sablonier, Marco Rust und Willi Röthenmund, das Musikstücke zeitgenössischer Komponisten aus der Barockzeit darbot.
Christian Raschle
Der Autor ist ehemaliger Stadtarchivar von Zug.
Von drei der bedeutendsten Zuger Familien des Ancien Régime, nämlich Kolin, Zurlauben und Landtwing, hat nur Letztere bis heute überlebt. Sie haben nicht nur das Geschehen in Zug geprägt, sondern waren durch Heirat und persönliche Beziehungen eng miteinander verbunden.
Fast vergessen: der Kartograf und Offizier Franz Fidel Landtwing.
Würdigung zu seinem 300. Geburtstag Mit dem 1775 geschaffenen Rechtsinstrument des Fideikommiss garantierte Franz Fidel Landtwing die ungeteilte Erhaltung des Besitzes über seinen Tod hinaus. Der heutige Fideikommissär Othmar Landtwing, der auch Hüter des Landtwingarchivs ist, fand in der Würdigung am 300. Geburtstag seines Vorfahren auch kritische Worte zu dessen Person und Werk. Vielseitigkeit und herausragendes Talent als Kartograf und Forscher sind dem Gefeierten jedoch nicht abzusprechen, wie Andreas Landtwing, ein weiterer Nachkomme, der als Korporationsrat und Stiftungsratspräsident der Burg Zug das Erbe des berühmten Vorfahren hegt, betonte. Er verwies auf die grossen Impulse, welche F. F. Landtwing als Offizier in Diensten des französischen Königs aus der Kultur und dem Gesellschaftsleben Frankreichs empfangen konnte. Mit Stolz trug er den könig-
Umfrage
Landtwing-Karten 1770/71
Ausschnitt der Landtwing-Karte von 1770. lichen St.-Ludwigs-Orden, der nur selten Ausländern verliehen wurde. Nach seiner Rückkehr reformierte und modernisierte er das desolate Zuger Militärwesen. Den durch die
«Zwei seiner wichtigsten Kartenwerke sind in öffentlichen Gebäuden in der Stadt Zug zu besichtigen.» Christian Raschle Militärtätigkeit gewonnenen Reichtum legte er in wichtigen Gebäuden im Zugerland an. So befanden sich als grössere Objekte die Burg Zug, die er 1762 an Pannerherr Kolin verkaufte, der Weingartenhof am Postplatz in Zug und das Schloss St. Andreas in Cham zeitgleich oder abwechselnd in seinem Besitz. Mit dem Schloss St. Andreas, das er 1747 von seinem Schwager Johann Jakob Kolin gekauft hatte, begann Landtwing jene Vermessungen, deren Ergeb-
Fotos pd
nisse 1748 in seinen ersten Plan einflossen. Als Zeitgenosse der Aufklärung baute sich Landtwing auch eine umfangreiche Bibliothek auf, die zwar durch Veräusserungen einzelner Nachkommen etwas beeinträchtigt wurde, aber dennoch echte Trouvaillen umfasst, wie es der Forscher Landtwing selber bezeichnete. Seine Neigung galt schwerpunktmässig den Naturwissenschaften und darin vor allem der Mathematik. Am meisten Wirkung erzielte der bedeutende Zuger als Kartograf in der engen Zusammenarbeit mit dem Zuger Kupferstecher Jakob Joseph Clausner. Zwei seiner wichtigsten Kartenwerke sind in öffentlichen Gebäuden in der Stadt Zug zu besichtigen und werden als Anerkennung für die Leistung des Wissenschaftlers Landtwingplan und LandtwingStadtplan genannt. Die Luzerner Kartografin Madlena Cavelti würdigt in einem Fachartikel in der Zeitschrift «Cartographica Helvetica» nicht nur das eindrückliche Kartenwerk, sondern weist auch darauf hin, mit welcher Detailtreue Landtwing und Clausner die einzelnen Land- und
Geist der Aufklärung Zuger und die Helvetische Gesellschaft 1761 gründeten in Bad Schinznach reformierte und katholische Patrizier und Bürgersöhne, die sich zumeist in fremden Diensten im Ausland ihre Sporen abverdient hatten, die Helvetische Gesellschaft. Die Mitglieder waren bestrebt, den in der Eidgenossenschaft 1712 durch den Zweiten Villmergerkrieg aufgerissenen Graben zu überbrücken, indem sie den Geist der Aufklärung mit seinen Werten Toleranz, Freiheit und Gerechtigkeit zu leben versuchten. In den katholischen Stammlanden wurde die Vereinigung mit Misstrauen beobachtet, weshalb nur einzelne Katholiken beitraten. Aus Zug stammten mit Franz Fidel Landtwing, Beat Fidel Anton Zurlauben und Karl Kaspar Kolin drei Vertreter, die als Offiziere im Ausland mit fremden Kulturen in Berührung gekommen waren. Karl Kaspar Kolin verzichtete 1770 auf das Präsidium, weil die Anfeindungen gegen ihn so heftig waren.
Psychische Gesundheit
Lohnfrage stand nicht im Zentrum Neue Strategie setzt auf Vernetzung Die Zuger Stimmbürger haben offenbar vor allem das Vollamt der Stadträte abgelehnt. Das zeigt eine telefonische Umfrage. Letztes Jahr lehnten die Zuger Stimmberechtigten die Teilrevision des Stadtratsreglements ab. Der Stadtrat gab daraufhin eine repräsentative Umfrage in Auftrag, um die Hintergründe für die Ablehnung zu untersuchen.
306 Stimmbürger befragt Die Teilrevision des Stadtratsreglements beinhaltete einen Wechsel vom Hauptamt zum Vollamt sowie die Erhöhung des Stadtratsgehalts um 30 000 Franken auf 190 000 Franken pro Jahr. Mit 53 Prozent wurde die Vorlage abgelehnt. Die Umfrage war eine Reaktion auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Alternative/
CSP, die sich nach den Beweggründen für das Nein erkundigte. 306 Stimmbürger wurden befragt, die das neue Stadtratsreglement an der Urne abgelehnt haben. Die Befragung zeigt, dass für einen Drittel der Nein-Stimmenden (34 Prozent) die Ausübung des Stadtratsamtes im Vollamt ausschlaggebend war. Gefolgt von der Erhöhung des Grundlohnes, die 24 Prozent als Hauptgrund für ihre Ablehnung nannten. Ebenfalls angeführt wurden die Ansicht, die Lohnerhöhung passe nicht zur Zuger Sparpolitik (14 Prozent) sowie das Verbot von beruflicher Nebenerwerbstätigkeit (12 Prozent). Zieht man die beiden logisch nahen Argumente «Vollamt» und «Verbot der beruflichen Nebenerwerbstätigkeit» zusammen, so ist die Vorstellung eines 100-Prozent-Pensums ohne Nebentätigkeit klar der Hauptgrund für die Ablehnung der
Vorlage. So lässt sich die Hypothese ableiten, dass viele Ablehnende ungenaue Vorstellungen vom Arbeitspensum der Stadträte haben oder gar der Ansicht waren, das Stadtratsamt sei ein Nebenamt. Viele Befragte interpretierten in die Vorlage einen Wechsel vom Miliz- zum Berufspolitiker. Offenbar sorgte die begriffliche Nähe von «Vollamt» und «Hauptamt» für Verwirrung. Zur Erklärung: Die Stadtratsmitglieder sind im Hauptamt angestellt und werden für ein 80-Prozent-Pensum entlöhnt. Sie arbeiten aber de facto in einem 100-ProzentPensum, weil die Arbeitsbelastung stark angestiegen ist. Kein Mitglied des Stadtrats geht einer Nebenbeschäftigung nach. Stadtpräsident Dolfi Müller dazu: «Was die Umfrage zeigt und mich sehr freut: Das Nein ist nicht Ausdruck einer generellen Unzufriedenheit der Zuger mit der Leistung des Stadtrates.» pd
Die Zuger Gesundheitsdirektion blickt auf elf erfolgreiche Jahre Engage ment zu Gunsten der psychischen Gesundheit der Zuger Bevölkerung zurück. Mit der neuen Strategie «Psychische Gesundheit im Kanton Zug 2013 bis 2020» will Regierungsrat Urs Hürlimann die Arbeit weiterführen, aber verstärkt auf Eigenverantwortung und gegenseitige Solidarität setzen. Die Vernetzung der Akteure stellt ein zentrales Anliegen dar. Seit dem «Zuger Bündnis gegen Depression 2003 bis 2005» ist der Kanton Zug schweizweit führend im Bereich der Förderung der psychischen Gesundheit. Das «Konzept psychische Gesundheit im Kanton Zug 2007 bis 2012» war die erste Strategie
in diesem Bereich in der Schweiz überhaupt. Eckpfeiler der Nachfolgestrategie «Psychische Gesundheit im Kanton Zug 2013 bis 2020» bilden die von Gesundheitsdirektor Urs Hürlimann im «Leuchtturm 2020» formulierten Grundsätze, die auf Eigenverantwortung und gegenseitiger Solidarität basieren. Der Kanton übernimmt vorwiegend koordinierende Aufgaben, die konkrete Umsetzung wird von Partnerorganisationen geleistet. «Ich bin beeindruckt vom Engagement und von der Anzahl Organisationen und Privaten, die im Bereich der psychischen Gesundheit Verantwortung übernehmen», sagt Regierungsrat Urs Hürlimann. «Gleichzeitig bin ich überzeugt davon, dass über eine stärkere Vernetzung der Akteure – beispielsweise mittels Abstimmung der Angebote oder der Bildung von Schwerpunktprogrammen – das Angebot zum Wohl der Zuger Be-
völkerung noch verbessert werden kann – und dies, ohne dass es mehr kostet. Es geht darum, Synergien zu nutzen.»
50 Akteure – ein Ziel Noch sitzen nicht alle möglichen Partner im Boot, aber gegen 50 Organisationen und Institutionen haben sich bereit erklärt, ihr Wissen und ihre Kapazitäten in das Netzwerk einzugeben. Je nach ihrer Kompetenz respektive ihrem Aufgabenbereich wirken sie in einem der sechs Handlungsfelder Sensibilisierung und Entstigmatisierung, Prävention und Förderung der psychischen Gesundheit, Früherkennung und Frühintervention, Behandlung, (Re-)Integration und Selbsthilfe. Sie tragen mit ihren Aktivitäten dazu bei, dass die psychische Gesundheit der Zuger Bevölkerung erhalten bleibt oder möglichst verbessert werden kann. pd