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Credo 1/2026

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Sitzen in Stille

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Kampagne «miteinanderfüreinander»

Seite 12

Suche nach einem Zuhause

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Kirchenpflege: Auslauf- oder Zukunftsmodell?

Ein- und Ausblicke aus unterschiedlichen Perspektiven ab Seite 6

Kirche und Milizsystem weiterentwickeln

Synodalrat

Unser duales System lebt vom Zusammenspiel staatskirchenrechtlicher und pastoraler Verantwortungsträger. Damit dieses Modell funktioniert, braucht es engagierte Männer und Frauen, die bereit sind, in einer Kirchenp ege Verantwortung zu übernehmen. Auch die Kirche tut sich zunehmend schwer, Menschen für solche Leitungsaufgaben zu gewinnen – ähnlich wie Vereine, politische Gemeinden und gemeinnützige Organisationen.

Die Gründe liegen weniger in fehlender Solidarität als in veränderten Rahmenbedingungen. Behördenarbeit ist fachlich und zeitlich anspruchsvoller geworden, das Bedürfnis nach Ausgleich und Erholung hat an Gewicht gewonnen, während die gesellschaftliche Anerkennung ehrenamtlichen Engagements eher abgenommen hat. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass selbst sehr motivierte Frauen und Männer an ihre Grenzen gelangen.

Ist das Milizsystem in der Kirche deshalb ein Auslaufmodell? Nein – es bleibt ein Zukunftsmodell. Wir müssen jedoch bereit sein, dieses System weiterzuentwickeln: mit guter Aus- und Weiterbildung, verlässlicher Unterstützung, klarer Aufgabenteilung und dort, wo nötig, auch mit strukturellen Anpassungen – etwa durch verstärkte Zusammenarbeit zwischen Kirchgemeinden, gemeinsame Organisation von Aufgaben oder Fusionen. Engagement darf nicht nur eingefordert werden, sondern muss aktiv unterstützt und auf mehrere Schultern verteilt werden.

4 Aktuell Bistumstag

5 Aktuell Sitzen in Stille

6-10 Fokus Zukunft Kirchenp ege

12 Engagiert Kampagne «miteinanderfüreinander»

14 Perspektiven Zukunft Kirchenräume

15 Seelen-Nahrung Zuhause ist mehr als ein Dach

16 Ausläuten Probe des Lebens

Impressum credo credo erscheint vierteljährlich und geht an Mitarbeitende, Behördenmitglieder und Freiwillige der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. N˚1, April 2026 www.zkath.ch/credo credo@zhkath.ch Auflage: 3ʼ200 Expl.

Layout Denis Schwarz, Zürich

Herausgeberin und Redaktion

Katholische Kirche im Kanton Zürich

Kommunikationsstelle

Hirschengraben 66 8001 Zürich

Druck und Papier

Staffel Medien AG, Zürich

BalancePur: hergestellt aus 100% Recyclingfasern und mit dem Umweltlabel «Blauer Engel» zertifiziert

Raphael Meyer
Raphael Meyer, Präsdent
Foto: Linda Pollari
«Was sind gute Geschenke und für wen machen Geschenke am meisten Sinn?»

Diese Frage stellt die Installation der Designerin Fiona K. auf dem Weihnachtsmarkt Münsterhof in Zürich.

Die Stimme Gottes ertönt über den Wassern und spricht: Kommt, empfanget alle den Geist der Weisheit, den Geist der Erkenntnis, den Geist der Gottfurcht des erschienenen Christus. Aus der byzantinischen Liturgie.

Während in der westkirchlichen Tradition am Fest der «Erscheinung des Herrn» die Ankunft der heiligen drei Könige gefeiert wird, stellen die orthodoxen Kirchen an diesem Tag die Erinnerung an die Taufe Jesu im Jordan ins Zentrum. Zu den orthodoxen Gebräuchen gehört deshalb auch die Wasserweihe und das Bad im gesegneten und winterlich kalten Wasser. Fotos: Saskia Richter

Zahlen & Fakten

1600

Quadratmeter gross ist die Halle am Hauptbahnhof Zürich.

80ʼ000

Franken sind die anvisierten Kosten, welche der Synodalrat der Katholischen Kirche im Kanton Zürich als Trägerschaft übernimmt.

30

Standbetreibende präsentieren sich der Ö entlichkeit.

6

Uhr früh wird mit dem Einrichten der Stände begonnen, gefolgt von Gottesdienst, Mittagessen, Nachmittagsprogramm und der ökumenischen Vesper im Grossmünster.

2

Plaudersofas stehen in der Halle, wo man auf Du-und-Du zum Gespräch mit Bischof Joseph Maria Bonnemain, Generalvikar Luis Varandas und anderen Vertretern der Kirche sein kann.

800 warme Teller werden zum Mittagessen serviert.

Bistumstag:

Jetzt geht es nur noch zwei Monate

Mit Hochdruck arbeiten das OK und die Standbetreibenden an den Vorbereitungen für den Bistumstag. Am Hauptbahnhof Zürich, unter dem Engel von Niki de Saint Phalle, beginnt das Fest am 31. Mai um 10 Uhr. Für die Standbetreibenden allerdings schon um 6 Uhr in der Früh, wenn sie ihre Stände einrichten.

Der Hauptbahnhof Zürich bietet das Dach für den würdigen Abschluss des Bistumsjahres. Als dritte Bistumsregion nach Chur und der Urschweiz ist Zürich-Glarus am letzten Sonntag im Mai Gastgeber, zusammen mit dem Synodalrat der Körperschaft, der die Trägerschaft übernimmt.

Eine Riesenkiste

Von der Planung der Menüs über die Bestellung der Infrastruktur bis hin zu dem minutengenau getakteten Bühnenprogramm muss auf den Tag hin alles stehen. Der Anlass, auf gut Deutsch «eine Riesenkiste». Einmalig eigentlich, dass die katholische Kirche sich bei einem solchen Grossanlass präsentieren darf – mitten in der Stadt, mitten unter den Menschen.

Die Organisatoren verbinden damit klare Erwartungen. Die Kirche soll zeigen können, wofür sie Steuergelder einsetzt - etwa für die Spitalseelsorge, die sich um das Seelenheil der Kranken und Angehörigen kümmert; für

die Missionen, die Zugezogenen eine spirituelle Heimat bieten; oder für die Caritas, die sich der Ärmsten annimmt.

Festlicher Abschluss

Zugleich bildet der Tag den feierlichen Abschluss des Bistumsjahres von Joseph Maria Bonnemain, Bischof von Chur. Begonnen hatte das Jahr auf dem Arcas-Platz in Chur, gefolgt von der Feier auf dem Klosterhügel Ingenbohl, nun folgt der Schlusspunkt in Zürich.

Auf der Bühne erwartet die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit Musik, Tanz, Spielen – und einer vertieften Diskussion zur «Zukunft der Kirche». So lange die Vorbereitungen dauern: Der Tag selbst soll kurzweilig werden. Dieses Versprechen gilt.

Infos zum Bistumstag:

https://www.bistum-chur.ch/ bistumstag-zuerich.html

Der Engel von Niki de Saint Phalle begleitet den Bistumstag. Foto: zVg

Via integralis in Greifensee

Sitzen in Stille

In unserer heutigen Welt ist eines omnipräsent: der Lärm. So haben viele Menschen das Bedürfnis nach einem Ort der Stille, des Innehaltens – und eine Sehnsucht nach spiritueller Verwurzelung.

Eine Möglichkeit, dieser Sehnsucht nachzugehen, bietet «Sitzen in Stille», ein Angebot von Hella Sodies der Pfarrei Greifensee. Sie ist Kontemplationslehrerin der «via integralis»; kombiniert also christliche Mystik mit Zen, der buddhistischen Schweigemeditation.

«Sitzen in Stille» ndet zweimal monatlich statt. Gestartet wird jeweils mit einer Körper- und Atemzentrierung und oft einem kurzen Input aus der christlichen oder buddhistischen Mystik. Dann beginnt die Meditation – sie ist gegenstandslos, also nicht ausgerichtet auf einen Inhalt, ein Wort oder Bild. Der einzige Fokus ist bei Bedarf der eigene Atem, hier und da unterbrochen vom Ton einer Klangschale. «Wenn die Gedanken uns wegziehen, dann bringt uns der Atem wieder zurück», so Sodies.

Dabei soll die Meditation nicht als separate Praxis ausgeübt, sondern aktiv in den Alltag integriert werden: «Es geht nicht primär um die Meditation, sondern darum, der Stille im eigenen Leben einen Platz zu geben und sich in einer kontemplativen Lebenshaltung zu üben, die für das Engagement in der Welt stärkt. Innerlichkeit will sich äussern.»

Sitzen in Stille (Meditation via integralis) Regelmässige Tre en zweimal monatlich mittwochs ab 19.30 Uhr in der alten Pfarrstube im Landenberghaus in Greifensee (Im Städtli 22).

Nächste Termine: 1.4. / 15.4. / 6.5. / 20.5. Um eine Erstanmeldung an hella.sodies@pfarrei-greifensee.ch wird gebeten. Weitere via-integralis-Meditationen nden auch in den reformierten Kirchen Balgrist / Fehraltorf statt.

https://www.pfarrei-greifensee.ch/ spiritualitaet-und-erwachsenenbildung/ meditation-via-integralis/

Personelles

Wir begrüssen

Karin Athanasiou-Kaufmann ist seit 1. Januar Fachmitarbeiterin bei Kabel.

Toni Feola ist seit 1. Januar Beauftragter für Jugendarbeit bei der Jugendseelsorge Zürich.

Ittaj Goldberger ist seit Jahresbeginn zuständig für das Rechnungswesen im jenseits im Viadukt, Heidi Stufflebeme ist neue Mitarbeiterin für Materialbewirtschaftung.

Willi Luntzer ist seit 1. Januar neuer Spitalseelsorger in der Rehaklinik Wald.

Patricia Machill und Gian Rudin verstärken seit 1. Januar die Gefängnisseelsorge.

Ildiko Schneider hat Anfang Jahr als Betriebsmitarbeiterin in der Verwaltung C66 begonnen, gleichzeitig Elisa Lo Drago als Bewirtschafterin Liegenschaften und Hector Chio als OnSite Supporter in der ICT, Susanna Scheidegger leitet seit 1. März das Projekt Digitale Verwaltung, Nina Kohler ist seit 16. März neue Mitarbeiterin der Kanzlei. Im Februar ernannte Bischof Joseph Maria Bonnemain Martin Burkart zum Pfarrer in Uster, Andreas Fuchs zum Pfarrer der Pfarrei in Bauma mit den Pfarr-Rektoraten in Bäretswil und Fischenthal, Branko Umek zum Pfarrer in Regensdorf; Tarzisius Pfiffner zum Pfarreibeauftragter in Volketswil und Peter Stäuble-Marinelli zum Pfarreibeauftragten in Embrach.

Ante Jelavic ist seit 1. Februar neuer Spitalseelsorger in der Klinik im Park, Paula Angermann Strasser seit 1. März neue Spitalseelsorgerin im Kantonsspital Winterthur, gleichzeitig Pavel Zupan im Unispital Zürich.

Annika Käser ist neue studentische Mitarbeiterin im Mittelschulfoyer Freudenberg.

Gabriela Dudler und Leonie Maurer unterstützen seit 16. Februar bis Ende Juni die Kommunikationsstelle. Imelda-Paula Ritz ist seit dem 1. März für den Bereich Sensibilisierung in der Behindertenseelsorge zuständig.

Martin Schacher übernimmt ab August die 60-Prozent-Stelle in der Personalentwicklung und -beratung im Generalvikariat. Zu 40 Prozent bleibt Martin Schacher in seiner bisherigen Funktion als Bischofsassistent tätig.

Wir gratulieren

Nadja Eigenmann ist seit 20 Jahren in der Spitalseelsorge tätig.

Wir verabschieden

Regina Sauer hat die Fachstelle Religionspädagogik per 31. Januar verlassen.

Tamar Jenny, Leiterin Foyer der Kantonsschule Freudenberg, hat die Mittelschularbeit per 28. Februar verlassen. Ebenfalls Franziska Ziegler, Co-Leitung Foyer Winterthur. Luzia Züger beendet ihre Tätigkeit in der Kanzlei per 31. März.

Mittelschulseelsorger Josef Seeberger trat am 28. Februar in den Ruhestand, Marija Dukic, Köchin und Haushalthilfe in der Kroatenmission, per 31. März, ebenfalls Spitalseelsorgerin Christiane Burrichter.

Martin Conrad verlässt auf Ende April die Pfarrei Peter und Paul Zürich sowie seine Teilzeitanstellung beim Generalvikariat. Er übernimmt in seinem deutschen Heimatbistum Trier die Aufgabe des Liturgiereferenten.

Wir trauern

Am 14. November verstarb Werner Josef Z’graggen. Er empfing 1986 die Priesterweihe in Zürich. 1991–92 war er Pfarrprovisor in Bäretswil. Später leistete er priesterliche Dienste im Bistum Basel.

Am 20. November verstarb Giosch Albrecht. Von 1962-68 war er Vikar in den Pfarreien Herz Jesu in Zürich-Wiedikon und St. Laurentius in Winterthur. Von 1977-84 war er Pfarrer in Zollikon.

Am 23. Dezember verstarb Oswald Krienbühl. Er war über viele Jahre in der kirchlichen Bildungsarbeit in Zürich und der Theologischen Hochschule Chur tätig, später kurzzeitig Spitalseelsorger am Unispital und ab 1997-2009 Pfarradministrator in Maur-Ebmatingen.

Ebenfalls am 23. Dezember verstarb Josef Stadler. Er war von 1965-83 Vikar in der Pfarrei Herz Jesu in Zürich Wiedikon, wirkte später im Kanton Uri.

Am 25. Dezember verstarb Josef Konrad Niederberger. Er wirkte von 1967-74 als Vikar in den Pfarreien St. Josef in Zürich und Herz Jesu in Winterthur, anschliessend im Kanton Schwyz.

«credo» braucht Ihre Mithilfe!

Senden Sie uns bitte die Adressen Ihrer Mitarbeitenden, aber auch jener wichtigen Freiwilligen in der Pfarrei, die an «credo» interessiert sind. Kontaktadresse: credo@zhkath.ch

Kirchenpflege: Auslauf- oder Zukunftsmodell?

2026 stehen in den Zürcher Kirchgemeinden Neuwahlen an. Was früher eine unaufgeregte Sache war, stellt heute kirchliche Behörden oft vor Probleme. Lassen sich genügend Personen für dieses Ehrenamt nden? Machen gestiegene Anforderungen eine Professionalisierung nötig? Oder lösen Fusionen die Probleme? Fünf Kirchenp egerinnen und Kirchenp eger, ein Pfarrer und der Generalsekretär der RKZ nehmen Stellung.

Text: Simon Spengler

Sie sind einer der beiden Grundpfeiler des «dualen Systems», welches das kirchliche Leben im Kanton Zürich prägt. Auf der einen Seite die staatskirchenrechtlichen Behörden «Kirchenpflege» und «Rechnungsprüfungskommission» (RPK). Während die RPK den Finanzhaushalt der Kirchgemeinde prüft, verwaltet die Kirchenp ege die Steuereinnahmen, stellt Personal an (inklusive Seelsorgepersonal), unterhält die kirchlichen Bauten und stellt generell die Mittel für ein gedeihliches kirchliches Leben zur Verfügung. Dieses kirchliche Leben wird inhaltlich gestaltet durch die Verantwortlichen der Pastoral, die kirchenrechtliche Seite. Beide stellen je einen «Lungen ügel» der Kirche dar, beide begegnen sich auf Augenhöhe, arbeiten miteinander und in gegenseitigem Respekt. So die schöne Theorie.

Konflikte sind menschlich

Was sich harmonisch anhört, ist in der Realität nicht immer frei von Kon ikten. Die gilt es dann vernünftig zu lösen. Das bedingt Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick, aber auch juristische und soziale Kompetenz. Auch das ist auf dem Papier leichter gesagt, als in der Realität umgesetzt, denn wir alle sind nur Menschen, auch Pfarrer und Behördenmitglieder. Wenn dann der Kon ikt noch ö entlich wird, gegenseitige Vorwürfe die Spalten der Lokalzeitung füllen, dann ist die Versuchung gross, den Bettel hinzuwerfen. «Die Fluktuation in den Behörden hat in den letzten Jahren markant zugenommen», weiss die Juristin Claudia Tognon, die im Auftrag der Körperschaft Kirchenp egen in Rechtsfragen berät.

Gewachsene Anforderungen

Es muss nicht immer ein Kon ikt sein, der zu Rücktritten führt. Generell sind die Anforderungen an Kirchenp egen in den letzten Jahren höher geworden, egal ob bezüglich Finanzen, dem Personal- oder Baurecht, dem Datenschutz, im Sozialbereich. Kommen dann noch familiäre oder beru iche Zusatzbelastungen hinzu, kann es bald einmal zu viel werden. Entsprechend anspruchsvoll wird es an vielen Orten, neue Kan-

didatinnen und Kandidaten für diese Aufgaben zu nden. «22 der 74 Kirchgemeinden haben zur Zeit unterbesetzte Behörden», so Claudia Tognon.

Mit dem 2018 gegründeten Dienstleistungszentrum können sich lokale Kirchenp egen in Finanzfragen entlasten lassen, neu seit diesem Jahr auch in der Personaladministration. Nur: Werden mehr Aufgaben zentralisiert, steigen die Anforderungen an die kantonalen Instanzen mit entsprechendem zusätzlichem Personalbedarf.

«Eine

offene Diskussion über nötige Reformen tut not.»

Simon Spengler

Oder sind Zusammenschlüsse von kleineren Kirchgemeinden mit einer Professionalisierung der zentralen Aufgabenbereiche der Kirchenp ege die Lösung? Bislang sind Fusionen eher ein Reizthema, denn wer gibt schon gern seine Selbständigkeit auf?

Trotzdem ist Realitätssinn gefragt: Kirchenaustritte verkleinern die Kirchgemeinden fortlaufend. Ein Unternehmen muss eine Strategie parat haben, wie die Entwicklung in fünf oder zehn Jahren aussieht. Das gilt auch für die Kirche und diese Entwicklung lässt sich gut hochrechnen. Es macht deshalb Sinn, die Fühler unter den Kirchgemeinden rechtzeitig in Richtung Kooperation auszustrecken, bevor vollendete Tatsachen und Sachzwänge Entscheidungen erzwingen, während andererseits die Zeit davonläuft. Sowohl die schwindende Personalressourcen als auch der Mitgliederschwund sind Realität. Wozu also warten?

Tolle Aufgabe

Diese unvollständige Beschreibung der aktuellen Probleme soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Herausforderung Kirchenp ege nicht auch eine sehr erfüllende Aufgabe sein kann und in der Realität auch oft ist. Das kirchliche Leben vor Ort im Behördengremium gemeinsam mit den Seelsorgenden zu gestalten, im Austausch mit anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften, im Miteinander mit den politischen Instanzen: eine höchst spannende Herausforderung! Aber wir dürfen die Augen nicht vor den Problemen verschliessen. Eine o ene Diskussion über nötige Reformen tut not. Auf beiden «Lungenügeln» der einen Kirche! Damit auch in Zukunft kirchliches Leben ermöglicht wird.

Weitere Informationen

In unserem Intranet iKath nden Sie in der Bibliothek unter «Service Kirchgemeinden» weitere Informationen zu den Aufgaben von Kirchenp ege und RPK:

https://ikath.zhkath.ch/ library/service-kirchgemeinden/view

Neue Leitungsformen andenken

Im Moment erhalte ich leider viele Absagen. Die Menschen möchten sich lieber in der Pfarrei engagieren, als in der Verwaltung. Dabei bietet das duale System uns «Laien» eine einmalige Möglichkeit zur Mitsprache und Mitgestaltung. Damit es reibungslos läuft, braucht es ein gutes Einvernehmen –da braucht es Goodwill auf beiden Seiten. 2019 haben unsere Mitarbeitenden und Gremien einen gemeinsamen Strategieprozess begonnen. Die Ausgaben und der Einsatz haben sich gelohnt: Maria-Hilf ist wieder eine lebendige Gemeinschaft mit vielen Freiwilligen, Begegnungen auf Augenhöhe und tollen Anlässen. Darauf blicke ich mit Freude, denn das haben wir mit ermöglicht.

Die Verwaltungsarbeit ist in den letzten Jahren anspruchsvoller, bürokratischer, geworden. Dafür braucht es einen passenden beru ichen Background und die nötigen zeitlichen Ressourcen, was die Suche nach neuen Mitgliedern schwierig macht. Einiges kann man auslagern: z.B. Rechnungsführung und IT. Anders ist es im Personalbereich, da kann bisher nur wenig abgegeben werden. In schwierigen Personalfragen kommt man schnell an seine Grenzen. Müssen Themen dann auf die längere Bank geschoben werden, kann das gerne mal zu neuen Problemen führen.

Braucht es uns? Eine zentrale Verwaltung für Personalmanagement, Datenschutz und SiBe würde uns sehr entlasten. Auch ein Zusammenschluss mit der Nachbar-Kirchenp ege wäre ein Weg. Vielleicht werden einmal die Grundlagen für neue Leitungsformen angedacht mit einer geteilten Verantwortung für Pastoral und Verwaltung. In jedem Fall braucht es Menschen vor Ort, die sich für die Anliegen der Mitarbeitenden und der Gemeinde einsetzen.

Kirchenmanager gesucht

Gemäss De nition bildet die Kirchenp ege das leitende, gewählte Organ einer Kirchgemeinde, das für die strategische Ausrichtung, Finanz- und Personalverantwortung zuständig ist. Nach langer Erfahrung in kirchlichen Gremien wie Pfarreirat, Synode und Synodalrat war ich in den letzten zwei Jahren als Sachwalter in zwei Zürcher Kirchgemeinden im Einsatz. Vor allem die Zeit als Sachwalter lässt mich an der oben genannten De nition einer Kirchenp ege zweifeln.

Strategische Ausrichtung:

Strategisches Denken basiert auf der Frage: «Was muss ich heute unternehmen, damit wir unser Ziel in vier bis fünf Jahren erreichen?» Darunter fallen z.B. nanzielle Ziele, Bauvorhaben oder auch das Thema Kirchenaustritte. Meine Erkenntnis hier ist ernüchternd: In vielen Gremien und auch mehrheitlich in den Kirchenp egen fehlt dieser Denkansatz gänzlich. Es kommt mehr und mehr dazu, dass die Kirchenp ege die Gemeinde nur noch verwaltet. Zum Glück gibt es löbliche Ausnahmen - leider abnehmend.

Strategie

Finanzen – Personal - Immobilien

Da die Anforderungen stetig steigen, ist es für mich unabdingbar, dass diese Ressorts von Personen betreut werden, welche auf diesen Gebieten gründlich ausgebildet sind und auch beru ich damit zu tun haben. Was nützt ein Kirchenp eger, der das Amt «Finanzen» hat, aber keine Erfolgsrechnung bzw. Bilanz lesen kann? Auch das Thema «Personal» bedingt, dass der gewählte Kirchenp eger oder die Kirchenp egerin die Materie von Arbeitsverträgen, Anstellungen bzw. Kündigungen usw. kennt. Dasselbe gilt für den Verantwortlichen der Immobilien.

Gesellschaftlicher Trend

Der Trend – und dies nicht nur in den Kirchenp egen – zeigt deutlich, dass die Bereitschaft, sich für freiwillige Aktivitäten zu engagieren, enorm abgenommen hat.

Darum wird es in vielen Kirchgemeinden immer schwieriger, geeignete Kirchenp egerinnen / Kirchenp eger zu nden. Aus der Not lässt man dann eine Person, welche sich zur Verfügung stellt, von der Kirchgemeindeversammlung wählen, obwohl sie oder er eigentlich den Anforderungen nicht entspricht. Im Umkehrschluss heisst das aber für die bestehende Kirchenp ege, dass einige oder sogar alle zeitlich und inhaltlich total überfordert sind und nach kurzer Zeit ihren Rücktritt einreichen.

Möglicher

Ansatz für die Zukunft

Ich bin heute der festen Überzeugung, dass wir bei der De nition einer Kirchenp ege auch exiblere Varianten vorsehen müssen. Zum Beispiel sollen Kirchgemeinden, welche grosse Schwierigkeiten haben, geeignetes Per-

Peter Brunner, Sachwalter und Präsident Kirchenpflege Zell

sonal für die Kirchenp ege zu nden, einen «Kirchen-Manager» einstellen dürfen (ca. 20-Prozent-Pensum). Dieser vertritt, wie ein Sachwalter, alleine – oder mit ein oder zwei verbliebenen Mitarbeitenden – die Kirchenp ege und managt alle anfallenden Arbeiten. Ein Manager oder Managerin hat wahrscheinlich ein breites Know-how in Finanzen und Personaladministration und kann sich gut in diese Themen einbringen. Bei den verbleibenden Anforderungen soll Unterstützung von aussen, sprich «Outsourcing», möglich sein.

Mit dieser Variante wäre eine professionell arbeitende Kirchenpflege gesichert auch für Kirchgemeinden, welche bei der Rekrutierung von geeignetem Personal Schwierigkeiten haben.

Kirchenp ege –ein Modell mit Zukunft?

Als Kirchenp egepräsidentin schätze ich es sehr, Teil einer so lebendigen Gemeinde zu sein, die durch Glauben und gemeinsame Werte verbunden ist. Besonders positiv erlebe ich die O enheit

unserer Gemeinde, die mich als Zugezogene so herzlich aufgenommen hat. Zudem ist es ein grosses Vergnügen, mit unserem Pastoralteam und Pfarrer zusammenzuarbeiten.

Das System hängt vom Menschen ab

Seit 20 Jahren darf ich in der Kirchgemeinde Richterswil als Pfarrer wirken. In diese Zeit fallen drei grosse Bauvorhaben. Schon allein diese umfangreiche Aktivität in Sachen Immobilien böte genug Kon iktpotential zwischen den beteiligten Akteuren, der Kirchenstiftung unter Vorsitz des Pfarrers und der Kirchenp ege unter Vorsitz des Präsidenten.

Nicht selten geraten solche Bauvorhaben vor und während der Durchführung in das Fahrwasser von Streitigkeiten und ziehen Demissionen mit sich. Besonders weil drei der Bautätigkeiten unter der Führung der Kirchenstiftung ausgeführt wurden, die vierte aber unter der Aufsicht der Kirchenp ege. Für mich völlig klar, dass bei Bauvorhaben der Stiftung auch die Kirchenp ege Einsitz in der Baukommission hat und umgekehrt. Es ist mir wichtig, in diesem «Credo» etwas von unserem

Selbstverständnis weiterzugeben, wie wir hier in Richterswil und Samstagern die Strukturen verstehen und sie zu gestalten versuchen. Es sei bemerkt, dass die Sitzungen unseres Gremiums eine reguläre Dauer von 45 bis 90 Minuten nur dann überschreiten, wenn z.B. das Budget Thema ist. Das hat mit E zienz, sowie Anstand und Respekt gegenüber den Mitgliedern des Gremiums zu tun.

Eigene Aufgaben kennen

Die genannte Zusammenarbeit kann nur funktionieren, wenn alle ihre Aufgaben verstanden haben. Das ist insbesondere bei aussergewöhnlichen Belastungen – Bautätigkeiten gehören dazu – von entscheidender Bedeutung. Schliesslich geht das «Tagesgeschäft» in der Seelsorge unvermindert weiter. Wir reden seit geraumer Zeit viel von Synodalität im innerkirchlichen Bereich. Diese macht aber nur Sinn, wenn die staatskirchliche Ebene auch in einen solchen Prozess eingebunden wird. Bisweilen wird in Frage gestellt, ob das System «Kirchenp ege» noch zeitgemäss ist. Insbesondere dann, wenn es zu Konikten zwischen Seelsorge und Kirchenp ege kommt. Erfahrungsgemäss liegt das Problem dann auf der einen, der anderen, oder auf beiden Seiten. Seit 2009

darf ich jährlich eine Einheit in der Berufseinführung (vormals Pastoralkurs) in Chur leiten. Nebst musikalischen Belangen kommen von den Teilnehmenden dann sehr schnell Interna aus ihrem Alltag in der Pfarrei zur Sprache. Mitunter bin ich sprachlos, wie sich sowohl Kirchenp egende als auch Seelsorgende in leitender Funktion benehmen. Das duale System wird jedoch nicht deswegen schlecht, weil die Agierenden ihre Aufgabe nicht verstanden haben. Ein System ist per se nur so gut, wie die Personen, welche es mit Leben füllen.

Eine Basis schaffen

Einmal pro Legislatur macht die Kirchenp ege eine kleine Reise, die ich organisieren darf, jeweils mit einem kirchlichen oder historischen Fokus. Solche Inputs verändern, erweitern den Horizont, stiften Zusammenhalt und scha en deshalb die gesunde Basis für das freiwillige Engagement in einem solchen Gremium. Die Kirchenp ege ist Teil der Seelsorge: indem sie die logistischen Voraussetzungen scha t und begleitet, damit diese Seelsorge möglich ist. Das sollte selbstverständlich sein.

Mario Pinggera, Pfarrer in Richterswil

An unsere Grenzen stossen wir in der Kirchenp ege vor allem beim Faktor Zeit. Viele Mitglieder stehen mitten im Berufs- und Familienleben und übernehmen trotzdem Verantwortung. Die administrativen und strukturellen Aufgaben nehmen jedoch viel Zeit in Anspruch.

Zudem steigen die Anforderungen in Bereichen wie IT, Personal und Liegenschaften. Diese Aufgaben erfordern Fachwissen und zusätzliche Zeit, die in einem ehrenamtlich geführten Gremium nicht überall verfügbar ist. Zwar übernehmen einzelne Mitglieder Teilaufgaben, doch oft fehlt professionelle Unterstützung, was spürbar belastet.

Trotz dieser Herausforderungen erlebe ich die Arbeit in der Kirchenp ege als wichtig und erfüllend. Sie lebt vom Engagement vieler Menschen, die Verantwortung übernehmen. Mit gut abgestützten Strukturen kann die Kirchenp ege auch in Zukunft ihre zentrale Aufgabe erfüllen: das kirchliche Leben mitzugestalten und Gemeinschaft im Glauben zu stärken.

Fusionen sorgfältig prüfen

Theo Hagedorn, aktives Mitglied Synode, vorher langjähriges Mitglied Kirchenpflege Hirzel-Schönenberg-Hütten

Sobald eine Fusion von (zwei oder drei)

Kirchgemeinden in Betracht gezogen wird, emp ehlt es sich, zunächst eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Diese setzt sich vertieft mit den Beweggründen auseinander, analysiert Chancen und Vorteile und prüft mögliche Herausforderungen. Eine sorgfältige Vorarbeit bildet die Grundlage, um anschliessend die Meinung der betro enen Gemeindemitglieder einzuholen.

Hilfreich ist es, das geplante Vorgehen frühzeitig mit der Kantonalkirche abzusprechen, damit o ene Fragen geklärt und rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden können. Transparenz ist in diesem Prozess zentral: Die Ausgangslage und die Beweggründe sollten allen Interessierten klar und verständlich – idealerweise im Rahmen einer Informationsveranstaltung – vorgestellt werden. Eine solche Veranstaltung ermöglicht es, ein erstes Stimmungsbild zu erhalten. Da erfahrungsgemäss nicht alle Personen daran teilnehmen können, kann ergänzend ein kurzer Fragebogen an alle Haushalte versendet werden.

Im Verlauf des Prozesses können auch Stolpersteine au ommen. Besonders zu beachten ist die Verunsicherung des Personals, die bei solchen Vorhaben au ommen kann. Sensibel sind zudem die Verteilung der Ämter in der neuen Kirchenp ege, die Regelung der Finanzen sowie mögliche Mehrkosten durch den Unterhalt mehrerer Gebäude. Eine o ene Kommunikation und sorgfältige Planung sind daher entscheidend für ein gutes Gelingen.

Zusammenwirken für die Zukunft

Hans Hollenstein, Präsident Kirchenpflege Winterthur

Ich erlebe meine Zeit als Präsident der Kirchenp ege als spannend, inspirierend und persönlich bereichernd. Ich setze mich für eine sinnstiftende Sache ein, gewinne wertvolle Erkenntnisse und sehe in Bereiche, die mir sonst verborgen blieben. Ein sehr empfehlenswertes Engagement. Ja, ich habe auch gejammert, denn so einfach ist ein exekutives Amt nicht.

Das duale System beurteile ich trotzdem als das Beste aller schlechten Systeme. Die Zuständigkeiten werden genau geschult. Das ist richtig, aber kann auch das «Gärtchendenken» fördern. So empfehle ich, dass die Pfarreileitung und die Kirchenp ege gemeinsam eine Strategie mit Zielen und Massnahmen erarbeiten, aber schlussendlich die jeweilige Verantwortung respektieren. Ohne einvernehmliches Zusammenwirken gibt es keine prosperierende Zukunft.

Die Schlüsselpositionen der Kirchenp ege müssen mit ausgewiesenen Fachleuten besetzt sein. Sie sind oft zu nden unter Personen, die ihre beru iche Lau ahn soeben beendet haben. Die Pfarrer und die Pfarreibeauftragten ihrerseits erhalten eine breite Ausbildung für ihre primäre, seelsorgerliche Tätigkeit. Wohl zu 50 Prozent ihrer Aufgabe aber führen sie eine «kleine KMU». Darau in müssen sie deutlich besser ausgebildet werden. Praxisorientierte Kurse für die Pfarrer bzw. Pfarreibeauftragten und die Kirchenp ege sind notwendig. Dazu zählen Sitzungsleitung, Arbeitstechnik, Mitarbeiterführung, nanzielle Führung, Marketing und Kommunikation.

Fortsetzung von Seite 9

Römisch-Katholische

Zentralkonferenz der Schweiz

Ungemütliches aussprechen

Die direkte Demokratie und das Milizsystem ermöglichen, dass Gemeinden in der Schweiz nicht bloss Verwaltungsbezirke einer Zentralregierung darstellen, sondern selbstverwaltete Körperschaften bilden. Die Übertragung dieses Systems auf die katholische Kirche ist trotz einiger Schwierigkeiten als segensreich anzusehen. Gerade wenn uns dieses System wichtig ist, dürfen wir die aktuellen Herausforderungen nicht ignorieren.

Neben der Herausforderung, in ausreichender Zahl geeignete und willige Personen für Ehrenämter der Kirchgemeinde zu nden, was andernorts in diesem Heft erläutert wird, scheint mir eine andere Herausforderung wesentlich. Die Pfarreien bilden seit dem Frühmittelalter ein grundlegendes Strukturelement der katholischen Kirche. In ihnen wurde und wird der Hauptteil der pastoralen Arbeit geleistet. Ihre territoriale Umschreibung bestimmt die Zu-

Das Buch zum Thema

«Eine Strategie mit Zielen und Massnahmen erarbeiten»: Das klingt im ersten Moment gar nach einer Herkulesaufgabe. Um Kirchgemeinden, aber auch Pfarreien oder Vereine wie Chöre in dieser Aufgabe dezidiert zu unterstüt-

ständigkeit. In der aktuellen Phase der Kirchengeschichte verlieren sie jedoch an Bedeutung. Menschen de nieren ihre Nähe zur Kirche nicht mehr vorrangig über eine Pfarrei oder eine anderssprachige Mission. «Lebendige Zellen entwickeln sich vermehrt ausserhalb dieser Strukturen nach Interessen, Ästhetik, Kulturen etc. und sind Privatinitiativen» (PEP to go des Bistums Basel). Die Schwächung wird in den nächsten Jahren durch die Pensionierungswelle vieler Seelsorgenden aus der Boomer-Generation beschleunigt. Eine Fachtagung des TBI in Zürich steht im Juni unter dem Titel «Kirche nach der Pfarrei».

Da die Aufgabe der Kirchgemeinden darin besteht, die Voraussetzungen für die Entfaltung des kirchlichen Lebens vor Ort zu scha en, stellt sich in Zukunft die Frage: Für welches kirchliche Leben vor Ort, wenn die pastorale Situation immer « uider» wird? Wenn aber die Kernaufgabe der Kirchgemeinde nicht mehr deutlich ist, erschwert dies auch die Suche nach neuen Behördenmitgliedern.

Da die Zürcher Diasporapfarreien eher gross und dank guten Mitarbei-

zen, erscheint dieses Frühjahr der Leitfaden «Strategieentwicklung für Kirchgemeinden» aus der Feder von Hans Hollenstein, Präsident der Kirchenp ege von Winterthur und ehemaliger Zürcher Regierungsrat.

Der Leitfaden unterstützt dabei, eine Strategie für ein exekutives, kirchliches Organ zu entwickeln, unabhängig von dessen Stufe. Dieser Prozess wird anhand der Situationsanalyse durchgeführt. Die Leserschaft wird Schritt für Schritt von der Erstellung einer Analyse des Umfelds und der eigenen Organisation inklusive Chancen und Gefahren zur De nition von Legislaturzielen, Teil- und Grundstrategien und schliesslich einem gesamtheitlichen Leitbild gelotst. Dabei ist stets

tenden häu g lebendig unterwegs sind, wirkt die Situation weniger dringlich. Vor allem für die katholischen Stammgebiete mit ihrer kleinräumigen Pfarreistruktur erachte ich Fusionen von Kirchgemeinden jedoch immer weniger als langfristige Lösung, da die Behörden sonst über Jahrzehnte mit immer neuen Fusionsprojekten absorbiert werden. Anstatt dessen soll direkt eine Verlagerung der Kirchgemeindeaufgaben auf die Kantonalkirche angegangen werden: Die Kantonalkirche stellt das Personal an, ist zuständig für den Liegenschaftsunterhalt und verwaltet die Finanzen. Vor Ort können die Pfarreiräte mit einem pauschalen Kredit den Sachaufwand für pastorale Aktivitäten zu nanzieren: Pfarreianlässe, Vereine, Projekte mit Freiwilligen u.a.m.

Dieses System kennt die Kantonalkirche von Basel-Stadt seit deren ö entlich-rechtlicher Anerkennung vor gut 50 Jahren. Eine zentrale Anstellung des Seelsorgepersonal durch die Kantonalkirche kennen zudem die Kantone Bern und Waadt – dies aus historischen Gründen (Staatsbeiträge).

Natürlich versperrt sich die schweizerische Seele jeder Zentralisierung von Zuständigkeiten. Und richtig ist, dass eine solche Zentralisierung auch Gefahren in sich bärge. Ich plädiere aber dafür, Lösungen zu suchen, die der Kirche längerfristig dienlich sind, nicht nur kurzfristig das Überleben sichern.

präsent, inwiefern die innerkirchliche Arbeit Ein uss auf dieses Vorgehen nimmt und dass besonders die pastoralen Ziele stets eine primäre Funktion innehaben sollen. So zeigt «Strategieentwicklung für Kirchgemeinden» auf, wie erprobte Werkzeuge der Strategieentwicklung im kirchlichen Umfeld Anwendung nden.

«Strategieentwicklung für Kirchgemeinden. Ein Leitfaden» von Hans Hollenstein erscheint dieses Frühjahr beim Theologischen Verlag Zürich.

Urs Brosi, Generalsekretär
«Miteinander

-

füreinander»

sichtbar Kirche sein

Nach Ostern startet die Reputationskampagne der katholischen Kirche im Kanton Zürich unter dem Claim «miteinander - füreinander». Sie zeigt, wofür Kirche heute steht: für Gemeinschaft, Mitmenschlichkeit und Begleitung in allen Lebenslagen.

Ein zentraler Bestandteil der Kampagne ist eine Blachen-Aktion. An Kirchtürmen, Kirchengebäuden oder auf dem Kirchengelände können grosse Blachen mit prägnanten Schriftzügen angebracht werden. Die Aussagen greifen kirchliche Angebote und Haltungen auf und machen diese im ö entlichen Raum sichtbar.

Zur Auswahl stehen folgende Sujets:

●Kompetenzzentrum für grosse Fragen

●Club für Nächstenliebe

●Büro für Mitmenschlichkeit

●Institut für Trauerbegleitung

●Haus der Begegnung

●Praxis für mentale Gesundheit

●Haus für alle

●Beziehungspflege nach oben

●Festsaal für das Leben

Die Blachen werden zentral durch die Katholische Kirche Kanton Zürich produziert und ausgeliefert. Für die Anbringung sind die Vorschriften der jeweiligen Gemeinde zu beachten; bei Bedarf wird bei den notwendigen Abklärungen unterstützt. Die Blachen-Aktion ist Teil der gesamthaften Reputa-

tionskampagne, die nach Ostern mit Plakaten und einem Spot startet. Zu einem späteren Zeitpunkt wird es auch die Möglichkeit geben, Plakate aus der Hauptkampagne zu bestellen. Dazu folgen in den kommenden Wochen eine separate Information und die nalen Sujets zur Auswahl.

Nähere Infos zur Blachen-Aktion

Interessierte Pfarreien und Institutionen können sich gerne hier melden: info@zhkath.ch

Tipp 1 «Aus der Not geboren»

Kinderarbeit nahm über die Jahrhunderte viele unterschiedliche Formen an: Kinder arbeiteten zu Hause mit, unterstützten ihre Familien auf dem Bauernhof oder wurden als günstige Arbeitskräfte fremdplatziert. Mit der Industrialisierung spitzte sich die Situation zu: Weg von der Arbeit zuhause hin zur Fabrikarbeit, mit schwerwiegenden Folgen. Umso wichtiger ist die Ausstellung «Aus der Not geboren. Arbeitende Kinder» des Landesmuseums Zürichs. Eindrücklich wird das schwierige Thema beleuchtet und aufgezeigt, wie sich die Situation entwickelt hat und warum sie bis heute für Diskussionssto sorgt. Ein Besuch regt zum Nachdenken an und schlägt eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart. Die Ausstellung läuft noch bis zum 20. April.

www.landesmuseum.ch/arbeitende-kinder

Tipp 2

We paint hope

Das NGO «Cup of Color» setzt sich seit zehn Jahren mit regionalen, nationalen und internationalen Kunstprojekten für Ho nung und Frieden ein.

So werden mit farbenfrohen Malereien Brücken gebaut, Honung geschenkt und in einer Sprache kommuniziert, die alle verstehen.

Am 23. Mai lädt «Cup of Color» ab 14 Uhr anlässlich des zehnjährigen Bestehens zu einem Jubiläumsfest in Gra and, Op kon ein. Auf dem Programm stehen unter anderem verschiedene künstlerische Workshops und eine Tavolata, bei der alle eingeladen sind, sich am Essen und Mitbringen zu beteiligen.

beim

Mein Hobby

In der Kunstscheune

Eisiger Wind durch die Scheunenbretter im Winter, Hitze im Sommer: Vor gut einem Jahr mietete Sabine Zgraggen (56), Leiterin der Spital- und Klinikseelsorge, einen Platz in einer alten Scheune. Was wenig komfortabel klingt, wurde zu einem besonderen Kreativraum. Gemeinsam mit ihrer Tochter Frida (19) verbringt sie hier unverplante Zeit. Frida – benannt nach der Künstlerin Frida Kahlo – malt, sprayt und experimentiert. Sabine fotogra ert oder malt selbst. Zwischen eingelagerten Schi en, Holzbrettern und einem 150 Jahre alten Rosshaar-Sofa entstehen Performances, Bilder und neue Perspektiven. Für die Managerin ist dieser Ort ein bewusster Gegenpol zum kop astigen Berufsalltag: ein Raum, in dem Kreativität spielerisch und dialogisch sich Bahn brechen kann – aber nicht muss. Frei nach dem Motto: Geh mal woanders hin und spüre, wer du auch noch sein kannst!

www.cupofcolor.org/10years

Sabine Zgraggen (56) ist ausgebildete Intensivpflegefachfrau und nach ihrem Master-Theologiestudium seit 2005 im Bereich der Seelsorge tätig. 2019 hat sie die Leitung der Spital- und Klinikseelsorge der Katholischen Kirche im Kanton Zürich übernommen. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.

Sabine Zgraggen und Tochter Frida
kreativen Schaffen Fotos: zVg

Alternativ ganz nüchtern: Zukunft der Kirchenräume

Kirche Suteracher (Zürich-Altstetten): 1982 von der reformierten Kirchgemeinde erbaut – ein Beispiel gelebter Nutzungserweiterung: Unter der Woche Schulbetrieb mit Hort und Musikunterricht, am Wochenende Nutzung durch Migrationskirchen. Foto: Markus Staudinger

Wenn ich als Nachhaltigkeitsbeauftragter mit Kirchgemeinden spreche, geht es oft sehr technisch zu: Wann müssen wir unsere Heizung ersetzen, welche erneuerbaren Alternativen gibt es?

Markus Staudinger

Nachhaltigkeitsbeauftragter Katholische Kirche im Kanton Zürich

Photovoltaik aufs Dach – am besten gleich noch in Kombination mit einer Lademöglichkeit für Elektroautos: Was ist möglich, was lohnt sich, und müssen wir als Kirche einen solchen Weg überhaupt gehen? Langfristig gesehen lohnen sich solche Umbauten.

Oder noch einfacher gesagt: Gebäude managen, das können wir als Kirche. Die Frage, die ich mir aber stelle, ist: Wo sind hierbei die Menschen? Und sind kirchliche Gebäude heute nur noch «Immobilienportfolios», die man möglichst professionell und e zient bewirtschaftet? Kirchen waren und sind doch immer auch Orte der Liturgie, der Ruhe und inneren Einkehr – schlicht unser kulturell-religiöses Erbe, das es zu bewahren gilt.

Wie ein solcher Spagat gelingen kann, damit beschäftigt sich aktuell die Arbeitsgruppe 3. Diese ist Teil der gemeinsamen Legislaturschwerpunkte 2023–2027 des Kantons Zürich sowie der anerkannten Religionsgemeinschaften. Schwerpunkt 3 (deshalb «AG3») befasst sich mit dem Unterhalt und der Nutzung kirchlicher Gebäude. Wenn wir dabei von «Gebäuden» sprechen, meinen wir nicht nur Kirchen, sondern auch Pfarrhäuser oder Pfarrei- und Kirchgemeindehäuser. Zentrale Fragen, die rechtzeitig gestellt werden sollen: Wie sichern wir das Erbe? Wie schaffen wir Handlungsspielraum? Und wie bleiben unsere Orte für Quartiere, Dörfer und Gemeinschaften relevant?

Die AG3 sammelt Grundlagen, spricht mit Akteuren und stärkt das Bewusstsein für diese Thematik – als Hilfestellung für die Kirchgemeinden im Kanton Zürich. Langfristig soll unter anderem ein Leitfaden entstehen, der bei künftigen Fragen rund um Unterhalt und Nutzung unterstützt und nach Möglichkeit durch diese herausfordernden Prozesse leitet.

Kirchliche Gebäude haben grosses Potenzial für Gemeinschaft, Kultur, Bildung und Soziales – und damit

für einen spürbaren Mehrwert vor Ort. Damit dieses Potenzial klug genutzt werden kann, braucht es Strategie statt Aktivismus: hinschauen, abwägen, gemeinsam denken und Schritt für Schritt weitergehen.

AG3 – Kirchliche Gebäude und ihre zukünftige Nutzung

Die gemeinsame Arbeitsgruppe der Reformierten und der Katholischen Landeskirche im Kanton Zürich und des Kanton Zürich zur Erarbeitung gemeinwohlorientierter Nutzungsoptionen für kirchliche Liegenschaften. Kontakt: Markus Staudinger, Beauftragter für Nachhaltigkeit, Katholische Kirche im Kanton Zürich. nachhaltigkeit@zhkath.ch

Ein Zuhause ist mehr als ein Dach über dem Kopf

Wir kennen sie alle: Die Bilder von Menschen, die sich zu hunderten vor einer Wohnung die Beine in den Bauch stehen. Für manche birgt die Wohnungsbesichtigung die Aussicht auf ein neues Zuhause – vielleicht endlich ein Balkon oder eine grössere Küche? Für andere unter ihnen geht es um die Existenz: Sie brauchen dringend eine neue Wohnung, weil sie ihre alte verlieren.

Bei Caritas Zürich erleben wir täglich, wie armutsgefährdete Menschen verzweifelt in unsere Beratung kommen, da ihnen wegen einer Sanierung gekündigt wurde und sie kein neues Zuhause nden. Oder dass sie aus ihrer Wohnung raus wollen, weil die Umstände nicht mehr tragbar sind. Gerade vor Kurzem hatte ich ein Tre en mit Frau T., das mich sehr berührte: Die Frau arbeitet in der Reinigung und wohnt mit ihrem Mann und den drei Kindern in einer 2.5-Zimmerwohnung. Alle Zimmer sind schimmelbefallen. Ein Kind hat aufgrund der Wohnsituation eine Hautallergie und Asthma entwickelt. Die Familie braucht also dringend eine neue Wohnung. Sie sucht seit Monaten und hat bisher nur Absagen bekommen. Wie Familie T. geht es vielen Menschen an der Armutsgrenze; sie sind bei der Wohnungssuche stark benachteiligt.

Das darf eigentlich nicht sein, denn: Wohnen ist viel mehr als ein Dach über dem Kopf. Es ist ein Bestandteil eines Lebens in Würde. Für mich ist mein Zuhause ein Ort der Geborgenheit, wo ich mich selbst sein kann und Ruhe nde. Das sollte allen Menschen zustehen. Gerade für die Kinder ist das Aufwachsen in einer stabilen und gesunden Wohnumgebung so wichtig: für die Entwicklung oder nur schon, um in Ruhe die Hausaufgaben zu erledigen oder ein Gspändli einzuladen.

Darum beraten wir bei Caritas Zürich armutsgefährdete Menschen, die auf Wohnungssuche sind. Und wir sensibilisieren Ö entlichkeit und Politik. Diese Zeilen schreibe ich, damit einige Menschen mehr von den Schwierigkeiten von Menschen wie Frau T. erfahren. Und wir unserem Ziel so einen Schritt näher kommen.

Isabelle Lüthi arbeitet seit 2021 bei Caritas Zürich im Bereich Grundlagen und Sozialpolitik. Aus Anlass des 100-Jahr-Jubiläums bestreitet sie in

diesem Jahr die Kolumne «Seelen-Nahrung». Für die Caritas bereitet sie Zahlen und Fakten rund um Armut im Kanton Zürich auf und setzt sich auf

der politischen Ebene dafür ein, dass Armut verhindert wird. Sie wohnt mit ihrer Familie in Scha ausen, wo sie zudem im Kantonsrat ist.

Isabelle Lüthi
Caritas Zürich

Probe des Lebens

In the night in which our Savior was betrayed He broke the bread and to His friends He said:
«Take and eat, this is my body given for you Take and drink, this blood of mine is shed for you Do this always to remember me Remember me.»

Das Lied von Deborah Govenor thematisiert das letzte Abendmahl Jesu. Der musikalische Anhang ist ein Höreindruck in die österliche Musikwerkstatt unserer Schola in Richterswil und Samstagern. In der Regel singt das Ensemble einstimmig, bisweilen wird wie hier das Repertoire erweitert. Im Übrigen hat sich die Schola bestens in der Pandemie bewährt, wo grosse Ensembles nicht möglich waren und die «Live Streams» die einzige Möglichkeit waren, um mit der Aussenwelt in liturgischer Verbindung zu bleiben. Not macht eben tatsächlich er nderisch. Natürlich hätten wir am Schluss dieses Credos auch eine weitaus «perfektere» Au ührungsvariante des «Remember me» präsentieren können. Aber die Probearbeit an einem solchen Stück lässt auch in der «unfertigen» Ausführung Klänge erzeugen, die in die Tiefe gehen. Und letztlich ist es das «Unfertige», das unser Menschsein prägt und ausmacht.

Dazu zu stehen und immer o en sein zu lernen, ist auch für uns Glaubende wesentlich.

Glaube bietet Halt

Die zarten Klänge dieser Musik mögen so gar nicht in die aktuelle Weltsituation passen. Bräuchte es da nicht etwas Pompöses, das laut genug gegen so manchen Grössenwahn und Irrsinn dieser Zeit schreit? Absolut nicht, Lautes und Schrilles gibt es im Übermass. In der Seelsorge ist sehr spürbar, dass die aktuellen Verhältnisse in der Welt mit all ihren Kriegen und Unsicherheiten die Menschen bedrücken. Umso wichtiger ist ein Glaube, der Halt gibt und Perspektiven aufzeigt. Umso wichtiger ist der Hinweis, dass das Böse zwar oft lange anhält, Gottes Atem der Liebe aber unendlich länger ist. Wie jedes Jahr bereiten wir uns auf Ostern vor. Das Fest der Auferstehung und des ewigen Lebens. Wir dürfen tatsächlich

jedes Jahr «üben», wie sich Auferstehung anfühlt, wie sich Auferstehung im Leben ereignet: wann immer es gelingt, eine dunkle Stunde zu erhellen, wann immer es gelingt, jemanden aufzurichten, wann immer es gelingt, abscha are Leiden auch abzuscha en, wann immer es gelingt, Sinn zu stiften inmitten all des Unsinns! Die Auferstehung im Übergang zum anderen, neuen Leben, darf getrost in Gottes Hände gelegt werden. Genau diesen Trost strahlt das «Remember me» aus, auch wenn es sich «nur» um den Einblick in eine Probe handelt. Dabei hat eine Probe etwas Realistisches: Das ganze Leben ist eine einzige grosse Probe, bestehend aus vielen einzelnen kleineren Proben. Und wir bereiten uns auf die Au ührung vor, wenn wir zu Gott ganz persönlich das grosse «Du» sagen dürfen. Die Osternacht spricht genau davon: Wenn das volle Geläut und nach längerer Zeit das festliche Gloria und Halleluja erklingen.

Pfarrkirche Richterswil. Foto: Mario Pinggera

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