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D A S PAT I E N T E N M A G A Z I N #8 – WINTER 16

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Achtung Notfall! Was ist im Ernstfall zu tun? Einblicke in die Notfallmedizin, die Ambulanzen und warum Warten manchmal sein muss 4 Schmerzende Seelen Wie die Kinder- und Jugendpsychiatrie bei Krisen hilft 10 Verlässlich versorgt Wie kommen die Arzneimittel zu den Patienten? Einblicke in die Zentralapotheke 18

SCHLAGANFALL N: ERKENNE MFACE-AR SPEECH 8 TEST 1


Inhaltsverzeichnis

4 Achtung Notfall! Zwischen langen Wartezeiten und Herzinfarkt 10 Wenn Kinder- und Jugend seelen leiden… 12 Wir sind die Hüter der Hoffnung 16 Selbstuntersuchung in jedem Alter 17 Warnzeichen: Blut im Harn 18 Gut und sicher versorgt 22 Kurz und knapp 26 Schwesternliebe. Zuhause in den Anden 30 Zur Gaude 31 Drei Fragen an… –––––– HERZSTÜCK

–––––– IN BALANCE

–––––– ARBEITSWELTEN

–––––– STANDPUNKTE

–––––– ZUGEHÖRT

–––––– UNTER DER LUPE

–––––– LKH KOMPAKT

–––––– GRENZENLOS

klimaneutral

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luag a! wird klimaneutral gedruckt. Das Papier ist PEFC-zertifiziert, das verwendete Holz also aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Mehr unter www.pefc.de – Die Folie LDPE ist recyclebar. Impressum - Verleger, Medieninhaber und Herausgeber: Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, Carinagasse 41, 6800 Feldkirch, www.khbg.at; Redaktionsleitung: Mag. Ulrike Delacher, MSc, Email: ulrike.delacher@khbg.at, Unternehmenskommunikation Vlbg. Krankenhaus-Betriebsgesellschaft Redaktionsteam: Mag. Andrea Marosi-Kuster, Prok. Mag. Markus Schuler, Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Huemer, Andreas Lauterer, BSc MA, Chefarzt Prim. Dr. Wolfgang Elsäßer, Dipl.KH-Bw Harald Maikisch, MSc, MAS, DGKP Michael Scheffknecht MSc, Dipl. KH-Bw. Dietmar Hartner, Verena Schönfelder, DGKP Elke Kovatsch, Dr. Franz Freilinger, Mag. Harald Bertsch, Dipl.KH-Bw. DGKP Erich Gantner Kontakt: luag-a@khbg.at Texte: wiko prevent|k, Luag a!-Redaktionsteam, u.v.m. Foto: Christina Scheiderbauer, Ulrike Delacher, Manfred Waldner, Andrea Deutschl, Matthias Weissengruber, weissengruber-fotografie.at Alexander Ess (www.alexanderess.at), Lisa Mathis, VN Russmedia, pexels.com, unsplash.com, u.a. Konzept und Umsetzung: Unternehmenskommunikation Vlbg. Krankenhaus-Betriebsges.m.b.H., www.khbg.at, Zeughaus Designagentur, zeughaus.com, wiko preventIk Bregenz, www.wikopreventk.com Druck: Buchdruckerei Lustenau GmbH, Millennium Park 10, 6890 Lustenau, www.bulu.at Auflage: 10.000 Stück, gedruckt auf umweltfreundlichem Papier Bei personenbezogenen Ausdrücken sind selbstverständlich Frauen und Männer gleichermaßen gemeint.

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Inhalt Impressum


Am Puls

Sehr geehrte Patienten, Angehörige, Besucher, Interessierte! Die Grußworte „herzlich willkommen“ oder „Auf Wiedersehen“ sind im Spitalsalltag schwierige Formulierungen, da die meisten Betroffenen nicht freiwillig in ein Krankenhaus kommen und auch froh darüber sind, aus gesundheitlichen Gründen nicht wieder zurück kommen zu müssen. Wir heißen Sie trotzdem gerne zur neuen Ausgabe der Luag a! „herzlich willkommen“. Dem Redaktionsteam ist es erneut gelungen, einen interessanten Themenbogen zu spannen und einen Blick hinter die Kulissen des größten Gesundheits-, Sozial- und Ausbildungsunternehmens des Landes Vorarlberg zu werfen. Eine ganz wesentliche bzw. die wichtigste Funktion der Vorarlberger Landeskrankenhäuser wird in dieser Ausgabe speziell beleuchtet: die Notfallmedizin. Bei einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einem Unfall heißt es handeln. Lesen Sie darüber, wie die Abläufe im Ernstfall sind und welche Komplexität z.B. hinter dem auch fernsehbekannten Begriff „emergency room“ steht. Neben vielen anderen Themen finden Sie im Luag a! auch Reportagen über den wichtigen Bereich der Krankenhausseelsorge, über unser professionelles Pharmazeutisches Zentrum (Apotheke) und über die neu installierte und bereits österreichweit anerkannte Kinder- und Jugendpsychiatrie. Wir freuen uns übrigens über Lob, Anregungen und Kritik. Bitte melden Sie sich. Und noch etwas: Uns gibt es jetzt auch auf Facebook unter: www.facebook.com/landeskrankenhaus

GF Dr. Gerald Fleisch, GF Prim. Dr. Peter Fraunberger Geschäftsführung Vlbg. Krankenhaus-Betriebsges.m.b.H.

luag a!

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Herzstück

Achtung Notfall! Zwischen langen Wartezeiten und Herzinfarkt: Wenn jede Sekunde zählt

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Herzstück


Sie sind 365 Tage im Jahr 24 Stunden täglich für die Patienten im Einsatz: Von der Behandlung am Unfallort, auf dem Weg zu den Vorarlberger Landeskrankenhäusern bis zum Eintreffen in den Schockräumen werden Betroffene von den Notfallteams sehr gut versorgt. Und auch in der Ambulanz geben Ärzte und das Pflegepersonal ihr Bestes, um die Patienten schnell und in hoher Qualität zu behandeln.

W

enn ein Notfall eintritt, heißt es handeln. Denn gerade bei schweren Unfällen und zeitkritischen Krankheitsbildern wie Herzinfarkt oder Schlaganfall bringt Erste Hilfe wertvolle Zeit für den Betroffenen. „Wenn Sie zu einem Unfall mit Verletzten dazukommen, ist es für die Alarmierung der Rettungskräfte wichtig, sich zuerst einen Überblick zu verschaffen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Erst danach wird der Notruf 144 gewählt“, betont Prim. Dr. Folie, Leiter der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin am LKH Bregenz. Notruf absetzen

Über den Notruf 144 erreicht man die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL), die die Notfallmeldungen entgegen nimmt und in weiterer Folge über die Dringlichkeit entscheidet. „Daher ist es so wichtig, dass der Anrufer sehr genaue Angaben macht: Wer, wo, was, wie viele? Nur so kann die RFL entscheiden, ob sie die Rettung, den Notarzt oder gleich auch den Hubschrauber schickt“, erklärt Prim. Univ. Doz. Dr. Reinhard Germann, Leiter der Anästhesie im LKH Feldkirch. Generell werden die Patienten in das nächstgelegene Landeskrankenhaus gebracht. Je nach Krankheitsbild kann es jedoch sein, dass speziell das LKH Feldkirch angefahren wird, schildert er weiter: „Personen, die einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder ein Schädel-Hirn-Trauma haben, kommen direkt ins Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch, da wir hier dafür ausgerüstet sind. Solche Informationen hat die RFL.“ Deswegen raten die Ärzte auch davon ab, selbst ins Krankenhaus zu fahren, so Prim. Dr. Ruth Krumpholz, Notfallmedizinerin und Leiterin der Anästhesie im LKH Bludenz: „Es ist definitiv schneller und besser, bei der RFL anzurufen. So kommt binnen Minuten ein ausgebildetes Team für professionelle Hilfe zu Ihnen.“ Sind diese wichtigen Fragen geklärt, folgen bis zum Eintreffen des Rettungsteams die Maßnahmen aus dem Erste-Hilfe-Kurs: Bewusstsein und Atmung prüfen, stabile Seitenlage, vor Auskühlung schützen und gegebenenfalls Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Herzdruckmassage und Beatmung einleiten, bis der Notarzt kommt. Falsch machen kann man dabei nichts, betont Krumpholz: „Zeit kostet Leben – je früher mit der Hilfe angefangen wird, desto besser für den Verunglückten. Wir Notfallmediziner luag a!

Herzstück

werden immer zu spät sein, wenn Ersthelfer an der Unfallstelle nicht sofort helfen.“ Nahtlose Fortführung der Behandlung

Ist das Rettungsauto erst einmal Richtung Krankenhaus unterwegs, sind die ersten großen Notfallmaßnahmen schon geschehen: Der Notarzt hat am Unfallort nach Stabilisierung der Vitalfunktionen eine Ersteinschätzung des Akutpatienten durchgeführt und je nach Verletzung das Notfallteam im Krankenhaus verständigt. Vor Ort bereiten sich die zuständigen Teams auf das Eintreffen des Patienten vor, um die Behandlung nahtlos fortzusetzen. „In Vorarlberg beträgt die maximale Durchschnittszeit von der Alarmierung der Rettungskräfte bis zum Eintreffen im Zielkrankenhaus mit dem Helikopter oder dem Rettungswagen immer unter einer Stunde“, erklärt Folie. Herz der Notaufnahme

„Patienten in lebensbedrohlichem Zustand werden bei uns in Feldkirch in den Schockräumen erstversorgt. Wir arbeiten mit einem Team an Personen unterschiedlichster Fachrichtungen zusammen“, erzählt OA Dr. Christian Walleczek, Bereichsleiter Notfallmedizin. Rund um die Uhr steht in den Landeskrankenhäusern ein Basisteam aus einem Anästhesisten, einer Anästhesiepflegekraft, einem Facharzt sowie einer Radiologie-Fachkraft für die Diagnose zur Verfügung. Bei der Übergabe des Patienten durch den Notarzt an das Schockraumteam folgen diese einem strukturierten Raster, erklärt Folie: „Wir gehen nach dem standardisierten ABCDE-Schema vor – das heißt die Atemwege werden gesichert (A – Airway), die Beatmung durchgeführt 5


Prim. Dr. Reinhard Folie, LKH Bregenz Prim. Dr. Ruth Krumpholz, LKH Bludenz

(B – Breathing), der Kreislauf stabilisiert (C - Circulation), neurologische Untersuchungen durchgeführt (D – Disability) und der Patient chirurgisch untersucht (E – Exposure).“ Durch das standardisierte Verfahren ist gewährleistet, dass alle im Team dieselbe Sprache sprechen und nicht unnötig Zeit vergeudet wird. „Ziel ist es, die bedrohlichsten Verletzungen und Störungen der Vitalfunktionen wie Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz zu überprüfen und gegebenenfalls wieder herzustellen“, führt Reinhard Germann aus. Die Schockräume sind hochmodern eingerichtet, es ist sogar ein Computertomograph (CT) für die schnelle Abklärung innerer Verletzungen im Raum installiert. Kleinere Eingriffe wie eine Thoraxdrainage (Flüssigkeiten und/oder Luft aus dem Brustkorb (Thorax) ableiten) lassen sich hier auch vornehmen. Nach der Erstversorgung im Schockraum werden die Patienten in der Chirurgie oder Unfallchirurgie weiterbehandelt. „Es zeigt sich immer wieder, wie wichtig es ist, dass Informationen über den Unfallhergang bzw. den Patienten vollständig und vor allem zeitnah weitergegeben werden“, weiß Germann. Dieser Appell ist vornehmlich an Angehörige gerichtet, so Walleczek: „Es kommt immer wieder vor, dass ein Herzinfarkt oder auch ein Schlaganfall lange nicht bemerkt und der Patient von den Angehörigen viel zu spät ins Krankenhaus gebracht wird. Doch gerade hier ist eine schnellstmögliche Behandlung für den Erfolg entscheidend.“ 6

»Zeit kostet Leben – je früher mit der Hilfe angefangen wird, desto besser für den Verunglückten. Wir Notfallmediziner werden immer zu spät sein, wenn an der Unfallstelle nicht sofort geholfen wird.« Prim. Dr. Ruth Krumpholz

Vom Schnupfen bis zum Herzstillstand

Jeden Tag steht der Ambulanz eine große Anzahl von Patienten mit vielfältigen Beschwerden und Krankheiten gegenüber. "In Vorarlberg ist es für viele Personen eine Selbstverständlichkeit, bei einer Erkrankung ins Krankenhaus zu kommen - unabhängig davon, wie akut diese ist", stellt Tanja Soti, DGKS, Bereichsleitung Spezialbereich im LKH Bregenz, fest. So kommen zahlreiche Patienten mit Beschwerden wie einem Sonnenbrand, Schnupfen oder wochenlang andauernden Rückenschmerzen in die Ambulanz. Für diese Behandlungen wäre allerdings der Hausarzt die erste Anlaufstelle, das Krankenhaus soll nur für Notfälle aufgesucht werden. Der Betrieb der Ambulanz darf nicht wegen leicht therapierbaren Beschwerden aufgehalten werden. „Der Zustrom an Patienten in die Ambulanzen wächst jedes Jahr und hat bei uns 2012 den Höchststand erreicht. Doch nur jeder zweite Ambulanz-Patient braucht eine Spitalsbehandlung“, so ihre realistische Bilanz. Entlastung durch „Filter“

Um die Spitalsambulanz zu entlasten, nahm Katrin Stopp, DGKS, Fachbereichsleitung der Interdisziplinären Ambulanz im LKH Bregenz, das Projekt "Ambulante Erstversorgungseinheit" (AEE) federführend in die Hand. Ziel der AEE ist es, die fachärztlichen Ambulanzen zu entlasten, damit sich die Ärzte und Herzstück


das Pflegepersonal dort vermehrt um die zugewiesenen und stationär aufgenommenen Patienten kümmern können. Zudem etablierte sich das international anerkannte Bewertungssystem „Manchester Triage System“ (MTS). „Mit diesem Verfahren können wir einfach, sicher und gezielt die Behandlungsdringlichkeit der Patienten einschätzen. Trifft der Patient im Krankenhaus ein, nimmt das Pflegepersonal innerhalb von zehn Minuten Kontakt mit ihm auf“, schildert Soti. Der Patient wird dann nach standardisierten Fragen eingestuft und je nach Beschwerden und Schweregrad der Erkrankung verschiedenen Kategorien zugeordnet. „Diese Kategorien haben unterschiedliche Farben und Wartezeiten - wir nennen sie den Patienten sofort, damit sie wissen, wie lange sie ungefähr warten müssen“, erklärt sie. Diese Einteilung wird digital dokumentiert. Das Personal sieht so auf einen Blick die wichtigsten Informationen über den Patienten sowie die Priorität der Behandlung. „Wir schauen in gewissen Zeitabständen immer wieder nach ihnen, da sich manche Symptome mit der Zeit verschlechtern können. Darauf haben wir eine Auge“, so Stopp. Nach der Ersteinschätzung wird der Patient in der AEE untersucht. Hier ist ein Allgemeinmediziner vor Ort, der sich um die Erkrankten kümmert. „Personen, die zu uns ins Krankenhaus kommen, dürfen wir nicht ohne Untersuchung nach Hause schicken. Die AEE ist sozusagen unser Filter“, betont Stopp, „Hier überprüfen ein praktischer Arzt und eine Pflegekraft, ob der Patient in einer Speziluag a!

alambulanz im Haus weiterbehandelt werden muss, zu einem Facharzt oder doch eher zum Hausarzt gehen soll.“ Nicht alle Patienten nehmen diese Untersuchung positiv auf, erzählt Stopp: „Einige Patienten werden ungehalten und aggressiv, wenn sie nicht sofort die ganze Bandbreite an Untersuchungen wie Röntgen, MRT, CT etc., erhalten. Denn jeder sieht sich selbst als Notfall – wir von der Pflege sind angehalten, den Stress da herauszunehmen.“ Mehr Zeit für Patienten

Erst nach der Untersuchung in der AEE kommen die Patienten in die zuständige Ambulanz im Hause. Das entlastet vor allem die Ärzte, weiß Stopp: „Wenn nur noch die Notfälle in die Ambulanz kommen, haben die Ärzte und Pfleger auch mehr Zeit, um intensiv auf die Patienten einzugehen. Die richtige Zuweisung erleichtert die schnellst- und bestmögliche Behandlung der Beschwerden.“ Das bringt nicht nur Kostenersparnis, sondern auch Qualität im Heilverfahren. Die AEE im LKH Bregenz gilt österreichweit als Vorzeigemodell. Darauf ausruhen möchte sich das Personal aber nicht, betont Tanja Soti: „Wir analysieren das System laufend mit unseren Mitarbeitern, überprüfen die Schnittstellen zwischen Sekretariat, EDV und den Ärzten und tauschen uns über die Abläufe mit dem Manchester-Triage-System ständig aus.“ Das bringt Qualität und Sicherheit für das Personal und auch für die Patienten. „Wir arbeiten eng zusammen. Bei uns ist die Pflege für die KoordinaHerzstück

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M I T D E M FAC E A R M S P E E C H -T E S T E I N E N S C H L AG A N FA L L E R K E N N E N

Interview: Im Schockraum

tion zuständig. Wir sind auf Augenhöhe und ergänzen uns mit den Ärzten perfekt. Alle – von den Fahrern der Rettung über die Verwaltung bis hin zu Pflegekräften und den Ärzten – haben dasselbe Ziel: Die Versorgung muss perfekt funktionieren, damit es dem Patienten gut geht“, sagt sie abschließend. Auch in anderen Häusern in Vorarlberg möchte man an den Erfolg des LKH Bregenz anknüpfen. „Wir haben unser Pflegepersonal ebenfalls schulen lassen. Jetzt können alle nach dem ManchesterTriage-System die Patienten ersteinschätzen“, freut sich Pflegedirektor Arno Geiger, LKH Hohenems. „Das System bringt definitiv viel Sicherheit und eine Qualitätssteigerung. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Patienten durch die Einteilung gut aufgehoben fühlen und eher Verständnis für die Wartezeit aufbringen.“ Auch das LKH Hohenems ist dabei, Räumlichkeiten zu schaffen, um eine AEE einrichten zu können. „Wir möchten den Patientenstrom wieder zurück zum Hausarzt bzw. zu den niedergelassenen Ärzten leiten.“ Im LKH Bludenz ist man mit dem ManchesterTriage-System ebenfalls zufrieden: „Das Triagieren hat sich bei uns bewährt. So können wir diejenigen Patienten schnell herausfiltern, bei denen eine Behandlung dringend notwendig ist.“

Face (Gesicht) Bitten Sie die Person zu lächeln oder die Zähne zu zeigen. Beim Versuch zu lächeln, entsteht eine Grimasse? Das deutet auf eine Halbseitenlähmung hin.

Frau Sonderegger, wie haben Sie die medizinische Betreuung empfunden? Arms (Arme) Heben Sie die Arme des Patienten auf 90 Grad im Sitzen, 45 Grad im Liegen, Handflächen nach oben. Bitten Sie ihn, die Arme fünf Sekunden zu halten und lassen Sie sie los. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, sie sinken oder drehen sich.

Speech (Sprache) Achten Sie auf eine undeutliche Sprache und auf Wortfindungsstörungen. Ist die Sprache beeinträchtigt? Kann die Person einen einfachen Satz nicht mehr nachsprechen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor. Zeit ist Hirn Die gezeigten Symptome deuten auf einen Schlaganfall hin. Jetzt zählt jede Minute, um Leben zu retten und bleibende Schäden zu vermeiden. Rufen Sie einen Arzt und schildern Sie die Symptome.

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Es war Mitte September, als ein LKW auf das Auto von Daniela Sonderegger aufgefahren ist und sie schwerverletzt im LKH Feldkirch behandelt wurde. "Luag a!" haben sie zu ihren Erfahrungen nach dem Unfall befragt.

Herzstück

Die Notärzte und Sanitäter waren sehr schnell am Unfallort. Sie haben mich sofort nach Verletzungen wie einem gebrochenen Halswirbel oder einer Querschnittslähmung untersucht. Ihre ruhige und kompetente Art hat mich beruhigt und mir das Gefühl gegeben, in guten Händen zu sein. Wie verlief die Untersuchung im LKH Feldkirch? Es wurde ein CT gemacht und dabei festgestellt, dass ich ein Blutgerinnsel im Kopf habe. Ich wurde sofort auf die Intensivstation verlegt. Die Notärzte kamen immer wieder zu mir, um nachzufragen, wie es mir geht. Ich wurde liebevoll und sehr gut betreut und war nicht nur eine Nummer, die abgefertigt wird. Wie geht es Ihnen heute? Heute geht es mir schon viel besser. Trotz der schmerzhaften und traumatischen Erfahrungen erinnere ich mich gerne an die schönen Momente, in denen ich Menschen begegnet bin, die ihren Job mit Leidenschaft ausführen und mir fürsorglich zur Seite standen.


Wussten Sie, dass…

… die Herzdruckmassage und Beatmung im Verhältnis 30:2 durchgeführt werden soll? Das bedeutet: Zuerst wird 30 Mal massiert, dann zwei Mal beatmet, wieder 30 Mal massiert usw. Dabei sind 100 Schläge in der Minute ideal. Hier hilft ein einfacher Trick: Songs wie „Stayin‘ alive“ (Bee Gees) oder Helene Fischers „Atemlos“ haben die ideale Frequenz – und geben somit den richtigen Takt für die Herzdruckmassage vor. Woher kommt…

… die Unruhe beim Warten? Psychologischen Studien zufolge haben Gefühle wie Angst, Schmerzen und Unsicherheiten einen unangenehmen Einfluss auf Wartezeiten – dem Patienten erscheint diese dann subjektiv länger. Die Angst nimmt zu und fokussiert die Wahrnehmung des Patienten auf sich selbst, dadurch blendet er andere Patienten aus.

HUBSCHRAUBERLANDUNGEN IN GANZ VORARLBERG (2015)

VORHANDENE UNFALLBETTEN IN VORARLBERG (RSG 2015) 74 LKH FELDKIRCH 38 LKH BREGENZ 20 LKH BLUDENZ 16 KH DORNBIRN

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Herzstück

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In Balance

Wenn Kinder- und Jugendseelen leiden…

Ü

ber psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen wird oft geschwiegen. Denn eigentlich sollte die Kindheit die schönste Zeit des Lebens sein. Dabei sind psychische Störungen in jungen Jahren keine Seltenheit. Jeder neunte Minderjährige ist betroffen. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie Vorarlberg werden jedes Jahr rund 350 Patientinnen und Patienten aufgenommen. Häufige psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sind Angststörungen und Depressionen, gefolgt von ADHS und Essstörungen. „Je nach Schweregrad der Erkrankung behandeln wir die Patienten ambulant oder stationär“, erklärt Primaria Dr. Maria-Katharina Veraar, Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Landeskrankenhaus in Rankweil. 24 Betten und 12 Betreuungsplätze in Tagesklinik

Das Therapieangebot für Kinder und Jugendliche in Vorarlberg ist sehr gut. Die Patienten werden in eigenen, altersgerechten Stationen der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder in Tageskliniken behandelt. An den drei Standorten in Rankweil, Bregenz und Feldkirch gibt es insgesamt 24 Betten und 12 tagesklinische Betreuungsplätze.

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Zusätzlich gibt es im Landeskrankenhaus Rankweil eine Notfallambulanz, die rund um die Uhr mit Fachpersonal besetzt ist sowie eine Bestellambulanz am Landeskrankenhaus Feldkirch. Nach Voranmeldung kommen Kinder und Jugendliche mit ihren Angehörigen zur Abklärung psychischer Probleme. „Auch mögliche körperliche Ursachen werden abgeklärt, bevor wir einen Therapieplan erstellen“, so Veraar. Die Länge der Aufenthaltsdauer hängt dabei von der Schwere der Erkrankung ab und variiert zwischen einigen Tagen bei akuten Krisen und mehreren Wochen oder Monaten. Vielfältige Therapiemöglichkeiten

Das Angebot an Therapien ist sehr vielfältig. Psychotherapie, Musiktherapie, Logopädie, Sport- und Ergotherapie stehen zur Verfügung. An jedem Standort unterrichten zudem Lehrpersonen der Heilstättenschule Vorarlberg. „Die Beschulung der Kinder und Jugendlichen während ihrem Aufenthalt bei uns ist ein wichtiger Behandlungsbaustein und ermöglicht es, Alltagsstrukturen aufrecht zu erhalten“, erklärt Veraar. Bei der Therapie wird zudem sehr großer Wert darauf gelegt, dass auch die Eltern bzw. Erziehungsberechtigen miteinbezogen werden. Denn auch sie sind oft mit Ängsten, Sorgen und Schuldgefühlen belastet.

In Balance


WA S M AC H E I C H B E I V E R DAC H T A U F E I N E P S YC H I S C H E S TÖ R U N G M E I N E S K I N D E S?

Zwei Fragen an Elke Kovatsch, MSc. Bereichsleitung Kinder- und Jugendpsychiatrie/Akutpsychiatrie/Ambulanz

Sprechen Sie mit dem Kind oder Jugendlichen: Sagen Sie, dass Sie eine Veränderung bemerkt haben. Im Idealfall suchen Sie gemeinsam nach professioneller Hilfe. Sprechen Sie mit dem Haus- oder Kinderarzt. Er kennt das Kind oder den Jugendlichen und kann Ihnen helfen einzuschätzen, ob eine psychische Erkrankung vorliegt und Hilfe notwendig ist. Vereinbaren Sie zur Abklärung einen Termin im Landeskrankenhaus Rankweil (05522/403) oder in der Bestellambulanz des Landeskrankenhauses Feldkirch. (05522/303-3700) Bei akuten psychischen Problemen können Sie sich rund um die Uhr an die Notfallambulanz des Landeskrankenhauses Rankweil wenden (05522/403).

»Die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, ist gesunken. Eltern wenden sich heute häufiger und früher an uns.« Primaria Dr. MariaKatharina Veraar

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Die Ursachen für psychische Erkrankungen sind unterschiedlich. Oft sind Probleme im sozialen Umfeld ein Auslöser, aber auch genetische Dispositionen können eine Rolle spielen. Der Anstieg an Aufnahmen von Minderjährigen in den vergangenen Jahren liegt unter anderem an der veränderten Einstellung gegenüber psychischen Erkrankungen. „Die Hemmschwelle, Hilfe zu suchen, ist gesunken. Daher wenden sich Eltern heute häufiger und früher an uns“, sagt sie. Die beste Vorbeugung: Zeit mit dem Kind

Zur Stärkung der psychischen Gesundheit rät die Kinder- und Jugendpsychiatrie, sich mit dem Kind auseinanderzusetzen. Wer viel Zeit miteinander verbringt, erkennt auch mögliche Veränderungen schneller. Ein plötzlicher Leistungsabfall in der Schule, sozialer Rückzug, Schlafstörungen oder ungewöhnliche Essgewohnheiten können ein Alarmzeichen für psychische Probleme sein. „Nicht jede Veränderung muss zwangsläufig eine Störung sein. „Im Zweifelsfall empfehle ich, den Rat eines Experten einzuholen“, so Veraar.

In Balance

Frau Kovatsch, Sie haben jahrelange Erfahrung in der Pflege von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen. Worin sehen Sie die größte Herausforderung? Eine der Besonderheiten ist sicherlich die rechtliche Situation. Unsere Patienten sind minderjährig, das bedeutet, die Erziehungsberechtigen bestimmen darüber, ob die Patienten in Behandlung bleiben. Dies hat oft einen Einfluss auf die Motivation – und macht es für uns zur Herausforderung. Wie versuchen Sie, diese bei den Patienten zu wecken? Es ist wichtig, dass wir eine Beziehung zu den Patienten aufbauen und sie dabei unterstützen, sich in die neue Umgebung einzufinden. Auch ist es unsere Aufgabe, die Kinder und Jugendlichen zu fördern und zugleich ihr Verhalten und die Konsequenzen mit ihnen zu reflektieren. Manchmal ist bei unseren Patienten ein „nicht Wollen“ jedoch ein „nicht Können“. Diesen Unterschied zu erkennen verlangt von uns ein hohes Maß an Erfahrung und Kompetenz.

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Arbeitswelten

»Wir sind die Hüter der Hoffnung« 12

Arbeitswelten


„Im Prinzip hören wir zu und versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen“, beschreibt Pfarrer Dr. Peter Rädler in wenigen Worten den Kern seiner Arbeit als Krankenhausseelsorger. Es geht vornehmlich nicht darum, dem Patienten, den Angehörigen oder den Mitarbeitern vollständige Antworten auf ihre Fragen zu geben. Vielmehr macht sich Peter Rädler mit ihnen auf die Suche nach ihren Hoffnungen – eine vielfach unterschätzte Ressource der Heilung, erzählt er im Gespräch mit „Luag a!“. Herr Dr. Rädler, welche Aufgaben haben Seelsorger eigentlich? Seelsorger machen ein Angebot: „Was immer dich bewegt, ich bin bereit dir zuzuhören.“ Eine Erkrankung ist nie nur eine Funktionsstörung des Organismus, sondern betrifft den ganzen Menschen. Insbesondere, wenn es sich um ernsthafte Erkrankungen handelt. Hinzu kommt, dass Menschen im Krankenhaus plötzlich ganz viel Zeit haben, nachzudenken und sich Fragen zu stellen. Manchmal kom-

luag a!

men auch Ängste auf. Ich sage immer: „Es beginnt ihnen zu denken.“ Und dann sind manche froh, wenn sie erzählen können, was ihnen durch den Kopf geht. Es gibt bestimmt auch andere, die das überhaupt nicht wollen? Selbstverständlich gibt es Menschen, die mit der Seelsorge nichts anfangen können, die sich vielleicht sogar schlafend stellen, wenn ich ins Zimmer komme. Diesen Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden, muss und will ich respektieren. Auch gibt es Menschen, die mir sagen, dass sie zwar gläubig sind, aber mit der Institution Kirche ein Problem haben. Als Priester bin ich natürlich ein Vertreter dieser Kirche und habe meine Spiritualität, die mich trägt. Mir persönlich ist bei dieser Begegnung aber nicht wichtig, welche Konfession mein Gegenüber hat oder ob er überhaupt einer Religionsgemeinschaft angehört. Für mich zählt der Mensch. Wenn ich die Stationen besuche, geht es mir vor allem darum, den Menschen zu zeigen, dass es nicht nur eine Seelsorge gibt, son-

Arbeitswelten

dern dass sie auch ein Gesicht und eine Stimme hat. In grober Weise abgewiesen wurde ich auch noch nie. Hingegen sagen sehr viele nach dem Gespräch – selbst wenn es um Alltägliches ging: „Schön, dass Sie gekommen sind.“ Es geht also nicht nur um die großen Fragen des Lebens? Nein, viele dieser Begegnungen sind scheinbar unverbindlich. Dennoch möchte ich bei jedem Gespräch die Menschen unterstützen, ihre Hoffnungen trotz allem zu entdecken und diese zu leben. Hoffnung hat viel mit Spiritualität zu tun und es gibt inzwischen seriöse Studien, die belegen, dass die Spiritualität – egal, wie sie sich zeigt – ein nicht zu unterschätzender Teil der Heilung ist. Wir sind in gewisser Weise also die Hüter der Hoffnung. Dafür sind religiöse Feiern vielfach Ausdruck und Stütze. Menschen, die ihre Hoffnung im Glauben an Gott und in der Verbindung mit Jesus Christus begründet wissen, sind dankbar, wenn ihre Hoffnung einen Ausdruck im gemeinsamen Beten, in der Zu-

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NAH BEIM MENSCHEN

In den Vorarlberger Landeskrankenhäusern kümmern sich Teams von haupt- und ehrenamtlichen Seelsorgern um das

sage des Segens, in der Kommunionfeier am Krankenbett, in der Feier der Krankensalbung oder in einem von Gebet und symbolischen Gesten begleiteten Abschied von einem Verstorbenen finden kann. Wenden sich auch Angehörige an Sie? Natürlich. Die Angehörigen nehmen ja eine sehr wichtige Rolle ein und benötigen speziell bei schwerwiegenden Fällen sehr viel Zuspruch. Auf die Intensivstation gehe ich beispielsweise vornehmlich zur Besuchszeit, weil dann auch der Partner oder die Familie da ist. Ich vergleiche ihre Situation gern mit einem Haus nach einem Erdbeben: Da sind Decken heruntergefallen, Wände eingestürzt und man muss erst einmal schauen, welche Räume noch stabil geblieben sind.

ne werden. Allerdings darf man sich auch nicht jedes Mal in der tiefsten Seele erschüttern lassen, sonst hat man den falschen Beruf. Das ist bei mir nicht anders: Ich bemühe mich, im Gespräch emotional präsent zu sein. Danach aber gehe ich wieder auf Distanz. Sie sind seit fast 30 Jahren im Dienst der Seelsorge, obwohl Sie ja eigentlich schon in Pension sind. Nun, in meinem Beruf ist Pension ein Begriff mit großen Fransen. Solange es mir Freude bereitet und es mir körperlich und gesundheitlich möglich ist, den Wunsch nach Seelsorge zu erfüllen, werde ich das auch tun.

Patienten können z.B. gegenüber dem Pflegepersonal den Wunsch äußern, von Krankenhausseelsorgern betreut zu werden. Dabei besteht nicht nur die Möglichkeit, einen katholischen Seelsorger zur rufen, sondern unter anderem auch evangelische sowie orthodoxe Priester, Vertreter des Islam, der buddhistischen Religionsgemeinschaft oder der Zeugen Jehovas.

ZUR PERSON Peter Rädler (73) wurde 1971 zum Priester geweiht und steht seit 1988 im Dienst der Seelsorge an den Landeskrankenhäusern Rankweil und Feldkirch. Er ist diplomierter Ehe-, Lebens- und Sozialberater, absolvierte u.a. Ausbildungen in den Bereichen klinische Seelsorge, idiolektische Gesprächsführung (dabei fokussiert sich der Zuhörende auf den Sprechenden) und Seelsorge auf Intensivstationen.

Und die Mitarbeiter? Für sie sind wir genauso da. Ich gehe zum Beispiel immer zuerst ins Stationszimmer und frage, ob jemand etwas von mir braucht. Täglich mit Krankheiten oder gar dem Tod konfrontiert zu sein, kann nie zur Routi-

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seelische Wohl der Menschen.

Arbeitswelten


CSV – Clinic Service Vorarlberg Als Tochterunternehmen der Krankenhaus-Betriebsges.m.b.H. ist die CSV vorwiegend im Auftrag der Landeskrankenhäuser für die Erbringung und Durchführung von nicht-medizinischen Serviceleistungen verantwortlich. Die Serviceleistungen der CSV sind vielfältig gestreut und beinhalten unter anderem Unterhalts-, Grundund Fensterreinigung, Ver- und Entsorgungslogistik und Stationsservice.

www.csv-gmbh.at

Medizinprodukteaufbereitung Vorarlberg Die MPAV GmbH ist eine Tochterfirma der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsges.m.b.H. In ihrer Verantwortung liegt die Aufbereitung wiederverwendbarer Medizinprodukte und Sterilgüter (z.B. OP-Instrumente) für die Landeskrankenhäuser sowie verschiedener Gesundheitsdiensteanbieter in Vorarlberg. www.mpav.at

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Arbeitswelten

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Standpunkte

Selbstuntersuchung in jedem Alter

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ie ist die häufigste Krebserkrankung von Frauen: Brustkrebs. Ungefähr jede achte Frau erkrankt in Österreich einmal im Leben daran. Doch die Chancen auf Heilung sind dank innovativer Behandlungsmethoden sehr gut – vor allem dann, wenn die Krankheit früh genug entdeckt wird. Ärzte empfehlen daher auch die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust. „Das Risiko an Brustkrebs zu erkranken erhöht sich mit steigendem Alter und trifft vor allem Frauen ab 40. Ich empfehle Frauen dennoch schon in jungen Jahren, die Brust einmal monatlich selbst zu untersuchen. Diese Vorsorge ist nicht zu unterschätzen“, betont Primar Dr. Burghard Abendstein, Leiter der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Feldkirch. Nur so kann die Frau ein Gefühl für die Beschaffenheit der eigenen Brust entwickeln. „Wichtig ist zu begreifen, dass sich die Brust im Laufe des Zyklus verändert und nicht immer gleich ist“, erklärt er. Daher sollten sich Frauen einmal im Monat – wenn möglich immer am selben Tag nach der Monatsblutung – untersuchen, um Auffälligkeiten wie Knoten oder Veränderungen der Brustwarzen oder der Haut frühzeitig zu bemerken.

»Einen gesunden Lebensstil hat jede Patientin selber in der Hand: Viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können das Brustkrebsrisiko senken.“ Primar Dr. Burghard Abendstein

in Gedanken in vier Bereiche einzuteilen und jeden Bereich mit der flachen Hand systematisch abzutasten“, schildert Abendstein und ergänzt: „Im Bereich der Achselhöhle und dem Schlüsselbein kann die Patientin die Lymphabflusswege auf auffällige Knoten untersuchen.“ Die Tastuntersuchung soll sowohl im Stehen als auch im Liegen durchgeführt werden. Auch eine Veränderung der Brustwarze kann ein Warnzeichen sein. Dann sollte auf alle Fälle ein Arzt aufgesucht werden, da die Diagnose nur durch eine Gewebeprobe gesichert werden kann.

Richtige Technik hilft

„Eine Deformation der Brust weist oft auf einen Tumor hin. Die Patientin soll daher auch auf äußerliche Auffälligkeiten achten“, verdeutlicht der Gynäkologe. Treten beispielsweise Veränderungen der Haut auf, wenn die Arme mehrmals ganz langsam über dem Kopf angehoben werden oder verzieht sich die hängende Brust auf ungewohnte Art, wenn die Patientin den Oberkörper nach vorne beugt? „Es macht durchaus Sinn, die Brust

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BRUSTKREBS-FRÜHERKENNUNGSPROGRAMM

Frauen ab 40 Jahren können alle zwei Jahre kostenlos zur Früherkennungsmammografie gehen. Um eine hohe Qualität zu gewährleisten, werden die Bilder von zwei Radiologen unabhängig voneinander beurteilt.

Standpu nkte


Zugehört

Warnzeichen: Blut im Harn Von Blasenentzündung bis zum Tumor: Blut im Harn (Hämaturie) kann viele Gründe haben. Ist der Harn rötlich verfärbt, sollte der Patient daher sofort einen Arzt aufsuchen. Hämaturie kann ihren Ursprung in Niere, Harnleiter, Blase, Harnröhre oder Prostata haben. Dies war Thema bei einem MedKonkretVortrag von Prim. Prof. Dr. Andreas Reissigl, Urologie LKH Bregenz. Wer zu lange wartet, für den kann es mitunter zu spät sein. Denn in vielen Fällen ist dieses Symptom tatsächlich ein Warnzeichen für eine schwere Erkrankung. Je früher diese jedoch entdeckt wird, desto besser sind auch die Chancen auf Heilung. Bei der Hämaturie unterscheiden die Ärzte zwischen Mikro- und Makrohämaturie. Bei der Makrohämaturie ist das Blut mit freiem Auge sichtbar, bei der Mikrohämaturie kann es nur mit einer Harnanalyse festgestellt werden. Zudem gibt es eine schmerzlose und eine schmerzhafte Hämaturie. Gerade wenn diese schmerzlos ist, ist Vorsicht geboten, da meist ein Tumor dahintersteckt. Bei Schmerzen kann von Steinen oder Entzündungen ausgegangen werden. Was kann ich gegen häufige Blasenentzündungen unternehmen?

Häufig wiederkehrende Blasenentzündungen sind ein großes Problem, weil chronische Entzündungen die Ausbildung von Tumoren begünstigen können. Wichtig ist daher, eine Blasenentzündung richtig zu behandeln und einen Urologen aufzusuchen. Sie sollten viel

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Flüssigkeit zu sich nehmen und auf eine regelmäßige Blasenentleerung achten. Konzentrierte Preiselbeeren sind beispielsweise gut, da sie das Anhaften der Bakterien an der Blasenschleimhaut verhindern. Stimmt es, dass Entzündungen der Prostata zu Prostatakrebs führen können?

Ja, das eine kann das andere bedingen – Entzündungen sind zu vermeiden, da diese dann meistens das System Blase-Prostata betreffen. Was empfehlen Sie nierensteingeplagten Menschen?

Oft sind Lebensstilfaktoren für die Bildung von Steinen verantwortlich, also Überernährung, erhöhte Blutfett- und Cholesterinwerte, Diabetes, Gicht, Bewegungsmangel, Stress und zu wenig Flüssigkeit. Das sollte in jedem Fall medizinisch abgeklärt werden. Zudem muss sich der Arzt auch die Art der Nierensteine anschauen. Als Therapie kommen diätetische Maßnahmen infrage.

Nächste Veranstaltungen DI 13. DEZ 2016, 19 UHR DIE SEELE LEIDET, DER KÖRPER SCHMERZT PRIM. DR. GEORG WEINLÄNDER, PSYCHOSOMATIK FOYER MESSE DORNBIRN DI, 17. JAN 2017, 19 UHR DER MENSCH IN BILDERN – MRT IN DER MEDIZIN PRIM. DR. ANTONIUS SCHUSTER, RADIOLOGIE PANORAMASAAL LKH FELDKIRCH DI, 14. FEB 2017 MIT BLAULICHT INS KRANKENHAUS – 1X1 DER NOTFALLMEDIZIN PRIM. DR. REINHARD FOLIE DI, 14. MÄRZ 2017 HERZALARM PRIM. DR. MATTHIAS FRICK DI, 11. APRIL 2017 ES TRIFFT MICH DER SCHLAG PRIM. DR. PHILIPP WERNER Medizin zum Angreifen: Einmal monatlich beantworten medizinische Experten aus Vorarlberg Fragen zur Vorsorge, zum Erhalt der Gesundheit und liefern neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Zudem zeigen sie auf, an welche

Wie viel sollte man am Tag trinken, um dem Körper Gutes zu tun?

Stelle sich jemand im Fall einer Erkrankung

Urologen empfehlen eineinhalb Liter täglich zu trinken. Die Flüssigkeitsmenge sollte dabei auch an das Alter angepasst werden. Je älter, umso schwerer tut sich das Herz, die Flüssigkeit zu verarbeiten. Für die Nieren ist das kein Problem – aber das Herz leidet darunter.

Die Veranstaltung MedKonkret wird von

Zugehört

wenden kann.

den Vorarlberger Landeskrankenhäusern in Kooperation mit den Vorarlberger Nachrichten durchgeführt.

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Unter der Lupe

Die Zentralapotheke ist die einzige ihrer Art in Vorarlberg und befindet sich im LKH Feldkirch. Die Landeskrankenhäuser in Bludenz, Rankweil, Hohenems und Bregenz haben eigene Medikamentendepots.

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Unter der Lupe


Kaum ein Patient weiß um ihre Existenz in einem Krankenhaus: Die Zentralapotheke ist im LKH Feldkirch angesiedelt, 16 Mitarbeiter arbeiten dort. Zwar werden keine Medikamente an Patienten verkauft – aber mit ihrem Wissen um Arzneimittel helfen sie unzähligen Patienten und lindern ihre Krankheiten.

Gut und sicher versorgt D

er Weg zur Zentralapotheke führt im zweiten Untergeschoss durch weitläufige Gänge. Ihre hellen und großen Räumlichkeiten erstrecken sich auf knapp 700 m2 Fläche. „Wir haben hier insgesamt 2.300 verschiedene Arzneimittel lagernd, haben Labore und einen Reinraum, um Medikamente unter hygienisch einwandfreien Bedingungen selbst herzustellen. Zudem gibt es ein Analytik-Labor, um die hergestellten Arzneimittel zu prüfen“, erklärt Mag. Günther Graninger, Leiter der Apotheke, kurz die Arbeitsschwerpunkte. „Vielen Patienten ist jedoch nicht bewusst, dass wir keine öffentliche Apotheke sind. Wir liefern unsere Medikamente nur an die Stationen. Rezepte, die beispielsweise in der Ambulanz ausgestellt werden, können wir nicht einlösen“, betont er. Beratung und Information

Die Zentralapotheke ist die einzige Krankenhausapotheke im Land und sichert die medikamentöse Versorgung der Patienten aller fünf Vorarlberger Landeskrankenhäuser. Eine ihrer Hauptaufgaben ist der ökonomische Einkauf und die

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ordnungsgemäße Verteilung der Arzneimittel auf die Stationen. Welche Arzneimittel geordert werden, kann von den Apothekern aber nicht ohne weiteres selbst bestimmt werden. „Wir sind an eine Arzneimittelliste gebunden, die von unserer Arzneimittelkommission laufend aktualisiert wird“, erklärt Graninger. Diese Kommission setzt sich aus Ärzten, Apothekern und einem Vertreter der Gebietskrankenkasse zusammen. Damit ist gewährleistet, dass Arzneimittel nach wissenschaftlichen, aber auch ökonomischen Gesichtspunkten bestmöglich ausgewählt werden. Zudem stehen die Mitarbeiter in allen Fragen rund um die Arzneimitteltherapie gerne zur Verfügung, erläutert Graninger: „Wir sind der direkte Ansprechpartner für die Ärzte und das Pflegepersonal. Das heißt, wir beraten sie in allen Aspekten der Arzneimittelanwendung. Dabei geht es neben der Verfügbarkeit von Medikamenten auch um die Abklärung von Wechsel- und Nebenwirkungen.“ Das Personal steht sogar für externe Ansprechpartner (niedergelassene

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Ärzte, öffentliche Apotheken etc.) zur Verfügung. „Wir sind mit anderen Krankenhäusern außerhalb Vorarlbergs sehr gut vernetzt und haben viele Möglichkeiten, Informationen über elektronische Medien einzuholen. Anfragen zu Medikamenten können wir so rasch bearbeiten“, betont der Pharmazeut. Und das ist für eine optimale Behandlung besonders wichtig – denn nur durch eine gute Beratung können die Arzneimittel sicher und wirkungsvoll eingesetzt werden. Die Zentralapotheke im Landeskrankenhaus Feldkirch ist für die pharmazeutische Betreuung der anderen Vorarlberger Landeskrankenhäuser verantwortlich. In den vier Häusern in Bludenz, Rankweil, Hohenems und Bregenz gibt es lediglich Medikamentendepots, die als logistische Drehscheibe unter der Aufsicht der Zentralapotheke die Arzneimittel bestellen und an deren Stationen verteilen.

zur Entlassung mit oft neuen Medikamentenkombinationen – bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. „Wir unterstützen die Ärzte und das Pflegepersonal in ihren Entscheidungen, sind aber meist nicht direkt am Patientenbett tätig“, erklärt Graninger. So arbeitet mittlerweile seit mehr als fünf Jahren eine Apothekerin auf der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde und der Kinderintensivstation am LKH Feldkirch mit. Gerade in diesem Fachbereich müssen die Ärzte und Apotheker besonders individuell auf die kleinen Patienten eingehen. Neben der Auswahl und der Dosierung des Arzneimittels muss je nach Alter des Kindes auch nach Lösungen gesucht werden, wie diese dem kleinen Patienten verabreicht werden können.

tet das Krankenhaus, dass auch nach der Entlassung die Medikamententherapie ohne Unterbrechung weitergeführt werden kann. Individuelle Herstellung

Ein wichtiger Bereich der Krankenhausapotheke ist die Herstellung von unverzichtbaren Arzneimitteln, die über Pharmaunternehmen nicht erhältlich sind. „Für die Dermatologie stellen wir unterschiedliche Salben in größerer Menge her, für die Augenheilkunde Augentropfen. Auch die Kinderheilkunde ist ein Fachbereich, für den wir häufig Arzneimittel erzeugen“, so der Apotheker. Gerade die medikamentöse Behandlung von Neu- und Frühgeborenen stellt die Herstellungsabteilung der Zentralapotheke immer wieder vor große Herausforderungen, erklärt Graninger: „Dabei suchen wir nach Möglichkeiten, wie wir die niedrig dosierten Arzneimittel in Form von Lösungen oder Pulverzubereitungen den Neu- und Frühgeborenen verabreichen können.“

Alle Schritte der medikamentösen Therapie – von der Aufnahme des Patienten über die Verordnung, Bereitstellung und Verabreichung von Arzneimitteln bis hin

Die Betreuung durch die Zentralapotheke geht aber noch weiter: Muss ein Patient ein schwer verfügbares oder spezielles Arzneimittel einnehmen, setzt sich die Krankenhausapotheke mit der Apotheke in der Nähe des Wohnortes des Patienten in Verbindung. So gewährleis-

Mag. Günther Graninger leitet seit 2014 die Zentralapotheke.

Ärzte, Pfleger und Apotheker sorgen gemeinsam für eine sichere medizinische Versorgung.

Näher am Patienten

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Unter der Lupe

Außerdem stellt die Zentralapotheke auch so genannte Zytostatika her. Das


Die Zytostatika werden im Reinraum hergestellt.

1200 Anfragen zu Arzneimittel bearbeitet das Team jedes Jahr

27500 Medikamente erzeugen sie jährlich

4000 Zytostatikazubereitungen (Medikamente zur Krebsbehandlung) stellen die Mitarbeiter unter hohen Hygienevorschriften her.

Auch Salben und Augentropfen stellen die Mitarbeiter selber her.

sind Arzneimittel, die bei Krebserkrankungen eingesetzt werden. Hierfür hat das Krankenhaus einen Reinraum eingerichtet, in dem die individuellen Zytostatikalösungen hergestellt werden. Nur durch eine Schleuse und mit Schutzbekleidung kann dieser Raum betreten werden. Der Umgang mit den Arzneimitteln, die bei Krebstherapien eingesetzt werden, erfordert höchste Sorgfalt. „Diese Medikamente stellen wir immer in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten her. Aus der Art der Erkrankung und dem Allgemeinzustand (Leber- und Nierenwerte) des Patienten ergibt sich die Dosierung des Zytostatikums, das in der Apotheke unter hohen Anforderungen an die Qualität hergestellt wird“, erklärt Graninger. Diese Leistung ist für die Zentralapotheke eine große Herausforderung, bei der ein spezielles Know-how und eine spezialisierte Ausbildung der Mitarbeiter gefragt sind.

bewusst. Um diese Versorgung aufrecht zu erhalten, sind von Seiten der Apotheke oft große Anstrengungen notwendig. „Es ist nicht selbstverständlich, dass Medikamente nachgeliefert werden. Alleine im Jahr 2015 haben wir 275 Lieferprobleme bearbeitet“, berichtet Graninger. Zwar kommt der Großteil der eingesetzten Arzneimittel von Pharmaunternehmen, die ihre Niederlassung in Österreich haben, es werden aber auch viele Arzneimittel aus dem Ausland importiert. „Wir verstehen uns als internationale Apotheke“, betont Günther Graninger abschließend.

Zuverlässige Versorgung

Die Zentralapotheke kümmert sich um die lückenlose Arzneimittelversorgung. Dies ist den Patienten jedoch oft nicht

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INSERAT

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LKH Kompakt

Kurz und knapp

Feierlicher Abschluss der Diplomausbildung in der Psychiatrischen Pflegeschule Rankweil Welt-Herz-Tag: Fortbildung für Fachpflege Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 17 Millionen Menschen an den Folgen eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarkts. In Österreich sind 45 Prozent aller Todesfälle darauf zurückzuführen. Schätzungen prognostizieren einen weiteren Anstieg, obwohl 80% der Todesfälle durch die Änderung des Lebensstils in Richtung gesunde Lebensweise vermieden werden könnten. Aus diesem Grund sollen Menschen rund um den Globus Ende September mit dem Welt-Herz-Tag auf die Krankheiten aufmerksam gemacht werden. In Vorarlberg organisierte das engagierte Pflegeteam der Herzüberwachungsstation am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch eine Fachfortbildung zum Thema Kardiologie. Insgesamt 110 Interessierte folgten den Vorträgen von Medizinern und Pflegefachkräften und informierten sich über die neuesten Trends in Medizin und Pflege von herzkranken Menschen. 22

Mit Stolz haben insgesamt 27 Pflegekräfte ihre Ausbildung mit dem psychiatrischen Gesundheits- und Krankenpflegediplom abgeschlossen. Dass der Beruf Zukunft hat, zeigt sich an den künftigen Wegen der Absolventen: Zehn von ihnen erhielten im Landeskrankenhaus Rankweil sofort eine Anstellung, drei vertiefen ihre Ausbildung an der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik in Tirol. Die restlichen Absolventen starten ihr Berufsleben in anderen extramuralen Bereichen (z. B. ambulante Pflege).

Die Abteilung Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge informiert:

RENN! E I IZ NF RETTE I S DE EN E ND EB HÄ NN L KA LKH Kompakt


LKH sind Ausbildungspartner von Medizinischen Universitäten

Gute Jobchancen mit Diplom

Praxis sammeln und das Wissen der Ausbildung vertiefen: Studierenden der Medizinischen Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck stehen für ihr klinisch-praktisches Jahr (KPJ) insgesamt 84 Ausbildungsstellen an den Vorarlberger Landeskrankenhäusern zur Verfügung. Von der Pulmologie (Lungenheilkunde) über Neurologie, Kinder- und Jugendheilkunde bis hin zur Anästhesie und Intensivmedizin stehen den Nachwuchsärzten alle Bereiche im Krankenhaus zur Ausbildung offen. Sie werden von Fachärzten sowie Ärzten in Facharztausbildung geschult. Zudem sind an den Lehrkrankenhäusern Koordinationsstellen eingerichtet, die für alle Fragen der KPJ-Studenten zuständig sind und sie betreuen. Ziel ist es auch, den persönlichen Kontakt dafür zu nutzen, die Studenten auf die Turnusarztstellen aufmerksam zu machen.

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Rund 40 diplomierte Krankenschwestern und Krankenpfleger feierten ihren Abschluss der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Feldkirch. Von den 34 Diplomandinnen und 6 Diplomanden hatten zwei ursprünglich die Pflegehilfe-Ausbildung absolviert und sich danach für eine Fortsetzung des Studiums entschieden. Nun sind sie zur Pflege und Betreuung von Menschen aller Altersstufen bei körperlichen Erkrankungen berechtigt. Mehr als die Hälfte der Absolventen wird die berufliche Laufbahn in den Vorarlberger Landeskrankenhäusern beginnen.

LKH Kompakt

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Gemeinsam den Notfall proben Wie einfach es ist, Menschen zu sensibilisieren und ihnen zu demonstrieren, dass Erste Hilfe wichtig ist, zeigte das LKH Bludenz am „European Restart a Heart Day“ im Oktober. In Kleingruppen übten Schüler des BORG Bludenz gemeinsam mit Ärzten und Diplompflegern Erste Hilfe-Maßnahmen an Reanimationspuppen. „Es ist mir ein besonderes Anliegen, mit diesem wichtigen Thema auf Jugendliche zuzugehen. Es kam schon vor, dass Schüler ihren Lehrern das Leben gerettet haben“, betont Andreas Schnetzer, Oberarzt für Innere Medizin im LKH Bludenz und Initiator des Projekts. Dass jeder Leben retten kann, verdeutlichten die Schüler in der Aula des Landeskrankenhauses: Sie zeigten, wie eine Herzdruckmassage richtig durchgeführt wird. An diesem Tag wurde nicht nur das Wissen der Schüler aufgefrischt, sondern sie erhielten auch einen Einblick in die Abläufe der Akutversorgung von Patienten im Spital.

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Wasser marsch! Großübung mit der Feuerwehr Es ist neun Uhr morgens, das Dach des Bettenturmes West im LKH Feldkirch steht in Flammen. Die starke Rauchentwicklung im 4. Stock sowie die Löscharbeiten und der Wassereintritt auf der Station erfordern ein rasches Eingreifen der Feuerwehr. Mit dieser Ausgangssituation startete die groß angelegte Räumungsbzw. Evakuierungsübung der Feuerwehren innerhalb des Spitals gemeinsam mit den Mitarbeitern des LKH Feldkirch. Bei der Simulation des Katastrophenereignisses wurden 64 Patienten aus einer Station – allesamt Statisten der Pflegeschule Feldkirch – evakuiert und ins Feuerwehrausbildungszentrum in Altenstadt gebracht. Rund 250 Personen waren bei der Übung im Einsatz. Neben der Evakuierung übte auch der alarmierte Krisenstab (Chefarzt, Pflegedirektor, Verwaltung und sonstige Einsatzleiter) gemeinsam mit den Feuerwehren, wie sie im Falle eines solchen Notfalls vorgehen sollen. „Wir bedanken uns bei allen Beteiligten, dass solche wichtige Trainings möglich sind und abgehalten werden. Nur so können wir uns auf einen tatsächlichen Ernstfall vorbereiten“, so Dir. Dr. Gerald Fleisch von der Vlbg. Krankenhaus-Betriebsgesellschaft. LKH Kompakt

Vorarlberger Landeskrankenhäuser jetzt auf Facebook Patienten, Mitarbeiter und Freunde der Vorarlberger Landeskrankenhäuser haben seit diesem Herbst die Möglichkeit, mit den Landeskrankenhäusern über Facebook direkt in Kontakt zu treten. Neben spannenden Informationen, Hintergrundberichten und Neuigkeiten aus unseren Häusern erfahren Sie in regelmäßigen Abständen auch alles über aktuelle Veranstaltungen. Ein eigens gegründetes Facebook-Redaktionsteam, bestehend aus Mitarbeitern aller Vorarlberger Landeskrankenhäuser, kümmert sich um den Inhalt und die Pflege des Facebook-Auftritts. „Wir möchten die Vorarlberger mit diesem neuen Kommunikationskanal direkt erreichen“, betont Mag. Ulrike Delacher, MSc, Leiterin der Unternehmenskommunikation. Besuchen Sie uns unter facebook.com/landeskrankenhaus


Dr. Johannes Hefel, Vorstandsmitglied Hypo Landesbank Vorarlberg

Hypo Wunschbaum Seit Mitte 2014 durfte die Hypo Vorarlberg dank der Vorschläge ihrer Kundinnen und Kunden Spenden im Wert von EUR 400.000,– realisieren. Der Hypo-Wunschbaum erinnert in der Weihnachtszeit an den ganzjährigen Spendenfonds „Hypo für Vorarlberg – Helfen. Fördern. Bewegen“ mit dem die Hypo Vorarlberg gemeinnützige Initiativen unterstützt. In den vergangenen zwei Jahren hat die Bank insgesamt mehr als 40 Familien und Einzelpersonen, die durch einen Schicksalsschlag außergewöhnlich belastet waren, finanziell unterstützt. So konnte unter anderem einem Familienvater geholfen werden, der aufgrund einer Krankheit sein Haus barrierefrei umbauen musste. Eines der gemeinnützigen Projekte ist die Hippotherapie für Kinder und Erwachsene in der Propstei St. Gerold. Das therapeutische Reiten wirkt bei Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems, Multipler Sklerose, Querschnittslähmungen oder Muskel- bzw. Stoffwechselerkrankungen.

Auch kommendes Jahr stellt die Bank erneut einen Teil ihres erwirtschafteten Erfolgs für karitative Organisationen, unverschuldet in Not geratene Personen und Familien, Umweltund Klimaschutzinitiativen sowie Kulturvereine zur Verfügung. Übermitteln Sie Ihren Spendenwunsch auch während des Jahres auf der Hypo Website oder in einer Hypo Filiale. Achtsam verwaltet ein ehrenamtliches Kuratorium den Fonds und beurteilt, welche der eingegangenen Vorschläge als Spende realisiert werden und somit als Wunsch in Erfüllung gehen. Einreichungen online unter: spenden.hypovbg.at Verantwortung für die Region.

Wir beraten Sie persönlich. Mit viel Erfahrung, Engagement und flexiblen Lösungen. Ihre Beraterinnen und Berater der Hypo Vorarlberg.

Kleine und große Wünsche erfüllen

„Wie in den vergangenen beiden Jahren möchten wir vor allem im Advent unsere Verantwortung für die Menschen in der Region zum Ausdruck bringen. Anstelle von Weihnachtsgeschenken für unsere Kundinnen und Kunden sowie unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen wir gemeinnützige Projekte“, so Dr. Johannes Hefel, Vorstandsmitglied der Hypo Vorarlberg.

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Grenzenlos

»Die Krankenschwester wurde entlassen und der Arzt war nur wenige Stunden pro Woche da. Also musste ich von heute auf morgen die Station übernehmen, sonst wäre sie geschlossen worden.« 26

Grenzenlos


Schwesternliebe Mit Herz, Verstand und immenser Tatkraft setzt sich Julia Spettel für die Kinder Lateinamerikas ein. Erst lebte und arbeitete die Kinderkrankenschwester selbst in Peru und Mexiko, jetzt koordiniert sie neben ihrem Beruf im LKH Bregenz Hilfsaktivitäten der Organisation „Nuestros Pequeños Hermanos“ vom Ländle aus. Den damit verbundenen Reisen zu „ihren Kindern“ blickt Spettel immer sehnsüchtig entgegen.

Ein Zuhause in den Anden

Z

wei Dinge wusste Julia Spettel schon immer. Erstens, dass sie einmal Kinderkrankenschwester werden würde. Und zweitens, dass sie Menschen im Ausland helfen möchte. So kam es, dass sie im Sommer 2013 mit 25 Jahren für „Nuestros Pequeños Hermanos“ (NPH) nach Peru ging. Im Fokus des Kinderhilfswerks liegt Lateinamerika. In den meisten dieser Länder existiert kein oder zumindest kein staatliches Gesundheitssystem, dafür gibt es lange Wartelisten. „Es kann Jahre dauern, bis ein MRT gemacht wird, man muss auf ein freies Bett im Spital warten, bevor man operiert werden kann, und für Arzttermine heißt es in aller Frühe anstehen“, schildert Spettel. Darum sei Unterstützung aus dem Ausland so wichtig: „Denn in dringenden Fällen, wenn das Leben in Gefahr ist oder bei starken

Schmerzen, sucht NPH mit den Kindern ohne Umwege private Gesundheitseinrichtungen auf.“ Dies werde nur durch internationale Spenden ermöglicht.

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Sprung ins kalte Wasser

Im Andenstaat angekommen, gab es nach einem Spanisch-Crash-Kurs in Lima erst einmal einen Kulturschock: Das Kinderdorf, das nun ihr Zuhause sein sollte, lag in einem Wüstengebiet, es war sandig, kahl, Hunde streunten herum, der Strom war ausgefallen. „Ich bin schon erschrocken“, gibt Julia Spettel zu, aber das habe sich schnell gegeben: „Dann hab ich es geliebt“. Nach kurzer Eingewöhnung im Kinderdorf und am neuen Arbeitsplatz, der Krankenstation, folgte für die Vorarlbergerin der Sprung ins eiskalte Wasser: „Die Krankenschwester wurde entlassen und der Arzt war nur wenige Stunden pro Woche da. Also musste ich von heute auf 27


morgen die Station übernehmen, sonst wäre sie geschlossen worden.“ Von da an begann ihr Tag um fünf Uhr früh und dauerte bis spät in die Nacht. „Die Kinder haben viele Erkrankungen und Beschwerden“, berichtet die Krankenschwester. Schlechte Zähne, Hautkrankheiten, Platzwunden, Gastritis, Parasiten und durch das feucht-kalte Klima sogar Rheuma. Zudem leben viele psychisch kranke Kinder in den Kinderdörfern, die Medikamente benötigen. Drei Monate lang kümmerte sich Spettel um Arztbesuche und Spitalsaufenthalte, brachte die Krankenstation wieder auf Vordermann und betreute liebevoll ihre kleinen Patienten – wenn es sein musste rund um die Uhr. Schwerer Abschied

Bei all den berührenden Momenten, die Julia Spettel in dieser Zeit fast täglich er-

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lebte und dem innigen Verhältnis zu den Kindern fiel der Abschied von Peru nicht leicht. Doch die junge Frau wurde noch in Mexiko gebraucht. Unter anderem in Miacatlán, wo NPH in den 70ern das erste Kinderdorf aufgebaut hat und heute 600 Kinder und Jugendliche wohnen. Dort arbeitete sie als Freiwilligenkrankenschwester und machte sich aufgrund der hohen Rate jugendlicher Schwangerschaften für Aufklärungsunterricht und Sexualkunde stark. Im Herbst 2015 kehrte Julia Spettel schließlich ins Ländle zurück – ein neuerlicher Kulturschock. Sie habe sich an vieles erst wieder gewöhnen müssen, erzählt sie: ans Essen, an die Sprache, an die Preise im Supermarkt. „Auch daran, dass bei uns vieles verschwendet wird, was man drüben so dringend benötigen

Grenzenlos

»Es kann Jahre dauern, bis ein MRT gemacht wird, man muss auf ein freies Bett im Spital warten, bevor man operiert werden kann, und für Arzttermine heißt es in aller Frühe anstehen.« Julia Spettel


3500 Mädchen und Buben leben derzeit in den NPH-Kinderdörfern.

18.300 Kinder sind seit der Gründung von NPH in den Kinderdörfern aufgewachsen und haben eine Ausbildung abgeschlossen

100.000 Menschen in Not werden jedes Jahr von NPH unterstützt

NUESTROS PEQUEÑOS HERMANOS – „UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN“

Das christliche Kinderhilfswerk wurde 1954

würde.“ Am meisten gefreut habe sie sich neben dem Wiedersehen mit ihrer Familie auf sauberes Wasser.

vom US-amerikanischen Priester William Wasson in Mexiko

Wenig später hat die Krankenschwester ihren Dienst in der Pädiatrie am LKH Bregenz angetreten. NPH hat sie außerdem als regionale medizinische Koordinatorin für Mexiko, Nicaragua, El Salvador und Bolivien ins Team geholt. Dieser Tätigkeit geht Julia Spettel in ihrer Freizeit nach. Der Urlaub wird für Reisen durch diese Länder genutzt, um vor Ort wertvolle Hilfe leisten zu können. Diesen November fliegt sie neuerlich nach Peru – zurück zu „ihren Kindern“.

viel Liebe, Medizin, Mahlzeiten, Kleidung und Ausbildung

gegründet. Seither versorgt NPH verlassene und verwaiste Kinder mit allem, was sie zum Großwerden brauchen: in eigenen Schulen und Lehrwerkstätten. Mittlerweile unterhält die internationale Organisation zehn Kinderdörfer in neun lateinamerikanischen Ländern. Büros gibt es in Nordamerika, Neuseeland und Europa. Freiwillige Mitarbeiter, Spenden und Patenschaften bilden das Fundament der Arbeit von NPH. Mehr Infos: www.nph-oesterreich.org

ZUR PERSON Julia Spettel (28) aus Langen bei Bregenz * Ausbildung zur Kinderkrankenschwester in Innsbruck, anschließend in Salzburg und Wien tätig * 2013 bis 2015 als Freiwillige in Kinderdörfern von „Nuestros Pequeños Hermanos“ in Peru und Mexiko * Arbeitet seit ihrer Rückkehr 2015 am LKH Bregenz sowie nebenberuflich als Koordinatorin für NPH * Hobbys: Musik, Bücher, Spaziergänge.

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Zur Gaude

LKH-Lesetipp

MediQuiz Testen Sie Ihr Wissen rund um Erste Hilfe und Notfallmedizin. 1 2 3 4 5 6

Über welche Notfall-Nummer erreichen Sie die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle und welche Informationen müssen Sie angeben? Bei Atem-Kreislauf-Stillstand müssen Herzdruckmassage und Beatmung durchgeführt werden. Auf wie viele Massagen sollten dabei wie viele Beatmungen folgen? Bei der Herzdruckmassage sind 100 Schläge in der Minute ideal. Mit welchem Song kann sich der Ersthelfer den Rhythmus leicht merken? Bei einem Schlaganfall ist schnelles Handeln gefragt: Betroffene sind innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nach Auftreten der Symptome im Spital zu behandeln. Wie viel Zeit sollte maximal vergehen? Wofür haben die Vorarlberger Landeskrankenhäuser das Manchester Triage System eingeführt? Nach welchem Schema geht das Notfallteam bei der Übergabe durch den Notarzt vor?

Daniel Kahnemann Schnelles Denken, Langsames Denken Siedler Täglich wägen wir ab, treffen Entscheidungen und fällen Urteile. Doch wie funktioniert unser Gehirn dabei? In dem Buch „Schnelles denken, langsames Denken“ werden unsere Denkprozesse beschrieben und analysiert. Der Autor Daniel Kahnemann legt dar, wie unser Gehirn durch unvollständige oder falsche Informationen zu voreiligen Schlussfolgerungen kommen kann. Der Nobelpreisträger gilt als einer der einflussreichsten Wissenschaftler unserer Zeit und liefert spannende Beispiele und auch interessante Tipps, wie wir diese Prozesse aktiv beeinflussen können und worauf bei Entscheidungsfindungen geachtet werden soll. Ich empfehle das Buch all jenen Lesern, die sich für die Funktionsweise des Gehirns interessieren und lernen möchten, wie wir Urteile fällen und Probleme lösen.

Die Lösungen finden Sie am Ende der Seite.

LKHaha #02

1. Nummer 144. Wer meldet das Ereignis? Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte/Erkrankte? Welche Art der Verletzung oder Erkrankung liegt vor? // 2. Das richtige Verhältnis lautet dabei 30:2. Zuerst wird 30 Mal massiert, dann zwei Mal beatmet, wieder 30 Mal massiert usw. // 3. „Stayin‘ alive von Bee Gees oder auch „Atemlos“ von Helene Fischer // 4. Bei einem Schlaganfall ist eine Spitalsbehandlung innerhalb der ersten drei Stunden nach Auftreten der Symptome entscheidend. // 5. Damit die Patienten in der Ambulanz schnell und verlässlich nach Dringlichkeit der Behandlung eingeteilt werden können. // 6. ABCDE-Schema: Untersuchung der Atemwege – Beatmung – Kreislauf – neurologische Untersuchung – chirurgische Untersuchung und Aufwärmen des Patienten. Dadurch ist eine einheitliche und klare Kommunikation zwischen den Ärzten und dem Pflegepersonal möglich.

A:

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Zur Gaude

Von Dr. Gabriele Hartmann, MPH ärztliche Leiterin des Hygieneinstituts, LKH Feldkirch


Drei Fragen an…

Gesundheitslandesrat Dr. Christian Bernhard

Vorarlberg verfügt über eine hervorragende, flächendeckende Gesundheitsversorgung, die sich medizinisch wie pflegerisch durch höchste Qualität auszeichnet. Dennoch wird der Ruf nach notwendigen Strukturreformen immer lauter. Was sind die Gründe dafür? Die Herausforderungen sind vielfältig. Entscheidende Faktoren, die Strukturreformen bedingen, sind die zunehmend höher werdenden Anforderungen an die Qualität der Leistungserbringung, die Ärzteausbildungsreform, das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz und die finanziellen Entwicklungen. Der in Entwicklung befindliche neue Österreichische Strukturplan Gesundheit sieht Versorgungsabstufungen vor; es soll nicht mehr überall alles erbracht werden könne. Zum Beispiel sind schwere Operationen nur noch in Abteilungen mit Schwerpunktfunktionen durchführbar, die ständige Anwesenheit von Fachärzten aus verschiedenen Disziplinen wird gefordert. Das können kleinteilige Organisationseinheiten nicht mehr erfüllen. Kleinteilige Organisationseinheiten sind aber auch für die neue Ärzteausbildung nachteilig. Da die Ausbildungsstellen abhängig sind von Fallzahlen, kann dies bei

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den vorhandenen Strukturen nicht nur zu einer Reduktion von Ausbildungsstellen führen, sondern auch dazu, dass nicht alle Ausbildungsmodule angeboten werden können. Damit werden wir weniger attraktiv für junge Ärztinnen und Ärzte. Das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz hat zu kürzeren Arbeitszeiten, zu mehr Ruhezeiten geführt, was Personalaufstockungen und eine Gehaltsreform zur Folge hatte. Work Life Balance, Teilzeitbeschäftigung, steigender Frauenanteil bei den Ärzten, gute Ausbildungsplätze und Forschungsmöglichkeiten sind berechtigte Erwartungen der jungen Generation. Aber die Folge darf nicht verschwiegen werden: Die zusätzlich erforderliche Anzahl an Ärzten und Ärztinnen ist in Österreich bei gleichbleibenden Strukturen nicht vorhanden. Weiters hat sich der von Land und Gemeinden zu finanzierende Spitalsabgang in den Jahren von 2011 bis 2015 um ca 70% erhöht, nämlich von 108 Mio auf 183 Mio Euro. Welcher private Haushalt kann Ausgabensteigerungen von 70% in 5 Jahren verkraften? Zusammenfassend gilt: Um eine nachhaltige, qualitativ hochwertige medizinische wie pflegerische Versorgung effizient und finanziell leistbar aufrecht zu erhalten, sind unter den gegebenen Aspekten Strukturreformen notwendig. Und was bedeutet das für die Patientinnen und Patienten, für die Gesundheitsversorgung im Land? Vorarlberg weist gemessen an seiner Fläche und Bevölkerungsanzahl eine sehr hohe Dichte an Akutkrankenanstalten in Bregenz, Dornbirn, Hohenems, Rankweil, Bludenz und mit dem Schwerpunkt-

3 Fragen an

krankenhaus in Feldkirch auf. Die Krankenhäuser sind durchwegs nur 10 bis 15 Fahrminuten voneinander entfernt. Wenn diese Dichte erhalten werden soll, ist es aus Qualiätsgründen sinnvoll, Schwerpunkte zu setzen, die Kleinteiligkeit mancher Organisationsstrukturen sind zu überwinden. Nur dadurch kann beste Qualität durch hohe Leistungsfrequenzen erreicht werden. Mir ist es wichtiger, dass Vorarlberger Patientinnen und Patienten auch in der Zukunft eine umfassende medizinische Versorgung auf höchstem Qualitatsniveau im eigenen Land vorfinden, als dass sie ein paar Minuten weniger lang zur nächsten in Frage kommenden Abteilung fahren. Wer zieht in Zeiten der Mobilität nicht klar die Qualität vor? Muss daneben nicht auch der niedergelassene Bereich, die ausreichende Versorgung an Haus- und Fachärzten mitgedacht werden, um die Akutkrankenanstalten im Ambulanzbereich zu entlasten? Das ist ein ganz wichtiger Aspekt einer umfassenden medizinischen Versorgung. In der neuen Vereinbarung zwischen Bund und Ländern wird vorgesehen, dass die Primärversorgung und die multiprofessionellen und interdisziplinären Versorgungsangebote im niedergelassenen Bereich ausgebaut werden. Damit verbunden ist eine Verbesserung der Zugänglichkeit durch längere Öffnungszeiten, insbesondere auch an Tagesrandzeiten und gegebenenfalls am Wochenende. Hierfür sollen auch erhebliche zusätzliche Finanzmittel bereit gestellt werden.

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Helfen. Fördern. Bewegen. WIR UNTERSTÜTZEN.

Um eine nachhaltig wertvolle Entwicklung für unseren gemeinsamen Lebensraum zu schaffen, hat die Hypo Landesbank Vorarlberg seit 1. Juli 2014 einen Spendenfonds für gemeinnützige Initiativen eingerichtet. Unter dem Namen „Hypo für Vorarlberg – Helfen. Fördern. Bewegen.“ werden mit diesen Mitteln soziale Initiativen, aber genauso Projekte aus den Bereichen Wissenschaft, Bildung sowie Kultur unterstützt. Einreichungen online unter: spenden.hypovbg.at

Hypo Landesbank Vorarlberg 17x in Vorarlberg sowie in Wien, Wels, Graz und St. Gallen www.hypovbg.at 32

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Das Patientenmagazin der Vorarlberger Krankenhäuser, Ausgabe #8

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