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04-07 W  enn die Mehrheit zur Minderheit wird Welche Konsequenzen hat das negative Stimmgewicht für die Politik? 08-09 D  er Untergang im „Silbersee“ Warum geht dem Kunstmusikbetrieb der Nachwuchs aus?

Medium für Zwischenfragen der Zeppelin Universität

10-11 V  erdrängen, Verdecken und Verschweigen Wie geht die Klassik mit demPublikumsschwund um? 12-15 D  er lange Schatten der Stasi Weshalb ist Vertrauenskapital für die Wirtschaft so wichtig? 16-19 W  ie wenig wir über Wirtschaft wissen Welche Folgen hat dies für den Konsumenten? 20-23 Ö  ffnet die Daten-Bestände! Wie können mehr amtliche Informationen den Bürgern helfen? 24-27 W  ie Deutschlands nächste

Unternehmergeneration denkt

Was halten Firmennachfolger von Werten, Bildung, Karriere und gesellschaftlichem Engagement? 28-29 Was Experten wirklich wissen Warum sind Fachleute mehr denn je gefragt? 30-33 D  ie Vermessung von Sozialunternehmen

in Deutschland

W  eshalb boomen Geschäftsmodelle ohne Gewinnabsicht?

34-37 V  on Marken und Managern,

Gott und Gemeinderäten

Worüber forschen Studierende?

38-41 E  in Magazin als künstlerisches Experiment Warum und in welcher Form konzipierte Ruediger John diese Publikation?

Macht und Mitsprache

ISSN 21927979

42-85 Was weiter wichtig war Die ZU 2009-2011

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Ausgabe #01 ISSN 2192-7979 Deutschland 6 EUR Schweiz 8 CHF Europa 8 EUR


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04-07 W  enn die Mehrheit zur Minderheit wird Welche Konsequenzen hat das negative Stimmgewicht für die Politik? 08-09 D  er Untergang im „Silbersee“ Warum geht dem Kunstmusikbetrieb der Nachwuchs aus? 10-11 V  erdrängen, Verdecken und Verschweigen Wie geht die Klassik mit demPublikumsschwund um? 12-15 D  er lange Schatten der Stasi Weshalb ist Vertrauenskapital für die Wirtschaft so wichtig? 16-19 W  ie wenig wir über Wirtschaft wissen Welche Folgen hat dies für den Konsumenten? 20-23 Ö  ffnet die Daten-Bestände! Wie können mehr amtliche Informationen den Bürgern helfen? 24-27 W  ie Deutschlands nächste

Unternehmergeneration denkt

Was halten Firmennachfolger von Werten, Bildung, Karriere und gesellschaftlichem Engagement? 28-29 Was Experten wirklich wissen Warum sind Fachleute mehr denn je gefragt? 30-33 D  ie Vermessung von Sozialunternehmen

in Deutschland

W  eshalb boomen Geschäftsmodelle ohne Gewinnabsicht?

34-37 V  on Marken und Managern,

Gott und Gemeinderäten

Worüber forschen Studierende?

38-41 E  in Magazin als künstlerisches Experiment Warum und in welcher Form konzipierte Ruediger John diese Publikation?

Macht und Mitsprache

42-85 Was weiter wichtig war Die ZU 2009-2011


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Wenn die Mehrheit zur Minderheit wird Welche Konsequenzen hat das negative Stimmgewicht f端r die Politik?


5 _Zwischenfrage an Joachim Behnke: Welche Konsequenzen sollte die Politik aus den Forschungsergebnissen ziehen? „Sie sollte endlich lernen, das Risiko ­eines Mehrheitswechsels aufgrund von Überhangmandaten, das zu erheblichen Legitimationsproblemen führen würde, nicht mehr zu unterschätzen und zu verharmlosen.“

Bis zum Juni 2011 hatte das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zum sogenannten negativen Stimmgewicht der Politik aufgetragen, dieses zu korrigieren. Grund: Da es seiner Ansicht nach bei Wahlen zu „willkürlichen Ergebnissen“ führe und „widersinnig“ sei. Die Politik ließ allerdings die gesetzte Frist verstreichen. Ebenfalls aus der Sicht von Wissenschaftlern wie ZUProfessor Dr. Joachim Behnke besteht die Notwendigkeit einer Reform des Wahlrechts, damit es zu keiner Verfälschung des Wählerwillens kommt. Beim negativen Stimmgewicht handelt es sich um den Effekt, dass eine Partei mehr Sitze erhalten kann, wenn sie weniger Stimmen erhält – und umgekehrt. Ursache für den Effekt sind die Überhangmandate. Denn der Effekt des negativen Stimmgewichts findet auf der Ebene der sogenannten Unterverteilung statt, wenn die Mandate, die einer Partei bundesweit insgesamt zustehen, auf die einzelnen Landeslisten verteilt werden. Wenn nun eine Partei in einem Bundesland, in dem sie Überhangmandate erhält, etwas weniger Stimmen gehabt hätte, dann hätte dies zur Folge, dass in der internen V ­ erteilung ein Sitz zum Beispiel von Baden-Württemberg nach Niedersachsen wandert. Da aber wegen der Über­­hangmandate die Partei in Baden-Württemberg keinen Sitz weniger erhält, bekommt sie insgesamt sogar einen Sitz mehr, obwohl sie insgesamt weniger Stimmen erhalten hat. Der Effekt des negativen Stimmgewichts tritt also als Folge des Umstands auf, dass Überhangmandate nicht durch entsprechende Zweitstimmenkontingente abgedeckt sind. Eine Reform des Wahlgesetzes, die das Problem des negativen Stimmgewichts an der Wurzel anpacken und auf diese Weise beseitigen möchte, muss daher logischerweise bei den Überhangmandaten ansetzen.

Warum besteht Handlungsbedarf? Den Begriff der Überhangmandate kannten vor wenigen Jahren nur politische Insider. Doch seitdem sich im Bundestag wie auch in den Landtagen immer stärker Fünf-Parteien-Parlamente etabliert haben, ist er zunehmend ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Denn Überhangmandate sind zu einem Problem geworden. Überhangmandate können zunehmend darüber entscheiden, welche Bündnisse in den Parlamenten die Mehrheit stellen – unabhängig vom eigentlichen Wählerwillen und Wahlausgang. Dank Überhangmandaten können Minderheiten zur Mehrheit werden und Mehrheiten in die Minderheit geraten. Unabhängig von dem Urteilsspruch zum negativen Stimmgewicht ist daher eine Reform des Wahlgesetzes notwendig, die das wesentlich größere und schwerwiegende Problem der Überhangmandate ins Visier nimmt. Zudem gibt es noch ein Verfassungsgerichtsurteil aus dem Jahr 1997, in dem das Bundesverfassungsgericht schon erkannt hatte, dass ein „Handlungsauftrag“ an das Parlament bestünde, wenn die Überhangmandate regelmäßig in größerer Zahl aufträten. Da genau dies inzwischen der Fall ist, hält diese Reform auch Joachim Behnke, Inhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, für dringend angeraten.


6 _Zwischenfrage an Joachim Behnke: Welche gegenteiligen Meinungen oder Studien zu diesem Thema kennen Sie? „Natürlich diejenigen der Politiker, deren Interessen eine Abschaffung der Überhangmandate entgegenstehen, also z. B. von Volker Kauder oder Günter Krings (beide CDU).“

Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich in: Behnke, Joachim (2011): Grundsätzliches zur Wahlreformdebatte. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 2011/4, 14-21 › Joachim Behnke


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Wie entstehen Überhangmandate? Überhangmandate entstehen insbesondere dann, „wenn eine Partei mit weniger als 50 Prozent der Zweitstimmen in einem Bundesland annähernd alle Direktmandate in diesem Bundesland gewinnen kann“, erläutert Behnke. Das bedeutet: Sie erhält durch die gewonnenen Direktmandate mehr Sitze im Parlament, als ihnen laut Zweitstimmenergebnis eigentlich zustünden. Bei der letzten Bundestagswahl im September 2009 hätte dies beinahe zu einem grotesken Ergebnis geführt: CDU/CSU und FDP hätte aufgrund der Überhangmandate ein Ergebnis von gerade einmal 45 Prozent der Stimmen zum Wahlsieg gereicht. Aber auch so führte das Wahlergebnis zu einer nie dagewesen Flut von Überhangmandaten: Es gab den Rekordwert von 24 Überhangmandaten, 21 davon für die CDU und drei für die CSU. Behnke: „Überhangmandate sind also mehr denn je präsent als Begleitphänomen von Bundestagswahlen – mit folgenschweren Konsequenzen.“ Viele sehen darin die Möglichkeit der Verfälschung des eigentlichen Wählerwillens. Und einen Anlass zur Wahlrechtsreform, wie auch Joachim Behnke meint. In der Debatte über eine anstehende Wahlrechtsform hätten sich laut Behnke bisher drei Grundvoraussetzungen herauskristallisiert: _ Das Wahlsystem der Bundesrepublik hat sich in 60 Jahren bewährt und sollte daher so weitgehend wie möglich beibehalten werden. _ Das Wahlsystem der Bundesrepublik ist ein Verhältniswahlsystem und kein Mischwahlsystem. _ E in Systemwechsel des Wahlsystems zu einem Mehrheitswahlsystems (wie beispielsweise in England) oder einem Grabenwahlsystem (in dem wie in Ländern Asiens und Afrikas mehrere Wahlverfahren nebeneinander und ohne Verrechnung miteinander angewandt werden) wäre politisch kaum durchsetzbar und würde vermutlich auch bei einem überwältigenden Teil der Bürger keine Akzeptanz finden.

Behnke kommt vor diesem Hintergrund auf vier Lösungsmöglichkeiten: _ Die Verrechnung entstehender Überhangmandate mit Listenmandaten derselben Parteien in anderen Bundesländern. _ Die Neutralisierung der Überhangmandate durch Ausgleichsmandate. _ Die Verringerung des Anteils der Direktmandate an allen Mandaten. _ Die Einführung von Mehrmannwahlkreisen (also solche, in denen mehrere Bewerber ein Direktmandat gewinnen können). Behnke ist sich dabei im Klaren: „Keine dieser Lösungen ist ideal, aber jede ist der Beibehaltung der Überhangmandate und des damit verbundenen demokratie-theoretischen Risikos einer nicht legitimierten Mehrheit und Regierung vorzuziehen.“ Und: Keine dieser Maßnahmen werde sich durchsetzen lassen, ohne bestimmten Interessen zu schaden – jede dieser Änderungen werde mit entsprechenden Protesten rechnen müssen. Dennoch komme die Politik um eine Reform nicht herum: „Wer jetzt diese Auseinandersetzung scheut, wird sich früher oder später mit dem Problem konfrontiert sehen“, so Behnkes Schlussfolgerung, „seinen Bürgerinnen und Bürgern erklären zu müssen, warum eine Opposition, die mehr Stimmen erhält als die Regierungsseite erhalten hat, dennoch nur eine Minderheit im Parlament darstellt und nicht die Trophäe der Regierung zugewiesen bekommen hat.“ Some years ago the term was only known to political insiders: so-called “Überhangmandate“ (overhang seats, i.e. constituency seats which a party obtains over and above the seats to which it is entitled on the basis of the second votes cast for it). Yet, since five-party parliaments have increasingly established themselves both on the federal and the individual state level, it has moved more and more into the focus of the public. For overhang seats have become a problem. Overhang seats can increasingly determine which coalitions will form the majority in the parliaments – independent of the real intention of the voters and the outcome of the election. Due to overhang seats minorities can become majorities and majorities can find themselves in the minority. A situation that the Federal Constitutional Court requested to be politically reformed by June 2011 – a deadline that politics let pass. And after years of research also Professor Dr Joachim Behnke, who holds the Chair for Political Science, strongly recommends a reform.


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Der Untergang im „Silbersee“ Warum geht dem Kunstmusikbetrieb der Nachwuchs aus?

Deutschlands Konzert- und Opernhäusern droht schon in naher Zukunft ein dramatischer Niedergang. Zu diesem Schluss kommt der Kulturwissenschaftler Dr. Martin Tröndle, ZU-Juniorprofessor für Kulturbetriebslehre und Kunstforschung. Nach einer dreijährigen Forschungsarbeit in Kooperation mit verschiedenen Experten aus den Bereichen Publikumsforschung und Musikbetrieb fordert er angesichts einer massiven Überalterung des Publikums: „Wir müssen das Konzert verändern, wenn wir es erhalten wollen.“

„Silbersee ist mittlerweile die gängige Metapher für das ergraute Publikum klassischer Konzerte – Veranstaltungen, die aufgrund ihrer geringen sozialenAttraktivität Jüngere kaum anziehen können“, stellt Tröndle fest. So zeigt eine Reihe von Studien, dass das Durchschnittsalter des Konzert-Publikums zwischen 55 und 60 Jahren liegt. Dabei ist das Durchschnittsalter des Klassik-Publikums in den vergangenen 20 Jahren dreimal so schnell angestiegen (um rund 11 Jahre) wie das Durchschnittsalter der Bevölkerung (rund 3,4 Jahre). Tröndle: „Prognosen für die Zukunft verheißen nichts Gutes: Demnach wird das Klassik-Publikum in den nächsten 30 Jahren um mehr als ein Drittel zurückgehen – es stirbt schlichtweg aus.“ Das eigentliche Problem der Konzert- und Opernhäuser sei deshalb der mangelnde Nachwuchs in jüngeren Altersgruppen; solchen vor allem, die eine völlig andere musikalische Sozialisation erlebt haben, „in der Pop- und Rockmusik die Hauptrolle spielt und der Bezug zu klassischer Musik tendenziell immer geringer wird“. Der Kunstmusikbetrieb profitiert derzeit noch von der Umkehrung der Alterspyramide. Das wird sich

aber dramatisch ändern, wenn die nach 1960 Geborenen vermehrt zum Zielpublikum werden. „Denn die Präferenz für Klassik geht in diesen Altersgruppen – je jünger sie werden – kontinuierlich zurück“, sagt Tröndle. Dies jedoch sei kein Alters-, sondern ein Kohorteneffekt. Für Tröndle gibt es kein „KlassikGen“, durch das man im Alter von allein auf den ­Geschmack für klassische Musik käme. Weshalb stagniert die Darbietungsform? In der öffentlichen Kulturförderung macht die Förderung der Musik den größten Teil aus. So gaben Bund, Länder und Gemeinden zuletzt mehr als zwei Milliarden Euro für die Musikförderung aus – das sind rund 30 Prozent der Gesamtausgaben für ­Kultur. Nur circa ein Prozent dieser Summe aber, ­k ritisiert Tröndle, wird in der Musikförderung für Innovationen ausgegeben, also dafür, neue Angebotsformen zu entwickeln. Tröndle schreibt in seinem Buch „Das Konzert“ (transcript-Verlag): „Obwohl sich die Rahmenbedingungen des Konzerts etwa durch die technische Reproduzierbarkeit von Musik, den Siegeszug des Visuellen und des Virtuellen, ein verändertes Arbeits- und Freizeitverhalten, die Ausdifferenzie-


9 _Zwischenfrage an Martin Tröndle: Wie sind Sie eigentlich auf dieses Thema gekommen? „Als ausgebildeter Musiker und Kulturwissenschaftler empfand ich die Bühnensituation schon sehr früh fad und Konzerte zumeist langweilig. Ich lieb(t)e klassische und Neue Musik. Die Art und Weise, wie sie präsentiert wird, vermochte jedoch nur selten dieses Interesse oder gar Leidenschaft in mir zu wecken. Das geht heute den meisten Musikern sehr ähnlich. Wenn man in einer Musikhochschule die Professoren oder die Studenten fragt, wann sie das letzte Mal freiwillig (d.h. nicht von einem Freund oder Bekannten dazu eingeladen) in einem Konzert waren, müssen die meisten erst einmal innehalten und nachdenken.“

rung und Pluralisierung der Lebensstile oder die Ökonomisierung nahezu aller Lebensbereiche maßgeblich gewandelt haben, dominiert das standardisierte bürgerliche Konzertwesen, dessen Höhepunkt zwischen 1870 und 1910 lag, bis in die Gegenwart den Musikbetrieb.“ Form und Ablauf des Konzerts, bis dahin immer wieder variiert, seien im Konzertritual bis heute nahezu unverändert erhalten geblieben. Dass sich der klassische Konzertbetrieb in den letzten hundert Jahren kaum den veränderten Rezeptionsbedingungen angepasst hat, könnte für Tröndle der Hauptgrund für dessen Krise sein. Tröndle: „Und das hieße auch, dass die Krise der klassischen Musik weniger eine der Musik selbst ist, als vor allem eine ihrer Darbietungsformen.“ Wie können Konzerte attraktiver werden? Bekräftigt sieht der Kulturwissenschaftler seine These beim Blick auf andere Kunstsparten: Das Theater beispielsweise habe als eine künstlerische Methode zur Transformation des historischen Materials das Regietheater entwickelt. Im Bereich der Bildenden Kunst sei der Beruf des Kurators entstanden, der sich auf Ausstellungskontexte und Vermittlungsfragen

spezialisierte. Beide, so Tröndle, „haben dazu angestoßen, das Selbstverständnis dieser Kunstsparten, sowohl die Art des Zeigens und Präsentierens als auch das Inszenieren und Interpretieren, neu zu denken und konstant weiter zu entwickeln.“ Derlei Transformation und das Erproben von Methoden der Aktualisierung, um neue Präsentationsformen, also neue Aufführungsformate zu entwickeln, sind im klassischen Musikbetrieb kaum vorhanden, beklagt Tröndle. Dabei gehe es nicht um eine „Eventisierung“ des Konzerts, sondern darum, „die Kunstform Konzert als ästhetisch-soziale Präsentationsform zeitgemäß weiter zu entwickeln, um der Musealisierung des Konzerts und der steten Veralterung des Publikums entgegenzuwirken“. Tröndle: „Man muss das Konzert verändern, um es zu erhalten.“ Wie die Klassik mit der Studie umgeht, lesen Sie auf den folgenden beiden Seiten.


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Verdrängen, Verdecken und Verschweigen

Wie geht die Klassik mit dem Publikumsschwund um?

Intendanten, Operndirektoren und Kulturpolitiker bleiben weiterhin eine Antwort auf die krisenhaften Folgen der demographischen Entwicklung im Kulturbereich schuldig. Vielmehr reagieren sie vorwiegend mit Verdrängen, Verdecken und Verschweigen auf den absehbar zunehmenden Publikumsschwund in Theatern und Opernhäusern. Diese Einschätzung ist das ­Ergebnis einer wissenschaft­ lichen Studie der ZU-Juniorprofessoren Martin Tröndle und Dr. Markus Rhomberg.

„Zukunftssorgen macht man sich anscheinend im Klassikbetrieb nicht“, stellen Tröndle und Rhomberg fest. Dabei droht der Branche ein dramatischer Niedergang. In einer Inhaltsanalyse der Berichterstattung von überregionalen und regionalen Zeitungen sowie Radiobeiträgen über die Zukunft des Konzerts entdeckten der Musikwissenschaftler Tröndle und der Politik- und Kommunikationswissenschaftler Rhomberg drei Verhaltenskategorien, wie der Klassikbetrieb auf die demografischen Entwicklungen reagiert: Viele versuchen diese Entwicklungen zu verdrängen, zu verdecken und zu verschweigen. ­A ndere reagieren darauf, indem sie mehr Ressourcen fordern, um ihr Überleben zu sichern. Und nur ganz wenige beschäftigen sich mit Innovationen und ­Reformen, um eine nachhaltige Entwicklung des Konzertbetriebs zu fördern. Die nach wie vor weit verbreitete Zuversicht wird von den Klassikverantwortlichen jedoch nicht belegt, sie stützen sich vielmehr allein auf persönliche Erfahrungen oder ältere Erhebungen, haben die beiden Autoren der Studie festgestellt. Die Klassikverantwortlichen zweifeln den prognostischen Wert demografischer Daten an, vergleichen diesen unter anderem mit der Aussagekraft von „Wetterberichten“. „Es zeigen sich zwei Realitäten: jene vieler Intendanten, die eine Krise verdrängen – und jene der Wissenschaft“, schlussfolgern die Studienautoren. Herrscht eine Verdrängungsstrategie? Dieser offensichtliche Kontrast der wissenschaftlichen Studien und der Selbstaussagen vieler Intendanten eröffnen zwei mögliche Interpretation, berichten Tröndle und Rhomberg: „Die erste geht von

der Prämisse aus, dass die in den Medien gefundenen Aussagen tatsächlich die Meinung der Akteure abbildet. Das bedeutete, man will den gesellschaftlichen Wandel und das damit einhergehende Krisen­ szenario für die Klassik nicht sehen.“ Es ergibt sich das Bild eines relativ geschlossenen Betriebs, geprägt durch ein elitäres Kulturverständnis, das sich an einer glanzvollen historischen Vergangenheit orientiert. Verstärkt könnte diese Haltung gegebenenfalls auch dadurch werden, dass ein Großteil der Intendanten selbst das Rentenalter erreicht haben wird, noch bevor der Publikumsschwund voll durchschlägt. „Diese Haltung könnte man als ‚Verdrängungsstrategie’ beschreiben“, erklären Tröndle und Rhomberg. Eine zweite Interpretation geht davon aus, dass den Intendanten das Problem durchaus bewusst ist, sie die Problematik aber nicht öffentlich diskutieren wollen, sie also verdecken. „Denn zum einen könnte solch eine Diskussion die Spargelüste mancher Kämmerer und Finanzminister wecken, zum anderen sinkt die Attraktivität eines Hauses, wenn potentielle Geldgeber wissen, dass dessen Publikum in den kommenden Jahren stark dezimiert wird“, erklären die Studienautoren. Schreckt beim Konzert das Ritual ab? In der Debatte in den Medien wird aber auch mit möglichen Lösungsansätzen argumentiert: „Dabei finden sich sowohl Elemente, die sich mit der ‚popkulturellen Sozialisation’ der Jugendlichen beschäftigen, als auch Elemente, die sich mit heutigen ­E rscheinungen wie der Medialisierung gesamter Lebensbereiche befassen“, schildern die Wissenschaftler. Viele Jüngere erlebten eine völlig andere musikalische Sozialisation. Es sei eben nicht die klassische Musik als solche, die die Jugend abschrecke, sondern das Ritual des Konzerts.


11 _Zwischenfrage an Martin Tröndle: Welche innovative Form von Konzert haben Sie selbst zuletzt erlebt? „Das war jüngst bei dem jungen Pianisten Francesco Tristano im „Radialsystem“ in Berlin. Er spielte einen Klavierabend mit Bach, John Cage und eigenen Improvisationen. Das Ganze war mit einer subtilen Licht­ regie versehen. Es war eine kluge musikalische Dramaturgie, eine atmosphärisch stimmige Inszenierung, eine eigenwillige pianistische Interpretation und ein ausgefeilter Umgang mit den Erwartungen des Publikums. Das Konzert war übrigens mehrmals nacheinander ausverkauft und das Durchschnittsalter des P­ublikums circa 25 Jahre unter dem üblicher Klavierabende. Es geht also. “

Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich in: Rhomberg, Markus/Tröndle, Martin (2010): Who cares? Themen, Akteure und Motivationen: Eine Diskursanalyse der Medienrezeption des Bandes „Das Konzert“. – In: Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft (Hg.): Jahrbuch für Kulturpolitik 2010, Band 10. Essen: Klartext, 167-176. Eine ausführliche englische Version erscheint gerade im International Journal of Cultural Policy, abrufbar unter: › informaworld

Germany’s concert and opera houses are threatened by a dramatic decline in the near future. This is the conclusion drawn by cultural scientist Dr Martin Tröndle, Junior Professor for Cultural Business Administration & Art Research. After three years of research in cooperation with various experts from the areas of audience research and the music sector, and facing the massive advancing age of the audience he requests, “We have to change the concert if we want to keep it alive.” Transformation and trying out methods of making the concert more relevant in order to develop new forms of its presentation, i.e. new ways of staging it, are, however, hardly present in the classical music sector, Tröndle deplores. The aim is not a “spectacularization” of the concert, but to “further develop the art form of the concert as a socio-aesthetic form of presentation in a contemporary way so as to counter the musealization of the concert and the steady aging of the audience”.

Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich in: Tröndle, Martin (Hrsg.)(2010): Das Konzert. Neue Aufführungskonzepte für eine klassische Form, 2. über und erw. Aufl., Bielefeld, transcript › Martin Tröndle


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Der lange Schatten der Stasi

Weshalb ist Vertrauenskapital für die Wirtschaft so wichtig?

Warum hinkt die Wirtschaft in den neuen Bundesländern auch 21 Jahre nach Voll­endung der Einheit und nach milliardenschweren Aufbauprogrammen dem Westen gegenüber immer noch hinterher? Eine Antwort könnte in einem von Professor Dr. Marcel Tyrell erforschten Phänomen liegen: in den Nachwirkungen des Stasi-Spitzelsystems. Es zerstörte offenbar eine der wichtigsten Voraussetzungen für gedeihlichen Handel und wirtschaftliches Wachstum: gegenseitiges Vertrauen und damit sogenanntes Sozial­ kapital. Und dies mit Folgen bis heute.

Der Saal der Kleinen Synagoge in der Erfurter Altstadt füllt sich, obwohl es Sonntag ist und noch nicht einmal 10 Uhr. ­Einige derjenigen, die jetzt Antworten haben oder lediglich ihrer Meinung Luft machen wollen, haben bereits eine mehr als einstündige Anreise hinter sich. Es geht um den langen Schatten der Vergangenheit. Es geht um Schuld. Es geht um gebrochene Biographien. Und es geht – vor allem – um Wissenschaft, deren Ergeb­ nisse die Menschen hier bewegt. Vorn auf dem Podium sitzt Marcel Tyrell, ZU-Professor für Finanz- und Unternehmerwissenschaften. Er sieht sich Anwürfen ausgesetzt, er erhält Zuspruch, und er verteidigt seine Forschungsarbeit. Gut vier Wochen zuvor hatte er sie in einem Redaktionsgespräch der Thüringer Allgemeinen vorgestellt. „Folgen des Stasi-Systems schwächen Wirtschaft“ schlagzeilte diese daraufhin auf der Titelseite, um Tyrell im Blattinneren unter der Headline „Das Gift des Kraken“ ausführlich zu Wort kommen zu lassen. Zahlreiche andere Medien griffen das Thema auf: „Stasi-Misstrauen bremst Wachstum im Osten“ war auf der Titelseite der BILD zu lesen, von der „Wirtschaftsbremse Stasi“ sprach der FOCUS, und die Neue Osnabrücker Zeitung schrieb: „Stasi schädigt noch heute die Wirtschaft“. Vier Wochen in Folge tobt darüber in der Thüringer Allgemeinen eine regelrechte Leserbriefschlacht. Die „Wahrheit ist manchmal ­bitter“ befanden die einen; „Unerklärlicher Unfug“ nannte es die anderen. Schlagzeilen verkürzen natur-

gemäß, und nun ist Tyrell in Erfurt, um seine zweijährige Forschungsarbeit ausführlich zu erläutern und zu diskutieren: „Die Altlast der Überwachung: Eine Erklärung für die Erosion von Sozialkapital und die fortdauernde ökonomische Disparität zwischen Ost- und Westdeutschland“. Die Forschungen des Ökonomen und seines Mitautors Marcus Jacob, sie hatten längst politische Dimensionen angenommen. Was bewirkt Vertrauenskapital? Und darum ging es im Kern: Tyrell und Jacob hatten – angeregt durch das bereits seit Jahrhunderten bestehende wirtschaftliche Gefälle zwischen Nord- und Süditalien – einen Blick auf die Entwicklung zwischen Ost- und Westdeutschland nach der Wende geworfen, vor allem vor dem Hintergrund des sogenannten Sozialkapitals. Was aber genau ist Sozialkapital? Der Antwort kommt man näher, wenn man dafür den Begriff Vertrauenskapital verwendet: Es bezeichnet das Ausmaß des Vertrauens, das Menschen in andere Menschen setzen. Dieses Vertrauen mache bürgerschaftliches Engagement erst möglich, das dann auch die Basis für wirtschaftlich erfolgreiches Handeln sei, so Tyrell und Jacob. Dies war der Ausgangspunkt für die Arbeit, bei der das Thema Staatssicherheit zunächst einmal gar keine Rolle spielte. Die Autoren wollten einfach herausfinden, ob das Sozialkapital in Deutschland, und natürlich auch innerhalb der neuen Länder, unterschiedlich ausgeprägt ist. Um dies zu messen, hatten sie sich verschiedener, in der Forschung verwendeter Faktoren bedient,


13 _Zwischenfrage an Marcel Tyrell: Wie haben Sie selbst die Debatte um die Studie erlebt? „Ich war verblüfft über die Schärfe der Reaktionen und das Misstrauen, welches uns entgegenschlug. Uns wurden oft finstere Absichten mit der Studie unterstellt, und dies zeigte mir letztlich, wie relevant und aktuell unsere Forschung ist.“

Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich in: Tyrell, Marcel/Jacob, Markus (2010): The Legacy of Surveillance: An Explanation for Social Capital Erosion and the Persistent Economic Disparity Between East and West German, erhältlich über SSRN: http://ssrn. com/abstract=1554604 › Marcel Tyrell

wichtige darunter sind dabei die Wahlbeteiligung, die Bereitschaft, Organe zu spenden oder sich in ­Organisationen zu engagieren. Erst an dieser Stelle stellten sich Tyrell und Jacob die Frage, ob auch die Staatssicherheit etwas mit dem mehr oder minder ausgeprägten Sozialkapital zu tun haben könnte. Die Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) waren in den letzten Jahren der DDR regional sehr unterschiedlich verteilt. Die Dichte der IM schwankte zwischen 2 und 16 pro 1000 Einwohner. Die Frage, die daraus folgerte: Lassen sich aus dem unterschiedlichen Wirken der Staatssicherheit damals – für welche die IM-Dichte ein wichtiger Indikator ist – heute noch Auswirkungen auf das Sozialkapital messen? Dass die Staatssicherheit Misstrauen in der Gesellschaft säte, also Vertrauen zerstörte, nahmen Tyrell und Jacob als gegeben an. Somit kamen sie auf das Resultat, das im Durchschnitt, aber nur im Durchschnitt gilt: Je höher die IM-Dichte in einer Region war, umso geringer ist das Sozialkapital heute.

Wie wirkt die IM-Dichte bis heute nach? Und dies hat Folgen für die Wirtschaft – wie auch etwa der Grad der Urbanisierung, der Zu- oder Abwanderung in einer Region oder die konfessionellen Bindungen ihrer Bewohner. „Wir haben herausgefunden“, schreiben die beiden Wirtschaftswissenschaftler, „dass das regional unterschiedliche Ausmaß der Durchdringung des Privatlebens in der DDR signifikante Folgen für jene Sozialkapital-Muster haben, die heute in den neuen Ländern beobachtet werden“. Ihre empirischen Forschungen legen nahe, dass das Ausmaß der Durchdringung der Bevölkerung durch die IM der Staatssicherheit vor 20 Jahren noch heute mit einer niedrigeren Wahlbeteiligung und einer deutlich geringeren Beteiligung in Organisationen und Vereinen und einer noch größeren Zurückhaltung bei der Bereitschaft zu Organspenden einhergehen. Die Intensität der Überwachung hat laut Tyrell und Jacob zudem einen starken Negativeffekt – über den Umweg des Sozialkapitals – auf die Wirtschaftsentwicklung und -leistung. Dieser Zusammenhang könne


14 _Zwischenfrage an Marcel Tyrell: Was könnte ein ­Ansatz für eine Lösung des Problems sein? „Gemeinsinn-Aktivitäten fördern und dabei versuchen, das tiefgehende Misstrauen zu überwinden. Aber dies ist ein langwieriger Prozess, denn die Erfahrungen aus Italien zeigen, dass der Verlust von Sozialkapital ­repressive Gesellschaftsstrukturen fördert, die ­wiederum Sozialkapital unterminieren.“

sieben Prozent des Ost-West-Unterschieds beim ProKopf-Einkommen und 26 Prozent der Differenz der Arbeitslosenquote ausmachen. „Die Ergebnisse zeigen eindeutig“, sagt Tyrell, „das Gift des Kraken Stasi wirkt noch heute in der Gesellschaft weiter.“ Wie kann Sozialkapital erhöht werden? Mehr als zwei Stunden währt schließlich die für einen Wissenschaftler in dieser Form zeitweise ungewohnte Debatte in Erfurt. Es kommen Vorwürfe: „Ich möchte mich dagegen verwehren, dass unsere Lebensleistung durch Ihre Arbeit diskriminiert wird!“. Es kommen Vorhaltungen: „Ich glaube, dass die gesamte Stasi-Debatte oft nur dem Ziel dient, Platz zu schaffen für Leute aus dem Westen!“ Es kommt aber The headline of the Thüringer Allgemeine read “Results of the Stasi System Weaken Economy”, “Stasi Mistrust Slows down Economy in the East” could be read on the title page of BILD, and the Neue Osnabrücker Zeitung wrote, “Stasi Damages the Economy even Today”. The reason for these headlines was a study by Professor Dr Marcel Tyrell, who holds the Chair of Entrepreneurship and Financing. Together with his co-author Marcus Jacob he had published a study entitled “The Legacy of Surveillance: An Explanation of the Erosion of Social Capital and the Continuing Economic Disparity between East and West Germany” (“Die Altlast der Überwachung: Eine Erklärung für die Erosion von Sozialkapital und die fortdauernde ökonomische Disparität zwischen Ost- und Westdeutschland”). In his study, he analyzed among other questions how far the penetration by the secret police destroyed the trust of people to each other and thus the so-called social capital, and to what extent the effects have continued until today. Their empirical research suggests that the extent of the penetration of the population by the unofficial informers (“Inoffizielle Mit­ arbeiter”) of the secret police twenty years ago still coincides with a lower voter turnout and a significantly lower participation in organizations and clubs and even stronger reservations regarding the willingness to donate organs. According to Tyrell and Jacob the intensity of the surveillance additionally has a strong negative effect – via the route of the social capital – on the economic development and performance in the new federal states.

auch Selbstkritisches: „Während der Debatte habe ich oft gedacht, wir sollten doch ehrlicher zu uns selbst sein und bei uns selbst anfangen, etwas zu ändern – in den Köpfen.“ Und es kommt der Blick nach vorn: „Haben Sie sich auch Gedanken darüber gemacht, wie Sozialkapital in unserer Gesellschaft erhöht ­werden kann?“ Längst ist die Wissenschaft in der Politik angelangt und im Befinden – und eben auch umgekehrt. Welche Folgen erwachsen daraus? Tyrell, der sich bis ins Detail mit den Argumenten auseinandersetzt und am Ende mit Beifall verabschiedet wird, hat seither seine Forschungen in diesem Bereich fortgesetzt. Und er sieht sie auch als eine Art Aufforderung an die Politik und die Menschen. „Unsere Arbeit wollen wir auch als Anstoß verstanden haben, sich dem Faktum zu stellen, dass es nicht reicht, Autobahnen zu bauen, ein Gewerbegebiet anzulegen oder Geldtransfers zu leisten.“ Auch Wirtschaft funktioniere nur mit den Menschen und den unmittelbaren und mittelbaren Erfahrungen. Deshalb gehe es im Kern darum, „gezielt den Aufbau und die Stärkung von Gemeinsinn zu fördern.“ Und das über die Kleine Synagoge in Erfurt hinaus.


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Wie wenig wir über Wirtschaft wissen Welche Folgen hat dies für den Konsumenten?

Wie heißt eigentlich der aktuelle Bundeswirtschaftsminister? Und wie hoch ist derzeit in etwa die Arbeitslosenquote? Fragen, von denen man meinen müsste, sie könnte wohl jeder beantworten. Dem ist allerdings überhaupt nicht so. Professor Dr. Peter Kenning hat das sogenannte „Minimale ökonomische Wissen“ der Deutschen untersucht – mit verblüffenden Ergebnissen.

Stellen wir uns einmal vor: Sie haben 3000 Euro Schulden gemacht. Dafür zahlen Sie einen Sollzins von 12 Prozent pro Jahr. Jeden Monat tragen Sie 30 Euro ab. Wann werden Sie die Schulden getilgt haben? Das Ergebnis ist – um es gleich vorweg zu nehmen – ebenso ernüchternd wie das, was Professor Dr. Peter Kenning, Inhaber des Lehrstuhls für Marketing, im Rahmen seiner Studie über das notwendige ökonomische Wissen (Minimal Economic Knowlegde) erlebte, die er zusammen mit seiner Doktorandin Inga Wobker in Kooperation mit dem Max-PlanckInstitut für Bildungsforschung in Berlin durchführte. Mit dieser wie mit 23 weiteren Fragen wollte er herausfinden, wie es um die grundlegenden Kenntnisse in Sachen Ökonomie bei den Bundesbürgern steht. Das Ergebnis: erschreckend schlecht. „Die Deutschen wissen zu wenig über wirtschaftliche Zusammenhänge und verschenken daher möglicherweise viel Geld“, kommentierte das „Handelsblatt“ daraufhin die Studie. Es beginnt schon damit, dass etwas über 30 Prozent der Bundesbürger nicht einmal wissen, wer der aktuelle Bundeswirtschaftsminister ist. Oder fast ein Viertel noch nie davon gehört hat, dass er in einer sozialen Marktwirtschaft lebt. Oder fast die Hälfte nicht einmal in etwa angeben konnte, wie hoch die

Arbeitslosenquote ist. Bei den Fragen ging es aber nicht nur um aktuelles wirtschaftliches Wissen, sondern auch um schlichtes, handfestes Konsumentenwissen wie bei der Frage: Wenn Sie als Verbraucher in einem Laden ein Produkt gekauft haben und es Ihnen nicht mehr gefällt, wie lange haben Sie dann normalerweise ein Rückgaberecht? 6,6 Prozent der Befragten entschieden sich für „7 Tage“, mehr als die Hälfte, 53,3 Prozent, für „14 Tage“, 1,3 Prozent für „21 Tage“, 9,1 Prozent für einen Monat, und etwas weniger als ein Drittel, 29,6 Prozent für die schlussendlich richtige Antwort: Es gibt gar keinen Anspruch auf Rückgabe. Wie ist ökonomisches Wissen verteilt? „Man muss sich klarmachen, dass es sich nicht um Expertenwissen, sondern wirklich um minimales Wirtschaftswissen handelte“, erläutert Peter Kenning den Hintergrund der Studie. Insgesamt wurden 1300 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet befragt. Erhoben wurden dabei zudem Daten zu Alter, Geschlecht, Haushaltsnettoeinkommen, Bildungsabschluss sowie per Tiefenstudie überdies zu Fernsehkonsum und Lesegewohnheiten. Jedem Teilnehmer wurden jeweils 24 Fragen zu den Themen Finanzen, Arbeitsmarkt, Konsum und Staat gestellt. Dabei war ein maximaler Wert des minimalen ökonomischen


17 _Zwischenfrage an Peter Kenning: Was hat Sie am ­Ergebnis der Studie am meisten überrascht? „Sehr überraschend fand ich, dass Befragte, die zum Beispiel in der Schule, dem Studium oder der Volkshochschule einen Wirtschaftskurs belegt hatten, nicht unbedingt besser abschnitten als Befragte ohne Wirtschaftskurs. Offenkundig bleiben diese Kurse nicht so im Gedächtnis haften, wie man sich dies wünschen würde.“

Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich in: Kenning, Peter/Wobker, Inga (2010): Wie wenig wir über Wirtschaft wissen, in: Handelsblatt, 13.12.2010 › Peter Kenning

Wissens von 100 zu erreichen. Der Durchschnitt der Befragten kam am Ende auf einen Wert von 61 – gerade etwas mehr als die Hälfte dessen an Wirtschaftskenntnissen, die jeder Bürger im täglichen Leben eigentlich braucht. Nur wer alle Fragen richtig beantworten konnte, verfügt über das Wissen, das die Wirtschaftswissenschaften als ökonomisch unbedingt notwendig ansehen. Ein Mindestmaß an ökonomischem Wissen kann schließlich so manche schlechte Entscheidung verhindern. Und wie Studien in den USA zeigten: Besonders häufig ließen sich dort diejenigen Bürger Hypothekenkredite andrehen, die sie gar nicht zurückzahlen konnten, wenn sie fast nichts über die Finanzwelt wussten und schlecht rechnen konnten. Verteilt ist das ökonomische Wissen – auch das ergab die Studie – übrigens eher ungleich. Frauen zum Beispiel schnitten deutlich schlechter ab als Männer. Sie schätzten überdies selbst ihr Wissen in Sachen Wirtschaft als wesentlich schlechter ein und erzielten zudem einen im Durchschnitt um zehn Punkte schlechteren Wert. Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler vornehmlich darin, dass sich Frauen beim Thema Geld weniger in der Verantwortung sähen als Männer und dem Thema Ökonomie auch weniger Interesse entgegenbrächten. Weitere Ergebnisse der Studie: Mit Alter und steigendem Einkommen nimmt das minimale ökonomische Wissen ebenso zu wie mit dem Bildungsabschluss. Welchen Einfluss hat Medienkonsum? Intensiver Medienkonsum schließlich führt nicht zwangsweise zu einem gesteigerten Wirtschaftswissen. Wer beispielsweise viel Fernsehen schaut, schneidet eher schlechter ab. Befragt wurden die Probanden übrigens auch, welche Nachrichtensendung sie präferierten – mit dem Ergebnis, dass diejenigen, die nur „RTL aktuell“ schauten, aber nicht „tagesschau“ oder „heute“, um zehn Punkte schlechter abschnitten als diejenigen, die die Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Sender verfolgten. Einen Wissensvorsprung um zehn Punkte erzielten

schließlich auch die Leser von Qualitätszeitungen gegenüber Boulevard-Zeitungen. Und für sie dürfte denn auch die Lösung der Eingangsfrage nach den Schulden und deren Rückzahlung kein Problem gewesen sein. 14,6 Prozent der Befragten glaubten dabei, die richtige Lösung lautete in weniger als fünf Jahren, 30,7 Prozent gingen von fünf bis zehn Jahren aus, 18,1 Prozent von 11 bis 15 Jahren und 10 Prozent von 16 bis 20 Jahren. Die richtige Antwort, wann denn nun unter den genannten Bedingungen die Schulden getilgt seien, wussten gerade einmal 26,5 Prozent. Und sie lautet natürlich: nie! Just imagine: You have incurred 3,000 Euro of debt. For this you pay an interest on debt of 12 per cent per annum. Each month you repay 30 Euro. When will you have amortized the loan? To come to the point, the result is as disillusioning as that which Professor Dr Peter Kenning, Chair for Marketing, experienced in the context of his study on the minimal economic knowledge conducted in the name of the Max-Planck-Institute for Human Development in Berlin. With this question, as with 23 others, he wanted to find out how things stand regarding the basic knowledge of the German population on economics. The result is frighteningly bad. “The Germans do not know enough about economic connections and thus possibly waste a lot of money”, was the Handels­ blatt‘s comment on the study. “We have to be aware that this was not a question of expert knowledge but really one of minimal economic knowledge”, is how ­Peter Kenning explains the background of the study.


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19 _Zwischenfrage an Peter Kenning: Was sollte aus den Ergebnissen an Konsequenzen gezogen werden? „Im Kontext anstehender Reformen im Bildungsbereich sollte überlegt werden, welche Konzepte der Wissensvermittlung wann, durch wen und in welcher Form entwickelt und realisiert werden. Eine besondere Bedeutung hat dabei die Motivation. So haben in unserer Studie Befragte, die ein konkretes Motiv hatten, sich mit der Wirtschaft auseinander zu setzen, wie etwa eine anstehende Selbstständigkeit oder eine größere Investition, ein deutlich besseres minimales ökonomisches Wissen. Man sollte daher bei der Konzeption der Formate frühzeitig darauf achten, bei den Lernenden ein Interesse für wirtschaftliche Zusammenhänge zu wecken. Hier sollten die Verantwortlichen auch einmal den Mut haben, kreative Formen der Wis­sens­ vermittlung auszuprobieren.“


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Öffnet die Daten-Bestände! Wie können mehr amtliche Informationen den Bürgern helfen?

Statistiken, Karten, Pläne, Geo-, Umwelt- und Wetterdaten: Ämter und Behörden verfügen über eine immense Fülle von Informationen. Hinzu kommen umfangreiche Materialien der Parlamente, Ministerien und Behörden. Einfacher als bisher könnten diese auch den Bürgern offen zur Verfügung gestellt werden, findet Professor Dr. Jörn von Lucke vom Deutsche Telekom Institut für Connected Cities (TICC) an der ZU.


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Die Öffnung frei zugänglicher Datenbestände könnte positive Folgen für Bürger, Städte und Kommunen haben. Dies bringt Impulse zu mehr Transpa­renz, Teilhabe, Zusammenarbeit sowie Wirtschaftsförderung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des TICC im Auftrag der Deutschen Telekom. Ansätze dafür werden beispielhaft an der T-City Friedrichshafen und dem Bodenseekreis diskutiert. „Wir beschäftigen uns im diesem Gutachten für die Deutsche Telekom damit, wie vorhandene Datenbestände von Staat und Verwaltung, die weder Datenschutz noch Amtsgeheimnissen unterliegen, im Internet frei zugänglich gemacht werden können“, erläutert Institutsleiter Jörn von Lucke den Fokus des Gutachtens. „Im Zeitalter von Open Data reicht es nicht aus, Daten einfach online zu stellen. Vielmehr sollte abgewogen werden, ob und wie sich Datenbestände offen publizieren lassen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Fragestellung, wie dieses Potential in der T-City Friedrichshafen für Politik, Verwaltung und Friedrichshafener Bürger genutzt werden kann“, ergänzt von Lucke. „Open Data“ sind dabei definiert als sämtliche Datenbestände, die im Interesse der Allgemeinheit der Gesellschaft ohne jedwede Einschränkung zur freien Nutzung, zur Weiterverbreitung und zur ­freien Weiterverwendung frei zugänglich gemacht werden. Welche Art Daten liegen überhaupt vor? Hintergrund ist, dass Verwaltungen in Deutschland über große Mengen an Daten verfügen, die im Sinne der „Open Data“-Bewegung zugänglich gemacht werden könnten. Einer Veröffentlichung widersprechen weder Datenschutzerwägungen noch Geheimnisvorbehalte. Zu denken ist beispielsweise an Statistiken, Geodaten, Karten, Pläne, Umwelt- und Wetterdaten. Hinzu kommen Materialien der Parlamente, Ministerien und Behörden.

Welche Impulse könnten entstehen? Nach Einschätzung des Gutachtens wird bestimmten Datenbeständen bei Bund, Ländern und Kommunen bisher zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Eine Aufbereitung und die frei zugängliche Bereitstellung bestehender Daten eröffnen jedoch vielfältige Ansätze zu deren Weiterverwertung. ­Zusätzlich können so Impulse zur Öffnung von Staat und Verwaltung, zu mehr Transparenz, Teilhabe und Zusammenarbeit sowie zur Innovation und Wirtschaftförderung gesetzt werden. Die „Open-Data“-­Bewegung hinterfragt bisherige Veröffentlichungsprozesse im öffentlichen Sektor, die noch bürger- und unternehmensfreundlicher gestaltet werden könnten. Für die Bürger Friedrichshafens ergeben sich konkrete Anknüpfungspunkte auf Bundes-, Landes-, Kreis- und Stadtebene. Bund, Länder und Kommunen könnten ihre Haushaltspläne visualisieren und tagesaktuell frei zugänglich machen, um Bürger zu informieren, was mit Steuergeldern passiert. Lokalpolitische Impulse ergeben sich aus einem freien und offenen Zugang zu Fahrplandaten, Zug- und Flugbewegungen, Straßenverkehrsdaten, Polizeiberichten, Umweltdaten, Geodaten, Prüfberichten, Wahlergebnissen, Ratsinformationen und Bebauungsdaten. Wie kann die Gesellschaft profitieren? Jüngst hat die Bundesregierung die Öffnung von Staat und Verwaltung zu einem der wichtigen Projekte der Verwaltungsmodernisierung erklärt. Teilweise sind Datenbestände der Verwaltung bereits als Rohdaten oder in aufbereiteter Form frei zugänglich. Mit technischen und organisatorischen Maßnahmen könne die Aufbereitung, die Datenbereitstellung und deren Weiternutzung und Weiterverwertung verbessert werden, befindet von Lucke. Die Gesellschaft profitiere von der Offenheit und Transparenz durch frei zugängliche Daten, denn diese stärkten das Vertrauen der Bevölkerung und der Wirtschaft in Staat und Verwaltung.


23 _Zwischenfrage an Jörn von Lucke: Was raten Sie Politik und Verwaltungen, wie sie sich weiter verhalten sollten? „Die Verantwortlichen sollten sich Gedanken machen, wie ein sich öffnender Staat und dessen Verwaltung aussehen sollten und welche Gründe, welcher Nutzen und welche Mehrwerte für eine Öffnung sprechen. Eine Entscheidung für Open Data ist nicht nur ein Beitrag zu mehr Transparenz in Staat und Verwaltung, sondern muss auch als Infrastrukturmaßnahme zur Wirtschaftsförderung verstanden werden.“

_Zwischenfrage an Christian Geiger: Was werden Sie als nächstes tun, was mit diesem Thema in Verbindung steht? „Wir werden uns noch in diesem Sommer intensiv mit der Öffnung der Haushaltsdaten bei Bund, Ländern und Kommunen auseinander setzen. Der ­Bürger hat meiner Meinung nach Anspruch darauf zu wissen, für welche Aktivitäten die bei ihm erhobenen Steuergelder ausgegeben werden.“

The state would be in a position to provide the citizens with much more available data than it has been doing so far and actually should do this – given certain preconditions. This is the expert assessment made by the Deutsche Telekom Institute for Connected Cities (TICC) at ZU. The opening up of freely available data inventories could also have positive effects on all citizens, cities and communities and give an impetus for more transparency, participation, cooperation and the promotion of economic development. Exemplary approaches are being discussed at the T-City Friedrichshafen and the Lake Constance region. “In this expertise for the Deutsche Telekom we address the issue of how existing data inventories can be made freely available in the internet by the state and the administration that are neither subject to data protection nor to official secrets”, is how the head of the institute, Professor Jörn von Lucke, explains the focus of the expertise. “In the age of open data it is not sufficient to simply make data available online. Rather, it should be assessed if and how data inventories can be published openly.”

Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich in: von Lucke, Jörn/Geiger, Christian (2010): Open Government Data – Frei verfügbare Daten des öffentlichen Sektors, Friedrichshafen, Deutsche Telekom Institute for Connected Cities, 1. Auflage, 2010, verfügbar unter http:// www.zeppelin-university.de/deutsch/lehrstuehle/ticc/ TICC-101203-OpenGovernmentData-V1.pdf › Jörn von Lucke


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Wie Deutschlands n채chste Unternehmergeneration denkt Was halten Firmennachfolger von Werten, Bildung, Karriere und gesellschaftlichem Engagement?


25 _Zwischenfrage an Reinhard Prügl: Inwiefern mussten Sie anfängliche Annahmen revidieren? „Da es sich bei der Studie um eine erste Exploration eines bis dato wenig erforschten Bereichs handelt, sind wir recht ­offen in diese Studie gegangen. Dennoch gab es einige überraschende Ergebnisse, so beispielsweise die Tatsache, dass eine eigene Gründung ähnlich hohe Akzeptanzwerte im Familien- und Freundeskreis erreicht wie die Übernahme des bereits bestehenden Familienunternehmens. Und: Viele der (potenziellen) Nachfolger in unserer Stichprobe haben tatsächlich bereits Start-up-Erfahrung gesammelt, was auch eine interessante Legitimationsstrategie für die Nachfolgerin oder den Nachfolger sein kann.“

Kaum ein Feld in der Wirtschaft ist so wenig erforscht wie das der Familienunternehmen. Und noch weniger das der Generation, die den heutigen Familienunternehmern folgen wird. Deshalb hat das Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen (FIF) an der ZU in der bislang größten Studie Deutschland „Deutschlands nächste Unternehmergeneration“ untersucht.


26 _Zwischenfrage an Reinhard Prügl: Gibt es eine persönliche Verbindung zu dem Thema? „Die gibt es tatsächlich: Mein Vater hat als externer Geschäftsführer in einem mittelständischen Familienunternehmen den Großteil seiner beruflichen Laufbahn verbracht. Dabei habe ich viele der Herausforderungen und Chancen im Kontext von Familienunternehmen (mit) erlebt, da ich einerseits des Öfteren selbst in diesem Unternehmen mitgearbeitet habe und auch drei Generationen der Unternehmerfamilie über die Jahre hinweg sehr gut kennengelernt habe.“

„Diese Generation ist eine Leistungselite. Sie sehen sich schon früh in der Verantwortung für das Familienunternehmen und für die Gesellschaft“, fasst Prof. Reinhard Prügl, wissenschaftlicher Leiter des FIF und Inhaber des Lehrstuhl für Innovation, Technologie & Entrepreneurship, die Studie in Zusammenarbeit mit der Stiftung Familienunternehmen und dem Wirtschaftsmagazin impulse zusammen. Welche Werthaltungen bestehen? Ziel der Studie war es, generelle Werthaltungen, die Einstellung zu den Themen Familie und Familienunternehmen, Bildung, Netzwerke und gesellschaftliches Engagement sowie Karriere- und Nachfolge­ pläne des Familienunternehmer-Nachwuchses in Deutschland zu erforschen. Zu diesem Zweck wurden zunächst 241 Vertreter dieser Zielgruppe mittels eines standardisierten Fragebogens erreicht. Für die weitere Analyse wurden die Antworten der insgesamt 202 befragten Unternehmersprösslinge in der Altersgruppe der 16- bis 35-Jährigen herangezogen und bildeten die Grundlage der empirischen Exploration. Die Ergebnisse: Die Befragten sehen die Werthaltungen „Eigenverantwortlich leben und arbeiten“, „Einen Partner haben, dem man vertrauen kann“ und „Aufrechterhaltung einer stabilen Wirtschaft“ als zentral an. Gleichzeitig werden die Werte „Das tun, was andere auch tun“ und „Am Althergebrachten festhalten“ stark abgelehnt. Prügl: „Den eigenen Weg zu gehen, scheint in dieser Generation von großer Bedeutung zu sein – ohne dabei jedoch die Wurzeln zu vergessen.“ Dies zeige sich an der einhellig hohen Zustimmung zu Werthaltungen wie „Fleißig und ehrgeizig sein“ (92 Prozent), „Gute Freunde, die einen anerkennen und akzeptieren“ (94 Prozent) oder „Ein gutes Familienleben führen“ (92 Prozent). Inwieweit prägt die Familie? Die befragten potenziellen Nachwuchsunternehmer sind überaus kooperativ eingestellt, und zwar sowohl in Bezug auf ihre Geschwister als auch in Bezug auf die Einbindung familien-externer Geschäftsführer. Damit verbunden ist eine sehr positive Einstellung gegenüber teamorientiertem Arbeiten und dem da-

mit verbundenen partizipativen Führungsstil. Für das Spannungsfeld beruflicher gegenüber privater Verpflichtungen herrscht ein großes Bewusstsein. „Im Zweifelsfall“, erklärt Prügl, „werden jedoch die Bedürfnisse des Unternehmens vor jene der Familie gestellt.“ Für die befragten Nachwuchsunternehmer hat Bildung einen hohen Stellenwert – und sie sind bereit, in ihre Bildung zu investieren. So hat ein erheblicher Anteil Erfahrungen mit privaten Universitäten und Hochschulen: Rund 30 Prozent der Befragten haben im Verlauf ihres Studiums an einer Privatuniversität studiert oder tun dies derzeit. Knapp über 41 Prozent haben bereits umfangreiche Auslandserfahrung gesammelt und längere Zeit (im Studium oder im Job) im internationalen Umfeld verbracht. Die familiäre Prägung wird in der Wertschätzung sozialer Kontakte (ein großer Freundeskreis wird als wichtig erachtet) als auch in einem hohen Verantwortungsgefühl für die Gesellschaft erkennbar. Die Befragten engagieren sich besonders in den Bereichen Soziales, Sport und Kultur. Wieviele wollen Nachfolger werden? Zudem ist aus den Ergebnissen der Analyse insgesamt ein beachtliches Potenzial für die operative Nachfolge im Familienunternehmen innerhalb der vorliegenden Stichprobe abzuleiten. Mehr als jeder zweite Befragte (55 Prozent) plant, in absehbarer Zeit als Nachfolger unternehmerisch aktiv zu werden oder ist bereits in der Verantwortung im Familienunternehmen. Nur rund 14 Prozent haben vor, dies nicht zu tun, und weitere 27 Prozent haben dazu noch keine Entscheidung getroffen. In der Summe können sich somit mehr als drei Viertel prinzipiell die Übernahme des Familienunternehmens vorstellen. Als wahrscheinlicher Übernahmezeitpunkt zeigt sich ein Wert von in durchschnittlich 5,8 Jahren. Bei den Karrierealternativen ist Selbstständigkeit und Unternehmertum mit 53 Prozent klar erste Präferenz vor einer Anstellung oder Mitarbeit in einem Familienunternehmen (35 Prozent).


27 Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich in: Prügl, Reinhard (2011): Deutschlands nächste Unternehmergeneration: Eine empirische Untersuchung der Werthaltung, Einstellungen und Pläne; Stiftung Familienunternehmen › Reinhard Prügl

There is hardly an area in business that has been researched as little as that of family enterprises. And even less that of the generation that is set to follow today’s family entrepreneurs. In cooperation with the foundation family enterprises (“Stiftung Familienunterneh­men”) and the business magazine “impulse”, the Friedrichs­ hafen Institute for Family Entrepreneurship (FIF) has analyzed in the currently most comprehensive study in Germany “Germany’s Next Generation of Entrepreneurs” (“Deutschlands nächste Unternehmergeneration”). With surprising results. “This generation is a generation of achievers. From early on they see themselves in a position of responsibility for the family enterprise and for society”, says Professor Reinhard Prügl, academic head of the FIF who holds the Chair for Innovation, Technology and Entrepreneurship. The aim of the study was to research the general values, the attitude towards the topics of family and family enterprises, education, networks, social commitment, as well as plans of career and succession that are held by the next generation of German family entrepreneurs.


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Was Experten wirklich wissen Warum sind Fachleute mehr denn je gefragt?

Experten haben Konjunktur. ­ Sie sind ebenso unverzichtbar wie umstritten. Warum eigentlich haben sogenannte Experten derart an Bedeutung gewonnen? Was macht einen Experten zum Experten? Welche Rolle übernehmen sie? Und was wissen Experten alles und was nicht? Das hat ZU-Professor Nico Stehr, Inhaber des Karl-MannheimLehrstuhls für Kulturwissenschaften, untersucht.

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, sahen mit wenigen Ausnahmen alle Experten aus Politik, Wissenschaft und selbst Geheimdiensten schlecht aus: Keiner von ihnen hatte das Ende des Eisernen Vorhangs und die Gründe für den Fall der Mauer vorausgesehen. Desgleichen gilt für die Arabischen Revolution im Spätherbst des Jahres 2010 und im Verlauf des Jahres 2011. Als am 9. August 2007 die große WeltFinanz-, Banken- und Wirtschaftskrise begann, hatten zuvor einige Wirtschaftsexperten zwar warnend den Zeigefinger gehoben, allerdings kein Gehör gefunden. Dennoch haben Experten Konjunktur wie nie zuvor: Sie sind in zahlreichen parlamentarischen Kommission vertreten, beraten Konzerne, bevölkern die Talk-Shows – oder helfen dem Bürger bei komplexen Fragen des Alltags. „Mehr denn je ist Wissen heute in allen Bereichen unserer Gesellschaft Grundlage und Richtschnur menschlichen Handelns“, stellt Stehr zum Experten-Phänomen fest, „dies hat weitreichende soziale Folgen, die irreversibel sind.“ Moderne Gesellschaften hätten nicht nur einen wachsenden Bedarf an Wissen, sondern auch an Expertise. Und das hat Gründe. „Zum einen könnte man denken, diese Ursachen lägen in stärker empfundener Unsicherheit und erhöhten Risiken“, sagt Stehr. Und man könnte ebenfalls annehmen, dass die Regierbarkeit moderner Gesellschaften immer komplizierter werde und daher die Nachfrage nach neuen Spezialkenntnissen wachse. Folge man nun diesen Überlegungen, so trete Wissen sogar mehr und mehr an die Stelle der klassischen Produktionsfaktoren Eigentum, Arbeit und Boden. Und der Experte werde dabei

zum Händler und Mittler des Wissens. Seine Rolle bestehe darin, „anhand von spezifischen Nützlichkeitskriterien zur Erreichung bestimmter Zielsetzungen eine Wahl der passenden Mittel zu treffen“. Wer wird eigentlich Experte? Dabei ist für Stehr bemerkenswert, welche Bandbreite an Experten allein aus der Wissenschaft beispielsweise in politischen Gremien vertreten ist. „Diese reicht vom aktiven, produktiven und hohe Reputation genießenden Forscher bis hin zum Wissenschaftsmanager und zu Akademikern, die vielleicht nie sehr produktiv waren.“ Die Gremien dienten dann der Vorbereitung politischer Entscheidungen und der Legitimationsbeschaffung – und der Umstand, dass Wissenschaftler mitwirkten, verleihe manchen Vorschlägen erst die Legitima­tion. Für die Experten wiederum seien durchaus starke Anreize vorhanden, sich daran zu beteiligen. So kann die Mitwirkung die eigene Karriere befördern, aber auch beschädigen, in jedem Fall nährt sie immerhin „Hoffnung auf Einflussnahme – wie begründet sie auch immer sein mag“. Werden Experten zu Machthabern? Experten würden aber nur dann zu Experten, „wenn sie wissen, wie sie Auftraggeber von der Nützlichkeit und Richtigkeit ihres Rats überzeugen können“. Ihr Wissen beruhe auf spezifischen Inhalten, und dem Know-how, wie es am besten einzusetzen sei. Gerade in der Gegenwartsgesellschaft führe die Zunahme von Wissensarbeit zu einem wachsenden Angebot an Expertenwissen. Und gleichzeitig wachse


29 _Zwischenfrage an Nico Stehr: Welche persönlichen Konsequenzen ziehen Sie als Experte in Kommissionen aus den Ergebnissen? „Obgleich man den Stellenwert und den Einfluss von Expertenwissen nicht überschätzen sollte, können Spezialkenntnisse etwas bewegen.“

_Zwischenfrage an Nico Stehr: Weshalb haben Sie dieses Thema gewählt? „Angesichts der wachsenden Bedeutung von wissenschaftlich-technischen Erkennt­ nissen in allen Lebenslagen unserer Gesellschaft, zu der nicht zuletzt Experten spezielle Kenntnisse beitragen, liegt es auf der Hand, ihre Rolle im Rahmen einer Theorie der modernen Gesellschaft genau zu analysieren.“

die Nachfrage nach Wissen auf Seiten von Unternehmen, staatlicher Verwaltungen, Politik und Bürgern. Stehr: „Experten spielen eine zentrale Rolle in der Reduktion von Komplexität des vorhandenen, sich ständig ausdehnenden Wissens, das niemals zu abschließenden Ergebnissen zu kommen scheint.“ Experten definierten Situationen, setzten Prioritäten, gäben Handlungsanleitungen und schüfen Legitimation für politisches Handeln. Mit teils paradoxen Folgen: Denn zahlreiche Kontroversen über wissenschaftliche und technische Großprojekte (man denke nur an Stuttgart 21), hätten laut Stehr zu einer Krise der Expertise geführt, die dann durch den Einsatz von Expertise bearbeitet werde. Neue Machthaber würden Experten in der Gesellschaft damit aber noch lange nicht. Sie könnten zwar Entscheidungen durch Auswahl, Gewichtung und Interpretation von Wissen beeinflussen. Aber über die Verwendung der Expertise bestimmten immer noch die Auftraggeber oder das Politiksystem. Stehrs Schlussfolgerung: „Experten sind Vermittler von Wissen, das heißt nicht unmittelbar Produzenten von neuen Erkenntnissen, sie nutzen den Freiraum, der existiert zwischen der Wissensproduktion und dem Beratungsbedarf, zwischen der Unsicherheit wissenschaftlicher Tatsachen und dem Handlungsbedarf, zwischen der Freistellung wissenschaftlicher Forschung und Erkenntnis und dem dringenden Tagesgeschäft.“ Auch wenn sie dabei gelegentlich, wie im Falle von Krisen und Umwälzungen, dramatisch daneben liegen.

Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich in: Stehr, Nico/Grundmann, Reiner (2010): Expertenwissen. Die Kultur und die Macht von Experten, Beratern und Ratgebern, Weilerswist, Velbrück Wissenschaft › Nico Stehr

When the Berlin Wall fell on November 09, 1989, experts from politics, academia and even the secret services looked rather stupid: Only a few of them had foreseen the collapse of the Iron Curtain. The same applied to the Arab Revolution in the spring of 2011. When the crisis of global finance, the banking sector and the economy began on August 09, 2007, some economic experts had raised an admonishing finger, but had not been heard. Experts are fashionable as never before: They are represented in numerous parliamentary commissions, consult corporations, and populate talk shows. They are at the same time indispensible and controversial. Why is it that so-called experts have gained in importance to such an extent? What is it that makes an expert an expert? Which role do they take on? And what all do experts know (or not?) Professor Nico Stehr, who holds the Karl-Mannheim-Chair for Cultural Sciences, has analyzed this. His result, “Experts are knowledge brokers, they use the free space that exists between knowledge production and the need for consulting, between the ­insecurity of academic facts and the need for action, ­between the release of academic research and findings and the urgent daily business.”


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31 _Zwischenfrage an Stephan A. Jansen: Welche Wissenschaftsdisziplinen und Praxisfelder nehmen das Civil Society Center und die konkreten Forschungsarbeiten auf? „Wir arbeiten bei der Zivilgesellschaftsforschung zwischen der Ökonomie, der Politik- und Verwaltungswissenschaft, der BWL und natürlich der Kommunikationswissenschaft und der Soziologie. Praxisfelder sind Stiftungen, Wohlfahrtsverbände, NPOs und NGOs sowie öffentliche Verwaltungen und CSR-Abteilungen wie auch Sozialunternehmen.“

Die Vermessung von Sozialunternehmen in Deutschland Weshalb boomen Geschäftsmodelle ohne Gewinnabsicht?


32 _Zwischenfrage an Saskia Richter: Wie könnte man Sie bei Ihrer Forschung unterstützen? „Die Zivilgesellschaft ist nicht vom Schreibtisch erforschbar. Wir freuen uns über engagierte Sozialunternehmer und innovative Wohlfahrtsverbände, die uns von ihren neuen Geschäftsmodelle berichten. Und wir freuen uns über weitere Wissenschaftsförderer – denn das Thema ist so wichtig wie unterforscht. Insbesondere im internationalen Bereich.

Nachhilfe für Hauptschüler, die Ausbildung von Behinderten und die Betreuung von Strafgefangenen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten organisieren, dabei aber keine Gewinnabsicht verfolgen, sondern das soziale Problem lösen: In Deutschland boomen Sozialunternehmen – auch an der ZU. Nun werden sie erstmals eingehend untersucht. Das Civil Society Center | CiSoC an der ZU hat im Rahmen des Mercator Forschungsnetzwerkes „Social Entrepreneurship“ mit einer Vermessung von ­Sozialunternehmen in Deutschland begonnen.

In den vergangenen Jahren gab es in den Medien viel Berichterstattung über unternehmerische Gründungen im sogenannten Dritten Sektor. Sozialunternehmen wirken wie die unternehmerische Hoffnung der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Aber wie sind Sozialunternehmen organisiert, wie kommunizieren sie, wie refinanzieren sie sich und wie werden sie reguliert? All das sind Forschungsfragen, die Professor Dr. Stephan A. Jansen und Dr. Saskia Richter vom Civil Society Center | CiSoC analysieren. Im Rahmen des Mercator- Forschungsnetzwerkes „Social Entrepreneurship“ | MEFOSE unter­ suchen sie gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Heidelberg und der TU München und ge­ fördert durch die Stiftung Mercator rund 2.000 Sozialorganisationen in der bisher größten bundesweiten Befragung zum Thema. Ziele des Forschungsnetzwerks sind (1) die erste breit angelegte wissenschaftliche Analyse zu Sozialunternehmen und deren Umfelder in Deutschland und (2) Handlungsempfehlungen für Politik, Zivilgesellschaft, Hochschulen und Organisationen. Das Forschungsnetzwerk erstellt definitorische Arbeiten zum Thema Sozialunternehmertum in Deutschland und bettet diese in Untersuchungen zur Zivilgesellschaft ein. Zudem sind die Wissenschaftler gemeinsam mit der Stiftung Mercator in Politikberatungen der Bundesregierung eingebunden, so dass sie sich nicht nur Forschungsergebnisse, sondern auch konkrete Aktivitäten versprechen. Was heißt das für die Forschung und die ZU selbst? Die Vermessung der befragten Sozialunternehmen – also Gründern der letzten fünf Jahre (social entrepreneure) sowie Wohlfahrtsverbänden (social intrapreneure) – erfolgt anhand der vier Kriterien Organisation, Markt, Kommunikation, Finanzierung. Quer zu diesen Hauptkategorien liegen die Fragen nach Entstehung, Legitimität und Governance. Dabei greifen die Studien das Phänomen in seiner vollen Breite. Sie

sind daher inter- und multidisziplinär mit Methoden und Kontextualisierungen angelegt und verwenden Ansätze und Theorien aus Politikwissenschaft und Soziologie, Betriebswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft, Geschichte und Philosophie. Die Untersuchung von Sozialunternehmen ist für die ZU von besonderem Interesse. Einige solcher Unternehmen wurden in den vergangenen Jahren von Studierenden der Universität selbst gegründet: „Rock Your Life“, „greenestcar.de“ und „Spread the Word“ – dies alles sind soziale Organisationen im Fokus des Forschungsnetzwerks, die an der ZU gegründet wurden. Nicht verwunderlich, dass die ZU im Frühjahr 2012 von der Stiftung Mercator mit dem Preis „Mehr als Forschung und Lehre!“ prämiert wurde. Unter dem Stichwort „University Social Responsibility“ integriert die ZU gesellschaftliches Erfahrungslernen in das Studium. Das CiSoC ist seit seiner Gründung im Jahr 2010 stark gewachsen – insbesondere durch Förderung eines internationalen Graduiertenkollegs mit vier afrikanischen und lateinamerikanischen Universitäten durch die Siemens Stiftung. Hier geht es um eine vergleichende Analyse des „Social Economic Empowerment“ – mit Fokus auf Sozialunternehmen. Aber was sind Sozialunternehmen genau? Zur Vermessung der Organisationen hat das Netzwerk eine Definition mit 14 Kriterien formuliert: Darin gehen die Wissenschaftler davon aus, dass Sozialunternehmen (1) Gründungsorganisationen oder (2) Neuausrichtungen bestehender Organisationen sind, die (3) einen hohen Institutionalisierungsgrad mit (4) vorzugsweise gesellschafts- bzw. vereinsrechtlicher Konstitution und (5) den damit verbundenen formalen Governance-Strukturen aufweisen. Sie setzen dabei (6) auf eine unternehmerische Entwicklung von (7) skalierbaren innovativen Blueprints, imitierenden Gründungen bzw. Neuausrichtungen bestehender Organisationen zur (8) Linderung und Lösung sozialer Probleme.


33 Eine ausführliche Darstellung der Studie findet sich im Internet unter www.mefose.de Download der Arbeitsdefinition von Sozialunternehmen: › papers

Sozialunternehmen setzen dabei (9) auch auf vermittelte und auf Gesellschaft referierende Selbstlegitimierung und (10) die nicht ausschließlich der marktlichen Austauschlogik folgenden Mobilisierung wertschöpfungs- bzw. organisationsbezogener Ressourcen Dritter. Sie bewegen sich (11) entweder im Wettbewerb zu staatlichen bzw. staatsnahen Leistungserbringern wie auch der organisierten Zivilgesellschaft oder sind (12) analog zu klassischen Unternehmern für eine Marktneuschaffung verantwortlich. Sozialunternehmen (13) weisen kein Selbsterhaltungsinteresse auf, wenn das zugrunde liegende „soziale Problem“ gelöst ist bzw. die Identifikation von sozialen Problembereichen und deren Lösungsüberlegungen in der Aufgabenerledigung in andere – marktliche, staatliche oder teilstaatliche – Strukturen effizienter überführt wurde. Schließlich geht das Netzwerk zudem davon aus, dass Sozialunternehmen (14) zu dem marktlich-ausgerichteten Geschäftsmodell zur Selbstfinanzierung ggf. nachhaltige Hybrid-Finanzierungen aufweisen. Wann gibt es erste Ergebnisse? Das CiSoC arbeitet derzeit an der quantitativen Auswer tung von 251 Sozialunternehmen und der ­qualitativen Auswertung von 28 weiteren Sozial­ unternehmen. Diese erstmalige und umfangreiche Analyse ermöglicht komplexe Erhebungsmöglichkeiten. Das CiSoC wird im Juli 2012 an der ZU in Friedrichshafen mit allen zehn beteiligten Universitäten und der Stiftung Mercator eine Abschlusskonferenz veranstalten. Die Ergebnisse werden dann auf der Homepage www.mefose.de veröffentlicht werden.

In the last years there have been many reports in the media about foundations in the so-called third sector. Social enterprises seem to be the entrepreneurial hope of the civil society of the 21st century. But how are social enterprises organized, how do they communicate, how do they refinance themselves and how are they regulated? All these are research questions that Professor Dr Stephan A. Jansen and Dr Saskia Richter from the Civil Society Center | CiSoC analyze. In the context of the ­Mercator research network “Social Entrepreneurship” | MEFOSE, together with scientists from the University of Heidelberg and the TU München and sponsored by the foundation “Stiftung Mercator” they research approximately 2,000 social enterprises on this topic – the most comprehensive survey in Germany up-to-now. The aims of the research network are the first, broad-based academic analysis on social enterprises and their environments in Germany, as well as recommended actions for politics, the civil society, universities and the organizations. The research network draws up defining works on the topic of social entrepreneurship in Germany and embeds them in analyses on civil society. Additionally the scientists – together with the foundation “Stiftung Mercator” – are involved in the political consulting of the federal government, so that they expect not only ­research findings but also concrete activities.


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Von Marken und Managern, Gott und Gemeinder채ten Wor체ber forschen eigentlich Studierende?


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Für eine forschungsorientierte Universität ist gerade auch studentische Forschung von großem Belang. Und für die Studierenden ist die Arbeit an der Bacheloroder Master-­Thesis das zentrale wissenschaftliche E­rlebnis ihres gesamten Studiums. Die besten Arbeiten werden zweimal im Jahr preisgekrönt. Eine Auswahl: Was macht den Wein zur Marke? Welchen Einfluss hat die Markenentstehungsgeschichte auf die Markenpersönlichkeit? Mit dieser Frage beschäftigte sich Jana Hauck in ihrer BachelorArbeit. Die Studierende der Wirtschaftswissenschaften wollte wissen, wie positiv oder negativ sich der Erfinder einer Marke auf das Image des Produkts auswirkt. Vor ihrer Forschungsarbeit begann man mit der Markenforschung immer erst dann, wenn die Marke schon existierte. „Es wurde nie untersucht, ob die Markengeschichte einen Einfluss auf die Markenpersönlichkeit hat“, erklärt Professor Reinhard Prügl, der die Arbeit begleitete. Kann womöglich die Ent-

stehungsgeschichte einer Marke als Marketing-Instrument eingesetzt werden? Dieser Sache ist Hauck in ihrer Arbeit auf den Grund ge­gangen. Um den Prozess der Markenbildung von Anfang an zu betrachten, gründete die Winzertochter eine eigene Agentur und entwarf eine Weinmarke. „kunststück“ heißt sie, ein Cuvée aus Weißem Burgunder und Auxerrois. Um die Flaschen gegenüber dem großen Angebot zu unterscheiden, bekam die Marke ein markantes, aber auch schlichtes Etikett. Die Lizenz gab sie ihren Eltern, die in Rheinhessen Wein anbauen. Seit 300 Jahren führt ihre Familien den Traditionsbetrieb. Für Hauck lag es daher nahe, sich in ihrer Forschungsarbeit auf ihr bekanntem Terrain zu bewegen, zumal sie schon Erfahrung beim Verkauf von Wein im familieneigenen Laden gesammelt hatte. Im ersten Jahr (2009) verkaufte sie 8000 Flaschen vom „kunststück“. 2010 waren es 15000, und die Nachfrage steigt stetig. „Der Wein läuft wirklich gut.“


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Um nun die Auswirkung der Entstehungsgeschichte auf die Marke zu erforschen, erstellte Hauck einen Fragebogen, bei dem die Probanden in verschiedene Gruppen eingeteilt und zu ihrer Markenwahrnehmung befragt wurden. Dabei wurde jeder Gruppe eine andere Markengeschichte erzählt. So ging eine Gruppe davon aus, dass eine Werbeagentur für die Schaffung der Marke verantwortlich war. Einer anderen erzählte sie, dass der Winzer selber auf die Idee gekommen sei. Selbst die Entwicklung der Marke durch eine Online-Community war Bewertungsgrundlage einer Reihe von Probanden. Nach dem Zufallsprinzip wurden die Teilnehmer in gleich große Gruppen eingeteilt und bekamen den individuellen Entstehungstext und ein Bild der Weinflasche vorgelegt. Anschließend bewerteten sie, wie sie die Marke wahrnahmen. Bewertet wurden die Kategorien Kompetenz, Integrität, Extravaganz, Ästhetik, Erotik, Dynamik, Kreativität, Stabilität und Natürlichkeit. Auf einer Skala von eins bis sechs durften die Probanden über die einzelnen Facetten der Markenpersönlichkeit abstimmen. Das Ergebnis war eine große Überraschung: Je nach Markenschöpfer wurden die Charaktereigenschaften unterschiedlich stark bewertet. So wurde etwa dem von der Online-Community entworfenen Wein eine große Dynamik, Kreativität und Extravaganz attestiert. Übernahm der Winzer die Marken­ kreation, bewerteten die Probanden den Wein als kompetent, integer und natürlich. Das härteste Urteil gab es bei der Werbeagentur: Inkompetent, unästhetisch und unnatürlich sei die Marke, urteilten die Befragten. Mit ihrer Arbeit stellt Hauck fest, dass die Markenkreatoren einen direkten Einfluss auf die Markenpersönlichkeit haben. „Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten, sein Produkt zu positionieren“, erklärt

Reinhard Prügl. Hauck rät: „Unternehmen sollten sich der Tatsache bewusst sein, dass die Kommunikation einer bestimmten Markenentstehungsgeschichte einen Einfluss darauf hat, wie die Marke wahrgenommen wird.“ Winzer, die ohnehin oft die Markenkreatoren seien, sollten dies auch kommunizieren. So ließen sich leicht die Eigenschaften „kompetent“ und „authentisch“ auf die Marke übertragen. Auch könne man Stammkunden in die Entwicklung neuer Weine einbinden. „So wäre es vorstellbar, im Rahmen von Weinfesten oder Weinproben einen Markenkreationsworkshop anzubieten“, schlägt Jana Hauck vor. Von der Einsetzung einer Werbeagentur rät sie nach ihrer Studie ab: „Gerade beim Wein wünscht sich der Kunde das Persönliche.“


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Weitere ausgezeichnete studentische Forschungsprojekte:

Wie legitimieren sich Gemeinderäte?

Was löste die Finanzmarktkrise aus?

Inspiriert durch den Konflikt um „Stuttgart 21“ hat sich Andrea Henkel (Politik- und Verwaltungswissenschaften) die Frage nach der Legitimität von politischen Entscheidungen auf lokaler Ebene gestellt. Beruhend auf fünf Leitfadeninterviews konnte sie dabei Schwächen unter anderem am Wahlsystem und bei der Verflechtung zwischen Kommunalpolitik und wirtschaftlichen Interessen der Gemeinderäte ausmachen. Demokratische Mechanismen behindern sich zudem gegenseitig: Da der Bürgermeister oft ohne feste Mehrheit amtiert, trägt keine „Regierungspartei“ direkt die Verantwortung. Gleichzeitig finden zwischen den Parteien Grabenkämpfe statt, die Entscheidungen unter Berücksichtigung aller Interessen verhindern.

Karl Bredemeyer (Wirtschaftswissenschaften) beschäftigte sich während der Finanzmarktkrise mit deren Ursachen. Dabei konzentrierte er sich auf die Rolle der Ratingagenturen, deren Verwicklung in Interessenkonflikte und regulatorische Sonderregelungen ihn nicht mehr losließen. Ihm fiel auf, dass Ratingagenturen bei fehlerhaften Einschätzungen und Investitionsempfehlungen keinerlei rechtliche Schritte zu befürchten haben, da sie lediglich eine „Einschätzung“ abgeben. Dass insbesondere staatliche Rentenfonds und Pensionskassen ausschließlich in Produkte investieren durften, die von mindestens einer der großen Agenturen mit Investment Grade (BBB bis AAA) bewertet wurden, machte die Auswirkungen umso dramatischer. Um Krisen entgegenzuwirken, schlägt Bredemeyer vor, eine unabhängige Agentur zu gründen, die den kompletten Prozess von der Anbahnung bis zur Durchführung der Ratings und der anschließenden Überwachung begleitet.

Kann man Sterben lernen? Lukas Palm (Kommunikations- und Kulturwissenschaften) untersuchte in seiner Bachelor-Arbeit, wie Menschen im Hospiz den Umgang mit dem Sterben durch Komik und die Institution Hospiz (er-)lernen. Denn die Ausbürgerung des Sterbens aus der Gesellschaft und der Fortschritt der technischen ­Medizin führten dazu, dass der Sterbeprozess heute kaum mehr ein natürliches Ende findet. Palm hat sich dem Thema gewidmet, weil er ein Jahr in einem Hospiz gearbeitet und in dieser Zeit über hundert Menschen bis zum Tod begleitet hat. Bei seiner Untersuchung griff er auf seine einjährigen Beobachtungen im Hospiz, auf Videoaufnahmen und Fotographien zurück. Die Analyse erfolgte mit Hilfe des dramaturgischen Konzepts von Erving Goffman. Palm zeigt, dass durch das Hospiz ein selbstbestimmtes Sterben möglich wird. Gerade durch Komik schafft es die Institution zudem, ein Sterben in Würde zu ermöglichen.

Wie beeinflussen Medien das Gottesbild? Kann es sein, dass Gottesvorstellungen nicht nur mit Traditionen und Konventionen, sondern vor allem mit Verbreitungsmedien variieren, die in einer Gesellschaft jeweils den Ton angeben? Diese Fragestellung hat der Pastorensohn Jakob Christian Jekat (Kommunikations- und Kulturwissenschaften) anhand der Theologie Martin Luthers und der Pfingstbewegung untersucht. Er hatte den „hartnäckigen Verdacht“, dass Gottesvorstellungen „umkippen müssen“, wenn nicht mehr das Reformationsmedium Buchdruck, sondern der Computer den Ton angibt. Seine Untersuchung ergab, dass im Buchdruckzeitalter die Vorstellung eines „Buchstabengottes“ dominierte, der einzig und allein im Lesen der Heiligen Schrift offenbar wird. Im Zeitalter elektronischer Medien dagegen ist vor allem die Gottesvorstellung des „Heilige Geistes“ präsent. Das liegt daran, dass der Heilige Geist etwas Flüchtiges an sich hat – und es daher besser mit der Geschwindigkeit des digitalen Zeitalters aufnehmen kann.

Wie wirkt sich Eigeninteresse von Managern aus? Sofern sie nicht durch Marktkräfte oder hierarchische Regeln diszipliniert werden, neigen Manager dazu, in ihrem Eigeninteresse anstatt im Interesse des Unternehmenseigners zu handeln – beispielsweise durch Verfolgung von unrentablen Prestigeprojekten. Arsen Fazlovic (Politik- und Verwaltungswissenschaften) untersuchte dies am Beispiel der Deutschen Bahn AG. Als formell privatisiertes öffentliches Unternehmen in einem ehemaligen Staatsmonopol unterliegt die Deutsche Bahn AG weder der wettbewerblichen Disziplinierung des Marktes noch der hierarchischen Disziplinierung des Staates. Sie weist daher zahlreiche eigennützige Verhaltensweisen des Managements aus, welche der Bundesrepublik Deutschland als Eigentümerin direkt und indirekt schaden. Der besondere Reiz des Forschungsthemas lag für Fazlovic darin, die inneren Widersprüche und Unzulänglichkeiten der Deutschen Bahn nicht mehr nur vom Ende her – nämlich als Kunde, Bürger und parteipolitisch Engagierter – zu beobachten, sondern sie auch vom Anfang, von ihrer Wurzel her verstehen zu lernen.

Lohnen sich Übernahmen von Technologiefirmen? Nein, hat Mark Hahnfeld (Wirtschaftswissenschaften) in seiner Master-Arbeit festgestellt. Seine Motivation fand er in seinem Interesse für den Bereich Mergers & Acquisitions und dem Willen, eine empirische und quantitative Arbeit zu verfassen. In einer kurz- und langfristigen Ereignisstudie von 1046 Übernahmen in den Jahren 1989 bis 2009 ermittelte er, dass die Käufer einen Wertverlust der Aktien in Kauf nehmen mussten. Ein überraschendes Ergebnis fand er bei der sogenannten Kontrollprämie. Dabei handelt es sich um den Betrag, der über dem tatsächlichen Marktpreis gezahlt wird. Diese Prämie ist im Laufe der Zeit gewachsen. Der Kunde zahlt bei der Übernahme somit viel mehr, als er eigentlich müsste.


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Ein Magazin als künstlerisches Experiment Warum und in welcher Form konzipierte Ruediger John diese Publikation

Auf Einladung der ZU hat der Künstler Ruediger John in Zusammenarbeit mit der Agentur Schindler Parent das neue ZU-Hochschulmagazin auf konzipiert. Ulrike Shepherd, Kuratorin am artsprogramm der ZU, sprach mit dem österreichischen Künstler über künstlerische Perspektiven, Methoden und Interventionen in der kooperativen Konzeptionsentwicklung. Seit 2007 ist Ruediger John über künst­lerische Beiträge, Veranstaltungen und die Entwicklung zweier Publikationen im artsprogram der ZU vertreten.

In welchem Verhältnis steht die Aufgabe, das Magazin in einem gemeinsamen Prozess mit der ZU und der Agentur zu konzipieren, zu Ihrer bisherigen künstlerischen Arbeit? Aus künstlerischer Sicht interessieren mich die Übergangsbereiche zwischen gesellschaftlichen Subsystemen, wie beispielsweise die Überschneidungen zwischen Kunst und Wirtschaft oder Kunst und Wissenschaft. Ein prozesshaftes, künstlerische Arbeiten an diesen Peripherien bedient sich spezifischer Interaktionen und Interventionen, will man den gesellschaftlichen Dynamiken, Ritualen und Kommunikation in kritischer Form gerecht werden, also „sozial in-situ“ arbeiten. Die künstlerische Vorgehensweise bedient sich auch der Recherche von Fragestellungen und kritischen Diskursen außerhalb der fachspezifischen Kanons – für eine multiperspektivische, kritische Auseinandersetzung mit konkreten Situationen im transdisziplinären Arbeiten. In dieser Form kooperiere ich seit geraumer Zeit immer wieder mit Institutionen, sowohl im akademischen Umfeld, als auch mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Ich betrachte dies als eine Form „kritischer Ästhetik“ und arbeite in diesem Sinne seit Mitte der 90er Jahre definitorisch und praktisch in „künstlerischer Forschung“.

Die Arbeitsweise, welche auf einer anfänglichen ­Recherche basiert und den Entwicklungsprozess als integralen Bestandteil des jeweiligen Projektes ­ansieht, ist demzufolge situationsbezogen. Welche Ausgangssituation haben Sie für die Konzeption des Hochschulmagazins vorgefunden? Die ZU plante ein Magazin, welches einen zweijährlich erscheinenden Tätigkeits- und Forschungsbericht ersetzen sollte und damit zeitnaher und in einer neuen Qualität der Reflexion und Kommunikation der Tätigkeiten, Diskurse und Ideen der ZU vermitteln sollte. Aus einem ersten Brainstorming entstand der Auftrag, eine Konzeption aus künstlerischer Perspektive zu entwickeln und im Team mit der ZU und der Agentur Schindler Parent zu realisieren. Dabei war es ein gemeinsames Anliegen, das Magazin als Infrastruktur so zu gestalten, dass es neben der Funktion als Informationsmedium der Universität auch eine solide Basis für wechselnde Beiträge und Interventionen auch externer Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler, sowie dabei vor allem auch Raum für visuelle Explorationen und Experimente bietet. Diese erste Ausgabe ist der Ausgangspunkt für weitergehende Versuche.


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Die experimentelle Untersuchung von Publikationsformaten führt zu jeweils spezifischen und oft überraschenden Ergebnissen. Beispiele hierfür sind die in einer Zusammenarbeit mit dem artsprogram entstanden Publikationen „Logbuch 2009/10“ und der Kunstführer „Cicerone“. Welche künstlerischen Anliegen haben Sie in der Gestaltung des Magazins verfolgt? Zum Beispiel sind die Inhalte dieses Magazins anders als üblich strukturiert, so wird zwischen Erkenntnisteil und Informationsteil unterschieden, und diese sind gestalterisch voneinander abgesetzt, beispielsweise indem der Forschungsteil explizit Fußnoten vorsieht und wie der Reportageteil den Bildteil integriert. So wird redaktionell immer klar, welchem Anspruch man sich mit Beiträgen im jeweiligen Teil stellen muss; das unterstützt die Selbstreflexion, und so können sich die beiden Teile unabhängig voneinander entwickeln. Bei der Konzeption wurde darauf geachtet, dass das Magazin gestalterisch eigenständig ist. Zugleich aber sollte der Herausgeber und dessen ästhetisches Profil wiedererkennbar bleiben. So sind Schrifttypen und Layout eigenständig und bilden mit der Haptik des Materials und der besonderen Konfektionierung eine eigene Qualität. Sowie sind von mir Vorgehensweisen für redaktionelle Elemente und ästhetische Interventionen entwickelt worden, welche auch in künftigen Ausgaben umgesetzt werden. Diese stellen einen erweiterten künstlerisch-ästhetischen Zugang zu den Informationen dar. Das Magazin wurde in einen Bereich, der aus der Forschung berichtet, und in einen Reportage-Teil zu universitärem Leben gegliedert und beide Teilbereiche visuell unterschieden. Welche Kriterien bestimmten die jeweiligen gestalterischen Zuordnungen? Konzeption des Magazins ist es auch, eine künstlerische Mitwirkung als Forschungsbeitrag und Kommentierung der Themen zu integrieren. Die visuellen künstlerischen Elemente im Magazin – in der ersten Ausgabe die Zeichnungen – sind Teil der Rubrik der Forschung und haben als solche den Auftrag, ein kritischer ästhetischer Beitrag zu dieser zu sein – eben nicht einfach Illustrationen oder Ornamente. Dieser Anspruch an die künstlerischen Arbeiten wird sich auch in den künftigen Ausgaben fortsetzen, wenn andere Künstlerinnen und Künstler eingeladen werden. So werden den wissenschaftlichen For-

schungsbeiträgen die künstlerischen, welche unterschiedlichster Form sein können, als Erkenntnisarbeit ebenbürtig gestellt. Der vordere Teil des Magazins fungiert als Bildfläche, gibt visuellen Arbeiten Gestaltungsraum und hat ein variables Textraster. Den Reportageteil zum universitären Leben haben wir über die Gestaltung der Foto- und Farbflächen in Form von fragmentierten Z-Elementen eine dynamische, expressive Eigenständigkeit gegeben, welche sich auch in anderen Medien nutzen lässt. Die Bildstrecke aus Zeichnungen wird sicherlich vor allen anderen ästhetischen Entscheidungen als künstlerischer Beitrag aufgefasst werden, doch gerade dieser bildnerische Beitrag ist nicht typisch für Sie. Wie kam es also, dass Sie sich für das Medium Zeichnung entschieden haben? Für die Zeichnungen in dieser Ausgabe habe ich einen ganz alltäglichen Kugelschreiber verwendet und auch in den abgebildeten Motiven mich aus Alltagseindrücken bedient. Diese kommentieren assoziativ den Themenkomplex „Macht und Mitsprache“, nehmen zugleich auf unterschiedliche Weise Bezug auf die Fachartikel und fügen dabei eine Facette hinzu. Mit diesen kann der Betrachter auf eine assoziative Wahrnehmungsexkursion gehen, bei der der Titel und jeder Artikel, aber auch die Abbildungsfolge an sich als Wegweiser dienen können. Ich habe die Zeichnungen in dieser Form als Verweis auf ein Sprezzatura erstellt, dies kann man sowohl als künstlerische Technik verstehen, als auch als Kommentar zum Titelthema dieser Ausgabe. Die Alltagsmotive, wie auch die künstlerische Umsetzung mit reduzierten Mitteln möchte die Betrachtung über die Abbildung und dessen Elemente hinaus lenken. Auffällig ist an der ersten Ausgabe der neuen Magazinreihe die Betonung von Sinnlichkeit in der Materialität des Covers und in die Textur der Zeichnungen. Das Magazin sollte nicht nur inhaltlich agil sein, sondern dies auch in der Gestaltung des Covers und des Formates nach außen tragen, denn ein Element der Konzeption ist das Aufbrechen der sonst üblichen Raster von Publikationen. Die erste Ausgabe öffnet sich zum Auftakt mit ihrem transparenten Umschlag mit Inhalten und Quellen ganz direkt und auch die folgenden Ausgaben werden sich in der Wahl des Umschlages verän-


40 _Ruediger John (A) bedient sich in seinen künst­ lerischen Arbeiten sowohl situativer, installativer, ­interventionistischer Formen, wie auch rechercheund publikationsorientierter Strategien. Seit 1997 ­beschäftigt er sich in theoretischen und praktischen ­Arbeiten in künstlerischer Forschung und systemischer Kunst. Mit der Gründung ,,Gesellschaft für ­kritische Ästhetik“ fokussierte er transdiziplinäres ­Arbeiten und Forschen und die Anwendung ästhe­

tischer und künstlerischer Kompetenzen in gesellschaftlichen Subsystemen, wie Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, u.a. zur Verankerung eines differenzierten Reflexionswissens. Seit 2007 ist Ruediger John über künstlerische Beiträge, wie ,,Orientierung“ (2007), Veranstaltungen und die Entwicklung der Publikationen „Logbuch“ und „Cicerone“ im artsprogram der ZU vertreten.

dern und thematisch anpassen. Für die kommenden Ausgaben sind bereits weitere, direkte Eingriffe in das Format des Buchblockes in Vorbereitung – diese werden ebenfalls thematisch gewählt. Bei den Zeichnungen wird durch die starke Nahansicht der Linien und damit dem Zeigen der Materialität der Kugelschreibertinte ein Mikrokosmos an Details sichtbar. Durch die Unsauberkeiten, sowie das Verstärken der kleinsten zeichnerischen Ungenauigkeiten entsteht eine sinnliche Linienführung. In der Umkehrung, der im Papier durchgedrückten Zeichnung, wird in der Nahaufnahme die Haptik des Trägermaterials – aber als fragile Abbildung – sichtbar. In der Publikation finden sich auch Text-Interventionen, wie die Hervorhebung thematischer Textelemente und inhaltliche Eingriffe. Welchen Mehrwert haben Sie damit intendiert? Jede Ausgabe des Magazins hat ein Leitthema – in dieser Ausgabe „Macht und Mitsprache“ – zu der ein Assoziationsfeld, welches durch alle Texte des Magazins nachverfolgt werden kann, erstellt wird. Eigentlich separat stehende Artikel zum Thema, Texte und Meinungen werden über das Hervorheben von auf das Thema bezogenen Begriffen zu einem weiteren Bedeutungsfeld miteinander vernetzt. Dies ermöglicht es, beim Durchblättern das Thema, dessen Begriffsvielfalt und Subjektivitäten, in einer Übersicht wahrzunehmen. Beim Lesen können sich „serendipity“Momente, also ein zufälliges Finden, einstellen und zur Wahrnehmungsschärfung und Bedeutungsreflexion anregen. Mit der Intervention der „Zwischenfragen“ wurde ein festes Schema eingerichtet, welches weitergehende Fragen an die Autoren der Forschungsbeiträge stellt. So entsteht, neben dem fachlich-distanzierten Artikeltext, ein Eindruck zur Persönlichkeit und Motivation des Froschers, eine Folgerung aus den Forschungsergebnissen zu Auswirkungen und zum alltäglichen Handeln, sowie ein Einblick, was der Wissenschaftler weiter plant und welche anderslautenden Studien es gibt. So wird der abgeschlossene, rationale Fachbeitrag durch Schnittstellen in persönlicher, gesellschaftlicher und fachlicher Hinsicht geöffnet.

_Ulrike Shepherd (D) ist seit 2007 als Kuratorin am artsprogram der Zeppelin Universität tätig. Das artsprogram etabliert zeitgenössische künstlerische Praxis als Bestandteil von Lehre und Forschung an der ZU. Künstlerische Praxis, verstanden als sinnlichästhetische Form von Forschung, ist Teil des interund antidisziplinären Grundansatzes der Zeppelin Universität. mehr: www.zeppelin-university.de/artsprogram

In Ihrer Erkundung des Formats Magazin verlassen Sie das Printmedium über ein Token-System und erweitern es durch Online-Inhalte. Wie steht diese Virtualisierung von Information zu Ihrem Anliegen einer sinnlichen Erfahrung beim Leser? Die Konzeption des Magazins umfasst auch einen digitalen Teil. Für das Magazin und darüber hinaus haben wir ein Token-System entworfen, über welches man auf medienspezifisch erweiterte Inhalte, quasi als digitale Fußnoten, zugreifen wird können und dynamische Queries und Informationsansichten möglich sind. Im Rahmen der Überlegungen zu einer zeitgemäßen Funktion eines Printproduktes, als auch zum redaktionellen Inhalt, habe ich vorgeschlagen, das Magazin eben auch als ein objekthaftes, statisches Interface zu digitalen Inhalten zu betrachten. Als ein Medium, welches die Eigenheiten und Vorzüge bewährter Wahrnehmungs- und Lesegewohnheiten anbietet und diese zugleich nutzt, um zu dynamischen und aktualisierten Inhalten zu verbinden. Es geht dabei also auch um die Frage, welches die intrinsischen Qualitäten des jeweiligen Mediums tatsächlich sind und wie sich diese verbinden lassen, ohne dabei in Konkurrenz zu stehen, sondern indem sie eine Medienkonnexion ermöglichen. Das gedruckte Magazin hat ästhetische, rituelle und prozessuale Vorteile, welche woanders nicht existieren, und umgekehrt bietet die Digitalität Möglichkeiten, welche man nicht im Print umsetzen kann. An den ästhetischen Verfahrensweisen und Gestaltungen, die zum Einsatz kommen, zeigt sich eine von Konventionen unverstellte Perspektive auf die Fragestellung einer Magazinkonzeption. Wie gestaltete sich die künstlerische Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber ZU und den Grafikexperten der Agentur Schindler ­Parent im Entwicklungsprozess? Die ZU war mit der Beauftragung in dieser Konstellation auch mutig – denn allen war klar, dass es nicht eine schnelle, simple und damit oberflächliche Arbeit werden dürfte, sondern eine, bei der man im Prozess alles infrage stellen und andersdenken wird und nicht die schnellste Antwort, sondern die wohlüberlegte zählt.


41 _Zu den Zeichnungen _Titelseite: Aufmarschierende Formationen von Märschen und Paraden deuten auf hierarchische Strukturen hin und sind auch deshalb taugliche Mittel der Demonstration von Macht und fehlender Mitsprache.

Ich schätze an der ZU den Qualitätsanspruch, das Ver trauen in Fähigkeiten und die Schaf f ung von Denk- und Gestaltungsräumen. Die Agentur Schindler Parent hat mich für die Dauer des Projektes als externen Creative Director aufgenommen, und ihr Können und meine Herangehensweise an ein solches Thema haben sich wunderbar ergänzt. Mit dieser ersten Ausgabe stellt sich auch die Frage, wie das Experiment weitergehen kann. Welche Konstanten, welche Variablen wurden in der Konzeption und mit dem ersten Erscheinungsbild gesetzt, was können wir erwarten? Der ZU war wichtig, dass es sich bei dem Magazin nicht einfach um eine singuläre „Kunst-Aktion“ handelt, sondern dem Prinzip der ZU, die Künste prominent und auf Augenhöhe in den akademischen Lehrund Forschungsbetrieb zu integrieren, gerecht wird. So hatte ich das auch schon in der Zusammenarbeit mit dem artsprogram kennengelernt. Die künstlerische Arbeit an diesem Magazin umfasst zu einem wesentlichen Teil konzeptuelle Elemente, ist also nicht auf das Visuelle beschränkt. Insbesondere hatte mich die ZU auch mit der Schaffung der Struktur und Ausrichtung der Publikation beauftragt. So sind Grundlagen geschaffen worden, welche nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, sich aber in den kommenden Ausgaben weiter entfalten werden. Meine Begleitung des Magazins, mit dem gesamten Team, ist als ein Übergang auch für die kommenden Ausgaben geplant, wodurch die Konzeption und Struktur gefestigt wird. Die Konzeption sieht vor, dass das Magazin selbst Untersuchungsobjekt ist und wir Fragen der Kommunikation, Informationsauf­ bereitung und Erkenntnisarbeit in Print und an der Schnittstelle zu Non-Print untersuchen werden. Mit der ersten Ausgabe haben wir zunächst eine Basis geschaffen, welche als solider Ausgangspunkt für weitergehende Explorationen in den kommenden Ausgaben dient – es bleibt also spannend.

_Seiten 4 bis 6: Monty Hall Problem (veridical paradox) An example in the calculus of probability which illustrates that in some cases changing your mind can raise your chances to win even if rationally it seems unlikely. _Seiten 8 bis 11: Mons Capitolinus Reiterstandbild, welches aufgrund eines Irrtums die Zeiten überdauert hat; Abbildung aus untertäniger Perspektive. _Seiten 12 bis 15: Gesteuerter Sturm auf die Zentrale der Staatssicherheit, Berlin, Normannenstrasse, 15. Januar 1990 „[…] Nun drängen zahlreiche Demonstranten zu dem Gebäude, das plötzlich von innen geöffnet wird. Die Eindring­ linge [...] werden allerdings nur in wenig sensible Gebäudeteile gelenkt. So bleibt den Stasi-Mitarbeitern noch mehr Zeit, ihre Spuren zu verwischen. [...]“ (Norddeutscher Rundfunk, NDR) _Seiten 18 und 19: Wirtschaftslandschaft (pasture) _Seiten 20 bis 23: Hortus Conclusus Der geschlossene Garten ist ein auf dem Hohelied des Tanach und des Alten Testamentes basierendes Motiv, einem erotischen Gedicht, welches die Annäherung zweier Liebender schildert, und Element der klassischen christlichen Weltdeutung. _Seiten 24 bis 27: manichini Lebensgroßes, aber abstrahiertes Modell eines menschlichen Körpers als Träger. _Seiten 28 und 29: makeshift marker Sometimes a breakdown in decorum is necessary to reveal an underlying anatomy. _Seiten 30 bis 33: tertium comparationis Ecquid sunt aliud quam breve gaudium. _Seiten 34 und 35: fashion label hyperbole (Sprezzatura) Es ist eine über ein Jahrhundert alte Einsicht Émile Durkheims, dass die sanktionierte Abweichung von einer Norm, diese Norm stützen kann. _Seiten 38 und 39: Gewölbe Mittels eines Gewölbes ist es möglich, größere Bereiche ohne Unterstützung von Hilfskonstruktionen zu überspannen. Als Unterbau genutzt, kann es, durch zahlreiche Verzweigungen, zu labyrinthischen Strukturen führen.


Die ZU 2009-2011

44 E  ditorial Geistesgegenwart statt Zeitgeist

45 G  rußwort Soviel Anfang wie nie zuvor

46-47 Im Gedenken an Professor

Dr. Heinrich Wilms

  aufgefallen 48-49 Zugänge für Forschung und Lehre

Warum folgen Wissenschaftler dem Ruf an den See?

50-51 D  eutschlands erste „Magnistudenz“ Warum braucht eine Uni einen studentischen Vizepräsidenten? 52-55 P  rominente Gäste, pointierte Sätze Was kann man von Praktikern für die Theorie lernen? 56-57 „ Rock your life!“ rockt das Land Wie kann man mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen? 58-59 Substanz statt Schnelligkeit Warum sind vier Jahre Studium besser als drei? 60-61 D  rei neue Studiengänge –

Bachelor oder berufsbegleitend

Welche Lücken schließen SPE, eMA FESH und eMA DIP?     aufgedreht

62-63 Das Start-up ist ein Tante-Emma-Laden Wie funktioniert ein traditionelles Konzept in einer schnelllebigen Zeit? 64-65 Die Geschichte von „Frosch und Löwe“ Wie wird aus einer Drogenkarriere ein ­bewegender Film? 66-67 S  prachrohr für soziales Handeln Wie lässt sich die Wiedereingliederung von ­Häftlingen in die Gesellschaft verbessern?

Politische Kultur auch in der Praxis 

Welche Gruppierungen sind aktiv?


aufgebessert

68-69 E  in Grundstock für das Gründungs-Biotop Warum fördert die ZU Micro Equity GmbH & Co. KG ­studentische Jungunternehmer? 70-71 V  ielseitig sollten sie sein:

überdurchschnittliche Stipendiaten der ZU

W  arum werden überdurchschnittlich so viele Studierende gefördert?

      aufgestiegen

72-73 F  estlicher Abschied für die Absolventen  W  er erhielt Bachelor- und Master-Urkunden? 74-75 E  ntscheidende Botschafter W  as folgt nach dem Studium?      aufgesammelt

76-77 I nvestition in eine nachhaltige Zukunft W  arum engagiert sich die Tognum AG für das European Center for Sustainability ­Research (ECS) an der ZU? 78-79 „ Intensiver Austausch von hohem Nutzen“ Wie erlebt ein Wissenschaftler einen ­Stiftungslehrstuhl?     aufgepasst

80-81 V  eranstaltungsvorschau Herbst/Winter 2011/12      aufgebaut

82-85 „ Wir sind Bildungs-Romantiker

und keine Ausbilder“

A  cht Jahre ZU: Was wurde erreicht und was sind die nächsten Ziele? 87 I mpressum


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Editorial

Geistesgegenwart statt Zeitgeist

Liebe Leserinnen und Leser, nicht weniger als 150 neue Magazine werden in Deutschland pro Jahr konzipiert und zu verkaufen versucht. Ob nun „Diddls Käseblatt“ bei den Kindermagazinen, „Doktors bestes“ bei den Ärzte- und Patientenmagazinen oder „Männerglück“ als Magazin für Hand- und Heimwerkerarbeiten in Hof und Garten – Zeitschriften und Zeitungen scheinen selbst auch nur Sekunden auf den Märkten zu sein. Aber ist das nicht auch ein Zeichen eines neuen auf bruchs in digitalen Zeiten? Braucht es auf von der ZU? Braucht es wirklich auch noch ein „Medium für Zwischenfragen“ aus der Wissenschaft für Gesellschaft? Vielleicht. Vermutlich. In der Wissensgesellschaft verschränken sich Journalismus und Wissenschaft immer stärker. Verlage entwickeln (wissbare) Wissensmagazine und drängen in die Sphären der Universitäten vor. Und erste Univer­ sitäten starten journalistische (informative) Publikationsformate und versuchen ­a llgemeinverständlicher zu kommunizieren. Die ZU möchte mit auf ein Magazin für Zwischenfragen, also das noch Unwissbare oder eben das nicht mehr Wissbare, das Fragwürdige, begründen und dabei Einblicke in die Geistesgegenwart der Arbeit der Zeppelin Universität geben. Die aufgeklärte und potentiell überinformierte Gesellschaft erhält immer mehr Antworten auf ungestellte Fragen. Aber diese Gesellschaft schafft auch Platz für Zwischenfragen, also Fragen, die einfach mal zwischen die immer gleichen Antworten geschoben werden. Der derzeitige Zeitgeist der Beschleunigung und Dramatisierung auf drängende Fragen unserer Zeit – Wie viel Gemeinschaft bei Gemeinschaftswährungen? Wieviel gesellschaftlicher Wandel beim Klimawandel? – bringt keine Antworten, sondern Interessen zum Ausdruck. Jede schnelle Antwort kann immer nur eine Zwischenantwort sein. Jede Lösung ist der Ausgangspunkt für ein neues Problem, jede Antwort für eine neue Frage. Und auf? Das „Medium für Zwischenfragen der ZU“ will Debatten im wahrsten Sinne der Wortes „auf-machen“, neue Perspektiven auf alte Themen eröffnen und zum Nachdenken und Vormachen anregen. Zweimal im Jahr – jeweils zum auftakt unserer Semester im September und im Januar – wird es einen thematischen Fokus geben. Unser aufrichtiger Dank gilt den aufmachern: dem Berliner Künstler ­Ruediger John und der Agentur Schindler Parent aus Meersburg, die in einem aufregenden Zwischendribbling die konzeptionelle und layouterische Umsetzung verantworten. An der ZU gilt der Redaktion – bestehend aus Rainer Böhme und seinem studentischen Mitarbeiter Malte Thießen – unser Dank ebenso wie in der präsidialen Verantwortung Tim Göbel. Und für die, die gerade noch die Zwischenfrage einwerfen wollen: warum auf? Bei einer Zeppelin Universität geht es naheliegenderweise natürlich vor allem um aufstiege und eben um „Antworten und Fragen“. Und da wir Umwege beim Denken lieben, mögen wir Abkürzungen in Titeln. So kam die ZU zu auf. Ich wünsche Ihnen viel aufregung bei der Lektüre, und – bitte – schreiben Sie uns doch immer kurz Ihre Zwischenfrage.

Ihr Stephan A. Jansen Präsident der Zeppelin Universität

„Die Zeitungen sind die Sekundenzeiger der Geschichte.“ Arthur Schopenhauer


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Grußwort

So viel Anfang wie nie zuvor

„Soviel Anfang war nie.“ Dieses Zitat vom amerikanischen Dichter Walt Whitman ist an der Hausfassade des Strand-Campus unserer Zeppelin Universität zu lesen. Nun feiert die ZU in diesem Herbst bereits ihren achten Geburtstag, und der Anfang liegt somit einige Jahre zurück. Dennoch hatte ich gerade in den vergangenen Monaten den Eindruck, dass in vielen Bereichen der Zeppelin Universität so viel Anfang wie nie zuvor war: Zunächst erreichte die Universität im Februar die Nachricht, den Hauptpreis im bundesweiten Förderprogramm „Mehr als Forschung und Lehre – Hochschulen in der Gesellschaft“ vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Stiftung Mercator gewonnen zu haben – verbunden nicht nur mit der Auszeichnung, gesellschaftlich engagierteste Universität Deutschlands zu sein, sondern auch mit einem Preisgeld von 200.000 Euro. Anfang Mai erschienen die Ergebnisse des Hochschulrankings des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), in dem alle Studienprogramme der Universität unter die Top-6 in ihren jeweiligen Disziplinen bewertet wurden. Und Ende Mai erreichte die Universität die Empfehlung des Wissenschaftsrates zur Verleihung des eigenständigen Promotionsrechts. Als dann im Sommer der Gemeinderat der Stadt Friedrichshafen auch die Voraussetzungen für die infrastrukturelle Entwicklung der Universität geschaffen hat, wurde dieser permanente Anfang nochmals sehr deutlich: Im Fallenbrunnen, unweit des Strand-Campus der ZU, wird in den nächsten Jahren ein Kreativ-Quartier entstehen, das viel mehr sein wird als eine „Lehr- und Forschungseinrichtung“. Das Ziel: ein ­Zusammenspiel von Kultur und Kunst, Forschung und Lehre, Ausbildung, Wohnen und Gastronomie, Arbeiten und Leben. Wir freuen uns bereits sehr auf den Baubeginn noch in diesem Jahr. Als Vorsitzender des Vorstands der ZU-Stiftung, die Trägerin der Universität ist, freut es mich außerordentlich, dass wir in den vergangenen Monaten zahlreiche neue Freunde und Förderer gewinnen konnten. Exemplarisch möchte ich nur einige wenige nennen: die Tognum AG für den Aufbau des neuen Europäischen Zentrums für Nachhaltigkeitsforschung, die Kienbaum Management Consultants für den Bereich Public Management & Governance und die Bausparkasse Schwäbisch Hall für ein großes Forschungsprojekt in den Wirtschaftswissenschaften. Unsere Universität lebt von einem solchen starken Netzwerk aus Freunden und Förderern, für das die ZeppelinStiftung, die ZF Friedrichshafen AG, die Zeppelin GmbH und der Unternehmer Siegfried Weishaupt als Gründungsförderer die Basis gelegt haben. Mit diesem neuen Medium – dem Magazin auf – wird sich die Zeppelin Universität noch stärker als bisher auf die wichtigen „Zwischenfragen“ der Wissenschaftler fokussieren, und weniger auf schnelle, zumeist oberflächliche Antworten. Es geht um die Möglichkeit für unsere Leser, die oft zu kurze Meldung zu einem Forschungsergebnis näher zu konkretisieren. Und damit auch die beeindruckende Forschungsleistung der Wissenschaftler der ZU zu entdecken. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre!

Ihr Ernst Susanek Vorsitzender des Vorstands der ZU-Stiftung


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Im Gedenken an Professor Dr. Heinrich Wilms Die ZU trauert um Professor Dr. Heinrich Wilms, der im September 2010 plötzlich und unerwartet im Alter von 51 Jahren verstorben ist. Wilms gehörte zum frühen Gründungsteam der ZU und war seit 2005 Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie, Wirtschafts- und Medienrecht.


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Heinrich Wilms, 1959 in St. Ingbert im Saarland geboren, begann seine wissenschaftliche Karriere mit dem Studium der Rechtswissenschaft, Philosophie und Religionsgeschichte des Alten Orient an den Universitäten Saarbrücken, Köln und Heidelberg. Mitte der 90er Jahre ­promovierte und habilitierte er sich an der Universität zu Köln, um kurz darauf dem Ruf auf die Professur für Öffentliches Recht, Rechtsphilosophie, Völker- und Europarecht, wenig später erweitert um die Fächer Medien- und Telekommunikationsrecht, der Universität Konstanz zu folgen. Dort war er zuletzt auch Studiendekan und Fach­ bereichssprecher des juristischen Fach­ bereichs, bevor er 2005 an die ZU nach Friedrichshafen wechselte.

An der ZU hatte Wilms wesentlichen Anteil am Aufbau der jungen Universität, insbesondere des ZU-Departments der Politik- und Verwaltungswissenschaften, an dem der juristische Bereich angegliedert ist. Vor dem Hintergrund des interdisziplinären Ansatzes der ZU und seiner besonders vielfältigen Forschung wirkte er zugleich aber auch stark in die Wirtschaftswissenschaften sowie die Kommunikations- und Kulturwissenschaften an der Universität hinein. So befasste sich Wilms mit Staats- und Verwaltungsrecht, Völker- und Europarecht, aber auch Medienund Telekommunikationsrecht, Steuerund Wirtschaftsrecht sowie darüber ­h inaus mit der Rechtsphilosophie und Allgemeiner Staatslehre. Er war Heraus-

geber und Autor zahlreicher Kommentare, Schriftenreihen, Zeitschriften und Monographien. Zuletzt – und einen Tag vor seinem Tod –erschien in der von ihm herausgegebenen „Studienreihe Rechtswissenschaft“ der zweite Band seines Werkes „Staatsrecht“ unter dem Titel „Grundrechte“. „Wir trauern um einen besonderen, anregenden, produktiven wie großzügigen Lehrer und Wissenschaftler“, sagte ZU-Präsident Professor Dr. ­S tephan A. ­Jansen zum Tode von Heinrich Wilms, „er verstand es auf einmalige Weise, die Wissenschaft des Rechts mit dem Visionären und dem Unternehmerischen zu verbinden. Er war den Studierenden nicht nur ein besonderer Lehrer, sondern auch ein gesuchter und geschätzter Berater.“


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aufgefallen

Zugänge für Forschung und Lehre Warum folgen Wissenschaftler dem Ruf an den See?

Auf inzwischen 26 ist die Zahl der Lehrstühle an der ZU in den vergangenen beiden Jahren angestiegen – rund 40 Prozent, vermutlich ein bundesweiter Rekord, davon sind Stiftungslehrstühle. Die Zugänge für die Wissenschaft kamen von renommierten Universitäten wie der Westfälischen WilhelmsUniversität Münster, der Technischen Universität Darmstadt, der Universität Hamburg – oder von der Österreichischen Nationalbank aus Wien, wie etwa der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Jarko Fidrmuc.


49 _Weitere Berufungen von Herbst 2009 bis Frühjahr 2011: _Professor Dr. Dirk Heckmann, Leitung des Zentrums für Recht, Sicherheit und Vertrauen in elektronischen Prozessen am Telekom Institut für Connected Cities |TICC (Herbst 2009) _Professor Dr. Reinhard Prügl, wissenschaftliche Leitung des Friedrichshafener Instituts für Familienunternehmen (FIF) und Inhaber des Lehrstuhls für Innovation, Technologie & Entrepreneurship (Herbst 2010) _Dr. Marian Adolf, Juniorprofessur für Medienkultur (Herbst 2010) _Dr. Christian Brock, Juniorprofessur am Otto Group-Stiftungslehrstuhl für Distanzhandel und Service Marketing (Sommer 2010) _Dr. Mark Mietzner, Juniorprofessur für Alternative Investments & Corporate Governance (Sommer 2010)

„Weil sich Angebot und Nachfrage entsprochen haben“: So geradezu ökonomisch einfach kann ein Wechsel von der österreichischen Bundeshauptstadt an den Bodensee sein. Vorgenommen hat ihn Professor Jarko Fidrmuc. Seit Mai 2011 ist er neuer Inhaber des ZEPPELIN-Lehrstuhls für Internationale Wirtschaftstheorie und -politik an der ZU. Freilich waren es nicht nur „Angebot und Nachfrage“, die den Wirtschaftswissenschaftler bewogen, nach Friedrichshafen zu wechseln. „Ich freue mich auch deshalb über die Arbeit an der ZU, weil mich angewandte Forschung und Lehre in den Bereichen Wirtschaft, ­Politik und Kultur immer sehr interessiert haben“, sagt der Ökonom mit dem slowakischen und dem österreichischen Pass. Fidrmuc, geboren 1968 in Bratislava, absolvierte zunächst ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der University of Economics in seiner Heimatstadt sowie an der Universität Wien, wo er 2000 promoviert wurde. In seiner Doktorarbeit befasste er sich mit der Integration Osteuropas in die Europäische Union unter besonderer Berücksichtigung struktureller Veränderungen des EU-Handels mit Osteuropa. Nach einer Tätigkeit am Institut für Höhere Studien in Wien und – unter anderem – als Berater der Weltbank für die Slowakei wirkte er auch als Lektor und Dozent am Lehrstuhl für Angewandte Mathematik und Statistik an der Comenius-

Universität Bratislava mit. Dort habilitierte er zum Thema Analyse ausgewählter Fragen der ökonomischen und monetären Integration. Im Jahr 2005 wurde er als Professor für Politische Ökonomie mit Schwerpunkt Osteuropa an die Volkswirtschaftliche Fakultät der Ludwig-­ Maximilians-Universität München berufen. Sein vielfältiger Lebenslauf zeigt: Tätigkeit und Interessen sah Fidrmuc ­da­­­bei nicht auf die Wissenschaft allein beschränkt. So ist er seit zwölf Jahren zusätzlich in der Abteilung für Auslandsanalysen der ­Österreichischen Nationalbank in Wien tätig. Ferner war Fidrmuc Research Fellow unter anderem an der China Foreign A­ffairs University in Peking, an der Karlsuniversität in Prag, am National Institute für Public Finance and Policy in Neu Delhi sowie am Robert-Schuman-Centre des European University Institute in Florenz. ­Seine Forschungsschwerpunkte liegen in Fragen der Europäische Integration, der Globalisierung sowie der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen, Haushalte und Banken, der empirischen Analysen des Außenhandels, der Integra­ tion, Globalisierung und Wirtschaftszyklen, darunter die Position der Schwellenländer in Osteuropa und Asien. In der Lehre befasst er sich mit Internationaler Wirtschafts- und Währungspolitik sowie ­Internationaler Ökonomie.

_Dr. Markus Rhomberg, Juniorprofessur für Politische Kommunikation (Herbst 2010) _Dr. Martin Tröndle, Juniorprofessur für Kulturbetriebslehre und Kunstforschung (Herbst 2009) _Professor Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Kieser ist seit Frühjahrssemester 2011 ständiger Gastprofessor im Department der Wirtschaftswissenschaften _Professorin Dr. Lucia Reisch, ständige Gastprofessorin für Konsumverhalten und Verbraucherpolitik (Frühjahr 2011) _Außerdem verlieh die ZU Honorarprofessuren an die langjährigen Lehrbeauftragten Politikwissenschaftler Dr. Markus M. Müller und Wirtschaftswissenschaftler Professor Albert Schweinberger


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Deutschlands erste „Magnistudenz“ Warum braucht eine Uni einen studentischen Vizepräsidenten?

„Ein bundesweit einzigartiges Projekt“ nannte es der Deutschlandfunk. Seit dem 1. Januar 2010 ist es an der ZU Realität: die Einsetzung des in Deutschland ersten hauptamtlichen studentischen Vize-Präsidenten. Mit dem damals 26-jährigen Master-Studierenden Simon Pagany wurde erstmals ein Studierender vollwertiges Mitglied einer Universitätsleitung. „Magnistudenz“ ­betitelte ihn daraufhin der SWR, und der Donaukurier konstatierte: „Ein Student mischt im Präsidium kräftig mit“. In der Tat betrat Pagany Neuland in der deutschen Universitätslandschaft.

„Ich hatte mich für dieses Amt beworben, weil ich es für eine sehr spannende Idee halte, Studierende nicht nur auf dem üblichen Weg als gewählte Vertreter – etwa im Senat – mitarbeiten zu lassen, sondern diese Aufgabe als Vollzeitjob zu betrachten. Bei diesem Experiment wollte ich dabei sein“, sagt Pagany über seine Beweggründe, sich für das Amt zu bewerben und es anzutreten. Zum Ende seiner Amtszeit resümierte er: „Ich habe ein sehr spannendes wie auch anstrengendes Jahr erlebt und das in einer nicht ganz einfachen Position. Für mich selbst habe ich zahlreiche Erfahrungen zum Aufbau einer Universität, über das deutsche Hochschulsystem und die Leitung einer Organisation dieser Art gemacht.“ Simon Pagany wurde unter zahlreichen Bewerbern und ihren Konzepten in einem dreistufigen Verfahren unter Einbindung des studentischen Senates ausgewählt und gemeinsam vom Präsidenten und dem Stiftungsvorstand der ZU


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berufen. Der studentische Vizepräsident ist seither für ein Jahr bestellt, wird von der Universität angestellt und vergütet und setzt im Rahmen zweier Urlaubssemester für diese Zeit mit dem Studium aus. Er hat alle Rechte und Pflichten eines Präsidiumsmitglieds. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die studentische Internationalisierungsstrategie, die Entwicklungen und das Qualitätsmanagement der Studienprogramme, die Betreuung von Studierendenprojekten und -gründungen, die Organisation der studentischen Beteiligung in der Universitätsentwicklung sowie die Repräsentation der ZU bei öffentlichen Veranstaltungen. Dabei sammelte er Erfahrungen, die er auch an seine Nachfolgerin weitergegeben hat. Denn zum 1. Januar 2011 hat Lena Schulze-Gabrechten ihre Amtszeit angetreten – wie es der Zufall wollte, ist sie damit zugleich die erste Frau an deutschen Universitäten, die in ein solches Amt berufen wurde. „Nach der intensiven

Begutachtung der Universität aus studentischer Perspektive und anhaltender Leidenschaft für die Idee hinter dieser Institution hat mich der Perspektivwechsel nachhaltig gereizt“, begründet Lena Schulze-Gabrechten ihren ebenfalls auf ein Jahr befristeten Wechsel vom Hörsaal in die Hochschulleitung. Die ZU habe sich für sie immer so dargestellt, dass sie in dem Bewusstsein lebe, ohne ihre Studierende nichts zu sein. Schulze-Gabrechten: „Da finde ich es nur konsequent, auch Studierende für die Mitgliedschaft im Präsidium zu berufen – und diese Chance wollte ich nutzen.“ Ist das Modell ein Vorbild für andere? „Zunächst war es ein Experiment. Mit ­Simon Pagany war es exzellent“, stellt ZU-Präsident Professor Dr. Stephan A. Jansen fest, „Projekte von A wie Alumni-Befragung bis Z wie unser neues Zuhause, der Bau des Hauptcampus, fielen in seine Amts-

zeit – neben der Weiterentwicklung aller neun Studienprogramme. Damit hat sich unsere Annahme voll bestätigt: Ohne Studierende kann man keine Universität nachhaltig managen. Immerhin sind sie ja auch die einzigen, die das Studium so erleben“, sagte Jansen. Und die Resonanz bestätigt das gelungene Experiment: So informieren sich derzeit der Wissenschaftsrat und auch zahlreiche Rektorate über diese Form der studentischen Teilhabe und Mitgestaltung auf Hochschulleitungsebene.


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aufgefallen

Prominente Gäste, pointierte Sätze Was kann man von Praktikern für die Theorie lernen?

Rund 10 000 Gäste kommen im Jahr zu den öffentlichen Veranstaltungen der ZU. Um prominente Gäste zu hören, die Pointiertes zu sagen haben – aus Politik, Wirtschaft und K ­ ultur. Die Liste ­derer, die zuletzt an der ZU sprachen,­reicht vom Kunstsammler Christian Boros über Bundestagspräsident ­Professor D ­ r. Nobert Lammert und Audi-Chef Rupert Stadler bis hin zu Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle. Ein Auszug:

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„Wer die Tüchtigen und Leistungsbereiten stärkt, der macht Deutschland kreativer.“

„Das Risiko für Marken und deren Versprechen liegt heute im Verlust des öffentlichen Vertrauens.“

„Konkurrenz gibt es nicht. Man hat uns lange Zeit nicht ernst genommen.“

„Wie in allen großen Finanzkrisen wird es einen Regulierungsschub geben.“

Prof. Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, in der Reihe Friedrichshafener Bildungsgespräche, 15.09.2009

Stephan Wrage, Geschäftsführer von SkySales, in der Reihe Bürger-Universität, 09.12.2009 _02

„Ich sammle Kunst, die ich nicht verstehe.“

Christian Boros, Kunstsammler und Kommunikationsunternehmer, Leiter von Bunker Berlin, in der Reihe artsprogram „curating the context“, 19.11.2009

Jean-Claude Parent, geschäftsführender Gesellschafter der Markenagentur Schindler Parent, in der Reihe Talk to the CEO, 25.11.2009

Volker Potthoff, ehemaliges langjähriges Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, in der Reihe ZU|Gast, Vortrag: „Wie bekommen wir den Löwen in den Käfig? Finanzmarktregulierung in der Krise“, 17.11.2009

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„Wenn Männer von Sinn des Lebens sprechen, meinen sie fast immer die Frau.“

Prof. Dr. Hellmuth Karasek, Journalist, Buchautor, Literaturkritiker und Professor für Theaterwissen­schaften, in der Reihe Bürger-Universität, Vortrag: „Ihr tausendfaches Weh und Ach. Was Männer von Frauen wollen“, 23.02.2010

„Geld schießt keine Tore.“

Jochen A. Rotthaus, Manager der TSG Hoffenheim, in der Reihe Bürger-Universität, 14.10.2009 _06

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„Wer sich nicht engagiert, weil er sich für zu gut hält, überlässt die Dinge denen, die er für schlechter hält.“

Prof. Dr. Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages, in der Reihe Bürger-Universität, Vortrag: „Parlamentarismus und Parteienstaat“, 14.10.2010

„Man muss die Bedürfnisse des Kunden kennen, nur dann kann man ein Top-Produkt abliefern.“

Jürgen und Ralph Winterhalter, Geschäftsführer von Winterhalter Gastronom GmbH, in der Reihe Familien­ klatsch, 02.12.2009

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aufgefallen Mehr Informationen finden Sie unter: › Veranstaltungskalender

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„Marken sind ohne Zulieferer nichts.“

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, im Rahmen der Bürger-Universität, „Audi – mit Vorsprung durch Technik die Zukunft gestalten“, 02.02.2011 _08

„Antisemitismus oder Rassismus stellen die Menschlichkeit einer ganzen Gesellschaft in Frage. Wir alle tragen in gleicher Weise Verantwortung für Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und die im Grundgesetz verankerten Werte.“ Dr. h.c. Charlotte Knobloch, ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, in der Reihe ZU|Gast, Vortrag: „Jüdisches Leben in Deutschland – ­Herausforderungen gestern, heute und morgen“, 07.10.2010

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„Die Partei der Zukunft muss drei Anforderungen gegenüber den Wählern erfüllen: Sie muss ihnen wieder geistige und programmatische Orientierung geben, verstärkt von einer situativen Hektik auf ein strategisches Denken umstellen und ihre Zuverlässigkeit kommunizieren.“ Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld, Politikwissenschaftler und Berater, in der Reihe Bürger-Universität, Vortrag: „Parteien am Scheideweg? Konsequenzen aus der Bundestagswahl 2009“, 10.11.2009

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„Völlig neu in der Geschichte der Menschheit ist die Geschwindigkeit, in der sich Umbrüche vollziehen.“ Dr. Guido Westerwelle, Außenminister, Parteivorsitzender der FDP a.D., ZU|G-Förderer-Dinner, Vortrag: „Deutschland in der Globalisierung – Zukunft gestalten“, 09.02.2011 _11

„Produzieren wir so viel Mist, weil das Publikum ihn sehen will, oder schaut das Publikum so viel Mist, weil wir ihn produzieren?“

Hannes Jaenicke, Schauspieler, im Rahmen der BürgerUniversität, Gespräch zu „Film, Fernsehen, Fantasmen“; 14.04.2010


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„Ich erschaffe die Vergangenheit für die Zukunft.“

Carolyn Christov-Bakargiev, Autorin, Kunsthistorikerin, Kuratorin, künstlerische Leiterin der dOKUMENTA (13) Kassel, Im Rahmen des artsprogram „curating the context“, 14.04.2011 _13

„Wir haben Kerosin im Blut – wenn man einmal als Unternehmer Luftfahrt gemacht hat, dann kommt man nicht mehr davon los.“ Renate Moser, Gründerin und Geschäftsführerin von Intersky, in der Reihe Familienklatsch, 03.05.2010

„Ich betrachte mich eher als Handwerker denn als Künstler.“ Ulrich Drechsler, Musiker, in der Reihe Musikalische Bürger-Universität, 24.11.2010

„Wissen ist Macht in der Informations­ gesellschaft.“

Anselm Bilgri, Ratgeber, Buchautor, ehemaliger Prior im Kloster Andechs, in der Reihe Bürger-Universität, Vortrag: „Herzensbildung – Ein Plädoyer für das Kapital in uns“, 07.05.2010


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aufgefallen

„Rock your Life!“ rockt das Land Wie kann man mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen?

Kreative Projekte von ZU-Studierenden gewinnen immer wieder bundesweite ­Wettbewerbe. Doch keines ist so erfolgreich wie „Rock your Life!“. Es stiftet Bildungspartnerschaften zwischen Studierenden und Hauptschülern und verhilft ihnen zu besseren Berufschancen – und schafft so mehr Bildungsgerechtigkeit.

An Anfang stand der Entschluss, sich um ein Projekt-Stipendium zu bewerben. Denn Elisabeth Hahnke und ihre Kommilitonin Christina Veldhoen hatten ein Konzept entwickelt, das Schülern Beratung in Schul- und Jobfragen ermöglichen sollte. Inspiriert wurden sie durch das Tandem-Coaching der ZU, angetrieben durch die akademische Auseinandersetzung mit Bildungsungerechtigkeit und sozialen Wandel und ermutigt von ihrem Wissenschafts-Coach Prof. Dr. Peter Kenning. Und die beiden Master-Studierenden gewannen damit das erste ProjektStipendium für soziale Projekte, gestiftet von der HypoVereinsbank, an der ZU. Zur gleichen Zeit diskutierte der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück an der ZU mit einer Gruppe Studierender, unter ihnen Stefan Schabernak, wie das Phänomen der vererbten Perspektivlosigkeit – also die mangelnde soziale Mobilität in Deutschland – wohl zu beheben sei. Die Studierenden gründeten dar-

aufhin eine Projektgruppe, um an Lösungen zu arbeiten. Als sich beide Gruppen zusammenschlossen, begann das bisher erfolgreichste studentische Projekt an der ZU: „Rock your Life!“. Es wurde vielfach ausgezeichnet als Bewegung für mehr Bildungsgerechtigkeit in ganz Deutschland. Wie können Studierende helfen? „Es war eine einfache Frage, die ,Rock your Life!‘ mit Leben füllte: Wer hat mich eigentlich in meinem Leben unterstützt, inspiriert und motiviert?“, berichten Hahnke, Schabernak und Veldhoen über die Anfänge, „auf diese Frage hat jeder eine andere Antwort, und viele haben das Glück, mehrere Antworten auf diese Frage geben zu können.“ Dabei zeigte sich: Begegnungen sind entscheidend. Für das Gründungstrio ergaben sich daraus weitere Fragen: „Was können wir als Studierende eigentlich für eine gerechtere Bildungslandschaft tun? Welche Ressourcen haben

wir, und wie können Schüler und Studierende gegenseitig voneinander profitieren? Welche Rolle spielen Unternehmen in der aktuellen Situation der Hauptschüler, und welche Sicherheit brauchen diese, um Hauptschülern wieder eine reale Chance zu geben? Was müssen Schüler dazu beitragen, damit sie den Übergang von der Schule in den Wunschberuf schaffen?“ So entstand das Konzept eines Einszu-Eins-Coachings zwischen Hauptschülern und Studierenden, kombiniert mit einer bundesweiten Kooperation mit Ausbildungsgebern. An Friedrichshafener Schulen bildeten sich die ersten CoachingBeziehungen. Und es gab Preise, die wichtigsten im bundesweiten Wettbewerb „start social“ unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel im April 2010 und im Oktober 2010 der DeichmannFörderpreis. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verlieh dem Projekt im Januar 2011 „Die Hochschulperle


57 _Weitere Preise: _ Die ZU ist im Februar 2011 im bundesweiten Förderprogramm „Mehr als Forschung und Lehre – Hochschulen in der Gesellschaft“ vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Stiftung Mercator mit einem Hauptpreis ausgezeichnet worden. Prämiert wurde dabei das besondere gesellschaftliche Engagement der ZU sowie ihr Konzept „University Social Responsibility zur Zukunft der Zivilgesellschaft“. Mit dabei: Rock your life. _für die Studierenden Simone Leneis, Max Stralka und Malte Windwehr 2009 im bundesweiten Wettbewerb „Generation D“ von Bayerische EliteAkademie, Süddeutsche Zeitung, Allianz SE und Stiftung Marktwirtschaft mit ihrem Bildungsprojekt „Energy Island“ und 2010 für den Studierenden Philipp Brix mit seinem Internet-Portal „greenestcar.de“. _für die Studierenden Laura Bechthold, Johanna Stephan und Nikolina-Romana Milunovic 2010 im bundesweiten Studenten-Wettbewerb „impACT3“ auf der Suche nach den Sozialunternehmern der Zukunft mit ihrem Projekt „Spread the Word“. Es vermarktet in Gefängnissen hergestellte Produkte und soll damit den Insassen eine bessere Resozialisierung ermöglichen.

des Monats“. Inzwischen waren auch die Medien auf das Projekt aufmerksam geworden: Das ZDF berichtete, DIE ZEIT, ­FOCUS, die Frankfurter Allgemeine. Starke Förderer stellten sich ein wie die BMW Herbert Quandt Stiftung, die VodafoneStiftung, die Friede Springer Stiftung und Bonventure. Und Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan lobte: „Die Initiative ,Rock your Life!‘ setzt mit ihrem Angebot wegweisende Akzente und eröffnet jungen Menschen Lebenschancen.“ Aus einer Handvoll Studierender ist nunmehr ein Kreis von 600 Mitwirkenden (mit 400 Coaching-Beziehungen) an 15 Standorten, wie beispielsweise Berlin, Hamburg, Dresden, Frankfurt am Main, Freiburg, Friedrichshafen, Kassel, Köln, Konstanz, München und Passau geworden. Anfragen aus weiteren 20 Städten für eine Expansion liegen dem Projekt aktuell vor. Ein Ende der Erfolgs­s tory jedenfalls ist nicht in Sicht für die „Brückenbauer“ zwi-

schen Studierenden, Schülern und Unternehmen. „Trotz des Erfolges sind wir uns unserer vielen Herausforderungen sehr bewusst. Wie managed man ein auf Ehrenamt basierendes Netzwerk? Wie holt man Unternehmen flächendeckend an Bord und überzeugt sie vom Potential unserer Schüler? Es ist definitiv noch viel zu tun, und der unternehmerische Spannungsbogen bleibt uns erhalten“, sagt Elisabeth Hahnke.

_für ZU-Absolvent Florian Bandel 2011 mit dem Wissenschaftspreis des Bundesverband Alternative Investments e. V. (BAI). In seiner Abschlussarbeit untersuchte Bandel, welche Folgen der Einstieg eines Finanzinvestors für deutsche Unternehmen haben kann. _für die Studierende Julia Hagen 2011 im Bundesentscheid im europaweiten Studentenwettbewerb „be.project“. Prämiert wurde ihr Projekt zur Verbesserung der ländlichen Gesundheitsversorgung. _für Master-Absolvent Mark Hahnfeld 2011 der „Leonardo & Co. Award“, einer der wichtigsten Studienpreise im Bereich M&A, für seine Forschungsarbeit zu Übernahmen in der HochtechnologieBranche. _für das ZU-Team 2010 bei den WHUEuromasters in Koblenz. So holte die 70-köpfige Mannschaft den Gesamtsieg und gewann die Wettbewerbe im Fußball, im 4x800-Meter-Staffellauf sowie im Cheerleading, wurde Zweiter im ­Rudern, Dritter im Basketball und Fünfter im Volleyball. Außerdem erhielten die Studierenden den Pokal für die Univer­ sität mit dem größten Teamgeist.


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aufgefallen

Substanz statt Schnelligkeit Warum sind vier Jahre Studium besser als drei?

Als erste deutsche Hochschule hat die ZU ab Herbst­semester 2011 die Regelstudienzeiten ihre gesamten Bachelor-Studiengänge umgestellt – von bisher drei auf vier Jahre. Damit reagiert sie auf das verkürzte Abitur, die internationalen Standards und ihren Anspruch auf ein forschungsorientiertes und persönlichkeits­ bildendes Studium.


59 Mehr Informationen finden Sie unter: › 4YBA

Mit der verlängerten Regelstudienzeit soll den Studierenden vor allem mehr Zeit für eigene Forschungs- und Projektstudien gegeben werden. Die beiden wesentlichen Neuerungen zu den vielfach ausgezeichneten und in Spitzenpositionen gerankten Studiengängen: das interdisziplinäre und methodenbasierte „Zeppelin-Jahr“ in den ersten beiden Semestern verbunden mit einem eigenen Forschungsprojekt in Kleingruppen und das „Humboldt-Jahr“ mit Individualforschungsprojekt an einem Lehrstuhl beziehungsweise Forschungsverbund der ZU oder einer Partneruni­ versität. „Die langjährigen Erfahrungen im Bologna-Prozess hatten es bereits angedeutet, die Bildungsstreikenden haben es gefordert, wir setzen es mit knapp zweijähriger sorgfältiger Vorbereitung konsequent um: mehr Eigenzeit für Eigenwil-

liges, mehr Ref lexion als bloße Übersichtsveranstaltungen, mehr Nachfrageermöglichung als beschleunigtes ­A ngebot“, erläutert ZU-Präsident Professor Dr. Stephan A. Jansen die Motivation. ­Hinzu käme, dass der vierjährige Bachelor an Spitzenuniversitäten inzwischen internationaler Standard sei und so die ­A nschlussfähigkeit auch bei verkürztem Abitur gesichert bleibe. Weshalb ein Vorpraktikum? Eine weitere Neuerung – auch mit Blick auf der Aussetzung der Wehrpflicht: das Vorpraktikum mit mindestens sechs Wochen Organisationserfahrung egal ob auf einem Schiff, in einem Museum oder Theater, einem Entwicklungshilfeprojekt, ­einer Partei, einem Wohlfahrts- oder Sozialunternehmen. „Wir wollen dem Zeitgeist

der beschleunigten Bildung etwas entgegensetzen: Erfahrung“, so Jansen weiter: „Trockene Theorien und Methoden werden nässer, also verständlicher in konkreten Praxis- oder Forschungsprojekten – ob zur Urbanität, Migration, Verwaltungsmodernisierung, Zivilgesellschaft, Kulturwirtschaft oder zu Politiknetzwerken.“ Die Anpassung der Regelstudienzeit betrifft alle drei Studiengänge der ZU: Politik- und Verwaltungswissenschaft, Kultur- und Kommunikationswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften. Vor dem Start der Studienprogramme im September 2011 standen knapp zweijährige Planungen – mit allen Wissenschaftler, den Studierenden und auch mit Partnern aus der Praxis.


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aufgefallen

Drei neue Studiengänge – Bachelor oder berufsbegleitend Welche Lücken schließen SPE, eMA FESH und eMA DIP?


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Es begann im Herbst 2003 mit zwei Bachelor-Studiengängen, danach ist das Angebot der ZU kontinuierlich gewachsen auf neun Bachelor- sowie konsekutive und nicht konsekutive Masterstudiengänge. In 2010 und 2011 kamen die Studiengänge 10, 11 und 12 hinzu: der Bachelor-Studiengang „Sociology, Politics & Economics“ (SPE) sowie die berufsbegleitenden Studiengänge „Executive Master of Arts for Family Entrepreneurship“ (eMA FESH) und „Executive Master of Arts of Digital Pioneering” (eMA DIP). Der achtsemestrige Studiengang „Sociology, Politics & Economics | SPE“ bezieht in interdisziplinärer Ausrichtung die Soziologie, Politikwissenschaft und Ökonomie aufeinander – nicht nebeneinander, sondern systematisch und durch das gesamte Studium hindurch. Fokus des Studiengangs: theoretische und methodische Mehrsprachigkeit zu Phänomenen wie z. B. Migration, Klima, Demographie, Mobilität, Klima, Regulierung oder Staatsverfassungen unter Bedingung der Globalisierung. „Im neuen SPE-Studiengang werden Politik, Wirtschaft und Wissenschaft radikal aufeinander bezogen, weil nur so an den Fragestellungen gearbeitet werden kann, die in den nächsten Jahrzehnten zu lösen sind“, sagt Professor Dr. Dirk Baecker, Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie und -analyse an der ZU und einer der Mitinitiatoren des Studiengangs. Baecker: „Aristoteles begegnet Marx, Adam Smith unterwirft sich der Risikoanalyse, und Keynes wird als großer Literat gewürdigt. Wo kann man so was unter Bologna-Bedingungen heute noch studieren?"

Bereits im Herbst 2010 gestartet ist der eMA FESH, der erste und einzige berufsbegleitende, universitäre Masterstudiengang für Nachfolger und Fremdgeschäftsführer von Familienunternehmen in Europa. Der Masterstudiengang richtet sich an bereits ausgebildete Betriebswirte wie auch an Studierende mit einer nichtbetriebswirtschaftlich ersten universitären Ausbildung. So kann auch der Maschinenbauingenieur oder Kunstwissenschaftler sich die nötigen Kompetenzen für die Führung eines Familienunternehmens aneignen. Das 18-monatige Programm mit insgesamt zwölf Präsenzwochen beinhaltet unter anderem die Bereiche Governance, Finanzierung und Strategie von Familienunternehmen, Führungskompetenz, Marketing, Innovationsmanagement und Familienunternehmen auf globalen Märkten. Im Herbst 2011 schließlich beginnt der eMA DIP, der berufsbegleitende, universitäre Masterstudiengang für digitale Geschäftsmodell-Innovationen. Mit dem neuen Studiengang reagiert die ZU auf die zum Teil fundamentalen Umbrüche von

Geschäftsmodellen durch die Digitalisierung – ob im Handel, bei Verlagen, der Musikindustrie, der Gesundheits- oder Mobilitätsbranche. Der Masterstudiengang richtet sich sowohl an IT-Fachkräfte mit einem Hintergrund beispielsweise in Informatik, Wirtschaftsinformatik, Physik oder Mathematik, die eine Managementkarriere einschlagen wollen, wie auch an Mitarbeiter aus den Bereichen Unternehmensentwicklung, Strategie, Vertrieb und Einkauf. Das ebenfalls 18-monatige, insgesamt zwölf Präsenzwochen umfassende Programm beinhaltet unter anderem die Bereiche Innovations- & Technologiemanagement, Business Model Innovation, Digitale Wertschöpfungsketten, Management wissensbasierter Unternehmen, Netzwerktheorien, Trendforschung/Szenariotechnik, Mediensysteme, Welt­ öffentlichkeit, rechtliches und politisches Umfeld von Digitalisierung, Kundenverhalten und Marketing sowie das Praxiswerkzeug „Design Thinking“.


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aufgedreht

Das Start-up ist ein Tante-Emma-Laden   Wie funktioniert ein traditionelles Konzept in einer schnelllebigen Zeit? An die 100 Unternehmen haben ZU-Studierende und Absolventen inzwischen gegründet. Darunter sind die Bus-Mitfahrzentrale DeinBus.de, das ägyptische Softwarehaus Salis, das Geschenkportal giftme oder das äthiopische Solarenergieunternehmen Sahay Solutions. Die beiden Gründer Roman Sick und Moritz Jungmann hingegen hatten eine ganz andere Idee: Ihr Start-up ist ein TanteEmma-Laden.


63 Mehr Informationen finden Sie unter: › Gründungen

Kennern zufolge gibt es am ZU-Campus Fallenbrunnen den besten Kaffee der Stadt. Das „Mundvoll“ aber ist mehr als nur ein Café. Neben heißen Getränken gibt es auch Butter, Milch und Gemüse. An die 400 Produkte werden inzwischen in dem kleinen Laden angeboten. Die beiden ehemaligen ZU-Studenten und Gründer ­Roman Sick und Moritz Jungmann „waren von Anfang an davon überzeugt, dass ­gerade die Kombination aus Treffpunkt, Lebensmitteleinzelhandel und dieser CaféShop-Variante, die auf Atmosphäre, Trend und Lifestyle wert legt, angenommen wird.“ „Die ursprüngliche Idee war ein kleiner Minisupermarkt mit einfachen Regalen, in dem man Milch und Butter kaufen kann und ein Student an der Kasse sitzt“, erzählen sie. Anders als im Discounter gibt es hier keinen Kachelboden, kein Neonlicht, keine überladene Regale: „Bei uns soll der Einkauf stressfrei sein und damit der

Besuch entschleunigt werden.“ Dabei liegt Sick und Jungmann besonders die Qualität der Produkte am Herzen: Es gibt immer zwei Varianten ihrer Ware. Einmal die normale und einmal die qualitativ hochwertige Sorte: So kann man sowohl die Standardnudeln von „Gut & Günstig“ für 49 Cent als auch die handgefertigten Nudeln aus Italien für 2,89 Euro erwerben. Die Kundschaft besteht derzeit zu 95 Prozent aus Studierenden der ZU und der benachbarten Dualen Hochschule. „Um sich als Treffpunkt zu etablieren, brauchen wir einfach Zeit“, sagen die beiden. Im Frühjahr soll dennoch bereits der zweite Laden, vorzugsweise in München, entstehen. ­Angestrebtes Ziel ist es, in den nächsten zwei Jahren insgesamt vier weitere Filialen zu eröffnen. Früher sei man, erzählt Sick, bei Lehrveranstaltungen am Fallenbrunnen fünf Minuten vor der Vorlesung auf den Cam-

pus gekommen und zwei Minuten danach wieder gegangen. Es gab dort einfach keinen zentralen Treffpunkt für die Studenten. „Wir machen den Campus attraktiver, das ,Mundvoll‘ ist eine Wertsteigerung für die ZU.“ Wichtig ist den beiden Gründern, dass dabei „so ein Gemeinschaftsgefühl entsteht, wie es damals bei den TanteEmma-Läden üblich war“, wie Sick und Jungmann sagen. „Man ist dort hingegangen und hat ein Schwätzchen gehalten. So etwas gibt es heute sonst nur noch bei der Dorf-Metzgerei. Wir sehen das ,Mundvoll‘ als Aufenthaltsort, als Kommunikationsort, an dem viel Austausch stattfindet, wo Gemütlichkeit herrscht und wo man mit den Leuten reden kann.“ Und das jederzeit, gern auch nur auf einen Kaffee, der übrigens aus einer Privatrösterei in Dresden stammt.


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aufgedreht

 Die Geschichte von

Frosch und Löwe   Wie wird aus einer Drogenkarriere ein bewegender Film?


65 Mehr Informationen finden Sie unter: › Gründungen

Eine Zufallsbegegnung regte sechs Studierende zu einem ambitionierten Filmprojekt an. Sie trafen am Bodensee einen Biopionier, dessen Vorleben sie zutiefst bewegte. Es war das eines hochgradigen Junkies, der den Ausstieg geschafft hatte. Daraus entstand ein dreißigminütiger, beeindruckender Dokumentarstreifen mit dem Titel „Frosch & Löwe“.

Sein Leben um 180 Grad zu verändern, das hat der heute 61-jährige Michael Ganster geschafft. Mit 19 wurde er drogensüchtig. Er dealte, stahl und landete im Gefängnis. Er tat einfach alles für den nächsten Schuss. Dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen, schaffte er – nach zwölf Jahren –mit 31 Jahren den Entzug. Daraufhin veränderte er sein Leben radikal und wurde zum Biopionier am Bodensee. Doch wie hat er diesen Schritt geschafft? Wer hat ihm dabei geholfen, und was haben ein Löwe und ein Frosch mit der ganzen Geschichte zu tun? „Frosch & Löwe“: Das war die Kostümierung von Michael Ganster während eines FasnetUmzugs am Ende seiner Drogentherapie. „Frosch & Löwe“, das ist die Geschichte von Michael Ganster.

Drehbuch? Von Anfang an festgelegte Filmlänge? Spezialeffekte? All dies gab es bei dem Filmprojekt von Lorna Bösel, Peter Greve, Lukas Palm, Anna-Maria ­Rainer, Stefanie Ule und Tim Werth nicht. Die Erzählform des Films sollte schlichtweg von Gansters Erzählungen getragen und nur teilweise von historischen Bildern unterlegt werden. Für Außenstehende klang das nach einer „Art Radio mit Bildern“. Dem Team war jedoch klar, dass jegliche bewusst herbeigeführte Dramatik den Film kitschig oder flach wirken lassen würde. Denn es war nicht nur Gansters Geschichte, die faszinierte, sondern vor allem die Art und Weise, wie er sie vermittelte. Die Studierenden wollten Gansters gnadenlos authentischen Umgang mit sich selbst und dem Thema in

den Vordergrund stellen. Und das bedeutete: keine Bilder von blutigen Spritzen und kaputten Leuten auf der Straße. Stattdessen eine normal bürgerliche Wohnung, eine simple Bioküche und der friedliche Bodensee – Michael Ganster und sein heutiges Umfeld ist der Kontrast zu seinem früheren Leben. Das wiederum sollte durch seine Erzählungen im Kopf des Zuschauers entstehen. Fünf Tage dauerte der Filmdreh. „Frosch & Löwe“ ist zu einer 30-minütigen Reise durch Gansters Leben geworden, die das Publikum gleichermaßen schockiert, sogar zum Schmunzeln bringt, aber vor allem berührt. Das Filmteam hat die Hoffnung, dass der Streifen in Zukunft in der Drogenprävention eingesetzt wird.


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aufgedreht Mehr Informationen finden Sie unter: › Spread the Word

Sprachrohr für soziales Handeln Wie lässt sich die Wiedereingliederung von Häftlingen in die Gesellschaft verbessern?

,,Spread the Word” ist eine studentische Agentur für Social Business Development. ­ amit die Kunden ihren gesellschaftlichen Nutzen voll entfalten können, unterstützt D sie ausgewählte Projekte bei der Weiterentwicklung von Produkten und Vertriebs­ wegen. Und sie erzählt die Geschichten, die sich dahinter verbergen. Angefangen hat alles mit dem europaweiten Social Entrepreneurship Wettbewerb „impACT3“ der Vodafone Stiftung Deutschland und der Idee, aus bestehenden sozialen Initiativen mit professionellem Marketing und PR mehr heraus zu holen. Exemplarisch entwickelte das Team mit der Justizvollzugsanstalt Heilbronn zusammen ihr erstes Projekt „Jailers“, mit dem es den 1. Preis gewann. Heute, knapp zwei Jahr später, arbeiten in der Agentur neben den beiden Gründerinnen Laura Bechthold und ­Johanna Stephan fünf studentische Mitarbeiter an zwei Projekten. Der Vertrag für „Jailers“ wurde mittlerweile um ein weiteres Jahr verlängert. Ziel des Resozialisierungsprojekts ist es, durch die Integration der Häftlinge in die Projektentwicklung deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach der Haft zu erleichtern.

Seit Frühjahr 2011 unterstützt „Spread the Word“ darüber hinaus das Renuka-Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung in Karnataka im Südwesten Indiens durch die Verbindung von ökologischer Landwirtschaft und erneuerbaren Energien. Die Soil & Energy gGmbH aus München hilft den Bio-Bauern bei der Pflanzung von Öl­ bäumen, aus deren Samen Pflanzenöl gewonnen werden kann. Dies kann sowohl als saubere Energiequelle als auch als ­z usätzliche Verdienstmöglichkeit dazu beitragen, die Dörfer sukzessive auf wirtschaftlich autarke Beine zu stellen. Für „Spread the Word“ waren in den beiden letzten Jahren vor allem zwei Erkenntnisse von großer Bedeutung. „In unserer täglichen Arbeit mit den Projekten haben wir festgestellt, dass viele soziale Initiativen mehr als nur gutes Marketing

brauchen, sodass wir unsere Kunden mittlerweile in allen Fragen der Projektentwicklung unterstützen“, erklärt Gründerin und Geschäftsführerin Laura Becht­ hold. Darüber hinaus merken sie, dass es im Social Business Bereich bisher nur wenige sowohl sozial als auch finanziell erfolgreiche Unternehmen gibt, weshalb noch Pionierarbeit geleistet werden muss. „Wir verstehen uns als universitärer Think Tank, der an konkreten Fallbeispielen modellhaft zeigen will, wie erfolgreiches Unternehmertum im sozialen Bereich möglich sein kann“, sagt Johanna Stephan, ebenfalls Gründerin und Geschäftsführerin.


67 Mehr Informationen finden Sie unter: › Gründungen

Politische Kultur auch in der Praxis Welche Gruppierungen sind aktiv? Politik lässt sich an der ZU nicht nur studieren – viele Studierende leben sie auch praktisch. Das geschieht in den studentischen Hochschulgruppen wie auch in übergreifenden Einrichtungen, etwa dem Club of international Politics und dem Debate Club. Dabei wird jedoch nicht nur diskutiert, sondern es werden auch Veranstaltungen und Projekte organisiert. Vertreten sind an der ZU mittlerweile ­nahezu alle großen politischen Parteien. So gibt es neben der Grünen Hochschulgruppe, den Jusos, dem Ring ChristlichDemokratischer Studenten und der Liberalen Hochschulgruppe auch die Jungen Europäischen Föderalisten, die sich vorwiegend mit internationalen Themen beschäftigen. Als Verbindung zwischen den Hochschulgruppen und zur Förderung der politischen Meinungsäußerung wurde 2010 der Debate Club ins Leben gerufen. In regelmäßigen Zeitabständen lädt er zur Debatte über aktuelle politischen Themen ein. Sie zu organisieren, darin wechseln sich die einzelnen Hochschulgruppen dann ab. Eine weitere Hochschulgruppe ist der parteiübergreifende Club of International Politics (CIP). Er hat es sich zum Ziel

gesetzt, internationale Politik für Studenten und Bürger greifbar zu machen. Der Verein versteht sich nicht nur als Plattform für Studenten, sondern möchte auch Bürger und Schüler für seine Arbeit interessieren und für Politik begeistern. Seit seiner Gründung hat der Verein zahlreiche Veranstaltungen von Vorträgen über Filmeabende bis hin zu Partys organisiert. Auch nahmen 2010 und 2011 Delegationen von Studierenden an der Modell United Nations Konferenz (MUN) in New York teil. Die Delegation vertrat 2010 Weißrussland und 2011 Libyen unter anderem im Sicherheitsrat, wo sie mit dem „Best Delegate Award“ ausgezeichnet wurden. Unter dem Dach des CIPs fand außerdem 2011 erstmals die LakeMUN, eine jährlich stattfindende Simulation der Vereinten Nationen für Schülerinnen und Schüler, in englischer Sprache an der ZU statt. 20 Studierende organisierten die viertägige Veranstaltung. Die Teilnehmer schlüpften für vier Tage in die Rolle von Diplomaten und diskutieren aktuelle politische Themen. Die LakeMUN ist dabei anders als alle anderen Simulationen ihrer Art: So gibt es zusätzlich Repräsentanten der internationalen Presse, Workshops und ein akademisches Rahmenprogramm.


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aufgebessert

Ein Grundstock für das Gründungs-Biotop Warum fördert die ZU Micro Equity GmbH & Co. KG studentische Jungunternehmer? 20 Prozent aller ZU-Studierenden gründen bis zum Abschluss ihr eigenes Unternehmen. ZU-Vizepräsident Tim Göbel, Professor Dr. Reinhard Prügl vom Lehrstuhl für Innovation, Technologie & Entrepreneurship und der studentische Unternehmensgründer Vincent Osterloh (PC-Hilfe Esslingen) sprechen im Interview über diesen besonderen Gründergeist, den Entrepreneurs Club, Unterstützung aus der Wissenschaft und die ZU Micro Equity GmbH & Co. KG.

Warum engagiert sich die Universität überhaupt bei Gründungen? göbel: „Gründungen sind zunächst einmal private Initiativen von Studierenden und Studierendenteams. Gleichsam ist das Thema der Gründung verstanden als Selbstgründung eines der Bildungsziele der Zeppelin Universität: das Wollen denken und Umsetzen lernen. Das Handelsblatt nannte die ZU ,Bildungs-Biotop‘ und ,Unternehmer-Uni‘, die FAZ schrieb, dass nach dem ZU-Auswahlverfahren vor ­a llem diejenigen kommen, ,die selbst ­denken und eine möglicherweise uto­ pische Vorstellung von dem haben, was sie eigentlich machen wollen‘.“ _01 prügl: „Empirische Studie zeigen, dass die Studierenden und Absolventen der ZU über eine außergewöhnlich hohe Gründungsneigung und -Erfahrung verfügen. Die Aufgabe der ZU und des Lehrstuhls für Innovation, Technologie und Entrepreneurship besteht vor allem darin, diesen Persönlichkeiten im Bedarfsfall Unterstützung anzubieten und für Chancen und Risiken eines solchen Unterfangens zu sensibilisieren.“ _02

osterloh: „In erster Linie ist eine Unternehmensgründung eine persönliche ­Herausforderung, der sich jeder Gründer selbst zu stellen hat. Zugleich ist es aber auch eine unglaubliche Chance für beide Seiten, wenn sich die Uni auch bei Gründungen engagiert. Durch die enge Verzahnung von Theorie und Praxis an der ZU stellt eine Unternehmensgründung oftmals eine optimale Ergänzung der aka­ demischen Lehrinhalte um praktische Erfahrungen dar.“ _03 Wie sieht die Unterstützung konkret aus? göbel: „Die ZU bietet eine Vielzahl von Formaten zur Unterstützung von Gründungen an. Dazu zählt unter anderem das Start-up-Bootcamp oder Entrepreneurship-Workshops. Auch der studentische Entrepreneurs-Club und nicht zuletzt auch die private Finanzierungssituation der Universität selbst wie das Investment in die eigene Bildung über Studiengebühren tragen zur Gründerkultur an der ZU bei.“ prügl: „An der ZU steht die Vernetzung mit der deutschen Gründerszene im Mittelpunkt. So organisiert der Unternehmer Benjamin Rohe regelmäßig in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen Grün-

derseminare, um Erfahrung und konkrete Ratschläge an die Gründungsinteressierten weiterzugeben. Zudem engagieren sich zahlreiche Professoren aus unterschiedlichen Disziplinen mit Rat und Tat bei spannenden Projekten.“ Welche Rolle spielt dabei der Entrepreneurs Club? göbel: „Der Entrepreneurs Club als studentische Gründung und Gründungszentrum ist eine wichtige Schaltstelle für die Gründerkultur der Universität. Hier tauscht man sich informell aus, hier werden Geschäftsideen auseinandergenommen und Netzwerke geknüpft. Das scheint erfolgreich: Gut 100 Unternehmen – profitorientierte wie soziale – sind aus der ZU heraus in den vergangenen acht Jahren gegründet worden.“ osterloh: „Der EC unterstützt Studierende bei der Entwicklung und Umsetzung von Ideen und organisiert Veranstaltungen wie z. B. die StudentStudy Entrepreneurship & E-Ventures. Desweiteren hilft der EC dabei, Kontakte zu Investoren herzustellen und Praktikumsplätze in Start-ups zu vermitteln. Ein sehr wichtiger Punkt ist auch der regelmäßige Aus-


69 Mehr Informationen finden Sie unter: › Micro Equity

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tausch über Entrepreneurship-Themen innerhalb der Studierendenschaft beim EC-Stammtisch.“ Neuerdings gibt es die ZU Micro Equity GmbH & Co. KG. Um was genau handelt es sich dabei? göbel: „Die Idee der ZU ME ist schnell erzählt: Es geht um eine ,Vergrößerung des Kleinen‘ – um den Effekt. Die ZU ME bietet eine Pre-Seed-Finanzierung von bis zu 50000 Euro inklusive Gründer-Coachings und Netzwerk-Zugängen. Damit nutzen wir die Vorteile einer auf Individualität und persönliche Beziehungen basierende Universität. Ziel ist die Förderung junger Unternehmer und die Realisierung eines Beitrags zur Refinanzierung der Universität.“ osterloh: „Bei der ZU ME handelt es sich um eine Beteiligungsgesellschaft, mit der sich die ZU nach dem Vorbild amerikanischer Top-Universitäten an Unternehmensgründungen aus Reihen der ZU ­beteiligen möchte. Hierfür bietet die ZU ME transparente und leicht verständliche Konditionen, was zur schnellen Bereitstellung von Kapital führen kann.“

Wie viele Bewerbungen gibt es und wie hoch ist die Quote von erfolgreich vermittelten Krediten? göbel: „Es sind ja keine Kredite, sondern unternehmerische Beteiligungen. Es gab bisher rund zehn Bewerbungen, und die erste Beteiligung steht unmittelbar bevor.“

Was hat sich mit der Einführung der ZU ­Micro Equity GmbH & Co. KG für Gründer geändert? göbel: „Es ist ein Angebot zur Palette der Angebote hinzugekommen. Eine schöne Ergänzung, die für das eine oder andere Team von Interesse sein kann.“

Welche Voraussetzungen müssen von studentischer Seite erfüllt sein, um gefördert zu werden? göbel: „Eine plausible Geschäftsidee – und los geht’s. Man bewirbt sich mit MiniBusiness-Plan, ausgefülltem BusinessModel und zweijährigem Finanzplan.“

osterloh: „Prinzipiell besteht nun für Gründer die Möglichkeit, verhältnismäßig einfach und schnell an eine nicht ganz unwesentliche Kapitalausstattung zu gelangen. Das Spektrum der unternehmerischen Möglichkeiten wird sich hierdurch aber auf jeden Fall wesentlich verbreitern. Ich persönlich sehe die Einführung der ZU Micro Equity GmbH & Co. KG als sinnvollen Schritt zur noch besseren Gründungsunterstützung und der Erweiterung des gründungsfreundlichen Ökosystems an der ZU an.“

Wer sind die Geldgeber, und welche Absichten haben sie? göbel: „Erfahrene Unternehmer legen Kapital in einen Fonds ein, spenden einen Anteil an die Universität, so dass auch diese als Gesellschafterin im Fonds vertreten ist. Damit fördern Unternehmer Nachwuchs-Unternehmer. Sollte irgendwann einmal ein Profit generiert werden, freut es die Investoren natürlich auch.“


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aufgebessert

Vielseitig sollten sie sein: überdurchschnittliche Stipendiaten der ZU Warum werden so viele Studierende gefördert?

Ein Prozent der Studierenden: So viele – oder eher so wenige – Stipendiaten der Begabtenförderwerke gibt es im Schnitt an deutschen Hochschulen. An der ZU ist dieser Wert 15-mal so hoch. Einer der Gründe: Die Studierenden engagieren sich überdurchschnittlich. Neben dem Studium realisieren sie zahlreiche Projekte. Diese Vielseitigkeit ist es, die Förderwerke an ZU-Studierenden schätzen. Beispiele: Wie zeigt sich soziales Engagement? Das Thema Politik ist seit langem die ­große Leidenschaft von Nikolina-Romana Milunovic. Schon zu Schulzeiten arbeitete die heute 22-jährige Studierende der Politikwissenschaften in der Politik-AG in ihrem Gymnasium mit. Außerdem war sie als ehrenamtliche Mitarbeiterin für Unicef, die Kinderhilfsorganisation der UNO, tätig. Wegen ihrer ausgezeichneten Schulleistungen und ihres überdurchschnittlichen sozialen Engagements erhielt Nikolina-Romana Milunovic ein Stipend iu m der Vodafone Stif tu ng Deutschland. An der ZU ist die Berlinerin mit kroatischen Wurzeln nicht nur Mitbegründerin des Projekts „Spread the Word“, sondern auch der YATA-Hochschulgruppe. Hier arbeitet sie mit anderen Kommilitonen gemeinsam politische Positionspapiere aus. In dieser Richtung will sie sich später auch beruflich orientieren. Ein Ausgleich für das Studium und ihre vielen

Projekte ist das Tanzen. Seit dem dritten Lebensjahr trainiert sie Ballett und Jazzdance. Während der Schulzeit absolvierte sie sogar mit einem Teilstipendium ein Schuljahr an der renommierten „Philadelphia High School for the Creative and Performing Arts“. An der ZU lebt NikolinaRomana Milunovic ihre Leidenschaft in der Cheerleading-Gruppe aus. Wie wird ein Studierender Gutachter? Seit November 2008 ist Lukas Löhlein Stipendiat der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Er studierte von 2007 bis 2010 an der Universität Konstanz und der University of Richmond, Virginia, Politikwissenschaften. Anschließend wechselte er im Herbst 2010 die Seeseite, um an der ZU den CME-Masterstudiengang zu absolvieren. Weitere Auslandsaufenthalte führten ihn in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Kroatien. Im kommenden Herbst wird Löhlein zudem, zusammen mit Stu-

denten der Addis Abeba University in Äthiopien, das Phänomen „Sozial Entrepreneurship“ im Kontext von Entwicklungsländern diskutieren. Abseits der ZU akkreditiert Lukas als studentischer Gutachter der FIBAA deutschlandweit Stu­ diengänge. Außerdem versucht er als Gründungsmitglied von „Soreko“ – einem von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung geförderten Start-up-Unternehmen –, ­sozial engagierte Studenten mit regionalen Unternehmern zu vernetzen. Seine Freizeit verbringt Lukas Löhlein zumeist auf dem Hartplatz seines bosnischen Fußballvereines. Dort versucht er schon seit Jahren „erfolglos mit Leidenschaft und Emotionen für den Aufstieg aus Deutschlands letzter Fußballiga zu kämpfen“. Warum wird man Konfliktlös(ch)er? Michael Tauch ist 22 Jahre alt und hat ­g erade sein Bachelorstudium in PMG


71 Mehr Informationen finden Sie unter: › Stipendien

­ bgeschlossen. Im Herbst wird er sein a ­Studium als Masterstudent an der ZU fortsetzen. Seit Herbst 2008 ist Tauch Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Gefördert wird er, weil er sich, neben sehr guten Leistungen in der Schule und während des Studiums, seit langem auch in vielfältiger Weise ehrenamtlich einsetzt. Er war Schulmediator und verwaltete die Finanzen seines Abiturjahrgangs. Außerdem ist er seit zwei Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Friedrichs­ hafen. Dies ist er auch seit zehn Jahren in seinem Heimatort Güglingen, wo er heute noch als Kassier tätig ist. Bei den Jungen Europäern im Bodenseekreis setzt er sich im Vorstand für die europäische Idee ein. Zusammen mit Mitglied des RCDS diskutiert er im „Debate Club“ über politische Fragen. Als Stipendiatensprecher organisierte er ein Semi-

nar zum Thema „Neuroökonomie“ und lernte die internationale Zusammenarbeit der Stiftung bei einem Praktikum im Auslandsbüro in Jordanien kennen. Wie trifft Theorie die Praxis? Seit ihrer Jugend eignete sich Annika Dausch, Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes, das praktische Rüstzeug für Darstellende Künste an. 14 Jahre lang wurde die CCM-Studierende im klassischen Balletttanz ausgebildet. Zudem genoss sie Geigen-, Klavier- und Gesangsunterricht. Und sie gewann 2004 und 2008 die Silbermedaille bei der Chor-Olympiade. Für ihre Mitmenschen engagierte sich Dausch vor allem in der Kirche. Sie betreute Konfirmanden und half bei der Realisierung von sozialen Projekten der Gemeinde. Heute bewegt sich Dausch auf ganz ande-

rem Parkett. An der ZU ergänzt sie nicht nur die Praxis durch die Theorie, sonders engagiert sich auch im hochschuleigenen Chor. Außerdem hat sie im Frühjahr 2010 an der Konzeption und Organisation von „ZUtaten“, der jährlichen Berufsmesse in Kombination mit Workshops, maßgeblich mitgewirkt. Vorgeschlagen wurde sie der Studienstiftung auch deshalb, weil sie sich im Rahmen ihre Hiwi-Tätigkeit um die DAAD-Stipendiaten kümmerte. Als ehemalige Jugendbotschafterin in den USA im Rahmen eines Austauschjahres konnte sie sich besonders gut in deren Lage hineinversetzen.


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aufgestiegen

Festlicher Abschied für die Absolventen Wer erhielt Bachelor- und Master-Urkunden?

Das Studium individuell, die Verabschiedung persönlich: Einmal pro Semester werden die aktuellen Absolventen der ZU mit einer festlichen Graduierungsfeier feierlich entlassen – in weiterführende Studiengänge oder ins Berufsleben.


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Isabella Aberle, Linda Ahrens, Felix Aich, Martin Albrecht, Moritz Averdunk, Florian Bandel, Yves Bangert, ­Catherina Bardenhagen, Lisa Bartsch, Kathrin Baumann, Florian Baur, Susanne Beck, Eva Becker, Sebastian ­Belser, Viola Benz, Alexander Berndt, Mareike Besecke, Caroline Bierbrauer, Nicole Böhm, Lilli Braunisch, Karl Bredemeyer, Holger Breins, Anja Breßmer, Marcus Briese, Caroline Brinkis, Michael Brönner, Joel Brückel, Georg Bulmer, Charly Bunar, Johannes Burkhardt, Verena Burtscher, Falk Busse, Laura Cordes, Dennis Deicke, Frédéric Delbrück, Nikolaus Delius, Hermann Deres, Melanie Diedrich, Hannes Dienel, Elisabeth Ditlmann, Fast 800 Absolventen zählt die ZU inzwischen seit ­Wilhelmine Dohmen, Martina Dopfer, Charles Eck von Schanzenihrer Gründung 2003 – das sind ebenfalls fast 800 bach, Carolin Engstfeld, Lilly Epple, Suzan Erkisi, Jennifer Eurich, individuelle Studienkarrieren. Und so individuell wie Arsen Fazlovic, Anna Fedke, Kerstin Feil, Sebastian Feldmann, das jeweilige Studium, so persönlich ist auch einmal ­Ulrich Felgenhauer, Matthias Fiedler, Franziska Fischer, Thomas im Semester die Verabschiedung der Absolventen. Martin Fojcik, Miriam Fritz, Sabine Frommer, Samantha Fürstin Bei der festlichen Graduierungsfeier mit Kommilitovon Sayn-Wittgenstein, Anja Gaidzik, Theresa Gebauer, Theresa nen, Freunden und Verwandten erhalten sie ihre Geisel, Jaqueline Gerhard, ­Sebastian Gieser, Rebecca Glaser, Steffen Bachelor- oder Master-Urkunden überreicht, berichten Golz, Jörn Greinert, Peter Greve, Sebastian Grunewald, Marie Louise über ihre studentische Forschungsarbeit und das Günther, Gerrit Habbel, Julian Hagen, Mark Hahnfeld, Elisabeth Studium insgesamt – und feiern das Ereignis anschlie­ Hahnke, Lisa Hann, Nora Hanßen, Katharina Harnack, Ina Hartwig, ßend gebührend. Die Absolventinnen und Absolventen Alessa Hartz, Jana Hauck, Andrea Henkel, Michael Henkert, Maxivon Herbst 2009 bis Frühjahr 2011: milian Henne,­ Eva Hense, René Hentschel, Matthias Hermjakob, Marc Herr, Maike Herrmann, Stefanie Heßler, Johannes Heuser, Christopher Hild, Felix Hildebrand, Sophie Himmelsbach, Anja Höft, Simon Höher, Franziska Hollender, Dany Homilius, Maximilian Hübner, Moritz Hunsdiek, ­Jakob Christian Jekat, Sebastian Jilke, Jesselit Jimenez, Vera Alina Jonas, Jakob Josten, Moritz Jungmann, Laura Kaiser, Jana Kaminski, Stefanie Karbach, Marcel Karp, ­Caroline Kerßenfischer, Boris Kleemann, Markus Kleemann, Sina Klemm, Cornelius Klingel, Giordano Koch, Maximilian Koch, Sophie Koch, Martin Kohlbeck, Nadine Kolbe, Ilya Kompasov, Isabella Kopton, Till Kratochwill, Simon Kresser, Lukas Krohn-Grimberghe, Julia Küchler, Tobias Kühne, Lena Kunszt, Linda Kurz, Kristin Labisch, Uta Lambertz, Felix Langenmayr, Maria Lastovka, Premwadee Lauster, Kristin Lawerenz, Caroline Leder, Johannes Lenhard, Jens Lennertz, Ingrid Leonhardt, Verena Liedgens, Marietta Lindenmaier, Marc Linzmajer, Fumiko Lipp, Giannina Lisitano, Anna Lobkowicz, Daniel ­L ösche, Florian Lucke, Eva Ludwig-Glück, Julia Maertz, Daniel Mai, Linda Mantau, ­Maximilian Marbe, Bastian Marten, Janine Masternak, Marcel Megerle, Julia Meik, Jasmin Mendoza Engelhardt, Raphael Meyer-Landrut, Marissa Monath, Stephan Mühlhäuser, Jennifer Munz, Ines Müssig, Philipp Nagel, Natalie Nirenberg, Johanna Oehlmann, Franziska Oker, Lukas Onken, Magdalena Orth, Daniel Osafo, Lukas Palm, Benjamin Pape, Lea Passarge, Marius Pawlak, Teresa Pazzini, Juri Pfeiffer, Susanne Pflieger, Svenja Pogorzalek, Sebastian Pohl, Anita Pöltl, Judith Poprawa, Andreas Puffert, Benjamin Raab, Imke Rabenstein, Alessandra Raedecke, AnnaMaria Rainer, Linn Rampl, Andreas Rapp, Arne Rausch, Christian Reichert, Theresa Reifurth, David Reimann, Robert Reitze, Julica Renn, Maxi Renz, Markus Richter, Anna-Sophia Riedesel Freiin zu Eisenbach, Denise Agnes Isabel Rigaud, Nina Ritzi-Messner, Stefan Rölleke, Helene Romakin, Johanna Rudbach, Lena Schäfer, Moritz ­Schellenberger, Sebastian Schirl, Sarah-Katharina Schluszas, Jessica Schmeiß, Julia Carolin Schmid, Sarah Schrader, Dominik Schreyer, Silvia Schugg, Vera Schulhof, Konstantin Schumann, Maximilian Moritz Schuster, Maren Schütte, Katharina Schwab, Anna Schwaderer, Sebastian Schwalm, Emanuel Schwarz, Roman Sick, Marina Sitte, Mona Sloane, Johann Smalla, Julian Spruck, Michael Stalze, Boris Stassen, Pascal Staud, Juliane Stephan, Franziska Stoltze, Kirsten Marlies Storz, Sarah Strozynski, Julia Sulger, Robin Tech, Tobias Ternes, Nikolaj Thenagels, Michael Tölle, Jessica Twardawa, Stefanie Ule, Christoph Ulrich, Louisa Unterasinger, Ines van Kaldekerken, Christina Veldhoen, Kilian Vieth, Felix Volgmann, Maríe Volmer, Jonas von der Heyden, Lilly Wagner, Nicoletta Wagner, Felix Wälder, Mathias Waldschmitt, Tao Wang, Laura Wanzl, Melayne Weber, David Weiss, Christina Werner, Nora Werner, Alexander Weyland, Christian Wilhelm, David Wilkskamp, Gregor Wissler, Eike Wobker, Inga Wobker, Roman Wodarz, Nora Maria Wohlfeil, Christoph Wolnik, Julia Wunderlich, Sebastian Würth, Yat-Hong Yuen, Anna ­Maria Zepp


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aufgestiegen

Entscheidende Botschafter Was folgt nach dem Studium?

Als ehemalige Studierende bleiben die Alumni wichtige Mitglieder der Universität: Sie sind für die ZU im wahrsten Sinne des Wortes „entscheidende Botschafter“ in allen Winkeln der Welt und für die ZU-Studierenden ein wichtiger Draht in die Praxis. Und sie bleiben zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik – als Kuratorin, Analyst, Bürgermeister oder Pressesprecherin.

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75 Mehr Informationen finden Sie unter: › Alumni

Wie erfindet man seine eigene Stelle? Jennifer Eurich _01 ist Kunst- und Kulturbeauftragte des Kameha Grand Bonn, einem Lifestyle-Hotel, das zu den „Leading Hotels of the World“ zählt. Ihre Aufgabe ist es, „ein Kunst- und Unterhaltungsprogramm einzurichten, das größtenteils aus Ausstellungen und Veranstaltungen besteht.“ Während eines Praktikums hatte sie in einer Projektarbeit die Stelle selbst mit ausgearbeitet und die Details gestaltet. Aktuell ist die ZU-Absolventin sowohl mit der strategischen Planung als auch mit der operativen Umsetzung als Kuratorin beschäftigt. „Meine jetzige Stelle ist sehr spannend und lässt mir viele Freiräume; ich arbeite gerne strategisch“, erzählt sie. Der Übergang zwischen studentischer und beruflicher Laufbahn war bei Jennifer Eurich fließend. Während des ersten Monats als Kunst- und Kulturbeauftragte musste sie noch die letzten Prüfungen an der ZU abschließen. „Was großartig an der ZU war und ist, ist die Nähe zur Forschung und den Forschenden. Auch die Nähe zu den Kommilitonen, sowohl fachlich als auch emotional, war auch sehr inspirierend“, blickt sie zurück. „Ich habe vor allem gelernt, mich selbst, meine Gedanken und meine Zeit zu strukturieren. Analyse- und Problemlösungskompetenz für kulturelle Herausforderungen ist wahrscheinlich die für meinen Job förderlichste Kompetenz, die ich an der ZU erarbeiten konnte.“ Was rät man eigentlich Unternehmen? Unternehmen bei potentiellen Firmenzuoder verkäufen zu beraten, das ist die Aufgabe von Benjamin Ludigs. Der ehemalige CME-Studierende arbeitet heute bei einer großen Investment-Bank in Frankfurt am Main. Im Anschluss an ein Praxissemester entschied er sich, das Angebot zum Direkteinstieg als Analyst anzunehmen. Zwischen Studium und Berufsbeginn bereiste er die Vereinigten Staaten. Anders

als im Studium hat sein Tag jetzt „mehr Struktur", und seine Zeit ist nicht mehr so flexibel und spontan einteilbar wie noch zu Studienzeiten. Dennoch ist er mit seinem derzeitigen Beruf sehr zufrieden. Rückblickend hat er an der ZU „wahnsinnig viele interessante“ Leute kennen gelernt, mit denen er heute noch viel Kontakt pflegt. Gefallen hat ihm vor allem das enge Zusammenleben und der tägliche Austausch von Personen mit verschiedensten Hintergründen und Interessen. Die ,,angenehm unscharfe Trennung zwischen Uni- und Privatleben" weist er als eine Stärke der Universität aus. Heute vermisst er „die vielen bekannten Gesichter jeden Tag", jedoch freut es ihn am meisten zu wissen, „jederzeit wieder am Seemoos willkommen zu sein.“ Wie studiert ein Bürgermeister? Schweizern wird ja allgemein eine gewisse Gemütlichkeit nachgesagt – wenn dieses Vorurteil stimmen sollte, dann ist Max Koch _02 kein typischer Eidgenosse. Der 45-Jährige ist Bürgermeister, kantonaler Parlamentsabgeordneter, Berufsschullehrer, Gründer und Trainer eines Handballvereins, und „nebenbei“ studierte er auch noch an der ZU. „Das wichtigste dabei war ein gut geführter Kalender“, erzählt Koch. Von 2008 bis 2010 absolvierte er den Masterstudiengang PMG. Bei ihm vereinten sich Praxis und Theorie im Verwaltungsbereich auf ganz besondere Weise: Seit 2003 ist er Bürgermeister (in der Schweiz heißt es „Gemeindepräsident“) der kleinen Gemeinde Wolfhalden mit 1700 Einwohnern – und zwar ohne vorher große Erfahrungen in der Politik gemacht zu haben. Max Koch kandidierte erfolgreich für die FDP für das Kantonale Parlament Appenzell-Außerrhoden und wurde 2007 als Bürgermeister in seinem Amt bestätigt. Inzwischen hat er sein Studium abgeschlossen, ist wieder Bürgermeister in Wolfhalden und Berufsschullehrer in He-

risau. Sein Ziel: „Natürlich weiter Politik. Und noch viel mehr." An der ZU hat er jedenfalls sein theoretisches Rüstzeug erweitert, lautete das Thema seiner MasterArbeit doch „Wie viel Leadership verträgt die Schweizer Demokratie?“ Wie spricht man für „Löwen“? Lil Zercher _03 ist Pressesprecherin des Fußball-Traditionsclubs TSV 1860 München und damit für die Kommunikation rund um die „Löwen“ verantwortlich. Sie sorgt für positive Nachrichten und dafür, dass die Medien, vor allem die ausgesprochen lebhafte Münchener Medienlandschaft, möglichst positiv über den Verein berichten. Nach einem halbjährigen Praktikum wurde Zercher als Pressereferentin übernommen. Als die Stelle des Pressesprechers frei wurde, bekam sie diese angeboten. „Eine super Chance und eine tolle ­Herausforderung, zu der ich nicht nein sagen konnte“, erzählt sie. Dabei war der Beruf des Pressesprechers vorher nie ein Traumjob von Zercher. „Super viel Spaß macht es natürlich trotzdem.“ Gut zudem, dass die CCM-Absolventin und frühere Mitgründerin des ZU-Merchandisingteams Profi-Fußball immer schon „total spannend“ fand. Rückblickend erinnert sich Zercher an der ZU besonders an „die Offenheit, die bunt ­gemischten Studenten, die Möglichkeit eigene Ideen umzusetzen, vieles auszuprobieren und – nicht zu vergessen – den Bodensee natürlich.“


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aufgesammelt

„Investition in eine nachhaltige Zukunft“ Warum engagiert sich die Tognum AG für das European Center for Sustainability Research (ECS) an der ZU?

Seit Mitte dieses Jahres unterstützt der Antriebssystem- und Energieanlagenspezialist Tognum den Aufbau des European Center for Sustainability Research (ECS) an der Zeppelin Universität. Im Interview spricht Joachim Coers, ab 1. Oktober Vorstands­vorsitzender und zuvor stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Tognum AG, über die Hintergründe des Engagements und erläutert, welche Rolle Nachhaltigkeit im e ­ igenen Unternehmen spielt. Herr Coers, Ihr Unternehmen engagiert sich seit diesem Jahr in starkem Maße an der Zeppelin Universität zum Aufbau des dortigen European Center for Sustainability Research (ECS). Warum? Wir möchten mit dieser Förderung von Forschung, Wissenschaft und Bildung einen Beitrag für eine qualifizierte und wissenschaftliche Auseinandersetzung zum Verständnis des nachhaltigen Entscheidens und Handelns leisten. Dadurch wollen wir einen Mehrwert für unsere Umwelt und Gesellschaft sowie für unser unternehmerisches Handeln schaffen. Und warum an der ZU? Es gibt nur wenige Universitäten, die sich überhaupt mit dem Thema Nachhaltigkeitsforschung beschäftigen. Spannend am EZNaF ist, dass sich dieses Projekt im Aufbau befindet und wir uns somit in die Zentrumsausrichtung mit einbringen können. Hinzu kommt, dass die ZU eine wichtige Bildungseinrichtung hier am

Bodensee ist. Sie genießt international einen hervorragenden Ruf als innovative Hochschule. Daher passen ZU und Tognum sehr gut zusammen.

schäftigen. Zudem investieren wir mit der Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung in eine nachhaltige Zukunft – und davon profitieren letztendlich alle.

Wie wird das Engagement konkret aussehen? Zum einen unterstützen wir den Aufbau des EZNaF finanziell. Zum anderen werden wir uns aber auch als Impuls- und Ideengeber mit einbringen, mit unserem Wissen und unseren Kontakten aus der Praxis. Ich freue mich, dass dieser Praxisbezug dem EZNaF wichtig ist. Der Wissens­ transfer soll aber nicht auf der Einbahnstraße erfolgen.

Wie ist das Verständnis von Tognum selbst für Nachhaltigkeit? Unser Anspruch ist es, im Spannungsfeld zwischen Wirtschaft, Menschen und Umwelt nachhaltig und verantwortungsvoll zu handeln. Unser soziales und ökologisches Selbstverständnis haben wir daher auch in unseren Unternehmensleitlinien verankert. Das heißt, wir übernehmen gesellschaftliche und soziale Verantwortung und verbessern kontinuierlich die Umweltbilanz unserer Produkte und Standorte.

Welche Vorteile verspricht sich Tognum durch die Unterstützung des EZNaF? Wir möchten mit diesem Engagement unsere Netzwerke ausbauen und uns mit Experten sowie anderen Unternehmen austauschen, die sich mit Fragen nachhaltigen Wirtschaftens und Handelns be-

Was unternimmt Tognum auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit? Bei Tognum achten wir in allen Stufen unserer Wertschöpfungskette auf Nachhaltigkeit: von Forschung und Entwick-


77 Mehr Informationen finden Sie unter: › Partner

_Förderer & Partner der Universität _ZU | Stifter Zeppelin Stiftung, ZF Friedrichshafen AG, ZEPPELIN GmbH, Siegfried Weishaupt, ungenannter Stifter _ZU | Premiumpartner Deutsche Telekom AG, EADS Deutschland GmbH, Phoenix Zeppelin GmbH, ZEPPELIN GmbH, Zeppelin Stiftung, ZF Friedrichshafen AG _ZU | Seniorpartner Otto GmbH & Co. KG, Stiftung Mercator, Siemens Stiftung, KPMG AG, Tognum AG, Daimler AG _ZU | Partner Altana Chemie AG, BBDO Germany GmbH, Buchanan GmbH, Daimler AG, Deutscher Sparkassen- und Giroverband, Donata Stiftung, Grieshaber Logistik AG, IHK Bodensee – Oberschwaben, IHK Schwaben, IHK Ulm, Ilse Lang, Schindler Parent GmbH, Stiftung Familienunternehmen, Wüstenrot Stiftung, Zeppelin Universitätsgesellschaft, Kienbaum Management Consultants GmbH, Schwarz Finanzund Beteiligungs GmbH & Co. KG, Wild Stiftung, Bausparkasse Schwäbisch Hall

lung über Einkauf, Logistik und Produk­tion bis hin zu Vertrieb, Wartung und Grundüberholung der Produkte bis zum Ende ihres Lebenszyklus. So nehmen wir beispielsweise unsere Produktverantwortung sehr Ernst und entwickeln Lösungen zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes und des Kraftstoffverbrauchs unserer Motoren. Zugleich entwickeln wir alternative Antriebstechnologien wie Hybridsysteme für Bahntriebwagen oder Gasmotoren, die in hocheffizienten Blockheizkraftwerken gleichzeitig Strom und Wärme produzieren. Neben den produktbezogenen Aspekten der Nachhaltigkeit gilt unser strategisches Augenmerk auch der betrieb­lichen Arbeitssicherheit sowie dem Gesundheits- und Umweltschutz. Grund­lage dafür ist der dauerhafte wirtschaftliche Erfolg unseres Unternehmens. Dieser ermöglicht es uns, nicht nur Verantwortung im Rahmen unserer Geschäftsbeziehungen zu übernehmen, als Arbeitgeber

und Steuerzahler, aber auch außerhalb des Unternehmens. Zum Beispiel indem wir förderungswürdige Projekte aus Bereichen wie zum Beispiel Sport, Umwelt und Soziales im regionalen Umfeld unserer Standorte unterstützen. Warum unterstützt ein Dieselmotorenhersteller Nachhaltigkeitsprojekte? Aus dem gleichen Grund, weshalb auch andere Unternehmen Nachhaltigkeitsprojekte unterstützen: Um einen Beitrag zur Lösung von gegenwärtigen und zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu leisten.“

_ZU | Förderer EnBW AG, Fraunhofer IAO, Oracle Deutschland GmbH, Stadt Friedrichs­ hafen, VBH Holding AG, Udo J. Vetter, Vodafone Stiftung Deutschland GmbH, Winterhalter Gastronom GmbH, Weissman Institut, EQUA Stiftung, MSR Family Office GmbH & Co. KG, decode Marketingberatung GmbH, Erwin Hymer


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aufgesammelt

„Intensiver Austausch von hohem Nutzen“ Wie erlebt ein Wissenschaftler einen Stiftungslehrstuhl?

Junior-Professor Dr. Christian Brock ist Inhaber des Otto Group-Lehrstuhls für Service Marketing und Distanzhandel an der ZU. In Interview spricht er über die Kooperation, Folgen für Forschung und Lehre und begeisternde Praxiserfahrungen.


79 Mehr Informationen finden Sie unter: › Partner

Herr Brock, wie erleben Sie die Kooperation mit dem Dienstleistungs- und Handelskonzern? Äußerst positiv erlebe ich die Kooperation. Wir befinden uns in einem intensiven Austausch und bearbeiten dabei Themen, die sowohl für die Unternehmenspraxis als auch für die Forschung und Lehre von hohem Nutzen sind. Was sind die Ziele und Schwerpunkte Ihrer Arbeit? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Otto Group? Ziel meiner Arbeit ist es, exzellente Forschung sowie eine solide Ausbildung der Studierenden zu gewährleisten. Vor diesem Hintergrund ist ein starker Praxispartner von immenser Bedeutung: Zum einen mangelt es nicht an kompetenten Referenten aus der Praxis, die ich in meine Veranstaltungen einbinden kann. Zum anderen ist die empirische Marketingforschung auf Kooperationspartner aus der Unternehmenspraxis angewiesen. Durch gute Kontakte in die Otto Group gestaltet sich die Akquise dieser Kooperationen für mich deutlich einfacher. Und welche unmittelbaren Vorteile hat die Otto Group davon? Im Bereich der Personalrekrutierung hat die Otto Group durch die Stiftung einen deutlich einfacheren Zugang zu exzellenten Studierenden. Ich hoffe jedoch, dass das nicht die einzigen Vorteile sind. So bin ich beispielsweise ein Verfechter der pra-

xisorientierten Forschung: Ergebnisse meiner Arbeit, etwa aus dem Beschwerdemanagement, lassen sich unmittelbar implementieren und tragen zu einer intensiveren Bindung von Kunden bei. Gibt es Beispiele, wo die Kooperation für Ihre wissenschaftliche Arbeit besonders hilfreich war? Durchaus – beispielsweise bei der Akquise von Drittmitteln. Häufig fehlen den Antragsstellern geeignete Kooperationspartner aus der Praxis. Wie eingangs bereits angesprochen, stellt das bei mir keinerlei Problem dar. Nun gibt es immer wieder kritische Stimmen, die behaupten, ein unmittelbares Engagement von Firmen könnte eine Gefahr sein für die Freiheit von Forschung und Lehre. Wie sehen Sie dies vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Erfahrungen? Ich kann natürlich nur aus meiner Per­ spektive und dem Engagement der Otto Group sprechen: Im Bereich Lehre ist die Otto Group natürlich daran interessiert, dass ich Studierende in Richtung (Distanz-)Handel ausbilde. Das deckt sich aber zu 100 Prozent mit meinen Interessen, schließlich habe ich am Lehrstuhl für Distribution & Handel in Münster gearbeitet und promoviert. Meine Forschungsschwerpunkte verfolge ich bereits seit mehreren Jahren, und diese umfassen die Themengebiete Dienstleistungs- sowie Handelsmanagement. Vor diesem Hintergrund ist

es weniger eine Gefahr, vielmehr eine große Chance, mit dem führenden (inter-) nationalen Unternehmen des Handelsund Dienstleistungssektor zu kooperieren. Welche Rückmeldungen haben Sie aus dem Unternehmen und dem Kreis der Mitarbeiter – und welche aus dem Kreis der Mitarbeiter und Studierenden der ZU? Sämtliche Vertreter der Otto Group, die ich bisher zu Gast hatte, sind von der ZU extrem begeistert: Das innovative Konzept, die engagierten Studierenden und natürlich die Lage mit Blick auf den Bodensee sind wesentliche Faktoren. Sehr positive Rückmeldungen, sowohl fachlicher als auch menschlicher Natur, habe ich auch seitens der Mitarbeiter erhalten über unsere Studierenden, die ihr Praktikum bei der Otto Group absolvierten oder gerade absolvieren. Sowohl Kollegen als auch Studierende der ZU greifen gerne auf meine Kontakte in die Otto Group zurück. Kollegen insbesondere, wenn sie Gastreferenten zu spezifischen Themen einladen möchten; Studierende, wenn es um die Frage eines Praktikums geht. Bisher habe ich aus beiden Kreisen nur positives Feedback erhalten.


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aufgepasst

Veranstaltungsvorschau Herbst/Winter 2011/12 Die Zwischenfragen der Zeppelin Universität sind nicht nur magazinmäßig und virtuell erlebbar, sondern vor allem durch Präsenz – bei den zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen der Universität: Informieren Sie sich hier über die Highlights der kommenden Wochen und sehen Sie das aktualisierte Veranstaltungsprogramm jederzeit unter www.zeppelin-university.de/events oder per ZU-App (erhältlich im App-Store) ein. Video- und Audio Dokumentationen der Veranstaltungen finden Sie unter www.ZUoniTunesU.de Wir freuen uns auf Ihren Besuch!


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Di, 30.08.2011 19:00 Uhr

Fr, 28.10.2011 19.00 Uhr

Friedrichshafener Bildungsgespräche

artsprogram

Reinhard Kahl, Journalist & Filmemacher Fr, 09.09.2011 16:30 Uhr

Graduierungsfeier

Sa, 10.09.2011 14:30 Uhr

Achtes Sommerfest der Universität ‚

zum Thema „Bürger.Macht.Staat?“ Do, 22.09.2011 19:00 Uhr

Friedrichshafener Bildungsgespräche

Prof. Dr. Rudolf Stichweh, Universität Luzern Di, 27.09.2011 19:00 Uhr

artsprogram:

Curating the Context | Prof Sally Jane Norman Do, 29.09.2011 19:00 Uhr

BürgerUniversität

Podiumsdiskussion anläßlich des 200jährigen Stadtjubiläums „Friedrichshafen vor 200 Jahren, Friedrichshafen in 200 Jahren“

Zauberflöte re-loaded – Eine multimediale Inszenierung Di, 08.11.2011 13.00 Uhr

Friedrichshafener Bildungsgespräche Prof. em. Dr. Winfried Schulze Do, 10.11.2011 19.00 Uhr

artsprogram

Künstlergespräch mit Rainer Ganahl (A/USA) Mi, 23.11.2011 20.00 Uhr

Lesung und Diskussion

Ulrich Wickert, Journalist und Autor DO, 12.01.2012 19.00 Uhr

BürgerUniversität

Dr. Claus Kleber, ZDF-Moderator Do, 19.01.2012 16.15 Uhr

BürgerUniversität

Kai Diekmann, Chefredakteur Bild Zeitung

Di, 18.10.2011 19:00 Uhr

Fr, 20.01.2012 14.00 Uhr

BürgerUniversität

Research Day

Sa, 22.10.2011 19.00 Uhr

Kunst-Freitag

Steffen Seibert, Regierungssprecher

artsprogram

Die Liszt-Nacht mit den Konzertpianisten Jürgen Jakob und Andreas Mühlen sowie mit Dr. Anton Mayer

Fr, 20.01.2012 19.00 Uhr


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„Wir sind BildungsRomantiker und keine Ausbilder“ Acht Jahre ZU: Was wurde erreicht und was sind die nächsten Ziele?

In zwei Jahren – 2013 – begeht die ZU ihr zehnjähriges Bestehen. Sie ist damit die jüngste deutsche Universität. Im Interview spricht ZU-Präsident Professor Dr. Stephan A. Jansen über Pioniertaten und „Piratenstreiche“, Promotionsrecht, Politikberatung und Rankings, die Universität als Ort der Innovation und das künftige Friedrichshafener Gegenstück zu Berlin-Friedrichshain.

Die ZU im Jahr 2011: Nun über 800 Studierende, knapp 200 Mitarbeiter. Wie fühlt sich die Universität im achten Jahr ihres Bestehens an? Wie eine Acht, wenn sie umfällt: unendlich schön. Nicht nur hand-, sondern auch denkschmeichlerisch. Der Wissenschaftsrat hat für die ZU als erste deutsche Privat-Uni die Verleihung des ­eigenständigen Promotionsrechts durch das Land Baden-Württemberg empfohlen. Welche Bedeutung hat diese Entscheidung für die ZU? Auch wenn sich Zeppeliner damit auskennen: Für uns war es ja schon eine wirk­ liche Pioniertat, weil noch keine der über 400 Hochschulen in Deutschland ein Promotionsrecht durch den Wissenschaftsrat empfohlen bekommen hat. Für den Wissenschaftsrat war es ein „Piratenstreich“, wie der Generalsekretär des Wissenschaftsrates, Thomas May, mir im Telefonat direkt nach der Entscheidung zurief – „anerkennend“, wie er bestätigte. Und irgendwie hat er damit verdammt recht, denn das Promotionsrecht wird auf unruhiger See bis aufs Messer verteidigt. Die immer als

etwas ungewöhnlich angesehene Zeppelin Universität hat nicht nur mit den Spitzengruppen-Platzierungen der Lehrprogramme im CHE-Ranking eine schöne Bestätigung erfahren, sondern ist mit dieser Entscheidung nun als eine ganz „normale“ Forschungsuniversität gewürdigt worden. Und bei aller Bescheidenheit: Wir freuen uns schon darüber, denn hier haben über 100 engagierte wie sehr mutige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das in den letzten acht Jahren durch ihre beeindruckenden Forschungsleistungen und die über 80 Promotionen ermöglicht. Bei soviel Anerkennung: Sind damit Posi­ tionierung und Ausbaustufe erreicht? Im neunten Jahr der Zeppelin Universität wird durch die Titelrechte die zweite Wachstumsphase geprägt. Wir sind im Jahr 2003 mit dem Ideal einer forschungsbasierten Privatuniversität angetreten. 2010 haben wir durch die StifterverbandsStudie gemerkt, dass wir Geisterfahrer sind, also „Humboldtianer“, die die Einheit von Lehre, Forschung und wissenschaftlichen Dienstleistungen in privater Trä-


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gerschaft wagen. Nun sind aber die ausdifferenzierten Wege des deutschen Hochschulsystems glücklicherweise breit genug, und wir haben es ganz komfortabel. Und was heißt das nun ganz konkret? Für die Studierenden: Wir haben in diesem Jahr die Forschungsorientierung in den vierjährigen Bachelor-Studiengängen mit dem „Zeppelin-Jahr“ und dem „Humboldt-Jahr“ so intensiviert, dass auch Direkteinstiege in die Promotion möglich werden. Für die Wissenschaftler: Im Januar wird die „Zeppelin University Graduate School“ feierlich eröffnet, die abgekürzt deutlich macht, um was es uns geht: ZUGS! Hier wird die aktuellste Forschung zucken, die Master-Programme auf die Promotion hingeführt und die hohe Attraktivität für interdisziplinär forschende Wissenschaftler – sowohl der ZU, wie auch vieler unserer nationalen wie internationalen Forschungspartner – weiter ausgebaut.

Zur weiteren Entwicklung der ZU gehört die Ausweitung des Studienangebots. Neben dem Bachelor „Soziologie, Politik und Ökonomie“ sind zwei berufsbegleitende Master für Nachfolger und Fremdgeschäftsführer von Familienunternehmen sowie in digtalen Geschäftsfeld-Modellen eingeführt worden. Warum diese Ausweitung? Warum nicht früher, wäre auch so eine dieser Fragen ... Der Österreicher würde sagen: „Eh kloar!“ Denn der neue Bachelor ist ein ZU-Bachelor, wie ihn alle schon von Beginn an erwartet hatten. Eine interdisziplinäre Ausrichtung auf Soziologie, Politikwissenschaft und Ökonomie – und das nicht nebeneinander, sondern systematisch aufeinander bezogen und die Zwischenzonen ausleuchtend, das passt einfach zur ZU. Natürlich könnte es auch ein Verweis auf Oxford und Cambridge sein, die mit ihren Studienprogrammen „Philosophy, Politics & Economics“ ja auch ganz erfolgreich waren. Aber warum nicht mal bescheiden variieren und radikalisieren? Ich werde es berufsbegleitend mit studieren. Ja, und die berufsbeglei­tenden Studiengänge, die uns in der Forschung nach

vorn bringen, werden an der ZU zunehmen. Der eMA FESH für Family Entrepreneurship ist der Lückenschluss im Bildungsangebot des deutschen Hochschulbereichs und erster und einziger berufsbegleitender, universitärer Masterstudiengang für Nachfolger und Fremdgeschäftsführer von Familienunternehmen in Europa. Und da fehlt es an Forschung, weil es an Beziehungsfähigkeiten zwischen den konzernverliebten BWLern an Unis und den nicht wirklich univerliebten Unternehmerinnen und Unternehmern mangelte. Das schauen wir uns nochmals an. Und nun startet der nächste berufsbegleitende Master, der an einem weinseligen Abend – allerdings nur auf der Seite von Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom – nicht auf einem Bierdeckel, sondern in langen und guten Gesprächen entstand. Der Master für digitale Geschäftsmodell-Entwicklung ist eine systematische Reaktion auf die fundamentalen Umbrüche von Geschäftsmodellen durch die Digitalisierung – ob Handel, Verlage, Musikindustrie, Gesundheits- oder Mobilitätsbranche – und unsere Leidenschaft


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für Unternehmertum und Geschäftsmodell-Innovation. Für die Zukunft trinken wir immer noch Wasser, versprechen aber dafür weiter Geistreiches für die berufsbegleitenden Studiengänge. Die neuen Studiengänge waren in ihrem Bereich Innovationen – es gab sie bisher in Deutschland noch nicht. Und nicht nur deshalb gilt die ZU als eine besonders innovative Uni. Was waren für sie die wichtigsten Innovationen an der ZU während der zurückliegenden zwei Jahre? Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Die Vermutung einer Innovation ist nicht selten Mangel an Literatur- oder sonstigen Kenntnissen. Wir suchen nach den „antizipativen Plagiaten“, also den Originalen. Die ZU ist vom Ansatz her eine Oldschool, und die als Innovationen wahrgenommenen Konzepte entstehen vor allem durch klassische Bildungstraditionen. Wir sind Bildungs-Romantiker und keine Ausbilder. Deswegen ist der vierjährige Bachelor ja nur die wiederholte Einsicht, dass die Eigenwilligkeit eines Akademikers Eigenzeiten benötigt. Auch die hauptamtliche studentische Vize-Präsidentschaft ist eine Humboldt’sche Konsequenz der Universitas als Spiel unter Erwachsenen, als Einheit von Lehrenden und Lernenden. Und welche weiteren Innovationen sind in nächster Zeit zu erwarten? Da will ich nichts Konkretes verraten, aber vielleicht so viel: Das Thema der Innova­tion steht selbst im Fokus. Wir haben unter Leitung von André Pradtke und vier Studierenden die Stabsabteilung Universitätsinnovation, kurz: SAUI, gegründet, die nichts anderes macht, als sich über weltweite Universitätsinnovationen informiert und grassroots identifiziert. Und die Zeppelin Universität wird sich – ganz dem Grafen Ferdinand von Zeppelin folgend – noch konsequenter um die Bedeutung von Sozialen Innovationen kümmern. Aber da muss ich um Geduld bitten. Geduld – auch so eine Innovation in Zeiten der Erregungszyklen des sich entwertenden Neuen ...

Zum Selbstverständnis der ZU gehört nicht nur, sich ständig neu zu erfinden, sie ist auch stolz auf ihre, wie sie es nennt, „Ermöglichungskultur“. Was ist darunter zu verstehen? Man könnte glauben, dass Universitäten ultrastabile Organisationen sind, weil sie mit einer Ultrafluktuation konfrontiert sind. Immerhin gehen über 80 % alle drei Jahre. Jacques Derrida hat in einem Vortrag in Montreal pointiert: „Die Möglichkeit der Erfindung ist die Erfindung der Unmöglichkeit“. Erst, wenn man etwas für andere als unmöglich erfunden hat, wird es möglich, dies zu erfinden. Es muss eine Sehnsucht des Unmöglichen sein, um eine Kultur der Ermöglichung zu ersehnen. Niklas Luhmann hat einmal in seinen erziehungswissenschaftlichen Essays betont: „Das, was sich der Lehrer vornimmt, ist unmöglich.“ So ist Bildung. Aber Universitäten sind organisational nicht als Ja-Sager-Kulturen bekannt. Mir war diese Haltung der Selbstbildung immer zentral, auch die Universität muss lernen, nicht nur die Menschen in ihr. Deswegen haben wir ein Projektmanagement für alle Mitglieder, das auf Ermöglichung aus ist, wenn es eine unmögliche Idee ist. Und das hat irgendwie funktioniert: Die Studierenden sind nämlich wirklich unmöglich und gründen und erfinden Formate und Firmen, dass ich immer nur staunend dastehe und denke: YES! Die Hauptschulcoaching-Gründung „Rock your Life“ ist nun in über 15 Städten, das Sozialmarketing-Unternehmen „Spread the Word“ arbeitet nicht nur in Gefängnissen, die studentischen Kunstprojekte haben mindestens Hauptstadtniveau und die vielen studentischen Gründungen im Mobiltäts-, Internet- oder Energiesektor wie DeinBus.de, „GiftMe“ oder „Sahai Solar Solutions“ sind beeindruckend. Da bin ich beruhigt, dass die Tante-Emma-Läden (Mundvoll) und Keks­produktionen (knus­ perreich) etwas für Leib und Seele bereitstellen. Denn solche Gründungen sind doch unmöglich.

Und nun ermöglichen Sie das auch finanziell? Ja, und Bundeskanzlerin Angela Merkel war auch ganz überrascht, dass man über das Problem der Gründungsfinanzierung lamentieren kann, oder es eben einfach anpacken. In ihrem Beraterkreis habe ich die „ZU Micro Equity GmbH & Co. KG | ZUME“ vorgestellt; unseren Zoom für kleine Ideen, die größer sind als wir selbst. Wir beteiligen uns als „ten percent club“ an studentischen Ausgründungen mit bis zu 50.000 Euro und fördern damit die Ideen, bis auch mal ein anderer versteht, dass man das finanzieren muss. Wir sind gespannt, was dieses neue Modell für Flügel bekommt. Sie sprachen gerade Frau Merkel an. Wissenschaftler der ZU sind in den vergangenen beiden Jahre in wichtige Politik- und Beratergremien berufen worden. Gemessen an der doch eher überschaubaren Größe der ZU: Wie erklären Sie sich das? Das ist nicht erklärbar, aber ich denke, dass ZUler jenseits des Rituals denken und dass das ja jeder mag, der sich in ritualisierten Retardierungen wähnt. Kollege Alexander Eisenkopf ist als Mobilitätsforscher im Beirat des Verkehrsministeriums nicht immer auf der Standard-Schiene unterwegs, und das macht ihn zu einem interessanten Ansprechpartner. Kollege Nico Stehr ist als wissenssoziologischer Forscher über Moralisierung von Märkten in der Verbraucherschutzkommission gut aufgehoben – an der Europäischen Akademie der Wissenschaften ohnehin. Und Kollegin Lucia Reisch stand in der Ethikkommission im Rahmen der Energiewende auch unter Strom, aber so, dass es auch mal Wechselstrom gibt. Auch persönlich habe ich die Erfahrung in meinen verschiedenen Beratergremien der Bundesregierung wie der Forschungsunion oder dem Innovationsdialog des Bundeskanzleramtes machen können – und es hilft in der eigenen Forschung. Wenn allerdings nun Peer Steinbrück Kanzler würde, dann müsste ich mir als Mitglied seines Beraterkreises seit 2006 aber auch Gedanken über neue ­R ituale machen. Als Präsident habe ich mich von Beginn für die intelligente Tri-


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vialisierung durch Medialisierung und Politisierung von Forschung eingesetzt – und das ist auch nicht trivial. Es freut mich sehr für meine Kollegen und ihre einflussreiche Arbeit. Im jüngsten CHE-Ranking erreichte die ZU erneut Top-Positionen. Welche Bedeutung messen Sie dem bei? Ich wiederhole es – auch wenn wir in der Spitzengruppe sind: „Wir glauben nicht an Rankings!“ Aber wir freuen uns, denn es hilft ja trotzdem. Für eine junge Universität unter den über 400 deutschen Hochschulen sind die Platzierungen schon eine besondere Auszeichnung der bisherigen Leistungen und zugleich eine Verpflichtung für das weitere Nachdenken über Exzellenz und Experimente in der Lehre. Aber, wenn man Studierende hat, die wissen, wie Rankings funktionieren, dann funktionieren auch die Rankings. Rang 1 für die Programme der Kulturund Kommunikationswissenschaften – und damit vor respektierten und renommierten Einrichtungen wie der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover – ist schon so, dass wir nervös werden. Beim Ranking 2008 hatten wir noch einen komfortablen Rang 8. In den

Politik- und Verwaltungswissenschaften sind wir mit Rang 4 bundesweit vor der FU Berlin oder der Uni Potsdam, die wir beide klasse finden, gelandet. Und in den wettbewerbserprobten Wirtschaftswissenschaften von dem dollen Einstiegsplatz 15 in 2008 auf Platz 6 zu steigen ist mit der Universität Mannheim, der TU München und unser geschätzten WHU Vallendar natürlich schon beängstigend. Zeppeliner wissen um die Euphorie des Aufstieges. Und das Landen bleibt wichtig. Wir werden weiter hart arbeiten, dass die Studierenden – denn darauf kommt es an – sagen, es war nicht so schlimm. Die Gründung der ZU durch die Stadt Friedrichshafen im Jahr 2003 erfolgte unter ­anderem auch mit der Absicht, dadurch einen Schub in der Entwicklung des früheren Kasernengeländes Fallenbrunnen zu erreichen. Dort hat die ZU bislang zwei Übergangsquartiere. Wie geht es an dem künftigen Hauptstandort nun weiter? Eine wachsende Universität ist ja für Städte immer anstrengend, das ist in Palo Alto so mit Stanford und auf der anderen Seeseite in Konstanz ebenso. Diese Normalität des Provisorischen haben wir tatsächlich nun

auch acht Jahre. Der wundervolle StrandCampus ist einer der schönsten Unfälle, und damit kennen sich Zeppeliner auch aus. Nun hat aber der Gemeinderat eine richtungsweisende Entscheidung für die größte Wunde der Stadt, das ehemalige Kasernenareal Fallenbrunnen, getroffen und damit der ZU die Expansion mit über 10.000 Quadratmetern neuen Flächen für Bibliothek, Arbeits- und Seminarräumen ermöglicht. Das Wohnheim ist nahezu und zu spät fertig, die Gastronomie wächst, die Kulturinstitutionen sind ein wahrer Segen, und nun kommen wir und ziehen aus dem ehemaligen Asylantenheim sowie aus dem Seitenflügel der Dualen Hochschulen Ravensburg in ein eigenes ZUHause. Und wir sind alle sehr aufgeregt, denn wer redet denn noch vom Berliner Friedrichshain, wenn er Friedrichshafen haben kann und ein KreativQuartier, das geistreich und sexy ist?


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Bei einigen Beiträgen in diesem Magazin finden Sie Verweise auf weitere I­ nformationen zum jeweiligen Thema. Wir ­haben Inhalte, welche sich vor allem für eine digitale Darstellung eignen, eine Recherche zum Thema ermöglichen oder aus Gründen der Aktualität besser online abrufbar sind, für unsere Leserinnen und Leser auf der Portalwebsite zusammengestellt.

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Professor Dr. Stephan A. Jansen Präsident der Zeppelin Universität

Redaktion

Rainer Böhme, Malte Thießen

Anschrift der Redaktion

Zeppelin Universität gGmbH Universitätskommunikation Am Seemooser Horn 20 D-88045 Friedrichhafen

Künstlerische Konzeption & Creative Direction Ruediger John

Art Direction

Andrea Krauß Schindler Parent GmbH Uferpromenade 3-5 D-88709 Meersburg

Design Consulting

Philipp N. Hertel (Zeppelin Universität)

Projektmanagement

Tim Göbel (Zeppelin Universität), Anja Mourier (Schindler Parent GmbH)

Fotos

 ainer Böhme, Mladen Lackovic, R Max Lautenschläger, Oliver Mark, Robin Maus, Ilja Mess, Josefin Niggemeier/Felix Schelhasse, Andreas Pohlmann, Bertram Rusch, Karina Urbat

Übersetzung ins Englische Dr. Veronika Caspers

Auflage

4000 Exemplare

Nächste Ausgabe 16. Januar 2012

Druck

 odensee Medienzentrum GmbH & Co. KG B Lindauer Straße 11 D-88069 Tettnang Gedruckt auf chlorfreiem Papier © Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck der Beiträge nur mit ausdrücklicher Genehmigung, Quellenangabe und unter Einsendung eines Belegexemplars an die Redaktion


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auf #01 | Macht und Mitsprache  

„auf – Medium für Zwischenfragen der Zeppelin Universität“ ist ein monothematisches Wissensmagazin und erscheint zwei Mal jährlich jeweils i...

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