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119 Mai / Juni 2012 10.– CHF / 8.– €

Für intelligente Optimistinnen und konstruk tive Skeptiker

! n e m u ä r i e fr

S 6 Wie wollen wir weniger?     S 10 Wie Aufräumen mein Leben veränderte  S 14 Die Seele freiräumen S 26 Denkfallen S 30 Das dickste Brett ist angebohrt S 35 Transparenz-Initiative S 37 Der Berg ruft … S 47 Reise mit Risiken S 50 20 Jahre Zeitpunkt-Fest und Vernetzungstreffen


Ich habe die Tage der Freiheit gekannt, ich habe sie die Tage der Leiden genannt. 

Gœthe

Impressum Zeitpunkt 119 Mai / Juni 2012 Erscheint zweimonatlich, 21. Jahrgang Verlag / Redaktion /  Aboverwaltung Zeitpunkt Werkhofstrasse 19 CH-4500 Solothurn Aboverwaltung: Hannah Willimann Tel. 032 621 81 11, Fax 032 621 81 10 mail@zeitpunkt.ch, www.zeitpunkt.ch Postcheck-Konto: 45-1006-5 IBAN: 0900 0000 4500 1006 5 ISSN 1424-6171

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Vertrieb Deutschland Synergia Verlag und ­Mediengruppe Erbacher Strasse 107, 64287 Darmstadt Tel. (+49)6151 42 89 10 info@synergia-verlag.de Redaktion Brigitte Müller BM, Cécile Knüsel CK, Melanie Küng MK, Christoph Pfluger CP, Roland Rottenfußer RR, Dr. Peter Bosetti, Ständige MitarbeiterInnen: Sagita Lehner SL, Alex von Roll AvR, Ernst Schmitter Grafik & IIllustrationen*: tintenfrisch.net (* falls nicht anders angegeben)

Anzeigenberatung Cécile Knüsel Zeitpunkt, Werkhofstrasse 19 CH-4500 Solothurn Tel. 032 621 81 11 inserate@zeitpunkt.ch

Herausgeber Christoph Pfluger

Abonnementspreise Der Abopreis wird von den Abonnentinnen und Abonnenten selbst bestimmt. Geschenkabos: Fr. 54.– (Schweiz), Fr. 68.– (Ausland), Einzelnummer: Fr. 10.– / Euro 8.–.

Beilagen Unserem Heft liegen Informationen zur Transparenz-Initiative der Piratenpartei, zu Afropfingsten sowie des Vereins Eins und Sein bei. Wir bitten um Beachtung.

Druck und Versand AVD Goldach, 9403 Goldach

Papier Rebello Recycling

Bildnachweis Titelbild: Robert Beyer (robertbeyer.ch) & tintenfrisch.net


Editorial

Es ist verzwickt Letzthin verlor ich mein Handy. Zuerst ärgerte ich mich. Dann genoss ich die Zeit der relativen Unerreichbarkeit und dankte dem Schicksal, dass es mir für dieses Schwerpunktthema eine praktische Erfahrung und einen passenden Einstieg vermittelte. Aber ich hatte mich zu früh gefreut. Mein Handy ist wieder da und alles ist wieder wie vorher. Oder wenigstens fast. Im Leben hat sich eine Erfahrung konkretisiert, die der Verstand schon längst «wusste»: Weniger ist mehr. Mein Handy hat seinen Bedeutungsverlust gut verdaut, und ich erst recht. Vor der industriellen Revolution wurde der Freiraum vor allem durch Mangel beschränkt: Die harte Arbeit fürs Essen allein liess uns kaum Freizeit, Wissen (Information) war Mangelware und reisen konnten nur die eingefleischten Abenteurer und Pilger. Heute ist es umgekehrt: Es gibt alles im Überfluss, Information erst recht und herumjetten können wir nach Belieben. Trotz all der zeitsparenden Massnahmen und der Maschinen, die für uns die Arbeit erledigen, fehlt uns das am meisten, was wir mit ihnen erreichen wollten: Zeit. Unser Leben scheint auf Paradoxien zu bauen. Wir erreichen das Gegenteil von dem, was wir wollen. Vielleicht ist es sogar so, dass wir unser Ziel erst erreichen, wenn wir aufhören, uns eines zu setzen. Das wäre dann ziemlich verzwickt. Als Verleger ist man bei diesem Thema ohnehin mit unbequemen Fragen konfrontiert. Man produziert ja, was es im Überfluss gibt. Die Antwort könnte unangenehm sein. Aber: Was ist eine Freiheit wert, für die man nicht gekämpft hat?

Mir ist die gefährliche Freiheit lieber als die ruhige Knechtschaft.  Jean-Jacques Rousseau

Zuerst aber wird gefeiert. Exakt zur Jahresmitte, am 30. Juni und am 1. Juli steigt unser Jubiläumsfest und Vernetzungstreffen. Mehr dazu auf Seite 50. Wir freuen uns auf Sie und viele neue Freundschaften. Davon kann es nie genug geben.

Herzlich Christoph Pfluger, Herausgeber

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Inhalt

Schwerpunkt: Freiräumen!

32 Entscheiden & arbeiten

6 Wie wollen wir weniger?  Christoph Pfluger 10 Wie aufräumen mein Leben veränderte. – die Aufräumarbeiterin Petra Neisse 13 Zwölf Jahre abgemeldet   – eine Schätzung von Anton Brüschweiler 14 Die Seele freiräumen – wie wir aufhören, Gefangene unserer Vergangenheit zu sein. Roland Rottenfußer 17 Der Freiraum liegt auf der Strasse – die ‹1. Europäische Strassen-Partnerschaft›. Manfred Bögle 20 Kinder brauchen Freiraum – und nicht teures Spielzeug Brigitte Müller 22 «Lass das leer. Gehe spazieren» … und weitere Kurzmeldungen 25 Werkzeuge zum Freiräumen – unsere Medientipps

26 Denkfallen – um uns zu befreien, müssen wir uns ‹die Mutter aller Fragen› stellen, sagt Frances Moore-Lappé  im Gespräch mit Stephen Leahy 29 Gemeinnutz vor Eigennutz   Wie sich ein Banker-Saulus zum Paulus wandelt  Roland Rottenfußer 30 Das dickste Brett ist angebohrt  Die schmutzigen Geheimnisse des Geldes erreichen den Mainstream Christoph Pfluger 31 Neues Clearingsystem   für Komplementärwärungen Jens Martignoni 32 Die Binnenkultur der IP Schweiz  «Sei Du selbst die Veränderung, die Du in der Welt sehen möchtest!»  Fredy Kradolfer 34 Bedingungslos, das ganze Leben  … und weitere Kurzmeldungen

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Inhalt

52 Vollwertig Leben

64 Horizonte erweitern

36 Der Berg ruft… Freiwillige absolvieren in ihren Ferien Einsätze in den Schweizer Bergen  Sagita Lehner 40 Bewegung und Besinnung – Schweigewanderungen an Flüssen … und weitere Kurzmeldungen 43 Die gute Adresse für Ihre Gesundheit 44 wahre Werte 45 Die gute Adresse für Ihr Zuhause

46 Reise mit Risiken – der spirituelle Weg ist vielleicht kürzer geworden, aber leider nicht einfacher.    Katharine Ceming 49 wahre Werte 50 Jubiläum – Jubiläumsfest & Vernetzungstreffen,  Komturei Tobel, 30. Juni / 1. Juli 52 Ein zweites Leben für gelesene Bücher   … und weitere Kurzmeldungen 53 Die gute Adresse zur Horizonterweiterung 54 Frankoskop – über sympathischen Individualismus.  Ernst Schmitter 56 We love you – Liebeserklärungen gegen den Krieg  … und weitere Kurzmeldungen 57 Die gute Adresse für sanften Tourismus 58 «Uhuru» – ein Bijou unter den schweizerischen Kulturanlässen! – und andere Kurzmeldungen 61 Agenda 62 K leinanzeigen 64 Leserbriefe 66 Brennende Bärte – Naher Osten, Frieden weit

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Freiräumen!

Wie wollen wir weniger?

  von Christoph Pfluger

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ies ist der Text eines Menschen, der es weder besser weiss, noch besser kann und es nicht einmal tut. Aber der spürt, dass wir uns so sehr beladen, und dies schon so lange, dass wir die Last nicht mehr wahrnehmen. Es ist zu leicht, mit dem Finger auf die Opfer des Materialismus zu zeigen, die ihr Leben mit Gegenständen zumüllen und ihre Lebenszeit mit der Sorge um Besitz vergeuden. Wenn ich es trotzdem tue, dann nicht um ein Urteil zu fällen, sondern weil sie demselben Gesetz unterliegen, dem auch aufgeklärte Menschen zum Opfer fallen: Was uns Sinn gibt, muss gut sein. Ein für allemal.

Eigentlich bin ich ganz anders, nur komm’ ich selten dazu.  Ödon von Horvath

Ein bisschen Wohlstand, das wissen wir aus der Glücksforschung und der Verhaltensökonomie, tut uns gut. Armut dagegen macht uns auch geistig unfrei, es sei denn, sie sei frei gewählt. Aber noch mehr Wohlstand, auch das ist wissenschaftlich erwiesen, vergrössert unsere Sorgen. Es gibt also einen – sehr individuellen – Kipppunkt, bei dem sich das, was vorher ein Vorteil war, in einen Nachteil verwandelt. Was uns Sinn gegeben hat, wird Unsinn. Das Problem: Wir bemerken es erst, wenn es ins Negative umgeschlagen hat. Und einen Fehler erkennen, das tut der Mensch sehr ungern. Wir müssen, auch um vor uns selber Bestand zu haben, Recht haben oder uns zumindest auf dem «richtigen» Weg wissen. Die Umkehr ist deshalb meist schwieriger als die Überwindung von Hindernissen auf dem gewählten Weg. Es ist also die Sinnfrage, die uns den Kipp- Was uns Sinn gegeben hat,   punkt erkennen lässt. Es reicht nicht, wenn wir wird Unsinn. Das Problem: als kleine Kinder die Eltern mit der Frage nach Wir bemerken es erst, wenn es dem Sinn des Lebens in Verlegenheit bringen ins Negative umgeschlagen hat. – oder uns selbst in der letzten Stunde. Wenn wir uns nicht vom Unsinn einkerkern lassen wollen, kommen wir nicht drum herum, uns immer wieder die eine Frage zu stellen, auf die es keine allgemein gültige Antwort gibt: Wozu das Ganze? Der schottische Nationaldichter Robert Burns (1759 – 1796) hat eine einfache Formel dafür gefunden: «Der Sinn des Lebens ist ein Leben mit Sinn.» Wenn wir nicht eine Religion oder eine Philosophie mit Anspruch auf Allgemeingültigkeit befolgen, werden wir unserem Leben unseren eigenen Sinn geben müssen. Und dies immer wieder und immer wieder neu. Sonst laufen wir Gefahr, uns im Unsinn zu verlieren. Was hat dies alles mit dem Freiraum zu tun, den wir für unser Leben wünschen und der uns zunehmend abhanden kommt? Es ist der alte Sinn, mittlerweile zum Unsinn verkommen, der unser Leben verbaut: die ungebrauchten Dinge im Keller und auf dem Dachboden, die unerledigten Aufgaben, die uns immer noch belasten, die Wünsche, die wir mal hatten und deren Erfüllung uns heute vermutlich nicht mehr beglückt.

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An den Messies lässt sich dieser Zustand, von dem wir alle betroffen sind, wie durch eine Lupe betrachten. Der Flensburger Suchthelfer Wilfried Schafer, der seine Arbeit mit Messie-Selbsthilfegruppen ausgewertet hat, nennt unordentlich Herumliegendes treffend «Denkmäler für Aktivitäten und Vorhaben». Der Messie überlastet sich mit selbst und von aussen auferlegten Aufgaben, bringt nichts zu Ende, weil neue Dringlichkeiten über ihn hereinbrechen und ertrinkt schliesslich in seinen Provisorien.

Genaugenommen leben sehr wenige Menschen in der Gegenwart. Die meisten bereiten sich vor, demnächst zu leben.   Jonathan Swift

Stecken wir nicht alle ein bisschen in dieser Falle? Das Angebot an sinnvollen Projekten und vernünftigen Zielen ist übergross. Man müsste, wie es ein Messie im wunderbaren Film «Messies, ein schönes Chaos» von Ulrich Grossenbacher beschreibt, mehrere Leben haben, um all das tun zu können, was man wollte. Aber man hat nur ein Leben, wenigstens auf ein Mal. Und so stehen wir immer wieder vor der Frage: Was wollen wir, was ist der Sinn des Lebens? Ist sie ernst gemeint, dürfen wir keine Angst haben, uns selber in Frage zu stellen. Dazu passt eine weitere Beobachtung von Wilfried Schafer: «Unordnung schützt den Messie vor Identitätsverlust.» Da haben wir es: An den Dingen klebt unser Selbst, an den alten Dingen unser altes Selbst. Mit ihrer Entsorgung würden wir uns selbst verlieren. Es wäre zu einfach, wenn sich die Un- Die Papierberge von früher sind ordnung nur auf die äusseren Dinge be- die Dateileichen von heute. Hinter schränkte wie bei den Messies. Ein immer jedem Klick lauert ein Dokument, grösserer Teil unseres Lebens findet heute im das noch bearbeitet werden muss, virtuellen Raum statt. Kontakte und Projekte eine Idee, ein Kontakt, ein Termin werden im Internet hergestellt und auf dem zu schade für die Löschtaste. Computer verwaltet. Die Papierberge von früher sind die Dateileichen von heute. Hinter jedem Klick lauert ein Dokument, das noch bearbeitet werden muss, eine Idee, ein Kontakt, ein Termin zu schade für die Löschtaste. Richtige Messies soll es in Deutschland 1,8 Millionen geben; die Zahl der digitalen Messies ist unbekannt, wobei der Begriff nicht einmal existiert. Aber ich bin überzeugt: Mit exponentiell steigendem Informations- und Betätigungsangebot werden auch die für Messies typischen Störungen massiv zunehmen: Verkümmerung der zwischenmenschlichen Beziehungen, Depressionen, Essstörungen und Ängste. Natürlich ist es ratsam, die Fülle mit besserem Zeitmanagement anzugehen und meinetwegen auch technische Hilfsmittel dafür einzusetzen, Planungshilfen, intelligente Kalender und dergleichen mehr. Aber es wäre falsch, davon eine Lösung des Problems zu erwarten. Das grosse Dilemma wird uns eher früher als später erreichen: gleichzeitig mehr zu müssen und weniger zu wollen.

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Wie wollen wir weniger?

Wir werden nicht darum herumkommen, weniger zu wollen. Das ist neu für die Menschheit. Bis jetzt war mehr meist auch besser. Auch heute verbirgt sich unter der Schmutzschicht der von den Massenmedien gesteuerten kollektiven Wahrnehmung so viel Gutes und Schönes, dass wir jeden Tag ein neues Leben beginnen könnten – zu viel des Guten. Schon immer predigten die grossen Weisheitslehrer die Selbstbeschränkung. Aber den alten Verführungen des Materiellen ist im heutigen Überfluss leichter zu widerstehen als dem Reiz der positiven Überforderung. Doch auch sie führt zum Infarkt.

Beim Nichtstun bleibt nichts ungetan. Lao-tse 

Eine gültige Strategie gegen das Zuviel des Guten gibt es heute noch nicht. Auch ich leide darunter und weiss nicht, wie ich mich vor den Aufgaben schützen kann, deren Erfüllung in fast jeder Hinsicht wünschenswert wäre. Wie auf anderen Gebieten auch, dürfte die Antwort in einem Paradoxon zu finden sein: Vergeuden, was uns mangelt, also vor allem Zeit. Ich habe das schon versucht und damit viel Zeit und noch mehr Erkenntnis gewonnen. Allein, mir fehlt der Mut zum Müssiggang. Man kann keine freien Abobeiträge verlangen, von Spenden leben und dann in die Wolken gucken. Dabei war schon für Sokrates die Musse die Schwester der Freiheit und Aristoteles fand: «Arbeit und Tugend schliessen sich aus.» Davon sind wir als Gesellschaft weit entfernt. Das grosse Dilemma wird uns Erst durch Arbeit erschaffen wir uns selbst. Und eher früher als später erreichen: weil sie uns nun grossflächig auszugehen droht, gleichzeitig mehr zu müssen und erfinden wir laufend neue Notwendigkeiten und weniger zu wollen. Aufgaben. Die Zweifel an der Richtigkeit dieses Wegs sind berechtigt. Friedrich Nietzsche bemerkte bereits: «Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei […]. Es gehört deshalb zu den notwendigen Korrekturen, welche man am Charakter der Menschen vornehmen muss, das beschauliche Element in grossem Masse zu verstärken.» Und wer ist der «Man», der diese Korrektur vornimmt? Wenn die eingangs gemachte Feststellung zutrifft, nach der wir den Wandel des Sinns in den Unsinn immer erst zu spät bemerken, dann dürfen wir vom kollektiven Lernprozess keine Unterstützung der individuellen Erkenntnis erwarten. Ergo: Der «Man», das bin ich. Und, um mit Schopenhauer zu sprechen: «Nur wenn man alleine ist, ist man frei.» Nachsatz: Wir müssen uns also auf diesem Weg ins Neuland selber orientieren. Als Wegzehrung ohne Nährwertgarantie hier ein paar persönliche Erfahrungen: - Vergeuden, woran es mangelt (z.B. Zeit, Geld) - sparen, was im Überfluss vorhanden ist - langsam gehen - Ablenkungen durch Konserven meiden - und immer wieder: sich selber verzeihen und Altes entsorgen.

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Freiräumen!

Wie Aufräumen mein Leben veränderte Indem ich anfing, meine Wohnung aufzuräumen und mich von Unnötigem löste, schuf ich nicht nur physisch mehr Freiraum, sondern auch geistigseelisch. Ich verstand, dass dieser intensive Prozess auch für andere wichtig ist und entwickelte ein neues Arbeitsfeld, die Aufräumarbeit.   Petra Neisse

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Ordnung führt zu allen Tugenden.   Was aber führt zur Ordnung? Lichtenberg

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ls ich vor zehn Jahren anfing, den Dingen in meinem Leben ihren Platz zu geben, war mir nicht bewusst, wie folgenreich diese Zeit werden sollte. Damals war ich engagierte Waldorferzieherin sowie alleinerziehende Mutter und stand nach Jahren intensiver Arbeit mit Eltern, Kindern und Kollegen plötzlich vor der Frage: Wer bin ich eigentlich ohne mein Waldorfkleid? Ich wollte wissen, wie es ist, Vertrauen ins Leben zu haben, wenn ich nicht von Arbeit, Familie und Beruf gehalten werde. Also ging ich ganz bewusst in die Arbeitslosigkeit. Da ich nicht von äusseren Strukturen gehalten wurde, musste ich mir diese selbst geben. Gleichzeitig wollte ich lernen, auf das Leben zu hören. So lebte ich mit dem, was vom Leben an mich heran brandete und sah jedes Ereignis, jede Begegnung als Geschenk und als einen Wegweiser des Lebens selbst. Eine komplett neue Lebenserfahrung! In dieser Zeit zog meine Tochter aus der gemeinsamen Wohnung aus und ich verlor plötzlich den Bezug zu den Dingen in meinem Zuhause. Angeleitet von Karen Kingstons Buch «Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags» fing ich an aufzuräumen. Mit grossem Ernst und gleichzeitig mit viel Humor schreibt Kingston über die Wirkung eines jeden Gegenstandes und über die Bedeutung heiliger Momente im Alltag. Das beeindruckte mich so sehr, dass ich jeden Gegenstand in meinem Haushalt in die Hand nahm und überlegte, was mich eigentlich mit ihm verband: Erfreute er mich wirklich zu hundert Prozent? War er wirklich nützlich? Brauchte ich ihn wirklich?

Eigene Entscheidungskraft ist gefragt Dieses «wirklich» erwies sich als sehr wichtig, denn wenn ich in mein Innerstes lauschte und meiner Körpersprache folgte, konnte ich eine Antwort hören. Gleichzeitig machte sich aber auch die Stimme meines Verstandes bemerkbar, der versuchte, den Besitz des Gegenstandes zu rechtfertigen. Ich spürte Angst, Unsicherheit und Trauer, durch die ich an diesen Gegenstand gebunden war. So erlebte ich die Geschichte jedes Gegenstandes noch einmal, konnte ihn entweder loslassen oder mir vornehmen, seine Geschichte von ihm selbst zu lösen – ihn zu entzaubern, indem ich tätig wurde. Das konnte heissen, mit den dazugehörigen Menschen noch einmal Verbindung aufzunehmen oder jemandem zu verzeihen. In jedem Fall aber hiess es, eine neue Sichtweise auf eine bestehende, festgefahrene Situation anzunehmen oder den Prozess abzuschliessen. Damit waren Besitzer und Gegenstand wieder frei und konnten ihren weiteren Weg unabhängig voneinander gehen. Dabei konnte ich erleben, wie stark unvollendete Prozesse den Fluss des Lebens hemmen und für seelisch-geistige Verdauungsschwierigkeiten, sogenannte Blockaden, sorgen können. Da waren viele reparatur- oder erlösungsbedürftige Zu- und Gegenstände: unerledigte Post, der volle Bügel- und Nähkorb, ungelöste Konflikte, der Stau im E-Mail-Postfach... Diese unerledigten Dinge lös­ ten sofort unangenehme Gedanken, ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle aus. Ich verstand, dass


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diese grob- oder feinstoffliche Materie in meinem Energiefeld bleiben und für Unkonzentriertheit, Blockaden und Willenslähmungen sorgen würde. Und ich spürte eine sofortige Erleichterung, sobald ich mich diesen Arbeiten widmete und sie erledigte. In jedem Moment des Aufräumprozesses war meine Entscheidungskraft gefragt. Niemand konnte mir sagen, ob es besser wäre, fünf Flaschenöffner zu Aufräumen ist ein einsamer besitzen oder nur einen. Prozess. Ich hatte nur mich selbst Und wenn nur einen, – und auch wieder nicht, denn ich wohin mit den anderen? Sie waren doch teuer geversuchte ja gerade, mich selbst wesen, der eine ein Geunter dem Zuviel zu finden. schenk, der andere ein Erinnerungsstück – so reihten sich Gedanken zu einer Endlosschleife, in der ich, ermüdet vom Kampf mit mir selbst, nicht einmal mehr die Flaschenöffner zurücklegen konnte.

Weiss, wo anfangen beim Aufräumen: Petra Neisse.

Unerlöste Vergangenheit – was Petra Neisse bei ihrer Arbeit so antrifft.

Das Messie-Phänomen Die Bezeichnung leitet sich aus dem Englischen «mess» (Unordnung) ab. Der Begriff «Messie» ist laut Wikipedia eine Wortschöpfung der selbst betroffenen US-amerikanischen Sonderschulpädagogin Sandra Felton. Um sich aus ihrer Situation zu befreien, entwickelte sie ein Bewältigungskonzept und publizierte Ratgeber. Auf diese Weise erfuhr eine breite Öffentlichkeit von der Problematik. In den 1980er Jahren gründete Felton die Selbsthilfegruppe Messies Anonymous. Ratgeberliteratur und Presseberichte machten den Begriff auch im deutschsprachigen Raum bekannt.

Was mich jedoch immer wieder tief berührte und ermunterte, meinen Prozess fortzusetzen, war die Bestätigung einer für mich bis dahin theoretischen Annahme: Dem Materiellen wohnen Geist und Seele inne, es ist ein Platzhalter für unerlöste geistig-seelische Prozesse. Angst vor der drohenden Leere Das Aufräumen war auch ein einsamer Prozess. Ich hatte nur mich selbst – und auch wieder nicht, denn ich versuchte ja gerade, mich selbst unter dem Zuviel zu finden. Vielleicht sind das Gefühl der Überforderung und die Angst vor der drohenden Leere mit ein Grund, warum viele erst gar nicht mit dem Aufräumen anfangen. Bei jeder Entscheidung spürte ich nach, was stärkend oder schwächend für mich war. Und handelte danach. Auf diese Weise wanderte ich Meter für Meter, Monat für Monat durch meine Wohnung und die Wohnung durch mich. Und weil die Wohnung einer der Spiegel der Seele ist, schaffte ich es gleichzeitig, mit Hilfe verschiedenster therapeutischer Ansätze einen seelisch-geistigen Freiraum zu entwickeln, der mich meiner Essenz näher brachte. Ich fand meine individuellen Fähigkeiten und meine innere Führung, der ich mich von da an anvertrauen konnte und die mich wieder ins Arbeitsleben schickte. Geburt eines neuen Arbeitsfeldes Ich verstand, dass dieser intensive Prozess auch für andere von grosser Bedeutung sein könnte und beschloss, daraus ein neues Arbeitsfeld zu ent-

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wickeln. Mit viel Freude machte ich mich mit der «Aufräum­idee» selbstständig und nannte das, was ich kreierte «Wohnraumbewusstsein». Ich bildete mich weiter. Intuitionsschulung nach Barbara Ann Brennan, eine Ausbildung in systemischer Aufstellungsarbeit nach Stephan Hausner und dem Trauma Training nach Johannes B. Schmidt unterstützen die Arbeit mit meinen Kunden. Nach meinem ersten Seminar kam ein Ehepaar mit fünf fast erwachsenen Kindern auf mich Das Zuviel an Dingen ist ein zu und wollte mit mir Schutz, die Sehnsucht nach aufräumen. Ein intenVerbindung zum eigenen tiefsten siver Prozess begann, Innern nicht zu spüren. der zwei Jahre dauern sollte. Wir schauten auf die Familienzeit zurück, es wurde geweint, gelacht und neu geordnet. Als im Keller schliesslich nur noch einige Gegenstände für künftige Not- und Kriegszeiten standen – eine handbetriebene Getreidemühle und ähnliche Überlebensmittel – fragte ich: «Wie wird wohl der nächste Weltkrieg ablaufen?» Damit schaffte es die Mutter endgültig, diese Dinge aufzugeben. Bereits wenige Monate später wurde in diesen Räumlichkeiten ein kleiner Familienbetrieb eröffnet. Aufräumen als Therapie In der Aufräumarbeit treffe ich auf Menschen, die sich kaum von Materie trennen können aber auch auf das Gegenteil. Ich treffe Menschen, die im Chaos leben und solche, die den Alltag nur meistern können, wenn immer alles am gleichen Platz steht. Sie alle übertragen auf die materielle Ebene, was eigentlich auf die Beziehungsebene gehört. In den meisten Fällen ist es die Angst, etwas zu verlieren oder mit etwas in eine echte Beziehung zu treten. Mit Aufräumen allein ist es dann nicht getan. Bald wurde mir klar, dass es sich dabei oft um das sogenannte «Messie-Phänomen» handelt (siehe Kasten Seite 11), das ein jeder von uns auf unterschiedliche Weise lebt und an dem die Überforderung und die Verwirrung einer Gesellschaft offensichtlich werden, die unter der materiellen Fülle an einer seelischen Unterversorgung leidet. In der Einzelarbeit zeigt sich, in welch innerer Not diese Menschen sind. Das Zuviel ist ein Schutz, die Sehnsucht nach Verbindung zum eigenen tiefsten Innern nicht zu spüren. So hatte eine Dame, zu der In einem ich gerufen wurde, zwar ein neugebautes, sauberes aufgeräumten Haus im besten Viertel Münchens. Als ich sie fragte, Zimmer ist auch die wofür ich denn zu ihr gerufen wurde, zeigte sie aus Seele aufgeräumt. dem Fenster zu einem stattlichen alten Haus gegen Ernst Freiherr über. Als sie dort etwas verschämt die Türe öffnete, von Feuchtersleben war es proppenvoll mit ihrem alten Leben. Sie war

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damals nicht bereit und noch nicht fähig, den seelischen Schmerz anzuschauen, der in diesem Haus und damit in ihr verankert war. Sie litt aber sehr darunter, trotz des neuen, bisher noch sauberen und aufgeräumten Hauses. Aufräumen mit Herz, Wille und Verstand Fachbücher über das Aufräumen können Menschen am Anfang ihres Prozesses unterstützen, ihnen den «ersten Kick» geben. Wenn es jedoch beim Aufräumen schwierig und emotional verwirrend wird, brauchen viele vor Ort unterstützende Begleitung. Wenn Menschen mich rufen, möchten sie meist etwas ändern, sie spüren, dass etwas Neues in ihr Leben kommen will. Da die eigene Wohnung so etwas wie eine äussere Haut des Menschen ist, fällt es uns oft leichter, sich darüber der zarteren seelischen Haut im Inneren zu nähern. So können Prozesse, die sonst nur im Innern stattfinden können, über diese Aussenhaut angeregt werden. Wenn zwischen mir und den Kunden ein seelischgeistiger Raum entstehet und das Vertrauen wächst, kann auch Entwicklung und Heilung im Innern geschehen. Herz, Wille & Verstand sollen gleichermassen beteiligt sein. Denn in diesem ganzheitlichen Aufräumprozess geht es vor allem um die Wiederentdeckung und die Wiederbelebung des Menschseins – um Lebensprozesse wie Aufnahme, Verarbeiten und Ausscheiden, um den grossen und den individuellen Rhythmus, um Lebensqualität & Lebensfreude.

Literatur: Karen Kingston: Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags. Rowohlt 2000, 206 S., Fr. 14.90 / 9,99 Euro. Barbara Ann Brennan: Licht-Arbeit. Goldmann 1998, 477 S., Fr. 25.90 / 16,- Euro. Johannes B. Schmidt: Der Körper kennt den Weg. Seminare mit der Autorin Petra Neisse bietet Seminare mit dem Thema «Freiraum für die Seele» oder «Lebensfreude und Lebensqualität» im In-und Ausland an. Stuttgart (Deutschland): 04.5./05.5. Regeneration im Alltag, Anmeldung Tel. +49 8051 965 32 10 Grabs (Schweiz): 11.5./12.5. Regeneration im Alltag, 24.8./25.8. Regeneration im Alltag 07.9/08.9. Aufräumseminar Anmeldung bei: Martina Lehner +41 81 771 71 60, martina.lehner@bluewin.ch

Darmstadt (Deutschland): 05.10./06.10. Aufräumseminar Anmeldung: Gesundheitspflege Initiative, Darmstadt Grabs (Schweiz) 19.10./20.10. Regeneration im Alltag Anmeldung bei: Martina Lehner +41 81 771 71 60, martina.lehner@bluewin.ch Schaan (Liechtenstein): 26.10./27.10. Aufräumseminar Erwachsenenbildung. Anmeldung: Stein Egerta: +423 232 48 22 Kontaktadresse: Petra Neisse, Bach 1, DE-83253 Rimsting petra.neisse@gmx.de


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Das AntWort

Zwölf Jahre abgemeldet

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ch habe eine natürliche Abneigung gegen Überfluss und Verschwendung. In einer Zeit, in der die Ressourcen immer knapper werden, gibt es nur eine Devise: Haushälterisch mit dem Vorhandenen umgehen, unter anderem zuerst einmal alle Vorräte aufbrauchen, bevor man sich mit neuen Dingen eindeckt. Und bevor ich andere kritisieren kann, muss ich vor der eigenen Türe wischen: Zuerst werde ich mal meine gesamte Musikbibliothek, die ich auf meiner Festplatte gespeichert habe, durchhören. Es sind dies 17 374 Titel. Die gesamte Hördauer für dieses Unterfangen beträgt laut dem Programm iTunes 38,7 Tage. Da ich aber auch immer wieder ein paar Stunden schlafen muss, wird das systematische Anhören der ganzen Sammlung fast zwei Monate dauern. Anschliessend werde ich alle meine 427 Freunde, welche ich auf Facebook «besitze», einmal persönlich besuchen. Denn was bringen mir Freunde, wenn ich sie nicht auch ab und zu real treffe? Diese Besuchstage werden mich ein Jahr und zwei Monate und drei Tage beanspruchen. Damit ist aber mit Reisen noch lange nicht fertig: Auf meinem Büchergestell stapeln sich die Wanderführer. Da viele meiner Freunde wissen, dass ich gerne wandere, aber nicht ahnen, dass ich in den

letzten Jahren wegen chronischer Überbeschäftigung nie dazu kam, ist dies ein beliebtes Geburtstagsgeschenk. Mindestens zwei Wanderführer werde ich somit komplett durchwandern. Geschätzter Zeitaufwand: Eineinhalb Jahre. Danach will ich endlich mal alle Fotos auf meiner Harddisk sichten. In den letzten zehn Jahren haben sich da über fünftausend angesammelt. Ich werde sie sortieren, die unscharfen löschen und die besten ausdrucken lassen. Die ausgedruckten Fotos (ca. 900) werde ich dann erneut sortieren und in verschiedene Fotoalben kleben. Geschätzter Zeitaufwand hier: drei Monate. Da sich in den Jahren, während denen ich all diese Arbeiten erledige, wieder neue Musik, Fotos und Wanderbücher ansammeln werden, müssen diese Sachen danach während ca. 16 Monaten aufgearbeitet werden. Dank unserer schönen neuen Welt des Überflusses werde ich mich also insgesamt für zwölf Jahre vom normalen Alltagsleben abmelden. Bis bald.   Anton Brüschweiler

Der Autor ist Gitarrist und Liedermacher. Er spielt in mehreren Bands und lebt in der alten Käserei Gysenstein in der Nähe von Münsingen/BE, wo er eine «Bar jeder Vernunft» und ein alternatives Kulturlokal betreibt. www.antonline.ch | www.chäsigysenstein.ch

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Die Seele freiräumen Wie wir aufhören, Gefangene unserer Vergangenheit zu sein. Am liebsten würden wir Schatten auf der Seele einfach löschen wie defekte Dateien. Aber so einfach geht das nicht. Wir bleiben Menschen mit Vergangenheit. Nur: Die Lasten könnten auch ein Schatz sein.   von Roland Rottenfußer

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Man soll sich   mehr um die Seele kümmern; denn   die Voll­kommenheit der Seele richtet die Schwächen des Körpers auf. Demokrit

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nja, meine Liebste, kam wie immer zu spät. Sie war sauer auf mich: «Wenn du schon so anfängst, vergeht mir jede Lust, mich mit dir zu treffen». Ich: «Aber ich habe nichts gesagt. Du bist gerade zur Tür hereingekommen.» Sie: «Gesagt hast du nichts. Aber deine Ausstrahlung reicht mir schon.» Ich: «Welche Ausstrahlung?» Sie: «Da steckt doch eine Forderung dahinter, ich hätte gefälligst pünktlich zu kommen und für dich verfügbar zu sein.» «Ich erwarte nicht, dass du für mich verfügbar bist.» Sie: «Ich kenne euch doch! Womöglich forderst du noch Begrüssungssex – nach allem, was du mir angetan hast.» «Ich fordere nichts, aber ich gebe zu: Ich habe daran gedacht.» Sie: «Ah, da haben wir’s. Ihr tut so sanft, aber der Macho steckt doch in jedem Mann. Wenn du mit Forderungen kommst, ist bei mir der Ofen aus. Ich will doch nicht mit dir schlafen, weil ich muss, sondern ganz spontan.» Ich: «Aber ganz spontan passiert das bei dir nie.» Sie: «Ja eben, weil du mich so unter Druck setzt.» Die Liebesgeschichte zwischen Anja und mir dauerte nach diesem Dialog nicht mehr allzu lang. Im Nachhinein (es ist mehr als zehn Jahre her) muss ich Anja in Schutz nehmen: Sie hatte vor mir eine Beziehung zu einem Mann gehabt, der sie extrem dominierte und einengte. Daraufhin leistete sie einen Schwur: Nie wieder würde sie sich das von einem Mann gefallen lassen. Selbst mein Wunsch an sie, pünktlich zu sein, erinnerte sie an die durchlittene Knechtschaft. Aber auch mit mir hatte es Anja nicht leicht. Mein «Trauma» war, dass mich eine Ex-Freun-

din während eines vierwöchigen Auslandsaufenthalts verlassen hatte. Als sie zurückkam, war sie nicht mehr dieselbe. Für mich waren längere Abwesenheit und Unzuverlässigkeit einer Frau seither bedrohlich. Ich interpretierte das als Anfang vom Ende einer Beziehung. Heute hat sich das eingerenkt. Damals aber konnte ich nicht anders reagieren – so wie Anja. Unsere Vergangenheit hindert uns daran, einen Menschen so zu sehen, wie er ist. Wir legen das Bild einer oder mehrerer anderer Personen über ihn oder reagieren Probleme mit Ex-Partnern stellvertretend an ihr ab. Genau genommen liegen im Ehebett immer mindestens vier Personen: Der Mann, die Frau, die letzte wichtige Partnerin des Mannes und der letzte problematische Lover der Frau. Dazu kommen oft die Eltern beider Partner. Die dominante Mutter, der emotional versagende Vater, sie spuken lebenslang in unseren Köpfen herum. Da wird’s allmählich eng im Bett. So gesehen ist Partnerschaft stets eine Selbsthilfegruppe zur Nachbereitung früherer Partnerschaften. Keine ermutigende Aussicht! Die Seele frei zu räumen beginnt mit dem Erkennen des Problems. Wir entschliessen uns, die Macht der Vergangenheit über unsere Gegenwart zumindest zu reduzieren. Das bedeutet, dem gegenwärtigen Augenblick und den Menschen, die jetzt bei uns sind, gerecht zu werden. Sofern wir also nicht im Affekt handeln, sollten wir uns Zeit nehmen, nachzudenken und zu unterscheiden: Hat mein Zorn wirklich mit der aktuellen Situation zu tun, oder bin ich eigentlich wütend auf meinen Vater?


Die Seele freiräumen!

Seelisches Leid, das fast jeden triff, nennt die Psychologie «Anpassungsstörung». Etwa als Folge der Trennung von einem geliebten Partner oder des Todes eines Elternteils. Die Definition für ein «Trauma» ist enger gefasst. Gemeint ist ein Ereignis, das extremen Stress und Entsetzen hervorruft, mit einem Gefühl der Hilflosigkeit einGenau genommen liegen hergeht und das Weltbild im ehelichen Bett immer eines Menschen nachhaltig mindestens vier Personen: erschüttert. Typische AuslöDer Mann, die Frau, die letzte ser sind etwa eine Vergewaltigung, Kriegshandlungen wichtige Partnerin des Mannes oder Naturkatastrophen. und der letzte problematische Der oder die Traumatisierte Lover der Frau. ist verdammt zur «Intrusion», dem ungewollten Erinnern an das traumatisierende Erlebnis, oft ausgelöst durch einen Schlüsselreiz («Trigger»). Wer als Kind nur knapp einem Hausbrand entkam, kann durch die Flamme einer Kerze ein Flashback ereilen. Andere Opfer vermeiden bewusst Gedanken und Gefühle, die an das Trauma erinnern könnten. Von solchen Störungen dürften nur wenige betroffen sein. Die beschriebenen seelischen Mechanismen können aber auch bei unseren «normalen» AnpassungsstöDie Psychologie rungen wirken. Ein eigentlich harmloser Reiz wird mit befasst sich mit den einem gefährlichen aus der Vergangenheit verknüpft. einzelnen Wellen des Man reagiert mit Kontrollverlust (Panik oder Wut) oder Baches. Aber hat ein handelt im Gegenteil überkontrolliert. Man weicht aus Bach je aus Wellen bestanden? Karl Kraus (vermeidet z.B. das andere Geschlecht, von dem man sich verletzt fühlt). Oder man wird zum Anästhesisten seiner selbst, indem man stets versucht, cool zu bleiben. Die letzten beiden «Lösungen» bedeuten einen Verlust von Lebendigkeit. Auch bei der Verarbeitung «normaler» schmerzhafter Erfahrung gilt also: Die (meist harmlose) Gegenwart muss von der schlimmen Vergangenheit entkoppelt werden. Den wünschenswerten Zustand könnte man auch «kontemplatives Sehen» nennen. Der Franziskaner Richard Rohr definiert ihn so: «Es bedeutet, ungeschützt vor dem jeweiligen Augenblick, einem Ereignis oder einer Person zu verweilen – ohne zu spalten und zu versuchen, die Dinge zu beherrschen und zu kontrollieren.» Auch im Zen-Buddhismus wird eingeübt, jeden Moment «pur» zu erleben: ungetrübt von Erwartungen, Interpretationen, Wertungen und Schatten der Vergangenheit. Versuchen Sie einmal die Rede eines Politikers, den Sie nicht mögen, unvoreingenommen anzusehen. So, als sähen Sie diesen Menschen zum ersten Mal: schwer! Es wäre eine «unschuldige» Art, jeden Augenblick als etwas Einzigartiges zu feiern. Wer dies beherrschte, könnte seinem Partner im wahrsten Sinn des Wortes «gerecht» werden, ohne die kastrierende Mutter oder 5000 Jahre Patriarchat auf ihm abzuladen.

Ich habe, von Hemmungen und schwierigen ExBeziehungen gepeinigt, einiges versucht, um die Vergangenheit abzuschütteln. So absolvierte ich in den 90ern eine Autosuggestions-Methode, genannt Tony Gaschlers EE (Emotionale Enthemmungsmethode). Dafür stellte ich mich mehrmals täglich vor den Spiegel, blickte mir fest in die Augen und sprach mit emphatischer Stimme Motivationsphrasen: «Ja! Ich spüre es mit jedem Tag mehr, wie ich ein freier, mutiger und selbstbewusster Mensch werde!» Wer mich kennt, ahnt es schon: Es hat nicht funktioniert. Nach der Anfangseuphorie, in der ich an den Durchbruch glaubte, verfiel ich wieder in meine alten Muster. Besser als diese Trockenübungen halfen das Leben selbst und der Entschluss, unter allen Umständen zu mir zu stehen. Frei nach Gloria Gaynor: «I am what I am, and what I am needs no excuses.» Ein praktisches Ritual gegen das zähe Festhalten an der Vergangenheit entnahm ich der Hawaiianischen Huna-Philosophie. Es heisst «AkaFäden durchschneiden». Man sucht sich im Wald zwei etwa gleich grosse Stöcke. Diese verbindet man an sieben Stellen mit Schnüren – stellvertretend für die «sieben Chakren». Der eine Stab repräsentiert «mich», der andere eine Person, von der wir uns energetisch lösen wollen. Man durchschneidet die Aka-Fäden nun langsam von unten nach oben. Dabei denkt man an belastende Aspekte, die zu dem jeweiligen Chakra passen: von sexueller Abhängigkeit (unten) bis zum quälenden spirituellen Konflikt (oben). Mit jedem Schnitt bekräftigt man seine Absicht, die Person endgültig loszulassen. Man verrichtet das Ritual ohne Vorwurf, dankt der Person für die Erfahrungen, die man mit ihr teilen durfte und lässt deren Stock einen Fluss hinunter treiben. Um eine langjährige Beziehung rituell zu beenden, warf ich einmal einen Freundschaftsring in einen Teich – dort, wo wir uns zum ersten Man begegnet waren. Dies war nicht respektlos gemeint. Ich gab den Ring dem Naturelement zurück, aus dem unsere Liebe einmal entsprungen war. Ich warne aber davor, allein von solchen Ritualen die Heilung zu erwarten. Rituale setzen einen markanten Punkt auf einer Entwicklungslinie, die sich in der Seele selbst vollziehen muss. Sie bekräftigen unseren Entschluss, uns von der betreffenden Person (oder dem Ereignis) zu lösen und begleiten diesen mit einem einprägsamen Bild. Die Seele widersetzt sich oft unserem Willen. Nach der Aktion mit dem Ring war für mich die Beziehung zu besagter Frau im Kopf abgeschlossen. Die Traurigkeit und die schlechten Erinnerungen daran verfolgten mich aber weiter. Die wurde ich erst ein Dreivierteljahr später los. Ich absolvierte ein

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Freiräumen!

viertägiges bioenergetisches Seminar. Der Leiter lockerte unsere «Muskelpanzerung» mit verschiedenen Methoden auf und ermutigte uns, schnell und heftig zu atmen. Ich hatte lange nicht mehr weinen können und erlebte den Tränenfluss, der nun aus mir hervorbrach, als befreiend. Der ganze «Mist» der vergangenen Jahre floss aus mir heraus. Mit diesem Seminar war für mich symbolisch und emotional eine Grenze gezogen: Davor stand ich im Einflussbereich der «Ära» meiner Ex-Freundin, danach begann eine neue Lebens- und Liebesepoche. Es gibt in der Ratgeberliteratur sehr aggressive Bilder für den Vorgang der Befreiung: «Seelenmüll» soll entsorgt oder eine «Festplatte aufgeräumt» werden. Beide Vergleiche führen in die Irre, denn sie suggerieren, die unerwünschten Inhalte könnten restlos beseitigt werden. Bringe ich den Müll raus, ist er für immer aus meinem Haus verschwunden. Und lösche ich Dateien von der Festplatte, sind sie tatsächlich weg. Mit der Seele aber ist es eher wie mit Facebook. Selbst wenn wir «löschen», bleiben in den Tiefen des Netzes gegen unseren Willen Spuren erhalten. In Deutschland haben viele ältere Menschen mit Kriegstraumata zu kämpfen. Sie wissen: Bewältigung beÜberlegen wir uns dreimal, ob wir deutet meist nicht, die eine «Last» loswerden wollen. Sie schrecklichen Ereignisse könnte unser grösster Schatz sein zu vergessen, sondern – das, was uns Kraft zum Leben gibt. damit zu leben.

Die Vergangenheit sollte ein Sprungbrett sein, nicht ein Sofa. Harold Macmillan

Das Ideal einer restlos «gesäuberten» Seele wurde 2004 im Film «Eternal sunshine of a spotless mind» karikiert. Ewiger Sonnenschein eines fleckenlosen Geistes (deutscher Titel: «Vergiss mein nicht».) Kate Winslet und Jim Carrey spielen zwei Liebende, die

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nach der Trennung versuchen, den jeweils anderen durch Gehirnmanipulation aus ihrem Gedächtnis zu löschen. Natürlich klappt das nicht, die beiden verlieben sich aufs Neue, ohne sich zu erkennen. Noch im Löschvorgang erkennt Jim Carrey, wie wertvoll die Erinnerungen an Kate für ihn gewesen sind. Sie sind es, die seine Persönlichkeit ausmachen – in der Freude und im Schmerz. Wenn wir alle unangenehmen Erinnerungen zerstören, zerstören wir einen Grossteil dessen, was wir sind. Der «fleckenlose Geist» wäre ein steriles, eigentlich unmenschliches Gebilde. Zu unserem Glück oder Unglück haben wir meist nicht die Wahl, ob wir «befleckt» sein wollen oder nicht. Wir können einige der hier skizzierten Möglichkeiten ausprobieren und in schweren Fällen professionelle Hilfe aufsuchen. Wenn nichts hilft, hier eine kleine Geschichte zum Trost: In Marokko, am Fuss des Atlas-Gebirges, steht eine stattliche Dattelpalme, die alle benachbarten Bäume überragt. Vom Berghang aus sieht man, dass in der Mitte der Krone ein Felsbrocken liegt, so gross, dass ihn zwei Hände nicht umschliessen können. Fragt man den alten Teehausbesitzer nach der Palme, so erfährt man ihre Geschichte. Als sie noch ganz klein war, ging ein Steinschlag nieder, und ein Felsen landete zwischen den zarten Palmblättern. Das Bäumchen wäre fast unter der Last eingegangen, aber es überlebte. «Die Palme brauchte immer die doppelte Kraft, um gegen ihre Last anzukämpfen», sagte der Teehausbesitzer. «Das verlieh ihr enorme Zähigkeit. Als sie dann gross war und der Stein nicht mehr so drückte, liess ihre erprobte Kraft sie immer weiter wachsen, höher als alle anderen Palmen.» Überlegen wir uns dreimal, ob wir eine «Last» loswerden wollen. Sie könnte unser grösster Schatz sein – das, was uns Kraft zum Leben gibt.


Freiräumen!

Der Freiraum liegt auf der Strasse!

  von Manfred Bögle Kleine Vorgeschichte: 25 Jahre lang war ich als Wander- und Reiseführer in der Schweiz und in Italien unterwegs. Dann zwang mich im Jahr 2004 ein Arthroseleiden «in die Knie» und es ging plötzlich alles nur noch halb so schnell. Keine gute Geschichte … bis ich an mir beobachtete, dass mit dem Verlust an Mobilität auch ein Gewinn einherging: eine neue, entschleunigte Sicht auf die Dinge, zum Beispiel auf die Strasse, in der ich lebe. Ganz einfach deshalb, weil ich länger in ihr unterwegs war. Meine Wahrnehmung veränderte sich; bislang nur flüchtig Wahrgenommenes wurde zum Ereignis, hatte Zeit, sich vor meinen Augen zu entfalten. Mein Sehen entwickelte sich zu einem «Schauen» und schliesslich lernte ich die Strasse lieben… Darf ich Ihnen «meine» Strasse vorstellen? Es ist die Klauprechtstrasse in Karlsruhe. Auf den ersten Blick zunächst eine «ganz normale Strasse», wie sie auch andernorts zu finden ist. Im Jahr 2003 hatte der

Klauprechtstrassen-Bäcker Wolfgang Lasch die Idee, eine Italienische Woche zu veranstalten. Die Strasse erwies sich für das Feiern auf der Strasse empfänglich und als im Jahr 2005 die Stadt Karlsruhe ihre Bewerbung um den Titel «Europas Kulturhauptstadt 2010» bekannt gab, sah man die grosse Chance zur Mitwirkung. Eine Arbeitsgemeinschaft «Kultur braucht Strasse» wurde ins Leben gerufen. Gründungsmitglieder war die «Wirkstatt», deren Leiter ich bin, Geschäftsleute aus der Strasse sowie interessierte Privatpersonen, die in der Unterstützung der Klauprechtstrasse bei der städtischen Bewerbung eine gute Möglichkeit sahen, Europa «auf die Strasse» zu bringen. Im Mittelpunkt unseres Konzepts stand die Bewerbung der Klauprechtstrasse als «Europäische Kultur-Hauptstrasse». Eine Kulturhauptstadt braucht schliesslich eine Kulturhauptstrasse und da Karlsruhe tatsächlich keine «Hauptstrasse» hat, erschien uns dieser Anspruch auch angemessen.

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Freiräumen!

Europa-Strassenfest in Karlsruhe (oben) und Radicondoli.

Wir nahmen die Sache ernst und legten eine mehrseitige Bewerbungsschrift für den «auf der Strasse gefundenen» Titel vor, mit folgenden Argumenten: • Mit Professor Johann Ludwig Klauprecht haben wir eine besondere Persönlichkeit «im Rücken». Der Namensgeber der Strasse war nach unseren Erkenntnissen der erste Mediator der Stadt Karlsruhe. Während der Badischen Revolution 1848/49 verhinderte er als Leiter des Polytechnikums ein Blutvergiessen zwischen Studenten und dem Militär. Wenig später erreichte er, dass das Polytechnikum (heute: KIT Karlsruher Institut für Technologie) nicht nach Mannheim oder Freiburg verlegt wurde. Dafür wurde Klauprecht von der Stadt Karlsruhe die Ehrenbürgerwürde verliehen. • In der Klauprechtstrasse leben Menschen aus 34 Nationen. Und wir haben viel Spass an der ‹Klauprecht-Linie›: Wenn man die Klauprechtstasse verlängert, kommt man im Westen auf die Insel Guernsey vor England und im Osten nach Astrachan am Kaspischen Meer: das sind 3 700 Kilometer Transeuropa! Die grade mal 540 Meter lange Klauprechstrasse ist gewissermassen der ‹Bindestrich Europas›. • Die Klauprechstrasse Wo alles gut beieinander ist und ist eine ganz normale wo nichts ausgegrenzt wird, da ist Strasse in der alles gut Kraft. Diese Ausgeglichenheit ist beieinander ist: Hier gibt es einen Metzger, einen in der Klauprechtstrasse deutlich spürbar. Und intuitiv erfassen das Bäcker, mehrere Cafés, ein Balkanfeinkostgeauch Menschen: hier spielt das schäft, eine Apotheke, eiLeben, hier gibt es viele Kinder. nen Seniorentreff, einen «Italiener» an der Ecke, eine Galerie, eine Hebammen-Praxisgemeinschaft, mehrere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, Arbeiter, Arbeitslose, Normale, Verrückte, Gesunde, Kranke, Hoffnungsvolle, Visionäre, Geschichtenerzähler … Und wo alles gut beieinander ist und wo nichts ausgegrenzt wird, da ist Kraft. Diese Besonderheit des Ausgeglichenen ist in der Klauprechtstrasse deutlich spürbar. Und intuitiv erfassen das auch Menschen, die in der Klauprechtstrasse ihre Zukunft planen: Hier spielt das Leben, hier gibt es viele Kinder.

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Leider war das schöne Spiel mit der Kulturhauptstadt-Bewerbung von Karlsruhe nur von kurzer Dauer. Die Stadt schied schon bald aus dem Wettbewerb aus. Allerdings war das für die AG ‹Kultur braucht Strasse› kein Grund, auf die Idee zu verzichten, in der Klauprechtstrasse eine europäische Kulturhauptstrasse zu sehen. Man suchte einen neuen ‹Aufhänger› und fand ihn auch mit der ‹1. europäischen StrassenPartnerschaft› zwischen der Klauprechtstrasse und der Via Gazzei im toskanischen Radicondoli. Warum eine europäische Strassen-Partnerschaft? Strassen sind die Lebensadern Europas. Wie in einem Mikrokosmos spiegelt sich in ihnen unser Zusammenleben. Bewohner ganz unterschiedlicher nationaler Herkunft nutzen nicht nur den gemeinsamen Strassenraum, sondern sind auch auf vielfältige Weise mit ihm vernetzt – durch Wohnung, Versorgung, Arbeit, Soziales, Bildung und Kultur. Mit anderen Worten: Europa wächst auf der Strasse zusammen! Warum eine Partnerschaft mit einer italienischen Strasse? Wir wollten ein Zeichen setzen für die besondere Beziehung, die Karlsruhe zu Italien hat. Deutsches Recht ist auch heute noch vom römischen Recht beeinflusst. Dies gilt vor allem für das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). In Karlsruhe, Residenz des Rechts, wird es gewissermassen ‹gehütet›. Römer bauten am Oberrein die ersten Strassen. Italienische Architekten spielten im Vorfeld der Stadtgründung eine wichtige Rolle, Italiener halfen beim Bau der jungen Stadt mit und dem altitalienischen Wort ‹brigante› verdanken wir eine sprachliche Besonderheit: Die ersten häuserbauenden Ansiedler der Stadt nannten die Gastarbeiter ‹Brigantis›, bis sich der Spott gegen sie kehrte und aus allen Karlsruhern ‹Brigande› wurden. Dieses kalabresische Erbe ist das einzige Relikt einer in Karlsruhe gesprochenen Fremdsprache, des Italienischen, das Eingang in die werdende Mundart fand.


Freiräumen!

Und warum die Via Gazzei in Radicondoli? Der soziokulturelle Verein Wirkstatt, organisatorischer Träger der Strassenpartnerschaft, war über 25 Jahre als Reiseveranstalter in der Toskana tätig. Aus dieser Zeit stammt auch die besondere Verbindung zu dem kleinen Städtchen Radicondoli, ca. 40 km südwestlich von Siena. Der Ort mit seinen knapp 1000 Einwohnern liegt malerisch auf einem der berühmten toskanischen Hügel. Die Via Gazzei ist die Hauptstrasse und etwa so lang wie die Partnerin Klauprechtstrasse. Und was die ‹Ausgeglichenheit› der Strasse angeht, steht die Via Gazzei der Klauprechtstrasse in nichts nach. Sie ist geradezu ein Spiegel der Klauprechtstrasse – auf italienisch. Ein weiterer wichtiger Grund für die Partnerschaft: In den Wäldern rund um Radicondoli lieferten sich deutsche Soldaten und italienische Partisanen Ende des 2. Weltkriegs erbitterte Kämpfe. Unsere Strassenpartnerschaft sahen wir deshalb auch als ein Stück Heilung der Geschichte. Dieser Argumentation wollte sich auch die EU nicht verschliessen, bei der die Arbeitsgemeinschaft ‹Kultur braucht Strasse› für das Projekt geworben hatte. Im Juni 2010 wurde in Brüssel unserem Antrag auf finanzielle Förderung entsprochen und die Klauprechtstrasse konnte sich mit der Via Gazzei ‹verschwistern›. Die Europäische Strassenpartnerschaft zwischen Klauprechtstrasse und Via Gazzei in den Jahren 2010 und 2011 war als Austauschprogramm angelegt: die Italiener besuchten uns in Karlsruhe, wir machten den Gegenbesuch in Radicondoli. Am Ende jedes Treffens stand ein grosses Europa-Strassenfest.

Manfred Bögle ist Leiter des Bildungszentrums «Wirkstatt» in Karlsruhe, Geschichtenerzähler und Initiant der Partnerschaft zwischen der Klaprechtstrasse in Karlsruhe und der Via Gazzei in Radicondoli. www.wirkstatt.com

Das Austauschprogramm umfasste zwei Schwerpunkte: Zum einen die Begegnung der Strassenmusikgruppen ‹Banda› aus Radicondoli und der Guggenmusikgruppe ‹Rieberger Alb-Goischda›, die persönliche Beziehungen zur Klauprechtstasse pflegt. Die Musiker trafen sich zum gemeinsamen Spiel und traten an beiden Festen auch gemeinsam auf. Beim grossen Europa-Strassenfest 2011 in Radicondoli

kam es zur Uraufführung einer gemeinsam erarbeiteten ‹deutsch-italienischen Strassensymphonie›. Das zweite Element des Partnerschaftsprogramms war eine europäische Geschichts- und Ideen-Werkstatt am Beispiel deutsch-italienischer Beziehungen. Bei dieser ‹Werkstatt› konnten alle mitmachen, die sich für deutsch-italienisches Leben in Geschichte und Gegenwart interessierten und sich darüber informieren wollten, wie das «Europa der Bürgerinnen und Bürger» zusammenwächst. Deutsche und Italiener bildeten zusammen eine Werkstatt-Gemeinschaft, es wurde in beide Sprachen übersetzt. Die ‹1. Europäische Strassen-Partnerschaft› wählte für die gemeinsame Sache ein starkes Symbol: den ‹Strassenengel›. Zwei dieser symbolischen Schutzgeister wurden bei den Festen in Karlsruhe und in Radicondoli durch den Sägekünstler Gundram Prochaska aus dickem Holz hervorgeholt und sind jetzt in beiden Strassen sichtbare Zeichen einer wundervollen europäischen Begegnung auf Strassen-Ebene. Die ‹1. Europäische Strassen-Partnerschaft› soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Dass sie bereits jetzt schon als ‹nachhaltig› bezeichnet werden kann, verdanken wir einem italienischen Paar, Teilnehmer der Besuchsgruppe aus Radicondoli, das nach eigenem Bekunden beim Europastrassenfest Ende September in Karlsruhe im Hotel Eden (!) ein Kind zeugte, das in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 2011 zur Welt kam – in jener Nacht, in der die 50-köpfige Reisegruppe aus der Klauprechtstrasse zum Gegenbesuch in der Via Gazzei ankam … Es gibt Menschen, die dieses zeitliche Zusammentreffen in einen Sinnzusammenhang bringen und ein ‹kleines Wunder› darin sehen. Darüber kann man natürlich trefflich streiten. Ich persönlich meine: Eine wunderbare Geschichte ist es auf jeden Fall!

Weitere Informationen Über die Wirkstatt: www.wirkstatt.com Über die ‹1. Europäische Strassen-Partnerschaft›: www.europa-strassen-partnerschaft.eu

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Kinder brauchen

E

  von Brigitte Müller

s war wunderbar. Ich hatte das Glück, in einem 600-Seelen-Dorf gross zu werden. Abends spielte ich mit Freunden draussen, wir badeten im Dorfbrunnen und waren am Wochenende im Wald unterwegs. Über Feldwege lief ich zum Kindergarten, ass auf dem Heimweg meinen heiss geliebten Schnittlauch – zur Belustigung meiner Mutter, die meine Vorliebe nie ganz nachvollziehen konnte. Die Wiese roch abwechselnd frisch nach Gras oder stank nach Jauche, es spriessten wilde Blumen oder es lag Schnee darauf. Im Dorf lebten ein paar Bauern, die Milch holten wir mit dem Milchkesseli vom Milchladen. Der Duft frischer Milch war mir deshalb ebenso vertraut wie der Anblick von Pferden, Kühen und Hühnern.

um unsere Kinder bringen wir sie um wertvolle Erfahrungen und entfremden sie mehr und mehr der Natur. Der Raum wird generell knapper, der Verkehr nimmt immer mehr zu. Natürliche Spielräume werden durch Spielplätze ersetzt, wobei in den USA inzwischen Spielgerät wieder abmontiert wird – zu gross die Verletzungsgefahr, zu hoch die Versicherungs-

Enteignung des öffentlichen Raums Heute lebe ich in der Stadt, und weder sehe ich Kinder, die alleine am spielen sind, noch solche, die die Natur entdecken. Gemäss der Pädagogischen Hochschule Zürich dürfen in der Schweiz 25 bis 30 Prozent der bis Fünfjährigen die Wohnung nicht ohne Begleitung verlassen – zu viel Verkehr. Die Kinder verbringen immer mehr Zeit in Gebäuden. Zwischen drei und dreizehn sehen sie im Durchschnitt täglich hundert Minuten fern und lernen so die Welt nur Wer die Freiheit nicht aus zweiter Hand kennen. Es fehlt ihnen an Freiim Blut hat, wer raum für Abenteuer und Entdeckungen. Fragt man nicht fühlt, was das Kinder heute, woher die Milch kommt, hört man ist: Freiheit – der immer wieder die Antwort: «Aus dem Supermarkt!». wird sie nie erringen. Was zuerst ganz lustig anmutet, ist eigentlich ein Kurt Tucholsky  Armutszeugnis unserer Gesellschaft. Vor lauter Angst

ansprüche. Die Enteignung des öffentlichen Raumes wird scheinbar widerstandslos hingenommen, die Kinder werden von den Wegen und Plätzen verwiesen, die ihnen ebenso gehören wie den motorisierten Erwachsenen.

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Die Enteignung des öffentlichen Raumes wird scheinbar wider­ standslos hingenommen, die Kinder werden von den Wegen und Plätzen verwiesen, die ihnen ebenso gehören wie den motorisierten Erwachsenen.

Auf Bäume klettern verboten Sobald die Kinder in der Schule sind, verstärkt sich dieser Trend. Der natürliche Bewegungsdrang wird eingedämmt, die Schüler sind gezwungen, stundenlang auf ihren Stühlen zu sitzen statt sich frei bewegen zu können oder auch mal auf dem Boden zu basteln. Die Schule sollte Raum geben für Kreativität, für Erfahrungen und die natürliche Lern- und Entdeckungslust fördern. Stattdessen kommen viele Kinder unter Leistungsdruck, haben Angst, ausgelacht zu


© kein&aber, Zürich u. Berlin

Kinder brauchen Freiraum!

werden und verlieren Freude und Selbstbewusstsein. Kein Wunder, wird da für viele die Schule zum Frust. Und wenn dann endlich Zeit zum Spielen wäre, warten Eltern draussen in ihren Autos, um die Schützlinge zum Sport oder Musik-Unterricht zu fahren. Freizeit? Wozu? 1971 durften zwei Drittel der englischen Kinder ab sieben Jahren mit einem Fahrrad dieses auch auf der Strasse benutzen. Gut 20 Jahre später erlaubten Eltern dies nur noch einem Viertel. Eine deutsche Studie zeigt auf: Noch 1990 bewegten sich fast drei Viertel der Sechs- bis Dreizehnjährigen täglich im Freien – 2003 waren es weniger als die Hälfte. In Grossbritannien gaben von 1000 Befragten mehr als 50 Prozent der Sieben- bis Zwölfjährigen an, es sei ihnen verboten, ohne Aufsicht auf einen Baum zu klettern oder im Park um die Ecke zu spielen.

Das Foto stammt aus dem neusten Buch von Ursus Wehrli (Ursus und Nadeschkin) «Die Kunst aufzu­ räumen». Nach den beiden Best-sellern «Kunst aufräumen» «Noch mehr Kunst aufräumen» weitet Ursus Wehrli seine geniale Idee aus und räumt nun mit allem auf: Vom Weihnachtsbaum über die Badewiese oder die Fussballmannschaft bis zum Sandkasten. Nichts ist vor seiner ordnenden Hand sicher. Wir finden: Das neuste Buch ist noch besser als seine Vorgänger, die ja im Grunde nur konsequente PhotoShop-Arbeiten waren.

Jetzt wird real aufgeräumt, zum Teil mit Dutzenden von Darstellern. Ursus Wehrli: Die Kunst aufzuräumen. Kein & Aber, 2012. 48 S. Geb. Fr. 28.- / 16,90 Euro. Auf der Website des Verlags sind Filme zu sehen, wie drei der Sujets entstanden sind: www. keinundaber.ch. Dort auch erhältlich: Drei Motive als Plakatset für Menschen mit Sehnsucht nach einem aufgeräumten Leben.

Natur spendet Lebenslust Haben wir denn alle unsere schönen Kindheitsmomente vergessen? Als wir uns frei bewegen konnten und erst der Einbruch der Dunkelheit das Zeichen gab, dass es Zeit war, nach Hause zu gehen? Natürlich haben wir heute mehr Verkehr, mehr Menschen, weniger Raum. Aber für die Entwicklung der Kinder ist es wichtig, dass sie mit all ihren Sinnen Erfahrungen sammeln. Das zeigt sich schon ganz früh. Hat zum Beispiel ein Säugling die Wahl zwischen einem echten Kaninchen und einer Holzfigur, schaut er länger und häufiger auf das echte Tier. Kinder suchen und brauchen Freiräume, müssen Fehler machen können, um daraus zu lernen. Verweigere ich einem Kind das Sammeln eigener Erfahrungen, wird ihm Selbsteinschätzung Mühe bereiten. Auch wenn es für Eltern schwer zu akzeptieren ist: Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren (Benjamin Franklin).

Entdeckungsräume schaffen: Fachstelle SpielRaum in Bern Kinder lernen spielend. Dafür brauchen sie Raum. Der Verein «SpielRaum» setzt sich seit 1992 für kindergerechten Spiel- und Lebensraum im Kanton Bern ein. Er betreibt die Fachstelle SpielRaum, die aus der Spielbus-Bewegung der 80er Jahre entstand und heute für öffentliche und private Institutionen arbeitet. Ziel ist die Entstehung lebendiger Räume: Strassen, Zwischenräume und Wohnhöfe, Schulhausplätze und Gemeindezentren werden zu Spiel- und Begegnungsräumen. Vorreiter der Fachstelle war der «Berner SpielBus», der Kinderspiel-

plätze und Pausenplätze in kindergerechte Abenteuerund Erlebniswelten verwandelte. Der Spielbus ist auch heute noch ein wichtiges Arbeits- und Impulsinstrument der Fachstelle. Daneben bietet sie Unterstützung bei der Entwicklung kindergerechter Aussenraumgestaltung, koordiniert den Aufbau von Kinderprojekten und verfügt über Angebote im Bildungsbereich. Vielfältige Bewegung, Kreativität bzw. Veränderbarkeit (z.B. das Laub im Herbst einige Wochen liegen zu lassen oder einen Steinhaufen zu bauen statt unzähliger Spielge-

räte) sowie Rückzugsmöglichkeit wie Nischen und Ecken seien die wichtigsten Kriterien für die Spielbedürfnisse von Kindern, sagt Anne Wegmüller, Mitarbeiterin der Fachstelle. «Am besten fragt man sich selbst, wo man als Kind gerne gespielt hat. In der Regel sind es nicht monotone NormSpielplätze, sondern irgendwelche Zwischenräume, die Raum für Entdeckungen bieten.» BM Fachstelle SpielRaum, Bern, Tel. 031 382 05 95, www.spielraum.ch

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Kurzmeldungen

«Lass das leer. Gehe spazieren»  Erwin Heller fordert «extrem viel freie Zeit» Geben Sie mal «Querdenker» bei Google ein. Da landen Sie bei einem Verein, der massgeblich von BMW und anderen grossen Unternehmen gesponsert wird. Da wird als Querdenker definiert, wer Verbesserungsvorschläge für die Industrie macht. Da graust es mich. Freiheit ist im Zweifelsfall immer unternehmerische Freiheit. Wir brauchen stattdessen eine Kultur des Neinsagens.  Eine Verweigerungshaltung? Eher Besinnung. Um uns abzugrenzen und herauszufinden, wer wir selber sind. Nimm dir extrem viel freie Zeit. Stocke deine freie Zeit um mindestens 500 Prozent auf, und tue keine Inhalte rein. Lass das leer. Gehe spazieren. Denke nach. Träume vor dich hin. Lege dich in die Badewanne und sinniere. Was das Rad so am Rennen hält, ist, dass wir meinen, jede Sekunde füllen und verplanen zu müssen.  Ratgeber zum Innehalten gibt es zuhauf. Es gibt immer wieder die Aufforderung, sich mehr Musse zu gönnen. Doch das geht nicht auf Knopfdruck. Dazu brauche ich die innere Bereitschaft, mir etwas zu geben, was nicht warenförmig ausgeprägt ist. Dann ist Musse:

Freier Raum für Kreative

in der Sonne hocken, auf dem Wasser treiben, in der Wiese liegen, im Wald vor sich hintrotten.  Sind wir dazu überhaupt noch in der Lage? Problemlos. Man muss es nur üben. Wenn ich am Meer bin, und über Nacht war ein Sturm. Da treibt in den ersten Metern ein Gürtel aus Tang, Holz, Blättern, Styropor, Plastiktüten. Ich sehe, wie wunderbar das Wasser da draussen ist, aber ich muss erst mal durch den Müll hindurch. Das ist der Weg zur Musse. Die Musse ist das Meer, das einen trägt, wo man ganz bei sich selber ist. Aber bevor ich dahin komme, muss ich durch die Spuren meiner Stürme durch. Der vorliegende Text ist ein Ausschnitt aus einem Interview mit Erwin Heller aus der Wochenzeitung «Zeit» vom 29.3.2012. Heller ist Präsident des deutschen Ablegers des Vereins zur Verzögerung der Zeit. Im vergangenen September baute der Verein auf der Touristeninsel Frauenchiemsee eine Stellwand «UNESCO – 13. Jahrestag des Fotofastens» auf. Die Botschaft: An diesem Tag pro Apparat nur ein Foto machen. Auf den Einwand, Zeit könne man gar nicht verlangsamen, fragt er zurück: «Aber die Zeit beschleunigen, das geht schon?» Das führt dann zu nachdenklichen Gesichtern.

Raum im Freien Camping ist nicht jedermanns Sache. Wer es komfortabler mag, könnte Freude an den Pod-Houses der «Rob GmbH» aus Baar haben, die es inzwischen in drei Grössen gibt. Das Mikrohaus lässt sich fast überall platzieren: im Garten, auf einer Dachterrasse oder einem Campingplatz. Die kleinen Häuser wirken schlicht, sind gut isoliert und strahlen dank der Holzkonstruktion Wärme aus. Auf Wunsch lässt sich eine Heizung, LED, Stromanschluss oder eine Solarlüftung einbauen. Pod-Houses gibt es ab 9 900 Franken, testweise bewohnen kann man sie auf dem Camping-Platz Flims. BM

Kontakt: ROB GmbH, Baar, Tel. 041 763 18 08. www.podhouse.ch; Camping Flims, Tel. 081 911 15 75, www.camping-flims.ch

Eine Win-Win-Situation ist die Zwischenvermietung der Amag-Räume in Zürich-Schwamendingen an die Stadt Zürich. Das Autohaus erhält Miete, die Stadt unterstützt die Kreativwirtschaft, die in Zürich mit rund 33 000 Arbeitsplätzen (9 Prozent der Beschäftigten) für eine jährliche Bruttowertschöpfung von 3,2 Milliarden Franken sorgt. Ausserdem kann die Stadt Kreativen die Nutzfläche zu guten Konditionen anbieten: Die Nettomieten liegen zwischen 60 (Lager) und 150 Franken (Büro). Das leerstehende Fabrikgebäude soll während fünf Jahren von Handwerkern, Künstlern und Jungunternehmern genutzt werden. Anfang April waren bereits 60 Prozent der Fläche vermietet, die Nutzer gut durchmischt. Dazu gehören u.a. eine Schlosserei, eine Töpferei, ein Bildhauer, eine Box-Akademie, ein Limousinen-Service sowie eine IT-Firma.   Ein weiteres Zürcher Projekt zur Förderung der Kreativwirtschaft ist die Container-Siedlung «Basislager» für Grafiker, Handwerker und Künstler. Sie zieht im Sommer von der Binz nach Altstetten.  BM www.werkerei-schwamendingen.ch/ www.creativezurich.ch/

Quelle: Tagesanzeiger

Malen und Musik in der Toskana 12. – 19. August 2012 Villa Campo al sole Rosignano Marittimo 

50 Jahre im Dienste des textilen Kunsthandwerkes

www.zsag.ch 22 Zeitpunkt 119





Kursleitung:

Ursula Staubli, Malen Prof. Raphael Staubli, Musik Informationen/Anmeldung auf der Homepage oder unter Telefon 041 262 15 83 www.ursulastaubli.ch + www.raphaelstaubli.ch


Freiräumen!

«Geschäftigkeit ist eine Form von Faulheit» Der Einstieg in Timothy Ferriss’ Philosophie ist leicht und schwer zugleich. Sein faszinierendes Buch «Die 4-Stunden Woche» liest sich leicht und wurde nicht umsonst zu einem Weltbestseller. Aber: Zu den «Neuen Reichen», die leben können, was immer sie möchten, wollen wir nicht wirklich gehören. Und dass uns sein «Lifestyle-Design» in die Freiheit führt, das muss der ernsthafte Zeitgenosse von Berufs wegen bezweifeln. Trotzdem hat uns das heute 35-jährige amerikanische Multitalent einiges zu sagen. Immerhin schaffte er ohne nennenswertes Talent die chinesische Meisterschaft im Kickboxen und den Weltrekord im Tangotanzen, ist Gastdozent in Princeton, Motorradrennfahrer, Wissenschaftler, Breakdancer, Fernsehmoderator und arbeitet vier Stunden die Woche, um sich in der übrigen Zeit serienweise Lebensträume zu erfüllen. 2008 verlieh ihm das amerikanische Magazin «Wired» den Titel «Gre-

atest Self-Promoter of all Time». Vielleicht sind die Leben, die Ferriss alle schon gelebt hat, ein bisschen erfunden. Den Mann deswegen abzuschreiben, wäre aber falsch. «Weniger zu tun ist die unabdingbare Voraussetzung, mehr zu erreichen» ist Ferriss’ zentrale Erkenntnis. Er erlangte sie, indem er Paretos 80/20-Prinzip auf sein eigenes Leben anwandte. Genauso wie ein Unternehmen mit 20 Prozent der Produkte 80 Prozent seines Umsatzes macht, tragen nur 20 Prozent unserer Aktivitäten zu 80 Prozent der Zufriedenheit bei. Er reduzierte die Zahl seiner Kunden, verdoppelte seinen Umsatz und senkte die Arbeitszeit auf 25 Prozent, später noch weiter. «Geschäftigkeit ist eine Form von Faulheit», sagt Ferriss, «Faulheit des Denkens und wahlloses Handeln.»   Nun ist nicht jeder Mensch online-Händler von Nahrungsergänzungen, der seinen Job selbst

gestalten kann. Die meisten gehen zwischen acht und fünf einer geregelten Arbeit nach und freuen sich auf die freie Zeit nach der Pensionierung. Ihnen empfiehlt Ferriss die Umstellung auf Heimarbeit und verrät einige Tricks, wie man auf Dschungelexpedition gehen kann und gleichzeitig seinen Job erledigt. Alles ein bisschen schräg, aber durchaus anregend. Warum unterwerfen wir uns einer Arbeit, die uns die meiste Zeit unseres Lebens raubt mit dem zweifelhaften Versprechen, sie ganz zum Schluss mit Zins und Zinseszins zurückzuzahlen? Man muss, um Ferriss zu folgen, nicht ein luxuriöses Leben anstreben. Zeit und Freiheit sind schon Anreiz genug, etwas Neues zu wagen. Oder zumindest einmal darüber nachzudenken. CP Timothy Ferriss: Die 4-Stunden-Woche – mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben. Ullstein TB, 2011. 352 S. Tb-Ausgabe: Fr. 15.90 / 10,- Euro.

Entrümpeln leicht gemacht Es ist einer Notsituation zu verdanken, dass Silvana Jacober heute Menschen mehr Lebensraum schenkt. Damals, vor sieben Jahren, verdiente sie mit ihrer Arbeit nicht mehr genug, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Auf dem Arbeitsmarkt suchte sie vergeblich eine neue Stelle. Eines Tages setzte sich Silvana Jacober in einer Krise hin und überlegte, was sie kann, denn in etwas musste sie schliesslich gut sein. Und da fiel ihr ein, dass das Aufräumen, das Strukturen geben eine Stärke von ihr war. Ob in fremden Archiven oder den eigenen vier Wänden ­ sie wusste, wie man Ordnung schuf. Am gleichen Nachmittag schrieb sie den Werbetext für ihr künftiges Angebot: Hilfe beim Aufräumen. Kurz darauf klingelte das Telefon, eine Freundin war dran und erkundigte sich nach Silvana Jacobers Befinden. Diese erzählte von ihrem Plan, die Freundin war begeistert und engagierte sie sofort.

  Es sei nicht immer alles so einfach gewesen, doch «es läuft immer besser», sagt die 56-Jährige. Warum brauchen Menschen ihre Hilfe? «Vielen fehlen ganz einfach die Kraft, die das Aufräumen erfordert. Oder sie sind einsam und brauchen eine andere Person, die mit ihnen den Anfang macht. Einige Menschen fangen an, verlieren sich dann aber im Detail. Oder sie kämpfen gegen das schlechte Gewissen, teils wird Druck von aussen an sie herangetragen. Wenn ich dann dazukomme, sehen sie schon nach einem halben Tag Ergebnisse. Das motiviert sie, weiterzumachen.»   Silvana Jacober mag an ihrer Arbeit die Individualität der Menschen, jeder Auftrag gestaltet sich anders. Einige brauchen sie länger und intensiver, z.B. wenn sie aus einem Burnout kommen und nicht die Kraft haben, mehr als zwei Stunden täglich zu  räumen. Oder wie die Frau, deren Bekannte sie dazu drängten, sich endlich von

bestimmten Dingen zu trennen. Am Ende behielt sie genau diese Sachen, räumte dafür in anderen Bereichen auf. «Das Schönste aber», so die Aufräum-Helferin, «ist, wenn sich die Person in ihrem Sein entspannen kann.»    BM 

Kontakt: Silvana Jacober, Hinwil, Tel. 079 795 81 53, www.silvana-jacober.ch

Visionssuche Sich selber finden in der Stille der Natur 4 Tage allein und ohne Nahrung in der Natur - die Visionssuche, ein uraltes Selbstfindungs- und Übergangsritual. Du hast die Gelegenheit, weit weg vom Alltagstrott Klarheit auf verschiedenen Ebenen zu bekommen, innere Impulse und Wünsche zu spüren und Kraft in dir zu finden – sei es, weil ein Übergang in eine neue Lebensphase ansteht, weil du Klarheit über die Richtung des nächsten Schrittes erhalten willst, weil du einen inneren Impuls spürst „da gibt es noch mehr“ oder einfach weil du dein Leben bewusst gestalten willst.

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Freiräumen!

Stolpersteine –  Streifzug Behinderung Möchten Sie einmal eine Stadt im Rollstuhl «erfahren»? Wagen Sie es, sich blind im öffentlichen Raum zu bewegen? Der Basler Stadtrundgang «Stolpersteine — Streifzug Behinderung» gibt Ihnen die Gelegenheit dazu. Ein/e Behinderte/r und ein junger Mensch mit Theatererfahrung führen gemeinsam durch Kleinbasel und das Thema Behinderung und laden zum Perspektivenwechsel ein. Walter Beutler, selbst in einem der Führungs­teams und «Rollifahrer», sagt dazu: «Wir haben freie Rollstühle dabei, mit denen Körperbehinderung er‹fahren› werden kann – zumindest ansatzweise – und Augenbinden sowie Spezialbrillen, um Sehbehinderungen zu simulieren… Während eines zweistündigen Spaziergangs werden die verschiedenen Behinderungsarten mit ihren spezifischen Hindernissen und Stolpersteinen angesprochen. Es wird ein kurzer Blick in die Geschichte getan, und auch das Vergnügliche kommt nicht zu kurz. Versprochen! Denn wir wollen nicht betroffen machen, sondern sensibilisieren; wir wollen nicht moralisieren, sondern Bewusstsein wecken.» Der Stadtrundgang zeigt: Es sind noch viele Stolpersteine freizuräumen... MK Kontakt und Buchung: Behindertenforum, Tel. 061 205 29 20, www.behindertenforum.ch/stolpersteine

Der fruchtbarste Freiraum Vielleicht hat sich Rudolf Steiner mit dem Schenken befasst, weil seine Bewegung auf Gedeih und Verderben auf Zuwendungen angewiesen war. Wie auch immer: Seine Überlegungen sind auch für Nicht-Anthroposophen sehr erhellend. In einem Kurs vor Volkswirtschaftsstudenten erklärte er die Zusammenhänge zwischen kaufen, leihen und schenken. Während der Kauf am unproduktivsten sei – er führt in der Regel nur zur Herstellung der gekauften Ware –, ermöglicht das Leihkapital schon grössere Freiheiten. Bedingung ist allerdings, dass es zur Herstellung von etwas genutzt wird, das zumindest dem Wert des Leihkapitals sowie Zins und Zinseszins entspricht. Die Schenkung dagegen ermöglicht freie Produktivität. Ob sich beispielsweise ein beschenkter Künstler eine neue Leinwand kauft, Brennholz für seine Bude oder Nahrungsmittel, entzieht sich dem Einfluss des Schenkenden; sein Risiko ist

ungleich grösser als bei der Leihe oder dem Kauf. Aber wie Steiner 1922 sagte: «Sie werden finden, dass das Fruchtbarste innerhalb des volkswirtschaftlichen Prozesses gerade die Schenkungen sind, und dass man eigentlich zu einem wirtschaftlich gesunden volkswirtschaftlichen Prozess nur kommen kann, wenn erstens die Möglichkeit da ist, dass die Leute zum Schenken etwas haben, und zweitens den guten Willen, dieses zu Schenkende auch in vernünftiger Weise zu schenken.» Also: Wer den Freiraum vergrössern möchte, hat hier einen konkreten Vorschlag. Gut möglich, dass er auf einen zurückfällt. CP Eine kollektive Variante des Schenkens verfolgt die am 21. April lancierte Volksinitiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen. www.grundeinkommen.ch

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Freiräumen!

Werkzeuge zum Freiräumen: unsere Medientipps Freiraum Natur

Ein schönes Chaos

«Solange ich mich erinnern kann, haben viele meiner schönsten Kindheitserinnerungen mit Erlebnissen in der Natur zu tun», lautet der erste Satz in Caroline Hosmanns Buch «Naturkinder». Sie will Eltern inspirieren, mit ihren Kindern diese Freude wieder zu erleben und stellt verschiedene Ideen vor, um der Fantasie von Jung wie Alt mehr Freiraum zu lassen. Das Material für die Projekte liefert die Natur: Mit Zweigen lässt sich ein Insektenhotel bauen, mit Blumen werden Eiswürfel zu Kunstgegenständen, aus getrockneten Kräutern kann man ein «GuteTräume-Kissen» nähen oder mit Schwemmholz schöne Bilderrahmen kreieren. Zusammen mit den Farbfotos eine schöne Anleitung zu grünen Entdeckungen.  BM

Sie können nicht anders als Dinge zu horten. Zum Beispiel Karl, der mit Trudi ein grosses Bauernhaus bewohnt und mit seiner Sammelwut bis auf die Küche alle Räume unpassierbar gemacht hat. Trudis Sozialleben leidet darunter, selbst die Kinder besuchen das Paar nicht mehr. Sie stellt ihm ein Ultimatum: Er muss Platz schaffen oder sie zieht aus. Der ganze Stolz von Arthur, dem ledigen Bauer, sind verrostete Traktoren, Lastwagen, Bagger und Autos. Die Sammelwut, die viel Platz beansprucht, hat inzwischen auch die Gemeinde auf den Plan gerufen. Elmira bräuchte mehr als ein Leben, um sämtliche Kultursendungen, die sich aufgenommen auf Kassetten in ihrer ganzen Wohnung bis zur Decke türmen, anzuhören. Nur ihrer Gelenkigkeit ist es zu verdanken, dass sie sich überhaupt noch in den eigenen vier Wänden bewegen kann. Und

Caroline Hosmann: Naturkinder. Ideen, Rezepte und Aktionen für drinnen und draussen. Haupt Verlag 2012, 160 S., Fr. 32.90 / 24,90 Euro.

schliesslich ist da noch der Erfinder Thomas, der Schrott zu neuem Leben erweckt und dessen Werkstatt voll mit Plänen ist. Regisseur Ulrich Grossenbacher begleitet im Film «Messies, ein schönes Chaos» die vier Protagonisten mit seiner Kamera und zeigt sie als Menschen mit sehr vielseitigen Interessen. Ein wunderschöner Film zum Lachen und zum Weinen, der die Welt der Messies näher bringt und dabei stets respektvoll bleibt. 

Ulrich Grossenbacher: Messies, ein schönes Chaos. DVD ab Sommer 2012 erhältlich.

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Foto: Wolfgang Schmidt, Right Lievelihood Award

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Die «Mutter aller Fragen» in den meisten Ländern ist, ob in öffentlichen Angelegenheiten weiter die Macht des grossen Geldes entscheidet – oder die Stimmen der Bürger.

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 Denkfallen Um uns zu befreien, müssen wir uns der «Mutter aller Fragen» stellen, sagt die amerikanische Aktivistin Frances Moore-Lappé, Trägerin des alternativen Nobelpreises und Autorin von 18 Büchern, darunter den Weltbestseller «Diet for a Small Planet». Sie ist überzeugt: «Die Umweltkrise ist in Wirklichkeit eine Demokratiekrise». Bloss wählen zu gehen, reicht nicht.   Frances Moore Lappé im Gespräch mit Stephen Leahy

Was verstehen Sie unter «Denkfallen»? Frances Moore Lappé: Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern durch einen Filter oder den Schleier unserer eigenen Wahrnehmung. Neurowissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass wir bei der Interpretation der Welt auf unsere bisherigen Erfahrungen und Vorstellungen zurückgreifen. In anderen Worten: Wir sehen das, was wir zu sehen erwarten. Unsere Gesellschaft wird von dem Gedanken beherrscht, dass es einen Mangel gibt, dass Ressourcen und Nahrungsmittel nicht für alle reichen werden. Aus diesem Grund «sehen» oder interpretieren wir alles durch einen solchen Filter oder Referenzrahmen. Wie wirkt sich diese gängige Idee des Mangels auf uns aus? Der Gedanke, nicht genug zu haben, macht uns hilflos und bringt uns in Konkurrenz zueinander. Wir denken, es sei besser, unsere Schäflein ins Trockene zu bringen, bevor es andere tun. Die Mehrheit der Menschen, mit denen ich spreche, ist der Meinung, mit sieben Milliarden Erdenbürger sei der Mangel zur bleibenden Realität geworden. Sie werden von dieser Mangelmentalität geblendet. Aber stimmt es nicht, dass uns die Ressourcen Wasser, Energie, Nahrungsmittel etc. ausgehen? Als junge Studentin fand ich heraus, dass die USamerikanische Nahrungsmittelproduktion extrem verschwenderisch und ineffizient ist. Um ein Pfund

Fleisch zu produzieren, werden 16 Pfund Mais und Soja verfüttert und 54 000 Liter Wasser verwendet. Fast die Hälfte unserer Ernten wird nie verzehrt. Diese erschütternde Vergeudung ist die Regel, nicht die Ausnahme. Sie beschränkt sich nicht allein auf die Nahrungsmittelproduktion. Der US-Energiesektor verschwendet 55 bis 87 Prozent der generierten Energie – das Meiste geht in Form von Wärme in den Energieanlagen verloren. Und es sind nicht nur die USA. UN-Studien haben gezeigt, dass 3 000 der weltgrössten Konzerne im Jahr 2008 Schäden an der Natur in Höhe von zwei Billionen US-Dollar angerichtet haben. Warum sind wir so grosse Zerstörer und Verschwender? Das ist das Resultat der derzeitigen Marktökonomie, die darauf abzielt, einer kleinen Minderheit von Wohlstandsinhabern möglichst schnell Höchsterträge zu liefern. Unsere Wirtschaft schafft erst den Mangel, indem sie ausserordentlich verschwenderisch und destruktiv ist. Der Begriff «freie Marktwirtschaft» ist völlig fehl am Platze. Vielmehr haben wir es mit einer firmenmonopolistischen Marktökonomie der Verschwendung und Zerstörung zu tun. Wir sollten behutsamer und präziser in unserer Ausdrucksweise sein. Umweltschützer und einige Wirtschaftsexperten rufen immer lauter nach einem Wandel der Wachstums- zur Nicht-Wachstumswirtschaft. Sie jedoch sagen, das sei eine Denkfalle…

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Ja, weil dadurch eine Debatte in Gang kommt, die vom Wesentlichen ablenkt. Wachstum hört sich für die meisten Menschen nach etwas Positivem an, der Begriff Nicht-Wachstum dürfte sie befremden. Besser ist es, sich auf die Bildung eines Systems zu fokussieren, das Gesundheit, Glück, ökologische Vitalität und soziale Macht verspricht. In Ihrem letzten Buch sagen sie, dass sich jeder auf eine «gelebte Demokratie» konzentrieren sollte? Moore Lappé: Die Vereinigten Staaten sind zu dem geworden, was man als «Plutonomie» bezeichnen könnte, in der das oberste ein Prozent (der Bevölkerung) einen grösseren Reichtum kontrolliert als die unteren 90 Prozent. Die Ungleichheit in den USA ist nach Angaben der Weltbank inzwischen grösser als in Pakistan oder Ägypten. Das Ergebnis sind Konzerne und Reiche, die auf öffentliche Entscheidungen mit Hilfe von Parteispenden und politischer Lobbyarbeit Einfluss nehmen. In den USA kommen auf einen KongressabgeordDie erschütternde Vergeudung ist neten inzwischen zwölf die Regel, nicht die Ausnahme. Sie Lobbyisten. Um dieser Geiselnahbeschränkt sich nicht allein auf me durch die Privatwirtdie Nahrungsmittelproduktion. schaft entgegenzuwirken, müssen wir wieder eine Kultur der gegenseitigen Verantwortlichkeit, Transparenz, bürgerlichen Partizipation und öffentlichen Wahlfinanzierung erschaffen. Demokratie bedeutet nicht nur, einmal im Jahr wählen zu gehen. Sie ist eine Kultur, eine Lebensweise. Die «Mutter aller Fragen» in den meisten Ländern ist, ob in öffentlichen Angelegenheiten weiter die Macht des grossen Geldes entscheidet – oder die Stimmen der Bürger. Die Umweltkrise ist in Wirklichkeit eine Demokratiekrise.

Unter vielen umweltbewussten Menschen macht sich das Gefühl breit, es könnte zu spät sein und dass die Barrieren, die es zu überwinden gilt, seien inzwischen viel zu hoch geworden. Zu denken, es sei zu spät, ist eine weitere Denkfalle. Es dürfte zu spät sein für entscheidende Auswirkungen, die sich hätten vermeiden lassen, wären wir schon vor 20 Jahren aktiv geworden. Für das Leben ist es jedoch nie zu spät. Mein Buch bringt viele Beispiele von Menschen, die Verantwortung übernehmen und das Ruder herumreissen. Der Gedanke, es sei zu spät, wird durch das Gefühl geweckt, allein und machtlos zu sein. Die Menschen fühlen wegen ihrer Denkfallen so. Sie erliegen den falschen Vorstellungen, dass Mangel vorherrscht und die Menschheit von Natur aus gierig und egoistisch ist. Dieser Glaube und eine von der Privatwirtschaft gegängelte Regierung haben das Gefühl der Machtlosigkeit verursacht. Stephen Leahy arbeitet für den Inter Press Service, einer auf Globalisierung und Entwicklung spezialisierten Nachrichtenagentur. Frances Moore Lappé (*1944) veröffentlichte im Alter von 27 Jahren den Bestseller «Diet for a Small Planet», das die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des übermässigen Fleischkonsums ins öffentliche Bewusstsein brachten. 1975 gründete sie das Institut «Food First», erhielt 17 Ehrendoktortitel und wurde zu einer Hunger-, Umwelt- und Demokratie-Aktivistin mit welt-weiter Ausstrahlung. Ihr letztes Buch: «EcoMind: Changing the Way We Think to Create the World We Want», Small Planet Institute, 2011. Zuletzt auf deutsch erschienen: «Packen wir‘s an!: Klarheit, Kreativität und Mut in einer verrückt gewordenen Welt» (2009). www.foodfirst.org

Gönnen Sie Ihrer Meinungsbildung einen zusätzlichen Blickwinkel: P.S. P.S., die linke Zürcher Zeitung Probeabo 5 Wochen kostenlos « pszeitung.ch

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Gemeinnutz vor Eigennutz Wie sich ein Banker-Saulus zum Paulus wandelt.

E

in Banker, der sich für das Gemeinwohl einsetzt? Wir haben inzwischen schon so viel Negatives über Banken gehört, dass wir das als Widerspruch empfinden könnten. Für Helmut Lind, Vorstandsvorsitzender der Münchner SpardaBank, ist es jedoch eine Überlebensfrage. «Die Schraube, sie ist schon sehr fest angezogen. Und Sie wissen ja, was nach sehr fest kommt.» Gemeint ist der Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems. Lind, mit Massanzug und Krawatte ein Bilderbuch-Banker, machte in der grössten bayerischen Genossenschaftsbank schnell Karriere, galt als «effizienter Optimierer». Mitarbeiter beurteilte er nur nach ihrer Leistung. «Das kannte ich von Kindesbeinen so. Liebe gab es bei uns zu Hause im Gegenzug für Leistung.» Täglich um fünf Uhr früh ging er joggen, ein Selbstoptimierer auch privat. Bis er eines Tages ins Grübeln kam. «Läufst du vielleicht in die falsche Richtung?» Lind begann das Joggen durch Meditation zu ersetzen – mit durchschlagendem Erfolg: «Ich fing an, mich als Teil eines grösseren Ganzen zu begreifen. Ob es mir gut geht, hängt davon ab, ob es den Menschen um mich herum auch gut geht.»

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5.12.2011

Der Manager im Meditationssitz ist dabei, seine profitorientierte Bank von Grund auf umzugestalten. Statt Dividenden steht jetzt Teilen auf dem Programm. Die Sparda zog sich aus spekulativen Geschäften mit Nahrungsmitteln zurück, zahlt den Mitarbeitern freiwillige Sozialleistungen, zum Beispiel 150 Prozent Elterngeld, zusätzlich zum staatlichen. Ein Teil der Erträge wird an soziale und ökologische Projekte gespendet. Jeder Mitarbeiter sollte an einem «StärkenWorkshop» teilnehmen. «Wir versuchen dann, die Aufgaben dementsprechend zu verteilen», erzählt Lind. In «Vorstandsdialogen» dürfen Angestellte ihren Chefs die Meinung sagen. 96 Prozent der Belegschaft haben das Gefühl, es mit ihrem Arbeitgeber gut getroffen zu haben. Nur einige, besonders konservative finden, dass Zahlen und Fakten in ihrer Bank zu kurz kommen. Auch Paul Vorsatz, Mitglied des Sparda-Aufsichtsrates, ist skeptisch. Wenn schon Gemeinwohlorientierung, so der Arbeitnehmervertreter, dann müsse sie sich auch rechnen. Ist Ethik also nur ein «Produktionsfaktor»? Helmut Lind hat für seine Bank eine «Gemeinwohlbilanz» erstellt. Die Idee stammt vom österreichischen Attac-Mitbegründer

12:35 Uhr

  von Roland Rottenfußer und Sachbuchautor Christian Felber. Eine Gemeinwohlbilanz misst Grundwerte wie Solidarität, Nachhaltigkeit oder Mitbestimmung in ihren Auswirkungen auf Gruppen, die vom Handeln eines Unternehmens betroffen sind: Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Geldgeber. Gemeinwohl-Kriterien sind auch die Einkommensspreizung (hoch Bezahlte sollten nicht mehr als 15mal so viel verdienen wie gering Bezahlte) sowie Teilzeitarbeit, um mehr Mitarbeiter einstellen zu können. Momentan gibt es europaweit ca. 300 Unternehmen, die Felbers Ideen in die Tat umsetzen möchten – Tendenz steigend. Es gibt aber auch Gegner. Für Götz Schlegtendal, Direktor der Kirchhoff Consult AG, ist Felbers und Linds Vorstoss «eine utopische Idee». Zum Glück! Was momentan als «realistisch» gilt, ist nicht mehr zukunftsfähig. In seinem neusten Buch «Retten wir den Euro» (2012) setzt sich Christian Felber für die Tilgung der Staatsschulden über EUweite Finanztransaktions-, Vermögens- und Gewinnsteuern ein – eine Strategie, die die Verursacher und Profiteure der Krise in die Pflicht nehmen würde. Christian Felber: Retten wir den Euro. Deuticke 2012, 160 S., Fr. 16.90 / 10 Euro.

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Nest – die ökologisch-ethische Pensionskasse

Wie gross Ihr Unternehmen auch immer ist, wir haben die Vorsorgelösung, die Ihren Bedürfnissen entspricht. Kontaktieren Sie uns für eine Beratung! Nest Sammelstiftung T 044 444 57 57 info@nest-info.ch www.nest-info.ch

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Das dickste Brett ist angebohrt Die schmutzigen Geheimnisse des Geldes erreichen den Mainstream. Die ersten Politiker und immer mehr Wissenschaftler verlangen Klarheit über die Fehlkonstruktion unseres Geldsystems.   von Christoph Pfluger

P GeldreformVeranstaltungen in nächster Zeit: 5. Mai, Friedrichshafen: ­Monetäre Innovationen – Währungsarchitekten der Zivilgesellschaft. Mit Referenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Veranstalter: Zeppelin-Universität, Campus am Seemooser Horn, 10.00 bis 20.15 Uhr. www.zu.de/veranstaltungen 1./2. Juni, Zürich: Vollgeldreform oder Systemkrise? Wie Staatsschulden abgebaut und Finanzkrisen verhindert werden können. Mit Prof. Marc Chesney, Peter Hablützel, Prof. Joseph Huber, Mark Joób, Prof. Margrit Kennedy, Prof. Philippe Mastronardi und zwei Podiumsgesprächen. Uni Zürich, Hörsaal Häldliweg 2. Eintritt frei. Veranstalter: Verein Monetäre Modernisierung, Postfach 3161, 5430 Wettingen, www.vollgeld.ch 7. - 8. Juni, Leipzig: fairventureKongress «Wirtschaft neu gestalten» u.a. mit Margrit Kennedy, Bernard Lietaer, Jens Martignoni und Johannes Heimrath. Infos www.fairventure.de

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olitiker ändern ihre Meinung erst, wenn sie gestorben sind – oder wenn ihre Wähler sie ändern. Noch unbeweglicher sind die Wissenschaftler. Wollten sie ihre Meinung ändern, müssten sie ihre Bücher verbrennen – unmöglich. Damit sich neue Lehrmeinungen durchsetzen können, müssen die Professoren ihre Lehrstühle verlassen – das wissen wir, seit der Wissenschaftsphilosoph Thomas S. Kuhn 1962 «The Structure of Scientific Revolutions» veröffentlichte. Was jetzt geschieht, ist die Vorstufe einer Revolution. Ende März trafen sich knapp 50 Ökonomen, Finanzwissenschaftler und Physiker, darunter ein gutes Dutzend Professoren, um an einem Symposium in Berlin darüber zu diskutieren, wie unser Geldsystem nachhaltig gemacht werden kann. Die Grundlage dazu lieferte eine «wissenschaftliche Arbeitsgruppe nachhaltiges Geld», die der EnquêteKommission «Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität des Bundestages zuarbeitet. In einem 80-seitigen Paper kommen die sechs jungen Wissenschaftler zum Schluss, dass unser bestehendes Kreditgeldsystem nur unter einer einzigen Bedingung eine minimale Chance zur Nachhaltigkeit hat: Wenn alle Gewinne verkonsumiert werden. Werden sie aber reinvestiert, angelegt oder als Kredite ausgegeben, entsteht ein Wachstumszwang, aus dem es kein Entrinnen gibt. Nur: So viele Yachten und Ferienhäuser erträgt die Erde gar nicht, um die Gewinne der Superreichen aufzuzehren. An der Tagung galt die Chatham-House-Rule, nach der nichts nach draussen gehen darf. Allzuviel darf deshalb nicht verraten werden, insbesondere nichts über die entlarvenden Aussagen der anwesenden Politiker (Die warten wohl auf eine Meinungsänderung ihrer Wähler). Immerhin: So viele Professoren hätte sie noch nie an einer geldkritischen Veranstaltung gesehen, meinte Prof. Margrit Kennedy, gewissermas-

sen die grande dame der Geldaufklärung. Es tut sich was, auch wenn die Änderung der Lehrmeinung über Geld das dickste Brett ist, das man bohren kann, wie ein Professor aus Österreich meinte. Ein anderer, der überdies noch in einer Zentralbank gearbeitet hatte, meinte gar, es sei unmöglich. Warten wir es ab. Ende Mai publiziert der Club of Rome einen Bericht mit dem Titel «Money – Sustainability: The Missing Link». Bereits der erste Satz lässt die Herzen höher schlagen: «Wir sagen nicht die Wahrheit über Geld». «Wir», das ist nicht der Club of Rome, sondern die Medien, die Politiker, die MainstreamWissenschaft und die Banker. «Während 40 Jahren habe ich die Literatur über Nachhaltigkeit studiert», schreibt Dennis Meadows «und an hunderten von Konferenzen teilgenommen, … aber nie hörte ich jemanden, der das Finanzsystem als Ursache unseres Weges zum Kollaps erklärte.» Jetzt wird es also nachgeholt. Man darf gespannt sein, wie die Umweltbewegung auf den Bericht reagiert. Wenn sie die verfehlte Konstruktion unseres Geldes als tiefere Ursache des Wachstumszwangs und der Umweltzerstörung erkennt und ihre enorme Kampagnen-Erfahrung in den Dienst der Geldreform stellt, könnte die kritische Masse bald zu schaffen sein. Zwei mutige Politiker gehen schon mal voran und stellen dem Bundesrat fundamentale Fragen, wie sie seit Jahrzehnten im Parlament nicht mehr zur Sprache kamen. Geri Müller (Grüne/AG) will in einer Interpellation von Mitte März wissen, wie die «unbare Geldschöpfung durch die Banken mit dem in Art. 99 der Bundesverfassung formulierten Geldregal, nach dem das Geld- und Währungswesen Sache des Bundes ist» zu vereinbaren sei. Im weiteren verlangt er Auskunft über die rechtlichen Grundlagen für die Gleichbehandlung von Bankenbuchgeld und Nationalbank­geld, zumal der Bundesrat in der Botschaft zum Gesetz über die


Das dickste Brett ist angebohrt

Währung und die Zahlungsmittel von 1999 ausdrücklich festhält, beim Buchgeld der Banken handle es sich nicht um gesetzliches Zahlungsmittel. Nationalrat Lukas Reimann (SVP/SG) verlangt in seiner Interpellation Auskunft über Verwendung des von den Banken in Umlauf gebrachten Neugeldes: «Wie gross ist der Anteil der Kredite, die in die Realwirtschaft und damit in die Wertschöpfung fliessen und wie gross ist der Anteil, welcher der Finanzwirtschaft und Anlagewerten zugute kommt?» Diese Frage zielt auf die Wertbasis des Bankenbuchgeldes. Wenn das meiste neue Geld, wie heute üblich, für Finanztitel verwendet wird, werden die Banken grösste Schwierigkeiten haben, die Guthaben ihrer Sparer auszuzahlen, wenn die Finanzpapiere auf

breiter Front ins Rutschen kommen. Damit muss angesichts der globalen Schuldenkrise gerechnet werden. Ein spezielles Kränzchen verdienen die Jungen Grünen. Als erste Partei der Schweiz kritisierten sie im Februar in einem Papier die Buchgeldschöpfung durch die privaten Banken und forderten, auch unbares Geld dürfe nur noch durch die Nationalbank in Umlauf gebracht werden. Das sind schöne Erfolge für die Bewegung der Geldreform, die von der Politik lange vernachlässigt wurde. Ein Ruhekissen sind sie nicht, eher ein Weckruf. Die schmutzigen Geheimnisse des Geldes erreichen den Mainstream. Es braucht viele Menschen, die die trüben Scheiben putzen.

Neues Clearingsystem für Komplementärwährungen Tauschkreise und alternative Zahlungsmittel sind oft noch klein und nur in einem begrenzten Kreis von Beteiligten nutzbar. Das Angebot ist entsprechend beschränkt und wenig attraktiv für Menschen ohne idealistischen Hintergrund. Die Möglichkeit eines systemübergriefenden Austauschs wird die Attraktivität enorm erhöhen. Hier steckt ein grosses Potential, denn je grösser der Markt, d.h. die Zahl der Angebote und der möglichen KundInnen, desto eher werden Komplementärwährungen ernsthafte Alternativen zum bestehenden Monopolgeld. Einem Tausch zwischen verschiedenen Systemen stehen jedoch diverse Hindernisse im Weg. Das «Clearing», also die Verrechnung von Zahlungen zwischen verschiedenen alternativen Währungen, ist noch wenig entwickelt. Zwei Hauptgründe sind dafür verantwortlich: Schwer abschätzbare wirtschaftliche Konsequenzen und die technischen Schwierigkeiten einer komplizierten Verbuchung und Abgrenzung. Eine in Zürich entwickelte Softwareplattform verringert die technischen Probleme des Clearings nun stark. Der cc-hub (Complementary-Currency-Hub, www.cc-hub.org ) ermöglicht auf der Basis bestehender Komplementärwährungs-Software (Cyclos) den Austausch zwischen verschiedenen Tausch-Systemen und bietet die Möglichkeit eines gemeinsamen Marktes. Die Plattform kann zum Beispiel regional konfiguriert werden und ist dann die Heimat von bis zu

zehn verschiedenen Komplementärwährungen. Durch die zentrale Datenbasis entsteht für die einzelnen Trägerorganisationen viel weniger Aufwand, als wenn jede ein eigenes System betreiben müsste. Das cc-hubSystem befindet sich bereits in einer Testphase mit Tauschkreisen aus der Ostschweiz und aus Zürich. Nach wie vor ungelöst bleiben aber die schwer abschätzbaren wirtschaftlichen Konsequenzen für die einzelnen Tauschsysteme. Angenommen, das reiche Gemüseangebot im Tauschkreis A wird von den Mitgliedern des Tauschkreises B (ohne aktive landwirtschaftlichen Betriebe) überproportional genutzt, dann wird Tauschkreis A innert kurzer Zeit viel Guthaben und Tauschkreis B hohe Schulden haben. Das Beispiel Deutschland mit Handelsbilanzüberschuss und Griechenland mit einem Minus illustriert eine solche Schieflage im Grossen. Voraussetzung für die Zusammenarbeit verschiedener Alternativwährungen sind also, neben der gemeinsamen Plattform, auch Verträge zwischen den Organisationen über die Grenzen des Austausches, den Ausgleich der Handelsbilanzen oder Fragen des Missbrauchs. Organisationen, die ein Clearing einrichten wollen, müssen gemeinsame Regeln festlegen. In Zürich ist aktuell ein solcher Prozess in Gange und zeigt bereits erste Früchte (siehe Kasten). Die neue Plattform cc-hub wurde auch am 10. Tauschforum Schweiz vom 13. April in Luzern präsentiert (www.tauschforum.ch ). Dort trafen sich Mitglieder

  von Jens Martigoni

und Vorstände von mehr als 25 Tauschsystemen und verwandten Organisationen aus der ganzen Schweiz zum Thema «Vernetzung aus unterschiedlicher Perspektive». Zusammenarbeit über die Organisationsgrenzen und das Clearing sind heute ein Schwerpunkt der Tauschsysteme und Komplementärwährungen. Projekte wie cc-hub zeigen, dass die Hürden schwinden und Tausch oder Alternativgeld bald einmal zum Alltag der meisten Menschen gehören könnten.

«zürich tauscht» In Zürich gibt es fünf Organisationen, die sich das Tauschen auf die Fahnen geschrieben haben. Es sind dies Tauschen am Fluss www.tauschenamfluss.ch, Talent Schweiz www.talent.ch, LETS www.lets.ch, Give & get www.giveandget.ch und Complino www.complino.ch. Sie wollen in Zukunft enger zusammenarbeiten, z.B. in Form eines gemeinsamen Auftritts im Internet und an Anlässen. Ziel der Zusammenarbeit ist eine stärkere Verankerung des Tauschens in der Gesellschaft und die Möglichkeit, dass das Tauschen zwischen den Mitgliedern aller Organisationen problemlos möglich wird. Der erste Anlass, an dem alle fünf gemeinsam auftreten, ist am Fünf-Jahres-Jubiläum von Tauschen am Fluss. zürich tauscht – ein Markt der besonderen Art – am 2. Juni 2012, 14:30-19:30 Uhr im Gemeinschaftszentrum Wipkingen, Breitensteinstra.19a, 8037 Zürich

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Die Binnenkultur der IP Schweiz «Sei Du selbst die Veränderung, die Du in der Welt sehen möchtest!» Dieses Zitat von Gandhi bringt die Grundgedanken der «Integralen Politik Schweiz» (IP) für ihre Binnen­ kultur auf den Punkt. Politik soll in allen ihren Funktionen von innen heraus radikal verändert werden. Diese Veränderung beginnt konsequenterweise bei ihr selbst.   von Fredy Kradolfer

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ede Reise beginnt mit dem ersten Schritt, auch die grosse Herausforderung, der sich die IP Schweiz stellt. Die ersten Schritte sind getan: Die IP hat sich Regeln und Handlungsrichtlinien für eine Binnenkultur gegeben, die trefflich illustrieren, in welche Richtung die Reise gehen soll. Damit ist die IP Schweiz nicht nur eine neue Partei und Bewegung, sondern eine Art Labor, in dem Methoden erprobt werden, die dem wachsenden Bedürfnis nach einer völlig neuartigen Politik gerecht werden. Das «Ich» im «Wir» In der zur Zeit herrschenden Binnenkultur in politischen Gremien und traditionellen Parteien dominiert das Prinzip der «Hackordnung» – zwar (weitgehend) demokratisch legitimiert, aber eben doch dem Prinzip des «Rechts des Stärkeren» folgend. Im Idealfall beruht diese Stärke auf besonderer Kompetenz, (zu) oft aber nur auf strategischem Geschick, Mehrheiten hinter sich zu scharen, auf Hinterlist oder (nicht selten) auf finanzieller Potenz. Integrale Politik sucht andere Wege. Der Einzelmensch (Ich) findet seinen Platz im gemeinsamen Projekt (Wir). Der Einzelne wird daher nicht als isoliertes Individuum oder anonymer Teil eines Kollektivs betrachtet, sondern als Holon, d.h. als eigenständiger und gleichzeitig verbundener Teil eines grösseren Ganzen. Es geht jeweils

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darum, die beste Lösung für das Ganze zu finden bei gleichzeitiger Berücksichtigung der legitimen Bedürfnisse der Einzelnen. Die Rolle des Einzelnen innerhalb dieses lernenden Organismus wird dadurch aufgewertet, dass seine jeweilige Perspektive als Fachmann/-frau, Rollen- oder Funktionsinhaber, als unverzichtbare Informations- und Datenquelle verstanden und als solche konsequent in die Prozesse der dynamischen Steuerung integriert wird. Entscheidungen im Konsent Nach der Binnenkultur der IP sollen Entscheidungen auf allen Stufen aus einer achtsamen Haltung heraus im Konsent gefunden werden. Beim Konsent (= Einverständnis)

müssen nicht wie bei einem Konsens alle «dafür» sein, sondern (lediglich) niemand «dagegen». Beim Konsentverfahren wird eine Situation angestrebt, in der gegen eine bestimmte pragmatische «Entscheidung zum Weiterarbeiten» keine hochrangigen Einwände mehr bestehen. Nach einleitendem Raum für Fragen und «Befindlichkeiten» werden nur Argumente zugelassen, die entweder konstruktive Lösungsvorschläge beinhalten oder Schwierigkeiten benennen, die mit einem bestimmten Lösungsvorschlag verbunden sind (Einwände). Auf diese Weise wird eine sachlich-fokussierte Arbeitsatmosphäre geschaffen, die die Beteiligten zwingt, eigene Wahrnehmungen zu erkunden und abzuwägen, inwiefern Bedenken

Raum für Kreativität Sabine Heusser Engel, Leiterin der Kommission Binnenkultur der IP Schweiz: «Wir pflegen in der IP ganz bewusst einen kreativen Arbeitsstil, welcher seine Verankerung darin findet, dass wir die Themenblöcke immer wieder durch kreative Übungen unterbrechen.» Jeder IP-Anlass, sei dies nun die Sitzung einer Arbeitsgruppe, ein Treffen des Vorstandes, der Kerngruppe oder einer Regiogruppe oder ein Parteitag, wird umrahmt von kulturellen Inputs. Das kann eine kurze Vorlesung, gemeinsamer Gesang oder Tanz oder auch einfach eine Zeit der Stille sein. Wie wir wirklich leben wollen – der Kongress dazu: Vom 28. Juli bis zum 5. August 2012 findet im Bildungshaus St. Arbogast in Götzis (Vorarlberg) ein Kongress für integrale Politik statt. Thema: «Wie wir wirklich leben wollen – Kulturkreative gestalten den Wandel». Trägerorganisationen sind u.a. Integrale Politik Schweiz, Die Violetten Deutschland und Talent Schweiz. Kontakt: Kongress für integrale Politik, Dubenhorst 6, D-24114 Kiel. www.integrale-politik.org

Illustration: Kari Lehr

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anders denken . anders leben

Gemeinsamer Gesang an einem IP-Parteitag: Die Auflockerung durch kreative Elemente hat bei jedem Treffen von IP-Gremien einen hohen Stellenwert.  Foto: Kra

zu Gunsten einer pragmatischen Lösung zurückgestellt werden können. Entschieden ist eine Sachfrage, sobald kein erheblicher Einwand mehr dem Entscheid entgegensteht. Eine besondere Aufgabe hat in diesem Prozess der Moderator. Er ist dafür verantwortlich, Einwände auf ihren tieferen Gehalt hin zu prüfen und wenn nötig auch zurückzuweisen. Ziel ist dabei immer, die jedem Individuum eigene Kreativität freizusetzen und bei Einwänden die Toleranzgrenzen abzustimmen. Das Einbeziehen eines Prozessbeobachters oder einer Prozessbeobachterin bei Zusammenkünften fördert integrales Lernen und Handeln auf der persönlichen wie der gemeinschaftlichen Ebene. Der Prozessbeobachter kann jederzeit eingreifen, wenn seines Erachtens die Voraussetzungen für eine integrale Arbeitsweise nicht mehr gegeben sind. Schwierigkeiten und Fallen Die Binnenkultur der IP in allen Einzelheiten darzulegen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wer sich interessiert, findet die entsprechenden Informationen unter www.integrale-politik.ch. Bereits diese knappen Ausführungen zeigen jedoch, welche Schwierigkeiten sich einer Organisation wie der IP stellen, wenn sie Beispiel sein will für eine «Politik aus der Intelligenz des Herzens», die integral ausgerichtet ist. Politik ist ein schnelllebiges und lautes Geschäft. Eine differenzierte und integrale Betrachtungsweise Schlagworten und Propagandalawinen gegenüberzustellen, ist angesichts des Zustandes unserer Gesellschaft ein Spiel mit ungleichen Kar-

ten. Da ist die Versuchung gross, die in der Binnenkultur verankerten hehren Grundsätze unter dem Druck des politischen Tagesgeschäfts oder des «funktionieren Müssens» zu vernachlässigen. Man braucht aber kein Prophet zu sein, um vorauszusagen, dass sich der Erfolg der IP in dem Masse einstellen wird, wie es ihr gelingt, den eigenen Ansprüchen auf allen Stufen stets aufs Neue gerecht zu werden. Angefangen bei der kleinsten Arbeitsgruppe und endend beim innersten Führungszirkel. Dies braucht sehr viel Zeit und Geduld – so viel, dass die IP immer wieder Aktualitäts- und Profilierungschancen verpassen wird und «Macher-Seelen» innerhalb der Partei ihr Tempo ständig zugunsten des integralen Prozesses zurück nehmen müssen. Doch wenn es gelingen soll, im Chor der Politik eine neue Melodie zu etablieren, dann darf die Glaubwürdigkeit in Bezug auf die eigene Binnenkultur niemals aufs Spiel gesetzt werden – nicht im Interesse eines besseren und schnelleren «Funktionierens» und auch nicht, wenn Publizität oder allenfalls gar politische Mandate locken. Es ist ein kontinuierlicher Lernprozess, über die wachsende Individualität zum innovativen Miteinander zu gelangen, sich in einer sich rasant verändernden Realität die Visionskraft zu bewahren und Lösungen für die Gegenwart entstehen zu lassen. Sich auf diesen vielfältigen und stets neuen Lernprozess konsequent einzulassen, ist die einzige, aber keineswegs gering einzustufende Voraussetzung für ein Mittun in der IP. Kontakt: Integrale Politik Schweiz, Breisacherstr. 43, 4057 Basel, Tel. 061811 39 49, www.integrale-politik.ch

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Stoff zum Weiterdenken ist eine Zeitschrift über lebensfördernde Gesellschaftsmodelle, Sinnsuche und Lebensqualität jenseits der Konsumkultur. behandelt die Themen Soziales Unternehmertum, regionale Wirtschaftskreisläufe, Bildungsfreiheit, Permakultur, Leben in Gemeinschaft sowie viele weitere kulturkreative Themen. macht aus Theorien Praxis und ist selbst Beispiel: Das Magazin wird von einer Lesergenossenschaft getragen. Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft auf unserer Internetseite!

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Kurzmeldungen

Bedingungslos, das ganze Leben 2500 Franken pro Monat soll jeder Erwachsene mit Wohnsitz in der Schweiz erhalten – ob er nun arbeitet oder nicht. So will es die Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen, für die seit dem 21. April 2012 Unterschriften gesammelt werden. Heute haben alle in irgend einer Form ein Einkommen, mit dem sie ihr Leben bestreiten. Das Grundeinkommen ist ein Mechanismus, der die Einkommen in Höhe von 2 500 Franken bedingungslos macht. Damit hat jeder – ob arm oder reich, alt oder jung, erwerbstätig oder nicht – die Möglichkeit, auf ein selbstbestimmtes Leben auf bescheidenem Niveau. Einige Befürworter fordern, dass im Gegenzug Arbeitslosenversicherung, Renten & Co. entfallen – die Finanzierungsprobleme der Sozialwerke wären gelöst. Da viele nicht am Existenzminimum leben möchten, werden sie freiwillig einer

Erwerbsarbeit nachgehen, allerdings einer, die ihnen auch zusagt und die zum Gemeinwohl beiträgt, so die Vision der Befürworter. Das Gesamteinkommen bliebe gleich. Wer vorher 7000 Franken verdient hat, erhält nachher einfach die Differenz von 4 500 Franken zu den 2 500 Franken Grundeinkommen als Lohn ausbezahlt. Produktive Arbeiten wie Hausarbeit, Freiwilligenarbeit etc. würden vergleichbar zur Lohnarbeit entlöhnt. Finanziert würden die rund 200 Milliarden (5 Millionen Erwachsene à 2 500 Franken, Kinder und Jugendliche erhalten 625 Franken) wie folgt: Ein Drittel käme aus den überflüssig gewordenen Sozialversicherungen, über 60 Prozent aus dem ersetzten Erwerbseinkommen. Dem Staat bliebe, so rechnen Daniel Straub und Christian Müller in ihrem Buch «Befreiung der Schweiz» vor, ein Aufwand von 2 Milliarden jährlich. So

Das nächste Umweltproblem

Bild: umfeldschutz.ch

Mit dem Rauchverbot in öffentlichen Räumen werden viel mehr Zigarettenstummel nicht mehr entsorgt, sondern einfach weggeworfen. Damit gelangen erheb-

liche Giftmengen ins Abwasser, ins Grundwasser und ins Erdreich. Am 22. März, dem UNO-Tag des Wassers wurde der «Verein CigarettenEntsorgung» (VCE) gegründet, der das Bewusstsein für diese Problematik fördern und in Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen und der Zigarettenindustrie eine ordentliche Entsorgung der Zigarrettenstummel erreichen will.  CP Kontakt: Walter Hilfiker, Seestr. 140, 8802 Kilchberg, hilf@bluewin.ch

Klare Regeln für Konzerne mit Schweizer Sitz Bei Menschenrechtsverletzungen oder Umweltverschmutzungen ist die Chance gross, dass eine Firma mit Sitz in der Schweiz darin verwickelt ist. Unser Land hat pro Kopf die meisten multinationalen Konzerne weltweit. Zu den klassischen Multis wie Nestlé, Novartis & Co. gesellen sich immer mehr «corporate immigrants», die u.a. vom guten Steuerklima angezogen werden. Viele Länder, gerade weniger entwickelte, sind auf ausländische Investoren angewiesen und verfügen nicht über die nötige Macht, ihre Gesetze gegenüber Konzernen durchzusetzen. Es entsteht ein rechtsfreier

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Raum. Dem will die Petition «Rechte ohne Grenzen» ein Ende bereiten. Doppelstandards für Menschenrechte und Umweltnormen soll es nicht mehr länger geben, sondern weltweit verbindliche Regeln für Konzerne mit Sitz in der Schweiz. Hierzulande setzt man bisher auf Selbstregulierung der Firmen. Dass diese zuwenig greifen, zeigen Beispiele wie Glencore und Transocean. Dick Marty, ex-FDP-Ständerat, brachte es auf den Punkt: «Einmal könnte die Schweiz das gute Beispiel sein und nicht immer mit Verspätung folgen.» BM Online-Petition: www.rechtohnegrenzen.ch

gut die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens auch klingt – es drängen sich dennoch Fragen auf. Werden die finanziellen Anreize greifen, um sicherzustellen, dass auch weniger qualifizierte Tätigkeiten wie Reinigungs-, Fliessbandarbeiten etc. gemacht werden? Können wir wirklich darauf vertrauen, dass die Mehrheit produktive Arbeiten ausüben wird? Und muss man nicht mit einem Strom von Immigranten rechnen, angesichts der Aussicht auf das bedingungslose Einkommen, das jeden erwartet? Sicher ist: Das bedingungslose Grundeinkommen würde einige Probleme in unserer Gesellschaft lösen und den Menschen ein freieres, selbstbestimmteres Leben ermöglichen. BM Infos: Tel. 043 497 27 77, www.grundeinkommen.ch Zum Weiterlesen: Daniel Straub und Christian Müller: Die Befreiung der Schweiz. Limmat Verlag 2012, 120 S., Fr. 18.– / 15,90 Euro.

Sicherung   gegen den Crash Seit 2008 müssen wir mit der Bedrohung einer globalen finanziellen Kernschmelze leben, mit unabsehbaren Folgen für uns alle. Um sie zu verhindern, werden die Probleme der hochverschuldeten Staaten mit weiteren Schulden «gelöst». Das kann nicht gut gehen, findet Uwe Burka und mit ihm viele andere. Aber der Berater für ökologische Landschafts- und Siedlungsplanung aus Puidoux bei Lausanne geht noch einen Schritt weiter. Er hat eine Gruppe «aktiv ZUKUNFT sichern» gegründet, die sich eingehend mit dieser Frage befasst: «Welche Versorgungssicherheit für die Schweizer Bevölkerung gibt es für den Fall, dass das europäische bzw. das globale Finanzsystem zum Teil oder ganz zusammenbricht?» Die Arbeitsgruppe will diese Frage aufs politische Tapet bringen und die Regierung dazu bewegen, die Versorgungssicherheit mit einer Reihe von Massnahmen zu stärken, z.B. durch Förderung lokaler Wirtschaftskreisläufe, dezentraler Energieproduktion, Sozialkompetenzen, Alternativwährungen usw. Die eben erst gegründete Arbeitsgruppe ist noch klein und sucht Verstärkung, um politische Wirkung entfalten zu können. Ein einsamer Rufer in der Finanzwüste genügt nicht; dazu braucht es einen kräftigen Chor aus der Mitte des Lebens. CP

Aktiv ZUKUNFT sichern, c/o Uwe Burka, La Vulpilliere, 1070 Puidoux, www.aktivzukunftsichern.com


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Transparenz-Initiative: Wir wollen wissen, wer unsere Politiker bezahlt Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Aber ausgerechnet in der Politik hören wir nur die Lieder der Politiker, und wissen nicht, wer sie für die gebrochenen Versprechen bezahlt. 93 Prozent der Bevölkerung fordern nach einer repräsentativen Umfrage mehr Transparenz in der LobbyArbeit und die Offenlegung der Einkünfte der Parlamentarier. Aber davon will das Parlament nichts wissen. Am 16. März hat der Nationalrat eine entsprechende parlamentarische Initiative von Andy Tschümperlin (SP/SZ) mit 96 zu 84 Stimmen abgelehnt. Pikant: Der Linke Tschümperlin hatte seinen Vorstoss wörtlich vom Text der laufenden Transparenz-Initiative des jungen SVP-Politikers Lukas Reimann übernommen. Das Parlament hofft offenbar auf eine Scheitern der Volksinitiative – und die ist tatsächlich gefährdet. Am 29. März, bei Halbzeit der Sammelfrist, musste das Komitee aus jungen Politikern vor allem der SVP und der Piraten zugeben, dass erst 21 000 der notwendigen 100 000 Unterschriften vorliegen. Dafür wurden knapp 50 Rappen pro Unterschrift aufgewendet. Das sind nicht zehn Prozent von dem, was andere Komitees für ihre Initiativen ausgeben – ein deutlicher Hinweis auf den Überzeugungsgehalt des Vorhabens. Aber die Zahl der Unterschriften liegt weit unter den Erwartungen.

Jetzt soll ein nationaler Sammeltag am 5. Mai die Wende bringen. Wenn am 6. Mai nicht 30 000 Unterschriften beisammen sind, will das Komitee unter der Leitung von Lukas Reimann die Sammlung einstellen. Das wäre nicht nur jammerschade, sondern auch ein Armutszeugnis für den Souverän. Wenn die Politiker, Parteien und politischen Organisationen die Initiative nicht unterstützen – die natürlich alle von versteckter Lobby-Arbeit profitieren –, dann müssen die Bürgerinnen und Bürger das Heft eben selber in die Hand nehmen.

Die Wirkung einer Politik, die nicht die Interessen des Volkes, sondern verborgener Geldgeber vertritt, ist verheerend. Die Gesundheitspolitik, ein flächendeckendes Ärgernis, wird praktisch ausschliesslich von Lobbyisten der Krankenkassen, Pharmaindustrie, Spitalbetreiber und Ärzteschaft betrieben – und ständig steigen die Kosten schneller als Wirtschaft und Löhne wachsen. Wir haben also alles Interesse, für Transparenz zu sorgen. Wir, nicht die andern. Christoph Pfluger

Wir Schweizer sind zu Recht stolz auf unsere direkt-demokratischen Institutionen. Aber wir sind auch etwas selbstzufrieden und vergessen, dass wir in Bezug auf die Parteienfinanzierung (die von der Initiative allerdings nicht betroffen ist) zusammen mit Schweden das undurchsichtigste Land Europas sind. Und was die Offenlegung der Lobby-Arbeit der Parlamentarier angeht, haben viele Länder sinnvolle Regelungen. In Deutschland beispielsweise müssen die Abgeordneten ihre Einkünfte offen legen. Wer dies nicht will, wie beispielsweise der ehemalige Innenminister Otty Schily, zahlt eine Busse und gibt gleichzeitig zu erkennen, dass er Interessen vertritt, zu denen er nicht öffentlich stehen kann.

Kontakt: Initiativkomitee «Unbestechlich für das Volk», Postfach 569, 9501 Wil SG  www.unbestechlich.ch

Murks – nein danke! Portal gegen Obsoleszenz Je schlechter die Produkte, desto besser für die Wirtschaft – so könnte man die Geschäftspolitik mancher Hersteller beschreiben. Denn Geld macht man vor allem, wenn viel gekauft wird. Und das gelingt am besten, wenn die Ware kurz nach dem Kauf wieder kaputt geht und ersetzt werden muss. «Geplante Obsoleszenz», die bewusste Verkürzung der Lebenszyklen von Produkten, entstand in den 1920er Jahren als Reaktion auf die Wirtschaftskrise. Es begann mit windigen Nylonstrümpfen – damals noch die Ausnahme. Heute haben wir uns an Drucker gewöhnt, die alle drei Monate teure Kartuschen brauchen und alle zwei Jahre ersetzt werden müssen. Stefan Schridde möchte sich nicht mehr mit dieser Abzocke abfinden. Da geplante Obsoleszenz schwer nachzuweisen ist, sieht er die einzige Chance darin, den

Wunsch der Firmen nach einem guten Image zu nutzen. Der Berliner Betriebswirt gründete deshalb sein Portal «Murks – nein danke!», in dem besonders schwerwiegende Fälle veröffentlicht werden. Als Murkser gelten Hersteller, die von besonders vielen Nutzern beim Portal gemeldet werden. Angst vor einer Klagewelle hat Stefan Schridde nicht. «Solche Aufmerksamkeit würde mich sogar freuen.» Für die Zukunft ist der Aktivist optimistisch, denn er registriert «ein zunehmendes Bewusstsein für eine wertorientierte Lebensweise». Dies führe «zu dem Wunsch, sich wieder mehr (und auch persönlich) mit Produkten zu verbinden, indem man diese länger behalten will.» RR www.murks-nein-danke.de

Britische Regierung ent­ lässt 2000 Behinderte Gegen 2000 behinderte Arbeiter verlieren ihre Stelle, weil die britische Regierung die Unterstützung für ihren Arbeitgeber, den staatseigenen Betrieb «Remploy» streicht. Als «barbarisch» bezeichnen die Gewerkschaften den Schritt, bei dem 36 von 54 geschützten Betriebe von «Remploy» bis Ende Jahr geschlossen werden. Arbeitsminister Chris Grayling und Nick Clegg, Parteichef der Liberaldemokraten hatten versprochen, die Betriebe zu erhalten – aber damals waren sie noch in der Opposition. Die Massnahme zeigt, wie tief Grossbritannien im Schuldensumpf steckt. CP

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vollwertig leben

Wer anderer Not lรถst, ist der Erlรถste. Lao-Tse

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vollwertig leben

Der Berg ruft... ... die Städter kommen. Freiwillige absolvieren in ihren Ferien Einsätze in den Schweizer Bergen und helfen mit, das Überleben der Bergwelt und der Bergbauern zu sichern. Ihr Lohn: Ein gutes Gefühl, Zeit für sich und der vielleicht schönste Arbeitsplatz der Welt.   von Sagita Lehner

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m 1. April 2009 ging eine Presse-Ente um die Welt: Schweiz Tourismus suchte per Inserat Felsenputzer. Vogelkot, hiess es, greife das Gestein an, so dass in drei Millionen Jahren von den Schweizer Bergen nichts mehr übrig sei. Innert 24 Stunden gingen 30 000 Bewerbungen ein. Was daran kein Scherz ist: Den Leuten liegt etwas an den Bergen und sie sind bereit, mit anzupacken. Zur Schweiz gehören einige der schönsten Kulturlandschaften Europas. Bergwiesen wie ausgerollte Perserteppiche, pittoreske Dörfer und ausgeschilderte

Wanderwege auf alle Höhen und in jeden Chrachen. Wer aber glaubt, die Natur erhalte das alles selbst, irrt. Auch wenn in den Alpen keine Felsen geputzt werden müssen – Arbeit gibt es immer. Jahr für Jahr strömen viele tausend Freiwillige in die Berge. Angelockt von den ersten warmen Sonnenstrahlen räumen sie die Spuren des vergangenen Winters beiseite, gehen im Hochsommer den Bauern beim Heuen zur Hand und sorgen dafür, dass der Wald im Wald bleibt. Drei dieser Freiwilligen erzählen über Respekt, frische Minze und gebrochene Rippen und beweisen: Arbeiten im Freien macht glücklich!

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vollwertig leben

«Abschalten, eine andere Perspek­ tive kennenlernen und draussen Suppe essen», das zieht Megi immer wieder in den Bergwald. Ein Interesse, das sich scheinbar durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Megi jedenfalls fasziniert immer wieder, wie Hausfrauen, Studenten und Büroangestellte von 18 bis 78 während einer Woche zu einem eingespielten Team zusammenwachsen und dauerhafte Freundschaften entstehen, die halten. Das gemeinsame Interesse schweisse zusammen. «Abschalten, eine andere Perspektive kennenlernen und draussen Suppe essen», das ist es, was Megi immer wieder in den Bergwald zieht. Inzwischen hat sie an einer Ausbildungswoche für Gruppenleiter teilgenommen und führt in ein bis zwei Einsätzen pro Jahr ein Freiwilligen-Team. «Der Wald gibt dir das Gefühl klein zu sein», sinniert Megi. Ein Gefühl, das lange nachwirke. Wenn sie eins gelernt habe beim Bergwaldprojekt, dann den Respekt vor den Wäldern. Megi Conder interessiert der Schnittpunkt Mensch/Natur.

Wenn der Blinde   den Lahmen trägt, kommen beide fort. Sprichwort

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Schnittpunkt Mensch und Natur Megi Conder (26) ist seit sechs Jahren beim BergwaldProjekt. Rigi, Trin und Jaun sind nur drei Beispiele der vielen Wälder, die sie in dieser Zeit kennengelernt hat. Immer der gleiche Ort wäre nichts für sie. Ihr erstes Projekt an der Rigi hat bei Megi trotzdem einen bleibenden Eindruck hinterlassen: die Holzhütte mit Massenlager am Rigi-Nordhang, wo die Sonne zuletzt hinkommt, um den Schnee zu schmelzen. Dort steht der Schutzwald der SBB Gotthardstrecke. «Denen liegt viel daran, dass dort nichts runterkommt», sagt Megi, die sich als Geografiestudentin für den Schnittpunkt Mensch und Natur interessiert. Zwanzig Leute waren sie damals, aufgeteilt in drei Gruppen. Megi genoss es, wenn die Projektleiterin auf dem Weg zum Einsatzort vom Bergwald erzählte und Hintergründe am lebenden Beispiel erklärte. Abwechslungsweise arbeiteten die Gruppen beim Wegbau oder schützen die jungen Bäume mit Draht vor dem Wildtierfrass. 1987, da war Megi knapp zwei Jahre alt, standen in Malans GR die ersten Freiwilligen im Wald. Damals noch unter dem Patronat von Greenpeace, wagte das Bergwaldprojekt erste Schritte. Die Präsenz des Waldsterbens und des sauren Regens in den Medien hatte die Bevölkerung für «ihre» Bergwälder sensibilisiert. Tatsächlich hat sich gerade punkto Luftverschmutzung einiges verbessert, sogar der Wald hat aufgehört zu sterben. Sorgen machen der Wissenschaft heute vor allem die Folgen der Klimaerwärmung, welche die Schutzfunktion des Bergwaldes ernsthaft bedroht. Pflege und Aufforstung bedeutet hier nicht zuletzt, den Lebens- und Erholungsraum Alpen für die Zukunft zu erhalten.

Arbeit mit besonderem Sinn Einen ähnlichen Ansatz pflegt die Stiftung UmweltEinsatz, die in Zusammenarbeit mit Pro Natura einwöchige Arbeitseinsätze anbietet. Die Freude an der Natur soll mit bodenständigem Engagement verbunden werden. Der Beweis, dass sich Arbeit und Erholung nicht ausschliessen, ist Gerhard Aeby (64). Seit über zehn Jahren nimmt er mindestens einmal pro Jahr an einer Projektwoche teil. Die leidige Diskussion über die 270 Franken, die jeder Teilnehmer selbst berappen muss, kennt Gerhard deshalb in- und auswendig. Für ihn steht fest: «Ich habe noch nie so günstig Ferien gemacht.» Wenn er schwere körperliche Arbeit verrichte, setze bei ihm die geistige Erholung ein. Wie bei den Langstreckenläufern, die mit der Zeit richtig laufsüchtig würden. Anfangs waren Gerhards Kollegen beim Tiefbauamt Zürich etwas irritiert. «Schpinnsch, jetzt gasch ä na i de Ferie ga schaffe», neckten sie ihn. Aber Gerhard liess sich nicht beirren. Hoch auf der Alp, ohne Fernsehen, Radio und Zeitung, weg vom Alltag und der hektischen Grossstadt, findet Gerhard Zeit für sich selbst – und für andere. Letztes Jahr leitete er ein Lager im Calfeisental (SG). Auf einer Alp war Entbuschen angesagt, eine Massnahme gegen die Vergandung (langsamer Prozess, der abläuft, wenn Bergwiesen nicht mehr gemäht werden). Mit Motorsäge und Astscheren rückten die Freiwilligen jungen Erlen zu Leibe. Weiden wollten eingezäunt und Wasserleitungen ausgehoben werden: Schwerstarbeit! Gerhard musste lernen, auf seinen Körper zu hören: Gesundheitliche Probleme zeigten ihm schon mehr


Der Berg ruft…

So ein Hof mit Kühen, Kaninchen und drei kleinen Kindern könnte ein ganzes Heer mit Arbeit versorgen.

Ursula Giger mit ‹ihren› Kindern.

als einmal seine Grenzen auf. Vielleicht bewundert er deshalb die Zähigkeit der Bergbevölkerung: «Als mich ein Senn bat, einen Pfosten einzuschlagen, stellte sich heraus, dass er schon die ganze Zeit mit einer gebrochenen Rippe gearbeitet hatte», erinnert sich Gerhard. Diesen Menschen unter die Arme zu greifen und gleichzeitig etwas für den Erhalt der Bergwelt zu tun, erfüllen die Arbeit auf der Alp mit einem besonderen Sinn. «Am Abend ist man kaputt, man schläft gut und es ist ruhig – manchmal fast zu ruhig.»

Es la Hora de Hacer el Bien – das ist die Stunde, Gutes zu tun. Inschrift auf einer argentinischen Turmuhr

Gerhard Aeby auf der Alp Panära im Calfeisental.

Der schönste Arbeitsplatz der Welt Über zu viel Ruhe konnte sich Ursula Giger (41) während ihres Bergeinsatzes nicht beklagen. Sie verbrachte eine Woche bei einer kinderreichen Bergbauernfamilie im Wallis. Ursula packte überall an, wo sie gebraucht wurde – und das war an allen Ecken und Enden: Haushalt, Kinder hüten, Zäune aufstellen, Unkraut bekämpfen und mit der Schubkarre den Misthaufen hoch und runterfahren. So ein Hof mit Kühen, Kaninchen und drei kleinen Kindern könnte ein ganzes Heer mit Arbeit versorgen. Aber: «Am Abend zu sehen, was du gemacht hast, ist ein schönes Gefühl», sagt Ursula. Auf die Idee, einen Freiwilligen-Einsatz zu leisten, kam Ursula über eine Kollegin am Stadttheater Bern, wo sie als Damenschneiderin arbeitet. Sie wird auf Caritas-Bergeinsatz aufmerksam. Die Organisation bietet Städtern die Gelegenheit, ganz in die Lebenswelt der Bergbauern einzutauchen – den möglicherweise schönsten Arbeitsplatz der Welt kennenzulernen, aber auch die rauen Einflüsse der Natur und die finanziellen und personellen Engpässe. Gerade Letztere hilft Caritas-Bergeinsatz zu überbrücken: Bauernfamilien, die Unterstützung brauchen, sei es aufgrund einer Notsituation oder weil die Arbeit einfach nicht mehr zu bewältigen ist, können bei Caritas Hilfe durch Freiwillige beantragen. Die Unterländer arbeiten kostenlos und fahren nicht selten mit unbezahlbaren Erinnerungen wieder nach Hause. Unvergessen bleiben Ursula die Sommernachmittage, an denen sie zusammen mit Bäuerin Sonja und den Kindern aus frischer Minze Sirup kochte. Dass Sonja ihre Kinder ernst nahm und wo immer möglich

Hoch auf der Alp, ohne Radio, TV und Zeitung, findet Gerhard Zeit für sich – und andere.

einbezog, beeindruckte die Freiwillige. «Da hiess es nicht ‹Nein, mit dem Messer schneiden darfst du erst mit zehn›.» Ursula genoss die offene Atmosphäre in der Familie, die sie, eine Fremde, so selbstverständlich bei sich aufgenommen hatten. Auch dieses Jahr hat die Theaterangestellte sechs Wochen Sommerferien und könnte sich einen weiteren Einsatz gut vorstellen. «Bei der Familie Guntern hat mir einfach alles gefallen», schwärmt sie. Allerdings: Ihren nächsten Bergeinsatz würde Ursula gerne auf «einem richtig abgelegenen Hof» verbringen. Das sollte kein Problem sein, wenn möglich erfüllen die Organisationen solch bescheidene Wünsche gerne. Grund zur Dankbarkeit haben sie genug: Gemeinsam haben allein diese drei Freiwilligen letztes Jahr mehr als 200 Arbeitsstunden im Berggebiet geleistet. Einfach so – und weil es nichts Schöneres gibt, als den Himmel über den Gipfeln in einer sternklaren Nacht. Anbieter von Umwelt-Einsätzen: Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz (SUS), Steffisburg, Tel. 033 438 10 24, www.umwelteinsatz.ch Service Civil International: 1000 Workcamps in 60 Ländern. SCI, Pf. 7855, 3001 Bern, Tel. 031 381 46 20. www.scich.org

Caritas-Bergeinsatz, Luzern, Tel. 041 419 22 77, www.bergeinsatz.ch Bergwaldprojekt, Trin, Tel. 081 650 40 40, www.bergwaldprojekt.ch Landdienst: Agriviva, Pf. 1538, 8401 Winterthur, Tel. 052 264 00 30, www.agriviva.ch

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Kurzmeldungen

Bewegung und Besinnung – Schweigewanderungen an Flüssen

«Give Box»:   Reingehen und mitnehmen

«Um etwas zu sagen, ist immer Zeit vorhanden, aber nicht, um zu schweigen», sagte die kubanische Revolutionärin Vilma Espin. Dass wir uns im Alltag Zeit für Besinnungsmomente nehmen, findet auch Roland Stiefel. Der 69-jährige ehemalige Gymnasiallehrer hat sich ein Leben lang mit Wörtern und Sprache beschäftigt, komplementär kam das Schweigen hinzu. Eines Tages hatte er die intuitive Eingebung, Schweigewanderungen durchzuführen. Mit Fürbitten für Tiere in Not will er die Energie dorthin richten, wo sie gebraucht wird. Seit zehn Jahren organisiert Roland Stiefel nun «Schweigewanderungen an Flüssen». Für ihn

Wie das eigene Zimmer, nur ordentlicher – das ist die «Give Box»in Berlin. Einfach gezimmerte, begehbare Schränke im öffentlichen Raum, gedacht zum gemeinsamen Gebrauch. Die paradiesisch anmutende Idee ist einfach: Alles, was man nicht mehr braucht, aber zu schön zum Wegwerfen ist, wird in der «Give Box» hübsch einsortiert. Läuft alles nach Plan, finden die ungeliebten lila Turnschuhe und die Keramikpfanne schon in den nächsten Stunden eine neue Besitzerin. Einfach reingehen und mitnehmen. Aufpasser und Kameras gibt es nicht. Das Konzept basiert auf zwei Regeln: 1. Steht ein Gegenstand nach zwei Wochen noch herum, muss er wieder mitgenommen werden. 2. Dinge aus der «Give Box» dürfen nicht weiterverkauft werden. In einem Gästebuch darf sich der Beschenkte beim anonymen Schenker bedanken. Besonders schön: Inzwischen wird die «Give Box» auch zum Teilen benutzt. So kann man zum Beispiel einen Teil seiner DVD-Sammlung «auslagern» und sie so der Nachbarschaft zugänglich machen. SL

Wer kommt denn da stracksknacks daher? Es ist Herr Betz, der Langbeinheerr. Er macht extra so grosse Schritte, dass er die Käfer nicht zertritte.

eine Berufung: «Ich bin überzeugt, damit etwas zu bewirken». Viel braucht es dafür gar nicht: Man geht gemeinsam schweigend entlang eines Flusses, begleitet von Ritualen, Texten und Klangschalen. «Schweigewanderungen können das elementare glückhafte Gefühl von Verbundenheit vermitteln. Das Bewusstsein von Zusammengehörigkeit mit allem, was lebt, gibt dem menschlichen Leben Halt und Sinn», sagt Roland Stiefel. Bis Ende Jahr finden in der ganzen Schweiz Wanderungen statt, das Programm findet man auf der Webseite. Ob man nun eine Stunde oder drei schweigend wandern möchte, entscheidet jeder selbst. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zudem ist jeder herzlich eingeladen, jeweils am Sonntag zwischen 11.00 und 11.05 Uhr zu schweigen und in Fürbitte für andere zu treten – ganz egal, wo man gerade ist. BM Aus den Schweigewanderungen sind in Zusammenarbeit mit dem Nebelspalter-Cartoonisten Jürg Furrer ein Karten-Set, ein Kinderbüchlein sowie CDs und Broschüren entstanden, die das Anliegen weitertragen. Kontakt: Roland Stiefel, 5022 Rombach, Tel. 062 822 54 62, www.schweigewanderungen.ch

Impfen: Die Kritik ist in der Defensive Hinter der Impfung steht die Idee, durch eine künstlich erzeugte Krankheit dauerhaft Antikörper zu bilden. Die Idee ist überzeugend, aber die Natur funktioniert oft anders. So zeigt die einzige langfristige Vergleichsstudie eine höhere Sterblichkeit der Geimpften (aus Guinea-Bissau; Peter Aaby et al.). Impfstoffe werden heute bereits bei einer signifikanten Vermehrung der Antikörper freigegeben und nicht wie Medikamente, wenn ihre Wirkung bewiesen ist. Die Kritik an der stark wachsenden Impfindustrie ist deshalb nicht zum Schweigen zu bringen, auch wenn sie Mühe hat, in den medizinischen Mainstream einzudringen. Als Konsequenz des verbreiteten Widerstands gegen die Blauzungen-Impfung wurde vor kurzem das Tierseuchengesetz verschärft. Die Impfkritiker sehen darin eine Vorstufe zum auch

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für Menschen geltenden Impfzwang und haben das Referendum ergriffen. In der Hauptsache geht es aber um die anstehende Revision des Epidemiegesetzes, das ebenfalls die Einführung des Impfzwangs vorsieht. Dies steht denn auch im Zentrum des Schweizerischen Impfforums 2012 vom 19. Mai in Weinfelden. Es bringt Vorträge u.a. zu diesen Themen: Die Seuchen-Erfinder; Impfen, ein Spiel mit dem Feuer; Grundlagen für den ganzheitlichen Impfentscheid und das Wissen der Ärzte zum Thema Impfen.  CP

Impfforum 2012, 19. Mai,Thurgauerhof, Weinfelden. 9.00 – 17.30 Uhr. Anmeldung: Netzwerk Impfentscheid N.I.E., Rosshag 1, 9470 Buchs. http://impfentscheid.ch Das Referendum gegen das Tierseuchengesetz läuft noch bis zum 27. Juni. Unterschriftenbogen sind bei N.I.E. erhältlich und können von der Website des Netzwerks heruntergeladen werden.

Quelle: sein.de

Besonderes Gemüse   für spezielle Gärtner

Gärtnern ist in, und das längst nicht nur bei Hausfrauen und Rentnern. ProSpecieRara, die Stiftung zur Erhaltung der genetischen Vielfalt bei Kulturpflanzen und Nutztieren, stellt mit Freuden fest, dass sich auch immer mehr unter 30-Jährige dafür begeistern, auf dem Balkon, in Gemeinschaftsgärten oder im Garten der Eltern ihr eigenes Gemüse anzupflanzen. Dabei wird viel Wert auf Sorten gelegt, die gut schmecken, besonders aussehen und deren Saatgut im nächsten Jahr wieder verwendet werden kann. Pro specie rara organisiert jeden Frühling mehrere Setzlingsmärkte, den grössten auf Schloss Wildegg/AG. Die Setzlingsanzucht eignet sich auch für den Balkon. Wer zum Gelingen noch etwas Nachhilfe braucht, kann sich in Kursen das nötige Wissen aneignen. MK Setzlingsmarkt Wildegg: 5. und 6. Mai 2012, Schloss Wildegg (9 – 17 Uhr) Daten zu Kursen und Setzlingsmärkten: www.prospecierara.ch


Bärendienste für die Umwelt:   der «Ökofimmel» Nein, Alexander Neubacher ist keine bekennende «Umweltsau». Der Autor von «Ökofimmel» liebt sein Fahrrad, kauft im Bioladen ein und trennt seinen Müll, wie es sich gehört. Einige Recherchen hinter den Kulissen der Umwelt-Correctness haben ihn jedoch stutzig gemacht: Joghurt-Becher, die der Verbraucher aufwändig spült, werden am Ende verfeuert. Energiesparlampen enden als giftiger Sondermüll. Und für E10-«Biosprit» werden Wälder gerodet. Sogar der berühmte Eisbär auf der schmelzenden Scholle ist ein Mythos. Heute leben in der Arktis fünfmal mehr Bären als noch vor 60 Jahren. Ironisch entlarvt der Autor die Kultur der «Lohas», wohlhabender Öko-Musterknaben mit Hang zum belehrenden Tonfall. Umweltschutz ist nach Analyse des Autors vielfach sogar Religionsersatz. Wenn etwa vom «Umweltengel» die Rede ist oder Kirchenglocken für den Klimaschutz bimmeln. Für «Umweltsünder» gibt es einen Ablasshandel, und die schuldige Menschheit steuert verdientermassen auf die Öko-Apokalypse zu. Sogar eine neue «Öko-Stasi» fürchtet der Autor, wenn z.B. Kinder von Berliner Grünen zu «Klimadetektiven» ausgebildet werden. Man kann über einige Thesen anderer Ansicht (oder anders informiert) sein und Neubacher Übertreibung vorwerfen. Sein unbestreitbares Verdienst: Er zwingt uns, genauer hinzuschauen. Es ist nicht alles «grün», was sich selbst dieses Etikett aufpappt. Ein Denkanstoss, den man nur falsch versteht, wenn man ihn als Freibrief für Öko-Ignoranz betrachtet. RR Alexander Neubacher: Ökofimmel – wie wir versuchen, die Welt zu retten und was wir damit anrichten. Spiegel-Buch 2012, 272 S., Fr. 28.90 / 19,99 Euro

Neustart Basel –   die Bewegung diversifiziert Seit dem ersten Treffen der Neustart Schweiz Regionalgruppe Basel im Juni 2011 kamen in den letzten neun Monaten regelmässig etwa 20 Personen zusammen. Es entstanden verschiedene Arbeitsgruppen, Netzwerke und Projekteingaben, die sich ständig weiter entwickeln und konkretisieren. Der Prozess ist in vollem Gange und erreicht eine breite Resonanz im Raum Basel, auch über die Kantonsund Landesgrenzen hinweg. Aus dem Bedürfnis, lokal-regional und direkt agieren zu können, wurde am 28. März 2012 ein eigenständiger Verein «Neustart Schweiz – Regio Basel» gegründet. Der Verein versteht sich als eine Plattform für Personen und Gruppen, die sich interessieren und einsetzen wollen für: • vielfältige Nachbarschaften als selbständige wirtschaftliche und soziale Organismen mit Nachbarschaftszentren • eine Stadt-Land-Verknüpfung durch Zusammenarbeit mit Landwirtschaftsbetrieben in der Umgebung • transparente politische Mitwirkung in allen Lebensbereichen • eine erhöhte Eigenversorgung • das Schaffen und Erhalten von Allmendflächen • kooperative Allianzen im länderübergreifenden Agglomerationsraum. Für Interessierte finden die Plenumstreffen jeweils an einem Dienstagabend um 18.30h an wechselnden Orten in Basel statt. Für den 7. Juni 2012 ist ein Sommerfest im Kannenfeldpark in Basel geplant. Barbara Wenk http://neustartschweiz.ch/regionalgruppen/basel

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Kurzmeldungen

Ich bin auch ein Auto Kühe, Autos, Fahrräder, die sich eine Strasse teilen. Was nach Chaos klingt, beruhigt in Wahrheit den Verkehr. Auf Strassen und Plätzen mit Mischverkehr passieren relativ wenig Unfälle, denn da die Situation für alle Verkehrsteilnehmer schwieriger zu erfassen ist, ist auch die Aufmerksamkeit höher. In der Berner Markgasse z.B. suchen Trams und Trolleybusse ihren Weg durch Passanten. Das örtliche Gewerbe forderte eine Verlegung des öffentlichen Verkehrs – aus Sicherheitsgründen. Doch in den umliegenden Hauptstrassen ist die Unfallzahl wesentlich höher. In die gleiche Richtung zielt auch die verbreitete Annahme, das Landleben sei, gerade für Kinder, sicherer. Nicht in den

verkehrsreichen Städten, sondern auf dem Land werden Kinder häufiger in schwere Unfälle verwickelt. Gemäss Verkehrsstatistik sind Verkehrsteilnehmende in den Bergkantonen Uri und Graubünden den grössten Risiken ausgesetzt. Dies, weil auf dem Land die «kritische Masse» fehlt und schwächere Verkehrsteilnehmer gerne übersehen werden. Leidtragende sind Fussgänger und Velofahrer. Die Zahl der Opfer von Velounfällen ist seit 1980 um 40 Prozent gestiegen, obwohl die Zahlen der Verkehrsopfer in der Schweiz insgesamt rückläufig sind. Die Umweltorganisation «umverkehR» fordert in einer Petition, die Sicherheit dieser beiden Gruppen ernster zu nehmen. Dazu braucht es klar getrennte Wege für Fuss-, Velo- und

Autoverkehr, so dass die schwächeren Verkehrsteilnehmenden sicher unterwegs sind. Grosse Städte wie Amsterdam oder Kopenhagen zeigen, dass dieses System zum Wohle aller funktionieren kann.  BM Informationen zur Petition: www.umverkehr.ch oder Tel. 044 242 72 76 «umverkehR» entstand vor zwanzig Jahren mit der Idee, den Autoverkehr zu halbieren. Die Organisation ist parteipolitisch unabhängig und fordert sanfte Mobilität, autofreie Tage und will Gleichberechtigung zwischen den Verkehrsteilnehmenden. Der Verkehr ist in den Jahren zwar nicht weniger geworden, doch es gab Erfolge wie Avanti nein, Städte-Initiativen etc., kurz, es kam Bewegung in die Sache. Anlass genug, den 20. Geburtstag am 30. Juni 2012 mit einem grossen Fest in der Winterthurer Altstadt zu feiern. Jubiläumsfest: Samstag. 30. Juni ab 14 Uhr in der Winter­ thurer Altstadt, ab 16 Uhr in der Esse-Bar, Rudolfstrasse 4, Winterthur

Die Regenmacher Bei «Desert Greening» denken viele an Bewässserungsanlagen, im Sand vedunstende Feuchtigkeit und erneute Dürre. Maljid Abellaziz nicht, er dachte an den «Cloudbuster». Die von Wilhelm Reich entwickelte Apparatur regt den Energiefluss zwischen Himmel und Erde an und trägt so zum natürlichen Gleichgewicht der Elemente bei. Die Kontakte mit Vertretern der «Neuen Physik» während seines Ingenieurstudiums in Berlin inspirierten den gebürtigen Algerier, der Dürre in seinem Heimatland mit naturnahen Technologien entgegenzuwirken. Davon, dass die meisten dieser Methoden von der Fachwelt als «nicht bewiesen» belächelt werden, liess sich M. A. nicht beirren. Und der Erfolg gab ihm Recht: Seit dem Beginn

seines Projekts «Desert Greening» 2004 stieg der Grundwasserspiegel von Danjan im Süden Algeriens um 30 Meter an. Im Umkreis von 150 Kilometern bildete sich ein lebendiges Mikroklima und erstmals, nach vielen Jahren grauer Schleierwolken, zeigten sich nachts wieder Sterne am Himmel. Nun soll in Danjan ein Siedlungsprojekt entstehen. Für die Bungalows hat Abellaziz «EarthBags» im Visier, mit Erde oder Naturstein gefüllte Nylonsäcke, die mit Lehm verputzt werden. 25‘000 Euro kostet ein solches Haus in der Wüste. Das Ungewöhnliche daran: Wer einen Bungalow kauft, wird damit nicht zum Besitzer. Einzig lebenslanges Wohnrecht hat er auf sicher. Das macht Sinn, denn die 400 Jahre Lebensspanne eines «Earth

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«Wir haben uns ins Zeug gelegt und waren sehr fleissig, um die Wüstenbegrünung weiter zu verwirklichen.»

Bag»-Hauses wird wohl niemand absitzen können, auch wenn man sich inzwischen Dank dem «Cloudbuster» in Danjan im Paradies wähnen könnte.  SL www.desert-greening.com

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40 JAHRE BIOFARM Biofarm: 40 Jahre mit Schweizer Biobauern für gesunde und innovative Bio-Produkte

Vor 40 Jahren begannen die Pioniere von Biofarm, mit der Entwicklung von Geräten zur Unkrautregulierung den Biolandbau voranzubringen. Später vertrieben sie Haushalt- Getreidemühlen und bald engagierten sie sich bei der Vermarktung der Erzeugnisse von Schweizer Biohöfen.

Das zentrale Anliegen der Biofarm-Genossenschaft mit ihren rund 500 Biobäuerinnen und -bauern ist die Wertschätzung der Leistungen der Biolandwirtschaft: Faire Preise für gesunde, nachhaltige Bioprodukte.

Zusammen mit den Biobauern und Verarbeitern will Ihnen die Biofarm eine grosse Vielfalt an gesunden, einheimischen Bioprodukten anbieten und begleitet dabei die Produktion vom Acker bis auf den Teller.

Um die Vielfalt auf Schweizer Bio-Äckern und -Obstgärten zu fördern, entwickelt Biofarm zusammen mit Biobauern, Forschenden, Beratern und Verarbeitern den Anbau ‹neuer› Kulturen wie z.B. Lein, Hirse oder Speisehafer. Diese Kulturen sind eigentlich nicht ‹neu›, nur ist das Wissen um ihren Anbau und die Verarbeitung verloren gegangen.

Unsere Produkte finden Sie im Reform- und Biofach­ handel. Für weitere Eindrücke, empfehlen wir Ihnen unsere Homepage und unseren Webshop.

Biofarm Genossenschaft Beim Bahnhof, 4936 Kleindietwil Telefon 062 957 80 50 info@biofarm.ch / www.biofarm.ch

Solarenergie als Türöffner Die Einsicht ist einfach: Schlecht ist die zentralisierte, auf viel Verbrauch ausgelegte Energieproduktion in Händen von Konzernen, weil für künftige Generationen desaströs. Gut dagegen wäre eine bedürfnisorientierte, auf erneuerbaren Energien beruhende regionale Energieversorgung. Gegen Atomenergie zu sein ist einfach (und seit Fukushima sogar im Trend). Indes vom Protest zum Real-Test zu kommen, d.h. den Wandel tatsächlich zu tun, ist in der Schweiz bereits schwierig (gute Ansätze sind z.B. Energiedörfer und energieautarke Regionen, www.stromvonhier.ch). Aber noch schwieriger ist es in den sog. Entwicklungsländern, wo in der Regel fossile Monopolisten dominieren.

Und schier unmöglich, erneuerbare Energien armen Menschen zugänglich zu machen. Musst du 80% des Einkommens für Ernährung ausgeben, bleibt dir kein Geld für Solarinvestitionen. Entgegen dem Glaubenssatz, Subventionen seien stets verwerflich, gibt es Projekte, die Solarenergie für Arme verbilligen, z.B.: «Community based Development» – Solarenergie als Türöffner für eine bevölkerungsgewollte, kommunale nachhaltige Entwicklung im ‹Testland› Kamerun: greenpeace.ch/klimakarawane.   Die «Solar-Frauen» in Nicaragua unterstützen, z.B. indem Organisationen ein cleveres Kundengeschenk aus solar getrocknetem Tee ordern: nicasolar.org. Laptop oder Natel solar betreiben und «Jugend-Solaranlagen» in Afrika fördern: www.solarvignette.ch.

PfadfinderInnen bauen eine subventionierte Solarlampe zusammen (die Kenia-Lampe gibt›s auch im Bausatz)

Und solafrica.ch: Gesucht sind private SubventionsgeberInnen, um Solargeräte für Arme erschwinglich zu machen. Z.B. die Aktion «1 für 2»: Du bezahlst zwei schöne, in Kenia produzierte Solarlampen, bekommst aber nur eine. Die zweite geht an ein kenianisches Kind, das dafür statt 40 «nur» 10 Franken bezahlen muss. Weitere Informationen bei: Solafrica.ch, Bollwerk 35 3011 Bern, www.solafrica.ch, info@solafrica.ch

Schweizer Bergheimat – gemeinnütziger Verein

                 Eine kleine Erfolgsgeschichte gegen den allgemeinen Trend in Landwirtschafts- und Geldpolitik, aktiv in Tierhaltungs- und Umweltfragen.  Die Idee entstand vor bald 40 Jahren und ist seither kontinuierlich gewachsen. Sympatisanten stellen der Schweizer Bergheimat zinslos Geld auf Vertragsbasis zur Verfügung. Dieses Geld wird auf Gesuch hin und nach eingehender Prüfung, ebenfalls als zinsloses Darlehen (max. Fr. 100 000.-) an Bio-Betriebe im Berggebiet, in einer Art Rotationsfond, weitergegeben. Mit den jährlichen Amortisationen dieser Höfe können weitere Gesuche unterstützt werden. In der Zwischenzeit machen Spenden und Legate ein ansehnliches Vereinsvermögen aus, das

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 für innovative Bio-Bergbauern und -Bäuerinnen

wiederum in Umlauf gegeben wird. Zurzeit bestehen über 80 Verträge mit Darlehensnehmer-Innen. Vereinzelt können auch à fond perdu-Beiträge ausgerichtet werden z.B. als Starthilfe, bei «Ungfehl» in Hof und Stall (Pechvogelfonds), für tiergerechte Stallumbauten für behornte Tiere (Hörnerfonds) oder für Solaranlagen auf den Höfen. Die Geschäftsstelle führt einen Pool von Betriebshelferinnen und -Helfern zum Einsatz in den Betrieben, was ebenfalls teilweise finanziell unterstützt wird.   Bei der Schweizer Bergheimat sind nicht einfach «nur» Bio- Bergbauern dabei, sondern viele wirkliche Idealisten, die es aus Überzeugung tun. Darum sind viele innovative, Bauernhöfe darunter, welche neue Ideen und vielseitiges Leben ins Berggebiet brachten und bringen.

Der Verein wird getragen durch rund 1 200 Mitglieder aus der ganzen Schweiz, davon über 300 Bio-Bergbauern­ betriebe. Der ehrenamtliche Vorstand, bestehend aus den Regionalbetreuerinnen und -Betreuern, die den uns sehr wichtigen persönlichen Kontakt mit den Betrieben pflegen, legt jährlich der Mitgliederversammlung Rechenschaft ab. Informiert wird auch über die Vereinszeitschrift «Bergheimat Nachrichten». Unterstützt werden kann die Organisation durch Mitgliedschaft, Darlehen, Schenkungen oder der Mithilfe auf Bauernhöfen.   Mehr unter www.schweizer-bergheimat.ch.


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Horizonte erweitern

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Horizonte erweitern

Reise mit Risiken Der spirituelle Weg ist vielleicht kürzer geworden, aber leider nicht einfacher. Einer einzigen Lehre, dem richtigen Meister zu folgen, führt für   die wenigsten Menschen zur Wahrheit. Aber deswegen zuhause bleiben?    von Katharine Ceming

F

rüher war bekanntlich alles besser und ging auch irgendwie leichter. Als spiritueller Sinnsucher setzte man sich vor den Tempel oder die Hütte des erwählten Meisters und wartete einige Jahre, bis der einen beachtete und als Schüler annahm. Dann liess er einen Jahre und Jahrzehnte lang die unangenehmsten Dinge tun, und ehe man es sich versah, war man alt, krank – und plötzlich erleuchtet, weil die Egostruktur auf einmal kollabiert war.

Der spirituelle Weg wurde sehr oft nur als Kampf gegen das Ego, die Triebe, den Körper etc. gesehen. Je härter und asketischer er geführt wurde, als umso erfolgsversprechender galt er. Die Seele ist das Schiff, die Vernunft das Steuer und die Wahrheit der Hafen.  Aus der Türkei

Risiken für die psychische Gesundheit Dieser klassische spirituelle Weg scheint heute nur noch in den seltensten Fällen zu funktionieren und dann auch eher bei Menschen aus traditionellen spirituellen Kulturen. Für uns Westler gestaltet sich die Suche nach dem richtigen Weg immer schwieriger, weil das Angebot immer grösser wird. Die Suche nach der wahren Methode oder dem richtigen spirituellen Lehrer gleicht dem Einkauf vor einem endlosen Regal mit Marmeladen – wir müssen uns zwischen 30 verschiedenen Herstellern und 50 verschiedenen Geschmacksrichtungen entscheiden. Während aber der Griff zur falschen Marmelade keine weitreichenden Folgen hat, kann der Griff zum falschen Meister schwer auf die psychische Gesundheit schlagen. Vor allem wenn der Meister selbst zur Übergriffigkeit bei seinen Schülern und Schülerinnen oder deren Kindern neigt. Im spirituellen Bereich gilt daher die alte Devise «Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch was Bess’res findet!» Woher weiss ich nun aber, ob der Mensch, den ich mir zum geistigen Wegweiser auserwählt habe, oder die erwählte Methode auch wirklich zu

mir passt? Grosse Enttäuschung: Eine Garantie gibt es dafür nie! Es gibt weder einen Meister- noch Methoden-TÜV. Selbstverantwortung und eine kritische Grundhaltung, die spirituell begeisterten Menschen anscheinend schwerer fällt als dem Rest der Menschheit, sind unverzichtbar. Selbstverantwortung Zugegeben: Viele spirituelle Traditionen haben ein grosses Problem, wenn ihre Anhänger Selbstverantwortung übernehmen und nicht mehr bereit sind, formbar wie Wachs in den Händen des Lehrers zu sein, was ja gemäss den traditionellen Lehren das typische Schülerverhalten sein sollte. Die Bereitschaft, den eigenen Willen aufzugeben und sich der religiösen Lehre zu überlassen, wurde in der Geschichte der Spiritualität als Notwendigkeit des Ego-Transformationsprozesses angesehen. Vielleicht mag diese Methode in vergangenen Zeiten, in denen der Gedanke der Individuation eher unbekannt war, ihre Berechtigung gehabt haben, heute passt sie kaum mehr. Genauso wenig wie die Überzeugung vieler spiritueller Bewegungen «Was mich nicht umbringt, macht mich stark!» Der spirituelle Weg wurde sehr oft nur als Kampf gegen das Ego, die Triebe, den Körper etc. gesehen. Je härter und asketischer er geführt wurde, als umso erfolgsversprechender galt er. Es geht mir hier nicht darum, eine Wohlfühl- und Wellness-Spiritualität zu propagieren, doch wenn wir die Quantenphysik ernst nehmen, nach der die Wirklichkeit eins und ungeteilt ist, dann ist auch unser Körper Teil dieser Wirklichkeit. Der Kampf gegen sich und den eigenen Körper führt damit eher nicht zu einem gesunden ganzheitlichen Sein. Je nach Charakter der richtige Weg Ob wir nun Spiritualität als Kampf mit und gegen uns oder als Weg des Zulassens auffassen, hängt natürlich massgeblich von unserer Persönlichkeitsstruktur ab. Wem Verständnis und Einsicht und Einsehen wichtig sind, wird sich vermutlich einer philosophisch ausgerichteten Spiritualität zuwenden, während

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Horizonte erweitern

Ich habe immer wieder betont, dass es keine Rolle spielt, aus welcher Quelle Sie das Wasser schöpfen, solange es rein ist und solange das Wasser den Durst der Menschen löscht.  Krishnamurti

die Emotionaleren eher den Weg von persönlicher Hingabe und Gefühlsbetonung wählen werden. Dazu kommt die Selbstwahrnehmung. Wer vom eigenen Können überzeugt ist, wird auf dem Weg zur Erfahrung auf göttliche oder kosmische Hilfe eher verzichten, als jemand, der das eigene Scheitern immer wieder als schmerzvoll und destruktiv erfahren hat. Menschen, die sich Transzendenz personal vorstellen, werden sich einem der klassischen theistischen Systeme verbunden fühlen, während diejenigen, die das Apersonale eher anspricht, einen Weg wählen, in dem nicht die persönliche Gottesbegegnung im Mittelpunkt steht. Für welchen Weg man sich letztlich entscheidet, hängt in der Regel von der eigenen Ausgangsbasis ab. Wer sich um all diese Fragen weniger kümmert und einfach loslegt, indem er verschiedene Wege und Lehrer ausprobiert, dessen Wahl wird wahrscheinlich vom Sympathiefaktor eines Lehrers und der guten Umsetzbarkeit einer bestimmten Methode beeinflusst.

Dieses Vorgehen wird in den klassischen Lehren argwöhnisch beobachtet. Dort herrscht die Vorstellung vor, einen einmal gewählten Weg nicht mehr zu verlassen, da sich nur durch die konstante Einübung Erfolge einstellen. Sicher bedarf der spirituelle Weg einer Konstanz. Allerdings bedienen verschiedene Methoden auch unterschiedliche Bereiche des psychischen und spirituellen Erlebens und Empfindens – das nebeneinander Praktizieren von unterschiedlichen Techniken muss nicht primär schlecht sein. Entscheidend ist letztlich, sich bewusst zu machen, was man erreichen will. Geht es mir um die Erfahrung von besonderen und aussergewöhnlichen Bewusstseinszuständen oder darum, gelassener zu werden? Möchte ich meinen Energiekörper erfahren, oder soll mein Leben tiefer und beglückender werden? Will ich eine radikale Transformation, oder will ich Zeuge im reinen Gewahren sein? Oder will ich alles zusammen und am Schluss gar nichts mehr, weil ich nicht einmal mehr wollen will?

Einer für immer für alles? In der spirituellen Szene begegnet uns zudem ein relativ neues Phänomen: Menschen probieren verschiedene Methoden aus, kombinieren sie und greifen je nach Lebensphase auf die eine oder andere zurück.

Katharine Ceming (41) promovierte in Philosophie zu Meister Eckhart und Johann Gottlieb Fichte und in Theologie zum Verhältnis von Menschenrechten und Religion. 2008 erhielt sie den Mystikpreis der Theophrastus Stiftung. Sie lebt als freie Seminarleiterin und Publizistin in Augsburg. www.quelle-des-guten-lebens.de

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Gartenskulpturen von Horizont Art «Horizont Art» ist Ueli Pfister, ein Einmannbetrieb. Seine Vielseitigkeit ist seine Stärke! Im Moment winkt der Frühling und es entstehen u.a. «Frosch auf der Kugel», Grasgnome, Hühner, «die drei Affen», Pilze etc.aus wetterfestem Betonguss. Alles sind witzige Figuren für den Garten. Seine Erfindung der «TAB», der ergonomische Betonhocker, lädt zum Verweilen ein. Pfister ist Künstler und Handwerker. Als ehemaliger Werklehrer ist er multitalentiert, bearbeitet fast jedes Material und kennt viele Techniken, sei es im Gestalten, Malen oder Modellguss. Er löst gerne kniflige Aufträge für Kunden! Auch gibt er seine jahrelange Erfahrung in diversen Kursen weiter. Horizont Art ist in Kerzers zentral gelegen.

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Burnout - Eine Gesellschaft ist ausgebrannt Die heutige Leistungsgesellschaft fordert immer mehr Opfer. Burnout ist mittlerweile zu einer salonfähigen Diagnose mutiert, welche alle betrifft. Vom Facharbeiter bis zum Manager, vom Spitzensportler bis zur Mutter. In unserer globalen Gesellschaft sind Unternehmen einer weltweiten Konkurrenz unterworfen und der grösste Kostenfaktor im Unternehmen ist und bleibt das Personal. So wird auch jeder Mitarbeiter mit allen anderen Fachkräften weltweit auf die Waagschale geworfen und «muss» sich mit diesen messen.

Dabei ist Leistungsdruck und Lebenskampf keine Einbahnstrasse, die in einer Sackgasse mündet. Es gibt immer eine Ausfahrt. Wichtig ist zu verstehen, weshalb ich mich als Person diesem Leistungsdruck unterwerfe und wieso die heute sehr materialistischen Messwerte in meinem Leben als Erfolgsfaktor gelten.   Wer im Einklang mit sich selber handelt, wird im Leben auch erfolgreich sein ohne auszubrennen und dabei einen wertvollen Beitrag leisten, für eine harmonische Gesellschaft.

If you think you are too small to make a difference, try to sleep in a closed room with a mosquito... African proverb

www.scich.org Mit dem Service Civil International weltweit an sozialen, friedensfördernden oder ökologischen Einsätzen teilnehmen.

Es ist Zeit umzudenken!

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ZeitpunkT-

Jubiläumsfest   & Vernetzungstreffen Komturei   Tobel, 30. Juni / 1. Juli Liebe Leserinnen und Leser Damit es gleich gesagt ist: Sie sind die Hauptsache, Sie sind der Inhalt des Gefässes, das in diesem Jahr 20 Jahre alt wird. Wir feiern nicht nur die Volljährigkeit, sondern auch einen neuen Lebensabschnitt, in dem wir der direkten Vernetzung der Leser mehr Raum geben möchten. Am Jubiläumsfest soll es neben dem Feiern viel Zeit und Raum für Austausch und Vernetzung geben. Wir wünschen uns viele Begegnungen, neue Freundschaften und vielleicht auch Initiativen – auf jeden Fall aber eine wirklich gute Zeit in der Mitte des Jahres! Wir hoffen, dass es jedes Jahr ein solches Fest gibt und wir freuen uns, wenn Sie schon beim ersten Mal dabei sind.

Programm

Die Komturei in Tobel (15 Bahnminuten von Wil/SG) ist ein ausserdentlich schöner Kraftort, verfügt aber über relativ wenig Infrastruktur. Aber: für alle Bedürfnisse wird auf relativ tiefem Komfortlevel gesorgt. Die Übernachtungsmöglichkeiten im Pilgerhaus und in den Zellen sind ausgebucht. Zur Verfügung stehen noch Gruppenschlafräume (im eigenen Schlafsack, Fr. 30.-) und ein Zeltplatz auf dem Gelände.

Samstag, 30. Juni 11.00 Begrüssung, Apéro und Führung durch das Gelände 12.00 Mittagessen 14.00 – 16.00 Workshops Block A und AB 16.30 – 17.30 Workshops Block B und AB 18.30 Nachtessen 20.00 «Festakt» 21.00 «Flashgarden», nach eigenen Angaben die beste Coverband der Schweiz 23.00 Disco

50 Zeitpunkt 119

Das Fest ist mit Ausnahme der Konsumationen und der Übernachtung kostenlos. Die einzig akzeptierte Währung ist das eigens für das Fest geschaffene Zeitpunkt-Festgeld, der «Festo». Sie können den Festo gegen Schweizer Franken erwerben und nach Abschluss des Festes eins zu eins gegen Schweizer Franken tauschen oder damit noch ein Jahr lang Zeitpunkt-Geschenkabos oder Publikationen der Edition Zeitpunkt bezahlen. Ob wir Spenden in Festo zur Deckung des Defizits brauchen, wissen wir kurz vor Ende des Festes. Die auf der gegenüberliegenden Seite aufgeklebte Einladung (nur für Abonnenten) ist gleichzeitig Festgeld im Wert von 20 Festo. Sie können den Schein für Konsumationen verwenden (oder ihn am Fest umtauschen). Die Jubiläums-«Festbank» wird für eine ordnungsgemässe Abwicklung besorgt sein. Eine Anmeldung ist erwünscht, aber nicht nötig. Für eine seriöse Planung müssen wir die Besucherzahlen einigermassen zuverlässig einschätzen können. Aktuelle Informationen über das Jubiläum finden Sie jederzeit unter www.zeitpunkt.ch/festzeit Für uns heisst es jetzt: Ärmel hochkrempeln. Und für Sie: Anmeldung im Umschlag ausfüllen und die Vorfreude geniessen.  Herzlich  Ihr Zeitpunkt

Sonntag, 1. Juli 9.00 – 11.00 Jazz-Brunch 11.00 Open space 13.00 «Vollversammlung» mit Vorstellung verschiedener Initiativen, anschl. Open space und Snacks 15.00 «Aufräumspiel» und Abschluss


20 Jahre Zeitpunkt Jubiläumsfest

Block A, 14.00 bis 16.00 Uhr A1 Dr. med. Christian Larsen: Spiraldynamik® – vier Millionen Jahre Evolutionsgeschichte im Taschenformat, um nachhaltig schmerzfrei und beweglich zu bleiben Spiraldynamik ist ein anatomisch begründetes Bewegungs- und Therapiekonzept, eine Gebrauchsanweisung für den eigenen Körper von Kopf bis Fuss. www.spiraldynamik.com A2 Fred Frohofer: NeustartNachbarschaften entwickeln Wenn wir in gut vernetzten Nachbarschaften zusammen haushalten, ist eine Ressourcen schonende Lebensweise möglich, welche zudem die Lebensqualität aller erhöht. Wie das einfach zu erreichen ist, zeigt der Workshop auf. www.neustartschweiz.ch A3 Manuel Lehmann: Occupy und der Bewusstseinswandel Was treibt die Bewegung an, wie funk-

tioniert sie im Innern, wieso verzichtet sie bewusst auf konkrete Forderungen und was hat sie erreicht? Wie spielt sich der aktuelle Wandel ab und welche Rolle spielen Zivilgesellschaft und Protestbewegungen? www.spenglerei-winterthur.ch A4 Carmen Zanella: Gandhis Philosophie – aktuell wie nie Erfahren Sie, wie Gandhis zeitlose Prinzipien der Gewaltlosigkeit in un­ser Alltagsleben integriert werden können. A5 Hermann Taschler: Die Probleme des menschlichen Lebens Der Ursprung sämtlicher Schwierigkeiten des menschlichen Lebens (Beziehungsprobleme, Ängste, Leid, Konflikte, Krankheit, Beruf usw.) www.seidasdubist.ch A6 Ursula Glaus: Meditation des Tanzes – Sacred Dance Wir tanzen im Kreis nach Choreogra-

phien von Friedel Kloke-Eibl. Es sind fröhlich heitere und ruhig besinnliche Tänze nach klassischer Musik. Dazu gehören auch Folklore-Tänze aus dem  Balkan.  A7 Susanne Tobler: Schule als Ort der Musse – Einblick in eine mögliche Form einer Schule der Zukunft Das Zusammenleben mit Kindern an der Monterana Schule in Degersheim dreht sich um die eine Frage: Was brauchen Kinder von uns Erwachsenen, wenn wir davon ausgehen, dass jedes Kind von Grund auf alles mitbringt, um von sich aus ganz Mensch zu werden? Erfahrungen aus 18 Jahren bunter Lebendigkeit. www.monterana.ch A8 Remy Holenstein: Sanfte Politik Seit Jahrzehnten bin ich politisch aktiv und dabei zur Einsicht gelangt, dass die

heutigen Probleme mit konventionellen Methoden allein nicht gelöst werden können. Eine sanfte Politik empfehle ich, weil sich gezeigt hat, dass harte Politik die Lage stets nur verschlimmert. www.integrale-politik.ch A9 Brunhild Hofmann: SelbstVertrauen und leichtere Entscheidungen mit dem SelbstMuskeltest Der Muskeltest verbindet uns mit dem Körperwissen. Verschiedene Selbstmuskeltests zum Ausprobieren und Anwenden. www.energyfocus.de A10 Christine Krämer: Entscheidungen treffen im Konsent Der Workshop gibt Einblick in die Soziokratie, die Grundlage des «Entscheidens im Konsent». Der Kern bildet das «Konsentspiel», eine Möglichkeit, das Entscheiden im Konsent zu erfahren und zu verstehen. www.kraemer-beratung.ch

A11 Markus Höning: Nein, so einfach ist es (nicht)! Wie ist es möglich, dass einleuchtende politische, soziale und ökonomische Zukunftskonzepte seit so langer Zeit auf so wenig fruchtbaren Boden fallen. Der Workshop konzentriert sich auf die einfache Frage: Wie wäre es, wenn das Verhältnis jedes Menschen zu sich selbst die Grundlage aller anderen Verhältnisse wäre, also der Beziehungen und des Tätigseins mit Menschen, Natur und Welt? A12 Ursula Dold: Mit Talent zahlen ohne Geld Wie man mit Talent zahlt und warum das nützlich und sinnvoll ist. Dazu geht es um die Frage, weshalb unser jetziges Geldsystem nicht zukunfstfähig ist. www.talent.ch

Block B, 16.30 bis 17.30 Uhr B1 Anita Diehl: Festhalten und Loslassen Wir arbeiten und spielen zu Musik mit einem grossen, bunten, gut fliegenden Schleier, mal unter Anleitung,  mal improvisierend, abwechselnd mit Entspannungsübungen. Mitnehmen: Grosses Tuch min. 2.50 × 1 m, sollte gut fliegen und  Decke zum draufliegen. Dieser Workshop ist für Erwachsene. www.bewegungshaus-vorstadt.ch

B2 Yvonne Büchi: Klangmeditation Durch die Schwingungen der Klänge Entspannung, Ruhe und Frieden mit sich selbst erleben. Energien fliessen wieder freier. www.klanghus-insel.ch

B4 Sandra Unternährer und Richard Holdener: Lachyoga Lachyoga trägt zum Stressabbau bei, bringt Entspannung, weckt Lebensfreude und Kreativität & macht erst noch Spass! www.LebeninBewegung.ch

B5 Lucas Huber: Neue Komplementärwährungsplattform CC-HUB Die Softwareplattform Complementary-Currency-Hub ermöglicht auf Basis von bestehender Software (Cyclos) den einfachen Austausch zwischen verschiedenen ZeittauschSystemen. www.cc-hub.org

B6 Christine Dettli: In der Stille der Wüste Diavortrag von traumhaften Wüstenlandschaften und vom ursprünglichen Leben der Nomaden in Südmarokko. www.pilgerwege.org

AB3 Maria Dunst: Clownworkshop: Ich bin komisch! Mit gezielten Körperübungen und einfachen Techniken entdecken wir den Clown in uns. Auf der Suche nach unseren witzigen Seiten trainieren wir die Bauchmuskeln und präparieren die Lachfalten. www.humorvisite.ch

AB4 Uwe Burka: Ökosiedlungen und Dorforganismen Herausforderung Gemeinschaftsgründung – von kleinen Arbeitsgruppen bis zur Verwirklichung von Ökosiedlungen und «Dorforganismen»

AB5 Cornelia Corridori: Wasser für persönliche Heilzwecke informieren Im Kontakt mit unserem inneren Heiler haben wir die Fähigkeit, Wasser so zu informieren, dass es körperliche Beschwerden erleichtern oder sogar heilen kann. www.bewusstseinsentwicklung.ch  

B3 Klaus Dettwyler: Volkstanz Internationale Volkstänze für An- und BefängerInnen.

Block AB, 14.00 bis 17.00 Uhr AB1 Petra Neisse: Was Sortieren, Ordnen und Klären bewirken können Ein anderer Blickwinkel auf Haushalt, Wohnung, Bewohner und das Leben. Mit Humor und Ernst, interessanten kleinen Übungen, Bewegung und Freude.

AB2 Cornelia Fürstenberger: Mit Leichtigkeit und Freude zu innerer Balance Eine spielerische Erfahrung, wie die innere Gestimmtheit durch Stimme und Körper ihren Ausdruck findet. Spannungen lösen sich und Lebendigkeit breitet sich aus. www.koerperpsychotherapie-cf.de

Bitte melden Sie sich mit der Antwortkarte im Umschlag für die Workshops Ihrer Wahl an. Mit der Anmeldung sichern Sie sich einen Platz. Je nach Zahl freier Plätze sind Umbuchungen vor Ort noch möglich.

Zeitpunkt 119 51


Kurzmeldungen

Ein zweites Leben fĂźr gelesene BĂźcher

Wandern und vernetzen

Die meisten Bßcher werden nur einmal gelesen und viele wßrde man nach der Lektßre gerne weitergeben. Dieser naheliegenden Idee dient der Offene Bßcherschrank, eine Tauschbßcherei mit Selbstbedienung. Offene Bßcherschränke gibt es in Deutschland dutzendweise. Von dort hat Hartwig Roth aus Solothurn die Idee auch in die Schweiz importiert. Aber während beispielsweise in Karlsruhe die Bewilligung fßr das Aufstellen eines offenen Bßcherschranks in einer Woche zu haben ist, dauert der Weg durch die hiesigen Amtsstuben und Kommissionen Monate und kostet 1500 Franken (in Solothurn). Nachdem Hartwig Roth an den letzten Literaturtagen unkompliziert einen solchen Schrank aufstellen konnte und es damit auf die Titelseiten verschiedener Zeitungen schaffte, arbeitet sich sein Gesuch nun durch die Instanzen. Vorgesehen ist eine Platzierung vorerst in Solothurn, wßnschbar wären offene Bßcherschränke in allen Schweizer Städten, wie seit dem letzten Sommer in Basel. Nun suchen Hartwig Roth und seine Projektgruppe Verbßndete und Sponsoren, die bei der Realisierung der

Gemeinsame Wanderungen sind oft produktiver als lange Sitzungen. Deshalb organisiert Holon, das sich als Netzwerk der Netzwerke versteht, seit Jahren eine ÂŤVernetzungswanderungÂť, dieses Jahr am 16. Juni. Die Wanderung im Berner Oberland bietet Gelegenheit, mit Organisationen sozialer, Ăśkologischer oder spiritueller Ausrichtung in einem ungezwungenen Rahmen Kontakt aufzunehmen. Daraus kĂśnnen Gelegenheiten entstehen zur gegenseitigen UnterstĂźtzung auf dem Weg zu einer wĂźnschenswerteren Gesellschaft.

Idee helfen. An den diesjährigen Literaturtagen wird eine mobile Version des offenen Bßcherschranks wieder fßr Aufmerksamkeit sorgen. Und dort wird Hartwig auch anzutreffen sein. CP Kontakt: Projekt Offener Bßcherschrank Solothurn, c/o Hartwig Roth, Biberiststr. 12b, 4500 Solothurn, www.buecherschrank-so.ch Solothurner Literaturtage, 18. bis 20. Mai 2012. www.literatur.ch

Weitere Informationen: HOLON-Netzwerk, Tel. 031 398 80 50. www.holon-net.net Mitträger sind: Integrale Politik, HOLON, eco-pop, Geomantiegruppen Seeland/SO,BE, Hannes Pauli Gesellschaft HPG, INWO, openmind-cafe, Stimmvolk Schweiz, Talent-System Schweiz, Verein Tier-Mensch-Umwelt, Zentrum Schweibenalp, Zentrum fßr integrale FriedensfÜrderung

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Frankoskop

FranKoskop Über sympathischen Individualismus

Tout va très bien, alles läuft bestens! Vielleicht löst dieser Satz bei Ihnen Erinnerungen an ein weltbekanntes französisches Lied aus: «Tout va très bien, Madame la Marquise!» Man schrieb das Jahr 1935. Die Weltwirtschaftskrise dauerte schon sechs Jahre an. Ein Ende war nicht abzusehen. Man spürte, dass Europa sich auf einen zweiten grossen Krieg zu bewegte. Da schrieb Paul Misraki sein Lied, das in der Interpretation von Ray Ventura zu einem Welterfolg wurde. Wovon handelt das Lied? Eine reiche adlige Dame weilt in den Ferien und erkundigt sich telefonisch bei ihrem Personal über die Situation zu Hause in ihrem Schloss. – Was gibt es Neues, James? – Alles läuft bestens, Madame. Nur ist leider die graue Stute gestorben. – Mein Pferd tot? Wie hat das geschehen können? – Oh, ganz einfach! Es ist bei einem Brand umgekommen, der den Pferdestall zerstörte. Aber sonst läuft alles bestens! – Was muss ich hören? Der Pferdestall abgebrannt? – Ach, das erklärt sich leicht! Als ein Feuer Ihr Schloss zerstörte, brannte eben auch der Pferdestall ab. Aber sonst läuft alles bestens! – Mein Gott! Das Schloss vom Feuer zerstört! Warum denn? – Ach, wissen Sie! Als Ihr Gatte erfuhr, dass er ruiniert war und sich deswegen das Leben nahm, riss er leider beim Umfallen alle brennenden Kerzen mit sich und setzte so das Schloss in Brand. Aber sonst läuft alles bestens! Die altmodische Melodie und der scheppernde Ton der Aufnahme von 1935 können nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Lied heute wieder eine beklemmende Aktualität hat. Nachzuhören auf http:// tinyurl.com/alleslaeuftbestens. *** Was kommt nach dem Neoliberalismus? Worauf können wir hoffen? Dürfen wir überhaupt noch hoffen, wenn neoliberale Meisterdenker die ganze Menschheit zum Egoismus verpflichten wollen? Der französische Philosoph Dany-Robert Dufour gibt da-

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  von Ernst Schmitter

rauf in seinem neuen Buch «L‘individu qui vient» (das kommende Individuum) seine persönliche Antwort. Er setzt seine Hoffnung auf die «Néorésistants», die neuen Widerständigen. Was muss man sich darunter vorstellen? Um die Frage zu beantworten, muss ich ein wenig ausholen. Dufour zeigt auf, wie der Liberalismus und sein böses Kind, der Neoliberalismus, den Egoismus der Menschen als zentralen Motor unseres Wirtschaftens entdeckt haben. Die Grundformel lautet: Je eigennütziger ich handle, desto mehr trage ich zum allgemeinen Wohlstand bei. Dieser Glaubenssatz liegt der Wirtschaft seit Jahrhunderten zugrunde. Aber nicht nur das! Er ist für viele zum Motto für ihre Lebensgestaltung geworden: «Das Leben dient ausschliesslich meinem Lustgewinn, und das ist gut so!» Man müsste beifügen, dass dieses Motto uns ins Chaos geführt hat, das wir alle kennen. Was ist zu tun? Für Dufour ist die Antwort klar: Widerstand leisten! Und er stellt dem neoliberal formatierten Egoisten das Bild eines Menschen gegenüber, der fähig ist zum Widerstand. Dufour spricht von sympathischem Individualismus. Der sympathische Individualist orientiert sich in seinem Handeln an Kants kategorischem Imperativ. Dieser besagt, dass wir uns selbst und die anderen nicht als Mittel zur Verwirklichung unserer Ziele behandeln sollen. Eine solche Ethik muss Folgen haben. Dufour fasst diese Folgen am Schluss seines Buchs in Form von dreissig Vorschlägen zur praktischen Umsetzung des sympathischen Individualismus zusammen. Ein Beispiel: Sympathische Individualisten, sagt Dufour, haben sich vom Wachstumsglauben verabschiedet, weil dieser für die Menschheit eine tödliche Gefahr darstellt. Sie arbeiten an der Gestaltung einer Gesellschaft ohne Wachstumszwang. Dany-Robert Dufour, L‘individu qui vient, éditions Denoël, Paris 2011. Für die Lektüre sind gute Französischkenntnisse erforderlich. ***


Frankoskop

Un beau départ – viel besser als Martial Leiter hätte man den Start der Europäischen Gemeinschaft 1991 nicht illustrieren können. Zu sehen sind Martial Leiters Arbeiten noch bis 17. Juni im Cartoon­museum Basel.

Und plötzlich begegnet man auf Schritt und Tritt sympathischen Individualisten. Erinnern Sie sich an Martial Leiter, den Zeichner aus Fleurier (NE) mit den feinen Rasterstrukturen? Lange publizierte der heute 60-Jährige seine Cartoons in international bekannten Zeitungen wie «Le Monde»: Dort sind sie heute kaum mehr zu finden. Aus Kostengründen, so ist zu vernehmen. Vielleicht gibt’s noch eine andere Erklärung. Leiters Zeichnungen beschönigen nichts und passen schlecht in Zeitungen, die manchmal schwer erträgliche Tatsachen gefiltert wiedergeben, um sie erträglicher zu machen. Das tun heute viele Zeitungen. Die Leserzahlen würden sonst sinken. Das hätte Folgen für die Werbeeinnahmen. Das wiederum könnte die Existenz der Zeitung gefährden. Zumeist bezeichnen sich solche Medien als unabhängig ... Wer sich Leiters eindringliche Cartoons «zumuten» will, hat jetzt dennoch Gelegenheit dazu. Das Cartoonmuseum Basel zeigt bis zum 17. Juni eine Werkschau von Leiter. www.cartoonmuseum.ch *** Eine Lebensgeschichte, spannend wie ein Roman, und wahr. Ein junger Jude, Adolfo Kaminsky, versteckt sich mitten im von den Deutschen besetzten Paris und stellt in seinem Labor falsche Papiere her. Er arbeitet wie besessen und rettet Tausende von Menschenleben. «Wach bleiben», sagt er sich, «so lange wie möglich. Die Müdigkeit niederringen. Die Rechnung ist einfach: In einer Stunde kann ich 30 falsche Ausweise herstellen. Wenn ich eine Stunde schlafe, sterben 30 Menschen.» Nach dem Krieg kann er mit dieser Arbeit nicht aufhören. Zu viele Menschen auf der ganzen Welt sind in Gefahr, wenn er ihnen nicht hilft. Er verdient kein Geld mit dieser Arbeit. Sein Gewissen verbietet ihm das. Was er zum Leben braucht, verdient er sich als Fotograf. 29 Jahre verbringt er damit, als Fälscher Leben zu retten. Eines Tages, als nunmehr 46-Jähriger, realisiert er, dass er

jetzt selbst in Gefahr ist. Er gibt seine Fälscherexistenz auf, reist nach Algerien, heiratet und wird ein glücklicher Familienvater. Später erzählt er seiner Tochter sein Fälscherleben. Daraus wird ein Buch, das 2011 in deutscher Übersetzung erschienen ist. Sarah Kaminsky, Adolfo Kaminsky, ein Fälscherleben, Kunstmann-Verlag, München 2011. *** Die junge Frau hat eine Stimme wie Barbara. Aber wer ist Barbara? Vielleicht haben Sie dank Ihres Jahrgangs «schon ein wenig den Überblick» und erinnern sich noch an die berührenden, poetischen Chansons von Barbara, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren Erfolg hatten. Die jüdische Sängerin Monique Andrée Serf (1930-1997) hatte sich als Kind mit ihren Angehörigen im besetzten Frankreich verstecken müssen. 1964 schrieb und sang sie bei einem Gastspiel in Göttingen ihr Chanson über Versöhnung. Es trägt den Titel «Göttingen». Nachzuhören auf http://tinyurl.com/harmonisch. Aber ich wollte von der Sängerin schreiben, deren Stimme an Barbara erinnert. Sie heisst Fleur. Das ist ihr wirklicher Vorname, nicht ein Pseudonym. Sie ist 37-jährig, wohnt in Paris. Sie nennt sich «La Parisienne libérée» und singt politische Lieder. Zum Beispiel «Le maïs OGM est bon pour la santé» (Gentechmais ist gesund).

Sie schafft es, brisante aktuelle Inhalte in eine leicht nostalgische Form zu verpacken. Alle ihre Lieder sind kostenlos verfügbar auf ihrer Website www.laparisienneliberee.com. Eine Entdeckung! Wer immer im Mai Frankreichs neuer Präsident wird, die Parisienne libérée wird viel zu singen haben.

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Kurzmeldungen

We love you – Liebeserklärungen gegen den Krieg Machthaber wollen Kriege, nicht Mütter, Väter, Kinder, Brüder und Schwestern. An sie richtet Ronny Edry, ein 41-jähriger Grafikdesigner und Lehrer aus Israel, seine Worte in einer Facebook-Kampagne: «Iraner, wir werden euer Land nicht bombardieren. Wir lieben euch.» Seit er diese Botschaft zusammen mit einem Bild von ihm und seiner Tochter Mitte März online gestellt hat, hat sie sich in Windeseile auf den Social Media-Kanälen verbreitet. Knapp 60 000 Menschen «gefällt» die Facebook-Seite, und auf Youtube wurde Ronnys Videobotschaft bereits über 700 000 mal aufgerufen. Die Antworten von Iranern bleiben nicht aus: «Israelis, wir lieben euch auch.» Auf die Webseite israelovesiran.com reagier­ te die iranische Seite mit iranlovesisrael.

com. Der Kreativität der Liebeserklärungen sind keine Grenzen gesetzt: Bilder von Familien und küssenden Paaren, Gedichte, Video- und Liederbotschaften. Die Sympathiebekundungen kommen inzwischen von überall aus der Welt und beschränken sich auch nicht mehr nur auf den Israel-Iran Konflikt. Die Fotos und Videos zeigen Studenten, Physiotherapeutinnen, Ingenieure, Lehrerinnen, Künstler – Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft, die verschiedene Sprachen sprechen. Ihnen allen ist eines gemeinsam: Sie wollen ihr Leben geniessen, Zeit mit ihren Familien und Freunden verbringen, und sie wollen keine Gewalt. Von Politikern ihres Landes, die Kriege befürworten, und von Medien, die Differenzen und Konflikte schüren, distanzieren sie sich. Ihre Botschaft ist die der Liebe und Toleranz, des Miteinanders, der Menschlichkeit. Hoffen wir, dass die Liebe auch hier das tut, was sie besonders gut kann: Entwaffnen! MK Auf Facebook: www.facebook.com/israellovesiran www.israelovesiran.com / www.iranlovesisrael.com

Tag der Alternativen – ein Frühlingsmärchen Viele Visionen, alternative Lösungen und konkrete Beispiele sind bereits entwickelt und werden gelebt, doch es sind alles eigene, kleine Bewegungen. Was fehlt, ist der grosse Wurf, eine Brücke, welche die verschiedenen Ideen und Ansätze verbindet. Und da wären wir beim Frühlingsmärchen. Die verschiedenen Bewegungen sollen am 12. Mai 2013 in regionalen Veranstaltungen in Deutschland zu einem Tag der Alternativen zusammenkommen, um Lösungen einer grossen Öffentlichkeit vorzu-

stellen. Initiant ist Jürgen Lukowski, der letzten Sommer die Idee für die Aktion hatte. Das Motto: Wir leben die Einheit (der gemeinsame Wunsch nach grundlegendem Wandel) in der Vielfalt (die unterschiedlichen Lösungsansätze). Aufgerufen sind alle engagierten Menschen, Organisationen, Initiativen weltweit, aktiv teilzunehmen und die Idee weiter zu verbreiten – auch ausserhalb Deutschlands. BM Mehr Informationen: www.fruehlingsmaerchen.net

Ferien im Zirkuswagen

Eine echte Alternative zu den üblichen Ferien im Hotel oder in der Ferienwohnung bieten die Zirkuswagen von Wisent Reisen, mit denen man Polen entdecken kann. Im gemütlichen, modern eingerichteten Wagen inkl. Küche, Dusche und Schlafzimmer haben zwei bis drei Erwachsene bzw. eine Familie bis vier Personen Platz. Zum Beispiel in den Bialowieza Nationalpark im Osten Polens, dem letzten grossen Flachland-Urwald in Europa. Hier können Gross und Klein wandern, Radtouren unternehmen, Kajak fahren oder Tiere beobachten. Saison ist von Mai bis September. Ein Zirkuswagen kostet pro Woche zwischen 790 und 950 Franken. BM Weitere Infos: Wisent Reisen, Zürich, Tel. 043 333 25 25, www.wisent.ch

Erzähl mir, Labyrinth Das Labyrinth, ein uraltes Muster, gibt es seit Jahrtausenden in den verschiedensten Kulturen. Es ist ein Ort der Besinnung, ein lebendiger Erkenntnisweg, der Sinne und Geist für ungewohntes Wahrnehmen öffnen soll. Das Zürcher Labyrinth im KasernenAreal existiert seit 20 Jahren, ein öffentlicher Ort, von Frauen geprägt. Hier wird «gearbeitet, getanzt, gesungen und gelacht – und weibliche Autorität gelebt», so die Veranstalterinnen. Nun gibt ein Buch Einblicke in die Bräuche, Rituale und Veranstaltungen im Labyrinthgarten. In «Erzähl mir, Labyrinth» erzählen die Autorinnen über die vielen Menschen unterschiedlichster Herkunft, die sich im Labyrinth angenommen und geschützt fühlten. Das Labyrinth wird so zum Spiegel einer Stadt und ihrer Kultur.  BM Agnes Barmettler, Regula Farner et. al: Erzähl mir, Labyrinth – Frauenkultur im öffentlichen Raum. Christel Göttert Verlag 2011, 252 S., Fr. 36.00 / 25,00 Euro. Aktuelles Veranstaltungsprogramm: www.labyrinthplatz.ch

Sommerferien einmal anders Der «Service Civil International» SCI Schweiz ermöglicht es Jugendlichen ab 18, Familien und Erwachsenen, sinnvolle und spannende Ferien im Ausland zu verbringen in weltweit rund 1000 Projekten. In zwei- bis dreiwöchigen Workcamps arbeiten freiwillige Helfer aus der ganzen Welt gemeinsam für ein gemeinnütziges, ökologisches, soziales oder kulturelles Projekt. Eine obere Altersgrenze gibt es nicht, dafür speziell für Familien geeignete Angebote in einem für Kinder geeigneten Umfeld, wo die

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jüngeren betreut und die älteren einfache Arbeiten wie Gartenpflege übernehmen können. Neben den bereichernden persönlichen Erfahrungen sind Kost und Logis der Lohn der Freiwilligen. Gearbeitet wird rund sechs Stunden pro Tag, am Wochenende können die Teilnehmer mit Hilfe der lokalen Projektpartner Ausflüge organisieren. Die Einsätze finden oft in wenig bekannten Regionen statt und man teilt für kurze Zeit den Alltag der lokalen Bevölkerung. Ausserdem trifft

man Gleichgesinnte aus der ganzen Welt und hat die Chance, sich mit anderen Kulturen und Weltanschauungen auseinanderzusetzen sowie seine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Der SCI setzt sich als Teil der internationalen Zivildienstbewegung seit 1920 für gewaltfreie Konfliktlösung, nachhaltige Entwicklung und interkulturellen Austausch ein. BM Kontakt: SCI Schweiz, Tel. 031 381 46 20, www.scich.org


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Kurzmeldungen

«Uhuru» – ein Bijou unter den schweizerischen Kulturanlässen! Während an vielen Festivals vorwiegend konsumiert wird, tanzen und musizieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Uhuru am liebsten selber. Das Festival für Musik und Tanz findet in diesem Jahr vom 29. Juli bis am 4. August 2012 auf dem Weissenstein bei Solothurn statt. Tagsüber werden Workshops durchgeführt und am Abend gehen die Konzerte im grossen Festzelt oder dem Sennhaus über die Bühne. Auch dieses Jahr erwartet die Gäste ein breites Angebot, das alle Generationen einlädt zu tanzen, zu singen, zu musizieren, zu werken und gemeinsam kreativ zu sein. So kann mit Balthasar Streiff das Alphorn gespielt, mit Andreas Habert die Tinwhistle kennengelernt, mit Momo Werner Wevers dem Balafon Klänge entlockt oder mit Roland Küng das Hackbrett bearbeitet werden. Francis Feylbi lädt zum Volkstanz und Suzanne und Singho zu Tanzimprovisation mit Livemusik ein.

Wer das Uhuru erleben will, muss nicht unbedingt eine ganze Woche investieren. Praktisch jeden Abend finden aussergewöhnliche Konzerte statt, die auch über die Abendkasse besucht werden können. Dabei hat es mit der Solothurner Kultband «Yacub», «Shirley Grimes», «Musique en Route», «Balthasar Streiff» oder «meer 3» auch in diesem Jahr wieder musikalische Leckerbissen zum Mittanzen oder stillen Zuhören und Geniessen. Am Abschlussabend jeweils am Freitag präsentieren alle Kursteilnehmer/Innen das während der Woche gelernte auf der Hauptbühne im Festzelt. Im Anschluss findet die kultverdächtige Disco mit «beataroundtheworld» bis in die frühen Morgenstunden statt.  CP Alle Informationen und die Anmeldebedingungen findet man im aktuellen Programmheft (031 305 89 62) oder unter uhuru.ch. Der Zeitpunkt verlost fünf Uhuru-Festivalpässe im Wert von Fr. 90.-. Zum Mitmachen, verwenden Sie bitte die Zeitpunkt-Umschlagkarte.

1 400 Jahre Gallus: Weisheit braucht nur wenig Platz und Völkerkundemuseum St. Gallen und Beat von Scarpatetti, langjähriger Handschriftexperte der Stiftsbibliothek und Initiant der berühmten «Waldhandschrift», entwickelten die Idee, gründeten einen Verein und sammelten Geld für das Projekt, das am 20. April eröffnet wurde.   Auf dem Areal des Stiftsbezirks wurden nach archäologischen Erkenntnissen zwei einfache Holzgebäude erstellt, von Markus «Sumi» Sommer aus Guggisberg, einem Fachmann für prähistorisches und frühzeitliches Bauen. Die beiden Zellen beherbergen verschiedene Angebote: Neben «Rat und Trost» wird zeitweise die Waldhandschrift zugänglich sein und ein Skriptorium geführt werden. Zugleich werden in einem «informatorium», einer Ausstellung in unmittelbarer Nähe der Eremitage, die Hintergründe des Zellenbaus präsentiert. CP

Weitere Informationen: www.gallusjubilaeum.ch

christiane doerig photographe

Um 612 zog sich der irische Mönch Gallus in die Wälder der Ostschweiz zurück, um sich dem Gebet und der Meditation zu widmen – und als Ratgeber für Hilfesuchende zu wirken. Aus der Siedlung der Eremitengruppe, die sich bald um ihn geschart hatte, entstand hundert Jahre später ein Kloster, dann eine Stadt und 1847 auch noch ein Bistum. Und jetzt wird gefeiert: 1 400 Jahre Gallus.   Es ist das Verdienst eines kleinen Triumvirats, dass dabei auch tatsächlich an das ursprüngliche Wirken von Gallus angeknüpft wird. Dazu wird auf dem triumphalen barocken Klosterplatz eine Eremitage aufgebaut, in der von Mitmenschen mit Lebensweisheit aus verschiedenen Gebieten und Ebenen Rat und Trost gespendet werden soll. Der St. Galler Gräzist und Latinist Clemens Müller, Peter Müller, Historiker am Historischen

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Horizonte erweitern

Agenda 2. bis 5. Mai

Schaffhauser Jazzfestival www.jazzfestival.ch

18. bis 20. Mai

34. Solothurner Literaturtage Programm und Infos auf www.literatur.ch

23. Mai

Grüne Ökonomie

- Chancen und Risiken für die Landwirtschaft Podiumsveranstaltung «Rio+20» mit Peter Bieler, Christine Bühler, Hans R. Herren u.a. Auditorium Maximum, ETH Zürich, 15.30 bis 19.15 Uhr. www.biovision.ch/eth-podium

5. Juni

5. JUNI WELTUMWELTTAG

22. bis 24. Juni

Filme für die Erde Festival 2012 Filme für die Erde Festival Steinberggasse 54 8400 Winterthur Tel. 052 202 25 53 www.filmefuerdieerde.ch

Bio Marché

Auf zum Geniesser- und Erlebnisfestival

www.biomarche.ch

Schaffhausen steht vier Tage lang ganz im Zeichen von Jazz: Zum 23. Mal findet das Jazzfestival bereits statt. Wieder wird ein breiter Querschnitt durch die hiesige Szene präsentiert, Trends werden aufgezeigt und Newcomer erhalten einen prominenten Platz. Die Grenzen zwischen Jazz und klassischer Musik sind schon seit längerem durchlässig. Ganz in diesem Kontext steht denn auch die

Eröffnung des Festivals, welche im Stadt­ theater stattfindet.   Bereits zum 2. Mal ist der Westdeutsche Rundfunk WDR3 zu Gast in Schaffhausen und sendet zusammen mit DRS 2 am Freitag live aus der Kammgarn. Vom 3. bis 5. Mai von 17 bis 19 Uhr finden zudem die Schaffhauser Jazzgespräche im Haberhaus Kulturklub statt, der Eintritt ist frei.

Wie küsst die Muse heute? Woher kommt die Inspiration? Diese Fragen sind der rote Faden durch die 80 Veranstaltungen der diesjährigen Solothurner Literaturtage.    Auch Autoren aus dem Nahen Osten werden nach ihren Lesungen in einer table-ronde darüber diskutieren. Helon Habila wird aus «Oil on Water» lesen – der  Roman erscheint in Deutsch just auf die Literaturtage hin. Der Büchner-Preisträger F. C. Delius stellt «Als die Bücher noch geholfen haben» vor, Josef Bierbichler seine Familiensaga «Mittelreich».

Franz Hohler wird erstmals aus «Spaziergänge» lesen – und für die Kinder Gedichte. E. Y. Meyer liest aus dem im Herbst erscheinenden Roman «Wandlung». Bekannte Autoren wie Lukas Hartmann, Charles Lewinsky und Margrit Schriber lesen im Wechselspiel mit Neulingen wie Thomas Meyer oder Ursula Timea Rossel. Peter von Matt feiert seinen 75. Geburtstag – in einem Gespräch mit Roger de Weck am Sonntagnachmittag.

Was heisst Green Economy? Welche Rolle spielt dabei die Landwirtschaft? Wie und warum soll die Rio-Konferenz den Umschwung in der globalen Landwirtschaftspolitik bewirken? Im Hinblick auf die UN-Konferenz zu Nachhaltiger Entwicklung Rio+20 im Juni laden Biovision, das Centre for Development and Environment (CDE) der Universität Bern und Swissaid zu einer Podiumsveranstaltung an der ETH Zürich ein.

Die Veranstaltung richtet sich an Fachpersonen aus Verwaltung, Forschung, Entwicklungs-, Umwelt- und Bauernorganisationen, an Medienvertreter und Politikerinnen, Studierende, Bäuerinnen und Bauern und die interessierte Öffentlichkeit.

Am 5. Juni ist UNO-Weltumwelt-Tag. «Filme für die Erde» führt aus diesem Anlass zum zweiten Mal an 14 Orten in der Deutschschweiz ein Festival mit synchronem Programm durch. Das Thema des diesjährigen Festivals ist «Ressource Mensch». Es soll gezeigt werden, dass unser Mut und unsere Integrität die wichtigsten Ressourcen sind.   Tagsüber ist das Festival ganz in den Händen von Schülern. Für sie gibt es kostenlose Angebote in Form von Schulkinos.

Am Abend folgen Kurzfilm-Wettbewerbe, es gibt Ausstellungen zum Thema, Interviews und den Hauptfilm «Taking Root» zu Ehren des Lebenswerks der Friedensnobelpreisträgerin Wangari Mathaai. Erwartet werden rund 1800 Schüler und 2200 Besucher am Abend.   Wie immer bei «Filme für die Erde» werden Tausende von DVDs verschenkt, die von Freund zu Freund weitergegeben und so bis zu 40 000 weitere Menschen erreichen. Ein Besuch des Festivals lohnt sich auf jeden Fall.

Der Bio Marché ist die grösste Bio-Messe der Schweiz und eine bunte Wundertüte mit Bio-Köstlichkeiten, Neuheiten, Spezialitäten, Düften, Musik, Attraktionen und Genuss.   Die rund 150 Aussteller aus dem In- und Ausland präsentieren ihre Waren an liebevoll dekorierten traditionellen Marktständen in den Gassen der Altstadt von der Zofinger (AG). Dies ermöglicht zwanglose und inspirierende Begegnungen. Viele Produzenten stehen persönlich hinter ihrem Marktstand.

Die Besucher können so das Gesicht hinter einem Bio-Produkt kennenlernen und erfahren Spannendes und Wissenswertes aus erster Hand. Das Angebot reicht von Grundnahrungsmitteln bis hin zu Möbeln und Baustoffen.   Der Bio Marché ist aber nicht nur eine Verkaufsmesse, sondern auch ein riesiges Geniesser- und Erlebnisfestival mit vielen Events für Gross und Klein.   Dank der Hauptsponsorin Migros ist der Eintritt zum Bio Marché kostenlos!

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«Eintauchen in das riesige Erbe unserer Geschichte

Vor über zwei Millionen Jahren tauchten in Ostafrika die ersten modernen Menschen auf. Als Jäger und Sammler wanderten sie die meiste Zeit umher auf der Suche nach Nahrung. Wäre ihre Landpartie aber nur harte Arbeit gewesen, nicht auch Vergnügen und Lust – es gäbe uns heute nicht! Tausende von folgenden Generationen erschlossen sich wandernd die ganze Erde, wohl nicht in erster Linie aus existenzieller Not, vielmehr aus Freude an Bewegung und aus Neugier.

Arbeitsteilung, Sesshaftigkeit und Komfort sind das Produkt erst der letzten zwei, drei Prozent der Menschheitsgeschichte. Millionen von Gesetzen regeln heute die Abläufe der entwickelten Gesellschaften, kanalisieren unser urtümliches Fühlen und Streben auf ihre Ziele hin. Musse, Freude, Unterwegssein sind nur im Dienste von Arbeit, Besitz und Wirtschaftswachstum akzeptiert und heissen dann Freizeit, Regeneration, Mobilität. Einfach so Wandern? Vielleicht sogar ohne berühmte Gipfel zu bezwingen, in Gegenden, die sonst niemand kennt? Mittags im trockenen Gras an der Sonne liegen, umspannt von neuen Horizonten? Am Abend hungrig zu Tische sitzen und lustvoll reinhauen? Einfach so fremden Menschen begegnen? Oder trotz Mr. Gore‘s Textilien bis auf die Unterhosen nassgeregnet werden? Blutig vom Brombeergestrüpp? Nur eine Ellenlänge vom Abgrund weg? Geraten wir so nicht in den Verdacht von Asozialität und Subver-

sion, wenn wir damit in die tieferen 97,5 Prozent unseres Erbes eintauchen? Zum Glück quält in der Gruppe das schlechte Gewissen kaum. Schamlos teilen wir miteinander die Freude am Draussensein, am Gehen. Wie unsere fernen Vorfahren hinterlassen wir mit Wandern kaum bleibende Spuren. Dafür vertieft das Wandern unser Sein und bringt uns zur Welt. Titus Blöchlinger

Der Autor ist Wanderleiter bei «Weitwandern», dem ältesten Anbieter langer Wanderungen der Schweiz. Der Text stammt aus dem neusten Programm. Aus Respekt vor der Natur und der Einmaligkeit des Unterwegsseins wird jede Route nur einmal jährlich angeboten. Die Highlights des aktuellen Programms mit 45 ein- und mehrtägigen Touren: Das Massif central 12.19.5.12 und der Apennin 14.-28.7.12. Immer wieder besonders kämpfen muss Weitwandern für seine Touren in der Schweiz, die von vielen Menschen auf eigene Faust erwandert wird. Der Mehrwert des Wanderleiters: Er kennt die Landschaften, Wege, Pflanzen und versteckten Sehenswürdigkeiten. Man sieht nur, was man kennt. Weitere Infos: Weitwandern, Postfach 122, 3702 Aeschiried, Tel. 033 654 18 42, www.weitwandern.ch

im Malcantone, Südtessin

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Natur- und Wildnispädagogik Kommen Sie in das «etwas andere» Albergo In den historischen Mauern der Casa Santo Stefano erwartet Sie eine stilvolle, gepflegte Einfachheit, verbunden mit modernem Komfort. Eine Auswahl aus unserem Kursprogramm 2012 5. 5. 5. – 5. – 6. 6. 5. 5. Wildkräuter-Kochwanderkurs Wildkräuter-Kochwanderkurs 20. 14. 5. 18. 5. 5. –– 25. 5. Yogaferien Yogaferienim– Tessin rundum gesund 22. 20. 5. – 25. 5. Yogaferien rundum 7. – 28. 7. Yogaferien– im Tessingesund 28. 8. – 14. 7. Schmuckwerkstatt im Tessin 7. – 3. 8. Yogaferien im Tessin 28. 3. 7. – 8. – 3. 9. 8. 8. Yogaferien YogaferienimimTessin Tessin 3. 9. 8. im Tessin 9. 8. – 8. – 12. 8. Yogaferien FineArt Printing & Imaging 12. 9. 8. – 12. Printing & Imaging 8. – 18. 8. 8. FineArt Sommergarderobe selber nähen 12. 8. – 18. 8. Sommergarderobe selber nähen 2. 9. – 8. 9. Yogaferien im Tessin 6.10. 2. 9. – 8. 9. Yogaferien im Tessin – 13.10. Malwoche: Vom Motiv zum Bild 13.10. 6. 10. – 13. 10. Malwoche: Vomder Motiv zum Bild – 19.10. Wandern auf Alpensüdseite 20.10. 13. 10. – 19. 10. Wandern auf dermit Alpensüdseite – 21.10. Heissi Marroni E. Bänziger 20. 10. – 21. 10. Heissi Marroni mit E. Bänziger Neben den Kursen ist stets auch Platz für Individualgäste. Angeli und Christian Wehrli CH-6986 Miglieglia, Tel. 091-609 19 35 www.casa-santo-stefano.ch

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Meditationszentrum Beatenberg

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Horizonte erweitern

Gegen die Tristesse anspielen:   Asylbewerber gründet Theaterprojekt

Ein Bild sagt mehr   als tausend Zahlen

Asylunterkünfte – das bedeutet für die meisten Langeweile, Stillstand, Warten auf die Entscheidung der Behörden. Auf den ersten Blick geht es dem Iraner Benjamin Jafari nicht besser. Seit 2007 wohnt er in einer Notunterkunft in Glattbrugg (ZH), teilt sein spartanisches Zimmer mit zwei anderen Männern. Aber Benjamin, der die Gründe für seine Flucht aus der Heimat nicht nennen will, ist ein zufriedener Mensch, denn er hat einen Lebensinhalt. «Wenn ich Theater spiele, bin ich glücklich und denke nicht zu viel über all die anderen Dinge nach.» Im März stand der Iraner im Zürcher Theaterhaus Gessnerallee auf der Bühne. Er spielte in der Aufführung «WG Babylon. Eine Performance sucht Asyl» mit. Das Stück entstand in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule der Künste und behandelt in kurzen Szenen die Probleme von Asylsuchenden in der Schweiz.

Jeden Tag werden wir mit Zahlen mit immer mehr Nullen über den Zustand unserer Welt eingedeckt. Aber können wir uns darunter auch etwas vorstellen? Die 57 Milliarden Euro für Hartz IV scheinen viel Geld zu sein, sind aber wenig, wenn man sie mit den 500 Milliarden vergleicht, mit denen Deutsche in ausländische Steueroasen geflüchtet sind. Ute Scheub (*1955), Mitbegründerin der taz und freie Journalistin hat eine Menge von Zahlen über die wachsende Ungerechtigkeit auf der Welt gesammelt und die Illustratorin Yvonne Kuschel (*1958) hat daraus Bilder gemacht, die den Nebel der Zahlenfülle wegblasen. Herausgekommen ist ein Werk, das den Namen Beschissatlas wirklich verdient. CP

Benjamin Jafari ist inzwischen die Stimme und das Gesicht der Asylbewerber und Sans-Papiers geworden. Er spielte die Hauptrolle im Film «Kein Mensch ist illegal» von Simon Labhart und Tina Bopp. Auch politisch ist Jafari aktiv. Am 13. März besetzte er mit dem Sans-Papiers-Kollektiv das Präsidium der SP in Bern. Dabei wird der studierte Politikwissenschaftler deutlich: «Ich weiss nicht, warum die Schweizer so grosse Angst vor den Ausländern haben. Ich glaube, das liegt auch an diesen schrecklichen Plakaten, mit denen gegen alle Ausländer gehetzt wird.» Aber Benjamin Jafari verlässt sich nicht allein aufs Nörgeln. Er lernt eifrig deutsch, steht abends auf der Bühne und liest Bücher über die Schweiz. «Ich will lernen, wie das Land funktioniert und wie die Schweizer leben.». RR

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Salzkorn Vorteil links: Das ist nicht nur eine Feststellung zu den vergangen Wahlen. Das Liebäugeln mit links ist ein Grundgesetz des Lebens überhaupt. Die Chemiker wissen warum. Sie haben nämlich an den Grundbausteinen des Lebens, an den Aminosäuren, eine seltsame Eigenschaft herausgefunden: Fast alle Moleküle drehen nach links. Noch merkwürdiger als dieser Linksdrall selbst ist die Art, wie er zustande gekommen ist. Weil die Aminosäuren durch Meteorite auf die Erde gebracht wurden, waren sie auf der Reise durch das Weltall der Strahlung von Neutronensternen ausgesetzt.

Yvonne Kuschel und Ute Scheub: BeschissAtlas – Zahlen und Fakten zu Ungerechtigkeiten in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Ludwig Verlag, 2012. 208 S. Fr. 28.50/Euro 19,99.

Diese Strahlung aber setzte den rechtsdrehenden Molekülen mehr zu, so dass die linksdrehenden bald schon in der Mehrzahl waren. Der Linksdrall hat quasi kosmische Wurzeln. Dennoch hat die Chemie auch einen Trost für Leute, die lieber auf rechts setzen: Es könne durchaus auch Orte geben, an denen sich die rechtsdrehenden Moleküle durchgesetzt haben. Nur liegen diese auf einem anderen Stern. Joseph Osterwalder (80) schrieb diesen Text nach der überraschenden Wahl von Paul Rechsteiner in den Ständerat. Osterwalder war bis zu seiner Heirat katholischer Priester.

VisionsWanderung von Spoleto nach Assisi (Umbrien, Italien) Mo, 1. - Fr, 12. Oktober 12

Wo kommen wir da hin!? Sonntag, 20. Mai 2012 Turnhalle im Progr, Bern ab 11:00 Uhr Brunch ab 12:00 Uhr Talk

Endo Anaconda Musiker und Autor Suzanne Zahnd Musikerin und Autorin

Enno Schmidt Künstler und Filmemacher Daniel Straub (Moderation)

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Was bringt es für die Frauen?

Donnerstag, 24. Mai 2012 Frauenraum der Reitschule Bern Beginn 20:00 Uhr, Türöffnung und Bar ab 19:00 Uhr Es diskutieren: Judith Giovannelli-Blocher Schriftstellerin Ursula Knecht-Kaiser Labyrinthplatz Zürich; Gutesleben Therese Wüthrich Zentralsekretärin syndicom; Debattierclub WIDE Annemarie Sancar (Moderation) Genderbeauftragte DEZA; Mitglied WIDE Das Publikum

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«Die Befreiung der Schweiz» über das bedingungslose Grundeinkommen

Mittwoch, 30. Mai 2012 ONO Kramgasse 6, Bern Beginn 20:00 Uhr, Türöffnung und Bar ab 19:00 Uhr Buchpräsentation Daniel Straub Christian Müller und Diskussion mit den Autoren Publizist Publizist

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Lebens-Spuren und Ziel-Suche für Frauen und Männer

Wer bin ich? Was will ich? Was ruft mich? Ein ganz besonderer Weg in einer wunderbaren Natur!

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Vom Recht auf Arbeit zum Recht auf Einkommen?

Mittwoch, 20. Juni 2012 Hotel Bern Zeughausgasse 9, Bern Beginn: 20 Uhr Streitgespräch zum Grundeinkommen Daniel Lampart Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds Enno Schmidt Künstler und Filmemacher Oswald Sigg (Moderation) ehemaliger Bundesratssprecher

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www.gesund.ch Adressen – Kurse – Schulen Rhythmus & Stimme mit Hand und Fuss. Taketina in Bern, jeden 2. Donnerstag. Weitere Infos: www.koerpermusik-bern.ch NIA & YOGA – Bewegung & Stille geniessen im Prättigau. 27. Juli – 1. Aug. 2012, Hof de Planis, Stels, mit Regula von Rütte, Tel. 061 951 22 06, www.regulamove.com Yoikkurs vom 17. – 19. Mai in Comologno TI. Kontakt: hplerjen@gmx.net, 078 788 52 79 «Tun was Dir wirklich am Herzen liegt!» Berufliche & persönliche Neuorientierung, Berufungsfindung. Begleitung und Wirkzeuge: Charles Lötscher, Erwachsenenbildner HF Coach für ‹Werde wer Du bist›, Tel. 031 911 00 93 / 079 246 13 56 Neuer Ort für Seminare in grüner Lage in Lostorf, 6 km von Olten. Mit ÖV-Anschluss. Heller Gruppenraum, Küche und Essraum für rund 20 Personen. Auch als Wohnung. Zimmer für Übernachtungen separat möglich. Bei Interesse: Tel. 062 298 15 76 oder istrassheim@gmx.net Bewegungsferien 2012 – Pilates, Qigong, Escrima. Wohltuende, bewegte Tage an wunderschönen Orten mit köstlichem Essen. Jura 17. – 20.5. / 9.–12.8., Bodensee 5.– 8.7., Locarno 4.– 7.10. Marrakesch 11.–16.2.13 kontakt@bettinameuli.ch /www.bettinameuli.ch

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Zeitpunkt 119 63


Leserbriefe

Leserbriefe@zeitpunkt.ch Freiheit bleibt unangetastet  Im Zweifel für die Freiheit, ZP 118 Roland Rottenfusser hat einen nachdenklichen, ausgewogenen, faszinierenden und daher ausgezeichneten Beitrag zur Diskussion über die Existenz eines freien Willens geliefert. Er zeigt mit Recht die Grenze der klassischen Physik, vor der viele Naturwissenschaftler noch immer ratlos stehen, andererseits liefert Rottenfusser auch einen indirekten Beweis für die Existenz eines freien Willens. Wir wissen nämlich inzwischen, dass der Informationsfluss im Körper auf dreifache Art mit zunehmender Geschwindigkeit stattfinden kann: durch relativ langsame chemische Botenstoffe,  durch Biophotonen in Lichtgeschwindigkeit und durch augenblickliche Quantenübertragung ohne Zeitverzögerung. Wir wissen ebenfalls, dass die Informationsübertragung im unbewussten Bereich wesentlich schneller als im bewussten Bereich geschieht (daher reagieren unsere Instinkte – zu unserem Schutz – schneller als unsere bewusste Wahrnehmung). Eine Information des Willens, woher sie auch entstammt, würde sich also in den Hirnregionen des Unbewussten (z.B. im limbischen System) schneller zeigen als in den Regionen des Bewusstseins (Neocortex). Die Quelle in beiden Fällen wäre die gleiche, nur ihre Wirkung wäre in dem einen Fall zeitverzögert. Unsere Freiheit bleibt unangetastet!  Michel Mortier, Zug Bringt Wärme!  Selbermachen! ZP 118 Ja, das bringt wieder Wärme ins (Er-)Leben. Ein tolles Heft — danke!  Philippe Barbier, Castagnola

Es mangelT an Zeit.Punkt Ende Jahr habe ich den letzten Zeitpunkt bekommen und Sie fragten mich, wie der Zeitpunkt sein müsste, dass ich ihn wieder abonnieren würde. Meine Antwort ist: GENAU SO, WIE ER IST.   Wenn Sie mich gefragt hätten, wie ich sein müsste, damit ich den Zeitpunkt wieder abonnieren würde, wäre die Frage stimmiger gewesen. Es liegt nämlich an mir und meinem Zeitmanagement. Und so eine Zeitschrift wie Ihre will ich nicht ungelesen ins Altpapier wandern lassen…  D.E. Entlarvung der Raubkultur Die Illusion des Geldes, ZP 116 Schön, dass es euch gibt, dass ihr den Mut und den Willen und die Zeit dafür aufbringt, für ein «gerechtes Geld» unterwegs zu sein. Es ist – vom richtigen Leben aus betrachtet – nötig, das herrschende und lebensfremde Feudalgesetz der Raubkultur zu entlarven und zu korrigieren, auf dass die Beraubung, die Betrügerei und die Zerstörung von Leben, Lebensraum und Lebewesen (auch menschlicher Art) wieder rückgängig gemacht und der Grundstein für ein lebenswürdiges Verhalten, für eine lebensdienliche Orientierung gelegt werden kann. Felix J. Kammerer J., Zürich

Massenmedien sind für die Masse,

Lesen Sie: durchschaut ! www.glaskugel-gesellschaft.ch

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… der Zeitpunkt ist für Dich!

Zum 20-jährigen Geburtstag des Zeitpunkt Die Zeit macht sich beharrlich wenig aus dem Punkt, fliegt leichtfüssig über alles hinweg, räsoniert kaum, bleibt aber offen für alles Neue, das ja kommen mag. Der Punkt hingegen braucht Zeit zum Innehalten, Hinschauen, Überlegen. Er registriert feinsinnig, hinterfragt, forscht nach, wühlt auf, stellt sich quer… das ist sein Anliegen. Der Zeitpunkt vereint beides. Er hat 20 Jahre lang durchgehalten, ist immer mal wieder unbequem in der Landschaft gestanden und gleichzeitig hat er frischen Wind in die Stuben geweht. So ist es Zeit, den 20-jährigen Geburtstag des Zeitpunkts gemeinsam zu feiern! Ganz herzliche Gratulation und ich freue mich auf weitere innovative und kreative Zeitpunkt-Impulse!  Silja Coutsicos, Schönenwerd Feminismus hat nicht ausgedient  Das unbeliebte F-Wort, ZP 118 Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen über das Image des Feminismus. Es war noch nie gut und muss es auch nicht unbedingt sein. Ich als alte Feministin vertrete den Standpunkt: Solange Menschenrechte nicht auch überall Frauenrechte sind, hat


Leserbriefe

der Feminismus noch lange nicht ausgedient. Solange Prostitution akzeptiert wird, Vergewaltigung ein Delikt ist, dass selten geahndet wird, solange muss auch der Feminismus ein Thema sein. Ein unbequemes zwar, aber ein Thema. Auf einem Aufkleber ist zu lesen: Steh auf Genossin, wehr dich gegen Sexismus, Unterdrückung, Ausbeutung! Mir gefallen die jungen Feministinnen. Sie sind (natürlich nicht alle) radikal, kompromisslos und auch freier als noch viele meiner Generation. Darum: Steht auf, Frauen dieser Welt — zusammen sind wir stark! Und es gibt noch viel zu tun. Fangen wir an — heute!  Suzanne Lehner Jeder Tag, an dem wieder ein neuer Zeitpunkt im Briefkasten liegt, ist ein besonders glücklicher Tag! K.L., B.

Gehe einmal im Leben zu weit: Rüttihubelbad! Programmauszug: (weiteres unter www.ruettihubelbad.ch) 26. bis 28. Mai Pfingsttagung Erfahrungen an der Schwelle. Mit Thomas Meyer 2. bis 3. Juni Kaspar Hauser. Mit Marcus Schneider 21. und 22. September Kaspar Hauser das Kind Europas Mit Peter Selg 28. bis 30. September Wandlung von Erde und Menschheit Mit Marko Pogacnik

Geldschöpfung ist die Grundlage heutiger Machtverhältnisse Die Illusion des Geldes, ZP 116 Sie beschreiben darin sehr zutreffend wie das heutige System eigentlich einem Schneeball-System gleicht. Im Grunde genommen ist heute kein Bewusstsein vorhanden, an was man das Geld wertemässig binden müsste, damit es sich nicht von der Realwirtschaft verselbständigen kann und die ganze Finanzwirtschaft obsolet würde. Die heutige Art der Geldschöpfung aus dem «Nichts» ist letztlich auch die Grundlage heutiger Machtverhältnisse, woran man wohl auch nichts ändern möchte. Es genügt heute wohl nicht mehr, nur einzelne «Reparaturen» am bestehenden System vornehmen zu wollen. Es braucht letztlich einen Systemwechsel, wobei die Geldfrage nur ein Teil des Gesamtproblems darstellt.  Andreas Flörsheimer, Dornach

ICH Starte Projekt

und verdiene

14. bis 16. Dezember Symbolik und Bedeutung des Maya-Kalenders Mit Marcus Schneider 26. bis 30. Dezember

10. Rüttihubeliade, das Internationale Musikfestival Das Sensorium ist das Schweizer Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne. Im Hotel und Restaurant pflegen wir den guten Geschmack. Unsere Veranstaltungen verstehen wir als Freie Universität von Denken, Fühlen, Wollen Beachten Sie auch die neuen Stationen im Sensorium rund um das Oloid; das Labyrinth; die Umkippende Perspektive; die Windharfe; die bessere Hälfte und einiges mehr. (www.sensorium.ch)

+ 41 31 700 81 81 www.ruettihubelbad.ch

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6. und 7. Oktober Rüttihubel- Märchentage

www.einfachfrei.info

Vision einer neuen Ordnung Auf der Suche nach einem lebensfreundlichen zukunftsfähigen Wirtschaftssystem: Anstelle von mehr Rohstoffe verbrauchen als vorhanden oder nachwachsen, werden alle Aufgaben des Staates inklusive Versicherungen mit einer Rohstoffsteuer finanziert. Ausgenommen von dieser Steuer ist das Trinkwasser und der Boden, der selber bewohnt und bewirtschaftet wird.   Wer keine bezahlte Arbeit findet, aber gesund ist, erhält eine existenzsichernde Rente, mit der Auflage, Zivildienst zu leisten. Diese gemeinnützige Arbeit wäre vielseitig, z.B. auch in der Landwirtschaft. Dieser Dienst von 20 bis 25 Stunden pro Woche gibt den Arbeitslosen eine sinnvolle Aufgabe, eine Struktur und gleichzeitig Freizeit für Weiterbildung, Sport und Hobbies.   Monokulturen werden regeneriert. Zuge­ lassen wird nur noch tiergerechte Haltung der Nutztiere.   Wissenschaft und Forschung sind noch mehr gefordert als bisher, Biodiversität zu schützen und zu fördern. Risikoreiche Eingriffe und Veränderungen in der Natur, die nicht rückgängig gemacht werden können, sind tabu. Dafür werden vorhandene Gefahren, wie z.B. Minenfelder, Waffenarsenale, diverse chemische und andere Verschmutzungen unschädlich gemacht, auch mit Hilfe des Zivildienstes. Neue, lebensfreundliche Technologien werden kreiert. Arbeitsplätze zu schaffen mit Mehrverbrauch von Ressourcen, ist nicht mehr nötig, denn die vielen Arbeitslosen haben ein gesichertes Einkommen, eine sinnvolle Arbeit und Zeit für eigene Kreativität. Diese Ordnung würde mehr Probleme beseitigen als das oft diskutierte «bedingungslose Grundeinkommen».  Margaretha Vögeli, Zollikerberg

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Der u n k t Zeitp e t s h äc

n. e sr e i s e e Reis Leben rosse, lang e­ g Um eg ist ein ch aussen. ge ­ eben a L n ei n ei s d e a i n D w u n n kt ei se inne e it pu n n u ns R Z n ac h e n t e s m äc h ltige kom Der n vielf ä . r r kehr t o e v s e ben ht e . n di nes Le Weg weiser eschic G e r ih ei se en r z ä h lt e r L e b e n s r e folg t d d n u n Ih r n Sie Reisen uns vo n, schreibe   e i S n e t n Wen öch Ma i a len m M it t e s i h er zä h b c . e t t it nk u ns b z e it pu tion@ k a d e r Zeitpunkt 119 65


Brennende Bärte

Naher Osten, Frieden weit

  von Christoph Pfluger

W

ährend im Heft die wachsenden Wälder gepflegt werden, wird hier auf der letzten Seite vor den krachenden Bäumen gewarnt. Erinnern Sie sich an die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein? Sie führten zu einem Krieg mit Hunderttausenden von Toten und mehreren Billionen Dollar Kosten (von den Dollar-Besitzern in aller Welt durch 20-prozentigen Wertverlust innerhalb eines Jahres wesentlich mitfinanziert). Am Ende mussten die USA zugeben: Der Kriegsgrund, die Massenvernichtungswaffen, hatten gar nicht existiert. Aber das Ziel war erreicht, das irakische Öl gesichert.

Motto: Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahr­ heit durch ein Gedränge zu tra­gen, ohne jemandem den Bart zu versengen. Lichtenberg

66 Zeitpunkt 119

Erinnert dieses Szenario nicht an die laufende Kampagne gegen den Iran, der sich zudem wie Saddam Hussein und Ghadaffi erdreistet, sein Öl nicht gegen Dollar, sondern gegen Euro zu verkaufen. Nur, der Iran ist eine alte Kulturnation, die sich nicht einfach wegschiessen lässt wie der Irak, ein britisches Reissbrettprodukt nach dem Fall des osmanischen Reiches. Wer den Iran angreifen will, muss seine Kräfte bündeln. Wie praktisch, dass Libyen gefallen und Ägypten nach der Revolution faktisch handlungsunfähig ist. Bleibt noch Syrien, der einzige arabische Staat, der sich vom Westen nicht vereinnahmen liess, beharrlich die Wiederherstellung der Grenzen von 1967 fordert und an dessen Spitze mit Bashar al-Assad der populärste Herrscher der arabischen Welt steht. Solange Assad an der Macht ist, bleibt der bereits geübte israelische Erstschlag gegen den Iran ein unkalkulierbares Risiko. Ich habe Syrien vor zwei Jahren während dreier Wochen bereist, als Tourist, aber mit intensivem politischem Interesse. Ich habe mit Dutzenden von Menschen aller Schichten gesprochen und festgestellt: Assad wird verehrt, die Korruption der Clique seines Vaters zugeschrieben. Das isolierte Land mit seiner uralten multireligiösen Tradition ist zwar arm, aber friedlich und sicher. Das sicherste Land, das ich je bereiste. Mit dieser persönlichen Erfahrung konnte ich den gewaltsamen Volksaufstand der letzten Monate einfach nicht verstehen. Da besuchte mich im Februar Freedom Ezabel, der von alternativen Radiostationen als verfolgter syrischer Schriftsteller interviewt worden Zu meiner Überraschung bestätigte er meine Zweifel und setzte noch eins drauf: Es würden auch gezielt falsche Informationen verbreitet, zum Beispiel über eine Beschiessung seines eigenen Wohnorts, von der er nicht das Geringste mitbekommen hätte.

Wer Hintergrundinformationen über Syrien sucht, ist mit dem französischen réseau voltaire gut bedient, wenn seine Website www.voltairenet.org nicht gerade gehackt wird. Frankreich, als letzte Besatzungsmacht, ist besonders eng mit dem Aufstand verbunden und hat als erstes Land (nach Libyen) den syrischen Nationalrat der Opposition anerkannt. 19 französische Armeeangehörige mit NATO-Kommunikationsanlagen sind in Syrien bereits verhaftet worden, darunter ein hoher Informationsoffizier. Was haben diese Leute dort zu suchen? Und wie gelangten die Rebellen in den Besitz der teuren Panzerabwehrraketen, mit denen sie der syrischen Armee den Granatbeschuss der besetzten Gebiete aufzwangen? Und womit bezahlen tausende von islamistischen Kämpfern die Hotels in Jordanien und in der Südtürkei, in denen sie auf ihren Einsatz in Syrien warten? Die Massenmedien beantworten diese Fragen natürlich nicht, sondern bombardieren uns mit ungesicherten Parteiinformationen und regelrechter Propaganda. So zeigte das ZDF im November einen Film, in dem Soldaten Zivilisten brutal verprügelten, angeblich aus Syrien. Das Video wurde aber 2007 aus dem Irak hochgeladen! Zu finden ist die Geschichte auf youtube mit dem Suchbegriff «Syrien: ZDF verfälscht Videos!» Zur Zeit sieht es nicht nach einem Fall Assads aus, das islamische Emirat Baba Amr in einem Stadtteil von Homs ist aufgelöst. Das verändert die strategische Lage für den gewollten Krieg gegen den Iran erheblich. Es droht ein Mehrfrontenkrieg, den sich die US-israelische Allianz gründlich überlegen wird. Dies ist ein günstiger Moment für die Friedensbewegung – wenn sie denn erkennt, dass hinter vielen Menschenrechtsgruppen geheimdienstliche Absichten und Mittel stehen. Am iranischen Nationalfeiertag war ich zu einem Empfang in der Residenz des Botschafters geladen. Es ergab sich ein einigermassen politisch unkorrektes Gespräch mit einem ehemaligen Nationalrat und einem prominenten Friedensforscher über den Propagandakrieg im Nahen Osten. Da sagt der Friedensforscher: «Ist es nicht interessant, dass wir uns exterritorial treffen, um uns offen über den Frieden auf der Welt zu unterhalten.» Was tun? Informieren Sie sich auf alternativen Kanälen und werden Sie politisch unkorrekt. Wahrer leben kann auch Spass machen.


Freir채umen!

Zeitpunkt 119 67

ZP 119 – freiräumen!  

| Für intelligente Optimistinnen und konstruktive Skeptiker

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