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Mai 2015

DAS STADTTEILMAGAZIN DER ZEITUNG AM SAMSTAG

AUSGABE MITTEL- UND OBERWIEHRE

Haus der Jugend

Tanzen, malen, skaten oder mit Tilo ins Studio Sternwaldeck

Leuchtturmprojekt f端r Studenten und andere Menschen Veranstaltungstipps in der Wiehre

Konzerte Filme Lesungen

Martin Bruch ist Leiter des Literaturb端ros Freiburg


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H E R E I N S PA Z I E R T

Orte des Erinnerns Geschichtsträchtige Orte spielen im Werk des Autors Reinhold Schneider eine besonders wichtige Rolle. Sie dienten ihm als Ausgangspunkt für literarische Reisen in die Vergangenheit. Ein Gastbeitrag.

I

n einer frühen Werkphase,Anfang der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts, als er sich rasch einen Namen als Verfasser anspruchsvoller historiographischer Romane machte, ging es Reinhold Schneider vor allem um die Erfassung und Gestaltung der Geistigkeit vergangener Epochen, die er im Rahmen seiner tragizistischen Geschichtskonzeption fruchtbar machen wollte. Dabei kommt der Beschreibung von Gebäuden, Städten und Landschaften eine besondere Bedeutung zu, ermöglichten sie doch – als etwas noch Bestehendes, das der Leser selbst besichtigen kann – Zugänge zur Geschichte. Solche Orte wurden für ihn zu Symbolen. Meisterstücke dieses Verfahrens sind zum Beispiel die Kapitel zum Escorial und zur Stadt Avila im Roman „Philipp II.“(1931). Nachdem Schneider relativ früh den Unrechtscharakter und die Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft erkannt hatte, wurde er zum Gegner des Regimes und leistete literarischen Protest. In dieser Zeit fand er zum christlichen Glauben, der für ihn zum Eckpfeiler des Widerstandes wurde. Schneider schrieb Erzählungen, Essays und Sonette, die zwischen den Zeilen Kritik an den Machthabern üben. Auch in diesen Texten arbeitete er häufig mit Ortsschilderungen. Der Beginn seines Corneille-Essay zum Beispiel gilt der Kirche Saint-Roch in Paris – eine Architekturdarstellung, die sinnbildlich die Themen des Essays spiegelt. Viele Sonette ließen sich ebenfalls als Beispiele anführen. Ab Anfang der fünfziger Jahre wurden Schneider einige der zuvor vertretenen Positionen des Glaubens fraglich – nicht zuletzt infolge der politischen Entwicklungen im Nachkriegsdeutschland: Für Schneider hatte man die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft nicht ausreichend aufgearbeitet und nicht wirklich aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Auch in dieser schweren existentiellen Krise waren es Orte, die den Autor zu vielfältigen historischen, gesellschaftskritischen, philosophischen und selbstreflexiven Gedanken anregten. Wichtige Beispiele dafür sind zwei kurz vor seinem

Tod entstandene tagebuchartige Werke. In Schneiders vielleicht bekanntesten Buch „Winter in Wien“ (1958) sind es immer wieder die Plätze und Gebäude der Hauptstadt Österreichs, die weitreichende Gedankengänge auslösen. In „Der Balkon“ (1958) schildert Schneider den Abriß seines Elternhauses, des traditionsreichen Hotels Messmer in Baden-Baden, der 1957 erfolgt ist. Mit dem Hotel wurde ein Zeuge des wilhelminischen Kaiserreichs und auch der Kindheit und Jugend Schneiders unwiederbringlich zerstört. Die Beschäftigung mit Gebäuden, Plätzen, Städten und Landschaften bot für Schneider in allen Werkphasen einen Zugang zur Geschichte, war aber nie Selbstzweck, sondern ermöglichte es, die Erfahrungen der Vergangenheit für die eigene Zeit fruchtbar zu machen. So wurde den politischen und gesellschaftlichen Strukturen seiner Zeit ein kritischer Spiegel entgegenhalten. Schneiders längjähriges Wohnhaus in Freiburg sollte auch zu einem solchen Ort der Erinnerung werden, einem Ort der kulturellen Begegnung, der dazu beiträgt, die Zukunft zu gestalten. Ralf Schuster, Verleger und Autor

Dr. Ralf Schuster geboren 1969, Studium der Germanistik und Philosophie, 1999 Promotion an der Universität Passau mit einer Arbeit zu Reinhold Schneider („Antwort in der Geschichte“, Tübingen 2001), seit 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle Frühe Neuzeit der Universität Passau, 2007 Gründung eines kleinen Verlages mit einem Schwerpunkt u. a. in der Reinhold-Schneider-Forschung, 2012-2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg. Mitherausgeber bzw. Herausgeber von zwei Sammelbänden mit wissenschaftlichen Aufsätzen zu Reinhold Schneider sowie Autor von Aufsätzen über Reinhold Schneider.

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S C H Ö N E AU S S I C H T E N

Inhaltsverzeichnis Herein Spaziert: Gastbeitrag von Ralf Schuster __ Seite 3 Haus der Jugend: Tanzen, Skaten, Musik machen __ Seite 5 Reinhold-Schneider: Was passiert mit der Villa? ______ Seite 8 T66 Kulturwerk: Ausstellung im Turm ________ Seite 11 Sternwaldeck: Berlin in Freiburg

__________ Seite 14

Freiburger Barockorchester: Großes Glück im Ensemblehaus Seite 16 Schule statt Franziskanerkloster: Individuelles Lernen ________ Seite 21 Literaturbüro: Stätte des Feingeistes ________ Seite 26 Veranstaltungs-Tipps ________ Seite 31 Abdruck: Marc Buhls neuer Roman ____ Seite 34

IMPRESSUM Stadtteilmagazin Zeitung am Samstag Verlags GmbH Benzstraße 22, 79232 March Tel. 07665-93 458-0 Fax 07665-93 458-286 Geschäftsführer: Christopher Kunz, Rüdiger van der Vliet Chefredakteurin: Barbara Breitsprecher (visdp) Tel. 0174-16 37 446 Redaktion: Michael Zäh, Tel. 0170-73 91 787 e-mail: redaktion@zas-freiburg.de Titelfoto: Michael Zäh Verkaufsleitung: Michael Metzger, Tel. 07665-93 458-21 e-mail: m.metzger@zas-freiburg.de Grafik, Layout & Herstellung: dtpwork design, Herbolzheim Adrian Kempf, Tel. 07643-39 42 65 00 e-mail: layout@dtpwork.de Meisterdruck GmbH Druckerzeugnisse Kreuzmattenstraße 13 79276 Reute bei Freiburg Tel: +49 (0) 7641-9178-0 info@meisterdruck.de

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Stilvoll und voller Überraschungen Zur ersten Ausgabe des neuen Wiehre-Magazins für die Mittel- und Oberwiehre Sie halten es in den Händen: Unser erstes Wiehre-Magazin, das sich speziell der Mittel- und Oberwiehre widmet. Künftig wollen wir zweimal im Jahr ein solches Heft, das sich intensiv mit diesem Freiburger Stadtteil befasst, herausbringen. Stattliche Gründerzeit-Häuser und üppige Gärten, exklusive Villen und lebhafte Studenten-WGs, Nähe zur Innenstadt und ebenso zu Stadtrand und Natur – die Vorzüge der Wiehre sind bestechend. Beim Schlendern in den Straßenzügen zwischen großbürgerlichen Wohnhäusern kommt es zu überraschenden Begegnungen wie dieser: Eine Ape, einer dieser typisch italienischen, dreirädrigen Kleintransporter, hat lässig ihre Seiten hochgeklappt und bietet an einer Ecke der Dreikönigstraße wunderbaren Espresso und Latte Macchiato. Wiehreleben – das ist eben Wohnen mit Stil. Eine stilvolle Villa mit Charme ist auch die frühere Heimat des Dichters Reinhold Schneider in der Mercystraße, dessen Name seit 1960 für einen Freiburger Kulturpreis steht. Über die Zukunft des leerstehenden Hauses wird hitzig debattiert. Nicht nur unser Gastbeitrag, verfasst von dem Passauer Reinhold-Schneider-Experten Ralf Schuster (S.3), befasst sich deshalb in diesem Magazin mit diesem Thema. Mit diesem Magazin und unserer langjährigen Erfahrung als Team der Zeitung am Samstag möchten wir die Wiehre gerne begleiten, auf einem Weg, der Veränderungen bringt und Traditionelles erhält. Dazu gehören Porträts und Interviews von Menschen und Gruppen, die sich für ihren Stadtteil stark machen. Ebenso gehört aber dazu, heiß diskutierte Themen aufzugreifen – denn auch eine konstruktive Auseinandersetzung, bei der am Ende eine sachliche, gut begründete Lösung gefunden wird, ist etwas, was einen Stadtteil stark macht. Und natürlich möchten wir Veranstaltungen und Termine nennen, die für die Bürgerinnen und Bürger interessant sind. In diesem Sinne wünsche ich eine anregende Lektüre. Barbara Breitsprecher Chefredakteurin Magazin


H AU S D E R J U G E N D

©Foto: Barbara Breitsprecher

Einfach mitmachen! Wer tanzen möchte tanzt, wer singen will singt und wer immer schon mal eine Gitarre in die Hand nehmen wollte, ist hier richtig. Das Haus der Jugend bietet viele themenorientierte Kurse für Kinder und Jugendliche an, die alle kostenfrei sind. ©Foto: Fionn Grosse

Seit 16 Jahren ist das Jugendbildungswerk der Träger des Haus der Jugend. Das städtische Gebäude aus dem Jahr 1966 in der Uhlandstraße hat durchaus

kus Harlekin, das Jugendbüro und das Haus der Jugend als eigene pädagogische Abteilung. Im Gegensatz zu dem offenen Angebot der klassischen Jugendarbeit, wie es meist nach wie vor in Jugendzentren praktiziert wird, wo Jugendliche einfach kommen und sich treffen, gibt es im Freiburger Haus der Jugend nur themenorientierte Angebote, die allesamt kostenfrei sind. Musik, Tanz, Bewegung und Sport oder Kunst – für alle Interessensgebiete findet sich hier ein Kursangebot. Lediglich der offene Kinderbereich, für Kinder bis zwölf Jahren, ist mit Kickern und diversen Spielen ausgestattet und unabhängig von themenorientierten Kursen  ©Foto: Isabela Campos da Costa

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ie Türen sind schalldicht und wer nicht weiß, was einen im Keller erwartet, ist bass erstaunt. Vor einem Computer sitzt Tilo Fierravanti und schiebt ein paar Regler hoch. Neben ihm ein junger Gitarrist, der mit den Füßen wippt, während hinter einer Glasscheibe ein anderer junger Mann mit Kopfhörern steht. Sein Gesang dringt allerdings nur aus Lautsprechern herüber. Wir sind im Aufnahmestudio im Haus der Jugend, die Band Sheen mischt gerade einen neuen Song.

einigen Sanierungsbedarf und es ist sicher keine Schönheit, dennoch bietet es für Tilo Fierravanti „ideale Räumlichkeiten“. Seit 23 Jahren ist Tilo Fierravanti ein Teil des Teams beim Haus der Jugend, seit dem Jahr 2000 ist er der Leiter der Einrichtung. Unter einem Dach befinden sich hier die Jugendkunstschule, der Cir-

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H AU S D E R J U G E N D

©Foto: Barbara Breitsprecher

Tilo Fierravanti (rechts) ist der Leiter des Haus der Jugend. Jeden Samstag Nachmittag bietet er auch kostenfrei Studioaufnahmen für Bands an, außerdem coacht er eine Kinderband.

Beispiel auch ein Bandtreffen angeboten, in den Anfängen übernimmt Tilo Fierravanti das Coaching, später können die Bands dann selbstständig proben Und natürlich gibt es dann professionell vorbereitete Konzerte mit den Bands. Dazu trägt auch „MyStage“ in Kooperation mit der Jazz- und Rockschule bei (siehe Veranstaltungs-Tipps). Als weitere Auftrittsmöglichkeit bietet sich der 28. Juni auf dem Kanonenplatz oben auf dem Schlossberg an. „Freiburg stimmt ein“ heißt das kostenfreie Kultur- und Musikfestival zum Mitmachen, das vor allem jugendliche Singer-Songwriter ansprechen soll und bei dem alle Bands unplugged auftreten. Auch das Haus der Jugend und seine Musiker werden dabei mitmachen und Tilo Fierravanti wird sich um die komplette Infrastruktur kümmern. Eine andere Auftrittsmöglichkeit für die Haus der Jugend-Bands ist außerdem die jährliche Kooperation mit

©Foto: Tilo Fierravanti.

©Foto: Fionn Grosse

geöffnet. Unter den vielen Angeboten gibt es Gruppen für Anfänger oder Jüngere, die von Mitarbeitern oder Honorarkräften begleitet und angeleitet werden. Für die Fortgeschrittenen und älteren Jugendlichen gibt es Gruppentreffen unter deren eigener Regie. So wird zum

©Foto: Fionn Grosse

dem ZMF. Die starke musikalische Unterstützung und Förderung für Musiker und Bands ist zum großen Teil Tilo Fierravanti zu verdanken, der leidenschaftlicher Schlagzeuger ist und über sich selbst sagt, er sei „musikaffin“. Zudem verfügt er über viele nützliche Kontakte in der Musikbranche. Das Haus der Jugend bietet den Bands auch Proberäume an (übrigens das einzige kostenpflichtige Angebot, für 25 Euro pro Monat), wobei das gesamte Material und Instrumente gestellt werden, ebenso ein eigenes Tonund Aufnahmestudio. Jeden Samstag Nachmittag können Bands, Sängerinnen

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und Sänger kostenfrei mit Tilo Fierravanati ihre Stücke im Keller-Studio professionell aufnehmen. Um Kinder an die Musik heranzuführen bietet der Haus der Jugend-Leiter auch ein Bandcoaching an. Kinder, die mitmachen wollen, brauchen keine eigenen Instrumente, sondern können im Haus der Jugend ausprobieren, welches Musikinstrument ihnen liegt. Immer wieder erlebt Tilo Fierravanti, wie die Kinder Feuer fangen, großen Spaß haben und schließlich zielsicher ein eigenes Instrument haben wollen, an dem sie sich dann auch gerne unterrichten lassen. Der

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H AU S D E R J U G E N D

Wir

Küchen

©Foto: Fionn Grosse

dynamische Leiter des Haus der Jugend ist vom Prinzip, Jugendlichen konkrete Angebote zu machen, statt lediglich ein offenes Haus zu bieten, absolut überzeugt. Ihn reizt dabei vor allem die konstruktive Arbeit auf Augenhöhe mit Jugendlichen: „Du gibst, aber du bekommst auch viel zurück“. Ein weiterer Pluspunkt der Kurse ist, dass die Verständigung unter den Jugendlichen über das Thema zustande kommt und damit auch für Migranten

SCHAUSONNTAG

©Foto: Tilo Fierravanti

Im Haus der Jugend werden viele Kurse angeboten, die alle kostenlos sind: unter anderem Malen, Skaten, Tanzen und Musikmachen.

kein Problem ist. „Die Integration läuft übers Thema“. erläutert Tilo Fierravanti. „Da wird dann in vielen Sprachen gesprochen, das ist echt cool und macht richtig Spaß.“ Neben den musikalischen Angeboten gibt es unter anderem auch Kurse für Skaten, Klettern, Malen oder Tanzen. Bei den TanzKursen kann man sich von Honorarkräften anleiten lassen und Choreografien einüben oder in der Tanzwerkstatt eigenständig mit einer Gruppe proben. Wobei auch hier in den Räumen mit den großen Spiegeln die Musikanlage gestellt wird. Auftrittsmöglichkeiten gibt es dann bei Hip-Hop-Festivals und anderen Events. Die Auswirkungen des verkürzten G8-Gymnasiums kann Tilo Fierravanti durchaus spüren: „Die Kids sind unglaublich zugeballert mit Schule, der Leistungsdruck ist enorm hoch“. Viele Schülerinnen und Schüler hätten kaum noch Freizeit, „da ist Oberkante“. 15 hauptamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiteinnen arbeiten im Team des Haus der Jugend, hinzu kommen weitere Honorarkräfte für die Kurse. So ist gewährleistet, dass jeder Jugendliche kommen kann: „Leute, die Lust haben, aber talentfrei sind und solche, die voller Talent stecken und hier gefördert werden“, erklärt Tilo Fierravanti. Und für die besonders Begabten können die Haus der Jugend-Mitarbeiter dann mit Kontakten weiter helfen und die Jugendlichen gezielt fördern. Barbara Breitsprecher

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REINHOLD SCHNEIDER

Mercystraße 2

Eine Villa für den Freigeist Was passiert mit dem Reinhold-Schneider-Haus? Die leerstehende, denkmalgeschützte Villa ist sanierungsbedürftig, den angrenzenden Park will die Treubau Freiburg bebauen. Die Stadtverwaltung hat nichts dagegen.

Das Reinhold-Schneider-Haus: In der Villa in der Mercystraße 2/Ecke Lorettostraße lebte der Schriftsteller von 1938 bis 1958. Foto: Barbara Breitsprecher

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as Grundstück, das die Villa in der Mercystraße 2 umgibt, darf bebaut werden, dafür hat die Stadt Freiburg im Sommer 2014 die Erlaubnis erteilt. Das denkmalgeschützte, seit Jahren leerstehende Haus, in dem der Schriftssteller Reinhold Schneider von 1938 bis zu seinem Tod 1958 lebte, steht zum Verkauf. Es gehört inzwischen der Treubau Freiburg AG. Für die Treubau ist das Grundstück Mercystraße 2 ein „Projekt in Vorbereitung“. Die Stadtverwaltung hat grundsätzlich keine Einwände gegen die geplante Bebauung mit zwei Häusern, Tiefgarage und einem Anbau an die bestehende Villa. Was mit der sanierungsbedürftigen Villa selbst geschehen soll ist unklar. Ein Initiative engagierter Freiburger und Freiburgerinnen, die größtenteils in der

Wiehre wohnen, möchte verhindern, dass es zum Abriss der Villa kommt. Eine Idee ist die eines Bürgerhauses für die Wiehre. Nach ersten Schätzungen des Reinhold-

» ALLE KATASTROPHEN HABEN SICH IM GEISTIGEN UND SITTLICHEN EREIGNET.“ REINHOLD SCHNEIDER, 1956 Schneider-Initiativkreises würde der Kauf und die Sanierung des alten Hauses rund 2,5 Millionen Euro kosten. Grundsätzlich soll das Haus nach dem Wunsch der Initiative an seinen Namensgeber erinnern, jedoch in einer dem Heute zugewandten Form, als ein Zentrum für den Dialog der

Kulturen. Seit 1960 vergibt die Stadt Freiburg den Reinhold-Schneider-Preis, ein Kulturpreis für Literatur, Bildende Kunst und Musik. Ganz in diesem Sinne wünscht sich die Initiative ein freigeistiges Haus, das eine autonome Haltung und Toleranz gegenüber anderen Weltanschauungen und Religionen lehrt und pflegt. Auch der Park – so er denn nicht bebaut wird – könnte in dieses umfassende Projekt mit einbezogen werden. „Alle Katastrophen der Geschichte haben sich im Geistigen und Sittlichen ereignet, ehe sie sich in materiellen Machtkämpfen dargestellt haben. Sie sind also angewiesen auf ein bestimmtes Klima des Denkens, Glaubens, Wünschens; wo sie dieses nicht spüren, brechen sie nicht vor.“ Das sagte Reinhold Schneider in seiner Rede, anlässlich des ihm 1956 verliehenen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Barbara Breitsprecher


REINHOLD SCHNEIDER

Reinhold Schneider (1903-1958)

G

eboren wurde Reinhold Schneider in einem noblen Baden-Badener Hotel – es gehörte seinen Eltern. Unter anderem Kaiser Wilhelm I. residierte wann immer er ins Badische kam in diesem Hotel.

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Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs brach auch die gewohnte Welt der Familie Schneider auseinander: Das Hotel musste aufgrund finanzieller Schwierigkeiten schließen, die Mutter verließ die Familie und 1922, kurz nach Reinhold Schneiders 19. Geburtstag, nahm sich der Vater das Leben. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete Reinhold Schneider zunächst jahrelang als kleiner Angestellter, ehe er es gegen 1928 wagte, sich aufs Schreiben zu konzentrieren. Als Schriftsteller verfasst er zunächst vor allem geschichtsphilosophische Werke. In Berlin und Potsdam erlebte er das Ende der Weimarer Republik und das Erstarken des Nationalsozialismus. Dagegen schrieb er an, der große, schlaksige Mann, widerständische Literatur, vor allem Sonette und Essays gegen den Krieg, Erzählungen über den politischen Anstand. 1938 kommt er nach Freiburg. Er schreibt weiter und wird Mitglied des „Freiburger Kreises“, einer katholischen Vereinigung um den Publizisten Karl Färber. Wegen seiner von den Nazis als subversiv eingestuften kritischen Schriften, bekam Rein-

Der Antichrist Er wird sich kleiden in des Herrn Gestalt, Und seine heilige Sprache wird er sprechen Und seines Richteramtes sich erfrechen Und übers Volk erlangen die Gewalt. Und Priester werden, wenn sein Ruf erschallt, zu seinen Füßen ihr Gerät zerbrechen, Die Künstler und die Weisen mit ihm zechen, Um den sein Lob aus Künstlermunde hallt. Und niemand ahnt, daß Satan aus ihm spricht Und seines Tempels Wunderbau zum Preis Die Seelen fordert, die er eingefangen; Erst wenn er aufwärts fahren will ins Licht, Wird ihn der Blitzstahl aus dem höchsten Kreis Ins Dunkel schleudern, wo er ausgegangen. (Reinhold Schneider, 1939) !!

hold Schneider keine Lebensmittelmarken und lebte in großer Armut. Seine Gedichte wurden heimlich weitergereicht. Immer wieder findet die Gestapo in verschiedenen deutschen Städten Schriften von ihm, die Gleichgesinnte abgetippt und weitergegeben hatten oder die heimlich im elsässischen Colmar gedruckt worden waren. Dank der Hilfe des Pfarrers Alois Eckert und einer Bauernfamilie wird Reinhold Schneider, der inzwischen zwei Zimmer in der Villa in der Mercystraße bewohnt, heimlich mit Brot und Lebensmitteln versorgt. Im Frühjahr 1944 wird seine Wohnung von der Gestapo durchsucht, Reinhold Schneider versteckt sich rechtzeitig, unter anderem in einem kirchlichen Stift. Nach dem Krieg erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. Er machte sich entschieden gegen eine deutsche Wiederbewaffnung stark, was ihm sowohl Anerkennung aber auch eine zunehmende Isolierung in der Öffentlichkeit einbrachte. Es wurde still um ihn. 1958 starb er an den Folgen eines Sturzes im Alter von 54 Jahren. Sein Werk umfasst etwa 200 Titel, sein umfangreicher Nachlass, darunter zehntausend Briefe, befindet sich im ReinholdSchneider-Archiv in der Badischen Landesbibliothek. Sein ehemaliges Wohnhaus in der Mercystraße 2 wurde 2009 als Kulturdenkmal eingestuft. Barbara Breitsprecher

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Ein Turm für die Künste

Es ist der großen, alten Glasfassade zu verdanken, ebenso wie dem großen Wandbild des Heiligen Christopherus, dass der Atelierturm des Freiburger Künstlers Fritz Geiges von 1889 unter Denkmalschutz steht. Über 80 Ausstellungen mit Kunst aus der regionalen und internationalen Szene wurden vom T66 Kulturwerk inzwischen organisiert, oft auch mit Verweisen auf historische und kulturpolitische Themen. Häufig gibt es dabei auch eine Interaktion mit anderen künstlerischen Sparten wie Musik, Literatur oder Tanz. Ebenso wird hier philosophischen und ethischen Fragestellungen Raum gegeben. Auch zu Kooperationen mit der Uni Freiburg kommt

» ICH BIN IMMER AUF DER SUCHE NACH DEM BESONDEREN.“ G. MARTIN KRAUSS, DIREKTOR T66 KULTURWERK Berufsverbandes Bildender Künstler, für den Verein T66 Kulturwerk ist er seit 15 Jahren als freier Mitarbeiter tätig. Der Kunsthistoriker, Germanist, Volkskundler und Kulturmanager, der in München, Tübingen, Heidelberg und Freiburg studiert hat und der auch schon im Großhandel als Kaufmann gearbeitet und Kenntnisse im Programmieren hat, weist beste Voraussetzungen für die Aufgabenstellung auf, die zusammen mit seiner inzwischen langjährigen Erfahrung verschmolzen sind: Unbedingtes Verständnis für Kunstschaffende, ein gesellschaftsnahes, der Öffentlichkeit zugewandtes Ansinnen sowie das Geschick, Fördertöpfe für Kunstprojekte aufzutreiben. G. Martin Krauss versteht sich als Intendant, immer ist er auf der Suche nach dem Besonderen, keinesfalls will er jedoch in künstlerische Prozesse eingreifen. Die Aus-

©Foto: Martin Krauss

stellungen werden eigenständig von den Künstlerinnen und Künstlern erarbeitet, wobei sie von G. Martin Krauss jede Unterstützung erfahren. Finanziell gefördert wird das T66 Kulturwerk von einem Förder- und Freundeskreis sowie von der Stadt Freiburg und ebenso projektbezogen vom Regierungspräsidium Freiburg sowie anderen Institutionen und Einrichtungen. Das T66 Kulturwerk versucht bewusst jeglichen musealen und kommerziellen Charakter zu vermeiden. Stattdessen will es eine Galerie sein, die zur Reflexion und Diskussion animiert. Und es will Raum geben für künstlerische Experimente, die so anderswo vielleicht nicht möglich wären. Barbara Breitsprecher

©Foto: Architekturbüro ABMP

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twas versteckt liegt im rückwärtigen Bereich der Talstraße, kurz bevor sie in die Schwarzwaldstraße mündet, ein Kleinod: Ein alter Atelierturm, in dem moderne Ausstellungen zu sehen sind, eingebettet in eine parkähnliche Umgebung und umgeben von modernen, offen konstruierten Wohnbauten. Das Kulturwerk T66 (Talstraße 66) hat den Turm seit 2004 angemietet und für nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler eine ungewöhnliche Plattform geschaffen.

es bisweilen, wenn zum Beispiel eine Ausstellung Kunst und Wissenschaft verknüpft. Ein außergewöhnliches Konzept in außergewöhnlichen Räumen. Denn den Künstlern wird zum einen in ihrer Ausstellungskonzeption völlig freie Hand gelassen, zum anderen geben jedoch die relativ kleinen Räume in den verschiedenen Stockwerken einen eingeschränkten Rahmen vor. Immer wieder kommt es auch zu Kunstprojekten, die nach außen, in die Gesellschaft drängen: Kooperationen mit Schulen, Altersheimen, Flüchtlingen oder dem Gefängnis. Die Freiheiten für die Künstler sowie Ausstellungen für die Öffentlichkeit zu zeigen, sind die zentralen Anliegen des T66-Direktors G. Martin Krauss, der sein Büro in der Galerie des Turms hat. Er stammt aus Stuttgart und lebt seit 33 Jahren in Freiburg. Seit 23 Jahren ist er zudem Geschäftsführer des

©Foto: Martin Krauss

©Foto: Martin Krauss

Im alten Atelierturm des Künstlers Fritz Geiges in der Talstraße 66 befinden sich heute die Ausstellungsräume des T66 Kulturwerks. Der Turm bietet Freiheit für künstlerische Experimente, ohne kommerziellen Charakter.

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T 66 K U LT U R W E R K

©Foto: Jürgen Rösch

©Foto: Daniel Fetzner

Von Menschen und Insekten Durchschnittlich acht bis neun Ausstellungen pro Jahr zeigt das T66 Kulturwerk im ehemaligen Fritz-Geiges-Turm in der Talstraße 66. Teilweise wandern die Präsentationen auch ins EWerk, ins Kunsthaus L6, zum Centre Culturel Français Freiburg oder nach Müllheim ins Markgräfler Museum. Um noch mehr Skulpturen-Projekte im umliegenden Park anbieten zu können, hofft T66 Kulturwerks-Direktor G. Martin Krauss auf eine baldige Veränderung der Eingangssituation zu Gelände und Turm. Bislang führt das Entrée als schmaler Durchgang zwischen Maschendrahtzäunen hindurch. Vergangenen Februar zeigte die T66-Galerie über zwei Etagen des Turmes eine Ausstellung mit Bildern von Holger Bleyhl (unteres Foto) unter dem Titel „Kontrast“. Und hier zeigte sich: Gerade in der engen Nachbarschaft zueinander entwickelten die Gemälde eine ungemein dialogische Kraft. Noch bis zum 21. Mai ist die aktuelle Ausstellung„BUZZ/Parasitäre Ökologien“ von Daniel Fetzner und Martin Dornberg im T66 Kulturwerk zu sehen. Das interdisziplinäre Forschungsprojekt umfasst Filme, Performances und Vorträge. Den beiden Künstlern und Wissenschaftlern geht es um die Mensch-Tierbeziehung unter besonderer Berücksichtigung von Insekten und Parasiten. Im Garten, an der Fassade, sowie in den Stockwerken der Turm-Galerie sollen unterschiedliche Blickachsen von Beobachtung und Annäherung realisiert werden. Dazu gehört auch ein eigens eingerichtetes Insektenlabor. Parallel finden auch weitere Veranstaltungen zur Ausstellung im Kommunalen Kino und in der Universität Freiburg statt. Daniel Fetzner hat Architektur und Combined Media Studies studiert, lehrte als Professor an der Hochschule Furtwangen und seit 2014 an der Hochschule Offenburg. Er ist Medienwissenschaftler und Medienkünstler und betreibt künstlerische Forschung zur Phänomenologie. Der Mediziner Martin Dornberg leitet das Zentrum für Psychosomatik und Psychotherapie am RKK-Klinikum im St. Josefskrankenhaus. Zusammen mit Daniel Fetzner und Monica Alarcon gründete er 2008 die interdisziplinäre Forschungsgruppe mbody. Das Installationsfoto (oben), wurde im Indian Institut of Science (IIS) in Bangalore aufgenommen.Im indischen Bangalore wirkte Daniel Fetzner zeitweise als Gastdozent. Der indische Insektenforscher Raghavendra Gadagkar, der auch die Einführungsworte zur Ausstellungseröffnung sprach, ist überzeugt: „Die Tiere halten uns einen Spiegel vor. Das sollte uns ermöglichen, über uns zu reflektieren.“ T66 kulturwerk Talstrasse 66 79102 Freiburg www.t66-kulturwerk.de Öffnungszeiten der Ausstellungen Do. Fr. und So. 14 bis 18 Uhr und nach Voranmeldung t66-kulturwerk@t-online.de Infos zur aktuellen Ausstellung: http://buzz.metaspace.de

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©Foto: Martin Krauss


©Foto: Martin Krauss ©Foto: MArtin Krauss

des Geiges-Turmes

Chronologie

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rofessor Fritz Geiges (1853 bis 1935) ließ sich 1889 einen Turm bauen, als Atelier für seine Arbeiten. Eine Seite des Turmes bestand aus großen Fenstern, hier war es ihm möglich mit einer Art Aufzugsystem sehr großformatige Werke unter optimalen Bedingungen herzustellen. Das Spezialgebiet des renommierten Künstlers war die Glasmalerei und die Restauration. Er bemalte unter anderem das Schwabentor mit dem Drachentöter, entwarf das Bodenmosaik des Kölner Doms und restaurierte die spätgotischen Fenster des Eichstätter Doms von Hans Holbein. Nach seinem Tod wurden Turm und Nebengebäude von der Freiburger Kunstakademie als Atelier- und Ausstellungsräume genutzt. 1956 wurde diese Akademie in die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe als Außenstelle eingegliedert. Die beliebten und begehrten Turmräume waren jetzt den Meisterschülern unter Prof. Peter Dreher vorbehalten. 1999 beschloss die Akademie Fritz Geiges nach einem sich neue Räume zu suchen, da Porträt von Hugo Vogel, 1925 das Raumangebot nicht mehr den Erfordernissen entsprach. Inzwischen war die Bausubstanz der Gebäude in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand. Letztlich wurden die Nebengebäude abgerissen, nur der denkmalgeschützte Turm blieb stehen. 2002 entwarfen die Architekten Amann und Burdenski ein Konzept für das Grundstück, das eine gemischte Nutzung aus Kunst und Wohnen möglich machen sollte. Es fand sich eine private Bauherrengemeinschaft, die unter dem Namen „3W – Wiehre Werken Wohnen“ dieses Konzept umsetzte. Die Baugruppe ließ den Atelierturm und das wandfüllende Christopherus-Bild mit finanzieller Unterstützung des Landesdenkmalamtes sanieren. Auf dem umliegenden Grundstück mit Parkcharakter entstanden drei Neubauten mit klarer Formsprache und individuell zugeschnittenen Grundrissen. Seit 2004 hat das Kulturwerk T66 den Turm angemietet und bietet hier regelmäßig diverse Ausstellungen.

DAS STADTTEILMAGAZIN DER ZEITUNG AM SAMSTAG Das nächste Wiehre-Magazin erscheint am 21. November 2015. Anzeigenschluss ist der 6. November 2015 Anzeigen-Verkaufsleitung: Michael Metzger, m.metzger@zas-freiburg.de, Tel. 07665 / 93 458 21 Kulturtipps und Termine gerne an: redaktion@zas-freiburg.de

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S T E R N WA L D E C K

Im Sternwaldeck, Dreikönigstraße 47, pulsiert das Leben mit einer bunten Mischung aus Studierenden, älteren Einwohnern, Hängengebliebenen und Zurückgekommenen. Ralf Augustin macht das Ganze sichtlich Spaß.

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as Schlüsselbrett. Inmitten der zwar schwer kulturell angehauchten, aber dann doch auch vor allem gut- bis großbürgerlichen Wiehre findet sich dieses Schlüsselbrett. Oder vielmehr: Es findet sich im Geiste, entspricht und unterstreicht aber exakt die Besonderheit des Eckhauses, Dreikönigstraße 45/47. Würden die Bewohner dieses Hauses ihre Schlüssel an das Schlüsselbrett hängen, dann wären dies 90 Schlüsselbunde,

mit verschiedensten Anhängern, die womöglich verschiedenste Nationen kenntlich machen würden. Dieses Haus besticht eben durch pulsierendes Leben, eine bunte Mischung an Mietern, ein Multikulti-Miteinander. Irgendwie Berlin mitten in Freiburgs Wiehre. Also klar, es ist ein Haus, in dem viele Studierende ihr Zimmer gefunden haben, aber es ist kein reines Studentenhaus, und erst recht kein Studentenheim. Es hat Zimmer und Wohnungen verschiedener Größen, von Luxus bis schlicht, aber immer und überall mit dem Altbaucharme ausgestattet, hohe Decken, oft mit Stuck, viel Licht durch große Fenster. Dies alles ist immer in Windeseile vermietet, wenn etwas frei wird. Wenn nämlich jemand Freiburg wieder verlässt, dann hat er längst jemandem davon erzählt, wie das Leben da pulsiert, eingebettet in der beschaulichen Wiehre, in diesem Haus, das früher einmal ein Hotel war. Und es ist wohl auch so, dass nahezu jeder in de

Ralf Augustin, Besitzer und Vermieter der Häuser 45 und 47 in der Dreikönigstraße.

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Wiehre jemanden kennt, der einmal in diesem Haus gewohnt hat. Es hat sich sozusagen im Laufe der Zeit in die Geschichte der Wiehre eingeschrieben, als eine Besonderheit, die man nicht vergisst. Und manche sind ja auch in dem Haus wohnen geblieben als sie längst keine Studenten mehr waren. Weil man offenbar von der Atmosphäre dieses Hauses schwer wieder weg kommt. Den Kaffee holen sich die Leute, längst nicht mehr nur die Studenten des Sternwaldecks, von der fahrbaren Ape, die direkt an der Ecke Stellung bezogen hat. Bei schönem Wetter ist das dann ein Happening, rundum in Liegestühlen, auf dem Steinmäuerchen daneben, auf der Wiese weiter hinten. Die Ape könnte jederzeit wegfahren, diese großartige Kaffeemaschine auf drei Rädern, aber das tut sie nur nachts oder bei ganz schlechtem Wetter. Das Improvisierte daran hat wieder diesen Hauch von Spontanität und Aufgeschlossenheit. Ralf Augustin passt dazu. Er ist der Besitzer und Vermieter von Haus 47 der Dreikönigstraße. Er hat das Schlüsselbrett übrigens ins Internet gestellt und man kann wunderbar damit rumspielen. Er hat selbst einen etwas ausgefallenen Ge-


S T E R N WA L D E C K

Mit Stuck und Kronleuchter: Eine der Wohnungen im Haus 47 der Dreikönigstraße, die gerade renoviert wurde. Alle Fotos: Augustin

schmack, fährt mitunter mit seinem Londoner Oldtimertaxi durch die Gegend, hat überhaupt einen Faible für alte Dinge, die noch etwas taugen, wie etwa die Kinosessel in seinem Büro, und geht die moderneren Dinge, wie etwa die Homepage, mit Phantasie und reichlich Humor an. Ziemlich britisch. Sein Büro hat der Immobilienmakler nebenan im Haus 45, das er zuerst gekauft hat und das mit Haus 47 verbunden ist. In den weißen Lattenzaun, der das Stück Rasen vor seinem Büro umgibt, hat Ralf Augustin ein kleines Bänkchen einbauen lassen: „Zaungast bei Augustin“ steht darauf geschrieben. Diese offene Art hat der Vermieter von 90 Mieteinheiten auch seinen Mietern gegenüber. Dauernd kommt jemand oder ruft an, manchmal auch nachts, wenn der Zimmernachbar Lärm macht. Im Schnitt gibt es zwei Mieterwechsel im Monat und es ist eine vielschichtige Angelegenheit, das alles immer zu managen. Denn Ralf Augustin investiert nicht nur viel Zeit und Aufwand in die Häuser 45 und 47 in der Dreikönigstraße. Sondern auch Geld, und zwar dort, wo man es gar nicht sofort sieht: Vergangenes Jahr hat er für die Gebäude ein gemeinsames Blockheizkraftwerk einbauen lassen, das die Häuser mit warmem Wasser, Strom und Wärme versorgt. Die Stadt Freiburg hat das als eines ihrer Leuchtturmprojekte unterstützt und ausgezeichnet. Bei einem Rundgang durch das Haus 47 erzählt Ralf Augustin, was er als nächstes vorhat. Auch das spielt sich zunächst im Keller ab, wo gerade ein Elektriker eine Unmenge an Kabeln verstaut. „Es soll jetzt in jeder Wohneinheit einen separaten Internetanschluss geben“, erläutert Augustin. Gleich nebenan ist eine Waschküche, frisch renoviert, mit Top-Maschinen in Reih und Glied. Und dann weiter oben, auf den jeweiligen Stockwerken, sollen bald große Aufenthaltsräume entstehen, wo heute noch gar keine Räume sind. Sie werden angebaut wie ein Wintergarten, Der Charme großzügiger Baderäume, einfach dazu gezaubert. gepaart mit der Eleganz gekonnter Und sind dann für alle da. Renovierung. Michael Zäh

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FREIBURGER BAROCKORCHESTER

Einmalig:

Das Freiburger Barockorchester probt seit 2012 zusammen mit dem ensemble recherche im eigenen Ensemblehaus und hat hier ideale Bedingungen gefunden.

Musiker und Verwaltung verbindet nun ganz kurze Wege , während früher das Büro des Barockorchesters in der Bertoldstraße war, die Proben der Musikerinnen und Musiker aber in Zähringen stattfanden. Aufgeführt werden die Stücke in Freiburg nach wie vor meist im Konzerthaus. „Man kommt als Ensemble ganz anders in der Stadt an, wenn man ein eigenes Haus hat“, freut sich Hans-Georg Kaiser, der Intendant des Barockorchesters. Alle Proben finden nun in unterschiedlichen Orchestergrößen im Ensemblehaus statt. Das Haus bietet hierfür einen optimalen

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Raum , der einen noch feineren Klang ermöglicht. Die Musikerinnen und Musiker können sich gezielt auf diesen Raum und seine Akustik einstellen und sich dabei weiter entwickeln. „Denn auch der Raum ist ein Instrument“, erläuter Henning Bey,

zuständig für Dramaturgie sowie Presseund Öffentlichkeitsarbeit beim Barockorchester, „und als solcher kann er auch ganz neue Inspirationen vermitteln.“ Einen weiteren großen Pluspunkt hebt Hans-Georg Kaiser hervor: „Wir können

©Foto: Marco Borggreve

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it dem eigenen Ensemblehaus in der Schützenstraße, neben der alten Stadthalle, hat das Freiburger Barockorchester seit drei Jahren ideale Bedingungen gefunden.

©Foto: Roland Halbe

Vom Studentenorchester zum eigenen Probenhaus


FREIBURGER BAROCKORCHESTER

©Foto: Roland Halbe

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©Fotos: Barbara Breitsprecher

jetzt Gastgeber sein“. Das spielt besonders für Kinder und Jugendliche eine Rolle, denn das Freiburger Barockorchester kümmert sich mit Workshops und Begabtenförderung auch intensiv um die Nachwuchsarbeit. Das Ensemblehaus verfügt über einen Kammermusiksaal, Instrumentenlager und größere Übungsräume. Außerdem gibt es hier einen CDAufnahmeraum. So hat beispielsweise das Arditti Quartett aus London hier seine aktuelle CD aufgenommen. Sehr leise Stücke, was ausgezeichnet funktioniert hat. Die Stadt Freiburg hatte mit dem neuen Ensemblehaus die Hoffnung auf eine „Musikspange“: Hochschule für Musik, Ensemblehaus und dann noch die Musikschule hinein in die alte Stadthalle. Letzteres hat sich zerschlagen, obwohl das Barockorchester eine solches Triptychon gerne gesehen hätte. „Das Ensemblehaus steht an einem guten Platz“, ist Hans-Georg Kaiser überzeugt. Zuvor war die Elisabethkirche in der Opfinger Straße eine Option gewesen, doch die jetzige Lösung halten Intendant und Dramaturg für die weit bessere. „Und es ist beispiellos.“ Denn der Ursprung des Freiburger Barockorchesters liegt in den Studentenanfängen, Mitte der 1980er Jahre. Und nun kann das Orchester auf ein

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eigenes Haus verweisen, das in erster Linie nur für Proben da ist. „Das gibt es so nicht noch einmal in Deutschland“, so Hans-Georg Kaiser. Die Proben können damit abends so lange laufen, wie es eben notwendig ist, ohne dass da – wie es früher in einem angemieteten Raum bei Proben mit der berühmten Opernsängerin 

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FREIBURGER BAROCKORCHESTER

©Foto: Roland Halbe

©Foto: Roland Halbe

Cecilia Bartoli einmal der Fall war – ein Hausmeister auftaucht und sagt, um 18 Uhr sei Schluss. „Wir wollten kompromisslos gute Bedingungen haben“, erklärt Henning Bey. Das vielfach ausgezeichnete Orchester kann auf 1400 Abonnenten verweisen, die gerne zu den Freiburger Konzerten kommen. Regelmäßig ist das Konzerthaus bei Auftritten des Barockorchesters ausverkauft. Hinzu kommen weitere WerkstattAufgebrochene Wände sorgen für eine ausgezeichnete konzerte sowie öffentliche Akustik. Hier finden auch Werkstattkonzerte statt. Generalproben für maximal 180 Zuhörer. In den Genuss, das renommierte Orchester in Freiburg hören zu können, kommt man allerdings nur, wenn die Musiker nicht gerade beispielsweise in Spanien Konzerte geben, wie Ende Mai , oder in China auftreten, wie Anfang Juni, bevor es weiter geht nach Paris (Auftritt am 7. Juni in der Philharmonie). Den restlichen Juni über wird intensiv geprobt, bevor es dann für einige Wochen zum Festival nach Aix-en-Provence geht. Probenräume in angenehmer Größe stehen den MusikeDie Kooperation mit dem rinnen und Musikern jederzeit zur Verfügung. ensemble recherche, mit dem zusammen das Freiburger Barockorchester das Esemblehaus gestemmt hat und mit dem die zeitgenössische und die alte, die ineines das Probenhaus gemeinsam nutzt, ist ander übergreifen und die teilweise tatkein Zufall. Obwohl es eigentlich eine unsächlich sogar eine Unterscheidung der gewöhnliche Begegnung ist: ZeitgenössiStilrichtungen schwer macht. Bereits vor zehn Jahren haben die beiden sche neue Musik und alte Musik unter eiOrchester zusammen eine Akademie genem Dach. Inzwischen gibt es sogar spegründet, die Nachwuchsmusiker fördert zielle Stücke für beide Musikrichtungen,

Sparkasse. Gut für die Kultur.

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und inzwischen internationales Renommée hat. Die Musiker der beiden Orchester fungieren dabei für junge Musikerinnen und Musiker als Dozenten. Geboten wird den Nachwuchsmusikern eine intensive Woche inklusive Auftritten. Hierfür werden auch Stipendien vergeben. Inzwischen kommen auch zunehmend Studierende, die sich für beide Musikrichtungen interessieren und auch beide spielen können. Die Musikerinnen und Musiker der beiden freien Ensembles, die sich das Probenhaus teilen, basieren auf demokratischen Grundstrukturen, das heißt, sie gehören quasi den Musikerinnen und Musikern. Diese sind der Souverän, sie entscheiden über das Repertoire und mit wem sie arbeiten wollen. Ganz genauso wie bei-

» WIR WOLLTEN KOMPROMISSLOS GUTE

BEDINGUNGEN HABEN.“ HENNING BEY, DRAMATURGIE & ÖFFENTLLICHKEITSARBEIT

spielsweise die Berliner Philharmoniker, die ja gerade ihren neuen Dirigenten gewählt haben. Überwiegend spielen die Musikerinnen und Musiker mit ihren historischen Instrumenten in der Tradition des Barock ohne einen Dirigenten. Die künstlerische Leitung erfüllt eine Doppelspitze: Gottfried von der Goltz und Petra Müllejans. Im Mai 2012 fehlten zur endgültigen Tilgung der Finanzierung des Ensemblehauses noch 350 000 Euro. Dank größerer und kleinerer Spenden an die Stiftung Baden-Württembergische Ensemble-Akademie Freiburg konnte dieser Betrag zwischenzeitlich auf 100 000 Euro verringert werden. Wenn dereinst die restliche Finanzierung abgeschlossen ist, wird der finanzielle Schwerpunkt wieder ganz auf der Jugendarbeit liegen, die dann weiterhin durch Spenden unterstützt wird. Einer wird dann jedoch nicht mehr mit dabei sein: Dramaturg und Pressesprecher Henning Bey wird das Freiburger Barockorchester zum 1. August verlassen und zum Stuttgarter Barockorchester wechseln. Mit seinem neuen Arbeitsplatz kann er seiner Frau näher sein, die ebenfalls in Stuttgart tätig ist. Dennoch fällt ihm der Abschied von Freiburg und dem Orchester Barbara Breitsprecher enorm schwer.


Um das Bewusstsein für Baukultur zu schärfen, lobt die Architektenkammer Baden-Württemberg das Auszeichnungsverfahren „Beispielhaftes Bauen“ aus. Das Ensemblehaus wurde dabei ausgezeichnet.

Beispielhaftes Bauen

©Foto: Roland Halbe

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ei „Beispielhaftes Bauen“ sollen Lebensbereiche aufgespürt werden und diese Impulse in der Stadtentwicklung setzen. 95 Arbeiten wurden eingereicht, eine siebenköpfige Jury hat entschieden und 21 Auszeichnungen für Freiburg vergeben. Eine Auszeichnung ging auch an das Ensemblehaus des Freiburger Barockorchesters und des ensemble recherche in der Schützenallee 72, neben der alten Stadthalle. Das vom Freiburger Architekturbüro Böwer Eith Murken entworfene und 2012 fertig gestellte Ensemblehaus ist das gemeinsame Probenhaus für das Freiburger Barockorchester und das ensemble recherche. Der gefiel, wie sich das Haus als eigenständiger und charaktervoller Baukörper in die Nachbarschaft der ehemaligen Stadthalle einfügt. Im Inneren weist das Gebäude eine schlüssige Aufteilung der unterschiedlichen Arbeitsbereiche auf. In der Praxis wird es damit dem speziellen und komplexen Anforderungsprofil gerecht. Die Jury lobte, dass Konzeption sowie Ausführung hier einen überzeugenden architektonischen Ausdruck gefunden haben. Der Neubau in Nachbarschaft der alten Stadthalle und in Verlängerung der Musikhochschule Freiburg bildet die Erweiterung verschiedener kultureller Nutzungen entlang einer städtebaulichen Grünachse. Für das eigentliche Baufeld gab es sehr enge Rahmenbedingungen aufgrund des zu erhaltenden Baumbestandes. Das zweigeschossige Volumen beherbergt Probe-, Verwaltungsund Archivräume. Die Fassade besteht aus anthrazitfarben beschichteten und gebürsteten Dreischichtplatten, die durch die Variation der Abdeckleisten an ein Musikinstrument erinnern sollen. Das Entree bildet ein zweigeschossiges Foyer, das als kommunikatives Zentrum für Musiker und Verwaltung dient und zwanglose Begegnungen möglich macht. Von hier aus erschließen sich im Erdgeschoss die großen fünf bis acht Meter hohen Probenräume sowie zwei kleinere Probenräume und Übungsräume, die Proben als Trio oder Quartett beziehungsweise Einzelübungen ermöglichen. Im Bereich der Probenräume sind die Wände aufgebrochen und schaffen so optimale akustische Bedingungen. Im Foyerbereich des Obergeschosses sind Flächen für kleinere Besprechungen, Arbeitszimmer und Rückzugsbereiche vorgesehen. Das Besprechungszimmer bietet Platz für Besprechungen mit bis zu zwölf Personen und beinhaltet auch eine kleine Bibliothek.

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E H E M A L I G E S F R A N Z I S K A N E R K LO S T E R

Das spätklassizistische Gebäude an der Günterstalstraße/Ecke Prinz-Eugen-Straße steht unter Denkmalschutz. Einige Fenster dort sind unter den Franziskanern mit biblischen Motiven verziert worden. Fotos: Barbara Breitsprecher

Schüler statt Patres Das Anwesen in der Günterstalstraße war zunächst als Hotel erbaut worden, später wurde es dann zum Domizil des Franziskanerordens. Nun hat es neue Besitzer und wird zur Privatschule mit sonerpädagogischem Ansatz.

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einahe 50 Jahre lang war das imposante Anwesen in der Günterstalstraße/Ecke Prinz-EugenStraße ein Hotel gewesen (1873 – 1921), dann diente es über 90 Jahre dem Franziskanerorden als Domizil (1921 – 2013) und nun wird es zur Schule umgewandelt. Die Freie Schule Vianova („Neue Wege“), die bislang ihren Sitz im Kunzenweg neben der Pädagogischen Hochschule hatte, war auf der Suche nach größeren Räumen. Für Georg Dold-Jacobi ist die Möglichkeit mit der Schule nun in das ehemalige Fran-

ziskanerkloster einzuziehen „ein großes Glück“. Zeitweise waren Räume in der Schneeburgstraße zur näheren Auswahl gestanden, diese Pläne hatten sich jedoch zerschlagen. Letztlich findet der Gründer und Geschäftsführer der Vianova-Schule das Anwesen in der Günterstalstraße mit seinem 5000 Quadratmeter großen Park und den vielen herrlichen, alten Bäumen den viel besseren Standort: zentrumsnah und an der Straßenbahnlinie gelegen. Das Franziskanerkloster hatte zwei Jahre lang leergestanden. Es gab etliche Kaufinteressenten, doch der Baum- und Denkmalschutz machte eine Bebauung des Ge-

ländes schwierig. 2007 waren die deutschen Franziskaner ausgezogen, fünf polnische Ordensbrüder waren die letzten Jahre noch in dem großen Gebäude verblieben. Nun wird das Haus behutsam renoviert, der Einzug der Schule ist für den Herbst geplant. Am neuen Standort wird die Freie Vianova-Schule künftig von der ersten bis zur zwölften Klasse Unterricht anbieten, wobei in den Klassen jeweils nur acht bis zehn Schülerinnen und Schüler sind. Die Abschlüsse für Realschule, Werkrealschule und Hauptschule finden vor Ort in der Schule statt, das Abitur muss als Schulfremdenprüfung 

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©Foto: Barbara Breitsprecher

der an einem anderen Gymnasium abgelegt werden. Es ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche, die aus irgendwelchen Gründen aus dem bisherigen Schulsystem rausgeflogen oder dort nie angekommen sind. Nach dem neuen Schulgesetz, das im August 2015 in Kraft tritt, wird es keine Sonderschulen mehr geben. Die VianovaSchule wird dann den Status „Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Schwerpunkt emotionale und soziale Förderung“ haben. Für Schüler und Schülerinnen, denen eine solche Schule empfohlen wird, ist der Besuch der Vianova-Schule unentgeldlich. Mit den neuen Räumen im ehemaligen Franziskanlerkloster öffnet sich die Vianova-Schule aber nun auch als Privatschule für Regelschüler und -schülerinnen. Bei diesen wird das monatliche Schulgeld 300 Euro betragen. Georg Dold-Jacobi schätzt, dass rund zwei Drittel Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf bleiben werden, alle anderen werden voraussichtlich Regelschüler sein. „Im Prinzip ist das Inklusion umgekehrt“, schmunzelt Georg DoldJacobi. Grundsätzlich gibt es an der VianovaSchule „Kombinationsklassen“ bezie-

Der neuere Anbau, den die Franziskaner an das denkmalgeschützte Haupthaus anbauen ließen und wo künftig die Klassenräume untergebracht sein werden.

Ehemaliges Franziskanerkloster

Altes Hotel Bellevue Vom Hotel zum Kloster zur Schule: 1873 ließ der Gaststätten- und Hotelbesitzer Karl Lang in der Günterstalstraße die Pension Lang erbauen, 1883 erhielt er dafür auch die Genehmigung als Gatswirtschaft. Am 1. Januar 1884 wurde aus der Pension Lang dann das Hotel Bellevue mit Café-Restaurant, doch bereits im Herbst des gleichen Jahres wurde das Gebäude zwangsvollstreckt und verkauft. Zunächst blieb das Anwesen weiterhin ein Hotel, wurde aber dann 1921 an den Franziskanerorden verkauft. Pater und Laienbrüder zogen ein. 2007 wurde das Gebäude der polnischen Ordensprovinz Krakau überlassen. 2013 verabschiedeten sich die letzten fünf polnischen Patres und das Haus stand zum Verkauf.

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Georg Dold-Jacobi und Petra Jacobi sind die Gründer und Geschäftsführer der Freien Schule Vianova. Er ist ausgebildeter Waldorflehrer, Sozialpädagoge, Erzieher, Systemischer Familientherapeut sowie Supervisor und Organisationsentwickler. Sie ist Heilpädagogin, Erzieherin, Verwaltungsmanagerin sowie Systematische Familientherapeutin und Supervisorin. Foto: privat

hungsweise „Familienklassen“, das heißt, es werden verschiedene Jahrgänge zusammen unterrichtet: die Klassen eins bis vier, die fünfte und sechste sowie die siebte und achte. Außerdem findet kein Frontalunterricht statt, sondern es wird Wert auf Freiarbeit und individuelles Lernen gelegt. Zumindest bevor es an die Prüfungen geht. Dabei hat die Vianova-Schule sowohl Montessori-Elemente übernommen als auch die Waldorfpädagogik als re-

©Foto: Barbara Breitsprecher

©Foto: Barbara Breitsprecher

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Reliquien einer vergangenen Zeit: Noch erinnert im Inneren des Hauses einiges an das Leben im Kloster. Der Umbau hat jedoch begonnen.


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©Foto: privat

formpädagogische Ansätze mit einfließen lassen. Alle Lehrkräfte haben neben ihrer pädagogischen auch eine systemische Ausbildung. Damit können sie einen ganzheitlichen, lösungsorientierten Ansatz verfolgen: Was spielt sich in der Familie ab? Was kann geändert werden? Ein ganz wichtiger Punkt ist für Georg DoldJacobi das regelmäßig stattfindende, persönliche Elterngespräch. Es gibt an der Vianova-Schule Kinder, die ein Elternteil verloren haben oder eine komplizierte Trennung der Eltern erleben. „Das sind Schicksalsschläge, die Kinder manchmal nicht wegstecken“, weiß Georg Dold-Jacobi. Der systemische Ansatz beschäftigt sich nicht in erster Linie mit dem Problem, das meist in der Familie oder im Umfeld beheimatet ist, sondern mit den Begleiterscheinungen, wie Ess- oder Schlafstörungen, Depressionen oder Bauchweh. Meistens bleiben die Kinder und Jugendlichen nur ein bis drei Jahre auf dieser Schule, die sich individuell um sie kümmern kann, dann finden sie ihren weiteren Weg. Angefangen hat für Georg Dold-Jacobi und Petra Jacobi alles mit ihrer Gründung der Kinder- und Jugendhilfe Wiese vor 13 Jahren. Im September 2014 wurde die erste Vianova-Schule eröffnet – nach einem siebenjährigen Vorlauf als Freiburger „Außenschule“ der Krankenhausschule Höfe am Belchen. Dort ist Georg DoldJacobi Vorstand und Leiter der Reha-Klinik, wobei er sich in Kürze von diesem Posten zurück ziehen wird. Die Einrichtung Wiese hat bislang ihren Geschäftssitz in der Kartäusertstraße, wird aber nun auch in die Günterstalstraße umziehen. Zur Wiese gehören Jugend-Tagesgruppen, Jugendwohngruppen und eine Kita. Damit diese Wiese-Kinder und alle anderen einen angemessenen Schulplatz finden, war die Gründung einer eigenen Schule nur die loBarbara Breitsprecher gische Fortführung des Konzepts.

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KONZERT

Orsophilharmonic

Großer Chor & Orchester des ORSOphilharmonic zusammen mit dem Chor der Universität Island: „La Mer“ und „A Sea Symphony“ im Konzerthaus

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s ist das bislang größte Chorprojekt für Orso, dem Chor und Orchester, das Wolfgang Roese vor über 20 Jahren gegründet hat und bis heute leitet: „A Sea Symphony“ mit Meeres-Stücken von Claude Debussy und Ralph Vaughan Williams. Der Orso-Chor- und das Orso-Orchester mit über 250 Mitwirkenden wird bei diesem Konzert unterstützt und begleitet vom Chor der Universität Island. Die Sängerinnen und Sänger aus Reykjavik haben unter der Leitung von Gunnsteinn Ólafsson „A Sea Symphony“ bereits zweimal aufgeführt und werden somit eine echte Bereicherung für die Freiburger Erstaufführung sein. Als Solisten werden die Sopranistin Eva Rydén und der Bariton Gunnar Schierreich auftreten. Claude Debussys Werk „La Mer“ wurde 1905 in Paris uraufgeführt. Die „Drei sinfonischen Skizzen für Orchester“ sind übertitelt mit „Von der Morgendämmerung bis zum Mittag auf dem Meer“, „Spiel der Wellen“ und „Gespräch von Wind und Meer“ und gelten als eines der wichtigsten Beispiele für den musikalischen Impressionismus. Nur fünf Jahre später feierte „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams 1910 im englischen Leeds Premiere. Auf hochemotionale Weise und mit beinahe cineastischen Stilmitteln beschreibt diese erste Sinfonie im Schaffen von Vaughan Williams in romantisch-rauen Bildern eindrucksvoll tosende Weltmeere und dramatische Schicksale von Seefahrern. Auch die Dampfschifffahrt im aufkommenden

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Industriezeitalter spiegelt lautmalerisch die gewaltige Naturkulisse. Gegen Ende des Werks treten die naturalistisch-expressionistischen Bilder in den Hintergrund und schaffen einen atmosphärischen Raum für Fragen zur menschlichen Existenz, zu Leben und Tod. Metaphorisch hierfür steht die Schiffsreise ohne Wiederkehr, angetreten von mutigen Entdeckern auf der Suche nach einer neuen Welt. Als Textvorlage diente dem Komponisten Ralph Vaughan Williams der berühmte Gedichtzyklus „Leaves of Grass“ („Grashalme”), das wunderbare Hauptwerk des amerikanischen Lyrikers Walt Whitman. Auszüge dieser eindringlichen Gedichte, die dieser bis zu seinem Lebensende kontinuierlich ergänzte, bis nahezu 400 Werke

darin versammelt waren, werden in der gut einstündigen Choralsinfonie in fließende Klangstrukturen verwandelt. Der Komponist vereint in seinem „A Sea Symphony“ die imposante Naturgewalt des Meeres mit dem Stolz der einstigen ruhmreichen britischen Seefahrernation. Seine viersätzige Choralsinfonie ist eine der ersten überhaupt, in der Solo-Sopran und Solo-Bariton, Chor und Orchester in allen vier Sätzen miteinander verknüpft werden. Der Chor agiert dabei gleichberechtigt zum Orchesterapparat.

Das Programm

Das Meer, das unendliche Meer… „La Mer“ und „A Sea Symphony“ La Mer – Sinfonische Skizzen für großes Orchester Claude Debussy „A Sea Symphony“ Ralph Vaughan Williams Großer Chor und Orchester des ORSOphilharmonic zusammen mit dem Chor der Universität Island unter der Leitung von Gunnsteinn Ólafsson

Solisten: Eva Rydén – Sopran Gunnar Schierreich – Bariton Musikalische Gesamtleitung: Wolfgang Roese  Sonntag, 14. Juni 2015, 19 Uhr

Konzerthaus Freiburg www.orso.co Tickets unter Tel. 0761/707 32 00


G A S T R OT I P P

Zeit für Tapasti & Cocktails Augustiner im Bankepeter

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s gibt nicht viele Wirtschaften und Kneipen, in denen sich Menschen aller Altersgruppen wohlfühlen, in denen man gut essen oder nur für ein Bierchen vorbei kommen kann und wo an den Wochenenden sogar Cocktails von Könnerhand gemixt werden. Das Augustiner im Bankepeter in der Schwarzwaldstraße ist ein solcher Ort: gemütlich, offen, unkompliziert und obendrein einfallsreich. So hat Bodo Zink, der das Augustiner seit zwölf Jahren erfolgreich betreibt, inzwischen eine lässige Lounge eingerichtet, die jeden Freitag und Samstag bis zwei Uhr nachts geöffnet ist. Hier schüttelt und rührt die Barmixer-Legende Franky Le Shaker endlich wieder seine unvergleichlichen Cocktails. Als weitere Neuerung werden im Augustiner

„Tapasti“ angeboten, eine Mischung aus italienischen Antipasti und spanischen Tapas. Diese Häppchen, die es wahlweise vegetarisch, mit Fleisch oder Fisch gibt, passen ideal zu einem Gläschen Wein oder Bier. Aber natürlich kommen im Augustiner auch alle, die einen ordentlichen Hunger mitbringen, auf ihre Kosten. Die alle 14 Tage wechselnde Speisekarte bietet saisonale Gerichte an – gerade hat die leckere Spargelzeit begonnen. Dazu gibt es eine große Steakkarte, bei der jeder Gast individuell sein Fleischstück und die dazu passenden Beilagen wählen kann. Für den kleineren Hunger gibt es unter anderem Schnitzel, Salate, Flammkuchen, Wurstsalat oder Pommes. Jeden Sonntag ist von 11.30 bis 22 Uhr großer Schnitzeltag im Augustiner. Bei den günstigen Preisen ist dieser Tag schon beinahe so etwas wie ein etablierter Familientag an

dem gerne mal drei Generationen an einem Tisch sitzen. Und bevor es einem der Kinder langweilig werden kann, kommt eines der vielen Brettspiele auf den Tisch, vier Regale voll stehen dafür im Augustiner bereit. Das Augustiner bietet 100 Plätze im Innenbereich, weitere 36 in der neuen Lounge und dann noch einmal 75 Plätze im Wintergarten. Im Sommer wird der Wintergarten an schönen Tagen geöffnet, das Dach zur Hälfte aufgeschoben und die Wand-Gläser herausgenommen. So kann man auch hier im Freien sitzen und an speziellen Tagen wird hier sogar gegrillt. bb

n Augustiner im Bankepeter Schwarzwaldstraße 93 79117 Freiburg Telefon 0761/ 38 38 888 www.augustiner-freiburg.de

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Freiburg Wiehre Stadtteilmagazin | 25

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L I T E R AT U R B Ü R O F R E I B U R G

Interview

Literarisch pulsierendes Herz Martin Bruch, der Leiter des Literaturbüros Freiburg, erzählt über die jährlich rund 100 Veranstaltungen und über die Perspektive mit dem Literaturhaus Freiburg, das 2016 in der Alten Uni eröffnet werden soll.

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as Literaturbüro Freiburg hat seinen Sitz ganz oben unter dem Dach des Alten Wiehrebahnhofs. Ein Interview mit Martin Bruch, dem Leiter des Literaturbüros. Stadtmagazin: Herr Bruch, Sie leiten das Literaturbüro Freiburg. Was ist im Kern denn das, was Sie und das Literaturbüro machen? Martin Bruch: Wir sind der Anlaufpunkt für Literatur in Freiburg. Und zwar verstehen wir das als einen sehr breiten Auftrag. Wir schauen zum einen in das Regionale – das Literaturbüro wird getragen vom Literatur Forum Südwest, einem Verein, der hier in Freiburg von Autoren gegründet wurde und zu dem kurze Zeit später auch Übersetzer dazu stießen –, aber gleichzeitig sind wir natürlich auch ein Schaufenster für überregionale und internationale Literatur. Ein Großteil unseres Programms bestücken wir dadurch, dass wir schauen, was es gerade an interessanten belletristischen Neuveröffentlichungen gibt und laden dann Künstlerinnen und Künstler hier nach Freiburg ein. Wir versuchen also beides, einerseits den naheliegenden Fundus im Regionalen zu nutzen und andererseits den Blick zu weiten, um Strömungen der

26 | Freiburg Wiehre Stadtteilmagazin

Gegenwartsliteratur aufzuzeigen und in Kontakt zu bringen mit gesellschaftlichen Entwicklungen und anderen Künsten. Stadtmagazin: Wieviele Veranstaltungen im Jahr werden vom Literaturbüro veranstaltet? Martin Bruch: Es sind zwischen 90 und 100 Veranstaltungen im Jahr, die wir machen. Nicht jede dieser Veranstaltungen richtet sich ans große Publikum, sondern wir haben auch viele auf kleinere Zielgruppen zugeschnittene Formate im Programm, wie beispielsweise Schreibwerkstätten. Solche Angebote bekommt nicht jeder Freiburger mit, aber sie sind enorm wichtig, etwa für Kinder und Jugendliche, die dann hier einen ersten anderen Kontakt zu Literatur bekommen. Stadtmagazin: Beschreiben Sie uns das Spektrum der Angebote des Literaturbüros? Martin Bruch: Ja, gerne. Wir bieten die Bühne und die Werkstatt. Die Bühne ist der Raum, wo wir Literatur präsentieren und diskutieren, und zwar regionale, überregionale und internationale Literatur. Daneben ist die Werkstatt für uns genau

so wichtig, auch wenn sie weitgehend im Verborgenen stattfindet, weil eine Werkstatt eine gewisse Intimität braucht. Diese bieten wir jeweils für verschiedene Gruppen an, für Kinder und Jugendliche wie bereits erwähnt, für Studierende für Erwachsene aller Altersgruppen. Stadtmagazin: Wie läuft das konkret ab, wenn sich also beispielsweise ein Erwachsener, der vielleicht zufällig davon gehört oder gelesen hat, für eine Schreibwerkstatt interessiert? Kann er sich dann direkt an das Literaturbüro wenden? Martin Bruch: Das älteste Format des Literaturbüros ist das „Literarische Werkstattgespräch“. Das findet immer am letzten Donnerstag eines Monats statt und ist eine offene Textwerkstatt hier im Alten Wiehrebahnhof, zu der jeder kommen kann. Es kostet keinen Eintritt und die, die wollen, schicken uns eine Woche zuvor ihre Texte ein. Diese Texte vervielfältigen wir, sie werden dann vorgelesen und zusammen diskutiert. Es gibt einen Moderator, der durch die Diskussion führt. Pro Ausgabe schaffen wir drei bis vier Texte. Das ist ein sehr offenes Angebot für Schreibende und solche, die sich für Literatur in der Produktion interessieren.


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Ganz oben unterm Dach im Alten Wiehrebahnhof hat das Literaturbüro Freiburg seinen Sitz. Dort ist es hell und geräumig.

©Foto: Michael Zäh

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Stadtmagazin: Erzählen Sie uns etwas zu Ihrer Person? Wie kamen Sie als Leiter des Literaturbüros nach Freiburg? Martin Bruch: Ich bin jetzt fast eineinhalb Jahre in Freiburg, also noch gar nicht so lange. Ich komme aus Siegen in Nordrhein-Westfalen und habe nach der Schule in der Gedenkstätte Theresienstadt gearbeitet, im pädagogischen Bereich. Danach habe ich in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus studiert, ein sehr kleiner Studiengang mit zehn Leuten pro Jahrgang, vergleichbar mit einem Studium an einer Kunsthochschule. Der Studiengang richtet sich an Leute, die literarisch schreiben und darin gefördert werden sollen. Innerhalb dieses Studiums habe ich mich immer  stärker in Richtung Literaturvermittlung orientiert.

Lesung mit derSchriftstellerin Katja Petrowskaja am 8. April 2014 Foto: Christoph Eberle

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T ILPIPTSE R AT U R B Ü R O F R E I B U R G

Ich war dann ein Jahr bei einem kleinen Frankfurter Literaturverlag, danach zwei Jahre beim Goethe-Institut in der Zentrale in München als Referent im Kommunikationsbereich. Von dort habe ich mich hier beim Literaturbüro beworben, ohne Freiburg zu diesem Zeitpunkt sonderlich gut zu kennen, sondern allein aufgrund der für mich sehr spannend klingenden Stellenbeschreibung. Es war wirklich eine Bewerbung ins Blaue hinein und ich hätte gar nicht gedacht, mit der Bewerbung hier auch Erfolg zu haben. Als ich zum Vorstellungsgespräch nach Freiburg eingeladen wurde, war das für mich ein Prozess wach-

©Foto: Michael Zäh

Bei der Ausgestaltung des neuen Literaturhauses geht es nach den Worten von Martin Bruch darum, „den Ort zu prägen, als offene Institution.”

Übersetzern besteht. Unsere Arbeit fußt auch auf wunderbarem ehrenamtlichem Engagement. Das wurde mir besonders deutlich beim letzten Weihnachtsfest, zu dem wir nur diejenigen einladen wollten, die 2014 im Literaturbüro mitgearbeitet haben, zum Beispiel eine Reihe betreut haben oder als Moderator aktiv waren. Es waren an die 25 Personen. Dieser partizipative Ansatz ist eine große Stärke des Literaturbüros. Dabei wird der Verein unter anderem von der Stadt Freiburg gefördert.

sender Begeisterung. Ich habe gesehen, was hier mit dem Literaturbüro schon alles möglich ist und dass es eine sehr interessante Perspektive mit dem Literaturhaus Freiburg gibt. Die Arbeit hier hat mir vom ersten Tag an großen Spaß gemacht. Stadtmagazin: Was besonders? Martin Bruch: Es ist sehr schön, dass wir mit dem Literatur Forum Südwest ein unabhängiger Verein sind. Dies schafft Freiräume. Alles was hier passiert, verantwortet der Verein, dessen Vorstand aus drei Freiburger Autoren und zwei Freiburger

Jugend-Projekt

Denk Dir ein Haus aus ... Szenisch-literarisches ̈r Jugendliche Projekt fu von 14 bis 19 Jahren Stehst du auf dem Dach oder sitzt ihr in der Badewanne? Was versteckt sich im Keller? Warum stehen bei einer Party immer alle in der Ku ̈che? Und ist der Garten ein Paradies oder gibt es da nur tote Pflanzen? Von der Straße, die zum Gebäude fu ̈hrt, ̈ uber den Eingangsbereich, die einzelnen Zimmer bis zum Dachboden wird ein Haus erkundet. Hast du Lust, gemeinsam mit anderen dieses Haus aus Texten zu bauen? In mehreren Workshops

28 | Freiburg Wiehre Stadtteilmagazin

können im Literaturbüro poetische Texte geschrieben, kleine Filme gedreht und das Ergebnis in einer szenischen Lesung aufgeführt werden. Wer mitmachen möchte, schickt eine Mail oder einen Brief, in dem das eigene Lieblingszimmer beschrieben wird. Dazu Name, Alter, Schule, Kontaktadresse und E-Mail-Adresse notieren. Alles bis 15. Juni 2015 an das Literaturbu ̈ro Freiburg, Urachstraße 40, 79102 Freiburg schicken oder per Mail an info@literaturbuero-freiburg.de. Erste Workshop-Termine: Freitag, 24. Juli 2015 und 18. September 2015 jeweils 15 Uhr bis 18.30 Uhr im Literaturbu ̈ro Freiburg, Alter Wiehrebahnhof.

Stadtmagazin: Wie Sie vorhin schon sagten, ist das Literaturhaus in Freiburg eine großartige Perspektive. Erläutern Sie uns zunächst den Sachstand? Martin Bruch: Es gab im Jahr 2012 den Gemeinderatsbeschluss zugunsten des Literaturhauses, in Kooperation mit der Universität. Damals war noch ein Gebäude am Werthmannplatz als Ort der Unterbringung angedacht. Das platzte im Sommer vergangenen Jahres aus BrandschutzGründen. Die Uni hat dann sehr schnell reagiert und uns den jetzigen Theatersaal der Alten Universität als Räumlichkeit angeboten plus Büroräumlichkeiten in diesem Areal. Uns wurde auch der herrliche Innenhof der Alten Universität gezeigt und für eine Mitnutzung in Aussicht gestellt. Das ist ein sehr attraktives Gelände, insgesamt mit dem Charme der Alten Universität und im Besonderen mit dem Saal, der die Kapazitäten bietet, die wir brauchen. Stadtmagazin: Es gab zwischendurch Irritationen bei den studentischen Theatergruppen, die bisher den Theatersaal nutzen. Wie ist da der Stand?


L I T E R AT U R B Ü R O T I P P S

Martin Bruch: Die Besonderheit ist ja, dass es diese Nutzer des Saals in der Alten Universität gibt, nämlich studentische Theatergruppen, die da mit sehr viel Engagement Proben und Produktionen durchführen. Der Stand ist nun, dass wir eine gemeinsame Nutzung anstreben. Dabei soll in erster Linie nach Maßgabe des Literaturhauses vorgegangen werden, denn das ist die neue Institution, die dort entstehen soll. Mit unserem Programm werden wir den Saal aber nicht zu 100 Prozent bespielen. Deswegen wird es auch Zeiten geben, in denen die studentischen Theatergruppen proben können und in denen Aufführungen stattfinden werden. Wir werden hier nach Synergien suchen. Stadtmagazin: Entwickeln Sie für uns mal die Vision des Literaturhauses. Was wird das bedeuten, wenn wie geplant dort 2016 der Betrieb aufgenommen wird? Martin Bruch: Die Literatur bekommt einen ganz anderen Stellenwert in Freiburg, weil sie auch symbolisch von einer zwar attraktiven, aber eben doch Randlage ins Zentrum, ins Herz der Stadt, rückt. Dadurch wird der Literatur natürlich eine andere Aufmerksamkeit, eine andere Erreichbarkeit zuteil. Es wird breitere Möglichkeiten geben, um Zielgruppen anzusprechen und einen Ort zu etablieren, der auch als Labor für neue Literaturformate funktionieren soll.

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Stadtmagazin: Wie wollen Sie das nutzen? Wie soll der neue Ort mit Leben gefüllt werden? Martin Bruch: Wir haben viele Pläne, die sich am neuen Ort entfachen. Im Blick haben wir zum Beispiel, ein Junges Literaturhaus zu gründen, als eigene Sparte des Literaturhauses Freiburg, das sich explizit an Kinder und Jugendliche richtet. Wir wollen diesen Bereich, den wir ja heute schon anbieten, stark ausbauen, weil wir glauben, dass es gerade in diesem Alter wichtig ist, Zugänge zur Literatur zu schaffen, die nichts mit Anstrengung, Arbeit und Wissensvermittlung zu tun haben, sondern die leicht sind, spielerisch, und Spaß machen. Stadtmagazin: Was ändert sich im Hauptprogramm? Martin Bruch: Mit dem Saal der Alten Universität und den rund 120 Sitzplätzen dort können wir im Grunde unser Programm ganz anders denken. Im Moment ist es so, dass 60 bis 70 Prozent unserer Veranstaltungen nicht hier im Alten Wiehrebahnhof stattfinden, sondern wir reihum in der Stadt wandern, was natürlich ebenfalls seinen Reiz und seine Vorteile hat. Mit dem Literaturhaus werden wir diese kooperative Ausrichtung in Hinblick auf andere Kultureinrichtungen oder die vielfältigen Buchhandlungen in Freiburg ausbauen und dafür einen eigenen Ort einbringen können. Durch zusätzliche personelle Kapazitäten, für die der Gemeinderat im vergangenen Monat Mittel beschlossen hat, ist daneben eine Professionalisierung der literaturvermittelnden Arbeit in Freiburg möglich. Und wir haben dann die Chance, verstärkt weitere überregionale und internationale Künstler nach Freiburg zu holen. Stadtmagazin: Was ist ihr hauptsächliches Ziel dabei? Martin Bruch: Vor allem geht es darum, den neuen Ort in der Stadt zu prägen. Und zwar als neue, offene Institution, die man so wahrnimmt: als Literaturhaus Freiburg. Ja, die man wahrnimmt als das literarisch pulsierende Herz der Stadt. Interview: Michael Zäh

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TIPPS

Jazzkongress im „Schützen“, Schützenallee

Aerie feat. Ingo Hipp Contemporary Jazz Johannes Mössinger and Friends Johannes Mössinger, piano/ Thomas Lähns (CH), bass/ Daniel Mudrack, drums Johannes Mössingers musikalische Persönlichkeit beinhaltet zwei wichtige Pole. Zuerst ist er ein improvisierender Künstler, der den Augenblick ausspielt und diesen mit einem puren, direkten Ausdruck in „Echtzeit“ weiter entwickelt.

Gleichzeitig ist der Pianist fasziniert von der formalen Architektur und kompositorischen Strenge in Melodien und Stücken. Das Freie im Spiel und die Strenge der Form sind die beiden Pole, die ständig zusammenarbeiten. Sie geben seiner Musik einen übergeordneten Bogen, eine innere Logik, im Spannungsfeld von Kontrolle und kreativem Chaos. Sein aktueller Sound mit Thomas Lähns und Daniel Mudrack repräsentiert den kraftvollen Herzschlag einer modernen, urbanen und grosszügig angelegten Jazzauffassung. n Mo., 22.6., 20.30 Uhr, 18/15 Euro; www.johannesmoessinger.de

Lesung und Gespräch mit Jutta Person und Andreas Rötzer Esel und Eulen, Äpfel und Birnen, Monster und Gespenster: Die von Judith Schalansky im Verlag Matthes & Seitz herausgegebene Reihe Naturkunden erzählt von Tieren und Pflanzen, von Landschaften, Steinen, Himmelskörpern und fremden Wesen. Der Name ist Programm: Hier wird eine leidenschaftliche Erforschung der Welt betrieben; kundig, anschaulich und in liebevoll gestalteten Ausgaben. Die Naturkunden sind Zeugnis einer lebendigen Buchkultur und eines sorgsamen Verlagsprogramms. 2013 erschien Jutta Persons Band „Esel, die Geschichte eines unterschätzten, aber faszinierenden Lastentiers“. Im Museum Natur und Mensch kommt die Autorin mit dem Verleger Andreas Rötzer ins Gespräch. Zu

Fünf außergewöhnliche Musiker aus fünf Ländern treffen sich in der Band Aerie und kreieren gemeinsam einen neuartigen Sound. Als Bandleader geht der Freiburger Saxophonist Ingo Hipp beim Spielen und beim Schreiben seiner Stücke unkonventionelle Wege. In seinen Kompositionen entsteht große musikalische Intensität, die in raffinierte Improvisationen mündet. Trotz klassischer Besetzung werden moderne Jazz-Klischees vermieden. n Mo. 18.5., 20.30 Uhr, 12/8 Euro www.ingohipp.com

Zwischen/Miete

Literaturbüro Freiburg

Naturkunden

Ingo Hipp(D), sax/Sam Comerford(IR), sax/Laurent Meteau(CH), guit/Peedu Kass(EST), b/Matt Jacobson (USA), dr

Lesung Nora Wicke, Literatur in WGs Beginn der Veranstaltung lädt das Museum Natur und Mensch zu einem Rundgang durch die Welt der Objekte, die in den Naturkunden porträtiert und im Museum ausgestellt werden. Jutta Person ist Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie schreibt für die Süddeutsche Zeitung, für die Zeitschrift Literaturen, Die Zeit und das Philosophie Magazin. Andreas Rötzer arbeitet als Verleger und Geschäftsführer des Verlags Matthes & Seitz in Berlin. n Veranstalter: Literaturbüro Freiburg, Städtisches Museum Natur und Mensch, Buchhandlung Jos Fritz Mittwoch, 20.Mai, 19 Uhr Rundgang durchs Museum Natur und Mensch, 19.30 Uhr Lesung und Gespräch mit Jutta Person und Andreas Rötzer im Museum Natur und Mensch, Gerberau 32

Die Lesereihe zwischen/miete wird von Studierenden organisiert und moderiert. Es kommen für einen Abend junge Autorinnen und Autoren zur „Zwischenmiete“ in Freiburger Wohngemeinschaften. Zu Gast ist diesmal die 1982 geborene Leipzigerin Nora Wicke mit ihrem Debütroman „Vierstromland“. Eliza, die poetische Hauptfigur des Romans, will den Lebensspuren ihrer Mutter nachgehen, die früh aus ihrem Blick verschwunden ist. Außer ein paar Briefen ist von ihr nichts geblieben. Was sich nach und nach findet, sind höchst verwickelte Verwandtschaftsverhältnisse. n Veranstalter: Literaturbüro Freiburg & Studierendenwerk Freiburg, Sa. 05.6., 20 Uhr, WG wird noch bekannt gegeben, Eintritt: 5 Euro (inkl. Bier und Brötchen)

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TIPPS

Kommunales Kino im Alten Wiehrebahnhof

Wiehre-Flohmarkt mit viel Flair

Mittwochskino | Film des Monats Mai

GRIGRIS' GLÜCK Regie: Mahamat-Saleh Haroun | mit: Souleymane Démé, Anaïs Monory, Cyril Guï u.a.,/ Tschad, Frankreich 2013 | OmU | 111 Min.

Idyllischer Flohmarkt unter freiem Himmel mit dem typischen „Wiehre-Flair” rund um den Alten Wiehrebahnhof.

Der 25-jährige Grigris (Soulémane Démé) lebt in N'Djamena, der Hauptstadt der Republik Tschad, und hat es im Alltag nicht gerade leicht, vor allem aufgrund seines verkümmerten linken Beins. Dennoch ist Grigris ein begnadeter Tänzer und verdient sich nachts mit atemberaubenden Auftritten in den Clubs der Stadt ein wenig Geld dazu. Tagsüber hilft er im Fotoladen seines Stiefvaters Ayoub (Marius Yelolo) aus. Dabei lernt er schließlich auch die charmante Prostituierte Mimi (Anaïs Monory) kennen und lieben. Eines Tages erkrankt Grigris Stiefvater jedoch schwer. Um die anfallenden Krankenhausrechnungen zu bezahlen, heuert der junge Mann beim örtlichen Gangster-Boss Moussa (Cyril Guei) an, schmuggelt Benzin für ihn. Als Grigris dann versucht, Moussa übers Ohr zu hauen und der davon Wind

Experimentaldokupsychomusikfilm

Tag der Kulturellen Vielfalt – Ein Tag gegen TTIP „Rohschnitt Peter Broezmann“ Zu Gast: Der Filmemacher Peter Sempel Regie: Peter Sempel mit: Peter Broetzmann, Jonas Mekas/ D 2014 | 98 Min. Der deutsche Kulturrat hat den 21. Mai 2015, den internationalen Tag der kulturellen Vielfalt, zum Aktionstag gegen TTIP auserkoren. Das Kommunale Kino im Alten Wiehrebahnhof stellt an diesem Tag zwei Künstler ins Zentrum, um ein Zeichen gegenseichten Mainstream und für die kulturelle Vielfalt zu setzen: den Filmemacher Peter Sempel und den Hauptprotagonisten seines neuen Films, den „Godfather of Free Jazz“ Peter Broetzmann.

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bekommt, bringt der Tänzer sowohl sich als auch Mimi in ernsthafte Gefahr… Mit seinen Spielfilmen Abouna - Der Vater (2002) und Daratt (2006) hat Mahmat-Saleh Haroun sein Heimatland Tschad auf die Weltkarte des Kinos eingetragen.

Am 23. Mai ist es wieder soweit: Von 15 Uhr bis 19 Uhr findet der WiehreFlohmarkt am Alten Wiehrebahnhof, Urachstraße statt. Aufgebaut kann im Laubengangbereich ab 12 Uhr, auf der Vorder- und Rückseite des alten Bahnhofs ab 14 Uhr (davor ist nooch Bauernmarkt). Tische müsssen von den Verkäufern selbst mitgebracht werden. Jeder Meter Verkaufsfläche kostet 9 Euro, im Laubengangbereich kommt ein Aufpreis von 12 Euro hinzu. Bewirtet wird mit Kaffee, Kuchen und Imbiss. (Ersatztermin bei Regenwetter: 20. Juni)

n „Grigris’ Glück“, Mi., 20.5., 19.30 Uhr, Fr., 22.5., 21.30 Uhr, Sa., 23.5., 19.30 Uhr, So., 24.5., 19.30 Uhr, Mo., 25.5., 17.30 Uhr, Sa., 30.5., 19.30 Uhr

n Anmeldung unter: Angelika Bährle Tel.: 0761 / 7 36 71 angelikabaehrle@web.de www.wiehre-flohmarkt.de

Zu sehen sind Peter Sempels neueste „Beobachtungen eines Menschen, der in Musik und Kunst immer seinen Weg geht, einen sehr eigenen Weg. Er ist über 50 Jahre „on the road“. Früher war Peter Broetzmann sehr umstritten, heute wird er als „Godfather of Freejazz“ weltweit gefeiert. Seine Auftritte unter anderem in Hamburg, Berlin, Warschau, London, New York, San Francisco und Shenzhen, wo er mit Topmusikern des Landes musiziert, sind faszinierend, manchmal skurril. Gezeigt wird aber auch Peter Broetzmann, der ein privat stiller, sehr nachdenklicher Künstler ist, in seinem kleinen Garten, zuhause in Wuppertal, wo er Kunst studierte. Voller Improvisationslust entwickelte er seine extreme Musikwelt zwischen gewaltigen Kraftausbrüchen und feinsten Traumphantasien, ein Poet, mit Saxophone, Klarinette, und Tarogato. Soweit schwärmt der Regisseur Peter Sempel. Der Film lässt durch Sempels Ästhetik den Zuschauern den Free Jazz und das, was er bewirkt hat, miterleben: Ein spon-

tanes Ereignis in der Musikgeschichte, ein befreiender Ausbruch aus den tradierten Standards, gegen den Leerlauf beschwichtigender Gewohnheiten. Was in jedem Free Jazz Konzert am eigenen Leib als ein unmittelbar ergreifendes Moment erfahrbar ist, kommt bei Peter Broetzmann meist auch brutal daher, wovon Sempels Film ein sicht-und hörbares Zeugnis ablegt. Darüber hinaus gibt es im Film „Rohschnitt Peter Broezmann“ auch viele poetische Kino-Momente, Sempels Tiere tauchen (wieder einmal) auf und stellen die menschliche Existenz in Frage, ohne dabei als rein fabelhaftes Symbol zu wirken. Die Struktur des gesamten Films ist zwar linear – auch hier folgt eine Sequenz der nächsten, aber sie schafft es dennoch ie erzählerischen Standards üblicher Dokumentationen aufzubrechen. Dafür ist Peter Sempel bekannt und in seinem aktuellesten Film-Streich passt das stimmig zur eruptiven Innovationskraft des Free Jazz. n „Rohschnitt Peter Broezmann“, Do., 21. 5., 19.30 Uhr; www.sempel.de


TIPPS

Kommunales Kino im Alten Wiehrebahnhof Reihe: Italienisches Kino

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Sacro Gra â&#x20AC;&#x201C;Das andere Rom In Kooperation mit Centro Culturale Italiano Freiburg Regie & Buch & Kamera: Gianfranco Rosi | mit: Zahira Badi, Carlito Janez, Samuel J. Esther u.a./ Italien 2013 | OmU | 93 Min. Es gibt das Rom der Paläste, Gärten und historischen SehenswĂźrdigkeiten. Und es gibt ein ganz anderes Rom, abseits vom Zentrum und allen Touristenattraktionen, entlang des riesigen Autobahnrings GRA, der die italienische Hauptstadt auf 70 km Länge umkreist. Drei Jahre lang vagabundierte Regisseur Gianfranco Rosi mit einem Minivan Ăźber den rĂśmischen â&#x20AC;&#x17E;Grande Raccordo Anulareâ&#x20AC;&#x153; und sammelte die Geschichten der Menschen, die an diesem riesigen Ring an Roms Peripherie leben. Porträts ihrer alltäglichen Existenz werden zur Reise durch das Leben und die unerwarteten Landschaften der Ewigen Stadt. Hinter der Mauer seines stetigen Verkehrslärms enthĂźllt dieser magische Ort unsichtbare Welten. â&#x20AC;&#x17E;Der GRA, dieser niemals abschwellende Strom aus Autos, und seine Anwohner sind eine Realität, die fĂśrmlich danach schreit, gesehen und erkundet zu werdenâ&#x20AC;&#x153;, formuliert der Regisseur Gianfranco Rosi sein Anliegen, das zu diesem preisgekrĂśnten Film fĂźhrte.

Der gläserne Metzger t

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n â&#x20AC;&#x17E;Sacro GRA â&#x20AC;&#x201C; Das andere Româ&#x20AC;&#x153;, Fr., 22.5., 19.30 Uhr, mit EinfĂźhrung durch das Centro Culturale Italiano Freiburg, sowie Sa., 23.5., 21.30 Uhr und So., 24.5., 17.30 Uhr

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CafĂŠ U2 im Haus der Jugend, Eintritt frei Freiburg ist reich an jungen Bands, die AuftrittsmĂśglichkeiten suchen. In Kooperation mit der Jazz- und Rockschule bĂźndelt das Haus der Jugend solche Anfragen und veranstaltet regelmäĂ&#x;ig â&#x20AC;&#x17E;MyStageâ&#x20AC;&#x153; mit jeweils drei Bands aus Freiburg und Umgebung. Die Auftrittsorte wechseln dabei zwischen dem Auditorium der Jazz- und Rockschule und dem CafĂŠ U2 im Haus der Jugend. Ein professionelles Setting aus Tontechnikern, PA-Equipment, Lightshow und einem eingespielten Team garantieren einen erfolgreichen Auftritt. Die Bands bekommen darĂźber hinaus ein fachkompetentes Feedback, egal ob erster Auftritt oder routinierter Gig.

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Buch-Tipp Marc Buhl

Die Auslöschung der Mary Shelley Der Freiburger Schriftsteller Marc Buhl hat seinen sechsten Roman herausgebracht, diesmal ist es ein Thriller. Wir veröffentlichen hier einen Auszug:

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as Thermometer des Wagens, den sie am Rand des Canyons abstellte, zeigte erst einunddreißig Grad. Im Osten verblassten die ersten Sterne. Mary band ihre Schuhe zu, trank noch einen Schluck Wasser und lief los. Die Steine knirschten unter ihren Sohlen auf dem schmalen Pfad durch die Wüste. Ein einzelner Joshua Tree streckte seine Arme in den Morgenhimmel, als flehe er um Vergebung und ahne gleichzeitig, dass er die niemals erhalten würde. Das war ein Gefühl, das sie kannte. Sie lief durch eine schattige Senke. Die Frische der

» DAS WAR ES, WAS AMEISEN ÜBERLEGEN MACHTE. DAS

FEHLEN VON EGOISMUS.“ Nacht hing noch darin und die rote Erde atmete dunstig aus. Ein Falke schnitt durch die Luft. Vor ihr kreuzten Fuchsspuren den Weg. Ein Schrei in der Luft. Grell und voll Schmerz. Von weit weg, als erreiche er sie durch den Raum und die Zeit. Sie biss sich auf die Unterlippe. Nicht erschrecken. Das hier war eine andere Wüste. Hier würde nichts Böses geschehen. Der Schrei verröchelte. Nur ein Wildesel. Es klang, als schnitte ihm einer die Kehle durch. Nach einer halben Stunde erreichte sie den felsigen Gipfel. Sie hielt an, um die Beine zu dehnen. Im Osten ging die Sonne hinter den Hoteltürmen von Las Vegas auf. Die Pyramide des Luxor sandte wie ein Brennglas einen gleißenden Strahl in ihre Richtung. Sie lief den Berg hinunter, hinein in das Labyrinth von ockergelben Sandsteintürmen, und versuchte, sich da-

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bei den Weg einzuprägen. Sie war nur ein Mensch, sie konnte verloren gehen, das war eine der Beschränkungen, die das Menschsein mit sich brachte. In Mexiko hatte sie den Orientierungssinn von Ameisen studiert. Cataglyphis waren GPS-Wunder, die unfehlbar den Weg zum Nesteingang fanden, egal wie weit sie sich davon entfernt hatten. Die Tiere nehmen nicht nur die Welt wahr, die sich vor unseren Augen ausbreitet, sondern auch die Schwingungsrichtungen des Lichts am Himmel. Das nutzen sie, um sich zurechtzufinden, wobei sie ständig ihren inneren Kompass neu kalibrieren. Mary schloss kurz die Augen, um sich vorzustellen, wie die Ameisen den Himmel sahen. Ein Muster aus Wellen und Linien vermutlich, sehr klar und sehr geometrisch. Mary beneidete sie. Wegen ihrer mathematischen Wahrnehmung und weil sie keinen Egoismus kannten. Das war es, was Ameisen allen anderen Wesen überlegen machte. Das Fehlen von Egoismus. Kein Wunder. Ameisen waren weiblich. Die wahre Schwesternschaft. Männchen lieferten nur die Gene. Kein schlechtes Modell, dachte Mary, öffnete die Augen und lief weiter.

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as Brodeln des Whirlpools. In der Luft der Geruch von Chlor. Chlor und Jasminblüten. Vom Haus her leise Musik. Alter Jazz, ausgewählt vom Zufallsgenerator. Die Schieferplatten noch warm von der Hitze des Tages. Er mochte das Gefühl an den nassen Fußsohlen und trank noch einen Schluck Bier. Dampf waberte über das Wasser. Weit weg in einem der Nachbargärten Stimmengemurmel. Kindergeschrei. Ein Hund bellte. Er trocknete sich die Haare. Unter der Hecke raschelte es. Ein Waschbär oder ein Reh. In den letzten Tagen wa-

Thriller über Big Data Der 48-jährige Autor Marc Buhl ist Lehrer am Wentzinger-Gymnasium in Freiburg und hat bereits fünf Romane veröffentlicht. „Die Auslöschung der Mary Shelley“ ist der erster Thriller des Freiburgers.

ren wieder viel Rehe unterwegs. Es war ein guter Tag gewesen, obwohl Mary in Las Vegas war. Er vermisste sie, auch wenn er sie nicht überzeugt hatte. Man musste Grenzen setzen, hatte er ihr gesagt, aber Mary glaubte nicht an Grenzen. Gott sei grenzenlos, hatte sie ihm gesagt, dabei ging es nicht um Gott, sondern Algorithmen. Sie verstand mehr von den Möglichkeiten des Computers als jeder andere im Unternehmen, sein Chef Powell eingeschlossen, aber sie war maßlos. Ein Privileg der Jugend, dachte er, das gibt sich. Die Sonne ging unter. Die ersten Sterne erschienen. Sterne hatte er schon immer gemocht. Vielleicht würde er sich eine kleine Sternwarte einrichten. Nicht hier in der Stadt, wo der Himmel zu schmutzig war, sondern oben in den Bergen. Er würde mit seinem Finanzmakler darüber sprechen, vorausgesetzt, die Scheidung wird nicht zu teuer.


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Die Neuen im BIKESportWorld-Team

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Ralf Zimmermann:

- Mountainbike-Guide auf Mallorca und Gran Canaria - 15 Jahre Erfahrung als Mechaniker, gelernter Motorrad-Mechaniker

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ET 16.05.2015

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