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September/Oktober 2009 kostenlos

#41

Die Jugendzeitung :

Neue Serie

SchuS.l18en im Ausland

 Warum wir uns nicht merken können, was wir lernen –  und wie man sich zum Lernen motiviert 

 Gelernt, geprüft, vergessen  Bankausbildung

Die Schüler-Chefs

Stefanie Heinzmann

Ausbildungsscouts im Einsatz 17

Wie Jugendliche Firmen gründen 18

Bühnenshow trotz Schüchternheit 7


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intro 03

Inhalt dieser Ausgabe

mit Pappschildern (»Herzlich Willkommen«), Luftballons und Luftschlangen stehen die Lehrer am Schuleingang. »Schön, dass du wieder da bist«, sagt der Schuldirektor und klopft dir freundschaftlich auf die Schulter. Im Klassenzimmer sagt die Lehrerin: »Jetzt fangen wir mal gemächlich an, man muss ja erstmal wieder reinkommen in den Schulalltag.« So könnte der Schulbeginn nach den Sommerferien Janos Burghardt Chefredakteur aussehen. Doch in Wahrheit sind alle Probleme, die man während den Sommerferien so erfolgreich verdrängt hat, von Anfang an wieder da. Der Notendruck, Schüler und Lehrer, die man nicht ausstehen kann, die Zukunftsangst. Jetzt heißt es, die Grundsteine für ein Schuljahr zu legen, auf das man am Schuljahresende mit dem Zeugnis in der Hand stolz zurückblicken kann. Das bedeutet nicht, sich das Leben durch die Noten diktieren zu lassen. Sondern eben das Beste aus der jeweiligen Schulsituation zu machen: Sich realistische Ziele setzen, versuchen, die Beziehungen mit Mitschülern und Lehrern neu zu knüpfen und das hier und jetzt in der Schule zu genießen. Denn das Beste an der Schulzeit sind schließlich nicht nur die Ferien. Mit dieser Ausgabe beginnen wir eine neue Serie: Wir besuchen für euch Schulen im Ausland und berichten, wie es den Schülern dort geht. Den Auftakt macht Raphael Geiger, der für uns die Sudana High School im indischen Bundesstaat Karnataka besucht hat. Ein Angebot haben wir noch zum Schulstart: In unserem Onlineshop www.yaez-schulbedarf.de haben wir für dich die wichtigsten Produkte zusammengestellt, die du für ein erfolgreiches Schuljahr brauchst. Die über 600 Produkte sind bereits ab einem Bestellwert von 25 Euro versandkostenfrei und werden innerhalb von 24 Stunden verschickt.

Illustrationen: Jakob Hinrichs

Liebe Leserinnen und Leser,

20 Die Bundestagswahl

Titel: Gelernt, geprüft, vergessen Lernfrust: Warum wir uns nicht merken können, was wir gelernt haben............................4 Lernlust: Wie man sich fürs Lernen motiviert – und was man vermeiden sollte.................5 Tarzan und Jane: Mädchen können mehr als Lernen und Jungs mehr als Prahlen.............6 Indien: Wie ein Schüler aus dem Kinderheim lernt, um später Ingenieur zu werden............10

Rubriken+Standards Auslandsjahr: Worauf es bei einer Austauschorganisation ankommt...............................12 Schüler-Chefs: Wie Schüler eigene Firmen gründen und damit Geld verdienen.............18 Film: »Oben«, »Taking Woodstock«, »Wickie und die starken Männer«, »Sturm«........22 Geliebt und gehasst: Warum Emos die Schüler in Freund und Feind spalten...................23 Internet: Wie deutsche Politiker den Wahlkampf von Barack Obama kopieren...............25 Meinungsmacher: Sind Studiengebühren ungerecht oder eine Zukunftsinvestition?.........26 Impressum........................................................................................................................16

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Cover (kleine Fotos): Marie Cevey, Jan Kopetzky, Universal; Titelfoto: Jan Kopetzky

13 Branchenzoom: Handel


04 lernen Kaum gelernt, schon vergessen: Was für immer im Kopf bleiben soll, muss fest verankert werden. Das ist viel Arbeit, funktioniert aber auch im Schlaf

Heute gelernt, morgen vergessen Warum wir uns nicht merken können, was wir lernen Text: sandra petersen Foto: Jan Kopetzky

I

ch versuche gerade zu überlegen, wie viel ich in meinem Leben schon gelernt habe. Wie viele Stunden saß ich schon Zuhause am Schreibtisch und habe versucht, mir Matheformeln, Geschichtsdaten und die Hauptstädte von fremden Ländern zu merken? Und die Zeit in der Schule müsste ich auch dazu zählen, da geht man schließlich zum Lernen hin. Und dann lernt man ja auch noch nebenbei, zum Beispiel wenn meine Umweltschützer-Freundin Julia mir wieder alle Details zum Klimawandel erzählt. Eigentlich lerne ich ständig. Aber: Behalte ich auch alles? Nein, natürlich nicht. Kaum gelernt, schon vergessen. In Erdkunde gibt es jedes Schuljahr aufs Neue einen Test zur Deutschlandkarte: Bundesländer, Hauptstädte, Flüsse, Gebirge. Ich habe das wirklich jedes

Schuljahr wieder neu gelernt. Warum konnte ich mir das einfach nicht einmal – und für immer – merken? Ein Gehirn wie ein Sieb »Ich habe oft das Gefühl, dass mein Gehirn ein Sieb ist«, sagt Hendrik (17), Gymnasiast aus Frankfurt. Und er ist da nicht alleine. »Das Gefühl, dass das Gedächtnis nicht so gut funktioniert, liegt oft daran, dass es unterschiedliche Formen der Erinnerung gibt«, sagt der Diplom-Psychologe Daniel Oberfeld-Twistel. Wir versuchen oft, uns an Wissen durch den »free recall« zu erinnern, also einfach aus dem Stehgreif Wissen hervorzuzaubern. Unser Gedächtnis funktioniert aber viel besser im Modus »Wiedergabe mit Hilfe«, also mit Abrufhinweisen wie Stichwörtern, Fragen oder


lernen 05 Eselsbrücken. Außerdem haben wir oft zu hohe Ansprüche an unser Gedächtnis, wie der Psychologie-Professor Stefan Berti bestätigt. »Wir erwarten von unserem Gedächtnis oft, dass es relativ unbedeutende und unverbundene Einzelfakten so genau wie möglich für immer aufbewahren kann – und das am Besten, nachdem man die Fakten nur einmal gehört oder gesehen hat.« So arbeitet das Gedächtnis nicht, denn es wäre dann im Alltag ziemlich schnell überfordert. »Es ist ein Glück, dass wir vergessen können«, sagt Berti. Wir können also nichts dafür, dass wir uns nicht merken können, wie französische Verben konjugiert werden – unser Gedächtnis hat es einfach vergessen. Wäre eine praktische Ausrede, aber so einfach ist es nicht. Wir können mit unserem Gedächtnis zusammenarbeiten: Es ist zwar kein Ikea-Regal, in dem einfach alles abge-

Jenny (16), Realschülerin aus Köln, beschreibt, was bestimmt viele Schüler kennen: »Ich habe manchmal das Gefühl, in der Schule erschlägt mich der Stoff.« Kopf auf, Wissen rein, Kopf zu. »Nimmt man als Kriterium für einen guten Unterricht nicht die Menge des durchgenommenen Stoffes, sondern den Umfang dessen, was Schüler unmittelbar und leicht behalten und verstehen, dann muss man den Unterricht und vor allem den Lernstoff eigentlich völlig anders organisieren«, sagt Psychologe Stefan Berti. Zu viele Fakten kann sich keiner merken Wissenschaftlich anerkannt ist heutzutage, dass »Reinstopfen« in die Schülerköpfe nichts bringt. Viele Lehrer beklagen sich deshalb auch, dass die Lehrpläne einfach zu voll sind, meint Professor Karin Bräu, Erziehungswissenschaftlerin aus Mainz. Die Gefahr sei dann, dass alles nur oberflächlich gelernt, aber nichts richtig verstanden würde. Michael Emrich, Ministerialrat im Bildungsministerium Rheinland-Pflanz, ist mitverantwortlich für die Lehrpläne. Er sagt, dass Lehrpläne oft so gestaltet sind, dass sie nur einen Rahmen vorgeben und die Lehrer in der Ausgestaltung ihres Unterrichts frei seien. »In allen Fächern sind die Lehrpläne im Übrigen so gestaltet, dass nur etwa zwei Drittel der Unterrichtszeit mit verpflichtenden Inhalten gefüllt sind, so dass genügend Freiräume zur Verfügung stehen.« Gutes und vor allem langfristiges Lernen in der Schule hängt also von allen ab: Schüler müssen motiviert sein, sich wirklich mit dem Stoff zu beschäftigen. Lehrer müssen den Unterricht so gestalten, dass sinnvolles Lernen möglich ist. Und der Lehrplan muss neben der notwendigen Bildung auch Platz für Eigeninteresse und genug Lernzeit bieten.

»Was uns interessiert, verarbeiten wir automatisch tief« legt werden kann, aber viel Stauraum hat es trotzdem. Neue Informationen werden nicht einfach in Schubladen geschoben, sondern mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft. Informationen, zu denen es schon viele Verbindungen im Gedächtnis gibt, könne man sich viel leichter merken als ganz neue Sachen, sagt Stefan Berti. Das Netzwerk im Kopf entscheide auch darüber, welches scheinbar unnütze Wissen wir uns leicht merken können: Ich kann mir ohne Probleme viele Zahlen merken, wenn es um ein Thema geht, das mich sehr interessiert. Bei der Leichtathletik-WM in Berlin ist Usain Bolt Weltrekord auf 100 Meter gelaufen. Ich kann mir seine Siegeszeit merken (9,58 Sekunden), die seiner Konkurrenten und die seiner Vorgänger. Die Zahlen sind in meinem Gedächtnis. Viele andere leider nicht. Kreativ und intelligent lernen Was tun, damit der Schulstoff auch im Kopf ankommt? Damit etwas das Langzeitgedächtnis erreicht, also länger als nur einen kurzen Moment gespeichert wird, kommt es auf die Verarbeitungstiefe an, erklärt Oberfeld-Twistel. Stumpf gelernte Vokabeln, die wir am nächsten Tag in der Schule beim Test hinunterbeten können, sind nicht tief verarbeitet. Auch nicht die Matheformel, die wir auswendig gelernt, aber nicht verstanden haben. Die Lösung: Man muss sich mit einer Sache beschäftigen, sich Beispiele für das Gelernte suchen, kreativ und intelligent lernen, die Informationen veranschaulichen. Nur so hat der Schulstoff eine Chance auf langes Überleben. Es geht also um den Einsatz von Zeit und Energie, denn auch hier gilt: von nichts kommt nichts. Was uns interessiert, zum Beispiel die LeichtathletikWM, verarbeiten wir automatisch tief. Für den Schulstoff müssen wir uns das vornehmen.

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Speichern im Schlaf Gelingt dieser Mix, kann auch gutes Lernen gelingen. Aber bleibt dann alles für immer in unserem Kopf? Die »Vergessenskurve« wurde 1885 von dem bekannten deutschen Psychologen Hermann Ebbinghaus beschrieben. »Die Kurve besagt grob, dass in den ersten fünf Minuten nach dem Lernen am meisten vergessen wird«, sagt Psychologe Daniel Oberfeld-Twistel. Auch in den ersten zwei Wochen sei der Wissensverlust noch relativ groß. Informationen, die diesen Zeitraum überlebt haben, könnten dann im Idealfall ein ganzes Jahr erinnert werden. »Und alles, was die Ein-JahresGrenze überschreitet, hat eine große Chance, auch für die nächsten 30 Jahre behalten zu werden.« Lernen und Behalten können also ganz schön anstrengend und viel Arbeit sein. Eine gute Nachricht gibt es für alle Lern-Geplagten aber: »Lernen im Schlaf« geht zwar leider immer noch nicht – dafür aber »Speichern im Schlaf«. Aktuelle Forschungsarbeiten haben nämlich gezeigt, dass viel Schlaf eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass sich das neue Wissen im Gedächtnis verankern kann. Also nach der Schule auf alle Fälle erstmal lange schlafen. •

Mit Zeitplan zum Erfolg Wie man sich fürs Lernen motiviert – und welche Fehler man vermeiden sollte Text: jochen blind Das neue Schuljahr hat begonnen, bald stehen wieder die ersten Klausuren an. Da treten altbekannte Probleme auf: Man müsste eigentlich noch Englisch-Vokabeln büffeln, man sollte die binomischen Formeln wiederholen, und für die Geschichtsklausur übermorgen hat man auch noch nichts gemacht. Aber heute ist ein Fußballspiel, oder ein DVD-Abend bei Freunden – oder die Lieblingsserie läuft im Fernsehen. Wie motiviert man sich da bloß fürs Lernen? »Ein Zeitplan ist ganz wichtig«, rät Monika Löhle, »und den muss man auch unbedingt einhalten.« Die Autorin des Ratgebers »Lernen lernen« kennt den Schüleralltag bestens, denn sie unterrichtet seit 33 Jahren Mathematik, Erdkunde und Psychologie an einem Ravensburger Gymnasium. Bevor man seinen Lernzeitplan erstellt, sollte man unbedingt den Stoff der Klausur recherchieren:

»Wer einen Nachmittag konzentriert gelernt hat, darf sich natürlich einen schönen Abend mit Freunden gönnen« »Nur wer den Umfang wirklich kennt, kann auch Schwerpunkte setzen.« Wie lange man auf eine Klausur lernt, ist höchst unterschiedlich. Aber: »Es gibt Fächer, die kann man nicht in zwei Tagen lernen – beispielsweise Mathe«, warnt die Pädagogin. Wer monatelang für ein Fach wenig oder nichts getan hat, kommt bei der Klausurvorbereitung schnell in Zeitnot. Das wirkt demotivierend. Deshalb sei es sinnvoller, in alle Fächer regelmäßig Zeit zu investieren. »Wenn man in Portionen lernt, ist es gar nicht so schlimm«, weiß Löhle, »schlimm ist es nur, wenn man einen Riesenberg auf einmal vor sich sieht.« Gerade jetzt zum Schuljahresbeginn biete es sich an, in allen Fächern frisch zu starten. Auch aus einem anderen Grund ist das sinnvoll: »Das Bild, das man in den ersten Wochen bei einem neuen Lehrer abgibt, wird sein Bild dauerhaft prägen.« Mit etwas Engagement könne man von Anfang an einen positiven Eindruck hinterlassen. Im Zeitplan sollten auch genügend Pausen eingeplant werden. Und man muss sich auch belohnen: »Wer einen Nachmittag konzentriert gelernt hat, darf sich natürlich einen schönen Abend mit Freunden gönnen«, betont Löhle. Belohnung sei schließlich Motivation. Auch das Lernumfeld sollte stimmen: »Es muss eine angenehme Atmosphäre herrschen, Chaos auf dem Schreibtisch wirkt nicht motivierend.« •

september/oktober 2009 • yaez


illustration: Katia Fouquet

Streber, Spaßbremse, Lernmaschine: Mädchen haben ein Imageproblem. Das muss sich ändern, findet Kira Brück

Bei Jungs geht Probieren über Studieren – gute Noten erkämpfen wir uns. Dabei können wir auch anders, meint Marc Röhlig

M

W

ädchen lernen viel – ich versuche erst gar nicht, das zu leugnen. Viel lernen, viel können, hört sich nach einem 1a-Plan an. Doch so ist es nicht. Mädchen sind oft verkrampft und verbissen, und das macht sie zu Strebern. Nicht gerade Sympathieträger. Das ist traurig, denn alles könnte so schön sein, würden die Mädels in all den Schulen da draußen endlich mal an sich und ihr Können glauben. Bei Referaten wird stattdessen gestottert und verstört zum Boden geschaut. Unser tolles Wissen bleibt irgendwo zwischen Gehirn und Stimmbändern stecken. Jungs wissen zwar meist nicht, worum es geht, dafür blicken sie selbstsicher in die Runde und fahren die einzig richtige Strategie: sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. Mädchen hingegen können sich nicht verkaufen. All der Fleiß hilft nicht, wenn sie am Ende nicht richtig performen. Daniel Küblböck und Co. haben es vorgemacht: Bei DSDS und anderen Castingshows geht es doch auch nicht darum, wer die schönste Stimme hat, sondern wer sich am überzeugendsten verkauft – und wen am Ende die Massen lieben. Das gilt auch für die Schule und das richtige Leben. Wer Monologe über Goethes Frauenfiguren hält, sollte in erster Linie unterhalten – und so gekonnt sein Wissen unter die Mitschüler und natürlich an den Lehrer bringen. Wären Mädchen entspannter und würden sie nicht vor jeder Klausur die sinnentleerte Leier von wegen »Ich schreibe eh eine Sechs« ablassen, stattdessen ihre Zeit in schlaue Spicker investieren und dann chillen, hätten die Jungs allerdings ein dickes Problem. Denn wären die Mädels nicht immer dermaßen gut vorbereitet, hätten Jungs niemanden zum Abschreiben. Das ist unsere scheiß soziale Ader. Wie oft habe ich den hübschen Matthias abkupfern lassen. Ja, wir waren Komplizen. Fürs Abschreiben lassen hat er mich in sein Sportteam gewählt. Aber um ehrlich zu sein, ist Matthias in den großen Pausen lieber mit den coolen Mädels eine rauchen gegangen, während ich Vokabeln für die nächste Prüfung durchgegangen bin. Schön blöd. Spätestens in der elften Klasse habe ich mir das Laissez-faire-Lernen angewöhnt – und siehe da: Meine Noten veränderten sich kaum. Endlich hatte ich Spaß an der Schule, weil ich durch minimalen Aufwand fast gleich viel erreichte. Die Wahrheit ist: Vielen Lehrern reicht 80 Prozent. Die 20 Prozent Ahnungslosigkeit konnte ich prima überspielen. Also, schauen wir uns die guten Tricks der Jungs ab, werden wir lässiger und verkaufen uns ungeheuer schlau. Wir können mehr als auswendig lernen: Wir können improvisieren, präsentieren, die Menge begeistern, unterhalten, ach was, die Welt erobern. Wenn wir uns endlich mal lockermachen. •

yaez • september/oktober 2009

ir sind natürlich die Gewinner. Bildungsstudien, blabla, behaupten zwar gerne, Jungen kommen in der Schule nicht hinterher – aber die Realität sieht anders aus. Okay, vielleicht bekommen Mädels auf dem Jahreszeugnis bei Fleiß und Betragen ein Häkchen. Vielleicht haben sie auch mehr Einsen in Deutsch oder Kunst gesammelt. Aber schaut man(n) sich die Aufwand-Nutzen-Rechnung an, dann ist er klar im Vorteil. Wenn wir im Klassenzimmer sitzen, hören wir zu, wenn es spannend wird und schmieren Comics ins Heft, sobald der Lehrer Richtung Lernstoff abschweift. Hauptsache wir behalten die Basics im Kopf: Französische Revolution – 1789 – König Kopf ab. Alles klar. Nach der Schule gehen wir zum Sport oder zum Computer, Hauptsache wir ignorieren erst mal die Hausaufgaben. Klassisches Lernen verhält sich zu Jungs wie Boybandposter zu Kinderzimmer: Es ist ein No Go. Wir behandeln Matheformeln, Weltgeschichte und Deutschaufsätze wie technische Geräte – halb verstanden ist fast gebaut, der Rest kommt durch Probieren. Wenn wir Jungs also einen Videorekorder programmieren, dann fackeln wir nicht lange, sondern probieren, was wie funktionieren kann. Und wenn wir Jungs in der Schule zum Test an die Tafel müssen, dann läuft das gleiche Prozedere aus der Tiefe unseres Egos ab: Nett lächeln, loslegen und bloß nicht schwitzen. Dass wir nicht gelernt haben, muss ja keiner wissen. Hauptsache: Revolution – 1789 – Kopf ab kommt in einer souveränen Erzählung ins Ganze. Ah ja!, Souverän. Souverän heißt nun Volk. Läuft. Wir können uns live von Antwort zu Antwort hangeln und das Hangeln dabei so flüssig wie einen Tarzanschwung aussehen lassen. Jetzt könnte ich fachsimpeln, ob das noch eine Urzeitanlage ist; schließlich will ein Mammut auch nicht wissen, ob ich am Vorabend gelernt habe, wie es sich theoretisch erlegen lassen würde. Aber eigentlich ist das alles Humbug: Wenn es drauf ankommt, nimmt der Junge seine Ellenbogen und erplappert sich seine Note. Nur: Es ist nicht alles Spiel. Und im Berufsleben schon gar nicht mehr. Wo Mädchen mit Vorsicht und Empathie herangehen, preschen wir drauflos. Ein wenig mehr Gefühl würde uns durchaus gut tun. Tatsächlich sind wir ja phantasiebegabt und einfühlsam genug, sonst würden wir nicht die Kopf-ab-Basics zu sinnvollem Wissen verknüpfen können. Aber es täte uns gut, diese Eigenschaften auch im Job einzubringen. Miteinander statt gegeneinander. Schließlich wollen wir uns doch revanchieren, wenn sich die Kollegin schon mal am Vorabend ins Projekt eingelesen hat. •


lernen 07

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Das kleine Mädchen kommt groß raus Wie ein unsicherer Popstar, der schon in der Schule Angst vor Referaten hatte, lernt, mit der Unsicherheit umzugehen und sich zu präsentieren Text: janos burghardt

Foto: Universal

S

ie kommt aus einem Dorf in der Schweiz und ist jetzt ein Popstar in Deutschland: Stefanie Heinzmann. Stefan Raab entdeckte das schüchterne Mädchen mit der großartigen Stimme in seinem DSDS-Verschnitt SSDSDSSWEMUGABRTLAD. Doch selbst für den Auftritt in der nicht ganz so ernsten Casting-Show bei TV Total musste ihr Bruder sie überreden teilzunehmen. Er ist es auch, der sie zur Musik führte, sie ständig förderte und ihr half, zu sich zu finden, sich zu präsentieren und Musikerin zu werden. Doch trotz ihres Erfolgs ist sie nicht wirklich angekommen in der Rolle des Popstars, sondern bleibt nach wie vor das Mädchen, das sich selbst nicht genügend zutraut, im Schlabber-Look statt im Haute Couture-Outfit herumläuft. »In der Schule hatte ich immer Angst vor Referaten«, sagt sie. Sie ist freundlich zu den Journalisten, fast zu freundlich, überspielt ihre Unsicherheit durch eine betont natürliche Art. Bodenständig will sie dabei wirken, hat Verständnis für jeden und alles. Nur auf der Bühne kommt sie aus sich heraus und überzeugt: »Vor Auftritten habe ich gar keine Angst. Da gebe ich alles.« Doch das musste sie lernen, sich zu überwinden, sich der Situation zu stellen. Und obwohl ein Auftritt vor mehreren Tausend Fans etwas besonderes ist, sich im Unterricht zu melden oder ein Referat zu hal-

ten, ist für viele Schüler auch ein Problem. Stefanie Heinzmann hat aber einen Weg gefunden mit ihrer Unsicherheit umzugehen. Sie nimmt alle Pressetermine war, ist trotz Unsicherheit immer freundlich und überzeugt auf der Bühne, weil sie es kann. Privat verbringt sie ihre Zeit dann zurückgezogen im Wallis – bei ihren engsten Freunden und mit ihrem Bruder. Davon können Schüler, die sich manchmal ein Referat nicht zutrauen, nur lernen. •

Schau hin: Wahlwerbespots für Bus und Bahn

Mach mit: Schülerwettbewerb der Siemens Stiftung

Im Superwahljahr 2009 hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (VDV) zusammen mit yaez als Medienpartner dazu aufgerufen, Wahlwerbespots für Busse und Bahnen zu drehen. Die Gewinner-Clips stehen jetzt fest und werden an die Direktkandidaten für den Deutschen Bundestag geschickt. So zeigen die Fahrgäste der Politik, warum ihnen der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wichtig ist. Die besten Clips gibt es jetzt im Internet zum Anschauen. • www.deutschland-bleibt-mobil.de/ videowettbewerb

Unter dem Titel »Energie-Genies der Zukunft – Ideen für mehr Effizienz.« veranstaltet die Siemens Stiftung ihren diesjährigen Schülerwettbewerb. Engagierte und talentierte Jugendliche sollen dabei gefördert werden und sich wissenschaftlich mit dem gesellschaftsrelevanten Thema Energieeffizienz auseinandersetzen. Noch bis zum 13. November können sich Schüler der Oberstufe mit ihren Projekten anmelden. Laufend neue Artikel und Interviews zum Thema Energieeffizienz und zum Wettbewerb findest du im Internet. • www.yaez.de/schuelerwettbewerb-energie

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september/oktober 2009 • yaez


08 lernen

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Ein guter Jahrgang Zwei Jahre lang haben sie für diese Note gekämpft: Im Frühjahr haben die Abiturienten ihre Abschlussprüfungen geschrieben, yaez zeigt als erstes alle Durchschnittsnoten im Überblick Text: Henrike meyer Illustration: jakob hinrichs

D

ie Abiturienten aus Thüringen können sich freuen, zumindest auf dem Papier stehen sie besonders gut da: Mit einem Durchschnitt von 2,3 sind sie beim diesjährigen Abitur deutschlandweit Spitzenreiter. Was aber noch nichts über die Qualität des Abiturs aussagt – wenn landesweit mehr verlangt wird, fällt dementsprechend der Schnitt auch schlechter aus. Besonders schlecht fällt dieser in Nordrhein-Westfalen aus. Mit einem Schnitt von 2,58 sind sie das Bundesland, mit den schlechtesten Abschlusszeugnissen. Die klaren Gewinner des Notenvergleichs sind, was den Durchschnitt angeht, die Mädchen: Sie sind durch die Bank besser als die Jungs. Zum Beispiel haben in Mecklenburg-Vorpommern 1,4 Prozent der Mädchen und nur 0,7 Prozent der Jungen das Abiturprädikat 1,0 erreicht. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Süddeutschland: Die bayrischen Absolventinnen können sich über einen AbiSchnitt freuen, der um 0,14 Notenschritte besser ist als der ihrer männlichen Schulkameraden. Trostpflaster für die Jungs: Der beste Schüler in Deutschland ist ein Junge. Im Saarland hat ein G8-Schüler das scheinbar Unmögliche erreicht, nämlich die maximale Punktzahl von 840 Abi-Punkten. Besser geht’s nicht. • 2,6 2,5 2,4 2,4

2,7 2,5 2,6 2,4

2,5

2,5 2,5 2,3

2,5

So schlau ist Deutschland

2,6

Abischnitt

2,4

2,3 Quellen: Kultusministerien der Länder. Schwarz: Abitschnitt 2009; Rot: Abischnitt 2008; Blau: Durchschnittsnote Schulartübergreifend

yaez • september/oktober 2009


lernen 09

Eine Seglerin schlägt hohe Wellen Eine 13-jährige niederländische Schülerin möchte alleine die Welt umsegeln Text: jana schulz

E

igentlich hatte sich Laura Dekker das neue Schuljahr anders vorgestellt: Die 13-jährige Niederländerin wollte am 1. September mit einer Segeljacht aufbrechen und innerhalb von zwei Jahren die Welt umrunden. Ihre Eltern unterstützen sie in diesem Vorhaben, doch ein Gericht wollte das nicht akzeptieren. Den Eltern wurde für zwei Monate das Sorgerecht entzogen, danach entscheidet ein Jugendpsychologe, ob Laura befähigt ist, alleine um die Welt zu segeln. Bis dahin muss die 13-jährige wie ihre Altersgenossen die Schulbank drücken. Es scheint fast ein Trend zu sein, dass immer mehr Jugendliche die Ozeane auf eigene Faust erkunden wollen: Erst Ende August kehrte der 17-jährige Brite Mike Perham nach neunmonatiger Fahrt als jüngster Weltumsegler der Seefahrtsgeschichte gesund in den Hafen von Portsmouth zurück. Er stellte damit einen Rekord ein, den erst wenige Wochen zuvor der US-Amerikaner Zac Sunderland aufgestellt hatte. Dieser war allerdings knapp drei Monate älter als der Engländer. Ende Oktober wird sich entscheiden, ob Laura Dekker die Chance bekommt, diesen Rekord erneut zu brechen. Sie selbst ist fest überzeugt, für das Abenteuer bestens gerüstet zu sein: »Ich werde der Kinderpsychologin zeigen, was ich kann, und ich werde ihr erklären, dass ich nicht so aufgewachsen bin wie die meisten anderen Kinder«, sagte die 13-Jährige dem niederländischen Fernsehsender NOS. Sie sei schließlich während einer Weltumseglung ihrer Eltern auf einem Boot in Neuseeland geboren und schon als Kleinkind mit dem Segeln und einem Leben auf dem Wasser vertraut gemacht worden. •

Das Superhirn Der 15-jährige Maximilian fängt im Herbst sein Studium an. Im Sommer hat er erst das Abitur gemacht

M

aximilian Baritz hat die Schule hinter sich gelassen. Das Abitur hat er in der Tasche, nun will er studieren. Sein vergleichsweise geringes Alter macht ihn zum Rekordhalter. Mit 15 Jahren ist Baritz aus Ortenberg einer der jüngsten Abiturienten Deutschlands. Und noch mit 15 wird er nach den Sommerferien sein Studium beginnen. »Ich bin froh, dass ich nicht mehr zur Schule gehen muss. Geliebt habe ich sie nie«, sagt Maximilian. Der Beste in der Schule war er, gemessen an den Zensuren aber nicht. Das zeigt auch seine Abi-Note: 2,8. Das ist schlechter als der Durchschnitt. An der außergewöhnlichen Begabung zweifelt aber niemand. »Aber Begabung führt nicht automatisch zu Leistung», sagt er. Einfach ist es als Hochbegabter nicht«, sagt Maximilian. Von Mitschülern habe es auch Gegenwind gegeben. »Und es ist auch nicht leicht, wenn man von Schülern umgeben ist, die drei bis vier Jahre älter sind.« Erst in der Oberstufe habe er sich einigermaßen akzeptiert gefühlt. Ein Genie, Superhirn oder gar ein Streber will er nicht sein. »Mein Fleiß kann extrem sein. Aber er stellt sich nur ein, wenn mein Interesse geweckt wird.« Studieren will Baritz Informatik. »Das Studium hätte ich gerne in München begonnen, denn dort gibt es einen Studiengang für IT-Security. Das ist mein Lieblingsthema.« Aber Studieren in einer fremden Stadt weit weg von den Eltern ist für einen 15-Jährigen nur schwer möglich. Deshalb hat er sich um einen Studienplatz an der Hochschule im nahen Offenburg beworben. Wird er angenommen, wäre er der jüngste Student in Baden-Württemberg. Maximilian spricht sechs Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Latein und seit drei Jahren Chinesisch. Während seine Freunde früher das Freibad ansteuerten, ging er in die örtliche Bücherei. »Verpasst habe ich im Leben aber nichts«, sagt er. • dpa

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september/oktober 2009 • yaez

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10 lernen SCHULEN IM AUSLAND: INDIEN

Ein Bildungsmärchen aus Bollywood Vom Kinderheim zum Ingenieur: Lernen für den sozialen Aufstieg Text: raphael geiger

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as Erbe der früheren Kolonialmacht England – sie erleben es jeden Morgen, wenn sie sich zum Gesang aufstellen: die Mädchen im langen, dunkelblauen Rock, die Jungen mit ordentlich gebundener Krawatte. Es ist neun Uhr, kurz vor der ersten Stunde, und an der Sudana High School im südindischen Bundesstaat Karnataka beginnt das tägliche Ritual. Vor dem Gebäude steht ein Chor und singt religiöse Lieder, die über Mikrofon in alle Klassenzimmer übertragen werden. Jeden Tag singen sie andere Texte, nur der Schluss ist immer gleich: Eine Lehrerin gibt bekannt, wer heute Geburtstag hat, und der Chor brüllt: »Happy Birthday tooo youuu!« Im Raum der neunten Klasse sitzt Jaspal, 14 Jahre alt. Es ist Informatik-Unterricht, der Lehrer kritzelt Excel-Befehle an die Tafel. Die indischen Schüler sind, verglichen mit deutschen, geradezu lammfromm. Sie schreiben brav mit, folgen gebannt dem Mund des Lehrers und ärgern sich nur, wenn sie etwas nicht wissen. Jaspal kommt nicht von hier. Abends nach dem Unterricht, wenn die anderen nach Hause gehen, wartet auf Jaspal das Armeninternat hinter dem Schulgebäude. Seine Familie hätte es sich nicht leisten können, ihn zur Schule gehen zu lassen. Der Vater arbeitet auf einer Teeplantage, die Schwester jobbt als Hausmädchen in Dubai, also schickten sie ihn hierher, wo eine deutsche Stiftung die Kosten übernimmt. Seit fünf Jahren ist Jaspal hier. »Anfangs war es schwer«, sagt er. »Inzwischen sind die 60 Kinder im Internat meine Familie.« Man könnte Jaspal den Idealtypen eines indischen Schülers nennen. Er stammt aus armen Verhältnissen, muss in einem Schlafsaal wohnen, fast ohne Privatsphäre. Wenn er die Schuluniform ablegt, zieht er ein altes T-Shirt und eine schmutzige Hose an. Und doch: Jaspal ist nicht traurig, er akzeptiert sein Schicksal und arbeitet für eine bessere Zukunft. Für seine Zukunft. Er rennt durch das Internat und sprüht nur so vor Selbstbewusstsein und Ehrgeiz. Irgendwann will er einen Platz an der Uni bekommen und Ingenieur werden. Vorbei am Sportplatz geht es zurück zum Klassenzimmertrakt. Sudana ist ein großer Campus, neben der Schule und dem Armeninternat liegt ein Sportplatz und ein weiteres Wohngebäude: Darin befinden sich die Zimmer für Schüler, deren Eltern die Unterbringung bezahlen können. Keine Schlafsäle, kleinere Zimmer – so zieht sich die Ordnung der indischen Gesellschaft bis hierher durch. Das Schulsystem ist in Indien sehr unterschiedlich: Grundsätzlich gibt es staatliche Schulen und private Institutionen, davon einige mit kirchlichem Schulträger, wie die Sudana School, die von einem evangelischen Pastor geleitet wird. Indien kennt

yaez • september/oktober 2009

ständig die Uralt-Rechner kaputt, die Schüler sitzen auf Plastikstühlen oder schäbigen Holzbänken, neue Schulbusse müssten her. Doch Jungen wie Jaspal geben Hoffnung, dass sich die Situation in Indien gerade jetzt grundsätzlich ändert. Die Regierung in NeuDelhi setzt in letzter Zeit mehr Mittel für die Basisausbildung ein, wo arme Schichten für das Bildungssystem gewonnen werden. Seit Jahren sinkt der Anteil der Jugendlichen, die den Tag in der Fabrik verbringen müssen statt im Klassenzimmer. Gleichzeitig steigt die Alphabetisierungsrate beträchtlich: Im ersten indischen Bundesstaat können schon alle lesen und schreiben. Das ist eine neue Generation: Eine, deren Eltern noch kein Buch aufschlagen konnten und die sich jetzt durch das Internet klickt. Und diese Generation spricht für einen gesellschaftlichen Wandel. Früher war Bildung in Indien ein Luxusgut, jetzt spricht die Regierung von einem »Right to education« – Bildung soll die Regel Foto: Amanda Koster/Corbis werden. Die Politik hat erkannt: Damit die indische Wirtschaft Schüler in einer indischen Dorfschule − gelernt wird auf Holzbänken und in Uniform. Die wenigsten Schüler in Indien können sich später einen Uniweiter wachsen kann, braucht sie Abschluss leisten, meist nur die Sprösslinge der Wirtschaftselite gut ausgebildeten Nachwuchs, braucht sie mehr Ingenieure. Hier, im Schlafsaal auf dem Sudana-Campus, rauscht gerade einer auf Rollerdenselben Trend wie Deutschland: Privatschulen blades durch den Flur zwischen den Betten. Jaspal werden immer beliebter. Auch von Bundesstaat zu kreischt und lacht. Bis er Ingenieur ist, wird es noch Bundesstaat unterscheidet sich das System erheblich. lange dauern. Viele Male wird er noch den FlurboDas einzige, worauf sich alle verständigt haben, ist den entlang kurven, aber er kann es schaffen: Er, der das sogenannte »10+2«-Muster. Das bedeutet GeSohn eines Teearbeiters, kann Ingenieur werden. In meinschaftsschule bis zur zehnten Klasse – dann, mit Indien klingt das schon fast nach Bollywood. • 15, trennen sich die Wege: Die einen wechseln in den Beruf, die anderen gehen auf eine zweijährige Oberstufe und im Anschluss auf die Universität. Aber Indien ist ein Entwicklungsland und noch dazu eines mit einer traditionell strengen Hierarchie. Die wenigsten können sich einen Uni-Abschluss leisten, meist die Sprösslinge der Wirtschaftselite oder Familien höherer Kasten. In Indien gilt immer noch: Wer arm geboren wird, wird es wahrscheinlich auch yaez-Autor Raphael Geiger ist nach dem sein Leben lang bleiben. Abitur im bayrischen Passau sechs Wochen Im Vergleich zu Europa sind die Budgets der Schulang durch Indien gereist len hier beinahe lächerlich niedrig. An Dorfschulen in armen Gegenden fehlt es am nötigsten, aber auch an der protestantischen Sudana High School hakt es Im nächsten Heft: yaez-Autorin Katharina Schmidt an allen Ecken und Enden: Im Computerraum gehen besucht eine Schule in Brasilien


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12 lernen

Die Auslandsmanager Es gibt 65 Organisationen, die Jugendliche ins Ausland bringen, und noch viel mehr Angebote. Ob ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland, Work & Travel oder ein paar Monate an einer High School – das passende Angebot zu finden, ist schwer. Wir zeigen dir, worauf es bei der Auswahl ankommt Text: elina malessa

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er Reiz der Ferne holt die meisten Jugendlichen spätestens nach dem Abi oder der Ausbildung ein. Derzeit nehmen rund 19.000 deutsche Jugendliche an einem mindestens dreimonatigen Auslandsaufenthalt teil. Aber wie kommst du ins Ausland? Rund 65 Organisationen werben mit Angeboten, bei denen bereits alles organisiert ist. Sie sind für viele ein wichtiger Rückhalt, um in der Fremde allein zurecht zu kommen. Doch das lassen sich die Organisationen auch gut bezahlen: Ein Auslandsjahr kann je nach Land bis zu 10.000 Euro kosten. Leisten kann sich das nicht jeder. Bei der Auswahl einer Organisation kommt es daher nicht nur auf das beste Rundum-Sorglos-Paket an, sondern auch auf den Preis. Zuerst musst du überlegen, was du von dem Auslandsaufenthalt erwartest. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Jetzt wird die Auswahl der Organisationen etwas kleiner, denn kaum eine bietet dir alles an. Ein wichtiger Aspekt ist die Sympathie zur Organisation – was keineswegs eine reine Bauchentscheidung sein muss. Viele veranstalten regelmäßig öffentliche Informationsveranstaltungen, um ihre Angebote zu präsentieren. Mit etwas Aufmerksam-

keit sind unseriöse Anbietern schnell gefunden. Eine gute Organisation berät und kümmert sich um jeden Teilnehmer. Sie stellt im besten Fall vor Ort Betreuer zur Verfügung, die jederzeit für dich erreichbar

» Eine gute Organisation berät und kümmert sich um jeden Teilnehmer« sind. Und sie bietet während des Auslandsaufenthalts Gruppentreffen zum persönlichen Austausch an. Aber auch kleine Organisationen können gute Auslandsaufenthalte anbieten – und das meist zu einem wesentlich günstigeren Preis. »Die Informationsbroschüre einer Organisation zeichnet sich nicht durch Länge oder Hochglanzfotos aus, sondern durch wichtige Informationen wie Preis und ihre Programme. Während des Bewerbungsverfahrens sollte die Organisation umfassend darüber informieren, was es heißt Austauschschüler zu sein, und welche Schwierigkeiten ein Auslandsaufenthalt mit sich bringen kann«, sagt Thomas Terbeck, Autor des

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Ratgebers »Weltentdecker«. Klar ist: Man kann einen Auslandsaufenthalt auch alleine organisieren – keine Organisation, keine zusätzlichen Kosten. Das funktioniert allerdings nur bei Freiwilligendiensten, Backpacking oder Work & Travel, das lässt sich leicht managen und planen. Bei einem längeren Auslandsaufenthalt mit Zwischenflügen und Unterkünften ist der Aufwand für dich allerdings wesentlich höher und die Ersparnis relativ gering. Ein High School Jahr oder andere Bildungsprogramme sind ohne eine Vermittlungsstelle kaum möglich. Hier öffnen Auslandsorganisationen die Türen zu den jeweiligen Bildungseinrichtungen im Ausland. »Man sollte sich spätestens ein Jahr vor dem Auslandsaufenthalt um alles kümmern«, sagt der Experte Thomas Terbeck. »Besser sind sogar zwei Jahre«. Der Aufenthalt im Ausland lohnt sich für dich in jedem Fall. Du erweiterst deinen Horizont und sammelst wichtige Lebenserfahrung. Thomas Terbeck von weltweiser gibt zu: »Ich leide mittlerweile unter chronischem Fernweh.« • www.auslandsbafoeg.de www.weltweiser.de


berufswahl 13

BRANCHENZOOM: WIRTSCHAFT UND HANDEL

Das kauft dir doch keiner ab Der Handel beschäftigt jeden zehnten Arbeitnehmer, rund 80.000 Schüler fangen hier jährlich ihre Ausbildung an. Und das mit gutem Grund: Kaum eine Branche ist so vielfältig Texte: sarah stocker illustration: jakob hinrichs

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enn Katharina Funke ihren Arbeitstag beginnt, liegen andere Studenten noch im Bett. Die 24-jährige Studentin aus Bonn schließt um 6.30 Uhr am Morgen ihre dmFiliale in Berlin auf. Was nun folgt, ist für die junge Frau schon Routine: Licht anmachen, Ware annehmen und auffüllen, auf dem Dienstplan schauen, wer von den Kollegen heute kommt. Zwanzig Wochen im Jahr arbeitet die Studentin bei dm, die restliche Zeit büffelt sie an der Alanus-Hochschule in Alfter für ihr BWL-Studium »Wirtschaft neu denken«. Doch Katharina ist keine gewöhnliche BWLStudentin, die nur Theorie lernt. Wie viele Studenten,

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die später einmal im Handel tätig sein möchten, absolviert sie einen sogenannten dualen Studiengang, der Theorie und Praxis miteinander verbindet. Wie jeder andere BWL-Student setzt sich auch Katharina an der Uni mit Fächern wie Marketing, Mathematik oder Wirtschaftsinformatik auseinander. Wenn andere aber frei haben und ihre Semesterferien genießen, dann steht Katharina in einer dm-Filiale und macht das, was in einem Drogeriemarkt anfällt: »Regale einräumen, Kassieren, Waren annehmen. Aber ich übernehme auch Filialleiteraufgaben oder bin mal im FORTSETZUNG AUF SEITE 15

Handel in Zahlen Etwa vier Millionen Menschen sind in Deutschland in der Handelsbranche beschäftigt, das sind fast 10 Prozent aller Erwerbstätigen Rund 180.000 Jugendliche absolvieren in der Handelsbranche eine Ausbildung Die Handelsbranche stellt jährlich 80.000 Ausbildungsplätze zur Verfügung, das sind knapp 12 Prozent aller Ausbildungsplätze in Deutschland Mit dem Ausbildungspakt verpflichtet sich die deutsche Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft, jährlich 60.000 neue Ausbildungsplätze einzurichten und 30.000 Betriebe zu überzeugen, mit dem Ausbilden anzufangen

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berufswahl 15

»Es gibt genügend Ausbildungsplätze« DAS KAUFT DIR DOCH KEINER AB FORTSETZUNG VON SEITE 13

Logistikzentrum oder in der Personalabteilung in der Zentrale in Karlsruhe tätig«, sagt die 24-Jährige. Katharina gehört zu den rund vier Millionen Mitarbeitern, die momentan im deutschen Handel beschäftigt sind. Allein 180.000 davon sind Auszubildende, rund 80.000 von ihnen beginnen jährlich eine Ausbildung in einem Kaufhaus oder einem Drogeriemarkt. Mit dieser stolzen Zahl gehört der Handel zu den wichtigsten Arbeitgebern und Ausbildern in Deutschland, rund zehn Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland sind hier beschäftigt. Und darum geht es im Handel: Es wird gekauft und verkauft. Für Einzelkunden wie du und ich, aber auch für Betriebe. Und so gehören sowohl der Tante-Emma-Laden um die Ecke, das große Kaufhaus in der Stadt, dein Supermarkt, aber auch Bäcker, Autohändler und große Wirtschaftsunternehmen zur Branche. Die große Auswahl an Beschäftigungsmöglichkeiten macht die Handelsbranche für Schulabgänger attraktiv. Egal, ob ein junger Mann später einmal als Einzelhandelskaufmann arbeiten möchte, oder ob ein Mädchen als Drogistin ihr Geld verdienen will, für beinahe jeden ist in der Handelsbranche etwas dabei. So bietet allein die Metro Group (Media Markt, Kaufhof) rund 25 verschiedenen Ausbildungsberufe im Bereich Handel an. Wichtig sei vor

»Die Soft Skills sind gerade im Handel sehr wichtig« allen Dingen, dass Berufstätige im Handel gut mit Menschen umgehen können, betont Stefan Noppenberger, der bei der Metro Group für die Berufsausbildung zuständig ist. »Die Soft Skills sind gerade im Handel sehr wichtig«, erklärt er. »Eine Verkäuferin muss zum Beispiel gut auf Menschen zugehen können, sie muss nett und freundlich sein und gut zuhören können.« Aus diesem Grund schaut die Metro Group nicht nur auf die schulischen Noten, sondern achtet auch darauf, ob jemand einmal Klassensprecher war, ehrenamtlich tätig war oder während der Schulzeit ein Praktikum absolviert hat. »Natürlich kommt es immer auch darauf an, was jemand später werden möchte«, erklärt Noppenberger, »ein Einzelhandelskaufmann kann zum Beispiel keine fünf in Mathe haben.« Obwohl viele in der Schule mit Mathe zu kämpfen hatten, zählt der Ausbildungsberuf zum Einzelhandelskaufmann oder zur Einzelhandelskauffrau zu einem der beliebtesten Ausbildungsberufe im Handel. Aber auch andere Ausbildungsberufe kann man im Handel erlernen, wie beispielsweise den Beruf zum Fachverkäufer, zum Drogisten oder Bürokaufmann. Wer ein bisschen kreativer sein möchte, für den gibt es noch etliche weitere Berufe, zum Beispiel Änderungsschneider oder Koch. Die Ausbildungen dauern in der Regel drei Jahre und werden entsprechend bezahlt. Voraussetzung für eine Ausbildung ist mindestens der Hauptschulabschluss, teilweise wird auch die Mittlere Reife verlangt. Auch für Abiturienten ist der Bereich Handel und Wirtschaft attraktiv. So gibt es für Abiturienten die Möglichkeit in einem BWL- oder Wirtschaftsstudium die Grundlagen des Handels zu erlernen. Weitere Möglichkeiten bietet ein Wirtschaftspädagogikstudium oder der Studiengang Wirtschaftsprüfung. Aber auch duale Studiengänge wie sie dm, die Metro Group und viele andere Handelsunternehmen in Zusammenarbeit mit Fachhochschulen und Universitäten anbieten, sind für Hochschulberechtigte interessant, vereinen diese Studiengänge doch Theorie und Praxis miteinander. Und genau aus diesem Grund schließt Katharina Funke an diesem Morgen die dm-Filiale auf, während andere Studenten noch schlafen. •

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Interview mit Dr. Thilo Pahl, Leiter des Referats Ausbildungspakt und Ausbildungsförderung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) Haben Schulabgänger durch die Wirtschaftskrise schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz? Nein, im Grunde haben die Jugendlichen gleich gute Chancen wie zuvor. Zwar gibt es in der Industrie und im Export aktuell weniger Ausbildungsplätze, einfach weil die Aufträge aus dem Ausland zurückgegangen sind. Dennoch hat sich die Situation der Auszubildenden auch in Zeiten der Krise nicht wirklich verschlechtert, es gibt genügend Ausbildungsplätze. Welche Anforderungen hat der Handel an junge Bewerber? Gute Noten sind eine gute Eintrittskarte, das erleichtert vieles. Aber auch wer nicht so gute Schulnoten hat, hat im Handel eine Chance. Wer freundlich ist, im Team arbeiten und gut mit Menschen umgehen kann, der kommt auch mit mittelmäßigen Noten rein. Was hat es mit dem sogenannten Ausbildungspakt auf sich, den die Bundesregierung und die Wirtschaft geschlossen haben? Mit dem Ausbildungspakt verpflichten sich Wirtschaft und Bundesregierung, jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu gewährleisten. Bisher hat das sehr gut funktioniert. Wie komme ich denn als Schüler in die Handelsbranche? Es gibt einmal die zwei klassischen Wege: Die Ausbildung direkt bei einem Betrieb oder das BWL-Studium an einer Universität oder Fachhochschule. Sehr attraktiv sind aber auch duale Studiengänge. Hier besuchen die Studenten Vorlesungen und arbeiten im Betrieb. Absolventen eines dualen Studiengangs haben deshalb sehr gute Chancen, einen Job zu bekommen.

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16 berufswahl BERUFE

Hassawas, Hazard Control New York am 11. September 2001: Die »Twin Towers« stehen in Flammen. Während die Welt rätselt, was passiert ist, beginnt für die New Yorker Feuerwehrleute der wohl schwerste Einsatz ihres Lebens. In Ausnahmesituationen wie dieser sind Experten gefragt, die solche Einsätze koordinieren. Und genau das lernen Studenten in dem noch relativ unbekannten Fach »Hazard Control«. Fachleute in diesem Bereich sind zunehmend gefragt: »Die Sensibilität für die Gefahrenabwehr hat deutlich zugenommen«, sagt Prof. Jürgen Lorenz von der Fachhochschule Hamburg (HAW), die das Fach anbietet. Die Experten kommen aber auch bei Naturkatastrophen zum Einsatz. Sie müssen dann die Lage analysieren und entscheiden, wie die Retter vorgehen sollen. Anderen helfen zu wollen, reiche als Motivation aber nicht, sagt Lorenz. »Das ist ein ingenieurwissenschaftliches Studium. Ähnliche Studienangebote gibt es übrigens auch in Magdeburg, Wuppertal, Köln und Furtwangen. • dpa

Die Brötchen von Morgen Wer morgen schon ganz vorne mitbacken will, muss früh aufstehen: 30.000 Schulabgänger beginnen jährlich eine Ausbildung zum Bäcker. Das mit dem früh aufstehen ist dabei wörtlich zu verstehen: Damit die Brötchen morgens auf dem Frühstückstisch landen, beginnt der Arbeitstag sehr früh. Doch dafür kennt das Bäckerhandwerk kaum eine Krise – Brot wird schließlich immer gekauft. Und so

haben Schulabsolventen hier besonders gute Chancen, auch dieses Jahr einen Ausbildungsplatz zu finden. Ausgebildet wird man dann für die Arbeit am Tisch und Ofen, an der Theke und im Kundenservice. Neben der klassischen Bäcker-Ausbildung kann man auch Bäckereifachverkäufer lernen, diese Ausbildung konzentriert sich dann auf den Verkauf. Und auch nach der Ausbildung kann man weiter lernen: so kann man Filialleiter einer Bäckerei, Ausbilder oder Berufsschullehrer für diesen Bereich werden. Deutsche Bäcker sind weltweit gefragt: In Hotels, Restaurant oder auf Kreuzfahrtschiffen. • ms

Die Party-Profis Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 haben viele als »Sommermärchen« erlebt, wie viel Arbeit dahintersteckte, haben die wenigsten mitbekommen: All die Videoleinwände, Imbissbuden und Toilettenhäuschen wollten geplant sein. Wie das geht, lernen Studenten im Fach Eventmanagement. Wer gerne Konzerte und Partys besucht, ist aber noch lang kein geborener Eventmanager. »Die Party haben schließlich die anderen, man selbst muss arbeiten«, sagt Prof. Ulrich Wünsch von der Fachhochschule Bad Honnef, die das Fach anbietet. In dem Fach sei es wichtig, Stress und Druck aushalten zu können» Bei Veranstaltungen muss man nun mal Termine einhalten.« Im Studium wird vor allem betriebswirtschaftliches Wissen vermittelt. Daneben müssen Studenten auch Vorschriften für Veranstaltungen lernen Studieren lässt sich das Fach außer in Bad Honnef unter anderem in Berlin, Dortmund, Iserlohn, Karlsruhe und Erding. • dpa

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Impressum und Redaktion yaez erscheint jeden Monat (außer Schulferien) und liegt kostenlos an 5000 weiterführenden Schulen in ganz Deutschland aus. ISSN: 1612-8257 HERAUSGEBER: Janos Burghardt, Simon Keller, Michael Hartung REDAKTION & VERLAG: Yaez Verlag GmbH Arminstraße 15, 70178 Stuttgart Tel: (0711) 13 77 80-20, Fax: (0711) 13 77 80-22 E-Mail: redaktion@yaez.de, www.yaez-verlag.de Chefredakteur: Janos Burghardt (ViSdP) ART DIRECTOR: Simon Keller Redaktion dieser ausgabe: Janos Burghardt (verantwortlich), Simon Keller, Jochen Blind, Sandra Petersen, Raphael Geiger, Jan Philipp Burgard, Oskar Piegsa, Kira Brück, Marc Röhlig, Sarah Stocker, Elina Malessa, Patrick von Krienke, Amelie Harich, Marian Spohn, Henrike Meyer, Frank Wendel, Maria Janine Steiner, Jana Schulz, Christiane Traub Illustrationen: Jakob Hinrichs, Katia Fouquet, Niko Burger Fotos: Jan Kopetzky, Marie Cevey, Corbis, PR HERSTELLUNG: Simon Keller AnzeigenLEITUNG: (verantwortlich für den Anzeigenteil) Michael Hartung (13 77 80-16, mh@yaez-verlag.de) verbreitete auflage: 360.023 Exemplare (IVW Q2/2009) Die Auflage wird regelmäßig von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) geprüft. Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 10 vom 01.06.2009. abo & vertrieb: Tel: (0711) 13 77 80-20, Fax: (0711) 13 77 80-22 E-Mail: vertrieb@yaez.de Der Bezug der Jugendzeitung ist für Vertriebsstellen kostenlos. Das Abo im Einzelbezug kostet 2,99 Euro/Jahr. Abo-Bestellung über vertrieb@yaez.de Druck: Bechtle Verlag&Druck, Zeppelinstraße 116, 73730 Esslingen Die Jugendzeitung yaez arbeitet mit Landesschülervertretungen und SMVen zusammen Kooperationspartner dieser Ausgabe: Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken Die namentlich gekennzeichneten Beiträge spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider. Nachdruck von Beiträgen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags


berufswahl 17

»Die Kunden verlassen sich auf mich« Im Gespräch mit Bank-Auszubildenden: Wenn einer über die Bankausbildung Bescheid weiß, dann die Auszubildenden selbst. Im Gespräch mit aktuellen Azubis der Volksbank Lahr stellen die fünf yaez-Ausbildungsscouts fest, dass es nicht unbedingt auf die Mathe-Note ankommt Text: elina malessa fotos: marie cevey

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ie Ausbildung bei der Bank hat nicht viel mit dem Mathe-Unterricht an der Schule zu tun«, sagt Nadine Boschert, die bald ihre Ausbildung zur Finanzassistentin bei der Volksbank Lahr (Baden-Württemberg) beendet. »Was ist euch denn lieber, wenn ihr an einen Bankschalter kommt: Dass der Banker alles im Kopf rechnen kann oder dass er freundlich zu euch ist?« Klar, fügt sie schnell hinzu: »Wer gar nicht mit Zahlen kann, für den ist die Bankenwelt nichts.« Doch in einer Bank zu arbeiten heißt vor allem, Menschen bei ihren Finanzentscheidungen zu helfen. Die fünf yaez-Ausbildungsscouts sitzen in einem Besprechungsraum der Volksbank Lahr zusammen mit Bastian Lehmann, der gerade eine Ausbildung

reich – man hat wirklich jeden Tag neue Aufgaben.« Bastian stimmt ihm zu: »Stimmt, am Anfang meiner Ausbildung habe ich auch befürchtet, dass es manchmal langweilig werden könnte, aber andere Faktoren waren da wichtiger für mich«, sagt er. »Was für Fähigkeiten brauche ich, wenn ich Bankkauffrau werden möchte?«, fragt Ausbildungsscout Alisa, die sich für diese Ausbildung interessiert. Johannes antwortet ihr: »Du musst ein freundlicher, offener Mensch sein. Der Kontakt mit den Kunden ist enorm wichtig, und du solltest Spaß daran haben, aktiv auf Kunden zuzugehen.« »Ich glaube, das mit den Kunden kann ich nicht«, sagt die 15-jährige Kübra. Nadine Boschert beruhigt sie: »Das lernt man hier alles. Das ist gar nicht so schwer. Man bekommt Verkaufstraining, Schulungen, wie man ein Gespräch am Telefon führt, und dann wird das langsam zur Routine. Wenn man mit einer Sache nicht zurecht kommt, gibt es Problemgespräche. Unser Arbeitgeber hat dafür ein offenes Ohr – es ist ja in seinem Interesse, dass wir uns verbessern.« Der Azubi wird schließlich in dem geschult, was der Ausbilder von ihm erwartet. »Was gefällt euch denn selbst an eurem Beruf am besten?« will Ausbildungsscout Fabienne wissen. Nadine antwortet: »In diesem Job werden Beziehungen zu Kunden aufgebaut. Das gefällt mir sehr gut. »Was für Fähigkeiten brauche ich, wenn ich Bankkauffrau werDie Kunden vertrauen mir ihre den möchte?« yaez-Ausbildungsscout Alisa im Gespräch mit Auszubildenden der Volksbank Lahr Finanzen an und verlassen sich darauf, dass ich sie richtig berate. Das ist eine große Verantwortung, die ich gerne übernehme.« Ihr Kollege zum Bankkaufmann macht, Johannes Volz, der an Bastian muss einen Moment überlegen: »Es gibt der Dualen Hochschule (Berufsakademie) den Bavieles, was mir hier gefällt. Bei den Volksbanken und chelorstudiengang »Banken und Bausparkassen« Raiffeisenbanken hat man gute Karrierechancen. studiert und Nadine Boschert. Die AusbildungsVom fertigen Azubi bis zum Kreditsachbearbeiscouts sind von Nadines Antworten überrascht. ter sind es zum Beispiel nur drei Jahre. Mir perWer an Banken denkt, denkt eben zuerst an Zahlen sönlich macht das Thema Bausparen große Freustatt an Menschen. »Kann denn der Job nicht auch de.« Und Johannes Volz ergänzt: »Aber man muss manchmal total langweilig sein?«, fragt Kübra. Josich ja nicht festlegen – man hat nie ausgelernt hannes, der im zweiten Ausbildungsjahr ist, grinst: und man wird immer wieder neu geschult.« • »Das denken viele. Aber der Job ist abwechslungs-

Alisa (14)

»Ich kann mir jetzt nach dem Ausbildungstag vorstellen, eine Ausbildung zur Bankkauffrau zu machen«

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Kübra (15)

»Es hat wirklich Spaß gemacht, ein Ausbildungsscout zu sein. Der Tag wird mir lange in Erinnerung bleiben«

Frauke (16)

»Bei einer Bank zu arbeiten ist vielseitiger, als ich dachte. Manchmal sind es eben doch nur Vorurteile«

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Einsatz für die yaez-Ausbildungsscouts Zu Besuch bei der Volksbank Lahr In unserer Sommer-Ausgabe (yaez #40) haben wir fünf Ausbildungsscouts für einen Tag bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken gesucht. Die fünf yaez-Leserinnen Fabienne (16), Frauke (16), Alisa (14), Sandra (15) und Kübra (15) hatten die einmalige Gelegenheit, hinter die Kulissen der Volksbank Lahr zu schauen und sich umfangreich über die Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren. Hier erfährst du, was sie im Gespräch mit Auszubildenden erlebt haben. Welche beruflichen Perspektiven es bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken gibt und wertvolle Bewerbungstipps erfährst du bei uns im Internet. Außerdem: Der Video-Clip zum Ausbildungstag und viele Fotos! www.yaez.de/ich-werde-banker

Fabienne (16)

»Als Ausbildungsscouts haben wir einen super Einblick bekommen. Diese Chance hat man eigentlich nicht«

Sandra (15)

»Ich werde mich nach der Schule bei der Volksbank bewerben. Der Ausbildungstag hat mir sehr geholfen«

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18 berufswahl

Die Schüler-Chefs Immer mehr Jugendliche engagieren sich in Schülerfirmen – und lernen dabei mehr als reines Wirtschaftsdenken Text: jochen blind foto: jan kopetzky

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elbstbewusst wirbt die JugendServiceTeam SGmbH auf ihrer Homepage um neue Kunden: »PC-Probleme? – Nicht mit uns!« Das Besondere an dem Unternehmen im brandenburgischen Schwarzheide: Alle Mitarbeiter drücken noch die Schulbank, sind zwischen 11 und 17 Jahre alt. Die Firma ist ein Schülerunternehmen am EmilFischer-Gymnasium. Seit Dezember 2007 besteht es mit Geschäftsführer, Pressesprecher, Technikchef und Finanzchef. Die Mitarbeiter bieten Computerkurse für Schüler, Erwachsene und Lehrer an – mit großem Erfolg: Bislang nahmen über 60 Interessierte an den Kursen Teil. »Schülerfirmen sind pädagogische Schulprojekte, die wichtige Kompetenzen ausbilden sollen«, erklärt Thomas Schöler von der Servicestelle Schülerfirmen

in Potsdam. Diese Projekte funktionierten wie kleine Unternehmen. »Reich wird man damit aber nicht«, stellt er klar, »man hat aber große Lernerfolge.« Wie man eine Schülerfirma gründet? Am Anfang steht eine Geschäftsidee – am besten von den Schülern selbst entwickelt. Mit dieser Idee sollte man sich dann an einen Schülerfirmenberater wenden. »Er hilft dabei, die Projektidee weiterzuentwickeln und organisatorische Dinge zu klären«, so Schöler. Ganz wichtig: Die Schülerfirma muss schulisch organisiert werden. Denn nur so ist gewährleistet, dass die Teilnehmer über die Schule versichert sind. »Schulen sind zunehmend offen für solche Projekte«, hat Schöler beobachtet, »manche Schulen schmücken sich sogar mit ihren erfolgreichen Schülerfirmen.« Wichtig bei der Gründung ist die Rechtsform des

Unternehmens. Die meisten Schülerfirmen sind GmbHs oder Aktiengesellschaften. »Dadurch sollen die Schüler Wirtschaftskenntnisse erlangen«, erklärt Schöler. Für alle Rechtsformen gebe es Vorlagen, auf die die Schüler zurückgreifen könnten, um sich im Dickicht der Paragraphen nicht zu verirren. Vor allem Erziehungsgewerkschaften beklagen, dass die Ökonomie durch die Schülerunternehmen Einzug in den Schulalltag hält. Ein Kritikpunkt, den Thomas Schöler nicht gelten lässt. Für ihn haben Schülerfirmen ein anderes Hauptanliegen: »Die wirtschaftliche Tätigkeit ist zweitrangig, pädagogische Prozesse sind viel wichtiger.« So gebe es bei den Projekten Teamentwicklungsprozesse, das soziale Miteinander werde gefördert, und durch den starken Praxisbezug hätten ansonsten benachteiligte Schüler große Entfaltungsmöglichkeiten. Auch im Lebenslauf macht sich die Mitwirkung an einer Schülerfirma gut: »Betriebe und Universitäten schätzen das sehr«, hat Schöler beobachtet. Denn die Schüler machten dabei wichtige Erfahrungen, die sich auch auf ihr Selbstbewusstsein positiv auswirkten. Deutschlandweit gibt es nach Schätzungen über 1000 Schülerfirmen. »Genaue Zahlen liegen aber nicht vor«, erläutert Schöler, »weil die Firmen nirgendwo registriert werden.« In den letzten Jahren gebe es aber einen deutlichen Trend hin zu solchen Unternehmen. Oft werden sie durch private oder öffentliche Partner gefördert, beispielsweise durch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung oder Landesministerien. Zusammen mit drei Kollegen betreut Schöler über 90 Schülerfirmen in Brandenburg. In anderen Bundesländern gibt es keine zentrale Servicestelle für Schülerfirmen. Dort ist Unterstützung auf regionaler oder kommunaler Ebene zu finden. »Um den geeigneten Berater anzusprechen, empfiehlt sich eine Internetrecherche«, rät Schöler. Vor allem in drei Bereichen sind die jugendlichen Unternehmer tätig: in der Pausenversorgung, bei schulischen Dienstleistungen wie Nachhilfe oder Computerkursen und bei handwerklichen Tätigkeiten. Es gibt aber auch Schülerfirmen, die eine echte Nische aufgetan haben: So betreibt im brandenburgischen Brück eine Schülergruppe Bienenzucht und verkauft fleißig Honig. Der Phantasie sind also keine Grenzen gesetzt. Thomas Schöler betont: »Schülerfirmen sind so bunt wie das Leben in der freien Wirtschaft.« •

Einmal Manager und zurück In Wettbewerben und Projekten haben Schülern die Chance, einmal richtige Wirtschaftsluft zu schnuppern Planspiel Börse Mit einem simulierten Planspiel können Schüler lernen, was es heißt, im Wirtschaftsleben mit Geld umzugehen. Die Schüler arbeiten in Teams und versuchen dabei, ihr Wertpapier-Depot besser als das der anderen Spieler zu entwickeln. Es winken Geld-, Reise-, und Sachpreise. Teilnehmen können Schüler ab der achten Klasse. www.planspiel-boerse.com

Schul-Banker Hier übernehmen Schüler das Management einer virtuellen Bank. Im Team werden alle wichtigen Entscheidungen getroffen. Teilnehmen können Oberstufenschüler. Es winken viele Geldpreise. www.schulbanker.de

business@school Im Projekt der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) können Oberstufenschüler mit Hilfe von BCG-Beratern ihre eigene Geschäftsidee entwickeln und abschließend einer Jury präsentieren. Zu gewinnen gibt es bezahlte Praktikumsplätze bei der BCG. www.business-at-school.de

Deutscher Gründerpreis Der renommierte Gründerpreis hat auch einen

Skate Up Hier werden Schüler zu virtuellen Jungunternehmern, die Inline-

Ableger für Schüler. Bei diesem gründen Schüler in Teams Unternehmen und entwickeln ihr eigenes Geschäftskonzept. Die zehn besten Teams werden zusammen mit ihren Betreuern nach Hamburg eingeladen. www.dgp-schueler.de

Skates produzieren. Sie müssen auf ihre Konkurrenz achten, die Personalplanung berücksichtigen und Produktentwicklungen machen. Teilnehmen können Schüler ab 14 Jahren. Skate Up ist eine Initiative der Postbank. planspiel.postbank.de

yaez • september/oktober 2009


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20 bundestagswahl

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CDU und CSU betonen, dass sie den Bau neuer Kraftwerke ablehnen, sie wollen aber die bestehenden Kraftwerke länger laufen lassen als geplant. Erneuerbare Energien mit Quellen wie Sonnenlicht, Windenergie und Wasserkraft sollen zwar genutzt, aber nicht zu stark subventioniert werden. Die FDP setzt auf einen Energiemix aus Kohlekraft, erneuerbaren Energien und Kernkraft. Sie halten die Kernkraft für mittelfristig unverzichtbar. Die SPD will den Atomausstieg durchziehen, dafür sollen neue Kohle- und Gaskraftwerke gebaut werden. Ziel der SPD ist es, dass erneuerbare Energien bis 2030 die Hälfte des Stroms erzeugen. Die Grünen sind strikt gegen Atomkraftwerke, genau wie die Linkspartei. Bis 2030 wollen die Grünen komplett auf erneuerbare Energien umstellen und ein neues Zeitalter mit Energie aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme einleiten. Außerdem machen sie sich für Elektroautos stark. Auch die Linkspartei setzt auf erneuerbare Energien und ein Tempolimit auf Autobahnen zum Klimaschutz. •

yaez • september/oktober 2009

texte: sandra petersen

Alle fünf Parteien wollen das Bildungssystem verbessern und dafür viel Geld investieren. Wie genau dieses System aussehen soll, darin unterscheiden sich die Parteien. CDU/CSU und FDP treten dafür ein, dass die Bildung wie bisher Ländersache bleibt. Das heißt, dass jedes Bundesland unabhängig eigene Gesetze und Regelungen im Bildungsbereich beschließen kann. Dagegen fordern SPD, Grüne und Linkspartei, dass der Bund mehr Mitspracherecht bei Bildungsfragen haben soll, damit das System einheitlicher wird. CDU/CSU und FDP halten am alten, gegliederten Schulsystem fest, während SPD, Grüne und Linkspartei diese strikte Gliederung langfristig abschaffen wollen. Die Linkspartei fordert die Einführung von Gemeinschaftsschulen bis zur 10. Klasse, die Grünen halten ein gemeinsames Lernen bis zur 9. Klasse für sinnvoll. Alle Parteien, außer der FDP, setzen sich für einen bundesweiten Ausbau von Ganztagsschulen ein. CDU/CSU würden gerne konfessionellen Religionsunterricht an allen Schulen zum Pflichtfach machen. Während die FDP die Studiengebühren für Studenten befürwortet, schweigt die CDU/CSU zu diesem Thema in ihrem Parteiprogramm. SPD, Grüne und Linkspartei lehnen Studiengebühren ab. •


Die Partei mit den meisten Stimmen stellt den Kanzler. Dieser muss nach der Wahl von der Mehrheit der Abgeordneten im Bundestag gewählt werden.

Du benötigst: mehrere Parteien, deinen Kopf, einen Wahlzettel und einen Stift. Nimm die Parteien aus der Packung. Überlege, welche Ideen, Visionen und Ziele dich überzeugen. Entscheide dich für eine Partei. Gehe dann direkt zu deinem Wahllokal oder beantrage die Briefwahl. Nimm einen Stift und mache zwei Kreuzchen. Schon hast du die Regierung für Deutschland zusammengebaut

Um regieren zu können, braucht eine Partei mindestens die Hälfte der Stimmen. Da eine Partei allein das meist nicht schafft, muss sie sich mit anderen Partei zusammenschließen und eine Regierungskoalition bilden. Aktuell gibt es eine Koalition zwischen der CDU und der SPD.

Damit eine Partei in den Bundestag darf, muss sie mindestens 5 Prozent der Zweitstimmen bekommen. Ein Kandidat, der durch die Erststimme in seinem Wahlkreis direkt gewählt wurde, darf aber selbst dann in den Bundestag einziehen, wenn seine Partei an der FünfProzent-Hürde scheitert.

Jeder Wahlberechtigter, das ist man ab 18, hat bei der Bundestagswahl am 27. September zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählt man einen Direktkandidaten einer Partei aus seinem Wahlkreis. Und mit der Zweitstimme wählt man die Landesliste einer Partei. Die Zweitstimme ist wichtiger, weil sie bestimmt, wie viele Sitze eine Partei im Bundestag bekommt.

Nach der Wahl werden die 598 Sitze im Bundestag verteilt. Alle Direktkandidaten, die in ihrem Wahlkreis gewonnen haben, ziehen automatisch in den Bundestag ein. Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie die weiteren Sitze im Bundestag unter den Parteien aufgeteilt werden. Es kommt dabei vor, dass eine Partei mehr Direktkandidaten als Sitze hat – diese Direktkandidaten dürfen trotzdem in den Bundestag, sie bekommen sogenannte Überhangsmandate.

illustrationen: jakob hinrichs

Sorry, verwählt Generation Egal war gestern. Bei diesen drei Projekten können Schüler Politik hautnah erleben Speed-Dating In mehreren Städten finden dieses Jahr kurz vor der Bundestagswahl Erstwählerkonferenzen statt. Dort lernen Jugendliche Politiker wie im Speed-Dating kennen: Die lokalen Bundestagskandidaten beantworten jeweils 15 Minuten lang Fragen. www.vfh-online.de

Bananenrepublik Die Schule wird zum kleinen Staat umgebaut. Es gibt eine Verfassung, Parteien, ein Wirtschaftssystem und sogar eine eigene Währung. Das Besondere: Schüler und Lehrer sind gleichgestellt und unterliegen denselben Gesetzen. Damit erfährt man konkret, wie wirtschaftliche und politische Zusammenhänge funktionieren. www.bsk-portal.de

Die Wahl-Glaskugel Der Online-Fragebogen »Jugend und Politik« soll Schülern helfen, ihre eigenen politischen Einstellungen zu finden. Der Fragebogen wird online ausgefüllt und dann im Unterricht mit einem Lehrer ausgewertet. www.bpb.de

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Horst Schlämmer: »Ich habe Aura« Lieber Herr Schlämmer, was ändert sich, wenn Sie Bundeskanzler sind? Es muss mehr sein von weniger. Wat die andern nich können, dat kann ich auch. Wenn ich Kanzler werde, das Land bleibt ja Demographie. Wofür steht die Horst-Schlämmer-Partei? Wir sind konservativ, liberal und links. Und ein bisschen ökologisch. Warum kommen Sie beim Wähler so gut an? Ich habe Aura. Sie wollen das Wahlalter auf 12 absenken. Was ist der Hintergrund? Jugendliche sehen, dass es Spaß machen kann, sich für etwas einzusetzen. Und dass es sich lohnt. Wenn dat dabei rumkommt, dann ist schon viel gewonnen. Welche Rolle spielen Jugendliche für unser Land? Die Jugend ist ganz wichtig. Sie ist unsere Zukunft. Ja, Sie lachen. Aber wenn der Obama das sagt, lacht keiner. Interview: Jochen Blind

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22 film

Die Wikinger sind los Michael Bully Herbig bringt die Kultzeichentrickserie »Wickie und die starken Männer« ins Kino TEXTE: JOCHEN BLIND

Die Zeichentrickserie »Wickie und die starken Männer« ist Kult – und das schon seit vielen Jahren. Auch Erfolgsregisseur Michael Bully Herbig (»Der Schuh des Manitu«) ist ein langjähriger Fan. Ihm ist es zu verdanken, dass Wickie und Co. nun endlich den Weg auf die ganz große Leinwand finden. Allerlei unterhaltsame Einfälle sind da garantiert. Wickie (Jonas Hämmerle) lebt mit seiner Mutter Ylva (Sanne Schnapp) und seinem Vater, dem Wikingerchef Halvar (Waldemar Kobus), im kleinen Dorf Flake. Das Wikingervolk ist von Natur aus stark, unerschrocken und laut. Zum Leidwesen seines Vaters ist Wickie jedoch ganz anders: zurückhaltend, zart besaitet – und richtig clever. Eines Tages wird das Dorf von maskierten Fremden überfallen. Alle Kinder werden entführt – bis auf Wickie, der sich beim Drachenfliegen in einem Baumwipfel verheddert hatte. Gemeinsam mit den starken Männern macht er sich auf, die anderen Kinder zu retten. Und sein Köpfchen wird mehr als einmal gefragt sein. Der Film überzeugt leider nicht ganz. Um eine Hommage an die beliebte Serie zu sein, entfernt er sich – beispielsweise durch neue Figuren – zu sehr von der Vorlage, um eine Persiflage zu sein, bleibt er viel zu nah dran. Aber zumindest für die Jäger und Sammler gibt es eine gute Nachricht: Neun Figuren aus dem Film sind derzeit in den Überraschungseiern – unter anderem auch Michael Bully Herbig. Dieser freut sich: »Ich wollte schon immer eine Ü-Ei-Figur sein.« • Deutschland 2009, 90 Minuten, R: Michael Bully Herbig, D: Jonas Hämmerle, Jürgen Vogel, Michael Bully Herbig, Christoph Maria Herbst, Kinostart: 09.09.2009

Jagd auf einen Kriegsverbrecher Der deutsche Thriller »Sturm« gehörte zu den stärksten Filmen der diesjährigen Berlinale

»Taking Woodstock«

Sommer 1969: Eigentlich träumt der junge Schwule Elliot (Demetri Martin) von einer Karriere als Innenausstatter in New York City. Doch das marode Motel seiner Eltern steht vor der Pleite. Also geht er in sein Heimatdorf zurück und sucht nach einer Lösung. Aus der Zeitung erfährt er, dass einem groß angekündigten Oper Air Konzert die Genehmigung entzogen wurde. Elliot wittert seine Chance – und bald wird aus seinem verschlafenen Kaff das legendäre Woodstock. Der neue Streifen von Starregisseur Ang Lee (»Brokeback Mountain«) bewegt und begeistert mit einer zauberhaften Geschichte, vielen komischen Momenten und skurrilen Figuren, die man einfach ins Herz schließen muss. • USA 2009, 120 Minuten, R: Ang Lee, D: Demetri Martin, Imelda Staunton, Henry Goodman, Jonathan Groff, Kinostart: 03.09.2009

»Oben«

Mit »Oben« durfte zum ersten Mal ein Animationsfilm die Festspiele in Cannes eröffnen. Der zehnte Streifen aus dem Hause Pixar begeistert das Publikum, nicht nur durch seine technische Brillanz in 3D, sondern vor allem auch mit der anrührenden Geschichte: Carl Fredericksen hat mit seiner Frau immer davon geträumt, die Welt zu bereisen, Abenteuer zu erleben und in Südamerika die Paradise Falls zu besuchen. Immer ist etwas dazwischen gekommen. Und nun ist seine Frau tot. Als sein geliebtes Häuschen einer neuen Immobilie weichen soll, reicht es Carl. Begleitet vom hartnäckigen Pfadfinder Russell startet der Senior zu seinem größten Abenteuer. Und sein Häuschen nimmt er einfach mit – festgebunden an zahllosen Luftballons. •

Krieg in Europa – das wirkt für uns sehr weit weg. Räumlich und zeitlich. Es ist aber noch keine zwanzig Jahre her, dass sich auf dem Balkan Serben, Kroaten und Bosnier blutig bekriegt haben. Die juristische Aufarbeitung dieser Verbrechen ist bis heute nicht abgeschlossen – dabei drängen die Balkanstaaten vehement in die Europäische Union. Es ist also politisch heikel, was Regisseur Hans-Christian Schmid mit seinem Thriller »Sturm« angepackt hat. Bei der diesjährigen Berlinale lief der überzeugende Film im Wettbewerb, ging aber leider leer aus. Vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag soll gegen den Völkermörder Goran Duric verhandelt werden. Der Prozess läuft für Anklägerin Hannah Maynard (Kerry Fox) jedoch alles andere als einfach: Zeugen verschwinden, Beweise werden widerlegt. Sie ist von der Schuld des Angeklagten überzeugt – und macht sich in Bosnien selbst auf die Suche nach Indizien. Dabei stößt sie auf die Schwester eines toten Zeugen, die sich inzwischen in Deutschland ein neues Leben aufgebaut hat. Von ihrer Aussage hängt nun alles ab. Doch Hannah Maynard muss feststellen, dass es in diesem Prozess nicht nur um Recht und Gerechtigkeit geht. Stattdessen wird die Zeugin zum Spielball der großen Politik. •

USA 2009, 96 Minuten, R: Peter Docter, Bob Peterson, Kinostart: 17.09.2009

Deutschland/Dänemark/Niederlande 2009, 110 Minuten, R: Hans-Christian Schmid, D: Kerry Fox, Drazen Kuhn, Anamaria Marinca, Alexander Fehling, Kinostart: 10.09.2009

Deutschland 2009, R: Sönke Wortmann, D: Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman, Kinostart: 29.10.2009

yaez • september/oktober 2009

»Die Päpstin«

Laut einer Umfrage des ZDF steht »Die Päpstin« auf Platz 10 der Lieblingsbücher der Deutschen. Der Historienroman der US-amerikanischen Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross verarbeitet das Leben der legendären Päpstin Johanna, deren Existenz bis heute Gegenstand historischer Kontroversen ist. Angesichts der großen Beliebtheit des Romans durfte eine Verfilmung des Stoffs nicht mehr länger auf sich warten lassen. Johanna Wokalek (»Barfuss«, »Der Baader Meinhof Komplex«) hat die Rolle der jungen Deutschen übernommen, die Mitte des 9. Jahrhunderts über eine Verkettung von Zufällen auf den Papstthron in Rom gelangt sein soll. Gedreht wurde in Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Marokko. •

Fotos: Verleih


musik 23

»Emos haben viele Feinde« Nicht alle Emos denken an Selbstmord und ritzen sich, sagt Martin Büsser. Der Jugendkultur-Experte hat ein Buch herausgegeben, in dem erklärt wird, was in der Szene wirklich wichtig ist Text: oskar piegsa

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ür manche Trends ist man mit Mitte 20 schon zu alt – und absolut out. Diese Erfahrung musste der Student Steffen Greiner machen. Er hatte im Internet vom »Emo-Treff« am Frankfurter Hauptbahnhof gelesen und war aufgebrochen um zu gucken, was dort los ist. »Als ich mich unter die Gruppe mische, werde ich skeptisch beäugt«, schreibt er später. »Ich bin wohl um die zehn Jahre älter als der Durchschnitt des Emo-Treffs.« Und noch etwas überrascht ihn: als er anfängt, Fragen über die Emo-Kultur zu stellen, wollen die Kids nichts davon wissen. »Sehen wir aus wie Emos?«, fragt eine 14-Jährige. Eigentlich schon: Bunte Haare, auffällige Kleidung, große Mascara-Augen. »Wir sind keine Emos«, sagt die 14-Jährige. »Emos haben viele Feinde. Sie werden in den Medien oft als selbstmordgefährdete Jugendliche dargestellt, die sich ständig ritzen«, sagt Martin Büsser: »Deshalb haben viele, die den Emo-Style tragen, keine Lust mehr, als Emos bezeichnet zu werden.« Noch älter als Steffen Greiner ist Büsser (nämlich 40), doch auch er wollte wissen, was im Emo so abgeht. Der Jugendkultur-Experte ist Mitherausgeber des neuen Buches »Emo – Porträt einer Szene«, das Texte verschiedener Autoren enthält. Neben den

Emos am Frankfurter Hauptbahnhof geht es auch um die Szenen in Russland, Südamerika und dem Mittleren Osten. Erfunden wurde Emo in den 80er Jahren in der amerikanischen Hauptstadt Washington. Damals hatten einige Leute keinen Bock mehr darauf, dass Hardcore-Punk immer härter, schneller und dümmer wurde. »Deshalb haben neue Bands wie Rites of Spring oder Fugazi weichere und nachdenklichere Seiten in die Musik und Texte gebracht«, sagt Büsser, der damals viel Hardcore hörte. Bekannt wurde Emo in den USA aber erst Ende der 90er Jahre, als Bands wie Dashboard Confessional AlternativeRock machten, in dessen Texten es auch um Trauer oder Schwäche ging. »Seit ein paar Jahren gibt es jetzt weltweit richtig erfolgreiche Bands«, sagt Büsser – zum Beispiel Billy Talent, Tokio Hotel oder Cinema Bizarre (siehe Interview in yaez #39). EmoMusik hat sich von Punk bis Pop sehr unterschiedlich entwickelt, aber: »Wichtiger als die Musik ist sowieso der modische Style«, sagt Büsser. Der Style sei auch der Grund, warum Emos so verhasst sind: in Mexiko gab es im vergangenen Jahr Hetzjagden auf Emos. In einer englischen Zeitung hieß es, Emo sei eine »Internet-Sekte«, die Kinder

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in den Selbstmord treibe. Und im russischen Parlament wurde darüber diskutiert, Emo zu verbieten. »Emo-Kids fallen auf der Straße dadurch auf, dass sie mit Geschlechterrollen spielen«, sagt Martin Büsser: »Seit einiger Zeit ist das auch in Deutschland wieder provokant.« Obwohl Hamburg und Berlin von schwulen Bürgermeistern regiert werden und es in vielen Städten homosexuelle Straßenfeste gibt, wächst die Schwulenfeindlichkeit, glaubt Büsser. Und für Schwulenhasser sind schon Jungs eine Provokation, die sich schminken, die Haare toupieren und enge Klamotten tragen. Ein schwacher Trost ist für die Emos vielleicht, dass viele Jugendkulturen verhasst waren: schon Elvis Presley fanden die Erwachsenen in den 50er Jahren gefährlich. Steffen Greiner, der am Ende doch noch ein paar Leute fand, die mit ihm redeten, erinnern die Emos sogar an die Künstler des späten 19. Jahrhunderts. Damals schufen Autoren wie Oscar Wilde oder der Maler Edvard Munch melancholische Kunst und spielten mit Geschlechterrollen. Heute sind sie legendär. Vielleicht wird Emo in der Zukunft also auch mal im Unterricht durchgenommen. • »Emo. Porträt einer Szene« von Martin Büsser, Jonas Engelmann und Ingo Rüdiger erscheint am 21. September im Ventil Verlag.


24 musik

Zwischen Straßenmusik und HipHop Ohrbooten sind der Geheimtipp unter Festivalbesuchern. Im großen Popbusiness sind sie mit ihrer Mischung zwischen Seed und Culcha Candela aber noch nicht angekommen. yaez sprach mit den Ohrbooten über ihr neues Album, Straßenmusik und die Schulzeit interview: marian spohn

foto: marie cevey

Woher kommt der Name Ohrbooten? Matze: Der Onkel unseres Schlagzeugers hatte immer von einer eigenen Band mit diesem Namen geträumt. Als wir in unserer Anfangszeit einen Namen für die Band gesucht haben, tauchte dieser Name wieder auf. Zunächst fanden wir ihn komisch, aber nach zwei, drei Tagen Namenssuche ohne Erfolg blieben wir dabei. Der Name bleibt eben hängen. Euer aktuelles Album heißt »Gyp Hop«... Ben: »Gyp Hop« ist uns am Anfang unserer Karriere vorgeworfen worden. Seitdem benutzen wir den Begriff für unsere Musik und heben uns damit positiv von anderen Lebensgefühlen wie HipHop, Metal, Reggae, Punk oder Pop ab. Was spielt Straßenmusik dabei für eine Rolle? Ben: Der Begriff »Gyp Hop« kommt sicher auch daher, dass Matze und ich schon lange Straßenmusik machen, die aber schon immer moderne Einflüsse wie HipHop oder Reggae beinhaltet. Dieser Lifestyle, das Rausgehen und Spielen und der direkte Kontakt zum Publikum machen »Gyp Hop« aus. Was ist besser: Straße, Bühne oder Studio? Ben: Das ist ein Wechselspiel. Auf der Straße herrscht oft Chaos, zum Beispiel sprechen uns Leute während dem Singen an. Die auf der Straße gewonnene Gelassenheit nimmt man dann mit auf die Bühne, und die Bühnenerfahrungen setzen wir

wieder auf der Straße ein. Und das Studio ist wieder eine ganz andere Welt. Jedes Lied auf »Gyp Hop« klingt anders: Was macht den Sound von Ohrbooten aus? Ben: Jeder bringt seine Ideen ein, aber ein Song wird immer von der gesamten Band umgesetzt. Danach folgt ein langer Prozess bis alle zufrieden sind. Das ähnelt eher einer Gruppentherapie. Matze: Der Bandgedanke ist uns sehr wichtig. Nichts kommt vom Tonband, alles ist live umsetzbar. Auf der Straße ist das Improvisieren der größte Teil der Show und diese Freiheit, ein Lied zu verlängern, schneller zu spielen oder einfach wegzulassen, nehmen wir mit auf die Bühne. »Mit dem Kopf durch die Wand« heißt die Single. Warum dieser Track? Ben: Ja, die Single wird sicher nicht häufig im Radio gespielt werden. Viele können mit einer Ukulele nichts anfangen. Aber der Song ist eine Ansage und wir wollten nach zwei Jahren mit einem Knall zurückkommen. Im Video zur Single sieht man eine Demo. Seid ihr politisch aktiv? Ben: Eigentlich nicht. Anfragen gibt es zwar oft, wenn man jedoch überall zusagt, verdient man am Ende gar nichts mehr. Matze: Wir unterstützen aber die Initiative »Schule

ohne Rassismus.« Für zwei Schulen in Berlin haben wir die Patenschaften übernommen. Wie war eure Schulzeit? Matze: Ich bin froh, dass es vorbei ist. Ich empfand die Schule immer als beengend. Für mich war die Welt draußen schon immer realer. Als die Schule vorbei war, dachte ich: Jetzt habe ich endlich wieder Zeit für die Musik. Ben: Die Schulzeit war anfangs schon geil, man hing immer mit seinen Freunden zusammen ab. Am Ende hat sich die Schule aber ganz schön hingezogen, wenn es darum ging, dass du dich für einen Beruf entscheiden musst. Man sollte sich nicht gleich nach der Schule in eine Ausbildung stürzen, sonst verliert man seine Träume aus den Augen. Stattdessen sollte man es erst einmal ruhig angehen, vielleicht auch um die Welt reisen. Und die Noten? Ben: Ich hatte zum Glück ein liberales Elternhaus. Ich erinnere mich an einen Schüler aus der Nachbarschaft, der wegen einer Drei weinend zusammengebrochen ist. Noten waren bei mir nie das Problem: Da ich Legastheniker bin, habe ich auf alles sowieso immer zwei Noten Abzug bekommen. Matze: Ein Lehrer hat Ben prophezeit, dass er nie etwas mit Worten zu tun haben wird. Und jetzt schreibt er Texte.

Ohrbooten

Stefanie Heinzmann

Tokio Hotel

Der Geheimtipp des Jahres: Anders, unkonventionell und verdammt gut! Die Ohrbooten wollen sich nicht in eine Schublade stecken lassen und machen deshalb musikalisch ihr eigenes Ding: »Gyp Hop« nennen sie diesen Sound und bedienen sich dabei unterschiedlicher Musikrichtungen, ohne dass es zusammengewürfelt klingt. Auch ihre Songs führen uns durch alle möglichen, teilweise absurde Lebenslagen, wenn beispielsweise ein Alien landet und auf Spanisch zum Tanzen auffordert. Die Tracks sind witzig und rütteln auf. Den Jungs von Ohrbooten ist es mit ihrem dritten Album gelungen, Straßenmusik, Rock, Punk, Pop, Alternative, Reggae und HipHop kreativ zu einem individuellen Sound zu vereinen und diesen auf Platte zu bannen – mit Erfolg, oder wie ihre Single verkündet: »Mit dem Kopf durch die Wand!« • ms

Man wird zunächst nicht enttäuscht: Stefanie Heinzmann klingt, wie man sie schon von ihrem ersten Album kennt. Mit ihrer Stimme verleiht sie den Liedern Soul und sie braucht sich damit nicht vor der englischen Konkurrenz zu verstecken. Wie im rockigen »Bag it up« geht es inhaltlich vorwiegend um Männer-Frauen-Geschichten. Überraschendes oder gar eine musikalische Weiterentwicklung sucht man jedoch vergeblich. Eine Ausnahme ist vielleicht der Main-Titel »Roots To Grow« feat. Gentleman, der sich von den restlichen Songs angenehm abhebt. Auch die erste Singleauskopplung »No One (Can Ever Change My Mind)« überzeugt und ist gut produziert, doch wirken die meisten Songs irgendwie kraftlos. Und das ist auch das größte Manko der Scheibe: die Stimmen dominieren zu sehr, und die Big Band bleibt nur belangloses Beiwerk. • ms

Gyp Hop

yaez • september/oktober 2009

Roots To Grow

Seid nicht so automatisch! »Menschenähnlicher

Roboter« – so heißt die neue CD von Tokio Hotel. Zumindest, wenn man die (englische) Science-Fiction-Sprache ins Deutsche übersetzt, in der Bill und Co. das Album »Humanoid« genannt haben. Ein »Humanoid« ist ein Anti-Emo. Gefühle? Fehlanzeige. Individualität? Persönlichkeit? Seele? Nein. Von so einem Typen handelt auch die erste Single »Automatisch«. Wenn in Science-Fiction-Geschichten Humanoide auftauchen, geht es oft um die Frage: Können Maschinen anfangen zu fühlen und so zu Menschen werden? Wichtiger als die Antwort ist die Ahnung: Wenn wir Menschen nicht umgekehrt zu Maschinen werden wollen, sollten wir ruhig ein bisschen mehr Emo sein und ein bisschen weniger »automatisch«. Das Album »Humanoid« erscheint im Oktober. Die Single »Automatisch« ist bereits erhältlich. • op


internet 25

Nachhilfe von Obama

Absender Unbekannt

Millionen junge Wähler zog Barack Obama im US-Wahlkampf mit Hilfe des Internets in seinen Bann. Was haben die deutschen Volksvertreter vom Polit-Popstar aus Übersee gelernt? Text: jan philipp burgard foto: jan kopetzky

Ein Buch über Zettel, die eigentlich nicht veröffentlicht werden sollten

20.000

Freunde*

70.000

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es, he can Kanzler!« stand in großen Lettern auf Plakaten, als die SPD im April 2009 im Berliner Tempodrom ihr Wahlprogramm vorstellte. Spiegel Online griff den Slogan auf und berichtete: »Nicht nur mit dem Zitat ›Yes, he can Kanzler!‹ erinnert die Kampagne für Frank-Walter Steinmeier an den erfolgreichen Wahlkampf von US-Präsident Barack Obama.« Allerdings stammten die Plakate nicht von Steinmeiers Wahlkampf-Team, sondern von dem NDR-Satiremagazin »Extra 3«. Der gelungene PR-Gag des NDR zeigt, dass die Amerikanisierung des Bundestagswahlkampfes 2009 in aller Munde ist. Heerscharen von deutschen Politikern und Wahlkampf-Managern waren im vergangenen Herbst in die USA gereist, um die Obama-Kampagne zu analysieren. Und in Berlin vergeht derzeit kaum ein Tag ohne Vorträge und Kongresse zum Thema »Von Obama lernen«. Besonders mit Hilfe des Internets hat Obama neue Maßstäbe gesetzt: Dreizehn Millionen Menschen vernetzten sich in seiner Online-Community mybarackobama.com, zwei Millionen freiwillige Helfer gewann Obama über das Internet und 500 Millionen Spenden-Dollar konnte er allein über das Netz sammeln. Seitdem scheint auch in Deutschland bei den politischen Akteuren ein Bewusstseinswandel stattgefunden zu haben. Was im Bundestagswahlkampf 2005 noch als Spielerei verschrien war, gilt nun als modern und unerlässlich. Kaum ein Politiker, der noch nicht mit einer Profilseite auf sozialen Netzwerken wie SchülerVZ, StudiVZ oder Facebook vertreten ist. Dort lassen sich auch private Dinge über unsere Volksvertreter erfahren. Zum Beispiel, dass es der Traum von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist, einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok zu reisen. Oder, dass ihre Lieblings-Fernsehserie der »Tatort« ist. Im Wettstreit um die meisten Freunde hat die Kanzlerin im StudiVZ derzeit die Nase vorn: Rund 70.000 User unterstützen sie in der digitalen Welt, ihr Rivale

www.yaez.de

Frank-Walter Steinmeier bringt es nur auf rund 20.000 »Freunde«. Ein Shooting-Star ist die PiratenPartei. Mit rund 60.000 Anhängern macht sie den etablierten Parteien zumindest im Netz ernsthafte Konkurrenz. Auch den Micro-Bloggingdienst Twitter haben die Politiker inzwischen für sich entdeckt. SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier zum Beispiel hält dort seine Anhänger über seine Wahlkampf-Reise auf dem Laufenden und verrät, dass es nach seinem Auftritt in München im Biergarten spät geworden ist. Dutzende Twitter-Einträge und Tausende Freunde in den sozialen Netzwerken sind zwar unterhaltsam, bringen aber nicht automatisch Engagement und Wählerstimmen. Ein entscheidender Erfolgs-Faktor Obamas war die Vernetzung seiner Anhänger untereinander. Deshalb haben inzwischen auch alle im Bundestag vertretenen Parteien im Internet eigene Portale geschaffen, die über die traditionelle Einbahn-Straßen-Kommunikation von reinen Informations-Webseiten hinausgehen und es den Menschen ermöglichen, aktiv zu werden. CDUFans haben auf www.teAM2009.de (AM steht für Angela Merkel) zum Beispiel die Möglichkeit, als freiwillige Wahlkampf-Helfer per Telefon unentschlossene Wähler von Merkels Führungsqualitäten zu überzeugen. Rund 25.000 freiwillige Helfer konnte die CDU bereits über das Portal generieren. Die SPD hat mit www.meinespd.net ein eigenes Forum geschaffen. Rund 18.000 User spenden dort etwa Wahlplakate oder laden als »Wahlkampf-Reporter« Fotos hoch. Auch FDP, Grüne und Linkspartei sind mit strukturell ähnlichen Portalen im Internet vertreten. Was die Dimensionen betrifft halten die deutschen Partei-Portale einem Vergleich mit Obamas »Wunderwaffe Web« zwar noch nicht stand, aber sie sind ein Anfang. Am 27. September wird sich dann zeigen, wie viele Jungwähler im Online-Wahlkampf Merkel, Steinmeier und Co. ins Netz gegangen sind. •

Weggeworfene Einkaufslisten, alte Briefe, skurrile Aushänge – der Autor und Filmemacher Davy Rothbart sammelt und veröffentlicht Dokumente, die dafür eigentlich nicht gedacht waren. Nach seinen zwei englischsprachigen Büchern ist nun »Absender Unbekannt« auf Deutsch erschienen. »Liebe Mami, lieber Papi, das Klassenlager ist Scheiße, wie ich schon vor dem Lager gesagt habe«, schreibt ein Mädchen mit Krakelschrift ihren Eltern. »Das dumme Arschloch, das meine Bremsen geklaut hat, kann sich bei mir melden, wenn es sich traut!« klebt ein gereizter Fahrradfahrer an einen Laternenpfahl. »Absender Unbekannt« gibt lustige, traurige und manchmal auch wütende Einblicke in fremde Leben. Und auch wenn Facebook, SchülerVZ und Twitter es erlauben mitzulesen, was andere Denken, macht es besonderen Spaß, die handgeschriebenen, gekritzelten und verzierten Botschaften zu lesen. »Absender Unbekannt« ist eine herzerweichende Dokumentation zwischenmenschlicher Kommunikation. • ah www.absender-unbekannt.de

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september/oktober 2009 • yaez


26 meinungsmacher

Dafür/Dagegen: Studiengebühren Früher war Bildung kostenlos, von der Grundschule bis zum Uni-Abschluss. Doch mittlerweile wird zumindest an den Unis eine Gebühr fällig: Die meisten Bundesländer verlangen an ihren Universitäten und Hochschulen eine Studiengebühr von meist 500 Euro. Dafür spricht, dass damit in Hochschulen investiert werden kann. Dagegen, dass es sozial ungerecht ist illustration: jakob hinrichs

Dafür:

Morgens um sieben in einem frisch gestrichenen Universitätsgebäude in Bonn. Auf dem Flur stehen brandneue Kopierer, im Seminarraum sitzen die Studenten auf neuen Stühlen an neuen Tischen. Auch der Computer, auf dem der Dozent seine Präsentation startet, ist neu. »Diese ganze Ausstattung wurde mit euren Studiengebühren finanziert«, sagt der Dozent und grinst. »Genau so wie ich und die ganze Veranstaltung hier«. Er ist nur einige Jahre älter als die Seminar-Teilnehmer und vertieft in dieser Lehrveranstaltung Grundkenntnisse mit den Studierenden. Seine Tutoren-Stelle konnte nur mit Studiengebühren geschaffen werden. Nicht nur der Zustand der Uni-Gebäude und die Ausstattung der Räume, sondern auch die Qualität der Lehre hat sich seit der Einführung der Studiengebühren offensichtlich verbessert. Deshalb gehören Studiengebühren zu den mutigsten und sinnvollsten Reformen der letzten Jahrzehnte. Denn sie schaffen auch mehr Wettbewerb unter den Universitäten. Sobald die Studenten zahlen, rücken sie in die Position eines Kunden auf – und überlegen sich genau, welche Uni ihnen ihr Geld wert ist. Dass nur wohlhabende junge Leute sich ein Studium leisten können, stimmt nicht. Denn wer intelligent und fleißig ist, hat in Deutschland beste Chancen auf ein Stipendium. Außerdem gibt es für gute Schüler eine Vielzahl von Studienkrediten. Dass man diese Kredite nach dem Studium zurückzahlen muss, ist keine Hürde, sondern Herausforderung. Schließlich sollte man sich schon vor der ersten Vorlesung bewusst sein, dass man nach dem Studium einen Job finden und Geld verdienen muss. So überlegt man von Anfang an gründlich, welcher Studiengang zum Ziel führt, anstatt erstmal munter zwei bis drei Fächer auszuprobieren, die dann wieder abgebrochen werden. Außerdem motivieren die Studiengebühren, das Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen. Es wird also weniger Gammel-Studenten und mehr Hochleister geben – und das Niveau steigt. Auch wenn ihr von den 500 Euro lieber einen Mallorca-Urlaub machen würdet – es ist eine Investition in die Zukunft, die sich lohnt. Jan Philipp Burgard

Dagegen:

Morgens um sieben in einem grauen Bürogebäude in Hamburg. In langer Schlange stehen junge Menschen den Flur hinunter an der Wand, die meisten lehnen gelangweilt und lesen in dicken Büchern, die meisten dösen im Neonlicht. Doch das kleine Büro, das in zehn Minuten öffnet, verkauft keine Eintrittskarten für ein Popkonzert. Hier können Studierende sich für ein Seminar einschreiben. Die Ersten waren um kurz nach vier Uhr morgens auf den Campus gekommen, um noch einen Platz zu kriegen. Was man für 500 Euro Studiengebühren im Semester nicht alles geboten bekommt?! Studiengebühren gehören wohl zu den dreistesten deutschen Fehlentwicklungen in den letzten Jahrzehnten. Zumal, entgegen zahlreicher anders lautender Versprechungen, sich die Qualität des Studiums und der Hochschulen vielerorts nicht oder kaum verbessert hat. Wesentlicher Grund hierfür: Die Hochschulen können über die Einnahmen aus den Semestergebühren in aller Regel nicht selbst verfügen. Stattdessen stopfen die Gelder Lücken in den Landeshaushalten. Schwer erjobbtes Geld stopft so zumindest Schlaglöcher. Hinzu kommt, das Studiengebühren sozial ungerecht sind. Wer in Deutschland arm ist, hat es in der Bildung schwer. Schon auf der Grundschule schlagen sich soziale Unterschiede nieder. Wer aus gut verdienenden Verhältnisssen stammt, hat ohnehin eine vielfach höhere Chance später das Gymnasium zu besuchen und Abitur zu machen. Studieren ist dann fast unmöglich, wenn es am finanziellen Hintergrund fehlt. Ein solches, ohnehin vorhandenes Bildungshindernis muss der Staat beseitigen und nicht noch durch Studiengebühren verstärken. Die Gesellschaft beschwert sich ferner über zu lange Studienzeiten und tut mit Studiengebühren sein Möglichstes, diese nochmals zu verlängern. Denn wer neben dem Büffeln auch noch Arbeiten muss, braucht länger zum Abschluss. Das, was sich der Staat bei Vermögen und Zinsen nicht traut abzuschöpfen, dürfen einstweilen junge Leute in Kneipen und Callcentern erwirtschaften. Patrick von Krienke

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Leserbriefe Mail an: redaktion@yaez.de

Wir lesen yaez regelmäßig im Gemeinschaftskundeunterricht. In der Zeitung wird Politik nicht nur spannend, sondern auch verständlich gemacht. Egal, ob Politik, Stars oder Jugendthemen, in yaez ist für jeden was dabei. Ich hoffe, dass es die Zeitung noch lange geben wird. Kann man die Zeitung auch anders erhalten und nicht nur über die Lehrer? Maria, per Mail Liebe Maria, wir werden uns alle Mühe geben, auch in Zukunft einen Mix aus Unterhaltung und Information zu bieten. Die yaez liegt an Schulen aus oder wird dort durch Lehrer verteilt. Aber auch in vielen Kinos kannst du dir die jeweils aktuelle Ausgabe holen. Ich finde, dass man durch yaez die wichtigen Dinge, die in der Welt geschehen, durch verständnisvolle Artikel vermittelt bekommt. Mir hat die Zeitschrift auf jeden Fall geholfen, die Ereignisse in der Welt und der Politik besser zu verstehen. Tayla, per Mail Ich bin der Meinung, dass Politik für viele Schüler oft trocken oder langweilig ist. Aber die Seiten in yaez zu den Themen Politik, den Wahlen und beispielsweise der politischen Geschichte Europas waren gut gegliedert und für uns Schüler ansprechend gestaltet. Sven, per Mail Die yaez finde ich sehr aufschlussreich. Sie behandelt Themen, für die sich alle Schüler interessieren: Liebe, Beruf und was in der Welt so passiert. Was ich mir wünschen würde, ist, dass bei der Gegenüberstellung Pro und Contra nicht immer dieselben zwei Autoren ihre Meinung schreiben. Vanessa, per Mail


pausenhof 27

Gute Laune für die Haut Sich von morgens bis abends frisch gepflegt zu fühlen, ist wunderbar. Denn gut gelaunt und voller Lebenslust wird jede Situation spielend gemeistert. Die neue Happy Time Body Lotion von NIVEA sorgt mit ihrem milden Duft von Orangenblüten für Hochstimmung und für ein besonders frisches Hauterlebnis und lässt Körper und Seele den ganzen Tag strahlen. Wertvoller Bambus-Extrakt und feuchtigkeitsspendende Wirkstoffe machen die Haut besonders weich und seidig. NIVEA Happy Time Body Lotion sorgt für ein positives Lebensgefühl und die tägliche Portion Energie. yaez verlost 20 NIVEA Happy Time-Sets mit jeweils einer Happy Time Body Lotion und einer Happy Time Cremedusche!

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Sicher ins Abi

Vokabeln lernen ist für jede Fremdsprache unerlässlich. Gut, wenn man dafür einen Trainer hat. Der von StarDesigner Luigi Colanie entworfene Hexaglot Crammy ermöglicht in den Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch je 20.000 Vokabeln zu lernen, mehr als ausreichend für jeden Grundwortschatz. Die Vokabeln werden auf dem Display angezeigt und können über Lautsprecher oder die mitgelieferten Kopfhörer angehört werden. yaez verlost zwei Hexaglot Crammy Vokabeltrainer!

Da hilft alles leugnen nichts: mit jedem Schultag rückt das Abitur ein Stückchen näher. Das klassische Angstfach ist Mathe. Hier hilft nur üben, üben, üben. Mit den Original Abi-Prüfungen von Klett ist das ganz einfach. Schritt für Schritt werden anhand von Musterklausuren die Aufgabentypen erklärt. Von Lehrern geschriebene Musterlösungen zeigen, was wirklich verlangt wird. yaez verlost 10 überregionale Ausgaben mit regionalen Original-Prüfungen auf CD-ROM!

Rhythmus in die Schulen: Chuck-Chuck In amerikanischenSchulen ist das Pen Clapping, das Trommeln mit einem Kuli auf allen möglichen Gegenständen, ein Trend des Sommers und die Schülerclips auf YouTube.com werden hunderttausendfach geklickt (Suchwort »pen clap«). Eine kleine Musikinnovation aus Berlin greift diesen Trend auf und beschleunigt damit den Rhythmus. ChuckChuck wurde zusammen mit Musikern entwickelt und macht richtig Krach – egal wo. Chuck-Chuck sieht aus wie ein leicht gebogener Drumstick, den man entweder mit zwei oder nur einer Hand auf einen Schreibtisch schlägt. In der Musikszene hat Chuck-Chuck schon größere Wellen geschlagen, so sind Cold Steel, die PercussionFormation von Peter Fox, große Fans von Chuck-Chuck. Doch jetzt soll es auch in die Schulen kommen. Offiziell geht es im Oktober auf der YOU, Europas größter Jugendmesse, los. yaez verlost schon mal exklusiv 10 Chuck-Chuck!

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illustration: niko burger

Blattvorschau Die nächste yaez-Ausgabe: Können Jungs und Mädchen Freunde sein? Schick uns deine Antwort an redaktion@yaez.de oder über yaez.de, wir drucken eine Auswahl aller Einsendungen ab. Außerdem in der kommenden Ausgabe: yaez-Autorin Katharina Schmidt zu Besuch in einer brasilianischen Schule. Und eine Vorschau auf »Friendship«, einem Film von zwei Ossis nach der Wende auf ihrem USA-Trip. Für die Zwischenzeit gibt es laufend neue Artikel im Netz. www.yaez.de

Gewinnspielteilnahme: Auf www.yaez.de den Webcode 992060 oben rechts eingeben (ohne Enter drücken). Voraussetzung für die Teilnahme ist die kostenlose Anmeldung in der yaez.deCommunity. Teilnahmeschluss: 31.10.2009.

september/oktober 2009 • yaez


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