Page 1

medianet

inside your business. today.

freitag, 12. juli 2013 – 43

durch die wüste

Deutsche Bahn und Etihab gründen Joint Venture für Güterverkehr in Arabien  Seite 45

© PID/David Bohmann

© DB/Marc Darchinger

industrialtechnology mehr sonne für wien

Wien Energie hat mit dem Bau der fünften Bürger-Solaranlage begonnen  Seite 48

Fraunhofer drahtseilakt für roboter

© Fraunhofer IZFP

Sparprogramm für Umwelt & Unternehmen

© Siemens

short

London. London Array, der weltgrößte Offshore-Windpark, wurde diese Woche offiziell eingeweiht. Siemens lieferte dafür alle 175 Windturbinen und die Netzanbindung. Eigner des Projekts sind Dong Energy, E.ON und Masdar. Gemeinsam mit Dong Energy wird Siemens zudem den Service für das Windkraftwerk, das eine Gesamtleistung von 630 Megawatt hat und 500.000 Haushalte versorgt, übernehmen. Jährlich werden durch den Windpark rund 900.000 t CO2 eingespart.  www.siemens.at

© APA/Robert Parigger

Weinheim. Carsten Siebe, GF der Eurodis GmbH, erwartet durch den EU-Beitritt Kroatiens positive Effekte. „Die Logistik wird insgesamt günstiger und schneller, da Verzögerungen durch Zollabfertigung nicht mehr entstehen und Zölle entfallen”, sagt er. Mit Anfang Juli hat das Unternehmen für Sendungen von von 1 kg-Paketen bis hin zu 800 kg-Paletten tägliche Linien zwischen Kroatien und Deutschland eingeführt. Der kroatische Partner und Gesellschafter von Eurodis ist Overseas Express. Das 100%ige Tochterunternehmen der ­Österreichischen Post ist Markt­führer im Bereich ­Kombifracht in Kroatien.  www.eurodis.com

© voestalpine

Aktuelle Studie Von elf untersuchten Maßnahmen zur Reduktion der CO2­Emissionen in der Logistikbranche rechnen sich nach einer Untersuchung von 4flow vier auch wirtschaftlich; sieben verursachen zusätzliche Kosten.  Seite 44 Wiener Lokalbahnen Cargo Start für Vectron

Rehau Erste Montagelinie wurde in Betrieb genommen

Lok Vectron, Typ 193: der jüngste ­Neuzugang im Fuhrpark der WLB.

Wien. Die Wiener Lokalbahn Cargo hat als erstes Eisenbahn-Verkehrsunternehmen Österreichs Loks der neuen Siemens Vectron-Familie in Betrieb genommen. Die erste Fahrt einer Vectron 193 führte am 9. Juli führte die Lok der neuesten Generation von Wien/Erdberger Lände nach Hegyeshalom, wo Koks-Waggons für den Weitertransport nach Passau übernommen wurden. Mit den beiden neuen VectronLoks verfügt die WLC nunmehr über einen modernen Fuhrpark von insgesamt 20 E-Lokomotiven und vier Diesellokomotiven.  www.wlb.at

Ungarisches Werk eröffnet

© Rehau

Moderne Technik auf Schiene

© Wiener Lokalbahnen Cargo/Zinner

Linz. Nach der Standortentscheidung für die neue Direktreduktionsanlage in den USA und der Unterzeichnung der Absichtserklärung mit dem ersten Kunden AHMSA aus Mexiko hat die voestalpine vor wenigen Tagen Siemens Industry Inc. und deren Konsortialpartner Midrex Technologies Inc. mit dem Bau der Anlage beauftragt. Das Gesamtinvestitions­ volumen für das Werk und die gesamte Infrastruktur beträgt rund 550 Mio. €. Der Betriebsbeginn ist für Anfang 2016 geplant, die Anlage wird rund 150 Mitarbeiter ­beschäftigen.  www.voestalpine .com

Investiert wurden rund 50 Mio. Euro, 200 neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Rehau/Györ. Der Polymerspezialist Rehau hat vor wenigen Tagen sein neues Werk in Györ in Betrieb genommen. Der weltweit tätige Unternehmen investierte in den Neubau vor den Werkstoren von Audi mehr als 50 Mio. €. „Der Ausbau zu einer eigenen Produktionsstätte ist auf die Aufträge für die Stoßfängersysteme des neuen Audi TT und des Q7 zurückzuführen, für die wir zusätzliche Kapazitäten benötigen“, erläutert Helmut Ansorge, Mitglied des Automotive Executive Board und zuständig für die AutomotiveWerke von Rehau.  www.rehau.com


c ov e r

44 – industrialtechnology

kommentar

Vom Schiff auf die Schiene

Freitag, 12. Juli 2013

Saubere Logistik 4flow untersuchte 11 Maßnahmen zur CO2-Reduktion, vier punkten ökologisch sowie ökonomisch

Weniger Treibhausgase bei weniger Kosten

Nachhaltigkeit in der Logistik ist in der Praxis möglich, zum Teil aber wirtschaftlich nicht tragbar.

D

ie Gütertransporte zwischen Asien und Europa werden derzeit fast ausschließlich mit dem Schiff durchgeführt. Neben den hohen CO2-Emissionen hat der Seetransport noch einen weiteren – in unserer auf Tempo ausgelegten Zeit – großen Nachteil, und zwar die mit rund 30 Tagen vergleichsweise lange Dauer, bis die Ware vom Absender zum Empfänger kommt. Mit der Bahn ginge es klarerweise schneller, allerdings behindern die unterschiedlichen Spurweiten den durchgängigen Warenverkehr auf der Schiene. Um dieses Problem zu beseitigen, haben die Eisenbahnchefs von Österreich, Russland, der Ukraine und der Slowakei diese Woche ein „Memorandum of Understanding“ zur geplanten Verlängerung der Breitspurbahn bis Wien unterzeichnet. In einem nächsten Schritt soll eine Machbarkeitsstudie durchgeführt und ein Businessmodell entwickelt werden sowie Vorschläge, wie die Projektkosten (im einstelligen Millardenbereich) unter den Partnern gerecht aufgeteilt werden könnten. Abhängig von der wirtschaftlichen und ökologischen Machbarkeit, könnte Österreich damit zu einem „Hamburg des Schienengüterverkehrs“ werden, so ÖBB-Vorstand Christian Kern und die Bahn für Gütertransporte deutlich attraktiver werden.

Ausbau System Alliance

© System-Alliance-Europe

Neuer Partner

Das europäische StückgutNetzwerk expandiert in die Türkei.

Wallenhorst. Die europäische Stückgutvereinigung System Alliance Europe wächst weiter. Vor Kurzem ist die türkische Tochter der Hellmann Worldwide Logistics dem Netzwerk beigetreten. Ab sofort werden zusätzliche direkte Verkehre von und nach Istanbul sowie Izmir angeboten. „Trotz der aktuell kritischen Lage in der Türkei halten wir an unseren Erweiterungsplänen fest. Wir sind zuversichtlich, dass die Proteste sich nicht nachhaltig auf die Transporte auswirken“, so Uwe Meyer, GF der System Alliance Europe. www.systemallianceeurope.net

Brüssel/Wien/Berlin. Ob ein zu langer Winter oder ein zu heißer Sommer, über kurz oder lang ist man beim Thema „Klimawandel“ und von dort ist es zu den CO2-Emissionen nicht mehr weit. Dass Gegenmaßnahmen dringend notwendig sind, darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Aber nicht darüber, wer und in welchem Umfang das schädliche Treibhausgas in die Atmosphäre bläst und welche Maßnahmen zur Reduktion konkret gesetzt werden können bzw. sollen.

Der Einsatz von Gigalinern gehört zu jenen Maßnahmen, die sich für Umwelt und Unternehmen gleichermaßen rechnen.

haltigen Wirtschaft

Aspekt hat jetzt das auf die Logistikindustrie spezialisierte Beratungs- und Software-Unternehmen 4flow in einer Untersuchung unter die Lupe genommen. Unter dem Titel „Costs and Benefits of Green Logistics“ wurden insgesamt elf verschiedene Maßnahmen, die alle aus ökologischer Sicht sinnvoll sind und zu einer Emissionsreduzierung von bis zu 80% führen, untersucht.

leisten.“

Große Unterschiede

„Mit den richtigen Maßnahmen kann die Logistikbranche einen Beitrag zu einer nach-

in der Logistik nicht ausschließen müssen, sondern mit intelligenter Planung sowohl Treibhausgase als auch Kosten gesenkt werden können. Allerdings trifft das nur auf vier der untersuchten Maßnahmen zu. Eine Verringerung der Lieferfrequenz führt mit einer Ersparnis von mehr als 10.000 € pro t CO2 zu den größten Effekten in beiden Bereichen. Knapp die Hälfte lässt sich mit einer Vergrößerung der Lieferfenster erzielen. Positiv würde sich auch der Einsatz von Gigalinern

auf den Hauptrouten auswirken sowie die Integration zweier separat geplanter Beschaffungsnetzwerke und die gemeinsame Nutzung von Umschlagspunkten. Mit den anderen sieben Maßnahmen wäre das Weniger an CO2 allerdings teuer erkauft. „Mit den richtigen Maßnahmen kann die Logistik einen Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaft leisten“, fasst Stefan Wolff, CEO von 4flow, die Untersuchungen zusammen.  www.4flow.de

Die Maßnahmen – darunter beispielsweise die Integration zweier separat geplanter Beschaffungsnetzwerke, die regionale Beschaffung von Normteilen, die Umstellung von Mehrweg- auf Einwegbehälter sowie die Verlängerung von Anlieferzeitfenstern in der Distribution – wurden unter Berücksichtigung ihrer Innovation, Relevanz und Umsetzbarkeit ausgewählt. Auch kontrovers diskutierte Maßnahmen wie etwa der Einsatz von Gigalinern oder die Reduzierung der Fahrzeuggeschwindigkeit waren Gegenstand der Untersuchung. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit

Stefan Wolff, CEO von 4flow

Langfristiges Ziel der Europäischen Kommission ist es, bis zum Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen, um 80 bis 95% gegenüber 1990 zu reduzieren. Die Vorgabe an die europäischen Industriebetriebe lautet daher, ihre Emissionen um 83 bis 87% zu reduzieren. Doch Vorgaben sind eine Sache, die dafür zur Verfügung stehenden Maßnahmen eine andere, noch dazu, wenn man in die Berechnung einbezieht, dass diese für die Unternehmen auch wirtschaftlich tragbar sein müssen. Genau diesen

Fraunhofer Institut Neuartiges Verfahren für die Schadensdiagnose an Trag- und Spannseilen entwickelt

Ein Roboter tanzt auf dem Drahtseil Saarbrücken. Trag- und Spannseile von Brücken, Aufzügen und Seilbahnen sind enormen Belastungen ausgesetzt. Ihre Funktionstüchtigkeit muss daher regelmäßig überprüft werden. Dafür haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP einen neuartigen Roboter entwickelt.

nentmagnet hält FluxCrawler am Seil fest, gleichzeitig erzeugt er die für die Messung erforderliche Magnetisierung”, erklärt Jochen Kurz, Abteilungsleiter am IZFP. Zwischen den Enden des u-förmigen Magneten befindet sich eine mit mehreren Sonden bestückte Sensorzeile, die schnelle Flächenscans ermöglicht. Während FluxCrawler das Seil um-

läuft, kann der Sensorprüfkopf die genaue Winkellage des Fehlers ermitteln und erkennen, ob der Riss rechts, links, oben oder unten liegt. Der Roboter kann Seile mit einem Durchmesser von 4 bis 20 cm prüfen. Gesteuert wird die batteriebetriebene Plattform per Bluetooth durch einen PC. Im Computer entsteht ein Bild des magnetischen Streufelds auf der gesamten Seil-

Erste Tests erfolgreich Die Prüfung von Stahlseilen per magnetischem Streufluss ist zwar gängige Praxis, doch bislang werden hiefür Spulen eingesetzt, die das Seil eng umfassen müssen. Das Problem dabei: Da die Durchmesser und Ummantelungen der Seile stark variieren, lassen sich die Spulen aufgrund ihres begrenzten Durchmesserbereichs nur in wenigen Fällen bzw. jeweils nur für Kabel mit einem speziellen Umfang einsetzen. Zudem können sie die exakte Winkelposition eines Fehlers nicht orten. „Dagegen scannt der FluxCrawler die Oberflächen, indem er das Seil einmal umläuft. Ein Perma-

„Entdeckt man Mikrorisse nicht rechtzeitig, kann das zu Brüchen im Stahl führen; Materialchecks sind daher unerlässlich.“ Jochen Kurz Abteilungsleiter am IZFP

© Fraunhofer IZFP

britta biron

© Teppo Lainio/CC Lizenz

britta biron

Der FluxCrawler ist patentiert und bereit für den Einsatz in der Praxis.

oberfläche; jede auffällige Position wird hochaufgelöst am Monitor dargestellt. Ein Monitoring-System ist bereits testweise an der Saarbrücke in Mettlach installiert, die saniert wird. Kurz und sein Team sind zuversichtlich, dass FluxCrawler bald in der Praxis für die Diagnose eingesetzt wird – Anfragen aus der Industrie liegen bereits vor.  www.fraunhofer.de


tr a n spo rt & lo g i s t i k

Freitag, 12. Juli 2013

industrialtechnology – 45

Joint Venture Deutsche Bahn und Etihad Rail starten gemeinsames Unternehmen für Schienengüterkehr auf der Arabischen Halbinsel

Transporte durch die Wüste Abu Dhabi/Berlin. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) entsteht derzeit ein neues Schienennetz für den Personen- und Güterverkehr. Im Endausbau und nach Investitionen von über 80 Mrd. € werden die Wirtschaftszentren und Häfen der sieben Länder über ein Schienennetz von insgesamt 1.200 Kilometern verbunden sein, gebaut und ausgerüstet nach europäischen Technikstandards. Aber nicht nur bei der Hardware vertraut Etihad Rail, die Eisenbahnentwicklungs- und Betriebsgesellschaft der Vereinigten Arabische Emirate, auf Know-how aus Europa. Mit der Deutschen Bahn wurde vor Kurzem ein Gemeinschaftsunternehmen für den Betrieb von Schienengüterverkehr auf der Arabischen Halbinsel gegründet; ein entsprechender Vertrag ist in Abu Dhabi vom DB Schneker Rail-Vorsitzenden Alexander Hedderich

und H.E. Mattar Mohammed Al Tayer, Stellvertretender Vorsitzender von Etihad Rail, unterzeichnet worden.

dieses wichtige Projekt auf uns gefallen ist“, sagte Alexander Hedderich, Vorsitzender von DB Schenker Rail. Bereits ab diesem Oktober sollen die ersten Güterzüge verkehren. Erster Kunde wird die Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) sein, für die Schwefelgranulat transportiert wird. Mit weiteren potenziellen Kunden, etwa aus der Stahl-, Energie- oder Baubranche, werden derzeit Gespräche geführt und auch die Rekrutierung der bis zu 200 Mitarbeiter für den Betrieb des neuen Unternehmens laufen bereits.  www.deutschebahn.com

Langjährige Expertise Die Logistiker von DB Schenker sind schon seit gut einem halben Jahrhundert in der Region vertreten und die Experten von DB International seit Jahrzehnten, wobei diese bereits seit mehreren Jahren für Etihad Rail arbeiten. „Jetzt können wir auch die Expertise unseres Güterverkehrs auf der Schiene in die Region bringen. Wir freuen uns, dass die Wahl für

© Deutsche Bahn/Marc Darchinger

Geplant ist, dass die ersten Güterzüge ab Herbst fahren werden.

Alexander Hedderich, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn.

Wien – der Duft der Stadt. Spritzig, belebend, spontan. Inspiriert von der Vielfalt.

DPD Mehr Kapazität

Erweiterung

Hörsching. Rund 70.000 Pakete werden täglich am Hauptumschlagplatz („HUP“) von DPD in Hörsching bei Linz umgeschlagen, an Spitzentagen im Dezember sogar bis zu 120.000 Pakete. Täglich fahren 100 bis 120 Lkws den Hauptumschlagplatz an, bringen Pakete und verteilen diese nach der Sortierung wieder. „Viele Pakete befinden sich während des ganzen Prozesses nur 40 Minuten im System des HUPs“, erklärt Peter Cyriax, der langjährige Leiter des HUPs in Hörsching. Um die Abläufe trotz steigender Paketzahlen weiterhin möglichst effizient zu gestalten, ist jetzt in neue Technik investiert worden.

Wiener Weinpreis

Film Festival

Silvesterpfad

Wiener Eistraum

Neue Technik So wurde die Sortieranlage unter anderem um zwei Verladetore für Wechselaufbaubrücken erweitert und zwei zusätzliche, zwölf Meter lange Entladeteleskope für die Entladung von Sattelaufliegern angeschafft. Um die Entladung von Paletten zu verbessern, wurde außerdem in eine zusätzliche hydraulische Anpassrampe investiert. „Die wichtigste Neuerung war aber die Umstellung der Sorter Hard- und Software“, erklärt Cyriax. „Damit ist es möglich, die Sortierlogik bei Bedarf flexibel selbst umzustellen und alle Änderungen in der Routenlogik mit den zentralen Updates automatisiert durchzuführen.“ Die Anpassung der Routen erspart Umwege und damit auch im Sinne der Nachhaltigkeit bei DPD Treibstoff und CO2.  www.dpd.at

www.wien-event.at © DPD

stadt wien marketing gmbh im Auftrag der Stadt Wien Der DPD-Hauptumschlagplatz wurde ausgebaut und technisch erweitert. SWM_IMAGE2010_MEDIANET_JP_216x288.indd 1

17.03.2010 16:20:14 Uhr


46 – industrialtechnology

short

© dpa/Rainer Jensen

B&R erweitert die Robotersicherheit

I n n ovat i o n & U n t e r n e h m e n

Freitag, 12. Juli 2013

Lackindustrie Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wollen die Lackerzeuger F&E weiter vorantreiben

Mit Innovationen gegen schwache Konjunktur Bis zu 62 Millionen pro Jahr für die Forschung; biochemische Lacke sind der nächste Schritt. britta biron

Eggelsberg. B&R hat die Sicherheitsfunktion „Sicher begrenzte Geschwindigkeit“ (SLS) am Werkzeugarbeitspunkt (TCP) erweitert: Die volle Bandbreite aller seriellen Robotertypen lässt sich nun in der Sicherheitsapplikation überwachen. Der Anwender ist nicht länger auf bestimmte Robotertypen beschränkt, sondern kann benutzerspezifische Kinematiken festlegen und parametrieren. Bis zu elf Gelenke lassen sich definieren. Zudem besteht die Möglichkeit, bis zu 20 Gelenkskopplungen mit Kopplungsfaktoren zu berücksichtigen; das ermöglicht es, auch mechanische Kopplungen zwischen einzelnen Gelenken einzubeziehen. Voraussetzung für die sichere Überwachung der Geschwindigkeit sind sichere Achspositionen. Diese werden vom Servoantrieb ACOPOSmulti mit integrierter Sicherheitsfunktion SafeMC bereitgestellt. Anhand dieser Positionen berechnen die Funktionsbausteine SafeRobotics als Teil der Sicherheitsapplikation die absoluten Geschwindigkeiten der Gelenke, des Werkzeugaufnahmeflanschs und des TCP. Die Bausteine sind TÜV-zertifiziert.  www.br-automation.com

© Pfeiffer Vacuum

Automatisch kleinste Partikel erkennen

Wien. Die schlechte Wirtschaftssituation in Europa macht den heimischen Lackproduzenten zu schaffen: Die exportorientierte Branche verzeichnet 2012 einen Produktionsrückgang um 3,5% auf 145.000 t, die Umsätze sanken um 1,9% auf 413 Mio. €. Hauptgrund für das Minus war die geringere Nachfrage aus dem nahen Ausland

„Biochemische Lacke und ihre Oberflächen­ eigenschaften sind ein interessantes Thema für unsere Branche.“ hubert culik, obmann der lackindustrie des fcio

(minus 2,9%, 72.000 t). In traditionell wichtigen Absatzmärkten wie Spanien, Italien, Rumänien oder Polen blieb die Nachfrage aus. Deutlich positiv entwickelten sich hingegen Asien und Nordamerika (plus 25%). Hubert Culik, Obmann der Berufsgruppe Lackindustrie des Fachverbandes der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO): „Für heuer sehen wir keinen Aufwärts­ trend.“ Die lange Kälteperiode in diesem Frühjahr hat sich vor allem auf das Geschäft der Hersteller von Bautenlacken und -farben, Korrosionsschutz und Straßenmarkierung negativ ausgewirkt. Ob die Rückstände noch aufgeholt werden

© Fotodienst/Sarah-Maria Kölbl

Bis zu elf Gelenke lassen sich für die Sicherheitsfunktion definieren.

v.li.: Ernst Gruber (Obmann-Stv. der Österreichischen Lackindustrie, GF Axalta Coating Systems), Albert Keiler (Obmann-Stv. der Österreichischen Lackindustrie, Technischer Leiter Adler Werk Lackfabrik), Hubert Culik (Obmann der Österreichischen ­Lackindustrie, GF Rembrandtin Lack GmbH, GF Remho), Klaus Schaubmayr (FCIO-GF Berufsgruppe Lackindustrie).

können, bleibe allerdings fraglich, so Culik.

weisende Funktionen beeinflusst werden. Das Revolutionäre daran: „Enzyme sind ein fast unbegrenztes Ausgangsmaterial“, so Culik weiter, „sie bestehen aus Eiweißmolekülen und können fast beliebig gewonnen werden. Rohstoffknappheit in diesem Bereich existiert nicht.“

Keine Erholung für 2013 Ihren hohen Innovationsgrad (rund 10 bis 15% des Umsatzes, aktuell etwa 62 Mio. €) wollen die Unternehmen aber weiter beibehalten, sind Neuentwicklungen doch ein wesentlicher Erfolgsfaktor auf den Weltmärkten. Culik: „Nach nanobasierten Lacken könnten uns biochemische Lacke – etwa mit Enzymen – einen Riesenschritt nach vorn bringen.“ Denn: Wie mit Nanotechnologie können auch mit Enzymen die Oberflächeneigenschaften z.B. für antimikrobielle oder schmutzab-

Zukunftsthema Umwelt Seit zwei Jahren werden auf Initiative der Österreichischen Lackindustrie verstärkt Anstrichmittel mit dem Umweltzeichen ausgezeichnet. Heuer kommen Möbelund Holzbeschichtungen für den gewerblichen Bereich dazu. Das Umweltzeichen wird damit erstmals im B2B-Bereich angewandt.

Man geht aber noch einen Schritt weiter. Momentan gibt es viele private Umweltlisten, hinzu kommen Corporate Social ResponsibilityAnforderungen, Auflagen für die wichtige öffentliche Beschaffung und die vielleicht bald notwendigen Umweltprodukterklärungen (EPDs). Diese Einzelnachweise sind eine hohe finanzielle Belastung für die Lackproduzenten. Culik: „Das Österreichische Umweltzeichen ist ein etabliertes Label. Wir möchten es erweitern: Für Lacke soll es erstmals Umwelt-, Gesellschafts- und Wirtschafts-aspekte berücksichtigen. Damit hätten wir ein einheitliches Instrument und wären dem Wildwuchs in der Zertifizierung nicht mehr ausgeliefert.“  www.fcio.at

Fronius Weiterentwicklung des Cold-Metal-Transfer-Verfahrens eröffnet neue Einsatzmöglichkeiten

Aigen. Schon kleinste Partikel können auf den Wafern Schäden verursachen, die zu einem beträchtlichen Ausbeuteverlust führen. Mit ADPC 302 hat Pfeiffer Vacuum ein einzigartiges produktionsbegleitendes Kontaminationsmanagementsystem zur Überwachung von Partikelverunreinigungen in der Halbleiterindustrie ent­ wickelt. Das trockene Verfahren (Dry Particle Counter) des ADPC hat eindeutige Vorteile gegenüber der herkömmlichen nassen Methode (Liquid Particle Counter). Der Hauptvorteil liegt darin, dass die Partikelmessung vollautomatisch abläuft. Sie ist in den Herstellungsprozess eingebunden und muss nicht außerhalb der Produktionszeit durchgeführt werden. Durch diese vollautomatische Messung ist kein zusätzlicher Bediener erforderlich; die Testdauer beträgt nur sieben Minuten.  www.pfeiffer-vacuum.de

Alternative zum Lichtbogen und Impuls Pettenbach. Mit dem neuen Algorithmus ist es den Fronius-Entwicklern gelungen, die Frequenz der für den CMT-Prozess charakteristischen Vor- und Zurückbewegung der Drahtelektrode auf bis zu 130 Hz anzuheben. Darüber hinaus haben sie auch das Stromprofil der Kennlinien überarbeitet. Dadurch kann die Leistungsgrenze des CMT-Prozesses je nach Zusatzwerkstoff und Drahtdurchmesser um bis zu 40% angehoben werden. Das Verfahren kann nun erstmals auch in Einsatzgebieten genutzt werden, die bisher gänzlich oder teilweise dem Übergangs- bzw. Impulslichtbogen vorbehalten waren.

Neue Anwendungsgebiete Zu den neuen Kennliniencharakteristiken gehört „Universal“. Sie wurde für alle Standardanwendungen konzipiert und zeichnet sich durch eine gute Spaltüberbrückbarkeit aus. Für die Anwendungen, bei denen der Einbrand bzw. die Schweißgeschwindigkeit im Vordergrund steht, hat Fronius „Dynamic“ ent-

wickelt. Speziell für das Wurzelschweißen eignet sich die neue Kennliniencharakteristik „Root“, die damit z.B. für den Pipelinebau prädestiniert ist. Mit dem neu definierten Leistungsfeld steht dem CMT-Anwender eine Vielzahl an Kennlinien für diverse Zusatzwerkstoffe und Anwendungsbereiche zur Verfügung.

anderen Branchen profitieren bereits heute von den Vorteilen des CMT-Prozesses in der Einzel- und Serienproduktion. Zu der CMT-Schweißtechnologie hat Fronius jetzt auch ein Fachbuch herausgebracht; es enthält sowohl die theoretischen Grundlagen als auch eine detaillierte Prozessbeschreibung. Darüber hinaus werden die unterschiedlichsten Verfahrensvarianten und Einstell-

Fachbuch zum Verfahren Die höhere Abschmelzleistung und Energiedichte in der Lichtbogenphase der neuen CMT-Kennlinien vergrößert die Einbrandtiefe und ermöglicht höhere Schweißgeschwindigkeiten bei gewohnter CMT-Prozessstabilität. Dank der höheren Schweißgeschwindigkeit sinkt die Streckenenergie auf ein Niveau, das deutlich unter dem eines Übergangs- bzw. Impulslichtbogens liegt. Damit lassen sich beispielsweise auch Kehlnahtverbindungen bei dickeren Blechen problemlos schweißen. Zahlreiche Unternehmen aus der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau und vielen

möglichkeiten vorgestellt und die sich eröffnenden Anwendungsgebiete und Prozessgrenzen für das Verbindungsschweißen, Löten und Auftragsschweißen an verschiedenen Werkstoffen behandelt und konventionellen Schweißprozessen gegenübergestellt. Bestellt werden kann das Buch (ISBN: 978-3-81116879-4) bei Weka Median GmbH & Co. KG (service@weka.de).  www.fronius.com

© Fronius

Das neue ADPC 302 ist viermal schneller als herkömmliche Systeme.

Neue Kennliniencharakteristiken für verschiedene Anwendungen.


I n n ovat io n & U n t e r n e h m e n

Freitag, 12. Juli 2013

industrialtechnology – 47

Engel Austria e-calc erleichtert dem Anwender die Durchführung aller Berechnungen für den Spritzguss

Werkstoffdaten repräsentativer thermoplastischer Kunststoffe und ein Glossar für Fachbegriffe. die optimalen Werte für das benötigte Hubvolumen, den auftretenden Fülldruck, die sich daraus ergebende Schließkraft sowie die Schneckendrehzahl und Kühlzeit. Zudem profitiert der Maschineneinrichter im laufenden Betrieb für die Prozesseinstellung. Dafür bedarf es weder eines Taschenrechners, noch müssen Werkstoffdaten manuell eingegeben werden. „Das Smartphone ist immer am Mann. Diese ständige Verfügbarkeit war für uns ausschlaggebend, erstmals eine App zu entwickeln“, betont Georg Steinbichler, Leiter Forschung und Entwicklung Technologien von Engel Austria. „Unser Ziel ist es, die Anwendung unserer Spritzgießtechnik trotz zunehmender Funktionalitätsvielfalt immer weiter zu vereinfachen.“

e-calc liefert automatisch die für die material- und bauteilabhängige Auslegung von Spritzgieß­ maschinen ­benötigten Werte.

britta biron

Schwertberg. Bislang unterstützt der Spritzgussspezialist Engel seine Kunden bei der Maschinenauslegung mit einem Datenschieber, der dem Anwender aber nicht die notwendigen Berechnungen abnimmt. Das erledigt jetzt eine spezielle App für Smartphones. Nach der Eingabe weniger Parameter liefert e-calc automatisch die für die material-

„Unser Ziel ist es, die Spritzgießtechnik trotz zunehmender Funktionalitäts­vielfalt immer weiter zu

Karlsruhe. Seit mittlerweile acht Jahren fasst der Huber Verlag industrielle Lösungen mit besonders hohem technologischen, wirtschaftlichen, ökologischen oder gesellschaftlichen Nutzen in seiner Bestenliste der Industrie zusammen. In diesem Jahr hatten sich mehr als 1.200 Unternehmen in 14 Kategorien – von Antriebstechnik über Biotechnologie und Elektrotechnik, Energie & Umwelt, Intralogistik und Medizintechnik, Mikroelektronik, Optik, Produktion oder Service bis Zulieferer – beworben. „Die Anforderungen an unsere Bewerber sind hoch, aber die eingereichten Ideen und Produkte beweisen jedes Jahr auf ein Neues, wie groß das Potenzial deutscher Unternehmen ist und wie sehr ihnen die Notwendigkeit für einen Wandel bewusst ist“, erklärt Rainer Kölmel, GF des Huber Verlag für Neue Medien. Die neue Ausgabe der Bestenliste steht online, als Web-App für Smartphones bzw. Tablets und als E-Book im PDF-Format, zum Download zur Verfügung.  www.industrie-bestenliste.de

„Wir sehen in der App-Technologie großes Potenzial für unseren Kundenservice sowie langfristig für unseren Trainingsbereich“, betont Wolfgang Degwerth, Leiter Customer Service Division von Engel Austria. „Mit e-calc vereinfachen wir noch weiter die Kommunikation zwischen uns und unseren Kunden und starten in ein völlig neues Servicezeitalter. e-calc gehört zu den ersten Apps, die für die Spritzgießindustrie entwickelt wurden.“

© Engel

Georg Steinbichler Leiter F&E Engel austria

Besserer Service

Richtwerte für die Verarbeitungsschwindung. Auf dieser Basis leitet e-calc den Anwender Schritt für Schritt zum Ergebnis. Berechnet werden

Industrial Design Show 2013 in Graz dierenden zu realen Anforderungen der Zukunft“, freut sich Christian Buchmann, Landesrat für Wirtschaft, Europa und Kultur. Auch der Grazer Wirtschaftsstadtrat Gerhard Rüsch freut sich über die Arbeiten als internationales Aushängeschild: „Der Bildungsstandort Graz ist mittlerweile weltweit bekannt, wenn es um Industriedesign geht. Wer die

Ausstellung besucht, weiß auch, warum.“ Die Industrial Design Show findet heuer bereits zum dritten Mal im designforum Steiermark statt und beinhaltet Skizzen, Modelle und Animationen aus den unterschiedlichsten Industriezweigen. Im Mittelpunkt stehen Entwürfe im Bereich Produkt- und Transportation-Design, die allesamt in Zusammenarbeit mit international erfolgreichen Konzernen aus verschiedenen Bereichen entstanden sind – darunter die BMW Group, Bang & Olufsen, Kärcher, ÖBB, Philips und Volkswagen.

© CIS/geopho.com/Jorj Konstantinov

Design trifft Industrie

Die Ausstellung bietet interessante Einblicke in das Industriedesign von morgen.

Karl Pfeiffer, Rektor der FH Joanneum, unterstreicht die Wichtigkeit der Kooperation mit der Industrie in der Ausbildung: „In der Zusammenarbeit mit Auftraggebern lernen die Studierenden sich auf reale Bedürfnisse des Marktes und der Gesellschaft einzustellen; am Ende ist das der entscheidende Vorteil.“ Georg Wagner, Studiengangleiter an der FH Joanneum, ist mit

den Arbeiten seiner Studenten sehr zufrieden: „Ihre Motivation ist sehr hoch, weil sie von den Projektpartnern die Möglichkeit bekommen, einem bestimmten Produkt ihre ganz eigene Idee mitzugeben.“

„In der Zusammenarbeit mit Auftraggebern lernen die Studierenden, sich auf reale ­Bedürfnisse des Marktes einzustellen.“ Karl Pfeiffer Rektor der FH JOANNEUM

Geöffnet ist die Ausstellung von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt  www.designforum.at  www.fh-joanneum.at/id

© dpa/Emily Wabitsch

keits- und Wanddickenfaktoren, Temperaturleitfähigkeiten und Entformungstemperaturen, zulässige Schneckenumfangsgeschwindigkeiten, Enthalpiewerte und

Nachfrage nach Elastomeren steigt

Die Engel App e-calc steht in den Stores der Anbieter in deutsch und englisch für Android-Smartphones zur Verfügung. Versionen für iOS und Windows Phone sind bereits in Vorbereitung  www.engelglobal.com

Designforum Bis 1. September zeigen Industriedesign-Studenten der FH Joanneum ihre Projektarbeiten

Graz. Von 28. Juni bis 1. September zeigen Studierende des Bachelorund Masterstudiums Industrial Design an der FH Joanneum Graz ihre aktuellen Projektarbeiten der Öffentlichkeit. „Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, woher unsere hohe Designkompetenz in der Steiermark kommt. Es sind die immer neuen und innovativen Zugänge der Stu-

Das neue Nachschlagewerk gibt es online und als Smartphone-App.

Exakte Berechnungen

­vereinfachen.“

und bauteilabhängige Auslegung von Spritzgießmaschinen benötigten Werte sowie wichtige Einstelldaten und stellt damit sicher, dass die Spritzgießmaschine optimal zur jeweiligen Anwendung passt. Auch wenig erfahrene Kunststoffverarbeiter finden mithilfe der Software innerhalb kürzester Zeit die bestgeeignete Maschine. Die Werkstoffdaten repräsentativer thermoplastischer Kunststoffe, die bislang kompakt auf dem Schieber zusammengefasst waren, wurden in der App hinterlegt. Hierzu gehören zum Beispiel Masse-, Werkzeug- und Vortrocknungstemperaturen und -zeiten, Fließfähig-

Eine Liste der besten Industrielösungen

© www.industrie-bestenliste.de

Vom Datenschieber zur Smartphone-App

short

Marktvolumen steigt bis zum Jahr 2020 auf rund 43,5 Mrd. Euro.

Konstanz. Elastomere sind wegen ihres variablen mechanischen Verhaltens für viele Artikel im Alltag und in der Technik unentbehrlich. Die Einsatzgebiete der verschiedenen Gummisorten sind daher sehr vielfältig und reichen von Fahrzeugreifen über Schuhsohlen bis hin zu Dämpfungsund Dichtungselementen. Das Marktforschungsinstitut Ceresana hat nun die um­ fassendste Marktanalyse der wichtigsten Elastomere erstellt. Der mit Abstand wichtigste Produkttyp ist SBR, von dem 2012 mehr als 5,4 Mio. t verarbeitet wurden. Asien-Pazifik machte im Jahr 2012 rund die Hälfte des globalen Elastomerverbrauchs aus und ca. 47% der weltweiten Produktion. Nordamerika lag an zweiter Stelle, dicht gefolgt von West- und Osteuropa. Die Marktforscher von Ceresana prognostizieren, dass das Weltmarktvolumen bis zum Jahr 2020 auf 56 Mrd. USD (rd. 43,5 Mrd. €) steigen wird.  www.ceresana.com


energie & ressourcen

48 – industrialtechnology

Freitag, 12. Juli 2013

Wien Energie Bürgerbeteiligungmodelle kommen sehr gut an; fünfte Solarkraft-Anlage ist bereits in Bau

short

Wien setzt verstärkt auf die Kraft der Sonne

© EPA/Ingo Wagner

Konzept zur Versorgung von Windparks

1.800 neue Module werden ab dem Herbst sauberen Strom für 160 Haushalte liefern. britta biron

Techniker und Equipment müssen im Störungsfall schnell sein.

Wien. Das Votum der Wiener Bevölkerung im März 2013 war eindeutig: Über 67% sprachen sich für den Ausbau der Erneuerbaren Energie aus. „Die Stadt Wien nimmt das Ergebnis der Wiener Volksbefragung ernst und setzt auch weiterhin auf das erfolgreiche Modell der Bür-

Oldenburg. „Damit OffshoreWindenergie wirtschaftlich ist, ist eine hohe Auslastung und ein dauerhafter Betrieb der Anlagen notwendig“, sagt Jan Heukrodt, Projektleiter und Student der Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft im 6. Semester. Wenn eine Anlage einen Tag ausfällt, könnten dabei erhebliche Verluste entstehen. Um technische Störungen möglichst schnell zu beheben, sei ein gutes Konzept für den Transport von Servicepersonal zur Anlage wichtig. Unter der Leitung der Dozenten Ralf Brauner und Christian Jauernig entwarfen die Studenten ein fiktives Unternehmen, das den Transfer von Technikern zu Offshore-Windparks in der Nordsee anbietet. Analysen zum Wartungsaufwand der Offshore-Windparks, zu einem geeigneten Hafenstandort und dem optimalen Einsatz von Schiffen und Helikoptern bildeten die Grundlage ihres Konzepts.  www.jade-hs.de

„Wir planen, auch heuer 2.000 Kilowattpeak Leistung zu installieren und damit weitere 800 Strom zu versorgen.“ Susanne Zapreva GF Wien Energie

v.li.: Susanne Zapreva (GF Wien Energie) mit den Vizebürgermeisterinnen Renate Brauner und Maria Vassilakou.

ger-Solarkraftwerke. Damit können alle, die nicht selbst über die Nutzung ihrer Dachflächen verfügen können, auch weiterhin ihren persönlichen Beitrag zum Ausbau einer nachhaltigen Stromversorgung für unsere Stadt leisten“, so die für Wien Energie verantwortliche Vizebürgermeisterin Renate Brauner.

Meerwasserentsalzung mit Sonnenenergie

Gut bedacht

© EPA/Ali Haider

Wien Energie startet bereits im Juli den Bau des fünften Solarkraftwerks auf der 9.000 Quadratmeter großen Dachflächen von Wien Mitte. Damit kommen zu den bestehenden 7.880 Paneelen weitere 1.800 mit einer Gesamtfläche von rund 3.100 Quadratmeter da-

Moderne Technik gegen den ­Wassermangel in der Wüste.

zu, womit zusätzliche 160 Haushalte mit sauberen Strom versorgt werden können.

mit weitere 800 Haushalte in Wien mit Strom aus Photovoltaik zu ver­­ sorgen.“

Weiterer Ausbau

Modell mit Zukunft

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung bis 2030 auf 50 Prozent zu erhöhen; ein wichtiger Beitrag dazu ist unsere Solar-Initiative“, erklärt Wien Energie GF Susanne Zapreva. Die letztjährige Initiative mit den vier BürgerInnen-Solarkraftwerken wurde von sehr gut angenommen. „Aus diesem Grund verdoppeln wir die Anzahl und planen, auch im heurigen Jahr 2.000 Kilowattpeak Leistung zu installieren und da-

Über das Internet oder unter der Telefonnummer 0810 610 803 kann sich jeder Wiener bis zu maximal zehn Photovoltaik-Paneele zum Preis von je 950 € sichern. Mit Einzahlung des Betrages tritt der Vertrag mit Wien Energie in Kraft. Wien Energie errichtet das Photovoltaik-Modul und mietet es vom Besitzer, der dafür jährlich 3,1% vom investierten Betrages erhält. Die Laufzeit beträgt mindestens fünf Jahre, wobei es eine Möglichkeit zur vorzeitigen Kündigung

gibt. Nach Ablauf der Lebensdauer der Anlage (nach zirka 25 Jahren) kauft Wien Energie die Photovoltaik-Module zurück.

Wien als Vorreiter Der Ausbau von Photovoltaikanlagen ist in Städten europaweit noch relativ gering. Die rechtliche Situation bei Mietverhältnissen ist eines der Hindernisse für einen flächendeckenden Rollout. Wien Energie nimmt hier mit dem Bürger-Solarkraftwerk eine Vorreiterrolle ein. Denn der Energiebedarf der Städte steigt schon durch die Zuwanderung. Zu den über 1,7 Mio. Wienern kommen jährlich etwa 15.000 dazu.  www.wienenergie.at

Neue Kraft Deutschland, Österreich und die Schweiz arbeiten bei Erneuerbaren Energien enger zusammen

Gemeinsam gegen Hindernisse kämpfen Wien. Gemeinsam mit den E-Wirtschaftsverbänden Deutschlands und der Schweiz präsentierte Oesterreichs Energie vor Kurzem die Maßnahmen zum gemeinsamen Ausbau der Speicher und Netze sowie eine Info-Broschüre. Diese zeigt den künftigen Bedarf an Pumpspeichern und Netzen, skizziert die Chancen eines gemeinsamen Vorgehens und nennt die Voraussetzungen für einen Erfolg

des nötigen Infrastrukturausbauprogramms. Gemeinsam setzen sich die drei Verbände für faire Rahmenbedingungen für die Speicher und einen raschen, bedarfsgerechten Ausbau ein. Notwendig sind unter anderem grenzüberschreitende Kooperation, Gleichbehandlung und Marktzugang und ein Abbau von Hindernisse und Bremsen für den Infrastrukturausbau.

© Österreichs Energie

Gießen. In vielen Ländern der Erde ist Wasser Mangelware. In Saudi-Arabien zum Beispiel regnet es so gut wie nie, die Grundwasservorräte werden knapp. Dennoch möchte das Land einen Grundbedarf an Lebensmitteln selbst decken und natürlich seine Trinkwasserversorgung sichern. Hier setzt ein Forschungsprojekt von Hans-Georg Frede (Professor für Ressourcenmanagement an der Justus-Liebig-Universität Gießen) und seinem Team an: Meerwasser soll mithilfe von Sonnenenergie entsalzt werden, um es dann in der Landwirtschaft einzusetzen. Sonnenenergie steht dem Land bei sommerlichen Temperaturen von über 40 °C mehr als ausreichend zur Verfügung. Weiters wollen die Wissenschafter prüfen, in welchen Teilen von Saudi-Arabien solche Technologien anwendbar sind und welcher Entsalzungsgrad für die Landwirtschaft mindestens erforderlich ist. Finanziert wird das insgesamt 838.000 € teure Projekt von der saudischen Forschungseinrichtung King Abdulaziz City for Science and Technology (KACST) in Riad.    www.uni-giessen.de/

© PID/David Bohmann

Haushalte in Wien PV-

Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie.

Karl Heinz Gruber, Sprecher Erzeugung Oesterreichs Energie und Vorstand der Verbund Hydro Power AG: „Die notwendigen Projekte werden deutlich langsamer verwirklicht als geplant. Schon im Vorfeld führen die immer umfangreicheren strategischen Planungen unter Einbeziehung aller relevanter Stakeholder zu deutlich längeren Vorlaufzeiten. Verzögerungen bei den immer komplexer und zeitaufwendiger werdenden Genehmigungsverfahren und die Verwerfungen der Strompreise auf dem Strommarkt führen zu einer Verschiebung der geplanten Fertigstellungstermine und damit in letzter Konsequenz zu einem Verfehlen der Ziele für den Ausbau.“ Insgesamt zeichnen sich bereits heute Verspätungen in der Ausbauplanung um rund fünf Jahre ab. Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, dazu: „Das ist schlecht für Österreich, schlecht für die System- und Versorgungssicherheit, schlecht für die Umwelt, schlecht für die Wirtschaft und bedeutet außer-

dem eine steigende Abhängigkeit der heimischen Stromversorgung vom Ausland.“ Falls sich die Projekte noch um weitere Jahre verschieben sollten,

„Das unsichere Marktumfeld gefährdet die in der Energiestrategie angepeilten Ausbauziele für Erneuerbare Energien.“ barbara schmidt generalsekretärin ­oesterreichs energie

wird sich die Diskrepanz zwischen den gesetzten Energie- und Klimazielen und der Realität noch vergrößern, die Ökobilanz wird damit also schlechter.  www.oesterreichsenergie.at

Industrial1207  

medianet industrialtechnology