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WE NEED TO TALK ABOUT HOME LESS NESS


Und, bist du gerade zuhause?

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Was definiert ein Zuhause?

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Was leistet Wohnraum?

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Wer hat das Recht auf Wohnen?

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Wie kann man trotz Unterkunft wohnungslos sein?

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Mehr Wohnraum = weniger Obdachlosigkeit?

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Wie wird Wohnen Integration?


Zuhause. Kaum etwas erschien im Jahr 2020 wichtiger. In Zeiten der Corona- Pandemie ist das kollektive Bewusstsein dafür gestiegen, wie entscheidend ein Zuhause für jede*n von uns ist. Während das öffentliche Leben heruntergefahren werden musste, wurde jegliche soziale Interaktion auf das Umfeld des Privaten reduziert. Aber was passiert eigentlich, wenn man kein Zuhause hat? Das Ausmaß der Obdachlosigkeit war selten so sichtbar wie heute - wenn die Straßen leer sind, sind die Obdachlosen die einzigen, die zurückbleiben. Die aktuelle globale Notlage rückt ein Thema in den Fokus, das schon seit Jahrzehnten drängt. Überall auf der Welt – aber vor allem in Städten - steigt die Zahl der Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind. Wir müssen darüber reden. Doch wie nähert man sich einem Thema, von dem man selbst nie direkt betroffen war und das man demnach nur als Beobachter*in, beeinflusst durch die eigene Sozialisation, betrachten kann? Die Ausstellung We need to talk about homelessness, kuratiert von angehenden Architekt*innen, analysiert das Thema anhand der von Obdachlosigkeit ausgehenden Raumbildung

innerhalb der Städte. Sie bezieht die Besucher* innen ein, indem sie grundlegende Fragen aufwirft, die die Zusammenhänge des Wohnungswesens beleuchten. Was definiert ein Zuhause? Wer hat ein Recht auf Wohnen? Und wie wird Wohnen zu Reintegration?

Zuhause.

Die Vielfalt der architektonischen Antworten auf diese Fragen führt die Besucher*innen durch das urbane Stadtgefüge - von selbstgebauten Unterkünften im öffentlichen Raum bis hin zu langfristig ausgelegten Integrationsprojekten - und verweist dabei auf die Schnittstellen von Architektur und den sozialen, politischen und ökonomischen Dimensionen der Obdachlosigkeit. Die Ausstellung zielt darauf ab, einen fundierten Diskurs zu entfachen, indem sie die Besucher*innen einlädt, sich aktiv zu beteiligen. Durch die Beantwortung begleitender persönlicher Fragen, reflektieren sie auf ihrem Rundgang ihre individuellen Ansichten und räumliche Realität und fügen der Diskussion auf diese Art eine neue Ebene hinzu. Lasst uns über Obdachlosigkeit sprechen, innerhalb des Ausstellungsraums und darüber hinaus! 1


Was definiert ein Zuhause?


Obdachlose*r

Als Obdachlose werden Menschen bezeichnet, die kein Dach über dem Kopf haben und eine Unterbringung in Notunterkünften oder anderen Einrichtungen ablehnen – oft aus Angst vor einem Mangel an Privatsphäre oder vor möglichen Verpflichtungen. Stattdessen leben und schlafen Obdachlose auf der Straße, in Parks, unter Brücken oder an Bahnhöfen. Wege in die Obdachlosigkeit gibt es viele. So kann sie strukturelle Gründe haben, wie zum Beispiel Veränderungen auf dem Wohn- und Arbeitsmarkt, des politischen Systems oder die Flucht aus dem eigenen Land oder aus der Gesellschaftsstruktur. Obdachlosigkeit kann aber auch individuelle Gründe, wie beispielsweise eine Trennung oder Suchtprobleme, haben. Nicht selten geht mit dem Verlust der Wohnung auch ein Teil der Identität verloren, da viele menschliche Bedürfnisse, wie der Zugang zur körperlichen Hygiene, zu Wärme und Intimität oder eine ausgewogene Ernährung, nur im privaten Bereich erfüllt werden können. Wenn die Hoffnung, der Obdachlosigkeit zu entkommen, schwindet, haben Betroffene oft das Gefühl, in eine unentrinnbare Abwärtsspirale geraten zu sein. Häufig erscheint der Konsum von Alkohol und Drogen als vermeintlich einziger Ausweg, und nicht als weitere Verschärfung der komplizierten Bedingungen der Obdachlosigkeit. Weltweit wird die Zahl der Obdachlosen auf insgesamt 100 Millionen, die Zahl der Wohnungslosen auf 1,6 Milliarden Menschen geschätzt, wobei die Zahlen in

Ländern der Dritten Welt besonders hoch sind. In Deutschland leben derzeit Schätzungen zufolge ca. 50.000 Obdachlose und ca. 335.000-400.000 Wohnungslose (inkl. Flüchtlinge). Obwohl Obdachlosigkeit im Alltag oft übersehen wird, gibt es viele Organisationen, die Obdachlose unterstützen. Meist stellen sie warme Mahlzeiten, Kleidung und eine medizinische Grundversorgung bereit, um das Überleben auf der Straße zu sichern.

Öffentlicher Raum

Als „Öffentlichen Raum“ wird die Gestalt eines Ortes bezeichnet, die durch Wege, Straßen, Plätze, Parks und angrenzende Gebäude gebildet wird. Der Ursprung des öffentlichen Raums geht zurück auf die griechische Agora, den Markt- und Versammlungsplatz der griechischen Polis. Während dieser Raum damals nur für erwachsene Männer zugänglich war, zeichnet sich der öffentliche Raum heute durch einen freien Zugang und Nutzung durch alle Menschen aus. Als Eigentum der Gemeinde wird er im öffentlichen Interesse mit Hilfe des kommunalen Haushalts und staatlicher Fördermittel geschaffen, unterhalten, gesichert und nicht selten durch Videokameras überwacht. Es liegt in der Verantwortung des Staates, den öffentlichen Raum vor Privatisierung und Spekulationen zu schützen. Der öffentliche Raum befindet sich im stetigen Wandel, da dieser entweder Transport-, Konsum-, Kommunikations-, Erholungsraum oder Ort politischer Partizipation sein kann. Unterschied-

liche, sich zeitlich und örtlich überlagernde Nutzungen sind simultan möglich und verändern stetig den Raum. Somit gelten öffentliche Räume als für die Gemeinde oder die Stadt identitätsstiftend. Sie beeinflussen auch den Wert von Immobilien, die Attraktivität von Stadtteilen und somit das Investitionsverhalten. Die zunehmende Kommerzialisierung und Privatisierung lassen die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum unscharf werden und führen zu intransparenten Räumen, wie beispielsweise Shopping Malls, die einen scheinbar öffentlichen Charakter suggerieren. Auch private Handlungen verlagern sich zunehmend in den öffentlichen Raum. Der öffentliche Raum fungiert als „Bühne“, dessen Nutzer durch ihre Anwesenheit das Bild und dessen Charakter prägen. Für die Personen, die auf der Straße leben, erhält der öffentliche Raum eine neue Bedeutung – die eines temporären Zuhauses. Im Idealfall ist dieses Zuhause vor Regen, Wind und Lärm geschützt und befindet sich in unmittelbarer Nähe eines Lebensmittelgeschäfts. Doch der öffentliche Raum bietet oft keinen ausreichenden Schutz vor Gefahren, wie Kriminalität oder Gewalt, und wird oft durch defensive Architekturen unzugänglich gemacht.

Identität

Identität beschreibt zum einen den subjektiv erlebten und gedeuteten Zusammenhang verschiedener Elemente und disparater Momente, welche das Leben einer Person ausmachen. Zum anderen beschreibt die Identität die Eigentümlichkeiten einer Person, die

sie von anderen Individuen unterscheidet und die Person charakterisieren – sowohl in der eigenen Anschauung als auch durch das soziale Umfeld. Für das Individuum bedeutet Identität das Erleben der eigenen Person, das es ihm ermöglicht, sich wahrzunehmen und sich als ein kohärentes Ganzes zu verstehen. Demnach ist Identität dynamisch und ein lebenslanger Prozess. Besonders prägend für die Identität ist die Adoleszenz, während der Druck aus dem sozialen Umfeld die Bildung der eigenen Identität maßgeblich beeinflusst. Auf sozialer Ebene bedeutet Identität oft das „Erleben von sich selbst als dazugehörig”, das Anknüpfen an die Identität anderer und das Gefühl der Zugehörigkeit eines Einzelnen zu einer bestimmten Gruppe. Eine Identität, welche einem von Dritten zugewiesen wird, orientiert sich an definierten sozialen Rollen, die auf äußeren Merkmalen, dem öffentlichen Verhalten und oft auch auf sozialen Klischees basieren. Der Personalausweis dient als Identitätsnachweis und enthält unter anderem neben körperlichen Merkmalen (Augenfarbe und Körpergröße) auch Informationen über den Wohnsitz einer Person. Durch den Verlust des Wohnsitzes wird die Obdachlosigkeit selbst Teil der Identität einer Person: die ehemalige Meldeadresse wird überklebt und in Deutschland durch die Bezeichnung „Ohne festen Wohnsitz” (OfW), in Österreich durch “unstet” ersetzt; die Schweizer Identitätskarte gibt prinzipiell keine Auskunft über den Wohnsitz.

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Dein Zuhause ist... ...ein Mensch

...ein Ort

...ein Gefühl

ir haben 60 Personen befragt… Was definiert für dich ein Zuhause? Ist es ein Ort, ein Gefühl oder am Ende doch eine ganz spezielle Person?

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Gespräche über das Thema Obdachlosigkeit sind oft durch persönliche Unsicherheiten gehemmt – haben doch die Wenigsten eigene Erfahrungen damit. Die Ausstellung We Need to Talk About Homelessness versucht genau diese Barrieren abzubauen: Indem die Besucher*innen auf ihrem Rundgang durch die Ausstellung persönliche Fragen beantworten können, werden Gespräche untereinander angeregt, durch die sie sich der Thematik öffnen und das eigene Verhältnis zum Wohnen reflektieren. Das so entstehende Stimmungsbild kontrastiert die gezeigten Inhalte, bildet gesellschaftliche Tendenzen ab und kann als Diskussionsgrundlage dienen.


„Zuhause, das ist kein Ort. Es ist einfach nur, was man fühlt. Zuhause ist da, wo du mit Freunden oder der Familie bist Zuhause bedeutet Zusammenhalt, Geborgenheit.“ Marcel, 29, Bewohner der Modulanlage Zur Lindung in Angermund, Düsseldorf

Wenn kein Ort Zuhause ist

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aben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, was der Unterschied zwischen Heimat und Zuhause ist?

Für diejenigen, die nirgends Privatsphäre und Intimität erleben können, keinen Ort haben, an den sie sich zurückziehen und wohlfühlen können?

Eine Heimat definiert den Ursprung der Herkunft, meistens den Ort, an dem man aufgewachsen ist, der einen von Grund auf prägt und womöglich für immer derselbe sein wird.

„Zu Hause bedeutet für mich ein Dach über dem Kopf. Ein eigenes Zimmer, ein vernünftiges Bett, dass ich mich pflegen kann, eine Dusche, ein Waschbecken, dass ich Kochen kann. Ein sicherer Platz, wo ich mich zurückziehen kann.“, ist die Antwort von Morice, 20 Jahre, Bewohner einer Obdachlosenunterkunft in Düsseldorf. Für Rüdiger, der in einer Housing First Wohnung*, ebenfalls in Düsseldorf, lebt, ist sein Zuhause „ein Ort, wo ich reinkomme und die Tür zu machen kann. Und nicht irgendwo, wo irgendwelche Leute an mir vorbei gehen. Öffentliche Plätze sind öffentliche Plätze und da kannst du nicht mal eben zu jemandem sagen ‚Hey geh mal weg, ich muss kurz nachdenken´“. Wo Zuhause genau ist, wird nicht genannt. Hauptsache nicht im öffentlichen Raum, denn der Wunsch nach Privatsphäre ist groß. Das Zuhause bildet einen Teil unserer Identität, da viele unserer menschlichen Bedürfnisse, wie der Zugang zur körperlichen Hygiene, zu Wärme und Intimität oder einer ausgewogenen Ernährung, nur im privaten Bereich erfüllt werden können.

Ein Zuhause hingegen ist eher temporär. Meistens in Verbindung mit einem Lebensabschnitt. Fünf Jahre Studium hier, drei Jahre arbeiten da, Familie gründen dort. Es wechselt meistens mehrmals. Doch was definiert eigentlich ein Zuhause? Ist es ein Mensch, ein Ort oder ein Gefühl? Jede*r hat wohl eine individuelle Antwort auf diese Frage. Laut Duden ist ein Zuhause eine „Wohnung, in der jemand zu Hause ist [und sich wohlfühlt].“ Doch entgegen der Definition kann nicht jede*r einen Ort sein Zuhause nennen. Weltweit wird die Zahl der Obdachlosen auf insgesamt 100 Millionen, die Zahl der Wohnungslosen auf 1,6 Milliarden Menschen geschätzt, wobei die Zahlen in Ländern der Dritten Welt besonders hoch sind. In Deutschland leben derzeit Schätzungen zufolge ca. 50.000 Obdachlose und ca. 335.000-400.000 Wohnungslose (inkl. Flüchtlinge). Doch was bedeutet Zuhause für diejenigen, die keines haben?

Das Thema der Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit scheint in unserer Gesellschaft wenig Gehör zu erlangen.

Auch wenn sich die EU, Nachrichten zufolge, zum Ziel setzt, Obdachlosigkeit bis 2030 zu besiegen, gibt es viele Zweifel an der Umsetzung. Denn selbst über das genaue Ausmaß der Obdachlosigkeit ist man sich nach wie vor nicht bewusst, da die Zahlen bislang lediglich Schätzungen unterliegen. Obwohl die Bedeutung von Zuhause für jede*n unterschiedlich sein mag, streben wir doch alle danach und sollten eine Möglichkeit erhalten, einen Ort unser Zuhause nennen zu können. Sei es an Orten wie der Rummelsburger Bucht in Berlin, welche es Menschen erlaubt zu campieren, Housing First Projekten, welche Obdachlosen einen ersten Wohnraum verschaffen oder durch Architekten wie Alexander Hagner aus Wien, die mit viel Willen und sozialem Engagement Projekte ins Lebens rufen, die ehemals Obdachlosen neue Perspektiven geben. Dass es nicht DIE eine Lösung für jede*n geben kann, ist klar, denn wir alle sind verschieden und haben andere Bedürfnisse. Wir brauchen jedoch alle Raum. Ein Zuhause.

*Housing First: sozialpolitische Strategie zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit, basierend auf bedingungsloser Bereitstellung von Wohnraum 5


Zuhause im... Rummelsburger Bucht ie Rummelsburger Bucht war bis vor Kurzem das größte Obdachlosencamp in Deutschland. Die besetzte Fläche, eine der letzten Brachflächen im innerstädtischen Bereich von Berlin, gelegen am Ufer der Bucht in Rummelsburg, erscheint fast idyllisch. Sie gehörte zu den landeseigenen Grundstücken, die im Rahmen des umstrittenen Bebauungsplans Ostkreuz im Sommer 2016 an private Investor*innen verkauft wurden. In der Zukunft sollen dort hochpreisige Wohnungen, Büros und der Aquapark Coral World entstehen. Aber was tun mit den vielen Obdachlosen, die dort im öffentlichen Raum ihr Zuhause gefunden haben?

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Zum Höhepunkt im Jahre 2019 bestand das Camp aus ca. 80 Zelten und weiteren unzähligen improvisierten selbst konstruierten Hütten. Bis zu 160 Menschen mit unterschiedlichster Herkunft lebten dort. Für die meisten Bewohner*innen war es eine freie Entscheidung in der Bucht zu leben. Sozialwohnungen oder Notunterkünfte waren keine Alternative. Das Gemeinschaftsleben und die Freiheiten, die sie erleben konnten, wollte niemand aufgeben. Es gab den Vorteil, dass man nicht fürchten musste, verscheucht zu werden. So wie es der Fall auf den Straßen der Stadt war, wo man früher übernachtete. „Es gibt Regeln, auch wenn es nach Chaos aussieht. Es ist ein eigenes System und es funktioniert.“ Über Jahre haben sich Menschen dort ein Zuhause aufgebaut. Seit dem Verkauf war aber für alle klar, dass das Camp früher oder später geräumt werden würde. Die Verlässlichkeit eines sicheren

Ortes, an dem man bleiben konnte, war ab diesem Zeitpunkt verloren. Aussagen von Campbewohner*innen waren, dass die Bucht ihr Zuhause ist und die Menschen dort zu ihrer Familie wurden. Die dort entstandene Gemeinschaft hielt zusammen.

„Die Bucht ist mein Zuhause, das hier ist meine Familie. Wir passen aufeinander auf.“ Es wurde viel dafür gekämpft um bleiben zu dürfen. Obdachlose setzten sich für ihre Interessen ein und wurden von Hilfsorganisationen unterstützt. Hoffnung entstand Anfang 2019 als Sozialsenatorin Elke Breitenbach in Berlin die Möglichkeit eines „Save Places“ in Aussicht stellte. Es war ein Versuch, den Bürger*innen Berlins zu zeigen, dass man sich mit dem Thema Obdachlosigkeit beschäftigt und versucht, Lösungen zu finden. Monate zuvor gab es mehrere große

Räumungen von Camps in Tiergarten oder in Mitte, die lautstark in den Medien diskutiert wurden. Die Idee wurde in Städten wie Seattle erprobt. Es geht darum, freie Flächen für z.B. Obdachlose Menschen frei zur Verfügung zu stellen. Dadurch hat man die Sicherheit, dort bleiben zu können, nicht vertrieben zu werden und autonom nach den eigenen Regeln leben zu dürfen. Man begann Sanitärwagen, Müllcontainer und sogar ein Gemeinschaftszelt mit Ofen im Camp aufzubauen. Hilfsorganisationen kamen regelmäßig vorbei, die Stimmung wurde besser, Hoffnung auf einen dauerhaften Aufenthalt wurde geweckt. Immer mehr Menschen kamen. Doch nach und nach wurde alles wieder abgebaut, Corona kam und Zuständigkeiten wurden unklar. Die geglaubte Sicherheit wurde brüchig. Die Rummelsburger Bucht wurde Anfang Februar 2021 endgültig geräumt. Viele Bewohner*innen waren bereits gegangen und der Rest wurde kontrolliert in andere Unterkünfte gebracht. Ob sie jedoch dort bleiben werden, ist fraglich.


...öffentlichen Raum Zuhause am Flughafen as Rollen der Kofferräder und das Quietschen der Schuhe auf dem glänzend glatten Boden werden übertönt von dem letzten Aufruf zum Boarding. In der hochtechnisierten Welt des Züricher Flughafens herrscht eine ständige Bewegung unterschiedlichster Menschen, Kulturen und Sprachen. Dieses bunte Gewusel der Passagiere nutzten einige Obdachlose, um darin unauffällig unterzutauchen, denn Anonymität und Hektik des Ortes boten Deckung vor gesellschaftlichen Urteilen. Jahrelang eigneten sie sich den Flughafen als Schutzraum an, manche sahen in ihm sogar ihr Zuhause.

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Über die Zeit bauten sich einige Obdachlose ein soziales Netzwerk an Beziehungen zu Flughafenmitarbeitenden, Gastronomiebetreiber*innen, zur Flughafenseelsorge und sogar zu der Polizei auf. Dies ermöglichte ihnen bleiben zu können, solange sie sich an die Hausregeln hielten. Sie waren Teil der Flughafenwelt und hinterließen in dieser ihre Spuren, so wie Frau R., die zehn Jahre am Flughafen lebte. Als sie verstarb, erschienen zahlreiche Mitarbeiter*innen und trauerten um den Verlust. Das Team der Flughafenseelsorge organisierte die Abschiedsfeier im Andachtsraum, denn sie kannten die kleine Dame, welche gerne selbstgepflückte Blumensträuße verschenkte, sehr gut. Frau Thali, Flughafenseelsorgerin am Flughafen Zürich, hat viele Flughafengeschichten dieser Art miterlebt. Die meisten Obdachlosen waren ihr bekannt, einige begleitete sie über Jahre hinweg. Allerdings wurde das mit der Zeit schwieriger, da die Zahl der Obdachlosen zunahm. Die Attraktivität des Flughafens als „Rundum-

versorgungspaket“ schien sich herumzusprechen, zeitweise hielten sich 60 bis 80 Menschen ohne Obdach über kürzere oder längere Zeit dort auf. Die überschaubare Gruppe der bisherigen Obdachlosen hatte sich um eine größere Anzahl von Wanderarbeitern aus anderen EU-Ländern erweitert. Auch die plakative Berichterstattung der Medien ab 2012 zerrte die mehrheitlich unauffällig Schutzsuchenden in das Licht der Öffentlichkeit. Um gegen die steigende Zahl der „Bewohner*innen“ vorzugehen, führte das Flughafenmanagement ab 2014 morgendliche Weckrunden ein. An Wochenenden patrouillierte außerdem die Sozialambulanz SIP Züri, die weitestgehend versuchte die Obdachlosen mit ihren Heimatgemeinden zu vernetzen. Als es vermehrt zu Anpöbelungen, massivem Fehlverhalten, größeren Sachschäden und diversen Reklamationen von betroffenen Kommerzpartner*innen am Flughafen kam, entschied sich die Flughafenleitung ab 2017 für ein striktes Vorgehen und nahm folgende Haltung ein: Der Flughafen ist von unerwünschten Personen, die sich nicht bestimmungsgemäß am Flughafen aufhalten, freizuhalten. Zu diesen unerwünschten Personengruppen, kurz Uper, zählen neben den Obdachlosen, Wanderarbeiter*innen, Geflüchtete, Drogendealende, Prostituierte und randalierende Jugendliche. Kurzgesagt, all diejenigen, die nicht am Flughafen arbeiten oder diesen zum Reisen und Shoppen besuchen. Seitdem ist die Sicherheitsfirma Securitrans, die auch an Schweizer Bahnhöfen tätig ist, beauftragt, konsequent und verhältnismäßig alle Uper fortzuweisen. Dieses ganzheitlich strukturelle Vorgehen

gegenüber unerwünschten Personen, traf besonders die Obdachlosen, welche jahrelang unauffällig und ohne Probleme zu bereiten am Flughafen Zürich lebten. Die Umsetzung der neuen Haltung im September 2017 hatte Konsequenzen:

Sie verloren nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern ihr Zuhause. Besonders dem Team der Flughafenseelsorge war es ein Anliegen, die Obdachlosen nicht einfach auf die Straße zu setzen, sondern ihnen eine soziale Alternative zu ermöglichen. Unterstützend bietet daher das Sozialwerk Pfarrer Sieber den vertriebenen Obdachlosen Platz in seinen Notschlafstellen an. Allerdings kommen diese Anlaufstellen nicht für alle in Frage. Viele der Betroffenen sind nicht auf der Suche nach einer kurzzeitigen Übergangslösung und meiden die Enge in den Mehrbettzimmern der Notunterkünfte. Auch wenn die grelle Beleuchtung und das Surren der Reinigungsmaschinen bis spät in die Nacht für viele störend scheinen mag, bot der Flughafen für viele Obdachlose ein Zuhause. Denn anders als auf der Straße waren sie hier, durch die regelmäßigen Polizeipatrouillen vor Gewalt und Diebstählen sicher. In der internationalen Atmosphäre und Anonymität des Flughafens fielen sie kaum auf und fanden dennoch durch die spürbare Menschlichkeit einiger Mitarbeiter*innen einen unauffälligen Platz in der Gesellschaft. 7


Zahlen der Obdachlosigkeit eutschland, Österreich und die Schweiz sind reiche Länder, die mit ihrer Wirtschaft und ihrem Lebensstil im europäischen Vergleich weit vorne liegen. Obdachlosigkeit ist kein Thema, mit dem sich die Politik das Bild eines gut funktionierenden Staates zerstören lassen will. Es ist die Scham eines jeden Einzelnen und der Druck des Staates, dass Themen wie diese nie zu laut werden.

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Während unserer Recherche, in der wir eine Vielzahl an Städten aus den drei deutschsprachigen Ländern auf Themen der Obdachlosigkeit hin analysiert haben, wurde uns bewusst, dass wir uns hier mit einem Thema beschäftigen, zu dem es keine verlässlichen Statistiken gibt. Aussagekräftige Zahlen über Obdach- oder Wohnungslose gibt es von keiner offiziellen Stelle. Eine konkrete Aussage über die Anzahl der Menschen, die in diesen Ländern auf der Straße leben oder keine eigene Wohnung besitzen, kann also nicht getroffen werden. Eine systematische Erhebung fehlt und würde das Thema politisch wie sozial mehr in den Vordergrund rücken. Die letzte Schätzung der Menschen ohne eigenen Wohnraum wurde 2018 in Deutschland erhoben und auf 678.000 Betroffene festgesetzt. Eine Schätzung der Anzahl der Obdachlosen ließ sich nur in unregelmäßigen Abständen finden. Wie jedoch kann mit so etwas Unkonkretem ein konkretes Hilfesystem entwickelt werden? Auch Gelder für Hilfsprogramme werden aus geschätzten Zahlen heraus berechnet und werden der eigentlichen Notlage nicht gerecht. Die Vielschichtigkeit und Schwere des Problems, vor der viele Städte stehen, wird durch nicht offizielle Zählungen, wie sie z.B. in Berlin in der „Nacht der Solidarität“ passiert ist, verdeutlicht. Eine Zahl von nur 1976 Obdachlosen in einer solch großen Stadt ist kaum vorstellbar und erscheint utopisch. Obdachlosigkeit ist kein Zustand, mit dem man sich gerne betitelt. Man

versteckt sich oder kommt bei Freunden unter, wechselt oft den Ort und wird für den Staat unsichtbar und nicht fassbar. Der Grund für fehlende Zahlen liegt also beim Staat und den Obdachlosen selbst. In der Schweiz wurde kürzlich das Programm „Obdach“ gestartet, das Zahlen der Obdachlosigkeit erfassen soll. Bis Dato sind jedoch auch hier keine offiziellen Zahlen zu finden. Die erste Stadt, die 2019 konkrete Zahlen nennen konnte, war Basel. Ziel ist es, auf politische Strukturen, Zahlen und Probleme der Obdachlosigkeit in der Schweiz aufmerksam zu machen und eine konkrete Erhebung und Recherche zum Thema Obdachlosigkeit auf Seiten des Staates voranzutreiben. In Österreich werden Obdachlose gezählt, jedoch nur, wenn sie gemeldet sind. Die ermittelte Zahl gibt also nur das Minimum wieder. Personen, die nicht gemeldet sind, fallen bei diesem System komplett raus. Es gibt also auch hier keine nationale Strategie um Zahlen der Obdachlosigkeit zu ermitteln. Die Grafik bildet die geschätzte Anzahl von obdachlosen Menschen ab und vermittelt einen Eindruck über die momentane Situation der Zahlen der Obdachlosigkeit in diesen drei Ländern.

1 IN EVERY 100 IS AFFECTED BY HOMELESSNESS


Gründe für Obdachlosigkeit

äufig geht es um die Frage, wer für die Lebenssituation der Obdachlosen verantwortlich ist.Viele Menschen betrachten Obdachlosigkeit noch immer als eine eigenständig gefällte Entscheidung oder als eigenes Versagen. Doch nur ein kleiner Teil aller Obdachlosen hat sich bewusst für ein Leben auf der Straße entschieden. Die meisten Obdachlosen haben das Leben auf der Straße nicht freiwillig gewählt. Sie sind oft komplexen, nicht selten außerhalb ihrer Kontrolle liegenden, Umständen ausgeliefert, die meist schwer voneinander zu trennen oder nicht mehr nachvollziehbar sind. Gründe für Obdachlosigkeit können strukturellen, individuellen, oder systemischen Einflussfaktoren unterliegen.

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Strukturelle Faktoren sind wirtschaftliche und gesellschaftliche Einflüsse, die sich auf die Chancen und das soziale Umfeld der Betroffenen auswirken. Schlüsselfaktoren können dabei ein angemessenes Einkommen und bezahlbarer Wohnraum sein. Veränderungen in der Wirtschaft auf lokaler – oder wie in Zeiten von Corona – auf nationaler oder gar internationaler Ebene, können Menschen vor wirtschaftliche Herausforderungen stellen. Der Verlust der Arbeit oder ein zu geringes Einkommen, um weiterhin die Lebensunterhaltskosten stemmen zu können, bilden eine weitere Herausforderung. Individuelle Faktoren betreffen die persönlichen Umstände einer Person. Oft beginnt genau an diesem Punkt ein Kreislauf, der in der Folge dann auf andere Bereiche der betroffenen Person übergreift. Erkrankungen, der Verlust eines Menschen sowie familiäre Probleme lassen das Leben aus den Fugen geraten. Die veränderten Umstände führen oftmals zu Depressionen, zum Verlust der Arbeit und in schlimmen Fällen der Wohnung. Zunehmende psychische Belastung sowie Suchterkrankungen erschweren den Weg zurück in die Gesellschaft und können in Obdachlosigkeit enden. Systematische Faktoren treten dann auf, wenn soziale Hilfen oder öffentliche Institutionen versagen oder gänzlich ausfallen. So können Menschen ohne Zugang zu Sozialleistungen oder Unterstützung in Armut und damit auch Obdachlosigkeit abrutschen. Einwanderer ohne Identitätsnachweis sind zudem oft einer Sprachbarrieren ausgeliefert und durch die damit verbundene Hilflosigkeit oftmals nicht in der Lage, einen Zugang zu sozialen Hilfen zu finden.

Es gibt viele Gründe für Obdachlosigkeit – und oft ist es nicht nur ein einzelner. 9


Was leistet Wohnraum?


Hygiene

Der Begriff “Hygiene” wird oft mit Sauberkeit oder Reinheit gleichgesetzt und wird abgeleitet vom griechischen Wort hygieinē, das soviel bedeutet wie „der Gesundheit zuträglich”. Im Allgemeinen beschreibt Hygiene die Gesamtheit der Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung des Gesundheitszustandes sowie zur Vorbeugung und Bekämpfung von Krankheiten. Im alltäglichen Sprachgebrauch bezieht sich Hygiene meist auf die Beseitigung von gesundheitsschädlichen Stoffen durch Reinigung und Desinfektion. Im öffentlichen Bereich umfasst Hygiene die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser, die Abfallentsorgung, sowie die Umsetzung von festgelegten Hygienestandards. Als Begründer der städtischen Hygiene der Moderne gilt der bayerische Chemiker Max von Pettenkofer, der Ende des 19. Jahrhunderts das Münchener Abwassersystem und eine zentrale Trinkwasserversorgung etablierte. Im Jahr 2000 wurde in Deutschland das Infektionsschutzgesetz (IfSG) verabschiedet, das Hygienestandards definiert und durchsetzt. Die darin aufgeführten Maßnahmen stellen die Verwendung und den Verzehr von hygienisch einwandfreien Produkten sicher. Das Gesetz legt unter anderem Hygienestandards für Unterkünfte fest und schreibt vor, dass jedem Obdachlosen mindes-

tens sechs Quadratmeter Schlafund Wohnfläche zur Verfügung stehen müssen und dass bei der temporären Beherbergung von Obdachlosen nicht mehr als sechs bis acht Personen in einem Raum untergebracht werden dürfen. Auch definiert das Gesetz, dass die Räumlichkeiten geschlechtergetrennt aufzuteilen sind und es die Möglichkeit geben muss, diese abzuschließen. Ebenfalls legt das Gesetz Vorgaben für die Sanitärbereiche der Unterbringung fest und gibt Hinweise zur allgemeinen Reinigung und Desinfektion aller Räumlichkeiten.

Gesundheitssystem

Das Gesundheitssystem beschreibt die Gesamtheit aller Einrichtungen, Personen, Regelungen und Prozesse, die zur Förderung und Erhaltung der Gesundheit beitragen. Obwohl Deutschland über ein umfassendes Gesundheitssystem mit gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen sowie Sicherungssystemen, wie z.B. sozialhilferechtlichen Ansprüchen, verfügt, leben viele Menschen ohne ausreichende gesundheitliche Absicherung. Oft stellt eine fehlende Krankenversicherung eine Barriere für wohnungslose Personen dar, eine ambulante Regelversorgung in Anspruch nehmen zu können. Auch viele obdachlose Menschen mit vorhandener Krankenversi-

cherung nutzen die medizinische Regelversorgung oft nicht. Dem Deutschen Ärzteblatt zufolge geschieht dies aus finanziellen Gründen, aufgrund einer fehlenden Krankheitswahrnehmung, körperlicher beziehungsweise psychischer Unfähigkeit, einem mangelndem Vertrauen oder aus Scham. Aufgrund dieser Barrieren zur Nutzung des Regelversorgungs Systems erfolgt die medizinische Versorgung Obdachloser oft durch alternative Versorgungssysteme. In größeren Städten gibt es Ambulanzen für obdachlose Menschen, wie z.B. mobile Arzt- und Zahnarztpraxen, die Sprechstunden in Wohnheimen, Tagesstätten oder Bahnhöfen anbieten. Die Angebote sind regional unterschiedlich und häufig unterfinanziert. Zudem haben diese medizinischen Versorgungsangebote primär eine akute oder allgemeinmedizinische Versorgung zum Ziel und ermöglichen nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten oft ohne fallspezifisches Fachwissen.

Saisonalität

Der Begriff Saisonalität beschreibt die zu erwartende Veränderung oder Entwicklung unterschiedlichster Parameter über den Verlauf eines Jahres hinweg. Durch die von den Jahreszeiten bestimmten Einflussfaktoren, wie Temperatur, Niederschlag oder die Anzahl der Sonnenstunden, ergeben sich messbare Auswirkun-

gen für beispielsweise den Anbau landwirtschaftlicher Produkte, der Nachfrage nach Gütern oder der Arbeitslosigkeit. Im Kontext der Thematik der Wohnungs- und Obdachlosigkeit ist Saisonalität sogar in zweierlei Hinsicht relevant, denn während sich der öffentliche Diskurs vor allem in den kalten Monaten intensiviert, auf bestehende Probleme hinweist und Hilfsangebote wie Kältebusse oder Notunterkünfte thematisiert, so nimmt die Berichterstattung im Sommer ab. Anders als durch Berichte der Medien impliziert, handelt es sich bei der Obdachlosigkeit allerdings nicht um ein saisonal auftretendes Problem. „Obdachlosigkeit ist 365 Tage im Jahr dramatisch“ sagt Lutz Müller-Bohlen, Projektleiter der Berliner Sozialgenossenschaft Karuna. Während im Winter Nässe und Kälte zur lebensbedrohlichen Gefahr für Menschen auf der Straße werden können, sind es im Sommer Hitze und Wassermangel. Auch Verbrennungen, Parasiten, Verletzungen und Dehydration werden oft unterschätzt, stellen für Obdachlose aber gleichermaßen eine Bedrohung dar. Auch das Angebot an Unterkünften für wohnungslose Menschen variiert saisonal. In den Wintermonaten werden temporäre Einrichtungen hergerichtet, um die Kapazitäten der Unterkünfte zu erweitern, insbesondere was die Übernachtungsmöglichkeiten betrifft.

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Geografie der Obdachlosigkeit as bedeutet es im öffentlichen Raum zu leben, dort sozusagen zuhause zu sein? Ist das überhaupt möglich? Gibt es dort ausreichend Schutz oder Privatsphäre? Wie und wo finden die alltäglichen, selbstverständlichen Routinehandlungen statt? Wo befinden sich sichere Schlafstätten, frei zugängliche Toiletten oder frische Unterwäsche? Was geschieht, wenn man keinen Wohnraum hat, der genau all das unter einem Dach bietet, und das Abendessen sich nicht zwei Räume weiter, sondern in einem anderen Stadtviertel befindet?

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Die Grafik „Zuhause im öffentlichen Raum“ versucht mögliche Antworten auf diese Fragen zu geben. Über das Stadtgebiet verteilt sind die grundlegenden Infrastrukturen – wie Unterkünfte, öffentliche WCs, Tagestreffs oder Suppenküchen – markiert, deren Vorzüge die Mehrheit innerhalb der eigenen vier Wänden genießt. So ist die Karte im übertragenen Sinn als Wohnung einer obdachlosen Person lesbar. Um von der Unterkunft zu einer Suppenküche zu gelangen, sind z.B. mehr als ein paar Schritte notwendig, die Distanz macht gegebenenfalls die


Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erforderlich. Kommen nun noch Termine bei einem Amt, die medizinische Versorgung oder eine Beratung hinzu, verlängern sich die Wege erneut und der Tag kann zu einem ständigen Unterwegssein führen, da sämtliche Einrichtungen über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. Wenn die Stadt die Wohnung als Lebensraum ersetzt, wird schnell deutlich, dass der Alltag und das Leben von anderen Parametern bestimmt wird. Zeitmanagement wird zu einem grundlegenden Faktor. Sie sind herzlich eingeladen, Ihre regulären, heimischen

Abläufe anhand der Karte in den Stadtraum zu übertragen. Schnell werden Sie feststellen, dass manche Bedürfnisse nicht mehr ohne weiteres befriedigt werden können und andere mehr Zeit und längere Wege in Anspruch nehmen werden als man es gewohnt ist. Die Distanzen, Wegzeiten und Öffnungszeiten der verschiedenen Einrichtungen zueinander – verbunden mit Wartezeiten – lassen erahnen, dass der Tag ganz anders strukturiert und eingeteilt werden muss, um den natürlichen Bedürfnissen gerecht zu werden und die alltäglichen Handlungen zu absolvieren.

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„Mein Safe-Space ist mein 9,5m2 Zimmer“

„Ich brauche 7 Schritte, um das Badezimmer zu erreichen.“

Was eine Wohnung kann. „Das letzte Mal ausgeschlafen habe ich am Sonntag.“

„Ich verbringe die meiste Zeit im WG-WLAN.“

Aussagen der Autor*innen


Zuhause am Kabelsteg m Kabelsteg wohnt seit letztem Sommer Iacob*, ein rumänischer Obdachloser, der insgesamt nun schon acht Jahre auf Münchens Straßen lebt. Er hat es sich anscheinend gemütlich gemacht, unter der innerstädtischen Isarbrücke. Sein Zimmer ist wie das Ufer zum Fluss hin abschüssig, aber mithilfe von Pflastersteinen, Isomatten und Styrodurplatten baute er sich Bett, Tisch und Schuhregal. Ein hervorstehendes Rohr an der Unterseite der Brücke dient als Kleiderhaken, in den Büschen wird Wäsche getrocknet. Eigentlich alles da, oder? Leider nein.

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Denn während Iacobs großer Einfallsreichtum bei der Aneignung dieses städtischen Raums und die fantasievolle Verwandlung in Wohnraum mit den einfachsten Mitteln bewundernswert ist, ein Zuhause ist es nicht. Dafür, so scheint es, fehlen einige elementare Zutaten. Aber was macht ein Zuhause aus? Dass es dabei um mehr geht, als um vier Wände und ein Dach überm Kopf - immerhin! - stellt unter anderem der jährlich erscheinende „Life at Home“-Report der IKEA Stiftung fest, wofür 12.000 Menschen in zwölf Städten auf der ganzen Welt gefragt werden, was für sie ein Zuhause ausmacht. Komfort, Besitz und Zugehörigkeit waren Schlüsselbegriffe der Studie von 2018. „Home is where the heart is“, sagt ein beliebter Wandspruch. „Eine Wohnung, in der jemand zu Hause ist und sich wohlfühlt“, schreibt der Duden. Von der Wohnung als Grundvoraussetzung gehen auch die meisten anderen Definitionen aus. Wir müssen also zuerst einmal fragen: Was macht eine Wohnung aus? Eine ihrer wichtigsten Eigenschaften ist im Artikel 13 Absatz 1 des Grundgesetzes definiert: Die Wohnung ist unverletzlich. Die Privatsphäre der Bewohnenden darf in Deutschland nur unter ganz bestimmten Bedingungen eingeschränkt werden, ansonsten steht ihr Schutz an oberster Stelle. Für Iacobs „Wohnung“ trifft das allerdings nicht zu. Sein Platz liegt an einem beliebten Treffpunkt

der Münchner Stadtbevölkerung. Im Sommer wird bis in die frühen Morgenstunden gebadet und getrunken. Wie viele Obdachlose hält sich Iacob 24/7 im öffentlichen Raum auf und hat keinen Rückzugsort. Der amerikanische Architekt Michael Maltzan beschreibt im Film „What It Takes to Make a Home”, wie Obdachlose dadurch einen dicken Panzer entwickeln und sich häufig ins Innere zurückziehen.

Iacob allerdings leer aus. Während für die meisten Menschen mit Wohnung zwischen Bett und Bad, Schreibtisch und Herd nur ein paar Schritte liegen, sind die Wohnfunktionen für Obdachlose in der gesamten Stadt verteilt. Für die Körperhygiene sowie die Zubereitung und Einnahme von Mahlzeiten muss Iacob oft weite Strecken in Kauf nehmen. Dass diese Wege, die oft zu Fuß zurückgelegt werden, viel Zeit in Anspruch

Ein großes Problem sieht der in Wien lebende Architekt Alexander Hagner zudem darin, dass Obdachlose kein Recht haben, dort zu bleiben, wo sie ihre Unterkünfte bauen. Von den Behörden werden die eingerichteten Schlafplätze in Wien oft zerstört und das Hab und Gut der Obdachlosen in Mülltonnen geschmissen. Einen Vertrag, der ihre Rechte regelt, gibt es nicht.

nehmen, stellt auch Vincent L. Brown im Film „What It Takes to Make a Home” fest. Er ist Veteran und Bauarbeiter und lebt auf den Straßen von Los Angeles. „Dass es immer irgendetwas zu tun gibt“, etwa die Unterkunft vor Wind zu schützen oder seinen gesamten Hausstand einzupacken, um zum Waschsalon zu gehen, sieht er als eine der größten Mühen im Leben auf der Straße.

Darüber, was eine Wohnung bieten muss, macht das deutsche Grundgesetz keine Aussagen. Präzisierungen werden im Bewertungsgesetz und den Einkommensteuerrichtlinien vorgenommen, sowie in den einzelnen Landesbauordnungen. Die bayerische Bauordnung macht dabei im Artikel 46 eine Küche oder Kochnische sowie ein Bad mit Dusche oder Badewanne und Toilette zur rechtlichen Bedingung einer Wohnung. Auch hier geht

Schaut Iacobs Bleibe am Isarstrand jetzt immer noch wie ein heimeliger Ort aus? Eher nicht. Vielmehr ist es der Versuch, sich auch ohne eigener Wohnung so etwas wie einen persönlichen Raum zu gestalten und aus der prekären Situation das Beste zu machen.

* der Name wurde geändert 15


Wer hat das Recht auf Wohnen?


Räumung

„Räumung” bezeichnet die Handlung, jemanden zu zwingen, einen bestimmten Ort zu verlassen. So spricht man beispielsweise von einer Räumung, wenn ein Mieter gezwungen wird, sein gemietetes Objekt wegen unbezahlter Miete aufzugeben. Denn nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) in Deutschland kann ein Vermieter den Mietvertrag kündigen, wenn ein Mieter länger als einen Monat nicht in der Lage ist, seine Miete zu zahlen oder in den Zahlungsrückstand von mehr als einem Monat tritt. Mit dem Verlust der Wohnung beginnt für viele Betroffene die Spirale des wirtschaftlichen und sozialen Abstiegs. Menschen, die mit einer Zwangsräumung konfrontiert sind und nicht schnell genug eine neue Wohnung finden, sind oft gezwungen in Notunterkünften unterzukommen oder landen im schlimmsten Fall auf der Straße. Mit dem Verlust der Wohnung geht für die Betroffenen oft auch der Verlust ihres Platzes in der Gesellschaft einher. Auch Obdachlose sind von Zwangsräumungen in Form von Platzverweisen und Ortsverboten durch die Polizei betroffen. Laut der deutschen Polizeiverordnung 100 fallen diese Maßnahmen in die Kategorie der Gefahrenabwehr. In einigen Städten kommt es immer wieder zu Räumungen von Obdachlosenlagern, da diese Lager aus rechtlicher Sicht die öffentliche Sicherheit stören. Zudem befürchten die Städte in der Regel eine dauerhafte Verfestigung dieser Lager und verweisen die Obdachlosen

an Notunterkünfte. Jedoch haben Migranten und Betroffene, die nicht in der Stadt der Notunterkunft gemeldet sind, meist keinen Anspruch auf diese Angebote. Ebenso wie die Verlagerung, ist auch die Räumung in Form der Auflösung von Obdachlosenlagern in der Gesellschaft stark umstritten, da diese Strategie nur dazu dient, obdachlose Menschen an einen anderen Ort zu verlagern, ohne die eigentlichen Ursachen des Problems der Obdachlosigkeit anzugehen.

Öffentliche Sicherheit

„Öffentliche Sicherheit“ bezeichnet die Gesamtheit aller Regeln, deren Befolgung zur Gewährleistung eines geordneten menschlichen Zusammenlebens aufgestellt wurden. Die Verantwortung für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung liegt bei der Polizei in Zusammenarbeit mit örtlichen Behörden und dient dem Schutz der Rechtsordnung, der subjektiven Rechte und Rechtsgüter der einzelnen Bürger*innen. Dazu gehören grundlegende Menschenrechte, wie das Recht auf Menschenwürde, Ehre, Eigentum und Gesundheit oder das Recht auf Leben und Freiheit. Im Ordnungswidrigkeitengesetz sind die Verhaltensweisen im öffentlichen Raum festgeschrieben, welche die öffentliche Ordnung gefährden. Beispielsweise ist festgelegt, dass zwar stilles Betteln erlaubt, aggressivere Formen des Bettelns jedoch verboten sind und entsprechend bestraft werden. Um die öffentliche Sicherheit zu

gewährleisten, wird Obdachlosigkeit in zwei Kategorien unterschieden – der freiwilligen und unfreiwilligen Obdachlosigkeit. Wird eine obdachlose Person als Gefahr für eine Einzelperson oder die öffentliche Sicherheit und Ordnung wahrgenommen, so sind Polizei und lokale Behörden verpflichtet einzugreifen, indem sie einen Platz in einer Notunterkunft bereitstellen. Die Polizei erfüllt mit der Einweisung in eine geeignete Unterkunft ihre offizielle Pflicht, zum einen, um einen kurzfristigen Schutz für die betroffene Person bereitzustellen und zum anderen, um ein geordnetes Bild der Stadt aufrechtzuerhalten. Obwohl mit dem Unterkunftsanspruch garantiert wird, dass kein Mensch in Deutschland zu einem Leben auf der Straße gezwungen ist, bewirken die oft problematischen Bedingungen und Regularien der Unterkünfte, dass einige Obdachlose es vorziehen, auf der Straße zu leben. Da zudem die Privatsphäre in den Unterkünften oft stark eingeschränkt ist und der Konsum von Alkohol und das Mitbringen von Tieren in den meisten Herbergen untersagt ist, kommen die persönlichen Bedürfnissen der Betroffenen oft zu kurz.

Grundeigentum

Als Grundeigentum oder Grundstückseigentum wird das Eigentum an einem Grundstück bezeichnet. Als Grundstück im rechtlichen Sinne wird derjenige räumlich abgegrenzte Teil der Erdoberfläche verstanden. Dazu gehören sowohl der Erdraum

unter dem Grundstück, als auch der Luftraum darüber. Menschen, die kein eigenes Grundstück besitzen, sind von den Spekulationen der Grundstückseigentümer*innen abhängig. Steigende Grundstückspreise sind einer der Hauptgründe für die Erhöhung der Lebenshaltungskosten, da freie Bauflächen in den Innenstädten knapp oder gar nicht vorhanden sind. Nicht nur, dass dadurch die Mieten in den meisten Städten kontinuierlich steigen, in vielen sind inzwischen regelrechte Wohnungskrisen entstanden. Diese Situation wird dadurch verschärft, dass ein großer Teil von staatlich Grundstücken oder Wohnungen an private Investoren*innen verkauft wurde. Denn der Grundstückspreis steigt, wenn beispielsweise hohe Mietsteigerungen zu erwarten sind, oder wenn durch eine andere Nutzung, wie Abriß und Errichtung eines Büro und Geschäftshauses, höhere Gewinne in Aussicht stehen. Diese Gewinne ergeben sich aus der Nutzung, also z.B. aus Einnahmen der Büro-, Wohnungs- oder Ladenmieten. Je größer der Wohnungsmangel und je knapper das Angebot, desto teurer sind die Mieten, mit denen dann auch der Bodenpreis steigt, auf welchem das Haus steht. Diese Spekulationen können für finanziell Benachteiligte oder Arbeitslose verheerende Folgen haben. Der daraus resultierenden Anstieg von Mieten in vielen Städten steht auch im Zusammenhang mit einen Anstieg der Zahlen an Obdachlosen.

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Hausbesetzung: Von innen heraus

©Anatol Bogislav

Obdachlose mit Zukunft in Köln ©Anatol Bogislav

m Zuge der Corona-Pandemie rief auch die Stadt Köln ihre Bürger* innen dazu auf, Zuhause zu bleiben. Doch wohin gehen, wenn man kein Zuhause hat?

I

Diese Frage stellte sich André Salentin, einer von 6000 Obdachlosen in Köln. Anfang 2020 besetzte er ein leerstehendes Gebäude am Großmarkt und nahm es selbst in die Hand, eine Lösung für seine Wohnungsnot zu finden. Dann machte er sich auf den Weg, um weiteren obdachlosen Menschen einen Rückzugsort anzubieten. Kurz darauf wurde das OMZ für 30 Menschen zu einem neuen Zuhause. Die Bewohner*innen kommen aus den verschiedensten Lebenszusammenhängen und bilden eine Vielfalt an Nationalitäten, Religionen, Alter und Geschlecht ab. Bei allen Unterschieden eint sie die Erfahrung eines Lebens auf der Straße und der Wunsch, die Obdachlosigkeit zu überwinden. Angesichts der Corona-Pandemie hat die Gemeinschaft des OMZ die Verantwortung für sich selbst übernommen und ihre Entscheidungsgewalt zurückgewonnen. Das OMZ lebt selbstverwaltet und gestaltet die Kom-

munikationsprozesse untereinander, mit den Unterstützer*innen und der Stadt in regelmäßigen Treffen. So entstand der Verein OMZ e.V.. Mit der wachsender Stabilität innerhalb der Gemeinschaft entfalteten sich auch die kreativen Talente. Durch die Fertigkeiten der Bewohner*innen und mit gefundenen Gegenständen und Sachspenden wurden Badezimmer und Küchen gebaut, sowie Schlafzimmer und Gemeinschaftsbereiche gestaltet. Im Austausch mit lokalen Künstler*innen bespielten sie die angrenzende Lagerhalle und den Außenbereich, um Texte, Bilder, Filme und Musik zu entwickeln, welche die Geschichte des OMZ dokumentieren. Der rechtliche Status der Besetzung bewegte sich lange zwischen Duldung und Illegalität. Eine Schlüsselrolle in dem Prozess spielt die Stadt, die zum einen die Eigentümerin des Gebäudes und zum anderen zuständig für die Unterbringung obdachloser Menschen ist. Nach dem Einzug des OMZ wurde das Gebäude von der Stadt für sicher erklärt, welches jedoch ursprünglich bereits im Oktober 2020 abgerissen werden sollte. Nicht zuletzt durch die große Unterstützung


der Kölner Stadtbevölkerung konnten in der Vergangenheit mehrfach angedrohte Räumungen verhindert werden. 1

Schließlich musste die Gemeinschaft2 im Januar 2021 in eine andere Im-3 mobilie umziehen. Der Wunsch nach4 Dauerhaftigkeit und einer langfris-5 6 tigen Perspektive bleibt jedoch un7 erfüllt, denn auch dieses Haus soll in zwei Jahren abgerissen werden. Zu-8 dem fehlen die Räumlichkeiten, um9 10 das volle Potenzial des Konzeptes mit seiner Verbindung aus Wohnen, sowie handwerklichem und künstlerischem1 Arbeiten, zu entfalten. 2 3

Aus der einfachen Forderung, bis zum4 Ende der Corona-Pandemie bleiben5 zu dürfen, ist längst ein einfallsrei-6 ches Projekt mit bedeutender Sym-7 bolkraft gewachsen. Mit seiner Art8 9 der inneren Struktur und seiner Ver10 ankerung in der Stadt ist das OMZ mehr als eine Obdachlosen-Wohninitiative und könnte zum Modell für zukünftige Projekte, auch in anderen Großstädten, werden. Es erinnert uns daran, dass die Stadt mehr bezahlbaren Wohnraum und die Gesellschaft mehr gemeinschaftliche Räume zur Kommunikation und zum kreativen Ausdruck braucht.

Gemeinschaftswohnraum Single-Wohnraum Gemeinschaftsraum/Küche

2 9

Hauswirtschaftsraum Aufzug Toilette

1

9 2

2 2 3

Eingangsbereich fensterloser Raum ungenutzter Raum

6 5

2

Außenraum als Plenum

9 1

9 9

2.

shared living space

2 9

single living space common room/kitchen utility room

6

elevator toilet

5

2 1 1

entrance area windowless room

9 3

unused room outdoor space as plenum 6 5

2 9 1

9 9

2 2 3

6 5

2 8 1

3

6 5

2

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Gemeinschaftswohnraum Single-Wohnraum Gemeinschaftsraum/Küche Hauswirtschaftsraum Aufzug Toilette Eingangsbereich fensterloser Raum ungenutzter Raum Außenraum als Plenum

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9 1

9

7

2

2

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2 3

5 9

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2

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4

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2.

shared living space single living space common room/kitchen utility room elevator toilet entrance area windowless room unused room outdoor space as plenum

8

2

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1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

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6 5

2 1 1

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6 2

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©Anatol Bogislav

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PUNKWERKSKAMMER für Leipzig e.V. ir geh’n hier nicht mehr raus!“, sagt Garti im Interview mit Radio Blaubuch im September 2019. Er spricht als Mitglied der Punkwerkskammer für Leipzig e.V. über ihr aktuelles Hausprojekt. Der junge Verein wurde 2018 von ehemals obdachlosen Punks gegründet, die ein baufälliges Haus im Rücken des Leipziger Hauptbahnhofs besetzten. Mittlerweile ist die Initiative wegen Abbrucharbeiten auf dem Gelände in die Berliner Straße 66 umgezogen, doch nun soll Ende März auch dieses Gebäude geräumt werden.

W

“Von Obdachlosen für Obdachlose” Seit einigen Jahren ist Leipzig eine der schnellst wachsenden Städte Deutschlands. Die damit einhergehende erhöhte Nachfrage nach Wohnraum führt zu Mietpreissteigerungen und Rückgang der Leerstandsquote, die seit der Wende im deutschlandweiten Vergleich immer hoch war. Den Abriss- und Neubaumaßnahmen privater Entwickler*innen versucht die Stadt durch soziale Erhaltungssatzungen entgegenzuwirken. Damit soll auch garantiert werden, dass etablierte Mieter*innen nicht verdrängt werden und die soziale Durchmischung in den Vierteln erhalten bleibt. Die angespannte Situation am Wohnungsmarkt führt vermehrt zum Verlust der Wohnung und erschwert die Suche nach einer neuen. Damit steigt auch die Zahl der Wohnungs- und Obdachlosen in der Stadt, deren Lebensbedingungen sich durch die COVID-19-Pandemie noch verschärfen. Die Stadt Leipzig setzt zur Beendigung von Obdachlosigkeit unter anderem auf die kurzfristige Bereitstellung von Gewährleistungswohnungen und seit kurzem auch auf das Angebot von Wohnungen nach dem Prinzip Housing First. Diese sozialpolitische Strategie zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit basiert auf der bedingungslosen Bereitstellung von Wohnraum für Betroffene. „[…] Dies hilft aber Kollektiven wie der Punkwerkskammer nicht. Hier brauchen wir einen weiteren Ansatz, wie wir den Bewohner*innen helfen und den Verein sichern können“, meint Katharina Krefft, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Interview mit Blaubuch. Die Punkwerkskammer für Leipzig e.V. ist seit ihrer Gründung und trotz des Umzugs eine niederschwellige Anlaufstelle für obdachlose Menschen. Die Mitglieder wohnen und arbeiten im Vereinsgebäude an der Berliner Straße, unweit vom ehemaligen Standort und damit weiterhin in der direkten Nachbarschaft des Hauptbahnhofs. Im Gespräch mit Blaubuch berichten sie, dass besonders Obdachlose mit Hunden den zwanglosen Charakter der Organisation schätzen. Im Vereinshaus werden gespendete Kleidung und Schlafsäcke ausgegeben, gegen einen kleinen Beitrag bekommt man etwas zu essen und im Garten des Grund-

stücks können Zelte aufgeschlagen werden. Vor allem ist die ehemalige Autowerkstatt aber ein Projekt, in dem sich die Bewohner*innen ein Heim nach ihren kreativen Vorstellungen einrichten können. Den Großteil ihrer Zeit verbringen sie mit notwendigen Renovierungsarbeiten, denn das Gebäude ist baufällig, die Leitungen teilweise noch aus DDR-Zeiten. Die Werkstatt bot ihnen der Eigentümer 2019 als Vergleichsobjekt an, als das Haus in der Güterstraße vor der Räumung stand. Der gewerbliche Mietvertrag sah eine vorübergehende Überlassung vor. Die Nutzungsvereinbarung, die ursprünglich nur bis Mai 2020 gelten sollte, ist nun nach mehrmaliger Verlängerung ausgelaufen, Ende letzten Jahres wurde der Verein schriftlich gebeten, das Gebäude zu räumen. Mithilfe von Bündnis 90/Die Grünen konnte im Dialog mit dem Eigentümer zumindest ein Aufschub bis Ende März 2021 erwirkt werden. Die Planung der Entwickler*innen für das Areal westlich des Hauptbahnhofs ist seit 2019 konkret und rechtskräftig. Die Eigentümer*innen bewerben das entstehende Löwitz-Quartier als Viertel zum „Arbeiten und Wohnen im Herzen Leipzigs“, das „[…] auf einem brachliegenden Bahngelände [entsteht].“ Doch dass die Menschen, die diese „Brache“ bewohnten, nun abermals wegen geplanter Aufwertung die Räumung fürchten müssen, findet erst spät öffentliche Beachtung. Ob der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen, die Liegenschaft Berliner Straße 66 einer dauerhaften Nutzung für die Punkwerkskammer zuzuführen, von der Stadt angenommen wird, steht noch aus. Sicher ist aber, je mehr Menschen sich dafür aussprechen, desto höher wird der Druck auf den Eigentümer und auch auf die Stadt Leipzig, die selbst um dieses Angebot der selbstorganisierten Wohnungslosenhilfe zu fürchten hat.

Foto vor dem damaligen Vereinsgebäude G3 in der Güterstraße, 2019


Wie sozial sind wir?

eit jeher spielt Obdachlosigkeit eine Rolle in der Gesellschaft. Doch hatten Obdachlose schon immer das gleiche Ansehen und wer ist für sie verantwortlich? Ein Diskurs durch die Geschichte der Obdachlosigkeit in Deutschland.

S

Betrachtet man den Tagelöhner aus dem Mittelalter oder den „ehrbaren Wanderer auf der Suche nach Arbeit“ zu Zeiten der Industrialisierung, hat man schnell ein romantisiertes Bild vor Augen. Assoziationen wie Freiheit und Unabhängigkeit kommen auf. Allerdings führte das Wachstum der Städte und die Einführung von Lohnarbeit dazu, dass Arbeit sowie erschwingliche Unterkünfte immer schwieriger zu finden waren. Durch die starke Zunahme an Obdachlosigkeit errichteten fast alle großen Städte Deutschlands gegen Ende des 19. Jahrhunderts Obdachlosenasyle, oftmals in Kooperation mit Kirchen. Der Wohlfahrtsgedanke nahm zu und Bedürftigen wurde geholfen. Mit der Machtübernahme des NSRegimes änderte sich allerdings die Sicht auf Obdachlose. Auch wenn Obdachlose zwar seit jeher am Rande der Gesellschaft angesehen waren, so galten sie nun als „asozial“. Durch „Bettlerrazzien“ wurde tausende obdachlose Menschen inhaftiert, zwangssterilisiert sowie in Arbeitsund Konzentrationslager gebracht. Mit dem Untergang des Dritten Reichs, änderte sich – zumindest im Westen – auch die Sicht auf Obdachlosigkeit. In der DDR galt weiterhin §249 des Strafgesetzbuches, der sogenannte „Asozialenparagraph“, der besagte, dass Betteln, „Arbeitsscheue“, Prostitution oder die Beeinträchtigung der „öffentliche[n] Ordnung und Sicherheit durch eine asoziale Lebens-

„Gefährdung der Öffentlichen Ordnung durch asoziales Verhalten“ weise“ mit „Erziehungsaufsicht, Gefängnis oder Aufenthaltsbeschränkungen bestraft“ werden sollte. Obdachlose wurden demzufolge weggesperrt und verschwanden aus dem Stadtbild – ein Grund, warum es in der DDR offiziell keine Obdachlosigkeit gab. Mit dem Fall der Mauer und dem einhergehenden Kollaps des bürokratischen Systems der DDR verloren viele Menschen zuerst ihre Arbeit und in Konsequenz ihre Wohnung. Schätzungen zufolge stieg 19911992 die Zahl der Wohnungslosen in der ehemaligen DDR sprungartig auf 200.000 an. Der Osten war mit dieser Situation überfordert. Wohin mit den Bedürftigen, wenn es kein Hilfssystem für Obdachlosigkeit gibt? Etliche Bürger*innen wanderten mit dem Wunsch nach einer besseren Zukunft in den Westen. Doch auch hier war es nicht leicht, Arbeit und Wohnraum zu finden, sodass ca. 20-30% der Plätze in westdeutschen Asylen mit „Ossis“ belegt waren. Im Laufe der vergangenen 30 Jahre hat

auch der Osten nachgerüstet. Heute gibt es auch im Osten Deutschlands zahlreiche Initiativen, die sich den Obdachlosen und Wohnungslosen annehmen, ihnen Übernachtungsmöglichkeiten, warme Mahlzeiten, medizinische Versorgung usw. bieten. Allerdings gibt es auch Initiativen, welche das Anbieten von Hilfe zum eigennützigen Zweck verwenden. Somit organisiert der Dresdner Bürger helfen Dresdner Obdachlosen und Bedürftigen e.V. (DBHDOB e.V.) jedes Jahr ein Weihnachtsessen und unterstützt ebendiese Bedürftigen. Der Verein ist der Meinung, dass kommunale Ressourcen nicht ausreichend sind und möchte durch private Spenden, natürlich auf Freiwilligenbasis, dem schwachen Teil der Gesellschaft helfen. Was auf den ersten Blick allerdings nicht offensichtlich ist: die Betonung liegt auf Dresdner [...] Bedürftige. Der Verein wird von PEGIDA Mitgliedern geleitet, welche in öffentlichen Interviews bestärken, dass man Dresdnern helfe, aber nicht „Migranten und islamistische Terroristen“, so Ingolf Knajder, Vorstand des DBHDOB e.V.. Politikmache ist wohl der falsche Ansatz, um Verantwortung für Obdachlose und sozial Benachteiligte zu übernehmen. Für eine Unterstützung bedarf es vielmehr ein Hinsehen, ein Erkennen des Problems in unserer gesamten Gesellschaft – und der Politik – welche vielmehr aufkommende Obdachlosigkeit verhindern sollte, als gezielt nur einer bestimmten Gruppe zu helfen. Nach wie vor stellt Obdachlosigkeit ein gravierendes Problem in der Gesellschaft dar. Obdachlosigkeit kann jede*n treffen. Das Agieren aller ist gefragt, angefangen bei Akzeptanz und persönlicher Unterstützung, bis hin zu Prävention. 21


Staatlicher Reichtum bedeutet nicht gleich Staatliche Fürsorge.

Obdachlosigkeit

Obdachlosigkeit

Deutschland Deutschland Einwohner*innen Einwohner*innen 83,1 Millionen 83,1 (2020) Millionen (2020) Obdachlose Obdachlose 52.000 (2016) 52.000 (2016) Obdachlose Obdachlose je Einwohner*innen je Einwohner*innen 1 je 1.598

1 je 1.598

Wohnungslose Wohnungslose 678.000 (2018) 678.000 (2018) Wohnungslose Wohnungslose je Einwohner*innen je Einwohner*innen 1 je 123

1 je 123

Wohlstand

Wohlstand

Arbeitslosenrate Arbeitslosenrate 2,7 Millionen2,7 bzw. Millionen 5,9% (2020) bzw. 5,9% (2020) Flüchtlinge Flüchtlinge 1,3 Millionen1,3 (2020) Millionen (2020) Wohnungsleerstand Wohnungsleerstand 600.000 Wohnungen 600.000 Wohnungen bzw. 2,6% (2019) bzw. 2,6% (2019) Nationales BIP Nationales BIP Milliarden 3.332,23 3.332,23 € Milliarden (2020) € (2020) BIP pro KopfBIP pro Kopf 46.445,2$ (2019) 46.445,2$ (2019)

Armut

Armut

Armutsgefährdete Armutsgefährdete 13,2 Millionen 13,2 bzw. Millionen 15,9% (2019) bzw. 15,9% (2019)

Ös

8,90

12.4 1 je

11.7 1 je

409

137.

Kein

397

50.1

1,47

Armutsgefährdungsgrenze: Armutsgefährdungsgrenze: EinzelpersonEinzelperson < 1.074€/ Monat < 1.074€/ (2019) Monat (2019)

< 1.2

Armutsgefährdungsgrenze: Armutsgefährdungsgrenze: Alleinerziehend Alleinerziehend < 1.369€/ Monat < 1.369€/ (2019) Monat (2019)

< 1.6

Sozialhilfe

Sozialhilfe

Sozialstaaat

Sozialstaaat

Armutsgefährdungsgrenze: Armutsgefährdungsgrenze: Familie Familie < 2.256€/ Monat < 2.256€/ (2019) Monat (2019)

Sozialhilfeempfänger*innen Sozialhilfeempfänger*innen 7.222.740 Millionen 7.222.740 bzw. Millionen 8,7% (2019) bzw. 8,7% (2019) Ausgaben Sozialhilfe Ausgaben Sozialhilfe 32,8 Milliarden 32,8 € Milliarden (2019) € (2019) Wohnungsgeld Wohnungsgeld Ja

Ja

< 2.

267

606 Ja

Form des Gesundheitssystems Form des Gesundheitssystems Gesetzliche oder Gesetzliche Private oder Krankenversicherung Private Krankenversicherung Ges

Grundrecht auf Grundrecht Wohnen auf Wohnen Nein Staatliche Hilfsprogramme Staatliche Hilfsprogramme Offiziell ja

Nein

Ja

Offiziell ja

Ja

Staatliche Ziele StaatlicheEnde Zieleder Obdachlosigkeit Ende der Obdachlosigkeit bis 2030 (EUbis Ziel) 2030 (EU Ziel)

End


Österreich

Schweiz

8,90 Millionen (2020)

8,60 Millionen (2020)

12.457 (2019)

Keine Angaben

1 je 390

-

11.755 (2019)

Keine Angaben

1 je 757

-

409.639 bzw. 9,9% (2020)

145.720 bzw. 3,1% (2020)

137.928 (2020)

67.175 (2020)

Keine Angaben/ ca. 30-100.000 Wohnungen

78.832 Wohnungen bzw. 1,72% (2020)

397,58 Mrd. € (2019)

726,92 Mrd. CHF (2019)

50.137,7$ (2019)

81,993.7$ (2019)

1,47 Mio. bzw. 16,9% (2019)

660.000 bzw. 7,9% (2018)

< 1.286€/ Monat (2020)

< 2.495 CHF/ Monat (2018)

< 1.672€/ Monat (2020)

< 3.244 CHF/ Monat (2018)

< 2.700€/ Monat (2020)

< 5.240 CHF/ Monat (2018)

267.683 bzw. 3,08% (2019)

785.600 bzw. 9,2% (2019)

606,6 Mio. € Mindestsicherung/ ges. ca. 5 Mrd. € (2019)

8,4 Mrd. (2018)

Ja

Nein

Gesetzliche Krankenversicherung

Gesetzliche und Zusatz-Krankenversicherungen

Ja

Nein

Ja

Nein

Ende der Obdachlosigkeit bis 2030 (EU Ziel)

Nein

Kursive Zahlen = Schätzungen

uf den ersten Blick wirken die abgebildeten Zahlen für Deutschland, Österreich und die Schweiz sehr unterschiedlich. In Österreich gelten Familien mit einem Einkommen unter 2.700¤/Monat als armutsgefährdet. In der Schweiz hingegen markieren 2.495CHF/Monat die Armutsgrenze für Einzelpersonen. Während das BIP pro Kopf der Schweiz beinahe das doppelte des deutschen BIP ist,

A

liegen die Sozialhilfequoten mit 9,2 % (Schweiz) und 8,7% (Deutschland) erstaunlich nah beieinander. Auf den zweiten Blick werden unterschiedliche Definitionen von Armut oder Sozialhilfe deutlich, und es wird klar, dass ein wohlhabender Staat oder Bevölkerung nicht das Äquivalent einer Gesellschaft ohne Bedürftige ist, sondern vielmehr die Grenzen eines Sozialstaats aufweist. 23


RECHT AUF WOHNEN n der Theorie ist das Recht auf Wohnen ein Menschenrecht, festgehalten in Artikel 11 des UN-Sozialpakts, einem internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Dort heißt es:

I

„Die Vertragsstaaten erkennen das Recht eines jeden auf einen angemessenen Lebensstandard für sich und seine Familie an, einschließlich […] Unterbringung der Lebensbedingungen. Die Vertragsstaaten unternehmen geeignete Schritte, um die Verwirklichung dieses Rechts zu gewährleisten, [...].“ In der Praxis sieht es anders aus. Das Menschenrecht gibt den Staaten zwar keine konkreten Handlungsanweisungen, um bezahlbaren Wohnraum verfügbar und zugänglich zu machen, aber es umfasst den Schutz vor Mietwucher und massiven Mietpreisanstiegen. Insbesondere Menschen in verletzlichen Lebenslagen, wozu auch Wohnungslose zählen, scheitern auf der Suche nach angemessenem Wohnraum, wodurch viele weitere Menschenrechte (Recht auf Gesundheit und Leben, Schutz der Familie) beeinträchtigt werden. Leilani Farha, ehemalige UN Sonderberichterstatterin für das Recht auf Wohnen, stellt die entscheidende Frage: Wer soll in den Städten leben? Weltweit werden zurzeit Grundstücke aufgekauft. Meist müssen die Ärmsten weichen, um neuem, hochpreisigen Wohnungsbau Platz zu machen. Der ungezügelte Kapitalismus hat fatale Auswirkungen gerade in einem Bereich, der derart eng mit zentralen Menschenrechten verknüpft ist. Mit Wohnraum wird gehandelt wie mit einer x-beliebigen Ware. Genau darin liegt das Problem: Die heutige Wohnung erfüllt nicht mehr nur ihre Funktion, Menschen zu beherbergen und ihnen ein Zuhause zu ermöglichen, vielmehr hat sie sich zur lukrativen Geldanlage mit Potenzial der Wertsteigerung entwickelt und sich mit dieser Transformation fundamental von ihrem ursprünglichen Zweck losgelöst. Wirtschaftswissenschaftlerin Saskia Sassen zufolge beträgt der Wert aller Immobilien, die als Vermögenswert fungieren, im Jahr 2019 weltweit 217 Billionen Dollar, was mehr als das weltweite damalige Bruttoinlandsprodukt darstellt. Verschärft wird dies durch die Tatsache, dass die Verwaltungsspitze, welche die Verantwortung über zukünftige Entwicklungen trägt, „[…] das neoliberale Credo, dass Wohnen eine Ware ist, über Jahrzehnte verinnerlicht“ hat. Die Stadtpolitik sieht die Verantwortlichkeit, etwas zu ändern, nach wie vor beim Immobiliensektor. Aus diesem Grund forderte Leilani Farha 2018 die Staaten auf, eine umfassende menschenrechtsbasierte Wohnstrategie anstelle einer reinen Wohnungsbaupolitik zu erarbeiten.

UN-Sozialpakt


Dabei solle der Staat prüfen, welche politische Vorgaben nötig sind, damit besonders vulnerable Gruppen selbstbestimmt wohnen können. Zentraler Bestandteil dieses Planes ist die inklusive Beteiligung der wirklichen Akteure auf dem Wohnungsmarkt. Man müsse erkennen, dass die Verfügbarkeit von Wohnraum, Wohnungsnot und Mietentwicklung ein gesellschaftliches Problem ist, das die Menschen als Kollektiv betrifft. Aber diejenigen, die aktiv werden, sind meistens ebendiese Betroffenen, denn ohne negative Außeneinwirkungen (beispielsweise in Form von Mieterhöhungen infolge von Sanierungsmaßnahmen) fehlt bislang der gesellschaftsübergreifende Aktivismus. Tom Adler, einem Fraktionsvorsitzenden der LINKEN, zufolge braucht der emanzipative Gedanke, neue Wohnformen zu entwickeln, noch eine ganze Menge Stimulation, um breitere Schichten zu ergreifen. Es ist daher Aufgabe der Politik, geeignete Gegenmaßnahmen zu veranlassen, um Menschen in verletzlichen Lebenslagen diskriminierungsfreien Zugang zu Wohnungen zu garantieren. Doch erst 2018 scheiterte die Fraktion DIE LINKE mit folgendem Gesetzesentwurf zur Aufnahme sozialer Grundrechte in das deutsche Grundgesetz.

Art. 3b (1) Jeder Mensch hat das Recht auf eine menschenwürdige und diskriminierungsfrei zugängliche Wohnung und auf Versorgung mit Wasser und Energie. Die Miete muss einkommensgerecht sein.(2) Der Staat sorgt für Mieterschutz und gleicht Miet- und Wohnbelastungen aus. Er sichert den Zugang zu Wasser und Energie.(3) Die Räumung von Wohnraum ist unzulässig, wenn kein zumutbarer Ersatzwohnraum zur Verfügung gestellt wird. Gesetzesentwurf der Partei DIE LINKE

Die größte Herausforderung liegt deshalb darin, begangene wohnungspolitische Fehler endlich zu revidieren, bestehende Wohnungsbestände zu sozial verträglichen Mietpreisen zu erhalten und den Neubau preiswerten Wohnraums zu fördern. Ein massiver Ausverkauf öffentlicher Wohnungsbestände gepaart mit einer Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus sind für die Umsetzung des Rechts auf Wohnen kontraproduktiv. Stattdessen müssen Grundstücke städtisches Eigentum bleiben und die Städte selbst aktiv Bodenpolitik betreiben, sprich Grundstücke ankaufen und darauf bezahlbaren Wohnraum schaffen. 25


„Sie haben einfach alle viel zu viel Wohnraum.“ Straßenzeitungen. Jeder kennt sie. In fast jeder großen Stadt, sei es in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz, sieht man Menschen Straßenmagazine verkaufen. Doch wer sind diese Leute und was hat es mit den Zeitungen auf sich? Johannes Denninger, ehemaliger Vertriebsleiter und Sozialarbeiter beim Münchner Straßenmagazin BISS arbeitet seit der Gründung 1993 beim Straßenmagazin und ist heute zuständig für Wohnraum. Im Januar 2021 durften wir ihn als unseren Gast begrüßen und mehr über die Hintergründe von BISS erfahren. Johannes Denninger: Wir sind eine Straßenzeitung und wir, beziehungsweise einer der Betroffenen hat sich vor 27 Jahren überlegt, dass er eben nicht Obdachlose Bürger in sozialen Schwierigkeiten als Titel nimmt, sondern Bürger*innen in sozialen Schwierigkeiten. Der entscheidende Punkt ist der, dass nämlich Obdachlosigkeit einer dieser sozialen Schwierigkeiten ist. Das ist ganz wichtig, dass wir uns positionieren und sagen, dass wir für Obdachlosen und für alle anderen mit sozialen Schwierigkeiten die Möglichkeit sind, Geld zu verdienen. „Das Europäische Parlament ruft die EU und die Mitgliedstaaten auf, Obdachlosigkeit in der Union bis 2030 zu beenden.” Das wurde im November 2020 entschlossen. Was könnte Ihrer Ansicht nach ein realistischer Lösungsansatz sein? Das ist eine ziemlich schwierige Frage. Ein realistischer Ansatz ist die Bereitstellung von preisgünstigem Wohnraum. Eine weitere Forderung muss sein, dass Wohnungen stärker im genossenschaftlichen Bereich entstehen. Der freie Markt wird für Randgruppen keine Lösung sein. Außerdem wäre es gut, wenn die Kommunen keinen Grund mehr verkaufen würden und wenn wir geschützte Räume in den Kommunen hätten. Denn es braucht für Menschen, die keine Obdach haben, geschützten Wohnraum, bevor sie in eigenen Wohnraum kommen. Ich will nicht dabei bleiben, nur zu sagen, dass wir nur billigen Wohnraum brauchen. Das macht keinen Sinn. Wir brauchen qualifizierten Wohnraum, welcher aber erschwinglich ist. Er muss außerdem relativ viele unterschiedliche Menschen vertragen.

„Der freie Markt wird für Randgruppen keine Lösung sein.“

Corona stellt die Politik vor Herausforderung. Wie hat sich die Pandemie auf BISS und Ihre Verkäufer*innen ausgewirkt? Wir haben von März bis April 2020 tatsächlich zugemacht. Dann haben wir aber gemerkt, dass uns und den Verkäufer*innen ein wesentlicher Teil des Lebens fehlt. Vor allem den Verkäufer*innen der Kontakt zu den Kund*innen und natürlich auch ihre Einnahmequelle durch den Verkauf. Weil wir als Unternehmen, im Vergleich zu allen anderen Straßenzeitungen der Welt, mehrheitlich festangestellte Verkäufer*innen haben und sehr viel weniger Nicht-Festangestellte, konnten wir bei BISS auch Kurzarbeit beantragen. Das wurde auch genehmigt, sodass die Verkäufer*innen im April und Mai über den Bezug von Kurzarbeitergeld gut überleben konnten. Das heißt, dass der damals für viele Menschen stark bemerkbare Einbruch für die Verkäufer*innen nicht so stark spürbar war. Über den Sommer hat sich alles wieder fast normalisiert, aber jetzt hat es uns doch ziemlich erwischt, da ja im Grunde genommen seit November ein halber Lockdown besteht und uns die Leute fehlen. Die Leute in der U-Bahn, in der S-Bahn. Es fehlen uns die Leute in den Einkaufszentren und es fehlen natürlich für viele Verkäufer*innen, die in Kneipen verkaufen, die Kneipen. Die sind zu, also geht da nichts. Zusammengefasst heißt das, dass Corona für uns eine große Herausforderung darstellt, da wir zum Bespiel nicht wissen, wie hoch unsere Auflage ist, wie lässt sich die verkaufen? Wie viele unserer zum Teil doch schwer angegriffenen Verkäufer*innen kommen ohne Erkrankung durch. Da sind also sehr viele Sachen in der Schwebe. Außerdem merkt man doch ganz deutlich, dass unsere Firmenkultur darunter leidet, wenn man die Leute nur noch einzeln sieht. Die überwiegende Verweildauer der Verkäufer*innen bei BISS liegt bei 1-4 Jahren. Am zweithäufigsten bleiben Verkäufer*innen länger als 15 Jahre, wer sind diese Personen? Normalerweise bleiben unsere Verkäufer*innen bis zum Tod. Es ist so: BISS erreicht nicht, dass Menschen wohlhabend werden. Das kann BISS nicht leisten, dass wir aus armen Menschen reiche machen. Das funktioniert nicht. Was wir aber können ist, dass Verkäufer*innen, die angestellt sind, natürlich in alle Sozialsysteme zurückkönnen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, weil sie dann eben krankenund sozialversichert sind. Verkäufer*innen, die langjährig bei uns sind und hohe Leistung bringen, haben dann auch eine Anwartschaft auf eine ganz ordentliche Rente. Abgesehen davon wird es aber den wenigsten gelingen, auch wenn sie lang bei BISS sind, unabhängig von BISS in die Rente zu gehen. Denn es gibt eigentlich keine*n einzige*n Verkäufer*in, der oder die mit der Rente aufgehört hat. Wer länger als 5 Jahre bei uns bleibt, bleibt in der Regel bis zum Tod. Das muss man einfach so sagen. Sie bieten auch Wohnraum an. Das Hauptziel der BISS WG ist es, die Leute von der Straße zu holen, ihnen ein


Ein Interview mit Johannes Denninger erstes Zuhause zu geben, um damit den Teufelskreis der Obdachlosigkeit zu durchbrechen. Wie erfolgreich ist dieses Konzept? Wir haben in unsere Satzung einen weiteren Zweck aufgenommen, nämlich die Beschaffung von Wohnraum. Vor dem Hintergrund der gesetzlich verankerten Möglichkeiten sind wir jetzt dabei, dass wir, wenn es geht und wir Geld haben, Wohnraum kaufen. Also kaufen wir kleinere und größere Wohnungen und geben sie an alle unterschiedlichen Menschen weiter. Nicht nur an unsere Verkäufer*innen, sondern auch an Asylbewerber*innen oder andere arme Menschen. Ganz wichtig bei der Frage: natürlich, unser Ziel ist Integration, aber eben Integration über Arbeit. Trotzdem muss ein Teil der Integration über Wohnraum laufen. Mein Plädoyer geht aber immer hin zu einer kleinen eigenen Wohnung und nicht zu Wohngemeinschaften.

„ Unser Ziel ist Integration, aber eben Integration über Arbeit.“ 2003 haben Sie mit BISS eine Ausstellung über Obdachlosigkeit konzipiert, die Werke von renommierten Fotograf*innen zeigte. Wieso wurde das Thema aus dem Blickwinkel außenstehender Personen und nicht von Obdachlosen selbst dargestellt? Wir haben das anlässlich von 10 Jahre BISS gemacht und die Veranstaltung als Öffentlichkeitsveranstaltung konzipiert. Wir haben 70.000 Besucher in drei Wochen gehabt, stellen Sie sich das mal vor. Und danach sprang unsere Auflage nach oben und damit haben wir der Obdachlosigkeit eigentlich einen guten Dienst erwiesen, dass wir dieses Thema über die Kunst ins Gespräch gebracht haben. Und ich sage Ihnen eins, wenn Sie es von Seiten der Betroffenen aus machen, wird es ein ganz schweres, leidvolles, zum Teil auch entstelltes Bild geben, das jeder Mensch schon im Kopf hat. Da ist es viel wichtiger, die Kurve zu kriegen. Die Ausstellung trug den Namen “Architektur der Obdachlosigkeit”. Worin sehen Sie die Verbindung zwischen dem Thema Obdachlosigkeit und Architektur? Ein bekannter Fotograf hat für die Ausstellung Unterkünfte von Asylbewerber*innen in Spanien, aber auch Wohnungen unserer Verkäufer*innen fotografiert. Und da entsteht dann so etwas wie Architektur, die eine ganz besondere

Ausprägung hat. Was auffällig ist, das ist wirklich ganz spannend, dass sowohl in den Aufnahmen von hier als auch in Spanien, bei Migranten aus Marokko etc. eine ganz ähnliche, fast penible Ordnung vorherrscht, wie bei unseren kleinen Wohnungen. Da gibt es natürlich immer Ausreißer, aber im Prinzip organisieren sich viele Menschen in ihrer Umgebung, ob sie jetzt obdachlos waren oder nicht, kleinbürgerlich und eine der Regeln ist eben diese starke Ordnung, nachdem sie ihre Wohnung aufbauen. Worin sehen Sie unsere Rolle als Architekt*innen heute? Das möchte ich jetzt natürlich nicht hier so festlegen, aber ich denke schon, dass Architektur und die Kunst des Planens sowie das Umsetzen von Gedanken in konkrete Materie tatsächlich vor allem davon geprägt sein muss, zu verstehen, was eigentlich die Auftraggebenden wollen. Und ich glaube auch, dass Architekt*innen eine Möglichkeit haben, in der Auseinandersetzung mit Bauherr*innen, neue Lösungen des Wohnens wieder und wieder auszuprobieren. Lösungsansätze, die näher dran sind als das, was sie an jetzigen Bedürfnissen und Wünschen haben. Darin sehe ich eine starke Aufgabe für Sie, als zukünftige Leute der Szene. Wie hat sich die Situation seit 2003 für Obdachlose in München verändert? Die Situation hat sich noch einmal verschlechtert, weil insgesamt etliche Wohnungen aus der Bindung sind. Viele Sozialwohnungen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert worden sind, sind aus der Bindung gelaufen und in der Regel privatisiert worden. Dann hat die Stadt viel zu spät den Weg eingeschlagen, Grund nicht zu verkaufen, sondern zu behalten. Das ist auch noch einmal dramatisch. Das zieht immer Wellen nach sich. Wenn aus diesen Wohnungen die Menschen dann ausziehen müssen, wo sollen die hin? Der Verdrängungswettbewerb ist noch einmal viel stärker geworden als zu der Zeit 2003. Für mich ist eindeutig, dass ein durchschnittlicher Wohnbedarf von 50qm pro Person einfach zu hoch ist. Verstehen Sie, Sie haben einfach alle viel zu viel Wohnraum.

„ Für mich ist eindeutig, dass ein durchschnittlicher Wohnbedarf von 50m2 pro Person einfach zu hoch ist. “ 27


Wie kann man trotz Unterkunft wohnungslos sein?


Wohnungslos

Die Bezeichnungen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit werden oft gleichgesetzt oder gar verwechselt. Immer mehr Menschen werden wohnungslos, jedoch gibt es bisher noch keine allgemeinen amtlichen Statistiken der Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach BAG W (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe) gilt eine Person als wohnungslos, sofern sie nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum (oder Wohneigentum) verfügt. Dazu gehören all diejenigen, die sich entweder in einer Notunterkunft, einer stationären oder kommunalen Einrichtung aufhalten, als Selbstzahler in günstigen Pensionen leben oder temporär bei Verwandten oder Bekannten unterkommen. Obdachlosigkeit hingegen beschreibt den Umstand einer Person, welche weder einen festen Wohnsitz innehat noch in einer temporären Unterkunft lebt und die Nacht im öffentlichen Raum verbringt. Ursachen für Wohnungslosigkeit sind grundsätzlich strukturelle Probleme, die oft auf den Mangel an bezahlbaren Wohnraum zurückzuführen sind. Wirtschaftliche und soziale Notlagen wie Arbeitsverlust, Schulden, Trennung oder Scheidung, häusliche Gewalt oder Haftentlassung können ebenfalls Wohnungslosigkeit begünstigen.

Derzeit kommt es, bedingt durch die Pandemie, auch aufgrund von Quarantänemaßnahmen zu Wohnungslosigkeit.

Privatsphäre

Privatsphäre beschreibt eine nicht öffentliche – also private – Situation eines Einzelnen und steht jedem Menschen zu. 1890 beschrieben die amerikanischen Bundesrichter Samuel D. Warren und Louis D. Brandeis in einem Aufsatz des Harvard Law Reviews, das Recht jedes Einzelnen auf Privatsphäre. ‚The Right to be Let Alone‘ war der Ausgangsgedanke zum Schutz der Privatsphäre. Der zwölfte Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (1948) legt fest, dass „niemand willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden darf. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.“ Für die Meisten bildet die Wohnung Schutz vor Gefahr, die Möglichkeit einer räumlichen Abgrenzung von der Öffentlichkeit und einen Ort der freien Selbstentfaltung. Diese Grundbedürfnisse werden allerdings denjenigen verwehrt, die kein eigenes Zuhause haben. Grundbedürfnisse – wie das Bedürfnis nach Privatsphäre – sind auf der Straße nicht gegeben und werden genauso wie intime

Moment, wie z.B. der Gang zur Toilette, zu einer täglichen Herausforderung und Demütigung. Ein Spind in einer Winternotschlafstelle oder im Bahnhof ist für viele Obdachlose oft der einzige Ort, an dem sie ihren Besitz mit einem Vorhängeschloss einschließen und sich so zumindest ein Stück Privatsphäre mieten können.

Obdachlosenunterkunft

Gemeinnützige Organisationen und städtische Träger versuchen durch die Bereitstellung von Übergangswohnplätzen und -möglichkeiten in Form von Notunterkünften oder Obdachlosenheimen den Auswirkungen der Obdachlosigkeit unmittelbar entgegenzuwirken. Sogenannte Notschlafstellen sind primär für den kurzzeitigen Aufenthalt gedacht. Sie bieten kaum Privatsphäre, stellen dafür aber Spinde und sanitäre Anlagen zur Verfügung. Seltener erhalten Obdachlose hier auch Lebensmittel, medizinische Betreuung oder Zugang zu Waschmaschinen. Wer Notschlafstellen nutzen darf, und zu welchen Bedingungen, ist individuell festgelegt. Oftmals richten sich die Angebote an spezifische Personengruppen, beispielsweise Minderjährige oder Menschen mit Suchtproblematiken. Entsprechend der Idee der kurzfristigen Hilfestellung, sind Notschlafstellen nur für eine Über-

nachtung ausgelegt. Am Morgen müssen die Gäste die Einrichtung verlassen, können sich am Abend aber erneut für einen Schlafplatz anmelden. Die Angebote der Notschlafstellen sind meist kostenfrei. Nur vereinzelt verlangen Betreiber *innen einen kleinen Betrag als symbolischen Gegenwert. Auch Obdachlosenheime bieten Übernachtungsangebote. In Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmern finden Obdachlose hier für einige Tage oder längerfristig eine Schlafmöglichkeit. Träger, wie beispielsweise das Diakonische Werk oder die Caritas, stellen Wohnraum zur Verfügung. In diesen Fällen entsteht allerdings kein Mietverhältnis zwischen dem Schutzsuchenden und der Organisation. Die daraus resultierende Möglichkeit für unangemeldete Kontrollen und Verbote von Rauschmitteln haben oftmals eine abschreckende Wirkung und schaffen Hemmschwellen. Obwohl mittlerweile viele Kommunen Notunterkünfte für Obdachlose anbieten, werden diese in vielen Fällen ungern angenommen. Neben hygienischen Problemen und fehlender Privatsphäre, ist es vor allem die Angst vor Eingriffen in ihre Lebensweise, die sie scheuen. Zudem trägt die reine Bereitstellung von Schlafplätzen perspektivisch wenig zur Verbesserung der Obdachlosigkeit bei.

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Wie viel Privatsphäre brauchst du, um dich zuhause zu fühlen?

...eigenes Bett

...eigenes Zimmer

...eigenes Bad

...eigene Wohnung

...mehr als das


Ist dein Wohnraum an Bedingungen geknüpft?

ie eine Lösung für die Bekämpfung von Wohnungslosigkeit gibt es nicht, da in jedem Fall mehrere Faktoren ins Spiel kommen. Eine weit verbreitete Strategie im Bereich der Unterkünfte für Wohnungslose ist das Stufenmodell. Das Ziel des Modells ist es, die Wohnbereitschaft von wohnungslosen Menschen zu testen und aufzubauen. Dabei müssen sie verschiedene Stufen der Unterbringung durchlaufen, bis sie in eine reguläre, eigenständige Wohnung einziehen können. Je weiter die Betroffenen in den Stufen aufsteigen, desto weniger persönliche Hilfe, Betreuung und Kontrolle ist vorgesehen. Nach und nach erhalten sie mehr privaten Raum, Autonomie und Normalität. Die erste Stufe bilden verschiedene gemeinsame Notunterkünfte. Die zweite Stufe umfasst betreute Gemeinschaftsunterkünfte oder Trainingswohnungen - in der Regel kleine Wohnungen mit einigen Gemeinschaftsräumen. In der letzten Stufe erhalten die

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Betroffenen reguläre Wohnungen mit speziellen Nutzungsverträgen und begrenzter Mietsicherheit. Am Ende dieser Stufe steht der Umzug in eine eigene Wohnung mit voller Mietsicherheit und Autonomie. Alle diese Stufen haben gemeinsam, dass die Menschen immer nur für eine begrenzten Zeitraum an einem Ort leben können, während ihre Wohntauglichkeit beurteilt wird. Wie bei jedem anderen Modell der Obdachlosenhilfe, gibt es Phasen, in denen die Menschen aus Gründen wie medizinischen, verhaltensbezogenen oder psychischen Problemen auf die Straße zurückfallen. Später lassen sich Rückfälle oft auf ein geringes Einkommen oder eine schlechte Beziehung zu der vermietenden Person zurückführen. Im Gegensatz zum Stufenmodell steht der Housing First Ansatz, welcher die Unterbringung als ersten Schritt der Reintegration betrachtet. Die Unterstützung erfolgt dabei unabhängig von der Wohnung, je nach individuellem Bedarf.

Normale Wohnungen mit Mietvertrag Normalwohnungen mit speziellem (Nutzungs-) Vertrag Trainingswohnungen, Betreute Wohngemeinschaften etc.

Eingangsstufe Gemeinschaftsunterkunft

„Finalwohnung“, volle Mietsicherheit

Befristeter Aufenthalt, keine Mietsicherheit

Kleinwohnungen in Einrichtungen, Gemeinschaftsbereiche, Aufenthaltsdauer befristet

Privatsphäre, Autonomie, Normalität

Persönliche Hilfen, Betreuung, Kontrolle, Disziplinierung 31


Notwohnsiedlung Brothuuse orfidylle. Blickt man aus den Fenstern sieht man Pferde auf der Weide grasen. Auf der grünen Wiese oben auf dem Käferberg am Rande von Zürich entstand vor neun Jahren die erste ObdachlosenSiedlung der Schweiz: Brothuuse, schweizerdeutsch für Bethlehem, hebräisch für „Haus des Brotes“ war ein Herzensanliegen von Pfarrer Sieber, dem Gründer der Sozialwerke Pfarrer Sieber.

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Die Notwohnsiedlung bietet Obdachlosen und Menschen in schwierigen Lebenssituationen ein vorübergehendes Zuhause, Unterstützung sowie die Möglichkeit für einen Neuanfang. In der selbstbestimmten Dorfgemeinschaft sollen die Bewohner*innen basierend auf dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ mit der begleitenden sozialen Betreuung lernen, ihren Alltag zu strukturieren. Das Stufenmodell der Wohnungslosenhilfe bestimmt nicht nur den Betreuungsgrad, sondern formt auch das architektonische Programm von Brothuuse. Die Wohnmodule basieren auf der Idee des gemeinschaftlichen Wohnens, um Sozial- und Wohnkompetenzen zu stärken. Bis zu sieben Personen teilen sich zwei Badezimmer und einen kleinen gemeinsamen Wohnraum mit Küche im Erdgeschoss. Privaten Rückzugsraum bieten die 11m2 großen Einzelzimmer, die von den Bewohner*innen frei gestaltet werden können. Im Mittelpunkt der dörflichen Struktur steht das Gemeinschaftshaus, mit viel Platz zum gemeinsamen Kochen und Essen, in dem alle Bewohner*innen zusammenkommen.

Gemeinschaft wird in Brothuuse großgeschrieben. Der Wille, sich in die bestehende Wohngemeinschaft zu integrieren und Selbstverantwortung zu übernehmen, ist Voraussetzung für die Aufnahme. Aber auch der gesundheitliche und psychische Zustand spielen eine wichtige Rolle. Abgelehnt werden Drogenkonsum und Gewaltbereitschaft sowie Personen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus. Auch wenn die Wohndauer vorerst auf ein Jahr befristet ist, besteht die Möglichkeit auf Verlängerung. Allerdings ist Brothuuse für die Bewohner*innen eine Zwischenstation und nicht als eine langfristige Bleibe gedacht. Für diejenigen, die Selbstständigkeit und entsprechende Sozial- und Wohnfähigkeiten erlangt haben, gibt es angegliederte Außenwohngruppen. Diese bilden die letzte Stufe vor der eigenen privaten Wohnung und einem autonomen Alltag. Während viele der Bewohner*innen in Brothuuse enge Freundschaften knüpfen und die Gemeinschaft oftmals als eine Art Familie wahrgenommen wird, kommt ein solches Wohnkonzept nicht für alle Obdachlosen in Frage. Durch das Leben auf der Straße entwickeln sich manche zu Einzelgänger*innen. Zudem scheint das stufenweise „Wohnen auf Probe“, gebunden an Regeln und Vorschriften für viele eine unüberwindbare Hürde darzustellen. Auch wenn Brothuuse nicht die Lösung für alle sein kann, bildet das Projekt dennoch eine Perspektive, den Weg zurück in die Gesellschaft zu finden.

GSEducationalVersion

GRUNDRISS EG GROUND FLOOR PLAN 1:100

©Baubüro in situ


©Vogl-Perspektive, Mike Vogl

meinzuhaus.at iele Menschen ohne Unterkunft haben meistens keine Auswahl, wo sie sich hinlegen können. In Salzburg, wie in anderen Städten, geraten immer mehr Menschen in Wohnungsnot. Notunterkünfte gibt es, doch man muss Glück haben, um am nächsten Abend wieder in dem gleichen Bett schlafen zu können, oder überhaupt einen Schlafplatz zu belegen.

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Salzburg bietet seit Oktober 2018 eine neue Wohnanlage für diejenigen, die kein Zuhause haben. Die Nachfrage ist hoch: Bereits bei der Eröffnung kamen auf 55 Wohnplätze 160 Anmeldungen. Für 335 Euro Bruttomiete kann man dort in einem eigenen 21m2 Appartement wohnen. Georg Leitinger, Salzburger Studentenwerk-Geschäftsführer, war zusammen mit Caritas Salzburg Erstinitiator des Projektes Meinzuhaus. Das Wohnkonzept basiert auf der Idee des klassischen Studentenzimmers: ein eigenes Bad, Kochnische sowie ein eingebautes Bett bilden die Grundausstattung. Darüber hinaus stehen den Bewohner*innen eine eigene Kaffeemaschine, Mikrowelle sowie ein Staubsauger zur Verfügung. Für den Einzug benötigt man somit nichts weiter als den eigenen Koffer. Der Gedanke ist, dass die Menschen trotz ihres derzeitigen Zustands in einem qualitativ hochwertigen Wohn-

raum zu einem günstigen Preis wohnen sollten. Bewerben können sich volljährige Personen sowie Frauen mit Kindern, die aus unterschiedlichen Gründen in Wohnungsnot geraten sind. Meinzuhaus.at bietet einen Schutzbereich auf einem ganzen Stockwerk mit zehn Wohneinheiten nur für Frauen an. Andere Bewohner haben keinen Zutritt. Es besteht auch die Möglichkeit, Wohneinheiten zusammen zu legen, wenn beispielsweise eine Frau mit ihrem Kind einziehen möchte. Selbstständigkeit und Wohnfähigkeit sind neben dem Anspruch auf Mindestsicherung Voraussetzung für die Bewerbung. Asylbewerber*innen und Notreisende werden nicht aufgenommen. Die Entscheidung, wer einziehen darf, trifft die Caritas Salzburg, welche auch den Betreuungsvertrag abstimmt. Die Wohndauer ist auf drei Jahre befristet, danach sollten die Bewohner*innen wieder in ein normales Leben zurückkehren können. Im Idealfall sollten sie zu diesem Zeitpunkt neben einer eigenen Wohnung auch einen Job haben. Bisher funktioniert das Konzept: Seit dem Startschuss des Projekts und damit in nur weniger als drei Jahren, ist bereits mehr als sieben Bewohner*innen der Weg zurück in eine eigene Wohnung gelungen. 33


„Es müssen auch Taten folgen.” In der Liebrechtstraße wohnen Menschen, die ihre Wohnung verloren und Zwangsräumungen erlebt haben. Durch den Abriss der Bestandsgebäude und den Neubau hat man nicht nur in finanzieller Hinsicht ein Statement gesetzt. Man hat auch den Ansatz einer besonderen Bauweise für wohnungslose Menschen verfolgt. Welche Rolle spielt die Gestaltung Ihrer Architektur für die erfolgreiche Funktion als Bindeglied zwischen den Bewohner*innen und der Nachbarschaft? Tobias Bünemann: In der Auslobung für den Wettbewerb wurde immer selbstverständlich davon ausgegangen, mit einer eher introvertierten Konzeption in Form von innenliegenden Fluren, wie im Bestand, zu planen. Auf der anderen Seite bestand aber die Grundsatzintention, die Bewohner*innen schnell wieder in das normale Leben in der Stadt zu integrieren. Statt unkontrolliertem Rückzugsraum sollte Raum für Kommunikation entstehen, gegenseitige soziale Kontrolle und Offenheit möglich sein und ein würdevolles temporäres Zuhause entstehen. Deshalb haben wir etwas provokant, im Rahmen unseres Wettbewerb-Beitrages, das Haus auf links gedreht. Durch die offene kaskadenartige Treppe und den um das Haus herumlaufenden breiten Laubengang konnten wir nicht nur eine attraktive Erschließung jedes einzelnen kleinen Apartments mit eigener Haustür bieten, sondern gleichzeitig geschützten Kommunikationsraum schaffen. In Kombination mit der frischen Gestaltung in Materialität und Farbgebung, haben wir von vornherein einen würdevollen Ort für die Menschen geschaffen. Die nachvollziehbare Sorge vor möglichem Vandalismus und das Bemühen um Robustheit in Qualität und Oberflächen führten uns zu ungewöhnlichen Lösungen. Einfacher Sichtbeton, verzinkter Stahl und farbig glasierte Klinkerriemchen haben eine frische Ausstrahlung, schaffen aber auch eine ganz eigene Adresse. Die anfängliche Skepsis der Nachbarschaft, eine Notunterkunft für Obdachlose in direkter Umgebung zu haben, ist einer neugierigen Grundhaltung gewichen, wie der große Besucherandrang am Tag der Architektur zeigte. Silke Lange: Das Türkis der Klinker wurde gezielt ausgewählt, da es zu emotionaler Ausgeglichenheit beitragen soll. Im Spaß haben wir bei entsprechenden Nachfragen zur Farbgebung manchmal erklärt, dass wir ein „Stück vom Himmel“ für die gerade vom Leben etwas benachteiligten Menschen auf die Fassade der Häuser holen wollten. Wie überprüfen Sie die zwischenmenschlichen Auswirkungen und soziale Wirksamkeit Ihres gestalterischen Ansatzes? Erhalten Sie Rückmeldungen von Bewohner*innen selbst? Silke Lange: Sobald wir mit der Objektüberwachung konstant vor Ort anwesend waren, bestand die Möglichkeit , sich mit interessierten Bewohner*innen und Anwohner*innen

„Wie wird es erlebt, wenn eine depressive, alleinstehende Mutter neben einem alkoholkranken oder drogenabhängigen Menschen untergebracht ist. “ auszutauschen. Leider sind jedoch die Mehrzahl der tatsächlich betroffenen Personen auf Grund ihrer persönlichen Lebenssituation und krankheitsbedingter Einschränkungen nicht unbedingt die sachlichsten Ansprechpartner*innen für Gespräche über architektonische und funktionale Qualitäten. Vielmehr hat sich der Kontakt zu einzelnen Bewohner*innen eher auf ein dann inzwischen vertrautes Zuwinken oder einen freundlichen Wortwechsel über alltägliche Dinge beschränkt. Als hilfreich und sehr konstruktiv empfanden wir aber den laufenden Austausch mit den beiden Objektverwaltern der Stadt Essen. Mit ihnen haben wir parallel zu den Planungsbesprechungen ganz praktische Diskussionen geführt. Außerdem konnten wir durch diesen Austausch auch viel über die sensiblen zwischenmenschlichen Beziehungen und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Unterkunftsbewohner*innen lernen. Wie wird es z.B. erlebt, wenn eine depressive, alleinstehende Mutter neben einem alkoholkranken oder drogenabhängigen Menschen untergebracht ist. Die Herausforderung der Architektur im Sozialwohnungsbau besteht darin, mit wenigen finanziellen Mitteln möglichst ästhetisch zu planen und kosteneffizient zu bauen. Haben die finanziellen Mittel, die zur Verfügung standen, maßgeblich Ihren Entwurf beeinflusst oder gelenkt? Silke Lange: Die Projektverantwortlichen, auf Seiten des Bauherrn, hatten beschlossen, das Rechnungsprüfungsamt direkt von Anfang an zu den 14-tägigen Planungsbesprechungen einzuladen. Das stellte sich als eine sehr weise Entscheidung heraus, denn damit hatten wir die Gelegenheit just in time unsere Entwurfsideen und Planungen dem Prüfer kontinuierlich vorzustellen und detailliert zu erläutern. Natürlich mussten wir als Architekt*innen auch Kompromisse eingehen. Die Ergebnisse zeigen aber vielmehr, dass auch mit begrenzten Mitteln ein ansprechendes Ergebnis möglich ist.


Ein Interview mit RKW Architektur + In den Medien liest man hauptsächlich positive Rezensionen zu Ihrem Projekt. Gibt es Punkte, die Sie im Nachhinein anders machen würden? Was würden Sie von zukünftigen Projekten, die auf Ihrem Projekt aufbauen wollen, erwarten? Silke Lange: In den letzten Jahren hat sich nun die Holzsystembauweise auch für den Geschosswohnungsbau verstärkt etabliert und in der brandschutztechnischen Eignung weiterentwickelt, sodass eine nachhaltige Holzbauweise oder Holzhybridbauweise, anstelle der verwendeten Stahlbeton-Fertigteilelemente und Sichtbetonelemente, sicher in die Überlegungen für zukünftige Projekte mit einbezogen werden muss. Was hat Ihnen während der Planung des Projektes besonders Spaß gemacht? Tobias Bünemann: Einen Neubau für eine Notunterkunft zu konzipieren bedeutete Neuland zu betreten und im Planungsprozess die offene positive Grundhaltung aller Beteiligten zu spüren. Es war wie ein roter Faden, der uns durch das Projekt begleitet hat und dann in der positiven Resonanz der Bewohner*innen und der Nachbarschaft mündete. Dass die Idee auch noch mit verschieden Architekturpreisen belohnt wurde, hat alle Beteiligten natürlich auch gefreut und angespornt, für zukünftige Aufgaben besondere Lösungen zu entwickeln. Silke Lange: Auch ich habe, in meinen über 25 Jahren Berufserfahrung, selten ein Projekt erlebt, bei dem die Zusammenarbeit aller am Projekt Beteiligten von Anfang bis Ende in einer unglaublich angenehmen und konstruktiven Art und Weise funktioniert hat. Jeder hat sich persönlich eingebracht und allen gemeinsam war der Wille in der vorgegebenen Zeit und dem festgelegten Kostenrahmen für die Bedürftigen, aber auch die Umgebung ein qualitativ hochwertiges und funktionierendes Gebäudeensemble entstehen zu lassen.

„Ich glaube, in dieser Form kann nur ein sozialer Zweck die Menschen derartig positiv zusammenführen.“

Werena Rosenke, Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, erklärte Ende letzten Jahres in einer Pressemeldung, Hauptgrund für die steigende Zahl der Wohnungslosen sei unter anderem das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum. Können Architekt*innen Ihrer Meinung nach dagegen etwas tun, und wenn ja, was würden Sie angehenden Architekt*innen für eine Haltung empfehlen? Tobias Bünemann: Ja, ich meine wir Architekt*innen können in mehrfacher Sicht etwas tun. Zum einen haben Wohnungslose in der Politik und der Gesellschaft keine wirkliche Lobby. Das heißt, wir Architekt*innen sollten auch hier unsere Verantwortung wahrnehmen, immer wieder auf dieses Problem hinzuweisen, uns in Gremien, in denen wir uns engagieren, aber auch die Foren, in denen wir auftreten, zu nutzen, um auf diese Herausforderung aufmerksam zu machen. Wir sollten über den Tellerrand schauen und wie unsere Nachbar*innen mit diesem Thema umgehen. Gar nicht weit, in Wien, kann man sich anschauen, wie man langfristig in einer Großstadt, sozialen Wohnraum schaffen kann, der dies auch bleibt. Es beginnt schon mit dem städtebaulichen Ansatz, dem Ziel der sozialen Mischung, bis hin zu einer wertigen und visionären Architektur.

„Wir Architekt*innen können und müssen uns engagieren, wer sonst?“ Die Gesellschaft lebt durch ihre Vielfalt. Wie sähe eine Gesellschaft ohne Obdachlosigkeit aus? Was ist Ihre Haltung zu den Plänen der EU, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beseitigen? Tobias Bünemann: Obdachlosigkeit hat vielfältige Ursachen und wird sich, meiner Meinung nach, nicht einfach beseitigen lassen. Wir müssen versuchen, mit allem, was in unserer Macht steht, sie zu reduzieren und respektvoll mit den betroffenen Menschen umgehen. Die Politik und die Öffentliche Hand haben selbst viel in der Hand, indem sie sich nicht an der Baugrundspekulation beteiligen, Grundstücke an meistbietende verkaufen und strikte langfristige Vorgaben für die Sozialbindung festlegen. Das Ziel ist wichtig, aber es müssen auch Taten folgen!

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Notunterkunft in Essen ie Liebrechtstraße in Essen mit ihren Notunterkünften für von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen stellt in vielerlei Hinsicht ein Novum dar: Zum einen in wirtschaftlicher, zum anderen in architektonischer Hinsicht. Auf Basis einer Machbarkeitsstudie befand die Stadt Essen 2013 als Bauherrin, dass ein Neubau anstelle einer Sanierung der bereits bestehenden Notunterkünfte langfristig wirtschaftlicher sei und schrieb – trotz Haushaltssperre – ein VOF-Verfahren (Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen) für den Bau von 100 Übergangswohnungen zur Verhinderung von Obdachlosigkeit aus. Eine der vielen Herausforderungen für die Architekt*innen von RKW Architektur +, die den Zuschlag für ihren Entwurf bekamen, bestand in einer schrittweisen Realisierung in Bauetappen während laufendem Betrieb der bestehenden Unterkünfte. Diese Herausforderung konnten die Architekt*innen mittels Modulbauweise und vorgefertigten Halbfertigund Fertigteilelementen aus Stahlbeton unter Einsatz von Sichtbetonelementen meistern. Projektleiterin Silke Lange betont, dass gerade diese

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abschnittsweise Bauausführung dem unmittelbaren Austausch mit Bewohner*innen entgegenkam. Trotz striktem Raumprogramm und engem Budget gelang den Architekt*innen im intensiven Austausch mit dem Amt für Soziales und Wohnen sowie dem Betreiber der Notunterkunft ein Entwurf, der sowohl die Möglichkeiten zum sozialen Austausch anhand von Laubengängen ermöglicht, aber auch den sicheren Rückzug in die temporär eigenen vier Wände gewährt. Projektleiter Tobias Bünemann appelliert an die Verantwortung der Architekt*innen, sich insbesondere für diejenigen zu engagieren, die keine eigene Lobby haben wie beispielsweise Wohnungslose. Ihm zufolge ist die öffentliche Hand wesentlich an der Spekulationsschraube auf dem freien Wohnungsmarkt beteiligt, die nicht selten zur Wohnungslosigkeit führt. Als Grund gibt Bünemann an, dass städtische Grundstücke meist an den Höchstbietenden verkauft werden, ohne den Verkauf an sozialen oder geförderten Wohnungsbau zu koppeln. Die Stadt Essen beweist mit dem Neubau der Notunterkünfte, dass es auch anders geht: Menschlich.


Modulanlage zur Lindung ie Corona Pandemie wirkte wie ein Brennglas: Es muss sich dringend mit der Unterkunftslandschaft für Wohnungslose beschäftigt werden. Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Düsseldorf steigt. Viele Notschlafstellen und städtische Obdächer sind stark renovierungsbedürftig. Schon seit 2018 sind die Kapazitäten der Unterkünfte für Wohnungslose knapp. Parallel dazu gehen seit 2017 die Zuwanderungszahlen von geflüchteten Menschen kontinuierlich zurück. Deshalb hat die Stadt Düsseldorf einige Obdachlose in leerstehenden Geflüchtetenunterkünfte untergebracht. Der bauliche Zustand der Unterkünfte sei besser, als der von städtischen Obdächern und es komme weniger zu Konflikten, stellt Johannes Dörrenbächer, Sozialberater der Organisation fiftyfifty, fest. Allerdings sei es nur eine temporäre Lösung. Miriam Koch, die Leiterin des Amtes für Migration und Integration, macht deutlich, dass die Plätze und die Betreuung nach dem Winter 2021 neu sortiert werden sollen. Durch den schnellen Handlungsbedarf sei einiges auf der Strecke geblieben. Die Unterkünfte verfehlen die üblichen Standards für Wohnungslose. Das Anrecht auf Einzelzimmer fehlt ebenso wie die eigene Wohneinheit für Familien.

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Miriam Koch legt die Karten offen auf den Tisch:

“Wenn ich heute nochmal planen würde, würde ich nie wieder Doppelzimmer planen, weil ich finde, dass erwachsene Menschen nicht einfach in einem Zimmer zusammengelegt werden können, es sei denn, sie haben sich gemeinsam dafür entschieden.” Wie eine dieser umgenutzten Unterkünfte aussehen kann, zeigt die 2015 entstandene Modulanlage Zur Lindung. Basierend auf dem Konzept des Düsseldorfer Modells ermöglicht die Anlage eine flexible Aufteilung, die das Gemeinwesen der Bewohner*innen positiv beeinflussen soll. Dabei arrangieren sich fünf kleine Doppelzimmer um gemeinsame Küchen und Sanitärbereiche. Auf der anderen Seite des Komplexes erstrecken sich Apartments für Familien mit eigener Küche und Bad. Die ersten Obdachlosen sind im Dezember 2020 eingezogen. Grund war die Räumung der Menschen, die am Ratinger Tor, einem Baudenkmal in der Innenstadt von Düsseldorf, ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Mittlerweile leben 31 Wohnungslose in einem der sechs Module der Anlage. So lange wie möglich soll die Anlage noch genutzt werden, bevor sie in Zukunft Platz für hoffentlich bezahlbaren Wohnraum machen wird. 37


Im Gespräch mit Morice wwv, nachdem Du 3 Jahre auf der Straße gelebt hast bist Du vor sechs Wochen in die Modulanlage Zur Lindung im Düsseldorfer Stadtteil Angermund eingezogen. Wo hast Du gelebt bevor Du hier eingezogen bist?

neue Möglichkeit finden. Jetzt gerade sind wir geduldet und es ist besser als auf der Straße. Besser als bei den Minusgraden, die wir im Moment haben. So wie heute Nacht hatten wir 1 Grad. Da wären wir erfroren.

Morice: Ich habe viel auf der Straße gelebt. Mal mit Kollegen zusammen, mal alleine, mal am Ratinger Tor, mal am Komödchen. Wir haben überall gezeltet. Das Ratinger Tor haben wir genommen, weil es uns dort vom Ordnungsamt nicht verboten wurde. Wir mussten zwar mehrmals die Seiten wechseln – einmal auf die eine Seite, mal auf die andere –aber sie haben uns geduldet. Sie haben immer gesagt „Wir können eh nichts anderes machen. Wir können euch nicht mehr sagen als „Weg!“, aber ihr kommt eh wieder.“ Wir wurden sechs mal weggeschickt und sind immer wieder gekommen.

Was hat sich sonst noch verbessert?

Wie ist es dazu gekommen, dass Du auf der Straße gelebt hast? Ich bin obdachlos geworden, weil meine Eltern mich rausgeschmissen haben, weil ich irgendwann Drogen genommen habe. Alles was es an Drogen gibt. Und weil ich viel Stress mit meinen Eltern hatte. Das ging so weit, dass ich fast ein Messer im Bein hängen hatte. Seitdem wohne ich auf der Straße und jetzt in Angermund. Was bedeutet für dich Zuhause? Zuhause bedeutet für mich ein Dach über dem Kopf. Ein eigenes Zimmer, ein vernünftiges Bett. Dass ich mich pflegen kann, in dem Fall eine Dusche, ein Waschbecken. Und dass man kochen kann. Dass man alles hat, was man zum Kochen braucht. Einen Herd, Pfannen. Und dass ich auch einen sicheren Ort habe, an den ich mich zurückziehen kann. Wie kam es dazu, dass Du hier eigezogen bist? Wir haben das von der Straßenzeitung fiftyfifty, für die ich arbeite, angeboten bekommen. Die haben uns verschiedene Vorschläge gemacht, haben für uns gesucht und dann das in Angermund gefunden. Wir haben einen kompletten Container für uns allein. Wie hast Du dich beim Einzug gefühlt? Ich hab mich wohl gefühlt, weil ich endlich ein Dach über dem Kopf hatte. Ein eigenes Zimmer, ein Bett und eine Küche. Die Küche fand ich am geilsten. Meine Freundin Vanessa, die vorne im Rollstuhl sitzt, die hat zum Beispiel eine eigene Küche im Zimmer. Die muss gar nicht in die große Küche. Ne eigene Toilette und eine Dusche. Wie ist es für dich, dass ihr vielleicht bald schon wieder umziehen müsst? Im Moment ist es die Übergangslösung, damit wir eine

Dass ich mehr Zeit für mich und Ruhe habe, sodass ich mich zurückziehen kann. Auf der Straße habe ich immer diesen Stress gehabt. Aber auch im Moment habe ich noch Stress, dadurch dass wir Leute im Zimmer haben, die jeden Abend „Pallaber“ machen. Es gibt hier zwar Securities, aber die bekommen nicht immer alles mit. Die müssen ja noch die anderen Container durchgucken. Im Moment ist es hier chaotisch. Jeden zweiten Tag haben wir die Polizei da stehen, wegen denen, und die Polizei hat auch die Fresse voll. Die haben schon gesagt „Wofür kommen wir da raus? Für so einen Kindergarten?“ Wenn wir deshalb hier rausfliegen, meine Freundin und ich, dann müssen wir wieder auf der Straße leben.

„Wenn ich jetzt von meiner Straßenfamilie getrennt werde, dann kann man mich vergessen.“ Hast Du Kontakt zu Freunden und Familie? Ja, viel. Zu allen, die wir auf der Straße kennengelernt haben, haben wir noch Kontakt. Aber ich habe mit fast keinem aus meiner Familie mehr Kontakt. Da müsste ich extra zum Friedhof fahren. Meine Eltern sind beide verstorben. Ich habe zwei Kinder – Die Eine ist zwei und die Andere ist fünf. Sie wohnen bei meiner Freundin, meiner Ex-Freundin. Außerdem habe ich noch eine Halbschwester und einen Halbbruder. Meine Halbschwester sehe ich nur einmal im Monat, weil sie arbeiten muss. Sie ist Fernfahrerin. Und mein Bruder, der macht im Moment sein Abitur. Der kann auch nicht jeden Tag kommen. Was wünscht Du dir für deine Zukunft? Dass uns mehr geboten wird und dass wir mehr Hilfe bekommen. Vom Staat, aber auch allgemein. Und dass wir alle irgendwie unterkommen und nicht getrennt werden. Denn wenn ich jetzt von meiner Straßenfamilie getrennt werde, dann kann man mich vergessen. Für meine Zukunft würde ich mir wünschen, dass wir eine WG oder allgemein eine eigene Umgebung finden für uns alle.


Im Gespräch mit Marcel Marcel, Du bist 29 und nachdem Du eineinhalb Monate auf der Straße gelebt hast bist Du vor sechs Wochen in die Modulanlage Zur Lindung in Angermund eingezogen. Wie ist es dazu gekommen?

wieder habe, kann ich auch länger arbeiten als sonst. Da verdiene ich dann auch ein bisschen mehr.

Ich habe in Recklinghausen gelebt. Dann bin ich obdachlos geworden – durch die Trennung von meiner Ex, weil ich keine eigene Wohnung hatte. Das war am 17.10.2020. Seitdem bin ich auf der Straße und fange von null an. Tja, es ist halt so gekommen, wie es gekommen ist.

Wir können gehen wann wir wollen, wir können auftauchen wann wir wollen. Aber wir müssen dem Sicherheitsdienst und dem „Informations-Menschen“ Bescheid geben, wenn wir mal für zwei bis drei Tage weg sind, damit sie wissen, dass wir dann später wieder auftauchen und nicht das Zimmer verlieren. Das „Ding“ ist hundert Prozent überwacht. Denn es kommen immer wieder Leute, die eigentlich gar nicht hier wohnen dürfen. Sie kommen, übernachten hier, gehen später wieder und versauen so alles. Deshalb kommt der Sicherheitsdienst alle halbe Stunde bis Stunde gucken.

Wie kam es dazu, dass Du in die Modulanlage in Angermund eingezogen bist? Seit knapp einem Monat bin ich mit meiner Family – meiner Plattenfamily – in Angermund. Wir wurden gefragt: Ist das in Ordnung, wenn ihr nach Angermund kommt, in einen „Flüchtlingscontainer“? Und wir haben gesagt: Ist doch klar, ist kein Thema. Hauptsache wir sind im Warmen, können duschen, können unsere Sachen waschen. Mehr brauchen wir nicht. Ich habe mich wieder richtig wohl gefühlt, als wir hier ankamen. Nicht mehr in der Kälte draußen zu schlafen, das ist das Schönste. Was bedeutet für dich Zuhause? Zuhause, das ist kein Wort. Es ist einfach nur, was man fühlt. Zusammenhalt. Geborgenheit. Wie sieht dein Alltag aus? Ich zocke manchmal, höre bisschen Musik, quatsche mit meinen Freunden. Ich verkaufe Zeitungen, Kalender, die Kochbücher von fiftyfifty. Das Schnorren mögen die Meisten nicht. Wir fragen nach ein bisschen Kleingeld, nicht direkt nach großen Scheinen: „Hey na, hast du 100 Euro für mich?“ Nein nein, ich frage direkt: Hast du ein paar Mark für mich? Auch ein Glückscent reicht, das war‘s. Jetzt in der Corona-Zeit können wir nicht so wirklich schnorren, wegen dieser scheiß Ausgangssperre und den ganzen Lockdowns, die jetzt schon wieder gekommen sind. Ja, das finde ich scheiße. Hast du Kontakt zu Freunden und Familie? In Reisholz wohnt meine Oma. Mit der habe ich mega Kontakt. Ich arbeite da auch manchmal, 10 bis 15 ¤ verdiene ich da höchstens mal, aber reicht auch. Meine Oma würde ich niemals ausnutzen, um Gottes Willen. Sie ist einfach nur die Beste. Wenn ich mein Autoführerschein irgendwann

Wie sieht die Betreuung in der Anlage aus?

Was hat sich an deiner Situation verbessert? Für mich selbst hat sich sehr viel verbessert vom 17.10. bis jetzt. Ich habe meine beste Freundin wieder kennengelernt, wiedergesehen, wiedergefunden. Ich habe meinen leiblichen Vater gefunden, der auf der anderen Rheinseite lebt. Er ist auch obdachlos, aber der nimmt die härtesten Drogen ever, aber da mach ich nicht mit.

„Zuhause, das ist kein Wort. Es ist einfach nur, was man fühlt. Zusammenhalt. Geborgenheit.“ Was wünscht Du dir für deine Zukunft? Was ich mir sehr dringend wünschen würde: eine eigene Wohnung. Und Hilfe dabei. Das wünsche ich mir. Wo ich für mich selbst mal nachdenken kann. Darüber was ich noch machen kann, was ich noch alles so vorhabe. Wenn ich meine eigene Wohnung habe, will ich auch irgendwann mal wieder eine vernünftige Beziehung haben.

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NOTWOHNSIEDLUNG BROTHUUSE ZÜRICH

MEINZUHAUS.AT SALZBURG

Grundriss 1:50

Belegung / Wohnplätze insgesamt

25 / 29

55 / 55

Dauer der Unterbringung

+ 1 Jahr, eventuell länger

3 Jahre

Wohnform

betreute Wohngemeinschaft

Einzelappartement

Art der Betreuung

Einzelbetreuung

Einzelbetreuung

Entfernung vom Hauptbahnhof

6,3 km 1h 17 min 18 min

Monatliche Miete

2,3 km zu Fuß

29 min

zu Fuß

mit ÖPNV

20 min

mit ÖPNV

CHF 1100 / ~ 997 Euro

335 Euro


LIEBRECHTSTRASSE ESSEN

MODULANLAGE ZUR LINDUNG DÜSSELDORF

31 / 38

90 / 101

durchschnittlich 0,5 - 1 Jahre

unklar, so lange wie möglich

?

1-3 Zimmer Wohnung

/

Doppelzimmer / Familienappartement

Einzelbetreuung

13,9 km

6,4 km

?

1h 30 min

zu Fuß

30-40 min

mit ÖPNV

keine Auskunft

2h 51 min 35 min

-

zu Fuß mit ÖPNV

wird übernommen

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Mehr Wohnraum = weniger Obdachlosigkeit?


Finanzierung

Die Finanzierung beschreibt im Finanzsektor die Bereitstellung von Kapital an Wirtschaftssubjekte. Diese können private Haushalte, Unternehmen oder Staaten sein. Aufgrund der Vielfältigkeit der Wirtschaftssubjekte muss die Definition des Begriffs jedoch allgemein betrachten werden. Ihnen ist jedoch gemeinsam, dass der Kapitalbedarf zur Verfolgung ihrer jeweiligen Ziele durch die Finanzierung bereitgestellt wird. Der Begriff Finanzierung hat seinen Ursprung im lateinischen finantia, was Zahlung oder fällige Zahlung bedeutet. Finanzierungen lassen sich nach der Herkunft der Mittel – Außen- oder Innenfinanzierung – sowie nach der Rechtsform der Kapitalgeber – Eigenkapitalgeber oder Fremdkapitalgeber – unterscheiden. In Deutschland sind in der Regel die Kommunen für die Finanzierung von Obdachlosenunterkünften zuständig. Auch wenn für die Unterbringung ein Beitrag erhoben werden kann, ist dieser Unkostenbeitrag meist symbolisch und die Einrichtungen können nicht allein mit diesen Einnahmen betrieben werden. Viele Einrichtungen werden daher oft zusätzlich durch religiöse Organisationen oder Spenden finanziell unterstützt. Wohnungslose Menschen haben in Deutschland wie alle Bürger*innen einen Anspruch auf staatliche finanzielle Unterstützung. Dazu gehören Arbeitslosengeld, Hartz IV und Sozialhilfe.

Grundsteuer

Als Grundsteuer wird die Steuer bezeichnet, die auf unbewegliches Eigentum wie Immobilien sowie auf Erbbaurechte an Grundstücken inkl. deren Bebauung erhoben wird. Die Höhe der Steuer, die auf kommunaler Ebene festgelegt

wird, hängt vom Wert der Immobilie, ihrer Lage sowie dem Alter und der Größe des Gebäudes ab. Während Eigentümer in der Regel für die Zahlung der Grundsteuer verantwortlich sind, kann bei Vermietungen die Steuerlast auf die Mieter umgelegt werden. Weltweit gibt es unterschiedliche Regelungen zur Erhebung der Steuer. In manchen Ländern, beispielsweise in Malta, existiert sie gar nicht. In Großbritannien hingegen wird von Eigentümer*innen und Mieter*innen die Grundsteuer bezogen, jedoch werden finanziell schwächer gestellte Personen befreit oder müssen einen geringeren Steuersatz zahlen. In Deutschland dient das Grundsteuergesetz als rechtliche Grundlage und basiert auf den sogenannten Einheitswerten, die 1935 im Osten und 1964 im Westen erhoben wurden. Da Grundstücke allerdings gleichermaßen behandelt werden sollen, beschloss das Bundesverfassungsgericht aufgrund dieser Disparitäten 2019 eine Steuerreform. 2018 verzeichnete Deutschland ein Grundsteueraufkommen von rund 14,2 Milliarden Euro, das eine der wichtigsten Einnahmequellen für Städte und Gemeinden bildet. Die Gelder werden zur Finanzierung gemeinnütziger kommunaler Infrastrukturen und Einrichtungen, wie der Wasserver- und -entsorgung, der Müllabfuhr oder für öffentliche Schwimmbäder und Schulen, verwendet. Zudem werden mit den Geldern auch Projekte für Bedürftige unterstützt, die beispielsweise Obdachlosen zugutekommen.

Bodenwert

Der Bodenwert definiert den Wert von Land. Ist man im Besitz von Land, kann der Bodenwert durch beeinflussende Faktoren wirtschaftlich definiert werden.

Faktoren für den wirtschaftlichen Wert sind zum Beispiel die Lage und der Standort. In Gebieten mit hoher Einwohnerdichte, wie in Städten und Ballungsgebieten, sind Bodenwerte besonders hoch. Aber selbst in ländlichen Gebieten ist der Preis für Land in den letzten Jahren gestiegen. Das Bevölkerungswachstum und der dadurch steigende Lebensmittelverbrauch trieben den Wert von Ackerland in die Höhe. So stieg in Deutschland der Bodenwert seit 2008 drastisch an. Zum Beispiel ist in Essen (Ruhrgebiet) der Bodenwert innerhalb nur eines Jahres um 13 % gestiegen. Weitere Faktoren sind unter anderem die Größe und die Form des Landes, der Grundbuchstand sowie Belastungen, die Bodenbeschaffenheit und Topografie, die Erschließung, Verkehrsanbindung und die bauliche Nutzbarkeit. Obdachlose besitzen im Allgemeinen kein eigenes Land. Sie beanspruchen öffentlichen, als auch privaten Raum und machen sich diesen temporär zu Eigen. Plätze, Fußgängerzonen und leer stehende Gebäude werden beispielsweise zu Aufenthaltsorten umgenutzt. In Zusammenhang mit dem Bodenwert lehnen Eigentümer*innen und Bewohner*innen die Anwesenheit von Obdachlosen in ihrer Umgebung ab, da sie einen Wertverlust ihres Eigentums befürchten.

Kapitalismus

Als Hauptrisikofaktor für die ansteigenden Obdachlosenzahlen in Städten, gilt der Mangel an gut bezahlter Arbeit gepaart mit dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Oder anders formuliert: der Kapitalismus, der die Mietkosten in Städten durch Immobilienspekulationen und Gentrifizierung in die Höhe treibt und als Konsequenz für immer mehr unbezahlbaren

Wohnraum sorgt, begünstigt im schlimmsten Fall sogar Obdachlosigkeit. Die Wurzeln der Obdachlosigkeit liegen in historisch-gesellschaftlichen Transformationen und in dem Wunsch, ein besseres Leben in einem kapitalistischen System zu führen: Anfang des 20. Jahrhunderts haben europäische Migranten ihren Neubeginn in den Vereinigten Staaten besitzund wohnungslos begonnen, die Industrialisierung hat Tausenden von Menschen ihre Arbeit genommen und damit die Möglichkeit, ihre Miete zu bezahlen und im 21. Jahrhundert bedeutet die Gentrifizierung für viele Städter*innen den Verlust ihrer Wohnungen oder gar eine Zwangsumsiedlungen in Außenbezirke. In Zukunft werden die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19 Pandemie für einen sozialpolitischen und strukturellen Wandel sorgen und eine Herausforderung im Kampf gegen die zunehmende Obdachlosigkeit bedeuten. Möchte man verstehen, wie Kapitalismus in der Vergangenheit Obdachlosigkeit begünstigt hat, so muss man gemäß Mimi Kirk, Autorin beim amerikanischen Medienunternehmen Bloomberg, erst einmal verstehen, wie sich Kapitalflüsse auf die gebaute Umwelt auswirken. Kirk argumentiert, dass der öffentliche Raum selbst zur primären Handelsware geworden ist. Der Grund dafür ist, dass der Kapitalismus Einfluss auf den unbebauten Raum ausübt, um dort durch potenzielle Anlageobjekte eine Kapitalvermehrung zu gewährleisten, den Warenfluss zu begünstigen oder den Konsum anzutreiben. Der öffentliche Raum unterliegt somit einem Klassenkampf und gerät zwischen die Fronten des Kapitalismus und der Menschen, die im öffentlichen Raum leben müssen.

43


Der Wohnungsmarkt.

Entwicklung in den Städten ezahlbarer Wohnraum ist immer schwerer zu finden. Mieten, Boden- und Grundstückspreise steigen, als gäbe es kein Morgen. Nicht selten hört man aus Städten wie München, von 9m2 Zimmern in 3er WGs, die zu einem utopischen Preis von 450¤ vermietet werden. Und dann ist die Lage noch nicht einmal TOP. Sollte Wohnraum nicht erschwinglich und jede*m zugänglich sein?

B

Früher ließen sich ganze Wohnungen für 450€ finden, doch mittlerweile ist das anders - es sei denn, man möchte im „Nirgendwo“ leben. In den Städten steigen die Preise für Wohnraum seit Jahren an. Grund dafür ist, neben dem zunehmenden Flächenverbrauch pro Person, vor allem die voranschreitende Privatisierung. Betrachtet man beispielsweise Dresden, so waren 2005 noch 17% des Wohnungsbestandes kommunales Eigentum, 48,2% privates. Durch Fehlkalkulationen und immense Verschuldung war die Stadt 2017 gezwungen zu verkaufen. Immer mehr Wohnungen gerieten in Besitz privater Eigentümer, darunter eine der größten Genossenschaften VONOVIA. Auch wenn die Schulden zwar getilgt werden konnten, blieben der Stadt jedoch lediglich 0,2% der gesamten Wohnungen, das sind rund 10.000 Stück. Stadtentwicklung und Wohnungsmarkt wurden somit zu einer „Spielfläche für den schnellen Profit.“ Ein Spiel, bei dem es ein paar wenige Gewinner*innen, aber vor allem einen großen gesellschaftlichen Verlierer gibt. Im Zuge der Privatisierung stiegen die Mieten vor Ort enorm an. Während Besserverdiener*innen die Belastung durch steigende Mieten zumindest stemmen können, geraten finanziell Schwächere an ihre Grenzen. Doch wohin, wenn die Stadt nur noch eine geringe Summe an Sozialwohnungen zur Verfügung stellen kann? Wer die eingefor-

derten Mieten nicht bezahlen kann, wird verdrängt: Aus der Stadt, in kleinere Wohnungen oder vielleicht sogar in die Obdachlosigkeit. Gleichzeitig erschwert der Mangel an niedrigpreisigen Wohnungen auch, dass die betroffenen Personengruppen am Wohnungsmarkt Fuß fassen können. Nicht nur in Dresden haben die Bürger*innen mit zunehmenden Mieten zu kämpfen. Ganz Deutschland befindet sich, besonders jetzt in Zeiten von Corona, in einer Immobilienblase. Wann diese platzt ist unklar. Eine Besserung ist jedoch noch nicht in Sicht. Um dem Problem der Privatisierung entgegenzuwirken, spielt die Regulierung von Boden eine wichtige Rolle. Boden sollte als Allgemeingut betrachtet werden, so einige Initiativen. Durch Bodensteuern, Erbbaurechte und andere Maßnahmen, könnte dem Verkauf nach Höchstgebot entgegengewirkt werden. Ziel ist es, öffentliche Grundstücke nur noch zu verkaufen, wenn sie in der Stadtentwicklung im Sinne der Allgemeinheit bespielt werden. Johannes Denninger, ehemaliger Vertriebsleiter beim Münchner Straßenmagazin BISS, beobachtet die Folgen der Veränderungen am Wohnungsmarkt mit Besorgnis:

„Der Verdrängungswettbewerb ist noch einmal viel stärker geworden als zu der Zeit 2003. [...] Für mich ist eindeutig, dass ein durchschnittlicher Wohnbedarf von 50qm pro Person einfach zu hoch ist. Verstehen Sie, Sie haben einfach alle viel zu viel Wohnraum.“


Leerstandsmanagement eerstehende Gebäude haben in den vergangenen Jahren nicht nur durch den angespannten Wohnungsmarkt die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, sondern aktuell auch durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19Pandemie. Im Zusammenhang mit der Pandemie, bei der – laut Bulwiengesa, einem der größten unabhängigen Analyseunternehmen der Immobilienbranche, – insbesondere das Hotelsegment und der stationäre Einzelhandel Einbußen verzeichnen, wird kommunal zunehmend nach Lösungen gesucht, den Leerstand kurzfristig und möglichst temporär zu bespielen.

L

Wie eine Studie der immovativ GmbH zum kommunalen Leerstandsmanagement infolge der Corona-Krise im April 2020 gezeigt hat, gibt es große Diskrepanzen im Umgang mit Leerstand verschiedener Kommunen. Immovativ zufolge sind Gründe dafür entweder, dass die Thematik bisher vom Immobilienmarkt gehandhabt wurde, oder Leerstand kaum ein nennenswertes Thema darstellte. Das Ergebnis der Studie bekräftigt den Handlungsbedarf und die Bereitschaft seitens der Kommunen: Laut eigenen Aussagen der 265 Teilnehmer*innen sehen 84% „[…] es als zukünftige Aufgabe Ihrer Verwaltung, Eigentümer aktiv bei der Beseitigung von Leerstand zu unterstützen.“ Die Schlussfolgerung liegt nahe, wohnungslose Menschen temporär in leerstehenden Gebäuden unterzubringen. Der Trend des „Empowerment“ seitens Bürger*innen ließ sich im Winter 2020/21 auch online verfolgen: Menschen solidarisierten sich für Menschen ohne Wohnung. Sie appellierten mit Petitionen an das Hotelgewerbe, in leerstehenden Hotelzimmern Obdachlose unterzubringen. Die Initiativen „Hotels for Homeless“, aus einem Zusammenschluss mehrerer gemeinnütziger Organisationen, sammelte mehr als 80.000¤ für diesen Zweck. Die Petition von 13 deutschen Straßenmagazinen „Gegen das Sterben auf der Straße: Öffnet jetzt die Hotels für Obdachlose!“ forderte die Ministerpräsident*innen dazu auf „[…] in diesem PandemieWinter Obdachlose endlich sicher unterzubringen, in Einzelzimmern“. Auch einige Hotels wollten nicht länger auf behördliche Beschlüsse warten und praktizieren das Konzept der Bewohnung durch Obdachlose bereits vielerorts. Um die Idee für Hoteleigner*innen attraktiver zu gestalten, wird eine Aufwandsentschädigung für die Übernachtungen durch die jeweilige Stadt bezahlt. Dieses Abkommen ist in Hinblick auf den ausbleibenden Tourismus ein starkes Argument für die Unterstützung. Der Vorteil, Obdachlose in Hotels und nicht in Notunterkünften unterzubringen, liegt zum einen in der Planungssicherheit für die Wohnungslosen und zum anderen bietet es auch den Betroffenen eine planungssichere Perspektive, da man jeden Abend zurückkehren kann, solange man sich an die Regeln hält. Doch so einfach ist es in der Praxis nicht immer. Kritische

Stimmen lassen verlauten, dass eine Unterbringung im Hotel, ohne das Angebot einer sozialpädagogischen Betreuung, wohl langfristig nicht ausreichen wird. Des Weiteren fehlt eine umfangreiche Beratung, um Menschen langfristigen Wohnraum zu vermitteln. Manche befürchten sogar einen Zuzug von Obdachlosen in diejenigen Städte, die das Hilfsprogramm der Notunterbringung in Hotels ausbauen wollen. Seitens der Hoteliers schwingt die Angst vor einer Verstetigung des Konzepts mit. Das lässt sich an der geringen Zahl teilnehmender Hotels ablesen. In unserer kapitalistischen Welt wird der Versuch, leerstehende Gebäude umzunutzen, immer einen Interessenkonflikt darstellen. Das gilt, solange es Unternehmen gibt, die mit der Zwischenvermietung leerstehender Immobilien Geld verdienen.

Es bleibt festzuhalten: Die temporäre Unterbringung von Obdachlosen während Corona beschränkt sich bisher auf das Hotelsegment, ist nach wie vor auf die Bereitschaft der Eigentümer*innen angewiesen und bietet somit keine langfristige Lösung. Sobald die Pandemie besiegt scheint und der Tourismus sein altes Ausmaß angenommen hat, wird sich zeigen, ob sich die Zwischennutzung leerstehender Hotels durch Obdachlose auch langfristig durchsetzen kann. Diejenigen, die keine Lobby haben, sind auch nach Corona auf die Solidarität der Masse angewiesen. 45


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tädte werden zunehmend attraktiver. So attraktiv, dass mehr Menschen dort wohnen wollen, als es bezahlbaren Wohnraum gibt. Trotz dieser steigenden Nachfrage an Immobilien existiert das Phänomen des Wohnungsleerstands in der Schweiz in hohem Maß. Der Leerstand steigt dort seit Jahren, während er in Deutschland und Österreich kontinuierlich sinkt, gleichzeitig sind in den Städten aber auch tausende Menschen obdachlos. Zwar wächst das Angebot an Eigentumswohnungen stetig, es gibt also genug bezahlbaren Wohnraum, allerdings am falschen Ort.

S

Während 2016 in der Schweiz knapp 57.000 Wohnungen leer standen, so waren es 2019 bereits über 75.000. Trotz anhaltender Landflucht hat der Bauboom auf dem Land angehalten. Denn niedrigen Zinssätze und der damit entstehende Anlagedruck bringen viele Investor*innen dazu, verstärkt in Immobilien zu investieren – auch an Orten, an denen sie eigentlich gar nicht benötigt werden. Auch wenn in den Städten enorme Nachfrage besteht, sorgt ebendiese Preisexplosion dafür, dass Wohnungen nicht in wirtschaftlichen Zentren, sondern in ländlichen Gebieten entstehen. Obwohl einige der gebauten Wohnungen leer stehen, so sind Immobilien noch immer eine rentable Geldanlage. Solange also die Immobilienpreise weiter steigen, wird auch weiterhin gebaut werden.

Jährlich entstehen in der Schweiz aktuell etwa 50.000 Wohnungen, von denen ca. 8.000 an der falschen Stelle gebaut werden und daher keine Abnehmer*innen finden. Das Grundproblem des mangelnden Wohnraumangebots in den Städten, wo Wohnraum eigentlich gebraucht wird, löst sich so jedoch nicht. Für eine Lösung des Problems führt kein Weg an einer weiteren Verdichtung der Städte und Agglomeration vorbei. Autonomie ist dabei der entscheidende Punkt: hemmende Regulationen wie Mindestabstände, Gebäudehöhen oder Ausnutzungsziffern sollten der Situation angepasst werden, um mehr Wohnraum schaffen zu können. Dazu kommen limitierende und kostentreibende Faktoren wie Baugrund, Bauvorschriften und Auflagen, welche die Möglichkeit eines steigenden Angebots zusätzlich einschränken. Städte müssen sich Instrumente schaffen, mit denen sie privaten Investor*innen, Luxuswohnungen/ -Sanierungen oder Spekulationen mit leerstehenden oder verfallenden Grundstücken zuvorkommen. Grundsätzlich muss aber auch dafür gesorgt werden, dass Baugrund und Bestand in den Städten raumplanerisch effizienter genutzt wird. 47


Wert des Bodens.


B

odenrichtwerte sind amtliche, durchschnittliche Lagewerte des Bodens von Grundstücken mit gleicher Nutzung. Ermittelt werden sie im zweijährigen Turnus auf Basis der Kaufpreise, wobei überschlägig sogenannte Richtwertzonen mit übereinstimmender Art der Nutzung begutachtet werden. Die Werte sind daher für die Besteuerung von Grund und Boden und die Wertermittlung

von Immobilien von Bedeutung. Die Rechtsgrundlage erhält der Bodenrichtwert aus dem Baugesetzbuch, § 196 BauGB. Am Beispiel von München zeigt sich die Problematik, die mit Bodenrichtwerten einhergeht: Der errechnete Wert entspricht in vielen Fällen nicht dem eigentlichen Wert einer Immobilie. „[…] Die Bodenrichtwerte […], an denen sich die Preise für Immobilien

orientieren, sind immens hoch […]“ und somit sind es auch die Steuern, insbesondere die Erbschaftssteuer. Es ist ein Teufelskreis: Der Anstieg der Bodenrichtwerte in den letzten Jahren zwingt viele Eigentümer*innen zu Mieterhöhungen, um ihre Erbschaftssteuern finanzieren zu können. Die Folgen sind steigende Mietpreise, wegen eines ursprünglich geschätzten Bodenrichtwerts. 49


Wie wird Wohnen Integration?


Housing First

Housing First ist eine aus den Vereinigten Staaten stammende, sozialpolitische Strategie zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit. Dieses Modell steht im Gegensatz zum herkömmlichen Stufensystem, bei dem sich Bedürftige durch das Durchlaufen verschiedener “Stufen” von Wohn- und Resozialisierungsprogrammen für eine eigenständige Wohnung qualifizieren. Ziel des Housing First ist es, Wohnungslosigkeit nachhaltig zu beenden und die Betroffenen wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Housing First stellt also Betroffenen dauerhaft und ohne Bedingungen eine Wohnung zur Verfügung, in der ein selbstbestimmtes Leben und Privatsphäre gewährleistet sind. Die Teilnahme an einem begleitenden Unterstützungsangebot ist freiwillig und nicht an die Gültigkeit des Mietvertrages gekoppelt. Idealerweise sind die Wohneinheiten über das gesamte Gemeindegebiet verteilt, um so einer Stigmatisierung entgegenzuwirken sowie die Integration in die lokale Gemeinschaft zu fördern. Europaweit setzt sich Housing First gegenüber herkömmlichen Systemen, beispielsweise in Finnland und Dänemark, bereits erfolgreich durch. Erste Studien belegen sinkende Zahlen an Obdachlosigkeit und eine Kostenreduktion gegenüber dem Stufensystem. Deutsche Städte halten weitgehend an den herkömmlichen Ansätzen fest, die darauf basieren, dass Einzelpersonen den Beweis ihrer „Wohnfähigkeit“ zu erbrin-

gen haben. Dies steht klar im Gegensatz zur Idee von Housing First, Wohnen als Menschenrecht und nicht als Belohnung für ein vermeintlich richtiges Verhalten zu verstehen. Eine Herausforderung von Housing First Projekten stellt der angespannte Wohnungsmarkt dar. Dieser Schwierigkeit kann durch die Einführung einer Quote für sozialen Wohnraum bei der Vergabe von Neubauprojekten oder auch durch eine vermehrte Gründung zuständiger Sozialagenturen entgegengewirkt werden.

Permanent Supportive Housing

Permanent Supportive Housing (PSH) Projekte kombinieren bezahlbaren Wohnraum für ehemals obdachlose Menschen mit langfristiger individueller Unterstützung, wie beispielsweise bei der Suche nach einer Beschäftigung oder einer Ausbildung. PSH zielt darauf ab, ein stabiles Umfeld für Einzelpersonen oder Familien zu schaffen und ihnen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu erleichtern. Die Unterstützung kann auch Maßnahmen zur Behandlung möglicher psychischer Beeinträchtigungen oder zur Bewältigung von Alkoholoder Drogenproblemen umfassen. Das vorrangige Ziel der PSHProgramme besteht darin, ehemaligen Obdachlosen ein langfristiges Zuhause zu bieten, damit die Betroffenen nicht in die Obdachlosigkeit zurückkehren. PSH hat auch einen wirtschaftli-

chen Nutzen. Da Obdachlosigkeit oft mit massiven Gesundheitsproblemen verbunden ist, müssen Obdachlose beispielsweise häufig in Notaufnahmen oder lokalen Notunterkünften behandelt werden. Amerikanische Studien haben gezeigt, dass PSH die Inanspruchnahme eben dieser öffentlich finanzierten Krisendienste reduziert. Das ist darauf zurückzuführen, „dass PSH [...] Menschen [...] nachweislich nicht nur zu langfristiger Wohnungsstabilität verhilft, sondern auch ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden verbessert. Investitionen in PSH haben die chronische Obdachlosigkeit seit 2007 um 30% verringert“. Der Erfolg des Modells hängt von der Sicherung erschwinglicher Mieten und einer dauerhaften Finanzierung der unterstützenden Dienstleistungen ab. Housing First ist eine weit verbreitete Version von PSH. In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden derzeit in mehreren Städten Versuchsprojekte durchgeführt.

Chronische Obdachlosigkeit

Wohnungslose Menschen, die weder eigenständig noch im familiären Kontext eine Unterkunft finden, sind gemäß dem U.S. Department of Housing & Urban Development (HUD) von chronischer Obdachlosigkeit betroffen. Obdachlosigkeit ist ein Teufelskreis, der kurzerhand zu chronischen Obdachlosigkeit füh-

ren kann: „Wer seine Arbeit verloren hat, bekommt keine Wohnung, und wer keine Meldeadresse vorweisen kann, ist chancenlos auf dem Arbeitsmarkt.“ Hinzu kommt, dass Obdachlose anfälliger für chronische Krankheiten sind. Die Summe dieser Umstände führt zu einer durchschnittlich geringeren Lebenserwartung der Betroffenen. Ein konstant exponiertes Dasein gepaart mit der permanenten Aussetzung von Extremtemperaturen, kann über einen längeren Zeitraum auch zu einem mentalen Rückzug führen. Auf lange Sicht betrachtet erschwert auch dieser Umstand eine Wiedereingliederung in das sozialgesellschaftliche Gefüge. Je länger eine Person also in einem unstabilen Wohnverhältnis lebt, desto schwerer die Rückkehr in die Gesellschaft. Risikofaktoren für eine chronische Obdachlosigkeit sind unter anderem ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum oder an gut bezahlten Erwerbstätigkeiten. Konventionelle Obdachlosenhilfen, wie zum Beispiel Notunterkünfte, bieten nur zeitlich begrenzte Schlafplätze und somit keine Antwort auf das Problem der chronischen Obdachlosigkeit. Die riskanten Verläufe einer chronischen Obdachlosigkeit verdeutlichen den dringenden Bedarf an langfristigen architektonischen Lösungen, die für leicht zugänglichen und vor allem permanenten Wohnraum sorgen, und so die Reintegration in die Gesellschaft unterstützen.

51


Ist dein Wohnraum Voraussetzung um am öffentlichen Leben teilzunehmen? auf jeden Fall

nicht notwendig


Housing First

„Öffentliche Plätze sind öffentliche Plätze und da kannst du nicht mal eben zu jemandem sagen ‚Hey geh mal weg, ich muss kurz nachdenken‘“

Rüdiger, 43, lebt in einer Housing First Wohnung in Düsseldorf

M

it 18 Jahren zu Hause rausgeworfen, kurze Zeit später die Lehre als Dachdecker verloren. Dann lebte Rüdiger Wasser mehr als 20 Jahre in Düsseldorf auf der Straße. Durch ein innovatives Modellprojekt hat er nun wieder eine eigene Wohnung.

von zehn Personen. Etwa 80% der Bewohner*innen bleiben für ein Jahr oder länger in einer festen Wohnung. Housing First zeigt sich nicht nur sozialpolitisch erfolgreich, sondern durch die langfristige Wirksamkeit auch kostensparender als andere Systeme.

Housing First heißt die sozialpolitische Strategie. Sie adressiert Wohnungslose mit hohem Unterstützungsbedarf. Denn die eigene Wohnung bildet den Ausgangspunkt für die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Erst dann kann sich der physischen und psychischen Gesundheit gewidmet und die soziale Inklusion gefördert werden. Unabhängig von der Wohnung können die Nutzer*innen zusätzlich Unterstützung von Sozialarbeiter*innen für ihr selbstbestimmtes Leben bekommen. Dass Housing First funktioniert, zeigen Angebote in den USA, Kanada und Europa. Als wirksam erwiesen hat sich das Konzept bei mindestens acht

Im Gegensatz zum Housing First Modell ist die Unterbringung in einer Notunterkunft oder einem städtischen Obdach meist an Bedingungen der Wohnfähigkeit geknüpft, wie zum Beispiel an die Abstinenz. Bevor die Menschen eine Wohnung bekommen können, scheitern viele an dem Durchlaufen dieses komplexen Stufensystems. Unter dem Erlernen von Wohnfähigkeit kann sich Rüdiger nichts vorstellen. Seit drei Jahren wohnt er in einer Housing First Wohnung. Er hat aufgehört Alkohol zu trinken, arbeitet als Hausmeister und ist dankbar für sein selbstbestimmtes Leben. Für ihn fühlt sich diese Entwicklung bis heute wie ein Wunder an.

Das 2015 gestartete Housing First Projekt des Vereines der Wohnungslosenhilfe fiftyfifty/Asphalt e.V. wird durch den Verkauf von gespendeter Kunst ermöglicht. Bis Ende 2020 konnten in Nordrhein-Westfalen bereits 48 Wohnungen an 54 Menschen vergeben werden. Es sind Menschen, die fiftyfifty schon länger bekannt sind. Menschen, die schon lange auf der Straße leben, oft mit schlechtem Gesundheitszustand. Für die Reintegration sind laut fiftyfifty das stabile Wohnumfeld und eine gemischte Bewohnerstruktur am wichtigsten. Dass sie neben ehemals Wohnungslosen wohnen, wissen die Nachbar*innen deshalb meist gar nicht. Auf diese Weise kann einer Stigmatisierung aus dem Weg gegangen werden. Auch Rüdiger Wasser spricht von einem guten Verhältnis zu seinen Nachbar*innen: „Ich habe das, was ich immer wieder haben wollte. Das Leben, das ich jetzt noch habe, das möchte ich jetzt in Ruhe genießen.“ 53


„Wohnfähigkeit. Was soll das bedeuten?“ Rüdiger, nachdem Du 22 Jahre auf der Straße gelebt hast bist Du in eine Housing First Wohnung gezogen. Was ist deine Geschichte? Ich bin jetzt 43 Jahre alt und war insgesamt 22 Jahre davon auf der Straße. Ich war immer nur unterwegs: Bei anderen Leuten wollte ich nicht schlafen und auch wenn die Kollegen mir gesagt haben ich könnte länger bleiben, bin ich gegangen. Meist aus Angst, noch das Leben Anderer kaputt zu machen. Wie kam es dazu, dass Du auf der Straße gelebt hast? Durch meine Mutter – sie hat mich mit 18 rausgeschmissen. So habe ich dann auch meine Dachdeckerlehre verloren. Von der Straße aus bin ich noch weiter zur Arbeit gegangen, bis mich eine Arbeitskollegin abends vor dem Kaufhof gesehen hat. Dann kam mein Chef im Büro zu mir und meinte, so geht das nicht mehr. Er meinte, wenn irgendwas passiert, ich vom Dach falle weil ich übermüdet bin, dann zahle das keine Versicherung. Dann wäre er in der Verantwortung. Ich habe versucht ihm alles zu erklären und ihn gebeten, mir zwei Wochen Zeit zu geben um mir etwas zu suchen, aber darauf wollte er sich nicht einlassen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich auf der Straße gelebt. Was bedeutet für dich Zuhause? Zu Hause bedeutet für mich irgendwo rein zu kommen und die Tür hinter mir zu machen zu können. Und nicht irgendwo, wo fremde Leute an mir vorbeigehen. Öffentliche Plätze sind öffentliche Plätze. Da kannst du nicht mal eben zu jemandem sagen „Hey geh mal weg, ich muss kurz nachdenken.” Seit wann lebst Du in deiner Wohnung? Ich bin jetzt fast drei Jahre in dieser Wohnung. Es ist ein Fünf-Parteienhaus und wir haben einen riesengroßen Garten, einen Gemeinschaftsgarten. So wie ich es mir immer vorgestellt hatte. 22 Jahre ist dieser Wunsch nicht in Erfüllung gegangen. Ich hatte ihn aufgegeben, weil ich dachte, es interessiert ja eh keinen mehr. Ich habe bei 300 Wohnungsanzeigen angerufen. Und dann auf einmal Peng, kam das. Ich habe Hunde, deshalb habe ich immer gedacht ein Haus mit Garten wäre das Richtige – und dann kam am Ende genau das. Wie hast Du die Housing First Wohnung bekommen? Hier im Haus ist jemand ausgezogen und diese Person kam auf mich zu und meinte :„Willst du nicht bei mir einziehen?” Ich konnte es kaum glauben. Ich bin dann hingefahren und habe mir die Wohnung angeguckt. Danach saß ich erst mal wie doof da und dachte: „Moment mal, das kann ja nicht sein, ne, ne, ne, die wollen mich verarschen, morgen kann ich sowieso wieder den Schlüssel abgeben.“ Wirklich, ich habe lange gebraucht, bis ich angekommen war.

Erst jetzt fange ich an einzurichten, weil ich immer wieder dachte, ich muss hier sowieso bald wieder raus. Wie hast Du dich gefühlt als Du hier eingezogen bist? Am ersten Morgen, an dem ich hier wach geworden bin, musste ich mich erst mal selber kneifen, denn es war ja sonst keiner da, der mich hätte kneifen können. (lacht) Ob ich nicht in irgendwelchen Träumen bin oder so. Nein, es war dann doch so: Ich lag auf einer Couch mit einer Decke und vor mir stand ein Fernseher. Was hat sich durch den Einzug in die Wohnung in deinem Leben verändert? Am Anfang war es erst mal eine Gewohnheitssache. Die Ruhe. Man kann sich etwas zum Essen machen, wann immer man möchte. Man kann auf Toilette gehen, ohne dass man aus dem Schlafsack raus muss, frieren muss… Ein ganz anderes Leben. Du kannst Einkaufen, alles in den Kühlschrank tun ohne dass etwas schlecht wird oder einfriert. Das ist mir alles schon passiert. Abends habe ich Durst gehabt, greife zu meiner Cola im Zelt, aber es kam nichts raus. „Wer hat die schon wieder leer getrunken?“, habe ich erst gedacht. (lacht) Und dann: “Moment mal, oh ok, ist es doch so kalt.” Minusgrade. Jetzt habe ich eine Heizung. Strom aus der Steckdose, ohne, dass man ihn irgendwo klaut.

„Am ersten Morgen, an dem ich hier wach geworden bin, musste ich mich erst mal selber kneifen.“ Gibt es etwas, dass Du an deinem alten Leben vermisst? Vermissen? Gar nichts. Ich sag mal so, die Straße vermisse ich nicht so doll, weil eh keiner von früher mehr da ist. Die anderen sind alle irgendwo untergebracht. Ich habe aufgehört Alkohol zu trinken. Das liegt vor allem daran, dass ich keine Lust habe die Wohnung zu verlieren und wieder so zu sein, wie ich es auf der Straße war. Auf der Straße bist du anders. Wenn du Alkohol getrunken hast, dann bist du wachsamer, dann bist du aggressiver, weil du nicht weißt, was die Leute von dir wollen. Aber das kannst du hier im Haus nicht bringen. Du willst die Wohnung behalten. Du willst ja dann auch Arbeit bekommen. Am Anfang haben sie mir schon gesagt: „Ok, alles klar, du musst ja erst mal


Im Gespräch mit Rüdiger ankommen. Vielleicht hörst du ja dann und dann mal auf. Vielleicht!“ Dass ich dann ganz aufhöre, das hätten sie selbst nicht geglaubt. Wie verstehst Du dich mit deinen Nachbarn? Wie man mit den Nachbarn klar kommt? Eigentlich in Ordnung. Man hat schon abends mal ein bisschen Stress, weil man die Musik zu laut hat, aber das hat man in jedem normalen Mietshaus auch. Hast Du noch Kontakt zu deinen Freunden aus der Zeit auf der Straße? Kontakt zu den Leuten, mit denen ich früher zusammen Platte gemacht habe? Ja, zu denen habe ich noch Kontakt. Silvester war einer bei mir. Der Rest hat alleine gefeiert. Ok, klar, die haben jetzt auch ihre Leute da und ihre Kollegen, aber das heißt nicht, dass wir den Kontakt abbrechen. Wir haben schließlich vier Jahre zusammen Platte gemacht. Wie sieht es mit deiner Familie aus? Meine Mutter hat mich rausgeschmissen und es so dargestellt, als ob ich der Schuldige gewesen wäre. Meine Oma kannte die Wahrheit, aber sie hat geschwiegen. Und dann irgendwann, kurz bevor meine Oma gestorben ist, hat sie die Wahrheit gesagt und meine Familie aufgeklärt. Daraufhin wurde ich dann gesucht. Jetzt haben sie mich durch die Medien gefunden. Klar logisch so „Guck mal, da ist er doch!“ Aber ich habe zu ihnen gesagt, ihr braucht jetzt nicht von hinten anzukommen und mir das und das hinzustellen oder zu geben. Damit ist es ja nicht wieder gut. Hättet ihr mal auf mich gehört, wär es was anderes gewesen. Jetzt brauche ich eure Hilfe auch nicht mehr. Hast Du eine Arbeitsstelle? Ich bin Hausmeister und verkaufe Zeitungen. Nicht in Vollzeit, aber als Minijobber. So bin ich zumindest von dem 1¤Job weg, denn, ganz ehrlich, das ist Ausbeutung! Den Job als Hausmeister habe ich jetzt erst bekommen. Ich habe es zwar von Anfang an versucht, aber da habe ich noch getrunken wie so ein Wilder. Sie haben mir gesagt, dass ich vorher das Trinken ein bisschen einstellen müsste. Das habe ich auch dann verstanden – besoffen Rasen mähen und Hecken schneiden ist nicht so toll, das ist fix ist der Finger ab. Wenn ich besoffen bin, bin ich einfach nicht ich. Alkohol verändert Menschen und mich hat der Alkohol ganz schön verändert. Wie bist Du an deinen Job als Zeitungsverkäufer gekommen? Das liegt jetzt etwa 18 Jahre zurück. Da kam eine Kollegin auf mich zu, als ich mit dem Becher da saß, geschnorrt habe. Sie kam auf mich zu und meinte ich solle doch etwas

Sinnvolles machen. „Ja was denn?“, habe ich sie gefragt. Zeitungen verkaufen meinte sie. Dann hat sie mir von fiftyfifty, der Straßenzeitung, erzählt. Sie hat mich mitgenommen und so habe ich da alle kennengelernt. Fiftyfifty betreut und vermittelt auch die Housing First Wohnungen, wie die, in der Du aktuell lebst. Kanntest Du das Housing First Konzept schon bevor Du hier eingezogen bist? Dass es Housing First Projekte gibt wusste ich die ganze Zeit. Dort war aber immer alles besetzt. Ich habe immer wieder nachgefragt und dann hatte ich Glück, dass jemand ausgezogen ist. Und durch das Zeitungen abholen hatte ich die ganze Zeit Kontakt zu fiftyfifty und so hatten sie auch meine Postadresse.

„Meine Wohnung, die lasse ich nicht verkommen.“ In wiefern bekommst Du aktuell noch Unterstützung durch fiftyfifty? Kommen Sie dich beispielsweise in deiner Wohnung besuchen? Die melden sich vorher an. Aber sie kommen jetzt nicht jede Woche. Sie kommen dann, wenn sie denken es ist notwendig. Ich kann schon alleine leben. Die Stadt Düsseldorf sagt immer, man müsse erst mal die Wohnfähigkeit wieder zurück bekommen. Aber was ist das? Was soll das bedeuten? Ich kenne meine Wohnfähigkeit. Wenn ich von der Straße komme und in eine Wohnung ziehe, dann bin ich ja noch sauberer als auf der Straße. Die Platte hat man auch so verlassen, wie man sie vorgefunden hat. Aber meine Wohnung, die lasse ich nicht verkommen. Da bin ich dankbar, dass ich sie bekommen habe. Da zeige ich auch meine Dankbarkeit. Da bin ich schon selbstständig genug für. Was wünschst Du dir für die Zukunft? Ja ich sage mal so, ich habe das was ich immer haben wollte. Ich sage immer: Das Leben, das ich jetzt noch habe, möchte ich in Ruhe genießen und Spaß daran haben. Jetzt wo ich mit dem Alkohol aufgehört habe, merke ich auch, was der Alkohol ins Geld gegangen ist. Ich kann mir jetzt das kaufen, was ich immer kaufen wollte, aber nicht konnte, weil am anderen Tag nicht genug Geld über war. Jetzt weiß ich aber auch, dass ich es irgendwo hinlegen kann – ohne, dass es mir einer klaut oder es kaputt geht. 55


Hinz&Kunzt Hamburg

©axel hauschild architect


„Die Betten sind gemacht.“ as Straßenmagazin Hinz&Kunzt gibt es seit fast dreißig Jahren in Hamburg. Über 500 Menschen in Not arbeiten für die Zeitschrift als Verkäufer*innen in der ganzen Stadt, behalten die Hälfte ihrer Einnahmen und verdienen sich so ihren Unterhalt. Gemeinsame Anlaufstelle sind die Redaktionsräume in Hamburgs einzigem innerstädtischen Wohngebiet – ein Ort für die Verkäufer*innen zusammenzukommen, bei Bedarf mit Sozialarbeiter*innen zu sprechen, oder auch einfach nur einen Kaffee zu trinken und sich zu unterhalten. Ein Ort aber auch nicht nur für sie, denn alle sind willkommen, ob sie die Zeitung verkaufen oder nicht. Nun, nach zehnjährigem Prozess, zieht Hinz&Kunzt in ein neues Gebäude in St. Georg, das sogar noch mehr können soll: die unteren Stockwerke werden Redaktionsräume, Vertrieb und ein Café, die oberen beherbergen ab dem 1. Juli 2021 vierundzwanzig Menschen in Not in einem gemeinschaftlichen Wohnkonzept mit Begleitung durch die Sozialarbeiter*innen vor Ort. Das Redaktionsteam setzt dabei auf das Motto „Die Betten sind gemacht“ und verweist auf die Grundhaltung des Housing First Modells, dass „niemand zuerst Leistung erbringen sollte, um zu hören, er hat es deshalb verdient eine Wohnung zu bekommen“, so Stephan Karrenbauer, ein Sozialarbeiter der Hinz&Kunzt. Die zukünftigen Bewohner*innen sind Menschen, die sich regelmäßig in den Redaktionsräumen aufhalten und bei denen die Sozialarbeiter*innen beobachten, „dass sie anscheinend so etwas wie eine soziale Kontrolle möchten. Wir wollten eine Lösung finden, wie wir diese Menschen über unsere Redaktion relativ zügig im Auge behalten und sofort reagieren können, wenn sie einen Hilfebedarf haben.“ Ein großer Vorteil solcher privat organisierten Projekte ist, dass es weniger

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Bürokratie gibt. Bei öffentlichen Einrichtungen muss jede*r Bewohner*in zur Wohnungsfachstelle und einen Dringlichkeitsschein beantragen. „Dieser Schritt fällt bei unserem Projekt weg, denn wir können die Dringlichkeit jedes potenziellen Bewohners selber beurteilen.“ Eine wichtige Voraussetzung, so Karrenbauer, denn oft sind es Hemmschwellen, wie der Weg zum Amt, die dazu führen, dass Menschen immer noch auf der Straße leben. Bei der Architektur setzte Hinz&Kunzt auf enge Kooperation mit Betroffenen, die Ideen und Sorgen in den Entwurfsprozess einbringen konnten. Dem Team war es wichtig, das Projekt so normal wie möglich zu betrachten um eine weitere Marginalisierung zu vermeiden, denn „alles, was wir selber für uns annehmen, wünschen sich Menschen in einer schweren Krise auch.“ Daher gibt es in den Wohngemeinschaften keine spezielle Architektur für ehemals Obdachlose, sondern großzügige Gemeinschaftsräume genauso wie private Bereiche. Ein paar Extras wurden aber bedacht. „Es werden Schwierigkeiten auftreten, genau wie in jeder anderen Wohngemeinschaft auch. In der Regel dreht es sich dabei um Sauberkeit oder jemand hat das Essen aus dem Kühlschrank genommen. Deswegen haben wir zum Beispiel auch entschieden, mehrere Kühlschränke zu installieren, sodass jeder in seinem eigenen Zimmer einen kleinen Minikühlschrank hat. Ähnliches gilt für die Bäder, die sich immer maximal zwei Parteien teilen. Wir versuchen einfach so wenig Stressfaktoren zu installieren wie möglich.“ Die Finanzierung übernahm nach langem Hin und Her die Mara und Holger Cassens Stiftung, die schon mehrere soziale Investorenprojekte in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt realisiert hat. Die Ansprüche für Lage

und Preis waren von Anfang an hoch, denn das Redaktionsgebäude sollte so zentral wie möglich mit optimaler Anbindung liegen und nicht viel kosten. Eine mit der heutigen Immobilienlage unlösbare Suche begann, jahrelang ohne Erfolg. Als die Cassens Stiftung durch Mitwirken der Hinz&Kunzt eine Baulücke auf einem Grundstück der Amalie Sieveking Stiftung auf Erbpacht erwerben konnte, fand das Straßenmagazin schlussendlich ein neues Zuhause. Das Projekt konnte durch die Zusammenarbeit zwar realisiert werden, aber Karrenbauer findet, dass „die Politik viel kreativer sein müsste. Es gibt so viele Baugrundstücke, an denen größere Bauträger kein Interesse haben. Solche Grundstücke kleinen sozialen Projekten anzubieten, ist wichtig, besonders auch im innerstädtischen Bereich. Wenn die Saga als Baugesellschaft und Tochter der Stadt baut, hat sie alleine aufgrund des bürokratischen Aufwands eher Interesse daran, mehrere hundert Wohnungen zu bauen und nicht Einheiten für zwanzig Menschen. Diese kleineren Projekte wären aber eine Chance, die Integration im urbanen Raum einzubetten. Bei Vorhaben mit bis zu hundert Obdachlosen bilden sich schnell GegenInitiativen, weil die Angst vor Wertverlust groß ist, wenn ein solches Projekt in die Nachbarschaft zieht.“ Dagegen können Projekte wie das Hinz&Kunzt Haus auf bescheideneren Grundstücken eine erfolgreiche Eingliederung im Viertel bewirken. Auf die Frage, wie die zukünftige Nachbarschaft denn im Gespräch auf das Projekt reagiert hätte, antwortet Karrenbauer lachend:

„Die freuen sich. Ich habe die Vermutung, dass wir eine große Flut von Ehrenamtlichen zu erwarten haben.“ 57


VinziRast-mittendrin

©Sebastian Schubert


©Simon Jappel

©Christopher Glanzl

Platz für Menschlichkeit inziRast-mittendrin ist ein von Studierenden initiiertes Projekt in Wien, das obdachlosen Menschen Wohnraum und eine Beschäftigungsmöglichkeit bietet. Insgesamt gibt es Platz für 30 Personen, verteilt auf zehn Wohngemeinschaften über drei Etagen. Auf jedem Stockwerk gibt es drei kleinere Küchen in den Wohnungen und eine große Gemeinschaftsküche mit einem gemeinsamen Wohnzimmer. Diese Trennung von privaten und gemeinschaftlichen Räumen ermöglicht es den Bewohner*innen, den Grad an Privatsphäre selbst zu wählen. Neben den Gemeinschaftsräumen bietet VinziRast-mittendrin Beratungsräume, ein Büro, einen Arbeitsraum, einen Veranstaltungsraum, einen Dachgarten mit angeschlossenem Dachatelier zur freien Nutzung, drei Werkstätten und ein öffentliches Restaurant mit Gastgarten. Das Einzigartige an VinziRast-mittendrin ist die Konstellation der Bewohner*innen. Die eine Hälfte bilden ehemals Obdachlose – die andere Hälfte Studierende. Diese Art des Zusam-

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menwohnens ist auf vielen Ebenen von Vorteil. Zum einen hat sie einen immensen Wert für den Reintegrationsprozess der ehemals Obdachlosen in die Gesellschaft. Zum anderen ist es auch für die Studierenden eine einmalige Chance, eine neue Art des Zusammenlebens kennenzulernen und sich auf diese Art für unsere Gesellschaft zu engagieren. Die Dynamik der Beziehung zwischen den Studierenden und den ehemals Obdachlosen ist aber nur ein Teil des Programms zur Reintegration. VinziRast-mittendrin wird zu einem Umschlagplatz für soziale Kontakte außerhalb des eigentlichen Umfelds. Das gilt gleichermaßen für Bürger*innen aus der Mitte unserer Gesellschaft, die normalerweise keinen oder nur kaum Kontakt zu vormals obdachlosen Personen haben. Das Restaurant mit dem Gastgarten im Erdgeschoss und das Dachstudio mit seinen öffentlichen Veranstaltungen ermöglichen eben diesen Kontakt zwischen einer Randgruppe und der breiten Öffentlichkeit, was letztlich zum Abbau von Stigmatisierungen beiträgt. 59


„Der Rest für den Rest“? Herr Hagner, Sie sind gelernter Tischler und Architekt und haben 1999 zusammen mit Ulrike Schartner das Architekturbüro Gaupenraup+/- in Wien gegründet. Seit mehreren Jahren widmen Sie sich unter anderem der Aufgabe des Bauens für Obdachlose. Gemeinsam mit Frau Schartner und dem Gaupenraup-Team haben Sie zuerst 2013 das VinziRast – Mittendrin und 2018 das VinziDorf in Wien realisiert. Was hat Sie dazu bewegt, sich in Ihrer Arbeit mit diesem Thema auseinanderzusetzen? Alexander Hagner: Ich bin zum Studium nach Wien gekommen und hier das erste Mal mit Obdachlosigkeit konfrontiert gewesen. Diese erste Konfrontation hat mich betroffen gemacht. Der Gedanke, dass ich am Abend in eine warme Wohnung gehe, während Andere in meiner direkten Nachbarschaft das nicht können, war und ist für mich noch immer eine unhaltbare Situation. So hat das Ganze begonnen, und heute sind wir in dem Thema verwurzelter denn je. Hochleistungsarchitektur, so wie wir sie verstehen, ist noch immer Mangelware im Konnex mit Randgruppen der Gesellschaft, denn man macht baulich eher das, was finanziell möglich ist. Nach dem Motto „Der Rest für den Rest.“ Das übergebliebene Grundstück, das übergebliebene Geld. Sozialprojekte, wie man sie auch nennt, beschworen lange Zeit und leider noch immer Vorurteile herauf – wie „die riechen komisch“, „die sehen komisch aus“, „die fühlen sich komisch an“. Wenn man nur das bauliche Setting betrachtet, möchte man eigentlich zunächst eher auf Distanz gehen. Je länger wir hier arbeiten, desto mehr verstehen wir, dass Architektur mehr können muss. Wir betonieren Stigmatisierung, wenn wir für diese Gruppe dann auch noch ärmliche Gehäuse entwickeln. In Ihrem Wohnprojekt VinziRast - Mittendrin leben ehemals Obdachlose zusammen mit Studierenden. Das Gebäude ist ein saniertes Biedermeier-Haus in sehr guter Lage. Welche Rolle spielt die Gestaltung Ihrer Architektur für die erfolgreiche Funktion als Bindeglied zwischen den Bewohner*innen und der Stadt? Da sprechen Sie etwas ganz wichtiges an. Nämlich, dass hier nicht nur verschieden Schichten, Generationen und Gruppen aus der Gesellschaft mitwirken, sondern dass es auch hinsichtlich seiner Funktion hybrid ist. Wir sind heilfroh, dass wir Monofunktionalität, die viele moderne Architekurbemühungen in sich tragen – da ist die Wohnstadt, da ist die Arbeitsstadt, da die Einkaufstadt, die Vergnügungsstadt – hinter uns lassen konnten. Der Mensch ist nicht Wohnende*r oder Einkaufende*r. Wir sind immer irgendwie eins und das immer mehr und mehr. Jetzt könne wir auch von zuhause, also vom wohnen aus, einkaufen oder arbeiten. Das Hybride in jede Richtung ist eins unserer Rezepte. Gerade bei Projekten für Randgruppen. Jedes Projekt ist nicht als isoliert zu betrachten, sondern als Teil eines riesigen dreidimensionalen vielschichtigen Netzwerkes. Es besteht aus den unterschiedlichsten Aspekten: Zeit, prozessuales Bauen, Inhalt, Bevölkerungs-

schichten, Altersstrukturen oder Herkunft. All diese Punkt kommen an einem Bauplatz oder bei einem Bestandsgebäude zusammen, sie liegen darüber oder darunter. Diese Anknüpfungspunkte zu identifizieren, zu analysieren und dann letztendlich als Chancen zu erschließen, ist unsere Aufgabe als Architekt*innen. Beginnend beim Raumprogramm bis hin zur Auswahl der Fassadenfarbe. Es gibt eine riesige Schwelle wenn man mit Randgruppen arbeiten möchte und diese Schwelle wollen wir nicht bauen, nicht verfestigen, nicht betonieren, also müssen wir schauen, dass wir sie nivellieren. Und dazu haben wir als Architekturschaffende unterschiedliche Werkzeuge in unserer Kiste.

„Architektur kann Druck erhöhen, aufbauen, durch Enge beispielsweise, aber sie kann auch Druck entweichen lassen.“ Sie haben in Interviews und bei Vorträgen wiederholt betont, dass Sie keine Spezialarchitektur für Obdachlose bauen wollen. Gleichzeitig wird Ihr Projekt durch seine innovative gemeinschaftliche Wohnform etwas Besonderes und erlangt viel öffentliche Aufmerksamkeit. Wie stehen Sie zu dieser doch widersprüchlichen Wirkung Ihres Projektes? Es stimmt, das ist genau der Spagat, den wir beim Thema Spezialarchitektur machen müssen. Wir haben es mit Menschen zu tun, die durch viele Jahre auf der Straße sowohl körperliche, aber vor allem auch psychische Folgen von diesem Leben mit sich tragen. Es ist also klar, dass es damit auch für mich als Raumplaner schwieriger wird für so jemand zu bauen, denn wir möchten dessen Probleme ja nicht zusätzlich forcieren. Ganz wichtig ist: Architektur kann Druck erhöhen, aufbauen, durch Enge beispielsweise, aber sie kann auch Druck entweichen lassen. Das sind Werkzeuge und Möglichkeiten, die wir haben: Ohne Spezialarchitektur zu machen, der man schon ansieht „Ach, das ist für die oder für die“, trotzdem eine Architektur zu machen, die auf diese spezielle Begebenheiten, die bei den meisten Randgruppen in irgendeiner Form vorhanden sind, eingeht.


Ein Interview mit Alexander Hagner Ist das VinziRast für die ehemals Obdachlosen das erste Zuhause nach ihrer Zeit auf der Straße, oder haben sie zuvor schon in anderen Unterbringungen gelebt? Lässt sich so etwas wie eine Zielgruppe definieren? Das VinziRast - Mittendrin ist ein Ort für Menschen, die durch ihr Leben auf der Straße und in verschiedenen Einrichtungen einfach nicht weiterkommen, aber gerne weiterkommen würden. Sie haben oft kein Selbstbewusstsein, weil ihnen vom Rest der Gesellschaft immer gespiegelt wurde: „Du bist der Loser, du bist ein Nichtsnutz“. Wenn sie dort aber über ein paar Jahre in der Gemeinschaft leben und über die Arbeit im Lokal, nicht nur über das Wohnen, Menschen kennenlernen, merken sie „Hey, ich bin hier Teil eines größeren Ganzen“. VinziRast - Mittendrin ist ein Umschlagplatz von Austausch, der ohne dieses Projekt nicht stattfinden würde. Wien macht wahnsinnig viel für obdachlose Menschen und ist nicht umsonst als soziale Stadt bekannt, aber unsere Theorie – und die Arbeit in der Praxis bestätigt das – ist, dass wir nicht genügend Unterschiedliches machen. Die Menschen sind alle so verschieden und das wird in den Projekten bisher nicht berücksichtigt. Deswegen arbeiten wir so gerne an den unterschiedlichsten Projekten, die es sich zum Ziel gesetzt haben Alternativen anzubieten. Und ich denke die braucht es dringend. Wir können so unterschiedliche Menschen nicht nach Plan B oder in dem Fall Plan C abarbeiten, da bedarf es vieler verschiedener Lösungsansätze. Für den einen mag Housing First genau das Richtige sein, für die andere ist es das Falsche.

„Für den einen mag Housing First genau das Richtige sein, für die andere ist es das Falsche.“ Was ist für Sie der wichtigste Aspekt bei der Planung von Wohnraum für ehemals obdachlose Menschen? Es gibt einen Satz von einer Soziologin, Frau Hilary Silver, der besagt: „Es ist nicht das konventionelle Dach über dem Kopf, das uns Zugehörigkeit vermittelt, es sind die sozialen Strukturen, die uns tragen.“ Dieser Satz ist inzwischen meine Priorität Nummer Eins. Ich denke, du hältst wirklich wahnsinnig viel aus, aber was du auf Dauer nicht aushältst, ist, wenn du nirgends dazugehörst. Wenn du genau das, was wir genetisch sind, nämlich soziale Wesen,

nicht leben kannst. Wegen Misstrauen, wegen Kindheitserfahrungen, wegen was auch immer. Deshalb würde ich heute sagen: wir müssen zuerst Orte schaffen, an denen Menschen, leicht – und wenn es nur ein Blickaustausch ist – miteinander in Kontakt treten können. Wir haben in Österreich und auch in Deutschland nicht die Möglichkeit uns selber zu helfen, wenn wir kein Geld haben. Wir können uns zusammen mit anderen nichts bauen. Wir sind also eigentlich nicht nur zu Kälte und zu körperlicher Versehrtheit verdammt, sondern auch zur sozialen Verarmung, was ich als eine der schlimmsten Strafen empfinde. Wenn man sich vorstellt: im Gefängniswesen ist die härteste Strafe die Einzelhaft - genau diese Bedingungen schaffen wir auch für Randgruppen. Man könnte Ihren Grundsatz also damit zusammenfassen: „Wir sind alle soziale Wesen - Wir alle brauchen und verdienen das Gleiche“... Was man nicht aus den Augen verlieren darf, sind die Riesenunterschiede, die wir immer wieder machen – und die müssen wir bis zu einem gewissen Grad auch machen, um genau hinschauen zu können und in keine Fettnäpfchen zu treten. Letztendlich können wir aber ganz oft unsere eigenen Bedürfnisse als Maßstab annehmen. Wie würde ich es denn gerne haben, wenn ich heute kein Geld mehr habe, wenn ich auf der Straße war, wenn ich das und das verlieren würde? Warum glauben Sie gibt es nicht bereits mehr Projekte wie Ihre? Wieso es so wenig solche Projekte gibt, verstehe ich nicht. Ich muss sagen, wir machen das nicht weil wir so gute Menschen sind und so sozial engagiert, sondern da ist ganz viel Selfempowerment dabei. Das Gefühl zu haben, ich kann nichts tun, ist etwas, womit ich überhaupt nicht klar komme. In diesen Momenten denke ich mir: Wie lang ist unser Arm? Wie weit reicht der? Wenn wir über weltpolitische Dinge diskutieren, erhält man schnell den Eindruck wir könnten nicht viel bewegen. Aber das stimmt nicht! Diese Selbstermächtigung vom Opfer hin zu „Nein, ich kann was machen“ – das ist das Schöne an dieser Arbeit. Im Angesicht der Probleme dieser Welt nicht ohnmächtig, sondern ein Feld zu haben und zu sagen „Okay, das löse ich nicht, und das und das auch nicht, aber ich bin auch nicht machtlos. Mein Arm ist halt nicht lang genug, dass er bis auf die andere Seite der Erdkugel reicht“. Ich habe das Gefühl, es gibt die Tendenz bei immer mehr Kolleginnen und Kollegen, auch hier in Wien und in Österreich, in diese Richtung zu schauen. Wir müssen viel mehr die Perspektiven hervorheben, als immer wieder in den Problemen rumzupuhlen. Wir sollten Chancen und Potenziale identifizieren – denn die gibt es überall.

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Zu wohnen ist die Norm. Eine Norm, die fest mit der Identität des Individuums und unseren sozialen Strukturen verwachsen ist. Die Wohnung als physischer Raum bietet nicht nur Schutz und Privatsphäre, sondern ist viel mehr auch der Schlüssel, um an unserer Gesellschaft teilzuhaben: Sie bildet den Rahmen für soziale Interaktion und lässt Individualität innerhalb dieser gesellschaftlichen Grenzen zu.

Wohnen als Schlüssel Ein fester Wohnsitz – und die daran gebundene Adresse – ist darüber hinaus vielfach die Voraussetzung, um am demokratischen Leben mitwirken zu können. Im Umkehrschluss bedeutet der fehlende Zugang zu Wohnraum für die Betroffenen, neben der physischen und psychischen Belastung, daher oftmals auch den Verlust der Möglichkeit sich selbst Gehör zu verschaffen. Die Wechselwirkung dieser Herausforderungen führt dazu,

dass Obdachlose an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden und die Aussicht auf Rückkehr in ein geordnetes Wohnverhältnis stetig schwindet. Von Stigmata umgeben, wird Obdachlosigkeit gesellschaftlich und von Staatsseite daher oft als dauerhaftes Defizit betrachtet und nicht als eine vorübergehende Krise, die jeder von uns durchleben könnte. Dementsprechend setzen auch die gängigen Hilfsangebote auf Maßnahmen zur „Wiedererlangung“ der verloren geglaubten Wohnfähigkeit. Im Gegensatz zur Vorgehensweise der meisten öffentlichen Einrichtungen, entscheiden sich immer mehr private Hilfsorganisationen dafür, Wohnraum nicht an Bedingungen zu knüpfen. Während herkömmliche Notunterkünfte nur nach Erfüllung bestimmter Voraussetzungen Zugang gewähren Absatz: und beispielsweise die persönliche Gestaltung des Schlafbereiches verbieten, funktionieren Ansätze wie Housing First losgelöst von


Auflagen. Erst durch die Gewissheit, ein beständiges Zuhause zu haben, erhalten ehemals Obdachlose die Chance zur Ruhe zu kommen und schrittweise in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Doch obwohl verschiedene Beispielprojekte in Europa und Nordamerika zeigen, dass die Reintegration hier deutlich häufiger gelingt, ist die Umsetzung dieser Projekte nach wie vor abhängig vom Engagement und den Investitionen von Privatpersonen oder Organisationen. Um die Chancen obdachloser Menschen nachhaltig zu verbessern, kann die Neuausrichtung sozialer Projekte aber nicht länger von einigen wenigen getragen werden. Nur ein struktureller Wandel in der Politik und unserem gesellschaftlichen Selbstverständnis kann bewirken, dass Obdachlosigkeit in unserer Gesellschaft endlich die Beachtung zukommt, die ihr zusteht. In diesem Kontext kann Architektur, im Sinne von Wohnungs-

bau, eine wichtige Rolle spielen. Sie formt unser Umwelt, beeinflusst unserVerhalten und macht Prioritäten ablesbar. Doch auch wenn sich gute Gestaltung als Katalysator für Wohlbefinden und Sicherheit positiv auf Reintegrationsprozesse auswirken, wäre es falsch, Obdachlosigkeit mit der Perfektion von Spezialarchitektur begegnen zu wollen. Zu hoch ist das Risiko, den Unterschied der Lebenssituationen dauerhaft durch eine Betonung in der Architektur zu manifestieren und damit die Marginalisierung nicht abzuschaffen, sondern zu verstärken. In letzter Konsequenz kann Obdachlosigkeit nur eine lange überfällige Reform des Wohnungsmarktes entgegengesetzt werden, die nicht länger Profit und Spekulation über gesellschaftlichen Mehrwert stellt und von der auf lange Sicht jede*r profitieren kann.

Und, was nimmst du mit nach Hause?


Abbildungsverzeichnis S. 8 S. 17 S. 20, 21 S. 22 S. 34 S. 35 S. 38 S. 47 S. 57 S. 60 S. 62, 63 Alle Grafiken

© Lena Maria Loose © Ginnya Pryscilla © Anatol Bogislav © Regina Katzer © Baubüro in situ © Vogl-Perspektive, Mike Vogl © Marcus Pietrek © Antonia Cruel © Silvia Reimann © axel hauschild architecture © Sebastian Schubert ©Simon Jappel ©Christopher Glanzl © Eigene Darstellungen der Autor*innen Die Grafiken können jedoch nur als Orientierung dienen, da es sich um allgemeine Schätzungen der Städte und (Hilfs-)Organisationen handelt. Es gibt zu wenige existierende statistische Erhebungen für eine zuverlässige Grundlage. Da die Zählmethoden in den Städten und (Hilfs-)Organisationen variieren, sind die Werte nur bedingt vergleichbar.


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Tanner, Kyla. „Supportive Housing Case Studies: How supportive housing in Ontario and British Columbia is developed and operated.” 30.07.2020. http://www.cahdco.org/supportive-housing-case-studies/.

S. 55 S. 55

Ströbele, Carolin. „Obdachlosigkeit. Es kann jeden treffen.“ Aufgerufen am 08.11.2020. https://www.zeit.de/online/2009/10/wallraff-zu-obdachlosigkeit#. Maltzan, Michael. „20th annual Dunlop lecture: Addressing homelessness: What can (and can’t) architecture do.” Aufgerufen am 04.11.2020. https://www.jchs.harvard.edu/calendar/20th-annual-dunlop-lecture-addressing-homelessness-what-can-and-cant-architecture-do.

S. 57, 58, 59

Krick, Lavinia (Architekturstudentin) im Gespräch mit Rüdiger Wasser (Bewohner einer Housing First Wohnung) am 06.01.2021.

S. 57

“Was ist der HOUSING-FIRST FOND?.” Housingfirstfond. Aufgerufen am 25.02.2021. https://www.housingfirstfonds.de.

S. 57

Krick, Lavinia (Architekturstudentin) im Gespräch mit einem Mitarbeiter des fiftyfifty/Asphalt e.V. am 30.11.2020.

S. 61

Neumaier, Ella (Architekturstudentin) im Gespräch mit Stephan Karrenbauer (Sozialarbeiter bei Hinz&Kunzt) am 23.02.2021

S. 63

gaupenraub+/-. „VinziRast-mittendrin.“ Aufgerufen am 07.03.2021. http://gaupenraub.net/vinzirastmittendrin.

S. 64, 65

Das Kurator*innen-Team (Architekturstudierende) im Gespräch mit Alexander Hagner (Architekt, Architekturbüro gaupenraub+/- in Wien) am 09.02.2021.

67


Diese Publikation erscheint anlässlich der Ausstellung We Need to Talk About Homelessness im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis Bregenz: 19. März bis 2. Mai 2021. Eine Ausstellung von Architekturstudent*innen im Rahmen des Semesterprogramms am Lehrstuhl für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis der Technischen Universität München.

Das Kurator*innenteam bestehend aus Antonia Cruel, Ann-Kathrin Gügel, Piet Kretschmer, Lavinia Krick, Lisa Luksch, Georg Meck, Ann Sophie Megerle, Ella Neumaier, Ginnya Pryscilla, Ellen Scheer, Christopher Schmollinger, Theresa Thanner, Leonie van Kempen und Ilyas Kerem Yilmaz, betreut durch Prof. Dr. Andres Lepik und Dr. PhD Daniel Talesnik, bedankt sich für die tatkräftige Unterstützung durch Marcelo Della Giustina, Michelle Hagenauer, Clara Pollak, Laura Weißmüller sowie das Team des Künstlerhauses Bregenz.



It is urgent.


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