Jüdischer Kulturpfad in Wielkopolska

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J端discher Kulturpfad in Wielkopolska


Synagoge in Buk, Foto: Z. Schmidt

Nadelöhr in Kórnik, Foto: Z. Schmidt

Jüdischer Kulturpfad in Wielkopolska WARSZAWA

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In einem seiner Interviews hat Szewach Weiss gesagt, dass „erst die dritte Generation beginnt, nach ihren Wurzeln zu suchen und nachzufragen, wo unsere Nachbarn sind”. An diese Worte habe ich mich erinnert, als ich versucht habe, die Spuren, die unsere jüdischen Mitbürger in der Region Wielkopolska hin� terlassen haben, zu Reiserouten zusammenzufügen. Dass innerhalb der letzten zehn bis fünfzehn Jahre viele dieser Spuren wiedergefunden und ins Gedächtnis ge� rufen worden sind, ist oft Personen zu verdanken, die sich auf lokaler Ebene für das Gemeinwohl engagieren. Man kann sagen, dass eine große Entde� ckung der gemeinsamen Geschichte im Gange ist. Schließlich lebten Juden mit Polen in Wielkopolska über 800 Jahre lang zusammen. Sie siedelten sich wahr� scheinlich im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert hier an. In Kalisz (dt. Kalisch) hatte bereits im Jahr 1264 Bolesław V. das berühmte Statut von Kalisch veröffent� licht, das die rechtlichen Verhältnisse der dortigen jü� dischen Gemeinde beschreibt und dessen Geltung von Kasimir III. auf den ganzen Staat ausgedehnt wurde. Das Statut stellte die Juden unter den Schutz des Herr� schers und gewährleistete ihnen persönliche Sicherheit,

Selbstverwaltung und freien Handel. Die damals ver� fassten Vorschriften galten in fast unveränderter Form bis zur Zeit der Teilungen Polens. Im 19. Jahrhundert assimilierten sich die Juden im preußischen Teilungs� gebiet rasch (anders verhielt es sich in der Region ����� Wiel� kopolska, die zum russischen Machtbereich gehörte), besonders weil ihnen preußische Verordnungen eine Annäherung an die bürgerliche deutsche Mittelschicht erleichterten. Es verwundert daher nicht, dass nach der Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit im Jahr 1918 viele von ihnen nach Deutschland gezo� gen sind. Es gab Ortschaften, in denen sich schon da� mals die Synagogen leerten und es niemanden mehr gab, der sich um die Friedhöfe sorgte. Aber weiterhin lebten zahlreiche jüdische Gemeinden im ehemaligen russischen Teilungsgebiet, so in Kalisz, in Konin und in Koło. Sie alle wurden Opfer der Massenvernichtung. Jetzt bringen wir sie mühsam wieder in Er� innerung, sowohl diejenigen, die vor über einem hal� ben Jahrhundert getötet wurden, als auch diejenigen, die den Holocaust überlebt haben. Wir gedenken aber auch der Menschen, die in dieser Region während der vorherigen Jahrhunderte unsere Nachbarn waren.

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Ehemalige Synagoge in Poznań, Foto: Z. Schmidt Jüdisches Haus in Poznań, Foto: Z. Schmidt

Poznań Synagoge (ul. Wroniecka)

Armee und ein freies Polen. Im April 1940 ha� ben die Deutschen mit der Zerstörung der Sy� nagoge begonnen und 1941 in ein Schwimm� bad für Soldaten der Wehrmacht umgebaut. Leider wurde die Schwimmbadfunktion bis heute beibehalten. 2001 hat die jüdische Gemeinde in Poznań das Gebäude zurückerhalten und beabsichtigt, in ihm ein Dialogzentrum ein� zurichten. Zu diesem Zweck wurde 2009 die Stiftung Neue Synagoge – Dialogzentrum (Fundacja Synagoga Nova – Centrum Dialo� gu) gegründet. In der Synagoge (Schwimmbad) finden während der jedes Jahr veranstalteten Tage des Judaismus (im Januar) interessante Kunstveranstaltungen und Gebete statt. Der benachbarte Park trägt seit 2008 den Namen Akiva Egers.

Wenn man auf das Gebäude des städ� tischen Schwimmbads an der ul. Wroniecka blickt, kann man sich nur schwer vorstellen, dass es mehr als 30 Jahre lang das prächtigste jüdische Gotteshaus, das jemals in der Region Wielkopolska gebaut worden ist, bildete. Als es 1907 eröffnet wurde, stellte es alle anderen im damaligen Deutschland in den Schatten. Die imponierende Synagoge, die dank Spenden von Juden aus Poznań und der Region Wielkopolska errichtet werden konnte, wurde von der Berliner Firma Cremer & Wol� fenstein entworfen. Das Gotteshaus bot Platz für 1200 Gläubige, besaß einen kreuzförmigen Grundriss und wurde von einer riesigen und mit Kupferblech gedeckten Kuppel gekrönt. Das Bauwerk verband einen neoromanischen mit dem neomauretanischen Stil und den In� nenbereich schmückte eine reiche Dekoration. In ihrem Zentrum befand sich der Toraschrein und davor die Bima. Dieser Bereich wurde vom Gebetssaal durch eine durchbrochene Ba� lustrade abgegrenzt. Der letzte Gottesdienst in der Syna� goge von Poznań fand am 9. September 1939 statt, einen Tag vor dem Einrücken der Deut� schen in Poznań. Der Rabbiner Szyje Sender betete damals für einen Sieg der polnischen

Jüdisches Haus – Sitz der Gemeinde (ul. Stawna 10) „Schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und deiner Tore. Höre Israel, ich bin euer Gott, der euch aus dem Land Ägypten ge� führt hat, um euch zum Gott zu sein.” Diesen Text enthält die Mesusa, die im Mai 2003 an der Tür des jüdischen Hauses an der ul. Stawna 10 angebracht worden ist, nach über 60-jähriger Abwesenheit von Juden

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an diesem Ort. Seit 2003 wird der ehemalige Sitz der jüdischen Gemeinde in Poznań von der 1998 entstandenen Ortsgruppe des Ver� bands der jüdischen Glaubensgemeinden in der Republik Polen genutzt. Das Haus an der ul. Stawna wurde 1897 errichtet. Während der Zwischenkriegs� zeit befanden sich hier nicht nur der Sitz der Gemeinde, sondern auch die jüdische Volks� bibliothek, ein Vortragssaal, Büros karitativer Organisationen, ein Sportverband, eine Reli� gionsschule und sogar einige Jahre lang eine jüdische allgemeine Schule. Die jüdische Gemeinde hat das Ge� bäude im Jahr 2001 zurückerhalten. Heute bildet es nicht nur den Sitz der Gemeinde, sondern es besitzt auch einen Gebetssaal, in den am 8. Januar 2009 feierlich die Tora ge� bracht wurde. Die Tora und den Parochet der jüdischen Gemeinde in Poznań haben „zum Gedenken an die Opfer des Holocaust und die Gerechte unter den Völkern Irena Sendler“ Orit und Meshulama Shafran aus Israel gestif� tet.

der Stelle der abgerissenen alten Synagogen an der ul. Żydowska 15-18. In ihm befanden sich 36 Zimmer, ein Speisesaal, eine Bibliothek so� wie Dienstwohnungen für den Inspektor und den Kantor der Einrichtung. Die einzelnen Stockwerke konnte man mit Hilfe eines elek� trischen Aufzugs erreichen. Es gab hier auch einen Studienraum, Beth Midrash genannt. Das prächtige Bauwerk entstand nach einem Entwurf von Alfred Grotte, Pro� fessor an der Königlichen Handwerksschule in Poznań. Es besitzt einen fast L-förmigen Grundriss und zur Straße hin befand sich vor ihm ein mit einer niedrigen Mauer umgebener Garten. Das im Jugendstil gehaltene Gebäude, das gegenwärtig als Wohnhaus dient, hat die Gemeinde in Poznań im Jahr 2001 zurücker� halten. Kronthal-Brunnen Aleje Marcinkowskiego (an der Kreuzung mit der ul. 23 Lutego) Der Kronthal-Brunnen entstand 1909 nach einem Entwurf von Hugo Lederer, der zu den besten Berliner Bildhauern des spä� ten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gehörte.

Ortsgruppe Poznań des Verbands der jüdischen Glaubensgemeinden ul. Stawna 10, 61-759 Poznań Tel. 61 855 21 18 poznan@jewish.org.pl www.poznan.jewish.org.pl Das Büro ist dienstags und donnerstags von 10.00 bis 12.00 Uhr geöffnet.

Kronthal-Brunnen in Poznań, Foto: Z. Schmidt

Ehemalige S.B. Latz-Stiftung (ul. Żydowska 15/18) Die Geschichte der Latz-Stiftung reicht bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Der wohlhabende Kaufmann Samuel Benia� min Latz, der am 17. Januar 1829 verstarb, ver� machte in seinem Testament 6.000 Taler für die Gründung einer Einrichtung für kranke und arme Menschen jüdischer Abstammung. Das erste Krankenhaus wurde 1837 an der Straßen� kreuzung von ul. Stawna und ul. Wroniecka eröffnet, wo es bis Ende des 19. Jahrhunderts betrieben wurde. Ein neues, nach S.B. Latz be� nanntes, Heim für Alte und Gebrechliche wur� de 1908 eröffnet. Die Stiftung errichtete es an

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Gebäude an der ul. Libelta 32 in Poznań, Foto: Z. Schmidt Gebäude an der al. Niepodległości 27 in Poznań, Foto: Z. Schmidt

Er kostete 25000 Mark und sein Stifter war der aus einer wohlhabenden jüdischen Familie in Poznań stammende Kaufmann, Kunstsamm� ler und sich für das Gemeinwohl engagierende Gustav Kronthal. Kronthal, der bereits ab 1898 in Ber� lin wohnte, gründete 1903 in Poznań die Städ� tische Gustav-Kronthal-Stiftung, mit deren Mitteln Kunstwerke gekauft und als Leihgaben dem damaligen Kaiser-Friedrich-Museum zur Verfügung gestellt wurden.

eine Gruppe Juden mit Akiva Eger verewigt hat. Die Posener Judaica verteilen sich auf verschiedene Abteilungen des National� museums (z.B. Synagogen- und Haussilber aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, Seder� teller aus dem 18. und 19. Jahrhundert, Stoffe und Einrichtungselemente von Synagogen in den Sammlungen des Gebrauchskunst-Muse� ums) und nicht alle sind in den Ausstellungen zu sehen.

Nationalmuseum (Aleje Marcinkowskiego 9)

Nationalmuseum Aleje Karola Marcinkowskiego 9 61-745 Poznań Tel. 61 856 80 00 mnp@mnp.art.pl, www.mnp.art.pl

In den Sammlungen des National� museums in Poznań werden Andenken an die jüdische Kultur aus Poznań und der Regi� on Wielkopolska aufbewahrt. Zu ihnen zäh� len u.a. Kapitelle aus der Synagoge in Poznań (gegenwärtiges Schwimmbad), Parochet aus dem 18. und 19. Jahrhundert (darunter aus der Synagoge in Trzcianka), Fragmente von Torarollen aus dem 19. Jahrhundert, silberne Jad, Chanukka-Leuchter, Sederteller, Besamin� büchsen und Menorot. Zu den Sammlungen gehören auch Fragmente festlicher Gewänder sowie Gemälde, Fotografien und Postkarten, die die jüdische Welt in Poznań und der Re� gion Wielkopolska darstellen, darunter das im Geschichtsmuseum der Stadt Poznań gezeigte Bild „Markt in Poznań im Jahr 1838“ von Ju� lius Knorr, auf dem der Maler inmitten einer großen Zahl von Einwohnern der Stadt auch

Jüdische Villen (ul. Libelta, al. Niepodległości/Chopina, Wie� niawskiego, Fredry) Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bildeten Juden eine vermögende Bevölkerungsgruppe. Davon zeugen sowohl die Steuern, die sie zahlten (obwohl ihr Anteil an der Einwohnerschaft der Stadt nur 3,8% betrug, stammten 23% der Einkommensteuer, die in den Haushalt von Poznań floss, von ih� nen), als auch die von ihnen errichteten Bau� werke. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bewohnten reiche Juden Gebiete

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Mazewes an der ul. Głogowska in Poznań, Foto:Z. Schmidt

Gebäude an der ul. Fredry 8 in Poznań, Foto: Z. Schmidt

überlassen. Sterbliche Überreste von Men� schen, auf die man hier in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre gestoßen ist, als mit dem Bau neuer Pavillons begonnen wurde, wurden auf den Friedhof in Miłostowo gebracht. Sie wurden neben Massengräbern von während des Kriegs ermordeten Juden beigesetzt und an dieser Stelle noch vorhandene Mazewes vom Friedhof an der ul. Głogowska aufgestellt. Das einzige unbebaute Fragment des jüdischen Friedhofs ist im Hof des Hauses an der ul. Głogowska 26a erhalten geblieben. An dieser Stelle wurde 1837 Akiva Eger, der Rab� biner von Poznań und des Großherzogtums Posen, einer der herausragenden Talmudge� lehrten des 19. Jahrhunderts und Verfasser zahlreicher Werke über das Religionsrecht, bestattet. Nach langwierigen Verhandlungen von Vertretern der jüdischen Gemeinde in Poznań mit der Wohnungsbaugenossenschaft „Grunwald“ sowie den Eigentümern der an dieser Stelle stehenden Blechgaragen ist es ge� lungen, diesem Teilstück des jüdischen Fried� hofs seine ursprüngliche Bestimmung wieder zu verleihen. 2008 wurden hier sechs Mazewes aus schwarzem Marmor aufgestellt, und zwar auf den Gräbern Akiva Egers, seiner Frau, sei� ner beiden Söhne sowie symbolisch für zwei andere Rabbiner. Der Zugang zu diesem Teilstück des ehemaligen Friedhofs wurde mit einem Tor

außerhalb der Altstadt und nach dem Abbruch der Befestigungsanlagen begannen sie, präch� tige Bürgerhäuser auch im westlichen Teil der Stadt zu bauen. Bis heute sind architektonisch interessante Villen aus dem frühen 20. Jahr� hundert erhalten geblieben, die für den Arzt und Professor Max Jaffe an der heutigen ul. Li� belta 32, den Kaufmann Herman Loeve an der al. Niepodległości 27 (Ecke ul. Chopina), den Kaufmann und Bankier Leo Alport an der ul. Noskowskiego 2 (Ecke Wieniawskiego) sowie den Rechtsanwalt Adolf Landsberg an der ul. Fredry 8 errichtet worden sind. Grab von Akiva Eger (ehemaliger Friedhof an der ul. Głogowska) Der Friedhof an der gegenwärtigen ul. Głogowska wurde 1804 eröffnet, nachdem ein Jahr zuvor die Preußen die Liquidation des jüdischen Friedhofs, der sich zwischen den heutigen Plätzen pl. Wolności und pl. Cyryla Ratajskiego befand, angeordnet hatten. Der neue Friedhof bestand bis zum Zweiten Welt� krieg. Er wurde von den Nationalsozialisten verwüstet und die Mazewes (Grabsteine) wur� den zur Befestigung von Straßen sowie Bauar� beiten im Villenviertel Poznań-Sołacz verwen� det. Den Friedhof an der ul. Głogowska gab es nach dem Krieg nicht mehr. Sein Gelän� de wurde der Internationalen Messe Poznań

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Umgebung von Poznań Buk – Mosina – Kórnik – Gniezno – Pobiedziska – Murowana Goślina – Uzarzewo Buk

Synagoge im Sitz der jüdischen Gemeinde, Foto: Z. Schmidt

Synagoge in Buk, Foto: Z. Schmidt

verschlossen und am Durchgang wurde eine Gedenktafel in polnischer, hebräischer und englischer Sprache angebracht.

Zwangsarbeitslager für Juden, in denen etwa 11.000 Personen gefangen gehalten worden sind. Die Lager bestanden von 1940 bis August 1943, als die Gefangenen, die bis zu diesem Zeitpunkt überlebt hatten, ins Konzentrations� lager Auschwitz gebracht wurden. Die genaue Zahl der Personen, die in den Arbeitslagern in Poznań ums Leben gekommen sind, ist unbekannt. Anfänglich wurden die Toten auf katholischen Friedhöfen bestattet, später im Anatomieinstitut der sog. Reichsuniversität eingeäschert (1702 Perso� nen). Nicht bekannt ist hingegen, wie viele Lei� chen aus den Lagern mit dem Abfall beseitigt und in der städtischen Müllverbrennungsanla� ge verbrannt worden sind. Zum Gedenken an die Opfer eines dieser Lager, das es am städtischen Stadion an der ul. Dolna Wilda gab, wurde 1983 ein Obe� lisk geschaffen. 2005 wurde dieser Obelisk ne� ben das Multikino an der ul. Królowej Jadwigi verlegt.

ul. Głogowska 26 a (um den Friedhof zu betreten, muss man an der Türsprechanlage unter der Nummer 7 klingeln) Jüdischer Friedhofsbereich in Miłostowo Es ist nicht genau bekannt, wie vie� le sterblichen Überreste im jüdischen Bereich des Kommunalfriedhofs in Miłostowo ru� hen. Angelegt wurde er 1958, als es in Poznań schon keinen jüdischen Friedhof mehr gab. In Miłostowo wurden in fünf Sammelgräbern die sterblichen Überreste von 1008 Juden, die während der NS-Besatzung gestorben oder ge� tötet worden sind, und auch während der Er� weiterung der Internationalen Messe Poznań, die teilweise das Gelände des ehemaligen Friedhofs an der ul. Głogowska einnimmt, gefundene Knochen bestattet. Im jüdischen Friedhofsbereich befinden sich auch mehr als ein Dutzend Gräber aus der Nachkriegszeit. 1993 wurde diese Fläche dadurch umgestaltet, dass um die Gräber Mazewes in Form einer Menora aufgestellt worden sind, die vom ehemaligen jüdischen Friedhof an der ul. Głogowska stammen.

Gedenkstätte und Museum in Żabikowo Von 1941 bis August 1943 gab es hier ein Zwangsarbeitslager für Juden; von 1943 bis 1945 bestand hier ein nationalsozialistisches Gefängnis der Sicherheitspolizei und sog. Er� ziehungs- und Arbeitslager für Polen und von 1945 bis 1948 ein Internierungslager für deut� sche Zivilisten. Die jüdischen Häftlinge, die aus den Ghettos des sog. Warthelandes nach Żabikowo

Denkmal für die Opfer des Arbeitslagers (ul. Królowej Jadwigi) Während der nationalsozialistischen Besatzung gab es in Poznań mindestens 29

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Die neoromanische Synagoge (ul. Mury 7) wurde 1909 nach einem Entwurf von Alfred Grotte errichtet. Heute bildet sie eine der architektonisch am besten erhaltenen Syn� agogen in der Region Wielkopolska. Sie besitzt weiterhin ihre Originalfassade mit drei Ein� gängen. Der mittlere Eingang war für Männer und die beiden seitlichen für Frauen bestimmt. Über dem Haupteingang befinden sich Deka� logtafeln. Im Innern ist der Hauptgebetssaal erhalten geblieben, der auf drei Seiten von Ga� lerien für die Frauen umgeben wird. Während des Zweiten Weltkriegs haben die Deutschen in der Synagoge eine Möbelfabrik eingerichtet und nach dem Krieg befand sich hier viele Jahre lang ein Sportver� ein. 1988 wurde sie von der Nissenbaum-Fa� milienstiftung übernommen, die das Bauwerk instandgesetzt hat. Gegenwärtig ist die Synagoge Eigen� tum der Posener Ortsgruppe des Verbands der jüdischen Glaubensgemeinden in der Repu� blik Polen. Sie wird gelegentlich für künstle� rische Veranstaltungen, darunter die im Mai stattfindenden Begegnungen mit der jüdischen und israelischen Kultur, genutzt. In der Nähe der Synagoge ist das Ge� bäude der ehemaligen jüdischen Schule erhal� ten geblieben, das auch 1988 von der Nissen� baum-Familienstiftung renoviert worden ist. Der jüdische Friedhof (Buk – Wielka Wieś) wurde wahrscheinlich Mitte des 19. Jahrhun� derts angelegt. Die Deutschen zerstörten ihn während des Zweiten Weltkriegs. Erst 1988 hat die Gemeindeverwaltung mit Unterstüt� zung der Nissenbaum-Familienstiftung den Friedhof, auf dem einige Mazewes erhalten geblieben sind, umzäunt und mit seiner Pflege begonnen.

Denkmal auf dem jüdischen Friedhof in Mosina, Foto: Z. Schmidt

(damals ein Dorf bei Poznań, heute ein Teil von Luboń) kamen, bauten eine Autobahn, die Poznań mit Frankfurt an der Oder verbinden sollte. Żabikowo bildete eines von 24 Arbeits� lagern, die entlang der Strecke der zukünftigen Autobahn eingerichtet wurden. Diejenigen, die die mörderische Arbeit im Lager überleb� ten, wurden 1943 in andere Arbeitslager ge� bracht. Diejenigen, die zu keiner körperlichen Tätigkeit mehr fähig waren, kamen ins Ver� nichtungslager in Chełmno nad Nerem. Das seit 1976 bestehende Museum sammelt Dokumente und Andenken, die mit dem tragischen Schicksal der hiesigen Häft� linge im Zusammenhang stehen, und betreibt auch Bildungsprogramme. Ein interessantes Projekt bilden die seit 2005 im Sommer ver� anstalteten internationalen „Workcamp“-Ju� gendlager für Freiwillige, die gemeinsam mit dem Verein „Eine Welt“ organisiert werden. Die an ihnen teilnehmenden Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern Europas beteiligen sich an Studien, aber befassen sich auch mit der Restaurierung und Dokumentation von Mazewes, die aus Poznań und Umgebung nach Żabikowo gebracht werden. Gedenkstätte und Museum in Żabikowo ul. Niezłomnych 2, 62-031 Luboń Tel. 61 813 06 81, Fax 61 810 34 11 muzeum@zabikowo.pl, www.zabikowo.pl Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag von 9.00 –15.00 Uhr, Samstag-Sonntag von 10.00-14.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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Mosina

Kórnik

Das genaue Baujahr der Synagoge in Mosina ist nicht bekannt. Manche Quellen nennen das Jahr 1876, andere 1890. Das einen rechteckigen Grundriss aufweisende Gebäu� de hat sich bis heute nicht verändert. Es ist sogar der Arkadenfries unter dem Hauptge� sims erhalten geblieben. Während des Zwei� ten Weltkriegs zerstörten die Deutschen die Innenräume. Nach dem Krieg wurden in der ehemaligen Synagoge ein Lager und ein Ge� schäft untergebracht. Das Gotteshaus hat sein ursprüng� liches Aussehen in den achtziger Jahren wie� dererhalten. Nach der Instandsetzung wurden hier 1987 eine Museumskammer und 1993 die Städtische Galerie eingerichtet.

Von einer der originellsten Synago� gen in Polen gibt es heute in Kórnik keine Spur mehr. Das hölzerne Gotteshaus aus dem 18. Jahrhundert mit seiner interessanten Innen� ausstattung wurde 1940 von den Deutschen vollständig zerstört. Erhalten geblieben ist nur die Passage, die die jüdischen Einwohner (sie bildeten Mitte des 19. Jahrhunderts 44% der Bevölkerung von Kórnik) nutzten, um vom Markt zur Synagoge zu gelangen. Dieser ehe� malige Durchgang zwischen den Bürgerhäus� chen am Markt, der allgemein „Nadelöhr“ genannt wird, ist 10 m lang und nur 1,5 breit. An seinem Tor ist eine Originalaufschrift in hebräischer und deutscher Sprache erhalten geblieben: „Das ist das Tor des Herrn; die Ge� rechten werden dahin eingehen.” Im Durchgang zur ehemaligen Syna� goge wurden Mazewes angebracht, die in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts während Erdarbeiten in Kórnik gefunden wurden. Die Mazewes aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammen vom jüdischen Friedhof in Kórnik, der von den Nazis 1941 zerstört worden ist. Das ehemalige Friedhofsgelände nimmt das Dendrologie-Institut der Polnischen Akade� mie der Wissenschaften ein. Das „Nadelöhr” in Kórnik, das dank des enormen Engagements des Archäologen Prof. Jerzy Fogel erhalten geblieben ist, kann nur ausnahmsweise besichtigt werden. Das Tor zu ihm ist jedoch immer am 1. November, also zu Allerheiligen, geöffnet und die Einwohner von Kórnik stellen dann dort Grablichter auf.

Städtische Galerie in Mosina ul. Niezłomnych 2, 62-050 Mosina Tel. 61 819 15 91 www.kultura.gmina.pl Überreste von Mazewes vom ehemaligen jüdischen Friedhof in Kórnik, Foto: Z. Schmidt

Gniezno Von der Synagoge an der ul. Mieszka I aus dem 19. Jahrhundert gibt es heute kei� ne Spur mehr. Sie wurde von den Deutschen während des Zweiten Weltkriegs abgerissen und das Material genutzt, um einen Übungs� platz vor dem gegenwärtigen Priesterseminar zu bauen. In den fünfziger Jahren des 20. Jahr� hunderts wurde am einstigen Standort der Sy� nagoge ein Wohngebäude errichtet. Erhalten geblieben ist hingegen ebenfalls an der ul. Mieszka I ein neugotisches

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Grab in Uzarzewo, Foto: Z. Schmidt

Friedhof in Pobiedziska, Foto: Z. Schmidt

Gebäude der ehemaligen jüdischen Gemeinde. Es wurde 1880 errichtet und war bis 1939 Sitz der Gemeinde. Seit der Nachkriegszeit befin� det sich in ihm das Staatliche Musikschulzent� rum. Ungewöhnlich ist hingegen das Schicksal des aus dem 19. Jahrhundert stam� menden Friedhofs an der ul. Bolesława Chrob� rego, der während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen verwüstet und nach dem Krieg liquidiert wurde. Anfang des 21. Jahrhunderts wurden jüdische Gräber entdeckt, als man auf diesem Gelände mit dem Bau des Lebensret� tungszentrums bei der Kreiskommandantur der Feuerwehr begann. Infolge von Vereinba� rungen zwischen der Kommunalverwaltung, der Kreiskommandantur der Feuerwehr sowie dem Verband jüdischer Gemeinden in der Re� publik Polen kam es zu einer außergewöhnli� chen Lösung. Über dem Friedhof wurde eine sichernde Betonplatte geschaffen, so dass man das Gelände für die Erweiterung des Zentrums nutzen konnte. Im Oktober 2008 wurde an ei� ner Wand des Gebäudes eine Tafel in hebräi� scher und polnischer Sprache enthüllt, die an die Existenz des jüdischen Friedhofs an dieser Stelle erinnert.

lediglich drei erhaltenen Mazewes nicht um� zäunt. Den Friedhof zerstörten während des Zweiten Weltkriegs die Deutschen, der Rest wurde nach dem Krieg vollzogen. Die Mazewes wurden u.a. genutzt, um einen Steg am Ufer des Dobre-Sees zu bauen. Ein Teil der Grab� steine wurde in den See geworfen. Nach vielen Jahren fanden diese Taucher des Taucher- und Rettungsschwimmervereins „Podwodniak“ aus Gniezno. Sie bargen 24 Mazewes aus dem 19. Jahrhundert aus dem See. Die Grabsteine wurden gereinigt und auf den Friedhof an der ul. 22 Stycznia verbracht, der wiederhergestellt und 2002 erneut eröffnet wurde. Murowana Goślina „Zum Gedenken an die an diesem Ort bestatteten Juden. Die Einwohner” – So lautet die Aufschrift auf der an einem Find� ling angebrachten Tafel, die an die jüdischen Einwohner von Murowana Goślina erinnert. Der 2008 enthüllte Findling mit der Tafel be� findet sich auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofs an der ul. Mściszewska. Andenken an die jüdischen Einwohner von Murowana Goślina werden in der Regional� kammer aufbewahrt.

Pobiedziska

Uzarzewo

Noch in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts war das Gelände des im 18. Jahrhunderts angelegten Friedhofs mit seinen

Auf dem katholischen Friedhof ru� hen in einem Sammelgrab Juden, die während

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Jüdisches Viertel

Objekts begonnen. Nach ihrem Abschluss wurde hier im Jahr 2006 die Kunstgalerie des Bezirksmuseums in Leszno eröffnet. In der Galerie ist eine Dauerausstel� lung eingerichtet worden, die die Geschichte der Juden in Leszno und der Region Wielko� polska beschreibt. Die einstige jüdische Welt kann man durch die religiösen Gegenstände, die in Synagogen um im häuslichen Umfeld verwendet wurden, Bekleidungen, Dokumen� te und Archivfotos kennen lernen. Zu den interessantesten Exponaten gehören u.a. Tora� rollen, ein Babylonischer Talmud aus dem Jahr 1885, Chanukka-Leuchter, Kerzenständer und am Sabbat benutztes Geschirr, Besaminbüch� sen, Jad und Eheringe. Die Welt der Juden in Wielkopolska verdeutlichen hier auch Bilder und alte Postkarten.

Nur wenige wissen den Reiz der schmalen Gassen wie den der ul. Grodzka, ul. Średnia und ul. Tylna zu schätzen. Erst die Re� staurierung der ehemaligen Synagoge hat vie� len Einwohnern ins Bewusstsein gerufen, dass es in Leszno ein ehemaliges jüdisches Viertel gibt, obwohl es selten jemand versteht, dieses zu erkennen. Seine Anfänge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück, als sich in Leszno Juden anzusiedeln begannen. Im 17. und 18. Jahr� hundert gab es hier eine der größten jüdischen Gemeinden in Polen, der etwa 7000 Juden angehörten. Hier wirkte in den Jahren 1780 – 1790 der berühmte Posener Rabbiner Akiva Eger. Im frühen 20. Jahrhundert wohnten in Leszno nur noch einige hundert Juden und kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs etwa 200. Im Dezember 1939 wurden alle in das Generalgouvernement ausgesiedelt, von wo aus sie in Konzentrationslager kamen. Geblieben sind ihre Gebäude, die heute vollkommen andere Funktionen erfül� len, u.a. das Gebäude des Gebetshauses an der ul. Średnia 4 (heute Wohnhaus) und das Ge� bäude der Allgemeinen Jüdischen Schule an der al. Zygmunta Krasińskiego 22 (Privatschu� le).

Kunstgalerie des Bezirksmuseums in Leszno ul. G. Narutowicza 31, 64-100 Leszno Tel. 65 529 61 43 www.muzeum.leszno.pl Friedhof

Ehemalige Synagoge in Leszno, Foto: Archiv der Tourismusorganisation Leszno-Region

des Zweiten Weltkriegs gestorben oder im Zwangsarbeitslager in Kobylnica ums Leben gekommen sind. Wahrscheinlich wurden hier etwa einhundert Personen bestattet. Das Grab pflegen Einwohner des Dorfes.

Einrichtung in der Region Wielkopolska, die sich seit Jahren auf solch umfangreiche Weise mit dem Judentum befasst. Die barocke Synagoge (an der heu� tigen ul. Narutowicza 31) wurde im 18. Jahr� hundert errichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts haben sie die Architekten Richard und Paul Ehrlich im Jugendstil umgestaltet. Angebaut wurde damals ein Zwiebelhelm. Seine Turm� spitze war mit dem Davidsstern versehen. Im Gebetssaal gab es eine Empore für Frauen (zerstört wurde die Synagoge 1956 und der In� nenbereich des ehemaligen Gotteshaus wurde durch eine Decke in zwei Etagen unterteilt). Die Synagoge in Leszno wurden von Juden bis 1939 genutzt. Wie durch ein Wun� der hat sie den Krieg überstanden, obwohl die Deutschen ihre Einrichtung zerstört haben. Nach dem Krieg wurde sie als städtisches Bad genutzt. Im Jahr 1991 wurde sie dem Bezirks� museum überlassen und zwei Jahre später wurde mit einer Generalinstandsetzung des

Region Leszno

Leszno – Śmigiel - Kościan Leszno Synagoge Obwohl sie keine Gebetsstätte für die jüdischen Einwohner der Stadt mehr darstellt, bildet sie heute die älteste, am besten erhalte� ne und restaurierte Synagoge in Wielkopolska. Dank der in ihr gezeigten Ausstellung stellt sie eine Art Nachbildung des einstigen jüdischen Lebens in Leszno im Kleinformat dar. Es han� delt sich um die Judaistische Abteilung des Be� zirksmuseum in Leszno, die einzige museale

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Das einzige erhalten gebliebene Fragment des ehemaligen jüdischen Friedhofs befindet sich an der gegenwärtigen al. Jana Pawła II. Das von den Nazis zerstörte Fried� hofsgelände wurde in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts mit einer Wohnsiedlung bebaut. Auf dem noch vorhandenen Teil des Friedhofs stehen das ehemalige Haus des To� tengräbers und die Trauerhalle aus dem frü� hen 20. Jahrhundert, in der sich in den Jahren 1993-2004 die Judaistische Abteilung des Mu� seums Leszno befand. Diese Abteilung hat mit der Dokumentation aller jüdischen Friedhöfe und auch der Sammlung noch vorhandener Mazewes begonnen. Unter den über 400 Grab� mälern und Mazewa-Fragmenten stammen die meisten aus dem 19. und 20. Jahrhundert, aber die älteste erhaltene Mazewa entstand im Jahr 1700. Nach Eröffnung der Kunstgalerie wurde die Judaistische Abteilung in die ehe� malige Synagoge verlegt und in der ehemali� gen Trauerhalle eine Filiale der Öffentlichen Stadtbibliothek eingerichtet.

Leo-Baeck-Haus An der ul. Chrobrego 34 steht das aus dem 19. Jahrhundert stammende Haus, in dem Leo Baeck (1873-1956), einer der besten jüdischen Philosophen des 20. Jahrhunderts und der berühmteste Jude aus Leszno, geboren wurde. Śmigiel In der Mitte des 19. Jahrhunderts leb� ten 350 Juden in Śmigiel. Aber in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts hat die Stadtver� waltung, weil es keine jüdische Bevölkerung mehr gab, von der jüdischen Gemeinde die aus dem 19. Jahrhundert stammende Synagoge ge� kauft und in eine Schule umgebaut. Deshalb ist

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Ehemalige Trauerhalle in Kościan, Foto: Z. Schmidt

Friedhof in Koźmin, Foto: Z. Schmidt

das Gebäude an der ul. Mickiewicza 18 (heute als Wohnhaus genutzt), wenn auch in geänder� ter Form, erhalten geblieben. Den im späten 18. Jahrhundert ange� legten jüdischen Friedhof haben die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs zerstört und die Mazewes zum Pflastern von Höfen und zur Errichtung von Wirtschaftsgebäuden genutzt. Den einst auf dem Friedhof in Śmigiel bestat� teten Juden wurde 2008 gedacht, als an der ul. Skarżyńskiego ein Lapidarium, also eine Sammlung wiederaufgefundener Mazewes, eröffnet wurde. Es entstand an der Außensei� te der Mauer, die einst den Friedhof umgab. Zwei vollständig erhaltene Grabplatten sowie fünf weitere, die aus Fragmenten zusammen� gesetzt werden konnten, wurden in die Mau� er eingelassen. Die sonstigen Fragmente der Mazewes wurden vor der Mauer angeordnet. An der Mauer wurde eine Tafel mit folgender Aufschrift angebracht: „Mit dem jüdischen La� pidarium gedenken wir der gemeinsamen Ver� gangenheit – Einwohner der Region Śmigiel”. Dieses entstand dank der Bemühungen des Kulturverbands Śmigiel und der Kommunal� verwaltung.

fand sich einst zwischen den heutigen Straßen ul. Piaskowa und ul. 2 Października. Er wur� de von den Deutschen während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Heute ist von ihm nur ein Fragment der einstigen Friedhofsmauer sowie das früher als Trauerhalle genutzte Haus an der ul. Piaskowa 34, in dem sich jetzt Wohnungen befinden, erhalten.

Region Kalisz

Koźmin – Kalisz – Ostrów Wielkopolski – Odolanów – Grabów nad Prosną - Kępno Koźmin Der jüdische Friedhof in Koźmin ist nicht nur der am besten erhaltene, sondern auch der malerischste jüdische Friedhof in der Region Wielkopolska. Die seit dem 15. Jahr� hundert in Koźmin lebenden Juden haben das Gelände für den Friedhof gegen Ende des 18. Jahrhunderts von Kazimierz Saphieha, dem damaligen Eigentümer der Stadt, erhalten. Besucher des Friedhofs an der heu� tigen ul. Wierzbowa blicken auf Reihen dicht nebeneinander stehender Mazewes. Etwa 250 Grabsteine aus dem 19. und 20. Jahrhundert sind in einem hervorragenden Zustand erhal� ten geblieben. Der älteste stammt aus dem Jahr 1806, der jüngste aus dem Jahr 1969, als hier Nathan Mośkiewicz bestattet wurde, der letz� te jüdische Einwohner von Koźmin, einer von

Kościan Eine Mazewa auf dem katholischen Friedhof an der ul. Bączkowskiego ist heute das einzige Grabmal, das vom jüdischen Fried� hof in Kościan übrig geblieben ist. Dieser be�

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Gebäude an der ul. Kościuszki 19 in Kalisz, Foto: Z. Schmidt

Gebäude an der ul. Targowa 1 in Kalisz, Foto: Z. Schmidt

zweien, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben.

Frühjahr 1940 ein Ghetto in drei Häusern an der ul. Złota ein. Während seiner Liquidation im Jahr 1942 wurden die Juden in das Ghetto von Łódź deportiert, in den Wäldern bei Kalisz oder in Gaswagen ermordet.

Kalisz Die Anfänge der jüdischen Sied� lungstätigkeit in Kalisz reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück. Hier hatte bereits im Jahr 1264 Bolesław V. das berühmte Statut von Kalisch veröffentlicht, das die rechtlichen Verhältnisse der dortigen jüdischen Gemein� de beschreibt und dessen Geltung von Kasi� mir III. 1364 auf den ganzen Staat ausgedehnt wurde. Die Gemeinde in Kalisz gehörte zu den bedeutenderen in der polnischen Republik und ihre Rabbiner standen in den Jahren 1581 – 1764 an der Spitze des sog. Ausschusses der vier Länder (Wa’ad Arba’ Aratzot), des obers� ten Gremiums der jüdischen Gemeinschaft im Königreich Polen. Auch vor dem Zweiten Weltkrieg führte der Rabbiner von Kalisz bis 1939 alle Rabbiner in der Republik Polen an. Die Stadtgeschichte weist Phasen auf, in denen ein Drittel der Einwohner jüdischen Glaubens waren. Bis zum Ausbruch des Zweiten Welt� kriegs lebten hier etwa 30.000 und rund 22.000 zu Beginn der NS-Besatzung. Im November und Dezember 1939 wurden die meisten von ihnen ins Generalgouvernement deportiert. Für die übrigen richteten die Deutschen im

Jüdisches Viertel Im Stadtgebiet wurden bis heute mit Sicherheit 37 Orte identifiziert, die an die jüdi� sche Gemeinschaft erinnern. Den Krieg über� dauerten viele Gebäude des jüdischen Viertels, jedoch nicht die von den Nazis zerstörten Sy� nagogen. Die Große Synagoge an der ul. Złota aus dem 19. Jahrhundert fiel den Nationalso� zialisten schon im Jahr 1939 zum Opfer, die örtliche Juden schließlich 1940 dazu zwangen, diese abzureißen. Im selben Jahr wurde auch die reformierte Synagoge aus dem Jahr 1911 an der ul. Krótka 5 vollkommen zerstört. Der älteste Teil des jüdischen Viertels erstreckte sich im westlichen Teil der Stadt und seine Grenzen bildeten die heutigen Straßen ul. Narutowicza-Wodna, ul. Chopina, Nowy Rynek und ul. Kanonicka. Umgebaut und für andere Zwecke genutzt, sind u.a. die Gebäude der jüdischen Schulen an der ul. Kościuszki 14, 18 und 19, an der al. Wolności 27 und 29, der ul. Łazienna 15, der Talmud Tora Schule (heute Finanzamt) an der ul. Targowa 1, des Jüdischen Gymnasiums am pl. Kilińskiego 3

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Eingang zum Friedhof in Kalisz, Foto: Z. Schmidt

und des Jüdischen Kindergartens an der ul. ��� Pi� skorzewska 17. Unwiderruflich verschwunden sind hingegen das jüdische Krankenhaus, der Sitz des Vorstands der jüdischen Gemeinde, die Mikwe und das jüdische Theater an der ul. Ciasna. Eine vielsagende Erinnerung an die Zeit des Holocaust bildet das „Buchdenkmal“ (ul. Babina 11), das den tausenden polnischen und jüdischen Büchern aus Bibliotheken in Kalisz gewidmet ist, die die Nazis in den Jah� ren 1940-42 in das zugeschüttete Bett des Ba� binka-Kanals geworfen haben.

Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten die Nationalsozialisten den alten Friedhof völlig und verwendeten die Mazewes u.a. zur Befestigung des Flussufers der Prosna. Der neue Friedhof überdauerte in einem rela� tiv guten Zustand. 1946 wurden auf ihm die sterblichen Überreste von 1500 ermordeten Juden, die aus Massengräbern in den Wäldern um Kalisz exhumiert worden waren, beige� setzt. Ende der achtziger Jahre des 20. Jahr� hunderts begann man, den Friedhof wieder zu pflegen. 1989 wurden hier etwa 2000 vom alten Friedhof stammende Mazewes aufgestellt, die am Prosnaufer gefunden worden waren. Mög� lich würde dies dank der Bemühungen der Nissenbaum-Familienstiftung. 1998 wurde der Friedhof der Jüdi� schen Gemeinde in Wrocław überlassen. In der restaurierten Trauerhalle wurde 2001 das Haus der Erinnerung und Begegnung eröffnet, in dem u.a. Fotos, Bücher sowie Erinnerungsstü� cke der ehemaligen jüdischen Einwohner von Kalisz gezeigt werden. Unter den Exponaten befinden sich u.a. Menorot, eine vollständige Torarolle aus dem 18. Jahrhundert (gekauft auf

Friedhof sowie Haus der Erinnerung und Begegnung In Kalisz gab es zwei jüdische Fried� höfe. Der erste, wahrscheinlich der älteste in Polen, wurde im 13. Jahrhundert auf einer Fläche angelegt, die heute von den Straßen ul. Skalmierzycka, ul. Handlowa und ul. Nowy Świat begrenzt wird. Die Juden nutzen ihn bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. 1920 eröffneten sie einen neuen Friedhof an der ul. Podmiejska 23.

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einer Auktion von einem anonymen Erwerber, wurde sie der Betreuerin des Friedhofs über� lassen) und auch ein Kidduschbecher aus dem 19. Jahrhundert, der 1940 zufällig von einer Frau während der Zerstörung der Großen Sy� nagoge durch die Deutschen gerettet werden konnte und dem Haus der Erinnerung 2007 übergeben wurde. Das Haus bildet auch eine Begegnungsstätte und einen Veranstaltungs� ort für Vorträge über das Judentum. Realisiert werden in ihm Projekte wie z.B. die gemein� same Pflege von Gräbern sowie die Reinigung und Dokumentation von Mazewes durch pol� nische und israelische Jugendliche. Auf dem Friedhofsgelände stehen die Denkmäler zum „Gedenken an die Juden aus Błaszki” sowie „Gedenken an die während des Zweiten Weltkriegs Ermordeten“. Jugendliche aus Israel und Schüler von Gymnasien aus Ka� lisz haben gemeinsam das Denkmal „Geden� ken an die Juden aus Kalisz“ geschaffen. Auf dem Friedhof sollte man die Gräber zwei herausragender Rabbiner, näm� lich von Rabbiner Lipszyc und des Tzaddik aus Zduńska Wola, besuchen.

Ehemalige Synagoge in Ostrów Wlkp., Foto: Z. Schmidt

Den Friedhof kann man nach vorheriger Terminvereinbarung mit Frau Halina Marcinkowska, der Betreuerin der Ruhestätte, betreten (Tel. 600 06 79 56, E-Mail: hila@jewish.org.pl)

Verbands jüdischer Gemeinden in der Repub� lik Polen das Synagogengebäude übernommen und sich verpflichtet hat, zwei Lapidarien auf den ehemaligen jüdischen Friedhöfen zu bau� en. Die Synagoge an der ul. Raszkowska 21 bildet das einzige Gebäude des ehemaligen jüdischen Viertels, das den Zweiten Weltkrieg überdauert hat. Gerettet wurde sie dank des besonderen Mikroklimas, das in ihrem Inne� ren herrscht. Die Deutschen richteten in ihr ein Lager für alkoholische Getränke und Le� bensmittel ein. Nach dem Krieg gab es hier viele Jahre lang ein Möbellager und in den letzten Jahren wurde sie sporadisch als Veran� staltungsbühne genutzt. Die Synagoge in Ostrów Wielko� polski bildet heute die einzige großstädtische Synagoge im neomauretanischen Stil in Polen. Trotz vieler Zerstörungen sind in ihr im sehr hohen Maß Originalelemente, darunter u.a. die mit Flachreliefs reich verzierte Vorderfas� sade, die doppelstöckige Galerie für Frauen im

Ostrów Wielkopolski Im Jahr 1903 kostete eine grundle� gende Instandsetzung der Synogoge in Ostrów Wielkopolski 12000 Mark. Die gegenwärtige Revitalisierung des Bauwerks und seine An� passung an die neue Funktion haben 7 Mio. Zloty gekostet. 70% dieses Betrags stammen aus EU-Fördermitteln. Die Renovierung hat zwei Jahre gedauert. Am 6. Oktober 2011 wur� de die erneuerte Synagoge feierlich eröffnet. Heute befindet sich in ihr das Kultur� zentrum „Forum Synagoge” (untersteht dem Kulturzentrum Ostrów), das u.a. einen Kon� zertsaal für 150 Personen und Galerien mit Balkonen umfasst. Diese Lösung ist möglich geworden, weil 2006 die Kommunalverwal� tung von Ostrów Wielkopolski kraft einer Ver� einbarung von der Ortsgruppe Wrocław des

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NORDWESTLICHES WIELKOPOLSKA

REGION KONIN

REGION KALISZ

REGION LESZNO

STRECKE:

Województwo Lubuskie

SIERAKÓW

LESZNO

BUK

Województwo Zachodniopomorskie

MOSINA

CZARNKÓW

JASTROWIE

POBIEDZISKA

KÓRNIK

UZARZEWO

MUROWANA

Województwo Pomorskie

ODOLANÓW

OSTRÓW WLKP.

PYZDRY

GNIEZNO

Województwo Opolskie

GRABÓW

KALISZ

KONIN

KAZIMIERZ BISKUPI

Województwo Kujawsko-Pomorskie

RUDZICA

SOMPOLNO


Hauptgebetssaal und Wandmalereien, erhalten geblieben. In Ostrów Wielkopolski gibt es keine Friedhöfe mehr, weil sie von den Nazis wäh� rend des Zweiten Weltkriegs zerstört worden sind. 2009 wurde der Bau eines Lapidariums am pl. 23 Stycznia, wo sich in den Jahren 17241780 der erste jüdische Friedhof befand, ab� geschlossen. Es besteht aus Mazewes, die Teil einer den pl. 23 Stycznia umgebenden Mauer gewesen sind. An der Mauer des Friedhofs, der jetzt der Ortsgruppe Wrocław des Verbands jüdischer Gemeinden in der Republik Polen gehört, wurde eine Tafel mit folgender Auf� schrift in hebräischer und polnischer Sprache angebracht: „Der Staub auf die Erde zurück� fällt als das, was er war, und der Atem zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat. Koh. 12.7“ Die Arbeiten am zweiten Lapidarium an der al. Słowackiego, wo es seit Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg einen jüdischen Friedhof gab, laufen.

Anfang der neunziger Jahre ein Kino. Später pachteten die Zeugen Jehovas das Gebäude. 2007 hat die Ortsgruppe Wrocław des Ver� bands jüdischer Gemeinden in der Republik Polen die ehemalige Synagoge zurückerhalten. Kępno Obwohl die Synagoge an der ul. Łazienna 6 sehr zerstört ist, bildet sie weiterhin ein imponierendes klassizistisches Bauwerk sowie eines der größten und interessantesten Gotteshäuser in der Region Wielkopolska. 2009 hat die Ortsgruppe Wrocław des Ver� bands jüdischer Gemeinden in der Republik Polen sie der Stadt unter der Bedingung ge� schenkt, dass das Gebäude für kulturelle Zwe� cke verwendet werden wird. Im Rahmen der Vereinbarung hat sich die Stadtverwaltung auch verpflichtet, des ehemaligen jüdischen Friedhofs zu gedenken. Die klassizistische Synagoge wurde in den Jahren 1815-16 nach einem Entwurf von Architekten aus dem schlesischen Brzeg, näm� lich der Brüder Fryderyk und Karol Scheffler, errichtet. Im Westteil befand sich der quadra� tische Hauptgebetssaal, in dem Fragmente der klassizistischen Stuckdekoration sowie Wand� malereien aus den Jahren 1924-25 erhalten geblieben sind. Im Obergeschoss befand sich der Frauenraum. Weiterhin eindrucksvoll ist die 5-achsige Vorderfassade der Synagoge mit dem monumentalen, vier Säulen besitzenden, Portikus. Die Nazis zerstörten das Gotteshaus während des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg erfüllte das Gebäude unterschiedliche Funktionen (u.a. die eines Möbellagers), aber viele Jahre lang stand es auch leer. 1973 wurde sein Inneres von einem Feuer zerstört. Juden wohnten in Kępno seit dem 17. Jahrhundert. Mitte des 19. Jahrhunderts bilde� ten sie sogar mehr als die Hälfte der Stadtbe� wohner. Später fiel durch Auswanderung ihre Zahl. Aus den besten Zeiten stammt der jüdi� sche Friedhof, der während des Zweiten Welt� krieg zerstört worden ist (an der heutigen ul. Wrocławska). Nach dem Krieg wurde hier eine Autowerkstatt errichtet.

Odolanów Obwohl sich die ersten Juden in Odolanów bereits um das Jahr 1400 ansiedel� ten, bildeten sie niemals eine zahlreiche ge� sellschaftliche Gruppe. Die meisten, nämlich etwa 200, gab es in der Mitte des 19. Jahrhun� derts. An sie erinnern die bis heute an der ul. Krotoszyńska stehende klassizistische Synago� ge aus dem Jahr 1836 sowie das dem Schäch� ten dienende Haus, das funktionell und ar� chitektonisch mit dem Gotteshaus verbunden war. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Synagoge von den Deutschen verwüstet. Heute werden beide Gebäude als Wohnhäuser benutzt. Grabów nad Prosną 1857 haben die Juden in Grabów nad Prosną an der heutigen ul. Kępińska eine gemauerte Synagoge mit einem rechteckigen Grundriss errichtet. In Grabów wohnten da� mals etwa 170 Juden. Trotz ihrer Verwüstung durch die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs hat sie die Besatzungszeit über� dauert. Nach dem Krieg befand sich in ihr bis

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Lapidarium in Słupca, Foto: Z. Schmidt

Lapidarium in Słupca, Foto: Z. Schmidt

Region Konin Pyzdry – Słupca – Kazimierz Biskupi Konin – Rudzice – Sompolno – Koło – Chełmno nad Nerem

frühen neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde dank der Bemühungen von Mitarbei� tern des Regionalmuseums ein Teil der Maze� wes vom Fluss ins Museum gebracht. Auf den ehemaligen Friedhof, auf dem heute ein Kie� fernwäldchen wächst (hinter dem Fluss östlich der Stadt), sind manche von ihnen nach der Schaffung eines Lapidariums zurückgekehrt. Einige von ihnen wurden in eine Ziegelmauer mit einer Gedenktafel eingemauert.

Pyzdry Juden wohnten bereits im 14. Jahr� hundert in Pyzdry. Im frühen 19. Jahrhundert gab es hier über 1200 und kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs etwa 500. Alle wurden 1940 in Ghettos im sog. Wartheland depor� tiert. Heute erkennt nur ein geschultes Auge in der Fertigungshalle des Betriebs an der ul. Kościuszki 10 die für Synagogen cha� rakteristische Anordnung der Fenster. Das von den Nazis zerstörte Gotteshaus aus dem Jahr 1793 wurde nach dem Krieg um ein Stockwerk erweitert und in eine Produktionshalle umge� baut. Der aus dem 18. Jahrhundert stam� mende Friedhof wurde während des Zweiten Weltkriegs vollkommen zerstört und die Ma� zewes u.a. beim Bau von Hochwasserdämmen entlang der Warthe sowie zur Herstellung von Straßenbelägen verwendet. An der ul. Nad� rzeczna haben die Nazis in die Böschung ein Kraftstofflager für das örtliche Kraftwerk ge� baut und dabei auch Mazewes vom zerstörten Friedhof verwendet. Auf einer von ihnen kann man sogar die Aufschrift erkennen. Erst in den späten achtziger oder

Słupca Sehr viele jüdische Personen haben sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Słupca niedergelassen und bildeten schnell eine zahlenmäßig bedeutende Gemeinschaft. Diese umfasste 1800 Menschen, fast ein Viertel der Stadtbevölkerung. Damals errichteten sie eine Synagoge, Schulen, eine Bibliothek und hinter der Stadt legten sie einen Friedhof an. Obwohl die Synagoge (ul. Bożnicza 11) von den Deutschen verwüstet wurde, überstand sie die NS-Besatzung. Nach dem Krieg wurde sie umgebaut, so dass sich heute in ihr Wohnun� gen befinden. Nicht erhalten geblieben ist der jüdi� sche Friedhof. Nach seiner Zerstörung im Jahr 1942 ebneten die Deutschen die Fläche und pflanzten auf ihr Bäume an. Heute erinnert an den Friedhof an der gegenwärtigen ul. Gajowa eine an einem großen Stein angebrachte Ge� denktafel.

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ihm eingerichtet. Um den Bau des Gebäudes zu vollenden, wurde es von einer jüdischen Bank übernommen (in den dreißiger Jahren wurde in diesem eine jüdische Bibliothek ge� schaffen), und das bis 1929 funktionierende Gymnasium wurde in einem anderen, heute nicht mehr vorhandenen, Gebäude eröffnet. Das ursprünglich für das Gymnasium vorge� sehene Gebäude ist heute Teil des Stefan-Bato� ry-Fortbildungszentrums. Man kann es an den prächtigen Säulen, die seine Portikus stützen, leicht erkennen. Ehemalige Synagoge in Konin, Foto: Z. Schmidt

Gedenkstätten Innenbereich der ehemaligen Synagoge in Konin, Foto: Z. Schmidt

Ein Teil der Mazewes oder ihrer Fragmente, die wie ein Wunder an verschiede� nen Stellen von Słupca aufgefunden wurden, sind vor einigen Jahren ins örtliche Regional� museum gebracht worden. An der Museums� mauer wurde mit ihnen ein kleines Lapidari� um geschaffen.

Glaubens. Von den etwa 2500 Personen, die hier in den späten dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts lebten, haben nur wenige den Krieg überlegt. Aus dem Ghetto, das seit De� zember 1939 bis zum Sommer 1940 bestand, wurden sie zunächst in andere größere Ghet� tos und schließlich in Vernichtungslager de� portiert.

Regionalmuseum ul. Warszawska 53, 62-400 Słupca Tel. 63 275 26 40 muzeumslupca@op.pl, www.slupca.pl Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 8.00 – 15.00 Uhr, sonntags von 14.00 – 18.00 Uhr.

Synagoge, Talmudschule, Mikwe An der Stelle einer Synagoge aus dem 18. Jahrhundert entstand an der gegenwär� tigen ul. Mickiewicza in den Jahren 1825-29 das bis heute erhaltene neue Gotteshaus (er� weitert 1882) im neomauretanischen Stil. Das Gewölbe des Hauptgebetsaals stützte sich auf vier mächtige Pfeiler, zwischen denen sich die Bima befand. Im Ostteil des Gotteshauses be� fand sich der Toraschrein und auf der Westsei� te der Frauenraum. Neben der Synagoge wurde um das Jahr 1870 ein Haus der Lehre (Beth Midrash) errichtet. An den Wänden des Erdgeschosses der Talmudschule standen Bücherschränke und die Leser saßen auf Bänken an langen Tischen. In der Mitte des Sales befand sich die Bima und an der Westwand stand der To� raschrein. Während der Zwischenkriegsjahre bildete die Talmudschule das Zentrum des intellektuellen Lebens der Juden in Konin. Die Nazis verwüsteten die Synagoge und die

Kazimierz Biskupi Etwa 3000 Juden aus dem Ghetto in Zagórów wurden im Oktober und November 1941 im Wald „Krążel” bei Kazimierz Biskupi ermordet. Im August 2002 wurde an dieser Stelle ein von Stanisław Mystek geschaffenes Denkmal mit diese tragischen Ereignisse be� schreibenden Tafeln aufgestellt. Konin Die erste Erwähnung von Juden in Konin stammt aus dem 14. Jahrhundert. Zu einer größeren gesellschaftlichen Gruppe wur� den sie jedoch erst im 18. und 19. Jahrhundert. Gegen Ende dieses Zeitraums waren mehr als die Hälfte der Einwohner Konins jüdischen

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Der jüdische Friedhof, den es seit den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts an der ul. Nadrzeczna gab, ist vollkommen ver� schwunden. Er wurde von den Deutschen wäh� rend des Zweiten Weltkriegs völlig zerstört. Sie verwendeten die Mazewes zum Straßenbau und auf dem Friedhofsgelände richteten sie einen Schießstand für die Hitlerjugend ein. Heute erinnert an den Friedhof nur ein Find� ling mit einer Gedenktafel. Hier steht auch ein Obelisk zum Gedenken an die 56 polnischen

Mazewes im Museum in Konin-Gosławice, Foto: Z. Schmidt

Schule in den ersten Besatzungsmonaten. Den Großteil der Ausstattung und alle Bücher ver� brannten sie auf einem Haufen vor der Syna� goge. Beide Gebäude blieben jedoch erhal� ten. In der ehemaligen Synagoge und Talmud� schule hatten nach dem Krieg unterschiedliche Firmen ihren Sitz. Nach einer Generalin� standsetzung der Talmudschule im Jahr 1973 wurde in ihr eine Bibliothek eingerichtet. Zu diesem Zweck wird seit 1988 auch die ehema� lige Synagoge genutzt. Der Innenraum mit den sorgfältig restaurierten Wandmalereien an den Wänden des Gotteshauses und den Pfeilern der Bima ist beeindruckend. Auch außen hat die Synagoge ihre architektonische Form ge� wahrt und von der Straße trennt sie der Origi� nalzaun aus Schmiedeeisen mit Davidsternen. Seit 2011 befinden sich beide Gebäude in Pri� vatbesitz.

Exponate im Museum in Konin, Foto: Z. Schmidt

Städtische Öffentliche Bibliothek, Filiale Altstadt ul. Mickiewicza 2, 62-500 Konin Tel. 63 242 85 62, www.mbp.konin.pl Jüdisches Gymnasium An der ul. Wodna 1 ist das in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts für das jüdische Gymnasium errichtete Gebäude erhalten geblieben. Mangels finanzieller Mit� tel wurde das Gymnasium jedoch niemals in

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Rudzica

Einwohner von Konin und aus der Umgebung, die von den Deutschen im November 1939 auf dem Friedhof erschossen worden sind. 2003 wurde an der ul. Kolejowa eine Gedenktafel für die jüdischen Opfer des Zwangsarbeitslagers enthüllt, das in Konin – Czarków von März 1942 bis August 1943 be� stand. Wahrscheinlich befanden sich in ihm etwa 1100 Häftlinge. Ein Grab von 60 im La� ger verstorbenen bzw. ermordeten Personen befindet sich auf dem katholischen Friedhof an der ul. Kolska. Hunderte Häftlinge wurden während der Auflösung des Lagers in den Wäl� dern bei Kazimierz Biskupi ermordet und die übrigen deportiert.

Ende September und Anfang Okto� ber 1941 ermordeten die Deutschen im Wald Niesłusz Rudzica bei Konin etwa 1600-2000 Juden. Opfer waren hauptsächlich Bewohner der Ghettos in Grodziec und Rzgów. Nach dem Krieg wurde am Massengrab im Wald eine Gedenktafel angebracht. 1998 wurden am Ort des Massenmords archäologische Unter� suchungen durchgeführt. Dort, wo Gräber ge� funden wurden, wurden von Jan Rassumowski entworfene Obelisken aufgestellt, die an diese tragischen Ereignisse erinnern. Sompolno

Judaica

Die gemauerte Synagoge an der ul. Piotrkowska in Sompolno entstand wahr� scheinlich in den Jahren 1910-12 an der Stelle eines älteren Holzgebäudes. Seit dem frühen 20. Jahrhundert gab es hier bereits eine jüdi� sche Gemeinde, die auch einen eigenen Fried� hof angelegt hatte (er befand sich in der Nähe der heutigen Straßen ul. Morcinka und ul. Skarbka). 1931 wohnten in Sompolno 1140 Juden. Während des Kriegs wurden die jü� dischen Einwohner nach der Auflösung des Ghettos in das Vernichtungslager Chełmno nad Nerem gebracht. 1942 wurde der Friedhof liquidiert und die Synagoge diente als Lager. Trotz seiner Verwüstung durch die Deutschen hatte das Gotteshaus viel Glück. Das Gebäude überstand in einem relativ guten Zustand den Krieg und diente später als Lager. Erhalten geblieben ist seine Gestaltung sowohl innen als auch außen. Im Ostteil der Synago� ge befand sich der Gebetssaal und im Westteil eine Eingangshalle, über der der Frauenraum lag. Einer sorgfältigen Instandsetzung und Umgestaltung für einen neuen Zweck unter Bewahrung der Aufteilung der Innenräume wurde sie Anfang der neunziger Jahres des 20. Jahrhunderts unterzogen. 1993 wurde in ihr die Öffentliche Stadtbibliothek untergebracht. Von der ehemaligen Synagoge in Sompolno konnte ein Teil des silbernen To� raschmucks gerettet werden, der Anfang der neunziger Jahre in Sompolno - in der Erde

Elemente der einstigen jüdischen Welt kann man im Bezirksmuseum in Ko� nin besichtigen. Es handelt sich um eine gro� ße Sammlung von Judaica, die sich jedoch in unterschiedlichen Abteilungen befinden. Zu ihnen gehören u.a. architektonische Pläne und Grundrisse der Synagoge in Konin aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts, Meno� rot, hunderte Mazewes und ihre Fragmente, die von zerstörten Friedhöfen im Raum Konin stammen, und ebenso eine Ausstellung, die dem Leben und dem Werk des hervorragen� den jüdischen Bildhauers Henryk Henoch Gli� censtein, der aus Turek stammt, gewidmet ist. Zu den wertvollsten Judaica gehören Kultgegenstände aus Synagogen, so eine Tora aus dem 19. Jahrhundert und silberne Elemen� te (Rimmonim, Tass, Jad), die aus der Synago� ge in Sompolno stammen. Sie wurden Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts in einem Silberschatz in der Erde gefunden. Zu den Sammlungen in Konin gehören u.a. auch Besaminbüchsen, Kidduschbecher, Sedertel� ler, Chanukka-Leuchter und auch ein selten in Museen zu findendes Tablett, das bei der Be� schneidungszeremonie verwendet wurde. Bezirksmuseum ul. Muzealna 6, 62-505 Konin/Gosławice Tel. 63 242 75 99 Fax 63 242 74 31 www.muzeum.com.pl

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Ehemalige Synagoge in Sompolno, Foto: Z. Schmidt

in das Vernichtungslager in Chełmno nad Ne� rem deportiert. Nach ihrer Deportation wurde die kleinere Synagoge in ein Lager verwandelt und danach abgebrannt. Heute befindet sich auf dem Neuen Markt an der Stelle, an der das Gotteshaus stand, ein Denkmal für die depor� tierten Juden, das 1989 enthüllt worden ist. Erhalten geblieben ist in Koło auch nicht der jahrhundertalte jüdische Friedhof, der von den Nationalsozialisten verwüstet worden ist. Anfang der siebziger Jahres des 20. Jahrhunderts entstand an seinem Rand ein Kulturhaus. Das Gelände des ehemaligen Friedhofs erstreckt sich zwischen den Straßen ul. 3-Maja und ul. Słowackiego hinter dem Kulturhaus. 1993 wurde ein Denkmal mit ei� ner Gedenktafel aufgestellt. Im April 2009 hat das Museum für Keramiktechniken von einer Privatperson eine Tora als Spende erhalten. Es handelt sich um das erste Exponat einer Judaica-Sammlung, die das Museum aufbauen möchte.

verborgen - gefunden wurde. Man kann ihn im Bezirksmuseum in Konin besichtigen. Öffentliche Stadt- und Gemeindebibliothek ul. Piotrkowska 8, 62-610 Sompolno Tel. 63 271 42 30 www.biblioteka.sompolno.pl Koło Juden lebten seit dem 15. Jahrhun� dert in Koło. Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wohnten hier etwa 5000. Die größ� te Gruppe bewohnte die Umgebung des Neuen Markts, des Platzes, auf dem seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zwei Synagogen standen. Die größere Synagoge sprengten die Deutschen im September 1939 und die kleinere nutzen sie als Aussiedlungsstelle für die jüdische Be� völkerung des örtlichen Ghettos, das hier vom Dezember 1940 bis Ende 1941 bestand. In dieser Zeit wurden etwa 2000 Juden aus Koło

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Es gibt viele Denkmäler, Obelisken und Gedenktafeln für Opfer auf dem Gelände des ehemaligen Lagers und es entstehen stän� dig neue. Außerhalb des ehemaligen Lagerge� ländes befindet sich ein Lapidarium, in dem Mazewes aufbewahrt werden, die vom jüdi� schen Friedhof in Turek stammen.

Friedhof in Chełmno, Foto: Z. Schmidt

Chełmno nad Nerem

In den fünfziger Jahren wurde zum ersten Mal die Lichtung mit den Gräbern geordnet und im Jahr 1964 ein mächtiges Denkmal, ein Werk von Józef Stasiński und Jerzy Buszkiewicz zum Gedenken an die Opfer des Völkermords, ent� hüllt. An der Rückseite des Monuments wur� de ein Fragment eines Briefes eines der Opfer angebracht, das mit den Worten beginnt: „Wir alle, vom Alten bis zum Säugling, zwischen der Stadt Koło und Dąbie wurden geholt. Wir wur� den in den Wald gebracht und dort vergast ...”. 1987 wurde das Museum des ehema� ligen Vernichtungslagers in Chełmno nad Ne� rem (Abteilung des Bezirksmuseum in Konin) eröffnet, das nicht nur formell die Betreuung dieses Orts übernommen, sondern auch breit angelegte wissenschaftliche Untersuchungen und didaktische Maßnahmen eingeleitet hat. Die Eröffnung erfolgte 1990. Damals wurde auch am Südwestrand des ehemaligen La� gers die den in Chełmno ermordeten Juden gewidmete „Gedächtniswand“ enthüllt, eine Betonmauer mit einem symbolischen Tor, das folgende Inschrift in hebräischer Sprache trägt: „Tor, durch das die Gerechten gehen werden.“ An der Mauer sind Gedenktafeln für die Opfer des Lagers in Chełmno angebracht.

Dank intensiver Forschungen, die besonders in den letzten Jahren durchgeführt worden sind, kann man heute sagen, dass im nationalsozialistischen Vernichtungslager in Chełmno nad Nerem 160.000 bis 200.000 Menschen ermordet worden sind, und zwar hauptsächlich Juden aus dem sog. Wartheland, aber auch Personen aus anderen besetzten Tei� len Polens und auch aus dem Ausland. Zu den Opfern gehörten auch Polen sowie Sinti und Roma. Das von den Deutschen Kulmhof genannte Lager wurde vom 8. Dezember 1941 bis zum 11. April 1943 und vom Frühjahr 1944 bis zum 18. Januar 1945 betrieben. Die Morde wurden zunächst in Chełmno (auf dem Ge� lände am Herrenhaus) und später im nahen Rzuchów-Wald in Gaswagen verübt. Anfäng� lich wurden die Opfer im Erdreich verscharrt und ab Sommer 1942 in Feldkrematorien ver� brannt. Der tragischen Geschehnisse in Chełmno nad Nerem wird seit Ende des Krie� ges gedacht. Zunächst pflegten spontan Ein� wohner aus der Umgebung die Massengräber.

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Nordwestlicher teil der Region Wielkopolska Wągrowiec – Złotów – Jastrowie – Czarnków – Sieraków – Zbąszyń

Wągrowiec Juden begannen sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Wągrowiec an� zusiedeln. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, nämlich 1807, errichteten sie eine Synagoge und legten auf einer Anhöhe am DurowskieSee einen Friedhof an. Mitte des 19. Jahrhun� derts gehörten der jüdischen Gemeinde über 800 Personen und vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rund 200 Mitglieder an. Die Synagoge zerstörten die Deut� schen bereits im Jahr 1940. Dasselbe Schicksal nahm der Friedhof. Einen Teil der sich auf ihm befindenden Mazewes verwendeten die Nazis als Gehwegplatten, einen weiteren Teil zur Be� festigung des Seeufers und die übrigen warfen sie in den See. Der Friedhof wurde Mitte der fünfziger Jahre geschlossen, in den sechziger

Museum des ehemaligen Vernichtungslagers in Chełmno nad Nerem, 62-663 Chełmno Gemeinde Dąbie www.muzeum.com.pl Niederlassungen: Rzuchów-Wald (Friedhofsbereich, Monument, Gedächtniswand, Gedenkstätten, Lapidarium, Museumspavillon) – Tel. 501 610 710, Gelände des ehemaligen Herrenhauses Tel. 63 271 94 47 Öffnungszeiten des Museums: Pavillon: ab dem 1. April bis 30. September täglich von 10.00 – 18.00 Uhr; 1. Oktober bis 31. März – nur werktags von 8.00 - 14.00 Uhr. Archäologisches Ausgrabungsgelände und Herrenhausruinen: von Juni bis September werktags von 8.00 bis 18.00 Uhr Friedhof in Wągrowiec, Foto: Z. Schmidt

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dem Gelände des ehemaligen Friedhofs ein pyramidenförmiges Denkmal errichtet. Eine an diesem angebrachte Tafel informiert in pol� nischer, deutscher und hebräischer Sprache: „Zum ewigen Gedenken wurde dieser Hügel aus Steinen alter Gräber errichtet, um die Ehre derjenigen zu bewahren, für die die Denkmä� ler aufgestellt worden sind.“ Es wurde 2002 enthüllt.

erhalle aus dem 19. Jahrhundert stehen an der ul. Ogrodowa. Sieraków Eine jüdische Gemeinde gab es in Sieraków schon im späten 18. Jahrhundert. Sie besaß einen Friedhof, eine Schule und eine Synagoge. Die Synagoge an der heutigen ul. Sokoła wurde wahrscheinlich vor 1889 errich� tet. Bis heute sind die äußeren Gestaltungsele� mente des Gotteshauses erhalten geblieben, obwohl es bereits in der Zwischenkriegszeit nicht mehr als Kultstätte genutzt wurde. Man� gels jüdischer Bevölkerung wurde in ihr schon viele Jahre vor dem Krieg nach einem entspre� chenden Umbau ein Aufenthaltsraum für den Schützenverein „Falke“ eingerichtet. Während des Zweiten Weltkriegs nutzen die Deutschen das Gebäude als Lager. Nach dem Krieg wurde es in ein Kino umgebaut, das mehrere Jahr� zehnte lang bestand. Seit einigen Jahren befin� det sich das Gebäude in Privatbesitz.

Jastrowie

Ehemalige Synagoge in Sieraków, Foto: Z. Schmidt

Jahren eingeebnet und das Gelände als Park genutzt. Dem jüdischen Friedhof wurde erst 2001 gedacht. Die aus dem See geborgenen Mazewes wurden gesäubert und entlang der Spazierwege am See aufgestellt. Auf dem Ge� denkstein auf dem ehemaligen Friedhofsge� lände befindet sich eine Inschrift in polnischer, hebräischer und deutscher Sprache: „Den polnischen Juden, die über Jahrhunderte diese Stadt mitgestalteten.” An die jüdischen Einwohner von Wągrowiec erinnern auch noch das ehemalige Fachwerkhaus des Kantors an der ul. Lipowa 6 aus dem frühen 19. Jahrhundert sowie das Gebäude der ehemaligen jüdischen Schule, in denen sich heute Wohnungen befinden.

November 1938 zerstörte Synagoge der jüdi� schen Gemeinde befand.“ Juden wohnten hier seit Ende des 16. Jahrhunderts und bildeten sogar die Hälf� te der Einwohner der Stadt. Der Umstand, dass Złotów nach dem Ersten Weltkrieg zu Deutschland gehörte, bewirkte, dass die Juden� verfolgung hier früher als in anderen Teilen der Region Wielkopolska begann. Die in den Jahren 1878-79 im neomauretanischen Stil er� richtete Synagoge wurde schon 1937 verwüstet und ein Jahr später in die Luft gesprengt. Zwei Jahre länger bestand der im 16. Jahrhundert angelegte Friedhof auf dem sog. Judenberg (am Schnittpunkt der gegenwärti� gen Straßen ul. Jerozolimska und ul. Zamko� wa). Die Nazis verwüsteten ihn „erst” 1940. Die Mazewes wurden für Bauarbeiten genutzt, darunter zur Befestigung des städtischen Wo� chenmarktplatzes. Ein Teil der zerschlagenen Mazewes wurde 1998 während Arbeiten an der ul. Wańkowicza und ul. Reymonta wieder� gefunden. Sie wurden damals ins Regionalmu� seum Złotów gebracht. Dank einer Initiative des Vereins der Freunde von Złotów wurde aus den wieder� aufgefundenen Fragmenten von Mazewes auf

Złotów An die Synagoge in Złotów erinnern heute nur noch eine Gedenkstätte in Form ihres Mauergrundrisses, der auf dem Pflas� ter des heutigen pl. Paderewskiego sichtbar ist, sowie eine eingelassene Tafel mit folgen� der Aufschrift in polnischer, hebräischer und deutscher Sprache: „Ort, an dem sich die im

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Juden lebten in Jastrowie seit dem frühen 17. Jahrhundert bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Diejenigen, die die Stadt vor dem Krieg nicht verließen, wurden von den Deutschen in Konzentrationslager de� portiert. Von der Synagoge, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts an der gegenwärtigen ul. Jagiellońska stand, ist heute keine Spur mehr vorhanden. Die Deutschen haben sie bereits 1938 zerstört. An die einstigen Einwohner er� innert nur der Friedhof an der ul. Kilińskiego in der Nähe des Bahnübergangs. Auf dem klei� nen, teilweise schon während des Krieges ver� wüsteten, Friedhof sind etwa 70 Mazewes aus Granit und Sandstein mit Aufschriften in he� bräischer und deutscher Sprache erhalten ge� blieben. Das älteste Grabmal stammt aus dem Jahr 1856. Von Zeit zu Zeit wird der Friedhof von der örtlichen Gemeinschaft gepflegt.

Zbąszyń Wenn jemand versuchen würde, die in den Jahren 1885-90 errichtete Synagoge in Zbąszyń mit Hilfe eines Archivfotos zu finden, hätte er keine Chance, das Gebäude wiederzu� erkennen. Obwohl es immer noch vorhanden ist, hat sich durch Kriegsbeschädigungen und einen anschließenden Umbau in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts sein ursprüng� liches Aussehen vollkommen verändert. Im Gebäude an der gegenwärtigen ul. Żydowska 1 befinden sich heute Wohnungen. Auch den ehemaligen jüdischen Friedhof an der ul. Garbarska gibt es nicht mehr. Er wurde während des Zweiten Welt� kriegs zerstört und später wurde sein Gelände mit Einfamilienhäusern bebaut. An ihn erin� nert nur eine Gedenktafel. Es handelt sich um eine Gedenkstätte für die Juden aus Zbąszyń, auch diejenigen, die Ende Oktober 1938 aus Deutschland hierher vertrieben worden wa� ren. Ende Oktober und Anfang November des genannten Jahres fanden hier über 9000 polni� sche Juden eine erste Aufnahme, die von den Nazis aus dem Reich vertrieben worden waren.

Czarnków Die ul. Staromiejska in Czarnków hieß einst ul. Żydowska (Judenstraße). Das ist nicht verwunderlich, weil das Gelände an der ul. Staromiejska und Łąkowa um den heutigen pl. Bartoszka einst das jüdische Viertel ein� nahm. Auf dem Platz stand die Synagoge, die von den Deutschen in den Jahren 1939-1940 zerstört wurde. Es sind jedoch andere, einst jüdische, Bauwerke erhalten geblieben, so die Schule aus dem Jahr 1878 (heute Wohngebäu� de), die dahinter liegende Mikwe, das Haus des Rabbiners am pl. Bartoszka 6, der Sitz der jü� dischen Gemeinde an der ul. Łąkowa und viele einst von Juden bewohnte Häuser. Reste des Friedhofs mit noch vor� handenen Mazewes und der ehemaligen Trau�

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Veranstaltungen im Zusammenhang mit der jüdischen Kultur

Tzaddik-Festival (Poznań) Das Tzaddzik-Festival findet jedes Jahr (seit 2007 in Poznań), und zwar immer im August, statt. Seine Veranstalter sind die Stiftung Internationales Theaterfestival Mal� ta sowie Multikulti Projekt. Das Festival ent� stand, um „das Phänomen der jüdischen Kul� tur und Tradition, die religiöse, musikalische, gesellschaftliche Dimension und die Bräuche, zu beschreiben“. Sein Programm umfasst Kon� zerte, Ausstellungen und Filmvorführungen. Die Besonderheit des Festivals beruht jedoch darauf, dass es sich nicht um eine typische Prä� sentation der jüdischen Kultur, sondern um einen künstlerischen interkulturellen Dialog handelt, bei dem die Synagoge, in der sich seit 1941 ein Schwimmbad befindet, als Veran� staltungsort für künstlerische Ereignisse und Symbol des Gedenkens eine besondere Rolle spielt.

Tage des Judaismus (Poznań) Seit 1998 wird der 17. Januar in der katholischen Kirche in Polen als Tag des Juda� ismus begangen. In Poznań umfasst dieser Ge� denktag immer ein rund zwei Wochen langes Programm. Die Tage des Judaismus bilden ein ungewöhnlich wichtiges Ereignis nicht nur religiöser, sondern auch künstlerischer Natur. Neben theologischen Gesprächen und ge� meinsamen Gebeten finden während der rund zweiwöchigen Veranstaltungszeit in Poznań Symposien, Konferenzen, Vorträge, Podiums� diskussionen, Konzerte und Ausstellungen statt. Am 17. Januar wird in der Albertuskirche ein Gottesdienst unter Beteiligung von Vertre� tern der jüdischen Gemeinde gehalten. Die Tage des Judaismus in Poznań organisieren das Referat für den Dialog zwi� schen den Religionen des Erzbistums Poznań, der Verein Coexist sowie die Hochschule für humanistische Wissenschaften und Journalis� mus unter Beteiligung der Ortsgruppe Poznań des Verbands der jüdischen Gemeinden in der Republik Polen, der Kommunalverwaltung und kultureller Institutionen aus Poznań.

Tage der jüdischen Kultur Seit einigen Jahren finden in vielen Städten der Region Wielkopolska Tage der jü� dischen Kultur (oder Tage der jüdischen und israelischen Kultur) statt. Manche wurden schon wiederholt veranstaltet (u.a. in Gniezno, Poznań und Kalisz). Zu ihren Programmen ge� hören sowohl Vorträge als auch künstlerische und sogar kulinarische Ereignisse. Die Tage werden meistens von der örtlichen Gemein� schaft unter Mitarbeit der Gesellschaft Wiel� kopolska-Israel sowie Vertretern der jüdischen Gemeinden veranstaltet.

Tzaddik-Festival in Poznań, Foto:Archiv der Stiftung Malta, W. Barzewski

Von Zbąszyń nach Chełmno nad Nerem Seit 2004 von der Stadtverwaltung in Zbąszyń, der Schulbehörde in Poznań und der Gedenkstätte und Museum in Żabikowo durchgeführtes Bildungsprojekt, das an den Beginn des Holocaust, nämlich die Vertrei� bung 17.000 polnischer Staatsangehöriger jü� discher Abstammung aus Deutschland im Ok� tober 1938 und ihre teilweise Unterbringung in Zbąszyń, erinnert.

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Tzaddik-Festival in Poznań, Foto:Archiv der Stiftung Malta, W. Barzewski

Mini-Wörterbuch Aron ha-Qodesch (Toraschrein): Nische in der Ostwand einer Synagoge oder dort aufgestellter Schrank, in dem die Torarollen aufbewahrt werden Bet ha-Midrasch: Haus für Gebete und Talmudstudien Bima: Podium in der Synagoge, von der aus die Tora verlesen und gebetet wird Kirkut: vom deutschen Wort „Kirchhof “ abgeleitete polnische Bezeichnung für einen jüdischen Friedhof Mazewa: jüdischer Grabstein Mesusa: Kapsel, die ein Stück Pergament mit einem Auszug aus der Tora beinhaltet und am Türpfosten des Hauses befestigt wird Parochet: bestickter Toraschrein-Vorhang Synagoge: Kultstätte für jüdische Gläubige, Gebetshaus; es handelt sich nicht um einen Tempel, weil diese Bezeichnung im Judaismus ausschließlich dem Tempel zu Jerusalem (zerstört im Jahr 70) vorbehalten ist.

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Nützliche Adressen:

Pensjonat Nasz Klub (Pension Unser Club) ul. Woźna 10, 61-777 Poznań Tel. 61 85 17 630; 602 382 540 Fax 61 851 66 81 www.naszklub.pl Fusion Hostel ul. Św. Marcin 66/72, 61-808 Poznań Tel. 61 852 12 30, Fax 61 853 46 0 www.fusionhostel.pl Schul-Jugendherberge „Hanka” ul. Biskupińska 27, 60-463 Poznań-Strzeszyn Tel. 61 822 10 63; 61 840 71 28 Fax 61 822 10 63 www.schroniskohanka.com

Ortsgruppe Poznań des Verbands der jüdischen Glaubensgemeinden in der Republik Polen ul. Stawna 10, 61-759 Poznań Tel. 61 855 21 18 poznan@jewish.org.pl www.poznan.jewish.org.pl Das Büro ist dienstags und donnerstags von 10.00 bis 12.00 Uhr geöffnet. Verband der jüdischen Glaubensgemeinden in der Republik Polen, Ortsgruppe Wrocław ul. Włodkowica 9, 50-072 Wrocław Tel. 71 343 64 01 Fax 71 344 70 48 wroclaw@jewish.org.pl www.wroclaw.jewish.org.pl

REGION KALISZ Hotel Europa Al. Wolności 5, 62-800 Kalisz Tel. 62 767 20 31, Fax 48 62 767 20 32 www.hotel-europa.pl

Ausgewählte Übernachtungsmöglichkeiten:

Denkmal in Luboń, Foto: Z. Schmidt

POZNAŃ Hotel Sheraton ul. Bukowska 3/9, 60-809 Poznań Tel. 61 655 20 00, Fax 61 655 20 01 www.sheraton.pl

Hotel Calisia ul. Nowy Świat 1-3, 62-800 Kalisz Tel. 62 767 91 00, Fax 62 767 91 14 www.hotel-calisia.pl Hotel Seven ul. Częstochowska 77, 62-800 Kalisz Tel. 62 764 43 43 www.hotelseven.pl Hotel Flora ul. Wiatraki 3, 62-800 Kalisz Tel. 62 757 46 50 recepcja@hotel-flora.pl www.hotel-flora.pl Hotel Granada ul. Wrocławska 93 63-400 Ostrów Wielkopolski Tel. 62 738 73 10, Fax 62 738 73 05 www.hotelgranada.pl Hotel KOSiR ul. Walki Młodych 9, 63-600 Kępno Tel. 62 79 127 16 Fax 62 79 127 10 www.kosir.kepno.pl REGION KONIN Hotel Konin Aleje 1 Maja 13, 62-510 Konin Tel. 63 243 76 00, Fax 63 243 76 07 www.konin.pl Hotel Pałacyk ul. 1 Maja 15a, 62-510 Konin Tel. 63 245 77 77, Fax 63 246 60 10 www.palacyk-konin.pl Schul-Jugendherberge ul. Staffa 5, 62-505 Konin - Gosławice Tel./ Fax 63 242 72 35 www.schronisko-goslawice.pl Hotel Sara ul. Zielona 5, 62-600 Koło Tel. 63 26 24 880, Fax 63 26 24 840

Hotel Safir ul. Żmigrodzka 41/49, 60-171 Poznań tel. 61 867 37 11, fax 61 867 83 36 www.hotelsafir.pl Hotel Poznański ul. Krańcowa 4, 62-030 Luboń tel. 61 649 99 88, Fax 61 649 99 89 www.hotelpoznanski.pl Hotel Mercure ul. Roosevelta 20, 60-829 Poznań Tel. 61 855 80 00, Fax 61 855 89 55 www.accorhotels.com Hotel HP Park *** ul. abpa Antoniego Baraniaka 77 61-131 Poznań Tel. 61 874 11 00, Fax 61 874 12 00 www.hotelepark.pl Hotel Ibis Poznań Centrum ul. Kazimierza Wielkiego 23 61-863 Poznań Tel. 61 858 44 00, Fax 61 858 44 44 www.ibishotel.com

Denkmal in Luboń, Foto: Z. Schmidt

NORDWESTLICHER TEIL DER REGION WIELKOPOLSKA CZARNKÓW Hotel Czarna Hanka ul. Kościuszki 106, 64-700 Czarnków Tel. 67 255 24 58 www.wpuszczy.pl Gasthaus Śmieszek Śmieszkowo, ul. Wodna 13 64-700 Czarnków, Tel. 67 255 10 31 WĄGROWIEC Hotel Pietrak ul. Kościuszki 47, 62-100 Wągrowiec Tel. 67 268 58 25, Fax 67 262 86 07 www.pietrak.pl Hotel Jamajka ul. Kcyńska 129, 62-100 Wągrowiec Tel. 67 26 85 860 www.hoteljamajka.pl

REGION LESZNO Konferenz- und Erholungszentrum Akwawit ul. św. Józefa 5, 64-100 Leszno Tel. 65 529 37 81, Fax 65 529 37 82 www.akwawit.pl Hotel Wieniawa ul. Rynek 29, 64-100 Leszno Tel. 65 528 50 50 www.wieniawa.pl

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Infocenter Poznań 61-772 Poznań, Stary Rynek 59/60 tel. 61 852 61 56, 61 855 33 79 it@cim.poznan.pl

Leszno 64-100 Leszno, ul. Słowiańska 24 tel. 65 529 81 91, 65 529 81 92 infotur@leszno.pl

Eingang an der ul. 27 Grudnia 61-816 Poznań, ul. Ratajczaka 44 tel. 61 851 96 45, 61 856 04 54 centrum@cim.poznan.pl

Nowy Tomyśl 64-300 Nowy Tomyśl pl. Niepodległości 10 tel. 61 442 38 06 r.ratajczak@nowytomysl.pl

Poznań Internationale Messe 60-734 Poznań, ul. Głogowska 14 tel. 61 869 20 84 centrum@cim.poznan.pl

Für die Beratung bei der Erstellung der Broschüre danken wir: - Alicja Kobus – Vorsitzende der Ortsgruppe Poznań des Verbands der jüdischen Glaubensgemeinden in der Republik Polen - Mirosława Maćkowiak vom Bezirksmuseum in Leszno - Halina Marcinkowska – Vertreterin des Verbands der jüdischen Glaubensgemeinden in der Republik Polen Ortsgruppe Wrocław für die ehemaligen Woiwodschaften Kalisz und Konin - Teresa Palacz vom Regionalzentrum für Denkmalsforschung und –dokumentation in Poznań

Piła 64-920 Piła, al. Niepodległości 33/35 tel. 67 210 94 80 pit@powiat.pila.pl

Flughafen Poznań-Ławica 60-189 Poznań, ul. Bukowska 285 tel. 61 849 21 40 lawica@cim.poznan.pl Hauptbahnhof Poznań 60-801 Poznań, ul. Dworcowa 1 tel. 61 866 06 67 info@globtourfb.poznan.pl

Puszczykowo 62-040 Puszczykowo, ul. Poznańska 1 tel. 61 633 62 83, 61 898 37 11 promocja@puszczykowo.pl Śrem 63-100 Śrem, ul. Okulickiego 3 tel. 61 283 27 04 unia@srem.com.pl Wolsztyn 64-200 Wolsztyn ul. Roberta Kocha 12a tel. 68 347 31 04 gci@wolsztyn.pl

Gniezno 62-200 Gniezno, ul. Rynek 14 tel. 61 428 41 00 info@szlakpiastowski.com.pl Kalisz 62-800 Kalisz, ul. Zamkowa tel. 62 598 27 31 it@um.kalisz.pl

Herausgeber: Wielkopolska Tourismusorganisation ul. 27 Grudnia 17/19, 61-737 Poznań Text: Anna Plenzler Übersetzung: Andreas Prause Graphische Gestaltung: Agencja Fotograficzna Studio-F, www.olszewskiphoto.pl Fotos: Z. Schmidt

Konin 62-510 Konin, ul. Dworcowa 2 tel. 63 246 32 48 biuro@lotmarina.pl

ISBN: 978-83-61454-91-5 Poznań 2012

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Die Werbebroschüren für die Region Wielkopolska sind für Mobilgeräte optimiert worden.

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Das Projekt wird von der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Operationellen Regionalprogramms für Wielkopolska für den Zeitraum 2007-2013 mitfinanziert Europäische Fonds - Für die Entwicklung eines innovativen Wielkopolska