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P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 37

Jänner, Februar, März 2004

Nr. 1

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

Mein Hort Wer gerne geht in die Natur, Zum Pöstlingberg zieht seine Spur. Basilika am Berg – Zu Dir Strebt mancher Mensch zu beten hier. Die Pilger danken, bitten dort, An jenem stillen Gnadenort. Du steigst empor vom Donautal Und bist gelegen ideal! Ich ging zur Höhe oft hinauf, Mal langsam, dann im schnellen Lauf. Und immer war es wunderschön, Wenn ich dich konnte wieder sehn.

Markanter Berg am Rand der Stadt, Du bist gesegnet in der Tat. Von Linz das Wahrzeichen – welche Sicht! Der Wallfahrtsort – ein Hoffnungslicht! Ich sag’s zum Schluss mit einem Wort: Du Pöstlingberg – du bist mein Hort! Horst Herzog


GEDANKEN zu unserer DANK- und GEDENKFEIER

Anton Ellmer Landesobmann

Erich Ortmann Heimatforscher

Mit unserer EINLADUNG für den 23. Oktober 2004 bitten wir alle Landsleute mit ihren Familien um Terminvormerkung für unser großes Dankfest „60 JAHRE DONAUSCHWABEN IN OBERÖSTERREICH“.

Als deren Nachkommen haben wir im Land Oberösterreich Heimat gefunden. Immerhin wurden ca. 50.000 Donauschwaben eingegliedert. Heute sprechen wir von nahezu 80.000 Oberösterreichern, deren Wurzeln auf unseren donauschwäbischen Stamm zurückgehen. Somit vertreten wir beim Dankfest einen beachtlichen Bevölkerungsanteil. Überzeugen wir daher viele unserer Landsleute und Freunde von unserer Dankespflicht. Nehmen wir sie zur Feier nach Leonding mit.

Für uns Donauschwaben gibt es viele Gründe, ein großes Fest in der St.-Johannes-Kirche und in der Kürnberghalle von Leonding in einem würdigen Rahmen zu feiern. Jeder unserer Landsleute sollte sich dankbar zum Besuch dieser sicherlich letzten Großveranstaltung der Zeitzeugen verpflichtet fühlen.

Wenn wir danken, so sollten wir uns erinnern. Wertvolle Lebenserkenntnisse können wir als Schatz weitergeben. Wir haben innerhalb unseres Lebensabschnittes von 60 Jahren genug gesammelt.

Wir wollen bei diesem Fest Gott und dem Land Oberösterreich unseren gebührenden Dank erweisen. Mit den Festvorbereitungen für den 23. Oktober 2004 verbinden wir unsere

Nach überstandenem Krieg, Verschleppung und Vertreibung kam es zu unserem Niedergang in Südosteuropa. Inzwischen sind wir aufrechte und verlässliche Bürger des österreichischen Staates geworden. Der zweite Weltkrieg löste mit seinem folgenschweren Ende eine gewaltige Völkerbewegung aus. Dabei ist Österreich die Rolle eines Aufnahme- und Auffanglandes zugefallen. Es war eine ungeheure Herausforderung für das durch die Kriegsereignisse zerstörte und selbst Not leidende kleine Land, den vielen Zufluchtsuchenden zu helfen.

RÜCKBESINNUNG mit einer BESTANDSAUFNAHME über unseren Weg in die neue Heimat Oberösterreich. Damit soll unser donauschwäbisches Lebensbild nach den schicksalsschweren Jahren wiedergegeben werden. Wir möchten mit einigen diesbezüglichen Beiträgen in Fortsetzungen Ihr Interesse wecken:

Wir Donauschwaben danken daher den Menschen in Österreich, allen Politikern, Kirchen und allen Einrichtungen, die ihre Verantwortung gegenüber unserer Volksgruppe wahrgenommen haben. Insbesonders danken wir allen Landeshauptleuten von Oberösterreich sowie den Landesregierungen dafür, dass wir hier Aufnahme finden konnten. Wir sind glücklich, als österreichische Bürger leben zu dürfen.

Was bewegt uns, dem Land Oberösterreich und Gott den Dank zu erweisen? 60 Jahre Rückblick von uns Donauschwaben der zweiten Generation aus einer geschichtsschweren Vergangenheit mit Heimatverlust und allen Folgen bedeutet für uns Verpflichtung. Wir als Überlebende aus einem grauenvollen Zeitabschnitt unserer Volksgruppe vertreten somit unsere Vorgängergeneration. Diese hat die Hauptbürde mit immenser Belastung vom Heimatverlust bis zur neuen Existenzgründung getragen. Der Großteil von ihnen ist nicht mehr unter uns. In Ehrfurcht gedenken wir ihrer Opfer und ihrer Aufbauleistung.

Dankbar sind wir unserer neuen Heimat Oberösterreich mit ihren Bewohnern. All jenen, die uns Arbeit, Brot und Wohnung gegeben haben. Besonders auch für die Vermittlung von Werten und Bildung an die Jugend. Ebenso den großen und stillen Helfern. 2


– Wir dürfen die ewige Hoffnung auf ein Wiedersehen mit unseren Lieben im Herzen tragen. – Wir konnten Hilfe und Schutz in großen Bedrängnissen und Not erfahren.

Dankenswert ist zu erwähnen, dass in aller Not uns zahlreiche Zeichen menschlicher Anteilnahme mit manch persönlichem Einsatz von den Einheimischen zuteil wurden. Von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung wurden wir nicht nur geduldet, sondern akzeptiert und gut behandelt. Man sagt, Dank schenkt immer auch eine Antwort auf ein Geschenk der Liebe. Bei unseren Veranstaltungen, wie beispielsweise dem „Tag der Donauschwaben“, hat daher die oberösterreichische Landeshymne einen ehrenvollen Platz als Bekenntnis zur neuen Heimat. Dank ist eine Brücke von Herz zu Herz. Dies gilt für die Menschen, aber auch für Leben in Gott. Als donauschwäbische Menschen sind wir als Christen unterwegs. Wir danken Gott aus vielfachen Gründen nach unseren schweren Jahren. Für eine geglückte Heimatfindung in Oberösterreich und für ein Leben in Frieden und Freiheit. Wir überdenken unsere Gegenwart und erkennen, dass wir mit Gottes Beistand schier unüberwindbare Hürden bewältigen konnten.

Gott bitten wir auch für unsere großen Anliegen: – Er möge alle belohnen, die uns Hilfe und Heimat zuteil werden ließen. – Unseren Kindern und Nachkommen soll eine hoffnungsvolle Zukunft in einer Gesellschaft mit Werten ermöglicht werden. – Als Zeichen des Dankes können wir die Gelöbnisfahrt nach Altötting werten. Diese findet heuer zum 45. Mal am 11. Juli statt. Unser Fest am 23. Oktober 2004 gelingt, wenn sich möglichst viele einbringen. Wir von der Landsmannschaft sind mit den umfangreichen Vorbereitungen für einen großen Erlebnistag voll engagiert. Wir bitten unsere Mitglieder und die zahlreich in Oberösterreich lebenden Donauschwaben und deren Nachkommen um die Erkenntnis, dass die Dankfeier in Leonding für ALLE veranstaltet wird. Wir feiern ein Fest mit vielen Repräsentanten des Landes, der Städte und der Kirche. Wir erwarten viele Bekannte und Freunde. Für alle, die sich auf den Weg nach Leonding machen, wird es ein großer Festtag mit freudigem Wiedersehen werden.

Im Dankgebet an Gott werden wir uns immer neu bewusst, dass wir in vielfacher Weise beschenkt wurden: – Wir dürfen uns der Werte des Glaubens und des Lebens erfreuen. – Wir haben die Kraft bekommen, Heimatund Angehörigenverlust zu ertragen.

„Brillanter“ Donauschwabe 35 Jahre am Landestheater

Gerhard Brössner

Es war sehr erfreulich zu hören, wie sich der bekannte und hochgeschätzte Schauspieler, unser Landsmann Gerhard Brössner, in der beliebten Radiosendung „Linzer Torte“ als Donauschwabe deklarierte. Man hörte direkt seinen Stolz heraus, als er erzählte, dass Prinz Eugen das Gebiet erobert hat, die angesiedelten Donauschwaben ein Grenzvolk waren, dass das Habsburgerreich konsolidieren und gegen das damals angrenzende Osmanische Reich schützen sollte. Er rief auch in Erinnerung, dass der Wiener Hof mit seiner Administration in seinem Geburtsort, der Garnisonstadt Temeschwar, stark vertreten und Deutsch dort einst die Haupt- und Amtssprache war. Geschichtsunterricht, der sicherlich zum Ansehen unserer Volksgruppe beigetragen hat.

Wir sind stolz auf unseren Landsmann, der nach einem 3-jährigen Gastspiel in Baden bei Wien 1969 nach Linz gekommen ist und hier nach wie vor große Erfolge feiert. Es ist erst einige Tage her (am 1. dieses Monats), dass er von den OÖ-Nachrichen auf der Titelseite als „Brillanter Ibsen“ nach der Premiere von „John Gabriel Borkmann“, Inszenierung Niki Büchel, anlässlich seines 35-jährigen Bühnenjubiläums bezeichnet wurde. 3


SCHENKEN wir unseren KINDERN unsere VERGANGENHEIT das doch aber wirklich nicht der Fall sein, weil es überhaupt nicht notwendig ist. Die Landsmannschaft bemüht sich daher laufend, unseren Landsleuten zu den Videos, DVD’s und Büchern zu verhelfen, welche unseren Kindern wirklich „etwas geben“. Vor allem das Wissen „Woher komme ich?“, „Welche Ungeheuerlichkeiten sind meinen Großeltern widerfahren?“ und das derzeit in der Geschichtsschreibung so verfälschte „Warum und Wieso?“, sollten für jeden einigermaßen intelligenten Menschen das Um und Auf sein.

Als Opa oder Omi wird man unzählige Male im Leben mit der Frage konfrontiert „Was schenke ich meinen Liebsten?“ Nicht immer fällt einem dabei ein sinnvolles Geschenk ein, von dem man auch überzeugt ist, dass das Kind wirklich etwas „davon hat“. Außerdem kann man ja nicht alle Möglichkeiten kennen. Der Großteil der Zeitzeugen ist nicht mehr unter uns. Ihre Kinder und Enkelkinder hatten seinerzeit, darunter verstehe ich den Zeitraum von 1945 bis etwa 1960, nicht immer die Zeit und auch nicht das Interesse, ihnen wirklich ernsthaft zuzuhören. So wie auch bei uns, der letzten noch lebenden Generation der Zeitzeugen. Im Gegensatz zu jenen Opas und Omas, welche in den ersten Jahrzehnten in unserer neuen (alten) Heimat Österreich verstorben sind, die ihre Erlebnisse nur mündlich oder in Einzelfällen bestenfalls schriftlich weitergeben konnten, haben wir heute ideale Möglichkeiten, dies zu tun.

Bei der Landesleitung können Sie derzeit unter anderem zwei hochinteressante, auch in Zukunft hochaktuelle Produkte erwerben. Da ist einmal das Video:

„Geschichte und Lebenswelt der Donauschwaben“ mit einer Laufzeit von 1 1/2 Stunden zum Selbstkostenpreis von 12,– Euro pro Stück

Die Technik ermöglicht es uns heute, dass wir unsere Kinder und Enkelkinder über unser Schicksal informieren, wann immer diese es wollen. Ja sogar dann, wenn auch wir nicht mehr unter den Lebenden sind. Auch unsere Nachkommen in hunderten von Jahren können sich über uns und unseren Werdgang informieren, wenn wir heute die Voraussetzungen dafür schaffen.

Weiters ist ein neues Videoprodukt unter dem Titel

„Die Geschichte der Donauschwaben“ erschienen. welche als DVD auf jedem PC abgespielt werden kann. Selbstkostenpreis 10,– Euro/Stück. Die Aktivsten unter uns ehrenamtlichen Funktionären, nämlich Prof. Dr. Wildmann, Konsulent Feldtänzer und das Ehepaar Frach haben in unzähligen Stunden aus mehr als 1.500 Bildern jene herausgesucht und verarbeitet, welche zu dem von den beiden erstgenannten Herren Historikern erarbeiteten Text passten. Neben Eva Frach konnte noch Prof. Dr. Engelmann als Sprecher gewonnen werden, während die Aufnahmen für das Video Herr A. Albecker machte. Die DVD besprachen Professor Dr. Wildmann und seine Tochter, die bereits an internationalen Bühnen tätige Schauspielerin Elisabeth Wildmann. Durchwegs Landsleute mit großem Wissen um unseren Volksstamm, mit viel persönlich Erlebtem und daher mit großer Lebenserfahrung, haben diese Arbeiten kostenlos und mit viel Herzblut für uns gemacht, damit wir in der Geschichte als „echte, korrekte und fleißige Donauschwaben“ erhalten bleiben und der Wahrheit die Ehre gegeben wird.

Das ist unsere Pflicht, liebe Landsleute. Unsere Nachkommen sollen einmal stolz sein auf ihre Vorfahren. Wir haben allen Grund, ihnen unsere Erlebnisse zu vermitteln. Aber wir haben keinerlei Ausrede, es nicht zu tun. Denken wir daran: ab einem Alter von etwa 40 Jahren suchen die Kinder ihre Wurzeln. Auch unsere Kinder. Und auch unsere Enkel und unsere Urenkel werden das einmal tun. Schaffen wir für unsere Nachkommen die Möglichkeit, damit sie nicht enttäuscht sagen müssen, wir wissen nicht woher wir kommen, wir haben nur gehört, unsere Vorfahren waren einige hundert Jahre in Südosteuropa und man hat „Donauschwaben“ zu ihnen gesagt. Da würden uns unsere „Kindeskinder“ wahrlich kein gutes Zeugnis ausstellen. Persönlich schwebt mir vor, dass jede Familie von uns zumindest einige Bücher und ein zwei Videoprodukte, die ja heute nur mehr einen Spottpreis kosten, seinen Kindern hinterlassen sollte. Überall ist man ohne Orientierung verloren. Im wichtigsten Bereich, in seiner Familie, sollte

Etwas Sinnvolleres können wir ältere Menschen unseren Enkel- und Urenkelkindern überhaupt nicht schenken. Anton Ellmer 4


Die DONAUSCHWABEN in Oberösterreich von Konsulent Oskar Feldtänzer Fortsetzung von Heft Nr. 4/2003

D) Die religiöse Betreuung der volksdeutschen Flüchtlinge In einem Bericht über die religiös-seelsorgliche Lage der Heimatvertriebenen in Oberösterreich 13 (undatiert, vermutlich aus dem Jahre 1952) wird festgestellt, dass zum damaligen Zeitpunkt 23.000 katholische Heimatvertriebene in oberösterreichischen Lagern lebten. Nur in einigen größeren Lagern konnten eigene Seelsorgeorganisationen der Flüchtlingsseelsorge der Diözese Linz errichtet werden, uzw.

stärkste religiöse Versager der einheimischen Seelsorge war der Mangel an Mut, die Vertriebenen und Geplünderten im Angesicht der Einheimischen als notleidende Christenmenschen zu kennzeichnen und zum Samariterdienst aufzurufen“.

Lager 65 Lager 59 Lager 121 Lager 50/53

in Linz-Niedernhart in St. Martin bei Traun in Haid bei Ansfelden (nur excurrendo) in Linz, Eisenwerke Lager 55 (nur excurrendo) in Linz, Spallerhof Lager 1010, 1012 und 1015 in StadlPaura bei Lambach

Die Leitung der volksdeutschen Flüchtlingsseelsorge der Diözese Linz und das Referat für Flüchtlingshilfe des Caritasverbandes Linz wurde zu Allerheiligen 1947 dem aus Hodschag in der Batschka stammenden Priester Prof. Josef Haltmayer übertragen, der nach seiner Flucht im Jahre 1944 in Linz zunächst als Religionslehrer an der staatlichen Handelsakademie von 1945 bis 1948 gewirkt hatte. Der Schwerpunkt seines Einsatzes verlagerte sich von den vorerst vornehmlich karitativen Hilfsaktionen der ärgsten Notzeit alsbald auf die Einrichtung und Betreuung der Lagerseelsorgestellen. In dieser Zeit gab Haltmayer als Beilage zu den Kirchenblättern der österreichischen Diözesen die „Heimatglocken“ für katholische Flüchtlinge heraus. Für die Flüchtlinge, die ohne persönliche Dokumente dastanden, schuf er die Möglichkeit für die Ausstellung von Ersatzdokumenten. Von 1948 bis Mitte 1965 waren es 37.824 an der Zahl. Als am Beginn der 50er Jahre die Errichtung von Eigenheimen durch die Flüchtlinge möglich wurde, setzte er sich dafür mit Nachdruck und Erfolg durch die Beschaffung von Baugrund und Krediten ein. Nähere Angaben über das beachtliche Ausmaß dieser seiner Aktion liefert der Aufsatz von Georg Wildmann „Prälat Haltmayer 70 Jahre alt“ 14

Die in Privatquartieren untergebrachten Flüchtlinge sowie jene der übrigen Lager gehörten zur jeweiligen Pfarrei, auf deren Gebiet sie sich befanden. Für diesen Teil der Heimatvertriebenen stellt der Bericht fest, dass dort, wo sich die Pfarrseelsorger um die Lagerleute kümmern, sie im Lager hie und da besuchen, die religiöse Situation tragbar sei, oft sogar gut. (Gut betreut war das Altersheim bei Lambach und die DP-Lungenheilanstalt Thalham in St. Georgen i.A., hebt der Bericht hervor). Im allgemeinen sei aber ein Schwund der religiöse Substanz zu erkennen und es werden die mutmaßlichen Gründe angeführt, die vornehmlich in der Entwurzelung der Vertriebenen Situation, der Auflösung der Dorfgemeinschaften und im kirchenfeindlichen Milieu des Arbeitsplatzes geortet werden, aber auch in Versäumnissen der Seelsorge selbst. Der Bericht wörtlich: „Der

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Vergl. dazu Max. Kraus, Das Flüchtlingsproblem…, OÖLA, Sign…, S. 83ff. Archiv ZBST Linz Südostdeutsche Vierteljahresblätter, 32. Jg. Folge 4, München 1983

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E) Die Vertreterkörper der Flüchtlinge und die Entstehung der Selbsthilfeorganisationen der Landsmannschaften

zender Dr. Fritz Klinkler und als Geschäftsführer Dr. Hans Moser gewählt.16 Am 2. Sept.1951 fand zugleich die Gründung des „Schwabenverein – Hilfsverein der Donauschwaben in Oberösterreich“ auf vereinsrechtlicher Grundlage statt, der aber nach einigen Jahren die Bezeichnung Donauschwäbische Landsmannschaft – Hilfsverein der Donauschwaben in Oberösterreich führte. Die Genehmigung zur Gründung des „Schwabenvereins“ erfolgte unter Sid Verf Nr. 566/1-1951 durch die Sicherheitsdirektion für OÖ. Zum Obmann des „Schwabenvereins“ wurde Dr. Fritz Klinkler und zum Obmann-Stellvertreter Dr. Hans Moser gewählt, also die gleichen Personen wie bei der Donauschwäbischen Landsmannschaft der ZBST.17 Der „Aufgabenkreis“ bzw. die Tätigkeit der ZBST ist sowohl im genannten Erlass der O.Ö. Landesregierung als auch im Statut der Zentralberatungsstelle, genehmigt in der Regierungssitzung der O.Ö. Landesregierung vom 6. 3.1950, Ums. 568/9-M7Be/1950, umrissen:

Die von der Militärregierung unmittelbar nach Kriegsende in jedem Bezirk eingerichteten Information Center für DPs wurden nach dem Übergang der Zuständigkeit für das Flüchtlingswesen auf die österreichische Regierung in Oberösterreich der Abteilung Umsiedlung der Landesregierung unterstellt und die „Zentralberatungsstelle der Volksdeutschen“ Landesstelle Linz (ZBST) geschaffen, die auch über ihre Bezirksstellen agierte. Die Zentralberatungsstelle übte eine beratende Funktion für die zuständigen amtlichen Dienststellen aus und sollte ihre volksdeutschen Landsleute in den sie betreffenden sozialen und rechtlichen Belangen beraten. Ihre amtliche Fundierung erhielt sie aufgrund des Erlasses des Bundesministeriums für Inneres vom 15. 3.1949, Zl. 43.997-12/U/49 und des Erlasses der OÖLR vom 25. 5.1949, Ums. Z. 49/15-1949. Die Funktionäre übten ihre Tätigkeit zunächst ehrenamtlich aus, erhielten aber nach einer Gewährung einer Subvention durch die Landesregierung eine bescheidene Aufwandsentschädigung.15 Das Statut der Landesstelle Oberösterreich der ZBST, deren Sitz sich in Linz zunächst in der Seilerstätte 14 und später in der Goethestr. 53 befand, sah innerhalb ihrer Struktur die Bildung von Landsmannschaften vor, deren Dachorganisation sie war. Die Landsmannschaft der Donauschwaben konnte 14 Vertreter in den 26-köpfigen Landesausschuss, das oberste Organ der ZBST, delegieren. Als Vorsitzender der Fraktion Landsmannschaften der Donauschwaben und als deren Geschäftsführer wirkte zuerst Matthias Giljum, ehemaliger Bundessekretär des Schwäbisch-deutschen Kulturbundes in Jugoslawien. Da Matthias Giljum im September 1951 nach Brasilien auswanderte, legte er am 2. September 1951 vor dem Landesausschuss und den Bezirksleitern seine Stelle als Vorsitzender der Donauschwäbischen Landsmannschaft in der ZBST nieder. An seiner Stelle wurde als Vorsit-

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a) „das Amt der OÖLR in allen die Volksdeutschen betreffenden Fragen zu beraten und die OÖLR bei allen von ihr durchzuführenden Maßnahmen für Volksdeutsche zu unterstützen; b) die Beratung, Betreuung und Unterstützung der volksdeutschen Heimatvertriebenen in allen ihren rechtlichen, kulturellen, religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Belangen … wahrzunehmen“.18 Gemäß Erlass des Bundesministeriums für Inneres 96.820-12 U/52 vom 28. Juni 1952 war am 31. März 1952 in der 6. Sitzung des Beirates für Flüchtlingsfragen die Umwandlung der „Zentralberatungsstelle der Volksdeutschen“ in Wien in ein „Sekretariat des Beirates für Flüchtlingsfragen“ beschlossen worden, so dass die Agenden der Zentralberatungsstelle Wien ab 1. 7.1952 restlos vom Sekretariat des Beirates für Flüchtlingsfragen besorgt wurden.19 In Oberösterreich konnte die ZBST ihre Tätigkeit aber noch bis in die 60er Jahre fortsetzen, da die Subventionen der OÖLR ihr eine gewisse Eigenständigkeit und ein Weiterbestand ermöglichten.

Vergl. Max. Kraus, Das Flüchtlingsproblem …, S. 58f., und Alice Ingrid Nargang, „Die Flüchtlinge in Oberösterreich, ihre Lage und der Stand ihrer wirtschaftlichen Eingliederung“, Dissertation an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, 1955, S. 40f. Rundschreiben Nr. 12 der ZBST der VD-Donauschwäbische Landsmannschaft vom 17. 9.1951, Archiv ZBST Linz. Rundschreiben Nr. 13 der ZBST der Donauschw. Landsmannschaft vom 14. 11.1951, Archiv Linz Archiv der ZBST, Schreiben der ZBST Obr/M 853/63 vom 30. Mai 1963 an das Amt der o.ö. LR, Abteilung Umsiedlung, betr. Rechtslage der Zentralberatungsstelle der Volksdeutschen. Archiv der ZBST Linz, Mitteilung des Amtes der o.ö. Landsregierung Ums. 229871/52/Md. vom 8. 7.1952 an die ZBST Linz.

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F) Das öffentliche Wirken der Donauschwäbischen Landsmannschaft (DSLM) der Zentralberatungsstelle (ZBST)

Redeverbot) und Deutschland (Dr. Trischler und Dr. Leber). Dr. Stefan Kraft’s Ansprache musste leider wegen seiner Erkrankung entfallen.20 Am 11. – 12. September 1954 fand in Linz der Tag der Heimatvertriebenen statt, der von den volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs (Donauschwaben, Sudetendeutsche, Siebenbürger Sachsen, Karpatendeutsche) gemeinsam getragen wurde. Diese Demonstration, die die Forderung der Vertriebenen und rechtliche Gleichstellung für ihre volle sozialrechtliche und staatsbürgerliche Eingliederung in die österreichische Gesellschaft öffentlich herausstellten, verfehlten nicht den gewünschten Eindruck bei der einheimischen Bevölkerung hervorzurufen, so dass sich allmählich ein Gesinnungswandel vollzog, den auch die politisch Verantwortlichen nicht mehr ignorieren konnten, und den Gesetzgeber veranlasste, mit der sukzessiven Beschließung von Gleichstellungsgesetzen der öffentlichen Meinung Rechnung zu tragen. Symptomatisch dafür war auch der erste und zweite Hungerstreik des Herbert Cieslar im Volksgarten von Linz im Jahre 1950 mit dem er mit Nachdruck für die Gleichberechtigung der Vertriebenen eintrat. Fortsetzung und Schluss (die großen Flüchtlingslager) folgt !

Die Leitung DSLM erkannte, dass die arbeitsrechtliche und staatsbürgerliche Gleichstellung sowie die Eingliederung in das Gemeinwesen ihres Aufnahmelandes nur zu erreichen war, wenn die öffentliche Meinung für die Probleme und Anliegen der Heimatvertriebenen sensibilisiert und durch ausreichende Information und Aufklärung ein Klima des Verständnisses und des Vertrauens zwischen den Einheimischen und den Heimatvertriebenen geschaffen wird. Um auf sich, ihre Lebensfragen und Anliegen aufmerksam zu machen, entschloss sich die DSLM einen Tag der Donauschwaben im August 1950 als Heimattreffen auf Bundesebene in Linz zu veranstalten. Die Organisation und die Werbung lag in den Händen von Matthias Giljum. Über 20.000 Donauschwaben aus ganz Österreich und der BRD waren nach Linz gekommen, um für ihr Anliegen bei dieser Kundgebung einzutreten. Nach dem von Prof. Haltmayer zelebrierten Gottesdienst sprachen auf der Kundgebung Spitzenvertreter der Donauschwaben aus Österreich (Dr. Goldschmidt und Dr. Klinkler; Matthias Giljum hatte polizeiliches 20

Matz Giljum, Donauschwaben einmal anders, maschinengeschriebener Lebensbericht des Verfassers, S. 322f.

45. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting Sonntag, 11. Juli 2004 Diesjähriges Leitwort:

„Getauft und Gott geweiht“. Programm: 9:00 Uhr: Einzug der Pilger- und Trachtengruppen in die Basilika. 10:00 Uhr: Pontifikalamt mit Erzbischof Dr. Zollitsch, Freiburg/Breisgau 14:00 Uhr: Marienfeier in der Basilika mit dem Visitator der Donauschwaben, Geist.Rat Andreas Straub Es singt der Chor der Banater Schwaben aus München unter der Leitung von Dr. Franz Metz. Für die Gemeinschaftsfahrt bitten wir um rechtzeitige Anmeldung an nachstehende Adressen: Himmelsbach Hans,Pasching, 07229 / 64 722 Kungel Elisabeth, Leonding-Doppl, 0732 / 37 96 51

Milla Ernst, Wels, 07242 / 64 5 22 Büro der Landsmannschaft, Wels, 07242 / 45 2 78

Der Fahrpreis richtet sich nach der Teilnehmerzahl und wird voraussichtlich bei Euro 15,– liegen. Abfahrt: Zusteigmöglichkeiten:

5:45 Uhr von der Kirche Doppl-Leonding 6:00 Uhr Langholzfelderhof 6:20 Uhr Marchtrenk – Holland-Blumen

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6:35 Uhr Wels, Ecke Boschstr./Negrellistraße 6:38 Uhr Wels, Ecke Römerstr./Puchbergstraße


ENTSCHÄDIGUNG – KROATIEN In unserem letzten Mitteilungsblatt habe ich Sie darüber informiert, dass der Bundesvorsitzende der Donauschwäbischen Arbeitsgemeinschaft, DI Reimann, mich eingeladen hat, am Montag, dem 22. Dezember 2003 an dem für diesen Tag anberaumten Gespräch im Außenministerium teilzunehmen. Diesen Termin habe ich gerne wahrgenommen, um mir endlich einmal ein klares Bild über die Gesamtsituation aus der Sicht des Außenministeriums machen zu können. An diesem Gespräch beim österreichischen Verhandlungsführer für Entschädigungsfragen, Gesandter Dr. Buchsbaum, haben von donauschwäbischer Seite neben dem Bundesobmann noch dessen Stellvertreter DI Neller und der Generalsekretär der DAG, Min. Rat Dr. Scheer teilgenommen. Bei diesem sehr sachlich geführten Gespräch wurde der Gesandte informiert, dass nach anfänglicher Euphorie nun Unmut unter unseren Leuten aufgetreten ist und sich mancherorts Pessimismus, ja teilweise sogar Ärger über die schleppenden Fortschritte in der Entschädigungsfrage, verbreite. Dr. Buchsbaum erläuterte, warum es aus seiner Sicht zu den diversen anfänglichen Ungereimtheiten, wie unrichtige Auslegung der Erbfolge, differenzierte Auslegungen zwischen Wien und Zagreb bei der Antragsfrist usw., kam.

3. Im vergangenen Herbst hatte man tatsächlich den Eindruck, dass schon bei der Gesprächsrunde am 22. Oktober 2003 die Verhandlungen zwischen den Beamten beider Staaten abgeschlossen werden könnten. Dies wurde zwar nicht erreicht, aber die Fortschritte waren sehr beachtlich, so dass man fest mit einem Abschluss bis etwa Juni 2004 rechnen könne. Das, liebe Landsleute ist der heutige Stand der Dinge. In den letzten Wochen gab es von div. Tageszeitungen aber auch in den Lokalnachrichten des ORF mehrmals die Meldungen, dass die Verträge abgeschlossen seien. Nach manchen Meldungen wurde sogar schon von einer Entschädigung seit Jahresbeginn geschrieben. Bitte lassen Sie sich nicht irritieren. Sobald irgendetwas Neues in dieser Causa für unsere Landsleute wichtig ist, informieren wir Sie sofort. Erforderlichenfalls mit einer Sonderausgabe unseres Mitteilungsblattes. Wir müssen jedoch immer wieder darauf hinweisen, dass wir natürlich nur unsere Mitglieder erreichen. Sagen Sie das auch unseren betroffenen Landsleuten, die zwar dann ihren Anspruch auf Antragstellung wahrnehmen wollen, möglicherweise aber zu spät davon erfahren und dadurch u.U. die sicherlich wieder kurze Frist zur Antragstellung versäumen. Eine weitere Chance wird es wohl nicht mehr geben. Anton Ellmer

Die wesentlichste und für unsere betroffenen Landsleute wichtigste Aussage des Verhandlungsführers war aber: 1. Österreich ist der einzige Staat, mit dem Kroatien wegen eines zwischenstaatlichen Abkommen verhandelt.

Entgegen anders lautenden Aussendungen und Zeitungsberichten sind Enkelkinder erbberechtigt. Lassen Sie sich auch hier nicht irritieren.

2. Maßgebend für das Erreichen eines guten Verhandlungsergebnisses sei eine gute Atmosphäre unter den Verhandlungsteilnehmern – diese sei gegeben.

Wir danken allen Mitgliedern, welche ihren Mitgliedesbeitrag bereits bezahlt haben und der Landsmannschaft darüber hinaus noch eine Spende zukommen ließen. Künftig finden Sie unsere Bankverbindung auf der letzten Seite des jeweiligen Mitteilungsblattes, damit auch bei evtl. verlegten Erlagscheinen der Mitgliedsbeitrag bzw. eine Spende eingezahlt werden kann. Herzlichen Dank sagen wir unseren Gönnern, darunter auch Landeshauptmann Dr. J. Pühringer, für ihre großzügige Spenden. Fotonachweis: OÖ-Nachrichten, R. Deckert, J. Habenschuß, Frach, Pill, Stein 8


Eiserne Hochzeit Das seltene Fest der eisernen Hochzeit konnte das Ehepaar Karl und Helene STEIN am 3. 1. 2004 in Braunau im Kreise ihrer Familie feiern. Beide erblickten in Keglewichhausen, (Ru.) das Licht der Welt. Karl am 18. 2.1915, Helene, geborene Turansky, am 18. 3.1920. Die Verehelichung erfolgte am 3. 1.1939. Noch in demselben Jahr kam der Sohn Ewald, 1941 die Tochter Rosi zur Welt. Noch während der Flucht mit Pferd und Wagen kam am 2. 1.1945 in einem Lazarett bei St. Pölten ihr drittes Kind (Erich) zur Welt. Anschließend erfolgte die Weiterfahrt nach Weikerding bei Burgkirchen, wo sie bis 1949 lebten. Anschließend verbrachten sie bis 1954 ihr Leben im Waldlager Ranshofen, um von dort in ihr Eigenheim in Ranshofen, Scheuhub zu ziehen. Herr Karl Stein war im ALU-Werk Ranshofen beschäftigt, während seine Gattin den Haushalt und die Kinder versorgte. Seit Mitte 2002 wohnen sie im Altersheim, wo sie von den Pflegerinnen und den Kindern liebevoll versorgt werden. Neben zahlreichen Freunden machen ihnen vor allem die 5 Enkel – und die 3 Urenkel viel Freude. Das Ehepaar Frach gratuliert dem Jubelpaar und wünscht weiterhin Gesundheit und Wohlergehen. Die Landesleitung der Landsmannschaft schließt sich der Gratulation und den Wünschen an und dankt dem Sohn Ewald Stein, dass er die Mitgliedschaft von den Eltern übernimmt, weiterführt und so mit unserer Volksgruppe in Verbindung bleibt.

Landsmann Nikolaus Jost 100 Jahre alt Unser Landsmann JOST Nikolaus feiert im „Netzwerk“ Pasching-Langholzfeld seinen 100. Geburtstag. Der Jubilar wurde am 30. März 1904 in Sigmundfeld – Banat geboren und wuchs in einer kinderreichen Familie mit 7 Geschwistern auf. Er war verheiratet mit Jost Susanne geb, Wittmann; die Ehe hielt 74 Jahre. Vor 2 Jahren starb die Gattin im 91. Lebensjahr. Landsmann Jost Nikolaus war daheim Landwirt, diente im serbischen und deutschen Militär. Die Jahre der Kriegsgefangenschaft verbrachte er in England. In Österreich arbeitete er im Baugewerbe und bei der USBesatzungsmacht. Pasching-Langholzfeld wurde seine neue Heimat, wo er mit seiner Tochter Leni Pill und Schwiegersohn Robert Pill ein großes Eigenheim erbaute und bis vor 3 Jahren bewohnte. Das „Netzwerk“ in dem er jetzt wohnt ist in unmittelbarer Nähe seines Eigenheimes und er bekommt täglich von seiner Tochter Pflegebesuch. In der alten Heimat war er Dorfmusikant, spielte auf seiner Knopfharmonika bei Hochzeiten, Taufen und vielen Anlässen. Seine musikalische Begabung und Begeisterung lebt in seinem Enkel Mag. Mag. Dr. Harald Pill weiter. Harald Pill ist Chorleiter des bekannten O.Ö. Lehrerchores. Die hohe Qualität des Chores ist überall bekannt. Konzerten auf allen 5 Erdteilen (auch bei den ausgewanderten Landsleuten in USA, Brasilien sowie Australien) sprechen deutlich von der Güte des Bachl (Gründer) Chores aus O.Ö. Besondere Freude bereiten Jost-Opa Besuche seiner Enkel und Urenkel, sowie Besuche von Landsleuten und alten Bekannten, mit welchen er gerne von daheim und früheren Zeiten erzählt. Sein Langzeitgedächtnis ist immer da, er liest seine Tageszeitung, den „Donauschwaben“ und das Fernsehprogramm. Er hat ein gesegnetes Alter und erlebt es in Dankbarkeit. Manchmal spielt er auch noch auf seinem Lieblingsinstrument, seiner Knopfharmonika. Robert Pill Die Landesleitung gratuliert unserem Landsmann Jost Nikolaus zu diesem hohen Alter und wünscht weiterhin Gesundheit und Wohlergehen. 9


10. und LETZTES SLANKAMENER und LOWASER TREFFEN Ortschaften kamen sich auf der ganzen Linie näher. Anfang der 50er Jahre wanderten zwar zahlreiche Landsleute aus, viele kamen jedoch stets gerne zu den Heimattreffen. 1997 legte man die Treffen der Ortsgemeinschaft, verbunden mit dem Kirchweihfest zusammen. Aber das Alter fordert bekanntlich seinen Tribut und so kamen immer weniger und weniger Besucher zurück nach Braunau, so dass sich die Verantwortlichen schweren Herzens entschließen mussten, diese Treffen einzustellen. Am 20.September 2003 war es nun so weit: Das 10. und letzte Treffen/Kirchweihfest fand statt. Die auch diesmal aus aller Welt angereisten Gäste wurde wie üblich von den Obmänner der beiden Gemeinden (Sepp Frach – Slankamen, Franz Heinberger – Lowas) und wie bei fast jedem Treffen, vom Bürgermeister der Stadt Braunau, Gerhard Skiba, herzlich begrüßt.

Im Jahre 1985 fand das erste Slankamener Ortsund Kirschweihtreffen in Braunau statt, an welchem 450 Besucher aus aller Welt teilnahmen. Als die Besucherzahl aus Altersgründen zurükkging, erinnerte man sich, dass im Herbst 1944 im Bezirk Braunau viele Bewohner aus Slankamen und Lowas nach dem bekannt beschwerlichen Fluchtweg über 1000 km ankamen und hier eine erste Bleibe fanden. Nachdem Liebe grundsätzlich weder zeitliche noch örtliche Probleme kennt, wurden alsbald zahlreiche Ehen geschlossen, man feierte den Kirchweihpatron am selben Tag – kurz, die Bewohner dieser zwei

Am Höhepunkt des Festes reichte man sich im Kreise bei „wahre Freundschaft …“ die Hände und beim Abschied sagte man sich eben nicht mehr „auf Wiedersehen“, sondern ganz leise und wehmütig: „bleibt gesund“. Eva Frach

GEDENKSTÄTTEN Einweihung der Gedenkstätte in GAKOVO

RUDOLFSGNAD

Die Gedenkstätte im Todeslager Gakovo wird am 22. Mai 2004 um 10:30 Uhr unter der Teilnahme zahlreicher kirchlicher und politischer Würdenträger in einem feierlichen Festakt ihrer Bestimmung übergeben. Anschließend findet um 16:30 Uhr in der Stadtkirche in Sombor ein Gedenkgottesdienst in deutscher Sprache statt. Der VLÖ bittet um zahlreiche Teilnahme an diesem Festakt zum Gedenken an unsere Toten. Für Unterkunft und Verpflegung ist Vorsorge getroffen. Eine Liste der Hotels liegt in der Landesleitung auf.

Um unseren Toten des Vernichtungslagers gedenken zu können, wurde die Möglichkeit geschaffen, Gedenktafeln anzubringen. Auf der Teletschka ist dies bereits möglich. Bitte wenden Sie sich bei Fragen zum Thema Gedenktafeln an den Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V., Lorenz und Helga Baron, 73230 Kirchheim unter Teck, Tel. 0049 / 7021/ 555 69. Wer seine Spende dem Mahnmal in Rudolfsgnad widmen will, möge sie auf das Konto des „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V“ einzahlen: Raiffeisenbank Oberösterreich, BLZ 34000, Kto. 6.830.590. In Deutschland auf Kreissparkasse Esslingen, BLZ 611 500 20, Kto.-Nr. 74 08 777

Bis dato sind bei uns noch keine Anfragen wegen einer eventuellen Busfahrt eingegangen. Wenn jedoch diesbezügliche Wünsche bestehen und sich ein Koordinator findet, sind wir selbstverständlich gerne bereit, als Vermittler zu fungieren. 10


UNSERE VERSTORBENEN

Agatha Weber † Stankowitsch Im 97. Lebensjahr verstarb Frau Weber nach einem harten, arbeitsreichen Leben. Sie wurde am 14. Oktober 1906 in Deutsch-Zerne geboren und heiratete dort 1929 den Landsmann Josef Weber. Ihnen wurden zwei Kinder geboren, der Sohn verstarb jedoch noch als Säugling. Während des Krieges führte sie die Landwirtschaft bis zur Internierung. Nach der Flucht kam sie über Kremsmünster in das Lager Haid. 1960 übersiedelte sie nach Traun. Um sie trauern ihre Tochter Magdalena, der Schwiegersohn, Enkel und Urenkel.

Margarethe Haumann † wurde am 18. November 1903 in Batschka Brestowatz geboren. Nach einem erfüllten Leben verstarb am 21. Jänner 2004 im Alter von 100 Jahren mit Frau Margarethe Haumann eine unser ältesten Landsleute, die stets mit der Landsmannschaft auf das Engste verbunden war. Um sie trauern die Tochter Magdalena Wesinger, die Enkel Brunhilde und Alois; Christa und die Urenkel Thomas und Monika; Michael

Johann Leiber † wurde am 9. Februar 1929 in Boretsch, Jug. geboren und fand 1944 nach der Flucht in Schwand seine erste Bleibe. Hier lernte er auch seine spätere Frau Magdalena (Lenka) kennen, die er auch am 31. Juli 1948 heiratete. 1958 wurde das neu erbaute Haus in Ach, Birkenweg 27 bezogen. Herr Leiber starb am 11. Dezember 2003 nach kurzer, schwerer Krankheit. Um ihn trauern seine Frau, die zwei Töchter, die drei Enkel und ein Urenkel. Um mit den Landsleuten und der Landsmannschaft in Verbindung zu bleiben, übernimmt Frau Lenke Leiber die Mitgliedschaft, wofür die Landesleitung DANKE sagt.

Katharina Steimer † Pensionistin in Kremsmünster, Josef-Assam-Straße 3. vestarb am 16. Jänner 2004 nach längerem Leiden im 85. Lebensjahr. Um sie trauern der Sohn, die Schwiegertochter und Enkel.

Georg Kinder † Georg Kinder geb. am 29. März 1931 in Poretsch, Slawonien, verstarb am 8. Feber 2004 nach langer Krankheit in Braunau. Um unser langjähriges Mitglied trauern 3 Kinder und 4 Enkelkinder.

Matthias Rausch † langjähriges Mitglied unserer Landsmannschaft, ist am Montag, dem 29. Dezember 2003 nach langer Krankheit, jedoch unerwartet im 85. Lebensjahr verstorben. Um ihn trauern seine Kinder Rudi, Anni und Erwin, die Schwiegerkinder Renate und Günther, die Enkelkinder Matthias, Martin und Michaela, Martin mit Andreas, Simone, Katrin mit Jürgen, Heinz, Wolfgang und Christoph, die Urenkel Anna, Maximilian, Gabriel und Moritz sowie die Geschwister, Schwäger und Schwägerinnen.

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UNSERE VERSTORBENEN

Anton Bittner † verstarb am 19. Jänner 2004 im 93. Lebensjahr. Der gelernte Instrumentenbauer war zeitlebens ein Vollblutmusiker, der mehrere Instrumente beherrschte. In unserer alten Heimat spielte er bei der Militärmusik – in der neuen bei der Stadtkapelle Schwanenstadt, deren Ehrenmitglied er auch war. Herr Bittner war auch ein jahrzehntelanges Mitglied der Landsmannschaft und hat in seinem Umfeld viel und gerne von der alten Heimat erzählt. Er verlor bereits 1965 seine Tochter und 2001 seine Frau. Am Ende seiner Musikerlaufbahn setzte er sich ein Denkmal, indem er die Polka „Erinnerungen an die alte Heimat“ komponierte. Diese Polka wurde im Jahre 2000 anlässlich eines ORFFrühschoppens in alle Welt ausgestrahlt. Um ihn trauern seine Schwester und sein Schwiegersohn.

Juliane Frank † wurde am 17. Juni 1929 in Karlsdorf/jug.-Banat geboren (Specht). Sie überlebte das Vernichtungslager und 1947 gelang ihr mit Mutter und Schwester die Flucht nach Österreich. Nach der Heirat 1952 baute sie mit ihrem Mann Niki ein Eigenheim in Paschhing, konnte aber nur eine kurze Zeit des Glückes genießen, da ihr Mann bereits 1966 im 42. Lebensjahr verstarb. Nach der Geburt ihrer Enkelin sah sie ihr Leben wieder mit neuem Sinn erfüllt und umsorgte ihre Familie mit viel Liebe und Hingabe. Im Februar 2003 wurde sie schwer krank und verlor schließlich den Kampf gegen die tückische Krankheit. Um sie trauern ihre Tochter Sissy, Schwiegersohn Werner und die Enkelin Stephanie, in deren Beisein sie bis zum letzten Atemzug im gleichen Haus lebte.

Katharina Brenner † geboren am 14. Juni 1930 in Latscharak, Jug., verstarb am 2. Feber 2004 nach schwerer, mit großer Geduld ertragener Krankheit im 74. Lebensjahr. Sie wurde unter großer Anteilnahme auf dem Friedhof in Thalheim bei Wels beerdigt. Eine sehr seltene Krankheit machte sich schon vor 20 Jahren bei Frau Brenner bemerkbar, die sie im Laufe der Zeit zu einem Pflegefall werden ließ. Ihr Gatte, unser Mitglied Herr Hans Brenner, sorgte sich rührend um sie. Als er vor zwei Jahren der „Rund-um-die-Uhr-Pflege“ nicht mehr alleine gewachsen war, fasste er schweren Herzens den Entschluss, das Haus zu verkaufen um gemeinsam mit seiner Frau in das Altersheim Thalheim zu ziehen, wo ihr eine optimale Pflege zuteil wurde. Landsmann Brenner nahm das Eheversprechen „bis Euch der Tod scheidet“ wortwörtlich. Ein Musterbeispiel an Pflichterfüllung!

Arnold Kathrein † geboren in Haifeld, wohnhaft in Traun, Kaplantraße 9, verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit am 22. Dezember 2003 im Alter von 77 Jahren.

Johann Müller † geboren am 5. Juli 1925 in Gertjanosch, rum. Banat, wohnhaft in Leonding-Doppl, verstarb am 4. Jänner 2004 nach langem, schweren und mit großer Geduld ertragenem Leiden im 79. Lebensjahr.

Balthasar Fessl † geboren am 18. Oktober 1929 in India, Bez. Ruma, jahrzehntelanges, sehr aktives Mitglied beim Eisenbahnermusikverein und bei der Sportunion Grieskirchen, ist am 27. Jänner 2004 im 75. Lebensjahr verstorben.

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UNSERE VERSTORBENEN

Anna Wildmann

geb. König

Am 18. Dezember 2003 verstarb in Linz Frau Anna Wildmann, die zu dieser Zeit Zweitälteste Filipowaerin in ihrem hundertsten Lebensjahr. Sie war die Tochter des letzten Kantorlehrers von Filipowa, Johann König (1873 –1964) und der Anna geb. Schwager (1881 – 1915 aus Batsch-Sentiwan). Sie erblickte am 28. August 1904 als zweites von sieben Kindern der Lehrerfamilie König das Licht der Welt. Ihre Geschwister verstarben alle im frühen Kindesalter, 1915 verlor sie auch ihre Mutter. Anna heiratete 1928 in Filipowa den Gemischtwaren- und Getreidehändler Karl Wildmann. Der glücklichen Ehe entstammen die drei Söhne Georg (Obmannstellvertreter der Donauschwaben in OÖ.), Richard (OKA-Bediensteter i. R.) und Karl (Optiker und Geschäftsinhaber), alle wohnhaft in Linz. Im August 1946 gelang ihr mit ihren Söhnen und ihrem Vater die Flucht aus dem Arbeitslager nach Ungarn, von hier aus auf abenteuerlichen Wegen nach Linz, wo ihr Mann aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft entlassen worden war. Infolge der Bekanntschaft mit den Kapuzinern ergab es sich, dass sie die Stelle als Pfarrer- und Kindergarten- und zugleich Familienköchin in der 1948 als Barackenbau neuerrichteten Pfarrexpositur St. Konrad, Linz-Froschberg, annahm. Ab 1956 lebte sie mit Familie im neuerbauten Haus in Linz-Wegscheid. Die späten 80er Jahre waren der Pflege ihres Mannes gewidmet, der 1990 starb. Ab 2000 fand sie im Rudigier-Altenheim in der Stockhofstraße 2- 6, Linz, eine Bleibe. Die letzten Jahre hatte sie eine gewisse Gehbehinderung, aber die geistige Frische blieb, damit auch die Fähigkeit zu Freude und Humor. Sie hat viel gegeben und war bescheiden im Nehmen. Im Fluchtgepäck mitgebracht hat sie die donauschwäbischen Tugenden: Genügsamkeit, Fleiß, sinnvolle Sparsamkeit, Koch- und Gartenkunst, Hausfraulichkeit und den heute als „altmodisch“ geltenden religiös fundierten Familiensinn. Nach dem Trauergottesdienst in der Pfarrkirche Guter Hirte, Linz-Neue Heimat, wurde sie am 22. Dezember 2003 auf dem Stadtfriedhof Linz-St. Martin im Beisein ihrer Angehörigen und zahlreicher Bekannten und Landsleuten zur letzten Ruhe geleitet. In Dankbarkeit und Trauer nehmen von ihr Abschied ihre drei Söhne mit ihren Ehegattinnen, ihre neun Enkel mit Angehörigen und ihre sechs Urenkel.

HEIMATSTUBE BRAUNAU · 10 JAHRE DONAUSCHWABEN HEIMATSTUBE BRAUNAU · 10 JAHRE DONAUSCHWABEN In der schönen Stadt am grünen Inn gibt es Anfang Mai 2004 sehr viel Kultur. Da dürfen natürlich Aktivitäten der Donauschwaben nicht fehlen. Auch wenn sich die ARGE – Braunau aufgelöst hat, heißt das noch lange nicht, dass auch das Ehepaar Frach die Arbeit eingestellt hat. Einvernehmlich mit der Landesleitung der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich laden sie als deren Vorstandsmitglieder ein zum

TAG DER OFFENEN TÜR 1 WOCHE: vom 1. bis 8. Mai 2004, täglich von 9 – 17 Uhr anlässlich

10 Jahre Donauschwaben – Heimatstube Quasi zur Einstimmung wird zu dem hochinteressanten Vortrag

„WEG der DONAUSCHWABEN“ geladen. Vortragender: Konsulent Oskar FELDTÄNZER Diese Veranstaltung findet

Freitag, 30. April 2004 in der Herzogsburg, Braunau, Altstadt 10, statt. Diese Veranstaltungen werden von der Stadtgemeinde Braunau unterstützt und stehen unter dem Ehrenschutz von Bürgermeister Gerhard Skiba.

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Die GESCHEITERTE EVAKUIERUNG der WESTBANATER SCHWABEN Ein Teilaspekt der Tragödie der Donauschwaben von Dr. Georg Wildmann – Pasching, Langholzfeld, 29. November 2003 Es wurde an mich der Wunsch herangetragen, etwas Aufklärendes zu sagen zur Frage, warum die Evakuierung der Schwaben des jugoslawischen Banates im Großen und Ganzen gescheitert ist, damals im Herbst 1944. Die Jugoslawisch-Banater Schwaben haben dadurch die höchste Verlustquote aller Donauschwaben zu verzeichnen. Bilanz: Der Bevölkerungsstand der Jugoslawisch Banater betrugt im Oktober 1944 abzüglich der noch lebenden Soldaten aufgerundet 102 000 Personen. Von diesen flüchteten 10.600, also ziemlich genau 10 Prozent. Rund 90.000 wurden dem Tito-Regime ausgeliefert. Im Vergleich dazu: Von den, abzüglich der im Felde stehenden Soldaten, 151.000 BatschkaSchwaben flüchteten 70.500, das sind fast 46,5 Prozent, also nahezu die Hälfte. Rund 79.000 wurden dem Tito-Regime ausgeliefert. Die Banater Schwaben verzeichneten fast 27.000 Ziviltote, die Batschkaer Schwaben 24.000. Die Banater verloren von ihren 102 000 im Herbst 1944 lebenden Zivilpersonen 26,5 Prozent, die Batschkaer von ihren 151.000 Zivilpersonen „nur“ 16 Prozent. Eine zentrale Rolle in der Frage um die Evakuierung und das Evakuierungsverbot spielt der Höhere SS- und Polizeiführer Hermann Behrends 1. Behrends residierte während der Besatzungszeit 1943 und 1944 in Belgrad. Er war den Schwaben des jugoslawischen Banates nicht besonders gewogen, er hatte aber im Banat als oberster Polizeiführer die größte Macht. Seit August 1944 war er auch Bevollmächtigter des Militärbefehlshabers Südost für das Banat. Als nun der Krieg infolge des Rückzugs der deutschen Truppen auf Rumänien übergriff, schloss Rumänien am 23. August 1944, für die deutsche Führung völlig überraschend, mit der Sowjetunion einen Waffenstillstand. Die Bedingung war, dass Rumänien auf der Seite der Sowjetunion

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gegen seinen vormaligen Verbündeten Deutschland den Krieg fortsetzt. Die deutsche Front brach nach dieser Wendung der Rumänen zusammen und die Sowjetarmeen standen Anfang September im rumänischen Banat. Auch die rumänische Besatzung von Temeswar ging Anfang September auf die sowjetische Seite über. Gegen den Widerstand im Stabe des deutschen Befehlshabers Südost setzte es Behrends durch, in das rumänische Banat einzudringen, um die Lage zu klären. Er hatte den ehrgeizigen Plan, als Rückeroberer von Temeswar in die Geschichte einzugehen. Er startete das sog. „Unternehmen Behrends“, das vom 11. bis 30. September 1944 dauerte. Er hatte eine schwach ausgerüstete SS-PolizeiPanzergrenadier-Division zur Verfügung, die er von Werschetz aus auf Temeswar vorrücken ließ mit dem Auftrag, aufzuklären, wieweit das rumänische Banat von den Sowjets besetzt sei. Dann bildete er eine „Kampfgruppe Behrends“ hauptsächlich aus Banater Schwaben, nämlich aus Waffen-SS-Urlaubern und Männer der Banater Verfügungstruppe aus der Deutschen Mannschaft – gegen den heftigen Protest des Volksgruppenführers im jugoslawischen Banat, Dr. Sepp Janko. Diese Verfügungstruppe Michel Reiser bestand aus 10 Kompanien zu je 120 – 150 Mann aus Teilen der städtischen Deutschen Mannschaft, aus älteren Schülern und dem Arbeitsdienstjahrgang. Janko hatte diese Schutztruppe aufstellen lassen, damit sie hinter der Front die abziehende Bevölkerung vor den Partisanenangriffen schütze.2 Diese Kampfgruppe startete ihren abenteuerlichen Zug auf Temeswar von Deutsch-Zerne im Nordbanat aus, und zwar am 13. September. Sie gelangte am 20. September bis in die Vorstädte von Temeschburg. Darauf verkündete Behrends an Reichsführer SS Heinrich Himmler, Temeswar sei erobert und bekam daraufhin sofort das Ritterkreuz, die bekannte hohe militärische Auszeichnung.

Die wohl beste kritische und detailreiche, durch Einzelaussagen gestützte Darstellung der Evakuierungsfrage des Banates gibt Johann Wüscht, Beitrag zur Geschichte der Deutschen in Jugoslawien, 1934 –1944. Aktenmäßige Darstellung, Eigenverlag, Kehl am Rhein 1966, 126 –140. Sie wurde hier als Hauptquelle verwendet. Wüscht verwendet dabei auch den Bericht, der ehemaligen Volksgruppenführer Dr. Sepp Janko über die Ereignisse und sein eigenes Wirken geliefert hat. Der Bericht findet sich im deutschen Bundesarchiv, Ost-Dok 16. Als weitere wesentliche Quelle der vorliegenden Darstellung dient das Buch Dr. Sepp Janko, Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, Stocker-Verlag, Graz-Stuttgart 1982, mit seinen Kapiteln „Unser Evakuierungsplan und die verbotene Flucht“ (S. 238 – 262) und „Kampfgebiet Banat“ (263 – 293). Janko, Weg und Ende, S. 260ff. Janko bezeichnet sie gelegentlich auch als „Standarte Michael Reiser“.

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Die Kampfgruppe wurde aber unter Verlusten von den rumänischen und sowjetischen Truppen aus der Stadt geworfen und zog sich ins jugoslawische Banat zurück. Die SS-Polizeidivision, die von Werschetz aus vorrückte, stieß etwa 30 – 40 km vor Temesburg auf starken Widerstand und musste sich unter starkem Nachdrängen der überlegenen Rumänen wieder Richtung Werschetz zurückziehen. Ihr Befehlshaber Jürgens schreibt an Himmler (2.10.1944), die Division habe aus eigenem Entschluss aus sieben deutschen Gemeinden, wie Gertjamosch, Billed, Liebling u.a. rund 12.000 Schwaben evakuiert. Diese hätten sich sehr beklagt, dass sich nach dem Abfall Rumäniens niemand von der Volksgruppenführung um sie gekümmert hätte. Ewald Frauenhoffer, Gebietsführer des rumänischen Banats, erklärte das in einem Bericht damit, dass kurz nach der Kapitulation Rumäniens die Amtswalter der Volkgruppenführung verhaftet worden wären. Frauenhoffer selbst hatte sich versteckt, die neue provisorische Volksgruppenführung in Hatzfeld, die, wie er, versuchte, ihr Bestes zu tun, habe aber nur wenig Erfolg gehabt 3. Es bewegten sich also Ende September auf den Banater Straßen nur mäßig große Trecks in Richtung Westen. Behrends untersagte schon vor dem Start seines Unternehmens gegen Temeswar der Volksgruppenführung des jugoslawischen Banats die Einleitung der Evakuierung. Er berief sich dabei auf einen „geheimen Führerbefehl“. Das Schreiben von Behrends an Dr. Sepp Janko ist erhalten und mit 10. September 1944 datiert. Es lautet: „Es ist strikter Führerbefehl, dass die Volkgruppe im Banat bleibt. Sie müssen sofort entsprechend auf Ihre Amtswalter einwirken… Ich erwarte von Ihnen größtmögliche Unterstützung bei der Durchschleusung der Deutschen aus Rumänien. Im übrigen ist die Sache als geheime Reichssache zu behandeln, d.h. insbesondere darf es dem Einzelnen gegenüber nicht in Erscheinung treten, dass es sich um einen Führerbefehl handelt. Heil Hitler, Ihr Behrends“.4 Im Sinne dieses geheimen Führerbefehls gab Behrends sowohl dem SD im Banat wie auch der Polizei und dem 3 4 5 6

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Grenzschutz Befehl, jede Evakuierung und jeden Übergang über die Theiß nach Ungarn zu verhindern.5 So konnte der Evakuierungsplan, den die Volksgruppenführung für das Banat von Dr. Wilhelm Neuner hatte ausarbeiten lassen, und der mit 2. September 1944 datiert ist, somit also schon 10 Tage nach Umschwenken Rumäniens auf die Seite der Sowjetunion vorlag, nicht umgesetzt werden. Er gibt Weg mit Entfernung und Marschdauer an, wie die 53 Kolonnen an die für sie vorgesehenen Brücken, die über die Theiß führen, gelangen können. Erste Hauptzielorte bilden demnach die Orte Neu-Betsche, Aradatz und Titel, wo die Theiß überschritten werden soll, um in die Batschka zu gelangen.6 Bei Titel gab es die Eisenbahnbrücke, bei Aradatz hatte Janko eine Pontonbrücke errichten lassen und bei Neu-Betsche gab es eine Fähre. Bei der von Janko gewünschten Evakuierung war nicht an ein endgültiges Verlassen des Landes gedacht, sondern an ein Ausweichen aus dem voraussichtlichen Kampfgebiet, um dann wieder heimzukehren.7 Es gab nun innerhalb der Westbanater Volksgruppenführung in den ersten Septembertagen in Betschkerek keine Klarheit über die Lage. Es langte die Zusicherung ein, dass eine deutsche Panzerarmee im Anrücken sei und zudem sprachen verunsicherte Ortsabordnungen vor und suchten Rat oder verlangten verbindliche Anweisungen. Da im Sinne Jankos an kein endgültiges Verlassen des Landes gedacht war, wählte der Mitredakteur des „Banater Beobachters“, Dipl.-Kfm. Georg Peierle, in der Ausgabe vom 3. September einen Artikel mit der verunglückten Überschrift „Wir bleiben hier. Ein offenes Wort zur Lage“ zu veröffentlichen.8 Es steht nicht fest, ob Janko den Artikel vorher zur Durchsicht bekommen hat 9. Es war jedenfalls keine amtliche Verlautbarung. Dieses „Wir bleiben hier“ war – so nach Janko 10 – gedacht im Sinne von „Unser Weggehen ist nicht für immer. Wir kommen wieder“ und sollte die Abordnungen aus den Ortschaften, die in Betschkerek vorsprachen und Klarheit wollten,

Wüscht, Beitrag, S. 132 Janko, Weg und Ende, S. 254 Wüscht, Beitrag, S. 128 Vgl. beglaubigte Abschrift des Originals aus dem Militärhistorischen Institut in Belgrad, Reg. Nr. 6/2 K.27-A, die dem Verfasser dieses Beitrags vorliegt. Vgl. Wüscht, Beitrag, S. 136; Janko, Weg und Ende, S. 247 Hier unterscheiden sich der im Bundesarchiv Ost-Dok. 16 vorliegende und von Johann Wüscht verwendete Bericht von Dr. Sepp Janko „Die Evakuierung des jugoslawischen Banates und des Kreises Belgrad 1944 –1945“ und die Darstellung Jankos in „Weg und Ende“ bezüglich des Datums der Zeitung. Nach „Weg und Ende“ erschien der Artikel schon am 4. September 1944, nach dem von Wüscht verwendeten Bericht aus dem Bundesarchiv erschien der Artikel am 18. September (!), während Josef Beer ihn auf den 3. September datiert. Josef Beer hat dem fatalen Artikel eine eigene Auseinandersetzung angedeihen lassen in: Arbeitskreis Dokumentation, Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien, Band I, Ortsberichte, München/Sindelfingen 1991, S. 114f. (Abk. LW I). Beer setzt sich hier mit der gesamten Frage auf den S. 113 –126. intensiv als Augenzeuge auseinander Bei Wüscht, Beitrag, S. 136, schreibt Janko, er habe den Artikel nicht zur Durchsicht bekommen, in „Weg und Ende“ schreibt er, er könne sich nicht mehr erinnern, ob er den Artikel ausnahmsweise vorher vorgelegt bekommen habe, Vgl. a.a.O. S. 247. Vgl. Wege und Ende, S. 247

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zumindest nach den Vorstellungen des Redakteurs Peierle, beruhigen. Die verunglückte Überschrift motivierte aber viele, die im Grunde ihres Herzens ihre Heimat, Haus und Hof nicht verlassen wollten, zum Daheimbleiben. Sie war nicht als eine leichtfertige „Durchhalteparole“ in die Welt gesetzt worden. Doch war sie angesichts der Lage sehr wohl ein journalistischer Missgriff mit tragischem Effekt für viele und dient bis heute in Gemeindeberichten – wohl zu Unrecht – als Anklage gegen die Volksgruppenführung unter Janko. Nach Josef Beer rief Dr. Awender die Bürgermeister und Ortsgruppenleiter zu einer Besprechung des Evakuierungsplanes für den 8. September nach Betschkerek. Die glaubwürdige Begründung lautete: Das Banat drohe zum Kampfgebiet zu werden und wäre daher vorübergehend zu räumen.11 Hierbei wurde auch der eigentliche Sinn der missglückten Zeitungsüberschrift herausgestellt, doch half das nur teilweise, denn inzwischen kursierten selbst hektographierte Abschriften des Artikels und viele kannten nur die Parole „Wir bleiben hier!“, hatten aber den Artikel selbst nicht gelesen. Jedenfalls kam, wie gesagt, zwei Tage später, am 10. September, das der angebliche Führerbefehl von Behrends, der unter Androhung des Kriegsgerichts jede Form von Evakuierung verbot und nur die Durchschleusung der Banater Schwaben aus Rumänien erlaubte. Das besonders Fatale an diesem Verbot war seine Deklarierung als „Geheime Reichssache“, so dass es als Verbot nicht an die Betroffenen weitergegeben werden durfte. Es wird bei allen Darstellungen zu wenig herausgestellt, dass die Banater Führung unter Janko den Leuten nicht sagen durfte: „Der Führer hat die Evakuierung verboten“, sondern gezwungen war, in ihren Reden und Antworten die Gefahr zu bagatellisieren und die Leute hinzuhalten. So ging bis zum Scheitern des Unternehmens Behrends um den 20. September die entscheidende Zeit verloren. Behrends hielt sein Evakuierungsverbot bis 1. Oktober um 17.00 Uhr aufrecht, wohl um den Eindruck zu erwecken, sein Unternehmen habe Erfolg gehabt. Noch am 28. September gab er auf Anfrage telefonisch durch: „Jeder, der es wagt, gegen mein ausdrückliches Verbot eine Evakuierung einzuleiten oder zu begünstigen, wird von mir vor das Kriegsgericht gestellt und muss mit der Todesstrafe rechnen.“ 12 11 12 13 14 15 16

Es begannen die mit den zurückgehenden Soldaten des Unternehmens Behrends die Trecks mit den Schwaben aus dem rumänischen Banat aufzutauchen. Nun dachte Janko daran, die eigenen Leute zwischen die Wagen einzuschleusen und mitfahren zu lassen. Doch Behrends bekam davon Wind und setzte ein „Evakuierungskommando Fiedler“ (so genannt nach seinem Brigadeführer) ein, das den strengen Befehl hatte, zu verhindern, dass in die Trecks der Rumänisch-Banater Serbisch-Banater einmischten.13 Das skurril anmutende Unternehmen von Berendts mit dem Ziel, Temeswar zu erobern, war also, wie es vorauszusehen war, an den viel zu schwachen Truppen gescheitert. Es mobilisierte aber russischen Kräfte der 2. Ukrainischen Front, die in Wartestellung gestanden waren. Die „2. und 3. Ukrainische Front“ (unter den Sowjetmarschällen Malinowski und Tolbuchin) gruppierten ihre Truppen gerade um. Provoziert von Behrends brachen die Sowjettruppen schon am 30. September bei Modosch und Stefansfeld in das serbische Banat ein und erreichten schon am 1. Oktober Betschkerek. An diesem 1. Oktober begannen die 2. und 3. Ukrainische Armee mit ihrem Großangriff auf Belgrad und erst an diesem Tag um 17. Uhr gab Behrends die Zustimmung zur Evakuierung. Es hätten laut Josef Beer noch in einer Reihe von deutschen Orten die Möglichkeit bestanden, die eine sofortigen Aufbruch zur Flucht zu unternehmen, doch fehlte dazu bereits die nötige Entschlossenheit 14. Schon am 2. Oktober fiel die Stadt Betschkerek nach Kämpfen in die Hand der Sowjets.15 Wer aus der Stadt flüchten wollte, konnte sich aber mit den militärischen Einheiten über die östlich Aradac liegende und verteidigte Theißbrücke in die Batschka absetzen. So auch Janko. Die regional unterschiedlichen Verteidigungskämpfe auf dem Westbanater Gebiet, die hauptsächlich von der Banater Verfügungstruppe getragen wurden, dauerte noch einige Tage, bis schließlich etwa um den 6. Oktober 1944 das gesamte Banat von den Partisanen und Sowjettruppen besetzt war, ohne dass größere Teile der Banater Deutschen evakuiert worden wären.16 80.000 wollte Janko ursprünglich über die Theiß in die damals zu Ungarn gehörenden Batschka bringen. So aber waren es nur 10.600, die davonkamen. Fortsetzung in der nächsten Ausgabe

Vgl. Beer, LW I, S. 117 und 124. Beer, LW I, S. 116 Vgl. Wüscht, a.a.O., S. 136, auch 129. Vgl. Beer, LWI, 122f. Einen ausführlichen Bericht über die Kämpfe und Fluchtbewegungen um Betschkerek bringt J. Beer in LW I, S. 125f. Die Kampfhandlungen im Banat sind im Buch von Sepp Janko, Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, auf den Seiten 249 – 288 ausführlich geschildert.

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WIE kann jeder von uns WICHTIGE INFORMATIONEN für die Nachwelt sammeln? Die ältere Generation unserer Landsleute ist bereits nicht mehr unter uns. Was die zweite Generation, was WIR aus eigenem Erlebten nicht für die Zukunft festhalten, ist für immer verloren.

Konnten Mädchen alleine ausgehen? Wie lange hat man Kleidungsstücke getragen.? Was hat man mit alten Zeitungen gemacht? Was mit den Essensresten? Wie war der Waschtag? Wie waren die Lebensmittel verpackt? Welche Gewürze und Kräuter hat man verwendet? Welches Obst gab es zu kaufen? Gab es bestimmte Gerichte an bestimmten Tagen? Wie war die Haarpflege, zu Hause, beim Frisör? Wie waren die Wohnzimmer eingerichtet? Wie lange wurde Trauer getragen? Haben sich die Frauen Gedanken über ihre Figur gemacht? 2.2.6. Freizeitbeschäftigung: Handarbeit, Sport

Jedes Mal, wenn wir einen unserer älteren Landsleute begraben, schlagen wir gleichsam ein Buch zu, welches man nie wieder öffnen kann. Für immer verloren! Wenn also Wesentliches nicht ein- für allemal dem Vergessen anheim fallen soll, müssen wir als Landsmannschaft mehr als bisher für die Sammlung und Auswertung von Quellen und Zeugnissen über unsere Volksgruppe tun. Und zwar wesentlich mehr und über das gesamte Spektrum der „Donauschwaben“. Wir, die älteren unter uns, sind in erster Linie angesprochen. Wir, die letzten noch lebenden Zeitzeugen. Jeder von uns, der zumindest acht Jahre alt war, als er die alte Heimat verließ und daher aus eigenem Erlebten berichten kann, sollte sich angesprochen fühlen. Darüber hinaus gibt es aber auch noch einen anderen Weg: den des Interviews der alten Menschen. Wir haben schon einige derartige Aufzeichnungen bekommen. An Hand dieser kann als Beispiel folgende Vorgangsweise abgeleitet werden:

3. Das Verlassen der Heimat 3.1. Das Lager, die Vertreibung 3.2. Der neue Anfang in Österreich, das Leben in Österreich 4. Gesundheits- bzw. Krankheitsgeschichte 4.1. Gesundheitszustand: Augen, Ohren, Sprechen, Mobilität, Tastsinn, Gedächtnis, Kurzzeitgedächtnis, Medikamente, Psychische Verfassung

1. Persönliche Daten 2. Familiärer Hintergrund 2.1 Kindheit: Berichte über die Eltern, deren beruflicher Werdegang, über die Geschwister, der Eltern usw. 2.1.1. Ausbildung: Schulen /Lehre … 2.1.2. Spielzeug …

5. Aufenthalt im Altersheim 5.1. Aktivitäten, Speiseplan, Beziehungen zum Personal 6. Lebensrückblick Dazu Bilder, Bilder …

2.2. 2.2.1. 2.2.2. 2.2.3.

Erwachsenenjahre Hochzeit … Geburt der Kinder … Religiöses Leben: Gebete, Wallfahrten, Sonntagskleider, Sonntagsbeschäftigung 2.2.4. Leben in der Familie: Gemeinsame Mahlzeiten, Lieder, Urlaub … 2.2.5. Alltagsleben: Geschenke – bei der Taufe, bei der Firmung und/oder bei der Hochzeit, Treffpunkt der Jugendlichen.

Diese „Aufgabe“ können wir sogar unseren Enkel und Urenkel übertragen. Das wäre sicherlich eine große Bereicherung für unsere Nachkommen. Wir haben auch Beispiele, wo der Lebenslauf, speziell aber vom Lager/Flucht, sehr detailliert beschrieben wird und mit dem Aufbau der Existenz in Österreich endet.

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R E N ATA H Ö N I S C H DIE ERFOLGREICHSTE BEHINDERTE LANGLÄUFERIN ÖSTERREICHS DER LETZTEN 20 JAHRE Die erfolgreichste behinderte Langläuferin Österreichs, Renata Hönisch, ist die Tochter unseres Landsmannes und Mitglied unserer Landsmannschaft, Martin Hönisch, der mit unserem Vorstandsmitglied Dr. Wildmann in Filipowa in die selbe Schulklasse gegangen ist. Frau Renata Hönisch ist ein Musterbeispiel dafür, dass man in keiner Phase des Lebens

resignieren darf, weil mit einem unbändigen Willen auch Berge versetzt werden können. Ihre Erfolge veranlassten die oberösterreichischen Nachrichten, ihr einen beachtenswerten Bericht zu widmen, welcher auch überregional sehr beachtet wurde. Mit Erlaubnis des Blattes geben wir den Artikel nachstehend wieder:

Renata Hönisch: Zwei Mal Gold trotz doppeltem Handikap

Die Donauschwaben sind stolz, in Frau Renate Hönisch eine so tüchtige junge Frau unter hren Nachkommen zu wissen und wünschen ihr das denkbar Beste für die Zukunft.

Mädchenjahre – Kriegsjahre Unter diesem Titel hat Frau Regina Wallner die Geschichte ihrer aus Franztal stammenden Mutter niedergeschrieben. Ihre Mutter war eins von 10 Kindern. Im Laufe ihres Lebens trafen sie unglaubliche Schicksalsschläge während der Kriegs- und Nachkriegszeit. Auch dieses Buch ist ein Beitrag zur Dokumentation des Schicksals unseres Volksstammes und wird unseren Nachfahren einst Einblick in unsere Vergangenheit geben. Zu beziehen ist es bei Frau Regina Wallner, 4645 Grünau, 684 Telefon: 07616 / 87 09, bei der Druckerei Denkmayr in Linz sowie im Buchhandel. Preis: Euro 18,50; ISBN 3-902257-26-1

Für die Reise in die Wojwodina sind noch einige Plätze frei. Auskunft: Ing. Gindlstrasser, Tel. 0 72 35 / 88 0 46 18


Einladung An alle Landsleute und ehemaligen Bewohner des Lagers 65 zur

Feierlichen Einweihung der Grotte des Lagers 65 an ihrem endgültigen Standort im Einkaufszentrum Niedernhart an der Kreuzung Einsteinstraße – Kopernikusstraße am

Sonntag, 23. Mai 2004,

um

14.00 Uhr

Die Einweihung wird von Herrn Pfarrer Mag. Franz Zeiger von der Pfarre Linz – St. Peter – Spallerhof in Anwesenheit des ehemaligen Lagerpfarrers Herrn Peter Fischer vorgenommen. Die ehemaligen Lagerschullehrer OSR Bgm. a.D. Robert Pill und Franz Hanz werden Worte der Erinnerung sprechen. Wir erwarten Würdenträger der Sadt Linz und des Landes OÖ.

Anschließend treffen wir uns im Großen Pfarrsaal am Spallerhof zu einer gemütlichen Zusammenkunft. Ich hoffe, alle Landsleute und Lagerbewohner, ob jung oder alt, können zu dieser Einweihung und Zusammenkunft kommen. Wendelin Wesinger

Spenden für die Erhaltung der Grotte sind erbeten.

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Donauschwäbischer Künstlerbeitrag „Versöhnung“ von Josef de Ponte, geboren 1922 in Budapest – Johannistag, lebt seit 1965 in Schwaigern, Deutschland. Maler und Gestalter mit internationalen Auszeichnungen. Schuf in fünf Jahrzehnten zahlreiche Kunstwerke in Kirchen und profanen Gebäuden.

Versöhnung Spürst du, dass großes Unrecht dir geschieht, Weil man missachtet, was dein wahres Recht: So setz in Frieden du den ersten Schritt – Erhöht fühlst du dich dann und nicht geschwächt. Fällt dir auch schwer in Liebe zu verzeih’n, So denk’ ans Kreuz und was als Mensch du bist: Dann wirst erfüllt von Hass du nimmer sein, Denn dieser lodert nicht, bist du ein Christ.

Gibst du dem andern durch ein Zeichen kund, Wieviel dir liegt an echter Partnerschaft – Dann wird geschlossen sein ein neuer Bund: Versöhnung, Aufbau und Gestaltungskraft. Wir wollen diese drei beherzt bejah’n, So wie die Hoffnung – sie verliere nicht. Vielmehr mög’ diese leuchten uns voran – Kein wertes Leben ohne Zuversicht.

Horst Herzog

SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verlgeger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer, Landesobmann, A-4600 Wels, Maria Theresia Str. 33, Tel. 0 72 42 / 452 78, E-Mail: a.ellmer@oan.at Sparkasse OÖ Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 37

April, Mai, Juni 2004

Nr. 2

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

Vorankündigung und

Einladung zu unserem großen

Dankfest Wie bereits im letzten Mitteilungsblatt angekündigt, wollen wir als Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich, bei dieser Dank- und Gedenkveranstaltung

„60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“ am Samstag, dem 23. Oktober 2004 in Leonding-Hart dem Repräsentanten des Landes Oberösterreich, Landeshauptmann Dr. Pühringer, sowie allen Landeshauptleuten und den Landesregierungen, den Kirchen und den Bürgermeistern jener Gemeinden danken, welche die Sesshaftwerdung unserer Landsleute ermöglicht bzw. erleichtert haben. Wir als einstmalige Vertriebene und daher heimatlose Flüchtlinge, haben wahrhaft viele Gründe DANKE zu sagen. Manches, was damals von existentieller Bedeutung war, scheint heute kaum mehr verständlich, weil wir in einer anderen Zeit leben, in der sich Vieles naturgemäß ganz anders darstellt. Aber gerade in diesen so genannten „guten Zeiten“ ist es angebracht, sich zurückzuerinnern, nachzudenken und die damals so wesentlichen Dinge nicht einfach zu ignorieren. „Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens“ sagte unser Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer in seiner Festansprache in Mondsee (s. Artikel auf Seite 20). Dankbarkeit gilt bekanntlich seit der Antike als die eigentliche menschliche Haltung und Tugend schlechthin. Wir Donauschwaben und unsere Nachkommen tragen diese Dankbarkeit im Herzen. Um dies auch öffentlich zu dokumentieren, wollen wir daher diesen Jahrestag unserer Ankunft in Oberösterreich zum Anlass nehmen, um den Repräsentanten von Land, Kirchen und Gemeinden unseren gebührenden Dank zu erweisen, wobei wir durchaus auch selbstbewusst feststellen können, dass wir uns in vorbildlicher Weise und mit ganzer Kraft am Wiederaufbau Österreichs beteiligt und neben Fleiß und Bescheidenheit nicht zuletzt auch Toleranz und Integrationsfähigkeit bewiesen haben.


Vorgesehene Hauptpunkte im Programmablauf: 10:00 Uhr: Bischofsmesse in der St.-Johannes-Kirche in Leonding-Hart, mit Erzbischof Dr. Zollitsch – der St. Stephans Chor Wels bringt die Messe in C-Dur von Franz Schubert, D 452 – op. 48, für Chor, 4 Solisten, Orchester und Orgel in der ursprünglich komponierten Fassung zur Aufführung. 10:00 Uhr: Gottesdienst in der evangelisch reformierten Kirchengemeinde in Leonding-Hart, Haidfeldstraße 6, mit OKR Pfr. Mag. Richard Schreiber 14:00 Uhr: Festakt in der Kürnberghalle, ebenfalls Leonding-Hart Zu diesem historischen Anlass präsentieren wir an diesem Festtag in der Kürnberghalle auch eine Künstlerausstellung unter dem Titel:

„Die Donauschwaben als Brückenbauer für ein friedliches Europa“ Dazu zeigen wir ca. 30 Exponate verschiedener donauschwäbischer Künstler, wie Prof. Sommerfeld, Prof. Sebastian Leicht, Stefan Jäger, Prof. Fürst u.a. Zusätzlich stellen wir Werke des Stein- und Holzbildhauers Msgr. Josef Elter aus. Außerdem zeigen wir eine zweiteilige Fotoausstellung von Georg Lang mit den Titeln: a) alte Heimat: „Unsere Donauschwäbische Heimat war eine vorbildliche Pionierleistung unserer Ahnen“ und b) neue Heimat: „Der Neubeginn in unserer zweiten Heimat in Oberösterreich war ein mühsamer Weg“ mit historischen Aufnahmen über unsere Integration in Oberösterreich. Diese Ausstellung ist auch von Montag, 25. Oktober bis Samstag, 30. Oktober 2004 im Landeskulturzentrum Ursulinenhof zu sehen. Dazu werden wir in unserem nächsten Mitteilungsblatt, Ende September, ausführlich berichten. Wie allein an Hand dieser wenigen Ausführungen zu sehen ist, bemüht sich die Landesleitung, eine in jeder Weise würdige und aussagekräftige Veranstaltung auszurichten, die öffentlichkeitswirksam ist und einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Repräsentanten des Landes, der Städte, der Kirche und der Wirtschaft haben ihre Teilnahme zugesichert und werden mit uns feiern. Wir laden daher auch Sie, liebe Mitglieder, mit Ihren Familien und darüber hinaus alle erreichbaren Landsleute schon jetzt recht herzlich zu diesem Fest ein. Merken Sie sich den Termin quasi als „Familientag“ vor. In diesem Zusammenhang verweisen wir noch auf den Artikel „Unsere Festschrift – unsere Geschichte“. Dem nächsten Mitteilungsblatt werden wir eine formelle Einladung mit dem Programm und allen Details zum Festablauf beilegen. Die Landesleitung


Unsere FESTSCHRIFT – Unsere GESCHICHTE Wir haben unsere Dank- und Gedenkveranstaltung

stellt werden, die „ethnische Säuberung Jugoslawiens von deutschen Bürgern“. Ebenso auch die unmenschlichen Leiden jenes Teils unserer Volksgruppe, dem die Flucht vor der Roten Armee und dem Partisanenregime gelang. Darüber geben mehrere Dokumentationen, vorwiegend im Rahmen der Veröffentlichungen der „Donauschwäbischen Kulturstiftung“ in München – unter maßgebender Mitwirkung unserer Historiker Dr. Wildmann und Kons. Oskar Feldtänzer – detaillierte und umfassende Auskunft.

„60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“ am 23. Oktober 2004 in Leonding zum Anlass genommen, um die rund 300-jährige Geschichte unseres Volksstammes in geraffter Form von der Ansiedlung unserer Vorfahren im mittleren Donauraum bis zu unserer „Rückkehr“ in das Mutterland, in einer Festschrift im Umfang eines Büchleins für die Nachwelt festzuhalten.

Als im Oktober 1944 die ersten aus politischen Gründen geflüchteten bzw. vertriebenen Menschen unserer Volksgruppe in Oberösterreich eintrafen, herrschten bekanntlich auch hier, bedingt durch die Kriegsereignisse große Not und Ungewissheit. Trotz der Unterschiede in Tradition, Mundart und der seit 1918 getrennt verlaufenen staatlichen und politischen Entwicklung, die die Verständigung und gegenseitige Anpassung erschwerten, und auch trotz der heute kaum vorstellbaren wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben sehr viele unserer Landsleute hier Aufnahme gefunden und sind heute glücklich, als österreichische Bürger in diesem Lande leben zu dürfen.

Die beiden Historiker Prof. Dr. Georg Wildmann und Konsulent Oskar Feldtänzer, die beide dem Vorstand unserer Landsmannschaft in Oberösterreich angehören, sind sicherlich die besten Kenner unserer Geschichte unter den noch lebenden Zeitzeugen und beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit dieser Materie. Die einschlägigen Darstellungen in dieser Festschrift beschreiben den Weg, oder wenn man will, den geschichtlichen Ablauf der Donauschwaben während des Zeitraums von rund drei Jahrhunderten. In einem damals riesigen Kaiserreich mit den verschiedensten Völkern, Sprachen und Kulturen, wurden unsere Ahnen planmäßig für den politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des von den Türken befreiten Landes von „A nach B“ angesiedelt, als Bauern und Handwerker vor allem zur Urbarmachung und die Wiederaufrichtung des verwüsteten Landes. Später haben die bekannten politischen und nationalistischen Bewegungen eingesetzt und ihren Lauf genommen. Das Gebiet, das unsere Vorfahren besiedelten, wurde nach dem Ersten Weltkrieg auf mehrere Staaten aufgeteilt, unsere Einheit zerrissen. Ohne ihren Wohnort jemals verlassen zu haben, wurden unsere Väter und Großväter in drei, ja sogar in vier Uniformen gesteckt, ohne dass sie nur das Geringste dagegen tun konnten. Unsere Volksgruppe wurde zum „Spielball“ der Mächte wie kaum eine andere.

Wir als letzte Zeitzeugen dieses dramatischen Lebensabschnittes von Krieg, Flucht, Vertreibung und Vernichtung hätten genauso als Opfer auf der Strecke bleiben können. Als Überlebende dieser Schreckenszeit haben wir daher die moralische Verpflichtung, unserem Aufnahmeland Oberösterreich den gebührenden Dank zu erweisen. Dies ist auch der Hauptgrund unserer Großveranstaltung „60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“. Wir wollen daher insbesondere allen Landeshauptleuten und den Landesregierungen von Oberösterreich, der Kirche sowie den Bürgermeistern jener Gemeinden danken, welche die Sesshaftmachung unserer Landsleute ermöglicht bzw. erleichtert haben. Ich glaube aber sagen zu können, dass wir uns in vorbildlicher Weise und mit ganzer Kraft am Wiederaufbau Österreichs beteiligt und neben Fleiß und Bescheidenheit nicht zuletzt auch Toleranz und Integrationsfähigkeit bewiesen haben.

Die Katastrophe ereilte uns Donauschwaben jedoch im Oktober 1944, als die Partisanen Titos die Macht ergriffen. Nur andeutungsweise kann das unmenschliche Vorgehen gegen unsere zurückgebliebenen alten Menschen, Frauen und Kinder in dieser Festschrift darge-

60 Jahre leben wir, die Zeitzeugen unter unseren Landsleuten, nun schon in dem schönen 3


Oberösterreich. 60 Jahre Frieden. Die Menschen Europas scheinen aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben – ein vereintes, friedliches Europa nimmt zusehends stabile Formen an. Ein lang erträumtes Ziel aller friedliebenden Menschen scheint Wirklichkeit zu werden.

Wir Donauschwaben in Oberösterreich haben versucht, die Beziehungen zum Parlament der Wojwodina zu intensivieren. Wir haben die Vertreter des Parlaments, der Wirtschaftskammer und der Universität von Neusatz mit der Landesregierung, dem Landtag, der Wirtschaftskammer und der Universität Linz offiziell in Verbindung gebracht.

Wir schätzen uns glücklich, dass weitblickende Landsleute von uns schon am 5. August 1950 in die „Charta der Heimatvertriebenen“ folgenden Passus aufgenommen haben:

Indem wir so Kontakte zu den heute lebenden Menschen in unserer alten Heimat herstellen, ausbauen und pflegen, fungieren wir als Landsmannschaft der Donauschwaben von Oberösterreich hier im wahrsten Sinne des Wortes als Brückenbauer zwischen unserer alten und unserer neuen Heimat.

„Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können.“

Unserer Nachfolgegeneration fehlt durch unser eigenes Zurückdrängen des überstandenen Leids oft die volle Erkenntnis und Empfindung für die überstandene Schreckenszeit ihrer Eltern und Großeltern. Wir haben somit die verpflichtende Aufgabe, unseren Kindern und Enkelkindern das Bewusstsein und die Erinnerung dieser leidvollen Jahre zu wecken und zu erhalten. Damit könnten wir einen Weg finden, um unser Vermächtnis weiterzuführen.

Inzwischen sind mehr als 50 Jahre vergangen. Wir Donauschwaben haben unsere uns selbst auferlegte Hausaufgaben gemacht. Wir haben uns in vorbildlicher Weise am Wiederaufbau unserer neuen Heimat und somit Europas beteiligt. Wir haben NIE einen Zweifel aufkommen lassen, dass es für uns keinerlei Rache- oder Vergeltungsgedanken gibt.

Ein Kulturvolk lebt bekanntlich mit seiner Kultur, lebt mit seiner Kunst und lebt mit seiner Geschichte.

Wir haben Entbehrung, Leid, Entrechtung und Diskriminierung miterlebt. Uns hat man nicht nur Hab und Gut, sondern auch unsere Würde genommen (auch die unserer Toten).

Der Mensch als solcher hat die Fähigkeit, über sich selbst nachzudenken. Dem Menschen ist es deshalb gleichsam als Bedürfnis in die Wiege gelegt worden, so viel wie möglich über seine Vorfahren erfahren zu wollen. Spätestens ab etwa dem 40. Lebensjahr sucht er seine Wurzeln.

Wir wissen, was Krieg ist, und gerade deswegen werden wir immer alles tun, dass unsere Kinder und Enkelkinder diese schlimmen Erfahrungen niemals mehr machen müssen!

Es ist aber eine Tatsache, dass Kinder nur im Ausnahmefall die Erfahrungen der Elterngeneration annehmen. Schon gar nicht, wenn sie mit erhobenem Zeigefinger weitergegeben werden. Unsere Erfahrungen wollen wir daher gleichsam als ein Angebot an die Jugend von heute verstanden wissen.

In großer Verantwortung haben wir auf die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewaltherrschaft auch künftig hinzuweisen. Nur Leid, Hass, Entwürdigung und Tod werden dadurch ausgelöst. Daraus haben wir die Erkenntnis gezogen, dass wir uns für die Versöhnung voll einzusetzen haben. Heuer wurden bereits einige und in den nächsten Jahren werden auch die restlichen der Vertreiberstaaten in die Europäische Union aufgenommen. Eine Ironie der Geschichte: damit kehren sie wieder in die große europäische Völkergemeinschaft zurück, zwar nicht in das alte Kaiserreich, in welchem unsere Ahnen vor drei Jahrhunderten angesiedelt wurden, aber doch wieder in die Gemeinschaft der europäischen Völker. Wünschen wir nicht nur, dass diese Menschen innerhalb unserer Gemeinschaft eine friedlichere Zukunft haben mögen, als es ihre Vergangenheit war, sondern tragen wir tatkräftig dazu bei, egal ob als Einzelperson oder als Gemeinschaft.

Unsere Erfahrungen, unsere schrecklichen Erlebnisse sind Teil der Geschichte im Großen, sie sind ein Angebot aus dem man schöpfen kann – aber nicht muss. Es liegt demnach im Ermessen eines jeden Einzelnen, dieses Angebot zu nutzen. Anmerkung: Der Einritt zu der Gedenkveranstaltung am 23. Oktober 2004 ist frei (freiwillige Spenden sind willkommen). Für eine 10-Euro-Spende erhalten die Besucher ein Exemplar der Festschrift kostenlos. Anton Ellmer 4


M I T T E I L U N G E N aus der L A N D E S L E I T U N G DANK an den langjährigen Landeskassier Ernst MILLA Unser langjähriger Landeskassier Ernst Milla hat per 22. 04. 2004 die „Kassierstelle“ einvernehmlich zurückgelegt. Anlässlich seines 70. Geburtstages haben wir in unserem Mitteilungsblatt Nr. 4 im vergangenen Jahr seine diversen Tätigkeiten aufgezählt und gewürdigt. Bedingt durch die Gegebenheit, dass der vorhergehende Landesobmann infolge seines entfernt liegenden Wohnsitzes naturgemäß nicht täglich nach Wels fahren konnte, gingen seine vereinsbezogenen Aktivitäten in der Vergangenheit jahrelang weit über jene eines Kassiers hinaus. Angefangen von den div. Organisationen wie Wallfahrt nach Altötting über Besorgung etwaiger Geschenke bis zu den VorErnst Milla bereitungen der einzelnen Veranstaltungen der Landsmannschaft. Sehr sorgfältig, gewissenhaft und genau verwaltete er bei höchster Verlässlichkeit die Finanzen der Landmannschaft, wofür ihm auch auf diesem Wege nochmals der Dank der Landesleitung ausgesprochen wird.

Unser neuer Landeskassier: Johann MAYER Der „Nachwuchs“ zieht langsam in die Landesleitung unserer Landsmannschaft ein: Nach unserer Landesschriftführerin Anita Lehmann, geboren am 28. 8.1960, Tochter von Peter und „Greti“ Lehmann aus Rudolfsgnad haben wir nun mit dem Sohn des Ehepaares Anton und Eva Mayer, beide aus Apatin, ein weiteres Vorstandsmitglied Donauschwäbischer Eltern. „Landsmann“ Johann Mayer wurde am 15. Dez. 1951 in Vöcklabruck geboren und bildete sich nach Absolvierung der Schule und der Lehre berufsmäßig über Werk- und Schweißmeister zum REFA-Techniker weiter und ist dzt. als kaufmännischer Angestellter beschäftigt. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Sein Hobby (so ihm jetzt noch Zeit dazu bleibt!) ist Ahnenforschung – Richtung Heimat der Eltern, Asphaltschießen und Vereinsleben.

Johann Mayer

EDV Gleichzeitig mit dem Einstieg des neuen Kassiers wurden gemeinsam mit unserem EDV-Verantwortlichen Richard Deckert, unserem Buchhalter Eduard Födermayr und der Sparkasse folgende Änderungen in der Buchhaltung bzw. im Zahlungsverkehr vorgenommen:

Richard Deckert

• Die Bankabrechnung erfolgt hinkünftig über das ELBA-System. Das bedeutet: – Keine (oder fast keine) Bankbelege mehr – Keine Eintragung mehr ins Kassabuch – Monatsbankbeleg gilt als Kassabuch. – Die Abrechnungsdaten werden monatlich an den Landesobmann zur Überprüfung bzw. Überwachung weitergeleitet. • Elektronische Verarbeitung der Mitgliedsbeiträge und der Spendeneingänge

Nachdem die Mitglieder (ebenso auch die übrigen Empfänger unseres Mitteilungsblattes wie Bundes-, Landes- und Lokalpolitiker, Medien, Kirchenvertreter, Vereine usw.) bis auf ihr Geburts- und Eintrittsdatum schon vor mehr als 4 Jahren von unserem Vorstandsmitglied Richard Deckert EDV-mäßig erfasst wurden, ist also eine Vernetzung mit Buchhaltung, Sparkasse und nunmehr auch Kassier zweckmäßig und daher sinnvoll. Ganz abgesehen davon, dass heute einfach so gearbeitet wird. Mit Erfassung der fehlenden Daten, eben Geburts- und Eintrittsdatum kann zwar die Verwaltungsarbeit in der Landsmannschaft nicht mehr effizienter gestaltet werden, wir sind aber dann auch in der Lage, mehr Service durch Gratulationen zu gewissen Anlässen zu bieten. Herr Deckert und die Verantwortliche für die Mitgliederevidenz, unsere Vorstandskollegin Katharina Weitmann werden daher heuer die Arbeiten in dieser Richtung abschließen und mit Jahresbeginn wollen wir dann mit diesem erweiterten Service starten. 5


Die GESCHEITERTE EVAKUIERUNG der WESTBANATER SCHWABEN Ein Teilaspekt der Tragödie der Donauschwaben von Dr. Georg Wildmann – Fortsetzung von Heft 1/2004

Die Schuldfrage

aufgebracht, dass er Dr. Basch dringend riet, auf niemanden mehr zu hören, auch auf die anwesenden SS-Offiziere der Volksdeutschen Mittelsstelle (VOMI) nicht, sondern sofort den Auftrag zur Evakuierung bzw. den Aufruf zur Flucht durchzugeben, damit es den Batschkaer Schwaben nicht so ergehe wie den Banatern. Worauf Dr. Basch dem Gebietsführer des Volksbundes der Batschka, Sepp Spreitzer, die Weisung gab, den Aufruf zur Evakuierung an die Ortsgruppenführer hinauszugeben, was nach den Ortsberichten in der Hauptsache am 9. Oktober 1944 telefonisch geschah, mancherorts auch schon früher.19 Geflüchtet sind bzw. evakuiert wurden rund 70.500 Batschkaer Schwaben, in manchen Orten nur ein, in anderen bis zu neunzig Prozent, als die Rote Armee und die Partisanen um den 4. Oktober 1944 sich anschickten, die Theiß zu überschreiten. Nun zu den unterschiedlichen Antworten auf die Frage, wer die Hauptschuld dafür trägt, dass die Evakuierung der Westbanater Schwaben nicht rechtzeitig in die Wege geleitet wurde. Josef Beer, der Stabschef von Dr. Janko, hat seine Sicht der Dinge im Laufe der 1990er Jahre geändert. Noch im Band I, Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien, erschienen 1991, nahm er an, Hitler habe den klaren Aufbruchsbefehl nicht gegeben, weil er für Mitte Oktober 1944 eine entscheidende Wende der strategischen Lage zugunsten der Deutschen erwartet habe 20 und daher die Kampfmoral der verbündeten Truppen nicht durch „vorzeitige“ Evakuierungsmaßnahmen habe erschüttern wollen.21 Man habe im Führerhauptquartier auch feststellen können, dass die Sowjettruppen in Rumänien die deutsche Bevölkerung nicht besonders verfolgt hätten 22, also habe man gemeint, dies

Die Frage, wer an dem Desaster die Schuld oder die Hauptschuld trägt, ist nach gegenwärtiger Dokumentenlage und den Berichten der damaligen Akteure und Augenzeugen von uns nicht vollständig zu klären.17 Es kann sich also in den folgenden Überlegungen nur um den Versuch handeln, einiges Licht in die Schuldfrage zu bringen. Man muss in Anbetracht des geschilderten Ablaufs davon ausgehen, dass die Hauptschuld an dem Scheitern der Flucht der Westbanater das Evakuierungsverbot trägt, das der Höhere SS- und Polizeioffizier Behrends bis zuletzt verbissen aufrecht erhielt. Somit darf man die Hauptschuld demjenigen zuschreiben, der das Evakuierungsverbot erlies. Dieser Frage ist also in den folgenden Ausführungen nachzugehen. Es trafen sich vermutlich zwischen 7. und 9. Oktober 1944 in Sombor, dem Sitz der Batschkaer Gebietsführung des Volksbundes der Deutschen in Ungarn (VDU), der Volksgruppenführer der Ungarndeutschen, Dr. Franz Basch, Dr. Sepp Janko und SS-Obergruppenführer Werner Lorenz, Leiter der Volksdeutschen Mittelstelle (VOMI) im SS-Hauptamt in Berlin. Hier erklärte Lorenz Janko gegenüber, der Höhere SS- und Polizeiführer Hermann Behrends habe den Führerbefehl gefälscht, denn der eigentliche Führerbefehl habe auf Erlaubnis zur Evakuierung des Banates gelautet.18 Es behauptete also der oberste die Belange der Donauschwaben wahrnehmende SS-Offizier aus Berlin vor den Volksgruppenführern und ihren Gebietsführern, sein Untergebener in Belgrad habe einen „Führerbefehl“ gefälscht und deshalb seien Zehntausende Banater Schwaben in die Gewalt der Sowjetarmee und der Tito-Partisanen geraten. Diese Aussage hat Dr. Janko so 17

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Vgl. Arbeitskreis Dokumentation, Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien, Band I: Ortsberichte, Verlag Donauschw. Kulturstiftung, München 1991, S. 404 – 407, Abkürzung: LW; auch Adam Krämer, Die Evakuierung der Batschkadeutschen im Herbst 1944, in: Josef V. Senz (Red.), Ein Freundschafts- und Partnerschaftsbeispiel. Festschrift zum 70. Geburtstag von Friedrich Binder und Friedrich Kühbauch, Sindelfingen 1986, 90 – 95. Janko, Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien, Graz-Stuttgart 1982, S. 287f. Näheres dazu in LW I, bes. 404 – 407, und in den Ortsberichten der Batschka, ebenfalls in LW I, 367– 618. Ein sowjetisch-britischer Konflikt am Bosporus und eine entsprechende Blockierung der sowjetischen Kräfte im trakischen und jugoslawischen Raum durch britische Kräfte. Vgl. LW I, S. 90 Vgl. LW I, S. 88 Vgl. LW I, 89. Nur die Amtswalter wurden eingesperrt.

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auch für das serbische Banat annehmen zu dürfen. Dass man es hier jedoch mit den Partisanen Titos zu tun haben würde, hat man offenbar nicht bedacht. Auch habe man die wenigen festen Strassen der Tiefebene für deutsche Truppenbewegungen freihalten wollen, lange Treckkolonnen wären ein großes Hindernis gewesen.23 Alle diese Gründe hätten aber in den Augen Beers kein Hindernis sein dürfen, im unmittelbar drohenden Ernstfall die Evakuierungserlaubnis zu geben. So folgert also Beer: „Es steht daher für den Verfasser fest, dass die Hauptschuld für das Zurückbleiben der überwiegenden Mehrheit der Deutschen im serbischen Banat Behrends trägt. Bis Kriegsende ließ es sich nicht mehr eindeutig klären, ob Behrends eine ausdrückliche Weisung von Hitler selbst erhalten oder sich nur auf ihn aufgrund erhaltener Vollmachten berufen hat.“ 24 Nach der Interpretation jedoch, die Beer 1995 gegeben hat,25 trägt Hermann Behrends die Hauptschuld an der Nichtevakuierung der Deutschen des Banates aus einem weiteren, moralisch verwerflicheren Grund: er habe in Wirklichkeit einen echten geheimen Führerbefehl gehabt, der auf Evakuierungserlaubnis lautete, er habe ihn aber auf Evakuierungsverbot umgefälscht! Dr. Sepp Janko gibt in seinem Buch „Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien“ (erschienen 1982), ebenfalls Behrends die Hauptschuld, bemerkt aber, der von Behrends ins Spiel gebrachte „Führerbefehl“ stamme von Reichsführer SS Heinrich Himmler. Laut Janko habe Hitler die Anweisung gegeben, die Deutschen Siebenbürgens und beider Banate vor der Roten Armee in Sicherheit zu bringen. Der mit der Evakuierung Siebenbürgens beauftragte siebenbürgische SS-General Phleps habe aber mehr Deutsche aus Siebenbürgen evakuiert, als ihm Himmler zugebilligt hatte. Darauf sei Himmler verärgert gewesen und habe am 10. September 1944 für das serbische Banat ein Evakuierungsverbot verfügt.26 Folgt man der Darstellung Jankos, dass der Führerbefehl mit dem Evakuierungsverbot von Himmler stammte, dann missbrauchte des Reichsführers SS seinen Untergebenen, den Hö-

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heren SS- und Polizeiführer Behrends, als Werkzeug seines Zorns. Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass die Evakuierungsersuchen, die Janko unter Umgehung Behrends’ direkt an Himmler richtete, von diesem abschlägig beantwortet wurden.27 Damit läge also die Hauptschuld am Scheitern der Evakuierung der Banater Deutschen eigentlich mehr bei Himmler als bei Behrends.28 Wenn Janko Recht hat und der angebliche Führerbefehl von Himmler stammt, dann ist Behrends zwar nicht der Hauptschuldige an dem Verhängnis, unschuldig ist er aber auch nicht, weil er und seine Mitarbeiter von Belgrad aus ein viel zu optimistisches Bild der Lage nach Berlin durchgegeben haben. Behrends hatte den Ehrgeiz, als Eroberer von Temeswar berühmt zu werden, blieb daher stur bei seiner Weigerung, das Evakuierungsverbot aufzuheben, als es schon sinnlos geworden war, fühlte sich in seiner Haltung durch Himmler gedeckt und schlussendlich liebte er die Banater nicht. Es ist gut bezeugt, dass er in der fraglichen Zeit gesagt hat: Ich bringe den Janko wegen seiner Widerspenstigkeit noch ins KZ.29 Johann Wüscht, unser Landsmann und bester Kenner der Dokumente, bleibt indes bei seiner Behauptung, dass der „Führerbefehl“, der die Evakuierung verbot, echt war. Er ist fest überzeugt, dass Obergruppenführer Lorenz ein falsches Spiel gespielt hat. Lorenz habe in Sombor vor Janko gegen besseres Wissen Behrends der Fälschung des Führerbefehls bezichtigt. Warum habe er das getan? Er habe das getan, „um den Glauben der Volksdeutschen an den Führer nicht zu erschüttern.“ 30 Janko und die Anwesenden sollten also glauben, dass der Führer Adolf Hitler die Deutschen Jugoslawiens, speziell des Banats, davor bewahren wollte, unter kommunistische Herrschaft zu geraten. – Aber Behrends in seiner verwerflichen Eigenmächtigkeit habe das hintertrieben. Lorenz wollte also – so Wüscht – Hitler in den Augen der Volksgruppenführer reinwaschen und habe daher die Schuld am Desaster der Banater Schwaben auf Behrends geschoben. Tatsache ist aber, dass Lorenz schon zwei Monate später,

Vgl. LW I, S. 90 LW I, S. 116f. Josef Beer, Die Vorbereitungen zur Evakuierung der Deutschen aus dem serbischen Banat 1944, Donautalmagazin vom 1. Juli 1995. Eine ausführliche Darlegung der Missgeschicke, die bei der geplanten Evakuierung der Banater Schwaben auftraten, lieferte Josef Beer in LW I, 113 –124, wobei auch die Gründe für die fehlende Bereitschaft der Banater zur Flucht aufgezählt werden., vgl. bes. 119f. Janko, Weg und Ende, 255. Einer der gegenwärtig besten Historiker der Donauschwaben, Dr. Anton Scherer, hält die Ausführungen Jankos zwar als eine Rechtfertigung, sie klinge aber glaubwürdig. Vgl. dazu Anton Scherer (unter dem Pseudonym Michael Hottinger), Die Donauschwaben in Jugoslawien, in: Ernest Erker u.a., Der Weg in die neue Heimat. Die Volksdeutschen in der Steiermark, Graz-Stuttgart 1988, S. 134. Janko, Weg und Ende, S. 253 Behrends wurde an Jugoslawien ausgeliefert und dort hingerichtet. Es wäre zu prüfen, ob Gerichtsprotokolle erhalten sind, die möglicherweise Aufschluss in dieser Frage geben könnten. Vgl. Wüscht, Beitrag, S. 128. Johann Wüscht, Beitrag, S. 132.

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in einem erhalten gebliebenen, an Himmler persönlich gerichteten Schreiben vom 11. 12. 1944 bestätigte, dass Behrends keine Fälschung unternommen und richtig gehandelt habe.31 Also hat Lorenz vor den Volksgruppenführern in Sombor nicht die Wahrheit gesagt. Wüscht ist also überzeugt, dass Hitler selbst bzw. sein Hauptquartier die Evakuierung verboten hat. 31

Es bleibt aufgrund dieser widersprüchlichen Aussagen der Quellen, die einem heute zur Verfügung stehen, die Frage: Stammt das Evakuierungsverbot von Hitler, von Himmler oder von Behrends? – Beer sagt: von Behrends, Janko: von Himmler und Wüscht: von Hitler. Fortsetzung folgt

Vgl. Wüscht, Beitrag, S. 131f.

10 Jahre Donauschwaben-Heimatstube Braunau Im Einvernehmen mit der Stadtgemeinde Braunau, namentlich mit Bürgermeister Gerhard Skiba, haben unsere Landsleute in Braunau und Umgebung mit der Errichtung der Donauschwaben-Heimatstube eine zeitgeschichtliche Dokumentation geschaffen, welche sie 1994 der Stadt übergeben haben. Anlässlich des 10. Jahrestages war neben dem „Tag der offenen Tür“ am 30. April in der Herzogsburg auch ein Vortrag von dem Historiker Konsulent Oskar Feldtänzer angesetzt. Das sehr spannende Referat „Weg der Donauschwaben“ war so aufschlussreich, dass wir es auch allen Mitgliedern zur Kenntnis bringen wollen. Wir werden daher ab dem nächsten Mitteilungsblatt den Text in Fortsetzungen vollinhaltlich bringen.

Landesobmann Ellmer nahm diese Gelegenheit wahr, um auch namens der Landesleitung zu danken. Er führte u.a. aus: „Obwohl mein Kollege Josef Frach schon all jenen Personen und Institutionen, welche die Errichtung dieser Kulturstätte ermöglicht bzw. zu deren Errichtung beigetragen haben, mehrfach seinen Dank ausgesprochen hat, obliegt es mir als Landesobmann, auch im Namen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich unseren gebührenden DANK zu entrichten. Besonders muss ich aber den beiden nimmermüden Landsleuten Evi und Sepp Frach für ihre unermüdliche Tätigkeit im Sinne unsere Volksgruppe danken. Vor allem auf ihre Initiative wurde im Raume Braunau viel Sehenswertes, Bleibendes und ich meine, auch die Stadt und deren Umgebung Bereicherndes geschaffen, damit sich auch künftige Generationen von der Lebenswelt, dem Brauchtum und der donauschwäbischen Kultur ein Bild machen können. Kulturgüter von bleibendem Wert. Ein Kulturvolk lebt bekanntlich mit seiner Kultur, lebt mit seiner Kunst und lebt mit seiner Geschichte. Möge die Jugend von Braunau und Umgebung, als die Kulturträger von morgen dies in ihrer Tragweite erfassen, bewahren und ihrerseits zur gegebenen Zeit an künftige Generationen weitergeben.“

Blick in den Saal

Tag der offenen Tür Der im letzten Mitteilungsblatt angekündigte „TAG DER OFFENEN TÜR“ war ein voller Erfolg und wurde auch in der lokalen Presse sehr positiv bewertet.

mit ihrem Wissen Rede und Antwort. Über 200 Personen, im wahrsten Sinne des Wortes aus Nah und Fern (von Stuttgart bis Wien), darunter drei Schulklassen besuchten während dieser Woche die Heimatstube und informierten sich über das Schicksal unserer Volksgruppe von der Ansiedelung bis zur widerrechtlichen Enteignung und Vertreibung. Über den beschwer-

Unsere bewährten Vorstandsmitglieder Eva und Josef Frach standen den interessierten Besuchern vom 1.bis 8. Mai, täglich von 9 bis 17 Uhr 8


lichen Weg der gefahrvollen Flucht und über den Leidensweg jenes Teiles unserer Landsleute, die den Tito-Partisanen in die Hände fiel. Sowohl die „Braunauer Rundschau“ als auch der „Grenzland Anzeiger“ brachten ausführliche Berichte darüber und informierten so einen weiteren großen Personenkreis. Interessant waren die Motive des Besuches einiger Ärzte, die berichteten, dass sie viele unserer Landsleute als Patienten haben und sich daher einmal näher über deren Herkunft informieren wollten. Anita Lehmann Die Redakteurin der „Braunauer Rundschau“, Frau Hermine Aigner lässt sich von LO Stv. Josef Frach informieren

Goldene Verdienstmedaille für verdienstvolle Persönlichkeiten Der Rahmen dieser Veranstaltung und das Thema des Vortrages von Konsulent Feldtänzer boten sich an, auch zwei Persönlichkeiten zu ehren, die unser Landesobmann Ellmer vornahm und u.a. folgendes ausführte:

Aber ein so wesentlicher Teil der Geschichte kann nicht negiert werden. Wir wissen aus der Geschichte, dass ein friedliches Miteinander, um das es uns allen geht, auf einer fundierten Kenntnis der historischen Ereignisse basiert. Die Arbeit der beiden Herren Adam Albecker und Ing. Franz Schwarz wird auch dann, wenn keiner von uns Anwesenden mehr sein wird, Zeugnis geben, wer die Donauschwaben waren und was sie geleistet haben. Während Herr Ing. Schwarz unzähligen DIA’s und Fotos für die Heimatstube, für das Archiv und für einen donauschwäbischen Film, machte, hat Herr Albecker mit sehr, sehr viel Aufwand einen Film gemacht, der äußerst aussagekräftig ist und künftigen Generationen unseren Volksstamm näher bringen wird. Daher hat die Landesleitung der Donauschwaben in Oberösterreich in ihrer Sitzung am 16. April 2004 auf Antrag des Obmann Stellvertreters Josef Frach beschlossen, den beiden Herren

„Hohe Festgäste, sehr verehrte Damen und Herren, das Wort DANKE steht laut Statistik in der Häufigkeit der Verwendung zwar erst an sechster Stelle, ich finde das etwas ungerecht und möchte es heute und jetzt in den Mittelpunkt meiner kurzen Ausführungen stellen. Wir, die Donauschwaben haben zu danken. Wir haben vielfachen Dank an die verschiedensten Menschen, Institutionen usw. auszusprechen und tun dies auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Heute wollen wir daher zwei Persönlichkeiten ehren, denen wir ebenfalls zu Dank verpflichtet sind. Zwei Herren, die irgendwann in der Vergangenheit zur Erkenntnis gekommen sind, wenn wir nicht mithelfen, geht vielleicht ein wesentlicher Teil der Geschichte der Donauschwaben verloren. Die es nicht verstehen konnten, dass eine ganze Volksgruppe, deren Tugenden eigentlich Fleiß, Korrektheit, Bescheidenheit aber auch Integrationsfähigkeit sind, deren Ahnen weit über 200 Jahre im Dienste des Österreichischen Kaiserhauses vorbildliche Kulturarbeit geleistet haben, auf unmenschlichste Art widerrechtlich von Haus und Hof vertrieben wurden. Die erkannt haben, dass die Tragödie der Donauschwaben viel zu groß war, um sie dem Vergessen preisgeben zu dürfen. Sie halfen daher selbstlos und ohne jeden Kostenersatz mit, Dokumentationsmaterial zu erstellen, um auch künftigen Generationen authentisches Material an die Hand zu geben, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Leider ist es heute so, dass man über verschiedene Gegebenheiten nicht spricht, oder vielleicht besser ausgedrückt, NOCH nicht spricht.

ADAM ALBECKER und ING. FRANZ SCHWARZ in sichtbarer Würdigung ihrer Leistungen für unsere Volksgruppe die Verdienstmedaille in Gold zu verleihen“. Eva Frach

LO Stv. Frach, Kons. Feldtänzer, Ing. Schwarz, A. Albecker, Bgm. Skiba, LO Ellmer

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Die DONAUSCHWABEN in Oberösterreich von Konsulent Oskar Feldtänzer Fortsetzung und Schluss von Heft Nr. 1/2004

G) Die großen Flüchtlingslager

1964: Die Wohnsiedlung Lager Haid geht in die Verwaltung der Gemeinde Ansfelden über. Die ds. Zeitung Neuland berichtet in ihrer Ausgabe vom 7. 7. 1962 über eine vom britischen Berichterstatter Conrad Wilson verfasste Bildreportage in der Zeitung „The Scotsman“ über die Wohnsiedlung Haid. Die Siedlung Haid wird, so heißt es in dem Bericht, in die Geschichte eingehen, denn es war einmal das größte Flüchtlingslager in Österreich und ist heute die größte Flüchtlinskolonie Europas. Mit den Worten „Das Lager Haid war neben dem Salzburger Rosittenlager und mehreren Großlagern im Wiener Raum das größte Volksdeutschen-Lager der Nachkriegszeit. Mit staatlicher und internationaler Hilfe und in letzter Zeit auch mit Zuwendungen der BRD konnte das Lager aufgelöst und die Insassen in zeitgemäßen Wohnungen untergebracht werden. Das einstige Barackenlager ist einer modernen Siedlung gewichen, die zwar noch kein ausgeprägtes Profil hat, aber dennoch als glückliche Lösung angesehen werden kann“, ergänzt das Neuland den Bericht von „The Scotsman“.

Das Wohnlager 121 – Haid bei Ansfelden Das größte und volkreichste der oberösterreichischen Flüchtlingslager war jenes in Haid, Gemeinde Ansfelden, nach 1945 hatte es die amtliche Bezeichnung DP Siedlung 121, Haid. In den Jahren 1940 bis 1942 wurden dort für die Arbeiter der Reichsautobahn über 162 Baracken aufgestellt. Bald musste jedoch der Bau der Autobahn eingestellt werden. Am 5. und 6. Dezember 1946 wurden die ersten Heimatvertriebenen in das Barackenlager Haid eingewiesen. Am 15. August 1947 kam der in Neu-Palanka (Batschka) geborene Priester Paul Wagner als kath. Lagerseelsorger nach Haid, wo er bis zu seinem Tod im August 1989 lebte. 1947 wird eine Herrenkleider- und eine Baumaschinenfabrik im Lager gegründet. 1948: Errichtung eines Kindergartens, in der Volksschule unterrichten 22 Lehrkräfte 900 Schülerinnen und Schüler, Errichtung eines Textilwerkes durch Maximilian Tremer KG mit eigenen Mitteln. 1949: Im Januar Gründung einer Musikschule im Lager, im Frühjahr Beginn der Auswanderung, Schaffung eines Gottesdienstraumes für die evangelische Glaubensgemeinde (Frau Vikarin Dr. Margarethe Hoffer aus Graz betreut die evangelischen Gläubigen). Erster Konzert- und Dichterabend, am 15. August erstes Kirchweihfest im Lager Haid nach altem heimatlichen Brauchtum. 1951: Nach Angaben der Siedlungsleitung lebten im Lager am 31. Dezember 4.251 Menschen in 1.440 Haushalten. 1953: Im Rahmen der kath. Arbeiterjugend entsteht der Fußballverein „KJ Union Haid“. Errichtung eines Mahnmals zum Gedenken für die „Toten im Schoße der Heimat und Fremde“ und dessen Enthüllung am 11. November durch den Bürgermeister von Linz, Dr. Ernst Koref. 1960: Kath. Lagerseelsorgestelle wird eigene Pfarre.

Das Wohnlager 65 – Linz Niedernhart Dieses Lager war wegen seiner zentralen Lage, seiner regen Vereinstätigkeit, der guten Ausstattung mit Kaufläden und Handwerkern, den Lagerschulen, über die es verfügte, in seiner gesellschaftlichen Bedeutung eines der wichtigsten Wohnlager der Donauschwaben auf dem Boden der Stadt Linz. Im Oktober 1948 beherbergte es 2.904 und am 1. 9. 1953 2.078 Personen. Es war demnach eines der volkreichen Wohnlager im Raume von Linz. Auf seine Rolle bei der Auswanderungsaktion nach Frankreich wurde bereits hingewiesen, doch muss andererseits auch seine führende Rolle bei der Knüpfung von Verbindungen zur einheimischen Bevölkerung und damit bei der gesellschaftlichen Integration in den neuen 10


Lebensraum hervorgehoben werden. Das war möglich, da dieses Wohnlager ein sehr reges Vereinswesen vor allem auf dem sportlichen Sektor entwickelte, der durch die schönen Erfolge des Sportvereins Union Edelweiß allgemeine Anerkennung fand. Beherzte, sportbegeisterte Männer hatten im März 1946, noch unter den schwierigen Bedingungen der unmittelbaren Nachkriegszeit ein Proponentenkomitee gebildet mit dem Ziel, einen Sportverein zu gründen, der alsbald als „Sportverein Lager 65“ seine Tätigkeit aufnahm, zunächst mit einer Fußball- und einer Handball-Sektion. Eine Damenhandball-, eine Schach- und eine Tischtennis-Sektion folgten. Am 20. Mai 1948 erfolgte die Neugründung und Umbenennung der Vereins unter der Bezeichnung Union SVEdelweiß Linz, der seinen großen Bekanntheitsgrad und Ansehen vor allem den überragenden Erfolgen seiner Handballer verdankte. Seine Spitzenleistung erreichte der Verein durch die Erringung des österreichischen Staatsmeistertitels im Feld- und Hallenhandball. 1970 nahmen die Handballer als Vertreter Österreichs am Europa-Cup teil und spielten in Steyr gegen Maj Moskau.

und Kindergarten. Diejenigen, die einen Arbeitsplatz gefunden hatten, verwendeten ihr erspartes Geld als Eigenkapital, um aus Notunterkünften herauszukommen und Eigenheime zu errichten. Die ersten Baugründe stellte das Stift Lambach zu günstigen Bedingungen zur Verfügung. 1956 war die Bautätigkeit bereits voll im Gange, wobei Oberlehrer Jakob Kessler in den Jahren 1954 bis 1959 die treibende Kraft war. Nach dessen Abtreten wurde an die Spitze der Siedlergemeinschaft Martin König gewählt. Ein neues Jugendheim entstand und auch der Plan zum Bau eines neuen Gemeinschaftshauses mit Gottesdienstraum, Festsaal und Kindergarten wurde gefasst und das finanziell aufwendige Vorhaben mit bescheidenem Anfangskapital, Eigenleistungen und Hilfe des Bauordens in Angriff genommen. Spenden aus England, der Schweiz und eine Subvention der Landesregierung ermöglichten es, das Bauvorhaben fortzuführen und 1962 konnte der Kindergarten im Rahmen einer schönen Feier eröffnet werden. Noch war aber die endgültige Fertigstellung des Projektes nicht abzusehen, da oft die Geldmittel zum Weiterbau fehlten. 180 Siedler leisteten den versprochenen Robot, einige brachten es auf über 1.000 Arbeitstunden und der Bauausschuss setzte alle Hilfsquellen ein, um das Werk voranzutreiben. Am 2. 10. 1966 konnte nach sechsjähriger Bauzeit und Überwindung unendlicher Schwierigkeiten das ganze Bauvorhaben fertig gestellt und eingeweiht werden. Eine Urkunde im Turmkreuz und eine eingemauert im Stiegenhaus würdigen den Pioniergeist der donauschwäbischen Siedler des ehemaligen Barackenlagers. Martin König hat als Vorsitzender des Bauausschusses dafür gesorgt, dass die Herkunft und Identität der Siedler durch mehrere Gedenkmäler und Mahnmale in Stadl-Paura und im Bereich der Siedlung selbst auch für jedermann sichtbar bekundet werden, es sind ihrer insgesamt 6 an der Zahl, unter ihnen herausragend das Bronzerelief, das die 300-jährige Geschichte der Donauschwaben in acht Bildern darstellt (Schifferbrunnen vor dem Rathaus Stadl-Paura).

Die Adam-Müller-GuttenbrunnSiedlung in Stadl-Paura bei Lambach In Stadl-Paura entstand auf ehemaligem Lagergelände eine der mustergültigsten Neugründungen der Donauschwaben in Oberösterreich, die Adam-Müller-GuttenbrunnSiedlung. Auf ihre Entstehung und Gestaltung wird daher hier näher eingegangen. 1938 entstanden in Stadl-Paura mehrere Barackenlager für diverse Belegschaften. Nach dem Krieg wurden zunächst Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten und etwas später vertriebene Donauschwaben in die Notunterkünfte eingewiesen. Über mehrere Jahre herrschte ein Kommen und Gehen. Die Auswanderungswilligen suchten sich in Deutschland oder in Überseeländern eine neue Heimat. Die Menschen, die bleiben wollten, ertrugen noch mehrere Jahre das beengte Wohnen in den Baracken, doch bildete sich bald ein kulturelles Zentrum mit Behelfskirche, Gemeinschaftsbaracke, Schule

Fotonachweis: R. Deckert, J. Habenschuß, F. Schall, E. Frach 11


Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Alois Urdl † Der ehemalige, sehr beliebte und auch sehr erfolgreiche Edelweiß-Fußballer wurde 1930 in Risan bei Mostar geboren. Er erlernte in der VOEST den Beruf eines Drehers, bildete sich danach aber laufend weiter und legte 1965 erfolgreich die Werkmeisterprüfung ab und war ab diesem Zeitpunkt als Angestellter in verschiedenen Abteilungen der VOEST-ALPINE erfolgreich beschäftigt. Ob seiner Bescheidenheit und Tüchtigkeit war Lois allseits sehr beliebt. Er war Gründer der HPE Oberösterreich und Träger des Silbernen Verdienstzeichens des Landes Oberösterreich. Er verstarb am 24. Februar 2004 nach langer schwerer Krankheit trotzdem unerwartet. Um ihn trauern die Hinterbliebenen.

Jakob MICHL † wurde am 3. August 1914, dem ansonsten verhängnisvollen Jahr (Sarajewo; Ausbruch des Ersten Weltkrieges) in Rudolfsgnad geboren. Als Bauer ging er den bekannten Weg aller Männer der Donauschwaben über die Selbständigkeit, Soldat in serbischer und deutscher Uniform und schließlich Gefangenschaft (in BOR), aus welcher er erst 1950 nach Österreich kam. Auch hier unterschied sich sein Weg kaum von jenem seiner Landsleute: Beschäftigung am Bau, wo er Anfangs am Wiederaufbau Oberösterreichs, später an Neubauten bis zum Brucknerhaus mit von der „Partie“ war. Am 8. Februar feierte er noch im Kreise seiner Familie den 66. Hochzeitstag bei verhältnismäßiger Frische, aber nur 11 Tage später, am 19. Februar verstarb er jedoch nach kurzem schweren Leiden. Um ihn trauern seine Frau Magdalene, die Kinder und Schwiegerkinder Peter und Anna sowie Maria und Josef nebst Enkel Peter, Günter, Andrea und Franz und den Urenkel Fiola, Florian und Michaela.

Peter Heidecker † Unser langjähriges Mitglied Peter wurde am 12. Februar 1928 in Sackelhausen, rum. Banat, geboren. Mit 17 Jahren kam er nach der Flucht mit seiner Familie nach Oberösterreich, wo er den erlernten Beruf eines Maurers bis zu seiner Pensionierung ausübte. Hier lernte er auch seine spätere Frau Marie Klein aus Rudolfsgnad kennen, mit der er gemeinsam ein schönes Haus in Traun erbaute. Der glücklichen Ehe entstammt die Tochter Inge. Seine Gattin Marie verstarb bereits 1981 allzu früh. Mit seiner späteren Lebensgefährtin verbrachte er noch 20 gemeinsame Jahre. Nach seiner Pensionierung verbrachte er sehr viel Zeit am Wasser, um seinem Hobby, dem Fischen, zu fröhnen. Um ihn trauern seine Lebensgefährtin Resi, Tochter Inge, Schwiegersohn Heinz, Enkelkinder Susanne und Arno sowie die Urenkel Susanne und Niklas.

Heinrich Tessling † wurde am 23. März 1932 in Rudolfsgnad geboren und kam bereits 1944 nach Oberösterreich, wo er nach der Schule den Beruf eines Schweißers in der VOEST erlernte und dort auch ausübte. Heinrich war ein typischer sogenannter „Schmähbruder“ der immer etwas Lustiges auf Lager hatte, auch wenn es ein Streich war. Als Fußballer, Kartenspieler und Musiker war er dadurch auch sehr beliebt und immer unter Menschen, um seinen Humor zu versprühen. In der Familie war er ein sehr fürsorglicher Gatte und als Vater von drei Töchtern sowieso der „Hahn im Korb“, wie seine Frau zu sagen pflegte. Leider musste er in letzter Zeit sehr viel leiden, ohne dass eine Hilfe in Aussicht war. Um ihn trauern seine Frau Eva, die Töchter Henriette, Gitta und Sabine, die Schwiegersöhne Hans, Dietmar und Andreas sowie die Enkel Thomas und Sandra.

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Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Adam Engst † wurde am 22. August 1923 als erstes Kind in Ofsenitza/Rumänisch Banat geboren. Seine Jugendzeit verbrachte er auf dem elterlichen Bauernhof. Ab seinem 12. Lebensjahr spielte er bei der Knabenmusikkapelle. Nach dem Krieg kam er ins Innviertel, wo er seine Frau Helene kennenlernte und im Januar 1954 heiratete. Sie ließen sich zunächst in Ried im Innkreis nieder, wo auch ihre beiden Söhne geboren wurden. 1963 zog die Familie nach Wels ins selbst erbaute Haus. Adam Engst war in seinem Leben arbeitsam und fleißig. Er verstarb am Karfreitag, 9. April 2004 nach tapfer ertragener Krankheit. Um ihn trauern seine Gattin Helene sowie seine beiden Söhne mit Familie.

Franz Raab † wurde am 9. August 1924 in Großdorf, Rumänien geboren und erlernte im elterlichen Betrieb den Beruf eines Müllers. Wie alle Männer seines Alters musste auch er zum Militär und kam in russische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung kam er nach Österreich, wo er im Lager Ebelsberg seine Verwandten traf. Hier fand er in der Strobl-Mühle auch Arbeit als Müller, wo er dann bis zu seiner Pensionierung blieb. In dieser Zeit lernte er auch seine spätere Frau Gertrude kennen, die er 1950 heiratete. 1954 kam Sohn Robert zur Welt, 1955 wurde ein Haus in Doppl erbaut, wo er mit seiner Familie bis 1999 lebte, dann aber krankheitsbedingt in das Pflegeheim Leonding übersiedeln. Dort verstarb er am 25. März 2004.

Anna Angebrandt † Frau Anna Angebrandt, geboren am 24. April 1913 in Batschki Brestowatz (Batschka), wohnhaft in Linz/Neue Heimat, Melissenweg 8a, ist am 26. Februar 2004 nach längerer Krankheit verstorben. Das Begräbnis fand am 2. März 2004 am Waldfriedhof Linz statt. Um die Verstorbene trauern ihr Gatte, die Tochter mit Schwiegersohn, die zwei Enkel, drei Urenkel und alle Verwandten.

Karl Stein † Herr Karl Stein, geboren am 18. Februar 1915 in Keglewichhausen, Rumänien, von dessen Fest der „Eisernen Hochzeit“ wir noch in unserem letzten Mitteilungsblatt berichteten, verstarb am 13. März 2004 nach langem, schweren Leiden im 90. Lebensjahr. Um ihn trauern seine Gattin Helene, die drei Kinder und Schwiegerkinder, fünf Enkel und drei Urenkel.

Frau Theresia Bogdan †

Herr, gib ihr die Fülle des Lebens, und das Licht deiner Herrlichkeit leuchte ihr

geboren am 1. September 1912 in India/Jug., kam nach der Flucht 1944 mit Mutter und Schwester nach Grieskirchen OÖ. Theresia. In lndia unter dem Namen „Therusch“ bekannt, war von Kindheit an durch Kinderlähmung schwer behindert und so blieb ihr nach dem Tod ihrer Mutter und danach, als auch ihre Schwester, Frau Pfeiffer, verstarb, nur die Wahl eines Pflegeheimes. – 16 Jahre verbrachte sie im St. Pius-Heim in Peuerbach. Nach längerem Leiden verstarb sie am 10. Mai 2004 im 92. Lebensjahr. Zu ihrem Begräbnis war ihr Großneffe mit seiner Gattin aus England angereist, nicht ahnend, dass sein Besuch vier Wochen zuvor sich so bald wiederholen würde. Sie war jahrzehntelang Mitglied der Landsmannschaft der Donauschwaben in 00.

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GEDENKSTÄTTEN 1.000 Menschen trauern im serbischen GAKOVO

gemeinsam mit höchsten serbischen Vertretern am Ort des Grauens gedacht. Gakovo war ziviles Todeslager Bei diesem Lager handelte es sich um ein Vernichtungslager in dem nur einheimische deutsche Zivilpersonen – großteils Kinder und Alte – interniert waren. Als krönender Abschluss dieser Feierlichkeiten zum Gedenken an die Toten in der Vojvodina stand eine feierliche Messe in deutscher Sprache in der Karmelitenkirche St. Stephan in Sombor mit Prälat Eichinger und örtlichen kirchlichen Würdenträgern. Für hundert tote Donauschwaben dieses Lagers wurde jeweils eine Kerze in einem großen Gestell entzündet. Für die Dauer der gesamten Messe war dadurch die Kirche hell erleuchtet.

(Wien,vlö) Die Einweihung der Gedenkstätte des Todeslagers Gakovo fand unter den Donauschwaben und den Serben große Beachtung. Dies schlug sich auch medial nieder. Es berichteten der ORF und etliche Tageszeitungen darunter die „Süddeutsche Zeitung“, „Die Presse“, und die „Kronenzeitung“. Über tausend Personen verfolgten die würdige Einweihung des sechs Meter hohen Großkreuzes. Fast sechzig Jahre nach der Internierung der Donauschwaben in diesem grauenhaften Vernichtungslager der „Titopartisanen“ in Jugoslawien wird den zahlreichen donauschwäbischen Todesopfern – zumeist Kinder und Alte – erstmals in Gakovo

Rudolfsgnad Der Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V. mit Sitz in Kirchheim unter Teck (D) gibt folgendes bekannt:

Dank: An dieser SteIle sagen wir unseren herzlichen Dank an alle Spender, die unsere Arbeit unterstützen! Die Namensveröffentlichung erfolgt in der nächsten Ausgabe. Wer seine Spende dem Mahnmal in Rudolfsgnad widmen will, möge sie auf das Konto des „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V.“ einzahlen: Raiffeisenbank Oberösterreich, BLZ 34000, Kto.-Nr. 6.830.590. In Deutschland auf Kreissparkasse Esslingen, BLZ 611 50020, Kto.-Nr. 7408777.

1. TELETSCHKA: Gedenktafeln: Wie bereits in der Heimatpresse zu lesen war, haben unsere Landsleute die Möglichkeit, beim Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V. Gedenktafeln zu bestellen. Zuständig hierfür ist Frau Helga Baron, Tel.: 0 70 21 / 555 69. Die Gedenktafeln werden von Angehörigen und Ortsgemeinschaften gut angenommen. Privatkreuze: Unsere beiden grenzüberschreitenden Vereine weisen darauf hin, dass vor dem Setzen von Privatkreuzen eine Genehmigung bei den Vereinen einzuholen ist und eine Gebühr in Höhe von EUR 350,– anfällt. Für diese genehmigungspflichtigen Kreuze ist eine im Gestaltungsplan der Gartenbauarchitektin Gräfin Schönborn ausgewiesene Fläche vorgesehen, die pro Kreuz 2 m auf 2 m beträgt. Pumpbrunnen: Es wurde beschlossen, dass im vorderen rechten Bereich des Gräberfeldes, in weiter Entfernung von den Massengräbern, ein Pumpbrunnen gebohrt wird, damit das Wachstum der anstehenden Bepflanzung gesichert werden kann.

* Anmerkung: Wenn sich die derzeitigen Gemeindebürger von Rudolfsgnad, bzw. deren Vertretung tatsächlich offiziell dazu entschließen sollten, unseren alten (deutschen) Friedhof zu erhalten, dann kann das in der heutigen Zeit nicht hoch genug eingeschätzt werden und ist nicht zuletzt ein Verdienst der guten, freundschaftlichen Beziehungen, die einige Rudolfsgnader Landsleute, über viele Jahre hinweg systematisch auf- und ausgebaut haben. Allen voran Lorenz Baron, der unermüdliche Vorkämpfer seit vielen Jahren in Sachen Gedenkstätten – auch wenn man das mancherorts nicht gerne zur Kenntnis nehmen will. Der heutigen Bevölkerung von Rudolfsgnad aber muss unser Dank und unsere Hochachtung ausgesprochen werden.

2. FRIEDHOF: Der Vorsitzende des Knicaniner Vereinsvorstandes, Herr Radosav Jocic, ´ informierte Lorenz Baron, dass man sich darüber einig sei, den alten Friedhof zu erhalten und die eigenen Toten auch dort zu beerdigen. Man ist sich darüber klar, dass dieses Verhalten, diese Entscheidung ein Zeichen der serbisch-deutschen Freundschaft darstellt und die Knicaniner sich über die historische Wertigkeit sehr bewusst sind.*

Es wäre daher an der Zeit und mehr als angebracht, wenn sich die „Herren des Weltdachverbandes“ auch einmal wenigstens zu einer „Empfehlung zu einem Spendenaufruf“ für die Gedenkstätte(n) in Rudolfsgnad entschließen könnten, handelt es sich doch um das größte Lager, in welchem auch die meisten unserer Landsleute zu Tode gekommen sind. Anton Ellmer 14


ENTSCHÄDIGUNG – KROATIEN anwalt kontaktiert. Darüber hinaus ist unsere Rechtsberaterin, die frühere kroatische Richterin Frau Katzenberger mit ihrem Gatten (österreichischer und kroatischer Staatsbürger) nach Kroatien gefahren, um bei ihren früheren Kollegen persönliche Erkundungen vor Ort einzuholen.

Wie aus den Vorinformationen bekannt, sind unsere betroffenen Landsleute erst dann antragsberechtigt, wenn zwischen Österreich und Kroatien ein diesbezügliches zwischenstaatliches Abkommen abgeschlossen und in Kraft gesetzt wurde. Weil für uns als Vertreter unserer Landsleute keine sichtbaren Erfolge erkennbar waren, haben wir (DI Reimann, DI Neller, Min.Rat Dr. Scheer und der Verfasser dieses Artikels) am 22. Dezember des Vorjahres im Außenministerium vorgesprochen und den Verhandlungsführer für Entschädigungsfragen, Gesandten Dr. Buxbaum, auf den Unmut, der nach einer anfänglichen Euphorie bei unseren Landsleuten aufgetreten ist, informiert.

Der österreichische Verhandlungsführer, Gesandter Dr. Buxbaum, vertritt nach wie vor die Ansicht, dass „NOCH VOR DEM SOMMER“ mit dem Abschluss des zwischenstaatlichen Abkommens gerechnet werden könne. Unser Rechtsanwalt und unsere Richterin konnten in Kroatien selbst keinerlei neue Erkenntnisse in Erfahrung bringen. Bleibt nur zu hoffen, dass die kroatische Regierung nicht Katz- und Maus spielt mit unserem Außenministerium bzw. unserer Regierung.

In unserem letzten Mitteilungsblatt Mitte März d. J. haben wir über dieses Gespräch im Außenministerium berichtet. Der Verhandlungsführer der österreichischen Delegation berichtete uns damals, dass sowohl die Gesprächsatmosphäre unter den Verhandlungsteilnehmern als auch die Fortschritte sehr gut seien und noch im ersten Halbjahr 2004 mit einem Abschluss der Gespräche gerechnet werden könne.

Für die betroffenen Landsleute gilt daher weiterhin: – Wir beobachten den weiteren Verlauf dieses für so viele Menschen immens wichtige Anliegen sehr genau. Wie schon im letzten Mitteilungsblatt angemerkt, informieren wir unsere Mitglieder sofort, so es die Situation erfordert. Wenn notwendig auch mit einer Sonderausgabe unseres Mitteilungsblattes.

Um Sie in diesem Mitteilungsblatt über den neuesten Stand informieren zu können, haben wir vor Drucklegung dieses Heftes Herrn Dr. Buxbaum und unseren kroatischen Rechts-

Anton Ellmer

Aus Omas Kuchl Kochrezepte aus Österreich, aus dem Donauschwäbischen, dem jugoslawischen Banat und aus Amerika sammelte die aus dem Donauschwäbischen stammende Edith Strauch 40 Jahre lang.

keiten warten auf interessierte Köche und Köchinnen. Die Autorin, Frau Edith Strauch, wurde im jugoslawischen Banat geboren. Im Zweiten Weltkrieg zusammen mit ihrem Mann, ihren Eltern und Geschwistern aus dem Banat vertrieben, war die Familie in der Folge im „Lager 45“ in Haid, Oberösterreich, untergebracht und starteten nach Kriegsende einen Neuanfang.

In dem soeben im Ennsthaler-Verlag erschienenen Buch „Aus Omas Kuchl“, das als Projektarbeit im Rahmen der Ausbildungsmaßnahme JOB & GO der Basar Handels G.m.b.H. in monatelanger Arbeit von Jugendlichen mit Behinderungen in Form gebracht wurde, werden diese kulinarischen Erinnerungen an die Vergangenheit der Öffentlichkeit präsentiert. Ob „Schupfnudeln“, „Tepsikrumpirn“ oder „Schusterfränzl“ – Rezepte vieler Köstlich-

Der Sohn Edith Strauchs, Herr Peter Strauch, der ebenfalls maßgeblich am Entstehen des Buches beteiligt war, bezeichnet sich selbst als letzte Generation echter Donauschwaben. 15


50 JAHRE EVANGELISCHE KIRCHE H.B. Schon in den Jahren um 1950 suchte Pfarrer Heinrich Bolz, selbst Vertriebener, Kontakte zu den protestantischen volksdeutschen Flüchtlingen in den umliegende Gemeinden und Städten um Linz. So entstand auch die Grundidee, ob man nicht die verstreuten Protestanten in ein Gemeindezentrum zusammenfassen könnte. Um dieses Ziel zu erreichen, setzte Pfarrer Bolz alles in Bewegung – im Inland wie im Ausland und so konnte bereits am 18. Oktober 1953 der erste Gottesdienst in einer überfüllten Kirche des damals gegründeten Gemeindezentrums gefeiert werden. Der Prediger und spätere Pfarrer Heinrich Benz hatte in der Zwischenzeit einen Kirchenchor installiert, mit dem gleichsam die weiteren Aktivitäten der Gemeinde begannen, denn neben dem Chor, der heute noch äußerst aktiv ist, kam die Kinder- und Jugendarbeit, die Frauen- und die geschickten Hände der Handarbeitsrunde dazu, welche von unserer Vorstandskollegin Katharina Weitmann geleitet wird. Am 18. Oktober 1992 wurde der nunmehrige Pfarrer Mag. Richard Schreiber in sein Amt

eingeführt. Seine Aktivitäten ist es zu danken, dass nun auch der Glockenturm errichtet werden konnte und das Gemeindezentrum endgültig fertig gestellt ist. Im Rahmen unserer Dank- und Gedenkveranstaltung „60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“ am 23. Oktober 2004 ist auch um 10 Uhr ein Gottesdienst in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde – eben in dieser Kirchengemeinde – in Leonding-Hart, Haidfeldstraße 6, mit OKR Pfr. Mag. Richard Schreiber.

Herzliche Einladung mit der Bitte um baldige Anmeldung zur

45. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting Sonntag, 11. Juli 2004 Diesjähriges Leitwort:

„Getauft und Gott geweiht“. Programm: 9:00 Uhr: Einzug der Pilger- und Trachtengruppen in die Basilika. 10:00 Uhr: Pontifikalamt mit Erzbischof Dr. Zollitsch, Freiburg/Breisgau 14:00 Uhr: Marienfeier in der Basilika mit dem Visitator der Donauschwaben, Geist.Rat Andreas Straub Es singt der Chor der Banater Schwaben aus München unter der Leitung von Dr. Franz Metz. Für die Gemeinschaftsfahrt bitten wir um umgehende Anmeldung an nachstehende Adressen: Himmelsbach Hans, Pasching, 07229 / 64 7 22 Kungel Elisabeth, Leonding-Doppl, 0732 / 37 96 51 Büro der Landsmannschaft, Wels, 07242 / 45 2 78 Der Fahrpreis beträgt Euro 15,–. Abfahrt: Zusteigmöglichkeiten:

5:45 Uhr von der Kirche Doppl-Leonding 6:00 Uhr Langholzfelderhof 6:20 Uhr Marchtrenk – Holland-Blumen

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6:35 Uhr Wels, Ecke Boschstr./Negrellistraße 6:38 Uhr Wels, Ecke Römerstr./Puchbergstraße


D R . W I L D M A N N w u rd e 7 5 Am 29. Mai d. J. konnte OStR Dr. Georg Wildmann, Obmann-Stellvertreter der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich seinen 75. Geburtstag begehen und auf eine langjährige, fruchtbare Tätigkeit im Dienste unseres so schwer geprüften Volksstammes zurückblicken. Dr. Georg Wildmann entstammt der donauschwäbischen Gemeinde Filipowa in der jugoslawischen Batschka, die zur Zeit der Regierung Maria Theresias mit Kolonisten aus verschiedenen deutschen Territorien angesiedelt worden war. Charakteristisch war nicht nur der große Kinderreichtum seines Heimatortes, sondern auch die außergewöhnlich große Zahl von Priestern und Intellektuellen, die aus ihm hervorgingen. In eine Zeit großer politischer Spannungen und des Krieges hineingeboren, wurde auch Dr. Wildmann nach 1944 von den Verfolgungsmaßnahmen getroffen, von der seine Volksgruppe durch die Rache- und Vernichtungsmaßnahmen des kommunistischen TitoRegimes heimgesucht wurde. Im Alter von 16 Jahren wurde er in einem Lager für Volksdeutsche zwangsinterniert. Vor der Internierung konnte er seine Mittelschulausbildung am deutschen Gymnasium in Neu-Werbaß beginnen. Es gelang ihm, aus dem Internierungslager zu fliehen und über Ungarn nach Österreich zu gelangen. Nach dem Abschluss der Mittelschule in Linz absolvierte er das Universitätsstudium in den Fächern Philosophie und Theologie an der Gregoriana in Rom, das er mit einer Dissertation über den „Solidarismus“ abschloss, einer Richtung der Christlichen Gesellschaftslehre, die vor allem von deutschen Jesuiten zwischen 1900 und 1960 vertreten wurde. Wildmann wirkte in seiner aktiven Zeit als Lehrer für Religion und Philosophie an Höheren Schulen und auch als Hochschullehrer für Philosophie. Die schmerzlichen Erfahrungen der Vergangenheit veranlassten ihn zunehmend, sich intensiv mit der Geschichte seines Volksstammes zu befassen, vor allem auch mit dem zeitgeschichtlichem Verlauf des letzten halben Jahrhunderts. Die grundsätzliche und schicksalsbezogene Frage nach dem Sinn der donauschwäbischen Geschichte bewegte ihn zutiefst, eine Frage auf die er eine Antwort zu finden versuchte durch die Berücksichtigung der geistesgeschichtlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte. Seinem Heimatort mit seinen etwa 5.300 deutschen Einwohnern hat er und die zwei weiteren Mitherausgeber, Paul Mesli und Franz Schrei-

ber, durch die siebenbändige Ortsmonographie mit insgesamt etwa 1.680 Seiten „Filipowa – Bild einer donauschwäbischen Gemeinde“ ein bleibendes Denkmal gesetzt, auch wenn die einstige Dorfgemeinschaft heute über die ganze Welt zerstreut ist. Wesentliche Teile dieser Riesenarbeit verfasste er selbst und besorgte auch die Gesamtredaktion. Überboten wird diese Leistung wahrscheinlich noch durch sein maßgebliches Mitwirken an der Herausgabe des umfangreichen vierbändigen Dokumentationswerkes „Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien“, von dem jeder Band über 1.000 Seiten umfasst. Darin wird der Völkermord an den Donauschwaben Jugoslawiens in den Jahren 1944 bis 1948 bezeugt. Auf die umfangreiche publizistische Tätigkeit Dr. Wildmanns in verschiedenen Zeitschriften und seine Vortragstätigkeit in Österreich und Deutschland kann abschließend nur summarisch hingewiesen werden. Die Vielzahl der Titel und Themen ermöglicht es nicht, hier näher darauf einzugehen. Das Mitteilungsblatt seiner Heimatgemeinde redigiert er seit fast 40 Jahren. In Würdigung seiner Lebensarbeit wurde ihm durch Beschluss der OÖ. Landesregierung schon vor einigen Jahren der Ehrentitel „Konsulent der oberösterreichischen Landesregierung für Wissenschaft“ verliehen. Dr. Georg Wildmann musste sich kürzlich einer Herzoperation unterziehen, die er gut überstanden hat und von der er sich derzeit noch erholen muss. Anlässlich seines 75. Geburtstages entbietet ihm unsere Landsmannschaft die herzlichste Gratulation und wünscht ihm vor allem gesundheitlich weiterhin alles Gute, damit er nach voller Genesung seine für die Donauschwaben so wichtige und fruchtbare Tätigkeit wieder aufnehmen kann. Oskar Feldtänzer

OStR Dr. Georg Wildmann mit Gattin Erika

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U n s e re A R G E N T I N I E R I N i s t 8 0

Frau Katharina Merle feierte den „80-er“

Frau Katharina MERLE aus Ernsthausen lebt in Argentinien, ist argentinische Staatsbürgerin, sieht aber Österreich als ihre zweite Heimat. „Nirgendwo in der Welt ist es so schön wie in Österreich“ ist ihr Ausspruch (den jeder welterfahrene Mensch nur bestätigen kann).

schwaben in Oberösterreich ist. Das ist die argentinische Staatsbürgerin nunmehr seit vielen Jahren. Frau Merle war mit einem inzwischen verstorbenen Landsmann aus Kikinda verheiratet und ist Mutter von drei Söhnen. Die Landesleitung der Donauschwaben in Oberösterreich dankt Frau Merle für ihre Treue zur Landsmannschaft, die damit eine ehrliche Verbundenheit zu unserer Volksgruppe über die Grenzen hinaus beweist, gratuliert zur Vollendung des achtzigsten Lebensjahres und wünscht weiterhin Gesundheit, Zufriedenheit und Wohlergehen. Die vielen Freunde in Österreich schließen sich diesen Glückwünschen an. E. Kungel

Sie war nun schon zum 9. Mal in Österreich, wo sie sehr viele Freunde hat. Dazu gehört auch, dass man bei soviel Heimatbezogenheit auch Mitglied der Landsmannschaft der Donau-

NÖ-Landesausstellung mit Beteiligung der Vertriebenen Das Land Niederösterreich veranstaltet anlässlich der 50-Jahrfeier österreichischer Staatsvertrag und 60 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg vom 15. April bis 1. November 2005 auf der Schallaburg die Ausstellung „Osterreich ist frei.“ Der inhaltliche Zeitraum der Ausstellung konzentriert sich auf die Jahre 1945 – 1955. Objekte und Dokumente, die die soziale Eingliederung und rechtliche Gleichstellung der volksdeutschen Heimatvertriebenen mit der österreichischen Bevökerung aufzeigen. Alle Interessenten werden gebeten, ihre Objekte und Dokumente in schriftlicher Form vorzustellen – bei Objekten bitte mit Angaben zu Höhe, Breite und Gewicht sowie einem beigelegten Foto. Jeder Brief wird beantwortet und jeder Leihgeber wird bei der Ausstellung auch namentlich angeführt.

Die Ausstellung benötigt: Gegenstände, die auf der Flucht und bei der Aussiedlung notwendig waren. Dokumente, die mit der Fucht und Aussiedlung im Zusammenhang standen. Dokumente, die man bei der Ankunft in Österreich von den Behörden erhielt. Gegenstände und Dokumente, die das Leben und den Alltag der volksdeutschen Heimatvertriebenen in den Lagern bestimmten.

Die Unterlagen sind zu senden an: Mag. Peter Wassertheurer – Kummer Institut, Ebendorferstr. 6/4, A-1010 Wien, Tel.: 405 26 74 VLÖ – Haus der Heimat, Steingasse 25, A-1030 Wien, Tel.: 718 59 05

Die Landesleitung dankt allen Mitgliedern, welche ihren Mitgliedesbeitrag bereits bezahlt haben. Ganz besonders herzlichen Dank sagen wir darüber hinaus allen unseren Gönnern und jenen Mitgliedern, welche neben ihrem Mitgliedsbeitrag noch eine Spende überwiesen haben und durch ihre Großzügigkeit es ermöglichen, dass wir auch jene Landsleute weiterhin betreuen können, welchen es finanziell nicht so gut geht und die wirklich jeden einzelnen Euro zweimal umdrehen müssen, bevor sie ihn ausgeben. Künftig finden Sie unsere Bankverbindung auf der letzten Seite des jeweiligen Mitteilungsblattes, damit auch bei ev. verlegten Erlagscheinen der Mitgliedsbeitrag bzw. eine Spende eingezahlt werden kann. Jene Mitglieder, welche, aus welchen Gründen auch immer, für 2004 noch keine Einzahlung vorgenommen haben, sich aber in keiner finanziellen Notsituation befinden, können die Einzahlung jederzeit vornehmen. Darum ersuchen wir auch. Unsere Bankverbindung lautet: Sparkasse OÖ, BLZ 20 320 Konto 10000 017 286. Wir danken für jede Einzahlung recht herzlich. 18


Einweihung der Lagergrotte Am Sonntag, dem 23. Mai 2004 erfolgte die feierliche Übergabe der Lager-Gedenkgrotte aus der Siedlung 65 in die Obhut der Pfarre St. Peter am Spallerhof. Die Übergabe der Grotte erfolgte in einem festlichen Rahmen in Anwesenheit von zahlreichen Gästen, darunter viele ehemalige Bewohner der Siedlung 65, voran Pfarrer Peter Fischer, der die Gläubigen der Siedlung bis zu ihrem Abriss im Jahre 1962 betreute. Als besondere Ehre für den Veranstalter muss die Anwesenheit von Frau Nationalrat Notburga Schiefermair gelten, die in Vertretung von Landeshauptmann Dr. Pühringer anwesend war.

Prof. Hanz, Diakonand Kleiner, Pfarrer Fischer, Pfarrer Zeiger, OSR Pill, Nationalrätin Notburga Schiefermair

Die feierliche Einweihung der Grotte wurde von Herrn Pfarrer Franz Zeiger vom SpalIerhof, von Herrn Pfarrer Peter Fischer, Linz und Diakonand Josef Kleiner, Diözese RottenburgStuttgart vorgenommen. Die Weihe war von einem festlichen Rahmen umgeben. Gemeinderat Herbert Terbuch begrüßte die erschienenen Gäste. Herr Prof. Franz Hanz und Herr OSR Bürgermeister Robert Pill haben in Kurzreferaten die Geschichte der Grotte und der Siedlung 65 geschildert.

Diakonand J. Kleiner

Tiefempfunden waren die Fürbitten von Frau Glara Walter und von Herrn Stefan Klauser, die u.a. lauteten: „Wenn in Zukunft Landsleute aus allen Himmelsrichtungen in diese Gegend pilgern um zu sehen, was aus ihrem geliebten Lager 65 geworden ist, lass sie bei dieser Grotte Halt machen und neue Kraft tanken, um ihr irdisches Leben zu meistern“. Zwischen den einzelnen Darbietungen spielte das Bläserquintet der Stadt Leonding. Abschließend sang die Festgemeinde mit Bläserbegleitung „Großer Gott, wir loben dich“. Hernach begaben sich die Teilnehmer der Feier in den Pfarrhof der Pfarre St. Peter, wo Herr Lang eine umfangreiche Fotoausstellung über Aktivitäten aus der Siedlung vorbereitet hatte. Die Bilder wurden mit großem Interesse aufgenommen. Beim gemütlichen Beisammensein (es spielten die Bläser), wurden zwischen den Anwesenden noch viele Erinnerungen wachgerufen. So fand der festliche Nachmittag seinen Ausklang.

Franz Hanz, Georg Lang und Wendelin Wesinger

Hanz Franz

Fürbitten: Stefan Klauser, Klara Walter und Pfarrer Zeiger

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Gedenktreffen – „60 Jahre Semlin-Franztaler in aller Welt“ Der Einladung der Franztaler Ortsgemeinschaft und der Marktgemeinde Mondsee zum Gedenktreffen „60 Jahre Semlin-Franztaler in aller Welt“, welches am Pfingstsamstag, dem 29. Mai 2004 in der Patenstatt der Franztaler, Mondsee, stattfand, folgten hunderte Landsleute. Obmann Regierungsrat Ing. Johann Schwarz konnte aber auch zahlreiche Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben von Mondsee und Umgebung begrüßen. Besonders ausgezeichnet wurde die Veranstaltung durch den Besuch unseres Herrn Landeshauptmannes Dr. Josef Pühringer. Obmann Schwarz gab einen kurzen geschichtlichen Rückblick von der Zeit der Türkenkriege bis zu dem Eintreffen der Franztaler im Mondseerland und hob das große Verständnis der heimischen Bevölkerung für die verzweifelte Situation der Flüchtlinge hervor und dankte im Namen aller Betroffenen aus tiefstem Herzen. Landeshauptmann Dr. Pühringer sprach in seiner Festrede seinerseits der gesamten Volksgruppe der sesshaft gewordenen Volksdeutschen seinen Dank und seine Anerkennung für ihren Beitrag sowohl zum Wiederaufbau als auch zur Stärkung der Wirtschaft Oberösterreichs, aus. Bei dieser Gelegenheit ehrte der Landeshauptmann den Obmann der Franztaler Ortsgemeinschaft, Regierungsrat Ing. Johann Schwarz durch Überreichung des „Silbernen Ehrenzeichens des Landes Oberösterreich“ für seine erfolgreiche Vereinstätigkeit.

v.l. Obmann Ing. Schwarz, LH Dr. Pühringer, Bgm. D.I.Mierl

Im Rahmen der Veranstaltung ehrte der Bürgermeister von Mondsee, Komm.-Rat Dipl. Ing. Mierl auch zwei verdienstvolle Mitglieder des Vorstandes. Frau Roswitha Mamoser, die „Mutter der Muttergottesmädchen im wahrsten Sinne des Wortes“ überreichte er die Verdienstmedaille der Marktgemeinde Mondsee in Silber und dem Leiter der Trachtengruppe, Herrn Franz Schall die Verdienstmedaille in Bronze. Die sehr gelungene Veranstaltung, die mit einer Heiligen Messe mit Herrn Konsistorialrat Pfarrer Edlinger begann und ebenso wie die anschließende Kranzniederlegung bei der Gedenkstätte der Franztaler von den Muttergottesmädchen würdevoll bereichert wurde, schloss den offiziellen Teil mit dem Festakt im Kultur- und Veranstaltungszentrum des Schlosses Mondsee. Anschließend lud die Marktgemeinde zu einem Imbiss ein. Die Landesleitung der Donauschwaben in Oberösterreich freut sich über die Aktivitäten der Franztaler Ortsgruppe und begrüßt es, das sie auch bei der großen Dank- und Gedenkveranstaltung „60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“ am 23. Oktober 2004 in Leonding aktiv dabei sein werden.

Frau Roswitha Mamoser, Herr Johann Hefner und Herr Franz Schall haben neben dem Herrn Obmann die Teilnahme mit den Muttergottesmädchen und der Trachtengruppe verbindlich zugesagt.

Obmann Ing. Schwarz, Kons.-Rat Pfarrer Edlinger, links und rechts, daneben einige Muttergottesmädchen

SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer, Landesobmann, A-4600 Wels, Maria-Theresia-Str. 33, Tel. 0 72 42 / 452 78, E-Mail: a.ellmer@aon.at Sparkasse OÖ Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 37

Juli, August, September 2004

Nr. 3

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

60 Jahre

Donauschwaben in Oberösterreich 1944 – 2004 Angela Orthner Erste Präsidentin des Oberösterreichischen Landtages

Dr. Josef Pühringer Landeshauptmann von Oberösterreich


E I N LA D U N G zu der Dank- und Gedenkveranstaltung

60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich am Samstag, dem 23. Oktober 2004 in Leonding-Hart Ehrenschutz: Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer

F E ST P R O G R A M M Festgottesdienste 10:00 Uhr: • Bischofsmesse in der St.-Johannes-Kirche in Leonding-Hart, mit unserem donauschwäbischen Landsmann, dem Erzbischof von Freiburg/Br. Dr. Robert Zollitsch als Hauptzelebrant und unserem Linzer Diözesanbischof Dr. Maximilian Aichern. Die Festpredigt hält Erzbischof Dr. Zollitsch. Der St.-Stephans-Chor, Wels, bringt die Messe in C-Dur von Franz Schubert, für Chor, Solisten, Orchester und Orgel. 10:00 Uhr: • Gottesdienst in der evangelisch reformierten Kirchengemeinde in Leonding-Hart, Haidfeldstraße 6, mit OKR Pfr. Mag. Richard Schreiber

Festveranstaltung in der Kürnberghalle Leonding-Hart 13:30 Uhr: • Empfang der Ehrengäste, Musikalische Umrahmung: Siebenbürger Trachtenmusikkapelle 14:00 Uhr: • Einmarsch der Trachtenpaare und der Fahnenträger • Begrüßung: Landesobmann der Donauschwaben in OÖ, Ing. Anton Ellmer • Franztaler Trachtengruppe • Grußadresse: Bürgermeister von Leonding Dr. Herbert Sperl • Donauschwäbische Mundartgedichte: Hans Himmelsbach – Anita Lehmann • Siebenbürger Trachtentanzgruppe • Dank an unsere neue Heimat Oberösterreich: Landesobmann Ing. Anton Ellmer • „Banater Hymne“: Chor Kulturverein Doppl-Hart • Ansprache: Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer • Donauschwäbische Volkstanzgruppe Pasching • Festansprache: Dr. Georg Wildmann • Landeshymne Moderation: Bgm.a.D. OSR Robert PILL


Wie bereits vorangekündigt, präsentieren wir zu diesem historischen Anlass an diesem Festtag in der Kürnberghalle auch eine

Künstlerausstellung unter dem Titel:

„Die Donauschwaben als Brückenbauer für ein friedliches Europa“ Dazu zeigen wir ca. 30 Exponate verschiedener donauschwäbischer Künstler, wie Prof. Sommerfeld, Sebastian Leicht, Stefan Jäger, Prof. Fürst u.a. Zusätzlich stellen wir Werke des Stein- und Holzbildhauers Prof. Josef Elter aus. Außerdem zeigen wir eine zweiteilige Fotoausstellung von Georg Lang mit den Titeln: a) ALTE HEIMAT: „Unsere Donauschwäbische Heimat war eine vorbildliche Pionierleistung unserer Ahnen“ und b) NEUE HEIMAT: „Der Neubeginn in unserer zweiten Heimat in Oberösterreich war ein mühsamer Weg“ mit historischen Aufnahmen über unsere Integration in Oberösterreich. Diese Ausstellung ist auch von Montag, 25. Oktober bis Samstag 30. Oktober im Landeskulturzentrum Ursulinenhof zu sehen (siehe Artikel auf Seite 4).

Liebe Mitglieder, liebe Landsleute, wir laden Sie mit Ihren Familien sehr herzlich zu diesem Fest ein. Wir sind nicht nur dem Land Oberösterreich und seinen BürgerInnen zu DANK verpflichtet, sondern wir haben darüber hinaus auch noch die verpflichtende Aufgabe, unseren Kindern und Enkelkindern den Weg unserer leidvollen Jahre näher zu bringen. Damit könnten wir einen Weg finden, dass unser Vermächtnis weitergeführt wird. I N F O R M AT I O N E N für die Besucher der Veranstaltungen am 23. Oktober 2004: • PARKPLÄTZE: Den mit PKW anreisenden Gästen stehen bei der Kürnberghalle 300 Gratisparkplätze zur Verfügung. Nachdem die St. Johannes-Kirche und die Kürnberghalle nur ca. 3 Gehminuten auseinander liegen, kann es für jene Besucher, welche in dieser Kirche die Messe mitfeiern, von Vorteil sein, das Auto gleich bei der Ankunft hier zu parken. • MITTAGESSEN: Unseren Gästen stehen den ganzen Tag über warme und kalte Speisen zur Verfügung. Um einen schnellen und reibungslosen Ablauf zu gewähren, wurde mit dem Geschäftsführer des Restaurants vereinbart, dass er vier verschiedene Hauptspeisen (wie Schnitzel, Schweinebraten etc.) und die üblichen kleineren Speisen (Würstel und dgl.) anbieten wird. • GARDEROBE: Um eine einfache und für unsere Besucher sichere Aufbewahrung von Mänteln, Taschen oder Regenschirmen (die wir hoffentlich nicht brauchen!) zu haben, werden wir auf Kosten der Landsmannschaft die Gardarobe während des gesamten Tages besetzen.

Fotonachweis: Habenschuß, Deckert, Frach, Holz


KUNST- und FOTOAUSSTELLUNG von Montag, 25. bis Samstag, 30. Oktober 2004 im Landeskulturzentrum Ursulinenhof Linz, Landstraße 31, 1. Stock, Kleiner Saal Besuchszeiten: Montag bis Freitag: 10:00 bis 18:00 Uhr, Samstag: 10:00 bis 15:00 Uhr Gezeigt werden nur Originale donauschwäbischer Meister, und zwar ca. 50 Exponate von Sommerfeld, Leicht, Jäger, Fürst, Stürmer, Zilbert, Lauermann, Hammerstiel und Bildhauer Elter sowie dokumentarische Fotos von Georg Lang. Alle Interessenten sind zu dieser besonderen KUNST- und FOTOSCHAU bei freiem Eintritt willkommen. Informative Führungen und Begleitbroschüren werden vor Ort angeboten.

Liebe Landsleute, bringt eure Familienangehörigen zur Ausstellung mit. Dort finden sie die Spuren ihrer Herkunft in einer faszinierenden Überlieferung des donauschwäbischen Erbes. Auf den nächsten Seiten geben wir zur fachlichen Orientierung eine kurze Künstlerbeschreibung. Hinweis: Am Freitag, dem 29. Oktober 2004, wird Die Erste Präsidentin des Oberösterreichischen Landtages, Frau Angela Orthner, diese Ausstellung besuchen. Auch Landeshauptmann Stellvertreter Dipl. Ing. Haider – hier präsentiert er gemeinsam mit Landesobmann Ellmer das Festprogramm – wird die Ausstellung im Landeskulturzentrum Ursulinenhof besuchen.

◆ BEGABTE KÜNSTLER dokumentieren ALS ZEITZEUGEN den schicksalsschweren Weg ihrer donauschwäbischen Volksgruppe Pionierleistung für Friedenssicherung und Kulturarbeit geleistet. Dort waren sie ein Beispiel für ein friedliches Zusammenleben in multiethnischen Kulturen. Trotz vielfacher Unterdrückung ließen sie sich nie entmutigen, ihre angestammte Tradition gradlinig vorzuleben. Nach den schrecklichen Tragödien mit dem zu Ende gehenden 2. Weltkrieg mit den hohen Tributverlusten der Donauschwaben haben sie neuerlich mit der Verabschiedung der „Charta der Vertriebenen“ bereits im Jahre 1950 den Weg für ein friedliches und neues Europa mitgestaltet. Hervorragende Künstler der Donauschwaben haben auf hohem Niveau ihr Schicksal, den historischen Weg und die Kultur ihres Volksstammes dokumentiert. Gleichsam wie ein Mosaik ergänzen sich unsere donauschwäbischen Maler in einzigartiger Weise zum Symbol unserer Volksgruppe. Aus allen Regionen unseres ehe-

Eine faszinierende Künstlerausstellung mit einzigartigen Exponaten donauschwäbischer Meister in der Malerei und Bildhauerei wird anlässlich des Dankfestes „60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“ im Oktober 2004 in der Kürnberghalle Leonding und anschließend im Landeskulturzentrum Ursulinenhof den Festbesuchern und der Öffentlichkeit präsentiert. Damit wird ein Einblick in die 250-jährige Geschichte der Donauschwaben mit ihren Aufbauopfern an der mittleren Donau und der Tragödie ihrer Vertreibung durch den 2. Weltkrieg aus ihrer alten Heimat gegeben. Mit dem Leitwort der Ausstellung „Die Donauschwaben als Brückenbauer für ein friedliches Europa“ ist eine anspruchsvolle Thematik gewählt worden, haben doch die Donauschwaben auf ihrem geschichtsschweren Weg den Garten Eden in Südosteuropa im Auftrag der Habsburger geschaffen und dort eine herausragende 4


Stefan Jäger, Maler seiner „heimatlichen Gefilde“.

maligen Siedlungsgebietes weist jeder in seiner Künstlerartikulierung auf unseren gemeinsamen historischen Weg und somit auf das unvergessliche Erbe unseres Volksgutes hin. Dadurch sind mit eindrucksvollen Darstellungen bleibende Erinnerungen an die Nachfolgegenerationen übergeben worden. Alle donauschwäbischen Künstler mussten die Tragödien ihrer Volksgruppe am eigenen Leib verspüren und malten sich ihr Schicksal von der Seele. Damit verfügen wir über künstlerische Zeugennachweise unserer brutalen Verfolgungen, die für eine gerechte Bewertung der donauschwäbischen Passion in der Geschichte authentische Beweise erbringen. In Anbetracht der Verfolgung und Vertreibung vieler Künstler dieser Ausstellung sind deren Werke für die Nachwelt als Schatztruhe einzustufen. So dürfen wir getreu den Ausruf des großen Orcydorfers Universitätsprofessor Dr. Dengl aus dem rumänischen Banat für eine wertorientierte Kulturtreue aus der Herkunft weitergeben: „Behütet mit Treue und verehrender Liebe die kostbaren Überlieferungen eurer Ahnen und verwaltet getreu das geistige Erbe eurer Väter“. In tiefer Verbeugung und Dankbarkeit vor unseren donauschwäbischen Künstlern wollen wir das an uns und unsere Nachfahren übergebene Kulturerbe in Ehren halten und damit unsere alte Heimat im Herzen bewahren. Wenn wir hier einzelne herausragende Künstlerpersönlichkeiten mit ihren so kostbaren Werken in den Vordergrund stellen, so sollen diese stellvertretend die ehrwürdigen Plätze für alle Meister der donauschwäbischen Kunst einnehmen. Alle zusammen bilden das Mosaik einer zu Ende gehenden und einst blühenden Kultur, die es verdient, in der europäischen Geschichte einen Ehrenplatz einzunehmen.

Geboren 1877 in Tschene, gestorben 1962 in Hatzfeld, rumänisches Banat. Sein vor allem für die Banater Schwaben hinterlassenes Lebenswerk ist aus einer echten humanistischen Gesinnung entstanden. Es verband in künstlerischer Weise alle an der unteren Donau angesiedelten Deutschstämmigen zu einem einheitlichen Bekenntnis, gleichwohl ob diese sich im Banat, in der Batschka, in Syrmien oder sonst wo als Donauschwaben bekannten. Stefan Jäger hat es meisterhaft verstanden, die Chronik des Banates in aller Vielfalt mit seinen Bildern umzusetzen. Seine so in leuchtenden Farben und die in herzerquickender Atmosphäre überlieferte Beschaulichkeit erfreuen uns immer wieder. So ist es unumstritten, was Kunstexperten über Jäger an uns vermitteln: „Es war kein anderer Maler, Heimatdichter und Schriftsteller imstande, was ihn so lebensecht und wahr mit dem lebendigen Bild von Land und Leuten in seiner farbenprächtigen Palette gelungen war“. Der „Schwabenmaler“ Jäger als Meister der Aquarell-, Öl- und Gouachetechnik schrieb mit dem Pinsel die Geschichte einer vergangenen Kultur, die mit seinen umfassenden Werken die Banater Seele, das Wesen, Sein und Werden widerspiegelt. Herausragend sind seine schicksalsentscheidenden Darstellungen aus der Geschichte seines Volkes, die als Erinnerungssymbole in vielen donauschwäbischen Familien verehrt werden. Das Öltriptychon „Die Einwanderung der Schwaben“ schenkte uns Jäger in mehreren Fassungen und Reproduktionen. Seine Entstehung begann mit der Studienreise 1906 nach Deutschland und wurde in einem Zeitraum von bis zu 4 Jahren an verschiedenen Orten vollendet.

Josef Elter, Stein- und Holzbildhauer

Maler Sebastian Leicht, der Künstler des „Batscher Landes“.

Geboren 1926 in Kernei, Batschka, Jugoslawien. Gestorben 1977 in Traunstein, Waldviertel, N.Ö. wurde 1954 zum Priester geweiht. Er war Dechant des Dekanates Ottenschlag, erhielt 1993 den Professorentitel und wurde 1994 zum Monsignore ernannt. Er war ein Meister in der Bildhauerei mit hoher Originalität und Schaffenskraft. Allein in Traunstein hat er 200 Werke hinterlassen, die dort zugänglich sind. Josef Elter hat zahlreiche internationale Ausstellungen gestaltet und Studienreisen absolviert. Seine Werke sind von vielen Ländern angekauft worden. Als Kriegsteilnehmer und nach russischer Gefangenschaft waren ihm die Opfer seiner gefallenen Kameraden, der Verfolgung und Vertreibung ein Herzensanliegen. Nach Elter ist Kunst Ausdruck eines Erlebnisses, einer Idee, innerlich erlebte Glaubenswahrheit.

1908 in Batsch-Brestowatz, Batschka, Jugoslawien geboren. Verstorben 2002 in Passau. Zahlreiche Auszeichnungen wurden Leicht für seine künstlerischen Leistungen ausgesprochen. Die Donauschwaben verdanken ihm mit der Themengestaltung des pannonischen Menschen und den Schicksalsdokumentationen, namentlich der „Donauschwäbischen Passion“, eine außergewöhnliche Überlieferung in zahlreichen Darstellungen. Seine stilistische Hauptrichtung war der „expressive Realismus“ in den unterschiedlichsten Techniken. Leicht war ein Meister der Tusche-Feder-Zeichnung. Er hat in seinen Bildern das Selbsterfahrene und von seinen Landsleuten Geschilderte nacherzählt und nacherlitten. Es fällt auf, dass seine Werke keine 5


Der Maler „Syrmiens und des Trattnachtales“ Prof. Oskar Sommerfeld.

ideologischen Botschaften enthalten. Es liegt kein Schrei nach Rache in den Bildern, wohl aber das Fühlen mit den Opfern. Das Weltgewissen möge sich regen und im geschichtlichen Bewusstsein der Europäer sollte das an seinem Volksstamm geschehene Unrecht anerkannt werden.

Geboren 1885 in Indija, Jugoslawien. Gestorben 1973 in Hofkirchen/Trattnach. Prof. Sommerfeld war der namhafte Darsteller seiner alten Heimat in Syrmien und wurde nach seiner kriegsbedingten Niederlassung zum künstlerischen Repräsentanten des Trattnachtales und des Hausruckviertels. In mahnenden Werken hat er das Schicksal seiner heimgesuchten Volksgruppe dargestellt. Sein Bild „Die Flucht“ erinnert im Palais der Nationen in Genf an das Schicksal der vertriebenenen Donauschwaben. Seine Kunstrichtung war die Münchner Schule mit klarer Linien- führung und strenger Raumkonzeption. Seine vielen einprägenden Werke sollten wir als geschichtlichen Einblick gegen bequemes Vergessen in Erinnerung bewahren.

Der „Maler von Rudolfsgnad“ Professor Robert Hammerstiel. Geboren 1933 in Werschetz, Jugoslawien. Lebt in Ternitz, N.Ö. Hat mit seinen vielen Kunstwerken der Malerei und des Holzschnittes zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland beschickt. Ihm wurden bedeutende Auszeichnungen für seine Leistungen zuerkannt. Prof. Hammerstiel gestaltet seine Kunst aus den Grauen seiner Internierung als 12–15-Jähriger in den Todeslagern, die von den jugoslawischen Machthabern zur Ausrottung der Donauschwaben errichtet wurden. Er malt gegen die Gewalt und den Verlust der Identität. In seiner Autobiographie „Von Ikonen und Ratten“ mit eigenen Zeichnungen schildert Hammerstiel die mit viel Glück überlebten Bedrohungen und Todesängste in den Todeslagern. Er beschwor in großformatigen Bleistiftzeichnungen die untergegangene multikulturelle Vitalität seiner alten Heimat. Anregungen aus der Ikonenmalerei, dem Expressionismus und der Popart verbindet Hammerstiel zu einer Synthese. Herausragend in seinen Arbeiten ist die „Donauschwäbische Passion“, die im Nationalmuseum der Vojvodina in Novisad die Leiden der deutschen Volksgruppe dokumentiert. Eine Kopie davon ist in der wiederaufgebauten Friedhofskapelle von Rudolfsgnad als Totenehrung zu sehen. Diese Ausstattung der Gedächtniskapelle mit der „Donauschwäbischen Passion“ ist durch die traurige Todesbilanz der meisten Todesopfer in dem dortigen ehemaligen Internierungslager symbolträchtig.

Julius Stürmer, Meister der „Graphik und Malerei aus 7 Jahrzehnten.“ Er wurde 1915 in Karansebesch im Banater Bergland, damals Österr.-Ungarn geboren und lebt derzeit in Bayern. Sein Lebensweg ist besonders durch schlimmste Verfolgungen und ungebrochene Schaffenskraft beeindruckend. Er hat als Kunsterzieher und Werbegraphiker in hohen Positionen in Rumänien und Deutschland gewirkt. Julius Stürmer wurde 1946 kurz vor seiner Emigration in die USA Opfer des sowjetischen Geheimdienstes. Er war 10 Jahre im Straflager Gulag, jenseits des nördlichen Polarkreises, verbannt. Seine Werke wurden zur Anklage gegen das Brutalregime des Bolschewismus. Damit legte er auf erschütternde Weise Zeugenschaft ab. Herr Julius Stürmer hat zahlreiche internationale Ausstellungen gestaltet und Auszeichnungen erzielt. Vergessen wir nicht seinen ebenso als Künstler begabten Bruder Viktor Stürmer (1914 – 1990). Auch er hat den Donauschwaben zahlreiche Themen aus deren dramatischen Geschichtsverlauf gewidmet. Die Landesleitung

◆ H I N W E I S für unsere Landsleute in Braunau und Umgebung: Um die Teilnahme an unserer großen

Dank- und Gedenkveranstaltung am 23. Oktober 2004 in der St. Johannes-Kirche (kath. mit Erzbischof Dr. Zollitsch) und in der Kürnberghalle in Leonding, bzw. in der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde in Leonding-Hart (mit OKR Pfr. Mag. Schreiber) zu erleichtern bzw. für viele überhaupt zu ermöglichen, wird das Ehepaar Eva und Josef Frach einen Bus organisieren. Interessenten müssten ihre Anmeldung jedoch bis Ende September 2004 vornehmen, damit die ideale Busgröße bestellt werden kann.

Anmeldungen: Tel. 0 77 22 / 875 65 (Georg Plattnerstr. 2, Braunau) 6


M I T T E I L U N G E N aus der L A N D E S L E I T U N G 45. Gelöbniswallfahrt nach Altötting Gespräch unseres Landesobmannes mit Erzbischof Dr. Zollitsch Unsere Landsmannschaft unternahm auch heuer wieder die traditionelle Busfahrt zur Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting, welche unter dem Leitwort: „Getauft und Gott geweiht“ stand. Auch diesmal waren Donauschwaben aus aller Welt gekommen und so kam es außerhalb der Basilika vielfach zu Treffen mit Landsleuten, Bekannten und Freunden, wo Erinnerungen an die schreckliche Zeit der Flucht, der Vertreibung und der Erzbischof Zwangsarbeit ausgetauscht wurden und wo vor allem an die Menschen in den von Freiburg/Br. Vernichtungslagern und an die vielen dort zu Tode gekommenen, in Ehrfurcht geDr. Robert Zollitsch dacht wurde. Der Einzug der Pilger und Trachtengruppen, der Franztaler Ortsgemeinschaft mit zwölf MutterGottesmädchen und der geschmückten Marienstatue sowie mit verschiedenen Trachten- und Kirchweihfahnen, war sehr würdevoll. Das Pontifikalamt wurde von unserem donauschwäbischen Landsmann, dem Erzbischof von Freiburg/Br. Dr. Robert Zollitsch mit großer geistlicher Assistenz gefeiert. Nach der Messe bot sich unserem Landesobmann die Möglichkeit, mit dem Herrn Bischof kurz zu sprechen. Nach der Vorstellung und Begrüßung dankte unser Obmann dem Herrn Erzbischof im Namen der Landesleitung für die Bereitschaft, anlässlich unserer Dank- und Gedenkveranstaltung am 23. Oktober 2004 die Messe mit uns zu feiern und übermittelte ihm die Grüße seines Kollegen OSTR Dr. Wildmann, was er seinerseits zum Anlass nahm, sich eingehend über den Operationsverlauf und den aktuellen Gesundheitszustand seines Freundes informieren zu lassen. Weiters wurden An- und Abreise, Aufenthalt des Bischofs usw. abgesprochen. Erzbischof Dr. Zollitsch versicherte unserem Obmann, dass er sich auf die Veranstaltungen freue und sehr gerne zu uns komme.

Finanzielle Unterstützung durch die Wirtschaft Bis zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe haben uns folgende Firmen durch Schaltung von Inseraten oder Geldspenden im Zusammenhang mit unserer Veranstaltung großzügig unterstützt: • • • • • • • •

Familie Schwarz, Firma ENGEL Spritzgußtechnik, Schwertberg Familie Rap/Frau Krämer, Fa. GEORG KRÄMER, MEDIZIN-MECHANIK, Pasching Familie Kinder, Firma Optimo Schlafsysteme, Braunau Familie Awender, Firma Awender Kunststofftechnik, Neukirchen ENERGIE AG Oberösterreich, Linz Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, Linz Familie Scheuringer, Fa. JOSKO – Fenster und Türen Familie Gindlstrasser, Autobusunternehmen, Katsdorf Auch auf diesem Wege nochmals herzlichsten Dank.

Weg der Donauschwaben

von Oskar Feldtänzer

Zwischen dem 1. und 8. Mai 2004 feierten wir 10 JAHRE DONAUSCHWABEN – HEIMATSTUBE in Braunau, Johann-Fischer-Gasse 18. Zur Einstimmung hielt unser Kulturreferent, Konsulent Oskar Feldtänzer, am 30. April in der Herzogsburg Braunau einen Vortrag über den „Weg der Donauschwaben“, der sicherlich für alle Landsleute und deren Nachkommen sehr interessant ist, weshalb wir ihn ab diesem Mitteilungsblatt (gleich anschließend auf Seite 8) in ungekürzter Form (allerdings in Fortsetzungen) veröffentlichen. 7


W E G d e r D O N A U S C H WA B E N von Konsulent Oskar Feldtänzer in Fortsetzungen

bar geltende Militärmacht der Türken geführt wurden. Hier soll nicht einer militärischen Glorifizierung dieser Jahre das Wort geredet werden und es ist auch hier nicht der Ort, um im Detail auf die militärischen Geschehnisse einzugehen. Die glänzenden Siege der kaiserlichen Armeen waren aber die Voraussetzung für die Wiedergewinnung und die Wiedereingliederung des mittleren Donauraumes in den mitteleuropäischen Kultur- und Zivilisationsbereich, von dem er über einundeinhalb Jahrhunderte abgeschnitten war. Wir wollen sie so sehen und werten wie Hugo von HofmannsthaI, der in einem Vortrag über den Prinzen Eugen von Savoyen folgendes sagte: „Er erobert, und wo er erobert, dort sichert er; er gewinnt Provinzen mit dem Schwert zurück und gewinnt sie auch wirklich. Unversehens blühen ihm unter schöpferischen Händen und überall aus kriegerischen Taten die Werke des Friedens hervor. Hinter seinem Heer geht der Pflug und im Walde die Axt des Kolonisten“. In diesen Sätzen ist in poetischer Formulierung das Wesentliche jener Zeit, die heute schon über 300 Jahre zurückliegt, klar und treffend beschrieben. Schon während der Türkenkriege setzt die Südostkolonisation der Habsburger ein, begann der Wiederaufbau, die Wiedereingliederung der von den Türken zurückeroberten aber verwahrlosten und verwüsteten Gebiete in den abendländischen Kulturkreis. So hatte sich letztendlich Wien nicht nur als Bastion gegen die Expansion der türkischen Militärmacht bewährt, sondern wurde zum Ausgangspunkt eines umfassenden politischen und kulturellen Aufbauwerkes bis in die äußersten Tiefen des ungarischen Raumes in seinen damaligen historischen Grenzen. Man kann demnach die Niederlage des türkischen Heeres des Jahres 1683 bei Wien und das Ende der Türkenzeit als die Geburtsstunde der Donauschwaben bezeichnen, da bald darauf die Südostkolonisation begann. Man kann die Donauschwaben – zusammenfassend definiert – als Nachkommen der Siedler aus deutschen und österreichischen Territorien bezeichnen, die vom Ende des 17. bis zum Beginn des 19. Jhs. im Rahmen des von Österreich verwirklichten größten Kolonisationswerkes der Neuzeit im mittleren und unteren Donauraum angesiedelt und im Laufe ihrer Entwicklung durch Einflüsse einer gemeinsamen Geschichte und eines gemeinsamen Lebensraumes zu

Das Jahr 1683 sollte für Europa ein schicksalsträchtiges Entscheidungsjahr werden: Als der türkische Großwesir Kara Mustafa im Frühjahr gegen den Westen die Roßschweife ausstecken ließ, was als Kriegserklärung zu werten war, zitterte das Abendland davor, dass diesmal sein Griff nach dem „Goldenen Apfel der Deutschen“ (die türkische Bezeichnung für Wien) gelingen könnte. Das türkische Riesenheer nahm seinen Weg auf der traditionellen Heeresstraße über Nisch, Belgrad, Esseg und Raab nach Wien, wo es am 14. Juli ankam und mit der Einschließung der Residenzstadt des Kaisers begann, der nach Passau geflüchtet war. Am Tag darauf reitet nach türkischer Tradition ein Sipahi (Angehöriger der türkischen Reiterei) mit der Aufforderung vor die Tore der Stadt und forderte sie auf, sie solle den Islam annehmen und sich auf Tribut ergeben. Als dies abgelehnt wird, beginnen die 300 türkischen Geschütze mit der Kanonade der Stadt, deren Belagerungsring durch das fast 200.000 Mann zählende Heer am 16. Juli geschlossen wird. Doch der zahlenmäßig weit unterlegenen Besatzung Wiens gelingt es, alle türkischen Angriffe abzuwehren, bis endlich am 12. September das heranrückende Entsatzheer den Türken am Kahlenberg eine vernichtende Niederlage zufügt. Man kann aus heutiger Sicht und Ausdrucksweise diese türkische Niederlage mit guter Berechtigung als das „Stalingrad“ der Osmanen bezeichnen, denn das mächtige türkische Imperium hatte nicht nur eine Schlacht verloren, sondern das Blatt hatte sich grundsätzlich gewendet. Durch das Debakel des osmanischen Riesenheeres bei Wien war die Initiative auf den Kaiser und seine Verbündeten übergegangen. Das Ziel der nunmehr offensiv geführten Gegenaktionen war die Befreiung des Donauraumes und ganz Ungarns von 160-jähriger osmanisch-türkischer Herrschaft. Das Geschichtsbild des großen Türkenkrieges von 1683 – 1699 ist gekennzeichnet von den wuchtigen Schlägen, die entlang der Donau als Hauptstoßrichtung der Gegenoffensive von den kaiserlichen Truppen unter so fähigen Truppenführern, wie Karl Leopold V. von Lothringen, Markgraf Ludwig von Baden und Prinz Eugen von Savoyen gegen die bis dahin als unbesieg8


einem eigenen Volksstamm geformt wurden. Ihre Siedlungsgebiete erstreckten sich von der Mündung des Flusses Raab in die Donau bis zum Eisernen Tor in den Ausläufern der Karpaten, wo sie in einer Vielzahl von eigenen oder gemischtsprachigen Dörfern und Städten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges beheimatet waren. In diesem Bereich lebten im Jahre 1944 etwa 1,525.000 Menschen dieser Gruppe. Die Stammesbezeichnung „Donauschwaben“ wurde 1922 von Robert Sieger, dem Inhaber des Lehrstuhls für Geographie an der Universität Graz geprägt, in die Fachliteratur eingeführt und in der Folge auch für den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen. Die mit großen menschlichen und materiellen Opfern erfochtenen Siege der kaiserlichen Armeen bildeten nach der 160-jährigen Türkenherrschaft die Voraussetzungen für den Wiederaufbau der befreiten aber weitgehend entvölkerten und verwüsteten Gebiete. Durch die rückständige Wirtschaftsweise der Türken und durch die Jahrzehnte hin- und herwogenden Kämpfe war in Verbindung mit einigen Pestepidemien im Land nur mehr eine sehr spärliche Bevölkerung vorhanden und die Zerstörungen waren so gewaltig, dass es der mühevollen Anstrengungen mehrerer Generationen bedurfte, um diesen Zustand zu überwinden. Die Bevölkerung des Königreichs Ungarn war auf 4 Millionen abgesunken, wobei man bedenken muss, dass das damalige Königreich Ungarn das dreifache seiner heutigen Fläche umfasste, so dass die Siedlungsdichte im landesweiten Durchschnitt weniger als 20 Köpfe je qkm betrug. Die am stärksten verwüsteten Teile des Landes im Süden und Osten hatten aber nur eine Bewohnerschaft von 2 bis 3 Einwohner je Quadratkilometer. Für die Wiederbesiedlung der weitgehend entvölkerten Komitate im Süden und Osten waren in den nördlichen und nordwestlichen Teilen Ungarns, die ja von türkischer Besatzung frei geblieben waren, nicht genügend Menschen verfügbar. Als wirksamer Ausweg bot sich der Rückgriff auf das wirtschaftliche und technische Potential des Habsburgerreiches und auf das Menschenreservoir des Römisch-Deutschen Reiches an, dessen gewählte Kaiser in der Regel die Habsburger seit Jahrhunderten waren. Hatte schon 1688 eine Wiederaufbaukommission unter dem Vorsitz des Kardinals Kolonitsch in einer umfangreichen Denkschrift die Forderung erhoben, dass vor allem die Wiederbesiedlung der weitgehend entvölkerten Gebiete, besonders der neuerworbenen, anzustreben sei, so wurde die Wiederbesiedlung vom Ungarischen Landtag in den Jahren 1722/23 zu einer Forderung des Landes mit Gesetzeskraft erho-

ben. Im entsprechenden Gesetzestext lesen wir vom Ersuchen der Ungarischen Stände (des Landtags) an Kaiser Karl VI: er möge gestatten, dass freie Personen jeder Art ins Land gerufen werden, die von jeder öffentlichen Steuer für 6 Jahre zu befreien sind und dass diese Freiheiten im ganzen Land verkündet werden. Ferner möge der Kaiser zusammen mit den Ständen des besagten Reiches in Erwägung ziehen, dass Patente im Heiligen Römischen Reich und auch in benachbarten Ländern und Provinzen bekannt gegeben werden, mit denen die Bevölkerung zur Ansiedlung in Ungarn unter günstigen Bedingungen aufgefordert wird. Das wichtigste an diesen Gesetzestexten ist, dass durch die Wiederbesiedlung Ungarns mit Einwanderern aus dem Herrschaftsbereich des Kaisers niemandem Land weggenommen wurde, sondern dass die Ansiedlungen im Einvernehmen, ja auf Wunsch der Landgeber erfolgten. Im Verlauf des 18. Jhs., das von Historikern mit voller Berechtigung als das „große Ansiedlungsjahrhundert“ bezeichnet worden ist, gelangten etwa 200.000 Einwanderer aus verschiedenen, österreichischen und deutschen Territorien in die Siedlungsgebiete Ungarns in seiner damaligen Ausdehnung. Die allerersten deutschen Einwanderer nach der Türkenzeit waren Bauhandwerker, die sich in den befreiten Festungen und Städten niederließen, wo sie für die Wiederherstellung der Befestigungsanlagen dringend benötigt wurden. Zu den Ansiedlern der Frühzeit gehörten auch Bergleute, Köhler, Forstleute und Zimmerleute aus den österreichischen Alpenländern Tirol, Steiermark und dem oberösterreichischen Salzkammergut, die im Banater Bergland verwendet wurden, um die dortigen reichen Kupfer-, Silber- und Eisenvorkommen sowie die dazugehörigen Hüttenbetriebe wieder in Gang zu bringen. In der Wiener Tageszeitung „Wienerisches Diarium“ vom 24. Juni 1722 erschien damals eine Nachricht über eine große Gruppe von Bergknappen aus Tirol mit ihren Angehörigen, die unterwegs in das Banat und in Wien eingetroffen waren. Wir lesen in dieser Ausgabe des „Wienerischen Diariums“: „Dieser Tage sind in etlichen Schiffen auf der Donau die durch den hochlöblichen Hofkriegsrat auf Verlangen des im Temeswarer Banat commandierenden Herrn Generals Mercy aus Tirol abgesandte Bergknappen samt Weib und Kindern bei 450 Köpfen mit Begleitung des Berggerichts-Schreibers Herrn Joseph Angerer, hier angelangt, um nach dem besagten Banat zu ziehen und bei Einrichtung der alldort liegenden Bergwerke sich nieder zu lassen und gute Dienste zu thun.“ Fortsetzung folgt 9


Die GESCHEITERTE EVAKUIERUNG der WESTBANATER SCHWABEN Ein Teilaspekt der Tragödie der Donauschwaben von Dr. Georg Wildmann – Fortsetzung und Schluss von Heft 2/2004 relles Flucht- bzw. Evakuierungsverbot bestand. Auch die tatsächlich erfolgte systematische Evakuierung der Deutschen aus Syrmien und Slawonien 36, die damals zum Unabhängigen Staat Kroatien gehörten, deutet darauf hin, dass es keinen „Führererlass“ von Hitler persönlich gab, der die Evakuierung generell verboten hätte. Zwar hatten auch hier die deutschen Stellen eine Evakuierung zunächst verboten. Der deutsche Gesandte in Agram, Siegfried Kasche, vertrat es mit der Begründung, die Kroaten könnten beunruhigt und in der Verteidigungsbereitschaft geschwächt werden. Volksgruppenführer Branimir Altgayer und sein Beauftragter für die Evakuierung, Ferdinand Gasteiger, Hauptamtsleiter in der Volksgruppenführung der Deutschen Kroatiens, unterliefen hierauf jedoch das Evakuierungsverbot, indem Gasteiger sich zu direkten Verhandlungen nach Berlin begab, und zwar nicht zur VOMI (Volksdeutsche Mittelstelle der SS), sondern in das Auswärtige Amt, wo er schon am 14. September 1944 durch einen Untersekretär und am 16. September durch Außenminister von Ribbentrop selbst die deutsche Zustimmung zur Evakuierung erreichte. Am 3. Oktober 1944 traf die Erlaubnis dazu ein. Somit waren der Volksgruppenführung immerhin drei Wochen Zeit geblieben, die Transportmaßnahmen technisch und planerisch vorzubereiten. Wenn das im Banat verhindert wurde, dann dürfte die Hauptschuld dafür bei Himmler zu suchen sein, die nicht geringe Mitschuld bei Behrends. Folgt man indes der Ansicht Johann Wüschts, die besagt, dass der „Führerbefehl“, der die Evakuierung generell verbot, tatsächlich vom Führerhauptquartier – also von Hitler und seiner obersten Generalität – stammte, dann läge bei diesen die Hauptschuld. Im Führerhauptquartier war man sehr zurückhaltend mit Evakuierungserlässen. Die deutsche Führung stand vor einem taktisch-weltanschaulichen Dilemma: Evakuierte man die Donauschwaben, dann war dies das Eingeständnis, dass man große Teile Ungarns

Zwei wahrscheinliche Lösungen der Schuldfrage Folgt man den Schilderungen Sepp Jankos,32 dann bestand gar kein „Führerbefehl“, den Hitler persönlich gegeben hätte. Es scheint, dass die Oberbefehlshaber der Heeresgruppen und Heinrich Himmler nach ihrem Ermessen handeln konnten und auch handelten. Die deutsche Heeresgruppe Süd unter General von Kleist, – sie war durch die Donau von der Balkanarmee unter General Weichs getrennt – trieb nach Janko auf Grund einer „Besonders eiligen Verfügung“ die Evakuierung beschleunigt voran. Diese Verfügung musste auch Behrends bekannt gewesen sein.33 Janko beruft sich des weiteren auch auf die Abschrift eines Funkspruchs, den ihm ein Untersturmführer in Budapest etwa Mitte Oktober 1944 im Dienstgebäude des Höheren SSund Polizeiführers überreichte. Darin heißt es: „4. September 1944 … An den Höheren SS- und Polizeiführer Budapest zu Händen SS- und Untersturmführer Amtswalter Walter May und an Höheren SS- und Polizeiführer Serbien und Montenegro Belgrad. Evakuierungsplan Banat. I. Der Russe sucht in das Banat einzudringen. Die Deutsche Wehrmacht hat zu entscheidenden Gegenstößen angesetzt. Das Banat wird Operationsgebiet. Der Führer hat aus diesem Grunde die Evakuierung der gesamten deutschen Bevölkerung befohlen. Kein Deutscher soll in die Hand der Russen fallen. II. … Gruppenkommando Siebenbürgen Geheim“ 34 Von Generaloberst Alexander Löhr, für Teile der Heeresgruppe Balkan zuständig, ist bekannt, dass er für die rechtzeitige Evakuierung eintrat. „Wenn man deutsches Blut aus diesem Raume retten will, so beginne man sofort“, äußerte er einige Tage nach der Kapitulation Rumäniens (23. August 1944) zu den Volksgruppenführern in Belgrad.35 Das deutet darauf hin, dass kein gene32

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Einmal in seinem im Bundesarchiv vorliegenden und bei Wüscht verwendeten Bericht, dann in seinem Buch „Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien“ (Seiten 238 – 290). Janko, Weg und Ende, S. 255 Janko, Weg und Ende, S. 288 Nikolaus Hefner/Franz Egger/Josef Braschel, Franztal 1916 –1944 (Heimatbuch), Hrsg. Franztaler Ortsgemeinschaft, Salzburg 1984, S.191f. Vgl. Wüscht, Beitrag, S. 119 –122.

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und Kroatiens militärisch verloren gab und man riskierte, dass die Ungarn gleich kapitulierten und die Kroaten ihre Kampfmoral verlieren würden. Evakuierte man die Donauschwaben nicht, dann riskierte man den Verlust „deutschen Blutes“, was wiederum der Weltanschauung des Nationalsozialismus zuwiderlief. Für die Zurückhaltung in Sachen Evakuierungserlässe spricht auch die Tatsache, dass Hitler in dieser kritischen Zeit zunehmend bereit war, „deutsches Blut“ zu opfern, da er gerade im August 1944 seine neue Verteidigungskonzeption entwickelte. „Diese war auf einen Schrecken ohne Ende abgestellt … : steifen, hinhaltenden Widerstand an allen Fronten und, wo die Armeen weichen mussten, totalen Volkskrieg in allen verlorengehenden Gebieten.“ 37 Entscheidet man sich für die Theorie Jankos, Hitler habe kein Evakuierungsverbot erlassen und die Befehlshaber, ja selbst das Außenamt hätten nach ihrem Ermessen Flucht und Evakuierung anordnen können, dann dürften Himmler und Behrends die Hauptschuldigen am Scheitern der Evakuierung und Flucht der serbischbanater Schwaben sein. Für diese Theorie sprechen nebst einigen Dokumenten vor allem die Begleitumstände, nämlich die Handlungsweisen der Verantwortlichen außerhalb des Banates. Daher erscheint diese Spur plausibler als jene Wüschts, die Hitler die Hauptschuld gibt. Janko dürfte meines Erachtens als Hauptschuldiger ausscheiden. Er hatte einen ausgearbeiteten Evakuierungsplan, er kämpfte darum, dass Frauen und Kinder abziehen dürften, er forderte vom SS-Hauptamt in Berlin die Division „Prinz Eugen“ zum Schutz an, die aber von der Heeresgruppe Balkan nicht freigegeben wurde, er war auch gegen das „Unternehmen Behrends“. Janko schreibt in seinem Erinnerungsbericht: „Meine eigene Schuld besteht m. E. darin, den Evakuierungsbefehl nicht mindestens 8 Tage vor der Katastrophe trotz des Verbotes gegeben zu haben. Obwohl er nicht hätte durchgeführt werden können. … Aber ich wäre dann vor dem Vor37 38 39

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wurf geschützt, die Gefahr nicht rechtzeitig genug erkannt und bei der Durchführung der Evakuierung versagt zu haben.“ 38 Janko nimmt also eine Teilschuld auf sich, relativiert diese aber im selben Atemzug wieder. Man weiß nach seiner Aussage nicht, ob er schon damals die Undurchführbarkeit erkannt hatte, oder ob er damals die Evakuierung für durchführbar gehalten, sie aber aus Furcht vor Behrends und aus Respekt vor dem „Führerbefehl“ 39 nicht in die Wege geleitet hat. Im ersteren Fall wäre er frei von Schuld, weil niemand zu Unmöglichem verpflichtet ist, im letzteren läge Schuld vor. Es stellt sich zuletzt die Frage, wie das Scheitern hätte vermieden werden können. Zwei Szenarien bieten sich an. Ein Erstes: Behrends befiehlt im Einvernehmen mit der Volksgruppenführung Anfang September 1944 die Evakuierung: eine stärkere Zwangsmaßnahme, ähnlich wie sie im Unabhängigen Staat Kroatien Anfang Oktober vorgenommen wurde. Denkbar ist, wie oben gezeigt, dass eine Erlaubnis zum Aufbruch seitens des Führerhauptquartiers vorlag. Ein Zweites: Die Masse der serbisch-banater Schwaben bricht unter Anleitung der Volksgruppenführung unter Missachtung des Verbotes von Behrends um Mitte September geschlossen zur Flucht auf: ein „ziviler Ungehorsam“ der Masse, gegen den mit Androhung der Todesstrafe vorzugehen, illusorisch gewesen wäre. Beer und Janko weisen in ihren Berichten jedoch darauf hin, dass eine solche generelle Entschlossenheit bei den Banatern nicht vorlag. Beer widmet den Gründen für die fehlende Fluchtbereitschaft einen ganzen Abschnitt.40 Abschließend betrachtet: Wenn Krieg herrscht, entsteht ein Verhängnis-Zusammenhang von Ideologie, bösem Willen, falschem Ehrgeiz, irriger Lagebeurteilung und militärischen Sachzwängen. Die Westbanater Schwaben sind in eine solche Mühle des Verhängnisses hineingeraten. Sie hatten im Verhältnis zu ihrer Zahl die größten Menschenverluste aller Donauschwaben zu erleiden.

Sebastian Haffner, Anmerkungen zu Hitler, Fischer-TB, 21. Aufl., 2000, S. 179. Wüscht, a.a.O. 139. Janko ähnlich in „Wege und Ende“, S. 291 Eine dem Verfasser dieser Zeilen mündlich zugegangene Mitteilung eines Landsmannes besagt, dass Janko in den kritischen Tagen in Betschkerek ihm gegenüber den Ernst der Lage heruntergespielt habe. Vgl. LW I, 119f. Er führt 14 plausible Gründe für das Zuhausebleiben an.

Die Landesleitung dankt allen Mitgliedern, welche ihren Mitgliedesbeitrag bereits bezahlt haben. Ganz besonders herzlichen Dank sagen wir darüber hinaus unseren Gönnern und jenen Mitgliedern, welche neben ihrem Mitgliedsbeitrag noch eine Spende überwiesen haben. Jene Mitglieder, welche ihren Mitgliedsbeitrag für 2004 noch nicht überwiesen haben, sich aber in keiner finanziellen Notsituation befinden, können die Einzahlung jederzeit vornehmen. Darum ersuchen wir auch. Unsere Bankverbindung: Sparkasse OÖ, BLZ 20 320 Konto 10000-017 286. Wir danken für jede Einzahlung recht herzlich. 11


80. GEBURTSTAG von Konsulent Sepp Habenschuß Im Rahmen einer Landesausschuss-Sitzung wurde unser langjähriger verdienstvoller Funktionär Sepp Habenschuß anlässlich der Vollendung seines 80. Lebensjahres geehrt. In seiner Laudatio zählte LO Ellmer die zahlreichen Verdienste des Jubilars auf, wobei er besonders auf die umfassenden Dokumentationen in Bild und Ton hinwies, die auch noch in ferner Zukunft von unserem kulturellen Schaffen Zeugnis geben werden. Unser Sepp, am 18. Juli 1924 in Ruma geboren, ist seit 1968 Mitglied unserer Landsmannschaft und bekleidet seither die Funktion des Film-, Bild- und Tonreferenten. Für seinen stets selbstlosen Einsatz wurden ihm zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen zuteil, darunter mehrere Verdienstmedaillen in Gold. Eine besondere Würdigung seiner ehrenamtlichen Funktionärstätigkeit erfuhr er jedoch, als ihn Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer am 19. Nov. 2000 mit

dem Titel „Konsulent für Volksbildung und Heimatpflege“ auszeichnete. Aus diesem Anlass erfolgte im Mitteilungsblatt Nr. 4/2000 eine detaillierte Aufzählung seiner Leistungen. Die Landesleitung wünscht unserem Sepp und seiner Familie alles erdenklich Gute für die Zukunft.

Der Jubilar und seine Frau Josefine während der Laudatio unseres Landesobmannes

STIFTUNG Unsere Slankamener Landsleute in Braunau und Umgebung haben wieder eine großartige Idee in die Tat umgesetzt. Dadurch ist sicher gestellt, dass auch künftig vor der Gedenktafel in der Braunauer Krypta jedes Jahr und auf „ewige Zeiten“ am 1. November ein Waldkranz im Gedenken der Slankamener Toten und aller durch Gewalt ums Leben gekommenen Donauschwaben niedergelegt werden wird. Das nebenstehende Bild zeigt die Geldübergabe für die Stiftung der Waldgranzanbringung.

v.l.n.r.: Obmann Josef Frach, Kassier Adam Oswald, Dechant Stefan Hofer, Johann Weidbacher, Wolfgang Brauneis

UNION - EDELWEISS Die Sportunion EDELWEISS – Sektion HANDBALL ladet alle Sportfreunde zu ihren Heimspielen der Handball-Bundesliga der Männer, Saison 2004/05 ein. HEIMSPIELTERMINE: Sa. 18. 09. 2004 18.00 (021 16.15) HC Bruck SR. Sa. SR. Sa. SR. SR. SR. SR.

09. 16. 06. 04. 11. 22. 29. 12.

10. 10. 11. 12. 12. 01. 01. 02.

2004 2004 2004 2004 2004 2005 2005 2005

18.00 18.00 18.00 18.00 18.00 18.00 18.00 19.00

(021 16.15) (021 16.15) (021 16.15) (U21 16.15) (021 16.15) (021 16.15) (021 16.15) (021 17.15)

HC Kärnten HSG Graz WAT Fünfhaus Union Komeuburg SC Ferlach TS Dornbirn HSG Bärnbach/Köflach Union Leoben

Die Spiele finden in der Ferdinand-Hüttner-Schule, Wieningerstr. 15, am Bindermichl statt. Besuchen Sie unsere Heimspiele und unterstützen Sie unsere Mannschaften. 12

Danke !


GOLDENE HOCHZEITEN Am 19. April 2004 feierten Johann und Maria Weger, wohnhaft in Traun ihre Goldene Hochzeit. Hans Weger wurde am 25. 6. 1928 in Ruma geboren, Maria Weger, geb. Schumacher am 3. 8. 1928 in Kukujevci, Jugoslawien. Und weil 50 gemeinsame Jahre nicht selbstverständlich sind, wurde am 8. Mai zuerst in der Schlosskapelle Traun im Rahmen eines von den Kindern sehr persönlich gestalteten Gottesdienstes Gott für die gemeinsame Zeit gedankt.

Anschließend wurde im Traunerhof mit der Familie, den Verwandten aus nah und fern, Freunden und Nachbarn ausgiebig gefeiert. Die Gäste haben einige Gedichte und Lieder vorgetragen und so gab es viel zu lachen. Das Leben der beiden vom ersten Kennenlernen im Zug von Linz nach Schärding bis zum heutigen Tage wurde in berührenden Worten und Bildern von den Kindern in Erinnerung gerufen. Viel Freude haben die beiden in ihrem Leben erfahren, aber auch viel Leid, haben sie doch ihren ältesten Sohn Hansi als 17-Jährigen bei einem Verkehrsunfall verloren. Geholfen im Leben hat ihnen immer ihr Gottvertrauen, ihr Humor und ihre Freude an kleinen Dingen. Viel Freude bereiten ihnen ihre Kinder und Schwiegerkinder sowie ihre beiden Enkeln Johannes und Florian.

Unser sowohl in donauschwäbischen Kreisen als auch im Raume Braunau gut bekanntes und beliebtes Ehepaar Josef und Eva Frach, feierten am 25. Juli 2004 bei bester Gesundheit und Schaffenskraft das seltene, schöne Fest der Goldenen Hochzeit. Ihre großartigen Verdienste um unsere Volksgruppe wurden ja schon mehrfach gewürdigt und werden allseits anerkannt und geschätzt und brauchen daher nicht wiederholt zu werden.

Wie nahe jedoch Glück und Leid beisammen liegen, erfuhren die beiden Jubilare nur wenige Tage später: Ihr Schwiegersohn, Hofrat Dr. Thomas Neubauer, wurde völlig unerwartet, mit 45 Jahren, durch plötzliches Herzversagen aus dem Leben gerissen. So folgte von Seiten der Landesleitung der Gratulation zur Goldenen Hochzeit nur sechs Tage später zwangsläufig die Kondolenz. 13


Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Anton Armbruster † Wenn es um die donauschwäbische Sache ging, war der 1920 in Cajkowci geborene Toni für seine Landsleute immer zur Stelle. So hat er neben großzügigen Geldspenden zum Beispiel anlässlich der Eröffnung der Donauschwaben-Heimatstube in Braunau das gesamte Buffet gesponsert. Er ist nach einem mit Geduld ertragenem Leiden am 31. Mai 2004 verstorben. Um ihn trauern seine Gattin Theresia, die Kinder, Schwiegerkinder, Enkel Jochen und seine Schwester.

Michael Link † Geboren am 4. April 1937 in Betschmen. Nach der Vertreibung war er zuerst in Linz und anschließend bis zu seinem plötzlichen Tod in Haid beheimatet. Er war gelernter und sehr erfolgreicher Fliesenleger und Ofensetzer. In den 50er und 60er Jahren war er ein überaus zuverlässiger Handball- wie auch Fußball-Tormann. Der Sportverein Union Edelweiß Linz trauert um einen lieben Sportkameraden.

Anton Kelemen † Von einer großen Familie wird Herr Anton Kelemen, der am 22. Februar 2004 nach längerer Krankheit im 81. Lebensjahr verstorben ist, betrauert. Neben Gattin Rosa trauern um ihn zwei Söhne und zwei Schwiegertöchter, acht Enkel, neun Urenkel und zahlreiche weitere Verwandte.

TOTENGEDENKEN Sonntag, 31. Oktober 2004, 10:30 Uhr beim Donauschwaben-Denkmal „Am Zwinger“ in Wels Die Landesleitung ersucht die Landsleute, soweit es ihnen aus gesundheitlichen Gründen möglich ist, an dieser Veranstaltung zum Gedenken unserer Toten beizuwohnen. Nachdem das Fahren mit dem Auto für viele unserer älteren Landsleute schon beschwerlich ist, wird auch heuer wieder empfohlen, Fahrgemeinschaften zu bilden. Die Koordination für den Einzugsbereich im Raume Linz-Traun kann mit unserem Funktionär Hans Himmelsbach, Tel. (07229) 64 722 abgestimmt werden. Die Kosten für die Fahrt werden dem Fahrer von der Landsmannschaft vergütet. 14


E N T S C H Ä D I G U N G – K R O AT I E N Unsere Außenministerin „eine lahme Ente“? Im vorausgegangenen Mitteilungsblatt haben wir Sie über den Stand der Verhandlungen mit Kroatien bzw. über die Stellungnahme des österreichischen Verhandlungsführers für Entschädigungsfragen, Gesandten Dr. Buchsbaum, informiert. So wie im persönlichen Gespräch am 22. Dezember des Vorjahres hatte er den Standpunkt vertreten, dass „NOCH VOR DEM SOMMER“ mit dem Abschluss des zwischenstaatlichen Abkommens gerechnet werden könne. Nun, der Sommer ist inzwischen gekommen und gegangen, nur von einem Fortschritt in den Verhandlungen, geschweige vom Abschluss derselben hat man weder etwas gesehen noch gehört. Weder von Seiten des Außenministeriums, noch von dessen „Ansprechstelle“, der DAG in Wien. Auch nicht, dass von Seiten der DAG vielleicht mit Nachdruck auch nur IRGENDETWAS unternommen worden wäre, um die Herrschaften im Außenministerium daran zu erinnern, dass sie vielen Menschen große Hoffnungen gemacht haben. Diese Menschen haben sogar aufgrund dieser lautstarken Ankündigungen aus Wien vielfach sehr viel Geld zu den Anwälten getragen. Scheinbar fühlt man sich aber gar nicht verantwortlich dafür. Auf meine heutige Anfrage beim österreichischen Verhandlungsführer Dr. Buchsbaum bekam ich die sinngemäße Antwort „es war Sommer; Sie wissen ja selbst, wie es ‚dort unten‘ im Sommer ist“.

Nun gut, wir, die Landesleitung der Donauschwaben in Oberösterreich sind augenblicklich mit den Vorbereitungsarbeiten für unsere große Dank- und Gedenkveranstaltung sehr beschäftigt. Bis 23. Oktober. – Aber schon ab 24. Oktober werden wir uns diesem Thema mit ganzem Einsatz zuwenden. Wir werden keine Mühe scheuen und erforderlichenfalls auch den Herrn Bundeskanzler mit dieser Frage konfrontieren. Und wir werden sicher nicht versäumen darauf hin zu weisen, dass seit dem 12. Juli 2002, dem Tag der euphorischen Ankündigung des betreffenden Gesetzes, außer anfänglich großen Worten und Versprechungen bzw. Ankündigungen, bis heute NICHTS geschehen ist. Es wäre für die Betroffenen interessant zu wissen, wie viele Minuten heuer von österreichischer Seite in diese Verhandlungen investiert wurden. Man bekommt langsam aber sicher den Eindruck, als ob überhaupt nicht daran gearbeitet wird. Nachdem unsere verehrte Außenministerin Benita Ferrero-Waldner im Außenamt durch den bevorstehenden Wechsel nach Brüssel nach Eigendefinition nur noch „a lame duck“, also „eine lahme Ente“ ist, wird sich in den nächsten Monaten sicherlich auch kaum etwas daran ändern. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen gehe ich sogar davon aus. Anton Ellmer

G E D E N K S TÄT T E R U D O L F S G N A D Ein würdevolles Gedenken an die Opfer aller unter Gewaltherrschaft zu Tode gekommenen Menschen gehört zu den Grundtugenden unserer Volksgruppe und ist eine christliche Haltung. Der „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V.“ bemüht sich daher in selbstloser Weise, die Gedenkstätten im größten Tito-Vernichtungslager würdevoll zu gestalten und dankt den zahlreichen Landsleuten, beginnend von A wie Ackermann bis Z wie Zimmermann für ihre Spenden. Ganz besonders aber erwähnt werden soll jedoch die Ortsgemeinschaft Slankamen in Braunau, welche 500 Euro gespendet hat, obwohl ihre Toten vorwiegend in der Batschka liegen.

Wer seine Spende dem Mahnmal in Rudolfsgnad widmen will, möge sie auf das Konto des „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V“ einzahlen: Raiffeisenbank Oberösterreich, BLZ 34000, Kto. 6.830.590. In Deutschland auf Kreissparkasse Esslingen, BLZ 611 500 20, Kto.Nr. 74 08 777. 15


OFFIZIELLE EINLADUNG zum BESUCH der VOJVODINA von Hans Holz

Marktwirtschaft. Der Entwicklungsstand der AGROTECHNIK befindet sich auf relativ niedrigem Niveau und die finanzielle Situation der Landwirtschaft ist alles andere als gut. Bis 2007 soll der Prozess der Umstrukturierung der wirtschaftlichen Systeme abgeschlossen werden, welche auf den Prinzipien der Marktwirtschaft beruht und größtenteils mit dem System der EU harmonisiert ist. Nach der Erwiderung der Grußadresse bedankte sich der Delegationsleiter für den freundlichen Empfang und leitete über zu einem politisch-wirtschaftlichen Wechselgespräch, das für beide Seiten sehr interessant war. Die Weiterfahrt führte uns ins Banat nach Zrenjanin (vormals Groß Betschkerek). Im Hotel „Vojvodina“ erwartete uns Frau Maria BENAK, Diplom-Juristin in der Stadtverwaltung. Frau Benak ist zugleich auch Chefredakteurin der deutschen Radiosendung FEDRA im Banat. FEDRA ist eine humane Organisation, die u.a. wöchentlich eine Stunde Radiosendung ausstrahlt. Die Redakteure bilden ein Team, die Kenner und Verehrer der deutschen Sprache und Kultur sind und erreicht haben, eine Radiosendung in Deutsch auszustrahlen. Die Mit- und Zusammenarbeit ist ehrenamtlich. Die Sendung erfolgt jeden Sonntag um 12.10 Uhr. Am Freitag, 14. Mai wurden wir vorerst im Rathaus zu Zrenjanin offiziell empfangen und sehr freundlich begrüßt. Der Vizepräsident Borislav Gradjanski stellte die anwesenden Spitzenvertreter der Stadt vor: Milan Radovanovic, Vorstand der Wirtschaftskammer, Szedo Pajic, ´ der offizielle Vertreter der privaten Wirtschaftstreibenden der Stadt, ferner die Direktorin der Ölfabrik „DIAMANT“, Ljiljane Dimitrijevic, eine Dipl.ecc. und Import- und Export Managerin und die Vertreter der Medien. Nach der interessanten und hoffnungsvollen Vorstellung der Bemühungen der Wirtschaft, wobei trotzdem die Finanzkraft des Staates zur besseren Belebung der Wirtschaft und zur Schaffung von Arbeitsplätzen (30 % Arbeitslose!) bemängelt wird, dankte der Delegationsleiter und stellte

Über Einladung des Vizepräsidenten der „Autonomen Provinz Vojvodina“ Sandor EGERESI weilte eine offizielle „politisch-wirtschaftliche Delegation“ unter Führung von Bgm. a.D. OSR Hans Holz, Ehrenobmann der Landsmannschaft in Oberösterreich, vom 13. bis 16. Mai 2004 in Städten und Gemeinden der Vojvodina, unserer einstigen Heimat. Zweck der Besuchsreise: Interesse an Land und Leuten allgemein, an der politischen und wirtschaftlichen Situation der Provinz, an der rechtlichen Situation der deutschen Minderheit in Verbindung mit den anstehenden Problemen nach dem alten Grundsatz „Mit Red’n kommen d’Leut zam“ und Pflege des vertrauensvollen Miteinander zur positiven Regelung unserer donauschwäbischen Anliegen. Die Reiseteilnehmer waren: Abgeordneter zum Nationalrat, Karl Freund, Landwirt in Lambrechten; Bezirkshauptmann a.D., W.HR. Dr. Alfred Kimberger, Schärding; Komm.Rat Karl Pilstl, Handelsagentur GesmbH, Raab, OÖ; Komm.Rat Johann Scheuringer, Seniorchef der Fa. JOSK, Kopfing-Andorf; Ökon.Rat Fritz Wieshammer, Landwirt in Andorf und langjähriger Spitzenfunktionär der oö. Milch und Molke Molkerei Wirtschaft; Josef TONI, Baumeister u. beeid. Schätzmeister Ried, OÖ, Landsmann aus Ruma und zwei weitere an Land und Leuten interessierte Herren. Der Empfang erfolgte in der Wirtschaftskammer in Novi Sad. Vizepräsident Filipovic und Milan Stojanov, als Ratgeber der WKV hießen die Delegation herzlich willkommen. Filipovic stellte sodann die Hauptstadt Novi Sad vor. Die Stadt ist administrativer, wirtschaftlicher, kultureller und bildungsbezogener Mittelpunkt der AP-Vojvodina. Die Fläche umfasst 702 km2 und hat rund 400.000 Einwohner. Die Vojvodina ist das wirtschaftlich entwickeltste Gebiet. Die Landwirtschaft umfasst 1,78 Mio. ha ertragreichen Bodens; rund 84 % der Gesamtfläche, wovon 52 % Schwarzerde (Humus von Natur aus!) die Bodenqualität auszeichnet. Die Wirtschaft des Landes befindet sich z. Zt. im Prozess der Umstrukturierung und des Übergangs der nationalen Ökonomie in die 16


seine Begleitung vor. Zugleich leitet er über zu einem Wechselgespräch, um wertvolle Erfahrungswerte in wirtschaftlicher Hinsicht zu vermitteln. Nach Austausch von Ehrengeschenken und Dankesworten für den freundlichen Empfang verabschiedete sich die Delegation zur Weiterfahrt nach BECEJ, zur Industrieanlage „SOJAPROTEIN“. Der Empfang und die Begrüßung erfolgte durch den Generaldirektor Stanko Popovic. In einem Farb-Videofilm wurde uns der Betrieb vom Rohprodukt SOJA bis zum fertigen Verkaufsprodukt vorgestellt. Dieser modernst eingerichtete Betrieb steht seit Jahren in einem engen wirtschaftlichen Kontakt mit der Fa. Handelsagentur GesmbH, Karl Pilstl in Raab. Der Sohn von Karl Pilstl ist im Aufsichtsrat des Betriebes vertreten. Nach einem fünfgängigen Mittagsmenü und weiteren informativen Gesprächen mussten wir uns verabschieden, wohl mit besten Eindrücken von einem hervorragend geführten Betrieb. Von Dusanka ˇ Manic´ (Referentin für Minderheiten in der Vojvodina) und Maria Bena aus Zrenjanin war auch dieser Besuch bestens vorbereitet. Es erwartete uns der Bürgermeister Mesan Zojednica und sein Gemeinderat mit weiteren Vertretern der Gemeinde. Der Empfang im Rathaus war sehr freundlich. Der Bürgermeister begrüßte die Delegation und freute sich außerordentlich, dass ein Bürgermeister aus Ernsthausen – nun Andorf – Oberösterreich – seine Heimatgemeinde mit einer hochrangigen Delegation besucht. Er stellte die Gemeinde aus heutiger Sicht vor (rund 1.600 Einwohner). Schließlich überreichte er an den „Kollegen“ Hans Holz zwei Bücher über die Gemeinde „Banatski Despotovac heute“ und für ihn persönlich seine Geburtsurkunde aus 1923. Bgm. a.D. Holz erwiderte den Willkommensgruß, dankte für den überaus herzlichen Empfang und stellt „seine“ einstige Heimat aus seiner Erinnerung dar; sodann überreichte er seinerseits Geschenke der Marktgemeinde Andorf. Anschließend wurde die Delegation zu einem Umtrunk und Imbiss in das nahe gelegene Gasthaus eingeladen. Im Anschluss: Besuch des Friedhofs und meines Elternhauses und eine weitere Rundfahrt durch die Gemeinde und Erläuterung des Ortsbildes von 1944 gegenüber dem jetzigen Zustand. Natürlich war ich am meisten betroffen und seelisch erschüttert, ob des jetzigen äußeren Aussehens. Die dort wohnenden Menschen dürften sich jetzt dennoch wohl fühlen.

Ernsthausen trug das Merkmal einer überlegten Planung und Ordnung. Das Ortsbild unterscheidet sich von vielen deutschen Nachbargemeinden durch die Anlage. In der Mitte des Dorfes – RUNDELL genannt, stand die kath. Pfarrkirche (1882 im neugotischen Stil erbaut – 1946 von den Partisanen abgerissen). Um die Pfarrkirche gab es eine gepflegte Parkanlage. In der „RUNDELL“ säumten kreisförmig die Häuser den weiträumigen Platz, von dem vier Hauptstraßen in die vier Himmelsrichtungen führten.

Heute: Das Ortsbild ist total zerstört, mehrere Häuser fehlen, andere sind dem Verfall nahe oder abgerissen, unbewohnt und ungepflegt. Mit einem Satz: Es ist nicht mehr meine so geliebte Heimatgemeinde.

Wie mir der Bürgermeister erklärte, will die jetzige Gemeindevertretung im Gedenken an die ehemaligen deutschen Bewohner ein Ehrenmal setzen und derer in Ehrfurcht und Dankbarkeit gedenken. In Rudolfsgnad besuchten wir den Friedhof mit dem Massengrab von 3.000 Toten und anschließend die „TELETSCHKA“ mit 9.000 Toten. Im Ort selbst wurden wir vom Obmann des Vereins „Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V.“ Lorenz Baron und Lorenz Bless – ehemalige Rudolfer – begrüßt und begleitet. Die Teilnehmer der Delegation waren betroffen, ob solch schrecklicher Geschehnisse unmittelbar nach Kriegsende bis März 1948, nachdem die älteste Generation der Deutschen im Banat und unzählige Kleinstkinder dort zu Tode gekommen sind. 17


Anschließend war die Stimmung bedrückt, der weitere Empfang im kleinen Saal der Gemeinde war durch die Herren Josic´ und Stojkovits sehr aufmerksam und freundlich. Beide Herren sind Freunde der Familie Baron und unterstützen die Bemühungen des Vereins „Gedenkstätten Rudolfsgnad“ zur pietätvollen Gestaltung und Pflege des größten Vernichtungslagers in der Vojvodina. Nach der Rückkehr verbrachten wir den Abend im Hotel „Vojvodina“ mit Journalisten und Freunden von Radio FEDRA zu einer Reihe von Interviews und persönlichen Gesprächen. Am Samstag, 15. Mai waren wir Gäste bei der Eröffnung der „Novi Sader Messe“. Frau Manic und ein Dolmetscher empfingen uns und begleiteten uns zu einem reservierten Sitzplatz. Nach der Eröffnungsfeier – mit Ansprachen etc. wie bei uns – folgte der Rundgang. Die Messe selbst vermittelte repräsentativen Standard – ganz im mitteleuropäischen Sinne, auch international vergleichbar. Der Besuch war sehr gut, die Stimmung ebenso und hier merkte man kaum etwas von der Not vieler Menschen im weiteren Umland. Nach einem zweistündigen Rundgang wurden wir vom Vizepräsidenten Sandor Egeresi zum Mittagessen eingeladen. Dabei wurden nun allgemeine Gespräche zur derzeitigen Politik und der Wirtschaft in der Vojvodina nach der Wahl im Dezember 2002 geführt, ebenso über die Provinzwahlen in der Vojvodina im Herbst dieses Jahres, mit gewisser Sorge zur radikalen Seselj-Partei angesprochen. Ich unterhielt mich mit der Referentin für die Minderheiten in der Vojvodina, Dusanke Manic, ´ vor allem über die „Historikerkommission“ zur objektiven Aufarbeitung der Zeitspanne 1941 – 1944 und das Verhältnis der Donauschwaben und Serben in der Vojvodina zu dieser Zeit. Laut Aussage der Referentin soll es in diesem Sommer zu einem gemeinsamen Treffen zwischen den Historikern der Vojvodina und unseren Delegierten aus Österreich und Deutschland kommen.

Die Heimreise erfolgte über Sombor. Für mich kamen alte Erinnerungen auf – Werbaß (LBABesuch), Tscherwenka, Kula, Siwats etc. Herr Beck und Herr Wesinger, der zufällig dort zu Besuch weilte, empfingen und begleiteten uns zum Nächtigungshotel. Am Abend waren wir Gäste bei Familie Beck. Nach der Verkostung einer wohlschmeckenden Fischsuppe unterhielten wir uns auch über die Situation der deutschen Minderheit. Die Heimreise erfolgte am Sonntag, 16. Mai, ˇ über Mohacs, Pecs, Plattensee, Sarvar, Sopron, Österreich. In Baden bei Wien besuchten wir einen Nobel-Heurigen und hielten Rückschau zu dem Erlebten und Gesehenen. Meine Reiseteilnehmer zeigten sich beeindruckt von der einstigen Kornkammer Österreichs, von der Güte des Bodens und der Fechsung, die sich prächtig ankündigt, von der beachtlichen kulturellen Leistung der deutschen Generationen innerhalb der vergangenen 250 Jahre bis 1944, aber auch vom jetzigen pulsierenden Leben in den Städten Novi Sad und Zrenjanin; jedoch enttäuscht und betroffen von den bäuerlich bewohnten Landgemeinden, in denen das „Leben“ stehen geblieben ist, kaum Investitionen zu sehen sind und das Ortsbild ohne Unterschied sich „grau in grau“ vermittelt, wodurch auch der Lebensstandard leidet. Eine abschließende Bilanz lässt sich trotzdem ziehen, nämlich: „Je mehr Begegnungen unsere Landsleute mit den Menschen in der Vojvodina pflegen bzw. haben, desto mehr gewinnen sie menschliches Verständnis und Vertrauen, dass das kommunistische Regime unter Tito und dessen Nachfolger Milosevic ungerecht und gegenüber einer friedliebenden deutschen Bevölkerung nach 1944 verbrecherisch war.“ Wie sagte doch der Stellvertreter Titos KARDELJ lange nach dem Ende des 2. Weltkrieges in einem Interview mit Max Geissl und Barban Mai – im Buch „Die Deutschen im Osten“ nachzulesen: „Wir haben mit den Deutschen das produktivste Element unseres Staates vernichtet“. Traurig – aber wahr!

Meine persönliche Meinung ist aufgrund der jetzigen Minderheitenregierung unter Kostunica wenig optimistisch, zumal für die Donauschwaben wenig Hoffnung bleibt, überhaupt in ein ernsthaftes Gespräch über die Aufhebung der AVNOJ-Gesetze, geschweige über Fragen der Wiedergutmachung oder gar einer Entschädigung zu kommen! 18


Becej ´ – im Hintergrund die Fabrikanlage, v.l.: Scheuringer, Holz, Obradovic, Popovic, Pilstl, Reisinger, Mitrovic, Freund, Dr. Kimberger, Humer, Wieshammer

Vor dem Rathaus in Zrenjanin (vormals Groß Betschkerek), v.r.: Hans Holz, Maria Benak, Dolmetscher

Banatski Despotovac-Sitzungssaal, v.r.: Bürgermeister Zojednica, Hans Holz, Frau Obradovic (Dolmetscherin – Tochter der Familie Jerich aus Lazarfeld)

Zrenjanin-Rathaus-Sitzungssaal, v.l.: Nat. Rat Freund, Karl Pilstl, Radanovic, Pasic, Vizepräsident Gradjanski, Holz, Dolmetscher, Frau Benak

Gruppenbild mit der jetzigen Gemeindevertretung in Banatski Despotovac; in der Mitte: Bgm. Zojednis (der Kleinste), Hans Holz und Frau Obradovic mit weiteren Teilnehmern

Becej ´ – SOJAPROTEIN-Empfangssaal, v.l.: Scheuringer, Obradovic, Generaldir. Popovic, ´ Freund, Holz, Pilstl, Mitrovic bei der offiziellen Begrüßung

Gruppenbild vor meinem Elternhaus; in der Mitte: die beiden Frauen (Mutter, Tochter), die das total veränderte Haus bewohnen

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Gegen eine freiwillige Spende erhalten ALS FESTPRÄSENT alle Besucher der Denkveranstaltung, am 23. Oktober 2004 in der Kürnberghalle Leonding, diese abgebildete neue DONAUSCHWÄBISCHE CHRONIK.

Die Beiträge wurden von unseren Historikern OSTR Dr. Georg Wildmann, Kons. Oskar Feldtänzer, unserem Obmann Ing. Ellmer und andere geschrieben. Die Bildzusammenstellung gestaltete Frau Ingrid Lauermann.

Das abgebildete Buch enthält auf 112 Seiten historische, zeitaktuelle und künstlerische Beiträge über die Donauschwaben.

Dieses Buch wurde für die donauschwäbische Schatztruhe als Erinnerung an die alte Heimat und an unsere Neueinbürgerung in Oberösterreich geschrieben. Es wird ein bleibendes Zeugnis unserer bewegten Vergangenheit und der Aufbauarbeit sein. Unsere wertvolle DONAUSCHWÄBISCHE CHRONIK können Sie gegen Ihren Unkostenbeitrag von nur 5 Euro, plus 1,25 Euro Porto im österreichischen Zustellgebiet, beziehen. Bestellungen erbitten wir an die: Landsmannschaft der Donauschwaben in O.Ö., Maria-Theresia-Str. 33, 4600 Wels.

Liebe Landsleute! Lasst euch diese besonders wertvolle donauschwäbische Chronik nicht entgehen! SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer, Landesobmann, A-4600 Wels, Maria-Theresia-Str. 33, Tel. 0 72 42 / 452 78, E-Mail: a.ellmer@aon.at Sparkasse OÖ Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 37

Oktober, November, Dezember 2004

Nr. 4

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

Gedanken zum Weihnachtsfest 2004 Weihnachten feiern wir aus dem Glauben als ein Fest der Familie und im erweiterten Sinn auch in der Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Unser Beitrag für eine lebendige Zusammengehörigkeit unserer Volksgruppe war im zu Ende gehenden Jahr 2004 von dem so großen und eindrucksvolen Dankfest an das Land Oberösterreich in der Kürnberghalle Leonding und den würdigen kirchlichen Feiern am 23. Oktober geprägt. Damit konnten wir in der Öffentlichkeit ein beachtliches Interesse und große Anerkennung finden. Unseren Wunsch und unsere Bitte richten wir an unsere Mitglieder für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und wohlwollende Unterstützung der Landsmannschaft.

„Neujahrsanspielen in der alten Heimat“

Ölbild von Franz Ferch, 1900 –1981, aus dem Banat

Mit diesem Neujahrsbild wird an die auf hohem Niveau wirkenden donauschwäbischen Blaskapellen erinnert. Diese waren ein wesentlicher Kulturträger unserer Volksgruppe und fanden internationale Anerkennung.

Die Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich wünscht ihren Mitgliedern, Freunden, Gönnern und den Repräsentanten aus der Politik, der Verwaltung und der Kirchen ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel alles Gute, Gesundheit und Wohlergehen. Anton Ellmer Obmann

Anita Lehmann Schriftführerin

Johann Mayer Kassier

Erich Ortmann Heimatforscher


E i n TA G d e s G E D E N K E N S , d e r DANKBARKEIT und FREUDE von Dr. Georg Wildmann digte auch den ersten slawischen Papst: „Johannes Paul II., der den doppelbödigen und sinnentleerten Kommunismus aus eigener Erfahrung kennt, wird zum Vordenker der Europäischen Osterweiterung, wird zum unermüdlichen Impulsgeber eines christlichen Europas“. Schließlich gemahnte uns Zollitsch, den Mut aufzubringen, gegen alle Vertreibungen von heute die Stimme zu erheben. Und zum Schluss: „Bauen wir Europa als Kontinent der Hoffnung! Geben wir Europa eine Seele! Nutzen wir diese Chance! Machen wir in unserem Leben, in unserem Handeln, das Leben Jesu sichtbar, dann fällt unser Blick in Europa nicht zuerst auf die Finanzen und die vielen gesetzlichen Bestimmungen, sondern auf die Menschen. Europa braucht ein menschliches Gesicht.“ Die Kollekte ergab, nach Abzug von Beiträgen für Pfarre, Ministranten und betreuenden Personen, einen für soziale Bedürfnisse zweckgebundenen Beitrag von 315 Euro. Die Fürbitten, für unsere Sorgen und Anliegen an Gott gerichtet, sprachen die beiden Damen Anita Lehmann und Silvia de Carvalho-Ellmer. Während der Kommunion gab das Orchester ein Werk von Johann Sebastian Bach wieder, Frau Sandra Milla, die Tochter unseres vormaligen Vereinskassiers Ernst Milla, spielte dabei das Violinsolo. Ihr virtuoser Vortrag versetzte wohl viele in eine verinnerlichte Verzückung. Das „Großer Gott, wir loben dich“ beschloss eine eindrucksvolle und wohl für viele von uns Donauschwaben in Oberösterreich unvergessen bleibende Feier. Die nachmittägliche Feststunde stand unter dem Motto „Wir danken Oberösterreich“ und versammelte 700 Donauschwaben und solche, die sich mit ihnen verbunden fühlen, in der Kürnberghalle in Leonding-Hart. Es gab als Beigabe eine Foto-Schau und – eine Seltenheit – eine kleine Ausstellung von Bildern und Werken donauschwäbischer Künstler, alles von Landsleuten in

Am 23. Oktober 2004 leitete die Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich ihre Gedenkfeier „60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“ mit einem Pontifikalamt ein. Hauptzelebrant war unser donauschwäbischer Landsmann Dr. Robert Zollitsch (noch in Filipowa/ Batschka geboren), der bekanntlich 2003 zum Bischof geweiht und zum Erzbischof von Freiburg im Breisgau ernannt wurde. Unser Diözesanbischof Maximilian Aichern OSB unterbrach seine Visitation in Wels und feierte mit, zusammen mit den Konzelebranten Pfr. Walter Gottwald, Pfr. i.R. Herbert Kretschmer, Pfr. i.R. Peter Fischer, Dr. Karl-Heinz Braun, Prof. für Kirchengeschichte an der Theologischen Privatuniversität Linz (von donauschwäbischen Eltern aus Batsch-Sentiwan) und Msgr. Johannes Ehrenfellner, dem Pfarrer der St. Johanneskirche in Leonding-Hart. Der Chor der St. Stephanskirche in Wels war unter seinem Dirigenten Wolfram Stelzer Mitgestalter des Gottesdienstes durch die hervorragende Wiedergabe der C-Dur-Messe für Chor, Solisten und Orchester von Franz Schubert. Bischof Aichern begrüßte die donauschwäbischen Landsleute in herzlicher Form zu Beginn des feierlichen Hochamts. Die Kirche war bis zum letzten Platz gefüllt. Seine Worte gedachten der Passion der Vertriebenen und würdigten ihren Glauben und ihre die neue Heimat bereichernde Lebensleistung. Es herrschte sofort eine wunderbare Stimmung, angeregt durch das schwungvollkräftige Eingangslied „Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen“. Und es gab den großen Einzug, mit vielen Ministranten, Vortragskreuz aus der Heimat und Weihrauch und ein volles Presbyterium mit den Geistlichen, die sich den Donauschwaben besonders verbunden fühlen – die Johanneskirche wird sich lange daran erinnern. Erzbischof Zollitsch sprach in seiner gedankenreichen Predigt über Heimat als dem Ort, an dem man sich nicht rechtfertigen muss, dass man da ist. „Die Treue und Verbundenheit zur alten Heimat hindert nicht daran, neue Wurzeln zu schlagen, neue Heimat zu finden und zu gestalten. Im Gegenteil, sie hilft dabei. Das habe ich selbst so erfahren und erlebt.“ Er sprach vom Sinn der Erinnerung an die Toten und deren Gedenkstätten; von der Dankbarkeit für die Kraft, die ersten Notjahre meistern und in einer freien Welt leben zu können. Er betonte die religiöse Herausforderung, die Europa durch die Hereinnahme der slawischen Völker in die EU erwächst – „Europa muss nun mit beiden Lungenflügeln atmen“ –. Er wür-

Sandra Milla, Violine

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die neue Heimatfindung ermöglicht habt, mag es aufgrund der damaligen Situation in Einzelfällen auch nicht immer einfach gewesen sein“.

freiwilligem Einsatz arrangiert. So gewann der Festsaal Atmosphäre. Die Ehrengäste waren zahlreich. Kirchlicherseits waren neben Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, auch Maximilian Mittendorfer (Generalvikar der Diözese Linz in Vertretung von Bischof Aichern). Die politische Landesführung war in hochkarätiger Besetzung gekommen: Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, LAbg. Anna Eisenrauch (ÖVP, als Vertreterin der Ersten Präsidentin des OÖ-Landtages), Klubobmann Dr. Karl Frais (SPÖ), Dr. Ingrid Holzhammer (SPÖ, als Vertreterin des Bgm. von Linz), Dr. Helga Moser (FPÖ in Vertretung von Klubobmann Mag. Günther Steinkellner), ORF-Landesdirektor Dr. Helmut Obermayr, Dr. Peter Koits, Bgm. von Wels, die beiden Altbgm. von Wels Leopold Spitzer und Karl Bregartner, Gerhard Skiba, Bgm. von Braunau, Ilona Häupler (als Vertreterin des Bgm. von Ansfelden), Gerda Kickinger (als Vertreterin von Bgm. Kaspar) Dr. Herbert Sperl, Bgm. von Leonding und zugleich „Hausherr“. Ing Seidl, Bgm. von Traun nahm am Gottesdienst teil. Von Wien waren Bundesobmann DI Rudolf Reimann und der Obmann des Schwabenvereins Ing. Josef Wagner angereist. Reg.-Rat Johann Schwarz (Obmann der Franztaler) war mit Mathias Wanko, dem Obmann der Donauschwaben Salzburgs gekommen, ebenso Ing. Martin May, prominenter Siebenbürger und landsmannschafts-politischer Aktivist sowie DI Dr. Bukowiecki von den Buchenlanddeutschen. Den Einzug der Trachtengruppen und Fahnen, musikalisch durch die Siebenbürger Trachtenkapelle mit dem zündenden Prinz-Eugen-Marsch begleitet, verschönerten auch die Franztaler Marienmädchen in ihrem traditionellen Weiß. Zwischen den Gruß- und Dankansprachen des Landesobmanns Ing. Anton Ellmer, des Landeshauptmanns von Oberösterreich Dr. Josef Pühringer, und dem Bürgermeister der Stadt Leonding, Dr. Herbert Sperl, traten die Trachtengruppen zum Tanz an, so die Franztaler, die Siebenbürger und die Donauschwäbische Volkstanzgruppe LinzPasching – alles beschwingt, farbenprächtig und gekonnt. Hans Himmelsbach entpuppte sich als Meister des Mundartgedichts. Der Chor des Kulturvereins Doppl-Hart sang die Banater Hymne, die bekanntlich auf die Melodie der englischen Hymne getextet ist. Landesobmann Ing. Anton Ellmer und Bgm. Dr. Sperl begrüßten. Ellmer richtete als Landesobmann die Dankesworte im Namen der Donauschwaben an die Vertreter des Landes und jener Städte, wo heute zehntausende Donauschwaben und deren Nachkommen leben, aber auch an die Vertreter der Kirchen und aller Institutionen, die unseren Landsleuten die Sesshaftwerdung ermöglicht bzw. erleichtert haben, und bat sie, unseren in tiefstem Herzen empfundenen Dank entgegen zu nehmen. An die Bevölkerung Oberösterreichs gerichtet sagte er u.a.: „Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher, wir danken euch, dass ihr uns

Landeshauptmann Dr. Pühringer bedankte sich im Namen des Landes Oberösterreich und führte aus: „Sie sind nach Kriegsende tragende Säulen des Wiederaufbaues in unserem Land geworden. Eine Leistung, die uns auch heute noch zu DANK verpflichtet. An dem Tag, an dem Sie uns dafür den DANK abstatten, versichern wir Sie großer Wertschätzung und Anerkennung für Ihre Leistungen. Ich verneige mich mit großer Dankbarkeit vor den großen Leistungen, die die Donauschwaben in unserer Heimat in den letzten 60 Jahren erbracht haben“. Die Frau unseres Landeshauptmannes ist die Tochter eines Flüchtlingspaares aus Ruma, Syrmien. In Oberösterreich wurden 40.000 in der alten Heimat geborene Donauschwaben heimisch. Dr. Georg Wildmann hielt die Festrede. Er brachte eine ungeschminkte und wenig euphorische Analyse der gegenwärtigen Situation der Donauschwaben in der EU und vertrat im Anschluss an Erika Steinbach MdB, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen in Deutschland, die Leitlinie: Heilung des Vertreibungsverbrechens unter Absage an eine angemessene Entschädigung, da diese – nüchtern betrachtet – politisch in der EU der Gegenwart nicht mehr durchsetzbar erscheint. Auch meinte er, dass die bisherige Linie der Entschädigung in Ungarn, Rumänien und Kroatien genau in dieselbe Richtung weist: Annäherung und neue Anfreundung unter dem Angebot einer eher symbolischen materiellen Entschädigung. Heilung liege, so meinte Wildmann, in erster Linie in der Erinnerungskultur: in der Möglichkeit, die Kultur und Geschichte der Donauschwaben in Museen und Kulturhäusern aufzubewahren, die man in den Vertreibungsländern errichten sollte, wohin man dann im Sinne des europäischen „Brückenbaus“ reisen und wo man den Dialog führen kann. An die Politiker Österreichs appellierte er, die humanitäre Hilfe beizubehalten, und mehr als bisher Empathie zu üben, d.h. sich in das Empfinden und die Erinnerungsnöte der Betroffenen hineinzuversetzen und von daher zu handeln. So hätten die Heimatvertriebenen das Gefühl, ihre Opfer seien nur solche „zweiter Klasse“. Es gebe nämlich nur Gedenktage für die „Opfer des Faschismus“. Wo bleibe der Gedenktag „Für alle Opfer der Gewaltherrschaft“? Es war für manche Ohren keine bequeme Festrede. Nur schade, dass die Zeitungsreporter zum Zeitpunkt dieser Rede schon alle weggegangen waren … Bgm. a.D. Robert Pill führte gewohnt souverän durch das Programm. Die Feier endete mit der Landeshymne, dem „Hoamatland“. 3


Der DANK des Landesobmannes von Ing. Anton Ellmer

Zu unseren Veranstaltungen Nach dem Abschluss einer erfolgreichen Veranstaltungsreihe habe ich als Landesobmann die ehrende Aufgabe, vielfachen DANK auszusprechen. Einerseits den Persönlichkeiten, welche unseren Veranstaltungen die Ehre ihres Besuches erwiesen oder die Veranstaltungen unterstützt bzw. ermöglicht haben, den zahlreichen Besuchern aus nah und fern, und andererseits den Kolleginnen und Kollegen der Landsmannschaft, die diesem Vorhaben von der Idee bis zum Ende der letzten Veranstaltung positiv gegenüberstanden und aktiv zum Gelingen desselben maßgeblich beigetragen haben.

Überheblichkeit aber guten Gewissens davon ausgehen, dass das angestrebte Ziel erreicht worden ist. Ich habe daher allen Institutionen, der Hohen Geistlichkeit, den Spitzenpolitikern vom Herrn Landeshauptmann, der Frau Landtagspräsidentin, den Landtagsabgeordneten, den Bürger- und Altbürgermeistern bzw. Vizebürgermeisterinnen bis zu den Stadträten, sowie dem Herrn Landesdirektor des ORF und den Medien, sowohl im Namen der Landesleitung der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich, als auch in meinem eigenen Namen, in persönlichen Schreiben gebührend gedankt. Aber auch an dieser Stelle ein nochmaliges DANKE; wir wissen die Beachtung, die uns durch ihren Besuch öffentlich zu Teil wurde, sehr zu schätzen. Danken möchte ich aber auch allen Aktiven, die unsere Veranstaltungen bereichert haben: Neben dem St. Stephans Chor, Wels, welcher uns mit seiner Darbietung eine einmalige Bischofsmesse (mit zwei Bischöfen, was auch nicht alltäglich ist) erleben ließ, waren es in der Kirche noch unser Professor Dr. Wildmann und die Damen Silvia de Carvalho und Anita Lehmann als Lektoren. Bei der Festveranstaltung waren es die Siebenbürger Trachtenmusikkapelle, die Franztaler Trachtengruppe, die Siebenbürger Trachtentanzgruppe und die Donauschwäbische Volkstanzgruppe Pasching sowie der Chor Kulturverein Doppl-Hart mit ihren sehr schönen und gekonnten Beiträgen. Weiters hat das Gedicht von unserem Hans Himmelsbach, vorgetragen von unserer Schriftführerin Anita Lehmann, große Beachtung gefunden. Nicht zuletzt aber auch unser Moderator Altbürgermeister OSR Pill für seine gekonnte Führung durch das Programm, zuletzt, aber besonders herzlich den lieben Franztaler Muttergottesmädchen und ihren Begleitpersonen. Von der Landsmannschaft haben sich um das Zustandekommen der Festschrift monatelang die Herren Dr. Wildmann, Feldtänzer und Ortmann, sowie das Ehepaar Hofrat Dr. Lauermann mit Gattin und deren Bruder SR Horst Herzog bemüht.

Ziel unserer Dank- und Gedenkveranstaltung war u.a., uns, die Donauschwaben mit nachhaltiger Wirkung der Öffentlichkeit in Erinnerung zu rufen. • Durch die kirchlichen und weltlichen Veranstaltungen in würdigem Rahmen • durch die Künstler- und Fotoausstellungen mit einzigartigen Bildern und historischen Fotos • durch die Festschrift, die zu einer Donauschwäbischen Chronik mutierte • durch die vielen hunderte von Fotoaufnahmen, die noch der Nachwelt Zeugnis von unseren Aktivitäten geben werden • durch die Filme, welche von Landsleuten von der Veranstaltung in der Kürnberghalle gemacht wurden • durch die gesammelten Eindrücke unserer Landsleute als Besucher, die diese Eindrücke sicherlich an die Nachfolgegenerationen weitergeben und dadurch vielleicht auch ein klein wenig so etwas wie Stolz bei unseren Enkelkindern hervorrufen, und, und, und… Sowohl beide Gottesdienste als auch unsere Festveranstaltung in der Kürnberghalle und die Künstler- und Fotoausstellung im Landeskulturzentrum werden in den Aussagen prominenter Politiker, Kirchenleute und zahlreicher neutraler Besucher als sehr gelungen bezeichnet. Das heißt, wir können zwar ohne jede 4


Die Künstlerausstellung, welche die längsten und, weil von vielen äußeren Faktoren abhängig (z.B. wo befinden sich diese oder jene Bilder, werden wir sie als Leihgabe erhalten, wie besorgen und versichern wir sie – wertvolle Gemälde, daher Diebstahl- und Beschädigungsgefahr – usw.) und nervenaufreibendsten Vorarbeiten erforderte, lag in den Händen des Ausstellungsorganisators Ortmann, unserem Heimatforscher, der im Ehepaar Lauermann, Primar Dr. Frauenhoffer und weiteren ihm bekannten Experten erstklassige Fachleute zur Seite hatte. Die Fotoausstellung mit Bildern von unserem Georg Lang haben in monatelanger Kleinarbeit unser Fotoexperte Richard Deckert und Georg Lang selbst vorbereitet, indem sie die einzelnen Bilder beurteilt, sortiert, geordnet und jedes einzelne Bild neu beschriftet haben. Letztendlich haben sie diese so vorbereiteten Bilder ausstellungsreif geordnet und in den jeweiligen Räumlichkeiten (Kürnberghalle, dann Ursulinen-Hof) aufgestellt und letztlich auch noch die Ausstellungen begleitend betreut. Mit der Organisation der Messe in der St. Johanneskirche in Leonding-Hart, beginnend von der Bereitschaft/Möglichkeit der Teilnahme des Erzbischofs und unseres Diözesanbischofs, über die notwendigen div. Absprachen bis zur Gestaltung der Messe, Empfang, Unterbringung und Betreuung des Erzbischofs, war Dr. Wildmann betraut. Und wie bei den meisten Großveranstaltungen unserer Volksgruppe hieß der Festredner auch diesmal wieder Dr. Wildmann. Die Organisation des Gottesdienstes in der evangelisch reformierten Kirchengemeinde in Leonding-Hart, Haidfeldstraße, mit OKR Pfr. Mag. Richard Schreiber besorgte Frau Katharina Weitmann. Darüber hinaus oblag ihr noch die Verantwortung des Blumenschmuckes und die Betreuung der Trachtengruppen vor – und während des Festaktes, in der Kürnberghalle. Die bei solchen Anlässen so wichtige Feuerwehr spielten wie immer und jederzeit wenn sie gebraucht werden, die Kollegen Hans Himmelsbach, Martin Hoog, Willi Fingerhut und Matthias Schön (beim Einmarsch und/oder Trachtenanlässen immer mit ihren Gattinnen). Schließlich wurde auch unsere „Einnahmequelle“ von unserem neuen Kassier Hans Mayer und seiner Frau Paula mit mehreren Helfern, wie dem Ehepaar Frach, die daneben auch noch zahlreiche Bücher, Videos, DVD’s usw. zum Verkauf anboten, hervorragend betreut, sodass wir unseren Besuchern eine

perfekte Veranstaltungsreihe bieten konnten. Euch ALLEN, sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen, im Namen der Landesleitung unserer Landsmannschaft und in meinem eigenen Namen auch auf diesem Wege ein nochmaliges herzliches DANKE. Nur durch eure Bereitschaft zur Mitarbeit und eurem tatkräftigen Einsatz – bei einigen von euch Monate hindurch – konnten diese für unsere Volksgruppe sicherlich sehr bedeutsamen Veranstaltungen so erfolgreich ausgerichtet werden. Als Landesobmann unserer Landsmannschaft bin ich daher sehr stolz, mit so tüchtigen und hilfsbereiten Menschen zusammenarbeiten zu können. Am 11. und 12. September 1954, also vor 50 Jahren, fand in Linz der Tag der Heimatvertriebenen statt, der bei der einheimischen Bevölkerung großen Eindruck hervorrief und die geforderte rechtliche Gleichstellung und staatsbürgerliche Eingliederung der Heimatvertriebenen beschleunigte. Mit unserer Dankund Gedenkveranstaltung haben wir daher auch eine Pflicht gegenüber unseren Vorgängern in diesen Funktionen, die wir jetzt bekleiden, erfüllt, aber obwohl wir und unsere Nachkommen, mittlerweile in der dritten und vierten Generation – also schon längst assimiliert sind, dürfen wir die Aktivitäten unserer damaligen Landsleuten nicht vergessen, denn allein die damalige Großveranstaltung Tag der Heimatvertriebenen hat maßgeblich mitgeholfen, unsere Integration zu erleichtern und den heutigen Wohlstand zu erreichen. Hoffen wir, dass auch unsere Großveranstaltung einen ähnlich positiven Eindruck in der Öffentlichkeit hervorruft.

Anmerkung: Wie immer war auch diesmal die Festrede von Prof. Dr. Wildmann richtungsweisend. Seine Überlegung war, „…eine schonungslose Situationsanalyse zu geben in der Frage, wo stehen wir als Donauschwaben und wofür wären wir besonders dankbar? Wir Donauschwaben haben seit den letzten zwei, drei Jahren… den generellen Eindruck, die Europapolitiker von heute wollen den Friedensschluss mit der sogenannten Nachkriegsordnung von 1945…“ Um diese beachtenswerten Gedanken allen unseren Landsleuten zugänglich zu machen, werden wir diese Ansprache ab dem nächsten Mitteilungsblatt ungekürzt veröffentlichen. 5


Zu den Veranstaltungen anderer Landsmannschaften Die „Unentwegten“ der Landsmannschaft

aus terminlichen Gründen fehlten – bei dem Trachtenumzug der Siebenbürger am 19. September 2004 in Wels.

Ob es eine Einladung der Siebenbürger Sachsen zu einem Trachten-Umzug ist, ob die Rumaer Kollegen zu einem Gottesdienst einladen, ob der Schwabenverein Wien ruft oder ob die Stadt Leonding zum Turm 9 einlädt; immer wenn es um Trachten geht, ob mit oder ohne Fahnen, immer sind es die gleichen Kolleginnen und Kollegen, die der Einladung folgen und unsere Landsmannschaft vertreten. Auch dafür darf, ja muss einmal der Dank und die Anerkennung der Landesleitung ausgesprochen werden. Schließlich repräsentieren sie dabei unsere Landsmannschaft und das nun schon seit Jahren in bewundernswerter Weise. Bild nebenstehend zeigt die Mannschaft – in welcher diesmal Willi Fingerhut mit seiner Frau

V.r.n.l.: das Ehepaar Hans und Klara Himmelsbach; das Ehepaar Matthias und Elisabeth Schön; Frau Franziska Kadi; Frau Katharina Weitmann (hockend); Elisabeth Kungel; das Ehepaar Rosi und Martin Hoog; diesmal wurden die Tüchtigen von LO Anton Ellmer und Frau Helga begleitet

I C H WA R I N R U M A –

von Ing. Josef Wagner

Bundesländern und war als Kind im Todeslager Gakovo. Ich fühle mich aber nicht verantwortlich für die Gräueltaten des 20. Jahrhunderts. Ich weiß von den vielen Opfern und dem Unrecht vor und nach 1944.“

Ich bin die Straßen hinauf und hinunter gegangen, an der Volksschule und am Gymnasium vorbei, besuchte Kirche und Friedhof und war Gast in meinem Geburtshaus. Vieles hat sich verändert und vieles ist noch so, wie ich es in Erinnerung habe, wie es vor 60 Jahren war. Freude, Schmerz und Wehmut kamen je nach Situation auf. Das Tor zu meinem Geburtshaus ist offen. Ich mache einen Blick hinein, schieße ein Foto, und gehe einige Schritte in den Hof. Plötzlich steht mir ein ca. 50-jähriger Mann gegenüber. Große Unsicherheit überfiel mich. Wie soll ich mich vorstellen, wer gibt mir das Recht einzutreten? Bin ich ein Eindringling, ein unbeliebter Fremder oder ein Gast? Mit südländischem Temperament werde ich nach einer Stunde verabschiedet. Wehmütig und bedrückend war der Friedhofsbesuch und die dortige Andacht. Der Kirchweihgottesdienst am 14. September mit zwei Bischöfen und mehreren Priestern ist für mich ein unvergessliches Erlebnis. Nach dem „Vater Unser“ (in Deutsch) habe ich es als selbstverständlich angesehen, den Vertretern der Gemeinde, die neben uns saßen, die Hand zum Friedensgruß zu reichen. Ich habe volles Verständnis, wenn sie nicht mehr weiter lesen können, bzw. wollen. Eine großzügig vorbereitete Agape erwartete alle Kirchenbesucher. Bei dieser letzten Gelegenheit habe ich mich vorgestellt und habe sinngemäß folgendes gesagt: „Ich bin das erste Mal in Ruma, bin Obmann der Donauschwaben in Wien und den angrenzenden

Mit dem Bürgermeister habe ich mich nachher im Vorgarten des Pfarrheims länger unterhalten. Eine versäumte Gelegenheit, die Vergangenheit kritisch zu hinterfragen, war der Dia-Vortrag über Ruma bis 1944. Der Besuch in Peterwardein, Neusatz und der Tagesausflug nach Belgrad war eine wohltuende Abwechslung. Solche Ausflüge sind vor allem für Nicht-Rumaer unbedingt einzuplanen. Anmerkung: Ruma hat über 33.000 Einwohner, 12.000 davon sind kaum ein Jahrzehnt dort beheimatet. Die ethnische Veränderung Rumas hat mit der Flucht und Vertreibung der Deutschen begonnen und wurde vor einigen Jahren mit den Kroaten fortgesetzt. Heute gehören ca. 1.000 Einwohner der katholischen Kirche an. Ein besonderer Dank geht an alle, die zum guten Verlauf der Reise und zum guten Gelingen der Veranstaltungen beigetragen haben. Wer sollte so eine Reise unternehmen? Wenn man bereit ist, als Gast seine Vergangenheit wieder zu erleben und die Schönheit der Woiwodina – ein verlorenes Paradies, wie der Schriftsteller Milo Dor in seiner Videodokumentation sagt – wiedersehen will. Maria Enzersdorf, November 2004

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Weitere VERANSTALTUNGEN in ÖSTERREICH 60 Jahre nach … Salzburg:

Trachtenpaaren Hans Himmelsbach, Martin Hoog und Matthias Schön mit ihren Gattinnen, sowie Obmann Ellmer teilnahmen. Im Anschluss daran wurde das Rumaer Heimatmuseum und der von der Stadtgemeinde Traun zur Verfügung gestellten Clubraum besichtigt, bestaunt und bewundert. Ein sehr schönes „Zuhause“ unserer Rumaer Freunde, zu welchem man nur herzlichst gratulieren kann.

Am Samstag, dem 16. Oktober fand in der Franziskanerkirche ein Ökumenischer Dankund Gedenkgottesdienst statt, bei welchem erstmals unsere 9 Kreuze, je eins für die 8 Vernichtungslager der Tito-Partisanen und eins für jene auf den Straßen während der Flucht oder an einem anderen unbekannten Ort gewaltsam zu Tode gekommenen Landsleuten. Im Anschluss an den Gottesdienst fand in den Prunkräumen der Residenz eine würdevolle Gedenkfeier anlässlich 60 Jahre Aussiedlung und Vertreibung der Donauschwaben statt. Dabei schilderte der Obmann der Salzburger Landsmannschaft mit rührenden Worten seinen harten Weg und seine Erlebnisse während und unmittelbar nach der Flucht, aber auch in Dankbarkeit, wie glücklich und wohl er sich in Salzburg fühlt. Herr Univ.-Prof. Dr. Reinhard Heinisch hielt zum Abschluss ein Referat über die Geschichte der Donauschwaben. Unsere Landsmannschaft war durch unseren Landesobmann und Landesobmann-Stv. Frach, jeweils mit ihren Frauen, vertreten.

Aufstellung der Trachtenpaare vor dem Einzug in die Kirche

Wien – Schwabenverein: Der Schwabenverein Wien lud zu einem Gedenk- und Dankgottesdienst am 7. November in die Augustinerkirche in Wien ein. Die Hl. Messe feierte Seine Eminenz Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn, selbst ein Vertriebener aus dem Sudetenland, gemeinsam mit Priestern aus den ehemaligen Heimatländern sowie aus Deutschland und aus Österreich. Vertreter der evangelischen Christen mit Superintendent Mag. Manfred Koch nahmen in ökumenischer Verbundenheit ebenfalls an der Feier teil. Die Vertreter der Landsmannschaften und Trachtengruppen zogen vor dem Klerus mit ihren Fahnen und bunten Trachten, gefolgt von den Trägern jener 9 Kreuze, die auch schon in der Franziskanerkirche in Salzburg aufgestellt waren (siehe oben), in die vollbesetzte Kirche ein. Die Festpredigt hielt Kardinal Schönborn.

Mathias Wanko, Obmann der Donauschwaben von Salzburg

Traun: Einen würdevollen und von der eigenen Sängergruppe musikalisch umrahmten DANKGOTTESDIENST feierte am Sonntag, dem 17. Oktober in der Stadtpfarrkirche Traun der Heimat- und Trachtenverein Ruma, an welchem auch eine Abordnung unserer Landsmannschaft mit Fahnenträger Willi Fingerhut, den 7


der im Sommer aufgefundene und neu in Stand gesetzte FLUCHTWAGEN der Familie PFEIFER aus VUKOVAR mit dem sie fast auf den Tag genau vor 60 Jahren ihre neue Bleibe erreicht hatten, Mittelpunkt des Geschehens. Die alten Pfeiferleute mit ihren Töchtern Genoveva und Elisabeth und vier Enkelkindern waren mit drei Wägen nach Litzing, in die Gemeinde Pitzenberg, nahe Schwanenstadt gekommen. Der nach so langer Zeit verbliebene Wagen ist der, den sie daheim für besondere Anlässe in Verwendung hatten. Genaues hat sich nicht ausfindig machen lassen können, die Nachfahren leben in Chicago und waren Kleinkinder zur Zeit der Flucht. Um die Ausrichtung der Feierstunde vor dem Museum und in den Museumsräumen bemühte ich mich (Tochter vertriebener Böhmerwäldler), mit meinen Mitarbeitern. Eröffnet wurde die FEIERSTUNDE von Bläsern der Siebenbürgermusik Rosenau mit dem „Prinz Eugen Lied“. Der Obmann des Museums, Herr Dr. Oberwandling, nahm die Begrüßung vor. Neben dem Bürgermeister der Stadt Vöcklabruck waren der Landesobmann der Donauschwaben, Herr Ing. Anton Ellmer, Herr Konsulent Feldtänzer und der Kulturbeauftragte der Siebenbürger Sachsen, Prof. Wagner anwesend. (Der Fluchtwagen ist auch den Siebenbürgern Erinnerung an ihr Schicksal und an die alte Heimat.) Auch die Vertreter der Kirchen waren gekommen, Herr Stadtpfarrer Dr. Leimer und Herr Pfarrer Hofstätter von der evangelischen Gemeinde. Viele Besucher hatten sich um den Fluchtwagen geschart, der innerhalb des mit Efeu und Kukuruzkolben geschmückten Zaunes aufgestellt war. Die Beiträge der Veranstalter (Dr. Oberwandling, Frau Berta Eder) und der Ehrengäste (Ing. Ellmer, Prof. Wagner und Bürgermeister Mag. Brunsteiner) ließen die Zuhörer die Geschichte der Donauschwaben, ihre Schrecken, Nöte und Entbehrungen bei der Flucht, ihren mühevollen Neuanfang wieder in Erinnerung rufen oder nachvollziehen. Zum TOTENGEDENKEN trugen Kinder Laternen zum Fluchtwagen. Sie drückten damit aus, dass die in der Laterne geschützte Flamme Zeichen der Geborgenheit bei Gott ist. Zeichen für die vielen Menschen, deren Erdendasein jäh beendet und deren Lebenslicht vorzeitig ausgelöscht wurde. Mit den Herren Pfarrern, die die Andacht gemeinsam gestalteten, wurde für die Toten ge-

Kardinal Schönborn im Gespräch mit LO Ing. Wagner

Wien – VLÖ: Vergangenen Freitag, 19. November 2004 feierte der Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs (VLÖ) im Haus der Heimat sein 50-jähriges Bestehen. Gleichzeitig wurde auch der vor 60 Jahren beginnenden Vertreibungen gedacht. Der Festakt war von 11:00 bis 13:30 im Haus der Heimat, 3; Steingasse 25, 1030 Wien. Festredner war Erster Nationalratspräsident Andreas Khol. Die Vertriebenensprecher Norbert Kapeller (ÖVP), Werner Kummerer (SPÖ) und Barbara Rosenkranz (FPÖ) stellten in Kurzreferaten ihren Standpunkt zur Vertriebenenproblematik dar. In einer fünfzehn minütigen Videopräsentation wurde die bewegte Geschichte des Verbandes dargestellt. Anwesend waren u.a. Persönlichkeiten wie Justizminister a.D. Harald Ofner, der Wiener Stadtrat Johann Herzog, Klubobmann Matthias Tschirf, Landtagsabgeordneter Johannes Prochaska, Gesandter Manfred Poiger als Vertreter des Außenministeriums, der Botschafter der Republik Rumänien Traian CHEBELEU und die rumänische Botschaftsrätin für Kultur Ildiko SCHAFFHAUSER, der erste Botschaftsrat von Serbien und Montenegro Mihailo KOVAC sowie der Vizepräsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben Alexander May und von der Österreichischen Landsmannschaft Obmann Helmut Loicht und Zweite Obfrau Gertraud Schuller.

Vöcklabruck: Donauschwäbischer FLUCHTWAGEN vor dem Museum der Heimatvertriebenen in VÖCKLABRUCK aufgestellt von Berta Eder Bei der GEDENKFEIER „60 Jahre nach der Flucht aus der Heimat“ am 14. Nov. 2004, war 8


betet. Das Lied „Bewahre mich mein Herr und Gott“ (früher bei Begräbnissen im Banat üblich), erklang wunderschön gesungen von Herrn Helmut Stemmer und die Musik spielte für alle, die in den Krieg ziehen mussten und nicht mehr zurückkamen, das Lied vom „Guten Kameraden“. Mit der gemeinsam gesungenen Landeshymne schloss die Feier vor dem Museum, beim Fluchtwagen. Die schönste Belohnung der Veranstalter waren die vielen freudigen Gesichter, die Dankbarkeit vieler und die Aussage: „Schade, dass es schon zu Ende ist, da hätten wir noch lange zuhören können.“

eignisse vor 60 Jahren beigetragen haben, ihren verbindlichen Dank aus. Dieser richtet sich in besonderer Weise an Frau Berta Eder, die für die Vorbereitung und Gestaltung dieser Feierstunde viel Mühe, Zeit, Sorgfalt, Sachkenntnis und persönliches Engagement aufgewendet hat und auch durch ihre gekonnte Moderation wesentlich zum Gelingen beitrug. Unsere Dankbarkeit für ihren Einsatz ist daher sehr groß.

NACHBEMERKUNG von Oskar Feldtänzer, Kulturreferent der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich: Der schöne und erhebende Verlauf der Gedenkfeier hat bei allen TeilnehmerInnen einen tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die Donauschwäbische Landsmannschaft in Oberösterösterreich spricht allen, die zum Erfolg und Gelingen der Gedenkfeier an die ErDer neu in Stand gesetzte FLUCHTWAGEN der Familie PFEIFER aus VUKOVAR

Totengedenken Totengedenken vor dem DENKMAL der Donauschwaben Wie jedes Jahr fand auch heuer wieder am letzten Sonntag im Oktober (31.) vor dem Denkmal der Donauschwaben das Totengedenken des Kulturvereines der Heimatvertriebenen in Oberösterreich statt. Zu der würdevollen Feier konnte Obmann Konsulent Friedrich Teutsch neben Bürgermeister Dr. Koits, Vizebürgermeister Wimmer und Landtagsabgeordnete Anna Eisenrauch noch weitere politische Vertreter der Stadt Wels begrüßen. Neben der Festrede, die Dr. Fritz Frank, Siebenbürger Sachsen, hielt, trug Herr Oskar Hermann ein zu Herzen gehendes Gedicht vor. Im Anschluss daran legten die Funktionäre Martin Hoog, Landsmannschaft der Donauschwaben und Alfred Scheiber Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen einen Kranz vor dem Mahnmal nieder.

Totengedenken im Stadtfriedhof St. Martin Am 1. November fand auch am Stadtfriedhof St. Martin die alljährliche Totenehrung statt. Die beiden Pfarrer, Konsistorialrat Kretschmer und OKR Mag. Richard Schreiber, sprachen Dankgebete, Dr. Fritz Frank hielt auch hier eine zu Herzen gehende Ansprache. Im Anschluss daran legten die Funktionäre unserer Landsmannschaft Martin Hoog und Willi Fingerhut einen Kranz vor dem Gedenkstein nieder.

Fotonachweis: Richard Deckert, Ronald Lang, Ing. Krämer, Walther Konschitzky, Berta Eder, HTV Ruma 9


M I T T E I L U N G E N aus der L A N D E S L E I T U N G Mitgliedsbeitrag bleibt unverändert bei 10,– Euro/Jahr Liebe Landsleute, werte Gönner, trotz den hohen Ausgaben welche wir vor allem mit der Herausgabe der „Donauschwäbischen Chronik“ und unseren div. Veranstaltungen heuer hatten, bleibt der Mitgliedsbeitrag auch für das kommende Jahr unverändert bei 10,– Euro. Wir sind überzeugt davon, dass ohnehin ein jeder der es sich leisten kann, einen höheren Betrag einbezahlt, den wir dann als Spende registrieren. Ab dem nächsten Mitteilungsblatt (Mitte März 2005) werden wir übrigens alle Spenden ab 30,– Euro namentlich verlautbaren. Wir dürfen Sie bitten, bei Ihrer Einzahlung

darauf zu achten, dass die Adresse vollständig ist, damit diese einerseits ordnungsgemäß registriert werden kann und andererseits die einwandfreie Zustellung des Mitteilungsblattes sichergestellt ist. Weiters wären wir Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Einzahlung recht bald vornehmen würden und danken schon im Voraus sehr herzlich dafür. Einen Zahlschein finden Sie in der Anlage – unsere Bankverbindung aber auch stets auf der letzten Seite unserer „Mitteilungen“. Für Auslandsüberweisungen unsere Codes: BIC: ASPKAT2L IBAN: AT 55 20 320 10000-017 286

Jahreshauptversammlung 2005 Nähere Informationen ergehen gleichzeitig mit der Einladung dazu im nächsten Mitteilungsblatt, welches voraussichtlich Mitte März 2005 der Post zum Versand übergeben werden wird. Auf alle Fälle wird die Landesleitung einen Antrag zur Änderung der Statuten einbringen. Alle Vorschläge zu diesem Punkt sind willkommen.

Der Landesausschuss hat in seiner Sitzung am 19. 11. 2004 auf Antrag des Vorsitzenden beschlossen, die

nächste Jahreshauptversammlung mit Neuwahlen am 9. April 2005 im Volksheim Marchtrenk abzuhalten.

Einladung zu einer bewussten Herkunftsbewahrung Vor ca. 60 Jahren haben unsere Eltern, Großeltern und Verwandten die geschichtsprägende Tragödie mit Vertreibung aus der alten Heimat, Flucht und Kriegsfolgen durchgestanden. Als Nachkommen dieser Donauschwaben leben wir nach unserer Einbürgerung in der neuen Heimat in Österreich und haben uns hier vielfach bewährt. Damit unsere Herkunftswurzeln nicht endgültig verschwinden, bemüht sich die Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich wertvolle Gemeinschaftsarbeit zur Pflege und Übergabe von unserem Volksgut zu leisten. Für die Stärkung und den Fortbestand unserer Gemeinschaft suchen wir Interessenten. Unser vielseitiges Programm bietet allen Altersgruppen gesellschaftliche Begegnungen und Traditionspflege aus Erfahrung an.

Bei uns erleben Sie: • Kulturwerte aus unserem Volksgut, • Geschichtsbewahrung aus unserer herausragenden europäischen Pionierleistung, • Vergangenheitsaufarbeitung mit Versöhnung, • Bewusstseinsbildung mit tiefgründiger Erforschung • sowie weitere für Sie interessante Bereiche. Bedenken Sie, dass unsere Vergangenheit in der Gegenwart durch unsere Gemeinschaft lebt und für die Zukunft auch Sie benötigt werden. Interessenten-Anmeldungen werden an das Büro der Landesleitung in Wels oder an die Privatadresse unseres Obmannes in: 4614 Marchtrenk, Unterhaidstraße 27, Tel. 072 43 / 509 31 erbeten. 10


60 Jahre Donauschwaben in OberĂśsterreich

1944 – 2004 Ein Bilderbogen von Richard Deckert und Ronald Lang

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Gedicht

„ M e i T h ro m “

Tart wu im Tarf so schee un brat war di Gasså, in dem Land das mir hen miss verlasså, Tart wu di Paurå uf di Felder ackrå, un im hof di Hinglå gackrå. Wu tr Kuh un Schweihaldr in tr Fruh tut plos, un ich beim Schpiel hab vriß mei Hos. Tart wu ti Leit alli Sunndags in di Kirch sin gang un wu mr di Flieg mitm Mukåpickr hot gfang. Tart wu uf tr Gass steht tr grossi Nusspom, sikts Leit tart war ich trhom.

von Hans Himmelsbach

Tart wu im Herbscht tr Kukrutz wird gåbroch, taurts bis zum Schlachtå nar mehr a påar Woch. Tart wu mr peim Schlacht schun vum neii Wei gåtrung, un in tr Kammr hengå ti Brotwirscht un ti Schungå. Tart wu tr Palwierå noch ins Haus is kum un ti Paurå fars ackrå ti Patschkr hen gnum. Tart wu uf ti Milchtegl drei Fingr dick tr Rom, sikts Leit tart war ich trhom. Tart wu tr Trummlmann ti Neihkeidå hot ausgtrummlt un ti Schnittr ufm Feld sich hen gtummlt. Tart wu vor tr Kirch tr Piatz war jedi Woch un wu mrs Schnaps brennå vun weit schun hot groch. Tart wu ti Fraue gkocht hen ti Sarm un ti Pon un Nudl un gåback hen ti gud Nuß un Mag-Strudl. Tart wu ti Schwowå hen tes Land urbar gmacht un ich als Kind hab gschpielt un glacht. Tes is tes Land vun tem ich noch immr trom, sikts Leit, tart war ich trhom.

Bilderbogen – Bilderklärung:

1 – Erzbischof Dr. Zollitsch 2 – Hauptzelebrant Erzbischof Dr. Zollitsch mit Diözesanbischof Aichern und weiteren fünf Konzelebranten beim Pontifikalamt 3 – Der St.-Stephans-Chor Wels 4 – Diözesanbischof Dr. h.c. Aichern 5 – Die Lektorinnen Silvia de Carvalho-Ellmer und Anita Lehmann 6 – Der Chorleiter Wolfram Stelzer 7 – Auch der Messe wohnten schon einige Bürgermeister bei: v.l.: Ing. Seidl, Bgm. von Traun, Konsulent Feldtänzer, Dr. Sperl, Bgm. von Leonding und Altbürgermeister Komm. Rat Bregartner (Wels) 8 – Die Fahnenträger der Landsmannschaft und des HTV Ruma, Willi Fingerhut und Franz Habenschuß während der Messe 9 – Blick Richtung Tribüne beim Einmarsch der Trachtengruppen in die vollbesetzte Kürnberghalle 10 – Landesobmann Ellmer bei der Begrüßung der Festgäste und der Mitwirkenden 11 – Anita Lehmann beim Vortrag eines Mundartgedichtes von Hans Himmelsbach 12 – Hans Himmelsbach mit Gattin Klara 13 – Bürgermeister Dr. Sperl mit Altbürgermeister und Moderator OSR Robert Pill 14 – Die liebreizende Franztaler Muttergottesmädchen mit ihren Betreuerinnen 15 – Die Siebenbürger Trachtentanzgruppe in Aktion 16 – Die Franztaler Trachtentanzgruppe 17 – Die Siebenbürger Trachten-Musikkapelle 18 – LH Dr. Josef Pühringer bei seiner eindrucksvollen Ansprache 19 – Chor Kulturverein Doppl-Hart 20 – Die Donauschwäbische Volkstanzgruppe Pasching bei einem ihrer schwungvoll dargebrachten Tänze 21 – Ein Teil der erschienenen Ehrengäste v.l.: Ehrenobmann OSR Hans Holz, Bgm. a.D., Pfr. i.R. Herbert Kretschmer, Pfr. i.R. Peter Fischer, Msgr. Johannes Ehrenfellner, Moderator der St. Johannes Pfarre in Leonding-Hart, und Walter Gottwald, Pfarrer der Hl. Bruder Klaus Pfarre in Leonding-Doppl 22 u. 23 – v.l.: neben Dr. Wildmann Bgm. Dr. Sperl, LAbg. Dr. Helga Moser, LAbg. Anna Eisenrauch, Klubobmann Dr. Frais, Generalvikar Mittendorfer, Erzbischof Dr. Zollitsch, Landeshauptmann Dr. Pühringer, ORF-Landesdirektor Dr. Obermayr, Vizebgm. Dr. Ingrid Holzhammer, Bgm. Dr. Koits, Altbgm. O-Reg.Rat Spitzer, Altbgm. KR Bregartner, Bgm. Skiba, Konsulent Feldtänzer, Stadtrat Mahr, Stadtrat Piffath mit Gattin, Vizebgm. Gerda Kickinger und Vizebgm. Ilona Häupler 24 – Bgm. Dr. Koits, Altbgm. O-Reg.Rat Spitzer und Frau Vizebgm. Ingrid Holzhammer 25 – Erzbischof Dr. Zollitsch im Gespräch mit einer Besucherin 26 – Erbischof Dr. Zollitsch, Klubobmann Dr. Frais, Landeshauptmann Dr. Pühringer und ORF Landesdirektor Dr. Obermayr 27 u. 30 – Ein Vorgeschmack auf die Künstlerausstellung: Bilder und Exponate von Fürst, Zibert, Sommerfeld, Lauermann und Elter 28 – Dr. Wildmann mit Gattin und der Verantwortliche und Organisator der Künstlerausstellung Ortmann mit Gattin bei der Beratung 29 – Konsulent Feldtänzer und Hofrat Dr. Lauermann bei der Besprechung 31 u. 32 – Ein Überblick über einen kleinen Teil der Fotoausstellung von Georg Lang 33 – Die Erste Präsidentin des Oberösterreichischen Landtages, Frau Angela Orthner, bei der Eintragung in das Gästebuch, dahinter Dr. Wildmann, Frau Lauermann und LO Ellmer 34 – Unsere Künstlerin Frau Lauermann erläutert Frau Orthner div. Fotos 35 – Die beiden „Mister Foto“ Richard Deckert und Georg Lang, haben in monatelanger Kleinarbeit diese Fotoausstellung mit vielen historischen Bildern ermöglicht

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E R G Ä N Z U N G zu unserem Beitrag „BEGABTE DONAUSCHWÄBISCHE KÜNSTLER“ aus den Mitteilungen Nr. 3/2004

PROF. FRANZ SCHÄFFER

lerisch war er in der Bildhauerei, dem Steindruck, dem Holzschnitt und der Malerei tätig. Er war Lehrer in verschiedenen Mittelschulen in der alten Heimat und zuletzt 1939 –1944 an den privaten deutschen Schulen in Werbas. Nach seiner serbischen Gefangenschaft wurde er 1949 entlassen und fand seine geflüchtete Familie in Oberndorf bei Salzburg wieder. Ab 1950 unterrichtete er in Salzburg. Dort setzte er sich für die Anliegen seiner Landsleute über die dortige Landsmannschaft ein. Er war Ehrenbürger der Stadt Salzburg und Träger des goldenen Ehrenzeichens der Republik Österreich, das ihm für sein donauschwäbisches Engagement verliehen wurde.

geboren 1901 in Gajdobra, Batschka, verstorben 1993 in Salzburg. Diesen herausragenden Wegbereiter für unsere Einbürgerung in Österreich und vielseitigen Künstler wollen wir in gebührender Weise ebenso vorstellen. Prof. Franz Schäffer besuchte nach seiner Matura die königliche Kunsthochschule in Belgrad, wo er mit den studierenden Schwaben Leicht und Leopold Freundschaft schloss. Er absolvierte die Akademien der Bildenden Künste in München, Venedig und Paris. Künst-

BUCH – Auf der Flucht sein Das Buch ist eine eindringliche Schilderung des Schicksals unschuldiger Menschen und auch eine Auseinandersetzung mit der Frage, warum so viel Vorurteil, Hass und Leid entstehen. Eine berührende und nachdenklich machende Lektüre. Preis: Euro 15,–

Die oberösterereichische Schriftstellerin Maria Hauser (Familienfrau, Kindergärtnerin, geb. 1931) ist Inhaberin des oberösterr. Landespreises für Zivilcourage, hat 2004 die Erzählung „Auf der Flucht sein. Der Verlust der heilen Welt“ veröffentlicht, in Buchform im Resistenz-Verlag. Das Buch ist ihrem verstorbenen Mann Johann Hauser gewidmet, der mit 14 Jahren im Oktober 1944 seine Heimat (Keschintzi, Slowenien) verlassen musste. Es baut auf Erzählungen von Augenzeugen auf und berichtet vor allem über die Ereignisse, die unsere Landsleute aus Slawonien betrafen, als sie die Heimat verlassen mussten und wochenlang, auf Eisenbahnwaggons verladen, unterwegs waren, bis Dresden und dann weiter…

Das Buch ist zu beziehen unter der Adresse: Resistenz-Verlag Postfach 184, 4010 Linz Verlagsleiter ist Dietmar Ehrenreich, Bergfeld 17, 4531 Kematen a.d. Krems (E-Mail: dietmar.ehrenreich@gmx.at).

Donauschwaben Heimatkalender 2005 Auch heuer wieder zum bisherigen Preis von Euro 9,– plus Versandkosten zu bestellen bei: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ 4600 Wels, Maria Theresienstraße 33, unter E-Mail: a.ellmer@aon.at oder bei unseren Funktionären.

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GOLDENE HOCHZEITEN Am 29. August 2004, feierten am Pöstlingberg Ferdinand und Inge Schmidt, wohnhaft Weißdornweg 21, 4030 Linz, ihre Goldene Hochzeit. Ferdinand Schmidt wurde am 8. 12. 1916 in Hatzfeld geboren. Inge Schmidt, geb. Raschka, erblickte am 1. 1. 1932 in Linz das Licht der Welt. Im engsten Familienkreis gab es im PöstlingbergschlössI eine würdige Feier. Es wurde viel gesungen und gelacht. Viel Freude bereiten ihnen die Kinder und Schwiegerkinder, sowie ihre 6 Enkelkinder (siehe Bild).

◆ Eines unserer australischen Mitglieder, Landsmann Sepp Wünschl und seine Gattin Gerti feierten am 11. September mit ihren Kindern, Enkeln, Verwandten und Freunden im dortigen „Alt-Österreicher Klub“ ihr 50. Hochzeitsjubiläum. Der heute 75-jährige Seppi war mit seinen Eltern und seiner Großmutter in Rudolfsgnad im Lager. Schon nach wenigen Wochen verhungerten seine Großmutter und seine Mutter, so dass sie bereits im ersten Massengrab, noch hinter dem Friedhof, „begraben“ wurden. Sein Vater starb/verhungerte etwas später und wurde daher schon in einem Massengrab auf der Teletschka „verscharrt“. Sepp Wünschl kam nach seiner Flucht aus dem Vernichtungslager Rudolfsgnad 1947 nach Oberösterreich und ist auf eine Anzeige in den OÖ-Nachrichten hin 1952 nach Australien ausgewandert. Er ist nach wie vor ein begeisterter Donauschwabe, besucht des öfteren Europa und seine Landsleute in Deutschland und Österreich, vor allem aber führt ihn sein Weg stets an die beiden Massengräber in Rudolfsgnad. Sepp Wünschl hat sich sehr um finanzielle Unterstützung zur Errichtung und Erhaltung der dortigen Gedenkstätte bemüht. Auch in seinem letzten Schreiben fehlt der Hinweis nicht: „Vielen Dank an Lorenz Baron und seine Helga, deren tatkräftiges Bemühen um eine würdige Gedenkstätte mit großer Dankbarkeit zu würdigen ist“. Nachdem Lorenz Baron auch Mitglied unserer Landsmannschaft ist, geben wir diesen Dank auf diesem Wege weiter.

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Unserem Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Andreas Helleis †

Wer so gewirkt wie du im Leben und so erfüllte seine Pflicht – und stets sein Bestes hat gegeben, der stirbt auch nach dem Tode nicht.

Am 3. September 2004 verstarb unser allseits geschätzter Landsmann Andreas Helleis, geboren am 8. 11. 1922 als Sohn eines Landwirtes in Neu Slankamen. Es ging ihm wie allen jungen Männern diesen Alters und so blieb ihm weder Krieg noch Gefangenschaft, von der er 1948 zurückkehrte, erspart. Herr Helleis war ein Donauschwabe ersten Ranges. Er war einer der Organisatoren des ersten Slankamener Treffens (1949) in Handenberg, wo auch das bedeutsame Bild entstand, auf welchem ALLE gefallenen Soldaten des 2. Weltkrieges sowie ALLE Slankamener Landsleute, die in den Lagern der alten Heimat auf brutalste Weise zu Tode kamen, verewigt sind. Ein unleugbares Zeugnis, welches wohl als ein Dokument für die Geschichte unseres Volksstammes von ganz besonderer Bedeutung sein wird. Bei der Errichtung der Braunauer Heimatstube war es wieder Herr Helleis, der dem Museum das Herzstück in Form des ORIGINAL FLUCHTWAGENS, der noch die Initialen A:H: trägt, schenkte und welcher die 1.000 km Fluchtweg, von Slankamen bis in den Bezirk Braunau, gut überstand. Um unser treues, langjähriges Mitglied trauern seine drei Kinder nebst Schwiegerkinder, 5 Enkel, 2 Urenkel sowie Schwester und Schwager Katharina und Josef Putsch.

G E D E N K S TÄT T E R U D O L F S G N A D „Weißes Kreuz und weißer Marmor“ Die Errichtung der Gedenkstätten in Rudolfsgnad macht gute Fortschritte. Auf dem Friedhof ist die Kapelle wieder aufgebaut, so dass die Innenausstattung und die Außenanlagen in Angriff genommen werden können. Am Massengrab auf dem Friedhof soll ein Gedenkstein mit der Möglichkeit, Gedenktafeln anzubringen geschaffen werden. Auf der Teletschka stehen im Mittelpunkt das weiße Marmorkreuz und das Aufgeschlagene Buch aus weißem Marmor(siehe Bild). Um diese herum gruppieren sich bereits einige Stellwände in Form von Buchseiten mit inzwischen 20 weißen Marmorgedenktafeln. Die letzte Tafel wurde übrigens von einer in Österreich lebenden Frau aus Werschetz in Auftrag gegeben. Noch ist jedoch viel zu tun, etwa für die Einfriedung, die Bepflanzung, die Anlage von Wegen, die Vorplatzgestaltung (Pflasterbelag fehlt noch – auf dem Bild ist das bereits betonierte Vorfeld gut erkennbar). Auch müssen die Gedenkstätten erhalten und gepflegt werden. In guter Zusammenarbeit mit den heute in Knicanin/Rudolfsgnad lebenden Menschen sowie der Ortsverwaltung betreibt der Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V. den Ausbau und die Betreuung der Anlagen. Dies ist nur mit weiteren Spenden möglich.

Der Verein bittet deshalb um Spenden auf das Konto 7 408 777 der KSK Esslingen, BLZ 611 50020 oder, für Österreich, auf das Konto 6 830 590 bei der Raiffeisen Landesbank OÖ, BLZ 34 000 und wünscht allen Spendern ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr. Spendenquittungen für das Finanzamt werden auf Anforderung ausgestellt. Architekt DI Michael Bittenbinder 18


E N T S C H Ä D I G U N G – K R O AT I E N a) Reaktionen aus Wien

Dezember 2003: Aussage: „Im vergangenen Herbst hatte man tatsächlich den Eindruck, dass schon bei der Gesprächsrunde 22. Oktober 2003 die Verhandlungen zwischen den Beamten beider Staaten abgeschlossen werden könnten. Dies wurde zwar nicht erreicht, aber die Fortschritte waren sehr beachtlich, so dass man fest mit einem Abschluss bis etwa Juni 2004 rechnen könne“.

Das Kalenderjahr 2004 ist praktisch vorbei. In der so sensiblen Frage der Entschädigung Kroatien habe ich bis heute keine Aussendung vom Außenministerium gesehen, obwohl seit der ersten Gesprächsrunde zwischen Kroatien und Österreich im Juni des Vorjahres laufend von einem „bevorstehenden“ Abschluss geredet wird. Die Antworten bei Rückfragen im Ministerium dazu waren in der Regel auch weder aufschlussreich noch freundlich. Tieferstehend mehr dazu. Von der DAG kam zwar eine Aussendung, die aber vorwiegend Fehlinformationen enthielt und weil sie auch in den ausländischen „Heimatblättern“ erschien, nichts weiter als Verunsicherung hervorrief. Auch dazu tieferstehend mehr. Besondere, gezielte Aktivitäten seitens der Vertreter der DAG habe ich keine vernommen. Auch nicht – wie ich geschrieben habe – um die Herrschaften im Außenministerium daran zu erinnern, dass sie den betroffenen Menschen große Hoffnungen gemacht haben und dass sehr viele davon bitter erspartes Geld zu den Anwälten getragen haben…

Mein Anruf vor Drucklegung Mitte Juni: (sinngemäß): „Noch VOR dem Sommer könne mit dem Abschluss des zwischenstaatlichen Abkommens gerechnet werden“. Mein Anruf vor Drucklegung Mitte September: „Es war Sommer; Sie wissen ja selbst, wie es ‚dort unten‘ im Sommer ist“. Anfang Oktober zu einem betroffenen Landsmann (tel.): „Österreichischerseits warte man auf den nächsten Schritt der Kroaten…“. Ende Oktober: „…die hompage des BMfAA ist immer auf dem neuesten Stand…“ Die letzte Aktualisierung erfolgte aber – 2003! Da keine weiteren Aktivitäten des BMfAA bekannt sind, kann man sich ja die heuer in diesem Ministerium für unsere Sache „Entschädigung – Kroatien“ aufgewendeten Minuten ja wirklich an einer Hand ausrechnen.

Mit diesem Hintergrundwissen habe ich in unserem letzten Mitteilungsblatt geschrieben: „Es wäre für die Betroffenen interessant zu wissen, wie viele Minuten heuer von österreichischer Seite in diese Verhandlungen investiert wurden. Man bekommt langsam aber sicher den Eindruck, als ob überhaupt nicht daran gearbeitet wird. Ich gehe sogar davon aus“.

c) „Aktivitäten der DAG“ Die mir bekannten Aktivitäten der DAG nach dem 22.Dezember 2003 in dieser Causa waren eine Aussendung Do., 08. Jän. 2004 (die nur Schaden angerichtet hat und daher besser unterblieben wäre) unter dem Titel:

Dieser Artikel hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst. EINE, uzw. jene des Bundesobmannes der DAG, DI Reimann, negativ, die übrigen aber, darunter auch eine des Bundesobmannes der Donauschwaben in Deutschland, DI Supritz, lesen sich ganz anders. Aber ob so, oder so, mich wird kein Mensch jemals daran hindern, unseren Mitgliedern die ungeschminkte Wahrheit zu sagen. Auch wenn das nicht allen Herren in ihr Konzept passen mag. Und weil ich kein Freund der üblichen „Freunderl-Wirtschaft“ bin, der „zu seinen Freunden hält“, sondern zu der Wahrheit, stört mich das Schreiben des Herrn Bundesobmannes DI Reimann aber auch nicht einmal im Entferntesten. Die Fakten sprechen für sich.

Entschädigung für Nachkriegsenteignungen in Kroatien für alle Wie schon eingangs erwähnt, war diese Aussendung in gravierenden Punkten unrichtig. Obwohl die Frage der „ersten Erbfolge“ in einer Aussendung des „Weltdachverbandes“ erst am 29. 7.2003 endlich berichtigt worden war, schrieb man wieder „…gesetzlichen Erben…, die Enkel nur, wenn deren erbberechtigt gewesener Elternteil vor dem erblassenden Großeltern gestorben sind…“ und Ähnliches mehr. Einfach nicht zu glauben, dass von der „Führung der DAG“ so eine peinliche Falschmeldung gleich weltweit hinausgehen kann.

b) Aktivitäten des BMfAA Hier ein Überblick über die mir bekannten „Aktivitäten“ des BMfAA nach der zweiten Gesprächsrunde am 22.Oktober 2003, wo das nächste Treffen für Frühjahr 2004 angekündigt wurde:

Ich habe der DAG sofort per mail geschrieben: „…Ihre Aussendung ist unrichtig, …aber so massiv, dass eine Verwirrung der Landsleute …unausbleiblich ist. Wenn diese Informationen von der Presse übernommen oder 19


in das Internet gestellt werden, dann kann es eine peinliche Angelegenheit werden. …Ich ersuche Sie daher eindringlich, sachlich richtig und seriös zu informieren, damit wir in der Landsmannschaft nicht zur ‚Reperaturwerkstätte‘ Ihrer Pressemitteilungen werden“.

weiter schön brav, denn hier muss mit ‚Fingerspitzengefühl‘ (!) vorgegangen werden, denn wenn man die Herren in Wien daran erinnert, dass unserer Auffassung nach, viel zu wenig Nachdruck von unserer Seite erfolgt, dann sind das ‚Beleidigende Vorwürfe gegenüber Repräsentanten das Außenministeriums und der Führung der DAG‘ bzw. ‚Querschüsse aus den Reihen unserer Mitgliederverbände‘.“ So sehe ich die Sache natürlich nicht – aber es gibt für uns noch genügend andere Wege, unser Außenministerium daran zu erinnern, dass große Ankündigungen, die eigentlich Versprechungen gleichkommen, wie es die ersten Aussendungen des BMfAA waren, bei Gott nicht genug sind. Wir in Oberösterreich haben die weitaus meisten der betroffenen Landsleute zu vertreten. Was auch immer letztendlich aus der ganzen Angelegenheit an Entschädigung herausschauen mag, liegt nicht in unserer Hand, wir werden diese Menschen aber, unabhängig ob sie Mitglieder bei unserer Landsmannschaft sind oder nicht, ganz sicher nicht mit billigen Ausreden vertrösten, sondern nach besten Kräften unterstützen.

Und was ist geschehen? Wie immer von Seiten der DAG: NICHTS! Mein Protest war den Herren nicht einmal eine Antwort wert, geschweige eine Berichtigung. So eine ernste und für viele unserer Landsleute so wichtige Angelegenheit wird einfach mit einer Gleichgültigkeit „bearbeitet“, dass man es einfach nicht glauben kann. Dafür sind Reihum die Falschmeldungen über die Medien gekommen, wodurch die befürchteten Verunsicherungen unserer Landsleute weltweit eintraten. Jänner bis März: Der ORF und einige Tageszeitungen, einschließlich der „Krone“, berichteten, dass die Verträge schon abgeschlossen seien. In manchen Meldungen wurde sogar schon von einer Entschädigung seit Jahresbeginn geschrieben. Aber nicht nur in den österreichischen Medien, sondern auch im „Heimatbote“ in Kanada und den USA, sowie in den Heimatblättern in Deutschland, ja sogar im Gerhardsboten wurden diese Falschmeldungen verbreitet. Und trotzdem erfolgte keine Berichtigung seitens der DAG. Mir ist zumindest bis heute noch keine untergekommen. Oder hat man das alles nicht einmal registriert?

d) Heutiger (uns bekannter) Stand: Der aktuelle Stand in der Entschädigungsfrage Kroatien stellt sich heute so dar: 1) Kroatische Staatsbürger: Die Restitution läuft. Dort wo es leicht geht, wird das Objekt zurückgegeben. Ansonsten (in der Regel) Staatsanleihen auf 20 Jahre (in Halbjahresraten). Es geht nur äußerst schleppend und – gemäß einem vertraulichen Hinweis aus der Gespannschaft – die Beamten haben die Anweisung, den „Fall Drugowitsch“ mit höchster Priorität, bzw. vorrangig zu bearbeiten. 2) Ausländer (also auch wir Donauschwaben): Wie gehabt: Können erst nach Abschluss des Zwischenstaatlichen Abkommens überhaupt einen Antrag einbringen. Dzt. müssen alle Anträge schon von den Gespannschaften abgelehnt werden. Der Stand zwischen Österreich und Kroatien ist unklar. Zu den offiziellen Auskünfte des österreichischen Verhandlungsführers Dr. Buchsbaum siehe oben. Österreichischerseits warte man auf den nächsten Schritt der Kroaten. Ich gehe schon davon aus, dass man gelegentlich wenigstens freundlich nachfragt, wann man mit diesem Schritt rechnen kann, wie das doch bei Verhandlungspartnern üblich ist. Aus Kroatien berichtet der Abgeordnete zum Nationalrat N. Mack, dass sich derzeit zwei Entwurfs-Varianten des geplanten Zwischenstaatlichen Abkommens im Parlament befinden und er mit keinen größeren Problemen bei deren Behandlung rechne. Anton Ellmer

Die Reaktionen unserer betroffenen Landsleute sind bereits durchwegs bitter. Der eine schreibt z.B.: „…mit den derzeitigen Vorgängen in der DAG, vor allem mit …bin ich nicht einverstanden… und deswegen will ich mit der DAG nichts mehr zu tun haben…“. Dabei ist das noch sehr höflich zu manch anderen (auch schriftlichen) Aussagen… Eine ganz verbitterte Dame hat mir in sehr vorwurfsvoller Art und Weise berichtet, dass sie aufgrund der Aussendung vom 12. August 2002 mit ihrer alten Mutter einige Male nach Kroatien gefahren sei, nach einigen Monaten alles was an Unterlagen erforderlichen war selbst lückenlos beschafft hatte, diese übersetzen und beglaubigen ließ und dann einem Wiener Rechtsanwalt übergeben habe. Alles in allem habe sie mit ihrer alten Mutter sehr große Strapazen auf sich genommen und bereits über 3.000,– Euro ausgegeben. „Sie als Vertretung der Donauschwaben wären gefordert, sich in dieser cause ein bischen mehr um die Agenden ihrer Landsleute zu kümmern, denn es ist nicht abgetan… und dann Vogel Strauß Politik zu betreiben…“ schreibt sie zusätzlich in einem von mehreren mails. Sollen wir derart verzweifelnd – resignierend wirkenden Menschen sagen: „…warten Sie ruhig 20


DER WAHRHEIT EINE GASSE, auch in unseren ehemaligen Heimatgebieten ! von Konsulent Oskar Feldtänzer

Dipl. Ing. Jovica Stevic in Sremska Mitrovica (Syrmisch Mitrowitz) ist ein gerechtigkeitsund wahrheitsliebender Mensch. Er wohnt in einem Stadtteil von Mitrowitz, der vor dem Krieg überwiegend von Deutschen bewohnt war, die im 19. Jahrhundert aus Hessen nach Mitrowitz gekommen waren. Daher erhielt er den Namen Hessendorf (auf serbisch Hesna). Hier entstand bereits im ersten Jahrzehnt nach dem ersten Weltkrieg ein von den Deutschen gegründeter Fußballklub der sich „Radnicki“ betittelte (auf deutsch „Arbeitersportverein“) der im Sportleben der Stadt vor dem Krieg eine wichtige Rolle spielte und beachtliche Erfolge aufzuweisen hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tradition dieses Klubs von den nunmehr serbischen und kroatischen Sportlern von Hessendorf fortgesetzt, zu dessen leitenden Funktionären auch der schon genannte Dipl. Ing. Jovica Stevic gehörte, der beauftragt wurde, die Geschichte des Klubs zu erforschen und in einem Buch zu veröffentlichen. Bei seinen Forschungen stellte er fest, dass der Klub auf deutsche Wurzeln zurückgeht, was ihn veranlasste, sich mit der Frage zu befassen, was mit den einstigen deutschen Bürgern von Mitrowitz geschehen ist. Als er dieser Frage nachging, stellte er schreckliche Dinge fest, unter anderem auch, dass sich auf dem Gelände des heutigen Sportplatzes Massengräber befinden, die die sterblichen Überreste von rund 2000 deutschen Todesopfern, des Vernichtungslagers in der ehemaligen Seidenfabrik „Svilara“ enthalten, von deren Gebäude auch heute noch Überreste vorhanden sind. In diesem Lager wurden vornehmlich Deutsche aus Syrmien interniert, aber auch aus der Batschka und dem Banat, die durch die unmenschlichen Lagerzustände, durch Hunger, Kälte, Typhus und Ruhr ihr Leben einbüßten. Das Bestürzende an dieser menschlichen Tragödie ist auch heute noch, dass sie den heutigen Stadtbürgern von Mitrowitz so gut wie unbekannt ist, besonderes aber von den jüngeren Stadtbürgern total ignoriert wird. Stevic, der einer Partisanenfamilie entstammt, wo aber in seinem Heimatort im Haus seiner Familie deutsche Soldaten einquartiert waren,

die ein einwandfreies Verhalten an den Tag legten, so dass sich zwischen ihnen und der Familie des Stevic ein auf gegenseitiger Achtung aufbauendes fast freundschaftliches Verhältnis entwickelte. Ich selbst und die Donauschwäbische Kulturstiftung in München haben an Stevic einiges deutsches Material über den Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Tito-Jugoslawien zugesandt, um ihm eine authentische Information zu ermöglichen, und er schrieb mir damals: „Nunmehr haben Sie mir ermöglicht, dass ich genau und dokumentiert erfahren kann, was sich dort alles ereignet hat. Da ich nicht Deutsch kann, habe ich begonnen Wort für Wort zu übersetzen, was für mich eine schwere und mühsame Arbeit ist, aber ich hoffe, dass es mir gelingen wird, und ich werde auch versuchen, das Übersetzte zu drucken. Diese Übersetzung wird mir sicherlich helfen, ein wenig Deutsch zu lernen. Die Dokumentation, die Sie mir geschickt haben, habe ich einigen meiner Freunde gezeigt, die tatsächlich sehr überrascht waren, wie ich dazu gekommen bin, da sie auch an der Geschichte unseres Stadtteiles Hesna interessiert sind. Da ich hier im HesnaStadtteil von allen Leuten außerordentlich geschätzt und geachtet werde, vor allem wegen des von mir verfassten Buches und auch deswegen, weil ich ein guter Präsident des Fußballklubs ‚Radnicki‘ war, habe ich das Thema der hiesigen Deutschen angeschnitten, wobei ich in Diskussionen das Leiden dieser unschuldigen Menschen durch das kommunistische Regime verurteilte. Viele der jüngeren Menschen hatten davon keine Ahnung, und sind sich nicht bewusst, wenn sie ihre Zeit auf dem Spielplatz des FK ‚Radnicki‘ mit sorglosem Spiel oder mit der Anfeuerung ihres Klubs oder der Freude über ihn während der Wettspiel verbringen, dass sie über Massengräber unschuldiger (deutscher) Menschen, Frauen und Kinder schreiten oder sich in deren unmittelbaren Nähe befinden. In Diskussionen haben mir sogar manche Nichtinformierte vorgehalten, was es denn dann mit den Lagern in Deutschland auf sich habe, mit Auschwitz, Mauthausen und ande21


ren. Dazu habe ich erklärt, dass es dabei keinen Widerspruch gebe. Diese Lager haben bestanden, auch in ihnen hat es Verbrechen gegeben, doch diese Lager sind in Deutschland und der ganzen Welt bekannt, und sie werden nicht verheimlicht. Aber diese unsere Lager in Jugoslawien sind unbekannt und sie werden derzeit noch sorgfältig geheim gehalten.“ Das alles hat Stevic bewogen, den Plan zu fassen, der die Herausgabe eines umfangreichen Buches in serbischer Sprache über die Verfolgungen der Donauschwaben im kommunistischen Jugoslawien vorsieht, wofür jedoch umfangreiche Vorbereitungsarbeiten und Übersetzungen erforderlich werden. Dies und natürlich auch der Druck des Buches, das in einer ausreichend großen Auflage erscheinen soll, um an möglichst viele Gemeindeämter und Bibliotheken verteilt zu werden, wird nach der Schätzung von Stevic einen Betrag von etwa Euro 5.000,– erfordern, wobei er auf die Unterstützung unserer Ortsgemeinschaften, donauschwäbische Organisationen und auch von Einzelpersonen hofft, denen vollkommen klar ist, dass die in deutscher Sprache geschriebenen Dokumentatio-

nen in Jugoslawien nur geringen Informationswert haben, weil nur wenige Leute und noch weniger junge Menschen, diese deutschen Bücher lesen können. Ich habe daher seinen Spendenaufruf an verschiedene größere Heimatortsgemeinschaften und Organisationen gesandt, mit der Bitte, sich an der Finanzierung dieses wichtigen Projektes zu beteiligen und hoffe auf ein positives Echo. Die Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich, hat in ihrer letzten Landesausschuss-Sitzung beschlossen, Herrn Stevic für die Verwirklichung seiner Ziele einen Betrag von Euro 500,– zukommen zu lassen, und auch Landsmann Josef Frach aus Braunau hat im Namen der Ortsgemeinschaft von NeuSlankamen bereits einen Berag von Euro 500,– auf das Konto des Stevic in Belgrad überwiesen. Ebenso sind einige Beträge von Einzelpersonen für diesen Zweck gespendet worden. Ich hoffe, dass das Erscheinen dieses Berichtes in dem Mitteilungsblatt unserer Landsmannschaft das eine oder andere Mitglied veranlassen wird, sich mit einer angemessenen Spende am Aufbringen der erforderlichen Mittel zu beteiligen und wir es Stevic ermöglichen, seinen Plan zu verwirklichen.

PA R L A M E N T S WA H L E N i n d e r V O J V O D I N A Aufgabengebiet Internationale Zusammenarbeit und nationale Gemeinschaften, gewählt.

Bei den Wahlen in der Vojvodina im September ging bekanntlich die Radikale Partei Serbiens (Seselj…) als stärkste Partei hervor. Da auch die Sozialistische Partei (Milosevic) eine eher radikale Politik verfolgt, war es notwendig, dass sich die westlich orientierten Parteien, die geschwächt aus den Wahlen hervorgingen, sich zusammenschließen, um im Parlament in Novi Sad weiterhin die Mehrheit zu haben um den Präsidenten stellen zu können.

In seinem Schreiben brachte Egeresi seine tiefste Überzeugung zum Ausdruck, dass das Parlament der Vojvodina mit seinem Präsidenten Bojan Kostres seine bisherigen Bemühungen, die Vojvodina als Modell der Multinationalität, Multikulturalität und Multikonfessionalität in Europa darzustellen, fortsetzen wird. Ihr Ziel sei es, so Egeresi weiter, die Vojvodina so schnell wie möglich an die regionale Assoziation und Integration in Europa, wo die Vojvodina als Region ihren Platz habe, anzuschließen.

Wie nun der alte und neue Vizepräsident Sandor Egeresi mitteilt, ist das gelungen und es wurde Bojan Kostres zum Präsidenten, er, Egeresi selbst zum Vizepräsidenten, mit dem

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Einladung

zur Gedenkveranstaltung

„60 Jahre Russlanddeportation“ am 14. Jänner 2005 in Ulm Aus Anlass dieser Verschleppungstragödie unserer donauschwäbischen Volksgruppe wird in Ulm ein Gedenkgottesdienst gefeiert.

Gleichzeitig wird eine Politikerdiskussion und eine Ausstellung dazu abgehalten. Wir gedenken der 15.000 in Russland gebliebenen Opfer aus der von Stalin befohlenen Zwangsdeportation. Von 1944 bis 1949 waren von unseren Landsleuten 40.000 aus Rumänien, 30.000 aus Ungarn und 12.000 aus Jugoslawien unter unmenschlichen Bedingungen auf Zwangsarbeit in der UdSSR. Nähere Informationen über die Veranstaltungsorte in Ulm erfahren Sie über die Landsmannschaft der Banater Schwaben in München, Telefon Nr. 0049 89 235 573 oder aus der Banater Post, Ausgabe Dezember 2004.

„Deportation nach Russland im Winter 1944“ Ölgemälde von Stefan Jäger, dem großen Banater Maler

Unsere Donauschwäbische Künstlerausstellung vermittelte eindrucksvoll unsere Kultur und Geschichte Beim großen Danktest am 23. Oktober 2004 strahlten zur Festumrahmung die Werke von neun unserer donauschwäbischen Künstler, unsere einzigartige Kultur aus und weckten dort großes Interesse für die wertvollen Dokumentationen. Vom 25. bis 30. Oktober konnte die im ansprechenden Rahmen des Landeskulturzentrums Ursulinenhof in Linz gezeigte Künstlerausstellung in Verbindung mit der Fotoschau von unserem Landsmann Georg Lang, ein beachtliches Besucherinteresse anziehen. Von den vielen Anerkennungen dieser Besucher wollen wir eine dankbare Widmung aus dem Gästebuch der Ausstellung wiedergeben: „Diese Erinnerung an die alte Heimat war schmerzhaft und trotzdem tröstlich. Wenn viele Menschen gleich fühlen, ist man geborgen. Die Wurzeln unserer Ahnen und der Lebensraum im Südosten erstand durch die gezeigten Bilder und die wunderschöne Ausstellung neu vor unseren inneren Augen.“ Damit wurden wir für unsere Aufbaumühe belohnt und das hochgesteckte Ziel einer Vergangenheitsdokumentation über die donauschwäbische Kunst erreicht. Die dort gezeigten einzigartigen Künstlerbilder sollen bei uns allen einen verantwortungsbewussten Denkanstoß auslösen:

In naher Zukunft werden wir als letzte Zeitzeugen von dieser Welt abtreten müssen. Künder von unserer schicksalsschweren Vergangenheit und unserer verschwundenen Kulturwelt werden die wertvollen Künstlernachweise sein, soweit solche in öffentlichen Museen mit historischen Dokumentationen in Archiven zugänglich sind. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer donauschwäbischen Ausstellung das Interesse für die Spurensuche aus unserer Vergangenheit geweckt haben.

Ausstellungsinitiator Erich Ortmann (rechts) mit Walther Konschitzky, Kulturreferent der Banater Schwaben, Deutschland, vor dem dramatischen Werk „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ von Julius Stürmer. Dieser 90-jährige Künstler war einer unserer Ehrengäste beim Dankfest am 23.10. Er überstand in der ehemaligen UdSSR nördlich des Polarkreises ein Straflager von 10 Jahren.

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Sind Sie schon Besitzer dieser wertvollen

DONAUSCHWÄBISCHEN CHRONIK?

Die Beiträge wurden von unseren Historikern OSTR Dr. Georg Wildmann, Kons. Oskar Feldtänzer, unserem Obmann Ing. Ellmer und andere geschrieben. Die Bildzusammenstellung gestaltete Frau Ingrid Lauermann.

Das abgebildete Buch enthält auf 112 Seiten historische, zeitaktuelle und künstlerische Beiträge über die Donauschwaben.

Dieses Buch wurde für die donauschwäbische Schatztruhe als Erinnerung an die alte Heimat und an unsere Neueinbürgerung in Oberösterreich geschrieben. Es wird ein bleibendes Zeugnis unserer bewegten Vergangenheit und der Aufbauarbeit sein. Unsere wertvolle DONAUSCHWÄBISCHE CHRONIK können Sie gegen einen Unkostenbeitrag von nur 5 Euro, plus 1,25 Euro Porto im österreichischen Zustellgebiet, beziehen. Bestellungen erbitten wir an die: Landsmannschaft der Donauschwaben in O.Ö., Maria-Theresia-Str. 33, 4600 Wels bzw. per E-Mail: a.ellmer@aon.at

Schenkt dieses Buch als Herkunftszeugnis an eure Nachkommen weiter. Diese werden euch später dafür einmal sehr dankbar sein! SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer, Landesobmann, A-4600 Wels, Maria-Theresia-Str. 33, Tel. 0 72 42 / 452 78, E-Mail: a.ellmer@aon.at Sparkasse OÖ Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 38

Jänner, Februar, März 2005

Nr. 1

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

Unsere ordentliche

JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG findet am 9. April 2005, um 14.00 Uhr im Volkshaus in Marchtrenk statt. Gleichzeitig präsentieren wir in der Zeit vom 9. bis 13. April 2005 in einer Sonderschau die kleinste funktionsfähige Dampf-Dreschmaschine der Welt von unserem Landesauschussmitglied und weltbekanntem Erfinder Ing. Sebastian Auer, sowie eine Fotoschau mit historischen Bildern, gesammelt von unserem Kulturreferent Stv. Georg Lang. Aus diesem Anlass begrüßt der Gastgeber und Bürgermeister der Stadt Marchtrenk, Fritz Kaspar, sowohl die Mitglieder unserer Landsmannschaft als auch die Besucher der Ausstellung.

Herzlich willkommen in Marchtrenk Liebe Besucher der Jahreshauptversammlung, liebe Besucher der Ausstellung der Donauschwaben!

Fritz Kaspar Bürgermeister der Stadtgemeinde Marchtrenk

Seit jüngster Kindheit sind mir die Donauschwaben ein Begriff, waren doch meine unmittelbaren Nachbarn dieser Volksgruppe zugehörig. Sie haben nach dem 2. Weltkrieg ganz entscheidend zum Aufbau unserer Stadtgemeinde beigetragen und tausende MitbürgerInnen haben ihre Wurzeln bei den Donauschwaben. Meine überaus positiven Kindheitserinnerungen und der sprichwörtliche Fleiß der Donauschwaben ließen über die Jahre ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. Einige meiner besten Freunde entstammen dieser Volksgruppe und auch aus diesem Bereich wurde mir die vollständige familiäre, kulturelle, sportliche, gesellschaftliche und politische Integration in die neue Heimat bekundet. Dieser Fleiß und die nach wie vor vorhandene Verbundenheit mit der alten Heimat werden wohl mit der Ausstellung der kleinsten funktionsfähigen Dreschmaschine der Welt dokumentiert, die von einem Landsmann, Herrn Ing. Sebastian Auer gebaut und im Guiness-Buch der Rekorde verewigt wurde. Ich danke dem Landesobmann der Donauschwaben in OÖ, Herrn Ing. Anton Ellmer dafür, dass er diese Ausstellung organisiert und ausgerichtet hat. Zeitgeschichte und Arbeitswelt werden damit eindrucksvoll dokumentiert. Ich lade alle Leser sehr herzlich ein, sich selbst ein Bild zu machen und wünsche den Donauschwaben auch weiterhin viel Erfolg bei der Pflege ihrer Traditionen und auch für die Zukunft viel Engagement beim Aufbau unserer jungen Stadtgemeinde.


E I N LA D U N G Gemäß § 18 der Satzungen der „Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich“ wird die ordentliche Generalversammlung für

Samstag, dem 9. April 2005, um 14.00 Uhr im Volkshaus in Marchtrenk, Goethestraße 7 ausgeschrieben und Sie als Mitglied mit Ihren Familienangehörigen dazu herzlichst eingeladen. Tagesordnung: 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15.

Eröffnung und Begrüßung Feststellung der Beschlussfähigkeit Verlesung und Genehmigung der Tagesordnung Totengedenken Verlesung des Protokolls der letzten Generalversammlung Tätigkeitsbericht des Landesobmannes Bericht des Landeskassiers Statutenänderung Bericht der Rechnungsprüfer mit Antrag auf Entlastung des Kassiers und des Landesvorstandes Grußadressen Ansprache Prof. Dr. Wildmann Neuwahl Arbeitsprogramm 2005 bis 2007 Allfälliges Schlussworte des Landesobmannes

Mit der Teilnahme an der Generalversammlung können Sie auch den Besuch unserer Sonderausstellung verbinden. Anita Lehmann Landesschriftführerin

Johann Mayer Landeskassier

Anton Ellmer Landesobmann

Ein frohes Osterfest wünscht die Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich allen Mitgliedern, Freunden, Gönnern und den Repräsentanten aus Politik, Verwaltung und Kirchen

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HINWEISE zur GENERALVERSAMMLUNG, der AUSSTELLUNG und der „ENTSCHÄDIGUNG KROATIEN“ Auf den vorhergehenden Seiten 1 und 2 finden Sie die Einladung zu unserer Generalversammlung und unserer Ausstellung im Volkshaus in Marchtrenk. Das Herzstück der Ausstellung (näheres dazu siehe Seite 4) ist die kleinste funktionsfähige Dampfdreschmaschine der Welt – ein wahres technisches Wunderwerk, das vor allem die Jugend begeistern und die älteren Menschen unter uns in vergangene Tage zurückversetzen wird.

schon ihre Verbundenheit mit der Landsmannschaft bekunden, sind darüber hinaus alle Voraussetzungen gegeben, der Jahreshauptversammlung – oder wie es in den Statuten heißt „der Generalversammlung“, beizuwohnen. Wir rechnen mit Ihrem Besuch und ersuchen die „mobilen“ Mitglieder bzw. Landsleute, Fahrgemeinschaften zu bilden und ältere Frauen und Männer mitzunehmen.

Die Fotoschau wird so manche Erinnerung wach werden lassen bzw. den jüngeren Menschen einen Einblick in eine Zeit geben, die hoffentlich nie wieder kommt. Dafür müssen wir alle unseren Beitrag leisten. Auch der Einzelne – und sei es nur durch das Wissen um die Vergangenheit, um aus den Lehren daraus seine eigene Einstellung zum Leben mit den Mitmenschen überprüfen zu können.

E N T S C H Ä D I G U N G – K R O AT I E N Nach Aussage des Abgeordneten (Kroatisches Parlament) Nikola Mak, Vertreter der Donauschwaben in Kroatien – aber auch unserer diesbezüglichen Interessen – wird in der Woche nach Ostern, das wäre demnach Ende März/Anfang April, die dritte Gesprächsrunde zwischen den Verhandlungsteams von Österreich und Kroatien in Zagreb stattfinden.

Mit der Kombination Generalversammlung und Ausstellung wollen wir unseren Mitgliedern gerade für Samstag, dem 9. April 2005 die Möglichkeit bieten, einen Familienausflug zu unternehmen, denn im Volkshaus befindet sich neben dem Kleinen- und dem Großen Saal auch ein gut geführtes Restaurant, welches hervorragenden Speisen und Getränke anbietet. Alles unter einem Dach bei guter Atmosphäre und angenehmem Ambiente. Die Öffnungszeiten von Ausstellung und Restaurant sind aufeinander abgestimmt.

Mit anderen Worten: Am 9. April, am Tag unserer Versammlung in Marchtrenk, sollten wir also schon wissen, ob es endlich zu diesem entscheidenden Treffen gekommen ist bzw. hoffentlich auch wie das Ergebnis aussieht. Vielleicht gibt es auch darüber hinausgehende Informationen. Wir werden uns jedenfalls sehr darum bemühen. Von unserem „Bundesministerium für Äußere Angelegenheiten“ war bis zur Stunde nichts Neues, eigentliche überhaupt Nichts zu hören. Die letzte Aussage von Anfang Oktober des Vorjahres: „Österreichischerseits warte man auf den nächsten Schritt der Kroaten…“ haben wir Ihnen bereits in unserem letzten Mitteilungsblatt zur Kenntnis gebracht.

Auch genügend Parkplätze sind vorhanden, sodass kein größerer Anmarschweg zurückzulegen sein wird. Ortsfremde finden das Volkshaus durch die gute Beschilderung relativ einfach. Abgesehen davon, dass Mitglieder mit dem Besuch der Generalversammlung an sich

Fotonachweis: R. Deckert, Dr. Schanovsky, Dr. Fraunhoffer, Stadtamt Marchtrenk, AMS, Steinparz. „Namentlich gezeichnete Artikel müssen nicht in jedem Falle mit der Meinung der Landesleitung übereinstimmen.“

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AUSSTELLUNG im VOLKSHAUS MARCHTRENK In Verbindung mit unserer diesjährigen Jahreshauptversammlung stellen wir für unsere Besucher zur Schau:

Aus dem Guiness-Buch der Rekorde

die kleinste Dampf-Dreschmaschine der Welt in Marchtrenk – dazu eine Fotoschau mit historischen Bildern Ein technisches Wunderwerk, welches noch viele Generationen in Staunen und Bewunderung versetzen wird, ist die von dem weltberühmten Erfinder Ing. Sebastian Auer zur Gänze händisch gefertigte kleinste DampfDreschmaschine der Welt. Die Bevölkerung von Marchtrenk bzw. aus dem Zentralraum Linz - Wels hat von Samstag, dem 9. bis Mittwoch, dem 13. April 2005 die sicherlich nur einmalige Gelegenheit, diese im Guiness-Buch der Rekorde eingetragene nostalgische Erntemaschine zu bestaunen und mit dem Erfinder zu Plaudern. Dabei kann man diese funktionstüchtige Maschine mit ihrem Pfeifen, Surren und Pfauchen auch in Betrieb setzen bzw. in Betrieb sehen. Das 2,5 Meter lange dreiteilige Erntegerät besteht aus einer Dampflokomotive, einem Dreschkasten und einem Elevator (Strohförderer) und ist exakt im Maßstab 1 : 10 gebaut. Bekanntlich wurden diese Dampfdreschmaschinen seinerzeit in der gesamten Donaumonarchie eingesetzt und beherrschten in den Sommermonaten ob ihres schleppenden, ja fast schneckenartigen Vorwärtskommens und ihrem dabei verursachten Höllenlärm speziell das Interesse der Kinder, die stets hinter dem Dreschmaschinen-Zug her liefen, wenn der Dreschplatz von einem Hof zum anderen verlegt wurde. Diese Ausstellung wird nicht nur für jene älteren Menschen unter uns, welche als Kinder „das Dreschen“ erlebt, ja vielleicht sogar noch an diesen Maschinen persönlich

gearbeitet haben, hoch interessant sein, sondern vor allem für die Jugend, denen ein Einblick in die Arbeitswelt ihrer Groß- und Urgroßeltern gewährt wird, von der sie bisher nur aus den Erzählungen von Opa und Oma gehört haben. In einem von Bürgermeister Kaspar angeregten Informationsgespräch versicherten die DirektorInnen der Schulen in Marchtrenk unserem Landesobmann, dass sie die Ausstellung für sehr lehrreich halten und dass sie diese mit verschiedenen Schulklassen besuchen werden. Die zahlreichen Bilder aus der umfangreichen Fotosammlung von Georg Lang – ausgewählt und zusammengestellt vom Sammler und dem Fotoexperten Richard Deckert – durchwegs historische Aufnahmen, darunter u.a. auch die Dreschmaschine im praktischen Einsatz auf einem Bauernhof, geben Einblick in das Leben und Arbeiten der Donauschwaben in ihrer alten Heimat im Südosten Europas, aber auch über ihren Leidensweg sowie über ihren Integrationsverlauf in der neuen Heimat Oberösterreich. Ausstellungsort: Volkshaus Marchtrenk, Goethestraße 7, 4614 Marchtrenk Eröffnung: Die Eröffnung erfolgt durch Herrn Bürgermeister Kaspar, am Freitag, dem 8. April 2005, um 18:00 Uhr Öffnungszeiten: täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr; Sonntag, 10. April 2005 von 10:00 bis 15:00 Uhr

Dreschmaschine beim „Umzug“

Dreschmaschine in Betrieb

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NEUES MITGLIED aus Schweden Mit Herrn Nikolaus Scheer, geb. am 11. 9. 1934 in Betschmen hat unsere Landsmannschaft nunmehr ein weiteres Mitglied im Ausland. Herr Scheer hat von unserer „Donauschwäbischen Chronik“ erfahren und hat mit uns Kontakt aufgenommen und ist in der Zwischenzeit unserer Landsmannschaft als Mitglied beigetreten. Nun schreibt Herr Scheer:

1945 bin ich aus der Russischen Zone in ein Flüchtlingslager in Linz gezogen. Meine Schwester ist 1948 nach Schweden ausgewandert und 1952 konnte meine Mutter, ein Bruder und ich nachkommen. Ich habe noch Verwandte in Linz. Beruflich habe ich mit Stahlwerksausrüstungen als Konstrukteur gearbeitet. Seit 5 Jahren bin ich im Ruhestand. Meine Frau ist am 28. 6. 1948 in Haparanda, Nordschweden geboren, und wir haben zwei Söhne, die beide Medizin studiert haben und heute als Ärzte tätig sind.

Sehr geehrter Herr Ellmer! Vorgestern habe ich die zwei Bücher, die Sie mir geschickt haben, erhalten und ich danke Ihnen für Ihr promptes agieren auf mein Anliegen. Für die Bücher und als eine kleine Spende werde ich baldigst 60 Euro an die Sparkasse Oberösterreich überführen lassen. Ich bin in Betschmen in der Nähe von Belgrad geboren und bin im Oktober 1944 ins Mühlviertel geflüchtet. Nach Kriegsende

Nochmals vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen Nikolaus Scheer und Frau Birgitta

AMS AWARD FÜR DIE FIRMA AWENDER Das AMS OÖ vergab Anfang März d.J. den „AMS Award“ an Unternehmen, die sich für Frauen in technischen Berufen engagieren. Das Unternehmen unserer Landsleute Familie Awender, die Firma „AWENDER Kunststofftechnik“ in Neunkirchen, deren Firmenchefin Birgit selbst Ingenieur für Kunststofftechnik ist, tut dies in verstärktem Maße und war daher auch unter den drei ausgezeichneten Firmen. Die Landesleitung der Landsmannschaft gratuliert auch auf diesem Wege sehr herzlich und wünscht sowohl der Familie Awender, die für die Belange der Donauschwaben immer großes Verständnis zeigt (siehe auch die „Spendenliste“ S 8), als auch der Firma AWENDER eine möglichst sorgenfreie Zukunft. (Ein Porträt des Unternehmens brachten wir im Mitteilungsheft Nr. 4 im Jahre 2002.)

Frau Ing. Birgit Awender

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DONAUSCHWABEN ALS BRÜCKENBAUER:

OFFIZIELLE DELEGATION des OÖ-Landtages mit der Ersten Präsidentin, FRAU ANGELA ORTHNER auf GEGENBESUCH in der „AUTONOMEN PROVINZ VOJVODINA“ 1683: Sieg über die Türken bei Wien 1717: Sieg Prinz Eugens bei Belgrad 1718: Friede von Passarowitz… „neben der Batschka“ auch das Banat und Belgrad zu Österreich 1722 –1726: „Erster großer Schwabenzug“ unter Karl dem VI. 1763 –1773: Zweiter großer Schwabenzug – Maria Theresia siedelt 50.000 Deutsche an. 1782 –1787: Dritter großer Schwabenzug unter Josef II. – Doppelmonarchie ÖsterreichUngarn durch den AUSGLEICH – Donauschwaben werden „ungarische Bürger“ (Madjarisierung) ! 1920: Friede zu Trianon – das westliche „Banat kommt zu Jugoslawien…“ 1943: 29./30. November: Der „Antifaschistische Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens“ – AVNOJ – deklariert in Jajce (Bosnien) alle, die sich gegen die „Volksbefreiungsarmee“ = Partisanen stellen, zu „Volksfeinden“ 1944: Oktober Flucht von 10.000 DS aus dem Westbanat und von rd. 80.000 aus der Batschka und Baranja, Evakuierung von rd. 100.000 DS aus Syrmien und Slawonien nach Österreich. 1944: 195.000 Donauschwaben geraten unter das TITO-Regime. 1944: „Blutiger Herbst“ in der Wojwodina. „Aktion Inteligenzija“: Mordaktionen – rd. 9.000 DS als Opfer. 1944: 21. Nov.: „AVNOJ-BESCHLUSS“ – „Donauschwaben zu Volksfeinden erklärt“, Verlust ihrer bürgerlichen Rechte und Konfiskation sämtlichen Vermögens. 1944/45: Anfangs Dezember 1944 bis Herbst 1945: 167.000 donauschwäbische Zivilpersonen aus ihren Häusern getrieben und in acht Vernichtungs-, bzw. in Arbeitslagern interniert (51.000 Tote, darunter ca. 6.000 Kinder). 1944: Weihnachten: Aus dem Banat 8.000 Frauen zwischen 18 und 36 und 4.000 Männer zwischen 17 und 45 Jahren nach Russland zur Zwangsarbeit deportiert. Ca. 2.000 Tote. In Summe ca. 64.000 Tote, das sind etwa 1/3 der nicht geflüchteten Menschen.

Wie Sie aus unseren Vorberichten wissen, hat über unsere Vermittlung am 19. und 20. November 2003 eine offizielle Delegation führender Parlamentarier der Vojvodina unseren Herrn Landeshauptmann und die Erste Präsidentin des oö. Landtages besucht. In der Zeit vom 24. bis 27. April 2005 wird nun eine hochrangige Delegation des oö. Landtages mit der Ersten Präsidentin des Landtages, Frau Angela Orthner, die offizielle Einladung wahrnehmen und dem Parlament, der Regierung, der Wirtschaftskammer und weiterer Einrichtungen der Stadt Novi Sad und der Provinz den Gegenbesuch abstatten.

Ehrenobmann Holz und LO Ellmer informierten am 26. Februar 2003 Landeshauptmann Dr. Pühringer und die Erste Präsidentin des OÖ-Landtages, Frau Angela Orthner über die guten Kontakte unserer Landsmannschaft zu den Spitzenvertretern des Parlamentes und der Handelskammer und dass es der Wunsch dieser Vertretungen sei, mit Oberösterreich in parlamentarisch-kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen zu treten.

Eine ehrenvolle Einladung durch die Frau Präsidentin erhielt auch unser Ehrenobmann der Landsmannschaft in Oberösterreich, Altbürgermeister OSR Hans Holz, die Reise mitzumachen. Zur Einbegleitung dieser Reise hat unser Ehrenobmann eine KURZINFORMATION verfasst, und zwar bezogen auf wesentliche Daten zur Geschichte der Donauschwaben: 6


Die heutige Situation in der „Autonomen Provinz Vojvodina“ nach den Wahlen im September 2004 sieht wie folgt aus:

„Serbisch-Radikalen Partei“, des inhaftierten mutmaßlichen Kriegsverbrechers Vojislav Seselj.

17 Parteien haben sich um Sitze im Parlament beworben!

Die „Radikale Partei Serbiens“ (SRS) – SESELJ-Partei

Das Besuchsprogramm wird im Detail vom Vizepräsidenten Sandor Egeresi vorbereitet.

Mandate: 36

Die „Sozialistische Partei Serbiens“ – Milosevic

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Die „Demokratische Partei Serbiens“ (DSS) – Kostunica

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Ein Tag gilt voraussichtlich dem Besuch der zweitgrößten Stadt in der Vojvodina, nämlich Zrenjanin (früher Großbetschkerek). Ich werde mich um einen Termin bemühen, dem größten Vernichtungslager der Donauschwaben von Nov. 1945 bis März 1948 RUDOLFSGNAD einen ehrenvollen Besuch mit Kranzniederlegung zu erreichen.

Acht andere Parteien und ihre Ergebnisse: „Demokratische Partei“ (Tadic´ – z. Zt. Präsident) „Liga der Sozialdemokraten“

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„Verein d. Ungarn“ in d. Vojvodina

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weitere kleinere Parteien erreichten allerdings im Parlament weitere

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Zusammen

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Über meinen Vorschlag wird die Referentin für die Minderheiten in der Vojvodina, Frau Dusanka Manic, auch die Vertreter der noch verbliebenen Donauschwaben aus Novi Sad, Subotica, Sombor, Zrenjanin und Kikinda zu einem abendlichen Gespräch einladen, um so aus erster Hand über das Schicksal und die derzeitige Lebens-Situation der „Rest-Deutschen“ informiert zu werden.

Diese Parteien bildeten eine KOALITION, um für ihre Provinz die demokratischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen im Sinne der Annäherung zur EU weiter fortzuführen.

Am Mittwoch, 27. April wird vorerst die Einladung des österr. Botschafters, Dr. Gerhard Jandl in Belgrad wahrgenommen. Sodann

Das Parlamentspräsidium sieht nun so aus: Präsident: Bojan Kostres Vizepräsidenten: Prof. Dr. Djordje Basic – zuständig f. die Wirtschaft; Sandor Egeresi – zuständig für die internationale Zusammenarbeit und nationale Gemeinschaften; Martin Zloh – zuständig für Finanzen; Borislav Novakovic – zuständig für soziale Angelegenheiten.

folgt die Heimreise über Kroatien, Slowenien, Steiermark nach Linz. Über den Verlauf und die Eindrücke dieser offiziellen Einladung, an der Abgeordnete der Landtagsparteien, der Landtagsdirektor, Klubsekretäre u.a. teilnehmen, wird in den „Juni-Mitteilungen“ eingehend berichtet.

Novi Sad’s Bürgermeisterin wurde Frau Maja Gojkovic, zugleich Vizepräsidentin der

Hans Holz

Gedenkstätte Rudolfsgnad Wer seine Spende dem Mahnmal in Rudolfsgnad widmen will, möge sie auf das Konto des „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V“ einzahlen: Raiffeisenbank Oberösterreich, BLZ 34000, Kto.-Nr. 6.830.590. In Deutschland auf Kreissparkasse Esslingen, BLZ 611 500 20, Kto.-Nr. 74 08 777.

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M I T T E I L U N G E N aus der L A N D E S L E I T U N G Informieren Sie uns… Liebe Landsleute, das Mitteilungsblatt ist zwar in erster Linie das Bindeglied zwischen Landesleitung und den Mitgliedern, es kann und soll darüber hinaus aber auch über besondere Ereignisse bei den Mitgliedern und deren Familien selbst berichten. Dazu bitten wir Sie um diesbezügliche Informationen. Es gibt genug erfreuliche Anlässe, wie goldene oder diamantene Hochzeit usw. Aber auch das Sterben gehört zum Leben. Es ist schließlich das letzte Ziel auf Erden. Dazu haben wir eine Bitte: Informieren Sie uns umgehend, wenn so ein Ereignis eintritt.

Es kommt immer wieder vor, dass Landsleute dem Verstorbenen gerne die letzte Ehre erwiesen hätten, wenn sie es rechtzeitig erfahren hätten. Hier ist es zweckmäßig, wenn Sie unseren Obmann privat anrufen, denn der Anrufbeantworter im Büro in Wels wird üblicherweise nur 1- bis 2-mal wöchentlich abgehört. Genauso ist es bei der Post. Unser Obmann steht Ihnen aber rund um die Uhr zur Verfügung: Tel.: 0 72 43/ 5 09 31; e-mail: a.ellmer@aon.at; Post: Unterhaidstr. 27, 4614 Marchtrenk

Danke für die Unterstützung: DONAUSCHWÄBISCHE CHRONIK Firmen, sowie die Kulturreferate des Landes Oberösterreich und tieferstehender Gemeinden haben unsere Landsmannschaft durch Schalten von Inseraten bzw. durch einen Druckkostenbeitrag großzügig unterstützt.

ENERGIE AG Oberösterreich, Linz Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, Linz Familie Scheuringer, Fa. JOSKO-Fenster und Türen Familie Gindlstrasser, Autobusunternehmen, Katsdorf

Firmen: Familie Schwarz, Firma ENGEL Spritzgußtechnik, Schwertberg Familie Rap/Frau Krämer, Fa. GEORG KRÄMER, MEDIZINMECHANIK, Pasching Familie Kinder, Firma Optimo Schlafsysteme, Braunau Familie Awender, Firma Awender Kunststofftechnik, Neukirchen

Städte: Linz, Wels, Leonding, Traun (zugesagt), Ansfelden, Marchtrenk, Braunau (zugesagt) Wir sagen auch auf diesem Wege nochmals herzlichsten Dank. Die Landesleitung

DANKE Nach den enormen Ausgaben im Zusammenhang mit unserer großen Dank- und Gedenkveranstaltung am 23. Oktober des Vorjahres und vor allem durch die Herausgabe der „Donauschwäbischen Chronik“ von Kons. Oskar Feldtänzer und Dr. Georg Wildmann ist es für die Landesleitung beruhigend festzustellen, dass unsere Mitglieder bzw. unsere Landsleute diese Aktivitäten zu schätzen wissen und durch Einzahlung der Mitgliedsbeiträge und vielfach mit zusätzlichen Spenden dies auch honorieren.

Unser Dank ergeht daher an alle, die ihre Zahlung bereits vorgenommen haben. Jene Mitglieder, die noch nicht dazugekommen sind bitten wir, dies möglichst bald nachzuholen. Sollte der Zahlschein verlegt worden sein, finden Sie die Bankverbindung auf der letzten Seite des Mitteilungsblattes. Diese Bitte betrifft NICHT jene Mitglieder, welche nur eine bescheidene Pension bzw. finanzielle Probleme haben. Gutsituierte Landsleute bitten wir, das durch ihre großzügige Spende auszugleichen. 8


Landeshauptmann-Stellvertreter Dipl.-Ing. Erich Haider grüßt die Donauschwaben in Oberösterreich Wegen anderweitigen Verpflichtungen konnte Landeshauptmann-Stellvertreter Dipl.Ing. Erich Haider am Festakt unserer Dankund Gedenkfeier am 23. Oktober vergangenen Jahres nicht persönlich teilnehmen. Er ließ sich daher von seinem persönlichen Vertreter Klobobmann Dr. Karl Frais über den Verlauf der Veranstaltung informieren. Dr. Frais war sowohl von dem Gesehenen wie Gehörten sehr beeindruckt und berichtete voller Anerkennung darüber seinem Chef. LHStv. Haider ersuchte daraufhin um ein Exemplar der anlässlich dieser Dankund Gedenkfeier herausgegebenen „Donauschwäbischen Chronik“, die ihm Landesobmann Ellmer persönlich überreichte. Bei dieser Gelegenheit bat LHStv. Haider unseren Landesobmann, der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich die besten Grüße und Wünsche von ihm zu überbringen.

Landeshauptmann-Stellvertreter Dipl.-Ing. Haider und Landesobmann Ellmer bei der Übergabe der „Donauschwäbischen Chronik“

Festabend im Landeskulturzentrum Ursulinenhof Anlässlich der Jubiläen „60 JAHRE ZWEITE REPUBLIK“ und „50 JAHRE STAATSVERTRAG“ findet am 10. Juni 2005 um 19:00 Uhr ein Festabend im LANDESKULTURZENTRUM URSULINENHOF statt. An diesem Festabend sollen Erinnerungen an die Ereignisse nach 1945 und 1955 wieder wachgerufen werden. Altbürgermeister Robert Pill, der in dieser Zeit u.a. im Lager 65 als Lehrer tätig und somit quasi „Mitten im Geschehen“ war, wird dabei den „Kulturverein der Heimatvertriebenen in Oberösterreich“ vertreten. Teilnehmer an dieser Podiumsdiskussion sind: Mag. Dr. Reinhard Dyk, OÖ Volksbildungswerk; Staatssekretärin a.D. Dr. Beatrix Eypeltauer (Tochter des seinerzeitigen Bürgermeisters von Linz, Dr. Ernst Koref); Dr. Heinrich Gleißner (Sohn des seinerzeitigen Landeshauptmannes Dr. Heinrich Gleißner); OSR Bgm. a.D. Robert Pill, Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich; Moderation: Frau Buchmann, ORF

Alle Landsleute sind zu diesem Festabend herzlich eingeladen. 9


Einladung zur Maiandacht der Donauschwaben bei der Grotte des Lagers 65 IM EINKAUFSZENTRUM NIEDERNHART an der Kreuzung Einsteinstraße – Kopernikusstraße

Samstag, 28. Mai 2005,

um

15.00 Uhr

Ein Jahr nach der feierlichen Einweihung wird die Andacht von Herrn Pfarrer Mag. Franz Zeiger von der Pfarre Linz – St. Peter – Spallerhof abgehalten. Alle Landsleute, ehemalige Lagerbewohner sowie Freunde sind dazu herzlich eingeladen. Anschließend treffen wir uns wieder im Großen Pfarrsaal der Pfarre St. Peter – Spallerhof zu einer gemütlichen Zusammenkunft. A C H T U N G ! Bei Schlechtwetter wird die Maiandacht in der Kirche abgehalten. Der ehemalige Lehrer im Lager 65, Altbürgermeister Robert Pill gibt einen kurzen Rückblick auf die Geschichte des Lagers anlässlich der Einweihung der Grotte am 23. Mai 2004

Wendelin Wesinger

SPORTUNION EDELWEISS Die SPORTUNION EDELWEISS - LINZ – Sektion HANDBALL ladet alle Handball-Freunde zu ihren Heimspielen im Aufstiegs-Play-Off ein. Alle Spiele werden in der Hüttner-Schule Linz, Wieningerstraße 15 ausgetragen. HEIMSPIELTERMINE: Sa. Sa. Sa. Sa. Do.

5. 19. 9. 23. 5.

März März April April Mai

2005, 2005, 2005, 2005, 2005,

18:00 18:00 18:00 19:00 19:00

Uhr Uhr Uhr Uhr Uhr

gegen gegen gegen gegen gegen

SC KELAG Ferlach HIT Innsbruck UHC Raika Gänserndorf HSG Graz Juri Union Leoben

S O M M E R F E S T Sportunion Edelweiß Linz – Sektion Handball Samstag, 25. Juni 2005, ab 12:00 Uhr, Edelweiß-Sportanlage, Linz, Flötzerweg 107a Handballspiele – Grillspezialitäten – köstliche Getränke Musik und Stimmung sorgen für gute Unterhaltung. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. 10


ALLE BANATER aus RUMÄNIEN sind in unserer Landsmannschaft WILLKOMMEN! schwäbischen Zentralmuseum in Ulm, das Haus der Donauschwaben in Sindelfingen sowie das St. Gerhardswerk in Stuttgart mit den kirchlichen Aktivitäten.

Ing. Anton Ellmer Landesobmann

Wir vom Vorstand unserer Oberösterreichischen Landsmannschaft begrüßen es, dass schon seit vielen Jahren Landsleute aus dem rumänischen Ansiedlungsgebiet bei uns Mitglieder sind. Auch im Landesausschuss arbeiten Banater Schwaben mit.

Somit gibt es keine Gründe, die damals durch Gebietstrennung vollzogene Aufteilung der Landsleute fortzusetzen und unserer Landsmannschaft nicht beizutreten. Unsere O.Ö. Landsmannschaft ist ein Bindeglied im Miteinander der Donauschwaben und Banater Schwaben. Wir erwarten gerne Ihre familiären Berichte zur Veröffentlichung: ab den Goldenen Hochzeiten, runde Geburtstage ab dem 80. Lebensjahr und natürlich auch Todesanzeigen von Mitgliedern und deren nächsten Angehörigen. Ebenso freuen wir uns auf Ihre Teilnahme bei unseren Veranstaltungen.

Gerne laden wir Personen aus dieser Volksgruppe für einen Neubeitritt zu unserer Gemeinschaft und Interessenvertretung aller Donauschwaben herzlich ein. Die Zusammengehörigkeit der im pannonischen Raum angesiedelten Altösterreicher in dem zur Habsburger Krone gehörenden Königreich Ungarn wurde mit der brutalen Aufteilung der 1,5 Millionen Donauschwaben mit Ende des 1. Weltkrieges zwar durch neue Ländergrenzen vollzogen, konnte ideell und ethnisch nicht beendet werden. Die in 587 Orten Lebenden ca. 300.000 deutschen Siedler des rumänischen Banates wurden dann „Banater Schwaben“ genannt.

Unser Obmann Ing. A. ELLMER ist auch im Sport „Spitze“

In der alten Heimat verband die deutsche Volksgruppe nicht nur die gemeinsame Geschichte mit der herausragenden und opfervollen Ansiedlungsleistung. Der andauernde Existenzkampf als deutsche Minderheit mit der Sprachendiskriminierung, gemeinsames Brauchtum und Kultur führte zur geistigen Einheit aller Donauschwaben.

Man höre und staune, dass unserem Obmann Toni Ellmer selbst nach dem grandiosen Arbeitsjahr 2004 bei seinem Totaleinsatz für unsere Landsmannschaft nicht die Luft ausgegangen ist. So bewies er beim Silvesterlauf 2004 in seinem Heimatort Marchtrenk über welch beachtlichen Reserven er noch verfügt. Unser sportlicher Obmann erreichte ohne gezielte Trainingsvorläufe den 2. Platz in seiner Altersklasse auf der Strecke von 6 km. Wir gratulieren ihm daher zur „Silbernen“ ganz herzlich und wünschen ihm weiterhin viel Freude im Laufsport. Alle freuen sich, dass er noch über solche Reserven verfügt und mit dieser bewiesenen Kondition können wir auf seine Durchhaltekraft für die weiteren Anforderungen in unserer Landsmannschaft bauen.

Nach der Flucht wuchsen diese Volksgruppen in den Aufnahmeländern durch die gemeinsame Wohnungsproblematik in den Barackensiedlungen, Neubautätigkeit, sowie die Jugend in den damaligen Flüchtlingsklassen eng zusammen. So kann auf die gemeinsamen Integrationserfolge sowie auf zahlreiche Kulturaktivitäten in unserer neuen Heimat hingewiesen werden. Wie wertvoll sind doch heute für unsere gesamte Kulturgeschichte die Begegnungsund Dokumentationszentren, die von allen drei Landsmannschaften unserer Herkunftsländer mitgetragen werden: das Donau-

Erich Ortmann

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W E G d e r D O N A U S C H WA B E N von Konsulent Oskar Feldtänzer Fortsetzung von Heft 3/2004

Die aus verschiedenen Herkunftsgebieten Österreichs und Deutschlands stammenden Einwanderer entwickelten im Laufe ihrer Entwicklung durch ihr Zusammenleben und ihre gemeinsame Geschichte allmählich ein Stammesbewusstsein, so dass, wie bereits erwähnt, die Völkerkunde für sie eine eigene Stammesbezeichnung prägte. Das Aufbauwerk nach der Türkenzeit ist ohne Zweifel als eine der großen Kulturleistungen des alten Österreich zu werten, zumal die grundsätzlichen Planungsrichtlinien und Impulse von den kaiserlichen zentralen Hofämtern in Wien ausgingen und die Staatskasse für die Ansiedlung beträchtliche Summen aufzuwenden hatte. Die Einwanderungen, die sich über das ganze 18. Jh. erstreckten, erreichten in den Jahren 1723 bis 1726, dann 1764 bis 1771 und schließlich 1784 bis 1787 drei Höhepunkte, die von einigen Historikern etwas irreführend auch als die „drei Schwabenzüge“ bezeichnet wurden. Aber die habsburgische Südostkolonisation verlief über mehr als ein ganzes Jahrhundert weitgehend kontinuierlich. Statt des vermeintlich gelobten Landes, wie es ihnen die Werber ausmalten, erwarteten die Wanderer vor allem in der Frühphase der Kolonisation, in den Bergwerken und Schmelzbetrieben des Banater Berglandes und in der sumpfigen Tiefebene harte Lebensbedingungen, die Generationen hindurch Anforderungen an sie stellten, denen viele Familien durch Seuchen, Krankheiten und Entbehrungen zum Opfer fielen. Als ein positives Ergebnis konsequent verfolgter Siedlungspolitik konnte bereits nach wenigen Jahrzehnten eine beträchtliche Steigerung der landwirtschaftlichen und gewerblich-industriellen Produktion und damit auch des Steueraufkommens verbucht werden. Natürlich haben auch die anderen Völker des Donauraumes ihren angemessenen Anteil an dieser Entwicklung, doch waren die Donauschwaben – wie der österr. Schriftsteller Ernst Trost vermerkt – „in dieser vielstimmigen Völkerorgel durch Jahrhunderte der unentbehrliche Blasebalg“.

Durch solche Maßnahmen konnten die Bergwerke zu neuer Blüte gebracht werden und spielten auch im Wirtschaftsgeschehen der Gesamtmonarchie eine wichtige Rolle. Auf Grund dieser Pionierleistungen konnte sich im Verlauf des 18. und 19. Jhs. der Banater Bergdistrikt zur größten Industrieregion Südosteuropas mit einem bedeutenden Steinkohlenbergbau und leistungsfähigen Eisenund Stahlwerken entwickeln. Es kann die Leistung dieser alpenländischen Einwanderer im Banat der kolonisatorischen Arbeit der Banater Schwaben, die das versumpfte aber fruchtbare Land zur Kornkammer der Monarchie umwandelten, würdig an die Seite gestellt werden. Reschitz, Steierdorf-Anina, Franzdorf, WeidenthaI, Wolfsberg und Lindenfeld sind, oder besser gesagt, waren, die wichtigsten Ansiedlungen der vornehmlich aus dem steierischen und oberösterreichischen Salzkammergut aber auch aus dem Böhmerwald ins Banater Erzgebirge gezogenen Berg- und Forstleute, die durch ihre Auswanderung ins Banat eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage anstrebten. Es ist sehr zu bedauern, dass die geschichtlichen Leistungen dieser alpenländischen Ansiedler im Banat und deren nachhaltige und tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesamtregion so wenig bekannt sind, und es bleibt unfassbar, schrieb mir einmal ein Nachkomme dieser altösterreichischen Banater Volksgruppe, weshalb in solch geringer Zeitspanne diese Tatsachen dem Bewusstsein der Stammländer verloren gehen konnten. Träger der bäuerlichen Kolonisation waren zunächst private ungarische Grundherren, die deutsche Bauern auf ihren Gütern ansiedelten, um diese bewirtschaften zu können. Im späten Verlauf des 18. Jhs. nahm in den Ansiedlungsaktionen die zentrale staatliche Planung des absolutistischen Zeitalters immer mehr eine Monopolstellung ein und die Ansiedlungen erfolgten vornehmlich auf staatlichen Gütern. 12


Die Zeit der politischen Umwälzungen

So entstanden auf dem Gebiet des historischen Ungarn im Laufe des 18. Jhs. mehrere donauschwäbische Siedlungsgebiete, so vor allem im Banat, der Batschka, in der sogenannten Schwäbischen Türkei (das Gebiet zwischen Donau, Theiß und Drau), aber auch in Sathmar am Oberlauf der Theiß, später auch in Slawonien, Syrmien, Kroatien und Bosnien.

Die politischen Umwälzungen des 19. Jhs., die ihre Impulse aus den Ideen der französischen Revolution erhielten, erreichten im vierten Jahrzehnt des 19. Jhs. mit ihren sozialen und vor allem auch nationalen Komponenten das Königreich Ungarn. 1848/1849 kam es nach dem Aufstand der Ungarn gegen das Herrscherhaus der Habsburger zur Proklamation einer unabhängigen ungarischen Republik. Gegen den Anspruch der Madjaren, dass es in diesem Staat nur eine einheitliche ungarische Nation geben dürfe, erhoben sich die anderen Völker (Kroaten, Serben, Slowaken, Rumänen und Siebenbürger Sachsen) weil sie fürchteten vom madjarischen Nationalismus verschlungen zu werden. Der größte Teil der Donauschwaben, damals noch ohne eine eigene politische Führung, stand auf der Seite der Revolutionäre, weil diese die Forderung der Bauern nach der Befreiung von feudalen Zwängen (vor allem der Leibeigenschaft) vertraten. Dennoch können wir gerade im Gefolge dieser Auseinandersetzungen, die erste bedeutende politische Willenskundgebung im donauschwäbischen Bereich verzeichnen: die Bogaroscher Schwabenpetition vom 2. Oktober 1849 an den Kaiser mit der Forderung einer Versammlung von schwäbischen Bürgermeistern des Banats für die Errichtung einer eigenständigen Selbstverwaltung unter einem deutschen Oberhaupt. Danach mussten wieder über 50 Jahre vergehen, bis eine weitere gemeinsame politische Aktion auf gesamtregionaler Ebene möglich und die Zeit reif war für die Gründung der „Ungarländischen Deutschen Volkspartei“ im Jahre 1905. Zunächst aber trug die Epoche des habsburgischen Neoabsolutismus in Ungarn von 1849 bis 1867, die an die Niederschlagung der Revolution unmittelbar anschloss, nur wenig zu einer Festigung des donauschwäbischen Volksbewusstseins bei. Nach dem Ausgleich des Jahres 1867 zwischen dem Haus Habsburg und den Ungarn und der Schaffung der neuen Donaumonarchie (nunmehr unter der Bezeichnung ÖsterreichUngarn) verschärfte sich der Konflikt der Madjaren mit den nichtmadjarischen Nationalitäten Ungarns, die im Lande zahlreicher waren als die Madjaren selbst. Wie die an-

Die Südostsiedlung war etwa am Anfang des 19. Jhs. abgeschlossen, worauf eine Zeitspanne der Konsolidierung der neuen Ansiedlungen erfolgen konnte. Die erste Hälfte des 19. Jhs. war geprägt von einer positiven wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung und dem Prozess der Anpassung an den neuen Lebensraum. Begünstigt wurde dieser Prozess durch die in diesen Jahrzehnten als Folge der Napoleonischen Kriege aufgekommene günstige Getreidekonjunktur im Zusammenhang mit dem Bedarf der Armeen an Brot- und Futtergetreide. So war es möglich, dass die Bauern für ihre Erzeugnisse gute Preise erhielten und sich wirtschaftlich festigen konnten. Doch hatten die Jahrzehnte des 19. Jhs. auch ihre Schattenseiten, denn widrige Umstände verwehrten den Donauschwaben damals die Heranbildung einer eigenständigen, führenden geistigen Schicht, da das erstarkende Madjarentum alle aus dem schwäbischen Bauerntum heranwachsenden geistigen Kräfte an sich zog, und das deutsche Bürgertum in den Städten jede Solidarität mit der schwäbischen Landbevölkerung vermissen ließ. Deshalb kam die Ausbildung eines neuen stammesspezifischen, den ganzen Siedlungsraum umfassenden Bewusstsein nur langsam voran, und dementsprechend konnte sich auch der Wille und die Kraft zu gemeinsamen Handeln als tragenden Volksgedanken erst sehr spät durchsetzen. Trotzdem waren für die Nachkommen der Siedler aus verschiedenen deutschen und österr. Herkunftsländern die zwischen ihnen bestehenden Gemeinsamkeiten in Sprache, Tracht, Kultur und Überlieferung auch auf überregionaler Ebene wirksam, und der geschichtliche Ablauf zeigt, dass diese an Einheit und Selbstbewusstsein über ein ganzes Jahrhundert nur langsam wachsende Stammesgruppe, der auch ein eigenes Schulwesen verwehrt wurde, sich im großen und ganzen zäh und fest behaupten konnte. 13


deren Nationalitäten setzten sich auch die Donauschwaben zur Wehr gegen die mit Vehemenz betriebene Madjarisierung und Assimilation, für die man mit der Schul- und Sprachengesetzgebung eine wirksame minderheitenfeindliche Handhabe geschaffen hatte.

menfassend die Aussage gemacht werden, dass ein Drittel fränkischer (pfälzischer, lothringischer), ein weiteres Drittel byrischer (österreichischer, sudetendeutscher) und ein Viertel schwäbischer (elsässischer, badensischer) Herkunft sind, wogegen der Rest sich auf andere deutsche Stämme verteilt.

Das donauschwäbische Dorf

Die Mundarten

Die weiten Flächen des mittleren Donauraumes ermöglichten es, den für das Siedlungswerk Verantwortlichen bei der Planung der neuen Dörfer großzügige Maßstäbe anzuwenden. In den neuen Dorfgründungen wurden ab etwa 1760 die Form der Dorfflur, die Anlage des Dorfes selbst und der Häuser von vornherein planmäßig bestimmt. Die mittleren und größeren Dörfer erhielten eine planvoll geometrische Form, einen schachbrettartigen Grundriss mit Längs- und Quergassen und dehnten sich ungehindert in die Weite. Die damals entstandenen Dorfformen und die Gestaltung der Gewannflur wurden später auch von den anderen Völkern dieses Raumes übernommen. Die donauschwäbischen Dörfer mit ihren Gehsteigen, den mit Maulbeer- oder Akazienbäumen bepflanzten und gekehrten Gassen, regelmäßig geweißten Häusern usw. waren ein Muster an Sauberkeit mit einer stark entwickelten Nachbarschaftsbindung und kulturellem Eigenleben. Das Dorf war die wesentliche Zelle des völklichen Lebens der Donauschwaben, denen auf allen Arbeitsgebieten der Ruf vorausging, fleißig, tüchtig, zuverlässig, ruhig und besonnen zu sein.

Die uneinheitliche Herkunft der Siedler aus verschiedenen Herkunftsgebieten liefert die siedlungsgeschichtliche Erklärung dafür, dass sogenannte Misch- oder Siedlungsmundarten überwogen. Erst im Laufe der Zeit hat sich in den Dorfschaften eine einheitliche Sprechweise entwickelt, die aber von Dorf zu Dorf verschieden war. Vielfach setzte sich das Rheinfränkische als stärkste Mundart durch und verdrängte wegen seines einfacheren Laut- und Formsystems die oberdeutschen Mundarten. Im Banat und der Batschka entwickelte das Pfälzische eine lebenskräftige Dominanz. Bayerisch-Österreichische Mundarten wurden hauptsächlich in Ungarn im Ofener Bergland, im Schildgebirge und im Bakonyer Wald gesprochen.

Die Zeit von 1918 bis 1945 Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns im Jahre 1918 wurden die Heimatgebiete der Donauschwaben zerissen und unter die Nachfolgestaaten Ungarn, Jugoslawien und Rumänien mit jeweils einem Drittel ihrer Volkssubstanz aufgeteilt. Die fortgeschrittene Entwicklung einer bewussten allumfassenden Stammesbildung erfuhr so einen Rückschlag. Sie mussten sich mit den neuen politischen Verhältnissen, so gut es ging, abfinden und in den jeweiligen Staaten ihren besonderen Weg gehen. Es würde den Rahmen dieses Vortrages sprengen, auf die Entwicklungen der 20er und 30er Jahre nach dem Ersten Weltkrieg in allen drei Staaten einzugehen. Wir müssen uns daher auf eines dieser Länder, nämlich Jugoslawien beschränken, schon aus dem einfachen Grunde, weil die Mehrheit der in Oberösterreich heimisch gewordenen donauschwäbischen Flüchtlinge aus diesem Lande gekommen ist.

Die Herkunft der Donauschwaben Mit dieser Frage haben sich mehrere Historiker im 19. und 20. Jh. befasst, und zur Klärung dieser nicht einfachen Frage beigetragen. Ein grundlegendes Werk darüber erschien in den dreißiger Jahren des vorigen Jhs. von Franz Wilhelm und Josef Kallbrunner mit dem Titel „Quellen zur deutschen Siedlungsgeschichte in Südosteuropa“, das auf Grund der Durchwanderungsakten der Wiener Archive mit den dort erfassten Ansiedlern und ihrer Herkunftsorte entstanden ist. Obwohl die erfassten und ausgewerteten Quellen nicht lückenlos sind, kann zusam-

Fortsetzung folgt 14


Ein BUCH von großer geistiger SPRENGKRAFT über die DONAUSCHWABEN in BELGRAD erschienen Auf Veranlassung der Donauschwäbischen Kulturstiftung in München erschien vor kurzem in Belgrad ein Buch in serbischer Sprache, gedruckt in kyrillischer Schrift, das die serbische Leserschaft in schonungloser Offenheit über den Leidensweg der Volksdeutschen in Jugoslawien in den Jahren 1944 bis 1948 informieren und erinnern soll.

mien betreffend dass Schicksal der Jugoslawiendeutschen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geleistet. Die serbische Ausgabe wird derzeit an wichtige Persönlichkeiten und Institutionen in Serbien-Montenegro kostenlos verteilt. In einem Begleitbrief zu den Buchsendungen führt der 1. Vorsitzende der Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit, der Bischof der serbisch-orthodoxen Kirche von Schabatz (Sabac) und Valjevo Lavrentije den Leser in dieses Buch ein und meint, dass die Herausgeber davon ausgehen, dass der größte Teil der Bürger Serbiens auch nach 60 Jahren nichts über das Schicksal seiner einstigen Mitbürger deutscher Volkszugehörigkeit weiß. Insbesondere liege es der Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit daran, „dass wir uns alle mit dem Umstand konfrontieren, dass Serben nicht nur Opfer waren, sondern dass es unter ihnen Henker gab – so wie unter allen sonstigen Bürgern des einstigen Jugoslawien auch.“

Obwohl über dieses Thema in serbischen Zeitungen in den letzten Jahren zunehmend diskutiert worden ist, sind der Inhalt und die Aussagen des Buches von solcher Brisanz, dass die angesehene in Neusatz (Novi Sad) erscheinende Zeitung Danas (zu Deutsch HEUTE) diesen Umstand mit der Formel: Das Buch – eine Bombe (Knjiga bomba) in ihrem Bericht vom 23. 02. 2005 wiedergibt und ihren Bericht wie folgt betitelt:

Partisanen des Genozids an Deutschen beschuldigt Entschädigung an die Opfer 65 Milliarden Dollar Im Untertitel von Danas: Die Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit verteilt das Buch Genozid an der deutschen Minderheit in Jugoslawien 1944 –1948, das gegen die Partisanenherrschaft schwere Beschuldigungen erhebt. Milde Beurteilung des Hitlerismus und Erklärung der Partisanen zu Terroristen. Schadenersatz, den die Länder des einstigen Jugoslawien an die Opfer zu leisten hätten: 65 Milliarden Dollar. Bischof (der serbisch orthodoxen Kirche) Lavrentije, 1. Vorsitzender der Gesellschaft: „Wir hoffen, dass jeder Leser dieses Buches sich auf die Seite der Wahrheit stellt, wie bitter sie auch sein mag“.

Als eigentlicher Verfasser des Buches ist anzusehen der „Arbeitskreis Dokumentation“, zu dem Herbert Prokle (ansonsten Ingenieur von Beruf), Georg Wildmann (Doktor der Theologie und Philosophie), Karl Weber (auch er ein Ingenieur) und Hans Sonnleitner (Diplom-Volkswirt) zählen.

Das Buch ist bereits in einer deutschen und englischen Ausgabe erschienen, wobei die letztere vornehmlich für führende Politiker und Abgeordnete der Europäischen Union und nordamerikanische Leser bestimmt ist. Damit hat die Donauschwäbische Kulturstiftung in München eine bahnbrechende Arbeit für die Information der internationalen Gre-

Kons. Oskar Feldtänzer

Der Artikel der Zeitung Danas führt anschließend die im Buch angegebene Zahl der Umgekommenen an, die dem Völkermord der Jahre 1944 –1948 zum Opfer fielen und meint, dass die Vertriebenen neben einer zumindest „symbolischen“ materiellen Entschädigung auch eine moralische Rehabilitierung erwarten.

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BÜCHER · VIDEO · CD · DVD Um unseren Landsleuten die Beschaffung obiger Artikel zu erleichtern, kaufen wir üblicherweise eine bestimmte Menge davon an, um sie dann unseren Mitgliedern zu Einkaufspreisen weiter zu geben. „Was damals – in den Jahren 1944 bis 1948 – geschah, waren meine Beweggründe, das Buch

A) Folgendes Dokumentationsmaterial ist derzeit bei uns zu bestellen: a) zu 5,– Euro: • Ein Volk an der Donau, von Nenad Stefanovic, in deutscher und in serbischer Sprache zu beziehen bei: Robert Lahr, Zellhuber Ring 51, D-84307 Eggenfelden

Ich hörte die Totenglocken läuten Der Völkermord an den Donauschwaben in Jugoslawien Autobiographie zu schreiben. Es soll und darf nicht geschehen, dass nach weiteren Jahrzehnten die Geschichte vergessen hat, dass es einmal die Donauschwaben gab. Es geht mir in dieser „Generalbeichte“ nicht um meine eigenen Erlebnisse. „Was ich in diesem Buch erzähle, haben in ähnlicher Weise zehntausende Landsleute erleiden müssen. Um das nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, soll dieses Buch verhindern helfen. Ich glaube es ist gut geeignet, es unseren Kindern und Enkeln in die Hand zu drücken, damit sie niemals vergessen, was damals geschah“, schreibt Landsmann Peter Kaip.

• Donauschwaben Heimatkalender 2005; noch einige Reststücke vorhanden • Geschichte der Donauschwaben von 1848 – 2000, von Anton Scherer • Donauschwäbische Passion, von Franz Koringer, Villacher Sinf. Orchester, CD b) zu 7,70 Euro: • Ich hatte viele Engel, von Eva Frach c) zu 10,– Euro: • Geschichte der Donauschwaben, von Josef Volkmar Senz (Sonderausführung) • Geschichte und Lebenswelt der Donauschwaben, Video von A. Albecker und J. Frach • Die Donauschwaben – Ihre Geschichte und Lebenswelt DVD

Das Buch kann beim Autor Peter Kaip, Heimstättenhof 9, A-4053 Haid/Ansfelden, oder per Tel. 0 72 29 / 812 76 bestellt werden. Verlagspreis: 16,90 Euro, plus Versandspesen

d) zu 13,– Euro: • Ein weiter Weg, von Eva Frach B) Neuerscheinung

C) Unsere „Donauschwäbische Chronik“ von Kons. Oskar Feldtänzer und Dr. Georg Wildmann geben wir vorerst auch weiterhin unter den

Ein Buch von einem Überlebenden aus dem „Lager 1“ in Betschkerek. Schon das Wort „Lager 1“ brachte uns Daheimgebliebene damals zum Zittern. Die Todesmühle, wo innerhalb kürzester Zeit tausende unserer Väter und/oder ältere Brüder auf bestialische Weise zu Tode kamen. Diese schrecklichen Herbst- und Wintermonate 1944/45 hat unser Landsmann Peter Kaip, der als gerade 16-jähriger dort eingeliefert wurde, überlebt und – Gott und ihm sei gedankt – Einzelheiten seiner Erlebnisse in einem Buch niedergeschrieben und somit der Nachwelt erhalten. Jene Landsleute unter uns, welche das „Glück durch Flucht“ hatten, dieser Todesmaschinerie zu entrinnen, können mit Schaudern – und dem Schicksal gegenüber dankbar – nachlesen, welchem Grauen sie entronnen sind, bzw. bestenfalls was ihnen erspart geblieben ist.

Herstellkosten noch zu 5,– Euro je Buch an unsere Landsleute weiter, weil es unser oberstes Ziel ist, dass diese Chronik in möglichst vielen Familien unserer Landsleute vorhanden ist, weil sicherlich auch unsere Nachkommen irgendwann darauf zurückgreifen werden, wenn sie plötzlich merken, dass es doch sehr wichtig ist, die Geschichte seiner Vorfahren, welche ja ein Teil der eigenen Geschichte ist, zu kennen. 16


Ein BRIEF, der den zahlreichen HELFERN am Zustandekommen dieser Ausstellung FREUDE MACHT Familie Jakob und Theresia Kailer Ringstraße 13, A-4061 Pasching (Tel. 07229 / 66804 oder 0699 88448075)

im Dezember 2004

Sehr geehrte Landsmannschaft ! Am 30. 0ktober 2004 besuchten Kinder-, Enkel- und Urenkel unserer Landsleute von Mathias und Barbara Kailer – Weber aus Neu-Banovci im ehemaligen Jugoslawien, die Ausstellung der Donauschwaben im Landeskulturzentrum – Ursulinenhof in Linz.

Die Heimat mussten wir verlassen, doch wir haben allen Grund von Herzen dankbar zu sein, konnten wir doch eine neue Heimat finden, wo es uns gut geht und wo wir zufrieden und in Ruhe unser Leben leben dürfen. Gott sei Dank dafür! Wir grüßen alle Landsleute ganz herzlich und danken allen für ihr Bemühen um das Gelingen dieser interessanten Ausstellung.

Eine geschlossene Gruppe von 35 Personen im Alter von 8 bis 75 Jahren. Alle waren sehr beeindruckt von den Dokumentationen über das Leben und Wirken ihrer Eltern-, Großund Urgroßeltern in der alten Heimat, die sie im Oktober 1944 mit wehen Herzen verlassen mussten.

Im Namen aller Familienmitglieder nochmals herzlichen Dank. Familie Jakob und Theresia Kailer

Das Bemühen derer, die die Heimat noch in Erinnerung haben, geht dahin, den Nachkommen etwas von dem zu vermitteln, was einmal war, wo ihre Wurzeln herstammen und was uns, der Erlebnis-Generation so lieb und wertvoll war.

Danke, liebe Familie Kailer für den Besuch aber auch für ihre anerkennenden Worte, welche sie sowohl beim Besuch als auch in ihrem Schreiben zum Ausdruck brachten. Die Landesleitung

Die Teilnehmer der Großfamilie Kailer beim Besuch unserer Kunst- und Fotoausstellung im Landeskulturzentrum Ursulinenhof

Familienmitglieder während des Besuches als sehr interessierte Betrachter der ausgestellten Objekte

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Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Elisabeth Linzner † Frau Elisabeth Linzner ist am 27. Oktober 1919 in Ruma geboren. Von ihrer Familie wird Frau Elisabeth Linzner, geb. Torreiter, wohnhaft in Wels, Lottstraße 18, die nach längerer Krankheit am 8. Dezember 1995 im 86. Lebensjahr verstarb, betrauert. Der Verband der Donauschwaben verlieh ihr die „Verdienstmedaille in Silber“. Eine große Lücke hinterlässt sie bei den Wallfahrten nach Altötting, wo sie Rosenkranz-Vorbeterin war. Sie wurde auf dem Friedhof in Wels, am 15. Dezember 2004 zur ewigen Ruhe bestattet.

Maria Schneider † Frau Maria Schneider, geboren am 18. September 1918 in Kubin, im ehem. Jugoslawien als Tochter von Michael Schneider und Elisabeth Kneip, verstarb am 4. Dezember 2004 nach langer Krankheit in Marchtrenk im 87. Lebensjahr. Ihr Schicksal war dem vieler ihrer Landsleute sehr ähnlich. Sie wuchs auf in Smederevo/Serbien, wo sie eine schöne Jugendzeit verbrachte. Nach ihrem Schulabschluss und Bürolaufbahn wieder Rückkehr nach Kubin am 6. April 1941 – Kriegsbeginn. Im Landratsamt Kubin war sie tätig bis 4. 10. 1944 bis zur Flucht aus ihrer Heimat bis nach Österreich, wo sie verschiedene Lageraufenthalte durchlebte. 1955 wurde sie österreichische Staatsbürgerin und baute sich nun ein neues Leben auf. Mit viel Mühe hat sie mit ihrer Familie 1963 ein Eigenheim erworben und hier in Marchtrenk eine neue Heimat gefunden. 30 Jahre war sie bei der Fa. Keplinger-Furniere als Angestellte tätig. Um sie trauern Schwester und Schwager G. und H. Pittner sowie die Familien Schneider, Kneip und Schock.

Helene Stein † Helene Stein wurde am 18. März 1930 als einziges Kind von Franz und Theresia Turansky in Kegelwichhausen in Rumänien geboren, wo sie auch ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Am 3. Jänner 1939 heiratete sie dort Karl Stein. Mit ihren zwei Söhnen und ihrer Tochter musste die Familie im Oktober 1944 aus Rumänien flüchten und kam über St. Pölten und Burgkirchen nach Ranshofen, wo sie 1954 ein Haus bauten. Helene Stein war immer um das Wohl ihrer Familie bemüht. Ihr Mann Karl ging ihr nach 65-jähriger Ehe, am 13. März 2004, im Tod voraus. Helene Stein verstarb nach längerem Leiden am 19. Jänner 2005 im 85. Lebensjahr. Um die Verstorbene trauern die 3 Kinder und Schwiegerkinder, 5 Enkel und 3 Urenkel.

Michael Kristitz † Unser langjähriges Mitglied, Michael Kristitz, der am 24. Februar 1918 in Gr. Betschkerek im ehem. Jugoslawien geboren wurde, wohnhaft in Wels, Hochpointstr. 15, verstarb am 30. Dezember 2004 im 87. Lebensjahr. Um ihn trauern Frau Hanna Kristitz und Fam. Katharina Kessl.

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Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Katharina Rieder † Katharina Rieder, geb. Bering, am 15. Juli 1932 in Molidorf, Bezirk Betschkerek, Banat, ehem. Jugoslawien geboren, wohnhaft in Linz, Krinnerstraße 12, verstarb ganz unerwartet am 6. Februar 2005 im 73. Lebensjahr. Auch sie überlebte das Vernichtungslager und baute sich in Österreich ein neues Leben auf. Sie wurde im Stadtfriedhof St. Martin beerdigt.

Georg Geidl † Georg Geidl, wurde am 27. März 1924 als drittes von sechs Kindern in Jarmina, im damaligen Jugoslawien, geboren. Seine Kindheit und Jugend war geprägt von der Kargheit der damaligen Zeit. Dennoch war es, wie wir es aus seinen Erzählungen wissen, eine fröhliche Kindheit. Nach der Schule kam er in die Lehre, um das Strickereihandwerk zu erlernen. Nach Abschluss der Lehre ging er in die nächstgelegene Stadt Vinkovci, um dort in einer größeren Strickerei zu arbeiten. Schon bald kam der Krieg auch nach Jugoslawien und er musste, wie so viele andere auch, einrücken. 1944 wurde sein Heimatdorf evakuiert. Er konnte aber seine Braut noch in der Heimat zum Altar führen. Es war die letzte deutsche Ehe, die in Jarmina geschlossen wurde. Erst voriges Jahr konnte er im Kreise seiner großen Familie zwar schon von Krankheit gezeichnet, aber gut gelaunt, die diamantene Hochzeit feiern. Mit seiner Frau Theresia konnte er sich über sieben Kinder freuen. Nach langen, harten Jahren im Krieg und in Gefangenschaft kehrte er 1949 heim. Er begann in Wels bei einer Baufirma als Hilfsarbeiter. Nicht lange danach fand er bei der Fa. Stummer eine Anstellung als Strickmeister. Bald darauf wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Seine Firma wuchs und gab vielen Krenglbachern Beschäftigung. Durch verschiedene Umstände musste die Firma 1979 geschlossen werden. Georg Geidl konnte in Pension gehen. Er fand ein Betätigungsfeld in der Zentralberatungsstelle der Donauschwaben, in der Ortsgemeinschaft Jarmina und bei der Ahnenforschung. Er wurde auch Obmann der Ortsgemeinschaft. Da galt es, ein großes Werk zu gestalten. Die Ortsgemeinschaft hat vom Pfarrer von Jarmina 1985 die dortige Madonnenstatue als Geschenk erhalten. Georg Geidl fuhr in seine alte Heimat und brachte sie nach Österreich. In Gunskirchen, wo die meisten Jarminaer in Oberösterreich leben, wurde unter seiner Obmannschaft eine Kapelle gebaut, wo die renovierte Madonnenstatue aufgestellt wurde. Darauf war er sehr stolz. In dieser Kapelle wird beim Tod eines Jarminaers die Glocke geläutet. Am Donnerstag, dem 17. Februar 2005 wurde nun für ihn geläutet. Stolz war er auch auf seine große Familie, seine Kinder, die zwölf Enkerl und besonders die beiden Urenkel Manuel und David. Vor nun mehr zwölf Jahren begann seine Krankheit, die ihn besonders in der letzten Zeit immer hilfloser werden ließ. Seine Frau Theresia hat ihn die letzten Jahre aufopfernd und liebevoll gepflegt. Am Mittwoch, dem 16. Februar 2005, um 18.11 Uhr hat ihn der Herrgott erlöst. Georg Geidl, ein langjähriger verdienstvoller Funktionär unserer Landsmannschaft verstarb nach langem Leiden am 16. Februar 2005 im 81. Lebensjahr. 19


Die GESCHICHTE der DONAUSCHWABEN in die SCHULEN Wir alle wissen und bedauern, dass über das so leidvolle und schwere Schicksal unserer Volksgruppe in den Medien relativ wenig berichtet wird und dass es an den Schulen überhaupt keine Erwähnung findet. Historiker, wie unsere Kollegen Dr. Wildmann, Kons. Feldtänzer und einige wenige weitere Landsleute bemühen sich daher seit Jahren, unsere Geschichte in Dokumentationen festzuhalten, damit wir, wie Dr. Wildmann zu sagen pflegt, nicht auch noch ein zweites Mal, nämlich aus der Geschichte vertrieben werden.

Bei Präsident Enzenhofer, selbst Trauner und daher mitten unter den dort in großer Zahl lebender Donauschwaben und Siebenbürger Sachsen aufgewachsen, stießen wir auf vollstes Verständnis. Als erstes Ergebnis dieser Vorsprache konnten wir Fritz Enzenhofer, Präsident des bereits am 3. März bei Landesschulrates der Bezirkskonferenz der für Oberösterreich Berufsschuldirektoren in Kremsmünster unsere Landsmannschaft vorstellen, unsere Vorstellungen erläutern und dabei 60 Stück unserer „Donauschwäbischen Chronik“ an die Damen und Herren Direktorinnen und Direktoren übergeben. Besonders zu betonen dabei ist, dass unsere Ausführungen und Anliegen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurden und durchaus auf Verständnis stießen. Ganz besonders ist dies der Fall bei Frau Landesschulinspektorin Gerlinde Pirc, die unseren Besuch in Kremsmünster organisierte und auch die Verteilung unserer Chronik sowie der weiteren übergebenen Unterlagen, wie Faltprospekte etc., vornahm. Ein herzliches DANKE auch auf diesem Wege.

Im Zuge unserer Bestrebungen, die Verantwortlichen in Politik und Schule davon zu überzeugen, dass wir uns dringend eine offenere Information der Schüler erwarten, haben Herr Dr. Wildmann und der Verfasser mit Kollegen der Siebenbürger Landsmannschaft am 25. Jänner d. J. den Präsidenten des Oberösterreichischen Landesschulrates, Herrn Fritz Enzenhofer besucht und ihm unsere Vorstellungen erläutert. Dabei geht es unserer Landesleitung im Moment primär um unsere „Donauschwäbische Chronik“, welche wir aus Anlass unserer Dank- und Gedenkveranstaltung am 23. Oktober 2004 herausgegeben haben und die wir an jede Schule in Oberösterreich als „Lehrbehelf“ weitergeben wollen.

Anton Ellmer

Briefmarke 50 Jahre Neue österreichische Briefmarke erinnert an unser Schicksal

„60 Jahre Vertreibung – 50 Jahre VLÖ“ Briefmarken stellen heute weniger einen finanziellen Sammlerwert dar, sondern sind nach Motivdarstellungen begehrt. Bei der Ausgabepolitik der staatlich gelenkten Postverwaltungen fand unsere Thematik vom Vertriebenenschicksal kaum Berücksichtigung. Da der Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften mit der Eigen-Druckmöglichkeit der neuen „personalifizierten“ Marken durch Kostenbeteiligung eine Auflage im Oktober 2004 mit einem ansprechenden Motiv erreicht hat, soll diese vorgestellt werden. Das Markenbild mit einer Flüchtlingsfamilie sowie dem Fluchtjahr 1944 und dem 50. Jubiläumsjahr des VLÖ mit dessen Wappen soll zur Öffentlichkeitsinformation etwas beitragen und von unseren Landsleuten beachtet werden. Erich Ortmann 20


„60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“ Festansprache bei der Dank- und Gedenkveranstaltung in Leonding-Hart am 23. Oktober 2004 von Dr. Georg Wildmann – in Fortsetzungen Anmerkung: Wie bereits im letzten Mitteilungsblatt hingewiesen, war die Festrede von Prof. Dr. Wildmann auch diesmal wiederum richtungsweisend. Um diese beachtenswerten Gedanken allen Landsleuten zugänglich zu machen, bringen wir diese Ansprache ab diesem Heft in ungekürzter Form.

Vorbemerkung: Die Rede hat als Zielgruppe die betagten Wissensträger der Erlebnisgeneration der Donauschwaben von Oberösterreich sowie die anwesenden Politiker des Landes, darf also nicht als Stimme der Landsmannschaftsführung der Donauschwaben Österreichs aufgefasst werden. Infolge der begrenzten Zeit wurden die im nachfolgenden Wortlaut zurückgesetzten Teile nicht gesprochen.

ist ein Ewig-Gestriger.“ Es gab und gibt, besonders bei den deutschen Regierungen, keinen politischen Willen, Entschädigungen einzufordern oder eine innerstaatliche Lösung energisch anzugehen. Man hält die Entschädigungsfrage juristisch bis heute offen und in Schwebe. Ich behaupte nicht zu viel, wenn ich sage, man hat sie inzwischen de facto stillschweigend politisch erledigt.

Es ist mir die Ehre zugedacht, die Festrede zu halten. Es sollte eine Dankesrede sein. Dankesreden zu halten ohne Schönfärberei, ist ein Kunststück. Nun hat dieses Kunststück schon mein Vorredner zusammengebracht. So denke ich, es wäre dieser Stunde gedient, eine Situationsanalyse zu geben: Wo stehen wir als Donauschwaben und wofür wären wir dankbar? Dies auch ohne Schönfärberei.

Einmal noch – in den Jahren 1998 und 1999 – herrschte ein europaweites Bewusstsein, die Beneschdekrete und AVNOJ-Beschlüsse müssten aufgehoben werden, bevor Tschechien, die Slowakei und Slowenien der EU beitreten. Es gab dazu eine Reihe von öffentlich wirksamen parlamentarischen Entschließungen, aus denen jene des USRepräsentantenhauses vom 13. Oktober 1998, des Europaparlaments vom 15. April 1999 und des Österreichischen Nationalrats vom 19. Mai 1999 herausragen. Auch die OÖ. Landesregierung erhob dankenswerter Weise diese Forderung. Abgesehen davon, dass Landeshauptmann Dr. J. Pühringer bei jeder Gelegenheit die Aufhebung dieser Dekrete noch vor Beitritt dieser Staaten zur EU forderte.

Unsere Vertreibung und Enteignung war völkerrechtswidrig. Rückgabe des Eigentums oder Entschädigung sind nach Völkerrecht erfordert. Doch ist die Frage der Entschädigung der Heimatvertriebenen deutscher Muttersprache bis heute, 60 Jahre danach, eine offene Frage geblieben. Die treibende Kraft, die Frage so zu lösen, dass ein Rechtsfriede und eine Rechtssicherheit gegeben wäre, hätten vor allem die deutschen Regierungen der letzten Jahrzehnte sein müssen. Es mag für sie eine Reihe von Gründen dafür gegeben haben, die Frage der Wiedergutmachung offen zu halten. Heute hören wir immer nur eines: „Die Vertreibung war ein Verbrechen, – aber – im Namen der Deutschen wurde im II. Weltkrieg in Polen, in Tschechien in Russland, in Ungarn in Jugoslawien entsetzlich viel zerstört und Unheil angerichtet, daher wollen wir von euch für unsere Heimatvertriebenen nichts fordern. Wer das anders sieht,

Je näher indes der Zeitpunkt der Aufnahme der neuen Länder in die EU rückte, desto mehr schwand auf oberster EU-Ebene der politische Wille, über die Aufhebung der Beneschdekrete und AVNOJ-Beschlüsse zu verhandeln. Der sehr fragwürdige Grundsatz: „Die Nachkriegsordnung ist unantastbar. Die Grenzen liegen fest, also sind auch alle Ansprüche der einstigen Bewohner nicht mehr zu verhandeln“ wurde bestimmend. Ein politischer Totschlag-Grundsatz. (G. Schröder hat ihn neulich in Warschau und Prag bekräftigt) 21


so die Brückenfunktion erfüllt werden kann, die unsere österreichischen Politiker von uns fordern, und weil nur so die Möglichkeit besteht, Gedenkstätten bei den Friedhöfen und Massengräbern zu errichten. Auf der anderen Seite müssen sie stets auch die materielle Wiedergutmachung einfordern, weil sie kein Recht haben, im Namen der Donauschwaben auf eine solche zu verzichten.

Im Gefolge des restriktiven Verhaltens der deutschen Regierung zeigte auch der Erweiterungskommissar der EU, Günther Verheugen, kein Interesse, die Aufhebung der Beneschdekrete von Tschechien und in analoger Weise die Aufhebung des AVNOJBeschlusses vom 21. November 1944 von Slowenien mit Nachdruck einzufordern. AVNOJ ist die Abkürzung für „Antifaschistischer Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens,“ und dieses Provisorische Parlament der Partisanenbewegung hat alle Bürger deutscher Muttersprache zu Volksfeinden erklärt, ihnen die Bürgerrechte aberkannt und ihr sämtliches Vermögen konfisziert. Im Zuge der Beitrittsverhandlungen mit Slowenien war von einer Aufhebung dieses AVNOJ-Beschlusses in den Medien nichts mehr zu hören. Alle EU-Gremien sind in der Endphase der Beitrittsverhandlungen in der Vertriebenen-Frage weich geworden und zurückgewichen. Für uns entsteht daraus (im Rückblick auf die letzten zwei, drei Jahre) der generelle Eindruck: Die Europa-Politiker von heute, namentlich jene des EU-Ministerrats, wollen offenbar den Friedensschluss mit der „Nachkriegsordnung“ von 1945: Heimat bleibt verloren, Eigentum wird nicht entschädigt, die kriminellen Vollstrecker bleiben de iure (Tschechien, Slowakei) oder de facto (Slowenien und Serbien) amnestiert. Es ist also der Schluss zulässig: Die EU mutet uns Vertriebenen die Akzeptanz des Opferstatus zu. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die maßgebenden Politiker Europas – stillschweigend – mit der „biologischen Verzichtserklärung“ der Erlebnisgeneration der Heimatvertriebenen rechnen. Das meine ich, wenn ich sage: Rechtlich ist unsere Entschädigung zwar offen – politisch aber erledigt. In ihren Regierungserklärungen haben sich die beiden letzten österreichischen Regierungen diesem politischen Trend nicht voll angeschlossen, wenn man an die Aussage denkt, man werde um „sachgerechte Lösungen“ in der Vertriebenenfrage bemüht sein.

Wie könnte in dieser Situation der realpolitische Weg ausschauen? Erika Steinbach, die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Deutschland, hat einen Weg gewiesen, der mir sehr bedenkenswert erscheint. Sie hat am 4. September dieses Jahres in Berlin beim alljährlichen Tag der Heimat gesagt: „So richtig die Feststellung ist, dass nicht nur die Vertreibung, sondern auch die Enteignung völkerrechtswidrig war und ist, so weltfremd ist die Vorstellung einiger, dass die Heimatvertriebenen an eine volle Restitution ihres Eigentums wirklich glauben oder auch nur an eine angemessene Entschädigung. Es geht vielmehr um die Heilung des Vertreibungsunrechts… Die Vermögensfrage spielt für die meisten Vertriebenen keine zentrale Rolle. Wer das ernsthaft bestreitet, lebt auf einem anderen Stern. Die traumatischen, seelischen und körperlichen Folgen der Vertreibung stehen für alle im Vordergrund und der Zorn über mangelndes Mitgefühl.“ Soweit Frau Steinbach. Ihre wegweisende Aussage lautet: „Heilung des Vertreibungsunrechts“ unter Absage an (Verzicht auf) eine angemessene Entschädigung! Und Heilung des Vertreibungsunrechts mit Absage an eine angemessene Entschädigung war bisher auch der Weg, den die für uns in Frage kommenden Staaten – recht und schlecht – gegangen sind. Ungarn hat sich für die zwangsweise Aussiedlung seiner Donauschwaben entschuldigt und auch den Ausgesiedelten Kupons angeboten, mit denen sie Objekte in Ungarn hätten erwerben können. Rudi Reimann, unser Bundesobmann, hat neulich gemeint, diese Lösung hätte Geld ins Land gebracht. Wie dem auch sei, die Ungarndeutschen haben es als eine eher symbolische Wiedergutmachung empfunden. Der gute Wille mag für das schwache Werk gelten!

Völkerrechtlich offen – politisch erledigt; diese Rechtsunsicherheit bringt auch unsere Landsmannschaftsführungen in ein echtes Dilemma: Auf der einen Seite sollten sie, realpolitisch gesehen, dem Trend auf Entschädigungsminimierung folgen, sie sollen Vereinbarungen und freundlichen Dialog mit den Kindern und Enkeln der Vertreiber aufbauen, weil nur

Fortsetzung folgt 22


GESCHICHTE der DONAUSCHWÄBISCHEN BLASMUSIK von Sebastian Pollmann in Oberösterreich Musizieren war in unserer alten Heimat ein wichtiger Bestandteil unseres kulturellen Lebens. Und so versuchten wir bald trotz der schwierigen Umstände des Lagerlebens im Lager 65 unsere Musik wieder aufleben zu lassen. Unser LagerPfarrer Peter Fischer hatte 1948 einige Blasinstrumente zusammengebettelt und rief Musiker auf, sich zu melden, um eine Kapelle zu gründen. Tatsächlich fanden sich einige Männer, die mit der Musikprobe begannen. In kurzer Zeit wurden es immer mehr. Die ersten Proben fanden in einem Barackenraum bei der Sportunion Edelweiß statt. Es gab aber kein Notenmaterial, bis sich der leidenschaftliche Musiker Kaspar Heck einfand. Dieser schrieb sich die Finger wund bis das nötige Notenmaterial für alle Instrumente zusammen war. Die ersten Gehversuche der Musikkapelle waren natürlich bei der Messe in der Kirche unseres Gönners Pfarrer Peter Fischer. In Folge spielten wir auf dem Sportler-Ball von Union Edelweiß. Dann ging es Schlag auf Schlag: Das große Schwabentreffen im Jahr 1950 in Salzburg, die Schwabenbälle in der Turnhalle in Wels und im Märzenkeller in Linz, die Auferstehungsmesse im Lager 59, die Fronleichnamsprozession im Lager 65, die Kirchweihfeste im Lager 65 und Lager Haid und die Karlsdorfer Kirweih im Gasthaus Ammer/Keferfeld. Im Lager 2001 Wels spielten wir des öfteren zum Tanz auf. Gelegentlich wurden wir auch für Gartenfeste engagiert. So war die Donauschwäbische Blasmusik bald in aller Munde und unsere ganze Freizeit war mit Proben und Auftritten ausgefüllt. Ein großes Problem für unsere Kapelle war die ständige Abwanderung der Mitglieder in aller Herren Länder. Als wir zum Beispiel einmal mit der DDSG nach Passau zum Treffen der Landsleute fuhren, mussten wir unsere Viersprachen-Ausweise abgeben (Pässe besaßen wir nicht). Trotz Absperrungen ist es einigen von uns gelungen, in der BRD zu bleiben, wie wir an den übriggebliebenen Ausweisen sehen konnten. Im Dezember 1953 ereilte uns ein schwerer Schicksalsschlag. Es verstarb unser Kapellmeister und Kopf der Musik, Kaspar Heck, mit nur 34 Jahren. Aber wir gaben nicht auf. Es fanden sich wieder beherzte Männer und wir gründeten 1954 den Blasmusikverein „Donauschwaben“ mit dem Obmann Herrn Obrovsky, Ehrenobmann Altbaumeister Heinrich Haller, Gönner und Ehrenpräsident Landeshauptmann Dr. Heinrich Gleisner, der uns auch die Kappen und Schulterstücke (sogenannte Schwalbennester) spendete. Der Uhrmacher und Juwelier des Lagers 65, Herr Helmlinger, wurde Schriftführer. Kassier und Archivar war Sebastian Pollmann, Kapellmeister war Hans Kleiner. Mit die-

Blasmusikkapelle Langholzfeld, ca. im Jahr 2002

ser Mannschaft spielten wir 1954 auch auf dem großen Schwabentreffen mit anschließendem Schwabenball im Märzenkeller. Leider zerfiel auch dieser Verein durch Abwanderungen in die BRD, nach Kanada und die USA. Einen letzten Versuch mit dem Rest der noch verbliebenen Musiker startete Sebastian Pollmann mit der Gründung der Tanzkapelle „Astoria-Band“ für das Lager 65, die bis Anfang 1962 jeden Samstag im Lager zum Tanz aufspielte. Dann war auch damit wieder Schluss. Den Startschuss für die noch heute bestehende Blasmusik in Langholzfeld (Pasching), die von Donauschwaben gegründet wurde, gab dann der Musiklehrer Franz Lochschmid, der in einem privaten Musikraum wieder mit einigen Musikanten anfing zu musizieren. Aus dieser Hobbygruppe entstand die heute noch bestehende und gut florierende Blasmusik Langholzfeld, bei der auch Sebastian Pollmann wieder aktiv war.

Aufmarsch am Hauptplatz in Linz mit Herrn Kleiner als Stabführer und 4 schönen Schwabenmädchen als Marketenderinnen im Vordergrund

Erstes Konzert der Blasmusik „Donauschwaben“ mit Kapellmeister Kleiner

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Einladung Russland-Gedenkausstellung und zum Ökumenischen Gottesdienst in Braunau zur

Die ARGE – BRAUNAU wurde zwar aufgelöst, doch, wie schon damals angekündigt, stellte damit das äußerst aktive Ehepaar Eva und Josef Frach ihre Aktivitäten im Interesse unserer Volksgruppe damit nicht ein. Ganz nach dem Motto: „Die Anderen sollen reden, wir arbeiten“ haben sie sich mit Erfolg bemüht, die im Jänner in Ulm gezeigte Ausstellung der Landsmannschaft der Banater Schwaben

„Deportation der Deutschen aus Ostmittel- und Südosteuropa in die Sowjetunion“ nach Braunau zu holen, um der Bevölkerung der Stadt und Umgebung die Möglichkeit zu geben, sich von dem ungeheuren Leiden der betroffenen jungen Menschen selbst ein Bild zu machen. Bei der Eröffnung dieser Ausstellung, die vom 19. Mai bis 10. Juni 2005 im Foyer des Stadttheaters Braunau zu sehen sein wird, werden auch zwei Überlebende dieser Schreckenszeit zugegen sein. Eröffnet wird die Ausstellung am 19. Mai, um 19 Uhr von Herrn Bgm. Gerhard Skiba. Ein Ökum. Gottesdienst findet aus diesem Anlass am Samstag, dem 28. Mai 2005, um 10 Uhr in der Stadtpfarrkirche Braunau statt. Bekanntlich wurden im Dezember 1944 und Jänner 1945 deutsche Frauen und Männer im Alter von 16 bis 45 Jahren in die Sowjetunion zu Zwangsarbeit verschleppt. In dieser Verbannung mussten sie bis zu fünf Jahren verbringen, soweit sie die Unterernährung, Kälte und sonstigen unmenschlichen Strapazen mit Glück überlebten. Weitere Enttäuschungen und bittere Stunden kamen aber auch nach der Entlassung: • Sie hatten keine Heimat mehr, ihr Hab und Gut war geraubt. • Ihre Angehörigen waren in Arbeits- und Vernichtungslager interniert worden. • Fast ein Drittel der Nichtgeflüchteten war zu Tode gekommen. • Ihre Eltern und Großeltern waren innerhalb von zwei Jahren fast alle verhungert. • Ihre Kinder waren tot oder vom Tito-Regime zur Umnationalisierung geraubt und noch so manches Schlimme und Unvorstellbare erwartete sie.

Hinweis:

Obige Ausstellung wird ergänzt durch Bilder über die Verschleppung von 30.000 bis 40.000 Banater Schwaben (Rumänien) in die unwirtliche Gegend der BARAGANSTEPPE im Juni 1951. Verschleppt (1944 –1949)

Julius Stürmer: Zwangsverschleppung, Bleistiftzeichnung

Weit, in schneebedeckte Ferne, rollen Züge, Tag und Nacht, voll gepferchte Güterwagen: Mädchen, Frauen – Menschenfracht.

Harte Arbeit, karges Essen, fünf Jahre sind unendlich lang. Kaum noch Kleidung, keine Hoffnung, Heimweh macht die Herzen krank.

Zwangsverschleppte. Tief im Winter, von zu Hause fortgeholt. Weg vom Herd, von Heim und Kinder. Sie hatten keinen Krieg gewollt!

Alle wollten wir nach Hause, doch das Schicksal traf sie schwer: der Krieg hatte die Welt verändert, ihre Heimat gab’s nicht mehr.

Wiederaufbau an der Wolga, in den Bergen des Ural? Oder in der Ukraina? Zerstörtes Land war überall.

Dann: „Heimkehr“ in ein fremdes Land, neuer Anfang, neues Leben. Wer seine Lieben nicht mehr fand, betete um Trost und Frieden.

Vierzig Grad. Russische Kälte, Dunkelheit im Kohlenschacht. „Gott beschütze uns’re Lieben“ beteten sie jede Nacht.

Weit, in Russlands fremder Ferne, zittert das Gras im Steppenwind. Kalt scheint der Mond, leuchten die Sterne auf Gräber, die vergessen sind. Wilma Filip (Laub)

SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer, Landesobmann, A-4600 Wels, Maria-Theresia-Str. 33, Tel. 0 72 42 / 452 78, E-Mail: a.ellmer@aon.at Sparkasse OÖ Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 38

April, Mai, Juni 2005

Nr. 2

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

Ein Beispiel für „donauschwäbischen“ Unternehmergeist in Oberösterreich

60 Jahre Firma ENGEL Vor dem Beginn des Familienunternehmens Engel mit dem Hauptsitz im oberösterreichischen Schwertberg, das heute eine weltweit führende Position bei der Herstellung von Kunststoff-Spritzgießmaschinen einnimmt, stand am Ende einer Geschichte von Flucht und Heimatverlust einer DonauschwabenFamilie.

Werk Schwertberg 2005 In Schwertberg befindet sich das Stammwerk des Unternehmens. Weitere Werke in St. Valentin und Dietach; weiters in Tschechien, Kanada, USA, Korea und China (im Bau)

Es war Oktober 1944 als Herr Ludwig Engel, zusammen mit seiner Gattin Elisabeth, Tochter Irene und weiteren Verwandten die Flucht nach Westen antreten musste. Nach mehreren Zwischenstationen in Lagern in Wien und Korneuburg war im Dezember 1944 Endstation im Bahnhof Schwertberg. Der Zug fuhr einfach nicht weiter. Man musste aussteigen und bleiben – man blieb bis heute und schlug neue Wurzeln.

Irene und Georg Schwarz Die Entwicklung des Unternehmens ENGEL zum WeltMarktführer für Kunststoff-Spritzgießmaschinen wurde entscheidend von den Unternehmerpersönlichkeiten Irene und Komm.Rat. Georg Schwarz geprägt. Beide sind auch heute noch aktiv in der Unternehmensleitung tätig.

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GENERALVERSAMMLUNG der Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. von Anita Lehmann Seit der letzten Generalversammlung im November 2002 gab es 130 Neuzugänge und 53 Abgänge, sodass unserem Verein 930 zahlende Mitglieder und eine Reihe von maßgeblichen Persönlichkeiten aus Politik, Medien, Kirchen und Gönnern angehören. In 8 Vorstands- bzw. erweiterten Vorstandsund 6 Landesausschusssitzungen wurden aktuelle Themen besprochen und die notwendigen Beschlüsse gefasst. Zum Thema Veranstaltungen erwähnte er auch die Teilnahme an solchen bei befreundeten Vereinen. So: Eberschwang, Stadtgemeinde Leonding – Turm 9, Umzug der Siebenbürger Sachsen in Wels, Gottesdienst des Trachtenvereines Ruma in Traun und den Besuch des Festgottesdienstes in der Augustinerkirche in Wien. Der Obmann dankte bei dieser Gelegenheit vor allem den Ehepaaren Himmelsbach, Hoog, Fingerhut, Schön und Weitmann sowie den Damen Lissi Kungel und Fränzi Kadi, weil diese als Trachtenträger stets würdige Vertreter unserer Landsmannschaft sind und soweit es ihnen privat möglich ist, sich auch stets bereit erklären, mitzumachen. Zu Veranstaltungen unserer Landsmannschaft berichtete er über den Tag der Donauschwaben am 29. Oktober 2003 in Langholzfeld, wo uns zahlreiche Spitzenpolitiker die Ehre ihres Besuches erwiesen haben und die Herren KINDER, HALTMAYER und DECKERT mit der Goldenen Verdienstmedaille unserer Landsmannschaft ausgezeichnet wurden.

Die am 9. April durchgeführte Generalversammlung unserer Landsmannschaft, verbunden mit einer Sonderausstellung (siehe dazu den Artikel „Ausstellung der Donauschwaben“), fand erstmals im Volkshaus in Marchtrenk statt, um unseren Mitgliedern die Möglichkeit zu einem Familienausflug zu geben. Dass diese Entscheidung richtig war, erwiesen die rund 200 erschienenen Teilnehmer, die dem Tätigkeitsbericht von Landesobmann Ellmer und der Ansprache von Prof. Dr. Wildmann folgten und an den Neuwahlen teilnahmen. Nach der Begrüßung der erschienenen Ehrengäste Frau Landtagsabgeordnete Anna Eisenrauch und der Spitze der „Stadtregierung“ Marchtrenk mit Bürgermeister Fritz Kaspar, Frau Vizebürgermeisterin Gerda Kickinger und Jugendstadtrat Paul Mahr jun., forderte LO Ellmer die Versammlung auf, der verstorbenen Mitglieder der Landsmannschaft durch eine Schweigeminute zu gedenken. Es waren in den letzten 2 1/2 Jahren 38 der Vereinsleitung bekannt gegebene Mitglieder, die aus unseren Reihen geschieden sind. Nachdem über Antrag von LO-Stv. Frach auf die Verlesung des Protokolls verzichtet wurde, gab LO Ellmer einen beeindruckenden Tätigkeitsbericht über die Vereinsarbeit der letzten 2 1/2 Jahre. Er ging dabei auf die Punkte Mitgliederstand, Vorstands- und Landesausschusssitzungen, Veranstaltungen, Mitteilungsblatt und Entschädigung näher ein.

LO Ellmer bei seinem Tätigkeitsbericht

Blick in den Saal

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Der absolute Höhepunkt unserer Vereinstätigkeit der letzten Jahre war aber, so Ellmer weiter, „Ein TAG des GEDENKENS, der DANKBARKEIT und FREUDE“, wie Dr. Wildmann es formulierte, unsere „Dankund Gedenkveranstaltung“ am 23. Oktober 2004 in Leonding mit ihren zahlreichen Höhepunkten wie: • Pontifikalamt in der St. Johanneskirche in Leonding mit Erzbischof Dr. Zollitsch und Bischof Aichern und mehreren namhaften kirchlichen Persönlichkeiten als Konzelebranten und dem hervorragenden Chor der St. Stephanskirche in Wels. • Parallel dazu fand ein Gottesdienst in der evangelisch reformierten Kirchengemeinde in Leonding Hart mit OKR Pfr. Mag. Schreiber statt. • Die nachmittägige Feier stand unter dem Motto „Wir danken Oberösterreich“, und versammelte in der Kürnberghalle über 700 Landsleute. Auch die Ehrengäste waren zahlreich erschienen; beim Festakt und im U-Hof: der Herr Landeshauptmann, die Erste Präsidentin des OÖ. Landtages, Vertreter des Nationalrates und des Landtages, Vertreter der Kirche (Erzbischof und Bischof...) Vertreter der Medien (auch der Landesdirektor des ORF war darunter), 10 BürgermeisterInnen der größeren Oberösterreichischen Städte und zahlreiche weitere Vertreter des öffentlichen Lebens erwiesen uns die Ehre. Wir konnten unser Schicksal der breiten Öffentlichkeit in Erinnerung rufen und wir waren über Fernsehen, Radio und in den Tageszeitungen wochenlang in der Öffentlichkeit präsent. Wie bei jeder Großveranstaltung hat auch hier unser Prof. Dr. Wildmann in seiner Festansprache sehr deutliche Worte sowohl für die Politik als auch für die Medien gefunden. Dann ging der Obmann auf die im Rahmen dieser Dank- und Gedenkveranstaltung im Landeskulturzentrum U-Hof ausgerichtete Künstler- und Fotoausstellung ein, deren Öffentlichkeitswirkung über die Geschichte der Donauschwaben durchschlagend war. Unsere donauschwäbischen Künstlerschätze und die einmaligen Fotos von Georg Lang waren bei dieser Ausstellung echte Zeugennachweise über unser historisches Schicksal als Beitrag für die europäische Geschichte.

Obmann Ellmer nahm die Gelegenheit wahr, um auch vor unserem wichtigsten Forum, der Generalversammlung, allen Funktionärinnen und Funktionären, die oft monatelang an den Vorarbeiten zum Gelingen dieser Veranstaltung mitgearbeitet haben, den DANK DER LANDESLEITUNG auszusprechen, denn der dazu notwendige Arbeitsaufwand war einfach enorm. Man denke z.B. nur an die Organisation der Gottesdienste mit Kirchen, Bischöfe, Priester, Chor, oder an die Ausstellung in der Halle und im U-Hof; mit der Besorgung der Bilder aus den verschiedensten Städten – sogar aus dem Ausland, oder an die Festschrift, welche während der Arbeiten zu einer „Donauschwäbischen Chronik“ mutierte, und vieles, vieles mehr. Für die Chronik zeichneten in erster Linie Dr. Wildmann, der quasi „so nebenbei“ eine schwere Herzoperation hatte und Kons. Feldtänzer; für das Layout und inhaltliche Anordnung sowie das Korrekturlesen Frau Lauermann mit Gatten und Bruder Horst Herzog. Die Künstlerausstellung wurde von Erich Ortmann mit einem unvergleichlichen Energieaufwand und Patriotismus sowie einer beispiellosen Begeisterung zusammengestellt und betreut. Die Foto-Ausstellung, ebenfalls in monatelangem Sichten, Auswählen und Beschriften von Georg Lang und Richard Deckert vorbereitet und mit Assistenz von Kolleginnen und Kollegen auch betreut. Die Kollegen Hans Himmelsbach, Martin Hoog, Willi Fingerhut und Matz Schön griffen jederzeit tatkräftig zu, wo gerade Not am Mann war. Kassier Mayer mit Assistenz der Gattin Paula, Sepp und Evi Frach besorgten die Betreuung der Gäste beim Eingang – inkl. Verkauf der Chronik und div. Bücher. Katharina Weitmann war verantwortlich für den Blumenschmuck, den Chor Doppl-Hart und die Betreuung der Trachtengruppen. Dr. Wildmann überdies noch dazu als Selbstbetroffener für seine Ansprache, in welcher er sich gegen Vergessen unserer Benachteiligung und gegen die Spekulation der Politiker, den biologischen Lebensgang unserer Landsleute auszunutzen, wehrte. Zum Mitteilungsblatt, welches das Bindeglied zwischen der Vereinsleitung und den Mitgliedern darstellt, berichtete der Ob3


mann, dass man die Druckerei aus Kostengründen gewechselt habe, um keine Abstriche von der Qualität machen zu müssen. Zu „Entschädigung Kroatien“ sagte der Obmann, dass die angekündigte 3. Verhandlungsrunde am 4. und 5. April wohl stattgefunden habe, dass aber noch keinerlei Ergebnisse bekannt seien. Den Ausführungen des Landesobmannes folgte der Bericht des Kassiers Mayer, in welchem dieser speziell auf die einmaligen Sonderausgaben anlässlich der genannten Veranstaltungen verwies. Da der Mitgliedsbeitrag von 10,– Euro jährlich nicht einmal die Kosten für Mitteilungsblatt und Postgebühren deckt, ersuchte er die Mitglieder, einerseits auf die Bezahlung der Beiträge nicht zu vergessen; andererseits dankte er allen, die zusätzlich eine Spende geleistet haben. Sodann berichtete unser Rechtspfleger Reg. Rat A. Dir. Igl, dass unsere Statuten dem neuen Vereinsgesetz anzupassen sind und erläuterte die vorgesehenen Änderungen. Die vorgeschlagenen Änderungen wurden einstimmig angenommen. Kassaprüfer Fingerhut bestätigte eine einwandfreie Verwaltung der Kassa, sodass auf seinen Antrag die Entlastung des Kassiers und des Vorstandes ausgesprochen wurde. In ihren Grußadressen bescheinigten sowohl Bürgermeister Fritz Kaspar als auch die Landtagsabgeordneten Anna Eisenrauch, die beide seit ihrer Kindheit unter/mit Donauschwaben leben, unseren Landsleuten ein hervorragendes Zeugnis. Im Anschluss daran folgte die Ansprache von Prof. Dr. Wildmann, in welcher er „das zweite Gesicht“ des Jahres 1945 darlegt. LO Ellmer dankte unserem großen Historiker für diese eindrucksvolle Rede und sagte, dass wir sie ab dem nächsten Mitteilungsblatt in voller Länge bringen werden, damit sie allen Mitgliedern zugänglich wird. „Mit einem nochmaligen Dank an Sie, liebe Mitglieder, dass Sie meinen Kolleginnen und Kollegen des Vorstandes mir vor 2 1/2 Jahren das Vertrauen ausgesprochen haben und dass wir mit hohem persönlichen Einsatz versucht haben zu rechtfertigen. Aber auch mit meinem Dank an euch liebe Kolleginnen und Kollegen, beenden wir diese Funktionsperiode.“

LO Ellmer dankte sodann noch besonders all jenen Funktionären, die jahrelang für unsere Landsmannschaft gearbeitet haben, nunmehr aber aus Altersgründen ausscheiden; ebenso dankte er dem im Einvernehmen bereits ausgeschiedenen Kassier Ernst Milla für seine jahrelange gute Arbeit im Dienste unserer Volksgruppe. Im Namen der gesamten Vereinsleitung legte der Landesobmann sodann alle Funktionen zurück. Mit der Bitte die Neuwahlen durchzuführen, übergab er den Vorsitz an Altbürgermeister R. Pill. Die Neuwahlen brachten folgendes Ergebnis: Landesobmann: Ing. Anton Ellmer, Stv. Kons. Dr. Georg Wildmann, Stv. Josef Frach; Schriftführerin: Anita Lehmann, Stv. Richard Deckert, Stv. Eva Frach; Kassier: Johann Mayer, Stv. Kaharina Weitmann; Rechnungsprüfer: Reinhard Öhlinger, Wilhelm Fingerhut, Franz Martin; Kultur-Referenten: Kons. Oskar Feldtänzer, Kons. Josef Andreas Kauer, Stv. Georg Lang; Heimatforschung: Dr. Peter Fraunhoffer; Trachten: Katharina Weitmann (PU), Helga Hirth; Verwaltung: Richard Deckert (PU); Beiräte: OSR Robert Pill, Dir. Reg. Rat Vladimir Igl, Ing. Sebastian Auer. Im Namen aller gewählten Funktionäre bedankte sich LO Ellmer für das neuerlich ausgesprochene Vertrauen und versicherte im Namen der Gewählten, auch in der kommenden Periode alle Kräfte zum Wohle unserer Volksgruppe in OÖ. einzusetzen und gab einen kurzen Überblick über die anstehenden Aktivitäten. Die Generalversammlung verlief überaus harmonisch und in gutem Einvernehmen aller Versammlungsteilnehmer.

V.l.n.r.: R. Deckert, K. Weidmann, J. Mayer, Dr. Wildmann, A. Ellmer, O. Feldtänzer, A. Lehmann, E. und J. Frach

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Gemäß den neuen Statuten hat der Vorstand in seiner konstituierenden Sitzung am 7. Mai 2005 folgende Damen und Herren in den Landesausschuss berufen: Anton Gessert, Adam Gräber, Hans Himmelsbach, Jakob Hoog, Martin Hoog, Josef Huber, Josef

Jakober, Franziska Kadi, Nikolaus Kemmer, Vizebürgermeisterin Gerda Kickinger, Kons. Oberoff. Martin König, Univ. Lektor Peter Lehmann, Stadtrat Paul Mahr jun., Johann Mindum, Erich Ortmann, Matthias Schön, Karl Stegh, Gottfried Stemmer, Paula Mayer.

Wir stellen vor: Dr. Peter Fraunhoffer Dr. Peter Fraunhoffer, geboren 1927 in Hatzfeld, besuchte die Volksschule und vier Gymnasialklassen in seinem Heimatort und anschließend die Lenau-Schule (vormals Deutsches Staatslyzeum) in Temeswar. Ab September 1944 leistete er Kriegsdienst, wurde im April 1945 bei Danzig verwundet und kam nach Kriegsende in Gefangenschaft. Weihnachten 1945 folgte die Entlassung nach Österreich, wohin die Eltern geflüchtet waren. Nach der Matura, die er 1946 an der Notmittelschule für Heimatlose Volksdeutsche in Eferding erlangte, studierte er Medizin in Innsbruck. Die Turnusausbildung absolvierte er im Krankenhaus Wels, die Fachausbildung im Kinderkrankenhaus Linz. Von 1964 bis zu seiner Pensionierung 1992 war er an der Kinderabteilung des Allgemeinen Krankenhauses der

Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz in Wels als Primarius und Leiter der Kinderabteilung tätig. Schon immer ein Bewunderer und Verehrer Stefan Jägers, befasst sich Dr. Fraunhoffer seit mehr als 10 Jahren mit der Dokumentation von Jäger-Bildern. Das von ihm aufgebaute Stefan-Jäger-Archiv hat sich zur Aufgabe gesetzt, das weit verstreute Lebenswerk des Schwabenmalers fotografisch zu dokumentieren, soweit dies heute noch möglich ist. Zu diesem Zweck legte er tausende Kilometer zurück und erfasste in Österreich, Deutschland, Rumänien, Jugoslawien, in den USA und Kanada bisher rund 1.500 Skizzen, Aquarelle und Ölbilder Jägers. Die Reproduktionen für den von der Landsmannschaft der Banater Schwaben herausgegebene Banater Wandkalender 2002 stammen aus dem Stefan-Jäger-Archiv von Dr. Peter Fraunhoffer.

Stadtrat Paul Mahr Unser neues Landesausschussmitglied Paul Mahr wurde am 5. November 1963 in Wels geboren und ist in Marchtrenk aufgewachsen und wohnhaft. Er ist Vater von 3 tollen Söhnen im Alter von 14 –17 Jahren. Seine Hobbys sind Laufen (min. 1– 2 Halbmarathon im Jahr), Radfahren und Ahnenforschung. Hier besteht auch seine besondere Verbindung zum donauschwäbischen Volksstamm. Vater Paul, natürlich langjähriges Mitglied unserer Landsmannschaft, ist in Schöndorf im rumän. Banat geboren (die Vorfahren lebten

dort 170 Jahre) die Mutter Magdalena, geborene Schmee, stammt aus Ruma/Jugoslawien. Beruflich ist er seit 25 Jahren bei der Pensionsversicherungsanstalt in Linz – mittlerweile als Referent im Büro der Landesstellendirektion – tätig. Seit Oktober 2004 ist er Jugendstadtrat in Marchtrenk. Der Jugendarbeit, die für ihn Hobby und Berufung ist, widmet er auch einen Großteil seiner Freizeit. Neben der Mitarbeit in den sozialen und kulturellen Bereichen der Stadtgemeinde Marchtrenk ist er auch Obmann des „Freizeitvereines Neustadt Wels“, der nach dem furchtbaren Verlust von 7 Freunden (Kaprun) die Pflicht übernommen hat, sich um 5 Waisen sowie deren Großeltern im Vereinsleben zu sorgen. 5


Es scheint Bewegung in die Sache zu kommen:

E N T S C H Ä D I G U N G

K R O A T I E N

Aktueller Stand: Die Verhandlungen auf Beamtenebene sind abgeschlossen lungsblatt Nr. 3/2003, wo wir in unserem Schreiben an die Frau Außenministerin rund 20 derartige Punkte aufgezeigt haben). Wenn dem tatsächlich so ist, dann wäre nach der bereits erfolgten wichtigsten Klarstellung in der Erbfolge (dass eben auch die Enkelkinder erbberechtigt sind – genau wie es auch bei uns in Österreich der Fall ist), eine gute Ausgangsbasis gegeben. Aber eben nur eine Ausgangsbasis. Denn wie es wirklich weitergeht ist einmal erst abzuwarten. Denn erinnern wir uns: Im Oktober vergangenen Jahres hat der österreichische Verhandlungsführer Dr. Buchsbaum auf Rückfragen bzw. Urgenz zu diesem Thema noch gesagt: „Österreichischerseits warte man auf den nächsten Schritt der Kroaten…“ Jetzt spricht man aber auch davon, dass die Frau Außenministerin angeblich doch einen geharnischten Brief nach Kroatien geschrieben haben soll. Wenn das stimmt, dann: Danke, liebe Frau Außenministerin im Namen unserer betroffenen Landsleute. Vielleicht ist es aber auch die Situation mit der EU, die Kroatien bekanntlich in zeitliche Aufnahme – Probleme gebracht hat. Jetzt benötigt man sicherlich dringend Verbündete – und auf Unterstützung Österreichs kann man – wie bisher schon – mit Sicherheit bauen. Oder aber, man erinnert sich an die optimistischen Aussagen der kroatischen Spitzenpolitiker vor 2 – 3 Jahren. Oder, oder… Aber was auch immer der Grund dafür sein mag, dass es nach einem mehr als zweijährigen Stillstand auf Beamtenebene jetzt zu einem Abschluss der Verhandlungen gekommen ist – uns kann es gleich sein – wichtig für uns ist lediglich die Tatsache, dass ein Fortschritt erzielt worden ist. Und wichtig für uns wäre: wenn es nun auch zügig weiterginge und nicht wieder eine mehrjährige Pause oder gar ein Stillstand eintritt, denn wie ich von kompetenter Seite aus dem kroatischen Parlament erfahren habe, hat man neben der EU durch diverse Nachwahlen in zahlreichen Städten und Dörfern eine ziemlich turbulente politische Situation im Lande. So werden derzeit neben EU-Themen wichtige Koalitionsgespräche vorrangig behandelt und ab 10. Juli gehen die Damen und Herren Abgeordnete auf Urlaub. Am 15. September beginnt die Herbst-Session – aber auf dem vorliegenden Programm-Entwurf scheint dieser Punkt angeblich nicht auf.

Auf Anfrage vom 18. April d. J. hat der österreichische Verhandlungsführer in dieser Causa, Dr. Buchsbaum vom Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten, mitgeteilt: „Tatsächlich hat am 4. und 5. April 2005 die 3. Verhandlungsrunde für ein öst.-kroat. Entschädigungsabkommen zur Durchführung des novellierten kroat. Entschädigungsgesetzes – und damit zur Schaffung einer effektiven Antragsberechtigung der nach dem Krieg österreichischen StaatsbürgerInnen gewordenen Vertriebenen – stattgefunden. Zum Gang derartiger internationaler Abkommen sind nun österreichischerseits folgende Schritte nötig: – Paraphierung des Textes (nach sprachlicher Abklärung); – Unterzeichnung des Textes (nach Genehmigung durch den Ministerrat); – Genehmigung durch das Parlament (zuerst Nationalrats-Ausschuss, dann -Plenum, dann Bundesrat); – Mitteilung darüber an die kroatische Seite. Für ein Inkrafttreten des Abkommens sind diese Schritte auch auf kroatischer Seite nötig. Wenn diese Schritte auf beiden Seiten erfolgt sind, tritt das Abkommen ein paar Monate danach in Kraft. Sobald das Abkommen unterzeichnet ist – nach derzeitiger Einschätzung in ein paar Monaten –, wird das BMA entsprechende Informationen über den genauen Inhalt und die von den Entschädigungswerbern zu tätigenden Schritte geben, Primär über die Medien und die ‚Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft…‘ “. Das heißt: Die Verhandlungen für ein bilaterales Abkommen zwischen Kroatien und Österreich zur Entschädigung ehemaliger kroatischer Staatsbürger für infolge kommunistischer Verfolgung entstandene Vermögensverluste wurden auf Beamtenebene zum Abschluss gebracht und (so müsste es sein) von den jeweiligen Delegationsleitern paraphiert. In der Zwischenzeit haben wir in Erfahrung bringen können, dass diese Verhandlungen auf Beamtenebene diesmal in Vukovar stattfanden und dass u.a. eine rechtliche Gleichstellung unserer Leute mit den kroatischen Staatsbürgern vereinbart wurde. Darüber hinaus sollen auch die zahlreichen Detailfragen, die sich durch Unklarheiten bzw. widersprüchliche Darstellungen ergeben haben, bereinigt worden sein (siehe dazu unser Mittei6


Was bedeutet das für die interessierten Landsleute:

wesentliche Erweiterung der Antragsberechtigten nach sich ziehen – allerdings erst nach dem Inkrafttreten des Zwischenstaatlichen Abkommens (es sei denn, unsere betroffenen Landsleute stellen aufgrund der in den letzten Jahren gemachten negativen Erfahrungen überhaupt jedes Bemühen um Entschädigung ein).

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich Kroatien keinesfalls sonderlich bemühte, diese Angelegenheit fair und zügig voranzutreiben. Landsleute, die noch Bekannte unten haben, vor Ort waren und Insider-Informationen erhalten haben, waren nach ihrer Rückkehr eher vom Gegenteil überzeugt. Scheinbar geht es nach dem Motto: Nur schön langsam… (wenn überhaupt !) Wir als Landsmannschaft werden daher einmal abwarten, bevor wir wieder aktiv werden. Denn ohne echtes Wissen um die Sache kann man keine seriöse Beratung vornehmen und auf einseitige Informationen wie aus der Quelle in den letzten Jahren, werden wir unsere Beratung sicher nicht mehr aufbauen, denn nach diesen müssten ja bekanntlich die Auszahlungen schon fließen… Wie oben erwähnt wurde schon in Vorgesprächen klargestellt, dass auch die Enkelkinder bereits verstorbener Landsleute erbberechtigt sind. Da diese Landsleute gemäß Auslegung und Aussage des Außenministeriums im Herbst 2002 nicht antragsberechtigt waren und somit sich weder Originalunterlagen aus der alten Heimat besorgt noch einen Antrag auf Entschädigung eingebracht haben, wird das eine

Die Landesleitung der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich wird ab Spätherbst wieder versuchen, mit unserer seinerzeitigen jur. kompetenten Mannschaft Möglichkeiten zu eruieren, die eine kostengünstige Beschaffung von Originaldokumenten erlauben, damit eine Obergrenze auf der Ausgabenseite einigermaßen sichergestellt ist. Es erscheint aber auf alle Fälle auch sinnvoll, wenn die interessierten Landsleute zwischenzeitlich mit der Beschaffung der Original-Unterlagen beginnen, wenn oder wo sie eine gute oder günstige Möglichkeit sehen, denn es wurde angeblich vereinbart, die Frist wieder mit 6 Monaten nach Inkrafttreten festzulegen. Personen, die bereits Anträge gestellt haben, müssen angeblich Formblätter abgeben, in denen der Zeitpunkt und die Einreichungsstelle des seinerzeitigen Antrages angegeben sein müssen. Anton Ellmer

Eindrucksvolle MAIANDACHT bei der LAGERGROTTE Ein Jahr nach der feierlichen Einweihung der Lagergrotte aus dem ehemaligen Lager 65 an ihrem neuen Standort am Spallerhof, wurde am Samstag, dem 28. Mai 2005 eine Maiandacht bei der Lagergrotte abgehalten. Herr Pfarrer Mag. Franz Zeiger von der Pfarre Linz-St. Peter und seine Helfer haben eine sehr eindrucksvolle Maiandacht vorbereitet und im Schatten der Bäume vor der Grotte abgehalten. Zur Zeit der Maiandacht wurde selbst im Schatten noch 30 Grad gemessen. Der Besuch der Maiandacht war überwältigend. Mehr als 90 ehemalige Lagerbewohner und Gäste waren gekommen. Besonders erfreulich für alle war die Anwesenheit des ehemaligen Lagerpfarrers Peter Fischer, der mit seinen 93 Jahren einen großartigen Eindruck hinterließ und einige sehr freundliche Worte für alle Anwesenden fand. Bei diesem Anlass wurde ihm von Wendelin Wesinger ein Bild von der Bischofsmesse aus Anlass der Feier „60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“ überreicht. Die Maiandacht wurde von einem Bläsersextett feierlich begleitet. Auch bei der anschlie-

Pfarrer Mag. Zeiger mit Assistenten und Pfarrer Fischer

ßenden Zusammenkunft im Pfarrheim St. Peter wurde die abwechslungsreiche Plauderstunde von dem Sextett untermalt. Insgesamt eine sehr schöne Maiandacht und Zusammenkunft, die wir auch im nächsten Jahr wiederholen werden. Danke Herrn Pfarrer Franz Zeiger und allen anderen Helfern für die schöne Feier und allen Landsleuten für die zahlreiche Teilnahme. Richard Deckert

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ROBERT HAMMERSTIEL erhielt RITTERKREUZ des päpstlichen Silvesterordens Robert Hammerstiel wurde am 18. Februar 1933 in Werschetz geboren und kam als Kind in das Tito-Vernichtungslager Molidorf, welches er mit Gottes Hilfe überlebte. Heute ist der in Ternitz lebende Hammerstiel ein international anerkannter Künstler, der schon vielfach für sein Schaffen ausgezeichnet wurde. In Österreich wurde ihm schon früher u.a. das „Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich“ verliehen. Am 4. März 2005 wurde unserem geschätzten Landsmann Robert Hammerstiel nunmehr die hohe Auszeichnung Weihbischof DDr. Helmut Krätzel heftet Dr. Hammerstiel die hohe Ehrung an. Bild: H. Frisch

„Ritterkreuz des päpstlichen Silvesterordens“ im Festsaal des Wiener Erzbischöflichen Palais durch Weihbischof DDr. Helmut Krätzl im Rahmen einer feierlichen Ordensverleihung überreicht.

Landeskassier Stv. ELISABETH KUNGEL geht auch als Funktionärin in den „RUHESTAND“ Unsere Elisabeth Kungel, geboren am 30. Oktober 1923 in Ernsthausen, Langzeitfunktionärin im Dienste – und das kann man zweimal unterstreichen – unserer Landsleute macht als offizielle Funktionärin Feierabend in der Landesleitung.

Donauschwaben wurde sie am 19. November 2000 mit der Verdienstmedaille in Gold ausgezeichnet. Die Landesleitung hat aus Anlass ihres Ausscheidens in einer Arbeitssitzung am 2. April 2005 ihre Leistungen gewürdigt und ihr für den weiteren Lebensweg die besten Glückwünsche mit auf den Weg gegeben. Landesobmann Ellmer hat darüber hinaus auch bei der Generalversammlung am 9. April 2005 ihre besonderen Leistungen hervorgehoben und ihr im Namen der Landesleitung einen Blumenstrauß überreicht.

Trotz des schweren Schicksals (wie schon früher berichtet, war sie mit ihren zwei Kleinkindern im Lager Rudolfsgnad, wo ihr trotz aller Fürsorge beide Kinder buchstäblich in ihren Armen verhungerten) war sie immer guten Mutes und äußerst aktiv. So arbeitete sie in den vergangenen Jahren einmal als Schriftführerin, dann in der Rolle der Kassier-Stellvertretenden, wobei sie stets gute Arbeit geleistet hat. Wo immer es möglich und notwendig ist, stellte sie sich in den Dienst der Landsmannschaft, ganz egal ob an der Kassa bei Veranstaltungen, beim Verkauf von div. für unsere Landsleute interessante, heimatbezogene Bücher, Kassetten oder Sonstiges, immer sprang sie ein bzw. griff sie zu, ohne dass man lange betteln musste. Nicht zuletzt verwöhnte sie die TeilnehmerInnen bei den obligatorischen Vorstands- und Landesausschuss-Sitzungen mit gutem Kaffee. In Anerkennung und Würdigung ihrer besonderen Verdienste um die

Frau Kungel – ein Blumenstrauß für ihren jahrelangen Einsatz

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Herr CHRISTIAN BURGER feierte seinen 90. GEBURTSTAG Unser langjähriger Funktionär und begeisterter Donauschwabe Christian Burger, feierte bei bester Gesundheit und in voller Frische im Kreise seiner lieben Familie seinen runden Geburtstag. Er wurde am 25. März 1915 in Berak geboren. In der bäuerlichen Familie seiner Eltern erlebte er mit seinen drei Geschwistern eine unbeschwerte Kindheit in einer Zeit, als die donauschwäbische Kultur auch noch im Dorf Berak am Höhepunkt war. Er absolvierte das Gymnasium in Vukovar, war als Lehrer und Gemeindenotar tätig, heiratete, gründete eine Familie und war glücklich bis er schließlich Zeitzeuge der Gräueltaten des Krieges wurde. Seine Familie auf der Flucht, seine Eltern interniert und verhungert, er landete in einem Tito-Lager, aus dem ihm 1948 eine abenteuerliche Flucht nach Österreich gelang. Hier, in seiner neuen Heimat, hat er mit seiner Frau Helene und den donauschwäbischen Tugenden, gepaart mit viel Optimismus, ein neues Leben aufgebaut.

Aus diesem Anlass hat ihm unser Landesobmann Ellmer für seine langjährige Tätigkeit als Funktionär den Dank der Landesleitung übermittelt. Zwei Wegbegleiter der Landsmannschaft, Frau Elisabeth Kungel und Hans Himmelsbach überbrachten ihm überdies einen Geschenkkorb und verbrachten gemeinsam einige in Erinnerungen schwelgende nette Stunden miteinander.

Frau Elisabeth Kungel und Hans Himmelsbach, im Bild hinten stehend, stellten sich bei der Gratulation der Landesleitung mit einem schönen Geschenkkorb ein

FESTVERANSTALTUNG im U-Hof Am 10. Juni 2005 fand im Landeskulturzentrum Ursulinenhof ein Festakt unter dem Motto „Erinnerungen für die Zukunft. Oberösterreich 1945 –1955 – 2005“ statt. Prominente Gäste waren als Zeitzeugen eingeladen, die ihre eigene Sicht auf die Geschehnisse dieser spannenden Zeit berichteten. Landtagspräsidentin Angela Orthner betonte in ihrer Festrede die große Bedeutung von Bildung und Kultur für den Wiederaufbau unseres Landes. Unser Vertreter, Altbürgermeister Robert Pill, konnte dabei von der besonders schwierigen Situaton der Vertriebenen berichten.

Im Bild v.l.n.r.: Neulinger, Orthner, Trauttenberg, Recheis, Lehr, Pill, Dr. Eypeltauer, Dr. Gleißner

Fotonachweis: Deckert, Hefner, Frach, Holz, Burger, Fraunhoffer, Holzinger, Lengauer, Volksbildungswerk „Namentlich gezeichnete Artikel müssen nicht in jedem Falle mit der Meinung der Landesleitung übereinstimmen.“

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Fortsetzung – Titelseite:

Letztendlich konnte wieder eine kleine Reparaturwerkstätte gegründet werden – und zu reparieren war wahrlich viel in dieser Zeit.

„60 Jahre ENGEL AUSTRIA GmbH“

Von der Gründung des Unternehmens an wirkt Tochter Irene als rechte Hand des Vaters in der kommerziellen Abwicklung mit. Buchhaltung und Finanzen sind ihr Verantwortungsbereich – und sollten es für die nächsten 60 Jahre auch bleiben. Aus dieser mechanischen Werkstätte entwickelte sich nach und nach eine Maschinenbaufirma, die immer höher qualifizierte Maschinenbauteile fertigen konnte. Mit Improvisationstalent wurden bald auch große Teile, wie Komponenten für Walzwerke oder Seilbahnen hergestellt. 1948 sind bereits 30 Mitarbeiter bei Engel beschäftigt.

Die Engel Führungsmannschaft 1953 Bereits in den frühen 50er Jahren zählte Engel zu den Pionieren der Spritzgießtechnik – dies schließt eigene Entwicklung und Fertigung mit ein. Im Bild: 3. von links Frau Irene Schwarz-Engel, 4. von links Herr Georg Schwarz, ganz rechts Herr Ludwig Engel

Im Jahre 1951 heiratet Irene Engel Herrn Georg Schwarz, ebenfalls einen Donauschwaben, der eine ähnliche Familiengeschichte von Flucht und Vertreibung hinter sich hatte. Herr Georg Schwarz wurde am 18. Februar 1928 in Essegg (heute Osijek) in Kroatien geboren. Nach Volks-, Hauptschule und Gymnasium kam die Flucht. 1944 kam er mit einem Transport ins nördliche Sudetenland nach Reichenberg (heute Liberec, Tschechien), wo er am Realgymnasium maturierte. Nach Kriegsende musste auch diese neue Heimat ebenfalls verlassen werden.

Ursprünglich stammten die „Engel“ aus Neu Werbass (heute Novi-Vrbas) in der Batschka. Dort wurde auch zu Weihnachten 1929 Tochter Irene geboren. Herr Engel arbeitete für Wagner Biro in Belgrad beim Bau der Bühnentechnik in der Oper, wo er danach zum Technischen Direktor avancierte. Die Familie zog ebenfalls nach Belgrad nach. Dort absolvierte Tochter Irene die deutsche Volks- und Bürgerschule. Ende der 30er Jahre wagte Herr Engel den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete einen Maschinenbaubetrieb. Das Ende der gesicherten Existenz kam mit dem Vorrücken der Ostfront.

Ende 1945 kam Herr Georg Schwarz mit seiner Familie nach Österreich. Dort besuchte er die dreijährige Fachschule für Maschinenbau an der HTL-Linz und parallel dazu absolvierte er eine Lehre als Maschinenschlosser bis zur Meisterprüfung. 1951 trat Herr Georg Schwarz in den Betrieb des Schwiegervaters als Produktionsleiter ein und durchlief sukzessive alle Stationen im Betrieb.

In Schwertberg angekommen, hatte man zuerst die Endphase des Krieges zu überstehen. Beschäftigung gab es für den Vater in den technischen Werkstätten der Wehrmacht. Durch glückliche Umstände konnten sogar einige eigene Maschinen mit nach Schwertberg gerettet werden – die dann aber noch vor Ende 1945 durch Reparationsforderungen der russischen Autoritäten enteignet und nach Jugoslawien rückgeführt wurden. Trotzdem gelang es Herrn Engel nochmals neu zu beginnen. Nicht zuletzt seine Kenntnisse slawischer Sprachen und seine Kontaktstärke waren die Basis dafür.

Der Ehe mit Irene Engel entstammen die beiden Töchter Birgitte und Helga. Nachdem in den ersten Jahren des Bestehens der Firma Engel den Maschinenbau vor allem als Lohnfertiger und Sublieferant größerer Maschinenbauunternehmen betrieb, kamen ab 1948 erste Bakelitpressen ins Fertigungsprogramm. Später wurde ein bestehender Bakelit-Pressbetrieb übernommen. 10


der Gatte von Tochter Mag. Helga Neumann, führt mit einem Team von Geschäftsführern die operativen Gesellschaften. Tochter Dr. Birgitte Engleder ist in der Geschäftsführung der Besitzgesellschaften – und die vierte Generation befindet sich derzeit in Ausbildung.

Damit wurde die Grundlage für die Konzentration auf die damals noch junge Sparte der Kunststoff-Verarbeitungsmaschinen gelegt. Der Bedarf stieg ständig, sodass ab 1955 die Serienfertigung von Spritzgießmaschinen aufgenommen werden konnte. Gleichzeitig wurden erste Exportaktivitäten gestartet. Nach dem Tod ihres Vaters 1965 übernimmt Frau Irene Schwarz gemeinsam mit ihrem Ehegatten KR Georg Schwarz die Geschäftsleitung der Ludwig Engel KG mit damals ca. 438 Mitarbeitern und 120 Mio. ATS Umsatz.

Die Mitarbeiterzahl der ENGEL-Firmengruppe ist auf aktuell über 3.300 angewachsen, der konsolidierte Konzernumsatz betrug im letzten Geschäftsjahr (2004/05) 586 Mio. Euro. Über 94 % der Erzeugnisse gehen in den Export.

Mit der zunehmenden Verwendung von Kunststoffteilen und dem Bedarf an Kunststoff-Spritzgießmaschinen wurde sowohl die Produktion, als auch das Vertriebsnetz unter der Führung der Unternehmerfamilie Schwarz stetig ausgebaut – und gebaut wurde buchstäblich immer. Das Stammwerk Schwertberg wuchs zum Industriebetrieb heran.

Für ihr umsichtiges und erfolgreiches Wirken zum Ausbau des einfachen Reparaturbetriebes einer Donauschwabenfamilie zum Weltmarktführer für Spritzgießmaschinen wurden sowohl Frau Irene Schwarz, als auch Herr Georg Schwarz mit zahlreichen Auszeichnungen von Universitäten und staatlichen Stellen verliehen. Auch die schweren Zeiten nach der Flutkatastrophe von 2002, bei der die gesamte Einrichtung des Stammwerks Schwertberg durch zwei zeitlich knapp hintereinander liegende Überflutungen weitgehend zerstört wurden, konnten durch umsichtiges Handeln und die gesunde Finanzstruktur des Unternehmens in relativ kurzer Zeit überwunden werden.

1977 wurde in Guelph/Ontario – Kanada das erste Auslandswerk gegründet. In Österreich wurden 1986 und 1988 mit dem Start der Zweigwerke in Steyr/Münichholz und St. Valentin das Angebot um Linearroboter und Großmaschinen erweitert und wichtige Schritte in Richtung Marktführerschaft unternommen. 1998 musste das Roboterwerk wegen der stark steigenden Nachfrage in einen Werksneubau nach Dietach bei Steyr übersiedeln.

An den Abschluss wollen wir ein Originalzitat von Frau Irene Schwarz stellen: „Obwohl nichts den Verlust der Heimat und der eigenen Wurzeln ersetzen kann, sind wir in der Rückschau froh und zufrieden, in Österreich eine so gute und schöne neue Heimat gefunden zu haben.“

Ab 1989 wurden Engel Großmaschinen auch in den USA in York/Pennsylvania hergestellt. Mit der Entscheidung zum Bau eines Werkes für kleine und mittlere Spritzgießmaschinen in Südkorea verfügt Engel als erste Firma in der Branche über Produktionswerke in drei Erdteilen. Diese Strategie wird derzeit durch den Bau eines Großmaschinenwerkes in Shanghai in der Volksrepublik China konsequent fortgesetzt.

Die Produktionswerke werden durch ein weltweites Netzwerk an eigenen Tochterfirmen und Vertretungen für Verkauf und Service in mehr als 70 Ländern ergänzt. 1997 übergab das Ehepaar Schwarz die operativen Geschäfte des Unternehmens an die nächste Generation. Dr. Peter Neumann, 11


„60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“ Festansprache bei der Dank- und Gedenkveranstaltung in Leonding-Hart am 23. Oktober 2004 von Dr. Georg Wildmann Rumänien hat nicht vertrieben, hat aber in seiner kommunistischen Phase alle enteignet und damit die schwäbischen sozialen Dorfstrukturen zerstört, in der Folgezeit aber ein deutschsprachiges Schul- und Kulturwesen zugelassen und eine enorme Spätaussiedlung nach Deutschland toleriert. Die Banater Schwaben zu Hause konnten nach der Wende mit einiger Mühe landwirtschaftliche Nutzflächen und Häuser wieder zurückbekommen. Auch für die im Ausland Lebenden ist es grundsätzlich möglich, an das verlorene Gut heranzukommen, praktisch freilich infolge vieler formalistischer Hürden meist unergiebig. Alles in allem ist Rumänien bemüht, die Voraussetzungen für die Aufnahme in die EU in den nächsten 2 – 3 Jahren zu schaffen. Und man spürt auch, angesichts dessen, was man den Schwaben und Sachsen angetan hat, einen Hauch von schlechtem Gewissen, jedenfalls mehr, als man es bei den Tschechen verspüren kann.

– Fortsetzung von Heft 1/2005

es sowohl Kroatien wie auch unser Außenministerium nicht besonders eilig hat. Man lässt die biologische Uhr ticken. In Serbien hat das Parlament in Belgrad 2002 in seinem Minderheitenschutzgesetz die deutsche Minderheit als autochthone Volksgruppe anerkannt. Der Verfassungsgerichtshof hat im März 2003 erklärt, dass die AVNOJ-Bestimmungen schon seit 2002 kein Teil der serbischen Rechtsordnung mehr sind. Er als Verfassungsgerichtshof könne nur die Auswirkungen und Folgen beurteilen. Die Folgen des AVNOJ-Beschlusses vom 21. November 1944 waren für uns: Eigentumsberaubung, Lagerinternierung, Tod von 60.000 Zivilpersonen, Zwang zur Flucht, gesundheitliche Schädigung und schließlich dreijährige zwangsweise Arbeitsverpflichtung für die im Land Gebliebenen. Wie will man mit diesen Folgen des Beschlusses des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung – das heißt ja AVNOJ – juristisch umgehen? Das Parlament der Autonomen Provinz Wojwodina, hat im März vergangenen Jahres eine Resolution gefasst, die besagt: Das Unrecht, das durch die Anwendung des Prinzips der Kollektivschuld im II. Weltkrieg und unmittelbar danach angetan wurde, ist zu überwinden. Und zwar so, dass alle Gesetze („normativen Akte“) die die Kollektivschuld als Grundlage haben, zu überprüfen und die unschuldig Betroffenen zu rehabilitieren sind. Das Wojwodina Parlament werde sich an das Parlament in Belgrad wenden mit dem Vorschlag, diese Gesetze aufzuheben. Wir hoffen nun – mit einiger Sorge –, dass das neugewählte Parlament der Wojwodina bei dieser Resolution bleibt. Wenn man das Verhalten dieser unserer vier vormaligen Heimatländer zusammenfasst, dann sieht man, dass die politische Marschrichtung, die sie nach Zusammen-

Kroatien hat angedeutet, dass der AVNOJBeschluss vom 21. November 1944, der die Entrechtung und Enteignung verfügte, nicht mehr gilt; es hat unsere Landsleute, die noch in Slawonien leben, als autochthone Volksgruppe anerkannt; es hat die Errichtung der Gedenkstätten auf dem Gelände der Todeslager von Kerndia und Valpovo gestattet. Es hat sie damit auch moralisch rehabilitiert, es hat nämlich damit ausgedrückt: „Die hier liegen, waren keine Verbrecher.“ Verbrecher bekommen keine Ehrenmale. Kroatien zieht auch die im Ausland lebenden vormaligen Staatsbürger in sein Entschädigungsgesetz ein, wenn ein zwischen-staatliches Abkommen getroffen wird, in unserem Falle also zwischen dem kroatischen Staat und Österreich. Leider werden wir, was den Abschluss des Vertrages betrifft, von einem Termin auf den anderen vertröstet. Man hat den Eindruck, dass 12


bruch des Realsozialismus eingeschlagen haben, genau in die Richtung geht, die Frau Steinbach als einzig realistische bezeichnet hat: Heilung des Vertreibungsunrechts unter Absage an eine angemessene Entschädigung. Ich glaube, mehr wird politisch nicht durchsetzbar sein. Bitter oder nicht – das ist unser europäisches Nachkriegsschicksal. Eines wird – nebenbei bemerkt – auch deutlich: Die Noch-Nicht-Mitglieder der EU haben ihren Vertriebenen gegenüber größeres Entgegenkommen gezeigt als die EU-Mitglieder Polen und Tschechien! Wenn unsere Landsmannschaftsführungen das akzeptierten, was die Präsidentin des BdV ohnehin schon vorgeschlagen hat, dann täten sie sich leichter im Dialog mit den gutwilligen Politikern der alten Heimat. Sie könnten sagen: „Versprecht uns zu tun, was ihr an Entschädigung – oder besser: Gutmachung – leisten könnt. Dass das nicht annähernd den Verlust, den wir erlitten haben, ersetzen wird, das wissen und akzeptieren wir. Aber betrachtet und erklärt uns als moralisch rehabilitiert, als ehrenhafte Menschen, die keine Landesverräter waren, die ihrer alten Heimat verbunden sind; und schreibt die Wahrheit in eure Schulbücher und wissenschaftlichen Werke.“ Was bleibt uns angesichts dieser Situation an Wünschen an die Politiker und Verantwortungsträger hier in unserer nun schon 60-jährigen neuen Heimat, realistisch, vom Grundsatz ausgehend: „Politik ist die Kunst des Möglichen“? –

Bei einem Treffen in Wien sagt der Vertreter der Banater Schwaben aus Temeswar, sie müssten ein Deutsch-Lehrbuch für die achte Klasse Gymnasium drucken, wüssten aber nicht, woher sie das Geld bekommen sollen. Einer unserer parlamentarischen Vertreter fragte nachher nur eines: Wieviel brauchen die in Temeswar für das Schulbuch? Da ist mir eines klar geworden: Mit politischen Erklärungen und großen Hilferufen können unsere Parlamentarier wenig anfangen. Aber: die brauchen ein Buch, Größenordnung vielleicht zweitausend Euro – da hat es beim Politiker gefunkt. Damit konnte er etwas anfangen! Und da ist er bereit, einzuspringen. Das meine ich mit der konkreten humanitären Offenheit. Ich möchte unseren Politikern sagen: Bewahren Sie diese Offenheit! Die Empathie: Das Zweite, die Empathie. Empathie meint die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen, seine Bedürfnisse und Interessen wahrzunehmen und das dann im eigenen Handeln zu berücksichtigen. Vor drei Jahren (Mai 2001) gab es in Wien ein vom Verband Volksdeutscher Landsmannschaften Österreichs – er feiert in diesem Jahr sein 50-jährige Bestandsjubiläum – initiiertes Treffen aller Vertreter der deutschsprachigen altösterreichischen Volksgruppen. Erstmals übrigens. Wir waren mit diesen unseren Landsleuten ins Parlament geladen – der Hausherr, der eingeladen hatte, ließ sich vertreten. Wir waren zu einem Imbiss ins Wiener Rathaus geladen – der Hausherr, der eingeladen hatte, ließ sich vertreten. Der Bundeskanzler hatte schon im Vorhinein die Anhörung der Berichte an einen höheren Politiker delegiert. Es war irgendwie deprimierend – man hatte den Eindruck: Du kommst als Vertreter einer deutschsprachigen Minderheit aus dem Gebiet der großen Donaumonarchie an die heutige Spitze der österreichischen Politik nicht heran. Und du weißt nicht, warum: wirst du ignoriert, bist du politisch uninteressant oder hat man vor dir Berührungsangst.

Drei Dinge möchte ich unseren Politikern ans Herz legen: Das Humanitäre, das Empathische und das Kulturelle. Das Humanitäre: An einem Beispiel. Wenn ein Landsmann, wie schon mehrmals geschehen, Lebensmittel sammelt, einen Lastwagen mietet, die Sachen in die Wojwodina transportiert und sie unter den dortigen pensionierten Landsleuten verteilen lässt – diese sind alt, haben eine minimale Pension und es geht ihnen schlecht – da kann es passieren, dass dieser Landsmann kommt und fragt: Könnt ihr mir helfen bei den Transportkosten? Wenn für solche gelegentliche Hilfe eine offene Hand da ist, dann ist humanitär geholfen!

Oder: Wir von der Erlebnisgeneration erleben es alljährlich, dass es Gedenktage bloß für die „Opfer des Faschismus“ gibt, nicht 13


aber für „Alle Opfer der Gewaltherrschaft.“ Die Öffentlichkeit und Politik merkt nicht, wie frustrierend und schmerzlich es für uns ist, unsere Toten als Opfer zweiter Klasse empfinden zu müssen. – Da träumen wir von mehr Mut zur Empathie für uns seitens der deutschen und österreichischen Öffentlichkeit, auch seitens der Medien; vom Mut, von unserer Warte aus zu denken und von unserem Herzen aus zu fühlen. Damit das weniger werde, was Frau Steinbach als „Zorn über mangelndes Mitgefühl“ bezeichnet hat.

Ich träume manchmal von der Errichtung eines Dokumentationszentrums zur gemeinsamen Kultur und Geschichte, wenn diese Länder einmal bei der EU sind, wo auch unsere Geschichte dokumentiert und wissenschaftlich weiterverarbeitet wird. Geistige Erinnerungskultur als Instrument des Friedens. Allerdings müssen zunächst wir Donauschwaben der Erlebnisgeneration selbst dazuschauen, dass solche Orte entstehen, denn wir stehen in einem hohen Lebensalter und die Kinder- und Enkel jener Generation, die uns vertrieben hat, wissen nur mehr wenig, und spüren sich noch weniger verantwortlich für eine Wiedergutmachung. Die Initialzündung zur Einrichtung solcher Stätten der Erinnerungskultur muss von uns ausgehen. Die Spendenaktionen für die Errichtung von Gedenkstätten und -kreuzen über den Massengräbern – jetzt sind es schon fünf – waren und sind ein guter Anfang.

Das Kulturelle: (Ein Drittes: das Kulturelle) Wenn man noch tiefer geht, in die Seele, stellt sich die Frage: Was hilft uns von der Erlebnisgeneration, uns „seelisch Kriegsversehrten,“ wirklich, unsere wiederauflebenden Schmerzen der Erinnerung, unsere seelischen Verletzungen, unsere Traumata, unsere emotionale Heimatlosigkeit so weit zu heilen, dass man in die kontemplative Sphäre eines Altseins kommt, wo man die Erinnerung rufen und wieder – schmerzfrei – ruhen lassen kann.

Schluss: Heilung des Vertreibungsunrechts mit Absage an eine angemessene Entschädigung: mit Inkaufnahme der symbolischen Entschädigung – das kristallisiert sich wohl als einzig realistischer und politisch durchsetzbarer Weg heraus, der sich den Heimatvertriebenen deutscher Muttersprache in der EU öffnet. Wenn unsere Politiker hier in diesem Land und das öffentliche Bewusstsein in Österreich uns bei der Heilung des Vertreibungsunrechts weiterhin helfen: im Sozial-Humanitären, im mutigen Mitfühlen und in der Pflege einer heilenden völkerverbindenden Erinnerungskultur – dann wollen wir schon im Voraus aus ganzem Herzen Danke sagen !

Ich möchte das, was meines Erachtens uns in der Tiefe der Seele hilft, mit dem Begriff „Erinnerungskultur“ kennzeichnen. Was heißt das konkret für mich als Donauschwaben aus der Wojwodina, Kroatien und Rumänien? Konkret heißt das für mich, dass über den Orten unserer Vernichtungslager Gedenkstätten stehen, zu denen man reisen kann, um die Trauerarbeit nachzuvollziehen. Oder wenigstens weiß, dass die Orte des Grauens auch Orte der Ehre geworden sind. Erinnerungskultur konkret besteht für mich in der Errichtung eines Museums, kombiniert mit einem „Haus der Begegnung“, je eines in Kroatien, Serbien und Rumänien, mitfinanziert und erhalten von diesen Staaten, – das wäre auch eine Form materieller Entschädigung – Orte der Erinnerungsgemeinschaft im Austausch, wo ich weiß, dass Begegnungen und Tagungen stattfinden und unsere Kultur und Geschichte sichtbar wird und bleibt. Der Anfang ist ja gemacht mit dem „Deutschen Haus“ in Subotica, dessen Ankauf von Deutschland finanziert wurde.

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WENN die STEINE auf den Gräbern REDEN könnten Aus: „Schule & wir – Bayern“

bearbeitet von Richard Deckert Das Jahr 1945 ist erst wenige Monate alt. In den stillen Waldtälern an der bayerischböhmischen Grenze beginnt die Schneeschmelze. Von dem großen Krieg, der Europa seit 1939 verheert, hat man hier noch wenig gespürt. Doch am 18. April 1945, vier Stunden nach Mitternacht, holt sein Grauen die ländliche Idylle ein. Fliegeralarm! Sirenen reißen die Stadt Cham aus dem Schlaf. Bomben verwandeln das Gelände um den Bahnhof in ein Chaos.

besuchte er es zu Hause, brachte ihm etwas zu lesen.“ Mit diesen Worten erinnern sich einige seiner Schüler heute noch, nach 60 Jahren, an diesen Lehrer. Im Gedächtnis geblieben ist auch sein Schulchor, der so gut war, dass er sogar im Soldatensender Belgrad zu hören war. Jetzt, an diesem 1. Oktober 1944 in Karlsdorf schätzt Lehrer Schwan die Lage realistisch ein. Die Kinder müssen unbedingt fort. Er organisiert von einer Bäckereikompanie drei Lastwagen. Die noch am Bahnhof ausharrenden Buben und Mädchen klettern auf die Fahrzeuge, begleitet von Lehrer Schwan. Spätabends trifft der Transport in Pantschowa ein. Ein verlassenes Schulhaus wird das erste Nachtquartier. Das Schicksal der zuhause Gebliebenen lässt Lehrer Schwan keine Ruhe. Mit den Wehrmachtsfahrzeugen fährt er in das Heimatdorf zurück und bettelt dort noch einmal vier oder fünf Schüler los, aus der Familie. Im Morgengrauen geht es per Eisenbahn in Richtung Belgrad. Aber schon nach wenigen Kilometern hält der Zug auf freier Strecke. Die große Donaubrücke ist gesprengt. Zuerst heißt es, zu Fuß weiterflüchten. Koffer und Proviantkörbe bleiben zurück. Eine Militärfähre bringt Stunden später alle glücklich über den Strom. Als sie gegen drei Uhr nachmittags den Bahnhof Belgrad erreichen, haben sie nur mehr das bei sich, was sie auf dem Leib tragen. Am Abend finden die Karlsdorfer dann Platz in einem, mit Kindern aus dem Banat, überfüllten Zug, Richtung Wien. Tagelang geht es über Nebenstrecken und durch Partisanengebiet zur österreichischen Grenze. „Wir saßen am Boden, hielten uns bei den Händen und trösteten uns gegenseitig, während wir weinten“, erinnert sich eine Teilnehmerin. Aber auch davon erzählt sie, wie liebevoll sich Lehrer Schwan um alles kümmert. Er

Stunden später irrt zwischen Feuerwehr und Sanitätern auch eine Schar Kinder durch die Ruinen. Knapp 13 oder 14 Jahre sind sie alt. Mit verstörten Gesichtern suchen sie den Rest ihrer Schulklasse. Schließlich bergen sie fünf verletzte und sieben tote Kameraden. Das Stück Stoff an einem abgerissenen Unterarm, den sie finden, gibt ihnen die grauenvolle Gewissheit: auch ihr Lehrer ist tot. Das sind die letzten Bilder einer Tragödie, die genau 200 Tage vorher begann. Es ist Sonntag, der 1. Oktober 1944. Über Nacht ist unser friedliches Dorf Karlsdorf, im südlichen Banat, in den Strudel des großen Krieges geraten. Am Bahnhof wimmelt es von Menschen. Koffer, Kisten Körbe mit Verpflegung und Winterkleidung. Letzte Umarmungen, Tränen, Abschiedsworte. Als endlich der Transportzug heranrollt, geschieht etwas Unfassbares, er hält nicht an. Berstend voll, kann er niemanden mehr mitnehmen. Viele geben jetzt auf. Der Bahnsteig beginnt sich zu leeren. Da ergreift der blutjunge Lehrer Ludwig Schwan, kaum 24 Jahre alt, die Initiative. Er unterrichtet erst seit zwei Jahren an der Hauptschule Karlsdorf. Von Anfang an hatte er das Vertrauen der Eltern – und die Kinder mögen ihn. Er war uns ein Kamerad, wie ein älterer Bruder. Wir haben aus Begeisterung für ihn gelernt, nur um ihn nicht zu enttäuschen. „War ein Kind krank, 15


macht den Kindern Mut, versucht sie mit Liedern aufzuheitern.

am Nachmittag die bayrische Grenzstadt Furth im Wald. Dann folgt eine Nacht im Wartesaal. Den Angriff einiger Tiefflieger am nächsten Tag überstehen Kinder und Lehrer heil in einem Splittergraben. Dort haben auch Soldaten einer Panzergrenadier-Kompanie Zuflucht gefunden. Ihr Transportzug steht abfahrbereit in Richtung Westen. Könnte er die Kinder ein Stück weit mitnehmen? Lehrer Schwan verhandelt mit dem Kommandeur. Der willigt ein. Zwischen Kettenfahrzeugen und Munitionskisten gelangt so die Schülerschar gegen Abend nach Cham. Auf dem Fußboden im Wartesaal des Bahnhofs, mitten unter den Soldaten und Flüchtlingen, bettet sie Lehrer Schwan zur Nacht. Zu ihrer letzten gemeinsamen Nacht. Als um vier Uhr früh der Fliegerangriff beginnt, stürmt alles ins Freie. „Lauf dort hinüber, Josef“ und „Hansi, bist du noch da?“, hören die Kinder den Lehrer durch das Bombeninferno rufen. Auf einmal verstummt die Stimme. Da ahnen die Buben: Der Mann, der sie ein halbes Jahr lang durch alle Fährnisse geleitet hat, wurde selbst getroffen. –

Am Morgen des 5. Oktober 1944 erreicht der Zug Wien. Zum ersten Mal seit dem Aufbruch gibt es warmes Essen. Dann trifft die Hiobsbotschaft ein. Hier ist alles überfüllt, die Fahrt ins Ungewisse muss weitergehen. Es ist Samstag, der 7. Oktober 1944 als die Karlsdorfer in Passau ankommen. Hier wird die kleine Schicksalsgemeinschaft aufgeteilt. Die Buben gehen mit Ludwig Schwan nach Niederbayern, die Mädchen mit einer Lehrerin nach Oberfranken. Der Gasthof Buchner in Malersdorf, nahe Landshut, wird das vorläufige Zuhause für die Buben. Der Winter kommt, mehr als drei Monate verstreichen, ein provisorischer Unterricht findet statt. Auch der Kontakt zur Mädchengruppe reißt nicht ab. Dreimal besucht sie Lehrer Schwan in Hof an der Saale. Ende Januar 1945 ist die Ruhepause in Niederbayern vorbei. Die Schüler werden erneut evakuiert, diesmal in die Tschechoslowakei. Abermals eine Fahrt ins Ungewisse. 20 Kilometer westlich von Prag, in die Stadt Beraun. Eine ehemalige Kaserne ist nun ihr Quartier. Mitte April 1945 tritt hier eine dramatische Wende ein. Im Morgengrauen müssen die Kinder einen Eid auf Führer, Volk und Vaterland schwören. Für sie gelte es nun zu kämpfen, Waffenübungen werden angeordnet und Panzersperren sollen ausgehoben werden.

Die Gräber der Bombenopfer im Friedhof Cham sehen heute gepflegt aus. Wer hier verweilt, und es sind viele, dem drängt sich die Frage auf: Welchen Sinn hatte die tragische Irrfahrt dieser Schüler? Wäre es nicht besser gewesen, das Kriegsende zu Hause in Karlsdorf abzuwarten? Doch wir wissen: Das Schicksal der daheim Gebliebenen war entsetzlich. Zehntausende wurden von den Tito-Partisanen mit unbeschreiblicher Grausamkeit umgebracht. Unter ihnen auch der Vater von Ludwig Schwan und seine Mutter – sie starb in einem Vernichtungslager. Trotz der Todesnacht von Cham war es für die Überlebenden die Fahrt in eine bessere Zukunft. Der Schmerz um eine verlorene Heimat, um tote Jugendfreunde ist heute, 60 Jahre danach, noch wach. Aber auch die Liebe zu einem Lehrer, der Kindern bis in den Tod die Treue hielt. – Oft stehen Blumen auf seinem Grab in Cham.

Für Lehrer Schwan gibt es keinen Zweifel: Seine 13- und 14-jährigen Schüler sollen als Volkssturm den russischen Truppen, die schon östlich von Prag stehen, entgegen geworfen werden. Da beschließt er zu handeln. Er enthüllt seinen Schülern einen hochverräterischen Plan. „Wir werden unser Vaterland gewiss verteidigen, aber nicht hier in der Tschechoslowakei, sondern in Deutschland.“ Am nächsten Tag besorgt Schwan in Prag bei der Volksgruppenleitung der Banater einen Blanko-Fahrschein. Die Nacht zum 16. April 1945 bricht an. Nach ein paar Stunden Schlaf weckt Ludwig Schwan die Kinder. Im Dunkeln führt er sie zum Bahnhof. Als der Morgen graut besteigen sie einen Zug nach Pilsen. Von dort erreichen sie noch

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AUSSTELLUNG der DONAUSCHWABEN

von Richard Deckert

unserem Vereinsmitglied Wendelin Wesinger angefertigten Modelle von Haushaltsgeräten im Kleinformat, angefangen von den Vorgängern der heutigen Waschmaschine bis zu den Hausbrunnen und Ackergeräten. Bemerkenswert auch die originalen Haushaltsgeräte, die schon in der alten Heimat in Verwendung waren und vielfach Erstaunen auslösten. Wie vorgesehen haben 7 Klassen von verschiedenen Schulstufen aus Marchtrenk mit ihren Lehrkräften die Ausstellung besucht. Wir konnten dabei den Schülern und den Lehrern sehr viel über unser Leben, unser Wirken und unsere Kultur während unserer 200 Jahre dauernden Ansiedlung im ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Kaiserreich vermitteln. Das allgemeine Wissen über unsere Vergangenheit ist gering. Wir glauben aber, durch diese Ausstellung und den persönlichen Kontakt zu den Schülern und Lehrern eine kleine Nachhilfe zu unserer Vergangenheit geleistet zu haben. Die Ausstellung wurde am Freitag, dem 8. April 2005 in Anwesenheit von vielen Persönlichkeiten aus Marchtrenk und Umgebung von Landesobmann Ing. Anton Ellmer und Bürgermeister Fritz Kaspar feierlich eröffnet. Alle Gäste waren vom Umfang und der Ausstattung der Ausstellung beeindruckt, und es wurde nicht mit Lob gespart. Dieses Lob gehört allen Helfern der Ausstellung, vor allem aber den drei Mitgliedern, ohne die die Ausstellung nicht möglich gewesen wäre: Dank an Ing. Sebastian Auer, Georg Lang und Wendelin Wesinger.

Gleichzeitig mit der Jahreshauptversammlung am 9. April 2005 im Volkshaus in Marchtrenk war von 8. – 13. April 2005 eine Sonderschau der Donauschwaben aufgebaut. Unser Ausschussmitglied und anerkannter Erfinder Ing. Sebastian Auer zeigte zum ersten Mal in OÖ. seine voll funktionsfähige kleinste Dreschmaschine der Welt. Diese Dreschmaschine – die auch im GuinnessBuch der Rekorde gewürdigt und verewigt wurde – war die Sensation bei Jung und Alt. Vor allem die jungen Besucher waren von der Maschine und ihrer Funktion begeistert, wenngleich die meisten von der Arbeitsweise und Notwendigkeit keine Vorstellung haben. Ins Schwärmen kamen viele ältere Besucher beim Anblick der Maschine. Gespräche und Erinnerungen an die damalige Zeit, an die körperlich schwere und staubige Arbeit beim Dreschen, waren zu hören. Unser Bildreferent Georg „Djuri“ Lang hat seine umfangreiche Bildersammlung mit neuen Bildern ergänzt und erweitert. So wurde bei dieser Ausstellung auf den zu erwartenden Besuch von Schulklassen Rücksicht genommen und die Bilderschau darauf abgestimmt. Neu in der Sammlung waren eindrucksvolle Bilder von der Verschleppung der Banater Schwaben in die Baragan-Steppe. Auf 60 Bildtafeln wurden insgesamt ca. 220 großformatige Bilder gezeigt. Es war dies eine der größten Bilderausstellungen über das Leben und Leiden der Donauschwaben. Eine echte Bereicherung unserer Ausstellung waren die von

V.r.n.l.: Georg Lang, Bgm. Fritz Kasper und Anton Ellmer

Links: Dreschmaschinen-Erbauer Ing. Sebastian Auer, daneben: Georg Lang

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SILBERNES VERDIENSTZEICHEN für Frau Katharina König Am 27. April wurde unserem langjährigen Mitglied Katharina König, Neusiedlerstraße 4, 4053 Haid/Ansfelden von unserem Herrn Landeshauptmann das

heute befindet. Anfang der 60er Jahre eröffnete man zusätzlich ein Geschäft in Marchtrenk. Vor mehr als 50 Jahren wurde somit unter schwierigsten Bedingungen der Grundstein für einen Friseursalon, der heute nicht nur 15 Menschen Arbeit gibt, sondern in welchem neben zahlreichen anderen Lehrlingen auch ihre Enkelin Gudrun zur Weltmeisterin ausgebildet wurde, gegründet. Landeshauptmann Dr. Pühringer würdigte in seiner Laudatio besonders die schwierigen Bedingungen, unter welchen die Familie König diese Leistungen erbrachte. Nach der Tochter Renate mit Schwiegersohn Walter Leitner führt nun deren Tochter Gudrun in der dritten Generation das Geschäft, welches sich mit dem wohlverdienten Firmennamen „Salon der Weltmeisterin“ schmücken darf. Die Landesleitung der Landsmannschaft der Donauschwaben ist stolz auf diese tüchtigen Landsleute und gratuliert Frau König zu dieser hohen Auszeichnung, aber auch der jetzigen Besitzerin Gudrun zu den unzähligen nationalen und internationalen Erfolgen und wünscht weiterhin viel Erfolg.

Silberne Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich verliehen. Frau König und ihr bereits verstorbener Gatte wagten sich bereits 1954, noch im Lager Haid, in die Sebstständigkeit. Sie eröffneten in einer Baracke ihr einfaches Friseurgeschäft, 1958 konnten dann die neuen Räumlichkeiten am Hauptplatz bezogen werden, wo sich das Geschäft auch noch

V.r.n.l.: Vizebürgermeister Karl Pichler, Tochter Renate, Frau König, LH Dr. Pühringer, die Weltmeisterin Gudrun Leitner, LO Ellmer

Anton Ellmer

BEEINDRUCKENDE GEDENKFEIER beim Rieder Donauschwaben-Denkmal Zahlreiche Landsleute und Ehrengäste waren bei der Gedächtnisfeier am 4. Juni 2005 beim neu gestalteten Mahnmal anwesend. Dies soll an unsere vielen verstorbenen Kriegs- und Zivilopfer durch die Folgen des 2. Weltkrieges erinnern. Der Rieder Stadtpfarrer Monsignore Mag. Demmelbauer hielt die einfühlsame Gedenkandacht und segnete auf dem Rieder Stadtfriedhof das markante Denkmal. Erich Ortmann als Initiator für die Neugestaltung dieses Donauschwaben-Denkmals bedankte sich für die Spenden zur Renovierung bei den Rieder Landsleuten. Ebenso wurde der Dank für die Subventionen an die Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft und die Stadtgemeinde Ried ausgesprochen.

Alle Landsleute werden eingeladen, dieses schöne Denkmal in Ried zu besuchen. Es wird als Mahnmal und Kulturdenkmal an unser donauschwäbisches Schicksal erinnern. 18


Herzliche Einladung für die Gemeinschaftsfahrt zur

46. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting am Sonntag, 10. Juli 2005 Diesjähriges Leitwort:

„Tut dies zu meinem Gedächtnis“ Programm:

9.00 Uhr: 9.30 Uhr: 10.00 Uhr: 14.00 Uhr: 14.30 Uhr:

Einzug der Pilger- und Trachtengruppen in die Basilika Wort des Laien Pontifikalamt mit Erzbischof Gherghel aus Jassy, Rumänien Mariensingen Marienandacht in der Basilika mit dem Visitator der Donauschwaben, Erzb.Geist.Rat Andreas Straub

Für die gemeinsame Busfahrt bitten wir Hans Himmelsbach, Elisabeth Kungel, Büro der Landsmannschaft, Anton Ellmer,

um rechtzeitige Anmeldung an nachstehende Adressen:

Pasching, 07229 / 64 722 Leonding-Doppl, 0732 / 37 96 51 Wels, 07242 / 45 2 78 (evtl. Anrufbeantworter) Marchtrenk, 07243 / 5 09 31 oder e-mail: a.ellmer@aon.at Der

Fahrpreis beträgt 15,– Euro

Zusteigemöglichkeiten: 5.45 Uhr: von der Kirche Doppl-Leonding 6.00 Uhr: Langholzfelderhof 6.20 Uhr: Marchtrenk – Holland-Blumen

6.35 Uhr: Wels, Ecke Boschstr./Negrellistr. 6.38 Uhr: Wels, Ecke Römerstr./Puchbergstr.

Die Stadt Leonding feiert Vom Bürgermeister der Stadt Leonding erhielten wir folgende Einladung:

,,30-Jahr-Jubiläum“ Einzug Vereine und Einsatzkräfte Sehr geehrter Herr Ing. Ellmer! Die Stadt Leonding feiert vom 9. – 11. September 2005 ihr 30-jähriges-Stadtjubiläum. Im Zuge der Feierlichkeiten ist

am Sonntag, 11. September 2005, Beginn 9.00 Uhr, eine gemeinsame Messe vorgesehen. Je nach Witterung am Stadtplatz oder im Atrium. Als Bürgermeister ersuche ich die Landsmannschaft der Donauschwaben am gemeinsamen Einzug der Vereine und Einsatzkräfte mitzuwirken. Mit der Aufstellung ist um ca. 8.30 Uhr zu rechnen. Nähere Details werden noch rechtzeitig bekannt gegeben. Mit freundlichen Grüßen Ihr Bgm. Dr. Sperl

Anmerkung der Landesleitung: Die Stadtverwaltung Leonding ist sowohl unseren dort sesshaft gewordenen Landsleuten als auch der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich gegenüber stets sehr aufgeschlossen und entgegenkommend. Wir werden daher diesem Ersuchen des Herrn Bürgermeisters Dr. Sperl gerne nachkommen und mit einer offiziellen Delegation mit Fahne an diesem Umzug teilnehmen. Wir ersuchen unsere Landsleute – ob mit oder ohne Tracht – sich unserer Abordnung anzuschließen. 19


Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Maria Abt † geboren am 22. November 1920, war mit ihrem Gatten nicht nur Mitglied der Landsmannschaft (seit 1958 !), sondern sie waren Förderer unserer Landesleitung im wahrsten Sinne des Wortes. Ihrem Gatten Nikolaus wurde daher am 17.11. 2001 die Verdienstmedaille in Gold der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich verliehen. Leider verstarb auch er bereits am 16. 7. 2002. Frau Abt, geborene Duhatschek, verstarb am 12. April 2005 im 85. Lebensjahr. Um sie trauern Tochter und Sohn Elisabeth und Peter, Anneliese und Josef, Hubert und Brigitte, Enkel, Marianne mit Ralph sowie Nikolaus, Urenkel, Barbara und Hans, Theresia und Hans sowie Stefan, Schwestern und Schwager.

Matthias Habenschuss † Am 22. April 2005 verstarb völlig unerwartet eine der markantesten Persönlichkeiten der WeIser Donauschwaben, Matthias Habenschuss, im 83. Lebensjahr. Das Begräbnis des Verewigten fand am 28. April auf dem Friedhof der Stadt Wels statt. Zur Verabschiedung hatten sich nicht nur die Angehörigen der Familie und Verwandtschaft sondern auch zahlreiche WeIser Donauschwaben, Mitglieder und Vertreter der Donauschwäbischen Landsmannschaft eingefunden, denen der Verstorbene ein Inbegriff eines Landsmannes war, der während seiner aktiven Zeit, sich immer voll und ganz für die donauschwäbischen Belange in seiner zur zweiten Heimat gewordenen Stadt WeIs eingesetzt hat und dafür weder Mühe noch Zeit sparte, um diese Ziele zu verwirklichen. Es gab kaum eine Aufgabe oder Veranstaltung an der er nicht maßgeblich beteiligt war und mitgewirkt hat. Daher hatte sich auch der jetzige Obmann unserer Landsmannschaft in Oberösterreich, Ing. Anton Ellmer, mit einer Abordnung von Funktionären zur Verabschiedung eingefunden. Die Fahne der Landsmannschaft, die von Lm. Fingerhut getragen wurde, symbolisierte die hehren Ziele der Organisation der Landsmannschaft, die für den Verstorbenen so viel bedeutet haben und mit denen er sich zeitlebens immer so sehr verbunden gefühlt hat. Landesobmann Ellmer würdigte in seinem Nachruf die markantesten Lebensstationen des Verblichenen und im Besonderen seine Verdienste als Funktionär in wichtigen Positionen, die er in der Führung der Landsmannschaft ausübte. Matthias Habenschuss kam nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Wels, als er aus der englischen Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, wo er sich wieder mit seiner Familie vereinigen konnte. Am 14. 6.1947 heiratete er seine Frau Anna, geb. Scblenhardt in Taiskirchen (lnnviertel). Der gemeinsame Lebensweg der beiden war geprägt von gegenseitiger Liebe und dem gemeinsamen Bemühen, sich in der neuen Heimat einen gemeinsamen Haushalt in einem neuen Heim aufzubauen, was ihren vollen Einsatz erforderte. Am 14. 7.1997 konnten sie die „Goldene Hochzeit“ in der gleichen Kirche feiern, in der sie vor 50 Jahren getraut worden waren. Die existentielle Lage der Familie stabilisierte sich, als Matthias als Angestellter bzw. Meister bei der Firma Brüder Steiner einen sicheren Arbeitsplatz gefunden hatte. Am 16. 6.1975 wurde Matthias als Mitarbeiter beim Magistrat der Stadt Wels angestellt. Seit 1952 war er Mitglied der Landsmannschaft und ab 1955 ununterbrochen im Vorstand der Landesleitung des „Verbandes der Donauschwaben in Oberösterreich“ aktiv tätig. Seine uneigennützige Tätigkeit im Dienste der Gemeinschaft fand seinen Niederschlag in der Verleihung von Auszeichnungen: 4.11.1977 – Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich; 3. 7.1989 – Silbernes Verdienstzeichen des Landes OÖ.; 17. 2.1986 – Kulturmedaille der Stadt Wels in Silber; 15.11.1986 – Verdienstmedaille in Gold des Verbandes der DS in OÖ. Oskar Feldtänzer 20


Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Barbara Michl † geborene Brenner, erblickte am 28. Februar 1920 in Rudolfsgnad das Licht der Welt. Sie hat – wie alle Frauen und Mütter, deren Männer beim Militär waren und die vor der Ostfront die Flucht ergriffen, Unmenschliches er- und überlebt und noch bevor ihr Mann aus der Kriegsgefangenschaft kam, verlor sie eines ihrer beiden Kinder durch einen tragischen Fahrradunfall. Nach der Heimkehr des Mannes und der Verehelichung der Tochter wurde Haus gebaut und sie blieb zeitlebens im Haus bei Tochter und Schwiegersohn und betreute die drei Enkelkinder, sodass diese noch heute den „Original Rudolfer Dialekt“ sprechen (was ja bei uns Älteren kaum noch der Fall ist). Um sie trauern der Gatte Franz, Tochter Margareta und Schwiegersohn Peter, Anita und Heinz, Brigitte und Manfred sowie Peter als Enkel, Pia und Melanie, Urenkel.

Franz Schneider † Unser in Kathreinfeld bei Betschkerek im jug. Banat geborener Landsmann Franz Schneider war viele Jahre Mitglied unserer Landsmannschaft und am Geschehen rund um unsere Volksgruppe sehr interessiert. Er lebte mit seiner Familie in Linz, wo er auch am 29. März 2005 im 82. Lebensjahr verstarb. Um ihn trauern seine Gattin Elisabeth, sein Sohn Walter, seine Enkel Silvia und Patrik sowie seine Schwester Hilde Laibl. Um mit der Landsmannschaft verbunden zu bleiben, übernimmt sein Sohn, Prof. Dr. Walter Schneider, die Mitgliedschaft seines Vaters. Die Landesleitung sagt herzlichst Danke dafür.

Johann Schmidt † Herr Johann Schmidt war über 40 Jahre Mitglied unserer Landsmannschaft und über diese mit seinen Landsleuten stets eng verbunden. Er wurde am 1. Juli 1914 in Ujwar, Rumänien geboren, verbrachte aber seine Kindheit und seine Jugend in Groß-Betschkerek, im jug. Banat. Wie alle unsere wehrfähigen Männer musste auch er zum deutschen Militär und kam in Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung wurde er mit seiner Familie in Edt/Lambach, Niederschweig 4, sesshaft. Er verstarb am 20. Jänner 2005 im 91. Lebensjahr. Um ihn trauern seine Gattin und sein Sohn, sowie die Schwiegertochter, 3 Enkel und 1 Urenkel.

Otto Sonnleitner † Otto Sonnleitner verstarb am 24. März 2005 im 76. Lebensjahr. Der ehemalige Presbyter der evangelischen Pfarrgemeinde AB Thening war als Krankenpfleger im Linzer Wagner-Jauregg Krankenhaus beschäftigt. Um ihn trauern seine Gattin Eva, geb. Michl, seine Kinder und Schwiegerkinder Engelbert und Anna, Renate und Friedrich, die Enkel Alexandra, Elisabeth, Yvonne und Simone sowie Bruder Franz.

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Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Martin Wesinger † Martin Wesinger wurde am 15. Jänner 1941 als jüngster von drei Söhnen in Batsch Brestowatz, im damaligen Jugoslawien, geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er, wie seine älteren Brüder Franz und Wendelin, im Flüchtlingslager 65 in Linz-Bindermichl. Dort kam er sehr bald mit dem HandballSport in Verbindung. Seine großartige sportliche Karriere begann bei dem Sportverein Union Edelweiß im Lager 65. Von der Schüler- über die Jugendmannschaft war er bald eine Stütze der Kampfmannschaft, mit der er im Jahr 1967 den ersten Österreichischen Großfeld-Meistertitel errang. Ein Jahr vorher, im Jahr 1966, trug er maßgeblich dazu bei, dass die Österreichische Nationalmannschaft Dritter bei der Großfeld-Weltmeisterschaft wurde. Martin Wesinger spielte insgesamt 76 Mal in der Österreichischen Nationalmannschaft (Feld und Halle). Er war der erste Österreicher, der bei deutschen Bundesliga-Vereinen als Spieler Karriere machte. Er war bei SG Leutershausen, TSV Großwallstadt und TSV Allach als erfolgreicher Spieler und später auch als Trainer tätig. Martin Wesinger lebte seit über 35 Jahren als Techniker in Fürstenfeldbruck (Deutschland). Dort baute er sich gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth und seinen drei, mittlerweile erwachsenen Söhnen und deren Familien ein neues Zuhause auf. Nach einer schweren Kopfoperation verstarb Martin Wesinger am 8. April 2005 im Alter von 64 Jahren. Fast alle seine ehemaligen Kameraden von Union Edelweiß waren bei seinem Begräbnis am Mittwoch, dem 13. April 2005 im Waldfriedhof von Fürstenfeldbruck anwesend. Der Sportverein Union Edelweiß und die Handball-Familie in Österreich verlieren mit Martin Wesinger einen ihrer besten Großfeld- und Hallenhandballspieler. Er bleibt unvergessen. Richard Deckert

Professor Dieter Blumenwitz gestorben † Ein führender britischer Völkerrechtler nannte Dieter Blumenwitz noch vor kurzem ein „wandelndes Lexikon der Geschichte Europas“. Vor allem mit der Nachkriegsordnung mit all ihren Facetten hat er sich befasst, die wiederum nur zu verstehen ist, wenn man weiter zurückgeht. Souveränität, Selbstbestimmungsrecht der Völker, Minderheitenschutz, Recht auf Heimat – das sind nur einige Stichworte aus dem Werk des Würzburger Völkerrechtlers. Nach dem Status Deutschlands, den völkerrechtlichen Fragen von Krieg, Vertreibung und Wiedervereinigung hat niemand tiefer gegraben als Dieter Blumenwitz. Er zeigte in dunkle Ecken jenseits des offiziellen Meinungsstroms, etwa auf die zweifelhafte Fortgeltung des „Überleitungsvertrages“ mit den drei Westmächten aus den fünfziger Jahren, der Klagen gegen Maßnahmen gegen deutsches Vermögen, das zu Reparationszwecken beschlagnahmt wurde. Am 1. April 2005 ist Dieter Blumenwitz nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 65 Jahren gestorben. Prof. Blumenwitz erklärte sich 2000 einem Arbeitskreis der Donauschwäbischen Kulturstiftung, München, gegenüber bereit, die Verbrechen, die an den Deutschen in Jugoslawien begangen wurden, aus völkerrechtlicher Sicht zu beurteilen. Dem Arbeitskreis gehörte auch Dr. Wildmann an. Es kam zu einer gedeihlichen Zusammenarbeit bei der Erarbeitung der geschichtlichen Einleitung, die ja die Fakten aufzuzeigen hatte. Im Oktober 2001 überreichte Dr. Blumenwitz sein Gutachten der Kulturstiftung. Diese hat es 2002 unter dem Titel Rechtsgutachten über die Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944 – 1948 veröffentlicht. Darin kommt Blumenwitz zum Ergebnis, dass an den Deutschen Jugoslawiens ein Völkermord verübt wurde. Er gehört zu jenen Völkerrechtlern, die der Auffassung sind, dass die Vertreibung und teilweise Vernichtung der Donauschwaben Jugoslawiens nicht nur den Tatbestand eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit, sondern auch den eines qualifizierten Völkermords verkörpert. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Dr. Georg Wildmann 22


D E L E G A T I O N des OÖ. LANDTAGES in der AP VOJVODINA – Ein Bericht von Hans Holz Vom 24. bis 27. April 2005 befand sich eine Delegation des OÖ. Landtages zu einem offiziellen Besuch in der Autonomen Provinz Vojvodina um auf bilateraler Ebene über die aktuelle politische Lage der Vojvodina und über wirtschaftliche Zukunftsprojekte zu sprechen. Die Delegation wurde von der Zweiten Landtagspräsidentin, Landtagsabgeordnete Gerda Weichsler geleitet. Weitere Teilnehmer für den Gegenbesuch waren die Landtagsabgeordneten Schürrer Wolfgang (ÖVP), Kapeller Helmut (SPÖ) Schwarz Ulrike (Grüne), Aspöck Herbert, Ing. (FPÖ), Bauer Roswitha (SPÖ), Gumpinger Otto Mag. Ing. (ÖVP), Hüttmayr Anton (ÖVP), PeutlbergerNaderer Gisela (SPÖ), Steinkogler Josef (ÖVP), Weinberger Franz (ÖVP), Weichselbaumer Arnold (ÖVP) W.HR. Dr. Helmut Hörtenhuber, Landtagsdirektor, Klubsekretäre Mag. Wolfgang Hattmansdorfer (ÖVP), Mag, Haller Daniela (SPÖ), Pointl Ingeburg (Grüne), Mayer Heinz, OAR (FPÖ) Piermayr Andreas, Beamter und Reisekoordinator der Landtagsdirektion und Bgm. a.D., OSR Hans Holz als Vertreter der Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ., der im November 2003 den offiziellen Besuch der Delegation der AP Vojvodina in Oberösterreich in die Wege leitete. Die Gespräche mit den Spitzenvertretern des Parlaments der AP Vojvodina verliefen in einer ausgesprochen netten Begegnung und stellten einen weiteren Schritt zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Regionen dar.

Das Zusammentreffen mit dem Präsidenten des Parlaments Bojan KOSTRESˇ und dem Vizepräsidenten Sandor EGERESI unterstrich die Bereitschaft dieses Landes an der politischen, wirtschaftlichen kulturellen und sozialen Weiternetwicklung Europas teilnehmen zu wollen. Oberösterreich nahm dieses Angebot an, mit der festen Überzeugung, dass sich daraus eine konstruktive und fruchtbare Partnerschaft entwickelt, und sich beiden Ländern Chancen und Möglichkeiten für eine positive und friedliche Entwicklung eröffnen. In der Folge fand ein Gespräch mit sämtlichen Fraktionsvertretern der im Parlament vertretenen Parteien statt. Das Wechselgespräch verlief ebenfalls sehr konstruktiv. Gemeinsames Ziel ist und bleibt, dem friedlichen Haus EUROPA wieder ein Stück näher zu kommen. Um 12 Uhr fand in einem repräsentativen Rahmen in einem Festsaal die gemeinsame Unterzeichnung der ABSICHTSERKLÄRUNG, in zwei gleichlautenden Ausführungen in serbischer und deutscher Sprache verfasst, statt. Daran anschließend folgte eine Pressekonferenz zur unterschriebenen Absichtserklärung. Die zentralen Inhalte der Absichtserklärung bezogen sich auf verstärkte Zusammenarbeit in folgenden Bereichen: • Wirtschafts- und Handelsbeziehungen • Erfahrungsaustausch zwischen Kleinund Mittelbetrieben • Kooperation zwischen Universitäten und Fachhochschulen • Zusammenarbeit im Umwelt und Naturschutz • Kultur Die Zweite Präsidentin des OÖ. Landtages, LAbg. Gerda Weichsler, sieht die Bereiche Bildung, Chancengleichheit für Frauen sowie Arbeitnehmerrechte als wichtige Ansätze zur Zusammenarbeit. Die wirtschaftliche Entwicklung kann jedoch nicht verordnet werden. Außerdem ist die Arbeitslosenrate von 39 % alarmierend hoch. Oberösterreich hat funktionierende Sozialpartnerschaften. OÖ. ist ein Land, in dem Arbeitnehmer und

Die OÖ. Landtagsdelegation, die vom 24. bis 27. April 2005 der Autonomen Provinz Vojvodina den offiziellen Gegenbesuch abstattete. Delegationsleiterin war die 2. Landtagspräsidentin, LAbg. Gerda Weichsler (1. Reihe, Bildmitte)

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Arbeitgeber gemeinsam die Probleme bewältigen und so einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit und Wohlstand leisten. Von Zrenjanin fuhren wir nach Rudolfsgnad (Knicanin). Der Besuch des Friedhofs und der Friedhofskapelle, in der die Kopien auf Kunsttafeln des altösterreichischen Malers Robert Hammerstiel über Flucht, Vertreibung und Vernichtung der Donauschwaben als grausames Mahnmal einer schrecklichen Nachkriegszeit ausgestellt sind. Abseits des Friedhofs liegen in einem Massengrab rund 3.000 Tote. Eine bescheidene Tafel weist und erinnert an dieses Massengrab. Rund um die Kapelle wuchert das Unkraut, teils mannshoch, sodass man die Gedenktafel kaum noch sieht. Das größere Massengrab mit 9.000 Toten befindet sich auf der Teletschka. Ein würdiges Mahnmal erinnert an diese Tragödie. Übrigens der Maler Robert Hammerstiel – inzwischen international als Künstler anerkannt – stammt aus Werschetz im südöstlichen Banat. Er wurde als Kind in das Vernichtungslager Molidorf eingewiesen und hat die schreckliche Zeit überlebt. Das Dorf „Molidorf“ ist inzwischen aufgelöst und von der „Karte“ verschwunden. Über Rudolfsgnad, dem größten Vernichtungslager von 1945 bis März 1948 – berichtete Ehrenobmann Holz während der Autobusfahrt sehr eingehend; auch vom jetzigen Bemühen des Lorenz Baron, einem ehemaligen Rudolfer und der Gemeinde Knicanin und der Stadt Zrenjanin, die Massengräber auf dem Friedhof und auf der Teletschka zu pflegen und der Nachwelt als Mahnmal grausamen Geschehens zu erhalten… Eine Anmerkung sei mir auch erlaubt: Die oö. Delegation wurde ab der Grenze bis und in Novi Sad von früh bis spät und in der Folge nach Beocin, Zrenjanin, Rudolfsgnad von einem Polizeiauto mit Blaulicht begleitet und gleichsam „beschützt“ und geführt. Von Rudolfsgnad führte die Reise nach Belgrad zum Empfang durch die Ausschussvorsitzende für internationale Beziehungen des Parlaments von Serbien, Frau Gordana Comic. Schließlich folgten wir noch einer Einladung des österreichischen Botschafters in Serbien, Dr. Gerhard Jandl, in die Österreichische Botschaft zu einem Cock-

In der Mitte: Bojan Kostres, ˇ Präsident des Parlaments der AP Vojvodina; rechts daneben: Vizepräsident Sandor Egeresi; daneben: Frau Kantor Csilla, Protokollchefin; links neben dem Präsidenten: die Dolmetscherin

tailempfang. Der Abend klang sehr stimmungsvoll aus und die Teilnehmer der Delegation dankten Herrn Dr. Jandl und seiner charmanten Gattin – übrigens aus Antiesenhofen, unweit von Reichersberg stammend – in herzlicher Weise. Tags darauf, Mittwoch 27. April, fuhren wir durch Kroatien (Zagreb) Slowenien (Maribor) und der Steiermark in Richtung Heimat.

Die Unterzeichnung der Absichtserklärung links: die 2. Präsidentin des OÖ. Landtages LAbg. Gerda Weichsler; rechts: Präsident der AP Vojvodina Bojan Kostresˇ

Pressekonferenz zur unterschriebenen Absichtserklärung von rechts: Präsident Bojan Kostres; ˇ die 2. Präsidentin, Gerda Weichsler; Österreichischer Botschafter in Serbien, Dr. Gerhard Jandl; LAbg. Wolfgang Schürrer; LAbg. Ulrike Schwarz; LAbg. Ing. Herbert Aspöck

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Resümee: Die Begegnungen mit den politischen Mandataren, den Vertretern der Wirtschaft, der Universität, den Verwaltungszentren waren sehr aufschlussreich, wenngleich die Parteienlandschaft durch die „Radikalen Parteien-Nationalisten“ für die Zukunft gewisse

Sorgen bereitet. Man baut auf die Vernunft der Bevölkerung. Die regionalen Ambitionen sind auf eine frühest mögliche Annäherung bzw. Aufnahme in die EU ausgerichtet.

Anmerkung: Leider konnte die Erste Präsidentin des OÖ. Landtages, Frau Angela Orthner, nicht an der Reise teilnehmen. Offensichtlich konnte auch „wegen des Zeitdrucks“ unseren tausenden von den TitoPartisanen auf qualvolle Weise unschuldig zu Tode gebrachten Kleinkindern und alten Menschen, die auf der Teletschka in Massengräbern verscharrt wurden, nicht die Ehre eines Besuches, geschweige denn einer Kranzniederlegung erwiesen werden. Schade, meine Damen und Herren Landtagsabgeordnete, wir zehntausende Donauschwaben in Oberösterreich hätten das sehr zu schätzen gewusst. Scheinbar gibt es aber für manche Politiker zwei Klassen von Opfern von Gewaltherrschaften! Anton Ellmer, Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich, der bis Ende 1947 in diesem Todeslager mithelfen musste, diese erbarmenswürdigen Opfer wie Vieh in die Massengräber zu karren.

Aufruf zur Teilnahme an der Gedenkfeier in Rudolfsgnad Vor 60 Jahren, am 15. April 1945, Beginn des Vernichtungslagers „Civilni Logor Knicanin“ Der Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V. (VGR) und sein Schwesterverein USNPK in Knicanin sowie auch die Rudolfsgnader Heimatortsgemeinschaft laden alle Landsleute, insbesondere die Rudolfsgnader und die Betroffenen, herzlich zur 8. Gedenkfeier nach Rudolfsgnad/Knicanin ein. Von VS-Schwenningen aus fährt ein Bus am 21. August 2005 nach Rudolfsgnad, im Anschluss an das „Rudolfer Treffen“. Mehrere Landsleute aus Übersee sind bereits angemeldet und werden mitreisen. Alle Landsleute, die Interesse an der Mitfahrt haben, werden gebeten, sich mit Konrad/Peter Brenner, Tel. 0 77 20 / 63 2 09, in Verbindung zu setzen. Dass wir in Rudolfsgnad gern gesehene Gäste sind, bestätigt die Aussage des USNPK-Vorsitzenden Radosav Jocic, der kürzlich bei der Begrüßung einer Delegation aus Österreich erklärte: „Unsere brüderlichen Gesellschaften haben bereits im Jahre 1998 eine Brücke der Freundschaft und Zusammenarbeit gebaut und wir hoffen, dass diese auch begangen wird.“ Bitte, nutzen Sie die Gelegenheit und besuchen Sie die Gedenkstätten. Wer seine Spende dem Mahnmal in Rudolfsgnad widmen will, möge sie auf das Konto des „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V“ einzahlen: Raiffeisenbank Oberösterreich, BLZ 34 000, Kto. 6.830.590; in Deutschland auf Kreissparkasse Esslingen, BLZ 611 500 20, Kto. 74 08 777 25


BÜCHER Hermann VoIkmer: Die Volksdeutschen in Oberösterreich – ihre Integration und ihr Beitrag zum Wiederaufbau des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg Edition Geschichte der Heimat 1. Auflage 2003 Buchverlag Franz SteinmaßI A-4264 Grünbach, ISBN 3-902427-00-0

österreichischen Landesregierung gegenüber dem Verbleib der volksdeutschen Flüchtlinge im Bundesland – Umsiedlungstransporte und Aufenthaltsbewilligungen. Die arbeitsrechtliche Situation der Volksdeutschen war bis 1952 gekennzeichnet durch eine Phase der Unsicherheit, der Stagnation und des Umdenkens. Glaubten die Behörden des Landes anfangs nicht daran, dass es möglich sein werde, die Massen der Volksdeutschen wirtschaftlich zu integrieren und überwog viele Jahre die Überzeugung, dass die Lösung des Flüchtlingsproblems nur darin bestehen könne, diese Menschen „aus dem Lande zu schaffen“, so verhalf allmählich die wirtschaftliche Erholung und der Aufschwung des Landes der Erkenntnis zum Durchbruch, dass man in den volksdeutschen Arbeitskräften über ein Potential verfügte, das für den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ein unschätzbarer Faktor von hohem Wert war. Daher erfolgte ab 1952 die arbeitsrechtliche Gleichstellung der Volksdeutschen – eine wesentliche Voraussetzung für deren wirtschaftliche Integration – und schließlich auch deren staatsbürgerliche Eingliederung durch das „Optionsgesetz“ von 1954, das den Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft für Volksdeutsche durch eine einfache Erklärung ermöglichte. Ausführlich geht der Autor auch auf die volle wirtschaftliche Eingliederung ein, die in der Gründung von selbstständigen eigenen Betrieben volksdeutscher Unternehmer gipfelte. Ausführliche Darstellungen widmet er auch der Lösung des „dramatischen“ Wohnungsproblems. Es handelt sich hierbei um die bisher fundierteste Darstellung dieses Abschnittes der oberösterreichischen Zeitgeschichte, die wissenschaftlichen Kriterien voll gerecht wird. Das beweist allein schon der dem Buche zu Grunde liegende sogenannte „wissenschaftliche Apparat“, der die getroffenen Aussagen und Darstellungen durch nicht weniger als 561 Hinweise auf die erschlossenen archivalischen und gedruckten Quellen, ebenso wie auf die ausgewertete Sekundärliteratur belegt.

Die vorliegende Darstellung von Hermann Volkmer behandelt den geschichtlichen Zeitabschnitt betreffend die Ankunft und die Eingliederung der Volksdeutschen in Oberösterreich in den Jahren ab 1938 bis in die Anfänge der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in sehr gründlicher und erschöpfender Weise in mehreren Hauptabschnitten: Der erste Hauptabschnitt behandelt: Die Entstehung des Flüchtlingsproblems in Oberösterreich beginnend mit dem Zustrom der Volksdeutschen nach Oberösterreich, der wie Volkmer nachweist, bereits nach dem Anschluss Österreichs im Jahre 1938 durch volksdeutsche Arbeitskräfte in der Industrie und im Baugewerbe einsetzte und mit den Evakuierungen und der Flucht von volkdeutschen Bevölkerungsgruppen aus Ost- und Südosteuropa ab dem Herbst des Jahres 1944 abrupt zunahm, in hoher Intensität bis zum Ende des 4. Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts andauerte und erst in den fünfziger Jahren endgültig versiegte. Dabei geht der Verfasser auf den Zustrom aus allen Herkunftsgebieten der Flüchtlinge in ausführlicher Weise ein: Sowjetunion, Polen, Südosteuropa (Rumänien, Ungarn, Jugoslawien) usw. und behandelt ihre Aufnahme in den damals von den Besatzungsmächten verwalteten Bereichen, vor allem in der amerikanischen Besatzungszone, um schließlich auf die Entwicklung der Lage der Volksdeutschen bis etwa 1960 einzugehen. Bemerkenswert sind die mit Sorgfalt und exakt ermittelten Angaben über den Anteil, den die Volksdeutschen an der Bevölkerung Oberösterreichs erreichten, die wohl eine Korrektur mancher bisherigen Annahmen und Erkenntnisse erforderlich machen. Der nächste Hauptabschnitt untersucht: Die Position der Ober-

Oskar Feldtänzer

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Russland Deportation GEDENKAUSSTELLUNG in BRAUNAU Die Gedenkausstellung mit dem Schwerpunkt „Verschleppung nach Russland“ und den Erweiterungen „Verschleppung in die Baragansteppe“ sowie der „Donauschwäbischen Passion“ von Viktor Stürmer im Foyer des Stadttheaters Braunau wurde am 19. Mai feierlich eröffnet. Der für die Ausstellung verantwortliche Landesobmann Stv. Josef Frach konnte trotz schönstem Frühjahrswetter zahlreiche interessierte Gäste aus nah und fern begrüßen. Blick in das Foyer

Die Stadt Braunau stellten der Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. die schönen Räumlichkeiten, ausgestattet mit sehr schönem Blumenschmuck kostenlos zur Verfügung, wofür sich J. Frach namens der Landesleitung herzlich bedankte. Die 14-jährige Schülerin Katharina Tauber sorgte mit einem schönen Vortrag auf ihrer Flöte für eine feierliche Einstimmung. Landesobmann Ellmer wies in seiner Gedenkrede darauf hin, dass Erinnerung unverzichtbar sei und die Erinnerung an die grausame Vergangenheit Mahnung sowohl für die jungen Menschen von heute als auch für künftige Generationen sein soll, um eine Wiederholung für immer zu verhindern. „Wir wollen daher die Erinnerung an das begangene Unrecht wach halten. Wir wollen uns erinnern, besinnen und mahnen. Wir wollen aber nicht Geschehenes aufrechnen, sondern wir wollen mithelfen, weiteres Leid zu verhindern“, führte er weiter aus. „Beherzte serbische Männer erklären heute“, sagte Ellmer weiter, „dass die Vertreibung der Donauschwaben und der an ihnen verübte Völkermord ein großer Fehler war und meinen, wenn das nicht geschehen wäre, würden heute in der Wojwodina Verhältnisse wie in der Schweiz herrschen“. Was wir als Landsmannschaft weiterhin fordern müssen, betonte er, ist eine Ungültigkeitserklärung der AVNOJ-Beschlüsse. Der serbische Historiker Stevic meint dazu öffentlich: „Die Verpflichtung der künftigen Generationen in Jugoslawien ist, die dem deutschen Volke in Jugoslawien auferlegte kollektive Schuld zu annullieren, dass an den Deutschen in Jugoslawien verübte Verbrechen zu verurteilen und den Donauschwaben eine moralische Genugtuung zu geben“. Hoffen wir, dass dies bald geschehen möge.

zügigerweise zur Verfügung gestellt haben. Einen ebenso herzlichen Dank richtete auch er als Landesobmann an die Stadterwaltung Braunau für das große Entgegenkommen und an das Ehepaar Evi und Sepp Frach, „die von der Idee bis zum Wegräumen in drei Wochen wieder alles bewerkstelligen“, wie er sagte. Im Anschluss daran schilderte der Bundesobmann der Siebenbürger Sachsen, Pfarrer Mag. Volker Petri, Details aus der Sicht der Betroffenen von dieser grausamen Epoche. Die Niederschrift der Erlebnisse von Frau Regina Heimberger, einer Zeitzeugin, die sehr geschwächt auf der Bühne saß, trug auf deren Bitte Frau Eva Frach dem aufmerksamen Publikum vor. Der Kulturreferent der Banater Schwaben in Deutschland, Dr. Walther Konschitzky, verwies darauf, dass klarerweise kaum Fotomaterial von

V.l.n.r.: Flötenspielerin Katharina Tauber; Frau Heimberger; Eva u. Josef Frach

LO Ellmer richtete auch einen herzlichen Dank an die Banater Schwaben, namentlich an Herrn Dr. Walther Konschitzky und seine Kollegen aus Deutschland, welche die Bilder ausgesucht, zu einer Schau zusammengestellt und uns groß-

V.l.n.r.: Zeitzeugin Frau Heimberger, Eva u. Josef Frach, LO A. Ellmer bei der Gedenkrede

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Russland

Deportation

GEDENKAUSSTELLUNG

den Deportierungen und dem Aufenthalt in Russland vorhanden sind, sodass man an bekannte donauschwäbische Künstler wie Viktor und Julius Stürmer, Sebastian Leicht u.a. mit der Bitte herangetreten sei, Zeichnungen aus ihrer persönlichen Erinnerung heraus, die sie selber erlitten hatten, zur Dokumentation dieser Schreckenszeit anzufertigen.

in

BRAUNAU

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brechen der deutschen Soldaten aber niemals etwas von derlei Verbrechen, wie hier zu sehen ist, in der Schule hört. Man fragte auch an, ob man diese Ausstellung nicht auch an Braunauer Schulen zeigen könnte. Beachtlich. Die Eintragungen im Gästebuch geben Zeugnis davon, dass die Ausstellung ein voller Erfolg war. Eva Frach

Der Kulturstadtrat der Stadt Braunau Pointner entschuldigte den verhinderten Bürgermeister Gerhard Skiba und erinnerte in seiner Ansprache an die Ansiedelung und die Leistungen, welche die Vertriebenen in der Habsburgmonarchie vollbracht haben, bevor er auf die geglückte Heimatfindung einging. Im Anschluss an seine Rede erklärte er die Ausstellung für eröffnet.

Bild oben: Kranzniederlegung in der Krypta; unten: Einzug der Franztaler Muttergottesmädchen in die Kirche

Kulturstadtrat Pointner bei seiner Ansprache zur Eröffnung; links daneben: J. Frach

Am 28. Mai 2005 fand aus Anlass des Gedenkens in der ehrwürdigen Stadtpfarrkirche Braunau ein ökumenischer Gottesdienst statt. Pfarrer Buchholzer (Siebenbürgen) und Dechant Msgr. Hofer hielten den feierlichen Gottesdienst. Anschließend erfolgte eine Kranzniederlegung vor der Gedenktafel der Donauschwaben in der Krypta. Umrahmt wurde die schlichte Feier von den Franztaler Muttergottesmädchen, den Siebenbürger Trachten und Slankamener Trachtenträger. Am 10. Juni 2005 wurde die 3-wöchige Gedenkausstellung geschlossen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich sowohl die Mühe als auch der Aufwand gelohnt haben. Es waren über 500 vor allem sehr interessierte Besucher, die sich Zeit nahmen und auch viele Fragen stellten. Unter den Besucher waren zahlreiche Schüler aus den Haupt- und Mittelschulen sowie der HTL. Einige betonten, dass man nur von Ver-

Anmerkung vom Landesobmann: Abgesehen von den Vorbereitungs-Aufstellungsund Abräumarbeiten haben Evi und Sepp Frach drei Wochen lang von 9.00 bis 17.00 Uhr die Ausstellung betreut und den Besuchern Rede und Antwort gestanden. Sie haben darüber hinaus sehr viel privates Geld für die vielen in diesem Zusammenhang notwendigen Fahrten aufgewendet – ohne jeden Kostenersatz; alles aber mit großer persönlicher Freude im Dienste der Wahrheit für unsere Volksgruppe. Und das nicht zum ersten Mal. Als Landesobmann möchte ich daher euch zwei „Musterdonauschwaben“ Sepp und Evi, im Namen der Landesleitung unseren ganz besonderen DANK und unsere Hochachtung für diese Leistung aussprechen. Anton Ellmer

SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer, Landesobmann, A-4600 Wels, Maria-Theresia-Str. 33, Tel. 0 72 42 / 452 78, E-Mail: a.ellmer@aon.at Sparkasse OÖ. Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 38

Juli, August, September 2005

Nr. 3

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

Serbien verabschiedet GESETZ über die Anmeldung von enteignetem Vermögen Völlig überraschend hat die Serbische Regierung das

„Gesetz über die Anmeldung und Evidenz von enteignetem Vermögen“ durch Verkündung im Gesetzesblatt Nr. 45 / 2005 am 31. Mai 2005 in Kraft gesetzt Die wichtigsten Punkte vorweg: 1. Dieses Gesetz regelt nicht die Rückgabe oder Entschädigung (Restitution) enteigneten Vermögens, sondern lediglich die Erfassung der Ansprüche. 2. Mit dieser Erfassung ist aber gleichzeitig das ausschließliche Recht auf eine spätere Antragstellung auf Restitution verknüpft. Das heißt, nur wer jetzt eine Anmeldung vornimmt, kann später einen allfälligen Antrag auf Restitution einbringen. 3. Die Anmeldefrist endet am 30. Juni 2006 4. Das vorliegende Anmeldegesetz bezieht sich auf Entschädigungen bezüglich Enteignungen, die nach dem 9. März 1945 vorgenommen wurden

Liebe Landsleute, das vorliegende Anmeldegesetz enthält sehr viele Ungereimtheiten und wir stellen uns u.a. die Fragen: ● Was will man mit diesem Anmeldegesetz überhaupt bezwecken? ● Wir sollen melden was uns weggenommen wurde, wo man es ohnehin in Belgrad doch auf einen Quadratmeter genau weiß. ● Wir sollen den Nachweis erbringen, wer die heutigen Besitzer sind, die doch nur Serbien aber nicht uns Enteigneten bekannt sind. ● Wir sollen serbische Rechtsanwälte bezahlen… und in diesem Tonfall geht es weiter… Anton Ellmer Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich

In Belgrad und nur in Belgrad weiß man das doch alles sehr genau. Uns erscheint daher das jetzt erlassene Gesetz zur Erfassung als reine Schikane, noch dazu mit der Auflage: Wer jetzt seine Enteignung nicht anmeldet, hat im Falle des Falles später auch keine Berechtigung einen Entschädigungsanspruch zu stellen.

Fortsetzung auf Seite 3


Heimatvertriebenen-Organisationen beim Landeshauptmann:

FEIERLICHE EHRUNG am Tag vor dem Nationalfeiertag geplant (LK) Vertreter von in Oberösterreich tätigen Heimatvertriebenen-Organisationen und -Verbänden hat Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer kürzlich zu einem Gespräch ins Linzer Landhaus eingeladen.

Rahmen eines Festaktes im Landhaus am Tag vor dem Nationalfeiertag sollen von den Heimatvertriebenen nominierte Persönlichkeiten stellvertretend für alle geehrt werden. „Die Heimatvertriebenen haben zum Wiederaufbau unseres Landes ganz besondere Leistungen erbracht und damit wesentlich dazu beigetragen, dass Oberösterreich sich heute unter den erfolgreichsten Regionen Europas befindet. Sie haben in unserem Bundesland ihre zweite Heimat gefunden, aber ihre Herkunft dabei nie vergessen. Mit der Pflege ihrer Traditionen tragen sie darüber hinaus auch zu einer lebendigen Kulturlandschaft in Oberösterreich bei“, betonte der Landeshauptmann.

Vertreten waren die Landsmannschaft der Donauschwaben, die Sudetendeutsche Landsmannschaft, die Karpatendeutsche Landsmannschaft, der Verband der Siebenbürger Sachsen, der Verband der Böhmerwäldler, der Verband der Südmährer, die Egerländer Gmoi z’Linz, die Riesen-Isergebirger und der Kulturverein der Heimatvertriebenen in Oberösterreich. Landeshauptmann Pühringer kündigte an, dass im heurigen Herbst aus Anlass der Jubiläumsfeierlichkeiten zu 60 Jahre Republik und 50 Jahre Staatsvertrag das Land Oberösterreich den Heimatvertriebenen besonderen Dank und Anerkennung für die erbrachten Leistungen aussprechen wird. Im

Gerade aus Anlass der Jubiläen von Republik und Staatsvertrag wolle das Land Oberösterreich daher ein deutliches Zeichen des Dankes und der Anerkennung für die Heimatvertriebenen setzen.

Der Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer (Bild Mitte) mit den Landesobmännern, bzw. Vertretern der Vertriebenenorganisationen

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Fortsetzung – Titelseite:

Als wir von diesem Gesetz Kenntnis erlangt haben, haben wir mit unseren Experten den Text genau studiert und Schritte zur Klärung der relevanten Punkte eingeleitet. Bis heute haben wir aber keine Klarheit, vielmehr kommen wir nach div. Rücksprachen im Moment zu folgender Auffassung:

den und – wie der vorhergehende Punkt – nur mit Hilfe von serbischen Anwälten zu lösen sein! e) Es muss eine Klärung betr. die lateinische Schrift herbeigeführt werden, damit evtl. Anträge dann nicht womöglich daran scheitern, dass wohl die serbische Sprache aber nicht die zyrillische Schrift verwendet wurde.

a) Nachdem es nach wie vor höchst unsicher ist, ob ein Gesetz zur Restitution überhaupt einmal kommen wird, sollten wir durch Bezahlung serbischer Anwälte nicht vorschnell weiters Geld leichtfertig ausgeben.

f) Überdies muss Klarheit geschaffen werden, dass die Urkunden und diverse Dokumente betr. Erbrechtsnachfolge (Erbscheine, Einantwortungsurkunden, Amtsbestätigungen, vielleicht sogar vereinzelt Urteile in einem Erbrechtsstreit, Geburtsund Heiratsurkunden etc.) nicht in die serbische Sprache übersetzt und zyrillisch geschrieben werden müssen.

b) Nach vertraulichen Informationen von Rechtsexperten aus Belgrad ist sich die serbische Regierung offensichtlich selbst noch nicht klar, wer – sollte ein Gesetz zur Restitution überhaupt jemals erlassen werden – anspruchsberechtigt sein wird. Das wird voraussichtlich zum großen Teil auch davon abhängen, welche Partei zum Zeitpunkt einer Festlegung gerade die Regierung anführt und welche außenpolitische Konstellation gerade aktuell ist (EU-Annäherung oder nicht). Hier könnten so viele Ausnahmen eingebaut werden, dass der Großteil unserer Landsleute nicht in Betracht kommt.

Der Vorstand ist bemüht, einen für die Betroffenen einigermaßen vernünftigen Weg zu finden, um dann die Landsleute aufklären zu können. Derzeit kann aber keine seriöse Empfehlung an die Landsleute abgegeben werden, bestimmte Schritte – sicherlich auch finanziell belastende (möglicherweise bei serbischen Rechtsanwälten) – bezüglich einer Anmeldung des enteigneten Vermögens zu unternehmen.

c) Die Besorgung von Kopien der Enteignungsverfügungen ist ein sehr großes Hindernis

Notfalls werden wir Sie mit einer Sonderausgabe unseres Mitteilungsblattes über allenfalls erforderliche Schritte informieren.

d) Wer von unseren Landsleuten kann die Angaben machen, wie Einlagezahlen, Grundstücksnummern, Katastralgemeinde, Flächenausmaße, derzeitige Besitzer etc. Diese Angaben zu eruieren werden für die meisten arbeits- und kostenintensiv wer-

Es erscheint aber auf alle Fälle sinnvoll, wenn interessierte Landsleute, so sie eine gute oder günstige Möglichkeit sehen, zwischenzeitlich mit der Beschaffung der Originalunterlagen beginnen. Anton Ellmer / Vladimir Igl

E N T S C H Ä D I G U N G

K R O AT I E N

Wie wir von verlässlicher Seite erfahren haben, ist das auf Beamtenebene abgeschlossene Zwischenstaatliche Abkommen zwischen Österreich und Kroatien von Seiten Österreichs bereits paraphiert, so dass nunmehr der nächste Schritt (die Paraphierung) von kroatischer Seite erfolgen soll (muss). Wir werden unsere Mitglieder diesbezüglich auf dem Laufenden halten.

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Zu unserem Bericht im letzten Mitteilungsblatt:

D E L E G A T I O N des OÖ. LANDTAGES von Anton Ellmer in der AP VOJVODINA In unserem letzten Mitteilungsblatt haben wir einen verkürzten Bericht unter obigem Titel von unserem Ehrenobmann OSR Bgm. d. D. Hans Holz gebracht, zu welchem ich als Landesobmann in der Anmerkung mein Befremden zum Ausdruck brachte, dass die Damen und Herren Landtagsabgeordnete unseren tausenden von den Tito-Partisanen auf qualvolle Weise unschuldig zu Tode gebrachten Kleinkindern und alten Menschen, die auf der Teletschka in Massengräbern verscharrt wurden, nicht die Ehre eines Besuches, geschweige denn einer Kranzniederlegung erwiesen haben.

Weiters erklärte die Frau Präsidentin, „nachdem uns mitgeteilt wurde, dass es keine gemeinsame Gedenkstätte in der Vojvodina für alle Opfer der verschiedenen Nationalitäten gibt, haben wir uns entschlossen, eine Gedenkminute beim Besuch des Friedhofes von Knicanin am Dienstag, 26. April 2005 in der Friedhofskapelle abzuhalten. Diese Gedenkminute wurde von jedem/r Delegationsteilnehmer/in im Stillen für sich selbst gehalten. Eine offizielle Gedenkfeier fand nicht statt, um bei unserem ersten Besuch in der Vojvodina einer eventuellen falschen Interpretation als ‚einseitig‘ vorzubeugen und um unser ehrliches Ansinnen, allen Opfern aller Gewaltherrschaften zu gedenken, entsprechend zum Ausdruck zu bringen“.

Mein Unverständnis darüber habe ich auch in einem persönlichen Gespräch sowohl Herrn Landeshauptmann Dr. Pühringer, als auch Herrn Landeshauptmann Stv. Dipl.-Ing Haider gegenüber, ausgedrückt.

Man wollte eben vorsorglich keine Volksgruppe kränken oder auch nur in einen derartigen Verdacht kommen. Keinesfalls aber wollte man irgendwen verletzen.

Nach Kenntnisnahme meines „Protestes“ und um mir die terminliche und politische Situation rund um diese Reise zu erläutern, hat mich die Zweite Präsidentin des Oberösterreichischen Landtages, Frau Gerda Weichsler, die bei dieser Reise als Delegationsleiterin fungierte, um ein Gespräch ersucht, dem ich gerne nachgekommen bin und das inzwischen am 4. August stattgefunden hat.

Ich habe Frau Präsidenten Weichsler daraufhin im Detail geschildert: • wie diese rund 3.500 Menschen, vor deren Massengrab sie praktisch standen – vorwiegend Kinder unter zwei Jahren und alte Menschen – zwischen Mitte Dezember 1945 und dem 12. Februar 1946 zu Tode kamen (ab dem 13. Februar wurden die Toten auf der etwas höher gelegenen „Teletschka“ eingescharrt); • dass das besagte Massengrab am äußeren Friedhofsrand angelegt werden musste und dass es ob des festgefrorenen Bodens nicht tief genug ausgehoben werden konnte • und dass in der Folge dann von Mitte bis Ende März 1946 durch die Hochwasser führende Theis der Grundwasserspiegel anstieg und die Toten hob, sodass deren Arme und Beine wie Zweige aus der Erde ragten • und dass man daraufhin etwa gleichaltrigen Kameraden von mir (mich persönlich traf es bei dieser fast unvorstellbaren Aktion Gott sei Dank nicht), also 13- bis 15-

Frau Präsidentin Weichsler hat mir erklärt, dass man sich schon in der Vorbereitung des Besuches erkundigt habe, ob es gemeinsame Gedenkstätten für alle Opfer der verschiedenen Nationalitäten in der Vojvodina gibt.

Die Zweite Landtagspräsidentin Gerda Weichsler mit LO Anton Ellmer

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jährigen Burschen, Schaufeln in die Hände drückte, um diese Toten wieder „einzuebnen“

Dazu habe ich Frau Präsidentin Weichsler das Buch „Ein Volk an der Donau“ des serbischen Verfassers Nenad Stenovic, ´ neben div. Informationsmaterial und zwei weiteren Büchern, übergeben, in welchem mein damaliger, persönlich betroffener Leidensgefährte Jakob Sohl-Daxler, „das Erwachen der Toten im Frühling“ detailliert schildert.

• und dass es für mich einfach nicht vorstellbar ist, dass die Delegationsmitglieder nicht einmal eine Minute des gemeinsamen Gedenkens für diese erbarmungswürdigen Geschöpfe übrig hatten – denn die Opfer ALLER Gewaltherrschaften sind doch wohl gleich.

Darüber hinaus habe ich die Bitte ausgesprochen, doch auch in ihrer Partei klare Worte in Bezug auf die Vertriebenen zu finden – was sie mir versichert hat.

Ausdrücklich habe ich besonders betont, dass ich zumindest diesen Vorwurf den Delegationsmitgliedern aber schon auf gar keinen Fall ersparen kann.

FRANZTALER-PFINGSTTREFFEN und 30 JAHRE VEREINSJUBILÄUM Gewält wurden: Zum Obmann: Zu Stellvertretern:

Das Pfingsttreffen der Franztaler am 14. Mai 2005 in Mondsee stand unter einem besonderen Zeichen. Vor 30 Jahren waren es engagierte Landsleute, die in Salzburg die Franztaler Ortsgemeinschaft gründeten. Der erste Obmann des Vereines, Lm. Josef Mayer, trat stark für die Erinnerung und das Gemeinschaftsgefühl seiner Franztaler und Semliner Landsleute ein.

Zum Schriftführer: Zum Kassier:

Ing. Johann Schwarz Franz Schall Roswitha Mamoser Johann Hefner Peter Riem

Für besondere und langjährige Verdienste um die Ortsgemeinschaft wurden Toni Wittner, Franz Udwari und Paul Mamoser mit dem Franztaler Ehrenzeichen ausgezeichnet. Die Franztaler Trachtentanzgruppe unter Franz Schall zeigte mehrere Tänze, die mit viel Beifall aufgenommen wurden.

Die Geschichte, von der Ansiedlung bis zur Flucht und Vertreibung im Oktober 1944, ist eine wichtige Orientierung in einer von starken Veränderungen geprägten Zeit. Der Zusammenhalt der in zahlreichen Ländern lebenden Franztaler und Semliner ist trotzdem bis heute erhalten geblieben.

Aus einem Bericht von Hans Hefner

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Pfarrsaal feierten viele Gläubige mit KR Pfarrer Josef Edlinger, der „Sängerrunde Drachenwand“ und zehn Muttergottesmädchen in der imposanten Stiftskirche Mondsee die Heilige Messe. Die Jahreshauptversammlung mit der Neuwahl des Vorstandes wurde ab 16 Uhr im Pfarrsaal des Schlosses abgehalten. Die Muttergottesmädchen beim Gottesdienst

Fotonachweis: Deckert, Hefner, Frach, Wienzierl, Ludwig, Sorg, Habenschuß, Land Oberösterreich „Namentlich gezeichnete Artikel müssen nicht in jedem Falle mit der Meinung der Landesleitung übereinstimmen.“

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M I T T E I L U N G E N aus der L A N D E S L E I T U N G Spenden – Mitgliedsbeiträge Gerade in diesem Mitteilungsblatt wird durch das Beispiel SERBIEN wieder sichtbar – auch wenn nur im kleinsten Ausmaß – wie vielfältig die Aufgaben und Aktivitäten der Landsmannschaft sind, und vor allem, wie umfangreich, arbeits- und kostenintensiv sich diese gestalten. Da wir zur Vereinsarbeit keinerlei finanzielle Unterstützung durch öffentliche Stellen erhalten, sind wir auf die Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen. Nachdem „Die Mitteilungen der Landsmannschaft“ sich zum Verbindungsglied zwischen unseren Landsleuten, unseren Freunden und Gönnern und der Landesleitung entwickelt und bewährt haben, wird allgemein auch erwartet, bei dem erreichten Standard, sowohl in Umfang als auch Qualität zu bleiben und dazu 4, möglichst 8 Seiten in Farbe zu bringen, was wir natürlich gerne tun – wenn Geld vorhanden ist. Wie schon des Öfteren berichtet, haben wir für jedes Mitglied allein über den Umweg „Mitteilungsblatt und Porto“ im Kalenderjahr schon mehr Ausgaben als die 10,– Euro, die der Mitgliedsbeitrag ausmacht.

Die Landesleitung dankt daher allen Mitgliedern, die durch die regelmäßige Bezahlung des Mitgliedsbeitrages ihre Verbundenheit mit der Landsmannschaft bekunden. Besonders danken wollen und müssen wir aber auch jenen Mitgliedern, Freunden und Gönnern, die uns eine SPENDE zukommen lassen – speziell den Firmen, den Großspendern – denn, wie gesagt, die Mitgliedsbeiträge reichen nicht einmal für das Mitteilungsblatt und die Postgebühren. Weil es immer wieder vorkommt, dass der Erlagschein verlegt wird, finden Sie unsere Bankverbindung in jedem Heft auf der letzten Seite. Wer also z. B. für heuer noch seinen evtl. offenen Mitgliedsbeitrag bezahlen, bzw. spenden will/kann, benötigt keinen Erlagschein, sondern lediglich folgende Angaben zu unserer Bankverbindung: Sparkasse OÖ Wels, BLZ 20 320, Konto Nr. 10000 017 286, Kontoinhaber: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Im Namen der Landsmannschaft danken wir für jeden Euro, der uns überwiesen wird.

Radiosender „FEDRA“ in Betschkerek Das ist eine humanitäre Organisation, die wöchentlich eine Radiosendung in Deutsch ausstrahlt. Die Organisation wird von Frau Dipl. Jur. Maria BENAK als Chef-Redakteurin geleitet.

Arbeit im Sinne der geistigen und teilweise auch materiellen Betreuung von Menschen in Not zu unterstützen und die Jugend im Geiste des Miteinander zu erziehen.“ aus einem Bericht von OSR Bgm.a.D Hans Holz

Frau Benak, die gute Kontakte zu unseren Organisationen in Österreich und Deutschland pflegt, lud mich zu einem Interview. Ich überreichte ihr zuvor eine Geldspende von 200,– Euro mit einem Begleitschreiben der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich und führte als deren Ehrenobmann aus:

Nur so zur Information… Die statistisch belegbaren Anteile an der Gesamtzahl der Heimatvertriebenen in Oberösterreich ergeben annähernd für die: Donauschwaben 45,0 % Sudetendeutsche 36,0 % Siebenbürger Sachsen 13,6 % Buchenlanddeutsche 2,1 % Polendeutsche 1,7 % Karpatendeutsche 1,2 %

„Wir schätzen Sie, Frau Benak, und ihr Team als Kenner und Verehrer der deutschen Sprache und Literatur, vor allem aber um Ihr Bemühen, die menschlichen Beziehungen und Toleranz zu pflegen, die humanitäre 6


300. deutsche Rundfunksendung in Subotica

Der erste deutschsprachige Radiotag

Die erste deutsche Rundfunksendung in Serbien, genannt „Unsere Stimme“, wurde 1998 zum ersten Mal gesendet. Am 28. April 2005 wurde die 300. Sendung ausgestrahlt. Diese 300 Sendungen belaufen sich auf 130 Stunden deutsches Programm, in welchen die Hörerinnen und Hörer Gelegenheit hatten, Nachrichten, Hintergrundinformationen, Reportagen, Presseschauen, kirchliche und literarische Sondersendungen, wie z. B. Ostern und Weihnachten, zu hören. Dieses vielfältige Programm wurde mit ausschließlich deutscher Volks- und Pop Musik untermalt.

Ein länderübergreifender deutschsprachiger Radiotag war für R u m ä n i e n und seine Nachbarstaaten eine Premiere. Erstmals luden die insgesamt zehn im Vereine „Funkforum“ organisierten deutschsprachigen Hörfunkredaktionen aus Rumänien, Ungarn, Serbien und Kroatien in Zusammenarbeit mit dem Demokratischen Forum der Deutschen, am 21. April 2005 zu einer Großveranstaltung nach Temeswar ein. Es war ein Ereignis für Journalisten, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur, unter Teilnahme von Angehörigen der deutschen Botschaften aus Rumänien und Ungarn.

Auszug aus einem Bericht des Redakteurs Rudolf Weiss

Auszug aus „Das deutsche Wort“

Bischof Maximilian Aichern verleiht höchste Päpstliche Auszeichnung an Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer Am 5. Juli 2005 hat Bischof Maximilian Aichern die höchste Päpstliche Auszeichnung für Laien, das „Großkreuz vom Orden des Hl. Papstes Silvester I“, an Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer verliehen. Die Diözese Linz bedankt sich damit bei Dr. Josef Pühringer für die guten Kontakte und das respektvolle Miteinander in den vergangenen 10 Jahren als Landeshauptmann des Landes Oberösterreich. Bischof Aichern strich in seiner Ansprache die persönliche christliche Haltung von Landeshauptmann Pühringer und die Unterstützung der Pfarren und Einrichtungen durch das Land Oberösterreich hervor. „Die Kirche ist dir ein Stück Heimat“, wendet sich Bischof Aichern an Landeshauptmann Pühringer.

Die Landsmannschaft der Donauschwaben gratuliert Herrn Landeshauptmann Dr. Pühringer sehr herzlich zu dieser hohen Auszeichnung.

Prälat Mag. Josef Ahammer, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, Christa Pühringer, Bischof Maximilian Aichern Foto: Land OÖ Linschinger

Gedenkstätte Rudolfsgnad Wer seine Spende dem Mahnmal in Rudolfsgnad widmen will, möge sie auf das Konto des „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V“ einzahlen: Raiffeisenbank Oberösterreich, BLZ 34000, Kto. 6.830.590. In Deutschland auf Kreissparkasse Esslingen, BLZ 611 500 20, Kto.Nr. 74 08 777 7


DONAUSCHWÄBISCHE MALER der Zwischenkriegszeit von Konsulent Oskar Feldtänzer Die herausragenden Gestalten der donauschwäbischen Maler der Zwischenkriegszeit im ehemaligen Jugoslawien waren die akademisch ausgebildeten Künstler Oskar Sommerfeld und Sebastian Leicht. Der erste lebte und wirkte in Syrmien und wurde vor allem durch Landschaftsbilder seiner engeren Heimat bekannt und fand große Anerkennung durch die Kunstsachverständigen der gesamtstaatlichen Kulturszene. Er erhielt von ihnen den anerkennenden Titel „Entdecker der syrmischen Landschaft“. Nach der Flucht nach Oberösterreich im Herbst 1944 lebte er im Hausruckviertel in Taufkirchen a.d. Trattnach, wo er sein künstlerisches Schaffen fortsetzte. Wie einst in Syrmien fesselten ihn hier die Naturschönheiten des Landes und inspirierten ihn zur Schaffung von künstlerisch nachempfundenen Landschaftsbildern seines neuen Lebensraumes. Das schwere Schicksal seines Völkchens nach 1944, vor allem die Verfolgungen, Flucht und Vertreibung stellte er in seinem Gemäldezyklus „Donauschwäbische Passion“ dar. Dass er eine Sammlung seiner Werke im Wiener Palais Palffy ausstellen konnte, empfand er als ganz große Anerkennung und Würdigung seines künstlerischen Schaffens. Der Oberösterreicher Oberstleutnant a. D. Erwin Lauber, der als junger Mann Sommerfeld in Taufkirchen kennen gelernt hatte, hat sich große Verdienste dadurch erworben, dass aufgrund seiner Initiative sämtliche zugänglichen Werke des Malers durch Farbfotos erfasst und katalogisiert werden, die im Gemeindeamt in Taufkirchen aufliegen. Auch der zweite donauschwäbische Maler der Zwischenkriegszeit, Sebastian Leicht, fand schon im alten Jugoslawien Anerkennung und Würdigung für sein künstlerisches Schaffen. Doch ist die Erinnerung an ihn in seinem ehemaligen Heimatgebiet fast verblasst. Sebastian Leicht wurde in der Batschka in Brestowatz geboren und von

dem Umfeld seiner engeren Heimat geprägt. In der serbischen Zeitung „Veceme Novosti“ (Abendnachrichten) erschien aus der Feder von Z. T. Markovic ein Artikel unter dem Titel „Ein vergessener Schüler von Beta Vukanovic“. Einleitend wird darauf verwiesen, dass serbische Kunsthistoriker den Maler, Graphiker und Bildhauer Sebastian Leicht (1908 – 2002) gebürtig in Batsch-Brestowatz ganz vergessen haben, doch haben sich an diesen begabten donauschwäbischen Künstler Neusatzer Sammler erinnert und zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ausstellung in seinem Heimatort in der Halle „Nikola Tesla“ organisiert. Die ausgestellten Ölbilder, Aquarelle mit der Signatur von Sebastian Leicht kamen aus den privaten Sammlungen von Vojislav Lazic und Duro Popovic, die ergänzt werden durch zwanzig Graphiken (Linolschnitte) aus dem Zyklus „Hanf“. Im Bericht heißt es weiter: Obwohl in den serbischen Kunstgeschichtsbüchern der Name Leicht nicht erwähnt wird, so als ob er nie existiert hätte, ist er einer aus der Gruppe von Talenten, die die Kunstschule in Belgrad bei Prof. Beta Vukanovic und Ljuba Ivanovic besuchte, erklärte gegenüber der Zeitung „Novosti“ Duro Popovic, in dessen Sammlung sich Leichts Ölgemälde „Dorfstraße“ befindet. Eine weitere Ausbildung erhielt Leicht an der Akademie für bildende Künste in München bei Prof. Julius Hess und Adolf Schiener. Popovic ist ein guter Kenner des Lebens und der Werke dieses in Jugoslawien vergessenen Künstlers und er erinnert an den Erfolg, den Leicht 1932 erzielte, als er zusammen mit einer Gruppe von deutschen Künstlern sich zum ersten Mal mit einer Ausstellung in Novi Sad der Öffentlichkeit vorstellte. Zwei Jahre später organisierte er seine erste selbstständige Ausstellung im Kunstpavillon „Cvijea Zuzoric“ in Belgrad. Durch die erste kollektive Ausstellung erzielte Leicht die Aufmerksamkeit und die Kritik 8


der Kunstkreise, was ihn empfahl, Mitglied der ältesten und angesehendsten Künstlervereinigung des Landes zu werden – der Vereinigung der Künstler Serbiens „Lada“. Von diesem Zeitpunkt an hat Leicht ständig bei der „Lada“ ausgestellt in Belgrad, Ljubljana, Petrovgrad. Zugleich ist er anwesend bei den Frühlingsausstellungen jugoslawischer Künstler, wie auch bei den Herbstausstellungen Belgrader Künstler im Kunstpavillon am Kleinen Kalemegdan in Belgrad.

wegen des Krieges unsere Heimat verlieren werden, unwiderleglich gebunden an das Schicksal des deutschen Volkes“. Sebastian Leicht hat für seine Arbeiten viel Anerkennung gefunden. Interessant ist, dass ihn König Peter ll. Karadjordjevic mit dem Orden des Heiligen Sawa ausgezeichnet hat „für kulturelle Leistungen und Völkerverständigung“, was bedeutet, dass der Künstler, der nach dem Zweiten Weltkrieg Jugoslawien verlassen hatte, mit der Emigration in Verbindung blieb.

Die Motive auf Leichts Bildern bezeugen, dass seine Darstellungen dem pannonischen Menschen und dem dörflichen Leben gewidmet sind. Das Bild „Die Weinverkostung“ wurde in Weißkirchen gemalt und stellt zweifellos den Höhepunkt einer Sammlung von dreißig Ölgemälden auf Leinen dar, die Leicht an die „Große Ausstellung von Malern aus dem Südosten“, gesandt hatte, die 1942 in Wien stattfand. Wegen dieser Ausstellung war Leicht jedenfalls in Ungnade bei den Nachkriegsbehörden Jugoslawiens gefallen.

Die Ausstellung in Batsch-Brestowatz hat den Schleier von den Werken Sebastian Leichts in seinem Ursprungsland gezogen. Schon wurde auch angekündigt, dass er eine neue Ehrung post mortem erleben wird durch eine neuerliche Ausstellung seiner Werke in Belgrad. Sebastian Leicht hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit seinem Herzensanliegen auseinandergesetzt, die Geschichte der Donauschwaben in einer Gesamtschau mit den Ausdrucksmitteln seines künstlerischen Könnens darzustellen. Dazu schuf er im Laufe der Jahre (1944 bis 1983) an die dreihundert Bilder zu diesem Stoff. Einhundertundfünfzig wurden ausgewählt und in einem von der Landsmannschaft der Donauschwaben in Bayern herausgegebenen Buch veröffentlicht, das den Titel trägt „Weg der Donauschwaben“. Die Zeichnungen und Bilder sind von einer besonderen Eindringlichkeit und wurden von Dr. Georg Wildmann kommentiert und wo erforderlich interpretiert.

Duro Popovic verweist auf die Bedeutung des Zyklus der Linolschnitte „Hanf“, die Leicht gemäß einem Text seines Freundes Branko Teodorovic aus Belgrad gestaltet hat, der unter dem Namen Teodosic seine Kunstkritiken schrieb. Der Zyklus wurde in 3.200 Exemplaren im Jahre 1941 nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens gedruckt. Das Werk beschreibt in 20 Bildern die vollständige Verarmung von Familien der Hanfbauern. Der Künstler stellte an den Anfang des Werkes die Zeichnung „Heimatlos“. Später sagte er: „Ich habe geahnt, dass wir

Gedicht

„An den Nachwuchs“

von Horst Herzog

Im Nachwuchs lebst du weiter fort: Ich glaube gern an dieses Wort. Durch ihn erfüllt mein Leben sich, Zu wissen dies, macht glücklich mich.

Ihr gebt mir Hoffnung, Trost und Mut, In Euch fließt auch von mir das Blut. Was Ihr geerbt – bewahrt es wohl, Das ist nicht selten mühevoll!

Dran denken lässt er mich, wie du Zur Jugend zähltest noch dazu. Wie war sie schön, die Jugendzeit, Der ich gedenk in Dankbarkeit.

Ihr Kinder, glaubt an Euer Ziel: Man kann sehr viel – so man nur will ! Und wenn Euch einmal was misslingt: Bemüht Euch, bis es doch gelingt !

Ich seh die Kinder, schweif zurück: So zeigt sich mir mein Erdenglück. Verbunden bleiben wir allzeit In Liebe, Treu und Ehrlichkeit.

Mein Leben, wenn’s zu Ende geht, Schließ ich Euch ein in das Gebet. Was Ihr erwartet möge sich Erfüllen – wünsch’ ich inniglich ! 9


GEDENKEN an die LEIDEN der DONAUSCHWABEN in KROATIEN von Oskar Feldtänzer am 14. Mai 2005 in WALPACH (Walpowo) Die Zeitung Deutsches Wort – Njemacka Rijec, das Blatt der Deutschen und Österreicher in Kroatien, brachte in seiner Folge Juni/2005 aus der Feder der Redakteurin Renata Trischler einen ausführlichen Bericht über die Gedenkfeier der im Lager Walpowo umgekommenen donauschwäbischen Menschen. Als nach Kriegsende die in ihrer Heimat verbliebenen Kroatiendeutschen für die Verbrechen des nazistischen Deutschland verantwortlich gemacht und schuldig gesprochen wurden, begann der Völkermord an diesen persönlich unschuldigen Frauen, Kindern und Alten. Für die meisten, der in den Lagern der Partisanen internierten Menschen, dauerte die Internierung unter unmenschlichen Bedingungen bis Sommer 1948. Viele überlebten diese Zeit nicht, da sie an der Not und den Schrecken des Lagerlebens zugrunde gingen. Am 14. Mai 2005 veranstaltete die Volksdeutsche Gemeinschaft – Landsmannschaft der Donauschwaben in Kroatien auf dem ehemaligen Walpacher Lagerfriedhof eine Gedenkstunde unter dem Motto „Vertreibungstag 1945 – 2005“, sind es doch 60 Jahre her, seit die Internierungen von vielen tausenden Donauschwaben in den Konzentrationslagern Josipovac, Walpowo und Krndija begannen. Damals mussten alle Deutschen innerhalb von 15 Minuten ihre Häuser verlassen und konnten nur das mitnehmen, was sie mit ihren Händen tragen konnten, und wurden in die Konzentrationslager verbracht. Mehr als die Hälfte der damals Internierten haben die Lagerhaft nicht überlebt.

Leben, alle Spuren wurden vernichtet. Über diese Ereignisse durfte auch privat nicht gesprochen werden, ja man verbot sogar den betreffenden Menschen den Gebrauch ihrer Muttersprache.“ Heute, unter geänderten politischen Verhältnissen, können wir die Trauer um unsere Toten öffentlich zum Ausdruck bringen. Auch der Bürgermeister der Stadt Walpowo gedachte der unschuldigen Opfer und Jasmina Lovrinovic als Vertreterin der Baranjaer Gespanschaft sagte, dass die hier begangenen Untaten nicht in Vergessenheit geraten sollen. Der Botschaftsrat der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Laurids Hölscher verwies auf die Verantwortung Deutschlands für die im Zweiten Weltkrieg begangenen Verletzungen der Menschenwürde. Wörtlich: „Ich gedenke aller, die in dieser schrecklichen Zeit ihr Leben lassen mussten. Ich gedenke aller Opfer des Krieges, des Terrors, von wem er auch ausgegangen sein mag. Ich bekenne mich zu der Verantwortung aller heute Lebenden, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um derartige Verbrechen in der Zukunft zu verhindern.“ Im Namen der ausländischen Delegationen verwies Dipl.-Ing. Rudolf Reimann, Vizepräsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben in seiner Ansprache auf die Charta der Heimatvertriebenen von 1950 (siehe auch Seite 19), in der die vertriebenen Volksdeutschen auf Rache und Vergeltung verzichtet haben. Reimann dankte der Republik Kroatien dafür, dass man der donauschwäbischen Lageropfer gedenkt, seinen Minderheiten eine verfassungsmäßig garantierte Anerkennung gewährt und sie im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten unterstützt.

Die Gedenkfeier fand auf dem Friedhof in Walpowo statt, wo vor zwei Jahren ein Mahnmal für die Opfer des Konzentrationslagers der Tito-Partisanen errichtet worden ist. Nikola Mak begrüßte als Vorsitzender der VDG und als Abgeordneter im kroatischen Parlament die Ehrengäste. In seiner Ansprache führte u. a. aus: „Die ersten 45 Jahre waren diese Verbrechen ein streng gehütetes Geheimnis im privaten und öffentlichen

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Weihnachten kommt: BÜCHER · VIDEO · CD · DVD Schenken wir unseren Kindern die Geschichte ihrer Großeltern Folgendes Dokumentationsmaterial ist derzeit bei uns zu bestellen:

weil sicherlich auch unsere Nachkommen irgendwann darauf zurückgreifen werden, wenn sie plötzlich merken, dass es doch s e h r w i c h t i g i s t , die Geschichte seiner Vorfahren, welche ja ein Teil der eigenen Geschichte ist, zu kennen.

zu 5,– Euro: • Ein Volk an der Donau, von Nenad Stefanovic, in deutscher Sprache • Geschichte der Donauschwaben von 1848 – 2000, von Anton Scherer • Donauschwäbische Passion, von Franz Koringer / Villacher Sinf. Orchester, CD • Unsere „Donauschwäbische Chronik“ von Kons. Oskar Feldtänzer und Dr. Georg Wildmann geben wir vorerst auch weiterhin unter den Herstellkosten noch zu 5,– Euro je Buch an unsere Landsleute weiter, weil es unser oberstes Ziel ist, dass diese Chronik in möglichst vielen Familien unserer Landsleute vorhanden ist,

zu 10,– Euro: • Geschichte und Lebenswelt der Donauschwaben, Video von A. Albecker und J. Frach • Die Donauschwaben – Ihre Geschichte und Lebenswelt, DVD

zu 13,– Euro: • „Ein weiter Weg“ von Eva Frach

Das sollte einmal an serbischen Schulen erzählt werden Auszug aus „Weißkirchner Nachrichten“ – Nr. 164/Juni 2005

Ein Überlebender des Völkermordes an den Donauschwaben erinnert sich

zu reden kommt, die er selbst in vollem Umfang und monatelang erdulden musste, wird der Leser völlig irre in seinem Glauben an Menschlichkeit. Was dort geschah, sollte wirklich einmal auch in serbischen Schulen erzählt werden. Tatsache ist, dass auch diese Wahrheiten an die europäische Öffentlichkeit müssen. Denn weiterhin wird die Weltöffentlichkeit über das dunkle Kapitel von den Verbrechen an den Donauschwaben nur am Rande unterrichtet. Das Geschichtsbild über die Vernichtungslager Jugoslawiens wird von jenen gezeichnet, die bewusst verschweigen wollen, was da passiert ist. Aufarbeitung und ‚Vergangenheitsbewältigung‘ ja, aber dann in erster Linie auch bei denen, die solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit in ihrem Lande geduldet und später über die AVNOJ-Beschlüsse sogar sanktioniert haben.

„…mit der Schilderung der Vernichtungsmaschinerie des Tito-Partisanenregimes, die…, ist ein weiterer Versuch, das Martyrium und den Untergang einer Volksgruppe der Weltöffentlichkeit vor Augen zu führen. ‚Es ist ein neues Zeugnis der Wahrheit‘, von einem erzählt, der diese unmenschlichen Jahre der Erniedrigung, Qual und Elend, voll Massaker und unschuldig Dahingemordeter mit Bewusstsein als Jugendlicher erlebt hat. Von unsagbaren Greueltaten wird berichtet, von Scheußlichkeiten, die sich entmenschte Kreaturen haben einfallen lassen, um ihr Mütchen zu stillen und dem Hass auf alles Deutsche freien Lauf zu lassen. …Die volle Wucht der Ereignisse überspülte Ernsthausen aber erst nach dem Abzug der Russen, als fanatisierter, von auswärts kommender Dorfpöbel, plündernde Zigeuner und mordende ‚TotschlägerKommandos‘ der Partisanen auf ihrer Suche nach ‚Naziverbrechern‘ den Ort mit Terror überzogen.

Niemand in der Welt findet sich zuständig, hier ebenfalls europäisch zu reagieren. Morde, auch befohlene und im Abhängigkeitsverhältnis begangene – so haben wir es gelernt – bleiben Morde.“ SK

Noch grauenvoller, so dass man das Buch wegen Schilderung unerträglicher Grausamkeiten zeitweise aus der Hand legen muss, wird der Tatsachenbericht bei den Schlächter-Szenen, die entmenschte Partisanenhorden im Gasthaus Schlitter veranstalteten.

Dieses Buch, „Ich hörte die Totenglocke läuten“ kann beim Autor Peter Kaip, Heimstättenhof 9, A-4053 Haid/Ansfelden, oder Tel. 0 72 29 / 81 276 zum Verlagspreis von 16,90 Euro, plus Versandspesen, bestellt werden.

Als dann Kaip aber auf die Zustände und PartisanenPraktiken in der ‚Todesmühle‘ von Groß-Betschkerek

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E R I N N E R U N G … …an die 1945 erfolgte Errichtung der VERNICHTUNGSLAGER im ehem. Jugoslawien vor 60 Jahren. Von den rund 195.000 Donauschwaben, die im Oktober 1944 unter das TITO-Regime gerieten, kam jeder Dritte, das heißt über 60.000 Personen durch Erschießung, Totschlag, Hunger, Typhus, Ruhr u.ä. um sein Leben. Die Erinnerung an diesen verabscheuungswürdigen VÖLKERMORD muss Mahnung sein, damit so etwas nie wieder passieren kann und Völker verschiedenster Sprache und Kultur in Frieden neben- und miteinander leben können. Keiner der lebenden Historiker ist berufener dazu Stellung zu nehmen, als unser Landsmann Prof. Dr. Georg Wildmann, war er doch u.a. auch selbst jahrelang in dieser Todesmühle interniert. Die Landesleitung

WORTE zur GENERALVERSAMMLUNG der Donauschwaben Oberösterreichs von Dr. Georg Wildmann

Wir stehen in einem Jahr des Gedenkens. Bei uns in Österreich dominiert die Lichtseite dieses Jahres: 60 Jahre Kriegsende, 50 Jahre Staatsvertrag, 10 Jahre Europäische Union. Dieses Jahr hat aber auch eine dunkle Seite: ein zweites Gesicht. Bei uns überwiegt diese.

– Marchtrenk, 9. April 2005

zu den von Stalin angeforderten Reparationssklaven, wie wir heute wissen. 1945 stand für uns unter dem Prinzip Sklaverei. Für die Ungarndeutschen, unsere Landsleute aus Ungarn, war das Jahr 1945 das Jahr, in dem die ungarischen Machthaber und die Öffentlichkeit gegen sie das Prinzip Kollektivschuld durchgesetzt haben. In Potsdam bestätigten die Alliierten das Prinzip Kollektivschuld, das hinter dem Begehren der ungarischen Regierung stand. Man sah sich also berechtigt, 1946 und 1947 220.000 von ihnen zu enteignen und „auszusiedeln“. 1945: das Jahr, das den Beschluss auf Verlust von Heimat, Haus und Hof sanktionierte. Es steht für uns, 60 Jahren danach, wieder dieses schreckliche Prinzip im Blick, das von der abendländischen Philosophie nie anerkannt wurde. Man kann nicht jemand allein aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe für straffällig erklären. Wo keine Schuld bewiesen, da keine Strafe, erst recht nicht die Strafe des Vermögens- und Heimatverlustes.

Für uns Donauschwaben hat das Jahr 1945 ein anderes Gesicht. Wenn wir Donauschwaben das ganze Jahr 1945 in unsere Betrachtung einbeziehen, es ehrlich bedenken, dann war es für uns kein Jahr der Befreiung, sondern das Jahr einer neuen Unterdrückung, Sklaverei und Angst. Wir tun gut daran, uns in dieser Stunde der nachdenklichen Ergriffenheit nicht zu verweigern. I. 1945 war für uns Donauschwaben aus Ungarn, Rumänien und Jugoslawien das Jahr der Deportation in die Sowjetunion und das schlimmste Jahr dieser bis zu fünf Jahren dauernden Zeit der Zwangsarbeit. Nimmt man an, dass über 80.000 unserer Landsleute in den Kohlegruben des Donezbeckens, den Wäldern und Fabriken der Ukraine landeten, und nimmt man zur Kenntnis, dass im Durchschnitt 17 Prozent nicht überlebten, also jeder/jede Sechste an Krankheit und Unterernährung zugrunde ging, dann müssen wir rund 15.000 Tote beklagen. Die Donauschwaben gehörten

Auch an unseren Landsleuten aus Rumänien wurde 1945, noch vor Ende des Krieges, die Kollektivschuld gesetzlich zugerechnet. Von allen Maßnahmen betraf vor allem die Bodenreform unsere Banater Landsleute, weil diese überwiegend der Landwirtschaft angehörten. Da wurde am 11. April 1945 von der 12


moskaufreundlichen Regierung (Petru Groza) ein Reglement zur Durchführung der Agrarreform erlassen. Die Kollaborateure sollten enteignet werden und ihren Grund und Boden verlieren. Wer sind die Kollaborateure? Kollaborateure sind:

1945/46 war die schlimmste Todeszeit unserer Volksgruppe überhaupt. Nimmt man alle zusammen: die Gefallenen der Endkämpfe 1945, die von den Partisanen ermordeten 2.000 wehrlosen Kriegsgefangenen der Prinz-Eugen-Division, die weiteren 2.000 – 3.000 ermordeten donauschwäbischen Kriegsgefangenen, die Toten der in die Sowjetunion deportierten Zivilpersonen und Kriegsgefangenen, die Opfer des Todeswinters 1945/46 in den Lagern – nimmt man diese alle zusammen, dann war 1945 das große Totenjahr der gesamten damals 200-jährigen Geschichte von uns Donauschwaben.

a) Jene rumänischen Staatsbürger, die den SS-Verbänden der deutschen Wehrmacht angehörten sowie deren Vorfahren und Nachkommen. b) Jene rumänischen Staatsbürger, die mit der deutschen und ungarischen Armee abgezogen sind. (Die rund 30.000 Schwaben aus dem rumänischen Banat, die geflüchtet sind, sind also nach dieser Bestimmung Kollaborateure.) c) Jene rumänischen Staatsbürger deutscher Nationalität (Abkunft), die Angehörige der deutschen Volksgruppe waren und alle diejenigen, die … dem Hitler’schen Deutschland Hilfe auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem oder sportlichem Gebiet geleistet haben. Die landwirtschaftlichen Besitztümer aller dieser Personen mit … dem lebenden und toten Inventar … gehen in den Besitz des Staates über, um den zuteilungsberechtigten Bauern ausgehändigt zu werden.

Es war auch das Jahr der größten Vermögensberaubung unserer Geschichte und das Jahr, in der die beschlossene Heimatberaubung durchgeführt wurde. 1945 war für uns das annus horribilis unserer Geschichte. Diese damalige Urerfahrung lebt in einem 60-Jahr-Gedenken wieder auf. Dass wir am 60. Jahrestag des Kriegsendes nicht das große Lied von der Befreiung singen, wird wohl jeder verstehen. Und dass wir in diesem kommenden Herbst eine besondere Totenehrung begehen sollten, drängt sich unweigerlich auf. Befreit hat uns niemand. Wir mussten, soweit wir überlebt haben, aus eigener Kraft entkommen, in die Not entkommen, um allmählich, nicht zuletzt durch harte Arbeit, die Freiheit in Form der sozialen und staatsbürgerlichen Rechte in einer westlichen Demokratie zu erlangen.

Es gab nur sehr wenige unter den Deutschen in Rumänien, die nicht unter diese Bestimmungen fielen. – Unsere Banater Landsleute wurden also moralisch diskriminiert und damit war das angebliche Recht gegeben, ihnen Grund und Boden, also ihre Lebensgrundlage, zu entziehen. – Die Maxime, das die rumänische Regierung da angewendet hat, ist das klassische Beispiel der politischen Unmoral: Erkläre zuerst per Gesetz möglichst viele für kollektiv schuldig, und dann kassiere strafweise ihr Vermögen.

II. Es ist gut und richtig, dass die Bundesregierung und der Nationalrat demnächst der Opfer des Nationalsozialismus gedenken. Es ist aber meines Erachtens moralisch nicht richtig und gesellschaftspolitisch auch nicht gut, wenn unsere Staatsmänner – ohne Worte – sagen: „Über die Leiden der Opfer des Kommunismus, über die Leiden der Vertriebenen, über die Leiden der vielen vergewaltigten Frauen, über die Tausende Opfer der alliierten Luftangriffe, über die Leiden der Kriegsgefangenen reden wir nicht. Dieser Opfer gedenken wir öffentlich und offiziell lieber – nicht.“

Vor 60 Jahren also eine Sonderenteignung unserer Landsleute aus dem rumänischen Banat und damit die beginnende Zerstörung der Sozialstruktur ihrer Dörfer, Schwächung ihrer Wirtschaftskraft und Zuwanderung gebietsfremder zuteilungsberechtigter Rumänen. Unsere Landsleute aus dem vormaligen Jugoslawien. Zum Prinzip Kollektivschuld kam hier das Prinzip Terror hinzu. Im Jahre 1945 wurden alle Donauschwaben aus ihren Häusern getrieben und sowohl in Arbeits- wie in Konzentrationslagern für nicht Arbeitsfähige interniert. Von Jarek abgesehen wurden alle übrigen sieben Vernichtungslager zwischen März und November 1945 errichtet. Der Winter

Wenn unsere Öffentlichkeit und unsere demokratischen Politiker unsere eigenen unschuldigen Opfer mit Schweigen übergehen, also tabuisieren, dann wird es ausschließlich von den rechtsextremen Kreisen zur Sprache gebracht und nur allzu leicht instrumentalisiert, 13


indem man sagt: „Da schaut, wie feige unsere Parteien heute sind, wenn es um unsere Menschen geht; sie sind schuld, dass wir keine Selbstachtung, kein nationales Selbstbewusstsein, mehr besitzen.“ Ich glaube, es wäre nicht gut, wenn unsere Politiker in diesem Bedenkjahr die Leiden der eigenen unschuldigen Opfer ohne öffentliches Gedenken mit Schweigen übergehen.

eine totalitäre Missachtung der Menschenwürde und die Anwendung des Grundsatzes, dass der Zweck des Machterhalts jedes Mittel heiligt. Wenn man also sagt: Alles eine Reaktion auf deutsche Verbrechen, dann macht man es sich jedenfalls als Politiker und Historiker zu leicht ! Bei genauerer Beobachtung zeigt sich bei unseren Staatsmännern auch folgende Einstellung: „Wenn ich als Politiker oder Staatsmann eure Leiden als Vertriebene öffentlich würdige (und die unserer Einheimischen, oder sogar einen Gottesdienst für die Bombenopfer der letzten Kriegswochen anrege und besuche), dann verharmlose ich die Verbrechen des Nationalsozialismus.“

Es gibt, besonders bei den derzeitigen deutschen Politikern, dieses zeitgeistige Argument mit seiner bequemen Plausibilität: Vertreibung, Zwangsarbeit seien einfach die Folge der deutschen Schuld, Folge der NS-Verbrechen gewesen, eine verdiente Strafe, die auf das ganze Volk zurückfällt und damit müsse man sich abfinden – so müsse man sich mit dem Verlust des Landes im Osten abfinden. Akzeptiert man das, dann ist die Hauptschuld abgetan und gesühnt. Wenn Verlust der Ostgebiete und der Heimat vieler Altösterreicher deutscher Muttersprache verdiente Strafe wäre, warum müssen dann gerade wir, die Vertriebenen, die Strafe erleiden, mit Tod, Vermögens- und Heimatverlust? Dafür gibt es keine plausible Erklärung.

Wir als Betroffene können da nur antworten: Das ist in unseren Augen ein falsches Argument. Man sollte der unschuldigen Opfer gedenken, jenseits der Rasse, jenseits der Volkszugehörigkeit, gleich, ob sie durch Giftgas, durch Hunger und Krankheit oder durch Massaker oder Bomben zu Tode gebracht wurden. Man soll die unschuldigen Opfer aufgrund ihrer Herkunft nicht in solche erster und zweiter Klasse teilen. Die Opfer sind in ihrer Menschenwürde gleich und haben daher das sittliche Recht auf das gleiche ehrende Gedenken. Solange von der offiziellen Öffentlichkeit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird, sollte auch der Opfer der Vertreibung, der kommunistischen Gewaltherrschaft und der eigenen zivilen Kriegsopfer offiziell öffentlich gedacht werden. Gleiche Öffentlichkeit, gleiches Gedenken für alle Opfer!

Wenn man sagt: Alles war verständliche Reaktion auf die Verbrechen der Nationalsozialisten, dann unterschätzt man – zumindest – die kriminelle Energie des Stalinismus. Das haben die russischen heimgekehrten Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter ebenso erfahren müssen, wie die Balten, die Polen und die Ostdeutschen. Es war mehr da, als eine Reaktion auf deutsche Verbrechen. Es war da

TOTENGEDENKEN Sonntag, 30. Oktober 2005, 10.30 Uhr beim Donauschwaben-Denkmal „Am Zwinger“ in Wels Die Landesleitung ersucht die Landsleute, soweit es ihnen aus gesundheitlichen Gründen möglich ist, dieser Veranstaltung zum Gedenken unserer Toten beizuwohnen. Nachdem das Fahren mit dem Auto für viele unserer älteren Landsleute schon beschwerlich ist, wird auch heuer wieder empfohlen, Fahrgemeinschaften zu bilden. Die Koordination für den Einzugsbereich im Raume Linz - Traun kann mit unserem Funktionär Hans Himmelsbach, Tel. (07229) 64 722 abgestimmt werden. Die Kosten für die Fahrt werden dem Fahrer von der Landsmannschaft vergütet. Die Gedenkrede hält unser Herr OSTR Dr. Wildmann. 14


EINLADUNG zur EINWEIHUNG des GEDENKKREUZES in KRUSCHIWL

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ÖKUMENISCHE ANDACHT und VERSÖHNUNGSSTUNDE in KRAGUJEVAC und RUDOLFSGNAD anlässlich des Europatages und Ende des Zweiten Weltkrieges Am 9. Mai 2005 hat die Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit – zusammen mit ihren Zweigstellen in Hodschagg und Kragujevac, sowie in Zusammenarbeit mit dem Verein „Heilige Anna“ aus Kratovo/ Priboj am Lim und mit dem Verein für serbisch-deutsche Freundschaft und Bewahrung der deutschen Gedenkstätten in Rudolfsgnad – in Kragujevac und Rudolfsgnad den Europatag und das Ende des Zweiten Weltkrieges in Erinnerung gerufen und Ökumenische Andacht sowie Versöhnungsstunde über den Massengräbern daselbst veranstaltet. Nach der Andacht in Serbisch, Deutsch und Griechisch, nach der Niederlegung von Blumen und nach Ansprachen reichten die Teilnehmer am Vormittag einander die Hände über dem Massengrab, der am 21. Oktober 1941 als Geiseln erschossenen Kragujevacer Gymnasiasten 1 sowie am Nachmittag des gleichen Tages über den an die Hunderte in Massengräbern beim Todeslager Rudolfsgnad 1945 –1948 verscharrten donauschwäbischen Kindern zum Zeichen des beiderseitigen Bekenntnisses der Bürger Serbiens, serbischer und deutscher Volks-

zugehörigkeit zur europäischen Gemeinschaft der in den zwei Jahrtausenden langen christlichen Tradition begründeten Werte, zu dem die schrecklichsten aller Opfer – die Kinderopfer – verpflichten. Teilnehmer waren der donauschwäbische Archipresbiter der römisch-katholischen Kirche Jakob Pfeifer als ordinierender Geistlicher und als 1. Vorsitzender der Zweigstelle der Belgrader Gesellschaft für serbischdeutsche Zusammenarbeit in Hodschagg, der 2. Vorsitzende der genannten Zweigstelle Dragan Jovanovic, ´ Anton Beck als 1. Vorsitzender des Deutschen Volksverbandes in Subotica und des „St. Gehardswerkes“ in der Vojvodina, der vom Bischof der Diözese Kragujevac Jovan delegierte Geistliche der Serbisch-orthodoxen Kirche Bojan, der 1. Vorsitzende der Zweigstelle der Belgrader Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit in Kragujevac mag. pharm. Stevan Josimovic, ´ der bekannte Kragujevacer Journalist und Publizist Miodrag Stojilovic, ´ der Kustos des Museums „21. Oktober 1941“ Ljubomir Kamber, 1. Vorsitzender des humanitären Vereins „Sveta Ana“ 2 DiplomVolkswirt Slavoljub Guduric, ´ auf dessen Vorschlag hin die Andachts- und Versöhnungsstunde zum ersten Mal stattgefunden hatte, der 2. Vorsitzende der Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit Prof. Dr. ˇ Zoran Zileti c, ´ der bekannte Belgrader Journalist Nenad Stefanovic´ in seiner Funktion des Mitglieds des Verwaltungsausschusses der Gesellschaft für serbisch-deutsche Zusammenarbeit in Belgrad, der 1. Vorsitzende des Vereins für serbisch-deutsche Freundschaft und Pflege der deutschen Gedenkstätten in Rudolfsgnad Radosav Joksimovic, ´ der Sekretär der Orstkanzlei in Rudolfsgnad Srboljub Stojkoviic, ´ die Chefredakteurin der Zeitschrift für donauschwäbische Belange in der Vojvodina Fenster und bekannte Belgra-

Totengedenken über den Massengräbern auf der Teletschka in Rudolfsgnad, wo zahlreiche donauschwäbische Kinder zu Tode kamen

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Zu beachten ist die römische Ziffer „V“ über dem Massengrab, da es um die 5. Gymnasialklasse mit ihrem Klassenlehrer ging! „Hl. Anna“


der Journalistin und Publizistin Nade da Radovic, ´ sowie der 1. Vorsitzende des Deutschen Vereins für gutnachbarliche Beziehungen Karlowitz Dipl.-Jur. Stjepan Seder. Nach der Andachts- und Versöhnungsstunde in Rudolfsgnad kamen die Teilnehmer im Gasthaus „Sport Potisje“ zusammen, um die künftige Zusammenarbeit zu besprechen. Man vereinbarte unter anderem, dass von nun an die Kragujevacer alljährlich zur Gedenkstunde an die donauschwäbischen Opfer des Todeslagers „Kni canin“ ´ nach Rudolfsgnad, sowie dass die Rudolfsgnader alljährlich zur Gedenkstunde an die Opfer der Geiselerschießungen der Deutschen Wehrmacht am 21, Oktober nach Kragujevac kommen. ˇ

Totengedenken in Kragujevac: Im Hintergrund die römische Ziffer V, die für die erschossenen Kinder der 5. Gymnasialklasse mit ihren Lehrern steht

Text: Zoran Ziletic´ Fotos: Nenad Stefanovic´

ERZBISCHOF DR. ZOLLITSCH – 1. WALLFAHRT in die Vojvodina – 1. Station RUDOLFSGNAD Nach seiner Kanada-Reise und noch vor dem Weltjugendtag in Köln nahm unser Erzbischof Dr. Zollitsch noch die Mühe auf sich, eine Wallfahrt in die Vojvodina zu unternehmen. Seine erste Station war Rudolfsgnad, wo rund 12.000 unschuldige Opfer der TitoPartisanen in Massengräbern liegen und wo durch private Aktivitäten – und dem dankbaren Verständnis der jetzigen Bewohner und deren tatkräftiger Mithilfe, speziell in der Erhaltung – die ersten Gedenkstätten in der Vojvodina für Donauschwaben errichtet wurden. Nachstehend die Übersetzung eines Schreibens des Ortssekretärs der Gemeinde Knicanin/Rudolfsgnad, der auch 2. Vorsitzender des Brudervereines vom „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V.“ ist und dem wir zu Dank verpflichtet sind:

boren, unter der Führung von Dipl.-Ing. Franz Wesinger und Anton Beck (Sombor) nach Knicanin. Unsere Knicaniner Gäste besuchten das Gräberfeld auf der Teletschka und die dortige Gedenkstätte. Danach hielten sie eine Messe vor der Gedenkkapelle auf dem Ortsfriedhof ab. Die Gäste der Gruppe Franz Wesinger und Anton Beck drückte tiefste Dankbarkeit aus für alles, was unsere Vereine VGR e. V. und dessen Bruderverein USNPK e. V. Knicanin/Belgrad bis jetzt geschaffen haben und sahen, dass dies alles fortgesetzt, das heißt, vervollständigt werden muss. Nach dem protokollarischen Teil wurde die Delegation von Herrn Erzbischof Dr. Zollitsch mit Erzdechant Jakob Pfeifer ins Haus der Familie Stojkovic zum Mittagessen eingeladen. Gemütlich wurden die erlebten Eindrücke des Besuches besprochen. Nach dem Mittagessen hat Erzbischof Dr. Zollitsch dankbar ausgesprochen, dass er aus Knicanin große, angenehme Erinnerungen mit nach Hause nehmen werde. Er dankte für alles, was der Delegation an diesem Tage dargeboten wurde; besonders dankte er Familie Stojkovic für den Empfang in ihrem Hause. Er sei besonders zufrieden, dass er nach 60 Jahren seine Geburtsscholle wiedersah und sich unerwarteter Weise so heimisch fühlte. Zum Abschluss dankte er der Familie Stojkovic nochmals für die herzliche Gastfreundschaft und den schönen Empfang und äußerte den Wunsch, dass sich dieser Anfang weiter fortsetzen möge.

Stojkovic-Brief: Übersetzung von Lorenz Baron Am Montag, dem 18. 07. 2005, besuchte eine Delegation auf hohem Niveau unter Leitung von Herrn Erzbischof Dr. Robert Zollitsch aus Freiburg, dem Bischof Dr. Janosch Penzesch aus Subotica und Erzdechant Jakob Pfeifer aus Hodschag, Knicanin/Rudolfsgnad. Am selben Tage kam auch eine Gruppe Donauschwaben, die meisten davon in Batschki-Brestowatz ge17


GROSSTREFFEN der Ortsgemeinschaft FILIPOWA von Dr. Georg Wildmann in CHIEMING/Bayern 2005 Alle zwei Jahre um den 1. Mai findet ein Großtreffen der Filipowaer in Chieming/Bayern statt. In diesem Jahr haben sich mehr als 200 Landsleute aus Deutschland, Österreich, den USA und Kanada zu einer sehr gut gelungenen Festlichkeit zusammengefunden. Der in Filipowa geborene Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Freiburg, übernahm die Funktion des Hauptzelebranten des Hochamts und der ebenfalls aus Filipowa stammende Domkapitular Johannes Urich, Speyer, hatte sich bereitgefunden, die Totenehrung zu vollziehen. Musikalisch mitgestaltet wurde die Feier durch die hohe Liedkunst von Frau Elisabeth Haumann (Sopran-Solistin), väterlicherseits Filipowaer Abstammung.

ren, 1905, wurde der Klosterbau errichtet, es kamen die Schulschwester nach Filipowa und begannen im gleichen Jahr mit dem Schulunterricht (bis 1945 gingen aus Filipowa 133 geistliche Schwestern hervor). Nicht zuletzt nahm auch die Dampfmühle 1905 ihren Betrieb auf – eine solche Fülle runden Gedenktage wird sich für die letzten gebürtigen Filipowaer nicht mehr wiederholen. Folglich haben Hans Hönisch, Obmann der ARGE-Filipowa, und Dr. Georg Wildmann auch eine kleine „Gedenkschrift“ herausgebracht, die auch den 1.413 Kriegs- und Lageropfern der damals 5.300 Seelen starken Gemeinde gewidmet ist. Gedenkreden und Ehrungen verdienter Landsleute bot der nachmittägliche Festakt, wobei auch Erzbischof Zollitsch als Ehrengabe der Ortsgemeinschaft eine vom Filipowaer Meister Anton Teppert geschaffene Bronzeplastik der vormaligen Pfarrkirche erhielt.

Das Treffen stand unter einem mehrfachen GedenkMotiv. Nach der Ermordung von 212 Filipowaern Burschen und Männern zwischen 16 und 60 Jahren am 25.11.1944 auf der Hodschager Heuwiese und der Deportation von 239 Einwohnern Ende Dezember 1944 zur Zwangsarbeit in die damalige Sowjetunion (53 kehrten nicht mehr zurück) wurden am 31. März 1945 die Filipowaer aus ihren Häusern getrieben (833 Filipowaer Zivilpersonen kamen bis 1948 in den Konzentrations- und Arbeitslagern ums Leben, 756 allein in Gakowa). Es waren also der 60. Jahrestag der Vertreibung – das Ende der 182-jährigen donauschwäbischen Ortsgeschichte – und die nachfolgende Lagernot zu bedenken. Auch der Neubeginn in der neuen Heimat, der den Überlebenden ab 1945 gelang, durfte nicht übersehen werden. Dazu kam, dass die Filipowaer Pfarrkirche 200 Jahre alt geworden wäre, wenn sie noch existierte (in ihr wurden 50 spätere Priester und Ordensleute getauft). Vor 100 Jah-

Ein Blick in die Kirche während der Messe

I TA L I E N g e d e n k t d e r O P F E R v o n T R I E S T Parteien beschließen gemeinsam Gedenktag für Vertriebene Das italienische Parlament hat jetzt die Einrichtung eines nationalen Gedenktages für die italienischen Vertriebenen und von Tito-Partisanen ermordeten Italiener in Istrien beschlossen. Alle Parteien, selbst die Kommunisten, hatten sich einheitlich dafür ausgesprochen. Das Interesse der italienischen Öffentlichkeit war groß. Am 10. Februar, dem Jahrestag der Unterzeichnung des italienischen Friedensvertrages von 1947, fand jetzt die erste Gedenkfeier in Triest statt. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, MdB, nahm als Ehrengast daran teil und überbrachte eine Grußbotschaft seitens der deutschen Vertriebenen. Nachdrücklich forderte Erika Steinbach auch in Deutschland einen nationalen Gedenktag für die Vertreibung der Deutschen.

nische Umgangssprache gefunden: „Infoibare“ bedeutet „massenhaft Ermordete in die Felsschluchten werfen“. Anfangs wurden die Morde von Tito noch mit „Rache für italienische Kriegsverbrechen in Jugoslawien“ begründet. Dann dehnten sich diese Exzesse aber sehr schnell von einer vorgegebenen Abstrafung von Verbrechern auf alle Personen mit italienischer Staatsangehörigkeit aus, deren man habhaft werden konnte. So wie im Herrschaftsgebiet Jugoslawiens der AVNOJ, der sogenannte „Antifaschistische Rat der Nationalen Befreiung Jugoslawiens“ alle Deutschen, Soldaten wie Zivilisten, zu Feinden erklärte und Hunderttausende Männer, Frauen und Kinder zusammentreiben ließ, sie misshandelte und umbrachte, nur weil sie Deutsche waren, so wurden italienische Bürger, nur weil sie Italiener waren, unterschiedslos ermordet. Etwa 10.000 Italiener sollen dabei umgekommen sein. In den politischen Erklärungen zu diesem Gedenktag wurden diese Vorgänge als „ethnische Säuberung, als Auslöschen des italienischen Charakters dieser Gebiete“ bezeichnet. Als Tito 1945 in Triest einmarschierte, flüchteten 350.000 Italiener oder wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Erst 1954 kam das Gebiet von Triest wieder zu Italien zurück.

Dass es in Italien auch Vertriebene gab, ist vielfach unbekannt. Das Wort Foibe ist in Italien zu einem Begriff geworden, der an eine eklatante Menschenrechtsverletzung erinnert. Foibe bezeichnet die Karstschlünde und Felsschluchten im Hinterland von Triest, in die 1945 massenweise von Tito-Partisanen ermordete, italienische Bürger hineingeworfen wurden. Zahlreiche von ihnen waren dabei noch am Leben. Bis heute findet man dort noch menschliche Überreste. Erst kürzlich wieder wurden aufgefundene Gebeine zur Bestattung freigegeben. – 10.000 italienische Opfer-Tote. Foibe hat deswegen mit seiner besonderen Bedeutung auch Eingang in die italie-

Auszug aus DOD 3/2005

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55 Jahre CHARTA der HEIMATVERTRIEBENEN Eine Erfolgsstory Vor 55 Jahren wurde die Charta der volksdeutschen Heimatvertriebenen unterzeichnet. Die Heimatvertriebenen verzichteten darin auf Rache und Vergeltung, sicherten ihre Mithilfe beim wirtschaftlichen Wiederaufbau zu und bekannten sich zur europäischen Integration. Am 5. August 1950 verabschiedeten die volksdeutschen Heimatvertriebenen in Stuttgart eine Erklärung, in der sie unter Verzicht „auf Rache und Vergeltung“ ihren Beitrag zur „Schaffung eines geeinten Europas“ und zum Wiederaufbau Europas zusicherten. Die Charta der Heimatvertriebenen ist nach 55 Jahren ihrer Verabschiedung auch zum Sinnbild einer geglückten Integration von 350.000 volksdeutschen Heimatvertriebenen geworden, die nach der Vertreibung von 1944/45 in Österreich geblieben waren. Der Großteil stammte aus der ehemaligen Tschechoslowakei (Sudeten- und Karpatendeutsche), dem ehemaligen Jugoslawien (Donauschwaben, Deutsch-Untersteirer, Gottscheer) und zu kleineren Teilen aus Rumänien (Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben, Buchenlanddeutsche), Polen (Beskidendeutsche) und Ungarn. 1954 wurde der Verband der volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs (VLÖ) als Dachverband gegründet.

Seine Aufgabe war die Vertretung der Heimatvertriebenen in der politischen und medialen Öffentlichkeit. Die Charta der Heimatvertriebenen war für uns Vertriebene immer eine Verpflichtung, zu der wir uns auch heute noch bekennen. Unsere Integration in Österreich verlief friedlich. Es hat seit 1945 nie Ausschreitungen oder Gewalt von unserer Seite gegeben. Wir sind stolz auf den Beitrag, den wir nach 1945 beim Wiederaufbau Österreichs leisten konnten. Die volksdeutschen Heimatvertriebenen haben der ganzen Welt bewiesen, wie man zum Wohl Europas die Tragik der eigenen Geschichte bewältigt, die eigenen Forderungen ausschließlich mit demokratischen Mittel erhebt und im Bewusstsein der friedlichen Koexistenz der europäischen Idee einen wertvollen Dienst erweist. 5. August 2005

SUDETENDEUTSCHE

60 Jahre Vertreibung – Neue Heimat Österreich war, sondern das es nur ein Wechsel der Insassen gegeben hat. Die Inhaftierten wurden zwar befreit, aber die Deutschen Frauen und Kinder im Osten Europas wurden in diese Lager gesteckt, lange nach Kriegsende noch gedemütigt und misshandelt, sodass Millionen davon auf qualvolle Weise zu Tode kamen. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde den Besuchern die Konzertante Aufführung „1919 Märzgedenken“ von Alexander Blechinger, mit dem Komponisten als Dirigenten geboten, welche mit viel Beifall bedacht wurde.

Unter dem Motto: „Festliches Gedenken“ haben unsere Freunde aus dem Sudetenland am Samstag, dem 10. September 2005 eine sehr würdige und beeindruckende Gedenkfeier ausgerichtet. Am Vormittag wurde in der überfüllten Ursulinenkirche in Linz ein vom Visitator für die Sudetendeutsche, Pater Norbert Schlegel, zelebrierter Gedenkgottesdienst gefeiert. Die „Festliche Gedenkfeier“ fand am Nachmittag im Festsaal des Landskulturzentrums Ursulinenhof, Linz statt, bei der Landesobmann Ing. Ludwig neben Landeshauptmann Dr. Pühringer und Bischof Dr. Aichern noch zahlreiche weitere Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, der Kirche und allen Landsmannschaften der Vertriebenen, begrüßen konnte.

Anton Ellmer

In einer vielbeachteten Ansprache hob der Landeshauptmann nicht nur die überragenden Leistungen der Vertriebenen beim Wiederaufbau Österreichs hervor, sondern er wies auch sehr eingehend auf das Unrecht hin, welches den Sudetendeutschen, bzw. den gesamten Vertriebenen aus dem Osten, widerfahren ist. Sehr klare Worte an Hand von dargelegten Fakten fand Univ. Prof. Dr. Reinhard Heinisch in seiner Gedenkrede, wobei er u. a. darauf hinwies, das der 8. Mai 1945 nicht das Ende der Grausamkeiten in den Konzentrationslagern

Blick in den Festsaal des Landeskulturzentrums U-Hof

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Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Johann Scherer † Unser langjähriges Mitglied Johann Scherer verstarb am 21. August 2005 nach kurzer, schwerer Krankheit im 86. Lebensjahr. Johann Scherer wurde in Franztal/Semlin geboren wo er auch die Schulzeit und seine Jugendjahre verbrachte. 1943 wurde er zur deutschen Wehrmacht einberufen und 1944 kam er in russische Kriegsgefangenschaft, von der er im Frühjahr 1951 entlassen wurde. Anfänglich in Zell am Moos und ab 1955 in Marchtrenk, baute er für seine Familie nach und nach eine gesicherte Existenz auf. Nach über 30 arbeitsreichen Jahren bei der OÖ. Wildwasserverbauung trat er mit 62 Jahren in den verdienten Ruhestand. Nun fand er noch mehr Zeit für seine Leidenschaft das Angeln und nicht selten kam er mit einem kapitalen Fang nach Hause. Um ihn trauern seine Gattin Rosa, seine fünf Kinder mit Schwiegerkinder, seine acht Enkel und sechs Urenkel.

Frau Eva Gessert † Die Gattin unseres langjährigen Mitgliedes Mathias Gessert wurde am 26. März 1927 in Mrsovic, im heutigen Kroatien, als zweites von vier Kindern geboren. In Oberösterreich traf sie ihren Jugendfreund Mathias Gessert wieder und im September 1947 wurde geheiratet und das Leben nahm den „Donauschwäbischen Weg“: Familie, Arbeit, Hausbau und eine gute Mutti und Omi sein. Erst als die Kinder selbstständig waren, konnte sie auch an sich denken und sich ihren diversen Hobbys – Garten und Blumen, Singen und Freunde – widmen. Um sie trauert ihre große Familie: Gatte Mathias, die Kinder und Schwiegerkinder Katharina und Manfred, Günther und Christa, die Enkel Natascha und Martin, Mathias und Sibylle, Lukas und Valerie sowie die Urenkel Theresa, Sophia und Rubens.

Katharina Rupp † wurde am 27. September 1917 in Klenak, ex. Jugoslawien, geboren (geborene Kettler). Gemeinsam mit ihrem bereits 1987 verstorbenen Gatten Peter, war sie ein Mitglied der ersten Stunde unserer Landsmannschaft. Als Frau und Mutter teilte sie das Schicksal aller Donauschwaben-Frauen dieses Alters. Der Mann war im Krieg und sie musste als junge Mutter mit ihrem Sohn Josef, geboren 1935 und der Tochter Maria, geboren 1936, die Flucht ergreifen und da als weiterer Schicksalsschlag der Gatte als Kriegsinvalide zu seiner Familie nach Österreich zurückkehrte, hatte sie noch eine zusätzliche Last zu tragen. Nach einem Leben, welches nur der Familie gehörte, das voller Arbeit und Entbehrung war, verstarb sie am 14. Juli 2005. Um sie trauern ihre beiden Kinder Josef und Maria, nebst den Enkeln und Urenkeln.

Elisabeth Sabo † Die Gattin unseres Mitgliedes Anton Sabo aus Apatin, verstarb am 14. August 2005 – nur zwei Wochen vor ihrem 53. Hochzeitstag und einen Tag vor dem Geburtstag ihres Mannes – nach kurzer, aber schwerer Krankheit. Sie wurde am 28. 9. 1933 in Veprovac geboren und hat mit Gottes Hilfe das Vernichtungslager Gakowo überlebt. Sie konnte im November 1947 nach Österreich flüchten, wo sie auch ihren späteren Mann kennen lernte, den sie Ende August 1952 heiratete und dem sie auch drei Kinder schenkte. Um sie trauern der Gatte Anton, die Kinder und Schwiegerkinder Robert und Maria, Anton und Ilona, Manfred und Evelin sowie die Enkelkinder Jörg, Kerstin, Christina, Anna, Theresa, Fabian und Nicole. 20


Wenzel Kirchner

† 8. August 2005

Wenzel Kirchner wurde am 2. Februar 1911 in Rudolfsgnad als elftes Kind geboren. Dort hatten der spätere Schlossermeister und sein Neffe einen eigenen Betrieb und eine Lohndrescherei. Durch ihre Dampfdreschmaschine waren „die feschi Klose Buwa“ für alle Kinder des Dorfes ein Begriff und wenn sie mit ihrer pfauchenden Dreschmaschine von Hof zu Hof fuhren, waren immer ganze Scharen von nachlaufenden Kindern ihre „Begleiter“. Auch er hatte das Schicksal wie alle jungen Männer dieser Zeit: Militär, englische Gefangenschaft und nach der Entlassung keine Heimat mehr. Seine Frau war zu dieser Zeit mit ihren drei kleinen Kindern in Österreich, und nach einer Zwischenstation fanden sie in Wels ein neues Zuhause, wo es diesem tüchtigen Menschen und perfekten Handwerker nicht schwer fiel, eine neue Existenz für die Familie aufzubauen. Die Landsleute spielten in seinem Leben immer eine wichtige Rolle und so war es für ihn auch selbstverständlich, sich sofort der Landsmannschaft anzuschließen, so dass er zu den ältesten Mitgliedern zählte. Um ihn trauern seine Kinder und Schwiegerkinder, sowie seine Enkel und fünf Urenkel.

Prof. Nikolaus Engelmann

† 5. September 2005

Nikolaus Engelmann, der in Warjasch im rumänischen Banat am 10. August 1908 geboren wurde, hat sich durch sein Wirken als Schulmann, Kulturpolitiker, Publizist und Schriftsteller für die Gesamtbelange aller Donauschwaben große Verdienste erworben, wobei sich seine Auffassung über den Begriff des Donauschwabentums nicht mit den Grenzschranken abfand, wie sie nach der Zerreißung ihrer Siedlungsgebiete nach 1918 hingenommen werden mussten. Die Integrationsfigur Engelmann bezog in ihrem Wirken stets alle Siedlungsgebiete unseres so schwer geprüften Völkchens mit ein, unabhängig davon, welchem der TriaProf. Nikolaus Engelmann 1961 bei der Weihe des Mahnmals der Donauschwaben. Er hielt die nonstaaten – Ungarn, Rumänien oder Jugoslawien – sie Gedenkansprache nach dem Ende des Ersten Weltkrieges angehörten. Seine berufliche Laufbahn erreichte mit der Berufung zum Professor für Didaktik der Pädagogischen Akademie der Diözese Linz ihren Höhepunkt. Diese Laufbahn hatte nach dem Abschluss seines Studiums in Münster/Westfalen begonnen, als er an die Katholische Deutsche Lehrerbildungsanstalt in Temeschwar berufen wurde. Im oberösterreichischen Pinsdorf ab 1945 heimisch geworden, galt seine Obsorge ab der ersten Stunde seinen vertriebenen Landsleuten, vor allem im Rahmen der Donauschwäbischen Landsmannschaft, deren Landesobmann er während einer Reihe von Jahren war. Diese anspruchsvolle Funktion im Interesse seiner Landsleute hatte er in einer Zeit wahrzunehmen, als noch um die Gleichberechtigung der Heimatvertriebenen in wesentlichen Belangen ihrer unmittelbaren materiellen Existenzsicherung gerungen werden musste, und auch er selbst vor der schwierigen Aufgabe stand, für sich und seine Familie neue Lebensgrundlagen zu schaffen. Engelmann war in seiner neuen Heimat langjähriger Chefredakteur der in Salzburg erschienenen donauschwäbischen Zeitschrift Neuland. Als solcher war er mit den Problemen seiner donauschwäbischen Landsleute hierzulande konfrontiert und auch bestens vertraut. Kenner haben ihn wegen der Schlichtheit, dem Humor, der treffsicheren Ausdruckskraft und Erzählkunst mit Recht als den „donauschwäbischen Johann Peter Hebel“ bezeichnet. Wir sind dankbar für sein unermüdliches Wirken für die Belange unseres Volksstammes im Laufe seines langen Lebens und werden seiner stets in Ehren und Dankbarkeit gedenken. Prof. Nikolaus Engelmann bei der neuerlichen Weihe des Mahnmals (31.10.1999) hielt mit über 91 Jahren abermals die Gedenkansprache

Berichtigung: Vorausgegangene Nummer, Seite 21: Franz Schneider stammte aus der Gemeinde Lazarfeld und nicht aus Kathreinfeld 21


Georg Lang

† 26. August 2005

Völlig unerwartet ist am 26. August 2005 unser Kulturreferent Stv. Georg Lang nach einer kurzen, aber schweren Krankheit im 82. Lebensjahr verstorben. Georg „Djuri“ wie er von seinen vielen Freunden genannt wurde ist am 22. 11. 1923 in Putinci einem vorwiegend mit Donauschwaben bewohnten Dorf in Syrmien geboren. Zu seinem Heimatort hatte er bis zu seinem Tode eine innige Beziehung. Von 1942 bis Kriegsende war Georg Soldat in der Deutschen Wehrmacht. Das Kriegsende erlebte er im Norden Deutschlands. Schon kurz nach seiner Ankunft in Linz begann Georg eine Arbeit in der VÖEST. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1983 war er dort ununterbrochen und mit großem Erfolg beschäftigt. Am 25. 7. 1948 heiratete er seine Frau Katharina geborene Himmelsbach. Die Ehe war überaus harmonisch und glücklich, darüber hinaus aber auch wirtschaftlich sehr erfolgreich. Im Jahr 1961 wurde eine eigene Firma für Korbwarenerzeugung und später auch für Kunstgewerbe und Kunstblumen gegründet. In der Firma – die heute vom einzigen Sohn erfolgreich geführt wird – fanden viele Landsleute Arbeit. Georg Lang ist in seinem ganzen Leben ein überzeugter Donauschwabe gewesen. Aus dieser Überzeugung begann er kurz nach seiner Pensionierung mit dem Sammeln von Bildern und Schriften aus der alten Heimat. Diese Tätigkeit wurde im Lauf der Zeit eine Leidenschaft, die zu einer einmaligen Donauschwäbischen Sammlung von Bildern und Dokumenten wurde. Anfangs waren es Bilder aus der alten Heimat; die Menschen, das Brauchtum, das tägliche Leben, die Arbeit und das Handwerk. Einfach ausgedrückt: die alte Heimat in Bildern. Später hat er alles, was authentisch über unsere Flucht und Vertreibung an Bildmaterial auffindbar war, gesammelt. Aber auch das Lagerleben mit allen seinen Auswirkungen, die ersten Anfängen von Kultur, Sport und Brauchtum, ebenso der Wiederaufbau einer eigenen Existenz, sowie die Errichtung neuer Wohnungen und Siedlungen. In letzter Zeit hat er auch die „Schicksalhafte Vertreibung“ in die Baragan-Steppe bildlich aufgearbeitet. Seine Sammlung besteht aus mehr als 3.000 Bildern, die er aus eigenen Mitteln in den Großformaten A4 und A3 umsetzte. Die Bilder von Georg Lang waren in Wien, Osijek, Zagreb, in mehreren Orten in Deutschland in Salzburg und in Langholzfeld-Pasching und zuletzt bei unserer 60 Jahr Feier der Vertreibung in Leonding und im Ursulinenhof in Linz zu sehen. Die letzte große Ausstellung seiner Bilder war heuer im April in Marchtrenk. Alle seine Ausstellungen wurden von den Landsleuten und auch den Einheimischen sehr gut besucht und allgemein bewundert. Ein besonderes Anliegen vom Georg war es, die heutige Jugend – hier vor allem die Nachkommen der Donauschwaben Generation – mit dem Leben ihrer Vorfahren vertraut zu machen und damit die Erinnerung wach zu halten. Georg Lang war auch als Wohltäter bekannt. Vor allem was die Donauschwäbische Kultur und das Brauchtum betraf. Vor allem seine langjährige Unterstützung der Donauschwäbischen Volkstanzgruppe Linz-Pasching sei hier erwähnt. Seit April dieses Jahres war Georg in laufender ärztlicher und Krankenhaus-Behandlung. Auch in dieser Zeit wälzte er weitere Pläne was seine Bildersammlung und damit die Erinnerung an die Donauschwaben betrifft. Nach zwei schweren Operationen innerhalb von 48 Stunden hat sich Georg nicht mehr erholt. Das Begräbnis von Georg Lang fand am 31. August 2005 auf dem Friedhof der Stadt Linz-St. Martin statt. Hier zeigte sich noch einmal die große Beliebtheit und Wertschätzung des Verstorbenen. Zur Verabschiedung hatte sich die Familie, die Verwandtschaft und eine überaus große Anzahl Donauschwaben aus ganz Oberösterreich eingefunden. Unsere Landsmannschaft war mit einer Abordnung in Tracht und der Fahne der Landsmannschaft, getragen von Lm. Fingerhut, erschienen, weiteres auch eine Abordnung der Donauschwäbischen Volkstanzgruppe Linz-Pasching mit Fahne. Obmann Ing. Anton Ellmer hat das Lebenswerk und die Leistung des Verstorbenen für die Landsmannschaft und die Donauschwaben gewürdigt. Robert Pill, Bgm. a. D., erinnerte in seiner Ansprache an die beispielhafte Art, wie der Verstorbene immer bemüht war unseren Landsleuten zu helfen. Ein langer Trauerzug begleitete den Sarg von Georg Lang zu seiner letzten Ruhestätte.

Wir werden sein Lächeln, seinen Humor, seine positive Einstellung vermissen, aber niemals vergessen. Die Abordnung der Trachten-Landsmannschaft

Richard Deckert 22


L E O N D I N G : 3 0 - j ä h r i g e s S TA D T- J U B I L Ä U M Im Zuge der Feierlichkeiten zum 30-jährigen Stadtjubiläum fand am Sonntag, dem 11. September 2005, ein gemeinsamer Festgottesdienst statt, zu welchem Bürgermeister Dr. Herbert Sperl die Vereine und Einsatzkräfte geladen hatte. Neben den Freiwilligen Feuerwehren, den Rotkreuzhelfern und der Polizei, nahmen dabei auch die örtlichen Sport- und Unsere Trachten-Teilnehmer in Leonding Trachtenvereine, die Goldhaubengruppe, Kameradschaftsbund, Kriegsopferverband sowie alle Landsmannschaften der Vertriebenen, teil. Der Festzug der Vereine und Einsatzkräfte war sehr beeindruckend, als die über 300 Teilnehmer in ihren bunten Trachten und Uniformen bei flotter Musik auf den Stadtplatz einzogen, wo bei schönem Wetter die Messe gefeiert wurde. Unsere Landsmannschaft war mit dem üblichen „harten Kern“ in unseren Trachten vertreten, wobei einmal mehr unser ewig junger Willi Fingerhut – wie üblich – die Fahne trug.

Die LAGER-KRANKENSCHWESTER aus Rudolfsgnad wurde 80 Frau Elisabeth Mautner, geboren am 19. Juli 1925 in Ernsthausen (Welder Lissi), hat am 9. Juli 2005 ihren 80. Geburtstag gefeiert. Die Geburtstagsfeier wurde mit einem Dankgottesdienst in der Kirche „Guter Hirte“ Neuen Heimat eingeleitet und anschließend im Pfarrsaal im Kreise von rund 100 Freunden bei einem exzellenten Buffet fortgesetzt. Die Lissi war „daheim“ die unmittelbare Nachbarin unseres Ehrenobmannes OSR Hans Holz, der auch die Laudatio hielt. Lissi wurde in Kikinda zur Krankenschwester ausgebildet und hat sowohl im Lager Rudolfsgnad als auch in der „Todesmühle“ in Betschkerek vielen verzweifelten Landsleuten allein durch ihre Menschlichkeit helfen können. In Österreich hat sie mit ihrem Mann ein gut gehendes Geschäft aufgebaut (Zweirad-Center in der Neuen Heimat). 1985 hat sie nach schwerer Krankheit die Hospiz Ausbildung zur Sterbebegleitung gemacht und arbeitet auch noch ehrenamtlich im Dienste der Kirche „Guter Hirte“. Die Landesleitung der Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ gratuliert ihrem langjährigen Mitglied, Frau Mautner, herzlich zu ihrem Geburtstag und wünscht ihr weiterhin viel Kraft in der Ausübung ihrer sozialen Tätigkeiten.

LETZTES TREFFEN der Ortsgemeinschaft BETSCHMEN Wie die meisten unserer Landsleute aus der alten Heimat sind auch die „Betschmener“ heute in aller Welt verstreut. Die meisten von ihnen leben heute in Österreich, Deutschland und in Übersee. Seit 1973 veranstalteten sie jedes zweite Jahr ein Treffen; abwechselnd in Deutschland und Österreich. Nun war am 20. August 2005 das 16. und letzte Treffen. Zurück bleibt Wehmut nach der alten Heimat und dem erst 1860 gegründeten Heimatdorf Betschmen und der Sehnsucht nach dem Erhalt des Friedens.

Herr Heinrich Sorg meint dazu: „Nach 61 Jahren wäre es an der Zeit, dass die gegenseitigen Schuldzuweisungen und Forderungen aufhören…“ 23


UNSER Obmann wurde 75 Unser Landesobmann Ing. Anton Ellmer wurde am 5. September 1930 in Rudolfsgnad geboren. Er war von Oktober 1944 bis November 1947 im Vernichtungslager in seiner Heimatgemeinde, wo er das Leid der erbarmungswürdigen Menschen hautnah miterlebte. Nach der Volksschule, Hauptschule und Flucht erfolgte in Österreich ein Neuanfang. Seine Ausbildung: 3 Jahre Fernstudium (Allgemeinbildung und Maschinenbau); 2 Jahre Hüttenwerkmeisterschule; 1 Jahr RWFA-Lehrgänge; 4 Jahre Maturaschule (Externistenreifeprüfung); 5 Jahre Ingenieurschule; 3 Semester Elektronik; weiters u. a. Sachkundeprüfung zum Befähigungsnachweis für das Waffengewerbe. Seine Berufliche Laufbahn: Nach der „Akklimatisierung“ in Österreich 1951 Eintritt in die damalige Vereinigte Österr. Eisen- und Stahlwerke in der Schmiede, über Schmiedekontrollor, technischer Offertkalkulant, Gruppen- bzw. Abteilungsleiter zum technischen Geschäftsbereichsleiter, Prokurist und Abtg. Direktor der VOESTALPINE und Geschäftsführer und Direktor der NORICUM Ges.m.b.H. Ende 1987 ging er in dieser Position auch in Pension. Am 23. Oktober 2003 wurde er zum Nachfolger von OSR Bgm. a. D. Konsulent Hans Holz als Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich gewählt. Bei einer von Koll. Richard Deckert und Katharina Weitmann ausgerichteten netten Feier im kleinen Kreis, hielt unser bewährter Redner Prof. Dr. Wildmann die Laudatio. „Du hast in den noch nicht drei Jahren deiner Obmannschaft erstaunlich viel geleistet und in die Wege geleitet“ betonte er in seiner Aufzählung der Fakten um sodann hinzu zu fügen: „Die Kulmination deines bisherigen Wirkens war sicherlich die Vorbereitung und Durchführung der Festfeier ‚60 Jahre Donauschwaben in Oberöster-

von Anita Lehmann reich‘ vom 23. Oktober 2004. Da deine Fähigkeit, neue Mitarbeiter zu mobilisieren, eine Festschrift zu guten Preisen zu drucken, eine Ausstellung donauschwäbischer Künstler zusammenzubringen – alles von Qualität und Standard und von großer Breitenwirkung!“ Nach einer Analyse seiner Persönlichkeit schloss Dr. Wildmann mit den Worten: „In der Spätphase unseres landsmannschaftlichen Lebens können wir froh sein, dass wir dich haben und wir wollen mit diesem Miteinandersein unsere Dankbarkeit bekunden. Bleibe uns erhalten“. A. Ellmer hat unter der Federführung von Kol. Ortmann auch die Arbeitsgruppe „Heimatforschung“ aufgebaut, bei deren Aufgabe es in erster Linie um Ausstellungen und Beiträge sowie um Dokumentationen geht. Kollege Ortmann charakterisiert unseren Obmann wie folgt: In der Person von Ellmer sind die für diese Position erforderlichen Führungsqualitäten gebündelt. Er bringt die idealen Voraussetzungen als geprägter Donauschwabe aus eigener erlebter Tragödie seiner Landsleute für die landsmannschaftliche Interessenvertretung mit. In seinen vielseitigen Talenten liegen die fruchtbringenden Erfolge unserer Landsmannschaft. Seine Charakterzüge sind nachahmenswert: Er ist ein Chef, der in allem vorangeht und die Hand überall anlegt, wo die Interessen der Landsmannschaft zu vertreten sind. Er scheut es nicht, heiße Eisen anzugreifen und ist als Kämpfer für seine Landsleute in allen Etagen unterwegs. Da eine Gemeinschaft mit verantwortungsvollen Aufgaben besonders von der Führungspersönlichkeit lebt, hoffen insbesondere die Landsleute von Ing. Anton Ellmer, dass er als Obmann weiter so aktiv und erfolgreich der Landsmannschaft von Oberösterreich erhalten bleibt.

v.l.n.r.: Unser Schriftführer Stv. R. Deckert und LO Ellmer mit ihren Frauen Helga und Anna

SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Landesobmann Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer Maria-Theresia-Str. 33, A-4600 Wels, Tel. 0 72 42 / 452 78 Privat: Tel. 0 72 43 / 509 31, E-Mail: a.ellmer@aon.at Sparkasse OÖ. Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 38

Oktober, November, Dezember 2005

Nr. 4

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

Gedanken zum Weihnachtsfest 2005 2005 war in mancher Hinsicht ein erfreuliches Gedenkjahr. Das Ende des Krieges vor 60 Jahren, der Staatsvertrag und die Freiheit Österreichs vor 50 Jahren. Für unsere Volksgruppe war 1945 ein bitteres Jahr. Zigtausende wurden aus Rumänien und aus Jugoslawien in die Sowjetunion verschleppt und mussten als Stalins Reparations-Sklaven 4 – 5 Jahre unter schwierigsten Bedingungen harte Arbeit leisten. Ein Teil von ihnen bezahlte mit seiner Gesundheit oder dem Leben. In Jugoslawien wanderten die im Lande gebliebenen Landsleute in Titos Arbeits- und Todeslager, in welchen etwa 60.000 ums Leben kamen. In Ungarn mussten sie in kurzer Zeit das Land verlassen. Bewahren wir allen, die Leben und Gesundheit lassen mussten, gleichgültig wo und unter welchen Umständen ein ehrendes Gedenken. Den unschuldigen Nachkommen der Täter wollen wir keine Vorwürfe machen, sonst machen auch wir einen großen Fehler. Ein Eingeständnis der Schuld, ein Bedauern über das Geschehene und eine Entschädigung enteigneten Vermögens würde uns das Verzeihen aber viel leichter machen. Der Verlust unserer alten Heimat wurde uns durch die Aufnahme in Österreich und durch die Anerkennung unserer Leistung für unsere neue Heimat erleichtert. Wir sind aus Altösterreichern wieder Österreicher geworden. Lasst uns trotzdem die Leistung unserer Vorfahren in der alten Heimat nicht vergessen und darauf stolz sein.

Ein würdiger Ort der Trauer und des Gedenkens: die Teletschka von Rudolfsgnad

Die Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich wünscht ihren Mitgliedern, Freunden, Gönnern und den Repräsentanten aus der Politik, der Verwaltung und der Kirchen ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel alles Gute, Gesundheit und Wohlergehen. Anton Ellmer Landesobmann

Anita Lehmann Schriftführerin

Johann Mayer Landeskassier

Dr. Peter Fraunhoffer Heimatforscher


EHRUNG von HEIMATVERTRIEBENEN Am 25. Oktober fand eine Ehrung jener Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Kultur statt, welche für Oberösterreich Außergewöhnliches geleistet haben und von ihren Organisationen nominiert wurden. Unsere Landsmannschaft hat dazu Komm.Rat Georg und Irene Schwarz, Eduard Reiter, Alois Kinder, Kons. OSTR Prof. Dr. Georg Wildmann, Gerhard Brössner, und OSR Kons. Hans Holz,

Fa. Engel Betten-Reiter Fa. Optima Wissenschaft Schauspieler Bürgermeister a.D.

nominiert. Die stilvolle Ehrung fand im ehrwürdigen Steinernen Saal des Landhauses mit anschließendem Empfang statt, zu der unser Landeshauptmann auch die Mitglieder unseres Landesausschusses mit Begleitung eingeladen hatte.

Dr. Georg Wildmann (rechts) zusammen mit Landeshauptmann Dr. Pühringer

1. v.l. Hr. Schwarz, 3. v.l. Hr. Fronius, dann folgend Fr. Schmied (Fa. Silhouette), Fr. Schwarz, Hr. Schmied (Fa. Silhouette), LH Dr. Pühringer

Auszug aus der Ansprache von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer In seiner vielbeachteten Ansprache wies der Landeshauptmann darauf hin, dass zu den Gedenktagen des heurigen Jahres an das Kriegsende und den Wiederaufstieg Österreichs nach 1945 jene Menschen nicht übersehen werden sollten, „die die Erfolgsgeschichte unseres Landes in den letzten sechs Jahrzehnten mitgeschrieben haben“. Dazu gehören auch die Heimatvertriebenen, die in den letzten Monaten vor Kriegsende oder danach ihrer Heimat beraubt und zur Flucht gezwungen wurden. Die millionenfache Entwürdigung von Menschen durch Hitler, Stalin, Benes oder Tito hat tiefe Spuren in Europa hinterlassen. Seelische und körperliche Wunden zeichnen bis heute zahllose Menschen, zu denen auch die europaweit mehr als 15 Millionen Heimatvertriebenen gehören. Viele von ihnen sind

damals nach Oberösterreich gekommen. Historiker schätzen, dass sich Ende 1945 rund 153.000 volksdeutsche Flüchtlinge in Oberösterreich eingefunden hatten. Durch Weiterwanderungen und Einbürgerungen nahm die Zahl der Heimatlosen aber nur allmählich ab und die Zahl der endgültig Hiergebliebenen belief sich auf etwa 80.000. Die Vertriebenen brachten vielfach auch Spezialkenntnisse mit und gaben dem wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes kräftige Impulse. Oberösterreich war damals nicht nur Flüchtlingsland sondern auch Barackenland, da an ordentlichen Wohnungen ein großer Mangel herrschte, der erst nach Jahrzehnten behoben werden konnte und die Menschen für viele Jahre in Baracken und Notunterkünften untergebracht werden mussten. Fortsetzung siehe Seite 14

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Besucht P A P S T B E N E D I K T X V I . unsere MASSENGRÄBER in RUDOLFSGNAD ? von Oskar Feldtänzer und Anton Ellmer

Drei Bitten unserer Landsmannschaft an den Heiligen Vater: • Bitte besuchen Sie unsere Massengräber in Rudolfsgnad, • veröffentlichen Sie den Bericht von Pfarrvikar Grieser und • fordern Sie von Serbien die Herausgabe des Tagebuches von Pfarrer Wendelin Gruber Der Präsident Serbiens, Boris Tadic, hat Papst Benedikt XVI. bei einer Audienz im Vatikan in sein Land eingeladen. Der Papst hat sich bedankt und die Hoffnung geäußert, dass sein Besuch demnächst realisierbar werde. Tadic hat dem Papst, laut Vatikansprecher Navarro-Valls, die Situation in der Republik Serbien erläutert – insbesondere ist es um die Notwendigkeit einer Wertevermittlung an die Jugend, vor allem an den Schulen gegangen.

deutsche in der Zeit zwischen 1944 und 1948 nach Rudolfsgnad/Knicanin begibt, um dort unserer Toten zu gedenken. Dazu gibt es aus der Vergangenheit bereits einen Bezug zum Vatikan: Im Gegensatz zu den Kriegsgefangenenlagern war dem Internationalen Roten Kreuz (IRK) der Zugang zu den Lagern unserer inhaftierten Landsleute verwehrt und es gelang seinen Vertretern nur in einem Fall, im Lager Sr. Mitrovica, zu intervenieren. Der Vertreter des IRK in Belgrad wurde im ersten Halbjahr 1946 vom volksdeutschen Jesuitenpater Wendelin Gruber über die katastrophalen Zustände in den sieben Hungerlagern eingehend informiert. Eine von amerikanischen Katholiken nach Rijeka gesandte Schiffsladung von Lebensmitteln durfte jedoch nicht an die Notleidenden und Sterbenden in den Lagern verteilt werden, wie Gruber vom diplomatischen Vertreter des Papstes in Belgrad, Bischof Hurley, erfuhr, den er in der Nuntiatur aufsuchte, um Hilfe zu erbitten. Wendelin Gruber unternahm demnach als erster Donauschwabe den Versuch, Vertreter der Weltöffentlichkeit auf das Schicksal der internierten Jugoslawiendeutschen aufmerksam zu machen. Er ließ sich überdies vom Belgrader Erzbischof Dr. Josef Ujcic zum Pfarrer des Todeslagers Rudolfsgnad ernennen, wurde aber am 23. Juli 1947 verhaftet und am 6. Oktober 1948 zu 14 Jahren Kerker verurteilt. Seine tagebuchartigen Aufzeichnungen über die Zustände in den Lagern, die er dem päpstlichen Nuntius übermitteln wollte, dienten dem Gericht zur Anklage und Verurteilung wegen politischer Spionage. Pater Gruber wurde erst zu Weihnachten 1955 auf Intervention des

Als Donauschwaben und aus den Erfahrungen unseres nachbarschaftlichen Zusammenlebens mit dem serbischen Volk in einem Staat von 1918 bis 1944 glauben wir annehmen zu können, dass der Heilige Vater bei seinem Besuch in Serbien von serbischen Staatsmännern gebeten werden wird, sich auch zum Mahnmal des Massakers von Kragujevac zu begeben, um sich dort vor dem durch die deutsche Wehrmacht im Herbst 1941 erschossenen Geiseln, unter denen sich ganze Schulklassen im jugendlichen Alter befanden, zu verneigen (siehe dazu den Bericht auf Seite 16 u. 17 in unserem letzten Mitteilungsblatt). Es handelte sich um Sühnemaßnahmen für aus dem Hinterhalt überfallene deutsche Soldaten. Der Besuch des Papstes beim Mahnmal in Kragujevac würde zweifellos wesentlich zur Versöhnung zwischen unseren beiden Völkern beitragen und zugleich die Möglichkeit eröffnen, dass sich der Papst auch auf das Gelände und zu den Massengräbern des schlimmsten aller Todeslager für Jugoslawien3


deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer aus der Haft entlassen.

Der Papst wurde um Hilfe gebeten – und der Papst hat geholfen! Nachdem die Welt durch ihn auf die unmenschliche und ausweglose Situation unserer Landsleute aufmerksam wurde, verbesserten sich die Bedingungen und es endete langsam das Massensterben.

Nachdem dieses Tagebuch für den Vatikan bestimmt war, und heute, auch fast 60 Jahre später noch immer in einem serbischen (wahrscheinlich Geheim-)Archiv liegt, werden wir den Vatikan über geeignete Kanäle ersuchen, sich um dessen Herausgabe zu bemühen, denn durch eine Veröffentlichung desselben würde die Weltöffentlichkeit das erste und wohl auch einzige Mal einen authentischen und detaillierten Bericht über die tatsächlichen Zustände in den Vernichtungslagern erhalten, was wohl zu einem gewaltigen „Nachbeben“ und vielleicht sogar zur Anerkennung des „Völkermordes“ an unserem Volksstamm führen müsste.

Durch diese Ereignisse und aus Anlass der bevorstehenden Rom-Reise (15. bis 18. Dezember) einer offiziellen Delegation aus OÖ unter der Leitung unseres Landeshauptmannes Dr. Pühringer, hat sich die Landesleitung unserer Landsmannschaft entschlossen, dem Heiligen Vater bei der Privataudienz am 17. 12. 2005 anlässlich der Übergabe des Friedenslichtes, eine Petition mit der Bitte, auch Rudolfsgnad, „unser Auschwitz“, zu besuchen, zu überreichen.

Darüber hinaus würde dieses Material sicherlich auch in fernerer Zukunft sowohl für Filme als auch für (Geschichts-)Bücher von Historikern verwendet werden.

Damit die Übergabe unserer Bittschrift einen gewissen offiziösen Charakter hat, bemühen wir uns, dass unser Herr Landeshauptmann – allenfalls auch gemeinsam mit einem unserer beiden mitreisenden Bischöfe – diese dem Heiligen Vater übergeben wird.

Eine weitere Bitte wäre die Veröffentlichung des 20 Seiten umfassenden Berichtes von Religionsprofessor und Pfarrvikar Hans Grieser aus Alt-Palanka, denn erst er erzielte nämlich den Durchbruch durch die Mauer des Schweigens. Im Frühjahr 1946 gelang ihm aus dem Zentralen Zivilen Lager Neusatz die Flucht nach Ungarn, von wo er sich nach Rom begab mit dem Vorhaben, den Papst über die Verfolgungen seiner Landsleute in Kenntnis zu setzen. In Rom wurden Berichte von ihm in sechs Sprachen übersetzt und von Radio Vatikan in alle Welt gesendet. Er verfasste einen Bericht von 20 Maschinenschreibseiten speziell für Papst Pius XII. und wurde von diesem am 17. 12. 1946 auch in Audienz empfangen. Schon am nächsten Tag nahm der Papst mit den in Rom akkreditierten Gesandten der USA, Englands und Frankreichs Verbindung auf, die von Grieser weitere Unterlagen anforderten.

Sobald der Heilige Vater unsere Petition übernommen hat, werden wir alle sich uns bietenden Möglichkeiten ergreifen, um sowohl den erbetenen Besuch in Rudolfsgnad zu unterstützen und die Herausgabe des Tagebuches von Pfarrer Wendelin Gruber (Belgrad) und den Bericht von Religionsprofessor und Pfarrvikar Hans Grieser (Vatikan Archiv) zur Information der Weltöffentlichkeit zu erreichen. Auch wenn die Herausgabe der beiden Niederschriften aus heutiger Sicht kaum möglich erscheint, dürfen weder wir noch unsere Nachfahren dieses Ziel NIE aus den Augen verlieren, denn irgendwann kommt jede historische Wahrheit zur Ehre – mag es auch noch so lange dauern. Wels, im Dezember 2005

Fotonachweis: Deckert, Holz, Stevic, Kreml, Baron, Frach, Vatikan Namentlich gezeichnete Artikel müssen nicht in jedem Falle mit der Meinung der Landesleitung übereinstimmen.

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ENTSCHÄDIGUNGEN a)

Serbien

von Anton Ellmer

3. wenn unser Ersuchen von Punkt 2 erfüllt wird, müsste die im Artikel 6 normierte Frist „bis 30. Juni 2006“ unbedingt entsprechend verlängert werden.

Das „Anmelden von enteignetem Vermögen“ entwickelt sich in der Praxis so wie anzunehmen war: nur zögerlich trägt man sein Geld zu den Anwälten – aber ohne deren Einschaltung ist der Einzelne in den meisten Fällen rat- und machtlos. In unseren Bemühungen, den betroffenen Landsleuten eine einfache, unbürokratische, mit geringstem finanziellem Aufwand, Anmeldung zu ermöglichen, haben wir uns um Unterstützung an Bundeskanzler Dr. Schüssel gewandt. In unserem Schreiben haben wir u.a. ausgeführt:

Im Interesse unserer zahlreichen Österreichischen Staatsbürger und ehemaligen Landsleute ersuchen wir Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, der serbischen Regierung unsere Bedenken und Bitten mit dem Ersuchen vorzutragen, das gegenständliche Anmeldegesetz von den derzeit gegebenen Härten durch eine entsprechende Gesetzesnovelle zu entlasten. Falls aber die erwähnten Hindernisse und Probleme von Seiten der Republik Serbien nicht beseitigt werden, bitten wir Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, gegen dieses Gesetz Protest zu erheben. Wenn aber die serbische Regierung zur Erfüllung der drei oben genannten Punkte bereit ist, darf angenommen werden, dass das Anmeldegesetz keine Schönfärberei lediglich im Hinblick auf einen eventuell beabsichtigten EU-Beitritt darstellt, sondern ehrlich gemeint ist, was wir auch gerne glauben wollen, da auch wir einen EU-Beitritt Serbiens im Sinne der Charta der Vertriebenen mit Freude begrüßen würden.

Serbien – „Anmeldung und Evidenz von enteignetem Vermögen“ Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, die serbische Regierung hat … … Um unsere ohnedies schon leidgeprüften Landsleute und seit Jahrzehnten treue und bewährte österreichische Staatsbürger nicht noch einmal zu schädigen, ersuchen wir Sie, mit der Republik Serbien zu vereinbaren,

Mit der Bitte, uns bei dem für unsere in Oberösterreich lebenden Landsleute so eminent wichtigen Anliegen zu unterstützen, setzen wir die beiden Herren Landesparteiobmänner Landeshauptmann Dr. Pühringer, ÖVP, und Landeshauptmann Stv. Dipl.-Ing Haider, SPÖ, mit Kopie dieses Schreibens in Kenntnis.

1. dass eine gesetzliche Festlegung der Antragsberechtigten erfolgen möge, da angeblich geplant ist, nicht serbische Staatsbürger von der Antragstellung ausschließen zu wollen, 2. dass die Anmeldungen wohl mit den erforderlichen Angaben des enteigneten Vermögens, zunächst jedoch O H N E urkundliche Nachweise des bezüglichen Vermögens, wie sie im Anmeldegesetz gefordert werden – die ja ohnehin erst im Falle, dass es zu einem tatsächlichen Gesetz über die Restitution bzw. Entschädigung überhaupt kommt, benötigt werden – eingebracht werden können. Nachdem derzeit offensichtlich kein „Zwischenstaatliches Abkommen“ gegeben ist, sollte diesbezüglich entweder Serbien darauf überhaupt verzichten und dies kundtun oder es sollte zumindest eine diesbezügliche „Absichtserklärung“ zwischen den beiden Staaten abgeschlossen werden und

Detaillierte Angaben zu den für uns untragbaren Härten im obzitierten Gesetz fügen wir zur Einsichtnahme in der Anlage diesem Schreiben bei. Mit freundlichen Grüßen Ing. Anton Ellmer

OSTR Prof. Dr. Wildmann

Reg. Rat Vladimir Igl

Landesobmann

Landesobmann Stv.

Rechtsbeistand

Zur Erläuterung der einzelnen Punkte haben wir dem Schreiben folgende Anlage beigefügt:

5


SERBIEN

Als Probleme und Schikane sehen wir weiters folgende Umstände:

Gesetz zur „Anmeldung und Evidenz von enteignetem Vermögen“ Einzelheiten

a) ad Pkt. 1.: das POI-Formblatt ist in cyrillischer Schrift abgefasst. Für unsere Landsleute völlig unlesbar, da wir seinerzeit in Serbien selbst nur die Lateinschrift gelernt und gehandhabt haben.

Nach 60 Jahren Vertreibung und Enteignung unter Missachtung aller Menschenrechte räumt nun dieses Gesetz die Möglichkeit der Anmeldung enteigneten Vermögens unter folgenden Auflagen ein:

b) ad Pkt. 2.: bei Verwendung des vorgeschriebenen POI-Formblattes ist die serbische Sprache vorgeschrieben. (Art. 3) Unklar ist, ob die Lateinschrift verwendet werden darf. Oder würden die Anträge dann mangels Verwendung der cyrillischen Buchstaben abgewiesen? Dieser Umstand würde dann auch eventuell erforderliche Urkunden im Falle von Erbschaften betreffen und zahlreiche teure Übersetzungen erfordern.

1. die Anmeldung darf nur mit dem vorgeschriebenen POI-Formular erfolgen (Art. 3), 2. dabei ist die serbische Sprache zu verwenden (Art. 3), 3. Kopien des Aktes über die Vermögensenteignung etc. sind vorzulegen (Art. 5 Abs. 1),

c) ad Pkt. 3.: Weshalb verlangt Serbien von unseren Landsleuten Kopien von Enteignungsbescheiden, wo doch niemand von uns jemals solche zu Gesicht bekommen hat (Art. 5 Abs. 1), die aber ohnedies bei den einzelnen Kommissionen aber auch bei den serbischen Zentralstellen vorliegen.

4. Nachweise über eine Erbrechtsnachfolge (Art. 5 Abs. 2) sind vorzulegen, wo doch viele Vorfahren ohne Rücksicht auf Schuld oder Unschuld, besonders auch Frauen und Kleinkinder grauenvoll umgebracht und in Massengräbern verscharrt wurden oder als Soldaten im Krieg gefallen sind, hinsichtlich derer nie ein Verlassenschaftsverfahren durchgeführt werden konnte,

d) ad Pkt. 4.: Beim Nachweis in der Erbrechtsnachfolge müsste es Erleichterungen geben, da so manche Abhandlung infolge Kriegsereignisse einfach nicht durchgeführt worden sind und jetzt – nach 60 Jahren – auch gar nicht mehr durchführbar sind. (Art. 5 Abs. 2). Im Sterbefall in Österreich ist dies kein Problem, aber auch hier wurden die enteigneten Vermögen von Ex-Jugoslawien nie oder nur in Ausnahmefällen berücksichtigt. Und selbst dabei konnten nur Rechte als Ansprüche, nie aber als Eigentum zugesprochen werden.

5. die Anmeldung muss bis spätestens 30. Juni 2006 eingereicht werden (Art. 6), 6. die Anmeldung ist Voraussetzung für eine eventuelle künftige Entschädigung überhaupt (Art. 8), 7. die Rückgabe oder Entschädigung wird in einem besonderen Gesetz später festgelegt (Art. 9), 8. der Antrag auf Verwirklichung dieser Rechte wird einem (künftigen) besonderen Gesetz vorbehalten und wird nur akzeptiert, wenn die Anmeldung enteigneten Vermögens bis zum 30. Juni 2006 eingereicht worden ist.

e) ad Pkt. 5.: Die Befristung mit 30. Juni 2006 (Art. 6) stellt eine Schikane dar, weil kaum jemand die geforderten Unterlagen in dieser kurzen Zeit besorgen kann. Erhebungen werden sicherlich durch Rechtsanwälte und Übersetzungen von beeideten Dolmetschern erforderlich sein.

So einfach der Wortlaut dieses Gesetzes auch scheinen mag, so zahlreich sind die Hürden und Hindernisse darin enthalten, die einer Klärung bedürfen. Der Umstand, dass der derzeitige Wortlaut eine Unmenge von Schikanen aufweist, könnte den Schluss zulassen – was wir allerdings nicht so verstanden wissen wollen, – dass die Republik Serbien gar nicht die Absicht hat, enteignetes Vermögen tatsächlich zurückzugeben oder zu entschädigen, sondern dass auf Grund der im Gesetz geforderten Auflagen und Schwierigkeiten nur wenige Betroffene eine Anmeldung einreichen.

f) ad Pkt. 6.: Die Anmeldung des enteigneten Vermögens stellt die Voraussetzung für das Recht auf spätere Einbringung eines Antrages auf die eigentliche Entschädigung dar. Hier wird eine äußerst harte Bedingung gestellt, da noch gar nicht sicher ist, wer und ob jemand überhaupt antragsberechtigt sein wird. Dieses Kriterium wird ja erst in einem späteren besonderen Gesetz festgelegt, falls ein solches Gesetz überhaupt verabschiedet wird. 6


g) ad Pkt. 7.: Die Rückgabe oder Entschädigung selbst wird einem besonderen Gesetz zu einem späteren Zeitpunkt vorbehalten. (Art. 9). Ob unsere Landsleute überhaupt in die Entschädigung einbezogen werden, ist äußerst unsicher, da dem serbischen Parlament in der Kommissionssitzung am 29. Mai 2002 angenommener Gesetzesentwurf bereits vorliegt. Ein weiterer Gesetzesentwurf wurde von einer „Gruppe von Bürgern“ vorgelegt, wobei in beiden jeweils vorgesehen ist, dass frühere Besitzer, die heute nicht mehr serbische Staatsbürger sind, schon vorweg vom Recht auf Entschädigung ausgeschlossen werden. Falls dies zutrifft, wären die Bemühungen und die Kosten für die gegenständliche Anmeldung für alle österreichischen Staatsbürger, deren Vermögen in Serbien enteignet worden ist, sinnlos, ja eigentlich schikanös.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Dr. Schüssel, in der Funktion als Landesobmann der Donauschwaben von Oberösterreich, wo bekanntlich die meisten unserer Landsleute eine neue Heimat gefunden haben, freue ich mich über unsere persönliche Begegnung gestern im Haus der Heimat, bei der ich Sie auch auf unser Schreiben betreffend dem von Serbien erlassenen Gesetz zur „Anmeldung und Evidenz von enteignetem Vermögen“ angesprochen und um Ihre Unterstützung gebeten habe. Nachdem Sie uns Ihre volle Unterstützung zugesagt haben, darf ich Sie ergänzend bitten, bei Ihren Überlegungen davon auszugehen, dass dieses Gesetz in den Augen vieler Betroffener einfach eine Beleidigung von uns Vertriebenen und Enteigneten darstellt. Es kommt einer Verhöhnung gleich und grenzt doch fast an bewusste Provokation, wenn man z.B. folgendes näher betrachtet: • man hat uns widerrechtlich enteignet, • dazu „Enteignungsbescheide“ ausgestellt, • die wir nie gesehen haben, die wir aber jetzt als Beweis unserer Enteignung (!) vorlegen müssen!

Wie uns aus berufenem Munde bekannt wurde, hat die Agrarreform in Serbien die Ländereien der Vertriebenen unentgeltlich und ohne Lasten an serbische Staatsbürger ins Eigentum übertragen. Das heißt, dass unser ehemaliger rechtmäßig erworbener Besitz längst vergeben ist, sodass eine „Rückgabe“ ja gar nicht in Frage kommt, denn Serbien wird sich hüten, die vergebenen Ländereien seinen serbischen Staatsbürgern wieder wegzunehmen und unseren Landsleuten rückzuübereignen. Eine entsprechende Entschädigung wird sich Serbien finanziell aber gar nicht leisten können, wenn es nicht bankrott gehen will. Es erhebt sich dann die Frage: „Gibt es dann überhaupt eine Möglichkeit zur Rückübereignung oder Entschädigung“? Wenn diese Frage verneint wird, dann ist das vorliegende „Anmeldegesetz“ eine reine Farce und dient lediglich einer Arbeits- und Geldbeschaffung für serbische Rechtsanwälte. Wir wollen aber nicht annehmen, dass die Republik Serbien die ohnehin bereits geschädigten ehemaligen Volksdeutschen und nunmehrigen Österreichischen Staatsbürger noch einmal schädigen will.

Diese Enteignungsbescheide liegen bei den einzelnen Kommissionen und den serbischen Zentralstellen auf und müssten von uns jetzt über serbische Anwälte „besorgt“ werden, deren Beschaffung – gemeinsam mit den übrigen bei den serbischen Behörden aufliegenden „Nachweisen“, wie Grundbuchauszüge udgl. – noch dazu mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden ist. Herzlichen DANK im Voraus im Namen unserer zahlreichen betroffenen Landsleute. Freundliche Grüße Anton Ellmer, Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich

Wir rechnen fest damit, dass sich der Herr Bundeskanzler für „seine Staatsbürger“ einsetzen wird, damit diese schikanösen Vorschreibungen aufgehoben und ein vereinfachtes Anmelden des enteigneten Vermögens ermöglicht wird.

Ellmer / Igl

Darüberhinaus habe ich am 23.11. 2005 bei einer persönlichen Begegnung den Herrn Bundeskanzler diesbezüglich angesprochen und daraufhin noch folgendes, ergänzendes E-Mail nachgereicht: 7


Obmann ELLMER informiert LH-Stv. DI HAIDER Landesobmann Ellmer (links im Bild) übergibt Landeshauptmann-Stv. Dipl.-Ing. Erich Haider eine Kopie des Schreibens an Bundeskanzler Dr. Schüssel, worin die Landesleitung den Herrn Bundeskanzler ersucht, sich für die unbedingt erforderlichen Anmelde-Erleichterungen bei der Regierung Serbiens einzusetzen, bzw. erforderlichenfalls gegen das Gesetz zu protestieren. Bei dieser Gelegenheit bat unser Obmann LH-Stv. DI Haider um seine Unterstützung in der für unsere Landsleute so wichtigen Entschädigungsfrage.

b)

Kroatien

uns nicht laufend in Euphorie verfallen, wie es leider immer wieder bei manchen Funktionären unserer Volksgruppe – zum letzten Mal wieder am 23. November im Haus der Heimat in Wien – zu beobachten war. Die augenblickliche Stimmung in Kroatien, manche sprechen sogar von einer Regierungskrise, ist offensichtlich auch schon bis zu unseren Medien vorgedrungen, denn so schreiben die OÖN vom 29.11. 2005:

Nach dem Besuch einiger österreichischer Politiker in Zagreb wurden wie üblich „Erfolgsmeldungen“ an die Zeitungsredaktionen geschickt, die wieder Hoffnungen wecken und den Eindruck vermitteln sollten, dass Kroatien seinerseits für die EU – Unterstützung Österreichs dankbar sei. In Wirklichkeit bewegt sich in Kroatien praktisch überhaupt NICHTS – oder besser gesagt: es bewegt sich nichts im Sinne der Enteigneten. Laut der angesehenen kroatischen Tageszeitung „Vecernji list“ vom 28.10. 2005 wurde zwar das ausgehandelte „Zwischenstaatliche Abkommen“ von dem beauftragten Beamten BORIS KOKETI paraphiert, aber das dürfte ist es scheinbar auch schon gewesen sein.

„Entschädigung: In Kroatien ist eine Debatte über die geplante Entschädigung der ‚Donauschwaben‘ entbrannt, welche die Entschädigung stoppen könnte“ (… klingt übrigens auch so, als ob die Entschädigung schon im vollen Gange wäre!) Faktum ist: • In Kroatien wird auf höchster Ebene gegen dieses angestrebte „Zwischenstaatliche Abkommen“ schärfstens polemisiert. • Die Aussagen zum Inhalt dieses Abkommens sind widersprüchlich, so dass es überhaupt keinen Sinn macht, zum jetzigen Zeitpunkt darüber zu diskutieren. • Ob dieses Abkommen jemals Rechtskraft erhält, ist aus unserer Sicht heute fraglicher denn je. Es gibt praktisch nach wie vor keinen Fortschritt.

Wenn man die kroatische Presse der letzten November-Tage zur Hand nimmt, dann verliert man aber fast die Hoffnung, dass sogar das nun schon zum x-ten Male einmal als „paraphiert“, dann wieder als „unterschrieben“ hochgelobte „Zwischenstaatliche Abkommen“ überhaupt jemals rechtskräftig werden wird. Nach Berichten der Kroatischen „Vecernji list“ vom 29. November 2005 zufolge, wird dieses Zwischenstaatliche Abkommen im kroatischen Parlament keine Mehrheit finden, weil u.a. 5 Parteien dagegen stimmen werden. Dies, so meint man weiter, würde dem Regierungschef Sanader auch gar nicht so ungelegen kommen, hätte er dann doch ein Alibi. Die emotionalen Leserbriefen wollen wir einmal außer Acht lassen, aber wenn man hört und liest, dass sogar der Präsident Kroatiens, Stjepan MESIC die Auffassung vertritt, dass die kroatische Regierung den Staat in den Ruin führe, und wenn er auch noch davon spricht, dass Tito und Willi Brand „damals schon alles geregelt haben“; oder, dass Österreich die Entschädigung bezahlen müsste, usw., usw., dann sollte man doch bei

Resümee: Das unbeschreibliche Elend, das seelische Leid, sowie das moralische Unrecht, dass man unserer Volksgruppe zugefügt hat, kann man nicht gutmachen. Der materielle Schaden wäre zwar grundsätzlich zu beheben, den will man aber offensichtlich gar nicht gutmachen. Nach Kroatien geht scheinbar nun auch Serbien denselben Weg: Wecken von Hoffnungen - bis man in der EU ist, dann wahrscheinlich nicht einmal mehr das (siehe Tschechien). 8


Eine der wichtigsten Aufgaben liegt noch vor uns:

Wir müssen und werden eine „zweite Vertreibung“ verhindern („ … nämlich die aus der Geschichte“ – frei nach Dr. Wildmann) Serbische Zeitungen wie die „Politika“, „Danas“ oder „Dnevnik“ beschäftigen sich in den letzten Jahren oft sehr emotional und ausführlich mit uns Donauschwaben und unserem Schicksal. Mehr jedoch noch mit unserem von den Titoisten geraubten Vermögen. Vom Zerreißen und Zertrampeln des Buches der serbischen Ausgabe „Völkermord an der deutschen Minderheit 1944 – 1948 in Jugoslawien“ (Genocide) von Abgeordneten der serbisch-radikalen Partei, knallhart geführte Meinungsverschiedenheiten über Leserbriefe bis zur scheinbaren Gretchenfrage: „Wird die Restitution die Türen zu Europa öffnen?“ findet sich so manche historische Wahrheit. Aber man spricht, resp. schreibt von uns Donauschwaben. Von uns als ehemalige tüchtige und anerkannte Volksgruppe im ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien, von unserem Schicksal und von unserem ehemaligen Besitz.

von Anton Ellmer

einigen Vereinigungen der Deutschen in der Wojwodina zusammen und sind bereit sie zu unterstützen in ihren Forderungen, dass für sie die Frage der Rückgabe des Vermögens auf gleiche Weise gelöst wird, wie es mit allen anderen Bürgern Serbiens geschehen wird – hebt H. Antic hervor“. (Anmerkung: die Übersetzungen aus dem Serbischen hat unser Vorstandsmitglied Kons. Oskar Feldtänzer vorgenommen). Aber man spricht und schreibt auch von unserem Schicksal. Ja sogar wesentlich mehr als es in Österreich oder auch Deutschland der Fall ist. So gibt Dipl.-Ing. Jovica Stevic aus Sremska Mitrovica zu bedenken, dass durch die Folgen der 50-jährigen Blockade der Medien und durch die lügnerische Geschichtsschreibung und Journalistik heute nur wenigen Menschen in Jugoslawien das Leiden der Deutschen in der Nachkriegszeit bekannt sei. Viele glauben nicht und können sich auch nicht vorstellen, dass es in der ganzen Wojwodina Lager für unschuldige Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder gegeben hat. „Der an den Donauschwaben verübte Völkermord ist einer der großen Fehler und ein Thema, dass mit einem großen geheimnisvollen Schleier umhüllt war; jetzt beginnen die Irrungen und Fehlschläge des Kommunismus zu bröckeln und sich zu enthüllen“, sagt er. Der serbische Univ. Prof. Zoran Zìletic äußerte sich zu unserem Schicksal folgendermaßen: „Die Wojwodina-Deutschen wurden bei uns (also im damaligen Jugoslawien) nach 1944 ihrer eigentlichen Geschichte beraubt“.

Im Zusammenhang mit dem von Serbien erlassenen Gesetz über die Anmeldung von enteignetem Vermögen (siehe Seite 8) widmet die Zeitung „Dnevnik, Novi Sad“, am 12.10. 2005 (Verfasser LJ. Malesevic, nach einem Gespräch mit dem Sekretär des Verbandes für Restitution Mile Antic) unter dem Titel „Wird die Restitution die Türen zu Europa öffnen?“ eine sehr ausführliche Darlegung der augenblicklichen Situation, in welcher Sätze wie: „Ganz gewiss ist, dass auch unser Land die Frage des Besitzes der Deutschen wird regeln müssen, sei es durch eine besondere Vereinbarung oder durch ein Gesetz über die Restitution, das sich auf alle gegenwärtigen und ehemaligen Bürger beziehen wird, und dass ohne eine solche Vorgangsweise die Verhandlungen für die Aufnahme in die Europäische Union nicht werden beginnen können, in welchem Jahr auch immer“. Es fehlt aber auch der ehrliche und für uns bedeutsame Hinweis nicht: „Andererseits gestattet das Gesetz über die Evidentierung und Anmeldung, das von der Skupstina Serbiens angenommen wurde, fremden Staatsbürgern nicht, Forderungen zu stellen, was die Rückgabe des den Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg weggenommenen Besitzes automatisch ausschließt…“ Der Artikel endet mit dem Hinweis „Wir arbeiten daher mit

v.l.n.r.: Feldtänzer, Ellmer, Dr. Wildmann, DI Stevic und Frach

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vember 2001 in seiner richtungweisenden Rede sagte und dabei die Parole herausgab: „ … Ich jedenfalls setze auf Widerstand … keine Löschung aus der geschichtlichen Erinnerung – und auch danach handeln“. Geschichte wird aber in erster Linie in den Schulen unterrichtet. Wir müssen uns daher ganz besonders bemühen und wirklich alles dafür tun, dass die großartigen Leistungen unserer Ahnen, die bekanntlich unter unmenschlichen Widrigkeiten ganz Südosteuropa aus einer Sumpflandschaft in die Kornkammer der Monarchie verwandelten, dass unsere Enteignung, Vertreibung und vor allem die abscheulichen Verbrechen, die rund ein Drittel unserer Landsleute das Leben kostete, in die offizielle Geschichte eingehen.

Man kann also doch mit einer gewissen Genugtuung feststellen, dass man gerade dort, wo unser Schicksal verschwiegen und verleugnet wurde, zunehmend begonnen hat, der historischen Wahrheit die Ehre zu geben. Die Absichten, der EU beitreten zu wollen, werden diese Aktivitäten sicherlich noch verstärken. Was geschieht aber bei uns? Wir haben schon einmal darauf hingewiesen: „Vor 60 Jahren war der Alptraum für Zehntausende zu Ende. Mit der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen wurde auch ein verbrecherisches und menschenverachtendes Regime überwunden. Mochten die Voraussetzungen noch so schwer gewesen sein – der Lichtstreifen eines möglichen Neubeginns zeigte sich für die bis dahin geknechteten Menschen. Für alle? Leider nicht! In einem anderen Teil Europas wurde die Menschenverachtung fortgesetzt. Drei Jahre lang bestanden Vernichtungslager nun ein wenig südlicher aber die internierten Frauen und Kinder waren auch Menschen, ebensolche wie die in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten. Egal, ob die Unwissenheit oder die Scheu der Wahrheit ins Auge zu blicken, der Grund dafür gewesen ist, dass dieser Umstand heute in der breiten Öffentlichkeit so gut wie unbekannt geblieben ist – die Tragödie der Donauschwaben war viel zu groß, um sie dem Vergessen preisgeben zu dürfen. Genau in diesem Informationsdefizit liegt die Herausforderung für die Medien, genauer gesagt für die Chefredakteure der renommierten Blätter. Ein so wesentlicher Teil der Geschichte kann in einem Europa, das gerade im Begriff ist, einen Quantensprung im Integrationsprozess zu vollziehen, nicht negiert werden. Eine ehrliche und vorbehaltlose Aufarbeitung der Vergangenheit, die letztendlich die Grundlage für ein friedliches Miteinander darstellt, basiert aber auf einer fundierten Kenntnis der historischen Ereignisse, deren Vermittlung in die Kernkompetenz der Medien fällt.“

Was können wir als Landsmannschaft, als Vertreter unserer Landsleute, denen diese Aufgabe zufällt, tun und was tun wir derzeit? Wir in Oberösterreich, und nur für uns kann ich sprechen, wir scheuen weder Mühen noch Kosten und achten besonders darauf, keine sich evtl. bietende Gelegenheit ungenützt zu lassen. Unsere Aktivitäten sind daher besonders auf die Schulen ausgerichtet, und werden von Prof. Dr. Wildmann und dem Verfasser wahrgenommen. Im Einzelnen stellen sich diese wie folgt dar: Mit Unterstützung unseres Landeshauptmannes Dr. Pühringer und dem Präsidenten des Landesschulrates für OÖ, Fritz Enzenhofer, ist es uns seit März d. J. möglich, bei der Lehrerfortbildung mitzuarbeiten. Dadurch können wir unsere Geschichte auf direktem Wege in die Schulen bringen – als Donauschwaben und gleichzeitig als Funktionäre und Zeitzeugen. Bisher hatten wir Gelegenheit, unsere Volksgruppe und deren Schicksal der Bezirkskonferenz der Berufsschuldirektoren in Kremsmünster und vor Lehrer für Politische Bildung in Perg, in Grieskirchen und in Ried (jeweils zwischen 20 und 50 Personen) vorzustellen und von uns aufbereitetes Unterrichtsmaterial dem Lehrpersonal zu übergeben. Dazu haben wir auf unsere „Donauschwäbische Chronik“, auf von unserer Landsmannschaft angekauften Videos wie „Geschichte und Leidensweg der Donauschwaben“, DVD „Die Donauschwaben“ und div. Bücher zurückgegriffen. Darüberhinaus hat Dr. Wildmann eine Zusammenfassung unseres Leidensweges vervielfältigt, die wir ebenfalls jedem Anwesenden überreicht haben. Unserer Landesleitung ist es klar, dass diese Aktivitäten eine äußerst starke finanzielle Be-

Wenn aber weder von offizieller Seite noch von den Medien Wesentliches geschieht, dann müssen wir unsere Vorstellungen selbst in die Hand nehmen, und wir tun es auch, denn uns, den letzten Zeitzeugen, muss es vordergründig um die offizielle Geschichtsschreibung gehen, wollen wir nicht „eine zweite Vertreibung“ erleben, nämlich die aus der Geschichte, wie unser Historiker Prof. Dr. Wildmann es am 17. No10


lastung für unsere Landsmannschaft bedeutet, wir sind aber überzeugt davon, dass diese Aufgabe einer der wichtigsten und vordringlichsten für uns darstellt. Bei der letzten Veranstaltung konnten wir überdies zum ersten Mal die vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Zusammenarbeit mit dem Dr. Karl Kummer Institut herausgebrachte Broschüre „Geschichte der deutschen Volksgruppen in Südosteuropa“, die uns kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, als Lehrbehelf weitergeben.

Braunau usw., dienen vor allem dazu, uns öffentlichkeitswirksam zu präsentieren bzw. um uns in Erinnerung zu rufen und um die Reputation unserer Volksgruppe aufrecht zu halten, resp. zu erhöhen. Auch dies alles ist ein Teil unserer Geschichte, die aber weitestgehend durch Mund-Propaganda von Generation zu Generation weiter gegeben wird.

Eine Hoffnung, dass doch auch von offizieller Seite etwas geschieht, damit irgendwann auch über das Schicksal der Vertriebenen ausführlich berichtet wird, gibt es scheinbar doch, denn am 23. November versicherte Bundeskanzler Dr. Schüssel auf eine diesbezügliche Anfrage, dass er mit Frau Ministerin Gehrer darüber sprechen wird und schließlich, so fügte er hinzu, habe ja auch der ORF als öffentlich-rechtliche Anstalt eine Bildungsaufgabe und da gehört wohl auch Geschichte dazu…

Der Vollständigkeit sei erwähnt, dass diese Schul-Aktionen von uns Donauschwaben, den Sudetendeutschen und den Siebenbürger Sachsen gemeinsam wahrgenommen werden, wobei uns jeweils 4 Unterrichtseinheiten zur Verfügung stehen, welche wir untereinander aufteilen. Unsere diversen weiteren Veranstaltungen wie „Tag der Donauschwaben“, Großveranstaltung in Leonding zu „60 Jahre Donauschwaben in OÖ“, die in diesem Zusammenhang gestalteten Gottesdienste in der St. Johanneskirche und in der „evangelisch reformierten Kirchengemeinde“ in Leonding Hart, die „Künstlerund Fotoausstellung“ in der Kürnberghalle und im Landeskulturzentrum Ursulinenhof, die Foto-Ausstellung „Leidensweg der Donauschwaben“ mit Bildern von unserem unvergessenen Kollegen Georg Lang in Verbindung mit der „Kleinsten Dreschmaschine der Welt“ von unserem Guinness Buch-Mann Ing. Sebastian Auer, mit der „Russland und Baragan-Ausstellung“ in Braunau, sowie durch Dauerausstellungen in Museen und in der Heimatstube

Den Schluss eines Leserbriefes in der serbischen Zeitung „Danas“ vom 27. 7. 2005 als Reaktion auf die eingangs erwähnte Zerreißung des Buches „Genocide“ finde ich sehr bedeutsam und zu beachten: „Ist es wirklich notwendig, millionenfach zu wiederholen, dass deutsche Kinder und alte Menschen keinesfalls verantwortlich gemacht werden können, und mit der Politik und dem Verbrechen des Dritten Reiches nichts zu tun gehabt haben und dass auch jenes, was die Jugoslawischen Behörden unseren deutschen Bürgern ethnischer Abstammung nach dem Zweiten Weltkrieg angetan haben, ein Verbrechen war“.

Konsulent Sepp Habenschuß SCHWER ERKRANKT Wie uns Frau Habenschuß anlässlich der Nachfrage nach dem Befinden ihres Mannes mitteilte, ist unser langjähriger Film- und Tonreferent Sepp Habenschuß schwer erkrankt und bedarf der Pflege. Wir kennen Frau Habenschuß und das wunderbare Verhältnis in ihrer Familie so gut, dass wir davon überzeugt sein können, dass unserem lieben Sepp die bestmögliche Unterstützung und Pflege geboten wird, damit ihm sein beschwerliches Dasein einigermaßen erträglich gestaltet wird. Im Namen der gesamten Landsmannschaft entbieten wir unserem lieben Sepp die besten Genesungswünsche und grüßen ihn auf diesem Wege recht herzlich. Frau Habenschuß und ihrer Familie wünschen wir viel Kraft und Gottes Beistand. Die Landesleitung

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GEDENKSTÄTTE in Kruschiwl EINGEWEIHT Am 1. Oktober 2005 wurde die Gedenkstätte in Kruschiwl/Krusevlje feierlich eingeweiht. Ein Bild zeigt die mit Trauerkränzen und Blumen geschmückte Gedenkstätte nach der Einweihung.

Wir werden pflichtbewusst die gesetzten Ziele fortsetzen und alles unternehmen, bei den Massengräbern der großen Vernichtungslager in der Batschka, dem Banat und Syrmien in dieser oder ähnlicher Form, unserer aller Toten zu gedenken.

Der Text auf der Schleife der Bundesrepublik Deutschland (schwarz-rot-gold) lautet:

Jarek, Mitrowitz und Molidorf stehen in dieser Reihenfolge auf dem Plan!

„DER BOTSCHAFTER DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“

Helfen Sie uns dies zu verwirklichen! Deswegen ergeht auch diesmal an alle Funktionsträger der Donauschwäbischen Verbände im In- und Ausland uns zu unterstützen. Wir bitten Euch alle, bei Veranstaltungen und in den Organen der Verbände, um Spenden für die Gedenkstätten in der alten Heimat zu bitten.

Es waren an die 500 Landsleute und Gäste zu dieser Gedenkveranstaltung gekommen. Hohe Repräsentanten von Regierung, Botschaften/Konsulaten, der kommunalen Behörden und Ortsverwaltungen sowie der Kirche und den Donauschwäbischen Organisationen waren mit Ansprachen und Kranzniederlegungen vertreten.

Die Spendengelder werden vom Bundesverband der Landsmannschaft der Donauschwaben Bundesverband e.V. zweckgebunden verwaltet und eingesetzt.

Erfreulich war auch die hohe Zahl unserer Landsleute, die heute noch in der alten Heimat leben.

Nationale Bankverbindung: Konto Nr.: 320 550 001 Bankleitzahl: 603 900 00 Bank: Vereinigte Volksbank AG Kennwort: „Gedenkstätten“

Möglich geworden ist diese späte Ehrung unserer Toten des Lagers Kruschiwl durch die vielen vertrauensbildenden Gespräche mit der Politik in Novi Sad, der Verwaltung der Stadt Sombor und der Ortsverwaltung in Gakowa und seiner Bevölkerung und natürlich durch die Spenden der Landsleute, ohne die es nicht gelungen wäre, ein solch weit sichtbares Zeichen der Totenehrung zu verwirklichen. Die kleine, aus Granit gefertigte, Gedenkstätte ist für die Erlebnisgeneration ein Ort der Trauer und Erinnerung. Sie soll aber auch für eine lange Zeit der nachkommenden Generationen Kunde von den menschenverachtenden Geschehnissen geben, die sich nicht wiederholen dürfen.

Die Internationale Bankverbindung lautet: IBAN: DE 53 6039 0000 0320 5500 01 BIC: GENODES1BBV Bank: Vereinigte Volksbank AG Böblingen Das Kennwort ist: „Gedenkstätten“ Dipl.-Ing. Hans Supritz Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben, Bundesverband e.V. und Vizepräsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben

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Das Gedenkkreuz am Rande der Massengräber in Kruschiwl/Kruševlje. Im Hintergrund sieht man den mit Sträuchern zugewachsenen alten deutschen Friedhof von Kruschiwl. Den Ort selbst gibt es nicht mehr. Es stehen nur noch ein paar baufällige Häuser. Die feierliche Einweihung des Gedenkkreuzes fand am 1. Oktober 2005 mit etwa 500 Teilnehmern aus vielen Ländern statt. Das Granitkreuz ist 3,5m hoch und die seitlichen Granitblöcke haben die Abmessungen 1,6 m x 1,1 m. Der Platz um das Gedenkkreuz herum ist mit Kopfsteinpflaster ausgelegt. Die eingemeißelten Texte lauten: HIER RUHEN

DIE DONAUSCHWABEN

UNSERE DONAUSCHWÄBISCHEN MITBÜRGER SIE WERDEN FÜR IMMER IN UNSEREN HERZEN SEIN MIT DER ERRICHTUNG DES KREUZES GEDENKEN WIR IHRER IN WÜRDE UND EHRFURCHT

STAMMEN VON DEN KOLONISTEN AB, DIE IM 18. JAHRHUNDERT VON DEN HABSBURGERN IN DER PANNONISCHEN EBENE ANGESIEDELT WURDEN. DER ORT KRUŠEVLJE (KRUSCHIWL) WURDE ZWISCHEN 1764 UND 1780 VON DEUTSCHEN SIEDLERN GEGRÜNDET IHRE NACHKOMMEN LEBTEN HIER BIS 1945 SIE MUSSTEN IHRE HEIMAT UND IHRE TOTEN FÜR IMMER VERLASSEN.

DER ORT KRUŠEVLJE WAR VOM MÄRZ 1945 BIS DEZEMBER 1947 EIN LAGER FÜR ZIVILINTERNIERTE.

Archiv: Supritz

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Fortsetzung von Seite 2:

Auszug aus der Ansprache von LH Dr. Josef Pühringer • Danke für ihre tatkräftige Mithilfe beim Aufbau des modernen Oberösterreich. • Danke für ihre wertvollen Beiträge zur kulturellen Vielfalt in diesem Land. • Danke aber auch für das Eintreten der Heimatvertriebenen für den Frieden in Europa, das besonders in der historischen Erklärung der deutschen Heimatvertriebenen zum Ausdruck kommt, in der sie bereits 1950 von sich aus auf Rache und Vergeltung verzichtet haben.

„Aber auch hier zeigte sich der schöpferische Geist, der die Heimatvertriebenen so sehr auszeichnet. Sie nahmen die Verwaltung ihrer Lager selbst in die Hand. Es entstanden Einrichtungen, die sonst in Gemeinden üblich sind, wie Kindergärten, Schulen, Gemeinschaftsküchen, Krankenstationen und Kirchen, aber auch Gewerbebetriebe und Geschäfte.“ „Die Heimatvertriebenen waren in den 40er Jahren Motoren des Wiederaufbaus und in den 50er Jahren des Wirtschaftswunders. Wenn wir heute auf die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes in den letzten sechs Jahrzehnten zurückschauen, wenn wir heute stolz darauf sein können, das Exportland Nr. 1 der Republik zu sein mit überdurchschnittlichem Wachstum und der geringsten Arbeitslosenquote bundesweit, dann ist das auch ihr Verdienst“, sagte der Landeshauptmann.

Doch gibt der Landeshauptmann zu bedenken: „Dennoch bleibt es aber dabei: Die Vertreibung der Volksdeutschen aus ihrer Heimat in Mittel- und Südosteuropa gehört zu den großen Ungerechtigkeiten, die in Europa im vergangenen Jahrhundert passiert sind. Die Spuren dieses Unrechts müssen endlich beseitigt werden. Ich meine hier vor allem die diskriminierenden Gesetze wie z.B. die Benesdekrete aus den Jahren 1945 und 1946, die in Tschechien und in der Slowakei die rechtliche Grundlage für die Vertreibung der Sudetendeutschen bildeten und noch immer in Kraft sind.“

Für all das, was sie in den letzten sechs Jahrzehnten in unserem Land geleistet haben wollen wir heute Danke sagen, erklärte der Landeshauptmann weiter und führte dazu im Einzelnen an:

Oskar Feldtänzer

Auszug aus dem Dankeswort unseres Herrn Prof. Dr. Georg Wildmann Sowjetunion. Für alle, die durchhielten, eine fünfjährige Arbeitssklaverei. Die Zeit der Errichtung der Zweiten Republik, war bei uns in Jugoslawien die Zeit der Errichtung der großen Todeslager. Die völlige Lagerinternierung aller Donauschwaben Jugoslawiens vollzog sich bis August 1945. (Ich beispielsweise war zum Zeitpunkt der Proklamierung der 2. Republik am 27. 4. 1945 schon seit Wochen ein von meinem Heimatort vertriebener Zwangsarbeiter in einem jugoslawischen Arbeitslager). Die wilde Vertreibung der Sudetendeutschen war schon vor dem Beginn der Potsdamer Konferenz in vollem Gang. Von Benes veranlasst, von Stalin zynisch kommentiert. Während sich hier das Prinzip Freiheit ankündigte, standen die meisten von uns unter dem Prinzip Kollektivschuld und Terror.

Oberösterreich hat im Gedenkjahr nicht auf die vergessen, deren es sechzig Jahre nach Kriegsende und der Errichtung der Zweiten Republik sowie 50 Jahre nach Wiedererlangung der vollen Souveränität und Freiheit auch zu gedenken gilt: der Heimatvertriebenen. Auf Bundesebene hat man dazu im Gedenkjahr wenig gehört. Auf dieser, von Ihnen, sehr geehrter Herr Landeshauptmann, initiierten Würdigungsveranstaltung des Landes Oberösterreich, ist mir der ehrende Auftrag zugedacht worden, im Namen aller Geehrten und auch im Namen unserer Landsmannschaften ein Wort des Dankes zu sagen.

I. In diesem Gedenkjahr steht für uns Heimatvertriebenen nicht die Befreiung im Vordergrund. Stärker prägt uns das Bewusstsein der Katastrophe. Für die Sudeten- und Karpatendeutschen, die Rumäniendeutschen sowie die Donauschwaben Ungarns und Jugoslawiens war 1945 das größte Katastrophenjahr ihrer Geschichte – das Jahr der großen Vermögens- und Heimatberaubung – und für viele der Anwesenden eine Zeit dramatischer Erinnerung. In den ersten Wochen des Jahres 1945 befanden sich rund 112.000 Donauschwaben und Siebenbürger Sachsen aus Rumänien, Ungarn und Jugoslawien auf dem Weg zur Zwangsarbeit in die

II. Wen repräsentieren die Geehrten? Die hier und heute gewürdigten Heimatvertriebenen waren keine absolut Fremden, als sie in diesem Lande eine neue Heimat fanden. Sie stammen aus den Lebenswelten, die zum alten Kaiserreich Österreich und später Österreich-Ungarn gehörten – es hat also seine geschichtliche Berechtigung zu sagen, es sei altösterreichisches Leben, altösterreichisches deutschsprachiges Kulturgut, das sie geprägt hat. 14


Doch sollte man eines nicht übersehen: Die fünf Landsmannschaften, die hier gewürdigt werden, umfassten in der Zwischenkriegszeit, vor 60 bis 80 Jahren, fünfeinhalb Millionen Menschen, deren Leben, ihre europäische Leistung, ihre Kultur, ihre alte Heimatlandschaft und ihre führenden Persönlichkeiten besaßen eine weltweite Ausstrahlung. Die Namen Kudlich, Renner, Körner, Schärf, Berta von Suttner, Stifter, Rilke, Fussenegger, Lenau, Semmelweiß, Wegscheider, Müller-Guttenbrunn, Bruckenthal, Oberth, Fronius, Hummel, Franz Schmidt mögen eine Vorstellung vermitteln. Den Heimatvertriebenen in Oberösterreich den Status der Zugroasten-Seins zuzuschreiben, ist also nur bedingt richtig.

Anreiz besteht, sich völlig in unsere Gesellschaft integrieren und nicht in Gettos zu verharren. Ich bin überzeugt, dass wir heimatvertriebene Altösterreicher deutscher Muttersprache bei unserer Integration in Oberösterreich ein Grundmuster für eine friedliche europäische Gesellschaftsutopie der Zukunft geliefert haben. Wir haben im Wesentlichen die Kultur dieses Landes als unsere Leitkultur akzeptiert. Natürlich trifft das besonders auf uns damals vielleicht Zwanzigjährigen zu, die ihre Sozialisation weitgehend im neuen Heimatland erlebt haben. Bei den Älteren glückte die Integration nicht immer. Sie erlebten zum Teil eine Geringschätzung durch die Einheimischen und zudem einen sozialen Abstieg, so dass die emotionale Einbeheimatung nicht mehr gelang. Die Akzeptanz der Leitkultur unseres neuen Heimatlandes bedeutet jedoch nicht notwendigerweise eine völlige Assimilierung. Es kann auch eine fruchtbare Symbiose zwischen Mitgebrachtem und Einheimischem geben. Die Treue zum alten Brauchtum und der Gemeinschaftssinn haben sich sogar als eigener Integrationsfaktor erwiesen. Der Zusammenhalt in Vereinen und die Pflege des Eigenen haben es vielen ermöglicht, sich in der neuen Heimat wohlzufühlen, haben sich also als zusätzlicher Integrationsfaktor erwiesen. Das Leitbild einer geglückten Identität – von uns Älteren zumindest – müsste daher lauten: Wir sind Oberösterreicher mit einem donauschwäbischen, sudetendeutschen, siebenbürgisch-sächsischen, buchenländischen Einschlag. Und dies ist besser als eine völlige Assimilation.

III. Man kann davon ausgehen, dass etwa 200.000 Volksdeutsche durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse nach Oberösterreich gelangten und sich hier zumindest vorübergehend aufhielten. Von ihnen ließen sich ungefähr 80.000 in diesem Bundesland endgültig nieder. Das entsprach Ende der fünfziger Jahre etwa 8 Prozent der Gesamtbevölkerung. Nach Repatriierung der Fremd- und Zwangsarbeiter bildeten die Volksdeutschen die einzige bedeutende Arbeitskraftreserve des Landes, dessen Wirtschaftsstruktur sich mit 1938 und in den ersten Nachkriegsjahren grundlegend änderte. Die maßgebenden Ämter merkten bald, dass ohne die Arbeitsleistung der Heimatvertriebenen der Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung Oberösterreichs schwer gehemmt würden. Die Landwirtschaft, die Bauwirtschaft und die in der NS-Zeit gegründeten Großbetriebe konnten nur mit Hilfe der heimatvertriebenen Arbeitskräfte ihre Aufgabe erfüllen. Oberösterreich war unter den Bundesländern wohl am meisten geeignet, eine größere Anzahl von Volksdeutschen wirtschaftlich zu integrieren. Und dass diese Aufnahmefähigkeit des Landes von allen Landeshauptmännern und den meisten Bürgermeistern auch umgesetzt wurde, dafür sind wir in dieser Stunde besonders dankbar. Fleiß, Arbeitsfreude und Verlässlichkeit haben wir gebracht.

V. (Unter diesem Punkt behandelte Dr. Wildmann unser Verhältnis zu unseren alten Heimatländern, aus denen wir geflüchtet sind oder vertrieben wurden.)

VI. Wir Landsmannschaften haben vor 55 Jahren in der Charta der Heimatvertriebenen erklärt: „Wir verzichten auf Rache und Vergeltung“. Wir haben einem gewaltsamen Revanchismus abgeschworen und dies bis heute durchgehalten. Und wenn wir auf die 60 Jahre unseres Hierseins in Oberösterreich zurückschauen, so darf ich – im Stifterjahr mit vollem Recht – sagen, das wir nach dem „Sanften Gesetz“ unseres böhmischen Landsmannes gelebt und gewirkt haben, wonach, wie er es ausdrückt, „das menschliche Geschlecht durch Gerechtigkeit, Einfachheit, Bezwingung seiner selbst und verstandesmäßigem Wirken geleitet wird.“ (Vorrede zu den „Bunten Steinen“). Wir danken Ihnen, sehr geehrter Herr Landeshauptmann, dass Sie dies erkannt und durch die Würdigung einiger aus unseren Reihen für uns alle zum Ausdruck gebracht haben.

IV. In einer Zeit, in der man in der Integrationssoziologische vom Scheitern der multikulturellen Gesellschaftsutopie sprechen muss, in der man die Legitimität einer Leitkultur hinterfragt und wo die Politik erkennt, dass zu wenig Kinder geboren werden und es schon in zehn Jahren zu wenig Arbeitskräfte gibt, wird es kaum eine andere Möglichkeit geben, als Zuwanderer ins Land zu lassen. Es wird wohl auch notwendig werden, unsere Kultur und unsere Wertordnung so attraktiv zu präsentieren und vorzuleben, dass sie für die Zugewanderten tatsächlich eine Leitkultur wird und die neuen Bürger sich für sie begeistern können und somit für sie ein

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TOTENGEDENKEN vor dem DENKMAL der DONAUSCHWABEN Das Totengedenken des Kulturvereins der Heimatvertriebenen fand auch dieses Jahr am 30. Oktober vor dem Denkmal der Donauschwaben statt. Konsulent Friedrich Teutsch begrüßte die politischen Vertreter der Stadt Wels, des Landes und die erschienenen Vertreter der Organisationen. Eine Bläsergruppe der evangelischen Gemeinde sorgte für die musikalische Umrahmung. Die Festrede hielt Dr. Georg Wildmann von den Donauschwaben. Er erinnert an die Opfer, die die Volksdeutschen aus der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien durch Verlust ihres Vermögens durch Enteignung und an diejenigen, die ihr Leben in Zwangsarbeit, Konzentrationslagern und durch Ermordung und Erschießungen lassen mussten. Zusammen mit den gefallenen Soldaten der Endkämpfe 1945 handelt es sich um die Größenordnung von 400.000 Opfern aus

den Reihen der volksdeutschen Landsleute aus den verschiedenen Gebieten. Sind es Opfer zweiter Klasse? Das offizielle Österreich schweigt dazu. Zum Schluss der würdevollen Feier wurde ein Kranz vor dem Denkmal niedergelegt.

Martin Hoog (rechts), mit Simon Seiler

Worte zum Totengedenken in Wels, Am Zwinger Denkmal der Donauschwaben, Sigmarkapelle-Wels, 30. Okt. 2005 Wir stehen in einem Jahr des Gedenkens. In Österreich dominiert die Lichtseite dieses Jahres: 60 Jahre Kriegsende, 50 Jahre Staatsvertrag, 10 Jahre Europäische Union.

von Dr. Georg Wildmann

Für die Ungarndeutschen, unsere Landsleute aus Ungarn, war 1945 das Jahr, in dem die ungarischen Machthaber und die Öffentlichkeit gegen sie das Prinzip Kollektivschuld durchgesetzt haben als Begründung für die geforderte Aussiedlung. In Potsdam erhielten sie die Zustimmung der Alliierten. Das Prinzip Kollektivschuld wurde 1945 zur Umsetzung freigegeben, und die ungarische Regierung sah sich berechtigt, 1946 und 1947 220.000 unserer Landsleute zu enteignen und „auszusiedeln“.

Für uns Heimatvertriebene hat das Jahr 1945 ein anderes Gesicht. Wenn wir das Jahr 1945 ehrlich bedenken, dann war es für uns kein Jahr der Befreiung.

I. Kein Jahr der Befreiung Es war für uns Donauschwaben aus Ungarn, Rumänien und Jugoslawien sowie für die Siebenbürger Sachsen das Jahr der Deportation in die Sowjetunion und das schlimmste Jahr dieser bis zu fünf Jahren dauernden Zeit der Zwangsarbeit. 120.000 unserer Landsleute landeten in den Kohlegruben des Donezbeckens, in den Wäldern und Fabriken der Ukraine. Die durchschnittliche Todesrate betrug nach seriösen Schätzungen 17 bis 20 Prozent. 19.000 bis 22.000 überlebten nicht und gingen an Krankheiten, Unterernährung und Erschöpfung zugrunde. Stalin hatte sie als Reparationssklaven angefordert, wie wir heute wissen. 1945 war für uns ein Jahr neuer Sklaverei und des Sterbens.

Auch unseren Landsleuten aus Rumänien wurde 1945, noch vor Ende des Krieges, die Kollektivschuld gesetzlich zugerechnet. Von allen Maßnahmen betraf vor allem die Bodenreform unsere Banater und siebenbürgischen Landsleute, weil diese überwiegend der Landwirtschaft angehörten. Da wurde am 11. April 1945 von der moskaufreundlichen Regierung (Petru Groza) ein Reglement zur Durchführung der Agrarreform erlassen. Der Großgrundbesitz sollte aufgeteilt werden und den Kleinbauern zugute kommen. Aber auch Sachsen und Schwaben sollten möglichst viel Grund und Boden verlieren. Man kam nun auf die Idee, möglichst viele von ihnen per 16


Gesetz als Kollaborateure hinzustellen. Kollaborateure sind Leute, die mit einer fremden Besatzungsmacht zusammenarbeiten und so Verrat am eigenen Vaterland üben. Also erklärte man: alle, die in der deutschen Wehrmacht gedient haben, alle die mit der deutschen und ungarischen Armee abgezogen sind, d.h. die Flüchtlinge, und schließlich Staatsbürger deutscher Nationalität (Abkunft) die Angehörige der deutschen Volksgruppenorganisation gewesen waren, sind Kollaborateure. Sie verlieren „alle landwirtschaftlichen Besitztümer mit… dem lebenden und toten Inventar“. Diese gehen in den Besitz des Staates über, und werden andersnationalen Bauern ausgehändigt.

Nimmt man alle Opfer zusammen: die gefallenen Soldaten der Endkämpfe 1945, die in Slowenien von den Partisanen ermordeten wehrlosen donauschwäbischen Kriegsgefangenen, die Toten der in die Sowjetunion deportierten Zivilpersonen und Kriegsgefangenen, die Opfer des Todeswinters 1945/46 in den Tito-Lagern, die getöteten Sudetendeutschen – nimmt man diese alle zusammen, kommt man in die Größenordnung von 400.000 Toten. Es war 1945 wohl das größte Totenjahr in der Geschichte der in Oberösterreich vertretenen Landsmannschaften deutscher Muttersprache. Es war 1945 das Jahr, in dem das Prinzip Kollektivschuld dominierte, das von der abendländischen Philosophie nie anerkannt wurde. Man kann nicht jemand bloß aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer Gruppe für straffällig erklären. Wo keine Schuld bewiesen, da keine Strafe. Es war das Jahr, das den Beschluss auf Vertreibung von Heimat, Haus und Hof sanktionierte.

Nur die deutschen Bürger Rumäniens wurden also in ihrer Mehrzahl zu Kollaborateuren erklärt, als ob nicht ganz Rumänien bis August 1944 an der Seite Deutschlands gekämpft hätte. Es gab nur sehr wenige unter unseren Landsleuten in Rumänien, die nicht unter diese Bestimmungen fielen. Die allermeisten verloren mit Grund und Boden ihre Existenzgrundlage.

Es war 1945 für uns kein Jahr der Befreiung, sondern des Horrors. Befreit hat uns niemand. Wir mussten, soweit wir überlebt haben, aus eigener Kraft entkommen, um allmählich, nicht zuletzt durch harte Arbeit, die Freiheit in Form der sozialen und staatsbürgerlichen Rechte in einer westlichen Demokratie zu erlangen.

Vor 60 Jahren also eine „Befreiung“ unserer Landsleute aus Rumänien von ihrem Besitz und damit die beginnende Zerstörung der Sozialstruktur ihrer Dörfer, die Schwächung ihrer Wirtschaftskraft und die Zuwanderung gebietsfremder zuteilungsberechtigter Rumänen.

II. Gedenken

Unsere Landsleute aus dem vormaligen Jugoslawien galten seit November 1944 durch einen AVNOJ-Beschluss kollektiv als Volksfeinde und waren zugunsten des Staates völlig enteignet. Am 6. Februar 1945 trat dieser Beschluss in Kraft und im März begann die Räumung der schwäbischen Dörfer – man trieb die Leute einfach aus den Häusern – 167.000 Nichtgeflüchtete, ohne die 12.000 Russlanddeportierten gerechnet, wurden in Arbeits- wie in Konzentrationslagern interniert. Zum Prinzip Kollektivschuld kam hier das Prinzip Terror hinzu. Von Jarek abgesehen wurden alle übrigen sieben Vernichtungslager zwischen März und November 1945 errichtet. Der Winter 1945/46 war die schlimmste Todeszeit von uns Donauschwaben aus Jugoslawien. Insgesamt haben wir in den Lagern 49.000 Opfer zu beklagen: sie sind an Hunger, Typhus, Misshandlungen und Erschießungen zugrunde gegangen.

Die Bundesregierung und der Nationalrat haben der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Das ist gut und richtig. Gedenken wir hier und heute vor allem der Opfer, derer in diesem Gedenkjahr offiziell und öffentlich nicht gedacht wurde: der eigenen Opfer. In Deutschland haben die christlichen Kirchen anlässlich des Kriegsendes ein gemeinsames Wort herausgegeben. Da heißt es in einem Abschnitt: „Zeitweise bestand in Deutschland eine große Scheu, über den Kreis der vom nationalsozialistischen Regime Verfolgten hinaus auch andere deutsche Opfer, vor allem die Opfer von Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung, in das Gedenken einzubeziehen … Es gibt eine historisch-moralische Verantwortung, allen Opfern gerecht zu werden und sich der Geschichte unverkürzt zu erinnern.“ – Mir ist nicht bekannt, dass die christlichen Kirchen Österreichs ein ähnliches Wort zum 60. Jahrestag des Endes des Krieges veröffentlicht hätten.

Auch für die Sudetendeutschen war 1945 das Schreckensjahr ihrer Geschichte, das Jahr ihrer Entrechtung durch die Benesdekrete. Vor allem die Zeit vom 5. Mai bis Anfang August 1945 waren sie vogelfrei. Mit Grauen denkt man an die Landsleute, die in Prag als brennende Fackeln ihr Ende fanden, an die einfachen Arbeiter, die man in Aussig in die Elbe warf, an den Todesmarsch von Brünn. Die Mörder und Sadisten wurden amnestiert. Man bescheingte ihnen im nachhinein die „Lizenz zum Töten.“ 240.000 Sudetendeutsche fielen ihnen zum Opfer.

OPFER DER VERNICHTUNGSLAGER TAGEBUCH VON MATTHIAS JOHLER

NACH DEM

Der Ausdruck „Vernichtungslager“ ist meines Wissens erstmals schriftlich dokumentiert bei Kaplan Matthias Johler in seiner Tagebucheintragung vom 9. Dezember 1945, getätigt im Lager Gakowa im heutigen Serbien. Johler schreibt: „Gestern waren 10 Dekagramm Brot pro Person, heute gab es überhaupt kein Brot. Dabei verbreitet sich Fleck17


chen vor sich und dachten wohl an ihre eigenen Kinder, die in diesem Alter mit einem Schlag aus dem Leben gerissen worden waren.

typhus mit unheimlicher Schnelligkeit. – Die Benennung ‚Vernichtungslager‘ wird allem Anscheine nach realisiert. – Soeben erfahre ich, dass unser Arzt, Dr. Brandt, an Flecktyphus gestorben ist …“ (LW III, S. 289). Am Tag darauf erkrankt auch Johler an Bauchtyphus, doch hat er noch die Kraft, am 13. Dezember eine Eintragung zu machen. Er schreibt u.a.: „…draußen im Lager ist die Not aufs äußerste gestiegen. Schon der vierte Tag weder Brot noch Suppe für etwa 12.000 – 13.000 Menschen. Kinder sind heute bis zu meinem Krankenbett gekommen, Brot zu betteln. Und ich habe selbst nichts, rein nichts zu geben. Wie bitter war es, die hungrigen Kinder leerer Hände zu entlassen…“ Nach vier Wochen schreibt er: „Ich … bin mit Gottes außergewöhnlicher Hilfe soweit, dass ich nun – wenn auch im Bett – diese Eintragung machen kann. Und draußen im Lager? Kein Brot, kein Schrot, sondern täglich zweimal leere Suppe. Die Zahl der Sterbenden ist schon gestiegen auf 30 – 40 täglich. Also ein Massensterben…“

Jahrzehntelang haben wir gehört, wenn wir der eigenen Opfer gedächten, würden wir die Opfer des Nationalsozialismus bagatellisieren, sozusagen aufrechnen. Ich habe neun Jahre nacheinander jedes Mal bei dieser Gedenkmesse gesprochen und nie an eine Aufrechnung gedacht. Im Schulhaus in der Prinz-Eugen-Straße gab es eine handgeschriebene Erinnerungstafel, die begann mit dem Satz: „Gebt euren Toten Heimatrecht, ihr Lebenden!“ Opfer des Bombenterrors – wer gedenkt ihrer heute noch? OPFER

DER

FLUCHT

Opfer der Gewalt – wer hat ihrer 60 Jahre danach gedacht?

Maria Brenner war in der Familie meiner Eltern in Filipowa mehrere Jahre Dienstmädchen und sozusagen Begleiterin meiner Volksschulzeit, bis sie im April 1940 Matthias Eichinger heiratete. Sie kam mit ihrem fünf Jahre alten Sohn Martin und ihrer Mutter in das Konzentrationslager Gakowa. Ihr Vater kam im Jänner 1946 mit einem „Grenzführer“ aus Ungarn ins Lager geschlichen, um Frau und Tochter heimlich nach Ungarn zu bringen. Obwohl vom überstandenen Typhus geschwächt, entschloss sich Maria, mitzugehen, ihre Mutter blieb im Lager. Die Gruppe geriet in den schlimmsten Schneesturm des Winters (14. – 16. Jänner 1946). Sie suchten nahe der Grenze in einem Kukuruzlaubschober Zuflucht. Dem Grenzführer erfroren Frau und Schwiegermutter schon nach kurzer Zeit. Maria selbst wurde immer schwächer und starb im Laubschober an Erschöpfung neben dem verzweifelt betenden Vater und dem fünfjährigen Martin. Martin überlebte. (LW III, 374f.)

III. Erinnerung an das Böse Unser Bundespräsident hat in Mauthausen gesagt: „Die Erinnerung an das Böse soll der Schutzschild gegen das Böse sein.“ Wenn dem so ist, dann fragen wir uns, warum das offizielle Österreich öffentlich nur der Opfer des Nationalsozialismus gedenkt und nicht auch der anderen Opfer des Bösen. Warum es den eben genannten Formen des Bösen gegenüber schweigt. Verschweigen oder Vergessen kann doch wohl nicht eine Maxime der höheren Staatskunst sein? „Es gibt eine historischmoralische Verantwortung, allen Opfern gerecht zu werden,“ haben die christlichen Kirchen in Deutschland gemeinsam festgehalten. Man sollte der unschuldigen Opfer gedenken, jenseits der Rasse, jenseits der Volkszugehörigkeit, gleich, ob sie durch Giftgas, durch Hunger und Krankheit, oder durch Massaker, oder Bomben, oder aus Verzweiflung zu Tode gekommen sind. Man soll die unschuldigen Opfer nicht in solche erster und zweiter Klasse teilen.

Opfer der Flucht – wer denkt an sie? Wer gedenkt ihrer? OPFER

DES

GEWALT

Wer gedenkt der rund 2 Millionen Frauen ab dem Alter von 13 Jahren, die in den letzten Kriegsmonaten im damaligen deutschen Reichsgebiet vergewaltigt wurden? 180.000 sind dabei ums Leben gekommen oder haben sich das Leben genommen.

Opfer der Vernichtungslager – wer hat dieser Opfer gedacht? OPFER

DER

BOMBENTERRORS

„Gebt allen euren Toten Heimatrecht, ihr Lebenden!“ Am 16. Oktober 1944 schlug eine Fliegerbombe in Linz in die Otto-Glöckel-Schule, gegenüber der Herz-Jesu-Kirche, ein. Eine ganze Schulklasse, 31 Mädchen der Frauenberufsschule, im Schutzraum beisammen, waren bis auf eine tot. Ich war in den sechziger Jahren Religionslehrer an dieser Schule. Jedes Jahr haben wir am 16. Oktober eine Gedenkmesse gestaltet, die ganze Schule war anwesend, und die Mütter und Väter der Bombenopfer saßen, soweit sie noch lebten, in der ersten Bankreihe. Sie sahen sechshundert junge Mäd-

NB: LW III ist die Abkürzung für die Fundstelle der Berichte: Arbeitskreis Dokumentation, Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien, Band III, München 1995.

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Weihnachten kommt: BÜCHER · VIDEO · CD · DVD Schenken wir unseren Kindern die Geschichte ihrer Großeltern Folgendes Dokumentationsmaterial ist derzeit bei uns zu bestellen:

• Mädchenjahre Kriegsjahre – Zu beziehen ist dieses lesenswerte Buch bei Frau Regina Wallner, 4645 Grünau, 684 Telefon: 0 76 16 / 87 09, bei der Druckerei Denkmayr in Linz sowie im Buchhandel. Preis: 18,50 Euro; ISBN 3-902257-26-1

zu 5,– Euro: • Ein Volk an der Donau, von Nenad Stefanovic, in deutscher Sprache • Geschichte der Donauschwaben von 1848 – 2000, von Anton Scherer

Neu erschienen ist:

• Donauschwäbische Passion, von Franz Koringer / Villacher Sinf. Orchester, CD • Unsere „Donauschwäbische Chronik“ von Kons. Oskar Feldtänzer und Dr. Georg Wildmann geben wir vorerst auch weiterhin unter den Herstellkosten noch zu 5,– Euro je Buch an unsere Landsleute weiter, weil es unser oberstes Ziel ist, dass diese Chronik in möglichst vielen Familien unserer Landsleute vorhanden ist, weil sicherlich auch unsere Nachkommen irgendwann darauf zurückgreifen werden, wenn sie plötzlich merken, dass es doch s e h r w i c h t i g i s t , die Geschichte seiner Vorfahren, welche ja ein Teil der eigenen Geschichte ist, zu kennen.

Maria Weiss, Haid: HISTORISCH-BIOGRAFISCHE FOTODOKUMENTATION

Das Jubiläumsjahr 2005 hat für das Land Oberösterreich und die Republik Österreich eine besondere Bedeutung. 60 Jahre Kriegsende und 50 Jahre Freiheit erlauben es, Rückschau zu halten und einen historischen Spaziergang zu machen durch eines der größten Barackenlager, von denen es damals nach Kriegsende in Österreich viele gab.

zu 10,– Euro: • Geschichte und Lebenswelt der Donauschwaben, VIDEO von A. Albecker und J. Frach

Die Entwicklung des so genannten „Lager Haid“ spielt sich auf nur einem Quadratkilometer Grund und Boden im Ortsteil Haid, in der heutigen Stadt Ansfelden ab.

• Die Donauschwaben – Ihre Geschichte und Lebenswelt, DVD

Weitere empfehlenswerte Bücher:

Das Buch erzählt ein Stück Zeitgeschichte. In über 500 Fotos (zum Teil in Farbe), Zeitdokumenten und Zeitzeugenberichten, weckt die Autorin Erinnerungen an eine vergangene Zeit und gewährt Einblick in die Welt des Lagerlebens, eines Lebens auf engstem Raum, in einer Lagergemeinschaft, mit Menschen aus verschiedensten Ländern und unterschiedlicher Kultur. Sie hatten nur Eines gemeinsam: Sie waren Heimatlose.

• „Ich hörte die Totenglocken läuten“ kann beim Autor Peter Kaip, Heimstättenhof 9, A-4053 Haid/Ansfelden, oder Tel. 0 72 29/ 812 76 zum Verlagspreis: 16,90 Euro, plus Versandspesen, bestellt werden. • „Auf der Flucht sein“ – eine berührende und nachdenklich machende Lektüre. Preis: 15,– Euro – Das Buch ist zu beziehen unter der Adresse: Resistenz-Verlag, Postfach 184, 4010 Linz. Verlagsleiter ist Dietmar Ehrenreich, Bergfeld 17, 4531 Kematen a. d. Krems (E-Mail: dietmar.ehrenreich@gmx.at).

Es ist die Geschichte einer Vertreibung und einer schrecklichen Flucht. Es ist die Geschichte einer Gemeinschaft zwischen ver19


Gesucht wird:

schiedenen Volksgruppen und den benachbarten, einheimischen Menschen. Es ist die Geschichte einer Auswanderungswelle, die Geschichte einer Integration und einer neuen Heimatfindung.

Herr Josef Neu sucht seit geraumer Zeit ein Gedicht, welches in einem alten Kalender war und von dem er noch folgenden Text in Erinnerung hat:

Und es ist die geschichtliche Entwicklung des Wiederaufbaues, der besonders in Ansfelden geglückt und gelungen ist.

„Die gruselige Sauschlacht“ Es is noch arich frie am Morjet un dunkl wie in ener Kuh, nur beim Wacklmichl is schun alles uf die Been. D’ Honichkarl, d’ Grundlochschuster, d’ Krauthenrich, d’ Knipplmattheis…

Das Buch ist eine Fotodokumentation im Format A4 mit 160 Seiten, etwa 550 Fotos und kostet 19,50 Euro. Zu beziehen bei: Maria Weiss, Volkenstorfstraße 12, 4053 Haid (Tel./Fax 0 72 29 / 89 623) und beim: Stadtamt Ansfelden, Hauptplatz 41, 4053 Haid (Tel. 0 72 29 / 84 00).

Unser langjähriges Mitglied, Herr Josef Neu, Barockstraße 4, 4616 Weißkirchen, Tel. 0 72 43 / 56 9 37, wäre für eine diesbezügliche Auskunft sehr dankbar.

Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Franz Michl † Franz Michl wurde am 24. März 1914 in Rudolfsgnad geboren. Am 5. Oktober 1936 heiratete er Barbara Brenner, ebenfalls aus Rudolfsgnad. Während sich Franz Michl fern seiner Familie im Krieg befand, musste seine Frau mit den zwei Töchtern 1944 aus der Heimat flüchten und kam schließlich nach Oberösterreich, wo die Familie nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft in Bor, ex. Jug., endlich wieder zusammen fand. Ein weiterer schwerer Schlag traf die Familie, als die jüngere Tochter Eva tödlich verunglückte. Mit viel Mühe und Entbehrungen hat Franz Michl mit seiner Familie in Oftering ein Haus gebaut und hier eine neue Heimat gefunden. Bei der Landsmannschaft der Donauschwaben war er langjähriges Mitglied und um das Geschehen rund um unsere Volksgruppe immer sehr interessiert. Seine Frau starb am 21. Dezember 2004, was ihm nach 68 Ehejahren zu ertragen sehr schwer fiel. Am 25. September 2005 verstarb Franz Michl nach kurzer schwerer Krankheit im 92. Lebensjahr. Um ihn trauern Tochter Margareta, Schwiegersohn Peter, Anita und Heinz, Brigitte und Manfred sowie Peter als Enkel und seine Urenkel Pia und Melanie.

Anna-Maria Reiss † Frau Reiss, geborene Robotka, erblickte am 18. August 1911 in Neusatz das Licht der Welt. Nach dem bekannten Leidensweg über Flucht ohne den beim Militär befindlichen Mann, gab es nach dessen Heimkehr aus der Gefangenschaft einen Neuanfang in Oberösterreich. Ihr Mann verstarb 1986. Frau Reiss, die Mutter von zwei Kindern hatte neben den furchtbaren Erlebnissen, die alle unsere Landsleute hatten, durch einen schwer behinderten Sohn noch ein besonders hartes Schicksal zu ertragen. Dadurch, dass sie schon jahrelang selbst pflegebedürftig und im Altenheim war, musste sie das besonders schmerzen, auch wenn die aufopferungsvolle Pflege und Fürsorge durch ihre Tochter Hilde ein großer Trost für sie gewesen sein wird. So konnte sie buchstäblich erst drei Tage nach dem Tod ihres Sohnes sich selbst von dieser Welt verabschieden und verstarb am 28. September 2005 im 95. Lebensjahr. Um sie trauern Tochter Hildegard, Schwiegersohn Karl, die Enkel Gabriela mit Manfred und die Urenkel Tanja mit Michael sowie Manfred und Vanessa nebst Bruder Franz und Schwägerin Marianne. 20


ERINNERUNG an unseren GEORG „DJURI“ LANG Bei der sehr eindrucksvollen Verabschiedung von unserem Kulturreferent Stv. Georg Lang Ende August d. J. wurde ein Musikstück gespielt, das von sehr vielen Anwesenden tief empfunden wurde. In der Zwischenzeit kommen immer wieder Anfragen an uns, wie diese Melodie heißt.

Der Tod von Georg „Djuri“ Lang hat in unseren Reihen eine Lücke hinterlassen, die wir derzeit auch nicht annähernd ausfüllen können. Seine Arbeit ist und bleibt einzigartig. Wir sind ernsthaft bemüht – gemeinsam mit seiner Familie – sein Werk für die Nachwelt zu erhalten.

Wir haben nachgeforscht und kamen zu folgendem Ergebnis: Das Musikstück heißt „Die Stille Bucht“ aus der CD-Impressionen von Johannes R. Köhler.

Mit einigen Bildern von „Djuri“, aufgenommen bei den vier Ausstellungen – Leonding, Ursulinenhof, Salzburg und Marchtrenk – im letzten halben Jahr, möchten wir an ihn erinnern.

Georg Lang bei seiner letzten Ausstellung im Volkshaus Marchtrenk am 8. April 2005

Georg Lang bei seiner Ausstellung in Salzburg 2004 mit O. Feldtänzer und R. Deckert

Georg Lang besichtigt seinen Aufbau vor der Ausstellungseröffnung

Georg Lang im Gespräch mit Bürgermeister Kaspar und Obman Ellmer

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M I T T E I L U N G E N aus der L A N D E S L E I T U N G Mitgliedsbeitrag bleibt unverändert bei 10,– Euro / Jahr Liebe Landsleute, werte Gönner, obwohl wir zur Aufrecherhaltung unserer Organisation im Interesse unserer Landsleute jeden Euro benötigen, hat sich die Landesleitung einmütig dafür ausgesprochen, unseren ohnehin moderaten Mitgliedsbeitrag von 10,– Euro pro Jahr weiterhin aufrecht zu halten. Erfreulicherweise konnten wir auch in diesem nun zu Ende gehenden Jahr feststellen, dass unsere Arbeit zahlreiche Mitglieder und speziell Unternehmer veranlasst, durch entsprechende Spenden der Landsmannschaft die Begleichung der anfallenden Betriebs- und Druckereikosten zu ermöglichen. Die hohe Zahl der Spender hat uns auch von der ursprünglichen Idee, die Spender im Mitteilungsblatt namentlich zu nennen, abgehen lassen, noch dazu war es auch von manchen Mitgliedern nicht erwünscht, denn man spendet ja nicht, um in der Zeitung zu stehen, sondern um zu helfen. Die Landesleitung dankt nochmals, sowohl allen Mitgliedern und Gönnern für ihre Spenden, als auch allen Mitgliedern für die Begleichung des Mitgliedsbeitrages sehr herzlich.

Wie alljährlich in der letzten Nummer des Jahres legen wir auch dieser Ausgabe wieder einen Erlagschein bei und bitten, recht bald davon Gebrauch zu machen, damit er nicht verloren geht; sollte dies aber einmal der Fall sein, hier die Bankverbindung des Vereins, die Sie jederzeit auch ohne Erlagschein benützen können: Sparkasse OÖ Wels, BLZ 20 320, Konto Nr. 10000 017 286 Für Auslandsüberweisungen unsere Code: BIC: ASPKAT2L IBAN: AT 55 20 320 10000-017 286 Wir dürfen Sie auch diesmal wieder bitten, bei Ihrer Einzahlung darauf zu achten, dass Name und Adresse vollständig sind, damit diese einerseits ordnungsgemäß registriert werden kann und andererseits die einwandfreie Zustellung des Mitteilungsblattes sichergestellt ist. Weiters wären wir Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die Einzahlung recht bald vornehmen würden und danken schon im Voraus sehr herzlich dafür. Landeskassier Hans Mayer

Donauschwaben Heimatkalender 2006 Der von der Redaktion der Donauschwaben-Zeitung herausgegebene Heimatkalender 2006 ist bereits bei uns eingetroffen und zu beziehen. Der Preis beträgt diesmal bei 8,50 Euro plus evtl. Versandkosten. Zu bestellen oder persönliche Abholung (während der Zeit der Sprechstunden) bei: „Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ, 4600 Wels, Maria Theresienstraße 33“, oder bei unseren Funktionären.

Gedenkstätte Rudolfsgnad Auf der Teletschka in Rudolfsgnad liegen 9.000 Tote, die aus den Dörfern des Banates, der Batschka, der Baranja, aus Syrmien und Slowenien stammen. Sie alle sind im Lager Rudolfsgnad umgekommen und wurden in die Massengräber gelegt. Vielleicht ist es Ihnen ein Anliegen, dort auf der Teletschka Ihrer Toten zu gedenken und eine Tafel anbringen zu lassen, die auf ihren Heimatort und die Anzahl der Toten hinweist.

Ihre Fragen dazu richten Sie bitte an: Lorenz Baron, 0 70 21/ 55 569 (D) bzw. 0049 -702155 569 (aus Österreich). Wer seine Spende dem Mahnmal in Rudolfsgnad widmen will, möge sie auf das Konto des „Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V.“ einzahlen: Raiffeisenbank Oberösterreich, BLZ 34000, Kto.-Nr. 6.830.590. In Deutschland auf Kreissparkasse Esslingen, BLZ 611 500 20, Kto.-Nr. 74 08 777. Der Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad wünscht allen Landsleuten, Spendern und Mitgliedern ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr.

Der Verein Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V. kümmert sich um die würdige Gestaltung der ganzen Anlage und auch um die Anbringung von Gedenktafeln. 22


Unsere TÜCHTIGEN Braunauer Unser „donauschwäbisches Musterpaar“ Sepp und Evi Frach vermitteln das Schicksal unserer Volksgruppe bei jeder Gelegenheit. Auch auf der Straße, wenn es mit interessierten Menschen zu einem Gespräch kommt. Sie nützen jede sich bietende Gelegenheit, um auf uns Donauschwaben aufmerksam zu machen. Ganz besonders aber in „IHRER Wohnstube“ – der Heimatstube der Donauschwaben in Braunau. Hier haben mittlerweile schon unzählige Menschen mit für sie neuem Wissen diese Räumlichkeiten verlassen, wo sie mit Begeisterung und Wissen bestens unterrichtet wurden, von – eben Sepp und Evi Frach.

Josef Frach sehr beeindruckt. Die Schüler aus der ungarischen Stadt Vecses, die früher deutschsprachig war, erfuhren von ihm vieles aus erster Hand über die Kultur und Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung in Südosteuropa im Zweiten Weltkrieg. Diese ungarischen Mädchen und Buben waren im September in der Betty-Greif Schule in Simbach und lernten dabei auch Österreich kennen.

Damit sie unsere „Außenstelle Braunau“ noch lange so hervorragend betreuen können, wünschen wir ihnen vor allem beste Gesundheit. Diesmal hatten sie einen internationalen Besuch, – nämlich den einer ungarischen Schülergruppe. Diese jungen Menschen kennen die Geschichte teilweise aus ihren eigenen Familien, deshalb waren sie beim Besuch in der Heimatstube der Donauschwaben von der lebendigen Führung durch unseren Obmann-Stv.

Die ungarischen Schüler in der Heimatstube Braunau

Das VERDIENT unseren RESPEKT

LEBENSWERT für Jung und Alt… … ist der kürzlich im Verlag Denkmayr erschienene Gedichtband

GEREIMTES VON ERNST BIS HEITER von Horst HERZOG, ein gebürtiger Donauschwabe aus Ruma. Das übersichtlich gegliederte Buch mit 186 Seiten ist durch zahlreiche Fotos, wie auch durch textbezogene Karikaturen aufgelockert. Die Aufmachung ist recht gefällig, so dass man den Gedichtband (teilweise mit informativen Anmerkungen versehen), auch vom Äußeren her, als Geschenk an Verwandte, Freunde und Bekannte empfehlen kann. Österreichische Politiker an der kroatischen Gedenkstätte in Valpovo, wo deutschsprachige Altösterreicher ums Leben kamen. SPÖ-Vertriebenensprecher Werner Kummerer (links), Norbert Kapeller (ÖVP) und der grüne Abgeordnete Wolfgang Pirklhuber (rechts)

Zu beziehen ist er im normalen Buchhandel (Ladenpreis 15,50 Euro) oder – vergünstig – direkt durch den Autor: Tel.: 0732 / 73 26 83. 23


EHRENOBMANN Altbgm. OSR Hans Holz weiter SEHR AKTIV von Anton Ellmer Zum 100-jährigen Bestandsjubiläum des „Verschönerungs- und Volksfestvereines Andorf“ hat unser Ehrenobmann auf Ersuchen der Vereinsleitung eine „Jubiläumsfestschrift“ in Form eines über 270 Seiten umfassenden, äußerst ansprechenden Buches verfasst, welches am 28. Oktober im Rahmen eines würdigen Festaktes im vollbesetzten „Feichtner-Saal“ vorgestellt wurde. Hans Holz hat den Verein von 1960 bis 2002 mit viel Engagement und herausragendem persönlichen Einsatz geführt und in dieser Funktion in Verbindung mit der des Bürgermeisters das Bild der Marktgemeinde Andorf maßgebend und auf Dauer geprägt. Er selbst stellt im Nachwort des Buches fest: „Ich habe auch bewusst in meiner 24-jährigen Tätigkeit als Bürgermeister (1967– 1991) das kommunale Geschehen vielfach in das Volksfestprogramm eingebunden, Maßnahmen im Sinne der Gemeinde geplant, realisiert und

Eröffnungen mit den Spitzenpolitikern der Oö. Landesregierung im Rahmen des jeweiligen Volksfestes anberaumt und durchgeführt“. „Bei der inhaltlichen Gestaltung dieser Festschrift ging es mir als Verfasser darum“, schreibt er weiter, „ … allen Personen … Spendern und Sponsoren in Wort und Bild zu danken und ihnen die Ehre der Aufmerksamkeit zu erweisen“. Der derzeitige Obmann des Vereins, der Sohn unseres Ehrenobmannes, Vzbgm. Mag. Hans Joachim Holz, dankte allen früheren Funktionären und Mitarbeitern des Vereins, besonders natürlich dem verdienstvollsten Obmann, seinem Vater, und gab seiner großen Freude darüber Ausdruck, diese umfangreiche Dokumentation über die große Arbeit des Vereins für die Bevölkerung und das gesellschaftliche Leben in der Marktgemeinde Andorf im vergangenen Jahrhundert präsentieren zu können.

Ehrengäste und Festredner im Rahmen des Festabends v.l.: Obmann Vizebgm. Mag. Hans Joachim Holz, Ehrenobmann Altbgm. OSR Hans Holz, Landeshauptmann a. D. Dr. Josef Ratzenböck, Bürgermeister Peter Pichler, Nationalratsabgeordneter Karl Freund, Bezirkshauptmann Dr. Rudolf Greiner, Obmann-Stv. Dr. Paul Sonnleitner

SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Landesobmann Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer Maria-Theresia-Str. 33, A-4600 Wels, Tel. 0 72 42 / 452 78 Privat: Tel. 0 72 43 / 509 31, E-Mail: a.ellmer@aon.at Sparkasse OÖ. Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 39

Jänner, Februar, März 2006

Nr. 1

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

Papst Benedikt XVI. bittet für die Donauschwaben Oberösterreichs um

„Gottes beständigen Schutz und treues Geleit“. von Anton Ellmer

„Da hört man nicht viel davon !“… … so Papst Benedikt XVI. in unserem Gespräch über das unserer Volksgruppe nach Kriegsende zugefügte Leid und Unrecht In meiner Funktion als Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich wurde ich am Samstag, dem 17.12. 2005 im Vatikan von Papst Benedikt XVI. in Privataudienz empfangen. Diese Begegnung mit dem Heiligen Vater ist für unsere Volksgruppe von einer heute noch kaum abschätzbaren historischen Bedeutung. Es war das erste Treffen eines Donauschwäbischen Funktionärs, seit Papst Pius XII. am 17.12.1946 von Pfarrvikar Hans Grieser über die Gräueltaten der Tito-Partisanen an seinen Landsleuten unterrichtet wurde, der als Betroffener den Papst über das Schicksal der Menschen in den Tito-Vernichtungslagern informieren konnte. Fortsetzung nächste Seite


Fortsetzung – Titelseite:

„Dies gleicht einem kleinen Wunder“, meinte Seine Exzellenz, der Erzbischof von Freiburg, Dr. Zollitsch in einem E-Mail, und, „es ist zweifellos eine Fügung, dass Sie den Heiligen Vater gerade am 17. Dezember, dem Jahrestag des Gesprächs von Pfarrvikar Hans Grieser mit Papst Pius XII. begegnen konnten“, schrieb er weiter.

Als Landeshauptmann Dr. Pühringer mich bei der Audienz als „Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich“ vorstellte, hat der Heilige Vater das Gespräch sogleich mit Hinweisen auf die damaligen Gräueltaten und mit Fragen über das Schicksal der unter die Tito-Herrschaft gekommenen Donauschwaben eröffnet. Ich berichtete ihm, dass alle nicht nach Russland verschleppte Frauen, sowie die Kinder und alte Menschen in Vernichtungslagern waren, wo rund 50.000 dieser erbarmungswürdigen Menschen elend zu Tode kamen, und dass ich selbst eben auch in einem dieser Konzentrationslagern war und vielleicht wie zehntausende betroffene Landsleuten Papst Pius XII. die Freiheit oder gar das Leben verdanke, denn Pius XII. hat heute auf den Tag genau vor 59 Jahren in einer Audienz von Pfarrvikar Grieser, dem die Flucht aus einem dieser Vernichtungslager 1946 gelungen war, von den Gräueltaten im damaligen Jugoslawien erfahren und sich daraufhin sofort mit den Vertretern der westlichen Siegermächte in Verbindung gesetzt. Etwa ab diesem Zeitpunkt ist es auch dann für uns in den Konzentrationslagern langsam besser geworden und man ist mit uns auch nicht mehr so brutal umgegangen, wenn wir bei Fluchtversuchen geschnappt wurden.

Wie in unserem letzten Mitteilungsblatt berichtet, hatte sich die Landesleitung unserer Landsmannschaft im Zusammenhang mit dem geplanten Besuch des Heiligen Vaters in Serbien entschlossen, Papst Benedikt XVI. bei der Privataudienz anlässlich der Übergabe des Friedenslichtes am 17.12. 2005, eine Petition mit der Bitte, auch Rudolfsgnad, „unser Auschwitz“, zu besuchen, zu überreichen. Nachdem Landeshauptmann Dr. Pühringer erkannte, um welch bedeutungsvolle Aktivitäten für die Geschichte der Donauschwaben es sich hier handelt, hat er mir als Landesobmann eine persönliche Begegnung mit dem Heiligen Vater ermöglicht, damit die Bitte der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich von deren Repräsentanten und selbst ehemaligem Inhaftierten persönlich vorgetragen werden konnte.

Der freundschaftliche und warmherzige Empfang fand in der beeindruckenden Sala delle Benedizioni, direkt im Obergeschoss des Petersdomes statt

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Jedenfalls hat sich der Heilige Vater über das Schicksal unserer Volksgruppe sehr gut informiert gezeigt und befremdet festgestellt, dass darüber in der Öffentlichkeit kaum berichtet wird.

getragenen Hinweise und Ausführungen in unserem Schreiben und der ebenfalls überreichten „Information über den Leidensweg der Donauschwaben“ sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen worden sind.

Unsere Petition, mit der Bitte – so der geplante Besuch des Papstes in Serbien realisiert wird – Rudolfsgnad zu besuchen, hat er wohlwollend entgegen genommen und uns ermuntert, diesbezueglich weiterhin aktiv zu bleiben.

Dieses Schreiben endet mit dem Schlusssatz, auf den alle Mitglieder der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich stolz sein können und an den wir ruhigen Gewissens auch öfter denken dürfen: „Von Herzen erbittet Seine Heiligkeit Ihnen und allen Mitgliedern der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Gottes beständigen Schutz und sein treues Geleit“.

Mit diesem Besuch bei Papst Benedikt XVI. hoffen wir Donauschwaben, jenes Tor geöffnet zu haben, welches unserer Volksgruppe den ihr zustehenden Platz in der Geschichte sichert. Wir können mit großer Genugtuung feststellen, dass wir in Papst Benedikt XVI. einen starken Verbündeten gefunden haben, der zur gegebenen Zeit und am richtigen Ort auch sicherlich seine Stimme im Sinne der historischen Wahrheit erheben wird.

Mit der Petition übergab ich dem Heiligen Vater auch unsere Chronik „60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich“, mit folgender Widmung: Heiliger Vater

Inzwischen erreichte mich Ende Jänner ein Schreiben aus dem Vatikan, in welchem mir mitgeteilt wurde, dass Seine Heiligkeit das Staatssekretariat beauftragt habe, unserer Landsmannschaft für die Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri aufrichtig zu danken und dass unsere gemeinsam von Dr. Georg Wildmann, Herrn Oskar Feldtänzer und mir vor-

Zur Erinnerung an eine tüchtige Volksgruppe, der zu Unrecht großes Leid zugefügt wurde. Rom,17.12. 2005 Anton Ellmer, Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich

Ein frohes Osterfest wünscht die Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich allen Mitgliedern, Freunden, Gönnern und den Repräsentanten aus Politik, Verwaltung und Kirchen

Fotonachweis: Vatikan, Primarius Dr. Fraunhoffer, Fotodienst / Landespresse OÖ., Köpf

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ENTSCHÄDIGUNGEN a)

Kroatien

b)

Wir haben im letzten Mitteilungsblatt Mitte Dezember geschrieben was auch heute noch gilt:

von Anton Ellmer

Serbien

Liebe Mitglieder, liebe Landsleute, wir haben Sie in den beiden letzten Mitteilungsblättern ausführlich über die Situation rund um das „Gesetz über die Anmeldung von enteignetem Vermögen“ informiert. Wir haben die darin (offensichtlich mit purer Absicht) eingebauten Schikanen weitestgehend aufgezeigt und Sie darüber unterrichtet, dass der Vorstand unserer Landsmannschaft dieses heikle Thema in Ihrem Interesse sehr verantwortungsbewusst behandelt, nicht sofort pro oder kontra bezieht, sondern sich bemüht, für jene Landsleute, die ihr enteignetes Vermögen anmelden wollen, nach einer einfachen und kostengünstigen Möglichkeit zu suchen.

„Wenn man die kroatische Presse der letzten November-Tage zur Hand nimmt, dann verliert man aber fast die Hoffnung, dass sogar das nun schon zum x-ten Male einmal als ‚paraphiert‘, dann wieder als ‚unterschrieben‘ hochgelobte ‚Zwischenstaatliche Abkommen‘ überhaupt jemals rechtskräftig werden wird.

Faktum ist: • In Kroatien wird auf höchster Ebene gegen dieses angestrebte ‚Zwischenstaatliche Abkommen‘ schärfstens polemisiert. • Die Aussagen zum Inhalt dieses Abkommens sind widersprüchlich, so dass es überhaupt keinen Sinn macht, zum jetzigen Zeitpunkt darüber zu diskutieren. • Ob dieses Abkommen jemals Rechtskraft erhält, ist aus unserer Sicht heute fraglicher denn je. • Es gibt praktisch nach wie vor keinen Fortschritt.“

Nachdem weder vom Weltdachverband noch von einem sonstigen „Bundesverband“ der Donauschwaben ein koordiniertes, überregionales Vorgehen aller Landsmannschaften eingeleitet wurde, haben wir die Basis unserer Bemühungen nur in der direkten Einschaltung der Regierungen von Österreich und Serbien gesehen. Dies umsomehr, als unsere Rechtsexperten vor allem in einer kurzen Gesetzes-Novelle eine Vereinfachung der Anmelde-Prozedur sehen, was aber den guten Willen der Serbischen Regierung voraussetzt und das auch nur Belgrad selbst erledigen kann – wenn das mit der Restitution als solche ehrlich gemeint ist. So dies nicht geschieht, wollen wir zumindest unseren Landsleuten das Geld für (serbische) Anwälte nicht aus der Tasche ziehen lassen.

Angeblich sollen wir, namentlich Obmann Ellmer, ob dieser Aussage öffentlich kritisiert worden sein. Leider stimmen aber diese Aussagen und treffen auch heute noch zu, sodass man dies allseits eingestehen muss. Die kroatische Regierung verfügt nicht mehr über die für die Ratifizierung notwendige Mehrheit und somit wird es auch (voraussichtlich) kein diesbezügliches „Zwischenstaatliches Abkommen“ geben. Schade, aber es war abzusehen, obzwar man es bei oberflächlicher Betrachtung nicht wahrnehmen konnte (oder nicht wollte ?). Kroatische Zeitungen berichten, dass die kroatische Regierung nun einen anderen Weg gehen will. Diesen Berichten zufolge bereitet man ein neues Gesetz vor, welches die Entschädigung von nicht-kroatischen Staatsbürgern regelt. Damit wäre der Abschluss eines bilateralen Vermögensabkommens nicht mehr notwendig. Auf gut Deutsch heißt das:

Im letzten Dezember-Mitteilungsblatt haben wir Sie auch relativ ausführlich über die Einbindung unseres Bundeskanzlers Dr. Schüssel, mit der Bitte um Intervention in Belgrad, informiert.

Hier nun die weiteren Aktivitäten auf politischer Ebene: Anfang Februar erhielten wir vom Kabinett des Bundeskanzlers Antwort auf unser Schreiben vom 15. 11. 2005, in welchem man uns im Wesentlichen die uns schon vom Außenministerium zugegangene Empfehlung wieder-

A B WA RT E N . 4


holte, unsere donauschwäbischen Landsleute mögen sich, um ihr enteignetes Vermögen anzumelden, an Rechtsanwälte wenden.

gemäßen Ausfertigung des vorgesehenen Anmelde-Formulars POI, bedürfen folgende Fragen einer eindeutigen Klärung durch Ihre werte Regierung, um die wir höflich ersuchen:

Nachdem aber gerade darin das Problem der meisten unserer Landsleute liegt, konnten wir mit dieser Antwort absolut nicht zufrieden sein und ersuchten unseren Herrn Landeshauptmann, der uns seine diesbezügliche Unterstützung zugesagt hatte, um ein persönliches Gespräch. In diesem Gespräch am 14. 2. 2006 empfahl Landeshauptmann Dr. Pühringer unseren Vertretern Dr. Wildmann und Obmann Ellmer, die Landesleitung möge auf das vorliegende Schreiben antworten, dabei hervorheben was ihnen nicht gefällt und was sie geändert haben wollen; er selbst werde dann mit dem zur Zeit persönlich nur schwer erreichbaren Herrn Bundeskanzler telefonisch in Kontakt treten.

1. Wie ist im Falle von Erbschaften vorzugehen, wenn Nachweise fehlen, zum Beispiel wenn Sterbeurkunden fehlen: a) von getöteten Besitzern, die in Zwangsarbeitslagern Russlands umgekommen sind; b) von getöteten Besitzern, die im Holocaust serbischer Arbeitslager oder Konzentrationslager umgekommen sind (bekanntlich wurden alle Aufzeichnungen, soweit es überhaupt welche gab, bewusst vernichtet, weil die seinerzeitigen Täter die Wahrheit und die Zukunft fürchteten); c) von Gefallenen, die im Verlaufe des 2. Weltkrieges an den Kriegsfronten umgekommen sind.

In diesem Schreiben vom 17. 2. 2006 haben wir „nochmals unsere Bitte an die Regierung und den Herrn Bundeskanzler, zum Zwecke einer Gesetzesnovelle in Belgrad zu intervenieren“, wiederholt. Die Antwort steht dzt. noch aus.

2. Es sollten den Volksdeutschen sämtliche Konfiskationsbehörden Serbiens bekannt gegeben werden, falls Serbien tatsächlich Enteignungsbescheide von den Antragsberechtigten verlangt.

Sowohl die Antwort vom „Kabinett des Bundeskanzlers“ an sich, als auch die Vorgangsweise, schienen uns nicht sehr erfolgversprechend, sodass wir in Absprache mit der Botschaft für Serbien den Entschluss fassten, uns sowohl an die für die „Anmeldung des entnommenen Vermögens“ zuständige Republikdirektion als auch an den Premierminister von Serbien, Dr. Kostunica, direkt zu wenden.

3. … 4. … Ohne Klärung und Behebung der vorgenannten Probleme hegen viele der Enteigneten die Vermutung, dass mit dem derzeit in Kraft befindlichen Anmeldegesetz von 2005 mit Absicht der größte Teil der Antragsberechtigten von ihren Forderungen legal ausgeschlossen werden soll. Damit wären die Betroffenen einstmals 1945 zu Unrecht von ihrem Eigentum und jetzt 2005/2006 legal von ihrem Antragsrecht enteignet worden. Dies könnte

Unser Schreiben haben wir zwar sehr sachlich, aber trotzdem auch sehr klar und deutlich, in unseren Feststellungen und in unseren Anliegen gehalten. Weil es hier um Ausführungen grundsätzlicher Natur in dieser Causa geht, ein Auszug aus diesem Schreiben zu Ihrer Information: „…Das Bemühen Ihrer Regierung, Restitution beziehungsweise Entschädigung an die Enteigneten zu leisten, ehrt Sie. Es ist aber absolut nicht in unserem Sinn und im Sinne der ehemaligen Enteigneten, die jetzigen Besitzer unseres Vermögens anlässlich der Entschädigung oder Restitution zu schädigen. Das obgenannte Anmeldegesetz beinhaltet für unsere Landsleute teilweise unüberbrückbare Hürden, die einer Aufklärung bedürfen, weil sie auch durch serbische Rechtsanwälte nicht bewältigt werden können. Zur ordnungs-

OSTR Dr. Wildmann und LO Ellmer danken Landeshauptmann Dr. Pühringer für seine Intervention bei der Regierung in Sachen Serbien und für die Unterstützung unserer Landesleitung bei der Papst-Audienz

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als die zweite Enteignung angesehen werden, weil viele Berechtigte die verlangten Nachweise unmöglich erbringen können. Für die Geschichtsschreibung wäre es schon besser, sich für die Gräueltaten der damaligen Generation zu entschuldigen und um Verständnis dafür zu werben, dass derzeit eine Entschädigung aus wirtschaftlichen Gründen nicht leistbar ist, falls die finanziellen Mittel nicht vorhanden sein sollten. Eine sogenannte zweite Enteignung würde in der künftigen Geschichtsschreibung sicher keinen guten Eindruck hinterlassen.

Im Interesse und auf Bitten zahlreicher Österreichischer Staatsbürger, nämlich unserer Landsleute, die vormals als jugoslawische Staatsbürger in Serbien gelebt haben sowie auf Grund der zahlreichen Anfragen aus mehreren europäischen Staaten, den USA, Kanada und Australien, ersuchen wir Sie, das gegenständliche Anmeldegesetz von den derzeit gegebenen Härten durch eine entsprechende Gesetzes-Novelle im Sinne unserer obigen Bitte zu entlasten. Falls die erwähnten Hindernisse und Probleme von Seiten der Republik Serbien selbst nicht beseitigt werden, wird aus unserer Sicht gegen dieses Gesetz gewiss weltweiter Protest erhoben werden, da dieses Gesetz im derzeitigen Wortlaut für unsere Landsleute untragbar ist. Wenn aber die serbische Regierung zur Erfüllung der drei oben genannten Punkte bereit ist, darf angenommen werden, dass das Anmeldegesetz keine Schönfärberei lediglich im Hinblick auf eine wirtschaftliche Sonderregelung mit der EU und einen eventuell beabsichtigten EU-Beitritt darstellt, sondern ehrlich gemeint ist, was wir auch gerne glauben wollen, da auch wir einen EU-Beitritt Serbiens im Sinne der Charta der volksdeutschen Heimatvertriebenen mit Freude begrüßen würden.

Der eigentliche Zweck dieses Anmeldegesetzes ist lt. Mitteilung der Serbischen Botschaft in Wien, dass man in Belgrad gerne wissen möchte, welche Anträge auf Rückerstattung und Entschädigung auf den Staat zukommen würden. Wenn es der serbischen Regierung wirklich nur um Evidenz und Übersichtsgewinnung geht, dann könnte man diese ‚Anmeldung‘ einfacher gestalten, indem man auf die diversen geforderten Dokumente als ‚Nachweise‘ bis zum Zeitpunkt eines tatsächlich beschlossenen Entschädigungsgesetzes verzichtet, sodass die Betroffenen die Anmeldung unbürokratisch und schnell vornehmen könnten, zumal die Beschaffung der geforderten Unterlagen der Enteignungsbescheide ohnehin im Besitze serbischer Behörden sind. Um unsere ohnedies schon leidgeprüften Landsleute nicht noch einmal zu schädigen, ersuchen wir die Republik Serbien, in einer kurzen Gesetzes-Novelle zu beschließen:

gez. Ing. Anton Ellmer / Prof. Dr. Wildmann / Reg.Rat Vladimir Igl “

Am 3. 3. 2006 wurden wir von der Serbischen Botschaft in Wien verständigt, dass unser Schreiben in der Zwischenzeit bereits nach Belgrad weitergeleitet worden sei.

1. dass eine gesetzliche Festlegung der Antragsberechtigten erfolgen möge, weil angeblich geplant ist, nicht-serbische Staatsbürger von der Antragstellung ausschließen zu wollen,

Was, liebe Landsleute haben wir nach dem derzeit geltenden Anmeldegesetz noch bis 30. 6. 2006 für Möglichkeiten, um nicht ab 1. 7. 2006 auch legal enteignet zu sein?

2. dass die Anmeldungen wohl mit den erforderlichen Angaben des enteigneten Vermögens, zunächst jedoch o h n e urkundliche Nachweise eingebracht werden können, weil diese ohnehin erst im Falle, dass es überhaupt zu einem Gesetz über die Restitution bzw. Entschädigung kommt, benötigt werden und

Die Meinungen unter den Landsleuten liegen hier sehr weit auseinander. Von: „das bringt doch eh’ nichts“, „die haben doch selber nichts“ über „ich will nichts mehr hören…“ bis zu „es ist unsere moralische, politische, patriotische und menschliche Pflicht“ unser Vermögen anzumelden, weil wir das unseren

3. die im Artikel 6 normierte Frist bis ‚30. Juni 2006‘ unbedingt um zwei Jahre verlängert wird, da sie im Zusammenhang mit den anderen Auflagen unzumutbar ist. 6


Hinweise:

Ahnen schuldig sind und, dass eine große Zahl Anmeldungen der serbischen Öffentlichkeit nochmals das den Deutschen angetane Unrecht der Jahre 1944/45 vor Augen führen würde.

Fachleute sind der Überzeugung, dass es letztendlich nur einem im Promillen-Bereich liegenden Personenkreis gelingen wird, wirklich lückenlos alle geforderten Nachweise/ Belege gesetzeskonform vorzulegen. Wenn dann tatsächlich, wie Juristen sagen, alle Anträge, denen die verlangten Urkunden nicht zu 100 % beiliegen, abgelehnt werden, dann erübrigt es sich aber auch, lückenhafte Unterlagen, wie z.B. nur den Enteignungsbescheid oder einzelne Grundbuchauszüge vorzulegen. Dann ist praktisch jede Anmeldung, ob mit EINIGEN Beweisen oder ob OHNE jeden Beweis (Urkunde) gleich viel wert: entweder sie wird als solche akzeptiert, oder aber nicht – dann entlarvt sich allerdings Serbien mit diesem Gesetz selbst: nämlich, das es sich hier nur um eine reine Augenauswischerei handelt, um der Welt etwas vorzugaukeln. Wollen wir Letzteres nicht hoffen.

Alles gut und schön. Jedes Argument wird für den Einzelnen seine Berechtigung haben – nicht aber für eine verantwortungsbewusste Landsmannschaft ! Nachdem sich die vordringlichste Frage nach der Flucht: „Wann gehen wir wieder heim…“ inzwischen von selbst erledigt hat, war und ist vielfach auch noch heute die Frage der „Entschädigung“ das Thema unter den Landsleuten. Man denke nur an den Ansturm alleine schon bei der sogenannten „Vermögenserfassung“ in den 90-er Jahren. Die Führungen der Landsmannschaften sind da in einem gewissen Dilemma: denn die persönliche Meinung der Funktionäre zählt hier nicht, vielmehr ist die Landsmannschaft dazu da, um unseren Landsleuten zur Seite zu stehen, sie zu beraten, ihnen Wege zu zeigen, notfalls diese gewissermaßen erst sogar „erkämpfen“, wie wir es jetzt im Falle Serbien gerade auch tun.

Nach dieser Version ergeben sich folgende „Möglichkeiten“ der Anmeldungen:

Egal wie das Ergebnis in dieser Causa letztendlich auch sein wird: über die österreichische bis zur serbischen Regierung haben wir unter Einbindung der jeweiligen Regierungschefs alles administrativ Machbare unternommen, um eine Vereinfachung dieser „Anmeldung“ zu erreichen. Wir haben nicht nur theoretische Ideen entwickelt, sondern wir haben diese auch in persönlichen Gesprächen bzw. in Petitionen mit klar formulierten Begründungen den beiden Regierungen unterbreitet, dabei haben wir uns auch nicht mit oberflächlichen Argumenten „abspeisen“ lassen, sondern wir verfolgen unser Ziel nach wie vor weiter – und wenn es sein muss, tun wir dies auch bis zum 30. 6. 2006.

1. Über Rechtsanwälte (Landsleute, die diesen Weg gehen, haben die diesbezüglichen Schritte in den meisten Fällen schon eingeleitet; Adressen von empfohlenen Anwälten liegen bei uns auf und können jederzeit erfragt werden). 2. Anmelden unter Beilage jener Urkunden in Fotokopie, über die der Antragsteller eben verfügt. 3. Anmelden OHNE Beilagen irgendwelcher Urkunden (das ist es auch, was wir von der Regierung in Belgrad erbeten haben, allerdings bei Drucklegung dieses Mitteilungsblattes noch keine Antwort haben. Sollte die Regierung in Belgrad rechtzeitig vor dem 30. 6. 2006 positiv auf unsere Bitte reagieren, dann werden wir Sie, liebe Mitglieder, in Form einer Sonderausgabe bzw. brieflich davon informieren und Ihnen allenfalls erforderliche weitere Maßnahmen mitteilen).

Zur Praxis: Faktum ist, und das ist eigentlich das Schlimme und leider auch das Entscheidende an der gesamten Sache: Wer keine „Anmeldung seines enteigneten Vermögens bis 30. 6. 2006“ vornimmt, ist ab dann – nach der derzeitigen Gesetzeslage – legal enteignet und hat künftig keine weitere wie immer geartete rechtliche Möglichkeit mehr, hier etwas zu ändern und im Falle des Falles auch keine Berechtigung einen Entschädigungsanspruch zu stellen.

Gibt es eine „Empfehlung“ der Landsmannschaft? Nein, die gibt es nicht, denn eine seriöse Empfehlung sowohl für das Eine wie für das Andere kann es nicht geben, weil kein Mensch heute weiß (vielleicht weiß man es 7


in Belgrad sogar selbst noch nicht), was irgendwann aus der ganzen Angelegenheit wird. Viel zu viele Unklarheiten und Ungereimtheiten gibt es da. Es kann jeder nur für sich selbst entscheiden, ob und wenn ja, auf welchem Wege er diese Anmeldung vornehmen will. Zu beachten sind in jedem Falle jedoch die Folgen, die eine Nichtanmeldung nach sich zieht – bzw. nach sich ziehen kann. Von zahlreichen Landsleuten haben wir erfahren, dass sie allein aus patriotischen Gründen gerne „Anmelden“ würden, wenn es nicht viel kostet – wohl mehr als verständlich.

Zum besseren Verständnis kann die deutsche Version beigelegt werden. Bei der Personalnummer tragen Sie die Nummer Ihres Passes ein und fügen Sie „Austria“ dazu. Weiters führen Sie Ihre heutige Adresse an Bei A) Rechtliche Grundlage… können Sie einfügen: „Clan 30 zakon o konfiskacije imovine i o izvrsenju konfiskacije – sluzbeni list broj 40/12. Juni 1945“ Bei B) geben Sie Art und Ort des enteigneten Vermögens an. Bei „Aktueller Besitzer“ geben Sie „ne poznat“ (unbekannt) an Bei G) Besitzrechte ist, so Sie als Anmelder nicht identisch mit der enteigneten Person sind, der Erbnachweis anzuführen (Name des im Grundbuch eingetragenen Besitzers und den Hinweis auf den Erbnachweis Sohn/ Tochter… usw.)

Wie Sie aber aus bisher Gesagtem ersehen können, bemühen wir uns sehr, jenen Landsleuten, die eine Anmeldung vornehmen wollen, diese auf einfache und kostengünstige Art und Weise zu ermöglichen. Dazu finden Sie in der Mitte dieses Heftes die erforderlichen Anmeldeformulare. Zur Erleichterung und damit jeder auch versteht, was er gegebenenfalls ausfüllt, fügen wir auch ein Anmeldeformular in deutscher Sprache bei.

Die „Anmeldungen…“ sind in zwei Ausfertigungen auf dem POI-Formblatt (liegt bei) einzureichen. Die Einreichadresse ist im Anmeldeformular eingedruckt. Wenn Sie die Anmeldungen auf dem Postwege übermitteln, dann sind diese „eingeschrieben“ vorzunehmen. Die Anmeldungen können aber bis 15. Juni 2006 auch in verschlossenem Umschlag an die „Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich, Maria Theresiastraße 33, 4600 Wels“ (dann bitte NICHT – eingeschrieben) gerichtet werden. Wir geben die Anmeldungen gesammelt und ungeöffnet an die Botschaft in 1030 Wien, Rennweg 3, zur direkten Weiterleitung nach Belgrad auf diplomatischem Wege weiter.

„Anmeldung weggenommenen Vermögens“ – Erläuterungen: Die Anmeldeformulare sind in serbischer Sprache auszufüllen – Lateinschrift genügt, weil in Serbien beide Schriften, die kyrillische, als auch die lateinische in Verwendung sind.

G e re c h t i g ke i t aufzeigen, überhaupt in die Ohren derjenigen, die kraft ihrer Ämter berufen wären, das zu hören ?! Und dann zu handeln ?!

GERECHTIGKEIT – doch nur: Für wen ?! U n s hat man bisher übersehn ! GERECHTIGKEIT – Kommt sie? – Und wann? Für das, was man uns angetan !

Abschließend sei aus Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ der folgende Ausspruch zitiert:

GERECHTIGKEIT verwehrt – warum ?! Kein lauter Ruf – Still ist’s weitum !

„Ich brauche keine Gnade; ich will GERECHTIGKEIT !“

Oder hat man jemals von echten Bemühungen unserer Bundesregierung gehört, für die aus dem Balkan geflüchteten A l t ö s t e r r e i c h e r eine gewisse Entschädigung – wenn auch nur als Symbolgeste für ein längst fälliges Schuldeingeständnis – wegen der erlittenen Verluste einzufordern ?! Die maßgebenden Print- und TV-Medien, sowie ranghohe Politiker schweigen sich in der Öffentlichkeit beharrlich aus. – Kein lauter Ruf, Stille weitum! Dringt das, was in der Frage der Wiedergutmachung unsere Landsmannschaften mit viel Geduld immer wieder

Und diese wollen wir Altösterreicher auch ! Andernfalls wäre von späteren Geschichtsschreibern (für die das Bundesarchiv in Koblenz eine der wichtigsten Quellen ist) unter Anführung der Fakten anzumerken, dass in Sachen Wiedergutmachung nach dem Zweiten Weltkrieg keine einheitlichen, sondern opportune Maßstäbe zur Anwendung kamen. Ein Makel auch für Österreich, der dann nicht mehr zu beseitigen sein wird. Horst Herzog

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MUSTER – ANMELDUNG

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DEUTSCHER

SPRACHE


MUSTER – ANMELDUNG

IN

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DEUTSCHER

SPRACHE


„ K U LT U R S E I T E “ in unserem Mitteilungsblatt Eine wichtige Aufgabe unserer Landsmannschaft ist das Bestreben, die Erinnerung an die Kulturund Lebensweise in der alten Heimat an unsere Nachkommen weiterzugeben und einer breiten Öffentlichkeit in unserer neuen Heimat bekannt zu machen. Von der großen kulturellen Leistung unserer Vorfahren wird in absehbarer Zeit nur das übrig bleiben, was unsere Schriftsteller und Künstler mit ihren Werken dokumentiert haben. In unseren vierteljährlichen Mitteilungen wollen wir künftig eine Seite dafür verwenden, um die Erinnerung wach zu halten. Es geht dabei nicht nur um Künstler, sondern auch um Sitten und Gebräuche, z. B. das Ratschen in der Karwoche, Weihnachts- und Neujahrswünsche, besondere Kinderspiele usw. Starten wollen wir mit dem Lieblingsmaler und Landsmann unseres Kulturverantwortlichen, Dr. Peter Fraunhoffer, Leo-Fall-Str. 35, 4600 Wels, E-Mail: peter.fraunhoffer@liwest.at, der diesen Bericht auch verfasst hat und an den Sie bitte auch Anregungen und Beiträge für diese Seite richten wollen. Die Landesleitung hofft, mit dieser „Kulturseite“ Ihre Zustimmung zu finden und dankt schon im Voraus Herrn Primar Dr. Fraunhoffer, dass er diese Verantwortung (und Arbeit) übernommen hat.

JOSEF WAGNER – in den LANDESAUSSCHUSS kooptiert Die Donauschwaben in Wien haben im Dezember 2005 in einer außerordentlichen Generalversammlung einen neuen Vorstand und einen neuen Obmann gewählt. In der Landesausschusssitzung am 11. Februar 2006 wurde nun der frühere Obmann des Schwabenvereines Wien, Niederösterreich und Burgenland, Herr Ing. Josef Wagner, auf Vorschlag von Obmann Ellmer einstimmig in den Landesausschuss unserer Landsmannschaft kooptiert. Sepp Wagner lebte bekanntlich viele Jahre in Oberösterreich, ist vielen unserer Landsleute kein Unbekannter und wird u.a. besonders wegen seiner Offenheit, seiner Geradlinigkeit

und seiner Menschlichkeit allseits geschätzt. Er gehört zu jenen Funktionären, die ein gerades Rückgrat haben und sich nicht verbiegen lassen. Er ist Zeitzeuge der bittersten Epoche unserer Volksgruppe, zumal er auch das Lager Gakowa erleben musste. Seine Kontakte zu hohen Repräsentanten der verschiedenen Organisationen waren und sind kein Nachteil für unsere Schicksalsgemeinschaft. Wir sind überzeugt, dass Sepp Wagner – ein bekennender Donauschwabe – sich auch in Zukunft für unsere Sache einbringen und unserer Landsmannschaft gute Dienste im Sinne und Interesse unserer Landsleute leisten wird.

KULTURVEREIN der HEIMATVERTRIEBENEN in Oberösterreich Die Generalversammlung vom 24. Februar 2006 hat unseren Landesobmann, Ing. Anton Ellmer, einstimmig zum Obmann des Kulturvereines der Heimatvertriebenen in Oberösterreich gewählt. Der „Kulturverein der Heimatvertriebenen in Oberösterreich“ ist der Zusammenschluss der Landsmannschaften der Donauschwaben, Sudetendeutschen, Siebenbürger Sachsen, sowie der Karpatenund der Buchenlanddeutschen. 15


TERMINVORMERKUNG Liebe Mitglieder, liebe Landsleute, am 14. Oktober 2006, 14.00 Uhr, veranstaltet unsere Landsmannschaft im Volkshaus Marchtrenk einen

Wir bitten um Terminvormerkung, um durch eine zahlreiche Teilnahme diesen verdienstvollen Persönlichkeiten unsere Reverenz zu erweisen und um auch der Feierstunde den ihr gebührenden Rahmen zu geben. Ein anspruchsvolles Rahmenprogramm dürfen Sie voraussetzen.

Tag der Donauschwaben, wo in feierlichem Rahmen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, welche für unsere Volksgruppe außergewöhnliches geleistet haben, geehrt werden. Die Ehrungen werden die Herren Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer und Landeshauptmann Stv. Dipl.-Ing. Erich Haider vornehmen.

Detailinformationen ergehen gleichzeitig mit der Einladung in unserem Mitteilungsblatt Mitte September 2006.

Ein INTERESSANTES ANGEBOT für Banat-Besucher

Frau Elisabeth KUNGEL schwer erkrankt

Frau Dipl. Psychologin Sofija Skoric, 23000 Zrenjanin, Solunska 5, lebte gemeinsam mit ihrem Gatten von 1972 bis 1985 in Deutschland. Die inzwischen alleinstehende Frau wohnt nunmehr in Betschkerek und würde gerne Donauschwaben, die in Betschkerek oder/und Umgebung zu tun haben, in den verschiedensten Belangen behilflich sein.

Nach unserem früheren Film- und Tonreferent Konsulent Sepp Habenschuß ist nun auch unsere langjährige Funktionärin Lissi Kungel schwer erkrankt und lag einige Wochen auf der Intensivstation. Im Namen der gesamten Landsmannschaft entbietet die Landesleitung unserer lieben Lissi die besten Genesungswünsche und grüßt sie auf diesem Wege recht herzlich.

Ihre Tel.-Nr.: 023 62574 und 064 2269616, E-Mail: skoricsm@ptt.yu

DANKE – BESONDERS für die SPENDEN Diese Bitte betrifft jedoch NICHT jene Mitglieder, welche nur eine bescheidene Pension bzw. ein geringes Einkommen haben. Gutsituierte Landsleute hingegen bitten wir, dies durch ihre großzügige Spenden auszugleichen. Ein „Extra-DANK“ für diese menschliche Einstellung, der zahlreiche Landsleute in der Praxis auch tatsächlich nachkommen.

Es ist für die Landesleitung erfreulich festzustellen, dass die Mitglieder und Landsleute unsere Aktivitäten zu schätzen wissen und durch Einzahlung der Mitgliedsbeiträge und vielfach durch zusätzliche Spenden dies auch honorieren bzw. überhaupt erst möglich machen. Unser Dank ergeht daher an alle Mitglieder, die ihren Mitgliedsbeitrag bereits eingezahlt haben. Jene Mitglieder, die noch nicht dazugekommen sind bitten wir, dies möglichst bald nachzuholen. Sollte der Zahlschein verlegt worden sein, so ist das kein Problem, denn unsere Bankverbindung finden Sie auf der letzten Seite des Mitteilungsblattes.

Wie immer ergeht ein besonderer Dank an jene großzügigen Landsleute und Firmen, die durch Spenden von 100,– Euro und mehr, durch ihren besonderen finanziellen Beitrag die Arbeiten der Landsmannschaft erst ermöglichen und darüberhinaus zur Erhaltung unserer Gemeinschaft beitragen. Hans Mayer, Landeskassier 16


ANTRITTSBESUCH bei BISCHOF Dr. Schwarz Am Freitag, 10. März 2006, haben Prof. Dr. Wildmann und LO Ellmer gemeinsam den „Antrittsbesuch“ unserer Landesleitung beim neuen Bischof der Diözese Linz, Dr. Schwarz, absolviert.

Bischof Dr. Schwarz, der selbst als Fünfjähriger die Vertreibung mitgemacht hat, hat schon in diesem zarten Kindesalter die Brutalität des Vertreibens am eigenen Leib und bei größtem Leid erfahren müssen, sind doch auch Mitglieder der eigenen Familie dabei auf unmenschliche Weise zu Tode gekommen.

Bischof Dr. Schwarz

„Das war schrecklich“ sagt er heute noch, wenn er an diesen „Marsch“ und seine am Straßenrand tot liegen gebliebene Familienangehörigen zurückdenkt.

Die Einladung, ihn im Bischofshof gelegentlich zu einem ausführlichen Gespräch zu besuchen, hat Bischof Dr. Schwarz beim gemeinsamen Papst-Besuch am 17. Dezember 2005 in Rom LO Ellmer gegenüber ausgesprochen.

Es war ein Gedankenaustausch zwischen drei direkt von der brutalen Vertreibung und deren Folgen betroffenen Menschen, die in ihrer Funktion alles Machbare dafür tun, dass unseren Nachkommen diese schrecklichen Erfahrungen erspart bleiben.

E I N LA D U N G zur

Veranstaltung

am Freitag, dem 24. März 2006, um 19.30 Uhr im Volkshaus Doppl Punkt, Leonding Motto:

„10 saiten 1 bogen – Donauxang“ Eine sinnliche Reise mit Literatur, Musik und Tanz vom Schwarzwald zum Schwarzen Meer. Bei dieser Veranstaltung, zu der die Landesleitung – auch wenn es terminlich schon sehr knapp ist – herzlich einlädt, stehen wir Donauschwaben beinahe im Mittelpunkt und sind als Mitwirkende stark vertreten. Wir werden neben Gedichten, Tanz und einigen Liedern auch einen kurzen Überblick über den seinerzeitigen Weg unserer Vorfahren als Kolonisten „donauabwärts“ und dann Jahrhunderte später als Flüchtlinge über den Weg zurück in unsere Urheimat, also „donauaufwärts“, informieren.

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GELÖBNIS der Donauschwaben in den HUNGERLAGERN im ehemaligen Jugoslowien vor 60 Jahren von Erich Ortmann Seit 1959 pilgern jährlich tausende Donauschwaben zur Gnadenmutter Maria nach Altötting und zu vielen Wallfahrtsorten auf der ganzen Welt. Dieses eindrucksvolle Glaubenszeugnis geht auf das Gelöbnis unserer nach Ende des 2. Weltkrieges in ärgster Not bedrängten Landsleute zurück. Im Jahr 1946 hat Pater Wendelin Gruber mit den von Hunger und Not gezeichneten Gläubigen in den Sterbelagern von Gakowa und Rudolfsgnad dieses Gelübde mit dem Kernsatz abgelegt:

Pater Gruber hat nach seiner schweren Haft von über 10 Jahren in den Kerkern von Titos Kommunisten, die erste donauschwäbische Wallfahrt 1959 nach Altötting mitbegründet. Nach seiner Schilderung in einem der bedeutenden Zeitdokumente über den Völkermord an unserer Volksgruppe im ehemaligen Jugoslawien ist er „durch die väterliche Vorsehung Gottes“ befreit worden. Sein heute vergriffenes Buch: „In den Fängen des roten Drachen“ ist ein Zeugnis des Glaubens und ein faszinierender Tatsachenbericht über die unvorstellbaren Gräueltaten der damaligen Kommunisten an unseren Donauschwaben.

„Wenn wir am Leben bleiben, wollen wir jährlich aus Dankbarkeit wallfahren. Wir wollen uns der Befreiung im Dank an Maria erinnern.“ Darüber hinaus enthält das Gelöbnis das Versprechen zu einem christlichen Leben. Wenn schon etwa ein Drittel der eingesperrten Menschen in diesen Vernichtungslagern umgekommen sind, wurden doch viele aus den Fängen dieser Schergen errettet.

Im Sinne unseres unvergesslichen Landsmannes Pater Gruber und seiner verfolgten Landsleute, wollen wir bewusst und dankbar im heurigen Jubiläumsjahr des Gelöbnisses nach Altötting wallfahren.

So laden wir dazu herzlich ein und bitten um baldige Anmeldung zur

47. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting am Sonntag, 9. Juli 2006 Diesjähriges Leitwort:

Pater Wendelin GRUBER SJ – 60 Jahre im Priesterdienst • geboren 1914 in Filipowa, Batschka • 1942 in Rom geweiht • 10 Jahre in den Kerkern von Titos Kommunisten in Jugoslawien • 30 Jahre Missionar in Südamerika • verstorben am 14. August 2002

Programm:

„Herr rette uns !“

9.00 Uhr: Einzug der Pilger- und Trachtengruppen in die Basilika 10.00 Uhr: Pontifikalamt mit Erzbischof Dr. Zollitsch, Freiburg / Breisgau 14.00 Uhr: Marienfeier in der Basilika mit dem Visitator der Donauschwaben, Geistl. Rat Andreas Straub. Es singt ein Chor aus Rumänien.

Für die Gemeinschaftsfahrt bitten wir um umgehende Anmeldung bei: Hans Himmelsbach, Pasching, 07229 / 64 722 Franziska Kadi, Leonding, 0732 / 37 23 47 Anton Ellmer, Marchtrenk, 07243 / 5 09 31 Der

Fahrpreis beträgt 15,– Euro

Zusteigemöglichkeiten: 5.45 6.00 6.15 6.30

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Uhr: Uhr: Uhr: Uhr:

von der Kirche Leonding-Doppl Langholzfelderhof Marchtrenk – Holland-Blumen Wels, Ecke Römer- / Puchbergstraße


W E G d e r D O N A U S C H WA B E N von Konsulent Oskar Feldtänzer Fortsetzung von Heft 1/2005

stammlichen Zugehörigkeit voneinander unterschieden und bisher nur schwache oder überhaupt keine Verbindung miteinander unterhielten. Nach der Volkszählung von 1921 fielen von den insgesamt 513.472 Deutschen des gesamten Staatsgebietes auf diese 4 Hauptgruppen: die ehemals südungarischen Deutschen des Banats, der Batschka und der Baranja mit 328.173, die Deutschen in Slawonien und Syrmien mit 122.836 Personen, die Deutschen in Slowenien mit 39.631 und die Deutschen in Bosnien mit 16.461 Personen. Der Rest verteilte sich auf andere Regionen und die Stadt Belgrad. Hinsichtlich des endgültigen Grenzverlaufes des neuen Staates bestanden noch ernste Differenzen, namentlich im Banat, da dieses Gebiet zur Gänze sowohl von Rumänien wie auch vom SHS Staat beansprucht wurde. Der Gegensatz zwischen Rumänien und dem neuen südslawischen Staat war entstanden, weil die Alliierten noch während des Krieges beiden Völkern sich widersprechende Gebietszusagen gemacht hatten. Der Konflikt drohte sogar zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zu führen, so dass sich die Alliierten auf der Friedenskonferenz in Paris entschlossen, das Banat zu teilen. Die politischen Interessen der deutschen Bevölkerung Südungarns wurden vom Schwäbischen Nationalrat wahrgenommen und von einer großen schwäbischen Volksversammlung in Temeswar vertreten, die das „Schwäbische Manifest“ erließ, die Untrennbarkeit der deutschen Siedlungsgebiete des Banats und der Batschka proklamierte, eine Volksabstimmung über das Schicksal ihrer Siedlungsgebiete forderte und im August 1919 auch eine Abordnung zu den Friedensverhandlungen nach Paris entsandte, um diese Forderungen dort zu vertreten. Der oberste Rat der Pariser Friedenskonferenz aber entschied sich auf Grund des serbisch-rumänischen Gegensatzes zu einer Teilung des Banats. Dennoch war das Erscheinen einer schwäbischen Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz von Bedeutung, wurde doch vor der Weltöffentlichkeit demonstriert, das eine Volksgruppe der Donauschwaben existiert, diese einen eigenen nationalen und politischen Willen vertreten und die Anwendung des Völkerrechtes auch für sich fordern.

Wir blenden also zurück in das Jahr 1918. Nach der Niederlage Österreich-Ungarns rückten serbische und französische Truppen in die Siedlungsgebiete der Donauschwaben im Banat, der Batschka und in Syrmien-Slawonien ein, ohne dass es bis auf wenige Ausnahmen zu ernsten Zwischenfällen kam. Diese Gebiete gehörten aber bis zum Abschluss des Friedensvertrages in St. Germain völkerrechtlich noch zu Ungarn. Die deutsche Bevölkerung stand vollkommen unvorbereitet vor einer neuen Lage. Die Uneinheitlichkeit ihrer stammlichen Herkunft aus verschiedenen Gebieten des alten Reiches so wie die kulturellen, sozioökonomischen Bedingungen hatten es ihnen bisher verwehrt, ein gefestigtes Gruppenbewusstsein auszubilden, wie auch das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Kulturgemeinschaft des gesamtdeutschen Volkes nur sehr schwach ausgeprägt war. Die Batschka, Syrmien und Slawonien so wie große Teile des Banats standen nach 1918 zunächst unter dem Okkupationsregime, das sich auf serbische und französische Besatzungstruppen stützte. Den neuen Machtverhältnissen ausgeliefert und sich selbst überlassen konnten sie weder mit dem Verständnis noch der Hilfe der Machtfaktoren auf internationaler Ebene rechnen. Ihre Stammländer aber, Österreich und Deutschland waren Kriegsverlierer und hatten kein Mitspracherecht auf internationaler Ebene. Kein Wunder, dass sich in ihren Reihen zunächst ein Gefühl der Niedergeschlagenheit und der Ratlosigkeit ausbreitete. Sie hätten es vorgezogen, auch weiterhin zusammen und ungetrennt in einem gemeinsamen Staat zu leben, doch sollte sich die Hoffnung, dass der Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, wie es vom amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson vertreten wurde, auch für sie Gültigkeit haben würde, als vergeblich erweisen. In den Verband des Königreiches SHS, des später als Jugoslawien bezeichneten Staates, gelangten 1918 vier Bevölkerungsgruppen deutscher Muttersprache aus verschiedenen Teilen der ehemaligen Österr.-Ung. Monarchie, die sich nach Herkunft, dem Zeitpunkt und der Art ihrer Einwanderung, ihrer soziologischen Struktur und in gewissem Ausmaß auch der

Fortsetzung folgt 19


Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Michael Wenzel Kern † Michael Wenzel Kern verstarb am 3. Februar 2006 nach geduldig ertragenem Leiden. Geboren wurde er mit seinem Zwillingsbruder Sepp am 20. April 1931 in Lazarfeld. Nach der Volksschule ging er nach Betschkerek in die Hauptschule. Die schreckliche und menschenunwürdige Vertreibung brachte ihn ins Lager Neusatz, danach kam er in den Glogonjer Ried als Traktorist, wo er auch seine spätere Gattin Eva kennen lernte. Kurz nach der Verehelichung am 13. Oktober 1951 durfte er nach Österreich ausreisen, nicht jedoch seine Gattin Eva, die ein Kind erwartete. Am 1. März 1952 wurde Sohn Wenzel geboren und am 3. August 1953 durften dann endlich auch Mutter und Kind zu Gatte und Vater nach Österreich. 1954 trat er in die Firma Rechberger ein, bei der er bis zu seiner Pensionierung 1991 beschäftigt war. Anfangs als Lagerarbeiter, dann als erfolgreicher Handelsreisender. 1959 bzw.1967 bezog die Familie ihr Eigenheim in Doppl. Fürsorge, Pflichtbewusstsein und Ehrgeiz prägten sein privates und berufliches Leben. Er war auch aktiv in unserer Landsmannschaft und im örtlichen Siedlerverein tätig. Um ihn trauern die Gattin Eva, Sohn Wenzel, Enkelin, Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen und Bekannte.

Adam Maurer † Adam Maurer wurde am 8. August 1914 in Lacarak, Mitrovica, geboren. Herr Maurer war langjähriges Mitglied der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich. Er verstarb am 30. Jänner 2006 nach kurzer, aber schwerer Krankheit im 92. Lebensjahr in Wels. Um ihn trauern seine Verwandten und seine Freunde.

Nikolaus Guldner † Nikolaus Guldner wurde am 16. August 1942 in Rudolfsgnad, Banat, geboren. Er verstarb am 28. Jänner 2006 im 64. Lebensjahr. Um ihn trauern seine Angehörigen und seine Freunde.

Josef Huber † Josef Huber, geboren am 9. Februar 1912 in Stefansfeld ist am 27. Dezember 2005 im 94. Lebensjahr verstorben. Er wurde am 4. Jänner 2006 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem katholischen Friedhof in Traun beigesetzt. Eine Abordnung der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich mit der Vereinsfahne erwies ihrem langjährigen Weggefährten die letzte Ehre. Josef Huber, der am 8. Dezember 1950 aus der Gefangenschaft (Kupferbergwerk Bor) nach Österreich kam, trat schon 1954 der Landsmannschaft bei, wo er in verschiedenen Funktionen tätig war. Auch in den letzten Jahren war er immer noch Mitglied des Landesausschusses und bis wenige Monate vor seinem Tode wohnte er noch regelmäßig dessen Ausschusssitzungen bei. Mit einer Trauerkundgebung gedachten die Mitglieder des Landesausschusses bei Beginn ihrer letzten Sitzung ihrem treuen Weggefährten. Die Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich wird ihren tüchtigen Funktionär in ehrender Erinnerung behalten. 20


S P O RT U N I O N E D E LW E I S S Die SPORTUNION EDELWEISS - LINZ – Sektion HANDBALL – ladet alle Handball-Freunde zu ihren Heimspielen im Aufstiegs-Play-Off 2005/06 ein. Alle Spiele werden in der HüttnerSchule Linz, Wieningerstraße 15 ausgetragen. HEIMSPIELTERMINE: Sa. 18. März 2006, 18:00 Sa. 25. März 2006, 16:15 Sa. 8. April 2006, 18:00 Sa. 22. April 2006, 17:15

Uhr Uhr Uhr Uhr

gegen gegen gegen gegen

HSG Graz Union Hollabrunn SC Ferlach WAT Fünfhaus

S O M M E R F E S T Sportunion Edelweiß Linz – Sektion Handball Samstag, 1. Juli 2006, am Nachmittag Edelweiß-Sportanlage, Linz, Flötzerweg 107a Handballspiele – Grillspezialitäten – köstliche Getränke Musik und Stimmung sorgen für gute Unterhaltung. Wir freuen uns auf Ihren Besuch. Besuchen Sie auch unsere Homepage: www.handball-edelweiss-linz.at

GEDENKSTÄTTE RUDOLFSGNAD Aufruf an alle Rudolfsgnader und an diejenigen, die Familienangehörige und/ oder Freunde in den Massengräbern in Rudolfsgnad/Knicanin liegen haben !

Das Jahr 2006 ist das Jahr der Jubiläen ! 140 Jahre Rudolfsgnad, angesiedelt am Ostermontag, dem 2. 4.1866. Rudolfsgnad war die jüngste rein deutsche Siedlung im Banat.

Vom 24. 5. bis 31. 5. 2006 organisiert der Redakteur des Donautal-Magazins, Herr Oswald Hartmann, eine Busreise nach Rudolfsgnad. Anmeldevordrucke können bei ihm – Tel.-Nr. (D) 07042 / 33 604 – oder bei uns – Tel.-Nr. 07021/ 55 569 –

60 Jahre Massengräber auf der Teletschka (seit 12. 2.1946).

bestellt werden. 5 Jahre Gedenkkapelle im Friedhof. Einweihung durch Herrn Erzdechant Jakob Pfeifer. Die Schirmherrschaft hatte seinerzeit der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel. Es war die erste Gedenkstätte in der Wojwodina.

Es wäre schön, wenn viele Reiseteilnehmer das in Rudolfsgnad Erreichte durch ihre Anwesenheit unterstützen. Eine angemessene 140- Jahrfeier wird auch stattfinden. Das wünschen sich, in Zusammenarbeit mit uns Donauschwaben, die Gemeindeverwaltung Groß-Betschkerek und die Ortsverwaltung von Rudolfsgnad.

Am Samstag, dem 27. 5. 2006, begehen wir an den Massengräbern, zusammen mit unserem Bruderverein USNPK Knicanin, die 9. Gedenkfeier für die 12.000 Toten.

Lorenz Baron / Michael Bittenbinder 21


Kulturseite STEFAN JÄGER, der Schwabenmaler (1877– 1962) Stefan Jäger wurde am 28. Mai 1877 in Tschene (heute rumänisches Banat) als Sohn des Barbiers und Feldschers Franz Jäger geboren. Nach Besuch der Volksschule in Tschene und der Bürgerschule in Temeswar kam er nach Szeged in ein Internat. Für viele Schwabenkinder war dies der Weg, um die ungarische Sprache zu erlernen. Sein Zeichenlehrer erkannte seine Begabung. Nach Abschluss der Mittelschule konnte er vier Jahre lang die Modellzeichenschule und Zeichenlehrer-Bildungsanstalt in Budapest besuchen. Trotz Freistudium als Mittelloser war er genötigt, drei Jahre Erziehungsdienste bei der gräflichen Familie Szechy zu versehen. Nach Abschluss seines Studiums unternahm Jäger Studienreisen durch Österreich, Deutschland und Italien. In seiner engeren Heimat konnte sich der junge Kunstmaler keine Existenz gründen. Er arbeitete in Budapest für einen Kunsthändler und fertigte auf Bestellung meist Heiligenbilder, Stillleben und Landschaftsbilder an. Nach und nach kamen auch Aufträge aus der Heimat. Der erste große Auftrag aus der Heimat kam aus der Gemeinde Gertianosch 1906. Das Bild sollte die Einwanderung der Deutschen in den Südosten darstellen. Die erste Version wurde abgelehnt, da nicht die Trachten der Ansiedlungszeit dargestellt wurde. Durch eine Sammlung wurde es Jäger ermöglicht, eine Studienreise nach Deutschland zum Studium der Trachten zu unternehmen. Das fertige Bild wurde 1910 anlässlich der Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung in Gertianosch feierlich enthüllt. Das Tryptichon mit den Teilen Wanderung, Rast und Ankunft misst 1450 x 5100 cm und ist heute in der Halle des Adam Müller-Guttenbrunn Hauses in Temeswar ausgestellt. Ein Druck dieses Bildes ziert auch heute noch viele donauschwäbische Wohnungen und Häuser. 1910 ließ sich Jäger in Hatzfeld nieder, wo er bis ans Lebensende als Maler tätig war. Zusammen mit seinem Freund Eduard Bös, einem Biologie-Professor, unternahm er ausgedehnte Wanderungen. Während sein Freund

seine Aufmerksamkeit vor allem den Pflanzen widmete, skizzierte Jäger die Landschaft und die Menschen bei der Arbeit. Seine Bleistiftzeichnungen und flüchtigen Aquarelle halten alles fest, was sich auf Feld und Flur tut. Aber auch was sich im Dorf, in Haus und Hof abspielt, wurde in unzähligen Bildern und Skizzen dargestellt. Zu festlichen Anlässen fuhr man in andere Gemeinden. Aus vielen Orten im Banat und aus der Batschka gibt es Skizzen von Trachten für Alt und Jung, von Bräuchen und Festen, von Möbelstücken, Häusern und Wegkreuzen. Auch die Geschichte der Donauschwaben fand ihren Niederschlag im Werk von Jäger. Neben dem Einwanderungsbild gibt es eine Reihe von Studien zu diesem Bild, Landschaftsdarstellungen aus der Einwanderungszeit, die Flucht 1944, Die Verschleppung nach Russland 1945, den Einzug der Kolonisten. Ein bestelltes Tryptichon zum Schicksal der Donauschwaben konnte nicht mehr vollendet werden. Jäger war arm, seine Gönner und Kunden wurden ebenfalls arm und enteignet. Seine Bilder gab er oft für eine Mahlzeit her. Sie wurden auch für geringes Geld in einzelnen Geschäften verkauft. Zu seinem 80. Geburtstag wurde Jäger der Arbeitsorden 2. Klasse verliehen, der mit einer kleinen Rente verbunden war. In seinem Lebenslauf sagte Jäger: „Meine malerische Tätigkeit war hauptsächlich darauf gerichtet, meinen Landsleuten gewissenhaft ausgeführte Bilder in leicht verständlicher Form mit Motiven aus dem Banater Volksleben und der Heidelandschaft zugänglich zu machen.“ Das ist ihm sicher gelungen, aber darüber hinaus hat er uns mit seinen Bildern und Skizzen mit Darstellungen aus allen Lebensbereichen unseres Volkes, des Dorfes, der Landschaft, der Tracht, der Arbeit, der Feste und der Bräuche eine Volkskunde in Bildern hinterlassen. Das Lebenswerk von Stefan Jäger, dem Schwabenmaler, wird ein „Denkmal“ sein für die Leistungen der Donauschwaben im Südosten, auch wenn keine mehr dort leben. 22


Die Geschichte der Donauschwaben wurde von Stefan Jäger in mehreren Bildern festgehalten. Das erste und wichtigste dieser Bilder ist das Tryptichon über „Die Einwanderung der Deutschen nach Ungarn“ nach der Befreiung von den Türken durch Prinz Eugen. Über 70 Personen in der Tracht ihrer Herkunftsorte sind dargestellt. Während die ersten beiden Teile Wanderung und Rast zeigen, sieht man im dritten eine Gruppe von Männern, denen von einem Regierungsbeamten halbfertige Häuser übergeben werden. Zum Thema Einwanderung gibt es viele Skizzen und Varianten in verschiedener Ausführung.

Der „Einzug der Kolonisten“ stellt die Ankunft von Menschen in fremden Trachten dar, die mit Ochsenwagen kommen und die enteigneten Häuser besetzen sollen. Daheimgebliebene stehen an der Ecke und schauen zu.

„Die Flucht 1944“ vor der herannahenden Front zeigt eine schwäbische Familie unterwegs mit dem Pferdewagen, die durch einen Radbruch aufgehalten wird. Sie wird von einem Trupp russischer Soldaten überholt.

„Die Verschleppung nach Russland“ im Jänner 1945. An einem kalten Wintermorgen wird eine Gruppe erwachsener Männer und Frauen von Bewaffneten eskortiert aus dem Dorf gebracht. Im Hintergrund stehen zurückgelassene Alte und Kinder. ➞

„Des Schwaben Kulturarbeit“ ist ein Aquarell-Tryptichon. Es beginnt mit einer Sumpflandschaft, zeigt dann wie Vater und Sohn die erste Furche ziehen und im dritten Teil das Ergebnis ihrer Arbeit: reife Getreidefelder und ein Dorf.

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B Ü C H E R · BÜCHER · B Ü C H E R · BÜCHER • Die „Deutsche Gedenkstätte – Kikinda“ Die neue Dokumentation in fünf Sprachen ist druckfrisch zu beziehen ! Anfang März 2006 wurde die Dokumentation „DEUTSCHE GEDENKSTÄTTE – KIKINDA“ fertiggestellt. Dieses Werk – in deutscher, englischer, französischer, serbischer und ungarischer Sprache verfasst – fand im „Donauschwäbischen Archiv“, München als 127. Band in der Reihe III „Beiträge zur donauschwäbischen Volks- und Heimatforschung“ Aufnahme. Bezug und Auslieferung der Dokumentation: Ich bitte, die Dokumentation ausschließlich bei mir zu bestellen, da ich zur Entlastung der „Donauschwäbischen Kulturstiftung, München“ zusagte, den Vertrieb/Versand direkt abzuwickeln. Die Bestelladresse: Dr. Peter Binzberger Schienerbergweg 20/1 D-88048 Friedrichshafen Fon: (0)7541/ 41 368 Fax (0)7541/ 404 586 E-Mail: peter.binzberger@t-online.de Den Versand erledige ich postwendend ! Die Dokumentation kostet 19,50 Euro zuzüglich der Versandkosten (Porti + Verpackung). Ein Lieferschein/Rechnung mit den Bankdaten liegt jeder Sendung bei. Der erzielte Verkaufserlös wird ausschließlich verwendet zur Abdeckung der Übergabe- bzw. Versandkosten der Doku-Exemplare an die Medien, die Vojvodinaer Behörden/Archiven, die donauschwäbischen Vereinigungen sowie an die wissenschaftlich-historischen ForschungsInstitutionen in- und außerhalb Europas.

Soweit der Bezug über eine Buchhandlung mittels der ISBN 3-926276-66-5 vorgezogen wird, erreicht mich die Bestellung über die „Donauschwäbische Kulturstiftung, München“ zur Ausführung. Diese Möglichkeit ist umständlicher und die äußerst geringe Erlösspanne versickert auf dem Vertriebsweg !

• Batschkaer Ahnenspiegel Vermögensform – Arbeitsweise – Lebensart, Anhang: 200 Ahnenberufe mit Arbeitsmerkmalen; Verlag für Hochschulausbildung „Juhasz Gyula“ Szeged; 427 Seiten – für Unterrichtszwecke kostenlos erhältlich. Porto und Verpackung 10,– Euro. Bestelladresse und Buchinhalt mit Bildern ersichtlich unter: www.deutschforum.szeged.hu

SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Landesobmann Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer Maria-Theresia-Str. 33, A-4600 Wels, Tel. 0 72 42 / 452 78 Privat: Tel. 0 72 43 / 509 31, E-Mail: a.ellmer@aon.at Sparkasse OÖ. Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 39

Aprill, Mai, Juni 2006

Nr. 2

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

ENTSCHÄDIGUNG: Bis heute keine Reaktion aus Belgrad von Landesobmann Anton Ellmer

„Treibt Serbien ein schmutziges Spiel mit uns ?“ Wir wollen es nicht unterstellen und auch nicht annehmen, obwohl das gegenständliche Gesetz praktisch unüberwindliche Schikanen beinhaltet, die man so nur bewusst und gezielt einbauen kann. Vielmehr wollen wir derzeit noch davon ausgehen, dass die Regierung in Belgrad sich ernsthaft bemüht, Restitution beziehungsweise Entschädigung an die Enteigneten zu leisten. Es erhebt sich aber schon die Frage, warum die serbische Regierung nicht mit den Vertretern unserer Landsleute kooperiert. Das Gesetz wurde nicht nur völlig überraschend, sondern auch ohne jede vorherige Kontaktnahme mit der Vertretung der Betroffenen verabschiedet und obwohl die Anmeldefrist 30. 6. 2006 vor der Tür steht, gibt es aus Belgrad überhaupt keine Reaktionen auf „Einreichungen“ – man kann sie auch „Protest“ nennen – von Vertreterorganisationen (zumindest bis heute, dem 15. 6. 2006 ist das der Fall), so als ob es sich um eine belanglose Angelegenheit und nicht um rechtlos enteignetes Vermögen einer ganzen Volksgruppe handeln würde. Wir warten gespannt, wie sich die serbische Regierung nach Sichtung der Anmeldungen verhält und ob es nun zu dem mehrfach angekündigten Restitutions- bzw. Entschädigungsgesetz kommt. Oder ob vielleicht doch noch einmal (oder sogar öfter) eine Anmeldung ermöglicht wird – ähnlich wie in Rumänien.

Fortsetzung nächste Seite


Fortsetzung – Titelseite:

Wunsche des Großteils unserer Landsleute in aller Welt Rechnung getragen wird, haben wir ein unserer Auffassung nach ganz wesentliches Ziel erreicht: nämlich ein überregional koordiniertes Vorgehen der Landsmannschaften, das in einem schriftlichen „Einspruch“ gegen dieses Gesetz vom höchsten autorisierten Vertreterverband der Donauschwaben seinen Ausdruck findet. Damit hat unsere Landsmannschaft ihre Hausaufgaben insofern gemacht, denn darüberhinaus waren unsere diesbezüglichen Aktivitäten: • Nach gründlichem Studium des Gesetzestextes haben wir schon in unserem September-Mitteilungsblatt 2005 auf die zahlreichen Ungereimtheiten und die eingebauten Schikanen verwiesen. • Wir haben diese Problematik Bundeskanzler Dr. Schüssel schriftlich und persönlich vorgetragen und ihn um Unterstützung gebeten. • Wir haben dem serbischen Regierungschef Dr. Kostunica die Unzulänglichkeiten und Zumutungen aufgezeigt und um eine Novellierung des Gesetzes gebeten; auch die zuständige Direktion in Belgrad haben wir mit gleichlautendem Schreiben in Kenntnis gesetzt. • Nachdem der Vertriebenensprecher der ÖVP, Ing. Kapeller, in einer Aussendung vom 31.1. 2005 im Zusammenhang mit den „Klimt-Bildern“ feststellte, „…Österreich ist die moralische Instanz und hat die Berechtigung als Schutzmacht für heimatvertriebene Altösterreicher zu fungieren…“ haben wir ihn von unseren Schreiben an die Regierungschefs von Österreich und Serbien und deren „Nichtreaktion“ in Kenntnis gesetzt und um seine Unterstützung gebeten. • Darüberhinaus betätigen wir uns seit Monaten als (echte!) Servicestelle für unsere Landsleute durch Beratung, Übersetzung und Hilfe beim Ausfüllen der Anmeldeformulare, etc.

Bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Weltdachverbandes Jerger und dessen Stellvertreter und Bundesvorsitzenden der Landsmannschaften in Deutschland, Supritz, haben wir vereinbart, dass auch der Weltdachverband der Donauschwaben ein Schreiben an die serbische Regierung richten wird, um auf die in dem Gesetz enthaltenen unüberbrückbaren Hürden hinzuweisen und um einen VorspracheTermin einzukommen. Der am Nachmittag zu diesem Treffen gestoßene Bundesobmann der Donauschwaben in Österreich, Reimann, hat dem von Supritz vorgetragenen Vorschlag erfreulicherweise ebenfalls zugestimmt. Unter Hinweis auf den ersten Besuch bei der serbischen Regierung am 18. Juni 2001 in Belgrad schlug Reimann überdies vor, dass der ins Auge gefassten Delegation neben dem Präsidenten des Weltdachverbandes und den Vorsitzenden der deutschen und österreichischen Landsmannschaften auch jene von Kanada und den USA und evtl. auch jener aus Serbien, angehören sollten, weil dadurch eine geschlossene Demonstration unserer Vertretung bekundet werden könnte. Dieses massive Auftreten donauschwäbischer Spitzenfunktionäre in Belgrad wäre zweifelsohne auch öffentlichkeitswirksam und würde sicherlich eine beachtliche Aufmerksamkeit erwecken. In Anlehnung an das Schreiben unserer Landesleitung an den serbischen Regierungschef Dr. Kostunica, hat daher Anfang Mai auch der Weltdachverband der Donauschwaben seine Änderungswünsche und seine Bedenken gegen dieses Gesetz der Regierung in Belgrad gegenüber schriftlich vorgetragen. Mit diesem („Protest“-)Schreiben des Weltdachverbandes mit Zustimmung des Vorsitzenden der DAG, Reimann, mit dem sicherlich dem

Das Ende der Anmeldefrist, der 30. Juni 2006, steht vor der Tür. Wir werden jetzt zunächst auf die weitere Entwicklung warten. So von Belgrad nicht noch überraschenderweise positive Schritte gesetzt werden, müssen wir in unserer September-Ausgabe 2006 die diesbezüglichen Aktivitäten der von uns angesprochenen bzw. zuständigen offiziellen österreichischen Instanzen genauer beleuchten und unseren Landsleuten zur Kenntnis bringen, dass unsere Volks2


gruppe trotz größten Bemühungen unsererseits und trotz Unterstützung durch unseren Herrn Landeshauptmann von der Regierung aber schon vollkommen im Stich gelassen wurden.

Durch die damaligen Ankündigungen, dass die österreichische Bundesregierung zur gegebenen Zeit (jetzt ist sie da, diese Zeit !) unsere Interessen vertreten wird, wurden bei unseren Landsleuten große Hoffnungen geweckt, die teilweise heute noch vorhanden sind.

Wir werden daran erinnern, was im Zusammenhang mit der zwischen dem 1. Juni 1992 und 31. Dezember 1993 durchgeführten „Erfassungsaktion über die durch die Vertreibung erlittenen Liegenschaftsverluste“ unseren (gutgläubigen) Landsleuten alles gesagt wurde. So hat z.B. der damalige Außenminister Dr. Mock in seinem Schreiben vom 24. Oktober 1994 an meinem Vor-Vorgänger Landesobmann Tiefenbach, u.a. versichert: „…damit das Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten bei allfälligen Verhandlungen mit den betreffenden Staaten über konkrete Unterlagen verfügt. Ich kann Ihnen versichern, dass, wenn die politische Konstellation dafür reif ist und eine Erfolgsaussicht besteht, wir gerne darauf zurückgreifen werden. Wann dies sein wird, kann derzeit nicht beurteilt werden.…“, aber jetzt, wo Serbien von sich aus dieses Gesetz erlassen hat und dringender Handlungsbedarf österreichischerseits besteht, scheint der Regierung dieses Thema eher lästig, wenn nicht gar unangenehm zu sein, dabei sind wir Donauschwaben doch schon für die kleinste Beachtung so unendlich dankbar.

Nun wird nachzufragen sein, ob die Bundesregierung unsere Interessen vertreten hat – die Reaktionen auf die Eingaben unserer Landsmannschaft – siehe oben – waren jedenfalls vollkommen unbefriedigend bis gleich Null. Um unsere (getäuschten? bzw. enttäuschten) Landsleute wahrheitsgemäß zu informieren, müssen wir in unserem nächsten Mitteilungsblatt auf diese Punkte ausführlich zurückkommen.

Kroatien Aufgrund der verfahrenen Situation in Kroatien hat sich die DAG in einer Aussendung (siehe nachstehenden Auszug), an unsere Regierung gewandt, der man nichts hinzufügen muss. Wir freuen uns sehr darüber, denn OHNE Einschaltung der österreichischen Regierung wird weder in Kroatien noch in Serbien etwas weiter gehen.

„Österreich muss auf Verhandlungen mit Kroatien drängen“

Oder wie hieß es doch im VLÖ – „A U F R U F an alle ehemaligen volksdeutschen Heimatvertriebenen in Österreich“, zum Zwecke der Vermögenserhebungen: „Sie soll eine Grundlage bieten für unsere Bitte an die österreichische Bundesregierung, bei den vorgesehenen zwischenstaatlichen Verhandlungen mit unseren ehemaligen Heimatländern auch die Interessen der aus diesen Ländern stammenden österreichischen Staatsbürger zu vertreten und eine entsprechende Wiedergutmachung ihrer erlittenen Vertreibungsverluste zu betreiben“.

Österreichische Regierung soll italienischem Junktim-Beispiel folgen Die italienische Regierung droht Kroatien mit Problemen bei den EU-Beitrittsverhandlungen, sollten italienische Staatsbürger weiterhin… Die Donauschwäbische Arbeitsgemeinschaft (DAG) in Österreich fordert die österreichische Regierung auf, ebenfalls die Frage der EUBeitrittsverhandlungen mit Kroatien von der Ratifizierung des bilateralen Vermögensvertrages im kroatischen Parlament abhängig zu machen…

Auch der Hinweis aus dem Rundschreiben des VLÖ an die Herren Landeshauptmänner: „Österreich benötigt die Informationen über die Vermögensverluste, um im Falle von Einzelverhandlungen mit den Vertreiberländern die Interessen der Vertriebenen, die nunmehr österreichische Staatsbürger sind, erfolgreich vertreten zu können“, lässt den Schluss zu, dass die Einschaltung der Regierung eine fixe Vereinbarung sei.

Die DAG spricht sich dafür aus, dass Österreich die Ratifizierung des Vermögensabkommens mit den kroatischen EU-Beitrittsverhandlungen junktimiert, sollte Kroatien sich nicht an die bereits getroffenen Vereinbarungen halten. Immerhin werden durch das Verhalten von Mesic österreichische Staatsbürger diskriminiert. 3


M AT U R AT R E F F E N i n E F E R D I N G von Richard Deckert Bei Kriegsende mussten fast alle Volksdeutsche aus den Ländern Ost- und Südosteuropas flüchten bzw. wurden von dort vertrieben. Die Situation für die heimatvertriebenen Studierenden war nach 1945 katastrophal. Als Heimatvertriebene waren sie „Ausländer“ und mussten daher an Mittel- und Fachschulen Studiengebühren entrichten. Meistens war aber eine Aufnahme gar nicht möglich.

Oberthür eine Bronzebüste auf einem Steinsockel mit einer Inschrift im Pausenhof der Hauptschule Nord, Zugang von der Welserstraße, enthüllt. Diese Büste ist seit damals Treffpunkt und Ort des feierlichen Abschlusses der mittlerweile jährlichen Maturatreffen, die meistens eine Woche nach Pfingsten stattfinden. Die Treffen beginnen Freitags ab 17 Uhr im Gasthaus Kreuzmayr in Eferding. Am Samstag wird ein gemeinsamer Ausflug zu markanten Sehenswürdigkeiten in und um Oberösterreich durchgeführt. Am Sonntag stehen ein Gottesdienst und eine Kranzniederlegung mit einer Gedenkansprache beim Denkmal von Professor Johann Oberthür auf dem Programm, ein Höhepunkt unseres Treffens. Bei allen bisherigen Treffen, es waren immerhin schon 17, waren jeweils mindestens 50 ehemalige Schüler und dazu auch viele Familienangehörige anwesend. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass die ehemaligen Schüler aus allen Erdteilen den Weg nach Eferding finden. Es kommen regelmäßig Schüler aus den USA, Kanada, Brasilien, der Schweiz, Deutschland und natürlich aus ganz Österreich. Auch heuer waren wieder zwischen 35 und 40 Ehemalige – alle schon im fortgeschrittenen Alter und im wohlverdienten Ruhestand – in Eferding zusammen gekommen. Viele schöne Erinnerungen wurden in herzlicher Freundschaft ausgetauscht und alle freuen sich schon auf das nächste Maturatreffen vom 1. – 3. Juni 2007 in Eferding.

Der in Betschkerek geborene Mittelschulprofessor Oberstudienrat Professor Johann Oberthür, selbst ein Heimatvertriebener, war ein ausgezeichneter Lehrer und überragender Organisator. Es gelang ihm, durch Ausdauer und Zähigkeit sowohl von den amerikanischen Besatzungsbehörden als auch von den österreichischen Schulbehörden die Genehmigung für die Gründung eines Gymnasiums und einer Lehrerbildungsanstalt in Eferding zu erlangen. Bis zum Jahr 1949 legten insgesamt 446 Gymnasiasten und 205 Absolventen der Lehrerbildungsanstalt die Reifeprüfung ab. Sie hatte ihre Aufgabe, die heimatlosen volksdeutschen Gymnasiasten zur Matura zu führen, erfüllt. Seit 1952 finden zur Erinnerung an die Eferdinger Schulzeit Maturatreffen in Eferding statt – zuerst in unregelmäßigen Abständen. Beim Maturatreffen 1978 wurde nach erfolgreichen Vorgesprächen zur Realisierung eines Denkmals für unseren verstorbenen Direktor Oberthür im Jahr 1980 ein Verein gegründet. Der „Verein ehemaliger Schüler des Oberrealgymnasiums und der Lehrerbildungsanstalt für heimatlose Volksdeutsche in Eferding“ traf mit der Gemeinde Eferding eine Vereinbarung zur Errichtung eines Denkmals. Damit konnte der sehnlichste Wunsch der ehemaligen Schüler in die Tat umgesetzt werden.

Die Eferdinger Schule war eine einmalige Gemeinschaft von einem leidenschaftlichen, menschlichen Direktor, gebildeten und hoch motivierten Lehrkräften und fleißigen und dankbaren Schülern. Die „Eferdinger“ sind bis heute eine feste, eherne Gemeinschaft.

Anlässlich des 5. Maturatreffens am 22. 5.1983 wurde zum Gedenken an Oberstudienrat Professor Johann 4


„Donauschwäbische Geschichte“ in vier Bänden – Ein „Werkstattbericht“ anlässlich der Präsentation des I. Bandes: „Das Jahrhundert der Ansiedlung 1696 –1805“ von Dr. Georg Wildmann Es gibt ein uraltes lateinisches Dictum: „Habent sua fata libelli.“ – „Sie haben ihre Schicksale, die Bücher“. Die Bücher als solche haben ein leichtes Schicksal: Sie werden geschrieben oder nicht. Welche geistesgeschichtliche Wirkung sie ausüben werden, ahnen sie nicht. Die schwere Seite des Bücherschicksals tragen die Autoren und Herausgeber. Sie wollen ein gutes Buch und wollen, dass von ihm eine Wirkungsgeschichte ausgeht. Vom nicht leichten Schicksal unseres Gesamtprojekts Donauschwäbische Geschichtsreihe möchte ich Sie zunächst informieren. Als Josef Volkmar Senz die Donauschwäbische Kulturstiftung 1978 ins Leben rief, war sein Hauptmotiv, die Ausarbeitung einer wissenschaftlich fundierten mehrbändigen Geschichte der Donauschwaben zu ermöglichen.

formt das historische Gedächtnis der Gruppe, es reicht aber für die wissenschaftliche Ebene nicht aus. Eine Gruppe, die etwas auf sich hält, sollte auch auf wissenschaftlicher Ebene präsent sein. Also sollte auch seine Geschichte in den Großbibliotheken und wissenschaftlichen Instituten zu finden sein. Jedes Volk hält seine Vergangenheit fest. Sie ist Teil seiner Identität. „Eure Geschichte gehört zur deutschen Geschichte“, hat mir mein Studienkollege Dr. Anton Schlembach, Bischof von Speyer, einmal gesagt. Wenn wir sagen, wir brauchen keine Geschichte, die thematisch darstellt, dass wir uns in der Donaumonarchie zu einem neuen deutschen Stamm entwickelt haben, dann wäre das der späte Triumph des Friedensdiktats von Trianon: Sie haben uns 1918 geteilt, und wir vollziehen diese Teilung auf wissenschaftlicher Ebene. Auf organisatorischer Ebene sind wir heute ohnehin in drei oder mehr Landsmannschaften geteilt, Trianon wurde also zu unserem chronischen Leiden. Selbst die Kennzeichnung „Donauschwaben“ wird nicht vorbehaltlos akzeptiert. Nur beim „Donauschwäbischen Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg“ wollen alle gleichermaßen Donauschwaben sein. Eine donauschwäbische Gesamtgeschichte ist auch aus einem pragmatischen Grund notwendig: Niemand schreibt sie, wenn nicht wir, die Aktiven der Erlebnisgeneration. Auch das Institut für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde hat, soweit ich sehen kann, bislang das Projekt: Donauschwäbische Geschichte nicht in seinem Programm. Im Besonderen die Geschichte der Donauschwaben aus Jugoslawien wird fast nirgends als gruppenspezifische Aufgabe gesehen und erforscht. Es ist – wie Schulbeispiele zeigen – offenbar auch sehr schwer, selbst nach 15-jähriger Präsenz unserer Publikationen, zu erreichen, dass Grundfakten der Geschichte der Donauschwaben Jugoslawiens von Fachkreisen und Schulbuchautoren zur Kenntnis genommen werden. Es gab schließlich auch eine ideologisch oder chauvinistisch verformte Geschichtsschrei-

Es sollte eine wissenschaftlich kritische Ausgabe mit genauen Quellenangaben werden. Es sollte eine drei oder vierbändige Zusammenschau der Geschichte jener Deutschen werden, die man unter dem Oberbegriff „Donauschwaben“ zusammenfassen kann, also der „Schwowe“ aus Ungarn, Jugoslawien und Rumänien. Es sollte ein Werk werden, wo man die wichtigsten Ereignisse nachlesen und die zentralen Fakten nachschlagen kann. Es sollte aufbauen auf den bisherigen Veröffentlichungen, da Senz ein Archivstudium breiten Ausmaßes angesichts unserer personellen und finanziellen Möglichkeiten als Donauschwaben ohnehin für unrealistisch ansah. Man könnte fragen: Ist eine solche mehrbändige Geschichte überhaupt notwendig? Wir haben die „Geschichte der Donauschwaben“ von J. V. Senz selbst, und zwar in mehrfacher Auflage. Dennoch erscheint eine wissenschaftlich fundierte notwendig, weil das Buch von Senz, wie er selbst angibt, eine volkstümliche Darstellung bildet. Eine solche ebnet manches, was sehr komplex ist, ein; es verkürzt notwendig vieles und macht wenig Quellenangaben. Ein solches Buch liest sich gut, hat Breitenwirkung und setzt Akzente und 5


bung gegen uns – und gibt sie immer noch. Da sollten wir uns zur Wehr setzen und unsere Geschichte – nüchtern, objektiv und ohne Behübschung – selbst schreiben.

Ich selbst bin J.V. Senz, meinem Volksschullehrer, im Wort und somit hauptverantwortlich für das Gelingen des Projekts. Oskar Feldtänzer, unser Landsmann aus India, merkte Anfangs des neuen Jahrtausends meine latente Verzweiflung angesichts des völlig fehlenden Bandes über die Ansiedlungszeit und fasste – als Achtzigjähriger – den heroischen Entschluss, in die Bresche zu springen. Das vorliegende Buch war im September 2004 im Manuskript fertig, der Universitas-Verlag kündigte es an, fand aber für die Fortsetzung der Donauschwäbischen Geschichte offenbar zu wenig Markt im deutschsprachigen Raum und legte uns – dem Aktivkreis der Kulturstiftung – das Manuskript zurück. Mehr als 1.500 Bücher von wissenschaftlicher Seriösität sind, was die Geschichte Ost-Mitteleuropas betrifft, im deutschsprachigen Raum offenbar nicht abzusetzen. So unterzog sich Hans Sonnleitner der Mühe, das Buch in unserem Verlag, dem Verlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung, München, herauszubringen. Wenn also Feldtänzer und Sonnleitner sich nicht voll eingesetzt hätten, wäre das Unternehmen wahrscheinlich ein Torso geblieben und somit gescheitert. Sie sehen: Bücher haben ihre Schicksale. Was wir brauchen, sind Käufer und Leser aus unseren Reihen. Wir brauchen auch den „donauschwäbischen Markt“. 20 Euro sind ein sehr günstiger Preis, zu beziehen bei der Landesleitung (siehe auch letzte Seite).

Zum gegenwärtigen Stand unserer Arbeit: Mit dem heute erscheinenden Buch liegt die Hälfte gedruckt vor, nämlich Band I: Das Jahrhundert der Ansiedlung (1689 –1805) und Band II: Wirtschaftliche Autarkie und politische Entfremdung (1806 –1918), der schon vor Jahren erschienen ist. In Arbeit sind Band III: Zwischenkriegszeit und Kriegszeit (1918 –1944) und Band IV: Vertreibung – Verfolgung – Überleben – Eingliederung (1944 – 2006).

Band I: Das Ansiedlungsjahrhundert Zunächst ein Wort zur Entstehungsgeschichte des heute zu präsentierenden Bandes. Dr. Ingomar Senz hatte seit seiner Studienzeit gute Verbindungen zu Universitätsprofessoren, die mit unserer Geschichte befasst waren. Mit Professor Friedrich Gottas einem Zeithistoriker der Universität Salzburg und Herrn Rudolf Fath hat er in den 90er Jahren den Band II rasch fertiggestellt. Wir konnten den Verlag Universitas gewinnen, der ihn herausgab und bundesweit vertrieb. Für den Band I hatte Dr. Senz einen Universitätsprofessor in Salzburg im Wort. Nach sechs-sieben Jahren legte dieser aber den Auftrag zurück, ohne auch nur ein Teilmanuskript verfasst zu haben. Wir selbst, der Aktivkreis der Kulturstiftung, waren von 1990 bis heute mit einem weiteren Projekt befasst, das alle Kräfte beanspruchte: Mit der Darstellung des Leidenswegs der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien. 1991 erschien der erste Band, schließlich waren es vier Bände zu je 1000 Seiten. Die 17 Jahre der Erfassung unseres Schicksals als Jugoslawiendeutsche beanspruchte alle Kraft. Mit der kürzeren und zusammenfassenden Darstellung unseres Schicksals unter den programmatischen Titel „Völkermord“ in deutscher, englischer und serbischer Sprache – Gesamtauflage rund 30.000 – ist uns dann ein – wenn auch bescheidener – Einbruch in das historische Bewusstsein der Gegenwart gelungen. Man spricht von AVNOJ-Beschluss und Genozid, und auf den Friedhöfen der Vernichtungslager stehen Mahnmale. Es war eine Erfolgsgeschichte. Unser volles Engagement verzögerte freilich die Arbeit an dem Projekt Gesamtgeschichte.

Eine kleine Würdigung des Buches Das vorliegende Buch, das das Jahrhundert der Ansiedlung – in etwa die Zeitspanne von 1689 bis 1805 – thematisch aufarbeitet, hat meines Erachtens sieben Vorzüge: Es bringt – erstens – bislang wenig bekanntes Archivmaterial ans Tageslicht, u.a. viel aus Ungarischen Staatsarchiv Budapest. Es wertet – zweitens – Arbeiten, wie etwa ungedruckte Dissertationen, aus, die vorwiegend nur auf akademischer Ebene bekannt waren, und gibt ihnen Öffentlichkeit. Es stellt – so meine ich – den professoralen Publikationen der Hochschulen, die gerne die epochalen Linien der Impopulation und ihre gesamteuropäische Bedeutung herausstellen, die detailreiche „Geschichte von unten“ gegenüber. Es wird die kleine oder große tägliche Mühsal der Einwanderer zu Zeiten der drei großen Ansiedlungsherrscher, Karl VI., Maria Theresia und Josef II., sichtbar. Die eigentliche Stärke des Buches liegt meines Erachtens aber darin, dass es zeigt, wie die Verantwortungsträger: 6


obere, mittlere und untere Regierungs- und Beamtenebene gearbeitet haben: die kaiserlichen Beamten, die Werbeemissäre, die Gouverneure und Militärs. Es zeigt sowohl ihre gediegene Arbeit als auch ihre oft weniger gloriose menschliche Seite: ihre große Korrektheit ihr Menschlich-Allzumenschliches. Die meisten von uns kennen ja die Kulissen unserer Geschichte, das Buch erlaubt einen Blick hinter die Kulissen, etwas plakativ gesprochen: in die Höhen und Tiefen des Managements der Ansiedlung. Das Buch hat – drittens – den Ehrgeiz, alle Siedlungsgebiete der Donauschwaben zu berücksichtigen, es fasst demnach Detailforschungen zusammen, ohne dabei Streitfragen auszuweichen. Es überschneidet sich wenig mit den Monographien donauschwäbischer Ortsgemeinschaften, macht daher „Heimatbücher“ nicht überflüssig. Es gliedert – viertens – den Text durch gezielte Zwischentitel. Da liest man sich leichter und findet man Gesuchtes schneller. Es hat – fünftens – gute Karten und einen gezielt angeordneten, teils ganz hübschen Farbteil. Das Auge kann auch ausruhen. Es hat – sechstens – einen sorgfältig gearbeitetes Namens- und Ortsregister. Man tut sich also leichter, wenn man etwas gezielt sucht. Und es ist – siebtens – so glaube ich, gut lesbar. Feldtänzer füllt mit seiner fundierten Arbeit eine Lücke in der deutschsprachigen und unserer donauschwäbischen Geschichtsschreibung.

Hier ist eine differenzierte Antwort gefragt auf die, die immer wieder uns gegenüber auftauchenden Vorwürfe: 1. Ihr habt im Aprilkrieg 1941 gegen Jugoslawien als „Fünfte Kolonne“ gewirkt. 2. Ihr wart in das NS-System involviert. 3. Ihr seid mitverantwortlich. Ich zitiere eine neueste Publikation: „Obwohl die Volksdeutschen letztlich keine direkte Entscheidungsgewalt inne hatten, spielten ihre politischen Vertreter auf der mittleren und unteren Verwaltungsebene bei der Umsetzung der deutschen Kriegsziele eine nicht unbedeutende Rolle. Diese Mitverantwortung wird man den volksdeutschen Eliten auch im Zusammenhang mit der Verbreitung des völkisch geprägten Antisemitismus, der Arisierung jüdischen Vermögens und der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gegen die jüdische und slawische Bevölkerung Ostmittel- und Südosteuropas zuteilen müssen.“ So im Lehrer-Begleitheft zum Unterrichtsbehelf für Schüler unter dem Titel „Geschichte der deutschen Volksgruppen in Südosteuropa“, (Ansiedlung, Nationales Zusammenleben, Vertreibung, Integration) auf Seite 42. Autor des Begleitheftes ist Mag. Peter Wassertheurer, der hauptamtliche Wissenschaftliche Mitarbeiter des VLÖ (Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs), Wissenschaftlicher Berater ist der Wiener Universitätsprofessor Dr. Arnold Suppan, die Verbreitung besorgt unser „Haus der Heimat“ in Wien, Druck und Zulassung erfolgte durch das österr. Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur. – Sie sehen: Unser eigener Wissenschaftlicher Mitarbeiter in Österreich sagt, unsere Eliten von damals hätten eine Mitverantwortung an der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik gegen die jüdische und slawische (!) Bevölkerung unserer damaligen Heimatgebiete.

Zum Band III Für den dritten Band habe ich den Arbeitstitel: (Ethnische) Selbstbehauptung und tragisches Schicksal im Wirkfeld des Nationalismus der Nachfolgestaaten 1918 –1944 gewählt. Als wichtigste Mitautoren konnte ich schon vor Jahren gewinnen: Oskar Feldtänzer für die Donauschwaben in Jugoslawien, Prodekan Friedrich Spiegel-Schmidt für Ungarn, Prof. Hans Müller, der leider tödlich verunglückte, für den rumänischen Teil. In der Folge war es praktisch ein vergebliches Unterfangen einen Autor für die Geschichte der Rumänischbanater zu finden. Nach etwa fünf Anläufen, die ich unternommen habe, speziell Banater Schwaben aus Rumänien zu gewinnen, musste ich selbst an diese Arbeit. Ich bin unentwegt dabei. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und die Zeit des II. Weltkriegs ist vielleicht der spannendste Teil unserer Geschichte und bis heute die aktuellste:

Da müssen differenzierte Antworten formuliert werden: Es gibt beispielsweise viele Arten der Involvierung in das NS-System – was trifft bei uns, namentlich unseren „Eliten“ zu, was nicht? Und eine Mitverantwortung an der Vernichtungspolitik gegen unsere slawischen Mitbewohner – so könnte man das lesen – ist jedenfalls eine neue These im Bereich unserer Zeitgeschichte, die zum Widerspruch herausfordert. Es gilt auch ein anderes Thema, nämlich unsere oft harten innerethnischen Auseinandersetzungen, gründlich zu bearbeiten. Und es gilt generell offen zu sein, damit nicht einige „Leichen im Keller“ unerkannt oder schamhaft verborgen bleiben. 7


Zum Band IV Band IV behandelt die Zeit von 1944 bis heute und trägt den Arbeitstitel: Vertreibung – Verfolgung – Überleben – Eingliederung (1944 – 2006) Der letzte Akt unserer Tragödie – und unsere wohl musterhafte Integration in den neuen Heimatländern. Auch an diesem Band wird schon lange gearbeitet: Mitarbeiter sind bislang: Oskar Feldtänzer (Jugoslawien und Serbien), Vladimir Geiger (Kroatien), Ernst Hauler (Sathmar), Friedrich Spiegel-Schmidt (Ungarn), Jacob Steigerwald (USA) und Anton Weckerle und Wildmann (Kanada), Jakob Lichtenberger und Wildmann (Entre Rios), Feldtänzer und Wildmann (Österreich), Ingomar Senz (Deutschland). 13 Autoren sind bislang an der vierbändigen Geschichte der Donauschwaben mitbeteiligt. Es ist im Grunde wieder ein Werk unserer größeren Gemeinschaft, der Spezialisten aus der Erlebnisgeneration, ein Werk der Selbsthilfe, ein notwendiges Werk. Unsere Ahnen verdienen es nicht, vergessen zu werden. Bücher gehören zum historischen Gedächtnis Europas.

Stadtrat Paul Mahr – unser Referent für Sozialangelegenheiten Unser Landesausschussmitglied Stadtrat Paul Mahr, seit mehr als 25 Jahren in der Pensionsversicherungsanstalt in Linz – mittlerweile als Referent im Büro der Landesstellendirektion – beschäftigt, hat sich bereit erklärt, unseren Mitgliedern in Sonderfällen, wo es für die betroffenen Landsleute scheinbar keinen Ausweg mehr gibt, seine Hilfe angedeihen zu lassen. Wer also ein ausweglos scheinendes diesbezügliches Anliegen hat und Rat bzw. Unterstützung benötigt, kann sich an unseren Landesobmann Ellmer wenden, weil Stadtrat Mahr noch berufstätig ist.

VOLKSKULTUR der HEIMATVERTRIEBENEN in Oberösterreich von Dr. Peter Fraunhoffer Die Sonderausstellung im OÖ Freilichtmuseum Summerauerhof bei St. Florian (eine Außenstelle des Landesmuseums) 2007 ist der Volkskultur der Heimatvertriebenen gewidmet. Der vorsaussichtliche Zeitpunkt ist vom 29. April bis 28. Oktober 2007. Die Gestaltung der Ausstellung ist Aufgabe des Kulturvereins, der die verschiedenen Landsmannschaften zusammenfasst. Auf unseren Teil werden 4 – 5 große Vitrinen fallen. Es ist für uns eine Gelegenheit zu zeigen, dass in unserer alten Heimat auch ein beachtliches Kulturleben bestand und dass wir nach 1945 außer Existenzgründung auch andere Werte im Auge hatten. Die Idee der Ausstellung ist die Gegenüberstellung von Altem und nach alten Vorbildern neu Gefertigtem: „Aus der Tradition zur Gegenwart“. Erneuerung der Volkskultur, Volkskunst der Heimatvertriebenen in Oberösterreich seit 1945. Außerdem soll eine Informationstafel Auskunft über Heimatvertriebene in Oberösterreich geben.

Ein eigener Arbeitskreis soll sich mit allen Fragen im Zusammenhang mit dieser wichtigen Ausstellung befassen. Es wäre aber sehr wünschenswert, dass sowohl Anregungen für die Gestaltung wie auch Ausstellungsobjekte von den Landsleuten beigetragen würden. Als Beispiele seien angeführt: Trachten, Trachtenpuppen, Handarbeiten, Keramik, gewisse Haushaltsartikel. Alte Fotografien von Veranstaltungen, eventuell vorhandene Plakate oder Programme, Bücher. Ein knappes Jahr ist bald vorbei. Sammeln, Präsentation und Erläuterung der Objekte ist zeitaufwändig und wir wollen doch die Gelegenheit uns in angemessener Weise vorzustellen nützen. Dies ist ein Aufruf an alle, sich mit Ideen oder Ausstellungsobjekten zu wenden an: Dr. Peter Fraunhoffer, Leo-Fall-Str. 35, 4600 Wels, E-Mail: peter.fraunhoffer@liwest.at 8


Alljährliches GLAUBENSERLEBNIS bei der DONAUSCHWÄBISCHEN GELÖBNIS-WALLFAHRT in Altötting Seit dem Jahre 1954 treffen sich zahllose Donauschwaben aus vielen Ländern anlässlich der Gelöbnis-Wallfahrten jeweils anfangs Juli im bayrischen Gnadenort Altötting. Der Wallfahrtsort Altötting hat sich im Zeitraum von über 50 Jahren zum religiösen Zentrum unserer Landsleute entwickelt. Altötting ist durch die Lage an der Grenze sozusagen eine geistige Verbindung der überall in der Welt zerstreuten Donauschwaben. Zum Gelingen dieser eindrucksvollen Glaubensfeiern tragen ebenso unsere österreichischen Landsleute vornehmlich mit der Franztaler Trachtengruppe bei. Bei den Wallfahrten dürfen wir Gott für die empfangene Hilfe danken. Die Mutter unseres Herrn grüßen und um ihre Fürsprache in den Sorgen unseres Lebens bitten. Wir wissen, dass unser ganzes Leben eine Pilgerfahrt zu Gott ist. Sind wir doch mit Ängsten, Krankheiten und Schuld beladen. Als gläubige Menschen bekennen wir bei Wallfahrten zu christlichen Stätten unseren Glauben. Dort suchen wir Gnade und Vergebung durch Gott. Durch ihn finden wir die Heimat im Glauben. In dieser Erkenntnis können wir leichter das Schwere ertragen und unsere Hoffnung auf die ewige Heimat ausrichten.

Unsere Landsleute rufen wir auf, sich zahlreich bei der diesjährigen Gelöbnis-Wallfahrt, anlässlich des 60-jährigen Gedenkens an das Gelübde in den Todeslagern von Gakowa und Rudolfsgnad durch Pater Wendelin Gruber mit unseren bedrängten Donauschwaben, zu beteiligen. Danken wir für unser Dasein und erbitten wir bei der Wallfahrt den Segen für uns und unsere Familien sowie für eine friedliche Welt. Erich Ortmann

Einzug der Trachtengruppe HOG Sanktanna mit der Marienstatue vom Kapellplatz in die Basilika. Im Hintergrund die Gruppe der Marienmädchen aus Mondsee

Herzliche Einladung für die Gemeinschaftsfahrt zur

47. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben nach Altötting am Sonntag, 9. Juli 2006 Diesjähriges Leitwort:

Programm:

„Herr rette uns !“

9.00 Uhr: Einzug der Pilger- und Trachtengruppen in die Basilika 10.00 Uhr: Pontifikalamt mit Erzbischof Dr. Zollitsch, Freiburg / Breisgau 14.00 Uhr: Marienfeier in der Basilika mit dem Visitator der Donauschwaben, Geistl. Rat Andreas Straub. Es singt ein Chor aus Rumänien.

Für die Gemeinschaftsfahrt bitten wir um Anmeldung bei:

Zusteigmöglichkeiten:

Hans Himmelsbach, Pasching, 07229 / 64 722 Franziska Kadi, Leonding, 0732 / 37 23 47 Anton Ellmer, Marchtrenk, 07243 / 5 09 31 Der Fahrpreis beträgt 15,– Euro 5.45 6.00 6.15 6.30

Uhr: Uhr: Uhr: Uhr:

von der Kirche Leonding-Doppl Langholzfelderhof Marchtrenk – Holland-Blumen Wels, Ecke Römer- / Puchbergstraße 9


N e u e H E I M AT- und FA M I L I E N C H R O N I K über KLEINBETSCHKEREK Frau Annemarie Steiner aus Fornach, Geburtsjahrgang 1957, hat die Erzählungen ihrer Mutter Anna Fritsch aus dem rumänischen Banat in einem interessanten Buch festgehalten. Frau Fritsch wurde 1925 als Anna Müller geboren und ist in der Geborgenheit einer Großfamilie aufgewachsen. Fesselnd sind die Berichte über die Vertreibung 1944 aus dem einst so blühenden Banat. Die Erinnerungen an die Flucht nach Österreich und das allmähliche Fuß fassen in der neuen Heimat wurden festgehalten. Sowohl von der Familien- und Ortsgeschichte als auch vom alltäglichen Leben, wie von den Festen und Feiern, wird berichtet. Diese Erzählungen sind beispielhaft für ähnliche Schicksale. Somit erhalten die Folgegenerationen Einblicke in das Leben und über die Herkunft ihrer Vorfahren. Der Verfasserin dieser Heimatchronik ist es gelungen, ihrer Mutter zum 80. Geburtstag damit ein besonderes Geschenk zu widmen. Frau Steiner ermuntert zur Nachahmung von solchen Heimat- und Familienchroniken. Ihr gebührt Lob und Anerkennung für diese beispielhafte Ahnen- und Heimatforschung.

Das 2005 im Verlag Denkmayr, Linz erschienene Buch mit 164 Seiten kann bei Frau Annemarie Steiner Pichl 5, 4892 Fornach Tel.-Nr. 07682 / 5114 um Euro 15,80 bezogen werden.

Erich Ortmann

Latscharak, Lacarak ´ 4.896 Einwohner, 692 Deutsche Gemeindebericht von Philipp Strecker, Hans Hammer unter Verwendung des Berichtes von Josef Barth im BA Syrmien IV/8 – bearbeitet von Paul Licht Deutsche Haus und nahmen Pferde, Fuhrwerke, auf die sie Lebensmittel, Kleider und anderes, das sie von den Deutschen geplündert hatten, mit. Der Lehrer Wilhelm Pertl, 45 Jahre alt, und Peter Fradl, 60 Jahre alt, wurden verschleppt und kamen nicht mehr zurück. Man hörte nur, dass sie auf grausame Art von den Partisanen gefoltert und emordet wurden. Mitte Oktober 1943 drangen die Partisanen wieder in den Ort, und die Deutschen wurden neuerlich ausgeraubt. Sie verschleppten diesmal Anna Kusmitsch; auch sie wurde bestialisch ermordet. Nach diesen Überfällen übernachteten viele Deutsche in Mitrowiz bei Verwandten und Bekannten. Das Erkennen der Partisanen war dadurch erschwert, dass sie zumeist in Zivilkleidern erschienen. In meinem Hause, berichtet J. Barth, erschienen einmal drei Partisanen, einer war in Zivil, die anderen zwei trugen UstachaUniformen.

Der Ort liegt nahe der Stadt Mitrowitz und ist mit ihm fast zusammengewachsen. Der größte Teil der Bevölkerung waren Serben, die nach dem Umsturz im April 1941 dem neuen Regime Widerstand entgegensetzten, zunächst als Tschetniks, die jedoch immer mehr von den Partisanen abgelöst wurden. Von 1943 an wurde die Lage schlimmer und gefährlich. Angst vor Überfällen und Entführungen der Partisanen gab es allenthalben. Anschläge und Sprengungen an der Eisenbahnstrecke Latscharak – Martinci mit Absägen von Telegrafenmasten, Brückensprengungen, bis schließlich in den Monaten August bis Dezember Minen gelegt und Züge in die Luft gesprengt wurden, die eine große Zahl von Menschenleben forderten und enormen Sachschaden anrichteten. Am 4. September 1943 wurde Latscharak überfallen. Die Partisanen entwaffneten die Domobranen und Ustacha im Ort, zündeten das Gemeindehaus und die Post an, beschädigten das 10


Robert HAMMERSTIEL, BILDER eines Zeitzeugen von Dr. Peter Fraunhoffer Das Leopold Museum in Wien Ausstellung anlässlich der Feier zeigte vom 23. 2. – 24. 4. 06 eine „60 Jahre Donauschwaben in Werkschau des 1933 in WerOberösterreich“ hatte die Ehre, schetz geborenen Künstlers Werke von Robert Hammerstiel Robert Hammerstiel. Dieser in zu zeigen. Österreich aber auch interna„Die Antriebskraft für meine tional renommierte KünstMalerei ist die innere Notwenler hat die Leiden seiner Banadigkeit, die Erfahrungen meiner ter Landsleute in Jugoslawien Vergangenheit und Gegenwart miterlebt. Mit seiner Mutter und in eine Symbiose zu bringen. dem Bruder gelingt ihnen 1947 Alles Erahnte und Erschaute ist Weihbischof DDr. Helmut Krätzel heftet die Flucht aus Titos Konzentramir Mysterium. Farbe und Form Dr. Hammerstiel die hohe Ehrung an. tionslager über Ungarn nach versetzen mich nicht nur in Österreich. Eine ausführliche Euphorie, sondern sie geben Beschreibung der unmenschlichen Erlebnisse mir die Möglichkeit, Statik und Bewegung in ein Gleichmaß zu bringen, das ich durch meine im Lager findet sich in seiner Autobiographie: Arbeiten auszudrücken versuche.“ „Von Ikonen und Ratten. Eine Banater Kindheit 1939 –1949“. Die Themen findet Hammerstiel erst in seiner Als sein Vater 1950 aus der KriegsgefangenUmwelt, er malt Porträts, Stilleben, Landschafschaft zurückkehrt gibt er – er war von Beruf ten, erst später kommt die Aufarbeitung der Bäcker und nebenbei als Ikonenmaler tätig – Erinnerungen an die Kindheit. Er begreift sich dem Sohn ersten Unterricht im Malen und Zeichselbst als „Überlebender von vielen Toten“. nen. Durch die Teilnahme an einem Wettbewerb Er sagt: „Man schöpft das ganze Leben aus der des ÖGB erhält er 1958 den Förderpreis für Kindheit. Meine Kindheit war vorbei, als ich elf Malerei und die Möglichkeit, ab 1959 ein KunstJahre und acht Monate alt war.“ Die erschütternstudium an der Wiener Kunstschule zu absolvieden Erlebnisse des Kindes sind in seiner oben ren. 1968 fand die erste Einzelausstellung in erwähnten mit Illustrationen von ihm versehenen Wien statt, 1974 die erste Ausstellung im AusAutobiographie nachzulesen. land, in Berlin. 1981 war er in seiner Heimatstadt Werschetz und arbeitete dort an einem Film. Zum Abschluss daraus ein Zitat: „Ich habe das 1988 reiste er nach New York, wo im österRattendasein meiner Kindheit und Jugend überreichischen Kulturinstitut eine Ausstellung stattwunden, viele meiner Freunde sind zu Tode gefand. Ein sehr wichtiger Teil seiner Arbeit befasst bracht worden, nachts höre ich sie mahnen, ich sich mit der Technik des Holzschnittes und der müsse für sie etwas tun, denn ich sei der ÜberStahlmonotypie. Seine Werke wurden auf vielen lebende und trage die Verantwortung, dass man Ausstellungen gezeigt und er erhielt viele Ausnicht vergisst.“ – „Ich male nicht nur was ich zeichnungen und Preise. Auch unsere kleine sehe, sondern auch was ich sah.“

Homepage Herr Dipl.-Ing. Mag. Stefan Wagner hat uns dankenswerterweise eine Homepage im Internet eingerichtet, in welcher bereits einige unserer früheren Quartals-Mitteilungen aus 2004 und 2005 sowie die Nr. 1 aus 2006 gespeichert sind. Künftig werden unsere Mitteilungsblätter der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich auf diese Weise ins Internet gestellt. Wir möchten diese Möglichkeit auch dazu nützen, zwischenzeitig wichtige Termine und Sondermeldungen auf diese Weise unseren Landsleuten sozusagen auf schnellstem Wege zur Verfügung zu stellen. Unsere Homepage lautet:

www.donauschwaben.net

Dann klicken Sie auf folgende Links: „Weiter“ dann „Verbände“ dann „Landmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich“ und nochmals „Donauschwaben in Oberösterreich“ dann schließlich „Download“ 11


TERMINVORMERKUNG Liebe Mitglieder, liebe Landsleute, am 14. Oktober 2006, 14.00 Uhr, veranstaltet unsere Landsmannschaft im Volkshaus Marchtrenk einen

Tag der Donauschwaben,

wo in feierlichem Rahmen neben PersĂśnlichkeiten des Ăśffentlichen Lebens, welche fĂźr unsere Volksgruppe AuĂ&#x;ergewĂśhnliches geleistet haben, auch verdienstvolle Mitglieder der Landsmannschaft geehrt werden. Die Ehrungen werden durch die Herren Landeshauptmann Dr. Josef PĂźhringer und Landeshauptmann Stv. Dipl.-Ing. Erich Haider vorgenommen. Wir bitten um Terminvormerkung, um durch eine zahlreiche Teilnahme diesen verdienstvollen PersĂśnlichkeiten unsere Reverenz zu erweisen und um auch der Feierstunde den ihr gebĂźhrenden Rahmen zu geben. Neben Informationen zu den Entschädigungsfragen Kroatien und Serbien wird auch ein anspruchsvolles Rahmenprogramm sicherlich dafĂźr sorgen, dass Sie einen Nachmittag in heimatlicher Atmosphäre verbringen. Detailinformationen ergehen gleichzeitig mit der Einladung in unserem nächsten Mitteilungsblatt, Mitte September 2006.

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DIAMANTENE HOCHZEIT Josef und Rosalia JAKOBER

Meine Frau Rosalia und ich sind beide in Neudorf bei Vinkovci geboren. Dort verbrachten wir auch unsere schĂśne Jugend. Bereits in Neudorf waren wir ein Paar. Ich wurde am 20. Mai 1924 geboren und schon mit 17 Jahren wurde ich in die Deutsche Armee eingezogen, wo ich in Russland eingesetzt war. Die letzten Kriegstage kämpfte ich in der Steiermark gegen die Russen. Meine Braut Rosalia war von 1944 bis Kriegsende als Luftwaffenhelferin in Prag eingezogen und fand ihre Familie in der Tschechei. Nach Ende des Krieges erfuhr ich, dass meine Braut und auch meine Familie in der Tschechei untergekommen waren. Dort gab es ein Wiedersehen. Nach neuerlicher Trennung fĂźhrte uns unser gemeinsamer Weg nach Saalfelden, dort haben wir auch am 11. Mai 1946 unter ärmlichsten Umständen standesamtlich geheiratet. Arbeitsangebote fĂźhrten uns nach Attnang-Puchheim und 1952 nach Marchtrenk. Da es klar war, dass wir nicht mehr in unsere Heimat zurĂźckkehren wĂźrden, habe ich eine Maurerlehre begonnen. AnschlieĂ&#x;end besuchte ich die Bundesgewerbeschule in Linz und begann meine Tätigkeit als Bautechniker in einem ArchitekturbĂźro. Meine Frau Rosalia arbeitete von 1952 bis zur Pensionierung bei der Firma Ficker in Marchtrenk. Gemeinsam haben wir unser Haus gebaut und haben sehr viele Reisen durch ganz Europa gemacht.

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11. Mai 2006

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Seit meiner Pensionierung arbeite ich laufend an der Erstellung des Ortssippenbuches von Neudorf. Viele Jahre bin ich bereits Mitglied und nun auch Ausschussmitglied der Landsmannschaft der Donauschwaben in OberĂśsterreich. Nach Kräften unterstĂźtze ich auch meine Nichten und ihre Familien. Meine Frau und ich verbringen jedes Jahr unseren Urlaub in Kroatien an der Adria, pflegen gute Kontakte mit der Familie, die mein Geburtshaus bewohnt und genieĂ&#x;en es, dass wir gesund sind. Nie haben wir geglaubt, dass wir die Gnade einer Diamantenen Hochzeit erleben dĂźrfen. Dieses Ereignis wurde durch die Blasmusikkapelle Marchtrenk, durch den Besuch einer Abordnung der Stadtgemeinde mit dem Herrn BĂźrgermeister und dem Pensionistenverband gewĂźrdigt. Mit der Familie und unseren Freunden des Kirchenchores, dem ich bereits 45 Jahre angehĂśre, feierten wir unser Jubiläum am 21. Mai. Wir hoffen, dass uns der Herrgott noch ein paar gemeinsame Jahre schenkt. Marchtrenk, am 30. Mai 2006

Die Landesleitung der Landsmannschaft gratuliert dem Jubelpaar sehr herzlich und wĂźnscht weiterhin Gesundheit und Wohlergehen. 12


SINNLICHE REISE vom Schwarzwald zum Schwarzen Meer Die sehr gut besuchte und von dem Publikum in höchsten Tönen gelobte Veranstaltung

mann verschönerte den Abend mit den Tänzen „Bauernmadl“ und „Rheinländer“.

„10 saiten 1 bogen – Donauxang“

Einige Frauen (siehe Foto) unserer Funktionäre haben mit selbstgebackenen Mehlspeisen zum leiblichen Wohle beigetragen.

am 24. März 2006 in Leonding Doppl-Punkt, war auch für unsere Landsmannschaft ein voller Erfolg, konnten wir doch einige viel beklatschte Beiträge beisteuern.

„Bäckerkipferl“ und unsere geliebte „Banaterwurst“ gab es zur Kostprobe. Die Organisation und Abstimmung des Programms seitens der Landsmannschaft oblag unserer Vorstandskollegin K. Weitmann, was sie ausgezeichnet erledigte.

Mit Begleitung durch die Kapelle „10 saiten 1 bogen“ sang zum Start des Abends der „Kleinchor“ unserer Landsmannschaft die Lieder „Horcht emol ihr Schwowe“ und „Fresch und Krotte kenna hupsa“. Ebenfalls in unserem Dialekt trug unsere Landesschriftführerin Anita Lehmann das Gedicht „Mei oder unsere Gatjehos“ von Nikolaus Engelmann vor. OSR Horst Herzog las aus seinem Gedichtband „Von Ruma nach Traun“. Landesobmann Ellmer stellte unsere Volksgruppe vor und berichtete als Zeitzeuge auch kurz von deren schrecklichem Schicksal. Der Chor des Kulturvereines Doppl-Hart sang die Donauschwäbische Hymne; die Seniorentanzgruppe Doppl-Hart von Katharina Weit-

v.l.n.r.: K. Weitmann, E. Benz, R. Hoog, K. Himmelsbach und R. Fingerhut

Projekt „ H E I M AT V E RT R I E B E N E “ an der Berufsschule Kremsmünster von BOL Dipl.-Päd. Franz Lacherstorfer Im Rahmen des Unterrichtsgegenstandes „Politische Bildung“ wurde von den Schülern der 2b (Lehrberuf Tischlerei) im April dieses Jahres eine Projektarbeit zum Thema „Heimatvertriebene – Vergessene Opfer des Zweiten Weltkrieges“ durchgeführt. Neben der geschichtlichen Dokumentation von Ansiedelung, Flucht und Vertreibung aus der alten Heimat, sowie Integration in der neuen Heimat, wurde besonderer Wert auf Kontakte mit Zeitzeugen gelegt. So konnten als Vertreter der Sudetendeutschen Landsmannschaft Herr Hans Bartl (geboren 1909 in Krumau an der Moldau) und als Vertreter der Landsmannschaft der Donauschwaben Herr Ing. Anton Ellmer (geboren 1930 in Rudolfsgnad) für Vorträge direkt an der Berufsschule Kremsmünster gewonnen werden, um Zeitgeschichte auch im Klassenzimmer authentisch erlebbar zu machen.

Die mit vielen berührenden persönlichen Erlebnissen angereicherten Referate wurden von den angehenden Tischlern überaus interessiert aufgenommen und die anschließende „Fragestunde“ wurde reichlich genützt. Wenn es richtig ist, dass man die Geschichte kennen muss, um die Gegenwart zu verstehen, so haben die Ausführungen von Herrn Bartl und Herrn Ing. Ellmer einen wertvollen Beitrag für dieses Verständnis geleistet. Die Schüler und Lehrer der 2b bedankten sich dafür ganz herzlich! Anmerkung der Landesleitung: Auf Wunsch der Schule hat unser Landesobmann am Dienstag, dem 30. Mai 2006, zwei weitere Klassen dieser Schule über das Schicksal unserer Volksgruppe informieren können. 13


Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Christian Burger † Christian Burger, geboren am 25. März 1915 in Berak, ist am 3. Mai 2006 nach einem erfüllten Leben im 92. Lebensjahr verstorben. Herr Burger, in der alten Heimat noch ein gut situierter Lehrer und Gemeindesekretär, war ein Donauschwabe, dessen Eltern in einem Tito-Lager verhungerten und er selbst bis zu seiner Flucht alle Gräueltaten er- und überlebt hat, ohne das die Welt davon Kenntnis genommen hat. Als Zeitzeuge sah er es daher als Aufgabe der Überlebenden, diese Tatsachen der Nachwelt zu überliefern. Seine Leistungen für unsere Landsmannschaft wurden anlässlich der „Eisernen Hochzeit“ im Mitteilungsblatt Nr. 2/2003 und zu seinem 90. Geburtstag in Nr. 2/2005 gewürdigt, darüberhinaus wurde er mit der Goldenen Verdienstmedaille ausgezeichnet. Um ihn trauern Helene, Lisbeth und Roland, Klaudia und Bernhard sowie die Verwandten.

Anna Maria Buttinger † Frau Anna Maria Buttinger ist am Dienstag, dem 21. März 2006 im 90. Lebensjahr friedlich im Herrn entschlafen. Die feierliche Urnenbeisetzung fand am 20. April 2006 auf dem Friedhof in Wels statt. Frau Buttinger war seit 1968 Mitglied der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich und verfolgte die Geschehnisse rund um die alte Heimat und um die Belange unserer Volksgruppe sehr aufmerksam. Um sie trauern ihr Sohn Ewald, die Schwiegertochter Gerti, die Enkelin Isabella, sowie die Schwägerin, die Nichte und alle Verwandten.

Johann Gabl † Eines unserer langgedientesten Mitglieder, Herr Johann Gabl, geboren am 2. November 1919 in Babska, Syrmien, ist am 20. Mai 2006 im 87. Lebensjahr verstorben. In der alten Heimat diente er noch als junger Spenglermeister vom 1. Mai 1940 bis 20. April 1941 beim serbischen Militär. Im Oktober 1944 konnte er mit seiner Frau und den beiden Söhnen per Bahn flüchten; nach Kriegsende kam er auf dem versuchten „Heimweg“ mit seiner Familie bis nach Budapest, wo er die Weiterfahrt wegen der inzwischen bekannt gewordenen Vorfälle in Jugoslawien verweigerte. Daher kamen sie in ein Lager, von wo 1947 die Flucht nach Österreich gelang. Seit 1955 ist Marchtrenk die neue, liebgewordene neue Heimat der Familie Gabl. Seit 1956 war er Mitglied der Landsmannschaft und unterstützte als Landesausschussmitglied den Vorstand in seiner Arbeit in hervorragender Weise. Ferner war er Gründungsmitglied und 13 Jahre Obmann des Fußballklubs VICTORIA Marchtrenk. Seine langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeiten wurden mit zahlreichen Auszeichnungen und Anerkennungen durch die Stadt Marchtrenk, sowie durch das Land und die Republik gewürdigt – mit der Verdienstmedaille in Gold und der Ehrenmitgliedschaft erhielt er die beiden höchsten Auszeichnungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich. Bei seiner Beerdigung erwiesen ihm Vertreter der Landesleitung mit der Vereins-Fahne die letzte Ehre. Um ihn trauern seine Frau Anna, die beiden Söhne Anton und Josef, die Enkel Sylvia, Bernhard, Dieter, Christian und Manuel, sowie die Urenkel Andreas, Leonie, Benedikt und Maria-Anna. 14


Unseren Verstorbenen widmen wir in Ehrfurcht und Dankbarkeit ein christliches Andenken

Nikolaus Jost † Nikolaus Jost, geboren am 30. März 1904 war wohl einer der ältesten unserer Landsleute in Oberösterreich, als er am 30. April 2006, im Alter von 102 Jahren, für immer seine Augen schloss. Aus Anlass seines 100. Geburtstages würdigte unsere Landsmannschaft im Ende März 2004 erschienenen Mitteilungsblatt ausführlich sein Leben und sein Wirken. Der überaus beliebt gewesene „Dorfmusikant“ wurde unter großer Anteilnahme seiner Landsleute am 5. Mai 2006 auf dem Stadtfriedhof St. Martin zur letzten Ruhe gebettet. Sein Enkel Mag. Dr. Pill, in dem offensichtlich seine musikalische Begabung und Begeisterung weiter lebt, hielt einen sehr innigen, persönlich gehaltenen Nachruf. Ihn vermissen: Leni und Robert, Astrid, Harald, Martin, Thomas, Susi, Andreas, Nikolaus und Valerie, sowie seine Verwandten.

Magdalena Mayer † Frau Magdalene Mayer ist am 31. Mai 2006 nach schwerer mit großer Geduld ertragener Krankheit im 82. Lebensjahr verstorben. Sie lebte in Haid-Ansfelden, wo ihr Bruder Paul Wagner von 1967 bis zu seiner Pensionierung 1985 als Pfarrer tätig war. Sie wurde am 7. Juni 2006 auf dem Stadtfriedhof St. Martin/Traun beigesetzt. Um sie trauern die Kinder und Schwiegerkinder Irene, Norbert mit Anni, die Enkel Reinhard, Simon, Christoph und Tibor, die Schwester Anna sowie die Verwandten.

Johann Tex † Johann Tex wurde am 4. Juni 1912 in Kula geboren, wo er auch bei seinem Vater das Tischlerhandwerk erlernte. 1944 musste er in den Krieg, im Februar 1945 wurde er verwundet. Nach dem Krieg kam er nach Österreich, wo er auch seine spätere Frau Apollonia kennenlernte. 1951 wurde geheiratet und eine eigene Existenz aufgebaut. Er hatte das Glück, über Jahrzehnte als Haustischler bei der Caritas in seinem Beruf zu arbeiten. Er verstarb am 24. Februar 2006 im 94. Lebensjahr. Um ihn trauern seine Frau, seine Kinder, Enkel und Urenkel nebst den übrigen Verwandten.

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BINZBERGERS

ACHTE

REISE

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DIE

EHEMALIGE

H E I M AT

DIE FÜNFSPRACHIGE DOKUMENTATION – KRÖNUNG DER DONAUSCHWÄBISCHEN GEDENKSTÄTTE – KIKINDA Mit über 100 Exemplaren der druckfrischen fünfsprachigen Dokumentation (deutsch, englisch, französisch, serbisch und ungarisch) trat ich am 18. März 2006 die gut einwöchige Autoreise in die ehemalige Heimat der Donauschwaben an. Dort wollte ich allen Festgästen, die bei der Gedenkstätten-Einweihung am 12. Oktober 2002 unseren lieben Toten der Jahre 1944/48 mit Ansprachen, Segensgebeten, Kirchenliedern, mit Grußworten und Blumengebinden posthum die Ehre erwiesen hatten, mit der Überreichung der fünfsprachigen Dokumentation über unsere Gedenkstätte den Dank aller Donauschwaben zum Ausdruck bringen. Denn diese etwa 40 Repräsentanten der regionalen und lokalen politischen Verwaltungen, der röm.-kath. und ev.-ref. Kirchen und der donauschwäbischen und andersvölkischen Vereine hatten seinerzeit mutig ihre aufrechte Haltung bekundet. „Nur die aufrichtige und objektive Aufarbeitung der historischen Vergangenheit führt in eine bessere Zukunft!“ schrieb ich in alle Exemplare, bevor ich sie signierte.

30 Dokumentationen die Aufnahme in (zwei katholischen und einem ev.-reformierten) Bischofsämtern, in gezielt angesprochenen Instituten, schulischen Einrichtungen und der Öffentlichkeit zugänglichen Bibliotheken in den Städten Subotica, Kikinda, BetschkerekZrenjanin und Srem. Karlovac. In Novi-Sad, dem Regierungssitz der Autonomen Provinz Vojvodina, konnte ich dem Vizepräsidenten des Parlamentes, Herrn Sandor Egeresi und im zuständigen Innenministerium dreien Direktoren der Abteilung ‚Minderheiten‘ unsere Dokumentation aushändigen. Aus Zeitmangel konnte ich die Region um Sombor und Apatin, sowie die Städte Werschetz, Pantschowa und die Hauptstadt Belgrad nicht besuchen. Absprachegemäß wird unser Bundesvorstand der Landsmannschaft der Donauschwaben bei seinen nächsten Reisen in die ehemalige Heimat auch den Institutionen dieser Gebiete unsere Dokumentation überbringen. Vor allem für die Banater Landsleute informiere ich noch über einige Details: In Kikinda und Betschkerek hatte ich Gelegenheit die Dokumentation im lokalen Fernsehen vorzustellen. Mehrere Regionalzeitungen und die überregionale Belgrader „DANAS“ berichteten von meinem Besuch und von der Übergabe der Dokumentation an die betreffenden Institutionen und Ortsbehörden – so dem Zrenjaniner Vizepräsidenten des Stadtparlaments, Herrn Ducan Juvanin. Im Betschkereker Kulturhaus veranstaltete die Vorsitzende des ‚Deutschen‘ Kultur-Zentrums „Banat“, Frau Maria Benak, (sie ist zudem die Redakteurin der ‚Banater Deutschen Sendung‘ im Lokalsender Radio Fedra), einen gut gelungenen Literaturabend. Zur Einstimmung interpretierte eine Solistin unter Begleitung eines Gitarristen die Lieder ‚Loreley‘ und ‚Heidenröslein‘. Den geladenen Gästen – darunter die serbischen Schriftsteller Sinica Jakonic, Kikinda, Vuksan Knecevic, Betschkerek und Dragi Bugarvic, Werschetz, die alle in ihren kürzlich veröffentlichten Werken das Verbrechen an den Donauschwaben thematisierten – konnte ich an diesem Abend die fünfsprachige Dokumentation vorstellen und vom früheren Leben im Banat berichten. Den vier Professorinnen der ‚Deutschen Sektion‘ des städtischen Gymnasiums, die als

Doch noch ein Weiteres wollte ich mit der fünfsprachigen Dokumentation in unserer ehemaligen Heimat – wie auch weltweit in allen neuen Heimatländern der Donauschwaben – erreichen: Diese Dokumentation wollte ich in allen maßgebenden Bibliotheken, Archiven, historischen Instituten und Fakultäten, die sich wissenschaftlich der Geschichte und dem Schicksal des donauschwäbischen Volksstammes annehmen und/oder Vertreibungen, Völkermord und ähnliche verbrecherische Vorgänge erforschen, unterbringen. Denn nur wenn das wissenschaftliche Aufarbeiten gelingt, werden die Kulturleistungen unserer Ansiedler-Vorfahren und unser leidvolles Schicksal in der Geschichtsschreibung gebührend vermerkt und nicht mehr (wie in den letzten Jahrzehnten) verschwiegen und letztendlich vergessen. In der Vojvodina war die erstmalig angegangene Unterbringung der Dokumentation erfolgreich: Die Direktoren und Institutsleiter, jedoch auch die Vertreter gehobener politischer und kirchlicher Ämter zeigten sich in freundlichen Gespächen meinem Anliegen durchwegs aufgeschlossen. So fanden etwa 16


Team in Koordination mit dem ‚Deutschen‘ Kultur-Zentrum „Banat“ die serbische Übersetzung meiner Dokumentation als „Ehrenarbeit“ erstellten, konnte ich coram publico für ihr persönliches Engagement mit der Überreichung eines Blumenarrangements und einer signierten Dokumentation danken. Frau Prof. Zuzana Popov, die Leiterin der Deutschen Sektion des Gymnasiums, las souverän je eine Passage aus dem deutschen und dem serbischen Text der Dokumentation vor. Im Anschluss an den offiziellen Literaturabend traf sich ein engerer Kreis von Kulturschaffenden zu einem kontaktförderden „Hock“ im Hotel Vojvodina.

Canada, Josef Konrad aus den USA, Hans Stein aus Brasilien und Hans Holz aus Oberösterreich halfen mir bei der gezielten Ermittlung von Instituts-, Bibliotheks- und Vereinsadressen. Bisher konnte ich – für die USA 50, für Kanada etwa zehn, für Brasilien sechs, Frankreich eine, Australien zwei, Argentinien eine – insgesamt rund 70 Anschriften auflisten. Bis Ende Mai wird diese Adressaten-Liste vervollständigt und die Zusendung zügig abgewickelt. Die restlichen etwa 250 Exemplare von der fünfsprachigen Gesamtauflage sollten – so meine Überlegungen – von den Landsleuten erworben werden können. Jede Dokumentation ist eine wertvolle Hinterlassenschaft an die donauschwäbischen Nachkommen, die nicht mehr im deutschprachigen Kulturkreis eingebettet sind. Die Dokumentation ist ein großartiges Andenken und zugleich ein Beitrag, um die großen Kulturleistungen und den schweren Leidensweg unser aller Vorfahren vor dem Vergessen zu bewahren.

Es sei mir gestattet, noch kurz über den Vertrieb der Dokumentation zu berichten: Noch vor den Ostertagen habe ich fast 100 Dokumentationen als mein persönliches „Dankeschön“ allen Förderern und Ehrenmitarbeitern per Post zugesandt. Ich hoffe, dass diese „Dankexemplare“ zwischenzeitlich bei allen eingetroffen sind. Über 20 Nachbestellungen gingen daraufhin noch vor dem Osterfest bei mir ein und wurden ausgeliefert. In Österreich konnten bislang 15 und in Deutschland 17 Dokumentationen in Institutionen/Bibliotheken und/oder donauschwäbischen Vereinigungen untergebracht werden. In beiden Ländern werden weitere Adressaten bedacht. Die Landsleute Hans Supritz, Bundesvorsitzender der DS-Landsmannschaften, Herbert Prokle von der DS-Kulturstiftung, John Blasman aus

Bestellhinweise: Dr. Peter Binzberger Schienerbergweg 20/1 D-88048 Friedrichshafen Tel. (0)7541/41368, Fax (0)7541/404586, E-Mail: peter.binzberger@t-online.de Bezugspreis von 19,50 Euro, zuzüglich Versandkosten (Porti + Verpackung)

EINLADUNG

Sektion HANDBALL

zum Sommerfest am Samstag, 1. Juli 2006, Sportanlage Edelweiß Linz, Flötzerweg 107a – Neue Heimat Zum Gedenken an den im April 2005 verstorbenen Ex-Handballnationalspieler unseres Vereines Martin Wesinger, kommt es beim Sommerfest um 17.00 Uhr zum Großfeldhandballspiel:

Union Edelweiß gegen SG Linz/Neue Heimat Drei Söhne und ein Neffe von Martin Wesinger werden Edelweiß bei diesem Gedenkspiel verstärken. Weiteres werden die Ex-Nationalspieler Christian Patzer, Mandi Goll und andere erwartet. Bereits ab 14.00 Uhr beginnt das Sommerfest mit Handballturnieren der U8, U9, U10 und U11-Jugend.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch www.handball-edelweiss-linz.at 17


W E G d e r D O N A U S C H WA B E N von Konsulent Oskar Feldtänzer Fortsetzung von Heft 1/2006

deutschen Bevölkerung zu verbreiten. Eines dieser Schlagworte lautete: Muttersprache – Heimat – Väterglaube und ein weiteres: Staatstreu und Volkstreu. Dieser zweite prägnante Wahlspruch des Kulturbundes sollte den Standort der neuen Organisation im Spannungsfeld zwischen dem neuen Vaterland und dem eigenen Volkstum präzisieren. Er betonte nicht nur die Verteidigung der eigenen Identität sondern auch die loyale Haltung der Deutschen gegenüber ihrem neuen Vaterland. Bis zum Jahre 1924 konnten im Banat, der Batschka und in Syrmien 128 Ortsgruppen gegründet und 55.000 Mitglieder gewonnen werden.

Das Entstehen der deutschen Organisationen und deren Entwicklung Der Nationalgedanke des 19. Jhs. hatte die Donauschwaben im Gegensatz zu ihren Nachbarn nur am Rande erfasst. Wenn auch das im letzten Viertel des 19. Jhs. verstärkt einsetzende nationale Erwachen, die Erfahrung der Weltkriegsgeneration von der Bedeutung und der Verbreitung der deutschen Sprache und die damit verbundene Erkenntnis, einem großen Kulturvolk anzugehören, so wie auch die Entwicklung nach Kriegsende, die von den nationalen Befreiungsbewegungen ihrer Nachbarvölker gekennzeichnet war, zu einer gewissen Festigung ihres Volksbewusstseins beigetragen hatten, so war dieses dennoch – verglichen mit ihren Nachbarvölkern – unfertig, schwach ausgeprägt und von einer Konsolidierung noch weit entfernt. Es bestand für sie ein verständlicher Nachholbedarf; trotzdem wurden sie deshalb von ultranationalistischen Elementen der Staatsvölker angefeindet.

Die fruchtbare und erfolgreiche Anfangsphase des Kulturbundes dauerte von 1920 bis 1924, als am 11. April 1924 vom Innenminister ein Tätigkeitsverbot für den Kulturbund verhängt wurde. Die offizielle aber nicht stichhaltige Begründung der Behörden war, dass der Kulturbund den in den Satzungen festgelegten Tätigkeitsbereich überschritten hätte. Außerdem sollte diese Maßnahme als Repressalie für die behauptete schlechte Behandlung der slowenischen Volksgruppe in Kärnten dienen. In Wirklichkeit wollte man die kulturpolitischen Bestrebungen der Minderheiten zu diesem Zeitpunkt rigoros einschränken, nachdem sich die außenpolitische Lage des neuen Staats bereits gefestigt hatte. Die Schutzbestimmungen des Minderheitenschutzvertrages, den der SHSStaat als Gegenleistung für die Anerkennung seiner Grenzen durch die Großmächte hatte unterzeichnen müssen, wurden einfach übergangen und fanden keine Berücksichtigung durch die Gesetzgebung des neuen Staates.

Ihre damals führenden Köpfe, eine kleine Gruppe junger Akademiker, die ihre Ausbildung an österreichischen oder deutschen Universitäten erhalten hatten und von national konservativen oder nationalliberalen Anschauungen geprägt waren, erkannten die dringende Notwendigkeit, durch eine umfassende, alle ihre Wohngebiete erfassende Organisation auf nationaler und kultureller Grundlage ein Instrument ihres Selbstbehauptungswillens im neuen Staat zu schaffen. Es kam zur Gründung des SchwäbischDeutschen Kulturbundes, der nach Verhandlungen mit den Behörden die Genehmigung für seine Statuten bewilligt erhielt. Die Gründung des Kulturbundes erfolgte in Gegenwart von 2.000 Delegierten aus allen Teilen des Landes am 20. Juni 1920 in Neusatz (Novi Sad). Generalsekretär der Organisation wurde Dr. Georg Graßl; auf dessen Schultern die Hauptarbeitslast der erfolgreichen Tätigkeit der kommenden Jahre gelegt wurde und dem der Erfolg der ersten Jahre zu verdanken ist. Der Kulturbund versuchte sein Programm in prägnanten Kurzformeln zusammenzufassen und unter der

Einigermaßen erfolgreich agieren konnte auch die Partei der Deutschen im ersten Jahrzehnt des neuen Staates bis etwa 1929. Das war eine reine parteipolitische Organisation die in mehreren Wahlen genügend Abgeordnete für das Belgrader Parlament gewann, so dass sie eine eigene Parlamentsfraktion bilden konnte, auf deren Stimmen die Regierungsmehrheit angewiesen war. Aber auch sie musste 1929 ihre Tätigkeit einstellen, als König Alexander nach einem Staatsstreich das Parlament auflöste und alle Parteien verbot, die keine gesamtjugoslawischen Zielsetzungen verfolgten. Fortsetzung folgt 18


Die V E R U RT E I L U N G des K O M M U N I S M U S Am 25. Januar 2006 wurde in der 5. Sitzung der Versammlung des Europäischen Parlamentes der Text über die Notwendigkeit der Verurteilung des Verbrechens der totalitären Regime verabschiedet. Nachstehend – lt. „DEUTSCHES WORT“ – der ganze Text: 6. Als Folge dessen ist die Bewusstheit der Öffentlichkeit über die Verbrechen der totalitären kommunistischen Regime sehr niedrig. Die kommunistischen Parteien sind in einigen Ländern legal und aktiv obwohl sie sich in einigen Fällen nicht von den Verbrechen, die die totalitären kommunistischen Regime in der Geschichte verübt haben, distanziert haben. 7. Die Versammlung ist überzeugt, dass die Bewusstheit über die geschichtlichen Vorkommnisse eine der Vorbedingungen ist um ähnliche Verbrechen in der Zukunft zu vermeiden. Die Moraleinschätzung und die Verurteilung der Verbrechen spielen eine wichtige Rolle in der Eduzierung der jungen Generationen. Eine klare Stellungnahme der internationalen Gemeinschaft gegenüber der Geschichte kann eine Richtlinie für ihre zukünftigen Aktionen sein. 8. Die Versammlung denkt auch, dass den Opfern der totalitären kommunistischen Regime, die noch leben, oder ihren Familien Mitgefühl, als auch Verständnis und Anerkennung für ihre Leiden gezeigt werden soll. 9. Die totalitären kommunistischen Regime sind noch immer aktiv und in einigen Ländern der Welt werden Verbrechen auch weiterhin begangen. Die Perzeption der Nationalinteressen dürfte die Länder im adäquaten Kritisieren der bestehenden totalitären kommunistischen Regime nicht verhindern. Die Versammlung verurteilt all diese Verletzungen der Menschenrechte. 10. Diskussionen und Verurteilungen, die bis jetzt auf dem Nationalniveau einiger Länder, die Mitglieder des Europarates sind, vollzogen wurden, können die internationale Gemeinschaft nicht von der Feststellung einer klaren Position gegenüber der Verbrechen, die von der Seite der totalitären kommunistischen Regime verübt wurden, befreien. 11. Der Europarat ist gut für eine solche Diskussion auf internationalem Niveau positioniert. Alle ehemaligen kommunisti-

Resolution 1481 (2006) 1. Die Versammlung des Europäischen Parlamentes beruft sich auf ihre Resolution 1096 (1996) über die Maßnahmen für das Zerbrechen des Legats ehemalige kommunistische totalitäre Regime. 2. Die totalitären kommunistischen Regime, die im letzten Jahrhundert in Mittel- und Osteuropa herrschten und die noch in einigen Ländern der Welt herrschen, waren ohne Ausnahme, mit massiven Verletzungen der Menschenrechte gekennzeichnet. Verletzungen (der Menschenrechte) wichen voneinander ab – von der Kultur, dem Land und dem geschichtlichen Zeitalter abhängend und schlossen einzelne und kollektive Totschläge und Hinrichtungen, den Tod in Konzentrationslagern, Hunger, Deportierungen, Qualen, Zwangsarbeit als auch andere Arten von Massenterror; Vertriebe aus ethnischen und religiösen Gründen, Verletzungen der Freiheit des Gewissens, des Gedankens und des Ausdruckes, der Freiheit der Medien und des Mangels am politischen Pluralismus mit ein. 3. Verbrechen sind im Namen der Theorie des Klassenkampfes und des Prinzips der Diktatur des Proletariates gerechtfertigt. Die Interpretation beider Prinzipe legalisierte die „Eliminierung“ der Leute, die im Aufbau der neuen Gesellschaft als gefährlich und, als Feinde des totalitären kommunistischen Regimes, gekennzeichnet wurden. 4. Die Versammlung gesteht, dass trotz der Untaten der totalitären kommunistischen Regime einige europäische kommunistische Parteien zur Entwicklung der Demokratie beitrugen. 5. Der Fall der totalitären kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa war nicht in allen Fällen von internationalen Untersuchungen der Verbrechen, die diese Regime verursachten, geleitet. Täter dieser Verbrechen wurden nicht vor das Gericht der Internationalen Gemeinschaft, so wie es der Fall in den schrecklichen Verbrechen, die der Nazismus vollbracht hatte, geführt. 19


jetzt nicht gemacht haben, wieder die Geschichte des Kommunismus und ihre eigene Geschichte einschätzen um sich klar vom Verbrechen, die von Seite der totalitären kommunistischen Regime verübt wurden zu distanzieren und sie ohne irgendwelche Unklarheiten zu verurteilen.

schen Länder, mit Ausnahme von Weißrussland, sind jetzt ihre Mitglieder, wobei der Schutz der Menschenrechte und Herrschaft der Rechte Grundwerte für die sie sich einsetzen. 12. Deswegen verurteilt die Parlamentversammlung das massive Verletzen der Menschenrechte von Seite der totalitären kommunistischen Regime und sagt ihr Mitgefühl, Verständnis und Anerkennung den Opfern dieser Verbrechen aus.

14. Die Versammlung denkt auch, dass diese klare Position der internationalen Gemeinschaft auch eine weitere Versöhnung ermöglicht. Sogar, dass man Welthistoriker ermutigt ihre Forschungen gegenüber der Bestimmung und objektiven Prüfung dessen, was geschehen ist, fortzusetzen.

13. Sie ruft auch alle kommunistischen oder post-kommunistischen Parteien auf um in ihren Ländern, im Falle, dass sie es bis

AUSSTELLUNG über „FLUCHT und VERTREIBUNGEN im EUROPA des 20. JAHRHUNDERTS“ im Kronprinzenvon Dr. Georg Wildmann palais in Berlin in Vorbereitung Auf Vorschlag der Donauschwäbischen Kulturstiftung, die sich mit der wissenschaftlichen Darstellung der Geschichte der Donauschwaben, besonders derer aus dem vormaligen Jugoslawien befasst, wurde Dr. Georg Wildmann in den Wissenschaftlichen Beirat des „Zentrum gegen Vertreibungen“ aufgenommen. Er soll dort die Anliegen der Donauschwaben vertreten. Die Presseabteilung und gegenwärtige Leitung des ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN (ZgV) befindet sich in der Friedrichstr. 35/V, 65185 Wiesbaden. (Tel. 0611/360 19 28; FAX 0611/360 19 29; WWW. Z-G-V. de).

Das Anliegen des ZgV ist es, neben dem Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen im Geiste der Versöhnung auch auf das Schicksal anderer europäischer Völker, die unter dem Verlust ihrer Heimat leiden und litten, aufmerksam zu machen und damit die Öffentlichkeit für dieses Thema dauerhaft zu sensibilisieren. Es will ein Ort der Mahnung sein, Vertreibung weltweit zu ächten. Das ZgV wird in der Zeit vom 10. August bis 29. Oktober 2006 im Kronprinzenpalais in Berlin, Unter den Linden, eine Ausstellung über Flucht und Vertreibungen im Europa des 20. Jahrhunderts unter dem Titel „Erzwungene Wege“ veranstalten. Die Ausstellung geht auf neun in Europa, zwischen 1915 und 1990, vollzogene Vertreibungen, Völkermorde und Zwangsumsiedlungen ein.

Bekanntlich plant das Zentrum unter der Regie von Frau Erika Steinbach MdB, der Vorsitzenden des Bundes der Vertriebenen, ein repräsentatives Gebäude für das ZgV in Berlin zu errichten oder zu erwerben. (Spendenkonto: Deutsche Bank, Kto.-Nr. 311 2000, BLZ 380 700 24), das als Informations- und Dokumentationsstätte über Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts dienen soll, unter besonderer Berücksichtigung der Flucht und Vertreibung der Deutschen, womit natürlich auch die Altösterreicher deutscher Muttersprache miteinbegriffen sind.

Dr. Wildmann, A-4040 Linz/D, ist in Zusammenarbeit mit Karl Weber, D-67136 Fußgönheim, aus dem Aktivkreis der Donauschwäbischen Kulturstiftung, München, bemüht, dafür Sorge zu tragen, dass die Vertreibung der Donauschwaben in der Ausstellung auf wirksame und sachliche Weise zur Darstellung gelangt.

Fotonachweis: R. Deckert, Dr. P. Fraunhoffer, H. Hefner, H. Holz, H. Frisch, E. Kropsch, F. Holzinger Namentlich gezeichnete Artikel müssen nicht in jedem Falle mit der Meinung der Landesleitung übereinstimmen.

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ˇ VERNICHTUNGSLAGER RUDOLFSGNAD/KNICANIN Gebiete und Heimatorte der Umgekommenen, entnommen aus Band IV „Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien“ EDV-mäßig aufbereitet von Herrn Norbert RENGART • www.rengart.de • info@rengart.de

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EHRENOBMANN Altbgm. HANS HOLZ besucht die alte Heimat Die Anregung zum abermaligen Besuch meiner alten Heimat erfolgte durch das Interesse Andorfer Freunde und Mitbürger anlässlich gesellschaftlicher Begegnungen: "60-Jahr Jubiläum" des Altbürgermeisters Holz in Andorf (20.4.1946 - 20.4.2006) 14 Teilnehmer beteiligten sich an der Reise vom 5. bis 7. Mai d.J. In Zrenjanin - vormals Großbetschkerek - wurden wir von unserem Dolmetscher empfangen und im Hotel Vojvodina einquartiert. Am Samstag, 6. Mai, besichtigten wir vorerst den geräumigen und gepflegten Stadtplatz, die katholische Stadtpfarrkirche, die zur Zeit saniert und frisch gefärbelt wird, den "KORSO", den wir schon als Gymnasiasten 1938/39 allabendlich gern besuchten und nette Erlebnisse als Erinnerung bis heute mitnahmen. Nun fuhren wir über Lazarfeld nach Ernsthausen in meine Heimatgemeinde. Der Anblick dieser einst sehr schönen und gepflegten deutschen Dörfer vermittelten uns ein Bild "Grau in Grau", Häuser zum Teil unbewohnt, zerfallen, ungepflegt, sodass meine heimatliche Grundstimmung in Wehmut und seelische Erschütterung mündete. In Ernsthausen - nun Banatski Despotovac - wurden wir beim jetzigen Gemeindeamt vom früheren und jetzigen Bürgermeister und einigen Mandataren freundlichst begrüßt und empfangen. Nach den Begrüßungsansprachen und Austausch von Geschenken überraschte mich der Bürgermeister der Gemeinde mit mehreren Entwürfen zur Errichtung einer Gedenkstätte zu Ehren der ehemaligen deutschen Bewohner der Gemeinde. Als sehr bewußter Ernsthausener war ich ob dieses Vorschlags überrascht und betroffen. Auch der vorgesehene Platz hinter der Friedhofskapelle wurde uns gezeigt und bleibt bis zu unserer Entscheidung frei und reserviert. Ich versprach, diese Entwürfe im Gedenken an die früheren deutschen Generationen in Ernsthausen mehreren Landsleuten in Österreich, Deutschland, USA und Kanada zur Stellungnahme zu überreichen. Schließlich erwarten sich die jetzigen Bewohner der Gemeinde auch eine finanzielle Unterstützung. In der Folge zeigte ich meinen "Andorfern" das Ortsbild zur deutschen Zeit, vor allem die "RUNDELL" mit den wichtigsten Gebäuden: Gemeindeamt, Schule, Pfarrhaus, Apotheke, Gemeindearzthaus, Geschäftslokale, Gasthäuser und stattliche Bauernhäuser, die teilweise weggerissen oder erbärmlich vernachlässigt wurden. Schließlich begaben wir uns zur Mitte der ehemaligen Parkanlage, wo einst die im neugotischen Baustil errichtete katholische Kirche stand. Diese wurde 1946 abgetragen und das Baumaterial zur Errichtung eines "kommunistischen Volksheimes" verwendet. Dadurch fehlt dieser Mittelpunkt der Gemeinde, der den Menschen früherer Jahrzehnte Halt, Kraft und Trost verlieh, aber auch bei festlichen Anlässen die Bewohner freudig und dankbaren Herzens stimmte. Nachmittags fuhren wir über Etschka nach Rudolfsgnad. Nach dem Empfang durch den Vorsitzenden des "Vereines Gedenkstätten Rudolfsgnad e.V" Radosav JOCIC wurden wir zur Teletschka geleitet. Ehrenobmann Hans Holz sprach vor dem Ehrenmal Worte des Gedenkens bezogen auf das furchtbare Schicksal 9000 unschuldiger deutscher Menschen von 1945 - 1948, die in dem Massengrab ihre letzte Ruhe fanden. Sodann legte er einen Kranz der ''Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ'' mit grünweißer Schleife nieder, worauf die Worte standen: ''Gedenken in Ehrfurcht und Treue''. Radosav Jocic dankte vor allem für den ehrenvollen Besuch der Österreicher und versprach, diese Gedenkstätte stets würdevoll zu pflegen und in Ehren zu halten. In der Folge besuchten wir die Friedhofskapelle und das Massengrab auf dem Friedhof mit 3000 Toten. Schließlich begaben wir uns in den Gemeindesitzungssaal. Ehrenobmann Holz dankte nochmals dem Vorsitzenden Radosav Jocic für die umsichtige Betreuung der Gedenkstätten und die gute Zusammenarbeit mit Obmann Lorenz Baron und überreichte ihm eine Spende von € 300,zur Pflege der Gedenkstätten, Obmann Jocic bedankte sich bewegten Herzens für die Spende und versprach, sich weiterhin für die gemeinsamen Aufgaben des Vereins "Gedenkstätten Rudolfsgnad" einzusetzen. Diese Gedenkstätte der Nachwelt zu erhalten, bleibt oberstes Gebot. Es soll die Lebenden stets erinnern, dass im 20. Jahrhundert viel Unrecht durch blinden Hass geschehen ist und dass sich so etwas in Zukunft in Europa nie wiederholen darf. 22


Fotobericht

Empfang der Reisegruppe im Sitzungssaal der Gemeinde Banatski Despotovac (Ernsthausen).

Pfarrkirche in Ernsthausen: 1881 erbaut, der Hl. Christina gewidmet. Standort: Inmitten der Parkanlage. Maße: 49,45 m Länge, 24,80 m Breite und 58,57 m Höhe. Die Kirche wurde 1946 durch die Partisanen der „ersten Stunde“ abgerissen. Das Baumaterial wurde zur Errichtung eines „kommunistischen Volksheimes“ verwendet.

Altbgm. Holz zeigte den ehemaligen Standort der Kirche u. erläuterte das Ortsbild in der „Rundell“.

Die Friedhofskapelle von Ernsthausen blieb erhalten. Vom deutschen Friedhof sieht man nicht mehr viel.

Das weit sichtbare Ehrenkreuz auf der Teletschka. Inzwischen sind Gedenktafeln nachstehender Heimatortsgemeinschaften angebracht. Ernsthausen, St.Hubert-Charleville-Soltur, Elisenheim, Glogonj/Jabuka, Karlsdorf, Etschka, Ploschitz, Perles, Mramorak, Franzfeld, Stefansfeld, Pantschevo, Homolitz, Lazarfeld … Ehrenobmann Holz, Radosav Jocic u. Dolmetscher Vojin vor dem Ehrenmal

Die Reiseteilnehmer aus Andorf waren tief bewegt vom Gesehenen und Gehörten einer furchtbaren Zeit unmittelbar nach Kriegsende 1945

Der Kranz der Landsmannschaft der Donauschwaben von Oberösterreich mit der grünweißen Schleife wird von den Andorfern Sepp Gruber und Sepp Lehner in Würde gehalten.

Andorf, 19. Mai 2006

Hans Holz e.h.

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SPRECHTAGE: Jeder 1. und 3. Samstag im Monat von 9.00 bis 11.00 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung im Büro des „Vereinszentrums Herminenhof“, Maria-Theresia-Straße 33, A-4600 Wels Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Landsmannschaft der Donauschwaben in OÖ. Für den Inhalt verantwortlich: Landesobmann Dir. i.R. Ing. Anton Ellmer Maria-Theresia-Str. 33, A-4600 Wels, Tel. 0 72 42 / 452 78 Privat: Tel. 0 72 43 / 509 31, E-Mail: a.ellmer@aon.at Sparkasse OÖ. Wels, BLZ 20 320, Kto.-Nr. 10000 017 286 Hersteller: Ernst Denkmayr GmbH, A-4020 Linz, Reslweg 3


P.b.b. Erscheinungsort Wels, Verlagspostamt 4600 Wels

Zulassungsnummer GZ 03Z034889 M

Mitteilungen der Landsmannschaft der Donauschwaben in Oberösterreich Jahrgang 39

Juli, August, September 2006

Nr. 3

Mitglieder der Landsmannschaft erhalten die Mitteilungen kostenlos

Internationale Entwicklung zeigt: Annullierung der „AVNOJ-Gesetze“ bald möglich

Eine

selbstbewusste Regierung könnte sich einen

ruhmvollen Platz in der Geschichte sichern Anton Ellmer Landesobmann der Donauschwaben in Oberösterreich

Lange, sehr lange haben wir warten müssen – nun ist endlich die Zeit gekommen, wo man international die Verbrechen des Kommunismus verurteilt und eine ehrliche Aufarbeitung dieses Kapitels fordert (allerdings noch nicht in Österreich, da sind unsere Toten noch immer „Opfer 2. Klasse“ – man könnte sich an Ungarn ein Beispiel nehmen). Jahrzehntelang wurde gemauert, geschwiegen – und was noch schwerer wiegt: Unwahrheiten wurden verbreitet und in die Geschichtsbücher geschrieben – und/oder die Wahrheit verschwieg man – wie bei uns – unser Schicksal findet man in keinem österreichischen Geschichtsbuch. Jetzt beginnt aber auch diese Mauer der Unwahrheiten zu bröckeln. Die nachfolgenden Fakten sind für sich starke Argumente, die allein schon aus sich heraus die Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens in Bedrängnis bringen – und, der „europäische politische Trend“ wird sie zum Handeln zwingen. Und zwar ALLE. Ob früher oder später.

Die Zeit, dieses Thema „von oben“, also vom offiziellen Österreich, aufzunehmen, war seit Kriegsende noch nie so günstig wie im Augenblick, denn die internationale Entwicklung auf diesem Gebiet ist irreversibel. Man beachte doch die diesbezügliche Entwicklung: ● Am 25. Januar 2006 wurde in der 5. Sitzung der Versammlung des Europäischen Parlamentes die Resolution 1485 (2006) mit dem Text über die Notwendigkeit der Verurteilung der Verbrechen der totalitären kommunistischen Regime verabschiedet. ● Diese richtungsweisende Resolution ist in Kroatien schon auf fruchtbaren Boden gefallen: Das kroatische Parlament hat am 30. Juni 2006 eine Deklaration verabschiedet, welche sich an obiger Resolution orientiert und bei den heiklen Themen sehr offen ihre eigene Republik anspricht und von der man erwartet, dass sie die Grundlage zur Annullierung der AVNOJBeschlüsse sein wird, was noch in diesem Kalenderjahr erwartet wird. Fortsetzung Seite 8 + 9


EINLADUNG zum

Tag der Donauschwaben am Samstag, dem 14. Oktober 2006 im Volkshaus Marchtrenk Ehrenschutz: Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer

PROGRAMM: 13.30 Uhr: ein Original-Fluchtwagen trifft vor dem Volkshaus ein – Begrüßung durch Bürgermeister Fritz Kaspar und eine Bläsergruppe des Musikvereines Marchtrenk 13.50 Uhr: Einmarsch des Chores des Pensionistenverbandes Oftering und der Bläsergruppe 14.00 Uhr: Musikalische Eröffnung durch die Bläsergruppe 14.05 Uhr: Eröffnung und Begrüßung durch Landesobmann A. Ellmer Chor Grußadressen der Herren Bgm. Kaspar, LHStv. DI Haider und des Landeshauptmannes Dr. Pühringer Bericht des LO Ellmer über die aktuellen Themen „AVNOJ“ und Entschädigungen Kroatien und Serbien Chor Festansprache: Prof. Dr. Wildmann Gedicht: Anita Chor Ehrungen: die Landesleitung sowie LH Dr. Pühringer und LHStv. DI Haider ehren Persönlichkeiten, die sich um die Donauschwaben große Verdienste erworben haben Chor Schlussworte des Landesobmannes anschließend singen alle Teilnehmer gemeinsam mit dem Chor die Landeshymne Moderation: Bgm. a.D. OSR Robert Pill 2


Hinweise zum Tag der Donauschwaben am 14. 10. 2006 im Volkshaus Marchtrenk, Goethestraße 7

Liebe Mitglieder, liebe Landsleute, Liebe Freunde der Donauschwaben, wir laden Sie mit Ihren Familien, Freunden / Bekannten sehr herzlich zu dieser Veranstaltung ein. Wie bereits in der Vorankündigung erwähnt, werden wir in feierlichem Rahmen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, welche für unsere Volksgruppe Außergewöhnliches geleistet haben, und verdienstvolle Mitglieder der Landsmannschaft ehren. Die Ehrungen werden durch die Landesleitung sowie durch die Herren LH Dr. Pühringer und LHStv. DI Haider vorgenommen. Wir bitten um zahlreiche Teilnahme, um diesen verdienstvollen Persönlichkeiten unsere Reverenz zu erweisen und um auch der Feierstunde den ihr gebührenden Rahmen zu geben. Neben Informationen über die Entwicklung der Situation zu den AVNOJ-Beschlüssen, über Entschädigungsfragen Kroatien und Serbien wird auch ein anspruchsvolles Rahmenprogramm sicherlich dafür sorgen, dass Sie einen Nachmittag in heimatlicher Atmosphäre verbringen. Wie Sie dem Programm (Einladung) auf Seite 2 entnehmen können, werden Sie einen OriginalFluchtwagen vor dem Volkshaus antreffen, welcher an die heute kaum mehr vorstellbaren Strapazen während der Flucht erinnert. Wir werden uns erinnern, was Menschen tatsächlich in der Lage sind auszuhalten, wenn es um den Überlebenskampf im wahrsten Sinne des Wortes geht. Für unsere Nachfahren gäbe es da durch die Anwesenheit zahlreicher älterer Menschen, welche die Flucht gut überlebt und jetzt nach mehr als 60 Jahren auf diesen schmerzvollen Fluchtweg zurückschauen, viel an Lebenserfahrung aufzunehmen. Auch genügend Parkplätze sind vorhanden, so dass kein größerer Anmarschweg zurückzulegen sein wird. Ortsfremde finden das Volkshaus durch die gute Beschilderung relativ einfach. Wir rechnen mit Ihrem Besuch und ersuchen die „mobilen“ Mitglieder bzw. Landsleute, Fahrgemeinschaften zu bilden und ältere Frauen und Männer mitzunehmen. Das Restaurant des Volkshauses wird Ihnen überdies jeden kulinarischen Wunsch zu Ihrer Zufriedenheit erfüllen. Wir schlagen vor und ersuchen auch darum, soweit es irgendwie möglich sein sollte, in Tracht zu kommen. Egal in welcher Tracht – es gibt aber sicherlich ein schönes Bild, wenn unsere Frauen sich für diese Feierstunde besonders „herausputzen“ und sich von den Männern bewundern lassen. Verbringen wir wieder ein paar schöne Stunden gemeinsam in Erinnerung an unsere Flucht und an die teilweise mehr als 60 schönen Jahre in unserer neuen Heimat Österreich.

Entschädigung Kroatien Hier soll angeblich Staatspräsident Mesic´ seine bisherige Einstellung zu diesem Thema (Gleichstellung unserer enteigneten Landsleute aus dem heutigen Kroatien mit den enteigneten kroatischen Staatsbürgern) revidiert haben und keine weiteren Einwände einbringen. Das heißt für die betroffenen Landsleute weiterhin: Bitte warten, Leider. Vergessen wir die unzähligen überschwänglichen Ankündigungen und üben wir uns weiterhin in Geduld. Die vom kroatischen Parlament am 30. Juni 2006 verabschiedete Deklaration (siehe Seite 7) kann uns aber mit Recht Hoffnung machen, dass künftige Ankündigungen langsam aber sicher ernst zu nehmen sind. Zumindest ernster als die zahlreichen bisherigen „Wasserstandsmeldungen“.

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ENTSCHÄDIGUNG – SERBIEN

von Anton Ellmer

Was ist der heutige Stand und wie geht es weiter – bzw., wie kann es weiter gehen? 2. Die Evidenz des Vermögens wurde aufgrund der inhaltlichen Angaben aus Nummer 1 dieser Bestätigung durchgeführt.

Die Landsleute, die eine Anmeldung ihres enteigneten Vermögens bei der serbischen Vermögensstelle in Belgrad haben, haben in letzter Zeit von der Direktion der Vermögensstelle aus Belgrad ein Schreiben in serbischer Sprache und kyrillischer Schrift erhalten. Es ist ein für alle gleich lautendes Formblattschreiben in dem sich nur das Aktenzeichen im Briefkopf und die persönlichen Daten des Antragstellers ändern.

3. Diese Bestätigung wird als Beweis für die durchgeführte Evidenz des Vermögens ausgestellt und kann nicht für andere Zwecke genutzt werden. Unterschrift Siegel der Dienststelle

Den Anmeldern geben wir zum besseren Verständnis und für den Fall, dass sie den Text nicht selbst übersetzen können, nachfolgend die Übersetzung des Formblattschreibens bekannt:

Anmerkung: Das Schreiben ist nur eine Bestätigung des Eingangs des Anmeldeantrags und die Mitteilung des Aktenzeichens, unter dem der Antrag registriert ist. Es bedeutet noch keinerlei Prüfung des Antrags, was möglicherweise später erfolgen wird und worüber der einzelne Antragsteller zu gegebener Zeit eine Nachricht erhalten wird. Auch ist es noch keine Mitteilung über die Vollständigkeit der erforderlichen Vorlage von Dokumenten über das enteignete Vermögen.

REPUBLIK SERBIEN Direktion der Republik Serbien für das Vermögen der Republik Serbien Nummer: Ihr Aktenzeichen Datum … Belgrad In Übereinstimmung mit Artikel 5, Absatz 2 des Gesetzes über die Anmeldung und Evidenz des enteigneten Vermögens („Amtsblatt RS“, Nummer 45/05) und mit Einblick in die bei dieser Direktion geführten Evidenz des angemeldeten Vermögens, w i r d ausgestellt

Bei einem evtl. Schriftverkehr mit der Vermögensstelle in Belgrad bitte immer das Aktenzeichen im Briefkopf der Bestätigung angeben !!! (Auszug aus „Der Donauschwabe“ – Mitteilungen für die Donauschwaben in Deutschland / Wack) Wie es tatsächlich weitergeht, weiß wohl kein Mensch, ich empfehle daher zunächst einmal die Bestätigungen abzuwarten bzw. beobachten, ob nicht doch noch eine Novellierung des Gesetzes und damit eine neuerliche Anmeldung möglich wird. Wir halten Sie, liebe Landsleute, auf alle Fälle auf dem Laufenden.

BESTÄTIGUNG 1. Dass (Name des Anmelders, und Pers. Nr… A- Anschrift, Österreich, Datum des Anmeldeantrages) eine Anmeldung des enteigneten Vermögens entsprechend Absatz 3 des angegebenen Gesetzes gestellt hat.

Welche Unterstützung zur Erleichterung der „Anmeldung“ haben wir als Landsmannschaft erhalten? Auch Vertriebenensprecher Ing. Kapeller haben wir um Unterstützung gebeten, hat er doch in einer Aussendung am 31.1. 2006 – allerdings im Zusammenhang mit den „Klimt-Bildern“ – geschrieben: „Österreich ist die moralische Instanz und hat die Berechtigung als Schutzmacht für heimatvertriebene Altösterreicher zu fungieren“.

In der letzten Ausgabe habe ich im Hinblick auf die seinerzeitigen Versprechungen bei der „Vermögenserhebung“ sowohl von Seiten der Regierung als auch von unseren Vertretungen gemeint, „es wird nachzufragen sein, ob die Bundesregierung unsere Interessen vertreten hat – die Reaktionen auf die Eingaben unserer Landsmannschaft waren jedenfalls vollkommen unbefriedigend, bis gleich Null“. Um es vorwegzunehmen: Auch bis 30. 6., also dem Anmeldeschluss, und auch bis heute kam keine Mitteilung, dass z. B. eine Intervention unseres Bundeskanzlers bei seinem serbischen Kollegen Kostunica erfolgt sei.

Zu schön um wahr zu sein, kann man dazu nur sagen. Auf Antwort zu meinem diesbezüglichen Schreiben vom 14. 4. 2006 warte ich übrigens 4


heute noch – und werde es wohl auch bis in alle Ewigkeit tun müssen. Nobel, Herr Vertriebenensprecher. Danke. – Was die anderen div. Institutionen bzw. Außenminister Dr. Mock schriftlich ver-

sichert haben, wurde ebenfalls im letzten Mitteilungsblatt zumindest erwähnt, sodass ich im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen nicht näher darauf eingehe.

Wie reagierten die Landsmannschaften in Deutschland und Österreich? Wir Vertreter unserer Landsleute müssen uns aber auch selbst fragen, ob wir richtig und mit der nötigen Beharrlichkeit an die Sache herangegangen sind. Ob es uns gefällt oder nicht muss klar festgestellt werden, dass statt eines sofortigen grenzüberschreitenden, koordinierten Vorgehens und eines Protestes durch den Weltdachverband anfangs jeder von uns nach eigenem Gutdünken handelte. Auch wenn wir durch Serbien allesamt von diesem Gesetz überrascht wurden – und das sowohl zeitlich als auch inhaltlich, wobei ich hier an die unzähligen „Schikanen“ denke.

Kollegen sehr darum bemühte, interessierten Landsleuten die Anmeldung zu erleichtern bzw. überhaupt erst zu ermöglichen. Persönlich legte er ein großes Arbeitspensum hin. So war er sowohl 2005 als auch 2006 jeweils mehrere Male in Belgrad (wo er auch Kontakt mit der Direktion für Vermögensfragen in Belgrad aufgenommen hat) und Novi Sad um sich u.a. vor Ort zu überzeugen, in welchen Archiven der Kreiskommissionen die Enteignungsbeschlüsse liegen und um im Einzelnen festzustellen, wie man Fotokopien derselben kostengünstig und schnell besorgen könnte. Kollege Wack, Pressereferent der Landsmannschaft in Deutschland hat uns stets mit diesen aktuellen Informationen auf kurzem Wege versorgt – darunter auch Übersetzungen aus serbischen Tageszeitungen zu diesem Thema – sodass wir unsere Landsleute stets auf dem aktuellen Stand halten konnten.

Von „ …empfiehlt aber allen Landsleuten, ihr Vermögen anzumelden und unterstreicht die Notwendigkeit, dabei einen Anwalt zu konsultieren…“ über „ …Derzeit kann … keine seriöse Empfehlung an die Landsleute abgegeben werden, bestimmte Schritte bezüglich einer Anmeldung des enteigneten Vermögens zu unternehmen…“

Spät, aber nicht zu spät, hat sich auch der Weltdachverband noch aufgerafft und in einem Schreiben an den serbischen Präsidenten Kostunica gewandt, in welchem auf unsere bekannten Anliegen hingewiesen wurde. Darüberhinaus wurde um einen Besuchstermin der Bundesobmänner aus Australien, Argentinien, Kanada, den USA, Deutschland und Österreich gebeten, um die Bedenken gegen dieses Gesetz auch mündlich vorzutragen. Damit gab es wenigstens in der Endphase der Anmeldefrist ein koordiniertes Vorgehen und, wenn man es so betrachtet, einen weltweiten Protest gegen dieses Gesetz.

bis zu „ …Unterstützung bei der Beschaffung der notwendigen Dokumente und laufende seriöse Information mit guten Tipps zur praktischen Vorgangsweise…“ waren so die Stellungnahmen der ersten Monate. Großen Dank gebührt jedenfalls Herrn Supritz, seines Zeichens Bundesvorsitzender der Landsmannschaft in Deutschland, der sich mit seinen

Ein Musterbeispiel, wie man den Landsleuten echte Hilfe bietet, war in Oberösterreich Reg.-Rat Igl Was man unter „Serviceleistung“, weniger hochtrabend gesagt: unter „echter Hilfestellung“ für unsere oft verzweifelt um Hilfe suchenden, meist älteren Landsleute versteht, hat unser Vorstandsmitglied Reg.-Rat. Igl bewiesen. Obwohl er persönlich selbst unter einem permanenten Zeitdruck steht, hat er sich mit seinem Wissen jedem Hilfesuchenden – ob Mitglied der Landsmannschaft oder nicht – bereitwillig zur Verfügung gestellt. Oft waren es gleichzeitig bis zu 30 /40 Personen in unserem Besprechungszimmer, denen er seine Unterstützung angedeihen ließ. Dabei hat er schon in der Vorbereitungsphase alle in Betracht kommenden Begriffe in die serbische Sprache übersetzt und den Landsleuten zur Verfügung gestellt.

Dann hat er Zeile für Zeile erklärt, was wo und wie in das „Anmeldeformular“ einzutragen ist, sodass den meisten Landsleuten unter seiner Anleitung ein einwandfreies Ausfüllen in serbischer Sprache ermöglicht wurde. Wenn besondere Fragen bzw. Erklärungen erforderlich waren, stellte er sich den Rat suchenden Landsleuten anschließend in Einzelgesprächen zur Verfügung oder es gab eine eigene Terminvereinbarung. Die Landesleitung dankt unserem menschlich so bescheidenen Kollegen Igl für diesen außerordentlichen Einsatz und spricht ihm die höchste Anerkennung aus. 5


Staatspräsident László Sólyom – Ungarn: „Als Staatspräsident entschuldige ich mich bei den vertriebenen Schwaben… und ihren vertriebenen Familien für das ihnen widerfahrene Unrecht und die Ungerechtigkeit und verneige mich vor dem Denkmal der Erinnerung der Vertriebenen in der Hoffnung, dass die Ungarndeutschen hier wieder zuhause sind“ schrieb er anlässlich der Einweihung der Gedenkstätte „Vertreibung der Ungarndeutschen“ am 18. Juni in Wudersch bei Budapest, von wo die Vertreibungen ihren Ausgang genommen haben.

dass andere Staaten Mitteleuropas die Möglichkeit nützen wollten, um die ethnischen Minderheiten loszuwerden, und das es sogar einen Staat gibt, der die damalige Entrechtung und Vertreibung der Nationalitäten bis heute für rechtsmäßig und gerechtfertigt hält…“ Parlamentspräsidentin Katalin Szili hat mit mitfühlenden Worten die Vertreibungsdekrete als „Dokumente der Schande“ bezeichnet. Übrigens hat das ungarische Parlament im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der deutschen Vertriebenengeschichte auch die Bereitschaft erklärt, demnächst einen Gedenktag für die Vertreibung der Deutschen abzuhalten.

Weiters heißt es in der Botschaft des Staatspräsidenten: „Die Vertreibung der Ungarndeutschen war lange Zeit ein Tabuthema. Nach der Wende haben wir sofort erkannt, dass die Verschleppung der Ungarndeutschen ab 1944, die darauf folgende Internierung und die Aussiedlung eine Reihe von rechtswidrigen und ungerechten Maßnahmen darstellt, dass die Schwaben unschuldig gelitten haben. Das Verfassungsgericht annullierte die Gesetze über die Kollektivschuld vom Jahre 1945. Jetzt sind wir bereits dabei, die historischen Fakten zu erschließen, wodurch die damaligen Ereignisse nach und nach auch öffentlich zur Kenntnis gelangen.“

Anmerkung: Abgesehen davon, dass Ungarn von den post-kommunistischen Staaten ohnehin in jeder Beziehung eine Vorreiterrolle in Bezug auf die Bewältigung der Vergangenheit einnimmt, wird diese klar und deutlich formulierte Botschaft des ungarischen Staatspräsidenten sicherlich den positiven politischen Trend in (Ost- bzw. Südost-)Europa noch verstärken. Die Donauschwaben-Zeitung brachte in ihrer September-Nummer einen sehr ausführlichen Bericht (mit dem vollständigen Text der Botschaft des Staatspräsidenten) zu dieser beachtenswerten Festveranstaltung, an der u.a. auch die deutsche Botschafterin in Ungarn, Ursula Seiler-Albring teilnahm, welchen wir teilweise übernommen haben.

„ …Es ist auch keine Entschuldigung für die Vertreibung der Schwaben; dass die Siegermächte den Schlüssel zur Stabilisierung in ethnisch homogenen Staaten sahen; wie auch das nicht,

Restitutionsanmeldung – eine Nachlese

von Mag. Philipp Wagner

schaft zum Zeitpunkt der Enteignung festgehalten. Die Unterlagen wurden vom serbischen Rechtsanwalt einige Tage vor Ablauf der Frist eingereicht. Die Anmeldung soll ein Zeichen des Protests gegen die kollektive Verurteilung aller Deutschstämmigen zu Verbrechern sein. Mein Vater kam als Kind in ein Konzentrationslager der Partisanen und meine Urgroßeltern sind im Lager umgekommen. Die Einreichung erfolgt rein aus ideellen Gründen. Nicht die Unkosten waren sehr aufwändig, jedoch die Abwicklung stellte sich als äußert umfangreich heraus, denn die Hilfestellung der Institutionen war äußerst geringfügig. Ohne Eigeninitiative und intensiven Einsatz wäre wohl eine Anmeldung nicht gelungen, sodass leider anzunehmen ist, dass ein Großteil der berechtigten Personen resignierend von einer Einreichung Abstand genommen hat.

Über private Kontakte wurde eine geeignete Rechtsanwaltskanzlei ausfindig gemacht. Ein Rechtsanwalt der Kanzlei, der die Anmeldung durchgeführt hat, sprach nahezu fließend Deutsch, da er unter anderem in Heidelberg studiert hatte. Der Umfang des Aktes betrug schließlich zumindest 70 Seiten. Eine weitere Anwaltskanzlei war bei der Erhebung der grundbücherlichen Unterlagen eingebunden. Ein österreichischer Notar musste die Identität des Einreichers bestätigen und die Vollmacht für die Durchführung weiterleiten. Ergänzend fand noch ein – nicht zwingend erforderlicher – Besuch in der Kanzlei in Novi Sad / Serbien statt. Das Hausgrundstück, einige kleinere Grundstücke rund um den Geburtsort und die Pusta/ Salasch wurden gefunden. Auf den behördlichen Bescheiden des Grundbuchs ist die Kollektivschuld der Deutschen, welche die Enteignung berechtigte, und der Wert der jeweiligen Liegen-

(gekürzt; die Redaktion) Maria Enzersdorf, Österreich, 3. 9. 2006

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Kroatien:

Werden die AVNOJ-BESCHLÜSSE in Kroatien noch heuer annulliert ? von Anton Ellmer Wie „Deutsches Wort“, das Blatt der Deutschen und Österreicher in Kroatien in seiner Juni-Ausgabe berichtet, hat das kroatische Parlament am 30. Juni 2006 eine Deklaration verabschiedet, welche sich an der Resolution 1481 (2006) der Vollversammlung des Europäischen Parlamentes vom 25. Jänner 2006 orientiert (siehe dazu Seite 19 in unserem letztes Mitteilungsblatt), bei den heiklen Themen aber sehr offen ihre eigene Republik anspricht. Das „Deutsche Wort“ schrieb dazu:

• Das kroatische Parlament denkt auch, dass den Opfern der totalitären kommunistischen Regime, die noch leben, oder ihren Familien Mitgefühl, Verständnis und Anerkennung für ihr Leiden gezeigt werden soll. • Gleichzeitig denkt das kroatische Parlament, dass es selber die nationale Schlüsselinstitution zur Verurteilung der Verbrechen des jugoslawischen und kroatischen totalitären Kommunismus sein sollte und dass sich mit der systematischen Untersuchung der Geschichte dieser Verbrechen wissenschaftliche und juristische Institutionen beschäftigen sollten. • Das kroatische Parlament schließt sich dem Ruf an, …ihre eigene Geschichte einzuschätzen und sich klar von Verbrechen, die von Seiten der totalitären kommunistischen Regime verübt wurden, zu distanzieren und um sie ohne irgendwelche Unklarheiten zu verurteilen. • Das kroatische Parlament teilt die Meinung des Europäischen Parlamentes, dass diese klare Position der internationalen Gemeinschaft auch eine weitere Versöhnung ermöglicht. Sogar, dass man Welthistoriker ermutigen sollte, ihre Forschungen … betreffs dem was geschehen ist, fortzusetzen.

„Wir sind sicher, dass diese Deklaration die Grundlage zur Annullierung der Beschlüsse des AVNOJPräsidiums vom 21. November 1944 wird, was wir bis zum Jahresende erwarten“. Scheinbar beginnt man im ehemaligen Jugoslawien zu erkennen, dass nur eine ehrliche und vorbehaltlose Aufarbeitung der Vergangenheit letztendlich die Basis für ein friedliches Miteinander darstellt. Das könnte hoffentlich eine Initialzündung sein, sodass über die Aufhebung der AVNOJBeschlüsse dann auch in Serbien nachgedacht werden muss, will Serbien sich nicht selbst ins Eck stellen (siehe dazu auch den Bericht auf den Seiten 8 + 9).

Die Frage, die sich nun stellt ist: Wann folgt Serbien diesem Beispiel ?

Auszug aus dieser Deklaration: • Der Fall der totalitären kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa war nicht in allen Fällen, so auch nicht im Falle der Republik Kroatien, von internationalen Untersuchungen der Verbrechen, die diese Regime verursachten, begleitet. • Täter dieser Verbrechen wurden nicht vor das Gericht der internationalen Gemeinschaft gestellt, so wie es der Fall war, nach den schrecklichen Verbrechen, die der Nazismus vollbracht hatte. • Das kroatische Parlament ist überzeugt, dass die Bewusstheit über die geschichtlichen Vorkommnisse eine der Vorbedingungen ist um ähnliche Verbrechen in Zukunft zu vermeiden.

Ergänzung: Ungarn hat zur Frage der Vertreibung der Schwaben einen ganz vorbildlichen Weg eingeschlagen, indem es die Gesetze über die Kollektivschuld von 1945 durch das Verfassungsgericht annulliert und sich offiziell und öffentlich für das den vertriebenen Familien angetane Unrecht entschuldigt hat (siehe Seite 6).

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und weiters, „wenn wir es wagen, über die Opfer der Deutschen… zu sprechen, dann bedeutet das, dass wir dazu bereit sind, eine große Wahrheit anzunehmen…“

Fortsetzung – Titelseite:

Internationale Entwicklung zeigt… • Der ungarische Staatspräsident László Sólyom schreibt in seiner Botschaft am 18. Juni 2006 an seine deutschen Landsleute: „Als Staatspräsident entschuldige ich mich bei den vertriebenen Schwaben und ihren vertriebenen Familien für das ihnen widerfahrene Unrecht und die Ungerechtigkeit und verneige mich vor dem Denkmal der Erinnerung der Vertriebenen.“ Ungarn hat also zur Frage der Vertreibung der Schwaben einen ganz vorbildlichen Weg eingeschlagen, indem es die Gesetze über die Kollektivschuld von 1945 durch das Verfassungsgericht annulliert und sich offiziell und öffentlich für das den vertriebenen Familien angetane Unrecht entschuldigt hat.

Diese Entwicklung muss man begrüßen und mit allem Nachdruck unterstützen, denn schließlich geht es um die Aufhebung der AVNOJ-Gesetze, also jener „Unrechtsgesetze“ welche das unermessliche Leid an unserer Volksgruppe auslösten. Der Stein kommt also ins Rollen. Auch ohne die österreichische Bundesregierung. Die Frage ist nur, ob sie das so will bzw. ob und wie sie darauf reagiert. Nach der Inaktivität bei dem „Anmeldegesetz“ liegt vor der neuen Bundesregierung eine sich zeitlich rein zufällig ergebende und seit Kriegsende noch nie da gewesene Chance, die heikelsten Probleme der Vertriebenen zu lösen. Denn was für uns Donauschwaben die AVNOJ-Beschlüsse sind, das sind für unsere Sudetendeutschen Leidensgenossen bekanntlich die Benesch-Dekrete.

• Serbien hat von sich aus das Gesetz zur „Anmeldung… von enteignetem Vermögen“ erlassen und somit in gewissem Sinne Bereitschaft zu Gesprächen bekundet.

Ungarn hat diese Frage mustergültig erledigt. Kroatien ist seit nunmehr einigen Wochen dabei, dies zu tun.

• Das Parlament der Autonomen Provinz Wojwodina hat im März 2003 eine Resolution gefasst, die besagt: Das Unrecht, das durch die Anwendung des Prinzips der Kollektivschuld im II. Weltkrieg und unmittelbar danach angetan wurde, ist zu überwinden. Und zwar so, dass alle Gesetze, die die Kollektivschuld als Grundlage haben, zu überprüfen und die unschuldig Betroffenen zu rehabilitieren sind – diese Resolution liegt derzeit (noch) unberücksichtigt in Belgrad.

In der „Autonomen Provinz Wojwodina“ laufen derartige Bemühungen schon seit einigen Jahren, sodass sich Serbien dieser Entwicklung nicht verschließen wird können und ein Fortschritt in Ex-Jugoslawien könnte in Prag wohl kaum unbeachtet bleiben. Erinnern wir uns, wenn es gilt den Trend der Zeit zu erkennen: Wie sagte doch ein hochgeschätzter Staatsmann sinngemäß vor dem Fall der Berliner Mauer und vor der Wiedervereinigung Deutschlands:

• Das Parlament der Autonomen Provinz Wojwodina hat eine parlamentarische Untersuchungsarbeitsgruppe für das „Feststellen der historischen Wahrheit“ in der Wojwodina eingerichtet, welche ihre Arbeit mittlerweile beendet hat.

„ …wer sich in der Politik gegen eine friedliche Entwicklung stellt, den bestraft die Geschichte…“ Heute wissen wir, wie RECHT dieser wohl weitsichtigste Politiker des vergangenen Jahrhunderts hatte.

• Der Vorsitzende dieses Enquete-Ausschusses des Wojwodina-Parlamentes für die Untersuchung der historischen Wahrheit, Professor Zivkovic, erklärte, die Ergebnisse der Arbeit des Ausschusses seien für die einheimische Öffentlichkeit frappierend. „Zu einer Zeit, in der die Wahrheit nicht ausgesprochen werden darf, in der sie verboten ist und nur geflüstert werden darf, werden wir in drei Sammelbänden alle Daten, an die wir gelangt sind, veröffentlichen. Diese Daten sind frappierend, weil darüber bislang geschwiegen wurde…“

Ich weiß natürlich nicht, ob die Bundesregierung diese wohl einmalige Chance erfasst und mutig und mit ehrlichem eigenen Zutun mithilft, dass diese „Mord-Gesetze“ endlich außer Kraft gesetzt werden – aber ich glaube zu wissen, dass sie so eine großartige Gelegenheit, menschenverachtendes Unrecht aus der Welt zu schaffen und dadurch selbst internationale Anerkennung in höchstem Maße zu erwerben, mit hoher Wahrscheinlichkeit kaum ein zweites Mal kommen wird. 8


geht. Die traumatischen, seelischen und körperlichen Folgen der Vertreibung stehen für alle im Vordergrund, sagen sie. Heute finden wir diese Aussagen durch die offensichtlich äußerst geringe Zahl der Anmeldungen bei Serbien – aber auch bei Kroatien mit angeblich 676 Anträgen aus Österreich, 143 aus Deutschland und 175 aus Israel – bestätigt, daher könnte doch heute eine österreichische Regierung – in Anlehnung an die in den erwähnten Reden erfolgten Aussagen der beiden Persönlichkeiten – zu Serbien z. B. hochoffiziell sagen: • „Setzt die AVNOJ-Beschlüsse und die darauf basierenden Gesetze außer Kraft. Es ist längst bekannt und erwiesen, dass an den Donauschwaben in Serbien schwerste Nachkriegsverbrechen begangen wurden, bei denen rund 1/3 der nicht geflüchteten Personen, vorwiegend alte Menschen sowie Frauen und Kinder, auf grausamste Weise zu Tode kamen. • Erklärt sie als moralisch rehabilitiert, als ehrenhafte Menschen, die keine Landesverräter waren, die ihrer alten Heimat verbunden sind; und schreibt die Wahrheit in eure Schulbücher und wissenschaftlichen Werke. • Unterstützt sie in ihren Bemühungen, in den Orten ihrer Vernichtungslager Gedenkstätten zu errichten, zu denen sie auch reisen können, um die Trauerarbeit nachzuvollziehen und das diese Stätten vom Staat der sie vertrieben und diese Verbrechen begangen hat, mitfinanziert und erhalten werden. • Errichtet ihnen ein Museum, kombiniert mit einem ‚Haus der Begegnung‘, mitfinanziert und erhalten von Serbien – das wäre auch eine Form materieller Entschädigung. – • Errichtet ihnen ein Dokumentationszentrum zur gemeinsamen Kultur und Geschichte, wo auch ihre Geschichte dokumentiert und wissenschaftlich weiterverarbeitet wird. Geistige Erinnerungskultur als Instrument des Friedens. • Verabschiedet ein Restitutions- bzw. Entschädigungsgesetz und lasst uns gemeinsam nach einer zufrieden stellenden Lösung suchen – die Vertriebenen haben sich schon mit der Verabschiedung der „Charta der Heimatvertriebenen“ am 5. August 1950 • dazu bekannt und bekennen sich auch heute noch dazu.

Die Zeichen der Zeit erkennen und aktiv werden, wäre doch für jede neue Regierung mehr als Anlass genug, um z. B. zu sagen: „ …die Donauschwaben haben zwar nichts mitgebracht als ihr Arbeitswille, aber den haben sie von der ersten Stunde ihres Eintreffens voll für den Wiederaufbau unseres Landes eingesetzt. Sie sind voll integriert, ja sie können als Musterbeispiel einer Integration angesehen werden. Sie sind österreichische Staatsbürger, wir haben die gleiche Sprache, die gleiche Kultur, eine gemeinsame Geschichte und wir haben eine gemeinsame Vergangenheit; sie waren und sind also ein Teil von uns – und selbst in der Diaspora gehörten sie mit Ausnahme von 25 Jahren immer zum Habsburgerreich – wie wir auch. Ihnen ist großes Unrecht widerfahren und sie haben als Volksgruppe prozentuell die größten Verluste an Menschen zu verzeichnen. Jetzt bietet sich jene Gelegenheit, auf die wir gewartet haben. Als Schutzmacht müssen wir daher unsere Verpflichtung wahrnehmen und mithelfen, dass dieses Unrecht aus der Welt geschaffen wird.“ Wie schrieb doch Vertriebenensprecher Kapeller: „ …Österreich ist die moralische Instanz und hat die Berechtigung als Schutzmacht für heimatvertriebene Altösterreicher zu fungieren“

Wie könnte in dieser Situation nun ein realpolitischer Weg ausschauen? Wir Heimatvertriebene haben Persönlichkeiten, welche mit Herz, Verstand und mit großem Wissen und Einfühlungsvermögen für die Realität, schon seit Jahren mögliche Lösungsansätze in ihren Reden öffentlich machen. Allen voran erwähne ich hier Frau Erika Steinbach, die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen in Deutschland sowie unseren Historiker Prof. Dr. Wildmann, der – in richtiger Einschätzung der „Entschädigungsfrage“ – schon vor mehr als drei Jahren den Begriff der „Erinnerungskultur“ prägte und eine „Entschädigung“ in dieser Richtung in den Raum stellte (siehe z. B. 60 Jahre Donauschwaben in Oberösterreich am 23. Oktober 2004 und unser Mitteilungsblatt Nr. 4/2004). Beide Persönlichkeiten vertreten den Standpunkt, dass die Vermögensfrage für die meisten Vertriebenen heute keine zentrale Rolle mehr spielt, sondern dass es ihnen vielmehr um die Heilung des Vertreibungsunrechts

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POLNISCHES TRAUERSPIEL Zur Hetzjagd auf Leihgeber von Exponaten für die Ausstellung „Erzwungene Wege“ in Berlin erklärt die Stiftungsvorsitzende des ZENTRUM GEGEN VERTREIBUNGEN Erika Steinbach MdB: Wir werden uns allerdings zukünftig exakt an die Leihverträge halten und die Exponate bis zum Ende der Ausstellung zeigen.

Etwas in Wissenschaft und Kultur Singuläres ereignet sich derzeit in Polen. Es gibt eine Hetzjagd auf die Personen und Institutionen, die der Ausstellung „Erzwungene Wege“ Exponate zur Verfügung gestellt haben.

Anmerkung: Der polnische Ministerpräsident Kaczynski sagte anlässlich der Eröffnung dieser Ausstellung in einem ARD-Interview: „Wir haben es hier mit einem sehr beunruhigenden, einem sehr traurigen Ereignis zu tun, und ich wünsche mir, dass alles, was mit dem Namen Erika Steinbach zusammen hängt, bald ein Ende nehmen wird, denn daraus ergibt sich nichts Gutes für uns Polen, für Deutschland und überhaupt für Europa“. Frau Steinbach konterte auf diese Anmaßung sehr sachlich. Am 1. September sagte der deutsche Bundespräsident Horst Köhler bei seinem Besuch beim Bund der Vertriebenen u.a.: „Wir werden den Kontakt zu Tschechien, Ungarn… und den anderen Nachbarländern und Freunden suchen, weil zu einer gemeinsamen guten Zukunft auch gehört, dass wir aufrichtig und auf Versöhnung bedacht mit unserer Vergangenheit umgehen.“ Auch der Besuch Köhlers beim Bund der Vertriebenen wurde in Polen kritisiert. Ministerpräsident Kaczynski sagte: „Dies sei eines der beunruhigenden Ereignisse in Deutschland.“

Soweit Verantwortliche in Polen in öffentlichen Einrichtungen tätig sind, müssen sie um ihre Stellung fürchten. Private Organisationen werden stigmatisiert und ausgegrenzt. Der traurigste Fall ist bisher der Umgang mit dem Kreis der ehemals nach Sibirien deportierten Polen, die heute in Treptow/Trzebiatów leben. Diese stalinistischen Opfer haben der Ausstellung ihre Fahne zur Verfügung gestellt mit der Schilderung des eigenen Schicksals. Jetzt hat der Vize-Wojewode Marcin Sychowski beschlossen, die Zusammenarbeit mit dem Kreis der Sibirier zu beenden. Die davon betroffenen armen Menschen waren nicht nur stalinistische Opfer, sondern sind heute in Polen unsäglichen Diffamierungen ausgesetzt. Von europäischem Geiste ist nichts zu spüren. Aus diesem Grunde geben wir die geliehene Fahne vorzeitig an die Eigentümer zurück, um ihnen weitere Pressionen zu ersparen. Die Stiftung geht davon aus, dass weitere Leihgeber so massiv unter Druck gesetzt werden, dass sie Leihgaben vorzeitig zurückfordern.

Unglaublich, was sich da gewisse Herrschaften herausnehmen.

TOTENGEDENKEN Sonntag, 29. Oktober 2006, 10.30 Uhr beim Donauschwaben-Denkmal „Am Zwinger“ in Wels Die Landesleitung ersucht die Landsleute, soweit es ihnen aus gesundheitlichen Gründen möglich ist, dieser Veranstaltung zum Gedenken unserer Toten beizuwohnen. Nachdem das Fahren mit dem Auto für viele unserer älteren Landsleute schon beschwerlich ist, wird auch heuer wieder empfohlen, Fahrgemeinschaften zu bilden. Die Koordination für den Einzugsbereich im Raume Linz-Traun kann mit unserem Funktionär Hans Himmelsbach, Tel. (07229) 64 722 abgestimmt werden. Die Kosten für die Fahrt werden dem Fahrer von der Landsmannschaft vergütet. 10


„Wer KENNT diese jungen MÄNNER aus LAZARFELD, bzw. wer weiß Bescheid über deren Schicksal ?“

Evtl. Informationen richten Sie bitte an: Frau Maria Schneider, Enziangasse 9 2362 Biedermannsdorf Herzlichen Dank für jede Bemühung.

SPORTUNION EDELWEISS LINZ – HANDBALL Start in die Handball-Bundesliga-Männer Saison 2006/07

Mit dem neuen Spielertrainer Ugis Vikstrems begann ab 1. 8. 2006 die Vorbereitung für die neue Meisterschaft. Das Saisonziel ist das Erreichen der Aufstiegs-Play-Off (unter die ersten vier) und danach ein gutes Abschneiden in der HLA Aufstiegs-Play-Off. Um unser hohes Ziel erreichen zu können, brauchen wir die Unterstützung unseres Publikums und hoffen auf zahlreichen Besuch bei unseren Heimspielen.

Alle Heimspiele in der Hüttnerschule, Wieningerstraße 15, am Bindermichel. Termine:

Sa. Sa. Sa. Sa. Sa. Sa. Sa. Sa. Sa.

16. 30. 21. 11. 02. 10. 16. 27. 10.

09. 09. 10. 11. 12. 12. 12. 01. 02.

2006 2006 2006 2006 2006 2006 2006 2007 2007

um um um um um um um um um

18.00 18.00 18.00 18.00 18.00 18.00 17.30 18.00 19.00

Uhr Uhr Uhr Uhr Uhr Uhr Uhr Uhr Uhr

gegen gegen gegen gegen gegen gegen gegen gegen gegen

HSG Graz HC Bruck/Mur Union Hollabrunn SC Ferlach Union Korneuburg HC Kärnten HSG Bärnbach/Köflach Union Leoben Askö SVVW Klagenfurt

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und Ihrer Unterstützung. Besuchen Sie unsere Homepage: www-handball-edelweiss-linz.at 11


Neu Slankamen:

R E I S E i n d i e F R Ü H E R E H E I M AT

von Eva Frach

Ein Rückblick auf unsere Reise in die alte Heimat, welche in Braunau am 2. 6. 2006 begann und am 6. 6. 2006 ebendort endete. Reiseteilnehmer aus den USA, Kanada, England, Deutschland und Österreich – insgesamt 64 Personen, meldeten sich spontan an, um an dieser Reise teilzunehmen. Der Altersbogen spannte sich von 8 – 80 Jahren, die sechs ältesten Reiseteilnehmer waren schon jenseits von 80 Jahren. Der ursprüngliche Gedanke zu dieser Reise war, in Neu Slankamen eine Gedenktafel zum Gedenken unserer Vorfahren anzubringen und zu enthüllen. Nach dem wir drei Bestätigungen in Händen hatten, diese Tafel mit dem vereinbarten Text einweihen zu können, schrieben wir unsere Landsleute in aller Welt an. Schon im März 2006 unternahmen Josef und Eva Frach eine mehrtägige Fahrt nach Slankamen, um alle nötigen Vorbereitungen zu treffen, wobei ihnen Herr Dipl.-Ing. Jovica Stevic behilflich war. Nach vielen Vorbereitungen war es dann so weit. Stevic ist der Vorsitzende des deutsch-serbischösterreichischen Vereins in Srem. Kurz vor unserer Ankunft in Beschka erklang aus dem Lautsprecher des Busradios zur Einstimmung an unsere Reisevorhaben und dem Ziel die frühere Heimat zu besuchen, das schöne und in der alten Heimat so oft gesungene Lied: „Nach meiner Heimat, ziehts mich wieder“. Anschließend wurde der Film „Geschichte und Lebenswelt“ im Busfernseher gezeigt, der von allen Mitreisenden mit viel Interesse angesehen wurde. Um 19 Uhr erreichten wir nach einer reibungslosen Fahrt von 854 km gesund und glücklich unser Reiseziel, die beiden Hotels Bozic und Sidro, ca. 4 km außerhalb Beschka, am Ufer der Donau, dicht daneben die höchste Donaubrücke Europas, 90 m hoch und 2.200 m lang, ein beeindruckendes Bauwerk.

Kirche Slankamen

Sprache statt. Wir entzündeten die zwei mitgebrachten 35 cm hohen Kerzen. Diese hatten folgende Aufschriften in goldenen Lettern: 1. Kerze: „Zum Gedenken der toten Slankamener von 1750 – 1944“. 2. Kerze: „Wir gedenken aller toten Slankamener Landsleute, die von 1944 – 1946 unschuldig ums Leben kamen“. Josef Frach übergab dem Slankamener Pfarrer, Perislav Petrovic, ein Kuvert mit einem höheren Geldbetrag für die so dringend benötigte Renovierung des Kirchendaches. Als Gegengeschenk bekam die Sl. HOG ein Ölgemälde von der Sl. Kirche. Gemeinsam fuhren wir zum Mittagessen nach Alt Slankamen, wo die Gemeindepolitiker und die zwei Pfarrer unsere Gäste waren.

Der erste Tag gehörte natürlich unserem Heimatort Neu Slankamen. Wir fuhren die 3 km lange kerzengerade Straße durch den Ort auf der ganz neu asphaltierten Straße dem Gemeindehaus zu. Man sah viele neue, aber auch viele alte Häuser, die sehr desolat und vernachlässigt sind. Um 9 Uhr wurden wir im Gemeindehof von Bürgermeister Batalo Mane empfangen und begrüßt, wo auch andere Gemeindepolitiker zugegen waren. Bei der Begrüßung erfuhren wir, dass durch die verschiedenen Kriegsereignisse derzeit 80 % zugezogene Menschen in Slankamen leben, 6.000 an der Zahl. Obmann Josef Frach bedankte sich für den Empfang und die Begrüßung aller Reiseteilnehmer. In seiner Rede bedauerte er, dass trotz drei Genehmigungen die Anbringung einer Gedenktafel nicht zu Stande kam. Am Ende seiner Ausführungen überreichte Josef Frach dem Bürgermeister das Slankamener Heimatbuch, verfasst von Peter Schoblocher als Geschenk und in einem Kuvert einen größeren Geldbetrag für die Pflege des Friedhofes. Um 10 Uhr fand zu Ehren von uns Slankamener in der kath. Kirche eine feierliche Messe in deutscher

Der Samstagnachmittag war für die Ortsrundfahrt und das Besichtigen der Gassen und Elternhäuser vorgesehen. Viele wurden fündig, viele aber waren herb enttäuscht, zu sehen, was von dem übrig geblieben war, was man einst sein stolzes Eigentum nannte. Um 18 Uhr fand im Gemeindesaal für uns eine sehr schöne Volklore-Vorführung statt. Am dritten Tag besuchten wir den Friedhof, wo schon am Eingang jeder Reiseteilnehmer ein brennendes Grablicht in die Hand bekam, welches am Missionskreuz in der Form der Ziffer 34 aufgestellt wurde, zum Gedenken der 34 unschuldig ums Leben gekommenen Slankamener Toten. Einige Mitreisende konnten ihre früheren Familien-Gruften noch finden. Einige Reiseteilnehmer wurden von früheren Nachbarn zum Mittagessen eingeladen. Alle anderen fuhren nach Alt

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meindehaus empfangen und begrüßt. Danach war ein Besuch der kath. Kirche und ein Rundgang in der Fußgeherzone möglich. Das nächste Reiseziel war der Wallfahrtsort Maria Schnee, wo wir von Herrn Pfarrer Mag. Stjevan Miler erwartet wurden. Wir waren alle sehr beeindruckt von diesem schönen Gotteshaus. Ein gemeinsam gebetetes Vaterunser und das altbekannte Lied „Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn“ wurde gesungen. Anschließend ging die Fahrt nach Peterwardein, wo wir das Museum besichtigten. Dann fuhren wir nach Novi Sad, wo ein Rundgang in der Fußgeherzone und einige Kirchenbesuche am Programm waren. Müde und zufrieden kehrten wir am Abend in unsere Hotels zurück.

Am Missionskreuz wurden Kerzen in der Form der Ziffer 34 aufgestellt – zum Gedenken an unsere 34 unschuldig ums Leben gekommenen Landsleute

Beim Abendessen überraschte uns Frau Bozic mit einer Spezialität, was die Schwaben Frauen, wie sie sagte, ihren Familien gekocht und gebacken haben. Es gab Mohnstrudel und Vanillesoße mit Schneenockerl zum Nachtisch.

Slankamen ins Restaurant Kay. Nach dem Essen lud uns Frau Dr. Miriam Albot zur Besichtigung des REHA-Zentrums in Alt Slankamen ein. Anschließend fuhr ein Teil der Reiseteilnehmer in die Hauptstadt Belgrad, ein Teil blieb in Slankamen. Am Montag, 5. 6., ging die Fahrt in die Kreisstadt India. Josef und Eva Frach wurden beim Lokalfernsehen zu einem Interview gebeten. Anschließend wurden alle im Ge-

Am Dienstag früh, dem 6. 6. 2006, verließen wir Beschka und kamen am Abend um 19 Uhr nach weit über 2.000 gefahrenen km, gesund und glücklich in Braunau an.

Deutschland:

Unser TREUES Mitglied ADAM SPRINGER wurde 85 Unser Mitglied Adam Springer, wurde am 6. August 1921 in Sigmundfeld, Banat geboren, wo er mit seinen beiden Brüdern und einer älteren Schwester am Bauernhof der Eltern als jüngstes Kind aufwuchs. Lustige Streiche im Kopf waren bis zu seiner Verehelichung sein Lebensinhalt – doch dann wurde es ernst; sehr ernst sogar für den lustigen Adam. Kaum verheiratet kam er zum Militär, seine junge Frau erkrankte und verstarb, für die Eltern und Geschwister mit ihren Familien, die nicht geflüchtet waren, begann im Oktober 1944 jener bekannte unmenschliche Schicksalsweg, den alle unter die Partisanenherrschaft gekommenen Landsleute gehen mussten – so sie ihn überlebten. Seine Mutter überlebte nicht, sein ältester Bruder überlebte schwer gezeichnet das berüchtigte Lager 1 in Betschkerek, er selbst kam in Gefangenschaft und mit zahlreichen Landsleuten in ein Kohlenbergwerk in Serbien. 1954 kam er über Österreich nach Deutschland, wo sich endlich auch für ihn das Leben normalisierte – und er wurde wieder zu jenem gesprächsfreudigen Menschen, dessen liebste Beschäftigung der Umgang mit Menschen, die Gesellschaft, „das Schwätzen“ war und auch nach wie vor ist.

Am 13. August wurde mit der Familie und Freunden gefeiert, dabei brachte der Musikverein Gammelshausen ihrem ältesten Vereinsmitglied ein Ständchen. Als die Musik aber einen Walzer spielte, ließ er es sich nicht nehmen und forderte seine „Traudl“ zum Tanz auf und so tanzten ganze 169 Jahre zu den Walzerklängen. Die Landesleitung unserer Landsmannschaft gratuliert Herrn Springer zu seinem 85er und wünscht ihm weiterhin alles Gute – gleichzeitig herzlichen Dank für die Verbundenheit mit unserer Landsmannschaft und für die stets großzügigen Spenden.

Das Geburtstagskind bei seiner Lieblingsbeschäftigung – „dem Schwätzen“

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H e r r F r a n z C AVA G N O unser Referent für Invalidenberatung Unsere Mitglieder werden älter und älter – und es kommen immer mehr Fragen und Probleme auf uns zu. Neben der Beratung in Sozialangelegenheiten (siehe vorausgegangenes Mitteilungsblatt) können unsere Mitglieder ab sofort Beratungen in Fragen zur Invalidität von unserem Experten kostenlos in Anspruch nehmen. Herr Cavagno, seines Zeichens Bundesobmann des „Forums Invalider Österreicher“, ist in Fragen zu diesem speziellen Gebiet jederzeit unter 0676 / 516 24 57 tel. erreichbar; nach Vereinbarung ist an unseren Sprechtagen auch eine persönliche Beratung in unserem Vereinszentrum Wels möglich. Die Landesleitung dankt Herrn Cavagno für seine Bereitschaft unsere Mitglieder kostenlos zu beraten und hofft, dass diese einen regen Gebrauch von dieser Möglichkeit machen.

Schüler machen ein PROJEKT zum Thema H E I M AT V E R T R I E B E N E Schüler der Berufsschule Kremsmünster berichten: Altenheim und befragten dort die Bewohner. Alle unsere Interviewpartner waren sehr erstaunt über unser Projekt und freuten sich, dass sie uns aus ihrem Leben erzählen durften. Für uns Schüler war dieses Thema neu, viele wussten nicht, dass es so etwas früher gegeben hatte.

Im Rahmen des Unterrichtes in Politischer Bildung an der Berufsschule Kremsmünster mussten wir Schüler der 2. Klassen ein Projekt zum Thema Heimatvertriebene machen. Zu Beginn hatten wir überhaupt keine Ahnung, wie sich unsere Lehrer das vorstellten. Unser Auftrag war: „Bringen Sie in Erfahrung, ob es in Ihrer Familie / Verwandtschaft, Bekanntschaft, Nachbarschaft oder in Ihrem Dorf/Ihrer Stadt heimatvertriebene bzw. aus der Heimat geflüchtete Personen gibt.“

Die Schüler der 2. Klassen der Berufsschule Kremsmünster möchten sich recht herzlich bei Herrn Ing. Ellmer für seine interessanten Ausführungen bedanken und dass er sich auch so viel Zeit genommen hat uns unsere zahlreichen Fragen zu beantworten.

Zur Erforschung der Geschichte dieser Volksgruppen luden unsere Lehrer drei verschiedene Zeitzeugen zu einem Vortrag in den Unterricht ein. Unser erster Vortragender war Herr Ing. Ellmer, Donauschwabe, Landesobmann der Donauschwaben in OÖ. Er brachte uns die Geschichte der Donauschwaben in einer sehr lebhaften Art und Weise näher. Besonders interessiert hat uns sein persönliches Schicksal. Durch die Erzählungen von Herrn Ellmer war unser Interesse geweckt und wir suchten uns Zeitzeugen in unserer Nachbarschaft und in der Familie. Einige von uns gingen sogar in ein 14


Gedanken des stellvertretenden Vorsitzenden und Provinzsekretär für Vorschriften, Verwaltung und nationale Minderheiten im Exekutivrat der AP Wojwodina, Tamas´ Korhec Auszug aus einem Interview, welches in der von RA Seder herausgegebenen Zeitschrift „fenster“ vom Mai 2006 in KARLOWITZ erschien. Die Übersetzung des serbischen Textes wurde durch Stefan Barth besorgt.

Kann man die historische Ungerechtigkeit, die einer großen Zahl von Menschen der einst größten nationalen Minderheit des Königreichs Jugoslawien zugefügt wurde, korrigieren? Eine historische Ungerechtigkeit kann man nur auf symbolischer Ebene korrigieren. Das bezieht sich auf Auschwitz und Hiroshima, sowie auf die Opfer unserer Deutschen. Leider kann man das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen. Das was wir tun können ist, klar zu sagen, was mit unseren Deutschen geschehen war und ihre Verdienste für die Entwicklung der Wojwodina anzuerkennen. Wir wünschen, dass allen Wojwodinern bewusst wird, was uns die Donauschwaben hinterlassen haben. Ein Teil dieses Kulturerbes beeinflusst auch heute unser tägliches Leben in der Provinz. Wenn wir ein Glas Bier trinken, das erinnert uns an unsere Deutschen, mit denen die Kultur der Hopfenanpflanzung, das Bierbrauen und der Biergenuss in die Provinz kam. Vieles davon brachten die Deutschen uns in die Wojwodina.

Stjepan Seder (links) und Stefan Barth

herrschte, konnten den Geist der Wojwodina zugrunde richten. Immer mehr Menschen in der Wojwodina werden sich dessen bewusst, sogar unter denen, die Gegner dieser Ideen waren. Es bleibt die schmerzhafte Frage: Wie soll das Problem des enteigneten Vermögens der deutschen Bürger auf der Grundlage der „Kollektivschuld“ gelöst werden? Gehört diese Frage überhaupt in den Zuständigkeitsbereich der Provinzialregierung? Wir haben einen vollständigen Gesetzentwurf über die Lösung der vermögensrechtlichen Fragen und Entschädigung auch der Menschen, die ihr Vermögen wegen der „Kollektivschuld“ verloren haben, vor zwei Jahren an die Organe der Republik geschickt. Die Wojwodina hat ihre Aussage dazu gemacht, und hat sich für eine redistributive Gerechtigkeit entschieden, d.h. für die Zurückgabe des enteigneten Vermögens oder Entschädigung. Aber wir müssen realistisch sein, nicht nur in Hinsicht auf die deutsche Gemeinschaft, sondern auch in Hinsicht aller Bürger, die einen Schaden erlitten haben. Wir haben zwei Kernprobleme: Erstens, es gibt viel mehr Menschen, die an dem enteigneten Vermögen partizipieren, als diejenigen denen es enteignet wurde. Das erzeugt eine ungünstige Situation für das Wirken der Politiker, denn sie müssen jemanden etwas wegnehmen, um die Ungerechtigkeit zu korrigieren, oder sie müssen aus Steuern entschädigen. Man darf einfach nicht übersehen, dass die Nationalisierung ein Prozess war, bei dem man einer kleineren Anzahl Menschen wegnahm, und einer größeren Anzahl Menschen zuteilte. Deshalb ist die Umkehrung dieses Prozesses ausgesprochen

Man muss die Pflege der deutschen Kultur fortsetzen. Das Erlernen der deutschen Sprache vom Kindergarten bis zur Universität wird Chancen für die Nachfolgegenerationen eröffnen. Auch ohne die Deutschen hat die deutsche Kultur in der Wojwodina eine Chance. Die Leitidee muss dabei sein, dass wir versuchen das deutsche Erbe und die Verbindungen, die wir zu unseren Deutschen haben, für das Wohl der Wojwodina zu nutzen. Wir müssen das Bewusstsein stärken, dass die Wojwodina so lange existieren wird, solange ihr reiches sprachliches und kulturelles Erbe lebt. Wenn das verschwindet, und viele wünschten sich das in den neunziger Jahren, wird es eine Wojwodina nicht mehr geben. Zum Glück hat es sich gezeigt, dass das Erbe der Wojwodina beständiger war als der Traum der Nationalisten. Nicht einmal der starke politische Wille und Hysterie, die in den neunziger Jahren 15


unpopulär. Man kann den Menschen erklären, dass die Gerechtigkeit das erfordert, aber wenn die Gerechtigkeit ihnen in die Tasche greift, werden sie sich empören. Das zweite Problem ist unsere Armut. Wenn sich unsere Wirtschaft dynamisch entwickeln würde, wenn wir große Reserven hätten, dann könnten wir den Prozess der Entschädigung ohne ein soziales Trauma beginnen. Aber in einem Land mit 30 Prozent Arbeitslosen, in dem auch die Beschäftigten wenig verdienen, kann die Rückgabe des Vermögens an wohlhabende Menschen äußerst unpopulär werden. Meine Familie hat durch die Nationalisierung viel verloren, denn meine Vorfahren waren reiche Leute. Unabhängig davon, dass es auch gegen meine persönlichen Interessen ist, so bin ich mir der möglichen sozialen Fol-

gen und Erschütterungen bewusst. Aber, in diesen Prozess muss man natürlich einsteigen. Es freut mich, dass die Erfassung des enteigneten Vermögens begonnen hat. Jeder Deutsche soll die Zusammenstellung seines Vermögens, das ihm enteignet wurde, einreichen. Der Staat muss auf jeden Fall guten Willen zeigen, die Ungerechtigkeit zu korrigieren. Es ist eine zweite Frage, ob der Staat in der Lage sein wird, die Menschen, denen das Vermögen ungerechter Weise enteignet wurde, ganz zu entschädigen. Aber er ist verpflichtet, diesen Prozess zu beginnen. Das bezieht sich auch auf unsere Deutschen. Viele Staaten, die heute Mitglieder in der Europäischen Union sind, haben das nur teilweise gemacht, insbesondere in Bezug auf Deutsche.

DONAUSCHWABEN JUGENDGRUPPE aus C i n c i n n a t i ( U S A ) a u f B E S U C H von Richard Deckert Trachtengruppe Linz-Pasching am Donnerstag, dem 13. Juli auch im Volkshaus Langholzfeld zu Gast. 29 Jugendliche im Alter von 15 – 25 Jahren und vier Begleitpersonen zeigten in einer großartigen und sehr eindrucksvollen Aufführung alte Tänze und Lieder und trugen Heimatgeschichten in „schwowischer“ Sprache vor. Zum Abschluss der 21/2-stündigen Vorstellung standen Tänze und Lieder ihrer heutigen Heimat, den USA, auf dem Programm. Besonders bemerkenswert waren das überaus freundliche und disziplinierte Auftreten der Gruppe und ihre geschmackvolle Tracht mit dem Wappen der Donauschwaben. Das Publikum, im übervollen Volksheim, dankte den sehr sympathischen Jugendlichen mit reichem Applaus. Leider mussten die jungen Leute die Einladung zu einer persönlichen Begegnung nach dem Konzert ablehnen, da andernfalls die Ruhezeit für die Busfahrer nicht einzuhalten gewesen wäre. Bereits am nächsten Tag war die Gruppe nämlich um 15.00 Uhr im Parlament in Budapest zu Gast. Der Leiter der Gruppe, Herr Eddi Tullius, hat sich nach der Rückkehr in die USA in einem E-Mail für die herzliche Aufnahme seiner Gruppe bei ihrem Besuch bei uns bedankt. Wir wünschen der Jugendgruppe, deren Eltern überwiegend aus dem Großraum Temeschwar stammen, weiterhin viel Erfolg bei der Wahrung Donauschwäbischer Sitten und Gebräuche. Im Internet: www.donauschwaben.com

Der Verein der Donauschwaben Cincinnati besteht seit 1954. Er ist einer der größten und aktivsten Donauschwabenvereine in den USA und bietet in vielen Gruppen und Altersklassen den ehemaligen Donauschwaben und ihren Nachkommen die Möglichkeit, ihr Erbe zu pflegen und zu erhalten. Der Verein hat eine Kleinkinder-, Kinder- und Jugendgruppe sowie eine Schuhplattler-, Trachten- und Frauengruppe, ferner einen Sängerchor, eine Seniorengruppe und eine deutsche Sprachschule und darüber hinaus verschiedene Sportmannschaften. Regelmäßig werden Bälle, das Kirchweihfest und das Donauschwaben-Oktoberfest, als auch der Weinlese- und Silvestertanz organisiert, die in den vereinseigenen Veranstaltungs- und Klubräumen stattfinden. Die Jugend-Tanzgruppe unternahm im Juli 2006 zum zweiten Mal eine Deutschland-Reise. Nach Auftritten in mehreren Orten Süddeutschlands war sie auf Einladung der Donauschwäbischen

Donauschwaben Jugendgruppe aus Cincinnati

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Nicht nur weil Weihnachten kommt: BÜCHER · VIDEO · CD · DVD Schenken wir unseren Kindern die Geschichte ihrer Großeltern Folgendes Dokumentationsmaterial kann bei der Landsmannschaft bestellt bzw. am „Tag der Donauschwaben“, 14.10. 2006, im Volkshaus Marchtrenk erworben werden. Bei Postzustellung betragen die Versandgebühren zwischen 2,90 und 4,– Euro je Exemplar.

zu 5,– Euro:

zu 10,– Euro:

• Ein Volk an der Donau, von Nenad Stefanovic, in deutscher Sprache

Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944 – 1948 Eine Zusammenfassung des Völkermordes durch das Tito-Regime

• „Genocid…“ eine Zusammenfassung des Völkermordes in serbischer Sprache

Leitfaden – zur Dokumentationsreihe Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944 – 1948 Gesamtübersicht mit thematischen Ergänzungen und Register in DeutschEnglisch-Serbisch

• Geschichte der donauschwäbischen Literatur von 1848 – 2000, von Anton Scherer • Rechtsgutachten über die Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944 – 1948 • Donauschwäbische Passion, von Franz Koringer / Anton Scherer, CD

Geschichte und Lebenswelt der Donauschwaben, Video von A. Albecker und J. Frach

Unsere „Donauschwäbische Chronik“ von Kons. Oskar Feldtänzer und Dr. Georg Wildmann geben wir vorerst auch weiterhin unter den tatsächlichen Herstellkosten noch zu 5,– Euro je Buch an unsere Landsleute weiter, denn es ist uns ein Anliegen, dass diese Chronik in möglichst vielen Familien unserer Landsleute vorhanden ist, weil sicherlich auch unsere Nachkommen irgendwann darauf zurückgreifen werden, wenn sie plötzlich merken, dass es doch sehr wichtig ist, die Geschichte seiner Vorfahren, welche ja ein Teil der eigenen Geschichte ist, zu kennen – und dass man stolz sein kann, ein Nachfahre der Donauschwaben zu sein.

Die Donauschwaben – Ihre Geschichte und Lebenswelt – DVD

zu 20,– Euro: Donauschwäbische Geschichte – Band I Das Jahrhundert der Ansiedlung, 580 Seiten, von Oskar Feldtänzer Donauschwäbische Geschichte – Band II Wirtschaftliche Autarkie und politische Entfremdung, 662 Seiten, von Ingomar Senz

Fotonachweis: M. Ursprung, J. Himmelbauer, R. Deckert, J. Frach, C. Aulich, H. Sonnleitner, H. Supritz Namentlich gezeichnete Artikel müssen nicht in jedem Falle mit der Meinung der Landesleitung übereinstimmen.

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W E G d e r D O N A U S C H WA B E N von Konsulent Oskar Feldtänzer Fortsetzung und Schluss von Heft 2/2006

geistigen Strömungen und Richtungskämpfen machen will, sollte man schon auf die ausführlichen Darstellungen des genannten Buches zurückgreifen, die bemüht sind, alle Hintergründe und Ursachen zu durchleuchten. Man muss auch bedenken, dass sich die deutsche Minderheit Jugoslawiens von der deutschen Regierung unabhängig von deren parteipolitischen Ausrichtung eine Unterstützung für ihre brennenden kulturellen Forderungen vor allem hinsichtlich des deutschen Schulwesens erhoffte, nachdem Jugoslawien nicht gewillt war, die Bestimmungen des Minderheitenschutzvertrages zu erfüllen und die deutschen Abgeordneten im Belgrader Parlament mit ihren Forderungen immer auf verständnislose Ablehnung stießen. Die Rede Hitlers vom 6. Oktober 1939, in der er seine Absicht kundgab, die südostdeutschen Volksgruppen ins Reich zurückzuholen, um zwischenstaatliche Reibungsflächen auszuschalten, stieß bei den Jugoslawiendeutschen auf allgemeine Ablehnung und hat die Volksgruppenführung in ihrem Streben nach mehr Eigenständigkeit zweifellos bestärkt. Der deutsche Gesandte in Belgrad, von Heeren, sah sich veranlasst, eine amtliche Klarstellung in den Zeitungen zu veröffentlichen, in der festgestellt wurde, dass eine Umsiedlung aus Jugoslawien keineswegs aktuell sei, und selbst wenn sich eine solche Maßnahme als wünschenswert erweisen sollte, würde sie nur mit voller Zustimmung der jugoslawischen Regierung und unter Berücksichtigung der vollen Freiwilligkeit jedes Einzelnen erfolgen. Im Frühjahr des Jahres 1941 trat Jugoslawien unter dem Druck der deutschen Regierung dem Dreimächtepakt bei. Gegen diesen Beitritt opponierten hohe Offiziere um den Luftwaffengeneral Simovic und organisierten auf Betreiben Englands einen Staatsstreich, indem sie die bisherige Regentschaft und die Regierung absetzten und den noch nicht volljährigen Trohnfolger als König Peter II. in den Sattel hoben. Hitler, damals mit den Vorbereitungen für den Krieg gegen Russland beschäftigt, reagierte impulsiv und wütend auf diesen Umschwung der Dinge und befahl den Einmarsch in Jugoslawien, das in kurzer Zeit militärisch niedergeworfen wurde. Jugoslawien wurde zerschlagen und sein Gebiet auf Kroatien, Ungarn, Italien, Deutschland, Bul-

Die Auseinandersetzungen und Richtungskämpfe innerhalb der deutschen Volksgruppe in den dreißiger Jahren Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland im Jahre 1933 versuchte das Dritte Reich zunehmend Einfluss auf die deutschen Volksgruppen im Ausland zu gewinnen. Dieses bedeutende, aber auch heikle Thema, kann man nicht mit ein paar Hinweisen innerhalb von 5 oder 10 Minuten erschöpfend behandeln, so dass ich hier nicht darauf eingehen kann, aber nicht um einer unangenehmen Frage aus dem Wege zu gehen. Dieses Thema haben Dr. Georg Wildmann und ich selbst in einer ausführlichen Darstellung im Umfang von etwa 180 Seiten behandelt, die den Titel trägt Die Donauschwaben in der Zwischenkriegszeit und ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus. Darin wird auf diese Problematik ausführlich eingegangen. In den dreißiger Jahren des 20. Jhs. kam es in diesem Zusammenhang zu heftigen jahrelangen Auseinandersetzungen und Richtungskämpfen zwischen der Bewegung der sogenannten Erneuerer, die den Einflüssen des Dritten Reiches offen gegenüberstanden oder sie sogar förderten und dem Kreis um die bestehende Kulturbundführung, der sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gegen die Erneuerer wandte und sie aus dem Kulturbund ausschloss. So kann man, wenn wir einen zusammenfassenden Überblick dennoch wagen wollen, sagen, dass das Verhältnis der deutschen Volksgruppe zum Nationalsozialismus in Jugoslawien in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre uneinheitlich war. Zwischen ideologisch ausgerichteten, radikalen Anhängern und kompromisslosen Gegnern gab es verschiedene Abstufungen: darunter jene, die meinten, dass Eintreten für das eigene Volk sei schon Nationalsozialismus, einfache Bewunderer Hitlers wegen seiner politischen Erfolge aber ohne Bindungen an seine Ideologie und schließlich die Skeptiker, die sich unentschlossen und distanziert verhielten. Aber wie gesagt, wenn man sich ein authentisches Bild von den damaligen 18


garien und das militärisch okkupierte Banat sowie Restserbien aufgeteilt. Damit hatte das Kriegsgeschehen auch die Jugoslawiendeutschen eingeholt, die nunmehr als Soldaten der genannten Länder zum Kriegseinsatz herangezogen wurden, auch und vor allem durch das Deutsche Reich. Im Banat kam es zur Aufstellung der SS-Division Prinz Eugen, in das die Militärdiensttauglichen des Banats verpflichtend eingezogen wurden, obwohl diese Division die nicht zutreffende Bezeichnung „Freiwilligendivision“ trug. Damit wollten die deutschen Militärbehörden das Völkerrecht umgehen, das die zwangsweise Heranziehung der Bevölkerung von besetzten Gebieten zum Militärdienst der Besatzungsmacht untersagt. Auch mit anderen Staaten so zum Beispiel Kroatien, Ungarn und Rumänien schloss die Reichsregierung zwischenstaatliche Abkommen, um die Angehörigen der deutschen Volksgruppen für die Wehrmacht und die Waffen-SS verwenden zu können, das alles unter dem Deckmantel einer deklarierten Freiwilligkeit.

rung entziehen, vornehmlich solche aus Mischehen, Angehörige von deutschen Kommunisten oder solche, die mit den Partisanen zusammengearbeitet hatten. Von den 167.000 internierten Zivilpersonen gingen in den Arbeits- und Todeslagern rund 50.000 durch Hunger und Seuchen zu Grunde. Zu diesen Opfern muss man nach vorsichtigen Schätzungen etwa 5.000 als Kriegsgefangene unmittelbar nach Kriegsende in Jugoslawien ermordete donauschwäbische Soldaten hinzuzählen, so dass sich die Gesamtzahl der Opfer des Völkermordes, den das Tito-Regime an den Donauschwaben seines Staatsgebietes verübte, auf etwa 65.000 beläuft. Darüber gibt es eine umfangreiche Dokumentation. Auf Grund dieser Opferbilanz ist es berechtigt von einem Völkermord an der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien im Sinne der UNO-Konvention vom 9. 12. 1948 zu sprechen. Dass im Zuge der Ausrottungspolitik des Tito-Regimes in den Vernichtungslagern so viele schuld- und wehrlose Menschen qualvoll sterben mussten, ist ein schmerzlicher Tatbestand für die Überlebenden, ebenso wie die bittere Erkenntnis, dass dieser Genozid an den Donauschwaben unter den Augen jener demokratischen Mächte des Westens geschehen konnte, die gegen Unrecht und für Humanität in den Krieg gezogen waren. Noch viel schlimmer für die Überlebenden aber ist, dass diese vor 60 Jahren auf grausame Weise in Jugoslawien durchgeführte ethnische Säuberung weithin bewusst tabuisiert wird. Wir alle wissen und beklagen zutiefst, dass vom Siedlungswerk des alten Österreich durch die Folgen und Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges leider nur Trümmer übriggeblieben sind. Von den insgesamt über 11/2 Millionen Nachkommen jener Ansiedler des 18. Jhs. im Mittleren Donauraum leben etwa 120.000 heute in Österreich. Da nun die Geschichte diesen von mir skizzierten Lauf genommen hat, stellt sich zwangsläufig für uns die Frage, ob denn im Ablauf dieser Geschichte ein Sinn für die Betroffenen selbst erkennbar ist? Mit dieser brennenden Frage hat sich der in Linz lebende Autor und Publizist Dr. Georg Wildmann in seiner Abhandlung „Vom Sinn der donauschwäbischen Geschichte“ befasst. Er kommt nach sorgfältiger Abwägung aller Gegebenheiten zum Ergebnis, dass diese Frage trotz allem bejaht werden kann, und er liefert dafür folgende Begründung:

Als im Herbst 1944 die Rote Armee bis zu den donauschwäbischen Siedlungsgebieten vordrang und die Partisanen Titos die Macht ergriffen, war das Ende der Donauschwaben in ihren bisherigen Heimatgebieten gekommen. Von den knapp 510.000 Donauschwaben Jugoslawiens zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren im Herbst 1944 ein großer Teil nach Österreich und Deutschland geflüchtet, aber rund 195.000 Personen unter die Herrschaft des kommunistischen Partisanenregimes Josip Broz Titos gefallen. Die unmittelbar nach dem Abzug des deutschen Militärs einsetzenden Rache- und Vergeltungsmaßnahmen an der wehrlosen deutschen Zivilbevölkerung, die mehrheitlich aus Frauen, Alten und Kindern bestand, die „Aktion Intelligenzija“, und die Folgen der im Dezember 1944 durchgeführten Deportationen nach Russland von 13.000 Donauschwaben (überwiegend Mädchen und Frauen) forderten einen Tribut von 11.000 Todesopfern. Der Beschluss des AVNOJ (Antifaschistischer Rat für die Volksbefreiung Jugoslawiens) in Wirklichkeit ein Parteigremium der Tito-Partisanen, verfügte am 21. November 1944 die entschädigungslose Enteignung sämtlicher Vermögenswerte aller Deutschen mit Ausnahme jener, die in den Reihen der Partisanen gekämpft hatten, entzog ihnen die bürgerlichen Rechte und behandelte sie als „Volksfeinde“. Das sollte für die betroffenen durch die bald darauf einsetzenden Internierungen katastrophale Folgen haben. Nur etwa 9.000 Angehörige der deutschen Volksgruppe konnten sich der Internie-

Es gibt drei Bereiche der menschlichen Existenz, die grundsätzlich den Zugang zu der Erfahrung einer Sinnhaftigkeit eröffnen: 19


1. der Bereich des Guten und Moralischen, dann 2. die Sinnerfahrung des erfüllten Lebens und schließlich 3. der Bereich des menschlichen Gestaltens.

glückung erfuhren, und im Ökonomischen gute, ja vorbildliche, Arbeit geleistet haben.“ Sie waren schließlich auch bemüht, den Auftrag, der ihnen von der Geschichte zugedacht war, nach besten Kräften zu erfüllen, der darin bestand, „ein altes europäisches Kulturland nach der Türkenzeit mit der Pflugschar wiederzuerobern und der germanisch-madjarisch-westslawischen Kulturgemeinschaft neues Leben zuzuführen“. Sein Resümee: So können wir von uns und unseren Vorfahren sagen: „Wir haben mit großem kolonisatorischen Einsatz und im Wesentlichen auch mit hohem sittlichem Anstand den Sinn unserer Geschichte erfüllt“.

Wenn man diese individuellen Sinnbereiche, die für den Einzelmenschen gelten, auf eine Volksgruppe überträgt und untersucht, inwieweit sie im Verlauf ihrer Geschichte in der Lage war, diesen Sinnbereichen nachzuleben –, kann man eine Antwort auf die gestellte Frage erhalten. So konnte Wildmann als Ergebnis seiner Überlegungen die Feststellung treffen, „dass die Donauschwaben (so wie im Übrigen auch alle anderen südostdeutschen Gruppen) in ihrer Lebenswelt und Eigenkultur Erfüllung und Be-

Deutscher Heimatverein in Karlowitz plant:

Museumartiges HEIMATHAUS und VEREINSZENTRUM von Oskar Feldtänzer Karlowitz ist ein Ort, der durch ein weltgeschichtliches Ereignis bekannt ist. Hier wurde zwischen Österreich und der Türkei der Friedensvertrag im Januar 1699 unterzeichnet, der den großen Türkenkrieg, der von 1683 bis 1699 andauerte, beendete. Nach der vernichtenden Niederlage der Türken bei Zenta an der Theiß im Jahre 1697 erklärten sich diese zu Friedensverhandlungen bereit. Mit dem Friedensvertrag von 1699 anerkannten sie auch völkerrechtlich die von Österreich erzielten Landgewinne. Einige Jahrzehnte später erhielt Karlowitz eine deutsche Zusiedlung von deutschen Flüchtlingen aus Belgrad und Nordserbien, als die Türken diese Gebiete wieder zurückerobern konnten. Das war 1739 und in den folgenden Jahren. Mit diesem Kapitel von Karlowitz hat sich besonders Stefan Seder, ein Nachkomme der deutschen Zuwanderer, des Jahres 1739 befasst und diese Vorgänge gründlich erforscht, die er auch in einem Buch veröffentlicht hat. Die Einwanderer des Jahres 1739 waren keine mittellosen Menschen, denn sie konnten aus eigenen finanziellen Mitteln Hausplätze erwerben und ihre Häuser errichten. Während der Zwischenkriegszeit im alten Jugoslawien und während des Zweiten Weltkrieges entstand dort auch eine Ortsgruppe des Schwäbisch-deutschen Kulturbundes. Während der Jahre 1944/45 kam es auch dort zur Verfolgung der Deutschen, von denen viele

aus Sicherheitsgründen flüchten mussten, sodass die deutsche Ortsgemeinschaft stark reduziert wurde. Jene, die in ihrer Heimatstadt verblieben, sind heute in einem Heimatverein organisiert, der versucht, die Stjepan Seder Tradition der Karlowitzer Deutschen fortzusetzen, wobei Stefan Seder eine führende Rolle spielt. Sie geben mit Unterstützung der Regionalregierung der Wojwodina in Neusatz die Zeitschrift „fenster“ heraus und versuchen auch immer wieder durch volkstümliche Veranstaltungen die Verbindung der verbliebenen Karlowitzer deutschen Bürger untereinander zu erhalten und zu stärken. Wie wir der Zeitschrift „fenster“ entnehmen, haben sie sich ein sehr ehrgeiziges Projekt zum Ziel gesetzt: Es wurde ihrem Verein ein noch erhaltenes deutsches Haus aus der Ansiedlungszeit geschenkt, das sie zu einem museumartigen Heimathaus und auch als Vereinszentrum ausbauen und nützen wollen. So soll die Vergangenheit und Lebenswelt der Karlowitzer Deutschen nicht gänzlich der Vergessenheit preisgegeben werden, sondern der Nachwelt möglichst viel davon erhalten bleiben. 20


ADAM MÜLLER-GUTTENBRUNN (1852–1923) von Dr. Peter Fraunhoffer Er ist der fruchtbarste Schriftsteller der Donauschwaben. Wegen seiner Bedeutung für die Rettung des deutschen Kulturlebens im Banat in der Zeit der massiven Magyarisierung wurde er als der „Erzschwabe“ bezeichnet.

So fällt ihm die Rolle des geistigen Schöpfers des Wiener „Theater der Jugend“ zu. Den Zuschauern aus bescheidenen Verhältnissen wurden 300 „30 Kreuzer-Sitzplätze“ angeboten, um ihnen den Theaterbesuch zu ermöglichen.

Als uneheliches Kind 1852 in Guttenbrunn im rumänischen Banat geboren (die versprochene Ehe wurde vom Großvater, einem Großbauern der gegen die nicht standesgemäße Heirat war, hintertrieben) hatte er keine leichte Kindheit. Er wuchs bei seinem Großvater mütterlicherseits auf. Nach dem Besuch der Volkschule in seinem Heimatort kam er nach Temeschburg in die deutsche Normalschule. Im Piaristen-Gymnasium wurde schlagartig die magyarische Unterrichtssprache eingeführt und er scheiterte. Nun kam er drei Jahre in eine Lehre als Barbier und Feldscher, ging dann aber 2 Jahre ins deutsche Gymnasium in Hermannstadt (Siebenbürgen). 1870 geleitete ihn sein Onkel nach Wien, wo er das BaderHandwerk erlernen sollte. Als außerordentlicher Hörer besuchte er Vorlesungen an der Universität Wien. Der Besuch der Handelsschule und eines Telegraphenkurses in Wien gab ihm die Möglichkeit eines Brotberufes. Ab 1873 war er in Linz und Bad Ischl als Telegraphenbeamter tätig.

Sein Interesse galt auch der Volksbildung. 1886 gab er die Flugschrift „Die Lektüre des Volkes“ heraus. Dies führte zur Entstehung des „Wiener Volksbildungs-Vereins“ (heute Volkhochschule) und der Volksbüchereien. AMG war Gründungsmitglied und über viele Jahre erfolgreich in leitender Funktion tätig. Für seinen Roman „Die Glocken der Heimat“ erhielt er 1911 den Bauernfeldpreis. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde AMG als Mi