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2010 | edition 11 Internationales Magazin für Dach-Architektur

www.architectum.com

Die Kraft der Natur

Dezentes Farbenspiel für eine markante Gebäudehülle Aalter/Belgien

Markanter Monolith

Eine Gebäudehaut, ganz aus dunklen Dachziegeln Klaipėda/Litauen

Neue Dachziegel, alter Look

Herbsttöne auf dem Dach für ein architektonisches Juwel Edinburgh/Großbritannien




Impressum

Herausgeber Wienerberger AG 1100 Wien

Editorial Liebe Leserinnen und Leser,

Verlag

Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH 1050 Wien

Chefredaktion

Tom Cervinka Thomas Prlic (Österreichischer Wirtschaftsverlag) Marion Göth Franz Kolnerberger

Franz Kolnerberger Leiter ProduktgruppenManagement Dach Wienerberger AG

Mitarbeit

Alexa Uplegger (DE) Tomas Sabaitis (LIT) Willeke Sloeken (NL) Chantal Lehmann (FR) Delphine Esnault (FR) Konrad Zalewski (PL) Elaine Liversidge (UK) Michelle Richards (UK) Tracy Liao (SG) Nicholas Koh (SG)

Dächer aus Tondachziegeln verschaffen unseren Städten und Kulturlandschaften eine lebhafte Silhouette. Architekten und Dachdecker verwenden den keramischen Dachziegel sowohl zur Gestaltung von Dächern, als auch zur Verkleidung von Fassaden. Im Wohnbereich ist das Steildach nicht nur die kostengünstigste Möglichkeit Wohn- und Stauraum zu schaffen, sondern schützt das Haus und seine Bewohner vor zunehmenden Wetterextremen. Anhand der vorgestellten Projekte quer durch Europa bis China lässt sich ablesen, dass Koramic Tondachziegel neben zeitgemäßer Architektur auch Langlebigkeit und Schönheit im Stadt- und Landschaftsbild garantieren. Herzlichst, Franz Kolnerberger

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Fotografie

Hubaer Kusters (12-13) Gregory Tachet (14-15) Benoît Fougeirol (22-23)

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Grafik und Design

Simon Jappel (Österreichischer Wirtschaftsverlag)

Druck

Stiepan Druck G.m.b.H Hirtenbergerstraße 31 2544 Leobersdorf

04 Wienerberger AG A-1100 Wien Wienerberg City Wienerbergstraße 11 T +43 (1) 601 92-0 F +43 (1) 601 92-473 marketing@wienerberger.com www.wienerberger.com

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Inhalt 08

04 Die Kraft der Natur Bürogebäude, Aalter

08 Preisgekrönt im ­Grünen Verkiu Wohnsiedlung, Vilnius

10 Konstruktive Herausforderung

Dachsanierung des Kaufhauses Hirmer, München

12 Runde Ecken in Rot

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Dienstleistungszentrum, Bergschenhoek

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14 Energieeffizienz für alle

22 Wohnhäuser, Saint-Dié des Vosges

16 Prägnant, klassisch, modern

Jinghope Marina Cove Garden, Suzhou

18 Markanter Monolith

Büro- und Verwaltungsgebäude Danes Gates, Klaipėda

22 Von kindlicher ­Fantasie zu ­städtischer ­Realität 19 Stadthäuser, Villiers-Le-Bâcle

24 Zwischen Nostalgie und Eleganz Stadtvillen Galjoen Zuid, Lelystad

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26 Natürlich schön ­wohnen

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Einfamilienhaus, Gdingen

28 Neue Dachziegel, alter Look

Neueindeckung Well Court, Edinburgh

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Die U-förmige Frontfassade wurde mit Koramic-301-Tonschindeln verkleidet, die maßgeblich das Erscheinungsbild des ­Gebäudes bestimmen.


Belgien

Die Kraft der Natur Dezentes Farbenspiel für eine markante Gebäudehülle Am Grüngürtel des Industriegebietes von Aalter in Belgien steht ein neues Büro­ gebäude, das durch seine auffallende U-förmige Fassadenfront und die Ton­ schindeln in fünf Farben beeindruckt. Die mächtige Konstruktion erinnert an eine Felsformation. Die Architekten ARKS haben die markante Fassade und den Ein­ gangsbereich für das Biolebensmittelunternehmen Hain Celestial Europe geplant.

Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil des Konzepts. Der äußere Mantel ist mit einer 17 Zentimeter dicken Schicht aus Steinwolle isoliert. Die nach Süden gerichtete Fassade ist in hochisolierendem Glas ausgeführt. Für Überhitzungsschutz während des Sommers sorgen der Dachvorsprung und die nach dem Sonneneinfall ausgerichteten Außenjalousien. Der Blick von innen bleibt dabei vollständig erhalten. Energieeffiziente Geräte und tageslichtbetriebene Lichtanlagen, die über Bewegungsmelder gesteuert werden, verbessern die Energiebilanz. Mithilfe von Fotovoltaikpaneelen im Eingangsbereich erzeugt das Gebäude seinen eigenen Strom.

Der Luftschleuse wurde besondere Beachtung geschenkt. Sie wurde nach der Installation Blower-DoorMessungen, die zur Überprüfung der Luftdichtheit von Gebäuden dienen, unterzogen. Zusätzlich zum Belüftungsausgleich und zur Wärmerückgewinnung wurde das geräumige Treppenhaus als Belüftungsschacht für die Gebäudekühlung ausgeführt. Der Zutritt zum Bürogebäude erfolgt über einen breiten Steg, der über einen Kanal führt. Der Kanal dient als Puffer- und Filterzone für Regenwasser und soll in weiterer Folge zu einem Feuchtgebiet werden. Die große Dachfläche wird als weiträumige Grünanlage genutzt und wurde mit Sedum (Fetthennen) bepflanzt. Auf den zwei kleinen Dächern über der Fassade sollen Gräser gepflanzt werden – so will man der Architektur wortwörtlich einen grünen Anstrich verleihen. Angrenzend an das Gebäude entsteht eine 6.800 Quadratmeter große Pufferzone mit Obstbäumen. Dieser Bereich eignet sich vorzüglich für Erntefeste oder andere Veranstaltungen. „Zukunftsfähig“ heißt auch wandlungsfähig und vielfältig. Die drei Bürostockwerke bestehen nahezu ausschließlich aus offenen Räumen, die sich nach






Belieben unterteilen lassen. Alle grenzen an feste Bauelemente, die durch die rote Naturfarbe eine ganz eigene Ausdruckskraft haben und in denen sich Sanitäranlagen, Lagerräume, technische Anlagen, Sitzungsräume und separate Arbeitsplätze befinden. Im rückwärtigen Bereich führt ein Gang über die gesamte Breite des Gebäudes, über den der Zutritt zu den einzelnen Räumen möglich ist. Im Korridor sind Teppichböden verlegt, die dem „Cradle to Cradle“Prinzip entsprechend produziert wurden. Die übrigen Böden sind mit Eichenholzdielen ausgeführt. An den Innenwänden hängen senkrechte Holzläden, die wie die kippbaren Fenster der Fassade ebenso zur Nachtkühlung beitragen. Im geräumigen Stiegenhaus kann zu einem späteren Zeitpunkt problemlos ein Lift eingebaut werden. Die U-Form um die Frontfassade herum wurde mit ­Koramic-301-Tonschindeln ausgeführt, die maßgeblich das Erscheinungsbild des Gebäudes bestimmen. Die Auswahl der Materialien fügt sich nahtlos in das Gesamtkonzept ein. Tondachziegel sind ein natürlicher Baustoff und haben Eigenschaften wie Formstabilität und Frostverträglichkeit, zudem sind sie pflegeleicht. ­Dadurch garantieren sie lange Haltbarkeit und unvergleichbare Anwenderfreundlichkeit. Ihre Verwendung für die Fassadenverkleidung sorgt für eine großflächige Isolierung. Zusätzlich zu diesen Vorteilen bieten Tondachziegel dem Architekten dank der breiten Palette von Formen, Farben und Größen eine Vielzahl an Möglichkeiten. Um den erwünschten Felseneffekt zu erreichen, generierten die Architekten verschiedenste Computersimulationen. Darüber hinaus ließen sie, aufgrund des ebenfalls zu berücksichtigenden ästhetischen Anspruchs, vom Hersteller Koramic/ Wienerberger ein zwei mal zwei Meter großes Modell bauen.

Projekt Bürogebäude, Aalter Architekt ARKS Architecten, Aalter Bauleitung und Koramic Real Estate, Kortrijk Auftraggeber Dachdecker/ Angelino Vaneeckhoutte, Fassade Anzegem Tondachziegel/ Koramic 301, Fassade Mix aus schiefergrau, braun glasiert, lustré, weinrot glasiert und schwarz glasiert


Belgien

Mittels Fotovoltaikpaneelen im Eingangsbereich ­erzeugt das Gebäude seinen eigenen Strom. Der Kanal vor der Frontfassade dient als Pufferund Filterzone fßr Regenwasser.






Die ehemalige Industriezone wurde in ein freundliches und lebenswertes Wohnareal verwandelt.


Litauen

Preisgekrönt im ­Grünen Keramik für Dach und Fassade In der litauischen Hauptstadt Vilnius entstand, an einem wunder­schönen Park ­gelegen, eine sehenswerte Wohnanlage. Das Projekt wurde vom Präsidenten der litauischen Republik bei einem Wettbewerb der litauischen Baubranche, dem Lietuvos metu gaminys 2008, mit der Goldmedaille in der Kategorie „Baumaterialien“ ausgezeichnet. Die an einer schönen Parkanlage gelegenen mehrstöckigen Häuser sind für Familien konzipiert. Die Wohnanlage wirkt durch eine Umzäunung geschlossen und bietet den Familien ein sicheres und komfortables Umfeld. Ein Anliegen der Bauherren war es, die Häuser vom Verkehr abzuschirmen, weshalb man unterhalb der Siedlung eine Garage errichtete. Für den Bau der Häuser verwendete man ausschließlich umweltfreundliche Materialien, unter anderem Ziegel

und Tondachziegel. So verwandelte sich die ehe­ malige Industriezone in ein freundliches und lebenswertes Wohnareal. Die Anlage wurde neben dem örtlichen Park Verkiu errichtet und befindet sich in der Nähe des Klosters Trinapolis, einer beliebten Sehenswürdigkeit. Der nahegelegene Fluss Neris verwandelt den Park in einen der schönsten Orte in ganz Vilnius. Die außergewöhnliche Umgebung macht aus diesem Bezirk ein repräsentatives Wohngebiet und verspricht einen hohen Lebensstandard. Dementsprechend wollten die Architekten sowohl die Kunst der Gebäude als auch die Besonderheit des Umfelds hervorheben. Folglich wurden ausschließlich natürliche, hochqualitative und beständige Produkte von Wienerberger Litauen für den Bau der Wohnanlage verwendet. Kritiker lobten die gelungene Integration des Gebäudes in seine Umgebung, indem natürliche Produkte verwendet wurden, die das Gebäude weniger eintönig und schwerfällig aussehen lassen. Nicht nur die Architekten, sondern auch die Bewohner zeigten sich mit der Qualität der verwendeten Materialien und der fertigen Anlage hochzufrieden. Die rot engobierten Tondachziegel Actua 10 haben die Architekten nicht nur wegen ihrer Umweltfreundlichkeit verwendet; es war auch möglich, sie vom Dach bis zur Fassade weiterzuführen, was eine Vorgabe des Auftraggebers war.

Projekt Verkiu Wohnsiedlung, Vilnius Bauherr UAB „Hanner Development“ Architekten Raimondas Pilkauskas,

Danguole Pilkauskiene & Co., Arūnas Venckus Generalunternehmer Hanner Development Tondachziegel Koramic Actua 10 mit Sturmfix®, rot engobiert Fassadenziegel Terca Lentenbont WF, Desimpel Agraat WFD




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Konstruktive Herausforderung Ein abgerundeter Dachgrat als architektonische Besonderheit Die Kaufingerstraße in der Nähe der Frauenkirche gehört mit ihrer Ersterwähnung 1316 zu den ältesten Adressen Münchens. In der heute renommierten Einkaufs­ straße ist auch der imposante Bau des Herrenausstatters Hirmer angesiedelt. Innen mit allen modernen Erfordernissen eines Kaufhauses ausgestattet, ist die Fassade historisierend gestaltet. Der abgerundete Grat des Kaufhausdaches ­erwies sich bei diesem Bauvorhaben als besonders anspruchsvolles Detail. Einst wohnten hier wohlhabende Münchener Kaufleute. Im 19. Jahrhundert wurden die barocken Wohnhäuser durch Kaufhäuser ersetzt. Das Größte war seinerzeit das Geschäftshaus „Zum Schönen Turm“. Es wurde 1914 von den Architekten Eugen Hönig und Karl Söldner errichtet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Bausubstanz der Kaufingerstraße weitgehend zerstört und schließlich abgetragen. Ab 1990 wurden die Bauten der 1950er- und 1960erJahre sukzessive wieder durch postmoderne oder historisierende Baukörper ersetzt. Seit 1971 ist die Kaufingerstraße eine Fußgängerzone. Mit rund 15.000 Passanten pro Stunde zählt diese Straße zu den ­umsatzstärksten Einkaufsmeilen Deutschlands und mit Mietpreisen von rund 300 Euro pro Quadratmeter zu den teuersten Adressen der Welt.

Historisierende Fassade. Dort wo früher das

Geschäftshaus „Zum Schönen Turm“ stand, ist heute das Stammhaus des bekannten Herrenausstatters Hirmer angesiedelt. Das Gebäude aus der Nachkriegszeit wurde 2007/2008 zu großen Teilen abgerissen und nach den Erfordernissen eines modernen Kaufhauses mit einer historisierenden, dem ursprünglichen Altbau ähnelnden Fassadenfront neu errichtet. Im Winter 2008/2009 wurde der Bau komplett eingehaust und die Fassaden- und Dacharbeiten ausgeführt. Für das 1.500 Quadratmeter große Dach lieferte Wienerberger 1,4 Zentimeter starke Biberschwanz-Dachziegel mit Segmentschnitt der Größe 18 x 38 Zentimeter.

Ästhetische Technik. Die Besonderheit eines mit

Biberschwanzziegeln gedeckten Daches ist, dass die Mindestüberdeckung der Biber von der Dachneigung abhängt. Je geringer die Dachneigung, umso höher muss die Überdeckung sein, damit ein Biberdach regensicher ist. Der abgerundete Dachbereich am Grat in München sorgte dadurch für eine besondere Schwierigkeit: Der besagte Bereich ist geringer geneigt als die Hauptdachflächen und muss entsprechend höher überdeckt werden. Weil die Ziegelreihen links und rechts der Rundung auf gleicher Dachlattenhöhe fließend ineinander übergehen, müssen die höheren Überdeckungen aus der Rundung zwangsläufig auch von den steilen Dachflächen übernommen werden. Die dadurch eigentlich unnötig hohen Überdeckungen in den Steilflächen hätten die Dacharbeiten unverhältnismäßig verteuert. Die erarbeitete Lösung sah wie folgt aus: Die Hauptdachflächen wurden geringfügig höher überdeckt als nötig. An der Gratrundung wurden im Traufbereich einige Ziegelreihen zusätzlich eingedeckt, um hier eine höhere Überdeckung zu realisieren. Dadurch hebt sich die rund laufende Deckung an der Traufe etwas an und entwickelt eine Optik und Ästhetik, die der einer Fledermausgaube ähnelt. Wirtschaftlichkeit und Ästhetik konnten so bei dieser technisch anspruchsvollen Dacheindeckung harmonisch vereint werden.

Projekt Dachsanierung des Kaufhauses Hirmer, München

Detail mit Tücken. Eine architektonische Beson-

derheit des renommierten Kaufhauses ist eine abgerundete Ecke, die sich in einem ebenfalls abgerundeten Grat auf dem Dach fortsetzt. Auch wenn dieses Detail im ersten Augenblick unspektakulär aussieht, so stellt ein abgerundeter Grat technisch jedoch einen erheblichen Schwierigkeitsgrad dar.

Bauherr Stadt München Architekten Meier-Scupin & Partner, München, www.msundp.de

Generalübernehmer W. Markgraf GmbH & Co. KG, München

Dachdecker Sigel u. Weindl Dachspenglerei, Sauerlach

Tondachziegel 1.500 m² Koramic Biber, 18 x 38, 1,4 cm stark, Segmentschnitt, naturrot


Deutschland

Die konstruktive Ausf端hrung des abgerundeten Dachgrates stellt technisch einen erheblichen Schwierig足keitsgrad dar.

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Die funktionale Zweiteilung des ­Gebäudes spiegelt sich an der Fassade wider, die im Erdgeschoß mit orangefarbenen ­Klinkern und in den oberen Stockwerken mit ­Tondachziegeln verkleidet ist.


Niederlande

Runde Ecken in Rot Klare Formen mit ausdrucksstarker Verkleidung Am Rande des Bezirks Boterdorp Zuidwest im niederländischen Ort Bergschen­ hoek markiert ein auffälliges Gebäude den Übergang zwischen Alt und Neu. Es ist das neue Dienstleistungszentrum des Viertels, das durch abgerundete Ecken und eine in der Sonne funkelnde Fassade aus Tondachziegeln hervorsticht. Das Archi­ tekturbüro Marx & Steketee zeichnet für den Entwurf verantwortlich. Der Platz Boterdorpplein in Bergschenhoek bildet sowohl räumlich als auch funktional den Mittelpunkt eines neuen Viertels. Hier treffen verschiedene Verkehrswege zusammen, außerdem gibt es Sportplätze und Raum für Begegnungen und Gespräche. Das Dienstleistungszentrum wurde als Ankerpunkt auf dem Platz und als Zentrum des Viertels aufgefasst. Das Architekturbüro Marx & Steketee gab dem Gebäude deshalb drei repräsentative Frontseiten, von denen zwei einen nach hinten versetzten Eingang haben. Die Eingänge führen in eine gebäudehohe Empfangshalle im Herzen des Gebäudes.

Fassaden-Zweiteilung. Das Dienstleistungs-

zentrum bietet einer Reihe von viertelbezogenen Einrichtungen Platz, darunter eine Hausarztpraxis, eine Apotheke, das Gemeindezentrum und eine Physiotherapiepraxis. Die Einrichtungen in den oberen Stockwerken sind von der Empfangshalle aus erreichbar, die Einrichtungen im Erdgeschoß bekamen einen eigenen Eingang von der Außenseite. Diese Zweiteilung findet sich auch an der ­Fassade wieder, die im Erdgeschoß mit orangefarbenen Klinkern und in den oberen Stockwerken mit Tondach­ziegeln verkleidet ist. Die Materialien wurden gewählt, um die gebogenen Fassadenflächen des Gebäudes so klar wie möglich herauszuarbeiten. Die Tondach­ziegel sind an eine Ziegellattenkonstruktion geschraubt, die ihrerseits an der inneren Tragschale montiert ist.

Versuchsanordnungen. Um zu überprüfen, ob

diese Form der Montage auch an allen Abschnitten der Außenwand funktioniert, wurden vorab auf der Baustelle Versuchsanordnungen errichtet. Diese Versuche ergaben, dass die Tondachziegel der Krümmung der Fassade hervorragend folgen konnten. Die Architekten entschieden sich für eine Mischung aus mittelroten und dunkelroten engobierten Tondachziegeln. Diese ermöglichen nicht nur die Krümmung der Fassade, sie verleihen ihr auch eine gewisse taktile Qualität und Feinheit und bringen den Maßstab der Gesamtform des Gebäudes mit den menschlichen Maßen in Übereinstimmung.

Vierte Fassade. Die Innenseite der Halle haben

die Architekten gleichsam als vierte Fassade interpretiert und sich für die Brüstungen in den oberen Stockwerken der gebäudehohen Halle etwas Besonderes einfallen lassen. Architekt Ady Steketee: „Wir haben die zentrale Empfangshalle als einen Ort, an dem die Besucher diskret empfangen werden und an dem eine angenehme und einladende Atmosphäre herrscht, konzipiert. Deshalb haben wir zum Beispiel in die Multiplex-Paneele der Brüstungen in den oberen Stockwerken tausende fröhliche Kleeblätter gefräst. Sie sorgen für Schalldämpfung und sind gleichzeitig Dekoration. Die Löcher sind alle gleich bis auf eines. Das ist nämlich kein dreiblättriges Kleeblatt, sondern ein vierblättriges!“

Projekt Dienstleistungszentrum, Bergschenhoek

Architekturbüro Marx & Steketee architecten bv, Eindhoven

Architekt Ady Steketee Tondachziegel Koramic 301, naturrot und toskana

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Energieeffizienz für alle Eine Premiere in Frankreich Die im Herbst 2009 übergebenen 22 Häuser im Stadtviertel Les Toits de la Corvée von Saint-Dié des Vosges, einer Kleinstadt nahe der deutsch-französischen Grenze, wurden mit dem Gütesiegel für Niedrigenergie-Gebäude (BBCEffinergie) ausgezeichnet. Die Qualität dieses Projekts, mit dessen Umsetzung die Architekten Eric Schmitt und Antoine Pagnoux (ASP Architecture) beauftragt wurden, zeigt, dass sich Umweltschutz und soziales Engagement nicht ausschließen.

Ein beispielhaftes Projekt. Um das Wohnbau-

projekt mit den 22 energetisch unabhängigen Wohneinheiten (acht Häuser der Kategorie 4 und 14 Häuser der Kategorie 5 mit einer Wohnfläche von durchschnittlich 115 Quadratmetern), das den neuesten Umweltschutzanforderungen gerecht wird, realisieren zu können, mussten zunächst fünf alte Wohnhäuser aus dem Jahr 1956 abgerissen werden. Auch das abschüssige und zentral in der Stadt gelegene Gelände (es ist nur 600 Meter vom Stadtkern entfernt) stellte die Planer vor gewisse Herausforderungen. Aufgrund ihrer Anzahl konnten die Häuser nicht alle nach bioklimatischen Kriterien optimal ausgerichtet werden, zudem mussten die Voraussetzungen für einen behindertengerechten Zugang geschaffen werden.

Ein ehrgeiziges Ziel. Ziel des Bauprojekts war

es, umweltfreundliche Wohnhäuser mit maximaler Energieleistung und geringen Nebenkosten zu bauen. Die Häuser sollten wirtschaftlich und umweltfreundlich zugleich sein – diese Kriterien spielten bei der Planung der Hauskonstruktion eine wesentliche Rolle. Letztendlich entschied man sich für eine Massivholzstruktur mit einer Dämmung der Außenwände durch eine Kombination aus Ton, Putz und Holz. Die Außenfassaden der 22 Häuser (Nordostfassaden, die nicht der Witterung ausgesetzt sind) sind im oberen Teil mit Fichtenholz und Datura Flachziegeln mit ebener Sichtfläche verkleidet und im Erdgeschoß mit einem mineralischen Außenanstrich bedeckt. Der Bau eines einzelnen Hauses hat lediglich vier Monate gedauert, wobei das Versetzen der vorgefertigten Mauern und des ebenfalls in Vorfertigung produzierten Daches nur zwei Tage in Anspruch nahmen. Die Bauphasen­planung wurde dahingehend optimiert, dass sich der Transportaufwand auf ein Minimum beschränkte. Diese Kombination aus Holz, Tondachziegeln und mineralischem Putz im Erdgeschoß sollten sich harmonisch in das Stadtbild

einfügen und gleichzeitig die benachbarte Architektur berücksichtigen.

Energieunabhängigkeit. Die Häuser verfügen

über eine kontrollierte Wohnraumlüftung sowie einen Holzofen. Das Prinzip des Ofens besteht darin, das ganze Haus zu heizen und gleichzeitig Warmwasser bereitzustellen. Nur vier Raummeter Holz sind jährlich erforderlich, um das Haus zu heizen und Warmwasser zu erzeugen. Hinzu kommen vier Quadratmeter Solarpaneele auf dem Dach, die im Sommer eingesetzt werden und 40 bis 60 Prozent des Warmwasserverbrauchs sichern. Die Dichtigkeitsprüfungen mit Luft, die an den ersten fertiggestellten Häusern durchgeführt wurden, haben ergeben, dass die Dichtigkeit um einiges höher ist als vom BBC-Gütesiegel gefordert und sogar etwas höher als beim Standard für Passivhäuser. Ergebnis: Jedes der Häuser verbraucht im Jahr nicht mehr als 60 kWh pro Quadratmeter an Primärenergie.

Vor allem ästhetisch. Im Vorfeld des Projekts

war jede Menge Rechenarbeit erforderlich, weil alle Wände und Öffnungen von der Verlegung der Dachziegel abhingen, die ein harmonisches Gesamtbild ergeben sollten. Diese ästhetischen Überlegungen waren ausschlaggebend für die Verwendung dieses einzigartigen Materials für Dach und Fassade, an denen die bauliche Homogenität des Objekts ablesbar ist. „Wir haben uns für den Koramic Tondachziegel Datura entschieden, weil wir natürlich in erster Linie auf die Kosten achten mussten, aber auch wegen seiner Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit. Das Material setzt im Laufe der Zeit eine Patina an, die den traditionellen Charakter des Daches unterstreicht. Die naturrote Farbgebung verleiht dem Gebäude eine freundlich warme Ausstrahlung. Ein Farbton, der perfekt zu diesem Wohnviertel passt und sich in 95 Prozent der Dächer wiederfindet“, erklärt Antoine Pagnoux, Architekt dieses Projekts.


Frankreich

Ziel des Bauprojekts war es, umweltfreundliche Wohnhäuser mit maximaler Energie­ leistung und geringen Nebenkosten zu bauen.

Projekt 22 Wohnhäuser, Saint-Dié des Vosges

Bauherr Sa d’HLM le Toit Vosgien Architekt DPLG Antoine Pagnoux, Generalunternehmer Tondachziegel

ASP Architecture Kuntz-Colnat Koramic Datura, naturrot

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Prägnant, klassisch, modern Steildächer als gestalterischer Blickfang Inmitten einer einzigartigen Landschaft am schönsten See der chinesischen Stadt Suzhou entstanden großzügige Apartment-Hochhäuser mit markanten Doppeldächern: der Jinghope Marina Cove Garden. Die von Jinghope Real Estate Co., Ltd. entwickelte, luxuriöse Wohnbauanlage liegt in einem eleganten Wohnbezirk der chinesischen Stadt Suzhou am JinjiSee in der Nähe des bekannten Singapore Suzhou Industrial Park. Die Gesamtentwicklungsfläche beträgt 140.000 Quadratmeter, die bebaute Fläche 120.000 Quadratmeter. Die geräumige Innengestaltung der Apartments und der spektakuläre Ausblick auf den Jinji-See sorgen für ein ruhiges, ausgewogen geräumiges ­Ambiente. Hier ist eine großzügige Wohnanlage entstanden, die höchsten Ansprüchen gerecht wird. Im Zentrum der architektonischen Gestaltung standen die Steildächer der Hochhäuser und die Vorgabe, dass sich der Komplex harmonisch in die natürliche Umgebung des Sees einfügen sollte.

Qualität und Attraktivität. Die Wahl der

Dachziegel unterstreicht die ansprechende Form des Gebäudes. Die Architekten entschieden sich wegen der hervorragenden Qualität und der generell hohen Attraktivität des Produkts für Koramic-Actua-Tondachziegel in Braun. Betrachtet man die Farbpalette als Ganzes, bestätigt sich die Entscheidung für den braunen Actua im harmonischen Gesamteindruck. Die Verwendung brauner Dachziegel für ein Hochhaus mag kühn erscheinen, doch das Ergebnis überzeugt. Die Farbe unterstreicht die äußeren Merkmale des Gebäudes. Die einfallenden Sonnenstrahlen sorgen für Tiefe und Lebendigkeit, indem sie die verschiedenen Schattierungen und Texturen des satten Brauntons der Actua-Dachziegel reflektieren.

Einzigartiges Doppeldach. Das Steildach strahlt eine villenartige Eleganz aus. Das Image von Marina Cove Garden ist das einer Luxuswohnanlage und nicht das von Apartment-Hochhäusern. Ermöglicht wurde dieses Konzept unter anderem vom örtlichen Planungsbüro in Suzhou, das sehr kooperativ und aufgeschlossen gegenüber Dachstilen war, die die Skyline der Stadt aufwerten. Das geneigte Dach wurde zwar zunächst infrage gestellt, doch die Architekten bestanden auf dem ursprünglich gewählten Konzept. Nach Fertigstellung der ersten Häuser äußerten sich alle Beteiligten positiv und sprachen sich für die Beibehaltung der Dachform aus. Da die Häuser schon von weitem zu erkennen sind, sind sie mit den gewählten Dachziegeln ein Blickfang in der Landschaft, sie heben das Profil der gesamten Anlage und vervollkommnen die Skyline des Jinji Lake Scenic Area.

Dachziegel werten die Architektur auf.

Den meisten Architekten ist die Ausgewogenheit ihrer Projekte ein Anliegen. Deshalb legen sie besonderen Wert auf Details und auf eine hohe Qualität der verwendeten Materialien. Vor der Abgabe einer endgültigen Empfehlung für das Koramic Actua ­Design wurden verschiedene Tondachziegel in- und ausländischer Hersteller verglichen und anschließend eine Shortlist erstellt. Vertrieb und technische Dienste wurden von Shanghai Rondeau übernommen.


China

Die auf das Dach einfallenden Sonnenstrahlen reflektieren die verschiedenen Schattierungen und Texturen des satten Brauntons der Dachziegel.

Projekt Jinghope Marina Cove Garden, Suzhou

Bauherr Jinghope Real Estate (Suzhou) Co., Ltd.

Architekt JGP Architecture (Shanghai) Co., Ltd.

Generalunternehmer Longxin Construction Group

Dachdecker Tondachziegel

Co., Ltd. Shanghai Rondeau Co., Ltd. Koramic Actua, braun

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Traditionelle Bauform, zeitgemäß inter­ pretiert: Dach und Fassade des Gebäudes erscheinen wie aus einem Guss.


Litauen

Markanter Monolith Eine Gebäudehaut, ganz aus dunklen Dachziegeln In Anlehnung an den klassischen Giebeldach-Haus-Archetypen entwarfen die ­Architekten im litauischen Klaipėda ein Gebäude mit abstrakter Silhouette. ­ Weinrot glasierte Tondachziegel machen Dach und Fassade zum Hingucker aus einem Guss. Seit dem 14. Jahrhundert markierte der Fluss Dange die Hauptverkehrsader der litauischen Hafenstadt Klaipėda. Magazine und Getreidespeicher mussten damals per Dekret nahe am Fluss gelegen errichtet werden. Besonders im 18. Jahrhundert gab es durch den florierenden Handel mit Holz und Getreide einen wahren Bauboom in Klaipėda, und ein paar der zumeist aus Ziegel oder Holz gefertigten Uferbauten sind immer noch erhalten. Die heute städtebaulich für die Stadt und private Investoren interessante Zone am Wasser soll Einwohner wie Touristen gleichsam zum Verweilen einladen. Zwischen den alten Fachwerkshäusern sollte ein modernes Multifunktionsgebäude errichtet werden. Vorgabe des Auftraggebers war, das Projekt mit Baumaterialien auszuführen, die eine monolithische, schlichte Form ermöglichen. Auch der Bebauungsplan der Altstadt von Klaipėda hatte großen Einfluss auf die Formgebung des fertigen Gebäudes am Ufer der Dange. Dazu kam eine Höhenbeschränkung, zudem musste als planerische Vorgabe ein geneigtes Dach und eine rechtwinkelige Anordnung des Gebäudes zum Fluss eingehalten werden. ­„Unsere Idee war es, eine Kopie des traditionellen Hauses zu entwerfen, dabei aber moderne Produkte und fortschrittliche technische Lösungen ­einzusetzen“, erklären Algiman-

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tas Kančas und Gustė Kančaitė vom Architekturstudio A. Kančas. Die Gewinner des zweistufigen Architekturwettbewerbes entschieden sich für keramische Dachziegel, da diese für die Eindeckung des Steildachs, aber auch zur Verkleidung der Fassade verwendet werden konnten. Mithilfe spezieller Dachziegel für den Ortgang und dank der Fassadeneckziegeln ließ sich der Wunsch nach einer aus einem Guss modellierten Gebäudehülle erfüllen. Durch die glänzende Oberfläche und die handliche Größe verschmelzen die Tondachziegel für den Betrachter zu einer schuppenartigen Textur, die das Haus zur Gänze überzieht. Ton spielte auch bei der Konstruktion der Außen­ wände aus Hochlochziegeln eine wichtige Rolle. Mithilfe eines Profilsystems wurden die weinroten Koramic Dachziegel auch an den Mauern befestigt. Das dreistöckige Gebäude mit zusätzlichem Dachgeschoß dient nach der Fertigstellung als Büround Verwaltungsgebäude. Das ursprünglich geplante Apartment-Hotel ließ sich aus wirtschaftlichen Gründen nicht umsetzen. Die gläserne Front des Erdgeschoßes, in dem sich Café und Restaurant befinden, lässt sich komplett öffnen und ermöglicht so einen nahtlosen Übergang zwischen dem Café und der zum Fluss gerichteten Terrasse. Die Büroräumlichkeiten sind zwischen erstem und drittem Stock unterge-

bracht. Ein Nachtclub im Dachgeschoß komplettiert die Anlage. Velux-Dachfenster in verschiedenen Größen bringen tagsüber Licht von allen Seiten in das Lokal und erlauben zu späterer Stunde einen schönen Ausblick in Richtung Nachthimmel.

Projekt Büro- und Verwaltungsgebäude Danes Gates, Klaipėda

Bauherr EDP Group Architekt Algimantas Kančas, Gustė Kančaitė, A. Kančas Studio

Generalunternehmer JSC „Edija“ Tondachziegel 1.460 m2 Koramic 301, weinrot glasiert


Litauen

Mit ihrer glänzenden Oberfläche verschmelzen die Tondach­ziegel für den Betrachter zu einer schuppenartigen Textur, die das Haus zur Gänze überzieht.

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Von kindlicher ­Fantasie zu ­städtischer Realität Ein Tondachziegel als Farbwunder In der französischen Gemeinde Villiers-Le-Bâcle entstand ein mutiges und originelles Projekt, das für Ästhetik und eine harmonische Integration in die bestehende Architektur steht.

Das Konzept des habitat intermédiaire, das vom Architekturbüro Po&Po (Jean-Luc Calligaro und Bruno Palisson) verfolgt wird, orientiert sich an den Gartenstädten der Dreißigerjahre und verfolgt eine Mischung aus privatem und gemeinschaftlichem Wohnen – sei es beim sozialen Wohnungsbau oder beim Wohn­ eigentum. Erklärtes Ziel ist es, durch gemeinschaftlich genutzte Flächen das Miteinander, die „dörfliche Atmosphäre“, zu fördern. Umgesetzt wurde dieses Konzept mit dem Bau von 19 kürzlich fertiggestellten Stadthäusern in Villiers-Le-Bâcle, rund 20 Kilometer von Paris entfernt und ganz in der Nähe des Kernforschungszentrums Saclay gelegen. Obwohl zwei Bauherren beteiligt waren – die Gemeinde für den ersten Komplex mit acht Häusern und die Sozialwohnungsgesellschaft „Pierre et Lumière“ für den zweiten mit elf Häusern auf der anderen Straßenseite –, zieht sich eine klare architektonische Linie durch das Projekt.

Die Landschaft als vereinendes Stadt­ element. Das gesamte Bauprojekt steht im Kontext

der Kontinuität der Landschaft. Nicht ohne Grund hat man das Gefühl, auf einem öffentlichen Platz zu sein, wenn man an den beiden zur Stadt ausgerichteten Wohnanlagen vorbeispaziert. Die Vegetation spielt eine wichtige Rolle als Bindeglied, als roter Faden zwischen öffentlichem und privatem Bereich, und kennzeichnet halböffentliche Bereiche, an denen Gemeinschaft und Austausch praktiziert werden.

Wie von Kinderhand gezeichnet. „Zunächst

haben wir uns mit der Baukörperkubatur und den Öffnungen und dann mit der Auswahl des richtigen Materials beschäftigt, das zu der Vegetation passen würde. Die Wahl fiel auf den Dachziegel Tempête (Tempest) 44, die der Planung dieses Projekts zugrunde gelegt wurde“, erklärt der Architekt Bruno Palisson. „Jedes Haus hat einen sehr einfachen Ausdruck, wie von einer Kinderzeichnung inspiriert. Daher haben wir uns sowohl bei der Fassade als auch bei den beiden

Dachschrägen für diesen Dachziegel im Farbton ‚Liede-vin émaillé‘ entschieden. Er hat die Funktion eines Schutzpanzers für die Konstruktion und zieht sich wie ein roter Faden von Haus zu Haus. Ein weiterer Vorteil dieser Dachziegel: Das Material ist sehr ausdrucksstark und hat aufgrund seiner Fähigkeit, mit der Natur und der umgebenden Landschaft in Dialog zu treten, einen hohen Nutzwert. Die Farbe ‚Lie-de-vin émaillé‘ selbst stellt eine Abkehr vom traditionellen Image der Tondachziegel dar, die normalerweise eine weniger auffällige Farbe haben und in der Regel nicht schimmern. Dazu kommt ein unerwartetes Lichtspiel: Je nach Witterung verändert sich die Farbe von Schwarz zu tiefem Rot, wozu die Emaillierung das ihre beiträgt. Überraschung garantiert!“ Dieses Farbenfeuer findet sich auch in den bunten Metallschiebeläden wieder, die direkt in das Mauerwerk integriert sind. Das Ganze steht im Kontrast zu der äußeren Hülle aus Holz und dem hellen Putz der vorderen und hinteren Fassade. Dieser Putz bildet auch einen Kontrapunkt zum Dachziegel – hier geht es um Kraft, Stärke und die fließende Leichtigkeit des Metalls.

Wenn Qualität und Ästhetik mit den ­Kosten vereinbar sind. Dieses mit den Labels

THPE und Qualitel 3 étoiles ausgezeichnete Projekt besteht aus einem Holzskelett und hat eine mineralische Außendämmung. Die 20 Duplexwohnungen mit zwei oder vier Zimmern haben eine Fläche von circa 40 bis 80 Quadratmetern und bieten jeglichen Komfort. Jede Wohnung hat einen Balkon auf der Etage und eine eigene Terrasse mit kleinem Garten sowie einen Carport oder Stellplatz. Das beste Beispiel, wie Lebensqualität und ­Ästhetik im Dienste des sozialen Miteinanders v­erschmelzen.


Frankreich

Die ausdrucksstarken Dachziegel schimmern je nach Witterung in unterschiedlichen Farbtönen zwischen Schwarz und tiefem Rot und bilden so auch einen markanten Kontrast zu den hellen Fassadenfronten.

Projekt 19 Stadthäuser, Villiers-Le-Bâcle

Architekt Bruno Palisson – Jean Luc

Calligaro, Atelier PO&PO ­architectes, Paris Generalunternehmer Entreprise Générale SGM Tondachziegel Koramic Tempest 44, weinrot glasiert

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Die Gestaltung der Doppelh채user basiert auf dem Kontrast zwischen dem warmen, roten Farbton des Mauerwerks und den schlichten, edelschwarz engobierten Dachfl채chen.


Niederlande

Zwischen Nostalgie und Eleganz Flachziegel setzt individuelle und zeitgemäße Akzente Das neue Wohnquartier Galjoen Zuid in Lelystad, Niederlande, präsentiert sich sehr bewusst im Stil der 1930er-Jahre. Durch den Einsatz eines schlichten und schnörkellosen Flachziegels kreierte der Architekt eine traditionelle und dennoch modern wirkende Gebäudeoptik für die Stadtvillen, die direkt hinter dem Ijssel­ meer-Markermeer-Deich stehen. Durch die verkehrsberuhigte und parkähnliche Anlage, die mit zahlreichen Grün- und Wasserflächen versehen ist, strahlt das gesamte Viertel Ruhe und Gelassenheit aus. Passend zur nostalgisch-schlichten Gestaltung des Viertels wurden für die Stadtvillen nur originäre Baumaterialien wie Ziegel, Holz und Klinker gewählt. Die Gestaltung der Doppelhäuser basiert auf dem Kontrast zwischen dem warmen, roten Farbton des Mauerwerks und den schlichten, edelschwarz engobierten Dachflächen, eingedeckt mit dem Design­ ziegel Actua 10. Die schmückenden ­waagerechten Bänderungen aus gelbem Fassadenziegeln sowie die großzügigen, schlanken Dachüberstände verleihen den Walmdachvillen eine gewisse Leichtigkeit und Eleganz.

Flach und edel. Der Charme der Villen wird von

den Dachflächen kraftvoll mitgetragen. Statt der in den Niederlanden weitverbreiteten Hohlfalzziegel setzten die Architekten Molenaar & Van Winden aus Delft mit dem Designziegel Actua 10 bewusst individuelle gestalterische Akzente. So läuft der glatte Dachziegel zum Beispiel an den ungewöhnlich flach und breit geformten Regenrinnen mit einer Dicke von nur etwa zwei Zentimetern fast ins Nichts aus. Auch die Walme sind mit den Flachziegeln nahezu eben ausgeführt. Die Grate liegen fast plan auf. Damit wirken die Dächer nochmals glattflächiger. Mit ähnlicher Präzision und Schlichtheit sind Anschlüsse an Gauben, Dachfenstern und Schornsteinen realisiert. Ein weiterer Vorzug des Dachziegelmodells Actua 10 ist die Möglichkeit der Verlegung in Reihe oder im Verband. Bei einer Verlegung wie hier im Verband werden die Dachziegel jeweils um einen halben Ziegel versetzt. Der halbe Verband unterbricht die üblichen durchlaufenden Traufe-First-Deckfugen und betont die waagerechte, linienartige Gestaltung der Dachflächen.

Elegant und sicher. Trotz aller Leichtigkeit und

Eleganz darf die Sicherheit nicht zu kurz kommen. Die Wienerberger GmbH bietet diesen Dachziegel deshalb mit der integrierten Sturmsicherung Sturmfix an. Damit der Actua 10 wahlweise im Verband oder in Reihe sturmsicher verlegt werden kann, wurde die Ziegelunterseite mit einer zweiten Klammeraufnahme versehen. Sturmfix, die leistungsfähigste Sturmklammer im gesamten Dachziegelmarkt, macht so aus der Dach­ ziegelschönheit ein starkes Stück Dacheindeckung.

Projekt Stadtvillen Galjoen Zuid, Lelystad

Bauträger Leyten Vastgoedontwikkeling BV Architekt Architekten Molenaar & Van Winden

Dachdecker Leemans B.V.,

Tondachziegel Koramic Actua 10

Wijk bij Duurstede mit Strumfix®, edelschwarz

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Natürlich schön ­wohnen Keramik garantiert Qualität und Stil Das in der Nähe der polnischen Hafenstadt Gdingen gelegene Gebäude war ein kundenspezifischer Entwurf. Der Bauherr wünschte die Verwendung von ausschließlich natürlichen Rohstoffen. Mit der Wahl von Biberschwanzziegeln aus Ton konnte der Designer diesen Wunsch nicht nur erfüllen, sondern schuf zudem ein Gebäude, dessen Stil eng auf die regionale Architektur Bezug nimmt. Das Einfamilienhaus, das sich an der Grenze zur Dreistadt befindet, sollte nicht einfach ein weiterer alltäglicher Entwurf werden. Promopack, ein für seine herausragenden Designs bekanntes Unternehmen, das bei der Formgebung auf die regionale Architektur Bezug nimmt, stellte sich dieser Herausforderung. Als ökologische und natürliche Rohstoffe wurden für den Bau Steine und Schieferplatten, Holz, Klinker, Pflasterklinker und Biberschwanzziegel verwendet.

Stilvolle Biberschwanzziegel. Für das Dach

wurden die kupferfarbenen engobierten Tondachziegel von Koramic ausgewählt. Im Design wurden drei Fledermausgauben vorgeschlagen, da diese in der pommerschen Architektur üblich sind. Sogar Kenner wissen, dass es nicht einfach ist, diese architektonischen Elemente umzusetzen. Die Fertigstellung einer Fledermausgaube erfordert die perfekte Zusammenarbeit zwischen Zimmermann und Dachdecker sowie äußerste Vorsicht und Genauigkeit. Auf der anderen Seite ist dies die Möglichkeit, ein einfaches Gebäude mit einem prächtigen und stilvollen Dach zu krönen. Außerdem erfüllte die charakteristische Farbe des Daches seinen Zweck. Die Kupferfarbe der Tondachziegel verleiht dem Dach eine sehr markante Erscheinung zwischen dem Grün der auf dem Grundstück erhaltenen Pappeln und Birken, die in die Gestaltung des Gartens miteingebunden wurden. Die Harmonie der einfarbigen Dachoberfläche mit den für das Finish der Fassade verwendeten Materialien betont den einzigartigen Charakter des Gebäudes und akzentuiert die Schönheit der architektonischen Feinheiten.

Elegant und beständig. Für das Haus wurde eine

traditionelle Ständerbauweise aus Holz verwendet. Bei den interessanten dekorativen Merkmalen der Zimmererarbeit sind besonders die Sattelhölzer oder die

Schwerter am Holzbalkon eine Erwähnung wert. Der Balkon selbst liegt in einem charakteristischen Erker. Die Innenarchitektur rundet mit den verwendeten Pastellfarben und den massiven Möbeln das gestalterische Gesamtkonzept ab. Das Haus kann als gutes Beispiel dafür betrachtet werden, wie von der Inneneinrichtung bis hin zum Dach eine freundliche Atmosphäre im Haus geschaffen werden kann.


Polen

F端r das Dach wurden kupferfarbene 足engobierte Tondachziegel ausgew辰hlt. Die Fledermausgauben sind in der pommerschen Architektur weitverbreitet.

Projekt Einfamilienhaus, Gdingen Architektur Designstudio Promopack Sp. z o.o.

Ausf端hrung Promopack Sp. z o.o. Tondachziegel Koramic Biber, 18 x 38, kupfer engobiert

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Neue Dachziegel, alter Look Herbsttöne auf dem Dach für ein architektonisches Juwel Im Dean Village in Edinburgh, direkt am Water of Leith, entschied man sich für Sandtofts handgefertigte Tondachziegel Goxhill zur Neueindeckung des denkmalgeschützten Well Court. Die Neueindeckung des Daches ist Teil eines umfangreichen Renovierungsprojekts mit Kosten in der Höhe von 1,1 Mio. Pfund und wird von der Edinburgh World ­Heritage (EWH) in Zusammenarbeit mit den Eigen­ tümern der zur Liegenschaft gehörenden 54 Apartments und Büros ausgeführt. Der Well Court entstand in den 1880er-Jahren und wurde vom Philanthropen und Eigentümer der Zeitung „Scotsman“, Sir John Ritchie Findlay, als Unterkunft für ortsansässige Arbeiter in Auftrag gegeben. Das Anwesen wurde damals vom Architekten Sydney ­Mitchell entworfen und zählt zu Edinburghs verborgenen ­architektonischen Juwelen. Um den ursprünglichen Zustand des Anwesens wieder herzustellen, mussten Originalmauerwerk, Fenster, Uhrturm und öffentliche Bereiche sowie das Dach restauriert werden. Im Sinne einer originalgetreuen Ausführung beauftragte der Architekt, der die Dachziegel auswählte, Sandtofts Heritage Service – eine auf Restaurierung und Erhaltung spezialisierte Abteilung – mit der Lieferung der maßgefertigten Gratziegel für das Dach dieses einzigartigen Gebäudes.


Großbritannien

Der Well Court ist ein denkmalgeschütztes Gebäude. Für die Renovierung wählte man einen Dachziegel in dunkelroten und herbstbraunen Tönen, der durch seine Farb­ variation dem neuen Dach ein „altes“ Aussehen verleiht.

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Durch die auf traditionellen Techniken basierende Handfertigung unterscheidet sich jeder Dachziegel ein wenig vom anderen. So wird ein 足einzig足artiger Gesamteindruck erzeugt.


Großbritannien

Da der Well Court ein denkmalgeschütztes Gebäude ist, mussten die Dachziegel zu der ursprünglichen, weit mehr als 100 Jahre alten Dachbedeckung passen. Man entschied sich für den Tondachziegel Goxhill, der mit seinen dunkelroten und herbstbraunen Tönen äußerst ansprechend wirkt und durch die Farbvariation dem neuen Dach ein „altes“ Aussehen verlieh. Die Dachziegel entwickelten rasch eine sehr schöne Patina, und binnen kürzester Zeit wirkte es, als seien sie immer da gewesen. Durch die auf traditionellen Techniken basierende Handfertigung unterscheidet sich jeder Dachziegel ein wenig vom anderen und ermöglicht so einen einzigartigen Gesamteindruck. Der Goxhill hielt dem Vergleich mit mehreren anderen Dachziegeln stand, die von sowohl auf hand- als auch auf maschinengefertigte Dachziegel spezialisierten Unternehmen angeboten wurden. Der Goxhill-Dachziegel ist aus natürlichem Lehm hergestellt und garantiert ein schönes Dach mit einer Lebensdauer von 60 Jahren. Er wird in den Farben Dunkelrot, Dunkle Kastanie, Hellrot und Herbstbraun gefertigt.

Projekt Neueindeckung Well Court, Edinburgh

Bauherr Edinburgh World Heritage Architekt Bob Heath,

Heath Architects & Stone Consultants, Schottland Generalunternehmer William Black & Sons Tondachziegel Sandtoft Goxhill handmade, brindle mix

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