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2011/12 | edition 12 Internationales Magazin für Dach-Architektur

www.architectum.com

Meisterhafte ­Dachsanierung

Neubau und Sanierung der NRW.BANK in Münster Münster/Deutschland

Ein schulischer Etappensieg

Ökologischer Neubau bei laufendem Schulbetrieb Saint-Martin-d’Hères/Frankreich

Ein lebendiges K ­ örpergefühl Harmonie trotz fehlender Geraden Baisogala/Litauen


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Editorial Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Impressum

Herausgeber Wienerberger AG 1100 Wien

Verlag

Österreichischer Wirtschaftsverlag GmbH 1050 Wien

Chefredaktion

Dominic Späth Geschäftsführer Wienerberger GmbH

Tom Cervinka (Österreichischer Wirtschaftsverlag) Marion Göth (Wienerberger AG)

in Ihren Händen liegt unser neues Architectum. Diese Ausgabe zeigt besonders eindrucksvoll, dass Tondachziegel sehr viel mehr sind als ein funktionelles Eindeckungsmaterial für Dächer. Verschiedenste Form- und Farbgebungen ermöglichen architektonische Gestaltungsfreiräume, die jedes Dach, aber auch Fassaden und sogar Innenräume zu einem kleinen Kunstwerk werden lassen können. Ob anspruchsvolle Sanierungsobjekte oder moderne und ambitionierte Neubauten – Tondachziegel überzeugen nicht nur durch ihre Qualität und Langlebigkeit, sondern auch durch ein Mehr an Gestaltungsspielraum. Lassen Sie sich inspirieren. Ihr Dominic Späth

Mitarbeit

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Alexa Uplegger (DE) Tomas Sabaitis (LIT) Jolanda Stam (NL) Delphine Esnault (FR) Arnaud Mounier-Duchamp (FR) Michelle Richards (UK) Lilly Li (CH) Hugo Lang (CH) Stuart Matthews (CA)

Fotos

Carlos Fernandez Piñar (5) Duccio Malagamba (16–17) Inga Padgurskytė (18–19) Didier Boy de la Tour Photograph (20–21) Saulius Paukštys (26–27) Stuart Matthews, Robert H. Darley (28–29) Andrew Smith SG Photography Ltd (32–33) Arindam Ghosh (34–35)

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Grafik und Design

Simon Jappel (Österreichischer Wirtschaftsverlag)

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Druck

Stiepan & Partner Druck GmbH Hirtenbergerstraße 31, 2544 Leobersdorf Produktion: Ueberreuter Druckzentrum GmbH

06 28 Wienerberger GmbH Oldenburger Allee 26 D-30659 Hannover T +49 (0) 511 610 70-0 F +49 (0) 511 61 44 03 info@koramic.de www.koramic.de

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Inhalt

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04 News

Mitgliedschaft IFD, Windsogsicherung

05 Vom Schlachthof zum Kulturbezirk Keramische Inspiration

06 Europäische M ­ aterialien, ­ chinesische Inspiration

Villenpark Imperial Summer Palace, bei Peking

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08 Meisterhafte Dachsanierung

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Neubau und Sanierung NRW.BANK, Münster

12 Ein schulischer Etappensieg

Schulgebäude Henry Wallon, Saint-Martin-d‘Hères

16 Ländliche Moderne in Keramik Bürogebäude, Gooiland

18 Der Tradition verpflichtet Einfamilienhaus, Klaipėda

20 Geschäftswelt trifft Natur Bürokomplex Celtic Park, Lyon

22 Fantasievoll und facettenreich

Multifunktionsgebäude Zonneboom, Doetinchem

26 Ein lebendiges Körpergefühl

Veterinärmedizinische Fakultät, Baisogala

28 Privates Traumhaus

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Einfamilienhaus, Carmel

30 Ein Schiff im Wald

Einfamilienhaus in der Nordheide, bei Hamburg

32 Ein Zusammenspiel von Kunst und Handwerk

Sanierung Swiss Cottage, North Yorkshire

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34 Die Schönheit von Tondächern

Freizeitressort Ocean Spray, Golf von Bengalen


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News

Mitgliedschaft IFD

Neues Partnermitglied bei „Internationaler ­Förderation des Dachdeckerhandwerks e. V.“

Windsogsicherung

Neuer Koramic-Service online

Seit Anfang 2011 ist die Wienerberger AG mit ihren Tochtergesellschaften Koramic, ZZ-Wancor, Sandtoft, Bogen und Jungmeier offizielles Partnermitglied der IFD – der Internationalen Förderation des Dach­ deckerhandwerks e. V. Dominic Späth, Geschäftsführer der Wienerberger GmbH, zur Mitgliedschaft: „Wir freuen uns über die Aufnahme in die internationale Föderation der Dachdecker. Als Europas größter Dachziegelproduzent und Baustoffexperte werden wir aktiv an Arbeitsgruppen, Workshops und Schulungen teilnehmen und unser Know-how im Fachverband einbringen. Gleichzeitig erhoffen wir uns durch die Mitgliedschaft einen noch direkteren Austausch mit den Dachdeckern. Die Erfahrungen der verarbeitenden Experten können wir so in Zukunft noch stärker als bisher in die Entwicklung maßgeschneiderter, leicht anwendbarer Produkt- und Verarbeitungslösungen einfließen lassen.“ Die IFD ist die weltweit größte Interessenvertretung des Dachdeckerhandwerks. Sie entwickelte sich als gemeinsame, starke Interessenvertretung in den 50er-Jahren mit dem Ziel des übergreifenden Erfahrungsaustauschs innerhalb der Branche. Heute sind zahlreiche nationale Berufs- und Fachverbände, internationale Unternehmen, Hersteller und Handelsorganisationen sowie Industrieverbände Mitglieder. Die IFD organisiert internationale Arbeitstagungen und Kongresse und wirkt an der Erstellung technischer Normen mit. Ein großer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt im Bereich Technik und Forschung sowie in der Aus- und Weiterbildung des Berufnachwuchses z. B. im Rahmen der jährlichen Weltmeisterschaft junger Dachdecker. „Wir sehen das Dach als eines der wichtigsten Elemente der Gebäudehülle, insbesondere wenn es um geeignete Systemlösungen für energieeffizientes Bauen geht. Es ist uns daher ein besonderes Anliegen diesen Systemgedanken weiterzutragen. Gemeinsam mit den Experten und der IFD können wir so die Zukunft des Dachdeckerhandwerks stärken,“ erklärt Dominic Späth abschließend. Wienerberger ist Europas Nummer eins bei Tondachziegeln und Anbietern von nachhaltigen und energieeffizienten ­Systemlösungen im Dachbereich.

Screenshots www.sturmfix.de

Im März 2011 trat die Fachinformation „Windlasten auf Dächern mit Dachziegelund Dachsteindeckungen“ des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) in Kraft. Die Anforderungen an die Windsogsicherung wurden deutlich verschärft. Die Parameter zur Ermittlung des Verklammerungsgrads sind wesentlich komplexer geworden. Wienerberger hat deshalb zu diesem Thema eigens eine neue Internetseite realisiert. Unter www.sturmfix.de finden Verarbeiter und Planer alles Wissenswerte rund um das Thema Windsogsicherung. Als weiterer Service steht zur kostenlosen Nutzung ein Koramic-Berechnungstool zur Verfügung, mit dem schnell und unkompliziert per Einzelnachweis der erforderliche Verklammerungsgrad ermittelt werden kann. Besonders profitieren Dächer mit Koramic-Dachziegeln und dem dazugehörigen Befestigungssystem Sturmfix: Der Verklammerungsgrad ist oft niedriger und damit auch wirtschaftlicher. Ein Besuch auf der neuen Internetseite lohnt sich also auf jeden Fall.


Inspiration

Keramische Inspiration

Vom Schlachthof zum Kulturbezirk

Ab 1910 entstand im südlichen Stadtteil von Madrid der städtische Schlachthof. Das Ensemble der 20 pavillonartigen Gebäude, bestehend aus Schlacht-, Kühl- und Lagerhäusern samt angeschlossener Verwaltungsgebäude, gilt als ein bedeutendes Beispiel für die Industriearchitektur des frühen 20. Jahrhunderts. Nach der endgültigen Stilllegung erwacht das Schlachthofareal als Laboratorium für Gegenwartskunst zu neuem Leben. Das kleine Lagerhaus 8B wurde zum administrativen Zentrum samt Büroräumlichkeiten und multifunktionalem Veranstaltungssaal umfunktioniert. Damit einher ging auch eine bauliche Veränderung, in deren Rahmen das Gebäude akustisch und thermisch an die Bedürfnisse einer zeitgemäßen Nutzung angepasst wurde. Für die architektonische Neuinterpretation zeichnet der spanische Architekt

Arturo Franco verantwortlich. Die augenscheinlichste Veränderung betrifft das Dach. Die alten Ziegel wurden abgeräumt, zwischengelagert und nach erfolgter Sanierung und Dämmung der Konstruktion als kreatives Flickwerk mit Historie wieder verlegt. Im Innenraum fanden die Dachziegel der Nachbargebäude eine neue Verwendung. In Form einer lichtdurchlässigen, keramischen Gitterstruktur trennen sie einzelne Nutzungsbereiche voneinander ab. Gleichzeitig bleibt der Sichtbezug erhalten. Und letztendlich ist damit auch der historische Bezug wiederhergestellt. Das Projekt versucht Architektur als intellektuelle, kulturelle und ethische Erfahrung zu verstehen. In diesem Sinne soll es laut Arturo Franco auch nicht als soziales oder politisches Statement missverstanden werden. Eine Haltung, die sich letztlich auch in der Gestaltung widerspiegelt.

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Europäische ­Materialien, ­chinesische Inspiration Ein Zusammenspiel aus chinesischer und westlicher Architektur Im Imperial Summer Palace, einem Luxusimmobilienprojekt der Sonderklasse nordwestlich von Peking, vereinen sich die Einflüsse zweier Kulturen. Chinesische und westliche Architektur treffen aufeinander und bilden eine perfekte Symbiose.

Für die gelungene Architektur der 91 herrschaftlichen Häuser des Imperial Summer Palace zeichnet Feng Wenfei verantwortlich, dem es durch ein Zusammenspiel zwischen traditioneller chinesischer Architektur und moderner westlicher Reduziertheit und Technologie auf geniale Weise geglückt ist, das Bild des erwachenden Chinas in Szene zu setzen.

Begegnung zwischen Okzident und Orient. Beeinflusst von der konfuzianischen Lehre und dem philosophischen Gedankengut der westlichen Zivilisation, gelang es dem Architekten Feng Wenfei Gebäude von spiritueller Bedeutung zu schaffen. Durch den Einsatz innovativer Baustoffe und moderner Technologien erschuf er eine Kombination von imposanter Außenwirkung mit grazilen, eleganten Innenräumen. Die Architekten wählten hochwertige Materialien aus Europa und ließen sich von den kaiserlichen Gärten Chinas inspirieren. Traditionell große chinesische Dächer in Kombination mit flachen Dachlinien, wie wir sie etwa bei Frank Lloyd Wright finden, verleihen dem Imperial Summer Palace Würde und Anmut.

Traditionelles Dach neu interpretiert. Das Dach

eines alten chinesischen Bauwerks ist immer geneigt – ein wichtiger Faktor für das chromatische Stadtbild. In früheren Zeiten waren die Dächer schieferfarben. Die Verwendung von Farben unterlag strengen hierarchischen Regeln. Neue Techniken bei der Herstellung von Dachziegeln erlaubten eine Erweiterung der Farbpalette. In Anlehnung an die engobierten Dachziegel der alten chinesischen Paläste fiel die Wahl auf Koramik-Tondachziegel. Die Eindeckung der Dächer mit drei verschiedenen Dachziegelmodellen in den Farben Blau gedämpft und Naturrot erinnert an einen alten Kaiserpalast.

Weisheit und Detail. Das Projekt folgt dem Grundprinzip von „siheyuan“, einem in ganz China weitverbreiteten historischen Wohnungstyp im Sinne traditioneller chinesischer Moral und breitgefächerter konfuzianischer Ordnung. Die Planung des Summer Palace erfolgte mit außerordentlicher Sorgfalt, sodass jedes Gebäude bis ins letzte Detail mit bis zu 20.000 architektonischen Detailentwürfen ausgearbeitet wurde.

Projekt Villenpark Imperial Summer Palace, China

Auftraggeber Longfor Properties Co. Ltd. Architekt Mr. Feng Wenfei, WFA Design Inc.

Generalunternehmer China State Construction ­Engineering Corporation

Dachdecker Beijing Claymedia Trading Co. Ltd.

Dachziegel O. V. H. blau gedämpft, naturrot


China

Traditionelle chinesische Architektur, kombiniert mit moderner, westlicher Reduziertheit, zeichnet die 91 herrschaftlichen H채user des Imperial Summer Palace nahe Peking aus.

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Alt und Neu harmonieren bei der NRW.BANK Münster durch die Wahl der Werkstoffe und Farben. Starke Schatten, edle Farben und vollkeramische Details: mörtelfreie MönchNonnen-Deckung.


Deutschland

Meisterhafte ­Dachsanierung Neubau und Sanierung der NRW.BANK in Münster Ein fein abgestimmtes Farbenspiel von hellem Sandstein und dunklen Gebäudekomponenten, elegante Formen und ein millimetergenau geplantes Dach p ­ rägen die neue Silhouette der Förderbank für Nordrhein-Westfalen, die NRW.BANK ­Münster. Die schwarzbraun engobierte Mönch-Nonnen-Deckung überzeugt durch eine exakte, vollkeramische Detaillierung. Das zum Teil unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde aus einer Blockrandbebauung der Nachkriegszeit herausgelöst, als repräsentativer Solitär saniert und als historisches Bauwerk einem modernen Neubau gegenübergestellt. Das mit hochwertigen Materialien gestaltete Gebäudeensemble schafft eine neue und spannende städtebauliche Situation. Die Dachdeckung, die Dacharbeiten und die Aus-

bauarbeiten unter dem Dach wurden 2010 beim Sanierungswettbewerb der deutschen Fachzeitschrift Dachdecker-Handwerk (DDH) mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Baugeschichte als Inspirationsquelle.

­ istorische Fotografien von 1909 zeigen das Dach H der alten Landesbank mit einer Mönch-Nonnen-­ Deckung. Obwohl das Dach selbst nicht unter Denkmalschutz steht, entschieden sich die Architekten erneut für die historische Optik von MönchNonnen-Ziegeln. Allerdings wählte man eine trocken verlegbare Dachziegelvariante. Ohne Vermörtelung entfällt die Wartung, und die Deckung erscheint darüber hinaus besonders sauber und elegant. Architekt Ulrich Engel von Eisfeld Engel Architekten aus Hamburg gestaltete das historische Dach mit bemerkenswerter Sorgfalt. Nichts wurde dem Zufall überlassen.

Projekt Neubau und Sanierung

Bauherr NRW.BANK, Düsseldorf Architekt Eisfeld Engel Architekten,

Dachdecker Ulland Dachtechnik GmbH Dachziegel Mönch- und Nonnenziegel,

NRW.BANK Münster

­Hamburg

­Engobe schwarzbraun (Sonderfarbe)

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Interview mit Architekt Ulrich Engel von Eisfeld Engel Architekten Warum wählten Sie erneut eine historische Mönch-Nonnen-Deckung? Uns reizte das starke Schattenspiel. Zudem verleiht das hohe Profil der Mönch-Nonnen-Ziegel dem Dach eine unverwechselbare edle Note. Welche Rolle spielt die Materialität der Dachbaustoffe? Die besondere Note des Daches sowie der Bauten basiert u. a. auf einem fein abgestimmten Farbenspiel von hellen Sandsteinen und dunklen Bauteilen wie Dachziegeln und Fensterrahmen. Die Dachziegel wurden nach Bemusterung schwarzbraun engobiert. Um das Farbenspiel bis ins Detail zu vollenden, wurde die Ziegeldeckung vollkeramisch mit Firstanschlussziegeln, Traufziegeln, Firsten, Gratanfängern und Walmkappen ausgeführt.

Auf die Gauben haben Sie besonderen Wert gelegt. Welche gestalterische Idee verbirgt sich dahinter? Zum einen passen die Gauben ins Raster der darunterliegenden Fassadenfenster, zum anderen exakt in das Verlegeraster der Mönch-Nonnen-Deckung. Um eine skulpturhafte Wirkung der Gauben zu erzielen, haben wir sie flächig und geradlinig gestaltet. Zudem sind sie so hoch und so breit konstruiert, dass unter, über und neben den Gauben keine Dachziegel geschnitten werden mussten. Dadurch wirken die Gauben geradlinig wie ausgestanzt und die Dachdeckung nochmals perfekter.


Deutschland

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Frankreich

Ein schulischer Etappensieg Ökologischer Neubau bei laufendem Schulbetrieb Der Neubau des Collège Henry Wallon in Saint-Martin-d’Hères erfolgte auf dem ­Gelände des alten Schulkomplexes im Rahmen eines städtebaulichen Gesamtkonzepts. Man gab der sanften Strukturführung den Vorzug, um die visuelle ­Verbindung mit der Natur und der umgebenden Architektur zu unterstreichen. Die Fortführung des Schulbetriebs während der Neuerrichtung sowie der Einsatz umweltschonender, erneuerbarer Materialien standen im Mittelpunkt der Projektplanung. Der H-förmige Schulkomplex besteht aus drei miteinander verbundenen Gebäuden: ein geradliniges, ein geschwungenes Gebäude und eine abgerundete Halle, die als Verbindung und zentrale Drehscheibe zwischen den beiden Gebäudetrakten dient und an deren Linienführung anschließt. Diese Anordnung verleiht dem Gebäudekomplex sowohl einen urbanen als auch einen schulischen Charakter. Die äußeren Fassaden in Richtung Straße und Autobahn sind mit Sonnenblenden aus Glas und Tondachziegeln verkleidet, die nach innen gerichteten Fassaden hingegen mit heimischem Holz und Glasfronten versehen. Dieser Dualismus der verwendeten Baustoffe unterstreicht zum einen die äußere Eingliederung des Gebäudes in den urbanen Kontext, etwa durch die eingesetzten Tonprodukte, die ihm Wärme und Materialität verleihen. Zum anderen schafft das innen verwendete Holz die für das Lernen notwendige Ruhe und Ausgeglichenheit.

Ein kurvenreiches Ensemble. Die Anordnung

der Gebäude zeichnet sich durch ein Wechselspiel von Kurven und Gegenkurven aus, die an der Vorderseite des Komplexes einen Schulhof entstehen lassen. „Der Tondachziegel Actua eignet sich aufgrund seiner Form und seines Formates hervorragend für diese geschwungene Linienführung und trägt durch seine natürliche Farbe zur gelungenen Eingliederung der Schule in das urbane Gefüge bei“, stellt Jean-Paul Roda, Architekt bei r2k architecture, fest.

Natur und Architektur im Einklang: Die sanften Kurven des Baukörpers sollen die visuelle Verbindung mit der Natur und der umgebenden Architektur unterstreichen. Der Einsatz umweltschonender und erneuerbarer Materialien stand bei der Projektplanung im Mittelpunkt.

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Im Zeichen der Nachhaltigkeit. Die wichtigsten baulichen Eingriffe entsprechen den Anforderungen des französischen Umweltstandards RT 2005: der Schutz des Hofes vor kaltem Wind, die Vermeidung von Überdämmung und die Beseitigung von Wärmebrücken durch leichte Fassaden an der Schule, dem Internat, der Sporthalle und den Dienstwohnungen sowie die Ableitung des Regenwassers über ein begrüntes Dach. Die großen Glasfenster optimieren das Tageslicht, und alle Räume sind mit einer energiesparenden, individuell regulierbaren Beleuchtung ausgestattet. Eine logistische Meisterleistung. Bis September 2010 wurde dieses Bauvorhaben in einzelnen Etappen während des laufenden Schulbetriebs

durchgeführt. Während der ersten Bauphase im Jahr 2008 wurde mit dem Bau von vier Dienstwohnungen und dem anschließendem Abriss der alten Wohnungen begonnen. Das geradlinige und geschwungene Gebäude sowie die Verbindungshalle wurden in der zweiten Bauphase errichtet, gefolgt vom Bau des Speisesaales und der Sporthalle in der dritten Bauphase. Nach der Übersiedlung des Schulbetriebs wurde in der vierten und letzten Bauphase der Abriss des alten Schulgebäudes durchgeführt. Durch den Einsatz regionaler und wiederverwertbarer Materialien hat dieses originelle Bauprojekt auf geschickte Weise umweltschonendes Bauen mit architektonischer und städteplanerischer Kreativität verbunden.


Frankreich

Projekt Schulgebäude Henry Wallon, Saint-Martin-d’Hères

Auftraggeber Conseil général de l’Isère Architekt Jean-Paul Roda, Dachziegel

r2k architecture Actua naturrot

Die Fassaden in Richtung Straße und Autobahn sind mit Sonnenblenden aus Glas und Tondachziegeln verkleidet, die zum Innenhof gerichteten Fassaden hingegen mit heimischem Holz und Glasfronten versehen. Die Holzverkleidungen schaffen die notwendige Ruhe und Ausgeglichenheit zum Lernen.

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Ländliche Moderne in Keramik Traditionelles Satteldach in ungewöhnlichem Gewand Das Gooiland liegt zwischen Amsterdam, Amersfoort und Utrecht. Die Region ist von Heiden, Wäldern, Wiesen und kleinen Seen geprägt. Die Bewohner sind stolz auf ihre Heimat und das traditionelle Bild ihrer Ortschaften. Architekt Koen van Velsen aus Hilversum erhielt den anspruchsvollen Auftrag, einen modernen ­Büroneubau zu errichten.

Schon zu Beginn der Planung wurde Koen van Velsen mit den Forderungen der Baubehörde und der organisierten Nachbarschaft konfrontiert. Er analysierte die Vorgaben der Baubehörde und die Wünsche der Nachbarn. Schließlich entwarf er ein Gebäude, das wie gewünscht ein Satteldach und Fassaden aus Keramik besitzt. Der Architekt ging aber noch weiter: Er ließ sich mit seinem Entwurf von der Tradition des landwirtschaftlichen Bauens in der Region Gooiland inspirieren und schuf eine Art „Wirtschaftsgebäude“, das mit seinen Abmessungen und seiner Geometrie den Vorgaben landwirtschaftlicher Architektur folgt. Selbst die Gestaltung des Grundstücks wurde als moderne Interpretation eines bäuerlichen Anwesens mit Verkehrsflächen und Hausteich gelöst. Damit die ländliche Idylle nicht gestört wird, verlegte der Architekt außerdem den Parkplatz für die Autos der Mitarbeiter in das Untergeschoß des Gebäudes.

Moderne Tradition. Um einerseits den Gestal-

tungsvorgaben gerecht zu werden und andererseits eine moderne Architektur zu erschaffen, entschied sich van Velsen für den Einsatz von ArGeTon-Fassadenplatten. Traditionell aus Grobkeramik – also aus demselben Material wie Dachziegel – gebrannt, bieten die Platten durch die Diamantkalibrierung millimetergenau und geometrisch exakt eine adäquate Lösung für moderne Materialkombinationen mit Glas und

Stahl. Der Architekt wählte zwei Sorten der TerzoPlatten mit zwei bzw. drei Scheinfugen. Die Platte mit drei Scheinfugen erzeugt die Anmutung eines flachen Fassadenziegels, die mit zwei Scheinfugen lässt die Ziegelflächen größer erscheinen. Wild verlegt, entsteht eine leichte, geometrische Struktur. Unterstützt wird die Entwurfsidee durch die Wahl einer lebhaft strukturierten, sandfarben changierenden Engobeoberfläche.

Keine Platte gleicht der anderen. Das Gebäude, das Sitz einer Finanzverwaltungsgesellschaft ist, beherbergt Empfangs-, Konferenz- und Büroräume. Der farblichen Harmonie der Gebäudehülle, die vom Architekten auch als „perforierter Briefumschlag“ beschrieben wird, folgt eine analoge Farbphilosophie mit hochwertigen Werkstoffen im Inneren des Gebäudes. Die Transparenz der Räume untereinander und die freien Ausblicke durch die großen Fensterfronten prägen eine offene Arbeitsatmosphäre.

Projekt Bürogebäude, Gooiland Architekt Koen van Velsen Fassade und Dach ArGeTon Fassadenplatten Terzo sandfarben


Niederlande

Um den strengen Vorgaben vonseiten der BaubehĂśrde und des Auftraggebers nachzukommen, entschied sich der Architekt Koen van Velsen fĂźr den Einsatz von ArGeTon-Fassadenplatten.

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Litauen

Der Tradition ­verpflichtet Lokale Bautraditionen und moderne Technologien harmonisch vereint Bei der Errichtung eines neuen Einfamilienhauses in der litauischen Hafenstadt Klaipėda wurden moderne Technologien und Baustoffe verwendet, alle Wünsche und Anforderungen des Bauherrn erfüllt und eine mehr als behagliche Umgebung geschaffen. Gleichzeitig gelang es den Architekten, auch regionale bauliche Tradit­ ionen zu berücksichtigen. Litauen mag zwar ein kleines Land sein, aber man findet nahezu in jeder Stadt architektonische Besonderheiten. Die Küstenregion und die Hafenstadt Klaipėda unterscheiden sich nicht nur in architektonischer Hinsicht vom übrigen Litauen. Ausschlaggebend dafür sind etwa das raue Klima, die karge Natur, das Leben am Hafen und die Traditionen in den ehemals deutschen Gebieten. Über die Jahre entstand in Klaipėda eine strenge, massive und unverwüstliche Architektur, mit Ziegeln als dominierendem Baustoff. Im Stadtzentrum und in der Altstadt finden sich Bauwerke im Tudorstil. Das neuerrichtete Einfamilienhaus liegt außerhalb des Stadtzentrums. Das Grundstück befindet sich in einem dünn besiedelten, locker bebauten Wohnviertel. In der Nähe gibt es einen öffentlichen Erholungspark, das Danė-Flussufer und künstlich angelegte Teiche. Die Bauparzelle ist mit 2.500 Quadratmetern groß genug für das gesamte Wohnprojekt.

Ein architektonisches Miteinander. Bei

der Umsetzung dieses Projekts wurde besondere Aufmerksamkeit auf das lokale Umfeld und die Integration in die landestypische Bautradition gelegt. Um sich besser in die umliegenden kleinen Wohn-

häuser einzufügen und die Größendimension nicht zu sprengen, wurde der Baukörper in zwei Teile geteilt, die beide eine unterschiedliche Fassadengestaltung erhielten. Ein Nebengebäude bildet als dritter Baukörper den Abschluss des Ensembles. In diesem dritten Teil kamen die Ausbaumaterialien der ersten zwei Teile zum Einsatz.

Außenwirkung inklusive. Die mit schiefergrauen Datura-Tonzdachziegeln gestaltete Außenfassade verströmt im Hofbereich ein Gefühl von Stärke und Sicherheit. Die Strukturierung der Dachziegel sowie der Wechsel von Licht und Schatten verleihen der Fassade eine freundliche Wirkung. Zwischen den zwei dunklen Baukörpern liegt ein strahlend weißer Baukörper mit grau gestrichenen Holzelementen und Fassadenplatten. Beide Baukörper wurden ungeachtet ihrer unterschiedlichen Oberflächenmaterialien als hinterlüftete Fassadenkonstruktionen errichtet. Bei ständigem Wind und Regenwetter ist dies eine der besten Methoden, um für die Innenräume maximalen Feuchtigkeitsschutz zu gewährleisten.

Projekt Einfamilienhaus in Klaipėda Auftraggeber Grigorij Sabatin und Larisa Golodenko

Um sich besser in die lokale Bautradition einzufügen, wurde der Baukörper in zwei Teile geteilt, die jeweils eine unterschiedliche Fassadengestaltung erhielten.

Architekten Gintaras Prikockis, Asta Prikockienė, Justas Prikockis

Bauunternehmen UAB „Kelmeda“, Dachziegel

UAB „R2K grupė“ Datura schiefergrau

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Geschäftswelt trifft Natur Bürokomplex im Einklang mit der naturräumlichen Umgebung eines historischen Landschaftsparks Eingebettet in die hervorragend erhaltene Parklandschaft eines alten b ­ ürgerlichen Anwesens und gleichzeitig direkt im Wirtschaftszentrum der Region Lyon West gelegen, ist der Celtic Park der erste Bürokomplex, dem das französische ­Umweltzertifikat HQE (Haute Qualité Environnementale) verliehen wurde. Neben einer hohen Energieeffizienz zeichnet sich dieses Immobilienentwicklungsprogramm für Büround Gewerbeobjekte auch durch eine gelungene Einbindung in die naturräumliche Umgebung aus. Die DCB-International-Gruppe als Bauträger war sehr darauf bedacht, den Bestand an Zedern, Lärchen, Ahorn und Linden dieses jahrhundertealten und circa 15.000 Quadratmeter großen Landschaftsparks in Limonest so weit wie möglich zu erhalten. Die Gebäude sind in L-Form um dieses Baummassiv angeordnet.

Ein Kleid aus Ton. Aufgrund der einfachen und

funktionellen Architektur wurde dieses Projekt mittels Verkleidungstechnik durchgeführt. Vorgefertigte Holzpaneele mit einer integrierten, 15 Zentimeter dicken Isolierschicht wurden mittels eines Metallgerüsts auf Betonwänden angebracht. Schiefergraue Actua-Tondachziegel verkleiden dieses Tragwerk entlang dreier Fronten. Das thermische Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Außenhülle weist keinerlei Wärmebrücken auf. Warum sich die Architekten für Actua-Dachziegel entschieden haben? „Das Material ist langlebig, kostengünstiger als eine Fassadenverkleidung zu realisieren und kann von jedem Dachdecker problemlos verarbeitet werden. Darüber hinaus unterstreichen Form, Format und Farbe des Dachziegels Actua den modernen Charakter des Gebäudes. Im Sinne einer ganzheitlichen Bauweise überzeugte uns letztendlich aber auch die Energiebilanz“, erklärt Damien Poyet vom Architekturbüro AFAA.

Mit Blick auf die Natur. Mit Energiekosten von

fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter und Jahr sind diese drei Bürogebäude nicht nur aus energetischer Sicht äußerst sparsam. Auch der Ressourceneinsatz ist nachhaltig ausgerichtet: Die doppelte Schale der Paneele aus regionalem Holz (Jurakiefer) und die Tondachziegel für die Fassaden sind zur Gänze wiederverwertbar. Eine Sichtblende mit großen Glasfronten und geringen Emissionen ermöglicht den ungehinderten Blick in die Natur. Die niedrige Gebäudehöhe und die Spiegelungen an den verglasten Fassaden heben die landschaftliche Eingliederung noch stärker hervor und vermitteln den Eindruck des Eintauchens in die Natur. Die beiden Gebäude Connemara und Brocéliande sind die Vorreiter für das dritte, genannt Avalon. Dieses stellt den letzten Bauteil dar, der eine Fläche von 6.500 Quadratmetern umfasst.

Projekt Bürokomplex Celtic Park, Lyon Architekt Audart et Favaro Architecture Auftraggeber Dachziegel

(AFAA) DCB International Actua schiefergrau

Schiefergraue Actua-Tondachziegel verleihen dem Gebäudeensemble sein charakteristisches Aussehen.


Frankreich

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Niederlande

Fantasievoll und ­facettenreich Durch ein zartes Farbenspiel wird ein Keramikdach zum Teil der Grünzone Der Kontrast zwischen der Farbe des Himmels über Oosseld und der Farbe des neuen multifunktionalen Gebäudes Zonneboom sorgt für ein spektakuläres Schauspiel. Die Einrichtungen im Neubau­ gebiet von Doetinchem wurden von Grund auf erneuert, wobei dem Neubau eine zentrale Rolle ­eingeräumt wurde. Dank seiner tausenden Keramikdachziegel wirkt er besonders eindrucksvoll.

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Der Zonneboom, dessen Name an einen hellen Baum erinnert, ist ein multifunktionales Gebäude mit zwei Grundschulen, Sporteinrichtungen, einem Kindergarten, Hort und Veranstaltungsräumen, die separat vermietet werden können. Die Architekten Drost + van Veen, die für das Projekt verantwortlich zeichnen, mussten nicht nur den rechteckigen Grundriss des Grundstücks, sondern auch die umfassende Wunschliste der Gemeinde berücksichtigen.

Traditionelle Dachform. An die Herausforde-

rungen dieses Projekts erinnert sich die Architektin Simone Drost folgendermaßen: „Das Bauareal war zweigeteilt, und wir wollten, dass die neuen Einrichtungen besser integriert sind. Das Gebäude befindet sich in einem Grünareal, das im Zuge des vergangenen Jahrhunderts bebaut wurde. Die typische Dachform in dieser Gegend um Oosseldse ist durch ihre spitzen Winkeln architektonisch äußerst interes-

sant und sollte daher auch den Zonneboom prägen.“ Dieser Wunsch war jedoch schwer zu verwirklichen, wie die Architektin erklärt: „Diese hohe, spitze Dachform bedeutet große Flächen, und es ist schwierig, die richtige Bedeckung zu finden. Wir wollten dennoch etwas mit der Form machen und haben deshalb die Neigung aufgenommen. Und natürlich haben wir auf das Material geachtet: Keramik.“

Weiche Gebäudehaut. Die Form des Gebäudes ist komplex, und die Verwendung eines anderen Materials auf einer der Fassaden war schwierig umzusetzen. Im Zentrum des Gebäudes befindet sich ein helles, buntes Treppenhaus. Die Eingangshalle ist tiefergelegt. Dazu Simone Drost: „Wir haben uns für ein monolithisches Gebäude entschieden, das wirklich repräsentativ für das Bezirkszentrum ist. Für die Fassade stellten wir uns ein taktiles, robustes Material vor, das perfekt zum Gebäude passen sollte.“

Eijsenberg-BiberDachziegel in fünf unterschiedlichen Farben erzeugen ein lebendiges Fassadenbild, das dem repräsentativen Charakter eines Bezirkszentrums gerecht wird.


Niederlande

Um die für Oosseldse typische Bauweise zu zitieren, bot sich eine Kombination von Mauerwerk und Ziegeln an. Die Architekten befürchteten jedoch, dass sich das Gebäude nicht stark genug von den bestehenden Bauwerken und ihren mit Ziegeln und Pflasterklinkern gepflasterten Bereichen abheben würde. Sie wählten daher einen anderen Ansatz und entschieden sich für Keramikdachziegel, die farblich auf die umliegenden Grünflächen abgestimmt waren. Die Wahl der Farben und Muster gestaltete sich schwierig, da für die gewünschte Palette von Grün-, Grau- und Weißtönen fünf Farben und drei transparente Strukturen ausgewählt werden mussten. Die fünf verwendeten Farben der Dachziegel wurden speziell für diesen Auftrag produziert. Dank der Schatten der Biber-Dachziegel, die für eine Reliefwirkung sorgen, wirkt das Gebäude sehr ansprechend und lebendig. „Die Farbe der Fassade verändert sich mit dem Wetter“, so Drost. Die Eingänge, Fenster und Ecken des Gebäudes wer-

den durch weiße Rahmen und durch andere Ziegelmuster hervorgehoben. Als Dekorationselement wurde ein Blattmotiv gewählt. „Das Blatt ist eine direkte Bezugnahme auf die grüne Umgebung“, erklärt der Architekt van Veen. Aus der Entfernung betrachtet, tritt das Blattmotiv klarer hervor, während die Ziegelform verschwimmt. „Dieses Gebäude hat einen sehr taktilen Charakter. Aus der Ferne betrachtet sieht es ganz anders aus als aus der Nähe. Die Fassade erhält dank des überlappenden Aufbaus einen plastischen Charakter.

Projekt Multifunktionsgebäude Zonneboom, Doetinchem

Architekten Drost & van Veen architecten Bauherr Sité Woondiensten Dachziegel Eijsenberg Biber Dachziegel in fünf speziell produzierten Farben

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Ein lebendiges ­Körpergefühl Harmonie trotz fehlender Geraden Der Umbau der Veterinärmedizinischen Fakultät der litauischen Universität für ­Gesundheitswissenschaften erwies sich als spannende Herausforderung. Nicht nur da das Fakultätsareal unter Denkmalschutz steht und für m ­ oderne, ­wissenschaftliche Zwecke adaptiert werden sollte. Die Aufgabe bestand auch darin, einen Bezug zur Tierwelt zu schaffen und dabei die Harmonie des ­Gebäudeensembles zu bewahren. schichte offensichtlich und nachvollziehbar bleibt. Es ist klar zu erkennen, wer, wann mit welchen Techniken und Baustoffen das Gebäudeensemble errichtet hat. In den Abend- und Nachtstunden wird das Areal der Veterinärmedizinischen Fakultät von einer parkähnlichen Beleuchtung erhellt, nur einige wenige Gebäude im Zugangsbereich sind sparsam beleuchtet. Unter Beibehaltung des Prinzips der Gegensätzlichkeit wurde diesmal eine gänzlich andere Beleuchtungslösung gewählt: speziell belüftete Dachziegel mit integrierten LEDs. Diese Art der Beleuchtung bietet in der Nacht ein ganz besonderes Licht und verstärkt den Eindruck, dass es sich bei dem Gebäude um einen lebendigen und dynamischen Körper handelt.

Der Gebäudekomplex der Veterinärmedizinischen Fakultät wurde in den Jahren 1930–1938 errichtet. Auf einem Areal von nahezu fünf Hektar befinden sich das Hauptgebäude, die Institutsgebäude und diverse Nebengebäude. Das gesamte Gebäudeensemble steht zudem unter Denkmalschutz. 2007 wurde mit der Renovierung mehrerer Gebäude begonnen. Im Zuge des Umbaus eines der Gebäudeblöcke und seiner Neuadaptierung für wissenschaftliche Zwecke wurden die Innenräume neu gestaltet und moderne Labors eingerichtet. Da das denkmalgeschützte Hauptgebäude jedoch nicht für alle Einrichtungen Platz bot, musste ein Zubau errichtet werden, um ein Stiegenhaus, einen Lift, Technikräume sowie mehrere Büros unterzubringen.

Tierisch harmonisch. Für die Architekten galt es, die wesentlichen Merkmale des denkmalgeschützten Ensembles der Akademie zu erhalten. Dazu zählen beispiels weise der integrative Charakter, seine Schlichtheit und Zurückhaltung sowie die volumetrische Harmonie und die dezenten Farben, die in den 1930er-Jahren populär waren. Andererseits sollten aber auch visuelle Bezüge zur Tierwelt hergestellt, gerade Linien und rechte Winkel vermieden und eine Form gefunden werden, die einem lebendigen Tier ähnelt. Gegensätze ziehen sich an. Gerade aus diesem

Grund fiel für die Dacheindeckung die Wahl auf die Tondachziegel Pottelberg 301 mit ihren unterschiedlichen Farben und Glanzeffekten. Sie waren für die Errichtung eines schuppenförmigen Körpers perfekt geeignet. Bei diesem Projekt hat sich das Prinzip der Anziehungskraft von Gegensätzen bewährt. Der neue Zubau verändert kaum den Gesamteindruck des Gebäudeensembles, dessen historische Entstehungsge-

Projekt Veterinärmedizinische Fakultät, Baisogala

Architekt Violeta Beigienė und Vydė Vaičenonytė, UAB „CEDRA“

Bauleitung UAB „Pireka“ Auftraggeber Veterinärmedizinische Akademie,

Dachziegel Tondachziegel Pottelberg 301

Litauen

in sechs verschiedenen Farben (anthrazit, blaugrau matt ­glasiert, weinrot glasiert, schwarz glasiert, Rustik, blau gedämpft); Nebengebäude: Marsylka naturrot

Dachziegel mit integrierten LEDs schaffen in den Abend- und Nachtstunden eine ganz besondere Lichtstimmung.


Litauen

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USA

Privates Traumhaus Brief eines begeisterten Bauherrn

Wie der in Kalifornien lebende britische Bauunternehmer Robert H. Darley zu ­seinem original britischen Haus im Tudorstil kam.

Lieber Stuart, ich möchte Ihnen etwas über die Geschichte meines neuen Zuhauses erzählen. 2005 beschloss ich, dass es an der Zeit war, mein Traumhaus zu planen und zu bauen, etwas, woran ich bereits die vergangenen 25 Jahre gedacht hatte. An einem so schönen Ort wie Carmel in Kalifornien zu leben, einem Ort mit einer unglaublichen Vielfalt an Häusern, war schon ziemlich aufregend. Was mich schließlich aber dazu brachte, mein Projekt in Angriff zu nehmen, war mein Unmut über das, was Hausbesitzer, Immobilienbüros, Architekten und Baufirmen „europäischen oder englischen Tudorstil“ nannten. Eine gestalterische Fehlinterpretation, die mich einfach wütend machte. Ich war fest entschlossen, ein Haus von Grund auf im echten englischen Stil zu bauen. Ich ging im Internet auf die Suche nach Produkten, reiste nach England – meinem Heimatland –, suchte im Sperrmüll, in Ziegelfabriken und bei Anbietern von Dachsystemen etc. Es war verrückt, 15.000 Fassadenziegel von England nach Amerika zu transportieren, also nahm ich die drei Ziegel, die ich wollte, mit zurück nachhause und fand amerikanische Ziegelwerke, die sie fertigten. Meine gusseisernen Dachrinnen und Fallrohre ließ ich in Newcastle in Großbritannien spezialanfertigen und nach Amerika transportieren. Ich fand zehn gleiche, 110 Jahre alte, sechsteilige Kassettentüren aus englischer Eiche, die ich ebenfalls über den Atlantik bringen ließ. Ich wusste, dass ich ein traditionelles englisches/französisches Dach aus 6½ x 10½ Zoll (ca. 17 x 27,5 Zentimeter) großen roten Tonschindeln haben wollte. Das Problem war, ich konnte sie in den USA nicht finden. Schließlich wandte ich mich an einen englischen H ­ ersteller, der mir Ihre Firma Northern Roof Tiles in Kanada empfahl, da diese auch den ­nordamerikanischen Markt belieferte. Ihr Team war einfach großartig; es gelang, genau die Ziegel zu finden, die ich haben wollte. Wir entschieden uns schließlich für das französische Dachziegelmodell Aléonard Patrimoine, das optisch ein absoluter Hingucker ist. Nachdem mein Haus fertig war, hörte ich gerüchteweise, dass die Denkmalabteilung von Carmel sich überlegte, mein brandneues Haus unter (Denkmal)Schutz zu stellen. Da es für Carmel so perfekt passt, wollten es die Beamten davor bewahren, jemals verändert zu werden. Ich erhalte für mein Haus sehr viel Lob und Anerkennung, der Großteil davon bezieht sich fast immer auf das Dach, die Ziegel und die Fenster. Ich freue mich darauf, auf meinem angrenzenden Grundstück ein Haus im französischen Stil zu bauen und dabei wieder mit Northern Roof Tiles zusammenzuarbeiten. Weitere Fotos von meinem Haus finden Sie auf meiner Website unter www.acrossthepondconstruction.com Robert H. Darley

Projekt Einfamilienhaus, Carmel Bauherr/Planer Robert H. Darley Koramic-Partner Northern Roof Tiles / Stuart Matthews, Ontario, Kanada Dachziegel Aléonard Patrimoine, 75 % Ocré Lichen, 25 % Vert de Lichen

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Ein Schiff im Wald Einfamilienhaus mit runder Dachgeometrie in der Nordheide bei Hamburg Dächer werden auch als „die Kronen“ der Häuser bezeichnet. Sie erzählen ­mitunter spannende Geschichten über Bauherren, Architekten und auch Bautechniken – so wie das nicht alltägliche Dach eines Einfamilienhauses in der Nordheide südlich von Hamburg. Die rundliche Dachgeometrie mit First ist eine Abwandlung des Tonnendachs und wird auch Zeppelindach genannt. Mit der ursprünglichen bauamtlichen Vorgabe eines Satteldachs wollte sich das im Mediensektor tätige Bauherren-Ehepaar nicht zufriedengeben, und so suchte man nach einer reizvolleren Alternative. Bei Auslandsreisen hatten den beiden in Ohio, USA, große Scheunen mit stark gerundeten Dächern besonders imponiert. In Skandinavien gefiel ihnen der Farbkontrast zwischen dunklen Dachdeckungen und hellen Holzfassaden. Daraus entwickelte sich allmählich die Idee eines Hauses mit einem großen gewölbten Ziegeldach. Es sollte aus natürlichen Baustoffen bestehen und der schützende Rückzugsort der jungen Familie sein, fernab des hektischen Medienalltags.

Moderne Dachinterpretation. Nicht von unge-

fähr assoziierte Architekt Nils von Minckwitz aus Berlin mit dieser Dachgeometrie die Gestalt eines „Schiffsrumpfes im Meer eines Kiefernwaldes“, denn die Form des Zeppelindachs wird auch als „Schiffsrumpfdach“ bezeichnet. Die flachen Koramic-Dachziegel Actua 10 in der Farbe „edelgraphit“ stellen den dunklen Rumpf des Schiffes dar. „Zudem“, so von Minckwitz, „steht der Dachziegel für eine moderne Dachgestaltung und führt so die traditionelle Dachgeometrie, die einst in den 1920er-Jahren entstand, in eine neue, moderne Zeit.“ Das rundgedeckte Dach nimmt etwa zwei Drittel der Gebäudehöhe ein. Beginnend an der Traufe, senkrecht wie eine Fassade, wölbt sich die Konstruktion schützend über das Obergeschoß und verläuft dann mit einer Dachneigung von circa 30 Grad zum First. Die Verlegung der Dachziegel im Halbverband betont die waagerechte Linienführung. Die Ziegeldeckung, obwohl mit flachen Dachziegeln ausgeführt, scheint dieser Geometrie spielend zu folgen. Passend zum Dachdesign kam auch der spezielle geradlinige ActuaFirst zum Einsatz.

aus natürlichen Baustoffen errichtete Einfamilienhaus weitgehend energieautark. Heizkosten im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Man wohnt ja schließlich im Wald.

Seltene Dachgeometrie. Das Zeppelindach ist

eine seltene, vom Tonnendach abgeleitete Dach­ geometrie und in den meisten Nachschlagewerken des Dach- oder Zimmererhandwerks nicht zu finden. Die Bezeichnung Zeppelindach wird u. a. in der Dachdeckerschule Lehesten, Thüringen, verwendet. Im Gegensatz zum reinen Tonnendach, das im höchsten Punkt des Daches keine Dachneigung und keinen First besitzt, läuft das Zeppelindach im oberen Bereich geneigt auf einen First zu und kann damit vollständig mit Dachziegeln eingedeckt werden. Die rundliche Dachgeometrie entstand etwa 1920 und ist von der sogenannten Zollinger-Bauweise geprägt. Architekt Fritz Zollinger, einst Baurat in Merseburg bei Halle, patentierte das holzsparende ZollingerLamellendach. Diese kostengünstige Bauweise schuf große stützenfreie Dachräume und zugleich, quasi als Neben­effekt, eine neuartige Dachgeometrie. Diese Technik wurde bis circa 1940 im Wohn- und Wirtschafts­bau in Deutschland, Europa und sogar den USA angewandt. Das Dach des Einfamilienhauses in der Nordheide hat mit der Zollinger-Bauweise nur die Geometrie gemeinsam.

Projekt Einfamilienhaus in der Nordheide bei Hamburg

Architekt Nils von Minckwitz, Berlin Dachdecker/Zimmerer Holzvolk, Waddeweitz Dachziegel Actua 10 edelgraphit

Nestwärme aus der Natur. Darüber hinaus ist

das „Familienschiff“ in der Nordheide ein überaus modernes Gebäude. Mit Dämmstärken von mindestens 16 cm in der Wand, 24 cm im Dach, Dreifachverglasung, Solarthermie und Stückholzheizung ist das

Prägende Dachgeometrie: Koramic-­Designziegel Actua 10 für ein ­ausgefallenes Haus im Wald.


Deutschland

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Großbritannien

Ein ­Zusammenspiel von Kunst und ­Handwerk Meisterhafte Dachrenovierung im Stil der Arts-and-Craft-Bewegung Das historische Dach des denkmalgeschützten britischen Landhauses „Swiss Cottage“ stellte eine besondere künstlerische und handwerkliche Herausforderung dar. Das stark verwitterte Dach mit seinem markanten geometrischen M ­ uster musste vollständig erneuert werden. Durch eine perfekte Synergie zwischen ­technischem und handwerklichen Know-how wurde diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Als eine von mehr als 200 Wohneinheiten dieses Anwesens liegt „Swiss Cottage“ in einem Naturschutzgebiet in den Howardian Hills, einem Gebiet von außerordentlicher landschaftlicher Schönheit, rund 15 Meilen nordöstlich von York. Die Architektur des Hauses ist von der in England in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründeten Arts-and-Crafts-Bewegung beeinflusst. Das Steildach mit seinem markanten geometrischen Muster musste vollständig erneuert werden, da die Dachziegel stark verwittert waren.

Ein Dach von Hand. Auf dem Hauptdach kamen

Sandtofts Humber Tonschindel „naturrot“ und in antikem Schiefer sowie Ornamentdachziegel, ebenfalls in antikem Schiefer, zum Einsatz. Um die Auflagen der örtlichen Baubehörde zu erfüllen, musste das Dachmuster mit handgefertigten Ziegeln und in 90 Grad geschlitzten Firstziegeln mit heraldischen Lilien nachgebildet werden. Graham Dodds von Dodds Roofing Services, der für die Neueindeckung verantwortlich war: „Wir haben bei diesem Projekt mit Sandtoft zusammengearbeitet, da sie über große Erfahrung bei Denkmalschutz- und Renovierungsprojekten verfügen. Das Sandtoft-Team beriet uns bei der Produktauswahl und dem Befestigungssystem.“ Die Dekorfirstziegel und die diamantförmigen Dachziegel wurden alle von Sandtofts Facharbeitern in Handarbeit gefertigt. „Ein altes geometrisches Muster wiederherzustellen ist keine einfache Aufgabe, aber mit der Unterstützung von Sandtoft und ihrem Heritage-Service gelang es uns, das ursprüngliche Design nachzubauen und

Handarbeit: Um die Auflagen der örtlichen Baubehörde zu erfüllen, musste das Dachmuster mit handgefertigten Dachziegeln und in 90 Grad geschlitzten Firstziegeln mit heraldischen Lilien nachgebildet werden.

dieses einmalige Gebäude in seinem alten Glanz wiederherzustellen“, so Dodds weiter. „Die Dachdecker mussten das Muster sorgfältig auf einem Raster aufzeichnen, damit unsere Handwerker die Dachziegel und Zubehörteile originalgetreu nachbilden konnten. Mit dem entsprechenden technischen Know-how konnten wir authentische Produkte fertigen, die sowohl die Anforderungen der lokalen Planer als auch des Castle Howard Anwesens erfüllten“, ergänzt Nigel Dyer, Sandtofts HeritageService-Manager.

Denkmalschutz als oberste Prämisse.

Zusätzlich zu den normalen Instandhaltungs- und Verwaltungskosten wurden in den vergangenen fünf Jahrzehnten in Castle Howard viele Millionen Pfund für Denkmalschutz und wichtige Reparaturarbeiten im Rahmen des laufenden Renovierungs- und Denkmalschutzprogramms zur Verfügung gestellt. Im Dezember 2007 holte Castle Howard English Heritage den Ryedale-Stadtrat mit ins Boot, um mit einem gemeinsamen Masterplan die nachhaltige Zukunft des Castle-Howard-Anwesens abzusichern. Bei den vom Royal Town Planning Institute (RTPI) im Februar 2010 veranstalteten landesweiten „Planning Awards“ wurde dieser Plan in der Heritage-Kategorie ausgezeichnet.

Projekt Sanierung Swiss Cottage,

Auftraggeber Castle Howard Estate Dachdecker Dodds Roofing Services Ltd, Dachziegel Sandtoft-Humber-Tonschindeln,

North Yorkshire

naturrot und antiker Schiefer, sowie handgefertigte Ornamentund Firstdachziegel mit floralem Muster

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Die Schönheit von Tondächern Freizeitressort am Golf von Bengalen, Indien Mit seinen mehr als fünfeinhalb Hektar Land bietet Ocean Spray seinen Besuchern neben uneingeschränktem Freizeitvergnügen auch die Möglichkeit, die malerische und reiche Kultur von Pondicherry näher zu erkunden. In dem an der Ostküste von Indien gelegenen Pondicherry ist der kulturelle Einfluss aus der französischen Kolonialzeit nach wie vor stark spürbar. Die Stadt selbst ist nur 144 Kilometer von der großen Metropole Chennai (vormals Madras) entfernt und liegt in der Nähe von Auroville, jener universellen Stadt, die sich der menschlichen Einheit verschrieben hat. Ocean Spray ist das jüngste Projekt aus einer Reihe von Freizeitanlagen entlang der Küste. Die Fassade und der imposante Eingang dieses Seebads ziehen die Blicke auf sich. Die aus Bangalore stammenden renommierten Architekten Siraj & Renu zeichnen für das Design verantwortlich und setzten sich die Aufgabe, eine schmucke Ferienanlage in einer elegant gestalteten Landschaft zu errichten, die zu den schönsten ihrer Art zählt.

Den Naturgewalten ästhetisch trotzen. Aufgrund der geografischen Lage an der Küste des Golfs von Bengalen kam der architektonischen Gestaltung, der Bauweise und der optimalen Auswahl der Baustoffe eine besonders große Bedeutung zu. Hohe Luftfeuchtigkeit, starke Regenfälle, hoher Salzgehalt sowie die immer wiederkehrenden Zyklone in diesem Gebiet waren bestimmende Faktoren für die bauliche Gestaltung. Aufgrund ihrer großen Wetterbeständigkeit und Anti­ reflexionseigenschaften fiel bei der Dacheindeckung

die Wahl auf Koramic-Dachziegel. Diese Tondachziegel überzeugen außerdem auch noch mit Formbeständigkeit, Hitzebeständigkeit und Langlebigkeit – angesichts der tobenden Naturgewalten während der alljährlichen Zyklonsaison überaus wünschenswerte Eigenschaften.

Projekt Ocean Spray Resort,

Golf von Bengalen Auftraggeber Bonjour Bonheur Ocean Spray Architekt Siraj & Renu, Bangalore Generalunternehmer Mertho Constructions Dachziegel Romane, naturrot, nuanciert und strohfarben

Bei der Dacheindeckung fiel die Wahl auf KoramicDachziegel. Die große Witterungsbeständigkeit, die Antireflexionseigenschaften, Form- und Hitze­ beständigkeit sowie die Langlebigkeit waren ausschlaggebend.


Indien

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Architectum 2011/12 | edition 12 | DE