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| Holzwerkstoffe | Holzwerkstoffe

traditionsreich und innovativ

| ISBN 978-3-905925-17-3

holzwerkstoffe

| Preis Fr. 20.– |

werkspuren

Nummer 133 | 1/2014 Vermittlung von Design und Technik

| Nummer 133 1/2014 | Nummer 133 1/2014


INhalt

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07 Thema 08 Holzhandwerk

Der Schreiner, seine Hand und das Holz von Köbi Gantenbein

11 Sperrholz für den Weltmarkt Lie b e Leserin , Lie b er Leser

Schicht für Schicht aus Schweizer Holz von Christian Keller

16 Holzersatz

Klassiker

Innovative Materialien schonen die Ressourcen von Sascha Peters

Holz- und Holzwerkstoffe sind Klassiker im Technischen Gestalten. Wir freuen uns, zu diesem wichtigen Material­ bereich eine anregende Palette von Beiträgen in sehr ansprechender Form zu präsentieren. Nach der thematischen Tour d‘Horizon, die Ende des 19. Jahrhunderts ­beginnt und bei aktuellsten Entwicklungen endet, erwarten Sie zahlreiche praxisnahe Didaktik- und Unterrichtsbeiträge.

20 dukta

Neu strukturiert und erweitert

24 Vernetzter Unterricht

Mit dem Start ins 30. Werkspuren-Jahr engagiert sich ein erweitertes Team für die Weiterentwicklung und den Fortbestand des Projekts Werkspuren. Wir arbeiten neu in zwei Ressorts: Didaktik und Unterricht organisieren Karin Zehnder, Andreas Hellmüller, Petra Sigrist und Thomas Stuber; die Themen-Beiträge aus Design, Technik und Kunst betreuen Marianne Preibisch, Gabriela Rüsch und Sandra Ulloni. Unsere Produzentin Andrea Keller übernimmt zahlreiche Aufgaben des bisherigen Redaktionsleiters und wird somit zur zentralen Drehscheibe der Werkspuren.

Weitersagen Die Umstrukturierungen – wen wundert‘s – sind auch mit Kosten verbunden. Diese wollen wir vor allem mit einer höheren verkauften Auflage decken. Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind unsere geschätzten Kunden, wie auch wichtige Botschafterinnen und Botschafter. Empfehlen Sie uns im Kollegenkreis weiter und helfen Sie, die Werk­spuren weiter zu verbreiten. So können wir unsere Stellung als unverzichtbare Publikation für den Unterricht im Technischen und Textilen Gestalten ausbauen: didaktisch fundiert, kompetent aufbereitet und professionell gestaltet. Mit freundlichen Grüssen

Viktor Dittli, Chefredaktor

eine einschneidende Entdeckung von Serge Lunin

23 Didaktik Vom Schreinern zum Kontextwissen von Thomas Stuber 28 Werkstatt ist überall vom Umbauen, Aufbauen und Mitgestalten von Barbara Schneckenburger

30 Gut gestellte Aufgaben

Inspiration für den Unterricht von ausgewählten Fachleuten

34 Pfeilbogenbau

Mit einem Holz-Glas-Sandwich direkt ins Ziel von Thomas Emmenegger

37 Unterricht 38 40 42 44 46

selbsttätig gestalten von Barbara Schneckenburger systematisch ordnen von Theresa Höfliger originell verbinden von Gabriela Rüsch spielerisch lernen von Thomas Stuber schichtweise leimen von Bernhard Mösching

Rubriken 04 Paulas Post 48 Ateliergespräch 54 Rolla-Spiel 58 Zugespitzt 62 Kiosk

06 Bestellen 50 Aktuell 56 Kinderwerk 60 Lieblingsstück 66 Impressum

36 Werk-Zeug 52 1000 Dinge 58 Sprachspuren 60 z.B. 66 Vorschau


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PAUL AS POST


Paula Troxler lebt und arbeitet in Z端rich. www.paulatroxler.com

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ABO

www.

.ch

Abonnemente & Einzelhefte Nummer 131 | 3/2013 Vermittlung von Design und Technik

3/2013

| Preis Fr. 20.– |

Guter unterricht

| ISBN 978-3-905925-15-9

| Lehr- und Lernformen | Lehr- Und Lernformen

lehr- und lernformen im technischen Gestalten

werkspuren

3/2013

| Nummer 131 | Nummer 131

einfach bestellen auf www.werkspuren.ch

eft Jedes Hdbuch. ein Hankt und Kompa ent. kompet

4.13 upcycling

3.13 Guter Unterricht

2.13 Einfache Maschinen

1.13 STÄBE

Vom Kreislauf der Dinge. Upcycling zwischen Designkunst und Massenproduktion. Swiss Made. Shabby Chic und Used Look. Nachhaltiges Design. Kinderstimmen zu Upcycling.

Ausflüge in die Stratosphären didaktischen Denkens. Clevere Aufgaben. Fachgeschichte. Fachdidaktische Konzepte. Subjekt- und Sachorientierung. Fachräume für Selbslernphasen.

Technikgeschichte. Einst und jetzt kinetischer Kunst. Kugelbahnen. Projekt exreTu. Lehrmittelprojekt Räder in Bewegung. Unterricht vom Kindergarten zum Gymnasium.

Warum wir beim Bauen auf Stäbe vertrauen. Stäbe im Möbeldesign, Systematik der Stäbe. Praxisnahe Didaktikbeiträge und viele Unterrichtsanregungen.

4.12 Schönheit

2.11 Karton

Ästhetik und Zeitgeist. Geschmack = Geschmacksache. Produktsprache verstehen. Lust und Qual der Wahl. Ästhetische Raumforschung

1.11 Bausatz

3.12 Kunst-stoff Produktdesign und Kunststoff. Kunststoff-Konservierung. Didaktik-Beiträge und vielfältige Unterrichtsanregungen

2.12 farbe Farbe im angewandten Bereich: Bedeutung von Farbe, Gestaltungspotenzial, Farbe und Licht, System NCS. Didaktik und Unterricht

1.12 Robotik Mechatronik und künstliche Intelligenz: Robotikforschung

4.11 Lernspuren

Produktedesign und Architektur. Didaktik und Unterrichtsbeispiele

Baukastensysteme in Architektur, Design, Didaktik und Unterricht

3.10 vorbild natur Inspirationen für Kunst, Technik und Unterricht. Bionik

2.10 Design vermitteln

4.08 Inspiration

2.06 Verbindungen

4.07 Hüllen

1.06 Draussen 4.05 Über den Zaun

3.07 Stand der Dinge – Lehrpläne

1.10 WErK-Zeug Wie das Werkzeug den Menschen formt.

4.09 Zwischen aussen und innen Aussensichten – Innensichten. ­ Kulturpoesie des Tex­tilen

3.11 Veredeln

3.09 Von A nach B Transportieren. Mobiles Gut. Bewegungs­bionik

3.05 Lernort Museum

2.07 Puppe & Spiel 1.07 Material und Modell

In Zusammenarbeit mit der Zürcher Hoch­schule der Künste

Das Lernen sichtbar machen. Portfolio-Arbeit Oberflächengestaltung im Design. Didaktik und Unterrichtsbeispiele

Weiterhin zum halben Preis

2.05 Räume – Architektur 1.05 Carte blanche

ätze

50% RABATT

lassens Tipp: K

auf den regulären Preis von CHF 20.– / 18.–


TH E M A

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THEMA

KÖBI GANTENBEIN

(TEXT UND FOTO)

holz-

handwerk

«Eni und ich» beschreibt Köbi Gantenbein dieses Bild aus seinem Familienalbum. Er erinnert sich an seinen Grossvater – ein grosser Schreinermeister – und erzählt über die Liebe zum und die Schönheit des Holzes, über den Bedeutungswandel von Holz in Design und Architektur. Und im Leben.


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THEMA

Mein Grossvater hiess Jakob. Wie ich. Er kam 1896 im Prättigau zur Welt, wo er 103 Jahre lebte. 87 Jahre lang als Schreiner – drei davon als Lehrling und 70 als Schreinermeister. Mein Grossvater hatte seine Bretter vor dem Dorf Jenaz auf einer Wiese mit Kirschenbäumen zur Trocknung gestapelt. Jeweils sonntags nach dem Dessert – oft Äpfel aus dem Ofenrohr oder Orangensalat – ­spazierte die Familie zu Enis «Chriesböm». Ich rieche den Duft des gesägten, aufgerauten Fichten-, Kirschen- und Eichenholzes und sehe sein Farbenspiel, langsam gegerbt vom Wind und der Sonne. Der Grossvater p ­ rüfte mit der Hand das Holz, und ich tat es ihm mit meinem Händchen nach. Wenn mir niemand zuschaute, leckte ich das Fichtenholz ab und kostete das Harz mit der Zunge. Mein Grossvater lebte in einem Kreislauf seiner Hand, seines Kopfs, seines Herzens und seines Bankbüchleins. Ein Handwerksmeister in der Werkstatt. Mit der Hand prüfte er das Holz, mit der Hand prüfte er die Güte der Möbel, und mit der Hand zählte er die Banknoten, die ihm sein Beruf einbrachte. Die Werkstatt war der soziale Ort seiner Hand. Zeichnete er seine Möbel, sass er aber im schmalen Stübli auf einer Bank. Wo diese eine Ecke b ­ ildete, hatte er seine Büroablage. In einer Schachtel lagen die Offerten und in der andern Papier, Blei- und Farbstifte und ein Massstab mit Winkel. Er rollte transparentes Papier auf, befestigte es auf dem Tisch und zeichnete Ansichten, Grundrisse, Querschnitte; konstruktive und gestalterische Details. Die Zeichnungen brachte er in die Werkstatt, die angrenzend ans Wohnhaus auf zwei Stockwerken eingerichtet war, und seine Arbeiter machten aus Bildern die Möbel, Täfer und Decken. Für die Oberflächen war er selber zuständig. Er lasierte oder beizte die geschliffenen Flächen. Mit einem Schwamm in der Hand. Oder er liess die kleine Pressluftmaschine aufheulen und lackierte die Oberfläche, den Spritzsprüher von Hand geführt. Nasenund Mundschutz trug er keinen. Und ich war mit ihm und schnupperte die fremden, exotischen Dämpfe. Die Werkstatt war ein warmer Raum auf zwei Stockwerken. Die Hierarchien gaben sogar mir als Meister­enkel einen Rang. Aber die Werkstatt als sozialer Raum, wo Grossvaters verträumter Bruder Werner ebenso einen Platz hatte wie früh schon ein Schreinerkönner aus Jugoslawien, prägte Bilder in meinen Kopf. Die Werkstatt ist ein soziales Modell, das trotz der radikalen Umbrüche in Wirtschaft und Gesellschaft viel Zukunft hat. Sie bietet den menschlichen Massstab. Das Geschäft meines Grossvaters ruhte auf r­­ustikalen Formen, die er teils aus der Schreinerzeitung abzeichne-

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te und teils kühn selber erfand und prättigauerisch nannte: Arvenmöbel geformt als Mischung von Brauch und Sitte und den maschinellen Möglichkeiten seiner Schreinerei. Ein Teil des Geschäfts waren die noch vor 50 Jahren landläufigen Aussteuern – Schlafzimmer, Stuben, Esszimmer – die junge Brautleute einst für den Rest ihres Lebens mit sich nahmen. Neulich traf ich einen Verwandten, der mir berichtete, dass er immer noch in Jakobs Bett ruhe, obschon das mit ihm als Arzt ins Urwaldspital gezügelt sei, auf die Universität nach ­Amerika und wieder zurück ins Prättigau. Grossvaters Formen und Figuren waren kontinuierlich und stabil. Wandel, Mode, Zeitgeist waren ihm und seinen Kunden fremde Wörter. Jedes Problem hatte seine schon oft erprobte Lösung. Noch in den neunziger Jahren stand er als steinalter Schreiner an der Werkbank, wo er auch lange nach der Betriebsübergabe an meinen Onkel Ueli seinen Platz behalten hatte. Hier widmete er sich der Intarsienschreinerei. Seine drei Töchter und vier Schwiegertöchter ­erhielten Truhen, seine neun Enkelinnen Nähkästchen, geformt als muntere Collage aus Neo-Renaissance und Biedermeier und überzogen mit geometrischen Mustern und den Initialen der Beschenkten aus der SchwabacherSchrift. Ich sehe ihn vor mir, wie er in der Werkstatt die kleinen Holzstücklein massgenau schnitt und fügte mit der zittrigen, fast hundert Jahre alten Hand, geformt von fast 90 Jahren Schreinerhandwerk. Und dann fotografierte er sie mit einer Kamera von Polaroid – er war stolz, den Seinen und der Welt noch einmal zu zeigen, was handwerkliche Perfektion ist. Grossvaters Können, mit dem roten, flachen Bleistift Möbel und Inneneinrichtungen zu entwerfen, ist heute in einer eigenen Hand zu Hause. Dafür gibt es eine Reihe herausragender Möbeldesigner und Architektinnen in der Schweiz. Dass Design – die Gestaltung – in eine eigene Hand ausgelagert worden ist, hat mit dem grossen gesellschaftlichen Wandel zu tun, den die Generation meines Grossvaters der Schweiz, Europa und einem Teil der Welt beschert hat. Als er 1896 zur Welt kam, gab es in einem Prättigauer Haushalt 2000 Gegenstände: vom kleinen Reissnagel über den Kälberstrick bis zum grossen Buffet in der Stube. Als er starb, quellten unsere Häuser über von Waren. In der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg haben er und all die anderen Grossväter die ­Warenwelt explodieren lassen. Die Möbel wurden und werden ästhetisch und funktional laufend verfeinert. Ihre Produktion wird perfektioniert und durch Effizienz gejagt bis zum Gehtnichtmehr. Damit die Konsumma-

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schine surrt und rollt, ist die Schreinerwerkstatt zur Fabrik umgebaut worden. Doch im Selbstverständnis der Schreiner ist die Hand nach wie vor wichtig, auch wenn ein Lehrling heute wissen muss, wie die Vierachsmaschine den Alltag ­regiert. Wie er den Spagat vom Handwerk zum Computer hinkriegt und später als Meister einen Salto in Marketing darüber legt, finde ich bemerkenswert. Und melancholisch berührt mich, wie alles, was in der Hand meines Grossvaters einst war, in einem Dutzend Maschinen verschwunden ist und als Greif-, Stoss- und ­Schiebehände, gesteuert vom Computerprogramm, wieder herauskommt. Und ich bewundere natürlich, wie die ­Lehrtöchter der Schreinereien die grünen und blauen Maschinen füttern können, ihre Steuertableaus programmieren und wie in Hundertschaften zerlegt die Möbel, Fenster und Innenausbauten perfekt in Serie nach neustem Wunsch der Moden gefertigt werden. Mich überfordert der ganze Zauber aber zusehends und ich ertappe mich, wie ich einen klugen Köbi herstelle, den dieser Wandel mit seinen sozialen und gestalterischen Möglichkeiten fasziniert. Und neben dem analytischen wohnt der melancholische Köbi, der für seinen Komfort immer weniger von all diesen Errungenschaften braucht und will. Mein Grossvater würde mich tadeln. Denn er war immer neugierig. Ich sehe ihn, wie er in der Schreinerzeitung noch im hohen Alter fasziniert die neuen ­Maschinen betrachtet hat. Ich war Zeuge, wenn die ­fahrenden Händler neuste technische Errungenschaften aus dem Aus- und Unterland als das Grösste gepriesen haben. Ich erinnere mich an die Besuche des Holzhändlers Stark. Der kam aus dem St. Galler Rheintal und verzauberte Grossvaters Augen mit neuen SperrholzPlatten. Die interessierten ihn sehr, denn sie schienen ihm Garant, das Schwinden und Wachsen des Holzes ebenso zu kontrollieren, wie sie ihn ökonomisch vorteilhaft dünkten. Der Lobgesang des Massivholzes, wie er da und dort heute angestimmt wird, hätte ihm schon gefallen, aber es war nicht sein Lobgesang. Er schreinerte, getragen von ausgeprägtem Wissen um die Kraft von Sitten und Bräuche und er baute ständig neue Möglichkeiten in seinen Beruf ein. Auch zur Spanplatten-Fabrik, die im Nachbardorf Fideris residierte, hatte er ein ­neugieriges Verhältnis. Die Arbeiter holten die aus ­Schnitzeln zusammengeklebten Platten mit dem Handwagen ab und in der Schreinerei verschwanden sie in Möbel und Bauten, die den Anschein machten, sie seien ganz und gar in der handwerklichen Zeit zu Hause. Und ich weiss, dass seine Augen strahlen würden, sähe er, wie das Balkenbearbeitungszentrum rumort, wie die Multifunktionalbrücke schnattert, wie die ­Geisterhände Leimspuren legen und dann abnageln,

abklammern und Schrauben drehen, wie sie bohren, fräsen und polieren. Er würde staunen, wie der Computer Schwalbenschwänze und Pfettenköpfe fräst und er würde mit seiner Hand anerkennend über die Kanten fahren. Mit seiner Schreinerhand: Zeig-, Ring- und Kleinfinger haben ihm die Kehlmaschine und die Bandsäge teils a­ bge­schnitten. Ich denke, er hat sehr leiden müssen im Moment, als ihm die Bandsäge die Finger abgerissen hat. Das war vor meiner Enkelzeit. Mich hat aber s­ chaurig fasziniert, wie gleichgültig ihm der Verlust schien. Ich wäre verwegen, seine zerfräste Hand für eine Anwandlung in Kulturpessimismus zu nutzen. Seine Schreinerhand steht dafür, wie der technische und soziale Fortschritt die Produktionsgüter von Architektur und Innenarchitektur radikal verändert hat. Er hat ihnen das Handwerk tüchtig aus der Hand genommen. Der am besten rentierende Teil der Bauwirtschaft ist heute neben dem Immobilienhandel die Bauchemie. Die Aktien dieser Firmen steigen stetig. Die Verlagerung der Produktion vom Bauplatz in die Abbundhalle oder das Betonwerk ist schon lange bewährt, die weitere ­Verlagerung hinein in die chemischen und mechanischen Fabriken ist ein spannendes Stück zeitgenössischer ­Baukultur. Meinem Grossvater hätte das gut gefallen, so konservativ er als politischer Mensch war, so neugierig war er für den technischen Wandel und den aus der ­Maschine springenden Produktivitätsfortschritt. Als ich ihm erklärte, das Ungleichzeitigkeiten Spannungen herstellen, die auf die Seele schlagen können, hat er mich angeschaut, wie wenn ich ein Pfarrer wäre – zu dem ging er nur an Taufen, Hochzeiten und Begräbnissen. Mein Grossvater kommt mir in Erinnerung, wenn ich mir einen Reim zu machen versuche auf die Faszination des Handwerks und der Werkstatt. Ich bewundere, wie dort Kopf und Hand mit der Maschine verbunden werden. Meistens ohne dass die Finger absägt werden. Und übersetzt heisst das, dass das Können in eigenartiger Weise Geschichte mit Zeitgeist verbindet. Mich ­fasziniert der menschliche, der handliche Massstab der Werkstatt-Handwerker. Ich stelle mir vor, wie handwerklich-technische Brillanz, gestalterische Neugier fürs Holz, soziales Lernen hier zusammenfinden. Mein Grossvater schlösse sich mir an. Doch das kann er nicht, denn er liegt seit einem Dutzend Jahren auf dem Friedhof von Jenaz in einer Urne aus Arvenholz, auf Gehrung gefügt und mit sechs Rosetten geschmückt. AUTOR Köbi Gantenbein ist Chefredaktor und Verleger von Hochparterre, der Zeitschrift für Architektur. Er lebt und arbeitet in Zürich und Fläsch; er war der erste Enkel, der seinem Grossvater stolz ein Universitätsdiplom auf den Tisch legte und dafür 100 Franken erhielt.


CHRISTIAN KELLER (TEXT UND FOTOS)

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Aus der Presse direkt auf den Stapel – aus dem Formsperrholz werden Sitzschalen für einen Stuhl produziert.

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Die Fabrikhallen neben dem Bahnhof ­wirken etwas heruntergekommen. Graf­ fiti zieren eine Wand, von einer anderen blättert der Putz. Doch die in die Jahre gekommene Fassade erweckt einen trüge­ rischen Eindruck: Was von aussen un­ scheinbar wirkt, präsentiert sich von innen als Vorzeigeunternehmen, überall herrscht Sauberkeit und Ordnung. Rohe Furniere türmen sich zu meterhohen Stapeln, die sich in grosser Zahl aneinander reihen. Es sind Schälfurniere einheimischer Hölzer, von Buche, Esche, Fichte oder Pappel, die auf ihre weitere Verarbeitung warten. Das Traditionsunternehmen im unte­ ren Aaretal verarbeitet jährlich rund 25 000 Kubikmeter Rundholz aus den umliegen­ den Wäldern. Ein Teil des Schälfurniers wird roh verkauft, die Mehrheit wird in Döttingen zu verschiedenen Endproduk­ ten verarbeitet. Klassische S­ perrholzplatten spielen in der letzten verbliebenen Sperr­ holzfabrik der Schweiz allerdings keine


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dominante Rolle mehr. Denn 70 Prozent des Umsatzes erzielt Hess im Ausland, und im Geschäft mit Massenware kann ein Schweizer Unternehmen auf dem interna­ tionalen Markt nicht mithalten. Das ­Erfolgsrezept von Hess ist die stete Inno­ vation und die Konzentration auf hoch­ wertige Spezialitäten, die nach Kunden­ wunsch gefertigt werden. «Die Qualitätssicherung beginnt im Wald. Der Holzplatzchef ist verantwortlich für Einkauf und Lagerung und sorgt dafür, dass für jedes Kundenbedürfnis das rich­ tige Holz zum Einsatz kommt», sagt Jürg Mock, Verkaufsleiter Sperrholz, und zeigt auf das Holzlager. «Die Stämme werden im Winter geschlagen und im Verlauf des Jahres verarbeitet. Im Sommer müssen wir sie feucht halten, damit das Holz nicht reisst.» Um die Stämme schälbar zu ­machen, liegen sie vor der Verarbeitung zwei bis drei Tage in der Dampfgrube, sie werden quasi gekocht. Dann werden sie in die Schälmaschine gelegt. Der Schäl­ meister kontrolliert die Qualität und stellt am Computer die gewünschte Schäldicke ein. Scheinbar leicht wie Teppich von der Rolle löst das Schälmesser Schicht um Schicht vom rotierenden Stamm. Es klingt, als würde Karton zerrissen, nur etwas lauter, und riecht nach frischem Holz. Das Endlosfurnier wird in Stücke geschnitten, einer optischen Kontrolle unterzogen und anschliessend in der riesigen Trocken­ strasse im Durchlaufverfahren getrocknet. In der nächsten Prozessstufe fügen Mitarbeitende die Einzelstücke in Hand­ arbeit zu grossen Furnierblättern. Sie sind das Ausgangsmaterial, aus dem verschie­ denste Endprodukte hergestellt werden. Während hochwertige Furniere traditionell geleimt werden, setzt Hess seit zwei Jahren eine halbautomatische Furnierzusammen­ setzstrasse ein. Der sogenannte Composer verbindet die manuell gefügten Furnier­ stücke mit Klebefäden. Diese Qualität findet etwa bei sogenannten Multiplex­ platten Verwendung, das sind bis zu 135 Millimeter starke Sperrholzplatten. Die Blätter werden anschliessend sortiert, ­beleimt und in der Etagenpresse zu Platten gepresst. Der Composer ist ein Beispiel, wie das exportabhängige KMU versucht, auch in der Währungskrise konkurrenzfä­

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Ein Föhrenstamm wird gekappt und anschliessend in die Sc hälmaschine gelegt. Nicht weiter schälbare Rundholzkerne werden im eigenen Heizkraftwerk verwertet. Die Stämme werden durch ein mehrtägiges Dampfbad schälbar gemacht – danach schneiden die Schälmesser durchs Holz, wie Japanmesser durch Karton.

In der zwanzig Meter langen Trockenstrasse werden die Furnierblätter auf vier Etagen getrocknet und anschliessend von Hand sortiert.


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In der zwanzig Meter langen Trockenstrasse werden die Furnierblätter auf vier Etagen im Durch laufverfahren getrocknet.

In der Schälmaschine schneidet das Messer Endlosfurnier vom Stamm. Es wird in Stücke geschnitten, kontrolliert und sortiert.

Furniere mithilfe von Fäden zusammenzufügen, ist eine wirtschaftliche Alternative zum Verleimen.

Für Sperrholz- und Multiplexplatten werden maschinell beleimte Furniere von Hand zusammengestellt.


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Die riesige computergesteuerte Etagenpresse fasst bis zu zwanzig Platten.

hig zu bleiben. Heute sind viele Prozesse automatisiert, es kommen CNC-Maschi­ nen und seit einigen Jahren auch Roboter zum Einsatz.

profis für Spezialitäten Neben Sperrholz- und Multiplexplatten stellt Hess & Co verschiedene Fabrikate für die Schweizer Möbelindustrie, zum Beispiel die klassischen Bettlättli, und eine breite Palette von Formteilen her. «Zu ­unseren regelmässigen Kunden zählen international bekannte Möbelproduzen­ ten», sagt Jürg Mock. «Auch die ­Sitzschalen für die Flirt-Kompositionen und die neuen Intercity-Neigezüge von Stadler Rail ­kommen aus unserem Werk.» Für die ­Bauwirtschaft stellt Hess hochwertige Fassadenelemente und Knotenplatten her, äusserst belastbare Multiplexverbindun­ gen für den konstruktiven Holzbau. So stammen die Knoten des gefeierten ­Tamedia-Neubaus in Zürich und der gross­ artigen Kuppel des Centre Pompidou in Metz, die beide der japanische Stararchi­ tekt Shigeru Ban entworfen hat, aus dem Werk in Döttingen. Ein weiteres wichtiges Standbein ist der Sportmarkt: «Der Ski­ weltcup-Zirkus fährt voll und ganz auf unsere CNC-gefrästen Ski- und Snow­ boardkerne ab», erzählt Mock mit einem bescheidenen, aber selbstbewussten ­Lächeln. Welcher Markenname auch auf dem Brett steht: Es stecke ein Holzkern aus dem Aargau drin. Beim Rundgang durch das Firmenge­ lände – es umfasst inzwischen siebzehn eng zusammengebaute und teilweise ­ineinander verschachtelte Hallen, die das kontinuierliche Wachstum des Unterneh­ mens spiegeln – fällt die entspannte Atmo­ sphäre auf. Allenthalben begegnet man zufriedenen Mitarbeitenden. In der ­Furniertrocknerei grüsst Mock einen kräf­ tigen Mittsechziger, der beschwingt vom Stapler steigt, klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter. «Der Mann wurde vor einem halben Jahr pensioniert», sagt Mock später. «Seither kommt er regelmässig her, um mitzuhelfen, wenn Not am Mann ist.» Die Wertschätzung der Belegschaft ist ein Teil der Firmenkultur. Sie dient mitunter der Qualitätssicherung.

«Die mit CNC-Fräsen gefertigten Skikerne von Hesse», sagt der Verkaufsleiter, «stecken in jedem Weltcupski.»

Die Herstellung von Formsperrholzfabrikaten erfordert viel Handarbeit. Die Furniere werden von Hand beleimt und geschichtet, in der Presse mit Hitze und hohem Druck gepresst.


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Im Formenlager warten Kundenformen auf die nächste Produktionsserie.

Mit hohem Druck und viel Handarbeit werden Formsperrholzfabrikate hergestellt – in diesem Fall Rücklehnen von Sitzen für Züge.

Viele Prozesse sind automatisiert, in den letzten Jahren hat Robotertechnik Einzug gehalten.

Hess & Co AG Bettlättli, Zugsitze, Fassadenplatten, Skikerne … das 1929 gegründete Unternehmen stellt Schälfurniere, Sperrholz- und Multiplexplatten sowie Formsperrholzspezialitäten für den Weltmarkt her. Zu den Kunden zählen Sperrholzhändler, Möbelproduzenten, Sportgeräte- und Instrumentenhersteller, Modellbauer, Holzund Hallenbauer. Über zwei Drittel der Produktion wird exportiert, vor allem in den EU-Raum. Hess verarbeitet jährlich rund 25 000 Kubikmeter überwiegend einheimisches Holz und beschäftigt 100 Mitarbeitende. Zukunftssorgen plagen die letzte verbliebene Sperrholzfabrik der Schweiz trotz ihrer Abhängigkeit vom internationalen Marktumfeld keine. www.hessco.ch

AUTOR Christian Keller ist freier Journalist. Er ist oft zu Fuss in den Wäldern unterwegs, aus denen der Rohstoff für die Produkte von Hess & Co stammt. Für «Werkspuren» beobachtete er fasziniert, was daraus alles entstehen kann.


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SASCHA PETERS

holzersatz

Innovativer Fahrzeugbau: Karosserieteile aus Holz besitzen einen Drittel der Festigkeiten von Stahl – bei einem Zehntel des Gewichts. (Foto: Universität Kassel)

Schnell wachsender Rohstoff: In Stückchen geschnittene Bambusrohre zwischen zwei Platten verleimt, garantieren mechanische Festigkeit. (Foto: Wassilij Grod, www.conbou.de)

(TEXT)


THEMA

Holz ist als Bauwerkstoff und Material für die Möbelfertigung seit Jahrhunderten in Gebrauch. Obwohl die Länder Mitteleuropas über ausgedehnte Waldgebiete ­verfügen, wird bereits über bevorstehende Engpässe diskutiert, die den traditionellen Unternehmen der Holzindustrie Probleme bereiten werden. So klagt die Branche in immer kürzer werdenden Abständen über ungewöhnliche Preisanstiege. Dies hat zum einen mit der Verwendung von Holz als Energiequelle zu tun, zum anderen wird Holz in neuen Bereichen als Rohstoffquelle diskutiert. So wurde im letzten Jahr in Schweden ein Textil auf Basis von Holzzellulose entwickelt. Im Verbundprojekt HAMMER (Holzformteile als Multi-­ Material-Systeme, entwickelt für den ­Einsatz im ­Fahrzeug­-Rohbau) untersucht ein In­dustriekonsortium rund um Volkswagen die Verwendung von Holz zur Herstellung von Karosseriekomponenten, und an der Universität in Stuttgart wird im Projekt BioFoamBark an einem Prozess zur P ­ roduktion von Schaumstoffen aus Bestandteilen der Baumrinde geforscht.

Dies sind Gründe genug für die Hersteller, Lösungen zur Reduzierung des Materialaufwands von Holzwerkstoffen zu entwickeln und über Alternativen nachzudenken. Die neuen ­Leichtbauwerkstoffe aus Holz gehen dabei auf strukturelle oder konstruktive Ansätze zur Reduzierung des Materialaufkommens zurück. Ein herausragendes Beispiel ist die Conbou Bambusleichtbauplatte des Designers Wassilij Grod. Er verwendet in der Mittellage einer Sandwichkonstruktion schräg geschnittene Bambusrohrstücke und ­erreicht damit eine ungewöhnliche mechanische Festigkeit. Der Aufbau bietet eine hohe Druckfestigkeit bei reduziertem Materialeinsatz, wobei die Eigenschaften durch Variation der Anordnung der Ringprofile beeinflusst werden können. Eine weitere bemerkenswerte Technologie zur Reduzierung des Holzbedarfs kommt von Dascanova aus Österreich. Das Unternehmen ist in der Lage, die Konzentration der Fasern einer Spanplatte gezielt zu steuern und den Materialaufwand um bis zu 30 Prozent zu reduzieren. Dies

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­ etrifft neben den Holzfasern auch das b Harzsystem sowie die zur Trocknung ­benötigte Energie. Beim Balance Board von Wodego wird die Gewichtsreduzierung durch Hohlräume geschaffen, die auf eine Beimischung von Mais- oder Weizenstärke in die Holzmasse zurückgehen. Im Produktionsprozess ploppt die Zellulose unter Wärmeeinfluss auf, sodass der Plattenwerkstoff rund 30 Prozent leichter ist als konventionelle Spanplatten. Trotz der geringen Masse haben Untersuchungen an der Universität Göttingen eine höhere Festigkeit bei einer Mittelschicht mit eingeschlossener Hohlraumstruktur ergeben. Vergleichbare mechanische Belastbarkeiten bei deutlich reduziertem Materialaufwand zu erzielen, ist eines der charakteristischen Merkmale der Dendrolight ­­­Technologie aus Litauen. Hier wird der gewichtsreduzierte Holzwerkstoff durch mehrfache Profilierungs-, Querleimungsund Bandsägeprozesse aus Kiefer, Fichte oder Espe erzeugt. Bei erhöhter Stabilität kann das Gewicht des Massivholzes um

Landwirtschaftliches Abfallprodukt: Anstatt Maisspindeln in den Abfall zu werfen, werden sie zu kostengünstigen Brettern verarbeitet. (Foto: www.holcimfoundation.org)

Umgekehrter Herstellungsprozess: Aus Bäumen wird Papier – wird wieder Holz für Möbel und Fahrzeuginterieurs. (Foto: www.miekemeijer.nl)

Massives Leichtgewicht: Die Mittellage kann mit Massivholz oder HDF beplankt werden und hat gegenüber Massivholz um 40 Prozent weniger Gewicht. (Foto: www.dendrolight.lv)


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ungefähr 40 Prozent reduziert werden. Der einzigartige Aufbau gewährleistet vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Möbelplatten, Türrohlinge und Bauelemente. Dukta ist ein weiteres neuartiges ­Einschneideverfahren, das aus der Schweiz kommt. Es wurde aber nicht nur entwickelt, um das Materialaufkommen zu ­reduzieren. Den Entwicklern ging es vielmehr darum, einen Holzwerkstoff mit einer textilartigen Flexibilität auszustatten. Neben den besonderen haptischen und optischen Eigenschaften ist vor allem die hohe schallabsorbierende Wirkung des mit Hunderten Rillen versehenen Werkstoffs hervorzuheben (siehe Beitrag S. 20 – 22).

Holzersatzwerkstoffe Als Reaktion auf die sich verknappenden Holzressourcen kann auch eine gestiegene Anzahl von Entwicklungen von Holzersatzwerkstoffen auf Basis von Reststoffen ausgemacht werden. Einen sehr interessanten Weg ging in diesem ­Zusammenhang die niederländische Designerin Mieke Meijer. Denn sie verwendete das Papier

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alter Zeitungen und verpresste es mit ­einem Kleber in einer Art zusammen, dass beim Aufschneiden der Eindruck von Holz entsteht. NewspaperWood wird mittlerweile für Möbelstücke und Wohnaccessoires verwendet und auch für das ­Interieur eines Fahrzeugs getestet. Bei einer Vielzahl neuer Plattenwerkstoffe werden vor allem l­ andwirtschaftliche Abfallprodukte als Ersatz für Holzfasern beziehungsweise -späne verwendet. Mit einem Holcim Award wurde ­beispielsweise eine Entwicklung aus Ostafrika ausgezeichnet, bei der Maisspindeln als Rohstoff für die Plattenproduktion diente. Das ­sogenannte Maize Cob Board soll den ­Familien in holzarmen Gebieten Afrikas als Baumaterial dienen und ­Abfallprodukte aus der Landwirtschaft in Bauwerken binden. Unter der Bezeichnung Oriented Structural Straw Board OSSB wird in China der erste Plattenwerkstoff vermarktet, der vollständig aus Weizenstroh besteht. Durch diese neue Art der Verwertung wird auf die sonst in Asien übliche Verbrennung

des Strohs auf den Feldern verzichtet; für die Bauern bedeutet der Verkauf des ­Abfallprodukts eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Plattenwerkstoffe von ­Novofibre werden in einem kontinuierlichen Heisspressverfahren ohne Einsatz fomaldehydhaltiger Kleber hergestellt und erreichen, neben guten bauphysikalischen und technischen Eigenschaften, eine aussergewöhnlich gute Umweltbilanz. Ein weiterer neuer Holzersatzwerkstoff auf dem europäischen Markt ist ECor. Die Entwicklung stammt aus den USA, wo das Material im Nasspressverfahren aus alten Zeitschriften, Kartonagen und landwirtschaftlichen Nebenprodukten sowie Stroh, Bagasse (Überreste der Zuckerfabrikation aus Zuckerrohr) und Kuhexkrementen hergestellt wird. Das Material ist absolut schadstofffrei, hochbelastbar und zeichnet sich durch ein niedriges Gewicht aus. Die Stabilität liegt über der von MDFPlatten, die Verarbeitbarkeit entspricht der von Holzwerkstoffen. Ein weiterer Werkstoff aus ungewöhnlichen Ausgangsstoffen ist Resysta. Er

Ressourcenschonendes Material: Reishülsen sind ein nachwachsender Rohstoff, der mit seiner Langlebigkeit punktet.

Optisch und haptisch können Platten aus Reisholz fast mit Echtholz verwechseln werden. (Foto: www.resysta.com)

Zuverdienst für asiatische Bauern: Die Platten bestehen hauptsächlich aus Weizenstroh, das bisher verbrannt oder untergepflügt wird. (Foto: NovoFibre)


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besteht zu 60 Prozent aus Reishülsen, hat eine ähnliche Ästhetik wie Holz und kann mit witterungsbeständigen Qualitäten im Aussenbereich für Outdoormöbel, bei Terrassen oder Schiffsdecks eingesetzt werden. Mit einer hervorragenden Resistenz gegen Schimmel- oder Pilzbefall b ­ ietet Resysta auch für hochbeanspruchte Hausfassaden und in Nassbereichen zahlreiche Potenziale.

clevere Eigenschaften Holzwerkstoffe können auch zusätzliche Funktionalitäten haben. So wurde beispielsweise das hochalpine Zirbenholz (auch Arbe oder Arve genannt) früher zur Anfertigung von Stuben mit dazugehörigem Kachelofen verwendet und galt als Inbegriff für rustikale Behaglichkeit. ­Aktuell mausert sich das Holz zum Material für zeitgemässes Design mit gesundheitsfördernden Eigenschaften. Denn in Form eines dreidimensionalen Paneels mit durchscheinender Wellenoberfläche entströmen dem Holz die heilsamen Aromastoffe der Zirbe. Der harzige Duft enthält

zusätzlich bis zu 0,5 Prozent Pinosylvin, eine baumeigene antibakterielle und antifungizide Substanz. Bei Tests am Human Research Institut konnten Wissenschaftler niedrigere Herzschlagraten in Zirbenholzzimmern bei körperlichen und mentalen Belastungssituationen nachweisen, was zu kürzeren Regenerationsphasen führte. Unter dem Namen TimberSIL GlassWood wurde in den USA ein umweltverträgliches Verfahren entwickelt, um Holz vor Schädlingsbefall zu schützen und es resistenter bei Bränden zu machen. In ­einem thermischen Prozess wird die Holzstruktur mit flüssigem Glas getränkt. Dabei gehen die Holzfasern eine dauerhafte Verbindung mit dem ungiftigen Glas (Siliziumdioxid) als amorphe Matrix ein. Es entsteht ein äusserst leistungsstarker Holzwerkstoff, der wesentlich robuster, dimensionsstabiler und härter ist als alle ­vergleichbaren Nadelholzarten. Polywood A ist der erste patentierte naturfaserverstärkte Kunststoff mit antibakterieller Wirkung. Die gegen Ausbreitung von Bakterien und Keimen wirkende

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Oberfläche wird durch die Integration von Fasern aus natürlichem Kiefern-Kernholz erreicht. Aufgrund der Art der Lignineinlagerung und anderer Inhaltsstoffe fällt die Resistenz bei Kiefern-Kernholz sehr stark aus. Hinzu kommt die Eigenschaft des Holzes, Feuchtigkeit aufzunehmen und zeitverzögert wieder abzugeben, was Bakterien die Lebensgrundlage entzieht. Nach wenigen Stunden sind PolywoodOberflächen daher keimfrei. Die Vielzahl der Beispiele zeigt, dass wir uns langsam auf eine neue Materialkultur vorbereiten können. Eine Vielfalt von Werkstoffen wird uns zur Verfügung stehen, die nicht nur Nachhaltigkeitsaspekten genügt und die Ressourcen schont, sondern auch zusätzliche, positive Qualitäten für Produkte haben wird, mit denen wir uns in unserem nahen Lebensumfeld umgeben.

Natürlicher Bakterienkiller: Das Kiefernholz gibt Feuchtigkeit zeitverzögert ab und entzieht Bakterien damit die Lebensgrundlage. (Foto: www. advanced-compounding.com)

Gegen Feuerteufel: Getränkt mit flüssigem Glas brennt das Holz viel langsamer als ohne Behandlung. (Foto: www.timbersilwood.com) AUTOR Dr. Sascha Peters ist Gründer und Inhaber von HAUTE INNOVATION – AGENTUR FÜR MATERIAL UND TECHNOLOGIE. Er vermittelt zwischen Entwicklern und Anwendern innovativer ­Materialien und leitet Workshops zu nachhaltigen Werk­stoffen und energetischen Technologien. Eben ist sein Buch Materialrevolution 2 erschienen: eine spannende Zusammenfassung aktueller Werkstoffentwicklungen. Siehe dazu die Buchbesprechung im Werkspuren-KIOSK auf Seite 62. PETERS, Sascha (2014): Materialrevolution 2. Neue nachhaltige und multifunktionale Materialien für Design und Architektur. Berlin: Birkhäuser. www.haute-innovation.com


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SERGE LUNIN (TEXT UND FOTOS)

dukta

Durch versetzt angeordnete Einschitte wird eine verblüffend hohe Flexibilität erreicht.

«dukta leitet sich von den beiden Begriffen Duktilität und Duktus ab. Duktilität ist die Eigenschaft eines Werkstoffes, sich bei Überbelastung stark plastisch zu verformen, bevor er versagt. Duktus ist die charakteristische Art eines Künstlers, zu zeichnen oder zu malen, auch die Eigenart, das Merkmal der künstlerischen Formgebung, insbesondere der Linienführung.» (dukta.com)


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Über die Jahre sind diverse Prototypen entstanden: Paravents, Leuchten, Stühle, Schmuck oder Skulpturen.

Neben der Funktionalität punktet dukta mit Ästhetik, die durch Licht- und Schattenwurf der Einschitte entsteht.

Auch eine Brio-Bahn mit abenteuerlicher Streckenführung zählen zu den Werkstücken.

dukta-Holz kann gebogen, verdreht, gewickelt oder auch geknotet werden.

dukta-Akustikwände erreichen hohe Schallabsorptionswerte, quer durch alle Frequenzen.


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Bei den ersten Materialerprobungen wurden die Schnitte nur von der Kante her geführt. Durch Einschnitte in die Fläche, mithilfe einer Lamellomaschine, wurden komplexere Konstruktionen möglich.

Es begann vor sieben Jahren. Christian Kuhn, damals Designstudent an der ZHdK und heute Produktgestalter, besuchte bei mir einen Weiterbildungskurs im Bereich Gestalten mit Holz. Er wollte eine Liege aus gekrümmten und verdrehten Hölzern bauen. Da er die Teile in der gewünschten Dimension weder dampfbiegen noch schichtverleimen konnte, begannen wir gemeinsam mit Einschnitten zu experimentieren. Daraus entstand eine jahrelange spielerische und höchst fruchtbare Zusammenarbeit, in der wir die Möglichkeiten des Einschnittverfahrens bis an die Grenzen ausloteten. dukta, so nennen wir unsere Methode seit Beginn, erwies sich als ausgesprochen entwicklungsfähiges Projekt. Beinahe unsere gesamte Freizeit verbrachten wir mit der Weiterentwicklung dieser an und für sich simplen Technik. Durch versetzt angeordnete Einschnitte wird das sonst robuste Material flexibel. Es stellte sich, nicht unerwartet, schon nach den ersten Versuchen heraus, dass sich Sperrholz und Mehrschichtplatten für unsere Experimente am besten eignen. Eher überraschend war die Tatsache, dass sich auch MDF als ausgesprochen geeignet erwies.

Durch die computergestützte Arbeit und dank Lasercutter wurde die Anzahl möglicher Schnittgeometrien nochmals verfielfacht.

das Forschungsprojekt

DIE VermittlungSARBEIT

Als Handicap erwies sich die Tatsache, dass die Einschnitte mit der Bandsäge oder der Kreissäge nur von den Kanten her geführt werden konnten und die Ausführung so auf Streifenformate beschränkt blieb. Erst eine weitere Entdeckung, Einschnitte mit der Lamellomaschine in die Fläche, eröffnete ein neues Feld. Dieses erwies sich als so gross und komplex, dass wir beschlossen, ein Forschungsprojekt daraus zu machen. Mit dem Institut für Design und Technologie der ZHdK, der Berner Fachhochschule, Abteilung Architektur, Holz und Bau und der Schreinerei Schneider als Wirtschaftspartner, reichten wir einen entsprechenden Antrag ein. Die Kommission für Technologie und Innovation sprach uns Fördergelder zu und ermöglichte uns damit die Umsetzung unseres Vorhabens. Computergesteuerte Bearbeitungszentren erlaubten uns fortan das Einschneiden von grossflächigen Platten. Die Vermutung, dass diese perforierten Holzwerkstoffe ideale Schallabsorber sind, wurde durch Messungen an der EMPA bestätigt: Gewellt verbaute Platten erreichen sehr hohe Absorptionswerte in allen Frequenzbereichen.

Neben der Entwicklung hin zum Markt, verfolgen wir eine zweite, vermittelnde oder didaktische Absicht. Zusammen mit dem Gewerbemuseum Winterthur entwickelten und realisierten wir die Ausstellung wood loop. In der Schau zeigten wir auf, wie ein traditioneller Werkstoff durch Querdenken, Lust am Experiment und Hartnäckigkeit ganz neue Eigenschaften bekommen kann. An etlichen interaktiven Stationen erfuhren die Besucherinnen und Besucher mehr über die Eigenschaften des Werkstoffs Holz und seine Biegefähigkeiten.

AUSSTELLUNG Die Ausstellung wood loop gastiert noch bis zum 26. April 2014 im Werkraum Bregenzerwald in Andelsbuch, Österreich. www.werkraum.at Video zur Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur auf youtube (Suchwort: wood loop – auf biegen und brechen) PRODUZENT Schreinerei Schneider AG in Pratteln/BL IM INTERNET www.dukta.com AUTOR Serge Lunin ist Schreiner, Werklehrer und Dozent an der ZHdK, Bachelor Vermittlung von Kunst und Design und am IAC im Bereich Gestaltungspädagogik. Er ist Inhaber der dukta gmbh.


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WWEERRKKSSPPUURREENN 13||22001143


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THOMAS STUBER (TEXT UND FOTOS)

vernetzter unterricht

«Je nach ‹Werkphilosophie› der Lehrperson erhalten die Kinder und Jugendlichen sehr unterschiedliche Bildungsangebote» (Bir­ ri et al., 2003, S. 19). Diese Werkphilosophie, auch Fachverständnis genannt, ist abhän­ gig von den dahinter verborgenen Fach­ modellen. Nach dem Fachverständnis des zukünftigen Lehrplans 21 darf es im ­Unterricht nicht allein um die Herstellung eines Produktes gehen – Ziel muss viel­ mehr die problemorientierte Erschliessung eines Themas sein.

drei Schweizer Fachmodelle Das handwerkliche Modell erreichte seinen Höhepunkt mit dem Handfertigkeitsun­ terricht der Arbeitsschule kurz nach 1900.

Merkmale waren Arbeit und Fleiss, die Methode des Vorzeigens und Nachma­ chens sowie die Vorbereitung aufs Berufs­ leben, beispielsweise eines Schreiners. Vertreter handwerklicher Berufe und auch Eltern, die dieses Modell in ihrer Schulzeit selber erlebt haben, fordern oft die Rück­ kehr zu diesem Unterrichtsstil. Beeinflusst von der Kunsterziehungs­ bewegung entstand später das kunstpäda­ gogische Modell. Seine Merkmale sind die Abhängigkeit von der Kunsterziehung, die Schulung der Wahrnehmung und die Auseinandersetzung mit ästhetischen ­Inhalten. Ab 1980 verbreitete sich in der Schweiz teilweise das technische Modell. Seine

Kennzeichen ist die praktisch-handelnde, problemorientierte Auseinandersetzung mit der Technik. In der Schweiz fehlen wissenschaftli­ che Untersuchungen zu Bildungsmöglich­ keiten respektive Fachmodellen. Die BestPractice-Erfahrung zeigt: Es herrscht eine Zufälligkeit in der Auswahl von Unter­ richtszielen und -inhalten. Die Unsicher­ heit bezüglich des Modells respektive der damit verbundenen Bildungsabsichten zeigt sich auch in kantonalen Lehrplänen. Fries, Mätzler und Morawietz (2007) stel­ len in ihrer Lehrplananalyse fest, dass in den untersuchten Kantonen insgesamt über 2000 Ziele formuliert sind.


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erschliessungshandeln

5.-Klässler können bereits schon 30 mm dicke Spanplatten sägen.

Beim Linientest mit verschiedenen Holzwerkstoffen gilt es, möglichst genau den Linien entlang zu sägen. Eine Erweiterung kann die Schlange aus der Restenkiste sein oder der Delphin mit Eichenholz. Das Messingstück wurde von einem Kunsthandwerker von Hand ausgesägt.

Der Lehrplan 21 fordert vermehrt den ver­ netzten Bezug zur (technischen) Alltagswelt der Lernenden. Dies zeigt sich anhand ausgewählter Kompetenzen, b ­ eispielsweise aus dem Bereich Kontexte und Orientierung (aus der Vernehmlassungsvariante Lehr­ plan 21): Die Schülerinnen und Schüler – können technische und handwerkliche Entwicklungen verstehen und ihre Be­ deutung für den Alltag einschätzen; – kennen die Herstellung von Materialien und Produkten und können die Verwen­ dung begründen; – kennen Rohstoffe und ökologische und ökonomische Argumente zur Verwen­ dung von Materialien und können diese nachvollziehen; – können eigene Prozesse und Produkte mit industriell oder gewerblich hergestellten (Einzel- oder Serienprodukte) vergleichen und Unterschiede erkennen. Ein Kernelement, um das Technische ­Gestalten gemäss dem Fachverständnis des ­zukünftigen Lehrplans zu unterrichten, ist das Erschliessungshandeln. Gemäss alten Fachmodellen beschränkte sich technisches Handeln auf die Herstellung eines Gegen­ stands; Bienhaus (2001) spricht denn auch von «Produktionshandeln». Technisches Erschliessungshandeln ist dagegen durch eine Verzahnung der Praxis mit der Theorie gekennzeichnet und umfasst die Herstel­ lung, den Gebrauch und die Bewertung von Technik. Es soll mit zunehmendem Alter der Lernenden ins Zentrum gerückt werden und fördert so ein aktuelles Technikverständnis.

holzwerkstoffe Zur didaktischen Vorbereitung gehört auch eine sachorientierte Aufbereitung des Themas. Wenn Holz zerkleinert und die Bestandteile neu angeordnet sowie zusam­ mengefügt werden, spricht die Fachwelt von Holzwerkstoffen. Holzwerkstoffe werden entwickelt, um die guten Eigen­ schaften des Holzes zu bewahren. Dabei ist wichtig, die Schwankungen des natür­ lich gewachsenen Holzes, wie beispiels­ weise Äste, Harzgallen, Risse und Verwer­ fungen, durch Verfahrensschritte einzuschränken oder auszuschalten. Furniere, Hackschnitzel oder Späne mit


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festgelegten verwendungsbezogenen ­Kriterien sind Zwischenprodukte für eine Reihe unterschiedlicher Erzeugnisse. Im Vergleich zum Rohstoff Holz weisen diese homogene Eigenschaften auf. Weitere Vorteile sind: – Die Dimensionen von Platten und Balken aus Holzwerkstoffen gehen weit über die Masse von Massivholz hinaus. – Die Veränderung des Gefüges von Holz durch Zerkleinern und das Wiederzusam­ menfügen in ausgerichteter Anordnung verringert die Bewegung des Quellens und Schwindens, trägt dadurch zur Stabilisie­ rung und Zunahme der Festigkeit bei. – Holzwerkstoffe ermöglichen durch die Verwertung auch von minderen Qualitäten, wie Resthölzern aus Wald und Industrie, eine bessere Ausnutzung des Rohstoffes. Ursprung für die Entwicklung und ­Produktion von Holzwerkstoffen war die Möbelindustrie. Heute werden die Platten und Balken vielseitig im Bauwesen ­verwendet. Die Holzwerkstoffe mit ihren guten Festigkeitseigenschaften ermögli­ chen Ingenieurinnen und Designern neue Möglichkeiten.

THEMA

Die Materialerprobung mündet in einem Holzmusterkatalog mit Holzwerkstoffen und Holzarten.

Entwürfe werden auf Papier, Modelle aus Wellkarton und MDF, und der Serviettenhalter aus Holz gefertigt.

Vernetzter Unterricht Fragen Sie doch die Schülerinnen und Schüler zuerst, welche Holzwerkstoffe oder auch welche Nutzhölzer ihnen ­bekannt sind. Zusätzlich lassen sich Holz­ gegenstände sammeln. Dieses «Technik­ museum Holz» kann Ausgangspunkt sein, Geschichten zu erzählen, Holzwerkstoffe und Holzarten kennenzulernen. Es folgt eine Materialuntersuchung von verleimten und gewachsenen Hölzern mit Augen, Händen und Geruchssinn. Durch ihre Sinne lernen die Schülerinnen und Schüler Eigenschaften kennen, die Lehrperson ergänzt Informationen und die Namen. Massivholz ist beispielsweise in der Querrichtung instabil. Diese Eigen­ schaft lässt sich mit einem Experiment überprüfen: Ein Tannenbrett wird quer zu den Fasern geschnitten. Mit einem Hand­ kantenschlag lässt sich so geschnittenes Holz leicht halbieren. Im Gegensatz dazu ist ein Brett aus Holzwerkstoffen mit einem Schlag nicht zu trennen. Eine anschliessende Materialerpro­

Das Serienarbeits-Projekt «Serviettenhalter»kann in sechs Lektionen realisiert werden.

bung mit der Dekupiersäge fördert die Erkenntnis, dass es weiche und harte Holz­ werkstoffe gibt. Auch erstaunlich dicke Holzwerkstoffe können genau, aber etwas langsamer als gewohnt, gesägt werden. Wichtige Voraussetzung – neben Übungs­ phasen – sind beim Sägen scharfe, gehär­ tete Sägeblätter, welche bei den Herstellern der Dekupiersägen zu beziehen sind. ­Ungeeignet sind Sägeblätter für HandLaubsägen. Nach der Erprobung lässt sich der Linientest durchführen mit der Ziel­ setzung «ich kann dickes Holz sägen». Mit einem dicken Filzstift zeichnet die Lehrperson zuerst auf ein dünneres, dann auf ein dickeres Holzreststück gerade und geschwungene Linien. Die Lernenden versuchen, genau den Linien entlang zu sägen, ohne die vorgezeichneten dicken Linien zu verlassen. Wer den Linientest besteht, ist reif für eine weiterführende Aufgabe, beispielsweise die Herstellung von Papierserviettenhaltern aus Drei­ schichtplatten in Serienarbeit. Nach der Entwurfsphase auf Papier lässt sich ein Funktionsmodell aus dickem Wellkarton sägen. Der Säge- und Bohrvor­ gang lässt sich damit üben. Die WellkartonEntwürfe können gestalterisch und funk­ tional bewertet, allenfalls optimiert und dann ein erstes Mal mit billigen Holzwerk­ stoffen umgesetzt werden. Vor- und Nach­ teile serieller Fertigung thematisieren und anschliessend umsetzen. Schülerinnen und Schüler begreifen sehr wohl Sinn und Zweck von Entwürfen und Modellen, wenn zusätzlich der Bezug zum Design und der industriellen Fertigung geklärt wird. Massivholz und Holzwerkstoffe stam­ men immer häufiger aus nachhaltiger Waldwirtschaft und sind deshalb aus ­ö kologischer Sicht unbedenklich: Sie ­tragen das Gütesiegel FSC (Forest Steward­ ship Council, Waldbewirtschaftungsrat), welches auf eine natur-, umwelt- und ­sozialverträgliche Waldbewirtschaftung hinweist. Neben der Nachhaltigkeit kön­ nen auch ökonomische Aspekte themati­ siert werden, beispielsweise mit einem Schätzwettbewerb, der das Kostenbe­ wusstsein stärkt und der Bezug zum tech­ nischen Alltag herstellt.


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Die rechts abgebildete Lernhilfe «Faszination Technik Sägen» zeigt auf spielerische Art und Weise den Bezug zum Alltag, respektive zur technischen Welt. Das Rätsel eignet sich als Unterrichtseinstieg und führt zu thematischen Diskussionen oder Recherchen. Ein Link – zum Stichwort moderner Holzernter (rot) – führt zu einem beeindruckenden Video, das eine Holzernte-Maschine im Einsatz zeigt. Die Lernhilfen «Anleitung Sägen» und Arbeitsmittel Sägen» lassen sich nach der Einführung der Verfahren neben den Dekupiersägen oder Bohrmaschinen an der Wand befestigen und dienen als Gedächtnisstütze. Bei wiederkehrenden Fragen weist die Lehrperson darauf hin. Im Lehrmittel werden auch Videoanleitungen angeboten. Die hier abgedruckten Technologiekarten und die Unterrichtsbeschreibung «Holzwerkstoffe» von Professor Frédéric Pichelin, Berner Fachhochschule, sind Auszüge aus dem neuen Lehrmittel «Räder in Bewegung» (Arbeitstitel; erscheint 2015). Das Lehrmittel ist ein Projekt der PH Bern – ­Projektleiter und Autor ist Thomas Stuber. AUTOR Thomas Stuber unterstützt die Forderung nach technischer Allgemeinbildung, wie sie im Lehrplan 21 vorgesehen ist. Als Projektleiter des neuen Lehrmittels «Räder in Bewegung» (Arbeitstitel, erscheint 2015) setzt er diese Forderung um. QUELLEN BIENHAUS, Wolf (2001): Das Fachraumsystem Technik – Ort theoretischen und praktischen Lernens. In: Praxis und Theorie in der Technischen Bildung. Villingen: Neckar. BIRRI, Christian et al. (2003): Lehrmittel Fachdidaktik Technisches Gestalten/Werken. Uni Bern. HELLING, Klaus (2006): Umwelt Technik 1. Schülerbuch, Lehrerband. Stuttgart: Klett. SCHMAYL, Winfried (2010): Didaktik allgemeinbildenden Technikunterrichts. Karlsruhe: Hochschule. Stuber, Thomas et al. (2009): Werkweiser 2 für technisches und textiles Gestalten. Schulverlag: Bern. STUBER, Thomas (2010): Lehrmittel für technisches und textiles Gestalten. Beiträge zur Lehrerbildung. [online: <www.bzl-online.ch>, Jan 2014]

Kopiervorlagen zum Download auf www.werken.ch

Technologiekarten als Unterrichtshilfe

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DIDAKTIK

BARBARA SCHNECKENBURGER (TEXT UND FOTOS)

werkstatt ist überall Die Werkstatt ist das Herzstück des Unterrichtsraums – Erinnerungen an den Grossvater dienten als Vorbild.

Vor etwa zehn Jahren habe ich mich ­entschieden, meine Arbeit mit vier- bis achtjährigen Kindern nochmals grundsätzlich zu überdenken, neu zu gestalten – und umzubauen. Grund dafür war die Erkenntnis, dass die Spiel- und Lernumgebung einen wichtigen Einfluss hat auf das nachhaltige Handeln und Lernen der Kinder. Kinder brauchen Räume, die sie aufbauen und erschaffen können. Kinder sollen in die Gestaltung und Einrichtung ihrer Spiel- und Arbeitsräume miteinbezogen werden. Kinder sollen ein Mitbestimmungsrecht haben und ihre Raumkonzepte sollen in der Raumgestaltung ihrer Spiel- und Arbeitswelt berücksichtigt werden. Kinder sollen in diesen Räumen eine grosse Selbstwirksamkeit entwickeln und erleben können. Heute ähnelt mein ganzer Unterrichtsraum einer Werkstatt und die Kinder sind darin begleitet und selbstständig am Tun und Gestalten.

Die Bibliothek liegt auf der Rückseite der Werkstatt – hier tanken die Kinder Ideen und Wissen.

Mit Baustellenmaterial wird der Raum laufend verändert – jeder Umbau beeinflusst das weitere Tun.

Der Mentor für mein heutiges Tun und Lassen in der Arbeit mit Kindern war mein Grossvater; von ihm habe ich gelernt, wie Hammer, Nägel, Säge, Schleifer, Bohrer und all die spannenden Werkzeuge heissen und wie sie zu handhaben sind. Seine reichbestückte Werkstatt wurde in meiner Kindheit zu meinem wichtigsten Aufenthaltsort. Er hat mir viel zugetraut, was meine Selbstständigkeit wachsen liess. Das war wohl das wichtigste Werkzeug, das er mir in die Hände gelegt hat. Gestalten, entdecken, ergründen, tüfteln, entwerfen wurden real, ich als Kind mittendrin in meinem Tun, ich wurde das, was ich tat. Holz spielte damals eine wichtige Rolle, und Holz spielt auch heute in meiner Arbeit mit den Kindern eine wichtige Rolle. Holz ist hart, weich, leicht veränderbar und kann mit den grundlegenden Werkzeugen auch von jungen Kindern reich bearbeitet werden.


DIDAKTIK

DAS HERZSTÜCK Die Werkstatt ist der Fixpunkt im Raum, das Zentrum allen Tuns. Eine Werkstatt wird nicht aufgebaut für eine bestimmte Zeit, eine Werkstatt ist immer da, ist verlässlicher Dreh- und Angelpunkt. Sie ist klar strukturiert und systematisch aufgebaut. Diese Klarheit ermöglicht den ­Kindern viel Selbstständigkeit und Eigenständigkeit. Die Klarheit der Struktur stellt die nötige Sicherheit für das freie Tun her. Wenn die Kinder einen Plan, eine Idee im Kopf entwerfen, müssen sie wissen, wo was zu finden ist, damit sie ihre Ideen zum Gelingen bringen können. Kinder müssen Gefahren begegnen können, der Umgang mit Gefahren und Herausforderungen macht die Kinder stark. Es gibt keinen anderen Ort im Kindergarten, an dem sich die Kinder so korrekt an die Abmachungen halten, wie in der Werkstatt. Ist die Werkstatt einmal fest im Raum installiert und zugänglich gemacht, schauen sich die Kinder gegenseitig auf die Finger; ich als Lehrperson werde nur noch in wirklich heiklen Situationen und Fragestellungen beigezogen. Alles andere geben sich die Kinder untereinander weiter. Es gibt immer Beginnerinnen und Beginner, Fortgeschrittene, Expertinnen und Experten . Es wird viel beobachtet und zugeschaut,

Eine klare Ordnung ermöglicht den Kindern das selbstständige Arbeiten – und sieht erst noch toll aus.

diese scheinbar untätige Anteilnahme birgt enormen Lernzuwachs. Aus Platzgründen sind Werkstatt und Bibliothek zusammengewachsen und das ist auch gar nicht schlecht. An der ­Rückwand der Bibliothek, sie wurde aus Schalungsbrettern gezimmert, hängen die wichtigsten Werkzeuge klar nach Thema sortiert. In der Bibliothek lauern in Form von Sachbüchern viele Ideen und Antworten auf anfallende Fragen, Einfälle und

Lücken. Die Kinder brauchen die Bibliothek ganz selbstverständlich als Hilfe zur Selbsthilfe und wissen genau, wo sich welches hilfreiche Buch versteckt. Werken und Werkstatt ist also auch Leseförderung. So einfach und sinnstiftend kann das sein.

Die Baustelle Neben der Werkstatt ist auch die Baustelle ein wichtiger Baustein in der Spiel- und Lernumgebung. Das Angebot der ­Baustelle im Kindergarten erinnert an die Bauecke, nur dass das Werkzeug und das Material eben in ursprünglicher Grösse zur Verfügung gestellt und zusammengesucht ­werden: Leitern, Bretter, Holzrugel, Hanfseile, Gummibänder, Wellkarton, Abdeckband, Stecken, Wäscheklammern, ­Schachteln oder Holzbänke, die auch als Sitzbänke benutzt werden. Das Wort Baustelle ist sehr wohl wörtlich zu verstehen. In unserem Alltag ­begegnen wir beinahe an jeder Ecke einer Baustelle. Es sind Orte, wo Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten gemeinsam etwas Neues entstehen lassen. Da wird gegraben, gesägt, gehämmert, gepflastert, es werden Rohre verlegt, verbunden, ­angeschlossen, es braucht Kraft, Köpfchen, Überlegungen, Pläne und Ideen. Es wird geredet, gestritten und auf die Schulter geklopft. Baustellen sind die Orte, wo Kinder gerne stehen bleiben. Ganz lange stehen bleiben. Es sind die Orte, die Kinder immer wieder besuchen wollen. Das schlichte Baumaterial lässt eine unerschöpfliche Vielfalt an Spiel- und ­Gestaltungsmöglichkeiten zu. Es ist einfach und bleibt immer unfertig. Es ermöglicht die Umsetzung unzähliger eigener Ideen. Alles kann beliebig verändert und umgestellt werden. Die Baustelle bietet zudem Gelegenheit zu grossräumigen Bewegungen, verbunden mit kniffligen feinmotorischen Arbeiten. Das Spiel regt zu unmittelbarem Handeln und zur ­Bewältigung handfester Probleme an. ­Dabei kommen Neugier, die Lust am ­Erkunden und Erlebnishunger ins Spiel. Die vielfältige Wirkung dieses Tuns ergibt eine P ­ alette von Lernanlässen. Diese reicht vom Sozialverhalten im gemeinsamen Konstruieren, räumliche Wahrnehmung durch Messen und Vergleichen, bis zum Unterscheiden von Farben, Formen und

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Dimension. Im Tun und Wirken können sich die Kinder entfalten, gleichzeitig aber auch lernen, mit Gefahren umzugehen und an Grenzen zu wachsen. Die grosse Kunst bei der Begleitung und Durchführung einer Baustelle ist es, den Kindern den nötigen Freiraum zu gewähren und gleichzeitig eine klare ­Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Ein wesentlicher Aspekt beim Aufbau und bei der Begleitung einer Baustelle ist die ­Ordnung. Da viel Material vorhanden ist und der Klassenraum sich durch die ­Bautätigkeit verändert, ist es wichtig, durch eine klare Strukturierung Orte zu schaffen, wo Material gelagert und gehortet wird. Von da wird das Material bei Bedarf geholt und nach der Verwendung wieder zurückgebracht.

Wichtige Arbeiten und hilfreiche Erkenntnisse werden dokumentiert – ein Schatz an Bildern und Erlebnissen.

DAS TAGEBUCH Was habe ich wo, warum, mit wem, wie erarbeitet und gestaltet? Wie ist es mir bei der Arbeit ergangen? Was ist mein n ­ ächstes Ziel? Wo will ich hin? Wer kann mir dabei helfen? Was brauche ich für meine Arbeit? Nicht alles, was im Kindergarten und in der Schule gestaltet wird, kommt nach Hause. Wichtige Arbeiten werden daher fotografiert und ins Tagebuch geklebt. Das können auch Zeichnungen und kurze T ­ exte sein. Manchmal sind die Kinder beim Durchstöbern ihrer Tagebücher selber erstaunt über all ihr Wirken und Tun. Das macht stark. AUTORIN Barbara Schneckenburger ist Grundstufenlehrerin und Kindergärtnerin und arbeitet hauptsächlich als Kindergärtnerin. Sie arbeitet am Institut Unterstrass als Praktikumslehrperson und ist Gastreferentin am Unterstrass und an der PHZH.


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Gut gestellte aufgaben Jakob Humm schreibt in seinem sehr lesenswerten Artikel Clevere Aufgaben (Werkspuren 3|2013): «Gute Aufgaben sollen kognitiv herausfordernd sein und eine Problemorientierung beinhalten.» Was heisst das nun für den Unterricht im Technischen Gestalten? Ausgewählte Beispiele zeigen, dass gute oder clevere Aufgabenstellungen zu überraschenden Ergebnissen führen können. Wir möchten Sie gluschtig machen, solche Aufgaben für Ihre Schülerinnen und Schüler zu formulieren.

Starkmagnet und Holz Die Aufgabe für die Studierenden war, mit Raum zu spielen: «Befasse dich mit Architektur(-geschichte) und Statik. Entwickle ein (oder mehrere) Objekt(e) und Raumbezeichnungen, die als Konstruktions-Spielzeug oder als Spielort für Kinder dienen. Selbstverständlich darf es auch Erwachsenen gefallen. Die Produkte fördern die Differenzierung der eigenen Körper- und Raumwahrnehmung.» Das Material – Holz, Stahlband und Rohre – waren schon in anderer Form in Gebrauch. Einzig die Starkmagnete mussten neu gekauft werden. (Petra Sigrist)

KARIN ZEHNDER (TEXT)


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gekochtes holz Im Workshop zur Ausstellung wood loop (Gewerbemuseum Winterthur, siehe Artikel Seite 20 – 23) befassten sich Schulklassen mit dem Biegen von Holz. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten sich theoretisches Wissen und erlebten, wie gedämpftes und gekochtes Holz biegbar wird. Die heissen Buchenleisten in Form zu biegen bedarf Kraft, gepaart mit Fingerspitzengefühl. Dabei offenbart sich, welche Hölzer gerade gewachsen sind, wo die Fasern parallel zur Leiste laufen und welche Bäume biegbares Holz liefern. (Kathrin Keller)

Offenes Atelier In der Freizeit-Holzwerkstatt eines Gemeinschaftszentrums werken Kinder und Jugendliche an schulfreien Nachmittagen an individuellen, kleinen und grösseren Projekten. In der offenen Lernumgebung stehen Infrastruktur und anregendes Material zur Verfügung. Im Sinne von scaffolding (Begleitung zur nächsten Entwicklungsstufe) werden Projekte fachlich begleitet. (Beat Hübscher und Jon Briegel, GZ Buchegg)


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schlitten Schlitten aus Massivholz sind eine herausfordernde Projektarbeit für die Oberstufe. Die Konstruktion gebogener Kufen vermittelt einen Einblick in die Fertigung von Holzwerkstoffen. Stabile Schlittenkufen können als Schichtwerkstoff gebaut werden. Was es dazu braucht: Eigenbau-Presse aus stabilem Grundbrett mit fixierten (aussen) und losen (innen) Formteilen, dünne Eschenholzstreifen von 2 bis 3 mm Stärke in doppelter Breite der geplanten Kufen, Klebstoff (wasserund wetterfest). Die Leisten beleimen und mit Schraubzwingen in die Form pressen. Die Doppelkufe auf der Bandsäge auftrennen. (Viktor Dittli)

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Ad hoc Lösungen Ad hoc meint im übertragenen Sinn eine improvisierte Handlung. Im vorliegenden Fall improvisierten wir einen Liegestuhl. Da der Weg von der Alp zum nächsten Dorf beschwerlich ist, montierten wir mit Holzstücken (alte Dachbalken und Bretter) und eingeschränkten Hilfsmitteln (Nägel) einen Stuhl. Ad-hoc-Dinge lassen sich auch im Werkraum bauen. Zusätzliche Werkzeuge können hilfreich sein. An einem Stück Brett festgeschraubt, werden zum Beispiel Schraubzwingen temporär zur Rückenlehne eines Stuhls oder zu Tischbeinen. (Lisa Späni)

personalisierte Schreibtischhilfen Schreibtischhilfen sollen auf kleinstem Raum gut organisiert und übersichtlich sein. Gut geeignet sind Plattenwerkstoffe aus Holz – es reichen auch kleinere Reststücke. Sie sind vielfältig in ihrer ästhetischen Erscheinung und in unterschiedlichsten Dicken, Farben und Ausführungen erhältlich. Das Materialangebot kann mit Aviatik Sperrholz bereichert werden. Der biegsame Werkstoff ergänzt die Formenvielfalt mit Rundungen und zylindrischen Formen. (Lisa Späni)


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Gute Aufgabenstellungen gesucht Formulieren Sie weitere spannende Aufgabenstellungen und freuen Sie sich an den Resultaten der Lernenden. Gönnen Sie anderen einen Einblick in Ihre Arbeit und schicken Sie Ihre Trouvaillen an karin.zehnder@werkspuren.ch. Gerne veröffentlichen wir die Aufgaben in den Werkspuren oder auf unserer Internetseite. Folgende Punkte sind zu berücksichtigen: – Der Auftrag ist im Sinne der Problemlösung formuliert, individuelle Lösungen sind möglich, die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Schülerinnen und Schüler sind berücksichtigt. – Der Auftrag richtet sich direkt an die Schülerinnen und Schüler, Mädchen und Buben und ist animierend und motivierend formuliert. – Die Formulierung ist verständlich und entspricht der Altersgruppe.

leuchtende Lampen Als Ausgangspunkt dienten Recherchen zum Thema Lampe und Leuchte. Mittels ­Material­erprobungen und gestalterischer Experimente erarbeitete sich die Studentin die Konstruktion der Lampe. (Karin Zehnder)

- Der Auftrag berücksichtigt wesentliche Aspekte des Vorhabens. Einschränkungen zur Steuerung des Lernprozesses sind vorhanden. – Die Kriterien sind formuliert. Sie beschreiben Anforderungen, die sich auf wichtige Aspekte des Produktes beziehen. – Die Lehrplanbezüge sind ersichtlich und relevant in Bezug auf die Aufgabenstellung und die Kriterien. Sie beschreiben Anforderungen, die sich auf einzelne Aspekte des Endproduktes beziehen.


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THOMAS EMMENEGGER (TEXT UND FOTOS)

pfeilbogenbau Die Erfindung des Bogens war ein wesentliches Ereignis in der Entwicklung des Menschen – für die Beschaffung von ­Nahrung und leider auch für kriegerische Auseinandersetzungen. Die Vorstellung, dass die ersten Bögen aus dünnen Stämmchen oder Ästen und einer Sehne aus ­Pflanzen- oder Tierfasern gefertigt wurden, scheint nicht abwegig zu sein. Diese ­Modelle kennen wir aus der Kindheit – sie sind einfach herzustellen. Die Produktion eines Langbogens bedarf dagegen sehr guter Kenntnisse über das Material Holz sowie ausgereifte Methoden der Bearbeitung.

Bogen mit Glaslaminat Der klassische Langbogen – gefertigt aus einem Stück Holz – ist auf der Sekundarstufe I eher schwierig umzusetzen. Stufengerechter ist die Produktion verklebter Bögen. Mit dem Belegen des Holzkernes mit unidirektionalem Glaslaminat entfällt die heikle Arbeit des Tillerns (die Abstimmung der Wurfarme, sodass diese sich gleichmässig krümmen). Die Konstruktion ist sehr robust und zuverlässig. Mit maschinengeschnittenen Holzkernen von 3 – 6 mm und Glaslaminaten von 0,8 mm und 1 mm wird ein weiter Bereich von Zuggewichten a­ bgedeckt. Der Holzkern dient als eigentlicher Träger der Glaslaminate. Die Z ­­ ug- und Druckkräf-


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te, die beim Spannen des Bogens entstehen, werden fast vollständig von den Glaslaminaten aufgenommen. Mit einem ­zunehmend dickeren Holzkern nimmt die D ehnung auf dem Bogenrücken ­ ­b eziehungsweise die Stauchung am ­Bogenbauch zu. Das heisst: Es entstehen grössere Kräfte, aus denen ein höheres Zuggewicht resultiert. An die Verklebung werden höchste Ansprüche gestellt. Epoxidharze weisen die nötige Festigkeit auf. Das Pressen des Holz-Glas-Sandwiches muss präzise ­erfolgen. Mit einem Druckausgleichskissen, bestehend aus einem zur Hälfte mit Wasser gefüllten Feuerwehrschlauch, wird der Anpressdruck perfekt verteilt.

Griffstück Das Griffstück beschreibt in der Mitte einen konvexen Bogen und verläuft gegen die Enden konkav. Die Enden müssen auslaufend geschliffen werden. Die ­Glaslaminate werden zirca 10 cm auf das Griffstück hochgezogen. Es eignen sich Harthölzer wie Akazie, Eiche, Nussbaum, Hagebuche. Die Negativform muss entsprechend in der Pressform ausgeschnitten werden.

Schichtung Die Schichtung, von unten bestehend aus Gummiband 2 mm, Plastikfolie PE, Glaslaminat, Holzkern, Griffstück, Glaslaminat, Plastikfolie PE oder PE Streifen 5 mm und

dem Feuerwehrschlauch, muss (inklusive des ganzen Pressvorgangs) trocken geübt werden. Da auf Polyethylen kein Kleber haftet, eignet sich dieses Material als Trennschicht. Die Glaslaminate sind auf einer Seite hochglänzend und sollten mit einem Abdeckband geschützt werden. Die ­andere Seite ist angeschliffen und ist für die ­Klebung vorgesehen.

Pressform Die Form wird aus MDF Holzfaserplatten hergestellt. Es empfiehlt sich, Schraubzwingen aus Vierkantrohr selbst herzustellen. An der Holzform werden Nuten ausgefräst, in welche die Zwingen eingeschoben werden. Dies gewährt eine ­Führung in alle Richtungen, die Form kann sich dadurch beim Pressen nicht verschieben. Zur besseren Fixierung kann ein, der Breite der Glaslaminate entsprechendes, U-Profil eingelegt werden (zwei weitere Gummistreifen seitlich einlegen, ansonsten wird es schwierig, den Bogen aus der Form zu nehmen).

Temperbox Um die höchste Festigkeit von Epoxidharzen zu erreichen, muss die Verklebung zusätzlich getempert werden: Die ganze Form mit Bogen wird bei einer Temperatur von circa 60 Grad (je nach Harz) erhitzt. Eine Temperbox wird aus Holzplatten oder besser aus Brandschutzplatten mit einer

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Steinwolle-Isolation hergestellt. Als Heizung dienen Halogenglühlampen. Die vier oder sechs 40 bis 60 W Glühlampen werden über einen Thermostaten ­gesteuert.

Bearbeitung Am sichersten ist es, den Bogen auf einer Bandschleifmaschine in seine pyramidale Form zu schleifen. Ein Grobzuschnitt ist nur mit frisch geschärften und feingezahnten Hartmetall-Fräsblättern möglich. Das Schussfenster (3 cm oberhalb der absoluten Mitte) wird auf der Fräse ­ausgefräst und mit Feilen und Schleifen fertig geformt. Der Handgriff entspricht der absoluten Mitte des Bogens und wird mit Raspeln und Feilen individuell an die Hand angepasst. Bei Glas-Holzübergängen muss von der Glasseite in Richtung Holz gefeilt werden, das Glaslaminat kann sonst ausbrechen. Am Schluss werden die Kerben für die Sehne seitlich schräg eingefeilt. Der Bogen kann mit Lacken oder Ölen behandelt werden.

DOWNLOAD Infos, u. a. zum Bau eines klassischen Langbogens aus einem Stück Holz, auf www.werkspuren.ch AUTOR Thomas Emmenegger ist Werklehrer und Fachdidaktiker. Er arbeitet als Fachlehrperson auf der Stufe SEK I und in der Lehrerweiterbildung.

Das Griffstück wird aus Hartholz gefertigt und mit Glaslaminat verstärkt. In der Pressform wird die entsprechende Negativform ausgeschnitten und in der Temperbox gehärtet.


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WERK-ZEUG

VON MARTIN GEEL

Martin Geel ist Illustrator. geelberich.ch


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B arbara S c h ne c kenburger ( T e x t un d f otos )

Sitzschemel aus Dachlatten

selbsttätig gestalten

Kinder sind es gewohnt, in der Gestaltung, Umgestaltung und Einrichtung ihrer Spiel- und Lernumgebung mitzureden. Im Sinne der Schüler- und Schülerinnenpartizipation haben sie ein Mitbestimmungsrecht, wie ihre Lern- und Spielumgebung eingerichtet sein soll. Dieses Mitbestimmungsrecht fordern die Kinder ganz selbstverständlich ein. Sie entwerfen und formulieren Wünsche und Anregungen, die sie dann nach Möglichkeit selbstständig anfertigen, herrichten, installieren und bauen. So entstand auch der Wunsch nach einer persönlichen, stabilen Sitzgelegenheit für jedes einzelne Kind. Die Kinder arbeiten regelmässig und selbsttätig in der offenen Werkstatt. Sie trauen sich viel zu und wissen, dass sie viele grundlegende Arbeiten wie messen, sägen, leimen, hämmern, schleifen und schrauben selbstständig ausführen können. Stufe Vorschule bis 3. Klasse Dauer individuell, sicher 4 Lektionen Material Messlatte, Holz (Dachlatten, Bretter), Leim, Nägel, Schleifpapier verfahren messen, sägen, schleifen, leimen, hämmern tipp in Zweierteams arbeiten, Beginner mit Expertin

Lernziele – bekannte Techniken der Holzverarbeitung einsetzen – im 2er-Team kooperieren – erfahren, dass sie als Kinder selbstständig viel erreichen können – Schemel stabil bauen, soll als Sitzgelegenheit dienen können

Aufgabe Sägt aus dem bereitgestellten Holz (Dachlatten und Holzbretter) das nötige Baumaterial für einen Schemel. Die Grössen sind vorgegeben und als Muster verfügbar. Leimt und nagelt den Schemel zusammen. Schleift alle Kanten fein.

Vorgehen – Es liegen Holzstücke für einen Schemel im Kreis. – Die Kinder erproben verschiedene Möglichkeiten eines Schemels aus. – Das zusammengestellte Modell wird gemeinsam verleimt und genagelt. – Die Kinder wechseln in die 2er-Gruppe und arbeiten im Team an ihrem persönlichen Schemel weiter. – Dachlatten und Holzbretter werden anhand von Mustern abgelängt. – Die selbstständig zugeschnittenen Holzteile werden zusammengebaut. – Der Schemel wird geschliffen.

Beurteilen Gespräche in der Gruppe: – Wie ist es dir bei der Arbeit ergangen? – Wie war die Arbeit im Team? – Was hast du neu entdeckt und herausgefunden bei dieser Arbeit?

Dokumentation Die Kinder gestalten einen persönlichen Eintrag mit Fotos, Zeichnungen und kurzen Texten ins eigene Tagebuch. Eine Beschreibung zum Tagebuch ist auf Seite 28 – 29 im Artikel «Werkstatt ist überall» zu finden.


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Überlegen und ausprobieren –aus einzelnen Stücken wird im Rahmen der offenen Werkstatt ein Ganzes.

Im Team arbeiten – gemeinsam finden die Kinder Lösungen und unterstützen sich bei der Umsetzung.

Spielen und bauen –der vielseitige Schemel dient als Spiel- und Bauelement.

Verändern und entstehen lassen – das Objekt verändert sich laufend. Es entstehen neue Räume.

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T h eresa H ö f liger ( T e x t un d f otos )

Umnutzung einer Weinkiste

systematisch ordnen

Sammeln, sortieren, ordnen. Ordnung hat System. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant sagte: «Ordnung ist die Verbindung des Vielen nach einer Regel.» Weinkisten sind Ausgangsmaterial. Sie zeigen verzinkte, vernagelte, verleimte, geheftete und gesteckte Holzverbindungen. Aus dem Deckel soll eine Innenbox geplant und konstruiert werden. Er ist mitbestimmend für die Masse. Die kleine Box soll auf Stegen platziert und verschiebbar sein. Gebrauchtes Massivholz kommt in neue Form und zu neuem Zweck. In farblicher Abstimmung bemalt oder lasiert und individuell bedruckt, dienen die zwei Holzkisten als Aufbewahrungsbox für kleine Dinge und den Ordner.

Lernziele – Ordnung hat System, Kriterien des Ordnens sammeln – Holz als kostbaren Rohstoff kennenlernen und verwerten – analysieren, betrachten, benennen, vermessen, skizzieren, Stückliste erstellen – Holzverbindungen anwenden (nageln, schrauben, stecken, verzinken, leimen) – Holzbearbeitung anwenden (sägen, feilen, schleifen, bohren) – Oberflächenbehandlung entwerfen (bemalen, lasieren, bedrucken) – Holzarten kennenlernen (einheimische Bäume, Formen, Samen, Früchte) – mit offenen Augen durch die Natur spazieren (Zimtrinde und Süssholz – Feines für Nase und Gaumen) – kurze Farbenlehre kennenlernen – Muster und Anordnung entwerfen

Aufgabe Plane und skizziere eine kleine flexible Innenbox. Sie soll so lang sein wie die Innenlängsseite der Holzkiste und auf Holzstegen nach links und rechts verschoben werden können. Beachte dabei, dass deine Ordnungsmappe (A4) daneben, sowie Entwürfe und Schürze darunter Platz finden. Wähle je eine Farbe für die Boxen und lasiere oder bemale diese. Entwerfe aus deiner Unterschrift mit der Spiegeltechnik ein Druckmotiv. Erstelle einen Stempel und bedrucke die Frontseite deiner grossen Box. Erstelle gegebenenfalls eine Schablone.

Vorgehen

Stufe Werkklasse, Kleinklasse Dauer 20 – 35 Lektionen Material Weinkisten, Acrylfarbe und Lack, Lebensmittelfarbe, Abfallholz, Moosgummi, Sichtmäppli, Skizzenpapier, Karton, Klebband, Holzleim kaltwasserfest, Abdeckmaterial, Pinsel, Roller, Schwämme, Messwerkzeug, Hammer, Nägel, Schleifpapier, Raspeln, Dekupiersäge, Schleifmaschine verfahren sägen, schleifen, raspeln, nageln, leimen, bemalen, lasieren, lackieren, bedrucken, schablonieren

– Gruppenarbeit und Kurzaufgaben zum Thema Ordnung: Wie schaffen wir Ordnung? Kriterien, Anhaltspunkte, verschiedene Ordnungssysteme; Ordnung des Zusammenlebens diskutieren – Welche Bäume stehen wo? Spaziergang durch die Gegend; Nüsse und Früchte kosten … – Analyse der Weinkiste: vermessen, skizzieren, Stückliste erstellen – Innenbox: Skizze, Masse, Kartonmodell – Holzdeckel als Baumaterial: zuschneiden, verbinden – Stege anbringen – Farbenlehre mit Lebensmittelfarben: bemalen oder lasieren – Musterentwurf aus eigener Unterschrift für Stempel oder Schablone: Muster anordnen – Räume und Zwischenräume; Druck; Lackierung; Präsentation

Beurteilen – Planung, Qualität und Sorgfalt in der Ausführung; Modell, Skizzen – Werkzeug- und Maschineneinsatz, Sicherheitsbewusstsein – Vorgehen in der Arbeit – Formfindung für Stempel/Schablone – Ordnung am Arbeitsplatz, Zeiteinteilung und Umsetzung – Präsentation


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Massarbeit – der Aufbau der Weinkisten wird analysiert und die Muster mit Entwürfen, die auf der eigenen Unterschrift basieren, genau geplant.

Schön bunt – die Muster werden mit Stempel oder Schablenen auf die bunt lackierten Kisten gedruckt.

Ziel erreicht – die alten Weinkisten dienen neu der Aufbewahrung, sind mit individuellem Mustern bedruckt und mit verschiebbarer Innenbox bestückt.


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gabriela rüs c h ( T e x t un d f otos )

Verbindung ohne Nägel und Schrauben

originell verbinden

Die klassischen Holzverbindungen mit Nägeln und Schrauben sind oft erst in höheren Schulstufen zufriedenstellend einsetzbar, und sogar dann bedarf das Einsetzen, beispielsweise von Scharnieren, einiger Übung. Um mit Holzwerkstoffen auch im Kindergarten und der Unterstufe arbeiten zu können, sind unkonventionelle Verbindungsmöglichkeiten gefragt. KU-Studierende der PH Zug probieren beim Entwickeln eines Materialbehälters aus Sperrholz neue Möglichkeiten von starren und beweglichen Holzverbindungen aus. Nebst den Verbindungen wird auch die Oberfläche bearbeitet. Oft lässt sich das Verbindungsmaterial auch für eine Oberflächengestaltung einsetzen.

Lernziele − Holzverbindungen ohne Nägel und Schrauben entwickeln – Behälter für einen vorgegebenen Inhalt entwerfen und ausführen – Gestaltungsmöglichkeiten (ohne Farbe) für Sperrholzoberflächen erproben

Aufgabe Aus 9 mm Birkensperrholz soll ein verschliessbarer Behälter für die Materialmustersammlung entwickelt werden. Die Verbindungen der Flächen resultieren aus einer Materialerprobung. Mindestens eine Oberflächenseite des Behälters soll gestaltet werden. Die Gestaltung resultiert ebenfalls aus Materialerprobungen zur Oberfläche.

Vorgehen – Materialerprobungen zum Thema Eckverbindungen: Die Eckverbindungen bestehen aus dem 9 mm Birkensperrholz im Format 10 x 10 cm und weisen sowohl konventionelle als auch unkonventionelle Verbindungsmöglichkeiten auf (Klebebänder sind ausgenommen). – Materialerprobungen und gestalterische Experimente zur Oberflächengestaltung: Die Oberfläche des Materials (10 x 10 cm) wird mit konventionellen als auch mit unkonventionellen Bearbeitungsmöglichkeiten gestaltet.

Beurteilen

Stufe Behälter aus Holz: Mittelstufe nur Holzverbindungen: Unterstufe Dauer Behälter ca. 16 Lektionen Material Fadenmaterial: Garn, Scoobidoobänder, Draht, Schnur, Elast, Faden Trinkhalme, Bastelfilz, Baumwollstoff, Gümmeli, Veloschlauch, Knöpfe, Rundstäbe u.a. Kabelbinder in diversen Grössen verfahren bohren, sägen, nageln, schleifen, abtragen mit Stechbeitel (je nach Stufe) quellen Werkspuren (2006): Verbindungen. Wörtlich und sinnbildlich. 2/2006.

In einer Werkbetrachtung werden die Verbindungsmöglichkeiten im Hinblick auf Funktion (z. B. bewegliche Verbindung für Deckel) und Gestaltung vorgestellt und besprochen: – passt Grösse des Behälters auf den Inhalt – Verschliessbarkeit – passen Gestaltung und Wahl des Materials zum Produkt – Ausführungsqualität Abschliessend werden die fertigen Behälter ausgestellt.


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Knacknuss – die Verbindungen der Aussenflächen müssen nicht nur stabil sein sondern auch beweglich.

Vielfalt – aufbauend auf Materialerprobungen kommen verschiedenste Materialien (ausser Nägel, Schrauben und Klebeband) zum Einsatz.

In Ausbildung –alle hier gezeigten Behälter haben Studierende aus dem Fachbereich Technisches Gestalten der PH Zug für ihre Materialmustersammlungen entwickelt.


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t h omas stuber ( T e x t un d f otos )

Geschicklichkeitsspiel aus Holzwerkstoffen

spielerisch lernen

Die meisten Kinder und Jugendliche arbeiten gerne mit Holz, kennen aber weder Eigenschaften noch Nutzungszweck im Alltag: Holz ist Holz, ob verleimt oder massiv, ob weich oder hart, ob teuer oder billig. Massivholz ist in der Querrichtung brüchig, quillt und schwindet stark. Um die Nachteile natürlich gewachsenen Holzes zu umgehen, werden Werkstoffplatten, z.B. aus Holzfasern (MDF), Spänen (Spanplatten) oder Furnieren (Sperrholz) hergestellt. Diese sind formstabil und masshaltig.

Lernziele – Holzwerkstoffe kennen, sachgerecht einsetzen und bearbeiten können – ökologische, ökonomische und materialtechnische Vor- und Nachteile und Einsatzgebiete von Holzwerkstoffen kennen

Aufgabe Gestalte und entwickle das Spiel «Im Gleichgewicht» mit Holzwerkstoffen.

Vorgehen – Einstieg: Die Spielidee stammt vom Spieleerfinder Jacques Zeimet respektive vom Spiel Bamboleo. In Spielerkreisen gilt Bamboleo als Jenga für Fortgeschrittene, da Fingerfertigkeit in hohem Masse gefordert ist und bei der Platzierung der Spielsteine das Balanceverhalten noch ausführlicher bedacht werden muss. – Mit einer Materialuntersuchung und Materialerprobung lassen sich Eigenschaften zu Holzwerkstoffen erarbeiten. Bei einem Besuch der örtlichen Schreinerei oder eines Holzfachhandels werden Handwerk, Einsatzgebiete und Preisvorstellungen geklärt. – Umsetzung: Zu Beginn das Spiel spielen; dafür zuerst ein improvisiertes Klassenspiel herstellen. Nach der Spielauswertung eigene Spielformen auf Häuschenpapier aufzeichnen. Die Lehrperson kann Vorgaben machen: gleichlange oder gebohrte Bauteile, quadratische, dreieckige oder brückenähnliche Formen. Die Grösse der Spielfläche ist abhängig von der Anzahl Spielteile. Als Zusatzarbeit ein Spielbehältnis, z. B. aus dem Holzwerkstoff Sperrholz oder aus Textilien, entwickeln und herstellen.

Stufe 3. – 6.Klasse Dauer 10 – 16 Lektionen Material Mitteldichte Faserplatten (MDF), in verschiedenen Farben; Dreischichtplatten; Sperrholz; Korkkugel tipp Statt einer Korkkugel ein leicht gewölbter Sektzapfen oder eine dünne Holzleiste einsetzen: Die Spielfläche balanciert weniger und das Spiel ist vereinfacht. Umgekehrt setzen Profis statt einer Korkkugel eine Holzkugel ein. quellen STUBER, Thomas et al. (2001): Werkweiser 2. Schulverlag: Bern. S. 201ff. internet www.do-it-werkstatt.ch (Stichtwort: Technik-Facts Holzwerkstoffe)

– Spielidee: Ein Spieler / eine Spielerin nimmt ein beliebiges Teil von der Spielplatte, ohne diese zu berühren. Droht die Platte zu kippen, darf das Spielteil zurückgelegt werden und die nächste Spielerin / der nächste Spieler ist an der Reihe. Wer sich nicht traut, darf passen und muss dem nächsten Erfolgreichen ein Spielteil abgeben. Das Spiel ist zu Ende, wenn die Platte kippt, ein Spielteil herunterfällt, die Spielplatte leer ist oder alle, die mitspielen, nacheinander aussetzen. Alle Holzteile geben einen Punkt. Wer die Platte zum Fallen gebracht hat, erhält vier Minuspunkte. Es lässt sich auch auf Gewicht spielen. Oder auf Holzkenntnis: Die aus verschiedenen Holzwerkstoffen hergestellten Teile dürfen nur dann entfernt werden, wenn der richtige Name oder eine zutreffende Eigenschaft genannt wird. Weitere Regeln lassen sich erfinden, z. B. wer baut den höchsten Turm.

Beurteilen – die entwickelten Spielteile kriterienorientiert auf Funktion und Konstruktion beurteilen – das Spiel «Gleichgewicht» spielen (Variante Holzkenntnis)


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Klassenspiel –aus billigen Resten (z. B. Spanplatten) werden Spielteile hergestellt.

Tipp – zuerst Spielteile aufstellen und dann Spielfläche ins Gleichgewicht bringen!

Fantasievoll – der Vielfalt der Formen und Farben sind keine Grenzen gesetzt.

Holz ist nicht gleich Holz – Inputs der Lehrperson helfen.

Ordnung muss sein – aus Sperrholz oder Stoff kann ein Behälter für das Spiel entworfen werden.


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B ern h ar d M ö s c h ing ( T e x t ) , L ernwerkbern ( f otos )

Objektgestaltung mit Furnierholz

schichtweise leimen

Furniere – vom französischen fournir (bestücken, beliefern) – sind dünne (0,5 – 6 mm dicke) nicht selbstständig tragende Blätter aus Holz, die durch Sägen, Messerschnitt oder durch Schälen vom Stamm abgetrennt werden. Um den Schnittverlust möglichst klein zu halten, wird heute Furnier geschält oder geschnitten. Nur wenn dickere Furniere gebraucht werden, wie bei der Herstellung von Parkett, wird die Sägetechnik noch angewendet, um Risse zu vermeiden. Das Wort Furnier steht für die meisten als Deckblatt über eine billige Holzwerkstoffplatte – eine Art Schwindel. Das edle Aussehen soll über den wahren Kern hinwegtäuschen. Im Unterricht können wir diese geniale, über 4000 Jahre alte Technik neu entdecken und einsetzen. Stufe 5. – 9. Klasse Dauer 3 – 9 Lektionen Material Ahornfurnier, Holzbeize, Holzwerkstoffplatte als Trägermaterial, Holzwerkstoffplatte als Lehre (z. B.Apérobogen) Hartes, feinporiges Holz für Kamm (z. B. Ahorn) TIPP Ein optischer Effekt wird erzielt, wenn beim obersten Furnierblatt ein «Fenster» ausgesägt wird (Furnier zwischen zwei dicke Kartons klemmen und mit Laubsäge aussägen). internet www.do-it-werkstatt.ch: Aufgaben (Holz 51 – 60 Furnier), Technik-Facts Furnier und Sperrholz www.lernwerkbern: Kurs «Furnier, das dünne Deckblatt ganz dick im Kurs» wikipedia.org (Stichwort: Furnier)

Lernziele − das Verfahren Schichtverleimen kennen – aus gefärbten und naturfarbigen Furnierblätter ein Objekt gestalten können – Formverleimen einführen und anwenden (im Unterricht bieten sich zwei Arten an: biegen mit Spanngurt oder pressen in einer Gegenform)

Aufgabe Furnierobjekte mit Schicht- und Formverleimen entwickeln und mit der Farbe der Furnierblätter gestalten

Vorgehen – Vorbereitung: Ahornfurnier eignet sich zum Durchfärben sehr gut, weil das Holz hell und feinporig ist. Furnierblätter einzeln in eine Wanne mit angerührter Beize legen. Nach etwa 24 Stunden die Blätter herausnehmen, mit einem feuchten Schwamm abwischen und zum Trocknen stehend aufstellen. Wenn die Furniere trocken sind, müssen sie bis zur Bearbeitung zwischen zwei Platten gepresst werden. – Bearbeitung: Farblich ausgewählte Furnierblätter kreuzweise in ungerader Anzahl zu einer Sperrholzplatte verleimen. – Mehrere Formen skizzieren, die ausgewählte Form aussägen und mit dem Abschrägen durch Feilen und Schleifen der Furnierverleimung eine besondere Wirkung geben. – Schmale Furnierstreifen, die auf eine feste Trägerplatte geleimt werden (z. B. Kamm) müssen nicht kreuzweise verleimt werden, hingegen ist dies bei der Formverleimung zwingend (z. B. Apérobogen). Die mit Holzleim bestrichenen Furnierblätter um eine gebogene Spanplatte legen und mit einem Spanngurt umspannen. Vor dem Entspannen mit einem Hobel den Furnier-SperrholzStreifen bündig zur Spanplatte hobeln (Spanplattendicke = Breite des Apérobogens). Kanten schleifen und mit Öl behandeln, so kommen die Farben sehr schön zur Geltung.

Beurteilen – Nebst der Standfestigkeit und der Konstruktion, respektive dem Handwerk und dem Herstellungsprozesse, soll die Gestaltung begutachtet werden. Dazu kann die Wirkung und die Auswahl der Farbe beim Objekt ein Thema sein, je nach kommunizierten Kriterien.


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Notizblock – beim obersten Furnierblatt wir ein Schriftzug als Fenster ausgesägt (Furnier zwischen Kartons klemmen und mit Laubsäge aussägen).

Formfurnier: Lehre mit Gegenform für Bleistifthalter

fertiger Bleistifthalter

Kämme

Fingerring

Heli-Propeller

steckbarer Pfannenuntersetzer


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D aniela D ändliker ( T e x t ) , R en É O D E R M A T T ( f oto )

ATELIERGESPRÄCH

Ateliergespräch mit René Odermatt

In seinem Atelier erzählen geschnitzte Teppichklopfer und hölzerne sakrale Figuren von der Liebe zur Holzbildhauerei. René Odermatt betreibt Bildhauerei im klassischen Sinne. Seine Werke zeugen von einer ruhigen und geduldigen Hand und einem Bedürfnis nach Zeit und Weile. WERKSPUREN hat sich mit dem Luzerner Künstler unterhalten.

Wenn ich deine Biographie anschaue und rechne, dann stelle ich fest, dass du seit mehr als 20 Jahren mit dem Werkstoff Holz arbeitest. Was fasziniert dich daran? Abgesehen davon, dass ich das als Holzbildhauer mal gelernt habe, ist es ein Material, mit dem ich zeitlich gut unterwegs sein kann. Es ist nicht so langsam wie Stein und nicht so schnell wie Ton. Holz hat für mich die richtige Geschwindigkeit, in der ich denken kann. Was hast du von deiner früheren Tätigkeit als Holzbildhauer für deine künstlerische Arbeit mitgenommen? Das ist interessant, weil ich ja vom Holzbildhauer zur Kunst gekommen bin und nicht als Künstler aufgrund meiner Ideen das Handwerk gelernt habe. Das Handwerk fliesst natürlich in meine Kunst ein. Ich habe mir aber während der Ausbildung an der Kunst­ hochschule verweigert, die klassische Bildhauerei zu benutzen. Dadurch gab es Distanz zu dem, wo ich herkomme, und ich habe mehr Luft bekommen, so­ dass ich mich der Bildhauerei von der

andern Seite wieder annähern konnte. Die Technik, das Wissen und die Erfah­ rung ist natürlich präsent. Für mich ist es nach wie vor wichtig, dass die The­ matik, die Form und die Technik im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Mit dem Arbeiten in Holz entsteht ei­ nerseits die Form. Beim Arbeiten mit den Händen wird der Kopf frei. Das ist für mich die beste Ausgangslage um weiterzudenken. So gibt es eine gute Kombination zwischen dem Denken und dem handwerklichen Arbeiten. Oft ist es auch, dass mir beim Arbeiten in Holz die Ideen begegnen. So gibt es eine gute Kommunikation zwischen dem Machen und dem Denken, so qua­ si mit den Händen denken. Das ist es, was mich bei meiner Arbeit als Bild­ hauer interessiert. Welchen Bildern bedienst du dich? Es geht um Alltäglichkeiten, die ich im bildhauerischen Zusammenhang sehen möchte. Mit einem in Holz ­ geschnitzten Bonsai beispielsweise ­ thematisierte ich die Tätigkeit des Bild­ hauers. Auch die Arbeit des Land­ schaftsgärtners ist bildhauerisch. In diesem Zusammenhang entstand auch

der Bildhauer, den ich klassisch auf der Säule präsentiere. Für eine Ausstellung der Produzenten­ galerie Alpineum in Luzern hatte ich Holzskulpturen hergestellt. Die Idee gab mir die unmittelbare Umgebung der Galerie. Dort gibt es ja viele Läden mit traditionellen Holzschnitzereien aus Brienz: Adler und Bären und sons­ tige Tiere. In der tradierten Manier von Schnitzern vor hundertfünfzig Jahren hatte ich für die Eröffnung der Galerie Sockel geschnitzt, dabei aber das Tier weggelassen, wie wenn die Tiere die Flucht ergriffen hätten. Wie bist du bei deinen Reliefarbeiten Forio und Panza zu den Motiven gekommen? Meine Grundidee war etwas herzu­ stellen, das der Betrachter nicht einfach abpflücken und dann zuhause fertig schauen kann. Ich wollte, dass man vor dem Werk stehen muss und beim Schauen in einen Zustand kommt. So bin ich bei dieser Kombination aus Zei­ chen und Birkensperrholzplatten mit dunklen Harzschichten gelandet, wel­ che als fraktale Muster wie ein drittes Bild ergeben. Mein erstes Relief war


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René Odermatt verlässt seine Werkstatt bald und reist für ein Atelierstipendium nach Paris.

e­ ine Rosette. Dieses Zeichen wurde oft in den Alpenländern auf Möbel ge­ schnitzt, von Frankreich bis nach Ös­ terreich. Diese Form habe ich mit dem Zirkel nachgeschlagen und einen Rap­ port entwickelt. Dann hab ich mit schichtverleimtem Sperrholz Versuche gemacht und eine 150 x 210 Zentimeter grosse Platte radikal durchgeschnitzt. In andern Arbeiten sind neue Orna­ mente dazugekommen, Schuppen oder der Vierzackstern. Die Schwierigkeit ist wohl, dass sich die Lagen unterschiedlich verhalten? Ja, es hat diesen Leim dazwischen, der den Meissel stark beansprucht. Man muss die Werkzeuge oft schleifen. Die verschiedenen Phasen des Holzes ste­ hen immer auf und es ist sehr wider­ spenstig zum Schnitzen. Das ist ein zu­ sätzlicher Stressfaktor vom Material her. Es ist viel heikler als ein Nuss­ baum- oder ein Eichenbrett. Woher kommt der Titel zu Forio und Panza? Ich war auf der Insel Ischia in den Feri­ en. Dort gibt es ein Dorf und ein Gebiet

mit dem Namen Forio. In der deut­ schen Sprache könnte man Forio mit Blust übersetzen: der Höhepunkt einer Pflanze, bevor sie verwelkt. Panza ist ein Dorf innerhalb von Forio und be­ deutet Bauch. In Ischia hab ich Muster an Kirchen gesehen, in Sandstein oder Marmor gemeisselt, und so habe ich diese Arbeit Forio getauft. Panza ist in Panza selbst entstanden. Ich sass dort über die Mittagszeit im Schatten und habe das Modell dazu gemacht. Der Ti­ tel ist also geographisch verortet. Ich habe den Eindruck, es ist auch die Reibung mit dem Material, die du magst. Bei deiner Arbeit Portraits hast du mit unterschiedlichen Holzarten Wurzelstöcke nachgeschnitzt. Ja, die Idee kommt aus China mit die­ sen alten Gelehrtensteinen. Die hab ich in China im Museum gesehen. Das sind Steine, die aufgrund ihrer Form – es gibt anatomische Wesen oder Land­ schaften – ausgewählt und unbearbei­ tet ausgestellt wurden. Die Steine werden auf einen Sockel gestellt. Ich wollte diese Idee transformieren auf Europa. In der Schweiz kennt man ja

im Alpengebiet diese Wurzelköpfe, welche gefunden wurden und in die zum Beispiel ein Gesicht reingeschnitzt wird. Ich wollte selber solche Teile ab­ schnitzen, aus einem Block eine Skulp­ tur machen. Darum haben sie auch den Titel Portrait. Das Vorbild ist quasi ein Wurzelstock. Woran arbeitest du im Moment? Ich schnitze Teppichklopfer ab, die ich demnächst in der Produzentengalerie Alpineum Luzern zeigen werde. Gleichzeitig arbeite ich an einem Buch über meine Arbeit, im Zusammenhang mit der Buchreihe «Junge Kunst von der Stadt Luzern». Die Buchvernissage ist am 27. März in der Kunsthalle Lu­ zern. Dann habe ich von Mai bis Au­ gust ein Atelierstipendium in Paris. Mal schauen, welches Material ich mit­ nehme.

Vielen Dank fürs Gespräch. Visuelle Eindrücke von René Odermatts Schaffen finden sich auf www.reneodermatt.ch.


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AKTUELL

Lehrplan

Die Rubrik Aktuell greift Forschungs- und Diplomarbeiten auf, berichtet über Tagungen und den aktuellen Fachdiskurs.

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Während rund dreier Jahre arbeiteten verschiedene Projektteams an der Ausformulierung des neuen Deutschweizer Lehrplans LP21. Zwischen Juni und Dezember 2013 konnten sich ausgewählte Organisationen, Schweizerische Parteien, Fachhochschulen und Kantone zu diesem Entwurf äussern. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz sammelte die Rückmeldungen der Kantonal- und Fachverbände und erstellte daraus einen Forderungskatalog. Einige der zentralen Antworten des Fachbereichs Gestaltung sind in der Antwort des LCH zur Konsultation oder in den Begleitinformationen aufgenommen worden.

Die Projektgruppe Lehrplan 21 arbeitete seit Oktober 2010 in verschiedenen Fachbereichsteams an den Einleitungen zu den Kompetenzbereichen sowie den Kompetenzen und deren Mindestanforderungen. Aus dem Fachbereich technisches und textiles Gestalten haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Volksschule und der Lehrerbildung aus verschiedenen Kantonen für einen ausgewogenen und vollständigen Fachlehrplan eingesetzt. Von Juni bis Dezember 2013 dauerte die Konsultation der 2. Version der Lehrplan-Vorlage. Der schweizerische Lehrerverband LCH gehörte auch zu den Verbänden, die von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren eingeladen wurden, sich zum Lehrplanentwurf zu äussern. Als eine von 33 Mitgliedsorganisationen des LCH v ­ erschickte der Werklehrerinnenund Werklehrerverein swv am 30. Oktober 2013 ebenfalls seine Rückmeldung zum

Lehrplanentwurf. Für deren Formulierung organisierte der swv-Vorstand am 21. September 2013 in Zürich ein LP21-Meeting: Zweiundzwanzig engagierte swv-Mitglieder und drei Vertreterinnen der LCHFachkommission Textiles Gestalten haben teilgenommen. Die wichtigsten Punkte unserer Stellungnahme diskutierten wir gemeinsam mit den schweizerischen Fachverbänden aus dem Bereich Gestaltung. Am Runden Tisch mit dem LCH diskutierten der Verband Lehrerinnen und Lehrer Bildnerische Gestaltung | Bild und Kunst LBG, die LCH-Fachkommission Textiles Werken, die Arbeitsgruppe Design und Technik der Gesellschaft für Lehrerinnen- und Lehrerbildung SGL und der swv. Bei der Pädagogischen Kommission des LCH sind Antworten mit total über 1000 Seiten eingegangen. Daraus formulierten die Kommissionsmitglieder zent-

rale Forderungen an die Projektgruppe LP21 und die D-EDK. An der LCH-Präsidentenkonferenz vom 15. November 2013 wurde dieser Forderungskatalog überarbeitet und ­verabschiedet. Alle Antworten des LCH zur Konsultation, Positionspapiere und grafische Darstellungen der Umfrageergebnisse könne auf der Website eingesehen werden.

reform und Auswirkungen Als gravierende Neuerung muss der Wechsel vom lernzielorientierten zum konsequent kompetenzorientierten Lehrplan genannt werden. Dies ist eine Reform und bedarf eine umfassende Weiterbildung für die Lehrpersonen und Anpassung der Lehrmittel, Zeugnisse und der Stundentafeln. Anhand von konkreten Formulierungen lässt sich die Änderung gut verdeut-


B en i S i d ler ( T E X T )

lichen. In den bestehenden Lehrplänen im Fachbereich Werken, Technisches G ­ ­estalten (SO, LU, AG) sind Lernziele formuliert wie «Elementare Gesetzmässigkeiten des Bauens erfahren» oder «Tragende ­Elemente erproben und entwickeln» oder «Unterschiedliche Profile aus Papier, W ­ ellkarton usw. belasten. Tragfähigkeit, Verformungen beobachten». Im Lehrplan 21 handelt es sich um Kompetenzen wie: «Die Schülerinnen und Schüler können Funktionen und Konstruktionen von Objekten zielgerichtet untersuchen, die Wirkung erkennen und begründen» oder «Die Schülerinnen und Schüler können Funktionen verstehen und eigene Konstruktionen (....) entwickeln» oder «können eigene Bedürfnisse zu Einrichtungsgegenständen formulieren». Die Lerninhalte müssen nach bestimmten Kriterien überprüft werden können. Alle Schülerinnen und Schüler müssen die Mindestanforderungen erfüllen. Diese Überprüfung der Kompetenzen erfordert neue Instrumente.

Implementierung Die 2. Version der Lehrplan-Vorlage wird zurzeit überarbeitet. Voraussichtlich im Herbst 2014 wird der Lehrplan 21 von den Deutschschweizer Erziehungsdirektorinnen und -direktoren freigegeben. Anschliessend entscheidet in jedem Kanton die zuständige kantonale Behörde gemäss den jeweiligen kantonalen Rechtsgrundlagen über die Einführung. Jeder Kanton kann den LP anpassen, ergänzen oder einschränken. Laut D-EDK gehen viele Kantone davon aus, dass die Einführung frühestens im Schuljahr 2017/18 starten wird. IM INTERNET Konsultation Lehrplan 21: lehrplan.ch/konsultation Lehrplan Textiles und technisches Gestalten: konsultation.lehrplan.ch Stellungnahmen vom LCH zum LP21: www.lch.ch (Stichwort: Lehrplan 21 muss abspecken)

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Die wichtigsten Punkte der Stellungnahme des swv Die rot markierten Passagen wurden vom LCH in den Forderungskatalog an die Projektgruppe LP21 und die D-EDK übernommen. – Der vorliegende Lehrplan ist zeitgemäss; die Schülerinnen und Schüler werden in Bezug auf Innovation gefördert. – Der Titel des Bereichs soll Gestaltung heissen, die einzelnen Fächer Textile Gestaltung, Technische Gestaltung und Bildnerische Gestaltung. – Die Kombination TTG wird ausformuliert «Technische & Textile Gestaltung» genannt. – Das Titelblatt zum Kapitel Gestaltung ist unpassend und muss ersetzt werden. – Zur Verständlichkeit in der Öffentlichkeit, für Personen ausserhalb der Institution Schule (z.B. Eltern, Lehrmeister und Politiker) muss ein Glossar geschrieben werden. – Für den gesamten Bereich Gestaltung muss eine gesellschaftliche Bedeutung formuliert werden. Wir möchten als Fachbereich wahrgenommen werden. – Das Zusammenspiel der drei Kompetenzbereiche soll durch eine Grafik dargestellte werden. – Es braucht 6 Pflicht-Wochenlektionen für den gestalterischen Fachbereich in allen drei Zyklen. – Nach dem Kapitel «didaktische Hinweise» muss ein Kapitel «Infrastruktur» und ein Kapitel «Gruppengrösse» ergänzt werden (Halbklassen mit max. 12 Schülerinnen/ Schüler). Diese Gelingensbedingungen müssen nicht zwingend im Lehrplan ausgeführt werden, sollen aber als wichtige Rückmeldung an die Planungskommission und die D-EDK weitergeleitet werden. – Die Beurteilung und Benotung von Sozial- und Selbstkompetenzen sind noch zu klären. – Für die Einführung des LP21 sollen genügend Zeitressourcen zur Verfügung stehen.


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1000 DingKatehrin von to Do Keller

i l l us t r a t i o n C h r i s t o p h F i sc h er

Kathrin Keller, *1970, lebt und arbeitet in Winterthur. Ist Werklehrerin, Museumpädagogin am Gewerbemuseum Winterthur, Mitinhaberin der WERKSTATT und Mutter zweier Kinder. www.erkstatt.ch

Was möchtest du mit deinen Lernenden unbedingt erleben. Eine vertrauensvolle und respektvolle Atmosphäre erschaffen. Bei den Schülerinnen und Schülern eigenes Denken und Pröbeln anregen und gemeinsam die Früchte davon ernten.

Was muss eine Lehrerin, ein Lehrer unbedingt können und weshalb? Sich begeistern. Die Vorbereitung wird zum spannenden Abenteuer, das Vermitteln geht überzeugend und ringer von der Hand. Sich nicht zu ernst nehmen, das ist auch immer gut.

Welches Sachbuch muss man gelesen haben und wieso? Mein aktueller Liebling ist Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten von Neil MacGregor. Wir denken viel über die Entwicklung von Gegenständen nach, dieses Buch beleuchtet sehr unterhaltend die andere Seite, wie Gegenstände gefunden werden, welche Geschichten sie erzählen.

Welches Museum muss man besucht haben und wieso? Natürlich das Gewerbemuseum ;-) Die Ausstellungen haben soviel Tiefe, dass sogar im dreissigsten Workshop noch neue Facetten aufblitzen. Die Dauerausstellung Material Archiv ist ein Eldorado für Materialfreaks. Mein Insidertipp: die Taschenuhrensammlung!

Mit welcher Person würdest du gerne einen Abend lang über Kunst, Design, Technik fachsimpeln und weshalb? Fachsimpeln ist nicht so mein Ding, aber ich würde sehr gerne ein Praktikum bei Olafur Eliasson machen.

Wo nimmst du deine Ideen her? Durch Anregungen, im Gespräch, durch ausprobieren und dranbleiben. Ab und an fliegt mir eine Idee beim Velofahren zu.


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R OLLA - S P I E L

Brieffreundschaft Basel, August 1983. Lieber Herr Holzer. Die meisten Menschen, die einem Unbekannten schreiben, benutzen die Anrede «Lieber Herr Dubois» oder «Sehr geehrter Herr Dubois». Einige wenige Menschen aber schreiben «Lieber Edouard Dubois», und mir leuchtet nicht ein, weshalb sie das tun. Was tut denn der Vorname zur Sache? Ich bin doch der einzige Dubois an der Bruderholzallee! Zudem sendet diese Anrede widersprüchliche Signale aus: Durch das «Lieber» wähnt man sich in einer vertrauensvollen Freundlichkeit, während die Nennung des kompletten Namens einen militärischen, dominanten Ton hat, ganz so, wie die mahnende Mutter einen einst nicht Edouard oder gar Edy nannte, sondern: «Edouard Matthieu Dubois! Lässt du wohl die Tatzen von der Torte!» – Und so lässt einen diese Anrede im Unklaren darüber, ob einen nun liebe Komplimente oder böse Vorwürfe erwarten. Dabei erwiesen sich die Absender stets als freundliche Menschen! Indes ist mir aufgefallen, dass es nur zwei Sorten Mensch gibt, welche die Anrede «Lieber Vorname Nachname» verwenden; es sind ausschliesslich Deutsche oder Theaterregisseure. Freilich, nicht alle Deutschen und Theaterregisseure tun es (Ulrike Jülich begann ihre Briefe stets mit «Edi-Baby, du alte Kanaille», während Urs-Reto Känzig in seinem letzten Brief direkt mit «Ich werde dich, du Ratte, nicht mehr engagieren» loslegte.) Und doch: Ein Spengler aus dem Aargau würde nie «Lieber Edouard Dubois» schreiben, während man bei einem Brief von einem Regisseur aus Jena seinen Alfa Romeo verwetten kann, dass er so anfängt. Als Sekretär der elsässischen Postgewerkschaft, lieber Herr Holzer, können Sie mir sicher sagen, woran das liegen mag? Herzlichen Dank, Ihr Edouard Dubois.

Colmar, September 1984. Lieber Edouard Dubois. Nicht nur die deutsche Regisseuren machen das, auch elsässische Postgewerk-

schaftssekretären. Ich weiss nicht warum. Vielleicht schreiben Sie im Sentiment, an ein Wesensverwandt zu schreiben und das Nennen vom Vornamen ist der halbe Weg zum duzen? Verzeihen Sie mein deutsch und die Antwort späte. Cordialement, F.H.

Basel, September 1984. Lieber Herr Holzer. Ich glaube, mit Ihrer Theorie liegen Sie richtig. Empfangen Sie meinen grossen Dank! Nun habe ich noch eine Frage. Mein Steckenpferd ist Holz – ich sammle alles, was mit Holz zu tun hat, Fachbücher und Dinge, die aus Holz gefertigt sind. Zum Beispiel Tabakpfeifen, geschnitzte Tiere, Stühle. Auch Blockflöten und Schneidebrettchen. Das erfüllt mich sehr. Herzlichst, Ihr Edouard.

Colmar, November 1984. Cher Edouard. Ich verstehe nicht das Wort Steckenpferd. Und was ist die Frage?

Basel, November 1984. Lieber François. Steckenpferd heisst «violon d’Ingres». Und meine Frage ist: Stimmt es, dass Papier aus Holz ist? Und Couverts?

Colmar, Februar 1985. Papier ja. Couverts sind von Metall. Aber manchmal die Gabeln für Salat, die sind von Holz.

Basel, Februar 1985. Wie musste ich lachen ob meines dummen Übersetzungsfehlers! Da bin ich einem falschen Freund aufgesessen. In der Schweiz sagen wir nämlich «couvert» für «enveloppe». Ich hoffe, dies trübet nicht unsere kleine translinguale Korrespondenz! Denn ich habe noch eine Frage. Finden Sie nicht auch, dass das Wort Holz heiterer wird, wenn man es oft nacheinander ausspricht? Und auf französisch ist es noch lustiger! Bois bois bois bois bois!

Colmar, im Juni 1985. Monsieur Dubois! Ich bin nicht ihr freund und schon gar nicht ein falsche freund! Ich war immer ehrlich

Christov Rolla ist Musiker und lebt in Luzern.

an ihnen! Und wenn sie mir schon schreiben, dann schreiben sie bitte in französisch! Oder einfaches deutsch! Und wenn sie die sprache Französisch beleidigen, dann beleidigen sie meine Seele!

Tenero, im Juni 1985. Lieber François. Lange habe ich nichts mehr von dir gehört. Ich darf doch du sagen? Ich habe letzthin wieder einmal über Holz nachgedacht. Ein unerschöpfliches Feld sind ja auch die Sprichwörter. Leider sind sie stets extrem: hart wie Stein, weich wie Butter, nachtschwarz, taghell. Kein Platz für Zwischentöne, kein Platz für das differenzierte, warme, atmende, schöne Holz! Holz wird höchstens negativ (Holzweg, hölzern sein), abergläubisch (auf Holz klopfen) oder ordinär (Holz vor der Hütte) verwendet. Das ist doch schade! Lediglich die Chilenen haben ein schönes Sprichwort: «Die Liebe ist dem Holze gleich. Sie wächst langsam, verbrennt schnell und gibt warm.» Was denken Sie darüber? Schöne Grüsse aus dem sonnigen Tenero!

Colmar, im August1985. Edouard, es ist mir egal. Ich weiss nicht, warum du an mich über Holz und deutsche Sprichworte schreibst. Du weisst ich bin secretaire du syndicat de la poste de l’alsace und nicht ein Fachmann über Holz. Und wenn du die Wohnung wechselst, dann musst du neue Adresse melden! Mein letzte Brief nach Basel hast du nicht bekommen alors? Dann ist DAS jetzt meine letzte Brief. Die restlichen Briefe des berühmten «Stadt Land Holz»-Erfinders Dubois sind leider nicht erhalten, weil Herr Holzer Sie ungelesen ins Altpapier getan hat.


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KINDERWERK

Als in den Geschäften Weihnachtskrippen verkauft wurden, wollte ich eine Weihnachtskrippe basteln. Dann hab ich überlegt, dass ich die nicht so gut brauchen kann und so bin ich auf die Idee gekommen, eine Insel zu machen. Diese Insel kann ich auch zum Spielen mit Playmobil, Tieren und allem anderen benutzen. Ich hab mir zuerst überlegt, wie die Insel aussehen soll, und habe mir einen Plan aufgezeichnet. Alles Material habe ich im Haushalt gefunden oder hatte es schon von früher in der Garage aufbewahrt.

Material und Vorgehen

Renées

Renée Meister wohnt in Jona/SG. Sie geht in die 5. Klasse. Ihre Hobbys sind Basteln, Malen/Zeichnen, Nähen, Tanzen, Schlagzeugspielen und vieles mehr.

– Styropor für die Hauptform (Boden / Felsen) – Sand, um den Styropor zu decken: Den Sand habe ich mit Leim befestigt und mit grüner Farbe bemalt, dass es aussieht wie Gras. – Für die Palmenblätter habe ich Filz mit dem Teppichmesser zugeschnitten. Dann habe ich mit einem wasserfesten Filzstift das Muster auf die Blätter gezeichnet. Dann habe ich mit der Lochzange bei der markierten Stelle geknipst und die Blätter befestigt.

– Für die Kokosnuss bohrte ich durch eine Haselnuss ein kleines Loch und befestigte sie mit einem Draht an der Palme. – Steine und kleine Holzschnipsel aus dem Garten für die Feuerstelle: Die habe ich mit Leim befestigt. – Stoff und abgebrochene Zahnstocher habe ich für das Zelt verwendet. Den Stoff habe ich über Holzstäbe gehängt und anschliessend mit den abgebrochenen Zahnstochern in das Styropor gesteckt. – Stoff / Schnur für die Hängematte – Blaue Farbe, um den Teich anzumalen – Schwemmholz, Leim und getrocknetes Moos für den Steg. Ich habe das Schwemmholz in gleichlange Stücke gesägt und anschliessend auf zwei andere Hölzer geleimt. An der Spitze des Stegs zwei grosse senkrechte Hölzer. Damit man den Leim nicht so gut erkennen kann, habe ich einfach getrocknetes Moos auf den Leim gestreut. Als letztes habe ich den Steg noch mit Silberfaden verstärkt.

Schwierigkeiten: Ich fand es schwierig, das Styropor zu zersägen, denn ich hatte nicht die richtige Säge. Den Steg zu befestigen, das war auch nicht einfach.


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spr ach

spuren

v o n G i l l es F o n t o l l i e t ( Te x t ) und M i c h H o d l er ( I l l us t r a t i o n )

Eselsbrücken aus der Holzwerkstatt

v o n J ü r g n i eder h a user

Holz wird von alters her als Rohstoff genutzt, sei es als Werk- oder Brennstoff. So gibt es etliche Redensarten mit «Holz»; das Wort wird auch im übertragenen Sinne verwendet. Wegen der grossen wirtschaftlichen Bedeutung wurde es auch in alten deutschen Rechtsregeln behandelt. So verbietet die Regel «Mein Holz kann mir niemand verbrennen» das Abholzen auf fremden Grund und Boden – andere Regeln erlauben das Abholzen zum Eigenbedarf: «Dem reichen Walde wenig schadet, wenn sich ein Mann mit Holz beladet» oder «Holz und Unkraut wächst für alle Menschen». Das deutsche Wort «Holz» ist verwandt mit dem griechischen «kládos» (Zweig). Die ursprüngliche Bedeutung ist das Abgeschlagene, das, was im Wald abgeschnitten oder abgeschlagen werden kann. Dies weist schon darauf hin, dass «Holz» neben der Stoffbezeichnung auch in der Bedeutung von «Gehölz» und «Wald» verwendet wurde: «Da ritt der Graf ins nahe Holz» schrieb Friedrich Schiller. Und Goethe beschreibt einen abgelegenen Bauernhof, der «mitten im Holze gar vertraulich lag». Diese Verwendung ist heute veraltet. Erhalten hat sie sich im Ausdruck «Holzweg». Das ist ein Waldweg, der nur zur Beförderung des Holzes angelegt ist, nicht aber zu einer Ortschaft oder einem anderen Ziel führt. Es liegt nahe, dass sich daraus die Redensart «auf dem Holzweg sein / sich auf dem Holzweg befinden» (im Irrtum sein, fehlgehen) entwickeln konnte. Andere Redensarten beziehen sich auf den Werkstoff Holz. Je nach Sorte ist Holz unterschiedlich zu bearbeiten und weist unterschiedliche Materialeigenschaften auf. Das wird auf die Charakterisierung von Menschen übertragen, wenn man etwa sagt, diese seien «aus gutem Holz geschnitzt» oder «aus anderem Holz geschnitzt». Einer kann auch «des holzes sein, da man die bischoff ausschnitzelt», wie es in frühneuhochdeutscher Zeit hiess, oder «aus dem Holze sein, aus dem man die Minister macht». Weniger schmeichelhaft ist es, wenn jemand hölzern daherkommt, einen hölzernen Verstand hat oder gar ein Holzkopf ist. Er oder sie ist dann offenbar so steif und unbiegsam wie ein Stück Holz. Fehlt nur noch, dass er «Holz in den Wald trägt», also Überflüssiges tut, um es mit einer Redensart aus dem 16. Jahrhundert auszudrücken.

zugespitzt

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Werkzeuge, Materialien und Menschen haben bekanntlich Namen. Und es gibt Lektionen, wo das Benennen von Werkzeugen einfach ignoriert wird. Alle Werkzeuge und Materialien heissen dann plötzlich Dings-da. Ich bestrafe die Schülerinnen und Schüler dann immer mit einer Prüfung, bei der sie alle Werkzeuge und Materialien in der Werkstatt benennen müssen. Neulich machte ich wieder so eine Prüfung. Und weil jede gute Schule und jede moderne Lehrperson von ihren Schülerinnen und Schülern verlangt, dass sie ihr Lernverhalten reflektieren, müssen sie das gesuchte Werkzeuge nicht nur benennen – sie müssen auch noch ihre individuelle Eselsbrücke notieren. Als ich dann am Korrigieren war, habe ich gestaunt, wie viele Werkzeuge sie korrekt benennen konnten. Und bei den Eselsbrücken habe ich dann auch wirklich lachen müssen. Ich habe ganz vergessen wie Eselsbrücken funktionieren. Je absurder sie sind, je besser. Die Ahle zum Beispiel – da stand: «Nicht in die Steckdose stecken – ansonsten Zitterahl.» Mein Favorit war aber die mitteldichte Holzfaserplatte, auch MDF-Platte oder kurz MDF genannt. Die Eselsbrücke dazu lautet: «MaDerFucker».


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Z.B. V O N GO D I F R E I

sanft

Lieblingsstück Auf g eze i c h ne t v o n M a r i a nne P re i b i sc h

Die Historikerin Monika Imboden ist ein «Nasenmensch». Wenn sie über ihre jetzige Arbeit als Geschäftsleiterin des Schweizerischen Werkbundes SWB erzählt, kommt sie sofort auf den Geruch zu sprechen. Und erstaunlicherweise fühlt sie sich im 100-jährigen Aktengeruch des Archives olfaktorisch nicht unbedingt zu Hause. Einer ihrer Lieblingsgerüche ist vielmehr die Druckerschwärze. So erstaunt es kaum, dass auch ihr Lieblingsstück aus der Welt der Bücher stammt. Noch ziemlich druckfrisch, aber doch schon gezeichnet von intensiven Gebrauchsspuren, bringt ihr momentanes Lieblingstück zweieinhalb Kilo auf die Waage. Gewichtig im übertragenen Sinn präsentiert es auf 466 Seiten das 100-jährige Erbe des SWB. Ein Wissensspeicher, durch den sich wohl die wenigsten von A bis Z durchlesen. Nutzerinnen und Nutzer werden aber beim Durchblättern immer wieder neugierig an einer der zahlreichen inspirierenden Stationen aus der Welt der Gestaltung und Wahrnehmung innehalten. «Die intensive zweijährige Begleitarbeit an dieser Publikation über die bewegte Geschichte des SWB hat dank vielen interdisziplinären Begegnungen meinen historischen Blick für die gestaltete Welt neu geschärft.» Zwischen den zwei Buchdeckeln lagert ein historisches Erbe, das sich für an Gestaltung interessierte Menschen als kaum entbehrlicher Fundus erweist. Und so vielleicht Lust auf ein aktives Mittun in dieser kulturell orientierten Vereinigung weckt – als Ort der interdisziplinären Debatten über gestalterische Fragen und deren Umsetzung in angemessene Konzepte und Werke. Monika Imboden, Geschäftsleiterin SWB, lebt und arbeitet in Zürich. www.werkbund.ch

Mit einem Trick verführe ich Schüler und Schülerinnen zu ausdauerndem Schleifen. Ich mische unter das Schleifpapier ein paar Lackschleifpapierreste und tu so, als gehörten sie nicht dorthin. Es dauert dann selten lange, bis diese entdeckt werden und ein Schleifwettbewerb startet. Holzwerkstücke werden auf Babybackensanftheit geschliffen und herumgereicht. «Läng emol aah…!» Wenn ich dann einzuwerfen versuche, man müsse auch auf eine glatte Oberfläche ohne Furchen hinarbeiten, ist es, als predigte ich etwas, woran ich selber nicht richtig glaube. Ich freue mich insgeheim – Holz sei Dank – dass Taktiles für einmal die anderen Perfektionsansprüche besiegt, insbesondere die terrorisierende Vorstellung einer tot geschliffenen makellosen Oberfläche. Dieser Trick funktioniert nur bei 12- bis 13-Jährigen und schon bald braucht es andere Verführungskünste, weil dann das Fingerspitzengefühl verdrängt wird von der Sehnsucht nach der perfekten, auf Hochglanz polierten Oberfläche. Holz isch heimelig. Das konnte ich als Kind erleben, obwohl ich als Schüler kein Werken und somit null Begegnungen mit Holz als Werkstoff hatte. Es gab aber das Basteln mit meinem Vater. Am Küchentisch mit Laubsäge erlebte ich, was Sägen, Zinken, Schleifen bedeutete. Für unsere Wellensittiche bauten wir einen Brutkasten. Ich war stolz auf die feine Oberfläche, die ich mit Schleifen hingekriegt hatte. Nur das ist mir in Erinnerung geblieben – ein schönes Gefühl – quasi als Gegensatz zu den unheimeligen dunklen Deckenbalken bei der Nonna, die schwer auf mein Gemüt drückten. Holz ist nie cool. Es bildet durch seine Wärme und sein Gewicht, bevor es verbrennt – sanft und ohne Lerndruck.


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KIOSK

KIOSK Materialrevolution 2

vd. Lampenschirme aus Kaffeesatz, ein Bambusstuhl, der in eine Form hineinwächst, eine Schale aus Stein, die mit Hilfe der Sonne aus Wüstensand gesintert wurde. Das sind nur drei Beispiele neuartiger Entwicklungen, die im eben erschienenen Werk von Sascha Peters vorgestellt werden. Druckfrisch liegt «Material­ revolution 2» vor, die Weiterentwicklung und Aktualisierung des gleichnamigen Buches von 2010. Peters ist es wieder gelungen den aktuellsten Überblick über alle auf dem Markt erhältlichen nachhaltigen Materialien und den Stand der heutigen Forschung in diesem Bereich zusammenzustellen. Der einführende Teil geht auf die heutige Produktkultur und die damit verbundenen Rohstoffprobleme ein. Peters zeigt auf, wie eine nachhaltige Produktwirtschaft aussehen müsste. Er fokussiert auf natürlich nachwachsende und vollständig recycelbare Werkstoffe, die leicht und res­sour­ cen­scho­nend sind. Der Schwerpunkt liegt auf Leichtbaumaterialien. Der Autor greift dabei die grosse Bedeutung von Materialeffizienz auf. Die topaktuellen Informationen zu Funktionswerk­ stoffen und sogenannten intelligenten Materialien sind hoch interessant und zeigen Wege aus der Ressourcenkrise auf. Der Hauptteil des Buches präsentiert in acht Kapi­ teln folgende Themen: Biokunststoffe, natürliche Werkstoffe und organische Abfallmaterialien, Recyclingmaterialien, Leichtbaumaterialien, Multifunktionswerkstoffe, lichtbeeinflussende und -emittierende Materialien, energetische Materialien und Dämmstoffe sowie innovative Produktionsverfahren. Hier begegnen uns aktuellste Geschichten wie 3D-Printing mit Recyclingstoffen, Komposit­ werkstoffe aus praktisch allen natürlichen Fasern, Solarpapier und so weiter. Das lexikalisch aufgebaute Buch ist gut zugänglich, die Artikel zu den einzelnen Themen und Werkstoffen sind in sich geschlossen. So lädt das Werk ein, in diese spannende Welt einzutauchen. Spannendes Kontextwissen für alle, die mit Werkstoffen und Materialien arbeiten und gestalten. Sascha Peters Materialrevolution 2 Neue nachhaltige und multifunktionale Materialien für Design und Architektur. Birkhäuser, Basel 2014. gebunden, 23 x 28 cm, 224 Seiten, reich illustriert; ca. CHF 85

(S)kul(p)turvoll ak. Bildhauerei, Modellier- und Zeichen­ kurse – das vielfältige Kursprogramm der Scuala di Scultura weckt jedes Jahr den Wunsch die Koffer zu packen und den «Spirit von Peccia» zu erleben. Dieses Sommerhalb­ jahr lockt zusätzlich eine Ausstellung anlässlich des 30-jährigen Jubiläums: Ab dem 3. Mai präsentieren professionelle Kursleiterinnen und Kursleiter ihre Werke und pointierten Interventionen verteilt im ganzen Bergdorf Peccia. Als «Ort der künstlerischen Entfaltung für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis» steht die Schule im oberen Maggiatales allen offen. Der Schwerpunkt liegt auf der Bildhauerei, im Zentrum steht der Stein: Von der Schnupperwoche für Einsteigerinnen, dem zweiwöchigen Kurs zur Umsetzung einer eigenen gestalterischen Vorstellung bis hin zur Schulung im Heben und Bewegen schwerer Steine wird vieles geboten. Im Kurskalender stehen aber auch Angebote wie Aktzeichnen, Metallgiessen oder ein VAKIKUKU, ein Vater-Kind-Kunst-Kurs. Scuola di Scultura di Peccia www.steinbildhauen.ch Jubiläumsausstellung ab 3. Mai 2014


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Bauten, Städte, Landschaften vd. 75% der Schweizer Bevölkerung lebt in Städten und Agglomerati­ onen. Architektur, Städtebau und Umweltgestaltung prägen unseren Alltag und bestimmen unsere tägliche Wahrnehmung. Ein neu erschienenes Lehrmittel soll Jugendlichen des 7. bis 9. Schuljahrs einen Zugang zum Verständnis der gestalteten Umwelt ermöglichen und ihr Interesse für die gebaute Umgebung wecken. Herausgeber ist der Verein Spacespot, der sich zum Ziel setzt, die Öffentlichkeit für die gestaltete Umwelt als Lebensraum zu sensibilisieren und auf die vielfältigen Möglichkeiten der Gestaltung und Pflege unserer Kulturlandschaft hinzuweisen. Das gelungene Werk ist zwei­ teilig, es besteht aus einer Serie von 80 Bildkarten im Format A4 und einem broschierten Heft mit 34 Unterrichts­anregungen. Es ist primär für den Einsatz im Bildnerischen Gestalten gedacht, zahlreiche Beispiele decken Bereiche des Technischen Gestaltens ab: so etwa die Unterrichtsanregungen zu Statik und Konstruktion (Brückenbau, Tensegrity, Geodätischer Dom), aber auch zahlreiche andere Beispiele zu Raum, Licht, Farbe und Planung. Die im Heft auf jeweils einer oder zwei Doppelseiten dargestellten Unterrichtsbeispiele sind offen gehalten und anregend, sowie durchwegs gleich strukturiert: Nach der kurzen Einführung wird ein Vorgehen ausführlich mit möglichen Varianten skizziert. Immer sind Lernziele formuliert. Ein kompakter Infoteil zu Arbeitsweise, Materia­ lien und Zeitbedarf rundet die Sache ab. Der zweite Teil des Werks, Bildkarten auf festem Papier, mögen in Zeiten des Internets auf den ersten Blick etwas altbacken erscheinen. Die sorgfältige Auswahl von Bildern zu Schlüsselbauwerken der Architekturgeschichte, von Städten, Gärten, Kulturlandschaften und architektonisch inspirierten Kunstwerken ist aber zweifellos eine gute Sache: Mit dem rückseitigen Kommentar, Detailfotos, Plänen und weiterführenden Tipps und Links erschliesst sich jeweils eine Welt – auch für Laien gut verständlich. Die Lehrperson ist mit direkt einsetzbarem Material ausgerüstet, das methodisch vielfältig einge­ setzt werden kann. Die behandelten Themen und Objekte ermögli­ chen es der Lehrperson, sich mit gebauter Umwelt auf verschiedene Arten auseinanderzusetzen, dies auch fächerübergreifend. Das neue Lehrmittel ist ein Lichtblick, das die von Spaceshot gesetzten Ziele mehr als erreicht. Hansjörg Gadient, Judith Gross Bauten, Städte, Landschaften Architektur und Umweltgestaltung für Jugendliche ab 14 Jahren. Materialien und Übungen für bildnerisches Gestalten und für fächerübergreifenden Unterricht. Schulverlag plus, Bern 2013. 80 Bildkarten, A4, farbig illustriert; Kommentar, 88 Seiten, A4, farbig illustriert, broschiert; in Mappe; CHF 60.– www.spacespot.ch

Pop up vd. Bücher oder Karten mit ausklapp­ baren Bilder erfreuen sich grosser Beliebtheit. Im Gestaltungsunterricht wird das Thema Aufklappbilder eher selten angegangen, da wenig technische Grundlagen publiziert sind. Das ändert sich nun mit dem neuen Lehrbuch Pop up, welches seit kurzem verfügbar ist. Das Buch vermittelt alle wesentlichen prak­ tischen Grundlagen der Pop-up-Kons­ truktion. Mit den gezeigten Verfahren kann man selber aktiv werden und die zahllosen Möglichkeiten zu eigenen Lösungen kombinieren. Das Werk ist als Schritt-für-SchrittLehrmittel aufgebaut. Nach den Grund­ lagen (Hilfsmittel, Techniken, Begriffe) wird in sieben Kapiteln das ganze Thema erschlossen: einfache und komplexe Winkelfaltung, einfache und komplexe Parallelfaltung, Schiebe­elemente, Drehmechanismen, Drehscheiben. Das praktische am Buch ist, dass sämtliche Papierlösungen vorgestanzt sind, die Lösungen somit sehr einfach umzusetzen sind. Einerseits entzaubert dieses Buch die allen Ausklappbildern innewohnende Faszination, andererseits bekommt man das nötige Rüstzeug, um selber gestal­ tend in diese Welt einzutauchen. Und hier sind die Varianten endlos. Keith Finch Pop up Design und Konstruktion Haupt Verlag, Bern 2013 24 Seiten, mit vielen Pop-ups, kartoniert, 20 x 29 cm, ca. CHF 39.–


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bahnbrechende Interieurs red. Was für ein grossartiges Lebensziel! Der belgischflämische Autodidakt Henry van de Velde wollte die «Welt von ihrer Hässlichkeit» befreien und das Leben der Menschen mit einer neuen Ästhetik verbessern. Als Architekt, Designer, Pädagoge und Kunstberater arbeitete er daran, das Leben mit Kunst zu durchdringen. Alles was er designte und baute sollte praktisch sein und rationale Grundlagen haben. Er entwi­ ckelte eine provokativ einfache Formensprache, die einerseits auf Bewunderung stiess und andererseits – vor allem in Frankreich –auf grosse Ablehnung stösst. Speziell auch in der Schweiz ist Henry van de Velde (1863–1957) kein Unbekannter. Er lebte die letzten zehn Jahre seines Lebens in Oberägeri im Kanton Zug. Bereits 1907 stellte er im Rahmen der Neueröffnung des Kunstge­ werbemuseums aus. Henry van de Velde – Interieurs Museum Bellerive bis 1. Juni 2014

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ausgezeichnete textilkunst ak. Die Aufnahmebedingungen für das Textile Art Forum Schweiz sind klipp und klar formuliert. Bewerben können sich «Textil­ schaffende, die sich als Künstlerin wahrnehmen und ihre Kunst mit der Ernsthaftigkeit eines Berufes ausüben (…) und eine sicht­ bare künstlerische Entwicklung in ihren Arbeiten» zeigen. Ziel der zurzeit vierköpfigen Gruppe ist, «textiles Schaffen einem breiten Publikum in der Schweiz bekannt zu machen und dessen Anerkennung als Kunstform zu fördern.» Einen guten Einblick in das Schaffen der Künstlerinnen gibt der spannende, aktiv geführte Blog mit Tipps zu nationalen und internationalen Ausstellungen, Kursen, Anleitungen und Inputs zu Gestaltungsfragen. Nach einer ersten öffentlichen Ausstellung 2012 findet dieses Jahr die 1. jurierte TAFch-Ausstellung statt. Über 80 Künstlerinnen haben sich beworben – 54 von ihnen wurde von der Jury zur Ausstellung eingeladen. teximus www.tafch.ch www.tafch.blogspot.de Altstadthalle, Untere Altstadt 14, Zug 27. – 30. März 2014

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technisches und textiles gestalten

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zur Förderung des Technikverständnisses und des eigenverantwortlichen Lernens Wir unterstützen die Lehrperson mit

+ Do-It-Aufgaben (Werkaufgaben) + Tüftelwettbewerben + Unterlagen zu Technikverständnis + Unterrichtshilfen und Hilfsgeräten + Ergänzungen zu Lehrmitteln + Neu: Wahl-Abonnement!

Material für …erforsche, erfinde und mehr: www.explore-it.org

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 Faserverbundwerkstoffe  Laminierharze, Klebstoffe  Giessharze, Latex, Silikon etc.


Kursstart am 7. Juli 2014 in Luzern

schule und weiterbildung schweiz – swch.ch

Schweizer Lehrkräfte aller Stufen nehmen an den swch-Kursen teil.

Seit über 125 Jahren engagiert sich swch.ch «für eine humane Schule und eine ganzheitliche Bildung zum Wohl des Menschen.» Um möglichst vielen Lehrkräften eine Weiterbildung zu ermöglichen, bietet swch.ch vor allem während der unter­ richtsfreien Zeit «qualitativ hochstehende Kurse mit kompetenter Kursleitung» an. Die Kurse bieten eine Kombination zwischen Lernen und Entspannen, zwischen Arbeit und einem attraktiven Rahmenprogramm. Jedes Jahr stehen über 200 spannende Angebote zur Auswahl. Im Bereich Bildnerisches Gestalten und visuelle Erziehung gibt es diesen Sommer beispielsweise einen Einstiegskurs mit Einblick in verschiedene Techniken des Trickfilms, die Gelegenheit zum Malen mit Ölfarben oder praktische Tipps zur Anwendung von Kunst im Unterricht. Im Technischen und textilen Gestalten können die Grundlagen für das Arbeiten mit Silber erworben, das Gestalten mit Leuchtdioden ausprobiert oder die Holzbearbeitung von Grund auf erlernt werden. Die Kurse finden jedes Jahr in einer anderen Schweizer Stadt mit passender Infra­ struktur statt. Dieses Jahr ist Luzern Gastgeberstandort – in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Luzern. Schweizer Lehrkräfte aller Stufen nehmen an den Kursen teil. Kursangebot, weitere Informationen und Online-Anmeldung: www.swch.ch gedruckter Kurskatalog bestellen: info@swch.ch, 061 956 90 70

Redaktion und Produktion

1/2014 | Nummer 133 Fachzeitschrift für Vermittlung von Design und Technik Erscheint vierteljährlich. ISBN 978-3-905925-17-3, ISSN 1420-0198 Preis der Einzelnummer: CHF 20.– Abonnement: CHF 70.– (Ausland EU CHF 85.–)

Schweizerischer Werk­lehrer­innenund Werklehrerverein SWV Design und Technik Postfach 1819, 8021 Zürich, www.werken.ch

Abo und Adress­änderung SWV-Kasse, Franziska Buxtorf Leimenstrasse 64, 2575 Täuffelen kasse@werken.ch

Einzelnummern www.werkspuren.ch www.bildungsservice.ch Bildungsservice Schweiz AG Bösch 35, 6331 Hünenberg Telefon 041 726 9 726 Fax 041 726 9 727 bestellung@bildungsservice.ch

Bilder Umschlag: GZ Buchegg, Zürich (aussen), Christian Keller (innen)

Chefredaktor Viktor Dittli, viktor.dittli@werkspuren.ch Loretohöhe 46b, 6300 Zug Telefon 041 710 10 85 Produzentin Andrea Keller, andrea.keller@werkspuren.ch Ressort Design, Technik, Kunst Marianne Preibisch (Leitung), Sandra Ulloni, Gabriela Rüsch Ressort Didaktik & Unterrricht Karin Zehnder (Leitung), Andreas Hellmüller, Petra Sigrist, Thomas Stuber

Inserate Zürichsee Werbe AG Seestrasse 86, 8712 Stäfa, www.zs-werbeag.ch Anzeigenleiterin: Cornelia Koroma Telefon 044 928 56 03 cornelia.koroma@zs-werbeag.ch

Layout und Bildbearbeitung Dittli Visuelle Gestaltung Seefeldstrasse 259, 8008 Zürich Telefon 044 381 88 81, atelier@dittli.ch

Druck und Versand Kalt Medien AG Grienbachstrasse 11, Postfach 250, 6301 Zug Telefon 041 727 26 26, www.kalt.ch

Copyright Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Daten­ träger, Fotos und Illustrationen übernimmt die Redak­tion keine Verantwortung. Wir bemühen uns, alle Bildrechtinhaber zu eruieren. Bei Unstimmigkeiten bitten wir um Kontaktnahme mit der Redaktion. © Copyright bei den Autorinnen und Autoren. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion.

VOR SCHAU WERKSPUREN 2 | 2014 provisorium

Manche Dinge währen (hoffentlich) für die Ewigkeit – andere sind von vornherein für einen vorü­ bergehenden Zweck gedacht. Wir zeigen, was in Provisorien steckt, spüren vergängliche Materialien auf und diskutieren temporäre Installationen in Kunst, Design und im Gestaltungsunterricht.

Das Heft erscheint Ende Mai 2014.


| Holzwerkstoffe | Holzwerkstoffe

traditionsreich und innovativ

| ISBN 978-3-905925-17-3

holzwerkstoffe

| Preis Fr. 20.â&#x20AC;&#x201C; |

werkspuren

Nummer 133 | 1/2014 Vermittlung von Design und Technik

| Nummer 133 1/2014 | Nummer 133 1/2014

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