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10 Picknick und Party: eine «Comet»-Themenzeitung

«Shake it easy und mix mir einen Harry!» Ob mit oder ohne, Drinks und Cocktails sind in alle Munde. Caiprinha, Mojito, Pina Colada, Manhattan, Bellini und Co. fehlen an keiner Party oder Bar. Irgendwie scheinen sie nicht aus der Mode zu kommen. Es wird geschüttelt, gerührt, vermischt und vermengt, was das Zeug hält: In Filmen, in der Lounge und Zuhause. Und das schon seit über 200 Jahren.

ersten Cocktail – einen Mix aus Whiskey und Absinth, der als Sazerac bezeichnet wird. Er testete verschiedene Mixgetränke in New Orleans und servierte diese angeblich in Eierbechern – coquetier. Ob sich durch die englische Aussprache dieses Wort zu Cocktail wandelte wird unbeantwortet bleiben.

In diesem Jahr feiern Cocktails Jubiläum, nicht nur auf dem Tresen, sondern auch im historischen Sinn. Die erste schriftliche Erwähnung des Cocktails jährte sich zum zweihundersten Mal. Was ursprünglich aus einer medizinischen Tradition heraus entstand, wird heute den Geniessern als Longoder Shortdrink, Flip, Fizzes, Daisies oder Cobbler etc. serviert. Ob mit oder ohne Alkohol, solange verschiedene Zutaten ins Glas kommen, sind es Cocktails.

Wunderbar ist auch die Legende von der Tochter des Königs Axolotl VII. von Mexiko. Bei Friedensverhandlungen zwischen dem König und einem amerikanischen General bot der König seinem Gegner unvorsichtigerweise einen Drink an. Leider reichte es jedoch nur für einen Drink, was entweder den König oder den General düpiert hätte. Die, natürlich überwältigend schöne, Tochter des Königs rettete die Situation, indem sie den Drink trank. Der General war sehr beeindruckt von der jungen Schönheit und versprach, dass ihr Name in seiner Armee ewig geehrt werde. Ihr Name war Coctel.

Wilde Geschichten Die Legenden um die Entstehung des Wortes Cocktail sind eine amüsante Mixtur menschlichen Daseins. Cocktail heisst auf Deutsch Hahnenschwanz. Eine Erzählung erklärt, dass nach einem Hahnenkampf der Besitzer des Siegerhahnes das Recht hatte, dem getöteten Hahn die bunten Schwanzfedern auszureissen. Bei der anschliessenden Feier wurde diese Trophäe mit einem Drink «on the Cock's tail» begossen. Auch die Barmaid Betsy Flanagan soll für die Namensgebung verantwortlich sein. Sie dekorierte ihren Drink im 16. Jahrhundert mit einer Hahnenfeder und nannte ihn Cocktail. Oder wie wäre es mit dieser Geschichte? Cocktailed Horse bezeichnet ursprünglich eine Pferdekreuzung mit gestutztem Schweif. Bald wurden damit die Mixgetränke bezeichnet, die von den Gästen beim Rennen getrunken wurden. Der Franzose Antoine Peychaud schuf angeblich den

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Die tatsächliche Herkunft ist nicht mehr nachvollziehbar. Sicher ist allein die erste schriftliche Definition des Begriffs Cocktail als Getränk. Am 6. Mai 1806 erschien in der Wochenzeitung «The Balance and Columbian Respository» innerhalb einer kleinen Satire, die Gewinn- und Verlustrechnung eines unterlegenen demokratischen Wahlkampfkandidaten. In der Verlustrechnung waren Cock tails aufgeführt. Eine Woche später veröffentlichte der Herausgeber seine Antwort auf die in einem Leserbrief gestellte Frage, was denn ein Cock tail sei? «... Cock tail ist ein stimulierendes Getränk, zusammengestellt aus verschiedenen Spirituosen, Zucker, Wasser und Magenbitter...»

Not macht erfinderisch Ursprünglich mixte man Drinks vermutlich wegen der allzu herben Schnäpse. Sie waren

Unter den Einwanderern befanden sich Menschen aus allen Teilen Europas, die ihr Wissen um die Destillation in der neuen Heimat in die Tat umsetzten. Um die Jahrhundertwende dann kamen vielerlei Spirituosen ins Land, und damit stand der amerikanischen Genuss- und Experimentierfreude nichts mehr im Wege. Es wurden unzählige Cocktails erfunden.

The Big Five Die «Urväter» der Cocktails sind exquisite Mixturen, wie der bereits erwähnten Sazerac, welche von den Barfachleuten als die echten «Klassiker» bezeichnet werden. Sie entstanden an den exotischsten Orten dieser Welt und ihre Entstehungsgeschichten lesen sich wie Abenteuerberichte verschollen geglaubter Tagebücher.

Cubana / Longdrinkglas 6 – 7 Pfefferminzblätter 1 Limette 4 cl Rum-Sirup auffüllen mit Mineralwasser Trinkhalm www.barfachschule-kaltenbach.com

sehr hochprozentig und haben nichts mit den verfeinerten Spirituosen der heutigen Zeit zu tun. Daher versuchte man durch die Beigabe von Zucker, Honig oder Früchten den Genuss erträglicher zu machen. Mit der zweiten grossen Einwanderungswelle in die Staaten begann der wirkliche Einzug der Cocktails in die Gesellschaft.

Aviation, der Flügel verleihende Cocktail aus Gin, Zitrone und Maraschino wurde ungefähr zur selben Zeit erfunden, als «Aviator» Howard Hughes den bis dahin teuersten Film aller Zeiten drehte. PulitzerpreisGewinner Ted Morgan formulierte treffend: «Howard Hughes konnte sich den Luxus des Wahnsinnigen leisten, wie ein Mann, der nicht nur glaubt er sei Napoleon, sondern sich eine Armee leistet, um es zu beweisen». «Der Pegu Club scheint voller Männer auf dem aufsteigenden oder fallenden Ast ihres Lebens zu sein» schrieb Rudyard Kipling im Sommer 1889 über den britischen Kolonialclub in Burma. Pegu Club Cocktaill aus Gin, Curacao, Limette und Bitters wurde noch in den Dreissigern lobend im Savoy CocktailBuch erwähnt, geriet dann jedoch in Vergessenheit, bis Audrey Sanders, eine der amerikanischen Top-Bartenderinnen, ihren 2005 eröffneten Club in New York nach ihm benannte.

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