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Festschrift zm Stiftungsfest der Freimaurerloge

DITMARSIA


Worte zum 125jährigen Bestehen der Johannisloge DITMARSIA

Zeitläufe, die wir uns in Bezug auf eine unausgesetzte Logentätigkeit als ideal vorstellen, kann man sicherlich ohne Abstriche als "erwünschte Kontinuität" bezeichnen. Über Jahrhunderte hinweg wäre das aber ganz sicher ein Novum und würde kaum einem natürlichen Kriterium entsprechen. Unsere Welt wird durch ständige Anpassungen an veränderte Situationen und Grundbedingungen bestimmt. Das Yin und Yang fernöstlicher Philosophien entspricht auf wunderbare Weise dem Pulsschlag von Ebbe und Flut in unserer Küstenregion - entspricht dem Pendelschlag des Werdens und Vergehens im gesamten Kosmos.

Das hat die Geopsyche der Menschen hier so sehr geprägt, daß hanseatische Kaufleute daraus sogar eine ihrer markigen Philosophien entlehnten: "Kaufmannsgut kennt Ebbe und Flut". Der Gezeitenwandel als Miniaturkonzept eines kosmischen Werdens und Vergehens hat als Urprinzip große Religionen geprägt, das Yin und Yang des Buddhismus ebenso, wie den Dualismus der Katharer und Waldenser. Für das Logenleben würde das im schlechtesten Sinne ebenfalls ein Auf und Ab bedeuten. Eine naturgewollte Diskontinuität- in Bezug auf Mitgliederzahlen, wirtschaftliche Stabilität oder Motivation der Mitglieder vielleicht.


Tatsächlich gibt es daswenn wir in der Ditmarsia auch im Moment wenig davon verspüren. In einer immerhin nun bereits 125jährigen LogenGeschichte gab es so einschneidende Ereignisse, wie zwei Weltkriege. Nach dem Niedergang des "dritten Reichs" oder wie wir Freimaurer sagen, der "dunklen Zeit", verloren sie beispielsweise ihr schönes Logenhaus in Marne. Zunächst wurden die Nachkriegsarbeiten in provisorisch hergerichteten Räumen, beispielsweise in der Brunsbütteler "Strandhalle" auf dem Elbdeich abgehalten und wenige Jahre später nach einer notwendigen Konsolidierungsphase im kleinen Logenhaus in der Festgestraße auf der Brunsbüteler Südseite. Es war an das Hotel Hamburger Hof angebaut. Im Jahre 2003 konnten die Ditmarsen nach erheblichen UmbauArbeiten dann endlich das heutige Logenhaus im Theodor-Heuss-Ring beziehen. Neben einem geräumigen Tempel verfügen die Brüder auch über einen kleinen Aufenthaltsraum, der oft als zu eng empfunden wird. Für eine Erweiterung tragen die Brüder bereits konkrete Pläne im Kopf und im Herzen


Wer nicht weiterbaut, zerstöret was Euch mühlos heut gehöret, Eurer Loge Stolz und Kraft Morgen wird´s der Sturm Euch rauben, wenn das Hoffen und das Glauben in den Seelen Euch erschlafft ! Allein die Tasache, daß die Johannisloge Ditmarsia nun ihr 125jähriges Stiftungsfest feiern darf, unterstreicht einfach und überaus unmißverständlich, daß in ihrer wechselhaften Geschichte alle amtierenden hammerführenden Meister genau diese Anforderung zur Zufriedenheit ihrer Bruderschaften erfüllt haben.

Wir haben durch die Kriege viel Archivmaterial verloren, aber das Portrait des ersten DitmarsiaLogenmeisters von Holly und Ponientzietz blieb uns als Gemälde erhalten. Diese Abbildung zeigt eine Radierung nach diesem Gemälde.


Die Ditmarsen sind sich bewusst, daß sie sich nicht lediglich in einem steinernen Gebäude befindet, sondern in allererster Linie in einem geistigen Gebäude. Nur, wenn alle Herzen von der freimaurerischen Arbeit erfüllt sind, hat die Freimaurerei in der Gemeinschaft eine geistige und emotionale Bedeutung. Jeder Bruder kennt die Momente, in denen man spürt, daß auch der letzte begriffen hat, daß wir ein Gebäude aus Empfindungen aufzubauen imstande sind, dann wenn jeder sich auf den anderen Bruder verlassen kann und ein tiefgreifendes Gefühl entsteht, für das es in der profanen Welt keine Entsprechung gibt.

Eine gute Tempelarbeit gleicht einem Mysterienspiel. Man greift auf Symbole zurück, eine sinnbeladene Ikonographie , auf metaphorische Erläuterungen, phantasievolle Legenden und strenggeordnete Rituelle Abläufe. Diese Hilfsmittel treten bei guten, bei starken und emotionsgeladenen Tempelarbeiten völlig in den Hintergrund. Die selbstgestaltete Würde, die herzerfüllende Läuterung, die von den Brüdern selbst gebildet wird weil sie begriffen haben, daß sie selbst es sind, die den vorgegebenen Metaphern entsprechen - diese Situation macht alle Vorgaben entbehrlich. Aber natürlich gibt es auch die Routine und die Regelfälle, durch die notfalls der Bestand einer Loge gesichert werden kann.


Wer hat sich nicht schon einmal vorgestellt, wie die Brüder der ersten Stunde sich die Zukunft ihrer neugeschaffenen DITMARSIA vorgestellt haben mögen ? Wer würde die nach Ihnen die Hammerführung in ihrem Geiste fortführen ? War die Gefahr nicht riesengroß, daß die Mühen der ersten Stunden Stunde vergebens sein könnten, daß der bau nicht weitergeführt werden könnte, daß Wille und Kraft durch möglicherweise halbherzige Logenmeister erlahmen könnten ? Oder durch eine leichtfertige Zusammensetzung künftiger Bruderschaften ? Nicht zuletzt in diesen Bedenken liegt einer der allerwichtigsten Gründe für eine selektive Aufnahme von neuen Suchenden.

Wenn wir uns rückblickend Gedanken über die möglichen Visionen unserer Vorgänger machen, stoßen wir leider an Informationsgrenzen. Zuviel Material ist durch die Weltkriege verloren gegangen. Unsere Geschichte war ja auch leider für niemanden außer uns zugängig, das bringt die Arkansdisziplin nun einmal so mit sich, deshalb wird man im Heimat- oder auch im Landesmuseum vergebens nach Dokumenten suchen. So sind uns die Philosophien, die Reden der Brüder verlorengegangen. Was haben sie gedacht und empfunden, als die Kriege entbrannten, die Unmenschlichkeit zur Staatsform wurde ? Was kam davon in Tempelarbeiten zum Ausdruck ?



Ditmarsia