Wirkstoff
Lesestoff für den Fachhandel Selbstmedikation
3/2026

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Lesestoff für den Fachhandel Selbstmedikation
3/2026

20 Jahre
Müller Handels AG
Verwaltungsleiterin Szilvia Fekete spricht im Interview über Strategie und neue Konzepte
In Workshops diskutieren Fachpersonen, welche Kompetenzen Lernende künftig brauchen
Pflanzliches Immunsystem
Das Abwehrsystem der Pflanzen kann für die menschliche Gesundheit genutzt werden

125 Jahre
Drogerie Gehrig
Farben, Autolack und Chemikalien: Die Drogerie Gehrig führt ein ungewöhnliches Sortiment. Roman Greter erzählt, welche Chance diese Spezialisierung bietet und welche Zukunftspläne er hat.
Impressum Wirkstoff

Wie bleiben wir länger jung?
Rund um Langlebigkeit ist ein Hype ausgebrochen – inklusive Empfehlungen, Geräten und Produkten. Wirkstoff hat sich mit zwei Forschenden darüber unterhalten, was tatsächlich für ein gesünderes, längeres Leben hilft.
Herausgeber Schweizerischer Drogistenverband, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel, Telefon 032 328 50 30, info@drogistenverband.ch
Verlag vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel Geschäftsführung und Verlagsleitung: Tamara Gygax-Freiburghaus, t.gygax@vitagate.ch
Inserate: Tamara Gygax-Freiburghaus, Marlies Föhn, Valérie Rufer, Janine Klaric, inserate@vitagate.ch
Abonnemente und Vertrieb: Sabine Andersen, vertrieb@vitagate.ch
Redaktion
Publizistische Leitung, Chefredaktorin Wirkstoff: Céline Jenni, c.jenni@vitagate.ch Redaktionelle Mitarbeit in dieser Ausgabe: Adrian Ritter, Claudia Merki, Désirée Klarer, Jasmin Weiss, Martina Huber Wissenschaftliche Fachkontrolle: Dr. oec. troph. (Univ.) Monika Wilhelm
Übersetzung: Marie-Noëlle Hofmann
Titelbild: stock.adobe.com/Danny
Produktion
Layout: Claudia Luginbühl
Druck: Courvoisier-Gassmann AG, Biel ISSN 2673-4974 (Print), ISSN 2673-4982 (Online); CHF 65.–/Jahr, inkl. MWST. Auflage von 5 469 Ex. WEMF/KS-beglaubigt (9/2025) 7. Jahrgang. Erscheinung 10× jährlich © 2026 – vitagate ag, Thomas-Wyttenbach-Strasse 2, 2502 Biel

Offizielles Magazin des Schweizerischen Drogistenverbandes und Medium von Angestellte Drogisten Suisse

So geht es der Müller Handels AG
Die Müller Handels AG gibt es seit mehr als 20 Jahren in der Schweiz. Szilvia Fekete als Schweizer Verwaltungsleiterin erklärt im Interview die Strategie von Müller, den Wert von OTC-Standorten und was Müller als Arbeitgeber auszeichnet.
7Angestellte Drogisten Suisse Im dritten Teil der Serie zum Gesamtarbeitsvertrag der Drogeriebranche geht es darum, welche Verbesserungen der GAV bereits gebracht hat.
Fachwissen

Die Abwehr der Pflanzen nutzen
Das pflanzliche Immunsystem hilft Kräutern, Blumen und Co. nicht krank zu werden. Doch auch dem Menschen kommt das Abwehrsystem zugute, denn die daraus genutzten Wirkstoffe können bei Krankheiten eingesetzt werden.

Totalrevision der Grundbildung
Nach dem Qualifikationsprofil erarbeiten Fachpersonen aus der Branche die zukünftigen Bildungsziele. 21
Aknetherapie und Ernährung Ernährungsanpassungen können den Verlauf von Akne positiv beeinflussen –ein Überblick über die Mechanismen.
Longevity oder Langlebigkeit ist das Trendthema schlechthin, befeuert von Start-ups, Hightech-Kliniken und Diagnostikangeboten. Influencer und Millionärinnen schlucken tagtäglich unzählige Pillen. Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt und die Erwartungen sind hoch – länger leben oder gar länger jung bleiben klingt verlockend. Inwiefern beim Kampf gegen das Älterwerden die Lebensfreude auf der Strecke bleibt, scheint dabei sekundär zu sein. Klar ist: Die Pille gegen das Altern ist noch nicht erfunden. Die wirksamsten Massnahmen für gesundes Altern sind weder neu noch spektakulär: Regelmässige Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, soziale Kontakte und ein bewusster Umgang mit Stress sind die Grundpfeiler der Prävention. Darin ist sich die Forschung einig. In der Diskussion um Langlebigkeit geht es aber nicht nur darum, Alterungsprozesse zu verlangsamen, sondern auch darum, die Lebensqualität bis ins hohe Alter hoch zu halten. Dieser Perspektivenwechsel ist wichtig. Denn die Differenz zwischen Lebensdauer und gesunden Lebensjahren beträgt je nach Studie bis zu 20 Jahre. Drogerien können als niederschwellige Beratungsstelle mithelfen, realistische Erwartungen an Produkte und Massnahmen zu entwickeln. Weiter können Drogistinnen und Drogisten in der Rolle von «Präventionscoaches» ihre Kundschaft befähigen, dass sie langfristig gesund bleibt. Denn: Ziel kann und sollte nicht sein, um jeden Preis jung zu bleiben (oder gar einfach nur jung auszusehen), sondern gesund alt zu werden!
Céline Jenni, Leiterin Publizistik, Chefredaktorin Wirkstoff, c.jenni@vitagate.ch

125 Jahre Drogerie Gehrig: Wo Tradition auf Innovation trifft und Heilpflanzen neben Autolacken stehen. Ein Besuch bei Roman Greter, dem Mann, der das ungewöhnlichste Sortiment der Stadt Luzern hütet.
7 Désirée Klarer
Eine Geschichte, die 1901 begann
Am Anfang der 125-jährigen Geschichte stand der Kasernenplatz in Luzern. Ein idyllischer, belebter Ort mit vielen Geschäften und regem Stadtleben. Hier öffnete 1901 die Drogerie Fuchs ihre Tore. Farben gehörten von Anfang an zum Sortiment –damals nichts Besonderes, heute ein
Links Echinacea-Tropfen für das Immunsystem, rechts Autolack in Metallicblau. Vorne Vitamin D gegen Wintermüdigkeit, hinten Zweikomponentenlack für die Motorhaube. Willkommen in der Drogerie Gehrig – dort, wo Gesundheit auf Chemie trifft und niemand mit der Wimper zuckt, wenn nach der Spagyrik-Beratung die Farbmischmaschine anspringt. «Diese Kombination ist heute einzigartig in der Deutschschweiz», sagt Geschäftsinhaber und dipl. Drogist HF Roman Greter. Was für Aussenstehende kurios klingt, hat tiefe historische Wurzeln. «Früher war das selbstverständlich. Drogerien waren die Anlaufstelle für fast alles: Heilmittel, Farben, Lacke, Fotochemie», so der 40-Jährige. Die meisten Drogerien haben sich längst auf Gesundheit spezialisiert. Dort, wo früher Farben standen, stehen heute Make-up und Gesichtscremes. Bei der Drogerie Gehrig ist das seit jeher anders. «Von Grund auf hätte ich diese Spezialisierung vielleicht nicht gewählt. Aber als ich das Geschäft übernahm, habe ich gemerkt, was für eine grosse Chance das ist.»

Alleinstellungsmerkmal. 1958 übernahm Paul Gehrig den Betrieb mit 60 Quadratmetern Verkaufsfläche. 1976 folgte der Umzug an die Moosstrasse. 220 Quadratmeter, die bis heute Bestand haben.
2021 dann die grosse Übergabe: Nach 33 Jahren gab der Sohn von Paul Gehrig, Markus Gehrig, das Geschäft an Roman Greter weiter. «Ich bin Herzblutdrogist», sagt Greter. «Für mich ist das kein Job, sondern Leidenschaft.» Man spürt es in jedem Satz. Die Art, wie er Produkte erklärt, wie er von den Hausspezialitäten schwärmt – das ist einer, der weiss, wofür er morgens aufsteht.
Über 20 000 Produkte hat Greter unter seinem Dach versammelt. Natürliche Heilmittel stehen neben Produkten der klassischen Schulmedizin. Seit 2019 darf der Herzblutdrogist auch Medikamente abgeben, die früher nur Apotheken vorbehalten waren. «Viele Leute wissen gar nicht, dass sie diese Dinge in der Drogerie erhalten», sagt Greter. Das eigentliche Herzstück liegt im kleinen Raum hinter dem Verkaufsbereich. «Das Labor war meine erste Amtshandlung, als ich das Geschäft 2021 übernommen habe», sagt Greter. Hier entstehen Sirupe, Teemischungen und die individuell gemisch-
ten Heilmittel, für die die Drogerie Gehrig weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. «Für fast jedes Thema ist ein Kraut gewachsen.» Ob Wechseljahre, Schlafprobleme oder Hautthemen – die Beratung ist ganzheitlich, die Mischung wird exakt auf die Person abgestimmt.
Die Grundlage dafür legte bereits Markus Gehrig vor 30 Jahren. «Angefangen hat mein Vorgänger mit 30 Tinkturen. Das Thema war damals noch nicht so gross.»
Heute sind es 250 Tinkturen und 150 spagyrische Essenzen. Die Drogerie arbeitet eng mit Therapeutinnen und Therapeuten zusammen, mischt individuell auf Rezept. «Das ist unser Steckenpferd.»
Einen weiteren Bereich möchte Greter im Februar stärken: Beratungen. «Wir befinden uns in einem alten Haus und haben keinen eigenen Beratungsraum», erklärt Greter. Darum möchte er einen Beratungskubus einbauen. Dieser soll Platz schaffen für kompetente Beratung in vertraulicher Atmosphäre. Ein bewusster Schritt in Richtung bezahlter Dienstleistungen. «Und auch der passende Ort für Gespräche, die mehr Zeit oder Tiefe brauchen», sagt Greter. Diese Zeit nimmt sich Greter allerdings auch heute schon. Eine Begegnung ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: Eine Mutter kam mit einem fiebernden Kleinkind vorbei. Sie wollte nicht zum Arzt. Greter empfahl eine Mischung aus zwei Schmerzmitteln und sagte klar: «Wenn es nicht besser wird, müssen Sie in den Notfall.» Dann tat er etwas Ungewöhnliches: Er fragte telefonisch nach. «Die Mutter hatte grosse Freude an meiner Rückfrage, und: Das Fieber war gesunken.» Sie wurde von der Gelegenheitszur Stammkundin. «Solche Momente sind natürlich besonders schön», so Greter.
Wo Farbe auf Fachkenntnis trifft
In der Farb- und Chemikalienabteilung wiederum kommen die Leute vorbei, weil unbekannte Farbe von der Wand abblät-

Bei der Übernahme hätte sich Roman Greter nicht träumen lassen, dass er fast die Hälfte seines Umsatzes mit der Farbabteilung verdient.
tert oder sie nicht wissen, welche Pflegelösung für den Parkettboden daheim am besten geeignet ist. Die Beratung überlässt Greter hier grösstenteils seinen Mitarbeitenden. «In der Farbabteilung arbeiten zwei Herren, die eine Detailhandelsausbildung mit Schwerpunkt Farben absolviert haben», sagt er. Sie mischen Autolacke und füllen sie in Spraydosen oder als Tupflack ab, beraten zu Dispersionsfarben, Holzlasuren, Epoxidharzen. Die Farbenabteilung macht 40 Prozent vom Umsatz aus. Das Team ist also klar strukturiert. Doch ein Bereich verbindet beide Welten: die Chemikalien.
Und hier wird es spannend. Hinter dem sichtbaren Sortiment liegen über 650 Chemikalien und Rohstoffe. Luminol zum Blutnachweis – das kauft die Polizei. Fluorescein für Wassertests. Säuren, Harze, Lösungsmittel. «Das sind Sachen, die man sonst nirgends findet», sagt Greter. Studierende kommen für Laborversuche, Handwerker für spezielle Lösungsmittel, Künstler für Pigmente, Restauratoren für historische Werkstoffe. «Bei den Chemikalien habe ich praktisch keine Konkurrenz.»
Die Gründe dafür sind schnell gefunden. «Das Wissen fehlt. Die Stofflehre wird in der Schule nicht mehr so stark vermittelt wie früher.» Selbst in der Berufsschule werde das Thema kaum noch behandelt. Greter hat sich sein Wissen in diesem Bereich grösstenteils im Selbststudium angeeignet. «Als Inhaber muss ich in beiden Welten sattelfest sein. Aber ich bin natürlich froh, dass ich auf ein kompetentes Team zählen kann.» Ein weiterer Grund für die geringe Konkurrenz: Viele Chemikalien gibt es nur in grossen Gebinden. «Man muss also sicher sein, dass man sie gut verkaufen kann. Hinzu kommt, dass es fast keine schlaue Literatur mehr dazu gibt.» Und vieles im Bereich der Chemikalien lässt sich nicht online bestellen, weil es Gefahrengut ist. Für Greter alles Gründe, warum diese Nische funktioniert.
Zwischen online und lokal
Wo ihm der Onlinehandel in der Nische in die Karten spielt, bereitet er ihm an anderer Stelle Sorgen. «Wenn Kundinnen und Kunden mir ihr Handy entgegenhalten und ich darauf Verkaufspreise sehe, die niedriger sind als unsere Einkaufspreise, ist das schon schwierig.» Seine Strategie: Wandlungsfähigkeit. Statt auf ein 08/15-Sortiment setzt er auf bezahlte Dienstleistungen, eine einzigartige Produktauswahl und vertrauenswürdige Partnerschaften. «Mir ist es sehr wichtig, lokale Geschäfte zu berücksichtigen. Dadurch gewinnen alle im Quartier.»
Das ist es auch, was Greter von Gehrig an Werten übernommen hat. Die Zusammenarbeit mit anderen aus der Region, Beziehungen pflegen und stärken. Roman Greter ist kein Nostalgiker. Er ist ein Macher, der aktiv gestaltet, was die Zukunft bringt. Was in zehn Jahren noch unverändert sein soll? «Die Beratungskompetenz, ein einzigartiges Sortiment und ein tolles Team.» Spagyrik und Spraydosen, Beratung und Autolack, Empathie und Epoxidharz. Bei Roman Greter passt zusammen, was historisch zusammengehört.
Gesamtarbeitsverträge (GAV) sollen Klarheit schaffen und enthalten fortschrittliche Regelungen, die über die gesetzlichen Mindestnormen hinausgehen. Nachfolgend die wichtigsten Verbesserungen im GAV der Drogeriebranche.
7 Regula Steinemann

Regula Steinemann, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin Angestellte Drogisten Suisse. Dies ist eine Seite von Angestellte Drogisten Suisse. Die Meinung der Autorin muss sich nicht mit jener der Redaktion und/oder des Schweizerischen Drogistenverbandes decken.
www.drogisten.org
Vor dem Inkrafttreten des völlig revidierten GAV (ab dem 1. Januar 2017) gab es regelmässig Anfragen bei der Geschäftsstelle von Angestellte Drogisten Suisse dazu, was bezahlte Arbeitszeit ist und was nicht. Deshalb wurde in Art. 24 Abs. 3 GAV explizit aufgenommen, dass Vorbereitungs- und Aufräumarbeiten sowie das sich zur Verfügung halten während der Mittagspause Arbeitszeit darstellen und zu vergüten sind. Zudem wurde in Art. 26 festgehalten, dass Pausen als Arbeitszeit gelten, wenn die Angestellten ihren Arbeitsplatz nicht verlassen dürfen. Die Arbeitszeit wurde bei maximal 42 Stunden pro Woche festgesetzt (Art. 24) und die Ferien auf 22 Tage pro Jahr erhöht (Art. 31).
Der GAV hält eine spezielle Regelung bereit zur Entschädigungshöhe bei Mutterund Vaterschaftsurlaub (neu «Urlaub des anderen Elternteils»). Die Entschädigung ist lohnabhängig und besonders für Geringverdienende und Teilzeitangestellte sehr vorteilhaft (vgl. Art. 35): So entspricht die Entschädigung maximal dem durchschnittlichen Nettoerwerbseinkommen (Durchschnitt der letzten 12 Monate vor Anspruchsbeginn) von 100 Prozent bis zu einem durchschnittlichen Bruttoerwerbseinkommen von CHF 3500 pro Monat und über diesen Betrag hinaus von 90 Prozent bis zum Höchstbetrag gemäss Gesetz (gemäss Art. 16f Erwerbsersatzordnung
CHF 220 pro Tag), im Minimum aber CHF 3500. Die Differenz zwischen der Entschädigung gemäss Erwerbsersatzordnung und dem GAV ist von den Arbeitgebenden zu tragen. Dieselbe Regelung wurde beim bezahlten Betreuungsurlaub gemäss Art. 36 für die ersten 28 Taggelder aufgenommen.
Obligatorische Krankentaggeldversicherung
Ein Meilenstein im neuen GAV war und ist immer noch die Einführung einer obligatorischen Krankentaggeldversicherung. Besonders bei schwerwiegenderen und längerdauernden Erkrankungen, die möglicherweise in einer Invalidenrente münden, verhindert die Krankentaggeldversicherung, dass die Angestellten in ein finanzielles Loch fallen, bis sie wieder genesen sind beziehungsweise der Entscheid der Ausrichtung einer allfälligen IV-Rente gefallen ist. Die Krankentaggeldversicherung bezahlt während rund 720 Tagen den Lohn zu in der Regel 80 Prozent.
Hinweis: Es lohnt sich, den GAV von Zeit zu Zeit zu studieren, weil die Sozialpartner stetig Verbesserungen verhandeln und Gesetzesänderungen aufnehmen. Der neuste GAV stammt vom 31. Dezember 2025 mit Geltung ab dem 1. Januar 2026.
In der Drogeriebranche wird derzeit intensiv an der Zukunft der Ausbildung gearbeitet. Im Rahmen der Totalrevision der Grundbildung diskutieren Fachpersonen aus verschiedenen Bildungsbereichen, welche Kompetenzen Lernende künftig erwerben sollen.
«Was müssen Drogistinnen und Drogisten nach der Lehre können, damit sie für den Berufsalltag gewappnet sind?» Diese Frage begleitet eine Arbeitsgruppe mit Beteiligten aus Praxis, Schule und überbetrieblichen Kursen (ÜK) der Drogeriebranche. An verschiedenen Workshops diskutieren sie intensiv über Bildungsinhalte und -ziele. Die Workshops sind Teil der laufenden Totalrevision der Grundbildung. «Offene Kommunikation, Transparenz, Weitblick und eine strukturierte Arbeitsweise sind dabei wichtig, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln», sagt Mireille Schmutz, zuständig für die Grundbildung beim SDV. Sie empfindet die Zusammenarbeit als sehr angenehm. «Eine Herausforderung ist, die Revision so zu gestalten, dass der Bildungsplan und die definierten Ziele auch in einigen Jahren noch gültig sind», sagt Schmutz. Die ersten Lernenden würden nämlich frühstens im 2032 mit dem neuen Profil abschliessen.
Dass der Blick dabei so weit in die Zukunft gerichtet wird, kommt nicht von ungefähr: Hinter der Revision steht ein klar strukturierter Prozess der Berufsentwicklung des Staatssekre-
Prozess der Berufsentwicklung gemäss dem SBFI
5-Jahres-Überprüfung
• Umfrage und Überprüfungsbericht
• Festlegen des Handlungsbedarfs
• Projektorganisation
Qualifikationsprofil
• Aufbau des Qualifikationsprofils
• Entwicklung des Qualifikationsprofils
tariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Die Gesetzgebung verlangt, dass die Ziele und Anforderungen an die berufliche Grundbildung mindestens alle fünf Jahre auf wirtschaftliche, technologische, ökologische und didaktische Entwicklungen hin überprüft werden. Als Resultat dieser Fünf-Jahres-Überprüfung (Schritt 1, siehe Grafik unten) hat die Kommission B&Q Drogistin/Drogist EFZ empfohlen, eine Totalrevision der Bildungsverordnung und des Bildungsplans zu veranlassen. Der Zentralvorstand und die Delegiertenversammlung sind dieser Empfehlung 2024 gefolgt. Seit dem Frühling 2025 ist nun die Arbeitsgruppe dabei, die Totalrevision schrittweise anzugehen. Die Gruppe besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der Sektionen, Gruppierungen/Ketten, Berufsfachschulen, ÜKs sowie einer pädagogischen Begleitung. Im Sommer 2025 ist daraus das Qualifikationsprofil hervorgegangen (Schritt 2). Das Qualifikationsprofil ist die Grundlage für die berufliche Grundbildung, da dort das Berufsbild und die Handlungskompetenzen festgelegt werden. Seit ein paar Monaten geht es um die Erarbeitung des Bildungsplans (Schritt 3). Dabei werden die Bildungsinhalte für die Lernorte Betrieb, Berufsfachschule und überbetriebliche Kurse festgelegt.
Bildungserlasse
• Bildungsverordnung und -plan
• Anhörung durch die Trägerschaft
• Kontrolle der Dokumente
Sobald der Bildungsplan und die Bildungsverordnung im Frühling 2026 stehen, wird es eine Umfrage für die Drogeriebranche geben. Anschliessend prüft das SBFI die Bildungserlasse in einer Anhörung (Schritt 4). Geplant ist, dass im 2027 das SBFI die Bildungsverordnung erlässt und den Bildungsplan genehmigt (Schritt 5). Danach werden die Umsetzungsinstrumente für die drei Lernorte erarbeitet (Schritt 6) – ein nicht zu unterschätzender Aufwand. So könnten die ersten Lernenden 2028 mit der neuen Grundbildung starten.
Am Workshop Mitte Januar in Bern ging es in der Arbeitsgruppe um die Erarbeitung der schulischen Leistungsziele. 15 Teilnehmende diskutierten in zwei Gruppen, welche Ziele die Schule vermitteln soll. Konkret bedeutet dies: «Wir müssen festlegen, welches Wissen es braucht, damit die betrieblichen Ziele unterstützt werden», sagt Eva Heinimann von der b-werk Bildung GmbH. Sie nimmt die pädagogische Begleitung des Prozesses wahr. Die Schwierigkeit: Der neue Bildungsplan wird anhand von Handlungskompetenzen strukturiert und nicht anhand von Themen und Fächern. Im heutigen Bildungsplan wird von Richtzielen gesprochen, die zum Beispiel «Schönheit», «Sachpflege» oder «Warenfluss» heissen. Im neuen Bildungsplan müssen die Handlungskompetenzen gemäss SBFI mit einem aktiven Verb formuliert sein, zum Beispiel «Die Kundschaft zu Kosmetikprodukten beraten» oder «Das Warenlager der Drogerie bewirtschaften». Das heisst, es steht immer eine konkrete Handlungssituation im Zentrum. «Bei der Erarbeitung der Leistungsziele konkretisieren wir diese Situationen», sagt Heinimann. Für die Schule bedeute dies, dass das für die Handlung notwendige Wissen als Leistungsziel formuliert werde. «Früher wurde schulisches Wissen tendenziell ohne Bezug zu einer konkreten Handlung in der
Anhörung
• Anhörung durch das SBFI
• Bereinigung
Praxis formuliert.» So wurden Dinge gelernt, die für den Berufsalltag nicht relevant (genug) sind. «In der Pädagogik nennen wir das ‹träges Wissen›, denn es kann nicht angewendet werden», erklärt Heinimann. «Im Bildungsplan achten wir deshalb darauf, dass das schulische Wissen einen relevanten Bezug zur Praxis hat.»
Mit dieser Neuerung kann auch nicht einfach der alte Bildungsplan mit den damaligen Zielen übernommen werden. «Ein Vorteil», findet Cornelia Galliker, die als Lehrperson Berufsfachschule/ÜK bei Frei’s Schulen AG in Luzern arbeitet, «so können wir alles neu denken.» Ob der Fokus auf die Kompetenzorientierung den Unterricht schlussendlich einfacher oder komplizierter mache, sei abzuwarten. Galliker freut sich sehr auf die Umsetzung und dann auch auf das Unterrichten mit dem neuen Bildungsplan.
Welches Wissen braucht es?
Doch nicht nur die Leistungsziele stellen die Verantwortlichen vor Herausforderungen. Am Workshop selber entstehen immer wieder Diskussionen darüber, an welchen Lernort ein Thema überhaupt gehört. Eine Gruppe diskutierte beispielsweise darüber, dass die Theorie des «Warenflusses» zukünftig eher in der Berufsschule gelehrt werden soll anstatt im ÜK. Im ÜK wiederum könnte es zum Beispiel in Form eines Spiels praktisch behandelt und vertieft werden. Noch komplexer ist die Debatte, wie weit die Wissensvermittlung im Zeitalter der KI überhaupt noch gehen soll, beispielsweise beim chemischen Wissen. Im Grundtenor ist sich die Gruppe einig: Drogistinnen und Drogisten müssen ein gewisses chemisches Grundverständnis mitbringen. Auch zukünftige Lernende werden sich also mit SäureBasen- und Redox-Reaktionen befassen müssen. Nur wird das Wissen angewandter vermittelt und direkter mit Beispielen verknüpft als bisher. 4 5 6
Erlass und Prüfung
• Erlass Bildungsverordnung
• Prüfung Bildungsplan
• Veröffentlichung der Bildungserlasse
Inkraftsetzung Mehr über die Hintergründe und den aktuellsten Stand der Totalrevision der Grundbildung erfahren Sie auf der Website drogerie.ch:
Umsetzung
• Umsetzungsinstrumente
• Information und Ausbildung

stock.adobe.com/Maygutyak

Metformin, Rapamycin, epigenetische Uhren: Der Longevity-Markt boomt. Was die Wissenschaft über gesundes Altern weiss –und welche einfachen Massnahmen tatsächlich wirken.

Der Traum vom ewigen Leben ist so alt wie die Menschheit selbst. Doch in den letzten zehn Jahren ist die Suche nach dem «Elixier des Lebens» ein grosses Geschäft geworden. Analysten prognostizieren, dass der weltweite Markt für Langlebigkeitstherapien bis 2030 auf über 44 Milliarden US-Dollar anwachsen wird. Milliarden wurden in Longevity-Start-ups, Nahrungsergänzungsmittelfirmen und Gerätehersteller investiert.¹ Und überall auf der Welt entstehen private Kliniken und Gesundheitszentren, die dem Altern vorbeugen wollen – auch in der Schweiz. «In Sachen Behandlungen zur Verlängerung der gesunden Langlebigkeit befinden wir uns aktuell im Wilden Westen», sagt Altersmedizinerin Heike Bischoff-Ferrari. Sie leitet DO-HEALTH2 , die grösste klinische Altersstudie Europas, ist Mitglied im Konsortium «Healthy Aging» der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie der internationalen «Academy of Health and Lifespan Research». Nach Jahren als Professorin an der Universität Zürich wechselte sie im Juli 2025 an die Universität Basel und an die Universitäre Altersmedizin Felix Platter, um dort einen Schweizer Campus für gesunde Langlebigkeit aufzubauen – ein internationales Forschungsnetzwerk mit Beteiligung von aktuell vierzehn Universitäten und ihren führenden Altersforschenden. Das Ziel: Wissenschaftlich fundierte Konzepte für ein längeres, gesünderes Leben für die breite Bevölkerung nutzbar machen. «Es braucht hochqualitative Forschung, um herauszufinden, was wirklich wirkt und sicher ist», sagt die Forscherin. Denn insbesondere im Internet kursierten auch viele Empfehlungen oder Produkte, bei denen die wissenschaftliche Grundlage fehle: «Jeder kann heute alles versprechen und bewerben – egal ob sinnvoll, wirksam oder gar
gefährlich. Umso wichtiger ist es, sich an gut belegte und geprüfte Massnahmen zu halten.» «Longevity ist ein grosser Hype», sagt auch Christoph Handschin, Professor für Zellbiologie am Biozentrum Basel. Beide Forschenden betonen, dass es nicht Ziel der Altersforschung sei, die totale Lebenserwartung beliebig zu verlängern. Vielmehr steht die «gesunde Langlebigkeit» oder «gesunde Lebenserwartung» im Fokus: Die Anzahl Lebensjahre in einem Zustand guter körperlicher, kognitiver und mentaler Gesundheit, der es erlaubt, aktiv und mit einer hohen Lebensqualität am Leben teilzunehmen.
«Die gesunde Lebenserwartung hinkt der totalen Lebenserwartung hinterher», sagt BischoffFerrari. Aktuelle Zahlen zeigten, dass die mittlere totale Lebenserwartung in Europa bei etwa 80 Jahren liege, während die gesunde Lebenserwartung im Mittel nur 64 Jahre betrage. Auch in der Schweiz finde man diese Lücke, wobei beide Zahlen höher lägen: Die totale Lebenserwartung betrage hier im Mittel 84 Jahre, die gesunde Lebenserwartung 71 Jahre. «Um die Produktivität einer modernen älteren Gesellschaft und die Nachhaltigkeit unseres Gesundheitssystems sicherzustellen, müssen wir die gesunden Lebensjahre verlängern», hält die Forscherin fest.
Die gute Nachricht: Wir haben viel mehr Einfluss auf unser Altern als lange gedacht. «Als ich studierte, glaubten wir in der Medizin noch, dass die Genetik alles bestimmt», erinnert sich Bischoff-Ferrari. Heute weiss man: Unsere Gene
Dr. Michael Greger ist ein US-amerikanischer Arzt, Autor und Gründer des Online-Informationsportals NutritionFacts.org. Seine Bücher «How Not to Die» (2015), «How Not to Diet» (2019) und «How Not to Age» (2023) landeten auf der Bestsellerliste der «New York Times». Auf Deutsch erschien sein letztes Buch 2024 unter dem Titel: «How Not to Age. Jung bleiben und immer gesünder werden – nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen». Um gesund zu altern und eine Vielzahl chronischer Krankheiten vorzubeugen, empfiehlt Greger die sogenannten «Daily Dozen», zu Deutsch «Tägliches Dutzend»: 1. Hülsenfrüchte, 2. Beeren, 3. anderes Obst, 4. Kreuzblütler-Gemüse (zum Beispiel Weisskohl, Rotkohl, Blumenkohl, Broccoli, Kohlrabi, Kresse, Rucola, Radieschen, Rettich), 5. grünes Blattgemüse, 6. anderes Gemüse, 7. Leinsamen, 8. Nüsse und Samen, 9. Kräuter und Gewürze, 10. Vollkorn, 11. ungesüsste Getränke wie Wasser oder Tee, 12. Bewegung.
machen nur 10 bis 30 Prozent der Variabilität unserer Lebenserwartung aus. Die restlichen 70 bis 90 Prozent werden durch nicht genetische Faktoren bestimmt: Dazu gehören Umwelt, mentale Gesundheit und vor allem der Lebensstil. Ob also ein genetisches Risiko für Diabetes, Herzinfarkt oder Demenz tatsächlich zum Ausbruch kommt, hängt massgeblich von unserem Lebensstil ab. «Wer auf einen gesunden Lebensstil achtet, kann viel bewirken», sagt Bischoff-Ferrari. Die stärksten Faktoren, die unseren Alterungsprozess verlangsamen können, sind eigentlich altbekannt: Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, Meditation oder Achtsamkeit sowie soziale Interaktion. Rauchen und regelmässiger Alkoholkonsum wirken sich dagegen klar negativ aus. Studien zeigen: Wer im Alltag mehrere dieser Lebensstilfaktoren gleichzeitig umsetzt, kann den Alterungsprozess messbar verlangsamen (siehe auch Zusatztext zur Ernährung «Michael Greger und die ‹ Täglichen Zwölf › für ein langes Leben» auf Seite 12).
Um die komplexen Alterungsprozesse zu erfassen und die Wirksamkeit von Therapien und Lebensstilfaktoren überhaupt wissenschaftlich zu messen, hat die Forschung im vergangenen Jahrzehnt sogenannte epigenetische Uhren entwickelt: molekulare Messwerte im Blut, die dynamische Veränderungen in verschiedenen Organen aufzeigen und Rückschlüsse auf die Alterung von Zellen, Gewebe oder Immunsystem zulassen. Relevant ist, dass Menschen mit dem gleichen Geburtsjahr in Bezug auf das biologische Alter ihres Immunsystems oder anderer Organe jünger oder älter sein können. Bisher sind solche Uhren nur in der Forschung im Einsatz. Bischoff-Ferrari ist aber überzeugt, dass solche Messmethoden in Zukunft eine zentrale Rolle spielen werden, um neue Therapien oder die Wirkung eines gesunden Lebensstils gezielt zu prüfen und nutzbar zu machen. «Vor allem aber können sie auch motivieren», sagt sie, «denn erstmals wird sichtbar,


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dass unser Verhalten direkten Einfluss auf den Alterungsprozess hat. Früher lautete der präventive Ratschlag: Wenn du dich gesünder ernährst, nicht rauchst und dich mehr bewegst, senkst du dein Risiko, in zehn oder zwanzig Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden. Das ist für viele Menschen zu abstrakt und zu weit weg. Jetzt aber können wir biologische Effekte schon nach wenigen Monaten messen und damit ganz konkret zeigen: Es lohnt sich, aktiv zu werden. Das eröffnet für die Gesundheitsförderung völlig neue Möglichkeiten.»
Christoph Handschin sieht in der Forschung auch grosses Potenzial für epigenetische Uhren. Aber er betont, dass sie heute noch nicht ausgereift seien. «Wenn Sie heute Ihr Alter bei drei verschiedenen Anbietern bestimmen lassen, erhalten Sie drei Mal ein unterschiedliches Resultat», sagt er. Praxisnäher und als Indikatoren für Alterung und Gesundheitszustand bereits etabliert seien hingegen drei Messgrössen, die sich schon heute relativ einfach bestimmen liessen und mit denen er und sein Team am Biozentrum Basel regelmässig arbeiteten: Die Gehgeschwindigkeit, die Griffkraft und die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max). Laut Handschin sind sie gute Vorhersagewerte für die Sterblichkeit.
Er selbst forscht zur Skelettmuskulatur und dazu, wie sich Bewegung auf molekularer Ebene auf Alterungsprozesse, Stoffwechsel und altersbedingte Krankheiten wie Sarkopenie –altersbedingten Muskelschwund – auswirkt. Im Zentrum seiner Forschung stehen sogenannte Myokine 3,4: hormonähnliche Botenstoffe, die unsere Muskeln freisetzen, wenn wir uns bewegen, und die sich auf zahlreiche Organe im Körper auswirken. So beispielsweise Interleukin 6: Schon lange ist bekannt, dass der Stoff
entscheidend ist bei Entzündungsreaktionen im Körper. Vom Skelettmuskel ausgeschüttet, wirkt er laut Handschin aber vielmehr antientzündlich und trägt dazu bei, dass andere Organe Energie bereitstellen und dass das Muskelwachstum begünstigt wird. Studien zeigen: Wird der Botenstoff beim Training blockiert, wird danach weniger Bauchfett abgebaut als wenn er ungehindert wirken kann.
Ein weiteres prominentes Myokin ist Irisin, benannt nach der griechischen Götterbotin Iris. Beim Kraft- oder Ausdauertraining ausgeschüttet, ist seine Wirkung vielfältig: Es begünstigt die Umwandlung von weissem in braunes Fettgewebe, wirkt sich schützend auf Gefässe und Herzmuskel aus und fördert den Knochenaufbau. Zudem verbessert es die Hirnfunktion und scheint die Neubildung von Hirnzellen anzuregen. Laut Handschin wird derzeit viel dazu geforscht, ob und wie es künftig in der Therapie eingesetzt werden könnte, etwa bei Diabetes oder bei neurodegenerativen Krankheiten.
Weitere vielversprechende Myokine, die vor allem beim Ausdauertraining ausgeschüttet werden, sind Apelin und BDNF: Ersteres wirkt auf die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, und hilft, dem altersbedingten Muskelschwund (Sarkopenie) entgegenzuwirken. Letzteres steht für «Brain-Derived Neurotrophic Factor» und fördert das Überleben von Nervenzellen sowie die Bildung neuer Synapsen und verbessert so die kognitive Funktion und das Gedächtnis. «Die Liste der Myokine ist lang, ihre Wirkung komplex», sagt Handschin. Bisher seien ungefähr hundert verschiedene nachgewiesen und gut beschrieben. Von vielen sei die genaue Wirkung noch unklar und zahlreiche weitere seien vermutlich noch gar nicht entdeckt, hält der Forscher fest. Aber schon jetzt steht fest: «Myokine sind für unsere Gesundheit und für gesunde Langlebigkeit von zentraler Bedeutung.» Und sie sind wohl der Grund dafür, dass regelmässige Bewegung bis heute das beste Mittel ist, um gesund zu altern: Sport
Die stärksten Faktoren, die unseren Alterungsprozess insgesamt und die Alterung unseres Immunsystems verlangsamen können, sind Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, Meditation oder Achtsamkeit sowie soziale Interaktion – und das Vermeiden von Rauchen und Alkohol. Studien zeigen: Wer mehrere davon gleichzeitig umsetzt, kann den Alterungsprozess messbar verlangsamen.
reduziert nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, sondern wirkt direkt auf die molekularen Mechanismen des Alterns.
«Die Menge an Myokinen, die unsere Muskeln ausschütten, steigt mit der Intensität des Trainings», sagt Handschin. Ein Spaziergang hilft also, aber intensiverer Sport wäre noch besser. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind 150 bis 300 Minuten moderate bis intensive Aktivität pro Woche ideal.
Dass sich alle gesundheitsfördernden Wirkungen der Bewegung dereinst durch die Einnahme von Myokinen ersetzen lassen, wie manche Start-ups es heute versprechen, bezweifelt Handschin. Auch andere «Anti-Aging-Wundermittel», die in den letzten Jahren als potenzielle Langlebigkeits-Booster gehandelt wurden, sieht er kritisch. Etwa die Medikamente Metformin und Rapamycin, von denen das erste bei Diabetes eingesetzt wird, das zweite als Immunsuppressivum nach Organtransplantationen. Beide haben in Tierversuchen typische Alterskrankheiten günstig verändert und das Leben teilweise deutlich verlängert – allerdings nur bei Würmern, Fliegen und Mäusen. «Es gibt bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass diese Medikamente auch beim Menschen eine Wirkung auf gesundes Altern haben», stellt Handschin klar. Problematischer noch: Studien bei gesunden Probandinnen und Probanden haben aufgezeigt, dass beide Substanzen die positiven Effekte von Training zunichtemachen können. «Nur Patientinnen und Patienten, die diese Medikamente aus medizinischen Gründen brauchen, sollten sie einnehmen», sagt Handschin. Als «Lifestyle-Produkt» für gesunde Menschen,
die sich davon Anti-Aging-Effekte erhoffen, rät er klar ab: «Im schlimmsten Fall haben sie keinen Effekt oder sogar Nebenwirkungen.»5,6
Auch Nahrungsergänzungsmittel allein haben laut den beiden befragten Forschenden keinen Effekt auf gesunde Langlebigkeit. Kombiniert mit Bewegung können einige aber unterstützend wirken: Für ältere Menschen, die über die Nahrung nicht genügend Protein einnehmen, kann laut Handschin ein Proteinpräparat sinnvoll sein. «Aber wenn es nicht mit Krafttraining kombiniert wird, nützt Protein nichts gegen altersbedingten Muskelschwund.»
Bei einem Mangel könne auch die Einnahme von Vitamin D2 und Omega-3 helfen: In der bisher grössten europäischen Altersstudie DO-HEALTH senkte die Kombination aus täglicher Einnahme von einem Gramm Omega-3 und 2000 Internationalen Einheiten Vitamin D mit einem einfachen Krafttraining das Risiko für neue Krebserkrankungen sowie für Gebrechlichkeit deutlich. In der Partnerstudie von DO-HEALTH bei über 25 000 Menschen in den USA zeigte die gleiche Dosierung der Supplemente zudem eine Verminderung neuer Immunerkrankungen. «Für weitere Supplemente und Therapien fehlen aktuell die Belege aus grossen hochqualitativen Studien und, genauso wichtig, die Sicherheitsprüfungen», sagt Bischoff-Ferrari.
Drogerien können hier eine entscheidende Schnittstelle im Gesundheitssystem besetzen. Anstatt nur Produkte zu verkaufen, können sie zu Beratungszentren für Prävention werden und dabei helfen aufzuzeigen, dass es bisher keine Wunderpille für gesundes Altern gibt. Und dass gesundes Altern zu einem grossen Teil in unserer Hand liegt – und es sich lohnt, aktiv zu werden.
Myokine: lebensverlängernde Stoffe aus unseren Muskeln
Das vollständige Literaturverzeichnis finden Sie hier:
Wenn wir unsere Muskeln bewegen, setzen diese eine Vielzahl sogenannter Myokine frei: hormonähnliche Botenstoffe, die sich auf zahlreiche Organe im Körper auswirken. Manche begünstigen das Muskelwachstum oder den Abbau von Fettgewebe, andere wirken antientzündlich, stärken Gefässe oder wirken sich positiv auf die Gehirnleistung aus. Die Wirkungen sind vielfältig – und in vielen Fällen erst ansatzweise bekannt. Die Forschung hat bereits mehr als hundert unterschiedliche Myokine identifiziert. Bei mehreren wird derzeit der therapeutische Nutzen erforscht, denn trotz vieler offener Fragen ist heute klar: Myokine sind für unsere Gesundheit und für gesunde Langlebigkeit von zentraler Bedeutung.

Seit 20 Jahren ist der Drogerieriese Müller in der Schweiz. Und eröffnet Filiale um Filiale. Geplant ist auch ein bislang Müller-atypisches
Shop-in-Shop-Konzept. Im Gespräch mit Wirkstoff verrät Szilvia Fekete, Leiterin Verwaltung Müller Schweiz, wohin die Reise geht, warum das Unternehmen trotz Fachkräftemangel an OTC festhält und was es als Arbeitgeber auszeichnet.
7 Claudia Merki | Miriam Kolmann
Szilvia Fekete, die Müller Handels AG Schweiz hat 2025 das 20-Jahr-Jubiläum gefeiert. Wie geht es ihr in der Schweiz?
Szilvia Fekete: Es geht uns gut, wir fühlen uns sehr wohl, aufgenommen und angekommen. Müller hat sich als wichtiger Einkaufsort für Alt und Jung etabliert. Diese Wertschätzung motiviert uns, in der Schweiz weiter zu expandieren.
Fühlt sich Müller auch in der «Drogeriefamilie» aufgenommen?
Wir sind dem Schweizerischen Drogistenverband 2017 beigetreten und freuen uns, ein starker Partner für die Drogeriefamilie zu sein. Wir pflegen engen Austausch, etwa auf der jährlichen Branchenkonferenz, der Generalversammlung oder den Aroser Drogistenskitagen.
Im Jubiläumsjahr 2025 hat Müller die Marktstellung in der Schweiz rasant weiter ausgebaut, von 91 auf 98 Filialen mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 92 500 m², einem Plus von 12 500 m². Wird Müller die
Expansion in diesem Tempo weiter vorantreiben?
Die im Jahr 2025 erfolgten Modernisierungen und Neueröffnungen werden wir dieses Jahr konsequent fortsetzen. Wir planen, um mindestens 15 Filialen zu wachsen. 90 Prozent davon in der Deutschschweiz, der Rest im Tessin und in der Westschweiz. Wir fokussieren uns dabei auf Städte, in denen wir noch nicht präsent sind, etwa Lausanne, Genf, Locarno oder Ascona.
Was will Müller in den nächsten 20 Jahren in der Schweiz erreichen?
Wir wollen weiterwachsen und unseren Marktanteil in der Schweiz kontinuierlich ausbauen.
Was macht die Schweiz so attraktiv für Drogerieketten aus Deutschland, ist der Konkurrenzkampf kleiner?
Da die Standortdichte in Deutschland hoch ist, suchen deutsche Drogerieketten neue Vertriebswege innerhalb Europas. 2025
Szilvia Fekete wurde in Ungarn geboren und wuchs dort auf. An der Universität Sopron absolvierte sie das Studium der Betriebswirtschaftslehre und schloss es mit einem Masterabschluss ab. Fekete, die am Hallwilersee lebt, verfügt über eine mehr als zwanzigjährige internationale Berufserfahrung im Bereich Einzelhandel in verschiedenen Positionen. Seit 2019 bei Müller, übernahm sie anfänglich die Bereichsleitung Einkauf und verantwortete den Gesamteinkauf für die Länder. Seit 2023 ist Fekete als Leiterin Verwaltung Schweiz beim Unternehmen tätig. Sie achtet auf eine gesunde Ernährung, liebt die Natur, das Reisen und Hunde.
haben wir neben der Schweiz unseren Expansionskurs auch in der Slowakei und in Tschechien vorangetrieben.
Inwiefern setzt Müller auf Innovation?
Wir setzen auf vielfältige innovative Ansätze in unseren Filialen. In Zürich und Luzern haben wir beispielsweise ein neuartiges Luxus- beziehungsweise Premiumkonzept für unsere Parfümerien entwickelt. Weitere Neuerungen in unseren Filialen planen wir im Segment Gesundheit und Wohlbefinden. Hier werden wir zukünftig auch innovative Technologien und KI-Lösungen einsetzen.
Wie wird das Sortiment aussehen?
Wir entwickeln es laufend weiter und setzen dabei zunehmend auf Shop-in-ShopSysteme. Damit können wir nicht nur auf die individuellen Interessen unserer Kundinnen und Kunden eingehen, sondern unser Sortiment auch visuell ansprechend ausbauen.
Was heisst das konkret?
Konkreteres dazu werden wir zu einem späteren Zeitpunkt kommunizieren.
Welche Ausbildung haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Parfümerie im Flagshipstore Zürich?
In allen Filialen mit Parfümerie arbeiten gelernte Detailhandelsfachfrauen und -männer aus der Parfümeriebranche.
Der Konzern übernahm am 1. Januar 2026 zehn Standorte der Genossenschaft Migros Zürich, ehemalige Alnatura Bio-Supermärkte, und führte ein «Nahversorgerkonzept» im Bereich Drogerie ein. Worum geht es bei diesen «Nahversorgerfilialen», was beabsichtigt Müller damit?
Wir arbeiten seit vielen Jahren eng mit dem Migros-Genossenschafts-Bund zusammen. Nun haben wird die AlnaturaStandorte übernommen und werden die Filialen in den Innenstädten im Laufe dieses Jahres auf das Müller-Konzept umstellen. Wir werden das Sortiment individuell auf den Standort, das Umfeld und die bestehende Einzelhandelsinfrastruktur anpassen.
Werden diese Filialen OTC-Bereiche führen?
Bei vorhandenem Fachkräfteangebot werden wir dies in Betracht ziehen. Unser Wunsch ist in der Tat, die OTC-Abteilung verstärkt zu installieren, leider macht uns der Fachkräftemangel einen Strich durch die Rechnung.
Ende 2024 ist die deutsche Drogeriekette Rossmann mit einer Filiale im Kanton Luzern in den Schweizer Markt eingetreten. Eine Konkurrenz für Müller?
Mitbewerber gehören zum Business. Wir fokussieren uns auf unsere Stärken und begeistern vor allem durch unser vielfältiges Sortiment und innovative Konzepte, wie etwa die OTC-Abteilung und/oder die Luxusparfümerie.
Inwiefern unterscheiden sich Müller und Rossmann?
Der grösste Unterschied liegt in den Sortimenten. Neben klassischen Drogerieartikeln bieten wir ein wesentlich breiteres und tieferes Produktangebot mit entsprechendem Fachpersonal. Die OTC-Abteilung sowie zusätzliche Shop-inShop-Konzepte, etwa im Bereich Luxusparfümerie oder Gesundheit, verdeutlichen den Unterschied.
Laut K-Tipp sind gewisse Drogerieartikel bei Aldi, Lidl und Migros oft billiger als bei Müller und Rossmann, welche die Schweizer Preise ja unterbieten wollen. Legen sich die deutschen Ketten ein Günstig-Image zu, damit potenzielle Kundinnen und Kunden zuerst bei ihnen vorbeischauen und dann unkritisch einkaufen?
Wir setzen auf Vielfalt und Qualität. Deshalb ist es uns wichtig, dass Kundinnen und Kunden für jeden Anspruch und Geldbeutel das passende Produkt finden. Wir bieten ein breites Spektrum von günstigeren Qualitätsmarken aus dem Hause Müller bis zu Premium-Brands an. Unser Ziel ist es, ein kuratiertes Angebot für alle zu bieten.
Müller-Drogerien bieten rund zehn Angebotskategorien an. Es findet sich zum Beispiel auch Hundefutter darunter. Offenbar kommen die Schweizer auch deshalb zu Müller.
Auch Tierliebhaber brauchen ab und zu ein Parfüm (lacht). Manche betreten das Geschäft wegen Hundefutter und verlassen es mit einem gefüllten Einkaufskorb. Zudem legen wir Wert auf Schweizer Produzenten. Bei uns gibt es praktisch alles unter einem Dach. Diese Sortimentszusammenstellung funktioniert seit über 70 Jahren und in mittlerweile neun europäischen Ländern.
Ein grosses Sortiment verlangt grosse Beratungskompetenz. Wissen Ihre Mitarbeitenden da genug Bescheid?
Unser Personal wird kontinuierlich durch interne Fachseminare, Schulungen der Industrie sowie in unserer eigenen MüllerAkademie aus- und weitergebildet. Ergänzend dazu nehmen unsere Lernenden sämtliche Angebote der Berufsschule wahr. Auch Seminare ausserhalb des offiziellen Lehrplans werden von den Lernenden von Müller regelmässig besucht. Das gehört zu unserem Qualitätsanspruch. Nur bestens ausgebildete Mitarbeitende können unsere Kundinnen und Kunden kompetent, individuell und auf höchstem Niveau beraten.
20 Jahre auf dem Schweizer Markt – Müller konnte die «typische» Schweizer Kundschaft kennenlernen. Wer ist sie, wie funktioniert sie?
Sie will keine Massenware, sondern fokussiert sich in erster Linie auf Qualität, Fachberatung und legt Wert auf ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das vielfältige Angebot erweitert dabei die Segmentierung der Kundschaft – Jung und Alt kaufen gerne bei Müller.
Müller betreibt in der Schweiz über 20 Filialen mit OTC-Bereich. Diese sind dem SDV angeschlossen und beschäftigen dipl. Drogistinnen und Drogisten HF. Wie läuft es mit diesen OTC-Drogeriestandorten und sollen weitere dazukommen?
OTC ist ein wichtiger Bestandteil von Müller in der Schweiz. Um diesem Bereich auch künftig gerecht zu werden, planen wir in diesem Jahr die Eröffnung einer weiteren OTC-Abteilung. Dafür benötigen wir qualifizierte dipl. Drogistinnen und Drogisten HF. Da diese Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt sind, bieten wir Drogistinnen und Drogisten die Möglichkeit einer berufsbegleitenden Weiterbildung an der ESD an. Müller übernimmt dabei die gesamten Ausbildungskosten und gewährt nach erfolgreich abgeschlossenem Studium eine Übernahmegarantie als Filialleiterin oder Abteilungsleiter OTC. Jährlich finanzieren wir die Weiterbildung von mehreren Absolventinnen und Absolventen
Drogeriekongress: 19.– 21. April 2026 an der ESD Neuenburg
Details zu den über 20 Fachworkshops finden Sie in der Beilage. Sichern Sie sich Ihren Platz bis am 31. März.
Anmeldung via QR-Code


Schweizerischer Drogistenverband, Thomas-Wyttenbach-Str. 2, 2502 Biel/Bienne 032 328 50 30, bildung@drogistenverband.ch, drogerie.ch
und investieren damit gezielt in den nachhaltigen Aufbau unseres OTC-Fachwissens.
Es ist anzunehmen, dass sich Absolventinnen und Absolventen bei Müller verpflichten müssen.
Ja, sie verpflichten sich, ihr erworbenes Wissen während drei Jahren bei Müller einzubringen.
Mussten Sie aufgrund von Fachkräftemangel auch schon OTC-Bereiche schliessen? Bedauerlicherweise ja.
Finden Sie genügend Drogistinnen und Drogisten?
Wie die gesamte Branche sehen auch wir uns mit einem anspruchsvollen Arbeitsmarkt konfrontiert. Mit unserem klaren Fokus auf Aus- und Weiterbildung sowie Karriereperspektiven schaffen wir dennoch gute Voraussetzungen, um unseren Bedarf an qualifizierten Drogistinnen und Drogisten nachhaltig zu decken.
An einer Veranstaltung wurde Müller sehr gelobt bezüglich Ausbildung der Lernenden. Worauf legt das Unternehmen bei der Ausbildung von angehenden Drogistinnen und Drogisten EFZ Wert?
Grossen Wert legen wir auf eine fundierte fachliche Ausbildung, ergänzt durch praktische Erfahrung und persönlichen Austausch. Unsere Lernenden nehmen regelmässig an internen Lehrlingsschulungen teil, bei denen neben dem Fachwissen auch der gegenseitige Austausch und das Lernen voneinander gefördert werden. Ein besonderes Highlight ist unsere jährlich im Oktober stattfindende Laborwoche. Während dieser intensiven Praxisphase vertiefen die Lernenden ihre Kenntnisse in der Herstellung von Teemischungen, Bachblütenmischungen, Spagyrik-Sprays, Salben, Tinkturen sowie weiteren Hausspezialitäten und sammeln wertvolle praktische Erfahrungen für ihren Berufsalltag.
2023 wurde das Unternehmen von einer Ratingagentur zu einem der besten Arbeitgeber der Schweiz erkoren. Was macht Müller als Arbeitgeber so gut?
Als familiengeführtes und wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen bietet Müller ein stabiles und verlässliches Arbeitsumfeld. Die langjährige Zugehörigkeit vieler Mitarbeitender bestätigt unsere nachhaltige Unternehmenskultur und unseren Anspruch als attraktiver Arbeitgeber. Wir fördern unsere Mitarbeitenden gezielt durch attraktive Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Interne Weiterbildungsangebote, individuelle Förderung sowie sehr gute Karriereperspektiven und flache Hierarchien ermöglichen persönliche und fachliche Entwicklung. Eine hohe Wertschätzung gegenüber unseren Mitarbeitenden und ihren Ideen sowie ein respektvoller, partnerschaftlicher Umgang miteinander prägen unseren Arbeitsalltag und machen Müller zu einem Arbeitgeber, bei dem man sich langfristig wohlfühlen und entwickeln kann.
Was kann Müller von den Schweizer Drogerien lernen?
Insbesondere die Tiefe der Spezialsortimente sowie die Vielfalt an Naturheilmitteln finden wir spannend.
Und umgekehrt?
Da müssten Sie die Branchenkollegen fragen.
Schweizer Drogerien sind Fachgeschäfte für Schönheit, Gesundheit und Wohlbefinden. In welchen Fällen suchen Sie persönlich eine Schweizer Drogerie auf? Wohl weniger wegen eines Lippenstifts.
Ja, den Lippenstift kaufe ich nicht dort. Wenn es aber um OTC-Produkte geht, gehe ich in die Schweizer Drogerie an meinem Wohnort.
In der April-Ausgabe von Wirkstoff erwartet sie an dieser Stelle ein Gespräch mit Jure Batur, CEO von Similasan.

was kann
Pickel
begleiten und belasten viele Personen, allen voran Jugendliche. Anpassungen in der Ernährung können den Verlauf positiv beeinflussen und die Lebensqualität verbessern.
7 Jasmin Weiss
Akne, medizinisch als Akne vulgaris bezeichnet, ist die häufigste entzündliche Hauterkrankung.¹ Akne und ihre Entstehung wird durch Umwelteinflüsse wie klimatische Veränderungen, Schlafmangel, Stress, Luftverschmutzung, Sonneneinstrahlung und eine westliche Ernährungsweise gefördert oder beeinflusst.1,4 Die intestinale Mikrobiota kann ebenfalls Einfluss auf die Hautmikrobiota haben, wobei eine Dysbiose zur Entwicklung von Akne beitragen kann.¹
Der Entstehung von Akne liegen verschiedene Mechanismen zugrunde:1,2
• Die übermässige Vermehrung von Cutibacterium acnes, einem in der Hautflora vorkommenden Bakterium,
• die Verhornung der Haarfollikel,
• die übermässige Talgproduktion und
• entzündliche Mechanismen.
Wie wirkt sich die Ernährung auf die Erkrankung aus?
Jugendliche sind häufig besonders stark von Akne betroffen.¹ In der Pubertät werden für das Grössenwachstum hohe Spiegel an insulinähnlichen Wachstumsfaktoren 1 (IGF-1) benötigt.¹ Eine Erhöhung von IGF-1 führt zu einer erhöhten Talgproduktion.² Zudem steigern hohe Insulinwerte im Blut den IGF-1-Spiegel.² Ein weiterer Faktor im Stoffwechsel, der in Zusammenhang mit Akne steht, ist der Proteinkomplex mTORC1. Dieser Proteinkomplex ist ein im Körper vorkommender Regulator und er steuert den Stoffwechsel.³ Bei Akne wirkt er auf die Vermehrung der Talgdrüsen, die Hautverdickung und die Lipidsynthese ein.² Der Proteinkomplex mTORC1 wird durch
Was hilft bei Akne?
Leucin, eine Aminosäure in der Nahrung, aktiviert sowie indirekt auch durch IGF-1.² Spannend ist, dass sowohl Leucin, der Insulinspiegel im Blut wie auch IGF-1 durch unsere Ernährungsweise mitbeeinflusst werden können. Unsere Ernährung kann also Akne verschlimmern, da sie die Spiegel an Insulin und IGF-1 im Blut erhöhen kann. Dies ist insbesondere bei der westlichen Ernährungsweise der Fall, bei der dem Körper viel Zucker, stark verarbeitete Lebensmittel, gesättigte Fette und Milchprodukte zugeführt werden.¹ Insgesamt belegen verschiedene Untersuchungen die Rolle der Ernährung bei Akne als begleitende Therapie (siehe Zusatztext «Was hilft bei Akne?» auf Seite 25), deshalb sollte die Ernährung bei der Behandlung nicht ausser Acht gelassen werden.1,4 Die folgenden Abschnitte zeigen, wie sich Kohlenhydrate, Milchprodukte und Fette auf Akne auswirken können.
Kohlenhydrate wirken sich auf den IGF-1und den Insulinspiegel im Blut aus.² Dabei kommt es jedoch auf die Art und die Menge der Kohlenhydrate an.² Der glykämische Index und die glykämische Last beschreiben den Einfluss von Lebensmitteln auf den Blut zucker- und Insulinanstieg im Körper.¹ Die glykämische Last beschreibt die Menge der Kohlenhydrate oder die Kohlenhydratdichte, der glykämische Index beschreibt, wie stark der Einfluss auf die Blutzucker- und Insulinwerte ist.¹ Ein hoher Index oder eine hohe Last bedeuten einen raschen und hohen Anstieg der beiden Werte durch Nahrung.¹ Darunter fallen Lebensmittel wie Fast Food, Süssigkeiten, industriell hergestellte Weissmehlprodukte und Backwaren oder Süssgetränke.¹
Therapeutisch stehen neben der Ernährung verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um Akne zu bekämpfen: unterschiedliche Topika, orale Medikamente, Peelings, Laser- sowie Lichttherapie.2 Die Reinigung der Haut sollte mit einer seifenfreien Waschlotion mit einem pH-Wert von 5,5 erfolgen.8 Die Pflege mit Öl-in-Wasser-Emulsionen oder Hydrogelen und auf die Akne abgestimmten Peelings kann die Haut unterstützen.8 Für pflanzliche Mittel wie Gels mit Teebaumöl oder Lotionen mit Grünteeextrakt konnte in Studien ebenfalls ein positiver Effekt auf die Akne gezeigt werden.9 Hopfenextrakt könnte ebenfalls einen positiven Einfluss haben, wobei hier noch weitere Studien die Wirkung bestätigen müssen.9 Der Einsatz von Prä- und Probiotika bei Akne wird in der Forschung untersucht und es zeigen sich erste Hinweise auf positive Resultate.1,2 Um eine Empfehlung zur Supplementation auszusprechen, braucht es zuerst jedoch noch grössere und vertiefte Studien.1 Um das Resultat einer Supplementation mit Mikronährstoffen zu evaluieren, werden ebenfalls noch weitere Untersuchungen benötigt.1,4

Eine Ernährung mit einem tiefen glykämischen Index und einer tiefen glykämischen Last kann den IGF-1-Spiegel senken und zeigt in Studien eine Verbesserung der Akne im Vergleich mit einer kohlenhydratreichen Ernährung.² Beim Vergleich einer Ernährung mit niedriger glykämischer Last und einer westlichen Ernährung konnten durch die Reduktion der glykämischen Last nicht nur die Akne verbessert, sondern auch die IGF1-Spiegel im Blut gesenkt werden.¹
Milchprodukte
Die Proteine Kasein und Molke in der Milch erhöhen die IGF-1-Werte und stimulieren die Insulinsekretion.1,2 Dies liefert eine mögliche Erklärung, warum Molke- oder BCAA (branched-chain-amino acids)-Präparate, die unter anderem im Fitnessbereich eingesetzt werden, die Akne verstärken können.1,2 Milchprodukte sind jedoch nicht gleich Milchprodukte, da sie sich in Zusammensetzung und Verarbeitung deutlich unterscheiden können. Der glykämi-
sche Index spielt unter anderem eine Rolle.² Gezuckerte Milchprodukte wie Glace haben eine deutlich stärkere Wirkung auf den Insulinspiegel und dadurch auf die Akne, was bei Käse nicht der Fall ist.² Die in der Molke vorkommenden verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA) aktivieren ausserdem den Proteinkomplex mTORC1.¹ Übrigens: Pflanzliche Milchersatzprodukte haben einen deutlich geringeren Effekt auf diese Prozesse, abgesehen von Soja, welches ebenfalls die Insulinsekretion stimuliert.⁴
Bestimmte Fette können sich sowohl positiv als auch negativ auf die Akne auswirken.² Beobachtungen zeigen einen Zusammenhang zwischen einer hohen Zufuhr an Transfettsäuren sowie gesättigten Fettsäuren und einem höheren Akneschweregrad.² Gesättigte Fettsäuren sind vor allem in Fleisch- und Milchprodukten, Palmkernoder Kokosfett enthalten.5 Transfettsäuren entstehen bei der Zubereitung mit hohen
nicht förderlich förderlich

Industriell gefertigte Nahrungsmittel

Milchprodukte, Molke

Food, frittierte Speisen
Hochprozessierte Feinmehlprodukte


Hyperglykämische Nahrungsmittel
Unverarbeitete Grundnahrungsmittel


Vollkornprodukte


Das vollständige Literaturverzeichnis finden Sie hier:
Temperaturen, natürlicherweise im Verdauungstrakt von Wiederkäuern oder bei der industriellen Teilhärtung oder Raffination von Fetten. 5 Sie kommen somit im Fleisch und in Milchprodukten von Wiederkäuern, dazu gehören Kühe, Rinder, Schafe und Ziegen, vor und sind in industriell hergestellten Produkten wie Backwaren oder Riegeln enthalten. 5
Omega-3-Fettsäuren können sich hingegen positiv auf die Akne auswirken da sie die Werte für IGF-1 und entzündungsfördernde Botenstoffe verringern können.1,2 Omega-3-Fettsäuren sind in verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln und deren Ölen wie Leinsamen, Walnüsse, Raps, Hanf- oder Chiasamen sowie Algen enthalten.¹ Meeresfische enthalten ebenfalls Omega-3-Fettsäuren.¹ Interventionsstudien mit Omega-3-Supplementen zeigen eine mögliche positive Wirkung auf die Akne, wobei hier noch weiter geforscht werden muss, bevor eine Empfehlung formuliert werden kann.¹
Damit sich die Akne nicht noch weiter verschlimmert, können folgende Ernährungstipps beachtet werden: Vermieden werden sollten eine zu hohe Kalorienzufuhr, Zwischenmahlzeiten, Alkohol, gesättigte Fette und Transfette, raffinierte Kohlenhydra-
te wie Weissmehlprodukte und Zucker, ein übermässiger Konsum von Soja- und Milchprodukten (zum Beispiel von FitnessShakes auf Molkebasis) sowie eine zu hohe Zufuhr an Eiern und Fleisch, sowie Lebensmittel, welche oft reich an diesen Zutaten sind, wie Fast Food, süsse und salzige Snacks oder Fertigbackwaren.⁴ Durch die Vermeidung von Zwischenmahlzeiten und Snacks kann der IGF-1- und Insulinspiegel reduziert werden.⁴
Grundsätzlich sollte eine ausgewogene Ernährung bevorzugt werden mit einer hohen Zufuhr an Gemüse, Früchten, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen.⁴ Eine abwechslungsreiche Proteinzufuhr mit Käse und Fisch und moderatem Fleischkonsum ist trotzdem wichtig, um den Proteinbedarf des Körpers zu decken.⁴ Bevorzugt werden sollten ungesüsste, möglichst unverarbeitete proteinhaltige Lebensmittel.⁴
Wichtig ist: Auf Lebensmittel, welche Akne triggern können, muss nicht immer ganz verzichtet werden. Zu bedenken ist ausserdem, dass Lebensmittel andere gesundheitliche Aspekte ebenfalls beeinflussen können und es wichtig ist, den Nährstoffbedarf zu decken. So ist zum Beispiel Kalzium, welches in Milchprodukten reichlich enthalten ist, relevant für die Knochengesundheit.6 Bei einer Ernährung ohne Milchprodukte ist eine bewusste Nahrungsmittelauswahl wichtig.6
Einfluss exogener und endogener Stimuli auf die Hautgesundheit

Ernährung

Einflüsse
Kopfhautbeschwerden wie Juckreiz, Rötungen oder Spannungsgefühle zählen zu den häufigsten Anliegen in der pharmazeutischen Beratung. Häufig liegen die Ursachen nicht im Haar selbst, sondern in einer gestörten Kopfhautbarriere oder einem unaus-geglichenen Mikrobiom. Externe Faktoren wie Stress, Medikamente oder ungeeignete Pflegeprodukte können diese Prozesse zusätzlich verstärken.

Für eine erfolgreiche Beratung ist daher eine klare Differenzierung der Kopfhautsituation entscheidend. Ziel moderner Scalp Care ist es, die natürliche Schutzfunktion der Kopfhaut zu stabilisieren, Reizreaktionen zu reduzieren und das physiologische Gleichgewicht langfristig zu unterstützen. Eine intakte Kopfhaut bildet die Basis für funktionierende Haarfollikel und gesundes Haarwachstum.
Hochsensible Kopfhaut: besondere Anforderungen an die Pflege. Charakteristisch für hochsensible Kopfhaut sind eine geschwächte Hautbarriere sowie ein unausgewogenes Mikrobiom. In der Beratung sind daher hochverträgliche, milde Formulierungen gefragt, die gezielt
beruhigen und die Barrierefunktion stärken.
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Pflanzen haben weder ein Nervensystem noch Blutbahnen. Aber auch sie verfügen über ein angeborenes Immunsystem. Ihre Abwehrmechanismen gegen Feinde kommen seit Jahrtausenden auch uns Menschen zugute.
7 Adrian Ritter
Pflanzen sind von Millionen von Bakterien, Viren und Pilzen umgeben – in der Luft und vor allem im Boden, in dem sie wachsen. Ständig müssen Blumen, Bäume und landwirtschaftliche Nutzpflanzen zwischen Selbst, Freund und Feind unterscheiden. «Dabei können sie auf ein sehr erfolgreiches Immunsystem zählen», sagt Cyril Zipfel, Professor am Institut für Pflanzen- und Mikrobiologie der Universität Zürich. «Wenn wir die Natur um uns herum anschauen, ist die Mehrheit der
Pflanzen gesund, Krankheit ist die Ausnahme.»
Zipfel gehört zu den Pionieren, wenn es darum geht, zu verstehen, was in Pflanzen abläuft, wenn sie sich gegen Pathogene wehren. Und das ist so einiges. Pflanzen haben zwar kein Nerven-, Blut- und Lymphsystem und auch keine spezialisierten Immunzellen. Sie kompensieren das durch eine andersartige Abwehr, die ebenfalls sowohl lokal als auch systemisch geschieht. Ein adaptives Immunsystem, wie es Säugetiere

Pflanzen wehren sich mit ihrem Immunsystem recht erfolgreich gegen Pathogene und können über Signalstoffe auch benachbarte Pflanzen warnen.
haben, kennen Pflanzen nicht, wohl aber haben sie wie viele andere Vielzeller ein angeborenes Immunsystem.
Dieses funktioniert bei Pflanzen zweistufig. Erstens sind Pflanzen Meister darin, Pathogene zu erkennen. Statt spezialisierter Immunzellen sind dazu alle Zellen der Pflanze imstande: An ihrer Oberfläche besitzen sie Rezeptoren, die typische Molekülmuster von Krankheitserregern erkennen. Diese erste Verteidigungslinie – Pattern-Triggered Immunity (PTI) – löst bereits eine Kaskade der Abwehr aus: Die Expression von Abwehrgenen wird angekurbelt – wodurch sekundäre Pflanzenstoffe wie antimikrobielle Substanzen und Hormone produziert werden, um Pathogene abzutöten und die Immunreaktion zu verstärken. Zudem härtet die Pflanze ihre Zellwände, damit Feinde weniger gut eindringen können.
Bisweilen gelingt es Pathogenen, die erste Verteidigung zu umgehen. Pflanzen haben für diesen Fall eine zweite Verteidigungslinie namens «Effector-Triggered Immunity» (ETI) entwickelt. Diesmal kommen nicht Rezeptoren auf der Oberfläche, sondern im Innern der Pflanzenzelle zum Einsatz. Jetzt wird die Abwehr weiter hochgefahren. Ausserdem lässt die bedrohte Pflanze, wenn nötig, Teile von sich absterben, damit Pathogene sich nicht ausbreiten können. Die Kommunikation über den Feind findet dabei über die ganze Pflanze hinweg statt: Zellen informieren Nachbarzellen und – vor allem bei einem Insektenangriff – über Signalstoffe auch Nachbarpflanzen über die Gefahr, sodass diese ihre Abwehr aktivieren können. «Es findet eine konstante Koevolution zwischen Pathogenen und Pflanzen statt – ein richtiges Wettrüsten», sagt Zipfel. Allerdings müssen Pflanzen wie wir Menschen dabei ihr Immunsystem im Schach halten, sonst drohen autoimmune Prozesse. Bei der Pflanze sind das nicht Autoimmunkrankheiten, sondern ein vermindertes Wachstum: Ist das Immunsystem zu aktiv, verbraucht das Energie, die für das Wachstum fehlt.
Damit enden die Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Pflanze noch nicht. So verfügen auch Pflanzen über ein Mikrobiom auf ihrer Oberfläche – dessen Bedeutung gerade wie beim Menschen erforscht wird. Und statt nur Schädlinge zu bekämpfen, versucht man auch in der Pflanzenzucht vermehrt, die Abwehr zu stärken –eine Art Immuntherapie. Dazu nutzt man unter anderem Bakterien und Pilze, die der Pflanze nicht schaden, aber ihr Immunsystem anregen.
Gleichzeitig versucht der Mensch, das pflanzliche Immunsystem schon seit Urzeiten für seine eigene Gesundheit zu nutzen. «Viele der ältesten Medikamente der Humanmedizin sind Bausteine des pflanzlichen Abwehrsystems», sagt Robin Teufel, Professor für Pharmazeutische Biologie an der Universität Basel. Zunächst wurden Heilpflanzen genutzt, ohne zu wissen, wie ihre Wirkung zustande kommt. Später isolierten Forschende die einzelnen Moleküle, testeten sie systematisch und entwickelten daraus zugelassene Medikamente. So gibt es heute einerseits pflanzliche Gemische als standardisierte Extrakte und andererseits aus Pflanzen gewonnene, heute oft auch synthetisch hergestellte Einzelwirkstoffe. Einer der bekanntesten ist die Acetylsalicylsäure in Schmerzmitteln, deren Vorläufer Salicylsäure ursprünglich aus der Weidenrinde gewonnen wurde.
Der erste isolierte Naturstoff aus einer Pflanze war Morphin aus dem Schlafmohn. Es ist ein klassisches Pflanzengift, das in hoher Dosis lebensgefährlich ist – in der richtigen Dosis aber zu den wichtigsten Schmerzmitteln zählt. Bekannte Beispiele pflanzlicher Wirkstoffe sind zudem Chinin aus der Chinarinde oder Artemisinin aus dem Beifuss, die gegen Malaria eingesetzt werden.
«Dass pflanzliche Moleküle überhaupt zu unseren menschlichen Rezeptoren pas-
sen, ist kein Wunder, sondern Ergebnis der Evolution», erklärt Teufel. Viele Proteine und Signalwege seien über Pilze, Insekten und Säugetiere hinweg verwandt. Ob die für die menschliche Gesundheit genutzten Wir kstoffe in den Pflanzen allein der Abwehr dienen oder allenfalls auch andere Funktionen haben, ist nicht immer geklärt. Bekannt ist etwa, dass Flavonoide auch als Blütenfarbstoffe und zur Kommunikation mit anderen Pflanzen dienen. «Viele der heute verwendeten Wir kstoffe sind aber vermutlich primär dem Immunsystem, also der Verteidigung der Pflanzen, zuzuordnen», sagt Robin Teufel.
Die Bestandteile des pflanzlichen Immunsystems können im Menschen unterschiedlich genutzt werden. Einerseits, um beim Menschen das Immunsystem zu beeinflussen. Dies kann bedeuten, die Immunabwehr zu stärken oder im Falle etwa von Autoimmunerkrankungen zu dämpfen. Andererseits können pflanzliche Abwehrstoffe auch im Menschen helfen, Pathogene zu bekämpfen.
Pflanzenextrakte und Reinstoffe werden heute meist von Krankheiten ausgehend erforscht: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler etablieren etwa Tests mit Krebszellen oder Immunzellen und prüfen dann ganze Bibliotheken von Pflanzenextrakten darauf, ob sie einen gesuchten Signalweg zu hemmen oder zu aktivieren vermögen. Ist eine Wirkung sichtbar, kann nach dem dafür verantwortlichen Molekül gesucht werden.
Pflanzliche Reinstoffe sind gemäss Robin Teufel heute in der Humanmedizin vor allem in drei Krankheitsfeldern relevant: Krebs, neurodegenerative Erkrankungen und chronisch-entzündliche beziehungsweise autoimmune Krankheiten. So gehören Paclitaxel aus der Eibe,
Camptothecin aus dem Glücksbaum oder Alkaloide aus dem Immergrün längst zum Standardrepertoire der Onkologie. Und bei rheumatischen oder entzündlichen Erkrankungen kommen pflanzliche Extrakte wie Weihrauchpräparate zum Einsatz, um entzündungsfördernde Signalwege des Immunsystems zu bremsen.
Neuerdings werden zudem pflanzliche Peptide genauer erforscht – also kurze Eiweissstücke, die ebenfalls als Abwehrstoffe dienen können. Es sind mögliche Kandidaten für neue Wir kstoffe, etwa mit antimikrobiellen Eigenschaften. «Bisher wurde noch kein pflanzliches Peptid als Medikament zugelassen, aber das kann sich in Zukunft ändern», sagt Teufel. Grosses Potenzial sieht er weiterhin auch bei herkömmlichen Extrakten und Reinstoffen, denn viele Pflanzen und deren Wir kstoffe seien noch kaum erforscht.
So können uns Pflanzen auch in Zukunft auf mehrere Arten dienen: Einerseits als Wir kstoffgemische in pflanzlichen Extrakten im Rahmen der Phytotherapie und andererseits als isolierte Reinstoffe in der klassischen Schulmedizin. «Gleichzeitig sind Pflanzen auch ein wertvoller Bestandteil einer vielfältigen Ernährung, die durch Ballaststoffe, Vitamine und andere Stoffe ein gesundes Mikrobiom fördern und unser Immunsystem stärken», sagt Robin Teufel.

Eiben produzieren Paclitaxel, um sich vor Fressfeinden zu schützen. In der Medizin wird Paclitaxel zur Behandlung verschiedener Krebsarten eingesetzt.


















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