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Holz

ein Gesicht geben

Nr. 22 (213) 24.10.13 I.P. 9 Jg.


Vom Ein-Mann-Betrieb zum Global Player Hier im Vinschgau hat einer der weltweit größten Hersteller von furnierten, massiven und folierten Leisten und Profilen seinen Stammsitz. 1956 vom Parkettleger und Leistenpionier Karl Pedross gegründet, hat sich das inhabergeführte Familienunternehmen vom anfänglichen Massivparketthersteller im Laufe der Zeit zum Komplettanbieter von hochwertigem Bodenzubehör entwickelt. Aus bescheidenen Anfängen wurde aus dem damaligen Ein-Mann-Betrieb ein Exportriese mit 250 Mitarbeitern und einer Exportquote von 92%. Von Island bis China und von Nordafrika bis Chile wird in knapp 60 Länder weltweit exportiert. Mit der Übernahme des größten deutschen Massivleistenherstellers, der Fa. Bürkle in Frankenthal, im Jahr 2006 erfolgte ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Das deutsche Tochterunternehmen generiert konstant einen Umsatz von knapp 10 Mio. `/ Jahr. 2010 brachte man die Geschäftseinheit Vicover an den Start, die Ummantelungs- und Blattware sowie Furnierkanten und Furnierdecks für die Möbel- und Türenindustrie herstellt und die seitdem jedes Jahr Umsatzzuwächse vermelden kann. In einer für Amerika wirtschaftlich schwierigen Phase wurde 2011 das Tochterunternehmen PedrossUSA im Bundesstaat Arkansas gegründet. Nach nur 2 Jahren beliefert man dort landesweit über 500 Kunden.

Seit 1991 wurde am Hauptsitz in Latsch regelmäßig im 5-Jahres-Takt ein größeres Investitionsvorhaben in den Bereichen Produktion, Logistik und Energieerzeugung realisiert. Allein in den vergangenen beiden Jahren wurden 7,5 Mio. ` am Stammsitz investiert. Damit unterstreicht man die klare Bekenntnis zur Heimat, zum Standort und dem unternehmerischen Erbe. Und dies trotz der laufend steigenden Rohstoffpreise und des ungebremsten Preisverfalls bei den Kernprodukten. Martin Pedross hat gleich nach seinem Eintritt in das Familienunternehmen vor mehr als 20 Jahren ausgetretene Pfade verlassen und den Mut gehabt, neue Wege zu gehen. Heute leitet er ein Unternehmen mit minimalen Bankschulden und einem Eigenkapitalanteil von 64%. „Das Vermächtnis des Vaters ist wichtiger als laufende Gewinnmitnahmen.“ „Ich wollte von Beginn an nicht in seine Fußstapfen treten.“ „Denn dann hätte ich keine eigenen Spuren hinterlassen“, sagt Martin Pedross und er legt Wert auf die Tatsache, dass nicht er, sondern die Menschen und Mitarbeiter neben und mit ihm das Unternehmen so erfolgreich gemacht haben. Pedross ist ein ökologischer Vorzeigebetrieb und auch bekannt für sein soziales Engagement. So erfüllt man z.B. in Latsch zu 100% die Auflagen zur Integration von Menschen mit Behinderung. 10 Mitarbeiter mit verschiedenen Invaliditätsgraden finden im Unternehmen Arbeit und Betreuung.

Die Auftragsbücher waren in der Vergangenheit schon mal besser gefüllt, doch gerade dieser Umstand spornt die Verantwortlichen im Unternehmen zusätzlich an. „Es gibt sehr viele Länder, in die wir unsere Produkte noch nicht liefern und diese Märkte möchte Pedross Schritt für Schritt erobern und ausbauen“, betont Vertriebsleiterin Carmela Amico. Dazu wurden erst kürzlich 3 weitere neue Mitarbeiter eingestellt. Zwei davon haben ihre Wurzeln in Südamerika und werden sich dementsprechend intensiv mit diesen aufstrebenden Märkten befassen. Die Stimmung schlägt rasch um, wenn Martin Pedross auf das Thema Bürokratismus und Steuern angesprochen wird. „Es ist heute vielfach nicht mehr ein Kampf um den Kunden, sondern ein Kampf gegen die unsägliche Bürokratie und die erdrückende Steuerbelastung“, sagt Martin Pedross. „Es gibt eine Grenze für anständig hohe Steuern und diese Grenze wurde in Italien bzw. Südtirol längst überschritten. Der Fiskus entzieht den Unternehmen 70% ihres Gewinns und dann kritisiert man die Unterkapitalisierung der Betriebe – das ist abartig und desaströs.“ Trotz alledem verfolgt man in Latsch ein klares Ziel: nachhaltiges Wachstum, das dauerhaft profitabel, sozial und umweltverträglich ist.

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Holz 2013

Inhalt 4

Rohstoff Holz im Vinschgau

Ein Portrait des Forstinspektorates Schlanders

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Interview mit dem Schlanderser Architekten Martin Thoma

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von Gianni Bodini

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Bauen & Holz

Holz & Impressionen Zu Gast bei

Magdalena Dietl Sapelza besuchte Sepp Heinisch

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Holz & Haus Slaranusa

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Holzprodukte aus der Lebenshilfe Schlanders

Holz & Ausbildung

an der Landesberufsschule Schlanders

Vinschgerwind Impressum „Holz ein Gesicht geben“: Beilage zum „Wind“ Nr. 22/2013; Dantestraße 4, 39028 Schlanders, Tel. 0473 732196, info@vinschgerwind.it; Sekretariat: Edwina Oberthaler; Chefredakteur: Erwin Bernhart; Grafik: Hartwig Spechtenhauser, Marion Fritz; Koordination: Angelika Ploner; Mitarbeit: Magdalena Dietl Sapelza; Werbung: Esther Stricker; Druck: Fotolito Varesco, Auer, Nationalstraße 57; Eigentümer und Herausgeber: Info-Media GmbH, Ermächtigung des Landesgerichtes Bozen, Nr. 6/2005

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HolzAnsichten Forstinspektorat Schlanders

Der

Vinschger Wald

von Georg Picher

D

von oben nach unten: Tannenverjüngung in Zaunschutz Laatscher Wald, Verbauungen und Schutzwald in Langtaufers Anreicherung Schwarzföhrenforste mit Laubholz in den Laaser Leitn

er Vinschgau besitzt im Vergleich zum Rest Südtirols eigentlich relativ wenig Wald. Aufgrund der breiten Talsohle und der ausgedehnten Bereiche oberhalb der Waldgrenze sind „nur“ ein Drittel der Fläche im Forstinspektorat Schlanders, welches die 12 Gemeinden von Graun bis Kastelbell umfasst, bewaldet. Dennoch finden sich immerhin zirka 7.500.000 Kubikmeter, so genannte Vorratsfestmeter, stehendes Holz im Vinschgauer Wald. Die gesamte Waldfläche beträgt 39.500 Hektar. Der Holzvorrat setzt sich hauptsächlich aus Fichte (45%), Lärche (38%) und Zirbe (12%) zusammen, welche auch die wirtschaftlich bedeutendsten Holzarten sind. Als Holzmasse statistisch erfasst sind auch noch die Weiß- oder Rotföhre mit 3%, die Tanne mit 1%, die Schwarzföhre mit 1% sowie zusammengefasst die verschiedenen Laubbaumarten mit 1%. Die Laubholzarten spielen hinsichtlich Holzmasse eine untergeordnete Rolle, groß ist jedoch ihre ökologische Bedeutung. Als Besonderheit haben sich im Vinschgau in der Talsohle auch noch größere Auwaldreste – oft mit Schwarzerle – erhalten. Die nachhaltig nutzbare Holzmasse, Hiebsatz genannt, beträgt 50.500 Vorratsfestmeter und die durchschnittliche Nutzungsmenge der letzten Jahre lag bei 47.000 Vorratsfestmetern. Bei der Qualitätssortierung liegt der Anteil von Brennholz im Durchschnitt bei 40%. Die Holznutzungen im Jahr 2012 lagen hingegen bei 61.500 Vorratsfestmetern, weil die Aufarbeitung von Schadhölzern durch Schneedruckschäden der letzten Jahre gemacht werden musste. In Hinblick auf die Besitzverhältnisse ist der hohe Anteil von Wald im Besitz von Körperschaften wie Gemeinden, Fraktionen (E.B.N.R.) und Agrargemeinschaften eine Besonderheit des Vinschgaus. Diese besitzen 90% der Waldfläche und nur 10% des Waldes sind im Privatbesitz. Südtirolweit dagegen ist der Privatbesitz deutlich vorherrschend. Im

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sich vielfältige Waldstufen und Waldtypen aus. So stocken auf dem Sonnenberg trockenheitsertragende Flaumeichenwälder, darüber Wälder mit Rotföhre, dann die charakteristischen grasigen Lärchenwälder. Am Sonnenberg gibt es aber auch große waldfreie Flächen, wo der Wald historisch so zurückgedrängt wurde, dass sich Steppenrasen mit spezieller Flora und Fauna bildeten. Auf den Schattenseiten bilden sich als starker Gegensatz und als Besonderheit für ein inneralpines Tal Fichten-Tannenwälder aus. Studien haben gezeigt, dass es sich um eine Art „Trockentanne“ handelt, die eine genetische Besonderheit besitzt. In höheren Lagen nehmen subalpine Lärchen-Fichtenwälder große Flächen ein. Ebenso große Flächen an der oberen Waldgrenze werden von Zirben- und Lärchen-Zirbenwäldern eingenommen.

Forstinspektorat Schlanders gibt es rund 600 Waldbesitzer, wobei 93% der Waldfläche mit Waldbehandlungsplänen abgedeckt sind, welche die Pflege und nachhaltige Nutzung des Waldes für jeweils 10 Jahre verbindlich planen. Im Waldaufbau ist vor allem der markante Unterschied zwischen den trockenen Südhängen mit zum Teil steppenartiger Vegetation und den waldreichen, dunklen Nörderseiten auffallend. Durch diesen Gegensatz und die große Seehöhenerstreckung bilden

Neben den vielfältigen Verwaltungs-, Beratungs- und Überwachungsaufgaben werden durch das Forstinspektorat auch Arbeiten in Eigenregie durchgeführt. Mit den rund 90 saisonalen Forstarbeitern werden schwerpunktmäßig Schutzwaldsanierungsprojekte umgesetzt. Ein wichtiger Bereich ist beispielsweise die Umstrukturierung der Schwarzkiefernforste. Nach der Entwaldung der so genannten „Leiten“ mit einhergehendem Anstieg der Gefahren durch Muren und Hochwässer wurden Aufforstungsprojekte gestartet. Vor allem die Schwarzkiefern-Pflanzungen haben sich gut entwickelt und ihre Aufgabe – nämlich Bodenerosion zu verhindern – erfüllt. Doch die einförmigen Bestände aus Schwarzkiefer (insgesamt 940 Hektar) ergaben zusehends


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Probleme: sie sind zu dichten, instabilen Wäldern herangewachsen, bieten einen schlechten Lebensraum für Wild, die Waldbrandgefahr ist erhöht und der Kiefern-Prozessionsspinner befiel mit Massenvermehrungen diese Bestände. Daher wurde schon ab 1996 ein Projekt zur Umstrukturierung der Schwarzkiefernbestände in naturnähere, laubholzreiche und somit langfristig stabile Waldbestände begonnen. Die Schwarzkiefernbestände werden durchforstet, dann geeignete Laubbäume wie Flaumeiche, Blumenesche oder Kirsche gepflanzt. Die gepflanzten Laubbäume werden durch einen Zaun vor Wildverbiss geschützt, damit sie sich rasch und ungestört entwickeln können. Vor allem in der Vergangenheit hat es auch große Anstrengungen im Bereich des Schutzwaldes an der Waldgrenze gegeben. Dort wurden und werden als integrale Projekte Hochlagenaufforstungen mit technischen Maßnahmen gegen Schneegleiten, Lawinenanbruch und Steinschlag, oft auch mit WaldWeidetrennung kombiniert. Dies im Wissen, dass der Schutzwald für die Erhaltung unseres intensiv genutzten Lebensraums entscheidend ist und eine Schutzwaldpflege langfristig die beste und auch die billigste

(1) Die Arbeit ist aber keineswegs abgeschlossen. In einer aktuellen Studie wurden der Zustand, die Entwicklungstendenzen und die notwendigen Maßnahmen im reinen Lärchenschutzwald erfasst. Das Ergebnis ist ernüchternd und zeigt auf, dass allein im Anteil des Lärchenschutzwaldes in den nächsten 10 Jahren Maßnahmen für zirka 11 Mio. Euro notwendig sind, um die langfristige Stabilität und Schutzwirkung erhalten zu können.

Maßnahme ist. So wurden beispielsweise in Langtaufers am ehemals fast völlig entwaldeten Südhang umfangreiche technischbiologische Projekte durchgeführt und die Lawinengefahr deutlich verringert. (1) Die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen sind vielfältig. So wird durch den Klimawandel und die damit gekoppelten extremen Witterungserscheinungen der Schadholzanteil und beispielsweise die Käferanfälligkeit der Waldbestände erhöht. Auch an den Lebensraum angepasste Wilddichten, welche das Heranwachsen eines angemessenen Anteils an Naturverjüngung ermöglichen, sind anzustreben. Der umsichtige Umgang mit den Auwäldern in der Talsohle stellt eine weitere spezielle Herausforderung dar. Nicht zuletzt ist der vermehrte Einsatz von einheimischem Holz für hochwertige Produkte wie Inneneinrichtung oder als Baumaterial ein Gebot der Stunde, um lokale Wertschöpfung und kleine Kreisläufe zu fördern. Nur ein enger Schulterschluss zwischen Forstdienst, Waldbesitzer, öffentlichen Verwaltungen, Jägerschaft und Nutzungsberechtigten kann die nachhaltige Pflege und Nutzung des Schutzwaldes gewährleisten und verbessern.

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Martin Thoma, Architekt, 2006 Abschluss Studium für Architektur an der TU Innsbruck, seit 2007 als selbstständiger Architekt in Schlanders tätig. Eine Auswahl an realisierten Bauten: Neubau Wohnanlage Ortler in Mals, Neubau Altenpflegeheim in Völlan in Zusammenarbeit mit Arch. Arnold Gapp und Arch. Stephan Marx, Neubau Werkstatt für Holz, ARD der Bezirksgemeinschaft Vinschgau in Latsch in Zusammenarbeit mit Arch. Stephan Marx, Neubau MPreis, Gander, Prad.

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Architekt Martin Thoma im Gespräch

„Holz ist faszinierend“ Vinschgerwind: Gefällt Ihnen der Werkstoff Holz? Martin Thoma: Ja, natürlich. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und besitzt faszinierende Eigenschaften. Es kann bereits nach wenigen Arbeitsschritten naturbelassen als Schnittholz im Bauwesen verwendet werden, oder durch weitere Produktionsprozesse zu einer breiten Palette an Holzwerkstoffen verarbeitet werden. Sie sind einer der Architekten, der Holz sowohl als konstruktives als auch gestalterisches Element verwendet. Das ist richtig. Holz kann dort, wo es als konstruktives Element eingesetzt wird, auch sichtbar bleiben, weil es wunderbare Eigenschaften besitzt: Die Oberfläche fühlt sich angenehm an und vermittelt eine wohlige Atmosphäre, zudem reguliert es die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise und sorgt damit für ein gutes Raumklima. Warum entscheidet man sich als Architekt für Holz, für ein bestimmtes Holz oder eben nicht für Holz? Ich verwende Holz dort, wo es seine Stärken und Vorteile ausspielen kann. Es gibt die verschiedensten Beweggründe Holz oder Holzwerkstoffe einzusetzen. Diese können wirtschaftlicher, bautechnischer oder gestalterischer Natur sein,

aber es gibt auch den expliziten Wunsch einiger Bauherrn, in Massivholz zu bauen. Sie wissen die natürlichen und bauökologischen Eigenschaften von Holz zu schätzen. Eigentlich sind doch Beton, Stahl, Glas jene Materialien, die verwendet werden in der Architektur. Nicht auf Holz liegt das Augenmerk. Täuscht dieser Eindruck? Ich glaube, dass Holz als Bauund Werkstoff seinen festen Platz im Bauwesen einnimmt und

Ich glaube vor allem in Hinsicht auf die Bauökologie und das nachhaltige Bauen ist Holz unschlagbar, vorausgesetzt man verwendet es möglichst naturbelassen, sprich in Massivholzbauweise ohne chemische Bindemittel. von Martin Thoma

diesen auch in Zukunft behaupten wird. Aber man kann schon sagen, dass der reine Holzbau, sei es als Massivbauweise als auch Holzständerbauweise, ein kleines Segment im Bauwesen abdeckt. Die Entwicklungskurve zeigt jedoch nach oben.

Kann Holz den Anspruch an zeitgemäße Architektur überhaupt erfüllen? Auf jeden Fall. Ein hervorragendes Beispiel ist das Projekt Metropol Parasol in Sevilla; eine weitläufig spannende Überdachung bzw. Beschattung eines historischen Platzes. Hier wurde eine freie computergenerierte Form mit einer Konstruktion aus massivem Leimholz, das durch eine aufgespritzte Kunststoffbeschichtung vor der Witterung geschützt wird, von einer Südtiroler Firma realisiert. Mit Holz bauen. Mit Holz aufstocken. Mit Holz umbauen und renovieren. Für welchen Bereich eignet sich Holz am Besten? Wie bereits erwähnt, hat Holz überall dort seine Berechtigung, wo es durch seine Materialeigenschaften Vorteile bringt. Auf der anderen Seite würde ich niemals behaupten, dass Holz das einzig wahre Baumaterial ist. Eine gezielte, vernünftige Wahl finde ich sinnvoll. Welche Vorzüge hat Holz als Baustoff überhaupt? Wo hinkt Holz nach? Ihre Erfahrungswerte. Ich glaube vor allem in Hinsicht auf die Bauökologie und das nachhaltige Bauen ist Holz unschlagbar, vorausgesetzt man verwendet es möglichst na-

turbelassen, sprich in Massivholzbauweise ohne chemische Bindemittel. Dabei ist für mich schwer nachvollziehbar, wieso man speziell in diesem Segment nicht günstiger bauen kann, schließlich wächst der Rohstoff vor der Haustür; die Wege und Produktionsprozesse halten sich in Grenzen. Es kann nur damit zu tun haben, dass es sich um ein Nischenprodukt handelt und nicht in der Masse verwendet wird. Anders gefragt: Welches sind die größten verbreiteten Irrtümer über Bauen mit Holz? Brandschutz ist so ein Irrtum. Ich glaube, dass sich mit Bauteilen in Massivholz bessere Brandwiderstandswerte erreichen lassen als mit Stahl. Versuche haben gezeigt, dass Bauteile in Massivholz stundenlang dem Feuer ausgesetzt sein können, ohne dass sie ihre Tragfähigkeit verlieren. Während beim Holz nur die ersten Zentimeter verkohlen, der Kern aber vollkommen isoliert und unbeschadet bleibt, wird Stahl schon sehr viel früher, ca. bei 700°C, weich und fällt zusammen. Gebäude in Massivholz können bessere Brandschutzklassen erreichen als solche, deren tragendes Gerüst aus Stahl besteht.

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Raum für Holz…

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Ein Blick in den Vinschgau: Wie verbreitet ist der Holzbau hier. Liegt da noch Potential drinnen? Es gibt im Vinschgau mittlerweile eine ganze Reihe von Holzbauten in verschiedenster Ausführung auch Massivholzhäuser. Im Vergleich zu anderen benachbarten Gebieten kann hier der Vinschgau durchaus mithalten. Insgesamt macht dies jedoch immer noch einen kleinen Teil der Gebäude aus. Ich sehe hier auf jeden Fall noch Spielraum nach oben, schließlich können wir im Vinschgau auf sehr kompetente und innovative Betriebe zurückgreifen. Wohnen mit Holz: Welche Qualitäten, Wohnqualitäten bringt das mit sich? Vielleicht haben Sie auch Erinnerungen an Ihre Kindheit beim Spielen in der „Holzschupf“ oder auf der Tenne oder beim Heuhüpfen im Stadel, und vielleicht gehen Sie gerne in den Wald, dann kennen Sie die einzigartige Atmosphäre, welche Holz mit sich bringt. Dabei nimmt man es mit allen Sinnen wahr. Es gibt viele, die behaupten, dass Holz gesund macht. Es gilt sogar als erwiesen, dass „Zirm“ im Schlafzimmer

positiv auf Herzpatienten wirkt. Wenn ich einige Gefühle benennen soll, welche Holz bei mir hervorrufen, dann sind dies Behaglichkeit, Wärme, und die Gewissheit, dass ich mich in einem natürlichen Umfeld befinde. Welches Holz, welche Holzart ist ihr Favorit? Die Lärche, sie ist durch ihren hohen Harzgehalt besonders resistent gegen Witterung und Befall von Schädlingen. Außerdem gefällt mir ihre Maserung, die rötliche Tönung und der Duft des Lärchenharzes. Eine persönliche Frage zum Abschluss: Ein Blick in Ihr Zuhause: Was ist bei Ihnen alles aus Holz? Zur Zeit nur Fenster und Türen, Möbel und Böden wahrscheinlich nur zum Teil oder nur als Holzimitat. Aber vielleicht erfülle ich mir einen Kindheitstraum und baue einen alten Stadel zum Wohnhaus aus. Natürlich in Massivholz. Interview: Angelika Ploner


Holz hat

Zukunft Foto und Text: Gianni Bodini - www.fotobybodini.it

Die Gelehrten haben die Geschichte in Stein-, Bronze-, Eisenzeit usw. geteilt. Aber wo bleibt die Holzzeit, die uns seit den Anf채ngen immer noch begleitet?

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„A poor Kettn versaagl i schun in Joor“ Sepp Heinisch (54) vom „Florinushof“ in Matsch ist ein Künstler mit der Motorsäge. Mit viel Fingerspitzengefühl schafft er in seiner Freizeit aus Holzstämmen Skulpturen jeglicher Art. Ob Holzschuh, Adler, Uhu, Steinbock, Bär, Igel, Bienen…, seine Figuren bestechen durch ihre naturgetreue Form und durch ihre genaue Perspektive. von Magdalena Dietl Sapelza

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m einen Schuh aus Zirmholz zu formen, braucht Sepp knapp eine Stunde. Das Holz der Zirbelkiefer ist ihm das liebste, weil es weich und leicht zu bearbeiten ist. Doch er benutzt auch andere Holzarten. Bei den einzelnen Arbeitsschritten wechselt er laufend die Motorsägen. Neun verschiedene Modelle hat er sich im Laufe der Zeit zugelegt. Die Sägeketten schleift er solange es möglich ist. „A poor Kettn versaagl i schun in Joor, so zehn bis 12“, erklärt er. Konzentriert setzt er zuerst einfache Schnitte ins Holz, die dann, wenn die Skulptur erste Formen annimmt, immer feiner und präziser werden. Mittlerweile zeigt er sein Können landauf, landab bei den unterschiedlichsten Veranstaltungen. Und er versetzt interessierte Betrachter ins Staunen. Bevor er mit einer Figur beginnt, zeichnet er deren Form in Gedanken nach und sucht dann nach einem geeigneten Stück Holz. „Di Proportionen hon i in Kopf. Dia miaßn stimmen. Sel isch ’s Um unt Auf“, erklärt er. Er beginnt immer beim höchsten Punkt der Figur. „In Ridnaun pa dr Sagenfigur Pfeifer Huisele hon i mit dr Feder

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afn Huat ounkepp.“ Sein Talent zeigte Sepp bei zwei Skulpturen-Wettbewerben in Maienfeld und in Davos, die er beide überzeugend gewann. Im Münstertal, wo Sepp seit 30 Jahren als Baggerfahrer beschäftigt ist, begann vor rund zehn Jahren seine Schnitzkarriere. Er erwarb eine gebrauchte Motorsäge und nahm am Kurs „Kreativ mit der Motorsäge“ teil. Sein erstes gelungenes Werk war ein Holzschuh und dieser beflügelte ihn. Kurz darauf schuf er seinen ersten Bären. Nachdem 2005 der Bär JJ2, genannt „Lumpaz“, als Erster aus dem Trentino in die Schweiz eingewandert war, hatte Sepp mit seinen Bärenfiguren im Münstertal Hochkonjunktur. Die Eidgenossen stellten die Holzbären werbewirksam auf. Während den echten Bären der Garaus gemacht wurde, zeugen Sepps Bären noch immer von der Rückkehr – sprich vom kurzen Intermezzo – des ersten Bären nach 100 Jahren in der Schweiz. „Inzwischen honn i foscht di gonz Tierwelt durch“, meint er lachend. Neben Tierfiguren schafft Sepp auch vieles andere, Blumen, Bänke, Hexen, Spieltraktoren für Kinder... Sein größtes Werk ist ein fünf Meter großer Ziehharmonika-Spieler,

der am Nonsberg steht. Nun plant er eine Florinus-Figur, um dem Matscher Dorfheiligen ein Denkmal zu setzen. Das künstlerische Schaffen mit der Motorsäge ist längst zu seiner liebsten Freizeitbeschäftigung geworden. Sepp hat großen Spaß an der Sache. Eine Motorsäge liegt immer griffbereit in seinem Auto. Wenn er bei der Baggerarbeit einen Wurzelstock sieht, formt er in der Mittagspause oft mit schnellen Schnitten einen Stuhl, oder einen Pilz. Und wenn er ein passendes Stück Holz findet, schafft er sogar einen Schuh.

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links: Das Team der Werkstätte in der Lebenshilfe Schlanders v.l. Armand, Leiter Dietmar Schwalt, Andreas, Julian, Peter Paul, Reinhard, Konrad. (1) Das Holz für die Produkte kommt aus Vinschger Sägewerken und wird in der Werkstätte zugeschnitten. Slaranusa ist übrigens der keltische Name für Schlanders. Die nächsten Schritte: ausschneiden (2), Löcher bohren (3), schleifen (4) und die Teile zusammenleimen (5)

Holz und Haus

Slaranusa Aus Holz werden im Haus Slaranusa in der Lebenshilfe in Schlanders Produkte gefertigt, die große Aufmerksamkeit finden. Die Arbeit macht den Menschen dort Spaß, stolz ist man auf jedes einzelne fertig gestellte Stück.

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von Angelika Ploner

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berall eifriges Arbeiten. In der Tischlerei im Haus Slaranusa – der Lebenshilfe – in Schlanders herrscht höchste Konzentration. Reinhard sitzt an der Bandsäge, spannt das Sägeblatt und lässt es wenig später über jene Linien laufen, die mit Bleistift genau vorgegeben sind. Millimeterarbeit. Weiter drüben wird geschliffen und gehobelt. Niemand lässt sich aus der Ruhe bringen, man ist ein eingespieltes Team. Alle sechs Mitarbeiter fühlen sich hier Zuhause. Peter Paul schleift gerade mit dem Schleifpapier ein Holzstück, das bereits Form und Gestalt bekommen hat. Erst, wenn sich die Oberfläche des Holzes glatt anfühlt, ist seine Arbeit abgeschlossen und er selbst zufrieden. Peter Paul ist vorwiegend mit Schleifarbeiten vertraut, Armand hingegen jener, der die verschiedenen Maschinen hier in der Werkstätte bedient. Er steht an der Lochbohrmaschine und bohrt gerade runde Löcher aus. Stolz hält er das „gelochte“ Stück Holz empor. Armand ist schon über 70, hat das Pensionsalter überschritten und dürfte eigentlich nicht mehr in die Werkstätte kommen. Er müsste Zuhause oder im Altersheim bleiben, auch wenn er noch körperlich fit ist und in die Werkstätte kommen möchte. So lautet die gesetzliche Regelung, auch wenn sie die Menschen aus ihrem gewohnten Umfeld reißt, aus ihrer Lebensbahn wirft. Armand arbeitet deshalb als „freiwilliger Mitarbeiter“ in der Tischlerei mit; ein Kunstgriff: das nur am Rande erwähnt. Dietmar Schwalt leitet die Tischlerei in der Lebenshilfe, gibt die Anweisungen und ist zur Stelle, wenn einer der sechs ruft, wenn einer seiner Schützlinge Hilfe braucht. Paul, Reinhard, Konrad, Andreas, Julian und Armand sind jeden Tag – vormittags und nachmittags – in der Werkstätte. Und: Jeder gibt sein Bestes hier. Ruhepausen gehören natürlich auch dazu, die Zeit ist genau eingeteilt, und zwar so, dass niemand überlastet wird. Die Tischlerei, überhaupt die Arbeitsbereiche im Haus Slaranusa sind eine Möglichkeit für behinderte Menschen, sich zu beweisen. Eine Möglichkeit, Verantwortung für etwas zu übernehmen. Deshalb sind die Arbeitsbereiche nicht nur Arbeitsstätten, sondern Lebensräume. Die Auftraggeber für die Holzprodukte – Einzelstücke oder Serien – sind ganz verschiedene. Oft private Personen, manchmal Betriebe. Voraussetzung, sagt Dietmar Schwalt, sei, dass das ganze Team der Tischlerei am Produkt aktiv mitarbeiten kann. Vor kurzem hat man Dutzende von Bienenrahmen fertig gestellt, in diesen Wochen arbeitet man an Fußschemeln, die dann beim traditionellen Markt am 01. Adventsonntag oder täglich im hauseigenen „Geschäft“ zum Verkauf stehen. Dort finden die Besucher auch die anderen Produkte, die aus den Arbeitsbereichen der Lebenshilfe kommen: Flechtarbeiten wie Körbe oder „Keschtnriggl“, gewebte Teppiche, Arbeiten aus Wachs etwa und natürlich vieles mehr. Die Freude, wenn etwas gekauft wird, wenn die Arbeit belohnt, ja wertgeschätzt wird, ist groß. An „mords Stolz“ haben sie dann, sagt Manfred Ratschiller, der Leiter der Arbeitsbereiche. Zu Recht. Schließlich wird ein ganzes Jahr lang eifrig gearbeitet.

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Der Werkstoff Holz

an der Landesberufsschule Schlanders Wer im späteren Berufsleben mit Holz arbeiten möchte, der findet an der Landesberufsschule Schlanders mehrere Ausbildungsmöglichkeiten: Gastbeitrag der Landesberufsschule Schlanders

Berufsfachschule für Bautechnik Die Berufsfachschule für Bautechnik ist ein dreijähriger Lehrgang, der eine umfassende Ausbildung im Bereich Baukonstruktion bietet. Nach dem Abschluss der ersten Klasse (Berufsgrundstufe) für Handwerk und Technik „Bau/Holz“ folgen zwei Jahre Fachausbildung im Sektor Bautechnik. Der Unterricht wird fächerübergreifend in Lernfeldern gestaltet, in denen sich die Jugendlichen mit betrieblichen Handlungsabläufen vertraut machen. Die Lernfelder umfassen die Bereiche Massiv- und Holzbau, die Anfertigung von Aufmaßen, Skizzen und Detailplänen, die Planung und Durchführung von Tiefbauarbeiten, die Errichtung tragender Bau- und Dachkonstruktionen, die Sanierung und Erweiterung von Gebäuden, die fachgerechte Ausführung von Maurer- und Zimmererarbeiten im Innen- und Außenbereich, sowie Arbeitsvorbereitung und Abrechnung. Die Fachschule schließt mit der Berufsqualifikation „Baufacharbeiter/in“ ab und befähigt zu Arbeiten in allen Bereichen des Bausektors. Um einen ersten Einblick in die Arbeit mit dem Werkstoff Holz zu erhalten, gibt es für Mittelschulabgänger zwei Grundstufen an der Landesberufsschule Schlanders:

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1. Berufsgrundstufe Bau/Holz: in diesem Orientierungsjahr beschäftigen sich die Schüler im Praxisunterricht mit allen Bereichen des Bau- und Holzsektors. Grundlegende Techniken der Holzbearbeitung, die Handhabung der unterschiedlichen Werkzeuge und Kenntnisse über die verschiedenen Holzarten werden im Unterrichtsfach Praxis Holz vermittelt. Aber auch in den Arbeitsfeldern von Maurern, Fliesenlegern und Malern können die Schüler erste Erfahrungen mit den verschiedenen Werkstoffen sammeln. Dadurch erhalten die Schüler eine gute Basis und Entscheidungshilfe für ihre spätere Berufswahl und können nach Abschluss dieses ersten Jahres eine Fachschule besuchen oder (mit Vollendung des 15. Lebensjahres) eine Lehrstelle antreten. 2. Berufsgrundstufe Stein/Holz: auch diese Richtung dient als Orientierungsjahr, in dem sich die Schüler im Praxisunterricht mit der Verarbeitung der Werkstoffe Holz und Stein auseinandersetzen. Der Praxisunterricht im Fach Holz findet in der Tischlerwerkstatt in Schlanders statt, während die Theoriefächer und der Praxisunterricht im Fach Stein an der Fachschule für Steinbearbeitung in Laas erfolgen. Der positive Abschluss jeder Berufsgrundstufe berechtigt die Schüler zur Einschreibung in die 2. Klasse aller weiterführenden Fachschulen des Landes. In allen Berufsgrundstufen kann außerdem das 9. Pflichtschuljahr absolviert werden.


HolzAnsichten

Aus der Praxis Spannend wird es, wenn eigene Kreationen Gestalt annehmen. In jedem Jahr können Schüler ihre Kenntnisse auch an einem praktischen Werkstück ausprobieren. Die Motivation etwas mit nach Hause nehmen zu können, das man selber angefertigt hat, ist immer hoch. So fertigten die Schüler der Berufsgrundstufe Bau/ Holz im letzten Schuljahr Holzfahrräder an. Nachdem sie im ersten Semester die grundlegenden Fähigkeiten im Umgang mit Holz erlernt hatten, gingen sie mit viel Freude und Enthusiasmus an das Projekt heran. Zuerst wurden verschiedene Modelle von Holzfahrrädern begutachtet. Schließlich wurde ein Modell als Basismodell ausgesucht, mit AutoCAD gezeichnet und danach mit der CNC-Fräse ausgefräst. Nach diesen Schablonen schnitten die Schüler die Einzelteile für ihre Räder zu und setzten diese fachkundig zusammen. Die Fachlehrer Thomas Theis und Robert Staffler standen mit Rat und Tat zu Seite. Die Holzräder für die Fahrzeuge wurden ebenfalls mittels CNC gefräst und mit Gummireifen überzogen. Klassenübergreifend wurde mit der 3. Klasse Metall zusammengearbeitet, die unter der Leitung von Fachlehrer Michael Tröger die Lager für die Räder herstellte. Abschließend konnten die Schüler ihre Holzfahrräder mit Spraylack farbig gestalten. Gefreut haben sich vor allem Geschwister, Neffen und Nichten der Schüler, die nun auf den Holzrädern herumsausen können, wobei erste rasante Testfahrten natürlich von den Erbauern selber durchgeführt wurden.

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Holzbroschüre 2013  

Holzbroschüre 2013 - Holz ein Gesicht geben - Holzbauten, Holzprodukte, Portrait Heinisch, Forstinspektorat, Lebenshilfe

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