Page 1


Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Inhalte dieses Buches wurden mit größter Sorgfalt recherchiert und verfasst. Haftungsansprüche gegen die Autoren, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der dargebotenen Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen. Die Autoren äußern sich in diesem Buch in ihrer persönlichen Eigenschaft. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat seine Zustimmung zur Veröffentlichung des Buches gegeben. Gleichzeitig ist der Inhalt weder als offizielle Haltung der Schweizer Behörden bzw. des EDA zu verstehen, noch handelt es sich beim vorliegenden Buch um eine Publikation des EDA. Das Buch enthält Links zu externen Webseiten Dritter, auf deren Inhalte die Autoren keinen Einfluss haben und dafür keine Gewähr übernehmen können. Die verlinkten Seiten wurden zum Zeitpunkt der Verlinkung in zumutbarem Rahmen auf mögliche Rechtsverstöße überprüft. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar.

© Fotografien bei den Autoren Fotografen: Vratko Barcik, Livia Eichenberger Bildnachweis: Seite 186 © 2016 Versus Verlag AG, Zürich Weitere Informationen zu Büchern aus dem Versus Verlag unter www.versus.ch Satz und Herstellung: Versus Verlag · Zürich Druck: Kösel · Krugzell Printed in Germany ISBN 978-3-03909-193-5


Inhalt Geleitwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Meeting & Greeting 1

Etikette konkret . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9

2

Begrüßung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Anrede mit Namen und Titel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sie oder Du? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sich und andere vorstellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Visitenkarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Telefongespräche und Mobiltelefon . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Vortritt lassen und begleiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ehrenplätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wie reagiere ich auf eine Unhöflichkeit? . . . . . . . . . . . . . . .

13 24 28 29 30 32 32 34 37

Gesprächsführung und Smalltalk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

Wining & Dining 3

Sie sind Gast . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 3.1 3.2 3.3

4

Schriftliche Einladung und Einladungsvermerke . . . . . . . . . 47 Gastgeschenke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 Verabschiedung und Dank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50

Tischsitten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 4.1 4.2 4.3 4.4

Gesundheit und Diäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Körperhaltung bei Tisch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Essbesteck, Gläser und Serviette benutzen . . . . . . . . . . . . . Essen und trinken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Inhalt

52 53 54 56

5


5

Tischreden und Toasts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 5.1 5.2 5.3 5.4

6

Rezeptinformationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Koch- und Backzutaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kochtechniken und Zubereitungsarten . . . . . . . . . . . . . . . . Küchenwerkzeug Messer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lebensmittelhygiene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

102 105 107 109 112

Weine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114 8.1 8.2 8.3 8.4 8.5 8.6 8.7

6

Anlassformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 Einladung im Restaurant . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Menu- und Getränkewahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 Einladungsschreiben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 Tischordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Tischkultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 Gastgeberrolle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 Tücken und Pannen – worauf achten? . . . . . . . . . . . . . . . . 101

Profitipps aus der Küchen- und Cateringpraxis . . . . . . . . . . . 102 7.1 7.2 7.3 7.4 7.5

8

61 62 63 63

Sie sind Gastgeber oder Veranstalterin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 6.1 6.2 6.3 6.4 6.5 6.6 6.7 6.8

7

Wer spricht wann? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . In welcher Reihenfolge werden Anwesende begrüßt? . . . Wie bringe ich es auf den Punkt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Körperhaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Weinbaugebiete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Traubensorten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bezeichnungen der Weine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weinetiketten richtig lesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weinfehler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Weinbehälter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Allgemeines zum Wein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Inhalt

115 119 121 125 126 127 128


Dress Codes & Styling 9

Anlass-Dresscodes – von Informell bis White Tie . . . . . . . . 133

10 Branchen-Dresscodes – von Klassisch-formell bis Kreativ-individuell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 10.1 Branchen-Dresscodes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 10.2 Dresscodes und Status . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149

11 Kleidersprache . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 11.1 11.2 11.3 11.4

Der erste Eindruck – blitzschnell und folgenreich . . . . . . . Impression-Management und Kleidersprache . . . . . . . . . Signale mit Schadenspotenzial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Schwierige Feedbacks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

151 156 158 161

Schlusswort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162

Anhang Checklisten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164 Quellen und Tipps für die Lektüre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182 Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187

Inhalt

7


Geleitwort Es ist kein Zufall, dass weltweit alle Außenministerien Protokollabteilungen führen. In den internationalen Beziehungen bedingen sich Form und Inhalt gegenseitig nicht nur in Bezug auf das Zeremoniell, sondern auch auf die protokollarische Rangordnung sowie auf die gewährten Privilegien und Immunitäten. Nur wenn ein Staatsgast oder eine Verhandlungsdelegation mit Respekt und Professionalität entsprechend den bestehenden und von allen Staaten anerkannten protokollarischen Regeln empfangen wird, sind zielführende Gespräche möglich. Gepflegte Formen sind damit weder Selbstzweck noch historisches Relikt. Es geht nicht darum, sich in Szene zu setzen, sondern den Rahmen bereitzustellen, innerhalb dessen sich staatliches Handeln abspielen kann. Der enge Bezug zwischen Form und Inhalt gilt nicht nur für die Diplomatie. Auch im Geschäftsleben muss der Rahmen stimmen, damit die Partner Vertrauen aufbauen und Verhandlungen zum erfolgreichen Ende führen können. Was für die Diplomatie und die Geschäftswelt gilt, hat auch für die zwischenmenschlichen Beziehungen Gültigkeit: auf Staatsebene spricht man vom «Protokoll», in der Wirtschaft von «Geschäftsusancen» und im zwischenmenschlichen Bereich von «Benehmen und Anstand». Die Autoren Barbara Zehnder und Daniel Senn haben ihre langjährige internationale Erfahrung in ein praxisorientiertes Handbuch umgesetzt. Dies ist sehr zu begrüßen. Die Autoren arbeiten mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten zusammen und geben ihr Wissen in Seminaren an die Jungdiplomatinnen und -diplomaten weiter. Das Handbuch ist für diese eine Stütze und ein wertvolles Nachschlagewerk für die nötigen Kenntnisse der im Umgang mit Staaten und auf dem internationalen Parkett üblichen Gepflogenheiten. Darüber hinaus dürfte es für alle von Interesse sein, die sich mit Kommunikation befassen. Nathalie Marti Protokollchefin Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten – EDA

8

Geleitwort


Vorwort Selbstsicher und souverän auftreten, bei der Einladung zum Geschäftsessen einen guten Eindruck machen oder bei Ihrem Event entspannt Regie führen – das gelingt Ihnen, wenn Sie die Spielregeln der Kontaktpflege kennen. Dieses Handbuch richtet sich an alle, die im nationalen oder internationalen Kontext tätig sind: an Geschäftsleute, Diplomatinnen, Parlamentarier, Vertreterinnen von internationalen Organisationen, Entwicklungsagenturen und Nichtregierungsorganisationen, Kulturschaffende, Mitarbeitende von Tourismusbetrieben und Sicherheitsfirmen, Mitglieder von Wirtschafts- und Sportdelegationen und weitere. Konkrete Informationen, Hintergrundwissen und zahlreiche Tipps und Tricks unterstützen Sie dabei, im beruflichen (und privaten) Umfeld kompetent aufzutreten, Unsicherheiten auszuräumen und Fettnäpfchen zu vermeiden. Das Handbuch beantwortet Fragen wie: 쐍 쐍 쐍 쐍 쐍 쐍 쐍 쐍 쐍

Wie begrüße ich die ausländische Delegation? Wie führe ich Smalltalk? Wie entziehe ich mich elegant dem Vielredner? Wie verhalte ich mich bei Tisch? Worauf achte ich als Gastgeberin oder Gastgeber bei einem formellen Anlass? Mit welchen Tücken und Pannen muss ich rechnen? Wie beantworte ich einen Toast? Bin ich overdressed oder underdressed? Setze ich mit meiner Kleidung unbeabsichtigte Signale?

Wenn Sie die Grundregeln der internationalen Kontaktpflege kennen, gewinnen Sie Gelassenheit im Umgang mit Gesprächspartnern und -partnerinnen und erreichen Ihre beruflichen Ziele leichter. Und nur wenn Sie die Regeln kennen, können Sie auch einen Regelbruch gekonnt einsetzen. Meeting & Greeting, Wining & Dining, Dress Codes & Styling: in diesen Bereichen haben wir unsere Kernkompetenzen aufgebaut – in unseren Berufen und seit über 25 Jahren auf dem diplomatischen Parkett. Mit diesem Buch stellen wir Ihnen unsere Expertise, persönlichen Erkenntnisse und gesammelten Erfahrungen zur Verfügung. Unser Dank geht an Kamal Tazi. Er hat uns mit seinem Charme und seiner Weltgewandtheit unterstützt. Wir danken unseren Partnern

Vorwort

9


Christian Schoenenberger und Philippe Baertschi und den Töchtern Katharina und Anna-Sofia Schoenenberger für die kritische, aber bedingungslose Unterstützung und die Mit-Freude an unserem Buchprojekt. Livia Eichenberger hat sich als Fotografin mit Leib und Seele für das Buch eingesetzt – herzlichen Dank. Dem Versus Verlag mit Anne Buechi, Judith Henzmann und Anja Lanz danken wir für das Vertrauen und das Mittragen unserer Begeisterung. Stockholm und Madrid, Januar 2016 Barbara Zehnder und Daniel Senn

Hinweise zur Lektüre Nutzen Sie das Buch wie einen Reiseführer. Greifen Sie rasch und unkompliziert auf spezifische Informationen zu. Die einzelnen Kapitel können unabhängig voneinander gelesen werden. Wenn Sie mehr Zeit haben und sich für Hintergründe interessieren, finden Sie Zusatzinformationen in den Textboxen, die mit folgenden Symbolen gekennzeichnet sind: Geschichtliche Hintergründe Weiterführende Informationen und Erläuterungen Internationale Besonderheiten Praktische Tipps Anekdoten und konkrete Beispiele

10

Vorwort


Meeting & Greeting


Beim ersten Vorstellungsgespräch, wenn wir zum ersten Mal Kunden empfangen oder geschäftlich ins Ausland reisen: Wir wollen einen guten Eindruck machen, wir wollen Erfolg. Wir wissen, dass das Auftreten eine wichtige Rolle spielt. Wie stelle ich mich vor? Stehe ich zur Begrüßung auf oder bleibe ich sitzen? Wie soll ich den japanischen Gast begrüßen? Wie komme ich mit der wortkargen Kundin im Lift ins Gespräch und mit dem Vielredner beim Businesslunch zur Sache? In unserer alltäglichen Umgebung machen wir uns in der Regel keine Gedanken darüber, wie oder in welcher Reihenfolge wir andere grüßen. Das ändert sich, wenn wir mit einer ungewohnten Situation konfrontiert werden, vor allem im beruflichen Kontext. Entspannter Smalltalk, korrekt begrüßen und vorstellen, inklusive Titel und Anrede, Sie oder Du, Vortritt lassen, Umgang mit Visitenkarten, Dos and Don’ts im weltweiten Kundenkontakt – wenn Sie mit der internationalen Business-Etikette vertraut sind, fühlen Sie sich sicher. Sie zu kennen ist keine Garantie, jedoch ein nicht zu unterschätzender Wegbereiter für den Erfolg. Was wir Ihnen garantieren können: Mit zunehmender Routine gewinnen Sie jene Leichtigkeit im Umgang mit Menschen, die sehr viele Türen öffnet. In diesem Kapitel finden Sie die konkreten Regeln der internationalen Business-Etikette zu Meeting & Greeting. Wer Finessen schätzt, liest die weiterführenden Informationen. Und die historischen Hintergründe sind nützlich, wenn Sie verstehen wollen, wie die eine oder andere Regel entstanden ist.

12

Meeting & Greeting


Nehmen Sie die Gelegenheiten wahr, Dritte miteinander bekannt zu machen, auch wenn es nicht von Ihnen erwartet wird. Sie erweisen ihnen damit einen Dienst und erleichtern es ihnen, ins Gespräch zu kommen. Außerdem schätzen Sie es vermutlich ebenso, wenn Sie sich nicht selbst vorstellen müssen. Und: Lassen Sie sich vom sogenannt korrekten Vorstellen nicht zu sehr beeindrucken. Es ist wichtiger, Menschen zusammenzubringen, als dies protokollarisch perfekt zu tun oder aus Unsicherheit zu unterlassen!

Ein Schweizer flaniert mit seiner georgischen Ehefrau durch seine Heimatstadt. Sie treffen auf georgische Bekannte der Frau, die der Ehemann noch nicht kennengelernt hat. Schnell entwickelt sich ein angeregtes Gespräch. Der Mann steht daneben und fühlt sich übergangen: Seine Frau hat ihm die georgischen Bekannten nicht vorgestellt. Sie ist über die beleidigte Reaktion ihres Mannes erstaunt. In Georgien ist es unüblich, seinen Partner oder seine Partnerin auf der Straße vorzustellen. Spaziert man als Paar durch die Straßen, ist allen klar, dass die begleitende Person «dazugehört». Sich selber vorstellen: Ist niemand da, der Sie einer Person oder Gruppe

vorstellt, tun Sie es selbst. Stellen Sie sich mit Ihrem Vornamen, Nachnamen und Ihrer Funktion vor – in dieser Reihenfolge. Akademische Titel erwähnen Sie nicht. Als Gesprächseinstieg können Sie Ihren Bezug zum Gastgeber erwähnen: «Ich bin eine Berufskollegin des Gastgebers» oder ähnlich.

1.5

Visitenkarten

Die Visitenkarte ist ein wichtiges Kommunikationsmittel. Bei einem erstmaligen (beruflichen) Treffen werden die Visitenkarten ausgetauscht, meist zu Beginn des Gesprächs, manchmal auch bei der Verabschiedung. Der ranghöchsten Person wird die Visitenkarte zuerst überreicht. Sie können einer ranghöheren Person Ihre Visitenkarte anbieten. Sie bitten ranghöhere Personen aber nicht um deren Visitenkarte. Der sorgfältige – oder nachlässige – Umgang mit der Visitenkarte lässt auf Sie rückschließen. Achten Sie darauf, dass

30

Meeting & Greeting


쐍 쐍 쐍 쐍

Sie immer und genügend Visitenkarten bei sich haben; Ihre Visitenkarte sauber, nicht zerknittert und aktuell ist; Sie Ihre Visitenkarte nicht aus der Gesäßtasche ziehen; Sie die Visitenkarte Ihrem Gegenüber in die Hand geben (nicht über den Tisch schieben); 쐍 Sie die Karte mit der Schrift nach oben, für Ihr Gegenüber leicht lesbar überreichen; 쐍 Sie Ihr Gegenüber dabei anschauen. Lesen Sie eine Visitenkarte, die Sie erhalten, in Ruhe durch. Sie unbeachtet wegzustecken ist unhöflich. Ebenso unhöflich ist es, darauf Notizen in Anwesenheit der anderen Person zu machen. Dies ist der Person vorbehalten, die eine Visitenkarte überreicht (z.B. eine zusätzliche Telefonnummer notieren). Es ist üblich, zum Beispiel an einer Sitzung, die erhaltenen Visitenkarten vor sich auf den Tisch zu legen. In China, Korea und Japan ist die Übergabe und das Empfangen einer Visitenkarte ein kleines Zeremoniell (Fox, 2008). Die Visitenkarte wird mit beiden Händen überreicht und entgegengenommen, begleitet von einer Verbeugung. Die Visitenkarte wird an den oberen Ecken angefasst, sodass weder Name noch Firmenlogo verdeckt werden. Nehmen Sie sich Zeit, die Visitenkarte zu lesen und zu würdigen. Sie ungelesen wegzustecken würde als respektlos empfunden. Andere Länder, andere Sitten: In Indien und im islamischen Raum wird die Visitenkarte nur mit der rechten Hand übergeben respektive entgegengenommen – die linke Hand gilt als unrein.

Es empfiehlt sich, Visitenkarten in ausreichender Zahl bei sich zu haben. In Einkaufspassagen und großen Hotels gibt es Shops, bei denen Visitenkarten innerhalb 24 Stunden gedruckt werden können, vorzugsweise englisch auf der einen, in der Landessprache auf der anderen Seite.

1 Etikette konkret

31


Wining & Dining


Die Einladung zum Essen ist weltweit ein wichtiger Bestandteil der Pflege von privaten, öffentlichen und geschäftlichen Beziehungen. Als Gast und als Gastgeberin ist es wichtig, die internationalen Tischsitten zu kennen. Wann mit dem Essen beginnen? Mit dem Glas anstoßen oder nicht? Wohin gehört die Serviette, wenn der Tisch kurz verlassen wird? Bei der Einladung zum Essen oder zum Stehempfang, im Restaurant oder im geschlossenen Rahmen entscheidet die Organisation maßgeblich über Erfolg oder Nichterfolg. Einladungsschreiben, Menüwahl und passende Getränke/Weine, lokale und internationale Gepflogenheiten, die Tischordnung, das Personal sowie Tischreden oder Toasts – mit vorausschauender Planung gelingt die Einladung und wird das Pannenrisiko minimiert. Der Teil «Wining & Dining» beginnt mit der Perspektive des Gastes, umreißt die Rolle des Gastgebers, der Gastgeberin und führt weiter zu allen Facetten, die eine gelungene Einladung oder Veranstaltung ausmachen. Ob Sie als Gastgeberin oder Gastgeber selber Hand anlegen oder die Organisation eines Anlasses delegieren, Sie werden zahlreiche Informationen und Profitipps finden, die sich in langjähriger internationaler Praxis als nützlich und hilfreich erwiesen haben.

46

Wining & Dining


6.6.5

Menukarten

Wann sind Menukarten sinnvoll? 쐍 쐍 쐍 쐍 쐍

Bei gesetzten Essen Um eventuelle Unklarheiten auszuräumen Eventuelle Auswahl (zwei Vorspeisen, Fisch oder Fleisch etc.) Kurze Erklärung der Speisen Hinweis auf ungefähren Ablauf des Anlasses

Wo platzieren? 쐍 Unter der Serviette 쐍 Auf dem Gedeck 쐍 Oberhalb des Gedecks Wie gestalten? 쐍 Beschreibt die Speisenfolge und gegebenenfalls auch die Weine 쐍 Einfache, verständliche Schreibweise (verzichten Sie auf zu blumige

Formulierungen) 쐍 Papiergewicht 120 Gramm, A4 im Querformat drucken, danach in

der Mitte falten

6.6.6

Tischplan

Wenn Sie einen Anlass organisieren, bei welchem Sie eine gewisse Sitzordnung einhalten wollen oder müssen, empfiehlt es sich, einen Tischplan gemäß der Tischordnung zu erstellen (vgl. Abschnitt 6.5 «Tischordnung», S. 84). Besonders bei Anlässen mit mehreren Tischen (ab 16 Personen) kann es von Vorteil sein, einen Tischplan neben der Garderobe und/oder beim Aperitif aufzustellen oder aufzulegen. Dies verhindert, dass die Gäste ihren Platz lange suchen müssen oder eine Warteschlange entsteht, wenn sie zu Tisch gebeten werden. Der Tischplan ist die Basis für die Aufstellung der Tischkarten. Verzichten Sie bei mehreren Tischen auf eine Nummerierung («Tisch 1», «Tisch 2» etc.). Personen am Tisch 11 fühlen sich möglicherweise zurückgesetzt. Wählen Sie stattdessen Namen von Städten, Gebirgen oder ähnlich für die Bezeichnung der Tische.

96

Wining & Dining


6.6.7

Tischkarten

Wohin auf dem Tisch? Stellen Sie die gut leserlich geschriebenen Tisch-

karten oberhalb der Serviette, oberhalb des Dessertbestecks auf den Tisch. Die Tischkarte enthält Titel, Vorname und Name des Gastes. Beschriften Sie die Karten auf beiden Seiten, damit auch das Gegenüber den Namen lesen kann.

6.6.8

Serviceregeln

Es gibt verschiedene Arten, wie ein Gast bedient werden kann. Die nachfolgend aufgeführten Servierarten werden im Restaurant sowie bei Einladungen am häufigsten angewendet. 쐍 Von rechts: eindecken (z.B. eine zusätzliche Gabel auf den Tisch

legen), einsetzen (einen Teller vor den Gast stellen), ausheben (nicht mehr benötigtes Geschirr, Salz und Pfeffer etc. vom Tisch räumen) 쐍 Von links: anbieten, vorlegen (dem Gast Speisen auf den Teller schöpfen). Außerdem wird von links alles eingesetzt, ausgehoben und eingedeckt, was sich links vom Gast befindet (z.B. Salatteller, Brotteller, Gabeln). Amerikanischer Service (Tellerservice): Der Amerikanische Service ist der weit verbreitete Tellerservice. Das gesamte Gericht wird auf einem Teller angerichtet und so serviert. Zum Teil werden Beilagen (Stärke, Gemüse etc.) separat gereicht. Die Teller werden rechts anserviert und von rechts abserviert. 쐍 Vorteile: 왍 personal-, zeit- und geschirrsparend 왍 die Menge der Speisen ist gut kalkulierbar 쐍 Nachteile: 왍 der Gast hat wenig Einfluss auf die Portionen 왍 unpersönlich, wegen des kurzen Kontakts zwischen Gast und

Servicepersonal

6 Sie sind Gastgeber oder Veranstalterin

97


Dress Codes & Styling


Was soll ich anziehen? Diese Frage stellt sich vielen täglich. Wähle ich funktionale Kleidung oder entscheide ich mich für die raffinierte Selbstinszenierung? Welcher Stil passt zu mir? Wie modisch darf oder muss es sein? Die Modebranche ist jede Saison mit Outfit-Vorschlägen für alle Lebenslagen zur Stelle. Und Stilikonen aus der Musik- und Filmbranche erklären uns regelmäßig die modischen «Musts» und «No-Gos». Selbst wenn man wollte, wäre es nicht einfach, mit der Entwicklung der Mode Schritt zu halten. Abgesehen davon sind nicht alle bereit, viel Zeit und Geld in ihre Garderobe zu investieren. Weitere Fragen kommen auf, wenn wir zu einer Veranstaltung eingeladen werden und ein bestimmter Dresscode vorgegeben ist, zum Beispiel «Smart Casual». Dresscodes dienen der Klärung, welche Kleidung zu einem bestimmten Anlass getragen werden soll. Die hochfestlichen Männerkleidungen – Stresemann, Smoking, Cut und Frack – sind allerdings die einzigen Outfits, bei denen wirklich klar ist, welche Kleidungsstücke genau dazu gehören. Die detaillierte Beschreibung dieser Dresscodes finden Sie nachfolgend (Kapitel 9 «Anlass-Dresscodes – von Informell bis White Tie»). Bei allen anderen Dresscodes gibt es viel Interpretationsspielraum. Auch im beruflichen Kontext gelten Dresscodes, wenn sie in der Regel auch unausgesprochen bleiben. In jeder Branche kleiden sich die Berufsleute nach eigenen, mehr oder weniger spezifischen Regeln. Anzug und Krawatte gehören zum Banker wie der weiße Kittel zur Ärztin. In einzelnen Unternehmen wird der Dresscode schriftlich festgehalten. Vorgaben können allerdings Widerstände wecken: Den individuellen Freiraum betreffend Kleidungsstil lassen wir uns ungern einschränken. Der Teil «Dress Codes & Styling» soll in Kleiderfragen Klarheit schaffen. Mit der Beschreibung konkreter Dresscodes für verschiedene Anlässe werden die häufigsten Unsicherheiten ausgeräumt. Dresscodes in Abhängigkeit der Berufsbranchen liefern Kriterien für die Wahl der Kleidung im beruflichen Kontext. Der erste Eindruck zählt, wie auch die aktuelle Hirnforschung bestätigt: Wir fällen unbewusst und blitzschnell ein Urteil über unser Gegenüber. Auch daraus ergeben sich wichtige Anhaltspunkte für die Wahl des Outfits. Und ein Blick auf historische Kleiderordnungen illustriert: Menschen beschäftigen sich seit eh und je damit, bei welcher Gelegenheit wer was anziehen darf, soll oder muss.

132

Dress Codes & Styling


Schlusswort Liebe Leserin, lieber Leser Sie haben in diesem Handbuch viele Hinweise, Tipps, Regeln und internationale Varianten solcher Regeln angetroffen. Es könnte der Eindruck entstehen, dass es eine komplizierte und anstrengende Sache ist, international souverän aufzutreten. Dies ist nicht der Fall. Die meisten Tipps und Regeln sind intuitiv nachvollziehbar und leicht anzuwenden. Sie sensibilisieren uns für die Erwartungen unserer Mitmenschen und helfen uns, Fettnäpfchen zu umgehen und Missverständnisse zu vermeiden. Sollte Ihnen ein Missgeschick passieren, nehmen Sie es ernst, aber nicht tragisch – selbst dem erfahrenen Profi kann ein Fehler unterlaufen. In solchen Momenten hilft eine selbstkritisch-humorvolle Bemerkung und das Motto «The show must go on», das heißt, machen Sie kein Aufhebens, und setzen Sie fort, woran Sie gerade sind. Mit den folgenden Prinzipien liegen Sie immer richtig: mit Wertschätzung auf Ihre Mitmenschen zugehen, gesunden Menschenverstand walten lassen und im Zweifelsfall nachfragen – besonders im internationalen Kontext. Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen und viel Erfolg. Barbara Zehnder und Daniel Senn PS: Wir interessieren uns für Ihre Erfahrungen und freuen uns über Ihre E-Mail an contact@courtesycompetence.com.

162

Schlusswort


Profile for Versus Verlag

B. Zehnder, D. Senn: Meeting, Dining, Dress Codes. Erfolgreich und stilsicher auf jedem Parkett  

Drei Gebiete beschäftigen moderne Nomaden im Alltag immer ­wieder: Wie verhalte ich mich korrekt, auch in anderen Kulturkreisen? Wie organis...

B. Zehnder, D. Senn: Meeting, Dining, Dress Codes. Erfolgreich und stilsicher auf jedem Parkett  

Drei Gebiete beschäftigen moderne Nomaden im Alltag immer ­wieder: Wie verhalte ich mich korrekt, auch in anderen Kulturkreisen? Wie organis...

Advertisement