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NAGELFLUH Früh li n g /S o m m er 2013

Da s N a t u r p a r k-M a g azin

STOLZ IN FALTIGER TRACHT

SCHUTZ FÜR DEN SCHUTZWALD

Eine der ältesten Trachten im Alpenraum wird in der Juppenwerkstatt in Riefensberg noch hergestellt

Unseren Bergwäldern ging es schon besser – die Bergwaldoffensive greift den Bäumen unter die Äste

DER ALPENSALAMANDER

EXPEDITION IM RAUMSCHIFF

Ein schwarzer Kobold am Wegesrand – Portrait über einen fast unsichtbaren Naturparkbewohner

Auf den Spuren von Rothirsch und Apollofalter – zwölf kleine Forscherinnen erkunden das AlpSeeHaus


EDITORIAL

Liebe Leserinnen, liebe Leser, S

eit Ende letzten Jahres sind wir offiziell »Qualitätsnaturpark«. Die nächsten fünf Jahre dürfen wir uns mit der begehrten Auszeichnung des Verbands Deutscher Naturparke schmücken. Dann werden wir erneut geprüft und müssen offenlegen, was wir zur Entwicklung unserer Region alles getan haben. Gibt’s weniger Punkte als zuvor, müssen wir das Siegel wieder abgeben. Das hört sich nach einem strengen Verfahren an und das ist es auch. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass es uns in fünf Jahren erneut gelingen wird, das Siegel zu erhalten. Denn es wird nicht nur bewertet, was die NaturparkGeschäftsstelle selbst tut, sondern auch das, was alle im Naturpark tätigen Partner auf den Weg bringen, um Zukunftsvorsorge zu betreiben und ein gutes Miteinander von Mensch und Natur zu fördern. Mit großem persönlichem Engagement sind viele Menschen dabei, ihren Beitrag zu leisten. Beispiele gibt es viele. So wird bei den Mitgliedern des Allgäuer Alpgenuss, der Bregenzerwälder Käsestraße, der MundArt-Wirte oder der LandZunge streng darauf geachtet, dass regionale Lebensmittel auf den Tisch kommen. Einheimische und Gäste können deshalb bei der Einkehr sicher sein, dass sie Qualität

bekommen, bei der die Warenströme nachverfolgbar sind und bei der garantiert kein rumänisches Pferdefleisch von profitgierigen Großbetrieben eingeschmuggelt wurde. Noch ein Beispiel ist die Bergwaldoffensive. In den Projektgebieten wird der Umbau hin zu einem zukunftsfähigen Bergmischwald vorangetrieben, der seine Funktion als Schutzwald für den Menschen auch zu Zeiten des Klimawandels erfüllen kann. Wie viel Arbeit jeweils dahinter steckt, bis das erste Bäumchen gepflanzt werden kann und wie viele Beteiligte sich in Arbeitsgruppentreffen zusammen gefunden haben, damit die Maßnahmen auch dauerhaft Erfolg haben, das kann man nur schwer erahnen. Für mich mit am eindrucksvollsten kann man erfahren, was nachhaltige Entwicklung bedeutet, wenn man in einer der Vorderwälder Naturparkgemeinden halt macht. Die Ortskerne werden immer mehr von traditionellen bis modernen Holzhäusern geprägt. Sie wurden mit heimischem Holz gebaut und sind extrem energieeffizient. Vor der Gemeindevertretung steht ein Elektroauto. Die Wälder werden schon lange nach den Regeln eines naturnahen Waldbaues genutzt, was zu ausgedehnten und artenreichen Plenterwäldern

geführt hat. Die Moore werden geachtet, angepasst genutzt wo es machbar ist, wo nicht, mit Leidenschaft geschützt. Dies alles ist nur möglich, weil sich viele Bürger aktiv beteiligen und alle an einem Strang ziehen, wenn es darum geht, die Zukunft selbst zu gestalten. Vor dem Hintergrund freue ich mich schon auf die kommenden fünf Jahre und auf die vielen Projekte, die den Naturpark Nagelfluhkette immer mehr zu einer Modelllandschaft für nachhaltige Entwicklung machen werden. Ihr

Rolf Eberhardt Geschäftsführer Naturpark Nagelfluhkette e.V.

DER NATURPARK NAGELFLUHKETTE Mit einer Größe von 405 km² ist die Nagelfluhkette im alpenweiten Vergleich ein Schutzgebiet mittlerer Größe. Während im Bregenzerwald jeweils die gesamten Flächen der beteiligten acht Gemeinden im Naturpark liegen, gehören von den sieben Allgäuer Gemeinden in der Regel die dünn besiedelten Berggebiete dazu. Innerhalb der Naturparkgrenzen leben etwa 13.000 Menschen, was zu einer, im dicht besiedelten Europa, sehr geringen Siedlungsdichte von 33 Einwohnern je km² führt. Ein besonderes Merkmal ist der sorgsame Umgang der Bewohner mit ihrer Heimat.

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Themen dieser Ausgabe IN WESTEN VIEL NEUES Zwölf kleine Forscherinnen entdecken das AlpSeeHaus

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DAS JÜNGSTE FAMILIENMITGLIED Ein Ortsportrait über die Naturparkgemeinde Fischen

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DIE TRACHT DER FÜNFHUNDERT FALTEN Ein Blick in die Bregenzerwälder Trachtenmanufaktur

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DER ALPENSALAMANDER Tierischer Steckbrief über einen quirligen Regenliebhaber

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SCHUTZ FÜR DEN SCHUTZWALD Die Bergwaldoffensive greift Bäumen unter die Äste

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SCHÄTZE SUCHEN – NATUR FINDEN Was beim »Geocachen« unbedingt zu beachten ist

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SEITE 8

NEUES AUS DEM ALPSEEHAUS Sonderaustellungen, Aktionstage – wann passiert was wo?

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ALPSEE BEI IMMENSTADT – WO PIRATEN SICH TUMMELN Die neun Naturparkjuwelen stellen sich vor – zweiter Teil

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EIN HALBES JAHRHUNDERT ENGAGEMENT FÜR NATURPARKE Fotos: Peter Elgaß; Jürgen Hüsmert; Titelfoto: Volker Wille

Der Verband Deutscher Naturparke feiert seinen 50. Geburtstag

EIN HAUS MIT LOCKEN ODER: 1740 ICHS Ein ungewöhnliches »Kunst am Bau«-Projekt in Sulzberg

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MEHR »OUTDOOR« AM OUTDOORTAG Interview mit Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp

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WANDERTAG – FUSSGÄNGER IM NATURPARK Wieso es in diesem Sommer von Wanderern nur so wimmeln wird 36

WIE DIE VIRGINIA INS ALLGÄU KAM SEITE 36

Die Geschichte einer Österreicher »Import«-Zigarre

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Kurzmeldungen

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Impressum

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Anzeigen: Sven Abend, Tel. +49 8379 728616; gültige Anzeigenpreisliste: 1/2012

Herausgeber: Naturpark Nagelfluhkette e.V. Seestraße 10, 87509 Immenstadt, Tel. +49 8323 9988750 info@naturpark-nagelfluhkette.eu www.naturpark-nagelfluhkette.eu

nagelfluh@heimat-allgaeu.info www.nagelfluh-magazin.de

Verlag und Herstellung: Verlag HEPHAISTOS/ EDITION ALLGÄU Lachener Weg 2, 87509 Immenstadt-Werdenstein Tel. +49 8379 728616, Fax +49 8379 728018

Gekennzeichnete Beiträge stellen die Meinung des Verfassers, nicht aber des Verlages dar.

Bankverbindung Verlag: Deutschland: Raiffeisenbank Oberallgäu Süd eG, Konto 7126999, BLZ 73369920

Layout: Bianca Elgaß, Ramona Klein, Dominik Ultes

Österreich: Raiffeisen-Landesbank Tirol AG Konto 643361 BLZ 36000

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Redaktion: Viola Elgaß (v.i.S.d.P.), Tel. +49 8379 728616, viola.elgass@heimat-allgaeu.info


In Westen viel Neues Spurensuche im AlpSeeHaus Welche Farbe hat der Hochmoorgelbling? Welche Spuren hinterlässt die Stockente? Diese und viele andere Fragen beantworten die neuen Führungen im AlpSeeHaus. Zwölf mutige junge Forscherinnen haben das Angebot getestet und sich aufgemacht, das Geheimnis der Artenvielfalt im Naturpark zu ergründen

S

onja Hölzler, Mitarbeiterin des Naturparks Nagelfluhkette ist ein wenig nervös. Die neuen Rundgänge werden erst seit kurzer Zeit angeboten. »Grenzenlose Vielfalt« lautet das Thema, das sie heute gemeinsam mit der Mädchengruppe des TSV Burgberg beleuchten will. Tiere, Pflanzen und Lebensräume des Naturparks Nagelfluhkette sollen spielerisch unter dem Motto »Natur mit anderen Augen sehen« untersucht werden. Es ist kurz vor Vier. »Jetzt sollten sie eigentlich gleich kommen.« Keine Minute später sind Schritte auf der Treppe zu hören. Die beiden TSV-Übungsleiterinnen, Gabi und Annette, tauchen auf. Mit dabei ist Daniela, die Mutter der jüngsten Teilnehmerin, der vierjährigen Jana. Fast gleichzeitig öffnen sich die Aufzugtüren und ein Dutzend kleiner Mädchen strömt erwartungsfroh schnatternd heraus, die AlpSeeHaus-Führerin ist in kürzester Zeit von ihnen umringt. Die Forschungsreise kann beginnen. Nach der Begrüßung klärt Sonja Hölzler die jungen Burgberger auf: »Dies wird keine gewöhnliche Führung.« Fragende Blicke. »Wir sind hier nämlich in einem echten Raumschiff – getarnt als AlpSeeHaus.« Jetzt beginnt das Getuschel. Ein Stimmchen aus der hinteren Reihe meldet sich zu Wort: »Aber Außerirdische gibt’s ja gar nicht!« »Oh doch«, nickt Hölzler. »Hier sind Forscher von einem anderen Planeten gelandet und wollen unseren Naturpark ganz genau kennenlernen. Und heute wollen wir ihnen dabei helfen.«

Noch bleiben einige Gesichter skeptisch, aber als es ans Anziehen der olivgrünen Entdeckerwesten und Verteilen der dazugehörenden Lupen geht, ist man doch eifrig bei der Sache. Und weil die Außerirdischen eine andere Sprache sprechen als die Erdenbewohner, gibt es noch gleich eine Übersetzungstabelle dazu.

Emily (11): »Ich hab eigentlich alles gewusst. Das meiste haben wir ja schon in Erdkunde gelernt.« Katharina (10): »Schwer fand ich die Fragen nicht. Meine Mama ist Allgäuerin und da weiß ich halt schon einiges.« Victoria (11): »Ich finde, das hätten wir an meinem Geburtstag auch machen können!« Fenja (7) und Valeria (6): »Für uns waren die Fragen manchmal schwierig. Aber die Großen, unsere Teamleiter, haben uns immer geholfen, wenn wir etwas nicht verstanden haben.« Annette (Übungsleiterin TSV Burgberg): »Gerade wenn das Wetter mal nicht so toll ist, dann sind solche Angebote im AlpSeeHaus eine gute Alternative.«

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Naturpark-Mitarbeiterin Sonja Hölzler verteilt die Puzzleteile und erklärt die Regeln der Expedition

»Der muss doch hier sein!« Klara, Pia und Emma sind auf der Suche nach dem seltenen Apollofalter

Die Expedition kann beginnen

Die Suche nach dem »A-po-lo-falter«

Im Ausstellungsraum weiß man gar nicht, wo man hinschauen soll vor lauter Bildern, Untersuchungsstationen und Bildschirmen. Holz und Helligkeit bestimmen den Raum – Außerirdische wissen eben wie man umweltverträglich baut. Sonja Hölzler beginnt, Blätter an die Mädchen zu verteilen. Auf jedem Blatt ist vorne ein Puzzleteil abgebildet und hinten eine Frage gestellt. »Die Lösungen dürft ihr in Gruppen gemeinsam suchen.« Über jeder Frage steht die zugehörige Station. Dort sollen die Mädchen nach den Antworten suchen. Viel mehr muss die AlpSeeHaus-Führerin nicht erklären. In Dreiergruppen ziehen die Mädchen los – die jeweils Älteste darf die Expedition leiten. Innerhalb kürzester Zeit ist der Ausstellungsraum erfüllt von diskutierenden Kinderstimmen und eiligem Fußgetrappel von Station zu Station. Auch die beiden Trainerinnen und Janas Mutter ziehen los und schauen hier und da über die Schulter. »Es ist gewollt und gewünscht, dass die Kinder sich durch die Ausstellung selber ‚durchspielen’«, erklärt Hölzler und weicht gekonnt Valeria, Katharina und Laura aus, die sich mit einem entschlossen ausgerufenen »Da drüben!« zur Schneestation aufmachen. Und sollten doch Fragen aufkommen, sei sie ja gleich zur Stelle. Kaum ist es gesagt, erklingt auch schon ein »Sonjaaa?« aus einer Ecke des Raumes und die Angesprochene macht sich auf den Weg, um Informationshilfe zu leisten.

Einige Meter weiter steckt eine besonders eifrige Gruppe, bestehend aus Emma, Klara und Pia, im vorderen Teil des Ausstellungsraumes die Köpfe zusammen. Auf ihrem Puzzlestück ist ein weißer Schmetterling mit schwarzen und roten Punkten zu sehen. »Wie heißt der Schmetterling auf deinem Puzzleteil?«, liest Klara die Rückseite laut vor. Stirnrunzeln. »Da vorne waren doch Schmetterlinge!«, ruft Pia aus und ist auch schon in die gezeigte Richtung verschwunden. Keine fünf Sekunden später hängen die Mädchen gemeinsam über der Schmetterlingsstation. Doch der gesuchte Falter ist nicht dabei. Ratlosigkeit macht sich breit. Emma verschwindet unauffällig. »Der muss doch hier dabei sein!« Klara sieht sich suchend um. Schließlich fällt ihr ein Foto an der Wand auf. »Schau, das ist er doch!« »A-po-lo-falter«, liest Pia vor. Das »Polo« spricht sie dabei aus wie den Autotyp – eigentlich eine klangvolle Alternative für den »Apollofalter« mit Doppel-L. Beim Eintragen in die Lösungskästchen wechseln sich Pia und Klara pro Buchstabe ab. Das zunächst fehlende »L«

Links: Stolz präsentieren die Expeditionsteilnehmerinnen ihr gelöstes Puzzle. Rechts: Vielleicht erzählt der Außerirdische ja etwas vom gesuchten Apollofalter? Reinhören schadet nicht, findet Klara


Das Puzzle der Vielfalt Emma, Klara und Pia gehören zu den Ersten, die alle ihre Rätsel gelöst haben. Ihre Puzzleteile dürfen sie jetzt ausschneiden. Nach rund zehn Minuten und einem kleinen Drama (»Du hast ja die halbe Ecke abgeschnitten!«) sind alle Teile ausgeschnitten. Jetzt wird gepuzzelt. »Wer hat ein Eckteil?«, fragt Sonja Hölzler in die Runde. Vier Blätter werden ihr hingehalten. »Oh ja, das ist eine schöne Frage: Die Trittspur auf diesem Puzzlestück haben wir direkt am See gefunden. Von wem könnte sie stammen?«, liest sie die Rückseite eines Teils vor. »Wer hatte die Frage?« »Wir!«, meldet sich die zehnjährige Katharina. Und sie weiß auch noch die richtige Antwort: »Von der Stockente!« Alle Rätselstücke werden auf diese Weise noch einmal durchgegangen und anschließend zusammengepuzzelt. So können die Kinder ihre Ergebnisse vor den anderen präsentieren und auch bei den Fragen mit raten, die eine andere Gruppe hatte. »So wird das spielerisch Gelernte noch einmal verinnerlicht«, verrät Sonja Hölzler. Nach der Auflösung weiß fast jeder, dass der Rothirsch das größte freilebende Wildtier im Naturpark ist und der Weißrückenspecht am liebsten in lichten Wäldern lebt. Das Lösungswort ist auch gefunden: »Mein Naturpark«. Zur Belohnung und als Beweis für ihr Naturparkwissen verteilt Sonja Hölzer an alle Mädchen einen »Forscherpass«. Die Turner dürfen noch ein bisschen das AlpSeeHaus unsicher machen. TSV-Trainerin Gabi rollt das Puzzleplakat zusammen. »Das hängen wir bei uns in der Turnhalle auf. Vielleicht noch mit einem Foto dazu, das ist eine schöne Erinnerung«, erklärt sie. Die Führung hat sie begeistert. Das Ganze habe einen pädagogischen Wert: »Die Großen helfen den Kleinen, erklären ihnen die Fragen, geben Tipps und Hinweise.« Annette kann sich dem nur anschließen: »Eine tolle Gelegenheit, auch als Erwachsener noch etwas dazuzulernen.« Sie grinst verschmitzt. »Wenn man selber etwas nicht weiß, kann man unauffällig die Kinder vor schicken.« Auch Sonja Hölzlers Fazit ist positiv: »Es herrschte super Stimmung. Es hat richtig Spaß gemacht, den Kindern beim Forschen zuzuschauen. Allerdings sollten wir bei größeren Gruppen vielleicht zwei Puzzles verteilen.« Nach eineinhalb Stunden Rätselpower und einem Glas Limonade zum Abschluss steigen die Burgberger Turner wieder in ihren Bus. Möglicherweise waren sie nicht das letzte Mal hier. Schließlich haben sie noch keine Nagelfluhamulette geschliffen.

Fotos: Viola Elgaß, Volker Wille

wird ergänzt. »Fertig.« Jetzt erst fällt auf, dass jemand fehlt: »Emma? Wo ist sie denn nun schon wieder hin?« Klara klingt verärgert. Doch die Gesuchte taucht nach wenigen Augenblicken wieder auf. »Ich wollte die Erwachsenen fragen«, erklärt sie. »Aber die haben nichts verraten.« »Vielleicht«, vermutet Pia, »wussten sie’s selber nicht.« Derweil befindet sich Expeditionsleiterin Victoria mit ihren jungen Assistentinnen Fenja und Jana auf der Suche nach der Station »Wald«. Dort sollen sie sich eine Forschungsaufnahme der Außerirdischen anhören und herausfinden, welches Tier von diesen als erstes im Naturpark entdeckt wird. Die Neugierde hält sie an einer anderen Station auf. Schraubstöcke sind an deren Tischenden angebracht, ein paar Brocken Nagelfluhgestein liegen darauf. »Das ist die Nagelfluhschleifstation«, erklärt Sonja Hölzler bereitwillig auf die Frage der Mädchen. »Hier kann man sich ein eigenes Nagelfluhamulett herstellen. Aber das gehört zu einer anderen Führung.« »Oh«, klingt Fenja fast enttäuscht, doch ihr Gesicht hellt sich schnell wieder auf. »Dann machen wir das halt nächstes Mal.«

Welche Wälder bevorzugt der Weißrückenspecht als Lebensraum? Emma ist der Lösung auf der Spur…

Zum Abschluss dürfen die Mädchen ihr Lieblingstier in ihrem neuen Forscherpass verewigen. Victoria entscheidet sich für einen Fuchs

Die neuen Führungen im AlpSeeHaus »Natur und Mensch – Ein geheimnisvolles Zusammenspiel« Was bedeutet eigentlich (Kultur-)Landschaft? Im Forschungslabor führen wir unsere Untersuchungen durch und versuchen das Geheimnis unserer Landschaft zu lüften! »Nagelfluh, der Schatz des Naturparks!« Erfahren Sie mehr über das namensgebende Gestein des Naturparks. Unter fachkundiger Anleitung erarbeiten wir echte Nagelfluhamulette! (Materialkosten: 6 Euro pro Person) »Grenzenlose Vielfalt: Tiere, Pflanzen und Lebensräume im Naturpark« Welche Tiere leben hier und wo genau? Mit Entdeckerweste, Lupe und Notizzettel machen wir uns auf Spurensuche… Regelmäßige offene Führungen Termine unter www.nagelfluhkette.info (siehe auch S. 18)

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Das jüngste

Foto: Hörnerdörfer Tourismus

Familienmitglied

I

m November 2010 war es beschlossene Sache. Bei der Gemeinderatsitzung hoben sich fast alle Hände für den Beitritt, nur zwei blieben unten. Als 15. und damit jüngstes Mitglied sollte sich Fischen dem Naturpark Nagelfluhkette angliedern. Für Fischens Tourismusdirektor Bertram Pobatschnig war es von Anfang an ein logischer Schritt, als »Naturdorf« dem Naturpark beizutreten. »Zudem barg der Beitritt natürlich touristische Chancen, von denen wir bereits viele umgesetzt haben.« Dazu zählt zum Beispiel das Angebot »Naturpark Nagelfluhkette Exclusive«. Seit der letzten Sommersaison bieten die Hörnerdörfer und der Naturpark Touren für Kleinstgruppen an. Mit speziell geschulten Naturparkführern und eigenem Kleinbus. Exklusiv, weil die Gruppen aus maximal sieben Gästen bestehen. »Die Frage, die wir uns bei der Entwicklung des Konzepts stellten, war: ‚Wie bekommen wir den Naturpark in die Köpfe unserer Gäste?’. Flyer und Prospekte gibt es ja viele. Das Angebot sollte hautnah und authentisch werden«, erinnert sich Pobatschnig. Diesen beiden Eigenschaften werden die Touren auf jeden Fall gerecht. An je sechs Wochentagen fahren die Führer mit den Gästen auf unterschiedlichen Thementouren durch den Naturpark, sei es auf der Käsetour durch den Bregenzerwald oder einem »Praktikum« als Senn und einer Einführung in die Landwirtschaft auf einer Alpe. Neben derartigen Angeboten gibt es aber auch in Fischen selbst viel zu entdecken. Vielen Schönheiten am Wegesrand begegnet man auf einer Wanderung über die Hörnergruppe, zum Beispiel der Rostblättrigen Alpenrose

Fischen mit seinen sieben schmucken Weilern ist ein Urlaubsort wie aus dem Bilderbuch: Malerisch im Illertal mit Blick auf die Allgäuer Bergriesen im Süden gelegen, zählt es erst seit 2010 zu den Naturparkgemeinden. Was hat sich seither in dem Kurort am Fuß der Nagelfluhkette getan und warum lohnt sich ein Besuch? Natur- und Sonnendorf Fischen, mit amtlichem Anhängsel »i. Allgäu«, zählt zu einem der südlichsten Orte Deutschlands. Es liegt 761 Meter über dem Meer zwischen der Hörnergruppe und der Daumengruppe in einem weiten Tal, das von der Iller durchflossen wird. Es zählt damit zu den Gemeinden, die nicht »auf Nagelfluhgestein sitzen«, sondern schon zu den Kalkbergen der Allgäuer Hochalpen überleiten. Die herrliche Sonnenlage – Fischen zählt 1800 Sonnenstunden pro Jahr – in dem weiten Tal vor der imposanten Kulisse der Allgäuer Alpen ist im Sommer wie im Winter ein Garant für ausgeglichene Urlaubstage. Die Verwaltung setzt auf sanften Tourismus und eine intakte Umwelt – 2011 wurde der Ort deshalb von »Gemeinde Fischen« auf »Naturdorf Fischen« umbenannt. Neben dem Engagement für ein gesundes Klima, den Erhalt der Natur und die Gesundheitsförderung werden höchste Ansprüche an Service und Gastlichkeit gestellt. Fischen ist ein Wanderparadies und Ausgangspunkt für viele Bergtouren – sei es auf die Gipfel der nahegelegenen Alpen oder auf die Höhen des Naturparks Nagelfluhkette. Den weniger sportlich Ambitionierten kommen die sanften Talwege entgegen, wie Wanderungen durch das Tiefenberger Moor, zum Hirschsprung oder der »Judenkirche«, einem Naturdenkmal mit einem einmaligen Ausblick. Kinder begeistert Keine zahmen, aber sehr zutrauliche Eichhörnchen sind im Fischener Weidachwald unterwegs. Gelegentlich werden Nüsse schon mal aus der Hand gefressen


Fotos: Thomas Gretler, Jürgen Hüsmert, Michaela Schneider

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Naturpark Nagelfuhkette Exclusive Montag (27.5, 10.6, 24.6, 8.7, 22.7,5.8, 19.8, 2.9, 16.9, 30.9): Ausflug zum Kräuterlandhof Wolf Dienstag (14.5 bis 24.9): Perlen der Natur – Naturparkrundfahrt Mittwoch (15.5 bis 25.9): Bregenzerwaldtour Donnerstag (4.7 bis 29.8): (M)ein Tag als Senn auf Zeit Freitag (3.5 bis 4.10): Mit dem »Ranger« auf Genießertour – Naturerlebniswanderung Samstag (4.5 bis 28.9): Sonnenaufgangstour aufs Riedberger Horn

der Eichhörnchenwald. Ein wasserwirtschaftlicher Lehrwanderweg für Spaziergänger und Radler führt fünf Kilometer am östlichen Ufer der Iller Richtung Sonthofen entlang an Biotopen und 15 Schautafeln. Im Weiler Weidach lässt es sich gut auf dem Waldlehrpfad wandern.

Und wenn’s regnet…? In mehreren tausend, ehrenamtlichen Arbeitsstunden renovierten die Fischinger ihr Heimathaus, das sogenannte »Gschwenderhaus«. Das Originalbauernhaus aus dem 17. Jahrhundert beherbergt heute das Heimatmuseum. Ein im selben Haus untergebrachtes FIS-Skimuseum zeigt eine unglaubliche Vielfalt an Exponaten aus der Geschichte des alpinen und des nordischen Skilaufs und weiterer Wintersportarten. Die historische »Obermühlesäge« mit 500 Jahren auf dem Buckel ist ein inzwischen liebevoll restauriertes Baudenkmal, das besichtigt werden kann, wenn das Wetter mal nicht mitspielt. Thomas Niehörster/red Info: Anmeldung und weitere Informationen zu den Touren (Treffpunkte, Preise) bei der Gästeinformation Fischen im Kurhaus Fiskina, Am Anger 15, D-87538 Fischen i. Allgäu, Tel. +49 8326 36460, Fax +49 8326 364656, E-Mail: info@hoernerdoerfer.de, www.hoernerdoerfer.de Das Kurhaus Fiskina in Fischen – Anlaufstelle für Gäste und Treffpunkt für die meisten Touren »Naturpark Nagelfluhkette Exclusive«

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Eine Bregenzerw채lder Juppe kann in keinem Gesch채ft fertig erworben werden. Sie wird jeder Tr채gerin (und sei sie noch so klein) individuell angepasst

Die Tracht

der f체nfhundert Falten

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Um genug Licht für die Schauwerkstatt zu gewinnen, wurde die gesamte Giebelseite mit einer Front aus Glasschuppen eingekleidet

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Die Bregenzerwälder Juppe gehört zu den ältesten Trachten im Alpenraum. Von ihren Trägerinnen wird sie oft liebevoll »d’Juppa« genannt. Lange Zeit war der plissierte Rock mit bestickten Miedereinsatz und vielfältigen Ärmeln und Kopfbedeckungen fast ausgestorben. In der Juppenwerkstatt in Riefensberg wird die Glanztracht nun wieder hergestellt

ie Juppenwerkstatt Riefensberg nimmt ein Handwerk wieder auf, das schon so gut wie ausgestorben schien. Als Luise und Manfred Fitz im Jahr 1993 in Egg aus Altersgründen das Ende ihrer Manufaktur ankündigen mussten, schienen die letzten Tage der Glanzjuppe angebrochen zu sein. Ein bekanntes Stück Bregenzerwälder Identität war akut bedroht. Um dies zu verhindern, taten sich die Gemeinde Riefensberg, das Land Vorarlberg, der Landestrachtenverband, das Vorarlberger Heimatwerk und der Heimatpflegeverein zusammen und ließen den ehemaligen Gasthof »Krone« auf seine Verwendbarkeit als Museumswerkstatt hin prüfen. Die ehemalige Tenne des Gasthofs wurde zum neuen Zentrum der Bregenzerwälder Juppenherstellung. Mit viel Gespür für Altes und Neues adaptierte der Bregenzer Architekt Gerhard Gruber den Wirtschaftstrakt zur Trachtenmanufaktur. Im Untergeschoss des 350 Jahre alten Gebäudes entstand die Färberei. Der ursprünglichen Raumaufteilung Rinderstall, Pferdestall und Heustock folgend, sind hier die drei wesentlichen Arbeitsbereiche Appreturküche (Schwarz färben und stärken mit Leim), Glästraum (Glänzen) und Fältelraum (Plissieren) untergebracht. Als Raum im Raum wurde die Nähstube konzipiert. Im einzigen temperierten Bereich der Werkstatt werden die kunsthandwerklichen Arbeiten an der Juppe wie Nähen und Sticken vorgeführt. Er fungiert zudem als Kursraum. Da die Juppenwerkstatt bis auf die Nähstube nicht

»An der Tracht hängt der Wälderin ganzes Herz, sie ist stolz auf dieselbe, findet sie schön und hat darin vollkommen Recht.«

Die Raumkonturen der alten Scheune wurden für den Umbau nicht verändert. Die ehemalige Tenne wurde zum Präsentationsraum gestaltet. Die prachtvollen Trachtengewänder kommen in Schauvitrinen zur Geltung

Merkmale der Juppe sind die silberne Schnalle, der »Bleatz« (Fürtuch) mit kunstvollen Stickereinen, der »Keadoro«, ein kunstvoll goldsilberner bestickter Zierstreifen am Rücken und die verschiedenen Kopfbedeckungen

Fotos: Friedrich Böhringer, Juppenwerkstatt Riefensberg

Andreas Oppermann, »Reisebericht aus dem Bregenzerwald, 1859«

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Die einzelnen Stufen der Veredelung des Leinenstoffes, wie das Färben, können nur in der Juppenwerkstatt durchgeführt werden

In der historischen Glästmaschine erhält der Stoff seinen charakteristischen Glanz. Die Farbe nimmt an Leuchtkraft zu, das schwarze Leinen wird kostbar

beheizt ist, ist sie nur in den Sommermonaten geöffnet. Der Verein Juppenwerkstatt Riefensberg bietet Führungen zum Kennenlernen der gesamten Arbeitsprozesse an. Er unterstützt Interessentinnen auf dem Weg zu ihrer Juppe und vermittelt Kontakte zu den einzelnen Kunsthandwerkerinnen.

Wie die weiße Juppe schwarz wurde

Bis zu 500 Falten pro Gewand Als »Juppe« wird die gesamte Tracht bezeichnet. Der Juppenrock wird aus schwarzer Glanzleinwand hergestellt. Um dessen charakteristische, stark glänzende Oberfläche und die steife Elastizität zu erlangen, muss das gefärbte Gewebe appretiert (geleimt) und gefältelt werden. Ein Juppenstoff von 480 Zentimeter Umfang wird in rund 500 Falten gelegt. Das händische Fälteln eines Juppenrockes dauerte vor der Erfindung der Fältelmaschine einen ganzen Tag. Die einzelnen Teile des historischen Gewandes müssen von der Trägerin individuell bei den einzelnen Kunsthandwerkern in Auftrag gegeben werden. Die schmückenden »Bändel«, »Schnürle« und »Keadera« für das Mieder und der »Bleatz« (das Tuch) werden individuell geknüpft. Die Brämenkappe aus Zobel-, und später Otterfell gehören mit zu der Tracht wie das »Schappale«, das kunstvollen Krönchen aus Goldplättchen und Goldfäden für unverheiratete Mädchen. Bestickte Ärmel, Unterrock und Gürtel vervollständigen die Tracht. Früher trugen die Frauen dazu noch zwei Zöpfe mit eingeflochtenen Samtbändern.

Die Geschichte der Bregenzerwälder Frauentracht reicht zurück bis ins 15. Jahrhundert. Sie war aus Rohleinen gefertigt und ursprünglich weiß. Folgende Sage erzählt, warum sie später dunkel eingefärbt wurde: Die »Schwedenjuppe« gilt der Überlieferung nach als die ursprüngliche Juppe. Wehrhafte Bregenzerwälderinnen sollen gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges (1647) in der später so benannten Schlacht »an der Roten Egg« in weißen Juppen feindliche Schweden vertrieben haben. Offenbar hielten die Gegner die weiß gekleideten Frauen für himmlische Wesen. Den Frauen erschien die erfolgreiche Vertreibung im Nachhinein als göttliches Wunder und sie gelobten, zum Dank die weißen Kleider abzulegen und gegen dunklere umzutauschen. Es folgte eine Zeit von etwa 150 Jahren, in der die Juppe braun gefärbt war. Der Einfluss der spanischen Mode führte zu schwarzen Juppen. Das Erscheinungsbild der Juppe hat sich über die Jahrhunderte hinweg kaum verändert. Die Bregenzwäldler Frauen tragen sie zum Kirchgang an Sonn- und Feiertagen und bei Festen wie einer Hochzeit. Nach wie vor fasziniert sie durch ihre zeitlose Eleganz. Jede Juppe ist ein Einzelstück, da sie maßgefertigt wird. Und weil sie so kostbar ist, wird sie von Generation zu Generation weitervererbt. Thomas Niehörster Info: Juppenwerkstatt Riefensberg, Dorf 52, A-6943 Riefensberg, Tel +43 5513 8356-15, E-Mail: info@juppenwerkstatt.at, www.juppenwerkstatt.at

Die Juppenwerkstatt Riefensberg Öffnungszeiten Mai bis Oktober Dienstag 10 bis 12 Uhr, Freitag 10 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr Führungen Führungen sind von Montag bis Samstag möglich und können bei Frau Karoline Willi, Tourismusbüro Riefensberg, gebucht werden (Tel. +43 5513 8356-0) Eintrittspreise 2013 Erwachsene (ohne Führung) 3 Euro, Kinder bis 15 Jahre frei Schüler, Studenten (16 bis 24 Jahre) 1 Euro, Schulklassen frei (oder 40 Euro mit Führung) Führungen (inkl. Eintritt und Kunsthandwerkervorführung) Gruppengröße ab 10 Personen: Pro Person 7 Euro Gruppengröße bis 9 Personen: je 3 Euro + 40 Euro Pauschale 12

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Im Sommer bietet der Verein Juppenwerkstatt Riefensberg Führungen durch das Museum und die Werkstatt an


TIERISCHES PORTRAIT

Der Alpensalamander

Der quirlige Gebirgsbewohner wird auch »Bergmännle« genannt. Normalerweise bekommt man die scheuen Amphibien (Salamandra atra) selten zu Gesicht, doch an manchen Regentagen, besonders nach langer Trockenheit, kann man sie in großer Zahl auf den Wegen beobachten – mancher Wanderer hat es schon erlebt Aussehen: Bis 15 Zentimeter lang, lackschwarz gefärbt. Männchen haben eine etwas stärker hervor gewölbte Kloake und sind meist etwas kleiner als die Weibchen

Vorkommen im Naturpark: Im Naturpark (bis 1600 Meter) weit verbreitet, zum Beispiel in Zwergstrauchheiden, Steinhaufen und auf Alpweiden. Winterquartiere liegen unterirdisch

Speiseplan: Insekten, Spinnentiere, Regenwürmer und Schnecken

Besonderheiten Bei Gefahr sondern die Tiere ein giftiges Sekret ab, das nicht geschluckt oder auf die Schleimhäute gebracht werden sollte. Sie können 15, wahrscheinlich sogar 20 Jahre alt werden

Oben: Bei der Paarung bugsiert das Männchen sein Weibchen auf ein Samenpaket, welches es vorher am Boden abgelegt hat Unten: Vorsicht – Erwärmung durch das Halten in der Hand oder erzwungenem Aufenthalt in der Sonne schadet den Tieren rasch

Im Gegensatz zu allen anderen heimischen Lurcharten die im Wasser laichen, sind Alpensalamander lebend gebärend. Die Paarung kann während der gesamten Aktivitätsphase von April bis September stattfinden. Die Tragzeit dauert je nach Höhenlage (je höher, desto länger) zwei bis vier Jahre. Das Weibchen bringt zwei voll entwickelte, etwa vier Zentimeter große Jungtiere zur Welt. Die für Lurche ungewöhnliche Art der Fortpflanzung wird als Anpassung an die kalten Hochgebirgsgewässer gedeutet

Leben in den Alpen: Die Tiere sind an die extremen Umweltbedingungen in Gebirgslagen bestens angepasst. Während der langen Kälteperioden kommen sie bis zu sieben Monate im Jahr nicht an die Oberfläche. Auch während der Sommermonate leben die Tiere sehr zurück gezogen. Alpensalamander haben einen hohen Feuchtigkeitsbedarf und sind sehr windempfindlich. Aus diesem Grund verlassen sie meist nur zwischen drei und acht Uhr morgens ihre Unterschlüpfe

Fotos: Friedrich Böhringer, Detlef Pohl, privat

Fortpflanzung und Aufzucht:

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Projektgebiet Balderschwang

Die Holzbringung erfolgt gelegentlich mittels Seilkran

Schutz für den Nirgendwo anders sind die Menschen so zwingend auf den Wald angewiesen wie im Gebirge. Auch das Alpenvorland würde ohne den Bergwald in weiten Teilen unbewohnbar sein. Die Bergwaldoffensive soll dem entgegenwirken und greift auch den Bäumen im Naturpark »unter die Äste«

U

m den Bergwald nachhaltig zu stabilisieren und auf die zukünftigen, durch den Klimawandel beeinflussten Wuchsbedingungen vorzubereiten, wurde im Jahr 2008 die Bergwaldoffensive ins Leben gerufen. Von den acht in Angriff genommenen Projektgebieten Hirschberg, Grünten, Hintersteiner Tal, Scheffau-Scheidegg, Sonnenköpfe, Balderschwang, Blaichach und Immenstädter Horn liegen letztere drei im Naturpark Nagelfluhkette. Ab diesem Jahr kommen weitere Bereiche bei Rettenberg (Rottachberg), Immenstadt (Steigbachtal), Oberstdorf (Anatswald-Leiterberg) und Weiler-Simmerberg (Salmersberg) hinzu. Die Maßnahmen der Bergwaldoffensive reichen von Pflanzaktionen und Jungbestandspflege bis zur Entwicklung von Jagdkonzepten.

Schlepperwege als »Türöffner« Ein Problem bei der Bergwaldoffensive ist der im Allgäu weit verbreitete, stark zerstückelte Grundbesitz. Um waldbauliche Maßnahmen auf größerer Fläche umzusetzen, müssen Waldbesitzer mit ins Boot geholt werden. Die vorrangige Aufgabe der Bergwaldoffensive ist die Entwicklung der alten Waldbestände hin zu stabilen und klimatoleranten Bergmischwäldern. Dafür müssen beispielsweise die bisherigen, instabilen 14

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Die Errichtung sogenannter »Rückewege« für den Holztransport zählt mit zu den wichtigsten Aufgaben der BWO

Fotos: Bergwaldoffensive

Schutzwald Fichtenreinbestände aufgelichtet werden. Keine leichte Aufgabe für die Förster, die die entsprechenden Bäume zu kennzeichnen haben. Um das geschlagene Holz schonend aus den Wäldern zu bringen, werden Schotterwege für Schlepper gebaut. Denn viele waldbauliche Maßnahmen wie Durchforstung und Pflanzungen sind ohne eine Erschließung durch die im forstwirtschaftlichen Jargon genannten »Rückewege« nicht durchführbar. Wo dies zum Beispiel aufgrund einer steilen Hanglage nicht möglich ist, wird das Holz mit Seilkränen, dem Hubschrauber und in besonderen Fällen, wie den Buckelwiesen in Hinterstein, sogar mit dem Pferd gerückt. »Mit dem Bau des Weges verpflichten sich die beteiligten Waldbesitzer gleichzeitig auch zur nachfolgenden Waldpflege, wie Durchforstungen oder Pflanzungen«, beschreibt Martin Wenzel vom Projektbüro der Bergwaldoffensive am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kempten. Die Bergwaldoffensive erfuhr im Allgäu bislang eine gute Resonanz. Bis Ende 2011 wurden 389 Maßnahmen mit einem Investitionsvolumen von 2,9 Millionen Euro umgesetzt. Zusätzlich wurden rund 500.000 Euro aus anderen Förderprogrammen in die Projektgebiete der Bergwaldoffensive geleitet.


Der Wald hat ein Gedächtnis Im 15. Jahrhundert war der »Bannwald« als Schutzwald gegen Lawinen und Steinschlag weit verbreitet, bis ihm die seinerzeitige Industrie durch Kahlschlag zur Holzkohlegewinnung für die Eisen- und Glasproduktion nach und nach den Garaus machte. Überschwemmungen, Murenabgänge und Lawinen waren die Folge. Als Reaktion darauf wurde in Bayern 1850 das erste Forstgesetz erlassen, das den Schutzwald selbst unter Schutz stellte. Auf den großen Kahlflächen kam der Wald allmählich wieder zurück. Durch die Ausrottung von Wolf, Luchs und Bär wuchs der Bestand von Rot- und Rehwild stark an. Verbissempfindliche Baumarten wie Weißtanne oder Rotbuche gerieten ins Hintertreffen. Vielfach blieb nur die robuste Fichte übrig. Sie bildet die noch immer weit verbreiteten Reinbestände. Der Wald hat eben ein gutes Gedächtnis.

Das Fällen von Bäumen (Holzernte) dient der Naturverjüngung im Bergwald

Wald vor Wild Der Mediendiskussion kann man entnehmen, dass sich der WaldWild-Konflikt heute wieder verschärft. »Die Jagd ist so zu betreiben, dass der Wildbestand die natürliche Entwicklung des Waldes nicht hemmt«, lautet das Leitbild der Stadt Immenstadt. Dazu merkte vor kurzem der Grünen-Landtagsabgeordnete Adi Sprinkart an, dass man nicht zusehen dürfe, »wie das Wild den Wald frisst«. Das jagdliche Konzept müsse sofort umgesetzt werden, um den Erfolg der Bergwaldoffensive nicht zu gefährden. »Wald vor Wild«, erklärt hierzu der stellvertretende Landrat und Vorsitzende des Beirates der Bergwaldoffensive, Anton Klotz. Hier sind vor allem die Jäger gefragt, die bei den Jagdkonzepten mit der Bergwaldoffensive an einem Strang ziehen müssen. Dass das gut funktioniert, ist bereits in einigen Projektgebieten erkennbar. Was Monokulturen bewirken können, steckt den Oberallgäuern noch tief in den Knochen, denen die Murenabgänge im Hintersteiner Tal und die Folgen der Orkane Vivian und Wiebke unvergessen sind. Schutzwälder hingegen sind Wälder, die hohen Belastungen wie Sturm oder Schnee widerstehen können. Dadurch erfüllen sie wichtige Schutzfunktionen, beispielsweise vor Steinschlag und Lawinen. Diese Anforderung erfüllt in erster Linie ein Mischwald, bei dem Bäume und Gehölze verschiedener Art, Alters und Größe wie in einem kleinflächigen Mosaik beieinander stehen. Die flachwurzelnde Fichte bekommt hier gute Gesellschaft von Tiefwurzlern wie der Weißtanne. Thomas Niehörster

Bis heute regiert die Fichte unsere Bergwälder. Um einen gesunden Mischwald zu erreichen, führen zahlreiche Helfer regelmäßig Pflanzaktionen durch

Für Bestandaufnahmen der Wälder informiert sich der BWO-Beirat vor Ort

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Schätze suchen

Natur finden Das »Geocaching«, die Schatzsuche mittels GPS, findet von Tag zu Tag mehr Anhänger. Allein in unserem Naturpark sind inzwischen rund 180 Verstecke verzeichnet. Doch es gibt immer mehr Beschwerden. Trollblume und Knabenkraut können den Suchern zum Opfer fallen, Birkhuhn und Gams verschreckt werden. Doch das muss nicht sein

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uch naturverträgliches Geocaching ist spannend und bringt Menschen, insbesondere Heranwachsende in die Natur, die sonst nur schwer dafür zu begeistern sind. Der Deutsche Wanderverband (DWV) und die Firma Garmin, marktführender Hersteller von GPS-Outdoorgeräten, setzen sich deswegen schon seit längerer Zeit für ein umweltfreundliches Geocaching ein. Von DWV und Garmin wurden gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) Informationen zusammengestellt, die sie in Broschüren, im Internet oder auf Veranstaltungen weitergeben. Konflikte zwischen Naturschützern und Geocachern sollen gar nicht erst entstehen. So erfahren angehende Schatzsucher, dass Lebensräume, insbesondere von bedrohten Pflanzen- und Tierarten, nicht durch das Geocaching gefährdet werden dürfen. Ausgehöhlte Bäume oder Höhlen sollte man nicht für Verstecke nutzen. Selbst wenn sie unbewohnt erscheinen, Auch wenn's verlockend ist: Keine Caches in Höhlen oder hohlen Bäumen verstecken. Sie sind Rückzugsgebiete für zahlreiche – auch bedrohte – Tierarten

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können sie doch ein lebenswichtiger Rückzugsraum für viele Tierarten sein. Auch sollten sich Geocacher gerade im Frühjahr und Frühsommer während der Brut- und Setzzeiten von Vögeln und Wildtieren mit Rücksicht durch Wald und Natur bewegen. Als praktisch erweist sich die Darstellung der Schutzgebiete bei der Kartenerstellung für die GPS-Geräte von Garmin, die in Abstimmung mit dem BfN erfolgt. So können die Schatzsuchenden gleich erkennen, ob sie sich auf ein Schutzgebiet zu bewegen oder bereits darin befinden. Denn Geocaching ist auch dort möglich, so lange man sich naturverträglich verhält und auf den Wegen bleibt. Tipp: Wer beim Geocachen im Naturpark Nagelfluhkette nicht sicher ist, ob er sich in einem Schongebiet aufhält, kann auch einfach bei der Naturpark-Geschäftsstelle im AlpSeeHaus nachfragen: Tel. +49 8323 9988-750 Geocaching kann ein Abenteuer für die ganze Familie sein, aber nicht auf Kosten der Waldbewohner. Für vierbeinige Familienmitglieder gilt deshalb immer Leinenpflicht


Hierbei handelt es sich um eine »GPS-Schatzsuche«. Aus Datenbanken im Internet holt man sich die Koordinaten für einen versteckten Schatz, den »Cache«. Meist handelt es sich dabei um eine Plastikdose, gefüllt mit einem Logbuch und meist wertlosen Tauschgegenständen. Mittels GPS-Gerät macht man sich auf die Suche. Wer den Schatz findet, trägt sich in das Logbuch ein und tauscht eventuell die Gegenstände gegen andere Mitbringsel und trägt sich im Internet als Finder ein. Insgesamt gibt es in Deutschland schon mehr als 110.000 Caches. Infos zum naturverträglichen Geocaching geben auch die Internetseiten www.geocaching.de und www.bfn.de/natursport/info »Get some Stuff, leave some Stuff« – »Nimm Zeug raus und hinterlasse Zeug«, so lautet die goldene Regel für Tauschgegenstände beim Geocachen

Fotos: Sebastian Abel, Benedikt Braun/Garmin; Karel Schmiedberger; privat

Was ist Geocaching?

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NEUES AUS DEM ALPSEEHAUS Natur mit anderen Augen sehen Führungen durchs AlpSeeHaus • Entdecken Sie die Besonderheiten des Naturparks Nagelfluhkette • Lernen Sie die Menschen und ihre Traditionen kennen • Erfahren Sie mehr über die Tiere, Pflanzen und Lebensräume • Erschmecken Sie die regionalen Köstlichkeiten: Käseverkostung durch die Bergkäserei Diepolz im AlpSeeHaus Termine: Jeden Montag von 20. Mai bis 16. September 2013, 14 Uhr, Treffpunkt AlpSeeHaus (ohne Anmeldung möglich) Eintritt: 8 Euro (Führung inkl. Käseverkostung), Kinder frei

Viel zu entdecken gibt es in der Erlebnisausstellung im AlpSeeHaus

Das AlpSeeHaus

Zwischen Alpen und Hochmooren

Öffnungszeiten: April bis Oktober: täglich von 10 – 17 Uhr November bis März: Mo – Fr, 11 – 17 Uhr Sa, So, Feiertage 13 – 17 Uhr

Naturpark-Exkursion zum Tag der Parke: Der »Tag der Parke« ist ein europaweiter Aktionstag der Naturparke, Nationalparke und Biosphärenreservate. Der Tag geht auf den 24. Mai 1909 zurück, als in Schweden neun Nationalparke als erste Schutzgebiete dieser Art in Europa ausgewiesen wurden. Zu diesem Anlass laden der Naturpark Nagelfluhkette und der Landschaftspflegeverband Oberallgäu-Kempten (LPV) am 24. Mai 2013 mit einem ausgebildeten Naturparkführer und dem Moorfachmann und LPV-Geschäftsführer Stefan Pscherer zum Hädrichmoor, einem der besterhaltenen Hochmoore in dieser Höhenlage und zugleich artenreicher Lebensraum und Heimat des Hochmoorgelblings. Die Wanderung zeigt hautnah, welche wertvolle Kultur-

Eintritt in die Erlebnisausstellung: 3,50 Euro (3 Euro*), bis 16 Jahre frei *Ermäßigter Eintritt für Anwohner der Naturparkgemeinden, mit Bregenzerwald GästeCard, Allgäu-Walser Card, für Erwachsenen Gruppen ab zehn Personen, bei Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln Info: AlpSeeHaus, Seestraße 10, D-87509 Immenstadt-Bühl, Tel. +49 8323 9988-750, E-Mail: info@naturpark-nagelfluhkette.eu, www.nagelfluhkette.info

landschaft durch jahrhundertealte Alpwirtschaft entstanden ist. Als besonderer Abschluss steht noch ein Besuch der Kräuter-Alp an: In der höchstgelegenen Brennerei des Allgäus dürfen regionale Edelbrände verkostet werden. Nach dem offiziellen Ende der Exkursion bietet sich eine gemütliche Einkehr im Alpengasthof und LandZunge-Partner Hörmoos an. Info: Treffpunkt um 10 Uhr, Imbergbahn Talstation (Oberstaufen), Ende 14 Uhr, Kräuter-Alp Hörmoos (Rückfahrmöglichkeit durch den Hörmoosbus), Kosten 12 Euro (inkl. Bergfahrt und Edelbrandverkostung), gutes Schuhwerk, Regenschutz, Essen und Trinken empfohlen. Anmeldung beim Naturpark Nagelfluhkette (+49 8323 9988-750)

Saisonstart der Berg-Erlebnis-Tour

Die Leitfiguren Tim und Lilly begleiten die Themenwege der »Expedition Nagelfluh«

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In der vergangenen Ausgabe berichteten wir über die Eröffnung des Naturerlebnisangebotes »Expedition Nagelfluh«, einem Gemeinschaftsprojekt von sechs Oberallgäuer Bergbahnen und dem Naturpark Nagelfluhkette. Nach dem langen Winter sind die Erlebnistouren nun wieder bestens begehbar. Kinder, aber auch Erwachsene können auf den sechs Themenwanderungen die Region und Artenvielfalt des Naturparks (neu-)entdecken. Ab den Bergstationen der Hündle-, Imberg-, Hochgrat-, Hörner- und Mittagbahn sowie der Alpsee Bergwelt verraten »Kompass-Erlebnisstationen« spannende Details. So erfährt der Besucher zum Beispiel an der Hochgratbahn einiges über das typische Gestein Nagelfluh. An der Imbergbahn erzählt der Großvater seinen Enkeln, wie im Naturpark Energie entsteht. Die Themenwanderungen werden in Form eines »Entdeckerbuchs« verknüpft. Dieses Buch, das wie ein altes Forscher-Tagebuch aussieht, gibt weitere kleine Geheimnisse links und rechts vom Wegesrand preis. Wer alle Rätsel darin löst, erhält eine Belohnung.

Info: Das Entdeckerbuch ist für 4,50 Euro bei den Bergbahnen und den Naturpark-Gästeinfos erhältlich. Weitere Informationen zur Expedition Nagelfluh gibt es unter www.nagelfluhkette.info und www.expedition-nagelfluh.eu Der Großvater beantwortet Tim und Lillys Fragen


IN SIEBEN TAGEN DURCH DEN NATURPARK Felsen aus »genageltem Stein« und bunte Bergblumenwiesen, reißende Wasserfälle und seltene Tiere, fließende Berge und uralte Baumveteranen – im Naturpark Nagelfluhkette gibt es unendlich viel zu entdecken. Die Naturpark-Tipps aus dem AlpSeeHaus verraten, welche Besonderheiten der Naturpark zu bieten hat: Unter der fachkundigen Anleitung speziell ausgebildeter Naturparkführer geht es durch die schönsten Bereiche des internationalen Schutzgebietes. Dabei erfährt man allerhand Wissenswertes über den Naturpark Nagelfluhkette und seine Menschen.

Montag Sibratsgfäll: »A schräge Sach« Der Bergrutsch am Rindberg Termine: jeden Montag von Juni – Oktober Dauer/Schwierigkeit: 3 Stunden/leicht Info: Tourismusbüro Sibratsgfäll, Tel. +49 5513 2121-13, www.sibra.at

Doren und Sulzberg: Von Heilpflanzen und Wildgemüse Termine: 1.5/5.6/19.6/3.7/7.8/4.9 Dauer/Schwierigkeit: ca. 1,5 Stunden/leicht Info: Tourismusbüro Doren, Tel. +43 5516 2018-0, www.doren.at Tourismusbüro Sulzberg, Tel. + 43 5516 2213-10, www.sulzberg.at

Dienstag

Donnerstag

Oberstaufen: Tour 1: »Wildes Wasser« Die Buchenegger Wasserfälle Tour 2: »Luftiger Grat« Dreigipfeltour auf dem Nagelfluhgrat Termine: jeden Dienstag von Mai – Oktober (je nach Witterung findet Tour 1 oder 2 statt) Dauer/Schwierigkeit: 5 Stunden/mittel (Tour 1), anspruchsvoll (Tour 2) Info: Oberstaufen Tourismus Marketing, Tel. +49 8386 9300-0, www.oberstaufen.de Lingenau: »RotenbergWALD« Waldwanderung mit 20 Stationen Termine: 21.5/18.6/16.7/27.8/10.9 Dauer/Schwierigkeit: 3 Stunden/leicht Info: Tourismusbüro Lingenau, Tel. +43 5513 6321, www.lingenau.at

Samstag

Krumbach: »Geheimnisvolle Moorwelten« Termine: 6.6/13.6/20.6/27.6/4.7/11.7/18.7/ 25.7/1.8/8.8/15.8/22.8/29.8 Dauer/Schwierigkeit: 2 Stunden/leicht Info: Gemeindeamt Krumbach, Tel. +43 5513 8157, www.krumbach.at Blaichach: »Entdecke das Schatzkästchen Gunzesrieder Kräutertal« Termine: Donnerstags von Juni – September (Zusatztermine zum Dt. Wandertag) Dauer/Schwierigkeit: tagesabhängig Info: Gästeamt Blaichach, Tel. +49 8321 6076950, www.blaichach.de

Mittwoch Immenstadt: »Mit der Lädine über den Alpsee« Termine: 22.5/29.5/17.7/24.7/31.7/7.8/14.8/21.8/28.8/4.9 Dauer/Schwierigkeit: ca. 3 Stunden/leicht Info: Gästeinformation Immenstadt, Tel. +49 8323 998877, www.immenstadt.de

Obermaiselstein: Die sanften Berge der Hörnergruppe Termine: jeden Freitag (3. Mai bis 4. Oktober) Dauer/Schwierigkeit: ca. 8 Stunden/mittel Info: Obermaiselstein Tourismus, Tel. +49 8326 277, www.hoernerdoerfer.de

Freitag Hittisau: »Über Holz und Stein« HolzKultur-Rundgang mit Käseverkostung Termine: 14.6/12.7/16.8/6.9 Dauer/Schwierigkeit: 3,5 Stunden/leicht Info: Tourismusbüro Hittisau, Tel. +43 5513 6209-50, www.hittisau.at

Fischen: Die schönsten Stunden im Park Sonnenaufgangswanderung Termine: Samstag (11. Mai bis 28. September) Dauer/Schwierigkeit: ca. 4 Stunden inkl. Frühstück in Grasgehrenhütte/mittel Info: Gästeservice Fischen, Tel. +49 8326 3646-0, www.hoernerdoerfer.de

Sonntag Auf eigene Faust mehr über den Naturpark erfahren? Das geht im Naturparkzentrum AlpSeeHaus Info: AlpSeeHaus, Tel. +49 8323 998877, www.alpseehaus.de (siehe auch S. 18) Info: Mehr zu den Naturparkführern und den Wanderungen auf www.nagelfluhkette.info oder direkt über das zuständige Tourismusbüro (dort erfolgt auch die Anmeldung). Die Kosten betragen je nach Führung 5 bis 15 Euro je Teilnehmer

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NEUES AUS DEM ALPSEEHAUS WANN PASSIERT WAS IM ALPSEEHAUS? TERMINÜBERSICHT 2013 Die Sonderausstellungen sind ein Teil der Erlebnisausstellung »Expedition Nagelfluh – Natur mit anderen Augen sehen«. Für diese wird kein zusätzlicher Eintritt erhoben. Weitere Termine und Veranstaltungen des Naturerlebniszentrums und des Naturparks Nagelfluhkette gibt es im Internet unter www.nez-allgaeu.de und www.nagelfluhkette.info

April

Mai

Bis 30.4.2013 Sonderausstellung »Von Kulturlandschaften und Kuhltur – Land – Schaffenden« Grüne Wiesen, glückliche Kühe: Was und wen braucht es, damit unsere Land(wirt)schaft funktioniert und erhalten bleibt?

Donnerstag, 2.5, 19 – 21 Uhr Vogelstimmenexkursion am AlpSeeHaus Lernen Sie ausgewählte Vögel an ihrem Gesang kennen

Samstag, 27.4, 14 –16 Uhr Vortrag »Einsatz von Mikroorganismen« Erfolgreicher Einsatz effektiver Mikroorganismen in Landwirtschaft, Pflanzenkläranlagen und Gärten (Referent: Manfred Epp vom EM-Technologie Zentrum-SÜD aus Wildpoldsried)

11.10.2013 – 4.1.2014 Sonderausstellung: »Wald und Nachhaltigkeit« Von 1973 bis heute – 300 Jahre Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft Sonntag, 20.10.2013, 11 – 17 Uhr

Freitag, 24.5, 10 – 14 Uhr Naturpark-Exkursion zum Hädrichmoor Kosten: 12 Euro, Anmeldung beim Naturpark Nagelfluhkette +49 8323 9988-750

Alle Termine ohne Gewähr

Sonntag, 23.6.2013, 12 – 17 Uhr Aktionstag »Outdoor Erlebnistag« (siehe S. 35) Ein Jahr AlpSeeHaus: Vielfältiges Programm des Naturpark Nagelfluhkette, NEZ und vielen weiteren Vereinen. Eintritt frei

28.7 – 29.9.2013 Sonderausstellung »Landschaftswandel in Schwaben« Historische und aktuelle Aufnahmen machen die Veränderungen der schwäbischen Landschaft der letzten Jahrzehnte sichtbar

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Aktionstag »Dem Wald auf der Spur« Spannendes über die Bergwälder im Naturpark, Kinderforscherrätsel und verschiedene Mitmach- und Bastelstationen. Eintritt: 3 Euro, für Kinder frei

Juni

Juli

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Samstag, 17.8.2013, 20.30 – 23 Uhr Aktionstag »NEZ – Naturerlebnisnacht im AlpSeeHaus: Fledermäuse, Lagerfeuer, Leuchtkunstwerke«, Eintritt: 3 Euro, Kinder frei

Oktober

Samstag, 13.4, 11 – 14 Uhr Vorführung »Die Milch macht’s« Kochvorführung mit Milchprodukten von Ernährungsfachfrau Elfriede Dorn Samstag, 20.4, 9.30 – 15.30 Uhr Haushaltstraining »Erwachsen – was nun?« Praktische Tipps für den regionalen und saisonalen Einkauf wertvoller Lebensmittel durch Hauswirtschaftsmeisterin Rosemarie Krumbacher-Göhl. (Achtung: max. 15 Teilnehmer. Anmeldung bei der BBV Geschäftsstelle: Tel. +49 831 70491-0)

August

Fotos: Thomas Gretler, Viola Elgaß

Sonntag, 7.4, 11 – 13 Uhr Frühschoppen »Von Kulturlandschaften und Kuhltur – Land – Schaffenden« Mit Vortrag über Milchverarbeitung von Edgar Weichard (Firma optiferm aus Oberzollhaus)

4.5.2013 – 17.7.2013 Sonderausstellung »Baden in der Faszination der Moore« Eine spannende Wanderausstellung mit vielen Mitmach-Möglichkeiten, die Fragen rund um den Moorschutz beantwortet

Sonntag, 28.7.2013, 10 – 18 Uhr Aktionstag »100 Jahre Bund Naturschutz in Bayern« Der BN lädt zur schwabenweiten Festveranstaltung zum 100. Geburtstag des bayernweit größten Umweltverbandes. Eintritt frei


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KURZMELDUNGEN Jazz und Käse auf der Alp

Foto: Volker Wille

Oberstaufen: Anlässlich des 29. Kemptener Jazz Frühlings werden Musik und Käse gleichermaßen genossen auf der Sennalpe Sonnhalde bei Oberstaufen. Am 5. Mai um 11 Uhr beginnt das Musikerlebnis mit dem Frühschoppen. Ihre neuesten Stücke präsentieren die Kerberbrothers Alpenfusion mit einer Mischung aus Volksmusik und Jazz und die Jazzgruppe Filippa Gojo Quartett. Neben Klanggenüssen gibt es

Info: Initiative Allgäuer Sennalpen e.V., Jahnstraße 6, D-87509 Immenstadt/Allgäu, Tel. +49 8386 962418, E-Mail: info@sennalpen.de, www.alpe-sonnhalde.de

Gute (Land)Luft in Hittisau

Naturpark Nagelfluhkette: Der Fehlerteufel hat sich eingeschlichen beim Aufruf zum großen Fotowettbewerb in der vergangenen Ausgabe. Statt der angegebenen Mailadresse nagelfluh@heimat-allgaeu.de für digitale Einsendungen muss es stattdessen heißen: nagelfluh@heimat-allgaeu.info. Trotz dieses Missgeschicks, für das wir uns an dieser Stelle entschuldigen möchten, haben bereits zahlreiche schöne Fotos den Weg in die Redaktion des Naturparkmagazins gefunden. Aufgrund dieser positiven Resonanz geht unser Fotowettbewerb in die Verlängerung: Der neue Einsendeschluss ist der 1. August 2013. Wir freuen uns auf viele weitere Schnappschüsse! red

Hittisau: Für seine innovative Baukultur wurde die Naturparkgemeinde zu Jahresbeginn von der Jury des LandLuft Baukulturgemeinde-Preises ausgezeichnet. Die ursprünglich bäuerlich strukturierte Gemeinde im Bregenzerwald sprühe vor Vereins- und Kulturaktivitäten und berge eine unaufgeregte Architektur, die traditionelles Bauen in eine neue Form führe, lobt LandLuft. Der Verein LandLuft und der Österreichische Gemeindebund ermuntern Gemeinden, sich mit Baukultur auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt steht nicht das »schöne« Bauwerk als Ergebnis, sondern die Prozesse und die Menschen als treibende Kräfte dahinter. Aus der Verleihung gingen

Das Allgäu präsentiert sich

Gutes Geld für gesunde Moore Kempten: Mit der Übergabe eines Förderbescheides über rund 8,4 Millionen Euro gaben der bayerische Umweltminister Marcel Huber und Alfred Herberg vom Bundesamt für Naturschutz den Startschuss für die Umsetzung des Naturschutzgroßprojekts Allgäuer Moorallianz. In den kommenden zehn Jahren sollen mit den Fördergeldern unter anderem entwässerte

Immenstadt/Sonthofen Vom 9. bis 12. Mai 2013 öffnet die Erlebnismesse AllgäuSchau auf dem Marktanger in Sonthofen wieder täglich von 10 bis 18 Uhr ihre Pforten. In diesem Jahr wird es erstmals Thementage geben. Die Eröffnungsveranstaltung steht ganz im Zeichen des Vatertags, am 10. Mai sind die Schüler und Senioren im Mittelpunkt, der darauffolgende Tag widmet sich den Familien und die Schau endet am Muttertag. Der Eintritt ist frei. red

Foto: Fuchs PR & Consulting

Info: Weitere Informationen im Internet auf www.allgäuschau.de

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Umweltminister Dr. Huber (Mitte) übergab den Scheck über die Fördermittel bis 2016. Mit dabei (v.l.n.r.): Staatsminister Thomas Kreuzer, Alfred Herberg, Bundesamt für Naturschutz, Landrat Johann Fleschhut, Lkr. Ostallgäu, Landrat Gebhard Kaiser, Lkr. Oberallgäu Schreinermeister Martin demonstrierte das regionale Handwerk auf der AllgäuSchau 2012

Foto: Viola Elgaß

insgesamt drei Preisträger, weitere vier Ausgezeichnete und fünf Nominierte hervor. red

Die Jury des LandLuft Baukulturgemeinde-Preises zeichnete Hittisau für seine Baukultur aus. Gebäude wie das charakteristische Frauenmuseum fanden dabei besondere Beachtung

Hochmoore wiedervernässt, Streuwiesen gepflegt und Moorflächen angekauft werden. In Pfronten, Oy-Mittelberg und am Elbsee sollen Moorerlebnis-Angebote entwickelt werden, um die Lebensräume »in die Köpfe der Leute zu rücken«. Moore zählen zu den am stärksten gefährdeten Biotoptypen in Deutschland. Daher besteht dringender Handlungsbedarf. red

Foto: Allgäuer Moorallianz

Fotowettbewerb geht in die Verlängerung

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auf der Alpe auch Erzeugnisse einiger Käsekünstler zu genießen. Tickets sind beim Kemptener Kleinkunst-Verein Klecks unter der Webadresse www.klecks.de erhältlich. jj/red


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KURZMELDUNGEN Sommerurlaub im Insektenhotel

Treuer Begleiter in den Alpen Allgäuer Alpen: Die Reihe der Alpenvereinskarten Bayerische Alpen wächst weiter. Ab sofort ist das Kartenblatt BY 1 »Allgäuer Voralpen West, Nagelfluhkette, Hörnergruppe« beim Deutschen Alpenverein und im Buchhandel erhältlich. Die Karte deckt eine beliebte Wander- und Skitourenregion ab, die zunehmend auch Schneeschuhgeher für sich entdecken. Enthalten sind naturverträgliche Routen am Riedberger Horn, alle Gipfel der Hörnergruppe sowie der Nagelfluhkamm vom Hohen Hädrich über den Hochgrat bis zum Mittag. red

Von Baum zu Baum mit Helm und Seil

Foto: Tiefblick GmbH

Info: Hochseilgarten Kletterwald Bärenfalle im Allgäu, Ratholz 24, D-87509 Immenstadt, Tel. +49 8323 968050, E-Mail: info@kletterwald-baerenfalle.de, www.kletterwald-baerenfalle.de

Etwa 170 Kletterelemente befinden sich in den Bäumen eines über 100 Jahre alten Allgäuer Bergwaldes

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Insekten auf der Suche nach einer Bleibe finden ab sofort eine luxuriöse Unterkunft in Immenstadt. Diese Aufnahme sandte Hotelerbauer Adalbert Henkel der Redaktion zu. Bienen und Marienkäfer werden gebeten, ihren Winterurlaub frühzeitig zu buchen – die Zimmer mit Ausblick dürften bereits in wenigen Monaten größtenteils belegt sein

Haushaltsstrom selbst erzeugen? Vorarlberg: Um Bürgern, die zwar gerne mithilfe einer Photovoltaik-Anlage den eigenen Strom selbst erzeugen würden, denen das Verfahren von der Anbieterauswahl bis zum Förder- und Bauantrag aber zu kompliziert ist, haben die Vorarlberger Naturparkgemeinden gemeinsam mit fünf regionalen Partnerbetrieben und dem Energieinstitut Vorarlberg ein Rundum-sorglos-PV-Paket zusammengestellt. Das Paket wird bis zum 15. April 2013 angeboten: Eine 5 kWp-Photovoltaik-Anlage zur Abdeckung des Strombedarfs eines durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalts fertig montiert zum Fixpreis. 24 Qualitätskriterien hat das Energieinstitut hierfür mit den Anbietern festgesetzt, die online unter www.energieregion-vorderwald.at einsehbar sind. Auch in diesem Jahr gibt es vom Klima- und Energiefonds eine Förderaktion

für Fotovoltaikanlagen bis 5 kWp. Details dazu gibt es auf www.klimafonds.gv.at red Info: Energieinstitut Vorarlberg, Stadtstraße 33/CCD, A-6850 Dornbirn, Tel. +43 5572 312020, Fax +43 5572 31202-4, E-Mail: info@energieinstitut.at, www.energieregionvorderwald.at Das »Rundum-sorglos- Photovoltaik-Paket« der energieregion vorderwald soll stromsparwilligen Bürgern unter die Arme greifen

Foto: Hartmut910/pixelio.de

Immenstadt/Oberstaufen: Der Kletterwald Bärenfalle, Bayerns größter Hochseilgarten und mitten im Naturpark Nagelfluhkette auf 1100 Metern Höhe gelegen, startet in die neue Saison und hält wieder viele Angebote für Anfängerbis Profikletterer bereit. Mit 16 verschiedenen Parcours und 170 Kletterelementen zwischen einem und 15 Metern Höhe bietet er Abenteuer für Kinder ab sechs Jahren. Eine Voranmeldung ist erst ab einer Gruppengröße von zehn Personen notwendig. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, die Ausrüstung ist im Eintrittspreis inbegriffen. jj/red


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KURZMELDUNGEN Zu Gast beim Deutschen Wandertag

Zwei junge »Schleifermeister« bei der Arbeit

Wellnessträume im Nagelfluhbecken Foto: Bergkristall – Natur und Spa Oberstaufen

So schmeckt’s am Moor Krumbach: Bei einer geführten Wanderung am 1. Juni lernen die Teilnehmer essbare Kräuter in den Krumbacher Mooren kennen. Pflanzen, die sich für einen knackigen Frühlingssalat oder eine schmackhafte Kräutersuppe eignen und solche, die einfach nur jedes Gericht verschönern, blühen dort am Wegesrand. Nach der Tour gibt es schmackhaften Frühlingssalat und Kräutersuppe beim Moorwirt. Dazu wird Krumbacher Moorlimonade ausgeschenkt, die ausschließlich aus Krumbacher Kräutern hergestellt wird. Für alle die wollen, gibt es zum Abschluss den Original Krumbacher Moor Kräuterbrand. red Info: Preis pro Person 17 Euro, Anmeldung bei der Gemeinde Krumbach, Dorf 2, A-6942 Krumbach, Tel. +43 5513 8157, Fax +43 5513 815719, E-Mail: gemeindeamt@krumbach.at, www.krumbach.at 26

Alles dreht sich um die Umwelt Wassertreten im neuen Kneippbecken mit Nagelfluh-Handlauf

Oberstaufen: Das Allgäuer Viersterne-Hotel »Bergkristall – Natur und Spa« in OberstaufenWillis wurde von der Deutschen Hotelklassifizierung in die Klasse »Vierstern-Superior« aufgenommen. »Mitschuldig« an der Auszeichnung ist unter anderem das neu eingerichtete Nagelfluh-Kneippbecken im ausgeweiteten

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Foto: Viola Elgaß

ten unserer Region präsentiert. Gäste erfahren dort alles Wichtige über den Naturpark und seine schützenswerten Gebiete – und erhalten sicherlich auch den einen oder anderen Wandertipp. Kinder können die Nagelfluhschleifstation ausprobieren und ihre eigenen Steinamulette herstellen. red

Spa-Bereich. Die Inhaber Sabine und Hans-Jörg Lingg haben in den vergangenen Jahren viel in die Verbesserung ihres Angebotes investiert. So entstanden eine Sauna mit Panorama-Blick auf die Nagelfluh-Bergkette, eine Biosauna, ein Bergkristall-Soledampfbad, Infrarotkabinen und eine Saunalounge mit interaktivem Sandbild, das immer wieder verschiedenfarbige Landschaften oder Fantasiekreaturen bildet. red

Vorarlberg: Vom 1. bis 9. Juni finden zahlreiche Aktionen rund um die Umwelt in ganz Vorarlberg statt. In Vorträgen, Exkursionen, Projekten und anderen Veranstaltungen wird für einige Tage die Umwelt gezielt ins Scheinwerferlicht gestellt. Das gemeinsame Ziel: Auf interessante und sympathische Art immer wieder aufs Neue Sensibilität zu schaffen für die unglaublichen Schätze in Natur und Landschaft, zu Land, in der Luft und im Wasser. Die ersten Programmpunkte wurden bereits in den Veranstaltungskalender unter www.umweltv.at aufgenommen. In den kommenden Wochen werden noch viele weitere dazu kommen. red

Info: Bergkristall – Natur und Spa, Familie Hans-Jörg Lingg, Willis 8, D-87534 Oberstaufen, Tel. +49 8386 911-0, Fax +49 8386 911-150, E-Mail: wellness@bergkristall.de, www.bergkristall.de

Mitmachen beim Naturschutzpreis Allgäu: Noch bis zum 5. Mai können sich Interessierte in der Kategorie Bürgerpreis für den Deutschen Naturschutzpreis 2013 bewerben. Unter dem diesjährigen Motto »Lebensraum Wasser – Vielfalt entdecken, erleben, erhalten« sucht das Bundesamt für Naturschutz kreative, öffentlichkeitswirksame und zukunftsweisende Projektideen, die die Bedeutung der Natur im, am und auf dem Wasser aufzeigen. Es werden 20 kleinere Projekte mit je 2000 Euro gefördert. Der Bürgerpreis richtet sich an engagierte Bewohner, Schulen, Kindergärten, Einrichtungen für Jugendliche sowie Bürgerinitiativen sowie lokal tätige Naturschutzakteure. red

Info: Die Bewerbung erfolgt mit einer kurzen Projektbeschreibung auf der Internetseite des Deutschen Naturschutzpreises www.deutschernaturschutzpreis.de Das Bundesamt für Naturschutz fördert originelle Projektideen unter dem Motto »Lebensraum Wasser« mit 2000 Euro

Foto: Jens Steingässer

Oberstdorf: Zum Deutschen Wandertag (siehe auch S. 36) wird der Naturpark Nagelfluhkette mit einem Infostand auf der Tourismusbörse in Oberstdorf vertreten sein. Vom 27. bis 30. Juni werden dort in Gemeinschaft mit den Landschaftspflegeverbänden Lindau, Ost- und Oberallgäu, der Allgäuer Streueverwertung und der Allgäuer Moorallianz die Besonderhei-


Deutschland: Zur Zahlenstudie »Stunde der Wintervögel« zählten in diesem Jahr so viele Menschen wie noch nie die Vögel in ihrem Garten. Mehr als 90.000 Teilnehmer griffen am Wochenende vom 4. bis 6. Januar zum Fernglas, um Vögel zu zählen und an den NABU und den Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) zu melden. Mit dieser Rekordbeteiligung ist die bundesweite Zählung erneut Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion. Insgesamt wurden am Aktions-

Bundesweit wurden 427.247 Kohlmeisen gezählt. Damit ist sie der häufigste Wintervogel 2013

wochenende mehr als 2,7 Millionen Vögel gemeldet, gut eine Million mehr als im Vorjahr. Ganz vorne fliegt die Kohlmeise, die sich den Spitzenrang vom Haussperling zurückeroberte. Auf den Plätzen drei bis fünf folgen Blaumeise, Feldsperling und Amsel. Die nächste Stunde der Wintervögel findet vom 3. bis 6. Januar 2014 statt, wegen des Dreikönigstags in einigen Bundesländern also über vier Tage von Freitag bis Montag. Die Studie soll die Entwicklung der bekannten »Allerweltsvögel« verfolgen. red

Die Junior Ranger forschen wieder

Foto: Volker Wille

Die Kohlmeise hat den Schnabel vorn

Basteln aus Naturmaterialien, aber auch Sennalpenbesuche, Tierspuren bestimmen und Bergrallyes stehen auf dem Programm der Junior RangerAusbildungen – Hauptsache »draußen«

Foto: Erika Gugler/pixelio

Allgäu: Während der bayerischen Sommerferien sollen die Junior Ranger wieder den Naturpark Nagelfluhkette unsicher machen (wir berichteten in der vergangenen Ausgabe). Viert- und Fünftklässler aus der Region können in mehreren viertägigen Ausbildungen, wahlweise mit Übernachtung oder als Tagesangebot, wilde Tiere beobachten, Alpen und Moore im Naturpark erforschen, gemeinsam basteln und Abenteuer erleben. Die genauen Termine stehen zwar noch nicht fest, man kann sich aber vorab beim Naturerlebniszentrum Allgäu vormerken lassen. red Info: Naturerlebniszentrum Allgäu, AlpSeeHaus, Seestr. 10, D-87509 Immenstadt, Tel. +49 8323 9988-760, Fax +49 8323 9988-799, E-Mail: info@nez-allgaeu.de, www.nez-allgaeu.de

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KURZMELDUNGEN Immer was los in den Bergen

Global: Am 22. Mai ist der Internationale Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt. Der Aktionstag wurde im Jahr 2000 durch die UNO eingeführt und fand früher immer am 29. Dezember statt. Artenvielfalt, auch Biodiversität genannt, ist ein Maß für die Vielfalt der biologischen Arten innerhalb eines Lebensraumes oder Gebietes und somit für die Vielfalt von Flora und Fauna. Im »Global Biodiversity Assessment« von 1995 wurden für die Erde insgesamt rund 1,75 Millionen beschriebene Arten angegeben. Diese Zahl ist jedoch nur ein Schätzwert. Eine exakte Aufstellung existiert nicht. Heute rechnet man mit über 2 Millionen Arten. Es gibt sogar Wissenschaftler, die von 5 bis 15 Millionen Arten ausgehen. Der »Living Planet Index« des WWF konstatierte im Mai 2008, dass die Artenvielfalt auf der Erde zwischen 1970 und 2005 um 27 Prozent gesunken ist. Rund 34.000 Arten sind laut WWF vom Aussterben bedroht. Mit vielfältigen Aktionen weltweit soll jährlich am Tag der Artenvielfalt daran erinnert werden, wie wichtig deren Erhalt für unsere Erde ist und dem vermehrten, in den meisten Fällen durch den Menschen verursachten Artensterben entgegengewirkt werden. red

Foto: Hündlebahn und Imbergbahn – Skiarena GmbH & Co. KG

Tag der Artenvielfalt

Der Alperlebnispfad beginnt an der Imbergbahn und ist nicht nur für Kinder spannend

Oberstaufen/Steibis: Die Imberg- und die Hündlebahn, beide ausgezeichnete Startpunkte für zahlreiche Wanderungen durch die Nagelfluhkette und Partner-Bergbahnen der »Expedition Nagelfluh« (siehe S. 18), starten mit zahlreichen Veranstaltungen in die neue Saison: So dürfen zum Beispiel am Muttertag, den 12. Mai alle Mamas und Omas an der Imberg- und Hündlebahn eine kostenlose

Berg- und Talfahrt machen. Am 25. Juli und 29. August findet bei gutem Wetter an der ImbergBergstation um 17 Uhr ein ökumenischer Berggottesdienst für Familien statt. Am Hündlekopf werden die Gottesdienste jeden Freitag vom 7. Juni bis 27. September um 11.30 Uhr gehalten. Am 21. Juli findet an der Talstation der Hündlebahn ein großer Kindertag statt. Beginn ist um 11 Uhr. Der traditionelle Berggottestdienst an der Bergstation am 15. August beginnt um 10.30 Uhr und wird begleitet von den Oberstaufener Jodlern und Alphornbläsern. Beide Termine am Hündle finden nur bei guter Witterung statt. red Info: Hündlebahn: Tel. +49 8386 2720, E-Mail: info@huendle.de, www.huendle.de Imbergbahn: Tel. +49 8386 8112, E-Mail: info@imbergbahn.de, www.imbergbahn.de

TIPP Echter Alpgenuss auf der Oberen Kalle

Die »Obere Kalle« mit Sonnenterrasse und bewirteter Gaststube ist für ihre »Käsepfanne« berühmt

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Die Obere Kalle ist Partneralpe von »Allgäuer Alpgenuss«. Das bedeutet, hier hat der Gast das selbstverständliche Recht zu erfahren, wo der Käse produziert wird, wer das Brot oder die Wurst liefert. Die Obere Kalle zum Beispiel bezieht für ihre Gerichte Zutaten aus größtenteils eigener Landwirtschaft oder von heimischen Bauern. Der Kuchen wird selbst gebacken, Semmelknödel, Flädle und Spätzle frisch zubereitet. Dass dies so ist und bleibt, dafür setzt sich der Verein Allgäuer Alpgenuss, dem inzwischen 36 Alpen angehören, seit 2007 ein. Allgäuer Alpgenuss ist nicht die einzige Kooperation, die sich im Naturpark für eine regionale Küche mit kurzen und damit umweltfreundlichen Lieferketten einsetzt: In einer kommenden Ausgabe des Nagelfluhmagazins stellen sich Allgäuer Alpgenuss, LandZunge, die Bregenzerwälder MundArt und weitere Vereine rund um die gute Küche im Naturpark Nagelfluhkette vor. red Info: Auskunft bei Bernhard und Monika Gomm, Moosweg 13, D-87534 Oberstaufen, Tel. Hütte +49 8325 487, www.obere-kalle.de

Fotos: Alpe Obere Kalle

Ab Mai öffnet die Alpe Obere Kalle für Wanderer, Tagesausflügler und Übernachtungsgäste ihre Pforten. Die Alphütte liegt auf 1201 Metern, hoch über dem Großen Alpsee bei Immenstadt. Im Sommer weiden 70 Stück Jungvieh auf der Alpfläche, ebenso Pferde, Esel, Schweine, Hasen, Hennen und Ziegen. Die Obere Kalle ist zu Fuß auf einem geschotterten Alpwirtschaftsweg oder mit der Sesselbahn erreichbar. Für viele Wanderungen und Bergtouren, ob zum Gipfel der »Eckhalde« oder zur Nagelfluhkette, ist die Alpe Ausgangspunkt oder Zwischenstation.

Zahlreiche vierbeinige Gäste beherbergt die Alpe im Bergsommer – und die fühlen sich dort »sauwohl«


Ku(h)ler Aktionstag im AlpSeeHaus kurzerhand von einer jungen Teilnehmerin getauft) wurde um die Wette gemolken, viele Gläser an der Milchbar getrunken und fleißig Bauernbrot gebacken, welches man gleich mit der selbst geschüttelten Kräuterbutter bestrei-

chen durfte. Währenddessen gewährte die Sonderausstellung dreidimensionale Einblicke ins landwirtschaftliche Leben. Die Schau kann noch bis 30. April im AlpSeeHaus besichtigt werden (siehe auch S. 20). red

Fotos: Viola Elgaß

Immenstadt: Gut besucht und rundum gelungen war der Aktionstag zur Sonderausstellung »Von Kulturlandschaften und Kuhltur – Land – Schaffenden« am 23. März im AlpSeeHaus. An der Plastik-Kuh »Frieda« (so wurde sie

Von Backen bis Buttern: Das Oberallgäuer Team vom Bayerischen Bauernverband zeigte, wie bäuerliche Leckereien aus heimischen Produkten gemacht werden

Und jetzt links herum – Teigzöpfe flechten will gelernt sein

Foto: Alpsee Bergwelt GmbH

Gemütlich wandern – rasant rodeln Immenstadt: Der »Expedition Nagelfluh«-Partner Alpsee Bergwelt startet in die neue Saison. Für Jugendliche ist eine Abfahrt mit dem »Alpsee Coaster« ein Abenteuer: Auf knapp drei Kilometern Länge führt die Ganzjahres-Rodelbahn durch 68 Kurven und über 23 Wellen von der Bergstation der Sesselbahn zum »Rodelwirt« neben der Talstation. Beim Zahlreiche Wanderwege mit Ausblick wie hier auf den Alpsee starten an der Bergstation

Nachtrodeln vom 26. Mai bis 9. Juni und vom 4. Juli bis 8. September wird der Betrieb dank Flutlichtanlage jeden Mittwoch und Samstag bis 22 Uhr verlängert. Möchte man es lieber etwas ruhiger angehen, findet man auf gut ausgebauten Wanderwegen (nicht nur) in die Nagelfluhberge Erholung vom Alltag. red Info: Alpsee Bergwelt, Ratholz 24, D-87509 Immenstadt, Tel. +49 8325 252, Fax +49 8325 927693, E-Mail: info@alpsee-bergwelt.de, www.alpsee-bergwelt.de Anzeige

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JUWELEN DES NATURPARKS

Alpsee bei Immenstadt Wo Piraten sich tummeln

Fotos: joakant/pixelio.de; Volker Wille, Peter Elgaß

Der Große Alpsee ist der größte natürliche See des Allgäus und für seinen Fischreichtum bekannt. Seine Größe macht den über drei Kilometer langen und knapp 23 Meter tiefen See zu etwas Besonderem. Er ist ein beliebtes Ziel für Schwimmer, Spaziergänger und Jungpiraten

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iele in Bayern und der Bundesrepublik mittlerweile sehr seltene Pflanzen und Tiere haben am Alpsee bei Immenstadt noch ihre Heimat. Besonders artenreich ist das geschützte Westufer. Einige Orchideenarten, Trollblume, Seerosen, Fieberklee, Mehlprimel, gelbe Schwertlilie, Wollgras und viele andere Pflanzen kommen hier vor. Tiere wie die Wasserralle, Haubentaucher, Zwergtaucher, Flussuferläufer, Sumpfrohrsänger, Teichrohrsänger, Eisvogel und viele mehr brüten um den Großen Alpsee. Neben Flussbarsch und Seeforelle ist der Hecht ein typischer Alpseebewohner. Als Lauerjäger wartet der Raubfisch oft lange Zeit unbeweglich in einem Einstand auf Beute. Schwimmt ein ahnungsloser Beutefisch vorbei, schlägt er blitzschnell zu. Die Freizeitangebote um und auf dem Alpsee sind vielfältig: Schon fast ein Wahrzeichen des Alpsees ist die Lädine »Santa Maria Loretto«. Auf dem historischen Segler finden im Sommer Rundfahrten statt. Regelmäßig werden darauf Piraten ausgebildet (siehe Kasten). Lädinen waren bis über 30 Meter lange Lastsegelschiffe, die seit dem Mittelalter Waren und Menschen von und zu den Handelszentren am Bodensee beförderten. Beim Projekt »Alpsee 2000« kam die Idee auf, so ein »Seetaxi« auch auf dem Großen Alpsee einzusetzen. Der zwölf Meter lange Alpsee-Segler ist ein wunderschöner Nachbau. Ein weiteres Erlebnisangebot steht quasi an den Ufern des Alpsees: Das AlpSeeHaus dient als Eingagsportal in den Naturpark Nagelfluhkette. Regelmäßig finden dort Führungen statt (siehe S. 5 und 18). red Tipp: Zu den Naturjuwelen des Naturparks gibt es eine Wanderausstellung. Bis 21. April ist sie im Haus des Gastes in Obermaiselstein zu sehen, danach wandert sie nach Hittisau und die anderen Naturparkgemeinden

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Die »Königin des Alpsees«: Auf der Lädine »Santa Maria Loretto« finden regelmäßig (Piraten-)fahrten statt

Gleichgewicht ist gefragt beim Stehpaddeln. Viele weitere Geräte wie Tret- und Ruderboote kann man bei der Wassersportschule mieten


Auch wenn Gestalt und die nickenden Kopfbewegungen an ein echtes Huhn erinnern: das Blässhuhn ist ein Wasservogel aus der Familie der Rallen. Bis zu zwei Meter tief tauchen sie nach Wasserpflanzen und –getier

»Schiff ahoi« auf dem Alpsee Auf dem Alpsee-Segler »Santa Maria Loretto« finden regelmäßig Piratenfahrten für Kinder statt. Anheuern können Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren. Piratenverkleidung ist erwünscht, Trinkfestigkeit und Schiffstauglichkeit wird vorausgesetzt. Für Säbelhiebe oder Bauchschmerzen nach Verzehr von madigem Schiffsvorrat wird keine Haftung übernommen. Termine und Anmeldung bei der Gästeinformation im AlpSeeHaus unter Tel. +49 8323 998877.

Wohnt auch im Alpsee: Der Hecht ist ein Raubfisch der Uferregion, der das tiefere Gewässer als Rückzugsgebiet nutzt. Aber keine Sorge: Er hat noch niemanden in den Zeh gebissen

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Ein halbes Jahrhundert Engagement für Naturparke

Der Verband Deutscher Naturparke e.V. (VDN) feiert 2013 sein 50-jähriges Bestehen. Seit seiner Gründung unterstützt er als Dachverband der Naturparke in Deutschland diese in ihrer Entwicklung. Heute ist der VDN Netzwerk und Drehscheibe für Naturparkaktivitäten deutschlandweit Jedes Jahr veranstaltet der VDN einen Fotowettbewerb. 2012 machte Thomas Kaiser mit seinem Motiv »Fischotter« aus dem Naturpark Südschwarzwald den ersten Platz

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m 10. Oktober 1963 wurde der Verband Deutscher Naturparke in Irrel in der Südeifel gegründet. Die damals existierenden 17 Naturparke wollten mit der Gründung des VDN ein Dach schaffen, um Bund und Ländern einen Gesprächspartner für die Naturparke anzubieten. Seitdem wurde viel erreicht. Der VDN erbringt zahlreiche Leistungen für die einzelnen Naturparke und die Entwicklung der deutschen Naturparke insgesamt. Er ist Berater, fachliches Forum und Impulsgeber für die Naturparke, macht die Aufgaben und Leistungen der Naturparke in der Öffentlichkeit bekannt, vertritt die Interessen der Naturparke auf politischer Ebene und fördert den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen den Naturparken in Deutschland und Europa.

Naturparke bedecken ein Viertel Deutschlands Es gibt mittlerweile 104 Naturparke auf über 27 Prozent der Fläche Deutschlands. Sie sind heute als Schutzgebiete mit ihren Aufgaben nicht mehr wegzudenken. Dazu zählt die Schaffung von Naturerlebnis-, Umweltbildungs- und Erholungsangeboten, eine nachhaltige Tourismusund Regionalentwicklung sowie die Erhaltung und Entwicklung der sie prägenden Kulturlandschaften mit ihrer Arten- und Biotopvielfalt. Die Großschutzgebiete begeistern mit einer Vielfalt unterschiedlichster Landschaften – von der Küste bis zu den Alpen lässt sich hier Ruhe und Erholung finden, aber auch aktiv die Natur entdecken. Natur hautnah genießen und mit Wanderschuhen, Fahrrad oder hoch zu Ross erkunden: Naturparke sind »Großes Kino« ganz ohne Eintritt und so weitflächig über das gesamte Bundesgebiet verteilt, dass sie für jeden gut zu 104 Naturparke liegen in Deutschland, 96 davon sind VDN-Mitglied, wie zum Beispiel unser Naturpark Nagelfluhkette ganz unten Die Idee der »Entdeckerwesten«, wie sie bei mancher Führung durchs AlpSeeHaus getragen werden (siehe S. 5), stammt vom VDN. Kinder soll sie zum »selber forschen« anregen


erreichen sind. Dabei ist besonders das Thema Barrierefreiheit dem VDN ein großes Anliegen und er hat in dieser Richtung viel vorangetrieben – viele Naturparke bieten Freizeitgestaltung für Menschen mit unterschiedlichen Handicaps an, wie barrierefreie Wanderwege, Tastgärten für Sehbehinderte oder Führungen mit Gebärdendolmetschern.

Im Jubiläumsjahr 2013 gibt der VDN zahlreiche Anlässe, das Engagement der Naturparke intensiver kennenzulernen: Auf der OutdoorMesse »Tour Natur« vom 6. bis 8. September 2013 in Düsseldorf kann man bei der der »Naturparke-Olympiade« knifflige Rätsel lösen oder an Spielen teilnehmen und Preise gewinnen. Der deutschlandweite Fotowettbewerb »Augenblick Natur« im Fotoportal www.naturparkfotos.de lädt vom 1. April bis 31. Oktober 2013 Fotografinnen und Fotografen dazu ein, sich mit ihren Bildern aus »ihrem Naturpark« am Wettbewerb zu beteiligen. Das sind nur einige Beispiele der Veranstaltungen im Jubiläumsjahr. Auf der Website des VDN sollen über das Jahr hinweg noch viele weitere Termine angekündigt werden. Info: Verband Deutscher Naturparke, Platz der Vereinten Nationen 9, D-53113 Bonn, Tel. +49 228 921286-0, Fax +49 228 921286-9, E-Mail: info@naturparke.de, www.naturparke.de Rechts oben: Einer der größten Naturparke Deutschlands ist der Südschwarzwald. Er ist zu zwei Dritteln mit Wald bedeckt. Eine besonders schöne Aussicht auf den Präger Gletscherkessel im oberen Wiesental Rechts: Der Naturpark Obere Donau umfasst die höchsten Bereiche der Schwäbischen Alb nördlich des Bodensees. Die Region wird von der tief in die Kalksteinschichten eingesenkten Donau durchschnitten

Fotos: Viola Elgaß, Christoph Wasmer, Haus der Natur Obere Donau, VDN

Gut gefülltes Programm zum Geburtstag

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Hier »hört man Stimmen«: eine Toninstallation, aufgenommen im Sulzberger Wahllokal, bringt unsichtbares Leben in den künstlerischen Eingangsbereich

»Gemeindehaus« statt »Gemeindeamt« ist nicht zufällig gewählt Es soll damit die Verbundenheit zum Dorf ausgedrückt werden. Rechts: 75 Prozent der Bürger spendeten eine Haarlocke für das Gemeindezentrum

Das Gemeindehaus in Sulzberg ist etwas ganz Besonderes: Betritt ein Besucher den Eingangsbereich, begrüßen ihn sogleich über eintausend Sulzberger Bürger. Für eine aufwendige »Kunst am Bau«-Installation stiftete ein Großteil der Einwohner eine Haarlocke. Die Idee war, auf diese Weise alle Bürger des Ortes symbolisch ins Gemeindehaus zu holen

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al schnell« einen Reisepass beantragen oder nach dem Weg fragen wäre im Sulzberger Gemeindehaus geradezu eine Verschwendung. Es gibt wohl kaum jemanden, den bei seinem ersten Besuch die ungewöhnliche künstlerische Idee im Eingangsbereich des Gebäudes nicht zumindest kurzzeitig gebannt hat. Äußerlich prägen heimisches Holz und Sichtbeton das eher nüchterne Gebäude. Im Innenraum wurden 2000 Quadratmeter in Weißtannenverkleidung ausgeführt, die Fassade kleiden rund 400 Quadratmeter Weißtannenschindeln. Gleich hinter der gläsernen Eingangstür werden die Besucher des Gemeindezentrums von der einzigartigen Raum- und Toninstallation mit dem Titel »1740 Ichs« empfangen. Dafür wurden im Foyer zwei Wandteile mit insgesamt acht Metern Länge und zweieinhalb Metern Höhe montiert, die 1740 transparente Würfel aus Gießharz enthalten. In diese Würfel wurden Haarsträhnen und -locken von 1340 Sulzbergern und Sulzbergerinnen eingegossen. Etwa 400 Würfel blieben leer. Sie stehen für die Einwohner, die entweder keine Haare (mehr) hatten oder sich nicht am Projekt beteiligen wollten. Bereits Monate vor der Fertigstellung des Gebäudes im Jahr 2006 wurden die Haare für das Projekt gesammelt. Bürgermeister Helmut Blank persönlich bat die Dorfbewohner in einem Schreiben darum. Jeder sollte ein paar Haare lassen. Die meisten wurden direkt vom örtlichen Friseur geschnitten und in beschrifteten Kuverts an den Vorarlberger Künstler Roland Stecher weitergeleitet, der sie in einem aufwändigen Verfahren in Kunstharzwürfel eingoss. Für jede Person ein Würfel. Die Würfel sind

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Fotos: Viola Elgaß

Einoder: Haus mit Locken 1740 Ichs in eine großflächige, wabenartige Rahmenkonstruktion eingelassen und fügen sich so zu einem einzigartigen Wandbild. Das Mosaik aus 1740 transparenten Würfeln verweist nun auf die Einwohner von Sulzberg. Unterstrichen wird das Ganze durch eine Toninstallation, die im selbem Raum zu hören ist: Ein undefinierbares Gewirr aus Stimmen, aufgenommen im Sulzberger Wahllokal anlässlich der Nationalratswahl im Oktober 2006 – die Sulzberger haben dabei wortwörtlich für das Projekt ihre Stimme abgegeben. INFO: Gemeinde Sulzberg, Dorf 1, A-6934 Sulzberg, Tel. +43 5516 2213-0, Fax +43 5516 2213-2, E-Mail: gemeinde@sulzberg.at, www.sulzberg.at

Fakten über Sulzberg ▶ Sulzberg liegt auf dem Gipfel des gleichnamigen, rund 1000 Meter hohen Berges ▶ Derzeit zählt die Vorarlberger Naturparkgemeinde 1860 Einwohner ▶ Sulzberg ist mit 80 Landwirtschaftsbetrieben, rund 600 Rindern, 1500 Milchkühen und einer Jahres-Milchproduktion von über sechs Millionen Litern die größte Bauerngemeinde Vorarlbergs ▶ Im Keller der »Käserebellen« – wie sich die Sulzberger Bauern nennen – lagerte 1998 der mit 247 Kilogramm Gewicht und 285 Zentimeter Umfang größte Emmentaler der Welt


Fotos: Viola Elgaß

Mehr »outdoor« am Outdoortag Kletterturm, Naturforscherwerkstatt und Erlebnisrallye: Der Outdoortag zur feierlichen Eröffnung des AlpSeeHauses vergangenen Sommer begeisterte zahlreiche Besucher. Für den kommenden Outdoortag am 23. Juni wird das Programm ordentlich aufpoliert. Armin Schaupp, Bürgermeister der Stadt Immenstadt und selbst sportbegeisterter »Outdoorler«, verrät einige Einzelheiten

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er Outdoortag 2013 soll sich von dem im vergangenen Jahr wesentlich unterscheiden. Was soll anders werden? Armin Schaupp: Beim ersten Outdoortag war es hauptsächlich die Einweihung des AlpSeeHauses, die im Mittelpunkt stand. Dieses Jahr wollen wir ein Programm anbieten, das einen »Outdoor«-Tag auch als solchen kennzeichnet. Deshalb steht er in diesem Jahr unter dem Fokus »Berge für Einsteiger«. Was genau müssen wir uns darunter vorstellen? Armin Schaupp: Nun, es werden zum Beispiel Wanderungen und Mountainbiketouren in verschiedenen Schwierigkeitskategorien angeboten. Das Prinzip ist so geplant, dass die Touren und Aktivitäten außerhalb starten und dann am AlpSeeHaus enden.

Also doch ein Zusammentreffen am Schluss. Und am AlpSeeHaus gibt es dann ein Rahmenprogramm? Armin Schaupp: Genau, dort wird es wieder Stände von verschiedenen Anbietern geben, das Naturerlebniszentrum wird ein umfangreiches Kinderprogramm anbieten, die große Slackline-Anlage am Alpsee wird wieder aufgebaut – das alles findet rund ums AlpSeeHaus statt. Aber: Im Mittelpunkt stehen die Aktivitäten außerhalb. Und wie weit reicht der Radius dieser Aktivitäten innerhalb des Naturparks? Armin Schaupp: Eine Gesamtabdeckung ist natürlich nicht möglich – an einem Tag kann ich nicht von der Hörnergruppe bis nach Immenstadt wandern. Angedacht sind eher Touren wie von der Salmaser Höhe zum Alpsee. Als etwas schwierigere Tour planen wir eine Überschreitung der gesamten Nagelfluhkette von Oberstaufen-Steibis aus. Bei einer anderen Tour fährt man mit der Bergbahn auf

den Mittag, von dort geht es bis zum Stuiben, und über die Alpe Gund und die Bärenfalle zum Alpsee, wo die Lädine die Wanderer abholt. Zu den Startpunkten bringt uns übrigens der Bus. Das heißt, Beginn am AlpSeeHaus und Ende am AlpSeeHaus. Und bei Schlechtwetter? Armin Schaupp (grinst): Ziehen wir’s genauso durch. Es gibt kein Schlechtwetter. Trotz des Außenprogramms sind wir eigentlich witterungsunabhängig. Höchstens das Klettern am Nagelfluhfelsen bei Freidorf-Untermaiselstein müssten wir absagen – aber dann fahren wir eben stattdessen in die Kletterhalle bei Sonthofen. Es gibt sogar Pläne, den Outdoortag jetzt zweimal im Jahr zu veranstalten. Armin Schaupp: Richtig. Es soll künftig einen Sommer- und einen Winter-Outdoortag geben. Angedacht ist zum Beispiel ein Termin im Februar. Dort werden dann Aktivitäten wie Skitouren und Schneeschuhwanderungen angeboten – ebenfalls in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Info: Der Outdoortag 2013 findet am 23. Juni von 12 bis 17 Uhr statt. Für die Touren und Aktionen kann man sich ab Mitte April beim Gästeamt Immenstadt und im AlpSeeHaus anmelden. Da die Teilnehmerzahlen begrenzt sind, sollte man sich möglichst zeitig vormerken lassen Anzeige

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Wandertag Fußgänger im Naturpark Erstmals in der 130-jährigen Geschichte des Deutschen Wandertages wird diese größte Wanderveranstaltung Europas in der Region stattfinden. Vom 26. Juni bis 1. Juli werden im Oberallgäu und in den angrenzenden Regionen etwa 30.000 zünftige »Fußgänger« erwartet

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er Deutsche Wanderverband mit rund 600.000 Mitgliedern in 58 regionalen Gruppierungen veranstaltet jedes Jahr ein Treffen in der Region eines Mitgliedsverbandes. Seit 2008 ist der Heimatbund Allgäu das südlichste Mitglied im Wanderverband. Der Heimatbund hat bereits im Beitrittsjahr 2008 den Zuschlag für die Ausrichtung der Großveranstaltung bekommen. Oberstdorf wurde als veranstaltungserprobte Marktgemeinde zur »Wandertagshauptstadt« gewählt. Viele der rund 3000 Ortsgruppen organisieren Ausflüge zum großen Wandertag. Da sich 30.000 »Fußgänger« nicht an einem Ort treffen können, strahlt der Deutsche Wandertag immer auf die ganze Region aus. Bis zu 80 Kilometer entfernt von der Wandertagshauptstadt quartieren sich die Wanderer ein. Sie kommen oft schon Tage vor dem eigentlichen

»Wandern hoch drei« ist das Thema 2013. Im Flachen und in den Bergen wollen die Besucher sich bewegen

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Ereignis und bleiben manchmal auch länger. Aus diesem Grund werden auch Nachbar-Regionen, vor allem die Naturpark-Gemeinden im Vorarlberg, im Kleinen Walsertal und im Tannheimer Tal Gäste erwarten können. Im Oberallgäu sind neben Oberstdorf und den deutschen Naturpark-Gemeinden auch Sonthofen, Bad Hindelang, Rettenberg und Burgberg als aktive Ausrichter beteiligt. Der 113. Deutsche Wandertag hat ein passendes Motto bekommen: »Wandern hoch drei«. Im Programmheft sind »flache« Touren entlang der Iller und der Täler angeboten. Einen zweiten Schwerpunkt bilden die Wanderungen auf den mittleren Höhen der Hörnerkette und der Nagelfluhkette. Den dritten Teil von »hoch drei« bilden die Allgäuer Hochalpen.


Fotos: Volker Wille, Peter Elgaß

Bei den vorhergehenden Wandertagen in Fulda, Melle und Fläming hat der Heimatbund, der zusammen mit der Allgäu GmbH für die Durchführung des Wandertages zuständig ist, überwältigenden Zuspruch bekommen. »Wir kommen 2013 ins Allgäu!« freuten sich Wandergruppen aus ganz Deutschland. Der Wandertag in unserer Region hat einen ganz besonderen Reiz für die Teilnehmer: Noch nie in der 130-jährigen Geschichte fand ein Jahrestreffen in hochalpiner Umgebung statt. Von den bisher 112 Deutschen Wandertagen fanden 18 in Bayern statt, aber alle in nördlichen Mittelgebirgs-Regionen oder im Bayerwald. Den letzten Deutschen Wandertag in bayerischen Gefilden gab es 1997 in Aschaffenburg. Der Heimatbund und Oberstdorf bieten also für viele Mitglieder des Wanderverbandes absolutes »Neuland« an. Ein weiterer Ansatz ist neu für die Teilnehmer. »Wandern mit Kultur« hat sich der Veranstalter auf die Fahnen geschrieben. Naturdenkmäler, Museen, Allgäuer Burgen, Freilicht-Museen und Sehenswürdigkeiten abseits der Hauptrouten werden angeboten. Dabei spielt beispielsweise das AlpSeeHaus in Bühl als Portal zum Naturpark eine besondere Rolle. Dort wird den Besuchern ein fachkundiger Einstieg in die Landschaftsformen und die Natur der Hörner und der Nagelfluhkette geboten. Erfahrungen aus vorhergehenden Wandertagen zeigen, dass viele Gruppen sich beim Deutschen Wandertag »Laune machen lassen«, wiederzukommen. Immer wieder stößt man Jahre später noch auf Ortsgruppen des Wanderverbandes, die selbständig Touren in den Orten vergangener Wandertage buchen. Denn allzu viel Zeit haben die Teilnehmer ja nicht während der sechs Tage vom 26. Juni bis 1. Juli. Insbesondere, weil am Sonntag ja alle in die Wandertagshauptstadt zum großen Umzug kommen. Bei diesem Umzug, der sich meist über vier bis fünf Kilometer hinzieht, präsentieren sich die Gruppen aus ganz Deutschland – meist mit besonderen Sehenswürdigkeiten aus ihren Regionen. Da im südlichsten Zipfel Deutschands noch nie ein Wandertag organisiert wurde, wäre es gar nicht verwunderlich wenn ein neuer Teilnehmerrekord zu verbuchen wäre. Viele Verbandsmitglieder haben nur darauf gewartet, dass unsere Region einmal dran kommt. Am Infostand beim letzten Wandertag war der meist gsprochene Satz: »Wandertag im Allgäu – wir kommen!« Oberstdorf als Wandertagshauptstadt und die Orte drum herum – vor allem aber auch für die Naturpark-Gemeinden diesseits und jenseits der Landesgrenzen – haben die große Chance, ihre Form des schonenden Naturgenusses einer breiten Zielgruppe zu präsentieren. red

Beim Festzug der Wanderer in Fulda marschierte diese junge Bergsteiger-Truppe mit (oben). So ausgerüstet und gut betreut, fänden die fünf ideales Übungsgelände in der Nagelfluhkette (Foto ganz oben)

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Wie die Virginia ins Allgäu kam Es ist noch gar nicht so lange her, da war die damalige Wegverbindung Lecknertal - Aubachtal eine rege Schmugglertrasse. Von Hittisau in Vorarlberg nach Gunzesried im Allgäu führte die sogenannte Tabakroute – und das noch in den 1950er Jahren

Die »schlanke Virginia« gehörte früher genauso zum Stammtisch wie der Bierkrug in der Hand

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Info: Noch mehr »G’schichten« aus der alten Zeit gibt es auf der Internetseite www.sennalpen.de 38

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Rund das Vierfache ihres normalen Verdienstes konnte der Tabakschmuggel einigen waghalsigen Burschen einbringen. Dafür nahmen viele die gefährliche Wanderung zwischen Vorarlberg und Oberallgäu auf sich

Fotos: Familie Jamin, Thomas Heger/pixelio.de

esonders beliebt waren die seinerzeit berühmten, heutzutage eher vergessenen »Virginias« der österreichischen Tabak-Regie, eine ungefähr 25 Zentimeter lange, dünne Zigarre mit Strohhalm, die am Biertisch, sonntags und am Abend gequalmt wurde. Die Schafkopfrunden am Stammtisch und damit auch die Virginias sind in der damaligen Form, dank Fernsehen und Motorisierung, fast ausgestorben. Auch über Balderschwang und das Wälderloch zwischen den Alpen Ober- und Unterwillhelmine, also dem uralten Viehtrieb bewegte sich ein schwungvoller Handel. Während über letzteren Weg bei Nacht und Nebel das im Allgäu beliebte Vorarlberger Vieh eingeschleust wurde, ging die Tabakroute von Hittisau über das Lecknertal bis zur österreichisch-deutschen Grenze. Von dort im Rucksack über die Alpe Lache oder je nach Streifengang der »Grenzer«, wie die Zollbeamten seinerzeit genannt wurden, über die Alpen Helmingen und Sura zur Alpe Scheidwang. Im Winter wurde die heiße Ware von den Holzschlittlern übernommen und bis zum Sägewerk Gunzesried gebracht, das als Umschlagplatz diente. So war die Gefahr auf viele Schultern verteilt. Das Originelle an der ganzen Sache war, dass sich das Zollbüro genau auf dem Flur befand, auf dem die Ware verteilt wurde. So wusste man natürlich, wann die Beamten auf Streife waren. Ein bisschen Nervenkitzel durfte obendrein nicht fehlen. Böse Zungen behaupteten, so manchen Zöllner virginiarauchend auf Streife beobachtet zu haben. Meist haben Hausierer die Zigarren gleich ins Unterland gebracht und verkauft. Eine der vielen Anekdoten sagt, dass vor allem Pfarrköchinnen die Zigarren erwarben. Damit sie selbst und nicht der Herr Pfarrer, der sie später geraucht hat, beichten musste. Im Dritten Reich verstanden die Beamten allerdings keinen Spaß mehr. Die neuuniformierten Grenzer zeigten sich durchweg als üble »Spielverderber«. Dies allerdings konnte bei den Gunzesriedern nicht ohne Folgen bleiben. Eines Nachts flog das Kontrollhäuschen hinter der Hohen Bruck in die Luft. Natürlich ohne Besatzung. Trotz strenger Verhöre kam nie heraus, wer’s war. Die einst »schlanke und biegsame« Virginia ist heute alt geworden. Mit ihr stirbt ein Stück gute alte Zeit. Die Virginiaraucher gehören heute zu den »Exoten«. Mit freundlicher Genehmigung von Claudius Janner



NAGELFLUH Frühjahr/Sommer Ausgabe 2013