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parcours Existenzgr端ndung f端r Designer


parcours Existenzgründung für Designer Für Euch

unabhängig eigenverantwortlich selbstständig

von Sophia Muckle

Verlag Hermann Schmidt Mainz


004 — 005

VORWORT

Die anschaffungskosten für dieses Buch können als Betriebsausgabe steuerlich geltend gemacht werden. Was das bedeutet und wie man das macht ’ seite 126.


Warum dieses Buch? Man kann seine Träume nur verwirklichen, wenn man sich entscheidet, daraus zu erwachen! sie lieben design, haben begeistert studiert (oder sind noch dabei), haben tolle ideen und möchten die auch verkaufen, sie wollen selbstständig arbeiten, eigenverantwortlich und nah am auftraggeber. Vielleicht haben sie auch schon erste aufträge an Land gezogen und abgerechnet, einen agenturnamen ersonnen und am eigenen corporate design gearbeitet. sie wollen es wagen. aber der Wust an bürokratischen hürden, die stimmen der ängstlichen eltern, Kommilitonen, Freunde machen ihnen angst … dieses Land braucht menschen wie sie, menschen, die ideen entwickeln und ihnen Form geben wollen, Gestalter aller disziplinen, menschen, die mut haben, eigene Wege zu gehen. auf diesem Weg will dieses Buch sie begleiten, ihnen anregungen und unterstützung geben. es ersetzt weder den anwalt noch den steuer- oder Versicherungsberater. das kann und will es nicht. aber es hilft ihnen, die hürden auf dem Parcours in die selbstständigkeit zu nehmen. mit Tipps, anleitungen, erfahrungsberichten, checklisten, index und Glossar. – die Zukunft gehört den mutigen! Wer sTehT hinTer diesem Buch? im Gegensatz zu üblichen ratgebern ist dieses Buch da entstanden, wo sich die Fragen nach der selbstständigkeit stellen. im Kontext von ausbildung und studium. es geht von den vielen Fragen von Berufseinsteigern aus, nicht vom stolz derer, die alles (besser) wissen. danke an ulrike Grünewald von der hochschule für Gestaltung Offenbach, die auf anregung von Prof. Peter eckart die Grundidee des ParcOurs ins Leben rief. er wurde weder von einem steuer- noch von einem rechtsberater geschrieben, sondern von einer designerin, die sich selbst mit den Fragen zum selbstständigen arbeiten und den daraus entstehenden Problemen auseinandersetzt – und zwar täglich. sophia muckle garantiert weder Vollständigkeit noch allwissenheit, aber sie weiß, wovon sie schreibt, und trifft mit ihren hinweisen den Kern der Fragen, die sich jungen selbstständigen stellen. sie hat ihre Berater in sachen recht, steuern und Versicherung gefunden. und diese konnte


006 — 007

VORWORT

sie dazu bewegen, ihr bei den entsprechenden Passagen im Buch mit rat und Tat zur seite zu stehen. dafür gilt allen, die im hintergrund an diesem Buch mitgearbeitet haben, ein herzlicher dank! Katrin schacke hat im rahmen ihrer diplomarbeit die enormen mengen an informationen so aufbereitet, dass es auch designer anspricht. Betreut wurde sie von Prof. Klaus hesse – danke!! VOn Wem Kann man den WeG in die seLBsTsTändiGKeiT Lernen? in diesem Buch stecken erfahrungen. erfahrungen der autorin. und ihres selbstständigen Freundes- und Bekanntenkreises. erfahrungen von jungen selbstständigen Kreativen, die noch relativ am anfang stehen, aber auch erfahrungen von Top-Kreativen, die »es geschafft haben«. diese mischung ist wichtig, denn die Karriere verändert den Blick. und mit der Karriere verändern sich die Fragen, hürden, herausforderungen. Geht es am anfang darum, die steuer, die im Jahr zwei fällig wird, nicht im Jahr eins schon zu 150 Prozent in das schicke auto gesteckt zu haben, so stellen sich im späteren Verlauf der Karriere vielleicht die Fragen nach idealer agenturgröße, einem weiteren standort oder ähnliches. alle verbindet eine haltung. selbstständig arbeiten heißt Position beziehen, heißt eigenverantwortlich und mit risikobereitschaft handeln, es heißt Fehler wagen, aus Fehlern lernen, hürden nehmen, Veränderung als chance begreifen, sich selbst immer weiterentwickeln und sich dennoch treu bleiben. und es heißt, Freiheit über sicherheit zu stellen. das kann man nicht lernen. aber man kann sich anstecken lassen von den erfahrungen erfolgreicher selbstständiger wie christine hesse, Johannes erler, stefan hauser, mario Lombardo, nils holger moormann und anderen. und man kann aus ihren ehrlichen antworten mut schöpfen: auch sie haben klein angefangen, aber sie haben angefangen! Go your own way!

Viel Mut, Glück, Freude und Erfolg beim Hürden nehmen wünschen Karin und Bertram Schmidt-Friderichs (Independent-Verleger seit 1992)


Was Kann der ParcOurs? Welcher Gestalter, designer oder Künstler würde nicht am liebsten seine eigenen ideen umsetzen und damit Geld verdienen? Wer wäre nicht gerne sein eigener chef? dieses Buch ist ein Leitfaden für den beruflichen alltag selbstständiger Gestalter jeglicher disziplin – und zwar für solche, die gerade eine selbstständigkeit planen, ebenso wie für diejenigen, die schon munter dabei sind. Weil dieser alltag mit seinen bürokratischen und rechtlichen hürden mitunter unübersichtlich und abschreckend wirkt, leistet dieses Buch aufklärungsarbeit. es gibt anleitungen und Tipps, wie man sich und die selbstständigkeit möglichst unkompliziert organisiert. dieses Buch ist keine juristische schrift, es ist kein steuerratgeber und ersetzt keine Beratung in sachen Versicherungen. und das ist auch gut so, denn ansonsten ließe es sich wohl kaum so unterhaltsam lesen und ebenso einfach verstehen. Viele der hier genannten Zahlen wie einkommensgrenzen, steuerfreibeträge oder Beitragsbemessungsgrenzen können sich ändern. das liegt daran, dass sie sich an der wirtschaftlichen situation der Volkswirtschaft orientieren sollen und von Zeit zu Zeit dynamisch angepasst werden. Diese Zahlen sind mit einem * gekennzeichnet. Wenn es also darauf ankommt, etwa weil man sein voraussichtliches einkommen angeben muss oder es darum geht, wie man sich versichert, dann lohnt es sich im Zweifelsfall immer, die aktuellen Beträge im internet zu recherchieren oder bei der jeweiligen stelle anzurufen. Wie und wo man diese aktuellen Beträge findet, steht neben vielen anderen wissenswerten dingen in diesem Buch. die selbstständigkeit ist eine Position, die man während des studiums oder der ausbildung entwickelt und die sich danach in der Praxis beweisen muss. dabei geht es weniger um eine tadellose Buchhaltung als um eine eigenständige haltung. diese zu entwickeln braucht Zeit, das ist nur natürlich. damit aber auf dem Weg in die selbstständigkeit das Ziel trotz aller hindernisse und hürden nicht aus den augen gerät und die motivation hoch bleibt, sorgt der Parcours für die sportliche einstellung und Bestzeiten beim hürdenlauf. Viel Erfolg wünschen Sophia Muckle und Katrin Schacke

acHTuNG: Viele der hier genannten Zahlen wie Einkommensgrenzen, steuerfreibeträge oder Beitragsbemessungsgrenzen können sich ändern. sie sind deshalb mit einem * gekennzeichnet.


008 — 009

1

InhalT

sTarT rIcHTIG SElBSTSTänDIG

017

➞ Gespräch mit Stefan Hauser: »waruM ›EIGEnTlIcH‹ EIGEnTlIcH MIST IST«

021

➞ BEruFSlEBEn: wIESo SElBSTSTänDIG?

022

➞ Was BiN icH? ➞ ChECK_01 +

ChECK_02

➞ unternehmer oder arbeitnehmer? ➞ Freiberufler oder Gewerbetreibender? ➞ der eigene name 028

➞ WorauF muss icH acHTEN? ➞ studium und selbstständigkeit ➞ ChECK_03 ➞ selbstständigkeit und nebenjobs ➞ selbstständigkeit und sozialbezüge ➞ ChECK_04 ➞ aller anfang ist der Kleinunternehmer ➞ Vorteile für Berufsanfänger

038

➞ Was BraucHE icH? ➞ ChECK_05 ➞ die eigenen steuernummern ➞ der Fragebogen zur steuerlichen erfassung ➞ die Künstlersozialkasse (KsK) ➞ die Verwertungsgesellschaften ➞ die Berufsgenossenschaften

045

➞ ToGETHEr ForEVEr? rEGElN DEr ZusammENarBEiT ➞ ChECK_06 ➞ die Kostenteilungsgesellschaft ➞ das eigene netzwerk ➞ Wer andere für sich arbeiten lässt ➞ ChECK_07 ➞ Wer andere ausbilden will

050

➞ ForEVEr ToGETHEr! rEcHTsFormEN DEr ZusammENarBEiT ➞ die Gesellschaft bürgerlichen rechts (Gbr) ➞ die Partnerschaftsgesellschaft ➞ die Offene handelsgesellschaft (OhG) ➞ die Kommanditgesellschaft (KG) ➞ die Gesellschaft mit beschränkter haftung (Gmbh)


2

auFTräGE lEISTunGEn KalKulIErEn

061

➞ Gespräch mit Mario lombardo: »ES GEHT aucH anDErS«

065

➞ IST allEr anFanG ScHlEcHT BEZaHlT?

067

➞ DEr prEis ➞ Was bin ich wert? ➞ Wie hoch muss mein stundenlohn sein? ➞ ChECK_08 ➞ Was sind Vergütungsarten? ➞ ChECK_09

➞ Was sind nutzungsfaktoren?

➞ Wie erkläre ich meinen Preis? ➞ Wer zahlt welchen Preis?

075

➞ Das aNGEBoT ➞ das Briefing ➞ ChECK_10 ➞ das perfekte angebot ➞ ChECK_11 ➞ die Leistung des auftragnehmers ➞ Vorleistungen ➞ auftragsphasen

➞ auftragsablauf ➞ Protokolle

082

➞ DEr arBEiTsaBlauF ➞ die auftragsbestätigung ➞ die auftragsorganisation ➞ die auftragsabnahme

085

➞ DEr VErTraG ➞ der Kaufvertrag ➞ der dienstvertrag ➞ der Werkvertrag ➞ der urheberrechtsvertrag

089

➞ DiE rEcHNuNG ➞ ChECK_12 ➞ die rechnung, bitte! ➞ die rechnung mit der mehrwertsteuer ➞ die rechnung ins ausland ➞ Wenn das Konto leer bleibt


010 — 011

3

InhalT

sTEuErN orDEnTlIcH EInFacH

097

➞ Gespräch mit Stini Sebald: »wIr wErDEn IMMEr BESSEr …«

101

➞ DIE rEalITäT IM ÜBErBlIcK

102

➞ DiE BucHHalTuNG ➞ die einnahmenüberschussrechnung ➞ ChECK_13 ➞ die fortgeschrittene Buchführung ➞ ChECK_14 ➞ die Buchführung abgeben

106

➞ sTEuErN ZaHlEN ➞ Was man über steuern wissen sollte ➞ Welche steuern zahlen freie selbstständige? ➞ ChECK_15 ➞ die einkommensteuer ➞ ChECK_16 ➞ die umsatzsteuer ➞ Wie funktioniert die umsatzsteuer? ➞ ChECK_17 ➞ Lohnt sich die umsatzsteuer? ➞ Welcher Prozentsatz gilt für welche Tätigkeiten? ➞ steuern für Projektgruppen

117

➞ BETriEBsEiNNaHmEN uND BETriEBsausGaBEN ➞ Was sind Betriebseinnahmen? ➞ Was sind Betriebsausgaben? ➞ arbeitsraum, Telefonkosten, Fahrzeugkosten, Weg zur arbeit, dienstreisen, computerkosten, GeZ-Gebühren, Bewirtungen, sonstiges

126

➞ Was maN aus BETriEBsausGaBEN macHEN kaNN ➞ richtig abschreiben ➞ ChECK_18 ➞ abschreiben, ansparen und investieren ➞ einfach abkürzen

131

➞ sTEuErN ErklärEN ➞ die einkommensteuererklärung ➞ ChECK_19 ➞ die einkommensteuer bei mischtätigkeiten ➞ Kapitalvermögen, sonderausgaben und Freibeträge ➞ die umsatzsteuererklärung ➞ details zur Vorsteuer

➞ die umsatzsteuervoranmeldung ➞ die pauschale Berechnung der Vorsteuer


4

rEcHT MEInS BlEIBT MEInS

141

➞ Gespräch mit nils Holger Moormann: »VErTräGE SInD wIcHTIG …«

145

➞ wIE ScHÜTZT Man »GEISTIGE ScHöpFunGEn«?

146

➞ urHEBErrEcHT ➞ ChECK_20 ➞ Wer wird urheber? ➞ Was ist eine persönlich geistige schöpfung? ➞ Was tun bei gemeinsamer geistiger schöpfung?

➞ das ding beim namen nennen

149

➞ NuTZuNGsrEcHTE ➞ Grundsätzliches ➞ nutzungsarten ➞ nutzungsrechte ➞ ChECK_21 ➞ Lizenzrechte ➞ »automatische« rechte ➞ erste hilfe bei nutzungsrechtsverletzungen ➞ Weitere schritte bei urheberrechtsverletzungen

157

➞ scHuTZrEcHTE ➞ das Geschmacksmuster ➞ der schutz von schriftzeichen ➞ das Patent

➞ das Gebrauchsmuster ➞ der markenschutz

164

➞ VErTraGsrEcHTE ➞ die Gewährleistung ➞ die haftung ➞ die Kündigung

➞ die schutzrechte für den urheber

172

➞ allGEmEiNE GEscHäFTsBEDiNGuNGEN ➞ eigene aGBs


012 — 013

5

InhalT

VErsicHEruNGEN SIcHEr BESSEr

177

➞ Ein plädoyer von Johannes Erler: »VErTraGT EucH!«

181

➞ wEr KEnnT SIcH MIT VErSIcHErunGEn wIrKlIcH auS?

182

➞ WiE kaNN icH micH VErsicHErN? ➞ allgemeines zur Versicherung ➞ Wer ist wo wie lange versichert? ➞ die studentische Krankenversicherung

➞ angestellt und selbstständig ➞ selbstständig mit Gründungszuschuss

190

➞ WiE FuNkTioNiErT DiE küNsTlErsoZialkassE (ksk)? ➞ ChECK_22 ➞ Für wen ist die KsK zuständig? ➞ der antrag ➞ der Versicherungsbeginn ➞ die Beitragshöhe ➞ die entscheidenden Fragen ➞ ChECK_23 ➞ Wird der antrag abgelehnt

197

➞ WElcHE isT DiE ricHTiGE kraNkENkassE? ➞ ChECK_24 ➞ Gesetzlich oder privat? ➞ Günstig oder billig? ➞ Was kann eine gesetzliche Krankenkasse?

➞ die Wahl der privaten Krankenkasse ➞ die Pflegeversicherung

203

➞ WiE BETrEiBT maN alTErsVorsorGE?

➞ die gesetzliche rentenversicherung ➞ die private altersvorsorge

209

➞ WiE kaNN icH micH GEGEN Was aBsicHErN?

➞ die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung (BuZ)

➞ die unfallversicherung ➞ die Berufshaftpflichtversicherung ➞ Versicherungen im Krankheitsfall ➞ Versicherungen, damit der Laden weiterläuft ➞ die Kunstversicherung ➞ die Berufsrechtsschutzversicherung


iNFos nacHScHlaG

6

221

➞ Gespräch mit Karin Ziegler: »FÜr DEn anFanG BraucHT Man…« adREssEn

225

➞ iNFormaTioNEN uND aDrEssEN Für BEruFsaNFäNGEr uND ExisTENZGrüNDEr

226

➞ VErEiNE, BEruFsVErBäNDE uND GENossENscHaFTEN

228

➞ VErWErTuNGsGEsEllscHaFTEN

230

➞ sTiFTuNGEN, FÖrDErEiNricHTuNGEN

231

➞ NacHscHlaG Zu DEN THEmEN sTEuErN uND rEcHT

232

➞ NacHscHlaG Zum THEma VErsicHEruNGEN

233

➞ BücHEr uND BroscHürEN

235

➞ HilFrEicHEs Vom VErlaG HErmaNN scHmiDT maiNZ

238

glOssaR

270

IndEx

279

danK

280

ImpREssum


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sTarT rIcHTIG SElBSTSTänDIG

1


sTaRT

BeruFsLeBen: WiesO seLBsTsTändiG? irgendwann ist es so weit: die Verwandtschaft ist mit Visitenkarten versorgt und die Webseite für die sympathische Kleingärtnerei im hinterhof wurde endlich fertig. Für Leis-

waruM »EIGEnTlIcH« tungen dieser art bekommt man freundschaftliche entlohnung und dazu das Gefühl, entEIGEnTlIcH MIST weder immer zu wenig oder zu viel zuIST verlangen. denn – was ist sie eigentlich wert, die eigene arbeit? und ist das, was man da macht und wie man es macht, eigentlich professionell? ist es professionell genug, um auch eine entsprechende Bezahlung zu fordern? Im Gespräch mit Stefan Hauser, ade hauser lacour Was ändert sich, wenn aus der Übung die Praxis wird? und was passiert, wenn der auftraggeber sich tatsächlich als solcher versteht und deswegen eine ordentliche rechnung verlangt? dieses Kapitel erklärt schnell und einfach, worauf man achten muss und was man braucht, Bevor wir unser eigenes Büro gründeten, waren wir alle drei in unterschiedlichen arbeitsum formal und rechtlich korrekt als freiberuflich selbstständiger im Bereich design situationen beschäftigt. Gregor war bei meta angestellt unddie Laurent arbeitete für Für ruedi und Kunst zu arbeiten. aber was bedeutet nun eigentlich selbstständigkeit? den Baur während ich hier in Frankfurt für verschiedene agenturen und Kunden eineninistParis, es ein legaler und organisatorischer status, um kleinere aufträge neben demtätig war. das heißt, jederhauptjob brachte seine eigenenbis erfahrungen und Vorstellungen mit, als wiranstudium oder dem zu erledigen, endlich das angestelltendasein beginnt. uns danndas zusammentaten. stellung, heißt dann: festes Gehalt, klare anweisungen, geregelte arbeitszeiten und in meinemurlaub. Fall warman die trägt selbstständigkeit mit einem eigenen Büro auch zuvor schon Thema geregelter nicht alle Verantwortung und erledigt aufgaben, die einem gewesen. Zusammen Freunden hatte mir für eine Gründung doch dann aufjemand gibt. so weit, mit so schön – aber ebenich nicht jeden erfüllt überlegt, ein eingeschränkter zeigte sich recht Vorstellungen unterschiedlich waren, und letztendgabenbereich denschnell, Traum dass einesunsere erfolgreichen Berufslebens. lich trennten sich dann unsere Wege wieder, einfach weil die Ziele andere waren. das kommt vor und ist auch kein man das klar sieht unddieser darüber redet. Zur Freiberuflich selbstständig zuProblem, arbeiten,solange das bedeutet dagegen, keines Ziele anzuGründung sollte manwinken sich schon wem man das machen will und steuern. stattdessen nachgenau einer überlegen, manchmal mit harten anfangsphase unbegrenzte warum. möglichkeiten für eigene ideen, grundsätzlich freie arbeitszeiten und manchmal sogar uneingeschränkte Verdienstmöglichkeiten. diese Vorteile der selbstbestimmung bezahlt im rückblick die Zeitanzwischen uni und eigenem Büro schnell. Kenman mit dem verging vollen einsatz wirtschaftlichem risiko und an unglaublich organisatorischem nengelernt hatten wir so uns im studium. Projekten an der hochschule, Fritz Friedl, aufwand, zumindest lange, bis man in sich für den Bürokram jemandenbei einstellen kann. Lars oder bei ruedi dass wiristThemen dabeimüller noch zwischen LebenBaur und zeigte arbeitsich, zu trennen, für die ähnlich meisten angingen, vor allem dass in den uns diefünf autorenschaft beimunmöglich. Gestalten gleichermaßen wichtig Wirdiese wollten alle nicht ersten bis zehn Jahren manche genießen aberwar. gerade situation ein einfach nur design umsetzen, sondern Prozesse mitgestalten und mitentscheiden. das ist erfolgreiches Berufsleben lang. uns noch immer wichtig und daran arbeiten wir ständig. mal mit mehr, mal mit weniger erfolg. damals gab es für die Zeit nach dem studium noch die möglichkeit eines aufbaustudiums, das einem eine art schonfrist gewährte, innerhalb derer man sich in der beruflichen realität erst einmal orientieren konnte. am ende dieser zwei semester begannen wir dann schon als ade hauser lacour am ersten gemeinsamen Projekt zu arbeiten. allerdings muss man sagen, dass gleich dieser erste auftrag nicht zu einem ende kam, weil der auftraggeber von einem anderen unternehmen übernommen wurde. alle laufenden Projekte mussten also gestoppt werden. da wir zu diesem Zeitpunkt aber noch keine langfristigen Verträge hatten, konnten wir auch keine Forderungen auf die restlichen honorare


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stellen. Gleich zu Beginn war die größte mögliche Krise eingetreten, und trotzdem waren wir motiviert, weil wir jetzt die möglichkeit hatten, genau unser eigenes ding zu machen. es mussten einfach nur andere Jobs her. inzwischen war unser Bekanntenkreis aktiviert,

was tatsächlich so viele aufträge brachte, dass wir erstmal über die runden kamen. dazu gewannen wir einen großen Pitch in münchen, und das Know-how brachten wir aus dem zuvor gescheiterten Projekt mit. so hatte das auch noch sein Gutes und dann waren wir endlich ernsthaft mit dabei. ernst war es uns allen dreien vorher schon gewesen, deswegen hatten wir ja auch gleich eine Gmbh gegründet. dabei kann man sich zwar als anfänger mit der Gmbh auch mal übernehmen, weil es einfach viel aufwand ist: doppelte Buchführung, Verträge, viel steuerliches regelwerk, von dem man nie zuvor gehört hat, und dazu noch ordentliche Kosten. eine Gmbh aus dem stand heraus zu gründen, war auch für uns eine langwierige sache, aber das wollten wir so, allein schon, um uns zu zeigen, dass es ernst sei. Vielleicht lag es aber auch daran, dass wir alle aus schwaben kommen? es sollte eben »was recht’s werden«, damit es nicht so schnell wieder zerbröseln konnte, weil einem vielleicht nach drei monaten der einzige Kunde wegfällt. heute muss ich sagen, dass die Gmbh, auch wenn sie am anfang aufwendig ist, für uns genau das richtige war. Weil man aus Kundensicht anders wahrgenommen wird. da ist man Partner auf augenhöhe und kein kreativer haufen mit wirtschaftlich diffusem hintergrund. der Kunde hat verständlicherweise lieber ein Gegenüber, das er einschätzen kann, denn es geht auch immer um rein wirtschaftliche Zusammenhänge, die man als designer nicht von haus aus draufhat. Zumal wir designer sind und eben gestalten wollen. andere Büros holen sich deswegen BWL-Leute mit ins Boot. Wir hatten das Glück, mit unserem Büromanager Wolfgang Wünnenberg jemanden zu finden, der das bis heute viel besser macht, als wir selbst das könnten. ein echter segen, denn so konzentrieren wir uns als Geschäftsführer auf die Projekte und die damit zusammenhängenden Prozesse, während er den ablauf und die rahmenbedingungen wie zum Beispiel Verträge koordiniert. Zum Thema Verträge. Gerade am anfang arbeitet man immer schon mal los, bevor der auf-


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BeruFsLeBen: WiesO seLBsTsTändiG? irgendwann ist es so weit: die Verwandtschaft ist mit Visitenkarten versorgt und die Webseite für die sympathische Kleingärtnerei im hinterhof wurde endlich fertig. Für Leistungen dieser art bekommt man freundschaftliche entlohnung und dazu das Gefühl, entweder immer zu wenig oder zu viel zu verlangen. denn – was ist sie eigentlich wert, die eigene arbeit? und ist das, was man da macht und wie man es macht, eigentlich professionell? ist es professionell genug, um auch eine entsprechende Bezahlung zu fordern? Was ändert sich, wenn aus der Übung die Praxis wird? und was passiert, wenn der auftraggeber sich tatsächlich als solcher versteht und deswegen eine ordentliche rechnung verlangt? dieses Kapitel erklärt schnell und einfach, worauf man achten muss und was man braucht, trag in trockenen Tüchernkorrekt ist. aber darfselbstständiger man nicht permanent in Vorleistung um formal und rechtlich alseigentlich freiberuflich im Bereich design gehen. undzu eigentlich dieses »eigentlich« schon mist und gedanklicher Fehler. denn und Kunst arbeiten.istaber was bedeutet nun eigentlich dieein selbstständigkeit? Für den ein Kunde, nicht honorieren und unterschreiben will, der hat auch einen ist es der ein einen legalerauftrag und organisatorischer status, um kleinere aufträge neben dem einen Grund das ist immer ein alarmzeichen! studium oderdafür dem –hauptjob zu erledigen, bis endlich das angestelltendasein beginnt. anals Gestalter findetdann: man Verträge und diese spießig und spießig will stellung, das heißt festes Gehalt, klareabsicherungen anweisungen, zwar geregelte arbeitszeiten und man wiederum nicht sein, sondern möchte lieber schon mal mit dem Job anfangen. geregelter urlaub. man trägt nicht alle Verantwortung und erledigt aufgaben, die einem aber irgendwann muss einsehen, dassnicht spießigkeit bedeutet, dass man seine Leute jemand gibt. so weit, so man schön – aber eben für jeden erfüllt ein eingeschränkter aufauch bezahlenden kann. deswegen sollte es bei der eigenen absicherung kein »eigentlich« gabenbereich Traum eines erfolgreichen Berufslebens. geben – und wenn es in richtung rechtsstreit geht, steht man mit Vertrag einfach besser da. Freiberuflich selbstständig zu arbeiten, das bedeutet dagegen, keines dieser Ziele anzuZwar wird gesagt, man müssenach als selbstständiger einen rechtsstreit erlebt haben, aber steuern. stattdessen winken einer manchmalmal harten anfangsphase unbegrenzte tatsächlich haben schon malgrundsätzlich über ein Jahr prozessiert. und obwohl wir eindeutig möglichkeiten für wir eigene ideen, freie arbeitszeiten und manchmal sogar »recht« bekamen, Verdienstmöglichkeiten. hat das nur nerven und Geld Firma war nämlich uneingeschränkte diesegekostet, Vorteile die der andere selbstbestimmung bezahlt längst schon interessant war es höchstens, den staat mal man mit demzahlungsunfähig. vollen einsatz anWirklich wirtschaftlichem risiko und an organisatorischem in aktion zu sehen. die erleben, dieden über mikrofon die gegnerische Partei aufwand, zumindest so richterin lange, bis zu man sich für Bürokram jemanden einstellen kann. niedermacht. insgesamt rauben ungeheuer energie, dabei noch zwischen Leben undsolche arbeiterlebnisse zu trennen, ist für dieviel meisten vorkosten allem in den Geld diejenigen recht,genießen die so was wegschieben sich lieber erstenund fünfvielleicht bis zehn haben Jahrendoch unmöglich. manche aber gerade dieseund situation ein auf neue Projekte konzentrieren. erfolgreiches Berufsleben lang. nach diesen erfahrungen fragt man sich, ob man sich überhaupt aus rechthaberei streiten soll oder ob man es eher für die mitarbeiter macht, die involviert sind und für die man auch Verantwortung trägt. Überhaupt ist das mit der Verantwortung eine sache, die uns wichtig ist. auch wenn es eng zugeht, versuchen wir immer, alles zusammenzuhalten und allenfalls etwas Luft rauszunehmen. sobald man mitarbeiter hat, braucht man eben Kontinuität, und dafür braucht man wiederum die richtigen Kunden. dazu muss man aber sagen, dass vor allem auch kleine Kunden, für die man stetig arbeitet, viel wert sind. denn auch wenn wir mittlerweile einen ordentlichen stamm an mitarbeitern haben, weiß man nie so genau, was denn in einem halben Jahr los ist. man hat feste etats, plant aber grundsätzlich für eine halbwegs ungewisse Zukunft. dabei hilft uns


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sTarT rIcHTIG SElBSTSTänDIG

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unsere inhaltliche Zweigleisigkeit, weil wir sowohl viel für Kultur als auch für unternehmen arbeiten. die etats sind vielleicht im Kulturbereich kleiner, aber dafür auch während einer Wirtschaftskrise stabiler. ansonsten sind Kontakte und Bekanntschaften immer noch das erste und kräftigste Zugpferd in sachen auftragsbeschaffung.

dazu gehört auch die altkunden-Pflege, denn mit denen hat man bereits zusammengearbeitet, das sind beinahe Freunde – und irgendwann wechselt jeder mal zu einer anderen Firma oder wird nach einem Tipp gefragt. dann kommen solche Punkte wie rankings, Wettbewerbe, eine gute Pressearbeit und natürlich Pitches. das mit dem pitchen ist natürlich eine angelegenheit, die muss man in gewisser Weise als Berufssport sehen. Zum einen ist das ganz interessant, denn man sieht die eigene Position im Vergleich zur Konkurrenz. Zum anderen muss man abschätzen, wie viel arbeit man in solch einen Wettbewerb steckt, der vielleicht im schlechtesten Fall überhaupt nicht vergütet ist. da gilt es, abzuwägen. Wenn man es als Berufssport sieht, dann kann man sich auch die sportlichen regeln dazu überlegen. steigt man etwa in den ring, obwohl da schon eine unmenge anderer Büros auch drinsteht? macht man es komplett ohne irgendeine aufwandsentschädigung? Oder besteht man zumindest auf den schulterblick während der Vorbereitung, das heißt, man prüft zusammen mit dem auftraggeber mal die richtung? da kommt es wohl immer auf die situation des Büros und auf die der wirtschaftlichen rahmenbedingungen an. aber an solchen entscheidungen lernt man, und deswegen bleibt die selbstständigkeit ein permanenter Lernprozess.

STEFan HauSEr ist zusammen mit laurent lacour einer der Gründer und Geschäftsführer des Designbüros ade hauser lacour in Frankfurt am Main. Seit dem Sommer 2000 arbeitet ade hauser lacour für unternehmen und Institutionen aus wirtschaft und Kultur im Bereich corporate Design, Finanzkommunikation, Editorial Design und webdesign sowie an ausstellungskonzepten, Büchern und Katalogen. ’ adehauserlacour.de


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BeruFsLeBen: WiesO seLBsTsTändiG? irgendwann ist es so weit: die Verwandtschaft ist mit Visitenkarten versorgt und die Webseite für die sympathische Kleingärtnerei im hinterhof wurde endlich fertig. Für Leistungen dieser art bekommt man freundschaftliche entlohnung und dazu das Gefühl, entweder immer zu wenig oder zu viel zu verlangen. denn – was ist sie eigentlich wert, die eigene arbeit? und ist das, was man da macht und wie man es macht, eigentlich professionell? ist es professionell genug, um auch eine entsprechende Bezahlung zu fordern? Was ändert sich, wenn aus der Übung die Praxis wird? und was passiert, wenn der auftraggeber sich tatsächlich als solcher versteht und deswegen eine ordentliche rechnung verlangt? dieses Kapitel erklärt schnell und einfach, worauf man achten muss und was man braucht, um formal und rechtlich korrekt als freiberuflich selbstständiger im Bereich design und Kunst zu arbeiten. aber was bedeutet nun eigentlich die selbstständigkeit? Für den einen ist es ein legaler und organisatorischer status, um kleinere aufträge neben dem studium oder dem hauptjob zu erledigen, bis endlich das angestelltendasein beginnt. anstellung, das heißt dann: festes Gehalt, klare anweisungen, geregelte arbeitszeiten und geregelter urlaub. man trägt nicht alle Verantwortung und erledigt aufgaben, die einem jemand gibt. so weit, so schön – aber eben nicht für jeden erfüllt ein eingeschränkter aufgabenbereich den Traum eines erfolgreichen Berufslebens. Freiberuflich selbstständig zu arbeiten, das bedeutet dagegen, keines dieser Ziele anzusteuern. stattdessen winken nach einer manchmal harten anfangsphase unbegrenzte möglichkeiten für eigene ideen, grundsätzlich freie arbeitszeiten und manchmal sogar uneingeschränkte Verdienstmöglichkeiten. diese Vorteile der selbstbestimmung bezahlt man mit dem vollen einsatz an wirtschaftlichem risiko und an organisatorischem aufwand, zumindest so lange, bis man sich für den Bürokram jemanden einstellen kann. dabei noch zwischen Leben und arbeit zu trennen, ist für die meisten vor allem in den ersten fünf bis zehn Jahren unmöglich. manche genießen aber gerade diese situation ein erfolgreiches Berufsleben lang.


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