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Ausgabe 06/2011

€ 2,00

ISSN 2219-942X

Helmut Ortner

Zerbrechlich

magazin

für

kreativität

kunst

und

kultur


PREMIERENTAGE 2011 A4 & GARAGE SPAN

COLUMBOSNEXT / STELLWERK 2

ALTE SEIFENFABRIK / THE SOAP ROOM

ARTDEPOT

AUT. ARCHITEKTUR UND TIROL

DIE BÄCKEREI

FO.KU.S

FOTOFORUM WEST

GALERIE IM TAXISPALAIS

GALERIE JOHANN WIDAUER

GALERIE BERND KUGLER

GALERIE ELISABETH & KLAUS THOMAN

GALERIE IM ANDECHSHOF

GALERIE NOTHBURGA

GALERIE RHOMBERG

KOOIO

KUNSCHTSCHULE

SYMPOSIUM Babylon - Vertikale Positionen

KÜNSTLERHAUS BÜCHSENHAUSEN

KUNSTPAVILLON

KUNSTRAUM INNSBRUCK

LEBEN MIT KUNST – GALERIE 22A

Im Münzerturm Hall 2. - 8.Oktober Eröffnungspräsentation am Sa, 8.Oktober - 19 Uhr MEDIEN.KUNST.TIROL

NEUE GALERIE

P.M.K

STADTGALERIE SCHWAZ

THEOLOGISCHE FAKULTÄT DER UNIVERSITÄT INNSBRUCK – KUNST IM GANG

04.–05. November • Innsbruck/Tirol www.premierentage.at


Inhalt

03 Inhalt

verbale magazin / Inhaltsverzeichnis / Impressum

04 Editorial

Am Anfang ist immer noch das Wort...

Grundlegende Ausrichtung

Rechtevorbehalt Nachdruck, Vervielfältigung und Verbreitung sowie die Übernahme von Beiträgen iSd § 44 Abs 1 und 2 UrhG werden gemäß § 44 Abs. 1 zweiter Satz UrhG ausdrücklich verboten. Alle Urheber- und Verwertungsrechte bleiben vorbehalten. Die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichneten Artikel stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers und der Redaktion dar. Bei Einsendungen von Artikeln und Fotomaterial an die Redaktion wird das Einverständnis zur Veröffentlichung vorausgesetzt. Der Herausgeber übernimmt keine Gewähr für eingesandtes Redaktions- und Bildmaterial. Termine und Ausschreibungen werden nach Ermessen gewissenhaft, jedoch ohne Gewähr veröffentlicht.

Anzeigenannahme

11 Was kommt nach der Kunst?

Visionen, Ziele und Maßnahmen - Verein Wildwuchs

12 stadt_potenziale 2011

Kunst- und Kulturinnovationsförderung der Stadt Innsbruck

22 Art 4 Everybody

Kunst-Poster zum Heraustrennen im Mittelteil

24 Diva & Angelo „Dies Honorum“ Brigitte Jaufenthaler

Bitte beachten Sie den Annahmeschluss für die kommende Ausgabe am :

10.12.2011, 18:00 Uhr

27 Szene

Vernissage von „Gedruckt + Gebunden“ von Barbara Fuchs

28 Francis Bacon - Study for a Portrait of Van Gogh II Bekannte Meister - (Un)bekannte Meisterwerke

Anzeigenpreise

Anzeigenannahme-/ Redaktionsschluss

Punk isn`t dead Der neue mystische Impressionismus

30 Helga Simmerle

Ein Universum voll Kreativität

Position

und

Es gelten die unter der Internet-Adresse www.­verbale.org/media veröffentlichten Mediadaten und Anzeigenpreise zu den unter www.verbale.org/tradingterms veröffentlichten Geschäftsbedingungen.

14 bluemling

17 Helmut Ortner

Telefon: +43 681 10677574 Email: werben@verbale.org Mediadaten

Kolumne von Erich Ledersberger Ein Symposium der anderen Art

Redaktion

Verein verbale, ZVR 662286396, Perthaler Gasse 15/2, 6020 Innsbruck, Österreich Email: redaktion@verbale.org Internet: http://www.verbale.org

08 Neues aus kakanien

10 Babylon - Vertikale Positionen

bild

und

Für immer tot

klang

Herausgeber

05 Bernhard Aichner wort

Das verbale magazin als Magazin für Kreativität, Kunst und Kultur bietet Kunstschaffenden und Kulturtreibenden den notwendigen medialen Raum, welchen andere Medien nicht im benötigten Ausmaß einräumen können oder wollen. Es spricht ein breites Publikum an und weckt das Interesse an den Themen Kreativität, Kunst und Kultur auch bei nicht kulturaffinen Lesern. Mit dem Ziel, den Zugang zur Kunst zu erleichtern, wird zugunsten allgemeiner Verständlichkeit bewußt auf einen elitären Anspruch verzichtet. Der Kunstschaffende als Mensch steht im Mittelpunkt, wird nach seiner Motivation und Arbeitsweise gefragt und sein kreatives Schaffen auf eine sehr nahe gehende, persönliche Weise beleuchtet. Als ideologisches Ziel werden die kulturelle Identität und Selbstwahrnehmung innerhalb eines europäischen Kulturverständnisses gestärkt, beeinflusst und weiter entwickelt.

34 Wege zur Kunst Premierentage 2011

36 Art for Dummies

Richtig verhalten auf Vernissagen

38 Tag und Nachtgleiche Andreas Zeiss im Freiraum

Verbale abo

Alle Ausgaben 2012 gedruckt per Post oder als PDF per Email um nur € 12,00

Focus südtirol 40 Meran

Kunst und Kultur soweit das Auge reich

Fokus

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42 Who the hell is Harry? Back is Beautiful 44 Veranstaltungen im verbale forum Oktober - November - Dezember

magazin

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Kunst und Leben an der Passer Harrybert Nikolaus Reich

Infos und Bestellformular umseitig oder online im Internet unter http://www.verbale.org/subscribe

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41 Vissidarte

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Editorial

I

n der Kunst ist Raum nicht erst seit Entdeckung der Zentralperspektive in der Renaissance ein dauerhaftes Problem. Mathematische Methoden zur perspektivischen Darstellung von Raum erläuterte 1436 Leon Battista Alberti, 1525 veröffentlichte Albrecht Dürer die erste Zusammenfassung der mathematisch-geometrischen Verfahren zur Darstellung der Zentralperspektive. 2008 veröffentlichte die baettlegroup for art die ernüchternden Ergebnisse ihres Projekts „Raumforschung - Kulturraum in Innsbruck“. Effektive Kulturarbeit braucht neben vielen anderen Rahmenbedingungen auch geeigneten Raum, ist aber gerade außerhalb etablierter Institutionen oft mit - nicht nur materieller - Raumnot konfrontiert. Kultur braucht zu ihrer Entfaltung auch Raum in den Köpfen - jenen der Politik, der Gesellschaft, ihres Publikums. Im Gegensatz zu militanter Landnahme muss soziales „Raum greifen“ nicht mit Brutalität einhergehen, hat aber dennoch mit Macht zu tun. Die Möglichkeit, Raum in einem dynamischen und prozessualen Verständnis zu konstituieren, ist abhängig von gesellschaftlichen Positionen und sozial-politischen Bedingungen. Eine der Aufgaben künstlerischer Tätigkeiten ist auch die Auseinandersetzung mit nicht in Koordinaten definiertem Raum: Strategien zu entwickeln und

Flagge zeigen Raum greifen

Perspektiven zu eröffnen, um Strukturen zu durchbrechen, zu umgehen - oder für ein kollektives Miteinander dahingehend zu optimieren, dass multikulturelles Leben nicht an Grenzen scheitert, sondern befruchtend ineinandergreifend funktionieren kann. Am 26. Oktober begeht Österreich zum 47. Mal den Nationalfeiertag. 1955 war dies der erste Tag, ab dem laut Zusicherung im Staatsvertrag keine fremden Truppen mehr auf österreichischem Hoheitsgebiet stehen durften und an dem die immerwährende Neutralität Österreichs beschlossen wurde. Bis 1964 wurde dieser Tag als der „Tag der Fahne“ gefeiert.

Den diesjährigen Nationalfeiertag mit seinem geopolitischen Hintergrund nutzt verbale, um ein deutlich sichtbares Zeichen zu setzen - und erobert mit der Aktion „Flagge zeigen - Raum greifen“ Territorium! Im Rahmen dieser Aktion präsentieren Kunstschaffende aller Disziplinen ihre Auseinandersetzung mit dem metaphorischen (sozialen, politischen, virtuellen) Raum. Alle Entwicklungen zur Aktion verfolgt die Facebook-Gruppe „flagge zeigen - raum greifen“! Herzlichst,

Florian Tschörner Gründungsherausgeber

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verbale magazin

Perthalergasse 15/2 A-6020 Innsbruck


Bernhard Aichner

S

Bernhard Aichner „Für

immer tot“

- Zweiter Max-Broll-Krimi

Um Tilda herum ist alles dunkel, sie hat keine Ahnung, wo sie sich befindet, neben ihr nur zwei Flaschen Dreh&Drink und ein Handy – ihre einzige Verbindung zur Außenwelt, zur Polizei und zu ihrem Stiefsohn, dem Totengräber Max Broll. Ihre letzte Erinnerung: Ein Mann ist in ihre Wohnung eingedrungen, hat sie überwältigt, in eine Kiste gesteckt und irgendwo im Wald vergraben. Und sie erinnert sich auch, wer der Mann war: Leopold Wagner, der „Kindermacher“, den sie vor achtzehn Jahren ins Gefängnis gebracht hat. Das Problem ist nur: Wagner kann es nicht gewesen sein, denn er sitzt nach wie vor hinter Gittern. Max Broll weiß: Er muss seine Stiefmutter Tilda finden, koste es, was es wolle. Und er weiß auch: Viel Zeit hat er nicht, mehr als ein paar Tage wird Tilda unter der Erde nicht überleben. Während die Polizei versucht, das Handy zu orten, und systematisch das Gebiet durchkämmt, macht er sich gemeinsam mit seinem Freund Baroni auf, das Rätsel im Alleingang zu lösen... Text: Oliver Hartwig, Bild: Fotowerk Aichner

chon Bernhard Aichners erster Krimi rund um den Totengräber Max Broll („Die Schöne und der Tod“) war ein von der ersten bis zur letzten Zeile fesselndes Lese-Erlebnis. Mit dem zweiten Teil, „Für immer tot“, übertrifft der Tiroler Autor jedoch alle meine Erwartungen. Atemlose Spannung und überraschende Wendungen, liebevoll gezeichnete Figuren, viel schwarzer Humor und das Lokalkolorit eines kleinen Alpen-Dorfes. Aichner kennt kein Erbarmen mit dem Leser. Ist schon der Anfang nervenaufreibend, steigert er die Spannung das ganze Buch hindurch gnadenlos weiter. Die Dialoge sind nicht wie gewohnt in Anführungszeichen gesetzt, sondern durch Bindestriche voneinander getrennt. Das bedarf beim Lesen zwar etwas Eingewöhnung, doch läßt Aichner dadurch die Personen der Handlung derart miteinander sprechen, dass ihre Unterhaltungen real werden. Man fühlt Hass, Wut, Angst und Verzweiflung, als wäre man mitten im Geschehen, und möchte sich einmischen, helfen und mitreden.

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Bernhard Aichner

K

aum habe ich mich durch das Buch gefressen, drängt es mich, den Autor persönlich kennen zu lernen. Als ich mich auf das Gespräch mit Bernhard Aichner vorbereitete, fällt mir sein abwechslungsreicher Lebenslauf auf. Besonders sticht mir ins Auge, dass er wie ich mit 17 die Schule hinschmiss, um sich ganz seinen kreativen Talenten zu widmen. Er verließ seine Heimat Osttirol und trat in Innsbruck einen etappenreichen Werdegang an. Das macht ihn mir schon besonders sympatisch, und ich spreche ihn bei unserem Treffen gleich darauf an. Er wollte eben weg aus Osttirol, und mit der Schule – oder besser, seinen Lehrern - sei er ohnehin auf Kriegsfuß gestanden, lacht Bernhard Aichner. Bereits mit 15 hat er Gedichte geschrieben und ließ sich darin von niemandem beeinflussen. Ihm hat das Schreiben geholfen, sich auszudrücken - und das zu tun, was er wollte, hat ihn glücklich gemacht. Als Jugendlicher Berufswünsche wie Schauspieler, Fotograf oder eben Schriftsteller zu haben, kam im Osttirol seiner Jugend einer kleinen Revolution gleich. „Mit 15, 17 Jahren zu sagen, man möchte Schriftsteller werden – das war, wie zu sagen, man möchte Astronaut werden!“ Die Leute seien eben eher negativ eingestellt und Kreativität wird eher von vornherein klein gehalten und auch in der Schule nicht gefördert. „Bleibt´s ruhig, haltet´s die Papp´n, dann wird schon was aus euch...!“ Auch bei Lesungen an Schulen, die ihm persönlich besonders viel Spaß machen, kann er diese Erfahrung immer wieder machen. Gerade die Handvoll Schüler, denen anzumerken ist, daß sie sich selbst im Schreiben versuchen, stellen ihre Fragen besonders schüchtern. Vielleicht, weil ihre kreativen Versuche von den Lehrern als pubertäre Phase abgetan anstatt gefördert werden. Kreativität stellt nun einmal Gegebenes in Frage, und das kann dem gesellschaftlichen Ordnungssystem schon einmal gefährlich werden. Auch die Fotografie hat Aichner schon früh fasziniert. Als er in Innsbruck als Quereinsteiger in das

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Abendgymnasium eintrat, konnte er nebenbei in einem Fotolabor arbeiten. Das dortige Equipment hat er hemmungslos ausgenutzt und Unmengen an eigenen Fotos entwickelt. So sei er „irgendwie in den Beruf des Fotografen hineingerutscht“. Mit einem Katalog für die „Tiroler Ausstellungsstraße“ und Broschüren für die Tirol-Werbung stellte er sich schließlich bei der Tageszeitung Kurier vor. „Irgendjemand hat mir während meines Studiums gesagt, dort könne man extrem viel Geld verdienen – für einen Studenten halt…“, erzählt Aichner und erklärt die Unterbrechung seines Germanistik-Studiums bis zum Abschluss 2004 schmunzelnd: „Wenn man so im wirklichen Leben steht mit Geld verdienen und allem, was dazu gehört, ist das Studium halt nicht mehr so interessant!“ In den fünf Jahren, die er beim Kurier arbeitete, hat er viel über die Fotografie dazu gelernt und konnte auch erste Texte in Literaturzeitschriften veröffentlichen. Das Gefühl von Erfolg erlebte er erstmals so richtig beim ÖH Literaturwettbewerb 1995. Damals hatte er die Anmeldefrist versäumt, bekam nach langer Bettelei eine Chance als „Zweiter Ersatz“ eingeräumt und durfte schlussendlich doch noch „voll nervös vor den vielen Leuten da in der alten Uni-Aula lesen, weil noch ein wenig Zeit übrig war“. Aus dieser Schlusslicht-Position heraus konnte er die Jury überzeugen und gewann

den Wettbewerb. Viel wichtiger aber war es Aichner, Wertschätzung für seine Texte zu erfahren: „Das ist super! Es taugt mir, dass Geschriebenes etwas mit den Leuten macht, etwas bewirkt, dass Worte bewegen und gefallen! Sprache ist etwas Schönes, und mit Worten Bilder zu schaffen, die lyrisch sind und berühren, das macht mich glücklich!“ Als Bernhard Aichner eines Abends an der Bar des beliebten Szenelokals „Innkeller“ in Innsbruck Joe Rabl, den damaligen Lektor des Skarabäus Verlages, kennen lernte, präsentierte er diesem seine Idee zu einem Bildband. Dazu war er extra mit dem Zug von München nach Rom gefahren, um die sich im Verlauf der Reise kontinuierlich verändernde Landschaft zu fotografieren. Rabl zeigte sich jedoch von den Texten zu diesem Bildband begeisterter, und so erschienen 2000 mit dem Erzählband „Babalon“ Aichners erstes Buch. Sein erstes Theaterstück entstand 2005 aus dem Wunsch heraus, sich literarisch an etwas Neuem zu probieren. „Kann ich das? Wie schreibt man Dialoge, die spannend bleiben und nicht komisch klingen?“, meint Aichner. Überhaupt sei Schreiben immer aufregend, unabhängig von der literarischen Form! „Das ist fast wie Kinder kriegen! Man überlegt sich Namen für seine Personen, gestaltet ihnen Raum und Leben. Wie schauen sie aus? Wie kleiden sie sich,


Bernhard Aichner

wo wohnen sie? Welche Autos fahren sie, und was für Freunde haben sie? Das war ja auch so beim ersten Max Broll-Krimi, und genauso jetzt mit dem Zweiten! Wie schreibt man so einen Krimi? Ich meine, nicht so klassisch: da passiert etwas und wird irgendwie aufgeklärt! - Wie erzeugt man Spannung, die einem als Autor selbst gefällt und vielleicht auch noch den Leser überrascht?“ Also steckt hinter Max Broll vielmehr der Anreiz immer neuer Herausforderung als marketing-strategische Überlegungen? Weil Krimis ein breiteres Publikum ansprechen und sich einfach gut verkaufen? „Ich bekam das Angebot, zum Haymon Verlag zu wechseln, mit der Anfrage nach einem Krimi. Und wenn dieser literarisch ist, und anspruchsvoll, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Und natürlich ist es für einen Autor super, wenn sich ein Krimi in den ersten drei Monaten doppelt so gut verkauft wie ein Roman!“ Dass der aktuelle zweite Max Broll den ersten Band an Erfolg überflügeln wird, bin ich mir sicher. Ein geplanter dritten Teil soll Aichners Ausflug ins Krimi-Genre jedoch vorerst abschließen. Besteht denn nicht die Gefahr, sich - vielleicht auch durch einen gewissen Erfolgsdruck - auszulaugen? „Also wenn mir nichts mehr einfällt, höre ich auf zu schreiben. Mir muß das Schreiben immer Spaß machen. Irgendetwas zu machen, das in Richtung Soko Kitzbühel ausartet, daran habe ich keinen Spaß! Es muß ja auch den Leser unterhalten.“ So versucht er auch zu schreiben. „Oft finde ich unheimlich witzig, was ich gerade geschrieben habe. Dann kann ich darüber herzhaft lachen. Auch wenn ich vielleicht der Einzige bin, der sich je darüber amüsiert! Aber das kommt, glaube ich, eher selten vor.“

Bernhard Aichner Für immer tot Krimi Haymon Taschenbuch 240 Seiten € 12.95 ISBN 978-3-85218-882-9

verbale forum - Innstrasse 55, Innsbruck Reservierung unter 0681 106 77 574

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Neues aus kakanien

Mehr Ordnung! Neues

aus

Kakanien*

Kolumne von Erich Ledersberger

A

n sich bin ich religiös, um nicht zu sagen: transzendent veranlagt. Transzendent darf keinesfalls mit transpirierend verwechselt werden, was bloß schwitzend bedeutet. Transzendenz meint vielmehr Überschreitung im Sinne von „über die Erfahrung hinaus gehend“. Ich glaube zum Beispiel an die menschliche Vernunft, auch wenn ich im wirklichen Leben selten mit ihr konfrontiert werde. Viel öfter mit einem ihrer Gegner, der Dummheit. Über die sagte Einstein einmal: „Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht sicher.“ Ich bin ein hoffnungsloser, unendlicher Optimist und glaube weiterhin an die Vernunft. Natürlich plagen mich bisweilen Glaubenszweifel, das ist in geistigen Angelegenheiten normal. Die Anlässe für die Zweifel sind zahlreicher als jene, die sich mit meinem Glauben decken, aber das rührt mich nicht, da bin ich stur wie ein Märtyrer. Viele Menschen starben für ihren Glauben und haben erst nach ihrem Tod Recht behalten. Man denke nur an Bruno Giordano, der für seine Behauptung, die Erde sei keine Scheibe, von der katholischen Inquisition zum Tod am Scheiterhaufen verurteilt wurde. Da habe ich es um einiges leichter. Derzeit zumindest. Aber eigentlich wollte ich darüber schreiben, dass mein Glaube bisweilen heftig schwankt. Dann glaube ich an etwas Anderes, nämlich die Durchsetzung der Vernunft durch Strafen. Zugegeben, das klingt nicht einleuchtend, aber wer sich im öffentlichen Raum bewegt, beispielsweise auf Gehsteigen und Straßen, wird mich verstehen. Irgendwann haben wir alle, als demokratische Mitglieder dieser Gesellschaft, uns darauf geeinigt, dass man bei einer Ampel stehen bleibt, wenn diese Rot zeigt. Und dass Parken auf dem Zebrastreifen oder in zweiter Spur nicht in Ordnung ist. Oder dass man als Radfahrer nicht auf dem Gehsteig fährt. Und was ist daraus geworden? Wer an einem Freitag um die Mittagszeit bei einer Schule vorbeifährt, wird mit einem merkwürdigen Schauspiel konfrontiert: Viele Autos stehen in Bushaltestellen, auf Zebrastreifen, in zweiter Spur und warten. Worauf? Richtig, auf die Kinder der Autobesitzer, die annehmen, gehen sei für ihren hoffnungsvollen Nachwuchs viel zu

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anstrengend. Es sind, vermute ich zumindest, Eltern, die gaaaanz viel Wert auf ordentlichen Unterricht legen, während sie selbst im Straßenverkehr ungestraft unordentlich sein dürfen.

Problemzone Autofahrer

Als pädagogische „law and order“-Maßnahme schlage ich vor, dass die Polizei in Zukunft diese Brennpunkte genau beobachtet und sofort handelt! Die parkenden Eltern müssen auf der Stelle einen Parkplatz suchen und werden anschließend ausführlich belehrt. Das muss unbedingt in Anwesenheit der Kinder geschehen, denn die Heranwachsenden sollen erkennen, dass unsere Gesellschaft sich auf Regeln geeinigt hat und die gelten für alle. Ein Lernprozess, der angesichts von vielen Ex-Politikern, die etwa Provisionen kassieren und nicht versteuern, extrem wichtig ist. Wenn das nicht zum Ziel führt, könnte als Steigerung die Methode eines Bürgermeisters in Litauen übernommen werden. Der engagierte Politiker fuhr angeblich die Autos von Parksündern mit einem Panzer platt, was einen drastischen Rückgang von Verkehrsdelikten zur Folge hatte. Natürlich dürfen in solchen Fällen Eltern und Kinder vorher aussteigen!

Problemzone Radfahrer

Ähnliche Vorgehensweisen sind bei Radfahrern anzuwenden. Wer jemals eine Fußgängerzone betreten hat oder gar eine enge, steile Straße hinuntergegangen ist, etwa die Höttinger Gasse in Innsbruck, kann ein Lied davon singen, was es bedeutet, wenn einen der Windhauch eines vorbeirasenden Radfahrers streift. Rasender Herzschlag, Ohrensausen bis hin zu kurzer Ohnmacht gehören mittlerweile zum Alltag eines normalen Fußgängers. War früher der Autofahrer der einzige Feind des Fußgängers, haben die Radfahrer mächtig aufgeholt. Wer als Radfahrer heute noch bei einer roten Ampel hält, ist einer der letzten Vertreter von „law and order“ und darf sich nicht wundern, wenn man ihn kurzerhand beiseite stößt. Um diesem Verhalten – also dem Überqueren


Neues aus Kakanien

bei Rot, nicht dem Stehenbleiben!– endlich Frau und Herr zu werden, schlage ich als erste Maßnahme vor, dass die Verkehrssünder eine Stunde den Fahrradweg benützen müssen, allerdings ohne Fahrrad, einfach zu Fuß. Wer das unverletzt überlebt und dennoch rückfällig wird, muss sein Fahrrad eigenhändig in den nächsten Fluss werfen. Danach wird es auf Kosten der Gesetzesübertreter entsorgt.

Problemzone Schule

*) Kakanien nannte Robert Musil die untergehende kuk-Monarchie, jenes Reich, das sich selbst abschaffte. „Kakanien war der Staat, der sich selbst irgendwie nur noch mitmachte. Und darin war Kakanien, ohne dass die Welt es schon wusste, der fortgeschrittenste Staat.”

Die gute Nachricht zum Schluss: Diese Problemzone gibt es nicht! In der österreichischen Schule ist alles in Ordnung, wenn wir den Aussagen der Gewerkschaft der Lehrerinnen und Lehrer trauen können. Sollte eine wissenschaftliche Untersuchung wie PISA das in Zweifel ziehen, dann stimmt sie nicht, weil in der Schule alles bestens ist. Wer das für einen Zirkelschluss hält, hat im Unterricht gut aufgepasst, was wiederum beweist, dass „Österreichs Jugend topqualifiziert ist“ (Zitat eines Funktionärs der AHS-Gewerkschaft). Das klingt alles dumm und gar nicht vernünftig? Richtig, aber das darf uns nicht davon abhalten, weiter an die Vernunft zu glauben!

Kakanien ist überall. Ein österreichisches Virus, gegen das keine Impfung hilft. Siehe auch: www.kakanien.eu

Quizfrage

Von wem stammt das Zitat „In Wien ist Kitsch eine eigene Kunstgattung“? Wer zuerst die richtige Antwort mailt, erhält das Buch „Maria fährt.“ von Erich Ledersberger samt Widmung geschenkt.

Buchtipp

Bernhard Aichner Für immer tot Ein Max-BrollKrimi HAYMON tb

Der zweite Fall des Totengräbers – Max Broll im Wettlauf gegen die Zeit „ein Krimi-Newcomer, wie man ihn sich nur wünschen kann.“

Foto: www.fotowerk-aichner.at

Der Standard, Ingeborg Sperl

„Eine echte Empfehlung. Aichner schafft mit seiner klirrenden Sprache, seinen klaren Bildern Gruselstimmung und vor allem Spannung auf höchstem Niveau.“ WOMAN, Euke Frank

Bernhard Aichner: Für immer tot. Ein Max-Broll-Krimi HAYMON taschenbuch 82

240 Seiten, € 12.95 / SFr 18.90, ISBN 978-3-85218-882-9

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www.haymonverlag.at


Babylon - Vertikale Positionen

Z

wölf mal wird der Name Babylon beziehungsweise das Attribut babylonisch, zum einen in Rückblicken auf die Geschichte Israels, zum anderen in den prophetischen Reden über die Zukunft der Welt, im Neuen Testament verwendet und bezeichnet das irdische widerchristliche Machtzentrum im Gegensatz zum himmlischen Jerusalem, der Stadt Gottes. In der von der Offenbarung des Johannes geprägten christlichen Symbolik gilt Babylon als gottesfeindliche Macht und Hort der Sünde und Dekadenz, Martin Luther deutete das ihm verhasste Papsttum als Hure Babylon, manche vermuten im Babylon des 1. Petrus-Briefes ein Pseudonym für Rom. Die Rastafari, eine unter den Nachfahren schwarzer Sklaven in Jamaika entstandenen Bewegung, erkannten in der biblischen Geschichte vom babylonischen Exil der Israeliten Parallelen zur Verschleppung ihrer eigenen afrikanischen Vorfahren nach Amerika und verwendeten Babylon - in Anlehnung an die biblische Verwendung des Begriffs - für das herrschende „westliche“ Gesellschaftssystem, das als korrupt und unterdrückend wahrgenommen wird.

SYMPOSIUM Babylon - Vertikale Positionen Im Münzerturm Hall 2. - 8.Oktober Eröffnungspräsentation am Sa, 8.Oktober - 19 Uhr

Allem gemeinsam ist die Bedeutung Babylons als Symbol für die Gesellschaft. Auch die Veranstalter eines „Symposiums der anderen Art“, das vom 2. bis 8. Oktober 2011 im Münzerturm Hall in Tirol stattfinden wird, verstehen Babylon symbolisch für unsere Gesellschaft. Ihrer Meinung nach weckt der Begriff Assoziationen zu Hochkultur, interkulturellem Dialog, dem „Tor Gottes“ oder einer Verbindung zum Göttlichen, aber auch zu Überfluss, Materialismus, Konsum, Sprach- und Begriffs-Verwirrung.

Babylon - Vertikale Positionen Symposium

der anderen

Art

Hall-Münzerturm – 2.-8. Oktober/ Ausstellung bis 30. Oktober geöffnet

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Wildwuchs

Die Thematik beinhaltet auch eine Auseinandersetzung mit Macht und ihren Symbolen, mit Sprachverwirrung und Inhaltslosigkeit der Begriffe, aber auch mit gewachsenen Strukturen, Bewegung und Erkenntnis, die nur von einer grundlegenden Basis nach oben streben kann. Dazu tragen auch Kommunikation und Dialog verschiedener Kulturformen bei. Im Rahmen dieses Symposiums unter dem Titel „Babylon - vertikale Positionen“ werden neun Künstler und Künstlergruppen im historischen und symbolträchtigen Umfeld des Museums im Münzerturm Hall durch ihre Installationen und Ausstellungsobjekte mit integrierten Interventionen Stellung beziehen zu den Positionen des Vertikalen. Auf das „nach oben Streben“, das viele inhaltliche und gestalterische Aspekte in sich birgt und vielschichtige Interventionen zulässt, wird in diesem Projekt speziell eingegangen werden. Von malerischen, fotografischen und objekthaften Installationen, die sich auf die jeweiligen Räume beziehen, über Kurzfilme zum Thema und einer filmischen Dokumentation bis hin zu Performances und Musik-Interventionen reicht die Bandbreite des ­Symposiums. Das interaktive Element, das bei allen Aktivitäten einen Schwerpunkt bilden soll, wird mit Aktionen angeregt, welche die Besucher zur aktiven Teilnahme auffordern und einladen, sich selbst der Kunst zu widmen. Speziell dafür eingerichtete interaktive „Wort- und Assoziations– Brücken“ werden die Besucher animieren, selbst ihren Beitrag im Sinne des Symposiums abzugeben. Die Intention des Symposiums ist es, mit den Mitteln der Kunst in verschiedenster Form Stellung zu nehmen, Gedanken und Fragen aufzugreifen und gleichzeitig neue Wege der Wahrnehmung und Kommunikation zu beschreiten - also „inneren Reichtum“ aufzuzeigen und anzubieten. Die „vertikalen Positionen“ beziehen sich dabei auch auf den symbolträchtigen Spielort des Münzerturms in Hall. Dieser stellt erstens ein historisch bedeutendes Wahrzeichen für Reichtum und Macht der Region dar und bietet zweitens schon aufgrund der interessanten Bauweise einen den Veranstaltern ideal erscheinenden Spielort. Im Verlauf der Veranstaltung wird es am 25.Oktober im Rahmen des Nightseeing-Hall eine extravagante Modenschau der „Manufaktur Herzblut“ geben und Kurzfilme präsentiert werden. Für November ist eine weitere Station im KIWI -Gemeindemuseum Absam geplant. Hier wird das Thema „Babylon“ um den Schwerpunkt „Horizonte“ ergänzt. Dies erweitert die Assoziationen um Zukunftsausblicke, Grenzen des Wachstums, aber auch Visionäres, was en Besuchern auf unkonventionelle Art näher gebracht werden soll. Im Absamer Projekt „Babylon- Horizonte“ finden Diskussionen und akustische Klangimprovisationen statt, außerdem wird der Dokumentarfilm „Von Wildwuchs nach Babylon“, eine fotografische und filmerische Dokumentation des Symposiums im Münzerturm sowie der Abschlusskurzfilm-„Wort-Brücken“ präsentiert.

Was kommt nach der Kunst? Visionen, Ziele, Massnahmen

U

nbestritten leisten Kunst und Kultur einen wesentlichen Beitrag zum Selbstverständnis und zum Bewusstsein eines Landes, einer Region oder einer Gemeinde. Hier bietet sich die Chance, kreative Prozesse mit allen nur möglichen Mitteln der Kunst in Gang zu bringen und zukunftsweisend im Sinne einer weiterführenden Entwicklung zu wirken und Impulse dazu zu liefern. Kunst hat seit den Zeiten von Josef Beuys und der sozialen Plastik eine ganz andere Bedeutung und Aufgabe erlangt, als die der ästhetischen Behübschung oder des intellektuellen Zirkels für Eingeweihte und auch die des kurzlebigen Events mit reinem Unterhaltungswert. Kunst muss wieder an die Basis der Bevölkerung gebracht werden, das heißt, sie muss auch für jeden erfahrbar und erlebbar gemacht werden und sie soll natürlich auch Inhalte vermitteln, die Probleme und Fragestellungen der Bevölkerung behandeln. Hier findet sich die ganzheitliche Bedeutung von Kunst in der Gesellschaft. Die kulturelle Identität muss in unserer Zeit notwendigerweise immer wieder in Frage gestellt, neu überdacht und überarbeitet werden. Durch künstlerische Interaktion, das heißt, durch aktives Einbinden und Teilnehmen der betroffenen Zielgruppe in einen Prozess kann Wesentliches erfahrbar gemacht werden und neue Strukturen können erarbeitet werden. Dies kann sich auf unterschiedlichste gesellschaftliche Bereiche erstrecken und sowohl soziale als auch ökologische, aber auch ökonomische Prozesse umfassen. Der spielerisch-kreative Ansatz ermöglicht erlebbare Ansichten. Das Ziel ist daher, in Selbstfindungs- und Entwicklungsprozesse Künstler mit einzubeziehen und zu integrieren, um die Kreativität der Zielgruppe zu fördern. Wichtig ist dabei, sich von allen Seiten einem interaktiven Prozess zu stellen. ZIEL ist es aber auch, die verschiedensten Kunstsprachen und Sparten übergreifend zu verbinden und zu gemeinsamen, vernetzten Handlungen anzuregen und aufzurufen. Jede Art von authentischer Kunst-Sprache hat ihre Berechtigung und auch die Kunstszenen sind dazu aufgerufen, sich nicht gegenseitig zu bekämpfen, sondern an gemeinsamen, die Gesellschaft gestaltenden Zielen zu arbeiten. Als Maßnahmen sind daher die verpflichtende Teilnahme und Einbindung von Künstlern oder Künstlergruppen in Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse von Seiten des Landes und der Gemeinden vorgesehen. Kunst soll einfach einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft erhalten, indem sie allen zugänglich wird und eine neue, Identität findende Bedeutung erlangt. WILDWUCHS Verein zur Förderung von interaktiven Kunst- und K ­ ulturprozessen Kontakt: Tel.:05223/46815 oder 0699/10395872 Verein Interact / e-mail: verein.interact@aon.at

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Kunst- und Kulturinnovationsförderung

stadt_potenziale Kulturleben

mitgestalten

D

ie Stadt Innsbruck bietet seit 2008 jährlich in Kooperation mit der „Battlegroup for art“ Kulturschaffenden in Innsbruck die Möglichkeit, im Rahmen der stadt_ potenziale ihre Kunst- und Kulturprojekte zu realisieren. Dabei ist die Gesamtfördersumme der stadt_potenziale mit 70.000,- Euro einer der höchstdotieren Kulturförderungen, die die Stadt vergibt. Die Bilanz kann sich sehen lassen: bisher wurden insgesamt 41 Projekte von der jährlich wechselnden Jury ausgewählt, wobei sowohl Einzelpersonen als auch Vereine ihre Projekte einreichen konnten. Aus den stadt_potenzialen 2011 gingen alleine 10 Siegerprojekte hervor, die repräsentativ für die facettenreiche Kulturarbeit in Innsbruck sind. Ein Demokratie-Kongress mit Vorträgen und Diskussionsrunden, das erfolgreiche Filmfest „rejected“ und das erste Innsbrucker Co-Working-Festival „arbeit_raum“ wurden aus diesen Siegerprojekten dieses Jahr bereits realisiert und fanden in der Bäckerei Dreiheiligen einen neuen attraktiven Veranstaltungsort. Im August kam auch das Projekt „Die Volksküche. Was ist es Dir wert?“ zur Umsetzung. Die Volksküche veranstaltete am Vorplatz des Tiroler Landesmuseums eine Tauschbörse mit PassantInnen, die im Tausch für Etwas ein spanisches Vorspeisen-Häppchen bekamen. Flip Flops, Schlüsselanhänger, Aquarien, Fotoapparate, Teddy Bären, Blumen, Ohrringe, Vogelfedern und T-Shirts

Die Bäckerei Dreiheiligen

Nicht nur Austragungsort des Filmfestes „rejected“ und des CoWorking-Festivals „arbeit_raum“ - dort bereichert eine bunte Vielfalt an Veranstaltungen das ­Innsbrucker Kulturleben.

Foto © Klaus Schennach

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wurden da getauscht. Die Vitrinen der Kochinstallation füllten sich kontinuierlich zu einer öffentlich urbanen Ausstellung – einerseits über die Verschiedenheit, andererseits über die Gemeinsamkeit von Werten und regte den einen oder anderen Passanten zum intensiven Nachdenken über Wertevorstellungen an. Die weiteren Siegerprojekte der stadt_potenziale 2011 aus den Bereichen Musik, Fotografie, Performance und Film werden in den kommenden Monaten umgesetzt und, als ein wichtiges Kriterium, im öffentlichen Raum in einen kreativen Dialog mit Innsbrucks BewohnerInnen treten. (Detailinfos auf www.innsbruck.at). Für das kommende Jahr werden von der Stadt Innsbruck wieder 70.000 Euro durch stadt_potenziale 2012 zur Förderung zur Verfügung gestellt. Kulturprojekte, die die erforderlichen Kriterien erfüllen, können bis 12. Dezember 2011 im Kulturamt der Stadt Innsbruck eingereicht werden. Eine dreiköpfige überregionale Jury, zusammengestellt von der Battlegroup for Art, wird dann Anfang Februar 2012 in einer öffentlichen Jurysitzung über die Vergabe und Förderhöhe der Siegerprojekte ­entscheiden. Die Einreichbedingungen und Kriterien für stadt_potenziale 2012 finden Sie auf http://www.innsbruck.at ­­ bzw. im Kulturamt der Stadt Innsbruck, Tel. 0512/5360-1651, Email: post.kulturamt@innsbruck.gv.at Die Volksküche. Was

ist es

Dir

wert?

regte den einen oder anderen Passanten zum intensiven Nachdenken einerseits über die Verschiedenheit, andererseits über die Gemeinsamkeit von Werten an.


stadt _ potenziale 2012

kunst- und kulturinnovationsförderung der stadt innsbruck

Ende der Einreichfrist: 12. Dezember 2011 Weitere Informationen auf www.innsbruck.gv.at oder im Kulturamt der Stadt Innsbruck Telefon 0512/5360-1651 | post.kulturamt@innsbruck.gv.at

Landeshauptstadt Innsbruck | MA V – Kulturamt | Herzog-Friedrich-Straße 21 | 6020 Innsbruck | www.innsbruck.gv.at Ressortzuständig: Kulturstadträtin Ao. Univ.-Prof.in Dr.in Patrizia Moser


bluemling

bluemling

Alter Nativer Punk-Rock Text: Florian Tschörner

E

igentlich hätten wir uns im Probelokal von bluemling treffen wollen. Eigentlich hätten wir ein Interview machen wollen, wie wir es gewohnt sind: mehr oder minder lange Antworten auf mehr oder minder intelligente Fragen. Eigentlich hätten wir das Gespräch wie üblich völlig nüchtern führen wollen. Eigentlich. Aber es kommt eben öfter anders, als man denkt. So verkosten wir jetzt statt dessen Ottakringer an der Bar „Zum Bunten Hund“, sargnageln eine Zigarette nach der anderen und schwelgen in unseren Jugenderinnerungen. So kommt es eben, wenn ältere Herren wie wir einen Blick zurück in die glorreichen Zeiten unseres Goldenen Zeitalters werfen und uns der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erinnern. Prost!

Unter älteren Herren gilt es als standesgemäß, einem Hobby zu fröhnen. Viele finden sich schwitzend am Tennisplatz oder im Fitness-Center wieder, andere üben sich einmal wöchentlich im Chor-Singen, wenige im Socken stricken. Das eine zu anstrengend, das andere zu langweilig für die Herren von bluemling, aber was sie können, ist Musik machen. So traf sich das Duo erstmals vor zwei Jahren regelmäßig einmal wöchentlich im Probekeller, als Ausgleich zum Stress des Alltags und Berufslebens. Eines Tages aber wurde aus dem Spaß Ernst, und Ernst heißt jetzt bluemling. Bereits bei einem der ersten Probenansätze entstand ein Track, der das Potential der außergewöhnlichen 2-MannKombination aus Michael Cabas am E-Bass und Andreas Lettner am Schlagzeug erkennen ließ. Doch ein Titel für diese Nummer war zu diesem frühen Zeitpunkt weit weniger wichtig als - der Tradition der Kellerbands der 1980er-Jahre entsprechend - ein möglicher Name für die Band. „Das war eben der Moment, wo uns klar geworden ist, dass da Potential ist! Wir waren gefesselt von der Tatsache, daß wir zu zweit diesen Sound zustande bekommen. Uns war klar, das wollen wir, das verfolgen wir weiter!“

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bluemling

Michael Cabas

Einst und Heute

Was wurde aus diesem Start-UpTrack? Hat er inzwischen einen Titel bekommen? Hat er: „The Apple“. Und er hat Geschwister bekommen. Elf, zwölf, oder so. Und es werden mehr. Ein Phänomen der beiden Musiker ist es, dass sie sich blind verstehen. Aus wenigen Ideen, kurzen Riffs, entstehen im gemeinsamen Zusammenspiel ihre Songs. Aber nicht, dass es jetzt zu Missverständnissen kommt! bluemling sind keine hoffnungsvollen Nachwuchsmusiker, keine kreativen Wirrköpfe, die davon träumen, durch einen Bandwettbewerb die große Karriere zu starten. „Obwohl, gäbe es solch einen Wettbewerb für 50-jährige, dann würden wir vielleicht mitmachen.“ Gelächter und Prost.

„Doch damit konnten wir gar nichts anfangen!“ Der staatliche Rundfunk strahlte jedoch jeden Nachmittag die legendäre Sendung „Music Box“ aus, und eine bestimmte Generation wurde während dieser Stunden nicht auf der Strasse gesehen, weil sie zuhause vor ihren Radiogeräten klebte. „Sex Pistols, Clash! Plötzlich waren Dinge da, die gab es bis dahin nicht!“ Auch in Innsbruck entstand Anfang der 1980er Jahre sehr schnell eine unglaublich dynamische Szene, die leider sehr schlecht dokumentiert ist. Innsbruck hat plötzlich angefangen,

Spaß zu machen. Wie Martin Achrainer und Niko Hofinger in dem von Michael Gehler herausgegebenen Buch „Tirol: Land im Gebirge“ beschreiben, entwickelte sich neben dem „Hochglanz-Prospekt-Selbstverständnis Tirols“ erstmals eine solide Subkultur. Hier liegen die Wurzeln des heutigen „Treibhaus“, das sich unter Norbert Pleifer aus dem ehemaligen KOMM der ÖH entwickelte. Die in St. Nikolaus gelegene links-ideologische Bar KOZ zog jene an, die sich nicht von der studentischen Kulturarbeit angezogen fühlten. „Kotz ins KOMM und komm ins KOZ“ war damals ein vielgehörter Slogan. Am Kulturprogramm des AKT (Arbeitsgruppe Kreative Tätigkeit) in der Nähe des heutigen p.m.k-Büros war neben den späteren Prometheus-Betreibern Edi und Claudia auch Tom Eller beteiligt, der heute das FLEXX in Wien leitet. Dem AKT folgten weitere Lokale und die heute legendäre und vielbesuchte Bögen-Meile entlang der Ing. EtzelStrasse wurde begründet. Im August 1986 beendete der bis dahin größte Einsatz in der Tiroler Polizeigeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg die „Chaos-Tage“ mit 128 Verhaftungen. Der Legende nach sollen sich bei den ausgedehnten Straßenschlachten auch der Musiker Hans Platzgummer, damals der local hero der Innsbrucker Punk-Szene, und sein Vater, amtierender Sicherheitsdirektor, gegenüber gestanden haben. Andreas Lettner Einst und Heute

Andreas Lettner und Michael Cabas alias bluemling besinnen sich vielmehr darauf, wo sie hergekommen sind. Die 1980er haben sie mitgenommen, sind nicht nur mit ihrer Musik eine prägende Zeit gewesen. „Damals war Innsbruck noch eine verschnarchte Stadt, in der man noch immer davon geträumt hat, wie toll die letzte Winter-Olympiade 1976 war. Im Grunde aber wurden Samstag Mittag die Gehsteige hinaufgeklappt, und das war´s.“ „Redest du von heute?“ „Äh, ...“ Das einzig Fortschrittliche damals waren hierzulande Alt-Hippies, die jedem von Woodstock vorschwärmten.

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Bluemling

Cabas und Lettner versuchten sich als damals 18-Jährige, über das Lebensgefühl des Punk in diese Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs hineinzufinden. Sie haben sich - wie auch heute für sich im Ende der Pubertät Befindliche üblich - in die unterschiedlichen Ideologien hineingestürzt. Ihr Mittel zum Protest war jedoch immer die Musik. So startete Michael Cabas seine musikalische Karriere bei „Rex Royal“, „le fleurs du mal“, „Undertaker“ und dem bis heute aktiven Band-Projekt „The Puke“. Andreas Lettner war Mitglied der „Capers“, der legendären „The Occidental Blue Harmony Lovers„ und Band-Projekten wie „HCL“ oder „Ephemer“. Die Maxime der frühen Punk-Bands: 3 Akkorde, ein Beat, und Slogans ins Publikum grölen wie „Mach kaputt, was Dich kaputt macht.“, „Trau keinem über 30“ und Ähnliches. Man versuchte einfach, sehr plakativ Bewegung in eine langweilige, verspießt-konservative Gesellschaft zu bringen. Heute finden bluemling wieder eine Gesellschaft vor, die augenscheinlich einen „Tritt in den Arsch“ gebrauchen kann, die sich mehrheitlich nur mit sich selbst und dem Konsum beschäftigt. Ob dabei Qualität angeboten wird, scheint „herzlich wurscht“ zu sein - auch musikalisch. Technisch ist heute auch mit geringen finanziellen Mittel alles möglich, und viel Produziertes ist zwar technisch hervorragend, doch scheint es Schwierigkeiten beim Finden neuer Ideen zu geben - so kommt es immer wieder zu „Revivals“. In welche Schublade passt der Sound von bluemling? „Na Prost! Auf diese Frage haben wir gewartet!“, grinst Michael Cabas. „Drum & Bass! Meine Drums, und Michaels Bass!“, lacht Andreas Lettner. bluemling bedient sich der heutigen Technologie und greift Strömungen aus den 1980ern und den nachfolgenden Jahren auf, bringen das Heute mit den alten Erinnerungen zusammen. Sie spielen, was hängen bleibt: Alter nativer Punk-Rock. Sound zum Abshaken. Das Vergnügen steht im Vordergrund. Das Lebensgefühl ihrer Generation ist der Brückenschlag

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zur Gegenwart. Sie bringen ein Stück davon noch einmal und schauen, was dabei heraus kommt: „Und es fühlt sich kein Fitzelchen anders an, wie damals, als man als Teenager Musik gemacht hat!“ Ihre Musik ist jedenfalls ehrlich und verlässlich. „Die musikalische Herausforderung liegt in der Kombination aus Schlagzeug und Bass: keine typische Basslinie zu spielen, sondern Akkorde zu greifen und den Klang mit Effekten auszukleiden und voller zu machen.“ Und die Aussagen der Texte? Von der Story her simple Alltagsgeschichten: es geht ums Ausgehen, zu viel Trinken, käufliche Liebe. Lettner und Cabas sehen sich nicht als die klassischen Writer, eher bedienen sie sich aus einem „Modellbaukasten“ an Text-Fragmenten: Was benötigt wird, wird daraus genutzt. Die Texte entstehen also wie ihre Songs im Laufe des Probens und Experimentierens, alles geschieht im Prozess, läuft Hand in Hand. bluemling sind minimalistisch und können viel machen. Außer Stage-Diving vielleicht: „Viel zu gefährlich für ältere Herren wie uns! Erinnere dich an früher: unsere Sänger stürzten sich beherzt ins Publikum, und das wich einfach zur Seite!“ Da gibt es sicherere Jobs, zum Beispiel als Bankangestellter. Vom Punk zur Bank. Letztere sind heute ja genauso krisengeschüttelt wie die Subkultur-Szene der 1980er in Innsbruck, als das konservative Selbstverständnis der Stadt viele Talente zum Auswandern bewegte und kreatives Potential unwiderbringlich verloren ging. bluemling gelingt es in ihren Konzerten, zumindest noch einmal an diese Zeit zu erinnern und Eindruck zu hinterlassen. Nach unserem Interview entspricht die Anzahl der leeren Bierflaschen denen der Gesprächspartner. Punk isn´t dead. Aber in Würde gealtert ;-)

bluemling im Netz: www.reverbnation.com/bluemling


Helmut Ortner

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it Kraft auf Holz: Es ist die Härte des Materials, die den Künstler es verwenden lässt, und doch manches Mal von Ausflügen auf die Leinwand ergänzt wird. Helmut Ortner verwendet gleichermassen Ölfarben wie Acryl, es sind die erdigen Töne immer in einem kräftigen Spiel mit dem Licht. Die Details wirken in ihrer Exaktheit schlichtweg impressiv, und über allem schweben wie ein Nebel mystische, melancholische Stimmungen. Die Komposition ist für ihn das sine qua non, die Basis jedes Bildes, ohne sie wirst du nie ein gutes Bild malen können. Es ist die Qualität, die von der wahren Kunst vorausgesetzt wird, so wie jedes andere Handwerk in seiner Beurteilung letztlich über das Können überzeugen muss. Ortner verfügt über das Handwerk und über eine grosse Portion selten zu findendes Talent, ist in seinen Mitteln und Möglichkeiten nicht in der Weise eingeschränkt wie manch anderer zeitgenössischer Kollege. Beschäftigt man sich lange genug mit Kunst, dann erkennt man sie, eine alles erklärende Definition ist dennoch nicht erschaffen worden. In der kontemporären Kunst ist ein großer Schwenk auf das abstrakte Malen zu beobachten, bei dem so viele Menschen glauben, dass man das Handwerk nicht mehr beherrschen muss, und dadurch die abstrakte zur dekorativen Kunst verkommt. Die Meinung des Künstlers ist durch ein abgeschlossenes Studium der Kunstgeschichte fundiert. Schlussendlich kommt Kunst eben von Können.

Helmut Ortner Der

neue mystische Impressionismus

Text: Georg Rainalter

Die Leute glauben nur ein bisschen mit Formen und Farbe spielen müssen, was zwar gute Effekte ergibt,

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Helmut Ortner

aber nicht automatisch gute Kunst ist. Man muss ja nur in die Vergangenheit schauen. Die Künstler die mit abstrakter Kunst wirklich erfolgreich waren, sind auch meistens gute realistische Maler gewesen, die sich dann in die Abstraktion hinein weiterentwickelt haben. Gerade die gegenständliche- oder Menschenmalerei bildet die beste Schule fürs Auge, um eben die Komposition einer Abstraktion aufs Bild zu bekommen. Ein Menschenmaler ist er, unter den tausenden Malern, die sich mit den Menschen beschäftigen, hat es und wird es immer Parallelen zu anderen Bildern geben. Gerade die alten Meister, die von Helmut Ortner verehrt werden, fließen in sein Werk ein. Allen voran die Holländer wie Jan Vermeer oder Rembrandt, oder aber auch der Italiener Caravaggio und in späterer Folge Edvard Munch machen tiefen Eindruck in des Künstlers Seele. Mag man den einen oder anderen in Ortners Bildern erkennen? Sein eigener Weg definiert die Handschrift seiner Kunst, die manchmal durchaus traditionell wirken mag und sich gerade dadurch in einer Zeit, in der nicht nur Ortner den Verlust der Werte erkennt, behauptet.

Die Möchtegern und Scharlatane haben ihre Spielwiese bekommen um sich auszutoben. Bis zum 20 Jhd. war das kein Problem, da waren die verschiedenen Richtungen von Werten definiert, innerhalb dieser hat man sich bewegt, darin war man dann ein grosser Künstler. Das hatte zwar Nachteile für die Kreativität – aber wurden nicht innerhalb dieser kleinen Spektren die grossartigsten Kunstwerke erschaffen? Der vielleicht schmerzhafteste Verlust ist: uns ist die Mystik abhanden gekommen. Das ist ein essentielles Problem, weil der Mensch und die Mystik zusammengehören. So wunderbare, fantastische Gebilde wie Mystik und Romantik haben wir Menschen erschaffen, und das jetzt alles nur mehr nüchtern und rationell gesehen wird, ist für mich ein grosses Problem. Ich bin wahnsinnig froh, dass es noch einige Künstler gibt, die darauf Wert legen, und mit einer

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Helmut Ortner

gewissen Mystik und Romantik in ihren Werken Hoffnung geben. Leider wird heute auch auf Ästhetik wenig Wert gelegt. Für mich sind das aber genau die Teilparameter einer guten Kunst. Ich mag ästhetische, mystische Werke. Mystisch sind seine Bilder zwangsläufig, manchmal mehr oder weniger offensichtlich - es ist ein Grundcharakter des Malers. Drei Säulen nennt er als Parameter, innerhalb derer sich sein Schaffen bewegt: Mystik, Melancholie und Statik. Verbunden mit der Ästhetik ergibt das in der Addition jene eindrucksvollen Bilder, in denen man versucht ist, einen neuen Impressionismus zu erkennen. Einen neuen, in dem auch erdige Farben erlaubt sind, und selbstverständlich auch im Atelier gemalt werden darf. Die Mutter jeder Kunst, das Lebenselixier des Kreativen ist die Inspiration. Sie trifft den Einen so und den Anderen anders, ist einmal eine Muse und manchmal nur ein Moment. Manche Bilder entstehen aus Ortners Momenteindrücken – und die malt er. Szenen aus dem alltäglichen Leben – wie z.B. seine Muse, die mit über den Beinen verschränkten Armen auf dem Boden sitzt – sind oft Vorlage für ein Gemälde; eben das Hier und Jetzt in einem Bild festzuhalten, macht es umso authentischer. Andere Werke sind das Ergebnis eines langen Denkprozesses, sehr oft von einem gerade gelesenen Buch herrührend. Da entsteht dann das Werk mit der Idee, dieses Buch in ein Bild hineinzubekommen. Auch passiert es, dass er einfach eine Figur malt, um dann um diese herum einen Raum entstehen zu lassen. Klassische Musik in der Nacht ist der getreue, nie fehlen dürfende Begleiter des Malens. Auch Jonny Cash oder Mark Knopfler lassen den Pinsel mit Kraft Farbe auf das Holz bringen, und Szenen erwachsen. Der Wege zum Bild sind also deren viele, und speziell die Literatur ist in seinem Schaffen eine gewichtige Konstante. Wenn Helmut Ortner in seinen WerBilder

für

Rilke 070911

89x52cm, Öl und Acryl auf MDF-Platte, 2011

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Helmut Ortner

Stunde Null 150911

80x60cm, Mischtechnik auf Hartfaserplatte, 2011

ken oft Textpassagen hineinschreibt, dann sind das für ihn in erster Linie grafische Mittel, und doch mehr. Meist sind diese Texte nicht nur ob seiner Handschrift unleserlich, sondern sind auch dadurch, dass sie manchmal seine persönlichen Gedanken umfassen, oder Textfragmente aus gerade gelesenen Büchern darstellen, sehr schwer für den Betrachter in einen kausalen Zusammenhang zu bringen. Interessant, vor allem für ihn selbst, wird es dann, wenn sich die Betrachter dem Text mehr zuwenden, als dem Bild an sich, was ja a priori kontraproduktiv erscheint. Der Vor-dem-Bild-Stehende wird allerdings länger verweilen (zum Augenblicke dürft´ ich sagen: Verweile doch, du bist so schön), um dem Text auf die Spur zu kommen - im Idealfall tritt er einen Schritt zurück und erkennt gerade im Zusammenspiel zwischen dem geschriebenen Wort und dem gemalten Bild die so entstandene Mystik.

Gerade das geschriebene Wort in meinen Bildern ist ein grosser Teil der Mystik, und damit schliesst sich der Kreis. Dass wir, Bildbetrachter und Kunstinteressierte, wieder lernen müssen zu sehen, zu „schauen“( es liegt ja schon im Wort „Bild“ die Aufforderung, dass dieses dazu da ist, um es „anzuschauen“) und dann selbst darüber „nachzudenken“, erklärt den Unwillen Ortners, ein Bild zu erläutern. „Wer würde denn einen Rembrandt fragen wollen, was er sich bei seinen Werken gedacht habe? Spannend wird es, wenn sich eigene Gedanken zu einem Bild gebildet haben. Dann können wir darüber reden.“ Zuerst eine eigene Meinung bilden, und es sich nicht einfach erklären lassen wollen, ist eine Anforderung, die der Künstler dem Publikum bewusst stellt. Macht es nicht erst dann Sinn, sich ein Kunstwerk zu kaufen? Die eigene Interpretation? Die Anregung komplexer Gedanken? Die eigene Inspiration, die sich daraus entwickeln kann?

Wieso also wollen immer so viele wissen, was ich mir dabei dachte? Es ist ja ähnlich wie in der Schriftstellerei, man schreibt und schafft damit etwas (die Gedanken zu etwas), und wenn die Menschen das lesen, oder sich ein Bild anschauen, und etwas anderes dabei denken, entsteht das Wunderbare in der Kunst, nämlich der Freiraum und die Phantasie für Interpretation! Nur dann passieren jene herrlichen Irrtümer, die Helmut Ortner eine heimliche Lust bescheren, und dem Betrachter eine Überraschung. Schwingen Mystik und Melancholie aus den Bildern, vermittelt das immer den Eindruck eines depressiven, traurigen Malers - was man jedoch getrost ins Reich der Mythen verabschieden darf. Es entsteht daraus ein durchaus üblicher Trugschluss, nämlich dass Menschen direkt von den Bildern auf seinen ErWeisse Dame

80x60cm, Öl auf Leinen auf Hartfaserplatte, 2011

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Helmut Ortner

Kein Verlust 300811

80x60cm, Öl auf Hartfaserplatte, 2011

schaffer schliessen. Nicht immer wandelt ein Kreativer am Rande des Selbstmords, auch wenn er einen kurzen Moment der Melancholie sehr gerne zum Arbeiten nützen mag. Wenn daraus eben auch manchmal Ortners Bilder entstehen, so ist sein eigentliches Gemüt ein lebenslustiges und hungriges. Der Mut eines Künstlers - seine gesellschaftliche Aufgabe muss der Spiegel sein, den er den Menschen vorhält, um kritisch den Zeitgeist zu hinterfragen – zeichnet diesen in seiner Verantwortung aus. Ortner ist ein solch kritischer Geist, und er wagt sich auch, seine Meinung zu artikulieren. So hat er zur gegenwärtigen, wie er meint an Seriosität und an Aussagekraft per se verlierende Kunstszene, eine dezidierte Meinung:

Vieles, vor allem innerhalb der Konzeptkunst - was zur Kunst hochstilisiert wird - ist für mich kaum Kunst, sondern ein Hinter-das-Licht-führen der Menschen. Es ist leider unser Zeitgeist, der dies ermöglicht. Die Werte wie Ästhetik und Können gelten kaum mehr. Was zählt, ist irgendeine Aussage und das Schockieren. Mir sagt diese Kunst nichts, sie ist blutleer. Oft braucht es schon eine seitenlange Erklärung zum „Kunstwerk“, um überhaupt erst verstehen zu können, was der „Künstler“ aussagen will. Über den Umgang der Politik mit der bildenden Kunst reflektiert Ortner in ähnlich kritischer Art und Weise:

Hier läuft einiges falsch. Subventionen sind grundsätzlich gut und wichtig, nur ist bei uns das grösste Problem - zusammenhängend mit unserem Selbstverständnis als Tourismusland - dass ja in Tirol ein wirklich grosses Kulturbudget vorhanden ist, welches aber nur in die „üblichen“ Geschichten wie Alte Musik, Tanzsommer, Theater (oder in ein zumindest diskussionswürdiges Andreas Hofer Museum - Anm. der Redaktion) etc. gepumpt wird, und die Künstler und kleinen Kulturinitiativen, die es wirklich brauchen könnten, oftmals leer ausgehen. Die Subkultur oder die sogenannte Off-Szene, aus der ja das Neue heraus wächst, hat dadurch wirklich Probleme. Das ist ein politisches Problem. Es bräuchte zuständige Politiker, die das ganze Spektrum der Kunst verstehen und endlich über den Tellerrand hinaus schauen und Gelder gerechter verteilen. Seine Gedanken dazu sind sicherlich ein Anstoß für eine schon lange überfällige Diskussion aller Beteiligten. Helmut Ortner ist eine grosse Bereicherung, nicht nur für die Tiroler Kunstszene. Er ist weit über diese Grenzen hinaus ein Wegbereiter für eine neue ästhetische, mystische und gerade dadurch zeitgenössische Malerei, in einer Zeit, der es an Träumen und Visionen für die Zukunft fehlt. Umsichtig 140611

54x44cm, Acryl auf Leinen auf Hartfaserplatte, 2011

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Der Bildermaler 070311, 80x60cm, テ僕

auf

Papier

auf

Helmut Ortner Hartfaserplatte, 2011


Brigitte Jaufenthaler

D

en Meisten ist Brigitte Jaufenthaler als Schauspielerin aus zahlreichen deutschen und österreichischen Fernsehfilmproduktionen bekannt. So spielt sie zum Beispiel die „Frau Bürgermeister“ in der österreichischen Fernsehserie „4 Frauen und ein Todesfall“, für deren 4. Staffel sie ab September dieses Jahres wieder vor der Kamera steht. Mit dem Krimi „Diva & Angelo“ tritt die Schauspielerin nun erstmals auch als Autorin vor die breite Öffentlichkeit. Diva und Angelo alias Theresia und Vincent lernen sich zufällig in einer Bar in der Landeshauptstadt kennen. Dieser ersten oberflächlichen Begegnung zwischen der Schauspielerin und dem Juristen folgen weitere Treffen. Auf einem sogenannten „Dies Honorum“, einem Ehrentag an der Universität gibt es plötzlich einen geheimnisvollen Todesfall. Der Tote entpuppt sich als ehemaliger Schulfreund. Theresia und Vincent beginnen mit Nachforschungen, die sie tief in die Vergangenheit des Opfers führen. Unversehens wird das ungleiche Paar in einen Strudel merkwürdiger Ereignisse gezogen.

Diva & Angelo „Dies Honorum“

Brigitte Jaufenthalers Krimi-Debüt Text: Oliver Hartwig

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Brigitte Jaufenthaler

und der Beziehung zu ihrem Partner. Dabei zeichnet sie - immer auch mit einem lachenden Auge - ein fast autobiografisches Bild.

Diva & Angelo

Intervention beim Dada-Fest 2010

Der Titel „Diva & Angelo“ beruht auf einem Kunstprojekt, in dessen Rahmen Jaufenthaler gemeinsam mit ihrem Lebenspartner immer wieder kleine „künstlerische Störfälle“ im Sinne des Dadaismus realisiert. „Diva & Angelo“ sind nicht nur die Alter Egos der beiden Kunstschaffenden: Brigitte Jaufenthaler beschreibt in ihrem literarischen Erstling auch die beiden Hauptcharaktäre, deren Umgebung, Freunde und Beziehung zueinander aus liebevoller Beobachtung ihrer eigenen Person, ihres Umfelds

Proben

zu

„Der Selbstmörder Franz“

mit Regisseur Thomas Gassner

Aufgewachsen ist sie in einer sehr gleichberechtigten Famile. Als Geschäftsfrau meisterte ihre liebevolle Mutter gleichzeitig Familie und Haushalt. Ihr Vater, Handwerker, übte nie Druck auf seine Töchter aus, sondern ließ sie sich in Freiheit entwickeln. Ihn begleitete sie früher in den Ferien oft auf Montage: „Das ist auch heute noch immer ein guter Ausgleich!“ Schon als Kind hat sie gerne erzählt, gedichtet und „geschwindelt“ - also Geschichten erfunden - was das Zeug hielt. Früh hat sie begonnen, das elterliche Bücherregal zu durchforsten und sich in ihrem Kinderzimmer stundenlang in Schwarten wie „Vom Winde verweht“ vertieft. Für sie war es besonderes Glück, in der Ursulinenschule in Innsbruck erleben zu können, daß das Kreative dort vom Lehrkörper gefördert wurde und sie ihrer Liebe zum Wort in zahlreichen Deutsch-Aufsätzen nachkommen durfte. Die Filme der 1950er Jahre mit Größen wie Peter Alexander oder Katharina Valente haben sie schließlich zur Schauspielerei geführt. Sie ist begeistert davon, was Sprache kann was Menschen können, die mit Sprache umzugehen verstehen. Darüber hat sie zunächst begonnen, ihre eigene „Schreiberei“ als eher gering zu schätzen. Das Schauspiel hingegen fasziniert, weil man dabei das große Glück hat, „schwindeln und erfinden zu dürfen, ohne dafür bestraft zu werden“. Auch heute noch ist ihr das Spiel hinter der harten Arbeit des Probenprozesses das größte Vergnügen. Es sei als Schauspieler wichtig, sich der Sprache, einer Geschichte, einem Regisseur zur Verfügung zu stellen und weniger die eigene Person ins Rampenlicht zu rücken. Es sei wichtig, sich unterordnen zu können. Man habe eben eine große Verantwortung den Autoren, aber auch dem Publikum gegenüber - eine Verantwortung, die sie sehr stark empfindet. Schreibend der Sprache widmet sie

sich seit den 1980er Jahren in Liedtexten und auch Kindertheaterstücken. Ab 2005 arbeitet sie intensiv mit dem Musiker Christian Wegscheider zusammen, mit dem sie das gemeinsame Programm „NACH PARIS“ im ORF Kulturhaus uraufführt. Bewußt zu schreiben begonnen hat sie, angeregt durch die Künstlerin Heidi Holleis, mit Texten zu deren Zyklus „Vogelfrei“. Im Juni 2011 folgte die Fertigstellung des Bildbandes „Dreizehn“ mit Grafiken von Heidi Holleis, Texten von Brigitte Jaufenthaler und Folienunikaten von beiden Künstlerinnen. Im Juli 2011 erscheint, ebenfalls in Zusammenarbeit mit Heidi Holleis, ein Kunstband mit Grafiken und Texten in Kooperation mit UBUNTU, der

enge

Freundschaft

zur Künstlerin Heidi Holleis

Kulturinitiative von SOS Kinderdorf. Diesem Buch liegt außerdem eine Hör-CD bei, die von Brigitte Jaufenthaler und dem Musiker Paul Heis gestaltet wurde. Mitte November erscheint nun im VERLAG federfrei ihr erster Roman mit dem Titel: DIVA UND ANGELO, „Dies Honorum“. Sicher sei dieser Erstling nicht der literarische Wurf, meint sie zurückhaltend. Sie kenne ihre Grenzen, doch sie habe einen sehr lustvollen Zugang zur Sprache, hat viel Freude am Schreiben und möchte in erster Linie unterhalten und Geschichten erzählen. „Witze kann ich überhaupt nicht

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Brigitte Jaufenthaler

Theresia und Vincent lernen sich zufällig in einer Bar in Innsbruck kennen. Doch dieser ersten oberflächlichen Begegnung zwischen der Schauspielerin und dem Juristen folgen weitere Treffen. Der Todesfall eines ehemaligen Schulfreundes von Vincent bringt die beiden näher. Als Diva und Angelo beginnen sie mit ihren eigenen Ermittlungen, die sie tief in die Vergangenheit des Opfers führt. Unversehens werden die beiden in einen Strudel von merkwürdigen Ereignissen gezogen. 2011, 180 Seiten, Kartoniert (TB), Federfrei Verlag ISBN-10: 3902784113 ISBN-13: 9783902784117 „Krieg

und

Freizeit“

von Irene prugger

unter der Regie von Manfred Schild im Kellertheater Innsbruck © Schneider Florian

erzählen. Die kann ich mir nicht einmal merken. Aber Dinge, die ich höre oder beobachte, kann ich weiterarbeiten lassen. Da entstehen Stränge von Geschichten, die ich einfach niederzuschreiben versuche!“ Brigitte Jaufenthaler ist Profi, in der Schauspielerei wie als Autorin. Sie hat Prinzipien, und denen bleibt sie treu. „Ein Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, ist zwar Rede und Antwort schuldig, aber kein öffentliches Gut!“ Mit Skandalen Aufmerksamkeit

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zu heischen, hat sie nicht notwendig. Sie sei bestimmt kein einfacher Mensch, meint sie, denn sie besteht auf einem bestimmten Level, sei kein Erfüller und manchmal ein wenig harsch und ruppig. Ich kann dies nicht bestätigen: Trotz ihres hohen Bekanntheitsgrades ist sie eine liebenswerte Frau ohne Star-Allüren bereit, qualitätsvolles Kreatives mit allem zu unterstützen, was sie bieten kann.


Szene

Gedruckt & Gebunden Vernissage

der

Ausstellung

von

Barbara Fuchs

Am 9. September 2011 eröffnete die Wattener Künstlerin Barabara Fuchs ihre Ausstellung im verbale forum in Innsbruck. Für ihre Radierungen ätzt die Künstlerin nicht nur Kupferplatten, sondern verwendet auch Plexiglas. Ergänzend zum Druck beschäftigt sie sich mit der Technik des Buchbindens und präsentierte Erstaunliches und Ausgefallenes rund um das Thema „Gedruckt & Gebunden“. Die Ausstellung ist noch bis 5. Oktober MO-FR von 15:00 bis 19:00 Uhr zu sehen.

Title Subtitle Description

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Bekannte Meister - (un)bekannte Meisterwerke

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Bekannte Meister - (un)bekannte Meisterwerke+

Bekannte Meister (un)bekannte Meisterwerke „Study

for a

Portrait

of

Van Gogh II“

von

Francis Bacon

Autor: Mag. Helmut Ortner, Innsbruck

V

an Gogh ist einer meiner großen Helden, weil ich glaube, dass er beinahe naturgetreu sein konnte und doch durch die Art, wie er die Farbe aufbrachte, einem eine wunderbare Vision von der Wirklichkeit der Dinge vermitteln konnte ( Francis Bacon). Mit dem schreienden, zu einer Fratze verzogenen Gesicht eines Papstes nach Velazquez , schuf der britische Maler Francis Bacon eines der eindringlichsten Werke der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Nach der düsteren Papstserie malt er die Bildserie Studies for Portrait of Van Gogh II-VI nach Van Goghs` Der Maler auf der Straße nach Tarascon von 1888. Bacons` Bildwelt, durchzogen von hoffnungslosen schmerzverzerrten Figuren, einmal eingesperrt in leeren Räumen, einmal gefangen in käfigartigen Gehäusen, fasziniert und irritiert gleichsam. Er malt die beschädigte Welt, die Ängste und Einsamkeit des Individuums, und gerade aus diesem Grund fasziniert ihn Van Gogh, der bis heute als Synonym für den isolierten, einsamen Künstler gilt. Auf einer 198x142cm großen Leinwand malt er 1957 den Holländer auf dem Weg zur Arbeit. Mit einem „Study

for a

Portrait

of

Van Gogh II“

Stock in der Hand, einer umgehängten Tasche voll mit Malutensilien, der Leinwand am Rücken und einem markanten Strohhut auf dem Kopf, schreitet der Maler auf einer einsamen Straße dahin. Auf den ersten Blick scheint es sich um ein schlichtes Bild eines Freiluftmalers zu handeln. Setzt man sich aber ein wenig mit dem Werk Bacons` auseinander, so erkennt man seine Absicht. Van Gogh wirkt eher wie ein Schattenwesen, das im Begriff zu sein scheint sich aufzulösen, als wie ein realer Mensch. Bacon selbst spricht von einem Phantom der Straße. Die Landschaft im Hintergrund wirkt wie ein Fluss aus intensiven Farbflächen, aus dem ein käfigartiges Gebilde und zwei Bäume herausragen. Diese neigen sich entgegen der Schrittrichtung des wandernden Malers und suggerieren das Gefühl, dass ihm ein heftiger Wind entgegen schlägt. Allen Widerständen zum Trotz geht der Künstler seinen oftmals steinigen Weg, viele scheitern, einige wie Bacon selbst setzen sich nach hartem Kampf durch. Van Goghs` Fähigkeit, Emotionen so direkt zu übermitteln, und seine Überzeugung Dinge nicht so zu malen wie sie sind, prägen den Engländer.

Francis Bacon © Bild aus: Gespräche mit Francis Bacon, Prestel-Verlag, München 1997

Die Basis von Bacons` Kunst ist die Suche nach der „wahren“ Realität, dem Streben nach einer neuen visionären Darstellung der Wirklichkeit voll Intensität. So ist van Gogh für Bacon nicht nur ein großes Vorbild, sondern ein wahrer Vorgänger und ein Bruder im Geiste. Bemerkenswert ist, dass Bacon bei Studie zu Van Gogh II so weit geht, dass er seine eigene kühle, glatte Bildwelt in eine expressive, farbenprächtige umwandelt. Und für wahr, auf den ersten flüchtigen Blick könnte das Bild durchaus aus der Hand des großen Holländers stammen. Mit Study to Van Gogh II schuf Bacon ein zeitloses Werk, das innerhalb seines Schaffens eine Sonderstellung einnimmt, und mit dem er einem seiner großen Vorbilder ein ganz persönliches Denkmal setzt.... und irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass Bacon hier nicht nur anhand der Person Van Gogh die isolierte Sonderstellung des Künstlers innerhalb der Gesellschaft an sich porträtiert, sondern seine eigenen Ängste und Zweifel verarbeitet. Und übrigens: Die große, oft eisige Einsamkeit des Künstlers inmitten der Dutzendmenschen ist, ob verheimlicht oder nicht, immer da. Hermann Hesse

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Helga simmerle

Helga Simmerle Ein Universum

voll

Kreativität

in mir ist ein Kriegsgeschrei weil „Not“ der Wüstengott durch meine Wurzeln weht und kein Erbarmen hat der Krieg ist laut zu laut er überflutet meinen Sinn und trägt die Blumen wurzellos zu dir in deine Wüste hin Helga Simmerle

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Helga Simmerle

G

erade durch ihre Stille spricht die sanfte Stimme laut, und in der Aussage liegt eine Schwere, die vielleicht gerade dadurch der Kreativität ihre scheinbare Leichtigkeit ermöglicht. Helga Simmerle wird 1964 als eines von fünf Kindern zwar in Südtirol geboren, wächst aber behütet inmitten der wunderschönen Natur in der Leutasch auf. Besonders zu Holz entwickelt sie schon in jungen Jahren eine tiefe Verbindung, rettet beim Schlichten des benötigten Brennholzes besonders schöne Stücke vor dem „Feuertod“. Sie erkennt Ähnlichkeiten zwischen sich und den Bäumen, spürt eine ebenso starke „­Verwurzelung“.

Ich bin ja auch so etwas wie ein Baum, nicht so ein starker wie mein Freund, aber ich bin hier so derart verwurzelt, fühle mich hier so wohl, ich muss nicht groß woanders hin.

Die vierjährige Ausbildung in der Schnitzschule Elbigenalp im Lechtal folgt dem Pflichtschulbesuch, der Schritt zur freischaffenden Holzbildhauerin ist die fast logische Konsequenz. Später zieht sie nach Telfs, wo sie die nächsten 12 Jahre verbringt, um schliesslich an ihrem derzeitigen Wohnort Thaur den Platz zu finden, an dem ihre Kunst spriessen und gedeihen kann. Ein Nebenberuf in der Bronzegiesserei der Familie Krismer in Telfs ist ebenfalls eine starke kreative Herausforderung. Von 2000-2006 folgt sie konsequent ihren Begabungen durch die Arbeit in der Steinerestaurierung Studio Felix Mackowitz in Innsbruck. Den Beginn eines kreativen Prozesses beschreibt die Künstlerin als „Irgendetwas“, das in ihr hochkommt, meist als ein Bild vor den Augen, das sich aufdrängt und so eine hohe Ladung für sie hat. Dadurch wird die Umsetzung zu einem Muss. Das künstlerische Arbeiten versetzt sie in eine Art Rausch oder Sucht. Es führt sie in eine „ande-

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Helga Simmerle

re Welt“, in der sie sich sicher und glücklich fühlt - ähnlich dem Gefühl, zu schlafen. Sie empfindet sich als zwischen zwei Welten lebend, ist eine Wanderin zwischen diesen beiden Universen. Das eine ist die Realität, in denen die Dinge ein Fakt sind: Ein Stuhl oder ein Tisch, die einfach da sind. Sie beschreibt dies als „das Griffige“.

Und dann gibt es eben noch die andere Welt, die vollkommen weg ist, ganz ohne ein Bild, nur noch ein Fühlen oder eine Wahrnehmung ist. Vollkommen körperlos. Das haben wir wahrscheinlich alle und vielleicht ist das die Riesensehnsucht von allen Menschen, in diesem anderen Zustand, in dieser anderen Welt zu sein. So friedlich und still. Sie ist aufgelöst. Ich habe eigentlich immer ganz fest das Gefühl, da bin ich daheim. Ganz in der Realität zu leben ist für sie anstrengend, macht keinen Spass. Durch ihren Lebensgefährten findet sie den Sinn jedoch auch im alltäglichen Hier. Ausschliesslich in der „anderen Welt“ - der Schöpferischen - einzutauchen, funktioniert nicht und wird zum Problem. Am wohlsten fühlt sie sich an der Schnittstelle zwischen diesen beiden Welten. Gerade mit ihrem künstlerischen Talent schafft es Helga Simmerle, zumindest einen Teil des Gedanklichen in die Realität zu transferieren. Einzig die Kunst schafft es, beide Universen zu verbinden. Ihr gelingt dies nicht nur durch die Bildhauerei, sie zeigt ihre Begabung auch im Malen und Schreiben kraftvoller Poesie.

Es beflügelt mich, es passiert etwas, dass sonst nicht funktionieren würde. Kurzzeitig weg sein zu können, von dem Schweren, dem Strengen, von den Verpflichtungen, dafür ist die Kreativität und Kunst da. Ich kann nur etwas machen wenn ich es fühle. Es schreibt sich selber, malt sich und schnitzt sich von selbst. Ich brauche das - bis heute. Wer weiss was kommt. Im Ganzen sei es ein irrsinnig starker Urtrieb des Menschen, Mängel loszu-

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Helga Simmerle

werden - oder sich zumindest selbst auszugleichen. Die ganze Zeit denkt der Mensch darüber nach, wie er irgendeinen Mangel los wird, strebt danach, dass es ihm gut geht und er sich wohlfühlt. Die höchste Kreativität, die ein Mensch entfalten kann, meint Simmerle, entwickelt er durch Mangel.

Der Mensch weist eine Vielzahl von Mängeln auf. Mängel wie ein zu Wenig an Harmonie, Ausgeglichenheit, oder weil man eben etwas vermisst.

Ein Künstler geht vielleicht auf eine sehr direkte Weise mit einem Mangel um, wenn er sehr ehrlich ist. Sucht er den geraden Weg zum Mangel, wird er damit seine Kreativität umsetzen. Helga Simmerles Werke entstehen aus einem unerschöpflichen Gral der Kreativität. Sie geschehen nicht aus einem bewussten Tun, sondern haben ihren Ursprung im Wandeln zwischen den Welten, getragen durch eine ständige Selbstreflexion. Es laufen die schlöpferischen Prozesse durch sie hindurch und werden durch

ihre feine Stofflichkeit in unglaublicher Stärke in ihren Skulpturen zusammengeführt. Die vermeintliche Zerbrechlichkeit ihres Seins verwandelt die kreative Bildhauerin, Schreiberin und Malerin in wunderschöne Werke. Damit beweist sie eine Kraft, die uns hoffentlich noch viel durch sie Erschaffenes beschert. Möge sie uns noch viele Blicke in die „andere Welt“ gewähren. (jm)

Helga Simmerle Skultpuren - Bilder - Texte Ausstellung im Väterzentrum Grabenweg 69, 6020 Innsbruck SA 22. Oktober, 19:00 Uhr bis SO 30. Oktober, 15:00 Uhr Besichtigung mit der Künstlerin nach telefonischer Vereinbarung unter 0660 6853866

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Premierentage 2011

Wege zur Kunst Premierentage 2011

4. & 5. November 2011 | Innsbruck

Peter Kogler

in der

Galerie Widauer

Simulation für die Rauminstallation von Peter Kogler in der Galerie Widauer © Peter Kogler / Galerie Widauer

D

ie Premierentage sind mittlerweile ein bekanntes Format und verstehen sich als Vermittlungsprojekt im Bereich zeitgenössischer Kunst. Die eigens von den teilnehmenden Institutionen konzipierten Programmpunkte sollen zum Kennenlernen der zeitgenössischen Innsbrucker Kunstszene anregen und Lust auf Kunst machen.

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Eröffnung

Die Eröffnung der Premierentage erfolgt dieses Jahr an einem außergewöhnlichen Ort – bei columbosnext im Stellwerk 2 nahe des Bahnhofes in der Südbahnstraße 1b. Neben der dort gezeigten Ausstellung „EXTENSION EXPRESS – UTOPIC CLASS“, wird der Künstler Albert Mayr als jonnyhawaii auftreten und eine Performance zwischen Rauminstallation und Sound zum Besten geben. Anschließend wird das Publikum


Premierentage 2011

die geprägt sind von seiner Kindheit auf dem Land. Die Neue Galerie in der Hofburg bietet um 15 Uhr ein Gespräch mit dem Londoner Künstler Alcuin Stevenson, der in den letzten Jahren als Videofilmer und Musiker in Japan tätig war. Weitere Künstlergespräche finden um 17 Uhr in der Taxisgalerie (Ulla von Brandenburg) und um 18 Uhr im Artdepot (Claus Vittur und Barbara Tavella) statt. Die KUNSCHTschule in der Mentlgasse lädt am Nachmittag von 14-17 Uhr Kinder und Jugendliche zum kreativen Werken ein. Weitere Führungen und Premieren an diesem Tag in der Stadtgalerie Schwaz (Michael Hakimi), Galerie 22A (Birgit Sauer), Galerie Thoman (Erwin Wurm), Fotoforum West (Reinhart Mlineritsch), FO.KU.S („Flowers“), Kooio (Mario Grubisic) und Künstlerhaus Büchsenhausen (internat. KünstlerInnen) runden das reichhaltige Programm der Premierentage 2011 ab.

Mario Grubisic

im

Kooio

Am Samstag, um 19 Uhr, findet im KOOIO eine Führung durch die Ausstellung ‚Stadt_Video_ Flora_Fauna‘ des Künstlers Mario Grubisic statt.

in den Freitagabend entlassen, der konzentriert mehrere Ausstellungseröffnungen bietet.

Freitag, 4. November

Neben den 9 Vernissagen an diesem Abend gibt es auch ein vielseitiges Rahmenprogramm: Im AUT/Adambräu findet um 19 Uhr eine Modeschau der Weiberwirtschaft statt. In der Galerie Kugler performt die Künstlerin Patrycja German mit einem Kleid, das mit „besonderen“ Duftstoffen besprüht ist. Die Galerie im Andechshof wird um 20 Uhr zur Bühne: In einer Art „Speakers Corner“ unterhält sich dort die Künstlerin Katharina Cibulka mit vier Frauen aus unterschiedlichen Bereichen zu Themen des Alltags – teils berührend, teils skurril. Ein weiteres Programm-Highlight ist um 21 Uhr eine Lesung von Reiner Schiestl in der Galerie Nothburga. Auch die Eröffnungen der Ausstellungen in der Garage Span (Fatima Bornemissza), The Soap Room (Margherita Spiluttini), Galerie Widauer (Peter

Kogler), Galerie Rhomberg (Greg Bogin), im Kunstpavillon (Christian Egger) und in der Theologischen Fakultät (Ian Sand) versprechen Kunstgenuss vom Feinsten und können von 19-22 Uhr besucht werden. Ab 22 Uhr öffnet schließlich das p.m.k. seine Pforten und lässt mit dem Projekt „Zeitgenössischer Zukunftsverzicht“ aufhorchen. Eine Gruppe von KünstlerInnen wird ohne Verwendung von Strom musizieren (max. 9 Volt pro Instrument sind erlaubt!).

Samstag, 5. November

Am Samstag wird der Akzent auf diskursive Vermittlungsangebote, Gespräche mit Künstlern, Führungen und Vorträge gelegt. Die Bäckerei startet um 10 Uhr mit einem Frühstück und Vortrag zur Ausstellung „Stadträume“, die Werke aus den Workshops mit Harmen de Hoop & Peanutz Architekten zeigt. Im Kunstraum erfährt man um 13 Uhr interessante Details zu den Rauminstallationen von Petrit Halilaj,

auch gefeiert Wird!

Das PREMIERENTAGEABSCHLUSSFEST mit Kürbis, Pasta & Co findet als allerletzter Programmpunkt der Premierentage 2011 am Samstag, ab 21 Uhr in der Bäckerei mit einem Liveact von DIGITAL USE MEETS UNFUGVISION statt. Zu den Premierentagen 2011 erscheint wieder ein detaillierter Programmfolder mit Stadtplan und Gratis-IVB-Ticket. Ausstellungen und Veranstaltungen können während der Premierentage kostenlos besucht werden.

Die genauen Programmdetails erfahren Sie im Internet unter http://www.premierentage.at

Das Sujet von Folder und Plakat hat der Schwazer Künstler und Landespreisträger für zeitgenössische Kunst 2011 Rens Veltman gestaltet.

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Rubrik

Art for Dummies Richtig

verhalten auf

Vernissagen

Diese kurze Einführung vermittelt Ihnen das notwendige Grundwissen, um Vernissagen-Besuche fachgerecht zu absolvieren und sich als Kenner der Kunstszene erfolgreich zu etablieren. Sofern Sie sich trauen, sie Ernst zu nehmen...

D

as Wort „Vernissage“ leitet sich ab vom französischen „vernis“ für Firnis, eine Art Schutzlack für Ölbilder. Auf Vernissagen gibt es also vor kurzem fertig gestellte Gemälde zu sehen. Das bedeutet, dass der Künstler auf die letzte Sekunde fertig geworden ist, woraus sich schließen lässt, dass er noch am Leben ist. Dies wiederum ist der Grund, warum Vernissagen nicht in Museen stattfinden, sondern in Galerien. Wie der Name vermuten lässt, haben Galerien viel mit Galeeren gemeinsam: viele rudern, einer trommelt. Die Künstler machen die Arbeit, der Galerist die Kohle. „Ich schau nur!“ Womit Sie im Kaufhaus schon keine Freunde gewinnen, machen Sie sich in Galerien Feinde. Den ganzen Rummel veranstalten Galeristen schließlich einzig zu dem Zweck, die frische Kunstware gewinnbringend an betuchte Sammler zu veräußern. Zählen Sie zu dieser Personengruppe, können Sie auf persönliche Betreuung zählen und individuelle Einblicke in die Kunst gewinnen. Andernfalls werden Sie als

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potentieller Buffet-Tourist strengstens im Auge behalten. Sie merken schon: Vernissagen beschäftigen das Auge, es geht um das Sehen. Oder besser, das Gesehen werden. Darum ist es wichtig, wie Sie auftreten. Tarnen und täuschen sichert auch in der Kunstwelt das Überleben. Widmen wir uns nun der passenden Bekleidung. Es gibt nur zwei Farben: schwarz und bunt. Bunt sind die ausgestellten Bilder, also bleibt für Ihre Kleidung nur schwarz. Männer tragen Rollkragenpullover und Jeans, passend zum Sakko aus der Altkleidersammlung. Frauen tragen das Gleiche, wenn sie sich emanzipiert und genderbewußt geben wollen. Vergessen Sie nicht darauf, ein Päckchen Gauloises oder Gitanes einzustecken, möglichst ohne Filter. Je stärker der Tobak, desto eher der Tod. Ein frühes Ableben steigert den Wert des Künstlers. Daher ist Rauchen in Kunstkreisen ein populäres Laster, seit Absinth aus der Mode gekommen ist. Ausstellungseröffnungen beginnen mit Ansprachen.

Darin wird der Künstler meist über den Klee gelobt. Wird er als bedeutende Position der Kunstszene vorgestellt, steht er für den Rest des Abends vereinsamt in der Ecke. Bleiben Sie ihm fern und lassen Sie sich von seinem Aussehen nicht dazu hinreißen, ihm Kleingeld vor die Füße zu werfen. Er trägt standesgemäße Zunftuniform! Ihren Auftritt sollten Sie mit einer Viertelstunde Verspätung einplanen. Kommen Sie zu früh, stehen Sie ganz vorne und Ihr Gähnen während der langatmigen Eröffnungsreden fällt auf. Kommen Sie zu spät, ist das Buffet meistens schon geplündert, bevor Sie sich Magen und Taschen füllen konnten. Das Buffet kann generell als Ground Zero betrachtet werden. Greifen Sie zu! Überlassen Sie alkoholfreie Getränke und Autoschlüssel weiblichen Gästen und schenken Sie sich selbst reichlich Wein ein. Bei Ausstellungseröffnungen gelten Sie niemals als betrunken, höchstens von visuellen Eindrücken berauscht. Eine gelockerte Zunge erleichtert auch das Teilhaben an Gesprächen, die einen


Der Bunte Hund

dauerhaften Aufenthalt am Buffet berechtigen und sich hauptsächlich um das Thema Kunst drehen. Geben Sie sich cool. Sie haben alles schon gesehen und sind dementsprechend gelangweilt. Das gilt auch, wenn eimerweise Schweineblut verschüttet oder Fäkalkunst produziert wird. Etwas über Kunst wissen nur Kunstgeschichtler. Kunst verstehen können nur Künstler, die aber nie Kunstgeschichte studieren. Alles klar? Flechten Sie möglichst viele Fremdwörter ein, wenn Sie die ausgestellten Werke besprechen. Dazu können Sie Vorbereitungen treffen, indem Sie ein Fremdwörterbuch an beliebigen Stellen aufschlagen, mit dem Finger in eine beliebige Zeile tippen und die so ausgewählten Wörter auswendig lernen. Nebenbei bemerkt,

können Sie den so angeeigneten Wortschatz jederzeit auch in Stammtisch-Diskussionen einfließen lassen, um sich mit einem Hauch von Intellekt und Bildung selbst zu schmeicheln. Verwenden Sie diese Fremdworte möglichst sinnfrei. Als besonders beeindruckend erwiesen hat sich die Verwendung möglichst widersprüchlicher, durch einen Bindestrich zusammengesetzter Wörter. Beschreiben Sie die Farbgebung als morbid-polychrom, die Pinselführung als impulsiv-akzentuiert. Das Motiv, also die auf rund sechs Quadratmeter Leinwand großzügig verschmierten Farb- und Speisereste, beschreiben Sie als Reduktion einer zum Geschehen temporärasynchronen Bestandsaufnahme des künstlerischen Seelenlebens. Sie werden allgemeines Kopfnicken und

Zustimmung ernten. Befolgen Sie diese Grundregeln, steht Ihrer Karriere als Kunstfreund nichts mehr im Wege. Trainieren Sie, denn Übung macht den Meister. Besuchen Sie mindestens 3x wöchentlich Vernissagen, solange dies Ihre Leber mitmacht. Beginnt diese zu streiken, besorgen Sie sich Pinsel, Farbe und Leinwand. Kurze Schaffensperiode, frühes Ableben - Sie erinnern sich? PS: Manchem Gelerist und Künstler habe ich mit diesem Text vielleicht ans Bein gepinkelt. Soll vorkommen, in einem Hundeleben. Verzeiht mir, oder straft mich mit Trockenfutter und Liebesentzug: Contemporary Art Installationen und der nasalen Verachtung elitärer Kunstkenner, die einen Punkt zum Strich erläutern.

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Freiraum

Tag und Nachtgleiche Andreas Zeiss

im

Freiraum

Daten: Andreas Zeiß, geb. 12.01.1978 in Aschaffenburg, Studium der ­ hilosophie in Innsbruck P Stellung zu meiner Kunst: Der Künstler, sollte hinter seiner Kunst ­verschwinden dürfen...

Tag und Nachtgleiche Und ich sage dir: Auch du wirst erwachen vollgespien auf dem Clo du wirst erwachen, faulend, die Ahnungen deiner Schandtaten noch immer im Maul So irrst du fortan umher, vollgesogen in Nacht irrst durch das zersplitterte Antlitz des Tages im bleichem Morgengrauen suchst du vergeblich deinen sanftmütigen Liebhaber So also, wie in Ketten gelegt harrst du deiner Geliebten du erliegst ihren Stößen und aufpeitschenden Hieben ausblutend im erregenden Fleisch ihrer schwindelnden Schöße und Flanken Dort gibt es nur schritte auf tauben Gestein sie verhallen tonlos… Da, plötzlich die Nacht schreckt auf, erwacht neuerlich Hält die Beine gespreizt Jetzt ist jede Gasse Einbahnstraße und führt nur noch tiefer in die Schatten, steinern und schweigsam du folgst dem zerscherbten Licht der Schaufenster, Laternen und Lampen dort sie, form Spiegel – dem blassem malt Dir ein Gesicht von Listen, Geschichten, Liedern und Namen…

Wie gekonnt sie Dir das Make-Up aufträgt bestaubt mit sternweißem Puder dir Haar und Haupt Zieht Deine Lider mit schwarzen Legenden und taucht Deine Lippen in sterbendes Rot… so puppenhaft, so berauscht staffiert sie Dich aus zieht dir die Haut vom Plastik umglänzt von sinnlichem Taumel so räkelnd und breitend dich über dich aus ertrinkst du, selbstverliebt in ihren gleich deinen eigenen Armen und saugt, nun selbst geöffnet an ihren sich öffnenden Türen und Spalten Schlürfend am schäumenden Traum, der herausquillt dem Torkeln, dem Getöse ruchlos und schön im Durcheinander, dem Stöhnen von Musik und Gebärde, der flüssigen Empfängnis wie feucht und warm sich ihr Leib über dich hinschlingt: hörst Du das Gläserklirren am Horizont der Angst, das Zersplittern des Alltags im Würgegriff all dieser einig werdenden, lüsternen ­Dinge? siehe: wie sie wirbeln und stehen! und du mit ihnen?! – gottlos, gottgleich aus dem Nichts auferstanden dem Exzess, der darin haust sich einquartiert hält an den Wochenenden im Bannfeld der Geisterstunde gibt es keine Grenzen

Freiraum für Dein Statement! Das verbale magazin ­bietet Platz zur Publikation - egal, ob ­Lyrik, Prosa oder freie Meinungsäußerung. ­Jeder ist ­eingeladen, seinen ­Beitrag einzureichen! Die Veröffentlichung erfolgt garantiert unzensiert nach dem Zufallsprinzip. Zusendungen mit Foto und kurzem Lebenslauf bitte per Email an freiraum@verbale.org. Einsendungen mit rassistischen, verhetzenden oder anderen gegen geltendes Recht und gute Sitten verstoßenden Inhalten sind von der Teilnahme ausgenommen. Die Zustimmung zum Abdruck auf eigene Verantwortung und die Übertragung aller Vewertungsrechte gilt mit der Zusendung erteilt. Eine Abgeltung und Retournierung eingesandter oder veröffentlichter Zusendungen ist nicht möglich.

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Freiraum

keine Identitäten; keine Geschlechter… in den einen Raum getreten, bist Du schon im Nächsten – doch nur als Gelächter bist doch immer schon im Schlafzimmer, dich zu räkeln in den Laken des Todes dort zellebrierst du den Schmutz inhalierst die Substanzen als Staub und Verwesung im nackten Akt – der Verwirrung bist Du Schweiß und Fäulnis Blume und Tau umrandet von den Katastrophen der Lust denn wir Erwachten sind von tausend Toden gesalbt uns dunkel geworden, wie Ahnungen

schleppen uns von Ritus zu Ritus durch einen dahinsiechenden Tag von Akt zu Akt von Geheimnis zu Geheimnis wir sind nur Schritte Auf tauben Gestein – tonlos Gewordene Bitte Nach unheilvoller ERLÖSUNG

Andreas Zeiss

wir Erwachten: zerbrochene Kreide ins eigene Tafelgrün gefallen

Szene

bluemling live! Alter Nativer Punk-Rock

Treibendes Schlagzeug traf verzerrten Bass. Andreas Lettner (Schlagwerk) und Michael Cabas (Bass und Gesang) zauberten mit Minimalismus und Einfachheit knallharten Subrock auf die Bühne. Ihre Songs, inspiriert von Punk, Grunge und Garage, ließen musikalisch Erinnerungen an die frühen 1980er aufkommen - als Punk noch so jung und frisch wie wir war!


Südtirol

Kunst

und

Kultur

Meran

soweit das

Auge

reich

Südtirol Special verbale meets vissidarte

S

elten genug, dass eine Tiroler Kulturzeitschrift ohne jede Subvention ein Jahr lang bestehen kann. Seltener noch, dass es einer solchen Kulturzeitschrift gelingt, ihren Wirkungskreis über die Landesgrenzen hinaus ausdehnen zu können. Es ist uns eine große Freude, in den Machern der ­vissidarte und der umtriebigen „Kultur-Wühlmaus“ Harry Reich (wie Reinhard Auer ihn so treffend bezeichnet) Freunde gefunden zu haben, die unsere Visionen teilen und uns ab sofort tatkräftig dabei unterstützen, auch jenseits des Brenner präsent zu sein. Wir revanchieren und natürlich mit einem Austausch, vertreiben ab der kommenden Ausgabe die „­vissidarte - Kunst und Leben an der Passer“ und räumen Südtiroler Kunst und Kultur medialen Platz im verbale magazin ein. Wo Bumser und Schützen an Staatseitelkeiten scheiterten, mag es der Kunst als Gelenk der grenzüberschreitenden Verständigung und ideellen Vereinigung gelingen: „Tirol isch lei oans!“ Herzlichst,

Florian Tschörner Gründungsherausgeber

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S

eit Mitte der 90er Jahre wurde der nette Ex-k.u.k. Kurort Meran förmlich „wachgeküsst“ und hat seinen Ruf als größtest „Sanatorium“ südlich der Alpen verloren. In der Bildenden Kunst war mit Peter Fellin, Franz Pichler, Jakob De Chirico und Matthias Schönweger (um nur einige zu nennen) für eine neue Art, sich mit der Wirklichkeit auseinanderzusetzen, in der Musik bildeten die „Meraner Musikwochen“ einen kräftigen Gegenpol gegen Bozner Konservatoriums-Clique, im Theaterbereich etablierte Rudi Ladurner sein „Theater in der Altstadt“ und zog das „Theater in der Klemme“ der Brüder Marini mit. Und darunter und dane-

ben rührte und mischte Harry Reich als „Kulur-Wühlmaus“ kräftig um und auf. In den folgenden 10 Jahren entstanden das Kunsthaus (die AusstellungsAlternative zu Bozens Museion) und neue Galerien (wie etwa Erwin Seppis ES), im Sommer gab es in Schloß Kallmünz ein Opern-, später ein Kleinkunst-Festival, die Musik-Szene rockte, italienischerseits wurde ein neues Kulturzentrum errichtet, große und kleine Filme wurden gedreht und Meran als location „entdeckt“. Und die Stadtväter und Tourismusmanager rieben sich die Hände...


Südtirol

vissidarte Kunst

M

und

Leben

an der

Passer

itten im kulturellen Boom in und um Meran entstand 2005 die Idee zu „vissidarte“. Die verdienstvolle „MeBo“, eine Art Veranstaltungsanzeiger in Sachen Kultur, wurde mangels Förderung eingestellt, etwas anderes musste her. Angeregt durch Harry Reich und Toni Colleselle wagten die beiden Kulturjournalistinnen Katherina Hohenstein und Sonja Steger den Sprung ins Ungewisse – und man gründete eine Kulturzeitschrift (mangels Masse erscheint sie nur 1x im Jahr) für „Meran und drumherum“. Personen und Stoff (und auch Themen) gabs ja genug. „Vissidarte“ verdankt sich ja der Arie der Tosca aus Puccinis gleichnamiger Oper („Nur der Schönheit weiht´ ich

mein Leben“ singt sie im dümmlichen deutschen Text!) - also ist die Zeitschrift „der Kunst geweiht“? 2010 war die Nummer 6 bereits 84 Seiten dick und umfaßte 40 Beiträge von 38 Autoren. „Kunst und Leben an der Passer (dem Fluß durch Meran)“ lautet der Untertitel – und ein Leitmotiv war „fremdes Meran“. „Nur im Traum bin ich so unheimlich“ schrieb Franz Kafka an Milena in einem seiner berühmten Briefe – aus einem Meraner Sanatorium (wie Christine Kofler beschreibt). Enzo de Falco interviewt die russische Communità „Borodina“, die in Meran tätig ist. Laura Zindaco und Damian L.Pertoll fotografieren „Impressionen“, in denen sonst Unbeachtetes in Meran gezeigt wird.

Und in „Auf ganzer Höhe“ wird der Film von Debora Scaperotta vorgestellt, der auf berührende Weise vom Schicksal des jungen Marrokkaners Mohammed Al Masmoudi in Südtirol handelt. Dies um nur einige aus der Fülle der Beiträge zu nennen. Längst ist „Vissidarte“ aus dem Meraner Leben nicht mehr wegzudenken. Und trotz der bescheidenen Geldzuschüsse arbeiten Katherina und Sonja zusammen mit ihren vielen freiwilligen Helfern an einer ständigen Verbesserung und Erweiterung der Zeitschrift. Gespannt warten wir alle auf den Dezember, wenn „Vissidarte“ die 7te erscheinen wird.

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Südtirol

Who the hell is Harry? Harrybert Nikolaus Reich

Eine Liebeserklärung an Merans Kultur-Kommunikations-Motor von Reinhard Auer, Regisseur am Freien Theater Bozen

W

er in Südtirol kennt nicht Harry Reich? Ich glaube beinah, jedes Kind! Er ist sowas wie Merans „­bunter Hund“, ein kreativer „Spinner“, war ein Netzwerker, noch ehe dieses Wort „erfunden“ war! Daneben und überhaupt malt er selbst auch und fotografiert gern. Seit der Erfindung des Handy noch mehr. Und seit Facebook stellt er die Pics ins Net – unter so ­schönen und poetischen Titeln wie „im einsamen ist die ganze welt eine wüste“ oder „alltägliches in poesie verwandeln“ oder „welt frei zur deutung“, Er ist eben auch ein Philosoph, der Harry! Ich kenne den Harry jetzt schon fast 17 Jahre, seit er 1994 „La Notte“ inaugurierte, ein für damals in Meran unerhörtes Ereignis. Mit Riesenskulpturen auf der Edelmeile Passerpromenade! Ende eines Dornröschenschlafs! Das schönste „cross-over“-event - auch ehe dieses Wort „erfunden“ worden war. Später hat er uns dann 3 Mal auf unseren, den „Freies Theater Bozen“-Tourneen durchs ganze Land begleitet, als Licht- und Ton-Mann und als lebende „PR-Maschine“. So ist er eben, ein Trommler, aber ein „leiser“. Wir haben dann bei der „La Notte 2“ mitgemacht, mit einem Puppenmann über dem Fluß, der dann in einer Kunst-Aktion gerettet wurde – danach hingen nur noch deren 2 Hände am Drahtseil, und Meran hatte wieder was zu reden. In den Folgejahren habe ich ihn ein bissel aus den Augen verloren, kein Wunder, war doch unser „Harry-Dampf-inallen-Gassen“ überall und woanders zu Gange. Seine „Kinder“ sind ja zahlreich wie die Taten eines Proteus. Gefördert von der damaligen Bürgermeisterin Claudia Chisté, einer sensationell kulturaufgeschlossenen Dame, gab er seinem geliebten Steinach-Viertel bei der Nikolaus-Kirche einen kräftigen Überlebensschub. Als „KulturArbeiter“, geprägt von seinen Künstler-Vorbildern Peter Fellin, Franz Pichler und Jakob de Chirico, hauchte er den vom Verfall bedrohten Gassen und Häusern Leben ein. Das Ganze gipfelt 1995 in der Gründung des Ost-WestClubs, dem Alternativ-Szene-Ort Merans schlechthin, einem sagenhaften Stadtviertel-Fest und der Ins-LebenRufung des 1.Meraner Flohmarkts.

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Südtirol

Meran ist seitdem eine andere Stadt – und der Harry seitdem everybodys darling. Und auch die Politiker und Tourismusknaben nehmen ihn seither ernst! Seitdem ist er bei nahezu allen Meraner „Kulur-Großereignissen“ dabei: bei der Gründung der Kultur-Zeitschrift „Vissidarte“ 2005, beim Film über die Kunst in der Passerstadt 2007, bei dem Fotowettbewerb „Photonights“ 2008, beim Kunst-Event-Festival „[un]defined“ 2009. 2008 bekam er endlich die wohlverdiente Ehrung für 25 Jahre Kultur-Arbeit in Meran, und alle machten ihr Honneurs! Hoch Harry! Heute ist der Harry den ganzen Tag auf Trab. Wenn Du ihn suchst: Am ehesten triffst Du ihn von 11-13 Uhr im Café Kunsthaus. Aber auch seine alten „Standorte“ wie das Café Darling oder die Milch-Bar an der Passer verschmäht er nicht, manchmal sitzt er auch im „Rossini“ in der Freiheitsstraße. Kommt darauf an, wo eine schöne Frau zu finden ist. Der Harry liebt ja überhaupt alles Schöne. Und kräftige Farben, als Maler, der er seit etwa 10 Jahren ist. Und Gesichter, als Fotograf, der ununterbrochen sein handy zückt. Er hat ja jetzt schon Tausende geknipst, wie ein „Stadt-Reporter“, seit nunmehr circa 3 Jahren. Es ist eine Art „Stadt-Geschichtsschreibung“, die er da betreibt, eine Bestandsaufnahme Merans um 2010. Was steht an, Harry? Nun, als nächstes kommt ein TVPorträt über ihn heraus. Der Sender Bozen hat seinen Star-Regisseur Karl Prossliner beauftragt, ein Porträt über ihn zu machen, im September soll es ausgestrahlt werden. Und dann ist er wieder bei „Photonights“ dabei im November und im Dezember hat er eine AusstellungsPersonale im Kulturzentrum. Am Treffendsten hat wohl die Journalistin Viola Eigenbrodt die Lebenskunst des unsteten Geists zusammengefasst: der Harry bringt einfach „die unmöglichsten Leute zusammen“. Und kaum sind die zusammen, ist der Harry schon anderswo, irgendwo in Meran oder in Utopia! Harry Reich

als

Maler

neben Fotografie und Kulturarbeit eine weitere Leidenschaft >>

Harry Reich -

multi-kulturell

<< ein vielseitiges Talent mit großem Wirkungsradius

Harry Reich´s Schnappschüsse

verbale meets vissidarte in meran

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Programm Oktober - Dezember 2011

DI 04.10.2011, 20:00 Uhr RMX - Ein Roman Lesung mit dem deutschen Autor Jürgen Schneider in Kooperation mit sprach.salz MI 05.10.2011, 20:00 Uhr Gedruckt + Gebunden Finissage der Ausstellung ­Barbara Fuchs FR 07.10.2011, 20:00 Uhr Zerbrechlich Vernissage der Ausstellung ­Helmut Ortner

von

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MI 12.10.2011, 20:00 Uhr Kultur-stammtisch Wir laden alle Kunst-Schaffenden und Kunst-Interessierten zum ­gemütlichen Austausch ein FR 21.10.2011, 20:00 Uhr broken heroINes CD Präsentation der „Monks in Wonderland“ (Free-Jazz-Improvisation) MI 26.10.2011, 20:00 Uhr Künstlergespräch zur Ausstellung mit Helmut Ortner

04.11.2011, 20:00 Uhr Plasmazoid sculptures Vernissage der Ausstellung ­Roderik Pischl 11.11.2011, 20:00 Uhr Drone/Noise Live Akkustik-Performance DJs Stegmair/Nuderscher ­Grenzregionen

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18.11.2011, 20:00 Uhr REISE durch die Epochen Musikalische Reise mit dem deutschen Barock-Gitarrist Boris Faupel 23.11.2011, 20:00 Uhr Künstlergespräch zur Ausstellung mit Roderik Pischl 31.11.2011, 20:00 Uhr Plasmazoid sculptures Finissage der Ausstellung ­Roderik Pischl

02.12.2011, 20:00 Uhr Christian „Yeti“ Beirer Vernissage der Ausstellung eines der farbenfrohsten und humorvoll­ sten Tiroler Künstler 07.12.2011, 20:00 Uhr Für immer tot Bernhard Aichner liest aus seinem zweiten Max Broll-Krimi 14.12.2011, 20:00 Uhr Diva & angelo Lesung mit TV- und Bühnen-Star Brigitte Jaufenthaler 21.12.2011, 20:00 Uhr verbale wird 1 Unser 1. Geburtstag ist Grund genug, ausgiebig im Beisein vieler unserer Künstler zu feiern! 30.12.2011, 20:00 Uhr Christian „Yeti“ Beirer Finissage der Ausstellung eines der farbenfrohsten und humorvoll­sten Tiroler Künstler

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verbale #06